BERLIN Mittwoch, 20. Juni 1928 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 288 B142 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeite 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Pleite einer völkischen Bank. Hunderte von Mittelständlern geschädigt! 516 mil Wo sind die Gelder geblieben? Die Mittelstands- und Kreditbank", eine eingetragene Genossenschaft, die am Magdeburger Plah ihre Geschäfts räume hat, steht vor dem Konkurs. Obwohl die Bank erst feit einem knappen Jahr besteht, hat sie eine Schuldenlaft, die in viele Tausende geht. Jetzt sind die vielen Anteilseigner und zahlreiche Kunden aus dem Mittelstande aufs schwerste geschädigt. Die Generalversammlung hat beschlossen, den Konkurs anzumelden. Die völkische Bank wurde im Juni vorigen Jahres gegründet. Als Gründer traten mehrere Rechtsradikale mit hochklingenden Namen auf, so u, a. Graf v. Moltke und Major v. So den= ftern. Die Bank sollte mithelfen, die völkischen Pläne Hitlers zu unterstützen. Als Gegenstand des Unternehmens wurde der Betrieb von Bankgeschäften zum Zweck der Beschaffung der für das Gewerbe und die Wirts haft der Mitglieder notwendigen Geldmittel" erklärt. Die Genossenschaft sollte ihren Mitgliedern Kredite gewähren. Die Anteile wurden in Höhe von 100 M. ausgegeben, die Haftpflichtsumme für die Verbindlichkeiten war mit 500 M. angegeben. " Die Bank hat es im Laufe eines halben Jahres verstanden, etwa 3000 Anteile auszugeben, also 300 Geschäftsleute zu finden, die sich in Bankverbindung mit dieser Genossenschaft einließen. Jeder diefer 300 Geschäftsleute muß nach dem Zusammenbruch diefer Bank damit rechnen, daß er für die völkische Bewegung sein Geschäft ruiniert, um die Summen aufzutreiben, die er nach dem Haftpflichtgesetz für die Schulden dieser Bank zu zahlen hat. So ganz ruhig sind die Mitglieder der Bank über diesen Krach nicht geblieben. Es hat in den letzten Wochen mehrfach Auseinandersetzungen in Aufsichtsrats-, Vorstandssizungen und Generalversammlungen gegeben. Die Auseinanderseßungen waren teilweise so liebevoll, daß einzelne beschuldigte Borstandsmitglieder nur mit Polizeischuß zu den Versammlungen erschienen. In der letzten Woche, am Sonnabendnachmittag, fanden sich die Gesell schafter der Genossenschaft im Tucherbräu in der Friedrichstraße zusammen, um einige sehr ernsthafte Fragen mit den Schuldigen des Bankstandals zu besprechen. Zu dieser Versammlung erschienen etwa 40 Befizer von Geschäftsanteilen, die in vorgedruckten Formularen eine Reihe Fragen an den bisherigen Vorſt and stellten. Aus diesen Anfragen war auch ersichtlich, wo die teils erheblichen Einzahlungen geblieben sind. So wird der Borsigende des Aufsichtsrats, Schmalz, beschuldigt, für eine„ nationale" Eisenbahn- Gewerkschaft, die er gegründet hatte und die noch nicht einmal als Verein eingetragen war, Mittel der Bank als Blankokredite in Anspruch genommen zu haben. Auch soll seine ledige Tochter Blankokredite bei der Bank erhalten haben. Auffallend war die Anfrage, ob es richtig wäre, daß der Aufsichts ratsvorsitzende Schmalz den Vorstand anstiften wollte, ihm die kopien der an seine Gewerkschaften gerichteten Briefe, die ihm für die Gewerkschaft hätten unbequem werden können, aus den Aften der Bank fortzunehmen". Auch soll Herr Schmalz des öfteren größere Bechen gemacht haben, die er als Untoften für die Bant verbuchen wollte. Ueber die Mitgliederzahl seiner Gemertschaft" soll Herr Schmalz bei Hergabe der Blankokredite unwahre Angaben gemacht haben. Ein sehr merkwürdiges Licht auf den Aufsichtsrat wirft die meitere Frage, ob es richtig märe, daß dieser sich am Tage vor der Generalversammlung in den Besitz der Bank segen wollte und daß es dem Vorstand nur mit Hilfe zeitraubender und kostspieliger Abwehrmaßnahmen gelang, diesen Plan zu vereiteln. Auch soll Schmalz versucht haben, Beschlüsse herbeizuführen, um die Bant noch furz vor der Generalversammlung zu schädigen. Sehr auffallend ist, daß ein Teil der Mitglieder des Aufsichtsrates von der Bank Darlehen ohne ausreichende Sicherheit betommen haben. Am merkwürdigsten aber für diese völkische Bant ift, daß die Aufsichtsratsmitglieder verstanden haben, sich vor der Bahlung von Haftpflichtſummen zu drücken, sie haben nämlich fast gar feine Anteile im Besitz. In der Generalversammlung, die am letzten Sonnabend unter Borsiz des deutschnationalen Landtagsabgeordneten Wischnömsti, eines befannten gelben" Führers, tagte, murde von den Vertretern der Bank auf all diese Fragen teine Ant= wort gegeben. Sehr bemerkenswert war die Eröffnungsaussprache, in der es sofort hieß: Jeder muß ruhig Bluf bewahren, es muß doch jeder ihmer bluten!" Der Empfang in Bremen. Die Wie hat nun diese Bant gearbeitet? Brauchte irgendein Geschäftsmann Geld, so erklärte sich die Bank bereit, einen Blankotredit gegen Hergabe von Wechseln zu geben. Dafür mußte der Schuldner einen Geschäftsanteil der Bank erwerben. Akzepte für die Schuldsumme liefen immer ein Vierteljahr. Für ein Atzept von 1000 Mart entstanden pro Bierteljahr über 100 Mart Untoften, also etwa 40 Proz. Zinsen und Unkosten. Trotz dieser enormen Verdienste war die Bank nie in der Lage, wie vereinbart, die Akzepte zu prolongieren, so daß die kleinen Geschäftsleute doch schon nach einem Vierteljahr den gesamten Betrag wieder bezahlen mußten. Der Bank war es nicht einmal möglich, gedeckte Schecks in den geringen Beträgen von 80 und 120 Mart einzulösen. Um die Bank zu sanieren, wurden mehr als merkwürdige Vorschläge gemacht. So beschloß eine Generalversammlung, bei der aber nur 11 Mann anwesend waren, von jedem Geschäftsanteil von 100 Mart 80 Mark für Schuldentilgung zu ftreichen und jedem Mitglied aufzugeben, soviel Geld wieder einzuzahlen, bis die Geschäftsanteile wieder voll auf 100 Mark lauten. Nicht genug mit dieser enormen Schädigung der Besitzer von Geschäftsanteilen, beschloß dieselbe Generalversammlung eine Erhöhung der Geschäftsanteile von 100 auf 250 Mart. Und trotz dieser zweiten Maßnahme waren immer noch nicht die Schulden der Bank gedeckt. Es blieb noch ein Rest von etwa 40 000 Mark, die auch wieder auf die kleinen Geschäftsleute umgelegt werden müssen. Die Generalversammlung am letzten Freitag annullierte diese Beschlüsse und setzte eine Kommission ein, die so schnell wie möglich den Konkurs der Bant anmelden sollte. Wichtiger, als der Konkurs der Bank scheint eine gerichtliche Untersuchung über den Verbleib der gezahlten Gelder zu sein, damit die fleinen Geschädigten in die Lage kommen, die Schuldigen an dem Banffkandal zur Berantwortung zu ziehen. Die Sprengstoffvilla in Dahlem. Wo ist Amundsen? ( Berichte 2. und 4. Seite.) Der Einzug der Ozeanflieger. Berlins schwarzrotgoldener Flaggenschmuck. Die„ Bremen"-Flieger sind heute vormittag um 10 Uhr mit der „ Europa", begleitet von 15 Flugzeugen der Deutschen Lufthansa und der Deutschen Verkehrsfliegerschule, von Bremen abgeflogen und um 11 Uhr in Hamburg eingetroffen. Um 12 Uhr mittags erfolgte der Abflug der Bremen"-Flieger von Hamburg, so daß fie um 2 Uhr in Berlin eintreffen. * Zu Ehren der Bremen"-Flieger Köhl, Hünefeld und Fizzmaurice hat das offizielle Berlin reichen Flaggenschmud angelegt. Bon allen städtischen Gebäuden, von allen Polizeiftationen und von allen Dienststellen des Reichs und der Länder weher die deutschen Reichsfarben Schwarzrotgold. Zur Begrüßung des Majors Fitzmaurice werden auch die Farben des irischen Staates gezeigt. In den Straßen, die von den Ozeanfliegern nach ihrer Ankunft in Tempelhof durchfahren werden, sieht man befonders zahlreichen Flaggen und Blumenschmuck. In der Belle Alliance Straße haben auch zahlreiche Geschäfte geflaggt, und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden die schwarzrotgoldenen Farben gezeigt. Zu Ehren Köhls fieht man auch manche Flagge in den bayerischen Farben. Besonders wirksam ist der Schmuck, den das Warenhaus Tie an der BelleAlliance- Straße angelegt hat. An der Stirnfeite des Warenhauses ist ein riesiges Transparent mit den Bildern der drei Flieger angebracht. An den beiden Fronten sind Girlanden gezogen. Bon fast allen Fenstern grüßen schwarzrotgoldene Farben. = In den Zugangsstraßen zum Flughafen, der reich geschmückt ist, herrscht schon in den frühen Morgenstunden lebhafte Treiben. Die Gurfen" männer und die Kalte- Ruß"-Berkäufer beziehen ihre Stände. Die Straßenbahnen zum Flugplaß sind schon überfüllt von denen, die immer dabei sein müssen. Heute abend findet zu Ehren der Ozeanflieger ein Fadelzug statt, der vom Empfangsausschuß der Luftfahrtverbände im Einverständnis mit den Reichs- und Staatsbehörden in die Wege geleitet, wurde. Leitung und Ausführung liegen in Händen des Ringes der Flieger. An ihm beteiligen sich Abordnungen der Studentenschaft aller Berliner Hochschulen, vor allem der technischen Hochschule, und Abordnungen von Sport- und Luftfahrtverbänden, u. a. der Deutsche Luftfahrtverband, Gruppe Brandenburg, Kameradschaftliche Vereinigungen ehemaliger Fliegerbataillone, Luftschiffer und Marineflieger, Deutsche Verkehrsfliegerschule, Lufthansa, Ring der Flieger. Der Zug bewegt sich gegen 23 Uhr von dem Moabiter Play in der Sendligstraße, wo er Aufstellung nimmt, durch die Rathenower Straße, Alt- Moabit, Moltke- Brücke zu Kroll, wo ein Choral, die irische hymne sowie Lieblingsstücke der drei Flieger zum Vortrag gebracht werden, zum Schluß der Zapfenstreich und Gebet. Der Rückmarsch erfolgt auf dem gleichen Wege nach dem Moabiter Platz, wo die Fackeln zusammengeworfen werden. HERMANN TIETZ שבבב Die Ausschmückung des Warenhauses Tietz am Halleschen Tor. Wo ist Amundsen? Seine Landung bei der Nobile-Gruppe nicht bestätigt. In Os lv beginnt man starke Befürchtungen über das Schicksal der von Amundsen geleiteten Hilfsexpedition für Nobile zu hegen. Man hat von Nmundsen, seit er am Montag nachmittag in Tromsö aufstieg, nicht m-ieder gehört. Er hatte für 3t) Stunden Pe- triebsstoff mit, diese 3l) Stunden sind aber längst vergangen, ohne daß eine Nachricht eingetroffen wäre. In Oslo ist gestern in den späten Nachtstunden eine Radiomeldung eingetroffen, die das Gerücht enthält, daß Amundfen und Guilbaud auf dem Eise bei der Nobile- Gruppe gelandet sei. Das Gerücht stammt von einem englischen Kauffahrteischisf, das im nördlichen Eismeer liegt, das behauptet ein Radiotelegramm von Amundfen aufgefangen zu haben. Das Telegramm wurde an ein englisches Schiff im Os lo«r Hafen weibergegeben, von wo aus es an die Zei tungen gelangte. Obwohl diese Mitterlungen nach den Andeutungen, die Amundfen von seinen Plänen gegeben hat, wahr sein kann, muß sie doch, bis eine nähere Bestätigung vorliegt, mit dem größten Vor behalt aufgenommen werden. Ueber die Arbeiten zur Bergung Nobilesjvird von zuständiger römischer Stelle mitgeteilt? Nach den Flügen Larsens und Lützow Holms sowie Maddalenas erkannte der Kommandant der„Citta di Milano", daß es erforderlich fei, sich nach besonderen Mitteln umzusehen, um die Auffindung Nobile? durch die Flugzeuge zu ermöglichen. Die von den Fliegern er- statteten Berichte unterstreichen übereinstimmend, daß es äußerst schwierig für sie ist, zwischen den Eisblöcken das Zelt Nobiles oder menschliche Gestalten zu erkennen, insbesondere da die Eis- flächen von Sttecken offenen Wassers unterbrochen sind, pon denen die Sonne sehr stark reflektiert. Das Sonnenlicht erzeugt zwar bei dem Beobachter das Gefühl, daß ihm die Wahrnehmung erleichtert wird, aber es bringt gleichzeitig täuschende Schatten- -' Wirkungen hervor. Man hat Borbereitungen getroffen, um von � den Flugzeugen gewisse Stoffe abwerfen zu lassen, die beim Ver- | brennen groß« Rauchsäulen entwickeln. Man hofft, daß auf diese Art Generale Nobile in den Besitz eines Signals gelangt, mit dem f er den Fliegern die einzuschlagende Richtung anzeigen kann. Ein« % Abteilung von zwei Alpenjägern und zwei dem italienischen Alpen- ß klub angehörenden Studenten ist gestern abend von der Braganza A aufgebrochen, um bis Kap Loven vorzustoßen. Die am 13. Juni � von der Wahlemberg Barl aufgebrochene Expedition ist auf die 4 Braganza zurückgekehrt. Die Charterung der Hobby ist rückgängig ~ gemacht worden, da die Eigentiimer des Schiffes durch früher ein- gegangen« vertragliche Vereinbarungen gebunden find. Erdbeben am Z�hein. Aber keine Sachschäden. Zm gesamten Gebiet des Mittelrhelns wurden gestern 10,30 Uhr abends die Bewohner durch ein Erdbeben in große Aufregung versetzt. Die Erdstöße waren am meisten in den Dörfern und Städten, die dicht am Rhein liegen, und in der vordereifel zu verspüren. Zn den rechtsrheinischen Gemeinden wirkten sich die Erdstöße bis Bönningsn aus. Die Eisenbahn- ft e l l w e r k e von Horstheim, Hassendorf. Ehvenbreitstein und weiter rheinabwärts haben die Erdstöße besonders stark wahr- genommen. Am heftigsten war die Wirkung an Andernach, wo mit den Erdstößen eigenartige Geräusche gehört wurden. Verschiedene Telephone der Stadt Andernach gaben selbsttätig Signale. Zn einem Hotel stürzte die Deckenbeleuchtung zu Boden. In einer Reihe von Häusern sielen die Bilder von der wand. Die - Einwohner erschienen in großer Aufregung an den Fenstern und eilten angsterfüllt aus die Straße. Mayen und p l a i t meldeten . gleichfalls im Laufe der Rächt, daß dort die beiden Erdstöße sehr deutlich verspürt wurden. Auch hier herrschte in der Bevölkerung sehr große Ausregung. Oer Tod des Obsthändlers. Mord oder Selbstmord? Der ungeklärte Tod des Obsthändlers Hugo p e r n e t l a aus der Alexanderstroße beschäfligle vor einem Zahle schon einmal die Mordkommission der Kriminalpolizei. H Mitte Mai vorigen Jahres machte Frau Pernetta auf dem Ro- � vier Anzeige, daß ihr Mann sich in der Wohnung erschossen schabe. Die Beamten fanden neben der Leiche, die auf dem Fuß- I'boden log, einen Revolver, von dem die Frau behauptete, daß er 7>«hrem Manne gehört habe. Ein A b s ch ie d s b ri es, der ��nrf dem Tisch lag, schien den Selbstmord zu bestätigen. Die --Leiche wurde freigegeben und beerdigt. Bald darauf jedoch entstand x-oin Gerede, daß Pernetw von fremder Hand erschossen � sei. Eine Anzeige, bei der Eifersucht im Spiel zu sein schien, lenkte J den Verdacht auf den Obstgroßhändier G l e i ß n e r aus der Ranke- . stvaß« in Lichterfelds, der mit Pernetta Gejchüftsbeziehun- „ gen unterhalten hatte. Es stellte sich auch heraus, daß der Rc- volver nicht Pernetta, sondern G l e i ß n e r gehörte. Nach lang- wierigen Ermittlungen wurden Gleißner unter dem Verdacht des Mordes und Frau Pernetta unter dem Verdacht der Beihilfe festgenonnnen, aber schon nach fünf Tagen mußten sie wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil ihnen nichts nachzuweisen war. Beide erklärten den Besitz des Revolvers In den Händen Pernettos dadurch, daß er einnial vor Antritt einer Uebertandvcise, auf die er viel Geld mitnahm, von Gleißner die Waffe geborgt und nicht wieder zurückgegeben habe. Auffallend war, daß Gleißner und Frau Pernetta ihre Ge- schäste in der Markthalle miteinander verbanden. Eine Be- lastung war freilich auch das nicht.. Im Laufe der Zeit entstanden nun Zivilprozesse, bei denen allerlei Nebenumständ« zur Sprache kamen. Dies« gaben der Staatsanwaltschaft I Deran- lassung, die Ermittlungen noch einmal aufzunehmen. Eine Haussuchung bei beiden Verdächtigten förderte u. o. auch Aufzeich- nungen zutage, die Bruchstück« für ein F i lm m a n u st r I p t sein sollen. Aus ihnen glaubt die Staatsanwaltschaft Anhdltspunkte für eine vollständige Klärung des bisher immer noch ungeklärten Todes finden zu können. Gleißner und Frau Pernetta wurden am Sonnabend auf Grund «ines Haftbefehls wiederum festgenommen und nach Moabit in das Untersuchungsgefängnis gebracht/ Racheakt eines Entlassenen? Bon der Kriminalpolizei wurde heute vormittag der 27jährige Emil G r o t h e in seiner Wohnung in Velten unter dem dringenden Verdacht verhaftet, in der Nähe des Bahnhofs Vehlefanz auf der Kremmener Strecke einen Anschlag auf die Fernbahn verübt zu haben. Ein Streckenwärter bemerkte am Dienstag früh, daß die Weiche am Bahnhof Deh'efanz von unbekannter Hand u m g e- jteltt war. Der Zug wäre auf ein totes Gleis geraten und hätte| Preußen bleibt fest. Oie Verireier der Volkspartei beim Ministerpräsidenten Braun. Der Viererausschuß der preußischen Volkspartei hatte sich für heute 11 Uhr vormittags durch den Abg. S t e n d e l beim Ministerpräsidenten Braun angemeldet. Zweck des Be- suches war, die Verhandlungen über die Aufnahme der Volks- Partei in die preußische Regierung einzuleiten. Wie wir hören, ist der Standpunkt der preußischen Re- gierung und der preußischen Regierungsparteien in dieser Frage völlig unverändert. Sie verschließen sich keineswegs grundsätzlich dem Gedanken einer Erweiterung der Regierungsbasis, sehen aber gar keinen Grund, diese An- gelegenheit zu überstürzen. Preußen hat eine stabile, in achtjähriger Arbeit bewährte Regierung, die eben erst wieder alle Mißtrauensanträge im Landtag, darunter auch einen von der V o l k s p a r t e i unterstützten gegen den Minister Becker, abgeschlagen hat. Vom preußischen Standpunkt aus besteht also gar kein Be- dürfnis zu übereiltem Handeln. Man kann die Besprechungen über eine Umgestaltung der Preußenregierung zu gegebener Zeit beginnen und sie mit aller Ruhe führen. Die Dinge liegen in Preußen eben nicht so wie im Reich, wo die Re- gierung angesichts des Wahlausgangs demissionieren mußte und infolgedessen überhaupt keine aktionsfähige Regierung vorhanden ist. Mit unveränderter Entschiedenheit wehrt sich die preu- ßische Regierung gegen den Versuch, zwischen der Regierungs- bildung im Reich und in Preußen eine zeitliche Verbindung herzustellen. Das scheint ja auch nicht ganz der. Absicht der Volkspartei zu entsprechen, die am liebsten sofort ein paar preußische Ministerstühle besetzen und dann über die Bildung der Regierung im Reich wochenlang— am Ende vielleicht mit negativem Erfolg— oerhandeln möchte. Wenn nun wirklich die Große Koalition im Reiche an dikta- torischen Gelüsten der Volkspartei scheitern sollte, wäre es nach der volksparteilichen Zheorie der Homogenität sofort notwendig, auch die neugebackenen volksparteilichen Preußen- minister wieder an die frische Luft zu setzen. Nach der Auffassung der preußischen Regierung und der preußischen Regierungsparteien kommt für die Aufnahme überhaupt nur eine Partei in Betracht, die ehrlich gewillt ist, den bisherigen Kurs einer republikanischen Politik fortzusetzen. Die Volkspartei hat aber nicht nur erst vor ein paar Tagen einem Mißtrauensantrag gegen ein Mitglied der preußischen Regierung zugestimmt, auch bei den Ver- Handlungen über die Reichsregierung bekämpft sie alles, wofür die preußische Regierung im Re i ch s r a t eingetreten ist. Aus diesen Gründen scheint uns, daß die Volkspartei nicht ohne gründliche Verhandlungen und genaue Die Sommerkönigin. ' Bei der Wahl der„Svmmcrkönigin" gab es den üblichen Skandal. „Ich hob's mir schon gedacht. Zm Reich haben sie auch solche Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung." i Ueberlegungen in die preußische Regierung aufgenommen werden kann. In Preußen hat man, wie schon gesagt, mehr Zeit als im Reich, und wenn im Reich wochenlange VerHand- lungen beliebt werden, dann kommt es in Preußen, wo alles in Ordnung ist, auf ein paar Monate mehr oder weniger gar nicht an. Die amtliche Mitteilung. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun empfing heute, Mittwoch vormittag, den Besuch der deutschvolksparteilichen Abgc- ordneten des Preußischen Landtags, Stendel, Dr. Wiemer, Dr. hei- mann und Schwarzhaupt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, erklärte Ministerpräsident Dr. Braun, ihm erscheine es grundsätzlich abwegig, die Frage der Zusammensetzung der preußischen Regierung von der Regierungsbildung im Reiche ab- hängig zu machen. Die Ansicht, daß die preußische Staatsregierunz stets so zusammengesetzt sein müsse, daß sich eine Homogenität mit der Reichsregierung ergebe, vermöge er nicht zu teilen. Die Zusammensetzung der preußischen Regierung müsse sich ebenso wie dies grundsätzlich bei den Regierungsbildungen anderer deutscher Länder zum Ausdrück komme, nach der des Preußischen Landtags und nicht nach der Zusammensetzung des Reichstags richten. Rur durch Befolgung dieses Grundsatzes habe Preußen bisher seine stabil« Politik treiben und es vermeiden können, in die mannigfachen Regierungskrisen im Reiche hmeinzezozen zu werden. Aus diesen Gründen bestehe bei den preußischen Koaliticns- Parteien und bei ihm, dem Ministerpräsidenten, zurzeit keine Neigung, über«in« Aendrrung der Regierungszusammensetzung in Preußen zu verhandeln. Einzig und allein von den staatspoliti- schen Notwendigkeiten Preußens selbst hänge es ab, wann über eine Verbreiterung der Regicrungsbasis in Preußen zu verhandeln wäre._ Lim die Amnestie in Preußen. Kommunistische OemonstrationSanträge abgelehnt.— Ein sozialdemokratischer Antrag angenommen. Der Rechtsausschuß des preußischen Landtags beriet heute weiter über die kommunistischen Amnestiean- träge. Es wurde beschlossen, den Antrag, der eine Amnestie für Preußen verlangt, so lange zu vertagen, bis Klarheit darüber be- stehe, ob die R e i ch s a m n e st i o auch die Länder mit umfassen würde. Von kummunistischer Seite wurde aus diesem Grunde der Vorwurf der Verschleppung erhoben, doch wies ihnen der Sprecher der Sozialdemokratie nach, dafj sie selber dies Ergebnis verschuldet hätten« weil sie sich in ihrem im Reichstage gestellten Antrag ni ist auf«ine Reichsamnestie beschränkt, sondern den Erlaß einer Am- nestie für die Länder durch das Reich mitverlangt haben. Es blieb zur Beratung der kommunistische Antrag, der das preußische Staatsministerium anweisen will, im Reich für eine Vollamnestie der proletarischen Gefangenen ein- zutreten. In der Aussprache hierüber führte Genosse Kuttnec aus: Während die Kommunisten abwechselnd bald eine Amnestie unter Einschluß, bald eine solche unter Ausschluß der Feme- mörder fordern, vertritt die Sozialdemokratie konsequent den Standpunkt, daß unter die Ereignisse der revolutionären Epoche ein S ch l u ß st r i ch gezogen werden solle. Auszunehmen sind nur die Derbrechen gegen das Leben, weil diese Verbrechen nicht nur die Rechte des Staates, sondern auch das höchste Recht der Einzelpersönlichkeit antasten. Der Staat verbietet die Privat- räche, dadurch übernimmt er die Verpflichtung, zum Schutz des einzelnen einzuschreiten. Bei dem jüngsten Wahlkampf sind wiederum eine Anzahl tötiger Sozialdemokraten und Reichs- bannerleute von politischen Gegnern meuchlings er- schlagen und e r st o ch e n worden. Die sozialdemokratischen Ar- beiter würden es nicht verstehen, wenn solche Handlungen von vorn- herein für straffrei erklärt würden. Sie würden sich mit Recht be- schweren, daß ihre Partei sie schutzlos dem politischenRowdy- tum ausliesere, wie es von gewissen Kampforganisationen der äußersten Rechten und Linken gepflegt wird. In der A b ft i m m u n g wurde der kommunistische Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Ebenso wurd« gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt«in deutsch- nationaler Antrag, der Gcneralomnestie für alle politischen Per- brecher fordert, mit Ausnahme derer, denen die bürgerlichen Ehren recht« abgesprochen sind. Angenommen wurde dagegen der sozialdemo- k ratische Antrag, der Amnestie für alle politischen Verbrechen und Vergehen verlangt, die bei Gelegenheit revolutionärer und hochverräterischer Unternehmungen begangen worden sind, mit Aus- nähme der Verbrechen gegen das Leben: der ferner Amnestie fordert für die Straftaten des Landesverrats mit Ausnahme der aus Eigennutz oder Gewinnsucht be- gangenen. Für diesen Antrag stimmten die Parteien der Weimarer Koalition, ein Teil der Dolksparteiler und der Vertreter der Wirtschaftspartei. entgleisen müssen. Gleichzeitig entdeckte der Bahnbeamte, daß die in der Nähe der Weiche befindliche Fcrnsprechbude aufgebrochen und dos Telephon zerstört worden war. Die Nachforschungen nach dem Täter führten bald zur Ermittlung des Grothe in Velten. G., der leugnet, war früher bei der Reichsbahn als Fahrkarten- Verkäufer beschäftigt, mußte aber 1S23 wegen Unterschlagung ent- lassen werden. Die Veruntreuungen brachten ihm 4 Monate Ge- fängnis ein. Man nimmt an, daß es sich um einen Rocheakt handelt. Ausdehnung des griechischen Streiks. TSOOOO Arbeiter auf der Straße. London. 20. Zun!(TU.) Räch Meldungen aus Athen sind noch immer keine Anzeichen für ein Abslauen der Streikbewegung vorhanden. 230 000 Arbeiter einschließlich der Eisenbahnangeskelllen sind der Streikbewegung bei- gekreien. viele Städte sind ohne Licht und Wasser. Das Arbeiter- komilee Hot der Regierung erneut seine Forderungen unterbreitet. Die Regierung kündigt in einer neuen Erklärung jedoch an. daß sie beabsichtige, die Streikbewegung durch Militär zu be- kämpfen. Sie hält nach wie vor daran fest, daß der Streik o n f kommunistischeEinslüsse zurückzuführen sei. Die Regierung habe Beweise dafür, daß der Streik der erste Akt einer kommu- nistischen Revolution(?!) sei. Di« Ausrufung d«s Generalstreiks in Athen und piräus wird für morgen erwartet. Ooppelmord bei Landsberg. heute früh wurden der Händler Schulz aus Staffelde in der Reumark und seine Frau, in einem Wäldchen in der Röhe ihre» Dorfes erschossen ausgesunden. Beide Leichen sind beraubt worden. Vermutlich hatte die Frau, die in Berlin Wirtschastsprodukte ver- kauft hotte, eine größere Summe Geldes bei sich. In einem Ge- treidefcld wurden von der Polizei zwei Obdachlose unter dem Per- dacht der Täterschaft verhaftet. -19 Opfer einer Keffelexplosion. In einer Badeanstalt. Mexiko, 2k». Juni. Gestern abend platzte der Tampfkessel eine« in einem Borort liegenden Badeanstalt. lKPersonen wurden getötet und 3k» verletzt. Die Gewalt der Gxplosion»var so groß, daß nicht nur zwei Gebäude der Anstalt vollständig zerstört wurden, sondern auch die Häuser in der Umgebung große Sprünge aufwiesen. Vier Mann vom Blitz getötet. Stoomtngkon(Indiana), 20. Zum. vier Männer, die während eines Gewitter» Schuß unter einem Laum gesucht halten, wurden vom Blitz getütcl. In drei Tagen dreißig Konzerte. Vom Arbeiiersängerfest in Hannover. Ein Musikfest im weitesten, höchsten und in jedem Sinn des Wortes ist es gewesen, das wir nun, da es vorüber ist, als Ganzes zu überschauen versuchen. Eine Uebersülle des Ereignishastcn drängte sich im Zeitraum dieser drei Festtage. Jahre vorbereitender Arbeit, Jahrzehnte der Entwicklung, auf die heute die Arbeiter- chorbewegung zurückblickt, sind darin fruchtbar geworden. Aber so reich, so vielgestaltig der künstlerische Ertrag, so bewundernswert die organisatorische Riesenleistung: dos Größte, Imposanteste, nahe an der Grenze des nicht mehr, nämlich noch nicht Glaubhaften, ist und bleibt der sozialkulturelle, kulturpolitische, politis. chsoziale Vorstoß, der in breitester Front und mit beispiellosem Erfolg geglückt ist. Die deutsche Arbeiterschaft hat ihre Geschichte ein Stück vorwärts getrieben. Daß in künstlerischer chinsicht, um doch davon nun zuerst zu reden, alle ihr Bestes gaben, war eine schöne Selbstverständlich- keit; trotz Abstrichen hie und da, zu denen besondere Umstände nötigten, ihr Bestes, in einer Atmosphäre der festlichen Gehobenheit und jener freudigen Gespanntheit, in der, ohne Rckordehrgeiz gewiß, alle Kräfte sich zu friedlichem Wettbewerb spannen, aneinander sich steigernd, indem sie sich messen. Weniger selbstverständlich, um so erfreulicher, daß olles— oder, streng und genau gesagt, fast alles, was die Singenden gaben, gut, in der Tat. sehr gut gewesen ist; sehr gut— dies, nicht etwa gemesien an dem nachsichtigen Maß- stab, den die bürgerlichen Fachkritiker, wohlwollend-herablassend, für unsere arme Arbeiterchorsingerei bereithalten. Ach, selten genug begibt sich einer von ihnen in die Niederungen proletarischer Kunst- Übung. Keinen von ihnen, die bei keiner fernsten Opernpremiere fehlen— das personenkundigste Auge vermochte nicht einen Musik- referenten der Berliner bürgerlichen Presse in der Feststadt zu ent- decken. Doch einer aus der großen Musikstadt war gekommen, war überall zu sehen, unermüdlich als chörer von Morgen beinahe bis Mitternacht: Siegfried Ochs. Als Kritiker? Als mittätiger Freund und Förderer des Arbeiter-Sängerbundcs. Aber es bleibt bei dem Wort, dos er, Meister nicht nur, sondern gründlichster Kenner und unerbittlichster Kritiker des deutschen Ehorwesens, in einem feierlichen Augenblick gesprochen(wie es schien, auch im chin- blick auf die Leistung des Berliner Voltschors in„Fausts Ver- dammung"): der Arbeiter-Chorgesang bedeute für die Zu- kunft das stärk st c Aktivum des gesamten deutschen C h o r l e b e n s. Es ist ein Stück kunstsozialer Revolution, das sich in diesem wahren Wort ankündigt. Wie hoch im Durchschnitt heute schon das Niveau unserer Ar- beiterchöre ist, darauf ist bei Gelegenheit hiesiger Konzerte im „Vorwärts" mehr als einmal hingewiesen worden. Berlin, übrigen«, war auch durch die /Wavelia-Dereinigung des Volks- chors'mit Volksliedern aus aller Welt, durch die Männerchöre des fi. und des 8. Bezirks und. besonders gunstig, durch cheinz T i e s s e n s„Jungen Chor" vertreten, bei dem draufgängerische Beherztheit und Kultur, gepflegte Musikalität und Fröhlichkeit des Singens in glücklichster Harmonie gemischt sind. Also, wir wußten und fanden bestätigt, wie es um die Berliner VcrhSitNisfe bestellt ist. Daß der Durchschnitt im Reich, in allen Teilen des Reichs, keinesfalls zurücksteht, war sür den, dem es neu war— und wer hatte bisher die Möglichkeit gehabt, ein so umsasiendes, so dichtes Bild von der Leistungsfähigkeit der" deutschen Arbeiter- sängerschafl zu gewinnen?— eines der großen, überraschenden, er- mutigenden Ergebnisse dieser ersten deutschen Arbeiterchorschau. Den Rangunterschied der einzelnen Darbietungen, den Grah- unterschied ihres Gelingens beiseite, sind es zwei Momente, die bei ihrer relativen Bewertung entscheidend mitsprechen. Nur, wer dazugehört, kann wohl ganz ermessen, was es heißt, mit den ver- fügbaren Chorkräften, bei der gemeinhin, leider, allerkümmerlichsten Unterlage an musikalischer Vorbildung, ein anspruchsvolles Konzert- Programm, gar den Chorpart eines großen Oratoriums, bis zur Podiumreife auszuarbeiten. Was das als Energicleistuug des Diri- gentcn, dach nicht minder der Singenden bedeutet, vor allem nämlich, was es denen, unter den heutigen Lebensbedingungen der Arbeiterschaft, an Opfern auserlegt, und wieviel Be- geisterung also diese Menschen für die Sache aufbringen müssen, die solche Opfer fordert, das— braucht den„Vorwärts"-Lesern nicht vor Augen geführt zu werden. Von der Gruppe der Volks- chöre Bergisch-Land(Rheinprovinz) hörte man erzählen, daß sich ihre Mitglieder, infolge von Arbeitslosigkeit zum großen Teil, in ganz besonders drückenden Verhältnissen befänden. Wie sie gerade sich eine der größten Ausgaben— Händels„Judas Macca- bäus"— zugemutet und unerschütterlich durchgehalten haben, dos bekundet einen Idealismus, der nicht hoch genug gepriesen werden kann. Das andere ist: je ferner von den großen Kunst- und Kultur- zentren, um so schätzenswerter die Arbeit der Verbände, die nicht nur den Chorgesang, sondern die große, hohe Thorliteratur pflegen. Kein Wort zur Schmälerung des Verdienstes, das etwa Berliner Arbeiter sich um die Hebung ihres— und des allgemeinen Mufik- kulturnioeaus erwerben, wenn sie Bach oder Beethoven singen. Schwerer aber als der Hauptstädter, der immerhin die Luft der Musikmetropole atmet, hat es der Arbeiter der kleinen und m i t t- leren Fabrik st adt, haben es hier die Chorvereine, sich aus dem Stumpfsinn herkömmlicher Liedertaselei in höhere Regionen emporzuarbeiten. Do ist zum Beispiel Solingen, dessen muster- Haft disziplinierter„Volkschor"— Hans Herwig heißt der Diri- gent— in der Bewältigung eines künstlerisch hochstehenden, fesseln- den Programms eine Gipfelleistung des Festes gibt. Und da ist Bielefeld, die Stadt Severings, doch von der als Musikstadf bisher noch keine Kunde zu uns gedrungen, und die Bielefelder haben«inen einheitlich-ftiloollen Mendelssohn-Abend, sie singen, gemeinsam mit den Braunschweigern, Bach-Kantaten, und gar(unter Ernst P ü t t b a ch) a capeiia alte Madrigal«. Gewiß, beim Dresdner Volkschor, mit dem sie dies Konzert teilen, klingt olles runder, gefchkiffener im Ton, und dos ist nicht zuletzt gewiß dem jungen Dirigenten, Arno Wagner, anzurechnen, ober in der großen Stadt mag auch die Auswahl an brauchbaren Stimmen rcichor fein, und von der Höhe des bürgerlichen Musiklebens profitiert' eben auch, so abgesondert es bleibt, das proletarische. Die alte Chorkultur, mit der von je Leipzig gesegnet ist, scheint in der Tat auch in die Kreij« der Arbeiterschaft gedrungen zu sein. Die Paul Michaelschen Chöre jedenfalls, so benannt nach ihrem ausgezeichneten Chormeister, boten in einer Lendvai-Matinee Kunst- leistungen von hoher Dollendung. Alles in allem gab es vier Gruppen von Veranstaltungen, aus dem dos Gesamtprogramm des Festes sich zusammensetze.(Dr. Alfred G u t t m a n n, der an dessen Zustandekommen als Obmann und Ge- schäftsführer des Großen Musirausschufses entscheidenden Anteil hott«, gibt darüber im Festbuch interessant« Erklärungen.) Mehr von propagandistisch-repräsentativem Wert waren, ebenso wie das Massenkonzert im Stadion, die zahlreichen Werbekonzerte auf öffentlichen Plätzen; doch von künstlerischem zwei Eröffnungs- und neun große Chor-Orchester-Konzert«— unter ihnen eine dir be- deutendsten Chörkeistungen die der M a n nch e i m e r Volks- singakademi«(Leiter: Prof. A. S ch o t t s ch n« i d e r) in der „dlissa solemnis", und vielleicht als geschlossenstes die Wiedergabe von Verdis„Keguiem"(sehr überlegen am Pult Kapellmeister Heinz S a l g e r) durch die Gruppe W e st f a l e n- W e st: die Städte Dortmund und Hagen; Bochum fehlte: aus persönlichen Gründen— und zwanzig Konzerte kleineren Stils, doch keineswegs geringerer Bedeutung, in denen nach klug angelegtem Plan olle Gattungen des proletarischen Chorgesangs zur Geltung kamen. Auch der Gesang der Kleinsten, glücklich und beglückend vertreten durch den Kinderchor Dessau(Führer: Erich R c x). Auch, als weit- anschaulich-pädagogifche Spezialität, Fritz Jödes„Deutsche Jugend- musik", hier vorgeführt vom Jugendchor, van der Musikantengilde und dem Tanzkreis der Gruppe H i l d c s h e i m. Unmöglich im übrigen, alles zu hören, unmöglich, alle zu nenncn; dies, persönlich, an die Adresse derer, die heut« hier unerwöhnt bleiben. Der Schwank»«sZievuedichters Komödienhau«!:„Ein Stück Matheur". Marcellus Schiffer hat groß« und anerkannt« Fähig- keiten, witzige Revuen zu oerfassen. In seinen aktuellen Bühnen- schauen gibt es keinen toten Punkt. Munter und frisch wirbeln seine Einfälle über die Bretter. Warum soll er also nicht auch mal ein Stück mit zusammenhängender Handlung schreiben? Der erste Akt seines Groteskschwanks„Ein Stück Malheur" ist ihm denn auch glänzend gelungen. Er zeigt- ein höchst unruhiges Familien- rdyll. Bei Schiffers grotesken Spaßen schüttell das Gelächter die Zuschauer fast von ihren Sitzen. Dann entwickelt sich aus dem Schwank ein zahmer Bierulk gegen unsere Justiz. Dieser Ulk ist lang und wenig originell. Seit geraumer Zeit sehen wir auf den Ber- liner Bühnen Verhonepiepelungen der Gerichtsbarkeit. Gewiß mit Recht. Dem Autor muß aber schon etwas Neues einfallen, wenn er damit einen Hund hinterm Ofen heroorlocken will. Im ersten Akt Ist jedes Wort ein Witz, im zweiten jedes fünfzigste, und der vierte enthält gar keinen mehr. Da» ist eine falsche Reihenfolge. Unter diesen Umständen haben es die Darsteller nicht leicht. Wilhelm Bendows limonadig sanfte Komik hält vier Akte lang nicht stand. Sein hilfloses Gekränktfein ist eine Zeitlang sehr ulkig. Auf die Dauer wird sein milder Humor einförmig. R o s a V a l e t t> siegt dagegen stets, wo man sie auch hinstellt. Jedes Wort, das sie spricht, schlägt ein. Ihr trockener Witz ist unnachahmlich. Wenn wir nun noch die jugendliche Frische und reizende Frechheit der un- befangenen Margarete Schlegel onnwrken, dann haben wir die Schilderung der erfreulichen Eindrücke des langen Abends schon erschöpft. Der Beifall zu dem Sommererzeugnis, das keine lange Lebensdauer haben wird, klang laut, aber gekrampft. Srnst Oegner. Panzerkreuzer potemkin. Tauenhienpalast. Als der„Panzerkreuzer Potemkin" vor zwei Jahren zum erstenmal in Berlin gespielt wurde, waren vorher nur kleinere, unbedeutendere Filme der russische!, Produktion in Deutschland ge- laufen,„Potemkin" bedeuiete also ein elementares Erlebnis. Heute kennen wir die rufsifäi-n Spitzenleistungen. Wie wirkt nun not) den„Letzten Tagen von St. Petersburg", der„Mutte-", oder den „Tage 1, die die Welt erschütterten", Eisensteins Meisterwerk? So groß, wie am ersten Tag. Das liegt in erster Linie an dem Stoff. Eine historische Epi- sod« aus der ersten russischen Revolution, eine Episode, künstlerisch vollkommen in sich geschlossen! Die Wirklichkeit«rweist sich stärker als jede Dichtung. Tendenz ist hier nicht aufgepfropft, sie ergibt sich setbstverständlich aus dem Geschehen. Dies der erste Vorteil. Der zweit« liegt auf anderem Gebiet. Im Mittelpunkt der Hand- lunz steht der Panzerkreuzer mit seiner Besatzung. Kein einzelner Mensch tritt besonders hervor. Jeder ist nur Teil eines Ganzen. Das Schiff selbst bleibt genau so wichtig wie der Mensch. Auf- nahmen des Schiffes, seiner Maschinen, seiner Geschütze, haben die- selbe Bedeutung, wie die Aufnahmen von Massenszenen. Was In anderen russischen Filmen bereits maniriert wirkt, die Symbolik der Gegenstände, ist hier eine durch den Stoff bedingte Notwendig- keit. Wenn der Panzerkreuzer der Admiralsslotte entgegensährt, sind die technischen Anordnungen der Geschütz« und der Maschinen genau so bedeutungsvoll, wie das Verhalten der Matrosen. Der künstlerische Reiz des russischen Films, menschliches Geschehen mit der maschinellen Arbeit zu verknüpfen, durch blitzschnelles Folgen der Aufnahmen miteinander zu verweben, ist hier ebenfalls durch den Stoff bedingt und kein errechnetes Wirkimgsmittel der Regie, wie in den anderen Filmen. Nicht vergessen darf Edmund M e i. sel s Begleitmusik werden. Meisel schafft seine Musik direkt aus dem Geist des Films heraus, sie akzentuiert das Geschehen, sie be- tont es und hämmert es dem Zuschauer unvergeßlich ein.„Panzer- kreuzer Potemkin" bleibt eine Spitzenleistung des Films und ist noch frei von jedem Schema, das auch den modernsten russischen Film allmählich zu untrwerfen scheint. Er ist em An*.»g, aber dieser Ansang ist bisher nicht wieder erreicht worden. Der Tauentzienpalaft zeigt an, daß er die russische Original- fassung spielt. Es ist nicht zu erkennen, worin sich diese von der ersten Berliner unterscheidet. L. 2. Uraufführung einer Oper mit Kernorchester. Am 21. Juni wird zum ersten Male im Potsdamer Schauspielhaus eine„Fernoper" zur Aufführung gelangen. Das Orchester wird nämlich in Berlin in der Staatlichen Hochschule für Musik spielen, der Kapellmeister wird sedoch wie üblich vom Pult des Theaters in Potsdam die ganze Aussllhrung, die Sänger und Sängerinnen auf der Bühne und das Orchester in Berlin, diri- gieren. Das Orchesterspiel wird durch eine Groß-Lautsprecheranlage im Theater hörbar. Das Verfahren dieser Fernübertragung ist schon vor einigen Wochen bei einer Tagung in Göttingen zum ersten Mal« vom Ersinder Dr. Erich Fischer vorgeführt worden. Dort errate es vor einem Kreise von Fachleuten großes Auf- sehkn. In Potsdam handelt ec- sich um die erste größere öffentliche Aufführung der Fischerschen Methode. Di« Ausführungen werden von der Potsdamer Volksbühne veranstaltet. Lie Große verlwer Sunftovsstrllvnq vernnstaltet diesen Sonnabend, den 23., einen VolkSkunstlaa. be! bcm der Eintrittspreis 25 P f p. brträqt. Der Part, in dein von S Uhr an Musik zu hrnen sein wird, ist wieder geöffnet._ Krisendüste in Paris. poincares Kabinett nach der(Stabilisierung gefährdet. Paris, 2t>. Juni.(Eigenbericht.) In der Kammer weht Krisenlüft. Die Rechte will ihre Nieder- läge bei den Präsidentenwahlen in den großen Kammerkommissio- »cn nicht ohne weiteres hinnehmen. Da sie den Ministerpräsidenten Poineare dafür verantwortlich macht, verlangt sie, daß er sofort Noch ein Jubilar im tfetcintag! Der sozialdemokratische Abgeordnete Daniel Stücklen der dem Deutschen Reichstag seit 25 Jahren angehört nach der Stabilisierung des Franken demissioniere. Er habe mit aufreizender Gleichgültigkeit zugesehen, wie diejenigen Parteien. die auf seinen Namen gewählt wurden von einer Verschwörung des Linkskartells zerschmettert worden seien. Auf der Linken ver- heimlicht man sich den Ernst der Lage nicht, die durch die Rachsucht der Rechten geschajsen wurde. Der sozialistische„Pupulaire" erklärt heute offen, daß das Schicksal des Kabinetts auf dem Spiele stehe. Der„Ouotidien" fordert die Linke zu energischem Zusammenschluß auf, damit die Rechtsparteien nicht nach im letzten Augenblick die Stabilisierung des Fronken gefährden könnten. Der„Matin" glaubt voraussagen zu können, daß die Diskussion über das Stabilisierungs- gesetz am nächsten Sonnabend viel schwieriger werden würde. Vor- aursichllich werde die Kammer den ganzen Sonntag dazu brauchen, so daß der Senat erst in der Nacht auf Montag dazu Stellung nehmen könne. Im allgemeinen scheint in parlamentarischen Kreisen die Ansicht zu herrschen, daß es Poiircare nur dann gelingen werde, sein Kabinett noch bis in den Herbst hinein zu retten, wenn er die Kammer sofort nach der Stabilisierung in die Ferien schickt. „Sensationell", aber falsch. Zu den Vorgängen in der Arbciterbank bittet uns Genosse A u s h ä u s c r, der heute vom Münchener Bundestag der Tech- nisthcn Angestellten und' Beamten nach Berlin zurückgekehrt ist, um die Veröffentlichung folgender Erklärung: In einem Berliner Montagsblatt ist ein sensationell aufge- machter, nachweislich falscher Bericht erschienen, der u. a. auch die schärfsten Angrisfe gegen mich enthält. Ich habe nicht die Absicht, in eine ösfentliche Poleryik mit sener Presse einzutreten, die immer nur daun ihr gewcrkschastsfreundiiches Lzerz entdeckt, wenn es irgend- wo nach Sensation riecht, während sie sonst ihren Sozialismus gut zu verbergen weiß. Die nächste Afa-Bundes-Au»schußsitzung. der ich auch über meine Tätigkeit im Aufsichtsrat der Ar- betterbank Rechenschaft abzulegen habe, wird feststellen können, daß, soweit ich in Abwesenheit und im Auftrag des Aufsichtsrats» Vorsitzenden L e i p a r t an der Untersuchung teilgenommen habe, die berechtigten Interessen der Angestellten voll gewahrt worden sind, ohne dabei die Pflicht zu versäumen, die ich al« stellvertretender Aufsichteratsvorsitzender der Arbeiterbant vor der gesamten Arbeiter- bewegung übernommen habe. VKIER MÜTTER/ KINDER Für alle gleich wertvoll ist|%||E SP � UlB'ÜT B flFM I Ein Besuch bringt wertvolle L£iiiB Beiehrun9 fürs ganze Leben Tftgllchi 9 bis 8 Uhr(BlnlaB bis 7 Uhr). Sennaband und Sonntag i 9 bis 9 Uhr(SinlaB bis B Uhr).— EinIritis I.SO Mk., Jugandtlche 0.7S Mk. ramlllcnkarlan für 2 Erwachsene und 2 lugcndlicha«der 3 Irwachsena nur 3.80 Mk., Zusats-Kindarkarte 0.28 Mk. Die Sprengstoffvilla in Dahlem. Generalfonful" Weingärtner unter Anklage der fahrlässigen Tötung. Am Sonntag, dem 8. Januar, wurde gegen% 10 Uhr| munition bestimmt war. Es war dies die Firma Weingärtner u. Co., morgens der Westen Berlins von einer dumpfen Deto- Rommanditgesellschaft. Obgleich sie im Jahre 1921 aufgelöst wurde, nation aufgeschreckt. Bald standen Tausende vor dem nahm Weingärtner nach wie vor von den Eise:.bahnverwaltungen eingestürzten Anbau der Villa in der Partstraße 40/42. Jm Bestellungen auf knallfapfeln entgegen. Er ließ fie „ Vorwärts" vom Montag, dem 9. Januar, hieß es: In der in der Feuerwerkerei eines gewissen Nieland in Mariendorf her Landsberger Allee deden die Trümmer des eingestürzten stellen. Als jedoch eines Tages Nieland bei einer Explosion schwer Hauses noch den Boden und schon wieder durcheilt die zu Schaden tam, wurde die Herstellung der Kapseln in dem sich Kunde von einer neuen Explosionskatastrophe die Weltstadt. unter der Garage befindlichen Kellerraum eines Anbaues der Billa Diesmal handelt es sich um in einem Wohnhaus unverant- Parkstraße 42 ausgeführt. In Wirklichkeit war die Firma Weinwortliches Experimentieren mit Sprengstoffen.. Zwei gärtner aber bereits im Jahre 1927 endgültig gelöscht. Trotzdem Menschen, der Chemiker, der das Unglüd wahrschein- wurden die Kapseln mit dem Stempel dieser Firma hergestellt. lich verschuldet hat, und eine Hausangestellte fanden Neben diefer Tätigkeit, die er gemeinsam mit seinem Schwager Billi dabei den Tod. Es wird vor allem Sache der Aussichts- Stamer ausübte, hatte Weingärtner noch zwei andere. Für behörden sein, festzustellen, wie ein so gefährlicher Betrieb die von ihm gegründeten Kosmetik- Fabrik Jörns u. Co., Blücher in einem Hause untergebracht werden durfte, der mehreren Blaz, ließ er in seiner Billa verschiedene Elixiere und VerjüngungsMenschen zur Wohnung dient. mittel herstellen, in seinem Naturheilinstitut behandelte er als Homöopath Patienten. Heute morgen hat sich der Generalkonsul Robert Wein. gärtner vor dem Schöffengericht Charlottenburg wegen dieser Dahlemer Explosion zu verantworten. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung der Hausangestellten Martha Schön feld, auf schwere fahrlässige Körperverlegung des Hausdieners Meinel, der Pförtnersfrau Anna Deter, der ledigen Hildegard Deter, der Hausangestellten Bergander und der Haus angestellten Mufcher, auf Sachbeschädigung und auf Bergehen gegen das Sprengstoffgesetz. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Bode, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Peschke. Als Sachverständige sind u. a. anwesend: Professor Dr. Strauch, Geheimer Medizinalrat Dr. Hommerich, Professor Brüning und Prof. Dr. Lenze von der Chemisch- Technischen Reichsanstalt. Es sind 34 3eugen, darunter auch die seinerzeit Verletzten, geladen. Die Vernehmung Weingärtners läßt von neuem das Unglück von Dahlem erstehen, dessen Einzelheiten im allgemeinen noch in guter Erinnerung sind. Der 50jährige Angeklagte hatte als Knabe den Deforateurberuf erlernt, fich später als Tapezier, Zigarettenhändler, Kaufmann, Homöopath, Pyrotechniker betätigt und sich gewissermaßen für seinen Hausgebrauch den Titel eines Generalfonfuls von Montenegro erworben. Seine Bekanntschaft mit Explosivstoffen stammt von der Kriegszeit her. In Schwanstedt hat er in Gemeinschaft mit anderen eine Leuchtmunitionsfabritation für Infanterie ins Leben gerufen. Im Jahre 1917 gründete er in Belten eine zweite Fabrit, die für Fliegerleucht Fortschritte in der Lederwarenindustrie. Troh ungünstiger Konjunktur wesentliche Verbesserungen. Für die Lederwarenindustrie bestanden bis zum 30. April zwei größere Bezirksverträge neben einigen fleineren Berträgen. Der eine Bezirksvertrag, der sogenannte Offenbacher Vertrag, umfaßte Süddeutschland mit dem Freistaat Hessen, aber ohne Baden, der andere Thüringen, Teile vom Freistaat Sachsen und die Wasserfante. Der Berliner Vertrag erstreckte sich auf Groß- Berlin, Mecklenburg, Pommern, Anhalt und Teile von Brandenburg. Ferner bestand je ein Vertrag für Schlesien, Sachsen- Ost, Ostdeutschland, Rheinland- Westfalen; dazu kamen noch einige Ortstarije. Der Berliner Vertrag wurde von dem Deutschen Sattle, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband gekündigt, desgleichen der rheinische Vertrag. Den Offenbacher Vertrag fündigten die Unternehmer. Alle anderen Verträge liefen stillschweigend weite. Die Offenbacher Zentrale der Unternehmer änderte ihre Verbandsstatuten und erklärte sich für den Abschluß von Tarifverträgen nicht mehr zuständig. Die Folge war, daß dieser große Bertrag in fleine Bezirksverträge zersplitterte. Trotz dieser durchfichtigen Taktik gelang es der Gewerkschaft, auf der ganzen Linie wieder zu Verträgen zu kommen. Außer dem Berliner Bertrag, dessen Geltungsbereich unverändert blieb, wurden Bezirksverträge abgeschlossen zum Teil stehen sie dicht vor dem Abschluß Bayern, Hessen, Württemberg, Sachsen- West, Thüringen und Rheinland- Westfalen. Der Berliner Vertrag wurde vor dem Reichs: arbeitsministerium vereinbart. In Offenbach wurde ein Schiedsspruch gefällt, der von beiden Teilen angenommen wurde, des= gleichen im Rheinland. In den übrigen Bezirken fam es zu einer freien Vereinbarung. Alle Verträge zeigen Verbesserungen. Die überall auf getretenen Verschlechterungsanträge der unter nehmer konnten abgewehrt werden. Die Gewährung von Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 20.6.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 44. Anf. 19%( 72) U. Die Hochzeit des Figaro Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 52 Anf. 19( 72) U. Mittwoch, 20.6.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III Anf.1912( 72) U. Die neugierigen Frauen Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 124 Anf. 20( 8) Uhr Oedipus rex Peer Gynt Petruschka Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: Maß für Maß SCALA > Uhr Nollendort 7360 Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Reichshallen- Theater Der Angklagte will nur widerstrebend die Herstellung der Knallkapseln in seiner Villa geduldet haben. Sein Schwager, der durch die Explosion getötete Willi Stamer, habe darauf be standen. Dieser sei es auch gewesen, der die Mischung für die Knallkapseln, die aus Kaliumchlorat, Schwefel und Aluminium bestanden, herstellte. Er selbst habe nur die Kapseln bestrichen. Der Angeflagte muß aber auf Vorhalt des Borsigenden zugeben, daß er auch die Zutaten bestellte und sie einlöfte. Er behauptet, nicht gewußt zu haben, daß diese Mischung eine derartige Explosivkraft befize. Am & Januar habe er plötzlich einen dumpfen Knall gehört. Die Türen seien aus den Angeln gehoben gewesen, die Fensterscheiben ausgeschlagen, und als er hinausgetreten sei, habe er den eingestürzten Anbau vor sich gesehen. Weingärtner hatte in der Voruntersuchung angegeben, daß mur ein Unglücksfall möglich sei: Jetzt erklärt er, daß er nach seiner Befreiung aus der Untersuchungshaft im Februar zu der Ansicht gekommen sei, daß ein Selbstmord vorgelegen haben müsse. Dafür spreche der Umstand, daß die Einschlagſtelle nicht im Keller selbst, in dem sich die Mischung befunden habe, sondern vor der Kellertür festgestellt worden sei. Stamer habe auch sonst am Sonntag nie gearbeitet und habe auch am 8. Januar nicht seinen Arbeitsanzug angehabt. Als Selbstmordmotiv für den vierzigjährigen verheirateten Sonderling fäme vielleicht eine Auseinandersetzung wegen einer Liebschaft am vorhergegangenen Sonnabend in Betracht. D.e neue Polizeischwimmschule in Spandau Ruhleben, die kürzlich eingeweiht wurde. Ferien an Heimarbeiter ist ein Plus, ebenso die überall erreichte Erhöhung der Akkordzuschläge. Auch der Lohnschlüssel fand teilweise eine beachtenswerte Verbesserung. Vor allem haben die jugendlichen Gruppen im Tarifvertrag eine bessere Position errungen. Die Ortstlasseneintei. Iung bzw. die Festsetzung der Prozentfäße für die III. Ortsklasse erfuhr eine Verbesserung von 85 auf 90 Pro3. Der Verband hat also trok schwierigen Ümständen einen starken Achtungser folg erreicht. Dieser Erfolg ist um so höher zu bewerten, als zur Zeit der Tarifbewegungen immer noch ein hoher Prozent= Volksbühne Deatsches Theater heater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 81 Uhr 8 Uhr: Stettiner Sänger Stuckes Pfingstfahrt Orpheus in der Hugo Stucke: Britton Frau Stucke: Meysel Anf. 8 Uhr. Preise 60 Pf.- 2 M. Dönhoff- Brett'i Varieté- Konzert- Tanz. Theater am Kottbusser Tor Berlin, Kottbusser Str. 6. Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Unterwelt 814 Der Norden 12 310 U. Ende gegen 11 Sarnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 Täglich 8%, Uhr Artisten Leinen aus Regie Max Reinhardt Irland Kuhhandel Kammerspiele Komödienhaus 84 Norden 12310 812 Uhr, Ende 10%, Gastspiel des Theatre du Gymnase, Paris Le Secret ( Das Geheimnis) Elite- Sänger DAS SCHUBERT SINGSPIEL v. Henny Bernstein Wie Immer erstklassiges Programm! U. a. Dreimäderlhaus Die Komödie Ein gerissener Schwiegersohn"( Schwank) ..Ein kleines Geschenk"( Schwank) Lachen u. Stimmung! Volkstümliche Preise: 50 Pf. bis 2 M. Komische 81, Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Alfred Braun v. Thellmann, Jankuhn, Hesterberg, Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelstern, Sunshinegirls. Mus.Leit: P. Hühn, Ausst. Prf. Stern. Inszenierung: Julius Brandt. Bismarck 82 U. Ende 103 U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Norden 6304. Künstl. Leitung: Wilhelm Bendow Tägl. 81, Uhr Ein Stück Malheur von Marcellus Schiffer Kleines Theater raglich 8%, Unr Kaiser- Tietz Lotte Klinder in Galante Nacht! Grosses Schauspielhaus Berliner Theater Berliner Prater Erik Charell. NEUE WELT Arnold Scholz. Hasenheide 108/14. U- Bahn( Hermannplatz) Täglich: harlottenstr.90/ 91.Dönh.170 Tag Arbeitslofer und Kurzarbeiter in der Beber warenindustrie zu verzeichnen war. Erfreulicherweise ist im ersten Bierteljahr 1928 auch der Mitgliederstand im Verband bemerkens mert gestiegen. Alles um fünfzehn Pfennig. Schwere Anklage und große Verhandlung. Mit welchen Bagatellen sich die Gerichte zu beschäftigen haben, bewies eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Lichtenberg. Der 24 Jahre alte Arbeiter Otto G. war auf einer Baustelle in der Nähe des Betriebsbahnhofs in Rummetsburg tätig. Das Betreten dieses Bahnhofs ist laut Vorschrift nur Eisenbahnbeamten erlaubt; Privatpersonen können ohne besondere Genehmigung von dort aus nicht mit der Stadtbahn fahren, weil es im ortsüblichen Sinne fein regulärer Bahnhof ist. Die Arbeiter der Baustelle hatten aber die Erlaubnis, vor und nach Beendigung der Arbeitszeit von diesem Bahnhof aus zu fahren. G. hatte sich am 23. Januar dieses Jahres Vorschuß geben lassen, weil er kein Geld mehr besaß. Da der Meister aber nur großes Geld hatte, gab er einem anderen Arbeiter, der auch um Vorschuß gebeten hatte, einen Geldschein, den er unterwegs wechseln und den Betrag sich mit G. teilen sollte. G. hatte aber nicht einmal 15 Pf. bei sich, um die Rückfahrt antreten zu können. Das Geld fonnte jedoch erst auf dem nächsten Bahnhof gewechselt werden, da Geschäfte sich dort in der Nähe des Betriebsbahnhofs nicht befinden. G. betrat also ohne gültige Fahrkarte den Bahnsteig. Als er das Billet zeigen sollte, wies er eine ungültige Karte vor. Da er sie nicht gutwillig zeigte, pa te ihn der Schaffner am Arm; weitere Bahnbeamte tamen hinzu, die den Arbeiter wie einen Verbrecher in den Dienstraum zogen. G. mehrte sich, weil er sich diese Behandlung nicht gefallen lassen wollte. Inzwischen wurde zu allen Ueberfluß ein Polizeibeamter herbeigerufen, der extra vom Bahnhof Rummelsburg kommen mußte, damit die Personalien dieses Sünders feſtgestellt werden konnten. G. stand nun unter der Anklage des versuchten Be= truges, des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, der Körperverlegung und der Beleidigung(!) vor dem Amtsgericht Lichtenberg, denn er hatte einem Schaffner etwas in seiner Erregung zugerufen, was dieser als Beleidigung empfunden hatte. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Held, verurteilte den bisher noch unbestraften Arbeiter unter Freisprechung von der Anklage des Betruges wegen Rörperverletzung und Beleidigung zu 50 m. Geldstrafe. Der Amtsanwalt hatte wegen des versuchten Betruges lediglich eine Geldstrafe von 20 M. beantragt. Wenn der Arbeiter sich auch formell dadurch ins Unrecht setzte, daß er versuchte, der Bahnsteig ohne eine gültige Bahnsteigfarte zu betreten und die Beamten im Recht waren, wenn sie diesen Versuch ab= wehrten, so hätte sich doch wohl bei beiderseitigem Entgegenkommen die Sache friedlich beilegen lassen. Auf keinen Fall aber war es nötig, wenn überhaupt eine Strafe am Plage war, über den Antrag des Amtsanwalts hinauszugehen. Die Eisenbahn hätte sich wie in allen ähnlichen Fällen die gerichtliche Verfolgung der Sache verkneifen und den Sünder mit einer ernst en Berwarnung laufen lassen sollen. Der Tod auf den Schienen. Ein Bahnbeamter machte heute früh kurz nach 5 Uhr in der Nähe des Bahnhofs Grunewald einen graufigen Fund. Zwischen den Gleisen der Vorortbahn, etwa 150 Meter vom Stellwert entfernt lag, schwer verstümmelt, die Leiche eines etwa 20 bis 25jährigen Mannes. Dem Toten waren beide Beine bis zu den Oberschenkeln abgefahren. Die Personalien des Lebensmüden um einen solchen handelt es sich zweifellos fonnten noch nicht festgestellt werden, da er keinerlei Papiere in seinen Taschen trug. Sonnwendfeier der Freien Gewerkschaftsjugend. Die diesjährige Sonnwendfeier der Freien Gewerkschaftsjugend findet statt am Sonnabend, dem 23. Juni, im Freilichttheater des Volksparts Jungfernheide. Programm: Musik, Gesang, Rezitationen, Sprech- und Bewegungschor. Mitwirkende: Heinrich Witte, Staatstheater, Sprech- und Bewegungschor der Bolfsbühne, Berlin, Berliner Bolts chor. Beginn 21 ( 9 Uhr). Unfostenbeitrag 40 Pfennig. Fahrverbindung: Stadt. und Ringbahn bis Bahnhof Jungfernheide; Straßenbahnen: Linien 3, 12, 55, 64. Alle Gewerkschaftler, jung und alt, sind zu dieser Beranstaltung herzlichst eingeladen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Drtsausschuß Berlin. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. TRAURINGE 1 Ring Dukatengold( 900 gest.) zum Reklamepreis von. Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 18.Mk. 22.Mk. 28.1 Ring( 585 gest.) Gediegen und modern Mk. 12.Preisliste gratis! Schwere Ausführung Mk. 15.Skarat. Ringe v. Mk. 4.- bis 7.--p. Stück. Gravieren gratis zum Mitnehmen. N24, Artilleriestr. Ges, geschützt Hermann Wiese, Berlin N. Passauer Str. 12 Ständig ca. 3000 fugenlose Trauringe am Lager. Planetarium am Zoo Residenz- Theaters Uhr CASINO- THEATER 8 Uhr Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 Uhr: Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Am Rüdesheimer Der Sternhimmel Am Rudesheimer der Heimat 18 Uhr: Lothringer Str. 37 Des grossen Andranges wegen ist die Spielzeit einige Tage verlängert Letzte Vorstellung vor den Ferien Schloß steht eine Linde unwiderruflich Sonntag, den 24. Juni Loni Pyrmont Erde und Weltenraum. Krafft- Lortzing Der 20 Uhr: Gaston Briese Emma Klein Einfluß d. Gestirne Parkett auch So Eintritt 1 M. Kinder unt. 15 Jahren 0.50 Rose- Theater 8 Uhr: 31/4 U. Ende geg. 11 Kastanienallee 7/9. Gastspiel d. Deutschen Th. 7% Täglich 7, Gr Franki, Str. 132 Der Prozeß Polnische Wirtschaft" Mary Dugan Außerdem: Konzert, Varieté. Gartenbühne Heimat Walhalla- Th. Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. 6 Uhr nachm. Tanz. Kaffeekochen. Konzert und bunter Teil Weinbergsweg 19/20 Grosses Konzert und die Revue Täglich 8, Uhr: Theater des Westens Die Welt steht Kopf! Im Garten oder Saal. Kaffeeküche ab 2 Uhr. 8 Uhr: Verlorene Töchter Steinpl. 931 814 Uhr Der fidele Bauer Sittenst. in 4 Akten. dur Erwachsene haben Zutritt Park.auch Sonntags statt 4.- M. nur 60 Pf. Täglich: Max Adalbert „ Das Ekel" Sonnt. statt 4.- nur 1.-M. Lustspielhaus Jr. Martin Zicke Unwiderruflich letzter Monat 8 Uhr: juido Thielscher n. ,, Unter Geschäftsaufsicht" Thalia- Theater ts. Künstler- Th, Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Saltenburg- Bühnen 81 Uhr „ Das sind ja Dyckerpotts Erben reizende Leute..." Müllers Prinzesschen Ausschneiden. Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1,60 M. Renaissance- Theater Steinplatz 901. Uhr Krankheit der Jugend [ R. 2 Altes Eierhäuschen Treptow Plänterwald Tel.: Mpl.: 7515 Bieler Mpl.: 7515 Dai 56190 757 Beilage Mittwoch, 20. Juni 1928. A0/ 10 98.199 99 Der Abend Was wir im Ausland sahen Eine Studienfahrt Berliner Gemeindearbeiter. Am Tage der Reichstagswahl nachmittags verließen zwölf frei| gewerkschaftlich organisierte Berliner Gemeinde- und Staatsarbeiter die Reichshauptstadt, um nach der Tschechoslowakei, Ungarn und Desterreich zu fahren. Ihre Aufgabe war, die Lage der arbeitenden Bevölkerung dieser durch die Friedensverträge von St. Germain und Trianon geschaffenen selbständigen Staaten zu studieren, und ihr besonderes Augenmerk auf die kommunalen und staatlichen Betriebe und Einrichtungen zu richten. Im besonderen kam es darauf an, genügend Material für eine gute Berichterstattung zu sammeln, um so das Bildungs- und Versammlungswesen des Verbandes zu beleben und zu vertiefen und um die Betriebsräte zu befähigen, ihre Betriebseinrichtungen mit denen ausländischer städtischer und staatlicher Betriebe zu vergleichen. Zu gleicher Zeit aber auch sollten brüderliche Beziehungen mit den in Frage fommenden Arbeitern und ihren Organisationen angeknüpft und, wo sie schon bestanden, besonders gefestigt werden. Für die ganze Reise waren 14 Tage vorgesehen, so daß zu einem längeren Aufenthalt an einem Ort nicht allzuviel Zeit verblieb. In der Hauptstadt der tschechoslowakischen Republik wurde die Delegation vom Kollegen Ksandr vom tschechischen Gemeindeund Staatsarbeiterverband begrüßt. Die Stadtverwaltung von Prag hatte, einem Antrage der tschechischen Kollegen folgend, genügend Autos zur Verfügung gestellt, so daß schnell von Werk zu Werk gefahren werden konnte. Prag hat sich ein neues Gaswerf errichtet, das in seinen technischen und seinen Wohlfahrtseinrichtungen als vorbildlich in jeder Beziehung angesprochen werden darf. Ein neuer großer Straßenbahnhof mit anschließenden Wohnungen für Bedienstete wurde gezeigt. Eine Reihe anderer Betriebe folgte. Abends sprach in einer kleinen Zusammenkunft für die tschechische Sozialdemokratie Langer und als Vertreter der deutschen Sozialdemokratischen Partei Pe131, zweiter Bürger: meister in Aussig. Da gab es wieder viel Neues. Die Notizen auf dem Block der wissensdurstigen Berliner schwollen merklich an. Draußen, weit vor der Stadt Prag, liegt eine große Heilund Pflegean st alt, die eingehend besichtigt wurde. Nachdem einige historische Bauten und der Hradschin gezeigt wurden, besuchten die Delegierten im Haus der Sozialdemokratie die Parteibuchhand lung. Am nächsten Tage besichtigte die Delegation die zwischen schaffen. In der Budapester Gemeindeverwaltung haben sie sich bereits wieder weitestgehenden Einfluß zu verschaffen gewußt. Auf den Gebieten des Wohnungsbaues, der sozialen Hygiene, der Fürsorge und der Wohlfahrt sind sie führend. Ein wundervoller Geist und Schloß Chovustovice, in dem jetzt ein Heim für tuberkulose Kinder eingerichtet ist. prachtvolle Siegeszuversicht beseelt alle. Mit Stolz werden uns gut eingerichtete, zum Teil mustergültige kommunale Werke und andere Einrichtungen gezeigt. Die Budapester Wasserversorgung ist groß angelegt. Ein leistungsfähiges Gaswerf mit neuesten technischen Einrichtungen findet fachmännische Bewunderung. Start gefestigt und gut ausgebaut ist die Gewertschaftsbewegung. Fast jede Organisation verfügt über ein eigenes Geschäftshaus. Mit einer guten Meinung über die neu gefräftigte ungarische Arbeiterbewegung verlassen die Delegierten die ungarische Hauptstadt. Nach überaus herzlichem Abschied geht es nach Wien. Hier find Partei und Gewerkschaften frei in jeder Beziehung. Das von der österreichischen Sozialdemokratie in diesen Notzeiten erschaffene „ Neue Bien" muß auch den Abgeſtumpftesten begeistern. Die sozialistische Stadtverwaltung greift auf Grund ihrer Macht überall scharf durch. Sie läßt es sich nicht nehmen, trotz des nur allzu großen Andranges der Besucher jede Besuchergruppe offiziell zu begrüßen. Der Eindruck ist ganz allgemein: Hier wird eine großartige Aufbauarbeit geleistet. Wenn von den Berliner Delegierten auch nicht alles fritillos hingenommen wird( die freigewertschaftliche Bewegung ist bei rund 6½ Millionen Einwohnern in 55 Verbände zersplittert), so wird doch den österreichischen Genossen die allergrößte Anerkennung für ihr явс Spalausgabe des Vorwärts Werf nicht versagt. Ob man beim Reimannshof am Margaretengürtel( Gemeindewohnungsbau) beginnt, oder die Wiener Bäder ( Amalien- und Kongreßbad, Kinderbäder) besichtigt, ob man die schon berühmt gewordene Kinderaustauschstelle oder die Kinderheilstätte ,, Baumgärtnerhöhe" sieht ob man mit dem Direktor des Heimes für erziehungsbedürftige Kinder der Stadt Wien durch die prachtvollen Räume des Schlosses Wilhelminenberg" geht, oder eine zum Altersheim umgewandelte riesengroße Kaserne besichtigt, allüberall staunt man über die Erfolge dieser zielbewußten einheitlichen kommunalen Arbeiterpolitik. Der Besuch Wiens ist die Krönung der Studienfahrt. " Was sonst noch in fleineren städtischen Betrieben der besuchten drei Länder gesehen wird, vervollständigt das Bild: Die Arbeiterbewegung ist ein mächtiger internatio. naler Faktor, der überall wirkt und schafft. Riesenkräfte werden lebendig gemacht. Neben dieser erfreulichen Feststellung drängt sich aber auch sofort die große Schwierigkeit der mitteleuropäischen Zerrissenheit auf. Alle Teilnehmer der Studienreise fühlten deutlich das Unglück der nationalen Gegenfäße( der Harmworth- RothermeerRummel in Ungarn, die Zerrissenheit der sozialdemokratischen Be wegung in vier nationale Gruppen in der Tschechoslowakei), das sich nach dem Baltan zu immer stärker entfaltet, und wie ein Gespenst den europäischen Frieden bedroht. Die große Bedeutung des Internationalen Arbeitsamtes, das sich in immer stärkerem Maße für die Bereinheitlichung der sozialpolitischen Gesetzgebung einseßt, ist den Teilnehmern der Reise durch die Verschiedenartigkeit der sozialen Gesetzgebung auf dem Kleinen geographischen Raum der drei besuchten Länder start ins Bewußtsein getreten. Auf der Fahrt von Hallein, wo noch ein Salzbergwert besichtigt wurde, über Salzburg nach München und von der bayeBrigittenhospital, Entbindungsheim in Wien. rischen Hauptstadt nach Berlin gab es genug Zeit, von all dem Geschauten und Erlebten zu plaudern. Alle Teilnehmer der Fahrt waren angefüllt von den unzähligen neuen Eindrücken, über die in den Kreisen der Kollegen und Genoffen zusberichten die nächste Aufgabe aller Mitglieder der ersten Gemeinde- und StaatsarbeiterAuslandsstudiendelegation sein wird. Oskar Kurpat. Die Delegation. J Brag und Brünn gelegene Landes Kinderheilanstalt Rošumbert. 700 tuberkulöse Kinder sind dort auf Monate bis Jahre untergebracht. Das einer fleinen Stadt gleichende Heim ist neuzeitlich eingerichtet und fand allseitige Bewunderung. Um seinen Ausbau hat sich der Genosse Ksandr besonders verdient gemacht. Im Berein mit dem Chefarzt, dem Verwalter und Mitgliedern des Betriebsausschusses wurden viele Stunden in der Anstalt verbracht. Bevor die in der Anstalt genesenden Kinder ihre Heimatsorte wieder aufsuchen, machen sie eine turze Refonvaleszentenzeit in dem nahegelegenen Kinderheim Schloß Chronstovice durch. Auch dieser einstige Herrschaftssiz wurde von der Delegation besichtigt. Borher jedoch zeigten die in Košumberk beschäftigten Kollegen mit viel Stolz ihr neu eingerichtetes und gut ausgestattetes Boltsund Gewerkschaftshaus. Schon auf der Fahrt von Brag nach Košumbert fiel allgemein die überaus starfe Bautätigkeit in den rechts und links der Bahn gelegenen Städten und Dörfern auf. Das gleiche zeigte sich auch auf der Fahrt nach Brünn. Herzlicher Empfang wurde der Delegation auch in Brünn bereitet. Wieder ging es von Werk zu Werf und wieder nahmen die Fragen kein Ende. Eines blieb für alle Delegierten gleich start eindrucksvoll. In der etwa 150 000 Einwohner zählenden Stadt Brünn war man gerade bei der Fertigstellung einer Ausstellung, die unter dem Titel„ Kultur und Technit" wenige Tage später eröffnet werden sollte. Hervorragendes wurde dort aufgebaut. Riesige Hallen im modernsten Stil waren errichtet und was sonst von der Delegation schort fertig vorgefunden wurde, fand allseitig große Beachtung und Bewunderung. Budapest war das nächste Ziel. Während sich in der Tschechoflowakei die Arbeiterbewegung frei entfaltet( leider ist die Gewerkjchaftsbewegung in eine sozialistische und kommunistische gespalten), beklagen die ungarischen Kollegen und Genossen eine starke Unterdrückung. Ihr Partei und Gewerkschaftsleben steht unter einschränkenden Zwangsgesetzen. Dennoch oder gerade deshalb herricht der allerbeste Geist unter den Genossen, die die Delegation schon am Bahnhof herzlich empfangen. Sehr bald ist das herzlichste Einver nehmen hergestellt. Größere Sprachschwierigkeiten gibt es in Ungarn nicht. Der Gewerkschaftsrat begrüßte die Delegierten durch seinen Borsigenden. Die Kommunalarbeiterfektion des Metallarbeiterver bandes bereitete den Delegierten einen schönen Abend. Sehr, sehr bald mußten alle Berliner Delegierten ihre Meinung von der ungarischen Arbeiterbewegung forrigieren. Es wird auch hier fleißig and zäh gearbeitet aller Unterdrückung zum Troß. Heldenhaft mutet es an, was die ungarischen Genossen unter so schweren Umständen WAS DER TAG BRINGT. Das Kaninchen als Hypnotiseur. In der Deutschen Tageszeitung" schreibt Wilhelm Ackermann: ,, Das hat die Mittelparteien nicht gehindert, gleichwohl wie fasziniert auf ihr altes Ziel zu starren, obwohl alle Erfahrungen dagegen sprechen, daß jemals das Kaninchen durch seinen Blick die Schlange hypnotisieren wird. Seit Wochen gehen nun die Bemühungen, diese Große Rcalition zustandezubringen, peil fie angeblich die einzig mögliche Lösung darstelle. Mert würdig, daß dann eben diese Lösung so schwer zu finden ist. Der volksparteiliche Teil des Kaninchens hat inzwischen bereits darauf verzichtet, den Verfuch fortzusehen, die sozialdemokratische Schlange für die sofortige Regierungsumbildung auch in Preußen zu hypnotisieren." Woraus hervorgeht, daß das mittelparteiliche Raninchen nicht nur eine problematische Natur, sondern auch eine fomplizierte Erscheinung ist. Mit welchem Teil pflegt so ein Raninchen überhaupt 34 hypnotifieren? Ueber solche Versuche fann die sozialdemokratische Shlange ja doch nur lachen. zu Drei Nullen zuviel. Unsere Mitteilung vom Montag, daß in New York alle Jahre 50 Millionen Milchflaschen verschwinden, hat uns eine Anzahl Zuschriften eingebracht. Es stellte sich nämlich heraus, daß bei der Berechnung des Wertes der Vermißten" drei Nullen zu viel. Doch hören wir, was uns darüber ein alter, trotzdem aber entrüsteter Leser schreibt: Die verdammten Zahlen! Du erzählst, daß in New York jährlich 50 Millionen Milchflaschen verschwinden, die den Molkereien( à Stück 5 Cent) angeblich 250 Millionen Dollar koſten. Schäme dich, jo amerikanisch aufzuschneiden! Es sind nur 250 000 und nicht 250 000 000 Dollar! Immerhin: wenn wir Beide auch nur die 250 000 hätten, wäre uns geholfen. Aber trotzdem sollst du nicht so lästerlich aufschneiden." Was hiermit feierlich versprochen lei. Und wir wollen dieses Versprechen halten... bis zum nächsten Schreib oder Druckfehler. Theorie und Praxis in der ,, Ernährung". Wer so durch die Ernährungsausstellung wandert, fann allerlei lernen. Große Modelle und farbige Tafeln bemühen sich, dem Be sucher zu veranschaulichen, wie gefährlich zum Beispiel die Fliegen für die auf dem Tisch stehenden, so appetitlich zubereiteten Speisen werden können. Ebenso anschaulich wird gezeigt, wie durch Niesen, Husten und Anfassen die besten und gesündesten Speisen verdorben werden. An den verschiedensten Stellen wird dann praktisch vorgeführt, wie die Nahrungsmittel( z. B. Brot, Kets, Zuder usw.) maschinell hergestellt werden. Bis zum Einpaden in Kartons und -W Papierbeutel wird die menschliche Hand ferngehalten. Das alles ist so einleuchtend und wird so eindringlich eingehämmert, daß der Besucher und das soll ja der Zweck sein daraus lernt und von nun an seine Speisen schützt oder nur geschüßte Speisen genießt. Und so nahm auch ich mir vor, noch peinlicher darauf zu achten und bestellte im Ausstellungsrestaurant eine Suppe. Vom Nebentisch reichte mir der Kellner einen Teller mit mehreren Brötchen. Mir verging der Appetit. Im Geiste sah ich die Plakate wieder, die vielen Hände, die schon festgestellt hatten, ob auch alle Brötchen frisch sind, die vielen hustenden Menschen, die hier bereits gesessen hatten. Das Gesumme einer Fliege schreckte mich auf und ließ mich in einen der Kaffeegärten flüchten. Dh weh! Hier standen die Zuderschalen alle geöffnet auf den niedrigen Tischen. Ich floh weiter und suchte, und suchte die Praris. Endlich entdeckte ich sie an der einzigen Stelle. Es war der Ausschank eines Kaffeegeschäfts. Nur hier bekam ich Zucker in fleinen Papiertüten und Gebäck in durchfichtigen Beuteln. Wie soll die Praxis den Weg ins Leben finden, wenn sie W. W. schon in der Ausstellung nicht zu ihrem Rechte kommt? Unsere künftigen ,, Führer". Corps Suevia- Straßburg zu Münster i. W. Uhr 9-10 Münster i. W., Sommer- Semester 1928 Anneite von Droste- Hülshoff- Allee 26. Wochenplan. Montag Dienstag Mittwoch Donnerst. Freitag Samstag Sonntag offizielles Mittagessen auf dem Corpshause Fauftballspiel im Garten des Corpshauses oder Schießen O. R. C. Fech: std. O. R. C. Fechtstd. Paukbod Pautbod. Panfbod. Baukbod. Bautbod. Paukbod 10% 10-11 O. S. C. Schwimm 113 h 11/4 2-3 Bimmel m. anfchl. Frühsch i. Raiserhof 3-4 Fechtstd. ab 3 Uhr frei Säbelfechtstunde Säbelfechtſtunde ab 4 812 Ausflug off.Wochen fneipe 9 h S.C.Abend O. C. C. akadem. Bierabend Leibesüb. i. b. Stadt Bet und arbeit! In einer niederbayerischen Nonnenabtei werden die Böglinge der Oberklasse zur Ablegung einer Prüfung entlassen In legter Stunde wird bekannt, daß diese nicht an der Regierung in R., sondern in M., wo sie bedeutend strenger sein soll, stattfindet. Da bittet ein 3ögling die Mathematikschwester, doch vorher eine noch nicht geübte Rechnungsart furz zu erflären. Darauf die Antwort: Dazu ist jetzt nicht mehr Zeit, liebe Kinder, hier kann nur noch das Beten helfen." pcr cetRe ormM 10. Fortsetzung. „Hefter die Straße rürkwärts," erklärte der Franzose.„Nur heraus zu mir, mon ami! Aber reichen Sie mir erst einen Stuhl, damit SIe's bequemer haben." Er stellte den Stuhl sorgfältig so, daß er nicht die Erde des Beetes berührte. „Los!" kommandierte er dann.„Aber um Gottes willen kommen Sie mir nicht an die Mauer an mit Ihren großen Stiefeln!" Der mächtige Körper des Engländers gelangte glücklich auf den Boden. Schweigend deutete Boulot erst auf dos Beet und dann auf den Sockelabfotz. In der schwarzen Erde waren zwei große Fußtapfen deutlich wahrzunehmen. Die eine zeigte den tiefen Eindruck eines ganzen Fußes, die andere nur den der Sohle, beide gegen das chaus zu. Der Sockelabsatz war an einer Stelle frisch angekratzt, und von da lies ein Schmutzstreifen auf dem Mauerwerk aufwärts. „Los!" kommandierte er. „Hier ist er hinausgestiegen," bemerkte Monderton. Dann rief er laut:„Smith, unter dem Bett stehen ein Paar Schuhe, geben Sie sie mir raus!" Er nahm sie in Empfang, beugte sich nieder und hielt den einen Stiefel vorsichtig über den tieferen Eindruck im Beet. Er paßte genau. Boulot begegnete dem fragenden Blick seines Kollegen mit einem verständnisvollen Nicken. „Natürlich muß er passen," sagte er.„Es ist doch auch sein Atelier. Cr kennt diesen Weg. Außerdem ist er an der Zavntür gewesen..." „Sie haben seine Spuren auf der Gasse gefunden? Fuß- stapfen, was?" Boulot schüttelte den Kopf. „Das hier!" antwortete er und öffnete seine i>and, in der ein Zigarettenstümpschen lag. Manderton lachte. „Also los— wie haben Sie das jetzt wieder herausgebracht?" „Noch ganz weich, also erst vor kurzem weggeworfen. Ich Hab diese Sachen ein wenig studiert. Die Zigoretre wurde gestern geraucht, man arni.„Eerberus" ist es. Wenn Sie sich auf den Untertassen im Schlafziinmer umsehen, können Sie ein gleiches Stümpschen finden!" „Prima!" gab Manderton zu.„Aber noch lieber wär's mir, wenn unser junger Freund endlich erscheinen würde,'s ist eine / komische Geschichte. Abgesehen von Quayre glaube ich, daß dieses Driscolmädchen mehr von der Sache weiß, als sie uns gestern nacht erzählen wollte." „Wie ist nach Ihrer Ansicht das Verbrechen ausgeführt worden?" „Nun, ohne Präjudiz, wie die Juristen sagen, scheint mir die Sache so zu liegen, chier ist Ouayre, dem Eramnore das chaus verboten hat und der doch mit dem Driscolmädchen weite» ver- kehrt. Er malt sie, mehr wollen wir vorläufig nicht sagen. �Mrs. Cranmore kommt dazu, um der Sache ein Ende zu machen, eine Eifersuchtsszene..." Boulot sah schnell auf. Mit dem Zeigefinger deutete er auf zwei nicht vorhandene Personen und fragte:„Glauben Sie so?" Manderton nickte. „Allerdings. Frankreich ist nicht der einzige Ort, wo es Eifersuchtsoerbrechen gibt, besonders seit dem Krieg. Meine Idee ist— aber natürlich nichts als eine Idee zwischen uns zweien—, daß dieser cherr Quayre es mit den beiden Damen hatte..." „Ah!" stieß der Franzose hervor. Aber es log eine Welt von Andeutungen in seinem Ausruf. „Meine Theorie ist, daß er früher in Amerika mit der Mrs. Eranmore was hatte. Sie erinnern sich, was der Gatte sagte: Ouayre trüge es ihr nach, daß sie ihm das chaus verboten hatten. Schön! Er kommt nach London, findet seine alte Liebe ver. heiratet und sängt nun mit der Schwester an. Mrs. Eronmors versucht, die Sache zu hintertreiben, merkt, daß es doch weiter- geht, läuft in» Atelier, um Schluß damit zu machen— sie schicken das Mädel weg, falls sie hier war— dann einige böse Wort« und schließlich das Messer,,......;___ „Ah!" sagte der Franzose, aber diesmal in einem völlig nichts- sagenden Tone. „In einem oder zwei Tagen werden wir ihn haben. Ich kenne diese Art von Verbrechern. Er wird immer hier herum- wandern und, wundern würd's mich nicht, wenn er sich selber stellte!" Manderton sah auf seine Uhr.„Halb sieben. Ob das wohl zu früh ist, um zu Eianmore zu gehen? Ich möchte das Mädel zu gern sprechen. Und vielleicht setzt's dabei auch ein Frühstück ab. Dagegen hätt ich nichts. Ich will nur meinen Hut holen." Manderton kletterte wieder durchs Fenster und Boulot folgte ihm. „Nur zwei Sekunden," sagte der Engländer.„Ich muß noch schnell einen Bericht an den Chef machen." Boulot nickte ihm zu und trieb sich einstweilen im Atelier umher. Er beschaute die« und jenes, aber erst eine kleine Metall- schale auf dem Tisch schien seine Aufmerksamkeit zu fesseln. In ihr lagen vier Zigarettenstümpfchen. Boulo« untersuchte sie alle genau. Das letzte betrachtete er mit besonderer Sorgsalt Dann warf er einen Blick auf Manderton, der am Fenster stand und schrieb, zog einen Briefumschlag aus der Tasche und schüttelte schnell den Inhalt der Schale hinein. Kaum hatte er den Umschlag wieder in die Tasche gesteckt, als ein fester Schritt draußen hörbar wurde. Im nächsten Augenblick trat«in hochgewachsener, blonder junger Mann ins Atelier. g. Julian Ouayre. Er trat mit schnellen Schritten in den Raum, als er aber die beiden Männer erblickte, die von seiner Wohnung Besitz ergriffen zu haben schienen, blieb er mit einem Ruck kerzengerade stehen. Manderton saß in seinem Winkel beim Fenster und schrieb mit dem Rücken gegen den Raum, und Boulot stand über den Tisch gebeugt neben der Staffelei. In die blauen Augen des jungen Mannes kam ein zorniges Funkeln. „Wollen Sie mir gefälligst erklären, wie Sie hier herein- gekommen sind?" fragte er mit der kalten,, leidenschaftslosen Stimme de, Engländers, der seine heilige Freiheit bedroht sieht. Manderton war im Augenblick auf den Füßen. Seine rechte Hand suhr in die Innentasche des Rockes. Boulot, der seinerzeit Hunderte von Verhaftungen ausgeführt hatte, bemerkte die Umrisse eines Brownings, die sich auf dem Stoff abzeichneten. „Sie sind Mr. Ouayre, wie ich annehme," sagte Manderton. „Do, ist mein Name. Aber ich weiß immer noch nicht, was, zum Henker, Sie und Ihr Freund zu dieser Tageszeit in meinem Atelier zu tun haben!" „Ich bin Polizeiinspektor..." begann Manderton. „Trotzdem bin ich mir nicht bewußt, daß der interessante Beruf, den Sie sich erwählt chaben, Ihnen das Recht gibt, in anderer Leute Wohnungen einzubrechen! Oder," fuhr der Maler fort, während ein leises Lächeln um seine Mundwinkel spielte, „wollen Sie sich vielleicht von mir porträtieren lassen»" Manderton, der zu den Engländern gehörte, die auch nicht den leisesten Spaß verstehen, bekam einen roten Kopf. „Da gibts nichts Komisches dabei," sagtd er grimmig.„Sie wissen wohl ganz genau, warum ich hier bin." Der junge Mann musterte den Polizisten gemächlich von unten bis oben. „Ich war die ganze Nacht auf und möchte jetzt zu Bett gehen," sagte er endlich.„Also teilen Sie mir mit, was Sie hier wollen. Und vielleicht haben Sie die Güte, mir auch Ihre Legitimation zu zeigen— wenn Sie nämlich eine haben..." lFortf. folgt.) Rät seh Ecke des„Abend". uiiininHiiiiiiHiHiniiiiiiimuimHHniiiiniiniiiiininnmnntiniiimniiHiiiiHniiiiMiiiiHnniiiimiiHmiiiniiiiHnuniiiinmiiniinmiiiitiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiuiiniiiii Kombinationsrätsel. Die Buchstaben hieser Figur sind so zu ordnen, daß die senk- rechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Konsonant; ?. Zahl: 3. Stadt in Italien: 4. Türkenvolk: 5 Stadt der indobritischen Provinz Pandschab: 6. Lebensgemeinschaft: 7. ein durch Alkoholgenuh hervorgebrachter Zustand: 8. flämischer Maler: 9. Ver- wandtschaftsgräd: 10. französische Bezeichnung für„Straße": 11. Konsonant.— Sind die Wörter richtig gefunden, so nennen die Buchstaben der fettumrandeten Außenfelder, bei Ziffer 1 anfangend und nacheinander gelesen, ein altes beachtenswertes Sprichwort. Silbenrätsel. Aus den Silben a al är bad bi der bre buch ber büh br. Mehr al» nötig: 10. Dörr- frucht: 11. Skizzensammlung: 1Z. Wirtschaftsperäl: 13. Vater und Mutter: 14. Luftkurort: 15. Verdrießliches: 18. modernes Theater: 17. Kopfbedeckung: 18. Frachtstück: 19. Fleischspeise: 20. wirischoft- licher Notstand: 21. Radiooortrag: 22. Theaterleiter: 23. Volk in Asien: 24. Griechischer Philosoph: 25. vom Wasser umspülte, Land: 28. Humanist des 18. Ial>rhunderts: 27, Beamter: 28. Hülsenfrucht: 29. Bienenzucht: 30. Forst.— Die Anfangsbuchstaben und die sechsten Buchstaben der Wörter von oben nach unten gelesen nennen ein Zitat aus Wilhelm Tell(ch und st ein Buchstabe). Die fehlende Mittelsilbe. a en grad kon kow leur ma tue nat ne ne ne nell pa pa pe pe pe pe pie pin pol vers zi.— Aus vorstehenden 24 Silben sind 12 dreisilbige Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittel- silbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? Das Wochenendboot im Rucksack. Auf der ff/ aaser sportausstellung in Potsdam wurde ein aufblasbares Schlauchboot gezeigt, das derartig zusammenzulegen ist, daß es bequem in einem Rucksack transportiert werden kann. A G S Sitterrätsel A A E Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so E E zu ordnen, daß die entsprechenden wagerechten I I E und senkrechten Reihen Wörter mit folgender Behl N beutung ergeben: 1. Gesellschastsjptel, 2. russischer S T T Staatsmann, 3. weiblicher Borname. Oiamant-Z�ätsel. Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so zu ordnen, daß die wagerechten Linien Wörter folgender Bedeutung er- geben: 1. Konionant, 2. Gutschein, 3. Zeit- maß. 4. Rat, S. geographischer Begriss, 8. ein besonders von der Jugendbewegung mit neuein Inhalt crsülltes altes Volks- fest, 7. Induftrieunternehmen(Mehr- zahl), 8. Strom in Afrika, 0. Verletzung, 10. Welthilfssprache, 11. Vokal.— Die wagerechts und senkrecht» Mittellinie ist gleichlautend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Fe«: 2. Tonne; 4. ja: 5. da: 7. Oel: 8. Ort: 10. des: 11. Spa: 12. Cut: 13. Dur: 15. Ahn: 16. so: 17. he; 18. Meter: 21. Reh.— Senkrecht: 2. Tal: 3. Edo: 4. Jesus: 8. Arche, 7. ond: 9. tun; 14. Rom: 15. Ahr; 19.«r: 20. eh. Z a h l e n r ä t s e l: Reichtagswahl, Erich, Jtalia. Ehil«, hier- archie, Stahl, Teich, Arrest Gcrichi, Seegras, Wartehalle. Achat, Hagel, Legor. Silbenrätsel: 1. Turin: 2. Kanu: 3. Rungcsier: 4 Irland; 5. Sehne: 6. Rektor: 7. Eros: 8. Tibet: 9. Nirwana: 10. Uhrmacher: 11, Goldlack. 12. Nabe: 13. Interview: 14. Lakai: 15 Hannooer: 16. Earbid: 17. Einband: 18. Aida: 19. Wallis: 20. Schreibtisch: 21. Rienzi: 22. Siercognac: 23. Drehdank: 24. Nobelpreis: 25. Nizza: 26. Enkel: 27. Wildschütz: 28. Narew: 29. Erbsbrei: 30, Gehirn. Nur der Starke wird das Schicksal zwingen, Wenn der Schwächling untersintt. (Schiller, Das Ideal und das Leben.) Etadttorräts«!: 1. Faden: 2. fade: 3. Fladen: 4. Ladenz 5. Adcn: 6. Waden; 7, Schwaden; 8. schade; 9. Schaden, Endlich ein Rütt- Tag. O. Rütt holt den Berliner Preis. Großer Sport und guter Besuch, daß war der sichtbare Erfolg bes gestrigen Renntages der Rütt Arena. Was der verregnete Sonntag Rütt und seinen Gästen versagte, machte der Dienstagabend wieder weit. Der Große Breis von Berlin wurde leider mit einem kleinen Mißflang beendet. Oẞmella wurde gegen Rütt distanziert. Als erste starteten Ehmer und Engel zum Endlauf um den britten und vierten Platz des am Sonntag abgeläuteten ,, Großen Preis der Stadt Berlin". Der fleine Ehmer führte, als Der Weltmeister Engel in der Zielkurve die Führung übernimmt. Unter ungeheurer Spannung fällt der Startschuß für Rütt und Ohmella zum Kampf um den ersten Blaz. Rütt sichert sich ebenfalls die Führung, wird 5 Meter vor dem Ziel von dem anstürmenden Dimella erreicht, der Dstar mit der linfen Schulter abschob. Dicht aneinander fommen doch beide durchs Ziel. Der Rennausschuß distanziert Dßmella; Ostar Rütt ist damit Ge= winner des Großen Preis von Berlin"; aber auch bei völlig regulärem Verlauf des Rennens wäre Rütt dieses Rennen sicher gewesen. Dßmella und Dewolf- Belgien versuchten, leider erfolglos, ben Beltreford über einen Kilometer mit fliegendem" Start des Schweizers Egg der seit dem Jahre 1917 allen Angriffs versuchen trogt, zu verbessern. Beiden gelang es nicht einmal, den Bahnreford Chmers( 1,09) zu brechen. Dimella sowie der Belgier blieben sieben Zehntel Sekunden hinter dieser Zeit zurüd. Die Unzufriedenen im Rundenrekordversuchsfahren des Sonntags stiegen mit den noch nicht gestarteten Fahrern nochmals in den Sattel. Weltmeister Engel fuhr die beste Zeit des Tages, mit 15/10 Gefunden hatte er alle seine Konkurrenten überflügelt. T -U Die Leichtathletik. Im Arbeiter- Turn- und Sportbund. Der Geschäftsbericht des Arbeiter Turn und Sportbundes für 1926/27 läßt auch ein erfreuliches Aufblühen der Leichtathletik erkennen. Von den 4893 Bereinen, die die Sportstatistik beantwortet haben, betreiben 3536 Leichtathletik. Rund 2000 Vereine fehlen noch in dieser Statistik. Da insgesamt 6818 Vereine vorhanden waren, kann man damit rechnen, daß 60 Proz. aller Vereine planmäßig Leichtathletik betreiben. Im Jahre 1927 ist eine Zunahme von 144 iport treibenden Vereinen vorhanden. Für den Sportbetrieb stehen 3390 Sportpläge und 788 Laufbahnen zur Verfügung. Winter sport betreiben 527 Vereine. Trainingsabende fanden statt: in der Halle 52 317 mit 770 144 Teilnehmern, auf dem Sport: play 83 771 mit 1282 189 Teilnehmern. Dies ist ein Beweis dafür, daß ein Massentraining vorhanden ist, das sich angenehm von der Einzelfanonenzüchterei des bürgerlichen Sports abhebt. Der 1. Kreis( Berlin- Brandenburg) hat 191 Leichtathletik bctreibende Vereine( 50 Proz. der vorhandenen Bereine). Dieses Brozentverhältnis wird übertroffen vom 2., 4., 8. und 11. Kreis, die es bereits bis auf 70 Broz. gebracht und den früher führenden 1. Kreis überholt haben. Die Bildung einer besonderen Sparte für die Leichtathletik im 1. Kreise scheint eine folie rung herbeigeführt 3: haben, die der Massenpropaganda hinder lich ist. Die Statistik ergibt, daß die Leichtathletit Gemeingut aller Sparfen Im Herausforderungstampf Schamberg- Ehmer geworden ist. Bei den Turnern ist der Sport fast überall ein selbstüber zweimal 2 Runden ersterer wurde am Sonntag distanziertverständlicher Teil des Uebungsbetriebes. Aber auch die Ruderer brachte sich im ersten Lauf Ehmer als erster über das Zielband; und Schwimmer, in letzter Zeit fogar die Fußballer, betreiben leicht Schamberg sicherte sich dann den zweiten Lauf. Der Kampf endete athletische Wettkämpfe als Ergänzung ihrer Spartenarbeit. Selbst unentschieden. ständige, reine Leichtathletikvereine sind nur in verDen Beschluß des Abends bildete der Große Preis der Metropole", ein 50- Kilometer- Mannschaftsrennen nach Sechstageart, zu dem beim Lampenlicht 13 Paare an den Start gingen. Louet rollte beim Startschuß als erster über das Startband, mit ruhigem, aber gleichmäßigem Tempo eilte das Feld der ersten Wertung zu. Die ersten Wertungsspurts werden ohne etwas Aufregendem flafsiert. Bald aber ist Leben in der Bude". EngelBuitenhagen farambolieren beim Ablösen und die Mannschaft den Rettungsschwimmer Walter Jäger etwa 20 Minuten an der Spinnangel drillte um ihn dann trok fräftiger Abwehr am Ende ziemlich erschöpft zu landen. ziemlich erschöpft zu landen. hältnismäßig geringer Zahl vorhanden. Dies ergibt sich aus dem Grundprinzip des Arbeitersports: 211seitige Körperausbildung, während der bürgerliche Sport propagiert: Einseitige Spezialisten zur Erzielung von Höchstleistungen. Der Arbeitersport verförpert also den großen idealen Gedanken der Massengesundheitspflege. Internationale Betttämpfe fanden statt in Paris, Riga, Helsingfors und Prag, bei denen die deutschen Sportler gut begeisterten Ausdrud gaben. Die Wettkämpfe mit den russischen abschnitten und die dem Gedanken der internationalen Solidarität Sportlern mußten infolge der fortgesetzten Bekämpfung durch die Rote Internationale eingestellt werden. An der Propagierung der Leichtathletik hat die Bundesschule in Leipzig einen besonders großen Anteil. Bei allen Lehrkursen wird die Leichtathletik mit gelehrt, so daß auch Schwimmer, Ruderer, Fußballer ufw. das Gelernte auf ihre Sparten übertragen fönnen. Außerdem fand ein besonderer 6- Tage- Kursus für die Kreissportwarte statt. Der intersport bietet eine vorzügliche Ergänzung der Leichtathletik. Die Schneeschuhläufer des Bundes find schon in den Gebirgen gut bekannt. Die Kreis- Wintersportwarte hatten einen Rurfus auf dem Feldberg im Schwarzwald, ferner fanden Bundeskurse statt in Oberwiesenthal, im Harz, zweimal Winterberg, Stutenhaus( Thüringen), Schreiberhau. An Literatur ist herausgegeben„ Der Schneeschuhlauf" und die Wettkampfordnung. In den nächsten Jahren soll dem Schlittschuhlaufen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der tommende Bundestag fann mit Genugtuung auf die ge= leistete sportliche Arbeit zurückblicken. Sport und sozialistische Erziehungsarbeit werden eine Jugend heranwachsen lassen, auf die die deutsche Arbeiterschaft stolz sein kann. In diesem Sinne wünschen wir dem Bundestag guten Erfolg! Deutsche Radmeisterschaften. Wer hat uns verraten... Berufsfahrer, die Mitte Juli in Röin ftailfinden, aufgeftell. Sozialdemokraten bewilligen wieder Geld für Arbeitersportler. Wie wir erfahren, hat sich der Finanzausschuß der Deputa tion für Leibesübungen bereits mit der Aufstellung des Etats für das Jahr 1929 und damit auch mit den 3uwendun= gen an die Sportvereine befaßt. Auch bei dieser Beratung zeigte es sich wieder, daß die Bertreter der Sozialdemo trati shen Partei in hervorragendem Maße die Intereffen der Arbeitersportler und insbesondere der fällt dicht vor dem Ziel von der Bahn. Ohne Schaden ging diese Sache ab und bei Ablauf der Frist Don 8 Runden ist die Mannschaft wieder obenauf, turze Zeit darauf ist dem erstaunten Felde die Siegerrunde" abgejagt. Der gut fahrende Engel hat in Buschenhagen seinen Mann gefunden, der die Position der Mannschaft gut verteidigen hilft. Rütt- Schamberg verlieren eine Munte und geben nach 30 Kilometern auf. Enttäuschten schon die Ausländer, so glaubten die anderen deutschen Paare diesem Beispiel folgen zu müffen. Es blieben nur Oßmella- Frankenstein als die einzigen ernsten Gegner, fie vermochten aber ihre Berluftrunde nicht aufzuholen, fonnten trobem aber mehr Buntte auf ihr Stonto bringen als die Sieger. Das Ergebnis blieb: 1. Engel- Berliner Arbeitersportvereine wahrnehmen. Buschenhagen 32 Bunite, 1 Stunde 07 Min. 45,3 Sefunden. Eine Runde aurüd: Dßmella- Frankenstein 37 Bunfte; 3. Louet- im Borjahre von den Sozialdemokraten beantragten und bewillig. Knape 14 Bunfte. Wochenende mit Hindernissen. Arbeiterwaffersportler schreiben uns:. Die Turn. und Sportwoche ist wieder einmal vorüber, in groß artigen Reden wurde wieder die Wochenendbewegung gepriesen: Berlebt das Wochenende im Walde, an unseren Seen und Flüssen. Tausende von Wassersportler und Wanderer versuchen der Parole zu folgen und bauen ihr Zelt an den Sonnabendabenden am Uferstrand auf. Bie verhalten sich aber unsere Behörden prattisch zur Wochenendbewegung? Am ganzen linken hanelufer Berbot zum Belten mit ganz geringen Ausnahmen; am rechten Havelufer Privatbesig von Gatom bis Cladow! Am Sonnabend lagerten wie feit Jahren schon, wieder eine größere Anzahl Waffersportler am sogenannten, Breiten, horn" zwischen Gatow und Cladom am rechten Havelufer. Das ganze Terrain gehört jetzt, nachdem die Verhandlungen zweds Antauf zwischen Magiftrat Berlin und dem vorherigen Besizer gescheitert find, einer Terraingesellschaft. Plötzlich gegen 20% Uhr erschien eine Anzahl Schupobeamte in Begleitung eines bem aff. neten Waldhüters und forderten den Abbau aller 3elte. Sie erklärten in einer Stunde wiederzukommen und dann müßten die Zelte verschwunden sein. Nach einer Stunde erschienen Die Beamten wieder und nur die Tatsache, daß ein Paddelverein seine Sonnenwendfeier mit Genehmigung des Besizers dort abhalten fonnte und die anderen Zeltinhaber als Gäste des Vereins betrachtet wurden, verhinderte den nächtlichen Abbruch der Belte. Die 3elt. befizer waren alle im Besik von 3eltscheinen. Die Beamten erflärten, am nächsten Sonnabend würde teine Rücksicht mehr genommen. Was ist nun zu tun, um den Wassersportlern, unter denen sich der größte Teil aus Angehörigen der im Arbeiter- Turn- und Sport bund angeschlossenen Bereine befinden, ihr Wochenende zu erhalten? Ohne Zelt fann natürlich niemand lagern. Die nächste Anlegemöglichkeit ist erst etwa eine Stunde Wasserfahrt weiter bei Fuchsberge und erfordert eine Fahrt über den Wannsee, was oft mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Vielleicht ließe sich durch einen allgemeinen Protest in der Deffentlichkeit erreichen, daß diefer Uferstreifen zum 3elten freigegeben werden muß. Sportfest im Havelland. und Das 5. Dst havelländische Streis TurnSportfest ging unter zahlreicher Beteiligung der Berftätigen trok des schlechten Wetters in Belten vor sich. Am Sonnabend abend fanden im Hasen die Vorführungen der Schwimmer statt. Daran anschließend die Darbietungen der Arbeiterfänger. Ein Fackelzug gab dem ersten Tag einen würdigen Abschluß. Am Sonntagvormittag begannen die Sportfämpfe der Ar. beiterangler sowie der Kanufahrer. Die anderen Arbeiter Sportler hielten ihre Uebungen auf dem großen Gemeindesportplaß ab. Nachmittag hielt Landrat Siering eine eindrucksvolle mit großem Beifall aufgenommene Festrede, wo er unter andern als alter Turner seine Freude über das gute Gelingen der Beranstaltung Ausdrud gab. Bon der Gemeindevertretung wurden die Sportler auf das herzlichste begrüßt. An dem Umzug durch Belten beteiligten sich über 2000 Festteilnehmer, noch zahlreicher waren die Spalierbildenden. Aus den Darbietungen der Angler ist noch erwähnenswert, wie der Berliner Sportangler enbt, Während die Kommunisten sich darauf beschränkten, den bereits ten Betrag für den Berliner Arbeitersport- Kartellverband auch im tommenden Etat wieder einzusetzen, maren es die sozialdemokra tischen Mitglieder der Deputation, die, entgegen den Wünschen der Magistratsvertreter, eine Gleichstellung der Arbeitersportler mit dem Reichsausschuß verlangten und auch durchsetzten. Dadurch erhöht fich der für die Zentralkommiffion für Arbeitersport und Körperpflege im Efatentwurf eingestellte Betrag um 20 000 auf 50 000 m. Mit dieser positiven Förderung des Arbeitersports durch die Sozialdemokraten ist erneut bewiesen, was der sozialdemokratische Stadtverordnete Fechner als Redner seiner Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung zum Ausdruck brachte, nämlich, baß es den kommunisten nicht darauf ankommt, etwas für den Arbeitersport zu tun, sondern daß sie es vorsiehen, ihre undurchführbaren Anträge aus rein parteiagitatoris hen Gründen zu stellen. Allerdings wird man taum perhindern fönnen, daß jezt die Kommunisten wieder hinter den Sozialdemokraten daß jezt die Kommunisten wieder hinter den Sozialdemokraten herlaufen und Ber- rä- ter" schimpfen. Sonnenwende. Die Feier der Sonnenwende hat bei der Arbeiterschaft Die Teilnehmer für Köln bestimmt. Der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer hat die Teilnehmer an den Deutschen Meisterschaften der Zur Deutschen Fliegermeisterschaft am Freitag, 13. Juli, auf der Bahn in Köln- Müngersdorf, find folgende 25 Fahrer eingeladen worden: die Kölner Engel, Dizmella, Frankenstein, Steffes, Rausch, Hürtgen und Rauch, die Berliner Dsfar Rütt, Lorenz, Ehmer, Kroschel, Beinert, Kühl, Bette, Buschenhagen, Schrage, Graue, Hahn und Mühlbach, die Hannoveraner Fride( Berteidiger) und Gottfried, der Krefelder Frig Schamberg, der Leipziger Kirbach sowie die Breslauer Knappe und Kießlich. Weiterhin fann jeder deutsche Berufsfahrer teilnehmen, der auf eigene Roften nach Köln fährt. Die Meisterschaft im 100 Riiometer- Rennen hinter Motorführung wird zwei Tage später, also am Sonntag, 15. Juti, auf der Bahn in Köln- Riehl zur Entscheidung gebracht. Hieran nehmen der vorjährige Meister Samall, sowie Möller, Kremer, Galdow, Lewanow und ein sechster Fahrer in Frage tommen Bauer, Rosellen oder Christmann teil. Oehlschläger harrt aus! " Durch eine Beröffentlichung in der 3.", dem Ableger der ,, Roten Fahne", versuchen die Kommunisten den Eindruck zu er weden, als ob unsere Genossen nicht geschlossen aus dem bisherigen Arbeiter- Sport- und Kultur- Kartellverband ausgetreten find. Wir haben Dehlschläger wegen diefes Interviews befragt und von ihm die Mitteilung erhalten, daß er feinem Redakteur der Montag 3eitung" oder der Roten Fahne" ein Interviem zur Beröffentlichung gegeben hat. Es handelt sich bei der Wiedergabe.um ein durchaus persönliches Gespräch zwischen dem Bezirksfartellvorfigenden Hauswirth und Dehlschläger, das nicht vollständig wiedergegeben wurde. Daß Dehlschläger babei gefagt hat, daß er die fommunistischen Umtriebe im Arbeitersport, wie sie in den legten Jahren in Berlin eingeriffen sind, unter feinen Umständen weiter mitmachen könne, hat der Berichterstatter der Roten Fahne" wohlweislich verschwiegen. in den lezten Jahren immer stärkeren Zuspruch gefunden. Nicht Höchstleistungen finnischer Arbeitersportler romantische Schwärmerei ist es, die auch den Arbeiter zum flammenden Holzstoß draußen in der freien Natur zieht, sondern das Bewußtsein, mit Gleichgesinnten am Sonnenwendfeuer neuen Antrieb zu empfangen zum Kampf zur Erringung befferer Lebensbedingungen. In einer ganzen Reihe von Arbeiterorganisationen gehört die Sonnenwende zu den Beranstaltungen, die den Höhe punkt des gemeinsamen Willens ausdrücken. Auch die Ortsgruppe Berlin des Touristenvereins Die Naturfreunde" veranstaltet wie alljährlich am Sonnabend, 30. Juni auf dem eigenen Grundstück am Uebersee bei Steinfurth( Eberswalde) eine Sonnenwendfeier. Es wirken mit: der Sprech- und Bewegungschor der Boltsbühne und der„ Chor. der Jungen". Eine kurze Ansprache und Rezitationen pervollständigen das Programm. Gemeinsamer Gefang und Auflodern des Sonnenwendfeuers bilden den Abschluß. Durch die Mitwirkenden ist ein guter Berlauf der Veranstaltung gesichert. Fahrverbindungen ab Stettiner Bhf.: 12.35, 14.00, 16.00, 17.35, 18.40, 20.30. 3u den 3ügen 14.00 und 17.35 Anschluß an die Kleinbahn ab Eberswalde, sonst Postauto. Festbeitrag 50 Pf. Berliner Schwimmer im Grimnitzsec ertrunken. Durch einen tragischen Unglüdsfall nahm am Sonntag eine Schwimmveranstaltung im Grimnigsee bei Joachimsthal ein vorzeitiges Ende. Im Berlaufe der Veranstaltung wurde zu einem 3200- meter- Schwimmen gestartet, an dem auch der 19jährige Alfred Liepe aus Berlin teilnahm. Durch einen plöglich niebergehenden starken Regen wurde den Mannschaften der Begleitboote jede Sicht genommen, so daß sie den größten Teil der Schwimmer aus den Augen verloren. Mehrere Schwimmer gaben auf und murden von den Booten aufgenommen. Bierzehn erreichten dagegen das Ziel. Der junge Liepe murde jedoch vermißt; es bleibt nur die Annahme, daß er infolge eines Herzschlages den Tod gefunden hat. Seine Leiche ist noch nicht geborgen. Wie wir erfahren, ist das Unglüd vornehmlich auf das Fehlennon Rettungs- und Begleitbooten zurüdzuführen. Es steht fest, daß faft alle Schwimmer der Kälte, des Sturmes und des Regens megen auf. geben wollten, daß aber nur ein Teil der Schwimmer in den wenigen vorhandenen Booten aufgenommen werden fonnte. Die anderen Schwimmer mußten wohl oder übel die Strede abschwimmen. Da bei ereignete sich dann der Unglücksfall. Bei dem Leichtathletiksportfest des Vereins Jyry" Helsinki lief 2. Birtanen aus Zurfu die 5000 meter lange Strede in neuer Reford zeit von 14: 53,6 min. Er drückte damit die Höchstleistung seines Landsmannes Jokela, des Siegers vom 1. Arbeiterolympia 1925 in Frankfurt, der in den Ausscheidungskämpfen für Frankfurt 15: 54,9 Min. brauchte. Ein besonders beachtensmertes Ergebnis ist das des Langstreckenläufers Rötto( Helsinki), der bie 25 Kilometer lange Strecke in 1 Stunde 25,14 min, zurünflegte und damit den bürgerlichen Weltrekord den sein Landsmann Rolehmainen innehalt in 5 Sef. unterbot. Im Kugelstoßen brachte es A. Franzen aus Turku mit 14,29 Meetr zu einer neuen finnischen Höchstleistung. bub Borausfagen für Strausberg: 1. Dcianio- Benelope; 2. SpitzDonaufind; 3. Mononacht Andovera; 4. Bilatus Quebnau; 5. Finsternis- Frigga II; 6. Engpaß Golondrina; 7. Baroid- Quo vadis. Windhundrennen auf der Olympiabahn. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, findet auf der Olympiabahn( Nähe Bhf. Beusselstr.), bas 12. indhundrennen hinter dem elektrischen Hasen statt. Es ist wieder ein außerordentlich reichhaltiges Programm, daß auch Hürdenrennen vorsieht, zusammengestellt. Vereinskalender. Touristenverein Die Raturfreunde, Bentrale Bien. Detsgruppe Berlin: Mittwoch, 30. Juni, 20 Uhr, Geschäftsstelle Johannnisstr. 14/15, Ordneriigung zur Sonnen mende. Jede Abteilung muß vertreten sein. Sonnabend, 30. Juni, und Sonntag, 1. Juli, Sonnenmendfeier auf dem Vereinsgrundstild am leder Gee. Ginlagtarte 50 B., bei ben Funktionären und in der Geschäftsstelle Johannisste, 14/15.- A. Friedrichshain: Dienstag, 19. Juni, 20 Uhr, Ebertyftraße 12. Singfang. Abt. Friebenan: Dienstag, 19. Jun, 20 Uhr, Offenbacher Bege zur Borwärtsbildung des Arbeiters." Abt. Norben: Straße 5a. Dienstag, 19. Juni, 20 Uhr, Connenburger Str. 20. Geppel fingt." Abt. Webbing: Dienstag, 19. Juni, 20 Uhr, Gee- Ede Turiner Straße. Liederabend. Abt. Treptow: Dienstag, 19. Juni, 18 Uhr, Spielen Biefe 9 Treptower Bart. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 21. Juni, 20 Uhr, Chriftburger Str. 14. Connenwendgebanten." Abt. Ziergarten: Donnerstag, 21. Juni, Abendfpaziergang. Treffpunti 19% Uhr Turmstraße. Abt. Sitenberg: Donnerstag, 21. Juni, 20 Uhr, Scharnmeberstr. 29. Ctwas über Körperkultur." Abt. Schöneberg: Sonnerstag, 21. Juni, 20 Uhr, Sauptstr. 15. Rene Lieder. bt. Gübweft: Donnerstag, 21. Suni, 1914 Uhr, Spielex im Volkspark. Returwissenschaftliche Abt.: Donnerstag, 31. Juni, 20 Uhr, Johannisftr. 14/15. n ben Geftaben des Mittelmeeres." Fremdenverkehr als Wissenschaft. = Ueber den Fremdenverkehr sprach Montag abend der Berliner Oberbürgermeister Böß in seinem Einführungsvortrag zu einem " Fremdenverkehr" betitelten Kursus der Handelshoch fchule Berlin. Natürlich sprach er in erster Linie für seine Stadt, aber er betonte zugleich, daß die geplante Verkehrswerbung stets so sein müsse, daß sie dem gesamten Lande zugute fäme. Eine umfassende Verkehrsstatistik fehlt no h; sie ist erst 1927 begonnen, aber gewisse Zahlen lassen doch charakteristische Schlüsse ziehen. Berlin hatte 1927 14 Mill. Besucher, München 810 000, Wien 516 000. Aber prozentual war von 1926 auf 1927 die Steigerung bei den drei Städten 8,7 Prog., 22 Pro3., 4,4 Proz. Man sieht also, sagte der Oberbürgermeister, daß München, das zweifellos nah dem Kriege rückwärts gegangen sei, den höchsten Pro zentjag in der Steigerung aufweise. Interessant sind die Fremdenverkehrswege in Deutschland; man sieht deutlich, wie einmal, namentlich für Amerikaner, der Weg von Paris nach dem Rhein führt, und wie gleichfalls ein Fremdenzug von England aus über Holland sich zum Rhein erstreckt. Böß hält die Verkehrslenkung aus den amerikanischen Ländern nicht für geschickt; hier spielen die Schiffahrtslinien eine Rolle. Seine Stellung zu Den Ostfragen ist bekannt: Er erwartet trotz aller Hindernisse, die auf politischem Gebiet liegen, eine günstige Entwicklung. Für Berlin muß durch eine zielbewußte Propaganda die Ungunst der Lage ausgeglichen werden. Berlin hat im Sport, in der Kunst und in der Wissenschaft C + Mundi schon jetzt eine Bedeutung für das Ausland; es gift, diese Stellung so aufzubauen, daß sie für die ganze Welt sichtbar ist. Eine B: liner Saison diese Nachricht wird besonderes Interesse erregen ist für 1929 ernsthaft geplant. Ein Lob spendet der Oberbü: ge: meister auch der guten Behandlung des Ausländers in Berlin. Auf die politische Seite der Frage ging er jedoch nicht ein. Zweifellos hat die reaktionäre Bürgerblodregierung im letzten Jahre den Fremdenzuftrom eingedämmt, wie ja auch das faschistische Italien einen Rückgang im Fremdenverkehr aufzuweisen hat. Ehereform in Merifo. In dem merikanischen Parlament ist der Gejegentwurf über Einführung der Zeitehe auf ein, zwei oder drei Jahre eingebracht worden, dessen Annahme sicher erscheint. Es steht fortan den Ehepartnern frei, eine Ehe auf unbegrenzte Zeit zu schließen, die nur durch eine richterliche Entscheidung geschieden werden kann, oder eine Zeitehe, die nach dem abgelaufenen Termin in eine ständige Ehe verwandelt werden kann. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. wolkig. Bremen: leicht bedeckt. Hamburg: moltig. Nordsee. Westerland: wolkig. Helgoland: heiter. Borkum: Ostsee. Travemünde: wolkig. Warnemünde: heiter. Saßniz: heiter. Stettin: heiter. Rolberg: heiter. Stolp: wolkig. Danzig3oppot: heiter. Seebad Kranz: heiter. Harz. Schierte: leichter Regen. Harzburg: Regenschauer. Bad Sachsa: wolkig, vorher Regen. Broden: Regen. Thüringen. Erfurt: Regen. Eisenach: wolkig, vorher Regen. Inselsberg: Nebel. Bad Liebenstein: heiter, vorher Regen. Oberhof: aufheiternd. Hessen. Kassel: bedeckt. Wassertuppe( Rhön): Nebel. Sachsen. Dresden: Regen. Bad Schandau: Regen. Zittau: wolkig. Annaberg: Regen. Fichtelberg( Erzgeb.): Regen. Schlesien. Breslau: bedeckt. Flinsberg: Regen. Schreiberhau: moltig. Schneekoppe: Nebel. Bad Reinerz: wolkig. Bad Landeck: wolfig. Rheingebiet. Köln: wolkig, vorher Regen. Bad Aachen: Regen. Koblenz: Regen. Bad Ems: Nebel. Wiesbaden: wolkig, vorher Regen. Frankfurt a. M.: Regen. Feldberg( Taunus): Regen. Bad Dürkheim: wolkig. Baden. Karlsruhe: Regen. Baden- Baden: Regen. Freiburg: Regen. Feldberg( Schwarzwald): starker Regen, stürmisch. Württemberg. Stuttgart: Regen. Freudenstadt: Regen. Friedrichshafen: bedeckt. Bayern. Hof: leichter Regen. Nürnberg: bedeckt. München: trübe. Garmisch- Partenkirchen: wolfig, vorher Regen. Zugspize: Nebel. Berchtesgaden: Regen. Oberstdorf: Regen. Bad Tölz: wolkig, vorher Regen. Tegernsee: Regen. Desterreich. Salzburg: Regen. Wien: heiter. * Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Meist wolkig mit Neigung zu einzelnen Niederschlägen und wieder etwas fühler. Für Deutschland: Ueberall woltig und stellenweise Niederschläge, im allgemeinen wieder etwas sinkende Temperaturen. Geschäfts- Anzeiger Bonbon Schokolade Konfitüren G.F.31 Bien's Festsäle Kreuzbergstraße 48 an der Katzbachstraße Täglich außer Dienstag und Freitag Großer altdeutscher Ball Rundtänze Zwei Kapellen Ende 3 Uhr F106 Restaurant zum Alexandriner Bezirk Süden- Weften. 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