BERLIN Dienstag, 19. Mi 1928 10 Pf. Ar. 286 B141 45. Jahrgang. T r i ch e i n t täglich außerSonntags. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche, 3,eo M.pro Monat. Redaktion undErpeditiou: Berlin SW 68, kindenßr. 3 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« 8» Pf., Rcklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftscheckkonro: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3752«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Zwei Mordfälle in einer Nacht! Das große Arbeiter= Sängerfest in Hannover. ' 4'xA' 7-■.'S'"'- t*„vu: f> v----- Z v-? w'IBBr' v » y" � � y■;.■ r 4<■-' . Mb y> j..•: f.. y«y.y M f jm» y> O s"' � «.? � � � f V IU- � H. � H■. M*/' �> i«>.MM 5: ' v��' -AM. y 4�■-. Die ungeheure Sängerschar im Stadion. Anmarsch der Sänger. Mord in Tempelhof. Ein Kapitalverbrechen wurde gestern abend in dem Hanse Berliner Strohe 7S in Tempclhof entdeckt. Es kann erst wenige Stunden vorher verübt worden sein. Zum Opfer gefallen ist ihm der 50 3ahre alte Böttchermeister Georg Smigolski, der mit seiner Frau und zwei Kindern, einer seht ZZ Zahre alten Tochter Herta und seinem ISjährigen Sohne Georg, seit 22 Jahren im zweiten Stock des Vorderhauses wohnte. Das alte Haus hat nur zwei Stockwerte. Bis vor zwei Jahren befand sich im Erdgeschoß die Schantwirtschast„Zum tollen Hengst", die durch viele Schlägereien berüchtigt war. Dieser Raum ist für ein Pelzgeschäft umgebaut worden. Am Hos« lag früher ein Tanz- saal, hier wird heute eine Druckerei betrieben, daran schließen sich eine Tischlerwerkstatt und eine Milchverkaufsstelle. Die Keller- Werkstatt Smigolstis liegt unter dem rechten Flügel des Vorderhauses, in einem niedrigen Keller, in den man vom Hos aus hinabsteigt. Smigolski nahm, weil er nicht genug zu tun hatte, noch eine Stellung als Pia ßw ächter bei der Tiefbausirma Ge- bmder Hein in der Ordensmeisterstraße an. Dorthin begab er sich jeden Morgen uin 3 Uhr und blieb bis 3 Uhr nachinittags. Dann arbeitete er in seiner Werkstatt, um die Aufträge zu erledigen. Die Kinder hoben beide Beschäftigung. Gestern nachmittag kam der Sohn uin 5% Uhr noch Hause und begrüßte seinen Dater, der vor drr Werkstatt stand. Dann ging er in die Wohnung hinauf. Gegen Uhr schickte ihn die Mutter hinunter, um nach dem Vater zu fcl)en. Der junge Smigolski fand den Vater wider Erwarten nicht bei einem Freunde und sah die Kellertür zur Werkstatt noch offen- stehen. Als«r jetzt hinunterging und Licht mochte, bot sich ihm ein schreckliches Bild. Dicht hinter der Tür zu der eigentlichen Werkstatt lag der Vater mit schweren Verletzungen tot in einer Blutlache. Er lief gleich in die Di uckerei und rief durch den Fernsprecher das Usberiallkommondo. Nach kurzer Zeit erschien die M o r d k o m- Mission mit ihren Beamten, dem Erkennungsdienst und dem Gerichtsarzt Medizinalrat Professor Störmer,. um den Befund auf. zunehmen und photographisch festzulegen. Smigolski lag in knieender Stellung, den Oberkörper über eine Hobelbant geschlagen, den Kopf herumerhängmd, mit ausgebreiteten Sinnen da. Der Gerichlsarzt stellte tiefe Schnitte an den Pulsadern beider Hände fest, weiter mehrere Schnitte über den Kehlkopf, die nur die Haut vertetzt hatten, und mehrere Hiebe aus das Schädeldach, die die Schädeldecke wohl verletzt, aber nicht zertrümmert haben. Der Tod muß durch Verbluten aus den zerschnittenen Pulsadern ein- getreten sein. Die Hals- und Schädelverletzungen waren nicht tödlich. Unter den Knien fand man in einer großen Blutlache ein Hobel- messer mit zwei Griffen, ein Werkzeug des Meisters, mit dem ohne Zweifel die Handgelenkschnitt? geführt sind. Auf einer Tisckz- lerband hinter dem Toten lag ein zwei Pfund schwerer achtkantiger Dorschlaghammer, der ebenfalls mit Blut besudelt war, am meisten am Stiel. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes muß ein Mord vorliegen, weil die Verletzungen nicht anders zu erklären sind. Nach Aufnahme dieses Befundes wurden auch die Nebenräume unter- sucht. Der zweite Raum, der zur Werkstatt gehört und hauptsäch- lich zum Unterstellen dient, enthält an der einen Wand in halber Höhe ein Abflußrohr, daß den ganzen Raum längs durchläuft und auf die Straße mündet. In der Mitte fand man an diesem Rohr zwei Blutflecke, als wenn sich jemand mit blutigen Händen dagegen gestützt hätte. Darunter zeigte sich eine große Blutlache, und über dem Rohr ist die Wand bis zur Decke hinauf mit Blutspritzern übersät. Mit letzter Kraft muß sich der Schwerverletzte noch eiimial aufgerafft haben, in die Werkstatt hineingetaumelt und dort tot zusammengebrochen sein. Von dem Mörder hat niemand etwas gesehen oder gehört, auch Hilferufe hat niemand ver- nommcn. Was das Motto des Verbrechens gewesen sein kann, ist noch völlig dunkel. Geraubt i st nichts, bei der Leiche fand man noch Uhr und Kette, die Taschen waren nicht durchsucht. Mög- lich ist, daß es sich um einen Racheakt handelt, obwohl niemand weiß, daß der Meister Feinde gehabt hätte. (Siehe auch 2. Seite.) Llm das Panzerschiff A. Schwierigkeiien bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung. Die intersraktionellen Besprechungen von heule vormittag endeten bald nach 12 Uhr. Besprochen wurden die Fragen der Amnestie und der Reichswehr, besonders die Frage des neu zu bauenden panzerschisses A. während sich in der Amnestie- frage keine Meinungsverschiedenheiten ergaben, deren Behebung besonders schwer scheint, kamen bei der Frage des Panzerschisses die schon längst bestehenden Gegensähe zu klarem Ausdruck. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei beharrtcn ebenso aus ihrem Standpunkt wie die Deutsche Volkspartci und das Zentrum aus dem ihren. Die Heuligen Verhandlungen bilden gewissermaßen den Abschluß der ersten tesvng des künsligen Regierungsprogramms. Genosse Hermann Müller beabsichtigt aus Grund der bisherigen Ergebnisse die Grundzüge eines Regierung»- Programms zu formulieren, das er bei intersraktionellen ver- Handlungen am Mittwoch nachmittag den Fraktionssührern vor- legen will. was den Streit um das Panzerschiff A betrifft, so seien folgende Tatsachen in die Erinnerung zurückgerufen: 3m Haushaltsplan für das 3ahr 1928 waren als erste Rate für den Bau dieses Panzer- schiffes 9,3 Millionen Mark angefordert. Diese Forderung fand in weiten Kreisen, zu denen besonder» auch bedeutende Sachverständige der Marine gehörten, entschiedene Ablehnung. Der Vertrag von Versailles gestaltet, sechs glte Linienschiffe der Deutschlandklasse durch neue zu ersehen, begrenzt aber die höchslgröhe aus ll> 000 Tonnen. Die Marinesachverständigen waren vor zwei Jahren einer Meinung darüber, daß der Bau der 10 000-Tonnen- Schiffe voll- kommen unzweckmäßig sei. 3m Reichstag wurde trotzdem die Reu- forderung mit den Stimmen des Bürgerblocks gegen Sozialdemo- kralen, Demokraten, Kommunisten und wirtschastsparteilcr angenommen. Es ist nicht uninteressant festzustellen, daß diese vier Parteien mit ihren 254 Stimmen seht über die Mehrheit im Reichs- tag verfügen. 3m Reichsral war schon vor den neuen Reichstogswahlcn eine starke Mehrheit vorhanden, die gegen den Bau des neuen Panzer- schiffes Einspruch erhob. Das geschah teils aus Gründen der militärischen llnzweckmäßigkeit dieses Schiffsbaues, teils aus finanzpolitischen Gründen. Denn die 9,3 Millionen Mark sind natürlich nur eine erste Rate und jedes der neu zu bauenden vier Schiffe ist auf über 80 Millionen berechnet, so daß man mit einer Ausgabe von rund 400 Millionen rechnen kann. Formell konnte jedoch der Reichsrok aus Gründen der Ver- fassuug nicht gegen eine einzelne Position des Haushaltsplanes Einspruch erheben. Dies hätte vielmehr gegen den ganzen Haus- h-ltspl-n geschehen müssen, wodurch seine Verabschiedung vor der Auslösung des alten Reichstags unmöglich geworden wäre. Der Reichsrai zog daher seinen Einspruch zarück, erwirkte aber dafür von der Reichsregierung das Zugestän!>ais. daß zunächst nur konstruktive Vorarbeiten geleistet, der Bau selbst ober noch nicht in Angriff genommen werden solle. 3n neuer Prüfung solle entschieden werden, ob am 1. September mit dem Reubau begonnen werden solle oder nicht. Die alte Regierung schob damit die v e r a n t. wortung für dies? Angelegenheit aus die neue Re- g i e r u n g ab. Diese wird also vor die Frage gestellt sein, o b sie nach dem Dillen der allen nicht mehr bestehenden Reichstags- Mehrheit bauen oder ob sie nach dem Willen der noch bestehenden Relchsratsmehrheit nicht bauen soll. Eine E n i g u n g über diese Frage ist. wie schon gesagt, bei den bisherigen Verhandlungen nicht erzielt worden._ Der Fliegereinzug in Bremen. Der Empfang der O z e a n f l i e g e r hat Bremen einen riesigen Fremden z'u ström gebracht, heute setzte schon in frühen Morgenstunden ein Strom von Schaulustigen nach Bremen ein. Die Schulen blieben geschlossen, und es bewegte sich schon am frühen Vormittag eine f e st l i ch e M e n g e in den reich geschmückten Cinzugsstrajjen der inneren Stadt. Die ganze Stadt hatte geflaggt. Wimpel in den bremischen Farben zogen sich quer über die Ein- zugsstraßen der inneren Stadt, deren Schaufensterauslagen überall die Bilder der Ozeanstieger, des Professors Junkers und der Die Amerikaflieger bei der Ankunft. „Bremen* trugen. Das Rathaus, wo der Senat Köhl. Fig. Maurice und o. hüneseld empfing, war mit Girlanden und Flaggen- tuch reich dekoriert, und am Giebel nach dem Rathausplatz zu leuch- teten in Rot und Gold die Initialen der drei Flieger. Denselben Schmuck in Tannengrün und farbigem Tuch trugen auch die um- liegenden städtischen und öffentlichen Gebäude. Von der Stadtgrenze an bildeten SckMlen und Reichswehr das Spalier. Musikkapellen hatten an einzelnen Punkten der Feststraße Aufstellung genommen und veranstalteten bis zum heran- nahen des Einholungszuges Platzkonzerte. Kaum waren die Tau- sende, die zum Hofen geeilt waren, der Flieger ansichtig geworden, als ein Jubel losbrach. Nur mit Mühe konnte die Polizei das Vorwärtsdrängen der Menge auf die abgesperrte Straße oerhindern. In longsamer Fahrt ging es dann durch Bremerhaven bis an das Autofpalier, wo die Hupen von 2lK>t) Autos ein ohrenbetäuben» des Begrüßungskonzert veranstalteten. Das Auto der Flieger, dem bis zur Bremer Stadtgrenze Amtshauptmann Koch in einem Wagen voranfuhr, war bald völlig mit Blumen be- deckt. Zur Begrüßung der Flieger auf bremischem Gebiet war Polizeipräsident Dr. P e t r i nach Burg gefahren und setzte sich hier an die Spitze des Zuges, der sich in langsamer Fahtt bis zum Dooen- tor bewegte. Dort setzte sich eine berittene Abteilung der Schutzpolizei als Eskorte vor und hinter die Fliegcrwagen, während eine Musikkapelle dem Festzug voranmarfchierte. So ging die T r i u m p h- fahrt bis zum Rathaus. Aobiles Aoirufe. Die Flieger können Nobile nicht auffinden. wie der Sonderkorrespondent des„Eorriere dclla Sera* von der S i n g s b a y berichtet, ist auch derzweiteErkundungsflug Risser Larsens und Lühow Holms über dem Gebiet, wo fich Nobile befindet, ergebnislos geblieben. Trotz allen Suchens ge- lang es den beiden norwegischen Fliegern nicht, das rote Zelt Robiles Zu entdecken, obwohl sie nur in geringer höhe flogen. Der General und seine fünf Gefährten haben dagegen beide Flugzeuge wieder gut wahrgenommen, die sich ihrem Standort bis auf zwei Kilometer angenähert halten und dann wieder verschwanden. Robile hat wieder genau seine geographische Lage gefunkt, die heute fünf Meilen nordöstlich der Insel Foyn sein soll. Da die Schiffbrüchigen natürlich sehr enttäuscht sind, suchte man sie sofort von der„Eitta di Milano* aus zu trösten, indeni man ihnen für heute den ersten Erkundungsflug Maddalenas ankündigte. Demokraten gegen Verschmelzung. Fraktion und parteivorfiand verweigern Llnterstühung. Für den l. Juli plant die Liberale Vereinigung, an deren Spitze vor einiger Zeit Dr. Stresemann und der demokratische Abgeordnete Koch als Ehrenpräsidenten getreten sind, einen Liberalen Tag, um die von ihr betriebene Verein!- gung der Demokraten und der Volkspartei zu fördern. Man will die Veranstaltung in möglichst großem Rahmen inszenieren und dafür auch einen entsprechenden Aufruf vorbereiten, wie das bei solchen„überparteilichen* Aktionen zu geschehen pflegt. Obwohl einige nach rechts neigende Mitglieder der Demokrati- schen Partei mit der Idee des Zusammenschlusses mit der Volks- parte! kokettieren, hat, wie wir hören, die demokratische Reich stagsfraktion beschlossen, daß keines ihrer Mit- glieder den Aufruf der Liberalen Vereinigung unter- zeichnen soll; auch der demokratische Parteiuorstand hat sich auf seiner letzten Tagung diesem Beschluß angeschlossen. Man darf gespannt sein, wie weit diese Weisung der beiden demokratischen Körperschaften von ihren eigenen Mitgliedern be- folgt norden wird. Ein Hilfskommunist verhastet. Das Hilfskomitee protestiert bei den Sowjets. Wenn das Komitee der Sozialistischen Internationale für die Opfer der Tscheka in Sowjetrußland seine Stimme erhebt, so macht das auf die bolschewistischen Machthaber wenig Ein- druck. Anders aber, wenn Mitglieder des äußerst k o m- munistenfreundlichen Hilfskomitees zum Schutze der Opfer des Faschismus nun öffentlich Pro- test erheben gegen die Willkürakte der bolsche- wistischen politischen Polizei. Dies Komitee ins Leben gerufen von Henri Barbusse, besteht bekanntlich in der Hauptsache aus Kommunisten: die übrigen Mitglieder, da- runter bekannte Schriftsteller und Gelehrte, auch einigen Sozialisten wie Longuet, Zyromski und D6lepine dienen mehr als Aushängeschild. Diese Mitglieder des kommunistischen Hilfskomitees haben sich nun an die Sowjetregierung mit einem ge- harnischten Protest gegen die Verhaftung eines Komiteemitgliedes gewendet. Der Wortlaut dieses Appells macht jeden Kommentar überflüssig. Es heißt darin: Wir endunterzeichneten Mitglieder des Hilfskomitees zum Schutze der Foschistenopser, beunruhigt von der Nachricht über die in Leningrad erfolgte Verhaftung ihres Kollegen Victor Serge(Kibaltschitsch), Mitglied des genannten Komi- tees, Mitarbeiter der Blätter„Humonite",„Impretorr",„Elartö*. „Arbeiterleben",„Kommunistisches Bulletin", erachten es für not- wendig, sich an die Sowjetregierung zu werden. Die Verhastuns von Victor Serge ist am 23. April unerwartet unter geheimnisvollen Bedingungen und aus Gesichts- punkten erfolgt, die vor der öffentlichen Meinung ge- heimgeholten wurden. Di« Presse hat darüber nichts mit- geteilt. Die Familie und die Freunde Victor Serges konnten auch keinen Bescheid darüber erhalten. Weder die gegen ihn erhobene Anklage noch die möglichen Folgen sind bekannt. Der Be- schuldigte wird völlig isoliert gehalten. Wir endunterzeichnete Mitglieder des Komitees zum Schutze der Foschistenopser, äußerst erstaunt über die Verhaftung eines unserer Kollegen, der in allen Ländern sowohl als Schriftsteller als mich durch seine hervorragende Tätigkeit als Kommunist bekannt ist und von allen seinen Freunden in USSR. und seinen Ge- nassen, den Kommunisten, aufs höchste geachtet ist. ersuchen die Sowjelregierung, vor der öffentlichen Meinung der West die Ur- fachen und die möglichen Folgen dieser Angelegenheit zu beleuchten, in der anscheinend die Autorität der Regierung im Spiele steht. « Wir Endunterzeichneten hoffen, daß das Unterfuchungsver- fahren wie auch die Gerichtsverhandlung öffentliche sein werden. Falls diese geheimnisvoll« Verhaftung sich als durch nichts gerechtfertigt erweisen sollre, so ist es notwendia, Victor Serge auf freien Fuß zu setzen. Es wäre unzulässig, wenn die Freiheit, vielleicht auch das Leben der Bürger der USSR. ohne die Möglichkeit jeglicher Kontrolle der össentlichen Meinung Gefahren ausgesetzt würde. Wir Endunterschriebenen sind über- zeugt, daß es genügen würde, die Aufmerksamkeit der Sotv'et- regierung auf die Tatsache zu lenken, damit jegliche Beunruhigung in dieser Hinsicht zerstreut werde. Dieser Protest, der u. a. die Unterschriften von Victor Bäsch, Ferdinand B u i s s o n, DÄepine, Duhamel, Jean Richard. Gustave Kahn, Bernard Lecache, Henri Torres führt, hat anscheinend seine Wirkung nicht verfehlt: nach n e u e st e r Meldung befindet sich Victor Serge bereits auf freiem Fuß. Henri Barbusse beeilt sich aber zu erklären, daß der Protest eine private Angelegenheit von einigen Komiteemitgliedern gewesen sei und mit dem Komitee als solchem nichts zu tun habe, denn dieses habe sich nur zu- sammengefunden, um gegen faschistischen Terror aufzu- treten, nicht aber gegen Sowjetrußland. Zwei Kommunisten, die, wie es hieß, gleichfalls das Schriftstück unterzeichnet haben sollten, behaupten nun, ihre Unterschrift nicht gegeben zu haben. Wie dem auch sei, es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß ausgerechnet eine Anzahl Mitglieder der Hilfskomitees zum Schutze der Opfer des Faschismus sich ge- nötigt gesehen hat, bei der bolschewistischen Regierung zu ver- wenden, damit sein Mitglied nicht zum Opfer des Bolschewismus werde. Schnelles Gnde eines Hehblattes. Oer„Berliner Mittag* eingegangen. Der„Berliner Mittag" teilt mit, daß er wegen der Ungunst der wirtschaftlichen Derhältnisie„einstweilen" sein Erscheinen e i n g e st e t habe. Diese vorläufige Todesanzeige dürfte wohl als« n d- gültig aufzufasien sein. Hinter der Gründung, di« zu Beginn des Jahres unter lebhafter fchwarzweihroter Propaganda erfolgte, standen zunächst oberschlesische Industriekreise, die später von der Norddeutschen Wollkämmerei abgelöst wurden. Seine Verbreitung suchte das Blatt durch eine besonders gehässige und persönlich zugespitzte Hetze gegen di-.Sozial- demokrati« im Stil der niedersten Skandalblatter zu erzielen. Für diese Aufgabe war zweifellos der aus der„Berliner Börsen- zeitung" ausgeschiffte und vom„Berliner Mittag" übernommene Chefredakteur Dr. O estreich der geeignete Mann. Das Schicksal des„Berliner Mittag" aber zeigt ebenso wie der Wahlauefall, daß mit dieser Methode politische Geschäfte nicht mehr zu machen sind. Im Gerichtssaal erschossen. Ein entlassener Nedattenr tötet den Ehefredakteur. Wien, IS. Juni. während eines Beleidigungsprozesses feuerte heule vormittag der ehemalige Redakteur des früheren„Reuen wiener Journal* P S f f e l als Kläger gegen den Redakteur desselben Blatte, Bruno Wolf, als dieser belastende Aussagen gegen ihn machte. mehrere Revolverschüsse ab. Wolf wurde so schwer verletzt, daß er wenige Minuten daraus st a r b. Die Vorgeschichte dieser Bluttat gehl aus etwa zwei Jahre zu- rück. Pösscl war damals als ljandelsredakleur des„Reuen wiener Journals*. fristlos entlassen worden, weil er sich bei verschiedenen wiener Firmen Inserate aus verbrecherischem Wege zu verschossen suchte. Bei der Entlassung spielte Wals als Betriebsrat der Redaktion eine maßgebende Rolle, heute sollte wots den Wahrheitsbeweis für seinen Ausspruch, daß Dössel ein Erpresser sei. erbringen. Auch Mord in der Kriedrichstadt? Ein SSjähriger Wächter tot aufgefnnden. Während die Beamten der Berliner Mordkommission noch am Tatort In der Berliner Straße 78 in Tempelhof mit den Ermitt- hingen beschästigt waren, lief beim Polizeipräsidium ein zweiter Mordalarm aus der Friedrichstadt ein. Auf der Hintertreppe des Herrenbetleidungsgeschäftes„Prince of Wales* war morgens der Söjährige Nachtwächter Karl Perner aus der Friedrich- stroße 73 tot ausgesunden. Verschiedene Umstände ließen den Ver- dacht austauchen, daß Perner ebenfalls einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Die Mordkommission traf unter Leitung des Kriminal- kommmissars Müller alsbald am Totort ein. Der Tote lag lang ausgestreckt über den letzten Treppenaufgang im Par- terre mit dem Kaps nach unten. Der Schädel wies mehrere klaffende Verletzungen aus, das Gesicht war mit Blut besudelt. Neben der Leiche lag ein Schlüsselbund zu den Geschäftsräumen. Der Mordverdocht wurde noch besonders dadurch erhärtet, daß ein Stück des Treppengeländers der hölzernen Wendeltreppe mit roher Gewalt herausgerissen war und wenige Meter vom Toten entfernt gefunden wurde. Es wird deshalb angenommen, daß Perner, als er seinen Kontrollgang antreten wollte, auf der Treppe mit Einbrechern zusammengestoßen ist und daß bei dem Kamps das Geländer, an dem sich Perner festhielt, abgerissen wurde. Die Türen und Fenster im ganzen Hause waren fest verschlossen, die Schlösser sämtlich unverseht. Man steht zunächst noch vor einem Rätsel! Der Wächter ist bereits seit zehn Jahren Im Dienste der Firma und galt als unbedingt zuverlässig. Bei Schluß des Blattes erschien der Gerichtsarzt Dr. Stürmer am Tatort und nahm eine genaue Untersuchung der Leiche vor, über deren Ergebnis zur Stunde noch nichts bekannt geworden ist. Die Möglichkeit, daß P. die Treppe hinuntergestürzt ist und sich dabei die tödlichen Lcr- lctzungen zugezogen hat, ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Haus Friedrichstroße 170 machte vor vielen Jahren schon einmal von sich reden. Damals waren es die Gebrüder�trauß, die"„berühmten" Berliner Einbrecherkönige, die nach einer hals- brecherischen Klettertour über das Doch in die Räume eindrangen und unter den Waren reiche Auswahl trafen. Tabakarbeiter kämpfen um ihr Los. Ausstandsbewegung in ganz Griechenland. Athen, IS. Juni. Seit sechs Wochen stehen die Tabakarbeiter Mazedoniens im Wirts choftskampf um di« Aufbesserung ihrer Elcndslöhne. Der Streik hat jetzt auch auf Thessalien übergegrissen. In Atizen haben die Gewerkschaften den Streik beschlossen und Komitees ernannt, den Zeitpunkt des Eintritts in den Streit aber noch nicht bestimmt. Der Streit wird sich voraussichtlich auch auf die Eisenbahlen und sonstige ösfentkichc Dienstzweig« ausdehnen. Athen. 19. Juni.(Amilich.) Die im Ausland verbreiteten Nachrichten über eine ausrühre« rische Bewegung im ersten Geschwader der Kriegsflotte sind unzutreffend. Der geplante Generalstreik scheint(!) ge- scheitert zu sein. Die Vorgänoe bei der Arbeiterbank. Der Zentraloerbond dcz Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten hat beschlossen. durch eine Kommisston für eine objektive Aufklärung der gesamten mit der Entlassung Dr. Schönherrs zusammenhängenden Fragen Sorge zu trogen. Der Verband wird bis zur Erledigung dieses Verfahrens keinerlei Mitteilungen an die Ocffentlichkeit gelangen lassen; er bittet olle interessierten Kreise, sich ihr abschließendes Urteil bis zur Erledigung dieses Verfahrens vorzubehalten. Die glückhafte„Freundschaft' Links Miss Earhart, die als erste Frau auf dem amerikanischen Flugzeug„Freundschaft" den Ozean überflog: rechts ihr Pilot Stulls. Schluß des Arbeitersängerfestes. Oer Weg zur weltlichen Schule Antrageiverfabren neu geregelt— ein befriedigender Erlaß. Im preußischen Kultusministerium haben, veranlaßt durch die bekannten Vorfälle während der letzten Monate, Verhandlungen über eine Regelung der Sammclschulfrage stattgefunden, mit dem Ziele, auf diesem umstrittenen Gebiet den Schulfrieden zu sichern. Der Minister gibt nunmehr die Verordnung bekannt, durch die die Frage geregelt wird. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt daraus folgendes mit: „Vei der Errichtung von Sammelklassen für die nicht am Religionsunterricht teilnehmenden Kinder sind verschiedentlich so erhebliche Meinungsverschiedenheiten zutage getreten, daß in einer Reihe von Schulverbänden der Schulsrieden ernstlich ge- fährdet wurde. Um für die Zukunft derartige Störungen tun- lichst zu vermeiden und jeder Schädigung des bestehenden Schul- wesens durch die Errichtung von Sammelklosfen, wo sie notwendig erscheinen, möglichst vorzubeugen, wird der geltenden Rechtslage entsprechend, folgendes angeordnet: 1. Die Ttichkkeilnahme am Religionsunterricht kann jederzeit erklärt werden. Die Erklärung ist abzugeben gegenüber dem Leiter der Schule, welch« das-abzumeldende Kind besucht. 2. Die Umschulung vom Religionsunterricht abgemeldeter Sinder in eine Sammelklasse kann nur zum Oflertermin erfolgen. Der Wunsch der Erziehungsberechtigten ist in schriftlicher Form dem zuständigen Schulrat zuzuleiten und muß bis zum 1. Dezember Die Jugendherberge in Buckow, die am Sonntag ihrer Bestimmung übergeben wurde. , Stadtrat Schneider(Neukölln) hält die Weiherede. eingegangen sein. Räch diesem Termin eingegangene Wünsche dürfen nicht berücksichtigt werden. 3. Die Erklärung der Nichttcilnahme und der Wunsch auf Um- schulvng können wie folgt miteinander verbunden werden:„Wir melden unser Kind von der Teilnahme am Religionsunterricht ab und wünschen seine Einschulung in die bestehend« Sammeltlasse oder Einschulung in eine Sammelklasse, falls eine solche eingerichtet werden sollte." 4. Der Schulrat hat die eingegangenen Wünsche auf Um- schulung mit dem Schulleiter durchzuprüfen und sie dann gesammelt sofort der Schuldeputation(dem Schulvorstond) uMer gleiä). zeitiger Benachrichtigung der Regierung(des Provin» zialjchulkollcgiums) zu übermitteln. S. Die Erriclstung von Sammslklafsen ist eine verwal- tungsorganisotorische Maßnahm« zur DeHebung schul- technischer Schwierigkeiten im Schnlverband. Daher hat die Schul. deputation zu prüfen, ob mit Rücksicht aus die Anzahl der vorliegen- den Anträge und auf die örllichen Verhältnisse das Lediirsnis zur Einrichtung einer Sommelklasse vorhanden ist. Die Schuldeputation hat ih''? Entschließung dem Provinzialschulkollegium bis zum Z. Februar eines jeden Jahres vorzulegen. Roch dielem Termin eingehende Anträge der Schuldeputation dürfen nicht berücksichtigt werden. Erachtet das Provinzialschulkollegium im Gegensalz zur Schuldeputation das Pedürsuis nach Errichtung von Sammelklosscn für erwiesen, so ist dem Minister zu berichten. Ebenso erwartet der Minister Bericht, falls durch die Errichtung kosten entstehen und die Gemeindeorgane deren Bewilligung abgelehnt hoben." Dieser Erlaß des preußischen Kultusministeriums ordnet endlich das Verfahren zur Errichtung der Sammelschulcn, der volkstümlich so genannten„Weltlichen Schulen" und bc- friedigt damit, soweit das im Rahmen der geltenden Gesetze möglich ist, die Wünsche derer, die den neuen Schulaüfbau wollen. Das Antragsverfahren zur Errichtung neuer welt- licher Schulen ist so geordnet, daß in Gebieten, wo die Schul- reformer bereits den entscheidenden Einfluß in den Schul» deputationen besitzen, die Lage nicht geändert wird— dort wird es wie bisher ohne weiteres möglich sein, weltliche Schulen zu errichten. In den Gemeinden aber, wo die Sozialisten in der Minderheit sind und deshalb dem Wunsche der Eltern noch weltlichen Schulen oft n i ch t e n t s p r o ch c n wurde, hat der Minister die Befugnis bekommen, auch gegen die reaktionäre Gemeindemehrheit die Errichtung weltlicher Schulen anzuordnen. Es ist zu erwarten und zu ver» langen, daß das Kultusministerium in allen solchen Fällen sich für den sozialistischen Schulaufbau im Rahmen des Schul- friedens entscheidet._ Jedes Ojskuiieren verboten.. Mav'kolb'Verordnung in Spanien. Pari», lg. Zuni.(Eigenbericht.) Der spanische Diktator Primo de Rivera hat eine Verordnung erlassen, kraft deren jede politische Diskussion in Klubs und vereinen unter strengste Strafe gestellt wird. Augcnscheintlch fürchtet der Diktator die Bildung von polllischea Gruppen, di« seiner Herrschaft gefährlich werden könnten. Arbeitersänger im Radio. Von Max Eck- Trott. Auf dem Programm des Senders stand für Sonntag, den 17. Juni 1928: 19.30: Uebertragung aus d«r Stadthalle hanliover gelegentlich des ersten deutschen Arbeitersänger-Pundesfestes:„Miss» so- lemnis" in v i« r Solostimmen. Chor, Or- che st er und Orgel, von Beethoven. Angefchiofstn: Hannover, Hamburg, Kiel, Bremen. Deutschlandsender K'önigswusterhausen, Berlin, Stuttga.'t, Freiburg, Frankfurt. Kassel und Basel. Nun sitz« ich Punkt 19.Z0 an m«in«m kleinen Detektor, d:n Hörer auf den Ohren. Und lobpreise die Erfindung der drahtlosen Uebertragung, da sie mir ermöglicht, mehrere hundert Kilo- Meter entfernt, dieses Konzert aus Anlaß des Arbeiter- sängerfestes mitgenießm zu dürfen. Mein kleiner Detektor vermittelt mir klongrcin jeden Ton. Es ist fast, als säße ich mst geschlossenen Augen jetzt in der Stadtholle zu Hannoper. Ich vermag so ganz die Größe der Leistung unserer Arbeiterchöre zu ermessen. Die Solisten: Sopran, Alt, Tenor und Baß. kann ich klar unterscheiden. Den prächtig zusammenwirkenden Chor der Mann« hei m er Bolksakademie höre ich und das Philharmonisch« Orchester Berlin, d:« sich alle dem Dirigentenstabc Professors Arnold � Schattschneiders willig fügen. Nach den einzelnen Sätzen des grandiosen Werkes braust durch , den Aecher der Beifall der Tausende, die das Glück haben, diesem Ehrrntag deutschen Arbeitergesanges beiwohnen zu dürfen. Heißen Dank dir Radio und seinen Erfiirdern, die es mir und � Tausenden und aber Tausenden von Genossen ermöglichen, wenn auch in der Fern«, diesen künstlerischen Genuß mitgenießen zu können. Und während ich bewundernd hör«, erklingen Stimmen in mir, die mir zuraunen, mich freudig stimmen. Sie sagen mir:„Sieh, hier einen Teil der modernen Arbeiterbewegung, die auch dem Zlermstcn der Armen wahre und echte Kunst vermittelt. Sich, diese Arbeiter- sängerbewegung ist ein wichtiger Faktor unserer Bc- w e g u n g, der mithelfen soll, den Geknechteten und Entrechteten das Schöne, Wahre und Gute dieser Erde zuteil werden zu lassen. Und da neben Essen und Trinken, Kleiden und Wohnen auch wir � etwas für Seele und Herz haben wollen, so soll Musik und Gesang � unser« Sinne für Stunden der Andacht, der Weihe von Weltnüchtern- heit entfernen. Die Arbeitersänger sind ein Teil vom Ganzen. Rot- wendig zur Erfüllung unserer Ideale wie jeder andere Teil." Und im Geiste sehe ich die Genossen und Genossinnen aus der Fabrik, der Werkstätte, dem Bureau, wie sie mit den von schwerer Arbeit schwieligen Händen die Notenblätter holten, sehe in ihre tief- furchigen Gesichter, die voll künstlerischem Ernst ihre wohllautenden Stimmen-dynamisch im Sinne des großen Tonschöpfer» Beethoven erklingen lassen. Sehe sie oben auf dem Podium der Stodthalle zu Hannover stehen. Euch danke ich Genossen für diesen Genuß an dem heutigen Sonntag. Wir wollen es in aller Menschen Herz hineinssngen, daß Glück der Erde uns geht über olle billigen Vertröstungen auf ein imagi- nöres Jenseits. Wollen fingen und klingen lassen, daß di« Befreiung des Prole- tariats aus Sklaoenketten nur durch den Arbeiter selbst kommen kann, daß alle Menschen gleich sind und gleiches Recht ans Leben haben. Kunst und Kunstgenuß sei nicht mehr nur für die Reichen und Satten. französisches Ausiausch-Gastspiel. Kammerspiele:„I-c Zecret." Während den Porisern Direktor Eugen Roberts deutsch« Bühnenkunst vorsührt, absolviert, von ihm eingeladen, dos Poriser Tbestre du Gymnase ein mehrtägiges Gastspiel in Berlin. Wir heißen die Franzosen herzlich willkommen. Solch ein Austausch verwischt die politischen Landcegrcnzen: die Pariser sind Manschen wie wir. Wir oerstehen nicht, wieso wir uns einst, Mordwaffen in der Hand, erbittert gegenübergestanden hoben. Die freundschaftlichen Gefühle bleiben bestehen, auch wenn wir sehen, daß Henry Bern st eins„Geheimnis"(Te Leeret) ein verstaubtes Stück ist, dos uns weder interessiert, noch den Darstellern Gelegenheit gibt, ihre Kunst leuchten zu lassen. E» ist eins der ü Wichen Gesellschaftsdramen. Im ersten Akt scheint«s, als ob sich ein leichtes Luftspiel cniwickeln will. Dann aber mixt der Theater- routinier Bernstein Tragik in den flotten Konversationston. In grellen Farben malt er die Seelenqualen, die ein« schci»bar liebcne- werte Frau durch ihr pathologisches Lügnertum über ihre Freunde bringt. Das ist etwas für das Temperament des französischen Schau- spielcr«, aber nichts für unseren literarischen Gcschmäck. Di« Leb- haftigkeik und Plötzlichkeit der Gesten fällt uns auf. Ohne Hcm- mungen entfesseln sich Leidenschaften, nicht wie bei uns schwerblütigen Menschen. Der Liebhaber sinkt in sich zusammen und weint ohne Fassung, dann wieder umarmt er seinen männlichen Partner und küßt ihn ob. Man hat scheinbar die endlosen Dialoge ungekürzt gelassen. Da reden die Menschen über ihre verzweifelt« Gemütslagc und reden und reden. Ueberragende Leistungen bekommen wir nicht zu sehen. Di« Grotcskkomlk, die Gaby Morlay funkeln läßt, ist uns bei einem weiblichen Darsteller etwas Ungewohntes, aber Erfreuliches. Auch an Pierre Blanchar bewundern wir die Fähigkeit zur lustigsten Groteskkomik. Die Talente der Beiden können sich natürlich bei der Tragik des Stückes nicht auswirken. Angenehm berührt sind wir von der vollendeten Unbefangenheit und Natürlichkeit sämtlicher Schauspieler._ Ernst Degner. von her Opernchorlchule her»laalUchen boch'chul« für INuslt sind 3K Mitglieder an hie ItaalSoper Berlin oerpflicku-t morden. Die Chor- Mitglieder baden ihre geiamic Ausbildung in der Opernchorschule der Staatlichen Hochschule für Nusit erhalten. Theakerchroalt. ssür die Sommi-riviclzeit ad 15(Zun! ist dem Regisseur ywan Paul G o r d o n die kiinftleriich- Leitung der Tribüne übertragen. Ä4 gelangt anichllehend an da«..Spiel im Schloß- da» dreiattige Lustspiel.Sybille?... AuSgeschiosskn!- zur Aussübrung. Orr Zmernoiional« Kongreß ür polarsorschvng ani dem Vusiwege Mero- arkiik) iii am Montag abend in Leningrad in der Akademie der Wissen- schastcn durch Fridtjot Nansen eröffnet worden. An dem Kongreß nebmen zahlreiche Mitglieder der Äesellschast zum größten Teil deutsche und rnsstiche ivclchrl« teil. DienSiag findet die zweite Sitzung unter dem Vorsitz von Nansen statt. Am Abend beginnen die wissenichasllichen Boriräge. Sir Napieribaw wird sprechen über.Di» Rolle der Arktis in der Zirkulation der Almoipüre-, Piofeffor Knipovttsch über.Biolozische Untersuchungen der Arktis-. Seid umschlungen, Millionenl Diesen Kuß der ganzen Well!" heißt es nach Schillers Wort in Beethovens unsterblicher„NeiMter Sinfonie". So vermittelt auch heute der Arbeitersängerbund durch da» Mittel des Radio der Welt sein großes Wert der Wiedergab« der „Xlissa solemnis*. Keine Kirchs der Welt könnte mir eine innigere Stunde der Andacht schenken, wie dies« Stunde an meinem kleinen Radio- apparot, der mich über Berge und Täler, Wälder und Wiesen, Häuser und Fabriken hinweg mit euch Arbeitersängern in Hannover verband. Hannover, 19. Juni.(Eigenbericht.) Der letzte Tag des Arbeitersängerfestes in Hannover brachte einige Beranstaltungen. die als Dokumentierung einer neuen, dem Geiste unserer Zeit entsprechenden Dolksmusikkultur besondere Bedeutung gewannen. Während an den beiden ersten Tagen im wesentlichen Werke zum Vortrag gelangt waren, die längst zum eisernen Bestand unseres klassischen Musikgutes gehören, galt es am Montag, an einzelnen Werken moderner Kompositionen dem Ar- beitergesang neue Wege zu weisen, die eine künstlerische Ausdeutung des geistigen und sozialen Strebens der Willenskräfte der arbeiten- den Massen unseres Zeitalters enthalten. Dieses Ziel kam mit größtem Gelingen in dem Konzert zur Geltung, das die Chor» gruppe Leipzig am Montag vormittag im Städtischen Opern- hause veranstaltete und das ausschließlich von Werken von Erwin L e n d v a i bestritten wurde. Lendvai hat sich die Aufgabe gestellt, den Arbeitergesüng mit seinem bewußt tendenziösen Inhalt aus seiner früheren reinen Dalkstümlichkeit zu höchster Kunstform mit den modernsten musikalischen Ausdrucksmitteln zu erheben. Der stürmische Beifall des vollbesetzten Hauses bewies, daß auch die Zu- Hörer in diese ganz neuartige Kunstwclt mit großem Verständnis eingedrungen waren. Problematischer war die Nachmlttagsveronstaltung der Chor- gruppe Gau Hamburg im Kuppelsaal der Stadthalle. Hier wurden zwei neue Werke zur Diskussion gestellt, die man vielleicht als „sozialistische Kantalcn" bezeichnen kann, d. h. geschlossene Chorwerke mit Soll und Orchesterbegleitung, zu denen im ersten Werke auch noch Rezitation und Sprech- ch o r kamen. Zuerst kam das melodamatische Wert„Eiserne Welt" von Wilhelm Knöchel zur Ausführung, dessen Text den kurz vor dem Kriege erschienenen„Eisernen Sonetten" von Josef W i n ck l e r entnommen ist. Daran schloß sich das sinfonisch- symbolische Chorwerk„A r b e i t s a u s e r st e h u n g" des holländi- schen Komponisten Israel Olmann. Die Art, wie sich die Hamburger Sänger mit den erheblichen Schwierigkeiten des Chorsatzes abfanden, verdient hohe Anerkennung. Außerdem fanden am Montag noch Konzerte des Dessauer Kinderchors, der Ehorgruppe Thüringen und Halle und der Chorgruppe„Thalia" in Celle, ferner ein Brahms-Konzcrt mit Orchester der Ehorgruppe Dresden in der Ausstellungshalls der Stodthalle statt. Seinen großartigen Abschluß fand dieses denk- würdige Fest in den Aufführungen des Oratoriums„Judas Maccabäus" von Haendel und des„Requiem S" von Verdi, die von den Volkschören der R h e i n p r o v i n z und von der Chor- gruppe Gau W e st f a l c n- W e st im Kuppclsaal und in der Aus- ftellungshalle der Stadthallo veranstaltet wurden. Sämtliche Kon- z«rte erfreuten sich des stärksten Andranges des Publikums und waren so gut wie ausverkauft. Damit schluß das erste Arbeller- sängerfest in Hannover, das eine dauernde geschichtliche Be- d e u t u n g für die sozialistische Arbeiterkulturbewegung gewinnt. Grönlands nordöstlichste Eskimokolonie Die Feststellungen der Forscher haben ergeben, daß auch die Ost- küste Grönlands in früheren Zeiten so beviKkcrt- war, wie es die Westküste nach heute ist. Eine unbekannte Katastrophe, ein verhäng- nisoolles Naturereignis oder eine Epidemie hat ober vor zwei oder drei Jahrhunderten alle» menschliche Leben dort vernichtet. In neuerer Zeit hat es nun Dänemark unternommen, die Ostküft« mit Eskimos zu bevölkern, und man hat dabei so gut« Erfolge erzielt, daß man endlich daran ging, den Ecoresbysuna, dos Ziel einer der Hundeschlittenexpeditlancn, die zur Slusfindung Nobiles und seiner Genossen entsandt wurden, zu einer Eskimokolonie umzugestalten. Diese Kolonie befindet sich heute in blühender Entwicklung. Der französische Forscher Dr. Charcot, der die Kolonie besucht hat, konnte sich davon überzeugen. Wie in den Siedlungen der Westküste, so nerfügen auch hier die Eskimos über eine große sunkentelegraphisch« Station, einen Arzt, einen Lehrer, einen protestantischen Geistlichen und einen Gouverneur.„Im Jahre 1926 ober war," so berichtet Dr. Eharcot in einer Pariser Zeitschrist, ,cher Gouverneur die einzige amtliche Person der Station. Es ist ein gcwisicr Johann Pedersen, dessen Mutter eine Eskimofrau war, und er verband mit seiner amt- lichen Eigenschaft al» Gouverneur auch di« Funktionen des Arzte» für Körper und Seelen seiner Schutzbefohlenen. Er erzählte mir, wie er sich bemühe, in seinen Predigten den Eskimos die ganze Schönheit des Paradieses und die Schrecken der Hölle in eindrucks- vollsten Farben auszumalen. Er erklärte Ihnen gleichzeitig die Mittel, wie man sich durch ein tugendhaftes Leben den Himmel ge- Winnen und gleichzeitig durch Vermeidung der Sünde den Schrecken der Hölle entgehe» könne. Zu seinem Leidwesen mußt« er sich aber überzeugen, daß ein Eskimo, der bis dahin die Wahrheitslieb« selbst gewesen war, jetzt log, daß sich di« Balken bogen. Als ihn der Seel- sorgcr über die bedauerliche Aenderung seines Charakters befragte, erwiderte ihm der Eskimo treuherzig, er habe sein ganzes Leben lang so entsetzlich gefroren, daß er sehnlichst wünsche, in die Hölle zu kommen, um sich an der ewigen Wanne zu erfreuen. Johann Pedcr- sen, der über den Erfolg seiner christlichen Erziehungstötigteit nicht gerade erbaut war, wird van einer eingeborenen Hebamme unter- stützt. Di« Frau bewohnt ein kleines schmuckes und sauber geholte- nes Häuschen, in dem sie uns mit Stolz ein« prächtige Nähmaschine zeigte." 2. Znternationaler Kongreß der Welllheakerverelnlgung. Am Montag wurde in Paris der zweite International« Kongreß der Welttheatervereinigung unter dem Vorsitz von Finnin Gemter eröffnet. Nach der Eröffnungssitzung veranstaltete die Stadt Pari» einen Empfang für die Kongreßteilnehmer, bei dem der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung der Bühnenkünstler Rickelt, hier- nach Firmin Gemier und der dänische Delegiert« Paul Reumcrt da« Wort ergriffen. Die sachlichen Beratungen de» Kongresse», der bi» Ende dieser Woche dauern soll, begannen am Nachmittag. 3)ie ällesle f lehlrische der WeU. Die erste elektrische Straßenbahn wird beidem SO jährigen Jubiläum von Lich- terjelde gezeigt werden. Dieser Motorwagen wurde bereits 1881 von f Ferner von Siemens in Betrieb gesetzt und stellte die Malerialzujiihriingsbahn für die Lichterf eider Kadetlenanstalt dar. Erst später führte Berlin die elektrische Straßenbahn ein und in rascher Reihenfolge auch die übrigen Großstädte. Die Not der älteren Angestellten Oer 6. Bundestag des Butab. Der dem AfA-Bimd angeschlossene Bund der technischen An- gestellten und Beamten hält zurzeit in München seinen sechsten Bundestag ab. Der Geschäfts- und Rechenschaftsbericht, der den Delegierten vorgelegt wurde, gibt ein überaus erfreuliches Bild von der freigcwerkschaftlichen Aufbauarbeit. Im einzelnen ist dem Rechenschaftsbericht, der in wirkungsvoller Weise von Schweitzer ergänzt wurde, solgendes zu entnehmen' Die M i t g l i e d e r z a h l ist seit Mitte 1927 wieder in stetem Vorwärtsschreiten begriffen: sie betrug damals 50 414 und am 1. Mai 52 830 ordentliche Mitglieder. Zähst man die Jugend- lichen und Hospitanten hinzu, so sind es zirka 56 050. Der auf die Tarisvertragsarbeit bezügliche Abschnitt ist ein vortreffliches Spiegelbild der Tätigkeit des Butob. Während im Jahre 1925 die für die Rechtsschutzeinrichtungen zuständige Ab- teilung 995 Fälle zu bearbeiten hatte, stieg deren Zahl 1926 auf 1268 Fälle. Die in bar erstrittencn Summen stiegen von 277 500 Mark in der gleichen Zeit auf 437 660 und auf 784 600 im Jahre 1927. Der Bericht stellt dabei fest, daß zu der erhöhten Jnanspruch- nähme der Rechtsschulzobteilung nicht wenig die immer Hemmung?- loser zutage tretende Neigung vieler Unternehmer zu Willkür- lichen Nertragsbrüchen und unbilligen Kündigungen be- sonders älterer An�stellter beitrug. Insgesamt wandte der Butab im Krisenjahr 19N für U n t« r st ü tz u n g« n, Stellennachweis«, Auskünfte und Rechtsschutz die gewaltige Summe von 970 000 M. aus. Trotzdem stärkte sich das Vermögen beträchtlich, nämlich von 744 759 M. im Jahre 1926 auf 1 029 980 M. Ende 1927. In dem Ergänzungsbericht Schweitzers wurde, besonders auf die Tragödie älterer Angestellten gerade bei den Technikern ver- wiesen. Unter den am 1. Mai dieses Jahres noch vorhandenen 183 000 arbeitslosen Zlngestellten waren nicht weniger als 21 000 Techniker gemeldet. Die letzte Bundesstatistik zeigt, daß rund 50 Proz. der als stellenlos gemeldeten Bundesmitglieder das 40. Lebensjahr überschritten hatten und die Mehrzahl davon außerdem länger als zwei Jahre ohne Stellung war. Di« bei der sogenannten Frühjahrslohnbewegung in dieseni Jahr erreichte Erhöhung der Tarifgehälter beträgt im Durch- schnitt 8 Proz.: sie ist aber bereits wieder in Gefahr durch die drohende Preiserhöhung für Kohle und Eisen und der Eisenbahn- tarife. Scharfe Kritik übt« der mündlich gegebene Ergänzungsbe- richt des Vorstandes an der neuen Arbeitszeitverordnung, die eine solche Fülle von Ausnahmen vom Achtstundentag zulasse, daß von einem gesetzlich geschützten Achtstundentag in Deutschland vor- fclvifig keine Rede sein könne. Die sehr rege Aussprache über den Geschäftsbericht mündete in eine Vertrauenskundgebung für den Bundesvorstand aus. Infolgedessen wurden auch die vom Vorstand vorgelegten Entschließungen einstimmig angenommen. Die erste fordert auf dem Gebiete der Grubensich«rheit, daß die Grubenbesitzer oder ihre Beauftragten die olleinige Verantwortung tragen, wenn sie ohne Wissen oder trotz gegenteiliger Ausfassung der unmittelbar verantwortlichen Aussichtspersonen in den Betrieb ein- greifen, serner besonderen arbeitsrechtlichen Schutz, vor allem Abhängigmachung der Entlassung von der vorherigen Zu- stimmung des Arbeitsgerichts. Die zweite Entschließung erwartet von der neuen Reichsrcgierung die baldige Vorlage eines neuen A r- b e i t s s ch u tz g e s c tz e n t w u r f s, der u. a. den Achtstundentag und die 45- Stunden- Woche als Grenze der regelmäßigen Arbeitszeit festlegt. Die beiden übrigen Entschließungen fordern Gleichstellung der technischen Angestellten mit anderen Angestelltengruppen, baldige Vorlage eines einheitlichen Arbeitsvertragsgesetzes und Reuregc- lung des gewerblichen Rechtsschutzes, um Ansporn zur Entfaltung der Erfindertätigkeit zu geben. Am Schluß des ersten Verhandlungstages sprach Albert Lenz über die Zukunft des technischen Bildungswesens. Er beleuchtete den ungeheuren Zulauf zum technischen Beruf, der schon seit Jahren zur Aufnahmefähigkeit für technische Arbeitskräfte in einem krassen Mißverhältnis stehtz „Jedem Kinde seine Erholungsreise!" Zu dem vor kurzem(am 5. Juni in der Abend-Ausgabe) unter diesem Titel veröffentlichten Artikel wird uns ergänzend mitgeteilt: Durch die Jugendämter der Stadt Berlin ist gewiß in den letzten Jahren außerordentlich viel für die V e r f ch icku n g der Kinder getan worden. Der Prozentsatz der an die Ostsee, ins Mittelgebirge oder ins süddeutsche Hochgebnye verschickten Kinder stieg von Jahr zu Jahr. Dennoch konnten oft nicht einmal alle dringenden Fälle Bcrücksichtizung finden, da auch hier die kommu- nale Zlrbeit abhängig ist von den zur Verfügung stehenden Müteln. Diese reichen aber bei weitem nicht aus. Besonders schlimm werden dabei die Zlrbeiterbezirke betroffen, weil hier die Zahl der wirklich bedürftigen Fälle um ein vielfaches die der andern Be- zirke übersteigt. In diesen Bezirken ist aber meist für die Arbeiterfamilien, die sowieso unter der größten Not zu leiden haben, auch nicht die Möglichkeit gegeben, größere Mittel zur Verschickung bei- ziilrogen oder eine solche durch die Wohlfahrtspflege der Vereine vornehmen zu lassen. Hier kann nur das Jugendamt helfen, wenn.. die dringende Bedürftigkeit vorn Schularzt auf dem An melde bogen der Schule oermerkt ist. Die Be- dürstigkeit selbst wird zweifellos bei Arbeiterkindern meist vorhanden fein. Dennoch kann das Jugendamt aus sich heraus nicht ohne weiseres etwas tun. Die Anmeldung der Kinder muh in jedem Fall« durch die Schule geschehen.. Daraufhin erfolgt die Untersuchung durch den Schularzt. Nach dem ärztlichen Befund findet im Jugendamt die Auswahl statt, selbstverständlich unter Berück sichtigung der sozialen Verhältnisie im E l t e r n h a u s e. Die Eltern wn deshalb gut, bei tec Anmeldung durch die Schule sogleich irgendgendwelche besondere Notlage, die eine Verschickung des Kindes erforderlich macht, mit oermerken zu lassen. Auch wenn besondere Möglichkeiten zur Verschickung ztf Verwandten(hier mutz die Einladung der Verwandten vorliegen) oder durch Vereine gegeben sind. Bei jeder Gelegenheit aber muß der Weg Schule— Schularzt— Jugendaint e i ng e» halten werden, um unnötige Laufereien zu vermeiden. Großfeuer in Sieglitz. Ein Eckhausdachstuhl niedergebrannt. Die Feuerwehr wurde heute mittag gegen Uhr nach dem Grundstück StubenrauchplahZin Steglitz gerufen. wo im rechten Teil des Dorderhausdachstuhls Feuer entstanden war. Die Flammen griffen mit ungeheurer Schnelligkeit um sich, und als die wehren kurz nacheinander mit süns Löfchzügen an der Brandstelle eintrafen, brannte der gesamte Dachstuhl in einer Länge von nahezu vierzehn Bietern bereits lichterloh. Das Feuer wurde mit sieben Schlauchleitungen über zwei mechanische Leitern, über die beiden Treppenaufgänge onge- griffen. Erst nach zweistündiger angestrengter Tätigkeit war die Gewalt des Feuers gebrochen. Bei Redaktionsschluß sind die Wehren noch an der Brandstelle tätig. Der Feuer- und Wasserschaden ist besonders in den oberen Stockwerken sehr groß. Di« Entstehungs- Ursache konnte noch nicht einwandfrei ermittelt werden, doch läßt die Heftigkeit des Feuers und die schnelle Ausbreitung auf Brand- stistung schließen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen nach dieser Richtung hin aufgenommen. Die„Klelnstküche". Die„Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen" hatte die Vertreter der Presse zu einer De- sichtigung der in der Ausstellung„Die Ernähr»ng" auf- gestellten„Kleinstküchen" eingeladen, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf ein lösbares und auch schon gelöstes Problem zu lenken, dessen Bedeutung nicht zu verkennen ist. In einem im Dezember 1927 herausgegebenen Erlaß hatte der Reichsarbeits- minister die genannte Gesellschaft ersucht, sich mit der Untersuchung der Probleme, die die„Kleinstwohnung" stellt, vorzugsweise ab- zugeben. Ein für die K ü ch e n- und H a u s w i r t s ch a f t" ge- bildeter Zlusschuß ist dann durch seine Arbeit zu den Rcsultaien gekommen, die ihn zum Bau der gezeigten Küchen veranlahtcn. Regierungsbaumeister a. D. A h r e n d s, der Obmann des Aus- schusfes, entwickelt« in einem einleitenden Referat die Grundsätze, nach denen der Bau der Küchen ausgeführt wurde. Er-wies mit Recht daraus hin, daß alle bisherigen Neubauwohnungen für die breiten Massen zu teuer waren, und daß es darauf ankommt, Wohnungen zu schaffen, die für Haushaltungen bis zu fünf Köpfen mit einem Monatseinkommen von 200 bis 220 M. erschwinglich sind. Es iit also ein« erste Notwendigkeit, die Küchen, die aus Wirtschaft- lichen Gründen bisher oft auch als Wohnraum benutzt worden sind, aber aus hygienischen Gründen dazu nicht mehr benutzt werden sollen, zugunsten der eigentlichen Wohnräume zu verkleinern. Die Küche fall lediglich der hauswirtschoftliche Arbeitsraum sein: die für die Küchen angesetzten Raummaße— 5 bis 9 Quadratmeter bei Wohnungen von 45 bis 55 Quadratmetern— sind von„innen heraus" berechnet worden, dos heißt, man schafft« erst die für eine Küche notwendigen und modernen Geräte an, baute dann die Gehäuse(Schränke, Behälter usw.) herum und um diese die Küche, so daß es aus diese Weise gelapg, die„Sleinsttüche" bis zur äußersten Grenze der Raumersparnis heranzubringen. Man sieht auf der Ausstellung Wohnküchen mit einer Kochnische, Küchen, die durch ein« Schiebetür mit dem Wohnzmuner verbunden sind, und eine„landwirtschaftliche" Küche, wie sie für Siedler gebraucht werden. Die Erbauer sind sich selbst darüber klar, daß die Klcinstküchen und Kleinstwohnungen eine Notlösung bedeuten, ohne die aber für die nächsten Jahr, zehnte nicht auszukommen ist. Man will eben im Rohmen der gegebenen Verhältnisse das Erreichbare verwirklichen. Di« Monatsmieten der Kleinstwohnungcn sollen nicht mehr als 40 M. betragen. Voraussetzung für den Bau solcher Wohnungen sind der Serienbau und die Garantie einer dauernden Bau- tätigkeit, durch die die Wirtschaftlichkeit des Maschinenparks und «ine gleichbleibende Höhe der Löhne gesichert sind. V-ranNvortlich tllr die Zikdaktiiin!«ttgtu Pruae«. Berlin: An, eisen: Zd.»locke. Berlin. Lerlaa: Borwirt, Verlas S. m. b. L., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckcrei und Bcrlagsanltalt Paul Singer(s. Co.. Berlin SW 68, Lindenstrafte 3. Kirr,» 1 Beilage. 1.1 Volksbühne Tk. im Sdilftaerdiirir ' 8V4 Uhr Der Kahhandel %8tn an Bllowplati »>/. Uhr Orpheus in der Unterwelt sc S M . Ohr Nollendor' /360 Jicrb.'Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik-Star und die übrigen Variete-Sensationen! Alfred Braun r. Thellmenn, Jankuhn, Hesterberg, iduBder-Sdironin. Morgan, Perrj, Breidt, Ballett Winkelstern, Sunshlneglrls. Mus.Leit; P. Hühn, Ausst Prl. Stern. Inszenierung: Julias Brandt. 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Heute 7V, Uhr: Zum 1. Male; Ein Stück Malheur itn M tkIIis Sttiifür Klein« IHM Täglich 8V, Uhr Kalser'Tletz Lotte ifllnder Galante Nacht! Lnstsplelhaus Kr. Ol. Nirtis Zldn Unwiderruflich letzter Monat 8 V. Uhn (iuido Thielscher in„Unter Gesdiäftsanfsidit" Residen-Theater Blumenstr. 8. Täglich 8V, Uhr Im Hildesheimer SdiloB steht eine Linde Loni Pyrmont Krafft-Lortzing Gaston Briese Emma Klein Parkett auch Sonnt. statt 4.— nur f.— M. iilleiborg-Bilboon l)ts. KOnstler-Th. »V, Uhr ..Uns sind in reizende Leote..." Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Dyckemotts Eriien ■AUENTZI|N lara er/lenMdlc die russische OriaimlfdJUmg mifalkn fiaher verbotenen. Teilen. lotemkin UStMIStHSniN UW MEISiU VOKTtUUHUN» ..6.9.10UHR i MARK B/St MAMH Berliner Prater Kastanienallee 7/9. 7Vt Täglich 7V, „PulnisdieWirtsdiatt" Außerdem; Konzert. Varleft. Anf. 5 U, Sonnt 4 U. Tanz. Kaffackochtn. Rose-Theater Gr. Frankt. Str. 132 8»,, Uhr Heimat Gartenbühne; Vj6 Uhr nachm.- Kouirt md buttr Till. 81/. 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Und so wird der Bericht der deutschen Gewerkschaftsfunktionäre zu einer wuchtigen Anklageschrist gegen das unmenschliche Ausbeu- tungssystem, dessen Opfer die indisch« Arbeiterklasse ist. Bei uns herrscht noch eine groß« Unwissenheit über alles, was jenseits des Suezkanals sich abspielt. Hier erfahren wir aber von Augen- zeugeiy wie der indische Arbeiter arbeitet und lebt. Ein buntes Bild, das mit dem modernen europäischen Prole- tarierdasein wohl viele Berührungspunkte hat, im wesentlichen aber anders geartet ist. Vielmehr sind hier Anklänge an den europäi- schens Frühkapitalismus vor etwa 83 Jahren, wie ihn Friedrich Engels geschildert hat, vorhanden. Der indisch« Proletarier führt im wahren Sinne des Wortes ein Bettlerdasein. Löhn« von 33 M. (nach deutschem Geldes monatlich sind ein« Ausnahme, die von den bestbezahlten Arbeitern der Textilbronche verdient werden. Ein Tagesverdienst von 1,— bis 1,53 331. sür den qualifizierten Arbeiter die indische Gewerkschaftsbewegung, von der man eigent- lich erst seit dem Kriege reden darf, ist im Aufschwung begriffen. Die industrielle Arbeiterschaft macht in Indien nur einen ganz un- bedeutenden Teil der Gesamtbevölkerung aus— etwa 3 Millionen wohnt aer europäische Letter der JutejabriK— die 45o Prozent Jahresdividende abwirft. ist an der Tagesordnung. Frauen verdienen zwischen 43 und 75 Pf. pro Tag. Bei solchen Löhnen nimmt es nicht wunder, daß 43 oder Z3 Proz. der indischen Arbeiter samt ihren Familien sich nicht ein einziges Mol am Tage sattessen können. Nach Behauptung des großen Vorkämpfers für indische Frei- heit, des„heiligen" Gandhi, befinden sich hundert Millionen Inder, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung, im Zustande ständiger Unterernährung. Es bedarf ja auch keines anderen Beweises für die Richtigkeit solcher Angaben als des Anblicks der Mensche» selbst. Es sind zumeist Skelette, die mit spärlichen Lumpen bedeckt sind. Di« Nahrung des indischen Arbeiters besteht zum größten Teil aus Reis; Fleisch wird höchstens ein- bis zweimal im Monat genossen. Sein« Kleidung besteht aus Lumpen, seine Wohnung ist in den meisten Fällen nur ein Unterschlupf zum Schlafen, kein Heim im europäischen Sinne.„Auf Lehmerde oder rohesten Holzdielen stellt ein Bündel ausgebreitetes Stroh oder eine dünne» Boumwolldecke das Lager dar: nicht etwa für einen Menschen, sondern für deren vier bis sieben. 774 333 Arbeiter wohnen insgesamt— und zwar je zu mehreren Personen— in solchen Einraum„wohnungen" in Bombay." Das indische Woh- nungeelend wird noch durch völligen Mangel aller hygienischen Vorrichtungen verschlimmert. Die Zugänge zu den Wohirungen sind, wie oft auch die Haustreppen, gleichzeitig Miillablagerungs- stötte, Abwässerkanal und Kloake: aus hundert Familien kommt häufig nur ein Wasserleitungshahn, der pestilenzartig« Gestank, der aus den Abwässergräbcn steigt, ist unbeschreiblich. Und für solche „Wohnungen" müssen die Arbeiter durchschnittlich ein Fünftel bis die Hälfte ihres Lohnes bezahlen. Von einer staatlichen Sozialversicherung gibt es m Indien keine Spur, und auch die Arbeiterschutzgesctzgcbung be- findet sich in den ersten Ansängen. Es existiert dort z. B. keine staatliche Hilfe für die Wöchnerinnen, ja, eine Arbeiterin, die wegen ihrer lliiederkunft der Arbeit fernbleibt, wird unverzüglich entlassen. Die Furcht vor dieser Entlassung oeranlaßt viel« Frauen, ihre Niederkunft in der Fabrik zu erwarten. Die Kinder werden oft in der Fabrik, nicht selten direkt a.n d er Maschine ge- boren, unmittelbar nach der Geburt wird die Arbeit fortgesetzt, das Neugeborene liegt auf dem Fußboden neben der Maschine oder wird von der Mutter während der Arbeit auf einem Arm getragen, während sie mit der anderen Hand die Maschine bedient. Solche „F a b ri k s ä u g l i n g«" helfen ihrer Mutter, sobald sie erst einige Jahr« alt sind, durch Nein« Handreichungen, um dann mit ihrem zwölsten Jahre als richtige Lohnarbeiter in den Betrieb einzutreten. Eigentlich ist die Arbeit bis zum zwölften Jahre verboten: dieses Verbot steht aber im astgemeinen nur auf dem Papier, ebenso wie die Beschränkung der Arbeit der Kinder von 12 bis 15 Jahren mst sechs Stunden und das Verbot der Nachtarbeit sür die Frauen. Das indische Proletariat ist eben organisatorisch zu schwach und politisch zu einflußlos, um den Arbeiterschutz zu verwirklichen. Aber K. Schräder— F. I. Furtwängler: Das werk- sfrtige Indien. Auf Grund der Indienreii« der deutschen Textil- »rbeiterdelegation. Mit 32 Abbildunaen und einer Karte. Verlags- �stllschasi des ZlDGB. Berlin 1928. So wonni aer Arbeiter der indischen Juteindustrie. von 333 Millionen, also 1 Proz.: das Gros der Bevölkerung besteht aus Bauern. Von den 3 Millionen Jndustrieproletariern sind etwa 13 Proz. gcwerlschaftlich organisiert, meistens Arbeiter der Textil- und der Eisenindustrie, aber auch Eisenbahner und Postbeamte haben gute Organisationen. Die meisten Verbände tragen einen rein lokalen Charakter, nur der Eisenbahnerverband ist zentral zusammengefaßt. Alle indischen Gewerkschaften sind in einer Organisation zusammengefaßt, die den ?iam«n„Allindischer Gewerkschaftskongreß" trägt. 'Aber man soll da keineswegs etwa an unseren ADGB. denken— es handelt sich um eine ganz lose Organisation, die eigentlich nur dann in Erscheinung tritt, wenn größere Streiks ausbrechen, deren Durchführung die Kräfte einer lokalen Organisation übersteigt. Der Streikkampf wird übrigens in Indien sehr lebhast geführt— der indische Proletarier wehrt sich eben, gegen die unmenschliche Aus- beutung und will bessere Lohn- und Arbeitsbedingunzen erringen. Bei diesen wirrschaftlichen Kämpfen legt der indische Arbeiter großen Opfermut an den Tag. Die Arbeiterfamilien geben gleich beim Beginn des Kampfes ihre sogenannten Wohnungen auf, dä sie kein« Miete zahlen können, oder werden, soweit sie in Werks- wohnunoen leben, von den Unternehmern sofort auf die Straße geworfen: sie schlafen dann unter offenem Himmel, aus den Stufen eines Tempels oder eines Denkmals, in halbverfallenen Hütten, die von ihren Einwchnern verlassen sind usw. Streikunterstützung in Form von Bargeld kennt die indische Gewerkschaftspraxis nicht. Die Gewerkschaft kauft ein- fach beim Beginn des Stjrciks Reis engros, zu billigem Preise, ein, und dieser Lebensmitteloorrat wird dann an die strei- kenden Arbeiter verteilt. Beim großen Textilarbeiter- streik in Bombay im Jahre 1925, an dem 133 333 Arbeiter beteiligt waren, haben eine große Rolle die aus Europa ein- getrosfencn Hilssgclder der A m st e r d a m« r G c w c r k s ch a f t s- internationale gespielt, die mit großer Begeisterung aufge- nommen wurden. Dieses greifbare Zeichen der Solidarität des europäischen Proletariats hat den Mut der streikenden Arbeiter be- deutend gehoben, so daß sie drei Monate lang im Kampf aus- harrten, bis er mit einem gewissen Erfolge beendet wurde. Zahl- reiche Arbeiter sind aber doch während des Streits direkt vcr- hungert. Di« heutigen großen Kämpfe in der Textilindustrie von Bombay zeigen anscheinend ein noch größeres Ausmaß als jene von 1925. Das indische Proletariat legt ein großes Interesse für die«uro- päische Arbeiterbewegung an den Tag und erwartet von hier nicht nur materielle, sondern vor allem moralische Unterstützung. Aber auch der europäische Arbeiter muß ein großes Interesse an den dortigen Kämpfen haben—; jenseits des Suezkanals, im fernen Indien, zeitigt der moderne Großkapitalismus dieselbe Eni- Wicklung, die Europa vor etwa 133 Jahren durch- gemocht hat. Aber das Tempo dieser Entwicklung ist rasen d, der indische Kapitalismus holt mit Riesenschritten sei- neu älteren Bruder in Europa ein und tritt schon heute in erbitterte Konkurrenz mit dm Erzeugnissen unserer Industrie. Gegen diese Entwicklung können wir uns nicht wehren, wir sind ober daran interessiert, daß diese Konkurrenz nicht durch Hungerlöhn« und eine frühkapitalistische Menschenschinderei in Indien Furtwängler Tagore Schräder Die beiden Verfasser beim Dichter Rabindranath Tagore in dessen Wohnung in Kalkutta. verschürft wird. Das ist die materiell« Wurzel jenes großen Inter- esses, das das europäische Proletariat für den Aufstieg der indischen Arbeiterklasse hat. Ein Bild des Jammers. Nicht ein Skelett aus dem anatomischen Museum, sondern ein Textilarbeiter in Bombay, Die andere Seile. Erlebnisse eines Malers in Indien. Das Malen von Frauenporträts im Orient ist gewiß eine reiz- voll« Beschäftigung, stößt aber in Ländern, in denen noch immer die Verschleierung der Frau für notwendig gehalten wird, auf manche Schwierigkeiten. Immerhin sind die alten Sitten doch schon so ge- wckert, daß die Maler jetzt auch die Züge so mancher orientalischen Schönheit festholten können, die früher für immer der Oefsentlichkeit verborgen waren. Ein englischer Kunstler, Bertranr Sidney Smith, der jetzt ein« ganze Reihe von Bildnissen indischer Für- st i n n c n geichaisen hat, plaudert über seine Erlebnisse und Er- fahrungcn im Fünfstromland. Er hat zwar nicht ja reiche Ge- schenke bekommen, wie sie dem bekanntesten indischen Parträtmaler Rad Varnra zuteil wurden, der von einer» entzückten Maharadscha für das Bildnis seiner Lieblingsgattin ein Kästchen mit kostbarsten Juwelen und zwei Eleson!«» erhielt, aber immerhin bat er recht gut verdient.„Mein erster Zlustrag," schreibt er,„bestand darin, eine ISjährige indisch« Dame in Birma zu malen. Es ging alles recht gut, bis sie eines Tages, während üe mir Modell stand, zu meinem Erstaunen plötzlich durch die nächste Tür flüchtete. Ich blickte mich um und sah ihren Bräutigam, einen Jüngling von 20 Jahren. Di« Eltern waren recht aufgeklärte Leute, ober die olle Anschauung war doch noch immer wirksam, daß Verlobte sich vor der Hochzeit nickst sehen dürften. Die beiden hatten sich nicht mehr erblickt, seit sie ihr sechstes Iabr erreicht hatte. Ich bat den jungen Mann, hinauszugehen, und dos tot er auch. Das Mädchen gestand mir, sie habe sich ihn durch die Vorhänge genau angeschaut. Ein schönes Mädchen in Birma wollte ich als Modell haben und erhielt die Erlaubnis von ibrem Vater, gegen Geld und gute Worte. Er machte aber zur Bedingung, daß die Mutter sie begleiten müßte. Als mir nun mein Diener das Erscheinen des Modells ankündigte und ich es eintreten ließ, erschien ein ganzer Zug in meinem Atelier, das Mädchen wurde von ibrem Bruder begleitet, dem ihre Mutter und noch eine andere verheiratet« Frau folgten. Man erklärte, es sei notwendig, daß noch ein männliches'Wesen und eine nicht zur Familie gehörige verheiratet« Frpu anwesend seien. Da sie so scharf bewacht war und ihre gewöhnliche Kleidung trug, dachte ich, ich würde ihr wenigsten? die richtige Stellung anweisen dürfen. Aber jedesmal, wenn ich sie berührte, zuckte sie entsetzt zurück, bis ich schließlich das Malen aufgab. Unter meinen Modellen befand sich eine entzückende Inderin von 21 Jahren, die Mutter von drei Kindern. Ihr Gatte, ein reicher und vorurteilsloser Sikh, hatte ihr die Erlaubnis gegeben, sich mir ohne«chleier zu zeigen, aber den Indern gegenüber hielt sie an der Sitte fest. Eines Tages, als ich zum Essen blieb, saß ich an ihrer rechten Seite und ihr zur Linken ein Inder. Während des ganzen Mahles ruhte ihr linker Ellenbogen auf dem Tisch, und sie hielt ihren Schleier so, daß der Inder nichts von ihrem Gesicht sehen konnte: sie aß nur mit der rechten Hand und plauderte mit mir ganz ungczMMgcn." dcr ceiBC prmN 9. Fortsetzung. Es mar merkwürdig, die verschiedenen Methoden der beiden Polizisten zu beobachten. Manderton mochte mit großen Schritten eine blitzartige Untersuchung der ganzen Wohnung, den chut auf dem Kopf, die ausgegangene Pfeife im Mund. Seine scharfen Augen gingen von einer Wand zur anderen, als könnte er von ihnen das Geheimnis erfahren. Den einen Augenblick war er im Schlafzimmer, im nächsten wieder im Atelier, dann im Vorzimmer draußen, um irgend etwas abzumessen. Er sprach kein Wort und sein Gesichtsauedruck oerriet auch nichts. Das Verfahren des Franzosen war gänzlich anders. Er hatte dicht hinter Manderton das Atelier betreten, blieb aber in der Mitte stehen und nahm langsam die Umgebung in Augenschein. Seine Finger hielten achtlos eine Zigarette, der Kopf war auf die Seite geneigt wie der eines chahns, der sich im chühnerhof umsieht, während seine Augen forschend über die Wände, die Decke und den Boden hinliefen. Seine nachlässige Haltung war die eines kleinen, französischen Ladenbesitzers, der sich vom Geschäft zurückgezogen hat, aber wer den großen Boulot von früher her kannte, würde an seinen zu- sammengeknisfenen Augen bemerkt haben, daß er an der Arbeit war. Manderton, der im Schlafzimmer verschwunden war. schoß plötzlich wie ein Sturmwind wieder heraus.„Fingerabdrücke am Fenster," rief er.„Haben Sie das Zeug zum Fixieren?" Schweigend zog Boulot aus seiner Tasche die Holzbüchse, in die er beim Drogisten sein« Fläschchen und Pinsel hineingestopft hatte und händigte sie dem andern ein. Manderton gn'sf schnell danach und verschwand von neuem. Boulots Aufmerksamkeit war auf den Boden gerichtet. Ein einfacher Holzboden mit ein paar Fellen auf dem Podium,«inigen orientalischen Teppichen und wahllos verstreuten indianischen Motten. Nach einiger Zeit kam Manderton zurück. Cr konnte nur die plumpen Bein« des Franzosen erkennen, dessen Oberkörper von — und machte einchlilzartige Untersuchung der Wohnung der Staffelei verdeckt war. Er betrachtete dos Bild auf der Staffelei, von dem er das Papier entsernt hatte. „Im Schlafzimmer sind zwei Teetasscn," sprudelte Manderton heraus,„und Fingerabdrücke und der Eindruck von einem schweren Stiesel auf dem Fensterbrett. Sieht fast so aus, als ob sich Mr. Ouayre auf französisch empfohlen hätte. Den Tee wollten sie im Schlafzimmer trinken, das ist ganz klar. Der Kessel steht noch auf dem Kocher und das Teezeug mit einem Teller voll Kuchen auf dem Tisch. Ich mein', die Dunkelheit lichtet sich ein wenig.. Während er sprach, war er um die Staffelei herumgegangen und stand nun neben Boulot, der anscheinend in die Betrachtung des Bildes versunken war. Als Mandertons Augen auf die Lein- wand fielen, erstarben die Worte auf seinen Lippen, und ein leiser Pfiff der Ueberraschung entfuhr ihm. Er fand sich vor einem un- vollendeten Bild von Dolores Driscol. Es war«ine bewundernswürdige Arbeit mit etwas von Greuze in der Behandlung de» Fleisches und der Weichheit der Konturen. Das Mädchen blickte auf ihre beiden Hände herab, mit denen sie eine Blume oder etwas dergleichen gegen die Brust drückte. Das süße, junge Gesicht strahlte eine Reinheit und Unberührtheit aus, die von dem Enthusiasmus, der Verehrung und Liebe sprachen, die der Künstler seinem Wert entgegenbrachte. „Noch heut« nachmittag hat er daran gearbeitet," sagt« Boulot. „Sehen Sie nur, es ist noch naß." Er nahm von dem großen Tisch eine Palette auf.„Schauen Sie her— die Sepia, die er für den Stuhl gebraucht hat, den gleichen, der da droben auf dem Podium steht..." ..Sie glauben," begann Manderton unh klopfte nervös mit den Fingern auf den Tisch,„daß das Driscolmädchen heut nach. mittag hier war...?" Boulot zuckte die Achseln und blies eine Rauchwolke aus seiner Zigarette. „Wenn er nicht nach dem Gedächtnis gemalt hat. Aber, eher smi, Talent hat er! Ich kenne mich in solchen Sachen aus. Dieses Porträt ist bewunderungswürdig— be— wun— derungs— würdig!" Manderton stampft« ungeduldig auf den Boden. „Mir scheint er ein verdammtes Talent zu haben, hübsch« Mädels anzuködern." rief er.„Tee im Schlafzimmer, das wär' ihm recht! Und dabei hat sie Mrs. Cranmore ertappt, was?" „Ich möchte nur bemerken," unterbrach ihn Boulot ruhig,„daß Miß Driseol heut nachmittag im Ranelagh war..." „Ja," gab Manderton zu und sah auf seine Stiefel,„sie sagt«, daß sie dort gewesen ist..." 8. Boulots Morgenfpaziergaug. Boulot blickte vorsichtig aus der Tür seines Schlafzimmers. Jetzt, gegen Ende Juni, war es um halb fünf schon völlig hell. Kein Laut war im Hause zu hören. Nur aus den Gärten rückwärts kam das Gezwitscher der Vögel. Wo zwischen den zu- gezogenen Vorhängen sich nur ein Spalt zeigte, drang die Sonn« ein und malte goldene Kringel aus den Fußboden. Obwohl die Uhr gerade erst halb fünf geschlagen hatte, war Boulot schon vollständig angekleidet. Kaum vier Stunden vorher hatte er sich von Manderton an der Tür von Eranmore» Haus getrennt. Aber trotzdem fühlt« er sich so frisch wie nur je und sah strahlend aus, während er dos Fenster öffnete und die klare Morgenluft mit Entzücken einatmete. Wie alle Franzosen, liebte er die frühen Morgenstunden. Immer von neuem mußt« er sich erst wieder an die tödlich« Still« der Londoner Straßen gewöhnen zu einer Zett, da Pari» schon gefrühstückt und einen guten Teil der Tagesarbeit erledigt hatte. Er warf einen schnellen Blick um sich, trat auf den Korridor hinaus und zog geräuschlos die Tür des Schlafzimmers hinter sich zu. Auf dem Kopf trug er den breitrandigen, schwarzen Filzhut, der auf der Höhe seiner Berühmtheit von den Zeichnern verewigt worden war, damals, als er den geheimnisvollen Mord des Boulevard Barbes oder die Geschichte mit dem Orlowsti-Diamanten aufgeklärt hatte. Gerade war er im Begriff, die Treppe hinab. zusteigen, als sein Blick auf etwas fiel, was ihn wieder zurückhielt. „Tien, tiens!" murmelte er. Vor der ersten Türe des Korridors standen ein paar winzige Spangenschuhe aus fämischem Leder mit sehr hohen Stöckeln. Boulot nahm sie zur Hand, und ein neugieriger Ausdruck legte sich über sein Gesicht. Er untersuchte den Absatz des einen Schuhes. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinen Zügen, während er die Schuhe wieder hinstellte. Dann ging er auf den Fußspitzen in die Halle hinab, sperrte die Haustür auf und trat in den blendenden Sonnenschein hinaus. Mit kurzen, schnellen Schritten wanderte er die Sloanestraß« hinunter. Er hatte lang« zu gehen, eh- er auf ein Auto traf, und auch dann dauerte es noch geraum« Zeit, bis es ihm endlich gelang, die Aufmerksamkeit des verschlafenen Chauffeurs auf sich zu lenken. An der Ecke der Borton- und Hammersmithstraß« ließ er sich absetzen. Ehe er an den schmutzig gelben Ziegelhaufen ge- langte, der auf Mandertons Plan als Kloster bezeichnet war, bog er in einen schmalen Seitenweg ein, der sich hinter Quayres Wohnung bis zum Eisenbahnzug hinzog. Am Eingang dieses Weges befand sich ein eiserner Pfosten, um allen Fahrzeugen den Durchgang zu wehren. Zwischen der hohen Klostermauer auf der einen und einem Holzabladeplatz auf der anderen Seite, kam er zu einem dicht mit Waldreben be- wachsenen wackeligen Holzzaun. In der Mitte war der Eingang zu dem rückwärtigen Garten von Nr. 2, Brokcplatz� Der Franzose hob sich auf die Zehen und oersucht«, über dos Holzgitter zu schauen. Di« Straßenseite des Gartens war mit hohen Pappeln bepflanzt. Durch sie hindurch blickte er auf einen verwahrlosten Grasplatz, der von seit Iahren nicht mehr be- schnittenen Buchsbüschen eingefaßt war. Dahinter erhob sich die rote Ziegelmauer des Atelierhmises. Die Sonne spiegelte sich in den Scheiben eines großen Fensters, das, wie er annahm, Julian Quayres Schlafzimmerfenster sein mußte. Doulot spähte die Gass« hinauf und hinab. Keine Seele war zu sehen. Ein kräftiger Stoß öffnet« ihm die Zauntür. Im nächsten Augenblick stand er-ruf dem Grasplatz. Dem Hause entlang lief ein schwarzer Erdstreifen, der wohl einmal ein Blumenbeet gewesen war. Noch standen überall Scherben heraus, die«inst die Einfassung gebildet haben mochten. Im etwa drei Fuß hohen Sockel steckten vereinzelte, verrostet« Nagel als einziges Anzeichen, daß hier vielleicht einmal irgendeine Kletterpflanze die Wand be- kleidet hatte. Noch einen Fuß höher stand der Fenstersims ein paar Zentimeter aus der Mauer vor. Boulot kniete sich hin und untersuchte das ehemalige Blumen- beet. Als er damit fertig war, gings an«in« ebenso gründliche Beaugenscheinigung des schmalen Vorsprungs zwischen Sockel und Mauer. Schließlich packte er den Sims mit beiden Händen und zog sich vorsichtig so weit hinauf, bis er mit den Augen an die unteren Fensterscheiben reichte. Aber er hatte vergessen, daß sie aus Milchglas bestanden und keinen Einblick in dos Innere ge- währten. Schon wollte er sich wieder herablassen, als das Fenster zurückgeschlagen wurde und hinter ihm Mandertons Gesicht in all seiner rotglühenden Schönheit erschien. Boulot grinste vergnügt und sprang auf den Boden. „Alle Achtung!" rief er.„So gibt, doch jemand, der früher aufsteht als dies« faulen Londoner." „Es scheint mir, alter Freund," antwortete Manderton trocken, daß der Bogel sich schon früh auf die Suche gemacht hat, um«inen Wurm zu fangen! Aber wie, zum.Henker, sind Sie denn da hinausgekommen?"(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. BBmimiiiimiiiiiiiimiiimiiiiiiiiimmiimimmminimmimnmmmmmunmiiranHmiroiinmwmmwinninimimniimimnniniimmmimiimuimimniimimuiiiiiuimnniiiimi Gute Ratschläge Mussolinis. Mussolini hat an die begreiflicherweise von Schmerzen zerrisse- nen und tief bedauernswürdigen, in Italien zurückgebliebenen Familienmitglieder der Nobile�xpedition Telegramme geschickt und ihnen darin Trost zugesprochen. Aber er wäre nicht der ewige Heldenposeur und Gebärdenfex, der er nun mal ist, wenn er das schlicht und einfach getan, wenn er sich mit einigen menschlichen Worten des Beileids begnügt hätte. Mussolini mußte mehr tun. Bor allem einmal hat er die Familien ermahnt. Ohne Oberlehrer- geste geht es nun einmal nicht. Sie sollen, so befiehlt der Duce, stark sein und ihrer heldenhaften Mitglieder sich würdig erweisen. Vor allem gilt dieser Ratschlag wohl den Frauen, und er läßt durchblicken, daß Mussolim ein gewisses Ilebermaß von Schmerz als un- würdig empfände, als läppisch und verächtlich. In Italien hat Zucht zu herrschen und diese Zucht erstreckt sich auch auf die Kon- trolle über die Herzen. Die Witwe Motteottis wurde aufgefordert, sich ihrer Trauerkleidung zu entwöhnen, den Frauen der„Jtalia"» Fahrer, die einigermaßen erwachsen und mündig sein dürften, wird in den Tagen ihres abgründigsten Herzeleids, in den Tagen, da sie die tausendfach« Marter peinigendster Ungewißheit erdulden, so nebenher nahegelegt, sich in ihren Klagetönen nicht etwa zu»er- greifen. So was schickt sich nicht für die Untertanen einer Helden- nation. So was kleidet eine Italienerin nicht. Der Duce hat da schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden, wann eine Trauer ordnungsgemäß ist und wann sie dem faschistischen Heroenkodex zuwiderläuft. Da frieren und hungern die Nobile-Leut« auf dem Packeis ihrer unendlichen Schneewüste, vi« Wolken hängen schwer auf sie herab und der Tod lauert ihnen auf. Schlimmes ist ihnen wider- fahren--, aber diese«ine Sorge wenigstens hat der, nicht in einer Schneehütt« der Arktis, sondern in dem wohltemperierten Palost eines sonnigen Landstriches beheimatete Mussolini ihnen ab- genommen: Er sieht darauf, daß ihre fernen Frauen von der Schwere ihres Loses nicht zu unwürdigem Verhalten verleitet werden. ftl»n» Lauer. Der Zwischenruf. Eindringlich führte der Redner aus:„Wer nachgibt, wenn er einsieht, daß er unrecht hat, ist weife. Aber wer nochgibt, wenn er im Recht ist, ist--* Stimm« aus dem Hintergrund:„Verheiratet!" (Aus dem„Wahren Jacob".) Die unsittlichen Engel. Ein Budapester Bezirksgericht war der Schauplatz dieses Geschehens. Johann Kuly, ein Landwirt aus Nezökövekd. hatte sich einen Leichenwagen anfertigen lafsen. An den vier Ecken des Wagens wollte der biedere Landwirt vier Engclbüftchen auf- stellen lassen. Eine Budopester Firma lieferte ihm da» Gewünschte. Doch Kuly will just die Engelchen nicht abnehmen. Er er- klärt«, daß die— natürlich nackten— Engel höchst aufreizend, ja geradezu erotisch wirken, denn die Brüst« der Engel seien rundlich und trügen einen ausgeprägten weiblichen Charakter zur Schau. Es kam zu einem Prozeß. Der Richter nahm die beanstandeten Engelchcn in Augenschein. Sachverständige wurden geladen. Das Urteil ward gefällt. Die Begründung stellt« fest, daß die Form- gebung der Brüste zu plastisch sei und darum die Engelbüsten ge- eignet sind, bei den Zuschauern erotische Gefühle zu erwecken. Also lautet- das Urteil:„Die herstellende Firma wird oerpstichtet. die Rundung der Brüste der Engel zweckentsprechend abzuhobeln." Und so geschah es auch. Wahres Geschichtchen. Der Magistrat der Stadt M. hatte die Anschafftmg einer neuen Motorspritze für die Berufsfeuerwehr beschlossen. Die Dorverhand- lungen waren soweit gediehen, daß der zuständige Dezernent, Bürger» meister R., den Kaufvertrag seiner Stenotypistin diktieren konnte. Ein nicht geringes Bauchweh überkam dem Herrn Dezernenten, als er in der Reinschrift statt des sich häufig wiederholenden Wortes Motorspritze da» gar nicht gewollte Wort Mutterspritze vor» fand.— Da» kann einer Stenotypistin mit höherer Schulbildung passieren, wenn ihr, wie hier, in Ostpreußen diktiert wird. Totschlag, Automobilraub und Todesurteil. Der 22jährig« Franz Zboril arbeitete- al» Schuhmacher in Zlin(Tschechoslowakei). Eine, Tages kam ihm in den Sinn, daß er ein Auto haben müsse. Er ließ sich seinen Freund kommen, mietete am?7. Januar ein Auto, lieh unterwegs den Chauffeur holten, und während sein Freund sich mit diesem unterhielt, streckt« Zboril den Chauffeur von hinten durch zwei Schüsse nieder. Das Auto fuhren die beiden in die Scheune der Mutter des Z., die Leiche des Chauffeurs begruben sie in der Nähe eines Stalles. Auch eine Garage zimmerte sich Z. auf dem'Hofe des mütterlichen Gehöfts zu- sommen. Seitdem war ein Jahr vergangen. Da wurden beide ver- haftet. Der Freund erklärte, daß er von den Absichten Z.s nichts gewußt habe. Er habe die Mitteilung vom Morde unterlassen, weil Z. auch ihn zu töten gedroht habe. Das Gericht sprach den Freund frei und verurteilt« Zboril zum Tode. Hätte er nicht ohne Auto auskommen können? Der„Zwerg" mit dem lierzogghut. Unter den seltsamen Käuzen in England, deren Eigenart sie in manchen Kreisen zum Mittelpunkt der Legendenbildung macht, ohne daß man bei ihnen direkt von einem Spleen sprechen kann, spielte jahrzehntelang der Herzog von Newcastle eine bedeutsame Rolle. Man nannte ihn im Oberhaus den„Zwerg", in liebloser Anspielung auf seine furchtbare Derkrüppelnnx. die er einem schweren Unfall im Kindesalter verdankt. Nach lange' Krankheit ist nun der Vierundsechzigjährige gestorben, der se oft die boshaften Zungen seiner Gegner in Bewegung gesetzt hat:«. Der Herzog war ein großer Kirchenamateur vor dem Herrn. Er spielte eine führende Rolle unter den„Rituolisten" der Hochkirche und hotte auf s->inem Herrschaftsgebiet«ine der prachtvollsten Kirchen Englands zum Privatgebrauch aufführen lassen. Außer seinen tirch- lichen Neigungen, die er mit der Intensität des besessenen Sports» mannes betätigte, hotte er eine krankhastc Aorliebe für alles, was mit dem Zigeunertum zusammenhing. Nicht nur gast er als einer der besten Kenner der Geschichte und der Gewohnheiten dieser merkwürdigen Nomaden, er hatte es auch in früheren Iahren fertig- gebracht, mit einer Zigeunerkarowan« monatelang kreuz und quer durch England zu ziehen. Es war vielleicht sein letzter Trost, daß der Erb« seines Titels und seiner Besitzungen, sein Bruder. Lord Henry Francis Hope Pelham-Clinton-Hop«, sich nicht nur durch einen reichlich langen Ülamen auszeichnet, sondern auch durch den Klatsch, den er durch feine sehr kurze, aber um so stürmischer« Ehe mit einer amerika» nisehen Schaufpielerin aufrührt�, Rund um den Kartellverband. Die Kommunisten suchen im Berliner Kartellverband noch zu retten, was zu retten ist. Dah man riesige Dummheiten gemacht hat, wird hier und da schon eingesehen, über den Ernst der Situation ist man sich aber noch nicht recht klar. Interessante Einzelheiten ergaben sich auf der letzten Sitzung des Geschästssührcnden Ausschusses am Sonnabend. Unter den sonst hier gesehenen'Delegierten fehlten nicht nur eine beträchtliche Zahl, sondern auch viele aus den Bezirkskartellen. Man fühlte sich deshalb„unter sich" und beim Punkt Berichte wurde die Spaltungsfrage ganz nach kommunistischem Schema behandelt. Tennis-Friedmann und Genossen wußten sogar zu berichten, daß die„Barthelmänner" Stühm und Hensel ihre Direktiven von der Funktionärversammlung der Sozialdemokratischen Partei Groß- Berlins am Freitag erhalten hätten! Eine langatmige Entschließung „gegen die Spalter" und„für die revolutionäre Einheitsfront des Arbeitersports" wurde angenommen. Aber sonderbar: In diesem ausgesiebten Kreis fanden sich noch zwei Gegner und eine ganze Anzahl Enthaltungsstimmen. Beschlossen wurde auch, um schon beim Rast die„Spaltung" ins rechte, d. h. kommunistische Licht zu rücken, daß statt Oehlschläger der neugebackene Landiagsabgeordnete Zobel die Rede im Stadion holten solle. Außerdem will man alle in der Spaltungsfrage oer- öffentlichten Artikel zusammenfassen und der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Eine Kommission von fünf Mitgliedern(Brüggemann, Ritzschke, Prietzel, Weinert, Zobel) soll das besorgen. Sie soll zu- gleich auch mit der Zentralkommifsion verhandeln, von der man Hilfe erwartet, vor allem in einem leidigen Punkt. Man hat nämlich— wie bei den Berichten durchklang— kein Geld mehr in der Kasse. Von Wichtigkeit ist ferner noch der Beschluß, daß die G.-A.- Mitglieder das Recht erhalten, zu ollen Vereinsmitglicderverfammlungen Zutritt zu nehmen. Man will dadurch in den„unsicheren" Vereinen für die„Aufklärung der Mitgliedschaft" sorgen. Obacht ist also nötig! Für Gewerkschaftler ist serner noch die Tatsache interessant, daß der kommunistische Leiter des Charlottenburger Kar- tells wegen Streikbruchs aus der Arbcitersportbewegung ausgeschlossen werden mußte. Die Fludit der Vereine. Die Vorkommnisse im Kartcllverband für Arbeitersport und Körperpfleg« gaben nun auch dem Arbeiterturn- und Sportverein Treptow, Baumschulenweg Beron- lassung. aus dem Bezirkskartell und dem Kartellverband auszutreten. Der Verein begründet in einem längeren Schreiben an uns diesen Schritt und schreibt zum Schluß: Alle diese Vorkommnisse geben uns die Veranlassung, aus dem Kartellv.rband auszuscheiden, da ein gesundes Ar- beiten zur Unmöglichkeit geworden ist. Wir holten uns daher für verpflichtet, uns dem Vorgehen vieler anderer Vereine und größerer Körperschaften anzuschließen und erklären uns solidarisch mit ihnen. Für wahrhast freiheitliche Entwicklung der Arbeitersportbewegung werden wir nunmehr im„Freien Kartell für Sport- und Körperpflege" wirken. Paul Bischof, Herbert D e w a l d, SO3S, Elsenstraße 37. SO 36, Kiefholzstrahe 46. Arbeiter-Turn- und Sport-Berein„Jahn", Treptow-Baumschulenweg. • Eine Sitzung bundeskreuer Mitglieder der kulturvereine in Lichtenberg nahm einstimmig folgende Resolution an: Die Versammlung begrüßt den Schritt des Touristenvereins „Die Naturfreunde", aus dem Kartellverbond auszuscheiden, und fordert all« Kulturorganisationen auf, die wirklich ein Interesse haben, positive proletarische Kulturarbeit zu leisten, ebenfalls aus dem Kartell auszutreten. Die Interessen der Kulturverbände sind nie zur Zufriedenheit der Verbände vertreten worden. Alle Orga- nisationen haben sich deshalb dem neuen Freien Kartell für Sport und Körperpflege anzuschließen. Di« Der- sammlung erblickt in dem neuen Kartell die einzige Möglichkeit, für die Kulturorganisationen praktische Arbeit im Interesse der Ar- beiterschoft zu leisten. Was sie schreiben und was sie tun! Wir hatten kürzlich mitgeteilt, daß neben anderen Vereinen auch der„A r b« i t e r s p o r t v e r e i n Lichtenberg" einen Wahlauruf für die KPD. unterschrieben hatte. Der Vorsitzende Krumm bestreitet die Richtigkeit der Meldung in dieser Form und schreibt: „In Lichtenberg hatte sich ein Iu n g wä h l e r k o m i tee ge- bildet, zu dem unser Derein nicht geladen war. Es müsien einige Jugendliche von der Schwimm- und Turnsparte des ASV. Lichten- berg in der Sitzung anwesend gewesen fein, die absolut nicht de- rechtigt waren, irgendwelche Unterschriften für den Verein zu tätigen. Dieses Komitee hat zu der Wahl der Liste„5" auf- gefordert. Es hat niemals der Geschäftsführende Ausschuß des ASV. Lichtenberg, noch eine Mitgliederverfammlung, noch die Turn- oder Schwimmsparte des Vereins in einer Zusammenkunft einen Beschluß gefaßt, für eine bestimmte List« einzutreten. Die am 15. Mai tagende GA.-Sitzung Hot im Gegenteil den Mißbrauch unseres Namens auf den Flugblättern und Plakaten des Jung- Wählerkomitees gemißbilligt." Man kennt diese Taktik der Kommunisten. Vorgeschoben« Jugendliche müssen Ausrufe unterschreiben: die Drahtzieher schreien dann mit erhobenen Händen:„Wir waren es nicht!" Ehrlich ist das nicht, aber kommunistisch. Und das besonders, weil die Wühler aus der Tennisvereinigung auch die geistigen Leiter im ASV.- Lichtenberg find. €€ „Zielfahrt nach Berlin.1 Für Autos und Motorräder. Der Polizei-Motorrad-Club Berlin e. V.(DMV.) veranstaltet am 1. Juli unter dem Prolektorat des Herrn Ober- bürgermeifters Böß«ine große„Zielfernfahrt nach Berlin". Der Reinertrog der gesamten Veranstaltung wird der Stadt Berlin für die Blinden überwiesen. Teilnahmeberechtigt sind alle Kraftwagen- und Motorradfahrer Deutschlands und fremder Länder, auch wenn sie keinem Klub bzw. Verband angehören. Das Nenngeld für Fohrer und Mitfahrer be- trägt st 5 M. und ist mit der schriftlichen Meldung bis 28. Juni an die Geschäftsstelle des PMCB., Polizeioberwachlmeister Friedrich Krenz, Berlin-Holenfee, Karlsruher Straße 13, einzusenden. Aus- fchreibungen, Meldeformulore und Kontrollkarten find durch die Gc- Oer Msnn in der Tonne. Bei einer Motorrad-Geschicklichkeitsprüfung auf dem Tempel- hofer Felde mußten die Teilnehmer unter anderem auch durch eine Tonne kriechen. fchäftsstelle anzufordern. Die Pflichtstrecko beträgt 56 Kilometer. Berliner und diejenigen Fahrer, deren Startort näher als 50 Kilometer von Berlin entfernt liegt, dürfen die Fahrt zwecks Wertung erst 50 Kilometer von Berlin entfernt antreten. Standort mutz auf der Kontrollkarte bescheinigt fein. Als Bescheinigung werden an- erkannt: Polizeiliche, Tank- und Hotel-Stempel mit der Unterschrift versehen. Die Zielsahrer(Fahrzeuglenker) erhalten«ine lehr schöne, der Bevanstallung entsprechende, künstlerisch ausgeführte Plakette, die gemeldeten Mitfahrer dieselbe Plakette bls„Erinnerungsplakette". Die Erinnerungsplakette kann jeder gegen Zahlung von 5 M. kauf- lich erwerben und berechtigt gleichzeitig zum freien Eintritt z» der gesamten Veranstaltung. Die Fahrt kann nach Belieben angelreten werden. Ziel und Veranstaltungsiokal ist das Haupt- reftaurant„H u n d« k e h l e", Berlin-Grunewald, Königsallec. Die Ziclkontrvlle ist am Sonnabend. 30. Juni, von 17 Uhr ob bis LI Uhr geöffnet. Sonntag. 1. Juli, von 9 Uhr bis 13 Uhr. Schluß der Zielkontrolle Sonntag, 1. Juli, pünklich 13 Uhr. Das Ziel bzw. dos Veranstaltungslokal ist durch Flaggen und Zielband kenntlich gemocht. Gegen 14 Uhr Begrüßung sämtlicher Ziel- und Mitfahrer durch Oberbürgermeister Böß und Regierungspräsidenten Dr. Friedensburg. Ab 15 Uhr großes Konzert, Tombola, Ball. Der sonstige Eintritispreis betrügt 1 M. Arbeiter-Handballspiele. Berlin gegen Halle 5:4(4:3). Anläßlich des„Rast" in Halle, der im übrigen, auch zu parteipolitischen Demonstrationen benutzt wurde, standen sich die beiden Städtemannschaften von Berlin und Hall« gegenüber. Trotz des starken Gewitterregens wurde das Spiel nicht abgesagt. Berlin glänzte in der Fangtechnik und war zeitweise überlegen. Halle überraschte im Anfang und hatte in der 7. Minute schon drei Tore errungen. Berlin wurde dadurch in seiner Angriffsarbeit eifriger, Halbrechts sandte unhaltbar zum ersten Tor ein, dem durch Halblinks noch zwei weitere solgcn. Kurz vor der Pause schoß Berlin das Führungstor. In der zweiten Halbzeit drückte Berlin stark, konnte aber trotzdenz nur noch einmal ersolgreich einsenden. Aber trotz guter Abwehrarbeit der Verteidigung und des Torhüters landete der Ball doch noch einmal in Berlins Heiligtum. Die Berliner Mannschaft war trotz des Ersatzes technisch überlegen und zeigte ihr Bestes in Kombination und Ballbehandlung. Halle ließ sich nicht entmutigen und spielte eisrig. Die Berliner Resultate sind folgende: Neukölln 1. Ab- teilung gegen 2. Abteilung 5:4(3:2). Bei der 1. Abteilung spielte der Swrm eigensinnig, während Lauf und Verteidigung gut zu- sammenarbeiteten. Die 2. Abteilung litt etwas an steberkombination, war ober sonst besser und hatte den Sieg verdient. Hennigsdorf gegen Erkner 1:1(0:1), Pankow gegen Fichte-Nordost 3:1(0:0). Neukölln-Dcreinsmonnschast gegen Fichte-Vereinsmannschast 3: 3 (3: 1). Neukölln 2. Frauenabteilung gegen Adlershof 4:1(1: 1). Adlershof verlor kurz nach Beginn zwei Spielerinnen durch Der- letzung, war aber trotzdem leicht überlegen. In der zweiten Halb- zeit konnten sie aber doch nicht mehr dem Tempo standhalten. Zchlendorl«weiht" einen Sportplatz! Am Sport- und Spieltag der Schulen ist der Zehlendorfer städtische Sportplatz an der Spandauer Straße der Oefsentlich- keit übergeben worden. Nachdem am Vor- und Nachmittag die Schulen Spiele und Wcttkämpse ausgetragen hatten, fand abends der„Festakt" im Beisein der Schulen sowie der Vertreter des Magistrats und der Vereine statt. Eine kurze, aber..inhaltreich-" Rede eines deutschnationalen Stadtrats muß erwähnt werden: Feinde— Deutschlands Ketten zerreißen— Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, rufet die Arme der Götter herbei— Ertüchtigung der Männer und Frauen jeglichen Standes und Gesinnung— dos war die Rede, die ver- heißungsvoll endet: Der Herr mach uns frei! Wenn der Herr Stadtrat gsaubt. daß die Männer und Frauen „jeglichen" Standes mit seinen Worten einverstanden waren, so irrt er stark. Dem Bezirksamt Zehlendors ist zu empfehlen, daß es seinem künftigen Fest- und Weiheredner ans Herz legt, derartige Eni» gleisungen zu vermeiden. Für Zehlendors selbstverständlich war auch, daß weder die Reichs- noch die Stadtflaggen gezeigt wurden. Die Verantwortlichen sind wohl der tleberzeugung, wenn nicht schworzweißrot, dann keine Fahne. Programm für die Werbewoche des Arbeiter- Sport- und Kultur-Kartells Zehlendorf: Mittwoch 20. Juni Sportlerfreiübungen auf dem Marktplatz, Fackelzug. Treffpunkt 20 Uhr, Teltower Mühlenstraße. Donnerstag 21. Juni Wannsee 19 Uhr Handball- spiel: 21 Uhr LichtbUderoortrag im Restaurant„Reichsadler", Königstraße„Turnen, Spiel und Sport im Dienste der Volksgesund- heit", dazu Musik, Sprechchor, Bühnenturnen: Eintritt 25 Pfennig. Freitag 22. Juni 20 Uhr Filmabend, Gymnasium, Burggrafenstratze „Die neue Großmacht",„Der Nürnberger Jugendtag"/ dazu Musik, Sprechchor, Gymnastik, Rezitationen: Eintritt 50 Pfennig. Sonn- abend 23. Juni Strahenlous Zehlendors— Wannsec; Start 18 Uhr, Teltower Mühlenstraße: Wannsee 18 Uhr Fußballspiel Wannsee gegen Zehlendors, Radrennen des Radfahrerbundes„Solidarität". Sonntag 24. Juni Zehlendors Großes Sportfest auf dem neuen, städtischen Sportplatz, Spandauer Straße: Festumzug 12!'2 Uhr: Treffpunkt Teltower Mühlenstraße. FTGB. schwimmt jetzt auch! V'■* 'i'■!t.; j:■'. r rv;/■■. WKWm ...... �-. UMWMMM .....V/.. Der ständige Zustrom neuer Mitglieder zur S ch w i m m a b- teilung der Freien Turners ch'a st Groß-Berlin ist der best« Beweis dafür, daß diese neu eingerichtete Abteilung einem drin- genden Bedürfnis entspricht. Besondere Beachtung wird der Aus- bildung der Nichtschwimmer gewidmet. Den kostenlosen Schwimmunterricht erteilen geprüfte Lehrerinnen und Lehrer. Uebungsabend ist immer Mittwochs ab 18 Uhr im P o st st a d i o n, Berlin, Lehrter Strabe57aund6As.— Im Schwimmbad ist außerdem Gelegenheit zur weiteren Förderung der Schwimmer und Springer, ferner Sand- und Sonnenbad. Turngeräte, Ballspiele, Er- gänzungssport. Parteipolitischer Zauber in Gestalt kommunistischer Quertreibereien wird nicht geduldet, da nur harmonische Zusammen- orbett um» ehrliche gegenseitige Kameradschaft die Teilnehmer näher zusammenbringen kann. Heute Radrennen bei Rütt. Die Entscheidungsläuse de,„Großen Preises von Berlin", die am Sonntag vertagt werden mußten, gehen heute, Dienstag, auf der Rütt-Arena vor sich. Im Kampf um den dritten und vierten Platz stehen sich Weltmeister Engel und Ehmer gegenüber, und dann treten Oszmella und der am Sonntag groß gefahrene Rütt zur Entscheidung um den Sieg an. Die Rennen beginnen um 19,45 Uhr, die Entscheidungsläuse des Großen Preises etwa um 20,15 Uhr. Neue Frauenableilung in Lichtenberg. Die Freie Turnerschoft Groß-Berlin, Bezirk Lichtenberg, eröffnet Mittwoch, 20. Juni, in Lichtenberg, Turn- hall« Schule Pfarrstraße, eine Frauenabteilung(über 25 Jahre): Turnstunden jeden Mittwoch 20—22 Uhr. Die FTGB., die mit führend aus dem Gebiete der Körperkultur ist, schafft damit den Frauen Lichtenbergs Gelegenheit, Leibesübungen zu pflegen. Weitere Abteilungen des Bezirks: Turnhalle Schule Holteistraße(Obere Hall«), Dienstag 18— 20 Uhr Schülerabteilung: Freitag 20—22 Uhr Männer- und Iugendabteilung.— Turnhalle des Jahn-Realgymnasiums, Marktstroße 2/3: Dienstag 18— 20 Uhr Schülerinnenabtlg.: Freitag 20—22 Uhr Iungmädchen u. Frauen- abteilung. Bundeslreue Arbeilerschühen. Nachdem die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Schützenbundes wegen nicht abgeführter Beiträge aus dem Bund ausgeschlossen worden ist, haben sich bundestreue und sozialdemokratische Sportler zu einer n u e n Ortsgruppe zu- sammengetan. Dies« Gruppe bietet die Gewähr dafür, daß kommunistische Zellenorbeit ausgeschaltet ist. 2l«Meldungen bei: Ernst Schäfer. Berlin R 24. Kleine Hamburger Str. 24/25 I: Ernst Decker, Berlin O34. Frankfurter Allee 347: Max Fleck, Reu- kölln, Isorstr. 4: Wilhelm Rätz, Berlin 0 112, Weichselstr. 5 1. Gewerkschastszugehörigkeit ist Bedingung.— Gruppe Friedrichshoin tagt Mittwoch, 20. Juni, 19lb Uhr, bei Dentsch, Weberstr. 15. Gäste haben Zutritt. Wochenende mit den Rolursreunden. Di« Fahrt durch die Grumsinsorst(siehe„Abend" vom Sonnabend) findet erst ain Sonnabend und Sonntag, 23. und 24. Juni, statt. Freie Falkbootfahrer Berlin. Zusammenkunst Donnerstag 21. Juni Schule Weinmeisterstraße 16/17, 20 Uhr. Gäste willkommen. Fahrten am 23. und 24. Juni Fiirstcnwalde— Alte Spree, Zossen— Motzenersee. Näheres im Heim. Schachspieler und solche, die es werden wollen, finden jeden Dienstag in Neukölln. Boddin- Ecke Reuterstrahe bei Benthin Ge- legmhest, sich weiter auszubilden. Gäste stets willkommen. Der„Zoo" als Kurstätte. Wonn der„Zoo" bei jung und alt eine Stätte des Vergnügens unt» der Freude ist, so gewinnt er von Jahr zu Jahr an neuen Freunden, seit die Brunncnvertriebsgescllschaft unweit des Affen- pavillons einen Brunnenauss-Hank aufgemacht hat, der auch für das körperliche Wohl sorgen will. Nun ist der natürliche Heil- brunnen, der hier aus Flaschen ausgeschenkt wird, nicht etwa für die Tiere gedacht, obwohl es grotesk wäre, den Herrn Marabu da- hinspazieren und ein Glas„Fachinger" trinken zu sehen, den großen Elefanten mit seinem ewigen Zahnweh das kühle Naß des Lauch- städier Brunnens, den schon Goethe und Lessing rühmten, oder gar die Asfendainen und-Herren mit einem Becherlein in der Hand die verdauungsregelnden Brunnen von Karlsbad und Marienbad! Nein, für diese HerrsäMften ist das Vergnügen nicht gedacht. Es ist das zweibeinige Getier, das seinen Zuspruch hält, der viel geplagte domo 5zpien5, das höchstentwickelte Säugetier, das Gesundung sucht. Wie sieht man sie geschäftig schon in frühester Morgenstunde hier hin- und Hereilen, die Armen, die in der Sorge um ihr Wohl- befinden schon�so früh aus dem Schlaf gerissen wurden. Die Frauen in hellen Kleidern, die diese vom Arzt vorgeschriebene Kur e-ne., Pferdekur" nennen, weil der frische Morgenwind in den Bäumen ihnen kühl durch die Kleider weht. Aber es gilt dem „Schlankbleiben", der„modernen Linie", der man dieses Opfer bringt. Aus diesem Grunde wird der Brunnen nüchtern genossen, was besonders den beleibten Männern auf die Nerven fällt, die auch aus der Sucht nach„ewiger Jugend" sich in diesen Kultus ein- spannen, obwolsi ini Geschäft daheim Kunden und Korrespondenz warten. Und dann will der Brunnen nach dem Trinken auch be- wegt werden. So sieht man die Gäste zwischen Assen- und Löwen- Haus promenieren, flirten, oder in sinniger Betrachtung, je nach der Gelegenheit, bis sich der Schritt plötzlich beschleunigt, weil der Brunnen bereits feine öffnende Wirkung zeigt. Und doch ist man von dem Erfolg der Brunnenkur höchst befriedigt. So erfreuen sich die Brunnenausschänke— von denen Berlin außer dem„Zoo" einen am Lietzense« und einen am Kreuzberg besitzt— einer immer größer werdenden Beliebtheit, denn sie ver- mittel» dem Publikum, das nicht nach den Bädern jähren kann und aus medizinischen Gründen eine Brunnenkur nehmen muß, den Gebrauch der Heilbrunnen in ähnlicher Weise, wie es in den Kur« orten selbst geschieht. An den Brunnenausschänken können sie ganz nach Wahl sich das echte Heilwasser aussuche», dos der Arzt ver- ordnet hat. Selbstverständlich spricht als gesundheitsförderndes Moment die freundliche Umgebung, das So rzert und vor ollem dos Frühaujstehen mit. Deshalb haben auch Krankenkassen und Versicherungsanstalten für ihre Mitglieder, soweit es deren Berufstätigkeit gestattet, diese Kuren mit in ihre Hellverord- nungen aufgenommen. Lohnbewegung der Wachangestellten. Ablehnung des Schiedsspruchs. Die Berliner Wach- und Schließangestellten befinden sich zurzeit in einer Lohn- und Tarifbewegung. Seit einem Jahr find die Lohnsätze unverändert geblieben. Bereits im März beschäftigte sich der S ch l i ch t u n g s a u s s ch u ß mit einer Neuregelung der Löhne. Gewcrberat Körner cnipfahl damals den Parteien neue VerHand- lungen anzuknüpfen. Die Unternehmer rührten sich nicht und aus diesem Grund wurde der Tarifvertrag zum 30. Juni gekündigt. Am 12. Juni beschäftigte sich der Sästichtungsausschuß wieder mit der Angelegenheit. Die Unternehmer erklärten, daß die wirt- schafllichen Verhältnisse sich seit einem Jahr nicht verändert lstittcn und daß die Löhne der Wachangestelllen einer Erhöhung nicht bedürften. Die Vertreter der einzelnen Wachgesellschaften wiesen darauf hin, daß die Abonnenten eine weitere Preissteigerung nicht verstehen und auch nicht bezahlen würden. Die Frage des Vertreters des Deutschen Verkchrsbundes, ob auch die Direktoren der Gesellschaften mit einem Wächie�einkommen zufrieden seien, wurde nicht beantwortet. Aber auch hinsichtlich des Tarifoertroges wurden von den Unternehmern Wünsche gc- äußert, die eine Verschlechterung der bestehenden Verhältnisse be- deuteten. Nach langen Beratungen fällte der Vorsitzende einen„ein- stimmigen" Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung ab PROGRAMM für die Zeit vom 19. bis 21. Juni 1 September vorsieht. Aus der Begründung ging hervor, daß der Vorsitzende des Schlichtungsausschusjes den Klagen der Unternehmer Gehör geschenkt, dagegen die Wünsche der Wächter fast gor nicht berücksichtigt hat. Die Wachangestelllen haben zu dem Schiedsspruch Stellung ge- nommen und beschlossen, ihn abzulehnen. Noch besteht die Möglichkeit, daß bei den Unternehmern die Einsicht Platz greift, daß schon ab 1. Juli eine Aenderung der Lohnhöhe«intreten muß. Jedenfalls haben die Berliner Wächter keine Lust mehr, sich länger hinziehen zu lassen. Sie wissen, daß die Oefsentlichkeit hinter ihnen steht, denn ein schlecht bezahlter Wächter dient nicht der Sicherheit. Auskünfte über Tarifgesellfchajten und die Weiterentwickelung der Lohnbewegung erteilt der Deutsche Verkehrsbund, Sektion VIl, Berlin W. 30, Bayrcuther Straße 31. Michsbesolöungsgefetz und Beamtenrecht. Die Allgemeine Deutsche Postgewerkschaft, Mit- glied des Deutschen Verkehrsbundes, deren erweiterte Reichsleitung am 11. Juni im Berliner Gewcrkjchafishaus tagte, beschäftigte sich eingehend mit den Berufsfragen des Personals der Deutschen Reichspost. Sie nahm u. a. ein« Entschließung an, die vom neuen Reichetag erwartet, daß er beschleunigt für die Durchführung der bei der Verabschiedung des neuen Besoldungsgesetzes gefaßten Eni- schließungen Sorge trägt. Die erweiterte Reichsleitung erwartet veiter. daß der neue Reichstag umgehend die Mängel und Härten des jetzigen Besoldungsgesetzes beseitigt und die seit Jahren gefor- derten und stets zurückgestellten Forderungen auf Schaffung eines neuzeitlichen Beamtenrechts und einer gesetzlichen Beamtenvertretung endlich verwirklicht._ Oer„Sieger" von Köpenick. Der Tag der Schulen, der in fast allen Bezirken Berlins die Schulkinder zu sportlichen Wettkämpsen vereinte, fand in K ö p e n i ck einen besonders festlichen Abschluß. Das von der Stadt Berlin geschenkte, von Pros. Hugo Lederer geschaffene Stand- bild der„Sieger" wurde feierlich enthüllt. Zwar hatte der starke böige Wind die schützende Hülle schon vorher beseitigt, aber auch ohne die Spannung, die sonst durch das Fallen der Hülle gelöst, den ersten Eindruck eines solchen Standbildes zweifellos vertieft, kam die von Kraft strotzende mächtige Gestalt der„Siegers" auf dem sechs Meter hohen Sockel zu eindringlicher Wirkung. Nachdem der Aufmarsch der etwa 1200 Schüler beendet war, er- griff Oberbürgermeister B ö ß das Wort zu einer Ansprache, in der er besonders auf Zusammenhänge zwischen Kunst und Sport hinwies und die Bedeutung des Sports für die heranwachsende Jugend betonte. Der Bürgermeister von Köpenick, Genosse Kohl, sprach darauf der Stadt Berlin, und dem Schöpfer des Standbilses den Dank des Bezirks und der Bürgerschaft aus. ver.?all Zakubowfki. Nach einer Meldung aus Neust celitz weilt der frühere sächsische Staatsminister Dr. B ü n g e r zurzeit in Mecklenburg zur Ueberprüfung des Falls Jakubowski. Sinderfreund«. Srei» Charlottenburg. Die Eltern der Zelt- fahrer müssen an der Versammlung am Mittwoch, dem 20. Juni, um 20 Uhr im Bürgersool des Rathauses, Königstraße, teilnehmen. Alle Rot- und Iungfalken, die am Zeltlager teilnehmen, treffen sich zur Sprechchorprobe in der Thieckstraße 18.— Mittwoch, den 20. Juni, um 1614 Uhr, Wilhelmplatz: 20 Pfennig mitbringen. Frouenvcronslaltung. 19. und 20. Abteilung. Der heutige Frauenabend findet nicht, wie in der Sonntagnummer angegeben. bei Stenzel, sondern bei Grünberg, Prinzenallee 57, statt. Referent Hans Kamm. Politisch-satirischer Abend. Elu Relchswehr-Mustt est Im veubchen Stadien am 30. Juni, 20 Uhr, veranstaltet das Wehrkreiskommando III. Unter der bewährten Leitung dcS Heeresmufilinlpizienten-Bröl. Hackenbergcr werden 20 Mustk- korpZ und die dazugehZrigcn Spielleuie(etwa 800 Mann) der Branden- burgischen Tiupvenlcile und dcS Jnsanterie-RegimentZ 17 iBravnichweig- Olöttinocn-ffioslar) ein reichhaltiges Programm darbieten, das in großen Zapicnstreich auSklingt und mit einem Riesen. tzShenteuerwerk ablchiießl garten zum Preile von 3.—. 2.—. l.— Mk.. Schülerkarten 0.50 Mk„ sind zu haben bei Bote& Bock und Theaterkassen A. Wertheim. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Oeffentlichen Wetterdienststelle Äerlin. Nordsee. Norderney: ziemlich heiter. Borkum: bewölkt. Hel- goland: heiter. Westerland auf Sylt: wolkig. Bremen: heiter. Hamburg: heiter. Ostsee. Travemünde: bewölkt. Warnemünde: wolkig. Saßnitz: heiter. Swinemünde: trübe. Stettin: wolkig. Kolberg: stark wolkig. Danzig-Zoppot: bewölkt. Seebad Kranz: stark bewölkt. harz. Schierke: wolkig. Horzburg: heiter. Bad Sachsa: wolkig. Brocken: wolkig.,. Thüringen. Erfurt: ziemlich heiter. Bad Liebenstein: Regen- schauer. Jnselsberg: Nebel. heften. Kasiek: trübe. Wasserkuppe(Rhön): regnerisch. Sachsen. Dresden: wolkig. Fichtclberg(Erzgeb.): fast bedeckt. Schlesien. Breslau: bewölkt. Schreiberhou: bewölkt. Bad Rcinerz: bewölkt. Bad Landeck: bewölkt. Schneekoppe: bewölkt. Rheingebiet. Bad Aachen: bewölkt. Köln: bewölkt. Wiesbaden: wolkig, vorher Regen. Frankfurt a. M.: bewölkt. Feldberg(Tau- ""'�Baden°�Karlsruhe: Regen. Baden-Baden: bewölkt. Feldberg (Schwarzwald): bedeckt.~ � � t Württemberg. Stuttgart: wolkig oder heiter. Friedrichshafen: �Bayern. Hof: wolkig. Nürnberg: ziemlich heiter. München: wolkig. Garmisch-Partenkirchen: heiter. Zugspitze: trübe. Berchtes- gaden: heiter. Obcrstdorf: heiter. Bad Tölz: heiter. Tegernsee: heiter. Oesterreich. Wien: heiter. � Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Rachdr. verb.) Wechselnd, meist stark wolkig mit einzelnen Rcqeniällen. mildere Rocht und wenig veränderte Tagestempero- turen mäßige Westwinde.—?ür Deutsckland: Roch fast überall Neigung zu weiteren Niederschlägen, im Osten etwas Erwärmung. allgemein höhere Nachitempcraturen. - p � I. PROGRAMM fDr die Zeit vom 19 bis 21. Juni Potsdamer Straße 38 Zerbrochene Ehe mit Blga Brink Schwejk in russischer Gefangenschaft Rheinstraße 14 Majestät schneidet Bubikopf« Verrat! 7 spannende Akte Odeon, Potsdamer Str. 75 lienny Porten in Rosen aus dem Süden Rivalen der Wildnis. 6 Akte. Th. am Moritzplatz Beg. W.6.13, 9. S. ab 4 Uhr Brand Im Osten. Lon Chanev Dazu zwei reizende Lnstsplele ViktoriaoLichtbildaTho Frankfurter Allee 48 Karlna Bell, Lucy Doraine, Fred L. Lerch in Eheekandal Die Frau im Schrank Buhnenschau Turmstraße 12 SensatlonsprozeB 10 Akte mit Maeda Sonja Rivalen der Wildnis. 6 Akte Alexanderstraße 39-40 (Fassage) SensatlonsprozeC 10 Akte mit Magda Sonja 0 Ii«ß HV« w 5, �? n ,,P Fikn-?a!ast Kammersäle Teltower Str 1— 4 W. 6, Sbd.5, Stg. 4U Chicago, der Prozeß einer schönen Mörderin Beiprogramm Kolibri= Lichtspieie bello-Alliance-Platz 2 PautWegener: OInnr und Elend der Kuvtisauco Im Banne des Blutes LuiseruTheater Reichcnberger Straße 34 Titanic, die Stadt der Träume Tom Mix: Der schucht. Don Juan Bühne s Otago Bill, der Mann, der mit dem Tode spielt D\r e ti Passage=Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151—152 Mary Carr in Frau Sorge Bühnenschau TivolisLichtspiele Tempelhof, Berliner Str. 97 Nerma Talmadge in Sonne, Süden, Leidenschaft Der Biberpelz Bülinenschau j Outen 1 Concordia=Palast Andreasstraßfe 64 Trommelfeuer der Liebe Die Mädcbenräuber von Kansas Gr. Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Iwan Mosjukin in Opfer Die Pflicht zu schwelgen Bühnenschau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstiaße 70— 73 Die Hölle von Montmartre 2 neue amerikanische Grotesken Gr. Bülinenschau Kammerlichtspiele Fried richsfclde. Berliner Straße 18 Die Königin d. Varietes(E. KDrty) Robin Hood mit Douglas Fair. banks Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80. Jahrmarkt des Lebens Der rote Ritter der Luft Auf der Bühne: Revue: Scfawarzwaldmadel LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Glanz und Elend der Kurtisanen Die Hoehstaplerlo(Ruth Weyher) Metro=Palast Chausseestraße 30 Die Frau im Hermelin Alraune(Brig. Helm, P. Wegner) Gr. Bühnenscbau Alhambra Mfillerstr. Der geheimnisvolle Spiegel Beiprogramm und BObnenscbao Pharus* Lichtspiele Müllerstr. 142 Casanova mit Iwan Moslukln Reichhaltige« Beiprogramm Schloßpark Film-Bütiae Berliner Allee 205—210 Am Rüdeshelraer SchloB steht eine Linde Die große Zirkusnumner mit Tora Mix S Xordwenten■ WeltsKino Ait-Moabit 99 Moskau, wie es weint und lacht Der Wolkenreiter „Alhambra" BadKtraße 58 Rosen aus dem Süden mit Henny Porten Lockende Früchte Große Bühnenschau HumboldtvTheater Badstraße 19 Eheketten AlpentragSdla Grotte Bühnenschmu KristalLPalast Prinzenallee 1—6 Der Weltkrieg II. Teil OroBe Bühnenscbau lusendliche haben Zutritt Ballschtnieder-Lichtsp. Badstraße 16 Casanova mit Iwan Moslukln Wer niemals einen KuS geküBl Große Bühoenschau Tivoli Lichtspiel-Th. Berliner Straße 27 Reinbold Schünzcl in Blumenfrau v. Potsdamer Platz Bühne; Die gr. Ausstaltungs-Revue „Tip-Top" PalasttrTheater B teile Straße 21a Der große Erfolg: Sünderin Gutes Beiprogramm Film-Palast Blankenburger Str.* Lette mit Henny Porten Abenteuer In Paris BürgergarteneLichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Das weiBe Stadion, der gr. Spoit- film der zweiten Winteroiympiade Seidene Strflmpfe Bfiturenschau Schlüter-Theater Schlüte rstr. 17 W. 7. 9.15, S. ab 4 Uhr Bin Prack,«InCIaqae, ein Mldcl (Ad,»lenjou) Ein Stnatsherl(Griff) Faun-Lichtspiele Krumme Str. 37, gegenüb.Trinitatiskirch« Der Welkenrciter Carlo Aldlni: Einer gegen alle Alhambra-Palast Kurfürstendamm 68 Wegen Umbau geschlossen Wiedereröffnung Mitte August Titania(vla Är.»erg) Hauptstraße 49 6.30,9, S. 3.15, 5,7, 9 U. Wenn die Mutter und dleTochtet Der Bandit mit RodlaHoque » t« I i t 7. Titania-Palast Schloßsti. 5. Ecke Gutsmuihsstr Der Untergang des Hcsporus Bühne: Die Slnger-Mldgets-Revue 30 Liliputaner, 3 weiße Elefanter 20 Zwergponys, eigene Jazzban«