Morgenausgabe Nr. 305 A 156 45.Jahrgang hrgane polls Böchentlich 85 Pfg., monatlich 3,60 R. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonnement 6.-M. pro Monat. * Der, Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen„ Boll und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"." FrauenStimme", Technit" Blick in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". 22 Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 30. Juni 1928 Groß Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Retlamezeile 5.- Reichs. mart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig zufällig zwei ettgedruckte Worte), edes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengeiuche das erste Wort 15 Bennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Biennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenfiraße 3 wochentägl. von 81%, bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m. b. H. Der Reichsinnenminister spricht. Severing in der Vereinigung, Republikanische Preffe". Die Vereinigung republikanischer Presse" feierte am reitag abend den Jahrestag ihrer Gründung in den Fest räumen der Presseabteilung der Reichsregierung. Als Gäste nahmen zahlreiche Mitglieder der Reichsregierung, der preußischen Regierung und der Behörden teil. Erschienen waren u. a. Reichskanzler Müller, die Reichsminister Severing, v. Guérard, Koch und Hilferding, die preußischen Minister Dr. Becker, Grzesinski, Dr. Hirtsiefer, Reichstagspräsident Löbe, Landtagspräsident Bartels, die Staatssekretäre Dr. Bünder, Dr. Weismann, Dr. Brecht und der Reichspressechef Ministerialdirektor Zechlin. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Rede des neuen Reichsinnenministers, Genossen Severing. Es ist ein günstiges Zeichen, daß die erste Rede aus der neuen Reichsregierung bei der republikanischen Presse gehalten wurde! Der Vorsitzende der Vereinigung, Ministerialdirektor Dr. Spieder, bezeichnete es in seiner Begrüßungsansprache als ein glückliches Omen, daß der erste Geburtstag der Vereinigung Republikanische Presse" zusammenfalle mit der Geburt der neuen Reichsregierung, die trotz Kleiner Schönheitsfehler bei ihrer Gründung doch so aussehe, wie sie sich immer gerade die republikanische Presse immer gewünscht habe. Der neuen Regierung, die das Vertrauen der Mitglieder der Vereinigung befize, wolle er nur wünschen, daß sie die gleiche Lebensdauer wie die Bereinigung„ Republikanische Breffe" habe; denn diese Vereinigung wolle noch recht lange zusammenbleiben und wirken am Aufbau und Ausbau der deutschen Republit. Nach der mit Beifall aufgenommenen Begrüßungsansprache führte ersten Schritte zur Verwaltungsrefom und zur Demokratifierung der Verwaltung lieber nicht. Sie dürfen aber überzeugt sein, daß dieses Schweigen nicht Untätigkeit und Passivität bedeuten soll. Ich darf Ihnen versprechen, daß ich versuchen werde, aus meinem Ministerium ein affives Verfassungsministerium zu machen.( Lebhafter Beifall.) Herr Ministerialdirektor Dr. Spieder hat davon gespro hen, daß e: der neuen Regierung ein ebenso langes Leben wünsche, wie der Bereinigung Republikanische Presse". Ich verzeichne diesen Wunsch mit Genugtuung und glaube im Sirine aller Mitglieder der Reichsregierung sprechen zu können, wenn ich hinzufüge, daß es unsere feste Absicht ist, recht lange in diefer Regierung am Leben zu bleiben.( Beifall.) Man hat diese Regierung schon ein Ferienkabinett genannt. Ich vertrage Spott. Es ist mir lieb, wenn das graue Einerlei des Tages auch mit spöttischen Bemerkungen gewürzt wird; man soll sich doch auch gejagt fein laffen, daß man eine kurze Ferienpause auch lange Wir haben die Absicht, vier Jahre Ferien zu ausdehnen kann. Wir haben die Absicht, vier Jahre Ferien zu machen, Ferien von Regierungsfrisen, Programmentwürfen und Richtlinienberatung, um in den Ferien davon vier Jahre praktischer Arbeit zum Aufbau der Republik zu leiffen. ( Lebhafter Beifall.) Benn gesagt worden ist, daß dieses Ministerium ein Minifterium des Abbruchs, ober ein Ministerium auf Abbruch sei, dann möchte ich den Erfindern dieser Bezeichnung sagen, daß sie sich irren. Es ist nicht ein Ministerium auf Abbruch, aber man tann die Konzeffion machen, es ein Ministerium auf Umbau zu nennen. In einigen Monaten wollen wir dieser Regierung träftigere Tragbalten unterziehen, und ich bin der festen Ueberzeugung, mit diesen Tragbalfen wird es möglich sein, vier Jahre lang in mit herzlichen Kundgebungen empfangen, nach einer launigen Ein- der Tat praktische Arbeit zum sozialen und zum demokratischen leitung folgendes aus: Aufbau der Republit zu leisten. Reichsinnenminister Severing, Ich glaube, es ist in der Tat ein gutes Dmen, daß Ihr Jahrestag zusammenfällt mit dem Geburtstag der neuen Regierung. Dieses Zusammentreffen veranlaßt mich zu der Bitte an Sie, den Irrungen und Wirrungen bei der Regierungsbildung feine allzu große Bedeutung in der nächsten Zeit beizulegen; denn wir müssen die gemeinsame Kampffront behalten. Es ist auch des wegen besonders schwer, heute abend zu reden, weil man über Fragen, wie Reichsreform und Demokratisierung der Berwaltung grundsätzlich sehr viel sagen und auch viel schreiben fann; wenn man aber versuchen wollte, über die ersten praktischen Schritte derartiger Reformen zu reden, dann würde sich in der Praxis bald ergeben das laffen Sie sich von einem Braftifer der Bezwaltungsarbeit sagen, daß die nächsten Tage diesen ernsten Schritten Barrieren errichten würden. Deshalb rede ich über diese Wir sind überzeugt, daß wir im Verein„ Republikanische Preffe" gute Gehilfen in dieser Arbeit finden werden. Wenn es dahin kommt, daß wir eine entente cordiale schließen zwischen den Vertretern der öffentlichen Meinung und den Vertretern der deut. schen Republik, dann muß es gelingen, dann werden wir in vier Jahren, also am 29. Juni 1932, Erfolge für die Republit buchen können." -O Bostschedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Al" Smith. Der Kandidat der amerikanischen Demokraten. Auf dem Demokratischen Konvent in Houffon wurde bereits im ersten Wahlgang der Gouverneur des Staates New York, Alfred Smith, mit 849 von insgesamt 1100 Stimmen als Präsidentschaftskandidat nominiert. Mit der gleichen überwältigenden Mehrheit wie Her= bert Hoover auf dem Republikanerkonvent in KansasCity ist der Gouverneur des Staates New York, Alfred Smith, auf dem Demokratenfonvent in Houston gleich im ersten Wahlgang als Präsidentschaftskandidat nominiert worden. Es mag sein, daß das Bild der Einmütigkeit, das die regierende Partei soeben geboten hatte, als Ansporn auf die Oppositionspartei gewirkt hat. Bielleicht ist auch die Erinnerung an den deprimierenden Eindruck, den die Zerfahrenheit der beiden letzten Demofratenfongresse in den Jahren 1920 und 1924 hinterlassen hatte, eine heilsame Warnung gewesen. Oder hat gar die tropische Hize, die in der TexasStadt herrschte und die die Parteileitung veranlaßte, nur Nachtsizungen abzuhalten, dazu beigetragen, daß sich die Delegierten diesmal so schnell einigten, anstatt, wie vor vier Jahren, erst nach 102 ergebnislosen Wahlgängen einen Berlegenheitskandidaten aufzustellen. Vor allem aber dürfte die Perfon von Alfred Smith diese schnelle Einigung herbeigeführt haben. Seit Wilsons politischem, physischem und schließlich geistigem Zusammenbruch im Anschluß an den Frieden von Versailles fehlte es den Demokraten an einer überragenden, anertannten Führerpersönlichkeit. Das machte sich nicht nur auf den legten Konventen, sondern vor allem bei den Wahlen selbst bemerkbar: 1920 erlitt der demokratische Kandidat Cor gegen Harding, 1924 der Senator Davis gegen Coolidge eine tatastrophale Niederlage, während die Demokraten a Is Bartei bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus wesentlich beffer abschnitten. Nun ist Alfred Smith, oder„ Al" Smith, mie ihn der Volksmund abkürzend nennt, bereits vor vier Jahren bei der Nominierungsschlacht im Demokratenkonvent unterlegen, weil die Anhänger des Schwiegerjohns von Wilfon Mac Adoo folange gegen ihn opponierten, bis in Ermangelung der notwendigen qualifizierten Mehrheit die Kandidatur Smith zurückgezogen und der Senator Davis aufge= stellt wurde. Aber gerade in den letzten Jahren ist die Po pularität von Smith außerordentlich gewachsen, während das Prestige der regierenden Republikaner in der gleichen Zeit start nachgelassen hat. Ebenso wie Hoover ist Smith ein Mann, der sich aus Der Rede des Reichsinnenministers folgte stürmischer den kleinsten Anfängen zu den höchsten Stellen aus Beifall. eigener Kraft emporgearbeitet hat. In seiner Dankadresse an den Konvent von Kansas- City hat Hoover diese Tatsache mit Genosse Severing, der Nachfolger des Herrn von Keu- Stolz betont und bei dieser Gelegenheit behauptet, in feinem dell im Reichsinnenministerium, hat das Steuerruder eranderen Land der Welt wäre ein solcher persönlicher Aufstieg griffen. Er wird festen republikanischen Kurs möglich. Das letztere stimmt allerdings nicht: die neue steuern. deutsche Verfassung von Weimar gibt jedem deutschen Staatsbürger die gleiche Möglichkeit und der Name Frie drich Ebert ist dafür der schlagendste Beweis. Ein wesentlicher Unterschied liegt allerdings darin, daß in den Augen des amerikanischen Bürgertums die Tatsache, daß ein Präsidentschaftstandidat als Gärtnergehilfe mie im Falle Hoover oder gar als 3eitungsjunge wie im Falle Smith angefangen hat, teine Belastung", sondern umgefehrt ein Beispiel von besonderer Tüchtigkeit darstellt, während das deutsche Bürgertum...! Man dente nur an die Bigeleien unserer gebildeten Kreise über den ,, Sattlergesellen" und man vergleiche sie mit den bewundernden Biographin Hoovers und Smith's in den amerikanischen Zeitun= gen, dann empfindet man sofort den Unterschied zwischen der Untertanengeist, der noch in weiten Streisen des deutschen demokratischen Tradition der Vereinigten Staaten und dem Bürgertums herrscht. Große Mehrheit für Poincaré. Gesicherte Mehrheit.- Kulturelle Zugeständnisse an das Elsaß. Paris, 29. Juni.( Eigenbericht.) In der Kammer wurde nach der Rede Poincarés die von dem Abgeordneten Danielou vorgelegte Resolution, die der Regierung das Bertrauen der Kammer ausspricht, mit 455 gegen 126 Stimmen angenommen.( Danach haben sich nur ganz wenige Radikale der Stimme enthalten, die meisten haben für die Regierung gestimmt. Red. d.„ B.") wartete das Vertrauen aussprechen. Die Beseitigung dieser Umstände liege nicht so bald in ihrer Macht. Gegen die Regierung wird diesmal tein Radikaler stimmen. Die Unentwegten enthalten fich der Stimme. die Smith's besondere Bolkstümlichkeit beruht nicht nur auf Im weiteren Berlauf seiner Ausführungen fam Poincaré auf seinem großartigen Aufstieg, sondern auch auf der Tatsache, elfäffische Frage zu sprechen. Wenn bestimmte Gesetze auf gewiffe Brovinzen nicht In der Freitag- Nachmittagsizung der Kammer stieg die lange er angewandt werden könnten, erklärte er, so handle es sich hier nicht um ein Berlassen des Prinzips der nationalen unteil politische Rede Poincarés. barteit. Das Elsaß habe niemals die gegennwärtige franzöfifche Gesetzgebung gefannt. Die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung, ebenso die protestantische wie die katholische, lehne die Trennung Don Staat und Kirche ab. Das Elsaß, das Frankreich wieder holt die rührendsten Beweise seiner Anhänglichkeit gegeben habe, hätte einen berechtigten Anspruch darauf, mit Wohl. wollen und Tatt behandelt zu werden. Die Regierung fönne unter diesen Umständen nichts von den ihr gegebenen Zusagen zurücknehmen. Ihr Ton bewies, daß der Ministerpräsident sich wieder start fühlt. Die Regierung, erklärte er, wird ihre Politik weiter verfolgen, und sie wird sich auf alle die stützen, die diese Politik unterſtüßen. Sie wird denen die reue halten, die ihr die Treue halten. Also fein Gedanke mehr an einen Rücktritt. Der Rechten, die die Ausschiffung der Radikalen verlangt, wird ebensowenig entsprochen wie den Forderungen der Radikalen. Die Regierung, hatte Boincaré schon vorher festgestellt, tennt nur eine Mehrheit, die mehr heit derer, die ihr anhängen. Damit ist die Situation gefennzeichnet. Die Radikalen finden sich vorläufig darein, so gut es geht. Sie haben am Freitag morgen beschlossen, vor der Abgabe des Vertrauensvotums eine Erklärung zu verlesen, laut derer sie nur unter den gegenwärtigen Umständen der Regierung In der Vormittagsfitzung der Kammer hatten die Sozialisten die Streichung der Krebite für Marotto gefordert. 3hr Antrag wurde jedoch mit 415 gegen 163 Stimmen abgelehnt. Ein neuer Borstoß des Abgeordneten a four gegen die Kredite für die Levante- Armee( Syrien) wurde ebenfalls abgelehnt, und zwar mit 405 gegen 171 Stimmen. daß er in seinem Wesen und in seinem Auftreten sein 3 ugehörigkeitsgefühl zu den untersten Schi ch= ten des Volkes stets betont hat. Während sich Hoover der besonderen Protektion der Truste, der Banken und überhaupt der meisten Großkapitalisten erfreut, ist Smith der Liebling des fleinen Mannes", was übrigens drüben feineswegs gleichbedeutend ist mit Arbeiterschaft. Ueberhaupt fann von einer einheitlichen politischen Stellungnahme der Arbeiterschaft nicht die Rede sein. Die sozialistische Bewegung stedt noch in ihren Kinderschuhen und ihr Kandidat Norman Thomas wird leider ebensomenig eine Rolle spielen können wie feine Vorgänger. Die Gewerkschaften sind politisch neutral und überlassen ihren Anhängern, für welchen Kandidaten sie ihre Stimme abgeben. Grundlegende politische Gegenfäge nennenswerter Art bestehen zwischen den beiden führenden bürgerlichen Parteien, den Republikanern und den Demokraten nicht, sondern höchstens Meinungsverschiedenheiten über Fragen, die augenblicklich eine Rolle spielen und die mit Politik eigentlich nichts oder nur wenig zu tun haben. Im gegenwärtigen Wahlkampf dreht es sich zwar auch um die Hochschußzollpolitit i>(Y IRcpuMifdnpr, deren stärkster Erpnnent Hoover ist und die von den Demokraten scharf kritisiert mird. aber nicht etwa, weit die Demokraten freihändlerisch und die Republikaner protektionistisch sind, sondern weil die Demokraten als Oppo- snionspartei die Unzufriedenheit der Farmer lchüren und die Millionen von Farmerstimmen durch das Bersprechen, ihre Absatzkriie zu lindern, gewinnen mächten. Eine andere, womöglich noch wichtigere Frage wird den Wahlkampf beherrschen: die Prohibition, d. h. das Al» koholverbot. Zwar sind die Meinungen ilber dieses Problem in beiden Lagern geteilt, es gibt sowohl bei den Republika- nern wie bei den Demotraten„Nasse und Trockene", aber H o o v e r ist dafür bekannt, daß er, ebenso wie Coolidge. für die uneingeschränkte A u f r« ch t e r h o l t u n g der Prohibi- tion eintritt, während?ll Smith der Kandidat der .Nassen" ist und sich persönlich dazu bekennt. Allerdings hat derKonvent in Houston eine klareStellungnahme zu dieser großen Streitfrage vermieden mit Rücksicht auf die„Trockenen" im eigenen Lager. Als Exponent der„Nassen" ist Smith nicht nur den meisten Deutschamerikanern und Jrischamerikanern besonders sympatisch, sondern auch viele Arbeiter- und Minderbemittelte werden für ihn stimmen aus Protest gegen die Heuchelei, die insofern eingerissen ist, als die Reichen sich unter der Hand oder durch häufige Reisen nach Canada und Mexiko soviel alkoholische Getränke leisten können wie ihnen beliebt. Die schweren K o r r u p t i o n s s k a n d a l e, in die in jüngster Zeit die regierende Republikanerpartei verwickelt war und auf die in der Programmerklärung der Demokraten ausdrücklich hingewiesen wird, dürften ebenfalls dazu bei- tragen, die Chancen von Smith gewaltig zu erhöhen. Ueber- tniupt könnte mau meinen, daß zum erstenmal seit acht fahren die Demokraten wieder die besten Aussichten hätten, die politische Führung in den Dereinigten Staaten an sich zu reißen. iüZO und 1924 war dos Rennen im voraus „gelaufen", jeder wußte, daß die Republikaner leicht siegen würden. Diesmal ist es anders, selbst die Republikaner müssen zugeben, daß das Rennen„offen" ist, besonders an- gesichts der Zugkraft des neuen demokratischen Kandidaten. Doch steht einer Revanche der Demokraten ein schweres Hindernis entgegen: Al Smith ist als ein Mann irischer Abstammung gläubiger Katholik. Dos Land ist in seiner überwiegenden Mehrheit protestantisch, zum Teil sogar p u r i t a n i s ch im Siime jenes fanatischen Antialkoholismus, der die ersten nach Amerika eingewanderten Engländer de- leelte. Ein kocholischer Präsident wärt in den Vereinigten Staaten ein Novum. gegen das sich sogar viele Demokraten sträuben, wie verschiedene schwere Zwischenfälle auf dem Konvent in Houston gezeigt haben. Wirt„Deutschland bob«n vor drei Jahren erlebt, wie im Kampf um die Präsi- dontschast das konfessionelle Moment eine unerwartet große Rolle spielt« und wie die konfessionellen Vor« urteile bei vielen Wählern st ä r t e r waren als die politische Vernunft und sogar als die Parteidisziplin. Mit einer ähnlichen Erscheinung muß man auch in dem kommen- den amerikanischen Wahlkämpf rechnen. Wahrscheinlich wird der Kampf zwischen den Anhängern von Hoavcr und denen von Smith zum Teil die Formen eines Religtonskrieges an- nehmen mi« allen Uebertretbungen und Nainitäten. die dem amerikanisch au Volke zu eigen sind. Vielleicht wird Smith troß seiner persönlichen Popularität deshalb unterliegen. weil er einer anderen Religion angehört als die Mehrheik der amerikanischen Staotsdürger. Die korrigierte Abstimmung. New Darf. zg. Juni. k>i»utzbem die Delegationen der elnzelncn«tasten ihr« Stimmen angegeben hatten, ergab sich zunächst, daß drr Gouverneur Smith 7?.z«timwen erhalten haben, daß Ihm also acht Stimmen zur Criangung der notwendigen AweidlKtelmchrheit fehlten. Verschie- den« Delegationen hatten jedoch ihre Stimmen aus lakolpatriotischen Gründen einem Kandidaten ans dem eigenen Staate gegeben, ahne damit gegen Smith demonstrieren zu wallen. Die Vertreter von Wa. Milsissippj und Indiana beantragten nun, noch vor dem 'wellen Äahlgang Ihre Stimmabgabc korrigieren zu dürfe». Das wurde ihnen, wenn au-h zum Teil unter Widerspruch, von der großen Mehrheit zugestanden. Dadurch stieg die Stimmenzahl für Smith schließlich auf 849 Stimmen, der unter ohrenbetäubendem Jubcl für nominiert erklärt wurde. Oie Plattform der Demokratie. New Jork, 8!). Juni. Da» nach der Noniinierung von Smith verkündet« Pro. g r a m m der Demokratischen Partei wendet sich zunächst In sehr schoi fcn Worten gegen die K o r r u p t i o n. die unter der republi- ka wichen Regierung«ingerissen ist. und behandelt besonders aus- iiihrlich die Lage der Farmer, zu deren Gunsten bestimmt« Gesetze geschossen werden sollen. Außenpolitisch bekennt sich die Plattform zur S ch i e d s» gcichtsbarteit und Rüstungsbeschränkung, sie ver- urteilt Krieg und Militarismu». sie tadelt das Vorgehen der Coolidge-Regierung in Mexiko und Nicaragua und wünscht Zu. fammen arbeit mit Latelnanierita und verwirft jede lZiumischung in die Angelegenheiten kremder Staaten. Zur Frage der Prohibition wird nur in sehr unbestimmter ufch Ireiläusiger Form«tellung genominen, da ein klares Bekeimtnls zur»Feuchtigkeit" die einmütige Annahme der Resolution ver- hindert hoben würbe. Senator Robinson VizeprSsidentfchastskanbidat. Houston. Zunt. Senator Nobinson wurde von dem Demokratischen Partei. kvavenl zum Kandidaten für die D i, e p r a s i d c n t s ch a s l na. mialerk. Die Schweizer Presse amüsiert sich köstlich über«in Inserat in d�r letzten Rümmer der„Schweizer Schützenzcitung". durch welches d!«..königliche privilegierte Feuergesellichalt L o n d» h u t" die i-bv-,.«>-is»en Schützen einlädt, zu einem von ihr veranstaltete Schützenfest zu rrscheinen,„bog unter dem Protektorat seiner kgl Hoheit Prinz Alfons von Vayern' steht. Die fächstsche Zentrumsparlei hat die von ihr beim Staats- eerichtshaf eingereichte Woblonfechtungsktage gegen dos Land Sachten zurückgezogen. Der«iaatsgerichishoi hat tür Sachsen nur noch di« Klage der ASP, Sachsen« zu verhandeln. Die Verhandlung sindel«m 7. Juli statt. Nene Negiernngskrste in Griechenland. Das griechiiche Kabinett Z a i rn i s ist zurückgetreten. Voraussichtlich mird V e n i z« l a s mit der Kabinettsbildung beauitrogt. Der Vertreter des„Lakol-An.stigers" in Cüdilawien wurde wegen„tendenziöser Berichterstattung" ausgewiesen und Zwangs- weife über dir Grenz« gebrocht. 21 Todesurteile beantragt! Geringe Strafen oder Freisprechung für die deutschen Angeklagten. Nloska». 29. Zum. 3m SchachtyProzeß beantragte Staatsanwalt Srylenko gegen den deutschen Ingenieur Otto sechs Monate bis ein Zahr Gefängnis. Srqlenko ließ die Anklage gegen Meyer falle». Er deontragl« gegen Padflieberbedingle vcrurleilong. 13 weitere Todesurteile gefordert. Moskau. 29. 3unL 3m Anschloß an die bereits gemeldeten Anträge gegen Zl Angeklagte im Schachly-Prozcß stellte Staatsanwalt Srylenko seine Anträge gegen die übrigen 22 Angeklagten. Er beonkragle die Todesstrafe gegen die Mitglieder der Moskauer Zentrale Skorutlo, Nobinowitsch. gegen die führenden Mitglieder der Charkower Orgonisalion Posarschinow, Malow. Vra- lanowski, kasarinow. Gorlehki, Deter. Schadlun, Daschkin, Meschkow sowie gegen G u s s e w i t s ch und Srischanowski. die SpionogeanstrSge ousgesührl haben sollen. Gegen die übrigen Angeklagten beantragte Srylenko Gesängnis- strasen. -i- Die russische Justiz ist Z w e ck j u st i z. sie kann nicht nach den Maßstäben westeuropäischer Justiz beurteilt werden. Der Schachty-Prözeß erscheint nach unseren Begriffen als reiner Tendenzprozeß— aber das sollte er sein. Die Strafanträge des Staatsanwalts K r y l e n t o ent- sprechen dem Charakter der Zweckjustiz. Die Anklage gegen den deutschen Monteur M e y e r ist sollengelassen worden. Der deutsche Monteur B a d st i c b e r soll für schuldig erklärt werden— aber er soll nicht b e st r a s t werde». Der deutsche Ingenieur Otto dagegen soll»och dem Slrafantrag zu sechs bis zwölf Monaten Gefängnis verurteilt werben— nicht weil ihm ein Delikt nachgewiesen worden wäre, sondern weil er einen unglaubwürdigen Eindruck macht, weil es wahrscheinlich, wenn auch nicht bewiesen sei, daß er sich ver- gangen habe, und— d o m i t er sich im Gefängnis überlegen könne, wie man unabhängig vom politischen Standpunkt s i ch in der Sowjetunion zu benehmen habe. Eine solche Begründung eines Strafantrages ist für west- europäisches Empfinden völlig unverständlich. Gegen die russischen Angeklagten hat Krylenko 21 T o d e s- urteile beantragt, die„physische Ausrottung". Wegen der Sabotage, die sie betrieben haben sollen, wegen ihrer politischen Vergangenheit und ihrer Gesinnung, wegen ihrer sozialen Gefährlichkeit. Auch hier zeigt sich wieder die Un- Möglichkeit, diese Art oön Justiz mit westeuropäischer Justiz zu vergleichen. Es handelt sich um grundsätzlich verschiedene Systenre. Die Frage, ob die Schuld der 21, die Krylenko physisch ausgerottet wissen will, bewiesen ist, oder ob sie schuldig ge- sprachen werden müssen, um schwere System- und Organisa- tiansfehler in der russischen Jndustxte zu verdecken, soll völlig offen gelassen werden. Das Strafmaß aber gestattet einen Vergleich. 21 Todes- urteile wegen Sabotage! Es ist kommunistische Do-trin, daß die westeuropäische Justiz Zweckjustiz zur Niederhaltung der ?lrbetterschaft und zum Schutze der bürgerlichen Klassenherr- schaft sei. Die westeuropäische Arbeiterbewegung kennt die Sabotage als Kampfmittel gegen den Kapitaiismus nicht— nur wenige syndikalistische und anarchistische Gruppen predigen sie. In den wenigen Fällen echter Sabotage, die von unaufgeklärten und in die Irre gehenden Arbeitern als ver- meintliche Waffe im Klassenkampf in westeuropäischen Län- dern ergriffen worden sind, ist es keinem bürgerlichen Gericht in einem europäischen Lande eingefallen, mit dem Urteil auf „physische Ausrottung" des Klassengegners zu antworten, kein europäisches Strafgesetz kennt die Todesstrafe gegen Sabo- tage. Die kommunistische Lehre, die die Zweckjustiz der Sowjet- union als Gegenspiel zur Klassenjustiz der bürgerlichen Ge- sellschaft bezeichnet, und die kommunistische Praxis die 21 Menschen unter der Beschuldigung der Sabotage physisch aus- rotten will, fetzt einen Unterschled zwischen der gewollten Zweckjustiz in Sowjetrußland und der bürgerlichen Justiz. Sie zeigt die eigene Justiz in unerhörter Grausam- k e i t und gibt damit der Justiz des Klassengegners das Zeug- nis größerer Hu in anität. Die Anklagerede. ZNoskau, 29. Juni. Im Schachty-Prozeh stützt« Staatsanwalt Krylenko bei der Ve- grüiibmrg der bereits kurz mitgeieillen Strofanträge gegen die beut. sche» Angeklagten seine Ausführungen gvgen Meyer und Otto Haupt» sächlich auf die Aussagen des Moskauer Baschkin und Kasarinows. Meyer, Otto und W« g n e r hätten sich an der Sabotagetätig- keit beteiligt. Aus die Angelegenheit des Hutes und Rsgemnantels, die als verabredet« Zeichen für das Einsetzen der Zerstörung ge- gölten haben soll, lege der Siaatsanwalt keinen Wert. Di« Tat- fachen ollem führten eine beredte Sprache. Es sei aber das Recht de? Stoatsamnalrschost. von der Anklage Abstand zn nehmen. Deshalb ziehe sie die Anklage gegen Meyer zurück. Anders stehe es mit Otto, der in mchtöfsentlicher Sitzunq Auskunft über seine Zugehörigkeit zum Stahlhelm gegeben habe. Krylenko widmete imnmehr dem politischen Innenleben Ottos eine eingehende Betrachtung und folgert« daraus, daß Otto unbedingt sowjetfeindlich eingestellt gewesen sei. Dies lasse sich aus seinem Verhalten während der Fe- bruar- und Oktober- Revolution erkennen. Die lln- ausrichtigkcit seiner Gesinnung ergebe sich aus der Tatsache, daß er Mitglied der„Gesellschost der Freund« des neuen Rußland" ge- worden sei, obgleich«r dem Stahlhelm angehörte. Diese Hovdtungs- weise mache ihn verdächtig. Die Sowjetunion, so führte Krylenko weiter aus, brauche Freunde, denn st« Hobe Feinde genug. Aber Otto Hobe durch seinen Beitritt zu der Gesellschaft der Freund« sein« wahr»» Absichten verschleiern wolien. Die liebergab? des Briefes hätte nich-ls zu bedeuren, wenn Otto die Tatsache nicht geleugnet hätte. Dabei sei zu berücksichtigen, daß er diesen Bries einem Mann wie Matow überbracht Hab«. Sein Treiben sei durch seine Kenntnis der russischen Sprache unterstützt worden: diese Kenntnis lasse ihn als besonders geeignet für ein« Aerschwörertätigkeit erscheinen. Der Staatsonwall erkannt« an, daß die Tatsache der Briesübergobe nicht unbedingt sicher erwiesen sei, ebensowenig wie die Teilnahme an der Sobotageorganisation. Aber er sei der Ansicht, daß die Ausweisimg in diesem Falls nicht genüg«. Di« Ausweisung würde Otto nur zu einem billigen Ersolge verHelsen, da sie ein Gelingen seines etwaigan Austroges b»deuten würde. Otto müsse darüber nachdenken lernen, daß angesichts seiner politischen Ansichten und Neigungen seine Anwesenheit In der Sowjetunion eine Verletz- ung der in der Sowjetgesetzgebung fe st gesetzten polischen Richtlinien bedeule. Deshalb beantrage er ein« Gesängnisstrafe zwischen 6 und 12 Monaten, wobei dem Gericht die Entscheidung über dos Strasmaß natürlich ngps.ändig überlassen bleibe. Demnach könne das Gericht auch auf Freisprechung erkennen. Der Vorsitzende unterbrach hier die Aussührungen Krnlenkas, indem er die Uebersetzung aller vom Staatsanwalt in Sachen Meyer und Otto gemachten Ausführungen oerlangt«. Krylenko und die deutschen Firmen. Moskau, 29. Juni.' Im Zusammenhange mit der Anklage gegen Kasarinow. für den der Staatsanwalt Tod durch Erschießen beantragte, wurde die Angelegenheit der AEG. zur Sprache gebracht. Es sei hierbei sestgestellt, daß die Anklage eine gewisse Mäßigung gegen- über der früheren Praxis darin erkennen ließ, daß sie nicht mehr' non der Tatsache, sondern nur noch von der Möglichkeit einer Ver- schwörung spricht. Der Staatsanwalt führte aus. daß die Berliner Rußlandabteilung der AEG. rein k a u s m ä n u i s ch e Ge- sichtspunkte im Auge gehabt Hab«, als st« ihr Augenmcrk auf dos Absatzgebiet Im Donez-Vecken richtete, während Paris Haupt- sächlich von politischen Gesichtspunkten geleitet gewesen sei. Krylenko stellt« darauf an Hand der Aussagen Ottos fest, daß sich in der Rußlandobteilung der AEG. etwa ein Dutzend russi- scher Emigranten befinden, lieber di« Neigungen dieser Emigranten könr.« die Anklage nicht im Zweifel sein. Blcymcmr habe„Prozente" nach Charkow geschickt, aber der Sowjetstaat kenne nicht den Begriff„Courtage", sondern nur den Vegrifs„Schmiergelder". Die Seelx der kommerziellen Eroberung des Donez- decken? sei der in Berlin lebende Baschkin gewesen, der auch di- Geschästskorrespondenz nach Rußland geleitet habe. Der Staats- anwalt hebt hervor, daß sich die Anklage nichtgegendieAEG.. sondern gegen einzelne Personen richte. Krylenko vertrat die Ansicht, daß die Leitung der AEG., selbst wenn sie es gewollt hätte, nichts gegen die Psychologie der in der russischen Abteilung arbeitenden politisch weih eingestellten Russen hott« bin können. Auch die Firma Knopp habe geglaubt, daß der alte russisch? Grundsatz„wer gut schmiert, der gut fahrt" noch immer In Kraft sei. Wie sestgestellt worden sei, habe die Firma schlecht verpackte Maschinen und auch Bruchware nach Rußland geilefert, wodurch die russilch« Wirkschast geschädigt wurde. Irgendwelche Verbindung der deutscheu Firmen mit Paris habe nicht de- standen, weil di« Firmen daran schon aus Gründen des Weit- bewerbes gehindert gewesen seien. 6in Kommentar der Wilhelmstraße. Zu der Meldung über die Strasanträge gegen die deutschen AN- geklagten im Schachty-Prozeß wird dem WTB. von moßgeben- der Seite mitgeteilt: das hier bekannte gegen Otto vorliegend» Material kann eine solche Strafe unter keinen Umständen als gerechtfertigt erscheinen lassen. E» ist zu hoffen, daß das Sowjetgericht In maßvoll und besonnener Abwägung der vorliegenden Tatsachen zu einem anderen Schluß kommt als der Herr Staatsanwalt Krylenko. Die deutsche össentliche Meinung würde jedensalls kein Verständnis dosür ausbringen, wenn auch das Gericht dem Vorschlag des Staatsanwalls folgt. Kabinett Hermann Mütter. Erste Beratungen, Amtsübernahme. Das Kabinett Hermann Müller trat am Freitag vör- Mittag, wi« wir schon kurz melbeten, zu seiner ersten Sitzung zu- sammen. Der Vereidigung der neu hinzugetretenen Mitglieder de» Kabinetts durch den Reichskanzler folgt« die erste Beratung der Regier ii ngsertlSrung. Die einzelnen Ressorts sollen bis Sonnabend vormittag dem Reichskanzler ihre Vorschläge unter- breiten. Die eigentliche Ausarbeitung und Beratung des Regierung»- Programms wird dann im Laufe des Sonnabend und Sonntag er- solgcn. Außer dem Reichskanzler haben auch der Reichsminister de» Innern, Seoertng. und der Reichsminister der Finanzen, Dr. H i l f e r d i n g, am Freitag ihr Amt bereits übernommen. Die Amtsübernahme ei folgte in Anwesenheit der scheidenden Minister, der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Ministerien. Reichs- arbettsmt nister Wissen tritt am Sonnabend seinen Dienst on. Reichskonzier Hermann Müller richtete an den Reich?. Präsidenten Hindenburg anläßlich der Geburt eines Entrlfvhn?? ein Gtiickwuuschschreiben. Finanzhilfe für Angegriffene? England macht Einwendungen. Gens. 29. Juni. fEigenbencht.) Die Sicherheiiskommission behandelte am Freitag in öffentlicher Sitzung den finnländischen Antrag auf finanzielle Unterstützung kriegsbcdrohter und angegrif- fener Staaten, über den ein« Unterkommission einen Bericht verfaßt hotte, der im großen und ganzen nur die finan- zicllen, politischen und völkerrechtlichen Schwierigkeiten der Durchsührung eine» solchen Planes aufzählt. Der ungenügend« Bericht führt« zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen dem englischen Delogiartoo Cushendun und dem Präsidenten B« n e s ch. Der Engländer fordert««inen genauen Entwurf des Finanzkomitees über Ausbringung. Garantierung und Verwendung der Mittel. Er bemerkte sehr kühl, daß man sich doch nicht zur Unterstützung jedes beliebigen angegriffenen Staates verpflich. ten könne und daß der Geldmarkt auf die Beschlüsse des Dicher- heitskonntees und sogar des Völkerbundes pfeife, wenn ihm sein Geld nicht garantiert werde. V e n c s ch versuchte die Verantwortung siir den Antrag den Reairrunqen und der Dölkerbundversammlung zuzu- Republik ohne Monarchisten. Monarchistisches Lippenbekenntnis und deutschnationale Heuchler. Der Vorstoß des Herrn Lambach gegen den Monarchis mus hat den Widerspruch der Monarchisten in der Deutschnationalen Volkspartei hervorgerufen. Dabei stellt sich heraus, daß dieser Monarchismus eigener Art ist. Herr von Freytagh Loringhoven schreibt in der ,, Deutschen Zeitung": " Deshalb muß jeder, der sich nicht mit der Berewigung des Bersailler Mächtesystems abfinden will, Monarchist sein. Das bes deutet aber nicht, daß er morgen oder übermorgen die Monarchie wieder einführen will. Spätestens seit 1923 mußte es jedem Berständigen flar sein, daß die Wiedergeburt Deutschlands weder von Parteien mit dem Stimmzettel, no ch von Verschwörern durch einen Putsch herbeigeführt werden, sondern daß sie nur die Folge großer weltpolitischer Umwälzungen sein fönne, derselben Umwälzungen, die uns non den Fesseln des Versailler Bertrages befreien werden. Sie hervorzurufen liegt nicht in unserer Macht. Wir müssen warten, bis sie eintreten." Dieser Monarchist glaubt so fest an den fünftigen Kaiser mie die deutschen Kommunisten an die deutsche Somjetregierung. Sie hoffen beide auf das große Wunder, den neuen Weltkrieg, der dem einen den Kaiser, dem anderen die Somjetdiktatur bescheren soll. Beide mit dem Hintergedanken, daß alles bleibt wie es ist, wenn das Wunder ausbleiben sollte. So sehen die Deutschnationalen aus, die noch Monarchisten zu sein behaupten! Haben sie Anhänger? Die Freunde 2 am bach's schäßen sie nicht hoch ein. In der ,, Ostpreußischen 3eitung" liest man: ,, Bei Lambach mag die Erkenntnis ausschlaggebend gewejen sein, die mit ihm viele andere in unserer Partei teilen, daß es zuviel Heuchler gibt, die zwar öffentlich ihr monarchist i= sches Lippenbetenntnis aussprechen, die aber unter vier Augen jedem fagen, daß fie längst Republitaner gemorden seien und man wird nicht fehl gehen, wenn man diese Richtung gerade in denjenigen Kreisen sucht, die allzu start das wirtschaftliche Moment in der Politik betonen." Das Es steht schlimm um die deutschen Monarchisten! Schlagwort Republik ohne Republikaner", einst bis zum Ueberdruß wiederholt in der deutschnationalen Bresse, ist verstummt. Wir werden dafür bald von der Republik ohne Monarchisten reden fönnen. Kundgebungen für Lambach. Einer der konservativsten Deutschnationalen in Hamburg, der Schriftleiter der ,, Deutschen Handelswacht", das Hauptorgan des Deutschnationalen Handlungs= gehilfenverbandes, schreibt unter der Ueberschrift ,, Monarchisten und Republik" u. a.: S ginis Die Unterwerfung.19 Stalin Sinowjew Kamenew Stalin: Erlöst seid 3hr vom roten Bann; Legt Euch den roten Bannerorden an!" Die Flaggenfrage in Preußen. Der Verfaffungsausschuß des Landtages erledigt die Vorlage. ten teine Berpflichtung zur Beflaggung besteht. Es soll jedoch ihr Recht unberührt bleiben, selbständig darüber zu bestimmen, ob und wann eigene Kirchenflaggen entweder allein oder neben anderen vom Staatsministerium zugelassenen Flaggen zu zeigen find. Ein Antrag der Deutschen Volfspartei, diese Bestimmungen zu streichen und einfach festzulegen, daß die grundlegenden Borichristesin auf die Religionsgefellt haften feine Anwendung finden sollen, wurde abgelehnt, nachdem sich auch das Zentrumn dagegen ausgesprochen hatte. Der Verfassungsausshuß des Landtags beschäftigte| Gesezzentwurf bestimmt, daß für Religionsgesellschaf sich am Freitag mit der Verordnung vom 8. August 1927 über Sie Beflaggung der gemeindlichen Dienstgebäude und der SchulUnd doch glaube ich, daß die programmatische Aenderung, gebäude. Die Verordnung war bekanntlich vom Ständigen Ausdie Lambach anstrebt, in der Bragis längst durchgeführt schuß mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen wor ist. Es handelt sich nur darum, einen vorhandenen Zustand parteiden, sie hatte jedoch die Bestätigung des Landtags nicht erhalten, da amtlich anzuerkennen. Es wäre ein böser Irrtum, menn man das Haus von der Opposition beschlußunfähig gemacht worden war. fich einbilden würde, daß die große Masse der Wähler, die sich am In der gestrigen Aussprache erneuerte die Rechte ihre Bedenken 20. Mai für die Listen der Deutschnationalen Bolkspartei entschieden gegen die Verordnung. Sie bestritt, daß die Borauslegungen für haben, ausgesprochene Monarchisten seien. Diese bilden in der den Erlaß einer Rotverordnung vorgelegen hätten. Im Gegenfag Bartei pon heute zweifellos nur noch eine Minderheit. Die meisten deutschnationalen Wähler, mögen sie noch so viele Fehler dazu erklärte Abg. Dr. Hamburger( S03.) und Dr. Lausher( 3.) an der Republik von heute finden, stehen der Frage Monarchie oder daß die Verordnung sowohl formell wie materiell notwendig ge Republik innerlich recht fühl gegenüber. Die Zahl derer, die Leib und Leben für die Einführung der Monarchie einzusetzen bereit mären, ist verschwindend gering.. Für uns ist die Frage, ob Monarchie oder Republif, teine Frage des Grundsazes. Mit ganz nüchternen Erwägungen gehen wir an die Betrachtung dieser Frage heran Wir glauben, daß auch ein Republikaner gut deutschnational, auch im parteiamtlichen Sinne, fein kann. In einer Versammlung der deutschnationalen Handelsangestellten in Osnabrüd wurde folgende Entschließung gefaßt: Die in Osnabrüd zusammengetretenen, der Deuticmationalen Bolkspartei angehörenden oder sich zur parteipolitischen Weltanschauung der Deutschnationalen Boltspartei hekennenden Angestellten haben mit Sorge aus der Tagespresse ersehen, daß der Landesverband Hamburg den Parteivorstand aufgefordert hat, dan Reichstagsabgeordneten Walter Lambach megen seines befannten Artikels in der politischen Wochenschrift Monarchismus" aus der Partei auszuschließen. Nach unserer Ueberzeugung hat Lambach angestrebt, getragen von einem sorgenpollen Interesse für die Partei, dem tatsächlich der Partei in großer Zahl angehörenden konservativ republikanisch eingestellten Mitgliedern die Möglichkeit zu ehrlicher Mitarbeit zu geben. Das Ausscheiden Lambachs würde für die Partei unberechenbare Folgen und die Abtehr zehn tausender Angestellten nach sich ziehen. Die Angestellten erwarten daher auf das bestimmteste, daß der Parteivorstand den Antrag des Landesverbandes Hamburg ablehnt, daß vielmehr alle Möglichkeiten erschöpft werden, um die bewährte Persönlichkeit Lambachs in der Partei zu behalten." Die Krise des Monarchismus wird zur Krise der Deutschnationalen Bolkspartei. Reform des Armenrechts in England. Zum Zeil nach fozialistischen Anregungen. London, 29. Juni.( Eigenbericht.) Das britische Gesundheitsministerium hat am Freitag ein Memorandum veröffentlicht, das tiefgreifende Aenderun gen in der seit 100 Jahren unangetasteten lofalen Selbst= Derwaltung anfündigt. Der Gesezentwurf sieht u. a. eine Uebertragung der Funktionen der Armenräte auf die Stadt und Graffchaftsräte vor. Die Reform des Armenrechts ist im meitesten Maße auf Anregungen zurückzuführen, für die der fozialistische Politiker Sidney Webb feit mehr als 30 Jahren eingetreten ift. mesen sei. Die Berordnung wurde schließlich mit den Stimmen der Regierungsparteien bestätigt. Der Ausschuß beriet sodann über den Antrag der Regierungs parteien auf Annahme eines Gesetzentwurfs über Für die Bezeichnung irchenflaggen" soll auf Antrag des Zentrums die weitergehende Bezeichnung Eigenflaggen der Religionsgesellschaften gewählt werden. In der vorangegangenen Aussprache mar pan den Abgg. Dr. von Ennern( D. Bp.) und von Kriege( D. Bp.) beton: morden, es handele sich um einen ersten Fall, in dem in ein ganzes Gebiet der Selbst permaltung eingegriffen werde. Das habe als Präzedenzfall seine großen Bedenken. Eine notmendige Konsequenz des Gesetzes jei es übrigens, daß die Kosten der Beflaggung der Staat zu tragen habe. Bon den Deutsch nationalen brachten die Abgg. Baeder und Steuer perfassungsrechtliche Bedenken vor; da die Selbstverdas Flaggen öffentlich- rechtlicher Körperschaften. Durch Annahme dieses Gesetzentwurses soll die Möglichkeit gegeben werden, die Notverordnung entbehrlich zu machen. Nach diesem Antrag soll die Beflaggung der Dienstgebäude, zum öffentlichen Gebrauch bestimmten Gebäude und sonstigen Einrichtungen der Gewaltung durch die Rei haverjasjung gewährleistet sei, bedürfe es für meinden und Gemeindeverbände somie der öffentlichen Straßen und Bläge als Angelegenheit der Landeshoheit zu den örtlichen Geschäf ten der allgemeinen Landesverwaltung gehören. Das gleiche soll gelten für die nicht vom Staat allein unterhaltenen öffentlichen Schulen. Auch das Flaggen durch die übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts soll der Bestimmung durch das Staatsministerium unterliegen. Dazu wurde ein Antrag der Deutschen Boltspartei angenommen, wonach besagt werden soll, der öffentlichen Straßen und Plätze als solche", um festzulegen, daß das Flaggen aus dem Fenster heraus unberührt bleibt. Des meiteren mird durch den Urteil im Meineidsprozeß Goetze. 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. Nach dreiftündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Dr. Tolf folgendes Urteil des Schwurgerichts: Der Angeklagte Goetze wird wegen Meineids zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Koften des Berfahrens fallen dem Angeklagten zur Laff. Sechs Monate der Strafe werden durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erklärt. Dem Angeklagten werden außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. In der Begründung des Urteils heißt es: Es liegt ein gemisser Berdacht vor, daß Schneider und Goeße die Berräter Schlageters find, er ist aber nicht so weit verdichtet, daß das Gericht zu einer sicheren Feststellung gekommen ist. Es ist fehr leicht möglich, aber es ist nicht als erpiesen anzusehen, daß Schneider und Goeße Schlageter verraten haben. Die zweite Frage ist, pb Schneider und Goetze die Kameraden Schlageters, Sadowski, Becker und Werner verraten haben, nachdem Schlageter verhaftet par, zu deffen Befreiung Hauenstein einige puntt, daß hier ein ziemlich erheblicher Berdacht besteht. Es besteht die Möglichkeit, daß fie die Kameraden verraten haben, ein poller Beweis ist aber nicht zu erbringen. Der Frauenmörder verhaftet. ßnahmen getroffen hatte. Das Gericht fieht auf dem StandDer„ Landru von Marseille" in Algier gefaßt. Paris, 29. Juni. Der, Landru von Marseille", dessen Angelegenheit seit mehreren Tagen die Deffentlichkeit in starkem Maße beschäftigt, ist nach einem Telegramm des Polizeichefs in Algier heute dort verhaftet worden. Der Frauenmörder, der sich Jerome Prat nannte und in Wirklichkeit Pierre Ren heißt und aus Algier flammt, war heute vormittag als Passagier eines von Marseille kommenden französischen Dampfers dort gelandet. Anders ist es mit dem Punkt, daß sie hauenstein ins besetzte Gebiet zu loden versucht hatten Hier steht fest, daß sie sich den Franzosen gegenüber verpflichtet hatten, ihnen Hauenstein in die Hände zu liefern. Für das Gericht steht fest, daß der Angeflagte Goetze und auch Schneider Berrat an Hauenstein verübt haben. Das Gericht ist aber nicht berechtigt, daran Kritik zu üben, das muß an anderer Stelle getan werden. Mit der Feststellung, daß Schneider, und Goeze den Berjuch gemacht haben, Hauenstein diese Borlage als verfassungsänderndes Gesetz einer qualifizierten Mehrheit. Die Zentrumsabgeordneten Linneborn und. Causcher betonten die Notwendigkeit des Gesetzes, um die Möglichkeit zu geben, das Bolf unter einem gemeinschaftlichen Symbol zu sammeln. Von der Wirtschaftspartei erklärte Dr. Rohde sich gegen den Gesetzesantrag. Durch derartige Eingriffe in die Selbstverwaltung diene man nicht der Republik. Auch der Kommunist Obuch lehnte den Gejegentwurf ab. Die Vorlage fand schließlich gleichfalls Annahme mit den Stfimmen der Regierungsparteien. den Franzosen auszuliefern, ist man zu der Kernfrage gekommen, ob der Angeklagte einen Meineid geleistet hat. In der Privatklage, die Schneider gegen Hauenstein angestrengt hatte, hat Goeße unter Hauenstein in die Hände der Franzosen zu liefern. Das Gericht einem Eide abgestritten, den Versuch gemacht zu haben, sieht den Meineid Goeßes als erwiesen an. Es hat ihm aber den Schutz des§ 157 zugebilligt. Das Gericht ist bei der Frage, welche Strafe zu verhängen ist, davon ausgegangen, daß lediglich Meineid als Straftat in Frage fommt. Bas Goeze im Jahre 1923 im Ruhrgebiet getan hat, spielt hier keine Rolle, es ist deshalb eine Strafe von 2½ Jahren Zuchthaus angesichts der gewissen Frivolität des Meineides für angemessen erachtet worden, die infolge der Anwendung des§ 157 auf 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus festgesetzt wurde. Die Tat Goeßes war außerdem ehrlos und so hat das Gericht auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren erkannt. Gehr knapper liberaler Nachwahlfieg. Fortschritte der Arbeiterpartei. Condon, 29. Juni. Bei den durch die Erhebung Sir Alfred Monds in den Beersstand notwendig gewordenen Nachwahlen im Bezirk Carmarthen vermochten die Ciberalen mit 10 201 Stimmen eine Mehrheit von 47 Stimmen auf sich zu vereinigen. Der Kandidat der Arbeiterpartei erzielte 10 154 Stimmen( gegenüber 7953 im Jahre 1924), während für den fonjervativen Kandidaten 8361 Stimmen abgegeben wurden. Der Türzlich zurüdgefretene„ Sprecher"( Präsident) des Inter hauses erhält eine jährliche Bension non 80 000 M. Ein Antrag der Labourpartei, sie auf eine Viertel herabzusetzen, wurde mit 225 gegen 100 Stimmen abgelehnt. Metallarbeiter, seid einig! Gebt den kommunistischen Gauklern und Maulhelden die richtige Antwort. Man muß es verstehen, sich zu jeden und allen Opfern| entschließen und wenn es nötig ist sogar List, Schlauheit, illegiale Methoden, Bersch wei gung, Verheimlichung der Wahrheit anwen den, um nur in die Gewerkschaftsverbände einzubringen, in ihnen zu bleiben, in ihnen fommunistische Arbeit durchzuführen( Lenin in seiner 1920 erschienenen Schrift: Der„ Ra dikalismus", die Kinderkrankheit des Kommunismus.) Die Lüge als bewußtes Kampfmittel benußen, wie es die Kommunisten in den Tageszeitungen tun, ist feine Lüge, sondern eine verflucht reale Notwendigfeit.( Rote Fahne" vom 19. August 1923.) Das sind die Grundsäge, die die Kommunisten beherrschen in ihrem Kampfe, den sie jezt gegen die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes im Hinblick auf die bevorstehende Verbandstagswahl führen. Die Kommunisten können ihre Niederlage, die sie am Mittwoch auf der VBMJ.- Konferenz erhalten haben, nicht verschmerzen und schreien deshalb in der„ Roten Fahne" vom Freitag gegen die Schlichtungsdiktatur und für das Streit. recht. Getreu den oben angeführten Thesen wird in diesem Artikel behauptet, daß den Berliner Metallarbeitern im Jahre 1924 durch einen verbindlich erklärten Schiedsspruch der Achtstundentag geraubt wurde. Allen Berliner Metallarbeitern ist es bestimmt noch in Erinnerung, wie die Obleute damals die Arbeiter der BBMI.- Betriebe aufriefen, sich dem Diktat des Verbandes Berliner Metallindustrieller nicht zu fügen, sondern die Arbeit geschlossen niederzulegen. Aber nur in 100 Betrieben tamen die Belegschaften dieser Aufforderung nach. Gerade die Betriebe, die von den Kommu nist en beherrscht wurden, legten die Arbeit nicht nieder. So wurde damals der Bewegung von vornherein das Rückgrat ge= brochen. Alle Funktionäre waren sich damals darüber einig, daß so schnell wie möglich versucht werden müsse, ein Kompromiß zustandezubringen, um eine fatastrophale Niederlage der Berliner Metallarbeiter zu verhindern. Unter diesen Umständen fam damals nach stundenlangen Verhandlungen das sogenannte Mehrheitsabkommen zustande. An diese eine Lüge wird sogleich die nächste angeknüpft, indem die Behauptung aufgestellt wird, daß die Berliner Ortsverwaltung tie Eisenformer, Rohrleger, Bau- und Geldschrankschlosser und deren Branchenleiter unter Androhung des Ausschlusses aus der Organisation gezwungen habe, zum Schlichter zu gehen. Es wird in Berlin feinen Menschen geben, der für diese Behauptungen dom Wahrheitsbeweis antreten kann. Die Ortsverwaltung wird den Lügnern Zeit laffen, sich bis zum Verbandstag in Karlsruhe zu überlegen, ob sie die aufgestellte Behauptung beweisen oder fie in aller Deffentlichkeit zurücknehmen wollen. pad Für jeden organisierten Arbeiter gilt das Statut der Korporation, der er sich angeschlossen hat. Dies gilt auch für die organisierten Metallarbeiter. Die Berliner Generalversammlung hat einem Antrag an den Verbandstag zugestimmt, den§ 38 des Statuts zu ändern, der vorschreibt, daß vor der Aufnahme eines Kampfes alle gesetzlichen Schlichtungsmöglichkeiten erschöpft sein müssen. Die Berliner Ortsverwaltung hofft, daß diefer Antrag auf dem Karlsruher Verbandstag von allen übrigen Delegierten aus dem Reiche unterstützt und angenommen wird. Mag der einzelne zum Schlichtungswesen stehen wie er will, so dürften ihm doch die Lohnbewegungen der Hilfsarbeiter in der Berliner Metallindustrie beweisen, daß die Arbeiterschaft die Schlichtungsinstanzen nicht entbehren kann. Es dürfte allen Metallarbeitern bekannt sein, daß für die Hilfsarbeiter siebenmal hintereinander ein Lohnschiedsspruch auf ihren Antrag hin für ver bindlich erklärt wurde, was sich nicht nur zum Nußen der Hülfs arbeiter, sondern auch zum Nutzen aller Berliner Metallarbeiter auswirkte. Daß die Kommunisten die Arbeiterschaft bewußt in Niederlagen hineinführen wollen, zeigt wieder einmal mit unverhüllter Deutlichkeit ihr Vorgehen in der augenblicklichen Bewegung in der Berliner Metallindustrie. Sie verlangen jetzt, daß das Lohnabkommen gemeinsam mit dem Manteltarif be= handelt werden soll. Wenn in früheren Jahren die Ortsverwaltung einen solchen Wunsch aussprach, schrien die Kommunisten Berrat" Heute wollen die Kommunisten dasselbe tun, was die Herren vom und nannten die Führer der Metallarbeiter Zuhälter des Kapitals. Verband Berliner Metallindustrieller wünschen. Sie beweisen damit, daß sie genauso reattionär wie die Unternehmer find. Das zeigt auch ihre Stellungnahme gegenüber der Einführung der Alters- und Invalidenunterstützung in Metallarbeiterverband. Die Diskussion in der„ Metallarbeiterzeitung" hat bewiesen, daß es unbedingt notwendig ist, diesen neuen Unterstügungszweig einzuführen. Es ist selbstverständlich, daß der Organisation auch die Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, die sie zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen benötigt. Die Beitragserhöhung, die der Vorstand wegen der Einführung der Alters- und Invalidenunterstützung vorschlägt, und die Sätze, die er den pensionsfähigen Mitgliedern an Unterstügung zahlen will, sind so bemessen, wie sie von feiner anderen Bersicherung übernommen werden können. Es gibt feinen vernünftig denkenden Metallarbeiter, der nicht davon überzeugt ist, daß durch die Einführung unserer Unterstützung die Organi fation gestärkt wird. Wer also für eine schlagkräftige Organisation ist, wer ihre Unterstützungseinrichtungen aufbauen helfen will und wer die Einheit der Gewerkschaftsbewegung wünscht, wählt am Montag die Liste A. Der Kampf in der Klavierindustrie. Heute Entscheidung über den Schiedsspruch. Gestern nachmittag nahmen die streifenden und ausgesperrten Arbeiterinnen und Arbeiter der Berliner Klavierindustrie in einer überfüllten Bersammlung im großen Saal der Kammer. fäle zu dem gestern morgen von uns veröffentlichten Schieds. Spruch der Schlichtungstammer Stellung. Der Bevollmächtigte des Holzarbeiterverbandes, Gen. Boese, gab noch einmal eine Uebersicht über die Entstehung und die bis herige Entwicklung des jetzt elf Wochen andauernden Kampfes. An dem Kampf find über 4000 Arbeiter beteiligt, von denen etwa 500 nicht der Organisation angehören. Die von den Unternehmern ergriffenen Maßnahmen, insbesondere die vorgenommenen Aussperrungen mußten auch die Unorganisierten dazu ver anlassen, nunmehr dem Verband beizutreten. Infolge der großen Bedeutung des Kampfes sind vom Verbandsvorstand über die statutenmäßigen Säße hinaus unterstügungen gewährt worden. Boese heb ganz besonders die Geschlossenheit und Solidarität während der ganzen Bewegung hervor. Der von der Schlichtungskammer gefällte Schiedsspruch sieht zunächst eine Erhöhung des Stundenlohnes um 8 Pf. und ab 1. Dftober um weitere 3 Pf. in der Spitze vor. Er soll bis zum 30. Juni 1929 Gültigkeit haben. Die Löhne bleiben um 3 Pf. gegenüber den Löhnen in der Holzinduſtrie zurück. Diese Mitteilung wurde von der Bersammlung mit Entrüstung aufgenommen. In der kurzen Aussprache empfahlen alle Redner die Ablehnung des Schiedsspruchs. Zum Schlusse führte Boese aus, daß das Ergebnis der letzten Berhandlungen vor dem Schlichter dennoch nicht so bedeutungslos sei, wie es von den Kommunisten hingestellt wurde. Daher müsse die Entscheidung der Mitglieder nach reiflicher Erwägung des Für und Wider fallen. Die Abstimmung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs erfolgte durch Stimmzettel. Nach der Versammlung ftellte eine dazu gewählte Kommission das Ergebnis fest. Dieses wird heute nachmittag 1 Uhr den Funktionären in der Berfammlung im Reichenberger Hof bekanntgegeben. Schiedsspruch für die fächsische Textilindustrie Fast so, wie ihn die Unternehmer wünschten. Die Arbeitszeitverhandlungen in der mittel und west fächsischen Textilindust er ie, die dieser Tage in Chemnitz zwischen den Parteien geführt wurden, find gescheitert, da die Unternehmer einseitig die Arbeitszeit festseßen wollten und ganz besonders jede Rücksicht auf die große Zahl der in der Textilindustrie beschäf= tigten Frauen und Mütter vermissen ließen. Die Arbeiter hatten das bisher gültige Arbeitszeitab tommen zum 30. Juni gekündigt und Vorschläge zum Abschluß eines neuen Abkommens eingereicht. Berlangt wurde, daß die regelmäßige tägliche Arbeitszeit von Montag bis Freitag acht! Stunden, Sonnabends sechs Stunden betragen soll. Dies bedeutet die 46 stündige Wochenarbeitszeit, die vom Jahre 1919 bis 1924 in der gesamten Textilindustrie, mit Ausnahme der befezten Gebiete, üblich war. Weiter sollen Ueberstunden nur dann geleistet werden können, wenn sie mit der gesetzlichen Betriebsver tretung vereinbart sind. Sollten jedoch mehr als drei Stunden in der Woche geleistet werden, dann nur mit Zustimmung der zuständigen Organisationsvertretung der Arbeitnehmer. Aus den durchaus nicht bescheidenen Gegenforderungen der Unternehmer ift hervorzuheben, daß auf Anordnung über die 48stündige Wochenarbeitszeit hinaus pro Woche fünf Stunden länger gearbeitet werden soll und im Einvernehmen mit der Betriebsvertretung sollen weitere Ueberstunden bis zu der durch Gesetz festgesetten Höchstgrenze vereinbart werden können. Am Donnerstag wurde nunmehr im sächsischen Arbeitsministerium unter dem Borsiz des Schlichters Haad ein Schieds. spruch gefällt, der im wesentlichen eine Verlängerung des Mehrarbeitszeitablommens und darüber hinaus noch weitere Berschlechterungen in der rechtlichen Stellung der Arbeiterschaft schlechterungen in der rechtlichen Stellung der Arbeiterschaft porfieht. Die tägliche Arbeitszeit soll von Montag bis Freitag 8% Stunden und am Sonnabend 5% Stunden betragen. Dieses Arbeitszeitabkommen soll mit dem 1. Juli in Kraft treten und unbefristet laufen mit zweimonatiger Kündigung, die das erste mal für den 31. Dezember 1929 ausgesprochen werden tann. Die Erklärungsfrist für die Parteien läuft Dienstag, den 3. Juli, mittags 12 Uhr ab. Unveränderte Lage im Bäckerstreit. Die Aussperrung" ein Großreinemachen. Die Streiflage in den Berliner Großbädereien hat sich gestern so gut wie gar nicht geändert. Die zu gestern angefündigte Still. legung der noch nicht bestreiften Betriebe wird so durchgeführt, daß man von den Belegschaften zwar feine Backware herstellen läßt, sie aber mit Reinigungsarbeiten be schäftigt. Diese Arbeit wird anscheinend wohl sehr notwendig gewesen sein. Die Brotfabrik von Schlüter machte ihrer Belegschaft das turioje Angebot, ihnen die übertarifliche Zulage von 2 Mart abzuziehen und dann die geforderten 5 Mart zulegen zu wollen. Dieses großmütige" Angebot fand aber bei der Belegschaft keinen Anklang und wurde von ihr zurückgewiesen. Die Streifenden beschlossen gestern in ihrer Versammlung, besseren Einsicht gekommen sind. die Arbeit weiter ruhen zu lassen, bis die Brotfabrikanten zu einer besseren Einsicht gekommen sind. Herausgabe der Papiere ist Pflicht! Eine grundsätzliche Entscheidung. Aufgabe ihrer Stellung hatte oder nicht. Selbst wenn sie ohne ge jeglichen Grund gegangen wäre, hätten ihr die Papiere, ohne die sie teine Arbeit finden könne, bei ihrem Abgang ausgehändigt werden müssen. Der Beklagte hätte dafür sorgen müssen, daß dies auch in seiner Abwesenheit durch seinen ihn vertretenden Vater hätte geschehen können. Da er das nicht getan habe, hafte er für den der Klägerin entstandenen Schaden. Der Klägerin wurde ihre Forderung zugesprochen. Obgleich die Klageforderung unterhalb der Berufungsgrenze liegt, erklärte das Gericht das Urteil der grundfäßlichen Bedeutung wegen für berufungsfähig. Ausschußsihung des ADGB. Der Bundesbeitrag foll auf 30 Pf. erhöht werden. Köln, 29. Juni.( Eigenbericht.) Der Bundesausschuß des ADGB., der am Freitag in Köln zu feiner 13. Sigung zusammentrat, befaßte sich besonders mit der Bentralisierung der Prozeßvertretung bei den Spruchkammern für die Arbeitslosenversicherung und den Arbeitsgerichten und dem zu diesem Zweck notwendigen Ausbau und der Vermehrung der Arbeitersekretariate. Voraussetzung für eine großzügige Lösung dieser Aufgaben ist eine ausgiebige Erhöhung der Beiträge. Auch sonst ist eine Erhöhung der Beiträge angesichts des immer größer werdenden Aufgabenkreises des ADGB. notwendig. Der Antrag des Bundesvorstandes, die Beiträge zu dem ADGB. auf 36 Pf. pro Mitglied zu erhöhen, wurde abgelehnt. Der Antrag, die Beiträge auf 30 Pf. für das männliche Mitglied zu erhöhen, ergab ein Stimmenverhältnis( nach Mitgliederzahlen) von etwa 260 000 zu 1 500 000. Der Antrag des Baugewerksbundes, die jugendlichen Mitglieder beitragsfrei zu lassen, wurde ebenfalls abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag, für die weiblichen und jugendlichen Mitglieder den Beitrag auf 15 Pf. festzusetzen. Achtung, Buchbinder. Geht heute zur Verbandtagswahl. Zur Verbandstagswahl hat die sogenannte Oppofition" ein Flugblatt herausgegeben, worin die Generalversammlungsdelegierten und die Mitglieder der erweiterten Ortsverwaltung in ihrer übergroßen Mehrheit auf das schwerste angegriffen werden. Es ist ge= radezu parador, wenn man die Kommunisten von einem ,, de= motratischen Prinzip" sprechen und die ehemaligen Anhänger der porletarischen Diktatur von Demokratie fafeln hört nette Eingeständnis könnte schließlich als ein Schritt zur Besserung betrachtet werden, wenn nicht die Erfahrung lehren würde daß die demokratische Einstellung nur ein Manöver ist, um Gutgläubige hineinzulegen. Dieses Mitglieder des Buchbinderverbandes denkt daran, was der un= felige Parteistreit in unseren Reihen angerichtet hat. denkt daran, wer diesen unseligen Parteistreit beseitigt und wer aufbauend gewirkt hat für unsere Zahlstelle Berlin, der größten Zahlstelle Deutschlands. Zum Scheine werden auch nichtkommunistische Mitglieder von der Opposition" empfohlen, um die kommunistische Mache zu verdecken. Laßt euch durch irgendwelche Manöver nicht verblüffen. Seid einig und geschlossen und wählt heute von 1-6 Uhr die nachstehend verzeichneten Kandidaten, die von der Ortsverwaltung und den Branchenleitungen vorgeschlagen sind und immer opferbereit für den Aufbau unserer Gewerkschaft gewirkt haben: Gustav Johanna Brenner, Franz Bytomiti, Otto al de Fründt, Paut Herzog, Auguft Imhgf Martha Rocgielnia Alfred LippofMartha Mocha Gifflav Blank, Emil Priemer, Karoline Scholz Minna Schreihart, Richard Töpfer, Hermann Weide. Bereinbarung im Ruhrbergbau. Erhöhung der Angestelltengehälter um 2 Prozent. Für die kaufmännischen Angestellten des Ruhrbergbaues ist in der Gehalts- und Manteltariffrage eine Vereinbarung getroffen worden. Die Vereinbarung lehnt sich eng an die für die technischen Die Gehälter wurden um Angestellten geschaffene Regelung an. 7 Broz. erhöht, der Manteltarif erfuhr nur geringe Abänderung. Künftig darf nur noch an zwei Sonn- und Feiertagen im Monat un bezahlte Mehrarbeit verlangt werden, während sie bisher an allen Sonn- und Feiertagen, abgesehen von zweien, verlangt werden konnte. Wann wird endlich die mittelalterliche Bestimmung unbezahlter Sonntagsarbeit verschwinden? In keinem anderen Bergbaurevier gibt es noch so etwas. Konflikt der Lüdenscheider Metallindustrie beigelegt. Lüdenscheid, 29. Juni.( Eigenbericht.) Am Donnerstag haben die Gewerkschaften und gestern abend die Unternehmer dem vom Schlichter in Dortmund gefällten Schieds. pruch sowie dem Ergebnis der örtlichen Nachverhandlungen zugeftimmt, so daß ab 1. Juli eine 7 prozentige Lohnerhöhung eintritt. Damit ist der Konflikt beigelegt. Aussperrungsbeschluß der Unternehmer ift 3 uridge30 gen worden. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist in den be= ftreiften Betrieben heute erfolgt. Der neue Tarif gilt bis zum 31. Mai 1929. Der Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Morgen, Sonntag, Ausscheidungskämpfe für Hamburg. Beginn 8½ Uhr auf dem Sportplag im Humboldthain. Programm: Böllerball und Faustballspiele, Stafettenläufe für Burschen und Mädchen sowie Einzeltämpfe. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales and Sonstiges: Friz Karstädt: Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Paul Ginger u Co.. Berlin GW 68, Lindenstrake 3. Hierzu 2 Beilagen ,, Unterhaltung und Wissen und Jugend Vorwärts". Ein Ehepaar verreiste und ließ die Kinder, die Hausangestellte und den Vater des Mannes in der Berliner Wohnung zurück. Der alte Herr machte dem Mädchen Borhaltungen wegen angeblicher Bernachlässigung ihrer Bflichten. Das Mädchen fühlte fi Pfarrer Heumanns Heilmittel beleidigt, verließ die Arbeit und flagte beim Arbeitsgericht auf Bezahlung der Kündigungszeit. Sie fagt, der alte Herr habe sie Schwein" geschimpft. Dieser behauptet dagegen, er habe nur ihre schlechte Arbeit als Schwei= nerei bezeichnet. Eine neue Stellung hat die Klägerin nicht er halten, weil sie bis zum Tage der Gerichtsverhandlung ihre Papiere nicht erhalten hatte. Hierzu erklärte der alte Herr, der seinen Sohn( den Beklagten) im Termin vertrat, die Papiere fonnte er beim besten Willen nicht herausgeben, denn sie würden von seiner abwesenden Schwiegertochter unter Verschluß verwahrt, er wisse nicht einmal, wo sie sich befänden. Daß die Klägerin während der Abwesenheit seiner Kinder plötzlich die Stellung aufgeben würde, habe man doch nicht voraussehen können. Das Gericht entschied: Es brauche in diesem Fall nicht festgestellt zu werden, ob die Klägerin einen gesetzlichen Grund zur fristlosen stets auch vorrätig in den Niederlagen: Berlin Zions- Apotheke N 31, Anklamer Straße 39, a. d. Ecke Brunnenstr. 5 Min. v. Rosenthaler Pl. Adler Apoibele Berlin Friedenau, Rheinstraße 16. Friedrich Wilhelm- Apotheke Charlottenburg 2, Leibnizstraße 106. Heeges Apotheke Berlin O. Gubener Straße 33 Schweizer Apotheke Berlin W 8, Friedrichstraße 173. Kronen- Apotheke Spandau, Schönwalder Str. 26 Rosen- Apotheke Elchwalde- Berlin Das Pfarrer Heumann- Buch ( 272 Seiten, 150 Abbildungen) erhält jeder Leser umsonst und portofrei von Ludwig Heumann& Co., Nürnberg M. 45 Nr. 305• 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwaris Gonnabend, 30. Juni 4S2» Wir vergeilen zu rasch. Immer lügt uns die Erinnerung das- selbe alte Märchen von der guten, alten Zeit vor. und immer wieder fallen wir darauf herein. Wir glauben allen Ernstes an die rosige, freudige Kinderzeit und vergessen, wie übermächtig und feindlich uns damals die Welt der Erwachsenen erschien, und wie alle unsere Freuden gestohlen« Freuden waren— und es ist vielleicht gut, da st wir so viele» vergessen können. Trotzdem:«» gibt Dinge, die wir nicht vergesie« dürften, deren ungeschminkte» Bild nicht nur in unserem Gedächtnis klar bleiben sollte, sondern die auch in ihrer wirklichen Gestalt für die. die sie nicht selbst kennen lernten, er- halten werden muß. Fälscht nicht die Erinnerung schon an dem ungeheuren Erlebnis des Krieges herum? Wir alle kennen die Kriegsfilme mit dem Il»pp? and. in denen der Krieg in aufge- räumten Schützengräben stattfindet, und von der Rot, die wir hier im Lande erlebten, spricht kein Luch und kein Film. Sie scheint vergessen. Aber da gibt es in de? Srnährungsausstellung«inen kleinen Raum, gleich neben dem Restaurant, und alle Röte, die wir in den Kriegsjahren erlebten, werden hier lebendig. An der Wand hängen Bilder aus früheren Rotzriten und eine«arte der Hungersnöte im ZlliltelaU«. in den Vitrinen stehen allerlei Andenken an schlimme Jahre: Denkmünzen und Flugblätter, aber den grast«-n Teil des Raumes nimmt doch die Darstellung unserer..«rlegskost' ein: nicht in graphischer Darstellung wird da aufgezeichnet, wie wir gehungert haben— nein, es wird alles in natura vorgeführt: das braune, schwere Bröl aus Saelossewolzmehl. nun endlich hart und trocken geworden, und die unsagbare Fisch- und Bliüwurst, die uns damals doch noch eine Delikatesse erschien, sogar ein in der Kriegszeit nach einem Originalrezept hergestelltes Bröl au»..Erbmehl", d. h. Kiesel- guhr. ist vertreten. Srlegsgemüse: hlrtenläschelkraul, Spitzwegerich. Löwenzahn und alles kraul, das nicht gerade ausgesprochen giftig «ar, alles wurde gekocht und gegessen— und was wurde nicht olles geraucht!„So leb denn wohl, du schöner Wald"— von reinen Vuchenblöttern bis zu den kompliziertesten„hochoromatischen" Zu- sammensetzungen. Dann der Kasse«, und Tee-Ersatz unter den klangvollsten Namen, der alle dieselbe unsagbare braune Brühe er- gab, und schließlich: da stehen auch alle die von un» nur zu willig gekauften und hingenommenen.Lusatznahrungsmittel". Hier feiert die Ersatztechnik Orgien. Da ist der kNilcherfatz„Die Kuh"— heute erfahren wir, daß er nur aus Kartoffelmehl und gelber Farbe bestand, und dost da» famose Eisparpulver au» Maismehl, gelber Farbe und Backpuloer zusammengesetzt war. Das Geleepulver war aus Tischlerleim gedichtet, und die vielen Krastfuppen hatten immer wteder dieselbe Zusammensetzung: irgendein Hülsensruchtmehl und Kartvffelwalzmehl. Bouillonwürfel bestanden zu 90 Proz. aus Kochsalz, der Rest war grobe» Knochenmehl und ein wenig Gewürz — und Gott weist, wie da» Knochenmehl gewonnen wurde. Das kann man höchstens ahnen, wenn man die Analyse einiger anderer Nährmittel lieft: da liegen in einem Äla« zusammen nämlich einig« Tüten mit..Morgentrank" und ein Töpschen mit patriotisch schwarz- weistrot umrandetem Etikett, so eine Art von Fleischextraktersatz. Und dieser„Deutsche Morgentrank"— hole Atem, lieber Leser— wird hier erklärt al«„aminosourehaltiger, durch Säurebehandlung aus ciweistholtigen Rohstoffen(Hefe, Fischobsällen uud kuhhaaren) hergestellter Extrakt. Daß das ober al» eine für das Volk durchaus bekömmlich« Kost angesehen wurde, beweist der Vermerk auf einer der Tuten:.�hergestellt nach den Vorschrift«» der Reichs» verte ilu ngastell« für Rährmitt«! und Eier!" Di« Bilder der Hersteve? dieser Extrakte find leider nicht mit ausgestellt. Die um das Vaterland verdient» Herrschaften waren sicher als unabkönnnlich reklamiert und hoben wahrscheinlich am wenigsten von ihrem..Morgentrank" konsumiert. Schade—. wir haben in der Revolution so viel versäumt: wenn wir schon als Gegner der Todesstrafe darauf verzichtet haben, mit ihnen die Lolernenpsähle zu garnieren, so hätten wir ihnen doch als Dank des Vaterlandes lebenslänglich« Äaatspensivn verschaffen sollen, ihnen und den übrigen Verantwortlichen. Natürlich mit einer Be- köstigung, die streng nach dem Gutachten unserer Kriegsemährung»- spezialistcn und Aerzte zusammengesetzt sein sollte: einfach und schmackhaft— aus ftuhhaaren und Fischabfällcn! Wirklich schade... Wendung im Kalle pernetia. Die zwei Beschuldigten aus der Hast entlassen. Zn der Mordassäre Pernella. die in den letzten Tagen die Oessentlichkeii stark beschäsligle, ist eine entscheidende Mendung eingetreten. Die Obduktion der Leiche des Obstgrost- Händlers pernelta, die vor einigen Tagen exhumiert wurde. hat keinerlei Anzeichen dafür ergeben, dast der Mann den Tod von fremder Hand gefunden hat. Frau P e r n e l t a und der Obsthändler G l e i h n e r worden deshalb aus der llntersuchungshasl entlassen. Wie von den Gcrichtsärzten, die die Obduktion der Leiche Pernettas vorgenommen haben, festgestellt wurde, handelt es sich um einen typischen Selbstmörderjchuh. Der Schusttanal ver- lief von der rechten Schläsenseite in schräger Richtung zum linken Ohr, wo auch die 5kugel wieder herausgetreten ist. Weiter hat die Untersuchung ergeben, daß der Tod des P. etwa zwei Stunden noch der Einnahme seiner letzten Mahlzeit eingetreten sein mußte. Mit entscheidend für die Haftentlassung ivar in diesem Zusammenhang auch die Aussage der Krankenschwester Elijabcth M„ die bei den, Ehepaar Glcißner im Mai vergangenen Jahres, als Frau G. ihrer Niederkunft entgegensah, beschäftigt war. Am 12. Mai, dem Todestage Pernettas, befand sie sich in der Wohnung Gleißners. Pernetta hatte an diesem Tage nach den gerichtsärztlichen Feststellungen mn )i2 Uhr die letzte Mahlzeit eingenommen. Zwei Stunden später war er tot. Bei ihrer Vernehmung behauptete die Zeugin mit größter Bestimmtheit, daß Gleißirer sich um diese Zeit zu Haus« be- fand. Da durch die Obduktion und die Aussagen der Zeugin der Tat- verdacht stark verringert schien, sah sich die Staatsanwaltschait ver- anlastt, die Untersuchungshaft auszuheben. Das Verfahren geht dagegen weiter, da noch mehrere geheimnisvoll« Vorgänge um den Tod Pernettas ungeklärt sind._ Eine städtische Zeitungshalle. Die Ueberlastung der Stadtbibliothek hat jetzt endlich dazu ge- führt, die sämtlichen Berliner, auswärtigen und aus- ländischen Tag es Zeitungen sowie einen Teil der Zeit- schriften in einen» besonderen Lesesaal zu vereinigen, der sich im ersten Stockwerk des ehemaligen Marstalls in der Breite Straße 37 befindet. Der waal bietet Raum für etwa 70 Leser. Seine Einrichtung ist an sich sehr ersreulich, da es merk- würdigerweise in Berlin,"der Metropole des Geistes, an solchen volkstümlichen Lesegelegenheiten fehlt. Es ist aber zu wünschen, daß die Einrichtung bald noch weiter ausgebaut wird. Weniger er- freulich hingegen ist es, daß auch nicht ein einziges der großen sozialdemokratischen P r o v i nz a r g a n e vorhanden ist, z. B. die„M ü n ch e n e r P o st", die Kölner „Rheinische Zeitung", die„Leipziger Volkszei- t u n g", das o m b u r g« r E ch o", die„A r e s l a u« r V v l t s- stimme" und di«„Kä n i g»b« r g« r B o l t»z ei t un g", um nur aus jedem Landesisil eine zu nennen. Es gelangten in diesem Lesesaal ein« Meng« bürgerlicher Sport- Zeitschriften zur Auslage, aber kein Organ des Arbeiter- s ports. Es liegen«in« Menge gewerblicher bürgerlicher Zeit- schriften au», aber al« einzige gewerkschaftliche Zeit» schrift nur die Metallorbeiter-Zeitung. Wir stellen diesen Mangel fest und wollen unser Erstaunen darüber nicht zurückhalten, daß derartiges überhaupt vorkommen konnte. Daß da« Berfäumle schleunigst nachgeholt wird, dürste selbstverständlich sein. Immerhin könnte dos Bezirksamt Witte vielleicht einmal feststellen, wie dies« mangelhafte und anscheinend einseitige Auswähl zustande gekommen ist. Fervsprechschvellverkehr mit Zeuthen. Am 3. Juli um 21 Uhr (9 Uhr abends) wird aus Anlaß der Einiührung des Selbstanschluß- beiriebcz in Zeuthen der Iernsprechschnellverkehr zwischen Groß- Berlin und Zeuthen aufgenommen. Von diesem Zeitpunkt an sind Gespräche von Groh-Berlin nach Zeulhen nicht mehr beim Berliner Fernamt anzumelden. Die Gebühr für ein Gespräch nach Zeuthen von 3 Minuten Dauer beträgt während der Zeit von 8 bis 19 Uhr 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags) 0,30 M., in der übrigen 'eit 0,20 M. I Jack London: OSoIf�blllt. Der Mann war aufs furchibarste erschrocken, nicht so sehr über die Grimmigkeit als über di« Lautlosigkeit des Angriffs. Während er Gesicht und hals mit dem arg zerfleischten, blutenden Arm verdeckte, suchte er den Schutz eines Slhuppens zu gewinnen. Doch es wäre ihm schlimm ergangen, hätte sich Collie nicht ins Mittel gelegt. Wie sie Dick einst das Leben gerettet hatte, so rettete sie nun das des Stallknechts.?n wahnwitziger Wut stürzt« sie auf Wolfsblut los. Also hatte sie doch recht behalten, war sie doch klüger als die verblendeten Menschen gewesen! Ihr Argwohn war gerechtfertigt, der alte Räuber war wieder bei den üblichen Streichen! Der Stallknecht war in den Schuppen geflüchtet, während Wolfsblut vor Collies scharfen Zähnen zurückwich, wobei er ihr die Schulter zukehrt« und sich im Kreise drehte. Aber Collie gab die Verfolgung nicht wie sonst nach kurzer Zeit auf: im Gegenteil wurde sie immer erregter und ingrimmiger. bis Wolfsblut am Ends seine Würde vergaß und ganz offen das Hasenpanier ergriff und in die Felder entfloh. „Er wird ee schon lernen, daß er die Hühner in Ruhe lassen muß." sagte der Herr.„Aber ich kann es ihm erst bei- bringen, wenn ich ihn auf frischer Tat ertappe." Zwei Tage später geschah dies, aber es kam in ganz an- derer Weise, als der Herr es sich gedacht hatte. Wolfsblut hatte den Hühncrhof und die Gewohnheiten seiner Bewohner genau studiert. Als diese nachts zur Ruhe gegangen waren, kletterte er auf einen frisch aufgeschichteten Holzhausen, er- reichte von dort das Dach des Hühnerstalles, kroch darüber binweg und sprang auf der anderen Seite in den Hof. Einen Augenblick später war er im Stalle und dann begann das Ge- metzel. Am Morgen, als der Herr auf die Veranda hinaustrat, begrüßten fein Auge fünfzig weiße Hühnchen, die der Stall- knecht ln einer Reihe hingelegt hatte. Er pfiff leise vor sich bin. halb aus Ueberraschung, halb aus Bewunderung. Auch Wolfsblut begrüßte ihn. und ohne eine Spur von Scham oder Schuldbewußtsein. 3m Gegenteil war seine Haltung stolz, als hätte er ein lobenswertes und verdienstliche» Werk voll- bracht. War er sich einer Sünde doch nicht bewußt! Der Herr biß sich auf die Lipp«, als er an die unangenehme Aus- gäbe ging. Er sprach strenge zu dem ahnungslosen Missetäter, und in seiner Stimme klang heftiger Zorn, während er Wolfs- bluts Nase auf die ermordeten Hennen niederhielt und ihm dabei einige derbe Püffe versetzte. Von der Zeit an plünderte Wolfsblut nie wieder einen Hühnerhos: das wäre ja gegen das Gesetz gewesen, das er ge- lernt hatte. Darauf nahm ihn der Herr auf den Hühnerhof mit. Wolfsdluts Instinkt, wenn er die lebendige Speise um sick und vor seiner Nase herumflattern sah, war, darauf los- zuspringen, doch jedesmal, wenn er dem Triebe folgen wollte, bielt des Herrn Stimme ihn zurück. So blieben sie eine halbe Stunde lang dort, und ehe er das Reich der Hennen verlassen, hatte er gelernt, daß er sie unbehelligt lassen müßte. „Du lannst keinen Hund dahin bringen, daß er die Hühner in Ruhe läßt, sagte bei Tische Richter Scott, als der Sohn ihm die Lektion erzählte, welche er Wolfsblut gegeben hatte, und schüttelte dabei ernst den Kopf.„Hat einer erst mal Blut geleckt, so—" und abermals schüttelte er ernst das Haupt. Aber Weedon Scott war nicht der Meinung.„Ich werde dir etwas sagen, Vater," schloß er endlich den Streit.„Ich werde Wolfsblut den ganzen Nachmittag über bei den Hühnern einschließen." „Aber so bedenke doch die armen Hühner," warf der Richter ein. „Außerdem," fuhr der Sohn fort,„werde ich dir für jedes Huhn, das er totbeißt, einen Dollar in Gold zahlen." „Aber Vater muß auch, wenn er verliert, Strafe zahlen," mischte sich Betty ein. Die Schwester stimmte ibr bei, und jubelnder Beifall er- bob sich um den ganzen Tisch. Richter Scott nickte zu- stiminend:„Schön!" Weedon Scott sann einen Augenblick nach, dann sagte er: „Wenn Wolfsblut im Lauf des Nachmittags keinem Huhn ein Leid zufügt, so sollst du für jede zehn Minuten, die er im Hühnerhof zugebracht hat, ernst und bedächtig, als ob du zu Gericht säßest und das Urteil sprächest, zu ihm sagen:„Wolfs- blut, du bist doch klüger als ich geglaubt habe"." Von einem Versteck aus beobachtete die Familie die Probe, die als Schauspiel eine Enttäuschung brachte. Kaum sah sich Wolfsblut im Hühncrhof eingeschlossen und von dem Herrn verlassen, so legte er sich nieder und schlief. Einmal nur stand er auf und ging an den Trog, um zu trinken, aber um die Hühner kümmerte er sich nicht: die schienen für ihn gar nicht da zu sein. Gegen vier Uhr nahm er einen Anlauf. sprang auf das Dach des Hühnerstalles und aus der anderen Seite hinab und schritt gravitätisch dem Hause zu...Er hatte seine Lektion gelernt, und auf der Veranda sagte Richter Scott vor der jubelnden Familie sechzehnmal langsam und feierlich zu Wolfsblut gewendet:„Wolfsblut, du bist doch klüger, al» ich geglaubt habe." Allein es gab so viele Gesetze, daß es kein Wunder war. wenn Wolfsblut dann und wann dagegen verstieß. Er hatte auch zu lernen, daß er die Hühner anderer Leute nicht an- rühren dürfe. Ferner gab es Katzen, Kaninchen und Puten, die er in Ruhe lassen mußte. Kurz, er hatte den Eindruck, als ob er alle lebendigen Geschöpfe unbehelligt lassen müßte. Wenn draußen auf einer Wiese ein« Wachtel vor seiner Nase ausflatterte, so stand er vor Begierde zitternd zum Sprunge bereit da. aber er bezwang sich, um dem Willen des Gebieters gehorsam zu sein. Eines Tages jedoch sah er. wie Dick auf der Wiese ein wildes Kaninchen aufscheuchte und verfolgte. Der Herr sah zu und legte sich nicht ins Mittel, sondern ermunterte noch Wolfsblut an der Jagd teilzunehmen. Also merkte er, daß die wilden Kaninchen vogelfrei seien und daß nur zwischen Haustieren keine Feindschaft,»nd wenn auch nicht Freund- schast doch Neutralität herrschen muffe. Aber andere Tiere, wie Eichhörnchen. Wachteln und wilde Kaninchen, waren Ge- schöpfe der Wildnis und hatten dem Menschen keine Treue geschworen. Darum waren sie für einen Hund rechtmäßige Beute. Doch die zahmen Tiere schützte der Mensch: darum war mit ihnen allen tödliche Fehde verboten. Denn der Mensch hielt die Gewalt über Leben und Tod dieser seiner Untertanen in den Händen und war eisersüchtig darauf. Das Leben im Tal von Santa Clara war mit dem ein- fachen im Polarland verglichen höchst verwickelt. Was im Labyrinth der Zivilisation baupisächlich verlangt wurde, war Selbstbeherrschung— eine Gewalt über sich selber, so zart wie die Flügel eines Schmetterlings und so fest und stark wie Stahl. Das Leben hatte hier ein tausendfaches Zlntlitz, und Wolfsblut sah ein, er müsse all den verschiedenen Gesichtern begegnen, wenn er zum Beispiel nach San Jose in die Stadt kam, wo'er hinter dem Wagen l?erlief oder sich in den Straßen umhertrieb, wenn er hielt. Das Leben floß dort wie ein breiter, tiefer Strom in mannigfachen Windungen an ihm vorüber, beschäftigte fortwährend seine Sinne, forderte äugen- blickliche und unendlich schnell« Entschlüsse, und zwang ihn fast immer, den natürlichen Trieben zuwider zu handeln. (Forlsetzung soigt.) Die Reform der Untersuchungshaft Einführung der Doppelzelle. Die Leitung des Untersuchungsgefängnisses hatte in diesen Ta-| gen die Presse geladen, damit die Oeffentlichkeit erfahre, daß auch hier ein neuer Geist weht und man bestrebt ist, entsprechend den Forderungen des§ 116 StPO. die Beschränkung der Freiheit nur auf das Maß festzulegen, das durch den Zweck der Untersuchungshaft unbedingt erforderlich ist. besonders in einer Strafanstalt am Plate wäre. In Zufunft sollen solche Doppelzellen in erster Linie Gefangenen zur Verfügung gestellt werden, auf deren Gesundheitszustand die Enge einer einfachen Zelle ungünstig wirkt. Man hofft im Laufe eines halben Jahres etwa hundert 3ellen, von denen ein Drittel Doppelzellen sein sollen, auf diese neue Weise auszugestalten hundert von eintausendzweihundert. Der Entwurf zum neuen Strafvollzugsgesez, der Auch die Bekleidung der Untersuchungsgefan manche Aenderungen enthält, fäßt nichts über die Reform der genen soll geändert werden. Zwar haben die UntersuchungsUntersuchungshaft verlauten. So bleibt es der Gefängnis gefangenen das Recht, ihre eigene Kleidung zu tragen. Um verwaltung überlassen, aus eigenem Ermessen kraft§ 116 diese zu schonen, ziehen sie aber in der Regel die wenig ansprechende StPO. die Reformen einzuführen, die dem plötzlich aus seiner ge- Anstaltstleidung vor. Man will diese in höherem Maße wohnten Ilmgebung Gerissenen die Qual der Untersuchungshaft der Außenkleidung anpassen. Einen wunden Punkt bildet der nach Möglichkeit zu erleichtern imstande sind. Aus dem Munde Verkehr mit den Angehörigen; er fann nur auf Grund des Oberdirektors des Untersuchungsgefängnisses Marr erfuhr einer vom Untersuchungsrichter ausgestellten Sprecherlaub man, was in dieser Richtung bereits geschehen und was beabsichtigt nis gestattet werden. Die ungenügende Anzahl von Sprechzellen ist. Die wichtigste Frage ist natürlich die der Unterbringung macht eine Sprecherlaubnis öfter als einmal in zehn Tagen under Gefangenen. Die Einsamkeit der Zelle nach möglich. Es soll versucht werden, die Zahl der Sprechzellen zu erder geringeren oder größeren Wohnlichkeit des eigenen Heimes höhen. Völlig ungenügend ist selbstverständlich die halbstünwird um so schmerzlicher empfunden, je trostloser die Unter- dige Freizeit. Man will sie auf eine Stunde erhöhen, bringung ist. An diesem Punkte will die Reform in erster Linie indem man den Nachmittag hinzunimmt. anfnüpfen. Der Untersuchungshäftling ist ja nur ein Beschul= digter, oft ein Unschuldiger, um so mehr Anspruch besitzt er auf einen gewissen Komfort. Die Zelle, wie sie heute ist, mit ihrem kleinen, an der Wand befestigten Tisch, dem Schemel ohne Lehne, dem unverrückbaren Bett, dem kleinen Militärschrank, dem Regal und dem Wasserklosett betont allzu stark die bittere Tatsache des Gefangenfeins. Die neue Belle soll nun einen großen bequemen Tisch mit einer weißen Decke darauf haben, einen bequemen Stuhl mit einer Lehne, ein eisernes Bettgestell mit einer Sprungfeder, einen Nachttisch, einen verschließbaren Waschtisch, ein Bücherregal und einen Schrank für Kleider, Wäsche und Geschirr. Die Ecke mit dem Klosett soll durch einen Vorhang verdeckt, das elektrische Licht über dem Tisch bequemer angebracht werden. Solch eine Belle mit Bildern an der Wand bekam man als Musterzelle zu sehen. Sie machte tatsächlich einen wohnlichen Eindruck. Auch eine Doppelzelle bekam man zu sehen, in der das Mobiliar, in zwei zusammenhängenden Zellen verteilt, die eine zum Schlafraum, die andere zum Wohnraum gestaltet. Dies be= deutet allerdings eine einschneidende Neuerung, die vielleicht ganz Hartnäckiger Selbstmörder. Gein zweites Frauenopfer. Steffin, 29. Juni.( Eigenbericht.) Ein blutiges Liebesdrama hat sich in der verfloffenen Nacht in Stargard i. Pommern abgespielt. Dort erschoß der 32jährige Maler Karl Wilte in der Belherstraße 11 seine Geliebte und tötete jich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe. Das Moliv der Tat ist noch nicht völlig aufgeklärt. Man vermutet, daß es in Nervenzerrüttung, hervorgerufen durch wirtschaftliche Schwierigteiten, liegen soll. Wilte hat übrigens vorjedhs Jahren eine ähnliche Tat in Berlin begangen. In einem Hotel erschos er seine damalige Freundin und brachte sich einen Kopfschuß bei. Er wurde aber wieder geheilt und erhielt für die Tat jechs Jahre Zuchthaus. Erst vor furzer Zeit wurde er von dort entlassen. Zu der Mordtatin But bus auf Rügen, wo der 40jährige Arzt Dr. Brandenburg in seinem Gartenhaus erschossen aufgefunden wurde, werden folgende Einzelheiten bekannt: Der Täter ist vom Vorgarten des Wohnhauses aus nach Eindrücken einer Fensterscheibe und Offnung eines Fensterflügels in das zu ebener Erde liegende Arbeitszimmer des Arztes eingestiegen. Anscheinend durch ein dabei verursachtes Geräusch geweckt, hat Dr. Brandenburg, der zwei Zimmer weiter bei offenstehenden Zwischentüren schlief, eine Nachttischlampe angezündet und sich ihm entgegengestellt. Dabei ist es anscheinend zu einem Wortwechsel gekommen, in dessen Verlauf der Täter die Waffe zog und vier Schüsse auf den Arzt abgab, von denen einer in die linke Brustſeite den sofortigen Tod herbeiführte. Man vermutet, daß es sich bei dem Täter um einen Einbrecher handelt, der in der vorausgegangenen Nacht in einer Villa in Binz auf Rügen einen Einbruch verübt und dabei einen 9.Millimeter- Trommelrevolver gefunden hat. Selbstmordverfuch im Gerichtssaal. Zu einer aufregenden Szene tam es gestern zum Schlusse einer Sigung vor der Berufungsstraffammer des Landgerichts II I. Dort war eine Schauspielerin" Dora B. wegen Betruges angeflagt. Die B., die sich gegenwärtig Tänzerin nennt, Schauspielerin gewesen sein will, und jezt angeblich Aussicht hat, beim Filmi unterzukommen, war vom Schöffengericht wieder einmal wegen einer ihrer fast alltäglichen Schwindeleien zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden, wogegen sie Berufung eingelegt hatte. Mit Rücksicht auf das Gutachten der medizinischen Sachver ständigen, die die Angeklagte als eine schwere Psychopathin bezeid; neten, wurde das Urteil auf 1 Jahr Gefängnis herabgesetzt und auch die Untersuchungshaft voll angerechnet, jedoch lehnte das Gericht eine Haftentlassung der etwa zehnmal vorbestraften B. ab. Diese Ablehnung brachte die hysterische Angeklagte außer Faifung. Sie ries: Das überlebe ich nicht. Ich ste che mich tot, und machte Miene umzufallen. Während die Justizmachtmeister bemüht waren, die von Schreiträmpfen befallene mantende Angeklagte zu stüßen, bemerkte zum Glück der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lehmberg, daß es der Angeklagten nut ihren Worten ernst zu sein schien, denn er jah in ihrer Hand eine Schere blinken. Kurz entschlossen verließ der Vorsitzende seinen Plaz am Richtertisch und warf sich auf die Lebensmüde. Unter vereinten Kräften gelang es, der sich heftig sträubenden Frau die Schere aus der Hand zu entwinden. Hierauf erlitt die Angefelagte noch einen hysterischen Schreikrampf und es dauerte lange, bis sie sich beruhigte. Ein Fälscher von Beruf. Mit dem Angeklagten Adolf Feldmann, der wieder einmal vor Gericht stand, hat man sich in Moabit schon sehr häufig befaßt. Feldmann ist ein unverbesserlicher Fälscher. Er ist von deutschen Eltern in Rußland geboren, hatte aber auf deutscher Seite den Krieg mitgemacht. Vom Kriegsgericht wurde er zum ersten Male wegen Urtundenfälschungen verurteilt. Dann stand er vor mehreren Jahren als Angeklagter in Moabit vor Gericht, als Leiter einer weitverzweigten Baßfälscherzentrale, die er zusammen mit ruffischen Emigranten ins Leben gerufen hatte. Damals erhielt er eine mehrjährige Buchthausstrafe, die er auch verbüßt hat. Diesnil handelt es sich bei der Anklage um einen Handel mit falschen Bässen und den Vertrieb von gefälschten Dollarnoten. Aus zwei Dollars maren 100 Dollars gemacht worden. Feldmann hat faft ganz Europa bereist und in allen möglichen Ländern die umgefälschten Noten bei fleinen Einfäufen in Zahlung gegeben, bis er in Wien gefaßt und zunächst megen eines Bagvergebens nach Deutschland ausgeliefert wurde. Im allgemeinen war Feldmann geständig, bestritt aber, die Fälschungen selbst vorgenommen zu All das erfordert natürlich große Mittel. Ob und in welcher Höhe sie zur Verfügung gestellt werden, ist heute noch nicht vorauszusehen. Eins unterliegt jedoch keinem Zweifel, und das kann nicht starf genug betont werden: eine Strafvollzugs= reform, einerlei, ob es sich um die Untersuchungshaft oder um den eigentlichen Strafvollzug handelt, kann nur dann aus dem Stadium der guten Absichten und der vagen Versprechungen der Deffentlichkeit gegenüber heraustreten, wenn die nötigen Mittel ausgeworfen werden. Vollkommen unberechtigt erscheinen aber die Zweifel der Skeptiker, die sich darüber Gedanken machen, daß man dann oft einen Menschen, der eines Verbrechens beschuldigt wird, in bessere Berhältnisse bringt, als er sie draußen gewöhnt war. In der Regel sind es ja doch sozial trante rangierung in das soziale Leben sollte schon in der UnterMenschen, die in Untersuchungshaft tommen. Ihre Einsuchungshaft beginnen. Die Ordnung, die Wohnlichkeit, das „ Gemütliche" der Zelle soll die Einwirkung auf das Innenleben der Gefangenen erleichtern. Von dieser fürsorgerischen Tätigkeit sprach Pfarrer Klatt. Wann aber werden sich endlich die Gelder für im Hauptberufe angestellte Fürsorger finden? Hier hat jede Strafvollzugsreform zu beginnen. to sto haben. Er habe die Noten immer einzeln zum Bertriebe von einem gewissen Eiskowitz erhalten, der auch den Hauptanteil an dem Erlös für sich beanspruchte. Da er die hohen Spesen selbst tragen mußte, habe sich das Geschäft eigentlich gar nicht für ihn gelohnt. Nur die Not habe ihn gezwungen, sich auf das gefährliche Geschäft einzulassen. Mit Rücksicht auf die Feldmann vom Gerichtsarzt zwei Jahre Gefängnis, weil es dem Angeklagten mildernde attestierte Minderwertigkeit erkannte das Gericht diesmal nur auf Umstände zubilligte. Geschichte eines Defraudanten. Der ungetreue Poftaushelfer als Dr. med. Der mecklenburgische Kurort Waren hatte fürzlich seine Sensation. Eines Tages erschien dort ein Dr. Müller aus Berlin", der in einem der besten Hotels abstieg. Obgleich der Doktor einen noch sehr jugendlichen Eindrud machte und auch sonst in feinem Benehmen manches zu denken gab, war er überall ein gern gesehener Gast. Heiratsanträge blieben nicht aus. Plötzlich wurde alles zu Wasser. Dr. Müller" wurde als Hochstapler entlarot, der unter seinem richtigen Namen Joseph Balzer als Postaus helfer die Reichspoft um 6000 m. erleichtert hatte. Joseph Balzer war als Postaushelfer mit falschen Papieren unter dem Namen Brander bei dem Amt in Wannsee angestellt. Am 31. Mai d. I. verschwand er plöglich von dort mit 6000 m. Der Defraudant hatte die Verfolger auf eine falsche Spur gelockt, die nach Breslau zu führen schien. Die Vermutung, daß eine Hausangestellte, mit der er eine Weile zusammenlebte, ihn verführt habe, hat sich nicht bestätigt. Wie man jezt weiß, schickte Balzer das Mädchen nach Hamburg und versprach, sich mit ihr dort wieder treffen zu wollen. Statt dessen fuhr er mit einer Tage nach Mecklenburg. In Waren stieg er am Bahnhof aus, entlohnte den Chauffeur reichlich und erzählte ihm, daß er mit der Bahn nach Rostock weiterfahren wolle. Während das Mädchen in Hamburg vergeblich auf ihn wartete, stieg Balzer unter dem Namen Müller im ersten Hotel in Waren ab. Zunächst lebte er ganz bescheiden. Nach und nach aber ging er mehr aus sich heraus und es dauerte nicht allzu lange, da hatte er einen ganzen Stab von Freunden um fich. Allmählich aber schöpften einige doch Berdacht. Die Polizei nahm ihn unter dem Verdacht der Hochstapelei fest und übergab ihn dem Gericht. Balzers Papiere aber waren durchaus in Ord= nung. Es wurde ihm nichts nachgewiesen und bald war er wieder frei. Der Mißgriff" brathte ihn start in Harnisch. Er schimpfte meidlich über das unerhörte Verfahren, zmang eine Ortszeitung, die ausführlich über die Berhaftung des Hochstaplers berichtet hatte, zu einer ebenso ausführlichen Berichtigung und veranftaltete mit seinen Freunden ein richtiges Freudenfe ft. Nach dem für ihn so günstigen Ausfall der Untersuchung fühlte er fich noch sicherer als früher. Da erinnerte sich aber ein Warener Bürger einer 3ei tungsnotiz, daß der ungetreue Postaushelfer Br ander wahrscheinlich unter dem Namen Balzer auftreten werde. Er machte Bon Chauffeuren und Maffeuren. Die Liebe auf dem Führersih. Zweifarbig Tuch, Schnurrbart und Sterne.... Wenn es teiner vom Militär ist, so muß er doch mindestens eine schmucke Uniform anhaben, wenn er Eindruck machen will, bei denen im Stübchen und im Salon. Adolf war Chauffeur und er machte Eindruck. Im Stübchen und im Salon. Im Stübchen bei seiner rechtmäßig angetrauten Ehehälfte. Im Salon bei seiner ,, Gnädigen", die er täglich mehrere Stunden in einer Innensteuerlimousine neuester Konstruktion umherfahren durfte. Er trug dann immer eine wunderschöne, zweifarbige Livree, reich mit Sternen und Goldborte verziert, und außer= dem noch einen richtigen Schnurtbart unter der Nase, nicht bloß ein Miniaturbärtchen à la Menjou. Der Eindruck bei seiner Dienstherrin war sehr, sehr groß. Wie groß, kann man daraus ermessen, daß er nicht einmal Lohn in schnödem Geld bekam. Einem solchen schönen Manne fann eine liebende Frau kein Geld in die Hand drücken. Dem lohnt man treue Dienste auf andere Art. Eine Weile war alles in schönster Ordnung. Die Gnädige fuhr gut und auch der Chauffeur muß auf seine Rechnung gefommen sein. Dann aber fam, das" Ereignis. Oder vielmehr gleich„ die" Ereignisse, denn bekanntlich kommt ein Unglück nie allein. Zuerst roch die eigene Frau Lunte und stellte die Dienst- und Liebesherrin ihres Mannes auf offener Straße zur Rede. Was man so zur Rede stellen" nennt. Ein Schupo und ein Samariter hatten das Schlußwort in dieser denkwürdigen Unterredung. Gleichzeitig hatte der Chauffeur entdeckt, daß die Gnädige auch ein großes Interesse ihrem Masseur entgegenbrachte. Adolf wurde fristlos entlassen und die Folge war eine Klage vor dem Arbeitsgericht. Er verlangte obendrein audy noch den bisher nicht erhaltenen Barlohn für vier Monate nachgezahlt. Er meinte, von der Liebe allein könne der Mensch nicht leben. Adolf wurde mit seiner Kloge abgewiesen, wegen ,, linzuständigkeit" des Arbeitsgerichts, da hier ein reines Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsgerichtsgesetzes nicht vorgelegen habe. Die Talentprobe im Massagesalon. Zweifellos war Benno Ch. ein entzüdender junger Mann. Darum fand er auch bald überall neue Stellungen, aus denen er aber leider immer entlassen wurde, denn es zeigte sich sehr schnell, daß er mehr entzückend, denn Mann war und so etwas wirfte auf die Dauer störend. In den verschiedensten Berufen hatte sich Benno schon versucht. Er hatte als Eintänzer in einem feudalen Lokal gearbeitet, er war Empfangs d e f in einem Warenhaus gewesen, als Reisender hatte er die Provinz kennengelernt, aber nirgends hatte er es zu einer Dauerstellung bringen tönnen. Zuletzt mar er als Masseur in einem Massagesalon gelandet. Wie überall ging es auch hier anfangs ganz gut, dann aber wurde er eines Tages fristlos entlassen. Als Grund gab seine Chefin, die Besitzerin des lediglich Benno schuld sein sollte. Die Chefin verſtieg sich zu der Massagesalons, den starken Rückgang des Geschäftes an, an dem Behauptung, daß Benno überhaupt nicht maffieren tönne. Dieser aber, im Befige eines Diploms über feine Ausbildung als Masseur, fühlte sich in seiner Ehre gefränft und in seinem Geldbeutel geschädigt und zitierte daher seine Er- Chefin vor das Arbeitsgericht. Woran die Beklagte gemerkt habe, daß der Kläger überhaupt nicht massieren fönne, begehrte der Richter zu wissen. Und da erfuhr man genau die Vorgänge am Tage der Ent laffung Bennas. Die Chefin hatte mit Benno Krach gehabt. Im Berlauf der lebhaft geführten Unterhaltung behauptete sie, daß er gar tein Masseur sei, und da Benno dies lebhaft bestritt, verlangte fie eine handgreifliche Probe feines Könnens. Benno mußte seine Chefin probemassieren, worauf sie ihn fristlos entlieb Bor dem Arbeitsgericht wurde sachgemäß über die verschiedenen Maffagearten gesprochen und die Betlagte stellte fogar gang ernsthaft den Antrag, die Richter sollten sich zunächst einmal von ihr und dem Kläger massieren lassen, damit sie das richtige Berständnis für den Fall bekämen. Aber daran hatten die Richter offenbar gar kein Interesse. Ihnen genügte die von Benno vorgelegte Bescheinigung über seine Ausbildung. Sie stellten fest, daß es auch in diesem Beruf wie in jedem anderen gute und schlechte Arbeiter gäbe, daß aber schlechte Arbeit fein Grund zur fristlosen Entlassung, sondern höchsten zur frist gerechten Kündigung sei. Und so wurde die Beklagte verurteilt, an Benno den Lohn bis zum Tage der gesetzlich zulässigen Kündigung zu zahlen. Herabsehung der Paßgebühren. Wie der Amtliche Breußische Breffedienst einem Runderlaß des Ministers des Innern entnimmt, tritt mit Wirtung vom 1. Juli d. I. folgende Neuregelung der Paßgebühren in Kraft: An Gebühren einschließlich etwaiger Stempel oder anderer Abgaben, insbesondere sogenannter Verwaltungsgebühren, find zu erheben: für die Ausstellung eines Paffes 3 M., für die Ausstellung eines Abänderung oder Ergänzung eines Baffes 1 M. Im übrigen bleiben Kinderausweises 0,50 M., für die Verlängerung oder für die sonstige die bisherigen Bestimmungen bis auf weiteres unverändert. Haltepunkt Herrensee. Siedlungsgebiet. An der Ostbahn, etwa 3 kilometer hinter Im Osten Berlins erschließt sich ein neues Ausflugs- und Strausberg, ist ein neuer Bahnhof im Werden. Dreißig dort wohnende Siedler haben es nach zweijährigem vergeblichen Vorstelligwerden bei der Eisenbahndireftion erreicht: fie bekommen ihren Bahnhof. Sie bezahlen die Anlage und die Eisenbahndirektion übernimmt sie in Verwaltung und in Beliz. Seitens der Siedler sind nach Eröffnung, die mit Beginn der Schulferien am 8. Juli erfolgen wird, noch jährlich etwa 1000 Mart Unterhaltungs erweist. Es werden dort die Pendelzüge halten, die von Strausberg fosten zu zahlen, so lange zu zahlen, bis die Anlage sich als rentabel nach Dahmsdorf- Müncheberg und umgekehrt fahren. Gleich nach Berlaffen des Bahnhofs betritt man Wald, der sich zwischen Herrenfee- Bahnhof zum wildromantisch gelegenen Herrensee nach Hegerstreckt. die Polizei aufmerksam und jetzt ging es wirklich zu Ende. Nach fragen in Berlin bestätigten, daß man es mit dem Defraudanten zu tun hatte und Balzer wurde nun endgültig festgenommen. Er besaß nach 1500 m., die mit dem Motorrad und der wert pollen reichlichen Garderobe des Schwindlers bemühle und Stadt Strausberg in anderthalbstündiger Wanderung erfchlagnahmt wurden. Feuerwehr auf der Bienenjagd. " Zeit wieder hochsommerliche Temperaturen gebracht hat, ist auch Der plötzliche Witterungsumschlag, der uns gestern seit langer nicht ganz ohne Einfluß, auf die Bienen geblieben: Leben fam plöglich in zahlreiche Bienenkörbe und so manches" Bolf" „ schwärmte". Im Laufe des Nachmittags wurde die Feuerwehr allein fünfzehnmal wegen Bienengefahr" nach allen Stadtteilen alarmiert. Die Schwärme hatten sich auf Bäumen, Balkonen, Häuservorsprüngen, einer sogar am Kutscherbock eines Pferdegespannes, festgesetzt. Da die Bienen eine Gefahr für die diesen Zweck vorgesehenen Fanglisten eingefangen, nachdem Umwelt bildeten, wurden sie durch die Feuerwehr in eigens für fie zuvor durch den Sprühregen einer Handsprize flugunfähig gemacht worden waren. Da sich in den seltensten Fällen die Besizer feststellen lassen, werden die gefangenen Schwärme einer Sammelstelle zugeführt, die sie dann wieder an einzelne Imker abgibt. „ Der Koalitionsverrat der Sozialdemokratie". Die Kommu= nistische Partei hat das Zusammenarbeiten der Sozialdemo lungen" anprangern wollen. Die Bersammlungen waren mäßig be fratie mit Vertretern des Bürgertums im Kabinett Müller vor der Berliner Arbeiterschaft in zmei großen öffentlichen Massenversamm fucht, die Referate hätte man sich sparen können, da sie nur das Gebell der Leitartikel in der Roten Fahne" wiedergeben. Zwei Zitate! Der Neuköllner Redner, Herr Reichstagsabgeordneter Emert, sagte wörtlich: Wir kommunisten haben immer unsere Pflicht gegenüber dem Bürgertum getan!" Stimmt! Siehe Fall Graef! Herr Hoernle im Friedrichshain erflärte, die Sozialdemo fratie fürchte nur den Schritt der Arbeiterbataillone", Arbeiterbataillone, die mit über 9 Millionen Stimmen für die Sozialdemokratie eintraten. Wird Lächerlichkeit töten? derselben macht schönes HaarPiscavon schönes Haar bringt Erfolg Ein böser doppelter Irrtum. Der Kriminalbeamte als„ Taschendieb". Zu einer lebhaften Szene, die des Humors nicht entbehrt, tam es vor furzem auf einem Straßenbahnwagen. Die hintere Plattform war starf besetzt. Als einer der Fahrgäste, der neu aufgestiegen war, bezahlen wollte, vermißte er in seiner Hosentasche die Brieftasche mit 200 Mart. Ohne weiteres beschuldiglte er einen neben ihm stehenden Mann, sie ihm gestohlen zu haben. Der Bezichtigte erwiderte ruhig, davon fönne wohl nicht die Rede sein, denn er sei Kriminalbeamter, der gerade eine Streife auf Taschendiebe gemacht habe und sich auf dem Heimrooge befinde. Das könne jeder sagen, meinten der Bestohlene, ein Malermeister R., und die anderen Fahrgäste. Da forderte der vermeintliche Dieb den Bestohlenen und die Zeugen auf, mit ihm zur Wache zu gehen, wo er sich wolle durchsuchen lassen. Diese Durchsuchung blieb ergebnislos, und jetzt schlug der Beschuldigte vor, doch mal anderswo nach der gestohlenen" Tasche zu suchen. Man ging nach der Werkstatt des Meisters, und hier. fand sich die Brieftasche mit den 200 Mar? in seiner Arbeitshose wieder. Er hatte beim Kleiderwechsel vergessen, sie in die andere Tasche zu stecken. Brandstiftung aus Rache. In letzter Zeit war er aber mit seiner Wirtin in Unfrieden geraten und sollte die Laube räumen. Weil er nun seinerzeit, wie er behauptet, eine ansehnliche Summe zum Bau der Laube beigesteuert hatte und das Geld jezt nicht zurückbekommen konnte, beschloß er, das Häuschen anzuzünden. Die Laube wurde fast völlig vernichtet, Kleider, Bett und Arbeitsgeräte, die dem 2. gehörten, sind mits verbrannt. Standalöse Zustände in Bad Saarow. Man schreibt uns: Wiederholt haben die Zustände der Verwaltung in Bad Saarom Entrüstung hervorgerufen. Bei der am 24. Juni erfolgten llebergabe pon Saarow Strand an die Deffentlichkeit war die Rednertribüne des Amts- und Gemeindevorstehers Dr. Krücke, eines ehemaligen deutschnationalen Parteiorganisators, mit Fahnen aller Nationen geschmückt. So war oben am Mast die dänische und die französische Fahne zu sehen, nur nicht eine einzige deutsche Flagge war gehißt worden, was beim Spielen des Deutschlandliedes stürmische Entrüstung hervorrief. Dieser Amts- und Gemeindevorsteher ist schon wiederholt unliebjam in Erscheinung getreten und hat auf eine Anfrage, warum er nicht die Reichsflagge hisse, geantwortet, daß er nur mit Mühe die Hiffung der schwarzweißroten Flagge verhindern fonnte. Der Landrat Wiskott und der Kreisbaurat nahmen ebenfalls an der Beranstaltung teil. Jugend- Werbe- Briefmarken- Ausstellung. und Auslandes sind zum Wettbewerb zugelassen. Die Ausstellung ist die erste großzügige Veranstaltung dieser Art. Die große Bedeutung der Ausstellung liegt nicht nur auf rein philatelistischem, sondern ebenso auf volkswirtschaftlichem Gebiet. In dankenswerter Weise hat auch der Bürgermeister Dr. Siggel vom Bezirksomt Lichtenberg das Protektorat übernommen. fragen und Zuschriften sind zu richten an die Geschäftsstelle: Ing. E. Koch, Berlin- Lichtenberg, Augustaftr. 33. Raketenanto auch in der Tschechoslowakei. AnDer tschechoslowakische Kriegsminister erklärte, daß sich die Tschechoslowakei auch mit dem Problem des Raketenautos befasse. Die Probe des Raketenautos sollte demnächst stattfinden. Das Rafetenauto wurde von einem Ingenieur Löwi erfunden, der an diesem Modell fünf Jahre gearbeitet hat. Am 5. Mai sollte das Modell fertig sein; inzwischen wurde es aber gestohlen, so daß Löwi ein neues Modell anfertigen muß. Fast 30 Millionen Automobile in der Welt. Nach einer Statiſtit des amerikanischen Handelsdepartements befigt jetzt jebe 64. Person in der Welt ein Automobil. Bor zwei Jahren war das Verhältnis 1:66. Zugrunde gelegt ist eine Bevölkerung in der Welt von 1900 Millionen Menschen. In Betrieb sind gegenwärtig 29.700 000 Automobile. An der Spize kommen die Vereinigten Staaten mit einem Automobil für jede fünfte Berson. An letter Stelle tommt Abessinien, wo es nur ein Auto für jede 91 743. Person gibt. In Frankreich ist das Verhältnis 1:40, in Großbritannien 1: 41 und Am 4. November 1928 findet in Schwarz' Festsälen, Berlinin Deutschland 1: 137. Wegen Brandlegung an einer Laube wurde gestern der 56 Jahre Lichtenberg, eine von den Vereinen Lichtenberg und Köpenick veranalte Former Otto. 2. aus der Eichhornstraße zu Reinidendorfftaltete Jugend- Werbe- Briefmarken- Ausstellung statt. Zur Ausstellung West von der Kriminalpolizei festgenommen. 2. wohnte seit sechs gelangen Lehr- und Werbesammlungen, Sammlungen Jahren in der Laube, die einer Frau M. gehört, als Untermieter Jugendlicher, phil. Jugendarbeiten wie Zeichnungen, Facharbeiten und hatte es gleichzeitig übernommen, nach dem Garten zu sehen. I usw., Literatur und phil. Bedarfsartikel. Alle Sammler des InDittmar Möbel Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 30. 6. 28 Sonnab., 30. 6. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 54. Anf. 20( 8) U. Städtische Oper Bismarckstr. Geschl. Vorstellung Ani. 19( 7) U Rheingold Aida Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 57 Anf. 19%( 72) U. Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 133 Anf. 20( 8) Uhr Kalkutta, Cardillac 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: Mord im Hinterhaus. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallfir. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. -Fa- Neu- Zeit- Form abgeklärt, vornehm, preiswert brik Drudisachen und die kl. Schrift: ,, Rhythmus im Wohnraum" senden wir gern kostenfrei Molkenmarkt 6 Besichtigung erbeten Zahlungserleichterung Tauentzienstr. 10 Deutsches Theater Residenz- Theater Renaissance- Theater Berliner Prater beater am Kottbuffer or POST STADION Norden 12310 U. Ende nach 10 Artisten legie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 34 U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater harlottenstr.90/ 91.0änh.176 3/4, Ende nach 10/2 lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr ,, Das sind ja reizende Leute.. Lessing- Theater Voranzeige! Ab Sonntag, 1. Juli Fäglich 8, Uhr: Volksbühne Spiel im Schloss" Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbanerdamm 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt 8 Uhr: Der Kubhandel SCALA 8 Uhr Nollendorf 7360 Heute zum letzten Male: Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Heute 2 Vorstellungen Ja u. 8 Uhr-30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Ab 1. Juli geschlossen. Beginn der Winterspielzeit 1. August 1928. Reichshallen- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Der verbotene Justav Droschkenkutscher- Idyll mit Gesang und Tanz Loni Pyrmont Krafft- Lortzing Gaston Briese Burkhardt Emma Klein Parkett auch Sonnt. statt 4.- Mk. nur 1.- Mk. Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20: Uhr: Der Einfluß d. Gestirne Eintritt 1 M. finder unt. 15 Jahren 0.50 Komische 8 Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: 844 Zich' Kastanienallee 7/9. Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 160 77 Uhr Krankheit der Jugend 7 Täglich 7 Täglich 8 Uhr: Wahlausschreiben zur Polnische Wirtschaft" Außerdem Konzert, Varieté. Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. Elite- Sänger allabendlich Vorstandswahl des Gewerkss Tanz. Kaffeekochen. frantenvereins zu Berlin. Rose- Theater Bombenerfolg! Gemäß§ 5 der Wahlordnung des Ge- Gr. Franki. Str. 132 werkstrantenvereins laden wir die Ber- 8% Uhr: treter des Ausschusses zur Wahl des Vorftandes am Montag, dem 20. nguff Heimat 1928, abends 6-2 Uhr, im Geschäfts1otal Alexanderstr. 51/52, ein. Zu wählen Gartenbühne: find 8 Arbeitgeber und 16 Ersagmänner. 26 Uhr nachm.: von den Arbeitnehmern 16 Bertreter und Konzert und bunter Teil. 32 Erfagmänner. 814 Uhr: aufgefordert, Borschlagslisten bis spätestens Die Ausschußmitglieder werden hiermit Der fidele Bauer Sonnabend, den 21. Juli 1928, beim Unter- Theater des Westens zeichneten einzureichen. Sugelaffen sind nur Borschlagslisten von Steinpl. 931 8 Uhr Täglich: Arbeitgebern und Versicherten aus den Borständen der angeschlossenen Kranten- Max Adalbert taffen. Die Stimmabgabe ist an diese Bor fchlagslisten gebunden Die Vorschlagslisten tegen vom 21. Juli 1928 ab in unserem Geschäftslofal während der Dienftstunden zur Einsichtnahme aus, die Wählerliste wird bort ebenfalls ausgelegt. Einsprüche gegen die Richtigkeit ber fich aus der Lifte ergebenden Wahl und Stimmberechtigung sind zur Bermeldung des Ausschluffes spätestens vier Bochen vor dem Wahltage unter Beifügung, von Beweismitteln bei dem Borstande einzulegen Der Bahlausschuß ist befugt, die Bahl und Stimmberechtigung jebes Bählers bei ber Wahlhandlung zu prüfen; es empfiehlt fich daher, einen Ausweis hierüber mit zubringen. Der Borstand des Gewertsfrantenvereins. R. Gottesmann, A. Polzin, Borfizender. Schriftführer. dich aus! Allgem. Ortskrankenkasse für Berlin- Steglitz 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Letzter Tag! 8 DAS SCHUBERT SINGSPIEL Stettiner Sänger Dreimäderlhaus Zum Schluß: , Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel Anfang 8 Uhr. Alfred Braun v. Thellmann, Jankuhn, Hesterberg, Morgan, Perry, Brandt. Ballett Winkelstern, Sunshinegirls. Donhoff- Brett'i Grosses Schauspielhaus ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert. l'anz. Heute, Sonnabend, 30. Juni Erik Chareil. Fest der Berliner Kriminalpolizel im LUNA PARK in bar für 1000 Mark die richtige Lösung des kriminalistischen Preisbewerbes Wer sind die Drei?" Der Preisbewerb ist offen für a le Besucher des Lunaparks. Berufskriminalisten sind vom Bewerb ausgeschlossen Gr. Festprogramm! Fest- Feuerwerk. Thalia- Theater Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Dyckerpotts Erben Garnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 81 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Heute 1 Uhr: Broadway Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/21 Täglich Uhr Der Wirt vom Heidekrug Ein lustiges Spiel m. Gesang u. Tanz m.d. neuesten Schlagern Park.auch Sonntags statt 4.- M. nur 60 Pi. Bekanntmachung. Der vom Ausschuß in der ordentlichen Ausschuß Sigung vom 30. April 1928 befchloffene 24. Nachtrag zur Gagung ist Dom Oberversicherungsamt Berlin ge nehmigt worden. Sternach werden ab 1. Juli 1928 Ber ficherte über 16 Jahre( mit Ausnahme der Lehrlinge ohne Entgelt) mindestens der Stufe 2. Berficherte, welche Roft und Logis erhalten, mindestens der Stufe 3 zugeteilt. Druditüde des 24. Gagungsnachtrages find im Raffenlokal erhältlich. Berlin Stegliz, den 29. Juni 1928 Der Borstaud: Finger, Borfigender. Roglin, Schriftführer. Die Wunder des Wasserwanderns. KeinSport läßtdieSchönheiten der Natur in so köstlicher Weise erleben wie das Wasserwandern. Jedermann erlernt das leichte Fortbewegen des Bootes mittels der Paddel in längstens einer Viertelstunde, da es eine unge zwungene naturl. Bewegung ist. Mit dem weltbekannten, un bedingt sicheren Klepperboot sind Sie der Herr aller Gewässer. Das Bootwird zerlegt in Rucksack und Stabtasche mitgeführt. Ein Klepperzelt dazu und Sie können bei jedem Wetter warm u. regen sicher im Freien kampieren. Ueber 6000 begeisterte Anerkennungsschreiben bezeichnen .Klepper als das weitaus beste u einzig richtige Wanderboot. Nur direkter Versand an Private ab Fabrik oder durch die im Kata Jog verzeichneten Fabriknieder. lagen. 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Das mag freilich nun anders werden, nachdem der einzigartige Nürburgring, die große Autorennstraße, viele Augen auf sich gezogen hat. An der Ahr siedelt ein Bölfchen, das mit allen guten Gigenschaften des Rheinländers noch seine eigenen liebenswerten Züge vereint. Man muß mur einmal das Ahrweiler Schüßenfest mit gemacht haben, um zu erkennen, daß sich troß aller modernen Bertehrsanpassung, wie sie sich im Nürburgring zeigt, zwischen den Rebengärten der Ahrberge noch ein echter und rechter Rest von Romantik erhalten hat. Bis ins 15. Jahrhundert hinein reichen die Urkunden über die St. Sebastians- Schüßengesellschaft; es ist just so reizvoll, wie etwa der Meistertrunftag von Rothenburg, oder das Kirschfest von Naumburg, oder auch die Spielwoche von Oberammergau. In der Walpurgisnacht ziehen noch die Burschen aus allen Städtchen und Dörfern in die nahen Bergwälder, um die Maien" zu holen für ihre Liebsten. Selbst das„ Mailehen" ist noch in Kraft und am ersten Maienfonntage werden die Mädels non 17 bis 25 Jahren an die Jungburschen auf Meistgebot versteigert. Die Teuerste wird Maifönigin und ihr Ersteigerer Maifönig. Nun gehören die durch Mailehen Berbundenen zusammen, bis die Bohnen blühen( also ungefähr bis Anfang Juni). Eisenbahn und Fremdenverkehr. Im Namen des von der Handelshochschule veranstalteten Kursus über Fremdenverkehr sprach der Direktor der Deutschen Reichsbahngesellschaft Vogt über das Thema„ Eisenbahn und Fremdenverkehr". Der Vortragende ging davon aus, daß die Eisenbahn noch immer das wichtigste Mittel für den Fremdenverkehr sei. Während im Jahre 1927 die Reichsbahn über eine Milliarde Personen befördert habe, seien von der Reichspost und den öffentlichen Kraftverkehrsgesellschaften nicht ganz neunzig Millionen Berfonen befördert worden. Der Vortragende entwickelte dann die Aufgabe, die der Reichsbahn im Interesse des Fremdenverkehrs obliege. Ueber die Fahrpreise führte er aus, daß sie im allgemeinen nicht höher feien als im Ausland(? D. Red.), abgesehen von Ländern mit noch nicht gefestigter Währung. Er erwähnte dann die Ermäßigungen, die zugunsten des Fremdenverkehrs eingeführt sind, die Sonntagsrückfahrkarten und die Gesellschaftsfahrten. Auch im Verkehr mit dem Ausland jelen Ermäßigungen vielfach eingeführt worden, zum Beispiel für die ausländischen Besucher der Leipziger Messe. Der Vortragende legte besonderen Wert auf die Schaffung eines günstigen, auch für den Fremdenverkehr zugeschnittenen und verlangte von der Eisenbahn, daß alle Einrichtungen auf den Fahrplans, streifte die Annehmlichkeit des elektrischen Betriebes Bahnhöfen so bequem wie nur irgend möglich beschaffen sein müßten. Auch während der Fahrt müsse die Eisenbahn für das Wohlergehen des Reisenden besorgt sein. Der Reisende könne nicht nur einen möglichst bequemen Sizplay( Das soll ein Wort sein, Herr tegenheit zur Einnahme von Speisen, und für die Nacht gut einDirektor! D. Red.), sondern auch Heizung, gute Beleuchtung, Gegerichtete Schlafwagen verlangen. Besonders wichtig für einen internationalen Reiseverkehr sind die Erleichterungen bei der Paß: und 3olltontrille. Der Vortragende betonte die Wichtigkeit einmütigen Zusammenarbeitens der Eisenbahn mit den übrigen Bertehrsmitteln, Schiffahrt, Auto und Flugzeug. Zum Schluß ging Bogt auf die Bedeutung der Reisebureaus und der Verkehrsvereine für die Bewältigung des Fremdenverkehrs durch die Eisenbahn ein. Auch bei der Verkehrswerbung bestände ein sehr vorteilhaftes Zufammenarbeiten. Hierin betätigte sich besonders die von der Deutschen Reichsbahn gegründete Reichsbahnzentrale für den deutschen Reise Werbung durch Wort, Bild, Blafat, Film, Bortrag und Presse, alles unter dem großen Stichwort ,, Deutschland" erfülle. Rundreisefarten in Defterreich. All diese und manch) andere alte, seltsame Bräuche bekommen ihren eigentlichen Glanz durch die Schönheit der weinlaubbeträng ten Felstulissent, zwischen denen sie sich abspielen. Das Brunfftüd der Eifeitochter Ahr ist die Strecke von Altenahr bis Ahr- verkehr, die ihre Aufgabe durch Anwendung aller Methoden moderner meiler. Flußabwärts reiht sich dann ein idyllisches Weindorf ans andere: Manschoß, Rech, Dernau, alle im Rahmen freundlicher Wälder und verheißungsvoller Wingerte. Hinter der„ Bunten Kuh", die wie eine Loreley der Ahr das Tal abzuriegeln scheint, beginnt mit Walporzheim der Weingau von Ahrweiler, des lieben Städtchens, durch das die Autostraße zum ganz neuzeitlichen Nürburgring wie durch ein malerisches Stückchen wahrhaften Mittelaiters geht. Hier muß man Raft machen, auch wenn nicht gerade Schüßenfest ist, vor dem ganz von Weinlaub übersponnenen" Stern" am Martiplag und muß den roten Ahrwein studieren, den Bater Arndt den König der roten Weine" nennt und von bem er fagt, daß feine befte Art eine glückliche Mitte hält zwischen der Bieb lichkeit des französischen Médoc und der zubringlichen Stärke des Burgunders. Bom Weine zum Waffer, vom Zabetrunt zum Heilborn ist és hier nicht weit: in einer halben Stunde fommt man von Ahrweiler nach Neuenahr, wo die einzigen altalischen Thermalquellen Deutschlands sprudeln und dicht hinter dem in wenigen Jahrzehnten zu Beltruf gedichenen Badeort liegt hart an der Bandstraße der Appolinarisbrunnen, deffen tohlenfaures Mineralwaffer namentlich durch die Engländer auf der ganzen Erde als Tafeltrunt bekannt geworden ist. EMS Die Desterreichischen Bundesbahnen haben vor furzem Rundreisekarten eingeführt, die beträchtliche FahrpreisDesterreich berechtigen. Die Rundreise geht von einer österreichischen ermäßigungen bedeuten, und zur einmaligen Rundfahrt durch Grenze aus über eine feste, Wien berührende Route wieder nach einer Grenze zurüd. Meist sind für die Rundreise verschiedene Wege vorgesehen, deren einen der Reisende nach Wahl benutzen darf. Außerdem berechtigen die Rundreisekarten zur Lösung von Fahrkarten zum halben Fahrpreis auf Linien, die nicht auf der Rundreiseroute liegen, sondern von ihr abzweigen. Auch mehrere Seilschwebebahnen gewähren den Inhabern der Rundreise farten beträchtliche Ermäßigungen. Zurzeit bestehen ermäßigte Rundreisefahrten pon Baffau, Salzburg, Scharnitz, Lindau, St. Mar. garethen, Buchs( St. Gallen), Gmünd, Bernhardsthal( Lunden Rundreisekarten, die für die 2. und 3. Bagentlaffe ausgegeben burg), Marchegg und Nitelsdorf alts. Die Geltungsbauer der burg), Marchegg und Nitelsdorf aus. merden, beträgt zwei Monate vom Ausgabetag an. Die und reifetarien find in allen größeren Reisebureaus, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden, und in den Grenzbahnhöfen Baffau, Salzburg, Lindau, St. Margarethen, Buchs und Marchegg erhält EMS EMS EMS ENS EK DE Verjüngend wirkt lich. Ausführliche Prospekte werden auf Verlangen auch von der " Desterreichischen Berkehrswerbung", der offiziellen Propagandastelle der Bundesbahnen, Wien 1, Nibelungengasse 4, zugesendet. Bad Grund( Oberharz). Das städtische Fichtennadelbad, das nebenbei auch Sol- und Kohlensäurebäder abgibt, hat seit 10. Juni den Bollbetrieb aufgenommen. Neben den Bädern, die in der gut benugten Pauschal- Heilfur enthalten sind, werden für sonstige Badegäfte Bade- 3ehnerfarten mit 10 Prozent Breisermäßigung ausgegeben. Von der Einrichtung der Pauschaltur sollte im Monat Juli wegen der durch die großen Ferien bedingten starken Belegung des Kurortes tein Gebrauch gemacht werden. Von Anfang August an jedoch stehen wieder größere und fleinere Pensionen zur Aufnahme von Pauschalturgästen bereit. Betont wird besonders, daß ein Gast, der zur Pauschal- Heiltur hierher kommt, sich in seinen Rechten in nichts von den anderen Kurgästen unterscheidet. banerne, then berliche Beitele, eine Rette on 200 StiloSchlesien ist Reiseland. Es besigt Obermetern Länge: das Iser, Riesen-, Waldenburger, Eulen-, Glatzer und Altvatergebirge. Diese Rammgebirge steigen auf Höhen von 1000 bis 1600 Meter, das Isergebirge ein Waldgebirge, das RiesenSchwarzwald Süddeutschlands erinnernd, Waldenburger und Eulengebirge alpin, Altvatergebirge ihm ähnlich, Glazer Gebirge an den gebirge mit Thüringen zu vergleichen. Allenthalben erheben sich Burgen und Burgruinen, altertümliche Stäbte und Klöster, auch im Vorgebirge und in der Ebene. Sehr reizvoll sind das BoberKazbach- Gebirge und das Zobtengebirge( nur eine Bahnstunde von richtet die Werbeschrift„ Das schöne Schlesien", die im VerkehrsBreslau), über 700 Meter hoch. Ueber weitere Einzelheiten unterbureau Breslau, Am Hauptbahnhof 1, 1. und in allen bedeutenden Verkehrs- und Reisebureaus, wie am Schalter der Sonderzüge nach Schlesien zu haben ist. Die Reichsbahn läßt billige Sonderzüge am 3., 4., 5., 7., 14. Juli und 11. August nach Schlesien verkehren. Die Fahrkarten haben zwei Monate Gültigkeit. Der Zug fährt nur bei genügender Beteiligung. Es ist daher unbedingt notwendig, die Karten bald zu lösen. verkehrsreichen Bahnhofs Neubrandenburg, der u. a. von Berlin Die Reuterstadt Neubrandenburg. In unmittelbarer Nähe des ( Stettiner Bahnhof) mit Sonntagsfahrkarten leicht zu erreichen ist, grüßt uns das Denkmal des größten niederdeutschen Dichters, des Freiheitsfämpfers Fritz Reuter. Eichen zieren die alten Bälle, schöne gotische Tore unterbrechen die noch ganz erhaltenen Stadtmauern des mecklenburgischen Rothenburg, dessen Eigentümlichkeit die 52 Wiekhäuser bilden, die aus den Mauern lugen. In der Innenstadt stößt man Schritt um Schritt auf Reutererinnerungen. Zehn Minuten von der Stadt beginnt der zwei deutsche Meilen lange Tollenfefee. Für Gesellschaftsfahrten ist ein Ausflug in diese alte Stadt sehr zu empfehlen. " Die Berkehrsergebniffe im„ Seedienst Ostpreußen", der mit den befannten großen Motorschnellschiffen Hansestadt Danzig" und Preußen" 4 mal wöchentlich betriebenen Linie Swinemünde- 30ppot- Billau- Memel zeigen, daß die Regierung mit der ständigen Berbefferung der Linie auf dem rechten Wege ist. Der Norddeutsche Lloyd und die Firma 3. F. Braeunlich führen den Betrieb für die Regierungen. Eine vorausschauende Tarifpolitit mit ftart ermäßigten Rüdfahrtarten, Ferienfonderfarten und Gesellschaftsreisen hat dem deutschen Often, Danzig, Ostpreußen und den Bädern der Kurifchen Nehrung einen frischen Strom des Fremdenverkehrs zugeführt. In glüdlicher Bedfelwirtung zieht der Reiz der schönen Riviera des Nordens", ber blauen Danziger Bucht und der übrigen Seefahrt Reisende nach dem Dften. Hat erst der Zauber der pftbeutichen Landschaft mit Haff und See und Walb und herrlichen Bauten auf fie gewirtt, fo werben fie zu stündern umb Berbern für dieses zu Unrecht vom Reiseverkehr bisher so vernachläffigte Land, in dem es soviel Schönheit neu zu entdeden gibt! eine Kur in Bad Ems: denn sie heilt und kräftigt Seit Jahrhunderten bewährt gegen Katarrhe, Asthma, Emphysem, Grippefolgen, Herzund Gefäßerkrankungen, Gicht und Rheuma/ Natürliche kohlensaure Bäder/ Die größten und vielseitigsten Inhalatorien/ Pneumatische Kammern/ Unterhaltungen und Sport aller Art/ Vorzügliche Gaststätten.- Auskunft: Staatliche Bade- und Brunnendirektion, Bad Ems, u. Reisebüros. Emser Wasser( Kränchen), Pastillen, Quellsalz, Emsolith. Hauptniederlage für Emser Kränchen für Berlin und Brandenburg: Brunnenvertriebsaktiengesellschaft, Berlin SW, Yorckstr. 59. Telephon: Bergmann 3536-38. Arbeiter, Angestellte u. Beamte finden gute und billige Erholung im Hegewaldheim m. 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Aus der einen Seite fand in Düsseldorf die seit langem angesetzte Sitzung der europäischen Rohstahlgemeinschast statt, und andererseits wurde von den großen Stahltrusten Amerikas ein gemeinsames Exportkartell ins Leben gerufen. Zwei innerlich miteinander in Kontakt stehende Dinge, denn der amerikanische Zusammenschluß war letzten Ende» eine Folge der überstaatlichen Kartellbildung in Europa. Wie an dieser Stelle bereits kurz gemeldet, ist die Sitzung der europäischen Rohstahlgemeinschast. Me in Düsseldorf im Gebäude des Stahlwerksverbandes stattfand, ohne Sensationen verlaufen. Die Produktionszahlen, die Höhe der Quoten, das Strafzahlungssystem wurden auch für das dritte Vierteljahr 1928 in der bisherigen Form unvsr- ändert bestehen gelassen. Damit bleiben auch die S t r a f e r l e i ch t e- rungen in Kraft, die Deutschland und der zentraleuropäischen Gruppe tTschechoslowotei. Oesterreich, Ungarn) zugestanden wurden. Bekanntlich ist die Ueberschußquote Deutschlands in einem Inlandsanteil von 72 Proz. und in einem Auslandsanteil von 28 Proz. zerlegt. Bei Ueberschreitung muß für den Inlandianteil 1 Dollar und für den Auslandsanteil 4 Dollar Strafe bezahlt werden. Eine heikle Frage war die Neubesetzung der Präsi- dentschaft. Man hatte geglaubt, daß, nachdem die überragende Gestalt des Präsidenten M a y r i s ch nicht mehr da ist, nunmehr die Reihe ringsum ginge und die Deutschen, und zwar Albert Vogler oder Fritz T h y s s e n, mit der Präsidentschaft betraut würden. Doch wurde die Frage in der Weise erledigt, daß Generaldirektor Meyer von der„Arbed" nicht nur für das am 39. September abschließende Geschäftsjahr, sondern darüber hinaus bis zum Ende des laufenden Vertrages als Präsident gewählt wurde. Die umlaufenden Gerüchte, wonach Belgien und Frankreich einen Antrag auf Erhöhung der Produktionsquote stellen wllrdey, haben sich nicht bestätigt. Ueber den Anschluß Polens ist anscheinend nicht verhandelt worden. Auch die dringende Frage der internationalen Verkaussoerbände soll um keinen Schritt weiter gekommen sein. Also im großen und ganzen ein sehr negatives Re- s u l t a t, soweit die offiziellen Verlautbarungen dies erkennen ließen. Die Herren von der Schwerindustrie sind ja bekanntlich bezüglich der Unterrichtung der Oesfentlichkeit sehr karg. Sie bedienen sich neuerdings einer Z e n t r a l p r e s s e st e l l e, die im Düsseldorfer Stahlhof, dem Gebäude des Swhlwerksoerbandes, errichtet wurde. Bemerkt mag noch werden, daß die zentraleuropäische Gruppe, die im Kartell geschlossen auftritt, den Wunsch hat, in a. drei besondere Landesgruppen, und zwar«ine tschechische, äster- reichische und ungarische zerlegt zu werden, Zum Studium dieser Frage wurde eine Kommission eingesetzt. Die Bedeutung der Steel Export Association of America. Di« offizielle Verlautbarung der kontinentalen Schwerindustrie läßt nicht erkennen, ob und inwieweit bestimmte Maßnahmen gegen- über dem neugegründeten Exportkartell der Vereinigten Staaten ins Auge gefaßt wurden. Und doch ist diese Frage die wichtigste von allen. Die Steel Export Association of America, wie der offizielle Name des neuen Kartells lautet, umfaßt die größten Erzeuger von USA. Beteiligt sind vor allem die United States Steel Products Company, die Bethlehem Steel Export Corporation und die Doungstown Sheet u. Tube Co. Da» sind Tochtergesellschaften der drei größten Er- zeugergruppen der Bereinigten Staaten. Allein die United States Steel Corporation produziert 29 Millionen Tonnen Rohstahl, also weit mehr als die gesamte deutsche In- d u st r i e. Die Gesamtproduktion der zusammengeschlossenen Truste geht weit über die Erzeugung der in der europäischen Rohstahl- gemeinschaft zusammengeschlossenen Landesgruppen hinaus. Die Stahlindustrie Amerikas hat bisher nur einen geringen Prozentsatz ihrer Produktion dem Weltmarkt zugeführt; man spricht von fünf Prozent. Die amerikanische Verarbeitungsindustrie war also in der Lage, fast die gesamte Produktton aufzunehmen. Erst im letzten Jahr macht sich das Verlangen nach stärkerer Ausfuhr bemerkbar. Letzten Endes aus diesem Grunde wurde die Export- Vereinigung gegründet. Der Kampf der Rivalen. Es dürfte die Frage ausgeworfen werden, wie die beiden Rivalen, die europäische Rohstahlgemeinschaft hier und das amerikanische Exportkartell dort, sich zu messen vermögen. Unter Berücksichttgung der dahinter stehenden Gruppen und der Organisationen der beiden Gegner dürfte von vornherein feststehen, daß das amerikanische Exportkartell weit beweglicher und schlagkräfti- g e r ist. Die Rohstahlgemeinschaft ist noch viel zu unfertig, um jeden Schlag parieren zu können. Außer für Schienen, Röhren und Walzdraht bestehen bekanntlich keine Verkaussoerbände, und über- dies ist der Zusammenschluß noch ziemlich lose, die Gegensätze unter den einzelnen Landesgruppen noch zu groß. Die Konkurrenz zwischen der europäischen und der amerikani- schen Gruppe dürste sich weniger in Europa als auf überseei- schen Märkten abspielen. Die Amerikaner werden vor allem oersuchen, ihren Absatz in Lateinamerika, Indien, Ost- asien, Australien usw. zu verstärken. Dabei muß beachtet werden, daß der amerikanische Binnenmarkt nach wie vor einen vorzüglichen Rückenhalt bietet, während man das bei den europäischen Erzeugerländern nicht sagen kann. In Amerika wird auch in Zukunft der Export eine untergeordnete Rolle spielen, da gegen ist er für die europäischen Länder mehr oder weniger eine Lebensfrage. Wird die europäische Rohstahlgemeinschast den aushalten? Zweifellos ist der Zusammenschluß der»westeuropäischen Stahb Industrie in der Rohstahlgemeinschast ein großer Fortschrill, wenn es einmal zu schärferen Auseinandersetzungen zwischen den Stahlproduzenten der beiden Erdteile kommt. Ständen die europäischen Länder isoliert, würden sie noch viel weniger in der Lage sein, sich gegenüber der konzentrierten Kraft der Amerikaner durchzusetzen. Dxr. gxgemoyxtig gültige Bertrag der RohstahlgemeiNfchäft läuft im Frühjahr 1929 ab. Bis dahin mutz es sich erweisen, db die inneren Schwierigkellen soweit ausgeglichen sind, daß die Rohstahlgemeinschast an Lebensfähigkeit nach innen und außen gewinnt. Erfolgt die Bereinigung der Schwierigkellen nicht und kommen keine Verkaufsverbände in geschlossenem Ausbau zustande, dann dürfte die Lebensfähigkeit der europäischen Rohstahb gemeinschaft in Foge gestellt sein. Mit um so größerer Spannung wird zu oerfolgen sein, ob ein weiterer Ausbau der Organisation der europäischen Rohstahlgemeinschast zustande kommt. Die Arbeiterschaft hüben und drüben ist zurzeit leider nur Zuschauer in dem gewalligen Ringen der Stahlindustrie zweier Erdteile. Wie wäre es. wenn dieser wichtige Produktionsfaktor durch äußerste Aktivllät sich vom Objekt zum Subjekt auf- zuschwingen vermöchte? Die Situation wäre von Stunde an eine Paul Ufermann. Oer Ltnsug der Gchuhzötte. Wie zum Lleberspringen der Schutzzollbarrieren Kapital verschleudert wird. Kunstseide ist ein Massenerzeugnis, leicht transportabel, wird nach ganz wenigen Verfahren hergestellt und wird in der ganzen Well gebraucht. Die stärkste Konzentration der Erzeugung wäre daher namrlich. Die schärfste Konkurrenz wäre wünschenswert, um die billigst« Versorgung sicherzustellen. Di« Profite blieben für die Erzeuger immer noch ausreichend hoch, weil der Bedarf an Kunst- seide immer noch stärker wächst als ihr« Herstellung. Aber die einzelnen großen Länderindustrien sperren zum „Schlitz*, das heißt zur künsllichen Erhöhung der durch die stärker« Nachfrage ohnehin gesicherten Rente sich gegen die ausländische Kon- kurrenz ab. Die Folge davon ist, daß jede einzelne Länderindustrie, die sich selbst durch Schutzzölle vor der Konkurrenz anderer Länder schützt, wiederum in diesen Ländern eigene Fabriken er- richtet, um. statt direll zu exportieren, die jetzt in geschützten Ländern erzeugte Kunstseide in dem neuen„Inland* abzusetzen. Di« Folge dieser Politik ist ein« sinnlose Kc.pitalverschwendung, denn die Er- richtung neuer Fabrikanlagen, die Verpflanzung und Auszucht neuer Arbeitskräfte ist ungleich teurer als die Erweiterung bereits bestehen- der Fabriken. Wie verbrellet dieser Unfug ist, dafür nur wenige Beispiele: Der deutsche Glanzstoffkonzern hat eigene Fabriken in Amerika er- richtet. Der englische Courtauld-Konzern hat in Deutschland gebaut, der holländische Enka-Konzern in Amerika und England, der hollän- dische Breda-Konzern in England und die deutsche Bemberg-Gesell- schaft, die mit Glanzstoff zusammenarbeitet, in Amerika und Italien. Jetzt geht die Bemberg-Gesellschast dazu über, auch in England mit einem Auswand von 39 bis 49 Millionen Mark eine groß« Kunst- seidensabrtk zur Verwertung des Kupfer-Ammoniak-Verfahrens zu errichten, die zunächst täglich etwa 8999 Kilogramm Kunstseide erzeugen soll. Mit der Kopitalverschleuderung durch die Schutzzollpolitik ist es aber noch nicht getan'. Da der Schutz für die betreffenden inländi- schen Industrien durch ausländische Gründungen innerhalb des ge- schützten Gebietes hinfällig wird, weil die neugegründeten Fabriken wie Außensetter wirken, wird de, Schutzzoll zum Schntttnacher der internationalen Kartellierung und— zum Zwecke der Kartellierung— auch zum Schrittmacher der internationalen Kapital- und Finanzoerflechtung der gesamten Kunstseidenindustri«. Die Koste» für diese oerrückte» Produktionsumwege zahlen natürlich die Völker, soweit sie Derbraucher sind, das heißt dieselben Massen, die die Schutzzollgesetze beschließen. Wohl selten liegt der Unfug der Schutzzölle so klar zutage wie bei diesem Beispiel aus der Kunst» seidenindustrie. Kohlenpreiserhöhung für Oberschlefien. Ungerechtfertigte Preisanträge für Braunkohlenbriketts. Der Reichskohlen rat hat in semer Sitzung am Freitag dem An trag des oberschlesischen Steinkohlensyndikats auf Erhöhung der oberschlefischen Kohlenpreis« zugesttinmt. Der Preis wird danach um eine Mark je Tonne im Durchschnitt aller Sorten ab 1. Juli erhöht. Zur ebenfalls beantragten Erhöhung der Brikettpreise für das ostelbische Braunkohlensyndikat scheint demnach noch keine Entschei- dung gefallen zu sein. Die Erhöhung derBraunkohlenpreise wäre absolut unverständlich. Di« Brounkohlensyndikate tun so, als ob das Schmalenbach-Gutachten über die Berhältniss« der Draunkohlenindustrie überhaupt nicht existieren würde. Dieses Gutachten Hai bekanntlich sehr beträchtlich« Ersparnismöglichkeiten und Fehiorganisationen aufgedeckt, deren Ausnutzung bzw. Beseitt- gung für die im Vorjahr eingetreten« Lohnerhöhung mehr als die volle Deckung bringen. Dazu hatte die Braunkohlenindustri« bis zuletzt Hochkonjunkttir und gute Gewinn«, ihre Lage tonn an- gesichts der steigenden Verwendungsmöglichketten für Braunkohle mit der Lage der Steinkohlenindustrie absolut nicht verglichen werden. Erhöhung der Braunkohlenpreise abgelehnt. wie gemeldet wird, ist die Preiserhöhung für milteldeuksche und ostelbische Briketts durch die Ablehnung der Arbeit- nehmer- und Verbrauchervertreter und durch das Vetode»Reichswirtschast»mialster»in vollem Umfang zurückgewiesen worden. Diese Entscheidung wird der tatsächlichen tage nur gerecht. Gute Zeiten für Karlellproftte. Der Drahtseilverband nimmt eine generelle Preiserhöhung für Stahldrahtseile um 2 M., für Eisenseile um 1 M. je 199 Kilogramm vor. Die vereinigten Tapetenerzeugerverbände erhöhen ihre Preise um 3 bis 5 Proz. und beseitigen die den Händlern bisher gewährten Wett- bewerbsrabatte. Das Kartell der Doublekettenfabri- kanten hat die Grundpreise um durchschnittlich S Proz. erhöht.— Diese Preissteigerungen von Kartellen werden an einem Tage von einem einzigen Korrespondenzbureau gemeldet. Niedriger hängen! Wie gegen den Kleinwohnungsbau gehetzt wird. Die„Deutsche Bergwerks- Zeitung* regt sich darüber auf, daß die Landesversicherungsanstait Berlm im Jahre 1927 rund 13% Millionen Mark für Bauzwecke hergegeben und dadurch die Schaffung von fast 2899 Kleinwohnungen in Berlin gefördert hat. Die Landesversicherungsanstait Berlin hat nach der„Bergwerks- Zeitung* ihr vorgehen damit begründet, daß die Träger der Sozial» Versicherung zur Verringerung der Krankheitsursachen an der Schaffung neuer einwandfreier Wohnungen besonders interessiert seien. Ein« Begründung, über die sich jeder Bolkswirt freuen muß. Obwohl mm die„Bergwerks-Zeitung* weiß, daß es sich um Zwischenkredite handelt, die nach ihrer Fundierung durch Hypotheken wieder zurückfließen, und obwohl die Landesversicherungsanstalt Berlin selbst die spätere Verwendung dieser Gelder zur Renten- zahlung und zur Ausrechterhaltung der Heilverfahren als bereits festgelegt erklärt, spricht die„Deutsche Bergwerks-Zeitung* von Ueberschüssen der Sozialversicherung, die man besser zur Sen- kung der übermäßig hohen Beiträge verwenden sollte. Sie bringt e» fertig, zu behaupten, daß man ebensogut, weil das auch Krankheiten vorbeuge, Nahrungsmittel, Kleidung, Möbel mit den Geldern der Versicherungsanstalten beschaffen könnte. Der hetzerische Schwindel, der hinter dieser Argumentation steckt, 4iegt auf der Hand. Erstens handelt es sich um Zwischen- kredite, die an die Versicherungsanstalten wieder zurückfließen, und um kein« Anlage von Ueberschüssen. Zweitens ist dem Privatkapital der Kleinwohnungsbau zu risikovoll und die Verwendung vorüber- gehend verfügbarer Mittel der Versicherungsanstalten zum Klein- Wohnungsbau ist die denkbar produktivst« und zugleich gebotene Verwendung. Drittens sind Bauzwischenkredit« mit Ausgaben für Nahrungsmittel, Kleidung und Möbel schlechthin nicht zu vergleichen. Das alles weiß die„Bergwerks-Zeitung* aber selbst. Dennoch aber hetzt sie. Niedriger hängen!_ 5200 Millionen für Wohnungsbau. Aufwendungen im Jahre i922. Aus einer Untersuchung des Reichsarbeitsministeriums und des Institutes für Konjunkturforschung werden interessante Ziffern über die Summen bekannt, die im deutschen Wohnungsbau ins- gesamt während der beiden Jahre 1927 und 1928 angelegt worden sind. Dabei ist von ganz besonderem Interesse die Erkenntnis, wie außerordentlich groß der Anteil öffentlicher Mittel und öffentlicher Bonken an diesen Summen ist und wie auffallend gering der Beitrag privatkapitalistischer Banken ist, wo- durch der gemeinwirtschastliche Charakter des heu- tigen Wohnungsbaues in besonders draftsscher Weise unter- strichen wird. Insgesamt wurde nach den Schätzungen der beiden amtlichen Stellen im Jahre 1927 im Wohnungsbau die große Summe von 3 299 Millionen Mark investiert gegenüber 2499 Millionen im �ahre ,1928. Ret ch, L ättbe r u S« m« i n d.«'» haben davon allein'Mit 1599 fun Borsahr 1489) Millionen fast tne Hälfte bzw. mehr als die Hälfte zur Verfügung gestellt. Davon stammen aus der H a u i n s st e u e r 859 bzw. 743 Millionen, aus öffent- lichen Anleihen und Darlehen 425 bzw. 419 Millionen und direkt aus dem öffentlichen Haushalt 129 bzw. 135 Millionen. Weitere sehr große Beträge sind von össentlichen Banken bzw. Spar- k a s s e n zur Derfügung gestellt worden, und zwar von öffentlich- rechtlichen Kreditanstalten 279 bzw. 289 Millionen, von den Spar. lassen 699 Millionen, von der Reichsversicherungsanstalt für Ange- stellte 74,4 bzw. 33,8 Millionen und von den Landesversicherungs- anstalten 39,2 bzw. 19,9 Millionen. Außerdem haben Reichspost und Reichsbahngesellschaft ziffernmäßig noch nicht festgestellt« Summen investtert, die im Jahre 1925 aber etwa 55,6 Millionen Biark betragen haben. Auf der anderen Seite sind von den privaten Hypo- t he k e n- A kt i e n da n k en nur 219 gegen 199 Millio- nen im Jahre 1928 beschafft worden, so daß aus die Hypo- cheken-Aktienbanken im Jahr« 1927 nur etwa 8 Proz. und im Jahre 1928 nur etwa 4 Proz. der insgesamt aufgewandten Summen ent- fallen. Loucheur baui 260000 Wohnungen. Der französische Großindustrielle und jetzige Arbeitsminister hat ein 11%-Milliarden-Franken-Programm(fast 2 Milliarden Mark) für den französischen Wohnungsbau sertig- gestellt. In 8 Jahren sollen mit 7 Milliarden Franken 299 999 Kleinwohnungen und mtt 4,25 Milliarden Franken 89 999 mitt- lere Wohnungen durch die Initiative des Staates errichtet werden. Das französisch« Programm gibt der französischen Industrie für 8 Jahre eine starke Belebung, das dürste das Ziel des In- d u st r i e l l e n Loucheur sein, und es verringert zugleich die Woh- nungsnachfrage, was der A r b e i t s m i n i st e r Loucheur will, um Nachfrage und Angebot auf dem Wohnungsmartt wieder zum Ausgleich zu bringen. Di« Finanzierung erfolgt durch einen besonderen Finanzplan, an dessen Aussührung der Staat, die Departements, die Gemeinden � und die gemeinnützigen Baugesellschasten beteiligt sind. verdoppelte Ausfuhr in Kraftfahrzeugen. Der deutsche Außen- Handel in Kraftfahrzeugen hat sich in den e r st e n vier Mo- naten dieses Jahres günstig entwickell. So hat sich die Ausfuhr von Personenwagen mit 1334 Stück gegenüber der Vergleichszeit 1927 mehr als verdoppelt. Interessant ist, daß bei einem Vergleich mit den eingeführten Wagen in Höhe von 1589 Stück der Durchschnittspreis der deutschen Wagen im Ausland mit 5789 Mark einem Durchschnittswert der einge- führten ausländischen Wagen von 3299 bis 4599 Mark gegenüber steht. Während also das Ausland die höheren Qualitäten der beut- schen Wagen bevorzugt, besteht umgekehrt im Inlands eine starke Nachfrage nach billigen Wagen. Noch stärker ist die Aus- fuhr von Lastfahrzeugen gestiegen, die sich von Januar bis April mtt«99 Stück gegenüber der Vergleichszett des Vorjahres f o st v e r d r e i f a ch t hat. Die stärksten Abnehmer deutscher Kraftsahr- zeug« find die Niedertand«. Danzig und Deutsch-Oesterreich. Ford kurbelt seine Berliner Betrieb« wieder an. Montage de» neuen Modell». Di« k'orä dtotor Company, die ihre Montagewertslätten wegen Uinstellungsarbeiten längere Zeit still» gelegt hatte, wird ihren Betrieb am 9. Juli wieder aufnehmen. Die Teil- und Zubehörlieierungen für den neuen Fordwagen sind bereits im Gange. Allerding» wird die Tagesproduktion der Man- tagearbeiten zunächst auf 29 Wagen pro Tag beschränkt bleiben. Wie wir hören, besteht bei der Firma ein großer Bedarf an Facharbeitern. Für die Herbstjugendweihen merben schon jetzt die Aufnahmen in folgenden Anmeldestellen unter Zahlung der Einschreibegebühr von 50 Bf. entgegengenommen( die Einladungen zum Beginn der Lebenstundevorbereitung gehen nach den großen Ferien schriftlich hinaus): Berlin: Großes Schauspielhaus: Jugendfetretariat, 6 63, Lindenstr. 3. 2. Sof, 2 Treppen, Zimmer 11, geöffnet von 9 bis 17 Uhr, Mittmochs und Freitags, non 9 bis 19 Uhr. G. Joseph, N 21, Wilhelmshavener Straße 48( Borwärts- Speb.), P. Kroll, N 65, Utrechter Str. 21( Reſtaurant), A. Hönish, N 65, Müller. Ede Utrechter Straße( Borwärts- Speb.), W. Hoffmann, R 58, 2nchener Str. 8( Restaurant), C. Lehmann, N 54, Aderftr. 174 ( Borwärts- Sped.), B. Dobrohlam, R 37, Swinemünder Str. 11( Restaurant), 8. Andersson, 9 31, Stralfunder Str. 19, E. Gerth, R 113, Greifenhagener Straße 22( Borwärts- Sped.), S. Fischer, N 20, Bastianftt. 7( Borwärts- Speb.). P. Dölz, NO 55, Immanuelfirdystr. 24( Borwärts- Sped.), B. Güde, NO 18, Landsberger Allee 45 1, M. Bartmann, D 34, Rönigsberger Str. 37( Photogefchäft), R. Melle, D 34, Petersburger Plag 4( Bormärts- Sped.), 2. Bitt fus, 34, Betersburger Str. 5( Restaurant), F. Arndt, D 27, Martusftr. 36 ( Bormärts- Sped.), F. Bette, 60 36, Glogauer Str. 30, vorn IV, B. Böhm, GD 36, Laufiger Blas 14/15( Borwärts- Sped.), B. Lier, ED 26, Raunnnstr. 9 ( Restaurant), Bormärts- Sped., 6 61, Baerwaldstr. 47( a. d. Gneisenaustraße), B. Gallas, Baumschulen meg, Schraderstr. 16, vorn 3 Tr., E. Medel hurg, reptom, Graesstraße 50( Borwärtsspebition), Frau Klamitter, Schöneberg, Apostel- Baulus- Str. 7, R. Petrie, Schöneberg, Ebersftr. 70, Rathmann, Schöneberg, Belziger Str. 27( Borwärts- Sped.), G. Schaubt, Stiebenau, Bachestr. 9, Frau Ungerer, Wilmersdorf, Sanauer Straße 43( Gieblung), R. Schönwetter, Lighterfelbe.Best, Händel plag 5, F. Samburg, Steglis, Schloßftr. 103, B. Stubig, Steglig, Ringftraße 7, Gartenh. III, G. Felgentreu,& antwig, Charlottenstr. 34. Charlottenburg: Schiller- Theater: Borwärts.Spedition, Charlottenburg, Sefenheimer Str. 1, part., Frau Joachim, Charlottenburg, Raiserdamm 95, Eingang, Rognigstraße, von 14-18 Uhr( Borwärts- Spedition), Schulz, Char Tattenburg, Dronfenftr. 12, 1. Gartenhaus III, Buseniat, Charlottenburg, Augs. burger Str. 47, part.,. Schmidt, Charlottenburg, Rosinenftr. 4( Laden), Deutscher Berkehrsbund, Charlottenburg, Bayreuther Str. 31. Bankow: yzeum: Ronfumverlaufstellen in Bankow, Bollant traße 102, Berliner Str. 47, Breite Str. 16, Riffingenstraße, und bei Scharfftebt, Bantom- Glib, Spietermannftr. 30, Ronfumverkaufs. Rellen Rieberschönhausen, Raiser- Wilhelm- Str. 79 und Raifermeg 60. in Rövenid: 23. September, 10 Uhr, Rörnerschule. Lehrer Erich Müller, RaiserWilhelm- Str. 93, Emil Schubert, Flemmingstr. 19, Mar Toltsdorf, Glie nider Str. 3c, Bugle, Barrifiusstr. 25, Birris, Rieger Str. 6( Bigarren gefchäft). Ripenid Rorb, Uhlenhorst und Dammfeld: Friedr. Schulze, Unter ben Birten 34, Bruno Rettner, Mahlsdorfer Str. 67.& öpenid Elfengrund: Ermin Mante, Dahlmiger Blak 3. Grünau und Schmödwin: Grana Klein, Grilnau, Friedrichstr. 17. Friebris hagen, Wilhelmshagen und Rahnsborf: Seine. Stafchte, Friedrichshagen, Kirchstr. 25, Friedr. Krail, Rahnsdorf, Forststr. 9. Karten für die Ausstellung Die Ernährung zum verbilligfen Breise Don 1 M.( statt 1,50 M.) find in allen Gewerkschaftsbureaus sowie im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( GemertIchaftshaus) zu haben. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Ginfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfekretariat Berlin S 68, Lindenstraße 3 Sanbballspieler für Dortmund: Heute, Sonnabend, Spielen. Treffpunkt 19 Uhr Eingang Lichtenberger Stadion. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Bezirksvorstandssigung Montag, 2. Juli, pünktlich 18% Uhr im Gaal 5 des Preußischen Landtages. Heute, Sonnabend, 30. Juni: Rentölln VI: Zusammenkunft der Ferienfahrtteilnehmer und Funktionär igung pünktlich 19 Uhr Sonnenallee Ede Sportplag. Faltplag II: Fahrt nach Tiefensee. Treffpunkt 19% Uhr Bahnhof Schönhauser Alce. Neukölln V: Fahrt: Uedersee. Abfahrt 18 Uhr Untergrundbahnhof Bergstraße. Untosten 2 M. Werbebezirk Mitte: Borständekonferenz 19% Uhr im beim Landsberger Straße 50. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht, da wichtige Tagesordnung. Berbebezirk Prenzlauer Berg: Werbebezirksvorstandsligung 19½ Uhr im Seim Danziger Str. 62, Barade 7. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Borsigenden und Jugendbeiräte dringend erforderlich. Berbebezirk Reinidendorf: Treffpunkt zum Wochenendturfus pintilich 20 Uhr an der Endhaltestelle der 27 in Tegel. Genossen, beteiligt euch alle an dieser Beranstaltung. Funkwinkel. Redakteur Vollber führte die Funkhörer in seinem Vortrag in das anmutige Löckniztal, das besonders für Wochenendler manchen schönen Platz bietet. Entdeckt zu werden braucht es freilich nicht mehr. Die Berliner fennen es gut und die Gastwirte im Lödniztal wissen das und haben ihre Preise darauf eingestellt. Der Vortragende mies auf die Schönheiten von Saarom- Biestow hin. Niemand, der diesen idyllischen Kurort fennt, wird widersprechen, aber jeder, der einmal hier draußen war, weiß auch, daß nur mit sehr wohlgefülltem Beutel ein angenehmer Aufenthalt an diesem Ort möglich ist. Am Nachmittag wurde aus dem Ostseebad Ahlbed die Kurmusit technisch nicht sehr gut übertragen. Die Dar bietungen wirften wie aus den ersten Anfängen des Rundfunks. Wozu sollen diese überflüssigen Veranstaltungen überhaupt gut sein, da die Kurmusik wohl in feinem Bad irgend etwas über dem Durch schnitt Liegendes bietet? Der Abend entschädigte durch eine Ueber tragung von„ Othello" aus der Staatsoper Unter den Linden. Tes. | Morgen, Sonntag, 1. Jufi: Reutin VI: Treptow: Mariendorf: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Spielen in der Rönigsheide. Treffpunkt 14 Uhr Zeitungsfiosk Herzbergplas. Brig: Spielen in der Rönigsheide. Treffpunkt 15 Uhr Buschfrug. Sonnenmende der Partei. Treffen 17 Uhr Bildenbruchbrüde zur Dampfer fahrt. Fahrpreis 60 Pf. Lichtenberg- Norb: Elternfahrt nach Strausberg. Treffpunkt 74 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Sport. Rennen zu Grunewald am Freitag, dem 29. Juni 1. Parfifal( b. Reibniz), 2. Franzia( b. Bassewik), Toto: 14:10. Plak: 14, 23: 10. Ferner liej: 1. Rennen. 3. Moros( Schniker). Irminsul 2. Rennett. 1. Leander( Dftermann), 2. Heiliger Narr( Jaekel), 3. Eichlaße( Störmer). Toto: 87:10. Blab: 23, 20, 35:10. Ferner liejen: Logarithmus, Basto, Frühlingsbote, Graphit, Lufrezia. 3. Rennen. 1. Trumpf Rönig( Hauser), 2. Mansbach( Wolff), Ferner 3. Chriftinchen( Bismark). Toto: 62: 10. Play: 14, 14, 15: 10. liefen: Mohrenglüd, Helios, Gunthrada, Die Treue, Türfin. 4. Rennen. 1. Grenadier( Grabsch), 2. Mont Dore( Williams), 3. Maurus( D. Schmidt). Toto: 12:10. Plat: 12, 21: 10. Ferner liefen: Hella X, Lust und Leid. 5. Rennen. 1. Taunus( Bismart), 2. Marchesa( Franzle), 3. Das Lieb( Thiel). Zoto: 29:10. Blaz: 18, 53: 10. Ferner liefen: Erlkönig II, Prospero, Rivalin. 6. Rennen 1. Die Linde.( Derschug), 2. Rubilo( Bismart), 3. Wint ( Franzle). Toto: 63: 10. Plak: 13, 11, 12: 10. Ferner liefen: Drmuzd, Heimatländer, Ledon, Siegberte, Rosenherzog. 7. Rennen. 1. Türtenbund( Kaiser), 2. Beluga( Grabsch), 3. Rotett stein( D. Schmidt).% oto: 46:10. Blag: 27, 19, 20: 10. Ferner liefen: Hans Thoma, Adaminus, Sonnenlicht, Hochalp, Slimbim, Markolf, Ariane, Mohrenpuppe, Zagora. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.) Zuerst noch ziemlich beiter, troden und warm, später ewitterregen und etwas fühler. Für Deutschland: Bestostwärts forts schreitende Abkühlung mit Gewitterregen, danach wieder Aufheiterung. Sparsamkeit ist die Losung! Berantwortungsvolle denten bei Neuanschaffung hochwertiger Waren daran, das Beste zu laufen. Das Beste au nie geahnt billigen Breifen bietet das belannte Spezialhaus, die Firma Teppich- Bursch. Berlin C, Spandauer Str. 32, im Gaisonausverkauf, der am 2. Juli, vormittags 9 Uhr, beginnt. Bon allen Uebertreibungen frei, gibt das Inferat der Firma Teppich- Bursch in der morgigen Nummer diefer Beitung ein Bild ihrer Leistungsfähigkeit. Der Dienst am Runden und die Erkenntnis zur Dankbarkeit für langjährig bewiesene Treue zur Firma ist die Beranlassung zu diesen außer gewöhnlichen Anstrengungen, die wohl nicht überboten werben tönnen. Seppiche, Gardinen, Möbelstoffe Bertrauenssache! Saisonausverkauf bei der Firma Teppich- Bursch bas größte Ereignis des Jahres! Parteinachrichten Sinfendungen für diese Stubrik finb Berlin 8 68, Bisbeuftraße 2. für Groß- Berlin ftets an bas Bezirtsjefretariat 2. Bof. 2 Trep. rechts, zu richten. Erweiterter Bezirksvorstand. Sigung heute, am Sonnabend, 30. Juni, pünktlich 18 Uhr, im Konferenzzimmer der ,, Vorwärts" Redaktion, Lindenstraße 3, 4. Sof, 4 Treppen. 2. Rreis Ziergarten. Montag, 2. Juli, 20 Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei Trümper, Flensburger Str. 3. Achtung! Gigung ber Geschäftsleitung bereits um 19 Uhr im gleichen Lolal. 7. Areis Charlottenburg unb Spandan. Juristische Sprechstunde heute, Gonn abenb, 17-18 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Airchen. austritt. 19. Kreis Bantow. Rontag, 2. Juli, 19 Uhr, Gigung bes erweiterten KreisBorstenbes und ber Frattion im großen Gigungsjaal des Rathauses Bankow. Erscheinen müffen alle Abteilungsvorstände und bie Fraktionsmitglieder. Heute, Sonnabend, 30. Juni: 6. Abt. Bis Sonntag, 1. Sult, müssen bestimmt alle Beitragsmarten, und Liften beim Raffierer Dobrohlam, Eminemünder Str. 11, abgerechnet werben. 21. bt. Achtung, Funktionäre! les Material megen Quartalschluß beim Genoffen Arol, Utrechter Str. 21, abrechnen, 101. Abt. Treptow. Dampferfahrt zur Sonnenwenbe in ben Gofener Bergen. Abfahrt 18 Uhr von ber Bilbenbruchbrüde. Teilnehmertarten für Erwachsene 1 M., Jugendliche 60 Bf. Um zahlreiche Beteiligung wirb gebeten. Da nur eine beschränkte Teilnehmerzahl in Frage kommt, finb bie Ratten möglichst im Vorverkauf zu lösen. 7. bt. Boranzeige. Sonntag, 8. Juli, Familienausflug nach Schulzenborf. Treffpunkt 9 Uhr früh Stettiner Bahnhof. Bir bitten um rege Beteiligung. Was sagt der Bär? KON LINON Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Selfer, die mit zunt Uebersee zum Arbeitsdienst fahren, treffen fich heute, Sonnabend, 15% Uhr, vor dem Stettiner Fernbahnhof. Fahrtleiter: Willi Heinrich. Wegen Fahrpreisermäßigung bitte pünktlich zu sein. Sug fährt 16 Uhr. Streis Kreuzberg. Montag, 2. Juli, 20 Uhr, Rreisheifersihung Jugendheim Dordstr. 11. Geburtstage, Jubiläen usw. 69. Abt. Wilmersdorf. Heute, Sonnabend, 30. Juni, feiert unser Genosse Alfre b Fris, Sigmaringer Str. 30, seinen 60. Geburtstag. Ein lang. jähriges Mitglieb ber Bartei, bas ftets feine Pflicht getan hat und auch jent als Raffierer ber 69. Abt. teine Arbeit schent und ben jungen Mitgliebern als lendytendes Borbild bienen lann. Bir gratulieren ihm herzlichst. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 19. bt. Unfer langjähriger Genoffe Wilhelm Stein ist am Freitag, 22. Juni, verstorben. Chre seinem Andenken. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Borträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Sonnabenb, 30. Juni. Lichtenberg: Jungkameradschaft Ausmarsch nach Pferdebucht. Treffen 18% Uhr an der Kirche Friedrichsfelde. Heftere Kameraden tönnen sich beteiligen. Das Tambourkorps ist vollzählig zur Stelle. Sportplag Friebrichsfelbe: Arbeitsdienst aur Bewältigung der legten Umänderungsarbeiten. Schöneweibe- Johannisthal: 20 Uhr Mitgliederverfamm lung bei Schöps, Grünauer Straße. Gruppenführer 18% Uhr. Sonntag, 1. Juli. Sandballspiele: 9% Uhr Friedrichshain II gegen Charlottenburg II; 10% Uhr Friedrichshain I gegen Charlottenburg I auf dem Sportplaz Weißen fee, Stadion Fauler See. Waffersportabteilung: Bug Faltboot 7 Uhr Treff önigsmusterhausen. Sportplag Friebrichsfelbe: Aufnahme der Uebungen auf ben umgeänderten Ständen van 9 Uhr bis Dunkelheit, Montag, 2. Juli. Charlottenburg: Ermeiterte Borstandssigung findet ausnahmsweise nicht Mon fag, fondern Di., h. 3., ftatt. Sichtenberg nebst kameradschaften: Wichtige Cigung der Bropagandatommiffion bei Berner, Wilhelmstr. 3. Tiergarten: Jungbanner Jugendtreffen Sonntag, b. 1., Antreten Bhf. Buttligstraße, 7 Uhr. Aleinfaliber- Schüzenverein Republit B.( Steglia Ortsverein). 9 1. Jult findet das erste Sommersportfeft, verbunden mit Brämienschießen, im Schügenhaus Lichterfelde von 14 Uhr ab statt. Alle Ortsvereine find famerab fchaftlichst eingeladen. Republikanische Rebnervereinigung. Montag 20 Uhr in Alten stanier", Anhaltstr. 11, Bortragsversammlung. Republitaner als Gäfte geen gefehen. Bereinigung ber Freunde von Religion und Bölferfrieben. Genoffe Bfarrer Bleier fpricht am tommenden Sonntag, 1. Juli, 18 Uhr, im Rahmen einer religiöfen Feierstunde in ber Trinitalistirche, Charlottenburg, Karl- Auguft Blas, über das Thema:„ Die Bharifäer von heute." Freireligiöse Gemeinde. Sonntag 11 Uhr Bappelallee 15, Bortrag bes Herrn A. Domben: Die Welt als Bille." Sarmonium: Aus Liberia"( Giordano). Esperanto- Gesellschaft Charlottenburg, Montag, 2. Juli, 20 Uhr, Restaurant Sur Sütte", Charlottenburg, Raiser- Friedrich- Str. 53. Ronversationsabend. Wichtige gefchäftliche Besprechungen. Rahlreiches Erscheinen erbeten. Arbeiter- Rabiobund. Drtsgr. Webbing: Sonnabend, 30. Juni, Ausflug nach Bernau. Abfahrt von Gesundbrunnen 18,39 Uhr. Für Nachzügler: Sonntag, 1. Suli. 7 Uhr. Auch Gäste willfommen. Ortsgr. Lichtenberg: Sonnabend, 30. Juni, Propagandafahrt mit Nacht- Empfangsversuchen nach Ahrensfelde. Abfahrt 19 Uhr vom Briegener Bahnsteig. Gäfte ebenfalls willkommen. Drtsgr. Kreuzberg: Jeden Conntag bei günstigem Better im Boltspart Neukölln Hebertragung bes Berliner Senders. Während der Baufen Grammophonmust, übertragen auf eigener Besprechungsanlage. Gäfte willfommen, www 205 JOSETTI JUNO Erholung für Körper und Geist ist dem Berliner das fröhliche Tummeln im Bade. Dann überläßt er sich behaglicher Ruhe und denkt: Nur Eine bietet mir Gleiches, Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigareffe. Sonnabend 30. 3utti 1925 Unterhaltung unö issen Beilage des Vorwärts Oer Mantel. Von"Rubi Eime. Franz Winter saß in seiner Mansarde und starrte auf die morschen Dielen. Seine Mundwinkel hingen schlaff nach unten. Manchmal spuckte er verächtlich vor stch hin. Er saß schon seit Stunden so und grübelte. Und immer wieder fragte er sich, ob es überhaupt noch zu etwas nutze fei, dies trostlose Dasein zu leben Zwei Jahre lief er ohne?lrbeit herum: trug sich mit einem ewig hungrigen Magen durch die Straßen. Anshilf-stellen—? Ein Dropsen auf den heißen Stein. Man bezahlte die drückendsten Schulden und stand wieder vor dem Nichts. So war es immer gewesen.— Und konnte dieses Vegetieren nicht noch Jahre dauern? Er erhob sich stöhnend und rückte den gebrechlichen Stuhl an den Tisch. Müden, schleppenden Schrittes lief er einige Male im Zimmer auf und ab: blieb dann vor dem eisernen Feldbett stehen und strich mit der Hand über dos Kopfkissen. Nur noch ein« Nacht durfte er hier schlafen. Die Wirtin hatte ihm gekündigt. Er dachte ohne Groll an die alte Frau, die selbst nicht wußte, wie sie sich mit der kleinen Rente durchs Leben schleppen sollte. Sie braucht« einen Mieter, der pünktlich bezahlte und nicht wie er wochenlang die Miete schuldig bleiben mußte. Nur noch eine Nacht.— Und dann—? Ein Nachtlager in der Herberge, im Asyl für Obdachlose oder in einer billigen Penne. Ekel schüttelte ihn. Der Hunger wühlte wieder in seinen Därmen... Franz erwog hin und her, wie er sich ein paar Mark Geld verschaffen könne. Dort stand der Kleiderschrank. Er war leer. Die Anzüge, die er besessen, hingen in Pfandhäusern und beim Trödler. Er hatte jedesmal seelisch« Schmerzen empfunden, wenn er gezwungen wurde, wieder«in Kleidungsstück zu veräußern. Es war ihm, als müsie er ein Stück von seinem Ich aufgeben. Jetzt besaß er nur das, was er auf seinem Leibe trug und— den Regenmantel. Ein praktisches Kleidungsstück: man konnte es zu jeder Jahreszeit tragen und was das wichtigste war— es verdeckt« den zerschlissenen Anzug. Sollte er den Mantel verkaufen?— Nein! Es ist leichter Arbeit zu finden, wenn man einigermaßen gut angezogen ist, sagt« er sich immer wieder, aber der knurrende Magen redet« eine schärfer« Sprache. Mit einer jähen Bewegung griff er den Mantel vom Nagel und schickte stch an, zum Trödler zu gehen. Als er die Treppen hinunter stieg, brummte er:„Ich tue es ja nur, um mich eimnal satt zu essen..." Ein Zittern klang aus diesen Worten. Ein Ton wie von brechenden Aesten... Tage später...— Franz war obdachlos. Di« letzten Groschen legt« er für eine warme Suppe in der Volksküche auf den Tisch. Seit dem Rachmittag regnete es... Als der Abend kam, goß es in Strömen... Den Rockkragen hochgestellt, die Hönde in den Taschen vergraben, schritt er durch die Straßen... Was ihn um- gab, erschien ihm häßlich: der Asphalt war schmutzig, die Schau- senster aufdringlich erleuchtet, die Menschen rücksichtslos.— In seinem Herzen brannte ein grenzenloses Weh.— Verlassenheit. Mitternacht!—- Seit Stunden irrte Franz in den Anlagen umher. Der Regen preßte sich an seinen Körper... Wie nasse Tücher klebte der Anzug an ihm... Immer dacht« er an seinen Mantel!— Er hätte doch lieber hungern und ihn nicht verkaufen sollen... Wütend über sich selbst stieß er einen Fluch durch die Zähne. Vergeblich suchte er in seinen Taschen nach einigen Krümeln Tabak... Er war in einer verzweifelten Stimmung und die Nacht schien ihm endlos. Wie ihm der Regen ins Genick rann! Er hatte keinen trockenen Faden mehr am Leibe... Ihn fröstelte!— Plötzlich schoß es ihm durch den Kopf:„Du mußt dir den Mantel wieder beschofien!— Ganz gleich, auf welch« Art!— Du brauchst den Mantel..." Diese Stimmen ließen chn nicht mehr los. Sie zwangen zum Nachdenken. Auf einmal erhellt« sich fein schmales, ernstes Gesicht und longsam, jedes Wort betonend, sagte er;„Ich hole mir den Mantel wieder.. Er fühlte sich froher bei diesem Gedanken. Unwillkürlich schritt«r rascher au». Sein Tritt wurde fester... Irgendwo schlug eine Uhr die dritte Stunde... Einhalbvier Uhr konnte man in den Wartesaal des Bahnhofs gehen und sich aufwärmen. Franz spitzte die Lippen und begann ein Lied zu pfeifen. Später.— Di« Frühzüge fuhren fauchend in die Bahnhofshalle und durch die breiten Tore ergoß sich die Woge der Arbeiter, die in der großen Stadt Arbeit und Brot fanden. Auch Franz, der einige Stünden in der Ecke des Wartesaals auf einer Bank geschlafen hatte, schritt wieder aus der Hauptstraße dem Zentrum zu. Er be- neidet« die vielen Proletarier, die jetzt von zu Hause kamen, in warmen Betten geschlafen hatten und nun an ihre Arbeitsstötten gingen. Wie gerne hätte auch er gearbeitet... Sein« Miene war unbewegt. Er pflegte diese äußere Starrheit immer zur Schau zu lragen, wenn er innerlich beschäftigt war. Erst als«r vor einem Schaufenster stehenblieb, veränderten sich sein« Züge. Er erschrak, o�s er sich in der Spiegelscheibe sah. Ei» Mensch mit einem mageren, unrasierten Gesicht blickte ihm cnigegcn. Er sah übcrnächtigt aus. Die Augen lagen tief in den 5)öhlen und waren gerötet. Scham überkam ihn... Was hott« es genützt, daß er den Anzug immer so unendlich sorgfältig behandelte, jeden Fleck mit Benzin entfernte, jede schadhatte Stelle von der Wirtin behutsam fückei, ließ?— Er blieb trotzdem verschlissen. Die durchgescheuerten Knie waren ohne den Mantel nicht zu verdecken... Er wandte ssch verdrossen ab und ging weiter. Franz verstand jetzt den Portier, der ihn gestern vom Fabrikhof jagte. Der herabgekommene Kerl, den er eben im Spiegel gesehen hatte, wurde von keinem Arbeitgeber eingestellt. Schaute er nicht crus wie ein Landstreicher, wie ein Pennbruder? Er mußte sich unbe- dingt den Mantel wieder holen, der den oerregneten und verdreckten Anzug wenigstens etwas oerbarg. Unter solchen Betrachtungen war rr bereit» in die Gasse eingebogen, in der der Trödler wohnte. Doch je näher er dem Ziel« kam, desto mehr wurde ihm die Zweckloflgkctt feines Vorhabens bewußt. Der Trödler würde bestimmt seine Bitte oerlochcn. Den Mantel zurückgeben, ohne Geld?... Das tut kein Geschäftsmann.... Und wenn er hundertmal beteuern würde:„Ich bring« Ihnen die Summe, wenn ich wieder Arbeit habe...* Fruchtloses Beginnen Es blieb nur der andere Weg... Mit klopfendem Herzen und freudeüberglänztem Gesicht stand er an dem kleinen Laden. Sein Regenmantel hing vor der Tür.... An einem Mantelknopf ein Zettel... Er las den Preis und ballt« vor Erregung die Fäuste, daß er die Nägel im Fleisch spürte. Der Trödler oerlangt« dos Doppette der Summe, die er ihm gegeben hatte. Franz trat rasch in den Torbogen des gegenüberliegenden Haufe« und wußte, daß nun, in Sekunden, sich vieles entscheiden müsse. In ihm wuchs der Mut, den die Verzweiflung gibt. Oer Marktplatz des Trajan. Ein römisches Eiagen- Kaufhaus freigelegt. Seit Iahren beschäftigt sich der italienische Archäologe Senator Corrado Ricci mit Ausgrabungen an der Trajans-Sänle. Diese Säule ist eins der berühmtesten Denkmäler aus der Kaiserzeit; sie verherrlicht in ihren Reliefs die Eroberung der neuen Provinz Dacien durch den„guten Kaiser" Trajan bis Il7 n. Ehr. Alleinherrscher). Man sti«b in der Nähe der Sänlc auf den Markt- platz des Augustus(Forum Augusti) und den T«mpel des rächenden Kriegsgottes, des Mars Ultor. Danach herrschte eine lange Zeit Schweigen und beträchtliches Dunkel über die dortigen Ausgrobuu- gen. Nun die Bretterwände gefallen sind, enthüllen sich der staunen- den Mitwell Ueberraschungen von eigenartigem Reiz, Ueberraschun- gen, die da» stolze Rom anscheinend immer wieder in Vorrat hat. Das, was uns Senator Ricci zu zeigen oermag, sind nicht etwa Torsi, Fragmente, Bruchstücke allrömischen Lebens, find nicht be- liebige Funldamentreste belangloser Gebäude, auch nicht vermodette «rdüberkrustetc Ruinen eines Erdgeschosses, sondern ein herrliches Bauwerk von drei Stockwerken, mit prochwollen Treppenaufgängen. vielen Räumen mit gewölbten Decken, in Wahrheit eins der impo- santesten„profanen" Bauwerke aus der Zeit der Antike. Wir hoben es hier nicht allein mit einem Kunstwerk ersten Ranges zu tun, sondern auch mit einer höchst wichtigen Entdeckung, die manche brennende Fragestellung mit Licht überflutet. Rombesucher sind vertraut mit dem Platz des Trajans-Forums, der sich neben dem Eapitol befindet und wo sich eine vierfache Reihe grauer Granitsäulen erhebt, unter denen als größte die Trojans- Säule zu nennen sst. Um das ganze herum standen unbedeutende kleine Hänser, in denen sich das Leben des hauptstädtischen Proletariats abspielt. Zwei moderne Kirchen fehlen nicht. Die Säulen- gruppen wurden bisher immer zu Unrech! als Forum(Marktplatz) des Trajan bezeichnet, in Wirklichkeit aber sind sie Uebcrreste einer älteren Basilika. In der Mitte des Forums wölbt« sich ein dem Kaiser errichteter Triumphbogen, davor reckt die schon erwähnte Monumentalsäule des Trajan ihren Zeigefinger gen Himmel. Das Rätselraten begann mit der Inschrift auf dieser Säule, de- sagte diese doch, daß die Säulenböhe mit der Höhe eines abge- tragenen Hügels übereinstimme. Da aber der verstorbene Archäo. löge Giagomo Boni an der Basis der Säule eine vorkaiserliche, republikanfiche Straße sowie ebensolche Abzugsknnäle entdeckt halle, konnte es nnt der Inschrift nicht sein« Richtigkeit haben. Da ein« gepflasterte Straß« vor Trajan? Zeit existiert«, konnte schwerlich «in Hüget abgetragen worden sein. Nun standen die Ausgräber vor einem zweiten Problem.� Im Hof eines Bäckerladens fand sich«in Halbkreis aus römischem Stein. Man schloß mit Recht aus der Aufmachung, daß es sich um einen Bestandteil des Koisergebäudes, das„Senat und Volk" von Rom (die übliche Formel) dem Dazieneroberer errichtet hatten, handle. Nachdem aber erst einmal 8000 Waggons Geröll und Schutt weg- geräumt und die scheußlichen Baracken der Magnanopolistroße ge- fallen waren, wurden die Vermutungen zur Gewißheit. Nun end- lich erwies sich, daß die mis dem Boden hevausraaenden Mauerreste nickst« mehr mll der Basilika zu tun hatten, wohl aber mit einem dreistöckigen Gebäude, das, auf fast roundervolle Weife erhalten, nichts anderes als den Markt, das Forum des Trajan. darstellt. In der Tat:«in Bauwerk, wie es in dieser architektonischen Ec- ichlossenheit'sast einzigartig dasteht. Die Marmorpslasterung des großen Platzes, hauptsächlich in Gelb und Purpur, mit geometrischen Figuren, liegt vor unseren Augen. Der Markt hat ein« Front von mehreren Metern. Das dreistöckige Marktgebäudo weist in jeder der drei Etagen Verkauss- lüden auf. In den nach der Straß« zu gelegenen Verkaufsstellen erblicken wir noch dos schworzweiße Mosaik der Bodenbekleidimg, ferner Stuckverzierungen und einfache, eingebrannte Bilddarstellungen. Jeder einzelne Laden bietet durch Löcher, die in den Stein gebohrt sind, die Möglichkeit, zum Verschluß große Holzbretter anzu- bringen, etwa wie wir heuzutage die Rolläden herunterzulassen pflegen. Im Erdgeschoß sind zwölf solcher Läden, ein vollkommen er- holienes Treppenhaus führt aufwärts zum ersten Stock. Dort haben wir«inen breiten. Korridor, den große Fenster erhellen. Die größten und bestgehenden Läden liegen in diesem Stockwerk: der Verkauf fand den ganzen Tag über statt. Kam die Nachtzeft heran,, dann schlössen die Kaufleutc ihre Ware in einem Gelaß hinter den cigeni- lichen Räumen ein, ohne Einbruch und Diebstahl befürchten zu. müssen, denn eine Sonderpolizei versah den Wachdienst während der dunklen Stunden. Außerdem haben wir einen zwar primitiven, wohl aber den Bedürfnissen Rechnung tragenden Kühlraum, wo u. a. Fisch und Gemüse ständig gewaschen werden kannten. Ein Abzugskanal führt« Rest« aller Slirt in die„Eloaca Maxima" und von dort in den Tiber. Ein« weitere Treppe führte zum zweite» Stock. Auch hier wie- der dasselbe Bild, nur sehen wir, daß die kauflusttge Menge von hier aus direkt auf den Ouirinalhügel gelangen konnte. Wir haben es also nicht nur mit einem Etagenkaufhau» zu tun. vielmehr könnte »na» auch die Bezeichnung„Passagekaushaus" dafür wählen. Hier liegt auch die Lösung des Inschristönrätseks. Nun erklärt sich uns auch, von welchem Hügel man einen Teil abtrug. Es handelt sich zweifellos um einen Teil de» Qulrinal. Noch imnier sind wir nicht zu Ende mit unserer Beschreibung. Zu einem solchen„Werthenn" des alten Rom gehört auch ein« Börse, in der die Geld- und Geschäftsleute ihren Handel abschließen konnten, in der Käufer und Verkäufer miteinander Fühlung suchten. So finden wir denn als Abschluß, als Bekrönung des Monumental- bau» ein« 15 Meter hohe Holle mit gewölbter Decke, in. der man beim Bettachten noch das Hin und Her des Geschäftsbetriebes, das Feilschen und die teils lauten, teils leisen Stimmen der Anbietenden und der Kunden zu vernehmen meint. Auch diese Riesenhalle, dieser Dörsensaal, ist vollkommen intakt auf uns gekommen. Noch ist nicht alles resttos ausgewertet, was jüngst« italienische Forschung ans Licht gefördert hat. Aber man kann und darf sagen, daß es dem Senator Ricci geglückt ist, ein.Kulturdokumont ohne- gleichen aus dem Schuttberg, in dem es Stz Jahrhunderte lag. den Augen der Laien erschlossen zu haben. K. W. Noch ein kurzes Warten, dann tappte er mit vorsichtkgen Schritten und angehattenem Atem über das bucklige Pflaster der Gasse zurück... Jetzt—«in rascher Griff...„Halt!" krächzte eine Stimme. Aber Franz lief schon wie ein Rasender davon.„Hall...1 Halt...!* Er preßt« den Mantel fest gegen seinen Körper... Hörte, wie Menschen hinter ihm her schrien. Den Hall ihrer Tritte. Näher kamen die Häscher... Er rannte blindlings in eine Ver- tehrsstraße... Straßenbahnen, Autos. Menschen. Keuchenden Atems, wie ein Besessener laufend, versuchte er den Fahrdamm zu kreuzen. Er blickte für den Bruchteil einer Sekunde zurück. Nur noch wenige Meter ttennten ihn von den Verfolgern.— Da brauste ein Auto heran... Hupte... Er sprang erschrocken zur Seite... Der Mantel entglitt seiner Hand... Franz schrie auf und— blieb stehen. Der Reifen des Lastwagens drückte den Mantel in eine Pfütze und fuhr darüber hinweg... Sein Mantel beschmutzt, zerrissen— ein Lumpen... Er taumelte, wurde wieder hochgerissen und starrte wie ein Irrer in den Menschenhaufen...„Ich wollte mir meinen Mantel wieder... Ich..." Lachen schlug an sein Ohr... Er sah den gestikulierenden Trödler... Einen Polizisten... Kaltes Eisen drückte am Handgelenk... Wie aus weiter Ferne hätte er jemand sagen:„Im Gefängnis brauchst du keinen Mantel." Dann taumelle er neben dem Polizisten wie ein Betrunkener nach der Polizeiwach«--- Amerikas Rübezahl. Oer Sagenkreis um Paul Vunyon. Der amerikanische Mittclweston und die nördlichen Teile des Westens, dos Fclsengebirge, der Westen Kanadas sind seit knapp zwei Menschenattern der Kultur erschlossen. Bahnbrecher waren uner- schrockene Pelzjäger und Waldläufer sranzösisch-kanadischen und neu- englischen Geblüts. Wegbereiter dann die ihnen auf dem Fuße sol- genden, hart zuschlagenden Holzsäller, und erst geraum« Zell später brachte der emsige Farmer sein Joch Ochsen, seine Pflugschar und Sämereien ins Land und bestellte das Land zum Nutzen seiner Familie und zum bleibeirden Wohle der mit ihm vordringenden Zivilisation, Die Romantik des Holzsällerlebens gebar einen eigenen Saaenschatz, dem eist heute erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt wird. Viel mag von den llreinwohnenr übernommen worden sein, anderes sst aber keineswegs indianischer Herkunst. Das prahlerische Clement findet sich allerdings schon in den Legenden der Indianer des Ostens, z. B. bei den Irokesen, Di« hervorstechendste Sagengestalt der Holz- fäller, die Schöpfung Tausender von Leuten, die die Zivilisation im Rücken und den ihre Manneskraft und ihren Unternehmungsgeist herausfordernden Urwald vor Augen hatte», ist die Gestall Paul P u n y a n s. So ist wohl schwerlich im letzten Jahrhundert ein .zweites Heldenlied zersungen worden: so garganwahaft übertrieben, mit Austchneiderei versetzt, so phanicsieüppig und dabei derb-urwüchsig mll gelegentlichem Einschlag ins Rohe, wie der Bunyan-Mythos. Eni- standen jenseits der Grenze in sranzösisch-kanadischen Kreisen, wurde der Bunyan-Sagenkreis Gemekngitt fämllicher Holzfällerttupps, die in die Urwildnis vorstießen, um ein primitives Lagerleben zu führen und vor lauter Kraftüberschuß die Riesen des Waldes umzulegen. Der Held diestr Rübezahlgeschichien ist ein französischer Kanadier. Historisch läßt sich über ihn seststellen, daß im sogenannten Papineau- ausstand des Jahres 1837. als das französisch sprechende Kanada sich gegen die Königin Viktoria auflehnte, unter den Freiheitskämpfern ein junger, bärtiger, kriegettscher Recke sich befand namens Paul Bunyon, der mit Hocke und Heugabel bewaffnet wie ein Berserker unter den feindlichen Engländern hauste. Später vetteqte sich dieser ' Bunyon auf das Zusammenstellen von Holzfällertrupps: fem« Taten und Fahtten machten ihn bald berühmt unter seinesgleichen. Aber was auch die französischen Kanadier von ihm singen und sagen mochten— daß er fünf Zentnerlasten durch die Wildnis schleppte und ähnliches mehr—, war ein Nichts gegen das. was ihm der amerikanische Holzfäller, der„iumberZscst", andichtete. So entstand in den Vereinigten Staaten eine große Bunyon-Legende. Die Eigen- att der Gestalten um den amerikanischen Rübezahl herum erfuhr eine merkwürdig-phantastische Umgestaltung. Da war Babe, der blaue Ochse, der zroeiundvierzig Artstiele maß und eine Stange Tabak zwischen den Hörnern. Da war ferner Pauls Vorarbeiter, der„große Schwede", der einen fünfzigpfündigen Tabakblock bei sich in der Westentasche trug. Da war eine Sägemühle, deren Schornsteine mit Scharnieren und Zugbrückenmaschineri« ausgestattet waren, um die Wolken vorbeilassen zu können. Jetzt erhielt Paul die Bauinsense. mit der er einen Wald aus«inen Hieb niedermähen konnte. Ein gefährlicher Winter bricht an, der„Winter des blauen Schnees". Ihm folgt„der Frühling, in dem der Regen kam aus China". Im Winter des blauen Schnees, so heißt es, verursachte der Anblick der blauen Flocken eine ungeheure Panik unter den Renntiec- Herden der kanadischen Steppen. Hals über Kopf flohen die Tiere nach Norden, wo ihrer viel« in dem Blizzard umkamen, so daß nur ein verschwindender Rest übrigblieb. Die riesigen schwarzen Bären Kanadas folgten ihnen auf der Flucht. Ein Teil von ihnen gelangte in die Polargefilde, ober ihr Haar war durch den Schrecken weiß geworden, daher denn am Pol Eisbären hausen. Andere, die in den Wäldern verblieben, erschraken weniger und wurden nur zu Grizzly- oder Graubären. Die Jungen erstihren durch das Naturereignis eine Wachstumhinderung und wurden so zu den Stammvätern der kleinen braunen Bären.(Das nemtt man,«inen Bären aufbindenl) Paul Bunyon saß nnttlerweile in seiner Höhle, ließ den blauen Schneesturm wüten und kämmte sich nachdenklich den Batt mit einer jungen Fichte, Bon großer Arbeit, die ihm bevorstehe, träumte er, wußte aber noch nicht, wie sie aussehen werde. Erst nach dem wüten- den Sturm hatte er eine Vision. Er rettete den neugeborenen„blauen Ochsen" Bebt aus den Fluten der Tonnerebai, überschritt die anicri- konische Grenze, änderte seinen Namen in Bunyan(mit a). und ans dem blauen Ochsen Bebä wurde Babe. Bei der Auswahl feiner Vorarbeiter hatte Paul Pech. Er ver- suchte es mit allen möglichen Skandinaviern, da kam eines Tages prahlerisch Hels Helfen ins Lager. Als Paul bemerkte, wie der große Schwede die Kiefern aus dem Weg knickt«, die sei» Fortkommen hinderten, wußte er, das fei lein Mann. Aber erst fochten die beiden noch einen mächtigen Strauß aus, bevor Helsen Paul als Messter anerkannte. Die Schlacht wurde auf dem„Berge, der auf dem Kopf steht," ausgefochten. So heftig war der Anprall der Gegner, daß der Berg auseinanderbarst, fo daß nur noch Spuren von ihm vor- handen sind, die man als die Schwarzen Berge Dakotas kennt. In einer anderen Gegend hatte Paul einen eigenartigen Wald niedergelegt. Die Stämme hatten weder Rinde noch Zweige, statt Wurzeln zu besitzen, waren sie unten zugespitzt. Paul war ver- wundert über die Leichtigkeit, mit der er diese„Bäume" ausreißen tonnte, aber keinesweqs enttäuscht Doch als er Jonny Jnkslinger traf, den staatlichen Feldmeiser, stellt« sich heraus, daß Paul samt- Nche Vermessungspflöcke ausgettssen hatte, die dieser im Regier»»«»- aufttag hatte anbringen lassen Do zum Uebersluß der blau« Ochse auch noch das Bermessungsfournal autfrckß..zog es Jonny vor, bei Paul Bunyan Dienst zu nehmen, statt sich van der Regierung rüffeln 3» lassen. Das find so einige Lesen aus dem Kreis der lim Paul Bunygn gewobenen Geschichten. Heute, wo imr noch wenig von der Ursprung- lichen Romantik der Holzsällerei übrig ist, wird auch hier eifrig ans Sammeln gegangen werden müssen, damit nicht die berühmte» „ältesten Leute" ausgestorben sind, bevor das Werk vollendet ist. Dr. K. W. SCHI- KAU T Unser großer in SAISON AUSVERKAUF beginnt am MONTAG, den 2. JULI, in fast allen Abteilungen TEILWEISE HERABGESETZT PREISE HÄLFTE BIS ZUR HERMANN TIETZ 186 Leipziger Str., Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Belle- Alliance- Str., Wilmersdorfer Str., Brunnenstr., Kottbuser Damm, Andreasstr., Chausseestr. Die große Nachfrage nach LindcarFahrrädern hat uns veranlaßt, am Sonnabend, dem 30. Juni, in Berlin, Gr. Frankfurter Straße 83 Ecke Marfiliusftraße unsere zweite Berliner Niederlage zu errichten. 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Opel's und Sander's Hilfe das verwirklicht, was Jules Verne einst erträumte. Hellseherisch hat Jules Verne diese Epoche kommen sehen, hat trots aller Anfelndungen seiner Zeitgenossen seine Ideen seinen Werken zugrunde gelegt und so die spannendsten aller Romane geschaffen. Heute, wo wir der Verwirklichung dieser als Utople verschrieenen Fantasien Jules Verne's entgegen gehen, ist das Interesse an seinen Werken brennender denn je. Darum lesen auch Sie unsere neueste Ausgabe. Zur Propaganda unserer Jules Verne Serie geben wir jedem, der untenstehenden Kupon innerhalb 10 Tagen an unsere Adresse eln sendet für 25 Möbet Pfennig pro Band die Gelegenheit, Besitzer dieser sensationellen Werke zu werden. Batentmattagen. Brimissima"-Metall. 100 better, auflegematragen, Chaiselongues Walter, Stargarderstraße achtzehn. Spe FAR aialgefchäft Dbbeltrebit bis 20 Monatsraten. Quittungs-, Rabatt- Schlafzimmer, Spetfezimmer, Einzel u. 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