BERLIN Mittwoch, 27. Juni 1928 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 66 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 300 B 148 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Konflikt bei der Volkspartei. Scholz will Stresemann faltstellen. Untersuchungshaft in Moabit. Jm Reichstag waren heute um 11 Uhr Fraktionsfitungen der Deutschen Volkspartei und des Zentrums angesetzt. Die Deutsche Volkspartei trat auch pünktlich zusammen. Vom Zentrum versammelte sich jedoch zunächst nur der Fraktionsvorstand, während die Fraktion kurz vor 1 Uhr noch auf ihre Einberufung wartete. Um 1 Uhr soll bekanntlich auch die sozialdemo fratische Fraktion wieder Situng haben. Nachdem der Fraktionsvorstand des Zentrums etwa anderthalb Stunden getagt hatte, begaben sich die Ab. geordneten Stegerwald und Esser zu Hermann Müller. Ueber die Beschlüsse des Fraktionsvorstands wurde Stillschweigen bewahrt, doch verlautete, daß die Absicht bestehe, eine Formel für die Verständi. gung zu finden. Aus der Fraktionssitung der Deutschen Volkspartei, die gegen 1 hr noch fortdauerte, wurde im Reichstag erzählt, sie hätte damit begonnen, daß Scholz den Borsiz niedergelegt habe. Darauf soll sich eine sehr heftige Debatte über die Vorgänge der letzten Tage und über das Telegramm Stresemanns aus Bühlerhöhe entsponnen haben. Herr Scholz hat, wie erzählt wird, erklärt, er würde eine Wiederwahl zum Vorsitzenden nur dann annehmen, wenn seine Stellung in der Weise verstärkt würde, daß ein Handeln über den Kopf der Fraktion hinweg, wie es durch Stresemann geschehen sei, nicht wieder vorkommen tönne. Gegen 1 Uhr wurde von einer Lösung der Personalfrage in dem Sinne gesprochen, daß das Zentrum nur mit sogenannter kleiner Besekung" in die Regierung eintritt. Es will sowohl auf den Vizekanzler als auf das Arbeitsministerium verzichten. Dann würden Wirth und Guerard in das Kabinett eintreten und die Sozialdemokratie das Arbeitsministerium übernehmen. Lange Koalitionsverhandlungen in Bayern. München, 27. Juni. Heute vormittag haben im Landtag die Koalitionsver handlungen ihren Anfang genommen. Zunächst fand eine Besprechung zwischen den Vertretern der Bayerischen Bolts= partei, Ministerpräsident Dr. Held und Abg. Dr. Bohlmuth, und dem Berhandlungsführer des Bayerischen Bauern und Mittelstandsbundes, Abg. Staedele, statt, zu der noch am Vormittag Abg. Dr. Hilpert als Führer der deutsch nationalen Fraktion zugezogen wurde. Angesichts der bekannten Ber. stimmungen zwischen Volkspartei und Bauernbund wird mit einer sehr langen Dauer der Verhandlungen über die Regierungstoalition geredynet. Labour für Friedenspaft. Englische Arbeiterpartei und Gewerkschaften für den Beitritt ohne Vorbehalt. 2ondon, 27. Juni. Der Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei und der Generalrat der Gewerkschaften haben eine Entschlichung angenommen, worin die Regierung aufgefor dert wird, die Kelloggschen Vorschläge eines Antikriegspaktes ohne irgendwelche Vorbehalte an zunehmen. Die Entschließung drückt die Soffnung daß die amerikanischen Vorschläge von den aus, übrigen Ländern ebenfalls angenommen werden. Das Zögern der englischen Konservativen. London, 27. Juni. Die englische Regierung hat bisher noch feine Entscheidung hinsichtlich einer Antwort auf die neue Note Kelloggs getroffen. Der ,, Daily Telegraph" rechnet damit, daß man im allgemeinen eine Unterzeichnung der neuen Vorschläge Kelloggs nicht in allzu ferner Zukunft erwarten könne. Schwierigkeiten könnten einerseits aber burch Frant reich etwa dadurch entstehen, daß Briand auf der Beröffentlichung eines Anhanges betreffend die Verpflichtungen Frankreichs gegenüber dem Bölterbund bestehen sollte, Im Untersuchungsgefängnis Moabit sind neuerdings zwei ,, Musterzellen" für Untersuchungsgefangene eingerichtet, nach deren Vorbild das ganze Gefängnis im Laufe der Zeit umgestaltet werden soll. Unsere Bilder zeigen eine alte Zelle, kahl und ohne jeden Schmuck, und eine der neuen Musterzellen, die hoffentlich bald zur Regel werden. In einem der großen Konferenzjäle des Landtages fand sich| gestern abend auf Einladung der sozialdemokratischen Juristen eine zahlreiche Zuhörerschaft ein, um Genossen Vandervelde über die belgische Strafrechtsreform und Genoffin Vandervelde über den belgischen Strafvollzug zu hören. Genoffin Vandervelde, selbst als Aerztin am Zentralinftitut für Gefangenenanthropologie, zeigte, daß die Bestrebungen in Belgien auf dem Gebiete des Strafvollzuges sich in der gleichen Richtung bewegen wie die der deutschen Strafvollzugsreform. In der wissenschaftlichen Untersuchung der Gefangenen ist aber Belgien Deutschland voraus. Das Institut für die Gefangenenanthropologie Ein neuer Ritter Blaubart. 3wei Frauenleichen in einer Villa entdeckt. In Paris will man einem neuen Ritter Blaubart, einen zweiten Landru auf die Spur gekommen sein. Die frühere Besitzerin einer Billa wurde ermordet aufgefunden. Die Nachforschungen führten zu der Festfellung, daß der angebliche Käufer der Villa der Mörder ist, der unter dem Namen eines ehrenwerten Marseiller Bürgers Heiratsschwindeleien betrieb und allem Anschein nach seine Opfer beseitigte. In einer von ihm gemieteten Villa hat man bereits die Ceichen zweier Frauen entdedi. Auch eine andere Billa foll der Schauplatz der Verbrechen gewesen sein. Der Täter ist ein 61 Jahre alter Jerome Drat, der unter dem Namen Camille Gaillard auftrat und vor einigen Tagen spurlos verschwunden ist. Offenbar iſt er geflüchtet, als er merkte, daß man seinen Taten auf die Spur gekommen ist hat zur Aufgabe, alle Gefangenen, die eine Strafe von über drei Monaten, verbüßen, an Hand eines ausführlichen Fragebogens zu untersuchen. Die leitenden Grundsätze der Strafvollzugsreform sind die Individualisierung der Strafe, die Klassifizierung der Gefangenen, der Schutz der Gesellschaft an Stelle der Vergeltung. Die Strafvollzugsreform muß in internationalem Maßstabe einheitlich durchgeführt werden. Genosse Vandervelde sprach als ehemaliger belgischer Justizminister. Er begnügte sich in dieser Eigenschaft nicht damit, die Berichte seiner Staatssekretäre entgegenzunehmen, sondern infor mierte sich über die Verhältnisse in den Gefängnissen, indem er sie selbst besuchte. Was er da fand, war erschütternd. Er erzwang eine Reihe von Reformen. Er machte dem Tragen der Masken im Gefängnis ein Ende, ließ die Käfige, in denen die Gefangenen spazieren gehen mußten, niederreißen, führte gemeinsame Arbeit ein, schuf besondere Anstalten für Tuberkulöje, Abnorme, Epileptiker usw. Im Bewußtsein, daß bei Bekämpfung des Verbrechens die Borbeugung Hauptsache sei, schuf er ein Gesetz, das den Besuch der Kinos durch Kinder regelte, und ein anderes, das den Verkauf des Aifo bois einschränkte. Die Folge des letzteren Gesetzes war, daß sich der Alkoholverkauf in der Nähe der Fabriken und auf den Bahnhöfen verringerte, und die Zahl der Infaffen in den Gefängnissen, Irrenhäusern und Asylen verminderte. Das von ihm ausgearbeitete Bewahrungsgeseh, das eine unbestimmte Berurteilung für Rückfällige und Abnorme vorjah und die beabsichtigte Gleichstellung in der Behandlung der Jugendlichen bis zu 21 Jahren mit solchen bis zu 16 Jahren vorfieht, ist nicht zur Berwirklichung gelangt. Auf dem Gebiet der Gerichtsverfassung ist beabsichtigt, die Geschworenen auch bei der Festsetzung der Strafhöhe teilnehmen zu lassen und die Geschworenenlisten zu demokratisieren. Trotzdem in Belgien die Todesstrafe noch im Strafgesetzbuch vorgesehen ist, existieren Guillotine und Henker nicht mehr, seit 1869 ist in Belgien keine Todesstrafe mehr vollstreckt worden. Vandervelde hofft, daß die Todesstrafe in Belgien endgültig abgeschafft wird und es der deutschen Sozialdemokratie gelingt, auch in Deutschland die Todesstrafe zu beseitigen. Wilhelm wünscht Prügel... für den deutschen ZieichStag. Die Nobile-Gefahrten in Tlot. Aber ihr General ist in Sicherheit! Wie der„Torriere della Sera" erklärt, war die Gruppe Marians, Zappi und Malmgreen nur bis zum ZI. Zum mit Lebensmitteln versehen und außerdem ungenügend ausgerüstet, um sich durch die Jagd ernähren zu können. Diese Gruppe dürste daher neben den sonstigen Entbehrungen an Hunger leiden und man ist um ihr Schicksal ernstlich besorg». Ebenso ist man pessimistisch über das Los des Flugzeugs„Latham" mit Kommandant G u i l- baut, Zlmundsen, Dietrich fort und drei anderen Leuten an Bord. Alle Gerüchte, daß die Wiedsraussiudung der„Latham" geglückt sei, haben sich bisher als trügerisch erwiesen. Man nimmt daher auch die Nachricht skeptisch aus, wonach der schwedische For- scher Erbuchen in Murmansk von einem dort eingetroffenen Wal- fischfänger erfahren haben will, man habe Amundsen und seine Genossen auf einer Eisscholle östlich von Spitzbergen gesehen, als sie mit dem Ausbessern ihres Flugzeuges beschäftigt waren.— Die italienische Gesa nb tschaft in Oslo hat zur Erleichterung der weiteren Nachforschungen dem Kommandanten der„Citta di Milano" alle näheren Angaben über die Abtrift des französischen Flugzeugs im.Falle einer Notlandung auf dem Meere gemacht und eingewilligt, daß der russische Eisbrecher„Krassin" auf Wunsch der norwegischen Regierung bei der Ueberquerung der Behrens-See längs seines Kurses Nachforschungen anstellt, obwohl dieses Schiff für die Rettung der Schiffbrüchigen der Jtalia dringend benötigt wird.— Die Schwester des tschechischen Forschers Behounek ist in Oslo eingetroffen und wird so schnell wie möglich nach Spitzbergen Weiterreisen. Oslo, 27. Juni. Wie aus Spitzbergen gemeldet wird, erscheint es vorläufig a u s g e s ch l os s e n, den in Nobiles Lager Verbliebenen Hilfe zu bringen. Wie die schwedischen Flieger mitteilen, haben sie in der Gegend von Nobiles Lager etwa in einer Entfernung von IS Silo- meter auf dem Eise«ine hnndeschlillenexpedition. die sich aus das Lager zubewegte, gesehen. Das französische Flugzeug„Qucntin Roosevelt" sowie das norwegische Panzerschiff„Tordenskjold" sind am Dienstagabend in Tromsö eingetroffen. Der Führer des norwegischen Kriegsschiffes hat die Absicht, mit dem russischen Eis- brecher„Krassin" und mit dem französischen Flugzeug bei der Suche nach Amundsen zusammenzuarbeiten. Nobile über bas Ende der„Ltalia". Amtlich werden die ersten Einzelheiten bekannt g«- 'geben, die Nobile über den Niedergang des Luftschiffes auf dem Eise mitteilt. Daraus geht hervor, daß zuerst die Motor- gondel, in der sich der Mechaniker T o m e l l a befand, auf das Eis aufgeschlagen Hot, wobei der Mechaniker den Tod fand. Seine Leiche wurde unweit der Stelle gefunden, wo die Führergondel in Stücke ging. Tomella wurde von der Nodile-Gruppe dort b e- graben. Von der Luftschifshülle erklärt Nobile, daß sie in einem Umkreis von etwa 50 Kilometer zu suchen ist. Di« hülle sei abgetrieben worden. Er habe in einer Entfernung von etwa 10 Kilometer eine klein« Rauchsäule bemerkt, die voraus- sichtlich davon herrührt, daß ein Venz in. oder Oellonk, der von der hülle gefallen ist, in Brand geriet. Ueber di« Gruppe Marian! liegen noch keine Meldungen vor. Aus Nobiles Mitteilung ist zu ersehen, daß die Gruppe mit Lebensmitteln für etwa 4t) Tage ausgerüstet ist. Sie besaß Karten und Instrumente zur Lagebestimmung, sedoch kein» Zelte und Waffen. Der schwedische Meteorologe Malmgreen. der sich bekanntlich in dieser Gruppe befindet, glaubte täglich 10 Kilometer zurücklegen zu können, während der Marschweg vom Standort der Nabiie-Gruppe bis zur Insel Foyn, die von den Zurückgebliebenen verfolgt werden könnte, zeigt, daß die tägliche Marschleistung der Gruppe Malmgreen nur etwa 5 Kilometer de- tragen könnt«. Als die Gruppe Malmgreen den Standort der Nobile-Gruppe verließ, war die kleine Radiostation in der Lage zu empfangen; sie konnte aber nicht senden, hierdurch war der Gruppe Malmgreen bekannt, in welche Gegenden Schiffs» expedition en geschickt worden waren. Ein neuer Ozeanflug. Lissabon. 27. Zum. Der englische Fliegerkapilän Eourlney ist heul« morgen 10 Uhr 20 von Lissabon aus zu einem Atlantikflug in ostwefilicher Richtung aufgestiegen. Die Flieger in der Philharmonie. Die Amerikafliegcr Koehl, hnneseld und F i h- Maurice sprachen gestern in der Philharmonie vor einem sehr zahlreichen und begeisterten Publikum. Koehl berichtete in seiner frischen sympathischen Art vom fliegerischen Standpunkt aus. Wenn auch vieles von dem, was er vortrug, schon aus Zeitungsberichten bekannt ist, so war es doch von Interesse, den Führer der„Bremen" über den Flug vom Start bis zur Landung im Zusammenhang erzählen zu hören. Als schwierigste und entscheidende Aufgabe bezeichnet Koehl den Start, der schrecklichste Augenblick war es, als die Flieger zu merken glaubten, daß ein Fehler in der Oelzufuhr vor- läge, durch den der Vorrat rasch geschwunden wäre. Erfreulicher- weis« stellte sich die Annahm« als Irrtum heraus. Maschine und Flugzeug haben bis zum Schluß ausgezeichnet funktio- n i e r t. Menschlich ergreifend war es, als h ü n e f e l d von den Stunden berichtete, in denen die Flieger über die E i s w ü st c von Labrador flogen, hier landen müssen— hieße Tod, und die Flieger meinen, daß wohl die meisten ihrer Vorläufer bei dein Versuche der Ueberquerung des Ozeans von Ost nach West nicht aus dem Meere, sondern im unbewohnten, bergigen und vereisten Labrador ihr Ende gefunden hätten. Koehl und Hünefeld rühmen in Dankbarkeit ihre Aufnahme bei dem Lcuchtturmwächtcr und den Fischern von G r e e n l y Island, die für sie das Letzte gegeben hätten. Als sie dann über Kanada und die nördlichen Distrikte der USA. flogen, konnten sie beobachten, wie vom Agrarland in ständiger Steigerung das Industrieland wird: Er�t weite Saatflächen, kleine, altdeutsch anmutende Städte, dann quadratisch gebaute Jndustriestätten und endlich das riesige Zentrum Nordamerikas, N e w y o r t. Nach den beiden Deutschen sprach der Ire Fitzmaurice kurze Worte. Sympathiekund- gedungen des Publikums Ichlossen den Abend. Jede parteipolitische Aeußerung war von den Fliegern vermieden. Die gestrige Veranstaltung leitete die Vortragsreise der Flieger durch Deutschland ein, die als erste f i n a n z i e l l e N u tz» barmachung des Unternehmens zu betrachten ist. Zn diesen Tagen, da sogar in der Akonarchislenpartei de» Grafen Westarp die Erkenntnis aufdämmert, wie über. lebt der monarchistische Gedanke ist, dürfte die Erinnerung nicht ohne Znleresse sein, daß der glorreiche Wilhelm II. gelegentlich den Reichslagsabgrord- neten Prügel voraussagte und es für unmöglich erklärte, daß Zentrum und Sozialdemokratie„auf einer Bank" sitzen würden. Diese freundliche Prophezeiung erfolgte im herbst 1896 im Zu- sammenhang mit den Vorverhandlungen über die Stiftung des sogenannten Apfelsirrenordens, die bisher unbekannt ge- blieben find. Im herbst jenes Jahres hatte Wilhelm die ver- schiedcnen dafür in Frage kommenden Minister nach Hub er- tu»stock beschieden, wo«r ihnen den Plan auseinandersetzte, zur Erinnerung an den IM. Geburtstag Wilhelms I. am 22. März 1897 einen Ordem zu stiften, der nicht nur an sämtliche An- gehörige des deutschen Heeres und der Marine, son- dern auch an alle Beamte des Reiches verliehen werden solle. Be- geistert stimmte man ihm zu, die Minister reisten wieder ab, und Wilhelm scho«ß seine Böcke in hubertusstock weiter. Die trockene Luft nüchterner Berliner Ministerbureaus war aber dem Gedeihen: des kaiserlichen Gedankens nicht günstig; man begann dort zu«nwägen und zu rechnen und kam schließlich zu dem Ergebnis, daß der ollerhöchste Plan nicht durchzuführen sei. So erging an Wilhelm ein« gemeinsame Vorstellung der in Betracht kommenden Ministerien, daß die ganze Sache politisch wie finanziell doch verschollene recht unangenehme haken habe. Zunächst gab es bisher keine Reichsorden, und die Stiftung eines solchen würde, wie man geltend machte, vor allem in den süd- deutschen Staaten, besonders in Bayern, aus großen Widerstand stoßen. Dann machte cher Finanzminister geltend, daß die Kosten mehr als drei Millionea Mark betragen würden, und man wisse nicht, woher das Geld zu nehmen sei. da es mehr als zweifelhaft erscheine, ob- der Reichstag einer solchen Vorlage zu- stimmen werde, zumal die Verhandlungen bei der starken sozio- listischen Partei höchst peinliche Debatten nach sich ziehen könnten. Dann kam schließlich� der Minister des Innern auf einen Ge- danken, von dem er sich Sinen besonderen Erfolg für das Aufgeben des ganzen Planes versprach. Er erinnerte daran, daß unter den Empfängern des Ordens„unsaubere Elemente" seien, die nach ihrer Entlassung aus dem Heere zur Sozialdemokratie über- gegangen seien, und daher ein von dem patriotischen Empfinden Wilhelms gestiftetes Erinnerungszeichen Nicht nur nicht zu schätzen wüßten, sondern vielleicht sogar entweihen würden! So einigten sich die Minister schließlich auf den Vorschlag, S. M. möge den Orden nur den Teilnehmern av der Enthüllungsfeier des Berlin«? Kaiserdenkmals vor dem Schloß oerleihen und die dadurch auf 130 000 Mark verringerten Kosten aus seinem Dispositionsfonds bezahlen. Aber man kannte Wilhelm imm«r noch nicht. Auf den Vor- schlag erging am 6. Dezember 1896 eine Kabinettsorder, die in«cht wilhelminischem Tone gehalten war, und deren Erregung noch dadurch besonders verständlich wird, daß man ihm zugemutet hatte, die K o st« n für dies« dock) rein persönliche Angelegenheit aus seiner eigenen Tasche zu bezahlen. Er war durch den Gegenvorschlag„peinlichst über nascht", um so mehr, als er schon bei den hubertuestocker Besprechungen„auf das U n- passende des Vorschlages" hingewiesen hätte, für die Kosten den kaiserlichen Dispositionsfonds in Anspruch zu nehmen. Er bestand darauf, daß die Gelder für den Apfclsinevorden vom Reichstag zu fordern feien, und wenn er auch auf die Verleihung des Ordens an di« Reichsbeamten verzichten wolle, so„bleibt e» doch bei Heer und Marine bei Meinem Befehl". Eine solche Vorlage zu vertreten müsse, wie er fagtc,„eine wahre Freude" sein: „Sollte der Reichstag so jammeraost sein, die Vorlage abzu- ' lehnen, so sind ihm Prügel von den Berlinern aus der Straße sicher, und auch der letzte Rest von Achtung, den er noch im Volke besitzt, geht ihm verloren. Das Andenken an unseren großen Kaiser ist der beste Anlaß, alle staalzerhaltenden Parteien zu- sammenzuschließen zn einem gemeinsamen patriotischen werk. Das Zentrum wird sich hüten, mit Bebel und Konsorten avs einer Bank allein zu sitzen. Die Sache muß.allerdings mit Geschick ge- fingert werden." ' Hatten ihm di« bisherigen Einwände» schon di« Stimmung gründ- lich verdorben, so fühlte sich Wilhelm doch am meisten durch die De- merkung empört, daß die entlassenen Soldaten nach ihrer Dien st zeit in großer Anzahl zur sozialdemokra- tischen Partei übergingen, so daß die Medaille auch an die Brust„unwürdiger Elemente" gehestet werden würde. Hier handelte es sich um„Sein e" Armee und daher ist auch sein Wider- spruch hier am schärfsten. Hier ergreift er das Wort, wie er sagt, als „oberster Kriegsherr" und weist„mit Entschiedenheit die schwere Beschuldigung, daß di« Arme« in Masse Sozial- demokraten abgebe", als„schwere Beleidigung" zurück. Er bestreitet nicht, daß „viele als Sozialdemokraten eingestellt werden, aber sehr groß ist der Prozentsatz von denen, die durch die großartige Arbelt im Heere und die Wirkung der dortigen Erziehung und durch die sittliche und religiöse Stärkung wieder bekehrt worden sind, wenn auch hier und da ein räudiges Schaf mit unter- läus«, so geht doch der größte Teil der entlasseneu Soldaten zu den kriegervereincn und wirkt dort im patriotischen Sinne weiter." Zum Schluß betont er nochmals, daß es„beidenBef«hlen sein Derbleiben" habe, und daß er als„oberster Kriegsherr" das Recht habe, diese Medaille an das gesamte Reichsheer zu verleihen und schließt mit den drohenden Worten:„Bei etwaiger Ablehnung dcr Summe werde ich sür das Weitere sorgen." Wilhelm setzte seinen Willen durch. Die Minister knickten ein, wie gewöhnlich. Massenhast wurden die Soldaten und Beamte mit dem Apfelsincnorden am gelben Band„geschmückt", aber die gelbe Gesinnung nahm zusehends ab. Bei jeder Wahl wuchs die Zahl der roten Stimmzettel und die„religiöse Stärkung" verhalf dem„obersten Kr�gsherrn" in einem kritischen Augenblick rechtzeitig über die holländische Grenze. Jetzt zerbrechen sich die Dcutschnationalcn die Köpf«, wie sie sich in Zukunft zu ihrem monarchistischen Programm verhalten sollen. Für ihre Beratungen werden unsere Mitteilungen über einen der Ausbrüche des Cäsarenwahns ihnen wertvolles Material bieten. England für Festlegung der Osterselertage. Ein Gesetzentwurf, der die Festsetzung des Datums für den Oster sonn tag auf den Sonntag nach dem zweiten Sonnabend im April vorsieht, ist am Freitag im Unterhaus angenommen worden, Die Gchwindettarien-Affäre. Angriffe auf die Stern dampfergesellschast. Zu der Belrugsaffäre bei der Sterndampfer- gesellschask verbreiten die Arbeitnehmer der Märkischen Personenschifsahrkbetricbe eine längere Erklärung, in der die Aufsassung de» Personals vertreten wird, daß die genügende Aussicht und Kontrolle im Stcrnbetriebe nicht nur gegenüber dem unteren Personal, sondern vor allem bei dcr gesamten Belriebsleitung gefehlt habe. Biel größere Unterschlagungen als die jetzt vorliegenden, könnten auf ganz andere Art und Weise begangen sein. Beispielsweise seien vor Monaten elf Pakete Fahrkarten aus der Druckerei in Tegelort für das Bureau Potsdam abgeholt und ouch vorschrifts- mäßig abgeliefert morden, trotzdem habe zwei Tage später das Bureau Potsdam berichtet, daß ein Paket mit einem Inhalt von 10000 Karten nachträglich verschwunden sei. Ferner seien kopierte Korten, die im Potsdamer Bureau zur Reklamation zurückgegeben wurden, häusig abgeschnitten, gestempelt und erneut unter derselben Nummer in den Verkauf gebracht worden. Seit zwei Jahren würden die an den Anlegestellen abgenommenen Fahrkarten, und zwar e n t- wertete wie nicht entwertete, in Säcken gesam- m e l t und nach Potsdam in einen großen offenen Kellerraum ge- schafft, wo sie heute noch lägen. Wer auf unehrliche Weise Geld verdienen wolle, begebe sich in diesen gleichzeitig als Frühstücksroum dienenden Keller, suche sich ein paar nicht entwertete Karten heraus und verkaufe sie auf eigene Faust. Ein Kontrolleur habe jahrelang während des Dienstes für die leitenden Herren des Unternehmens Geflügel züchten und für Gemüse und Obst sorgen müssen, wofür er nicht nur keine Bezahlung erhalten habe, sondern sogar noch Vor- würfe erhielt, wenn die Lieferung nach Ansicht der Wirtschafterin des betreffenden Direktors nicht zufriedenstellend ausgefallen sei. Das Fahrgeld für diese„Dienstobliegenheiten" habe der Kontrolleur aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Nach unseren Informationen sollen diese Vorwürfe gegen den alten Vorstand der Stcrndampfergesellschaft zum größten Teil stich- haltig sein. Im übrigen ist die polizeiliche Untersuchung in dieser Affäre noch keineswegs abgeschlossen, geht vielmehr nachdrücklichst weiter, so daß sich der Kreis d«r Verdächtigen und Angeschuldigten noch gar nicht übersehen läßt. Ueber die Methoden, die die betrügerischen Kontrolleure der Dayipfergesellschaft bei ihren Unterschlagungen anwandten, werden noch interessante Einzelheiten bekannt. So waren alle Vorkehrungen gegen eine etwaig« plötzliche Leibesvisitation getroffen. Die Kontrolleure hatten immer eine Zigarettenschachtel bei sich, in der obenauf auch tatsächlich Zigaretten logen, während unten, unter der Pappzwischenlage, die unterschlagenen Billetts aufbewahrt wurden. Auf diese Weise.wäre bei einer plötzlichen Untersuchung niemals etwas Verdächtiges ge- funden worden, weil man natürlich den wahren Inhalt der Zigarettenschachtel nicht ahnen konnte. Gegenüber den zahlreichen Anfragen aus dem Publikum kann übrigens darauf verwiesen wer- den, daß die Fahrgäste durch da» betrügerische Vorgehen der Kon- trolleure auf keinen Fall geschädigt worden sind, da immer nur die regulären Fahrpeise gefordert wurden. Der Leidtragende bei dieser ganzen Apre ist lediglich das Unternehmen selbst, Die Kritik an den Giadibahnwagen. Was die Reichsbahn sagt. Die von allen Seilen einsetzende mehr oder minder scharf« Kritik an der Inireneinrichtung dcr neuen elektrischen Stadtbahn» wagen, insbesondere an denen der zweiten Klasse, wird der Reichs- bahn, wie wir van maßgebender Seite erfahren, Beranlassunz geben, die gemachten Vorschläge soweit wie möglich bei der weiteren Wagende st ellung zu berücksichtigen. Van der Reichsbahn wird dabei darauf verwiesen, daß die jetzt in den Verkehr eingestellten elektrischen Waggons nur aus dein Grunde vorzeitig in Betrieb genommen worden seien, um mit ihnen Erfahrungen für die spätere völlige Elektrifizierung der Berliner Stadt- und Vorortbahnen zu sammeln. Inwieweit die Inneneinrichtung dcr Wagen IT. Klasse abgeändert werden kann, muß natürlich in Zusammenarbeit mit den Konstrukteuren erst geprüft werben, doch dürfte die Anbringung von Ventilatoren sowie eme bessere Polsterung der Sitze kaum allzu große Schwierig- kciten bereiten. Anders fleht es dagegen mit der vielfach ge- forderten Vermehrung der Sitzplätze in den elektrischen Zügen, ein Verlangen, dem wahrscheinlich sowohl vom konstruktions- wie vom betriebstechnischen Standpunkt aus nicht entsprachen werden wird. Bekanntlich wird die Reichsbahn bei dcr völligen Elektrifizierung der Stadtbahn soviel neue Züge einstellen, daß die Zugfolge bis auf 214 Minuten herabgesetzt werden kann. Dadurch wird die Ge- samtzahl der In allen Zügen zur Verfügung stehenden Sitzplätze ganz erheblich größer sein als bei den allen Sladtbahnzügen, so daß nach Ansicht der zuständigen Stellen die Unbequemlichkeiten, die bei dem jetzigen Uebergangsstadium zweifellos vorhanden sind, völlig verschwinden werden._ Wieder einmal! Es ist heraus: Der„Vorwärts" vertritt die Sache des Privat- kapitalismus, das„Berliner Tageblatt" den revolutionären Sozia- lismus! Wer das nicht glaubt, möge es in dcr„Roten Fahne" vom Mittwoch nachlesen. Der„Vorwärts" hat nämlich die Wirtschasts- Politik der Arbeiterbank gegen den Handelsrcdaktcur des „B. T.", Felix Pinner, verteidigt. Dieser sieht es— naturgemäß— ungern, daß die Arbeiterbank zu einem für den Privatkapitolismus bedrohlichen M a ch t f a k t o r im Wirtschaftsleben emporwächst und bekämpft diese Eni- wicklung. Womit er den uneingeschränkten Beifall der„Roten Fahne" findet. Denn„revolutionäre" Politik im kommunistischen Sinne treiben, bedeutet doch nichts anderes, als die Selbsthilleorganisationen der Arbeiterschaft zu schwächen und öffentlich zu diskreditieren. Wobei man über die freundliche Unterstützung solcher Bestrebungen durch das Bank- und Börsenkapital mit Dank quittiert, und ihm dafür sogar wahrhaftreoolutionär-sozialistische Tendenzen bescheinigt. Deutsche Missionen sind wieder im ehemaligen Deutsch» ostafrika zugelassen. Dies wurde von der englischen Re- gierung in der Ständigen Mandatekommission des Völkerbundes mitgeteilt. Schwarz- Rot- Gold verhöhnt. Der deutsche Gesandte in Rio ist dabei. Der ,, Urwaldbote" in Rio de Janeiro berichtet: Bom 20. bis 22. April wurde in der Bundeshauptstadt das 2. Bundesfest des Deutsch- Brasilianischen Sängerbundes veranstaltet. Zu dem großen Festabend am 20. April in dem geräumigen Saale des Club Gymnastico Portuguez hatten fich sehr viele Gäste aus allen Schichten der Rio- Kolonie eingefunden. Den Ehrenvorsitz führte der deutsche Gesandte, Herr Hubert Knipping, der auch die bedeutsame Schlußrede des Festabends hielt. Seinetwegen mar neben zahlreichen schwarzweißroten und brasilianischen Fahnen auch die bekannte„ konzeffionsfahne" mit der schwarzrotgelben Gösch angebracht worden, da deutsche amtliche Ber treter heute nicht mehr bei Veranstaltungen erscheinen dürfen, bei denen nur Schwarzweißrot gezeigt wird. Doch hatte man den Gefühlen der Kolonie insofern Rechnung getragen, als man die Kon= zeffionsfahne" so anbrachte, daß die November- Gösch um eine Mauerfante herumgebogen war, auf welche Weise in der Draufsicht vom Saale aus auch bei diefer Flagge nur Schwarz- Weiß- Rot sichtbar wurden. So war den Vorschriften der Berliner Herrschaften, die ihre Flagge wechseln wie ihr Hemd, Genüge getan, ohne daß die Kolonie sich zu fränten brauchte. War das bezeichnend für die wahre Gesinnung der Rio Deutschen, jo ereignete fich im Berlaufe des Abends noch ein völlig unvorhergesehener Zwischenfall. Es wurde nämlich die neue Vereinsfahne der Lyra- Rio geweiht, und den Beschluß dieses Aftes bildete der Vortrag von Carl Maria von Webers Jubel Duver türe durch das Orchester. Weber hat diese Duvertüre während feines Londoner Aufenthalts für höfische Zwecke gedichtet und in den Schluß die Melodie des„ God save the king" permoben, die ja be. fanntlich auch die Melodie des Heil dir im Siegerfranz" ist. Begreiflicherweise war dieser mufitgeschichtliche Zusammenhang nur den wenigsten der Anwesenden geläufig, und als nun auf einmal die Klänge der Hymne der preußischen Rönige und deutschen Kaiser ertönten, da schnellte die ganze mehr als tausendföpfige Bersammlung wie ein Mann von den Sigen empor, um dem glorreichen Kaiserreiche zu huldigen. Und die meisten sangen stolz und ergriffen das heildirim Siegerfranz" mit!" Wie sehr die Kundgebung aus innerstem Bedürfnisse tam, das bewies am Schlusse das langanhaltende und demonstrative Beifallflatschen, das sich ganz wesentlich von dem konventionellen Beifallflatschen am Ende anderer Darbietungen unterschied." Daß Deutsch- Brasilianer es nicht empfinden tönnen, wie grotest das Heil- Dir- im- Siegerfranz zugunsten einer zusammengebrochenen Monarchie wirft, mag auf sich beruhen. Jedermann wird es bedauern, daß sich das Auslandsdeutschtum von der sozialen und demokratischen Entwicklung der Heimat immer weiter entfernt. Unerhört aber ist die schäbige Art, hinterlistig das Symbol des alten freien Deutschland, die Farben Schwarz- Rot- Gold durch einen Trid von den Augen der Festversammlung zu verstecken. Diese Handlung ist eine bewußte Beleidigung der Republik. Daß aber der beamtete Bertreter dieser Republik diese Beleidigung anscheinend geschehen läßt, ist ein Borgang, über den Herr Hubert Knipping Rechenschaft geben muß. Filchner. Er hat doch nicht auf dreißig Stunden Sich einem Mofor anvertraut... Er hat nur, mit erfrorner Haut, In Tibet fich herumgeschunden. Er hat doch nicht an einem Hede Die Fahne Schwarzweißrof gehißt... Er war nur lange Zeit vermißt Und schlief auf eisiger Bergesdede. Er hat doch nicht mit Blumengrüßen Haus Doorn auf seinem Flug bedacht... Er wanderte in Bettlerfracht Und hatte Lappen an den Füßen. Er hat doch nicht, aus Sportsintereffen, Benzindunft übers Meer gepafft... Er war nur Mann der Wissenschaft Und hat nur fernes Land vermeffen. Er flog doch nicht, das ist sein Drama, Zu einem wohlbekannten Strand... Er fuhr in unerforschtes Cand Und war bei dem Dalai Chama. Den Fliegern Hell! und ungehemmfer Und jubelnd schmetternder Empfang... Dem Forscher blüht fein Klang und Sang. Was fümmern sich um den die Aemter! Hans Bauer. Ministerstreit um ein„ t". Dinghofer will über Bela Khun nicht stürzen. Wien, 27. Juni. Die Großdeutsche Partei" gibt parteiamtlich bekannt: Justizminister Dr. Dinghofer hat Dienstag vormittag dem Dbmann des Berbandes der Großdeutschen Abgeordneten aus Karlsbad telegraphisch mitgeteilt, daß er mit dem Bundeskanzler Dr. Seipel das Einvernehmen wegen feiner Demission herstellen werde. Bon der zuständigen Regierungsstelle( aus dem christlich- sozialen Lager) wird aber versichert, daß in dem Telegramm Dinghofers, das auch dem Bundeskanzler Dr. Seipel vorgelegen hat, bezeichnenderweise das Wort Demiffion fehlt. Das Telegramm lautete vielmehr bloß: ,, Unterbeche Kur nicht, herstelle Einvernehmen mit Bundes fanzler." Da es ausdrüdlich heißt herstelle Einvernehmen" und nicht Herstellet Einvernehmen" ist man der Ansicht, daß Dr. Ding hofer feineswegs seinen Klub mit der Herstellung des Einvernehmens beauftragen wollte, sondern dieses Einvernehmen" felbft her ftellen will. Dies gehe auch aus einem dem Telegramm nach folgenden Telephongespräch hervor, das Dr. Dinghofer aus Rarlsbad mit Bundeskanzler Dr. Seipel geführt hat. Auch in diesem Gespräch war von einer eigentlichen Demiffionsanfündigung feine Rede, fondern Dr. Dinghofer teilte nur mit, daß ein Eilbrief an den Bundeskanzler folge. In den Kreifen der chriftlich- sozialen Regierungsmitglieder wartet man die Auswirkung des offensichtlichen Drudes des Großdeutschen Klubs auf Dr. Dinghofer, seinen Minister posten zu verlassen, ab. festemmDas Rheingold. Neuinszenierung in der Staatsoper Unter den Linden. Die Staatsoper Unter den Linden geht an die größte, schwierigste, bedeutendste Aufgabe vielleicht ihrer erneuten Bühne: Neuinszenierung des Nibelungenringes. Erster Abend: Das Rheingold. Uns interessiert vor allem der szenische Teil der Aufführung, die zugleich, unter Erich Kleiber. eine sehr gewissenhafte NeuDer Tänzer Edgar Frank, der auf dem Essener Tänzerkongreß mit großem Erfolg auftrat, ist für die nächste Spielzeit an die Städtische Oper in Charlottenburg engagiert. einstudierung im Musikalischen geworden ist, mit fast durchweg glüdlicher Besetzung aller vierzehn Hauptrollen- es gibt feine Nebenrollen in diesem Berk. Worum geht es? Darum, aus dein Stil des Berkes und dem Geist der Gegenwart eine Synthese zu finden. Dazu im Spezialfall Rheingold: die szenischen( nicht nur bühnentechnischen) Probleme des an Tüden und Gefahren jeder Art überreichen Wertes, alle Stilfragen beseitigt, befriedigend zu lösen. Franz Ludwig Hörth, der Leiter der Inszenierung, hat die Aufgabe verstanden; gelungen ist ihm, in sehr gründlicher Arbeit, aller technischen Schwierigkeiten Herr zu werden und als überlegener Kenner der Dichtung und des Theaters die Wider stände zu bezwingen, die dieses der Verwirklichung aller von jehr gestellten Forderungen entgegengesezt. Aber vom Geist der Gegenfreilich, wer kennt den und wo ihn finden? hat er fich dabei faum beraten lassen. Diese Rheingold- Inszenierung ist: Anpassung des Werkes an die reichen Möglichkeiten der neuen Bühnenmaschinerie; und Erprobung dieses, mun endlich ganz ge brauchsfähig gewordenen Bühnenapparates an einer Sache, bei der sich's wahrhaft lohnt, ihn in Bewegung zu setzen. wart Also, im wesentlichen, und mehr, als wir erwartet,( obgleich mir Piscatorische Entgleisungen feinesfalls befürchtet hatten) ist alles wieder geworden, wie es immer gewesen; illusionistisch bis zu dem elektrisch leuchtenden Auge des Riesenwurms. Biel Illusion, viel Wasserdampf. Aber vieles, nicht alles gewiß, bleibt in der Ausführung sehr schön, dank dem Geschmad Emil Birchans. Besonders eindrucksvoll, ein wenig unheimlich in der Stimmung, der Wolkenhimmel der Gewitterszene. Einzelnes befremdet. Walhall erscheint als Projektion im Hintergrund, und auch bei wolfenlosem Himmel läßt der Maler sie, nach Gutdünken, alle Illusion, ver wirrend, aus dem Bild verschwinden. Ein wichtiges Thema: die Beleuchtungen; man spürt das Spufen heutig- symbolistischer Ideen. Ueber die Leichtherzigkeit, nicht nur im Fall ,, Rheingold", mit der der moderne Regisseur den Beleuchtungsapparat spielen läßt, seiner unerschöpflichen Möglichkeiten persönlich sich freuend, ließe sich eine Abhandlung schreiben. Den ganzen Abend wird Loge von rotem Scheinwerferlicht begleitet und dadurch, während andere Götter im Schatten stehen, mehr als ihm zukommt, zur Hauptfigur er hoben. Eine innere Vision Wotans wird, vergröbernd, durch einen jähen Wechsel der Gesamtbeleuchtung angezeigt. Daß Erda unsichtbar bleibt, mag ein Malheur gewesen sein, das sich nicht widerhelen soll. Wenig glücklich ist das Problem der( offenen) Ber wandlungen gelöst; zwischen der ersten und den späteren besteht ein völlig unvereinbarer Stilgegensatz: dort, als Versuch wenigstens, im Einklang mit der Musik malerisch Angedeutetes, hier hand. greiflich Realistisches; übrigens ein bißchen fomisch, wie Götterwelt und Nibelheim, in vertikaler Richtung sichtbar am Zuschauer vorüberfahrend, etagenweise übereinandergebaut sind. In den Kostümen waltet mehr Farbenfinn als schöpferische Phantasie; mas gewollt oder gemeint ist, wird nicht in allen Fällen klar. Weil es, im ganzen, an einer neuen, stilbestimmenden Idee fchlt, nicht aber an einzelnen neuen Einfällen, ist das Stilproblem, aus lauter Scheu, es herzhaft zu attackieren, nun gerade peinlich verfehlt. Eine ,, alte" Rheingoldaufführung, mit allem, was einst dazu gehörte, wie zu Angelos Neumanns Zeiten wäre eben für uns nicht mehr möglich. So ist, aus Einst und Jezt, aus vorfäglich gewahrter Tradition und behutsam sich herandrängender Gegenwärtigkeit ein Stilgemenge entstanden, dem leider das Ueberzeugende eines einheitlichen Stils unwiderruflich versagt iſt. Und dies, bei aller Anerkennung der großen, ernsten Arbeit, die geleistet worden ist, bleibt als Eindrud haften. Klaus Pringsheim. 1.5 Ein Kultursfandal. Mary Wigman muß aus wirtschaftlicher Not ihre Gruppe auflösen! Aus Essen wird uns unterm 25. Juni geschrieben: Der zweite deutsche Tänzerfongreß wurde soeben geschlossen. Das letzte Wort sprach Mary Wigman, die den Ber fammelten die erschütternde Mitteilung machte, daß fie durch die wirtschaftliche Not gezwungen fei, ihre Mustergruppe sofort aufzulösen. Damit ist eine Kunstschöpfung zu Grunde gegangen, die in der Welt nicht ihresgleichen hatte. An deren Gründung und Ausgestaltung die größte Tänzerin unserer Zeit Jahr zehnte aufopfernder Hingabe und eiseren Fleißes verwandt hatte. Mit Summen, die im Etat etwa des Deutschen Reiches faum eine Rolle gespielt hätten, wäre dieser unschäzbare Kunstbesitz für das deutsche Volk und für die Welt zu retten gewesen. Man hat nichts getan. Man hat tro aller Mahnungen der Kundigen die Dinge laufen lassen, bis es jetzt zu spät ist. Oder ist es vielleicht doch noch nicht zu spät? Werden die behördlichen Instanzen, denen die Pflege der deutschen Kultur und Kunst obliegt, ihre Pflicht noch in allerlegter Stunde erkennen und das tun, was sie längst hätten tun sollen? Aber Eile tut not. Es geht nicht mehr um Monate, sondern um Tage! J. S. Holländer und Altdeutsche. Reuerwerbungen des Kaifer- Friedrich- Museums. er als Meister in die Antwerpener Lukas- Gilde aufgenommen in jener Zeit muß das für Berlin angetaufte Bild gemalt sein. Eine besondere Seltenheit ist ein fleines Bild des Malers Jacob Effelens, der von 1626 bis 1687 in Amsterdam lebte. das von ihm namentlich bezeichnete Bild ist eine Landschaft mit einem waldumfäumten Fluß. Darauf tummeln sich allerlei Leute; Angler haben sich auf einem Floß niedergelassen, eine Art Hausboot liegt still da, ein Schimmelreiter trabt am Ufer entlang, und alles gibt das Bild eines stillvergnügten Wochenendes. Der Maler, von dem es ein ähnliches Bild auch in Leipzig gibt, hat im übrigen als Kaufmann fein Glück gemacht und ist als schwerreicher Mann geftorben. Die letzte der Neuerwerbungen ist ein altdeutsches Wert: Prof. Hermann Boß hat darin die Hand des Landshuter Malers Nicolaus Mair erfannt, der 1520 starb und als Stupferstecher, als Zeichner und als Holzschnittkünstler eine bekannte Figur der altbayerischen Kunstgeschichte ist. Die Berliner Neuerwerbung ftellt eine figurenreiche Kreuzigung Chrifti, mit dem Gedränge, wie die Alten es nannten, vor blauem Grunde dar. Unter den Figuren fällt besonders bei den Schergen und Kriegsknechten manche eigenartig bewegte Gestalt auf. Internationaler Kinoklub. Um der Verflachung der Filmkunst entgegenzuwirken, gründete fich in Paris unter Führung und auf Initiative von Jcan Tedesco, Besizer der Lichtbühne Théâtre du Bieur Colombier" ein internationaler Rinoflub. Für einen Jahresbeitrag von 80 franz. Francs wird den Pariser Klubmitgliedern jährlich eine Anzahl von mindeftens acht nach rein fünstlerischen und in feiner Weise geschäftlichen Prinzipien ausgewählten Filmen vorgeführt. Die Vorstellungen finden unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Auch die französische Proving hat die Idee schon aufgenommen: in Städten, in denen zumindest 200 Mitglieder zusammenzubringen sind, stellen sich die Bedingungen genau wie in Paris felbst. Mit dem Ausland, ins. befondere mit deutschen Interessenkreisen, hat der Klub bereits mehr. fach Fühlung genommen. Die Gemäldegalerie des Berliner Kaiser- Friedrich- Museums hat foeben vier Werte erworben. Das Meisterwerk unter den vier Bil dern ist ein Werk des holländischen Genremalers Elaias Bourige( 1631 bis 1672), der sich unter Rembrandts Cinfluß gebildet hat. Unter seinen Bildern, die früher meist als Werke des Delfter Bermeer und des Pieter de Hooch gingen und erst von Bode Das deutsche Element in Sowjetrußland. und Bredius neuerdings erkannt worden sind, war das jetzt für Die russische Regierung erteilt ihre Genehmigung dazu, daß eine Berlin erworbene Interieur stets als eine seiner besten Leistungen geschäßt. Es ist eine echt holländische Wohnstube mit dem gedämpften wissenschaftliche Delegation unter Führung von Profeffor Protowski Licht eines bedeckten Tages. Das Kaiser- Friedrich- Museum bejaß an einem in Deutschland stattfindenden historischen Kongreß teil. bereits ein fleineres Wert des Boursze, den Jungen mit den Seifen- nimmt. Bei dieser Gelegenheit wird bekannt, daß nach den legten blafen". Von dem großen flämischen Sittenbildaler Jacob Statistiken in Rußland 1% Millionen Deutsche leben, davon 393 000 Jordaens erwarb die Gemäldegalerie ein Wert seiner Frühzeit,| in der Utraine und 380 000 in der deutschen Republik an der Wolga. Chriftus mit den drei Marien". " Es sind echt flämische, etwas derbe Gestalten, deren charakteristischem Typus man es nicht zutraut, daß dieses Bild früher als Werk des Rubens ging. In der Gestalt Chrifti mit seinem roten Mantel ist allerdings Rubens das Vorbild des Malers, zu dessen frühesten bekannten Schöpfungen die Berliner Erwerbung gehört: 1607 bis 1608 trat Jordaens bei seinem späteren Schwiegervater Adam van Noort als Lehrling ein, bei dem 15 Jahre vorher auch Rubens gelernt hatte, und 1616 wurde Carl Sternheim bat soeben seine zwei Komödien Die Hole" und„ Der Snob" zu einem abendfüllenden Wert zusammengezogen. Ralph Arthur Roberts eröffnet mit diesem neuen Stüd Anfang September sein neues Theater in der Behrenstraße. Chaplins Pilgrim" in der Wiener Concordia". Chaplins berühmter Film" Pilgrim", der, angeblich wegen der hohen Stoften, bisher in Deutschland und Desterreich noch nicht gezeigt wurde, wird am 2. Juli in der Concordia" in Wien aufgeführt werden. Gedankenarmut oder Schlimmeres? Wie die Arbeitsuchenden um ihr Geld gebracht werden. Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: In der Sonntagausgabe einer Berliner Tageszeitung fand ich 487 Inserate, in denen faufmännische Angestellte, männlich: und meibliche, gesucht werden. Ein geringer Bruchteil, noh nicht 8 Prozent, nennt die suchende Firma und gibt Gelegenheit zur persönlichen Vorstellung und Vorlegung von Originalzeugnissen. Der weitaus größte Teil aber besteht aus Chiffreinseraten, in denen die Einsendung von Lebenslauf und Zeugnisabschriften, vielfach auch die Beibringung eines Lichtbildes, in nicht seltenen Fällen auch die Beifügung von Rückporto verlangt wird. Statt theoretischer Erwägungen ein Beispiel aus der Praxis: Der Verfasser dieser Ausführungen war ohne sein Verschulden arbeitslos geworden, weil die Firma, bei der er angestell: war, in Konkurs geriet. Er arbeitet in einer Branche, die besonders schlechte Konjunktur hat. Er ist 40 Jahre alt und verheiratet, gehört also nach dem Durchschnitt der heutigen Afihten schon zum alten Eisen, denn es finden sich Inserate, in denen für leitende Posten Herren von nicht mehr als 25 Jahren mit langjährigen Erfahrungen gesucht werden! Der Verfasser war also in besonders schlechter Lage, zumal er Vermögen nicht besaß, nicht einmal das letzte Gehalt ausgezahlt erhalten hatte und es nicht über sich gewann, als bisheriger Angestellter in gehobener Stel lung stempeln zu gehen. Er ging nicht zur Arbeitslosenfürsorge. sondern zum Leihhaus. Auf jedes nur irgendwie aussichtsreich erscheinende Angebot wurde eine Bewerbung eingereicht. Soll ich aufzählen, wel he Kosten für Papier, für Zeugnisabschriften, für Lichtbilder, fü: Porto verausgabt wurden? Auch wo es nicht verlangt wurde, wurde Rückporto beigelegt, um einige Gewähr wenigstens für die Rückfendung der Unterlagen zu haben. In dieser Weise gingen, bis zur völligen Erschöpfung und Mutlosigkeit des Bewerbers, 118 Bewerbungsbriefe hinaus. Schließlich blühte ihm das Glück: nicht auf Grund eines Bewerbungsbriefes, sondern durch Empfehlung eines Freundes fand er eine Anstellung. Und das Schicksal seiner Bewerbungen? Bon seinen 118 Sen. dungen erhielt er neun zurück, eine davon unfrantiert und mit Strafporto belastet! Die übrigen blieben verschollen! Nicht Die Geldsortiermaschine. Ein vielseitiges Genie, der Kunstmaler Fredy Fa ft, führte geladenen Gästen seine neuste Erfindung vor eine elektrisch beeine elektrijch betriebene Geldfortiermaschine. Man glaubt eine riesige blinkende Milchfanne mit aufgesetztem Trichter und einem Henkel vor sich zu haben und nicht einen feinsinnig erdachten Apparat, der in seinem Innern präzise Konstruktionen birgt, die in einer Stunde 36 000( Sechsunddreißigtausend!) verschiedene Geldmünzen sortieren können. Was die Geldsortiermaschine in acht Stunden schafft, fönnen bei gleicher täglicher Arbeitszeit sechs Personen erst in einem Vierteljahr bewältigen. einmal Leute, die ihren Namen oder ihre Firma im Inserat ge nannt hatten, den Bewerbern also bekannt waren, hielten es für nötig, die Sachen, wenn auch mit Ablehnung oder meinetwegen anonym, zurückzusenden! Sollen wir ausrechnen, wieviel Bewerbungen auf die 487 Inserate der Zeitung verfaßt werden, welche Summe nicht nur an Arbeit, sondern an abgedarbiem Gelde entsteht? Ist das nicht beschämend im höchsten Grade? Soll man nicht fast auf den Gedanken kommen, daß gewissenlose Leute die furchtbare Arbeitslosigkeit ausnußen, indem sie für wenige Groscher ein kleines Inserat aufgeben und das Rüdporto der Bewer ber als leichten Verdienst in die Tasche stecken? Eine derartige Gemeinheit tann man nicht bei allen voraussetzen. Vielen wird die Arbeit zu groß sein, zumal ja heute er. fahrungsgemäß auf das fleinste Inserat Berge von Bewerbungen eingehen. Hier entscheidet aber nicht die Arbeit, die entsteht, hier sollte über der Arbeit der Rücksendung, über der Gedankenlosigkeit doch die Moral des anständigen Geschäftsmannes stehen. Gedankenlosigkeit wird es in den meisten Fällen sein. Gedankenlosigkeit raubt aber hier dem Arbeitsuchenden nicht nur den Mut, sondern sein legtes Geld. Im ärgsten Drange der Geschäfte muß man aber Zeit finden, auch einmal an die zu denken, Erwägungen ist wahrhaftig gegeben, wenn man den Jammer und die Not ermißt, die aus der Fülle und dem Inhalt der meisten Bewerbungsschreiben sprechen. Es muß wieder Ehrensa he eine: anständigen Firma werden, gerade den Bewerbern, die man aus irgendeinem Grunde niht wählt, ihre Zeugnisse und Lichtbilder schnellstens zurüzusenden, wenn auch unter Verwendung des bei gelegten Rückportos. Wenn solches fehlt, dann soll man bedenken, daß der arme Teufel vielleicht nicht das Geld dafür gehabt hat und dann soll man das Porto zu den vielen übrigen Geschäftsunfosten schreiben. Dieser Betrag wirft dann eine Firma auch nicht um. die man nicht anstellt oder anstellen kann, und der Anlaß zu solchen Wer in diesem Buntte gedantenlos handelt, stößt die Stellungslofen, deren anständiger Teil schon unter der Beschäftigungslosigkeit art sich schwer leidet, noch immer weiter ins Elend. Harry Werner. unb Spielgeräte sind übersichtlich und zwedenprechend aufgeftel und follen nur von Kindern bis zu 14 Jahren benutzt werden Sandspielflächen von 5000 Quadratmetern aus feinstem weißen Sand geben allen Kindern eine ideale Buddelgelegenheit. Hiet tönnen Sandspiele in einem Ausmaß betrieben werden wid an dem natürlichen Sandstrand der Ost- und Nordsee. Für Er. wachsene sind zur bequemen Beaufsichtigung der Kinder vorsorgli einige Waldbänke aufgestellt worden. Probleme im Palästina- Aufbau. Nachdem Bandervelde am Sonntag vor einem großen Bublifum seine Palästinaeindrücke geschildert hatte, gab er noch einem fleinen Kreis von sozialistisch eingestellten Zionisten Gelegenheit, sich über gewisse Fragen zu informieren. Die Anregung ging von der Poale Zion und dem Komitee für das arbeitende Palästina aus. Die Aussprache zeigte wieder, daß der in Palästina entstehende Staat sich zu der zweiten Internationale betennt. Während des Kongresses in Brüssel wird eine internationale Be sprechung der Sozialisten über die Palästinafrage stattfinden, von deutscher Seite werden Genosse Bernstein und Löbe daran teila nehmen. In der erwähnten Versammlung wurden fulturelle und politische Fragen erörtert. Bandervelde fonnte mur erfreuliches berichten. Man kann verschieden zum Zionismus eingestellt sem; die Entwicklungen in Palästina aber kann die sozialistische Welt nur begrüßen. 100 Kraftwagenführer täglich bestraft. Nach einer Zusammenstellung des Kraftverkehrsamtes im Polizeipräsidium Berlin find im Monat Mai gegen Kraftfahrzeugführer insgesamt 3171 Strafverfügungen erlaffen worden einschließlich der an die Amtsanwaltschaften abgegebenen Strafanzeigen. Davon entfallen auf die Uebertretung der Droichtenord. nung 613, auf vorschriftswidriges Fahren 587, Nichtbeleuchtung des Kraftfahrzeugs 249, das verbotwidrige Fahren auf gesperrten Straßen 154, Nichtbeleuchtung des hinteren Er fennungszeichens 150, Rauch belästigung 148, übermäßig schnelles Fahren 100, Fahren ohne Führerschein 86 und Jahren ohne Zulassungsbescheinigung 71 Strafverfügungen usw. Bruno Fiedlers Einäscherung. Unter großer Beteiligung fand gestern abend im Krematorium Baumschulenweg die Einäsche rung Bruno Fiedlers statt. Unter den Erschienenen waren Dom ADGB. Genosse Sabbath, Bürgermeister Scholz, Neutölln, und mehrere Stadträte. Das Ebert- Manz- Quartett sang das Lied vom Sohn des Boltes. Als erster sprach Lenz vom Verein der Freidenter für Feuerbestattung; als Bertreter des Metall aus. Eine Fehlsortierung soll gänzlich ausgeschlossen sein. Die arbeiterverbandes Bernhard Krüger, für die Sozialdemokratische Aufnahmefähigkeit der Maschine fann durch Auffeßen neuer Ringe Partei Gutschmidt, von der 92. Abteilung Schindler. Einige Ber vergrößert werden. Es ist dadurch möglich, bis zu 20 vertreter der Fachgruppe des Arbeitsnachweises riefen dem verstorbenen schiedene Münzsorten zu sortieren. Jedes Unternehmen, Kollegen ehrende Borte nach. Alle Redner dankten dem Berdas mit dieser Zaubermaschine arbeiten will, ist somit unabhängig storbenen für all das, was er für die Arbeiterschaft getan hat. von einem Währungswechsel und auch in der Lage, Münzen aus. ländifcher Währung sortieren zu laffen. Die Lebensdauer der Maschine soll unbegrenzt sein. Der Erfinder, von dem schon mehrere technische Konstruktionen zum Patent angemeldet sind, erzählte auch, was ihn zu seiner Erfindung angeregt hot; es war eine Ente! Aber eine Beitungs- ,, Ente". In einem Blatt las er eines Tages, daß die amerikanische Regierung eine sehr große Summe für die Erfindung einer Geldsortiermaschine ausgesetzt hätte. Trotzdem diese Nachricht nach wenigen Tagen widerrufen wurde, legte der Kunstmaler Binsel und Palette beiseite, um mit der Konstruktion seiner Maschine zu beginnen. Fast ein Jahr dauerte es, bis die Entwürfe fertig waren und mit dem Bau der Mashine begonnen werden konnte. Sie ist zweifellos brauchbar und für Banken und Großbetriebe von hohem Rußmert. Volkspark Wuhlheide. Die Arbeiten am Bolts- und Waldpark Wuhlheide sind wieder um ein bedeutendes Stück durch die Fertigstellung des neuen Kinderspiel- und Turnplages und einiger Bege und Waldteile gefördert worden. Das Bezirksamt Treptow beabsichtigt, am Sonnabend diese Teile der Deffentlichkeit zu übergeben. Ganz besonders dürfte die Freigabe des Kinderspiel- und Turnplatzes vor Beginn der großen Ferien der Schuljugend willkommen sein. Da stehen Red, Barren, Schaufelringe, Kletterstangen und Klettertaue denen zur Verfügung, die die Bege zu Kraft und Schönheit schon frühzeitig beschreiten wollen. Rundlauf, Wippe, Schwebebaum und Schaufeln forgen für Abwechslung und werden wohl baum und Schaukeln sorgen für Abwechslung und werden wohl taum unbenutzt bleiben. Vor allem aber wird die 10 Meter lange Rutschbahn besonders freudig begrüßt werden. Sämtliche 25 TurnDer Apparat, der, wenn man von der unpraktischen Schüttelfieb- Mitglieder des DMV. Liste A maschine absieht, noch keinen Vorläufer hat, besteht aus vernickeltem Rotguß, eine Metallegierung, die härter wie die der Geldmünzen agitiert zur Verbandstagswahl für die ist. Aufeinandergelegte Ringe, die der Maschine die Zylinderform geben, laufen um eine vertikal stehende Achse. In die Trichteröffnung wird das Geld beliebig viel und in beliebigen Münzgrößen hineingeworfen und der elettrische Strom durch einen Stechfontakt eingeschaltet: mit staunenswerter Geschwindigkeit fallen die sortierten Münzen durch den seitlich angebrachten Auslauf herTheater, Lichtspiele usw. SCALA Mittwoch, 27.6.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 51. Anf. 19%( 7%) U. Troubadour Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 120 Anf. 20( 8) Uhr Der Arzt wider Willen Mittwoch, 27.6.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV Anf. 20( 8) U. Die neugierigen Frauen Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 130 Anf. 20( 8) Uhr Kalkutta, 8 Uhr Nollendorf 7360 Herb Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen? Nur noch 4 Tage! 4. Mai 814 814 DAS SCHUBERT SINGSDIEL Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Dreimäderlhaus 20( 8) Uhr Die beiden Seehunde Renaissance- Theater Steinplatz 901. 8 Uhr: Krankheit der Jugend Alfred Braun v. Thellmann, Jankuhn, Hesterberg, Morgan, Perry, Brandt. S Ballett Winkelstern, Sunshinegirls. Grosses Schauspielhaus Erik Charell. der gewerkschaftlichen Einheitsfront, weist das parteipolitische Spaltungsmanőver der Liste B zurück. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland a. Sylt: Regen. Helgoland: ftürmisch. Borfum: stürmisch.- Bremen: bededt, nach Regen.- Hamburg: stürmisch mit Regen. Offfee. Travemünde: bewölft, nach Regen, stürmisch. Barne münde: Regen. Saßniz: bewölkt nach Regen. Swinemünde: bewölkt. Stettin: bewölkt. Rolberg: bewölft. Stolp: bewölft.) -Danzig- 3oppot: heiter. Seebad Kranz: wolfig. Harz. Schierke: Regen. Harzburg: bewölft, nach Regen. Broden: Sturm und Nebel. Bad Sachsa: bewölkt. Thüringen. Erfurt: ziemlich heiter. Bad Liebenstein: bewölft. Infelsberg: woltenlos. Helfen. Wassertuppe/ Rhön: bewölkt. Sachfen. Dresden: wolfig. Fichielberg( Erzgeb.): bewölft mit Sturm. Schandau: heiter. Zittau: heiter. Schlesien. Breslau; ziemlich heiter. Flinsberg: heiter. Bad Schreiberhau: wolkig. Schneefoppe: Nebel und Sturm. Bad Landeck: bewölkt. Reinerz: bewölkt. lenz: bewölkt, nach Regen. Rheingebiet. Köln: Regenfälle. Bad Aachen: Regen.- RobBad Ems: bewölkt. Wiesbaden: bewölkt, nach Regen. Frankfurt a. M.: bewölkt. Feldberg ( Taunus): bededt. Baden- Baden: bewölft. Bad Dürkheim: bewölkt. Baden. Karlsruhe: bewölkt. Freiburg: bewölft. Feldberg( Schwarzwald): Nebel. Württemberg. Stuttgart: bewölkt. nach Regen. Friedrichshafen: bewölft. Freudenstadt: bewölkt, Bayern. Hof: wolfig. Fürth: ziemlich heiter, aber stürmisch. Regen. Zugipize: Rebel. Berchtesgaden: bewölkt, nach Regen. München: bewölkt. Garmisch- Partenkirchen: bewölft, nach Oberstdorf: bewölkt. Bad Tölz: bewölkt, nach Regen. Tegernsee: bewölft, nach Regen. Innsbrud: bedeckt, nach Desterreich. Salzburg: Regen. Regen. Wien: Regen. Wetterbericht der öffentlichen Welferdienststelle Berfin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Teils wolfig, teils heiter, mit nur noch unbedeutenden Niederschlägen, fühl, westliche Winde. Für Deutschland: Ueberall fühles, wechselnd wolfiges Better, strichweise noch Schauer, besonders in der östlichen Hälfte des Reiches. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glade, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buc bruckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße Sietzn i Beilage. Theater am Kottbusser Tor Volksbühne Berliner Theater Kleines Theater Berliner Prater Planetarium am 200 heater am Bülowplatz Th. am Schiffbanerdamm Charlottenstr.93/ 91.06nh.170 Täglich 8, Uhr Kastanienallee 7/9. Verlaag. Jeachimsthaler Straße 81, U. Ende 10% U. Kaiser- Tietz 7, Täglich Gastspiel d. Beutschen Th. Lotte Klinder Polnische Wirtschaft" Der Sternhimmel Der Proze Berlin, Kottbusser Str. 6. Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: 81% Uhr Elite- Sänger Orpheus in der Wie Immer erstklassiges Programm! U. a. Ein verissener Schwiegersohn"( Schwank) ..Ein kleines Geschenk"( Schwank) Lachen u. Stimmung! Volkstümliche Preise: 50 Pf. bis 2 M Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Unterwelt 8 Uhr Der Kubhandel Reichshallen- Theater Stettiner Sänger in Mary Dugan Galante Deutsches Theater U. Norden 12 310 Ende 10% U. Artisten Regle Max Reinhardt zum Schluß, zum 53. Male: Die Komödie Stuckes Pfingstfahrt 3 U. Ende 14 U. Anfang 8 Uhr. Donhoff Brett'l: ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert, Tanz Saltenberg- Bühnen Dis. Künstler- Th. Uhr ,, Das sind ja reizende Leute.." Lessing- Theater Voranzeig! Ab Sonntag, 1. Juli Täglich 8 Uhr: Spiel im Schloss" Bismarck 2414/7516 Es liegt in der Luft Nacht! Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Täglich 8 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Tägl. 84, Uhr Revue von Schiffer. Ein Stück Musik v. Spoliansky Theater des Westens Malheur Steinpl. 931 Uhr von Marcellas Schiffer Walhalla- Th. Täglich: Weinbergsweg 19/20 Max Adalbert Täglich 8 Uhr: Käthe Schmidt- Sanft in „ Das Ekel" Verlorene Töchter" Sittenst in 4 Akten. Thalia- Theater Nur Erwachsene haben Zutritt Park.auch Sonntags statt 4- M. Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr nur 60 Pf. Dyckerpotts Erben Lustspielhaus . Dr. Martin Zicke Unwiderruflich letzter Monat 8 Uhr: Guido Thielscher in Unter Geschäftsaufsicht" 71/9 Außerdem Konzert, Varieté. Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. Noll. 1578 16 Uhr: der Heimat 18 Uhr: Tanz Kaffeekochen. Erde and Weltenraum. Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr 20 Uhr Der Einfluß d. Gestirne Eintritt 1 M. flader aut. 15 Jahren 0,50 M. Am Rudesheimer Rose- Theater Schloß steht eine Linde Gr. Frankt. Str. 132 Loni Pyrmont Krafft- Lortzing Gaston Briese Emma Klein 84 Uhr Heimat Gartenbühnе: Parkett auch Sonnt. 16 Uhr nachm, statt 4. Mk. Ronzert und banter Tell. nur 1.- Mk. 14 Uhr. Der fidele Bauer Trabrennen Ruhleben Donnerstag, d. 28. Juni nachmittags 3%, Uhr (Beilage Mittwoch, 27. Juni 1928. AprÄbmiö SficilcuiiQaJtfe �o:s l£illu>tis& Große Nummern» Was Tierbändiger erlebten. Fanny macht 24-Stunden-Schicht. Fanny war eine Elefantendame und nicht gerade böse, aber schließlich Fanny war erst 14 Jahre alt und da ein Elefant über Ivl) Jahre alt werden kann, war sie noch sehr jung. Und sie hatte die Untugend der Jugend, sie war spielerisch. Mit einem Zirkus war sie nach Spanien gekommen, und es hatte sich während des Gastspiels weder im Allgemeinen, noch mit Fanny im besonderen etwas ereignet. Doch eines Tages in der Morgenfrühe hatte Fanny es fertig bekommen, ihre Kette am Fuß zu lösen. Die Stallwache hatte wohl das andauernde Rasseln und das Kling-Klang der aufschlagenden Kette gehört, doch machte Fanny stets Krach, wenn sie auf dem Podium stand, niemand hatte das Geräusch ernstlich beachtet. Auf einmal war Fanny frei und ging los. Und ein Elefant guckt nicht nach rechts und guckt nicht nach links, ein Elefant geht unbeirrbar geradeaus. Ein gut' Teil des Zirkuspersonals und eine ungeheure Menschenmenge waren bald Fannys Begleitung. Jedoch fangen konnte sie keiner, denn an den Kopf ließ Fanny sich nicht ohne weiteres kommen und selbst wenn man sich an seinen Schwanz hängen würde, hielte man keinen Elefanten auf. Fanny ging gerade- aus, geriet dabei auf einen Kirchhof und stampfte ohne ficht- bare Anstrengung Denkmäler und Gräber in Grund und Boden. Die Menschen waren entsetzt, die Menschen waren verängstigt und es wurde Spätnachmittag, bevor man mit Fanny wieder auf dem Zirkusgelände erschien. Fanny stand bald, an zwei Beinen gefesselt, auf ihrem Podium. Nun konnte sie nur ein klein wenig trampeln, aber, schließlich, ihr Rüssel, der war lang. Er reichte bis zu einem Wagen, den Fanny(die Zeltleinwand war zurückgeschlagen, um Luft in den Stall zu lassen) draußen sah. Fanny wußte, in diesem Wagen, obwohl es ein regelrechter Packwagen ist, befindet sich Brot. Bums stieß sie ein Fenster ein und Brot auf Brot wanderte in Fannys Magen. Sie fraß, als ob's in Akkord ging. Wie der Wagen dreiviertel leer gefuttert war, erschien der Futtermeister auf der Bildfläche und schrie immer:„So'n Caracho, so'n Caracho," weil er meinte, das Caracho sei die spanische Uebcrsetzung für das schöne deutsche Wort„Donnerschlag". Endlich legte sich auch diese Aufregung und das Dunkel der Nacht breitete sich aus über Stall und Zirkusgelände. Der Elefantendompteur schlief den Schlaf des Gerechten, bis er ziemlich unvermittelt aus seinem Bett siel. Er dachte an Erdbeben, Bergrutsch und dergleichen weniger angenehme Dinge mehr, bis er durch die Schreie„Fanny",„rianny", eines Besseren belehrt wurde. Fanny war nämlich mal wieder ihren Fesseln entschlüpft und hatte sich ausgerechnet den Wohnwagen ihres Dompteurs als Spielzeug auserkoren. Sie schob den Wagen mit dem Rüssel hin und her, stieß ihn mit dem Kopf vorwärts oder drohte ihn vollends umzustürzen, indem sie sich mit ihrer Breitseite an ihn lehnte. Der Dompteur lebte während dieser Stunden in der Tat in einem verhexten Haus, denn Fanny verteidigte ihr Spielzeug, das sie sich nicht nehmen lassen wollte. Erst gegen Morgen konnte man Fanny in den Stall locken. Das ganze Zirkus- personal war schachmatt, was ja auch kein Wunder war, hatte Fanny es doch fertiggebracht— vom ersten bis zum letzten Ausflug gerechnet—, alle Stallbediensteten gerade 24 Stun- den in Atem zu halten. Der Stuhl der Wüste. Es war einmal eine Menagerie, die zog von Städtchen zu Städtchen, und wenn sie zufällig in einer Großstadt landete, dann stand sie dort, weit, weit draußen. In den erstklassigen Unternehmen führte man seinerzeit schon seit langem große Gruppen im Rundkäfig vor, doch in der Menagerie zeigte man noch die alte Arbeit, das heißt, man ging zu den Tieren in den Käfigwagen, drückte sie in eine Ecke und ließ sie über irgend etwas springen. Das machte man jahraus, jahrein, �?is die Frau Direktor plötzlich und unerwartet eigene Ideen bekam. Sie hatte einen alten Löwen, dessen Krallen bereits ziemlich abgenutzt und dessen Zähne wackelig waren. Fang- zähne besaß er überhaupt, nicht niehr. Und diese arme Wüstenmajestät, die in der Freiheit bestimmt verkommen wäre, wurde in der Gefangenschaft mit Hackfleisch sorgfältigst durchs Leben gepäppelt. Zufällig war dieser Löwe nicht böse geworden, wie es sonst sehr leicht bei vorschreitendem Alter vorkommt. So konnte Madame alles mit ihm machen, und so stellte sie„Lebende Bilder". Die Frau Direktor war eine stattliche Erscheinung, im ersten Augenblick dachte man unwillkürlich, die Germania sei vom Niederwalddenkmal gestiegen. Man liebte damals das Massive, und die schlanke Linie war nur in der Taille modern. Darum schnürte Madame sich sehr, böse Zungen sagten, daß sich erst zwei Cowboypferde, ziehend an den Schnüren, gegen das Korsett legen müßten, bevor es zu schließen wäre. Dos bewußte Korsett war die einzige Unterkleidung, welche die Frau Direktor trug, denn sie ging als Trikolfigur in den Käfig, was den alten Löwen nicht störte, der ruhig liegen blieb. Madame setzte sich auf ihn, Majestät klappte zu- sammen wie ein eingesessenes Sofa, und vor dem Wagen stand der Erklärer, der mit eleganter Handbewegung auf beide wies und sagte:„Der Stuhl der Wüste." Dieser Ansager aber hatte so viel Liebe zu den Tieren und so viel Kraft und Mut in sich, daß ihm der Aufstieg aus diesem Milieu gelang und er über 2S Jahre ein gefeierter Dompteur war, der große Raubtiergruppen vorführte. Ein Ehrist wird gefressen. Seth, unter ollen Tierbändigernamen wird dieser stets seinen besonderen. Klang behalten. Seth war eine typische �ejengestalt Seth aw weltberühmt. Selbst Menelik von Abessinien hatte von diesem Tierbändiger gehört und lud Herrn Seth zu sich ein, zum Besuch. Nebenbei bemerkt lassen viele der exotischen Majestäten sich gern von ihren treu ergebenen Untertanen junge Löwen schenken, weil, ja, weil— der Löwenhandel ein einträglicher Nebenverdienst ist. Nun, bewußter Seth reiste zu M e n e l i k und ging dort- selbst, nur mit einem Knüppel bewaffnet, unter erwachsene Löwen. Darob war Menelik so voller Staunen und Be- wunderung, daß er Seth 36 ausgewachsene Löwen schenkte. Flugs kam ein Telegramm des bestbekannten Tierhändlers, der Seth zum Kompagnon ernennen wollte. Doch Seth schlug ab; er war ja ein Krösus, er hatte 36 Löwen, was zu seinerzeit etwas Unerhörtes war. Und er feierte Triumphe, bis er mit diesen 36 Löwen nach Polen kam, wo ihm ein gewissenloser Mensch infiziertes Pferdefleisch lieferte» nach dessen Genuß alle Tiere starben. . So erging es diesem Dompteur mehr als einmal. Heute hatte er unermeßliche Werte in Tieren, morgen hatte er nichts. Aber Dompteur blieb er. Unter anderem brachte er es auch fertig, sich von einem Löwen zerreißen zu lassen. Diese Nummer wurde extra für Paris ersonnen. In einer wunderbaren Kulissentropenland- schaft, in der die Farben wahre Orgien feierten, stand einsam und alleine und halb ausgezogen Seth, der von Nero ver- folgte Christ. Die Löwen kamen herein, er wehrte sie mannhaft ab, doch einer sprang an ihm empor und zerriß ihn. Das Publikum sah Blut und Fleisch und das war keine Ein- bildung. Frauen kriegten Schreikrämpfe oder weinten sich die Schminke vom Gesicht, Männern wurde schlecht, das Büffet war stets umlagert, weil jeder einen Kognak trinken mutzte, und der Zirkus wurde Abend für Abend nahezu gestürmt. Wie erklärte sich dieser schauerliche Vorgang. Nun, Seth hatte unter seinem Anzug einen Beutel mit Fleisch und Blut und sein gutmütigster Löwe war so dressiert, diesen Beutel zu zerreißen, um sich aus ihm die Fleischstückchen, seine Lecker» bissen zu holen. Ems Büsing. Auf Havel und Elbe nach Hamburg Berliner Volksschulkinder unternehmen eine Dampferfahrt. (Fortsetzung und Schluß.) Am zweiten Tag wird die Fahrt auf den Kanälen beendet, die das Haoelgebiet mit dem Elbestrom verbinden. Unterwegs sieht man als Kuriofum auf hohem Ufer auch mal ein„Schiffer- Warenhaus", das als Spezialität„S ch i f f e r h o s e n nach Hamburger Schnitt" empfiehlt. Das sind Hosen, die keinen Schlitz, sondern eine Klappe haben, ähnlich wie die alten Lands- knechtshofen. Etwa eine Meile hinter Genthin zweigt sich der Kanal. Südwärts zieht der alte Jhlekonal, der jetzt zum Mittel- landkanal ausgebaut wird und bei N i e g r i p p, etwa 20 Kilometer nördlich Magdeburg, die Elbe erreicht. Unser Schiss aber schlurft mit jener in Kanälen gebotenen Langsamkeit den alten nördlichen Wasserweg zur Pareyer Schleuse, wird hier zur Elb- spiegelhöhe gehoben und erreicht gegenüber dem weit sich am Elbufer eistreckenden Schifferdorf B i t t k a u die Elbe. Das aber ist etwas ganz Großes. Schon vorher hat man den frischen Wassergeruch des breiten Stromes eingesogen. Und nun sieht man die gelbgrünen Wasser- niassen in raschem Zug vorbeieilen, sieht die Ufer sich dehnen und weiten, sieht den Strom endlos in Norden und Süden, steht plötzlich im Mittelpunkt einer ungeheuren Ebene, über der sich die gewaltige blaue Halbkugel wölbt. Das Ist anders als Havel und Spree und Kanäle. Weltenfern scheint der Läbm der Eisenbahnen, Autos und Propeller. In großer erschütternder Einsamkeit zieht der mächtige Strom seinen Weg zum Meer. Kein Segel, kein Dampfer, kein Das Lehrerkollegium bei der Katfeetafel Kahn, kein Motor auf ihm. Immer ferner verschwimmen die Ufer und nur ein scharfer Strich deutet die hohen Deiche an. erinnert daran, daß dieser Strom eine Gefahr sllr Menschen und Tiere und Land sein kann und ist. Längst hat das Schiss den neuen Kurs genommen, den Kurs gen Norden, den die Elbe 60 Kilometer laug versolgt und dem dann bei Werben die scharfe Wendung nach Nordwesten in der Richtung Hamburg folgt. Rechts tauch) ein Doppelgetllrm auf, die kunstge- schichtlich hochberühmte Prämonstratenserkirche zu I e r i ch o w, Vor- bild aller östlich der Elbe in Backstein erbauten Kirchen seit dem 13. Jahrhundert. Aber schon wird die Aufmerksanckeit erneut er- regt, lieber dem Bug des Schisfes erscheinen ein paar Türme und das kann natürlich nichts anderes als T a n g e r in ü n d e sein, dos als das märkische Rothenburg bezeichnet wird. Tangermllnde, das auch einmal für Berlin eine scharfe Konkurrentin war. Bevor das Berliner Schloß an der Spree stand, mar TangcrMünde die Lieb- lingsrcsiocnz der 5)ohcnzollcrn. Die Tangermünder haben sich aber die Fürstengunst verscherzt, als sie nicht dulden wollten, daß ihnen Johann Cicero ihr geliebtes heimisches mit dem appetitlichen Namen „Ä u h f ch w a n z" belegtes Bier durch eine erhebliche Steuer ver- tcuern wollte. Sie und die Stendaler kämpften gegen den Hohen- zollern, sie unterlagen und Johann Cicero verlegte zur Strafe seine Residenz nach Kölln an der Spree. Berlin hat also seine Blüte ge- wissermaßen dem Tangermündcr..Kuhschwanz" zu verdanken. Seinen Glanz, von dem es heute noch- zehrt, verdankte Tangermünde aber gar nicht den Hohenzollern, sondern dem deutsch-böhmischcn Kaiser Karl IV., der Tangermünde zu seiner deutschen Residenz machte, während sein Lieblingsaufenthalt Prag war und blieb. Karl war ein kluger Politiker. Er wollte Tangermünde als Brückenpfeiler zwischen Prag und dem Meer ausbauen. Die imposanten Reste seiner gewaltigen Burganlage an der Clbseite erregen heute noch Staunen und Bewunderung. Das Rathaus ist ein hervorragend schöner Bau niederdeutscher Backsteinkuuit. Die alten Privathäuser aber müßten bcsjer gepflegt jcin, um einen würdigen Eindruck zu hinterlassen. In dem modernen Tangermünde finden wir die größte Zuckerraffinerie Deutschlands. Nun hat das Schiff wieder losgemacht, hat die Mitte des Stromes gewonnen. In nicht allzu weiter Ferne schwingt sich eine mächtige Brücke über die Elbe, die größte Eisenbahnbrücke Deutschlands, 816 Meter lang, von insgesamt\1 klotzigen Pfeilern getragen, kann sie täglich von 156 Zügen in unverminderter Geschwindigkeit passiert werden: sie verbindet Berlin mit der Alt« niark, Hannooer usw. Der Höhenzug, auf dem Tangermünde liegt, begleitet zunächst noch die Elbe und trägt hinter der Brücke die kleine Stadt Arneburg dicht an den Strom heran, vor 1666 Iahren von Slaoen und Germanen wild umstritten. Die Arneburger sind so stolz auf ihr Städtchen, daß sie vor einigen Iahren in einer Ein- gäbe an den Reichspräsidenten baten, daß man das zu erbauende Reichsehren nial hier auf dem alten Burgberg errichten möge. Gar kein übler Gedanke, denn ein Aussichtsturm auf dieser Höhe würde eine gebietende Sicht vermitteln. Dann aber schwingt die Höhe westwärts ab und läßt einer ge- wältigen Flachebene Platz, der Wische(Wiese), einem Strich von ungewöhnlicher Fruchtbarkeit, der Magdeburger Böhrde und den Hamburger Vierlanden vergleichbar. Der Weizen dieser Wische war im 17. und 18. Jahrhundert berühmt, er wurde von dem Zentrum der Landschaft, der Stadt Werben, nach Hamburg gehandelt und hier besonders gern gekauft. In Urzeiten hat sich der Elbstrom ein so breites Bett gewühlt, daß sich alle Ansiedlungcn in respektvoller Entfernung halten mutzten. So kommt es, daß man rechts und links Kirchtürme austauchen und verschwinden sieht, ohne daß die Städte und Dörfer ans Ufer treten können. Man sieht den machtvollen Turm des Domes von Havelbcrg, man sieht das gewaltige Kirchendach der Iohanneskirche von Werben. Hier macht die Elbe den geographisch bekannten Knick und wendet sich aus ihrer Nord- richtung zur Nordwestrichtung aus Hamburg zu. Richtunggebend für den Strom wird hier die Havel, die von Osten kommend bei Werben die Elbe erreicht und sie aus der Nordrichtung abdrängt. Dann kommt Wittenberge, die Nähmaschinenstadt, dann das nied- liche Schiffer- und Fischerstädtchen Schnackenburg. Auf dem Nord- ufer wieder ein weltabgelegener aber fruchtbarer Strich, die Lenzer Wische. Hier geht das Schiff noch einmal vor Anter. Die 209 Mädels stürzen wie besessen über den schmalen Laufsteg ans Ufer und, froh der gewonnenen Freiheit, tollen, spielen und tanzen sie dort herum, bis die Schiffsglocke sie wieder zurückruft zum Abendbrot. Am anderen Tag herrscht Nebel und das Schiss bahnt sich lang- sam seinen Weg. An der alten mecklenburgischen Festung Dömitz vorbei, in der Fritz Reuter saß, vorbei an dem kleinen Badeort H i tz a ck e r geht es nun bei immer sichtiger werdendem Wetter stark auf Hamburg zu. Hier treten noch erhebliche Höhen an das linke. Elbufer und locken wieder zum Aussteigen. Dann taucht, wie ein Stadtidyll an der Weser, Lauenburg auf, ganz schmal zwischen Strom und Berg gedrängt. Dicht am Ufer liegt die Streichholz- fabrik der Hamburger GEG. Der älteste deutsche bereits 1380 erbaute Stecknitzkanal, der die Elbe niit der Trave mit Lübeck und dadurch mit der Ostsee verbindet, mündet hier. Dann erscheinen mächtige Deiche rechts und links, dann kommen die Vierlande und wer sie vor 23 Iahreu zuletzt gesehen hat, als überall nur die wuchtigen Giebel der Niedersachsenhäuser von uralten Bäumen be- schattet, über die Deichkrone lugten, der kennt sie kaum wieder. Auf- rcgung und Hallo entsteht auf dem Schiss, als man auf der Höhe des Deiches, von kräftigem Wind getrieben, einen segel bespannten vierräderigen Wagen vorübcrrascn sieht. So was kennt man in Berlin denn dach nicht. Nun aber meldet sich Hamburg. Graue Rauchschwaden am Horizont. Schwere Schlepper mit endlosen Kahnzllgcn. Personen- dampfer, Segelboote, Motorboote. Da, ein schriller Pfiff, der erste Lärm seit drei Tagen. Die Welt packt uns erneut an und das Band, mit dem der mächtige einsame Strom uns fesselte, beginnt sich zu lockern. Hamburg kommt näher. Da sind die Elbbrücken. Wir steuern in den Oberhofenkanal hinein, und müssen, da die Flut kommt, zunächst an der Fruchthalle vertäuen. Die zweihundert Berliner Mädels machen große Augen, seit Homburg in Sicht kam. Nun warten sie still, was werden wird. Wir aber springen schnell an Land, staunen das wunderbare Chile haus an als Ausdruck gewaltiger Wirtschaftskrast, dem Berlin zunächst nichts Sehnliches zur Seite zu stellen hat und fliegen zum Bahnhof. Denn am anderen Morgen beginnt die Arbeit wieder. Die Berliner Kinder aber bleiben drei Tage in Hamburg und fahren in weiteren vier Tagen über Havelberg und Rathenow nach Berlin zurück. lind als sie am Lindenuser in Spandau aussteigen, da hatten sie braune Wangen und helle Augen, und das kam allein von der Freiheit in Wind und Sonne aus dem herrlichen großen Clbstroin. .■.....,,,. WalterTrojan. p£R ceme ormM 16. Fortsetzung. „Da nun meine Schwester doch nicht da ist/ fing er dann wieder an,..... wenn ich Ihnen vielleicht mit was dienen könnte?" Er streckt« die chand aus und macht« mit den Fingern eine eigen- tümliche Bewegung.„Wcnn's nichts Unrechtes ist... ich mutz aufs Geschäft und meinen guten Namen Rücksicht nehmen..." „Zum Henker, mit wem glauben Sie denn, daß Sie reden?!" brach der Fremde los.„Halten Sie mich für einen Spitzbuben oder was sonst?" Aus seinen Augen und seiner drohenden Stimme sprach eine solche Wut. daß der Jude zurückprallte. „Bitte, bitte, ich wollt' Sie nicht beleidigen." „Dann halten Sie Ihre Zunge im Zaum, oder's könnt was geben!" Der Fremde wandt« sich um. zog sich aber schnell wieder zurück. kaum, daß er einen Blick aus dem Laden geworfen hotte. „Da kommt Ihre Schwester die Straße herunter." sagt« er. „Ich mächt sie überraschen, sagen Sie nichts, daß ich da bin. Ich stell mich hinter den Schrank da. und wenn Ra... Rosa im Laden ist, werd' ich herauskommen." Und als Mr. Soker diesen Vorschlag mit etwas mißtrauischem Gesicht aufnahm, fttgte er hinzu:„Und wenn Sie auch nur«inen Ton von sich geben, mein Junge, dann schlage ich Sie in den Boden hinein, daß nur Ihr Hut noch herausschaut. Da können Sie Gift drauf nehmen!" Di? Angst beraubte Mr. Soker der Stimm«. Mit' zitternden Händen hob er den heruntergefallenen Bleistift auf, setzt« sich wieder an sein Pult und schien sich von neuem in die Ereignisse des Turfs zu vertiefen, während der Fremde hinter dem Schrank verschwand. Im nächsten Augenblick trat Mrs. Amschel, erhitzt und mit rotem Gesicht über die Ladenschwelle. Nach der Art ihrer Rasse hatte sie sich auf» schönst« herausgeputzt, um vor den Behörden zu erscheinen. Ueber einem schwarzen Seidcnkleid trug sie ein mit Jett verzierte« schwarzes Cape und einen schwarzen Hut, auf dem eine schmutzige gelbe Rose fröhlich nickte. Mit einem Ausruf der Erschöpfung ließ sie sich auf einen Küchenstuhl fallen, der mit dem Rücken gegen die Straß« dastand. „Dan,? hin bin ich," rief sie.„Und die Füße tun mir weh! Grad daß ich noch hergekommen bin. Issy, hol mir doch die Pan- toffeln aus dem Schlafzimmer, schnell!" Ohne eine Antwort abzuwarten, begann sie, ihre Schuhe auf- zuschnüren. So konnte sie den Fremden nicht sehen, der aus seinem Versteck hervorgetreten war und sie mit zynischem Lächeln betrachtete. Dann sah sie auf, und ihr Gesicht verzerrte sich in schrecklicher Weif«. Leichenbläss« breitete sich darüber, ihr Mund zuckte, und ein Ausdruck des Entsetzens kam in ihre schwarzen Augen. Sic streckte eine ihrer fetten Hände aus, wie um sich zu verteidigen, während ihr Bruder die beiden mißtrauisch beobachtete. Er wollte gerade etwas sagen, aber der Fremde packt« ihn heim Kragen und zog ihn aus seinem Winkel hervor. „Hinaus mit dir!" befahl er kurz. Mr. Soker hielt sich nicht mit Einwendungen auf. Seine Gewohnheit, achtzehn Stunden von den vierundzwanzig des Tages den Hut auf dem Kopfe zu behalten, erlaubt« ihm, ohne weiteres auf der Straß« zu erscheinen. Mit zwei Sprüngen war er draußen und lief, was er konnte, die Straße hinab. Mrs. Amschel aber saß unbeweglich, weiß bis an die Lippen und starrte mit hervortretenden Augen auf den Fremden, der ihren Blick mit einem eisigen Lächeln um seinen harten, grausamen Mund erwiderte. 14. Monsieur Voulot sucht das Motiv. Im Damenklub der Bandstraße herrscht« die mittägliche Ruhe «ine, Sommertags. Kati« Earroll und Diolet Morris, die beiden Seroierfräuleins, standen am Tisch neben dem Speisenaufzug und sahen in ihren grauen gleichmäßigen Dienstkleidern, den weißen Schürzen und weißen Häubchen hübsch aus. Sonst hotten sie um diese Zeit nicht; zu tun. bis die Klubmitglieder zum schwarzen Kaffee und später in hellen Scharen zum Tee kommen würden. Die beiden unterhielten sich leise über die Ermordung von Mrs. Eranmare. Katic Earroll war die letzte gewesen, die mit der schönen Mrs. Cronmore gesprochen hatte, und ihr flammend rotes Haar war demgemäß von der Gloriole der Sensation umwoben. Seit der„Planet" ihren Namen genannt hatte, war es«in be- gehrtes Ziel der Zeitungsphotographen,„das rote Servierfräulein" auf ihre Platten zu bringen. Es war aber jetzt kein Zeitungsmcnsch, der aus sie zukam, sondern Hawkins. der Klubpitkolo, der ihr mitteilt«, daß sie unten im Bureau von einem Herrn erwartet würde. Und fast ehe er noch seine Botschaft ausgerichtet hatte, klingelte das Klubtelephon und die strenge Stimm« von Miß Hardbake, der Sekretärin, forderte sie auf, hinunterzukommen. Der Herr, der sie zu sprechen wünschte, war Boulot. Er hatte sich bei Miß Hardbak« mit einer Bisitenkarte Eranmores«in- geführt und erklärt, daß er an Stelle seines unglücklichen Freundes gekommen wäre, um«inige Auskünfte zu erlangen. Seine natürliche Liebenswürdigkeit, ein« gewisse chevalereske Art und vor allem die Erwähnung der Gräfin Harrowdean, von der er nicht mehr wußte, als daß ihr Name im Mitgltederoerzeichnis des Klubs stand, hatten genügt, ihm das Herz der alten Jungfer zu erschließen, die dem Klub als bezahlte Sekretärin vorstand Don ihr erfuhr er, daß es nicht möglich gewesen war, die Stund« genau festzustellen, wann Mrs. Cranmore am vergangenen Tag in den Klub gekommen war. Daß sie zwischen fünf und halb sechs Uhr dagewesen war, schien jedoch sicher. Mehrere Mitglieder hatten si« gesehen, aber nichts Ungewöhnliches an ihr bemerkt. Sie war weder ans Telephon gerufen worden, noch hatte sie mit irgend jemand gesprochen. Die einzige, die«ine gewisse Ungeduld an Mrs. Eranmore beobachtet haben wollte, war das Seroierfräulein, das ihr den Tee gebracht hatte. Aber auch erst dann, als sie nach der Rechnung rief, vorher sollt« sie wie immer gewesen sein. Und gerade deshalb war es dem Mädchen aufgefallen, weil Mrs. Eran- more sonst immer die Liebenswürdigkeit selbst gewesen war. „Dielleicht." schloß Miß Hardbake,„möchten Si« das Mädchen selbst sehen und mit ihr sprechen?" Boulot erklärte zwar, daß das doch ihre Güte zu sehr in An- spruch nehmen hieße, aber Miß Hardbake, bezaubert durch seine Höflichkeit, mit der sie sonst nicht allzusehr verwöhnt zu werden schien, ließ sich, wie er natürlich erwartet hatte, nicht abhalten, sogleich in den oberen Stock hinaufzutelephoni«ren. und zwei Minuten später stand Katie Earroll schüchtern und zitternd vor dem Franzosen. Boulots erster Blick galt immer den Augen. Seinetwegen. pflegte er zu sagen, könne olle Welt den Paschenock tragen, solang« die Augen sichtbar blieben, wäre«r imstande, ti«fer in die mensch- liche Seele zu schauen als ein anderer, dem die ganz« Gestatt zur Verfügung stände. Katie Carrolls Augen befriedigten ihn. Es waren ehrlich« und, was ihm in diesem Fall noch wichtiger war, kluge Augen, die ihn nun gespannt und etwas furchtsam anblickten. „Hallen Sie mich für einen Spitzbuben?!" „Miß Hardbake sogt« mir, daß Sie Ihre Aussag« bei der Polizei schon abgegeben hoben, Fräulein. Sie wird sicher von großem Nutzen gewesen sein. Aber eine kleine Frag« möchte ich noch an Sie stellen. Aus welchem Grund« wollte wohl nach Ihrer Ansicht Mrs. Cranmor« den Klub in solcher Eil« verlassen?" „Ich weih wirklich nicht," antwortet« das Mädchen fast vn« hörbar. „Kam irgend jemand, den sie villeicht nicht zu sehen wünschte?" Katie schüttell« den Kopf. „Es waren nur ganz wenige Damen da, und keine kümmert« sich um Mrs. Eranmore. Ich habe die ganze Zeit hingesehen.. „So— Sie hoben die ganz« Zeit hingesehen... Wollen Siä mir jetzt auch sagen, warum Si« die ganze Zeit hingesehen hab«n?" Dos Servierfräulein«rrötete tief. „Weil," entgegnet« sie endlich zögernd,„Mrs. Eranmore so eine wunderschön« Dam« war. Wir haben immer alle hingesehen, wenn sie da war..." „Das kann ich wohl verstehen," erklärte der Franzose lächelnd. „Wösten Sie nun so gut sein, mir der Reihe nach genau zu erzählen, was Mrs. Cronmore tot vom Augenblick an, als sie den Klub betrot— alles, gerade so, wie Sie sich daran erinnern." „Also, Earroll!" warf die Sekretärin ermutigend ein. „Wie die Dame kam, Hab« ich gar nicht gesehen. Ich war da gerade in der Küche drunten, und wie ich wieder rauf komm«, fitzt Mrs. Eranmore an einem Tisch beim Fenster. Und da ging ich hin und fragte sie, ob sie etwas genießen wolle, und sie sagte, sie möchte Te« haben und ein Stück Kuchen könnte ich ihr auch bringen, und dann brachte ich ihr das, was sie bestellt hatte, und si« sagt«:„Danke schön, Katie!", wie sie immer tat, wenn man sie bedient«, und dann trank sie ihren Tee, so ganz für sich..." „Niemand hat mit ihr gesprochen?" „Nein, Herr." „Und wie sie mit ihrem Tee fertig war, was tat sie dann?" „Gar nicht» tat sie, und dann brachte ich ihr die Abend- zeiwng..." „Welche Zeitung?" „Den Abend-Kurier." „Und dann...?" „Dann klopft sie plötzlich an ihre Tasse, und ich war grad auf der anderen Seite, und wie ich hinkomm«, sagt sie ganz scharf: „Warum kommen Si« nicht, wenn ich Sie ruf«? Bringen Sie mir sofort di« Rechnung..."" „See waren wohl erstaunt, weil sie noch nie so mit Ihnen gesprochen hatte?" Da» Servierfräulein nickt« eifrig. „Was tat sie, als Sie ihr di« Rechnung brachten?" „Nichts tat si«. Sie starrt« nur immer auf die Zeitung und bemerkte es gar nicht, daß ich mit der Rechnung neben ihr stand..." „Und wie sagten Si«, daß die Zeitung heißt, die Sie ihr zuerst gebracht hatten?" „Der Abend-Kurier." Boulot wandt« sich an die Sekretärin. „Die Abendzeitungen hoben wohl mehrere Ausgaben hier. Welche Ausgabe kann das gewesen sein?" „Das kann ich Ihnen genau sagen," fiel Katie«in.„Die Speziolausaob«, so heißt sie, und fi« kommt immer ein Viertel nach fünf Uhr..." Boulot machte in sein kleines Nonzbuch einige Eintragungen. Dann erhob er sich. „Vielen Dank für Ihr« große Liebenswürdigkit. Ich möchte Sie nun nicht mehr länger aufholten." Er v«rb«ugto sich vor Miß Hardbake, dann vor Katie Earroll: „Madam«— Mademoiselle..."(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Zahlenrätsel. 123 4 5 6678269 Heidedichter. 2 3 8 9 Liebe«gatt, 3 8 9 2 Blume, 4 5 3 6 2 Fluß in Frankreich, 5 7 4 5 Veiblicher Vorname,« 5 4 2 6 Bezeichnungen. 6 8 3 4 Regel, 7 5 4 5 Säuge- tier, 8 9 7 8 europäische Hauptstadt, 2 7 7 2 6 weiblicher Vorname. 6 5 6 9 2 6 Polarforscher, 9 5 1 5 3 5 Wüste. Sprichworträtsel. 1. Gebeugt erst zeigt der Bogen seine Kraft. 2. Ein« Schwalb« macht keinen Sommer. 3. Hilfe und Gnade hat kein Warum. 4. lldach getaner Arbeit ist gut ruhn. 5. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. 6. Fleiß macht olles leicht. 7. Der Horcher an der Wand hört fein««igne Schand. 8. Eine Hant» wäscht die andere. 9. Von fremden Fehlern Nutzen zieh« ist besser al, vor eignen siehn. 19. Torheit und Stolz wachsen auf«inen, Holz. 11. Die Liebe ist der Liebe Preis.— Diesen Sprichwörtern ist je«in Wort zu entnehmen: richtig gefunden und nacheinander gelesen, er- geb«n dies« ein die kapitalistische Wirtschaftsordnung trefflich beleuchtendes Sprichwort. Kreuzrätsel. aadhmmoorrsx Dies« Buchstaben schreib« man so in d!« punktiertem Feldrr der obenstehendcn süns Kreuze, daß füns vi«rlautige Wörter folgender Bedeutung entstehen: I. Stadt in Westfalen: ll. Solzort: III. b:- deutender Vorkämpfer für den Sozialismus: IV. weiblich«? Vor- name: V. biblisch« Person.— In i«d«n Kreuz beginn« man an der Spitze und les« recht» herum. Magisches Quadrat. Die Buchstaben ergeben richtig ein- gesetzt wagerecht und senkrecht die gleichen Wörter folgender Bedeutung: 1. Stadt in Anhalt, 2. Ouellnymphe, 3. Begrenzter Raum, 4. Kartenspiel, 5. Kreisstadt in Westfalen, 6. Kriegshasen in Westfalen. Silbenrätsel. Aus den Silben a chen dro drett e he hy ka ko ler o oft ru fa fou fee tel sind acht Wörter von folgender Bedeutung zu bilden: 1. gor machen: 2. sauber und gewandt: 3. vielköpfiges Ungeheuer: 4. große japanische Stadt: 5. alttestamentlicher männlicher Name: 6. Ehgerät: 7. Stille: 8. ein deutsches Meer.— Die zweiten Buch- stoben jede» Worte» und ebenfalls die vierten Buchstaben ergeben, von oben noch unten gelesen, je einen griechischen Helden. Magisches Figurenrätsel. Die Buchstaben dieser Figur sind so zu umstellen, daß von linke oben nach rechts unten und von link, unten nach rechts oben je vier Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1—13 Stadt in der Provinz Hannover, 2— 14 Ertüchtigungsmittel für die arbeitend« Iug«nd, 3— 15 Werkzeug, 4— 16 männlicher Borname, 9— 5 Stadt im iüd» lichen Tirol, Ist— 6 Baum, 11—7 griechischer Buchstabe. 12—8 be- deutender sozialdemokratischer Staatsmann de? Nachkriegszeit.— Die horizontale Mittelreihe nennt den Namen eines bekannten fran- zöschen Romondichter«. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel Wagerecht: 1. Kur: 3. Axt: 5. Oel; 6 Hut; 8. Sur: Ist. Fly: 12. arg; 14. Eid: 15. Sau: 16. Em».— Senkrecht: 1. Kuh: 2. Rot: 3. als: 4. Tor: 7. Uhl; 9. Uhr: Ist. Fe»: 11. Peu: 12. Ade: 13. Gas. Magische Figur: 1. Oboe: 2. Ar: 3. Orga:<. Barrabas: 5. Organist: 6. Abio: 7. A«: 8. Este. Zahlenrätsel: Ferdinand Losiall«, Elfried«, Nasen, Diana. Insel, Niere, Aladin, Nansen. Draisine, Leder, Arsen, Sinai. Saal- seid, Alfred, Lenin. Linde, Eleitd. Silbenrätsel: 1. Dachdecker: 2. Eilcnburg: 3. Meerschaum: 4 Hochbahn: 5. Unterwaiden: 6. Nepiun: 7. charonn«: 8. Eberl: 9. Rodeln: 19. Isis: 11. Säge: 12. Theodor: 13. Sandstein— Dem Hunger ist schlecht predigen. Pqramidenrätsel: 1. 1: 2. Li: 3. Eli: 4. Isi«: 5. Elise: 6. Spiele: 7. Spiegel. Schluß in Leipzig. Die Spartenfragen- Crispien gegen Einmischung politischer Parteien Der letzt« DerHandlunqskg beschäftigte sich mft der Spartenfrage im Arbeiter-Turn« und Sportdund, mit der Press«, dem Bundesfest in Nürnberg ISA und der Statutenberatung. In seinem Referat über die Spartensrage betonte Bundesvorsitzender Kellert, dotz der Dorstand«in« straff« HeMralisation im Bund« nicht bedingungslos durchführen molle, jedoch würde ein Ausbau der Sparten nach den Wünschen einiger Spanenführer zu einer UebersponnungdesSportgedan» k e n s führen, die nicht im Interesse des Bundes liegen würde. Der Betrieb müsse rationalisiert werden, schon um dem Funktionännangel zu begegnen, das erreiche man aber nicht durch Spartenspezialisierung. Kellert zeigte, wie beispielsweise im„Deutschen Futzbollbund* der Föderalismus soweit getrieben wurde, daß der Borstand nur noch eine Puppe ist. Er, Redner, hoffe, dah das nicht die Absicht der Spartenfanatiker im Bunde sei. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund Hobe jetzt sechs Sparten, die wirNich nicht vermehrt zu werden brauchen. Wo soll es hinführen, wenn etwa die Leichathleten sür jede ihre Sportdisziplinen eine Sparte verlangen würden? Wo ist da Anfang und Ende? In einzelnen Kreisen habe man bei der Werbung zu ZZeranstaltungen sogar schon den Namen des Cornelius Geliert, der wiedergewählte Vorslfiende des Arbeller-Tum- und-Sportbunde». Bundes fortgelassen und nur die Spartenbezeichnung ge- wählt. Das hat fast den Anschein, als sdhäme man sich des Bundes- namens. Kellert empfahlt schließlich solgenden Antrag zur An» nähme: Der Bundestag erkennt die choltung de» Bundesvor- st a n d e s in der Spartensrage für richtig an. Der Bundesvor- stand appelliert an die gesamt« Bundesmitgliedschaft, alle Sonder- interessen tn der Spartensrage zurückzustellen im Hinblick auf die unbedingt notwendige Einheit und Geschlossenheit de» Bundes. Die von den Sparten noch zu wählenden unbesoldeten Mit- glicder des Bundesvorstandes setzen sich solgendermaßen zusammen: Turnspart« 5. Fußballsparte 2. Wassersportsparte Z. Die folgende Aussprache brachte als Ergebnis die ablehnend« Stellung der Spartcnvcrtrcter gegenüber den A b s o n d e» rungeb« strebungen der Fußballer, die besonder» vom Spartenleiter Riedel vertreten wurden. Der obengenannte An» referierte unter großer Reichstagsabgeordnete trag wurde mit großer Mehrheit angenommen! damit sind die Separatonsbestrebungen abgewehrt. lieber„Weg? und Ziele des Bundes" Aufmerksamkeit der sozialdemokratische Schreck- Bielefeld. Das nach den Dorschlägen de» Bundesvorstandes und der Statutenberawngskvmmission geänderte Statut wurde ange» nommen. Der Bundesousschuß wird in Zukunft nicht von Dresden allein, sondern aus den Bertretern von fünf Kreisen gebildet. Bei seinem Referat über die Presse de? Bunde» stellte Kreuzburg fest, daß die Einwendungen des letzten Bundes» tage» in Hamburg gegen die Redaktionsführung, die sich besonders auf die Erörterung politischer Fragen in der Bundeszeitung erstreckten, bi» zur gegenwärtigen Tagung verstummt sind, damit sei der Beweis erbracht, daß die Haltung der Redaktion richtig war. Kreuzburg schlug vor, alsbald ein« Pressekonferenz in Köln abzuhalten, auf der aktuelle Pressefragen erörtert werden sollen. Dort hätten die Mitglieder auch gleichzeitig Gelegenheit, die „Presia" zu besuchen. Der Redner besprach dann die Anträge zum vorliegenden Tagesordnungspunkt, die dann nach kurzer Aussprache verabschiedet wurden. E r i» p i e n vom sozialdemotratischen Parteivorstand verab» schiedet« sich darauf vom Bundestag, weil er nach Berlin zu seiner parlamentarischen Arbeit zurückkehren mußte. Erispien stellte mit besonderer Betonung fest, daß es dem Parleivorstand noch nie eingefallen sei, sich in die Angelegenhellen des Bundes einzumischen. und daß das auch in Zukunft nicht der Fall sein wird. Der Partei- vorstand der Sozialdemokrat:« meine, daß der Bund seine inneren Angelegenheiten selbst zu regeln habe, er hoffe allerding», daß die Mitgliedschaft den Komps gegen die kommunistischen Organisatians- schädiger glücklich zu Ende führen werde.(Lebhafter Beifall). Ueber da» Buadesfesi in Nürnberg 1S2g referierten kurz Kellert und Böhmer-Nürnberg. Der letztere gab einen lieberblick über die bereits geleisteten Vorarbeiten, stellt« ein glänzende» Gelingen des Festes in Aussicht und bat um tätigste Mit- arbeit und restlose Beteiligung am Fest selbst. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl oller biiherigen Borstandsmit» g lieber. Den Kommunisten„paßte die ganze Richtung nicht". st« leisteten sich den Scherz, gegen die Vorgeschlagenen zu stimmen, brachten jedesmal 6 bis 10 Stimmen auf, verzichteten aber entgegen ihren Parteiinstruktionen auf die Aufstellung von Gegenkandidaten. Nach dem neuen Statut treten hinzu von der lurnersparte: Ieuth«, Schlüter, Adler, Georgi, Dickert: von der Fußball- sparte: Strauch-Mannheim und Engel-Magdeburg: von der Wassersportsparte: Bukh-Berlin und Pseusfer-Fronkfurt am Main. Als Tagungsort für den nächsten Bundestag wurde Köln be< stimmt. Im Schlußwort betont« der Bundes Vorsitzende Geliert:„Wir wollen nicht ol» Sieger oder Besiegte scheiden, sondern al» Bundesgrnossen! Aber wir werden da» neue Bundesstatut mit oller Strenge handhaben, fall» versucht werden sollt«, den Zellenbau weiterzuführen. Mit dem be- geisterten Gesang des Liedes„Brüder zur Sonn«, zur Freiheit" schloß die bedeutsame Tagung. Akendrennen. Stchcr-Drcikampf bei Hütt. Da» groß« Abendprogramm bei Rütt, das am mor- gigen Donnerstag um 19,45 Uhr seinen Anfang nimmt, enthält zwei Hauptnummern, und zwar den mit Spannung erwarteten Steher-Dreikampf Sawall-Krewer-Thollembeck über 50 Kilo- meter in zwei Läusen. Die drei Klasienfahoer, die sich am Sonntag auf der Olympiobahn einen großen Kamps lieferten, trai- «icren eifrig zu ihrer abermaligen Begegnung, und die hervor- ragenden Trainingsleistungen lassen für morgen abend Kämpf« er- warten, die die vom Sonntag noch weit in den Schatten stellen dürften. Um den Ausgang des großen Treffens nicht von Zufällen abhängig zu machen, hat Rütt angeordnet, daß bei etwaigen De- fekten nur«ine Rückstandsrund« angerechnet wird, wenn der be- treffende Fahrer innerhalb von sechs Runden wieder im Rennen ist. Ein nicht minder großes Interesse bringt man der zum ersten Mal« zum Austrag gelangenden Meisterschaft von Berlin im Mannschaftsfahren über 75 Kilometer entgegen. Das reichhaltige Programm enthält dann noch zwei weitere Nummern, und zwar zunächst den Sommerpreis, ein Fliegerrennen mit vier Bor- läusen, einem. Hoffnungslaus, drei Zwischen- und drei Endläufen, zu dem üh«r 30 Fohrer gemeldet haben, darunter so schnelle Leute wie Ehmer, Busäzenhagen, Koch, Lorenz, Oskar Tietz, Beinert, Wette, Hahn, Krüger, Maz und die n«uen Unionsmeister Evert und Urba«. so daß auch die Freunde des„legitimen" Sports voll auf ihre Rechnung kommen dürsten. Pahrt in den Spreewald. Jetzt treibt es den Großstädter wieder stärker hinaus aus dem Trubel der engen Straßen und dem Dunst der Hinterhöfe. Die Wold- und Seengebiet« der Berliner Umgegepd finden an den Sonntagen starken Zuspruch. Dabei sollte auch eines der schönsten Gebiete unserer Mark nicht vergessen werden. Der wasserreiche Spreewald bietet nicht nur für die Wasserwanderer, Paddler und Faltbootfahrer reiche Erhclung, sondern jedermann sollte sich gut« Gelegenheiten nicht entgehen lassen, Feierstunden dort zu ver- bringen. Durch Sonntagsrückfahrkarten wie auch durch Gesellschafts- fahrten besteht die günstigste Gelegenheit hierzu. Der Spreewald bietet dem schaulustigen Auge Mannigfaltiges aus dem Walten der Natur. Ursprüngliches in der Vegetation wird prächtige Eindrücke jedem vermitteln, der für die Schönheiten der Natur empfänglich ist. Die Siedlungen des Spreewalds tragen noch den Charakter einer alten Kultur in sich. Ueberall trifft man noch die Gebräuche und Sitten der wendischen Vorfahr«n der jetzigen Spre«woldbcwohner. Allbekannt ist der Kirchgang in Burg, in dem Zentralpunkt de» Unterspreewalds. Auch andere schön« Punkte— Lehde, Jugendherberge Boblitz, Gasthaus Eiche, Schiepzig, L«ibsch— muß man in ihrer interessanten Umgebung besucht haben, um die ganze Schönheit des Spreewald» erfasstn zu können. In den Spreewaldkähnen geht die Fahrt auf den schmalen Wasser- odern unter schattigen Bäumen vorbei an alten Pfahlbauten. Man sollt« somit kein« Gelegenheit zu solchen Fahrten vorübergehen lassen. * Einig« reichhaltige Eindrücke aus dem Spreewoldleben wird«in Lichtbildervortrag vermitteln, der am F r e it a g. 29.-Juni, 20 Uhr, vom T o u rist e n v e r e i n„Die Naturfreunde", Abt. Eharlottenburg, im Iug«Ndh«im Spreestraße 30 ver. ovstaltet wird. Gäste sind immer herzlich willkommen. » Da» Reisebureau des Tourlstc�ivereins„Die Naturfreunde"(N 24, Ivhannisstr. 14/1o) veranstaltet am 14. und 15. sowi« am 28. und 29. Juli je eine Gesellschaft»- fahrt in den Spreewald, zu denen sich noch Teilnehmer melden können. Teilnehmerkarten sind 14 Tage vorher in den be- kannten Verkaufsstellen und im Reisebureau erhältlich. 10 Jahre Sportklub„Sturm.'' Sonnabend und Sonntag veranstaltet der Berein im..Kyif- bouser", Riederschöneweide, Berliner Str. 91, sein 20jähriges Stiftungsfest. Am Sonnabend findet eine groß« Sport- und Artistenschau statt, wozu die besten Artisten de» AABD. verpflichtet sind. Ferner Jiu-Jitsu und Boxkämpfe, die als Ausscheidung um die Kreismeisterschaft ausgetragen werden. Beginn 20 Uhr. Ein- tritt 0,50 M. Am Sonntag ist ein großer Ringer, und Heber- Wettstreit angesetzt. Beginn der Kämpfe um 9 Uhr vormittag». Nochmittags 14� Uhr Festumzug vom Sportplatz des Sportklubs Sturm, Frifchenstrahe au? zum Fesllokal. Eintritt 1 Mark. .Adler 08- BSV. 16. Der Fußball-Bundesmeister spielt am Donnerstag um 18>4 Uhr mit stärkster Elf auf eigenem Platz. Pankow, Tiroler-, Ecke Brennerstrahe(Andreo»>Hoser-Platz) gegen den Ostbezirksoerein BSD. IS. Die Leute au» dem Osten verfügen über eine äußerst flinke Mannschaft. Im letzten Spiel beider Vereine in Pankow konnte der Meister gegen die eifrigen BSL.er nur knapp 3:1 gewinnen. Auch diesmal ist«in äußerst interessanter Kampf zu erwarten. Ste�litr wirbt für Arbeitersport. Gin voller Erfolg für den Arbeitersport wurde das Kartell. Werbesportfest in Steglitz. Der Festzug bot unter Beteiligung von 500 Sportlern und zahlreichen mitgeführten Fahnen ein färben- prächtiges Bild. Mit wirkungsvollen Freiübungen, Gesang und An- sprach« des Kortelloorsitzenden wurde die Veranstaltung«ingeleitet. Die Darbietungen der Radfahrer, Turner, Jiu-Jitsu- und Leicht- othleten fanden allgemeinen Anklang, die Schachspieler konnten unter guter Beteiligung ihre Wettkämpf« durchführen. Al» Abschluß fand da» Fußballspiel, Bezirksauswahlmannschost gegen Städte- Mannschaft Brandenburg, statt, das al»«in gute» Werbespiel be- zeichnet werden kann. Resultat 3:3. Neue Schwerathletik- Weltrekorde. Bei den österreichischen Schwerathletik-Meisterschaften in Wien wurden zwei neue Weltrekords aufgestellt. Im Federgewicht verbesserte S t a d l« r den von Mühlberger-Mannheim mit 74.5 Kilo- gramm gehaltenen Weltrekord im rechtsarmigen Reißen auf 75 Kilo- gramm, der Mittelgewichtler Haas schraubte seine eigene Welt- Höchstleistung im rechtsarmigen Stoßen von 110 auf 112.5 Kilo- gramm herauf._ Das Arbeiterfpork- und Kulkurkarkell Groß-Bcrlin ladet zu seiner Generalversammlung für morgen ein. Es ist selbstverständ- sich, daß sich unsere Genossen daran nicht beteiligen. Berliner in Breslau. Siegreiches Abschneiden beim RAST. Die von Berlin zum Reichs-Zlrbeiter-Sporttog in Breslau ent- sandten ASCer hatten, vom Wetter außerordentlich begünstigt, sehr gute Erfolge zu oerzeichnen gehabt. Aus dem Begrüßungsabend am Sonnabend warteten die fünf Berliner mit zweckzymnastischen liebungen auf, die von den Breslauer Genossen mit großer Le- geisterung aufgenommen wurden. Am Sonntag war da» H o u p t p r o g r a m m. 25 000 Zuschauer dürften dos herrlich angelegte Stadion umsäumt haben, als der Auf- marsch der Festteilnehmcr, an dem sich mindesten» 10000 Personen beteiligten, und der sich ungefähr eine Stunde lang hinzog, vonstatten ging. Begleitet von vielen Kapellen und unter einem Meer von roten Fahnen zogen die Kämpfer ins Stadion ein. In den Lauf-Konkurrenzen waren die Berliner weit überlegen. Der 100-Meter-Lauf war ein ausgezeichnetes Rennen. Bier ASE.er hatten sich au» den Vorläufen für den Endkampf quali- fiziert. Nach vier Fehlstarts konnten die Berliner da» Rennen unter sich ausmachen. Heidt siegte in der sehr guten Zeit von 10'/,. Sek. vor seinen beiden Klubkameraden Wienickc(11 Sek.) und Fischmann (11,3 Sek.). Besonder» hervorzuheben ist noch die OlympischeSta- fette. Auch hier konnten die ASE.er in einer neuen Bundesbestzeit von 3,50 Min. da» Rennen sür sich entscheiden. 00 Meter zurück kam die Brcelauer Mannschaft. Erst zum Schluß wurde die 4X100- Meter-Stasette gelaufen: hier konnten die Vertreter von Berlin mit nur 45,4 Sekunden als erste das Zielband erreichen. Di« Breslauer Mannschaft lief 47,7 Sekunden. Aus der Qesduchte des Schwimmsports. Neue wisscmschaftliche Untersuchungen lassen es als feststehend gelten, daß der Mensdz der grauen Vorzeit die natürliche Fähigkeit des Schwimmen» besaß: er mußte nicht wie der Mensch der Jetztzeit erst Schwimmen lernen. Griechen und Römern wareii Schwimmen tägliche Lebens- gewohnheiten. In großen überdachten Anstalten konnte jeder, der Lust hatte, kostenlos dem Schwimmsport huldigen. Die Römer bc- trieben gleichzeitig das Schwimmen unter militärischen Gesicht»- punkten. Im Mittelalter erklärten dann di« Kirchenväter Baden und Schwimmen für sündhaft. Erst im späteren Mittelalter tauchten in einzelnen Städten Vadestuben auf, die aber lediglich dem Ver- gnügen dienten und Brutstätten sittlicher Ausschweifungen waren. Auch die Reformatoren Luther und Zwingli waren noch Gegner des Badens und Schwimmens. Erst das mit Rousseau beginnende Auf- klärungszeitalter führte auch hier zu einem gründlichen Wandel. In Deutschland sind di« Salzsieder in Halle die ersten modernen Schwimmkünstler: in Paris entstand 1700 die erste öffent- liche Schwimmhalle. Langsam wurde da» Schwimmen auch am offenen Meer betrieben. 1797 wurde in Norderney, 1818 in Scheoeningen ein modernes Seebad eröffnet. Aus den im Jahre 1794 von dem italienischen Arzt Dr. Berardi vorgenommenen Unter- suchungen entstand das erste Lehrbuch der Schwimmkunst, das den Deutschen Guts Muth» zum Verfasser hat: dieser Vorkämpfer des Sport» forderte schon im vergangenen Jahrhundert, das Schwimmen ol» Erziehungsmittel anzuwenden. Im Jahre 1817 wurde in Berlin di« erste deutsche Schwimmschul« errichtet: die erste überdachte Schwimmanstalt Europa» entstand 1843 in Liverpool. Es dauert« dann noch bis in die achtziger Jahre de» vorigen Jahrhundert», bis auch in den übrigen europäischen Städten all- gemein Schwimmanstalten errichtet wurden. Sport für den geistiHeo Arbeiter. Der Typ des geistigen Arbeiter» der Vorkriegszeit ist durch Witzblätter und die Wirtlichkeit genügend bekannt: Ueberzüdftung des Geiste» mit sogenannter Bildung. Vernachlässigung des Körpers und seiner Funktionen. Heut« sind wir auch hier einen Schritt weitergekommen. Wissen- schaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß gerade der g c i st i g e Arbeiter, der in seinem Beruf notgedrungen den Körper vernach- lässigen muß, der Leibesübungen in besonderem Maße bedarf. Die These, daß niemand den Sport so nötig habe, wie der geistige Ar- beiter, ist keine überhebliche Redensart. Im Grunde hat uns die Natur hinsichtlich der körperlichen Uroeranlagung ziemlich gleich- mäßig behandelt, die Zivilisation ist es gewesen, die den einzelnen Menschen zwang, seine Glieder, seinen Körper verkümmern zu lassen in einseitiger Betätigung des Geistes. Durch die Be- tätigung de» Körpers kann da» geistige Gleichgewicht wieder herbei- geführt werden. Es muß hervorgehoben und betont werden, daß beim geistigen Arbeiter die einfache Pflege des Körper» uidst genügt, er braucht wirklichen Sport, der bei ihm all die verborgenen Eigen- fchaften weckt und erhält, die seine einseitige Betätigung verkümmern lassen. Der Sport entwickelt ja nicht nur die Muskeln und stärkt den Organismus, sondern hebt auch die moralischen Qualitäten. Die Ruhe, das Auge, die Entschlußsähigkeit, Zähigkeit, Initiative, Wage- mut und Disziplin werden entwickelt und angeregt. Da» sind Eigen- schaften, die nicht nur dem einzelnen zugute kommen, der sich ein- gehender sportlicher Betätigung hingibt, sondern auch der Allgemein- heit, da sie zugleich sozial« Tugenden sind für die Umwelt. E» ist leider notwendig, von Zeit zu Zeit diesen besonderen Kern der Sportbewegung bloß zu legen, denn die Schale ist oft weniger anziehend und verlockend. Die Torheiten im Sport, die trankhafte Rekordsucht hält namentlich Geistesarbeiter ab, sich dem Sport zu widmen. Bielsach wird über diesen unschönen Aeußerlichteiten der wahre Kern verkannt und übersehen: durch den Sport den Geist zu erfrischen. Ruderer und«anufahrer im l. ftrri». Heute. Mittwoch, findet um H20 Uhr im Bootshaus Freiheit, Stralau, Tunnelstraße 28, ein« Sitzung sämtlicher Regaltasunklionör« statt. Ausschließlich Pro- grammverkäufer und Tribünenkontroll«. vorau»sageu für Ruhleben. 1. Albrecht Dürer— Heinz: 2. Hanna Archdale— Heideblume: 3. Fahrt Eh. Mills— Passer: 4. Fahrt Iauß jr.— Isegrim: 5. Niederländer— Edelstein» Sohn: 8. Natali»— Magowan jr.: 7. Ladychip— Fahrt I. Mill,: 8. Fahrt Svuß jr.— Xunbbu; 9. Eilly Dillon— Efsi. Die Reform des Küchenzettels. " Auf Einladung der Begetariervereinigung Berlin e. V.", die in diesen Tagen ihr fünfzigjähriges Bestehen feiert, sprach im Vortragssaal der Ausstellung„ Die Ernährung" der in der ganzen Welt bekannte Ernährungsforscher Professor Dr. Hindhede( Kopenhagen) über die Ergebnisse seiner Forschungen. Hindhede begann seinen in deutscher Sprache gehaltenen Vortrag mit der Feststellung, daß das„ klügste" Geschöpf, der Mensch, infolge seiner unnatürlichen Lebensweise den meisten Krankheiten ausgesetzt ist. Die Geschichte lehrt, daß der Einbruch der Zivilisation in die fast paradiesische Kultur der„ wilden" Völker für die letzteren immer von verheerenden Folgen begleitet war: ganze Naturvölker gingen an den„ Segnungen" der Zivilisation zugrunde Die ideale Speise für den Menschen ist die Rohkost, bestehend aus Schrotbrot, Butter und Obst. Das gekochte, meichliche Essen sei auch eine Gefahr für unsere Zähne. Alle Völkerstämme, die gar keine oder nur wenige gefochte Speisen kennen, haben troß mangelnder Zahnpflege gesunde Zähne. Zu den unterstüßenden Faftoren einer naturgemäßen Lebensweise zähle das Freiluft= leben und die Vermeidung von Nikotin, Alkohol und anderen Rauschgiften. Der jetzt 66jährige Hindhede, der die von ihm als ideal bezeichnete Kost an sich selbst und seinen Familienmitgliedern mit bestem Erfolg ausprobiert hat, ist aber fein absoluter Begetarier. Nur übermäßige Fleisch fost hält er für schädlich, weil durch sie Krankheiten( Gicht, Ischias usw.) hervorgerufen werden. Interessant war der Bericht über die von Hindhede angestellten Versuche, durch die das für die Ernährung des Menschen erträgliche Minimum an Fett und Eiweiß festgestellt worden ist. In das Jahr 1912 fielen die sogenannten„ Kartoffelversuche", die u. a. ergaben, daß Kartoffeldiät ein hervorragendes Heilmittel für Gichtftante ist. Der Wert des Schrotbrotes liegt in der ihm beigefügten Kleie, die Salze, Vitamine und hochwertiges Eiweiß enthält. Gemüse ist in bezug auf den Vitamingehalt der Butter gleichwertig. Natürlich will hindhede nicht einer Ernährung das Wort reden, die ausschließlich aus Kartoffeln, Schrotbrot, Gerste, Obst und Gemüse besteht; ſein Verdienst ist es aber, bewiesen zu haben, wie notwendig und durchführbar eine Reform unserer ent arteten Küchenzettel ist. Der mit starkem Beifall aufgenommene Bortrag wurde durch Lichtbilder und statistische Tafeln aufs beste unterstützt. Zuviel Wasser im Halensee. Viele Jahre hindurch wurde geklagt, daß bei den meisten Seen des Grunewalds der Wasserspiegel in langsamem, aber dauerndem Sinken war. Alles mögliche wurde vorgeschlagen, diese Senkung mit Segelflieger über den Sund. Der bekannte Segelflieger Hans Richter bewarb sich mit seinem neuen Wassersegelflugzeug ,, Silbermöwe" um den Preis von 1000 Kronen, den eine dänische Zeitung für einen Flug über den Sund ausgesetzt hat. Der Apparat ist mit pneumatischen Schwimmern ausgerüstet. Der Start erfolgt mit Hilfe eines Motorbootes. Das Bild zeigt das Flugzeug beim Start auf dem Wannsee. aufzuhalten und die angeblich drohende Berlandung der Seen zu verhüten. Jetzt erlebt man es, daß einmal das Gegenteil geschicht Basserstand des am Rande des Grunewalds geund Maßnahmen vorgeschlagen werden, den steigenden legenen Halensees zu senken. Die Stadt Berlin benutzt als Miteigentümerin diesen See dazu, Regenwasser in ihn hineinzuleiten, aber ihm fehlt der Abfluß. Dadurch hat in den letzten Jahren der Wasserspiegel sich so bedeutend erhöht, daß die Benutzungsberechtigten( Lunapark und Badeanstalt) in ihren Rechten gestört werden könnten. Da zurzeit noch ein Regenwassersammler vom Messegelände nach dem Halensee gebaut wird, so ist eine weitere Steigerung des Halenseespiegels zu erwarten. Zur Abhilfe soll jetzt vom Halensee ein Verbindungskanal nach dem Königssee gebaut werden, der schon eine Verbindung mit dem Aufhaltebeden am Hindenburgpart hat. Geschäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften.] Liebing- Brot Gühler Honig Grahambrot nach Vorschrift der Mastasnalehre 134 Roggenvollkornbrot( Kommißbrot) In allen Geschäften und Reformhäusern erhältlich. Veetzelli MilchSchokolade Anerkannt vorzügliche Qualität Der gute Zahnersatz Plomben, Zahnziehen[ G. F. 147 Schrader, Lichtenberg, Prinz- Albert- Str. 1 Sprechstunden: 9-12, und 31-6 Uhr Tel: Lichtenberg 997. 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