BERLIN Montag, 18. Juni 1928 d191) 9010 Pf. Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis jeide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Nr. 284 B140a 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Spätausgabe des„ Vorwärts 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Eine Frau über dem Atlantik! Die„ Bremen" Flieger in Bremerhaven eingetroffen. Wieder ein Ozeanflug. Miß Earhart und zwei Mann in Neufundland gestartet. Die Ozeanfliegerei seht wieder von frischem ein. Ganz anvorhergesehen ist das amerikanische Flugzeug Freundichaft" am Sonntag, furz nach 12 Uhr europäischer Zeit, von Neufundland aus mit dem Piloten Stultz und der Fliegerin Earhart an Bord zu einem Transozeanflug gestartet. Das Ziel des Fluges foll Valentia in Südirland sein. Ungeblich hofft die Besatzung, den Flug in 19 Stunden zu oollenden, so daß die Landung heute im Laufe der ersten Morgenstunden bereits hätte vor sich gehen müssen. Eine Nachricht darüber liegt bisher jedoch noch nicht vor. An Bord der Freundschaft" befinden sich Miß Earhart, der Flieger Stultz und der Navigator Ellsworth, der seinerzeit Amundsen auf dem Flug über den Nordpol begleitete. Der Start des Flugzeugs gelang erst nach fünf vergeblichen Ber juchen. Die Witterungsverhältnisse sind günstig. Das Flugzeug ift mit einem Radiosender ausgerüstet. Vor dem Aufstieg erklärten die Flieger, fie seien ihres Erfolges gewiß, doch weigerten sie sich den genauen Bestimmungsort ihres Fluges anzugeben. New York, 18. Juni. Der Dampfer Rermore" wurde 600 Meilen von Neufundland entfernt von dem Ozeanflugzeug Freundschaft" angerufen. Die Peilung ergab um 9,45 Uhr mitteleuropäischer Zeit, 39 Grad 20 Minuten westlicher Länge und 49 Grad 38 Minuten nördlicher Breite. Das Flugzeug wurde nicht gesichtet, sondern an feinen Signalen festgestellt. New York, 18. Juni. Die frühmorgens hier eingehenden Nachrichten über den Flug der von Trepaffey gestern gestarteten Friendship" weisen, auf einen bis jetzt erfolgreichen Fortgang des Fluges hin. Es merden durchschnittlich 110 Meilen in der Stunde zurückgelegt. Das Wetterbureau nimmt aber an, daß im mittleren Teil des Atlantischen Ozeans fich starte Gegenwinde geltend machen. Eintreffen der Bremen": Flieger. Empfang in Bremerhaven. In den Unterweserstädten Bremerhaven- Wesermünde werden die letzten Borbereitungen zum Empfang der„ Bremen"-Flieger getroffen. Die Straßen und Häuser weisen reichen Flaggenschmud auf und unaufhörlich pilgert schon feit den frühen Morgenstunden die Menschenmenge zum Hafen, wo gegen 11 Uhr der Columbus" mit den„ Bremen"-Fliegern eintrifft. Der Dampfer war entgegen dem ursprünglich festgesetzten Programm bereits um 5 Uhr früh auf der Reede vor Anter gegangen. Bremerhaven, 18. Juni. Da der„, Columbus" bereits am zeitigen Morgen eingetroffen mar, entfielen die aus Bremerhaven zur Einholung des Schiffes nach dem Hoheweg- Leuchtturm geplanten Dampferfahrten, wozu auch aus dem Binnenlande Tausende in Sonderzügen eingetroffen waren. Die geladenen Gäste und Pressevertreter wurden um 9 Uhr von dem Dampfer ,, Roland" direkt auf den Columbus", der wie alle anderen im Hafen liegenden Schiffe über die Toppen geflaggt hat, gebracht. Kurz nach Ankunft auf dem„ Columbus" erschienen die Flieger Köhl, Fizmaurice und v. Hünefeld mit ihren Angehörigen auf der Kommandobrücke, wo sie zunächst in ein Kreuzfeuer der zahlreichen Pressephotographen genommen wurden. Alle drei Flieger trugen das von der amerikanischen Regierung verliehene Fliegerehrenfreuz. Alsbald begannen mit Menschen dicht befette Dampfer den Columbus" zu umkreisen. Flugzeuggeschwader entboten den Heimkehrenden, die durch lebhaftes Tücherschwenken dankten, die ersten Grüße aus der Luft. Hier spielen Arbeiterkinder. Ein Gerümpelplatz im Berliner Norden, wo immer noch Mangel an Spielplätzen für die Kinder der proletarischen Bevölkerung herrscht. Nobile im Eissturm. Seine Lage scheint sich zu verschlimmern. Kopenhagen, 18. Juni. " Aus Nobiles lettem Funtspruch an die Citta di Milano" geht hervor, daß in der Gegend seines Standortes ein außerordentlich heftiger Sturm herrscht. Das Eis um das Lager herum bricht auf, so daß er und seine Begleiter sich in größter Gefahr befinden. Nobile bittet nochmals um Gewehre und Munition, da Eisbären das Lager zu überfallen drohen. Vor seiner Abreise nach Bergen hat Amundsen der Kopenhagener Zeitung Politiken" eine telephonische Unterredung gewährt und sich dahin geäußert, daß das franzöfifche Hilfsflugzeug, das von Frankreich zur Verfügung ge stellt worden sei, etwa 5000 Kilometer ohne Zwischenladung zurüdzulegen in der Lage sei, so daß man auf ein Schiff als Flugbasis verzichten fö me. Die Expedition werde spätestens am Montag früh Bergen verlassen und noch am gleichen Tage Kingsban erreichen. Wenn alles gut gehe, werde man bereits am Dienstag zur eigent= lihen Hilfsexpedition starten. Gestern wurde die auswärtige Presse in Rom in das Marineministerium gebeten, wo den Vertretern der Agenturen und Beitungen Nachrichten über die Nobile- Expedition gegeben wurden. Authentisch seien die Radiomeldungen Nobiles selbst an die„ Citta di Milano", die durch das Marineministerium der Agenzia Stefani zur Verbreitung übergeben würden, und zwar sofort und ungekürzt. Nur eine einzige Ausnahme sei gemacht worden mit der Radiomeldung über die einzelnen Verlegungen, welche Expeditionsmit glieder erlitten hätten, und zwar sei diese Meldung aus Rücksicht auf die Familienangehörigen um, 24 Stunden Glänzender Verlauf des Arbeiter peripatet veröffentlicht worden. Ebenso habe man aus Sängerfestes in Hannover. Rücksicht auf die Angehörigen der Expeditionsmitglieder die Radio meldurig, welche von Eisbären in der Nähe des Lagers berichtete, unterdrückt. Sonst seien aber die Nachrichten sofort und vollständig veröffentlicht worden. Es wurde weiter mitgeteilt, daß von der diesem Datum an gewußt habe, wohin man sich zu wenden habe. Ueber die Gruppe Nobiles wurde mitgeteilt, daß fie Lebensmittel habe, weil in der Gondel für eine Patrouille, die aus der Goridel auf den Nordpol herabsteigen sollte, und zwar für eine Patrouille von drei Mann, Lebenmittel bereitgestellt worden seien. Leider feien abe: teine Waffen in der Gondel gewesen. Ueber die Art, wie das Unglück geschehen sei, sei man noch auf Vermutungen angewiesen. Am wahrscheinli- hsten sei es, daß die Ballonhülle einen Riß bekommen habe. Ziemlich deutlich wurde zu verstehen gegeben, daß man Besorgnisse hege für die andere Gruppe, die mit der Ballonhülle abgetrieben worden ist. Wenn diese Gruppe irgendwie in gutem Zustande hätte landen können, dann sei sie besser daran als die Nobile- Gruppe, insofern, als sie über viele Lebensmittel und Waffen verfüge. Schließlich wurde allen Ländern, die sich am Rettungswerk beteiligten, der Dank der italienischen Regierung ausgesprochen. Rom, 18. Juni. Wie von der„ Citta di Milano" gemeldet wird, sind die Flieger Riiser Larsen und Lügow Holm von ihrem bereits gemeldeten Erkundungsflug zurückgekehrt, ohne Nobile gesichtet zu haben. Dagegen hat Nobile die„ Citta di Milano" funtfelegraphisch angerufen und mitgeteilt, daß er die Flugzeuge gesichtet habe. Er machte dann noch genaue Angaben über seine augenblickliche geographische Position. Der Boxer Dollar Millionär. New York, 18. Junt. Der Schwergewichtsmeister Genee Tunney hat seinem Manager mitgeteilt, daß er sich nach seinem im Juli stattfindenden Match mit Henley zurückziehen werde. Er hat sich während seiner Laufbahn als Boger ein Vermögen von 1½ Millionen Dollar erworben, daß er gelegentlich seines letzten Matches auf Das Ende einer unglücklichen Ehe. Regierung fofort alles geschehen sei, um der Expedition zur Hilfe 2 Millionen zu erhöher hoff Gerüchtweise vertattet, daß Tunten Berichte 2 und 3. Seite. gu tommen. Seit dem 12. Juni hätte man auch alle Bemühungen auf einen bestimmten Buntt fonzentrieren tönnen, meil man von zu heiraten gedenkt, und daß er dem Ring auf Wunsch seiner zufünftigen Gattin entjage, فاحمل Ergebnisse der Elternbeiratswahlen Kast unveränderier Stand, stärkerer Rückgang der Kommunisten. Die Elternbeiratswahlen find bei verhältnismäßig starker Wohlbeteiligung ruhig verlaufen. Di« Wahlbeteili» g u n g hielt sich an den meisten Schulen zwischen 45 und 50 Praz. und ging nur an einigen darüber hinaus. Nach den vorläufigen Meldungen war an den sogenannten „christlichen" Volksschulen das Ergebnis: 1. Liste Schulaufbau 1000 Sitze, 2. Liste Proletarischer Schulkampf 178 Sitze, Z. List«„Christlich-unpolitisch" 1497 Sitz«, 4, Sonstig« Listen 257 Sitze. Das Besitzverhältnis der einzelnen Listen ist also, nach diesen Med düngen zu urteilen, so st unverändert geblieben, nur die Kom- inunisten sind stärker zurückgegangen. Hier und da hatte sich dies mal die dem Deutschen Lehreroerein nahestehende Lehrerschaft um die Aufstellung von„Gemeinschaftslisten" bemüht, die im Gegensatz zu den„Christlich-Unpolitischen" für die von der Kirche unabhängige Schule eintreten und unter verschiedenen Namen warben(Schule und Elternhaus, Einigkeit, Gemeinschoftslifte usw.). Zu berück- sichtigen ist, daß hier 50 weltliche Schulen und 57 katholische Schulen außer Berechnung bleiben. Der vom evangelischen Elternbund inspirierte Hugenberg- „Montag sucht den Anschein eines großen Sieges der„C h r i st- lich-Unpolitischen" zu erwecken und durch Andeutungen über besonders scharfen Kampf und stärkster Wahlbeteiligung diesen Wahlen eine besondere Bedeutung zu verleihen. Davon kann nicht im geringsten die Rede sein. Wie es um diese Meldungen steht, kann man aus den Angaben über Neukölln, Moabit, Pankow(wo völlig unzutreffend von fast 100 Proz. Wahlbeteiligung berichtet wird) erfahren. In Neukölln, dem als dem Wirkungsort des Genossen Dr. Löwenstein die Rechtspress« stets besondere Aufmerk- samkeit widmet, sollen nur 77 Sozialisten gewählt worden sein. In Wirklichkeit sind von den Volksschulen Neuköllns gewählt: Schulaufbau 158, Proletarischer Schulkampf 39, Ehristlich-un- politisch 126, an den höheren Schulen Neuköllns Schulauf- bau 36, Proletarischer Schulkampf 2, Christliche-unpolitisch 74. In Moabit kann die„Stoßkraft" des„Schaulaufbaus" nicht gelitten haben, weil dort leider die Abteilungen zum allergrößten T«ile ihre seit Iahren geübte Abstinenz gegenüber der Beteiligung an Eltern- beiratswahlen noch nicht aufgegeben haben und es so gar nicht zu einem Vorstoß gegen die„Christlich-Unpolitischen" gekommen ist, sie also wieder kampflos ihre Sitz« einnehmen. Di« Freunde de»„Schul- oufbous" in Neukölln und Weißens«« haben wie vor zwei Iahr«n auch diesmal bewiesen, daß dies« auch hier früher infolge Errichtung weltlicher Schulen geübte Abstinenzpolitik unberechtigt ist und sie wieder entscheidenden Einftuß In den„christlichen" Schufen gewannen. Im Bezirk Kreuzb«rg ist die Mandatzah? der List« „Schulaufbau" etwas zurückgegangen. Einige Abteilungen haben überhaupt keine Listen aufgestellt und fallen aus. Weiter Hot hier der von uns aufgedeckt« Wahlschwindel über Vorgänge an der weltlichen Schule im Bezirk Kreuzberg als„Wahlbombe" gewirkt. Die Kommunisten lMen sich in erster Linie auf die weltlichen Schulen(die in obigen Zahlenangaben nicht be- rücksichtigt sind) gestürzt. Die Meldung eines kommunistischen Man- tagsblattes, daß die Kommunisten an den weltlichen Schulen die Mehrheit erobert hätten, trisst nicht zu. Nur an einem Dutzend Schulen von 50 sind die kommunistischen Elfern der Parteiparol« gefolgt, an den übrigen sind Einheitslisten ausgestellt worden. Wie es übrigens mit der„Zellentheorie" der Kommunisten in christlichen Schulen praktisch aussieht, beweist die Tatsache, daß sie an christ- lichen Schulen nur in geringer Zahl Listen auf- gestellt haben. Der Einpeitscher der kommunistischen Eltern- beirät«, der kommunistische Landtagsabgeordnet« und Stadtrat Dr. Ausländer schickt« zwar seiner Theorie entsprechend sein Kind, wie uns berichtet wird, in die christliche Schule. Er hat aber dort nichts für die weiter« Durchführung seiner Theorie getan, denn an dieser Schule war keine Liste„Proletarischer Schulkamps' aufgestellt. Dielfach erklärten Kommunisten an Schulen, an denen die Liste„Proletarischer Schulkampf" fehlte:„Schulaufbau— nee, denn lieber christlich-unpolitisch!" Oder sie kehrten, ohne zu wählen, um, und halfen so den Reaktionären zur Mehrheit. Zur Kennzeichnung des Verhaltens der KPD. dien« noch fol- gende» Vorkommnis: An der 63. Schule, Elisabethkirchstraße, war die Liste des„Proletarischen Schulkampfes" für ungültig erklärt worden, weil sie nicht genügend Kandidaten enthielt. Unser Ob- mann nahm daraufhin vor der Wohl Fühlung wegen Unterstützung der Liste„Schulausbau" und erhielt dies zugesagt. Am Wahltage erschien jedoch ein kommunistischer Plakatträger und oerteilte Stimmzettel. Auf die Frage nach dem Grund« der Verteilung dieser ungültigen Stimmzettel erklärte er, daß seine Zentrale die An- Weisung gegeben habe, die Zettel zu oerteilen, als ob eine neue Liste aufgestellt wäre! Erfolg: 91 Stimmen für die kommunistische Liste, die natürlich für ungültig erklärt werden mußten, und so einem Geschenk von drei Mandaten an die„Christ- lich-Unpolitischen" wurden. So sieht der„Proleta- rische Schulkamps" in der Praxis aus! Elternbeiraiswahlen in Gteglih. O, was für feine Namen sind das, die hier auf der christlich- impolitischen Liste stehen. Herren von und zu. Frühere Generäle. Höher« Beamte. Direktoren. Obersekretäre. Mal ist auch ein Froucnname dazwischen. Das ist dann«ine ältliche Dame mit Dutt und aufgequollener Hüftcnlinie. Es ist den Herren und Damen an- zusehen, daß sie es für ein Unding halten, daß hier in Steglitz auch andere als Leute ihres Kreises in den Elternbeirat einzudringen bs- gehren. Der ist doch ein Reservat für sie. Darinnen reden und handeln doch sie(sofern sie überhaupt in ihm reden und handeln). Schlimm genug, daß schon ihre Kinder, mindestens in den ersten Die Aussprache im Ausschuß. Stresemann besucht seine Fraktion.— Das Landtageszentrum berät morgen. Der interfraktionelle Ausschuß der 22 Abgeordneten unter Vorsitz Hermann Müllers beriet nn Reichstag heut« morgen über Steuer-, sozialpolitische, Wirtschasts- und Wohnungs- ftogsn. Heut« nachmittag finden Frattionssitzungen des Zentrums und der Polkspartei statt: an der der Dolkepartei wird Stresemann teilnehmen, der dann in den Schwarzwald fahren wird. Die preußische Landtagsfraktion de» Zentrums tritt morgen vormittag zusammen; die Reichstagsfraktion der Sozial- demotratie morgen mittag um Z Uhr. vier Jahren, mit Kreti und Pleti zusammen in einer Klasie lernen müssen. Jetzt soll auch noch der Beirat oerproletarisiert werden...? Zwar ist er ein Ergebnis der Revolution, aber eines, über das sich reden läßt, wie sich überhaupt über alles reden läßt, und käme es vom Teufel persönlich her, wenn es sich für sie nur als nützlich erweist. Draußen, auf dem Schulkorridor, steht ein Knebelbart und hat sein Schild auf dem Bauch. Er fühlt sich nicht wohl in seiner Be- tätigung. Er ist ein besserer Herr und er geniert sich ein wenig, sich in der Oesfentlichkeit zu produzieren. Gott sei Dank, daß er eine feine Parole hat, eine glänzende Parole.„Wir sind für die Re- ligion," sagt er, ein wenig betreten, ein wenig zaghast, aber doch mit Ueberzeugungsmut, und seinen gesellschaftsunfähigen Anblick, unter dem er offenbar leidet, damit gleichsam entschuldigend, jedem Elternpaor, dem er seinen Stimmzettel offeriert.„Für die Re- ligion!" Das wirkt. Das zieht. Das ist eine große Sache für den behäbigen Steglitzer Süden, mit der man viel Schäfchen in den christlich-unpolitischcn Stall der strengnationalen Hintermänner lockt. „Welche Schätze hat uns das Märchen von Jesus Christus doch ein- gebracht!", hat ein Papst einmal frohlockt.. Um fünf Uhr öffnet sich die Urne. Der Wahlvorstand verliest: Christlich, christlich, christlich... 2lber immer einmal tröpfelt es dazwischen: Schulaufbau, Schulaufbaul Und dann machen die Ge- räle a. D., Obersekretäre, höheren Beamten und die Damen im Dutt ein saueres Gesicht und denken: Wie ungehörig! Wenn nicht ein- mal in Steglich über so etwas erhaben ist! Nein, nicht einmal Steglitz ist erhaben über so etwas. End- resulat: dreimal mehr Schulaufbau-Stimmen als vor zwei Jahren: 25 Proz. oller abgegebenen Stimmen. Noch lange nicht genug, aber wir befinden uns ja im Steglitz des Paul Krantz und der Hilde Scheller, und jede Bresche, die hier geschlagen wird, ist nicht weniger köstlich als der Triumph im Norden und Osten. H. B. Sie chargieren nicht mehr! Die Korporationen der Berliner Universität haben beschlossen, al« Protest gegen den republi- konischen Unterrichtsmmister bei öffentlichen Ver- anstaltungen nicht mehr zu chargieren. „Mit der Zeit wird die dämliche Plebs schon merken was sie an uns verloren hat!" Schweres Erdbeben in Mexiko Zwei amerikanische Städte vom Tornado zerstört. Die Stadt Mexiko wurde am Sonnabendabend von einem schweren Erdbeben heimgesucht, dos um 9.2Z Uhr begann und etwa sieben Minuten anhielt. Die Stadt war längere Zeit ohne Licht, ver Materialschaden scheint beträchtlich zu sein. Ob Menschen zu Schaden gekommen sind, steht im Augenblick noch nicht fest. Der südliche Teil der Provinz Oklahoma wurde am Sonnabend von einem schweren Tornado heimgesucht. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden die beiden Städte Blair- Mountain-Park und S n y d e r. Die Bewohner von Blair konnten noch vor der später eintretenden Unterbrechung aller Ver- bindungen Hilferufe aussenden. Danach scheint es, daß die Stadt so gut wie ganz zerstört ist und die Verwüstungen ungeheuer sind. 200 freiwillige Helfer sind sofort zur ersten Hilfeleistung entsandt worden. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken. Fest steht einstweilen nur, daß 3 Personen getötet und 15 verletzt wur- den. In Snyder wurden 50 Häuser zerstört. Von dem Tornado wurde ein 6 Meilen breites Gebiet im südwestlichen Oklahoma betroffen. Kansas City. 18. Juni. Im Süden des Staates Kansas und im Südwesten von Okla- homa wurden acht Tote und über hundert verletzte gemeldet. Der Schaden ist groß, insbesondere die Viehbestände sind schwer betroffen. New Aork, 18. Juni. Aus Kcnnett in Missouri wird über eine neue Damm- brochkatastrophe berichtet, und zwar ist in dem Staudamm des Saint Francis river eine fast 100 Meter breit« Lücke ent- standen. Die Weizen- und Maisfelder der Umgebung wurden meilenweit überschwemmt und über 1900 Familien muhten ihre Wohnstätten verlassen._ 50 Opfer einer(Schiffsexplosion. Das columbifche Kanonenboot„Herkules" ist auf dem Magdalenenfluß einer schweren Explosion zum Opfer ge- fallen. E» muß leider angenommen werden, daß fast die gesamte Besahung getötet wurde. Ein weiterer Bericht meldet, dah insgesamt 50 Mann der Besahung vermihl werden. Man befürchtet, dah sie umgekommen sind._ Oer Maiieotii-Vau in Wien. Eine soziale Ehrung. Wien, 17. Juni.' Die Eröffnung einer dem Andenken Giacomo Matteottis gewidmeten neuen städtischen Wohnhausanlag« nahm der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Ellenbogen zum Anlaß einer Rede, in der er im Austrog« des Vorstandes der italienischen sozialistischen Partei den Dank für den Beschluß der Wiener Stadt- Verwaltung aussprach, die Wohnhausanlage nach Matteotti zu benennen und erklärte, die italienischen Sozialisten sähen darin eine Handlung brüderlicher Solidarität und Sympathie und die innige Anteilnahme für die italienischen Arbeiter, aber auch einen Akt der Achtung vor der Opferwilligkeit und der glühenden Bereitschaft aller italienischen Sozialisten, wie Matteotti in den Tod für ihre Ueberzeugung zu gehen. Der Bürgermeister erwiderte, dieser neue Wohnhausbau würde nicht nur dem Parteimann Matteotti gewecht, sondern auch dem großen Gedanken des Sozialismus, der Gemeinschaft aller Menschen und der großen Idee aller Arbeitenden, dem großen Gedanken, für den Matteotti gestorben ist. Matteottti ist zwar von Mörderhand hingemordct worden, aber der große Gedanke, für den er gekämpft hat, ist ewig und unausrottbar und wird sich vererben von Ge- schlecht zu Geschlecht._ Chinas Ringen gegen die Veriräge. Die neue Regierung beginnt Verhandlungen. New Bork. 18. Iunt. Dem amerikanischen Staatsdepartement ist vom Zlußenminister der Nankingregierung Dr. Wu, eine Einladung zur Eröffnung von Verhandtungen über einen Vertrag zugegangen, der China die Verwaltung seiner Finanzen zurückgeben und die Exterritorialität beseitigen soll. Wu will darauf hingewiesen haben, die Vereinigten Staaten setzten sich, falls sie die nationo- listische Regierung nicht bald anerkennen würden, der Gefahr aus, daß England ihnen zuvorkomme. Die Krau vom Balkon gestoßen? Oer Gaite unier Toischlagsanklage. Erst vor zweieinhalb Monaten, am 2. April, las man von dem gräßlichen Tod der Frau des Schlossers Wilhelm vogeler in Spandau. 3n sinnloser Wut. durch übermäßigen Alkoholgenuß noch gesteigert, habe er sie, hieß es da. vom Balkon seiner sich im zweiten Stockwerk befindlichen Wohnung mit solcher Gewalt gestoßen, daß sie mit ge- brachen om Schädel tödlich verletzt aus der Straße liegen blieb, heute hat dieser Mann vor dem Landgericht III sich wegen Totschlags zu verantworten. Er bestreitet die Tat. Es ist nicht leicht, aus der Schilderung dieses geistig sehr wenig beweglichen Menschen über die eigentlichen Ursachen, die zum Unglück— wie er es selbst nennt— geführt haben, sich ein klares Bild zu machen. Er weiß auch selbst nicht mehr genau, was damals in seinem alkoholgetränkten Hirn vorgegangen ist. Sagt er di« Wahrheit, so wird es teils Eifersucht, teils A« r g e r darüber gewesen sein, daß seine Frau das von ihm für ein Motorrad zurückgelegte Geld sich angeeignet haben soll, was ihn in Wut versetzt hat. Der Angeklagte hat im Jahre 1911 ge- heiratet und lebte mit seiner Frau in guter Ehe. Nur im Jahre 1917 wurde sie vorübergehend getrübt, als er während des Krieges hinter ihre Untreue kam. Die Eheleute versöhnten sich ober und seitdem ging alles gut. Am 31. März entdeckte er nach seiner Rückkehr von der Arbeit, daß in seiner Kassette statt der er- sparten 800 Mark sich nur 10 Mark befanden. Er hatte sofort Verdacht auf seine Frau, sagte ihr aber nichts davon, um nicht die Stimmung für di« am nächsten Tag« stattfindende Einsegnung des Neffen zu oerderben. Am Sonntag, dem 1. April, begab sich zuerst die Frau, dann der Mann zu ihren Verwandten zur Einsegnung. Hier wurde wie üblich getrunken: Wein, Schnaps, Bier. Gegen 11 Uhr abends erhob sich plötzlich Dogeler, sagt« den Anwesenden kurz Guten Abend und entfernte sich aus der Wohnung. Schon draußen zerschlug er eine Fensterscheibe und ging davon. Vor Gericht erklärte er, daß er gehört haben wollte, wi« seine Schwägerin ihn aufgefordert habe, nach Hause zu gehen. Seine Verwandten gingen ihm nach, holten ihn zurück, er kam tatsächlich mit, zerschlug mit dem Stock noch eine zweite Scheibe und begab sich nun in Begleitung seiner Frau, seines Schwagers, der Schwägerin und eines befreundeten Ehepaares, die die Frau nicht allein gehen lassen wollten, nach Hause. Schon unterwegs versetzte er seiner Frau einen Schlag. Seinen Schwager ließ er nicht in di« Wohnung, den befreundeten Kort, dessen Frau und die Schwägerin beförderte er hinaus: seiner Frau sagte er,„jetzt wollen wir uns allein sprechen". Gleich darauf hörten die auf der Straß« stehenden Verwandten Schreie der Frau. Au» dem Fenster flogen zuerst Wäsche und die Kleider, die Vogeler seiner Frau vom Leibe riß, dann eine Kasserolle mit Wasser und dann sah man plötzlich, wi« sich die Beine der Frau vorschoben. denen der ganze Körper folgte, wie Vogeler ihre Hände vom Balkongeländer losriß, und si« hinabstieß. Vogeler erklärt, daß er seiner Frau wegen des verschwundenen Geld«» Vorhaltungen gemacht, daß ihn auch plötzlich die Eifersucht gepackt habe, er habe geglaubt, daß st« da, Geld jemand anders gegeben haben müsse, und er aus diesem Grund« seiner Frau, die leugnete, sich das Geld angeeignet zu haben, die Kleider vom Leibe gerissen habe. Er bestreitet, sie vom Balkon hinuntergestohen zu haben, will dagegen im Augenblick, wo die Frau selbst vom Balkon hinuntergesprungen ist, in der Küche gewesen sein Zur Verhandlung sind 30 Zeugen geladen. Als Sach- verständige sind die Aerzte Dr. Bernstein und Dr. Dyrenfurch an- wesend. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Mendel, beantragt «inen Lokaltermin für den Beweis dafür, daß man unmöglich habe von der Straße aus sehen können, wie der Ehemann angeblich die Hände seiner Frau vom Balkon losgerissen habe. Ein Tag der Volksfeste. Die Lugend muß gefunden. Der gestrige Sonntag war trotz des widrigen Wetters ein Tag wahrer und echter Volksfeste. Namentlich der Zugend gedachte man, die gesund und stark sein soll, um ihre Pflicht im Kampf für eine bessere Zukunft erfüllen zu können. Die von den Berliner Bezirksoereinen des.Reichsoer- bandes der Kleingartenoereine Deutschlands" veranstalteten Jugendwerbefeste wiesen starke Beteiligung auf. Don besonderer Werbekrast waren die F e st z ü g e, die in ihrer originellen Aufmachung überall Aussehen erregten. In W e i ß« n s« e nahm der Festzug am Hamburger Platz Aufftellung. Diele Verejne hatten ihre Delegationen gesandt, deren Banner träger in Gehrock und Zylinder feierlich im Zuge marschierten Hinter ihnen kamen die.E h r e n j u n g s r a u e n". die mit Grazie die Hülle, in der das Banner für die Kolonie.Sonnenschein" ruhte, trugen. Ihnen folgten im bunten" Wechsel Musik k a p e l l e n, deren Bläser, Pauker und Trommler auch während der stärksten Regengüsse nicht verstummten. Originell waren die Wagen, aus denen künstliche Gärten und kleine Häuschen auf gebaut waren. Dann folgten die in bunten Farben prangenden Radfahrer und der endlose Zug der Festteilnehmer, die Werbeplokate trugen. Auf dem Platz der Kolonie.Sonnen- schein" fand dann der Festakt statt. Die Lichtenberg« Kolonistenjugend zeigte sich am Sport- platz, Kynaststraße. Fröhliche, gesunde Menschenkinder, die hier vor Vertretern des Bezirksamtes, des Jugendpslege-Ausschusies, Eltern, Angehörigen und Nachborn ihre Arbeit auf fporllich-gym nastifchem Gebiete vorführten, Freiübungen, Reigentänze, Laufen, Handball usw. Die jugendliche Sportmannschast umfaßt olle Jahrgänge. Ganz kleine, deren Aermchen und Beinchen noch zu kurz und auch zu unfolgsam sind, hampeln trotz allem wacker mit, so gut es eben geht. Di« Größeren und die Großen machten ihre Sache trotz rcgendurchnäßtem Gewarid und feuchter Erde tadellos. Der Lichtenberger Kleingärtner-Bezirksverband, der 9t> Vereine mit ungefähr 7500 Kolonisten umfaßt, hatte einen imposanten Werbeumzug von den Kolonien nach dem Sportplatz veranstaltet. Voran schritt die Sportjugend in schwarzem oder schwarzweißem Dreß, dahinter, in blumcngeschmückten Wagen, die kleinen Zuschauer. So warben gestern in allen Bezirken Berlins die Kleingärtner für die Jugend. Der Jugend gehört die Zukunft, und nur«in starker, gesunder Menschenstamm kann die Gewähr für ein best««» Später bietenl Don großem Eindruck war auch der über S000 Personen zählende Festzug des Schöneberger Bezirksvereins, in dem die Fe st wagen besonders ausfielen. Reben den Werbeschildern und den Dereinssahnen wurden im Zuge auch viele s ch w a r z r o t- goldene Fahnen getragen. Auf dem Städtischen Spiel platz an der Begasstraße hielten die Vorstandsmitglieder der Vereine und des Verbandes Ansprachen. * In Baumschulenweg feiert die Bevölkerung alljährlich ihr Fest der Republikaner. Wie immer, so waren auch in diesem Jahre die Hauptstraßen Baumschulenwegs mit vielen schwarz- rolgoldcnen und roten Fahnen geschmückt. Quer über die Straße flatterten an langen Seilen Girlanden und Fähnchen. Am Baum- schulenweg formierte sich der Zug. Die Spitz« übernahm das Reichsbanner mit feiner Kapelle, dann folgten die reich aus- geschmückten Wagen, auf denen symbolisch der Freiheitskampf des Volke» dargestellt wurde. Auf dem ersten Wagen wurde die junge Republik van einer Republikanerin in schwarzrotgoldenem Kleide dargestellt..Die Republik ist Siegerin" verkünden die Plakate. Sturm in der Stadthalle. Der„Reichsoerband der Auslandsdeutschen" und die ihm nahestehenden Verbände veranstalteten gestern eine Kundgebung in der Stadthalle, die außerordentlich stürmisch oerlief. Immer wieder hagelte es zornige Zwischenrufe gegen den Präsidenten des Reichsentschädigungsamtes, dem Gesetz- Widrigkeiten vorgeworfen wurden. Seine sofortige Abberufung wurde verlangt, und leider gingen die meisten Redner auf die ollzuhcftige und erbitterte Stimmung der überfüllten Versammlung ein. Man soll Mit Vorwürfen über Gesetzwidrigkeiten, Betrug und Bruch der Reichsverfasiung doch etwas vorsichtiger sein! Gewiß hat jeder Mensch Verständnis für die Notlage gerade der Ausländsdeutschen, deren Rechtsanspruch auf eine angemessene Ent- schädigung unbestritten ist. Was aber sollen Mätzchen wie die, daß ein deutscher Ingenieur aus Südamerika im Badeanzug er- scheint, an den er Pfand und Ersotzscheine geheftet hat. Das sind Kindereien, die den zuständigen Stellen sicher nicht imponieren werden, und kein Vernünftiger glaubt, daß der Ingenieur auch am Alltag im Badeanzug durch Berlin spaziert. Sachlichkeit bringt mehr Gewinn als kindliches und hysterisches Aufbegehren. Sp etwas verfängt vor allem bei denen nicht, die wisien, wie sehr weite Kreise des deutschen Volkes, Mittelstand und Kleinrentner, durch Krieg und Inflation gelitten hoben. Diese freilich greifen nicht zu solchen Mittelchen. Interessant war die Mitteilung eines Redners, wonach der Reparationsagent Parker Gilbert erklärt hat, daß er einer reichsgesetzlichen Entschädigung in dem Ausmaß, wie sie von den Auslandsdeutschen angestrebt wird, nach den Be- slimmungen des Verfailler Vertrages keinen Widerstand entgegen- setzen könne und würde. Rechtsanwalt Dr. Frey behandelte als Verteidiger den Fall des Farmers L a n g k o o p und warf dem Reichsentschädigungsomt Eingriff in ein schwebendes Verfahren vor. Auch ein„Menschenfreund". Zwei Lahre ausgenutzt, dann fortgejagt. Ein junges Mädchen, arbeits- und obdachlos, schickte sich an, auf einer Bank im Humbaldthain die Nacht zu verbringen. Ein alter Mann gesellte sich zu ihr, knüpfte ein Gespräch an und erfuhr dabei von ihrer Notlage. Er. ein W i t w e r. der in seiner Wohnung allein hauste bot chr ein Obdach an. Gewiß nicht aus remer Menschenfreundlichkeit. Das Mädchen ging mit und blieb bei ihm. bcsorate die kleine, aus Stube und Küche bestehende Häuslichkeit. kochte für ihn. während er seinem Beruf als Bauarbeiter nachging. Der Mann erkrankte an Ischias, lag monatelang zu Bett und wurde von dem Mädchen bei Tag und Nacht sorgsam gepflegt. So hat sie fast zwei Jahre für ihn gesorgt und nichts weiter als Kost und Wohnung bekommen. Aber eine Aussicht für die Zukunft hatte er ihr eröffnet: Wenn sie bis zu seinem Tod« bei ihm bliebe, solle sie seine ganze Hinter- lassenschoft erben. Er besaß nämlich früher ein Hau» in Lichtenberg, dos er in der Inflationszeit verkaufen mußte. Viel wird ihm von dem Erlös nicht übrig geblieben fein, ober in den Augen des Mädchens war es immerhin ein Bermögen, in dessen Vesitz ße nach menschlichem Ermessen noch in ihren besten Jahren OieArbeiter-Gänger an derGpitze! Oer Höhepunkt des Bundesfestes. Hannover, 18. Juni.(Eigenbericht.) Der Sonntag brachte den Höhepunkt des Festes. Schon frühmorgens um 7� Uhr fanden auf mehreren, in reichem Fest- schmuck prangenden Straßen und Plötzen Konzert« statt. Im An- schluß daran zogen die einzelnen Landes- und Ortsgruppen mit ihren Fahnen und Musikkapellen zum Stadion, wo um 11 Uhr ein Massen- chor die Zehntausende von Zuhörern von der hohen Gesangskultur des Arbeiter-Sängevbundes überzeugt«. Leider wurde die Der- anstaltung durch das regnerische Wetter stark beeinträchtigt. Außer dem Bundesoorsitzendei, �ielt zwischen den Männerchor- Vorträgen u. a. auch Rqichstagspräsident Löbe eine humorvolle Ansprache.„Der Wettergott in Hannooer"— so führte er aus— „ist offenbar ein Feind vom Reden unter freiem Himmel. Ich bin damit einverstanden, denn auch ich will lieber zuhören als reden. Aber von weitem sehe ich schon den ersten Sonnenstrahl, der noch dem Regen kommen wird." Löbe weist dann auf die ungeheure Entwicklung des Arbeiter-Sängerbundes hin, der in den kleinen dürftigen Wirtschaften der Vorstädte seinen Anfang nahm und heute in die prächtige Kuppelhalle der Stadt Hannover und die gewaltige Arena des Stadions seinen Einzug hält. Weiter weist Löbe darauf hin, wie schwer die Pflege der Sangeskunst bei den Proletariern ist, deren Sorge und Mühsal den Frohsinn des Gesanges schwerer weckt, deren Arbeitszeit wenig Raum für künstlerische Betätigung gibt und deren inaterielle Mittel viele Einschränkungen fordern. Heute sei der Arbeitergesang zu einem wichtigen Begleitmoment der Emanzipation des Proletariats geworden. Insbesondere sei den veredelnden idealistischen Motiven des Arbeitergesanges ein« große Bedeutung beizumessen. Möge der Arbeiter-Sängerbund— so schloß Löbe— sein Ziel in der Strophe erpeichen, die eben aus Säng«- kehle erscholl:„Eintracht und Liebe sei unser Schild, wenn es um Freiheit und Leben uns giltl" Als später der viettausendstiinmig« Ehor der Internationale unter dem brausenden Beifall der Zuhörer verklungen war, empfing der Magisttat der Stadt Hannover die.Ehrengäste zu einer kleinen Feier. Der sozialistische Prosesior Robert Seidel aus Zürich benutzte die Gelegenheit, um seine Anerkennung über die Aufnahme in Hannover auszudrücken.„Dieses Fest"— so erklärte er—„bedeutet den Anfang einer neuen Songeskultur. Ich habe schon vor 40 Jahren dem Völkerbund meinen Gesang gewidmet. Das Arbeiter-Sängerfest kennzeichnet den kulturellen Aufstieg der Arbeiterschaft." Dr. Artur G u t t m a n n vom Bundesausschuß wies dann darauf hin, daß nicht die einzelne Spitzenleistung, sondern die innere Einheit der Arbeiter-Sängerbewegung ausschlaggebend sei:„Dieses Fest ist noch keine Vollendung, sondern erst ein Versuch, ein Anfang, ein erster Schritt, eine Zukunftshoffnung!" Außer- ordentlich starken Beifall fand auch ein« Ansprach« des Berliner Hochschuldirigenten Siegfried Ochs:„Der Arbeiter-Sängerbund mit seiner Tendenz steht an der Spitze der ganzen Chorsängerei. Die ganze bürgerliche Sängerei ist verschlampt, der Arbeiter-Sängerbund hat die besondere Wichtigkeit des gemischten Ehors«kannt, dem die wertvollsten Werk« der Musikliteratur gewidmet sind." Der Sonntagnochmittag und-abend waren wiederum ausgefüllt mit zahlreichen Chorkonzerten in der Stadthalle und vielen anderen Sälen. Besonder« Erwähnung verdienten das Acht-Kantatcn-Konzert der Chorgruppe Braunschweig und Bielefeld im Kuppelsaal, der internationale Volksliedernachmittag des Berliner Jugendchors im Beethooensaal, ein Gesang- und Tanzabend der Hildesheimer Arbeiterjugend usw. Im Kuppelsaal führte am Sonntag abend die Volkssingakademie Mannheim unter dem begeisterten Beifall des ausverkauften Hauses Beethovens„dl i»» a s o 1 e m n i s* auf. Die Veranstaltung wurde u. a. auch auf den Berliner Rundfunk übertragen, so daß sich weite Kreise in Deutsch- land von der Qualität der Arbeiter-Sangcskultur«in Bild machen konnten. Die Ehorgruppe Rhein-Main-Gau(Frankfurt o. M.) trug in der Ausstellungsholle das Oratorium„Die Jahreszeiten" von Haydn vor. Die ersten beiden Festtag« des Arbeiter-Sängerbundes sin» ein voller Erfolg zu buchen. 25 Jahre Mitglied des Reichstags! Eduard David Philipp Scheideinann Karl Hlldenbrand Georg Schöpf in gelangen würde. Mit dieser Aussicht lohntt es sich wohl, einige Jahre ohne Barlohn zu arbeiten. Doch das gemeinschaftliche Verhältnis nahm ein jähes Ende. Das Mädchen ging öfter abends aus und kehrt« erst spät heim. Begreif- lich.— Sie ist erst dreiundzwanzig und er achtundsechzig Jahre. Als sie nach einem Ausgang wieder in der Nacht heim- kehrt«, schimpfte er:„Alte Hure, ich kann dich nicht mehr gebrauchen. mach, daß du rauskommst." Er jagte sie tatsächlich mitten in d e r N a cht hinaus.. �, Vor dem Arbeitsgericht sahen sich die beiden wieder. Sie klagte: Sie sei seine Wirtschafterin gewesen und verlange nun für ein Jahr und zehn Monate ihren Lohn von 40 Mark monatlich Der Mann behauptet, das Mädchen sei nicht seine Ange st e l l t e lleMsen, er habe sie obdachlos und zerlumpt aufgenommen, habe sie heiraten wollen, aber davon könne jetzt keine Rede mehr I-m. denn sie ft, nichts weiter wie eine Hure. Das Madchen verwahrte sich gegen Nklägt?n?lieb.n�um schließN�'dtt �versprochen e Vf b schaft Das'©cri'cht'entschied: Der Beklagte �ar�us eme Ar�tskraft fieirol»«ivrochen. i.nr sich ihre Arbeitskrast zu sichern Wer Jahr und Zcta die Arbeitskraft eines anderen ausnutzt, der mutz auch emen anaemeslenen Lohn daflir zahlen. Da es sich hier um emen klemen Haushalt handelt, so hält das Gericht emen Monatslohn von W Mark für anaemesien und verurteilt den Beklagten, der Klägerin 5 5 0 Mar k z u z a h l e n und ihr ein Zeugnis auszustellen, des Inhalts, daß sie ihm den Hausball geführt bat. Von den Kosten hat der Beklagte zwei Drittel, die Klägerin ein Drittel zu tragen. Sonntag der Auionnfäll«. Aulobus und Autodrofckie aus»a-g-rsl-ig.- Zuhwichi Verletzte. Am Sonnlag ereigneten sich zwei schwere Verkehrsunfälle. Am Surfürstendamm geriet um 19 Uhr ein Autobns auf den Bürgersteig und überfuhr sechs V"l°nen. Zu den Abendstunden trug sich ein ähnlich« Unfall am Aleranderplah zu. Dort fuhr eine Autodroschke aus die Sä.ußiniel vor dem Eingang zur Untergrundbahnstation Aleranderplah und riß eine hastragfäule um. Acht Per- sonen wurden von der niederstürzenden Säule getroffen und mehr od« mmder schwer verleht. Drel von ihnen mußten in das Krankenhaus am Zriedrichsham ge- bracht werden. Zu dem Derkehrsunglück am Kursürstendamm werden folgende Einzelheiten mitgeteilt. Ein Autobus der Linie 2 der den Kur- fürstendomm in Richtung Halensee entlangfuhr, passierte gerade d.e Kreuzung an der Fasanenstraße, als plötzlich aus der Fasanensttaße «ine Autodroschke in schneller Fahrt herauskam. Ein Zusammen- stoß schien unvermeidbar. Der Führer des Autobustes lenkte, um ein Unalück zu verhindern scharf nach recht. Hierbei geriet der Wagen'infolge der Geschwindigkeit jedoch auf den Burgerste, g und kam dicht vor dem Lokal von Kempinski zum Halten. Bei der Schreckensfohrt über den Bürgersteig, der zu dieser Zeit sehr be- lebt war. wurden sechs pasianlen vom Aulobus zu Boden gerissen und teils schwer, teils leicht verletzt. Auch unter den Fahrgästen im Autobus entstand eine Panik, da ein Umstürzen des Wagens be- fürchtet wurde. Mehrere Frauen erlitten Nervenschocks. Die Per- unglückten, der 4Zjährige Kaufmann I a n u s aus der Pariser Straße 54, der 51jährige Kaufmann Hermann Z e r b e r aus der Grolmanftr. 9, dessen Frau Frieda, die 04jährige Frau Löwin- söhn aus der Großen Frankfurter Straße 75, die 27jährige Rosa Deutsch aus der Brunhildestraße 4 und die 41jährige Witwe Grete Elias aus der Reichstraße 3, wurden durch hilfsbereite Passanten zur nahellegenden Rettungswache 7 gebracht, wo sie erste Hilfe er- hielten. Das zweite schwere Berkehrsunglück trug sich kurz vor 23 Uhr auf dem Alexander platz zu. Eine mit mehreren Fahrgästen besetzte Autodroschke geriet auf dem schlüpferigen Pflaster plötzlich ins Schleudern, so daß der Führer die Gewalt über sein Fahr- zeug verlor. Das Auto raste dicht vor dem Eingang zum U-Bahnhof Alexanderplatz auf die Schutzinsel und prallte gegen eine H a st r n g s ä u l e der Straßenbahn. Die Säule stürzte um und oerletzte acht Personen, die an der Haltestelle auf die Straßenbahn warteten. Die Autodroschke wurde zertrümmert, der Führer kam wie durch ein Wunder unverletzt davon. Die Verunglückten, von denen drei schwere Verletzungen erlitten hatten, wurden zur nächsten Rettungswache gebracht. Die Leichtverletzten wurden nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlasten. Die Schworverletzten dagegen, der Kauf- mann Waldemar Aufschläger, Kurfürstendamm 117, der Kaffee- Hausbesitzer Wilhelm B o l e y aus der Exerzierstraße 24 und eine Frau Hermine Kohlheimer mußten durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt werden. Drei Tote in Leipzig. Am Sonnabend abend ereignete sich in Leipzig ein schweres Verkehrsunglück. Der Führer eines Privattraftwogens wollte einem zu spät bemerkten Straßensperrschild dadurch ausweichen, daß er feinen fchnellfahrenden Wagen in eine Nebenstraße ablenkte. Er verlor hi«bei die Gewalt über den Wogen, d« in eine auf dem Bürgersteig angefammelle Menschenmenge hineinfuhr, die in diesem Augenblick ein llichtspiellheat« v«ließ. Eine Frau wurde sofort gelötet, während zwei andere Frauen so schwer verleht wurden, daß sie kurz darauf starben. Der Kraftwagensührer. der von der Polizei nur»tt Mühe vor der erregten Menschenmenge geschützt werden konnte,«»de verhaftet. Von der Lokomotive gerissen. Auf der Vorort st recke nach Zossen ereignete sich am Sonntagabend ein schwerer Unglücksfall. Der 56jähr!ge Lokomotiv- führ« Adolf Peter, aus der Großgärfchenstraße 25, der sich während der Fahrt aus dem Führerstand zu weit hinausneigte, wurde hinter Lichtenrade von der Lokomotive eines aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zuges erfaßt und auf die Gieife geschleudert. Der Mann wurde vom eigenen Zuge überfahren und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde nach der Lichtenrade? Friedhofshalle gebracht. Jodi Die Redaktionskonferenz.c Von Hans Bauer. Der politische Redakteur: Ich lasse meinen Artikel also folgendermaßen beginnen: Die Sozialdemokratie versucht den starken Mann zu spielen. In Wahrheit wird ihre Haltung von schlotternder Angst diktiert.“ Der Chefredakteur:„ Sehr hübsch haben Sie das herausgebracht. In der Tat wird die Haltung der Sozialdemokraten von schlotternder Angst vor den Kommunisten diktiert." Der politische Redakteur: ,, Bor den Kommunisten? Nein, ich faffe die Lage so auf, daß sie schlotternde Angst vor den Koalitionsparteien empfinden." Der Chefredakteur:„ Um Himmelswillen, das geht doch nicht. Wir haben, im Gegenteil, gestern geschrieben, daß die Marristen Wölfe im Schafspelz wären. Ihre Haltung gegenüber den Koalitionsparteien wird demnach also nicht von schlotternder Angst, sondern von brutalem Zielwillen diftiert, und sie markieren nicht den starken Mann, sondern den sanften Heinrich." Der politische Redakteur: Jedenfalls wird man die Parteien der Mitte vor einer Koalition mit den Sozialdemokraten ernstlich warnen müssen, denn zweifellos stünde eine neuerliche Dezimierung der Mittelparteien gelegentlich späterer Wahlen am Ende des Experimentes." Der Chefredakteur: Damit dürften Sie ins Schwarze getroffen haben. In der Tat würde die Wählerschaft der Mittelparteien in hellen Haufen nach redhis abwandern." Der politische Redakteur: ,, Ich glaube eher, daß sie, ins Räder. getriebe des Margismus verflochten, dann endgültig nach links ab facten, und die Sozialdemokratie einen neuen Auftrieb erhielte." Der Chefredakteur:„ Aber das ist ja unmöglich, da wir doch neulich geschrieben haben, daß man die Sozialdemokratie nur ruhig regieren laffen solle: die Wähler würden ihr bald genug enttäuscht den Rüden tehren." Der politische Redakteur:„ Einen ähnlichen Gedankengang vertrete ich später. Ich rede in meinem Artikel beispielsweise von der Berbürgerlichung der Sozialdemokratie und fahre wörtlich fort: Gerade von den Führern wird der sozialistische Zukunftsstaat heute faum mehr ernst genommen, und bald genug werden es auch die geduldigen Wähler merken, daß sie am Narrenfeil einer Utopie herumgeführt worden sind." Millionenflucht vor dem Hunger. Eine der größten Völkerwanderungen vollzieht sich, bisher ziemlich unbeachtet, aus den nördlichen Provinzen Chinas, besonders aus der Provinz Schantung, wo Hungersnöte, Krieg, Trockenheit und furchtbare Steuern die größte Not geschaffen haben, nach der Mandschurei, die eines der fruchtbarsten Ackerländer der Welt ist und noch große unbebaute Gebiete enthält. Ganze Städte und Dörfer sind in der Schantungproving verlassen worden und liegen vollkommen verödet da. Im vergangenen Jahr wanderten wenigstens eine Million Menschen nach der Mandschurei aus. In diesem Jahr dürfte die Zahl der Auswanderer, die nach neuen Heimen suchen, drei bis vier Millionen betragen. Wie aus Schanghai berichtet wird, erreichte die Flucht vor dem Hunger einen Höhepunft im April, als faft 800 000 Chinesen durch Charbin tamen, das der Hauptdurchgangspunkt nach den neuen Gebieten ist, und im Mai hat die Zahl der Auswanderer mindestens eine Million betragen. Genaue Zahlen lassen sich nicht feststellen, da die Chinesen auf den verschiedensten Wegen ihre Heimat verlassen. Im April wurde aus zwei chinesischen Häfen in Schantung gemeldet, daß an einem einzigen Tage gegen 10 000 Flüchtlinge auf Dschunken und kleineren Booten nach den mandschurischen Häfen abgefahren find. Herzzerreißende Szenen spielen sich in den vom Hunger gepeinigten Gebieten und auf der Wanderung ab. Ein Gebiet von etwa 100 Quadratmeilen ist hauptsächlich in Mitleidenschaft gezogen und man nimmt an, daß ein Drittel der Bevölkerung dieser Gegend, eine Million Menschen dem Hungertode ausgeliefert sind. Hilfeleistungen sind von den Vereinigten Staaten in Aussicht gestellt, wo bereits eine Summe von 10 Millionen Dollar zu diesem Zewed zusammengebracht worden ist. Die Hilfeleistungen an Ort und Stelle sind ganz ungenügend. Als Beispiel der Tragödien, die sich auf dieser Völkerwanderung ereignen, wird aus Tientsin ein Vorfall gemeldet, bei dem ein Flüchtling mit seiner Frau und zwei Töchtern vollkommen mittellos geworden war, als er Tienssin erreichte. In der Berzweiflung verfaufte er eine Tochter für 20 M. an den Befizer einer Singspielhalle. Daraufhin erhängte sich die Frau auf dem Perron der Eisenbahn und der Mann erwürgte aus Kummer darüber seine zweite Tochter und beging dann Selbstmord, während Tausende von Flüchtlingen dem entseglichen Vorgang zusahen. Theater, Lichtspiele usw. SCALA Montag, 18. 6. 28 Montag, 18. 6.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 42. Anf. 20( 8) U. Rigoletto Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 116. Anf. 20( 8) U. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III Anf. 20( 8) U. Cavalleria rusticana Der Feuervogel Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Res.-S. 49. Anf. 20( 8) Uhr Zwischen Luisa Miller tanzenden Kleidern Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: Die beiden Seehunde Volksbühne Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 81 Uhr Orpheus in der Unterwelt 8 Uhr: Der 8 Uhr Nollendorf 7360 Herb Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Renaissance- Theater .Steinplatz 901. Uhr: Krankheit der Jugend Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Stuckes Pfingstfahrt Hugo Stucke: Britton Frau Stucke: Meysel Ant. 8 Uhr. Preise 60 Pf.- 2 M. Dönhoff- Brett'I Varieté- Konzert- Tanz. Theater am Kottbusser Tor Berlin, Kottbusser Str. 6. Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Elite- Sänger Wie immer erstklassiges Programm! d.a. ,, Ein gerissener Schwiegersohn" ( Schwank) Ein kleines Geschenk"( Schwank) Lachen und Stimmung! Kuhhandel volkstümliche Preise: 50 Pf. bis 2 M. Der Chefredakteur( schlägt die Hände überm Kopf zusammen): ,, Aber bitte, Herr Redakteur, wir stehen doch mitten drin in diesem Zukunftsstaat. Besen Sie denn unsere eigenen Leitartikel nicht? Bir haben unseren Lesern nachgewiesen, daß bereits jetzt, ohne sozialistische Mehrheit, durchaus sozialistisch regiert wird, daß schon jetzt eine sozialistische Personal, Wirtschafts, Innen-, Kultur- und Außenpoltik betrieben wird. Also umgekehrt: nicht die Masse wird am Narrenseil einer Utopie, sondern das Bürgertum wird am Gängelbande des Marrismus herumgeführt was freilich nicht den Hinweis darauf ausschließt, daß die Position der Sozialdemofratie trotz ihres zahlenmäßigen Zuwachses, schwächer denn jetzt ist." Der poltische Redakteur:„ Das ist auch mir nicht entgangen. Die Sozialdemokratie ist schwächer denn je, weil, wie ich es in meinem Artikel ausdrücke, ihr die Gesetze des Handelns vom im Hintergrunde lauernden Bolschewismus aufgenötigt werden, dessen Plazhalterin sie ist." Der Chefredakteur:„ Aber nicht doch: Sondern weil die Sozialdemokratie dem Zentrum ausgeliefert ist, ohne dessen Einverständnis sie nichts unternehmen kann. Hauptfache bleibt: Den sozialdemokratischen Wählern ihre Partei vergraulen und ihnen ihre Ohnmacht vor Augen halten." Der poltische Redakteur:„ Aber wir wollten doch, im Gegenteil, den Mittelparteien die Koalition vergraulen." Der Chefredakteur: Das eine schließt das andere feineswegs aus. Verstehen Sie denn noch immer nicht?" Der politische Redakteur:„ Ich fange an zu verstehen, Herr Chefredakteur. Die Sozialdemokratische Partei ist eine völlig verbürgerlichte Platzhalterin des Bolschewismus, deren flarer Zielmille von schlotternder Angst diftiert wird, die sie sowohl vor den Roalitionsparteien als auch vor dem Kommunismus empfindet. Der Zukunftsstaat ist eine längst in Erfüllung gegangene Utopie, und die Koalition, in der die Sozialdemokratie viel zu allmächtig ist, als daß sie etwas zu sagen hätte, wird ihr die Hälfte ihrer Wähler fosten, die im übrigen von rechts nach links abwandern." Der Chefredakteur: ,, Bor allem dürfen Sie eines nicht zu er wähnen vergeffen: Daß die Sozialdemokraten unflare Köpfe sind und daß sie nicht wissen, was sie eigentlich wollen... Ein Theatersfandal in München. Am Sonnabend abend fam es im Münchener GärtnerplatzTheater anläßlich der Erstaufführung der Jazzoper Jonny spielt auf" zu dem erwarteten Theatersfandal. Die Hafenfreuzler der verschiedensten Richtungen bis hinein in die zu einem politischen Leichnam gewordenen Baterländischen Verbände haben schon seit Wochen durch drohende Proteste ihre Neigung zur Störung der Aufführung befannt gegeben. Infolgedessen hatte sich bereits vor Beginn der Vorstellung in den Zufahrtsstraßen zum The ater eine johlende Menge eingefunden, die aber durch ein stärkeres Polizeiabfgebot in Schranken gehalten wurde. Gleich zu Beginn der Vorstellung fam es durch Lärm und Pfui- Rufe zu den ersten Störungen, die im dritten Bild im Werfen von Stinkbomben vom Parterre und den Rängen ausarteten. Die zahlreichen im Theater postierten Schuhleute waren schließlich gezwungen, eine große Anzahl der sich besonders wild aufführenden Demonstranten im Lausbubenalter aus dem Theater zu entfernen. Erst dann konnte die Borstellung einigermaßen ruhig zu Ende geführt werden. Nach Theaterschluß wurden die Darsteller beim Verlassen des Gebäudes von der Menge insultiert. Das Thalia- Theater beendigt seine Spielzeit am 30. Juni. Das Theater wird wieder eröffnet am 1. September mit Wibbels Auferstehung". Regie: Baul Hendels. BY Plan einer Wertbundausstellung in Köln. Unter der Bezeichnung Die neue Beit soll 1932 in Köln die Wertbundausstellung stattfinden, die die größte Ausstellung werden soll, die je in Deutschland gezeigt wurde. Die Ausstellung soll vor allem dem Zwed dienen, das Bauen in realer und bildlicher Darstellung und das Wohnungswesen mit allen seinen Erschei nungen, den Stoff dazu und feine Berarbeitung, den Berkehr, seine Auswirkungen usw. zu zeigen. Das Tabatforschungsinffitut für das Deutsche Reich, das auf dem Gelände der badischen Landwirtschaftskammer in Forchheim neu errichtet ist, wurde eröffnet. Der Ertrag der deutschen Zabaternte beträgt etwa ein Biertel des Gesamteinfuhrbedarfs an Tabakerzeugnissen im Werte von 150 Millionen Mart jährlich. Das Tabalforschungsinstitut soll dazu dienen, die Qualität zu verbessern. Deutsche in Sowjetrußland. Nach den lekten Moskauer Feststellungen igibt es zurzeit in der Sowjetunion 1238500 Deutsche, davon am meisten In der Ukraine, nämlich 393000 und in der Wolgadeutschen Republik eben 379 600. 84 RA 84 DAS SCHUBERT SINGSPIEL Dreimäderlhaus Alfred Braun v. Thellmann, Jankuhn, Hesterberg, Bendow, Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelstern, Sunshinegirls. Krönung" mit Schiebung. falls es treffe ihr Man hat schon so seine Sorgen. Daß der diesjährige Sommer, diese Mißgeburt aus Wettertüde, auch noch einer Proteftorin bedarf( wozu das ganze Manöver überhaupt gut sein soll, wissen wir alle nicht), wer hätte das gedacht? All unser Fluch unter ihrer Herrschaft nicht schöner werden sollte schönes Haupt. Schönes Haupt? Was sich da im Lunapart mit blaugefrorenen Lippen. henangerötetem oder wassererblondetem Haar einem zahlreichen, nicht minder frierenden Publikum nebst Jury zeigte, war allerdings nicht sehr aufregend. Dabei war dies schon die„ engste Wahl". Was sich ursprünglich alles dazu berufen fühlte und gemeldet hatte, das muß man gesehen haben, es ist unbeschreibbar. Dicke, ältliche Damen, spindeldürre, kurzum derart grotest wirkende Aphroditen, daß man fast glauben könnte, die wären wirklich erwählt worden aber zum Gaudium der Anwesenden. Mit einem in des Wortes wahrster Bedeutung gefrorenem Lächeln erwarteten nun die 25 Kandidatinnen das Urteil des Paris. Ein wahrhaft begeisterungsfähiges Publikum verkürzte mit sachkritischen Bemerkungen sich und anderen die Langeweile: Du, was meenste zu Nr. 11?"" Ach nee, die is ma zu ironisch!" Eine andere:„ Aber die Nr. 5 is ooch wirklich zu einjebildet!" ,, Sie, von Nr. 7, Sie haben een falschen Tritt!" Inzwischen hat das Biertelhundert Schönheiten unter Raketengefnatter, Radiomusik und Fanfarentlängen einen Rundgang durch sämtliche Restaurationsräume angetreten und alle Gäste von ihrer Existenz in Renntnis gesetzt. " Bei der Krönungsfeier" gab es den üblichen Krach. Bie immer, soll auch diesmal feste geschoben worden sein. Man ist sich über die endgültige Favoritin noch nicht im flaren. Zukunftsaussichten des Luftverkehrs. Zu diesem Thema machte Herr Walter Angermund auf der letzten Monatsverfammlung des Berliner Bezirksver eins Deutscher Ingenieure" im überfüllten Hörsaal der Technischen Hochschule sehr interessante Ausführungen. Der Vortrag fand eine treffliche Unterstützung durch eine Lichtbilderreihe, die die Entwicklung des Flugzeuges vom ersten Farman- Doppeldeder bis zu den modernsten Typen zeigte. Als Flugzeug der Zukunft sei das Amphybienflugzeug, das eine Landung auf dem Wasser und auf dem Lande ermögliche, anzusprechen. Im Motorenbau stünden Umwälzungen von größter Tragweite bevor. Bom wasserund luftgekühlten Benzinmotor werde der Weg zur SchwerölDieselmaschine, möglicherweise auch zum drahtlos gespeisten Elektromotor und zum Raketenantrieb beffer gesagt Rückstoßmotor führen. Dem gasgetragenen Luftschiff fönnten sich nicht so gewaltige Aussichten eröffnen wie dem Flugzeug. Das Verhältnis des Leergewichtes zur Nutzlast fei ausschlaggebend.! Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Helgoland: wolkig. Borkum: wolkig. Bremen: trübe, vorher Regen. Hamburg: wolfig. Ostsee. Travemünde: wolfig. Warnemünde: ziemlich heiter. Stettin: Saßniz: heiter, vorher Regen. Swinemünde: wolkig. ziemlich heiter. Rolberg: heiter. Danzig- 3oppot: wolfig. Harz. Schierke: leichter Regen. Harzburg: wolfig, vorher Regen. Bad Sachsa: moltig. Broden: Nebel. Thüringen. Erfurt: wolkig. Infelsberg: trübe. Heffen. Raffel: leichter Regen. Wasserkuppe/ Rhön: Nebel. Sachsen. Dresden: wolkig. Fichtelberg( Erzgeb.): wolkig. Schlesien. Breslau: bedeckt. Flinsberg: wolfig. Schreiberhau: wolkig. Schneetoppe: wolkig. Bad Reinerz: wolkig. Bad Landeck: wolkig. Rheingebiet. Köln: wolkig. Bad Aachen: wolkig. Wiesbaden: wolfig, vorher Regen. Frankfurt a. M.: wolfig. Feldberg/ Taunus: trübe. Baden. Karlsruhe: wolkig. Freiburg: heiter. Baden- Baden: wolkig. Feldberg/ Schwarzwald: Nebel. Württemberg. Stuttgart: ziemlich heiter. Freudenstadt: wolfig. Friedrichshafen: wolkig. Bayern. Hof: woltig. Nürnberg: wolfig. München: bedeckt, vorher Regen. Garmisch- Partenkirchen: wolfig, vorher Regen. Bugspize: Nebel. Berchtesgaden: wolfig, vorher Regen. Oberstdorf: wolkig, vorher Regen. Bad Tölz: leichter Regen. Tegernsee: leichter Regen. Desterreich. Innsbrud: woltig. Salzburg: halbbedeck:. Wien: heiter. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Meist woltig mit geringer Erwärmung und fortgesetter Neigung zu etwas Regen, westliche Winde. Für Deutschland: In der nördlichen Hälfte des Reiches meist wolkig und strichweise noch Niederschläge: im südlichen Deutschland zeitweise heiter und vorwiegend trocken; überall ein wenig wärmer. Berantwortlich für die Rebattion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Deutsches Theater Lustspielhaus Residenz- Theater Norden 12310 SU. Ende gegen 11 Artisten Jir. Dr. Martin Zickal Unwiderruflich letzter Monat 8 Uhr: Regie Max Reinhardt Guido Thielscher Kammerspiele in„ Unter Norden 12310 Geschäftsaufsicht" Heute 8 Uhr: Zum 1. Male: Viertägiges Gast- Walhaila- Th. spiel des Theatre du Gymnase, Paris Weinbergsweg 19/20 Blumenstr. 8. Täglich 81%, Uhr Am Rudesheimer Schloß steht eine Linde Loni Pyrmont Krafft- Lortzing Gaston Briese Emma Klein Parkett auch Sonnt. statt 4.- nur 1.- M. Täglich 8% Uhr: Kleines Theater Mus.Leit: E.Hauke. Ausst. Prf. Stern. Le Secret Verlorene Töchter Täglich 8 Uhr Inszenierung: Julius Brandt. ( Das Geheimnis) Sittenst. in 4 Akten. Nur Erwachsene haben Zutritt Kaiser- Tietz Grosses Schauspielhaus Die Komödie Park auch Sonntags Lotte Klinder Erik Charell. Komische 81 Uhr Oper 81, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Bismarck 2414/7516 statt 4.- M. 8% U. Ende 10% U. nur 60 Pf. in Galante Es liegt in Rose- Theater Nacht! der Luft Revue von Schiffer. Gr. Frankf. Str. 132 Musik v. Spoliansky Berliner Theater 84 Uhr: Heimat Gartenbühne: Charlottenstr.90/ 91. Donh.170 1/26 Uhr nachm.: 81, U. Ende geg. 11 Konzert und bunter Teil. Gastspiel d. Deutschen Th. 814 Uhr. Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. Täglich 8 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Norden 6304. 8, Kastanienallee 7/9. Broadway Der Prozeß Der fidele Bauer Mary Dugan Berliner Prater Tag 8 Uhr. Theater des Westans Steinpl. 81 Uhr Täglich: 72 Täglich 72 Allgem. Deutscher Gewerkschaftsbund Allgemeiner Freier Angestelltenbund WAX Dienstagr Gewerkschafts- Tag im LunaPark Eintritt: 75 Pfennig einschl. Kaffee u. Kuchen oder 1 Glas Bier oder 1 Flasche Selter Brillant- Feuerwerk Große Tombola: Jedes Los gewinnt Eintrittskarten für Gewerkschaftsmitglieder an den kenntlich gemachten Kassen des Lunaparks. Saltenburg- Bühnen Planetarium am Zooots. Künstler- Th. Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr: 81 Uhr „ Das sind ja Krause- Pianos zur Miete Der Sternhimmel reizende Leute..." WEO.Ansbacherstr.1 der Heimat 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Max Adalbert Polnische Wirtschaft Thalla- Theater Der Einfluß d. Gestirne „ Das Ekel" Außerdem: Dresdener Str. 72-73 Konzert, Varieté. Täglich 8 Uhr Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. Tanz. Kaffeekochen. Dyckerpoits Erben Eintritt 1 M. ( inder unt. 15 Jahren 0.50.. Trabrennen Ruhleben Dienstag, den 19. Juni nachmittags 32 Uhr Beilage Montag, 18. Juni 1928. MAVIC 319 913 Der Abend Ein unbekanntes Land. Münster und das Münsterland. Wie sehr einen mit den Verhältnissen in Westfalens Hauptstadt Münster nicht ganz vertrauten Befucher die verhältnismäßige Ruhe auf den Straßen der inneren Stadt über den tatsächlichen Berkehr täuschen kann, zeigt das Stimmungsbild in der Beilage des ,, Abend" vom Sonnabend, 9. Juli: Stille im Westen". Dort wird u. a. über Münster geschrieben: ,, So etwas von rubig- behäbiger Stadt habe ich schon lange nicht genossen. Außer den Autos der Behörden mit den amtlichen Wimpeln am Kühler ist kaum eines zu sehen.“ Daraus wird nun sicher niemand schließen, daß der Kraftfahrzeugverfehr in Münster ein relativ viel stärkerer ist als in Berlin! Aber es ist tatsächlich so: In Münster, das mit rund 115 000 Einwohnern an dreiundvierzigster Stelle unter den 45 Großstädten Deutschlands steht, tommt bereits auf 54 Einwohner ein Kraftfahrzeug! In Berlin aber erst auf 66 Einwohner! Der relative Kraftwagenverkehr, auf die Bevölke rungszahl bezogen, ist also in Münster weit stärker als in der Reichshauptstadt und größten Stadt Deutschlands! Es ist wahr: Münster hat nur wenig Industrie, aber desto mehr Gewerbetreibende. Das Handwerk und Kunsthandwerk ist verhältnismäßig stark vertreten. Es umfaßt mit Meistern, Gesellen, Lehrlingen und den Familienangehörigen der Verheirateten darunter rund 30 Prozent der Bevölkerung. Außerdem gibt es noch einige Induftriebetriebe, die nur einige Prozent der Bevölkerung erfassen. Dagegen sind etwa 3500 Studenten und über 2000 Geistliche, Ordensbrüder und Ordensschwestern vertreten. Sehr start ist die Beamtenschaft, da sich in Münster die gesamte Provinzialverwaltung befindet, Reichsbahn, Oberpostdirektion, Landesfinanzamt, Polizeischule usw. Außerdem ist hier die Landwirtschaftskammer, eine Industrie- und Handelskammer, eine Handwerkskammer, Hauptzollamt, Ratasteramt, Stadtverwaltung und Landratsamt. Den Rest der Bevölkerung bilden Kleinrentner und Beamte im Ruhestand und abgebaute Beamte. Nicht sehr stark vertreten ist die Arbeiterschaft, vielleicht noch ftärker die Angestelltenschaft. Aber die stärkste Gruppe bilden die Beamten. Die Bevölkerung Münfters ist zu mehr als 75 Prozent katholisch. Aber das Zentrum hat bei der diesmaligen Wahl nur noch 49,8 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten gegenüber 53,1 Prozent bei der letzten Wahl, trotzdem hier vier Sentrumszeitungen( eine fogar zweimal täglich) heraustommen und neben dem sozialdemo fratischen Bollswille", der erst seit 1919 besteht, nur noch ein Hugenbergblatt erscheint! Das Zentrum verlor 1750 Stimmen, die SPD. aber gewann 1211 Stimmen. Der Gewinn der Sozialdemo tratie erscheint gering, beträgt aber doch 17,1 Prozent, während er im ganzen Reiche nur 15,3 Prozent betrug. Ueberraschender ist noch die Zunahme im engeren Münsterlande, wo die Sozialdemokratie 23,6 Prozent an Stimmen gegenüber der vorigen Wahl gewann. Aber was heißt das: im Münsterlande? Kaum ein Gebiet Deutschlands ist wohl so wenig bekannt wie dieses. Das eigentliche Münsterland ohne die Industriestädte und Streife Recklinghausen und Buer ist etwa 6600 Quadratkilometer groß und umfaßt beinahe ein Die Drittel Westfalens mit nur etwa 4 Million Einwohnern. Die Bevölderung ist zu mehr als 75 Prozent katholisch. Während im Induftriebezirk Westfalens im Durchschnitt 1208 Einwohner auf den Quadratkilometer fommen, sind es beren im Münsterland nur 92. Saft inmitten dieses großen Gebietes liegt die Großstadt Münster, Liegen außerdem nur zwei Mittelstädte mit mehr als je 30 000 Einwohnern. Das andere ist Land und Kleinstadt. Die Mehrheit der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, aber fast über das ganze Land find Kleine Tertilindustrieorte verteilt, hauptsächlich aber entlang der holländischen Grenze. Und in Gronau ist sogar die größte Baumwollspinnerei Deutschlands. Kohlenbergwerke sind nur in der äußersten Nordwestecke( die" Preußag" in Ibbenburen) und am Südrande des Münsterlandes. Große Zement- und Kaltmerte find hier und am Westabhang des Teutoburger Waldes, der Die nur von wenigen Anhöhen durchzogene große münsterländische Tiefebene nach Often abschließt. Spalausgabe des Vorwärts Gesicht auf die Erde, in die Grube. Dann tamen die Nächsten an die Reihe. Sie mußten sich ebenfalls auf den Grubenrand stellen und sahen ihre toten Kameraden vor sich in der Grube liegen. Wieder befreuzigten sie sich, schon kracht die Salve und wieder haben zehn Mann ihr Leben ausgehaucht. Fürs Baterland"! Sie die eine Grube voll ist, immer mehrere Reihen übereinander. Ein entsetzlicher Anblick. Zuckte noch einer, bekam er einen Fangschuß nachgepfeffert. Für die wartenden Gefangenen, die die Schüsse hörten, und die nun wußten, was ihnen bevorstand, müssen das entsetzliche Qualen gewesen sein. Aber wie die Schafe ließen sie sich zur Schlachtbank führen. Reiner wehrte sich, feiner versuchte angesichts des Todes zu entfliehen, und feiner schrie. Wir konnten das Gemezel, das fast eine Stunde dauerte, nicht mehr mit ansehen und gingen voller Abscheu weg. Noch immer dröhnt das GewehrStadt, Land und Leute. fallen auf die bereits Erschoffenen hinauf. Das geht so weiter, bis In diesem Gebiete, größer als der Staat Oldenburg, gab es vor dem Kriege noch feine sozialdemokratische Zeitung und nur Anfänge einer sozialdemokratischen Parteiorganisation in Münster, Rheine und dem Städtchen Burgsteinfurt. In legterem war sie allerdings schon alt. Auch die freigewerkschaftliche Organifation war nur in wenigen Orten vertreten, abgesehen von den Buchdruckern. Dagegen war und ist hier noch die Hauptdomäne des chriftlichen Textilarbeiterverbandes. In jedem der neun Landfreise und zwei Stadtkreise erscheinen heute noch zwei bis drei Zen- feuer in unsere Ohren, bis es endlich verstummte. Die Henter trumszeitungen und außerdem andere Blätter bürgerlicher Parteien, sowie Generalanzeiger und nur ein sozialdemokratisches Organ, der Boltswille". Trotz alledem marschierte die Sozialdemokratie voran. Der Bürgerblod verior im engeren Münsterlande 36 528 Stimmen, Aus dem malerischen Münster. während die Sozialdemokratie in allen Kreisen, auch in den kleinen während die Sozialdemokratie in allen Kreisen, auch in den Meinen Landorten, Stimmenzuwachs erhielt. Das Zentrum aber verlor 29 127 Stimmen. Die SPD. erhielt 44 764, das Zentrum 195 987 Stimmen. Das ist um so bemerkenswerter, als hier die Wählerschaft bis au 80 Prozent und mehr an einzelnen Orten katholisch ist, während im ganzen Reich nur etwa 30,6 Prozent der Wählerschaft der katholischen Konfession angehören. So konnte das Zentrum noch immer mehr als 65 Prozent der katholischen Wählerstimmen auf seine Liste im Münsterlande vereinigen, während es im Reiche im Münsterlande vereinigen, während es im Reiche mit Ein schluß der Bayerischen Volkspartei am 20. Mai 1928 nur noch 49,6 Prozent der katholischen Wählerschaft erfaßte gegenüber 56,2 Prozent noch im Dezember 1924. Das dürfte allein schon einen Einblick in die schwierigen Verhältnisse des Münsterlandes, dieses in weiten Kreisen unbekannten Landes, gegenüber denen des Reiches geben. August Freudenthal. Das Gemetzel von Taganrog Eine Gluthize war, als mir am Mittag des 11. Juni 1918 nach) fast sechsunddreißigstündiger Fahrt in einem russischen Kohlenzug, dessen Wagen wir vorher in Ermangelung von Baffer notdürftig mit unserem Urin gereinigt hatten, in Taganrog ausgeladen wurden. Taganrog? Wo liegt denn Taganrog? In Südruß land am nordöstlichen Ufer des Asowschen Meeres. Was hatten mir da unten, fast 3000 Kilometer von unserer Heimat entfernt, zu fuchen? So fragten wir uns immer wieder, denn mit Rußland hatten wir doch längst Frieden geschlossen. Amtlich hieß es: Kämpfe zur Unterstützung der Ukraine. Man hatte uns, die wir eiligst ver laden wurden, nicht gesagt, was das zu bedeuten hatte. Nicht einmal Zeit zum Waschen ließ man uns nach dem Ausladen, dabei fahen wir wie die Mohren aus. Raum war das Essen eingenommen, gings zur Stadt hinaus. Erst in Kompagnietolonne, dann ausgeschwärmt. schiedensten Truppenteilen zusammengestellt. Bor Angst zitternd, mußten sie zwei Tage und Nächte, stark bewacht, im Freien zu bringen. Daß sie während dieser Zeit verpflegt wurden, habe ich nicht gesehen. Die Leute verschmachteten fast in der Hize. Sie verschenkten ihr ganzes Geld und baten die Wache, sie doch wenigstens mit Kaffee oder Tee zu versehen. Ein Mann der Wache ers zählte mir grinsend, daß ihm ein Gefangener vierzig Rubel für ein Geschirr Tee gegeben habe. Das Geld habe er wohl genommen, aber Tee habe er ihm nicht gebracht. Wegen seiner unmenschlichen Gemeinheit zur Rede gestellt, gab er eine nichtssagende Antwort. Mit noch mehreren Kameraden gelang es uns später, von der Gulaschkanone einige Kochgeschirre Tee zu erlangen, den wir dann verteilten. Als wir dann erfuhren, daß alle Gefangenen erschossen werden sollten, kannte unsere Empörung feine Gren zen. Ein anderer Teil unserer Kameraden war allerdings gleich Jetzt wußten wir Bescheid. Nicht lange, und die ersten feindgültig, wieder andere fanden das selbstverständlich. Es sei eben lichen Granaten schlugen in unserer Nähe ein. Auch daß man uns bis hinunter zum Asowschen Meer geschickt hatte, mußten mir erst gar nicht. Erst als eine Anhöhe erreicht war, sahen wir in der Ferne das spiegelglatte Meer. Die Hize war unerträglich. Reine Brise vam Meer, die uns Kühlung gebracht hätte, feine Wolfe am Himmel. Bald murden wir auch vom Meere aus von kleinen Schiffen beschoffen, die meisten Schüffe gingen glüdlicherweise zu furz. Drei Tage dauerte das Gefecht, das uns ziemliche Verluste toftete. Dann brannte die ganze Gegend lichterloh. Eine riesige Feuersäule am nächtlichen Himmel. Der Gegner mar geschlagen, zum Teil geflüchtet, zum Teil ins Meer gedrängt, zum Teil gefangen. Die Gefangenen sollen erschossen werden! Unser Bataillon hatte etma 180 Gefangene, meist Leute aus dem Don and Subangebiet, in schlechter Ausrüftrag und anicheinend in aller Gile von der russischen Regierung von den ver Krieg. Und mit uns machten sie es doch genau so. Teilnahmslos hockten oder lagen die Leute auf der Erde, feiner versuchte zu ert fliehen, was doch in der Dunkelheit immerhin möglich war. 180 Gefangene! An dem ziemlich steil ins Meer abfallenden steinigen Ufer mußten dann Sie Bedauernswerten mit unseren furzen Infanteriespaten sich auch noch ihr eigenes Grab schaufeln. Kaum einen Meter tief gruben sie, tiefer fonnten sie in das steinige Erdreich nicht eindringen, dabei fortwährend von einem aufsichtsführenden Feldwebel angetrieben. Fünf oder sechs solcher Gruben wurden im ganzen hergestellt. Dann wurden immer zehn Mann geholt. Mit dem Geficht zur Grubenöffnung mußten sie sich auf den Grubenrand stellen. Die Gefangenen befreuzigten sich schnell einige Male dann krachte die Salve. Die Henfer standen ganz dicht hinter ihnen und schossen in die Hinterköpfe. Die Schußmirkung war geradezu schauderhaft. Einigen zerplatte buchstäblich der Schädel, anderen flogen die Mügen hoch in die Suft und dann plumpften die Aermften vornüber mit dem hatten ihre Arbeit vollbracht. Zahlreiche junge Ostpreußen hatten sich freiwillig dazu gemeldet, die nachher von mir befragt, ihr trauriges Handwert mit der Berwüstung Ostpreußens durch die Russen begründeten. Warum man die Gefangenen einfach erschoß, blieb uns ein Rätsel. Man sagte nachher, es wären irreguläre Truppen gewesen. In Wirk lichkeit wußte man wohl mit den Gefangenen wegen der ungeheueren Entfernung von der Heimat nichts anzufangen. Als wir einige Tage später mit flingendem Spiel als Sieger in Tanganrog wieder einzogen, wurden wir von Kameraden ande rer Truppenteile mit Mörderbataillon angerufen. Spiegelglatt lag die unübersehbare Meeresfläche vor uns und friedlich strahlt die Sonne vom südlichen blauen Himmel, während fich an allen Enden und Ecken der Welt die Menschen gegenseitig zerfleischten. P. F. Geheimnisse des Gehirns. Rechen- und Gedächtnisfünstler haben seit je die Menschen in Erstaunen versetzt. Wissenschaftlich geflärt sind die Gehirnvorgänge, auf denen solche besondere Begabung beruht, bis heute noch nicht. Es scheint sich hier bisweilen um eine nahezu unbegrenzte Fassungstraft des Gehirns für Zahlen und Zeichen zu handeln. Das einmal Aufgenommene fann dabei auch für fürzere oder längere Zeit völlig ausgeschaltet und dann wieder aufgenommen werden. In der Berliner Gesellschaft für Psychologie und Charakterologie demonstrierte sich ein solcher Rechentünstler, Helmut Ossig. Von Beruf ist er Volksschullehrer. Sein Interesse an Geschichte und vor allem an Geschichtszahlen brachten ihn 1924 auf die Idee, sein Zahlengedächt nis weiter auszubauen. Auf der Präparandenanstalt beherrschte er 550 Geschichtszahlen. Bald brachte er es dazu, 3000 im Kopf zu behalten, und heute fann er etwa 10 000 hersagen. Die über 800 Breslauer Straßenbahnwagen mit allen Einzelheiten, den verschie denen Bremsen, Motoren, ihrem Gewicht, den Tag ihrer Ladierung oder Inbetriebnahme, tennt er so, daß er bei Zuruf irgendeiner Nummer ganz genau alles angeben kann. In der kurzen Zeit seines Aufenthaltes in Berlin hat er das gesamte Straßenbahnnetz auswendig gelernt, so daß er jederzeit Fahrdauer und Linienführung jeder einzelnen Nummer zu sagen weiß. Die Beherrschung dieser Zahlengebiete dient ihm beim Rechnen als Hilfsmittel. Er merkt sich in wenigen Minuten endlose Zahlenreihen, indem er sie in willfürlich aneinandergereihte Geschichtsdaten, Autonummern, Nummern von Straßenbahnen usw. zerlegt. Die übrigen geistigen Fähigkeiten von Offig dürften einem normalen Durchschnitt ent sprechen. Dr. Plaut, der den Vorführungen einige einführende Worte vorausschickte, hat mit Helmut Offig eingehende Versuche unternommen, die eine außerordentlich gute Mertfähigkeit für Zahlen und Zeichen, aber nicht für aus vielen Einzelheiten zusammengefetzte Bilder ergaben. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß diese Zahlenbeherrschung daß diese Zahlenbeherrschung wie es auch bei Offig der Fall ist feineswegs auf mathematische Begabung schließen läßt. Im Gegenteil ist der Rechentünstler in den meisten Fällen ein sehr mäßiger Mathematiter. Die beiden Morgans. Warschau, im Juni. Dem Berliner Komiter Paul Morgan macht es, wie er erzählt, riefigen Spaß, sich ins Hotelbuch mit dem Familiennamen einzutragen und alle Aufmerksamkeiten, die dem gleichnamigen amerikanischen Bankier gelten, stolz als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Kommt es aber bei der Abreise ans Trinkgeld, dann lächelt Morgan bescheiden:„ Ich bin ja gar nicht der Pierpont, ich bin ja bloß der Paul." Nicht auszudenken, was geschieht, menn umgekehrt jemand den amerikanischen Krösus für den Humoristen nähme und ihn erwartungsvoll zu einem Wißchen animieren wollte. Er würde sich entschieden solchen Spaß verbitten und kategorisch erklären, er sei der bekannte Bantier und tenne feinen Humoristen Leute dann als den besten Wig Pauls ansehen würden. was die Es gibt aber auch weniger tomische Namensverwechslungen. Als der polnische Sejmabgeordnete, Lew Baczewski fürzlich das Warschauer Parlamentsgebäude verließ, wurde er von mehreren Polizisten grob angefaßt und trotz heftigsten Protestes auf die Wache gebracht, wo man ihn für verhaftet erklärte. Umsonst berief sich der Abgeordnete auf seine Immunität die Polizisten hatten nur ein Lächeln dafür. Da erinnerte er sich, daß der Sejm in der Sitzung, an der er soeben teilgenommen hat, die von den Gerichten beantragte Auslieferung des kommunistischen Abgeordneten Wladislaus Baczemsti beschloffen hatte. Als die Polizei diese Namensver wechslung begriff, wurde er unter tausend Entschuldigungen freigelassen. Der Polizist aber, der vom Sejmbureau die Photographie des ausgelieferten Baczewski, ohne nähere Bezeichnung, verlangt hatte und dem daraufhin das falsche Bild gegeben wurde, hat mit einer Strafverfegung zu rechnen. Daß im übrigen die Polizei in diesem Zeitpunkt zu einer Berhaftung noch nicht berechtigt war, da der Auslieferungsbeschluß vorher dem Justizministerium hätte mitgeteilt werden müssen, gehört schon in ein anderes Kapitel. Im übrigen aber war der auszuliefernde Abgeordnete schon längst im sicheren Ausland. Ein christlichdemokratischer Abgeordneter Baclam Bittner hat übrigens den Antrag gestellt, den kommunistischen Abgeordneten Heinrich Bittner seines Mandats verlustig zu erklären. Seinen Antrag begründet er mit gewissen politischen Gründen wichtiger ist ihm aber zweifellos, von einem gleichen Schicksal, wie der andere Namensvetter eines fommunistischen Abgeordneten verschont zu bleiben. Es ist im polnischen Parlament nicht nur gefähr lich, Kommunist zu jein, auch die bippe Ramensgleichheit tann ver hängnisvoll werben.+++ P£R GflBC DIXCAK) VON V, WiaiAMS-ZEICHNUNC�N VON ADOLF LEHNERI 8. Fortsetzung. Der Franzose rieb sich die Hände und lachte leise. „Ich fag's ja. Moirderton," rief er..chasselb« Ziel auf oer- schiedenen Wegen! Und jetzt— woz wir über diesen Maler Quayre gehört haben, dah er Modoin« schon vor ihrer 5ieirot in New Dork gekannt hat. daß ihm Freund Cronmor« wegen seiner Schwägerin das Haus rierboten hat und daß sich sein Zltelier innerhalb des eben von uns festgestellten Kreises befindet— hm— weist da? nicht alles darauf hin, daß wir fein Atelier mal. vielleicht nicht ganz ohne Nutzen, in Augenschein nehmen könnten. Was?" Mairderton grinste über das ganze Gesicht. „Die Wichtigkeit von diesem Mr. Ouoyre ist mir auch nicht völlig entgangen," warf er hin.„Glauben Sie, daß ich hier nur herumgesessen bin, um meine Pfeife zu rauchen?" Er sprang mit einem Satz auf die Füße..Fyören Sie nichts? Vielleicht ist er das schon." Aber es war nur Smith, der Kriminaler. „Rührt sich nichts, Herr Inspektor," berichtete er,„und die Tür ist zu. Sechs Ateliers, zwei in jedem Haus, und ebensoviel airf der anderen Seite. Nr. 2 ist's, wo Mr. Duoyre drin wohnt. Parterreatelier, der ober« Stock steht feit drei Monaten leer— wenigstens behauptet das der Nachtwächter. Mallow steht noch dort mit dem Finger auf dem Knopf, daß das Geklingel die Toten aufwecken könnte. Aber's kommt kein Mensch!" Manderton sah auf seine Uhr. „Zwanzig Minuten nach zwölf," sagte er gähnend.„Kann wohl noch ein par Stunden ausbleiben, der Ouoyrei Sie wisien ja, wie die Künstler sind. Was meinen Sie, Boulot, zu einem Spaziergang zu den Ateliers hinüber? Sie sollen 5lhre Gelegen- heit haben, mir zu sagen, wo die arm« Frau hat dran glauben müssen.. Er zwinkerte Smith verschmitzt lächelnd zu. Aber Boulot. dessen Gelassenheit durch kein« Stichelei seines Kollegen zu erschüttern war, bemerkte ruhig, daß er eben selbst diesen Vorschlag Hab« machen wollen. Als die drei Männer schon an der Tür standen, wandte er sich an Smith. „Lieber Freund." fragt« er,„nicht wahr, bei den Ateliers da herum wird gebaut?" „Gebaut?" wiederholte der Kriminaler. Ich Hab nichts gesehen, daß da gebaut wird." ..Vielleicht das Haus repariert?" „Welches Haus?" „dlon Dien, irgendein Haus!" „Nichts davon bemerkt. An einer Stell« ist das Pflaster auf- gerissen..." ..Wo'" Di« Frag« kam wie ein Schuß aus Boulots Mund. „Vor Nr. 2." 7. Der Blutfleck. Der Drokeplotz war nichts als eine etwas breitere Straße. Rechts und links standen sechs einstöckig« rote Ziegelhäuser. Das End« war durch einige Ahornbäume abgeschlossen zwischen einem mannshohen eisernen Geländer und einer Holzplanke. Als die drei Männer vom Wirtshaus her über den Platz gingen, ertönte ein Geräusch, das immer mehr zunahm, bis es zum lauten Donnern anschwoll. Lichtstreifen huschten hinter den Bäumen vor- über und wurden wieder von der Dunkelheit ausgesogen. „Die Eisenbahn," erklärte Smith und deutete gegen den Hintergrund des Platze«. Zwei Gaslaternen, eine auf jeder Seite, verbreiteten nur ein spärliches Licht. Vor dem Eingang zu Nr. 2 war undeutlich die Gestalt eines Polizisten wahrzunehmen. Auf den Schall der Fuß- tritt« hin wandte er sich um und knipste seine elektrische Taschen- lampe an. Aus dem Haus« drang unablässig der schrille Ton einer elektrischen Glocke. Als der Mann den Inspektor erkannte, drehte er die Lampe ab und griff an seinen Helm. „Anscheinend niemand zu Hause," meldete er und steckte seine beiden Deumen in den Gürtel in der charakteristischen Art des Londoner Polizisten.„Alles wie ausgestorben." Ein Haus auf dem Platz war wie das andere. Zu jedem führten vier niedrige Stufen vom Gehsteig empor. Die Haustür von Nr. 2 stand offen und ließ in«inen dunklen Korridor sehen. Vor dem Haus war das Pflaster wegen irgendeiner Reparatur am Telephon oder Lichtkabel aufgerissen, und der Boden lag Ms zu den Sufen frei. „Der Kriminaler ist drin," sagt« der Polizist. Manderton drehte sich noch Boulot um, der auf dem Boden lag und das Loch untersuchte, wo das Pflaster aufgerissen war. „Manderton." rief er,„sie ist hier gewesen. Sie— ist— hier— gewesen!" „Wieder beim Raten?" fragt« Manderton, sarkastisch lächelnd, dagegen. Aber Boulot gab keine Antwort. Er hatte nach der elektrischen Lampe des Polizisten gegriffen und nahm nun Zoll für Zoll den erdigen Untergrund des Pflasters in Augenschein und einen Mörtelhaufen, der auf einem Brett vor Nr. 2 lag. Manderton zuckte die Achseln, überließ ihn seiner Arbeit und trat mit dem Polizisten in? Haus. Smiths Taschenlampe beleuchtete einen langen, engen Korridor, der m-'t früher einmal weißen, nun aber abgebrauchten und schmutzigen Fliesen ausgelegt war. Rechts führte eine Steintreppe mit einem einfachen eisernen Geländer zum Atelier im ersten Stock.?rm Ende des Korridors befand sich eine schräge, rote Tür mit fleckigen Glasscheiben oben. An der Tür steckt« eine Visiten- karte: Mr. Julian Ouayre. Der„Strohhut", der die Ankammenden nun bemerkt hatte, nahm den Finger vom Klingelknovf. und sofort wurde es totenstill. „Nichts los, was?" fragte Manderton und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Nein, Herr Inspektor." „Sie und Smitb warten draußen und lasten michs den Augenblick wissen, wenn Mr. Ouayr« zurückkommt. Ich schlafe auf der Station und auf Anruf kann ich in einer Viertelstunde da sein. Hall»...?" Er fuhr herum. Boulot kam wie«in Jagdhund hereingelaufen, den K»pf fast auf dem Boden, mst der Lampe rechts und links absuchend. Am Treppenhaus kam er zu einem plötzlichen.Halt, »öaerts eine Sekunde, sprang dann die Stiege h'.naus und oer- schwand oben. Mr. Mallow drehte den Hals, bracht« ihn dann wieder in sein« richtige Lage und schnüffelte hörbar. Er sagt« kein Wort, aber ein Psycholog« hätte aus dem Schnüffeln ein Urteil herausgehört, wie es so oft die Arbeit der Diplomaten erschwert. Manderton schwieg und füllte wieder einmal seine Pfeife. Boulot erschien wieder. Man hörte seine Schritt« auf der Treppe, ober diesmal langsam und zögernd. Mit der Lampe leuchtete er sorgfältig all« Stufen ab. Am Ende der Treppe maäste er halt. —„Ich.tagt's Ihnen ja, da schauen Sie her!" „Pst!" rief er Manderton zu. Der Engländer gesellte sich achselzuckend zu ihm. „Nirgends Blut." flüsterte der Franzose,„aber es muß doch welches da sein. Bei Messerstichen gibts immer viel Blut. Ich erinner« mich an Easerio, der den armen Präsidenten Carnot er- stach— er war gebadet in Blut. Und aus dem Kleid von Madame war alles voll Blut. Wenn's hier geschehen ist... und es ist hier geschehen... dann müssen wir Spuren finden. Ah...1" Es war, als ob er in die Luft spränge, so schnell schoß er auf den äußersten linken Winkel des Korridors zu. Manderton wo? erstaunt über die Beweglichkeit dieser plumpen Gestalt. Boulot kniete schon auf dem Boden und ließ die Strahlen seiner Lamps über die weißen Randfliesen gleiten. Er wandte den Kopf und rief über seine Schulter Manderton zu:„Ich sagt's Ihnen ja! Da schauen Sie her!" Auf der Steineinfassung zeigte sich ein dunkelbrauner Fleck. „Da ist kein Irrtum möglich!" wispert« der Franzose eisrig. „Wie oft Hab ich's früher auf dem Kopfstcinpflaster von La Roquette gesehen, wenn dos Beil gefallen war. Deiblers Leute �Habens nie wieder ganz wegwaschen können... Tieos rexsräer! Mit der Lampe folgte er dem Fleck zum Rand« des Fliesen- mufters, wo er in eine dunkle Flüssigkeit überging, die auf den hier roten Fliesen kaum zu erkennen war. Er tauchte die Hand in die. Flüssigkeit und hielt sie unter die Lampe. Von den Fingern träufelte es rot. �, Manderton sprang auf die Aieliertür zu.„Können•=!« s ou> bringen, Mallow?" rief er,„sonst muß einer von euch im Auto zu der Station und den Schlosser holen..." „Ich glaub,'s wird schon gehen," krächzt« der Strohhut. „Knips mal dos Deckenlicht an, Smith!" Ein paar Minuten arbeitete der„Strohhut" mit einem Stuck Kupferdraht am Se�oß herum. Dann gab's einen leisen Schnapp. laut und die Tür flog auf. Manderton trat zuerst ein und drehte das Licht an. E? befand sich in einem engen, kleinen, fensterlosen Vorraum. Auf der einen Seite stand ein Kleiderständer, aus der anderen ein alte? Eichenkaften. Eine offene Tür führte von hier in- Atelier, einen großen, nackten Raum mit einem riesigen Atelierfenster, das mit Abblendungsvarrichlungen versehen war. In der Mitte stand eine Stasselei, darauf«in mck grauen, Papier verdeckter Blendrahmen. Danebeil ein großer Tisch aus Tannenholz, auf dem Palelten. Pinsel, Malstöcke und Farbtuben unordentlich umherlagen. In der Eck« befand sich«in Podium mit einem altertümlichen Lehnstuhl, über dessen Rucken eins chinesisch« Stickerei herabhing. Von den mit Leimfarbe gestrichenen Wänden haben sich einige schöne Möbelstücke ab. Hier und dorr schoß ein Farbfleck aus dem Halbdunkel:«ine große, ichwarz« mit rotem Mohn gefüllte Vase, eine gelbe chinesische Stickerei übe? einer schäbigen Ottomane. Rings an den Wänden waren mit Reisnögeln Studien befestigt, mit der Rückseite gegen das Atelier zu. Ganz am Ende hing«in einfacher grauer Vorhang von de? Decke bis zum Boden herab. Wo«r in der Mitte sich teilt«, wurda eine kleine Tür sichtbar, die in einen dunklen, kurzen Komdrc führte und von da in das Schlafzimmer, einen länglichen Raum mit einem einzigen großen Fenster gegenüber der Tür, dessen untere Hälfte au» Milchglas bestand. Ein einsaches Feldbett, cm Stuhl doneben mit einem Gaskocher, ein Waschtisch und kiiiS Kommod« vervollständigten das Mobiliar.(Fortsetzung folgt.) �45 DER TAG BRINGT. iiiiiiiiiiinimmiimmiiniiiiMnmiiiiiiinnnmimmnimiiiimiiniimiiiiiniiiiiimimuiiiiitiimHiminniimiminimimimiiiMnmnimminnimmiiiinimniiiiMmiiimiMmniimiimiHiiiii Anweisung für kommunistische Redakteure. Merk Dir für jeden Federstrich, den Du tust: Der Sozial- demokrat kann machen, was er will, er macht immer das Derkehri«! Ist feine Rede nüchtern und fachlich, fo ist sie von unaussteh- licher Langweiligkeit. Ist sie feurig und begeisternd, so betrügt er die Massen in widerwärtiger Demagogie. Beteiligt er sich an einer Kcalitionsregierung, so übt er schäm- losen Arbeitervcrrat. Beteiligt er sich nicht, fo erweist er feine Unfähigkeit, Aemter besetzen zu können. Beruft er sich auf Karl Marx, fo ist er scheinheilig und jesuitisch. Deruft er sich nicht auf Karl Marx, so beweist er, daß er den marxistischen Standpunkt längst verlosten Hot. Ist fein Kragen sauber, so kleben an seinen schmutzigen Fingern die Millionen Barmats. Ist sein Kragen nicht sauber, so beweist feine äußere Erscheinung, wie er von seinen Führern betrogen wird. Gerät er in eine Schlägerei mit Rotstont-Iünglingcn, so hat er provoziert. Gerät er in keine solche Schlägerei, so hält er sich, Kapitalsknccht, der er ist, für zu schade, mit Proletariern zu verkehren. Ist er verheiratet, so ist er ein spießiger Kleinbürger. Ist er nicht verheiratet, fo ist er aller Wahrscheinlichkeit nach«in heimlicher Wüstling. Verlangt er von einem Restaurant, daß es behaglich und mit modernem Komfort ausgestattet fei, so offenbort er ekelhafte bourgeoife Neigungen. Verlangt er es nicht, fo ist er ein kultur- loser Ochse. Schimpft er auf Rußland, so ist er ein Agent Ehamberlains. Schimpft er nicht, fo übt er die verwerfliche Taktik des Totschweigens. Ist er korpulent, so ist er vollgefresten. Ist er hager, so schleppt er wahrscheinlich olles auf die Sparkaste. Ist er religiös, so ist er«in Reaktionär von reinstem Master. Ist er Freidenker, so will er nur sozialdcmokratisch-idcologisch die Massen verwirren. Tritt ein Kommunist zur Sozialdemokratischen Parte: über, so ist er«in verächtlicher Renegat. Tritt ein Sozialdemokrat zur Kommunistischen Partei über, fo—„verlassen die aufgeweckten sozialdemokratischen Arbeiter in hellen Scharen ihre Partei". (Aus dem„Wahren Jacob".) Der begehrte Papagei. Ein Leser teilt uns folgendes Geschichtchen mit, das vor dem Kriege gespielt hat: Eine im Norden Berlins wohnende Familie besah lange Zeit einen außergewöhnlich gutverständlichen und viel- sprechenden Papagei. Der gute Ruf dieses wirklich seltenen Vogels drang sogar bis an den Hof nach Potsdam. Eines schönen Tages erschien denn auch bei dem Besitzer des Papageis eine Hofdame der Kaiserin, um sich von den angeblichen Fähigkeiten des klugen Tieres zu überzeugen. Und, wie immer, versagte der Papagei auch hier nicht. Als er sein übliches Programm zur größten Zufriedenheit heruntergeleiert hatte, begannen die Kaufoerhandlungen. Die Hof- domo war so entzückt, daß sie auf der Stelle den Bogel zu erwerben gedachte, als plötzlich, o Schreck, der Papagei laut und sehr ocrnchm- sich herausschmetterte: Olle Topsau! Die Kaufoerhandlungen haben sich zerschlagen. Die Flucht in Unterhosen. In einer Schneiderwerkstatt am Boulevard in Pari, brach vor kurzem Feuer aus. Der Brand war durch die Nachläfsigkest einer Plätterin verursacht. Diese hatte mit einem jungen Mann im Hinterhaus geliebäugelt und dabei das elektrische Bügeleisen vco» gessen. Der Oualm verbreitete sich bald auf all« Räume des Ke- Ichästs. Im Ladcnfenster war ein Schild mit folgender Aufschrift ausgehängt: „Aufplätten von Beinkleidern. Es kann gewartet werden." Auch die im Laden wartende.Kundschaft wurde bald des Feuer» gewahr. In ihrer Bestürzung eilten plötzlich vier Herren, die gerade auf dos Aufplätten ihrer Beinkleider warteten, in Unterhosen auf die Straße. Die slüchtenden Herren waren natürlich dem Hohn des Publikums in den belebten Straßen preisgegeben. Am lächer- lichsten aber war ein Anblick, der sich den Feuerwehrleuten bei den Löscharbeiten bot. In einer völlig verräucherten Umkleidekadin» saß wie ein Häuschen Unglück ein Herr in Unterhosen und wartete. Er erklärt« weinerlich: Lieber sterben, als sich in Unterhosen zeigen» die ein— Loch haben! Ein Opfer der erschwerten Ehescheidung. Dreizehn Jahre lang hatte der Mann der Frau Gabriele G i l l a r d nichts von sich hören lasten. Nach zweijähriger Ehe hatte er sie oerlasten und seitdem wußte sie nichts mehr von ihm. Sie lebte einsam und zurückgezogen in P! n c e n n e s bei Paris, ver» mied es, Bekanntschaften zu machen und arbeitete fleißig in der Fabrik. Sollte sie etwa bis zum End« ihres Lebens auf die Rück» kehr ihres Mannes warten? Da lernte sie einen anderen kenne» und lieben. Gehörte sie ober nicht immer noch ihrem gesetzlich an» getrauten Ehegatten? Was sollte sie nun tun? Eine Scheidung herbeizuführen schien unmöglich, dazu fehlte der gesetzliche Grund oder das Einverständnis des Mannes, der, weiß der liebe Himmel. wo war. Da faßte Frau Gillard einen verzweifelten Entschluß. Si« fälschte die Papiere ihres Schwiegervaters— auch besten Totenschein; zufällig befanden sie sich in ihrem Besitz. An Stell« des Nomens ihres Schwiegervaters setzte sie den Namen ihres Mannes, begab sich in das Rathaus und erklärte, sie sei Witwe. Die Papiere wurden aber einer sorgsäliigen Prüfung unterzogen, die Fälschung wurd« aufgedeckt und die Braut verhaftet. SO 000 000 Vermisste jährlich. Zur Beruhigung: Es handelt sich hier um öl) Millionen M i l ch s l a s ch e n, die jährlich in New Bork hoft'nunzeloz ver. schwinden. Die großen Molkereien sehen in diesem Verschwinden von 50 Millionen Milchflaschen ihr größtes Passiotonto. Denn jede Milchjlasche ist fünf Cent wert, so daß der Gesamtwert der Milchflaschen, die nicht mehr in die Molkereien zurückkehren» 250 000 000 Dollar betrögt. Von je lY0 Milchflaschen, die sich im Umlauf befinden, verschwinden jährlich sechs! Es soll nunmehr eine tatkräftige Werbung ins Leben gerufen werden, um die vc» lorenen Milchslafchen zur Hennkehr zu bewegen. Das Arbdtersporifest in Brandenburg a. HL Die 50- Jahrfeier der Turnerschaff. vle Geburkstadt des Arbeiter-Iurn- und Sporlbundes. das tausendjährige Brandenburg an der Havel, war Sonnabend und Sonntag das Ziel lausender und aber tau- sender Arbeitersporller. Zeder Eisenbahnzug brachte neue Aestteilnehmer aus Luckenwalde, Rathenow. Magdeburg und Stendal. Aus Berlin waren viele Brudervereine erschienen, die Freie Turnerschast Groß- Verlin war besonders zahlreich vertreten. Die Brandenburger empfingen die Ankommenden am Lahnhof und geleiteten sie mit Musik durch die mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen festlich geschmückten Straßen in die Quartiere. Abends fand dann im Bolkshaus ein Empfang statt. Es war eine Feierstunde für die Turnerschast Branden- bürg und zugleich eine besondere Ehrung für den M i t b« g r ü n- der des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, des alten, heut« noch als Turrnvart tätigen Otto Gartz. Bon der Galerie erklingt das Festlied„Krönt den Tag", vorgetrogen von den Arbeitersängern. Dann folgt die Begrüßung durch den Vorsitzenden ch o s f m a n n, der in beroegten Worten seiner Freude Ausdruck verleiht, daß so unendlich viele zu diesem Ehrentage herbeigeeilt sind Der Oberbürgermeister der Stadt Dr. Fresdorf entbietet den Willkommcnsgruß der Stadt und betont besondere, daß er sich innerlich verbunden fühlt mit den Bestrebungen des Arbeiter-Turn- und S p o r t b u n d e s. Die Tätig- keit der Arbeiterturner und-sportler ist Dienst am Volk«, und die zersetzende Bewegung, die von gewisser Seite ausgeht, wird diesem Siegesgedanken keinen Einhalt tun. Unter stürmischer Zustimmung schließt der Oberbürgermeister seine Ausführungen, daß die Turner- schaft Brandenburg einer der Eckpfeiler der Arbeiterkulturbewegung gewesen ist und auch in Zukunft sein möge!" Als äußeres ficht- bares Zeichen der Anerkennung überreicht er im Auftrage der repu- blikanischen Stadtverwaltung ein Gemälde des St.-Pauli- Winkels, einer historischen Stätte Brandenburgs. Kussin schil- dert dann in bewegten Worten die Gründung des Vereins 1875. die zusammenfällt mit der vertündung des Sozialistengesetzes. Bei der Erwähnung, daß 50 Arbeiterturner dem wahnwitzigen Weltkrieg zum Opfer sielen, erheben sich alle Anwesenden von den Plätzen. Der Redner schließt mit den Worten:„Unser alter Gartz legte den Grundstein, Jahre schwerer, mühevoller Arbeit liegen hinter uns, der Kampf hat uns groß gemacht! Wir sammeln uns auch in Zukunft um das Bundesbanner, in alter Bundestreus, dann dienen wir der Internationalen Arbeiter-Turn- und Sport- bewegung. Frei Heil!"' Als Vertreter des Bundes sprach nunmehr Kreuz- bürg- Leipzig. Er erblickt in der Bewegung die Erfüllung einer Kulturaufgab« der gesamten Arbeiterschaft. Idealismus aller Funk- tionäre und ihrer Familienangehörigen haben es möglich gemacht, die Organisation zu der gegenwärtigen beachtenswerten Höh« zu führen. ZurzeU sind leider Kräfte am Werk, die, gleich nagenden Ratten am Schiffe, unser großes, stolzes Gebäude auszuhöhlen versuchen. Behält die Leitung das Steuer fest in der Hand, leisten die Mannschaften treue Gefolgschaft, dann werden Sturm und wetterbrau» wirkungslos zerschellen, und wir werden auch diese unterirdischen Wühler verjagent Stürmische Zustimmung der Anwesendeil bewies, daß Kreuzburg allen au« der Seele gesprochen hatte. Mit den Worten:„Wir als Vorbild, unsere Jugend als Nachkommen, so schreiten wir zur Höhe, zum Licht, zur Sonne", überreicht er mit Dankcsworten dem alten Gartz die goldene Bundesnadcl. Brausender Beifall dröhnt durch den Saal. In bunter Reihenfolge sprechen noch der Kreisvertreter Reichert- Berlin, Kartellvorsitzender Oehlschlägcr im Aus- trage von 26 0Öl> Spielleuten und Musikern, und die Vertreter der anwesenden Vereine und Delegationen. Kasel von der Freien Turnerschaft Groß-Bertin knüpft besonders an die Worte Ochl- schlägers an, daß Brandenburger Geist die Arbeiterfportbewegung ins Leben rief und Brandenburger Geist sie auch in Zukunft be- seelen soll! Ein Jugendfreund von Gartz, Fritz Weber- Rathenow, brachte dann noch Schilderungen au» der Zeit vor<0 Iahren, die Zeugnis davon ablegten, daß nur innige Freundschaft und Kamerad- schaft imstande waren, den Arbeitersport zur heutigen Höhe zu führen. Dann nahm unter lautloser Stille, von Rührung ergriffen, der alle Gartz das wort und dankte allen für die vielen Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Er betonte ausdrücklich/ daß ihm die jahrelange Funktionärtätigkeit nur möglich war durch die verständnisvolle Unterstützung seiner treuen Lebensgefährtin, seiner Frau. Mit feuchten Augen mahnt der Gründer des Bundes zur Einigkeit. Schließen wir uns sest zusammen, rief er den Tausenden zu, dann wird das Wort Wirtlichkeit:„Ein Volk, ein Wille, ein Weg!" Während dieser denkwürdigen Veranstaltung im großen, völlig überfüllten Saal erNangen aus dem Garten die alten Kampf- und Turnerlieder.— Der weitaus größte Teil aller Gäste weilte seit Beginn der Dunkelheit am Beetzseeuser und erfreut« sich am Korso der Wassersportler: 75 illuminiert« Boote zogen vorüber, und anschließend wurde aus dem See ein Flammenschwingen vorgeführt. In großartiger Weise sorgten die Brandenburger für die Unterhaltung der Gäste. Nach dem Wecken am Sonntag früh herrschte bald srisches Heben und Treiben in der Stadt. In aller Frühe huschten die Kinder zur Wohnung des alten Gartz, und bald erklangen die hellen Kinder- stimmen: Wir sind jung, die Welt steht offen...! Und schon rückten neue Gratulanten zu neuen Ehrungen an. Gegen Mittag formierte sich ein Festzug von Z000 Teilnehmern. der in Begleitung taufender Gäste und unter Mitjührung von un- zähligen Fahnen und mindestens 4M Spielleuten und Musikern zum Stadion Grillendamm marschierte. Alle Spielleute intonierten die Internationale. Die folgenden Ansprachen wurden durch die vom Arbciterradiobund, Ortsgruppe Brandenburg, gebaut« Laut- sprecheranloge den lausenden Gästen hörbar gemacht. Dann folgen im flotten Tempo nach den.Klängen der Musikkapelle der Freien Turnerschast Brandenburg die Freiübungen. Sie zeigten rhythmisch-gymnastische Hebungen. Dann nahmen die leichtathle- tischen Hauptkämpf« das Interesse der Zuschauer in Anspruch. „Auf die Plätze— fertig"— Schuß! Und wie von der Sehne des Bogens geschnellt wird der Körper über die IvO-Meter-Strecke getragen, gilt es doch, in kürzester Zeit unter größter Kraftanstren- gung diese Strecke zu bewältigen. Bald wird das Leben und Treiben auf dem Platze bunter. Turnerische Sonderoorführun- gen wechseln in bunter Folge. Besonders zu erwähnen wäre die Plaucr Handstondgruppc mit ihren artistischen Uebungen. Gleich darauf fliegen die Läufer über die Hürden: an anderer Stelle sind Mannschaften mit Speerwerfen beschäftigt. Der 1500-Meter-Lauf erfreute sich einer großen Beteiligung. Hier konnte ein Spandauer Sportler ganz überlegen gewinnen. Ballweitwcrfen der Jugend, Hochsprung der Frauen und Stabhochsprung der Männer füllen das Programm aus. Den Höhepunkt bilden, wie immer, die Sta- i c t t c n. Auch die Sportler des nassen Elements zeigen ihr Können. Sie fürchten weder Wind noch Wetter bei der Durch- führung ihres Programms. Fesselnd wirken die durchgeführten Sprünge, vollständige Beherrschung des Körpers ist hierbei Grund- bedingung, ganz besonders beim Springen vom Zehnmeterbrett.— Turnspieler bevölkern weite Flächen der neben dem Stadion liegen- den Spielplätze. Handball-, Trommel- und Faustballspiel« werden hier durchgeführt. Auch sie ziehen interessiertes Publikum an und werben somit für diese Sportart. Die Spielleutc und Musiker erfreuen derweil durch gut« Platzmusik. So feierten die Arbeitersportler in Brandenburg den sünszigsten Geburtstag ihres Vereins, frei von jedem parteipolitischen Klimbim, frei von jeder Störung und frei von jedem Eingriff von außen her. aber geschlossen im wollen, in der Arbeit, in der Gesinnung! Das Jubilaums-Fufjballspiel. Während sich die letzten Sportler noch auf der Aschenbahn be- fanden, betraten schon die beiden Fußballmannschaften den Innen» räum. Burg im weißen Heind und weißer Hose. Branden- bürg rotes Hemd und weihe Hos«. Gleich beim Anpfiff bemerkte man, daß sich hier zwei verschiedene Spielspsteme gegenüberstanden. Die Burger pflegten da» weitmaschige Kombinationsspiel, verbun- den mit Steilvorlagen, während sich die Brandenburger auf das kurze Maim-zu-Mann-Spiel einstellten. Der Anstoß der Gäste wird von Brandenburgs Sturm abgefangen. Langsames Abtasten der Gegner nach schwachen Stellen läßt das Spiel zunächst wenig interessant erscheinen. Doch dann ein schneller Lauf und mit scharfem Schuß sitzt der erste Treffer für Brandenburg. Burg versucht nun den Ausgleich zu erzwingen. Der Sturm kann sich jedoch auf dem glatten Rasen nicht finden. Erst nach 35 Minuten gelingt der Ausgleich und kurz darauf sogar der Siegestresser. Nach der Pause vermochten die Burger noch den dritten Treffer einzusenden. Doch dann wurden sie das Opfer des schnellen Tempos. Brandenburg setzt« zum Endspurt ein und der erschöpft« Gegner mußte noch viermal den Ball passieren lassen. Die Turn spiele. Während des Brandenburger Feste» standen sich auch Hand- ball-, Trommelball- und F a u st b a l l Mannschaften aus Magdeburg, Rathenow, Berlin, Kirchmöser, Stendal und Branden- bürg gegenüber. Stendal spielte gegen Brandenburg und gewann durch das bessere Zusammenspiel mit 8: 0(2: 0). Beide Mannschaften waren etwas körperlich, aber sonst technisch auf der Höhe. Am schlechtesten in der Technik zeigte sich Groß-Berlin Mitte, die vormittags durch die schlechte Arbeit der Verteidigung und Uneinigkeit des Sturmes gegen Brandenburg mit 12: 1(8:0) verlor. Am Nachmittag spiel- ten sie gegen Brandenburg 2. Abteilung II und verloren wieder 3:1<4:1). Spieler aus Groß-Berlin Süden und Wedding bildeten eine Mannschan gegen Brandenburg 2. Abteilung I und verloren mit 3:0(1: 2). Den Vorteil hatte Brandenburg, da sie durch die Geschlossenheit gefielen. Weitere Resultat«: Handball (Männer): Brandenburg 1. Abteilung II gegen Rathenow 13:2 ,1: 1): Brandenburg 5. Abteilung II gegen Groß-Berlin Friedenau I Faustball:(Männer): Rathenow II gegen Brandenburg 2. Ab> teilung I 82: 40: Rathenow I gegen Brandenburg 2. Abteilung I 08: 52: Rathenow l gegen Brairdenburg 3. Abteilung I 86: 45: Rathenow II gegen Brandenburg 3. Abteilung I 95: 75. Trotzdem Brandenburg im Trommelball führend ist, fanden die Turnerinnen doch ihren Gegner. Kirchmöser und Rowawe» spielen noch nicht lange. Die Resultate sind: Magdeburg-Buckau gegen Brandenburg 2. Abteilung II 90:176: Magdeburg gegen Brandenburg 2. Ab- teilung I 90: 97: Magdeburg gegen Nowawes 73: 124: Branden- bürg 2. Abteilung I gegen Nowawes 74: 158: Brandenburg 2. Ab- teilung II gegen Kirchmöser 77: 158. Oer Berliner»RAST" im Stadion. Die schwere Krise, die der Berliner Arbeitersport zurzeit durch- macht, drückt« auch auf den Reichsarbeitcrsporttag im Grunewald- stadion. Die Maßnahmen der bundestreucn Arbeitersportler und ihrer vorläufigen Leitung hatten einen großen Teil der Bevölkerung von dem Besuch der Veranstaltung abgehalten und auch unter den aktiven Teilnehmern fehlten viele Vereine. Am meisten wirkte der Aufruf des neuen„Freien Kartells für Sport und Körperpflege" unter den sonst ganz kommunistisch orientierten Fußballern. Der Bundeemeister Adler 08 hatte es vorgezogen, anderwärts ein-Spiel auszutragen, die anderen Berliner Fußballvcrcin« bekundeten ihr mangelndes Interesse am Reichsarbeitersporttag dadurch, daß sie sich weigerten, anzutreten. nur well sie nicht die voll« Spielzeit zugestanden erhalten konnten. Die ganze Märkische Spieloereinigung ließ sich durch zwei Delegierte vertreten. Die Parole der kommunistischen Zentrale in der Kleinen Alexanderstraße hatte also nicht vermocht, große Massen anzulocken. Ganze 10 000 Personen verloren sich auf die vielen Plätze, am meisten Zuspruch hatten wieder die Schwimmer. Ueber der ganzen Veranstaltung lag eine gedrückte Stimmung, überall sph man Gruppen debattierender Funktionäre herumstehen, die den Ernst der Situation im Berliner Arbeitersport osscnbar noch nicht erfaßt hatten. Einer traut dem anderen nicht mehr: man wartet offenbar auf neue Parolen aus der Kleinen Alexanderstraße wieder ReZen bei Rütt! Forisctzung Dienstag abend. Es schien gestern als hätte Walter Rütt mit dem Weltergott einen Fricdenspakt geschlossen, aber der Kontrahent zeigte bald sehr wenig Verständnis und entlud gerade in dem Augenblick seine un- heilschwcren Wolken über die Bahn, alz dos sehr zahlreich erschienene Publikum seine Delikatessen genießen wall!«. Mit Macht stürzten Wassermassen auf Publikum und Bahn herunter: die Rennen muhten auf Di«nstog, 20,30 Uhr, verlegf werden. Mit einiger Verspätung stellten sich die ersten, von dem 24 Fahrer starken Felde, für die 12 Ausscheidungsläufe um den „Großen Preis der Stadt Berlin". Hier dominierten fast alle Favoriten, Frankcnstein, Dcgraeoe, Lorenz, Morl, Rütt, Ehmer, Spears, Os.zmella, Enget und Schamberg. Andersen schlug den deutschen Meister Fricke überlegen und Dcwolf wurde gegen Beinert distanziert. Aus den vier Hoffnungsläufen erwarben sich Knappe, Brazard, Bassi und De Marini die Anwartschaft auf weitere Teilnahme. Dem Starter stellten sich wieder 16 Fahrer für die acht Vorläufe. Hier schälten sich wieder Engel, Degraeve, Mori, Rütt, Ehmer, Knappe, Schömberg und Oszmella heraus. Sehr interessant verliefen die folgenden Spurts der vier Zivischenläufe. Erster wurde hier Engel über Degraeve, Oskar Rütt siegte knapp vor Mori-Italien. Ehmer erzielte den Sieg über Schamberg, der distanziert wurde. Oszmella entledigte sich des Knappe überlegen. In den Vorent- scheidungskäufen siegte Oszmella gut vor Ehmer, Oskar Rütt be- hauptct« sich nach scharfem Spurt über den ehemaligen Amateur- Weltmeister Engel. Kurz nach dem Start von Oszmella und Rütt um den dritten Platz— den zweiten und den Sieger zeitigt erst der Dienstagabend— zwang stark einsetzender Regen zum Abbruch des Rennens. Im Armbinden-Rennen wurde der Herausforderer Kroschel schon nach 15 von den 30 Runden vom Verteidiger der Bind«, De Martini,«ingeholt. Im sehr interessanten Punktefahren beendeten Frankenstein(12 P.) und Buschenhagcn(12 P.) gemeinsam das Rennen. Dewolf mit 5 Punkten und Goebel und Behrendt waren mit je 4 Punkten mit bei der Siegergruppe. bidilaumswx>che in Ruhleben. Die Jubiläum swoche der Berliner Trabrennvereine nahm einen verheißungsvollen Auftakt. Vor dicht besetzten Tribünen wurde ein interessantes Programm abgewickelt, das bei besserem Wetter wohl einen Massenbesuch, ähnlich wie am Derbytage, an- gelockt hätte. Im Mittelpunkt der Geschehnisse stand der mit 10000 Mark dotierte, über 2400 Meter führende Jubiläums- preis, in dem einig« ausgezeichnete ältere Inländer mit zwei so guten Vertretern des Derbyjahrgangs wie Zaunkönig und Arnim zusammentrafen. Während Arnim bei Fall der Flagge ansprang, zog Ehrenberg im Rufh an die Spitze vor Coro Bube und Zaun- könig. Letzterer ging im Stallbogen auf den zweiten Platz. Die ünlernehmen der Gewerkschaden '• '/'/V MM 1 / """/s/s/S' Ohne Anzahlung V/ociienrafe 3.MK., MonatsruTe 12.- MK. Zu beziuhen dunh sämtliche Irciqcwerk- bihaftlidien Organisationen oB dir.ekt durch liMMMWM Berlin- Lichte nrodt s Fabrik-Niederlage: Berlin, Oranienstraße 127 Verkaufszelt: Werktäglich von 9 7 Uhr. Reparatur-Werkstatt. __ � gibt ihm oft � � in der Zelt der jungen Gemüse und des frischen Obstes. sowie Inder Sommerfrische, denn„Maizena" hat eine außerordentlich wohltätige Wirkung auf den Darm und den gesamten Organismus des Kindes. Fahrt von Ehrenberg an der Spige gestaltete das Rennen enorm schnell, so daß das Feld bald weit auseinandergerissen war. In der Geraden griff Ch. Mills mit Zauntönig den Führenden an, einen Moment schwankte die Entscheidung, dann war Ehrenberg geschlagen und Zauntönig passierte unter Beifall in der neuen Dreijähri gen- Rekordzeit von 1: 24,9 als Sieger das Ziel. Burchardt- Rennen. 1. Dahlie( Ch. Mills), 2. Perecampos, 3. Heinrich. Toto: 10:10. Play: 10, 13: 10. Ferner liefen: Ossi Oswalda, Marone, Johannisnacht. Bolly- Rennen. 1. Arion Bingen( Ch. Mills), 2. Michael, 3. Turiddu. Toto: 12:10. Blaz: 12, 18. 26: 10. Ferner liefen: Nation, Louisiana, Agnes, Valeur. Graf- Bismard- Rennen. 1. Effi( Weidner jr.), 2. Alcibiades, 3. Harfen. mädchen. Toto: 392: 10. Plag: 68, 21, 31:10. Ferner Hefen: Leuchttäfer, Rehoferin, Lindow Peter( 1. o. W.), Beate, Eichtelmann, Lu, Diana Magowan, Esparsette, Fredegundis, Flaggenlied. Jubiläums- Preis. 1. Zauntönig( Ch. Mills), 2. Ehrenberg, 3. Edstein. Toto: 70:10. Blag: 18, 12, 14: 10. Ferner liefen: Caro Bube, Arnim, Belwin, Manrico, Karneval. v. Goßler- Rennen. 1. Edelsteins Gohn( 2. Mattern), 2. Rohlenkönig, 3. Erifa. Toto: 82:10. Blag: 40, 29, 39: 10. Ferner Tiefen: Seider, Selio. gabal, Jram, Liebesbote, Campanula, Eulenspiegel, Erbprinz jr., Propeller, Cilento, Goudster, Ingeblinde, Bicar, Ingrid Halle, Petronella A., Lindowkind, Luftschiffer, Manzanares. v. Retowsti- Rennen. 1. Barmento( Ch. Mills), 2. Baffer, 3. Primel. Toto: 25:10. Plas: 10, 10, 11:10. Ferner liefen: Beter Spinne, Tamerlan, Nebeltappe, Nelly Arnold, Alpenfeuer. Preis der Stadt Berlin. 1. Benjamin III( Begou), 2. fegrimm, 3. Magowan ir. Toto: 132: 10. Plag: 25, 27, 14:10. Ferner liefen: Kurfürst, Aga, Rönigsabler, Cotta, Johannistäfer( o. B.), Fregoli, Trotteur. Stolzenberg- Rennen. 1. Athener( Schula), 2. Cilly Dillon, 3. Heimchen. Toto: 137: 10. Plat: 32, 16, 16:10. Ferner Tiefen: Artifer, Fridericus Reg, Wartburg, Constance, Madonna, Sinne, Aldisa, Haga Burton, Kroschel, Meifter finger, Gondel, Hella Timoto. Tichoepe- Rennen. 1. Frankenstein( A. Schula), 2. Capitän Salle, 3. 3r teufelchen. Toto: 157: 10. Blag: 32, 26, 30:10. Ferner liefen: Binsto, Friedrichsd'or, Terraria, Baron Gabler, Notula, Dichtung, Ctashöferin, Cham pion Good( o. W.), Heideprinz I, Niederländer, Abdullah Silver, Rohlenkönigin, Baromther, Prinzessin Etawah, Quitte B., Gawein, Franlet, Copal, Beter Sarvefter. Motorbootrennen. Um den großen Preis von Deutschland. Der zweite Tag der internationalen Motorboot Rennen auf dem Templiner See bei Potsdam hatte wiederum unter ungünstigem Wetter zu leiden. In beiden Hauptprüfungen, der unbeschränkten und der 12 Liter- Klasse, feierte der Franzose Sigrand mit seinem Bott Pah Sih Fou II" große Erfolge, da er in beiden Rennen die vorgeschriebenen zwei Läufe gewann, einen davon im 80 Kilometer- Tempo. In der 12 Liter Klasse war er zwar allein, während ihm in der unbeschränkten Klasse der Sieg dadurch leicht gemacht wurde, daß Frizz von Opel ( Opel II) den Rest des ersten Laufes und den ganzen zweiten Lauf nur mit einem Motor fahren mußte, da bei dem anderen die Lager fich heiß gelaufen hatten. Auch die Amerikanerin Miß entschel hatte eine guten Tag, da sie beide Rennen der Außenbord- B- Klasse Engelhardt Engelhardt Caramel- MadClar DUITETISCHES GESUNDNES VOLLBIER Engelhardt- Brauerei 02 EngelhardtCaramelMalzbier nahrhaft wohlschmeckend bekömmlich erfrischend Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportler In der Ausstellung ,, Die Ernährung" Halle II, Stand 131 Filmvorführung Kostproben Das ideale Laxin Abführ- Konfekt gewann. Dagegen versagte ihr Boot„ Mis III in der C- Klasse. Die Engländer, die diesmal mur mit zwei Booten ins Rennen gingen, gaben auf, die 1% Liter- Klaffe war wieder eine Familienangelegenheit des Ehepaares Krüger mit den beiden Sigrid"-Booten. " Der Schlußtag stand sportlich zurüd, denn die Boote Opel II und Sigrid VI waren durch Motorschäden zur Untätigkeit verurteilt, so daß von den zehn Läufen des Tages nicht weniger als sechs zu Alleingängen wurden. Dadurch gewann der Franzose Sigrand nicht nur seine vier Läufe in der unbeschränkten, sowie der 12 Literklasse, sondern auch Frau Krüger fam mit ihrem ,, Sigrid V" allein über die Bahn. Sigrand machte im letzten Lauf den Bersuch, den von Fritz von Opel erzielten Reford von 80 Stundenkilometern zu schlagen, es gelang ihm dies jedoch wegen des starken Wellenganges und des heftigen Windes nicht. Da außer den sechs Alleingängen auch die beiden Läufe der B- Klasse durch die Ueberlegenheit des Bootes Julius" der Amerikanerin Hentschel mur zahme Affären waren, gestaltete sich die Prüfung der Außenbord C- Klasse zu der einzigen Prüfung von Interesse. Sämtliche Engländer hatten auf die weitere Teilnahme der zichtet und auch die Amerikanerin Miß Hentschel fpielte mit ihrem Boot ,, Miß R C III" feine Rolle. In der Gesamtwertung aller drei Regatta- Tage wurde der Große Preis von Deutschland dem Berliner Rennmann R. C. Krüger mit 4099 Punkten zugesprochen vor dem Franzosen Sigrand, dem man nur 3600 Punkte, anrechnete. Reichsbanner greift bei Seenot ein! Am geftrigen Sonntag tenterte auf dem Tegeler See, durch den heftigen Sturm hervorgerufen, eine 20er Segeljolle des Tegeler Segelflubs„ Odin". Trog strömenden Regens und heftigen Wellen gangs konnte ein Riemenvierer der Reichsbannerruderriege die Besagung, bestehend aus zwei Herren, retten. Es ist in diesem Jahre schon das zweitemal, daß Reichsbannerruderer bei Unglücksfällen eingreifen tonnten. Besonders zu erwähnen ist noch, daß andere vorbeifahrende Boote sich um die Rettung der Befagung nicht fümmerten. „ Kaiser- Bierer" in Grünau! Bei der großen Ruderregatta in Grünau, am Sonnabend und Sonntag, wurde auch in diesem Jahre Kommentar er wieder ein Kaiser- Bierer" gefahren. übrigt sich. Voraussagen für Ruhleben: 1. Ladyship Friefin; 2. Anita Worthy- Leonardo; 3. Signal Fahrt Ch. Mills; 4. Augias Eckstein; 5. Barmaid Lindowkind; 6. Valeur- Fahrt Ch. Mills; 7. Tizian Fahrt J. Mills; 8. Königsadler Marie Luise; 9. Fahrt Jauß jr. Fahrt J. Mills. SIGR JUNGMANN G6 Gebt Euren Kindern Sinalco Sinalco ist stärkend, erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. Ueberall zu haben! Generalvartr. Starick& Krüger G. m. b. M., Landsberger Allee 6-7. Alexander 4703/ Königst. 1686 Bergmann über 70 Filialen in Groß- Berlin Ein Kind des Alkohols. Der 19jährige Maffenmörder und Notzüchter Gourada. Er heißt Johann Sourada; ist 19 Jahre alt. Die Geschworenen in Krems- Desterreich- haben ihn zu 18 Jahren schweren Kerters verurteilt, verschärft durch einen Fasttag vierteljährlich und einsame Absperrung in dunkler Zelle an jedem Jahrestag der Tat, dem 23. Juli. Sourada hatte den Aufseher des Gefängnisses in Rabs mit einem Kleiderrechen niedergeschlagen, seine Frau und seinen vierjährigen Sohn mit einer Waffe getötet und einen sieben Wochen alten Säugling erdrosselt. Souradas Großvater mütterlicherseits war Säufer, sein Vater, ein Wachtmeister, trant täglich einen Liter Schnaps, den Johann zeugte er im Alkoholrausch. Die Geburt des Knaben war eine schwere 3angengeburt, bei der ihm der Schädel flach gedrückt wurde. Damals sagte schon der Arzt zur Mutter, einer schwer hysterischen Frau, der Junge werde ihr viel zu schaffen machen. Tatfächlich war er ein schwer zu leitendes Rind. Bon seinen Gespielen erhielt er immer die Prügel und so machte er auch den Eindruck eines verprügelten Knaben. Später wechselte er eine Lehrstelle nach der anderen, und als er zu einem Bauern gegeben wurde, versuchte der Vierzehnjährige eine Siebzehnjährige zu vergewaltigen. Bald folgten verschiedene Straftaten. Der Junge fam ins Gefängnis für Jugendliche, fehrte nach seiner Entlassung zu den Eltern zurüd und verübte gleich darauf wieder einen Einbruch in einer Villa. Das Einzige, was er mitnahm, waren Bücher; stundenlang hatte er fie vorher in der Billa selbst gelesen. Anfang Juni 1927 verübte er auf dem Heimwege von einem Kirchweihfest im Dorfe, wo er bei einem Bauern arbeitete, ein Sittlichkeitsver= brechen an einer Siebzehnjährigen, die er dabei fast erwürgté. Er wurde in das Gefängnis von Rabs eingeliefert. Der junge Richter, froh, daß er endlich eine größere Sache zu bearbeiten bekommen hat, ließ ihn hier, obgleich die Anstalt für derart schwere Verbrecher nicht geeignet war. Der Gefängnisaufseher Hermann beschäftigte den Sourada mit dem Aufräumen des Richterzimmers. Eines Tages schlug der Gefangene plötzlich mit dem Kleiderrechen auf den Aufseher ein. Als Sourada fliehen wollte, stieß er auf die Frau des Aufsehers; mit einer Hade schlug er sie sechs bis siebenmal auf den Kopf. Als ihr vierjähriges Knäblein sich an ihn hängte, mit den Worten:„ Ich laß' Ihnen nimmer aus, Sie müssen dableib'n," tötete er auch das Kind, ging dann in die Wohnung der Hermann, erwürgte hier mit den Händen den Säugling und wickelte die Wäscheleine um den Hals des Kindes. Dann floh er. Auf seiner Flucht vergewaltigte er ein zwölfjähriges Mädchen, das viele Wochen danach frank danieder lag. Am nächsten Tage überfiel er ein anderes Mädchen und zwang fie, indem er ihr einen Stich mit dem Messer versezte, ihm zu Willen zu sein. In der Tschechoslowakei verhaftet und in Wien in das Wiener Gefängnis gebracht, brach er hier bei einer Rauferei mit einem Häftling diesem das Schlüsselbein. Das waren die Taten des Neunzehnjährigen, im Altoholrausche gezeugten Sourada. Der Sachverständige erklärte den Sourada als geistig ge sund. Er kannte den jungen Menschen schon vom Jahre 1924 her, als er ihn zum ersten Male begutachtete. Damals hatte er von ihm gesagt, daß er auf dem besten Wege sei, ein großer Berbrecher zu werden. Er hatte auch eine entsprechende heilpädagogische Behandlung vorgeschlagen. Sie wurde aber nicht vorges nommen, statt dessen kam der Bursche ins Gefängnis: man sorgte dafür, daß er tatsächlich ein großer Verbrecher wurde. Der Sachverständige sprach von der erblichen Belastung des Ange flagten, von Reimschäden, vom geschädigten Nervensystem, von den Entwicklungshemmungen in bezug auf Gemüt und Willenstätigkeit, verursacht durch die Zangengeburt, von anlagemäßigen Defekten berneinte aber trotz alledem eine Geistes störung. Die Geschworenen sprachen Sourada einstimmig des tückischen Mordes schuldig. Traf dies Kind des Alkohols die Schuld an all dem, was eg verbrochen? Traf sie den Vater, der im Gerichtssaal gebrochen neben dem Sohn saß? Ist der Kerfer, das Fasten, die dunkle Zelle für diesen jungen Menschen, der schuldlos geworden ist, das Richtige? Wußte er, was er tat oder wirkte in ihm der Alkoholrausch des Baters, in dem er gezeugt war? Man wird in der Kriminalgeschichte nicht leicht einen zweiten Fall Sourada finden, um so lauter schlägt die Warnung an das Dhr: Sorgt für die unglücklichen Opfer des Alkohols beizeiten, damit der Alkoholrausch des Vaters nicht im Sohne als Blutrausch gräßlicher wiederkehre! Pumpen, LJUERGENS Röhran, Filter, Ersatzteile reisliste gratis Roblank A Fahrräder Dürkoppfahrräder, ALEXANDER PLATZ Sedarsulmer. Teilzahlungen ohne Auf Opelfahrräder schlag. Berbaufsstelle: Knoch, Gneisenau ftraße 111 dors Hours ins & Pumpenfabrik Berlin N 65, Heinickendorfer Str. 95 10 PF PARKASSE OSMARRICK 100 MARK Quittungs-, Rabattu. Reklamemarken gegen Nachahmung BRONKOW BIGLANS Verkäufe Möbel Teilzahlung. Geringe Anzahlung Heine Rate, trogdem billig. Nur Quali tätsräder, drei Jahre Garantie. Fahr rabbau Wima. Aderstraße dreißig. Fahrradbecken 2,50. Schläuche 1,20 Retten 1,20. Laternen 1,50. Anoder 3,-. Attu 4,- Sparröhren 2Schönleinstraße 2. Freilaufräder, Halbrenner, Teilzahlung 2,50. Kraus, Große Frankfurterstraße 52 Geldverkehr Pfandleihe Lange, Aschingerhaus. Wertbeleihung. Morigplag Kaufgesuche gesetzl. gesch. Batentmatraßen, Primissima"-Metall. fertigt seit 45 Jahr, betten, Auflegematragen, Chaiselongues. als Spezialität Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spe. Quedilber. Goldschmelze, Christionat Conrad Muller Leipzig- Schkeuditz aialgeschäft Moebel- Boebel. Morigplay, Fabril gebäude, liefert gediegene Schlafzimmer, möbel, Einzelmöbel aller Art zu nie Bahngebiffe. Silbersachen, 8inn, Blei Röpeniderftr. 39( nahe Adalbertstraße) Speiſezimmer, Herrenzimmer, Röchen Verschiedenes Blumenspenden brigften Breisen. Besichtigung erbeten. jeder Art iefert preiswert Paul Golletz, Musikinstrumente liert, Emaille- Bereinsabzeichen, hochfein po vergoldet, 18 Millimeter groß toften per Stüd bei 12 Stüd 1,10 Lintpianos, überaus preiswert. Biano. ein 25-90, 50-, 70, 100-60, breifarbig Alb Dorm. Robert Meyer fabrit Bint. Brunnenstraße 85. und zweifarbig billiger! Petsch, Vereinsabzeichen und Stempel Mariannenstraße 3, Pianos, Flügel, vorzüglich, billig zu fabrik, Berlin- Niederschöneweide, Köl Ede Naunynítraße Rauf und Miete. Kleine Raten. Kunst- nischestraße 58. Musterpreisliste frei Ami Morigol. 103 03 Spielpiano. Bierling, Rottbusserstraße 5.| Geschäftszeit 8-6 Uhr. färbt! wäscht! reinigt! Denken Sie an Ihre hellen Kleider für Straße und Gesellschaft für Sport und Reise