Morgenausgabe Nr. 303 A 155 4S.Iahrgang VüchenrUch«5 Pfg� monatlich 5,60 SR. «n voraus zahlbar. Postbezug<32 M. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne» � ment 6,— M. pro Monat. Ver„Vonvärts* erscheint wochentSg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und'.m 5)andel mü dem Titei �Ter Abend-, Illustrierte Beilagen„Volk and Zeit- und„Kinderfreund-. Ferner „Unterhaltung und Wissen-.„Frauen» stimme-„Technik",„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Borwärts" Verlwer Vottsvlatt Krettag 29. Juni 1928 Groß-Äerlin 10 pf. Auswckris 15 pf, Dt«« I»,»» 1 1> ge 3!oiip«rtlII«s«fl« 80 Psemilg. B.— R-Ich»» mart.Jtletu anjtincn" da» tettge- orucftf Won 25 Pfennig(zuläfstg zwei 'ertgedniitte WoNef, edes weitere Won Ii Pfennig. Slellengeiuch« da» erste Won 15 Wennig, I«de» weitere Won 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, vrbeil-martl Zell« 50 Pfennig, gamtlienanzeige» für vdonnenten Zeil« 40 Pfennig, ilnzeigen» annahm» im Haupigeschäsl Linden» OraheZ.»ochentägl. oon 8>/z bis 17 Uhr. Jentealsvgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernfprecher Dönhoff 292—897 Lelegramm-Adr � Eozialdemokra» Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postfcheckkontoi Berlin 37bSS.— BanNoMo: Bank der klrdetter,«ngestelliea und Beamten Wallftr. kö. Ditkonto-Gefellschafl, Deposiientosfe Lindenstr. S Das neue Kabinett ernannt. Wissels Arbeiisminister.- Koch Zustizminisier. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat den Reichskanzler a. D., Reichsminister a. D. und Abgeordnete« Hermann Müller» Franken zum Reichskanzler ernannt. Aus Vorschlag des neuernannten Reichskanzlers hat der Herr Reichspräsident die bisherigen Reichsminister Dr. Stresemann(Auswärtiges), Dr. Curtius(Wirtschaft), Groener(Reichswehr), Schähel(Reichspost) in ihren Aeintern bestätigt und ferner den preußischen Staatsminister a. D. Severins zum Reichsminister des Innern, den Reichsminister a. D. Abg. Dr. Hilferding zum Reichsfinanzminister, den Reichsminister a. D. W i s s e l l zum Reichs- arbeitsminister, den badischen Minister a. D. Dietrich-Baden zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, den Reichsminister a. D. Koch- Weser zum Reichs- fustizminister und den Geheimen und Lberregieruugsrat Abgeordneten v. Guerard zum Rcichsverkehrsminister ernannt. Reichsminister v. Äuerard ist gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete beauftragt worden. Die neuen Minister. Mit Ausnahme der Abgeordneten Severing, o. Guerard und Dietrich haben alle Minister des Kabinetts Müller Reichs- tabinetten angehört. Der Zentrumsabgeordnete v o n G u 6 r a r d, der die Ministerien für den Verkehr und die besetzten Gebiete übernommen hat, wurde 1863 in Koblenz geboren. Nachdem er die Rechtswissenschaften studiert hatte, war er von 1898 bis 1995 Landrat des Kreises Monschau und ist seitdem als'Geheimer und Oberregierungsrat im Oberpräsidium zu Koblenz tätig. Der Ernährungsminister Hermann Robert Dietrich (Dem.), geboren in Oberprechtal(Baden) 1879, war von 1995 bis 1998 Sta�trechtsrat in Karlsruhe, darauf Bürgermeister in Kehl und ist seit 1914 Oberbürgermeister von Konstanz. Im November 1918 wurde er Mitglied der vorläuftgen badischen Volksregierung und war von 1919 bis 1929 badischer Minister für Auswärtige An- gelegenheiten. »» * Der deutschnationalen Presse, die sich über die Dauer der Verhandlungen und über ihren Reichtum an Zwischenfällen amüsiert, bleibe ihr Vergnügen unbenommen. Wir haben dasselbe Vergnügen in noch reicherem Maße früher genossen, wenn es galt, Regierungen mit den Deutschnationalen zu bilden. Damit ist gesagt, daß der Verlauf der letzten Ver- Handlungen der durchaus normale und landesübliche war, es ist nicht damit gesagt, daß er vorbildlich war und zur Nachahmung reizt. Auch daß die neue Reichsregierung als provi- sorisches oder Uebergangskabinett gekennzeichnet wird, ist nichts Neues. Der Charakter eines Provisoriums haftet ihr in d e r Beziehung an, daß das Zentrum einstweilen in ihr zu schwach vertreten ist. Da aber jetzt ein Zentrumsminister, Herr v. Gu6rard, vorläufig zwei Aemter innehat, von denen später eines schmerzlos abgetrennt und einem seiner Frak- tionskollegen übertragen werden kann, wird eine spätere Um- wandlung des provisorischen Kabinetts zu einem definitiven keine besonderen Schwierigkeiten machen. Von den elf Mitgliedern der neuen Regierung ist keiner ein unbeschriebenes Blatt. Man kann diesmal mit mehr Recht als jemals von einem Kabinett der Persönlichkeiten oder der Köpfe sprechen. Von den elf Ministern haben vier schon der früheren Re- gierung angehört: Stresemann, Curtius, Groe- n e r und Schätzet. Stresemann befindet sich auf längerem Erholungsurlaub, seine Geschäfte werden inzwischen vom Reichskanzler geleitet werden. Von den sieben neuen Ministern sind vier Sozialdemo- traten, zwei Demokraten, einer-ein Zentrumsmann. Sie sind alle der Oeffentlichkeit genug bekannt und brauchen ihr nicht erst vorgestellt zu werden. Vier von ihnen. Müller, Hilferding, Wissel und Koch waren schon früher Reichsminister. zwei, Severing und Dietrich, haben in Preußen und Baden das Geschäft des Regierens gelernt, der siebente, der heute zum erstenmal ein Ministerportefeuille, oder richtiger gleich zwei, unter dem Arm hält, Herr von Guörard, hat als Fraktionsvorsitzender des Zentrums in vielen Parlamentsschlachten strategisches und taktisches Ge- schick gezeigt. Der Mann, der an der Spitze steht, unser Genosse Hermann Müller, ist durch das Vertrauen unserer Fraktion und unserer Partei dorthin gestellt worden- Wenn die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nach der Einigung oon Nürnberg rasch zu einer vollkommenen tattischen Ein- heit wurde und eine Disziplin entwickelte, um die sie an- dere Fraktionen mit Recht beneiden, so ist das zu einem nicht geringen Teil Hermann Müllers Verdienst. Die Rastlosig- keit, mit der er alle Fragen der Politik, meist bis in die klein- sten Einzelheiten hinein, durchdringt und bewältigt, die nüch- terne Sachlichkeit seines Urteils, seine ausgeprägte Abnei- gung gegen Phrase, Geste, Pose und scheindtolomatische Wintelzüge haben ihm auch die Achtung der Gegner er- warben. Wenn trotzdem Erfolg und Dauer der neuen Regierung nicht ohne weiteres als gesichert erscheinen, so liegt das sicher nicht an einer Unzulänglichkeit der Personen. Die Schärfe der Klassengegensätze, die Zerrissenheit des deut- schen Parteilebens bilden für sie eine Gefahr. An dieser Re- gierung sind zwar nicht durch Abmachungen aber durch Per- sonen fünf Parteien gebunden, die von sehr verschiedener Geistesrichtung sind und'sehr verschiedene Ziele verfolgen. .Dabei sind einige dieser Parteien selber nicht einheitlich und ohne straffe Führung. Das gibt ein weites Feld für parla- mentariscye Zwischenfälle, die übrigens auch durch feste Ab- machungen zwischen den Parteien nicht zu bannen sind. Darum ist es auch nicht ohne weiteres ein Schaden, wenn alle betelligten Parteien erklären, daß sie in ihrer Haltung gegenüber der neuen Regierung und ihren Vorlagen frei sind. Im großen ganzen hängt die Lebensfähigkeit des Ka- binetts davon ab, daß die Zusammenabeit der Führer in einer Zusammenarbeit der Parteien ihre Ergänzung findet. Für einzelne Vorlagen aber kann die Regierung trotzdem die Mehrheit nehmen, wo sie sie findet, und das kann unter Umständen auch ein Vorteil sein. Die Regierung steht unter sozialdemokratischer Führung. Nicht nur der Reichskanzler ist ein Sozial- demokrat, sondern auch drei der wichtigsten Ministerien sind in sozialdemokratischen Händen. Wenn unsere Fraktion nicht darauf bestanden hat, im Kabinett eine sozialdemokratische Mehrheit zu schaffen, so hat sie klug daran getan, denn die Sozialdemokratie hat gar nichts davon, wenn sie die Bürger- lichen im Kabinett überstimmt, solange sie nicht dasselbe auch im Reichstag tun kann. Vielmehr müßte die Verschieden- heit der Mehrheitsverhältnisse im Kabinett und im Reichstag automatisch zu Reibungen und Mißerfolgen führen. Der sozialdemokratische Reichskanzler und die drei an- deren Parteigenossen im Kabinett können den bürgerlichen Ministern nicht den Willen der Sozialdemokratie aufzwingen. Erfolge im Sinne unseres Programms können nur auf dem Wege der Verständigung gewonnen werden. Allge- meiner gesprochen steht ja die Sache so. daß bei dem gegebenen Kräfteverhältnis ohne ein Verhandeln und Sichverständigen praktische Erfolge für die Arbeiterbewegung überhaupt nicht zu erzielen sind. Das gilt für gewerkschaft- liche ebenso wie für politische Kämpfe, sie finden ihren Aus- trag schließlich am Verhandlungstisch. An dieser unbequemen Tatsache können die schönsten kommunistischen Phrasen nichts ändern. Sie können auch nichts an der Tatsache ändern, daß wir in einer kapitalistischen Welt leben, deren innere Gesetze auch ein s o z i a l d e m o- k r a t i sch e r Arbeitsmini st er nicht aufheben kann. Deklamieren ist leicht, dem Gegner auf dem Wege der Ver- ständigung praktische Erfolge abzuringen, ist schwer- Diese schwere Aufgabe hat die Sozialdemokratie auf sich genommen. So wie die Dinge heute liegen, hegt keine Partei zu diesem Kabinett selbst uneingeschränktes Vertrauen. Das Vertrauen einer jeden beschränkt sich auf die führenden Per- sönlichkeiten aus den eigenen Reihen, denen sie den Ein- tritt gestattet hat. Die Sozialdemokratie hat vier ihrer besten Männer in die Regierung entsandt, Männer, deren Können und Charakter in jahrzehntelanger Zugehörigkeit zur Ar- beiterbewegung erprobt ist. Diese Männer verdienen, daß man ihnen das Vertrauen bewahrt, sie verdienen das um so mehr, als sie freundschaftlich gemeinter Kritik gewiß nicht unzugänglich sein werden. Vergessen wir aber nicht: es sind nicht nur diese vier Männer, die auf eine schwere Probe gestellt sind— die g a n z e P a r t e i ist es! Auf die Probe gestellt ist die poli- tische Urteilsfähigkeit eines jeden einzelnen Parteigenossen. Man spricht von einer Uebergangsregierung- Ja, es ist d i e Regierung eines Uebergangsstadiums, das auch wir zu überwinden wünschen. Soll es mit all seinen Unzuträglichkeiten und Unzulänglichkeiten überwunden wer- den, dann muß die Sozialdemokratie stärker aus ihm hervorgehen. In diesem Sinne heißt es jetzt nicht nur für unsere vier Genossen in der Regierung, sondern für uns alle: An die Arbeit! Zentrum, Vizekanzler, Reichspräsident. Erklärung der Neichötagsfraktion des Zentrums. Aus der Zentrumsfraktion des Reichstags wird offiziös folgendes mitgeteilt: Ueber die Unterredung, die der Herr Reichspräsident am Mitt- woch, dem 27. Juni, abends mit dem sozialdemokratischen Fraktions- führer Müller-Franken hatte, wird in der gesamten Presse folgende amtliche Mittellung verbreitet: „Der Reichspräsident erklärte, daß«r an sich ein Bedürfnis für die Besetzung des in der Berfassung und in der Geschäftsordnung der Reichsregierung nicht als regelmäßige Einrichtung oorgesehe- nen Amtes eines Vizekanzlers nicht anerkennen könne, es im übrigen auch ablehnen müsse, in Ausübung seiner verfassungs- mäßigen Rechte sich von«.i n e r Fraktion für die Zusammen- setzung des Reichskabinetts bindende Borschristen machen zu lassen. Er ersuchte den Abg. Müller-Franken, diese seine Ent- schließung der Zentrumsfraktion mitzuteilend Diese amtlichen Verlautbarungen lassen darauf schließen, daß der Herr Reichspräsident über die zugrundeliegenden tatsächlichen Bor- gäng« bei der Regierungsbildung nicht zutreffend unter- richtet worden ist. Weder die Zentrumsfraktion noch eines ihrer Mitglieder hat jemals daran gedacht, dem Herrn Reichspräsidenten irgendwelche Vorschriften über die Ausübung der ihm durch die Reichsverfassung gegebenen Befugnisse zu machen. Der Vize- k a n z l e r p o st e n ist bei den Verhandlungen über die Große Koa- lition von dem mit der Kabinettsbildung beauftragten Abgeordneten Hermann Müller dem Vorsitzenden der Zentrumsfraktion angeboten worden. Dies« Tatsache berechtigte die Reichstagsfraktion des Zen- trums und ihre Unterhändler zu Verhandlungen über den Vize- kanzlerposten, wobei ihnen die Absicht vollständig fern lag, in die verfassungsrechtlichen Befugnisse des Herrn Reichspräsidenten ein- zugreifen. Gleichviel, ob der Reichspräsident zutreffend oder unzu- treffend unterrichtet war, ist festzustellen, daß diese Unter- richtung nicht durch den sozialdemokratischen Fraktionsvor- sitzenden und jetzigen Reichskanzler erfolgt ist. Wofern sich der Reichspräsident nicht selber Rat geholt, hat, ist sie ver- mutlich auf seine juristischen Ratgeber zurückzuführen. Richtig ist, daß Hermann M ü l l e r zu Beginn der Verhand- lungen Herrn v. Guerard den Vizekanzler angeboten hatte. Ebenso richtig aber ist, daß er dann bald in Ueberein- stimmungmitdemZentrum von dem Gedanken einer Vizekanzlerschaft wieder abgekommen ist. Der Vorschlag einer Vizekanzlerschaft Wirths enthielt daher die Forde- rung an Müller, eine Haltung, die er in Uebereinstimmung mit dem Zentrum eingenommen hatte, wieder aufzugeben. Trotzdem hat Müller schließlich diese Forderung zu er- füllen versucht. Mit der wiederholten Feststellung dieses Tat- bestandes wird man hoffentlich diesen Streit endgültig a b- schließen dürfen. Kritik am Zentrum. Eine Stimme der Volkspartei. Köln, 28. Juni(Eigenbericht). Die volksparteiliche„Kölnische Zeitung" sagt in ihrer Donnerstag-Abendausgabe zu der Neubildung des Reichskabinetts u. o. folgendes:„Es ist gewiß zu begrüßen, daß durch diese vorläufige Lösung einstweilen eine Regierungskrise beendet worden ist, in der bisher nichts weiter geschehen ist, als die für die große Koalition zu oereinigenden Parteien zu trennen. Einen Hauptteil der Schuld daran trägt das Zentrum, das in fraktioneller Macht- haberei geradezu Unmögliches geleistet hat. Das Zentrum hatte bisher als eine taktisch meisterhaft geführte Partei gegolten. Dieser Ruf hat inzwischen eine böse Beeinträchtigung erfahren. Seitdem die alten Führer des Zentrums gestorben sind, hat sich in der Zentrumsführung keine entsprechende Autorität bilden können, vielmehr haben sich im Zentrum die materiellen Ge- g e n s ä tz e der einzelnen Gruppen gegenüber dem im konfessionellen Interesse liegenden Ausgleich durch eine politisch verständige Führung durchgesetzt. Die Beweggründe, aus denen das Zentrum in den setzten loflcn gehandelt Hai, sind sckwer zu erkennen, weil die Haltung des Zentrums in den nerjchwiegenen Ztuden der Verhandlung un- lagisch und widerspruchsvoll war. Dos Durcheinander in der Zfn- trumstaktlk war ja groß, dah man es nur mit Persönlichkeits- streitigkeitin erklären kann und Holsen muß. daß bis zu den neuen Verhandlungen im chsrbst dos Zentrum sich innerlich ja weit geeinigt hat. daß die dann kommenden Verhandlungen im Interesse der Großen Koalition glatt verlausen/' Di«„Kölnische Aolkszeitvng" schreibt am Donnerstag. haß die Regierungsbildung an sich wohl erfreulich sei, ober dieses Ziel hott« nur erreicht werden können, indem die Zentrums- s r a k t> o n einen Zwangsocroleich zur Abwendung eine» Konkurses einging. Iedensolls sei diese vorläufige Losung für da» Zentrum nicht befriedigend, aber bei der Prüfung der folgenschweren Frage, ob das Zentrum die Regierungsbildung scheitern lassen sollte, seien Vorstand und Fraktion nach gewissen» häfter Ueberlcgung schließlich zu der Ueberzeugung gekommen, daß es besser sei, den Weg zu den? endgültigen Zustandekommen der Regierung freizugeben» wenn auch unter großen Opfern. Die Stimme der Opposition. Di« deutschnationale Pressestelle veröffentlicht«ine Auslossang zur Regierungsbildung, in der es heißt: „Der Verlauf der Verhandlungen zeigt, daß die Konstruk» tion de» deutschen Staatswesen» aus rein par» lamentarischer Grundlage«ine Fehlkon st ruk- tion i st. Sie verweist daher noch einmal auf ihre Vcrfassungs- varschlöge vom 7. Dezember vorigen Jahres, die auf eine B c- f e i t i g u n g des auf 8 34 der Reichsversasiung beruhenden rein mechanischen P a r l a w e n t a r i s m u s zielen. Sie ist der Meinung, daß selbst eine Aenderung des Wahl- rechts an diesem wesentlichen Fehler der Reichsnersosiimg nicht» wird ändern können. Wer sich vor Augen führt, daß heute die an der Regienmgs- bildung beteiligten Männer von Strefemann bis Dilferding sinein eng verbundenen politischen Freundeskreis entstammen, und daß sie dennoch gescheitert sind, der muß erkennen, daß eine produktine Kritik mir aus den von der Deutschnationolen Votkspartei emp> sohlenen Weg führen kann." Dies« Auslassung zeigt, in welcher Richtung sich zunächst die Opposition der Deutschnationalen bewegen soll—, in erster Linie gegen die demotsotisch-parlamenioiii che Grundlag« unseres Staats« leben». Sie will nicht nur Opposition gegen die Regierung sein. sondern gegen die Verfasinng. Im Rahmen der Deutschnationalen Volksportei führt f)ttx Hilgenberg mit seinem Presseappnrat eine besonders nuancierte Opposition. Der„L o k a k- A n z« i g e r" nennt das neu« Kabinett Müller: „Eine Zpottgeburt das Ganze. Ein Ding, das nicht lange leben kann, aber sehr bald sterben können wird. Ein Etwa», da» »icklt zu regieren, sondern nur den Reichstag nach einer sicherlich sehr peinlich verlaufenden Eröffniingsoorstellung in die Sommer- serien zu schicken oermag." Der Stil läßt vermuten, wie sie es treiben wollen. Sie wollen die f)e$e und die Verleumdung von vorgestern gegen sazioldemo- kratisch« Minister neu beleben. Ein Anfang ist gemacht. Im „Lokol-Anzeiger" de» 5)crni chugenlerg vom Donnerstagmorgen liest man: «Der heutig« Tag ist für fierrn Müller ein Tag der Erinnerung an jene Gelegenheit, bei der er seinen Namen in die Annolen der Weltgeschichte eingezeichnet hat:.�eute vor neun Jahren unter- zeichnete er gemeinsam mit Derrn Bell in Versailles den Schmach- mieden als Außenminister des zweiten Kabinett» de? deutschen Republik: ein Posten, zu dem er sich herbelgedrängt hatte, nachdem er am l<1. Mai Isiksi in wuchtiger Rede beteuert hatte:„Würde Abschied vom Reichsrat. Herr v. Keubell gehi ohne Abschied. Dr. Brauns veririii ihn. dieser Vertrag G-Ieß, so müßten breite Masten uniere» Bplk«, aist der Straß« betteln gehen." Di« Erinnerung an den M. Juni ISIS mag für sterrn Muller labender sein ol» für da» deutsch« Volk, von dem in der Tat breit« Masten setzt auf der Straße betteln gehen oder von der Arbeitslosenunterstützung ihr Leben sristen." Da» ist ein Abklatsch sener sanatischen verlogenen i�etze au» den Iahren 1P20 bis 1ä?Z, die di« intellektuellen Urheber der Morde an Rothenau und Erzberger betrieben haben. In diesem Stile also wird de?.�ugenbergsche Presseapporat den Kampf gegen die neu« Regierung führen. Die Reichstagsausschüsse. Bestimmung der Vorststenden. D» Borfitzenden der großen Ausschüsse de» Reichstag» sind jetzt von den zuständigen Fraktionen bestimmt wanden. Danach wird Vorsitzender de» Auswärtigen Ausschusses der Abg. Dr. Breit« scheid(Soz.), Dorsißeirder des chouptausschusse» Abg. st« i m o n n (Soz.) und Vorsitzender de» Volkswirtschaftlichen Ausschufle» Dr. Simon- Franken. Den Vorsitz de« Sieuere Debatte wieder vertagt werde. Di« Sozialisten hätten noch keine Gelegenheit gehabt„ zu der Frag« von Grund auf Stellung zu nehmen. Der Abg. Xeibrt(Rechte) forderte, di» Regierung soll« der Debatte freien Laus lasten, damit bewiesen werde, daß da» Elsaß französisch sei. Der aut.anomisten- frnmdlich« Abg Dahle« bezeichnet« die Verlängerung der Inhastie, rung von Ricklm und Rosse ol» die Scheidung zwischen Frankreich und dem Elsaß, während der Sozialist Grumbach erklärte, der Ministerpräsident Verde zur Entlpaimung der Lag« außerordentlich viel beitnogen, wenn er di« Versicherung abgebe, daß die Debatte über da» Elsaß noch vor den Gommerferien stattfinden könne. Die kommer lehnt« aber schließlich den Antrag mit 420 gegen lM Slimmcn ob. Für den Antrag stimmten dt« Sozialisten, Kom- munisten, einige Radikal« und all« elsässische» Abge- ordneten. (sozialistische Fraktion für Äoncours Völkerbunds' arbeit. pari», 28. Juni.(Eigenbericht.) Der Abg. Paul B o n c o v r berichtete am Donnerstag in einer Sitzung der sozialistischen Fraktion über szine Tätigkeit als Delegierter Frankreich» beim Völkerbund. Trotzdem die staltung Paul Banrour» von große», Teilen der Partei nicht gebilligt wird, wurde ihm am Schlüsse seine» Dartroges reicher Beifall ge- spendet. Renoudel sprach ihm den D o n k der Fraktion au». Anarchie bei den Radikalen. pari». 28. Juni.(Eigenbericht.) Der K o n f l> t t zwischen den Radikalen und dem Minister» Präsidenten P o i>, c a r e ist formell noch immer nicht beigelegt, ob- wohl kouin noch«in Zweifel darüber besteht, daß die Radikalen letzt«» Ende» f ü r Poincare stimmen werden. Eine Sitzung ihre» Exekutivkoniitecs, die gestern abend abgeholten m»rd«,«r- gab ein VIld vollkommener Jlnarchlc in der radikalen Parlamentsfraklion. Als eines der Mitglieder des Komitees darauf hinwies, daß es etwas wie einen Frattions- zwang gäbe, einigle man sich dahin, diesen Fraktionszwang nicht auszuüben, obwohl es nicht zu leugnen sei, daß die„Nationale Union" mit ihrer Vertagung oller wichtigen politischen Probleme immer unerträglicher werde. Nach dem Vorschlag Dalodiers aber will man mit der Kündigung der„Nationalen Union" dock» lieber warten, bis der Parteitag im Oktober stattgefunden und neu« Richtlinien festgelegt hat. Neben diesem Konflikt ist mm ober noch ein zweiter zwischen poincare und den Sozialisten ausgebrochen. Poincare hat sich auf energische» Drängen Renaudel» bercitgefunden. den unteren Beamten ein«® c> holteerhöhung von insgesamt 1Z9 Million«» zu bewill'gen- aber nicht freiwillig will er'dtefe? Z'igestchidni» nnrchen, sondern d-e Kammer will es ihm durch«in fa r m e l l es B»t»rm entreißen. ,/£s ist aber schön fetzt nicht zweifelhaft." erklärt« Poincare. vor der Finanzkommifsion,..daß der Senat«nn»» dementfprrchen- den Beschluß der Kommer wieder aufheben wftd." Di«!« direkte Aufforderung an den Senat, die sozialistische Forderung z?l durchkreuzen, hat den Dewerkschaftebund veranlaßt. Protestkundgebungen in ganz Frankreich W veranstalten. Schon heut« abend finden in allen Städten Frank- reich« SlO Versammlungen statt, worin sür die Erhöhung der Beamtengehälter, insbesondere auch der der Eisenbahner, demonstriert»»erden soll. Loucheurs Wohnungsbauprojekt. Part», 28. Juni.(Eigenbericht.) Der heutig« Ministerrat hat da, große Wöhnungsbou« Projekt de» Arbeitsminifters L o u ch e u r endgültig genehmigt. Man weiß, daß dieses Projekt mit einem Kredit von 1» Milliarden den Bau von 200 000 kleinen und 60 000 mittlere» Wohnungen vorsieht. AI» Mietpreis soll im stöchstfall« da» F Ii n f f a ch« der griedensmirt, gestattet weiHen. So gut da» Projekt auch, da» übrigen« auf ein Gutachten de» nationalen Wirtschattsrote» zurück« geht, an sich«scheinen mag. so hat doch gerade die Bestimmung über den Mietpreis in Arbeiterkreisen Beunrithigung hervorgerufen. Die allgemrrnen Mieten in Frankreich snrd heute erst um 23 Proz. gegenüber dem Friedensstande erhöht. Die fünffache Miete aber müßt« gerade für die Arbeiterklasse, deren Löhne noch lange nicht voll aufgewertet sind,«ine sehr schwer« Belastung bedeuten. Da» Loucheur-Projek» soll am Montag m der Kammer zur Beratung kommen und am Dienstagabend genehmigt fein. Die Kammer wird sich bis Dienstag vertagen, um den Beschluß des Senats abzuwarten, und voroilssichtlich am Donnerstag in Ferien gehen. Aufruhr um Lambach. Veutfchnotionale Kreisleitung gegen deutschnationalen An' gestelllenauoschusi. Hannover, 25. Juni. Vom Kreisverein Hann«»« der Deutschnationalen Volkspartei wird mitgeteilt:„JZn d« Presse ist eine Kund- gebung des Angestelltenausfchusfes chasmover der Deutsch!, ationolen Lokkspartei veröffentlicht, di« sich mit den» Fall Lambach beschäftigt und sich hinter Lambach stellt. Ohne zum Fall Lambach selbst, der Gegenstand der Parteivertretertagung in Berlin am 8. Juli sein wird, Stellung zu nehmen, muh folgendes festgestellt werden: Die Einladung zu der Bokstandssitzung b«s Ange- ftellteiuzusschuffes ist erst am Mittwoch mittag zum Mitt» «och abend erfolgt. Dl« Parteileitung ist von dieser Sitzung nicht verständigt worden. ZR« Sitzung ist von zwei Personen besucht gewesen, konnte also formell kein« Entschlie. ßung fassen, selbst weiin, was glaubhaft ist.«in« große Anzahl d«r Mitglieder sich hinter die Entschließung stellten. D>« Entschließung hat bereits um 11 Uhr abends im.hannoverschen Kurier" gestanden, ist also der gegnerischen presse mit großer Hchnelltgkell zugestellt worden, ohne von ihr vorher der eigenen parleilettung Mitteilung zv machen. Mit der Veröffentlichung dieser Kwdgrtung haben sich die beiden Mitglieder des Angestelltenousschufse, außerhalb der Satzungen der Partei gestellt. Di« erklärlich« Erregung über den Ausschlußantrag gegen Lambach hat hier«in« Kundgebung gezeitigt, der an sich aus den angeführten Gründen kein« grund- fötzliche Bedeutung beigemessen werden kann. Die Einstellung der Gesomtpart«! zur monarchistischen Frage hat sich, wa» auch d»« Parteivertretertagung in Verlin am 5. Juli dewersen wird, in keiner Weis« geändert."__ Erhebung in den Roieu Adelsstand. Der Z�oie Vonnerorden mit Pension. Moskav. 28. Juni. Der Rat dar Volkskommissar« hat dem Präsidium de« Zentral- «xekutiokowitees das Statut d«s..Roten Bannerprden» de? Arbeit" zur Bestätigung unterbreitet. Der Orden«st die höchste Auszeichnung für hervorragende Verdienste um die Sowjet- Union oder einzeln« Bundesrepubliken auf dem Gebiet der Pro- duktion, der Wissenschaft oder dienstliche Tätigkeit in staatlichen und öffentlichen Einrichtungen. Der Orden konn sowohl Einzel- Personen als auck) Betrieben, Institutionen und Arbeits- gemeinschasten verliehen werden. Personen, die durch die Vee. leihung d«S Ordens ausgezeichnet wurden, wie auch Ihre Ange- hörigen, haben ein Anrecht aus ein« Pxvsioru Der preußische Verfassungsausschuß. Beratung über die Bereinigung Baldecks und die Flaggen: verordnung. Der Berfaffungsausfuß des Landtags beschäftigte sich am Donnerstag zunächst mit der Borlage über die Bereinigung Moldeds mit Preußen. Allgemein murde bedauert, daß infolge Des Berechnungsmodus durch den Anschluß Waldecks an Preußen Breußen zwei Reichsratsstimmen verliere. Die Borlage selbst wurde gegen die Kommunisten unverändert angenommen. Zur Erledigung stand sodann die Beratung der Berordnung pom 8. August 1927 über die Beflaggung der gemeindlichen Dienstgebäude und der Schulgebäude und des Urantrages der Regierungsparteien auf Annahme eines Gefeßentwurfes über das Flaggen öffentlich- rechtlicher Körperschaften. Hierbei gab es eine eingehende Gefchäftsordnungsausfprache. Die Deutjonatio. nalen beantragten, den Gegenstand abzulegen. Am 9. Juli stehe die Frage zur Entscheidung des Staatsgerichtshofes. Man dürfe dieser Entscheidung nicht vorgreifen. Die Berireter der Deutschen Wolfspartei waren der gleichen Ansicht. Es müsse der Regierung daran liegen, daß zunächst der Staatsgerichtshof entscheide. Ministerialdirektor Dr. Badt midersprach und betonte, daß die Regierung Wert darauf lege, daß der Landtag zuvor in dieser politischen Frage eine Entscheidung fälle. Diese Entscheibung mürde immerhin mertvolles Material für den Staats gerichtshof bedeuten, menn dieser auch in seiner Beurteilung frei lei. Hierauf wurde der Antrag auf Bertagung abgelehnt. Der Gegen stand wird also am Freitag vom Berfassungsausschus behandelt merden. Chinas Verhältnis zu Japan. 3ft eine Berständigung möglich? Bie fönnen China und Japan sich verständigen? Diese für den Weltfrieden so ungemein wichtige Frage war Gegenstand einer AusSprache, zu der vom Ausschuß der in Deutschland weilenden Chinefan in den Kaiserhof geladen war. Nachdem ein junger chinesischer Student in einleitendem Bor trag noch einmal die Vorfälle bei dem japanischen Einmarsch in Edhantung und der Belegung von Ifinanju im Mai dieses Jahres behandelt hatte, die auch von uns ausführlich besprochen worden find, nahm der junge Hian Chee Ifian, einer der Führer der freiheitlichen Chinesen in Deutschland, das Wort. Die antijapa nische Bewegung in China läßt nicht nach, font rn wächst. Der Bontott japanischer Waren wird immer schärfer durchgeführt. Schuld daran trägt der japanische Imperialismus, Das chinesische Volt will ihm nicht nachahmen, es ist friedlich schon aus Jahrtausende alter Erziehung, aber die Kuomintangregierung farm gezwungen werden, in der Notwehr fogar zur all. gemeinen Behrpflicht überzugehen. Alle freiheitliebenden Chinesen, Koreaner, Formosaner und nicht zum menigften auch 3a paner müssen hei der Niederfämpfung des japanischen Imperialismus zusammenstehen. Isian gab dann einen historischen Rüdblid über die Expanfions politit des japanischen Inselreiches auf dem Festland, Er schilderte nom Kuomintang- Standpunkt aus die Entwicklung der Dinge nom Jahre 1879 an, wo der chinesische Staatsmann Li Hung Tichang feinen Bertreter in Korea in longen Sdyreiben por den Madtgelüften der Japaner marnte, über den japanisch- chinesischen Strieg pon 1894/95 und den drüdenden Frieben von Shimonojefi bis zu den ultimativen 21 Forderungen von Jahre 1916 der Log ihrer Annahme ist noch heute in China Trauertog! Er zeigte, mie die japanische Diplomatie mit mei Bällen spielte, menn fie furz nach ber chinefifchen Revolution pom Jahre 1911 in Beting bei den An. hängern der Mandschur zur Restaurierung der Dynastie und in Shanghai bei Sunnaisen zur Sicherung derjun gen Republit Silfe anbot unter Forderung des gleichen Ent gettes: mirtfchaftliche Konzessionen, Eisenbahn und Bergmertsmonopole. Als Gun das Angebot ab. Tehnte, Paufte fich Japan zum Kampf gegen die Ruomintang die Marschälle des Bürgertrings Thangtfolin, Eunnuonjang. Tihang tfchungtson. Ein jeßt entdeckter Geheimvertrag vom 9. März 1928 ficherte Ilchangifolin zum Kampf gegen den Süden 2½ Millin, nen Pfund, wenn er dafür nicht nur drei Eisenbahnen, sondern die japanische Bormacht in ganzen Broningen, in chan tung, der Mandschurei und der Mongolei aufichere. Wie ist nun eine Berständigung zwischen Japon und China, die sicher hochermünscht ist, möglich? Das japanische Boll muß einsehen, daß es selbst Schaden läuft durch den Imperialismus feiner Regierung, der normale politische und wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern nerhindert. Es muß auf die un gerechten und Sandernerträge erzwungenen verzichten. Die Mächte haben erklärt, sie würden ihre Bor zugsrechte aufgeben, wenn in China eine souveräne 3en tralregierung geschaffen ist. Dies ist nun durch die letzten Erfolge der Rationalarmee geschehen. An den Mächten ist es jest, zu handeln. Die antijapaniſche Bewegung in China wird anhalten, In zwangloser Unterhaltung hörte mon, daß in der Kuomin tang eine Bieberbelebung des chinefifchen Bürgerkrieges durch ein neues Erstarten der Marschälle nicht befürchtet wird. Ernster beurteilt man die Propaganda Mostaus. Das chinesische Bolt, zurüdgeblieben durch den jahrhumbertelangen Despotismus feiner Dynastien, wird durch Erziehung zur Demotratie reifen. In der Bolitif des japanischen Kabinetts Tanata erblidt man die letzte große Anstrengung eines absterbenden, schon von immen heraus bedrohten imperialistischen Konservativismus. Greift die große Freiheitsbewegung im Fernan Osten auch nach Japan über, so glaubt man feft an eine Bersöhnung und friedliche Zu fammenarbeit der beiben raffeverwandten Völker. Todesstrafe für Berschwörer in Japan. Cofio, 28. Juni. Der Geheime Rat stimmte noch längerer Debatte mit drei zehn gegen fünf Stimmen der Abänderung des Gesetzes zum Schuße des Staates zu, das die Todesstrafe für Personen einführt, des Staates zu, das the Todesstrafe für Bersonen einführt, die sich der Verschwörung gegen die Berfassung schuldig die sich der Verschwörung gegen die Berfassung schuldig machen, Die amerikanischen Streitkräfte bleiben in Ostasien. Paris, 28. Junt. 23 Bruderzwist in der DVP. Scholz Einerseits Andererseits Resolution der volksparteil. Reichstagsfraktion Stresemana ,, Rinder, vertragt's Euch! 3hr habt gewissermaßen beide recht!" Eine bedenkliche Demonstration. Marton und Cooks Borstoß gegen die offizielle Parteipolitif. Unser Londoner Rorrespondent schreibt uns: Der Vorsitzende der Unabhängigen Arbeiterpartei, der Unterhausabgeordnete James Magion, und der Bergarbeiterfefretär A. J. Cook veröffentlichen im ,, New Leader", dem offiziellen Organ der britischen Unabhängigen Arbeiterpartei, einen Brief, in welchem fie ihre ernste Besorgnis über die Richtung ausdrüden, in der die britische Arbeiterbewegung im gegenwärtigen Augenblick geführt werde. Die Grundlagen der Arbeiterbewegung seien unermüdlicher Kampf gegen Armut und Lohnftloverei, alfo unausgefeßter Rampf gegenden Kapitalismus, und zweitens die Auffassung, daß fich die Arbeiter nur aus eigener Rrafi heraus den ganzen Ertrag ihrer Arbeit zu sichern vermögen. Diese Grundläge wären in jüngster Zeit auf eine bedenkliche Weise außer acht gelaffen worden. Wir werden nunmehr aufgefordert." so heißt es in diesem Brief, der ausdrüdlich als eine Privatmeinung der beiden Unterzeichne ten caratterifiert ist, die Bartei nicht mehr länger als eine Drgani. fation der Arbeiterffaffe zu betrachten, sondern als eine Partei, bie alle Bevölterungsfreije repräsentiert." Als Ergebnis diejer neuen Auffaffung, monadh Gagialismus und Rapitalismus ihre Diffes renzen zurüdzustellen hätten, werde nunmehr viel Energie, die zum Rampf gegen den Kapitalismus eingefegt werden müßte, dazu ver. wendet, jeben zu unterbrüden, der den wahren 3dealen der Bewegung treu zu bleiben wagt. Die beiden Arbeiterführer fündigen hierauf on, daß sie sich zusammenzufun gedächten, um eine Reihe pon an, daß sie sich zusammenzufun gedächten, um eine Reihe von Ronferenzen und Bersammlungen in verschiedenen Teilen des Landes zu veranstalten. In diesen Konferenzen wird den Maffen der Bewegung Gelegenheit gegeben werden, zu erklären, ob fie diese neue 2uffaffung annehmen, oder ob fie dem Geifte und den Idealen treu zu bleiben münschen, die die Bioniere der Bewegung befeeft haben." Der Brief schließt mit einer Aufforderung an die Arbeiter, sich ihrem Rampfe gegen ein Wirtschaftsfyftem anzuschließen, in dem sich noch immer Reichtum und Lugus einerseits und die Armut andererseits wie ch unb je gegenüberftänden. Der fachliche Ausgangspunkt für diese Aftion ist doppelter Natur: Die Opposition der beiden radikalen Arbeiterführer gegen den unter Beratung stehenden Programmentwurf der Arbeiterpartei der eine schrittmeise und vorsichtige Methode der der eine schrittmeise und porsichtige Methode der Berwirklichung der Ideale der Bewegung empfiehlt, und zweitens die vom Generalrat der Gewerkschaften geführten gemeinsamen Besprechungen im Rahmen der von dem Großindustriellen 2ffreb Mond( jetzt Lord Melchett) ins Leben gerufenen gemeinsamen Organisation, beren Aufgabe es ist, die Reibungen amifchen Unternehmern und Gewerkschaf= ten im wirtschaftlichen Alltag auf ein Minimum herabzu leben. Schließlich dürfte noch ein weiteres, mehr gefühlsmäßiges Moment die beiden einander geistig durchaus fremden, aber temperamentsmäßig perwandten Führer Marion und Coot zufammengebracht haben: die gemeinsame Gegnerschaft gegen die strenge Grenzfomohl von der Arbeiterpartei als den Gelinie, die nunmehr fomohl von der Arbeiterpartei als den Gegegenüber den Kommunist en gezogen werbschaften gegenüber den Kommunisten gezogen worden ist. Es ist selbstverständlich, daß sich die fonservative und ein Teil der liberalen Presse diesen Brief, den sie als Manifest bezeichnet, zunuge macht und von einer Revolte in der Arbeiterpartei spricht und dabei mit schlecht verholener Schadenfreude Sp der Auffassung Ausdrud verleiht, baß es fich hier um ein Vorspiel eines organisatorischen Auseinanderfalles in eine fon fti tutionelle Arbeitnehmerpartei einerseits und eine repofuti onare sozialistische Partei andererseits handle. Nun soll gewiß über deffen 2ernicht der Verfuch gemacht werden, den Vorgang urteilung eine Meinungsverschiedenheit unter Sozialisten überhaupt nicht möglich ist als bedeutungslos hinzustellen. Es ist jedoch geboten, ihn auf seine richtigen Proportionen zu rückzuführen. Auch hier erweist es sich wieder, daß dieselben Dinge, menn fie fich auf dem Kontinent und in England abspielen, nicht das Signal zu einer schweren Krise darstellen würde, in England unter Umständen nichts als eine agitatorische Geste be deutet. basselbe bedeuten und daß ein Borfall, der auf dem Kontinent Die Agentur Indopacifique meldet aus Tofio: Der Obertom mandierende des amerikanischen Geschwaders in Ostasien, Admi- Zunächst einmal bedeutet die Tatsache des Erscheinens einer solchen ral Bristol, erklärte, daß die Zurüeziehung der amerikanischen Kriegserflärung an und für sich in England nicht dasselbe wie über Streitkräfte feinen Gewinn, sondern mur Schoben bringen würde, bem Kanal. Der Begriff der Disziplin wird hier gang allgemein zumal zahlreiche in China ansässige Amerikaner weitere Anniel Inderer gehandhabt, Sozialisten schreiben unbedentlich in mesenheit dieser Streitkräfte forderten. rechtstonservativen und lintsradikalen Zeitungen und Zeitschriften, Unterhauskandidaten drüden im Wahlkampf ihre privaten Meinun gen in einem für uns unvorstellbaren Maße aus und es ist eine durchaus übliche Erscheinung, daß bei Unterhausdebatten sich einzelne Graftionsmitglieder polemisch gegen die von den Führern der Partei eingenommene Stellung wenden, ohne daß ein solcher Zustand als unerträglich empfunden würde. Damit zusammenhängend ist auch die Organisation von Brotestversammlungen. mie die Dinge hier in Eng land liegen, nicht unbedingt als die Verkündigung einer organi fierten Oppofition zu betrachten. Es ist also in England durchaus möglich, daß ein solcher Schritt nichts als eine impulsive Eigenbrötelei barstellt, die, jo bedauerlich sie auch sein mag, nicht einmal als eine [ ymptomatische Erscheinung gewertet werden darf, ohne daß man jie grenzenlos überschäßen mürbe. Daß eine solche Beurteilung in dem vorliegenden Foll am Blaze ift, geht fomohl aus dem Charakter diefes fogenannten Manifeftes felbft, als auch aus den Rüdwirtungen hervor, die es bisher ausgelöst hat. Trogbem Darton Conf eine Reihe non Berjammlungen zur Unterstügung ihrer Politit anfündigen, fonn tein Sweifel darüber herrschen, daß feinerlei organisatorische Grundlage für ihre Aftion geschaffen worden ist und bas ber Brief felbft feinerlei fonfrete Buntie für ihre zukünftige Politif, geschmeige denn ein Aktionsprogramm enthält. Was die Aufnahme dieses geplanten Schrittes in der Arbeiterbewegung selbst anbelangt, jo tann fie schon jest als negativ bezeichnet merden. Der Daily erald", das offizielle Organ der Partei, hat, frog leiner rodifalen Neigungen und Sympathien, die Veröffentlichung des Briefes selbst mit einem Kommentar begleitet, der eine glaffe 2bjage an Marton- Coot darstellt; einzelne Mitglieder des Parteivorstandes der Unabhängigen Arbeiterpartei haben die Deffentlichteit miffen lassen, daß Marton pöllig ohne Autorisation ihrer Partei vorgegangen sei und daß über die Ablehnung des Briefes durch die Mehrheit der Mitgliedschaft der Unabhängigen, die nebenbei bemerkt eiu tnappes Prozent der Mitgliedschaft der Gesamtarbeiterpartei ausmachen, feinerlei 3meijel mög lich sei. Aus ähnlichen Neußerungen von Mitgliedern des Gene ralrates der Gemertschaften geht ebenjo ungweifelhaft hervor, daß sie mit der Cookschen Aktion nicht identifiziert zu merSo wird man nicht fehlgehen, menn man prophezeit, daß die den wünschen. ganze Aktion wie das Hornberger Schießen enden wird, da es sich ja gerade in den vergangenen Monaten aus den Entschließungen von Dußenden von gewerkschaftlichen Berbandstagen gezeigt hat, daß die Maffen, die von der Führung der Arbeiterpartei in Gemeinschaft mit dem Generalrot der Gemertfchaften eingeschlagene politische Linie mit überwältigenden Mehrheiten billigen. Gewiß mögen da und dort die gemeinsamen Verhandlungen zwischen Generalrat der Gewerkschaften und den Unternehmern hier und dort als überflüssiges Beginnen betrachtet werden. Die unerhörte Uebertreibung jedoch, mit der Cook und Marton diese paritätischen Besprechungen zu einem 2 ufgeben des Klaffentampfes umstempelt, merden jedoch keinen Widerhall bei der Mehrheit der Mitglieder finden zumal dann, falls sich der Eindruck bewahrheiten sollte, daß diese gemeinsamen Konferenzen das Schicksal der deutschen Arbeitsgemeinschaften teilen und im Laufe des nächsten halben Jahres eines fanften Tabes versterben werden. Sofern die Cook- Marton'sche Attion jedoch ein Angriff oegen den revisionistischen Charakter des Programmentwurfes anbelangt, befigt fie proftisch überhaupt feine Bedeutung, da dieser Entwurf dem fommenden, von der Arbeiterpartei demokratisch gemählten Parteifage varliegen wird und die Maffen der Partei also jede Gelegenheit haben werden, dem offiziellen Aktionsprogramm der Partei die von ihnen gewünschte Form zu geben. So fann schon jest mit einiger Sicherheit gesagt werden, daß das von Marton- Cool erhoffte Echo auf ihren Aufruf ausbleiben wird und daß das einzige Resultat der mistönende Wider hall und die Hoffnungen sein werden, die auf bürgerlicher Geite ausgelöst worden sind. Wiemeit Marton persönlich nach diesem Borstoß noch in der Arbeiterpartei perbleiben fann und ob nicht auch der Mehrheit der Bergarbeiter endlich einmal die Geduld mit ihrem unmöglichen Generalsekretär Coot reißen wird, ist daneben eine Frage zmeiten Grades, die wohl binnen furzem entschieden werden wird, Schiedsspruch für die Klavierarbeiter. Süllichau- Schwiebus von der füdlichen Grenzmart wird die einheit. Donnerstag stattgefunden hat. Den unmittelbaren Anlaß zu dieser Nach elfwöchigem Kampf hat der Schlichter die beiden Tarifparteien gestern wieder zu Einigungsverhandlungen geladen. Nach einer längeren Aussprache wurde eine Schlichtungskammer gebildet, die schließlich folgenden Schiedsspruch fällte: Bei der Arbeitsaufnahme erhöhen sich die Löhne um 8 Pf. je Stunda, so daß der Tariflohn 1,24 M. beträgt. Ab 1. Oktober tritt eine weitere Erhöhung von 3 Pf. in Kraft, so daß der Tariflohn an diefem Tage 1,27 m. ist. Die Afkordsätze werden um den gleichen Prozentsatz erhöht. Des weiteren werden die Lehrlingsentschädigungsfätze sowie der Ausgleich für Werkzeugentfchädigung ebenfalls um den gleichen Prozentsah erhöht. Die streifenden Klavierarbeiter werden heute nachmittag um 5 Uhr in den Kammerfälen zu diesem Schiedsspruch Stellung nehmen und ihre Entscheidung treffen. Die Arbeitsämter in der Grenzmart. Kritik an ihrer Abgrenzung. Nachdem am 1. Januar die Grenzmart Posen- Westpreußen dem Bezirk Berlin- Brandenburg des ADGB. angegliedert ist, traten vor einigen Tagen in Schneidemühl der Bezirksaus schuß, die Gauleiter und die Ortsausschüsse der Grenzmark zum ersten Male zusammen. Der Bezirksausschuß befaßte sich mit organisatorischen Angelegenheiten, während die Tagung der Gauleiter sich auch mit den sozialen Wahlen und den Arbeitsämtern beschäftigte. Der Bezirksleiter Genosse Vollmershaus gab zunächst einen eingehenden Bericht über das Ergebnis der Wohlen zu den verschiedenen sozialen Körperschaften und kam dann u. a. auch auf die Abgrenzung der Arbeitsämter zu sprechen. Allgemeine und befondere Ortstrantentassen bestehen in Berlin 27, in der Provinz Brandenburg 24, in der Grenzmart 10. Betriebskrantentaffen: in Berlin 120, in der Provinz Brandenburg 192, in der Grenzmart 6 Innungstranten tassen: in Berlin 58, in der Provinz Brandenburg 47, in der Grenzmark 1. Landkrantentassen: in Brandenburg 36, in der Grenzmart 7, Erfagtrantentaffen: in Berlin 85, in der Provinz Brandenburg 451, in der Grenzmart 7. Soweit Neuwahlen vorgenommen wurden, sind folgende Ergebnisse der gewählten Ausschußvertreter gemeldet worden: Dristrantentassen: 1809 Bertreter der freien Gewerkschaften, 186 der anderen Richtungen. Betriebstranfenfassen: 1544 Freigewerkschaftler und 229 der gegnerischen Organisationen, Innuntsfrankenkassen: 345 bzw. 74, Landfrantenfassen 212 bzw. 114. Insgesamt sind also von 4511 gewählten Vertretern 3910 over 86,7 Pro3. Freigewerkschaftler. Im Reichsdurchschnitt beträgt der Prozentsaz der Freigewerkschaftlichen in den Allgemeinen Ortsfrankentassen 79,1 Proz. G Bei der Abgrenzung der Arbeitsämter hat sich der Vorstand der Reichsanstalt von nicht so großen Gesichtspunkten leiten laffen, wie bei der Abgrenzung der Landesarbeitsämter. Er hat haupt sächlich auf Betreiben der Behördenvertreter in der Grenzmart Vemter geschaffen, an deren Eristenzfähigkeit start gezweifelt wird. Die Teilung der Kreise 3 üllichau Schwiebus von den grenzmärkischen Kreisen Schwerin- Mejerig wie auch die Teilung des Kreises Deutsch Krone von dem Amt Schneidemühl ist Döllig verfehlt. Trog der einstimmigen Beschlüsse des Verwaltungsausschusses des Landesarbeitsamts gegen die Trennung ist diese dennoch vorgenommen worden. Die so geschaffenen Selbständigen Aemter Schwiebus- Meseriß und Deutsch- Krone werden infolge ihrer rein ländlichen Struktur faum in der Lage sein, die Verwaltungskosten zu decken. Durch die Trennung des Kreises liche andarbeiterfiedlungspolitit in der Grenzmart Schaden leiden. Machen doch gerade die Polen in dem von Kreis Züllichau- Schwiebus verwalteten grenzmärkischen Restfreis Bomst die größten Anstrengungen, ihre Landsleute anzusiedeln. Es ist zu wünschen, daß hier die preußische Regierung und der Vorstand der Reichsanstalt bald zur besseren Einsicht gelangen. Ebenso unglücklich ist die Abgrenzung der Vororte Berlins. Von den zu bestellenden Arbeitervertretern zu den Verwaltungsausschüssen der Arbeitsämter, insgesamt 207, und ebensoviel Stellvertretern erhalten die freien Gewerkschaften 184 Vertreter und 178 Stellvertreter, die Christlichen und Hirsch- Dunderschen 23 Vertreter und 29 Stellvertreter. Von den 33 Arbeitsämtern erhält ein Amt je 7 Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und öffentlichen Körperschaften, zehn Aemter erhalten je 6 und 23 je fünf Vertreter. Die Listen werden vom Bezirksausschuß des ADGB., AfA- Bund, Gemertschaftsbund und Gewerkschaftsring zentral eingereicht. Die so gebildeten Verwaltungsausschüsse werden erst ihre Tätigkeit aufnehmen können, wenn die Arbeitsämter in die Reichsanstalt eingegliedert werden. Dies dürfte kaum vor dem 1. Oktober der Fall sein. An der weiteren Tagung nahmen auch die Behördenvertreter der Grenzmart Posen- Westpreußen teil. Der Vorsitzende des ADGB., Genosse Leipart, hielt ein interessantes Referat über Die Wege zur Wirtschaftsdemokratie", das jetzt bereits in einer Broschüre bei der Verlagsgesellschaft des ADGB. erschienen ist. Die Tagungen haben bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Berbandstag der Hutarbeiter. Wir veröffentlichten im Vorwärts" vom 26. d. M. einen gedrängten Bericht über den 15. Verbandstag der Hutarbeiter in Altenburg, in dem folgender Satz vortam:„ Der Siz des Verbandes bleibt in Altenburg, da die Vertreter nicht wollen, daß die Organisation tommunistischen Treibereien überliefert werde, wie das bei einer Berlegung nach Berlin zu befürchten sei." Dazu wird uns vom Hauptvorstand des Deutschen Hutarbeiterverbandes geschrieben, daß aus diesem Grunde nicht von der Sigverlegung nach Berlin Abstand genommen wurde, da man die wenigen fommunistisch organisierten Mitglieder in der Berliner Zentralftelle wirklich nicht zu fürchten hätte. Wenn aus 3weckmäßigkeitsgründen eine Verlegung des Sizes nach Berlin notwendig gewesen wäre, würde der Verbandsvorstand für einen solchen Beschluß eingetreten sein. Der Antrag auf die Verlegung des Sizes nach Berlin wurde nur deshalb aus reinen Ver= nunftgründen abgelehnt, weil es die Lagerung des Verbandes verlange, ben Hauptvorstand in Mitteldeutschland zu belassen. Wir kommen dem Wunsche des Hauptvorstandes nach Berichtigung dieses irreführenden Gazes gern nach, zumal wir Gewicht darauf legen, über alle Vorgänge in der Gewerkschaftsbewegung durchaus objektiv zu berichten. Coof vor dem englischen Generalrat. Noch keine endgültige Entscheidung. London, 28. Juni.( Eigenbericht.) Die ständigen Quertreibereien, die sich der Bergarbeitersekretär Coof in den letzten Monaten zuschulden fommen ließ, haben den Generalrat der britischen Gewerkschaften, dem Cook als Vertreter des Bergarbeiterverbandes angehört, veranlaßt, den Verband der Bergarbeiter um eine gemeinsame Aussprache zu ersuchen, die am WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise nur Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt. WURSTWAREN Landleberwurst Pfund 1.10 Rotwurst.... Pfund 1.10 Dampfwurst... Pfund 1.20 Speck lett 1.15 mag., Pid. 1.20 Westf. Mettwurst Pfund 1.30 Mortadella.. Pfund 1.30 ( Braunschw. Mettwurst Art). Pfund 1.40 Hildesheimer.. Pfund 1.40 Jagdwurst Pfund 1.45 Schinkenpolnische Pid.1.45 Filetwurst... Pfund 1.55 Pökelfleisch gekocht, Pfd. 1.55 Feine Leberwurst Pid. 1.70 Teewurst. Pfund 1.70 Schinkenspeck In 1 Pfd.- 1.80 Zervelat u. Salami holsteinische 1.75 hannov. 2.20 Pfund Stücken Pfund Königstraße, Rosenthaler Straße, Moritzplatz Speckwurst... Pfund 0.80 Bierwurst..... Pfund 1.60 KÄSE U. SPEISEFETTE vollRamadour halbtett, Stck. 15 Pf. Allgäuer Limburger halbiett, Pid. 0.55 fett 0.85 Holländer halbfett, Pid. 0.72 fett 0.98 Edamer vollvollhalbiett, Pfd. 0.98 0.75 fett 3/ fett, Steinbuscher Pfund 0.78 Steinbuscher vollf., Pfd. 0.90 RÄUCHERWAREN Fettbücklinge Pid 40, 52 Pt. Seelachs 1 Stücken, Pfd. 38Pf. Schellfische... 40 Pf. WEIN Preise für Flasche ohne Glas Tilsiter vollfett, Pfd. 0.95, 1.15 dänischer, Schweizer dreiviertelfett 0.88 Schweizer vollett, Pfund 1.55 bayrischer, Speisetalg 1 Ptd.- Paket 50 Pt. Margarine Pfd. 0.52, 0.58 Kokosfett 1- Pfund- Tafel 0.62 Tafelbutter I Pfund 1.88 Dänische Butter Pfund 1.98 Kieler, Sprottbücklinge Pid: 45 Pf. Seeaal Plund 60 Pf. Spickaale( fein. Gelbaale: 2.40 Frankf. Apfelwein,„ Rackles Urquell.. Johannisbeer- u. Stachelbeerwein extrafein Tarragona kräftige Qualität, rot, süß... Oberhaardter milder Tisch- u. Bowlenweln. 1927 Wellener Riesling, suffiger Tischmosel 1926 Wöllsteiner Höllberg sehr mild. Rheinhesse 1925 St. Justin, teiner spanischer Burgunder 1926 Castillo Romero, feinsüß, weiß, dem Sauternes ähnlich 1927 Nitteler Leiterchen Riesling bestechender Mosel 1921 Chât. La Lagune Gouny Médoc qualitätsreicher Bordeaux 1925 Liebtraumilch rote Kapsel, liebl. bestechend Wachstum Haardt, 1921 Piesporter Pichter schmackhafter Mosel Fruchtschaumwein mit Steuer und Flasche Plund Lou- Lin ZitronenGärungsgetränk Ausschank: Verkauf: Drogen- Abteilung In den Erfrischungsräumen FRISCHES FLEISCH Plund Schweinebauch mit Bellage Pfund 88 Pt. 95 PL. Schweinekamm Blatta. Rücken Hammelvorderfleisch Pfund 1 M Kalbskamm u. Brust". Pfund 78 Pt. Kalbsnierenbraten ... Pfund 85 Pt. Kalbskeule ganz oder geteilt.. Pfund 95 Pf. Querrippe Pfund 78 Pt. Rinderkamm u. Brust Pfund 85 Pf. Gulasch .. Pfund 90 Pt. Schmorfleisch Roastbeef, m. Knochen 1M Liesen Pfd. 70 Pt. Gehacktes Pid. 70 Pt. Kaßler, Speer u. Kamm Pfund Rindernieren- Talg, gelassen Piund Pfund 118 50 PL. Prima Gefrierfleisch Rinderkamm u. Brust Pfund 65 Pf. u. Rück. Hammelvorderfleisch Rack 82 rt. Plund Herzen Pfund 50 Pf. Kuh- Euter 28 Pt. FISCHE Seelachs ohne Kopf, ganze Fische, Pfund 15 Pt. Schellfische ... Kabeljau ohne Kopf, ganze Fische, Plund 28 Pt. 35 Pt. 55 Pl. Pfund 48 Pf. 65 PL Lebende Schleie.. Pfund von 120 Plund 20 Pf. 0.63 Goldbarse ohne Kopf 0.90 Fischfilet . Pfund 20 Pf. Pland 26 Pf. 1,10 1.20 Hechte frische. 140 Zander frischer 170 2.00 Junge Gänse 1.30 Himbeer-, Johannisbeer- u. Zitronensaft, F1.0,85 FI, 1.50 GEFLÜGEL u. WILD Junge Hühner Wolgahühner Rehblätter... Pfund von an 110 an Stück von 110 an 105 an Pfund von Plund 110 an Sigung hat außer ungerechtfertigten persönlichen Angriffen Coots gegen seine Kollegen im Generalrat Cooks ständiger Kampf gegen die vom Generalrat offiziell gebilligten Verhandlungen mit den Unter nehmern gebildet. In der dreistündigen Sizung entwickelte der Generalsekretär der Gewerkschaften, Citrine, die Schwierigkeiten, die in der gesamten Gewerkschaftsbewegung Großbritanniens infolge der Agitation Cooks entstanden seien. Es wurde beschlossen, Citrines Rede dem Gesamtvorstand des Bergarbeiterverbandes zu übermitteln, ehe weitere Schritte beschlossen werden sollen. Wie verlautet, hat die Aussprache, in der deutlich wurde, daß Cooks Auffassung feineswegs von der Mehrheit seines eigenen Vorstands gebilligt wird, an Schärfe gegenüber Cook nichts zu wünschen übrig gelassen. Antwerpener Hafenarbeiter streifen weiter. Die Reeder wollen sich aus der Schlinge ziehen. Antwerpen, 26. Junt. Die streikenden Arbeiter haben mit 8000 gegen 1000 Stimmen den Einigungsvorschlag des Arbeitsministers abgelehnt. Der Streik dauert noch an. ,, Libre Belgique" meldet: Der Reederverband trat heute nachmittag in Antwerpen zusammen, um die Maßnahmen zu prüfen, die infolge der Fortsetzung des Streits der Antwerpener Dockarbeiter ergriffen werden sollen. Die Reeder sind zum Widerstande ent schloffen. Es sollen, wie versichert wird, in Uebereinstimmung mit den Reedern anderer Länder, die Schiffe nach Antwerpen schicken, folgende Ab machungen getroffen worden sein: Schiffe, die nach Antwerpen unterwegs sind, sollen mit allen verfügbaren Mitteln nach anderen Häfen umgeleitet werden. Schiffe, die gegenwärtig im Hafen von Antwerpen liegen, sollen, soweit es möglich ist, be= laden bzw. entladen werden und dann Antwerpen verlassen. Auf diese Weise wird der Hafen leer bleiben, so lange der Streit dauert.(?) A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ift täclich mit Ausnahme von Sonnabend Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Don 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Hermannplag: Gruppenheim Jugendheim Sanderstr. 11, Ede Sobrechtstraße. Bortrag: Die wirt Zeppelinplay: Jugendheim schaftliche Bedeutung des Flugverkehrs." des Bezirksamts Wedding, Turiner Ecke Geestraße, Eingang Turiner Straße. Radio- Abend. Lustiger Abend. Rordring: Jugendheim Holzhaus auf dem Sportplag Cantianstraße, an der Schönhauser Allee. Vortrag: Die Bedeutung des Tarifvertrages Außenspielabende ab 18 Uhr: Südosten- Südwesten: Trainingsabend auf dem Sportplag Am Urban. Weißensee: Spiel, Tanz und Kreisbabeabend: Dit Sport auf dem Sportplag am Faulen Gee( Buschallee). treis ab 18 Uhr im Städtischen Flußbad Lichtenberg, Köpenicker Chaussee. Kursus für Körperschulung: Die Teilnehmer treffen sich am Sonntag, 1 Juli, 8% Uhr, auf dem Sportplatz im Humboldthain. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Heute, 19% Uhr, sind folgende Veranstaltungen: Lichtenberg I: Gesangsraum des Realgymnasiums Partaue 12. Vortrag: 8wed und 8iel des Arbeitersports." Südwest: Jugendheim Belle- Alliance- Str. 7/10. Vortrag: „ Entstehung der Sprachen." Referent Rachow. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Geverkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales and Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode, fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen,„ Unterhaltung und Wiffen" und Stadtbeilage". ohne Einkochgläser Ring 12 Ltr. eng 0.32 weit 0.36 0.38 3 Ltr. 1 Ltr. 11, Ltr. 0.34 0.36 0.40 2 Ltr. 0.42 0.48 10 Gummiringe eng 0.30 weit 0.40 Einkoch- Apparat kompl., m. Thermometer 5.75 OBST U. GEMÜSE Süße Kirschen Pfund 18 Pf. Stachelbeeren unreif, Plund 20 Pf. Kirschen 28" Su 35 Pf. Tomaten.. Pfund 25 Pf. Werdersche Bananen..... Pfund 42 Pt. Aprikosen Pfirsiche Erdbeeren .. Plund 42 Pf. Pfund 48 Pf. Werdersche, Plund von 48Pf. an Austral. Aepfel 55, 65Pt. Kohlrabi Mandel 8 u. 22 PL Jg. Mohrrüben 2 Bund 15 PL Grüne Bohnen Plund 20 Pf. Stck. Schlangengurken von 20 an Junge Schoten Pfund 20 Pt. Blumenkohl Kopf von 25 Pf. Neue Kartoffeln 5 Pid. 45 PI, KOLONIALWAREN Bruch- Reis... Pfund 18 Pf. Burma- Reis Pfund 22 Pf. Bassin- Reis Pfund 24 Pf. Italienisch. Reis Pfd. 27 Pt. Pfund 28 Pt. Patna- Reis Pf. an Pfund 30 Pt. Pfund 25 Pf. Amerik. Reis Weizengrieẞ .. Plund 27 Pf. Hartgrieẞ.. Eier- Nudeln. Pfund 45 Pf. Makkaroni Hartgrief, 45 Pf. Bruch, Pfd. • FRISCH GEBRANNT. KAFFEE eigene Rösterel Konsum- Mischung Pfund 2.40 Globus- Misch. Pfund 3.80 Residenz- Misch. Ptd. 4.20 Elite- Mischung Pfund 4.60 Haushalt- Misch, Plund 2.60 Sonder- Misch. Pfund 3 M Olympia- Misch. Pfund 3.40 Spezial- Mischung 20% Bohnen- 67 PL. kaffee, Pfund KONFITÜREN 40% Bohnenkaffee, Plund 1.10 Vollmilch- Schokolade mit ganzen Haselnüssen 2 Tafeln à 100 Gramm 75 Pt. Creme- Schokolade( Apfelsinen- u. Himbeer- Geschmack) 2 Tateln à 100 Gramm 45 Pf. Erfrischungswaffeln Plund 28 Pl. Dessertbrezeln Eisbonbon Messina Drops 18 Pt. 38Pf. Milchkaramellen 25 PL. Saure Bonbon 15 u. 20 Pf. pfd. 14 Pfund 1/6 KONSERVEN 41 Dose Br.- u. Schnittbohn. 1 0.75 Junger Spinat.... 0.48 .. 0.48 Junge Karotten.... 0.60 Leipziger Allerlei..0.82 Gemischt. Gemüse fein 1.50 Jge. Erbsen D.0.45 0.76 Kaiserschoten Pfund 41 Dose Bruchspargelextra stark 2.90 Apfelmus Dose 0.35 0.60 Birnen ganze Frucht. 0.95 Mirabellen...$ 1.25 Ananas Hawall, 8 Schelb. 1.05 Rindergulasch 0.80 1.55 Celsardinen 1.20 0.78 0.45 Konfitüre, 2- Pfund- Eimer Vierfrucht 0.82 Pflaumen 1,00 Aprikosen 1.10 Orange, Johannisbeer 1.15 Erdbeer 1.20 Ananas 1.45 1.57 eprudlu Ttr. 303* 43. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreiiag, 29. Juni 4928 Hundertzwanzigfacher Spitzbube. Die zum Rarren gehaltene Lusiiz.- Ltrieil zehn Lahre Zuchthaus. Nchwadzwomzigmal vorbeftrasi sein vnd dann noch die ZuslizoermaUnng mik Erfolg an der Rase herumzuführen— da» ist ehw settene„Ccistnng". Der sogenannte fiaufmano Julius Zacoby hat fie fertiggebracht! In der»origen Woche ist er nom Amtsgericht Charlotten- bürg wegen Di«bst«hisin74Fällenjzuö Jahren Iuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden, und die Verhandlung erhielt dadurch nach einen besonderen Reiz, dah Jacofap zu randalieren anfing, eine Türfüllung«inschlug und deshalb gefesselt wurde. Ganz sonderbar aber ist ek, dah der so vielfach Vorbestrafte durch geschictic« Komödiespielen verstand, über ein Jahr lang die Strasvollzugsbehörden, Aerzte, Richter und sogar das I u st i z- Ministerium �um Rarren zu halten. Er simulierte mit Erfolg den Schwerkranken. Im Brandenburger Zucksthaus„erkrankte" er u«-eijKm fürchterlichen Gallen st einleiden und wurde ins Krankenhaus übergeführt, au« dem der Schwerleidente schnurstracks — enttmch. Dos geschah im Mai 1927. Er nmrde erst im September «irderergrisfen, verstand es dann aber im Gefängnis wiederum, s» geschickt den Kranken zu spielen, daß er für Haft- unfähig erklärt wurde und zur E n t l a f s u n g kam. Inzwischen aber waren bei der Staatsanwaltschaft III Anzeigen über Anzeigen über die Tätigkeit Zaeoby« während seines mehrmonatigen Aufenthalts in der Freiheil eingelaufen, so daß gegen ihn ein umfangreiches Straf- verfahreu wegen Diebstohl» eingeleitet wurde, das ihm für einen Teil der Straftaten die fünfjährige Zuchthausstrafe eingebracht Hot. Ein onderer Teil der Straftaten— 45 Fälle— soll!« gestern ver- handeit werden. Während Jaeoby auf den erlassenen Haftbefehl des Schöffengerichts Charlottenbxrg gesucht wurde, seht««ine.neu« Komödie des vielgewandten Schwerverbrechers ein. Im I u st i z- i» i n i st e r i u m sprach wiederholt ein„S t u d i e n r a t" I a e o b y vor. der fich für seinen dem Tod« nahen Bruder einsehte und Be- schwerd« führt«, daß dieser von der Justiz mit Haftbefehlen dauernd verfolgt werde. Vas Gericht aber ermittelt«, daß ein Stodienrol Zacoby überhaupt nicht existiert, sondern daß der „schwerkranke" Zaeoby selbst diese Rolle gespielt und dornst das Iusiizministerrum an de r Nale�erum geführt Nit. Für gestern war nun der zweite Teil des Strafpro, zesfcs ange- 'eht. Jaroby verisigte diesmal ein« andere Taktik: Er benahm sich heute sehr ruhig und sprach mit sehr wehleidiger Stimme, wie es sich für einen Schwertranken geziemt. Das Gericht hatte fünf medizinische Sachverständige geladen. Jaeoby bezeichnet« die gegen seine Abiehnmig»- und B«rtagungsonträge zur Verlesung gebrachte» Beschlüsse als eine„bewußte Unwahrheit des Gerichts" und stellt« neu« Vertag ungsanträge. Er verlangte, daß etwa ein Duftend dirigierender Tlerzte aus fast allen Krankenhäusern Berlins sowie ans Brandenburg geladen werden sollten, um fest- zustellen, daß er tatsächlich in schwerstem Maße an Gallen» sie inen leide»nd verhandlungsunsähig sei. Aus diese Weise vor- stand e« Jaeoby. die Verhandlung wiederum immer von neuem auf- .zuholten. Als die Verhandlung dann um 2 Uhr nachmittags wieder begann, wimchelis es auf den Gerichtskarridoren van Zeugen, deren Zahl etwa äil betrug. Aus dem Eröffnungebeschliih ging bervor, daß Jacvbn ein gemeingefährlicher Hogisdieb ist. Er war als Frauenarzt, Stadtarzt. Kreisarzt, Vrofefsor ausgetreten, um Zimmer zu besichtigen. In einigen Fällen hatte.er Frauen auch untersucht. Immer bat er um ein G l a s W a s s« r und stahl dann. Der Aag'tlagle erklärte, daß er unumwunden alle» zugebe. Es sei gar nicht nötig gewesen, den Prozeß mit einem solchen „Trara" aufzuziehen und die Zeugen zu laden. Er habe aber nur aus Morphiumsucht die Straftaten begangen, weil er sich die Mittel für die ihm unentbehrliche Droge verschaffen wollte. Di« Geriebtsörzte hätten böswilliger weise verneint, daß er Morphinist sei, ebenso wie sie sein Gallenleiden fälschlich bestreiten. Eine Röntgenuntersuchung hat ergeben, daß Jaeoby kein Gallen- leiden habe, er sei auch kein Morphinist. Jaeoby sei ein degenerierter Mensch und habe einen gehässigen UN d räch- süchtigen Charakter. Der als Zeuge vernommene R e f e- rent im Justizministerium erkannte in dem Angeklagten Julius Jaeoby den Mann wieder, der bei ihm als Oberstudien- rat aus Königsberg für seinen angeblichen schwerkranken Bruder empfangen worden war. Der Justizminister Dr. Schmidt hatte es abgelehnt, den angeblichen Oberstudienrat persönlich zu empfangen, und hatte ihn an den zuständigen Referenten verwiesen. Medizinalrat Dr. W o k e r hat den Angeklagten seh.' sargiältig unter- sucht. Er erklärte ihn nicht für schwertrank. Jaeoby schauspielere. Der Angeklagte hat noch vier Tage vor der ersten Verhandlung gegen ihn seine Diebereien fortgesetzt. Staatsanwaltschaftsrat L a t t e g a n beantragte gegen den Angeklagten unter Einbeziehung des in der vorigen Woche ergangenen Urteils«ine Gesamtstrafe von 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust sowie Stellung unter Polizeiaufsicht. » 3n vorgerückter Abendstunde wurde Zaeoby wegen vollendeten und versuchten vicbsiahls im Rückfall in 41 Fällen unter hinzu- ziehung der in der vorigen Woche erkannten sünfjährigen Zuchthausstrafe zu einer Gesamt st rasevo« 10 Zähren Zuchthaus, 10 Zahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei ewssicht verurteil«. Oer Prozeß der Braun-Refreier. Philipp 6 Monaten Gefängnis- Seifert freigesprochen. Das Schöffengericht verll«. Witte verurteilt« in dem Vroun-Befreiungsprozeh den Z4jährigen Schlächter. gesellen Karl Philipp zu ö Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten 2 Wochen Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, eine Bewährungsfrist auf den Rest der Strafe in Aussicht gestellt. Der Angeklagte Seifert wurde freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus, daß dos Gericht sich gehütet habe, hier etwa politische Justiz zu üben; es habe sich bei der Beurteilung der Tat eineesetts an den von dem Strafgesetzbuch eng umgrenzten Tatbestand gehalten und sei andererseits von der Persönlichkeit des Täters ausgegangen. Es mußte berücksichtigt werden, daß der Angeklayte Phitipp keine Führerrolle gehabt habe, sondern Mitläufer gewesen sei und unter keinen Umständen aus egoistischen Motiven gehandelt habe. Wenn die Höchst- strafe von vornherein ausgeschlosicn schien, so konnte die Strafe auch nickst ganz gering ausfallen, da die Beteiligung des Angeklagten ein« weitgehende und die hier verübte V-arletzrmg der Stootsautorität mit zu berücksichtigen gewesen sei. Es hätte auch unter keinen Um- ständen dem Straf zweck entsprochen, den jungen Menschen zum Mär- tyrer einer politisck?«» Bewegung zu stempeln. Aus all diesen Grün- den sei eine Gesängnisstnase von 6 Monaten als ausreichend«r- schienen. Der An« klagte Seifert habe mangels Beweises frei- gesprochen werden müssen. Ein äußerst verständiges Urteil. Mit einem scharfen Urteil wäre nur der.Roten Fahne" gedient gewesen, deren flink« Türten- spritzer um dieses Urteil herum kein hysterisches Geschrei erheben können. Man könnt« wähl wünschen, daß so manches andere Ge- richt, selbst das höchste nicht ausgenommen, sich an diesem Urtekl de? Schöffengerichts Berlin-Mitte«in Beispiel nehme, wie man die Justiz von Politik fernhält und nicht unnützerweise Märtyrer schafft. * Die Gerichteverhandlung selbst gestaltet« sich nicht uninteressant. Der 24iähria« Phitipp. sin kesser Berliner, schien die ganze Sache von vornherein auf eine sehr leichte Schulter zu nehmen. Der Anyetlogte Seifert, der an Lungen- und Knochentuberkulose leidet, wegen seines kranken Beines nur schwer laufen kann, ist für ein Unternehmen wie eine Gesangenenbefraiung im höchsten Maß« ungeeignet. Seiner Erzählung nach ist er am 11. April um Ab Uhr morgens aufgestanden und hat sich ZU seinem Freund Philipp begeben. Er erklärt«, daß er nur aus Angst, in die Sache verwickelt zu werden, seine Bekanntschaft mit Philipp, seinen Besuch am 10. wie auch die Unterhaltung im Flüstertone geleugnet und gegen den Schwager des B. die Drohung auegesprochen habe. Der Verteidiger Dr. Fritz Rosenfeld zerpflückte die Indizien der Staatsanwaltschaft in bezug auf Seiferts Teil- nehmerfchoft. Sollte Seifert von der beabsichtigten Befreiung Brauns gewußt haben, was auch nicht erwiesen sei, so war er nicht verpflichtet, eine Anzeige zu erstatten. Vier tödliche Verkehrsunfälle. Ein trauriger Rekord. Die ll n s a l t ch r o n i k hat wieder einmal einen traurigen Rekord zu verzeichnen: 3m Cause des gestrigen Tages wurden nicht weniger als vier Personen, darunter Zwri Kinder, Opfer des Verkehrsgetriebes. An der Ecke der Falckenstein- und Görlitzer Straße wurde der dreijährige Kurt Schmidt aus der Falckenstein- st r a ß e 25 beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Wagen der Berliner Mllllabfuhrgesellschaft über- fahren. Die Räder des schweren Gefährtes gingen so unglücklich über den Körper des Kindes hinweg, daß der Tod aus der Stelle eintrat. Nach Zeugenaussagen trifft den Kutscher des Wagens keine Schuld, da der Junge direkt in das Gespann hin- eingelaufen ist. Ein weiterer tödlicher Unfall trug sich an der Ecke M u l a ck- und Alte Schönhauser Straße zu. Dort wurde der acht- jährige Schüler Sally Weih aus der Dragonerstrahe 44 von einem Geschäftsaute erfaßt und üb.rfahren. Das Kind wurde mit einem doppelten Schädelbruch m das Krankenhaus am Frtedrichshain übergeführt, wo es kurz nach der Einlieferung an den Folgen der furchtbaren Verletzungen gestorben ist. In H a s e l h o r st in unmittelbarer Nähe der H a s e l h o r st e r Brücke verunglückte gestern abend der 44jährige Friedrich G a e r t h aus der B r u n n e n st r a ß e 18 zu Siemensstadt, der sich auf seinem Fahrrade«an seiner Arbeitsstätte in Spandau auf dem Heimweg befand, ebenfalls tödlich. G. wurde von einer Zugmaschine der Kabelwerte Siemens überfahren und ist auf der Stelle getötet worden. Der vierte tödliche Verkehrsunfall ereignete sich um 18 Uhr vor dem Hause Friedrich st raße 70. Ein noch unbekannter jugend- sicher Radfahrer, der nach der Kleidung dem Arbeiter st and angehört, wurde von einem 2l u t o b u s der Linie 5 von hinten angefahren. Der Radfahrer stürzte dabei so unglücklich, daß er unter die Räder des Autobus geriet. Mit schweren inne- ren und äußeren Verletzungen schaffte man den Ber- unglückten zur nächsten Rettungswache, wo der Arzt jedoch nur noch den Tod feststellen konnte. Eisenbahners Tod. Auf dem Stettiner Güterbahnhof ereignete sich gestern abend gegen 18 Uhr ein schwerer Unfall. Der 42jährigc Eisenbahn- arbeitcr Gustav Lucht aus der Reichen berger Straße 89 wurde beim Ueberschreiten der Gleise auf dem Wege zum Arbeits- schuppen von einer R a n g i erlo ko Mo ki v e üb ersa hikeN und schwer verletzt.. Der Verunglückte wurde sterbend von der Unfallstelle getragen. Die Schuldsrage bedarf noch der Klärung. �ocarno"-Giart nach Berlin. Ein französisches Gegenstück zum„Eisernen Gustav*. Unter dem Protektorat der radikalen Zeitung Volonte haben am Donnerstag mittag zwei Journal! st en in einem im Jahre 1885 in einer Pariser Fabrik hergestellten Automobil eine Fahrt nach Berlin angetreten. Das Automobil erhielt aus diesem Grunde den Namen Locarno. Das Signal zur Abfahrt des mit den französischen und deutschen Farben ge- schmückten Wagens wurde vom Kammerpräsidenten Bouisson ge- geben, dem sich der Vizepräsident und Kammerabgeordnete sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus der französischen Politik und dem französischen Geistesleben anschlössen. Jade London: QSolfllblUt. Allein es gab noch so viel anderes für Wolfsblut zu lernen. Das Leben im Nordland war einfach zu nennen ge- wesen, mit den verwickelten Regeln und Gesetzen in Sierra Msta verglichen. Zuerst hatte er die Familie des Herrn kennenzulernen. Allerdings hatte er schon ähnliches gekannt, und wie Mitsah und Klukutsch zum Grauen Biber gehört, seine Mahlzeiten, sein Feuer und sein Bett geteilt hatten, ebenso gehörten jetzt die Bewohner von Sierra Vista zu dem Herrn. Aber hier gab es doch Unterschiede. Sierra Bista war weit größer als das Zelt des Grauen Biber. Viele Personen waren zu berücksichtigen. Zuerst Richter Scott und seine Frau, dann Betty und Mary, die beiden Schwestern des Herrn, dann Alice, seine Frau, und Weedon und Maud, kleine Dinger von vier und sechs Jahren. Niemand konnte chm erklären, in welchem Verwandtschaftsgrade sie zu dem Herrn ständen, außerdem, was wußte er von Bluts- oder anderer Verwandt- schaft? Doch begriff er bald, daß sie zu ihm gehörten. Auch lernte er nach und nach, wenn die Gelegenheit sich darbot. durch Beobachtung aus Gebärden, Reden und dem Ton der Stimme, in welch verschiedenem Grade die Personen dem Herrn wert und teuer wären, und behandelte sie danach. Was dem Herrn lieb, war es auch ihm, und er wachte darüber sorgsam. So war es mit den beiden Kindern. Sein Lebtag hatte er Kinder nicht gemocht. Er haßte und fürchtete ihre kleinen Hände. Es waren nicht zarte Lektionen gewesen, die er von ihrer Tyrannei und Grausamkeit in den Tagen erhalten hatte, als er in den Jndianerdörfern gelebt hatte. Als der kleine Weedon und die kleine Maud sich chm zuerst näherten, hatte er warnend gegrollt und sie böse angesehen. Doch ein Knuff des Herrn und«in scharfes Wort hatten chn bewogen, chre Lieb- kosungen zu gestatten, aber er grollte unter den winzigen Händchen itnmer weiter, und es war kein kosender Ton in dem Grollen. Später bemerkte er. daß die Kinder dem Herrn sehr tau» wären, und dann war kein Knuff und kein scharfes Wort mehr notig. damit sie ihn streicheln durften. Allerdings zeigte sich Wolfsblut nie überfchwänglich liebevoll. Er be- grüßte die Kinder des Herrn nicht gerade freundlich, aber er war auch nicht tückifch mid nahm chre Neckereien hin, wie mau I eine schmerzhafte Operation über sich ergehen läßt. Konnte er es nicht länger ertragen, so pflegte er aufzustehen und festen Schrittes wegzugehen. Aber nach einiger Zeit fing er an, die Kinder gern zu haben, allerdings nicht in ausfälliger Weise. Er ging ihnen nicht entgegen, ober er ging auch nicht fort, wenn er sie kommen sah, sondern wartete auf sie. Noch später bemerkte man, daß ein freundlicher Glanz in seine Augen kam, wenn er sie erblickte, und daß er ihnen mit einer Art sonderbarem Bedauern nachschaute, wenn sie ihn um eines anderen Zeitvertreibs willen verließen. Dies alles kam jedoch erst ganz allmählich. Nächst den Kindern stand Richter Scott am höchsten in seiner Gunst. Möglicherweise gab es dafür zwei Gründe: erstens weil der Herr ihn augenscheinlich sehr hoch schätzte, und zweitens weil er sich ihm nicht ausdrängte. Auf der breiten Veranda lag Wolfsblut ihm gern zu Füßen, wenn jener in der Zeitung las und chn von Zeit zu Zeit mit einem Wort oder Blick bedachte, zum Zeichen, daß er sich seiner Gegenwart erinnerte. Aber dies geschah nur. wenn der Herr nicht da war: erschien dieser. so war für Wolfsblut niemand anderes da. Er erlaubte den Mitgliedern der Familie wohl, daß sie ihn streichelten und ver- wähnten, aber nie zeigte er sich ihnen gegenüber wie gegen den Herrn. Keine Liebkosung der anderen konnte ihn dazu bewegen, den Kopf zu verstecken. Diesen Ausdruck völliger Hingebung, völligen Vertrauens hatte er nur für den Gebieter übrig, und die Mitglieder der Familie erblickte er nur in dem Lichte, daß sie zu ihm gehörten. Bald lernte Wolfsblut einen Unterschied-�zwischen der Familie und den Dienstboten machen. Diese fürchteten sich vor ihm. und er ließ sie in Ruhe, weil sie ebenfalls zum Herrn gehörten. Aber es war nur ein Zustand der Neutralität zwischen ihnen— nichts weiter. Sie kochten, sie wuschen für den Herrn und taten andere Dinge für ihn, so wie es Matt in Klondike getan hatte, kurz, sie gehörten zum Hause. Doch außerhalb des Hauses gab es viel für ihn zu lernen. Das Besitztum des Herrn war groß, aber es hatte seine Grenzen, denn es hörte an der Straße auf. Darüber hinaus gab es noch Straßen und Wege, die gemeinsames Eigentum aller waren, und hinter Hecken und Zäunen lagen die Be- sitzungen anderer Leute. Zahllose Gesetze, die man beachten mußte, regelten dies alles, und, da er die Sprache der Men- scheu nicht oerstand, so konnte er nur durch Erfahrung diese Gesetze lernen. Also gehorchte er seinen Trieben, bis er gegen ein Gesetz verstieß, und war dies mehreremale geschehen, so lernte er das Gesetz beobachten. Das wirksainste Erziehungsmittel war ein Puff von der Hand des Gebieters oder ein tadelndes Wort aus seinem Munde. Bei der großen Liebe, die er für diesen hegte, schmerzte ihn ein Puff mehr, als die ärgsten Prügel, die ihm je der Graue Biber oder der schöne Schmitt erteilt hatte. Die hatten ihm nur körperlich wehe getan, im Herzen aber hatte er sich wütend dagegen empört. Der Puff des Herrn jedoch war stets zu leicht, uist wehe zu tun, aber er ging tiefer. Es war der Ausdruck des Mißfallens des Herrn und gab ihm jedesmal einen Stich ins Herz. Allerdings war der Puff nur selten nötig, da die Stimme des Herrn genügte. Aus ihrem Klange wußte Wolfsblut, ob er recht oder unrecht getan hatte, und er richtete danach sein Betragen ein. Dies war der Kom- paß, nach dem er steuerte, um Sitten und Gebräuche eines neuen Lebens und Landes zu lernen. Im Lande des Nordens war der Hund das einzige Haus» tier gewesen. Alle anderen Tiere hatten in der Wildnis gelebt und waren, wenn sie nicht zu groß gewesen, seine rechtmäßige Beute geworden. Sein Lebenlang hatte Wolfsblut sie ver- folgt und verzehrt, also kam es ihm nicht in den Sinn, daß es im Süden anders sein könne. Bald jedoch sollte er dies im Tal von Santa Clara kennen lernen. Als er einst früh am Morgen um die Ecke des Hauses bog, begegnete ihm ein Hühnchen, das dem Hühnerhof entwischt war. Wolfsbluts Instinkt trieb ihn an, es zu verzehren. Er machte ein paar Sätze, ließ seine Zähne blitzen, und das erschreckte, schreiende Hühnchen war gepackt. Es war gut gemästet, fett und zart, und Wolfsblut leckte sich das Maul, so vortrefflich hatte es ihm geschmeckt. Später am Tage fand er abermals ein ver- irrtes Hühnchen nahe am Stalle. Ein Stallknecht eilte zu dessen Rettung herbei. Aber er hatte von Wolfsbluts Ab- stammung keine klare Idee und ergriff als Waffe eine schwache Peitsche. Wolfsblut ließ beim ersten Peitschenhieb, der ihn traf, das Hühnchen fahren und wandte sich gegen den Mann. Ein Knüttel hätte ihn vielleicht aufgehalten, doch nicht eine Peitsche. Ohne Laut und ohne sich zu krümmen, nahm er einen zweiten Hieb im Sprunge hin, indem er dem Manne an die Kehle fuhr, der laut aufschrie und zurücktaumelte. Da- bei ließ er die Peitsche fallen und schützte das Gesicht mit dem Arm, der bis zum Knochen aufgerissen wurde.* I(Fortsetzung folgt.) Der Menschenfreund aus Leipzig. Dr. Schreber, seine Gärten und seine Bücher. Wenn von Leipzig die Rede ist, so denkt der Gebildete im allgemeinen nur an diese drei: Messe, Buchhandel und Musik. In einem Führer durch Leipzig heißt es nunmehr: Eine Eigentümlichkeit Leipzigs sind auch seine Schrebergärten, große Länderkomplexe, welche in Familiengärten mit Spielplätzen ange= legt, von der Stadt vermietet werden. Sie bestehen in allen Stadtteilen in Tausenden von kleinen Gärten." Daß aber von dieser Stadt durch diese genannten Schrebergärten die moderne Kleingartenbewegung ihren Ausgang genommen hat, das wissen die wenigsten. Es war ein einstmals weit über die Grenzen Leipzigs berühmt gewordener Arzt, Dr. Daniel Gottlieb Mozi dem individuellen Maß von Lebensfülle haushälterisch umgegangen wurde, d. h. ob dasselbe weder durch Untätigkeit der Verkümme rung überlassen, noch durch aus unausgleichbaren Zuvielgebrauch erschöpft, sondern ob das Kapital durch angemessenen Gebrauch, also durch Entwicklung der Bollkraft der Organe möglichst vermehrt wurde, und sodann davon, ob das Leben jetzt, wo es den Gipfelpunkt erreicht hat und nicht mehr denselben alles ausgleichenden Ueberfluß an Kraft besitzt, durch eine mäßige und mehr berechnete Lebensweise, d. h. durch einfach natürlich und nach unbefangerer Selbstbeachtung zu bemessende Lebensreize( unter denen Muskeltätigkeit obenan steht) angefrischt und unterstützt wird." Diese Worte, vor über 70 Jahren zum erste mal niedergeschrieben und gedruckt, wirken vollkommen modern, denn wir sind gerade dabei, gebracht wurden, fonnten a hi- vier Frauen und vier Kinderim Laufe des Nachmittags wieder entlassen werden. Lediglich eine Frau Martha R. aus der Barthestraße zu Neukölln liegt mit Ropfverlegungen noch danieder, doch gibt ihr Zustand zu Bedenken feinen Anlaß. Die polizeiliche Unter suchung über die Schuldfrage ist noch nicht abgeschlossen. Die Betrügereien bei der Sterngesellschaft. Hungerlöhne der Angestellten. Wir haben in diesen Tagen mehrfach unseren Lesern von den Vorgängen bei der Spree havel Dampfschiffahrts= gesellschaft Stern" Kenntnis gegeben, wo bekanntlich festgestellt worden ist, daß eine größere Anzahl von Angestellten Betrügereien zum Schaden der Gesellschaft begangen hat. Wenn es auch übertrieben ist, daß, wie ein Teil der Tagespresse mitteilt, bereits sechzig Schuldige festgestellt worden sind, so gibt doch die uns von der Potsdamer Kriminalpolizei angegebene Zahl von 20 Angestellten der Sterngesellschaft, die bis zum Mittwoch Schreber, geb. 1818, gest. 1861, der sich auch um die Einrichtung dieser vernünftigen lebensreformerischen Forderung zum Durchbruch dieser Woche ein Geständnis abgelegt haben, Anlaß zum Nachvon sogenannten Familiengärten, das sind kleine Bachtgärten auf städtischem Grund und Boden, verdient gemacht hat. Nach ihm wurden in Leipzig diese Gärten, die später in anderen Städten den wenig empfehlenden Namen Armengärten erhielten, genannt. Schrebergärten und Laubengärten. In Berlin ist der Name Schrebergärten ziemlich unbekannt geblieben. Die Berliner bekamen ihre 2 aubengärten, die in ihrer rechtlichen Grundlage anders waren als die Schreber gärten. Das Laubenlaid befand sich im Besiz von Staat, Stadt, Kirche und Privaten und wurde den Kleinsiedlern, den Laube 1gärtnern, nur durch Mittelmänner, die sogenannten Genezalpächter, überlassen. Die unerhörten Mißstände, die sich aus diesem üblen System entwickelten und die in vielen Fällen dazu beitrugen, daß die Arbeiter, die ihre Gärtchen behalten wollten, dem Alkoholismus in die Arme getrieben wurden, sind noch in frischer Erinnerung. Mit der am 31. Juli 1919 in der Nationalversammlung in Weimar angenommene Kleingarten- und Landpachtordnung wurde die Macht der Generalpächter endlich gebrochen. Aber eine andere, viel größere Gefahr erwuchs, daß nämlich mit der zunehmenden Bebauung die bisherigen Laubengärten verschwinden würden, und es fam schließlich darauf an, einen gerechten Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen der Laubengärtner und den nicht minder berechtigten Interessen derer zu finden, die wede: Laubengarten, noch wohnung haben und nun zunächst einmal eine Anbauwohnung haben wollen und haben müssen. Wie der Provinzialverband Groß- Berlin im Reichsverband der Kleingartenvereine Deuti lands kürzlich im Vorwärts" berichtete, sind in Berlin von ten bis heute laubengärtnerisch benutzten 5750 Hettar mur 2050 Hettar als Dauergelände ausgewiesen worden. Um die restlichen 2700 Hektar und um Neuland werden noch harte Rämpfe entbrennen. Um die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf die Bedeutung der Kleingärten für die förperliche und seelische Ausbildung der Jugend zu lenken, hatte der Provinzialverband an verschiedenen Punkter der Stadt Jugendwerbefeste veranstaltet und in der Ankündigung dieser Feste war auch der Name jenes Leipziger Arztes, dem im Grunde genommen diese Volks-, Familien- und Jugendgärten zu danken sind, eben jenes Dr. Schreber ehrend genannt worden. Der Mensch auf der Höhe des Lebens. Dr. Schreber verdient es sehr wohl. daß man heute sich seiner, feines Wirtens und seiner Werfe auch in Berlin erinnert. Er hat fich als Arzt ganz besonders durch Einführung und Verbreitung der Heilgymnaffit in Deutschland verdient gema ht, und sein Buch: Aerztliche 3immergymnast it oder System der ohne Gerät überall ausführbaren heilgymnastis hen Freiübungen als Mittel der Gesundheit und Lebenstüchtigkeit" hat bis in die jüngste Reit über 30 Auflagen erlebt. In diesem Buch legt er besonderen Wert auf Uebungen, die dem Menschen in dem mittleren Lebensalter betreffen, und er sagt über diese Altersstufe die folgenden vortrefflichen klugen Worte:„ Die vermeintliche Unverwüstli hkeit der Jugendkraft ist vorüber. Soll das Schwungrad des Lebensprozesses noch lange Zeit auf dem Gipfelpunkt forth hwingen, ohne der abwärts neigenden Bahn zuzueilen, so hängt dies zunächst davon ab, ob während der aufwärtsgehenden Lebensperiode mit Ein ganzer Arbeitszug entgleist. Lokomotive und drei Waggons entgleift. Auf dem Bahnhof Heerstraße entgleisten gestern um 17,20 Uhr die Cotomotive eines Arbeitszuges und drei Waggons. Sowohl die Lokomotive, als auch die Wagen stürzten um, legten sich quer über die Gleise und bohrten sich zum Teil fief in das Erdreich ein. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles wurde eine Arbeitskolonne der Reichsbahn an die Unfallstelle entsandt, die die Aufräumungsarbeiten vornahm. Noch im Laufe der Abendstunden wurden zwei Kräne herangeführt, um die Lokomotive und die Wagen wieder einzugleifen. Der Stadtbahnverkehr wurde durch den Vorfall empfindlich gestört. Nach einer mehr stündigen Lahm= legung des Stadtbahnverkehrs in beiden Richtungen fonnte der Betrieb später durch Umleitungen wieder aufgenommen und planmäßig durchgeführt werden. Die Ursa che der Entgleifung fonnte noch nicht ermittelt werden. Dem Lokomotiv: personal und auch einem Bremser gelang es, rechtzeitig a b= gekommen ist. zu verhelfen und unsere Jugend auf sie einzustellen. Man sieh: aber auch zugleich, daß es nicht allein auf politischem, sondern auch auf fulturellem Gebiet sehr lange dauerte, bis eine vernünftige Forderung sich durchsetzt. Ein wunderbares und in vielen seiner Forderungen gleichfalls noch nicht überholtes Buch ist Dr. Schrebers„ Kallipädie oder die Erziehung zur Schönheit", vor jetzt genau 70 Jahren ers hienen. Schreber war es, der in klugen und überzeugenden Worten schon damals gegen den Unfug der Schnütbruft, wie er das Wort Koriett richtig verdeutscht, Front macht. Ebenso energisch wendet er sich daß ihr alleiniger Halt im Zusammenbinden über der Hüfte beſteht, gegen die Unfitte, die Unterröcke der Mädchen so einzurichten, wodurch eine auf die Weichteile treffende einschneidende Wirkung ausgeübt wird. Auch diese Unfitte ist erst vor einigen Jahren fallengelassen worden. Kann es da wunder nehmen, wenn Schreber auch gegen die durch die Mode hervorgerufe e Verkrüppelung der Füße von Frauen und Mädchen zu Felde zicht? Selbsterziehung zur Gemeinnügigkeit. " Was Shreber dann aber an anderer Stelle dieses trefflichen Buches über das einem jungen Mann anstehende wahre Streben fennzeichnet, ist wiederum so wertvoll, daß es verdient, in die Erinnerung zurückgerufen zu werden. Er geht aus von der Betrachtung der Duelle, wie er die studentischen Mensuren bezeichnet, und meint in durchaus richtiger Erkenntnis ihrer psychologischen Grundlagen, daß sie entstehen aus dem natürlichen Drang der Jünglinge, Gefahren musiq zu bestehen. Nur", so sagt er in weiterer richtiger Drang in einer dem Gemeinwohl fördernden Weise zu entsprechen." Erkenntnis, fehlt den jungen Männern die Gelegenheit, diesem Er schlägt dann, um diesem Ziel nahe zu fommen, vor, Schuhwehrmannschaften zu bilden, die bei Feuersbrünsten, Wassersnot, Unglücksfällen Hilfe leisten.„ Die jungen Männer", so meint er, werden bei solchen Anlässen reichlich Gelegenheit finden, ihrem jugendlich männli hen Drang, in Mutproben sich zu bewähren, zugunsten der Weiter sagt Schreber:„ Die auf eine Allgemeinheit zu genügen. praktische Wirksamkeit im Leben gerichteten Ideale werden den jungen Menschen zunächst auf echten Gemeinfinn, auf wahre Baterlandsliebe führen und ihn auch mit Achtung vor den bestehenden Verhältnissen des Staates erfüllen." Und indem Schreber darauf hinweist, daß der Erwerbsberuf nicht das alleinige Ziel des jungen Mannes sein darf, sondern daß dieses Ziel gleichzeitig auch das Wohl des Ganzen, die Gemeinnüglichkeit, umfassen muß, tonzentriert er seine sozialen Ideale fhließlich auf dieser Formel:„ Es liegt tief in der menfájlichen Seele begründet, und läßt sich durch keine Selbsttäuschung wegleugnen, daß das Ceven nur dann volle Befriedigung und inneres Glüd gewährt, wenn das Einzelleben zugleich mit dem Leben für das Ganze verflochten ist." So wird das Buch des edlen Leipziger Arztes und Menschen- und Jugendfreundes zu einem Leitfaden für wahre Lebenskunst, in sehr vielen Teilen auch heute noch mit Nutzen zu lesen. Daß es so start von unverkennbar sozialen Geist durchtränkt ist, erklärt sich sehr bald, wenn man daran denkt, daß es nur zehn Jahre nach der zweiten deutschen Revolution von 1848 gedruckt wurde. Es war gut von dem Provinzialverband des Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutsch lands, daß er an diesen seltenen Mann erinnert hat. Man sollte sein Gedächtnis nicht nur in den nach ihm genannten Volks- und Jugendgärten wachhalten. Tr. tenken. " Man muß nämlich wissen, daß sich unter den Schuldigen so mancher befindet, der aus Not gehandelt zu haben scheint. Se wissen wir, daß ein greiser Pensionär, der ebenfalls im Dienste der Sterngesellschaft steht und sich dort ein paar Pfennige zu seiner spärlichen Bension hinzuverdient, unter der Last des gegen ihn vorgebrachten Beweismaterials" unter Tränen zusammengebrechen ist; man fonnte ihm nachweisen, daß er auf eigene Rechnung 3(!) Fahrtarten verfauft hatte! Es soll nicht beschönigt werden, was das ungetreue Personal getan hat, zumal bei der kommenden Gerichtsverhandlung die Verteidiger Gelegenheit haben werden, die gesamte Angestelltenverhältnisse bei der Sterngesellschaft und somit den psycho- sozialen Hintergrund der ganzen Affäre zu beleuchten. Immerhin wird heute schon die Anfrage an die Direktion der Sterngesellschaft erlaubt sein, ob sie denn ihre Pflicht gegenüber den in ihren Diensten befindlichen Männern und Frauen getan hat. Wir erfahren nämlich, daß das Einformen der von der Polizei überführten Angestellten zwischen 24 und 40 m. wöchentlich schwankte. Die Sterngesellschaft betont jetzt, sie habe mit Verlusten gearbeitet und feine Dividende zahlen können, weil sie von ihrem Personal betrogen worden sei. Die Herren Direktoren bätten getroſt höhere Löhne zahlen können, dann wäre es ihren Arbeitern besser gegangen; fie wären vor der Versuchung, die Gesellschaft zu betrügen, geschützt gewesen und die Gesellschaft felbft hätte feine Verluste ge= habt. Man fann wohl sagen: Ihr laßt den Armen schuldig werden..." Wie auf Anfrage von der Potsdamer Geschäftsstelle des„ Deut. schen Verkehrsbundes", der freigewerkschaftlichen Organisation des Dampferpersonals, mitgeteilt wird, gehören Angestellte der Sterngesellschaft dem Verbande nicht an. Aus diesem Anlaß noch einige Worte über merkwürdige und befremdende Praktiken der Potsdamer Kriminalpolizei. An jedem Vormittag erhält dort die Presse ihre Informationen, aber in dem Falle der Sterngesellschaft fonnte man wie in manchem anderen schon vorher feststellen, daß ein ausgesprochen deutsch= nationales Blatt ebenso wie die gleichgesinnte Berliner Preise Nachrichten brachte, die nur aus dem Potsdamer Polizeipräsidium stammen fonnten, die aber der republikanischen Potsdamer und Berliner Presse nicht gegeben worden war. Diese Dinge ereigneten sich u. a auch schon, bevor der jetzige Leiter der Kriminalpolizei, Herr Kriminaloberinspektor Degener, im Amte war. Es müssen also im Polizeipräsidium selbst hinter dem Rücken des Herrn Degener Verbindungen zwischen der Kriminalpolizei und der deutschnationalen Presse bestehen. Vielleicht fühlt sich der Potsdamer Polizeipräsident Herr von Zihewih bemüßigt, einmal nach dem Rechten zu sehen. Es wird Zeit, daß etwaige dunkle Kanäle wenn dabei noch etwas anderes, verschüttet werden, auch verschütt" geht. Eine Familientragödie in Wandsbek. Mann, Frau und drei Kindern die Pulsadern aufgeschnitten. Am Donnerstagvormittag wurde in Wandsbet in seiner Wohnung der Verwaltungsdirektor Tegtmeyer mit feiner Frau und feinen drei Kindern im Alter von fünf, fieben und zehn Jahren mit durchschnittenen Pulsadern besinnungslos aufgefunden. Allen Personen war die linke pulsader durchschnitten. Sie mußten in vernehmungsunfähigem Zustand dem Krankenhaus zugeführt werden. such mit Veronal, nachdem sie vorher dem Potsdamer Staatsanwalt eine Aufstellung ihrer Verfehlungen übergeben hatte. Auch ihre Nugnießer waren wohlweislich darauf angegeben. Das Urteil erging auf sechs Monate Gefängnis; zwei Monate muß die Angeklagte verbüßen, für den Rest wurde Strafim ausfegung zugebilligt. Dann wurde gegen den 52jährigen Rendanten und Schagmeister Karl Seefeld aus Potsdam verhandelt. Der Angeklagte mar ehrenamtlich beim Deutschen Kolonialkriegerbund und beim Kriegerverein ehemaliger Dstasiaten angestellt. Hier war er nach Unterschlagung von 10 000 mart Ende vorigen Jahres flüchtig geworden. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt mit teilweiser Strafaussehung. Ein Raubüberfall aufgeklärt. Die beiden jugendlichen Täter verhaftet. zuspringen, so daß glücklicherweise niemand zu Schaden Berg perübt. Ein Gärtner aus Friedenau besuchte einen Potsdamer Unterschlagungsaffären. Für die schöne Freundin. Die großen Unterschlagungen beim Potsdamer Beamtenwirtschaftsverein, beim Kolonialfriegerbund und beim Striegerverein ehemaliger Oftafiaten beschäftigten das Potsdamer Schöffengericht. Zuerst wurde gegen die 23jährige Buchhalterin Eva Che valier aus Potsdam verhandelt. Die Angeklagte, Tochter eines Domänenverwalters, war auf Empfehlung verschiedener Rechnungsräte 1925 bei dem Potsdamer Beamtenwirtschaftsverein als Buchhalterin angestellt. In zwei Jahren ihrer Tätigkeit hat fie hier 18 000 veruntreut. Die Angeklagte ist gemissermaßen das Opfer ihrer bildschönen Freundin, einer Ministerialamtmanns tochter Elisa M., geworden. Von Natur aus stiefmütterlich behandelt, hatte die Angeklagte nur den einen Wunsch, im Schatten ihrer üppigen Freundin zu leben. Sie überschüttete Elisa mit Geschenken in Bar und in Sachwerten. Brauchte Elisa ein Kleid, gab die Angetlagte ihr 200 auch 300 Mart. Die teine Buchhalterin richtete fich fehr elegant ein und hielt sich auch einen jungen Freund, mit dem sie teure Reifen unternahm. Die Zechen bezahlte fie. Schließlich gewöhnte sich die Angeklagte immer mehr an den Lurus. Das Silvesterfest 1926 toftete 300 Mart. Endlich traf im Februar 1927 Ministerialrat Kurts in den Borstand, und dieser entbedte den Schlenbrian bei der Beamtenvereinigung. Gleich darauf verübte die eine Buchhalterin einen Gelb ftmordverEin nächtlicher Raubüberfall wurde fürzlich am Tempelhofer Freund in Tempelhof und trant mit ihm in einem Lokal ein Glas Bier. An einem Nebentisch saßen vier junge Burschen, die sehen konnten, daß der Gärtner wiederholt die Zeche bezahlte. Als er gegen 2 Uhr aufbrach, verließen auch sie das Lokal. Nichts ahnend, ging der Gärtner mit seinem Freunde ein Stück Weges, trennte sich dann von ihm und ging allein weiter. Am Tempelhofer Bera tauchten plöglich die vier, die heimlich gefolgt waren, in seiner Nähe auf und sprachen ihn an. Ganz unversehens erhielt er gleich darauf von einem mit einem Schlüsselbund versehens erhielt er gleich darauf von einem mit einem Schlüsselbund einen so heftigen Schlag gegen den Unterkiefer, daß er betäubt zusammenbrach. Als er wieder zu sich kam, waren die Burschen verschwunden. Sie hatten ihm die Brieftasche geleert und dann wieder zugesteckt und ihn im ganzen um 68 Mart beraubt. Die Kriminalpolizei forschte in allen Lokalen der Gegend nach, ermittelte alle Uebeltäter und nahm sie fest. Zwei von ihnen wurden wieder entlassen, weil sie sich nachweislich an dem Ueberfall nicht tätlich beteiligt hatten. Die beiden anderen, ein 18 Jahre alter Hans B. und ein 17jähriger Friz St., wurden de m Jugendgericht vorgeführt. Beide sind arbeitsscheue Taugenichtfe und haben schon verschiedene kleinere Diebstähle und Räube reien auf dem Kerbholz. Sie hatten, als sie bei dem Gärtner Geld fahen, gleich den Plan gefakt, ihn auszurauben. B. versetzte ihm den Schlag und nahm ihm die Brieftasche weg, während St. ihm aus den Kleibertaschen 6 Mark Kleingeld herausholte. Das Dampferunglück am Osthafen. Bon den neun Fahrgästen, die bei dem Dampferunglüd am Osthafen zu Schaden gekommen sind und durch das Städtische Rettungsamt nach dem Krankenhaus am Friedrichshain Ein Arzt von Einbrechern erschossen. 1000 Marf Belohnung ausgesetzt. In Putbus auf Rügen wurde am Donnerstag morgen Eßzimmer seiner Billa der praktische Arzt Dr. Brandenburg mit vier Bauchschüssen tot aufgefunden. Nach den polizeilichen Ermittlungen waren in der Nacht Einbrecher in das Innere der Billa, die der Arzt mit seiner Schwester bewohnte, eingedrungen. Durch irgendein Geräusch muß Dr. Brandenburg auf die Bande aufmerksam gemacht worden sein. Als er dann im Eẞzimmer auf die Einbrecher stieß, wurde er durch mehrere Schüsse zu Boden gestreckt. Die Diebe sind unbemerkt entkommen. In der Villa ist nichts gestohlen worden. Auf die Ergreifung der Flüch tigen ist eine Belohnung von 1000 m. ausgefeßt worden. Das Unwetter in Schlesien. Zwei Todesopfer. Die Unwetter in Schlesien, die über die Stadt und Teile des Kreises Brieg hinzogen, haben erheblichen Schaden angerich tet. Die Getreidefelder wurden verwüstet. Bei Brieg schlug der Blizz in eine Gruppe von landwirtschaftlichen Arbeitern ein. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, die anderen in der Nähe befindlichen Personen wurden zu Boden geworfen. Bei dem über Zindel( Kreis Breslau) niedergegangenen Gewitter wurde ein 18 Jahre alter Arbeiter auf den Rieselfeldern vom Blig getroffen und getötet. In einer Breite von drei Kilometer zog auch über den Kreis Taubeneiern fausten hernieder. Starte Stämme wurden wie StreichDels ein schweres Hagelwetter. Hageltörner in der Größe von hölzer gefnickt. Menschenknochen wurden in der Köllnischen Allee zwischen Dammweg und Planetenstraße bei Erdarbeiten für eine Kabellegung aus dem Bürgersteig ausgegraben. Ein Arzt, der zufällig des Weges fam, erkannte zwei llntertiefer und einige Röhrentnochen. Er schäßt ihr Alter auf etwa 80 bis 90 Jahre. Vielleicht stammen fie aus der Zeit der Befreiungstriege. Der Fund wurde zu genauerer Untersuchung sichergestellt. Kufeke Seit Jahrzehnten die bevorzugte Nahrung für Säuglinge, die nicht gestillt werden oder die entwöhnt werden sollen. Unübertroffen bei allen Verdauungsstörungen, besonders bei Brechdurchfall und Darmkatarrh Eine Tragödie der Not. Der Untergang der Familie Wiechmann. Aus Frankfurt a. M. wird uns berichtet: Vor dem hiesigen Schwurgericht spielt sich in diesen Tagen der Tetzte Aft einer furchtbaren Tragödie ab. Es ist die Tragödie eines Gestrauchelten, der trotz aller Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen mit Frau und drei Kindern hilflos zu Grunde ging. Angeklagt ist der frühere Eisenbahnobersekretär Wiechmann, der am 1. März d. J. gemeinschaftlich mit seiner Ehefrau seine drei Sinder im Alter von 4, 2 und 1 Jahr in ihren Betten erstickt und nach dieser Tat feine Gattin auf ihr eigenes Verlangen mit einem Gürtel erwürgt hat. Im Verlauf seiner Vernehmung gibt der Angeklagte an, am 31. Mai 1898 als Sohn eines Gendarmeriemachtmeisters im Saargebiet geboren zu sein. Mit 16% Jahren fam Wiechmann in den Krieg, aus dem er vor Gericht furchtbare und schreckliche Erleb= nisse in Menschenschlachten erzählt. Mehrfach verwundet, mirb wird er als Offizierſtellvertreter entlassen, holt auf der Schule sein Reisezeugnis nach und macht im Eisenbahndienst eine schnelle Karriere. Er wird in Höchst a. M. Obergütervorsteher, verheiratet sich gegen den Willen der Eltern mit einem armen, mittellosen Mädchen und begeht, um eine Wohnungseinrichtung zu faufen, Unregelmäßigkeiten und Unterschlagungen bei der Bahnkaffe, die ihn seine Stellung fosten. Von einer Anklage wird abgesehen, meil der Bater des Angeklagten die unterschlagenen Gelder, die sehr beträchtlich gewesen sind, ersetzt. Nach seiner Entlassung aus dem Eisenbahnerdienst geht es mit der Familie Wiechmann bergab. Der Angeklagte findet nirgends Arbeit. Er nährt sich fümmerlich von Unterstützungen der Verwandten und von fleinen Provisionsgeschäften, wandert.mit seiner Frau und den drei Kindern von Stadt zu Stadt, fommt immer tiefer in Schulden, fann feine Miete bezahlen, wird auf das Pflaster gesetzt. Die Familie hungert und friert, die Kinder erbetteln sich Brotfrusten. Wiechmann begeht neue Unregelmäßigkeiten und wird zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Es ist ihm unmöglich, irgendwo Arbeit zu finden. Wiederum sind Mietschulden zu zahlen. Der betrunkene Hausherr schlägt der Familie mit der Art Türen und Fenster ein, bombardiert das Zimmer mit Backsteinen, weil er seinen Mietzins nicht erhalten kann. Zuletzt landet die Familie, jeglicher Habe bar, in Frankfurt a. M. in einem unmöblierten Zimmer mit Küchenbenuzung. Auf der Erde werden notdürftig Schlafgelegenheiten als Ersatz für Betten hergerichtet. Wiederum der Streit um die Miete. Die Kinder haben keinen Bissen zu essen. Mitleidige Nachbarn bringen ab und zu ein Stück Brot und einen Teller Suppe. Da verbietet eines Tages der Wohnungsinhaber die Benutzung von Wasser und Licht. Die Hähne werden abgesperrt. Ein Spiritusfocher ist das einzige Licht und die einzige Wärme der Familie. Der Angeklagte selbst hat in wenigen Monaten 40 Pfund ab= genommen. Die Frau und die Kinder siechen dahin. Bittbriefe an Eltern und Verwandte bleiben unbeantwortet. Scham und falscher Ehrgeiz verhindern, daß die Angehörigen persönlich aufgesucht werden. thor odc Der erste März kommt heran, und es ist kein Geld für die Miete da. Da wird der unglücklichen Familie fogar die Klosettanlage abgesperrt. Nachdem auch das Wohlfahrtsamt versagt hat, reift der Plan zum Selbstmord der Familie heran. Abschiedsbriefe werden geschrieben, die Türe wird versperrt. Frau Wiechmann fleidet ihre Kinder morgens an, und furze Zeit darauf sind sie von beiden Eltern erwürgt. Bor Gericht kommen erschütternde Einzelheiten über die grausige Der Tragödie bei der Vernehmung des Angeklagten zutage. 72jährige Vater und die Schwester Wiechmanns zeugen jezi unter Tränen und Jammer für den Sohn und Bruder, bis Wiech mann ohnmächtig zusammenbricht und die Verhandlung vertagt werden mußte. Das Urteil wird voraussichtlich Mitte nächster Woche gesprochen werden. Als Sachverständiger ist der von der Verteidi gung geladene Dr. Magnus Hirschfeld( Berlin) erschienen. Betriebsneuerungen bei der Aboag. Der erste Autobus mit Vorderachsenantrieb. Die Allgemeine Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft, die am 25. Juni dieses Jahres auf ihr 60jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hatte aus Anlaß dieses Jubiläums am gestrigen Donnerstag 3u einer Besichtigung ihres neuen Betriebshofes in Trep tom in der Eichenstraße geladen. Unmittelbar an der Spree ist hier seit dem 17. März ein groß angelegter Omnibushof dem Betrieb übergeben, der zurzeit noch durch weitere Anlagen, unter anderem durch den Neubau von Betriebswerkstätten und einer geplanten Ersay= teilfabrik erweitert werden soll. Die neue Wagenhalle fällt besonders durch die große Spannweite ihrer Eisentonstruktion nämlich 72 Meter auf und stellt eigentlich nur einen überdachten Hof dar, da man auf sämtliche den Verkehr innerhalb der Garage hindernden Stüßpfeiler verzichtet hat. Die Garage hat einer. Raum von 7900 Quadratmeter und ist mit allen modernen Einrichtungen ausgerüstet. Interessant ist auch eine große Tankbrücke, durch die sämtliche Fahrzeuge mit Betriebsstoff versehen werden. Neben der großen Garage, in der die aus dem Betrieb zurückkehrenden Wagen untergestellt, gesäubert und repariert werden, verfügt der neue Betriebshof über umfang reiche Werkstätten zur Reparatur schadhaft gewordener Fahrzeuge, die nach dem Prinzip der Fließarbeit eingerichtet sind. Direttor Quarg, der den Gästen die Anlagen erläuterte, gab bei dieser Gelegenheit auch einige Betriebsverbesserungen der Aboag bekannt. in den nächsten Wochen einen ganz neuen Wagentyp auszuprobieren, und zwar den ersten Autoomnibus mit Vorderradantrieb. Dieser Wagen zeichnet sich besonders durch einer besonders ruhigen Gang aus und läuft auch fast geräuschlos. Dieser Wagentyp, der auch in Amerika noch nicht zu finden ist, wird voraussichtlich zuerst auf der Linie 20 versuchsweise eingeführt werden. Der Typ ist übrigens von der Aboag in den eigenen Werken konstruiert worden. Wohnungsbauten in Schmargendorf. Ein Wohnungsbauvorhaben soll in Schmargendorf aus= geführt werden. Es handelt sich um 607 Wohnungen, die dort die Deutsche Baugenossenschaft herstellen will. Der Magistrat hat beschlossen, die Finanzierung durch Uebernahme einer Bürgschaft der Stadt Berlin zu ermöglichen. 475 dieser Wohnungen sollen nur an Berliner Wohnberechtigte vermietet werden, wobei die Jahresmiete nicht über 15 Mart je Quadratmeter Wohnfläche betragen darf. Die übrigen 132 Wohnungen darf die Gesellschaft frei vermieten. Nobile will seine Mannschaft suchen? Wie aus Rom gemeldet wird, hat General Nobile den Wunsch geäußert, sofort Nachforschungen nach seinen verscholleBehörden konnten diesen Wunsch infolge des start mitgenommenen nen Gefährten von der Italia" einzuleiten. Die italienischen Gefundheitszustandes des Generals nicht berücksichtigen. Jetzt erfährt man, daß auf wiederholtes Drängen Nobiles hin und mit Rücksicht auf seinen gebesserten Zustand die gewünschte Erlaubnis erteilt wurde Sobald die Witterungsverhältnisse es gestatten, will Nobile gemeinsam mit den Fliegern Penso und Madda= en a aufsteigen, um das Gebiet abzusuchen, wo die mit dem Luftschiff fortgetriebenen Schiffbrüchigen vermutet werden. Sollte der General wegen seines Verhaltens Gewissensbisse bekommen haben? Reinfall völkischer Studenten. Mit großem Tamtam hatten die deutschnational- poltischen Studenten der Handelshochschule Berlin zur Wahl ihres Vereinsparlaments aufgerufen. Sie erzielten aber nur eine Beteiligung von 42 Pro3, womit bewiesen ist, daß diese Studentenclique sich der Namen„ Allgemeine Studentenfchaft" völlig zu Unrecht anmaßt. Die Mehrheit der Studierenden war vernünftig genug, der Parole des„ Sozialistischen StudentenAusschusses" zu folgen und sich an dieser, gegen die preußische Re= gierung gerichteten, antirepublikanischen Demonstration nicht zu beteiligen. In der nächsten Zeit wird auf der Linie 7, Bahnhof Halensee- 3ehlendorf, ein neuer, sehr langgestreďter Wagen dem Verkehr übergeben werden, der etwa 50 Personen faßt. Der bisherige gewöhnliche Autobustyp rentierte sich nicht, da die Linie trotz ihrer steten vollen Frequenz wegen der vielen Langstreckenfahrten nicht die Kosten aufbrachte. Dieser Wagen ist auch mit neuer Niederdruckballonbereifung auf fämtschaftshaus) zu haben. lichen vier Rädern ausgerüstet. Die Aboag beabsichtigt auch, Funkwinkel, Karten für die Ausstellung„ Die Ernährung" zum verbilligter Preise von 1 M.( statt 1,50 m.) find in allen Gewerkschaftsbureaus sowie im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( Gewerf. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, dem 28. Juni. 1. Rennen. 1. Albrecht Dürer( Jauß jr.), 2. Dberstleutnant ( Ringius), 3. Teufelsbursch( J. Mills). Zoto: 26: 10. Plat: 20, 38, 32: 10. Ferner liefen: Marone, Heinz, Diamant, Fliegerin, Idyll. 2. Rennen. 2. Baron Gabler 1. Flaggenlied( Lautenberger), ( Czerfon), 3. Heideblume( J. Wills). Toto: 41:10. Plat: 17, 29, 14:10. Ferner liefen: Ingelinde, Marienwahl, Lebemann, Terraria, Eulenspiegel, Dancing Girl, Lindow Beter 3. Rennen 1, Barmenio( Ch. Mine), 2 Basser( Knöonadel jr.), 3. Nelly Arnold( Schröder). Toto: 13: 10. Plat: 12, 29: 10. Ferner liefen: Abendstern, Alpenfeuer. 5. Rennen. 1. Edelsteins Sohns( Mattern), 2. Graf Dorn( Haller), 3. Erifa( wofdz). Toto: 47:10. Blab: 21, 17, 18: 10. Ferner liefen: Erbpring jr., Wartburg, Lombardei, Fram, Lessing, Einsicht, Hellina, Qu, Gelbstern, D'Captain Weerberg, Petronella A, Langemann. 6. Rennen. 1. Magowan jr.( Ch. Mills), 2. Johannistäfer( Eberl), 3. Natalis( Schleusener). Toto: 15: 10. Plat: 12, 18, 20:10. Ferner Ein gutes Nachmittagskonzert. Lieder und kleine Kompositionen von Mozart bis Richard Strauß. Keine schwerverständlichen Dinge, fondern sehr viel blühende Melodie. Es ist reines Musitantentum aus Freude an der Musit, und selbst Richard Strauß bleibt in diesen Mozart. Ihre Höhe flingt stellenweise scharf, und der Stimme fehit Liedern völlig unproblematisch. Hilde Weyer singt Strauß besser als 4. Rennen. 1. Siegrim( Stozal), 2. Cotta( Schleusener), 3. Michael die technische Virtuofität, die Töne leicht und mit spielerischer Sicher- Knöpnadel jr.). Toto: 26: 10. Platz: 14, 18, 42: 10. Ferner liefen: heit zu bewältigen. Deshalb nimmt Hilde Weyer Mozart zu schwer Bube, Jeanette. Kapitain Halle, Morgentau, Bainsca, Peter Harvester, Dolerit, Caround mit zuviel Stimmstärke. Die Cellistin Eva Heinig und Luba Judkowska am Flügel sind gut im Technischen und im Ausdruck. Den beiden Neuklassikern der Operette Franz Lehár und Leo Fall gilt das Abendprogramm. Wertvolles steht neben Kompofitionen, die nicht immer das Niveau wahren können. Aber feiner der modernen lebenden Operettenkomponisten hält einen Vergleich mit Lehár aus, find, selbst in seinen schwächeren Werken. Leider ist der Tenor Erik in dem die besten Traditionen der Wiener Operettenmusik lebendig Deutsch- Haupt fein vollwertiger Ersaz für den erkrankten Bötel. Dr. Kurt Zarek behandelt in seinem Zyklus Dichtung und Gegenwart" den Dramatiker Bernhard Shaw mit sehr viel Fremdworten und mit der Absicht, sich philosophisch zu geben. Dabei kommt der Ironiker, der lächelnde Weise in Shaw zu kurz. Nach dem Vorbild Julius Babs stilisiert Zarek den irischen Dichter allein auf den Prof. Dr. GePuritaner. Das hat Shaw bestimmt nicht verdient. funkvortrag die verworrenen Verhältnisse chinesischer Politik auch für den Laien flarzulegen. 1.+ Naturbursche( Frömming). Toto: 86:10. Plas: 19:10. 3. Heliogabal liefen: Trotteur, Manzanares, Lodung, Copal, Aga, Alvengeier, Karneval. 7. Stenne it. 1.+ Nippfache( Schröder). Toto: 57: 10. Plat: 33: 10. ( Czerson). Plag: 60:10. Ferner liefen: Friesin, Peter Spinne, Silberpappel, Friederitus, Modedame, Haga Burton, Biedermann, Long Albert, Zierde, Artifex, Ladyship, Erich S, Linne, Ludzina. Vater und Mutter halten dann noch eine Abschiedsstunde. Darauf zieht Frau Wiechmann ihr schwarzes Kleid an, holt den Gürtelriemen ihres Mannes, legt sich auf das Lager, betet mit dem Gatten und küßt ihn noch einmal, legt sich dann den Gürtel um den Hals und bittet den Gatten, zuzuziehen. Das geschieht. Bald darauf ist auch die Mutter eine Leiche. Zum letzten Schritt, zum eigenen Selbstmord, reicht es jedoch bei Wiechmann nicht mehr. Er sieht die erstarrten Augen der Gattin und der Kinder, flieht aus dem Hause. Tagelang treibt er sich durch Westdeutschland herum, will heim zu feiner Mutter, findet den Mut nicht, geht an die französische Grenze, um sich für die französische Fremdenlegion anwerben zu lassen, wird als untauglich zurückgewiesen, fommt zum deutscheng Wegener bekommt das Bunder fertig, in einem kurzen Rund- liefen: Cilly Dillon, Ruth 2, Mar Kufer, Effi, Beate, Diana Magowan, Zollamt und läßt sich verhaften. F. S. 8. Rennen. 1. Turidou( Lautenberger), 2. Louisiana( Ch. Mills), 3. Kerrigan jr. Zoto: 24:10. Blaz: 11, 12, 15: 10. Ferner liefen: Dante, Divisionär, Flamingo, Peter A. 9. Rennent. 1. Regenbogen( Jauß fr.), 2. Alcibiades( Schulz), 3. Eitelfried( Tirschtigel). Toto: 44: 10. Plat: 30, 17, 17: 10. Ferner Erster Seehofer, Trottel, Jram, Rehoferin, Campanula, Hellina, Harfenmädchen. 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Auch in chrem Geschäftsbencht für das Jahr 1927 hat die Deutsche Pächterkreditbank(Domänenbant) Berlin, aus der be- tanntlich der jetzige Präsident der Preußenkasse Dr. Klepper hervor- gegangen ist, eine eindringliche und wissenschaftlich solide Kritik an der im wesentlichen von den Deutsch nationalen geführten deutschen Agrarpolitik geübt. Die Deutsche Domänenbank ist eine Selbsthilfeorganifation deutscher Pächter, in der heute rund 37 Proz. der Gesamtfläche aller reinen Pachtbetriebe organisiert sind- Es wäre nur zu wünschen, daß sich auch manche der staatlichen und halbstaatlichen Londwirtschaftsinstitute, insbesondere aber die übrigen genossenschaftlichen Organisationen in ihren Geschäfts- berichten einer ähnlich rückhaltlosen Kritik der landwirtschastlichen Zustände in Deutschland befleißigen würden. Die Sanierung der landwirtschaftlichen Verhältnisse, die Sanierung des Genofsenschafts- wesens könnten dadurch nur gewinnen. In scharfer Gegenüberstellung wird die heillose Wider- s p r ü ch l i ch k e i t der die Agrarpolitik der letzten Jahre beHerr- schenden Ideen und Forderungen aufgedeckt.„Von der Intensivierung und Autarkie bis zum Käuferstreik, von dem Ruf nach wirtschaftlicher Freiheit zur Forderung der Staatshilfe, von der Forderung der freien Preisbildung und privatwirtfchaftlicher Beeinflussung des Marktes zu dem Gedanken der Valorifation der Produkten- und Substanzenwerte"' hätten sich die Parolen der landwirtschaftlichen Berufsvertretungen in vielfachen Ueberschneidungen gewandelt. Die daraus erwachsenden agrarpolitischen Maßnahmen der letzten Jahre kennzeichnen sich so vielfach als Versuche, die„negativen Er- folge" bisheriger Maßnahmen oder Unterlassungen zu mildern oder auszugleichen.„So erwies sich bald, daß Z o l l s ch u tz und Einfuhrscheinfystem einen angemessenen Getreidepreis nicht sicher- stellen konnten, daß vielmehr die innere Spannung der finanziellen Verflechtungen die preishaltende Wirkung der Zölle überwog." Halte man die danach in der Getreidehandelsgesellschaft und im neuen Not- piogramm der Reichsregierung verfolgte Stabilisierung der Getreide- preise und der Schweinepreis« mit der gleichzeitig weiter verfolgten Autarkie- und Produktionssteigerungspolitik zu- fammen, so zeigen sich die inneren Widersprüche der Gcsamtpolitik. Obwohl sich zeigte, daß die meisten agrarpolitischen Maßnahmen der Vergangenheit nicht durchgehalten werden konnten, wurde in den versuchten Stabilisierungsmaßnahmen ein Ausgleich der schändlichen Wirkungen versucht, ohne den schädlichen U r- s a ch e n zu Leibe zu gehen. Auf diese Weise lasse sich eine Ächerung der landwirtschaftlichen Verhältnisse nicht erreichen. Dieser Bloßstellung der bisherigen Agrarpolitik als einer Masse einander sich grundlegend wideifprechender Ziele und Maßnahmen folgt der Nachweis, wie sich durch eine unzulängliche landwirtfchast- liche Kreditpolitik auch die finanzielle Sanierung der Landwirtschaft im Kreise bewegt. Die ganze Kunst der landwirtschastlichen Kreditpolitik hat nach den Darlegungen der Domänenbank letztlich darin bestanden, daß der Verschuldung? umfang nicht verringert, vielmehr die Ver- schuldungsart nur durch die Fundierung der schwebenden Agrar- schulden verbessert wurde, wobei aber eine finanzielle Sanierung unerreichbar blieb, weil der Kapitalmarkt nicht aufnahmefähig genug, die DeleiHungsgrenze bald erreicht und die Möglichkeiten der genossenschaftlichen Kreditbeschaffung zu gering waren. Daß durch die Unwetterschäden in den Gegenden des östlichen Groß- b e t r i e b e s schließlich das Krisengeschwür platzte, scheint der Do- mänenbank nur ein Symptom dafür zu sein, daß die ganze landwlrt- schaftliche Kreditpolitik in einer Sackgasse fe st gefahren ist. Daß die öffentliche Hand in Vorpommern und Ostpreußen mit Sub- ocntionsmaßnahmen eingreifen mußte, scheint ihr nur ein weiterer Beweis für den fehlerhaften Kreislauf dieser Kreditpolitik. Sie scheint kein Vertrauen zu der Umschuldungs- a k t i o n des Reiches zu haben, die von oben, ausschließlich durch langfristige Umlagerung der Verschuldungen, auch nur die Krise umlagert, statt sie zu löse n. Sie begrüßt aber die von Preußen gemachten Vorschläge, oie bekanntlich die i n d i v i- d u e l l e und genossenschaftliche Sanierung der Betrieb« und Risiken ins Aug« fassen, mit dem notwendigen Besitzwechsel zum besseren Wirt und der unvermeidlichen Umwertung der Bodenwerte. In dieser Richtung fordert die Domänenbank s e l b st die Ausnutzung der durch die T r e uh a n d st e l l e n geschaffenen Möglichkeiten, wobei sie in dem düsteren, von ihr entworfenem Bilde in der be- triebswirtschaftlichen Durchleuchtung der Finanzlage der letzten Kreditnehmer, die sich jetzt durchzusetzen beginne, einen Licht- blick findet. Di« Entwicklung der Pächterkreditbank im ver- gangenen Jahre war günstig. Einschließlich der Untergenossenschasten ist die Zahl der Mitglieder von 1368 auf 1819, sind die Hastsummen von 51,4 auf 57,1 Millionen Mark gestiegen. Der Gesamtumsatz erhöhte sich von 1,11 auf 2,33 Milliarden. Die nach dem Pächter- kreditgesetz gewährten Kredite stiegen von 31,5 auf 39,8 Millionen, wobei die Bank selbst ihren Kreditgebern längerfristig verschuldet ist, als sie die Gelder selbst auszuleihen brauchte. Die Domänenbant hat keine Bankschulden mehr: durch die Erhöhung des Kapitals der Domänenbetriebsgesellschaft sind die B e t e i l i- g u n g e n auf 297 599 Mark erhöht. Die Einnahmen sind um 299 999 Mark auf 1 Million gestiegen. Der Gewinn wird zur Stärkung der Reserven ver- wendet, wobei die gesetzliche Reserve auf 399 999 Mark~ 19 Proz. des Kapitals erhöht und die besonderen Rücklagen auf 259 999 Mark verdoppelt wurden. Die Gaar baui auf. Einheitliche Elektro« und Goswirffchast. Aus Saarbrücken liegen Meldungen vor, die erkennen lassen, daß das Saargebiet vor der endgültigen Vereinheitlichung feiner Elektrowirtfchaft und seiner Ferngasinteressen steht. Die Stadt- »erordneten Saarbrückens haben ein« Entschließung ange- normnen, wonach die Stadt die im Gange befindliche Zusammen- fasfung der saarländischen Elektrizitätsversorgung mit allen Kräften fördern will. Sie will dahin wirken, daß die Kraft- zentralen des Saargebietes technisch und wirtschaftlich verbunden werden und daß die Verteilung des elektrischen Stroms durch eine einzige Gesellschaft erfolgt. Ferner wurde beschlossen, daß sich Saarbrücken an der„F e r n g a s g e s e l l s ch a f t Saar" beteiligt. Nach den Worten von Oberbürgermeister Dr. Neikes geschieht das, um damit die gesamte saarländische Gaswirtschast zu fördern. Sie Eozioldemotratilch« Partei hatte den Antrag gestellt. Mitteldeutsche Braunkohlenbilanz. Rekordjahr-1927,— Troh des großen Streiks.— Löhne und Leistung. Das Jahr 1927 war für den Braunkohlenbergbau ein Rekord- jähr und ein Jahr des weiteren Fortschritts in wirtschaftlicher urd technischer Hinsicht. Der Bericht des Deutschen Braunkohlen-Jn- dustrie-Vereins für das Geschäftsjahr 1927/28 übertrifft die Er- Wartungen bei weitem, die wir gehegt hatten. Unsere Aus- f a s f u n g e n über die Entwicklung des mitteldeutschen Braun- kohlenbergbaus sinden ihre glänzendste Bestätigung in dem jetzt herausgegebenen Bericht. Ueber die Rohkohlenförderung und sonstige Produktion der im Deutschen Braunkohlen-Jndustrie- Verein zusammengeschlossene 1 Werke für das Geschäftsjahr 1927/28 gibt die nachstehende Tabelle Aufschluß: Kohlenförderung(in Tonnen). Die Rohkohlenförderung ist von 96,8 Mill. Tonnen im Jahre 1926/27 auf 196,1 Mill. Tonnen gestiegen. Die Steigerung beträgt mithin 9,6 Proz. gegen das Vorjahr. Von der Gefamtförderung entfallen auf den Tagebau 92,3 Mill. Tonnen(Vorjahr 81,9 Mill. Tonnen), auf den Tiefbau 13,8 Mill. Toinen(Vorjahr 14,9 Mill. Tonnen). Während der Tagebau eine Erhöhung der Förderung von 12,8 Proz. zu verzeichnen hat, ist beim Tiefbau ein Rückgang von 7.7 Proz. festzustellen. Der Tagebau hat demnach im Berichts- fahr den Tiefbau weiterhin beträchtlich zurückgedrängt. Von der Gesamtförderung des Vereinsoebietes entfielen 98,6 Mill. Tonnen auf die K e r n revier« und 7,5 Mill. Tonner auf die Randreviere. Die Kernreviere waren mithin an der Gefamtförderung mit 93,9 Proz.(Vorjahr 92,7 Proz.) und die Randrevier« mit 7,9 Proz. (Vorjahr 7.3 Proz.) beteiligt. Das Anteilverhältnis der kernrevier- zur Randrevierförderung hat sich weiterhin zugunsten der Kernrevierförderung verschoben. Die Rohkohlentrockenstauberzeugung steigerte sich von 29 298 Tonnen im Jahre 1926/27 auf 118 639 iornien im Berichtsjahre Sie. hat sich also mehr als vervierfacht. Die starke Erhöhung der Braunkohlenstauberzeugung ist vor allen Dingen auf die Einführung der Stoubverwendung in der Klein» eifenindustrie und anderen industriellen Betrieben sowie seiner Verwendung als Zusatzfeuerung zurückzuführen. Die weitere Ver- breitung in entferntere Bezirke wird heut« noch stark durch fracht- liche Belastung, da der Transport in Spezialwagen erforderlich ist, gehemmt. In kurzer Zeit sind ebenfalls eine Reihe von Kraftwerken dazu übergegangen. Braunkohlenstaubzusatzfeuerungen einzubauen, so daß eine gute Absatzmöglichkeit für die Zukunft zu erwarten ist. Die Absahverhältnisse im Braunkohlenbergbau waren günstig. Der Brikettabsatz war im ganzen Jahr außerordentlich lebhaft. Im mitteldeutschen und ostelbischen Braunkohlensyndikat betrug der Absatz im Geschäftsjahr 1927/28: Rohkohle(in Tonnen) Zeitraum 2. Bierteljahr 1927 3.„ 1927 4.. 1927 1.. 1928 Bahn» und Wageroersand 2 311 625 2 619 968 3 796 917 3 991 994 Land- adlah 353 757 329 999 498 759 497 994 angeschivssene Werke 643 799 733 691 997 318 886 594 Gesamtergebnis: 11819 694 1599599 3171222 Zeitraum 2. Vierteljahr 1927 3.. 1927 4.. 1927 1.. 1928 Brikett»(in Tonnen). Bahn- und Wasserverland . 5 679 883 . 6 969 199 . 5 668 441 . 6 451 952 Land- angeschlossene absatz Derle 295 385 39 Z57 294 438 35 997 268 799 44 224 313 794 48 136 Gesamtergebnis: 23 851 475 992 326 168 124 Di« Preis« für die Braunkohlenprodukte erfuhren während des Berichtsjahres keine Erhöhung. Maßgebend waren die amtlich festgesetzten Höchstpreise. Nur insofern trat ein« Erhöhung im Früh- jähr dieses Jahres ein, daß die Staffelung der Sommerpreise zum Teil aufgehoben wurde. Der Selbstverbrauch an Kohle zeigt im Berichtsjahr eine weitere erhebliche Abnahme. Der Kohlenverbrauch in Grube und Abraum ist je 100 Tonnen Gefamtförderung im Durchschnitt des Vereinsgebietes von 3,54 Tonnen 1926/27 auf 3,14 Tonnen im Berichtsjahr gesunken. Jnteresiant sind die Angaben des Berichts über die Beleg- schastsentwicklung. Die Behauptungen der Arbeitgeber an- läßlich der Arbeitszeitverhandlungen im vergangenen Jahre erfahren durch den Bericht des Braunkohlenindustrie-Vereins eine glänzende Widerlegung. Die Unternehmer hatten bekanntlich behauptet, daß durch die geringe Arbeitszeitverkürzung rund 10 000 Arbeiter mehr eingestellt werden mühten. Vergleicht man nun noch dem Becicht den ersten Monat des Ge- schäftsjahres mit dem letzten Muirat dieses Jahres, so ergibt sich, daß die Belegschaft von 83 117 Mann im April 1927 aus 84 985 Mann im März 1928 gestiegen ist. Die Belegschastsvermehrung beträgt also 963 Mann. Auch der Versuch, durch allerlei Rechenkunststllckchen nachzuweiseil. daß die Belegschastsvermehrung auf die Arbeitszeitverkürzung zu- rückzuführen sei, ist ebenfalls vorbeigelungen. Der Bericht sagt selbst:„Ein Vergleich der Gesamtbelegschaftsziffern der Bezirks- vereine in den beiden Vergleichsmonaten läßt kein gleichmäßiges Verhallen erkennen. Bei den meisten Vereinen macht sich eine Be- legschastszunahm« geltend, bei anderen dagegen ist eine Abnahme zu«rken-nen. Der monatliche Zahresdurchschuitt der angefahrenen Belegschaft weist gegen das Vorjahr einen Rückgang von 3,9 Proz. auf." Zu der Untersuchung des Braunkohlenbergbaus durch die Schmalenbach-Kommission nimmt der Bericht kaum Stellung. Er verweist lediglich auf die beiden Gegenäußerungen von Handel und Produktion. Einen um so größeren Raum nehmen die Betrachtungen zum Oktoberslreik ein. Es wird in diesen Betrachtungen unumwunden zugegeben, daß die Gewerkschaften und Arbeiter Sieg«? in diesem Kampfe waren. Bemerkenswert ist, daß der Bericht darauf verweist, daß das Durchhalten de? Arbeiter wesenllich durch die sozialistischen Konsumverein«, die den Streikenden Unterstützung zuteil werden ließen, erleichtert wurde. Daraus er- gibt sich für die Arbeiter die Notwendigkeit, sich restlos den Kon» sumvereinen anzuschließen. Im Zusammenhang mit diesen Dingen stehen die erneuten Versuche der Unternehmer, so- genannt« Werks konfumvereine ins Leben zu rufen, um bei kllnf- ttgen Streiks Schwierigkeiten zu machen. Der Erfolg in dieser Sache ist aber bis jetzt ausgeblieben. Die statistischen Angaben über die Zahl der Arbeiter, die während des Streiks gearbeitet haben und die er- zielt« Förderung, können wir leider nicht nachprüfen. Festgestellt muß aber werden, daß die von den Gewerkschaften gestellten Not- ftandsorbeiter, die Schwerkriegsbeschädigten und Unfallverletzten, Lehrlinge und olle von den Unternehmern herangeschleppten Be- amten und Angestellten in diesen Ziffern enthalten sind. Selbst- verständlich wird im Bericht auch über die hohen Soziallasten leb- Haft Klage geführt. Dos gehört schon bald zum eisernen Bestand sämtlicher Veröffentlichungen des Braunkohlenindustrie-Vereins. Wir verwerfen demgegenüber nur darauf, daß die Rechenkunst- ftückchen der Herren Piatfchek und Leopold auch schon andererorts öfters«ine Korrektur erfahren haben. Ueber die technische Entwicklung enthält der Be-icht ausführliche Angaben. Die Rationalisierung schreitet fort. Hauptsäch- lich im Tagebau wird auf die wirtschaftlichst« Ausgestaltung des Abraumbetriebes das Hauptinteresie gelegt. Es kamen eine Reih« neuer, großer maschineller Anlagen während der Berichtszeit in Betrieb. Ueber die Löhne wird im Bericht folgendes ausgeführt: De? Durchschnitts- lohn aller Arbeiter stieg auf 7,19 M. je Tag im März 1928 gegen 6,31 M. im April 1927. Nach der Dereinsstatistik stiegen die Löhn« auf 169,92 Mill. Mark(153,31 Mill. Mark im Vorjahr). Die gesamten Aufwendungen für Sozialversicherung auf 19,37 Mill. Für Löha«, Gehälter und Sozialversicherung wurden 182,26(174,94) Mill. Mark aufgewendet oder 4.19 Proz. mehr als im Vorjahr. In der gleichen Zell stieg die Förderung auf 196,1(96 8) Mill. Tonnen, also um 9.6 Proz., und die Briketterzeugung aus 26 5(24,9) Mill. Tonnen oder um 6,5 Proz. Der Förderanleil je Wann und Schicht stieg im Berichtsjahr von 4.31 Tonnen auf 4,81 Tonnen. Die Erhöhung beträgt michin 13,5 Proz. daß Preußen als der zukünftige Besitzer der Saargruben weiter als bisher möglich an der Gesellschaft beteiligt werden soll«. Der Beschluß der Stadt Saarbrücken zeigt deuttich, wie die wirtschaftliche Selb st Hilfe der Saar, die das große Ziel verfolgt, der die Existenzgrundlage der Saar bildenden Saarkohle «in« sichere Zukunft zu verschaffen, erfolgreich aufbaut. Es ist zu hoffen, daß die letzten Schwierigkeiten, die für den Stromexport der Saar bestehen, bald behoben werden können und daß auch nach Süd- deutschland das Saargebiet für feine Ferngasinteresien ein Tor geöffnet erhält, durch das das Saargebiet jenen Absatz bekommt, den es braucht, und die öffentlichen Interesien in der südwestdeutschen Ferngaswirtschast jene Stütze, die gegenüber den monopolistischen Ruhrbestrebungen notwendig ist. Die deusichen Benziupreise sind wieder erhöht worden. Das ist die zweite Benzinpreiserhöhung durch die deutsche Benzinkon- oention im Laufe des Monats Juni. Mitte Juni wurden die- Preise für Benzin und Benzol um 2 bzw. 3 Pi. in Berlin und Hamburg erhöht mit der Begründung, daß durch diese Preiserhöhung ein Preisausgleich im Reiche bezweckt fei. Jetzt erfolgt für das ganze Reich eine neue Preiserhöhung um durchfchnitttich 2 Pf. für den Liter, so daß der Zapf stellenpreis beispielsweise in Berlin jetzt für Benzin 32 Pf., für Benzin-Benzol-Gemifch 36 Pf. und für Benzol 42 Pf. beträgt. Damit aber soll es noch nicht zu End« fein. In etwa 14TagenwilldieBenzinkonv«n- tion ein« neue Erhöhung der Bettiebsstoffpreife vornehmen und zwar wiederum um 2 Pf. Man muß der Benzinkonventton e» lassen, daß sie ihr Geschäft versteht. Die Interessen der deutschen Autoindustrie, deren inländischer Absatz auch von den Benzinpreisen in Deutschland abhängig ist, die Interessen der Landwirtschaft, die für ihre Motor« große Benzinmengen verbraucht, scheinen der Benzinkonvention schnuppe zu sein. Die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für«ngeslelltenheinrställen. tue im Jahr« 1918 gegründet wurde und an der die Reichsoersiche- rungsanstalt für Angestellte erheblich mit Krediten beteiligt ist. hat sich im Jahre 1927 günstig entwickelt. Aus dem Jahre 1926 waren 1911 Wohnungen zur Fertigstellung übernommen worden. Der Bau von 925 Heimstätten und die Errichtung von 2 3 9 3 Stock- Werkswohnungen wurden in Angriff genommen. Insgesamt befanden lich bei ihr 4329 Wohnungen im Bau, 1724 neue Woh- nungen wurden bezogen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl aller im Bau befindlichen Wohnungen fast oerdoppelt. 58 Millionen Mark waren zur Finanzierung der 1927 bearbeiteten Wohnungen erforder- lich. Im Durchschnitt kostete eine Wohnung allerdings den hohen Betrag von 13 599 Mark. Di« Bilanzsumme ist mit 37.9 Millionen mehr als verdoppelt. Es wurde ein Reingewinn von 592 999 Mark erzielt, aus dem auf das jetzt 4 Millionen Mark betragende Kapital die bei gemeinnützigen Gesellschaften beschränkte Dividende von 5 Proz. verteilt wird. Reue Goldpsandbriefe. Die Hannoversche Boden- kredit-Bank in Hildesheim, an der sich die Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G. zu Beginn des Jahres maßaeblich beteiligt hat, legt für die Zeit vom 29. Juni bis 29 Juli den Betrag von 2 599 999 M. ihrer hprozentigen Gold-Hypotheken- Pfandbriefe Reihe 13 zum Vorzugskurfe von 97)4 Proz. zur öffent- lichen Zeichnung auf: ebenso 1999 999 M. ihrer in Preußen mündelsicheren 8prozentigen Gold-Kommunalschuldoerschreibungen Reihe 1 zum Vorzugskurse von 94)4 Proz. Zeichnungen nimmt die Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. in Berlin und ihre Filialen, sowie all« übrigen Banken entgegen. Metallarbeiter vor die Front! Macht Schluß mit den Gewerkschaftszerstörern! Die Kommunist en versuchen, unter Der Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B 68, Sindeustraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssetretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. Erweiterter Bezirksvorstand. Sigung am Sonnabend, 30. Juni, pünktlich 18 11hr, im Konferenzzimmer der„ Vorwärts" Redaktion, Lindenstraße 3, 4. Sof, 4 Treppen. Heute, Freitag, 29. Juni: 19. Abt. Zur Dampferfahrt ant 10. Juli nad Biegenhals bei Seuthen find Ratten bei der Genoffin Dietrich, Brinzenallee 46a, 2 r., zu haben. 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei Bin, Martin- Luther- Str. 69, Zusammen. funft fämtlicher Funktionäre. Wichtige Tagesordnung. Morgen, Sonnabend, 30. Juni: In wenigen Tagen sollen die Berliner Metallarbeiter entscheiden,| Unregelmäßigkeiten porgelommen seien. Diese Behauptung melche Delegierten auf dem Verbandstag in Karlsruhe ihre Inter- der Kommunisten ist, als sie zum erstenmal erhoben wurde, fofori elsen nertreten sollen. Die Generalversammlung der Metallarbeiter nachgeprüft worden und konnte von denen, die sie aufgestellt hatten, hat zwei Listen aufgestellt, je eine der 2 m sterdamer und der nicht aufrechterhalten werden. Das ist aber für einen echten Mostauer Gemertschaftsrichtung. Beide Richtungen lämpfen Kommunisten fein Hinderungsgrund, diese längst widerlegte Behaup harum, die Mehrheit der Berliner Metallarbeiter für ihre Bifte zu tung erneut aufzustellen, um Leichtgläubige zu födern, gewinnen. Märchenerzähler bemerkt dann weiter, daß in diesem Jahre bie Newahl der Branchenkommissionen resp. Branchenleitungen verhindert worden sei. Zur Steuer der Wahrheit muß festgestellt werden, daß in einer Berwaltungssitzung der Beschluß, die Branden umzuorganisieren, einstimmig gefaßt murbe, also einschließlich der Kommunisten. Auch die Behauptung, daß die Organisation eigenmächtig das Drts statut geändert habe, ist eine glatte Lüge. Es tann nachgewiesen werden, daß nur die Aenderungen im Drtsstatut vorgenommen wurden, die sich durch wiederholte Beschlüsse der Generalversammlung zwangsweise ergeben haben. Die Kommunisten 131. Abt. Rieberschönhausen. 20 Uhr bei sfint, am richercules, Borstands. reden ferner von der Anwendung aller Mittel der Demagogie die Metallarbeiter zu verwirren, um für die sogenannte„ Oppofition" die denkbar günstigste Situation zu schaffen. Schon pochenlang führen die Kommunisten einen an unsachlich fcit unüberbietbaren Kampf gegen die Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiter. verbandes wegen der Tarifbewegung in den BBMI. Betrieben. Anfänglich ertannten sie die vom Metallfartell aufgestellten Forderungen als richtig an und erklärten, diese Forderungen unterstüßen zu wollen. Wenige Tage darauf aber verfielen sie in ihre alte Krankheit zurück und schraubten die Forderungen wieder in die Höhe, getrieben von ihrem durch die KPD. eingeimpften Grundsay: Alles, was von der Leitung der Organisation gemacht wird, laugt nichts. Das Hauptargument der Kommunisten ist, daß der Bor: stand bes DM2. und namentlich die Berliner Ortsverwaltung in den Stämpfen eine verfehrte Tattit angewandt haben. Dieses ,, Argument" ist nicht mehr neu. Als im Jahre 1926 die Delegierten zum Berbandstag in Bremen gewählt werden sollten, stand die Frage der Gewerkschaftstatfit und des Schlichtungswesens ebenfalls im Vordergrund der Auseinandersehungen. Auf dem Bremer Verbandstag fanden aber die Führer der Opposition" feine Morte, um die Tattit der Vorstandes so zu kritisieren, wie sie es in den einzelnen Ortsverwaltungen vor der Wahl der Delegierten getan hatten. Sie fürchteten, daß ihre Ausführungen auf dem Verbandstag fofort miderlegt werben tönnten. In der Roten Fahne" vom 28. Juni schreien die Kommunisten Seter und Morbio über die angebliche Bergewaltigung des Selbst bestimmungsrechtes der Mitglieder im DMV. Dieser Artikel ist wieder einmal von dem Grundsatz diftiert: Berleumde und lüge nur, soviel du kannst, es wird schon etwas davon hängen bleiben. In diesem Artikel wird behauptet, daß die Bezirtsleitung im ersten Bezirk der Ortsverwaltung Berlin ohne Angabe von Gründen fommissarisch besetzt worden sei. Die Bezirksleitung ist tom missarisch belegt worden, weil der Bezirksleiter die Beschlüsse der Organisation nicht so ausführte, wie es im Interesse der Degani fation notwendig mar. Weiter mirb behauptet, daß bei ben Wahlen der Branchenleiter der Maschinenschlosser und Wertzeugmacher Ausschlußpraris der Berliner Ortsverwaltung. Sie sind schon sehr bescheiden geworden; früher redeten sie immer von Tausenden, die aus dem Metallarbeiterverband wegen ihrer politischen leberzeugung ausgeschloffen worden seien. Aus dem Deutschen Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin, sind vom 1. Januar 1920 bis zum 31. Dezember 1927 im ganzen 246 mit= glieder ausgeschlossen worden, darunter die Mehrzahl wegen Streitbruchs, Unterschlagung und ähnlicher Delitte, Diese Verleumdungen werden von den Kommunisten nicht ausgestreut, um, wie sie zwar behaupten, die Organisation zu stärken, sondern um sie zu diskreditieren. Der Verbandstag in Karlsruhe hat die Aufgabe, nachzuprüfen, ob die Leitung des DMV. von Bremen bis Karlsruhe alles getan hat, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen der deutschen Metallarbeiter zu verbessern, und ob sie ihre Taftit jo angewandt hat, um, wenn irgend möglich, ohne große Opfer die größten Erfolge zu erzielen. Die Gesamtheit der deutschen Metallarbeiter wird, genau wie am Mittwoch die Bersammlung der Berliner Funktionäre, den Kommunisten bei der Urwahl zum Verbandstag die richtige Antwort geben. 101. Abt. Treptow. Dampferfahrt zur Sonnenwende in den Gosenez Bergen. Abfahrt 18 Uhr von der Ibenbruchbrüde. Zeilnehmertarten für Erwachsene 1 M., Jugenbliche 80 Bf. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Da nur eine beschräntte Teilnehmerzahl in Frage kommt, find bie Karten möglichst im Borverkauf zu lösen. und Funktionärsizung. Erscheinen aller dringend erforderlich. Frauenveranstaltungen. 107. Abt. Faltenberg. Seute, Freitag, 29. Juni, 20 Uhr, im 2stal Meier, Fallenberg, Straße am Faltenberg, Frauenaband. Borttagenda: Genosin Sennn Remald. Alle Genossinnen find hierzu herzlich eingeladen, des gleichen Borwärts"-Lefer und Sympathifierende. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen, Bezirk Berlin. Am Freitag, 29. Juni, 19 Uhr, in der Anla des Dorotheenstädtischen Realgymnafiums, Dorotheenftr. 13/14, außerordentliche Generalversamm Inng. Borftanbsmahlen unb Bortrag der Genoffin H. Begscheider, M. b. 2., über: Frauen- Oberschulen und höhere Fachschulen. Jungsozialisten. Gruppe Bedding- Gesundbrunnen: Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugenbhe'r Ortbftr. 10, beginnt Franz Lepinsti mit seiner Arbeitsgemeinschaft über: Methode und Tehnit der praktischen Arbeit." Die Mitglieder müssen pünktitch anwesend sein. Gäste willtommen. Gruppe Süden: Seute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Yordftr. 11 Vortrag:„ Die parlamentarische Tätigkeit der SPD." Referentin Dora Fabian. Gäfte find herzlichst eingeladen. Gruppe Schöne berg: Seute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Hauptstr. 15 Botfrag:„ Jad London." Referentin Anna Hartoch. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfekretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Gefunden auf der Sonnenwende in den Gofener Bergen: eine Mädchenjade, eine Uhr. Abzuholen im Sekretariat. Heute, Freitag, 29. Juni, 19% Uhr: Der Teil der Metallarbeiter, der durch die Parolen der Kommunistischen Partei gezwungen wird, fyftematisch den anderen Teil der Arbeiter zu verleumden, muß wieder zur fachlichen Arbeit in die Organisation zurückgeführt werden. Um dieses Ziel aber zu erreichen, müssen die Metallarbeiter einmal im Kampf gegen das Unternehmertum geschlossen zusammen Straße, fondern beim Genossen Gleißner, Elsasser Str. 26, ftatt. Sanso: stehen, zum anderen aber mit den Drahtziehern, die die Einheit der Gemertschaft zerstören wollen, am Montag tabula rasa machen. Darum, Metallarbeiter, wählt am Montag Lifte A. Bundesbrüder der Brotfabrikanten. Chriffen und Hirsch Dundersche organisieren Streifbruch. Die Berliner Brotfabritanten haben in ihrem Kampfe gegen die Bädereiarbeiter in der chriftlichen und der Hirsch- Dunderschen Bäder gemerfschaft Bundesbrüder gefunden. Nachdem am Mittwoch die Berhandlungen zwischen den Bertretern des Brotfabrikantenverbandes und dem Berband der Nahrungsmittel und Getränfe arbeiter gescheitert maren, wurde von den Unternehmern noch mil dem Bertreter des Hirsch Dunderfchen Gemertvereins Scheffler gesondert verhandelt, der sich zur Annahme des Angebots der Unternehmer auf 3 Mart Lohnerhöhung bereit erflärte, obwohl seine Gewerkschaft in den bestreitten Großbädereien fo gut mie gar fein Mitglied aufzuweisen hot. Der Bertreter der christlichen Gemertschaft, der vorher an den offiziellen Verhandlungen teilgenommen hatte, wurde zu diefen Sonderverhandlungen ebenfalls zugezogen und schloß sich dem Vorgehen des Hirsch Dunderschen Gemertvereinlers an. Darüber hinaus wurde den Unternehmern von diesen Gewerkschaftsvertretern" die 3usiche rung gegeben, daß sie ihnen am Montag, wenn die bestreitten Betriebe geöffnet werden sollen, etwa 500 2rbeitswillige zur Berfügung stellen wollen. Da der größte Teil der streitenden Bädereiarbeiter freigewerkschaftlich organisiert ist, bleibt es ziemlich = nom Verbandsvorstand genehmigte Drtsstatut. Da die neue Drganis fation über 15 000 Mitglieder habe, müffe dae Delegierten fyftem eingeführt werden. Auf je 60 Mitglieder entfällt ein Delegierter, so daß die Sektion I( Getränke und Mühlenarbeiter) 95 Delegierte, die Seftion II( Bäder und Konditoren) 82 Delegierte, die Sektion III( Fleischer) 41 Delegierte und die Sektion IV ( Böttcher) 10 Delegierte erhalten müffe. Bon den Kommunisten murde die Versammlung ein wenig in die Länge gezogen, indem fie die vorschriftsmäßige„ Opposition" machten. Am Mittwoch abend nahmen dann die gesamten Funktionäre der Settion I in einer Versammlung zu den in den einzelnen Gruppen von den Funktionären aufgestellten Kandidaten Stellung. Genosse Hod app machte darauf aufmerksam, daß man sich bei der Aufstellung der Kandidaten vom rein gemerfschaft= lichen Standpunkt habe leiten laffen. Soweit wie möglich feien solche Mitglieder als Kandidaten aufgestellt worden, die in langjähriger praktischer Arbeit bewiesen, daß ihnen das Wohl der Organisation am Herzen liege. Der größte Teil der 118 Kandidaten habe 10 bis 25 Jahre als Vertrauensmann oder als Arbeiterrat die Interessen der Kollegen in den Betrieben vertreten. Die Beauftragten aus dem Liebknecht- Haus wollten dieses Argument nicht gelten lassen. Sie versuchten den Nachweis zu erbringen, daß nur der tüchtig ist, der der Kommunistischen Partei angehört. Die Mehrheit der Funktionäre gaben ihnen die ge= zirka 350 geladenen Funktionären nur 30 für die Borschläge der Opposition. 9 Rofenthaler Borstadt: Der Mädcherabend findet nicht im Heim Zehdenider Heim Bochumter Str. 8b. Das deutsche Junfertum." Moabit 1: Schule Walbenferstr. 21. Sagespolitische Fragen." Fallplag II: Schule Sonnen= burger Str. 20. Die feguelle Frage." Helmholsplay: Schule Echerenbergftraße 7. Bunter Abend, Rorboften: Seim Danziger Str. 62. MerLwürdige Gefchichten. Weißensee: Heim Barfftr. 36. Fahrterlebnisse. Wörther Via: Schule Raftanienalee 81.„ Das Möbel in der S3." Frankfurter Biertel: Selm Litauer Str. 18. Funktionärligung. Warschauer Viertel: Heim Litauer Straße 18. Die Fahrt." Arbeiter Schöneberg 1: Seim Sauptstr. 15. bichtung." Beften 1: Seim Hauptstr., 15. Das neue Rußland." Char lottenburg: Seim Rofinenftr. 4. Jugend und Abstinenzbewegung." Balensee: Schule Joachim- Friedrich- Str, 35/36. Wandern." Mariendorf: Alte Schule, Dorfitt. 7. Rafutwiffenfchaftliche Betrachtungen." Röpenid: Seim Grünaure Berliner Dentineler im Sumor."- Ereptom: Lengter llebungsabend Straße 5. Drip: Funktionärligung beim Benoffen Gebert, Sonne. Sonnenwende. mantnftraße Crfcheinen ist Pflicht. Rieberschönhaufen: Benipiet Traff Die Br punft 19% Uhr Friebenslag. Ponton Heim Affingenity 48. Bris( Siedlung): Sufammenfunft im Selm beutung der Jugendtage." Chauffeeftr. 48. Bünftliches Erscheinen ist Pflicht. Reutelin V: Funktionär. figung Jugendheim Steinmegftr. 144. Schöneberg IV( Rote Falten): Gesellschaftshaus bes Weftens, Sauptftraße 30, Bunter Abend. Gesang, Rezitation, Jugendfpiel, Lichtbilder. Beginn 20 Uhr. Werbebezirk Rentälln: Engere B.- B.- Borstandssigung im Seim Steinmet ftraße. Beginn pünktlich 19% Uhr. Sämtliche ausstehende Abrechnungen sind borzunehmen. Werbebezirk Rzenzberg: Bunter Abenb in Gruppe Güden, Yordstr. 11. Als Gruppen nehmen daran teil. Morgen, Sonnabend, 30. Juni: Fallplag II: Fahrt nach Tiefenfee. Treffpunkt 19% Uhr Bahnhof Schön. hauser Aller. Neukölln V: Fahrt: Wederfee. Abfahrt 18 Uhr Untergrund. bahnhof Bergstraße. Untoften 2 M. Berbebezirt Mitte: Borstänbetonferenz im Seim Landsberger Str. 50. Cr. scheinen aller Genossen ist Pflicht, da wichtige Tagesordnung. schleierhaft, moher die chriftlichen und Hirsch- Dunderſchen Rausreißer bührende Antwort. Bei der Abstimmung erklärten sich von den Vorträge, Vereine und Versammlungen. diese Streitbrechherfompagnien nehmen wollen. Daß sich die Brotfabrikanten von dieser Hilfe selbst nicht viel zu nersprechen scheinen, geht schon daraus hervor, daß sie heute in der bürgerlichen Bresse durch Inserate Streitbrecher bei einem Bochenlohn von 61 bis 100 m. juchen wollen. Durch alle diefe trampfhaften Versuche wird es den Unternehmern jedenfalls nicht gelingen, die gefchloffene Kampffront ber streitenden Ber: liner Bäckereiarbeiter ins Banten zu bringen. Diese merden heute in einer Versammlung, bie um 12 Uhr im Gemertschaftshaus ftatfindet, zusammen mit ihrer Organisationsleitung zu der Sachlage Stellung nehmen und die notwendigen Befchlüffe faffen. Die KPD. hat ausgespielt. Bei den Getränke und Mühlenarbeitern. Die im Verband der Nahrungsmittel und Getränfearbeiter organisierten Getränke und Mühlenarbeiter hielten am Sonntag cine Seftionsversammlung ab. Genosse hodapp berichtete au nächst über die im ersten Quartal geführten Lohnbewegungen und gab zugleich auch bekannt, daß ber Mitgliederbestand in der jenigen Seftion I der Getränke und Mühlenarbeiter zurzeit 6015 beträgt. Er machte dann nähere Ausführungen über den Aufbau der neuen Organisation und vermies schließlich auf das 5Pfg Pfg. So ist trotz des am Mittwoch in der Roten Fahne" ergangenen Aufrufes an alle flaffenbewußten" oppofitionellen Funktionäre, restlos in der Versammlung zu erscheinen und gegen die Kandidaten lifte zu stimmen, der Ansturm der Kommunisten wie das horn berger Schießen verlaufen. Ausschußfihung des ADGB. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hält dieser Tage in Köln eine Ausschußsizung ab, die sich vor allem mit organisatori schen Fragen beschäftigen wird. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die Regelung der bereits auf der letzten Bundesausschussigung angeschnittenen Frage, wie durch die Aufstellung besonderer Funktio näre und Spezialisten die Bertretung der Gewerkschaften in den Brozessen vor den Arbeitsgerichten vereinheitlicht und vers billigt werden kann. Im Anschluß an die Tagung wird der Bundes ausschuß die Prefsa besuchen. Speditionsarbeiterstreit in Köln beendet. Der Streit im Kölner Hafen- und Speditionsgewerbe ist beendet. Die Unternehmer haben nach anfänglicher Beigerung dem SchiedsDer Spruch bringt eine Erhöhung der spruch zugestimmt. Löhne um 7 Pro3. Die Qualitätszigarette 99 Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftienftr. 37/38, Sof 2 Tr. Sonntag, 1. Juli 1928. Mitte: Die für Sonntag angefeste Autofahrt nach 2ömenberg findet nicht statt. Kreuzberg: Der Dampfer nach Neu- Helgoland fährt pünktlich 7 Uhr von der Schillingbrüde. Reiniden. horf( Ortsverein): Antreten 1 Uhr Bahnhof Oranienburg mit Tambourkorps und Fahnen. Bflichtveranstaltung. Hermsdorf: Abfahrt nach Oranienburg 12.24 Uhr. Bflichtveranstaltung. Zeltow: 8 Uhr bei Linke Fahrradausfahrt zum Baben. Montag, 2. Juli. Kreuzberg: Jungmannschaft I Bunter Abend bei Gechat, Willibald Aleris- Sit. 5. Typographisches Drchefter. Dirigent Rapellmeister Erich Gutzeit. Uebungs. abend jeden Freitag 20%-22 Uhr in Neukölln, Hermannfte. 199, bei Johann ansch( Gängerheim). Gäfte ftets willlommen. Treffpunkt der mufitübenden Budbruder. Heraus aus den bürgerlichen Musikvereinen. Leiftet Kulturarbeit. Welterbericht der öffentlichen Welterdienststelle Berlin und Umgegend ( Rachbr. verb.) Meist ziemlich start bewölkt mit Reigung zu einzelnen leichten Regenfällen. Temperaturen wenig verändert. Für Deutschland: 3m Nordwesten trübe und regnerisch, In Mitteldeutschland weftoftwärts fortschreitende neue Eintrübung. Weftlich der Dder Neigung zu Regenfällen. Im Süden teine Veränderung. Mufitaufträge fibergibt man nuz Dem Radwels bes Deutschen Musikerverbandes, Berlin, Rom mandantenstr. 63/64 Dönhoff 3277-78 Geschäftszeit 9-5, Gonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch: Bertreterbesuch. ABDULLA 15 angenehm mild und aromatisch Freitag 29. Juni 1S2S Unterhaltung unö ÄVissen Aeriage des Vorwärts Gxisiologien. Don Kaloddrichkeit. Das Likörglas. Das Likorglas ist eigenllich gar kein Likörglas. Es war ein- mal ein Likörglos. Jetzt wird es benutzt als Behälter für eines jener tropfenden Stearinlichte, die die Nächte der kranfen Groß mtittsr spärlich und trübsinnig erhellen. Die Vergangenheit des Likörgloses hat viel Achnlichkeit mit der einer alten, schön ge- wesenen, verblühten Dirne. Als es hinauskam in die Welt, tranken gepflegt« Männer— verstohlen mit ihm liebäugelnd— wieder und wieder die feurige Süßigkeit aus seinem Kelch. Damals stand es in der Vitrine der gnädigen Frau. Dann wurde seine Form, seine äußere Gestalt unmnderir. lind es wanderte in den Küchenschrank, wo die Herz- ollerliebsten der Köchinnen es an die Lippen führten, leerten, es wieder stillten und seinen Inhalt hinunterstürzten(es war ihnen nur um den Inhalt zu tun: das Glas selbst beachteten sie kann».. Eine Köchin warf es bei einem Streit der.gnä' Frau" vor die Füße. Aber es zerbrach nicht. Nur«inen Sprung hat es be- kommen(seine Seele— wenn man so will— war endgültig dahin). Nun steht es angefüllt mit dem schwelenden Kerzenstümpfchen am Bett der kranken Großmutter. Wie eine einzige Träne rinnt da» Stearin über das Glas, so daß sein Schliss schon ganz un kenntlich geworden ist. Wenn Großmutter ihr armes, altes Leben ausgehaucht haben wird, wird man das Likörglas aus den Kehricht bauien werten. Wenn man es rechtzeitig gereinigt hätte— wer weiß?— es wäre vielleicht noch brauchbar gewesen(für die mensch liche Gesellschaft!! 1 1). Der 2 9. Februar. Der 29. Februar ist ein sehr ungewöhnlicher Tag, weil er nur einmal im Laufe von vier Jahren auf der Bildsläche erscheint. Ich habe einen Bekannten, der ist über der Problematik dieses Tages wahnsinnig geworden. Eine Sybille hatte ihm geweissagt, daß er an einem 29. Fe- bruar eines gewaltsamen Todes sterben würde. Als auf seinem Kalender— in einem Schaltjahr— der 28. Februar angezeigt war, war er säst tobsüchtig vor Angst. Er schloß sich in seiner Stube ein und ließ keinen Menschen zu sich. Die Nacht war furcht- bar gualvall für ihm. er fühlte sich von unsichtbaren Mördern umgeben... Als er am nächsten Morgen bleich und übernächtigt ins Bureau kam, merkte er, daß es bereits der 2. März war. Er hatte In seiner hypochondrischen Angst vergesien, das Kalenderblatt abzureißen. Jejzt fitzt er verhältnismäßig vernünftig in der Prov-nzial« irrenanstalt. Nur wenn es Frühling wird, muß er noch mit kaltem Wasser und Zwangsjacke behandelt werden... Das Monokel. Da» Monokel hat ein« eigenartig«, fast menschlich« Metomor- phos« hinter sich. "> H Es war einmal die Utensilie des Moulaufre'hens. des„höheren Betehls". des Kuschdich, der schnöseligen, geistesarmen Offizier« und diverser Schmifleschweme. Es war einmal das Objekt des Augen-gerodeaus-Geistes. Heute ist es dos klägliche Symbol jener Leute, die sich die Ah- Schnauze erhalten wollen für eine„herrlichere Epoche". Es ist dos armselige, gläserne, also: leicht zu durchschauende und zer. trümmerbar« Wahrzeichen des„Rückworts-Gedankens". (Von monokellrogenden Portokassenjünglingen, Dichterlingen, Eindruckschindenwollenden und Damen ist hierbei abzusehen. Di« können— nach Lombroso— nichts dafür.. Das Mannequin. Es hat einen gebobbten Hinterkopf. Es hat eine große Sohn- sucht: Modekönigin zu' werden. Es hat einen Freund. Es wartet vor der Tür des Modesalons der Hilfsregisseur vom Film, dessen verwanztes Bett die erste Station nach Hollywood ist. Es ißt gerne Rührei mit Speck. Geistige Interessen: keine. Adelsprädi- tat(möglichst: Prinzessin) ist auch in diesem Beruf nicht zu vcr- achten. Der Sträfling. Er sitzt in der Zelle. Er wird hier zehn Jahre sitzen, stehen, gehen, csien, trinken, schlafen, seine Notdurst oerrichten. Er hat getötet. Seiner Jugend hat er es zu verdanken, daß er nicht schwerer bestraft wurde. Er hat getötet: ein lebendes Individuum. Er war hungrig und hott« kein Geld..... Der Sträfling hat schon zwei Jahr« hinter sich. Sein Blut hämmert. Seine Gedanken sehen«inen grauenvoll nackten Frauenleib. Er möchte kilometer- weit gehen, gehen, gehen, um einen blühenden Mund zu küssen. Um eine Frau zu suchen, die ihm Ruhestatt gewährt an ihrer weichen, knospigen Brust. Er nimmt sein« Arbeit zur Hand; eine Tüte fertigt er an, noch«ine. Da wieder: der grauenvoll nackte Gedanke.------ Ein ganzes Jahr hindurch, ZOZ Tage hintereinander wird ihn sekündlich das Bild des grauenvoll nackten Frauenleibes verfolgen. Im nächsten Jahr wird er bei Tag und Nacht ein rohe» Ei vor seinen armen Augen hoben, das mit einem Hammer zerschlagen wird, daß dos Eidotter hochspritzt(wie Blut). Im darauffolgenden Jahre wird er sekündlich die Ohrring« seiner Mutter sehen..... Der Gesängnisgeistlicha nennt ihn einen ver- stockten Sünder, dem«ine Zigarette wichtiger sei, denn die ewige Seligkeit. der Naturmensch. der Naturmensch hat einen chriftuskopf. er wickelt feine lenden in tappen, er schreibt alles klein, well er sich von den kleinen buch- stoben und von der freien eh« viel, sehr viel für die«rneuerung der moral verspricht, er spricht bei ansammlungen. er verkauft Küider. welches gejchäft ihn ernährt, wenn er im„romanischen cofe" sitzt, fällt er nicht besonders auf. Afrikanischer Ariist. Don Paul Laven. Der Neger Bell steht seiner Truppe vor mit der listigen Freundlichkeit des Managers und mit der Sicherheit ejnes Sentle. man. Er ist zwar ein Idealtyp afrikanischer Rasse, ebenholzschwarz. wulstige Lippen, wolliger Schädel, dazu riesengroß, aber sein Auf- treten ist wie in den Salon» der Weißen geschliffen, ist wie beste, g.frrfqchrtfMch. Zucht undurchdringlich, liebenswürdig, intelltgent „Neuland der Liebe und Che." Liebestechnik in der Bier- und Weinabteilung. Iägerstroße. Kurz noch 20 Uhr. Am Abendhimmel ziehen rot- umhauchte Lämme-rwölkche». Wer sieht nach ihnen? Niemand.... An den Häuserwänden schießen bunt« Feuergorben hinaus und hinab. Farbensprühende Flommenräder drehen sich in sausenden Kreisen. Laufschriften huschen an den Häusergiebeln entlang. Reklame, Re- klame.... Und über den Fahrdamm donnert der Lärm der Auto- busse und Automobile. In langen Reihen fahren sie hupend, qua- kend und blauen Benzindimst hinter sich fassend den Boulevard entlang. Auf den Bürgersteigen stauen sich die Menschenmassen, schieben sich an den Auslagen der Schaufenster fangsam vorbei. Di« Straße brodelt und quillt wie ein Kanal, in dem sich der Menschenbrei als zähe Laoamafse varwärts wälzt. Aus dem Bett des großen Stromes flutet sie in die Nebenflüsse hinein. Die Jagerstraße ist so ein Nel>ensluß: aber noch bunter, ver- führerischer und raffinierter als der Mutterstrom. Hier trifft die Masse Mensch aus die Schleusen, vor denen sich die Klassen scheiden: Wer Geld hat, kann hindurch, wer keim oder— richtige? gesagt— nur wenig hat, bleibt draußen und wird von den Schleusenwärtern, Portiers in roten, grünen und blauen Livreen und„Spannern" m eleganter Monatsgardervbe, weiter mit„Herr Doktor",„Herr Ba- ran" und„Ivos" tituliert in der Hoffnung, daß der schlechteste Zwirn- anzug doch noch eine dicke„Marie(gefüllte Briestasche) in seinem Futter birgt. Der letzte soll heran- und hineingeschleppt werden, um dos letzt« aus ihm herauszuholen— oder herausholen zu lasten. Hier in den schmalen Häufen: der Iägerstraße stehen, neben einigen Pfandleihen, die großen Bergnügungsmaschmen der Welt- stadt. Rechts und links vom Eingang Schaukästen, in den Aktbilder hängen. Ems neben dem anderen. Eine nackte Frcm, zwei nackte Frauen, fünf nackte Frauen, zehn nackte Frauen.... Der Portier in der roten Livree mit den schwarzgewordenen Goldborten auf Kragen und Aermel verspricht, daß man„die Weiber" oben all« sieht.„Ienau so! Kommen Se rein, Herr Baron! See? jemiitlich!" Ein Mißtrauischer, der„Nepp" wittert, beäugelt scharf die Ankündigungen:„V o rt r ä g e über alle Fragen der Ero- tik",„Das Liebesleben im Zeitspiegcl",„Viel- weiberei— Freie Liebe— Einehe",„L i e b e s k u n st undLiebestechnik",„Packen deLiteratur b«ispi«le", „Lebende Plastiken"— Bier- und Weinabteilung, Unterhaltung und Tanz! Man klettert die Treppe zu dieser sanderbaren Hochschule hinauf. Erst die Garderobe, dann eine Bor. hinter deren blinkenden Schank- tisch die„Bardame" gerade ihre Toilette vervollständigt, und dann öffnet sich ein kleiner Raum in der typischen Aufmachung eines intimen Kabaretts. Gedämpftes Licht aus den Lampions über den Logen: Tische, Stühle, Sesiel, und in der Mitte eine kleine Tanz- flach«. Es ist noch leer. Schwarzbesrockte Kellner diskret im Hinter- grund. Rechts von der Bühne eine Kapelle. Drei Mann. Sie lärmen unvermittelt lös. In de» Pausen hört nran durch die dünnen Wände di« stampfend« und hämmernde Musik der Kapellen aus den benachbarten Kabaretts. Das ganze Haus zittert. Die Vergnügungs- Maschine steht unter Hochdruck. Die Spanner arbeiten.... Die Gaste kommen. Nehmen Platz. Setzen sich schüchtern auf die Stühle, kvachen sich wurstig in die Sessel oder gehen gleich sir die Logen in dem Bewußtsein, daß— komme, was kommen mag— sie ja doch alles bezahlen können. Erster Schreck für den Stuhl- Hocker:„Bier ist leider noch nicht eingetroffen" beantwortet der Kellner den geflüsterten Wunsch noch einem„Pilsener".„Aber bittä: Sodawasser mit Wisty oder Kognak, Eherry Eobler, Mokka.." Was hllft'e? Während in der Weinabteilung die Sektkübel blinken, lutschen die entlarvten Barone w der Bierabteilung ihr« winzigen Liköre. Damen tauchen auf. Mit glänzenden Lackledertösferchen. In perlenbessickten Luxuskleidern, durchsichtig und kmefrei. Gefärbtes Haar, bemaltes Gesicht, schillernde Seidenstrümpfe.... Zigaretten- rauchend sitzen sie in den Logen. Wie Spinnen. Eine Luftschlonge schwirrt plötzlich durch den Raum und fällt zu eurem Herrn in ein« Loge. Der zupft an dem bunten Papierstvetfen— die Spinne zwinkert mit den Slugen— er zwinkert zurück— der.Kellners eilt schon mit einem zweiten Glas herbei——— der Anschluß ist hergestellt. Die neidischen Blicke der anderen„Damen" unterstreichen den schnellen Triumph der Siegerin, die lächelnd ihren Kavalier umhalst. lind dann sausen die Luflfchlairgen dyrch den Raum, bis ein buntes und raschelndes Gestrüpp von der Decke herabhängt, bis alle Herren sdie von der Bierabteilmtg ausgenommen) nicht nur symbo- lisch eingewickelt sind. Die Jazzmusik bricht ab. In einer Loge erhebt sich ein Herr im Smoking:„Meine Danren und Herren, ich heiße Sie rm Namen der„Neulandgemeinschaft" herzlich willkommen. Zwei Damen des Neufandballetts werden Ihnen jetzt etwas vortanzeii." Die Musik heult aus. Der Raum verdunkelt sich, und auf der mit wechselndem bunten Licht bestrahlten Tanzfläche galoppieren zwei Mädels umher. Tanzen irgend etwas, wobei sie rmunterbrochen ihre Beine in die Luft werfen, ihre Seidenhöschen zeigen rmd in die Logen lächeln. Beifall. Dte Stimmung steigt. Auf der Tanzfläche drehen sich die Paare. Unter ihnen ein eleganter Eintänzer, der mit den Damen der„Neulandgemeinschaft"— in Ermangelung anderer— steppt. Wieder dunkelt's. Der Bühnerroorhang teilt sich. Hinter einem Rednerpult steht wieder der 5)err im Smoking. Er verneigt sich lächelnd und beginnt mit Pose und Limgenkrnft seinen Vortrag aus dem„weiten Gebiet der Erotik". Nachdem er einen„Blick in die Jahrhunderte" geworfen und den„überwättigenden Sieg der Sexualität" verkündet hat, wirft er mehrer« Blicke in indisch: und arabische Liebesfibeln und läßt auch Van de Veldes„Vollkomrnene Ehe" nicht in Ruhe, ans der er ein kleines Kapitel über praktische Liebeskunst(allgemeines Grinsen und Gekicher der Damen, die den Redner mit Luftschlangen bewerfen) liest. Mit der Versicherung, daß er auf den„Geschlossenen Veransiattungen" manches deutlicher sagen und dort den praktischen Weg zur wahren Liebestmrst zeigen werde, schießt der Bortrag. Der Vorhang füllt, das Licht glüht auf, die Jazzkapelle paukt, auf der Tanzfläche drehen sich wieder die PaaN:. Die Damen am- mieesn fleißig. Eine geht herum und verkauft teures Obst, das von ihren Kolleginnen gern genominen und von den Kavalreven mit säuerlichein Lächeln bezahlt wird. Eine andere verkauft„frmrzö- fische Postkarten mit Akten irr verschiedenen Stellungen". Eine dritte Luftschlangen. Eine vierte die Zeitschrift der„Neufarrdgemeinschast", deren Profitmacher Karlheinz Tiedt— eine erloschene Leuchte der kommunistischen Reichstagsfraktton— ist. Jetzt betätigt er sich als erfolgreicher Bodenspekulant auf dem„Neufand der Liebe und Ehe" nach eigerrem Patent. Das Neuland ist ja, weil es in der Jägerstraße liegt, ein schon viel„beackerte,"(wie der Fachausdruck aus dem Nuttenlexikon lautet), aber von der anderen Seite begorrgen, läßt sich auf ihm eine gut« Ernte erzielen. Karlheinz mit der leuch- fanden Glotze naht nicht in Toga und Sandalen, seine Mägdelein pflücken keine Gänseblümchen und zripsen keine Klampfe, nein— sie hocken vor dem Schanktisch in der Bar, zupfen ihr« Kavaliere am Smoking und schließen mit chnen diskrete Gefchäste ob. Einige Pärchen verschwinden. Nach einiger Zeit tauchen die„Damen" wieder auf— aber allein. Das Programm tobt weiter. Karlheinz auch:„Eine berauschende Damenwohl bei besonderem Licht!" Noch- dem dieser Rausch verklungen, liest eine schwindsüchtige„Sonsa" in rotseidenem Russeykittel„packende Lifamtur bei spiele", wobei sie kinnfar vergißt, die Namen der Autoren zu nennen. Erötische„Lifa- ratur" schlimmster Sorte.... Aus der Tanzfläche produzieren zwei Mädchen perverse Akrobatik und erzielen einen durchschlagenden Erfolg. Die Stunde für die„Plastiken" ist also gekommen. Erst gibt es, wie Soirja mit der Gretchen-Ssirnm« verheißend lispelt, einige „Kostproben". Nach einiger Zett mehr. Sonja erklärt: Die Jagd nach dem Glück, Sehnsucht, Eitelkeit, Neugier, Laster usw. Karlheinz macht sich wieder bemerkbar:„Meine Harren!"— es sind mit Herren gekommen, die„Damen" der„Neulandgenreinschast" sind sowieso jeden Abend da—„Beweisen Sie, daß Sie noch Kraft haben. Klatschen Sie, denn je mehr Sie klatschen, desto ösfar zeigen sich die Damen!" Es klatscht doranf nach jedem Bilde dröhnend durch den Raum. Immer wieder öffnet sich der Vorhang, die „Nacktplostiken" grinsen, Luftschlangen fliegen zu ihnen hin und Sonja lispelt neue Verheißungen. Aber auch Karlheinz ist nicht müßig:„Die Damen, die Sie soeben bewundert hal'en, ziehen sich etwas an und kommen dann zu Ihnen zum Tanz!" Borher noch eine Kabarettnurnnrer(ausgeborgt von den anderen Kabaretts des Haufes):„Das Schicksal der Frau ist das Kissen." Der Aufstieg eines armen Mädchens zur Kokotte wird an den verschiedenen Kissen, di« an den halbnackten Körpern mehrerer Mädchen hängen, demonstriert. Beksollssalverr. Di«„Damen" vom Ncufandballett sind erschienen. Nach der Fleischbeschau kann das„zwanglofe Beisammensein" beginnen. Und es beginnt. Gegen drei Uhr nachts. Di« Stuhlhocker»er- schwirrderr, die Briestaschen haben das Wort--- Alfred Fritz ich«. lächelnd und mit unverbindlicher Zuvorkommenheit. Bell trägt im Gegensatz zu den anderen Negern der Truppe ernen roten Fez. Er sticht ob durch eine rasche Eleganz der Bewegungen. Die Vorsfallun. gen inspiriert er als Vorsänger des näselnden, brummenden Neger- chors, der mit dem Bauch und mit dem Hintern wackett. Der Black Bottom wirkt hier wie ein natürliches Amüsement schwarzer Lause- bengels. Bells Haltung kommt vom Bewußtsein überragender Kunst in diesem Kreis und vom Erfolg, beruflichem wie menschlichem. Er war in jungen Jahren Dudelsackpfeifer bei der deutschen Schutz- trupp« in Kamerun, zwölfjährig schon ein wichtiges Glied im Mufit- chor. Er war ehrgeizig. Wenn er erzähtt, legt er die deutscher, Wort« mit hellen Augen vor wie ein studierter Mann. Bell wollte höh«? hinaus, wollte Offizier oder Löwenbändiger werdcn.' Beides schien aussichtslos. Darm sagte er sich: ich werde Artist, natürlich«in grnßer Artist, der im Zirkus sich in der Manege verneigt, während die Massen toben. Gelenkig war er immer und springen konnte er wie eine Katze. Aber da waren viele, di« springen konnten. Das mochte so mutlos. Bell war ungeduldig. Er hatte viel von Flammensperern gehört, und war hinter ihre Schlich« gekommen. Dreizehn Jahre war er alt, immer noch Pfeifer beim 7. Askariregrmenl Ein Jahr ließ er sich Zeit. Das Petroleum wußte er sich zu verschasfen, täglich„eine Lampe". Dann ging nachts die Arbeit los Der künstige Ruhm machte ihm zur Bedingung, nächtlich ein« Lampe Petroleum zu trinken und dann aus dem Hals heraus Feuer zu speien. Dell schütelte sich und trank, wenn der Magen dos Brenn- öl nicht holten wollt«, Nacht mn Nacht spie er Feuer, abseits vom Loser, Manchmal bekam er selbst Angst vor sich. Er wurde matt, er wurde mutlos, aber er trainierte weiter. Zeitweile konirfa er keine Nahrung zu sich nehmen und die alten Askaris, die in seiner Reihe beim Ausmarsch gingen, hielten sich die Nasen zu und wußten nicht, woher der furchtbare Petrolcumgcstant käme. Er wurde ein großer Feuerspeier. Bei aller Skepsis, die den Umgang mit ihm so angenehm macht, wirft er sich stolz in die breit« Brust, wenn er versichert, daß der Mann gesucht werden müsse, der soviel Petroleum auf einmal trinkt wie er und solche Flammen speit. Von Petroleumgrruch merkt man ihm gar nichts an, denn er produ- ziert sich jetzt selten. Er führt sogar ein feines französisches Parfüm, das aus ftincm weißen Talar bricht. Seine Zähne erstrahlen in blendender Gesundheit. Bell ist nun 42 Jahre alt, im besten Maiinesalter. Er hat die mühseligen Kurven seines Lebens hinter sich und kann, wenn er will, schon von seinen Zinsen leben, denn in der Inflation hat er Glück gehobt. Der Nachmuchs in seiner Grupp« experimentiert nun mit Petroleummengen. Wenn Saison ist, will zwanzigmal am Tag getrunken und gespien sein, zwanzigmal auch in einer dunklen Ecke gewürgt: eine alte Afrikanerin führt die Gänsefeder. Alle Leiden des Magens werden dort neu durchkostet. Aber es soll seinen Mann nähren, besser als das Säbelschwingen und Umherfteigen auf Eisen- klingen. Bell weiß um.oll diese Dinge des Aufstiegs und Erfolges genau Bescheid. Er ist weiß geworden in langen Fahrten und ist über- zeugt, daß jeder etwas leisten muß, will er zu leben verdienen. Bell schreibt eine schmucke, energische Handschrift. Seine Hände sind gepflegt und in der Innenfläche ganz weiß— als wären sie nur dazu da, die weiße, volle Frau zu streicheln, die in farbigem Morgenrock und Plüschpantosfeln im Schaukelstuhl träumt und der Glanz von Bell» Hütte ist,____,________... TIETZ Billige ebensmittel Leipziger Strasse* Alexanderplatz Frankfurter Allee* Belle- Alliance- Strasse* Brunnenstrasse* Kottbuser Damm* Andreasstrasse* Chausseestrasse Seifches Sleisch Pa. Schweinebauch ohne Beilage, Ptd. 88Pt. Pfund 1,04 Pfund 1,10 a.- schaft, ohne Bellg., Pa. Schweineschulterblatt. Pa. Schweineschinken Pa. Schweinekamm ohne Schwarte..Pfd. 1,24 Pa. Kassler mild gepökelt........ Pfand 1,18 Pa. Eisbein m. Spitzb., mild gepok., Pfand 46Pt. Pa. Rückenfett bratfertig, o. Schw., Pfund 78Pt. Pa. Pökelrippchen.. Pfund 78Pt. Kalbskamm ohne Beilage......... Pfund 82Pt. Kalbsrücken ohne Beilage....... Pfund 90Pt. Kalbskeule bis 9 Pfd. schwer, u. Blatt...... ..Pfd. 95Pt. Pa. Hammelvorderfleisch Pfund von 1,03 an Pa. 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Für die herzliche Anteilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes spreche ich, zugleich im Namen aller Hinterbliebenen, meinen aufrichtigsten Dank aus. Sophie Scholem geb. Sussmann Berlin, im Juni 1928. Ortstrantentaffe für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Die 26. Abänderung der Raffenfagung, beschloffen in der Gigung des Ausschusses pom 3. Mai 1923, ist vom Oberversicherungsamt am 4. Juni 1928 genehmigt worden, und tritt am 1. Juli 1928 in Kraft. Die Aenderung betrifft ben 27 ber Sagung( Bestimmungen über die Familien hilfe) sowie§ 85( ärztliche Behandlung ber Mitglieder). Diuckstücke der Eagungsänderung find im Raffenlokal zu haben Berlin, den 26. Juni 1928 Der Borstaub. Richard Lenz, Borfizender. Alfred Ekström, Schriftführer. ( gegenüber vom Kriminalgericht); N, Chausseestr. 37; Hannoversche Bodenkredit- Bank Einladung zur Zeichnung Zum bevorstehenden Anlagetermin legen wir GM. 2 500 000.unserer 8% igen Gold- Hypothekenpfandbriefe, Reihe 13 mit Januar/ Juli- Zinsscheinen, unkündbar bis 1. Januar 1933, zum Vorzugskurse von 971/40/0( derzeit. Berliner Börsenkurs 98%) GM. 1 000 000.unserer 8% igen Gold- Kommunalschuldverschreibungen Reihe 1- in Preußen mandelsicher mit Januar/ Juli- Zinsscheinen, unkündbar bis 1. Januar 1933, zum Vorzugskurse von 941/2/( derzeit. Berliner Börsenkurs 95%) in der Zeit vom 29. Juni bis 20. Juli früherer Schluß der Zeichnung vorbehalten- zur öffentlichen Zeichnung auf. Stückeeinteilung 100, 500, 1000 und 3000 Goldmark. sind sofort porto- und spesenfrei lieferbar. Die Stücke Die Beleihbarkeit der Gold- Hypothekenpfandbriefe in Klasse A der Reichsbank wird alsbald beantragt werden. Für die Gold- Kommunalschuldverschreibungen ist sie bereits beantragt worden. Zeichnungen nehmen entgegen: Gebr. Arnhold, Berlin und Dresden. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin. Ephraim Meyer& Sohn, Hannover. Schwarz, Goldschmidt& Co., Berlin. J. Dreyfus& Co., Berlin und Frankfurt a. M. Hildesheimer Bank, Filiale der Deutschen Bank, Hildesheim. A. E. Wassermann, Berlin und Bamberg sowie alle übrigen Banken und unsere Kasse. Hildesheim, am 29. Juni 1928. Hannoversche Bodenkredit- Bank Dr. Meyer. Astor. Einen gesunden Schlaf und damit eine Kräftigung des ganzen Nervensystems erzielen Sie nur durch den echten , Baldravin' Patentamtl.gesch. unter Nr. 342681. Er enthält sämtl. Extraktivstoffe d. Baldrian Wurzel in kräftigen Südwein gelöst. Alle Nachahmungen, die als ebensogut angeboten werden, weise man entschied. zurück. Zu haben in Apotheken und Drogerien. Hersteller: Otto Stumpf A.-G. Chemnitz. Geflügel und Wild Wolgahühner... Pfund von 105 an Suppenhühner frisch, Pid. v. 98Pf. an Junge Gänse..... Pfund von Junge Tauben........ Stück 75Pf. 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In der Neuköllner Stadtverordetenverfammlung hatte die Sozialdemofratie trop Dreitlaffenwahlrecht schon vor der Revolution fast die Mehrheit errungen. Mit Dankesporten an die Jubilare schloß Genosse Harnisch seine Ausführungen. Eine Feststellungsflage des Bezirks Mitte. Die Stadt Berlin hatte in gleicher Weise, wie es Reich und Staat taten, die Beflaggung der in städtischem Eigentum be= findlichen Gebäude am 80. Geburtstage des Herrn Reichspräsidenten, dem 2. Oktober 1927, mit den Reichsfarben angeordnet. Die Stadtverordneten hatten gestern ihre letzte Sigung| Daraus hat nun die Berliner Polizei das Recht hergeleitet, wieder vor den Sommerferien. Leider fonnte zu dem im Ausschuß be- eine Art Reglementierung einzuführen. Die Polizei hat Bersonen, ratenen sozialdemokratischen Antrag auf Verwirt- die sich sehr auffällig benehmen, festgenommen und sie der Gesundlichung eines zufäßlichen Wohnungsbauprogramms heitsbehörde zur Untersuchung vorgeführt. Das Berliner Gesundfein Beschluß gefaßt werden, weil die Berwirklichung wegen Mangel jegliche Verpflichtung nicht zu erkennen war. Im anderen Falle heitsamt hat allerdings eine Untersuchung abgelehnt, weil eine ge an Mitteln einstweilen nicht möglich ist. Inlandsgeld lift in batte fich ja auch gegen früher nichts geändert. Der Propst als Feind der Nationalflagge. der erforderlichen Höhe nicht zu beschaffen, und eine Aus Ueber die Begriffe„ Sitte und Anstand" seien allerdings die Mei landsanleihe wird der Stadt Berlin nicht ge mungen zwischen den Parteien sehr verschieden, und zwischen Volks nehmigt, weil angeblich der Wohnungsbau teine produttive parte und Sozialdemokratie sei eine Einigung taum zu erzielen. Anlage ist. Unter diesen Umständen mußte die zweite Beratung Im übrigen spreche das Gesetz nur immer von Personen"; daraus des aus dem Ausschuß zurückkommenden Antrages bis nach den ergebe sich doch die Frage, ob nicht auch Männer, die sich auffällig Ferien verschoben werden. Aus der Reihe der übrigen Be: auf der Straße benehmen, von der Polizei festgenommen und der ratungsgegenstände hob sich ein gegen die tatsächliche Fortdauer rat Prgf. Dr. v. Drigaliti meinte, das Reichsgesetz schreibe einer Art„ Sittentontrolle" gerichteter fommunistischer flar und deutlich vor,„ Die Reglementierung ist aufAntrag heraus. An der Debatte über ihn beteiligten sich aus der gehoben". Das will bas Hauptgesundheitsamt unter allen Um Stadtverordnetenversammlung nur Frauen, und neben ihnen ständen beachtet wissen. Jede polizeiliche Mithilfe ist abzulehnen, da nahm nur noch Stadtmedizinalrat Dr. von Drygalfti als das Amt nicht polizeiliche, sondern fürsorgerische Maßnahmen für Sprecher des Magistrats das Wort. Für die sozialdemokratische geeigneter hält. Fraktion sprach Genossin Dr. Frantenthal im Sinne der AusIn der Abstimmung wurde einem Ausschußantrag mit schußbeschlüsse, die jede Mitwirkung des Gesundheitsamtes der Stadt großer Mehrheit zugestimmt, der folgenden Wortlaut hat: Die Bersammlung ersucht den Magistrat, dem Hauptgesund bei der von Polizeibeamten betriebenen Jagd auf Frauen ver= heitsamt meifung zu geben, die Aufforderung der Polizei zur merfen. Eine solche Mitwirkung lehnte auch der StadtmediMitarbeit bei der Sittentontrolle zurückzuweisen. Folgende Ent zinalrat ab. Die Beschlüsse des Ausschusses wurden mit einer Mehrichließung fand ebenfalls Annahme:„ Die Versammlung steht heit aus den Fraktionen der Kommunisten, Sozialdemokraten und auf dem Standpunft, daß ein Vorgehender Polizei gegen Demokraten angenommen. Bersonen, die häufig wechselnden Geschlechtsverkehrs verdächtig erscheinen, nicht angebracht ist. Es erscheint der Versammlung erforderlich, daß durch einen Erlaß des Preußischen Ministers des Innern die Funktionen, die die Polizei auf diesem Gebiete auszuführen hat, geflärt werden." Der Deutschen Boltserholungsheime G. m. b. H." wurde eine Bürgschaft von 250 000 Mart mit der Maßgabe bewilligt, daß alsbald Stadtverordnete und Magistratsmitglieder in den Aufsichtsrat der Gesellschaft eintreten. Zu einem Antrag der Kommunisten, der dagegen protestiert, daß immer noch Polizeibeamte eine Art Siffenkontrolle In einer Reihe Vorlagen, die ohne Debatte angenommen wurden, ist erwähnenswert die Zustimmung zu einer Darlehensgewährung an die Reichsbahn für die Elektrifizierung der Vorortftrede kaulsdorf- Mahlsdorf. Ein bemerkenswerter Borfall spielte fich in der gestrigen Sißung dann noch ab. Für naturwissenschaftliche ausüben, sprach die Stadtverordnete Frau Hoffmann- Gwinner Geräte und für die Räume des Köllnischen Gymnasiums war eine ( KPD). Sie führte aus, daß sich in Berlin die Fälle mehren, in fait unerhebliche Summe vom Magistrat gefordert worden. Der benen Polizeibeamte willtürlich weibliche Ber- deutschnationale Studienrat Herzog erhob Ginspruch gegen die fonen, die ihnen verdächtig erscheinen, anhalten und versuchen, debattelose Erledigung der Vorlage, meldete sich zum Wort und ihre Berfonalien festzustellen. Dagegen müßte beim Polizeipräsidenten beantragte die Ueberweifung der Sache an einen Ausschuß. Das Einspruch erhoben werden, und es ginge nicht an, daß, entgegen hätte die Verzögerung der Angelegenheit bis nach den Ferien bebem Gefeß, weiterhin eine Sittentontrolle ausgeübt werde. Dem deutet. Der Demokrat Prof. Hildebrandt, ebenfalls ein Schulmann, Hauptgefundheitsamt follte Anweisung gegeben werden, biele Kontrat für die fofortige Berabschiedung ein, da die Höhe der ge trolle der Bolizei zurüdauweisen. Frau Dr. Meyer( Dtsch. Bolfsp.) forderten Summe fich aus der Baufälligkeit der Häuser ergebe. meinte, Bolizisten hätten nur dann eingegriffen, wenn sich die Mad Schließlich wurde der Antrag auf Ausschußüberweisung abge chen in fittenwidriger Beile männlichen Baffanten näherten oder Lehnt, dafür erhoben die Deutschnationalen in fpruch gegen die fonft gegen ordnungspolizeiliche Borschriften verstießen. Genoffin weite Lesung, so daß die Verabschiedung der Vorlage bis nach den Dr. Frankenthal betonte gegenüber der Borrebnerin, daß das Gefes Ferien verschoben ist. Und warum diese ganze Attion? Die Schule, zur Betämpfung der Geschiehistrantheiten durch das Kölnische Gymnasium, ist eine Aufbauschule und wird vom auch nicht so far ist, wie es hingestellt wurde; die Auslegungs Genossen Dr. Kamerau geleitet! verordnungen find in verschiebenen Ländern sehr verschieden. # Dann traten die Stadtverordneten in die Sommerferien ein. Die neuen Stadtbahnwagen sind unbequem. man sich diese Mängel, die den neuen Wagen anhaften, vergegen Eine Beschwerdeſchrift. Die Arbeitsgemeinschaft Berliner Bororte hat die Beschwerde an den neuen elektrischen Stadtbahnwagen zufammengefaßt und der Reichsbahndirektion zugeleitet. In der Beschwerde wird vor allem kritisiert, daß die Zahl der Sigpläge in den neuen Halbwagen auf 28 zugunsten der Stehpläte verringert wurde. Auch sind die Sie unbequemer, die Rüdenlehne ist steiler geworden, was wohl bedingt wird durch den verringerten Abstand zwischen den einander gegenüberliegenden Sitzbänken. Die Gepädnete sind verringert und auch dort nicht ange bracht worden, wo sich das ohne Schwierigkeiten hätte ermöglichen Jaffen. Während in den alten Wagen Gepäcknete über fämtlichen Sigen angebracht sind, befinden sich diese in den neuen Wagen nur noch über 12 Gizen. Das bedingt, da nicht genügend Gepäckraum porhanden ist, daß die Reisenden ihre Attentaschen, Batete und Kleidungsstüde in der Hand behalten oder sie in ein von ihrem Blake weit entferntes Gepäcnez legen müssen, wo sie ihr Gepäck nicht mehr im Auge behalten fönnen. In dem Raum zwischen den Türen befinden sich keinerlei altegriffe, so daß die hier Stehenden bei plöglichem Bremsen in den Kurven burcheinandergerüttelt werden. Da die schall. dämpfenben 3 wischenwände zwischen den einzelnen Abteilen in Fortfall gekommen sind und der ganze Halbwagen jetzt zu einem einzigen Abteil geworden ist, muß die Störung burch felbft meit entfernt fißende lautsprechende Mitfahrende geradezu unerträg. lich werden. Wer täglich größere Strecken auf der Bororibahn und ber Stadtbahn zurücklegt, weiß, in wie starkem Maße die Bahnfahrten sum Lesen benutzt werden. Das Deffnen von Fenstern ist aus dem gleichen Grunde sehr erschwert, weil die Zwischenwände in Wegfall gekommen sind, und wenn am einen Ende des Wagens ein Fenster geöffnet wird, sich noch am anderen Ende Zug bemerkbar macht, so daß immer jemand gegen das Deffnen Einspruch erheben mird. In den Raucherabteilen follen sich nach der Beschwerde nirgends Aschbecher befinden. Dies trifft nicht zu. Die Arbeits gemeinschaft hätte beffer achtgeben sollen, ehe fie Forderungen stellt, die längst erfüllt sind. Die Beschwerdeschrift fährt dann fort: Wenn Ka. J. wärtigt, so fann man nur zu dem Schluß kommen, daß der Kon. strutteur der neuen Wagen außer acht gelaffen hat, daß die Reifenden auf den Vorortbahnen in der überwiegenden Mehrzahl nicht Kurz fahrten machen, sondern zum großen Teil Fahrten von 1 bis 2 Stun den Dauer. Diese Reisenden werden schon infolge der langen Fahrt bauer zu oder von ihrer Arbeitsstätte förperlich sehr abgespannt, so daß soziale Gründe und die Interessen der Allgemeinheit gebieten, so daß soziale Gründe und die Interessen der Allgemeinheit gebieten, die Spannkraft der körperlichen und geistigen Arbeiter nicht dadurch zu mindern, daß man die Fahrt zu und von der Berufsstätte er schwert. Leibtragender dürfte lezten Endes nicht nur das reifende Bublifum sein, sondern auch die Reichsbahn selbst. Immer wieder hört man von Reifenden, die die 2. Klasse benutzen, daß sie in der 3. Klaffe ebenso gut stehen könnten wie in der 2. Klaffe. Die 3. Klasse ist sogar noch bequemer, als die Sitztiefe hier 45 3entimeter und der Abstand zwischen den Sitzen 50 Bentimeter( also je 5 Zentimeter mehr als in der 2. Klasse) beträgt. Die Abwanderung aus der 2. in die 3. Klasse wird durch die neuen Wagen sicher beschleunigt. Die Unbequemlichkeit der Wagen dürfte auch, wo das möglich ist, zu einer verstärkten Abwanderung auf die Straßenbahn- und Omnibuslinien führen. Unsere Neuköllner Parteiveteranen. Der Neuköllner Streisverein der Partei veranstaltete in der 93. 2 bteilung in den letzten Tagen eine schöne Feier für die Genossen, die 25 Jahre und noch länger in der Sozialdemokratie organisiert sind. In diefer einen Abteilung wurden nicht weniger als 43 Parteijubilare gefeiert. Im festlich geschmückten Saal des Restaurants Wolf in der Kirchhofstraße brachte nach Borträgen des Mufitforps Reichsbanner Neufölln" der Männerchor Fichte. Georginia" alie Kampflieder zum Bor trag. Genosse Reinhardt sprach die Begrüßungsworte und gab dann dem Landtagsabgeordneten Genossen Harnisch das Wort zur Festansprache. Der Redner erinnerte an die ersten großen Rämpfe der Männer, die für den Sozialismus eintraten. Er sprach von der Eroberung Berlins durch die Sozialdemokratie. Das Dreiflaffenwahlrecht und der Polizeiterror fonnten den schnellen Aufstieg der Sozialdemokratie von einem Arbeiter verein zur Massenpartei nicht verhindern. Es ist ein Zeichen für die Kraft der Bewegung und für den zielflaren Weg der Sozialdemokratie, daß in einer einzigen Abteilung 42 Ges nossen und eine Genossin 25 Jahre und noch länger treu zur Hachelbeeren mit Maizena! Diese Anordnung bezog sich selbstverständlich auch auf das der Stadt Berlin gehörige Gebäude Propst straße 7. Die Beigerung des Propst es, die Beflaggung geschehen zu lassen, hat den Oberbürgermeister veranlaßt, die Vermittlung des preußischen Staatsministers für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung, Dr. Beder, anzurufen. Nachdem auch diese ergebnislos geblieben ist, hat das Bezirksamt Berlin- Mitte beim bürgerlichen Gericht auf Feststellung geklagt, daß ein Einspruch gegen die Beflaggung städtischer Gebäude mit den Reichsfarben dem Propst von Berlin cder dem Kirchenrat der Nikolai- und Marienkirche nicht zustehe. Der erste Termin findet am 10. Juli statt. Ein Haus der Jugend. Der Verwaltungsbezirt Kreuzberg will feine Einrichtungen sozialer Fürsorge durch ein der Jugendpflege gewidmetes Haus vermehren. Zu dem Grundstück Yordstraße 11, auf dem das Dienstgebäude des Bezirkamies steht, gehört ein ursprünglich für eine Fabrit bestimmtes Gebäude. Schon vor längerer Zeit wurde es dem Jugendant des Bezirkes zur Verwendung überwiesen, aber der zweckentsprechende Ausbau fonnte bei der Spärlichkeit der von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung bewilligten Mittel bisher nicht durchgeführt werden. Ein inzwischen von der Bezirksverwaltung ausgearbeiteter Entwurf sieht den eina heitlichen Ausbau des ganzen Gebäudes vor. heiflichen Ausbau des ganzen Gebäudes vor. In diesem Hause sollen Räume für die Säuglingsfürfor gestelle eingerichtet werden, die aus thren bisher in der Großbeerenstraße benutzten Räumen hierher verlegt werden muß. Das Haus erhält auch eine Krippe für 21 Säuglinge und für 15 Kleinkinder( bis zu drei Jahren), wobei zur Eindämmung an 15 Kleinkinder( bis zu drei Jahren), wobei zur Eindämmung an steckender Krankheiten sorgfältige Trennung der Säuglingsabteilung und Kleinkinderabteilung durchgeführt wird. Weiter wird hier ein städtischer Montessori Kindergarten geschaffen, der 30 bis 40 Kinder aufnehmen tann. Der Entwurf ist in enger Fühlungnahme mit der Deutschen Montessori- Gesellschaft und nach ihren Erfahrungen aufgestellt. Spielpläge für die Kinder des Kindergartens und der Krippe sind vorhanden. In diesem Haus der Jugend bietet fich auch die Möglichkeit, für das Jugendheim drei neue Räume herzugeben. Zusammen mit den drei Räumen, die das Heim bisher schon auf dem Grundstück Yorckstraße 11 in einem alten Wertstättengebäude benugte, werden dann sechs Näume für Jugendheimzwede zur Verfügung stehen. Im Obergeschoß und im Dachgeschoß wird ein Lehrlingsheim eingerichtet, das 28 Lehrlinge cufnehmen kann. Es wird ein Uebernachtungsheim sein und den Pfleglingen einwandfreie Schlafgelegenheit, volle Verpflegung, freie wäsche und angenehmen Aufenthalt unter pädagogischer Leitung bieten. bieten. Die Zimmer werden mit je zwei bis pier Betten besetzt werden. Die Ausführung der einzelnen Teile des ganzen Projektes hängt davon ab, wie der Magistrat die Mittel bewilligt. Geplant ist, zunächst die Krippe und den Montessori Kindergarten ein zurichten. Wilde Fußballspieler im Bolkepark Wuhlheide. Im Volkspark Wuhlheide verbreitet sich immer mehr die Unfitte, auf der zum Lagern für die Bevölkerung bestimmten grünen Bolkswiese( unterhalb der Terrassen) Fußball zu spielen. Wiederholt find schon Erholungsuchende in unangenehmer Weise durch die Bälle belästigt worden. Den Weisungen des Aufsichtsperfonals wird meistens feine Beachtung geschenkt, so daß in letter Zeit aus diesem Grunde unliebjame Zusammenstöße zwischen milden Spielern und den Wächtern erfolgen. Im Interesse der Bevölkerung und zur Bermeidung von Körperverlegungen und Sachbeschädigungen, die den Urhebern unter Umständen teuer zu stehen tommen tönnen, wird daher dringend ersucht, das Fußballspielen auf der genannten Wiese zu unterlassen und hierfür geeignete und zu diesem Zwecke die den Bereinen freigegebenen Pläge aufzusuchen. Also mehr Rüdfichtnahme auf die Mitmenschen! 25jähriges Dienstjubiläum in der kommunalen Gesundheitsfürsorge. Am Dienstag, dem 26. Juni, war der ärztliche Direfior des Krantenhauses Friedrichshain, Prof. Wilhelm Braun, 25 Jahre im Dienste der Stadt Berlin tätig. Zu einer Ehrung für ben in mannigfacher Beziehung verdienstvollen Mann hatte sich am Dienstag im Strantenhaus ein großer Streis angesehener Aerzte fo wie Vertreter der kommunalen Verwaltung eingefunden. Als Vertreter der Stadt Berlin und des Bezirksamts Friedrichshain über reichte Bürgermeister Genosse Mieliz ein Rosenarrangement und gedachte der wertvollen Zusammenarbeit zwischen der Berwaltung und dem ärztlichen Direktor, die sich besonders durch den Ausbau des Krankenhauses zu einem der modernsten Krantenpflege genügenden Institut kommunaler Gesundheitspflege ausgezeichnet hat. Stachelbeergrütze( 6 Personen). MAIZENA" SPd. Stachelbeeren, 1 Zitrone, 1 Pfd. Zucker, 160 Granim 3 Pfund unreife Stachelbeeren gibt man nach dem Waschen in 1 Liter kaltes Wasser, etwas Zitronenschale und ein Pfund Zucker und läb! dieses Stunde kochen. Nun streicht man das Ganze durch ein Sieb oder einen Fruchtbeutel, quirl 160 Gramm.Maizena in% Liter Wasser glatt, giht dieses unter die Masse und läst unter stetem Amrühren noch einmal gut aufkochen. Erwerbslosenpolitik der SPD. Das ist praktische Arbeit! Ueber die Bedeutung, Größe und gartenkünstlerische Art dieser Neuanlagen ist im Vorwärts" bereits besonders berichtet worden. hier sei mur darauf hingewiesen, daß die neu hergestellten oder gartenfünstlerisch umgestalteten Anlagen ausnahmslos in den bis her nicht berücksichtigten Verwaltungsbezirken gelegen find und daher in ganz besonderem Maße der Erholung der werktätigen Bevölkerung diener. Als sich zu Beginn des Jahres 1926 die Krife auf dem Berliner| Sportplay, Reinickendorf verschiedene Grünanlagen in Größe Arbeitsmarkt ständig verschärfte, veranlaßten die in der Berliner von zusammen rund 15 000 Quadratmeter. Stadtverwaltung tätigen Bertreter der SPD. auf Betreiben des damaligen Dezernenten der Berliner Part- und Gartenverwaltung, Gen. Stadtrat Ahrens, die Einleitung einer besonderen Attien zur Linderung der Not der Erwerbslosen. Selten wurden Projekte von städtischen Dienststellen so schnell aufgestellt und vom Magistrat genehmigt, wie zu dieser Zeit. Und was im allgemeinen unmöglich erschien, geschah, die Stadtverordneten murden während der Ferien zum 26. Juli zu einer außerordentlichen Gigung eingeladen. Die bürgerlichen Parteien und die KP D. mußten sich mit den ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit einverstanden erklären und für die Durchführung der vorgesehenen Notstandsarbeiten für Straßenbauten für Entwässerungsarbeiten für Melioration für Volksparks und Gartenaulagen und für Sportplätze 13 020 000 RM. 10 146 000 1 000 000 " 19 1 450 000 rund 3 491 000 " " bewilligen. Da möglichst Projekte gewählt waren, die wenig Materialkosten verursachten, fonnte die Gesamtsumme von fast rund 30 000 000 m. zu etwa 75 bis 80 Pro3. den Erwerbslosen in Form von Löhnen zugute fommen. Es ist selbstverständlich, daß eine derartige Summe nicht im Verlaufe von zwei bis drei Monaten verbraucht wird und die Fertigstellung der einzelnen Projekte nicht zu gleicher Zeit erfolgte. Was nun im Jahre 1926/1927 im Bereiche der Bartver waltung mit Hilfe der Erwerbslosen geschaffen worden ist, zeigt uns folgende Uebersicht: Es wurden hergerichtet: im Bezirk Mitte der Arfonaplay, Wedding der Volkspart Rehberge, Prenzlauer Berg der Teutoburger Blatz und der Spielplay an der einsamen Pappel, Spandau Anlagen an der Zitadelle, 3 ehlendorf der erste Teil des Fischtalparkes, Tempelhof der erste Teil des Volkspartes in Mariendorf, Neukölln der erste Teil des Volkspartes Tempelhofer Feld und Anloon in der Siedlung Briz, Treptow die teilweise gartenmäßige Durcharbeitung der Wuhlheide, Köpe nick der erste Teil des Volkspartes am Krankenhaus in Köpenick und der erste Teil des Ehrlichschen Parkes am Müggelsee in Friedrichs hagen, Lichtenberg der Ulrichplay in Mahlsdorf, der Schiller play in Biesdorf und verschiedene kleinere Anlagen, Pankow der erfte Teil des Volksparkes Schönholzer Heide und der Kissingen Aus den Bezirken. 1. Bezirf- Mitte. Die Bezirksversammlung hatte im 27. Juni über die feitens des Bezirksamts für das Jahr 1929 benötigten ein maligen Anforderungen zu beschließen. Nachdem der Haushaltsausschuß die einzelnen Bofitionen geprüft und einige Abänderungen vorgenommen hatte, gelangte die Vorlage zur Annahme. Für die Herstellung der Straßen, Brücken usw. wurde die Summe von 1 532 400 m. angefordert Für Einrichtung von Kinderund Lehrlingsheimen, Parfanlagen usw. murden bedeutende Gummen eingesetzt. Da die Straßen des Bezirks durch den stärkeren Berkehr, den Bau der Untergrundbahn usw. ziemlich herunter gewirtschaftet sind, müssen für diese 3wede auch ganz andere Summen wie in den anderen Bezirken angefordert werden. Der Mangel an Spielplägen im Bezirk soll durch den Umbau des Roppenplages etwas behoben werden. In der Gegend der Volksbühne am Bülowplay, welche durch die teilweise Bebauung schon ein anderes Aussehen erhielt, befinden sich zu beiden Seiten der Bolfsbühne zwei Schandflecke, welche zur Ablagerung von altem Gerümpel benutzt werden. Da an eine Bebauung dieses Geländes vorläufig nicht zu denken ist, muß im Interesse der Anwohner auch hier etwas geschehen. Zu diesem Zweck ist die Herstellung einer Grünfläche gefordert und angenommen. Von den seitens des Magistrats geforderten 40 000 M. zur Wiederherstellung des Begas: brunnens sollen nur 15,000 m. zur Beseitigung der dringendsten Schäden genommen werden. Der verbleibende Betrag soll für die Herrichtung der beiden Pläze verwendet werden. Das Grundstück Rejselstr. 3/4 soll zu einem Kinder- und Lehrlingsheim umgewandelt merden. Nachdem noch in geheimer Sigung die Zustimmung zu einigen Grundstücsanfäufen erfolgte, ging die Versammlung in die Ferien. 2. Bezirt- Tiergarten. Die Bezirksverordnetenversammlung beschloß bei ihrer legten Zusammenkunft die Errichtung je eines Heimes für männliche und weibliche Lehrlinge. Es wurde dann der Anmeldung der einmaligen Anforderungen für den Etat 1927 zugestimmt. Die einmaligen Ausgaben beziffern sich auf 5,8 Millionen Mart. Es sind darin u. a. enthalten der Ausbau des Krankenhauses Moabit, Errichtung neuer Fürsorgestellen für Säuglinge und Tuberkulose und die neuе Bedürfnisanstalt im Ottopart, die als besonders dringlich bezeichnet wurde. Die unzureichende Vorbereitung des Etats durch das Bezirksamt und die vielen Unklarheiten wurden von uns scharf beleuchtet. In der vorlegten. Sizung der Versammlung war an den Bauarbeiten im Kleistlyzeum Kritik geübt worden. Genosse Bin ting hatte festgestellt, daß die Bauarbeiten unsachgemäß und flüchtig ausgeführt werden. Aus der Tatsache, daß die gezahlten Löhne 1,30 Mart über dem Tarif, find, schlossen wir, daß Afford arbeit geleistet wird. Stadtrat Koln eß stellte das mit Entschieden heit in Abrede, und die rechte Seite des Hauses machte uns den schweren Borwurf, daß wir den Arbeitern die hohen Löhne nicht gönnen und gegen eine Ueberschreitung der Tarife sind. Gestern fonnten wir den Entlassungsschein eines beim Bau beschäftigten Maurers vorlegen. Es wurde darin bescheinigt, daß der Mann als Affordmaurer beschäftigt war und einen Stundenlohn von 2,70 Mart bezog. Der Lohnzettel der vorangehenden Woche lautete auf einen Stundenlohn von 2,65 Mart. Es tonnte danach nicht mehr bestritten werden, daß unsere Behauptung richtig war. Stadtrat Kolneß versprach betreten Untersuchung des Falles. Auf der rechten Seite des Hauses, die bei der ersten Debatte so lebhaft war, herrschte tiefes Schweigen. Der Umstand, daß mit der Beschäftigung der Arbeitslosen durchmeg gute Ergebnisse erzielt worden sind und auf dem Berliner Arbeitsmarkt die Verhältnisse noch immer sehr trostlos sind, veranlaßte die städtische zentrale Part- und Gartenverwaltung, weitere Arbeitsmöglichkeiten für Erwerbslose Erwerbslose zu schaffen. Genosse Wutzky hat in seiner Eigenschaft als Magistratsdezernent der Parkverwaltung im Einvernehmen mit den Bezirksämtern neue Grünflächenprojekte ausarbeiten lassen, deren Ausführung die Notwendigkeit und zweckmäßigkeit nicht versagt werden fann. Es ist beabsichtigt, unter Heranziehung Erwerbsloser a) fertig zustellen: im Bezirk Köpenid den vormals Ehrlichschen Part am Müggelsee und den Volkspart am Kranten haus in Köpenick, im Bezirk Tempelhof den Frankepark und den Volkspart in Mariendorf, im Bezirk Neukölln den Volkspark Tempelhofer Feld, im Bezirk Pankow den Volkspart Schön. holzer Heide; b) auszugestalten: im Bezirt Zehlendorf den Schuhmacherplatz und den nördlich der Riemeisterstraße gelegenen Fisch talvart, im Bezirk Reinidendorf den Zugangsweg zur Havelbrücke in Tegel, Gabrielestraße, im Bezirk Spandau das Birkenwäldchen, im Bezirk Stegliz den Schloßpart Lichterfelde; c) neu herzurichten: im Bezirk Lichtenberg Grünanlagen am Kraftwerk Klingenberg und einen Spielplatz für die Bolksschulen in Karlshorst, im Bezirk Neukölln Grünanlagen am Buschtrug in der Siedlung Briz, im Bezirf Charlottenburg einen Kinderspielplaz auf dem Stuttgarter Play. Für die Ausführung dieser Arbeiten sind in diesen Tagen die erforderlichen Mittel in Höhe von zusammen rund 1000 000 m. bereits zur Verfügung gestellt worden. Die Aufmendungen für Materialien sind bei den Barkarbeiten naturgemäß so gering, daß der bewilligte Betrag fast ausschließlich den Erwerbslosen zukommen fann. Sie mögen auch endlich erfennen, daß nicht das Geschrei der KPD. und die von ihr gestellten unerfbaren Agitationsanträge geeignet sind, Lohn und Brot zu bringen, sondern einzig und allein die hier furz frizzierte Arbeit der Sozialdemokratie! Die 4. Bezirk Prenzlauer Berg. Bezirksverordnetenversammlung an 20. Juni lehnte es ab, dem Bezirksamt die Ermächtigung zu erteilen, die von ihm beratenen Entwürfe zum Haushalt des Jahres 1929, foweit fie vom Haushaltausschuß verabschiedet wur: den, vorbehaltlich Zustimmung des Plenums direkt dem Magistrat einzureichen; die Versammlung verlangte rechtzeitige Borlegung der Pläne und genügende Zeit zur ordnungsmäßigen Beratung und Verabschiedung des Haushalts. Einer Vorlage über die ein maligen Ausgaben für den Haushaltplan 1929 wurde nach einer Befürwortung durch den Ausschuß zugestimmt. An Stelle des ausgeschiedenen Genossen Kreuziger wurde Genosse Kermes als Mitglied in die Bezirksschuldeputation 1-6 gewählt. Einer Vorlage, die Aufhebung der Vorgärten in der Prenzlauer Allee verlangt, wurde zugestimmt. Es soll dadurch ermöglicht werden, die Straßenbahn in einen besonderen Gleisförper zu verlegen, da neben für Gehbahnen, Fahrdämme und Bürgersteige genügend Raum zu schaffen. Eine Reihe Agitationsanträge und-anfragen der KPD- Fraktion wurden nach langen Begründungen und Dis: fuffionen durch Uebergang zur Tagesordnung und Ablehnung erledigt. 9. Bezirk Wilmersdorf. Die letzte Bezirksverordnetenversammlung vor den Ferien stand im Zeichen der für den Haushalt 1929 anzumeldenden einmaligen Forderungen. Alseitig waren die Bezirksväter sich darüber im flaren, daß die nun schon eine Reihe von Jahren hindurch immer wieder dringlich geforderte Erneuerung der Brüde am Ringbahnhof Schmargendorf, die haften Pflasterung ein verkehrshindernder Engpaß mit ihrer schlechten, schad zwischen Wilmersdorf und dem aufblühenden Schmargendorf ist, end= lich einmal erfolgen muß. Auch die Errichtung des DOI allen Seiten einschließlich der städtischen Körperschaften für besonders notwendig erachteten neuen Krankenhauses darf nicht länger verzögert werden. Hoffentlich wird nun im Jahre 1929 mit dem Krankenhausbau begonnen werden können. Bei der Behand lung dieser Angelegenheit wurde von unseren Genossen erneut darauf hingewiesen, daß auf dem Gasanstaltsgelände, das für den Krankenhausneubau vorgesehen ist, für unsere Kleingärtner ebenfalls Gelände ausgewiesen werden sollte. Falls durch die dort geplanten Bauvorhaben für Kleingärten fein Blatz bleibt, fordern wir von den Bezirkskörperschaften, daß durch endliche vorbehaltlose Ausweisung von ausreichendem Grund und Boden an anderer Stelle die fleingärtnerischen Bestrebungen auch in unserem Bezirk Förderung erfahren. 16. Bezirk Köpenid. Die letzte Bezirksverordnetenversammlung vor den Ferien verabschiedete noch einige für den Bezirk und Groß Berlin bemerkenswerte Berwaltungsvorlagen. So soll durch Schaf fung eines neuen Straßenzuges von 27 Metern Breite entlang dem Frauentog eine dringend notwendige Entlastung der Grünstraße und des Schloßplages geschaffen werden. Ferner wurde der Schaffung einer 16 Meter breiten Uferpromenade zwischen Schloß- und Dammbrücke zugestimmt. Im Zusammenhang damit soll auch bereits im Herbst der Erweiterungsbau der Langen Brücke in Angriff genommen werden, zu dem bereits durch den Magistrat die erste Baurate bereitgestellt worden ist. Durch Ausführung dieser Projekte erfährt die große Ausfallstraße von dem Stadtinneren Berlins nach dem Osten eine dringend notwendige Ausdehnung und Bollendung. Gerade der Engpaß der beiden Köpenicker Brücken bedeutete bislang eine Verkehrshinderung fondergleichen. Auch der Erweiterungsbau der 6. Volksschule in Köpenid wurde einstimmig genehmigt, nachdem noch ein Antrag unserer Fraktion einstimmige Annahme fand, hier bei dem Erweiterungsbau für Anlage von Braufebädern zu sorgen. Auch der Erwerbung eines Grundstüds in der Seestraße in Friedrichshagen wurde zugestimmt, sowie Kenntnisnahme von der Errichtung der Restvorhaben in Aussicht genommener Wohnungsbauten im Bezirk, die eine Bereicherung von zirka 150 Wohnungen bedeuten dürften. Nach Erledigung dieser Borlagen mußte die Versammlung noch eine Phrasen- und Antragsflut des Kommunistenhäufleins über sich ergehen lassen. Unsere Genossen Rhode und Tolksdorf beleuchteten zweddienlich die demagogischen Mäßchen dieser Maulhelden. Die Anträge fanden entweder durch Uebergang zur Tagesordnung ihre Erledigung oder, soweit sie durch Anträge unserer Fraktion in brauchbare Form umgearbeitet werden konnten, wurden sie zur Beachtung den zuständigen Körperschaften übermittelt. Zur Rettung der Püttberge. Für die Erhaltung der Büttberge bei Wilhelmshagen, die noch zu Groß- Berlin gehören, haben wir in den vergangenen Jahren wiederholt das Wort ergriffen. Eine kürzlich stattgefundene Massenfundgebung setzte sich erneut für die Erhaltung dieser geologischen Merkwürdigkeit als Naturschutzgebiet ein, weil sie das lette Dünenmerkmal der nacheiszeitlichen Bodengstaltung ist, das in seiner Form rein erhalten blieb. Es gelangte folgende Entschließung zur Annahme: Die von über 1000 Teilnehmern besuchte Kundgebung des Naturschutzringes Berlin- Brandenburg, hinter dessen Entschließungen das Bollen von über drei Biertel Millionen preußischer Staatsbürger steht, richtet an den Magistrat semie an die Stadtverordnetenversammlung der Gemeinde GroßBerlin die dringende Bitte, die Püttberge als wertvolles Naturdenkmal für die Allgemeinheit zu erhalten. Es wird außerdem erwartet, daß auch Gemeindebehörden und Gemeindevertretungen die Belange des Naturschutzes im weitesten Maße fördern. Zu diesem Zwecke werden die kommunalpolitischen Forderungen des Naturschutzringes als Richtlinien empfohlen." Da es sich um eine Fläche von rund 45 Hettar handelt, die größtenteils in gärtnerische Nuzung übergegangen ist, müßten zur Ablösung für den Grundstückserwerb eine Million Mark aufgebracht werden, was im gegenwärtigen Augenblick für die Stadt untragbar ist. Es ist auffällig und befremdend, wie wenig 3ntereffe für prattischen Naturschuim Magiftrat Berlin vorhanden zu sein scheint. Bisher haben die vorstehenden ernsthaften und begründeten Vorstellungen der Naturschutzvereine feinerlei Gehör gefunden. Ein neues Fernheizwerf in Berlin. Nachdem bereits einzelnen Berliner Elektrizitätswerfen Ferns heizwerte angeschlossen sind, wird nunmehr auch das Großkraftwerk Klingenberg in dieser Beziehung ausgenutzt werden. Es ist beschlossen worden, zunächst für einige öffentliche Gebäude einen Fernheizanschluß herzustellen und es wird demnächst eine Hochdruckferndampf- und Kondensatleitung nach dem Arbeitshaus und dem Waisenhaus Rummelsburg gelegt werden. Ein weiterer Anschluß soll, wenn der Schulblod in der Schlicht allee fertiggestellt ist, auch dorthin gebaut werden. Mit den Bauarbeiten wird noch im Laufe dieses Sommers begonnen werden, so daß evtl. noch in diesem Winter mit dem Anschluß zu rechnen ist. Neue Verkehrsordnung nicht vor Oktober. Die neue Berliner Verkehrsordnung wird noch immer durch geprüft. Es laufen fortwährend von verschiedenen Inter essenten immer neue Eingaben ein, die alle auf das genaueste durchgesehen und geprüft werden. Augenblicklich wird die Vorlage in einem besonderen Ausschuß, der speziell zu diesem Zwecke von dem Magistrat gebildet worden ist, beraten. In der nächsten Woche finden die ersten Sigungen statt, in denen diese Materie noch einmal durchWenn der Ausschuß die endgültige gesprochen wird. Fassung festgelegt hat, geht sie dem Magistrat zur Ge nehmigung zu und von dort wieder an den Polizeipräsidenten zurüd. Infolge dieser Beratungen wird voraussichtlich die Einführung vor Oktober noch nicht in Frage kommen fönnen. 25 Jahre Elberfelder Schwebebahn. Am 27. Juni fann eins der merkwürdigsten Verkehrsmittel Deutschlands, die Elberfelder Schwebebahn, das Jubi läum ihres 25jährigen Bestehens feiern. Sie wurde am 27. Juni 1903 dem Verkehr übergeben und stellt mit ihrer 13,3 Kilometer Linienführung, deren Hauptteil über die Wupper führt, eine in ihrer Art einzigartige Lösung eines verkehrstechnischen Problems dar. 2. Internationaler Kongreß für Serualreform in Kopenhagen. Nachdem 1920 in Berlin unter sehr starter Beteiligung der 1. Internationale Kongreß für Seruolreform stattfand, werden führende Serualreformer und Sexualwissenschaftler verschiedener Länder vom 30. Juni bis 5. Juli in Kopenhagen tagen. Es sind vier Haupt regelung und Sexualstrafrecht. Unter den Vortragenden befinden themata vorgesehen: Segualreform, Sexualpädagogik, Geburten fich international befannte Forscher und Reformer, so u. a. aus Deutschland Dr. Magnus Hirschfeld, Dr. Helene Stöcker und Dr. P. Schmidt, aus England Dr. Norman Haire Mrs. Dora Ruffell, aus Desterreich Dr. Friedjung und Dr. Franzl, aus Rußland Professor Basche- Djersti, aus Dänemark Dr. S. Naesgaard und Dr. Leunbach, aus der Tschechoslowakei Dr. Bonon. Segualberalung im Bezirk Treptow. Das Bezirksamt Treptow unterhält in Niederschöne weide, Berliner Str. 31 eine Segualberatungsstelle. Die Sprechstunden finden für Frauen Montags von 16 bis 17 Uhr und für Männer Mittwochs von 15 bis 16 Uhr statt. Die Geschlechtsfrankenfürforgeftelle des Bezirks Treptow be findet sich in Niederschöneweide, Berliner Straße 21. Die Sprech stunden sind für Frauen Montags von 17-18 Uhr und für Männer Mittwochs von 16-17 11hr. Was ist Togal? Togal Tabletten sind ein hervorragendes Mittel gegen Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven und Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel! Ueber 5000 Aerzte anerkennen die hervorragende Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. Preis mt. 1.40. 0,46 Chin. 12,6 Lith. 74,3 Acid. acet. sal. ad 100 Amyl. Meine rote Grütze ist eine besondere Delikatesse! Wissen Sie woher das Kommt liebe Leserin? Ich nehme zur roten Grütze auf ein Liter Flüssigkeit stets 100 g kalt angerührtes Mondamin! Darin liegt mein ganzes Geheimnis; denn durch das Mondamin wird der reine Geschmack meines Fruchtsaftes wundervoll hervorgehoben, was ich weder bei Sago noch bei Grieß, erst recht nicht Neben Mondamin gibt es jetzt auch Puddingpulver aus echtem Mondamin zu 10, 15 und 25 Pfg. bei Kartoffelmehl erreichen konnte. Außerdem gibt das Mondamin meiner roten Grütze immer ne den richtigen Grad von Festigkeit. Deshalb macht es mir so viel Vergnügen, rote Grütze selbst zuzubereiten. Es geht eben nichts über's Natürliche und nichts über Mondamin. von den Millionen, die auf Mondamin schwören