BERLIN Sonnabend, 30. Juni 1928 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 306 B 151 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Die Lohnsteuer wird gesenkt! Der sozialdemokratische Reichsfinanzminister hilft der Arbeiterschaft. Bereits in den interfraktionellen Verhandlungen hatte die Sozialdemokratie die Forderung erhoben, daß die Lohnsteuer bei Einkommen bis zu 8000 Mark jährlich sofort ermäßigt werden. Die Prüfung dieser Frage im Reichsfinanzministe rium hat ergeben, daß in der Tat der Ertrag der Lohnsteuer so wesentlich über den Voranschlag hinausgeht, daß eine Senkung der Lohnsteuer gerechtfertigt ist. Der neue Reichsfinanzminister Dr. Hilferding ist infolgedessen bereit, einer solchen Vorlage, die wegen der Kürze der Zeit als Initiativgesetz im Reichstage von den Parteien eingebracht werden müßte, zu unterstützen. Man darf annehmen, daß die Regierungserklärung diese Bereitwilligkeit zur Ermäßigung der Lohnsteuer aussprechen wird. Jm Urteil des Auslandes. Kabinett Müller- ein bemerkenswerter Kreis von Männern London, 30. Juni.( Eigenbericht.) Als erste unter den großen bürgerlichen Zeitungen Englands fommentiert Manchester Guardian" das neue deutsche Reichsfabinett, von dem es sagt, es werde wohl imftande sein, sich gegen die Angriffe von links und rechts zu wehren, handele es sich doch um keine durchschnittlichen Menschen. Müller, der Kanzler, fet ein Taftifer von ungewöhnlicher Geschicklichkeit. Wissells Aufgabe werde besonders schwer sein, da sich gegen ihn die heftigsten fommunistischen Angriffe richten würden. Hilferding sei allein der Mann, dem Deutschland seine finanzielle Wiedergesundung zu verdanken habe. Severing habe Preußen und damit Deutschland als Innenminister vom Faschismus gerettet. Die wichtige Aufgabe der Festigung der deutschen republikanischen Demokratie tönne in feine besseren Hände gelegt werden. Der Artikel schließt mit der Feststellung, das deutsche Rabinett sei ein so bemerkenswerter Kreis von Männern, wie man ihn heute nur irgendwie in Europa werde finden können". Beamtendemonstration in Paris. Die Polizei verhaftet über 200 Demonstration. Paris, 30. Juni.( Eigenbericht.) Das leitende Komitee der Beamtengewerkschaften hatte gestern die Staatsbeamten und Arbeiter zu einer Demonstration auf dem Opernplah in Paris gerufen. Es sollte für die Gehaltserhöhung zugunsten der notleidenden kleinen. Beamten, die von der Kammer nur zu einem Bruchteil bewilligt, von der Finanztommiffion des Senats aber schon wieder abgelehnt worden ist, öffentlich demonstriert werden. Ein unegheures Polizeiaufgebot griff mit äußerster Schärfe ein, sobald die ersten Demonftranten auf dem Opernplatz erschienen. Mehr als 200 Berhaftungen wurden vorgenommen. Gegen den Militarismus. Erregte Szenen in der belgischen Kammer. Brüffel, 30. Junk. In der belgischen Rammer fam es gestern zu erregten Szenen bei der Behandlung des Militärbudgets. Sozialisten und Kommunisten forderten mehrmals namentliche Abstimmung. Unter diesen Umständen konnte die Kammer trotz einer zweistündigen Sigung mur den ersten Budgetartikel annehmen. Zuletzt mußte die Sigung aufgehoben werden, da zahlreiche Abgeordnete verärgert den Sigungsfaal verlassen hatten, mas zur Folge hatte, daß das Haus nicht mehr beschlußfähig war. Granatenexplosion bei Nantes. In der Nähe von Nantes explodierte ein Minendepot auf der Insel eu. Es handelt sich um Minen, die aus dem Meere gefischt worden waren. Durch die Eplosion wurden 3wel Arbeiter getötet und zahlreiche andere verleht, darunter vier schwer. In der Nähe stehende Häuser und eine Schule find teilweise 3erftort worden. Die neue Reichsregierung. Die erste Pflicht der neuen Regierung: sie mußte dem Kreuzfeuer der Photographen standhalten. Von links nach rechts sitzend: Koch- Weser, Müller- Franken, Groener, Wissell; stehend: Dietrich, Hilferding, Curtius, Severing, Guérard, Schätzel. Todesfahrt eines Ehepaares. Zwei Kraftwagenführer angeklagt. Der fragische Tod des Pfarrerehepaares Suin de und gegen die Bordschwelle geschleudert wurde. Der Bontemard infolge eines 3ufammenpralls zweier Autos Zusammenprall war so heftig, daß die Kraftdroschke umftürzte und an der Kreuzung der Bayernallee und Bundesallee hatte am die Insassen, das unglückliche Pfarrerehepaar mit einer derartigen Sonnabend das gerichtliche Nachspiel vor dem Großen Bucht hinausgeschleudert wurden, daß Mann und Frau SchädelSchöffengericht Charlottenburg unter Borfit von Landgerichts-| brüche erliften, an deren Folgen fie ffarben. Auch Bendeleit erlitt direktor Bode. Angeklagt waren der Kraftwagenführer Paul| einen Schlüsselbein- und Rippenbruch und seine Droschke wurde Grellmann und der Kraftwagenführer Otto Bende- start beschädigt. Grellmann blieb unverletzt und auch sein Wagen leit wegen fahrläffiger Tötung. Die Anklage legt beiden ein hat nur geringfügige Abschürfungen gehabt. fahrläffiges Verschulden an dem Zusammenstoß der von ihnen geführten Kraftwagen zur Laft. Grellmann führte ein Privatauto, während Bendeleit der B. hielt an der Haltestelle am Lenter einer Kraftdroschke war. Reichstanzlerplag und wurde am Sonntag, dem 6. November 1927, etwas vor 10 Uhr nach der Wohnung des Pfarrers in der Lindenstraße gerufen, um den Pfarrer mit seiner Ehefrau zur Abhaltung des Gottesdienstes nach der Kapelle in der Tannenbergstraße zu fahren. Beim Besteigen der Droschke stellte der Pfarrer fest, daß es noch reichlich Zeit sei, da der Gottesdienst erst um 10 Uhr be gann. Bendeleit hatte schon an der Ecke der Eschenallee mit fnapper Not einen anderen Zusammenstoß im letzten Augenblid vermieden und fuhr dann die Bundesallee in der Richtung der Heerstraße entlang. Er bremste, als von der Bayernallee das von Grellmann geführte Privatauto von ihm gefichtet wurde, das die Bayernallee schneiden wollte. Grellmann foll sehr schnell gefahren sein und es erfolgte ein 3usammen ftos, bei bem die Droschte hinten getroffen Nach der Anklage trifft Grellmann die Hauptschuld. Abge. fehen davon, daß die Kraftdroschte das Vorfahrtsrecht hatte, hätte er, nachdem er das Herannahen des anderen Wagens schon von weitem gesichtet hatte, diesen erst die Kreuzung passieren lassen müssen. Es wird ihm auch vorgeworfen, daß er in übermäßigshnellem Tempo gefahren ist. Dem Angeklagten Bendeleit wirf: die Anflage vor, daß er, als er das Privatauto etwa 16 Schritte vor der Kreuzung bemerkt hatte, mit der Möglichkeit eines Zusammenstoßes rechnen mußte, was sich schon aus seinem Bremsen turz vor der Straßenfreuzung ergibt. Er hätte deshalb durch ein Ausweicher nach der Bordschwelle zu dem anderen Wagen mehr Bewegungsfreiheit geben müssen. Die beiden Angeklagten, die durch die Rechtsanmälte Dr. Marcuse, Zellner und Utsch verteidigt werden, schoben sich gegenseitig die Schuld an dem Autounfall zu. Bendeleit leidet noch jez: unter den Folgen seiner Verlegungen und hatte bei der Schilderung der tragischen Folgen einen mervösen Zu sammenbruh. Zur Berhandlung sind zahlreiche Augenzeugen und eine große Anzahl von Sachverständigen geladen. Gespräche über Justiz. I. „ Euch Sozialverrätern ist es eben nicht ernst mit der Abschaffung der Todesstrafe, dieser Kulturschmach! Ihr redet, aber was tut ihr? Nur die Kommunistische Partei fämpft für die Abschaffung Dieses erbärmlichen mittelalterlichen Instituts. Blicken Sie nach Sowjetrußland, da ist zum zehnjährigen Bestehen der kommunistischen Herrschaft die Todesstrafe so gut wie abgeschafft worden!" " Soeben hat doch Krylenko im Schachty- Prozeß 21 Tobesurteile beantragt?!" ,, Das hat er sehr recht getan. Wenn es sich um fonterrevolutionäre Bestrebungen handelt, muß man die allerschärfften Mittel anwenden. Nur die physische Ausrottung dieser Verbrecher führt zum Ziel." „ Aber ich denke, die Todesstrafe ist in Rußland so gut wie abgeschafft." Ist sie auch! Lesen Sie doch, was damals Vie„ Rote Fahne" geschrieben hat. Haben Sie nicht die Reden der fommunistischen Abgeordneten in Reichstag und Landtag verfolgt? Danach fann man wirklich nicht mehr von einer Existenz der Todesstrafe in Rußland reden. Die humane Gesinnung hat sich unter der Herrschaft der Sowjets völlig durchgesetzt." " Und trotzdem 21 Todesanträge in einem einzigen Prozeß?" " Ist auch ganz recht so. Wenn es sich um die Behauptung einer höheren Kultur handelt!" ,, Ich denke, die Todesstrafe ist eine Kulturschmach!" " ,, Na und ob! Ein Ueberbleibsel des bluttriefenden mittelalterlichen Geistes! Ein Schandmal eurer Geldjackrepublit. Sehen Sie dagegen auf Sowjetrußland... usw. usw. II. Da seht ihr mun euer republifanisches Preußen. Sogenannte Musterzellen für Untersuchungsgefangene hat der Justizminister Schmidt in Moabit bauen lassen. Was ist das schon? Wie ganz anders haben es die Untersuchungsgefangenen in Sowjetrußland. Sie bekommen Urlaub, dürfen sich frei bewegen, auch der Berkehr mit ihren Frauen ist ihnen gestattet, man hat überhaupt nicht mehr den Eindruck, in einer Strafanstalt zu sein. Sowjetrußland hat den Satz begriffen, daß ein Angeklagter noch fein Ueberführter, noch fein Verurteilter ift." ganz anders. „ Die deutschen Ingenieure, die vor dem Schachty- Prozeß frei gelassen und nach Deutschland zurückgeschickt wurden, berichten doch Sie sind durch ein halbes Dutzend Untersuchungsgefängnisse geschleift worden und haben nichts erlebt als äußerste Unfauberfeit, Ungeziefer, verdorbenes Essen, Gestant, überfüllte Bellen, eine Pritsche in der Zelle bei sechs Mann Belegschaft!" „ Ja, wenn es sich um Konterrevolutionäre handelt, so ist das natürlich eine andere Sache. Die müssen mit äußerster Strenge angefaßt werden." ,, Aber es handelte sich doch gar nicht um Schuldige. Die Tat fache, daß die Betreffenden noch vor dem Prozeß freigelassen wurden, beweist doch, daß selbst der russische Ankläger an ihnen feine Schuld finden fonnte. Gerade hier hat sich gezeigt, daß ein Berhafteter noch fein Ueberführter ist." Sehr richtig, davon rede ich ja immer. Und deswegen wird auch gegen Untersuchungsgefangene in Rußland mit der äußersten Humanität verfahren." Ich habe Ihnen doch an einem praktischen Beispiel das Gegen. teil bewiesen." ,, Das waren eben auch Konterrevolutionäre, die gegen Sowjet rußland einen wirtschaftlichen Spionagefeldzug betrieben haben." ( Hier endet das Gespräch, da der zweite Teil sich fopfschüttelnd entfernt.) Jonathan. Paul Umbreit 60 Jahre alt. Heute begeht der Schriftleiter der Gewerkschaftszeitung", des Publikationsorgans des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes, Genosse Baul Umbreit, seinen sechzigsten Geburtstag. Ebenso wie Karl Legien ist auch er aus dem Drechslerberuf hervorgegangen. Er mußte wie all die alten Gewerkschaftsführer oft in feinen jüngeren Jahren Maßregelungen wegen seines politischen und gewerkschaftlichen Auftretens erdulden. Baul Umbreit ist nicht nur in der deutschen, sondern auch in der internationalen Arbeiterbewegung fein Unbefannter. Seine Schriften und Auffäße, besonders über sozialpolitische Fragen, haben viel dazu beigetragen, die Sozialpolitik in Deutschland überhaupt vorwärtszutreiben. Zrozdem er auf diesem Gebiete außer. ordentlich produktiv mar, behandelte er stets jede Frage gründlich. Benn er auch in seinen Schriften und Reden oft scharfe Worte fand, so blieb er doch immer der Führer, der alle Möglichkeiten des Ge lingens nüchtern abschäßte. Seine gründliche Sachkenntnis auf dem Gebiete der Sozialpolitik brachte es mit sich, daß er in die ver. schiedensten öffentlichen Körperschaften delegiert wurde, in denen es galt, die Interessen der aufwärtsstrebenden Arbeiterschaft zu ver treten. Er ist einer von denen, die niemals Zeit zur Raft haben, weil ihm die Sache der Arbeiterschaft ans Herz gewachsen ist. Hoffen mir, daß der deutschen Gewerkschaftsbewegung dieser alte und doch noch so frische und rege Rämpfer noch lange erhalten bleibt! Größenwahn- Urkundenfälschung Der flüchtige Druckereibesitzer. Vor einigen Tagen berichteten wir über die Festnahme| Herbst vorigen Jahres in der gleichen Weise eine Kreditgesellschaft in eines Drudereibefihers Hans Frey aus der Güntzelstraße, der seinen Betrieb in der Haupstraße zu Schöneberg hatte. In raffinierter Weise hatte er mit Hilfe von gefälschten Urkunden 35 000 Mart an sich zu bringen versucht. " Aus Tagebuch aufzeichnungen des Verschwundenen geht hervor, daß er selbst erklärt, an Größenwahn" zu leiben. Er hatte die Absicht, sein Geschäft groß aufzuziehen". der Kronenstraße um 30 000 Mart betrogen hat. Obmohl die Ges schäftsleitung mit aller erdenklichen Vorsicht zu Werke ging und Fren nicht weniger als 26 schriftliche Unterlagen für seine Behauptungen beibrachte, waren alle, wie sich später ergab gefälscht. Es ist kaum Fren hat seit einiger Zeit einen rechtsfräftigen Bertrag mit der daran zu zweifeln, daß der Urkundenfälscher außer den genannten Städtischen Oper, der ihn zum Druck der Programmhefte noch andere Opfer gefunden hat, die entweder feine Anzeige gemacht haben oder überhaupt nicht wissen, daß sie betrogen worden sind. verpflichtete. Er näherte sich nun einem Geldmann mit dem Vorschlag, als stiller Teilhaber in seinen Betrieb 35 000 Mart einzu- Gtwaige meitere Geschädigte wollen sich beim 4. Kriminalbezirk des Polizeiamts Mitte am Moltenmarkt melden. Der flüchtige Frey schießen und begründete seinen Vorschlag mit der Erklärung, daß er ist 30 Jahre alt, 1,65 Meter groß und schmächtig, hat volles schmarzes neuerdings Geschäftsbeziehungen zu den Staatstheatern an geknüpft habe, für die er ebenfalls Programmhefte bruden solle. Saar, glattrahiertes Gesicht und trug zuleßt einen buntelbraunen ge Mehrere Schriftstücke, die er dem Geldgeber vorlegte, waren Gestreiften Anzug. Seine Fluchtrichtung ist noch unbekannt. neralverwaltung der Staatstheater" gestempelt, andere trugen den Stempel ,, Generalintendanz der Staatstheater". Diese lettere Be zeichnung erweist, wie geschickt Fren zu Werke ging, da die Be. zeichnung ,, Intendanz" erst seit einiger Zeit im Gebrauch ist, während man früher von einer Generalintendantur sprach. Alle Stempel aber waren gefälscht, ebenso die Unterschrift des Generalintendanten und der maßgebenden Verwaltungsbeamten. Der Geldgeber, der zunächst von der Echtheit überzeugt war, wurde gerade noch zur rechten Zeit mißtrauisch und erfuhr auf Erkundigung, daß er hereingelegt werden sollte. Der Fren bereits übergebene Scheck über 35 000 Mart wurde gesperrt und der Druckereibefizer von der Kriminalpolizei in feiner Wohnung festgenommen. Nach Abschluß der Bernehmung durch den Untersuchungsrichter wurde Fren jedoch, da er feste Wohnung hatte und eine Berdunkelungsgefahr beseitigt schien, von diesem auf freien Fuß gefeßt. Schon damals hegte die Kriminalpolizei die Befürchtung, daß der Betrug an dem Teilhaber nicht der einzige Streich Freys gewesen sei. Nach seiner Freilassung am vergangenen Sonnabend war Frey am Montag und Dienstag noch im Geschäft erschienen, hatte sich aber am Dienstag gegen 1 Uhr mittags entfernt und ist seitdem spurlos verschwunden. Weshalb er so eilig das Weite gesucht hat, hat man jetzt erfahren. Bei der Kriminalpolizei meldete sich ein Rumäne, an den Frey ebenfalls mit dem Borschlag der Teilhaberschaft herangetreten war. Genau wie dem ersten Kaufmann hatte er ihm die gefälschten Dokumente vorgelegt und ihn so zur Hergabe von 30 000 Mart veranlaßt. Nach seiner Flucht forschten Kriminalkommissar Dr. Thierack und die Beamten des Polizeiamts Mitte auf der Bant nach und erfuhren, daß Frey bis zum 26. d. M. sein Konto nach und nach abgehoben hatte, so daß es nunmehr gelöscht war. Weiter wurde festgestellt, daß er vor seinem Verschwinden noch einige Meine Schulden bezahlt hat und mit etwa 20 000 bis 25 000 Mart ausgerüdt ist. Seiner Frau, die von seinem neuen Streich nichts wußte, hinterließ er einen Abschiedsbrief, in dem er den Reuigen spielte und durchblicken ließ, daß er freiwillig aus dem Leben scheiden werde. Dieser Mitteilung steht allerdings die Kriminalpolizei sehr steptisch gegenüber. Inzwischen ist auch bekannt geworden, daß der Flüchtling im Presse- Tod. Die Zägliche Rundschau" stellt ihr. Erscheinen ein. Die„ Tägliche Rundschau" stellt mit dem 30. Juni ihr Er scheinen ein. Damit verschwindet aus der Reihe der Berliner politischen Zeitungen das einzige Blatt, das man als eine Art von Parteiorgan der Boltspartei ansehen fonnte. Seit 1924 hat die Tägliche Rundschau" die Politit des Reichsaußenministers Strefemann vertreten. lleber die Finanzierung des Blattes wußte man, daß sie zu einem Teil aus den Kreisen um Stresemann, zu einem anderen Teil aus deutschnationalen Kreifen erfolgte. Das Blatt, das zunächst zwischen Volkspartei und Deutschnationalen hin und herschwankte, wie einst zwischen Nationalliberalen und Freikonser vativen, hat in der legten Zeit ziemlich straff die Linie Stresemanns vertreten. Es beleuchtet den Zustand des Rechtsliberalismus von heute und die Volkspartei legt seit einem halben Jahre Gewicht auf die Erinnerung an liberale Traditionen- daß er in der Reichshauptſtadt tein Parteiorgan befißt. Die Volkspartei hat bei der letzten Reichstagswahl 50 000 Stimmen in Berlin erhalten aber sie ist nicht imstande, ein Organ in Berlin zu halten. Diese Partei besitzt--wenn man vom„ Hannoverschen Courier" und von der Kölnischen Zeitung" absieht überhaupt tein eigentliches Parteiorgan. Sie hat zwar sehr fapitalfräftige Mitglieder aber gerade die Unternehmer bezeugen feinerlei Neigung, ein eigentliches Parteiblatt zu unterstützen. Sie halten sich dafür an die ausgesprochene Scharfmacherpresse. Es gibt außer der Presse, die von großen Konzernen, von tapitalfräftigen Interessentenorganisationen oder von mächtigen Maffenparteien getragen wird, in Deutschland feine selbständige politische Presse mehr. Die Redaktion der„ Täglichen Rundschau" hofft, ihre Beitung in furzer Frist auf neuer finanzieller Grundlage wieder aufbauen zu können. Sie nennt ihre Zeitung Un abhängige Zeitung für nationale Politit". Die Unabhängigkeit" gerade ist es, was diese Zeitung das Leben schwer macht. Hätte sie sich an Schiffahrts- oder Handelstreife, an mächtige Intereffenten verkauft, so würde sie nicht mühsam um die finanzielle Grundlage kämpfen müssen. Der Versuch, so etwas wie unabhängige volfsparteiliche Politit auf ideologischer Grundlage zu treiben, ist gescheitert. Herr Stresemann hat sich in der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei mühsam durchgesetzt ob es ihm gelingen wird, sich in Berlin wieder ein Presseorgan zu schaffen, ist eine andere Frage. Dazu gehören nicht nur Führereigenschaften, sondern Geld. Opferwilligkeit für die Partei aber ist etwas, was in der Deutschen Bolfspartei unbefannt ist. Eine Spur von Amundsen? Nobiles Gefährten weiter abgetrieben. - Nach Meldungen aus Oslo haben Fischer, die in Tromsö angekommen find, erklärt, daß fie am 18. Juni abends 100 Kilometer nordwestlich der Bäreninsel ein Flugzeug gefichtet haben, das in der Richtung nach der Südfpitze von Spitbergen flog. Es fönnte sich in diesem Falle nur um das Flugzeug Gilbauts und Amundsens handeln. Die norwegische Regietung bat Instruktionen erteilt, damit in der bezeichneten Gegend nachforschungen angestellt werden. Wie pon der„ Citta di Milano" gemeldet wird, haben Vier Opfer einer Familientragödie. Die furchtbare Bluttat eines Betrunkenen. Worms, 30. Juni. 1 Der frühere Stadtverordnete Edelmann wurde mit Frau und zwei Kindern in seiner Wohnung durch Leuchtgas vergiftet aufgefunden. Edelmann stand im 35., seine Frau im 33. Lebensjahre. Das dritte Kind, ein zwölfjähriger Knabe, wurde dadurch verschont, daß es bei seiner Großmutter schlief. Edelmann war schwer nervenleidend. Kurz vor der Tat hatte er seine Stelle aufgegeben und seinen Berwandten mitgeteilt, daß er sich und die Seinen umbringen molle. Bit einer schweren Bluffat fam es in Köln anläßlich einer Namenstagsfeier. Der Schlosser Paul Ehlert, der etwas angetrunken war, geriet mit seiner Frau in Streit und warf sie zur Tür hinaus. Die junge Frau rief ihre ein Stockwerf tiefer wohnenden Eltern zu Hilfe. Diese eilten mit ihrem ältesten Sohn auf die Hilferufe in das zweite Stockwert, als plötzlich Ehlert die Tür seiner Wohnung aufstieß und etwa sechs Schiffe abgab, durch die er den Schwiegervater tötete, den Sohn durch einen Lungenschuß lebensgefährlich verletzte und die Schwiegermutter durch einen Beinschuß leicht verletzte. Der Täter entlief zunächst, tehrte dann aber wieder um und wurde festgenommen. Revolverschießerei im Krankenhaus. Im Spital von Grenoble in Frankreich wurde ein Kranfer plöglich irrfinnig. Er schoß mit einem Revolver, den er unbemerkt in seinen Kleidern mitgenommen hatte, um sich. 3 wei Rrante im gleichen Saal wurden schwer verlegt, ebenfa der Krantenwärter, der versucht hatte, den Irrsinnigen zu überwältigen. Die Polizei mußte zur Hilfe gerufen werden. Der Irr sinnige hat nicht meniger als 60 Schüsse abgegeben und verletzte sich zuletzt selber ziemlich schwer. Westwinde jeden weiteren Kundschafterflug. der Birgo Bay unmöglich gemacht. Die Gruppe Biglieri ist nach ihren Meldungen weitere neun Meilen nach Often abgetrieben worden und jetzt neun Meilen von der Insel Great östlich des Kaps Leigh. Smith entfernt. Die Eisverhältnisse des Lagers haben sich verfchlechtert. Sobald sich eine Landungsmöglichkeit in ihrer Nähe bietet, wird mit dem finnischen Flugzeug, das mit Kufen zur Landung auf dem Eise ausgerüftet ist, ein neuer Landungsver fuc) unternommen werden, Der Eisbrecher Krassin", der auf der Fahrt nach dem Mordoftlande begriffen ist, hat infolge der vielen Eisblöcke seine Geschwindigkeit auf fünf Meilen in der Stunde herabjezen müssen und wird erst Sonntagnacht in der Virgo Bay ein treffen, von wo er nach furzem Aufenhalt nach der Nordküste des Nordostlandes weiter fahren wird. Das Geständnis des Spions. Hauptmann Lembourn will auf eigene Faust gehandelt haben Der dänische Infanterichauptmann Lembourn ist heute vormittag wieder vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I vernommen worden, nachdem er bereits am gestrigen Freitag ein ziemlich umfassendes Geständnis über seine Tätigkeit, die Erkundung deutscher Heereseinrichtungen, abgelegt hat. Während er doch früher zugegeben hat, daß er zu dieser Tätigkeit von einem Offizier des dänischen Nachrichtendienstes beauftragt worden sei, will er jetzt seine Erkundungen ohne Unterstützung irgendwelcher militärischer Spionagestellen in Dänemark, sondern auf eigene Faust lediglich aus Interesse an der Organisation und Einsichtung der deutschen Landesverteidigung gemacht haben. Nach Meldungen aus Kopenhagen wird Lembourn übrigens von den Dänen desavoniert und durch ein Schreiben des dänischen Kriegsministers an sein Regiment bis auf weiteres seiner militärischen Stellung enthoben. Kriegsheher verurteilt. Glänzende Rechtfertigung einer amerikanischen Pazifistin. New Hort, 30. Juni. Im zweiten Kriegsjahr war Frau Rosita Schwimmer auf Beranlassung Henry Fords auf dem sogenannten Friedens. schiff" nach Europa gefahren, um dort für die baldige Been bigung des Krieges zu mirten. Mehrere New Porter Blätter hatten darauf behauptet, Frau Schwimmer sei eine Kome munistin und deutsche Spionin. Der von ihr gegen Liese Blätter angestrengte Prozeß endete jezt mit der Berurteilung der Zeitungen durch den New Yorker Gerichtshof zu 17 000 Dollar Schadenersatz, Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Etwas fühler, teils wolfig, teils heiter, feine oder nur unerhebliche Niederschläge, lebhafte weftliche Winde. Jür Deutschland: Nur im Norden strichweise leichte Niederschläge, im übrigen Reiche trocken, überall leichte Abkühlung. Bolt und Zeit", unfere illustrierte Wochenschrift, liegt ber heutigen Postauflage bei Sechzig Jahre Omnibus. Bum 60jährigen Bestehen der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aft.- Ges. Die Berliner Autobusse, die in den letzten Jahren mit das beliebteste Massenverkehrsmittel geworden sind, fahren heute bunt bewimpelt mit der schwarzrotgoldenen und der Stadtfahne durch die Straßen. Es gilt dem 60jährigen Bestehen der ABOAG., die heute bereits zum größten Teil in den Besitz der Stadt Berlin übergegangen ist. Im Juni 1868 murde die Allgemeine Berliner OmnibusAktiengesellschaft geboren. An diesem Tage wurde sie mit einem 357 Ein alter ,, Sechseromnibus" Aktienkapital von 1 Million Talern gegründet; sie eröffnete ihren Betrieb am 1. Juli 1868 mit 257 Omnibussen und 1089 Pferden. Der Gründungsvertrag wurde abgeschlossen zwischen der in Liquidation befindlichen Berliner Omnibusgesellschaft( G. Busch und S. Rojen berg) und dem Generalmajor a. D. Robert von Hartmann, dem Hosbuchhändler Alexander Dunder, dem Stadtältesten Ernst Riedel und dem Bankier Joseph Pinfuß. Schon seit dem 30. Oftober 1846 hatte es in Berlin eine„ Ronzeffionierte Berliner Omnibustompagnie" gegeben, die fünf Omnibuslinien betrieb, aber im Laufe der Jahre infolge des Wettbewerbs fleinerer Unternehmer in Verfall geriet. Erft als am 28. August 1865 die erste Pferdeeisenbahnlinie Kupfergraben- Charlottenburg eröffnet wurde, fam es zur Gründung einer festgefügten Aktiengesellschaft( Aboag), die den weitaus größten Teil des damaligen Omnibusverkehrs übernahm, und vom 1. Juli 1868 ab hatte dann Berlin einen regelmäßigen Omnibusverfehr im heutigen Sinne. Im ersten Betriebs halbjahr ( 1. Juli bis 31. Dezember 1868) wurden bereits 5½ Mill. Personen befördert, in den nächsten Jahren etwa 10 Millionen; 1875 nach dem Aufschwung, der dem Deutsch- Französischen Kriege folgte, wurden 14 Millionen erreicht. As man 1882 auch die Stadt- und Ringbahn in den Berkehrswettbewerb Ber lins einbegriff, ging der Anteil der Omnibusgesellschaft am Gejamtverkehr auf 8 Proz. zurüd. Unter dem Drud dieses gefährlichen Wettbewerbes ging die Aboag zu Versuchen mit Att umulatorenwagen über. Die erste Probefahrt fand am 25. Mai 1898 statt, nach meiteren eingehenden Versuchen wurde am 13. März 1900 ein fahrplanmäßiger Probebetrieb mit Affumulatorenwagen auf der Linie Anhalter- Stettiner Bahnhof eröffnet, aber schon Ende desselben Jahres mußte die Linie infolge vielfacher Störungen eingestellt werden. Die Zeit des Verbrennungsmotors war noch nicht gekommen. Einen neuen Aufschwung nahm die Gesellschaft 1903, als fie mit einem finanziell schwach gewordenen Konkurrenzunternehmen, der Neuen Berliner Omnibusgesellschaft, verschmolzen wurde. Die Konkurrenz wurde damit der übrigen Omnibusse murde zum größten Teil beseitigt. So forinte turz nach der Jahrhundertwende und trotz des Hinzukommens der( Hochbahn( 1902) der Anteil der Aboag am Gesamtverkehr wieder bis auf 12,5 Proz. gesteigert werden. Die größte Zahl der Fahrten entfiel dabei auf die Sechserteilstreden. Die letzte Konkurrenz der Aboag wurde 1908 mit dem Auftauf der Konzessionen des Berliner Spediteurvereins ausges haltet. In den besten Zeiten des Pferdebetriebes besaß die Gesellschaft über 5000 Pferde; als die geeignetste Rasse hatten sich schließlich Pferde aus dem Innern Rußlands erwiesen. Von 1911 ab wurden auch Ma u ltiere verwandt, die sich zwar im ganzen gut bewährten, aber zu teuer waren. Eine neue Phase der Entwicklung der Aboag, der Autobetrieb, begann am 19. November 1905. An diesem Tage wurde auf der Linie Hallesches Tor- Chausseestraße ein Bersu hsbetrieb mit zwei von der Daimler- Motorengesellschaft gelieferten Omnibussen und einem losen Faß Benzin eröffnet. Die Fahrt des ersten Wagens stand unter einem glückverheißenden Vorzeichen: auf der ersten Fahrt des ersten Wagens wurde eine Scheibe zerstoßen; der zweite Wagen wurde derartig gestürmt, daß er am Halleschen Tor mit einer Banne liegen blieb; dann aber ging alles glatt, die Berliner waren vom Autobus begeistert. Seit diesem Novemberſonntag 1905 hat der Berliner eine steigende Vorliebe für den wendigen, nicht an Schienen gebundenen Autobus. Die Umstellung auf den Autobetrieb wurde durch den Krieg unterbrochen. Ende Juli 1914 besaß die Aboag bereits 336 Kraftomnibusse. Die Zahl der Pferde betrug noch 4434, die der Pferdeomnibusse 520. Neben 22 Pferdelinien wurden damals 13 Kraftomnibuslinien betrieben. Im ersten Halsjahr 1914 beförderten die Pferdelinien 48 Millionen Fahrgäste, die Kraftomnibuslinien 37 Millionen. Das jeßige Verkehrsnet der Aboag umfaßt 24 Stadtlinien mit 253 Kilometer, 6 Borortlinien mit 52 Kilometer und eine Eillinie( Unter den Linden- Halensee) mit 11 Kilometer Streckenlänge. Auf 9 Stadtlinien wird Nahtverkehr gefahren. Seit einiger Zeit betreibt die Gesellschaft neben dem Ausflugsverkehr( auf 7 Strecken) und dem Sonderverkehr nach den Rennplätzen auch einen sich steigender Beliebtheit erfreuenden Ueberlandverkehr nach den schön sten Landshaften der Mark Brandenburg und der weiteren Umgebung Berlins. Heute besigt die Gesellschaft 580 Kraftomnibusse, die auf 5 Betriebshöfen untergestellt sind. Die neuesten Betriebshöfe liegen in der Helmholzstraße( Charlottenburg) und in der Eichenstraße( Treptow) für je 160 Wagen. Der Treptower Hof ist, wie mitgeteilt, in diesen Tagen fertiggestellt worden. Die Aboag wird als solche thren 60. Geburtstag wahrscheinlich nicht lange überleben. Der Berliner Magistrat beabsichtigt eine enge Zusammenfassung der drei Verkehrsgesellschaften, der die jetzige Form der Aboag voraussichtlich zum Opfer fallen dürfte. Der neue Omnibus- Riesenbahnhof in Treptow Versuch einer Parodie. „ Gernegroß" im Theater in der Klosterstraße. Friedrich Mellinger schreibt ein grobfchlächtiges Theater stück. Zuerst mondane Unterhaltung in Schlagworten, die man aus Zwischentiteln deutscher und amerikanischer Gesellschaftsfilme fennt. Ein Mann von Welt tritt auf, Baron, Herzenstnider, Berschwender. Seine Geliebte ist als Gesellschafterin bei der Großmutter unterge= bracht, die wie eine Adele Sandrock in Kleinformat wirft. Dazu ein Diener, ein echtes Kindchen der Natur, ein Diener, der von der Alten und der Jungen geliebt und schließlich als Univerfalerbe ein gesetzt wird. Tod der Großmutter, Entwendung des Testaments und Wiederermachen der Totgeglaubten bilden den Schluß. Ein paar literarische Weihnachtsmännlein find empört. Hinter dieser Kitschfassade verbirgt sich eine Parodie. Aber Barodie ist nicht Selbstzwed. Es muß irgendetwas parodiert werden. Raum anzunehmen, daß hier eine gewisse Art von Gesellschaftstomödien das Opfer bildet, denn ähnliche Vorgänge ereignen sich höchstens noch in Borstandttheatern, und auch diese Sprache ist auf der Bühne nicht mehr möglich. Doch die Säße, diefe pathetisch biedermännlichen Worte oder diese schön geschliffenen und dabei nichtssagenden Bonmots stammen aus dem Film. Mellinger be. WER SEINE raufdyt fich geradezu an ihrer Nachbildung, jongliert mit der Phrase, übersteigert und überhißt sie, und auch die Zufpigung einiger Situ ationen ist filmisch empfunden. Leider liegen dazwischen matte Szenen, in denen Mellinger vom Geist verlassen ist. Die Komödie ist nicht aus einem Guß, ist fein Creszendo, tein toller Cancon des Wizes. Sie ist nicht gleichmäßig temperiert wie Raisers, Rolportage", fie perrät ein Suchen, ein unsicheres Tasten. Es fehlt an innerem Gleichgewicht. Die Aufführung unter Franz Sondingers Regie trifft nicht immer den richtigen Ton. Sie perfifliert stellenweise noch die Perfi flage. Rose Grams ist die Erbgroßmutter im Stil der Sandrock, Ellen Frank hat sich in der Nähe von Brigitte Helm angesiedelt, Philipp Lothar Manring ist eher Heldentenor als Filmparodist, und nur Franz Sondinger hat das Empfinden für diskret be F. S, handelte Ironie. Hamburger Operetten- Gaffspiel. Ein Hamburger Ensemble gastiert im Theater in der 2ügomstraße mit dem Operetichen Muschi", dessen mehr als anspruchslofer Tegt von Carl Schmitz und Paul Möhring, und dessen ganz flotte Musik von Bernhard Korf und Gustav Ebhardt stammt. Dem netten Komiterpaar Carl FERIEN BOTE FÜR EINE Shmig und Anni Harrar gelingt es wenigstens manchmal, die sehr langweilige Situation aufzumuntern und die Zuschauer am völligen Einschlafen zu verhindern. Ein im Hintergrund vorbet ziehendes Schiff wurde als willkommene Unterbrechung vom Parkett stürmisch beflatscht. Im übrigen feierten urälteste Wize fröhliche Auferstehung. Die niedliche, junge und anmutige Hansi Rösle war ein milder Lichtblick. Französische Plastiker. Zur Houdon Ausstellung in Paris. Sz. Paris, im Juni. Während die großen französischen Maler, ein Watteau, Lancret, Fragonardoder, Poussin, bei uns ebenso bekannt sind, wie die der anderen großen europäischen Völker, hat das Publikum von den Bildhauern Frankreichs nur wenig Ahnung, vielleicht bildet der große Belgier Meunier die einzige Ausnahme. So fommt es denn, daß man in Deutschland in diesem Dürer- Jahr zwar noch von dem Goya- Jubiläum Notiz genommen, daß man aber das Andenken eines der größten Bildnisplastiker der neueren Zeit vergessen hat. Es handelt sich um den Franzosen Houdon, der vor 100 Jahren im Alter von 83 Jahren starb. Und doch belehrt uns ein Besuch der zur Zeit in einer Galerie am kunstlädenreichen Quai Voltaire zu wohltätigen Zwecken veranstalteten Ausstellung, daß es sich auch in Deutschland lohnen würde, einmal eine Houdon- Zentenar- Schau zu geben. Schon zu Lebzeiten ist dieser aus ganz kleinen Verhältnissen hervorgegangene, auch menschlich ungemein sympathische Künſtler ein international begehrter Porträtist gewesen. Der Quai Voltaire heißt nach dem, in seiner ganzen überragen den weltgeschichtlichen Größe, wohl noch nicht völlig erkannten Dichterphilosophen, den Houdon mehrere Male mit einer besonderen Eindringlichkeit porträtiert hat. Stehen wir vor einer der Büsten und lesen den Namen„ François Marie Arouet de Boltaire" und versenken wir uns in die unheimlich um die vorspringend herabhängende Unterlippe spielende Spottfucht des ewigen Verneiners und Sartaften, so begreifen wir es, warum sich die Zeitgenossen geradezu um eine Verewigung durch Houdon gerissen haben. Bar es doch u. a. der durch seine Blizableitererfindung weltbekannt gewordene Benjamin Franklin, der Houdon den Auftrag verschaffte, den General Washington zu porträtieren. Das gleiche gilt von Persönlichfeiten wie Diderot und Rousseau, von Napoleon und Kaiferin Josephine, von Gluck und dem Prinzen Heinrich von Preußen. Daneben hat Houdon aber auch ein Werk geschaffen, das wohl ein Unifum in der ganzen Geschichte der neueren Plastik überhaupt darstellt: nämlich eine entzückend duftige Büste seines faum ein paar Monate alten Töchterchens Sabine. Houdon hatte drei Töchter, die ihm seine gutbürgerliche Gattin geschenkt hat. Auf einem dokumentarisch interessanten Gemälde sehen wir, wie der liebenswürdig lächelnde Künstler, der echte Typ des französischen Künstlerbohemiens alter Schule, behaglich in seinem Atelier arbeitet, während Frau und Töchter s freuen, mit auf die Nachwelt gebracht zu merden. Ohne hier auf die Eigenheit des Houdonschen Schaffens näher eingehen zu können, muß wenigstens das eine hervorgehoben werden: mit einer für seine Zeit staunenswerten Sicherheit hat Houdon seine Bildnisse auch dem Material, dem Marmor, der Bronze, der Terrafotta usm. anzuschmiegen gewußt. Er hat die lebenatmende Wesenheit des Dargestellten stets täuschend echt und doch nicht etwa bloß photographisch naturwahr gebildet, um dabei doch in Form und Bildung der Köpfe wie der Kleidung sehr fein zu unterscheiden. Dabei erkennen wir überall den in Rom forgfältig gebildeten Könner, der denn auch bis in sein höchftes Greifenalter hinein raftlos gearbeitet hat... Dr. A. Neisser. Theater der Woche. Bom 2. bis 9. Juli. Bolfsbühne. Theater am Bülowplah: Orpheus in der Unterwelt. Theater am Schiffbauerdamm: Der Kuhhandel. Staatstheater. Oper Unter den Linden: 1., 6. Zigeunerbaron. 2. Salome. 3. Meistersinger. 4. Rosenkavalier. 5. Boris Gudonoff. 7. Boheme. 8. Die Macht des Schicksals. 9. Geschlossen, Ferien, Oper am Blah der Republik: 1., 5., 8. Der Freischüß. 2., 4., 6. Cardillac. 3. Der schwarze Domino. 7. Edepus Rer Petruschka. 9. Geschlossen, Ferien. Städtische Oper Charlottenburg: 1. Geschlossene Borstellung. Schluß, Ferien. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 1. bis 6. Kalkutta, 4. Mai. Ab 7. Geschlossen, Ferien. Schiller- Theater Charlottenburg: 1. bis 6. Hinterhauslegende ( Der Mord im Hinterhaus). Ab 7. Geschlossen, Ferien. Theater mit feftem Spielplan. Deutsches Theater: Artisten. Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater in der Königgräger Straße: Leinen aus Irland. Komödienhaus: Broadway. Theater des Westens: Die ungefüßte Eva. Luftspielhaus: Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Leffing- Theater: Spiel im Schloß. Residenz- Theater: Der eiserne Gustav. Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.- Walhalla- Theater: Der Birt vom Heidekrug. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutsches Künstler- Theater: Bis 6. Das sind ja reizende Leute. 26 7. Es kommt jeder dran, Kleines Theater: Bis 5. Galante Nacht. Ab 6. Das Sprungbrett der Liebe. Im Oberlichtsaal des Kupferstichkabinetfs der Staatlichen Museen wird die Goya- Anestellung geschlossen und Sonntag, den 1. Juli eine Ausstellung von Miniaturen des 11.- 16. Jahrhunderts eröffnet. Der Ausstellungs. raum bleibt bis dahin geschlossen, 3. Fitelberg, Schüler der Kompositionstlasse von Herrn Prof. Gm einbl an der Staatlichen atademischen Hochschule für Mujit, bat für ein neues Streichquartett in Baris den Kompositionspreis erhalten. Unter den Preis. richtern befanden sich die hervorragendsten Musiter Frankreichs Strawinsky, Sonnegger, Rouffel, Ravel. RECHT GENIESSEN WILL, DER LERNT NOCH VOR DER ABREISE DIE GEZWECKMASSIGE ERNÄHRUNG AUF DER GROSSEN SOMMERSCHAU AM KAISERDAMM Von 9 bis 9 Uhr geöffnet( Einlaß bis 8 Uhr). Eintrittspreis: Erwachsene 1.50 Mk., Jugendliche 0.75 Mk. Familienkarten( für 2 Erwachsene und 2 Jugendliche oder 3 Erwachsene) 3.50 Mk., Kinder- Zusatzkarte 0.25 Mk.- BEI SCHONEM WETTER: KONZERT IN DEN FUNKTURMGARTEN HEL Saison Ausverkauf Herren- u. Sportkleidung Sakko- Anzüge Ser. I- IV 29.- 39.- 49.- 59.Sakko- Anzüge blau, reinwoll. Aachener Kammg. 59. Sakko- Anzüge bes.gute Kammg.- u. Chev.- Qual 76.- 85.- 99.Sport- Anzüge 3- u. 4- teilig 35.- 55.- 69.Sommer- Mti. Gabard.u.Chev. 35.- 40.- 62.- 85. Gummi- Mäntel Ser. I- III . 10. 15.- 18.Loden- Mäntel imprägn. ... 18. 27. 32. Beinkleider gestr., Ser. I- IV 2.95 3.95 5.50 7.50 Breeches u. Knickerbockers... 6.95 8.50 12.- 14.Flanellhosen weiß, grau, mode 13.- 16.- 19.- 22.Windjacken imprägn. 8.50 9.50 12.25 15.Pullover reine Wolle 4.95 7.50 9.50 Beginn 2. Juli Herren- Artikel Selbstbinder tells reine Seide-.75-.95 1.50 2.25 Oberhemden Ser. I- III. Perkal u. Zephir 3.25 3.95 5.25 Oberhemden, Trikolin, durchgeh. Jacquardmust. 6.95 Einsatzhemden mod. Muster, Größe 4 . 1.65 Hüte mod. Form, Ser. I- III 2.95 3.95 4.95 Jünglings- und Knaben- Kleidung Sakko- Anzüge Gr. 38-43. Ser. I- III 19.- 26.- 35.Sport- Anzüge Gr. 38-43, Ser. I- II 21.- 29.- 37. Sport- Anzüge für 9-14 Jahre.... 13. 18. 22. Windjacken für 9-14 Jahre, imprägniert. 7.- 8.50 Kieler- Anzüge Gr. 1. 11. 14. 16.Kieler- Waschanzüge Kadett. 3.95 5.50 6.55 ... und so gewaltig ɓerabgesetzt sind auch alle übrigen Preise Die qufe Wartet auf Sie! Schöneberg, Hauptstraße 161 Beginn: 2. Juli Kleidung SAISON AUSVERKAUF! Nicht Worte sondemn Taten Je 3 Serien Blusen Jumper- Blusen Waschmusseline, u. künstl. Waschseide, jetzt 3.75 1.95 0.75 Jumper- Blusen Voll- Voile, verschie0.95 Pullover zum Teil Baumw. m. Kunstseide 3.95 2.95 1.75 dene Ausführungen, jetzt. 3.95 2.75 Kunstseide. Kunstseide, Wolle mit Je 3 Serien Kleider Kleider aus Waschmusseline und Indanthren- Stoffen zum Teil mit langen Aermeln 4.95 2.95 Kleider jetzt. 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Geetamp, die 1927 über zwei taufend Arbeitertinder aus Rinderfreundegruppen in einem großen Zeltlager an der Ostsee vereinigte, war ein glänzend gelungener Verfuch der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, großen Massen von Kindern eine neuartige gesunde und von starkem Erleben erfüllte Ferienerholung zu schaffen. Auch in diesem Jahre sollen die Roten Fallen und Jungfalken der Kinderfreunde wieder ihr Belt lager, ihre Kinderrepublik haben. In Seelamp strömten die Kinder aus allen Teilen des Reiches in einem Lager zusammen. Diesmal hat sich die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde zu Bezirkszeltlagern entschlossen, um einer noch größeren Zahl von Kindern das schöne Erleben einer Kinderrepublik zu ermöglichen. Acht Zeltlager werden vier Ferienwochen lang fünftaufend Kinder aufnehmen. Am Bodensee, in der Fränkischen Schweiz, Rote Falken im Zeltlager. an der Tarpenbed, in der Lüneburger Heide, im Riefengebirge, im Thüringer Wald, im Weserbergland werden Zeltrepubliken erstehen, und die Berlin Brandenburger Kinderfreunde bauen ihr luftiges Lager am- ledersee auf. Der Aufenthalt im Zeltlager hat im vorigen Jahr auf den Gesundheitszustand der Kinder außerordentlich günstig gewirkt. Ueberall, wo Nachprüfungen vorgenommen wurden, fomiten erhebliche Gewichtszunahmen der Kinder festgestellt werden. Ueber den Gesundheitszustand der Kinder schreibt der Arzt Dr. Büsing in Riel: Nimmt man zu diesen objektiven Messungen( die in Kiel vor. genommen wurden. D. Red.) den subjektiven Eindruck hinzu, daß die Kinder fast ausnahmslos frischer aussahen, als bei der Voruntersuchung, so wird man unbedingt zugeben müssen, daß der Aufenthalt im Zeltlager gesundheitlich günstig gewirkt hat." Die Kinderfreunde verbinden aber mit dem reinen Erho. Iungszwed des Zeltlagers noch eine große pädagogische Aufgabe. Nicht umsonst führen die Zeltlager den Namen„ Kinder republiken". Ein richtiger fleiner Staat ist so eine Kinderrepublik, in der die Roten Falken in wahrer Kameradschaft und Gemeinschaft leben. Nicht die Autorität der Erwachsenen, sondern die freiwillige Einordnung in das Ganze herrscht und regelt die Beziehungen. Das Leben im Zeltlager verlangt die tätige Mitarbeit jedes einzelnen und die einen richtigen Borgeschmack auf das Leben in der Kinderrepublik gab, in die die Roten Falten am 8. Juli einziehen werden. Die Hauptarbeit aber hatten die Helfer der Kinderfreunde, die die schwierigen Borbereitungsarbeiten für das Zeltlager zu er. ledigen hatten. Von Luft allein fann man nicht leben, nicht einmal in einer Zeltrepublik. Also muß die Lebensmittelversorgung und die Küche organisiert werden. Auch die Wasserversorgung war nicht ganz einfach. Eine Wasserleitung anzulegen wäre zwar sehr pratDer Helfer erzählt. tisch, ift aber zu fostspielig, weil die Anschlußleitung zu weit entfernt ift. Man schlug deshalb einen Pumpbrummen vor. Went man eben menig Geld hat," meinte humorvoll ein Helfer, dann muß man pumpen." Und es blieb dann auch beim Pumpbrunnen. Da neben gibt es noch viele andere Dinge vorzubereiten und zu regeln, damit die kleine Zeltrepublik Berlin- Brandenburg mit ihren fünfhundert Kindern richtig funktioniert und eine schöne Erholungsstätte für unsere Roten Falken wird. Auch so eine Art Regierungsbildung gab es. Ganz so langwierig wie bei der Reichsregierung ging es dabei ja nicht zu; es wurde ja kein Koalitionsfabinett, sondern eine rein sozialistische Regierung für die Kinderrepublik gewählt. Und in einer einzigen Sitzung war sie schon fomDa brauchte man einen Lagerobmann, den pädagogischen Leiter, den Finanzminister, den Lagerarzt und eine Küchengewaltige. Aber auch für den Badedienst, für Gesang und Musit, für Sport und Spiel, für die Post und für andere wichtige Funktionen mußten Berantwortliche gewählt werden. Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Also an Arbeit für die Helfer fehlt es nicht. Aber sie wird gern und mit Hingabe geleistet; gilt es doch, den Arbeiterkindern zu helfen, für ein paar Wochen aus dumpfen Großstadtwohnungen und engen Höfen herauszutommen in eine große Kindergemeinschaft, mo fie fich freuen tönnen in gemeinsamen Spielen und Erlebnissen, wo sie Erholung finden sollen und hineinwachsen in die große, weltum spammende Idee, die uns alle verbindet. Felix Fechenbach. Der Schwätzer ohnegleichen. Herr Jünger will mit den„ Künftigen" untergehen. Der Literat, im Gegensatz zum Schriftsteller ein bloßer Wortschmuser und Aesthetenfer, ist gewiß für sich schon ein ungenießbares Stück Malheur, aber das Schrecklichste der Schrecken ist ein Literat, dem außer all den Unerträglichkeiten seiner Gattung auch noch Kriegervereinsgesinnung anhaftet. Und da wären wir bei einem Herrn Jünger angelangt, der in der Deutschen Zeitung" unter der teffen Ueberschrift„ Darum marschiert ihr Regimenter" sich so seine Gedanken über den Krieg macht und beispielsmäßig prophezeit, daß es eines, und nur dies eine allein, sei, monach uns„, die Rünftigen" fragen werden.. Ei nun, wonach allein also werden uns die Rünftigen" fragen? Danach, ob wir ihnen Licht, Lachen, Lebensfreude hinterlassen haben? Mit nichten. Wer so denkt, fennt die Künftigen" schlecht. Sie haben andere Sorgen. Es nagen. andere Zweifel in ihnen. Sie fragen, ob es uns gelungen ist ,,, aus dem Chaos heraus dem Kriege wieder ein scharfes Gesicht zu verleihen. Herr Jünger haßt die graue, fürchterliche Welt des Utilitarismus" und sein fühlendes Herz" ersehnt einen Ausweg. Diesen Ausweg sieht er im kommenden Krieg, der ihm die große Möglichfeit" bedeutet und eine Möglichkeit in dieser Richtung" ist ihm ,, mit Millionen von Toten noch billig bezahlt". Das heißt man aus dem vollen wirtschaften. Das heißt man aufs ganze gehen. Dieser Junge hat es in sich. Er verteilt souverän die in Schmerzen geborenen Kinder von Millionen Müttern an die Phosgentants, Flammenwerferapparate, aufmontierten Kanonen, und gibt er jenen Müttern dann ihre erstickten, verbrannten, zerfetzten Söhne zurüd, so tut er es nicht, ohne ihnen gleichzeitig verschiedene prima Tröfte zu verabfolgen. Beispielsweise hat er ihnen zu sagen, daß die Erde den Kampfhaften liebt", daß es ein Hochzeitsgang gewesen sei", den die Gefallenen geschritten wären, daß ,, das magnetische Zentrum" verschlungen habe. Fürwahr, unter solchen Üm ständen wären die Millionen Mütter billig" weggefommen, hätten fie fein schlechtes Geschäft gemacht, denn allein schon ein„ magnetisches Zentrum" ift eine zu schöne Wortbildung, als daß sie nicht ihr gerütteltes Maß von Opfertod mert wäre.„ Ein Lücke zwischen zwei Regimentern tut sich auf", schließt Herr Jünger seinen geschwollenen Seicht. Wir schwenken ein, um im großen Sinn und in der großen Einheit unterzugehen." Aber das ist, soweit es Herrn Jünger persön lich betrifft, wohl ein übertriebener Pessimismus. Solange noch Deutsche Zeitungen" solchen blutrünstigen Literatenquatsch eines wirrtöpfigen Kriegervereinsmeiers abdrucken, wird Herr Jünger teinesfalls untergehen". " Mensch, wie haste dir vaändert! Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Moses einst und jetzt. H. B. Zeltlager im Walde. medt dadurch gemeinschaftsbildende Kräfte. Die selbstfüchtigen Triebe der Kinder, verstärkt durch unsere gesellschaftlichen Lebensgewohnheiten, werden zurückgedrängt und machen dem Denken und Wirten für die Gemeinschaft Play. Die Kinder nehmen tätigen Anteil an der Selbstverwaltung der einzelnen Zeltdörfer und des gesamten Zeltlagers und werden dadurch vertraut nicht nur mit den Formen der Demokratie schlechthin, sondern zugleich mit der Demokratie der gleichen Lebensbedingungen und mit der praktischen Solidarität. Körperliche Erholung und die Erziehung zur Gemeinschaft, das sind die beiden tragenden Ideen der Kinderrepublik. Seit vielen Wochen spürt man in den Kinderfreundegruppen schon die Vorfreude auf das Zeltlagererlebnis. Ueberall wird an Borbereitungen gearbeitet, die Ausrüstung wird ergänzt, die Zelt gemeinschaften werden zusammengestellt und die Hauptfache: ein Probezeltlager wurde schon am 23. und 24. Juni eingerichtet, bamit auch alles richtig flappt. Mit diesem Probezeltlager auf dem Rinderfreundeland Birtenwerder war eine Son Benmenbfeier mit Fadelzug und großem Feuer perbunden, So sah er vor 15 Jahren aus. gegen das Gebären." So sieht er heute aus Im Simplizissimus" wurde eine Massenversammlung in der„ Neuen Welt" so geschildert: Am 2. Juli fann der sozialdemokratische Abg. Dr. Moses seinen| Dr. Moses. So erklärt sih ihre Neigung für und seine Abneigung 60. Geburtstag feiern. Er nimmt uns hoffentlich nicht übel, wenn wir im Bilde zeigen, wie er sich seit 15 Jahren geändert hat.„ Auh ich war ein Jüngling mit lockigem Bart!" Seine Gesinnung hat sich freilich nicht gewandelt, sondern heute wie da. mals ist er der liebenswürdige, stets hilfsbereite, nur der Sache des Proletariats lebende Doktor, wie er sein soll: Menschen- und Seelenarzt. Biele von unseren Lesern werden sich noch an die Zeit vor 15 Jahren erinnern. Damals hatte Dr. Moses eine große Bewe. gung innerhalb des Proletariats unter dem Schlagwort„ Gebärstreit" entfacht. Es handelt sich um die gleichen Fragen, die heute von der Wissenschaft Rationalisierung der Geburten", bewußte Geburtenregelung" usw. benannt werden. Die Bewegung nahm ein ganz ungewöhnliches Ausmaß an. In der sozialdemokratischen Presse wurde für und gegen Dr. Moses Stellung genommen, in Parteiversammlungen wurde leidens haftlich debattiert. Klara Zetkin, Rosa Luxemburg, Luise Zieg und andere Frauen der Sozialdemo fratischen Partei haben damals in großen Massenversammlungen in der schärfsten Weise gegen diese Propaganda Stellung genommen. Auch die bürgerlichen Kreise und die bürgerliche Bresse nahmen an diesem Kampfe lebhaften Anteil. Die Wigblätter schöpften aus dem Gebärstreit" Stoff für satirische Bilder und Gedichte. " Der Kladderadatsch" brachte ein Bild: Dr. Moses als Säugling in einem Körbchen auf dem Nil schwimmend, Rosa Lugem. burg als ägyptische Königstochter beugt sich über den Korb. Dar unter steht: Die ägyptische Königstochter Roja findet den Hier legt man seine Feder fort, Denn Klara Zetkin hat das Wort Und sie bemerkt etwas befehlend, Die neue Theorie sei elend. Der Beifall, der sich gern erhebt, Ist mittlerweile fortgeschwebt. Und so erhebt sich Dr. Mosis 3u einer gegnerischen Dofis. Er ist als Mensch und Dr. med. Nicht für das häuf'ge Kinderbett Und hofft von dieser Streifgebärde Daß sie den Moloch zücht'gen werde. Der Beifall stürzt sich durys Gemach. Der Widerspruh benimmt sich schwach Und blickt mit Achtung auf die Braris, Den trugvoll ist die Prophylaxis. Dr. Moses, der allezeit gern Wize und Satiren im politischen Stampfe anwendet, wird sich damals sicher selbst gefreut haben, wie er das auch heute noch tut, Zielpunkt des Wizes und der Satire au jein PCR GfLRg PlVCaN -- Ii ■'-. j 1 19. Fortsetzung. „Sic behaupten also, daß Sie Mrs. Cranmore und den Mann Ramon in Ihrem Atelier allein ließen und fortstürzten. Als der Mord begangen wurde, waren Sie daher abwesend. Stimmt das? Gut. Haben Sie irgendeinen Beweis, daß Sie das Atelier um— sagen wir, sechs Uhr fünf Minuten verließen? Nein. Oder einen Beweis, wie lange Sie vom Atelier abwesend waren?' „Ich habe kein Alibi,' gab der Maler zu.„Ich wanderte zwecklos umher bis gegen Mitternacht. Dann suchte ich einen Freund auf, der in der Teitstrahe mit einem anderen zusammen ein Atelier hat. Wir mochten uns Kaffee und sahen die ganze Nacht auf. In mein Atelier kehrt« ich erst zurück so etwas nach sechs Uhr, als Sie schon dort waren.' Manderton nickte bedeutsam und betrachtete feine Stiefelspitzen. „Können Sie mir eine Beschreibung von diesem Ramon geben?' „Er ist sehr groß und hat dichtes, schwarzes, grougefprenkelte» Haar. Früher war er glattrasiert. Sein Gesicht konnte ich nicht sehen, da er mir den Rücken zuwandt«.' „Ist da» die ganze Beschreibung, die Sie mir geben können?' „Es ist... so lang her, fett ich ihn zum letztenmal gesehen habe. Soviel ich mich erinnere, war er ein hübscher Mensch mit einer Adlernase.' „Seit wann hält er sich in London auf?' „Ich wußte nicht, daß er in London ist. Seit 1914 habe ich ihn nicht mehr gesehen.' „Wie war er gekleidet?' „Das-- hob« ich nicht bemerkt.' Manderton legte sein« beiden Hände flach auf das Pult. „5>aben Sie mir sonst noch etwas zu sagen?' fragte er.„Nein? Dann möchte ich Ihne Aussage noch einmal wiederholen, Mr. Ouayre. Also: Miß Driscol und Sie waren in Ihrem Schlafzimmer. als Sie durch einen Schritt im Atelier aufgeschreckt wurden. Sie halfen Miß Driscol durchs Fenster hinaus, kamen zurück und fanden im Atelier Mrs. Eranmore in den Armen eines Mannes namens Ramon, den Sie beide in New Park gekannt hatten. Seinen Familiennamen vermögen Sie ebensowenig anzugeben wie seine Kleidung, sondern wissen nur, daß er groß war und schwarzes, graugesprenkeltes Haar hatte. Bon dem, was zwischen dem Paar gesprochen wurde, hörten Sie nichts, und verließen da» Atelier wieder,«he der Mord begangen wurde, obwohl Sie für dies« An- gäbe keinerlei Beweis haben. Stimmt das? Sie verstehen natür- lich die selbstverständliche Schlußfolgerung, die aus Ihrer Aussage hervorgeht?' Ouayre blickte ihn neugierig an. „Wie meinen Sie das?' „Nun, daß diese geheimnisvoll« Person Ramon der Mörder von Mrs. Cranmore ist!' Er drückt« auf die Klingel, worauf die beiden Kriminaler, die Ouayre hereineskortiert hatten, wieder erschienen. Manderton rief einen zu sich und gab ihm halblaut einige Instruktionen. Der andere hob inzwischen ein Blatt Papier auf, das unbeachtet auf dem Boden lag. Ein einziger Satz stand in Boulots Handschrift darauf:. „Wer war der große Amerikaner, der gestern nachmittag in Ihrem Atelier war?' Manderton winkte, und Ouayre wurde abgeführt. 17. Voulots Aund. Mit einem Krach schlug Manderton sein Pull zu und schloß es ab. „Verwünscht durchsichtig,' rief er, während er sich eine Pfeife stopfte.„Verwünscht durchsichtig! So nenn'» i ch wenigstens.' Boulots Nerven waren der geräuschvollen Art seines Kollegen nicht ganz gewachsen. „Sprechen Sie von der Aussag« des jungen Mannes?' fragte er zusammenfahrend. „Allerdings! In keiner Weise überzeugcnd. Man konnt's ja sehen, wie er sich's nach und nach zusammenstoppelte.„Ein großer Südamerikaner namens Ramon"— sonst nicht»! In allen Mord- fachen kommt so«in geheimnisvoller Fremder vor, der die Tat begangen hat. Aeußcrft bequem dasl" Manderton brach in ein Gelächter aus, daß die Wände des kleinen Zimmers zitterten. „Wenn nur die Kerle so vernünftig wären und einsähen, wenn sie sich im Netz gefangen haben! Da» würde der Polizei eine Un- masse Müh« ersparen." „Sie scheinen also überhaupt nicht an diesen Ramon zu glauben?" „Keine Ahnung! Es kann doch kaum ein Zweifel über das sein, was wirklich vorfiel. Mrs. Cranmore folgte ihrer Schwester ins Atelier— Ouayre schob das Mädel ab— so weit will ich ihm glauben— und kehrte in» Atelier zurück. Dann gab's eine heftige Szene, wahrscheinlich wegen ihrer früheren Beziehungen, Ouayre wird wütend, läuft ihr auf den Korridor nach und ersticht sie. Sie wankt zum Haus hinaus und er flüchtet durchs Fenster und treibt sich die ganze Nacht, von Reue erfaßt, umher. Alles ganz einfach, wirklich!" Boulot schüttelte zweifelnd den Kopf. „Ist es wirklich so einfach? In unserem Beruf, Manderton, gilt die Psychologie doch auch etwas. Wollen Sie mir tatsächlich weismachen, daß dieser gesunde und anscheinend vernünftig« jung« Mann auf die vorliegenden Indizien hin einen so grauenhaften Mord begangen hat? Ich gebe zu, nichts ist irreführender als der menschlich« Charakter. Aber«he ich einem bescheidenen, ehrlich wirkenden Menschen ein« derartig« Tat zutraue, muß ich doch erst n verständliches Motiv haben...1' Manderton zuckte- nur diq Achseln. „Lieber Freund!" fuhr Boulot fort,„ich bin fünfzehn oder oanzig Jahre älter al« Sie und habe in solcben Mordgeschichten Erfahrung. Denn Frankreich ist, wie S:« wissen, das Land der Affektverbrechen. Als ich sah, daß dieser sympathische junge Mann nicht zum Reden zu bringen war. hatte ich gleich den Verdacht, daß er jemand decken wollte. Bei den jungen Leuten geht die Ritterlichkeit immer über den Instinkt der Selbsterhaltung. Und als da» junge Mädchen sich in einem Netz von Lügen verstrickte, wußte ich das auch. Darum sah ich mich nach Spuren von eindm dritten Beteiligten um. Und ich fand sie. „Vor dem Atelier war da» Pflaster aufgerisien. Gerade vor den Stufen zum Atelier lag ein großes Stück von feuchtem Mörtel, wie sie'» brauchen, um die Steine wieder zu befestigen. Wer dort wohnt«, wie Ouayre, wußte natürlich darum und vermied dt« Stelle. Daher zeigten auch fein« Schuhe keine Spuren davon. Aber an den Schuhen von Mrs. Cranmore und ihrer Schwester fand ich sie. Deshalb meine Frag« an den Smith, ob vor dem Haus« gebaut würde. Und weiter schloß ich daraus, daß Miß Driscol im Atelier gewesen sein müsse. Aber ich fand noch einen anderen Abdruck dort: den großen Abdruck von einem gradlinigen, also amerikanischen Stiefel. Nun, Sie werden sagen: das ist ein öffentlicher Platz, wo irgend jemand vorübergekommen sein kann. Aber ich habe noch etwas anderes...' „Ein Amulett gegen den bösen Blich." Cr zog einen Umschlag au» der Tasche und leerte vier Zigarettenstümpfchen auf den Tisch. „Die stammen aus der kleinen Messingschal« im Atelier. Auf einem können Sie noch die Marke-lesen:„Gazelle". In den Der- einigten Staaten wird dies« Marke millionenweise geraucht. Aber das ist gleichgültig, die Hauptsache ist, daß sie nicht ausgeführt werden darf. Ich weiß das zufällig völlig sicher, weil ich mich für einen Freund an da» Handelsministerium wandte und eine ab- lehnende Antwort erhielt. Wo» folgt aus oll dem? Daß ein Amerikaner, der einen großen Fuß hatte und Zigaretten raucht, die ausschließlich in Amerika zu bekommen find, gestern in Ouoyves Atelier war. Sie sehen nun, wie ich zu meiner Frage auf jenem Blatt an Ouayre kam. Was nun, wenn dieser Amerikaner eben jener Ramon gewesen ist?" „Ramon?" rief Manderton.„Unsinn! Den gibt'« überhaupt gar nicht. Sehen Sie denn nicht«in. daß gerade Ihre verwünschte Frag«, die ich niemals hätte zulassen dürfen, den Ouayre eilt auf die Idee brachte, uns diesen geheimnisvollen Ramon aufzutischen?! Mein lieber Freund, ich hob' Ihnen einmal nachgegeben und daraus entsteht immer nur Verwirrung...' „Und der Abdruck des amerikanischen Stiefels?' „Halb London trägt amerikanisch« Stiefel. Ich auch." „Die Zigaretten?" „Gehören Ouayre. Er lebte doch früher in Amerika..Wahr- scheinlich hat er sich einen Haufen davon mitgebracht. Oder er hat sie sich durch einen Freund besorgen lassen...' „Sie sind schwer zu überzeugen," sagte Boulot nicht ohne Würde.„Wenn ich auf meinen Gedankengängen bestehen bleibe, so geschieht es nicht aus Rechthaberei, sondern um Ihnen«ine Un- gerechtigkeit zu ersparen. Ich habe Ihnen noch nicht alle» gesagt. Es gibt noch andere Indizien..." „Heraus damit! Wir wollen endlich damit fertig werden." „Auf jenem Fleck vor dem Hause fand ich noch«inen Abdruck von einem ganz spitz zulausenden Damenschuh. Und an der Brosche der Ermordeten fand ich das hängen...' Er zog aus der Tasche ein kleines Wottebäuschchen und fallete es auseinonder. Aus dem Weiß der Baumwolle wurde ein langes goldrotes Haar sichtbar. „Ein Frauenhaar! Was sagen Sie nun dazu?' Manderton schüttelte den Kopf und lachte. „Zu den Fußabdrücken auf einer öffentlichen Straße gar nichts! Und was dieses Haar anbctrisst, so wissen Sie vielleicht nicht, daß der letzte Mensch, der Mrs. Cranmore lebend sah, eine rothaarige Kellnerin war..." „Aber im Stiegenhaus lag ein Stückchen getrockneter Mörtel, so als ob es von der Straße hereingebracht worden wäre..." „Ohne Zweifel von Ouayre. Dielleicht hat er irgendein Ge- rausch auf der Straß« gehört und rannt« die Trepp« hinauf, noch- dem er wußte, daß der ober« Stock unbewohnt ist.. „An seinen Schuhen war nicht da» geringst« Zeichen..." .Lein Wunder, nachdem er stundenlang in der Stadt herum- gelaufen ist." „Und dann hob' ich noch da» auf der Treppe aufgehoben..." Boulot öffnete seine Hand. Auf der Handfläche lag eine dünne Silbertette mit einem birnenförmigen, blauemaillierten Anhänger, auf dem ein menschliches Auge dargestellt war. „Sie wissen, was das ist?" Manderton machte eine verneinende Gebärde. Aber sein« Neugierde schien erregt. Da war irgend etwas Handgreifliches, das er zu verstehen vermochte. „Ein Amulett gegen den bösen Blick, wie sie die Frauen in Süditalien tragen und ihren Kindern umhängen. In Neapel ficht man sie viel." Manderton nahm ihm das Amulett aus der Hand und beschaut« e« flüchtig.(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend wimiimimMimmmiimiiimiiiiiuiinimmmniimiiimmiiiiiimmiRuimmimmiiimmniimunimmimiHiiinmmmmiHmnimnimniininimimiimiimmiiniimimmminmn Zahlenrätsel. 1234546789 10 11 49 10 Luftfahrzeug: 2 8 2 9 6 Ein Salz: 3 4 9 8 4 Waffe: 4 1 11 4 9 10 4 1 Urheber: 5 2 6 6 4 Baum: 4 16 2 weiblicher Vorname: 6 4 9 6 Zahl: 7 4 1 3 4 8 kleines Schwein: 8 9 6 10 4 Atmungsorgan: 9 12 8 Gebirgszug: 10 4 8 8 4 1 5 Fabeldichter: 11 2 6 10 4 Handwerkszeug, 4 13 6 4 1 Berliner Vorort: 9 6 3 4 Kröte: 10 2 5 5 9 6 10 Artbestimmung. Versteckräisel. Schmiebus. Germervheim, Erwiderung, Badens««, Lichtbogen, Flundern, Norwegen.— Diesen Wörtern entnehme man j: drei auf. einanderfolgend« Buchstaben: richtig gefunden und nacheinander ge- lesen, ergeben dies« ein altes merkenswert«» Sprichwort. Zahlensternräisel. 14SS2.ii Gartengrät, 2 3 5..«,» Deutscher Komponist, 3 4 12.... Teil eine» Segels, 4 16 2..». Werkzeug, 5 7 2 6...» Norddeutsch« Stadt. 6 7 8 2 3... Hohlmaß, 7 4...... Tierlaut, 8 1 4 6 2... Stadt im Harz, 1 2 3 4 5 6 7 8 Allgriechischer Philosoph Kommrätsel. Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so zu ordnen, baß die senk- rechten Reihen Wörter mit folgender Bedeutung ergeben: 1. Fluh in Frank- reich, 2. Schnelläufer, 3. Berg in der Schweiz, 4. Stadt am Rhein, 5. Urkunbsbeamten, Arbeit de» Landmann«». Di« ober« wagerechte Leist« nennl ein Fest. 0 1 I I L M N N N N N N O O R R R R S S T T U W Agurenrätsel. DI: Buchstaben dieser Figur sind so zu ordnen, daß die wage- rechten Reihen Wörter solgender Bedeutung nennen: 1. deutscher Dichter: 2. Brettspiel: 3. hervorragender Staatsmann der Nach- kriegszeit: 4. Farbe: 5. Bezeichnung eines Gedichts in erhabenem Stil: 6. Vokal: 7. Konsonant.— Bei richtiger Lösung nennt die mittelst« senkrechte Reihe, von oben nach unten gelesen, den Vor- namen des unter 1. genannten Dichters. Oie Großen und die Kleinen. Du magst e» von vorn oder von hinten lesen, S» bleibt genau das gleiche Wesen. Mit r hört es auf, mit r fängt es an: Hier ist es die Frau, dort ist es der Mann. Den großen— geht es heut' besser wie je, Den kleinen aber— o weh. o weh! Man sagt, das ist der Dinge Lauf.— Wir hosf«n aber, in Zukunft hört's auf! Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Zahlenrätsel: Hermann Loens, Eros, Rose. Warne, Alma, Ilamen, Norm, Lama, Oslo, Ellen, Ranfen, hahara. Sprichwarträtsel: Der«ine hol Arbeit und Fleiß, Der andere Nutzen und Preis! Kreuzrätsel: 1. Hamm: 2. Soda: 3. Marx: 4. Dora: 5. Adam. Magisches Quadrat: 1. Zerbst: 2. Egeria; 3. Revier; 4. Bridge: 5. Siegen: 6. Tarent. Silbenrätsel: 1. Kochen: 2. adrett: 3. Hydra, 4. Osaka: 5. Esau: 6. Teller; 7. Ruhe: 8. Ostsee.— Odysseus— Herkules. Magische» Figurenrats« l: 1—13 Uelzen: 2—14 Sport: 3—15 Kell«: 4—18 Franz: 9—3 Bö»««: 10—6 Ahorn: 11—7 Iclia; 18—8 Braun a Лr. 306 45. Jahrgang Kulturarbeit Das Buch und der Arbeiter. Die Arbeiterbüchereien. Das Buch spielt in der Bildungsarbeit eine viel größere Rolle, als gemeinhin angenommen wird. Der Arbeiter fühlt bald die Mängel der Bolksschulbildung und sucht sie auszugleichen und sein Wissen zu bereichern durch Selbstbildung. Zum Besuche von Borträgen oder Absolvierung von Kursen fehlt ihm oft die Zeit, abgesehen davon, daß er auch meist zu abgespannt ist, um nach des Tages Last und Müh' an solchen Bildungsveranstaltungen so teilnehmen zu fömmen, daß der Vortragsstoff auch fruchtbar in ihm wird. Das ist anders beim Buche, das nicht zu einer vorher bestimmten Zeit in die Hand genommen und das nicht innerhalb einer begrenzten Zeitdauer, in der er vielleicht gerade am wenigften aufnahmefähig ist, gelesen sein muß. Beim Lesen wird das Tempo des Lernens von dem Leser selbst bestimmt, hat er einen Satz, eine Seite oder ein Kapitel nicht gut verstanden, fann er es wiederholen oder mit dem Lesen zum besinnlichen Nachdenken aussetzen. Ist er müde, legt er das Buch weg, um es zur geeigneten Zeit mieder aufzuschlagen. So ist das Buch das bequemste und für viele auch das intensivste Bildungsmittel, wenn das richtige Buch zur richtigen Zeit an den richtigen Mann" tommt. Aber auch für den, der Borträge und Kurse besucht, ist das Buch ein unentbehrliches Hilfsmittel. Der große Bildungsmert mahrhaft guter Schöner Literatur" für die Allgemeinbildung oft auch Seelen- und Charakterbildung foll nur nebenbei erwähnt werden. lichen öffentlichen Büchereien haben. Warum das jetzt und in ab sehbarer Zeit nicht tunlich ist, läßt sich in dem beschränkten Rahmen dieses Auffages nicht darlegen, vielleicht bietet sich später Gelegenheit. In der Schrift ,, Arbeiterbildung und Volksbildung" von Th. Leipart und 2. Erdmann wird auf Seite 46 das Volksbüchereiwefen als das einzige Gebiet der freien Volksbildung bezeichnet ,,, auf dem schon seit anderthalb Jahrzehnten planmäßig und fraftvoll von einer be Blick in die Städtische Bücherei Neukölln. 1 Sonnabend 30. Juni 1928 besteht bereits in verschiedenen Bezirken wie z. B. Charlottenburg, Neukölln, Schöneberg, Spandau, Wilmersdorf. Mit der Begründung der Einheitsgemeinde feßten Bestrebungen zur Vereinheitlichung des Berliner Büchereiwesens ein. Aber auch auf diesem Gebiet ist zu bemerken, daß sich Zentralisations- und Dezentralisationstendenzen freuzen. So wünschenswert eine Vereinheitlichung an sich ist, so läßt sie sich nicht von obenher erzwingen; fie muß langsam machsen und wird ihre Grenze immer an der Eigenart der lokalen Verhältnisse finden. Bereinheitlicht sind die BenutzungsSie bedingungen, insbesondere die Gebühren. betragen in den Stadtbüchereien 1 Marf, in den Boltsbüchereien 0,25 Mart für das Bierteljahr. Ers werbslose erhalten auf Vorzeigung ihres Ausweises Freifarten. Bon anderen Bersuchen zur Vereinheitlichung sei, hier nur die seit April d. I. erscheinende Zeitschrift„ Die Lejergemeinde" genannt, die die Bemuzer über die Neuanschaffungen der Berliner Stadtbibliothek und der Bibliotheken der Bezirke unterrichten soll. In der Person des Direktors der BerDiner Stadtbibliothek, der Volksbüchereidirektor von Groß- Berlin ist, hat das Berliner Büchereiwejen seina einheitliche Spitze; die Berliner Stadtbiblio= thet gilt als Zentrale für sämtliche Stadt- und Bolfsbüchereien Groß- Berlins. Zwischen der im ehemaligen faiserlichen Marstall untergebrachten Berliner Stadtbibliothek und den Büchereien der Bezirke soll demnächst offiziell der Leihverkehr eingerichtet werden. Es wird dann den Benüßern der Büchereien in den einzelnen Bezirken möglich sein, die reiden Schäße diefer Bibliothet, die einen Bestand von über 200 000 Bänden hat, durch Bermittlung ihrer Bücherei in Anspruch zu nehmen. Die statistischen Feststellungen der Büchereien geben nicht genügend Auskunft über den Anteil, den das Buch in der Bildungsarbeit einnimmt. Die Büchereien flagen vielfach darüber, daß die Ausleihziffern, die nach dem Kriege und während der Inflationszeit sehr hoch standen, sich in den letzten Jahren start verminderten. Sicher ist nicht mangeln. des Bildungsinteresse die Ursache der schwächeren Bestimmten Stelle aus reformatorische Arbeit geleistet worden ist".| im Durchschnitt einen Bestand von 30 000-40 000 Bänden. Manch nügung der Büchereien. Inwieweit Sport, Kino und Radio die Ausleihzahlen der Bibliotheken drücken, wollen wir heute nicht umbersuchen. Körperliche Ertüchtigung geht, soweit der Sport nicht als Selbstzmed betrieben wird, mit der geistigen Ertüchtigung Hand in Hond, und Aufgabe der Arbeiterschaft muß es sein, sich Film und Rundfunt als Bildungsmittel nußbar zu machen. Immerhin geht den Büchereien durch diese Kulturerrungenschaften nur ein Teil von Lesern verloren. Wenig wird beachtet, daß in der Zeit ber stärksten Benützung der Büchereien, in der Nachfriegszeit, der Buchhandel völlig daniederlag, weil nur sehr wenige unferer Bolfsgenossen und am allermenigsten die Arbeiterschaft, in der Lage waren, sich Bücher zu faufen. Zwar sind die Ausleihzahlen der Bibliotheken gesunken, aber die jährliche Bücherprodut. tion in Deutschland ist von 16 000 auf etwa 30 000 gestiegen. Das bedeutet unter Zugrundelegung einer Auflagenziffer von 3000 für jedes neue Buch eine Steigerung von rund 48 Millionen auf 90 Millionen Bänden pro Jahr, die sicher nicht in den Lagern der Buchhandlungen liegen bleiben. Es werden wieder Bücher gekauft und somit wird wohl auch nicht weniger gelesen als früher. Eine vor ein paar Jahren veranstaltete Erhebung des Reichs ausschusses für sozialistische Bildungsarbeit und des ADGB. ergab einen Bestand von etwa 1500 Arbeiter. büchereien im Reiche. Bollständig erfaßt wurden sicher nicht alle Bibliotheken, so daß mit annähernd 2000 Büchereien gerechnet werden darf. Wenn auch die Mehrzahl der erfaßten Bibliotheken eine Bändezahl von unter 1000 zählten, war doch eine schöne Anzahl von stattlichen Büchereien darunter, die einen Bestand von mehreren tausend Bänden, in einem Falle( München) sogar von über 20 000 Bänden aufweisen konnten. Bereits vor dem Kriege waren Bestrebungen durch den gemeinsamen Zentralbildungsausschuß der Sozialdemokratischen Partei und der Generalfommission der Gewertschaften( jezt ADGB.) eingeleitet, das Arbeiterbüchereiwefen zu zentralisieren. Der Krieg hatte die bereits gesponnenen Fäden zerrissen, die nunmehr durch Einsetzung eines Büchereibeirates beim Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit wieder zusammengeknüpft wurden. Dieser Beirat, der aus erfahrenen Arbeiterbibliothekaren zusammengesetzt ist, erstrebt in der Erkenntnis, daß das Arbeiterbüchereiwesen ein wichtiges Glieb des Arbeiterbildungswesens darstellt, einen zen tralen Zusammenschluß aller Arbeiterbüchereien, weil nur so eine planmäßige Förderung dieses Teiles unserer Bildungsarbeit möglich ift. In Konferenzen der Arbeiterbibliothekare wurden Richtlinien beraten, um eine Bereinheitlichung der Büchereiarbeit herbeizu führen. Die Aufstellung einer einheitlichen Bücherei- Syftematik war eine der ersten Arbeiten des Büchereibeirates. 3u Anfang dieses Jahres erschien ein Leitfaden für Arbeiterbüchereien", der den meift ungeschulten Arbeiterbücherwarten Anleitung geben mill ,,, wie die Arbeiten, die zur Ausgabe von Büchern notwendig find, verrichtet werden müssen". Angestrebt werden ferner Schulungs. furfe für Arbeiterbibliothefare. Schließlich soll eine zentrale Beratungsstelle geschaffen werden, von der die Büchereien mit einheit. lichem Bibliotheksmaterial versorgt und jomohl bei Anlegung Don Bibliotheken, als auch in ihren sonstigen Röten beraten werden sollen. Die Arbeiterbüchereien treten 3par nach außen wenig in Er. fcheinung, ihr Anteil an dem Arbeiterbildungswesen ist troßdem sehr groß und äußerst wichtig. Es müssen Wege gesucht werden, diesem Zweig unserer Bildungsarbeit die Mittel zufließen zu lassen, die er zu feiner Unterhaltung so dringend braucht. Die österreichischen Barteigen offen entrichten für ihre Büchereizwede einen besonderen obligatorischen Beitrag. Oft wird die Frage aufgeworfen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, der hohen Roften wegen die Arbeiterbüchereien aufzugeben und der bildungshungrigen Arbeiterschaft zu empfehlen, die öffentlichen Büchereien zu benutzen, namentlich in den Orten, wo wir in den Gemeindevertretungen Einfluß auf die Ausgestaltung der gemeind Nach unserem Dafürhalten werden die nach den Brinzipien der Deutschen Zentralftelle für volkstümliches Büchereimesen", die oben gemeint ist, eingerichteten und geleiteten Büchereien berufen sein, unsere Arbeiterbüchereien abzulösen. Leider wird das noch eine geraume Zeit dauern, weshalb die Arbeiterschaft vorläufig noch ihr eigenes Büchereiwejen erhalten und zweckmäßig ausgestalten muß. Josef Seger. Die Berliner Volksbüchereien. Schwer überschaubar wie die Riesenstadt selbst ist auch das Berliner Volfsbücherei mesen. Nicht als geschlossenes Ganzes von einheitlichem Charakter stellt es sich dar, sondern als eine Vielheit verschiedenartigster Einzelorganismen. Verschieden sind die Größentypen, die Organisationsformen, die Personalverhältnisse; verschieden ist vor allem die Entwicklungsstufe, auf der die Berliner Büchereien stehen. Das kann bei einer Stadt, die durch äußerliche Berschmelzung völlig verschiedener Bestandteile zu einem Ganzen geworden ist, nicht anders sein. Das starte Eigenleben, das die verschiedenen Stadtteile geführt haben und noch führen, prägt sich auch in ihrem Büchereiwefen aus. Nimmt man das Berliner Boltsbüchereiwesen in seiner Gesamtheit, so muß man sagen, daß Berlin auf diesem Gebiet hinter anderen Großstädten wie z. B. Leipzig und Köln sehr zurückstand und erst in den letzten Jahren versucht hat, das Bersäumte nachzuholen. Das ist um so schwieriger, als Berlin mit der unglückseligen Erbschaft eines ziemlich ausgebreiteten alten Boltsbüchereiwesens belastet ist Alt- Berlin hatte schon im Jahre 1880 21 Wolfs: büchereien und es sich also meist um Reorganisation veralteter Büchereien handelt, eine Aufgabe, die langwieriger ist und größere Anforderungen stellt als die Einrichtung neuer Büchereien. Diese Aufgabe wird, da das Büchereiwesen Sache der Bezirke ist, von den einzelnen Bezirken in Angriff genommen, sie ist je nach Lage der Dinge in diesem oder jenem Bezirk bereits gelöst, in an deren Bezirken steht die Reorganisation noch bevor. Einzelne Be3irfe wie z. B. Spandau, Stegliz, Wilmersdorf haben stattliche Neugründungen aufzuweisen. Geplant ist, daß jeder Bezirk eine zentrale Bücherei unter hauptamtlicher Leitung hat. Dieser 3entrale, die den Namen Stadtbücherei führt, liegt die Bücherversorgung des Bezirks ob; ihr sind je nach Bedarf 3 weig stellen( Boltsbüchereien) angegliedert. Eine solche Organisation Sitz der Deutschen Zentralstelle für volkstümliches Büchereiwesen in Leipzig. Berlin hat etwa 100 Boltsbüchereien, etwa 25 mit Zeitschriften und Zeitungen ausgestattetc Lesesäle, deren Benugung unentgeltlich ist, und zwölf Kinderlesehallen. Bon diesen Büchereien umfaßt die fleinste weniger als 100, die größte mehr als 80 000 Bände; die vorhin aufgeführten Stadtbüchereien haben einer wird fragen: mo steden diese Bücherschätze eigentlich? Wir haben leider dafür feine schönen eigenen Gebäude, wie das in den Bereinigten Staaten selbst in kleineren Orten der Fall ist. Unsere Büchereien blühen sehr im Berborgenen, sind oft in Schulräumen oder anderen städtischen Gebäuden notdürftig untergebracht. Soweit das unter den augenblicklichen Verhältnissen möglich ist, hat der neue Geist, der in viele Bolfsbüchereien eingedrungen ist, auch am äußeren Gemand der Volksbücherei manches gebessert. Eine Ueberficht über die Berliner Boltsbibliotheken ist im Adreßbuch( 2. Teil) H. N. und im Amtsbuch der Stadt Berlin zu finden. Besuch im Reiche der Bücher. Aus dem Schacht der Untergrundbahn hastet man hinauf in den Tag, stodt, steht geblendet vom Licht inmitten der Straßenkreuzung vor dem Neuköllner Rathaus. Kaum vermag man die Straße zu überqueren, so jagt und flutet der Verkehr mit Straßenbahnen, Autos, Gemüsekarren, Lastwagen, gestikulierenden Geschäftsleuten und schreienden Zeitungsverfäufern. An den Ansammlungen vor dem Rathauseingang vorbei eilt man die Straße entlang, umrauscht von dem Lärm dieses von Geschäft und Arbeit fiebernden Stadtviertels. In dem Komplex des Stadtbades liegt auch die Bibliothek. man durchschreitet die Halle der Anstalt, fast etwas überwältigt von der Pracht des schweren und fühlen Marmors, ein würdiger. achtungerzwingender Vorhof für eine Bücherei. Da ändert sich das Bild vollkommen, man öffnet eine Tür und tritt aus der wuchtigen hohen Halle in eine Idylle von Grün und Licht, wie in einem träumenden Kloster führt ein Säulengang um das Quadrat eines Rasens zu dem niedrigen Bau der Volksbibliothek, den die Sonne überflutet, daß der Rasen goldgrün aufleuchtet. So fern und verfunken erscheint hier die Großstadt mit ihrem Getöse und ihrer Hege. Nebenan befindet sich ein Garten mit alten Bäumen. Sie ragen herüber in die außerordentliche Stille, die den Besucher so start pact, weil ihn noch vor wenigen Minuten der rasende Rhyth mus der Großstadt umfing. Hier ist der Ort, wo alles zur Befinnung, zum Sichversenken in die Rätsel des Ichs und der Welt einlädt, wo die Schäße des Menschengeistes in Abertausenden von Büchern für jeden bereitstehen, wo er Beratung findet, wenn er por ihrer Fülle nicht ein und aus weiß, wo er Hinweise erhält, in welchen Werken er die ihn bedrängenden Probleme tiefer studieren fann, wo für den, der zu Hause in den eigenen vielleicht überfüllten und lauten Räumen feine Möglichkeit der Sammlung und des ruhigen Lesens findet, ein Lesesa al vorhanden ist, der mit seinen Nachschlagewerken, feiner Ruhe und Bequemlichkeit zugleich als ein jederzeit bereiter und ausgezeichneter Studiersaal der Boltsbildung betrachtet werden kann. Bereitwillig gibt die Leiterin Austunft über die Verhältnisse dieser Bücherei und ihre Arbeit. Die Bibliothet ist eine städtische Anstalt. Jeder der 20 Berwaltungsbezirke Berlins hat eine mehr oder minder ausgebaute ähnliche Einrichtung. Aber wer weiß viel davon? Hier wird eine stille, segensreiche, unscheinbare, aber in ihrer Wirkung weitreichende Arbeit getan. Diese Bezirks- Volks büchereien haben noch Rebenstellen. Da und dort sind Kinder lesehallen eingerichtet. Ungeheuer muß wohl die Benugung folch einer vorzüglichen Einrichtung sein? Der Bezirk Neukölln hat 250 000 Einwohner. Die Zahl der regelmäßigen Leser dieser Bücherei beträgt- 6000! Ist das nicht eine verschwindend fleine Zahl? Nicht für den, der fich in der Boltsbildungsbewegung auskennt. Natürlich könnte die Zahl noch steigen, wenn die Deffentlichkeit stärker auf diese Einrichtungen achtete oder von ihnen müßte, und wenn noch mehr Zweigstellen vorhanden wären, denn die Bücherei muß für die Bemuzer leicht erreichbar sein. Es scheint an der Zeit zu sein, daß die Bevölkerung sich ernster mit dem Bolfsbüchereimesen abgibt, damit noch mehr solcher Inseln der Berinnerlichung und geistigen Stärkung, solcher Dafen der Stille und des Kulturmillens im Trubel der Großstädte entstehen, und daß man endlich beginnt, die Bedeutung des Volks. bildungswesens tiefer zu erfassen. Baltin Hartig. Seglerhaus am Stößensee. Ein neues Heim der freien Segler. Benn Seglersleute von sich reden machen, dann muß es eine besondere Bewandtnis haben. Feste im Freien sind eigentlich nicht gerade eine besondere Bewandtnis; wenn aber ein solches Fest ein Werk krönt, das nach 30jährigem Etreben geschafft ist, nun, so liegt ein besonderer Anlaß vor und dann reden eben Seglersleute und machen von sich reden. 11 Der Vorsitzende, Friz Tinius, fonnte auf dem mit Klubund Verbandsflaggen, mit schwarzrotgoldenen und Stadtfahnen reichgeschmückten Platz eine große Zahl Gäste begrüßen: den Vertreter des preußischen Innenministeriums, vom Magistrat der Stadt den. Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Drigalsti und Stadtrat Ahrens, und Charlottenburgs Bürgermeister Augustin, die Am Stößensee ist heute nachmittag ein Seglerflubhaus feiner Stadträte Bilt, Karrer. Die Land- und Wasserbehörden hatten. Bestimmung übergeben worden, das nicht mit Bankanweisungen ebenfalls Bertreter entfandt, Stadt und Bezirksverordnete und die vermögender Leute bezahlt wurde. Der Seglerverein| Delegierten der Verbandsvereine und des Borstandes waren Stößensee", einer der größten Bereine im Freien Segler zahlreich erschienen. Konzertvorträge und Gesänge des Boltschors verband", hat sich dicht an der Heerstraße ein Haus bauen R lassen, das ein Zentrum für seine Bestrebungen werden soll. So fest der ideelle Untergrund für den Hausbau bei den Mitgliedern war, so schwankend war er auf dem Grundstück. Im Frühjahr suchte man ein Stückf Grund vergebens; das geringste Hochwasser überflutete das Land. Aber der vom Schnellbahnbau unterwühlte Rosenthaler Platz fand am Stößensee fröhliche Auferstehung: Bierzig 3illen brachten Erde und Sand und mit ihrer Hilfe wurde der Plaz einen Meter hoch aufgeschippt. Nun ist ein großes, schnudes Haus auf ihm entstanden, und heute nachmittag wurde es ge= weiht. Stadtrat Horlig fonnte angesichts des Musterhäuschens in seiner Weihrede mit besonderer Betonung auf die ideelle Bedeutung dieses Nutzpunktes für den Gegelsport hinweisen. Charlottenburg, das in seinem Bezirk viele großartige Wassersportanlagen beherbergt, sei um eine reicher. geworden. Auf grünen Rasenflächen, an fiesbestreuten Kiuntol M gaben den tünstlerischen Rahmen, ein Feft im Freien schloß sich an. Wegen erhebt sich ein 35 Meter langes, einstöckiges Landhaus, das| Harmonie Charlottenburg unter Mag Schaarschmidt neben einem in warmer Holztäfelung gehaltenen großen Saal Schrankräume, mehrere 3immer für die Jungmänner, ein Geschäftszimmer und eine Wohnung für den Hafenmeister enthält. Naturlackiertes, märkisches Riefernholz, ein grünes Dach und viele, viele Blumenkästen geben dem Ganzen nach außen ein ungemein freundliches Aussehen. Nach der Wasserseite hin begrenzt eine lange Veranda die Front. Von der 75 Meter langen Wasserfront gehen drei lange, breite Stege ins Wasser, die 120 Booten Unterfunft bieten. Die ganze Anlage ist mit einem soliden Komfort, der überall zweckmäßig ist, ausgestattet.schaft schlechthin sein. Auf nach Grünau! Zur Regatta der Fréien Ruderer. Bor den Regaffatribünen am Grünauer Sportdenkmal fahren die Arbeiter- Ruder- und kanuvereine morgen, Sonntag, ihre große Berliner Regatta. Rennen in Ruderbooten aller Art wechseln mit Kanukonkurrenzen ab; die dem Arbeiter- Turnund Sportbund angeschloffenen Bereine wollen den Beweis erbringen, daß der Mannschaftssport in ihren Reihen eine gute Pflegeflatt hat. Beginn der Rennen 13,30 Uhr. Die Arbeiterschaft wird gebeten, durch zahlreichen Besuch die Veranstaltung zu unterstützen. Jugendkampfabend bei Heros". Der Borklub Heros versammelte gestern abend seine An hänger in seinen Räumen draußen im Norden Berlins und bot mit Schöneberger Bogfreunden einen flotten interessanten Kampfabend. In den zwei harten Trainingskämpfen zeigten die ,, Herosjünger" die erfolgreich aufsteigende Arbeit ihres Vereins. Den Einleitungskampf der Fliegengewichtler Riethdorf Sparta mit Strelau- Schöneberg entschied Sparta mit Punkten für fich. Der Bantamgewichtler Schulz- Heros, als der genauere im Schlag, beendete seinen Kampf mit Kolbe- Schöneberg tlar nach Buntten. Bothe- Westen vermochte dank seiner größeren Reichweite den sympathischen Salifiac- Heros auszupunkten. Das Federgewicht paarte zwei flotte Gegner, die der Schiedsrichter unentschieden trennte. Der Jugend- Mittelgewichtler Naß- Heros hatte den Schöneberger Ebeling bereits mit seine schweren Stoppern in der ersten | Am Ufer des Stößensees haben genossenschaftlicher Geist, ziel bewußtes Streben einer einigen Mitgliedschaft und die selbstlose, bis zur Selbstverleugnung gehende Arbeit einer Baufommission ein Werk für den freien Segelsport geschaffen, das in seiner Art einzig und vorbildlich ist. Den Seglern vom Stößensee wird es der Ausgangspunkt für Wett- und Wanderfahrten, eine Stätte der Geistesund Körperkultur, ein Beweis für das Kulturstreben der ArbeiterRunde so erschüttert, daß der Ringrichter den Kampf wegen der zu großen Ueberlegenheit von Naß stoppte. Und der wuchtige Lehmann- Sparta schlug dann den Heros Jäckel in der zweiten Runde aus. Krisenluft in Wien und Prag. Der professionale Fußballsport im Wanken. Sowohl in Prag, als auch in Wien mehren sich die Stimmen, die das Aussterben des berufsmäßigen Fußballspiels voraussagen. Einige Vereine haben aus finanzieller Not feinen anderen Ausweg gewußt, als schnellstens die Berufsspieler zu verabschieden, so beispielsweise der Deutsche Fußballklub in Prag. Auf Anregung des Sektionsausschusses beschloß der Vorstand des Desterreichischen Fußballbundes, die Ligavereine zu einer schriftlichen Stellungnahme aufzufordern, ob sie im Herbst den Professionalismus aufrechterhalten wollen. Bei diesem Anlaß wird der Vorstand darauf hinweisen, daß er im nächsten Jahre die Trennungslinie zwischen Amateuren und Berufsspielern noch schärfer ziehen, dagegen Sorge tragen werde, daß etwa zum Amateurismus zurückkehrende Vereine eine völlig entsprechende Einteilung in die Amateurklassen finden werden. Die Beantwortung dieser Anfrage muß bis 20. Juli erfolgen. Dem Schritt von„ Hakoah"-Wien werden sich wahrscheinlich andere Vereine anschließen und damit wäre der Untergang des fontinentalen Berufsspielertums besiegelt. 1 Borausfagen für Hoppegarten: 1. Teufros Prädicta; 2. Eisläufer Lahneck; 3. Leda Serapis; 5. Schwarzdorn Melkart; 7. Steineibe Sanssouci. Veilchengrund; 4. Skalde Ausnahme; 6. Tasna Die Autos der Welt. Amerika hält noch die Spitze. Nach der alljährlich von der Handelstammer in Washington veröffentlichten Statistik waren am 1. Januar 1928 in allen Ländern der Welt 29 687 300 Kraftfahrzeuge in Umlauf( 1. Januar 1927: 23 491 763). Von diesen waren 25 168 741 Personenwagen, 204 382 Autobusse und 4314 177 Nuzfahrzeuge. Von der Gesamt3iffer entfallen allein auf die Bereinigten Staaten 23 262 183 Wagen, dann folgen Großbritannien mit 1071 000, Frankreich 956 212, Kanada 949 504, Deutschland 456 000, Australien 423 521, Argentinien 265 030, Spanien 176 075, Italien 158 000 usw. Die größten amerikanischen Automobilkonzerne sind die General Motors Company, in der ein Kapital von über 1½ Milliarden Dollar investiert ist, an zweiter Stelle steht Ford mit über 1 Milliarde Dollar, ferner der kürzlich gebildete Chrysler Dodge- Konzern, Studebaker und Pacard. Der Verkaufswert der Produktion hat 5 Milliarden Dollar überschritten, ohne Zubehör, Gummi, Glas und sonstige Nebenprodukte. Mehr als 500 000 Arbeiter werden ausschließlich mit der Herstellung von Wagen beschäftigt. Der Durchschnittslohn der Arbeiter hat sich in den letzten sieben Jahren verdoppelt, die Produktion ist in dem gleichen Zeitraum um mehr als das Bierfache gestiegen. Mit der höchsten Tagesproduktion stehen immer noch Chevrolet an der Spize, die täglich 6200 Wagen herausbringen; dann tommt Ford mit 2000, der es in diesem Jahr noch auf 2500 bringen will, Willis Overland mit 1900, Hudson Effer 1425, Datland Pontiac 1200, weiter Dodge, Buick, Chrysler, Durant, Studebaker mit 950 bis 650 Wagen täglich. Als fördernde Momente für die außerordentliche Verbreitung des Automobils in den Vereinigten Staaten sind an erster Stelle niedrige Steuern und billiger Brennstoff zu nennen. Die Durchschnittssteuer ist sehr gering, etwa 4 Dollar jährlich pro Wagen, dazu tritt noch eine indirekte Steuer von 2 Cents auf die Gallone Betriebsstoff( etwa 4,5 Liter). Trotzdem können die ameritanischen Staaten sehr hohe Beträge für Straßenbauten anlegen, für 1927 waren z. B. für diese Zwecke 700 Millionen Dollar ausgeworfen. Neue Bücher. Unter dem Titel„ Die Leibesübung des Kindes" hat Oscar Drees, der bekannte Bremer Lehrer und Jugendleiter im ATSB., foeben ein Lehrbuch im Arbeiterturn- Verlag erscheinen lassen und damit im Schrifttum über diese wichtige Frage eine große Lücke ausgefüllt. Der Verfasser erläutert zunächst den Sinn der Leibesübungen unter besonderer Berücksichtigung des Kindes und schildert die Notwendigkeit, die körperliche und geistige Entwicklung bei der Hlebungswahl in Rechnung zu stellen. Auch in der körperlichen Erziehung der Kinder der städtischen und ländlichen Arbeiterschaft find verschiedene Methoden erforderlich, die jedoch alle dem einen Zweck dienen: die Jugendlichen zu aufrechten Menschen zu erziehen, die für die Rechte und Ziele der Arbeiterschaft wirksam einzutreten imstande die besonders sorgfältige Auswahl und Ausbildung der mit der find. Leibesübungen sollen Erziehungsmittel sein. Das fezt Leitung der Kinder Betrauten voraus. Drees gibt eindringlich die Leitfäße für die Gründung und Einrichtung von Kinderabteilungen an und erläutert alle in dieses Gebiet gehörigen Fragen. Für die Kinder sind besonders Spiele, gymnastische Uebungen, Schwimmen und Wandern geeignet. Der zweite Teil des rund 250 Seiten umfassenden Werkes ist den praktischen lebungen gewidmet. Den Abschluß bilden rund 70 instruktive Bilder aus dem Uebungsbetrieb und eine umfangreiche Zusammenstellung der empfehlenswerten Schriften über Kinderturnen. Arbeiter- Sportklub„ Boran", Niederschönhausen. Alle Mitglie der, auch die Kinderabteilung, treffen sich Sonntag, 1. Juli, pünktlich mittags 12 Uhr, im Vereinslokal Blasinski, Kaiser- Wilhelmstr. 1, zum Festzug des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Pankow. Turnzeug ist mitzubringen. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. lobe! ohne Anzahlung ohne Aufschlag Schlafzimmer Herrenzimmer Speisezimmer Einzelmöbel Mod. Küchen Polstermöbel Korbmöbel Teppiche bis 24 Monatsraten besonders günstig bei der Bekabe Gegründet und beaufsichtigt vom Gesamtbetriebsrat d. Magistr. Berlin. Gemeinnützige Geschäftsführung Gesellschaftshaus Tanz F Der brave Mann mit seiner Frau. geht zum Gesellschaftshaus Grünau nur Breite Strasse 7 Berliner Wik- Trio Gegenüber dem Marstall. Neukölln. Lahnstr.74/ 75 L SOMMER Beginn Montag 2. Auverkauf Juli KAUFHAUS MAX GIESEN, MAX GIESEN, BERLIN- MOABIT TURMSTRASSE 42 ECKE OLDENBURGERSTRASSE