BERLIN Sonnetttag, 28. Juni 1928 Erscheint tSg lich außerEonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Dezuqsxreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, 3,6oM. proMonat. Redaktion undLxpedition: Berli»SWs8,kindcnstr.3 »Ibwasfa* 10 Pf. Nr. 302 B 149 45. Jahrgang. nteigenpreis: Die einspaltige Nonpareillqeil« so Pf.. Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. »ftscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. Berlin Nr. 3753«. Fernsprecher: Dönhoff 232 bis«7 Die neue Reichsregierung Sercring(Soz.), Jnncret fllüller-tranken(Som.), Xeichskajrztcr Milferding(Soat.), Finanzen Siresemann«DT®.), Jleußcrcs Curlius(StW.), ItirischaH Meirich ttaden(dem.), frniihriing Qrocner(-), 3tcich*rtehr Schätzet(dßayr. T.), Post r. Qudrard(SKIr.), Terkehr und beselzle Qehiclc Die von Hermann Müller mit Geduld und Um- ficht geführten Verhandlungen haben nun endlich, nach- dem sie gestern abend völlig gescheitert schienen, doch »um Erfolg geführt. Heute um S.30 Uhr sollte Hermann Müller zum Reichspräsidenten gehen. Hatte das Zentrum bis dahin seine Haltung nicht geändert, dann blieb Müller kaum etwas anderes übrig, als feinen Auftrag zurückzugeben. Der Fraktionsvorstand des Zentrums hatte jedoch in Erkenntnis der katastrophalen Lage, in die be- sonders die eigene Partei zu geraten drohte, gestern abend ganz geheim noch eine Sitzung für heute morgen beschlossen. In dieser Frühsitzung hat nun der Fraktionsvorstand des Zentrums den Eintritt in die Regierung beschlossen, und das so rechtzeitig Hermann Müller mitgeteilt, das; er darüber dem Reichs- Präsidenten noch berichten konnte. Die Ernennung Hermann Müllers zum Reichskanzler sowie die Ernennung der anderen Kabineilsmilgliedcr dürfte also heule nachmittag erfolgen. Der bisherige Fraktionsvorsitzcnde des Zentrums. V. G u e r a r d. wird zunächst als einziger seine Partei in der Regierung vertreten. Er übernimmt die beiden Ressorts des Verkehrs und der besetzte« Gebiete. Im Herbst wird dann voraussichtlich im Reich und in Preuhen eine teilweise Umbildung der Regierung vor- genommen werden. Lsfen stehen im Augenblick noch das Arbeits- und das Justizministerium; das erste wird von der Sozialdemokratie besetzt, das zweite soll den Demo- k r a t e n angeboten werden. Nach der Verhandlungsqual der letzten 16 Tage ist es schwer, über den endlich erfolgten Abschlug Freude oder Genugtuung zu empfinden. Man fühlt sich höchstens erleichtert, das» das nun zu Ende ist. Hoffentlich aber glaubt nun keiner mehr, dag die Sozialdemokratie aus Vergnügungssucht Koalitionspolitik treibt. Die Ueber» Windung, die dazu gehört, kann sie nur aufbringen, weil sie als grosie Partei den Versuch machen muh. auf diesem Weg etwas Praktisches für die Massen des arbeitenden Volkes herauszuholen. Tie sozialdemokratische Rcichstagsfraktion hat heute vormittag nahezu einmütig den Eintritt ihrer Mitglieder in die Regierung gutgeheiszcn. Diesen Veschlug hat sie ganz gewig nicht in Hurrastimmung gcfaht. sondern in kühler realpolitischer Erwägung der ge- gebenen Möglichkeiten. Sie ist sich darüber klar, dag sich nichts ändert als die taktischen Umstände, dag aber die alten Kämpfe um alte Ziele fortgesetzt werden müsien. und dast sie jetzt unter veränderten Um» ständen nicht leichter sind als bisher. Koch Lustizminister. Der demokratische Reichstagsabgeordnetc Dr. Koch hat das ihm von Hermann Müller angebotene Amt des Rcichsjustizministers vorbehaltlich der Zustimmung seiner Fraktion angenommen. Tic demokratische Reichs- tagsfraktion tritt heute nachmittag um 4 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Die amtliche Meldung. Heber die heutigen Unterredungen Hermann Müllers mit Hinbcnburg wurde folgende amtlich« Meldung ausgegeben: Abgeo-dneter Müller-Franten erstattete heute vonnittag llZO Uhr dem Herrn Reichspräsidenten Bericht über seine im Laufe des gestrigens Abends und der heutigen Morgenstunden mit Ber- toetern des Zentrums geführten weiteren Besprechungen in der Frage der Zusamniensetzung der Rcichsregierung. Abg«. ordneter Müller-Franken wird mit Einoer st ändnis des Herrn Reichspräsidenten seine Verhandlungen auf d:r in diesen Besprechimgen neu gewonnenen Basis fortsetzen. Er holst, im Laufe des heutigen Nahmittags dem Herrn Reichspräsidenten ssne endgültigen Vorschläge über die DejeZung der ein- jelneo Mmsteqvst« zuache« zu ld-weu. Oer Arbeiisplan des Reichstags. Nachdem endlich die langwierigen Verhandlungen über die Regierungsbildung wenigstens zu einer provisorischen Lösung ge- sührt hoben, ist vom Aeltestenausschuß des Reichstags ein vor- läufiger Plan über die nächsten Arbeiten sestgesegt worden. Danach soll am Dienstag nachmittag 3 Uhr von', Ple- num des Reichstags die Regierungserklärung entgegen- genommen werden. Mittwoch und Donnerstag nächster Woche sind der Besprechung dieser Erklärung vorbehalten. Der Zeit vom Freitag, dem 5. bis zum Mvmag, dem 8. Fuli ist für die Beratung der Ausschüsse freigeholten. Weitere Plcnor- sitzungen sind vom Dienstag, dein ä. bis etwa Mitte Juli vor- gesehen. Daran werden sich dann die Sommcrserien des Reichs- tags anschließen. vampIrnmMlll am Osthaicn. Bericht 1. Seite. Eisenbahnkaiastrophe in England. 22 Toie.- Güterzug fährt in einen Ausflüglerzug. In der Nähe von Dnrlington stics; gestern abend ein A u s f l ü g l c r z n g mit einem Eil- gütcrzug zusammen, wobei viele Personen getötet und vc»«lctzt wurden. Glücklicherweise fuhren die Züge im Augenblick des Zufammenftosies sehr langsam, sonst hätte die Katastrophe noch mehr tpfcr gefordert. Die beiden vordersten Wagen der Züge wurden ineinandergeschoben. Tie Lokomotive dcS Güterzuges stürzte um. Die Ursache des Un- glucks wird auf falsche Weichen st cllung zu- rückgcführt. London, 28. Iuns. Die Zahl der Toten bei dem Eisenbahnunglück von Darlinglon wird auf zweiundzwanzig beziffert. Der Zustand der noch im Krankenhaus befindlichen Verletzten gibt zu ernsten Desorgnijjen kemen Anlaß.______> j,; � Lambach und die Gnade Gottes Die Angestellten warnen vor Ausschluß.— Treviranus gibt den Monarchismus preis. Wie der„Hannoversche Kurier" erfährt, hat der An- gestelltcnausschuß Hannover der Deutschnationalen Volks- Partei den Meinungsverschiedenheiten, die sich aus dem Aufsatz des Reichstagsabgeordneten Lambach über die monarchistische Frage ergeben haben, solzende Entschließung gefaßt: „Der Vorstand des Angestellte, lausschufsss Hannoper der DNBP. hat von den Auseinandersetzungen über die m o n a r ch i- stische Frage Kenntnis genommen.. Der Vorstand begrüßt die Absicht, über diesen Programmpunkt der Partei vollkommene klar- heit zu schassen. Er hält sich verpflichtet, der Reichsparteileitung mitzuteilen, daß sich unter den Angestellten, Mitgliedern und An- hängern der Partei sowohl konservative Monarchisten als auch konservative Republikaner befinden. Roch größer dürste die Zahl der Angestellten und Parteimitglieder sein, die der Frage„monarchistisch oder republikanisch" keine große Bedeutung beimessen, die jedoch wünscht, daß es den Konservativen bzw. Ehristlichnationalen möglich sein müsse, im Rahmen der DNVP. Tür ihre Idee zu kämpfen, und kann es nicht o e r a n t w o r t e n, diese Gestnnungs- und Kampfgenossen nur deshalb abzustoßen, weil sie die republikanische Staatssorm aus verschiedenen Gründen der monarchistischen vorziehen. Der Vorstand des Angestelltennaus- schusses Hannover der DNVP. erblickt ssi der Stellungnahme des Abgeordneten Lambach, ohne sich in allen Einzelheiten mit ihm zü identifizieren, den ehrlichen Versuch, auch den nichtmon- a r ch i s ch eingestellten Parteianhängern die ohrliche Mitarbeit.zu ermöglichen und damit ein« Entwicklung der Partei anzuerkennen. die sich bereits vollzogen hat. Sowohl die nionvrchistisch als auch die republikanisch denkenden Angestellten haben mit Bedauent erfahren, daß der Landesverband Hamburg der DNVP. den Aus- schluß des Abg. Lambach beantragt hat. Der Vorstand des Angestelltenausschusses Hannover der DNVP. erwartet vom Reichs- porteivorstand, daß diesen: Antrag nicht stattgegeben wird, da mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, daß die christlichmtionalen Angestellten in diesem Falle der Partei säst ausnahmslos den Rücken kehren werden. Der Vorstand hält sich für verpflichtet, den Versuch zu machen, diesen schweren Schlag von der Partei rechtzeitig abzu- wenden." In der gleichen„Politischen Wochenschrift", in der Lambach seine Betrachtungen über den Monarchismus ver- öffentlicht hatte, nimmt jetzt der Abgeordnet« Treviranus, .politischer Beauftragter" der Deutschnationalen Partei das Wort, um die Frage„Monarchie oder Monarchismus" gegen Lambach abzuwandeln. Treviranus bezeichnet die Deutschnational« Partei als„die genialste politische Konzeption der Nachkriegszeit". Er ist der Meinung, daß seine Partei bisher schon„unabhängig von einem Kampf um die Staatsform" dem Volke ge- dient habe, ohne doch den monarchischen Gedanken für die Zu- kunft preiszugeben! Bei seiner Auseinandersetzung kommt er jedoch zu folgendem Geständnis: „Der G e g e n s a tz ist im letzten nicht Monarchist oder Repu- blikaner, auch nicht Monarchist oder Demokrat, sondern die Beant- wortung der Frage:„Unterwerfen wir uns der Willkür, den Massenlaunen der Menschen oder den Fügungen göttlicher Gnade? Da die Gnade Gottes unabhängig von unserem Wollen ist, können wir die Monarchie nicht wiederherstellen, restaurieren." Wenn sogar der„politische Beauftragte" der Deutschnationalen zu der Erkemrtnis kommt, daß nach dem Willen der göttlichen Gnade die W i ederherstellung der Monarchie unmöglich ist, so kann schließlich auch Everling und sein' engerer Aichang init ihrer nionarchistischen Propaganda einpacken. Sie werden das um so lieber tun, je deutlicher der Willp zum Ausdruck kommt, der in der Erklärung des Angestelltenausschusses von Hannover sich bemerkbar macht. Voreilige(Schadenfreude. Die Rechtspresse versichert ihren Lesern heute morgen, daß alles ein„Scherbenhaufen" fei. Die„Deutsche Tageszeitung" spricht von einer„aufgelegten Pleite": sie führt sie letzten Endes auf das „rücksichtslose Machtgefühl" zurück, daß die Sozialdemokratie seit dem 20. Mai beherrsche und sie dazu verleitet habe, dem Zentrum keinerlei Konzessionen zu machen. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" kommt auf seine Lieblingsidee zurück: „Wie aber wäre es mit dem sozial! st ischenMinder- heitskabinett? Wir haben hier immer hervorgehoben, daß das die einzige Lösung wäre, die Klarheit und Wahrheit in das Intrigenspiel des Parlaments brächte. Die Sozialdemokratie hat mit den Bemühungen Müllsrs, die Aufklärungsarbeit am deutschen Volk« erfolgreich begonnen, was ein Reichstag heißen will, in dem 150 Sozialdemokraten sitzen. Daß diese Aufklärungs» arbeit fortgeführt wird, ist hohes nationales Interesse. Nur wenn sich die ganze Ideenlosigkeit und Unfähigkeit der SPD. und ihrer Führer vor aller Augen erwiesen hat, nur dann ist zu hoffen, daß sich bei einer— ja sicherlich binnen kurzem notwendig werdenden— Auflösung des Reichstages die Cnt- täuschten von einer Partei abwenden werden, deren demagogischen Versprechungen sie bisher geglaubt hatten und dann durchschauen werden." Die antimarxistisch- Einheitsfront des Bürgertums gegen die Sozialdemokratie, das ist das edle Ziel, das den Herrschaften von ganz rechts noch immer vor Augen schwebt. Amerika gegen den Amerikaner. Oer Deutschenhasser in Löwen ein Heimatkrieger. Rem porf, 28. Jims. Die Vorstände des Weltbundes für internationale Freundschaft und der Friebensunion der Kirchen sandten dem Rektor der Univer- sität Löwen, Monsignore La de uze, ihre Zustimmung zu seiner Haltung in der Frage der deutschfeindlichen Inschrift an der neu- errichteten Löwencr Bibliothek. Di«„New Pork World" äußert sich in einem Leitartikel über den„guten und den schlechten Geschmack in Löwen" und schreibt, „wie unvornchm wäre es, wenn wir auf unserem Weißen Haust die Inschrift anbrächten„V o n den Brüten im Jahre 1814 niedergebrannt". Oder wenn wir auf dem Grabmal des Präsidenten Grant eine andere Inschrift setzen würden als die: .Laßt uns Frieden haben!" Zu dieser Unvornehmheit gebe sich jedoch der amerikanische Architekt Whitney Warren hin, wenn er versuche, den sich sträubenden Belgiern seine Inschrift aufzuzwingen. Die Inschrift über dem �Löwener Bibliotheksgebäude muß, abge- sehen davon, daß sie für jeden, der die Hoffnung auf nicht nur ge- fühlsmäßige, soiiidern auf wirkliche Vereinigte Staaten von Europa hegt, einen Schlag ins Gesicht bedeuten. Auf Generationen hinaus könne kein Deutscher ohne schmerzliches Empfinden und kein Amerikaner mit gutem Geschmack ohne peinliches Miß- sollen eine solche Inschrift betrachten, x Dampferunglück am Osthafen. Lastkahn gegen Vergnügungsdampfer.— Neun Personen verletzt. An der„Oberen Schleuse", am Stichkanal gegenüber dem Osthafen, ereignete sich heute früh ein schweres Dampferunglück. Beim Durchschleusen havarierte ein L a st k a h n mit dem Bergnügungsdampfer„E i n t r a ch t", der mit Schulkindern der 3 8. Neuköllner Ge» meindeschule, deren Eltern sowie mehreren Lehrern besetzt war. Das Steuerruder des Lastkahnes stürzte aus das Sonnendeck des Dampfers, das unter der Last zusammenbrach. Neun Frauen und Kinder wurden dabei verletzt. Die Verunglückte» wurden durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Krankenhaus am Fricdrichshain gebracht. Folgende Einzelheiten werden hierzu«och mit- geteilt: Der Bergnügungsdampfer„Eintracht" der Dampfschiff- rccderei Langwaldt u. Schmolle war von der 38. GemeiniKsschule in Neukölln zu einem Togesausflug an die Oberspree gemietet worden. Kurz nach 8 Uhr setzte sich der Dampfer von der Anlege- stelle Wildcnbruchbrücke am Stichkanal in Bewegung. Um in die Spree zu gelangen, mußte der Dampfer die sogenomite„Obere Schleuse" an: Cuvryufer passieren. Kurz vor der Schleuse hatten in dem schmalen Kanolarm entgegen den wasserpolizeilichen Vorschriften Zwei Kähne der Märkischen Sandwerke neb«nein- ander angelegt. Die Spitze des Vergnügungsdampfers befand sich gerade aus der Höhe der R u d e r p i n n e des einen Lastkahnes, als es plötzlich einen ohrenbetäubenden' Krach gab. Durch den Ab- saug, der bekanntlich durch die Steuerschraube hervorgerufen wird und bei schmalen Wasserarmen besonders stark ist, war die viele Zentner schwere Ruderpinne hochgehoben und ans das Sonnendeck de» Dampfers geschleuderk worden. Die Dachsteisen hielten der Ve« lastung nicht stand und das ganze Sonnenvordeck stürzte zusammen. Frauen und Kinder wurden unter dem Zelt und den Eiscnteilen begraben. Laut« liilferufe ertönten: unter den übrigen Dampfer- iirsassen, die ja zum größten Teil aus Schulkindern bestanden, brach eine Panik aus. Der Kapitän des Dampsers steuerte schnurstracks auf das recht« Sprecufer zu und legte am Kai dsc Osthafens an. Von der Direktion der„Behala"-Hafcngcs«llschast wurde das Städtische Rettungsamt von dem Unfall telcphonisch in Kenntnis gesetzt, das sofort mehrere Rettungswagen entsandte. Neu--: Frauen und Kinder wurden in das Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt, wo die Aerzte Kopf-, Arm- und leichte Beinverletzungen feststellten. Eine Anzahl der Passagiere, die Nervenschocks erlitten hatten, und mehrere Frauen, die beim Anblick des zusammenstürzenden Sonnendecks von Schreikrämpfen befallen und ohnmächtig wurden, erholten sich nach Behandlung durch Samariter bald wieder. Nachdem den Ausflüglern die Mitteilung gemacht worden war, daß von den Verunglückten niemand g:- fährlich verletzt sei, wurde die Fahrt gegen'-411 Uhr fortgesetzt. Die Schuld an dem Unglück, das nach verhältnismäßig glimpflich abgelaufen ist, konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. Wie Zeugen bestätigen, war die Ruderpinne des Lastkahns nicht befestigt, so daß der Absaug der Dampserschraube genügte, um das Ruder mit ungeheurer Wucht gegen dos Varderttil des Dampfers zu schleudern. Von der Direktion der Reederei Langwaldt u. Schmolle wird noch mitgeteilt, daß der sechs Meter breite Dampfer sehr langsam durch die knapp sieben Meter breite Echleusenrinue gefahren ist, so daß den Kapitän keine Schuld trifft. Die Polizei ist mit der weiteren Untersuchung beschäftigt. Die Auswirkung der Wahlen. Gozialdemokrattsche Versammlung in Wilmersdorf. Die Ortsgruppe Wilmersdorf der Sozial- demokratischen Partei veranstaltete gestern im Vit- toriogarten eine Kundgebung mit dem Thema„Die Aus- Wirkung der Rcichstagswahlen", die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende, Geheimrat Wiep recht, teilte in seinen Einführungsworten voll Stolz mit, daß die Zahl der sozialdemo- kratifchen Wähler in Wilmersdorf vom Mai 1924 bis zum Mai 1928 v-on IlftlOO aus 24000 gestiegen ist. Reichstagsabgeordneter Wissel! sprach über die Regie- r u ng sb i l d u n g. Foststehender parlamentarisch-demokratischer Brauch sei es, daß die S i e g e r p a r t e i der Wahl die Regierung bildet. Die Sozialdemokratie habe gesiegt und sich dieser Pflicht nicht entzogen. Andernfalls wäre sie ja Schrittmachcrin des AntiParlamentarismus gewesen. Sie habe erst das Kabinett der Großen Koalition, dann das fraktionsmäßig nicht ge- Kunden« Kabinett der Persönlichkeiten zu bilden ver- sucht. Zuerst habe die Volk spart ei sabotiert, aber Scholz Hobe durch das Stresemonn-Telegramm«ine klatschend« Ohrfeige bc- kommen. Jetzt mache das Zentrum Schwierigkeiten, aber die Sozialdemokratie könne auf einen ihrer Besten, Karl S e v e r i n g, nicht zugunsten Wirths verzichten, der vor drei Monaten noch nicht wußte, ob ihm seine Partei überhaupt ein Mandat geben würde. Auch die preußische Frag« scheide für die Sogioldemokratie aus. Immer richte sie sich nach den Jnteress.? der Werktätigen. Reichstagsabgcordnete B o h m- S ch u) sprach über die kulturellen und sozialen Aufgaben des neuen Reichstags. Auf kulturellem Gebiet fei das deutschnationale Muckertum noch schlimmer als der Katholizismus. Sie halte ein Zusammen- gehen mit dem Zentrum deshalb für nicht übermäßig gefahrdrohend. In sozialer Hinsicht drücke vor allem die Wohnungsnot, Die Flieger in Ooorn. „VonMIRenssandt.warfürSie derOzeanflug eineKleinig- keil, da ja zu allen Ereignissen ZEH d e n W i n 0 mache!" die Mutter von so vielem körperlichen und seelischen Elend. Wohnungsbau fei eine Geldfrage, und deshalb war es eine große Konzession der Sozialdemokratie, dem Zentrum das Reichs- finanMinifterium überlassen zu wollen. Fest« Regelung der Ar- beitszeit im Sinne des Achtstundentages, Reuaufbau des Renten- wefens, Abbau der Altergrenzc täten not. Die tatsächliche Gleich- stellung der unehelichen Kinder und eine Reform de» Ehescheidungs- rechts müßten erreicht werden. Das seien die Gebiete, bei denen namentlich die Frauen mitarbeiten müßten. Reichstagsabgeordneter Künstler wandle sich mit flammen- dem Appell an die Versammlung. Handarbeiter und Kopfarbeiter sind eins, Arbeiter, Angestellte, Beamte und Intellektuelle gehören in die Sozialdemokratie. Sie alle bilden eine Schicksalsgemeiisschoft, sind Bundesgenossen! In der Deutschen Volk spart ei, die in den letzten Tagen so viel von sich roden machte, ist kein Platz für Kopfarbeiter. Sie ist eine Partei der Schwerindustrie, die den Ingenieur ebenso ausnutzt, wie den Mechaniker, den Dreher, den Tischler. Auf der anderen Seite ist die K o m m u n i st i s ch e Partei auch rein reaktionör. Es ist alles andere als Politik, sich nur von den an- geblichen Fehlern und Versehen der Nochbarpartei, der Sozial- demokratie, zu ernähren und dadurch totsächlich nur den Deutschnationalcn zu helfen. Organisation ist Macht. Wähler der Liste 1, tretet ein in die Sozialdemokratische Partei! Vorträge der trefflichen Reichsbanncrkapcllc um- rahmten die Kundgebung, die durch den gemeinsamen Gesang der Internationale geschlossen wurde. Krankreichs Reparaiionsüberschuß. Senatsvorhalte gegen Revision des Dawes-Planes. Paris, 2«. Juni. Im Lenatsausschuß für auswärtige Angelegcnheitcn erstattete Senator Henri Bärenger einen ausführlichen Bericht über die Frage der Reparationen und der inter- alliierten Schulden. Er verbreitete sich insbesondere über die Darlegung des Generalagenten, wonach das zu lösende Grundproblem die endgültige Festsetzung der deutschen Reparationsverpflichtungen sei, und ging so- dann auf die Frage ein, ob die gegenwärtige Lage für irgendeine Revision des Dawes-Planes günstig sei. Er zeigte, daß Frankreich seit 19 2 3 von Deutschland mehr erhält, als es selbst seinen Alliierten auf Grund der abgeschlossenen Abkommen zahlt. Frankreich habe also kein Jnter- esse an irgeitdeiner Aenderung des Dawes-Planes oder des die deutsche Schuld festsetzenden Londoner Ab- kommens von 1921. Vcrenger gab der Auffassung Ausdruck, daß, welches Interesse auch an einer eventuelle« Revision des Dawes-Planes und der Tchuldenabkommcn bestehen möge, nichts vor dem Ergebnis der Prä- sidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und der Einführung des neuen Präsidenten in Aussicht genommen werden könne. Tatsächlich sei nirgends in Europa oder Amerika eine offizielle Aktion im Gange oder wahrscheinlich. Alles, was in dieser Hinsicht ver- öffentlicht worden sei, gehöre in das Gebiet der P h a n» t a s i r. An die Darlegungen Berengers schloß sich eine längere Aussprache, in der u. a. die Senatoren de Jou» venel. Klotz und Ehenebenoit aus die Verbindung der Fragen der Exekution und der Sicherheit mit jeder eventuellen Abänderung des Dawes-PlaneS hinwiesen. Lenator General Bourgeois betonte die militärische und technische Seite der Frage. Es wurde beschlossen, daß der Borsitzende des Ausschusses die zum Ausdruck gebrachten Auffaffungen vortragen solle, damit dieser vor dem Ausschuß darauf eingehe» könne. Einigung in der Tänzerschast? Gemeinsame Erklärung der beiden Organisationen. Di- Vertretungen öcs Deutschen Thorsängerverban- des und Dünzcrbundcs(E. 23. und der Deutschen Tanzgemeinschast E. V. hatten im Laufe des zweiten deut- schcn Tänzerkongresscs in Essen gemeinsame Besprechungen, die fol- gcndcs Ergebnis brachten: Zwischen den Vorständen des Deutschen Chorsängerverbandcs und Tänzcrbundes und der Deutschen Tanzgemeinschast ist folgendes Ucbereinkommen getrofscn worden: Die Freiheit der verschiedenen Richtungen künstlerischer Zlrt soll in keiner Weise beeinträchtigt werden. In organisatoris6)er Beziehung besteht zwischen beiden Ver- bänden Einigkeit darüber, daß ein gemeinsames Vorgehen in allen diesbezüglichen Fragen erforderlich ist. Zu diesen: Zweck ist aus den Reihen der beiden Organisationen ein paritätischer Ausschuß gebildet worden, der aus je drei Ver- treten: und drei Stellvertretern besteht. Der Deutsche Chorsängeroerband und Tänzerbund ernennt zu seinen Vertretern: Rudolf o. Laban, Friedebach, Berthe T r ü m p y, und zu seinen Stellvertretern: Kurt I o o ß. Lizzic M a u d r i ck, Lina Gerzer. Die Deutsche Tangzgemeinschaft ernennt zu ihren Vertretern: Mary Wigman, Dr. Emmel, Valerie K r a t i n a und zu Stellvertretern: Margarete Wallmann, 2o Vischer-Klamt, Ernst F e r a n d. Der Zlusschuß wird seine Arbeiten sofort ausnehmen. Jedem Vorstand bleibt es unbenommen, zu den Ausschuß- sttzungen einen juristischen Beraicr zuzuziehen. Deutscher Chorsängerverband und Tänzerbund C. v. gez. Fricdebach. Deutsche Tanzgemeinschast C. v. gez. Dr. Emmel. Resolution des 2. deutschen Tänzertongreß. Die auf dem zweiten deutschen Tänzertongreß versammelte Tänzergemeinschast nahm in der Schlußsitzung solgende Entschlic- ßung an: „Der Kongreß stellt mit Freude und Genugtuung fest, daß er über IM Teilnehmer auszuweisen hatte, daß als allgemeines Er- gebnis weiteres gemeinsames Wirken beabsichtigt ist und daß die Festspiele und überaus reichhaltigen iBeranfialtunxen, die in der Schlußausführung von Mary Wigmans...Feier" gipfelten, einen Querschnitt durch die augenblickliche schöpferische Tanzwelt in Bühne, Podium und Schule brachten. Der Tanz, der sich als selbständige Kunstgattung und als Bühnentanz zeigt, strebt nach einer Eroberung bzw. Beeinflussung des ganzen heutigen Theaters(der Oper und des Schau- spicls). 2lls großes Ziel bleibt bestehen, die Schafsung eine- eigenen Tanztheaters für tänzerische Bühncnkunst und chorische Laienkunst, mit eigenen, den Arten des Tanzes angepaßten Schouräumen. Der Tänzerkongreß fordert von allen Theatcrleitungen und Dühnenoorständen eine Anerkennung und Förderung des Theater- tänzers als schaffenden Künsjlers und seine Gleichstellung m:t dem übrigen am Theater wirkenden Kllnstlergruppen. Der Tänzertongreß erkennt die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer T a n z s ch r i f t allgemein an und betrachtet die von Rudolf v. Laban geschaffene Choreographie als eine geistige Leistung ersten Ranges und empjiehlt sie als � praktisches Tai�noticrungsmittel. Ebenso erklärt der Kongreß, daß G. J. Vischer-Klamts Bewcgungs- frciheit eine große Bedeutung für die wissenschaftliche Bewegungs- forschung und Bewcgungspädagagik besitzt.. Der Kongreß erhebt Einspruch gegen die viel zu kurze Aus- bildungszcit für Tanzpädogogen und Tänzer, verlangt einen min- bestens vierjährigen Studiengang bis zur Erreichung einer Diplom- reise, fordert staatliche Unterstützung unbemittelter Schüler, Künstler und wertvoller Schulan st alten, wie sie anderen Kunstzweigen zuteil wird. Er ist sich einig darin, daß die Theaterpraxis und ihre Förderung unbedingt in den Aus- bildungsweg des Bühnentänzcrs einbezogen werden. Der Kongreß richtet an die Behörden das Ersuchen, möglichst bald ein« Hoch- schule für Ta n z k u n st zu schaffen. In allen Schulgattungen ist die tänzerische Gymnastik als Lehrfach einzusetzen. Der Tänzerkongreß betont den inneren Zusammenhang zwischen den neuen tänzerischen Bestrebungen und dem Laientanz(Fest- gestaltung durch Tanz, geselligen Tanz, Bcwegungschor), fordert ständige Förderung durch die Tänzerschaft und verlangt, daß die Ausbildung des Laientanzlchrcrs eine genaue Regelung und Krö- nung durch die Schassung einer össentlichen wissenschastlich-sozwlo- gischen Forschungsstattc für Bewegung erfährt. Der Kongreß dankt der Stadt Essen für ihre großzügige Gast- freundschaft, durch die sie diese für die Tänzer» so überaus wichtige Tagung möglich gemacht hat." Der Blaubart von Marseille. Oer Täter unauffindbar.— Zwei der Toten festgestellt. Die Rochforschungen in der Wohnung des„Blaubarts von War- feille", der nach den neuesten Ermittlungen P r a t und nicht Trap heißt, haben gestern zur Entdeckung einer umfangreichen Korrespondez des Mörders mit seinen Opfern geführ«. Es konnte ermittelt werden, daß prat mit 15 grauen in Briefwechsel gestanden hat. prat entpuppt sich als der Typ des gewissenlosen Heiratsschwindlers, der beständig versucht, von seinen Opfern Geld zu erpressen. Cr scheint offenbar gewisser- maßen im großen in den verschiedenen Zeitungen inseriert zu haben und hat ganze Berge von Angeboten erholten. Die Polizei will seht in Erfahrung bringen, ob die 15 Frauen, mit denen Prat in regelmäßigem Vricsaustausch gestanden hat, noch leben. Bisher konnte keine weitere Leiche gesunden werden. Die Zahl der Opfer beschränkt sich somit aus drei, doch hat man Anhalts- punkte dafür, daß ihre Zahl noch größer ist. Ein Rachbar teilte u. a. gestern mit. daß er an einem Abend gesehen Hobe, wie Prot ein schweres Paket aus seiner Wohnung forlschasfte, wozu er ein Auto benutzte. Jetzt bei näherer Uebertegung halte er es für durchaus wahrscheinlich, daß das Paket ein« Leich: enthielt. Der Auf- cnthaltsort des Mörders kounie auch gestern noch nicht er- m i t t e l t werden. Man Hot immerhin in Erfahrung gebracht, daß er am vergangenen Sonntag mit einem kleinen Reisekosfer sich nach dem Dahnhos von Marseille begab und hält er für möglich, daß er nach Paris gefahren ist. In der Villa wurde außerdem ein Schlächterhackbcil gefunden. Da Prat Schweine hält, erscheint es nicht ausgefchlosien. daß er die Leichen seiner Opfer zerstückelt und den Schweinen als Füller vorgeworfen Hot. Paris. 28. Zuni. Die bei den Ausgrabungen in der Villa des Marseiller Landru entdeckten Frauenleichen konnten heut« bereits i d e n t i f:- ziert werden. Er handelt sich um eine Pensionsinhaberin und eine ehemalig« Sekretärin des Deportementspräfeklen. Mittlerweile ist festgestellt worden, daß Prat noch eine dritte Villa bewohnt«, in de? die Polizei gleichfalls Nachforschungen begonnen hat. Außerdem vermutet man, daß Prat eine Fraucnleiche in einen benachbarten Kalvstcinbruch geworfen hat. Die Braun-Nefreier vor Gericht. vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann heut« gegen Mittag der Prozeß gegen einen der Braun-Be- sreier, den Schlüchtergesellen Philipp. Mit ihm Hai sich wegen Gesangenenbesreiung auch der Arbeiter Seifert zo verantworten. Es ist noch in aller Er- inncrung, welche Aufregung das Eindringen der bewasf- neten Kommunisten in das Zimmer des Untersuchungsrichters Vogt und die Jagd durch dos Gcrichtzgeböude verursacht haben. Damals gelang es nur, einen der Ein- drlnglingc. den Schlüchtergesellen Philipp, zu verhaften. Man fand bei ihm einen ungeladenen Revolver. Außer ihm wurde noch der Arbeiter Seifert in der Rühe des Gericht sgcbäud«, festgenommen. Pfeifer bestreitet jedoch sein« Teilnahme. Die GerichtsoerhorGlung stndet, wie es nicht anders zu erwarten war, unter außerordentlich großem Andränge des Publikums statt. Eigentümlicherweise Hot man für den Prozeß keinen größeren Saal zur Verfügung gestellt. Ein Polizeiaufgebot sorgt für Ordnung innerhalb und außerhalb des Gerichtsgebäudes. Der Lljäbrig« Philipp, ein frischer, lustiger Schlochtergeselle, scheint sich seiner Rolle voll bewußt zu sein. In seinem Berliner Dialekt macht er ir» abgebackten Sätzen seine Aussagen, aus denen sein« Teil- nähme an der Braun-Befreiung klar ersichtlich wird. Roch seiner Schilderung war er es gewesen, der dem Justizwachtmeister den Revolver auf die Brust gesetzt Hot, und als dieser um Hilfe rufen wollte, ihm den Mund zudrückte, um ihn am Schreien zu ver- hindern. Den Revolver will er erst im Gang des Gerichtsgobäudcs selbst erhallen und sich auch überzeugt hoben, daß die Masse nicht geladen war. Er erklärt, daß er sich der Folgen seiner Teilnahme an der Befreiung vollkommen bewußt gewesen sei: Entweder würde er eine Strafe zu verbüßen haben, oder er könnt« auch bei der ZZerfolgung über den Haufen geschossen werden. Trotzdem er bei der Befreiung selbst eine führende Rolle gespielt hat, bestreitet er, der Führer gewesen zu sein. Es war dies de? Unbekannte, dar ihn am Tage zuvor aufgeforverr habe, an der Befreiung teil zu- nehmen. Der zweite Angeklagte Seifert, der zwei Tag« später ver. haftet wurde und bei seiner polizeilichen Vernehmung bestritten hotte, überhaupt den Philipp zu kennen, gibt nun zu, am 11. April gegen 7 Uhr bei Philipp gewesen zu sein. Dieser habe ihm jedoch gesagt, daß er einen Gang zu machen habe, woraufhin er sich wieder nach Hause begeben habe. Der 24jähr!ge Seifert ist ein schwer lungenkranker Mensch und Rentenempfänger. Man merkt ihm sein« Zkoankheit auch an seinem leisen Sprechen an. • Amtsgerichtsrat Bergmann, der den Vorsitz führt, Hot nicht ::ur den Andrang des Publikums und die Anwesenheit einer großen Anzahl von Berichterstattern außer acht gelassen, sondern er besitzt auch eine eigentümliche Vorstellung von der Würde des Ge- r i ch t s und den Pflichten eines Gerichtsjournalisten. Er erklärte in barschem Ton«, das Ein» und Ausgehen der Bericht- erstatter entspreche nicht der Würde des Gerichts: die Herren sollten entweder ganz dableiben oder sich ganz entfernen. Ein« seltsame Würde, die zur Beeinträchtigung der Pflichten anderer führt! Das österreichische Postspartassenamt weist darauf hin, daß dem gegenwärtigen Präsidenten der Rationolbant, dem früheren Leiter der Postsparkasse vom Herbst 1926 bis Mai 1927, Reisch, nicht „märchenhafte Sorglosigkeit und geschäftliche Unwissenheit" vorgeworfen wird. In der Tat wirft die„Wiener Arbeiter-Zeitung" dies dem Vorgänger von Reisch vor, während der Vorwurf gegen Reisch darin besteht, in.leichtsinniger Zvcise noch im Januar die Volksvertretung über die riesenhaften Verluste der Postsparkasse ge- täuscht zu haben". Diese Verluste betragen cindreiviertel Millionen Schilling. Ende einer Legende. Oer Film der Miß Eovell. Das also war der„berüchtigte Hetzfilm" von Edith Eavclls Leben und Sterben, der Film, der anfänglich sogar in England verboten wurde,„weil er die Gefühle Deutschlands verletzen könne". Die ,.L i ch t b i ld b ü h n e" führte ihn am Mittwoch einem geladenen Publikum var. Und verwundert fragte man sich, wen denn in Deutschland dieser Film verletzen könnte; denn im Grunde Hot noch keiner der hier gezeigten.„Kriegzfilmc" den Wahnsmn des Krieges derart bloßgestellt, wie dieser„Hegfilm". Das Leben und die Taten Edith Eavells sind bekannt: Sie hat die Flucht englischer Kriegs- gefangener nach Holland begünstigt. Nach Kriegsrecht ist sie dafür erschossen worden. Und gerade weil der Film zeigt, wie, in den blutigen Maschen der Krieges verstrickt, die Persönlichkeit des Einzel- menschen hilflds Spielball eines wahnsinnigen Geschicks ist. weil er aus Freund und Feind nicht Engel und nicht bluttriefende Bestien macht, wirkt er als stärkste Propaganda für den Pazifismus. Die Typen der deutschen Soldaten, die hier austreten, sind im schlimmsten Fall Maschinen, die eben nur durch den Motor ihrer Kriegspslicht getrieben werden. Der Verräter, die einzige wirklich unsympathische Figur des Films, ein Kriegsgefangener: die Vor- gonge sind nicht entstellt und nicht vergröbert. Miß Eavcll wird im Gesängnis nicht in Ketten, ihr Kerkermeister nicht als blutrün- stiges Scheusal gezeigt. Der Film ist frei von jeder derartigen Ge- schmacklosigkeit. Trotzdem war der Widerstand gegen die Auffüh- rung dieses Films auch in England außerordentlich stark; die Szene der Erschießung des deutschen Soldaten, der sich weigert, auf die Verurteilte zu schießen, mußte sogar aus dem Manuskript gestrichen werden. Und nachdenklich fragt man ssch, wer denn ein so übergroßes Interesse an der Verhinderung der Aufführung gerade dieser Szene wie des ganzen Films hat; denn weder in Deutschland noch in England kann dieser Film aushetzend wirken, mag drüben auch das Heldentum der Edith Cavell stärker in den Vordergrund treten. Ein Interesse an der Unterdrückung dieses Films hat nur dieVJnter- nationale der Generäle und all derer, die daran interessiert sind, daß wir alle den blutigen Wahnsinn des Krieges möglichst schnell vergessen, um desto sicherer und hilfloser in den nächsten Krieg zu taumeln. Rose S:valä. Mit der �Carnegie" durch die Welt. Weisen zur Erforschung des Erdmagnetismus. Im großen Hörsaal des Kunstgewerbemuseums hielt die Gesellschaft für Erdkunde eine außerordentliche Sitzung ab, auf der Kapitän Zl u l t und Prof. Svcrdrup, der wissenschaftliche Mitarbeiter der Carnegicexpedition, Vorträge über die Fahrten des Forschungsschisfes„Carnegie" hielten. Um die„Carnegie" besonders zur Erforschung von magnetischen und elektrischen Strömungen oerwenden zu können, wurde das Segel- schiff ohne alle Verwendung von Eisen gebaut. Nur für den Motor ließ sich dieses Metall natürlich nicht völlig ausschließen, doch wurde er von den wissenschaftlichen Instrumenten so isoliert, daß er sie nicht beeinflussen konnte. Die Erforschung der magnetischen Strö- mungen ist deshalb so wichtig, weil die Abweichung der Moznetnadel von der Nordpolrichtung der Erde an den verschiedenen Punk- ten der Erde verschieden ist, was den Schiffen auf hoher See häufig große Schwierigkeiten bereitet. Die Fahrten der„Carnegie" haben es bereits ermöglicht, Karten über die verschiedenen Abweichungen von der Polrichtung aufzustellen und Tabellen zu finden, nach denen sich die Abweichungen errechnen lassen. Aus der soeben angefangenen 7. Kreuzfahrt der„Carnegie" soll aus vier Gebieten gearbeitet werden, zunächst auf dem Gebiete des Erdmagnetismus, wo ältere Beobachtungen ergänzt und neue Daten zur Verbesserung der Konipaßorienticrung gesammelt werden. Auf dem Gebiete der Luftelektrizität sollen magnetische Veobach- tungen zur Bestätigung einer Anzahl von neuen Gesichtspunkten an- gestellt werden. Auf dem Gebiete der Ozeonagraphi« sollen Beob- achtungen angestellt werden, die eine Uebersicht über die Verhältnisse in den zum Teil unbekannten Gebieten des Stillen und Indischen Ozeans geben. In der maritimen Meteorologie will die Expedition die Beziehungen zwischen Lust und Meer beobachten, was im Jnter- esse der Entwicklung der Luftfahrt wünschenswert erscheint. Zu de mVortrag war auch der Zlsienfarscher Filchner erschienen, dessen Heimkehr von seiner letzten gefährlichen Forschungsreise von den Berliner wie von den Staatsbehörden sa völlig ignoriert wurde. Hier im Kreise seiner Fachgenossen wußte man, daß seine wissen- schaftlichcn Leistungen eine wesentlich höhere Bedeutung haben als die der erfolgreichsten Ozeonslieger, und feierte den schon Tot- gezlaubtn mit anerkennenden, herzlichen Worten. Es lebe der Kitsch? Der deutsche Kleinbürger liebt den Kitsch leidenschaftlich. Sllles Moderne, Saubere, Gerade und Gekonnte flöht ihm tiefes Mißtrauen ein. Auf den schlechten Geschmack des phlegmatischen Spießers, dem ein koloriertes Vergißmeinichtauge„Kunst" bedeutet, spekulieren jene Leute, die entweder aus Unfähigkeit oder aus raffinierter Berechnung, die unerträglichsten Geschmacklosigkeiten, sei es im ,.Schlager"-Betrieb, im Film, im Bild und in der Reklame, in die Welt setzen. Da sieht man vor Sentimentalität triefende Filmplakate, da hört man Schlager, von einer Blödheit, die wie eine Provokation des gesunden Menschenoerstandes wirken muß, und sieht Bilder und Reklamen, wie dieses da: In einen ovalen Medaillonschnitt hinein- gepreßt steht, blond und mit blauen schmachtenden Liebhaberaugen ein„Schmie d", wie ihn sich die Phantasie eines kleinen Mädchens nach den Erzählungen der Urahne darstellt, neben ihm ein herz- inniges Mägdelein, und die beiden schauen sich gar lieblich an. Um diese gefühlvolle Szene gruppiert sich allerhand Merkwürdiges: zwei durch die Luft schwebende strohblonde Schmicdejungcn, denen es das Idyll im Oval anscheinend angetan hat, ein— welch überraschender Ucbergang!— kniefrei geschürztes Mädchen, das mit einer Kupferbcrg-Gold-Flosche versehen, durch sein lockeres Dasein tänzelt und, gänzlich unmotiviert eine oltertümclnde Frau, die fast wie die Knusperhexe aus dem bekannten Märchen wirkt. Den Kopf des Blattes ziert eine Leichenschändung:„Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister." Das ganze ist bezeichnend für die„deutsche Filmkultur". > VAS WAR EIN SCHONER TAC« hii..........— HMni uuimi iiiiiiihhiii i ii ii'i i>i.u-aHgaBa sagt jeder, der Berlins P||NW|>8D|JM#3 Sah~ Und er hat recht damit KPI für die Verlängerung größte Ausstellung: Die— fand er doch nützliche und Verschönerung seines Lebens und boten die schönen Ausstellungsgärten IIMG Auch Sie werden überrascht und erfreut sein über neben dem Funkturm in der Frühlingssonne doch so schöne die viejen Reize eines Zaches der Ernährungsschau TAfllicht 9 Uhr vormitlags bis 8 Uhr abands(Einlaß bis 7 Uhr). Sonnabends und Sonntaas 9 bis 9 Uhr(Einlaß bis 8 Uhr).— Eintrittspreise: Erwachsene 1.50 Nfc., Jugendliche 0.75 Mk. Famillenkarten für 2 Erwachsen* und 2 Jugendliebe oder 3 Erwachsene nur 3.50 MJt� Zusatz-Kinderkarte 0.25 Hk. ) Verkürzte Fahrzeiten. Oie Straßenbahn soll ab 2. Juli schneller fahren. Nachdem die Straßenbahn im vorigen Jahre bereits an Sonn- und Feiertagen und Werktags nach IS Uhr eine verkürzte Fahrzelt eingeführt hat. gelangt am 2. Zuli ein neuer Fahrplan zur Einführung, durch den die Reisegeschwindigkeit nunmehr auch Werktags von Betriebs. lvginn bis 19 Uhr erhöht wird. Der neue Fahrplan sieht gleichzeitig die folgenden Derkehrsverbesserungen vor: Die Lini 13, Seestraße— Lichtenberg, Röderplatz, wird unter der neuen Liniennummer„8" vom Röderplatz über Weißenseer Weg, Lichtenberger Straße, Weißensee, Berliner Allee, Langhansstraße, Gustav-Adolf-Straße, Prenzlauer Allee, Wisbyer Straße und Born- holmer Straße zunächst bis zur Schönhauser Allee verlängert: es ist für später beabsichtigt, diese Linie über die Boricholmer Straße und Christianiastraße bis zum Oskarplatz als Ringlinie weiterzuführen. Die bisher unter der Nummer 113 verkehrende Linie, Gotzkowsky- straße— Lichtenberg, Lückstraße, erhält die Nummer„13". Die Linie 77. Lichterselde-Wste, Dahlemer Weg— Bhf. Zool. Garten, wird von der Ioachimsthaler Straße über Kantstraße, Sa- vignyplatz, Grolmanstroße, Bismarckstraße, Leibnizstraße, Berliner Straße, Spandauer Straße, Spandauer Berg, Spandauer Chaussee bis Westend, Kirschcnallee, weitergeführt. Dafür wird die Linie 52, die bisher außerfahrplanmäßig zeitweise bis Westend, Kirschen- allee, verkehrte, bis zum Wilhelmplatz zurückgezogen. Die Linie 72, Weißensee— Reichskanzlerplatz, wird zur Her- stellung einer ständigen Berbindung nach dem Stadion über Kaiser- dämm, Heerstraße, Rennbahnstraße bis zum Stadion weitergeführt: zurück fahren die Wagen über Romintener Allee, Heerstraße. Die Linie 5, Außenring, wird im Südosten über den bisher!- gen Weg �er Linie g geführt, also vom Hermannplatz über Kaiser- Fricdrich-Straße, Wildenbruchstraße, Harzer Straße, Elsenstraße, Treptower Chaussee, Schlesische Straße, Falckensteinstraße(statt über Weserstrahe, Reuterstraße, Friedelstraßc, Grünauer Straße, Wiener Straße, Görlitzer Ufer, Taborstratze, Wrangelstraß«, Falkenstein- straße). Die Linie 9, vstring, nimmt dafür den kürzeren Weg über Görlitzer Bahnhof(wie jetzt die Linie 5). Zeitkarten der Linie 5 und 9 gelten im Monat Juli auf beiden Wegen. Oer Bäckerstreik stehi gut. Verpuffte Aktion der Ärotfabrikanten. Trotz der verzweifelten Anstrengungen der Vereinigung der Brotfabrikantcn, die noch nicht bestreikten Großbäckereien sowie die Betriebe, die die Forderungen ihrer Arbeiter anerkann, haben, zur Aussperrung zu bewegen, wird in diesen Betrieben immer noch Brot gebacken. Die groß angekündigte Aussperrung ist und bleibt eine organisatorische Pleite des Brotfabrikantenverbandes. Es helfen keine Berfammlungen, Beschlüsse und Rundschreiben, um den verfahrenen Karren wieder flott zu machen. Der Beamten- wirts chaftsvercin hatte seinen Arbeitern am Dienstag ge- kündigt, die Kündigung aber heute wieder zurückgenommen und dafür bekanntgemacht, daß er feinen Betrieb am Freitag und Sonnabend ruhen lasse. Er will also wenigstens nach außen fo tun, als ob er den Auesperrungsbeschluß oder besser gesagt die Aussperrungsbeschlüss« des Brotfabrikantenverbandes respektiere. In den bestreikten Betrieben will man am Montag die Tore öffnen und versuchen, die Produktion mit Arbeitswilligen wieder aufzunehmen. Bei dem Versuch wird es wohl auch bleiben. In der Versammlung der Unternehmer am Mittwoch abend, in der über die Verhandlungen vor dem Schlichter berichtet wurde, soll die Behauptung aufgestellt worden sein, daß die Verhand- lungskommission der Streikenden ein Angebot von 4 Mark Lohn- erhöhung glatt zurückgewielen hätte. Dazu ist festzustellen, daß die Unternehmer in diesen Verhandlungen auch nicht einen einzigen Pfennig über ihr bisheriges Angebot von 3 Mark Lohnzulage pro Woche hinausgegangen sind. Di« Streikenden sehen jedenfalls der weiteren Entwick- lung der Dinge mit der größten Ruhe und siegesgewih«it= gegen. Wetterbericht aus deutschen Reifegebieten. Herausgegeben von der Oeffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland a. Sylt: heiter. Helgoland: heiter. Bor- kum: ziemlich heiter. Hamburg: wolkig., Ostsee. Travemünde: bewölkt. Warnemünde: wolkig. Stolp: Regen. Danzig-Zoppot: bewölkt. Seebad Kranz: bewölt, nach Regen. harz. Brocken: Nebel. Thüringen. Erfurt: wolkig. Eisenoch: heiter. Bad Lieben« stein: wolkig, nach Regen. Oberhof: wolkig. Jnselberg: heiter. Hessen. Wasserkuppe/Rhön: bedeckt. Sachsen. Dresden: heiter. Annaberg: wolkig. Fichtelderg (Erzgeb:): bewölkt. Schandau: heiter. Zittau: wolkig. Schlesien. Breslau: stark wolkig. Flinsbcrg: bewölkt. Schreiberhau: bewölkt. Schneckoppe: bewölkt. Rheingebiet. Köln: heiter. Bad Aachen: bedeckt. Koblenz: be- wölkt. Bad Ems: neblig. Wiesbaden: wolkig, nach Regen. Frank- fürt a. M.: ziemlich heiter. Feldberg/Taunus: ziemlich heiter. Bad Dürkheim: heiter. Baden. Karlsruh:: heiier. Feldbcrg/Schworzwald: neblig. Württemberg. Stuttgart: wolkenlos. Freudcnftadt: kräftigss Gewitter. Friedrichshofen: halb bedeckt. Boyern. Hof: heiter. Fürth: heiter. München: heiter. Oesterreich Salzburg: bedeckt, nach Regen. Wien: bedeckt, nach Regen. (Wegen Funkstörungen heute unvollständige Nachrichten.) « Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle BerNa und Um- gegend.(Nochdr. verb.) Im Süden und Südosten ziernlich heiter, im übrigen Reiche wieder r>eräick>?rlich mit Regenneigung, überall etwas wärmer. � Karlen für die Ausstellung„Die Ernährung" zum verbilligten Preise von 1 M.(statt 1.50 M.) sind in ollen Gewerkschastsbureaus sowie im Zigarrengcschäft von Harsch, Engelufer 24/25(Gewerk» schaftshaus) zu haben. Berantworilich für die Redaltion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen:?». Slacke. Berlin. Berlaq: Vorwärts Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwart, Bu». druckcrri und Berlagsanstalt Paul Cinger& Co., Berlin 633 68, Lind-nstr-be 3. Sierzu 1 Beilage. Donnst., 28. 6. 28 Staats-Oper | Unter d. Linden Ab.-V. 52. Anf. 20(3) Uhr Staals-Oper \ni Pl.d. Republ. Ab.-V. 56 Anf. 19V,(7'/ä) U. Donnst, 28. 6. 28 Städtisdie Oper Blsmarckstr. Turnus IV Anf.lS'/j(ö'/j) U. Stull. Stepielli. Am Gndermnmartl Ab.-V. 131 Ant 20(8) Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl.Sdiilier-Tlioater.Cliaritiig. 20(8) Uhr: Mord im üinfeiKans. Volks büh ne tdul« an SQIowplati S'/t Uhr Orpheus In der Unterwelt TL am SltMalMllaaw SV, Uhr Der Kohhandel Nollendort 7360 McrbTViltiams der eigenartigste amerikanische Exzentrik-Star und die übrigen Varteie-Semalioaen l Theater am Koübusser Tor Berlin, Koitbusser Str 6. Tel.: Mpl 1607/ Täglich 8 Uhr; Elite-Sänger �Wia Inner erstklassiges Programn! II. a. f..Ein cerissener Sdiwiegcrsohn"(Sdiwanfe) „Ein kleines Gesdienk"(Sdivank) Lachen u. Stimmung! VolketOmliche Preise: 50 PI. bis 2 M. Nur noch 3 Tage! /••• V 0,1• m I 8' 8''- 1 | DAS SCHUa£ß.rS/*OSP/£L I dreimäSerlhans Alfred Braun v. Theilmann, Jankuhn, üeslerherg, Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelsiern, Sunshlnegirls. Grosses Schauspielhaus Erik Chareü. Reicnshaiien-Vhcater Stettiner Sänger Zum Schluß: „Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel. Anr ne> Uhr. iSÖnholi« (Saal und Garten) jr. War et-Proc�arnm. l> Famillettheim— PAUL KROLL N. 65, Uirechter Strafte 21 Verkehrslokal der IC.F.154 organisierten Arbelterscfaatl fireft'Desfiliation zur uraüen o. f.u Cognac' und Blerooeue Carl Cobnrg. Bmnnenstr. 12 Billigste Einkauisquelle für Wefnc und Spirituosen (Beilage Donnerstag, 28. Juni 1928. BifftntiD SfiaJoLLLgatfe dsi l£yu>ar& Aus dem unruhigen Albanien. Eines der ältesten Völker Europas. Albanien, dieses unruhige, wildzerklüftete Bergland der Baltanha.lbinsel an der Adria mit seiner Urbevölkerung, darf wohl als eine europäische Einzigartigkeit bezeichnet werden. In vor- geschichtlicher Vergangenheit in tiefes Dunkel gehüllt, seit seinem Ein- tritt in die Geschichte immer nur in kurzen Periode» oder in Ver- bindung mit der Geschichte seiner staatenbildenden Nachbarvölker der �dbilciung 1. Antike und des MittelaNers leuchtend hervortretend, um dann wieder auf Jahrhunderte unterzutauchen, blieb es seit dem heldenmütigen Kampfe seines letzten nationalen Königs Stander- b e g und der Eroberung durch die Türken fast SOO Jahre dem europäischen Kulwrkreis entrückt. Erst Anfangs des 20. Jahrhunderts, als die jahrzehntelange Freiheitsbewegung 1913 zur Errichtung eines selbständigen alba- nischen Staates und 1922 zu dessen Wiederaufrichtung führte, als Volt und Staat Albamen die Anerkennung der Mächte und Auf- nähme in den Völkerbund sand, trat es wieder in den Lichtkreis Europas und fand Anschluh an die Kultur- und Gcisteswclt des Slbendlandcs. Seither hat unter dem diktatorischen Regime Ahmet �ddiläang 2. Z o g u s eine forcierte Weltkultur in Albanien Einzug gehalten, die in verheerender Weise die nationale Eigenart, wie sie sich in mehrtausendjähriger Tradition erhalten hat, bedroht und be- fürchten läßt, daß dieses legte lebendige Zeugnis urzeitgeschichtlichcr sozialer Gliederung, wie sie önch den alten germanischen Stämmen eigen war, verschwunden- sein wird. Deshalb lohnt es sich, dieses iitteresjante Land noch näher zu betrachten und kennen zu lernen, aoor jacfe-XIrMtur unfr Eigenart zänzli� verwW ijt, � Was an diesem Land so ungemein anziehend und fesselnd auf den Mitteleuropäcr, ja Europer überhaupt, wirkt, ist seine hohe landschaftliche Schönheit, eine Synthese von Wildheit und Lieblichkeit, getaucht in eine Symphonie von Farben. Nicht minder aber die zum mindesten im Innern und im nordalbanischen Hochland bewahrte Unberührtheit, die vielen Zeugen mittelalterlicher Kultur, sowie die Schönheit, Romantik, Tapferkeit und vornehme Eigenart des albanischen Volkes. Hoch von Wuchs, straff und hager mit feurigem Blick und freier Haltung, voll Würde und Stolz, un- beugsam im Recht, tapfer in der Verteidigung, so lebt, in das pito- reske weiße Kostüm mit schwarzen Borten gehüllt, und mit der Büchse geboren und verwachsen, der freie Albaner in biblischer Stammesgemeinschast hoch oben in seinen Bergen, unberührt und unbekümmert um die Außenwelt. Ihn kümmert kein staatliches Gesetz und Gericht, einzig das vererbte Gewohnheitsrecht und die Blut- räche als Justiz bestimmen sein Handeln, seine Sitte und Moral. Unerbittlich und unbestechlich ist diese Jahrtausende alte Rechts- institution. Unter ihrem besonderen Schutz, darin selbst der Mannes- und Hausehre vorangehend, steht der Gast, dessen Leben und Sicher- heit bei keinem anderen Volke der Welt sich seit altersher eines solchen Respekts, einer solchen Bürgschaft durch die Sippe des Gast- freundes erfreut, wie bei den Albanern. Viehzucht, Ackerbau, Revolution und Krieg find die standes- gemäße Beschäftigung des freien Albaners, der auch im Viehraub, weil Mut und Geschicklichkeit erfordernd, e.n ehrsames Gewerbe erblickt.(Siehe Abbildung 1�- Stammesfehden unter sich, meist durch Viehraub oder Streitsälle um den Besitz von Wäldern, Weiden oder Wasserquellen hervorgerufen, Kampf gegen Unterdrücker und Auf- stände gegen das herrschende Regime sind heute wie seit altersher in Albanien an der Tagesordnung. Während das türkische Regime machtlos dagegen war, macht das Regime des heutigen Diktators von Albanien, Ahmet Zogu, mit Aufrührern und Rebellen kurzen Prozeß: sie werden im abgekürzten Verfahren öffentlich aufgehängt und mit einem weißen Totenkleid am Leib und einer Legende auf der Brust zum abschreckenden Beispiel hängen gelassen. So geschah es auch beim letzten Aufstand, November 1926.(Siehe Abbildung 2.) Widerspenstige aber werden ausgehungert, ihre Häuser verbrannt, ihre Herden weggetrieben, so wie das mit den nordalbanischen Stämmen geschieht. Musik und�Tanz gelten den Albaniern als unehrliche Beschäf- tigung, daher bleiben sie den Zigeunern, der niedrigsten Kaste, überlassen. Während die Frauen der einfachen Albaner die ganze !*ast der Arbeit zu tragen haben, sich jedoch, gleichgültig ob Katho- likin, Orthodoxe oder Mohammedanerin, des sittsamsten Lebens- wandels befleißigen, die Frauen d?r Städter und Vornehmen in Abgeschlossenheit leben, betätigen sich die Frauen und Mädchen der Zigeuner-ole Sängerinnen, Tänzerinnen. Beischläferinnen und in häuslichen Diensten bei den Albanern. Diese Zigeunerweiber sind namentlich in den mohammedanischen Städten, wo sie mehr oder weniger durch das Blut der Beys„veredelt", von großer Schönheit, lichtem Teint und prächtigem Wuchs, der durch die pompöse Tracht noch gehoben wird.(Vgl. das Bild.) Die Fruchtbarkeit des albanischen Volkes ist außerordentlich groß, doch wird der Bevölkerungszuwachs durch Kindersterblichkeit Abbildung 3. und eine Ausmerzung der Lebensstarken sehr reduziert. Wenig mehr als 800 000 Albaner leben heute innerhalb der staatlichen Grenzen. mehr wie das Doppelte außerhalb davon. Die faschistische Expansion und Invasion der Italiener bedroht aber heute nicht nur den Bestand des albanischen Staates, sondern auch des Volkes, das, wenn nicht das Aelteste, so doch eines der ältesten Europas, zum großtell dem germanischen Knlturkveis zuneigt, und es ist nur zu wünschen, daß es ihm gelingt, diesem völkerrechtswidrigen Unter» jochungs- und Assimilicrungsprozch erfolgreich zu widerstehen. � Eine soziale Brücke nach Polen. Sozialversicherungsgebiet vom Rhein bis zur Sowjetgrenze. Während die Handelsvertragsvcrhandlungen zwischen Polen und Deutschland noch immer zu keinem endgültigen Ergebnis ge- führt haben und zurzeit sogar leider ein vollkommener Stillstand in diesen Verhandlungen zu vermerken ist, haben ersreulicherweise Verhandlungen auf anderen Gebieten bereits den Abschluß einer ganzen Reihe von palnisch-deutschen Stoatsoerträgen ermöglicht. In den legten Tagen ist in Berlin ein für die Arbeiter und Zln- gestellten, insbesondere auch Handclsangestellten beider Staaten überaus wichtiger �Zertrag zustandegckomn«», der nicht nur sozial von besonderer Bedeutung ist, sondern auch politisch eine weitere Etappe auf dem Wege der Normalisierung der polnisch-dcutschen Beziehungen bildet. Der Vertrag regelt die Sozialversicherung für sämtliche Arbeiter und Angestellten des einen Staatsgebietes, die nach dem anderen Staatsgebiet übersiedelt sind oder übersiedeln werden, und zwar ohne Rücklicht auf die Dauer des Ausenthalts. Er bezieht sich auf folgend« Zweigehder Sozialversicherung: Die Krankenversicherung, die Unfallversicherung, die Invalidenversicherung und ihinterbliebe- nenversicherung, die Angestelltenversicherung und die besondere Ver- sicherung der Bergleute. Aus allen diesen Gebieten der Sozial- Versicherung gilt im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland nunmehr der Grundsatz, daß die Angehörigen des einen Staates und die Angehörigen des anderen Staates gleichzustellen sind, und daß die erworbenen Rechte auch im Falle einer Aebcrsiedelung eines Lerechtigken (Arbeiters, Angestellten) von einem Staatsgebiete nach dem anderen zu erhalten find. Diese vertragliche Neuregelung bringt weiten Kreisen der polnischen und deutschen erwerbstätigen Bevölkerung wesentliche Vorteile. Der bisherige vertragslose Zustand brachte es nämlich mit sich, daß ein polnischer Arbeiter, der während seiner Beschäftigung in Deutschland Beiträge zur deutschen Versicherung geleistet hatte, keine Renten erhielt, wenn er in seinen Heimats- ftaat zurückkehrt«. A�ch der deutsche Arbeiter, der während seiner Beschäftigung in Polen seine Beiträge zur polnischen Sozialoer- sicherung leistete, ging der hierdurch erworbenen Rechte oerlustig, wenn er nach Deutschland zur Arbeit zurückkehrte. Der Vertrag beseitigt die hierdurch erwachsenden Harten für den Arbeiter da- durch, daß er die Rente dem Arbeiter folgen läßt. ohne Rücksicht darauf, wo er sich aufhält. � Darüber hinaus erhält der Vertrag ein« Regelung der Fälle, in denen der Bezug von Renten noch nicht eingetreten ist. Es ist vorgesehen, daß dem Arbeiter die gesamte Arbeitszeit für seine Renten bcrechtizuag gut w,,-'.__ gebracht wird, ohne Rücksicht darauf, auf welchem Staatsgebiet der Arbeiter beschäftigt war und seine Versicherungsbeiträge gezahlt hat. Ein Arbeiter also, der, wie es bei dem regen Arbcitsmechscl zwischen Deutschland und Polen häufig vorkommt, einige Jahre in Deutsch- land, alsdann einige Jahre in Polen und zum Schluß wieder einig« Jahre in Deutschland gearbeitet hat, bekommt die gesamte Summe seiner Arbeitszeit angerechnet. Es ist damit ein vollkommen neuer Typus der W a n d e r- Versicherung geschaffen, bei dem die Slaalsgrcnze gewissermaßen verschwinde! und ein s o z i a l-e s G e s a m t g e b i e t der Versicherung entsteht, das die beiden Staaten umfaßt. Zum ersten Male ist damit ein internationaler Staatsvertrag zustandegekonunen, der die nach dieser Richtung gehenden Empfehlungen des Völkerbundes verwirklicht. Der Vertrag geht jedoch über diese Empfehlungen hinaus, indem er nicht nur die zukünftig eintretenden Fälle, sondern auch die in der Vergangenheit erworbenen Renten regelt. Für de» libe- ralen Geist, von dem das Abkommen geleitet ist, spricht die Be- stimmung, daß die Eingaben der Angehörigen des einen Staates an die Träger, Behörden und Gerichte der Sozialversicherung des anderen Staates nicht deshalb zurückgewiesen werden dürfen, weil sie nicht in der Sprache desOanderen Staates abgefaßt sind. Um die praktische Durchführung des Vertrages nach Möglichkeit zu vereinfachen, ist die Bestimmung getroffen, daß die Träger, Be- Hörden und Gerichte der Sozialversicherung beider Staaten nicht auf dem Umweg der diplomatischen Vertretung, sondern unmittelbar miteinander verkehren. Aus dem Bestreben heraus, etwaige Meinungsverschrcdenheilen und Konflikte möglichst auf gütlichem Wege zu beseitigen, ist vereinbart worden, daß alle Streitigkeiten, die sich bei der Auslegung und Anwendung des Vertrages ergeben, von den obersten Vcrwaltungs- bchörden beider Staaten in beiderseitigem Einvernehmen entschieden werden, und daß bei Unmöglichkeit einer gütlichim Regelung auf diesem Wege die Streitigkeiten auf ZZerlangen auch nur eines der beiden Staaten einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Ein Abkommen von dieser Tragweite ist bis dah'n auf sozialem Gebiet zwischen zwei Staaten noch nicht abgeschlossen worden. Die soziale Idee, von der sich beide Staaten haben leiten lassen, hat eine Brücke über die Grenzen geschlagen. So hat wohl der deutsche Bevollmächtigte, Ministerialdirektor Griescr, vollkommen recht, wen» er das polnisch-deutjche Sozialocrsichcrungsctzbkommcn als einen bahnbrechenden Staatsvertrag bezeichnet hat, der als Muster jür ohSichs Verträgq Mischen culderey ßtaateq Äenen wird, PCR GeLBC PfKAM VON V WILLIAMS-ZEICHNUNC�N VOM AD015 LEHNERT. 17. Fortsetzung. Drnuß-n in der Londstraße wor der Verkehr auf seinem Höhepunkte. Voulat wurde im Gedränge mehr al, einmal gestreift und angestoßen. Aber er merkte es nicht. Vor feinem Geist stand das schöne Gesicht Carmen Cranmores, wie er es auf dem arm- seligen Sofa im chinterzimmer Mr. Ruddicks gesehen hott«. War es das Gesicht eines schuldlosen Opfers? Oder einer Sünderin, die plötzliä) zur Rechenschaft gezogen worden war? Darauf wußte er keine Antwort. 15. Manderlon auf der Höhe. Boulot sah auf die Uhr. Ein paar Minuten nach ein Uhr. Alm noch fast zwei Stunden, ehe er sich auf der Station«infinden sollte. Genügend Zeit zu einem gemütlichen Mittagessen. Er entschloß sich schnell und trat in ein kleines französisches Restaurant «in. wo er, der warmen Degrüßung durch die dick« Wirtin noch. wohl bekannt war. Rur der neue Kellner schien weniger erfreut, ihn zu sehen. Als Madame ihn beorderte, dem Gast Hut und Stock abzunehmen, blieb er wie erstarrt nor ihm stehen und blickte ihn mit halb erschrockenen, halb trotzigen Augen an. „Wir kennen uns doch," sagte Boulot unbefangen, und als der andere sich nicht rührte, griff er nach seiner Hand und rief:„Eine Ehre für mich, einem Verdunkämpfer die Hand zu schütteln!" „Was, Sic Esel!" siel die Wirtin«in,„Sie waren bei Verdun und haben uns nie etwas davon gesagt!" Goston, der Kellner, blickte mißtrauisch vom einen zur anderen. „Hab nichts getan als meine Pflicht..." brummte er. „Eine Ehre für mich!" wiederholte Boulot und flüsterte schnell zu:„Dummkopf, ich erinnere mich an nichts mehr. Die Ver- gangenheit ist vergessen— ausgewetzt vor Verdun!" Langsam breitete sich ein oerstehendss Lächeln über das ver- wittert« Gesicht Goston», während er ebenso leise zurückgab:„Sie wissen noch immer alles, genau so wie früher, Patron! Aber nicht wahr, Sie sagen denen hier nicht». Ich Hab reinen Tisch mit dem— anderen gemacht. Und das neue Leben freut mich.— Gleich sollen Sie bedient werden..." Er sprang die Treppe hinab, die zur Küche führte, um unten dem Wirt zu verkünden, welch hochgeschätzter Gast bei ihnen ein- gekehrt wäre. Was Monsieur Poteou zu solchen Anstrengungen seiner nicht gewöhnlichen Kochkunst begeisterte, daß drei Uhr schon vorüber war, als Boulot endlich, gesättigt und in bester Laune das Spsisehaus verließ. Der Schwur seines Kollegen, Quayre und Miß Dri-col zum Sprechen zu bringen, fiel ihm wieder«in, während er Manderton, Privatzimmer betrat, das in seiner Kleinheit gestopft voll mit Menschen zu lein schien. Roch der Atmosphäre der Spannung zu schließen, die Boulot beim ersten Schritt ins Zimmer gleichsam fühlte, war Manderton im Begriff, seinen Schwur wahr zu machen. Er stand kerzengerade, die Hände auf dem Rücken, mit düsterem, furchteinflößendem Eesichtsousdruck hinter seinem Pult. Zitternd und bleich bis an die Lippen war Dolore? Drisrol eben von ihrem Stuhl aufgesprungen, wie um zu widersprechen, aber Georg Cranmore legte«ine Hand beschwichtigend auf ihren Arm. Ihne» gegenüber saß Jim Cranmore totenblaß mit eingesunkenen Augen und stieß zornig hervor, als Boulot erschien:„Durch solch« Einschüchterungen werden Sic bei dem Mädchen nichts erreichen, Inspektor! Sie haben sie so gut wie bezichtigt, Sie angelogen zu haben..." „Ich muß Sie dringend bitten, sich nicht einzumischen, Mr. Cranmore." fuhr ihn Manderton an.„Es handelt sich jetzt nur um Miß Drisrol. Ich nehme jede Rücksicht aus Sie, ober wenn Sie mich noch einmal unterbrechen, müßt« ich Sie bitten, sich zu entfernen!" Er wandte sich wieder zu Dolores.„Sie bleiben also bei Ihrer lächerlichen Behauptung, daß Sie zu Fuß— zu Fuß bei dieser Hitze!— vom Sloane Crescent bis zur Hammer- smithbrücke gingen, nach meiner Schätzung etwa acht Kilometer?!" „E, ist so!" Die Lippen des jungen Mädchens zitterten. Ihr« Stimme war voll Trotz, ober Boulot bemerkt«, daß sie ihm einen schnellen Blick zuwarf, der um Hilfe zu flehen schien. „Wollen Sie mir dann gefälligst erklären," sagte Manderton und brachte seine rechte Hand zum Vorschein,„wie dieser Omnibus- fahrschein von Nr. 33, abgestempelt zwischen halb vier Uhr und vier Uhr fünfzehn, in Ihr Handtäschchen gekommen ist?" In seiner rechten Hand hielt er ein kleines blaues Papier- stückchen. „Ich weiß nicht...," stammelt« Miß Driscol schweratmend. „Oder," fuhr Mandertons erbarmungslose Stimme fort, während er mit der Linken ein ähnliches rotes Pappstückchen hervorholte,„wie Sie zu diesem Fahrschein kamen, der für eine Fahrt gestern nachmittag zwischen sechs und sieben Uhr abends gilt? Wollen Sie vielleicht leugnen, daß die Billette in Ihrem Handtäschchen waren, von wo ich sie selbst herausgenommen hob«, als Sie s heut morgen zu Haus« fallen ließen? Heran» mit der Wahrheit! Sie sind gestern etwa um vier Uhr an der Borton- straßo aus dem Omnibus gestiegen!" Der Kops des Mädchens sank herab. Sie führte ihr Taschen- iuch an die Augen. „Sie bringen... mich so in Verwirrung!" schluchzte sie. „Unsinn! S!« hoben mir einen Haufen Lügen vorgesetzt und wenn ich beweis«, daß es Lügen sind, sangen Sie zu schauspielern an und behaupten, Sie hätten alles vergessen. Soll ich den Omnibus- führer rufen, der Sie an der Bortonftroße gestern abgesetzt hat? Er steht draußen. Ich sag's Ihnen auf den Kopf zu: Sie waren gestern Im Atelier von vier bis sechs Uhr, und dann erst machten Sie sich nach dem Ranelagh auf den Weg. Ist dos wahr?" „Nein— nein!" schluchzte das junge Mädchen. Manderton» Bulldoggengesicht wurde longsam blutrot. „Ich werde die Wahrheit aus Ihnen herausbring««," knirschte er,„und wenn�s die ganze Nacht dauert. Ich weiß sie, aber Sie sollen sie mir sagen. Ich bin noch nicht am Ende mit meinen Zeugen, Miß Dri-col. Vielleicht überrascht e» Sie ein wenig, zu hören, daß man Sie gesehen hat, als Sie um sechs Uhr da» Atelier verließen!" Jim Cranmor« hatte sich halb erhoben. Aber es kam nur ein Wort in einem enttäuschten, unwilligen, fast entsetzten Ton« von seinen Lippen. .Dolores!" „O Jim!" rief sie kläglich,„o Jim, ich kann's nicht erklären!" Aber Cranmore wandte sich ab. „Ein Arbeiter von dem Holzplotz hinter dem Atelier", fuhr Manderton fort,„sagt aus, daß er Quayre mit einer jungen Dome genau um sechs Uhr aus d«m Garten herauskommen sah. Er ist Katholik, und sie läuteten im K.loster gerade zum Angelus, als die beiden erschienen. Dos Spiel ist aus. Miß Driscol! Am besten wär's, Sie sagten endlich die Wahrheit. Sie waren im Atelier?" Da» junge Mädchen zuckte verzweifelt die Achseln. „Heraus damil!" drängte Manderton.„Sie gingen ins Atelier, um Ihren Liebhaber zu besuchen?" „Wirklich, Inspektor...!" fiel Cranmore ein. „... wie Sie jedenfalls schon oft getan hatten, was?" schloß Manderton, ohne die Unterbrechung zu beachten. „Es ist nicht wahr!" schrie das junge Mädchen und stampfte mit dem Fuß.„Niemals war ich vorher allein dort. Ich kam nur für«inen Augenblick, um zu sehen, wie'» mit meinem Porträt ging, und Mr. Quayre bat mich, zum T«e dazubleiben..." „Im Schlafzimmer, Miß Driscol!" Mandertons Stimme wor ruhig und leidenschaftslos. Dolores krampst« fassungslos die Hände ineinander. „Es ist empörend," rief sie.„Ihre Andeutungen sind zu.. „Ich halte mich nur an die Totsachen!" unterbrach sie der Polizist. „Wir waren im Schlafzimmer aus dem einfachen Grund, weil der Gaskocher dort ist und Mr. Quayre keine Küche hat... er pflegt sich den Tee des Morgens im Bett zu machen. Wöhrend wir im Atelier das Bild betrachteten... kochte der Kessel über und wir liefen beide in» Schlafzimmer, um ihn abzunehmen..." Si« schwieg und sah den Polizisten mit entrüsteten, tränen« feuchten Augen an. „Und dann?" fragte die unerbittliche Stimme. „Mehr werde ich Ihnen nicht sagen!" „Und dann," fiel Boulot überraschend in seinem gewöhnlichen liebenswürdigen Ton ein,„dann, während Sie beide im Schlaf- zimmer standen, hörten Sie etwas im Atelier. Fußtritte oder ein Wort? Wer weiß?„Was für«in« peinliche Lage" oder etwa» dergleichen, sagt« Mr. Quayre zu Ihnen,„wenn Sie in meinem Schlafzimmer entdeckt werden! Sie müssen fort, und da Sie durch die Tür nicht hinaustonnten, müssen Sie au; dem Fenster steigen." Und pum! springt er hinaus und hilft dann Ihnen. Ja, junge Dam«. Sie sehen, wir wissen die Wahrheit..." Dolores Driscol starrt« ihn mit entsetzten Augen und halb- geöffnetem Mund an. Manderton drückte auf den Knopf der Klingel. ..... die ganz« Wahrheit." fuhr Boulot fort.„Monsieur Quayre führt si« durch den Garten und in die klein« Gasse hinaus. Dort bleiben Si« stehen und sprechen noch ein wenig mit ihm. Dann«rinnern Sie sich an Ihr« Verabredung und gehen zum Polo... und er geht zurück."(Fortsetzung folgt.) WAS DER Die Eisscholle wechselt den Kommandeur. Daß man's weiß: Auf der Eisscholl«, die Nobile bislang be- herbergle, und von der er als erster durch den Flieger Lundborg abgeholt wurde, ist soweit alles in tadelloser Ordnung. Natürlich bleibt immer noch möglich, daß die vorläufig Zurückgelassenen von Sturm und Schnee vernichtet oder von Eisbären zermalmt werden. Aber das sind Sorgen zweiten Grades. Vor allem einmal hat Nobile, wie er berichtet«, vor seinem Abflug das Kommando an Leutnant Viglieri abgegeben, und somit tonn— da» Aergste, was zu befürchten stand!— keinerlei Zuchtlosigkeit auf der einsamen Scholle einreißen. Ja, da. Kommando! Kommando ist gut. Kam- mando muß sein! Ohne Kommando fällt in Italien kein Haar von einer Glatze. Kommando selbst noch in der Nähe des Nordpols! Der Leutnant Viglieri wird schön stolz sein auf sein« Komman- dantenwürde. Während de» Krieges wurde auf deutscher Seit« nicht selten einige hundert Meter hinter den Schützengräben exerziert. Das wor ein Rekord des Disziplingedankens. Viglieri hat jetzt die groß« Chance seines Lebens in der Hand. Er kann diesen Rekord schlagen. Ein bißchen Bim?, ein bißchen Drill gegenüber den seinem Kommando Unterstellten, und er hat's geschafft. Jedenfalls erhellt aus dem Vorgang, daß es doch von Nutzen ist. auch für eine nicht ahne weitere» kriegerisch«, sondern mehr wissenslhastliche Expedition. Militärs zu verwenden; dt»« wem hätte wohl, Gott behüte. Nobile mit gutem Gewissen auf der Eisscholle bei Kaiser-Franz-Josefs-Land das Kommando übergeben können, wenn kein Leutnant in seiner Begleitung gewesen wäre! � Hans Bauer. Outer Rat. Ein alter Seekapitän hatte sich in irgendeiner Hintergass« der großen Stadt die Haare schneiden und rasieren lassen. Dafür ver- langte der Friseur zwei Mark.. Der alte Herr streichelt« sich das Kinn und meint« im Anblick der vielen Fliegen, die im Raum und an den Fenstern umher- summten, ob der Inhaber nichts gegen diese Plage unternehme? „Doch, mein Herr," lautete die Antwort,„ich habe alle«, auch die teuersten Mittel versucht, aber e» hat nichts geholfen!" „Ach, Unsinn," meinte der alte Kapitän,„das- Mittel dafür kostet Sie man bloß ein paar Mark!" „Erzählen Sie doch bitte," sprach eifrig der Verschönerungsmann. „Sehr einfach! Sie brauchen sich nur«in« alle Trittleiter zu kaufen. Da klettern Sie hinauf und sangen immer eine Fliege noch der anderen. Jedem der Tierchen werden die Haare geschnitten. der Bort rasiert und schließlich zwei Mark abverlangt. Si« sollen sehen, dann kommen die Biester bestimmt nicht wieder." � Eine„Schweinerei". Merkwürdige Dinge scheinen in Weißwasser(Lausitz) vor» zugehen. Die„Neuesten Nachrichten" für den dortigen Bezirk brachten die solgende Notiz: „Schweine-Unfolltasse. Die Mitglieder werden ersucht, zweck» Impfung sich sosort beim Vorstand zu melden." Di« Schweine-Unfallkasse ist sicherlich ein Novum. Aber werden die viersüßigen Mitglieder nun auch dem Ruf zur Impsung frei- willig Folge leisten? Die Bedingungren der Studenten. Vor den Wahlen in Frankreich sah man Trupp» lustiger Stu- deuten mit Tafeln folgender Aufschrift:„Nur der Kandidat erhält unsere Stimme, der folgende Entwürfe restlos erfüllt: Der höchste Glaube der Renschen sei der, daß sie glauben, man könne au» vier AG BRINGT. iHmnmwiiimimimMmmimnimmiiiiiiiimmiiimiminniiimiimnniuiminimnniiii Pfund Fleisch eine gute Suppe bekommen. Sollte ein Krieg nicht zu verhindern sein, dann nur in Form der alten Ritterspiele, daß sich das Volk auf den Äßlerien trifst und durch Hoch- und Niederruie die kriegsdürstigen Herrscher der Nationen zum Endspurt anspornt. Das amerikanische Frouenideal als Badegirl ist uns dermaßen ver- traut, daß wir erwart«», daß sie sich an- oder auszieht. Zum Schluß: Dir möchten die zuständigen Stellen des Unterrichtsministeriums aufmerksam machen, daß die Friseur-Innung angehalten werden muß, einen Kursus im Observatorium zu nehmen, damit si- auch richtige Auskunft über das Wetter geben kann." Brandstiftung mit neun Menschenopfern. Eine Brandstiftung au» Roche, die neun Tote und sieben Schwerverletzt« kostete, steht in der Kriminalgeschichte doch so ziemlich einzig da. Ort dieses grauenhaften Schauspiels war' Moskau, Brandstifter ein entlassener Hausverwalter. Am 30. Dezember vorigen Jahres sah man ihn schnell au» seiner Wohnung eilen. Gleich darauf schlugen die Flammen aus dem ersten Stockwerk des Hauses. Die Mieter des zweiten Stockwerkes hatten völlig den Kopf verloren. Anstatt aus den Fenstern des Holzhauses, die nicht allzu hoch über dem Erdboden lagen, zu springen, liefen sie hilfesuchend hin und her. Als di« Feuerwehr eine halbe Stund« später eintraf, stand bereits da» Dach in Flam- men. Aus den rauchenden Trümmern des Hauses zog man neun angekohlte Leichen. Sieben Schwerverletzte wurden ins Kranken- haus gebracht. Der Verwalter kam vor Gericht. Er leugnete bis zuletzt feine Schuld: eine Anzahl von Indizien sprachen ober gegen ihn. So hatte er gedroht:„Gut, ich«verde gehen, aber es wird so manchem teuer zu stehen kommen." Da» Gericht oerurteilte ihn zu 10 Iahren Gefängnis. . Wer weiß das? Der au» dem Hebräischen stammende Ausdruck„Schmus" wurde früher im Frankenland« sogar in der amtlichen Schriftsprache an- gewandt. So klagt nach dem Mergentheimer Stodtgerichtsarchio im Jahr« 1791«in Handelsmann gegen den Hirschwirt auf Zahlung von. Schmusgeld" d. h. von Provision. Einen Vermittler nennt man heute noch im Fränkischen Schmueser. * Da» Durchschnittsalter eines Hundes ist 10—12 Jahre, einer Katze 9—10 Jahre,»ine» Hasen etwa 7 Jahre und eine» Fuchses 14-�16 Jahre. * Ein erwachsener � Elefant kann eine Last von drei Tonnen auf seinem Rücken tragen. * Die erste Eisenbahn in Deutschland wurde Im Jahr« 1535 auf der Strecke Nürnberg— Fürth dem Verkehr übergeben. Der deutsche Bergbau benutzte ober schon im 10. Jahrhundert sowohl Holz als auch Steingleise. Letztere kamen sogar schon bei den allen Griechen zur Anwendung. * In Epping, einem kleinen englischen Städtchen, sind 114 Kricket- platze, 242 Fußballplätze und 139 Tennisplätze. * Rußland» Vorrai allein an Eisenerzen wird auf 2 Millionen Tonnen geschätzt. Die Rütt~ Arena als Boxring! Sie Ruhepause fijr die Barer ist vorbei, denn bereits in der riöchsten Woche wird ein neuer ständiger Boxring in Berlin seine Pforten öffnen. Noch dem Muster des„Neue-Welt-Ringes", der den Boxern im Winter Beschäftigung gab, werden vom 6. Juli ab regelmäßig Freitags Kompsabende für Berufsboxer durchgeführt, für die wieder das Internationale Sportbureau in Gemeinschaft mit der R ü t t- A r e n a verantwortlich zeichnet. Diese Freiluftkompsstätte soll den jungen ausstrebenden Talen- ten Gelegenheit geben, sich dem großen Publikum zu zeigen, woran e« bei den bisherigen nur zu wenigen Veranstaltungen stets gefehlt Hot. Billige Preise und guter Sport sollen die Parole des neuen Unternehmens sein— s o denken wir und das ist wenigstens rin Grundsatz, noch dem man großes Boxen populär machen könnte. Haymanns nächste Kämpfe. Die Perhandlungen mit P a o l i n o und Phil Scott find als gescheitert zu betrachten, dagegen hat der deutsche Schwerge- wichtsmeister für den Monat Juli drei andere Kämpfe abgeschlossen. Der Münchcner wird am 11. in Prag mit dem Amerikaner Seal Morris kämpfen, dann am 22. auf der Kölner Radrennbahn mit dem Neger Jack Taylor und am 28. Juli auf der Rodrenn« bahn in Leipzig mit dem Engländer Eroxley. Nächste Amatcur-Boxabende. großzügige Propaganda für den Arbeiterboxsport Boxtlub Berolina Freitag, 29. Juni, statt» An diesem Tage Kreises aus- Als eine kann der vom Boxtlub Berolina findende Boxkampftag angesehen werden. wird die Vorrunde für die Einzelmeistcrschaften des 4. getragen. Im ganzen werden acht Kämpfe ausgetragen, die harten und erbitterten Sport und hohe Technik vereinen werden. Unter den Kämpfern befinden sich Leute aus Luckenwald«, Nord-Ost und Lurich. Eingeleitet wird der Zlbend durch einen Schülerkampf. Die Kämpfe beginnen pünktlich 29,15 Uhr in der Turnhalle Thomas- straße, Neukölln. * Zugendtompfkag des BC. Heros, Berlin. Freitag, 29. Juni, 29 Uhr, veranstaltet der Boxsport-Elub Heros in seiner Sport- Halle, S ch a r n h o r st st r. 7, einen Iugendmannschaftskampf mit den Schöneberger Borfreunden. Arheiter~kuhhaII. Länderspiel Deutschland— Oesterreich. Es ist bekannt, daß innerhalb der internationalen sozialistischen Arbeitersportbewegung die deutschen und ö st e r r e i ch i s ch e n Fußballspieler die stärksten Mannschaften stellen. Der Reiz der Feststellung, wer über besseres Spielcrmaterial verfügt, Hot beide Organifatiansleitungen veranlaßt, ihre zurzeit tüchtigsten Spieler zu dem Spiel am 1. Juli in Nürnberg zu berücksichtigen. Der österreichische Verband hat Ersohrungen aus dem Länder- spiel gegen Belgien und aus seinen Ausroahlspielen gesammelt und diese bei der Aufstellung seiner Mannschaft berücksichtigt. Dem deutschen Bund war es wegen Terminschwierigkeiten und wegen außerordentlich vieler Inanspruchnahme seiner Länderspieler nicht möglich, Auswohl- und Uebungsspiele zu veranstalten. Länderspiele gegen Frankreich unif Belgien ließen auch keine einwandfreie Beur- teilung der spielerischen Leistungen der Mitwirkenden zu, da die Zlus- landsmannschaften im Hinblick auf die österreichische Elf keine eben- hurtigen Gegner abgaben. Selbstverständlich sind die Spieler, die gegen Belgien ein ganz überragendes Spiel zeigten, berücksichtigt worden. Die deutsche Mannschaft steht: Belm« ftroufe Schmidt Aschenbrenner ch rüdner (Burgk. Mzd.)>D. f. Zt. Leipzig»(München)(Leipzig) (5(Irlich Linkner Müellich lOcizsch-Leipjig)(Dr-tden)(Dresden) Biese Dorn (Dresden)(Nürnberg) Schall (Bkckingen) C» ist anzunehmen, daß beide Mannschaften mit größter Energie und Hingabe an das Spiel herangehen. Erwartet wird, trotz der Wichtigkeit des Spiels, daß beide Mannschaften in Wahrung der Würde des Arbeitersports ein einwandfreies und genössisches Spiel vorführen. Der Bundesfußbolleiter Riedel- Leipzig wird als Per- treter des deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes anwesend sein. Sportsonniag in Pankow. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein Pankow veranstaltet am Sonntag sein diesjähriges, bezirtsoflenes Sportfest auf dem Acreinssportplatz in Pankow-Heinersdorf. Da zahlreiche Meldungen auswärtiger Vereine eingegangen sind, ist guter Sport zu erwarten. Dormitogs finden die Vorkäinpfe der Leichtathleten statt, lim 13 Uhr beginnt der Festzug(Abmarsch Kaiser-Friedrich-Stroße): darauf folgen Masfenfreiübungen der Kinder und die Entscheidungs» kämpfe der Leichtathleten. Um 16 Uhr steigt das Handbollspiel ATV. Pankow I—-Stettin-Warsow I: die Stettiner stellen eine. starke Mannschaft. Auch in dem darauffolgenden Fußballkampf ATD.-Pankow I— Amateure I ist guter Sport zu erwarten. Pendel- stofetten und Pyramiden, die von den Kindern dargebracht werden, bilden den Abschluß. Internationale Berliner Rcnnwochc. Für sämtliche Teilnehmer an der Großen Berliner Rennwoche vom 8. bis 15. Juli hat der Unionklub in Hoppe- garten Quartier besorgt. Die Pferde werden im Uniongestüt untergebracht, für das Begleitpersonal sind in den Räumen der Auktionshalle 39 Betten aufgestellt worden. Zum St. S i m o n r e n n e n, der hauptprüfunz der Renn- woche am 15. Juli, kommen aus Paris Möns. Baugotz' Vers le Soir und Ete. de lo Cimeras Castel Sardo. Vors le Soir wird von Princesse Macä begleitet, die ein Engagement h der Internationalen Meile gefunden Hot. Außer Eastel Sardo entsendet der Stall des Trainers h. Count noch Pachalik für das Internationale Fliegerrennen sowie Salvandy. Pedant und den Zweijährigen Lazaro für die kleineren Rennen. Ein Teil dieser Pferde soll be- reits nächste Woche in hoppegorten eintreffen. Im Internationalen Fliegerrennen in hoppegartcn am 11. Juli ist Göinär, das schnellste Pferd Ungarns, stehen geblieben. Der fünf» jährige Pazman-Sohn hat die» Jahr seine sämtlichen Rennen in großem Stile gewonnen. Der Stall horvath will den großen Flieger bestimmt gegen Contessa Maddalena starten. Vorschau auf Grunewald. Nachdem die Tag: der Derby-Woche verflogen find, nehmen auch die großen Berliner Bohnen den Betrieb wieder auf. Den Anfang macht heute, Donnerstag, Grunewald, wo ein söge- rumntes gemischte» Programm der Abwicklung harrt. Im Mittel- punkt der Geschehnisse steht ein 3299 Meter führendes Jagdrennen der? r ü s u n g s p r e i s. dessen Verlauf mit so guten Pjerden wie Prospers(Moritz). Lotte(X). Felsenfest(Wolfs), Rivalin(Ku- kulies). Das Lied(K. Thiel), Taunus(Bismarck), Marchesa(Frauzle) und Erlkönig ll(X) am Start sehr iMeressant zu werden verspricht. Voraussagen: 1. Pavsifal— Frnnzia: 2. Logorith- mus— Lucrezia: 3. Helios— Mansbach: 4. Stall Schumann— Stauffenberg: 8. Prospers— Felsenfest: 6. Rubico— Wink: 7. Mar- kokf— Sanssouci._ Arbeiter.Boösahrer.Bund.Solidarität",_ Ortsgruppe Berlin. 2- Abt. Sonnabend, 39. Juni, 17H Uhr und Sonntag. 1. Juli, früh 8 Uhr: Großer Döllnsee. Start, Diesfenbachstr. 36 bei Rohde. Gäste stet, willkommen. Sie haben ihren Willen! Sozialdemokrat Oehlschlägcr nicht wiedergewählt Gestern abend Hot die Generalversammlung des Karlellverbandes für Arbeitersport und Körperpflege den ersten Vorsitzenden und Geschäftsführer Oehlschläger nicht mehr wiedergewählt. Das ist an sich nichts überraschendes, nachdem Oehlschläger Anfang d. I. aus der KPD. austrat und wieder zur Sozialdemokratie zurückkehrte, der er schon lange Jahre vor dem Kriege angehörte. Interessant sind nur die Begleitumstände. In der Diskussion über den Geschäftsbericht zogen die Kommunisten Zobel, Sellhcim und der unvermeidliche„lang- jährige Arbciterfportlcr" Friedmann noch einmal olle Register gegen den oerhaßten Oclschläger. Gegen seine Geschäftsführung hotten sie allerdings nichts einzuwenden. Sie sparten c» sich, auch nur mit einem Wort daraus einzugehen. Fricdmann warf Ochl- schläger ganz besonders ein„klägliches Abschneiden aus dein Bundes- tag in Leipzig" vor, derselbe Friedmann. der Oehlschläger in Leipzig gebeten hotte, nichts van den internen Vorgängen in der Kam- munistischen Partei und ihrer Spartsraktion auszuplaudern! Ilm noch ja am Mittwoch zum Ziel zu kommen, nahm man sogar eine Ilmstellung der Tagesordnung vor, stellte die Bedeutung Oehl- schlägers über die eines Zobel und setzte dessen Referat von der Tagesordnung ob. Mit der Motivierung, daß man einen„starken, überzeugten, revolutionären Sportler an der Spitze des Kartell- Verbandes sehen will", wurde dann Oehlschläger abgesägt und Zobel, dessen arbeitersportschädigcnde Wühlereien vom Bundes- vorstand in der allernächsten Zeit geprüft werden, an seine Stelle gesetzt.»Als hauptamtlichen Geschäitsfllhrer scheint man ihn oller- dingz von der kommunistischen Parteizentrole nicht freibekommen zu haben: inon faßte vielmehr den Beschluß, die Acmter des Lor- sitzenden und des Geschäftsführers nicht mehr in einer Person zu vereinigen. Konsequent, pje jnan bei den Kommunisten ist. lehnte man eine beantragte Urabstimmung mit dem Bemerken ab, daß die Kartellgeneraloersammlung die Vertretung der Mitgliedschaft sei. In Leipzig Hot man allerdings vor wenigen Tagen den gegenteiligen Standpunkt eingenommen. Im übrigen werden sich die Arbeiter- sportler Berlins freuen, daß sie jetzt den„langjährig bewährten" Fricdmann zum Kartelltechnikcr bekommen haben. Wenn nun der Arbeitersport in Berlin nicht vorwärtskommt, sind natürlich die Sozialdemokraten daran schuld. Büchcrsdiau» Blcin lonmsbuch. Der sich im„Weißen Sport" auskennen will, der schaffe sich dieses ungewöhnlich schöne Buch an. Auch jeder Fort- geschrittene kaufe es sich, es wird ihm Rückhalt und Winke zur Weiter- vlldung die Fülle geben. Ja, selbst der gerissene Turnierspieler kann noch zwischen ehernen Prinzipien und Binsenwahrheiten neue An- regungen in reichem Maße daraus schöpfen. In fesselnder Sprache und klar ist alles dargelegt von der Behandlung des Balles uiii> des Racket? bis zu den feinsten Spieltips, die den Ausschlag geben. F. E. U h l, der Meisterfpieler, war der Berufene, dies Buch zu schreiben. Was noch besonders hervorzuheben ist, weil es in anderen Büchern bisher vermißt wurde, ist eine Darstellung der Zlnlage, der Behandlung uird der Instandhaltung von Tennisplätzen mit' beige- aebenem Bildermaterial, eigens für dies Buch von Ingenieur S ch ö n e i ch verfaßt. Verlag Dieck u. Co.. Stuttgart. Preis ge- heftet 3.75 M. Mehr als jeder andere Sport bringen Paddelsport und Fluß- ivandcrn ihre Jünger der Natur näher, das Boot macht sie frei von den Verkehrsmitteln, das Zelt vom Gasthaus. Da wird die Lust am Abenteuer geweckt und das Ganze bekommt einen Zug ins Romantische. Ein starker Werber für die Paddler ist das nunmehr schon in elfter, ncubearbeiteter Auflage vorliegende, soeben im Verlag Dieck u. Co., Stuttgart, erschienene Buch Paddelsport und Flußwandern, Wandererfreiluftleben am Wasser mit be- sonderer Berücksichtigung des Wildfluhwanderns, das von Carl I. L u t h e r geschrieben ist. Eine Menge prächtiger Demonstrations- und Stimmungsbilder ergänzen wirkungsvoll'das mit drolligem chumor geschriebene Werk. Schriftsteller und Künstler haben es hier famos verstanden, neue, schönere Wanderwoge ans dem fließenden Wasser, dem reißenden Wildsluß zu schildern. Der geringe Preis des Buches(3 M.) crinöglicht wohl jedem die Anschaffung. Vereinskalender. ««Z.«imtnoftttaleiik Turnliall« Mablower Strafte sinket nicht statt,»eil kl« Lalle anderweitig belegt ist. Heimabend Montag stillt au» Dienstag 18 Uhr Training, Brift, Treieturger User. Im nächsten Monat finden für Eislaul- intercfsenten»urse fllr Schiedsrichter und Eishockenfpleler statt. Wanker-Paddle»„Laael" e. B. Nootskaus: Heiligensee, Dorsstr. 29. Sitzung greitag, 20. Juni, 20 Uhr. Draun-, Ecke Demminer' »rbelter.R-dfaheer.Nunk..Solidarität-. traft«. Säfte willkommen. Ausfahrten Tonntag, 2. Zult. W�WWWWA>WWW>WMWW>WWV»»WWW>WWW«tz«» 9nH lcc, ö und 7 Uhr Bahnhof Baumschnlenweg. Ortsgr. Steglitz! Sroßk» Fenster, Ilhr Birlbuschftr. 90. Ortsgr. Brift: Dubro», 6 Uhr. Qrtsgr. Neukölln: Gallinchen, t Uhr Bahnhof Hcrmannstrafte. 21 Bezirk, Ortsgr. Lichtenberg: 89. Juni Nochtioiir Buckow, 17 Uhr Jung-, Ecke Odcrstraße. Ortsgr. Heiner». dort: 80. Juni Miihlendcck. 1»ZH Uhr: 1. Juli Mithlenbeck, 9 Uhr Heinershorser ktirche. Orrenr. Nicherschiwhausen: Lehniftsce. 7 Uhr ssriehensplaft. Ortsgr. Borsigwalhe: Mllhlenbeck, 7 Uhr Schubart.. Ecke Ernststrafte. Ortsgr. Pankow: Seddinse«, 9 Uhr Marktvlaft. Ortsgr. Stralau-�lummelsburg: 80. Juni, 1« Uhr und 1. Juli, s Uhr. Müggelsee. TS. Be,irk, Ortsgr SvanNtu: lserch, t Uhr Luthervlaft. Motorsahrcr Neukölln: Treucndrieften— Bclzig, 7 Uhr Herrfurth. strafte 27. Touristen»» rein.Die Naturfreund«', Zeutral Sie«. Freitag, 2». Juni. Heiterer Abend, jcftt Flughafenstr. 88. Anmeldungen zur Autofahrt»ur Sonnenwende sind noch bri Nothe, Neukölln, Stcinmctzstr, 88, zu machen. Arbeiter-Nadfahrer-Berein Sraft-Berlin. Sonntag, 1. Juli. 8 Uhr, Stellt. surt.Neu. Zittau. 18 Uhr Mahlsdorf�itb. Heitekrua, Ziestourairt Träger. Staitz ZSaldemarstrafte, Ecke Marianncnplatz. Säfte willkommen. 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