BERLIN Donnerstag, 21. Juni 1928 10 Pf. Der Abend™ Erfcheint täglich außer Sonntag s. Bugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenfir.3 290 B143 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile Spätausgabe des„ Vorwärts 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Scholz sprengt die Verhandlungen. Die Volkspartei stellt kapitalistische Forderungen. Die Verhandlungen über die Bildung der neuen Reichsregierung fanden heute gegen 12 Uhr mittags infolge des Verhaltens der Volkspartei einen schroffen Abschluß. Es ist nicht nur nicht zu einer Verständigung gekommen, es sind vielmehr die Gegensäke gerade an diesem letzten Tag in schärfster Weise zutage getreten. Die Volkspartei trat mit Forderungen auf den Plan, von denen sie weiß, daß kein einziger Sozialdemo krat daran denken kann, sie anzunehmen, ja nur entfernt in Erwägung zu ziehen. Die Volkspartei verlangte nicht nur einen Abbau der Wohnungszwangs wirtschaft, also weitere Verteuerung der Mieten, sondern sie erklärte sich auch strift gegen eine Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums bei der Lohnsteuer. Sie forderte dafür u. a. den Fortfall der Kapitalertragssteuer, die Beseitigung der Steuerfreiheit der Versorgungsbetriebe, schließlich die Besteuerung auch des steuerfreien Existenzminimums durch Landes- und Gemeindesteuern. Die Volkspartei forderte weiter, daß der Bau des neuen Wanzerschiffes sofort beschlossen werde und dies auch in der Regierungserklärung mitzuteilen sei. Die Forderungen der Volkspartei laufen also darauf hinaus, Mieten, Gas, Wasser, Elektrizität zu verteuern, Einkommen unter 100 Mark monatlich zu besteuern, dafür weiter oben die Steuern abzubauen und die Steuergelder zu unproduktiven Zwecken zu verwenden. Gegenüber diesen Ungeheuerlichkeiten gehört die Ablehnung des Nationalfeier. tages am 11. August durch die Volkspartei zu den nebensächlichen Differenzpunkten, deren es bekanntlich auch noch einige gibt. Man versteht, daß unter diesen Umständen niemand mehr im Reichstag an die Möglichkeit glaubt, die Ver. handlungen über die Bildung einer Großen Koalition mit Aussicht auf Erfolg fortsetzen zu können. Man er. wartet, daß Hermann Müller dem Reichspräsidenten nunmehr Bericht erstatten und daß sich das meitere daraus ergeben wird. Hermann Müller hat die Fraktionsführer für 2½ Uhr zu einer abschließenden Besprechung eingeladen. Die Auffindung Nobiles. Der Bericht Maddalenas. Ueber die Entdeckung der Gruppe Nobiles durch Maddalena berichtet der ,, Corriere della Sera" folgende Einzelheiten: Der Brand im U- Bahn- Tunnel. Die Aufräumungsarbeiten auf der unterirdischen Brand-| einer Wiederaufnahme des Berkehrs vor heute abend bzw. Freitag ftelle am U- Bahnhof Bismardstraße dauerten noch die ganze Nacht hindurch an. Die Feuerwehren rüdten gestern gegen 23 Uhr unter Zurüdlaffung einer starten Brandwache ab und die Arbeiten wurden von einer großen Arbeiterkolonne der Hochbahn weitergeführt. früh kaum zu reden. Die Zweiglinie nach dem Wilhelm play ist dagegen heute bereits wieder in Betrieb. Die Entstehungsursache fonnte noch immer nicht einwandfrei geklärt werden. Einmal wird vermutet, daß herumfliegende glühende Rohleftüdchen aus einer Feldschmiede das gefährliche Feuer verursacht haben, zum andern wird behauptet, daß Funten aus dem großen Ventilationsmotor die Holzbekleidung in Brand gesetzt haben, von wo die Flammen dann schnell weitergriffen. Im übrigen stellte sich der Brandschaden doch erheb licher heraus als es zuerst den Anschein hatte. Besonders schwierig war das Auswechseln und die Instandsetzung der vom Feuer in Mitleidenschaft gezogenen Stromtabel. Tafeln an den U- und Hochbahneingängen verkündeten deshalb heute vormittag, daß der zwischen Bismarckstraße bzw. Knie und Reichskanzlerplatz noch heute Betrieb zwischen Bismarckstraße und Stadion ,, bis auf weiteres noch gestört sei". Wie wir von der Direktion der Hochbahngesellschaft erfahren, ist es noch sehr fraglich, ob die Arbeiten im Laufe des Tages zu Ende geführt werden können. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist mit Um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wird die Straßenbahn einen verstärkten Betrieb einrichten. Außerdem wird vom Reichskanzlerplatz bis zum Spandauer Bod durch die Reichsstraße ein Pendelverfehr mit Autobussen eingerichtet, damit auch die Bewohner dieser Gegend einen Anschlußverkehr an die Straßenbahn vom Reichskanzlerplatz haben. Pleine rote 3elt Nobiles, das an einem aufgespannten| Flugzeug wieder in der Kingsbaŋ ein, wo ihm ein begeisterter Um 9,30 Uhr entdeckte Maddalena und seine Begleiter das Draht farbige Tücher, wie kleine Fahnen usw., wehen hatte. Die Empfang bereitet wurde. Der Flieger Maddalena. fünf Männer mintten lebhaft, aber das Flugzeug flog in einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern, so daß das Bild der Schiffbrüchigen nach wenigen Gefunden wieder entschwand. Dann begann ein verzweifeltes Suchen. Das Flugzeug ging bis auf 30 Meter herunter und lief zeitweise Gefahr, die aufgetürmten Eismassen zu streifen. Jeder Winkel wurde abgesucht, doch zunächst vergeblich. Der Radioapparat der Schiffbrüchigen berichtete fort während die Richtung des Flugzeuges. Endlich, nach 67 Minuten, um 10,38 Uhr, erschien das rote Zelt von neuem, und fünf Mann waren davor fichtbar, während der sechste, der verwundete Chefmonteur, Cecioni, im Innern des geöffneten Zeltes sich befand, von wo aus er das Flugzeug gleichfalls sah. Die Schiffbrüchigen gaben ihrer unbeschreiblichen Freude Ausdrud. Nobile bewegte sich ge wandt, was auf eine vollständige Heilung seiner Bunden schließen läßt. Der forpulente tschechoslomatische Professor Dr. Behounek trug eine Benzintanne auf dem Kopf, anscheinend zur Brechung der Lichtstrahlen. Die Flugzeugbesagung begann dann mit dem Abwerfen des Materials durch Fallschirme. Radio- Akkumulatoren, Waffen und Meditamente wurden niedergelassen, und sie landeten fanft auf dem Eife. Dann folgten in gewöhnlichem Abwurf Säde mit Deden, Lebensmitteln usw. Wie außer sich vor Freude sprangen die Schiffbrüchigen umher um die zerstreuten Gegenstände zu sammeln. Die Bejagung des Flugzeuges vermochte in der Nähe meder einen Wasserspiegel noch eine geeignete größere Eisfläche zu entdecken, die eine Landung des Flugzeuges erlauben würde. Zwei Stunden später traf Maddalenas Oslo, 21. Juni. Mit großer Unruhe wartet man hier noch immer auf eine Nach richt von Amundsen. Man kann nicht begreifen, daß bis zur Stunde noch keine Mitteilung über das Schicksal des französischen Flugzeuges eingetroffen ist. Das Gerücht, wonach es nördlich von Spitzbergen gesehen. worden sei, scheine jeder Grundlage zu entbehren. Major Maddalena hat den Auftrag erhalten, einen Erfundungsflug zur Auffindung Amundsens zu unternehmen. Die Funksprüche Nobiles haben wieder die alte Stärke erlangt, so daß man annehmen kann, daß er jetzt den neuen von Maddalena abgeworfenen Akkumulator benutzt. Das Abwerfen der Ausrüstungsgegenstände für die Schiffbrüchigen mit Hilfe von Fallschirmen erfolgte in einer Höhe von 50 Metern über dem Eife. Eine Landungsmöglichkeit hat Maddalena nicht gefunden, so daß er nach Ringsban zurüctehren mußte, ohne mit Nobile in direkte Berbindung getreten zu sein. Außer Gewehren und Munition ist auch Proviant sowie 3igaretten und Briefe mit Instruktionen abgeworfen worden. Das Wetter ist sehr gut. Wie die Flieger gefeiert werden. Der Fall Pernetta. ( Berichte 2. Seite.) Oiio Braun mit dem Geßlerhut. Die Abfuhr der Voltspartei und das„Diktat der Bourgeoisie" Die bereits gestern abend mitgeteilte Abneigung der preußischen Regierung, zurzeit mit der Volkspartei über die Aufnahme in die preußische Koalition zu verhandeln, be- schäftigt auch heute morgen noch die ganze Presse. Ganz rechts mischt sich die Freude, daß die Volkspartei an dem ..Nein" Otto Brauns abgefallen ist, mit dem Bedauern, daß ihren lieben Freunden von der Nachbarfraktion so etwas passieren konnte. Ungewollt entschlüpft der„Deutschen Tageszeitung" dabei die höchste Anerkennung, die ein Deutschnationaler für einen politischen Gegner überhaupt aufbringen kann. Sie vergleicht, versteckt, aber doch deutlich, Otto Brauns mit Bismarcks Kraft: „Herr Okto Broun aber lehnt einstweilen sogar jede Verhandlung ab, und er tut das in einer Form, die man geradezu als massiv bezeichnen muß. Ja, er tut noch mehr, er läßt unmittelbar daraus durch den Amtlichen Pressedienst seine Abwei sung in aller ZNassivliät ihrer Aorm der Oeffent lichkeit mitteilen. Das ist ungefähr das Versahren der Emser Depesche. Wir haben höchstens noch zu wenig ge sagt, wenn wir die Lage für die Deutsche Volkspartei In Preußen kürzlich dahin kennzeichneten: der Geßlerhut steckt auf der Stange." Was aber sagt die„Rote Fahne" heute morgen? Sie versichert, daß der Sozialdemokrat Braun„offiziell" sich „fest" zeige, während er inoffiziell seine„Bereitschaft", vor dem Diktat der Volkspartei zu kuschen, deutlich zur Schau trägt. Nach ihr vollzieht sich der Schacher um die Regie- rungsbildung im Reich: „im Zeichen der diktierenden Bourgeoisie und der unterwürfig bettelnden SPD.- Führer."... Der gestrige Tag„brachte nur neue Merkmale für den Willen der f SPD.-Führer, das ganze Diktat der Bourgeoisie, alle ' ihre Forderungen zu schlucken". Die Kommunisten haben den Vorzug, immer das D u m m st e mit dem größten Aufwand an„überzeugungs vollen Brusttönen" sagen zu können. Sie machen von diesem Vorzug, wie man sieht, auch jetzt wieder redlich Gebrauch. Oer tegiiimistische Oon Quichotte. Everling gegen Lambach. Der Reichstagsabgeordnet« Everling, von seinem deutsch- nationalen Fraktionskollegen Lambach in dem von uns zitierten Aufsatz als„einer der letzten aktiven Monarchisten" bezeichnet, sucht dieser nicht ohne Ironie gegebenen Charakteristik Ehre zu machen, indem er einen journalistischen Ritt für den Monarchismus unter- nimmt. Dieser letzte Ritter der Monarchie kann freilich«ine fatale Aehnlichkeit mit einem gewissen Ritter von der traurigen Gestalt namens Don Quichotte, nicht verleugnen. Wie Don Quichotte noch unentwegt auf die Schönheit feiner Dulcinea schwört, nachdem diese sich als schmierige Eselstreiberin entpuppt hat, so läßt Herr Friedrich Everling nicht von der legitimistischen Idee, trotz allen Zerfalls und Verfalls der hohenzollerndynastie. Lambachs Ein- wände kann er nicht widerlegen, nur steht er auf dem Standpunkt: Je aussichtsloser eine Sache ist, desto inbrünstiger muh man für sie beten. Lambach hat an die überraschend« Beteiligung am Volks» entscheid über die Fürstenenteignung erinnert. Ge- wiß, erwidert Everling, aber: Die Tatsache, dah fast 1? Millionen von Fremden l!) Verführte und Getäuschte ihre Namen zu einem Dieb- stahl hergaben, muß uns ein Ansporn.zu erhöhter Pflicht» e rfü llung gegenüber dem monarchistischen Gedanken sein. Lambach hat an die Jugend erinnert, der die Monarchie immer mehr zu einer Film- und Spektakelangelegen- hei t werde. Wieder nichts zu leugnen. Jedoch, sagt Everling: � Der politische Führer soll sich nicht von irregeleiteter Iugendseine Auffossungvorschreiben lassen und : sich danach wandeln,— sondern er soll die Juaend aus dem Reich- . tum unseter Geschichte und unseres Volkstums heraus z» Deutschen ! erziehen, die nach den Grundsätzen der Deutschnationalen Partei ' dem monarchistischen GedLn.ten die Treue halten. Die M a s s en f l u ch t au» der Deutschnationalen Partei! Auch sie ist nicht zu leugnen. Doch Everling meint achselzuckend: Der beanstandete Austatz— darin liegt das bedenklich [ demokratische seiner Anschauungsweise— macht den Zu- ; zu g zur Partei und die Zahl ausschlaqqebend, nicht die > Grundsätze und den Sinn der Partei. r Was schließlich Lambachs Vorwürfe über die nicht abreiße'.lden Ehe- und Familienskandale der chohenzollern anbelangt, so macht sich Everling die Antwort bequem, indem er sich„ein Eingehen daraus versagt". Hier ist selbst für den irrenden Ritter der Monarchie nichts mehr zu retten. Rur mühsam rafft er sich zur ganzen Größe seiner historischen Donquichotterie zusammen, in- dem er über Hindenburg erNärt: Für legitimes Denken ist jedvr Präsident Platz- Halter, auch dieser bewährle Diener dreier Kaiser und Könige. Everling wollte offenbar dem deutschen Legitimismus bescheini- gen, daß er geistig bankrott und erledigt ist. Durch seinen Abwehr- artikel gegen Lambach ist ihm der Beweis geglückt..... Aufgelöste Gtadiverireiung. Königsberg i. Pr.. 21. Juni. Vochdem in zwei vorhergegangenen Stadtverordnetenversammlungen die Bewilligung des städtischen E l a l s an der Ablehnung de» Kulluselals ohne gleichzeitige Erhöhung des Wohl- fahrteetais gescheitert war. Halle die Sozialdemokralische Partei zur gestrigen Sitzung einen Antrag aus Auslösung und Neuwahl der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. 5-1 Opfer der Keffelexplosion. Schwere Folgen einer Nachlässigkeit. Mexiko, 21. Juni. ! Die Kesselexplosion In einer Badeanstalt, über die bereits kurz berichtet wurde, hat weitaus mehr Todesopfer gefordert, als zunächst angenommen worden war. Bei den Aufräumungsarbellen wurden ZI Leichen geborgen. Die Explosion des Dampfkessel» war durch die Nachlässigkeit eines betrunkenen Heizer» verschuldet. Die Flieger im Nathans. Kackelzug, Begrüßungen, Ehrengeschenke. Nach dem gestrigen Festbankett der Reichsregierung für die ,Bremen"-Flieger in der Äroll-Oper gab es einen Fackelzug auf dem Platz der Republik. Die Teilnehmer trafen sich in Moabit und zogen von dort zur Kroll-Opcr. Vor der Oper und auf dem Platz hatten sich Tausende eingefunden. Die Feier dauerte länger als vorgesehen war. Die Flieger traten erst gerzen Mitternacht auf den Balkon der Oper und wurden stürmisch begrüßt. Infolge de» ungeheuren Gedränges der Tausend« wurden sehr viele Menschen ohnmächtig und mußten bewußtlos fortgetragen werden. Eine Anzahl Frauen bekamen Schreikrämpse. Vor der Oper fiel ein Mann von einem Baum, den er erklettert hatte, um bester sehen zu können. Die Rechtsverbändo versuchten natürlich, die ganze Der- anstaltung zu einer Parteisache zu stempeln. Es ist zu begrüßen, daß die Flieger in ihren kurzen Ansprachen auf diese Versuche nicht ein- gingen. Die„Bremen"-Flieger haben heute ihren großen Tag. Nachdem Reichspräsident v. hindenburg von der Einweihungsfeier de» Mittel« landkanals zurückgekehrt ist, hat er die Flieger um Z412 Uhr empfangen. Di« Flieger wurden vom Reichsvertehrsminister Koch vor- gestellt. Zur Erinnerung an ihren Flug überreichte der Reichspräsi- dent den drei Ozeanfliegern ein Geschenk. Nachmittags werden die Flieger bei einem diplomatisch-politischen Tee beim Reichspräsidenten zu Gast seht. Ilm 13 Uhr begrüßte die Stadt Berlin die„Bremen"- Flieger im Rothaus, wobei Oberbürgermeister Dr. B ö ß eine Ansprache hielt. Bei dieser Feierlichkeit wurden den Fliegern vom Oberbürgermeister Ehrcnplaketten der StadtBerlin überreicht, womus sie sich in das Goldene Buch der Stadt Berlin«intrugen. Um 16 Uhr veranstalten die Luftfahr- behörden und der Ring der Flieger in den Festsälen am Zoo eine Feier. Die unsichtbare �eichsfahue. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen: der Einzug und die Umfahrt der deutschen Flieger vollzog sich unter schwarzrot- gold. Reichs-, Staats- und Kommunalgebäude und alle bedeutenden und tonangebenden Kauf- und Warenhäuser, Spezialgeschäste und Hotels hatten in den Farben des Reichs geflaggt. In diesem er- sreulichen Bild eines sich anbahnenden starten deutschen Einheit»- gesühles darf natürlich die Groteske nicht fehlen. Man konnte sie in dem zum 16. Bezirk Zehlendorf gehörenden R i t o l a s- s e e feststellen. Aus dem dort befindlichen städtischen Ber- waltungsgebäude, in dem sich eine Polizeiwache befindet und in der auch der deutfchnatioual« Oberbürgermeister Schumacher wohnt, hingen an der Straßenfront dreiFahnen, die preußische, die Zehlendorfer Ortsfahne und die grün-weiß« Ratio- nalfahne von Nikolassee. Wo aber war die schwarzrotgol- dene Reichsfahne? Run, sie war auch da: sie hing bescheiden und unsichtbar noch dem dunklen Hof hinaus. Man wun- dere sich nicht darüber: das ist mal so im Bereich des Bürger- meisters Schumacher, denn es ist jetzt das drittemal, daß die R e i ch s- fahne an diesem städtischen Gebäude nach dem Hof hinausgehöngt wurde. Es ist die Gepflogenheit eines, der gern etwas vorstellen möchte und doch nur bleibt, was er ist: ein kleiner, unbedeutender— Schuster. Oeuischnaiionaler Gmß an Köhl. Für die Jugend bestimmt. In den Wein allgemeiner Begeisterung für die Ozeonslieger träufelt ein deutschnationales Blatt bittere Wermutstropfcn. In einem von dem Deutschnationalen Handlung?- gehilfenverband herausgegebenen Blatte„DHB.-Jugend, Blätter für junge Kaufleute", Iuni-Rummer, ist nämlich über den Flieger Hauptmann Köhl folgendes zu Nutz und Frommen der Jugend zu lesen: „War Köhl so die Pflichterfüllung in Person, so konnte er andererseits auch in Vergnügungen ausgelassen bis zur Grenze sein. Mit urgewaltigem Bayerndur st trank er alle» nieder, was mitzuhalten oersuchte! Doch wenn er selbst einmal vom Alkohol bezwungen war, lo brauchte nur nächtliches Flugwetter„auszubrechen", und im selben Augenblick war er nüchtern, eiskalt und kommandohart aus dem Posten. Sparsam bis auf den Pfennig und selten spielend, konnte er in plötzlicher Laune dashcmd vom Leibe v e r j e u e n. Von souveräner, echt männlicher und kriegerischer Abneigung vor allem Weiblichen, hatten wiedenim, wenn ihn Gott Eros einmal plagte, die kleinen Mädchen in der Etappc und daheim nich:s zu lachen." Herr Köhl ist ein frommer Katholik und, wie durch Zeitungs- Nachrichten hinreichend bekannt, auch glücklich verheiratet. Welchen Zweck verfolgen die deutschnationalen Hintermänner de, DHV.-Blatte» damit, wenn sie angesichts der Empfangsbegeiste- rung in Deutschland Köhl al» einen Trinker und Mädchenjäger hin- stellen? Der Begriff„Taktlosigkeit" ist solcher Deröffentlichung gegenüber mehr als milde. Lttbizie« und keine Jeugen. Zum Kall Hugo pernetta. Am 21. Januar 1928 wurde der Fruchthändler Johannes G l« i ß n e r und die Witwe Alice Pernetta geb. Clarc zum erstenmal wegen Verdacht, den Ehemann der Pernetta ermordet zu haben, verhaftet. Am 29. Januar mußten beide wieder wegen Mangels an Beweisen aus der Haft entlassen werden. Der Staats- onwalt setzte in der Stille die Untersuchung fort. Am 16. Juni fand in der Wohnung der Pernetta und in der des Gleißner eine Haus- suchung statt, in deren Folg« Frau Pernetta und Gleißner erneut verhaftet wurden. Wir erhalten dazu von gut unterrichteter Seite solgende Ausführungen: Die erneute Perhaftung de» Gleißner und der Frau Pernetta geschah wohl in erster Linie, um die Uebersetzung des Tagebuches Hugo Pernetta» zu klären. Wie erinnerlich, wurde Hugo Pernetta am 12. Mai 1927 in seiner Wohnung in der Aleronderstraße tot aufgefunden. Es lag ein Schuß durch die Rase vor. Auf dem Tisch lag ein Abschiedsbrief. Der Abschiedsdrief wurde als ein Blatt aus seinem Tagebuch festgestellt. Das Original- Tagebuch wurde auf dem Hängeboden von Gleißner gefunden. Bei dem Tagebuch, das italienisch geschrieben ist, befand sich auch eine vollkommene Ilebertragung ins Deutsche. Bei der Uebertragung fehlte nicht die Seite, auf der der angebliche Abschiedsbries gestanden hat. Die Uebersetzung muß eigentlich vor der Tat angefertigt sein. Es bleibt zu ermitteln, ob sie im Austrag von Hugo Pernetta vor- genommen worden ist. Merkwürdig war auch da» Verhalten von Frau Pernetta nach dem Tode und besonders noch der Beisetzung ihres Mannes, die festlich in ihrer Wohnung mit Gleißner be- gangen wurde. Gleißner und Pernetta waren Standinhaber in der Zentralmarkthalle. G. war der wohlhabendere. Er ist außerdem Hausbesitzer, 27 Jahre alt und von Geburt lligar und hat den Drang, sich in Szene zu setzen. Seine Abneigung gegen das Markthallenleben hat ihn lange davon abgehalten, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Seine Frau ist viel älter al» er. Auch Frau Pernetta ist 29 Jahr« älter als Gleißner- Beide geben sich große Mühe, ihre Beziehungen als nicht intim hinzustellen und leugnen jede Schuld. Zeugen einer evtl. Mordtat sind nicht vorhanden. Am 14. Mai war Gleißner geschäftlich in Harn- bürg; oon dort aus wechselten die beiden Depeschen, die aus eine große Unruhe wegen der Freigabe der Leiche hindeuten. Frau Pernetta kann für die fragliche Zeit«in Alibi beibringen: sie war mit ihren Kindern bei Frau Gleißner zur Feier de» Geburtstags der Tochter Gleißners. Er will angeblich zu der Zeit die Einkäufe für den Geburtstag seiner Tochter besorgt haben. Der Kassenzettel über die Einkäufe ist bis jetzt unaujjindbar. Frau Gleißner gab am 29. Mai 1927 einem Sohn das Leben. Sie erfuhr erst später von dem Ableben Pernettas. Im Laufe der Zeit fand ein« Zu- jammenlegung der beiden Stände in der Zentralmarkthalle statt. Zunächst läßt sich noch gar nicht mit Bestimmtheit sagen, daß ein Mord vorliegt. Di« Indizien deuten allerdings recht stark da- rauf hin. Die deutsche Justiz hat aber in der letzten Zeit die ver- hängnisvollen Folgen von Jndizienurteilen beobachten können. Man wird angesichts dieser Folgen wohl doppelt vorsichtig sein müssen. Gerichtliches Vorspiel zum Kall pernelia. Bor dem Amtsgericht Mitte stand heute die Privatbelcidigung»- klage an, in deren Mittelpunkt der geheimnisvolle Tod Pernettas steht. Der des Mordes an Pernetta bezichtigte Fruchthändler Gleiß- ner hat den Bruder Pernettas verklagt, weil er zu einem Zeugen M. geäußert hoben soll, daß seine Schwägerin, die Frau des Toten, mit Gleißner in einem ehebreche. rischen Verkehr gestanden habe. In der Verhandlung vertrat Rechtsanwalt Dr. Schwindt jür den beklagten Gleißner den Stand- punkt, daß der Zeug«, der diese Aeußerung bekunden solle, nicht klassisch sei, weil er bereit» früher wegen Geistesschwäche entmün- digt sei. Festgestellt wurde auch, daß diesem Zeugen in einem früheren Gcrichtsoersahren der Schutz des 8 öl zugebilligt worden war. Das Gericht wollte Frau Gleißner als Zeugin vernehmen. Der Borsitzende machte sie aber darauf aufmerksam, daß sie bcrech- tigt wäre, ihr Zeugnis zu verweigern, weil sie durch ihr« Aussage ihren Mann in die Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Mordes bringen könnte. Rechtsanwalt Dr. Schwindt vertrat eine andere Ansicht. Die Gefahr der Strasverfolgung brauche nicht erst durch die Aussage der Frau Gleißner herausbeschworen werden. denn sie sei bereit» vorhanden, da der Ehemann bekanntlich wegen Mordes an Pernetta inzwischen in Untersuchung gezogen worden sei. Da» Gericht beschloß, Frau Gleißner nicht zu vereidigen, brach die Verhandlung aber in der Beleidigungsklage ab und setzte das Ber- fahren bis nach Beendigung der Schwurgcrichtsvsrhondlung gegen Meißner wegen Mordes aus. In dem Mordprozeß Gleißner wird Frau Gleißner wahrscheinlich eine Hauptzeugin sein. Oer Mord im Parlament. Natschitfch fährt beim Innenminister vor und wird verhafiet. Belgrad, 21. Juni. Der Abgeordnete R a t s ch i t s ch, der die tödlichen Schüsse in der Kammer abgegeben hatte, ist nicht, wie zuerst behauptet wurde, sogleich verhastet worden: in der allgemeinen Verwirrung konnte er vielmehr ungehindert aus der Kammer entweichen. Er fuhr da- gegen am Abend In einem Privatauto vor dem Innenministerium vor und verlangle, vom Innenminister empfangen zu werden. Der Mimster erklärte jedoch, daß er mit einem Mörder nicht sprechen wolle, ließ ihn sogleich o e r h a f t« n und der Polizei übergeben. Zum Zeihen der Trauer wurden all« Gejchäste auf die Nach- richt vom Attentat geschlossen.' heute werden die Leichen der Abgeordneten Basircwitsch und Pawle Raditsch nach Agram übergeführt werden. Man fürchtet, daß es bei dieser Grlegenheit zu Ausschreitungen kommen werde. Oiamantenarbeiterftrei? in Güdafrika. London, 21. Juni. Der Streik der eingeborenen Diamantenarbeiter in der Gegend von Lichtenburg hat nach Meldungen aus Kapstadt durch Beteiligung der eingeborenen Arbeilerschost des Wclverfictd-Gebietes eine weitere Ausdehnung erfahren, so daß sämtliche Gruben in der Umgebung von Lichtenburg stillstehen. Rur einige kleinere Gruben, auf denen weihe Arbeiter tälig sind, machen eine Aus- nahm«. Zak�los« eingeborene Arbeiter kehren in ihre Heimat zurück. Während die Unternehmer infolge dieicr ernsten Lag« geneigt sind, eine Erhöhung der Löhne auf 1ö Schilling zu bewilligen, haben Teile der streikenden Arbeiterschaft ihre Forde- rungen auf 20 und 30 Schilling erhöht. Im Kabelwert Oberspree tödlich verunglückt. Im Kabelwerk Oberspree in der Wilhelminenhofstraße zu Ober« schöneweide ereignete sich gestern abend ein schwerer Unfall. Der 31jährige Monteur Paul Binzens aus der Glienicker Straße 21 zu Köpenick war in der Röhe der Starkstromanlagen mit Arbeiten beschäftigt. Er kam plötzlich einem Starkstromkabel zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Die Leiche des Verun- glückten wurde nach dem Waldjricdhoj in Köpenick gebracht, Deutsche Zeichenkunst. Die Ausstellung der Sezession. Die Sezession Hot zum zweitenmal ihre neuen besseren, aber nicht vollkommenen Räume an der Tiergartenstraß: geöffnet; für eine Ausstellung von Aquarellen und Zeichnungen. Bei allem Mitgefühl mit der mißlichen Loge der aus unnachahmlich gutem Quartier auequartierten Künstlergemeinschaft darf man sich nicht verhehlen, daß auch dieser, der dritte Zufluchtsort, nicht idnil ist. Am hellsten Mittsommertag« tritt die Nötigung, in den meisten Räumen elektrisches Licht zu brennen, als peinliche Zwiespältigkeit der Wandbelichtung allzu grell und für empfindliche Augen beleidi- gend hervor. Wann wird die Stadt B:rlin(oder der Staat) endlich für ein würdiges und gut beleuchtetes Ausstellungslokol sorgen? Di« Ausstellung ist gut; mit gut oerteilten Akzenten,«levogt hat sich in einem geistreichen Essay(in»Kunst und Künstler) darüber beschwert, daß man den Deutschen immer wieder di: stärkere Eignung für Zeichnung(als für Malerei) bescheinige. Es hilft nichts: jede derartig« Ausstellung beweist die angefochten« These; beweist zugleich, daß kein anderes Volk an die qualitative höh: unserer Zeichenkunst heranreicht. Es ist unbegreiflich, daß Ausstellungen wie diese nicht binnen wenigen Tagen ausverkauft werden; leider: wenn Kunstsammeln aus Lieb« zur Sache betrieben würde und nicht aus repräsentativen, spekulativen oder sonstigen unsachlichen Gründen, das Sammeln von dergleichen Blättern(NB. m Mappen, ollensalls in Wechselrahmen für die Wände) müßt« ein populärer Sport w:rden. Ein Liebhaber, wie es ihn eben nicht zu geben scheint, würde von Saal zu Saal gehen und sorglos und ohne Systematik vot allem sich ein paar der wahrhaft erquickenden und bezauberridc:, Erotika von Schaff hernehmen und neben Bleistiftskizzen von Meid au» Italien heimtragen; er würde von dem schweren Kali- der bildmäßiger Aquarelle gleichmäßig die gewaltigen Blätter von Schmidt. Rottluff und Rudolf Iacobi bevorzugen, dann aber das Best« der phänomenalen„Sachlichkeiten" von S) ü b buh sich zu sichern suchen. Aktzeichnungen von Iaeckel würde er neben den hellen und zarten Landschastsaquarellen von Batö, Seckendorf und Robert Scholß an sich bringen. In einem Raum modernsten Gepräges gehörten die klaren, sicher skandierten Gestalten Willy Baumeisters, ebenso wie die herrlich ge- bauten Zeichnungen Hof ers, die konstrukti»en Farbenzeihnungen F. 3E. F u h rs, die noblen Aquarelle Schrimpss. Wer starke Farben und phantastevolle Umschreibungen schätzt, wird Kraus- köpf, die massig gedrungenen Blätter K l« i n s ch in i d t s, die Heiterkeit Röhrichts sammeln. Die pikante Geistigkeit des zar- ten Porträtstrihes von Großmann steht gegen den laxen Humo? Walter Triers, die ernst-zärtliche Plastizität der Zeichnungen Emmy Röders gegen die oppositionelle geistvolle Qualität der Gesellschaftssatire von George Groß, dessen Aquarelle und plastisch durchempfunden« Bleististzcichnungen mit der Sachlichkeit Schlichters und Griebels ausgezeichnet harmonieren. Da- zwischen die fast männliche Krast in den leuchtenden Aquarellen Charlotte Behrends—, warum soll übrigens Vollkommen- heit, die farbige Sinnlichkeit dieser ausgezeichneten Künstlerin so spezifisch männlich sein? Auch Emmy Röder und Emmy Klinker sind vollkommen und beweisen, daß Äünftlertum jenseits der Grenzen der Geschlechter steht. Daß auch traditionslose Jugend ohne Akademieschulung sich von innen heraus vervollkomm- nen kann, zeigen R. v. R i p p e r, dessen Ausstieg man mit Ver- gnügen konstatiert, der sachte vom Urbild Hofers sich lösend« Ray, die Dresdener Kretzschmar und Pol Cassel. Nimmt man die monumental empfundenen Köpfe H e r b i g s, die Farbenvisio- nen Otto Langes, Fritsch, der im Aquarell stets bedeutender wirkt, den empfindsamen Kerschbaumer, die vortrefflichen Federzeichnungen Chr. D o l l s und, als einen Höhepunkt deutscher Zeichnung, die immer wieder willkommenen und hochgeschätzten Aktzeichnungen Georg Kolbes dazu, so ist ungefähr alles auf- gezählt, was m dieser liebenswerten Schau hervorzuheben ist. Es ist beinahe alles, was die Wände bedeckt. Ja, und das ist zu wiederholen: Wenn es mit rechten Dingen zuginge, müßten graphische Kabinette und Privatsammler nur einen unansehnlichen Rest der ganzen, dreihundert Nummern umfassenden Herrlichkeit zurücklassen. Dr. Paul F. Schmidt. „Die neugierigen Frauen." Städtische Oper. v Di« Enttäuschung, die das Versagen der neuen Musik der deutschen Opernbühne bereitet, hat sich zu einer ständigen Repeno,re- krisi« oersteift. Man bleibt aus zeitgemäße Umgestaltung des Opernspielplans eingestellt, aber jede Novität, die uns beschert wird, zeugt von der inneren Verlegenheit, aus der ihre Wahl erfolgt ist. Wir leben im Zeitalter der..Renaissancen". Die Wohl des Jahr- Hunderts steht frei. Verdi-Renaisiance, Händel-Renaiisance; nun ist, kollektiv, die Generation um 1000 an der Reihe: Renaissance der Jahrhundertwende. Eines nach dem anderen tauchen die Werke wieder auf, die vor zwanzig, dreißig Iahren diskutiert, vor zehn Jahren stillschweigend zum olten Eisen geworfen worden sind. Genau 25 Jahre nach der Münchener Uraufführung kommen nun also Wolf-Ferraris„Neugierige Frauen" wieder zum Vorschein; erst in München, nun auch in Berlin. Den Erfolg, der nicht ausbleibt, bedingt wie damals der Reiz der venezianischen Ko- mödi«, die zugrunde liegt, und der graziöse Konoerfationston, in dem der Komponist die Handlung, ein locker gefügtes Nichts von Lustspiel- Handlung— geschickt aus drei Akte verteilt— rorübereilen läßt. Dieser Ton— Ton ohne Inhalt— ist seine persönliche Note. Sonst hat er keine. Zu gleichen Teilen noch Italien und noch Deutschland ressortterend.«ine geborene Halb- und Halbnatur. Er pendelt elostisch-kompremiißlerisch. Auch sein Stil pendelt; zwischen guien Vorbildern übrigens: Figaro, Folstass, Meistersinger; es kann nichts passieren. Nur die billige Süßigkeit der lyrischen Partien ist nicht ganz leicht zu ertragen.... Die Städtische Oper bringt dos Werkchen ,n einer sauberen A,;s- sührung. Unter D enzlers musitalischer Leitung und durchaus mit eigenen Gesangskräften diesmal, deren achtbaren Durchschnitt der blühende, mädchenhast-innig« Sopran von Marguerit« Perras weit überragt. Aber di« Inszenierung hat als Gast Karl H o l y besorgt. Es wundert uns nicht mehr; wir wissen, daß dies Theater keinen Regisseur hat. Keinen? Wie man. mit Rundsunkhilse, in Potsdam ein Orchester dirigiert, das in Berlin spielt, sollen wir heute abend erfahren, wie man von Südamerika au» dos Spiel leitet, das sich auf der Berliner Städtischen Opernbühn« begibt, lehrt uns deren Theaterzettel, auf dem, fünfmal in der Woche, zu lesen ist: Spielleitung Georg Pauly. Mit welchem Recht übrigens legt der sich össcntlich den Titel„Intendant-Stellvertreter" bei? Soviel wir wissen, ist e» Dr. Kurt Singer, der den Intendanten Tiedjen vertritt; auch in allen künstlerischen Dingen. Eine Verdunklung dieses Tat- bestandes scheint uns durchaus unerwünscht. Kflau» Pringsheim. Erich Mühsams„Judas". Theater am Nollendorffplah. Der Streik der Rüstungsarbeiter In den letzten Januartage.r 1918 bildet den Stoff. Parteileitung und Gerverkschaften habc.i den Streik abgesagt, ein paar Hitzköpfe veranstalten trotzdem eine Demonstratio i, in deren Verlauf auf die Arbeiter geschossen wird. Mühsam häuft sie Sympathien aus die Radikalen, die Abwarten- den erscheinen als lächerliche Figuren. Don welcher Art sind nu.i aber die 5>eroischen, die von der Idee Besessenen? Im Mittelpunkt de» Geschehens steht Rafael Schenk, der Setzer, eine fanatische Kämpferfigur, ober ein Mensch mit einem Bruch. mit unklarem Willen und von einer rührender Weltunkenntnis. Qdyent bleibt Kind und Romantiker. Vor der Demonstration soll der berühmte pazifistische Professor Seebald zu den Streikenden sprechen. Seebald weigert sich aber, weil:r weiß, daß Blut fließen wird, daß die Demonstration zwecklos ist. Und nun kommt das Romant'sche. Schenk verrät Seebald an die Polizei. Er fordert sein« Verhaftung, um dadurch die Massen aufzureizen. Dies ge- schieht auch. Militär schießt aus die Arbeiter, die Demonstration wird im Blut erstickt. Viel« Opfer, um einer Pose willen. Der Zuschauer betrachtet diese Menschen aus anderer Perfpek- tive als der Dichter. Das Stück erscheint uns heute als die Tragödie des politischen Don Quichottes, d:s Fanatikers, der nur Fanatiker ist, ohne Sinn für Realitäten, und der politischer Held werden möchte, um seiner Liebe zu einer revolutionären Studentin Folie zu geben. Dies ist der Kern des Dramas, den Mühsam, vielleicht ohne es zu wollen, klar herouszearbeitet hat. Trotz der Sprach«, die manchmal in den Stil von Leitartikeln und politischer Manifeste verfällt, ist das Drama stark bühnenwirksam, mit dem Instinkt für Theatcrwirkungen geschaffen. In der Menschengestalwng geht Müh. sam weit über die übliche Schablone hinaus. »Juda»" wurde bereits vor einiger Zeit als Matinee auf der Piscator-Bühne gespiklt. Jetzt Hot es die Notgemeinschaft der Ptscator-Schauspteler in teilweis« neuer Besetzung in den Abend- spielplan aufgenommen. Ernst Busch spielt den Schenk, ekstatisch lodernd, mit eruptiven Bewegungen und mit der Stirn des Fana- tikers. Neu ist Erwin Kaiser als Seebald, ein großer, üb:r- legener und gütiger Mensch. Leopold Lindtbergs Regie legt den Hauptakzent darauf, auch den unbedeutenden Rollen indivi- duelle Ausprägung zu geben..F. S. „Fräulein Chauffeur." Atrium Reba-Palast. Ein harmloses Lustspiel, das inhaltlich genau so verläuft, wie man es vom ersten Augenblick an vermutet. Eine reiche Bankiers- tochter verliert alle» und da ihr einziges Können darin besteht, ein Automobil zu steuern, wird sie Chauffeur. Und zum Schluß, na, da wird sie als Chauffeur wegen Wcibergefchichten entlassen und als Gattin engagiert. Iaap S p e y e r ist in seiner Regie nicht allzu munter und auch nicht allzu witzig, doch hat er in dem geschmackvollen Photographen Arpad B i r a g h und der talentierten und natürlich schelmischen Mady Christians zwei derartig vorzügliche Helfer, daß sein Film reichen Beifall findet. Mady Christians hat nicht, wie so viele ihrer Kolleginnen, nur das Bestreben, gut auszusehen, sie hat stets den ernsten Willen, etwas zu leisten. Diesmal bietet ihr die Rolle eine glänzende Gelegenheit nach der anderen, und daß sie keine unbenutzt läßt, versteht sich von selbst. Johannes R i e m a n n spielt wirklich nicht schlecht, doch macht er als Liebhaber einen merk- würdigen Eindruck, er könnte in der Maske etwas gefälliger fein. Fritz Kampers zeigt wieder seine erfrischend derbe Art mit vielen Knalleffekten. Hilde M a r o f f ist wie immer eine gute Film- erscheinung und Trude Lehmann ist der bewußte rundliche Köchinnentyp. d. Film und Variete. Titania-Palast. Ein romantisch-kitschiger Film und ein sehr reichhaltiger, ganz -an Liliputanern bestrittener Doriet�teil. Dieser scheint die Hauptsache. 30 Liliputaner, drei weiße Zwergelesanten, 20 reizende Ponys—, wer könnte dem widerstehen, zumal, wenn diese übrigens gut gewachsenen Miniaturmenschen in allen Künsten brillieren. Sie sind Akrobaten, Zauberkünstler, Sänger, Tänzer und Iazzmuflker. Sie machen«ine Revue der kleinen Leute, und die großen Leute sind über diese kindlich-zicrlichen Geschöpf«, die wie Revuestars auf- treten, und diese merkwürdigen Stimmen entzückt. Der Reiz des Zwergenhaften, das seit jeher anzog, hat sein« Wirkungen noch nicht ausgespielt. Die Singer's Midgets- Revue ist jeden- falls eine neue Nuance.— Der vorher servierte Film—„Der Untergang des H e s p e r u s"— lebt von der Romantik des Segelschiffes und den Schauern eines wild-dramatisch inszenierten, übrigens manchmal unnatürlich wirkenden Schiffsunterganges. So schön die Bilder des weihgeblähten Seglers, so auspeitschend die Naturkatastrophe, so trivial ist die übliche Liebeshandlung, die das durch Bülerhaß getrennte Paar schließlich doch zusaminenbringt. Virginia Bradford(als ein« Art See- und Bordjungfrau), Frank Morton(als hübscher Seemann) und Sam de Grosse als finster blickender Vater und Kapitän, tun ihr Möglich:?, um diese Biedermeiern(auch im Kostüm) erträglich zu machen. r. Oer ohnmächtige Soldat. Was nicht im Programm vorgesehen war. Eine illustrierte Zeitung brachte dieser Tage die folgende Repro- duktion einer recht ungewöhnlichen Photographie. Es ist auf ihr der König von England zu sehen, der sich in Begleitung eines Stabes hoher Militärs durch ein Spalier von Soldaten be- wegt. Natürlich stehen die Soldaten tadellos ausgerichtet— bloß einer nicht. Der liegt, in völlig unfoldatischer Haltung, ein paar Schritte vom König entfernt, querlikigs aus dem Boden. Es hat ihn eine Ohnmaäst befallen und er ist aus Reih und Glied herausgestürzt. Ein Zwischenfall, der nicht vorgesehen war und als höchst unzweckmäßig zu bezeichnen ist. Von den Soldaten trifft niemand Anstalt, dem verunglückten Gefährten beizustehen. Gewiß ist in ihnen allen, die sie in der Nähe des Ohnmächtigen stehen, der Instinkt des Zuhilsecilens wach geworden. Es wäre nicht mehr als eine Reflexbewegung der Menschlichkeit, wenn einige jetzt den hilflosen Kameraden davontrügen. Aber das geht ja doch nicht, das widerspräche den Gesetzen ihres Soldatentums, und so bleiben sie unbewegt stehen, di« Aug:n geradeaus gerichtet, formell desinter- essiert an dem ganzen Vorgang, ihn in Haltung und Gebärde ignorierend. Sie möchten wohl, aber sie können nicht.... Und nun die Herren des Stabes...! Vornan, der erst«, bückt sich eben ein wenig, aber es ist ihm anzusehen, daß er etwas Ernsthaftes nicht ausrichten wird. Die anderen Militärs, den König eingeschlossen, heften ihre Augen aus den am Boden Liegenden und scheinen sich nicht recht im klaren darüber zu sein, ob sie Notiz von dem Vorfall nehmen sollen. Diese Herren sind„Männer von Welt" und dürften, in Anbetracht ihrer hohen und verantwortungsvollen Stellung, Meister mancher komplizierter Probleme sein: Aber jetzt, angesichts einer höchst eindeutigen Situation, liegt Ratlosigkeit und Betretenheit auf ihren Gesichtern. Ein Ohnmächtiger? Was soll das? Wo stünde das im Festprogramm? Sie könnten schon, ober sie möchten nicht..... Es war eine Truppenschau vorgesehen gewesen mit all ihren starren Zeremonien: den be- weguNgslos festgebannten Soldaten, den automatisch grüßenden hohen Herren. Nun ist ein biologischer Vorgang in dies alles hineinge- platzt und man weiß nicht, was man damit ansangen soll. Es gibt bei einer Abnahme von Kompagnieaufstellungen nur offizielle Begebenheiten. Anderes darf nicht passieren und passiert es doch, dann wird es als nicht passiert betrachtet..:.. wxil nicht sein kann, was nicht sein darf. Es geht aus dem Photo nicht hervor, wie alles endet. Sicher aber dürfte es sein, daß später irgendwer von irgendwem einen entsetzlichen Anschnauzer bezieht, denn es ist selbst in dem gewiß nicht übermilitarisierten England nicht abzusehen, wie anders man sich Im Reiche der Kommandos und des Gehorsams gegen den Ein- bruch der menschlichen Dinge verwahren sollte. Plans Lauer. _ HIIMBECIC V mßsonmvßmL : DIE POPULÄRE MANOLI � " Wie die Flieger begrüßt wurden. Die„, Bremen"-Flieger auf der Fahrt durch die Straßen Berlins. Drei Minuten Pause." Totenehrung. Und der Schutz der Lebenden? Und wird geschrieben: Bei den Galopparbeiten im Wintergarten- Umbau ist ein Mann tödlich verunglückt, deshalb heute drei Minuten Pause zur Ehrung des Toten. Weshalb wurde der Lebende nicht geschützt? Heute sagte eine leitende Person, daß sie in 26 Jahren so etwas noch nicht erlebt habe. Uns Bauarbeitern geht es ebenso. Wenn es hier nicht jeden Tag Tote und Verwundete gibt, ist es nur einem besonderen Glück zuzuschreiben. Ich will nur einiges anführen, was ich persönlich in den letzten zwei Tagen gesehen habe. 1. Ein 2 meter langer Balken fällt aus 10 Meter Höhe herunter, genau 0,30 Meter drei Arbeitern vor die Füße. 2. Eine Bogenlampe wird beim Hochziehen eines Eisen fonstruktionsteiles abgerissen, fällt dicht vor die Arbeiter, die mit Hochziehen beschäftigt sind. 3. Ein 5 Meter langer Balten fällt um und dicht am Kopfe eines Poliers vorbei. 4. Mauersteine, Schutt, eiserne Bolzen fallen öfter.von oben. 5. Sauerstofflaschen, zentnerschwer, werden an ziemlich schwacher Leine bis zum Dach, 20 Meter hoch, emporgezogen; die Hochziehenden stehen direkt darunter. Desgleichen werden viele Zentner schwere eiserne Konstruktionsteile hochgezogen. Dieses alles spielt sich auf dem verhältnismäßig fleinen Raum vor der Bühne ab. In über 20 Meter Höhe arbeiten die Monteure an der Dachkonstruktion, desgleichen Rüstungsbauer und andere Handwerker und direkt darunter, ohne Schuh, arbeiten Duzende Arbeiter. Soll das so weitergehen, oder machen die Arbeiter mit diesem Wild- West" bald ein Ende? Wo bleibt die Baupolizei? Wartet man, bis es mehr Lote gibt? Hier ist höchste Zeit. daß fofort eingeriffen wird. Bon der Straßenbahn totgefahren. Bon einem Straßenbahnzuge der Linie 5.5 wurde gestern abend gegen 10% Uhr ein unbekannter Mann auf der Segefelder Straße zu Spandau in der Höhe des Bahnhofs West über Theater, Lichtspiele usw. Donnst., 21. 6. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 45. Anf. 20( 8) U. Donnst., 21. 6. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III Anf.19%( 72) U. Bohème Carmen Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 53 Anf. 19( 7) U. Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 125 Anf. 20( 8) Uhr Freischütz Musik Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: CLAVIGO Volksbühne Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr 8 Uhr: Der Orpheus in der Unterwelt Kuhhandel NEUE WELT Arnold Scholz. Hasenheide 108/14. U- Bahn( Hermannplatz) Täglich: Grosses Konzert und die Revue Die Welt steht Kopf! Im Garten oder Saal. Kaffeeküche ab 2 Uhr. Komische 8 Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: 811A Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. 8 DAS SCHUBERT SINGSPIEL Dreimäderlhaus Alfred Braun v. Thellmann, Jankuhn, Hesterberg, Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelstern, Sunshinegirls. Mus.Leit: P. Hühn, Ausst. Prf. Stern. Inszenierung: Julius Brandt. Grosses Schauspielhaus Erik Charell. SCALA Uhr Nollendorf 7360 Herb Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! fahren und getötet. Die Räder gingen dem Unglücklichen über den Kopf und zermalmten ihn. Der Mann hatte feinerlei Papiere bei sich. Es scheint, daß seine rechte Hand verfümmert war. Er trug graue Müze, graues Jackett, grünliche Strickjacke, schwarze Hose und Schnürstiefel. Die Leiche wurde nach dem Charlottenburger Schau hause gebracht. Mitteilungen zur Klärung der Schuldfrage nimmt die Kriminalinspektion Spandau entgegen. Musik und Sternenwelt. Wie im Westen Berlins am Zoologischen Garten das Plane tarium der Verbreitung astronomischen Wissens und damit zu fammenhängender Volksbildung dient, so im Osten Berlins die von Dr. Archen hold gegründete, weit ältere TreptowerStern warte und das mit ihr verbundene astronomische Museum. Nach Beendigung der Berliner Gewerbeausstellung von 1896, zu der dieses besonders große Fernrohr von ganz eigen artigem Bau errichtet wurde, war sein Weiterbestehen eine Zeit lang in Frage gestellt. Zu seiner Erhaltung, vor allem aber zur Verbreitung astronomischen Wissens in weitesten Kreisen wurde im Jahre 1898 der Verein von Freunden der Treptow. Sternwarte gegründet. Die Erhaltung der Sternwarte und des Museums wurde bald durch einen regelmäßigen Beitrag der Stadt Berlin, deren Oberbürgermeister Kirchner dem Verein seit feiner Gründung angehörte, sichergestellt, so daß der Verein sich dann det notfsbildenden Tätigkeit widmen fonnte, was er auch erfolgreich getan hat. umfo größerer Freude sich dem Hochgenuß hingeben, den z. B. das Anhören der Schöpfung" von Joseph Haydn, der Beethovenschen Neunten Symphonie und vieles andere in ihnen erweckt. Dem Zwecke des Vereins, die im Zusammenhang mit Himmelsdingen stehende Volksbildung zu fördern, hat die wohlgelungene Feier in reichstem Maße gedient. Der Unsinn des§ 218. Ein bezeichnender Freispruch. Jn Stuttgart hat fürzlich ein Prozeß seinen Abschluß gefunden, der wieder einmal die Unerträglichkeit des Abfreibungsparagraphen erwies. Der Stuttgarter Arzt Dr. Marg war in erster Instanz wegen versuchter Abtreibung zu nicht weniger als fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Jetzt war die erste Straffammer des Landgerichts Stuttgart zur Entscheidung berufen. In der Berhandlung schränkte die einzige Belastungszeugin auf Borhalt des Verteidigers Dr. Kurt Rosenfeld- Berlin ihre früheren Aussagen erheblich ein. Ferner ergab sich zwischen den Gutachten der Stuttgarter Sachverständigen, die den Angeklagten belasteten, und den ganz entgegengesezten Erklärungen der Berliner Professoren Duerssen und Strauch, die auf Antrag der Verteidigung geladen waren, ein unüberbrückbarer Widerspruch. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt abermals die Ver. urteilung zu fünf Monaten Gefängnis. Das Gericht folgte jedoch nach furzer Beratung dem Antrage der Verteidigung und tam zur Freisprechung des Angeklagten. Es ist wahrlich Zeit, daß endlich das Strafgefeß geändert wird und solche Prozesse ein für allemal unmöglich gemacht werden. Der Widerfinn des§ 218 muß aus der Welt geschafft werden! Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland: heiter. Helgoland: heiter. Borkum: wollig. Bremen: wolkig. Hamburg: halbbedeckt. wolfig. Bremen: wolkig. Hamburg: halbbedeckt. Offfee. Travemünde: wolkig, vorher Regen. Warnemünde: ziemlich heiter. Saßniz: heiter. Swinemünde: heiter. Stettin: wolkig. Rolberg: heiter. Danzig- 3oppot: wolfig. Seebad Kranz: leichter Regen. Harz. Schierke: heiter. Bad Harzburg: wolfig. Bad Sachsa: leichter Regen. Brocken: Nebel. Thüringen. Erfurt: woltig. Infelsberg: Nebel. Bad Lieben. stein: Nebel. Eisenach: heiter, vorher Regen. Heffen. Kaffel: trüber, vorher Regen. Wassertuppe/ Rhön: Nebel. Sachsen. Dresden: trübe. Fichtelberg( Erzgebirge): Nebel. Schlesien. Breslau: Regenschauer. Flinsberg: Regen. Schreiber. bau: moltig. Schneetoppe: trübe, vorher Regen. Bad Reinerz: wolkig. Bad Landeck: wolkig. Rheingebiet. Köln: wolkig. Bad Aachen: woltig. Koblenz: moltig, vorher Gewitter. Bad Ems: wolfig. Biesbaden: wolfig, vorher Regen. Frankfurt a. M.: ziemlich heiter. Feldberg/ Taunus: Graupeln. Bad Dürkheim: heiter. Baden. Karlsruhe: wolfig. Baden- Baden: wolfig. Feldberg/ Schwarzwald: trübe. Württemberg. Stuttgart: ziemlich heiter. Freudenstadt: wolfig. Friedrichshafen: trübe. Bayern Hof: leichter Regen.or Würzburg: wolfig. Nürnberg: bedeckt. Münden: wolkig. Garmisch- Partenkirchen: Regen. Zugpihe: Nebel. Berchtesgaden: Regen. Oberstdorf: wolkig, vorher Tegernsee: wolkig, Regen. Bad Tölz: wollig, vorher Regen. vorher Regen. Desterreich. Innsbrud: leichter Regen. Salzburg: bewölkt, vorher Regen. Wien: heiter. Zur Feier seines 30jährigen Bestehens hielt am Mittwoch abend der Dozent der Musikwissenschaft, Herr Dr. Leo: pold Hirschberg, den Festvortrag über„ Die Sternenwelt in der Musik", wobei es sich natürlich nicht um astronomische Dinge handelt, sondern um die dichterische und musikalische Gestaltung der Stimmungen, die durch den Anblick der Himmels- Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umwunder ausgelöst werden. Erläutert wurden die geistvollen Aus- gegend.( Nachdr. verb.) Vielfach heiter ohne nennenswerte Niederführungen, denen die Zuhörerschaft mit gespanntester Aufmerksamkeit fchläge, am Tage etwas wärmer. Für Deutschland: In der nordfolgte, durch Vortrag am Flügel und durch Gesang. Wie die Stim- östlichen Hälfte des Reiches noch stellenweise leichte Schauer, im übrigen Gebiet vorwiegend trocken und teilweise heiter, am Tage mung beim Aufgang der Sonne, bei ihrem Scheiden, beim Auf- Temperaturen etwas höher, nachts überall noch fühl. leuchten und Funkeln der Sterne, beim stillen Glanz des Mondes und manches andere einen harmonisch melodischen Ausdruck in der Musik bei unseren größten Meistern gefunden hat, wird vielen erst bei diesem Vortrag flar geworden sein, und sie werden mit Theater am Kottbusser Tor Kleines Theater Saltenburg- Bühnen Berlin, Kottbusser Str 6. Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: | Täglich 8, Uhr Kaiser- Tietz Elite- Sänger Lotte Klinder in Galante Wie immer erstklassiges Programm! U. a. ,, Ein Gerissener Schwiegersohn"( Schwank) ., Ein kleines Geschenk"( Schwank) Nacht! Lachen u. Stimmung! Volkstümliche Preise: 50 Pf. bis 2 M. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger zum Schluß, zum 50. Male: Stuckes Pfingstfahrt Anfang 8 Uhr. Donhoff Brett'1: ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert. Tanz. Deutsches Theater Lustspielhaus Norden 12 310 SU. Ende gegen 11 Artisten Jir. Or. Martin Zickel Unwiderruflich letzter Monat 8 Uhr: Regie Max Reinhardt Guido Thielscher Kammerspiele Norden 12310 812 Uhr, Ende 10% Gastspiel des Theatre du Gymnase, Paris Le Secret v. Henny Bernstein in „ Unter Geschäftsaufsicht" Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. Täglich 8 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Norden 6304. Künstl. Leitung: Wilhelm Bendow Tägl. 8, Uhr: Ein Stück Ots. Künstler- Th. 81, Uhr Das sind ja reizende Leute... Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Renaissance- Theater Steinplatz 901. Restaurant G.F.168 Uhr Krankheit der Jugend Max Gottschalk 8 Uhr CASINO- THEATER& Uhr Lothringer Str. 37. Des großen Andranges wegen ist die Spielzeit einige Tage verlängert Residenz- Theater Letzte Vorstellung vor den Ferien Blumenstr. 8. Putbusser Straße 24 Verkehrslokal der organisierten Arbeiterschaft u. des Reichsbanners Täglich 8%, Uhr unwiderruflich Sonntag, den 24. Juni TREFF Am Rudesheimer Schloß steht eine Linde Loni Pyrmont Krafft- Lortzing Gaston Briese Emma Klein Parkett auch Sonnt. statt 4.-nur 1.-M. Malheur Thalia- Theater von Marcellus Schiffer Dresdener Str. 72-73 Dyckerpotts Erben Theater des Westens Steinpl. 931 814 Uhr Täglich: Max Adalbert .. Das Ekel Täglich 8% Uhr: Berliner Prater ( Das Geheimnis) Verlorene Töchter Kastanienallee 7/9. Sittenst. in 4 Akten. Heute gr. Volkstag! Die Komödie ur Erwachsene haben Zairitt Polnische Wirtschaft" Park.auch Sonntags P statt 4. M. nur 60 Pl. Bismarck 2414/7516 842 U. Ende 103, U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Rose- Theater Musik v. Spoliansky Gr. Frankt. Str. 132 Uhr: Auf allen Plätzen 50 Pig. Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Täglich 8 Uhr Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr: Müllers Prinzesschen Ausschneiden: Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1.60 M Sport- Restaurant 92 Oskar Schulz G. F. Köpenick, Bahnhofstr. 34 Verkehrslokal des Reichsbanners. Restaurant( G.F.160 aller Werktätigen [ G.F.162 Zur Alten Mühle Prenzlauer Allee Ecke Stargarder Str. OffeneFüße Beinschäden aller Art, Salzfluß, Brandwunden und alte eiternde Wunden werden geheilt durch das beste Mittel Altschadensalbe Felix Zeuge HERGA Milastraße 5, am Sportplatz Der Sternhimmel Verkehrslokal des Reichsbanners, der Heimat Arbeitersportler, Gewerkschaftler 18 Uhr: und Genossen der 27. Abteilung Erde Der und Weltenraum. 20 Uhr: LJUERGENS Einfluß d. Gestirne ALEXANDER PLATZ Eintritt 1 M. Kinder ant. 15 Jahren 0.50. Berliner Theater Heimat Trabrennen Ruhleben harlottenstr.90/ 91. Dính 170 1 814 U. Ende geg. 11 Gartenbühne: 1/26 Uhr nachm.: Konzert und bunter Teil Freitag, den 22. Juni Gastspiel d. Deutschen Th. Konzert und bunter Teil Der Prozeß 814 Uhr: Mary Dugan Der fidele Bauer nachmittags 3%, Uhr das Haus der ЯА erstklassige Anerkennungen und Dankschreiben. Alleiniger Hersteller und Versand Altstädtische Apotheke, Berlin C. 2, Münzstr. 14/15. Preis pro Dose M. 1.50, Kurpackung M. 4.50. Zu haben in allen Apotheken, wenn nicht: Altstädtische Apotheke, Berlin C2, Münzstr. 14/15. 99 Rosenthaler Hof Rosenthaler Str. 11-12 3 Säle, 6 Vereinszimmer zu Versammlungen und Festlichkeiten. (Siellage Donnerstag, 21. Juni 1928. SivÄbimd SfiAioutydh de* l�fVaWi Geschäft mit Romantik. Was auf der Wartburg gezeigt wird. Man soll nie eine Jugendliebe auffrischen, wenn sich die mit tausend Iugendträumen verklärte Jungfrau ver. heiratet, wenn sie fünf Kinder geboren hat. oder umgekehrt: wenn der in der Jugend geliebte Mann sich einen Schmerbauch angefüttert hat. Man soll nie eine Burg leibhastig beschauen, die man feit leiner Jugend- zeit als Inbegriff alles Heldischen und Märchenhaften in sich herumgetragen hat Dann zerrinnt das Idol, und übrig bleibt«in alter.Barfsteinbau und ein geschäftstüchtiger Fremdenverkehrs- verein. Di« W a r t b u r g ist für die in der füdbayerifchen„Diaspora- lebenden fränkischen Protestanten eine A r t Heiligtum gewesen. So eine Art A n t i- P e t e r s k i r ch e in den Thü- ringer Bergen, deren stolz« Zinnen und» Mauern aus den Bäffchen unserer Pastoren und aus den bunten Fenstern unserer Kirchen hervorlugten,„ein feste Burg', die man nur an ganz hohen Feiertagen aus dem Gesangbuch zog und hinausschmetterte, als gälte es, das Luthersche Rebellenlicd gegen eine„Welt von Feinden' in Schutz zu nehmen.' Die Wartburg ist weiter für jeden nicht stocktauben oder völlig unmusikalischen„höheren Sohn' oder„höhere Tochter' die Burg aller künstlerisch. musikalischen Sehnsüchte gewesen. Richard Wogner hat sie mit seinen heldischen.Lichtgestalten' ver- klärt und sie uns allen zur„Gralsburg' förmlich in die siebente Dimension hinaufsuggeriert. Kein Wunder, daß manch einer mit klopfendem Herzen und mit ehrfurchtsvoll geneigter Stirn die Stufen der Wartburg er- klimmt. Gleich oben, dicht hinter dem brat�urftgefchwängerten. burfchenschaftdurchtränkten Eisenach geht jedoch schon die Enttäu- schung an. Am Burgtor. Am Burgtor der Wartburg stauen stch die Massen Erstens tostet der Eintritt ein« Mark— Stöcke und Schirme find abzugeben: kein Mensch weiß, warum. Zweitens Hai man hier den ersten schönen Blick über dos Thü- ifljswiger Land. Unten Eifenach mit seinen Hotels und Kneipen. -'Drüben die Eisenbahn FrankfuN— Berlin, wie ein« wohl ansge- '�'zirkelte Reißbrettfigur. Ringsum der Wald, der herrliche Wald. Das schönste an dieser zwischen Wiesen und Buchen eingebetteten Burg. Drittens: Zugbrücke und Feldschlangen, die erste Sehenswürdig- keit. Ich betrachte mir die Brückenketten. Sie sind sehr solide und zweifellos echt. Ein Reichs wehrsoldat steht daneben: „Ra, das hättet ihr wohl rasch weggepulvert, das alte Zeugs?' Der grinst stolz über sein Metier:„Und ob! Ich bin von der Artillerie, ich weiß Bescheid!' 'Wir betrachten die alten Kanonen, die neben der Brücke stehen. Soraiältig hat die„Wartburggesellschaft' hölzern« Ueberzüge über die Bronzerohre gestellt, damit sie ja nicht im Regen Schaden leiden. Gemütlich strecken die Feldschlangen ihre Mäuler unter dem Regen- doch hervor. Der Führer erklärt:„Hier zur Linken die Feldschlangen Kurfürst Augusts von Sachsen, sie haben in der Schlacht bei Lützen die Entscheidung gebracht!' „Oho,' sagt der Reichswehrer, der sich offenbar hier in seinem Element betrachtet,„die haben ja Züge im Lauf! Di« hat man erst in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erfunden!' „Stimmt.' pflichtete ich ihm bei,„sagen Sie Ihrem Derein: „Die Kanönchen haben ihm Jahr 1866 vermutlich dem letzten König von Bayern ein« Zehe vom Bein gerissen— bei Helmstedt, glaub« ich. war die Keilerei!' „Das gönn wer nich sage.' meint nachdenklich der Kustos des „Wartburgvereins',„mer habe ja haubtsächlich sächsch und bayri- sches Bubiikum!' Oer(Sängersaal. Der Burghof der Wartburg unterscheidet sich nicht von den Taulenden seiner Brüder: Türen, Treppen, Nischen, Ställe. Erter, Fenster, Menschen! Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts: Arbeiter aus Thüringen und aus Sachsen. Kleinbürger und Bauern aus der Umgebung, Studenten in roten und gelben Mützen, wie Fliegenschwämme unter die graue Masse eingestreut. Der Führer brüllt seinen Vers, und dann geht es durch das a u p t- gebäude' hintnirch: Gemächer derheiligen Elisabeth. Die arme Frau! Mit vierundzwanzig Jahren ist sie schon gestorben. weil sie der Lümmel von einem Gemahl zu Tode geärgert hat! 123-1 wurde sie heilig gesprochen! Da hatte sie ja schließlich auch nichts mehr davon. Burgtapell«: Ein stimmungsvoller Raum mit der breiten Behaglichkeit des Mittelalters und der mystischen Religiosität dieser doch so dumpfen und barbarischen Zeit. Rechts an der Wand dos Schwert Bernhards von Weimar. Neugierig seh« ich mir die Plempe an. Ein kräftiger Kavalleriesäbel, Modell 1871 neuer Art. Sängersaal: In dieser kleinen Stube für kaum 50 Per- fernen hat der weltberühmte„Sängerwettstreit' stattgefunden? Oben die Estrade, unten das Parkett. An der Wand dos berühmte Gemälde vom..Sängerweitstreit' Der Führer vergißt nicht, auf den Henker hinzuweisen, der nach der Vereinbarung der Kon- kurrenten die unterlegene Partei vom Platz weg hängen soll Ein richtiger Dorkampf ist ja eine feine Sache: aber ein Sängerduell mit anschließender Hinrickstung— die Sensation ist eben nur auf der Wartburg zu haben. Der groß« Festsaal: Ein pompöser Raum. Der Soalbau unter dem Giebel des Hauptgebäudes. Schwerter an der Decke. Schwerter an den Wänden, und damit der kriegerische Eindnick noch erhöht wird, hat der Wartburgverein die Galerie mit den Fahnen preußischer Jnfantcrieregimenter aus dem Weltkrieg behängt. Sieht schön aasi. Im Krieg hatte mau ja keine PerweniMg daMi j Aber immerhin: Der kleine Mann erschauert vor soviel Helden- haftigkeit! Die Rüstkammer. In der Rüstkammer ober ist das Prinzip der Zeitlosigkeit aller „Wehr und Waffen" auf die Spitze getrieben. Hier sieht man Ritter samt ihren Pferden in Turnierausrüstung unter Stahl und Eisen. Panzerhemden und Schwerter aus dem 9., 12. und 15. Jahr- hundert. Dazwischen„ein Kavollerieküraß, von einer Gewehrkugel durchbohrt am 18. August 1870". Stahlhelme und Panzerplatten, in der Praxis vor Ppern und vor Verdun erprobt. Steinfchwß- gewehr« aus dem 16. Jahrhundert. Daneben ein paar moderne Selbstloder aus dem letzten Krieg. Vorn auf der Tribüne der Feldharnisch Friedrichs des Weisen. Donnerwetter, sagt sich der staunende Zeitgenoffe. Die alten Herren mußten auf die Sicherheit ihres eigenen Leibes bedacht sein! Feld» hornisch? Wer weiß, ob die letzten Kriege ausgebrochen wären. wenn sich all diese Friedriche, Wilhelm« und Nikolause erst einen „Feldharnisch' hätten oerpassen müssen.— Drüben scheint ein recht wohlbeleibter Ritter seinen Harnisch dem Wartburgverein hinter- lassen zu haben. Sein Bäuchlein stößt, gemütlich mit Schweine- braten und Pfälzer Wein gefüllt und in Eisen gelegt mächtig vor, wie ein Eisenberg! Ob man mit so einem Bauch noch besonders erfolgreich fechten kann? Immerhin— Courage hat der Mann gehabt! Ueber der ganzen Kammer aber schwebt als besonder« Sehens- Würdigkeit der„Küraß unseres verewigten Herrn G r o ß h e r z o g s". Die Stimme des Führers beginnt vor Rüh- rung zu zittern:„Er war bis zum Jahr 1913 Kommandeur des Kürassierregiments in Deutz." Man greift sich an den Kopf. Hier in der Waffenkammer, zwischen dem alten Gerümpel, der Küraß von Deutz? Was soll das, verehrter Wartburgverein? Nach dem nächsten Krieg wird wohl ein Sortiment Gasbomben ausgestellt zwischen Friedrich dem Weisen und dem Kommandeur von Deutz? Die Lutherstube. Ein kleines Stäbchen, arg primitiv: Bett, Schreibtisch und Stuhl. Mein lieber Doktor Martinus, besonders komfortabel hat man es dir hier nicht gemocht! Der Führer plärrt:„Kurfürst Friedrich der Weife hat ihn damals festnehmen lassen und in Schutzhaft behalten--' Schutzhaft? Das hat es also schon vor 500 Jahren gegeben? Schutzhaft? Das war doch das Patentmittel, mit dem man im Weltkrieg und im Ausnahmezustand regierte! Ueber dem Ofen das Schwert des„Junker Jörg'— so hat man Dr. Luther hier oben geheißen—, ein etwas kümmerlich geratenes Messer, für ein„Mönchlein" offenbar gerade gut genug. Die Wandstelle, auf der jener berühmte Tintenklecks gewesen sein soll, den der schutzbehaftete Junker auf den Teufel abgefeuert hat, ist eine Handbreit tief weggekratzt, so daß die Balken zutage liegen. Pietät muß sein! Und doch ist es das Stäbchen des theologischen Rebellen, das auf jeden Besucher den tiefsten Eindruck macht. Der Zug rast längst schon über seinen Schienenstrang nach Norden und hämmert doch immer noch das zornige Rebellenlied vor sich hin: Von der„festen Burg" und von dem Mansfelder Proletensohn, der hier neue Waffen zimmerte, größer und mächtiger als sie drüben in der Rüstkammer liegen, als der Harnisch Fried- richs des Weisen und als der Küraß des Herrn von Deutz! Hermann Schützinger. Lindenwirtin du feine. Zwekeinhalb Stunden von Köln rheinaufwärts liegt das reizende Städtchen Godesberg. Dicht unter der verfallenen Burg Godesberg steht mitten im Städtchen ein Wirtshaus. Seit Jahr- zehnten lebt dieses Wirtshaus in der Romantik als das H a u s d e r L i n d e n w i r tz n. Als der Thüringer Dichter Rudolf B a u m b a ch sein weinfröh- liches: „Keinen Tropfen im Becher mehr Und der Beutel schlaff und leer Lechzend Herz und Zunge: Angetan hat's mir dein Wein, Deiner Aeuglein Heller Schein, Lindenwirtin du junge' dichtete, ahnte er wohl kaum, daß gerade dieses Kind seiner Muse eine Quelle des Reichtums für eine ihm unbekannte Frau und für ein« G. m. b. H. werden würde. Dieser Tage besuchten wir die Lindenwirtin. Die 68iährige Matrone hat heute einen Posttartenvertrieb und einen Buchverlag in Godesberg. Aeußerft rüstig noch, weiß sie sehr nett zu schildern, wie sie„berühmt" wurde. Eigentlich ist sie gar nicht d i e Lindenwirtin, die Boumbach besungen hat: denn der Dichter war nie in Godesberg und hat auch Aennchen Schuhmacher, so beißt die Wirtin, nie in seinem Leben— gesehen! Mit Baunibachs Lied ging es ähnlich wie mit Heinrich Heines bekanntem Liebeslied: „Anfangs wollt ich fast verzagen Und ich glaubt, ich trüg e s nie. Und ich habe es doch getragen. Aber fragt mich nur nicht wie?" Ursprünglich hieß dieses Lied: „Anfangs wollt ich fast oerzagen Und ich glaubt, ich trüg sie nie(usw.)' nämlich die zu engen Schuhe, die sich Heine gekauft hatte. Aus dem ursprünglichen S p o t t v e r s hat Heine dann später durch Auswechselung der Worte sie in es eines seiner schönsten Liebes- lieber gemacht. Seit 1747 ist Aennchens Familie in Godesberg ansässig. Ein einfaches Bauernhaus mit Landwirtschaft war früher der Gast- Hof. Dann kamen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Touristen und die Bonner Studenten nach Godesberg. Als die Eltern starben, stand Aennchen, 18jährig, mit neun Geschwistern allein aus der Welt. Recht und schlecht schlug sie sich durchs Leben. Da sangen eines Tages die Studenten das schöne Lied Baumbachs von der Lindenwirtin, der jungen... Mit einer tüchtigen Dosis Geschäftssinn ausgestattet, merkte Aennchen sofort, daß mit diesem Lied für ihren Betrieb sich etwas machen ließe. Flugs dichtete sie einen neuen Vers dazu, der da lautetete: „Wißt ihr, wer die Wirtin war. Schwarz die Augen, schwarz das Haar, Aennchen war's, die feine. Wißt ihr, wo die Linde stand, Jedem Burschen wohlbekannt, Zu Godesberg am Rheine." Hübsch und schmuck, wie Aennchen damals war, fangen die Stu- denken den neuen Vers in vielen Sommernächten in alle Winde. Jedem Besucher mußte Aennchen den Vers auf Karten schreiben und mit Unterschrift versehen. Als das zu mühselig und zeitraubend wurde, ließ Aennchen Karten mit ihrem Vers drucken. Bald hatte es sich herumgesprochen, wo die Lindenwirtin zu finden war. Aus dem schlichten Lauerogaschoj wurde eins der desuchtejten Lokal« am Rhein und Aennchen Ehrenmitglied vieler Studentenverbin- düngen. Das ging so die Jahre hindurch. Studenten kamen und gingen und feierten Aennchen Schuhmacher als die Lindenwirtin, die den Wandersmann betörte. Vor lauter Geschäftsbetrieb kam Aennchen nicht zum heiraten, denn:„Ich hatte wirtlich keine Zeit dazu", versicherte schmunzelnd die heute 68jährige noch rüstige und hübsche alte Dame. Bis 1920 führte sie den Gasthof. Dann kam auch Besatzung in ihr Haus. 400 Kanadier wurden in das Wirtshaus, das inzwischen eine respektable Größe erreicht hatte. gelegt. Aennchen hatte genug. Sie verkaufte das Anwesen für 170000 M. und baute sich wenige Schritte daneben ein neues Heim, in dem sie einen Postkartenvertrieb und einen Liederbücher» verlag aufmachte. Dort sitzt sie nun und schreibt den Käufern auf Wunsch ihren Namen auf die Postkarten und in die Lieder- bücher. Ihre Gefchäftsnachfolger waren noch tüchtiger als Aennchen. Flugs wurde der alte Namen der Wirtschaft„Gasthof zum Godes- berg" umgeändert in:„Gasthof zurLindenwirtin(Aennchen)' und weißgekleidete Kellner schwirren in den Weinzimmern und in dem Lindengarten, wo fast keine Linden mehr stehen, herum, die Befehle der Gäste abwartend. Aennchen trauert daß sie die Wirtschaft zu früh aufgegeben hat. Mit Bleistift und Gesctzesbüchern bewaffnet, sitzt sie in ihrem Heim, ausrechnend, was sie am Verkauf der Goldgrube durch die Inflation verloren hat, während auf dem Schild am Gasthof dick und fett die Worte prangen: „Gasthof zur Lindemvirtin" G. m. b. H. Von Romantik und dem Wandersmann, auf besten Mund „heiß ein anderer brannt c", ist heute leine Spur mehr vorhanden. Geschäftsgeist hat auch in Godesberg alles t a p i- talijiertj__,,, fcaii Ksehcr« Kümberg. P£R C,fLR£ PrmKI �TvwlmÄMS-ZEICHNW�i�NÄDäj'ifH�ra 11. Fotsetzung. Statt aller Antwort entnahm Manderton seiner Brieftasche cme Kart« und überreichte sie schweigend dem jungen Mann. „£>as ist mein Name." erklärte er mit kalter Förmlichkeit, die etwas Drohendes hatte.„Ich vertrete hier die Zentrale und möchte um einige Auskünfte wegen des Mordes bitten, der aller Wahr- scheinlichkeit nach gestern abend in diesen Räumen ausgeführt wurde." Der jung« Mann legte sein halbgeöffnetes Zigarettenetui auf den Tisch. „Mord?" fragte er. Er war plötzlich sehr bleich geworden, und Boulot bemerkt«, datz seine Hände zitterten— feine schöngeformt« Hände, die den Künstler verrieten. Er mochte zwei Schritt« auf Manderton zu und blieb dann stehen. „Mord?" wiederholte er.„Hier? Ich versteh« nicht. Wer ist hier ermordet worden?" Er sprach langsam, aber mit einem eigentümlichen Ausdruck, als erwarte er, eine bestimmte Antwort zu hören. Sein« Un- befangenheit war verschwunden, und die Sonnenstrahlen, die schräg durch das Atelierfenster kamen, fielen auf ein Gesicht, aus dem auch der letzte Blutstropfen gewichen war. „Eine Dame, die Sie kennen," sagte Manderton.„Mrs. Cranmore." ,Mord?" fragte er. Eine tiefe Falte erschien auf der Stirn des jungen Mannes zwischen den Augen. Seine Finger verkrampften sich und lösten sich dann wieder langsam. „Sie... wissen das ganz bestimmt?" stammelte er nach einem langen Schweigen. Er erhielt keine Antwort auf seine Frage. Manderton griff nach einer schwarzen Tasche, die geöffnet auf einem Stuhl stand und entnahm ihr ein langes Messer mit ziseliertem Metallgriff, das er dem Maler hinhielt. „Sie erkennen dieses Messer?" „Gewiß. E» gehört mir..." „Mit diesem Messer ist Mrs. Eranmore erstochen worden." „Guter Gott!" rief Ouoyre.„Ja, wissen Sie denn auch, was Sie sogen? Mrs. Cranmore ermordet— hier in meinem Atelier! Es ist nicht möglich. E» ist..." Er brach ob und ließ seine Blicke wie verloren im Atelier herumschwcifen.„Haben Sie irgend- einen Beweis dafür gefunden?" „Allerdings! Wir haben Bluffpuren am Eingang zum Atelier entdeckt. Was hoben Sie dazu zu sagen?" Quayre zuckte die Achseln. „Nichts!" „Wie erklären Sie, daß Mrs. Cranmore hier in Ihrem Atelier war?" „Ich kann es nicht erklären!" Manderton räusperte sich angelegentlich. „So geht'» nicht, Mr. Quayre," fuhr er los.„Die Dame, eine alte Freundin von Ihnen, wie ich höre, ist in Ihrem Atelier mit Ihrem Messer ermordet worden. Was haben Sie dazu für eine Erklärung abzugeben?" Auf Ouayres Gesicht lag noch immer der merkwürdige Aus- druck von Apathie und Verwirrung. „Wenn Mrs. Cranmore wirklich hie? ermordet worden ist," antwortete er,„so habe ich darauf nur zu sogen, daß ich zu der Zeit nicht zu Hause war und nicht» davon weiß. Was dos Messer anbelangt, so war sein gewöhnlicher Platz auf dem Eichenschrank im Borraum. Wer Mrs. Cranmore ermordet hat, muß es dort -weggenommen und sie erstochen hoben." Ein kurze» Schweigen folgt«. Manderton legte sein Notizbuch vor sich hin. „Sie sagten, Sie waren nicht zu Hause, als das Verbrechen gangen wurde, Mr.-Quayre. Wann wurde es begangen?" „Dos kann ich Ihnen nicht sagen. E» wurde nicht begangen, 'Monge ich hier war. deshalb muß es begangen worden fein, als 'ch fort war. Aber sagen Sie mir doch, wie dos alles zusammen- hängt? Was...?" „Wollen Sie mir gefälligst erzählen," unterbrach ihn der Polizist,„was Sie geestrn nachmittag alle» getan haben?" Der Maler zögerte. Die tief« Stille im Atelier wurde nur durch das Hallen der Fußtritt« Smiths unterbrochen, der draußen auf dem Steinboden auf und ab ging. „Ich bedauere," antwortete endlich Quayre langsam,„aber ich kann darüber nichts sagen." Manderton sah mit einem drohenden Blick von seinem Notiz- buch auf. „Und warum, wenn ich fragen darf?" „Ich habe darüber nichts zu sagen," wiederholte Quayre. „Ihre Handlungsweise ist töricht!" bemerkte Manderton kühl. Aber Quayre steckte die Hände in die Taschen und blickte schweigend zur Decke. .. besonders deshalb," fuhr Manderton fort,„weil Ihre Weigerung, auf meine Fragen zu anworten, mich zwingt, das, was ich wissen will, durch ein Kreuzverhör aus Miß Driscol herauszubringen..." Die Erwähnung dieses Namen» hatte«in« merkwürdige Wirkung auf Quayre. Boulot, der ihn kein« Sekunde au» den Augen gelassen hatte, bemerkte, daß er feine Apathie abzu- schütteln schien. Eine Spur der früheren überlegenen Haltung zeigte sich in seiner Stimme, während er nachlässig entgegnete:„Sie müssen schon sehr gescheit sein, wenn Sie Miß Driscol überreden wollen, daß sie weiß, was ich gestern nachmittag getan Hab»..." „Nicht so schnell, junger Freund!" fuhr Manderton dazwischen. „Ich weiß alles über die Spannung zwischen Ihnen und den Cranmore» wegen Ihrer Ausmerffomkeiten gegen die jung« Dame..." „Um so mehr werden Sie oerstehen, daß Miß Dri»col nichts über mich wissen kann..." „Wollen Sie mir denn vielleicht erklären, was Miß Driscol gestern nachmittag in Ihrem Atelier zu tun hatte?" Einen Augenblick schien der junge Mann unschlüssig zu werden. Boulots scharfes Auge entdeckt« in dem schnellen Blick, den Quayre Manderton zuwarf, einen Schotten von Unruh«. Aber er ver- schwand sofort wieder. Der Maler lochte. „Sie meinen wegen des Porträts? Wenn Sie in diese Schub- lade schauen wollen"— er deutete auf den Tisch neben der Staffelei—,„werden Sie finden, daß Miß Driscol noch immer da ist! Sie war beständig hier, und nicht erst seit gestern!" Manderton verriet keine Lust, die Schublade ,zu öffnen. So tat es Quayre selbst. Er zog«ine groß« Photographie heraus und überreichte sie dem Polizisten. „Hier haben Sie mein Modell!" Es war das gleich« Bild, das halbvollendet gemalt«ff der Staffelei stand. Manderton warf einen Blick darauf und legt« es beiseite, ohne den ironischen Gesichtsousdruck des Maler» zu be- achten. „Wir müssen Ihre Aussagen zu Protokoll nehmen, Mr. Quayre," sagte er sehr förmlich.„Dielleicht haben Sie die Güte, sich mit einem meiner Leute zur Polizefftation zu verfügen...?" „Soll das heißen, daß ich oerhastet bin?" Manderton wich der Frage aus. „Im gegenwärtigen Stand der Untersuchung haben Sic als am Verbrechen zunächst Beteiligter einige Fragen zu beantworten, deren Beantwortung für uns wichtig ist. Ich glaube, wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie selbst zu der Einsicht kommen, daß Ihr Schweigen äußefft unklug ist. Doch das geht mich natürlich nichts an. Ich möchte Sie nur bitten, uns so viel als möglich zu helfen..." Boulot warf dem Polizisten einen bewundernden Blick zu. Totwoller hätter er'» nicht machen können. Er hotte immer das tiefste Mitleid mit seinen englischen Kollegen gehabt, die sich der unbegreiflichen und ungerechtfertigten Mild«— wie er das nannte— der«nglifchen Rechtspflege gegen di« Klasse der Verbrecher hilflos gegenübersahen. Zu seiner Zeit wär's vor dem Untersuchungsrichter in einem solchen Falle anders zugegangen!—„Gestehen Sie, Sie Mörder!"—„Elender, Ihr Verbrechen ist entdeckt worden!"— während der verschmitzte alt« Mann hinter seinem Pult die ganz« Zeit über die Gesichtszüge de» Angeklagten belauert«, um beim kleinsten Zeichen von Erschütterung auf ihn los- zufahren... Der schwere Tritt von Smiths Stieseln weckte Boulot au» seinen Träumen. Manderton gab ihm leise flüsternd verschiedene Instruktionen. Langsam griff Quayre nach seinem Hut, während er auf dem Tffch umherschaute, als suchte er etwas. „Ihr Zigarettenetui?" fragte Boulot lächelnd. Cr sprach, ohne es zu wissen, französisch, griff noch dem Etui, schloß es und übergab es dem Maler. Quayre verbeugte sich leicht und dankt« ihm mit einer höflichen französischen Phrase. „Junger Mann." sagte Boulot halblaut,„lassen Sie mich Ihnen einen Rat geben. Wenn es sich darum handelt, jemand zu decken, so sind S i e vielleicht nicht die richtige Persönlichkeit, das zu tun. Die Polizei sst ein gefährlicher Gegner, aber sie kann auch ein vertrauenswürdiger Bundesgenosse sein. Nur merken Si« sich das«ine: wenn man sich zwischen uns und die Wahrheit stellt, so sst e» unsere Pflicht, niemand zu verschonen, um si« herauszu- bringen. Denken Sie darüber nach!" Wieder schien es, als ob der Maler sprechen wolle. Aber in diesem Augenblick trot Smith an seine Seite. Ohne ein weiteres Wort folgt« ihm Quayre. An der Tür wandte er sich noch einmal um und sah den alten Franzosen an. Er stand noch immer in der gleichen Haltung am Tisch mit seitwärts geneigtem Kopf, während «r sich mit seinem Zeigefinger langsam den Nasenrücken rieb. (Forffetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Unglück über Unglück. Lieber Setzer, lieber Korrektor, lieber Leser: jetzt soll endgültig und ohne Nullen zuviel oder zuwenig die Preissrag« gelöst werden: „Wenn in New Pori Z0 Millionen Milchslaschen verschwinden, von denen das Stück 5 Cent kostet, so macht das wie viel« Hunderttausend« odckr Millionen Dollar aus?" Zuefft hatten wir behauptet: 2S0 Millionen. Dann aber muhten wir uns belehren lassen: es find nur 250(100 Und jetzt stellt es sich heraus, daß SO Millionen Flaschen mal S Cent 2,5 Millionen Dollar sind! Lieber Setzer, lieber Korrektor, lieber Leser: Ihr müßtet doch wissen, daß die Redakteure zu den schlechtesten Rechnern gehören, wovon die Geschäftsführer und Verleger aller Parteigattungen ein Lied singen können(daher der Name Vorschuß!). Im Fall« der Milchflaschen hat er sich auf euch oerlassen, und schon geschieht ein Rechenunglück nach dem anderen. Es soll nicht verschwiegen werden, daß bei un» auf» neu««in« Anzahl Zuschristen zu dieser verwickelten Sache eingelaufen sind. Drei von ihnen seien erwähnt: der erst« Leser glaubt, daß wir da» Rechnen aus der Inflationszeit verlernt hätten: der zweit« spricht di« Vermutung aus, daß wir die SO Millionen Flaschen ausgetrunken hätten,„aber mit einem anderen Inhalt als Milch": der dritte Lefer aber erklärt, daß er, trotz Schreib- oder Druckfehlers, auch mit 250 000 Dollar zufrieden wäre. Das wären wir auch, und hätten wir das Geld, wir setzten den ganzen Betrag als Prämie für di« best« Lösung der schwierigen Aufgabe aus: wie verhindert man in einer Tageszeitung alle Rechen-, Schreib- und Druckfehler? Draußen tanzte der Sonnenschein... In einer jener gemütlichen Episoden der oorwilhelminifchen Ge- selligkeit Berlins fand ich diesen Satz aus der Feder de» damals gerade emporkommenden Erzählers Heiberg durch einen Börsianer im Walzerschritt illustriert. Seitdem hat diese Vorstellung des tanzenden Sonnenscheins mich nicht verlassen, und ich suche, wenn die ersten Sonnenstrahlen da» Fenster streifen, nach den tanzenden Kindern und jungen Paaren... Ja.„wenn" die Sirahlen da sind... Run, man sollte meinen, im Juni, wo di» Sonnwend- feuer schon zum Himmel steigen, müßte der Sonnenschein so sicher sein, wie das Amen in der Kirche. Aber dieses Jahr scheint sich würdig seinem bösen Vorgänger anzureihen, der den Wochenendlern ständig mit Regen und Sturm aufwartet«. Bloß, daß diesmal noch Gewitter mit Hagel hinzukommen. Auch«in Gswitteffommer ist zu ertragen, wie e» die warmen Monate de» Komet enjohrs 1910 bewiesen hoben— drei Gewitter am Tage, aber kurz und gleich- darauf prächtiger Sonnenschein: gute und schlechte Kräuter wuchsen um di« Wette. Aber diesmal— bricht sich die Sonne, die jetzt ein« Langschläserin geworden ist, mühselig um 7 Uhr Bahn durch die Wolken, so kommt spätestens um 12 Uhr ein Gewitter und danach eine Abkühlung, daß man den eingemotteten Wintermantel wieder hervorsuchen möchte. Wohl dem, der zu Haus« oder während de» Ferienaufenthaltes ein„sonniges" Zimmer sein eigen nennt: er kann die wenigen Strahlen ausfangen. Und wie steht es mit den Genüssen des frühen Sommers, den Schoten und Bohnen, den Erd- beeren vor allem— sie haben Preise, die für die große Masse un- erschwinglich sind... Um einen Monat zurück ist die Natur und wenn wir Philosophen find, so rechnen wir den Juni al» Mai und trösten un» mit der Bauernregel:„Mai kühl und naß* Es wäre danach doch noch möglich, daß die zweite Hälfte de» Sommers das gutmacht, was die erste verdarb. L. v. Die eigene Frau verschachert. Wie notwendig es ist, daß der Völkerbund in das dunkle Trei- den der internationalen Mädchenhändler und Bordelle hineinleuchtet, beweist folgender Vorfall aus der jüngsten Vergangenheit: Eine junge, siebzehnjährig« Engländerin hatte einen Polen geheiratet, der ihr nach Geburt ihre» ersten Kindes vorschlug, seinen Bruder in Buenos Aires zu besuchen. Dort wohnte das Paar in einem„Hotel", von dessen eindeutiger Beschaffenheit sich die junge Frau nur zu bald überzeugen mußt«. Ihr eigener Mann hatte sie an den In» haber für eine Summ« von 250 Pfund— etwa 5000 Mark— vertaust. Erst nach einigen Monaten gelang es ihr, zu einem Mif- sionar zu enffliehen, von dem ihr Mann sie jedoch kraft seiner „ehemännlichen Rechte" mit Hilf« der Polizei wieder abholte. Nun- mehr wurde sie im Haus« der Unzucht unter strenger Bewachung gehalten, bis ein durchreisender Ingenieur, der ihre Eltern kannte, da» Haus besuchte und nach polizeilicher Durchsuchung veranlassen konnte, daß sie befreit wurde und die Rückreise nach England an- treten konnte. Heute lebt die junge Frau in neuer und glücklicherer Ehe: Tausende ihrer früheren Leidensgenossinnen aber, di« man unter trügerischen Borspiegelungen oder unter gewissenloser Aus- Nutzung ihres jugendlichen Leichffinns in di« überseeischen Mädchen- Höllen verschleppt hat, schmachten welter in der schändlichsten oller Sklavereien. Eintrittspreis nach Gewicht. Amerikanische Studenten haben einen neuen Maßstab für die Bemessung von Eintrittspreisen für Festlichkeiten gefunden. Di« Hochschule in Los Angeles wollt« ein akademffches Fest veranstalten. ober im Studentenkollegium konnte man sich nicht darüber klar werden, wie hoch der Preis der Eintrittskarle für die Damen zu bemessen sei. Endlich verfielen sie auf«in« neu« und glänzende Idee. Durch die Togesblätter wurde angekündigt, daß jede Dame, die an diesem Fest teilnehmen will, als Eintrittsgebühr so viele Cents zu bezahlen habe, wie ihr Körpergewicht betrog« An der Kasse wurden Studenten mit Peffonenwogen ausgestellt und jede Dome mußte erst ihr Gewicht feststellen lassen. Mit dem Eintritts- preis wurde auch das Gewicht verkündet. Diese Idee hatte so viel Anklang gefunden, daß die Washingtoner Studenten auf den Einsall kamen, zur Bemessung des Eintrittspreises da» Lebensalter zu verwenden, um ihre Kommilitonen In Los Angeles noch zu über- trumpfen. Beim Eintritt mußt« jede Tänzerin ihren Geburtsschein vorweisen und zw« Cent für j»d«s Lebensjahr entrichten Rundfunk und Wetterdienst. Die Ueberlegenheit des Rundfunks al» Uebermittler des Wetterdienst«» wurde durh einen Versuch in T a m p a(Florida) überzeugend nochgewiesen. Im amtlichen Wetterbureau von Tampa wurde der Wetterdienst der Station Arlington aufgenommen. In 58 Minuten waren die Wetterbericht« von 205 Beobachtunzssta- tionen nicht nur aufgenommen, sondern sämtlich in die Karten eingezeichnet. Zur gleichen Zeit hatte man mit der Uebermittlurg von Wetterberichten durch den Telegraph begonnen. Als die durch Rundfunk übermittelte Wetterkart« fertig war, logen von den zu übermittelnden 56 telegraphsschen Stattonen noch nicht alle Berichte Mr. FTGB. verläßt den Kartellverband. Der größte Berliner Arbeitersportverein gegen Moskau! Nach der Gründung des„ Freien Kartells für Ar- im Berliner Arbeitersport erklärt. Sie ist damit offen zum 3 en beitersport und Körperpflege" als Sammelorganisation tralverein für voltstümlichen Sport für die für alle bundestreuen, von Moskau unabhängigen Bereine, nehmen nicht tommunistische Arbeiterschaft Berlins gedie Austritte aus dem kommunistisch geleiteten Kartellverband Groß- worden. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin NO., Lichtenberger Berlin ganz außerordentlich zu. Gestern hat der Turnrat der Straße 3. " Freien Turnerschaft Groß- Berlin" getagt und nach furzer Aussprache folgende Entschließung gefaßt: „ Der Turnrat der Freien Turnerschaft GroßBerlin hat in feiner geftrigen start besuchten Sihung gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung befchloffen, aus dem Kartellverband Groß- Berlin auszufteten und sich dem Freien Kartell für Arbeitersport und Körper pflege anzuschließen. Alle Borstandsmitglieder ohne Ausnahme waren sich einig darin, daß die Zustände im alten Kartellverband unerträglich sind. Die eine Gegenstimme wurde mit der Begründung abgegeben, daß es richtiger jei, noch den Bundestag abzuwarten. Die anderen Borstandsmitglieder begrüßten einmütig das Borgehen der Naturfreunde, durch das den fommunistischen Zellenbauern endlich das Handwerk gelegt werde. Bom Borsitzenden wurde ferner festgestellt, daß nach dem Ausfritt aus dem Kartellverband selbstverständlich eine Teilnahme an der Kartell- Generalversammlung durch die Freie Turnerschaft Berlin nicht mehr in Frage kommt." Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin" mit ihren über ganz Groß- Berlin verteilten Abteilungen, in denen jetzt schon weit über 4000 Mitglieder jeden Alters und Geschlechts turnen, Sport und Leibesübungen treiben, hat sich mit diesem Beschluß in erfreulicher Einmütigkeit gegen die kommunistischen Drahtzieher Man aberkennt Mandate. Für den Bundestag des Arbeiter- Turn- und Sportbundes in Leipzig war vom Spartentag der Schwimmer unter anderen Delegierten auch der in Arbeiterschwimmkreisen sehr befannte, lang jährige Funktionär Mar Schulz gewählt worden. Da Schulz Sozialdemokrat ist, fonnte er nach den legten Borgängen im Berliner Arbeitersport natürlich als Berliner Delegierter nicht in Frage fommen, und so sprangen auf Geheiß der kommunistischen 3entrale die Freien Schwimmer Norden" ein und erklärten Schulz seines mandates für verlustig. Zum Stellen des Antrages hatte man sich einen ganz neugebadenen Arbeitersportler zugelegt, der im Berein und in der ganzen Bewegung völlig unbekannt ist. Er, wie auch die Macher im Berein übersahen aber in ihrer Hilfsbereitschaft für Moskau gänzlich, daß der Verein gar kein Recht hat, Schulz das Mandat abzuerkennen. Mötig war nur eine Bestätigung, daß Schulz noch ordnungsmäßig Mitglied ist. Er fährt natürlich nach Leipzig und wird die Freien Schwimmer Norden" unter sich laffen. dem Bei dieser Gelegenheit muß mitgeteilt werden, daß Schulz vor. gestern auf offener Straße von drei kommunisten in Rot frontfämpferuniform insultiert wurde; man drohte, Spaltpli3" eine anständige Tracht Prügel zu verabreichen. Schulz war flug genug, sich sofort Zeugen dieses Borfalles zu sichern, damit an anderer Stelle die geistigen Waffen" der Kommunisten auf ihre Brauchbarkeit im proletarischen Klaffentampf hin untersucht werden können. Turnhalle): Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr Schülerabtei Hochschule der Körperkultur. Nicht mitten im Getriebe der Stadt, sondern etwas abseits erhebt sich in Leipzig, Fichtestraße 32/34, der monumentale Bau der Arbeiter Turn- und Sportschule, in welchem vom 22.- 26. Juni der 16. Bundestag des Arbeiter- Turn- und Sportbundes zum erstenmal im eigenen Heim tagt. Der zufällig Borübergehende fann sich die Bedeutung dieses sechsstödigen Riesenbaues nicht gleich erklären. Menn er jedoch erfährt, daß in diesen, mit allen modernen Einrichtungen der Neuzeit ausgestatteten Räumen, im legien Berichtsjahr 1308 weibliche und männliche Lehrgangsteilnehmer an Kursen ten, dann wird er mit Bewunderung diese Akademie der Leibesbon 3 bis 14- tägiger Dauer vollkommen fostenlos teilnehmen fonnübungen" betrachten. 1308 Rurfiften wurden in hygienisch einwandfreien Räumen beherbergt und in reichhaltiger Berpflegung beföftigt. Ja noch mehr, diefe, alle Berufe umfassenden Surfisten im Alter von 14-54 Jahren, erhielten von besonders ausgebildetem Lehrpersonal unentgeltlichen theoretischen und praktischen Unterricht in allen Gebieten der Leibesübungen. Welche Beachtung die in den Jahren 1924-1926 erbaute Bundesschule auslöft, beweist die Tatsache, daß außer den verschiedensten staatlichen und städtischen Behörden bereits 58 000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands die vorbildlichen Innenräume besichtigten. Für jede Sportart find mustergültige Anlagen vorhanden: eine große Doppelturnhalle mit Bühne, und eine Sporthalle für die turnerischen und leichtathletischen Lehrgänge. Die„ Waffer ratten" intereffiert besonders die Schwimmhalfe mit 3- MeterBrett. Das Bad murde bis Ende März d. I. von 15 331 männlichen und 6203 weiblichen Personen benutzt und hatte schon Tage mit 200 Babenben! Ein moderner Rudert a st en vervollkommnet die Anlagen der Wassersportler. Der theoretische Unterricht erfolgt im 200 Personen fassenden durch 2 Stockwerte reichenden Hörsaal. der auch für Lichtbild und Filmvorführungen eingerichtet ist. Mit der Schule verbunden ist eine sportärztliche Beratungsstelle, die nicht nur die Bundesmitglieder gewissenhaft unterfucht, sondern auch Material für sportwissenschaftliche Zwecke zu sammenträgt. Die photographische Abteilung, die mit den neuesten optischen Instrumenten und Apparaten arbeitet, Lichtbildervorträge und 12 besondere Filme herausgebracht, die leihmeise durch ganz Deutschland versandt werden. Zurzeit sind Sportplages im Gange, der die Lehrmöglichkeit der Bundesdie Borbereitungen zur Schaffung eines großen modernen schule wesentlich erweitern wird. Kinder in Luckenwalde. lung, 20 bis 22 Uhr männer- und Jugendabteilung. Turnhalle stellt technische Aufnahmen felbst her und hat bereits 15 verſchiedene Besucht das Kreis- Kinderturnfest! Luderwalde beherbergt vom 23.- 25. Juni in bekannter, längst bewährter Gastfreundschaft 4000 Kinder des 1. Kreises im Arbeiter Turn und Sportbund! Am Sonnabendfrüh um 8 1hr wird der Anhalter Bahnhof einem Heerlager gleichen, wenn die Sonderzüge unsere fleinen Freunde mit ihren Turnwarten hinausbringen. Aus allen Teilen der Mart Brandenburg werden die Kinder zusammenströmen. 2 Jahn Realgymnasium, Marktstraße 2/3: Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr Schülerinnenabteilung, 20 bis 22 Uhr Jungmädchen und Frauenabteilung. Turnhalle Pfarrftraße: Mittwoch von 20 bis 22 Uhr Frauenabteilung( über 25 Jahre). Straßenmeisterschaften. Im Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität". Nachdem der Bezirk Berlin die Meisterschaften im Bahnfahren erledigt hat, folgen nunmehr die Meisterschaften Meisterschaften im Straßenrennen, und zwar am Sonntag, 24. Juni, und Sonntag, 1. Juli. Buerst fommen zunächst die Bezirksmeisterschaften im Einzelfahren zum Austrag auf der Strede Schönwalde- BandlikKlosterfelde- Groß Schönebed, wo auch der Wendepunkt am Stein 45,5 sich befindet. Start und Ziel ist gleich hinter Schönwalde vor dem Forsthaus am Stein 20, 4 Die Luckenwalder Arbeiterschaft trifft seit Wochen alle Borbereitungen, die Kinder gastlich aufzunehmen. In überaus großer Anzahl begleiten erwachsene Arbeitersportler und Sportlerinnen als Fürsorger und Pfleger dieses lachende, jauchzende Heer! Kinderland ist Sonnenland! Und wenn unsere Kinder am Sonnabend und Sonntag zum fröhlichen Spiel und zu friedlichen Wettkämpfen antreten, dann liegt darin ein gewaltiges Stüd Erziehungsarbeit. Diese von allen Funktionären felbftlos geleistete Tätigkeit läßt uns hoffen, ehr liche, offene Charaktere und willensstarke Kämpfer in unserem Sinne zu erziehen. Alle Eltern und Interessenten, die dem luftigen Leben Am umstritteften ist die Meisterschaft über 50 Kilometer, für und Treiben beiwohnen wollen, benutzen die Sonntags Rdmelde 40 Meldungen vorliegen, darunter von Peter, Stod, Dubte, jahrtarte Berlin Anhalter Bahnhof- Luckenwalde( 4. Klaffe Beber, Kalusche, Gebrüder Dombrowsky. In der Altersklaffe ist vor 2.10 mart). Da in Luckenwalde alle verfügbaren Quartiere belegt allem der neue Bezirksbahnmeister Mustroph zu nennen, doch hat sind, werden die erwachsenen Gäste gebeten, den Sonntag zur Hin er in Annen, Steinfraus, Eichler, Lubasch, Ihden, Maslowsky sehr fahrt zu benutzen. gefährliche Ronkurrenz, so daß er sich gehörig streden muß, wenn er siegen will. Für die jüngere Generation find zwei Rennen über 10 und 2 Kilometer reserviert. Im 10- Kilometer- Rennen sind besonders 3ud, Herrmann, Dombrowsky zu beachten, da aber auch Thomas und Hottenrot im Rennen liegen, so ist die Frage des Siegers völlig offen. Die zwei Kilometer für die ganz jungen dürften zweifellos eine sichere Beute des gut veranlagten Strypnit fein. Die Besetzung der Rennstrecke haben die Mitglieder der Orts: gruppe Schönwalde übernommen, desgleichen auch die Hilfeleistung durch die Arbeiter- Samariter. Der Montag vereinigt die ganze Schar mit ihren Leitern zu einem gemeinsamen Ausflug nach dem hohen Golm". Das gesamte Bagenmaterial der Kleinbahn und der Stadt ist für die Rinder bereitgestellt. Der gemeinsame Ausflug endet mit einer imposanten Schlußkundgebung. Bir bitten alle Eltern, die Teilnahme der Kinder zu erlauben und alle Intereffenten um Unterſtügung dieses Kindertreffens! Die Gesamtleitung liegt in den Händen des Kreis- Kinderturnwarts Alfred Scholz, Berlin GD. 36, Dp peiner Straße 13, III. Treff Sonnabendfrüh Anhalter Bahnhof bis 8 Uhr, Ausgabe der Fahrkarten bis 29 Uhr bei Scholz. Die Kinder stehen außerdem in der Obhut und der Fürsorge der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Ludenwaldes. ,, Revolutionäre" Sonnenwendfeier. Das Bezirtstartell Friedrichshain der Berliner Arbeiter- Sportbewegung ist seit langem wegen seiner überwiegend tommunistischen Einstellung bekannt. Hier gilt bei allen Beranstaltungen nur das revolutionäre Schema. Kein Wunder, daß den wirklich guten Sportfunktionären dieses Bezirks längst die Lust zur Mitarbeit verging. Nach dem Austritt zahlreicher Gruppen aus dem Kartellverband scheint man auch hier den Kopf ganz und gar verloren zu haben. Davon zeugte eine Veranstaltung am Mittwoch auf dem Sportplah im Friedrichshain. Gine Sonnenwend feier, vorbereitet noch von früher sehr aktiven und tatkräftigen Funktionären, sollte hier unter der nunmehr rein fommunistischen Leitung abgehalten werden. Als Feuer rebner hatte man sich den Schriftleiter des Fichte- ,, Rampfgenoß" verschrieben. Reben guten historischen Darlegungen mußte man in recht deutlicher Anspielung erfahren, daß Kräfte im Arbeitersport am Werte sind, sich mit dem bürgerlichen Sport zu toalieren", die Arbeitersportbewegung zu neutralisieren und sich schüßend vor die bürgerliche Gesellschaft". zu stellen. Es fehlte zwar der Ber- rat, aber man merkte auch so die Absicht. Wir wurden uns nur nicht darüber klar, inwieweit bei den Sportveranstaltungen vorher die Musik mit Fortrott, Walzer und Boltamelodien mit dieser revolutionären" Linie, die ,, uns 1917 vom russischen Proletariat gezeigt" wurde, in Uebereinstimmung zu bringen ist. Berliner Arbeitersportler in Breslau. Zu dem am kommenden Sonntag in Breslau stattfindenden Reichsarbeitersporttag entfenden die Berliner Leichtathleten eine Städtemannschaft, die aus den ASC.- Läufern Rößler, Fischmann, Wienecke und Heldt zusammengesetzt ist. Die Mannschaft wird an der 4 × 100- meter- Stafette und an der Olympischen Staffel teilnehmen. Bei diesem Lauf wird Braun als 800- Meter- Mann starten. Alle vier Sprinter werden außerdem an dem 100- meter Lauf teilnehmen und am Sonnabend vorher bei dem großangelegten Begrüßungsabend im Rahmen des Programms die 3wed- Gymnastit demonstrieren. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Lichtenberg. Im Sport. teil des Abend" vom Dienstag sind die Turnzeiten der Abtei. fungen des Bezirts Lichtenberg ber FIGB. nicht richtig wieber. gegeben; es muß heißen: Turnhalle Holteistraße( Obere Der Start erfolgt um 7 Uhr. Sammelstart für Rennfahrer und Wettfahrausschuß ist in Schönwalde bei Münchehofe früh 6 Uhr. und Wettfahrausschuß ist in Schönwalde bei Münchehofe früh 6 Uhr. Fünf Trümpfe." Auf der Olympia- Radrennbahn. Mit einer nicht zu überbietenden Besetzung wartet die DIŋmpia Radrennbahn bei ihrem nächsten Rennen om tommenden Sonntag auf. In dem Fünf Trümpfe" betitelten 100- Kilometer Rennen in zwei Läufen über 30 und 70 Kilometer treffen mit Walter Sawall, Erich Möller und Paul Kremer die brei beften deutschen Dauerfahrer auf den hervorragend in Form befindlichen Belgier Thollembed und dem Erweltmeister Grassin ( Frankreich). ( Frankreich). Drei gut dotierte Berufsfliegerennen und das fünfte Rennen des Großen Olympia- Preises für Amateure vervollständigen das Programm. Rennbeginn 15% Uhr. Arbeitersport und Fremdenverkehrswochen Den Kursusteilnehmern stehen während des Lehrganges in den Aufenthaltsräumen eine 2000 Bände umfaffende Bibliothef, fowie Radio, Musikinstrumente, Tisch und Brettspiele zur Berfügung. Bet jedent Abschluß der Lehrgänge bedauern die Kursisten, liche Stätte, besonders die vorbildlichen Schlafräume, verlassen die auch das Reisegeld ersetzt bekommen, daß sie die überaus gastmüffen. Von großer Bedeutung ist, daß in Berbindung mit der Bundesschule in einzelnen Kreisen Kreis- und Bezirksschulen einund den örtlichen Bereinen zugänglich machen. gerichtet sind, die das in Leipzig gesammelte Material auswerten Der von weitem grüßende Wahrspruch: Mach dich frei! follte jeden einzelnen veranlaffen, an der großen Kulturbewegung des Arbeiter Turn- und Sportbundes mit zu helfen: durch Pflege regelmäßiger Leibesübungen ein startes, lebensfrohes und kampfBereites Geschlecht au erziehen! Kommende Fußballkämpfe. Die Zeit der Serienspiele ist vorbei. Nur einige Spiele stehen noch aus. Trogdem rerienen sie noch einige Beachtung. Im Osten Im Norden steyen sich auf dem Ererzierplatz in der Schönhauser Allee Nordiska und Alemannia gegenüber. Fichte- Gefundbrunnen erwartet in Reinidendorf am Schäferfee den Besuch von Spandau 25. Staaten spielt gegen Briejelang. Fichte 24 gegen Buch. Hansa- Hohenneuendorf gegen Neu- Ruppin. ift das Spiel zwischen Lichtenberg I und Alt- Blienide von besonderer Bedeutung. Gift es doch für die Lichtenberger, den 2. Blak in der Tabelle zu behaupten. Das Spiel findet in der Kynaststraße. am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, statt. Frisch- Frei spielt gegen Britannia. Petershagen gegen Tasmania. Im Südwest en fiegt bas Hauptintereffe beim Kampf Frischauf gegen Wader 21. Der vorjährige Sübmeftmeifter wird hier den Beweis bringen, daß fein Sieg über Luckenwalde I fein Zufall war. Am Sonnabend stehen sich auf dem Adler- 12- Platz in der Chriftianiastraße, um 18 Uhr, die Bezirksmannschaften des Nordens und Südwestens gegenüber. Beide Bezirke stellen das befte zur Berfügung stehende Material auf. Fahrt Ch. Dorier; Borausfagen für Ruhleben. 1. Beracampos Mills; 2. Hanna Archdale Rojenjrau; 3. Hannibal 4. Marie Luife- Kerrigan jr.; 5. Franlet Johanniskäfer; 6. Irrteufeldhen- Koryphae; 7. Fahrt Ch. Mills- Agnes; 8. Hut Baron Gabler. ab Zierde; 9. Alcibiades Vereinskalender. Touristenverein Die Naturfreunde", Zentrale Bien, Ortsgruppe Berlin: Conabend, bend, 30. Juni, und Sonntag, 1. Juli, Connenwendfeier auf dem BereinsBewegungschor ber Boltsbühne, Regitation, Connenwendfeier. Beginn 24 Uhr. Cinlaßtarte 50 Bf.. Bu ben Zügen 15,57 und 17,35 sind besondere Wagen eingeftelt. Abt. Charlottenburg: Freitag, 22. Juni, Abendwanderung. Treffpunkt Reichskanzlerplay.-Abt. Gibost: Freitag, 22. Juni, 20 Uhr, Briger Straße 27. Unsere Sütten." Abt. Treptow: Freitag, 22. Juni, 20 Uhr, Elfenstr. 3. Naturwissenschaftliches. Abt. Reutölln: Freitag, 22. Jumi, 20 Uhr, Ropfftr. 55. Bindhologie." Mallunstgemeinschaft: Freitag, 22. Juni, 18 Uhr, Bahnhof Tiergarten. Malen nam ber Natur. Photogemeinschaft: Genoffen, welche Intereffe en einer Arbeitsgemeinschaft zur Ausarbeitung von Ausstellungsbildern haben, treffen mit Bildermaterial Freitag, 22. Juni, 20 Uhr, der Agfa- Photoschule. Abt. Brig: Montag, 25. Juni, Abendspaziergang. Arbeiter Radfahrerbund Colibarität". Ausfahrten für Conntag, 24. Juni. 2. Bestet, Detsgz. Charlottenburg: Fallenfee, 6 Uhr Galvaniste. 13. Ortsgr. Treptow- Baumfaulenweg: Gorinfee, 6 Uhr Bahnhof Baumschulenweg, 6 Uhr Bahnhof Treptow. Ortsgr. Wilmersdorf: Budowlee, 28. Juni, 17% Uhr, Mue, Drtsgr. Röpenid- Grünau: Störigsee, 6 Uhr Schloßplag. Ortsgr. Schöne. berg: Stutt Arena, 7 Uhr; Großes Fenfter, 8 und 13 Uhr Belziger Str. 17. Ortsgr. Steglig: Kartensportfeft, 12% Uhr Birkbuschstr. 90. Drtsgr. Lichter. Ortsgr. Bris: Gosener Berge, felbe Kartellfportfeft, 12% Uhr Vereinslokal. 23. Juni, 17 Uhr. 21. Begirl, Detsge. Reinidendorf: 1. Abt. Stolzenhagener Gee, 23. Juni, 18 Uhr; 24. Juni, 6 Uhr, Residensstr. 109. 2. Abt. Uegdorf, 6 und 12 Uhr Antonienftr. 61. Drtsgr. Heinersdorf: Weißensee, 18 Uhr Seinersdorfer Rizde, Ortsgr. Bankow: Rassenheide, 23. Juni, 18 Uhr, Marti ples. Drisar. Rieberschönhausen: Tasdorf, 6 Uhr Bornholmer Straße Ede Ede Oberstraße. Detsgr. Stralau- Rummelsburg: Biesenthal, Budowſee, 6 Uhr Türrschmidtstraße. Ortsgr. Borsigwalbe: Schönfließ, 13% Uhr. 23. Bezirt, Drisgr, Spanbau: Riabow( Unterbesirtstag), 7 und 12 Uhr Lutherplas Motorfahrer: Abt. Neukölln Väzer Borderfee, 7 Uhr Serfurthstr. 27. Arbeiter- Rabfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 24. Juni, 5 Uhr, Breis. Das Hand in Handarbeiten der Gemeinde Wien mit den Arbeitersportlern während der Fremdenverkehrswochen, spricht für die Güte des Biener Arbeitersports. Durch ihre Rollettivarbeit vermögen die Wiener Arbeitersportler Massen von Zuschauern heranzuziehen. Sie werben auf diese Art im Rahmen der Fremdenverkehrswochen für die Gemeinde und für sich selbst. Der Abschlußtag der Festwochen war auch der Höhepunkt sport- berinfir. 12. Ebenda Montag, 20. Juni, Porträtphotographie. Referent von licher Darbietungen. So brachte der vergangene Sonntag das Bettund Werbeschwimmen durch die alte Donau. Eröffnet wurde die Beranstaltung durch ein Brüdenspringen. 3u gleicher Zeit fand an der unteren alten Donau die Weihe des Bootshauses der Baddler der Naturfreunde statt. Den Weiheaft führte der Bürgermeister Seit aus. Die Arbeiterradfahrer veranstalteten ein Rennen burch das Triestingtal und fuhren die Bundesmeisterschaft auf der 10- Sti lometer- Bahnstrecke aus. Die Mannschaftsmeisterschaften im Ringen gaben auch den Intereffenten für Schwerathletik sehr gute Gelegenheiten, diesen Zweig des österreichischen Arbeitersports eingehend Schönhauser Allee. Ortsge. Sichtenberg: Stolzenhagener Gee, 6 Uhr Sunge tennenzulernen. Der Astö( Arbeiterbund für Sport- und Körperpflege Desterreichs) versteht es vorzüglich, in Gemeinschaft mit der Gemeinde Bien den Arbeitersport zu propagieren, im Gegensatz zu unseren Berliner Arbeitersportlern, die sich durch einige Schreihälfe abhalten lassen, städtische Einrichtungen für ihre Werbung in AnSpruch zu nehmen, wie es in diesem Jahre auch wieder bei der Turn. und Sportwoche der Fall war, fahet mogenmühle. 13 2hr Müggelfchlößchen. Start Baldemarstraße Ede Mariannenplag. Gäste willlommen. Arbeiter Rabfahrerbund Golibarität". Rennfahrer und Bettfahmausschuß: Donnerstag, 21. Suni, 10% be, im Bereinshaus Cubost, Michaeltirchkr. 29, Berjammlung ales Rennfahrer fomie bes em Sport beteiligten Mitglieder. Bichtige Tagesordnung. Befchäfts- Anzeiger Bezirk Norden- Often. o Fleisch Willy Hanka billig Wurst [ G. 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