BERLIN Montag, 25. 3uni 1928 10 Pf. Nr. 296 B146 45. Lahrgang. Erscheint täglich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche. pro Monat. Kedattion und Expedition: Berliu SW68,kindcnfir.3 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posischeckkonto: Vorwärts-Verlag 0. m. b. H., Berlin Nr. 37636. Fernsprecher: Dönhoff sss bis 297 Wirth Vizekanzler? Beschlüsse des Zentrums: Kabinett der persönlichkeiten! Ter Reichsparteivorstand des Zentrums hat heute vormittag getagt und nach längerer Aussprache beschlossen, ohne die Bildung der Weimarer Koalition direkt abzulehnen, der Zentrumsfraktion, die heute abend um K Uhr zur Beratung zusammentritt, zu empfehlen, ein Kabinett politischer Person» lichkeiteu ohne fraktionelle Bindung an- zustrebe«. Der Fraktionsvorstand des Zentrums hat übrigens bereits am Tonnabend sich dahin schlüssig gemacht, das; es für die neue Negierung Tr. Wirth als Vize» kanzler in Borschlag bringt. Zu diesem Vorschlag ist allerdings noch die Bewilligung der Gesamtfraktiou ein- zuholen, an der jedoch nicht gezweifelt wird. Spiel mit den Ozeanfliegern. Köhl, Fitzmauricc und Hünefeld sind noch immer Gegenstand täglicher Fest«. Arn Sonntag hoben sie sogar sich von dein ehe- moligen Kronprinzen bewirten lassen, der extra von Oels nach Berlin kam und gemeinsam mit seinen beiden ältesten Söhnen die Flieger in«in.Luxusrcstaurant Unter den Linden" einlud. - Wahrscheinlich hat es allen gleich gut gemundet. Heut« abend„feiert" der Stahlhelm die drei Flugzeug- Leute, die ihr Leben vor allem der Hilfsbereitschaft ainerikanischer und kanadischer Flieger verdanken. Der Stahlhelm läßt sich für die Teilnahme an seiner Holdenverehrung Eintrittspreise von 15 M. abwärts zahlen. Um' die Reih« voll zu machen, wird jeizt durch englische lBlätter zuerst mitgeteilt, daß H ü n e f e l d und Köhl eine Einladung nach Haus Doorn in Holland erhalten und angenommen haben. Auch der Schloßherr von Doorn und seine Hermine wollen etwas von dem H«ldenglanze naschen, der um d,« Namen der Ozeanflieger gewoben worden ist. Wir sehen mit Gelassenheit und ohne Erstaunen, wie sehr und wie gern sich die Herren vor den nationalistischen Reklametarren spannen lassen. Das ist ja ihr Privatvergnügen, und niemand soll es ihnen wehren. Nur soll man unter solchen Umständen die Oeffentlichteit nicht mehr mit der Hcldenverehrung behelligen, son» dem auch einmal ganz schlicht und cinsach daran denken, daß zum Beispiel jeder Feuerwehrmann, der füi� kargen Lohn trotz eigener großer Familie in Rauch und Flammen vordringt, uni Leben und Güter anderer Menschen zu retten, mindestens den gleichen Mut und die gleiche Aufopferung an den Tag legt, wie die Herren, die im Vertrauen aus die Sicherheit des Motors«ine Reise über den Ozean antraten. Nur daß dieser Feuerwehrmann sein Leben in die Schanze schlägt, ohne Anspruch auf Ruhm und Ehre und Festessen zu erheben. Was für ihn gilt, gilt ebenso für den Bergmann, der in«lenden Löchern mit seiner Familie haust, und jeden Tag sein Leben mehrfach aufs Spiel setzt, nur um der Pslichtersüllung willen. Das Lied vom braven Mann soll auch heute gelten, trotz Stahlhelm, Oels und Doorn! Streik in den Großbäckereien. Entsprechend dem Beschluß der Funktionäre vom Sonnabendabend ist gestern nachmittag zuerst in der Ausstellung„Die Er- n S h ru n g". wo die Brotfabrik von w i l t l e r einen Mammut- ofen im Betrieb vorführt, die Arbeit eingestellt worden, heute früh ist dann in einer Anzahl weiterer Großbetriebe die Arbeit nicht wieder aufgenommen worden. Lediglich in den Betrieben, wo bereit» der Sauertrig angestellt war. wurde heule morgen noch gearbeitet, um kein Material verderben zu lassen. Aber auch in diesen Betrieben dürfte die Arbeit im Laufe des Nachmittags. spätesten» jedoch heute abend eingestellt werde«. 3n vier mittleren Betrieben, die zusammen etwa 50 Blann beschäftigen, sind heute die Forderungen der väckereiarbeiter unter- schriftlich anerkannt worden, so daß sie nicht in den Streik einbezogen werden. 3n den Betrieben, die bereits in der vorigen Woche die Forderungen bewilligten und die im..Vorwärtsschon benannt worden sind, wird die Produktion in der gewohnten Weise«eUergeföhrt. u. 1 Die Retter Nobiles. Die schwedische Mannschaft, die Nobile gereitet hat Links unten das Flugzeug „Uppland".— Von links nach rechts die Flieger Nordstrom, Ljungland, Carlsen, Nilsson, Persson. Der General gerettet. Aber seine Kameraden harren noch in der EiSwüfle. Die Tragödie der ,.Ztalia--Erpedition scheint sich ihrem Abschluß zu nähern. Wenigstens ist nach den neuesten Meldungen General Nobile, der Führer der Expedition, sowie einer seiner Kameraden, aus der Eiswüste in Sicherheit gebracht worden. Auf Schiffen in Seenot besteht auch noch heute der ehrenvolle Brauch, daß der Kapitän als letzter das Schiff verläßt, als letzter sich retten läßt. Weshalb der General Nobile als erster gerettet wurde, das bedarf noch der Ausklärung. Die Meldungen besagen: Die„Citta di Milano" meldet durch Funkspruch, daß in der Nacht ein mit Skiern versehenes schwedisches Flugzeug unter schwierigen Umständen bei der Gruppe Nobile landete und mit dem General Nobile zurückflog. Es brachte ihn nach der Hinlopen- Straße, von wo ihn ein schwedisches Wasserflugzeug nach der Virgo- Bai auf die„Citta di Milano" brachte. Das Flugzeug begab sich darauf im Laufe des Tages von neuem zu der Gruppe der Schiffbrüchigen, um das Rettungswert fortzusetzen. Aber bei der schwierigen Landung schlug das Flugzeug um. Der tapfere Pilot blieb glücklicherweise unverletzt. Die Gründe, die dafür bestimmend waren, General Nobile als ersten fortzuschaffen, sind»och nicht bekannt. Oslo, 25. Juni. Die italienische Gesandtschast teilt mit, daß sie ein« Bestätigung der Meldung erhalten habe, daß Nobile gerettet ist. Auch ein zweites Mitglied seiner Gruppe ist gerettet worden. Beide sind verwundet und befinden sich an Bord der„Citta di Milano". Die Bergungsoersuche des schwedischen Fliegers Thronberg mit dem Flugzeug„Upland" haben, wie aus der Kingsbao gemeldet wird, zurRettungeineszweitenMannes gesührt, dessen Name zwar noch nicht bekannt ist. Man nimmt jedoch an, daß es sich um den bei der Katastrophe der„3talig" verletzten Ingenieur handelt. Sowohl General Nobile wie dieser Ingenieur wurden an Bord der„Citta di Milano" gebracht, die sich in der Nähe der Dänen-Insel befindet. Der Zustand des General» Nobile. der kurz vor der Ankunft des Flugzeuges ein Bein gebrochen hat. wird als ernst bezeichnet. Von den übrigen beiden Trupps der Lufischiffbesatzung sowie von Amundsen liegen noch keine end- gültigen Nachrichten vor.— Das Flugzeug hat den General an Bord genommen und nach der Kingsbay gebracht. Das Flug- zeug ist darauf sofort zurückgekehrt, um die übrigen Schiffbrüchigen zu retten. Ueber den Verbleib der„I t a l i a" und des Flugzeugs Latham liegen immer noch keine Nachrichten vor. Die Leiden eines Forschers. Oer Bericht Zilchners. Der Afienforscher Wilhelm Filchner ist, wie bereits gemeldet, am Sonntag früh nach München von seiner Forschungereise in Zentralasien zurückgekehrt. Er erzählte, daß es sich bei dieser Reis« um die Durchführung erdmagnetischer Messungen gehandelt habe. Zuerst führte den Forscher der Weg durch Rußland. Im Winter 1326/27 war er v ö l l i g m i t t e l l o s. Er hatte so gut wie nicht» zu essen und muhte barfuß gehen. Trotz dieser bedrückenden Um- stände hat er seine Arbeiten lückenlos durchgeführt. Er war oft 12 bis 14 Stunden am Tage mit seinen Messungen beschäsrigt. Ans dem Wege nach Lhasa setzt« Filchner unter außerordentlichen Schwierigkeiten seine Messungen im Hochland von Tibet fort. Hände und Füße waren ihm ersrorrn. Er erlitt einen Bruch a» der rechten Hand und später noch verschiedene Verletzungen, Rippenbrüche und einen Bruch am rechicn Fuß. Troß alledem gelang es ihm. seine vorgenommenen Arbeiten zu vollenden. Vom D a l a i Lama erhielt Filchner, vermutlich auf Aufforderung von englischer Seite hin. großzügige Hilfe. Im März 1928 überquerte der For- scher den Himalaja. Daß man ihn. einige Zei: sür ermordet hielt, war auf ein Mißverständnis zurückzusühren. Es wurden damals zehn. französische Missionar« von tibetanischen Priestern umgebracht. Außer den erdmagnetischen Mesiungen hat Filchner das gesamte Reisegebiet kartographisch aufgenommen und 28 300 Meter Filmaufnahmen für die Ufa gemacht. Stresemanns Antwort. Die Antwort, die der Fuhrer der Deutschen Volkspartei Reichs- lußenminister Dr. Strcsemann an den Beauftragten des Reichs- «rüsidenten, Hermann Müller, aus die Frage gegeben hat, ob er b e- !«it sei, als Fachminister in ein Kabinett der Weimarer koalition evtl. in ein sogenanntes Kabinett der Persönlichkeiten ein- »utreten, gibt die„Nationalliberale Korrespondenz" jetzt im Wortlaut nieder: „Ich halte die sogenannte Große Koalition für die beste «raktische Möglichkeit, um einigermaßen stabile Regierungsverhält- risse in Deutschland zu schaffen. Dem Versuch, sie auf der Basis nnes von den Fraktionen im voraus festgelegten Programms zu nlden, habe ich von vornherein mit Skepsis gegenübergestanden, veil es psychologisch kaum möglich ist, ein auf ein Jahr b e- lechnetes Programm in Wirtschaft-, Handel-, Sozial-, -teuer-, Innen- und außenpolitischer Hinsicht im voraus von allen »ctciligtcn Fraktionen sich billigen zu lassen. Nachdem dieser Versuch, wie Sie mir mitteilen, von Ihnen >ls gescheitert angesehen wird, beabsichtigen Sie, die sogenannte � Weimarer Koalition zu bilden und haben an mich die frage gerichtet, ob ich bereit sein würde, mich dieser Koalition ils Fachminister zur Verfügung zu stellen. Ich muß diese Frage verneinen, einmal ist sie angesichts meiner Stellung in der Partei unmöglich und weiterhin erscheint mir die Weimarer koalition als eine zu schwache Basis, um die großen Hlßenpolitischcn Fragen, namentlich die Frage der endgültigen leparationslösung, mit der für die Regierung notwendigen Autorität u vertreten. Ich glaube nach wie vor, daß ein Zusammenwirken >on Sozialdemokraten mit der Volkspartei not- send ig und möglich ist. Dieses Zusanimenwirken wird am besten um Erfolge führen, wenn Persönlichkeiten aus den Frak- ionen der Großen Koalition sich über das Programm klar werden, sit den» sie vor den Reichstag treten und ihrerseits mit diesem ?rog'ramm stehen und fallen. Eine solche Kabinetts» eldung entspricht auch dem Geist der deutschen Reichsverfassung, die urr die persönliche Verantwortlichkeit der Reichs- linister, nicht aber die Verantwortlichkeit der Fraktionen kennt. Da schon, von wenigem abgesehen, über einen großen Komplex 'vn Fragen überhaupt völlige Uebereinstimnmng besteht, würde ich Orschlagen, einen solchen Versuch zu machen. Wenn in einigen fragen nicht alle Fraktionen einstimmig sind, so ist das für das Zestehen der Regierung ebensowenig entscheidend wie in Preußen, so z. B. Sozialdemokraten und Zentrum völlig entgegengesetzte luffassungen über die wichtige Frage der preußischen Stinimab- abe im Reicherat vertreten. Herr Dr. Curtius, auf dessen Zcrbleiben im Reichswirtschastsministerium ich entschieden Wert rge, teilt, wie ich aus verschiedenen Gesprächen mit ihm weiß, »eine Auffassung. Der Anti-Kriegs-Vertrag. Amerikas Vorschlag- 14 Staaten überreicht. Die Regierung in Washington hat am Sonnabend nicht oeniger als 14 Regierungen, darunter den fünf englischen Zominien, Polen und der Tschechoslowakei, den neuen Ent-. ourf des Nie-wieder-Krieg-Vertrages über- eicht. Der Vertrag zeigt, daß Amerika fest darauf beharrt, inen klaren und allgemeinverständlichen, kurzen Vertrag >egen den Krieg abzuschließen. Seine zwei wesentlichen ilrtikel lauten: Artikel 1. Tie Hohen Vertragschließenden Parteien erklären eierlich im Namen ihrer Völker, daß sie den Krieg als Nittel für die Lösung internationaler Streitfälle Der- > r t e i l e n und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik n ihren gegenseitigen Beziehungen verzichten. Artikel 2. Tie Hohen Vertragschließenden Parteien vereinbaren, >aß die Regelung und Entscheidung aller Streitig» eiten oder Konflikte, die zwischen ihnen entstehen könn- en. welcher Art oder welchen Ursprungs sie auch sein nögen, niemals anders als durch friedliche Nittel angestrebt werden soll. Der dritte Artikel erklärt nur, daß der Vertrag in Kraft ritt, sobald ihn alle beteiligten Regierungen und Parla- nentc ratifiziert haben; der Beitritt steht den übrigen Nächten, also auch der Sowjetunion, offen. In der Ein- eitung des Vertrages ist die Selbstverständlichkeit hervor- gehoben, das gegen einen Staat, der trotz des Vertrages �ricg führt, die anderen Staaten sich wehren dürfen. Großer Fahrkartenschwindel. Zehn Angestellte der Stern-Oampfergesellschast verhastet. Bei der Berliner Dampsschissahrksgesellschafl„Stern" wurden Ende vergangener Woche größere Unterschlagungen aufgedeckt, die am Sonntag zur Verhaftung von zehn A n- gestellten führten. Der Direktion der„Stern"-Gesellschaft war aufgefallen, daß sich »us einigen Dampfern, dt« ständig gut befetzt waren, die Einnahmen nertlich verringerten, ohne daß man zunächst dafür ein« Erklärung fand. Durch einen guten Wind kam man überraschend »ahinter, daß Bootsleute, Kassierer und Kontrolleure die Ursache der Mindereinnahmen waren. Die Angestellten, die unter ein«r Decke steckten, gingen dabei außerordentlich vorsichtig und geschickt zu Werke. Jeder Kassierer und Kontrolleur arbeitete, wie er wollte. Kam das Publikum zur Dampferanlegestelle und zeigte vor Betreten des Dampfers dem Kontrolleur die Fahrkarte vor, riß er einfach kein? Ecke ab, sondern das Publikum behielt die unversehrt« Karte bis zur Endstation. Hier nahm der Kontrolleur die Karten wieder a n s i ch und gab sie sofort dem Kassierer, der in dem Schiffahrt?- Häuschen saß, zurück. Der Kassierer wiederum brachte die Karten nochmals in den Handel und teilte den Erlös mit dem Kontrolleur. Diese betrügerischen Manipulationen waren seit 1319, wie die Verhafteten zugeben, bei der Dampsschissohrtsgesellschaft zur Tradition geworden. Die Kontrollen in Potsdam waren einfach nur ein« Force. Die Mehrzahl der Verhafteten ist im Laufe der Nacht wieder entlassen worden, da sie Familienväter sind, in Potsdam wohnen und voll geständig sind. Die Akten gehen im Lause des Vormittags der Potsdamer Staatsanwaltschaft zu. Der Umfang der Unterschlagungen scheint sehr beträchtlich. Die Polizei glaubt, daß sie sich bis auf 3 ll 0 0 0(1 Mark belaufen können. Die Unterschlagungen erstrecken sich von der äußersten Dampferanlagestelle Ferch, Werder über Eaputh-Pots- dam bis zu den Müggel- und Tegeler Seen. Vandervelde spricht in Berlin. Erste öffentliche Rede seit 20 Jahren. Emile Pandervclde, der belgische Sozialistenführer, sprach gestern vor den Berliner Funktionären der Sozialdemokratischen Partei im überfüllte», festlich geschmückten großen Saal der Ger- mania in der Chausseestrahe über den internationalen Soziali st«nkongreß, der in Brüssel End« August stattsindet. Der Meineckesche Männerchor begrüßte den Gast mit Kamps- liedern der Partei, Rcichstagsabgeordneter Künstler sprach kurze Worte herzlichsten Willkommens. Dann nahm Vanderoelde, be- geistert empfangen, das Wort zu seinem Referat. Er habe zu danken, hier von den Berliner Freunden sprechen zu dürfen. Vor 20 Iahren habe er das letztemal in Berlin gesprochen zusammen mit dem französischen Genossen Albert Thomas. Damals boten Deutsch- land, Preußen, Berlin nicht den Anblick von heute. Der Platz der Republik hieß noch Königsplatz. Rußland, Oefterreich-Ungarn und Deutschland waren die drei großen Autokratien Europas gegenüber den Demokratien des Westens. Heute weil« er im rolen Berlin, Preußen sei der Hort der Republik, und Deutschland führe mit England, Frankreich und Belgien gemein- sam ein« Politik der internationalen Demokratie. Besonders groß sei seine Freude, so kurz nach dem hervorragenden Sieg der Sozial- demokrotie in Verlin zu sein. Der Tag erneuter Macht- ergreifung durch die Sozialdemokratie sei gekommen, ja gerade in Deutschland könne vielleicht heute schon die Arbeiterschaft allein regieren, wenn nicht die kommunistische Zersplitterung wäre. Aber wir haben Pas Gefühl: ohne euch kann man nicht mehr regieren. In kurzer Zeit dürfe sein Land, dürfe Brüssel, wie 1891, den Sozialisten aller Länder Gastfreundschaft bieten. Da- mals waren wir auch in Belgien noch schwach, heute empfangen wir euch im eigenen voltehaus. Auch in Belgien ist die Sozialdemokratie heute so stark, daß sie sich im Interesse des Volkes, der Arbeiterschast und des inter- nationalen Friedens nicht dauernd von der Regierung ausschließen kann. In Brüssel wird man auf dem kommenden Kongreß die Frage des Achtstundentages und des Washingtoner Abkommens, die Kolonialsrag« und die allgemeine politische Lage unter besonderer Rücksicht auf die Punkt« Entwaffnung und Frieden besprechen. Auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 war ich, so sagte Bandervelde, Berichterstatter für die Charte der Arbeit, und an die Spitze stellte ich den Achtstundentag. In Washington blieb man auf dem einmal beschrittenen Wege, aber die Ratifikationen des Vertrages lassen auf sich warten. Belgien und die Tschechoslowakei haben ratifizert, und eine Folge des fozialdcmokralischcn Siege, möge sein, daß auch Deutschland zur Ralisitalion schreitet. lieber die Kolonialsrag« sagte Bandervelde, daß die Sozialisten für die Recht« der Eingeborenen in den Kolonien kämpfe». Für die früheren deutschen Kolonien sei durch Wilson das System der Mandate eingeführt, und die englische» Parieisreunde verlangen jetzt das gleiche System bei den Kolonien aller Länder. In län- geren Ausführungen sprach Banderoelde über die Teilnahm« von Sozialisten an den Arbeiten des Bölterbundes, auch wenn in ihrem Lande bürgerliche Regierungen am Ruder seien. Eine gewisse Anzahl französischer Freunde sei der Ansicht, das Paul Boncours Tätigkeit in Genf mehr Unannehmlichkeiten als Nutzen bringe. Diese Frage aber gehöre nicht vor ein internationales Forum, son- der» sei eine Privatangelegenheit der französischen Partei. Auf der anderen Seite sei B r e i t s ch e i d s Tätigkeit in Gens auch zur Zeit rein bürgerlicher Regierungen im Reiche sehr ersprießlich und segensreich gewesen. Auch sein belgischer Freund de Brouckere sei Mitglied der belgischen Dele- gation nach dem Austritt der Sozialisten aus der belgischen Regie- rung geblieben. In der Abrüstungskommission hätten die Sozia- listen bestimmt ein nützliches Wert geleistet. Sie hätten auf die moralische Verpflichtung der Siegerstaatcn, abzurüsten, hingewiesen und deren schlechten Willen ossen aufgezeigt. In Belgien wären die Sozialisten in dem Augenblick aus der Regierung gegangen, als da» Heeresbudget vermehrt und die Dienstpflicht nicht oerkürzt wurde, und hätten dadurch einen moralischen Druck ausgeübt. Paul Boncour hätte Nor auch die juristische Verpflichtung der Sieger- staaten zur Abrüstung betont. Abrüstung ist möglich, wenn die Regierungen wollen, aber sie werden erst wollen, wenn auch die Völker wollen. Der wahre Friede wird an dem Tage da sein, an dem es keine Sieger und Desiegten mehr gäbe und die Gerechtigkeit die Grund- läge dcs Berhältnisses zwischen den Völkern geworden sei. Wir Arbeiter, die wir alle gelitten haben, wählen nicht zwischen Frieden und Krieg, sondern zwischen Frieden und Selbstmord. Wir wollen leben und kämpfen für Frieden, Demokratie und So- zialismus. Nach stürmischen Beisallskundgebungen dankle Reichstags- abgeordneter Rudolf Breitscheid dem belgischen Freund, der immer ein Führer der Arbeuerbewegung gewesen fei.. Er sei dem Ideal auch als Minister immer treugebliebcn. Das Hab« er gezeigt, als er in Marseille auf dem Sozialisten- kongreß als Minister des Königs weilte, das habe er in Locarno bewiesen, als er jede Berührung mit Mussolini mied, um das Andenken Mottcottis zu ehren. In Genf habe man in Vanderoelde immer den sozialistischen Vertreter gesehen. Das deutsche Auswärtige Amt habe immer den größten Wert auf eine Zu- sammcnardeit mit Vanderoelde gelegt und sei besonders eingetreten für sein« Wiederwahl in den Rat des Dölkcrbundes. Wie Bander- oelde habe auch er den Eindruck, daß nach Ansicht des Auslandes die Sozialdemokratie in die deutsche Regierung nrüst«. Gerade in Frankreich halten die deutschen Wahlen als Bekenntnis zum Frieden ungeheuer gewirkt. Wichtiger als Abrüstungekvnierenzen sei die Infamierung dcs Krieges durch die Bölker, und hierfür werde die deutsche Sozial- demokrotie immer kämpjen. Für die Sozialistische Jugendintcrnationale sprach der Sekretär der Iugendinternationale. Ollen Hauer Die Arbeiterjugend wird immer kämpfen für Arbeiterschutz. Arbeiterbefreiung und Bölkersrieden. Franz Künstler brachte ein Hoch aus auf die Sozialdemokratie aller Länder. Mit dem Gesang der Internationale schloß die Kundgebung. Bandervelde beim*Z>ro Palästina�-Komitee. Bonn deutschen Komitee„Pro Palästina" sprach gestern Emile Vanderoelde. Er und Frau Danderoclde sind erst kürzlich von einer Palästinareise zurückgekehrt. Gras Bernstorff als Borsitzender wies bei seiner Begrüßung auf den Eintritt Deutschlands in die Mandatskommission des Bölkerbundcs hin und fand Worte der Anerkennung für die politisch« Tätigkeit Bandcrveldes. Frau Landeroelde beschäftigte sich als Medizinerin mit dem Stand der sozialen Fürsorge in Palästina. In form- vollendeter Rede verstand Vanderoelde seine persönlichen Ein- drücke vom heutigen Palästina zu schildern. Besonders auf land- wirtschaftlichem Gebiet ist viel geschehen. Wille und Gemeinschaftsarbeit haben dem schlechten Boden Segen abgerungen. Zum Schluß rechtfertigte er als Sozialift sein Ein- treten für die Schassung eines jüdischen Nationalstaates, denn Palästina strebt einen morxistisch-sozialistischen Staat an. Sechs Lahre nach dem Mord. Die Raihenau-Gedenkfeiern des Reichsbanners. Die erste Kundgebung, die das Berliner Reichs- b a n n e r kurz nach feiner Gründung veranstallele, war eine Gedenkfeier für Rathenau. Alan wollte mit dieser Kundgebung Ehrfurcht und Treue bekunden dem Wann, der lm Dienst für den Wiederaufbau des zertretenen Deutschlands als Republikaner von Mörderhand fiel. Jahr für Jahr fuhren dann die schwarzrotgoldenen Kampfwagen nach Oberschöneweide zu einer Trauerkundgebung an Rothe- nau» Grabe, und mit Blumen wurde die Stelle geschmückt, wo die Tvdcswunde Rathenau traf. Gestern vormittag traten die Reichsbannerkameraden wieder an, um den Toten zu ehren. Zug auf Zug. in dichter Folge marschierten die Kameradschaften mit umflorten Fahnen und mit Kränzen nach Oberschöncweide. In langen Reihen rückten die Fahnen- abordnungen der Kreisvereine und Ortsgruppen aus Berlin und der Mark Brandenburg an. Auch diesmal reicht der stille Fried- Hof am Rande der Großstadt nicht aus, um all die Trauergäste aufzunehmen. Draußen vor dem Friedhof ist die Redner- t r i b ü n e aufgebaut. Dort treten die Kameraden an, dort sam- mein sich zu Tausenden Republikaner. Die Abordnungen schließen zusammen, um am Grab« vot-beizudefilieren, und während- die Fahnen sich senken, werden die Kränze aus das Grab ge> legt. Zu viel find es, um sie auszählen zu können. Die Kranz- schleifen bezeugen, daß die Republikaner an diesen Mann glaubten! Nach der stillen Ehrung kehren die Fahnenabordnungen zu ihren Kameradschaften zurück. Gesang der Arbeitersänger des 12. Bezirks unter der Leitung des Chorführers L ü d e r i tz ertönt, dann spricht Chefredakteur Reichstagsabgeordnetcr Georg Bernhard. In kurzer Ansprache versteht es der Redner. Rothenau und sein Werk vor der Bersammlung erstehen zu lassen. Er spricht von dem Kapitalisten Rathenau, der immer bemüht war. die Klassengegensätze auszugleichen, der den Arbeiter als w chi tigstes Glied im Produktionsprozeß betrachtete und darum gegen eine Ausbeutung dieser Kräfte war. Zum stillen Gedenken senken sich die Fahnen,„Ich halt' »inen Komeradc n", die alte Weise, klagt über den weite» Platz, hin über die Träucrgästc, die ihr Haupt entblößt haben. » Am Grabe Walter Rathenaus stellt� dcrReutöllnerOrts- verein eine Ehrenwache. An der Mordstelle in der Königsallee stand eine Ehrenwache des Ortsvereins Chorlottenburg mit umflorten Fahnen. Vor der Villa Rathenaus im Grunewald marschierten am Nachmittag die Ortsvereine, Wilmersdorf, Tier- garten und Eharlottenburg auf, die eine kurze Trauerfeier ver- anstalteten, bei der Oberbürgermeister a. D. Dr. Düllo und F. v. P u t t k a m e r Ansprachen hielten. Aei den Toten von Arensdorf. Heute vor einem Jahre büßten auf einer Reichsbonner. fahrt nach Frankfurt o. d. O. die Kameraden Tietz und Wollank durch Mördertot ihr junges Leben ein. Am Sonntag früh veranstaltet« deshalb das Reichsbanner. Ortsgruppe Erkner. an den Gräbern der beiden Toten eine kurze Gedächtnisfeier mit Kranzniederlegung: zu der auch Abordnungen der Freien Turnerschaft sowie der Männergesangvcrein..Freier Sang" erschienen waren. Unter den Teilnehmern sah man die Eltern und Geschwister der Toten, bei denen alte Wunden wieder aufbrachen. Der Kranz der Angehörigen für Karl Tietz trug ein« schwarzrotgoldene Schleife mit der Auischrift:„Fluch den Mördern zu Deinem heutigen Todestag." Herrliche Kränze hatten der Gau- vorstand, der Männergesangverein und die Ortsgruppe Erkner niedergelegt. Im Name» des Gouvorstandes Berlin und der Orts- gruppe Erkner hielt das Rcichsbannermitglied Lehrer Bauer die Gedächtnisrede, in der er bekanntgab, daß an den Gräbern der beiden Kameraden in den kommenden Wochen ein Denkmal errichtet werden soll. Dann fuhr die Ortsgruppe Erkner mit Laftm-aren noch Arensdorf, wo sich die Ortsgr ,ppen Arcusdorj»-.ro suu a. d. O., Fürstemvald«, sowie die des Krc-ies R�d-rbiirni.n-Oil zu einer gemeinsamen Totenfeier einfanden. Ergreifende Worte dcs Gedenkens sprach Kreisleiicr- R e ßl e> Frankfurt a. d. O. Der Bor- sitzende der Ortsgruppe Erkner, Schmidt, brockte zum Ausdruck buh die Bäier Tietz und Wollank nicht haßerfüllt sind, obgleich sie in den Gutsbesitzer o. Aioenslebcn den Urheber ihrer tiejeir Trauer sehen. Gegen 5 Uhr rückten die einzelnen Gruppen in ihr« Stand- orte ab. Zu Zwischenfällen ist es Donk der mustergültigen Disziplin der Reichsbannerkamcraden nicht gekommen. .?2Ä™SÄ-. Der Nachwuchs und die Koryphäen ttA% S**•• WWW Kammer und Senat tagen am Sonntag— Sozialisten entholten sich der Stimme Paris. 25. Juni(Eigenbericht). cheute morgen erscheinen im.Journal" die Gesetze über die Stabitisierung des Franken. Nachdem die Kammer gestern Abend mit 450: 22 Stimmen(dagegen stimmten nur die Kommunisten und einige Vertreter der Rechten, während die S o z i a l i st e n sich der Stimme en t h i e l t e n) die Vorlage angenommen hatte, trat der Senat um 9 Uhr zusammen, um noch einer nicht allzu langen Sitzung die Gesamtheit der Gesetzesprojekte mit 256: 3 Stimmen anzunehmen. Die gestrige Nochmittagssitzung in der Kammer erhielt gegen ihr Ende durch die mit Lebhaftigkeit vorgebrachten Kritiken der So- ziolisten an der Konvention mit der Bank von Frankreich einen be- wegteren Charakter. Die sozialistische Fraktion verlangte, daß die Bestimmungen der Konvention bezuglich der Aufwertung der Me- t allbestände der Bank von Frankreich abgeändert würden. Poincarä stellte hierauf die Vertrauensfrage und die Kammer entschieb mit 460 gegen 137 Stimmen gegen den sozialisti- schen Antrag, worauf die Konvention mit 435 gegen 134 Stimmen angenommen wurde. In einem Schlußwort erklärte der Abgeord- nete A u r i o l, die Fraktion könne nicht in einem Votum die Ge- samtheit des Projektes sanktionieren, das ein Projekt des seit 14 Iahren von der Bourgeoisie bewiesenen Egoismus sei. Ein« gleich- lautende Erklärung wurde von sozialistischer Seite im Senat abgegeben. Die Kammer erklärte sich nach der Abstimmung über die Gesamtvorlage einstimmig mit 575 Stimmen für den von der Finonzkommission angenommenen Antrag des sozialistifchen Abge- ordneten Bedouce, in welchem die Regierung aufgefordert wird, unverzüglich mit der Bank von Frankreich in Verhandlungen über einen neuen B o r s ch u ß von 2 Milliarden einzutreten. Die eine chälfte dieser Summe soll der Kreditgewährung an die Land- Wirtschaft, die andere zur Förderung der Bautätigkeit dienen. Der„Populaire" begründet die Haltung der sozialistischen Frak- tion, die für die eigentlichen Stabilisierungsgesetze, aber gegen die Konvention mit der Bant von Frankreich gestimmt und sich bei der Abstimmung über die Gesamtheit der Vorlage der Stimme ent- halten hatte. Sine Frauenstimmrechtsdemonstration. Paris, 25. Juni. Als gestern abend der Senat zusammentrat, um über die Sta- bilisierungsvorlage zu beraten, veranstaltete eine Gruppe von mehreren hundert Stimmrechtlerinnen eine lärmende Kund- gebung vor dem Senatsgebäude. Die Frauen trugen Plakate mit Deutschlands erste Dozentin für Strafrecht. Vom Essener Tänzerkongreß. Sräulein 3)r. für.£l*e Xoffka, Tochter des Berliner Landeerichtsdirektors Koffka, ist von der juristischen Fakultät der Universität Rostock ein Lehrauftrag für Straf recht erteilt worden. der Aufschrift:„Die Französinnen wollen stimmen, der Senat hindert sie daran!" Die Polizei wollte die Ansammlung zerstreuen, worauf es zu einem Handgemenge zwischen einer Anzahl Frauen kam. Die Polizei nahm drei Verhaftungen vor, die aber nicht auf- rechterhalten wurden. Magistratsassessor und Reichssarben. 100 Mark für Repllblikbeleidigung. Der Magistratsassessor Paul Hinkler aus Frey- bürg hatt« bei einer Wahlversammlung der Nationalsozialisten die Reichssarben mit den Worten„schwarz-rot-hühnercigelb" be- schimpft. Die Republikanische Beschwerdestelle, Berlin, stellt« Strafantrag, so daß sich Hinkler vor dem großen Schöffengericht in Naumburg am 14. Juni verantworten mußte. Er wurde auf Grund der be- stimmten Zeugenaussagen der Republikaner trotz seiner Ableugnung zu 100 M. Geldstrafe an Stelle von einem Monat Gefängnis oer. urteilt. Auch der Assessor ist Beamter. Wird der Mann weiter als solcher staatliche und städtische Besugnifse ausüben dürfen? Das Reichsbanner im Westen. Gau-Tagung in Gelfenkirchen-Buer. Gelsenkirchen. 25. Juni. Der vierte Gautag des Reichsbonners Schwarz-Rot- Gold des westlichen Westfalens fand am Sonntag in Gelsen- kirchen statt, wozu sich über zehntausend Reichsbanner- l e u t e eingefunden hatten. Der Bundesführer H ö r s i n g- Magdeburg, wurde bereits am Sonnabend abend am Bahnhof feierlich empfangen. Am Sonntag morgen fand im Bahnhoss-Hotel ein« Kundgebung statt. Nach Begrüßungsworten legte Hörfing in längerer Rede die E r f o l g e dar, die da» Reichsbonner bis jetzt erreicht habe. Das Reichsbanner fei eine Organisation, deren ganze Einstellung auf den Frieden na 6) innen und außen hinauslaufe. Der Redner schloß feine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Versprechen, daß er feine ganze Persönlichkeit einsetzen werde. damit das Reichsbanner weiterhin auf dem bisher beschritten«» Weg machhiene.' Esten. 25. Juni. Die Veranstaltung eines„Iunioren-Rennens"— wie man die Sache mit einem sportlichen Ausdruck hier scherzhaft benannte— war«ine sehr gute Idee der Kongreßleitung. Die ursprüngliche Ab- sicht ging dahin: jede große deutsche Tanzschule sollte eingeladen werden, je einen Schüler oder eine Schülerin zu entsenden. So hätte nian eine gewisse Garantie für gute Auswahl der„Renner" gehabt und einen einigermaßen zuverlässigen Ueberblick über das im deut- fchen Tänzernachwuchs vorhandene Material gewinnen können. Dieser Plan wurde aber leider nicht ausgeführt. Es kam, wer wollte und über das nötige Reisegeld verfügte. Nicht weniger als 93 junge, noch unbekannte Tanzbeflissene waren in Essen zur Stelle. Alle starten zu lassen, war natürlich nicht möglich. So wählte man— ich weiß nicht, nach welchen Gesichtspunkten— einige zwanzig von ihnen aus, die sich am gestrigen zweiten Konzerttage im S t ä d t i- schen Schauspielhaus« produzieren durften. Der Gesamtcindruck war günstig. War durchaus erfreulich. Deutschland verfügt über einen tüchtigen tänzerischen Nachwuchs, der für die weitere Entwicklung Gutes hoffen läßt. Fast durchweg solide Technik und ehrliches künstlerisches Wollen. Eine Klippe gab es allerdings, an der mancher, wenn auch nicht scheiterte, so doch in leichte Seenot geriet. Jedem Auftretenden war nur ein einziger Tanz bewilligt. Daher lag die Versuchung nahe, in diesen einen alles hin- einzupfropfen, was man konnte und womit man zu wirken hoffte. Darunter litten auch die Darbietungen der vielleicht Begabtesten, der kleinen Wienerin Gertrud Kraus, eines starken tänzerischen Temperaments mit vorzüglicher Schulung. Sie wollte zu viel auf einmal geben und sie überhitzte manche Partien ihrer umfangreichen Kompositionen, die dann grell und knallig wirkten. Neben ihr sielen in erster Linie Trude Brod und Mary Hougberg auf. Die erste aus Wien, die zweite aus Laxenburg(Schule Hellcrau) bei Wien. Beides gut durchgebildete, schmissige Tänzernaiuren, stilsicher und von schon deutlich erkennbarer persönlicher Färbung. Danach scheint es, daß Wien, die alte Walzerstadt, auch für den neuen Kunst- tanz über einen besonders guten tänzerischen Nachwuchs verfügt. Ob sich unter den Vielverheißenden gerade ein Genie befindet, möchte ich freilich nicht zu entscheiden wogen. Möglicherweise— wir wollen vorsichtig sein und keinem Unrecht wn— verbirgt sich in der Menge derer, die gestern nicht zur Geltung kamen, der große Stern der Zukunft. Nach einem einzigen Tanz läßt sich kein Urteil bilden Die Nachwuchsfchouen werden jetzt hoffentlich auf jedem Tänzer- kongreß wiederkehren, aber in Zukunft zweckmäßiger arrangiert werden. Dem Iuniorcnrennen, da? den Nachmittag ausfüllte, folgte abends ein Eliterennen. In der für intime künstlerische Wirkungen leider wenig geeigneten Riesenhalle des Ausstellungsgebäu. des. Neben den Kongreßteilnehmern hatte sich dazu die tänzerisch interessierte Einwohnerschaft Essens eingefunden. Das Publikum zählte nicht nach Hunderten, sondern nach Tausenden. Die Polucca, die Storonel, die Krotina, Pvonne Georgi und Harald Kreutzberg, die beide erst kurz vor der Vorstellung direkt aus Paris eingetroffen waren, wo sie— zum ersten Male auf französischem Boden— dem neuen deutschen Kunsttanz zu Triumphen verholfen hatten, entfesselten wahre Orkane begeisterten Beifalls. Auch die technisch vorzügliche, aber nicht sonderlich eigen- artige Pariser Balletteuse L a m b a l l e wurde freundlich willkommen geheißen. Uns Berliner interessierte besonders das Auftreten des jungen Tänzers Edgar Frank, der von der kommenden Spiel- zeit an Mitglied unserer Städtischen Oper sein wird. Ein Künstler von allererster Qualitätp wuchtig und zart, gleich eindrucksvoll in tragischen Akzenten wie in anmutig humorvoller Gestaltung. Eine Erwerbung, zu der wir die Leiterin unserer städtischen Tanzgruppe beglückwünschen dürfen. 5c>Kn Schikowski. Einweihung des Görresdenkmals. ?icde des preußischen Kultusministers. In K o b l e n z, der Geburtsstadt desckotholischen Publizisten Joses G ö r r e s, wurde gestern das Görres-Denkmal enthüllt. Der Fest- att begann mit Wagners Rienzi-Ouvertüre. Nach der Enthüllung des Denkmals hielt der preußische Kultusminister Dr. Becker die Festved«, in der er etwa sagte: „Josef Görres war weder Staatsmann noch Gelehrter, sondern besaß den Mut zu einem schöpferischen Dilettantismus. Er ist der Bahnbrecher der modernen politifch-literarifchen Publizistik. Dazu während der Besetzung des Rheinlandes durch Napoleon, also in einer Zeit, da jede freie Meinungsäußerung außerordentlich gefähr- lich war. Den entscheidenden Faktor seines Wirkens bildete fein leidenschaftliches Derantwortungsgefühl. Das Ziel der aus solcher Gesinnung erfolgenden zwangsweisen Aeußerung einer ethischen Verantwortung für das ganze war, so betonte der Minister, die Bildung einer öffentlichen Meinung, unter der der entschiedene und unoerkennbare Ausdruck des eigentümlichen Charakters der Nation zu verstehen sei." Joses Görres, der in den Jahren 1798 und 1799 in Koblenz die beiden Zeitschriften„Rotes Blatt" und„Rübezahl" erscheinen ließ und besonders durch seinen„Rheinischen Merkur" bekannt gewor- den ist, war ursprünglich ein Kämpfer gegen jede Art von Despotis- mus, geistlicher, auch weltlicher Art. Aber diesem Kämpfer von beißender. Heinescher Ironie gilt das Denkmal in Koblenz nicht. Es ist mehr dem späteren Görres gewidmet, der sich ganz der katho- lichen Wissenschaft und Mystik hingab und damit verbrannt«, was er früher angebetet hott«. Oer Gchuberi-Weiibewerb. Sonnabend hat die Jury des Internationalen Schubert-Wett- bewerbes den von der Columbia-Krammophongesellschaft gestifteten Preis von 10 000 Dollar an den Schweden Kurt A t t e r b e r g oer- liehen. Die Columbia-Gesellschaft beschloß, angeregt durch den Er- folg des Wettbewerbes, ein internationales Parlament für Musik zu errichten, dessen Pläne von Profesior Schillings und Walter Damrosch bei der Preisverteilung bekantgegeben wurden. Die Columbia-Gesellschaft wird in den nächsten zehn Iahren jähr- lich 5000 Dollar für die Arbeit stiften, die die Musik des Vorjahres am besten übertroffen hat. Di« Preise können sowohl an Einzel- Personen als auch an Gesellschaiten verliehen werden und sollen «in« Lücke im Robel-Preis ausfüllen. Es wird hier ein Parlaments- rat für die Förderung der Musik errichtet, der seine erste Sitzung in Wien abhalten wird. Atterberg erhielt den Preis für seine Sinfonie in E-Dur. ein Werk, dos als das beste aus 500 Partituren ausgewählt worden war. Alterberg, ein Mann von 40 Jahren, ist in Gotenburg in Schweden geboren und studierte in Deutschland. Er ist Komponist vieler Sinsonien und Orchester und Präsident der schwedischen Ge- sellschafj der Tonsctzer.__ Ein„sehens"wer!,<7',,>U. Der Mantel Miimto tigsliki (ilanni Schlccbi Montag. 2. S>. 28 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turnus IV Ant. 20(8) U. Stull. Sdunsplclli. tu Cendamranurk: Res.-S. SO Ant 20(8) Uhr Kalkutta, 4. Mai .M-WlOs-MtetMiU ;0(8i ühr e beiden Seehunde Renaissance- Theater Steinplaa 901. junr. Krankheit der Jugend Volksbühne hesldf an BOlowplati 8«/, Uhr Orpheus in der Unterwelt Iii. in SdiKfbaiictUniK 8V. Uhn Der Kuhhandel Reichshalten-Theater Stettiner Sänger rum Schluß, zum S2. Male: Stuckes Ptingsttahrt Anfang» Uhr. DönhoM.Bret t' 1 1 (Saal und Garten) Gr. Varletd-Programm, Konzert. Tanz. Kleines liieater Täglich 8S Uhr Kaiser-Tielz Lotte minder in Galante Nacht i oeniDei iDeatet aarininilr.93>9I.IMoli.i7r 8V.U. Ende 10», U. QathpiallOaütsitienrii. »« Protal Mary Dugan Diealer des Westens Steinpl. 931 SV. Uhr Täglich: Max Adalbert «t »t läUcnaorj-Sillinei: Ots. Künstler- Ii., *'/, Uhr „Das sind ja scAm H Uhr Nollendort 7360 1 Mcrö/Witiiams der eigenartigste amerikanische Exzentrik-Star und die übrigen| Vaiieie-Seniationen I das scHuaee. t sihq spiel dreimäöerthaus Alired Braun r. Theltmann, Jankuhn, Hesterber;. Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelslern, Sunshlneolrls. Mus.Leit.: P. HUhn, Ausst. Prf.Stern. Inszenierung Julius Brandl. Grosses Schauspielhaus Erik Charell. Komische |8% Ohr Oper IV. Ohr) JAMES KLEIN'S Kewaltlses neues Reviae-SlUck: Zieh' dilti ans! 200 HiftttrKende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. ßar;H«rt.Th„t»t �netariom am Zco KeSidanz ineat.r iudiimouw Blumenstr. 8. Täglich«V, Uhi Loni Pyrmont Krafft-Lortzing Gaston Briese Emma Klein Parkett auch Sonnt. statt 4— Mk. nur 1.— Mk. Theater am Kottbusser Tor Berlin, Kottbusser Str. i. Tel.; Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Elite- . Wie laimer mllrtaulgn Piograju I II. i f„Ei*«mMiur SAwiejersohn"(Sdiink) „Ein kleines Gesdien'<"(Sdmek) 'Lachen u. Slimenungi Volkstümliche Preise: SO PI. bis t M IräEttWeaiei Norden 12310 U. Ende 10»,. U Artisten 1 Sirt Max Reinhardt 'iflirt. iMthimMtr Strib Noll. 1678 16 Uhr: Der Sternhimmc: der Heimat 18 Uhr Erde und Weltenrara. 20 Uhr Oer EinlloOd. Gestirne Eintritt I M. üiitoiiUWtkmllöl)*. Die Komödie Jismatck 2414'7slf 4'/i U. Ende 10»,. U. Es liegt In der Luft Rerue von Scblfier. Buslk v. Spolianskv custspielbsur ir. 4«Ii» üdt Unwiderruflich letzter Monat 6'/« Uhr Unldo Tblelscüet in„ODtPI GestUftsapfsiAT Äose-Theater Gr. trankt. Str. 13- S';. Uhr Heimat Gartenbühne; '1,6 Uhr nachm. Ksmert onl Sranter Teil 8'/. Uhr Der tidele Bauer waihaiia-rh. ateinbergsweg 19/2; Täglich»i,. Uhr m Sdr iit-Sanfl in hrloreDe röditer Sittenst. in 4 Akten. Itr treidnni mbm IntnT Park-auch Sonntags statt 4— M. nur 60 Pf. ZOOLOGISCHER GARTEN .%k.AV! fir.Koazcrl; SSXlsliilllihWiili. Sonnabend-<) lif. El* II« StfclBlIltilk< Auf dem Sonderschaaplatz; i ZOO-OSTAFRIKASCHAU J AQUARIUM SPORTKÜNST- geöffn. v. 9-7U. AUSSTELLUNO fivm CUOWlO�HLOpfta Zorn eificnMdle, die russifc' vsrhoienen. Teilen. MM UStl'HStMSWN UUSIK- UUStU VOHSmWHCfN. e.stoum •MtumiUtMH fhaila-Iheater Tresdentr Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Berliner Prater Kastanlenallec 7*. 71/, Täglich 71,, „PoiRisdKVirtsdMfr Aufierdcm Konzert, Varitlä. Anf.5U-, Sonnt.4U. Tanz. Katfeekocnen. 9»mtnkf-2Ibiv Th. Könlggräu. M. Täglich 81,, Uhr Leinen ans iriana KomOdlcnhaus Tagt.■"/. Uhr Ein StOck Malhour m Mirull» Sittffir VivMmw SficUauLgafe xüi (Beilage Montag. 25. Juni 1928. B—■zyTayiagani im m n i—b�—■ £m märkischen Lido. Don allen Freibädern der Rcichshauptstadt ist zweifellos das Frcäbad Wannsee das populärste und zrößt«. Allerdings ist es zu Ruhm und Ausdehnung erst im neuen Staat gelangt: vor dem Kriege war das Freibad ein„Proletenbad" mit ungepflegten Anlagen, windigen Umtleidezelten und sumpfigen Wassertümpeln im Ufersand, Gendarmen mit Pickelhauben und schweren Schlepp- säbeln spähten umher, damit kein Herr aus dem„Familienbad" durch die verrosteten Drahtmaschen des„Damenbades" schlüpfe oder sonstigen„Unfug" treibe. Wehe dem erwischten Sünder! Ihm wurde unweigerlich die„Hundemarke" vom Hals genommen, damit Ein origineller Wegweiser phot Fritzsche. et dann in später Abendstunde bibbernd seinen Anzug, mehrer« preußische Anschnauzer und einen Strafbefchl in Empfang nehmen konnte. m<. t i Heute lacht das Herz des Berliners, wenn er vom Bahnhof Nikolassee aus, an der Avuskurv« vorbei, durch den duftenden Kiefernwald in wenigen Minuten zum Freibad spaziert und auf- atmend vor dem BadderHunderttausend steht. Der Blick geht weit über den Großen Wansc«, trifft leuchtende Segel auf der schimmernden Wasserfläche und dringt zum anderen Ufer hinüber, über den dunklen Kranz der Kiefernwälder hinweg in die blaue Ferne. Hinter den großen Toren und Kasseneingängen des neuen Ver- waltunzsgebäudes weiten sich grüne Rasenflächen, führen gepflegte Kieswege, die von vielen weißen Ruhebänken umsäumt sind, zur großen Haupttrepp«, auf deren Holzstufen man hinunter ins Bad steigt. Wieder bietet sich dem Auge ein überraschend schöner Anblick: das bunt« Gewimmel der Taufende am unendlich langen Strand, die dunklen Umkleidehallen, die mit ihren stroh- bedeckten Dächern wie die Häuser eines Fischerdorfes aussehen, dann die zahllosen Liegestühle und Strandkörbe, die dunkelgrünen Kronen der Kiefern an den Abhängen, kreuzende Segel und flink« Motorboote vor den Bojen und endlich das Neinc Dorf der„S o n n e n b r ü d e r", über dem die schwarzrotgoldenen Fahnen flattern. Und dem Dörfchen gegenüber der rogbndc Schloß- Das Strandleben phot Fritzsche. furm auf der Insel Schwanenwerder. Der entzückt« Be- schauer versteht bei diesem Anblick die Liebe des Spreeathener- zu seiner„Riesorb adewanne" und den Stolz, mit dem er sein Frei- bad als„märkischen Lido" preist. Wem der„Betrieb" am Strand und im Wasser zuviel ist. wer den„Sandpennern" und„Wellenplanschern" entfliehen wilC der kann hinauf in das riesige, zum Freibad gehörende Waldge- lande flüchten und sich dort ein stilles Plätzchen suchen, um in seliger Ruhe die würzige Ozonluft zu schnuppern. Denn das ist der verlockends Reiz des Freibades: es bietet Natur und Betrieb in glücklicher Misckung, so, wie es dem an Trubel gewöhnten Groß- ftadtcr nni liebste» ist. Und der empfindlichst« Neuling, der schon so viel von Wannsec gehört hat, wird bald inerten, daß der Ton «nd das vielzitrertc Milieu im Freibad sehr annehmbar sind. Man tfUtbea des wu�W«der herzlichen Tva des Polles in allen Skalen trillern und jedes Mädchcnpcnsionat könnte in dieser Atmo- sphäre gesunden. Wer sich als Sohn des Volkes fühlt und mit dem Volk in die große„Wanne" steigen will, dem braucht nicht bange zu fein vor dem zu Hause gelassenen Tugendhöschen: 30 Pf. be- trägt das Leihgeld für eine Badehofe, die man erst mit der Sonne letztem Strahl wiederbringen braucht. Wer aber„angeben" und einen„feinen Pinkel" markieren will, der kann sich einen Bade- anzug, Badeschuhe, Badelaken, Badekappe und«inen knallbunten Badeanzug leihen und vom Strandwärter einen Strandkorb mieten. Im übrigen hat sich auch schon vor dem Freibad unmittelbar hinter dem Bahnhof ein Jahrmarkt aufgetan, aus dem man nicht nur Bananen, saure Gurken, Rollmöpse, Eiswaffeln, Kartoffelpuffer und„heiße Wiener" kaufen kann, sondern sämtliche Badeartikel, vom Strandschuh bis zum Gunnpikrokodil, mit dem man im Wasser die Schwiegermutter und die Stichling« erschrecken kann. Das Amüsement am Wannseeufer ist allerdings mit einigen Unkosten verbunden: das Eintrittsgeld beträgt 29 Pf. und für die Kleiderabgabe niüffen ebenfalls 29 Pf. entrichtet werden. Und wer ein ordentlicher Mensch ist, hat zur Strafe dafür, daß er seinen Anzug auf einen Bügel hängen will, noch einen Groschen extra zu berappen. Ebenso muß für die Aufbewahrung von Wert- fachen, Taschen oder Paketen je 19 Pf. gezahlt werden, so daß mit Fahrgeld eine Mark zusammenkommt, ohne daß sich der Luft- und Sonnenhungrige auch nur eine kleine Erfrischung g:- leistet hat. Dadurch wird selbst der Freibadebesuch für die Aermsten zum seltenen Vergnügen. Das ist die etwas beschattete Kehr- seit« der Metaill«. Trotzdem: die wenigsten ziehen einsam zum Lido: es ist meist eine kleine Gemeinschaft, die auf einer mitzebrach- ten und im Sand ausgebreiteten Decke sich ihr Lager ohne Un» kosten aufschlägt. An heißen Tagen herrscht auch am Strand große Wohnungsnot, und es gehört zu den alltäglichen Unfällen, anderen Leuten auf die mitgebracht« kalte Karbonade oder in den G.'ieß- pudding zu treten. Das sind die Ferim der Proleten: mit dem Ringbahnzug ins Bad der Hunderttausend, im heißen Sand liegen, sich von der Sonne bescheinen zu lassen und weiter nichts zu wn, als von dem Nichtstun auszuruhen. Gipfel des Glücks für den kleinen, gehetzten Mann: nichts tun, nichts denken, selig dösen und Kräfte sammeln für den kommenden Arbeitstag. Allerdings, ver dabei unvermutet an die Heimfahrt in den überfüllten Ringbohnzügen denkt, dem läuft bei 39 Grad im Schatten ein kalter Schauer über den Rücken. Der Anfahrtst.-ecken zum Freibad sind zu wenige, da helfen auch keine schnellen Zugfolgen. Denn wer kann mit einem Auto oder Motorrad im Wannsee„parken"? Man„parkt" im günstig- sten Falle mit einem„1— dem Fahrrad, für das auch be- wachte Unterstände geschaffen sind. Oben an der Hintertreppe be- findet sich die K in d e r s u n d ste l l e. Ein« Tafel mit einer hüb- schen Holzplastik, die ein weinendes Kind darstellt, das seine Mutti sucht, macht sie weithin kenntlich. Der„K i n d e r v a t« r", der geplagteste Mensch des Freibades, läutet die Glocke und setzt den- Schalltrichter an den Mund. Weithin hörbar hallt es über das Bad:„Ein kleiner Junge aus der Ackerstraße, auf den Namen Karlchen hörend, ist gefunden worden!" Vier» bis fünfmal wird gerufen. Am Abend ist der Kindervater ganz heiser: 4 9 bis S9 Kinder werden in der Hochsaison fast jeden Tag ausgerufen. Eltern, die ihre Kinder verloren haben, sollen sich schnurstracks zur Kinderfundstelle begeben und dort aus ihren Sprößling warten. Das Herumsuchen am Strand hat wenig Zweck und erschwert dem„Kinder- Die Rettungsstation des Freibades phot Fritzsche. vater", bei dem sich bis jetzt jedes vermißte Kind angefunden hatte. die Arbeit. Auch die anderen schokoladenbraunen„Strandbüttel", die zum Teil auf der weit ins Wasser hinragenden Rettungswache ihren Dienst tun, haben es wahrlich nicht leicht. Neben den staatlich geprüften Rettungsschwimmern helfen etwa 199 ehrenamtlich tätige Rettungsschwimmer(zum größten Teil Mitglieder des Arbeiter- S ch w i m m e r b u n d e s) die Ordnung am Strand aufrechterhalten. Meist geht es aber sehr gemütlich zu, und ein kesser Jazz, der zu den Klängen eines Koffergrammophons durch den Sand ge- schoben wird, rechnet zu den Höhepunkten des Vergnügens. Nur langsam leert sich das Bad, wenn die Glocke„Feierabend" läutet. Schwer wird der Abschied vom Wasser, das vom Feuer der glutrot sinkenden Sonne überschüttet wird. Es flimmert wie Gold. Ueber den Kieferwipfeln blinkt ein erster Stern. Die Nacht senkt sich über den„märkischen Lido"..AUred Fritzsche. Fabrikfriedhöfe in Sowjetrußland Wirtschaftliche Konterrevolution oder...? Die Anklageschrift im Schachiy-Prozeß macht den russischen In- genieuren u. a. den Vorwurf, sie hätten im Auslande absichtlich Moschinen eingekauft, die für die Bergwerke nicht in Betracht kämen, und importierte Maschinen unausgenutzt herumliegen lassen. Von den deutschen Angeklagten heißt es, sie hätten diesen ixrbrecherischen Handlungen ihrer russischen Kollegen Vorschub geleistet. Da ist es nicht unntteressant, festzustellen, daß in einer einzigen Nummer der„Prowda" vom 11. Mai d. I., zu gleicher Zeit mit der Verösfenllichung der Angeklageschrift im Schachty-Prozeß, aus vier verschiedenen Orten, die weit voneinander liegen, über Miß- stände berichtet wurde, die für europäische Verhältnisse einfach ein Ding der Unmöglichkeit scheinen. War auch das„wirtschaftliche Konterrevolution" oder was sonst? So wird aus T w er der Zeitung gemeldet, daß auf der Weberei „Die twerschc Proletarierin" „69 aus dem Auslande eingetrosfene Maschinen sechs Monate lang unter freiem Himmel gelegen haben. Nun sind sie verrostet und ihr« Wiederherstellung dürfte Geld und Zeit erforderp. Die gleiche Fabrik hat aus Deutschland eine Anzahl Maschinen erhalten, die ein Gesamtgewicht von 4 9 99 Zentnern besaßen. Sie wurden in einem Raum ausgestellt, in dem früher Maschinen standen, die«in Gewicht von nur 26 9 9 Zentner hatten. Ilm eine Katastrophe zu verhüten, mußte man die neu a u s g e st e l I t e n Maschinen unbenutzt dastehen lassen. Seit 51-- Monaten dauern die 2k r Handlungen wegen der erforderlichen baulichen Tkränderungen. Ist das Konterrevolution oder...? In Leningrad hat die Arbeiter- und Bauerninspektion fest- gestellt, daß aus der Fabrik„Elektroapparat" in der Zeit von 1g?6 bis 1928 für eine halbe Millionen Rubel ausländischer Ma- schinen eingetroffen sind, von denen ein groheer Teil bis heule nicht aufgestellt ist. Während diese Maschinen den Weg aus Deutschland bis in den Hafen von Leningrad in 4 bis 5 Tagen zurückgelegt haben, be- durftees 4H Monate, um sie aus dem Hasen in die Fabrik zu schaffen! Ein« Reihe von Maschinen, die nach dreimonatlichem Lagern im Hafen, bereits am 7. Februar vorigen Jahres, in der Fabrik aufgestellt worden sind, stehen heute noch untätig da. Von den Mctallwerken in Dnepropeterowsk, die den Namen„Die rote Gcwerkschafts-Internationals" tragen, wird be- richtet, daß sie im vorigen Jahre etwa hundert neue aus- ländische Maschinen erhalten haben. Ein Teil von ihnen wurde etwa einen Monat später in Tätigkeit gesetzt, ein anderer wartet heute noch auf Verwendung. Währenddessen können ander« Fabriken, die die gleichen Erzeugnisse mit veralteten, weit weniger leistungsfähigen Maschinen herstellen, wegen Ueberhäufung mit Aufträgen den an sie gestellten Anforderungen nicht gerecht werden. Und der„Prawda" vom 19. Mai ichreipt ein Korrespondent aus S t a l i n o, die Rationalisierung der Kohlenindustrie befinde sich dort im jämmerlichsten Zustand«. Eine ganze Reihe von Maschinen stehe untätig da, weil ver- schieden« Teile fehlten und die Konstruktion der Maschinen den Arbeitsbedingungen nicht entspräche. Die Folge davon ist. daß der Selbstkostenpreis sich um 1b proz. erhöht hol. Ganz ungeheuerlich mutet aber der Brief eines Arbeiterkorre- spondenten aus Dnepropeterowsk in der.�kommunistischen Jugendprawda" vom 23. Mai an. Auf den Fabriken des Bezirks. heißt es da, gehen aus dem Auslande eingeführte Maschinen im Gesamtwerte von 14 Millionen Mark zugrunde. Auf der Fabrik, die den Namen„Pctrowski" führt, gehen Zchntausende von Arbeitern täglich an den großen Kisten vorbei, aus denen Teile verrosteter Moschinen Herauslugen. Gasmotorc sind dem Regen ausgesetzt, Hammer liegen auf deni Müll, elektrische Bohrmaschinen und Pressen im Gesamtwerte von 3 Millionen Mark. Auf der Fabrik„Dserschinski" liegen auf dem„Fabrikfriedhos", - wie die Zeitung es bezeichnet, Maschinen im Werte von 7 699 999 Mark. die für die gegebene Produktion als untauglich erkannt sind.„So geht man mit den wertvollsten, aus dem Ausland eingeführten Maschinen um, wegen derer der Arbeiterstaat Wichtiges entbehren muß und das Gold ins Ausland fließen läßt." schreibt der Korr«- spondent.■* Wie stehen aber die Dinge in Leningrad selbst? Darüber berichtet die„Prawda" vom 2. Juni. Für ganze 24 Millionen Rubel hat die Leningrader Industrie während der letzten zwei Jahr« aus dem Zlusland Masdsine» eingeführt und für die gleiche Summe soll auch in diescm Jahre gekauft werden.„Wie sieht es aber mit den aus dem Ausland eingeführte Maschinen aus?" fragt die„Prawda". Die von ihr selbst gegeben« Antwort lautet: Auf der Fabrik„Der Proletarier" liegen pereits ein Jahr lang eingeführte Maschinen unter einem Schutzdach, da das für sie bestimmte Gebäude noch nicht fertig i st. Auf der Fabrik„Elektroapparat" ist ein Teil der Maschinen zwar ausmontiert, aber bis heut« noch nicht in Tätig keit gesetzt. Ein anderer Teil im Werte von niehr als 299 999 M liegt aber unausge nutzt da. Aehnliche„Maschinenfriedhöfe" gibt es in den Papierfabriken und in den für Massenproduktion bestimmten Fabriken. Auf einer weiteren Fabrik liegt ein aus dem Zlusland eingeführter Ofen bereits drei Jahre unausgepackt in den Kisten, auf einer,„Die Kommintern", stehen 59 ausländische Motor« untättg da. Dos gleich« Bild auf der Schuhfabrik„Skorochod" Ist das alles Konterrevolution oder..? Mit solchen Berichten aus sowjetrussischen Zeittingen über unverantwortliche Vergeudung des Rakionaleigenlums in Sowjetrußland könt« man Spalten süllen. Es verlautet, daß in Moskau eine Zentrale gebildet werden soll mit der Aufgabe, die aus dem Aus» l a n d importierten Maschinen auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Es scheint aber auch höchste Zeit, daß die russischen ZlrbeitsmetHoden gründlich untersucht werden, wozu die GPU. allerdings am wenigsten berujen sein dürfte, pgR ceine miAM \ra V WILL1AHS-ZEICHNUNCEN VON ADOLF LEHNERI 14. Fortsetzung. „Also haben Sie gar keine Erklärung für ihren Besuch bei Ouayre?" In chre Augen trat ein verzweifelter Ausdruck. „Nein!" „Und Sie hoben auch kein« Theorie?" „Nein, ich sog's Ihnen ja! Ich weiß nicht, worum sie hinging. Wi« sollt ich dos auch wissen?!" Sie biß sich auf die Lippen und wandte, dem Weinen nahe, den Kopf ab. Aber Manderton setzte nach einem Blick in sein Notizbuch das Verhör unerbllllich fort. „Sie sagten gestern, daß Sie und Ihr« Schwester hier zu- sammen zu Mittag aßen. Al» Sie fortgingen, um sich zum Ranelagh zu begeben, war Ihre Schwester noch zu chiause, nicht?— Schön! Nun, wieviel Uhr war es, als Sie das Haus verließen?" „Etwa vier Uhr." „Gut. Und um wieviel Uhr waren Sie im Ranelagh?" „Ungefähr um sechs Uhr. Oder e» mag auch sieben gewesen sein. Ich habe nicht genau aufgepaßt." „Aber Sie können doch nicht zwischen zwei und drei Stunden gebraucht haben, um von hier zum Ranelagh zu kommen? Wie haben Sie denn das gemacht?" „Ich ging dos größte Stück zu Fuß." „Aber wie ist dir denn das nur eingefallen, Dolores?" fragte Cranmore.„Da hast du ja das ganz« Polo versäumt.. „Ich hatte Kopfweh und dachte, der Epaziergong würde mir gut tun." Run mischt« sich Monderton wieder ein. „Darf ich fragen, wie Sie da gegangen sind?" „Ich ging nicht den ganzen Weg zu Fuß. Bei der Hammer- smithbriicke nahm ich ein Auto." „Aber bi» zur Hammersmithbrücke? Welchen Weg sind Sie da gegangen? Und hoben Sie sich irgendwo ausgehalten?" „Nein!" Dolores erhob sich mit einem Ruck, so daß ihr Handiäschchen zu Boden fiel. � „Ich kann nicht mehr antworten. Sie machen mich verwirrt. Ee war doch—— solch ein Schock-- und ich weiß nicht mehr, was ich sage. Jim, laß mich jetzt auf mein Zimmer gehen.." Monderton hatte sich herabgebeugt und das Hondtäfchchen auf- gehoben. Einige Sekunden hielt«r es in feinen großen, roten Händen, dann überreicht« er es dem jungen Mädchen mit einer Der- beugung. „Ich will Sie nicht mehr länger bemühen," sagte er, nickte Tran- more kurz zu und ging schnell aus dem Zimmer. Boulet folgte ihm und hotte ihn in der Halle ein. Auf feinen Anruf blieb er stehen und warrdte ihm sein rote», ärgerliches G«> ficht zu. „Zu Sägfpönen werd ich das Alibi dieses jungen Frauen- zimmers zerpflücken!" rief er wütend.„Sic soll lernen, was es heißt, Georg Manderton zum Narren halten zu wollen! Kommen Sie um drei Uhr heut nachmittag auf die Station, Boulot, dann kennen Sie zuschauen, wie ich ihr den Garaus mache. Ich mache sie verwirrt!! Wenn sie wüßte, was ich in meiner Tasche habe, dann würde sie um ein gut Teil noch mehr verwirrt sein..." „Aergcrn Sie sich doch nicht, alter Freund," sagte Boulot be° schwichtigercd.„Sic wollen beweisen, daß sie gestern im Atelier war, nicht? Das ist schon bewiesen. Ja, ja, ich, Boulot. behaupte das. Und was ist nun mit dem Quayre?" „Er wird die Nacht im Untersuchungsgefängnis zubringen. Das ganze Fenster feines Schlafzimmer» ist voll von seinen Finger- abdrücken. Ich sagt Ihnen doch, daß er da ausgerückt ist..." „Und da» Messer?" „Dieser Esel von Drogist hat's geputzt! Nichts mehr darauf zu sehen." „Dumm!— Und hoben Sie den jungen Mann zum Sprechen gebracht?" „Noch nicht, aber ich werd ihn dazu bringen!" Boulot zog einen versiegelten Briefumschlag aus der Tasche. „Tun Sie mir den Gefallen, alter Freund," sagte er über- redend,„und geben Sie dem jungen Mann dies« Note. Sie entholt nur eine Frage, die ihn zum Sprechen bringen wird. Dir wollen dann miteinander seine Geschichte hören." Manderton zögerte einen Augenblick, dann nahm er den Um- schlag an sich. „Ich weiß nicht, ob ich dazu berechtigt bin," antwortete er. „Eigentlich müßt« ich erst sehen, wo, drin steht." „Dann geben Sie'� dem jungen Mann offen. Aber, bitte, lesen Sie's nicht vorher." Der Engländer nickte und steckte den Umschlag in die Tasche. Boulot brachte ihn bis zur Haustür. Er sah, als Manderton in fein Auto stieg, wie er einem Mann ein Zeichen mochte, der gegen- über an einer Wand lehnte und in einer Zeitung las. 12. 7lur wie«in Schallen. Mandertons Wagen wurde von einem entgegenkommenden Auto gekreuzt, das vor Eronmorcs Haus hielt. Boulot sah, wie ihm eine zierliche, kleine Dame entstieg, der ein großer junger Mann heraushalf. „Gott fei Dank!" hörte er Eranmores Stimme hinter sich,„baß Letty und Georg endlich da find." Lettice Harbury. Jim Eranmores verheiratete Schwester, hatte helle braune Vogeiaugen, graues Haar und«ine schnelle, bestimm:« Art, die den Eindruck von Härte gemacht hät.e. wenn nicht die Wörme ihre» Wesen» überall durchgebrochen wäre. Sie schüttelt« ihrem Bruder kräftig die Hand, mach!« aber kein« Anstalten, ihm einen Kuß zu geben. „Meine liebe Letty." sagte Cranmore.„Dolores>st ein bißchen auseinander. Sie ist im Wohnzimmer. Es wäre nett von dir, wenn du dich nach ihr umsehen würdest." Mrs. Harbury ließ die Hand ihres Bruders lo? und eilt« ins Haus. Die drei Männer folgten ihr. Dolores lag halb ausgestreckt mit geschlossenen Augen auf dem gelben Diwan. „Was habt ihr dummen Männer nur mit dem armen Mädel gemacht?!" rief Mrs. Harbury entrüstet.„Macht, daß ihr olle hin- auskommt! Und, Jim, schick mir das Dienstmädchen mit etwas Kognak. Starr mich doch nicht so an. Geh lieber endlich!" Mit Hilfe des Mädchens brachte Mr». Harbury Dolores auf ihr Zimmer. Sie war nicht bewußtlos, schie, aber nichts von dem zu wissen, was mit ihr vorging. „Ich erhielt dein Telegramm heut morgen," sagt« Georg zu seinem Bruder, während sie wieder ins Wohnzimmer zurückgingen, „und telcphonierte sofort an Letty. Holte sie dann am Bahnhof ob. Mein lieber alter Junge..." „Tf'aa habt ihr dummen Männer mit dem armen Mädel gemacht?" Jim sagte nichts. Er legte nur ein« Hand auf die Schulter feine» Bruders und drückt« sie fest. Dann hatte er, als echter Engländer, seine Bewegung wieder überwunden. „Georg, da» ist Monsieur Boulot, ein alter Freund von mir, der früher bei der Pariser Polizei war. Er hat sich mit dem Fall be- jchäftigt und wird uns sicher von großer Hilfe fein, den Mörder.. Seine Stimme brach. „Mein Gott. Boulot," fuhr es aus ihm heraus.„Sie muffen! mir helfen! Dieser verwünschte Inspektor mit seinen infernalischen Andeutungen macht mich einfach wahnsinnig. Was hat mein« arme Frau mit diesen gräulichen Geschichten zu tun, aus die Manderton immer wieder kommt?! Sie waren doch auch dort im Atelier. Irgend etwas müssen Sie doch entdeckt haben! Haben Sie denn gor keine Theorie? Georg hier ist ein Rechtsanwalt. Er kann auch mithelfen. Wenn wir drei uns zusammensetzen, muß es doch möglich fein, in diese grauenhaste Finsternis irgendein Licht ZU! bringen...?!" Boulot rollt« sich mit größter Ruhe eine Zigarette. Die Ge< lossenheit seiner Bewegungen schien die unerträglich« Spannung zu vermindern. Erst, al» er mit seiner Arbeit fertig war und die Zigarette angezündet hatte, begann er zu sprechen. „Bei einem solchen verbrechen ist da» Motiv entdecken und den Urheber haben dasselbe..." .Llber Manderton ist doch offenbar überzeugt, daß Quayre der Mörder ist...!" „Glücklicher Monderton!" Boulot seufzte.„Immer voll Selbstbewußtsein. Nicht wie ich, dos alte Schlachtroß. das sich nun aus jedem Kampf zurückgezogen hat, um der Ruhe zu pilegcn. Zu meiner Zeit war ich auch voll Auversicht. Wußte auch schon olle» am De- ginn einer Untersuchung und fluchte über die alten Herren im Mini- sterium, die mit ihren Zweifeln und ihren ewigen Mahnungen zur Borficht anrückten. Und das mit Recht. Denn wenn erst die Be» amten einmal einen verdacht haben, daß die Sache falsch angepackt worden ist— dann ade! Mit dem Alter freilich wird da» anders. Und ich bin alt. Ich will überzeugt werden. Gerade, was diesen Monsieur Quayre anbetrifft. Aber bi, jetzt geht» mir wie einem Mann, der hinter etwas her ist und nicht weiß, hinter was... „Mein ganze» Leben habe ich mit der Untersuchung des Vcr- brechen» zugebracht. Beobachtungen, Schlüsieziehen au» unendlich kleinen Details. Schließlich wird man vertraut mit der Art und Weise der Herren Mörder, man bekommt einen gewissen Instinkt für ihre Spuren. Aber selten, ich muh es offen gestehen, ist mir ein Fall vorgekommen so ohne jeden Ausgangspunkt, jede Handhabe, die auch die gerissensten Verbrecher irgendwie zu liefern pflegen." Er schüttelt« unsicher den Kopf und rollte sich«in« neue Zigarette. Di« beiden Brüder hüteten sich, ihn zu unterbrechen. Sic empfan- den, daß sein Sprechen mehr ein laute» Denken war, von dem man ihn nicht abziehen durfte. „Zuweilen," fing Boulot wieder an und starrte mit seinen blauen Augen in» Leer«,„fitzt man lesend am Fenster, ohne aus da» auf- zupassen, was um einen vorgeht. Und dann plötzlich wird man sich irgendeiner Hemmung bewußt, man verliert den Faden. Endlich blickt man auf, um zu sehen, was los ist. Irgend etwas hat sich vors Licht gestellt und wirst«inen Schotten auf da» Buch. (Fortsetzung folgt.) WAS DER T iininiiiiiiiiiiiiintiiiiiniiniNiiiiiiuiüiiiiniuiiiiiinnRiiiinnniiiiiiiiiiHiiümnniuiinnnHm] Das kronprinzliche Zigarrettenetui. Die Hohenzollern, besonders ihr letzter Repräsentant auf dem Koiserthron, Wilhelm II., waren freigebig in der Verleihung von Auszeichnungen an Personen, die sich ihnen gegenüber durch beson- der« Ergebenheit hervorgeton hatten. Do der letzt« Kronprinz Wilhelm den auch ihm innewohnenden Drang zur Dekoration her- vorragend ergebener Untertanen durch die Verleihung von Haus- orden nicht befriedigen konnte, pflegt« er feiner allerhöchsten Au- Unebenheit durch die persönliche Ueberreichung von Geschenken Aus- druck zu geben. So auch gegenüber einem al» rechtsradikalen Heiß- sporn bekannten jungen deutschnotionalen Führer in Frankfurt o. M., dem er zur Aneiferung ein silberne» Zigarettentui mit kaiserlichem Adler aus der Tasche überreichte mit den Warten:„Machen Sie nur so weiter, lieber junger Freund!" Der so Ausgezeichnet« hielt dos kronprinzlichc Geschenk hoch in Ehren und aus kennerisch abwägen- den Händen der Parteifreunde machte es viel bewundert die Runde. Als unveräußerliche Erinnerung an feinen hochverehrten Krön- prinzen bewahrte es der junge Mann all die Jahre hindurch wie ein Heiligtum auf. Bis in den letzten Wochen de» Mai Einbrecher in die Wohnung des T. drangen und die gesamten Silbersachen im Werte von etlichen Tausend Mark mitgehen hießen. Doch wer be- schreibt die Freude des Bestohlenen, als er wenigstens noch fein kostbares Kronprinzenetui auf einem Bette liegend vorfand! Vi» zur Ankunft der Polizei mußten die Dinge vorerst noch unberührt liegen bleiben. Als er aber den amtierenden Polizeikommissar fein« Freude über das gefundene Etui ausdrückte, nahm dieser es schweig- sam unter die Lupe und meint« trocken:„Kein Wunderl Die Kerle sind Kenner. Für Alpaka haben sie kein« Verwertung."— Das Gesicht des guten TL. soll dabei noch länger geworden sein als sonst und der Exkronprinz soll sich nun auch noch diesen letzten begeisterten Verehrer in Frankfurt a. M. verscherzt haben.— ng. Eine Ausstellung„Die Ernährung" wird zurzeit in Berlin gezeigt. Da kann man u. o. sehen: Aus- gekocht« Backfische, Kammunistischc Bücklinge vor Moskau. Schwarz- sauer k!a Eentrum, Extra-Würste für Bayern, und viele ander« schöne Dinge, von denen der Deutsch« sich nährt. Leider wird auf der Ausstellung nicht gezeigt, wi« man fein Leid in sich frißt. (Au» dem„Dohren Jacob".) Warnung vor dem Trunksuchtsmittelschwindel J In Tageszeitungen, Zeitschriften uud Fomilienkalendcrn sind häufig Anzeigen zu finden. In denen Heilmittel gegen die Trunksucht angepriesen werden, bisweilen unter Zusicherung scheinbar weit- gehender Garantie. Jeder, der in der Fürsorge für Alkoholkrank« tätig ist. weiß, daß«s«in wirksames Mittel gegen die Trunksucht nicht gibt. Derartig« Anzeigen sind ausnahmslo, al» Schwindel zu bezeichnen, vor dem wir die Angehörigen Alkoholtranker nicht eindringlich genug warnen können. DI« öffentlich« Anpreisung von Trunksuchtsmitteln Ist verboten und unter Strafe gestellt. Trunksucht ist«Ine Krankheit wie jede ander«, nur daß hier die Ursachen ungleich' komplizierte? und schwerer erkennbar sind(weil häufig im Körperlichen und Seelischen liegend), als z. B. bei der Tuberkulose. Trunksucht ist heilbar, aber nicht durch Geheinnnittel. Voraussetzung der Heilung ist in jedem Fall« Enchaltzamkett von 4Q BRINGT. ninniHmiuiiiiiiiiiiiMnniiniiiiiuinmiuniniNiiinnimiiimnniiniiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii berauschenden Getränken, die, wenn ander» nicht möglich, in einer Heilanstalt erreicht werden muß. Angehörige von Trunksüchtigen erholten am besten Rat und Hilf« in den Beratungsstellen der städtischen Wohlfahrtsämter oder, wo diese nicht vochanfcen, der alkoholgegnerischen Vereine. Der Ozeangleiter will nicht Ins Gleiten kommen. Der Fronzos« Kernt) Hot einen Apparat gebaut, der in etma 4S Stunden von Frankreich nach New Bork rutschen soll. Bisher ist dos Fahrzeug nicht zum Antritt der Reise gekommen: das einzige. was in» Rutschen kam. da» waren die Finanzen de, Monshur Remy. Schon der erste Start verlief nicht ohne Aufregung, weil Remy feinen Ozcongleiter auf der Sein« mit einer— roten Flagge fahren lieh, wogegen die Polizei Einwendungen erhob. Der Gleiter kam noch Trovoille, aber die Arbeiter verlangten Lohn, und so wurde da» Ungetüm wieder nach Le Hovre geschleppt, allerdings noä) chne Motor. Inzwischen beschuldigte Remy seinen Hauptbeteiligten, dieser habe ihn bestohlen, bedroht, beraubt. Die lohnlosen Arbeiter wiederum machen ihrem Aerger in den Zeitungen von Le Haore Lust. Der Hauptbeteiligt«, B! g r o, erklärte, nur das allzu heftige Temperament Remy» sei an den Zwistigkeiten schuld. Er erbiete sich, mit drei oder vier Mann Besatzung selber über den Ozean zu fahren, ollerding» müsse vorher der Motor eingebaut werden, da man den Ozeangteiter nicht gut von einem Dampfer ins Schlepptau nehmen lassen könne, wi« man«» auf der Seine getan. Aber auch Bigro hat den Gleiter nicht m«l)r in der Hand: er ist längst in de- hördliche» Gewahrsam«nischlüpft, da sich noch andere Gläubiger ge- sunden hoben, die befürchten müssen, daß ihnen eine» Tage» der Ozeangleiter mitsamt ihrem Schuldner in da» Land der unbe- grenzten Möglichkeiten entgleite. Die begrabenen anderthalb Millionen. In SR u ra( in Frankreich starb im Krankenhausc der 91 Jahr« alt« Franca!» vergne. Seinem letzten Wunsch- entsprechend wurde er in den Kleidern begraben, die er bereit» sür seinen Tod bereit» gelegt hatte. Wohl ging da» Gerücht, daß vergne über einen größeren Geldbetrag verfügt hotte, doch al» man nach seiner Be- erdigung alle? durchsuchte, auch sein Bett, fand sich nicht ein Centime. Die Behörde ließ daher den Sorg öffnen und nun fand man in einer geheimen Tasche, die sich Dergn« selber in sein Sterbehemd genäht hott«, rund lÜ Millionen Franken. Al» Erbin kommt die einzig« Schwester des Gestorbenen, die seit Jahren� mit ihren Kindern in größter Armut lebte und nun 7S Jahre alt ist. in Frage. Als vergne erkrankt war. bot sie ihm ihre Hilf« an, doch vergne hatte schroff abgelehnt. Weitsichtigkeit und unrichtige Ernährung. Ein bekannter Augenarzt in C h i k a g o hat auf Grund sein«? Erfahrungen festgestellt, daß Weitsichtigkeit, die unter den Augen« krankheiten 75 Proz. der Kconkheitssöll« einnimmt, durch richtiga Diät gehellt werden kann. Er empfiehlt Milch, Tomaten, Leber- tron und Orongenfaft als Heilmittel, di« in drei Moiraten ein« Besserung um 50 Proz. erzielten. Kinder unter zehn Jahren, deren Aug« Fehler aufweise, seien entweder unterernährt oder falsch er« nährt. Der Bundestag in Leipzig. Schluß mit der �Opposition"! M. J. Leipzig, 25. Sunt. Wenn das Parlament der Arbeitersportler tagt, dann wird tüchtig gearbeitet: der Leipziger Bundestag des Arbeiter- Turn- und Sportbundes begann seine Tätigkeit am Sonntag bereits morgens um 7 Uhr! Morgens geht? am besten! Dah das richtig ist, er- fuhren die Kommunisten am Sonntag sehr bald. Die Generalabrechnung mit den Beauftragten der kommunistischen Partei stand auf der Tagesordnung, wenn auch nicht auf der gedruckten, so doch auf der, die die Delegierten in ihrer Gesinnung mitbrachten. Das Maß war nicht nur bei den Berliner Arbeitersportlern voll: vierFünftel derDelegiertcn hatten es satt, reichlich satt, die kommuni st ischen, Wühler weiter den Bund unterminieren zu lassen. Dreieinhalb Stunden währte trotz des erdrückenden Materials immer noch die Langmut der Dcle- lsierten, bis der große Rausschmiß erfolgte, dreieinhalb Swnden hörten sich die Delegierten noch die„Reden" und das Phrasen- gedresch der übersührten„Parteisekretäre für Zellenarbeit im Ar- beitersport an". Dann aber wurde der Schlußpunkt gesetzt unter die Zerstörungsarbeit der Zobel, chuthmann, Ritzschke und Konsorten. Und sie vereinigten sich v o r der Tür mit ihrem Genossen Wiest, den man schon am Sonnabend als„Begrüßungs"-Redner der Kommunistischen Partei abgelehnt hotte. Den Vorsitz in der Sonntogssitzung führte Genosse I e u t h e- Destau. Er gibt alsbald der Mandatsprüfungskommission das Wort, die beantragt, die Berliner kommunistischen Delegierten Zobel. Nißschke. huthmann, Fried- mann und Lisa Lange ihres Alandales für verlustig zu erklären. Der Bundesvorstand bat weiter um die Ermächtigung, die organi- sationsschädigenden Arbeiten der Genannten und der W i e st- Berlin, 5z a mm- Essen, Mertins und Oertel-Lzalle, Kirsch und Dr. Bergmann- Berlin prüfen und über ihre weitere Mitglied- schaft beschließen zu können. Bundesvorsitzender Geliert sagte unter dem Beifall des Bundestages, daß reiner Tisch mit den Leuten gemacht werden muß, die in unverschämter Weise gegen den Bund arbeiten und seine Einheit stören. Wenn die Kommunisten Zellen und Sonderorganisationen bilden wollen, so sollen sie das tun wo sie wollen, aber nicht im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Run marschierten die Friedmann und Konsorten auf, um ihre eingelernten Sprüchlein gegen das Anklagemateriol des Borsitzenden im Beriin-Brandenburger Kreise, des Genossen Reichert, herzu- sagen. Reichert hatte gezeigt, mit welcher wahren Lammsgeduld die Berliner Arbeitersportler oll die Schmähungen und Derunglimpfun- gen ertrugen, wie sozialdemokratische Sportler bespien. körpertich angegriffen wurden. Die Agitation war nach dem Materiol der kommunistischen Parteizentral« aufgezogen, Rotfront dominierte bei den Demonstrationen, der Berliner Arbeitersport war ju einer AngelegenheitderKommuni st ischen Partei gemacht worden. Wegen der Abwehr dieser organisationsschädigen- den Zellenarbeit wurden die sozialdemokratischen Sportler als „Spalter" bezeichnet und gegen sie ein ekelhafter Presfcseldzug geführt. Das Paradepferd der Kommunisten, Zobel, verkroch sich in feiner Furcht, den Boden für sein« berufliche Tätigkeit zu verlieren, hinter die sonst ständig geschmähte Demokratie im Bunde. Er erntete Lachen und Lachen durchtobte den Saal, als er seine„Agitprop"- Phrasen anbringen wollte. Lachen verscheuchte ihn schließlich von der Rednertribüne. So endete das 5zaupt der Zellenbauer auf dem Bundestage der Organisation, die er und seine Puppen auftragsgemäß für die„Rots Eportinternationale" erobern wollten. Was machte es nun noch aus, wenn Ritzschke von der„Verbundenheit des Bundesvorstandes mit der Koalitionspolitik der Sozialdemokratie" faselte, was, wenn Fußball-chutHmann, der immer„Hase" heißt, wenn es für ihn brenzlich wirb, s i ch als vergewaltigt hinstellte? Das Urteil, das schließlich K o p p i s ch vom Bundesvorstand über die„Opposition" fällte, war vernichtend.„Ihr erntet jetzt, was ihr gesät habt, jetzt bleibt nur die reinliche Scheidung. Wir machen Schluß mit den kommunistischen Spaltern. hinaus mit ihnen aus dem großen, stolzen Bund! Lange haben wir Uebcrparteilichkeit bis zur Selbstverleugnung gewahrt, haben unsere Parteiabzeichen abgemacht, lzaben die Mitarbeit in der Sozial- demokratischen Partei eingestellt, aber jetzt zeigen wir uns wieder als Parteigenossen, weil Leute unsere Partei- und persönliche Ehre angreifen, die selbst keine haben!" Das sagte Genosse K o p p i s ch unter immer wiederholtem Bei- fall. Und als der Kommunist W i e st von der Zuhörergolerie herab dauernd seine Zwischenrufe machte, riß dem Vorsitzenden doch die Geduld und wiest mußte den Saal verlassen. was sich bei seiner impertinenten Art in der Form eines regulären Rausschmisses abspielte. Gellert zog noch einmal dos Resume der Aussprache, dann stimmten 165 Delegierte für die Ab- vi« Bundcsscfaule, der Tagungsort des Bundestages. erkennung der Mandate, nur 45 stimmten dagegen. Es dauerte einige Zeit, bis die Beauftragten Moskaus die Stelle des Saales fanden, wo der Zimmermann das Loch ließ. Für die Prü- jung der organisotionsschädigenden Arbeit der anderen stimmten sogar 208 Delegierte: 21 waren dagegen. Run wandte sich der Bundestag endlich der positiven Arbeit zu. Gellert gab den Geschäftsbericht. Wir haben das Maßgebende bereits im„Abend" mitgeteilt. In der Frage der Werksportvereine betonte Gellert, daß bei- spielsweise der Sportverein Rongierbahnhof Nürnberg seit Sahren Mitglied im Bunde ist, daß also unmöglich olle Wcrksportvereine über einen Kamm zu scheren sind. Der Berichterstatter wandte sich auch gegen einen Antrag, der die Ausnahme von Reichs- bannersportabtciliingen verhindern will. Der Kurs de» Bundes brauche sich in keiner Weise durch solche Ausnahmen ändern, wohl ober könnte sich das Parteiverhältnis im Bunde wesentlich bessern. Ilm 12 Uhr vertagt sich der Bundestag auf Montag früh: die Delegierten wohnten nachmittags �dem Leipziger Rcichsarbcitcr. s p o r t t a g bei. Be&rlcsineisterschatt Solidarität. Die Dezirksmeisters choften, die die Ortsgruppe Berlin des Ar. beitervodfahrerbunde» Solidarität am Sonntaz, dem 14. Suni, auf der Strecke Schönwolde— Basdorf— Wandlitz— Klofterjelde— Zerpen- schleuse— Gr. Schönebeck ausgetragen hat, hatte eine groß« Zu- schauermenge angelockt, die aus der ganzen Streck« die Rennen mit lebhaftem Snteresse verfolgten. Leider ereigneten sich auch einig:, glücklicherweise jedoch leichte Stürze, die dadurch verursacht wurden, daß zwischen Schönwalde und Bosdorf die EHaussx in einer Läng« von zirka 706 Metern wegen Ehausseebauarbeiten gänzlich gesperrt war. Der gesamte Wagen-, Auto- und Radfahrerver- kehr mußte sich auf einen drei Meter breiten Sandweg beschränken. Dadurch litten die«rzieltm Zelten und sonst aussichtsreiche Fahrer kamen um ihren Erfolg. Es wurden vier Meisterschaften im Einzelfahren ausge- tragen. Zuerst ging die Sugendtlasse auf die Reise, der kurz daraus die Fahrer im Alter von 18 bis 20 Sohren folgten. Sn der S u- gendkläsf« konnte Kurt Skrypnick von-der 1. Abt. siegen, dicht gefolgt von Märker, 4. Abt., und Michaelis, 10. Abt. Die zweite Gruppe hatte nur 10 Kilometer zu fahren, auch hier tonnte die 1- Abt. drirch Harry Zuck ganz knapp vor Artur Dombrowsky, 4. Abt., siegen. Sm 20-K!lom«!«r. Rennen der Altersklasse war Paul Annen von der Rennfvhrer-Abt. Moabit der Glückliche, konnte aber nur ganz knapp vor den beiden Leuten der 6. Abt. Lubasch und Eichler gewinnen. Aber auch im 5 V-K i l o- meter-Rennen der chauptklass« war die Rennfahrerab- teilung die bessere, Andrejewsky und Weber lieferten sich einen schönen Kampf, den aber Andrejewsky nur knapp mit Radlänge vor seinem Abteilungsgenosicn Weber auf sein Konto bringen konnte. Dicht auf folgten Dindig, chosfmann, Dombrowsky, Schmock, Beil. Die Sieger aller vier Rennen haben nun ihre Meisterschaften in den Gauwettbewerben zu verteidigen. Die Strcckenbesetzung war durch die Mitglieder der Ortsgrupppc Tchönwalde. der San'tätsdienst durch die Arbeitersamoriterkolonne des Bezirks in vorzüglicher Weis« durchgeführt. Trotz des lebhaften Autoverkehrs auf dieser Streck« konnten Unfälle außer einigen Sturzen vermieden werden. Rachstehend die Resultate: 50 Kilometer Hauptklasse: 1. Felix Andrejewsky, Rennfahrer. Abteilung 1,29. 2. Weber, 3. Sindig, 4. Abt. 4. Hoffmann, Renn- fahrer-Abt. 5. Izermann Dombrowsky, 4. AAbt. 2V Kilometer Altersklasse: Sieger Paul Annen, Rennfahrer- Abt. 2. Bruno Lubasch, 3. Sohann Eichler, beide 6. Abt. Zeit 34 Min. 10 Kilometer für Fahrer von 18 bis 20 Sahren. Sieger Harry Zuck, 1. Abt., 15 Min. 2. Artur Dombrowsky, 4. Abt. 3. Fritz Herrmann, Rennfahrcr-Zlbt. Sugendklasi« 2 Kilometer. 1. Kurt Skrypnick, 1. Abt. Zeit 3,30 Min. 2. Kurt Märker, 4. Abt. 3. Heinz Michaelis, 10. Abt. Am Sonntag, dem 1. Suli, folgen auf der Strecke Kaulsdorf, Tosdorf, Heidekrug-Iierzfelße die Meisterschaften im Mann- schaftsfahren._ Luckenwalde beherbergt 4000 Kinder Luckenwalde hatte aus Anlaß des zweiten Sreiskindcrfestes des ersten Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund bedeutungsvolle Tage. 4000 Kinder warben in großartigen Kundgebungen für den Arbeitersport. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung. Gering geschätzt, besuchten etwa 10 000 Menschen den Jestplah. Einen ausführlichen Berich» über die Veranstaltung lassen wir folgen. Sporttest in Zehlendorf. Zchlendarf stand am Sonntag im Zeichen des Arbeitersports: ein voller Erfolg war dem Sportfest des Turnvereins„Vorwärts" bcschiedcn. Die zahlreiche Beteiligung der Brudervcreine. sowie die Anteilnahme der Bevölkerung fiel besonders auf. Ein Festzug mit 250 Sportlern im Sportdreß leitete die Beranstaltung ein: harte Kämpfe in allen Konkurrenzen auf dem neuen Spiel- und Sport- platz hielten die Zuschauer in Spannung. Es ist zu erwarten, daß das Sportfest seine Wcrbewirkung nicht verfehlt hat, und daß e» der Lcichtolhletikabtcilung des Turnvereins„Vorwärts" in Zchlen- darf, wie überhaupt dem Arbeitersport, recht viele neue Mitglieder zuführen wird. Die Wettkämpfe hatten folgendes Ergebnis: Schülerinnen, 75 Meter: 1. Wunsch, Zehlendorf, 11,1 Sek. Schülerinnen, Weitsprung: 1. Wunsch, Zehlendorf. 3,60 Meter.— W taat ö. ST M*** ä* \W n SsT n s 3 3 « o BJ CS« «® d s S I Vi s*.a a> 9) e» « e i« S* «F n" 8 r Is «3 « g' 8 ä 2 ä H m n 3 »< »5 wo ft 3 3 M Sfü «3 3«> Jugend 10/11, 4X100 Meter: 1. Lichtenberg I, SO, 8 Sek,: 2. Lichtenberg II, 52,5 Sek,: 3, Nowawes 52,8 Sek,— Jugend 10/11, Speerwurf: 1. Bing, Nowawes, 43,93: 2. Schuldin, Lichtenberg, 36,27; 3. Hirte, Lichtenberg 34,92 Meter.— Jugend 10/11, Weitsprung: 1. Hirte, Lichtenberg. 5,23: 2, Fabich, Lichtenberg 5,10: 3. Bing, Nowawes 5,04 Meter.— Jugend 12/14, Hochsprung: 1. Kühne, Teltow, 1,33; 2. Hirte Lichtenberg, 1,28; 3. Düsiska, Lichtenberg, 1,23 Meter,— Sportlerinnen, 4X100 Meter: 1. Moabir 57,9, 2. Schöneberg 60, 3, Lichtenberg 63,2 Sek.— Sportlerinnen, 100 Meter: 1. Weidlich, Moabit, 14,3; 2, Kostzewsti, Schöneberg, 14,7; 3. Appel, Fichte-West, 15 Sek.— �Sportlerinnen, Weitsprung: 1. Weidlich, Moabit, 4,36: 2. Rusch, Schöneberg. 4,06: 3. Felgenhauer, Teltow, 3,83,— Sportlerinnen, Kugelstoßen: 1. Kostzewski, Schöncberg, 7,13: 2. Weidlich, Moabit, 6,77: 3. Schubert, Moabit, 6,59 Meter,— S p o rt l e r, 100 Meter: l, Teller, Fichtc-Wcst, 12,1; 2. Kirst, Schöneberg, 12,2; 3. Krabo, Nowawes, 12,5 Sek.— Sportler, 3000 Meter: 1. Hube, Ruhlsdorj, 9:44,3; 2. Kröning, Fichte-Moabit, 9:55,2; 3. Jung, Fichte- West 10:21.— Sportler, Olympische Stafette: 1. Fichte-West I 4:27,7, 2. Nowawes I 4:4,1, 3, Fichte-West II 4:9,8.— Sportler, 4X100 Meter: 1. Fichte-West 48,3, 2. Nowawes 49,7, Moabit 51 Sek.— Sportler, 3X1000 Meter: 1. Fichte-West 9:5,4, 2. Ruhlsdorf 9:9,2, 3. Nowawes 9:9,5.— Sportler, lOxK Runde: 1. Fichte-West 3:5,1, 2 Moabit-Nowawes lkomb.I 3;58 6, 3. Kehlendnrf 4:7,2.— Sportler, Hochsprung: 1. Fricgcl, Teltow, 1,55; 2. Matthos, Fichte-West, 1,55 Meter.— Sportler, Speerwurs: 1. Heinzcl, Fichte-West, 41,54: 2. Dakow, Schöncberg, 39,96: 3. Tringel, Teltow, 37,70 Meter.— F u ß b a I l sp i e l e: Zehlendorf I— Schmargendorf I 3:4. Zchlcndors 11— Schmargendorf II 0:6. Radi crnien auf der Olympia-Bahn Sawaü vor Krewer. Nach den skandalösen Vorgängen am letzten Renntag bot gestern die Tirektion der O l y m p i a b a h n ein ausgegeichnete- Programm. Der Franzose Grassin, der Belgier Thollembcck, Sawall, Krewer und Möller sind„Fünf T r ü m p f e". Der Besuch der Bahn war gut und Werner Krüger konnte zufrieden sein,— es hätte auch anders kommen können.-- Beim Startschuß zum 3 0- K i l o m � e r- L u u f. der „Fünf Trümpfe" geht sojort der Bahnmatador Sawall mit der Spitze ab und hält diese bis zum Schluß— in einer Rekordzeit— vor dem dichtauf folgenden Grassin. Krewer kämpft dem Thollem- deck den dritten Platz ab. Möller kam durch Motorschaden um seine Chancen und der Belgier damit auf den vierten Platz. Nach einer n:chr als halbstündigen Pause— die der Regen erzwang— geht das ausgezeichnete Fünfer Feld, in der Folge Thollembeck, Sawall, Krewer, Grasfin und Möller vom zweiten Start. Der Belgier, der von Sawall ständig hart angegriffen wurde, widersteht allen An- griffen glänzend. Mit seiner beherzten flotten Art hält er die Spitze und fast alle Besucher zollen ihm Anerkennung dafür. Erst 15 Runden vor Schluß des 70-Kilon>eter-Laufes muß er Sawall doch vorbei lassen. Der wieder, sehr verausgabt, Krewer— dessen blendende frischen Kampfe mit Grassin und Sawall den größten Anteil an diesem interessanten Laus hatte— vier Runden von Schluß an sich vorbeilassen mußte. Sawall blieb im Gesamt- kiassewent dcnnpch Sieger vor Krewer. Grassin, der in diesem Lauf zweimal die Maschinen wechseln mußte, spielte ebenso wie Möller keine Rolle und beide landeten viele Runden zurück. Aus dem sehr abwechslungsreichen Hauptsahren für Berufs- fahrcr schälten sich Mori, Bassi, de Martini und Ehmer heraus, alle anderen„Größen" blieben schon in den Vorläufen stecken. Mori- Italien siegte nach scharsein Endkampf mit einer halben Länge vor seinem Landsmann Bassi und Ehmer. Das Vorgabesahren sicherte sich Maczinsky(80 Meter) vor Heyne(120 Meter). Das Aus- schcidungsrennen für Berufsfahrer, die sich in anderen Rennen nicht plazieren konnten sah Behrendt vor Dorn und Lorenz siegreich. Der Favorit Schulz im großen Olympiapreis für Amateure erwies sich wieder als der beste Mann in dem sehr starke Felde. Hundt(B. R. C. v. 89) sicherte sich den zweiten und dem Lehmann(B. R. C. v. 89) war der dritte Platz nicht zu ent- reißen. Ergebnis der„Fünf Trümpfe": 30 Kilometer: 1. Sa- wall 25:31,6(Bahnrekord): 2. Grassin, 370 Meter; 3. Krewer, 395 Meter; 4. Thollembeck, 620 Meter; 5. Möller 1840 Meter zurück. 70 Kilometer: 1. Krewer 59:11,2: 2. Sawall, 180 Meter: 3. Thollem- beck. 290 Nieter; 4. Möller. 2020 Meter; 5. Grassin. 3200 Meter zurück. Gesamt: 1. Walter Sawall 99,820 Kilometer; 2. Krewer 99,605 Kilometer; 3. Thollembeck 99,090 Kilometer; 4. Grassin 96,430 Kilometer: 5. Möller 96,140 Kilometer. Trabrennen zu Ruhleben. Die Jubiläumswoche der Berliner Traber fand mit dem Großen Preis von Ruh leben ihren Abschluß. Bei dem guten Wetter war ein Massenbesuch zu verzeichnen. Der„Große Preis" brachte eine Umdrehung des Resultats aus dem Traberderby: A u g i a s, der diesmal Startnummer 1 hatte, ging sofort an die Stangen und so konnte ihn der Derbysieger Britton nie in Gefahr bringen. Beide Pferde lieferten sich trotzdem wieder ein spannendes Duell, weit vor den anderen Pferden. Augias, der mit zwei Längen Vorsprung vor dem Derbysieger Britton das Ziel passierte, bewies seine weiter gegangene Verbesserung auch durch die Zeit, er stellte mit 1:23,7 einen neuen Dreijährigenrekord auf. Ein zweites Rennen von Bedeutung war der Deutschland-Preis, der über die lange Distanz von 3600 Meter führte. Ueber zwei Runden lieferten sich hier Eckstein und Herostratos einen scharfen Kampf, dann war Herostratos geschlagen und Eckstein gewann ungefährdet gegen den an seinen Zulagen scheiternden Schimmel Karneval sowie Cotta. Koss»u»g».Prci». N: 10. Plal,: IZ. 2l, Iii: Isegrim, a. Ehreil. -n: Luftschisfcr «.), I. Edclgunde sEh. Mills), 2. Marone, 3. Heinz. Toto: 16: 10. Ferner jiefen- Opernsänger(4.), Diamant, Heliotrop. Oberstleutnant. Preis»on Oftendc. 1. Marie Luise