BERLIN Mittwoch, 4. Juli 1928 Der Abend Erfoeint täglich außer Sonntags. Rugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 10 Pf. Nr. 312 B 154 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37586. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Die Aussprache hat begonnen! Die größte deutsche Partei, die Sozialdemokratie hat das Wort. Breitscheid spricht. Bei Eröffmmg der heutigen Reichstagssigung, die von den Ab. geordneten start besucht ist, und der die Zuhörer auf die Tribünen in großer Anzahl folgen, teilt Präsident Löbe zunächst mit, daß der Rehtsausschuß den Abg. Kahl( D. Bp.) zum Borsitzenden und den Abg. Landsberg( Soz.) zu dessen Stellvertreter gewählt hat. Eingegangen ift der Gesetzentwurf über den Nationalfeiertag, der am Schluß der Tagesordnung behandelt werden soll. Ein Auslieferungsbegehren des Generalftaatsanwalts beim Landgericht I Berlin gegen den Abg. Pied geht sofort an den Geschäftsordnungs ausschuß Präsident 25 be teilt zu den Erörterungen über die Wahl ber drei Bizepräsidenten mit, daß nach der Geschäftsordnung alle drei Bicepräsidenten gleichberechtigt sind. Die Bemerkung des Bräsidenten, daß er ersucht worden sei, dies in irgendeiner Form mitzuteilen, wird mit lebhafter Heiterfeit aufgenommen, denn jeder versteht sofort, daß der mit Hilfe der Kommunisten gerade noch Fnapp zum Bizepräsidenten gewordene Abg. Gräf( Dnat.) draußen im Lande den schweren Verdacht von sich abwälzen will, ein Vizepräsident britter Güte zu sein. Bräsident Löbe führt dann aus, in der geftrigen Situng habe der Abg. Leom auf den Tisch des Hauses, was der Präsident nicht bemerken fonnte, Gegenstände niedergelegt( 3urufe der Kommunisten: Künstlerseife), ohne die Genehmigung des Präsidenten nachgeholt zu haben. Dies müsse aber unbedingt geschehen. Außer dem habe Abg. 2eow Beamte und Angestellte des Reichstags, während sie ihre Arbeit ausführten, belästigt. In Zukunft werde ein derartiges Berhalten als Berstoß gegen die Ordnung des Hauses behandelt werden.( 3uftimmung der übergroßen Mehrheit, Geshrei der Kommunisten.) Warum habt ihr die Revolution gemacht? Für die nun beginnende Debatte sind zwei Rebnerreihen mit je einer Stunde Redezeit vorgesehen; die Fraktionsstärte nicht er. reichende Gruppen erhalten zusammen in der zweiten Rednerreihe zwei Stunden Redezeit. Abg. Frid( Hakenkreuzler) erhebt gegen diesen Beschluß des Welteftenrats Biberspruch. Ein großer Tag im Reichstag. Der Reichskanzler Müller- Franken verliest die Regierungserklärung. Amundsen am Leben? Eine bisher unbestätigte Meldung besagt, daß Amundsen an| lorengegeben, da sie nur wenig Nahrungsmittel und weder Gewehre Bräfibent Löbe: Die Einreihung der nichtfraktionsstarten Gruppen erft in der zweiten Rednerreihe ist aus der Braris des einem füdlichen Vorgebirge von Spihbergen durch einen nor noch Schlafsäcke mit sich führte. Die Lundborg- Gruppe befindet sich Reichstages in der vorrepublikanischen Zeit übernommen worwegischen Auffer zufammen mit der englifchen Bacht„ Albion" in zunehmender Gefahr, da nach den letzten Berichten das Eis start den.( 3uruf eines Hafentreuzlers: Warum habt Ihr denn gereftet worden sei. Beide Schiffe befänden sich auf dem Weg zu schmelzen beginnt. dann die Revolution gemacht? Langanhaltendes stürmi- nach Tromsö. Das italienische Flugzeug Marina" wird ihnen fches Gelächter faft des ganzen Reichstages.- Präsident Löbe: Da entgegenfliegen.- Die norwegische Regierung hat das Angebot der das Haus auf diese Frage bereits geantwortet hat, tann ich es unter englischen Regierung, zur Reffung Amundsens mehrere Flugzeuge laffen. Lebhafte heitere Zustimmung.) 10 zur Verfügung zu stellen, danfend abgelehnt. Das Rettungsschiff Rachdem noch der Kommunist Stöder für den Antrag seiner völti. Besle Kari" foll bereits am Donnerstag abend Tromsö verlassen, fchen Berbündeten eingetreten war, wird dieser Antrag gegen Haten- da die englischen Maschinen, die das Schiff begleiten sollten, zu spät freuz und Sowjetftern abgelehnt und der Vorschlag des Helteften eintreffen und dadurch die Abfahrt verzögert würde. rates mit großer Mehrheit gebilligt.- Nummehr beginnt die Aus. fprage über die Regierungserflärung mit folgender Stebe bes Abg. Dr. Breitscheid( Goz.) Die Wahl vom 20. Mai hat dem Reichstag ein wesentlich ver. änderies Bild gegeben und entsprechend dieser Veränderung mußte auch die Regierung, die nach unserer Bersaffung möglichst die Mehrheitsverhältnisse des Parlaments verkörpern soll, andere Gestalt annehmen. Das Bolt hat gesprochen und wenn auch sein Wochebung auf der 2. Seite.) Oslo, 4. Juli. Das geophysische Institut in Tromsö hat von der englischen Jacht Albion" die Mitteilung erhalten, daß am Dienstagmorgen Radiofignale von einem norwegischen Fischfutter aufgenommen worden feien, aus denen hervorzugehen scheine, daß Amundsen und feine Begleiter fich wohlbehalten an Bord des Fischkutters befänden. Der Jacht sei es jedoch nicht gelungen, die Lage des Fischfutters fest zustellen. Das geophysische Institut hat sich an das italienische Flugzeug Marina I" gewandt, das sofort aufstieg, aber nach sechs Stunden wieder zurückkehrte., ohne den Fischfutter gefunden zu haben. Auch die ,, Hobby" hat den Auftrag erhalten, nach dem Fisch tutter zu suchen. Die norwegische Polizei hat jezt in Harstadt einen Fischer gefunden, der behauptet, die Latham- Maschine am Morgen des 19. Juni in 400 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gesehen zu haben. Diese Nachricht ist insofern interessant, als die letzten Funkmeldungen von dem französischen Flugzeug am Abend des 18. Juni aufgefangen wurden. Nobile hatte am Dienstag mit zwei Presseberichterstattern eine furze Unterredung. Er lag im Bett und fah angeblich äußerst mitgenommen aus. Er erklärte, er gedente feine Bolarforschungen in 3ufunft fortzusetzen, da er Quft bekommen habe, sich auch weiter auf diesem Gebiete au betätigen. Die Malmgreen- Gruppe wird jetzt von Sachverständigen verVorübergehende Abkühlung Mittagstemperatur in Berlin etwa 20 Grad Die Lohnsteuer wird gesenkt! Durch ein bürgerliches Nachrichtenbureau wird die Mitteilung verbreitet, daß Steuerfragen in der gegenwärtigen Seffion des Reichstages nicht mehr behandelt werden. Auch eine eventuelle Senfung der Lohnsteuer und der Einkommensteuer bei fleineren Diese Einkommen werde frühestens im Herbst erfolgen. Nachricht, die aus Bersehen leider auch bei uns abgebrudt morden ist, entspricht nicht den Tatsa chen. Die Erklärung der Reichsregierung hat zwar die Prüfung der Senkung des Tarifs der Einkommensteuer erst für den Herbst in Aussicht gestellt. Sie hat jedoch ausdrücklich hinzugefügt, daß die Frage, wie weit bei den Einkommen bis zu 8000 Mart, die dem Lohnabzug oder der veranlagten Einkommensteuer unterfiegen, eine Erleichterung angestrebt werden soll, Dordringlich" erscheint. Das bedeutet zweifellos, daß die Reichsregierung der Meinung ist, mit der Senkung der Lohnsteuer brauche man nicht bis zum Herbst zu warten, sie fönne bereits jest vor der Bertagung des Reichstags beschlossen werden. Selbstverständlich kann die Reichsregierung von sich aus feine Initiative entfalten. Denn ein von ihr vorzulegender Gesezentwurf müßte verfassungsgemäß erst an den Reichsrat gehen und würde dort sicherlich so spät erlebigt werden, daß er dem Reichstag nicht mehr rechtzeitig zugeht. Aus diesem Grunde kann die Anerkennung der Vordringlichkeit der Sentung der Lohnsteuer durchaus bedeuten, daß die Reichsregierung auch mit einem Initiativgesetz der Parteien einverstanden ist. Der Reichsfinanzminister Dr. Hilferding hat deshalb auch bereits zu einer Besprechung der Parteiführer über die Besteuerung des Einfomens bis zu 8000 m am Mittwoch nachmittag eingeladen. Bon dem Berlauf dieser Besprechung wird es abhängen, in welcher Form die Frage der Lohnsteuerjentung in Fluß gebracht wird. Breitscheids Rede. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Votum infolge der unheilvollen Vielzahl von Parteien und Gruppen nicht durchaus eindeutig genannt werden kann, so steht doch das eine unbedingt fest, daß das Volt gesprochen und entschieden hat gegen den vürger- block.(Sehr wahr links.) Gerade die stärkste Partei der vergangenen Bürgerblockregierung. gerade die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei, hat in diesem Wahl- kämpf die schwersten Verluste erlitten und die stärkste Partei der damaligen Opposition, die Sozialdemokratie, hat nach der Zahl ihrer Stimmen wie ihrer Mandate sich erheblich v e r st ä r k t. Die Deutschnational« Partei hatte schon vor Beginn des Wahl- kämpfe? gerode der Sozialdemokratie den denkbar schärfsten Kampf angesagt. Es hallte durch ihr« Presse und durch ihre Wahloersamni- lungen die Parole Gros Westarps: Die Sozialdemokratie ist der Feind, Marxismus und Sozialdemokratie müssen vernichtet werden. Die Deutschnationalen haben in diesem Kampf gegen die Sozial- demokratie den kürzeren gezogen. Sie sind unterlegen. Nach- dem sie die Parole ausgaben, gegen Marxismus und Sozialdemo- kratie zu streiten, stellte sich heraus, daß sie auf Granit g e- bissen hatten. Nun entstand die Frage, wie die neue Regierung des treuen Reichstags aussehen solle. Don vornherein wäre keine einzige Partei stark genug, allein aus ihren Mitgliedern eine Regierungsmehrheit zu bilden. Es hätte aber auch keine Mchn hcit für den Versuch gegeben, eine Regierung zu schaffen, an der nur die Parteien des alten Bürgerblocks beteiligt gewesen wären. Und so blieb für jeden, der aus sachlichen Gründen«in Kabinett auf mög- lichst breiter Basis errichten wollte, ein Kabinett, dos die nötige Festigkeit gegenüber allen Angriffen besäße, nicht anderes als der Gedanke der sogenannten G r o ß e n K o a l i t i o n. An den Be- mühungen, diese Große Koalition im Reich zu schaffen, ist die Sozial- demokratie führend beteiligt gewesen. Es stand von vorn- herein fest, daß diese Bemühungen sehr schwer sein würden, schwer für die beteiligten bürgerlichen Parteien, noch schwerer für die So- zialdemokraten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sicher wäre es sehr viel bequemer für die Sozialdemokratie gewesen, sich von diesen Bemühungen fernzuhalten uick» den anderen den Versuch einer Regierungsbildung auf einer anderen Basis zu ü b e r l a s s« n. Das haben wir nicht getan, an einer solchen Jhaltung hinderte uns unser verankwortlichkeilsgefühl gegenüber dem deutschen Volk« und gegenüber den arbeitenden Schichten. Wollen wir, ganz ohne Unterschied der Partei, einem Parlament angehören und erblicken wir in einem Parlament, auch in diesem, ein wertvolles Instrument unserer Arbeit, so haben wir die Pflicht, die sich dort bietenden Möglichkeiten zur unmittelbaren Leeinslusiung der Regierungspolitik wahrzunehmen.(Sehr richtig bei den Soz.) f Abrechnung mit den Kommunisten. Wir können die von den Kommunisten vertretene Auffasiung nicht gutheißen, daß das Parlament nur eine Tribüne sei, von der aus wir den Kapitalismus zu geißeln und die Bourgeosie zu entlarven haben. Tribünen, die solche Möglichkeit und Gelegen- heit bieten, gibt es im Lande draußen mehr als genug.(Sehr rich- tig links.) Das Parlament hat andere Aufgaben, und jeder, der sich an der Wahl beteiligt, der sich Mandate zu erwerben sucht, hat diese Aufgabe mit zu erfüllen. Wir wollen auch nicht wie die Kam- munisten die Diktatur des Proletariats predigen. Zunächst weil wir grundsätzliche Gegner der diktatorischen Staatsordnung in jeder Gestalt sind und grundsätzliche Anhänger der Demokratie und de« demokratischen Staatswesens. Bor allein aber auch, weil die D i t» tatur nichts nutzt, wenn, wie es heute der Fall ist, die prak» lischen Voraussetzungen zu ihrer Errichtung fehlen. Si«(zu den Kommunisten) haben ja kürzlich auf dem Wege über die tommuni- stische Internationale sozusagen ein politisches Weltprogramm veröffentlicht— ein Programm auf viel weitere Sicht, als das gestrige Regierungsprogramm, ein Programm, in dem ausgeführt wird, daß in absehbarer Zeit zunächst ein neuer Weltkrieg kommen müsse und werde, daß ihm der Bürgerkrieg in allen Län- dern folgen werde, dessen Resultat eine proletarische Dir- tatur, zunächst noch stark unter sozialistischem Einfluß, sein und daß erst dahinter die kommunistische Diktatur kommen werde, um den Kommunismus in Reinkultur durchzuführen.(Heiterkeit bei den Soz., wildes Geschrei der Kommunisten.) Dieses Programm ist für Jahrzehnte vielleicht, für Jahrhunderte aufge- stellt. Wir Sozialdemokraten sagen uns ganz nüchtern, in der Zwischenzeit muß doch auch etwas geschehenl In der Zwischenzeit ist doch wohl auch Arbeit zu leisten, und zwar soviel Arbeit als möglich im Interesse derer, die wir vertreten. Wir haben im Parlament uns zu bemühen, eine Mehrheit zu- standezubringen für unsere Auffassung, für unser Programm, für unsere Anträge.,(Entrüstungsrufe der Komm.)>hSie stellen doch un- gezähste Antrage, Si« überschütten das Parlament mit Hunderten von Anträgen. Wenn das nicht rein demonstrative Anträge sein sollen, muß es Ihnen doch darum zu tun sein, kür dies« Anträge eine Mehrheit zu gewinnen, um praktische Politik treiben zu können. Und dieser Weg ist Ihnen doch prinzipiell nicht ganz un- bekannt. Am Ausgang des vorigen Reichstags haben Sie sich doch sogar sehr eifrig um eine Mehrheit für Ihre Amnestieanträg« bemüht, besonders auch da drüben bei den Deutfchnationalen. (Heiterkeit links), also scheint es doch auch der Sinn Ihres Vor- gehens zu sein, eine Mehrheit Im Parlament zu gewinnen!(Sehr gut! bei den Soz. Murren bei den Komm Regierung und Parteien. Die Große Koalition im eigentlichen Sinn« ist nicht zustande gekommen. Bei den gegebenen Parteiverhältnissen war ein« andere Verhondlungsmethode nicht möglich. Das Kabinett ist offiziell nicht das Kabinett der Großen Koalition, wir haben ein Kabinett Müller. Man nennt es Kabinett der Persönlichkeiten oder der Führer. Dies« Namen sind unberechtigt.(Zwischen- ruf« bei den Komm.). Das Kabinetr der Köpi« könnte ja nur von den Kommuni st en gebildet werden, freilich nur, wenn in diesen Köpfen das Sprech Werkzeug die.Hauptsache wäre.(Heiterkeit.) Daß die Mitglieder des Kabinetts nicht an ihre Fraktionen gebunden feien, ist ein« künstliche Konstruktion. Di« Kabinettsmitglieder können ihre Funktionen nur oerrichten, solange sie da» V e r- trauen ihrer Fraktionen besitzen. Die Bindung besteht also, wenn auch wenigr unausgesprochen. Für uns Sozialdemo- traten gilt die Bindung unbedingt. Die sozialdemokratischen Minister haben unser Bertrauen, und si« können arbeiten, solange sie der Zustimmung unserer Fraktion sicher sind. Das ist keine Koalitions- regierung, ober ste ist behaftet mit ollen Schwächen einer Koalitionsregierung. Nicht zuletzt muß auch die Sozial- demokratische Partei Zugeständnisse machen und Kompromisse eingehen. ' Wir Sozialdemokraten wissen sehr genau, daß die Verwirk- lichung des Sozialis in us aus dem Wege über eine Koa- litionsregierung mit bürgerlichen Parteien nicht erreicht werden kann. An dieses Ziel gelangen wir in der Tat nicht, wenn wir mit bürgerlichen Gruppen zusammen marschieren. Wir wissen aber auch, daß dieses Ziel unerreichbar ist, solange die Gegner des Sozialismus stark genug sind, sich unserem isolierten Vor- marsch in den Weg zu werfen und ihn zu verhindern. Unsere Aufgabe ist es, soviel Einfluß i« der Regie- rwng zu gewinnen und auszuüben, um in dem seinem Wesen nach kapitalistischen Staat so viel als möglich für die Arbeiterklasse herauszuholen und Unheil und Nachteil von ihr abzuwenden. Wäre die Aussicht dazu so oder so verbaut, so wäre der Moment gekommen, in dem unsere Minister Stock und Hut nehmen würden, um das Kabinett zu verlassen. Koalition und Lpposi- tion ist nicht etwas, was sich in seinen Zielen wider- spräche. Wir fühlen uns stark genug, i« jeder Situa- tion, sei eS in der Regierung, sei es in der cpposttion, unser Ziel im Auge zu behalten. lBeifall b. d. Soz.) Die Regierungsrtlärung hat ganz selbstverständlich den Geist einer Koalitionsregierung. Sie ist sehr umfangreich gewesen, weil mancherlei Interessen und Anschauungen verschiedener Parteien be- rücksichtigt werden sollten. Ihr Umfang bewies aber auch, daß sich dieses Kabinett n i ch t als ein Provisorium ansieht, daß es nicht darauf aus ist, eine Existenz von nur wenigen Wochen zu fristen. Der Umfang der Regierungserklärung bewies, daß das Kabinett den willen zum Leben hat. Würden wir Sozialdemokraten in der Lage sein, ollein für uns eine Regierungserklärung abzugeben, so hätte diese wahrscheinlich recht beträchtlich anders gelautet. Eine Reihe von Forderungen, die heut« nicht in der Regierungserklärung entholten sind, würden in sie gelangt sein, und sichere, die darin sind, würden fehlen. Bei Reichskanzler Müller-Franken beim Parieren eines Zvischenrujes den Fragen der Wirtsachst, den Finanzen und der Sozialpolitik würden unsere Formulierungen zweifellos präziser und schärfer gewesen sein. Wir hätten deutlicher gesprochen vom Achtstundentag, von der Ratifizierung des Washingtoner Abkommen», vom Arbeiterschutz- gcsetz, von der Herabsetzung des steuerfreien Existenzminimums, von der Kontrolle der Kartelle; wir hätten schärfer und nachdrücklicher die Schäden der bisherigen Zollpolitik unterstrichen. Wir würden ein klareres Wohnungsbauprogramm heraus- gearbeitet haben. In der Amnestiefrage hätten wir nur zu» rückgreifen brauchen auf die Stellung, die wir am Schluß des letzten Reichstags eingenommen haben. Wir hätten schärfer noch die Todes st rase verurteilt, obwohl es uns angenehm berührt hat, daß dieser Gegenstand in der Regierungserklärung zur Sprache gekommen ist, und daß sich die Regierung stark macht, die Länder- regierungen aufzufordern, einstweilen verhängte Todesstrafen nicht zu vollziehen. Auch die Frage de» Schulgesehe, hätten wir anders formuliert und dabei ausdrücklich erklärt, wenn schon auf die Bestimmungen der Verfassung Rücksicht genommen wird, nicht mir diejenigen Bestimmungen berücksichtigt werden müssen, die wenigen Parteien die wesentlichsten zu sein scheinen, sondern vielmehr die ganze R e i ch s v e r f a s s u n g. Wir wissen, daß das Schulgesetz neu« große Auseinandersetzungen über Einzel- flogen bringen wird. Wir sind damit einverstanden, daß eine Lösung dieser Frag« gefunden wird, und wir hoffen, daß es mög- lich ist, die m i t t l« r e L i n i e zu finden, auf der alle berechtigten Wünsche und Ansprüche erfüllt werden können. Immerhin sind alle dies« Themen im Regierungsprogramm erst angeschlagen worden, und unsere Aufgab« wird sein, daß sie nicht in der Re- gierungecrilärung vergraben bleiben.(Sehr wahr bei den Soz.) Di« in Aussicht gestellten Prüfungen sollen sehr schnell vor- genommen werden. Auf chr« Ergebnisie wollen wir Sozialdemo- kraten den denkbar stärksten Einfluß zu nehmen bsmüht sein. Die sozialdemokratisch« Fraktion hat mit Genugtuung die Er- klärung der Regierung zur Agrarpolitik begrüßt. Die Sozial- demokratie ist der Anwalt der praletaristerten Kleinbürger, Bauern, Pächter und Siedler ebenso, wie sie die Vertretung für die Industrie- arbetter war und sein wird. Wir werden allcS unterstützen. waS die Heilung der Agrarkrise auf dem Wege einer Verbesserung und Verbtlligung der landwirtschaftlichen Produktion und einer Stabilisierung der Preise zum Ziele hat. Wir werden alle volkswirtschaftlich zu rechtfertigenden Pläne fördern, über die Umschuldung kurzfristiger Kredit«, Säuberung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens von l r a n t e>i E x i st e n z e li, verstärkte Förderung der kleinbäuerlichen Siedlung, Aerbesserung des landwirtschaftlichen Bildungswesens, Standardisierung der bäuerlichen Erzeugnisse, Zusammenarbeit zwischen Konsument und Produzent. Im Interesse der Pächte? werden wir beschleunigten Erlaß eines Dauerpa htschutz» ge s e tz c s fordern. Wir werden die Bauernpolitik fortsetzen, die wir schon am Ende des vorigen Reichstags durchzusetzen uns be< müht haben. � Sehr wichtige Aufgaben sind in der Steuerpolitik zu er- füllen. Die steigende Ueberbelastung mit öffentlichen Abgaben aller Art ruht in elfter Linie auf den Schultern der breiten B o l k s m a s s e n. Wir begrüßen es deshalb, daß die Reichsregierung die Senkung der Lohnsteuer als eine vordringliche Aufgabe betrachtet. Diese hat in den ersten fünf Monaten.dieses Jahres über 100 Millionen mehr er- bracht als im Vorjahr. Bei gleichbleibender Wirtschostsentwicklung ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das vorgesehene Höchstaufkommcn erheblich überschritten wird. Aber außer dieser Senkung der Lohn- steuer muß auch die andere Steuerlast mehr nach der Trag- fähigkeit verteilt werden. Die Finanzpolitik ist so durchzuführen, daß den hohen Sleuer- - leislungen der Alafse auch hohe Leistungen des Staates für die Allgemeinheil gegenüberstehen.(Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Das sind ein paar Dinge, auf die wir unser Augenmerk immer richten werden und ebenso unsere Minister. Denn ich wiederhole, unsere Minister im Kabinett haben keine Blankovollmacht, sie stehen unter der stetigen Kontrolle der Fraktion hier im Hause und der Partei draußen. Di« Deutschnationalen haben durch den Mund einer ihrer Vertreter privatim erklärt, die Regierungs- erklärung von gestern hätten sie auch unterschreiben köncn.(Heiter- keit.) Run, wir haben ja die Deutschnationalen in der Praxis ge- nügend kennengelernt. Es kommt nicht daraus an. daß man etwas ausspricht und an- erkennt, um sich aus diese weise die verschlossene Tür zu einem Kabinett zu öffnen, sondern aus das, was praktisch geleistet wird. (Sehr wahr! bei den Soz.) Meine Fraktion ist durchaus einvcr- standen mit dem, was die Regierung gestern durch den Mund des Reichskanzlers über ihre auswärtige Politik gesagt hat. Wir sind die eigentlichen Anhänger einer Politik der Der- ständigung, insbesondere auch mit den Westmächtcn, in erster Linie Frankreich. Wir können uns nichts versprechen von den Rezepten, die am Schluß des vorigen Reichstags und während des Wahlkampfes von deutfchnati analen Rednern verkündet und an- gepriesen worden sind, von einer engeren Annäherung an Italien und Ungarn. Wenn wir aber von Verständigung sprechen, so sprechen wir auch gleichzeitig von den Hindernissen, die nicht durch unsere Schuld dieser Verständigung noch im Wege stehen, das ist vor allem die fremd« Besatzung am Rhein und an der Saar. Wir verlangen auch in dieser Stunde aufs neue die Räumung des besehten Gebiete». Wir freuen uns darüber und begrüßen es mtt Genugtuung, daß vor wenigen Wochen in der französischen Kammer unser Freund Auriol dieselbe Forderung mit Nachdruck erhaben hat. Er hat unter lebhaftem Beifall der Linken des französischen Parlamentes gesagt, daß jetzt, wo eine neue Regierung im Reiche ans Ruder ge- kommen fei und an der Spitze«in Vertreter des Sozialismus stände, die letzten Borwände für die N i cht l i q u i d i e r u n g des Krieges beseitigt wären. Wir haben untere Forderung nie abhängig gemacht und machen sie auch jetzt nicht abhängig von der Zusammensetzung der deutschen Regierung. Eins nur möchte ich noch denen sagen, die jenseits der Grenze noch zögern und säumen: Wenn sie vorher Dorwände zu haben glaubten und Bedenken gegen den rechten Flügel des Dürgerblocks. diese Bedenken sind weggeräumt. In der Regierungserklärung besonders billigungswert erscheint uns das Bekenntnis zur Republik und zur Demokratie. Wir ver- langen, daß alle, die in dieser Republik stehen und es nicht sü? unwürdig halten, sich von dieser Republik bezahlen zu lasten, alles vermeiden, was als Gegensatz zur Weimarer Verfassung in die Er- scheinung treten kann. Aber es kommt nicht in erster Linie darauf an, was In der Regierungserklärung steht. Denn die Regierungserklärungen sind «in Stück beschriebenes Papier(Hört, hört! rechts), sie oergehen und verwehen. Worauf es ankommt, das ist der Wille, der hinter ihnen steht: das sind die Leistungen, die die Regierung auf- bringt. Di« Regierungserklärung liegt vor. Jetzt an die Ar- beit, an die Arbeit für das deutsch« Volk, für die arbeitende:! Schichten.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Darauf erhäit der Abg. Westarp(Dnat.) das Wort zu seiner Oppositionsrede.___ Granaienexplosion in Tarnowih. Sech« Kinder getötet, vier schwer verletzt. Sattowih, 4. Toll. 3n Tarnowih ereignete sich am Dienstag nachmittag ein schwere» Unglück. Kinder fanden beim Spielen eine Handgranate, die explodierte. Sech» Kinder Im Aller von drei bis zehn Jahren wurden sofort gelötet, vier Kinder schwer verletzt. An dem Aufkommen der Schwcrverlchten wird ge- zweifelt. Die polizeilichen Ermittlungen sind sofort ausgenommen worden. Ein Teil der polnischen Press« behauptet in einer Polemik über den Unglückesall, daß die Handgranate in einem Hause gqfunden worden sei, in dem zur Abstimmungszoit ein deutsches Kommissariat untergebracht war. Dies« Behauptung entbehrt jedoch jeder Grundiag" Die Todesfahrt des Pfarrer-Ehepaares. Die beiden Chaulseure Paul Grellmann und Otto Bendeleit, die sich wegen des Auto- Zusammenstoßes zu verantworten hatten, bei dem das Psarrer-Ehe- paar Suin de Boutcmord den Tod fand, wurden wegen fahr- lässiger Tötung zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gcrtchi billigte den Angeklagten eine dreijährige Bewährungsfrist zu, weil sie noch nicht bestrasi sind. Armer Parkclgenoff? hat am Dienstag vormittag zwischen 10Vc und liV* Uhr aus dem Weg« vom Schisfbauerdamm bis Karlstratze einen Lederbeutel mit 120 Mark verloren. Da das Geld dem Verlierer nicht gehört, wird der Finder gebeten, das Geld in der Hauptcxpedition des»Vorwärts", Berlin SW68, Linden st r. Z. gegen Belohnung abzugeben. kinderfreundc Groß, Versin. Achtung! Heute, Mittwoch, 20 Uhr, Rathaus. Zimmer 109, Versammlung aller Helfer, die am Zeltlager teilnehmen.— Kreis Mille: Alle Kinder und Helfer, die sich am Zeltlager beteiligen, treffen sich Donnerstag, 17 Uhr, im Heim Zehdenicker Str. 24/25. Wetterbericht der ösfenllichen Wetterdienststelle Berlin und Ilm- gegcnb.(Rachdr. oerb) Teils heiter, teils wolkig, Temperaturen am Tag« wieder langsam ansteigend.— Für Deutschland: Im Osten vielfach Gewitterregen mit Abkühlung, im Westen Vesterung und wieber Erwärmung. I Das Echo der Regierungserklärung Berlegene Opposition der Reaktion rechts und links. Das neue Reichskabinett hat sich in seiner Programmerflärung darauf beschränkt, die wichtigsten Ziele seiner praktischen Tätigkeit aufzuzeigen. Die Wirkung ist verblüffend. Die deutschnationale und die kommunistische Opposition sind sich angesichts ihrer Unfähigkeit, fachliche Kritit zu üben, im Urteil wieder einmal einig. Der Generaldirektor fommt" rief ein Kommunist gestern, noch ehe der Reichs kanzler Müller überhaupt zu sprechen begonnen hatte. Bis zum späten Abend ist den jungen Leuten der Roten Fahne" nichts Besseres eingefallen, und so besteht ihr Leit artikel auch nur in dem Wiederkäuen der gleichen Parole, die die Sozialdemokratie zum Handlanger des Trustkapitals und des Bürgerblocks stempeln soll. Auf dieser Parole baut sich auch ein Mißtrauensantrag auf, den die KPD. im Reichstag eingebracht hat. Sie weiß zwar, daß der Antrag abgelehnt wird. Aber warum sollten die Kommunisten nicht Leuten eine Freude machen, die am Wiederfäuen gehaltsarmer politischer Nahrung ihren Spaß haben? ,, Es ist gar nicht unmöglich, daß das Fehlen jedes, aber auch jedes sozialistischen Einschlags im Regierungsprogramm auf doppelte sozialistische Attivität in der Pragis hinweist. Ansatzpuntte finden die Sozialisten in den allgemeinen Redewendungen genug." Na also! Dem haben wir als Sozialisten nichts hinzu zufügen außer höchstens die Bemerkung, daß die Deutsch nationalen jedenfalls in dieser Regierung nicht mitzureden haben darüber, wie weit sozialistische Politik getrieben werden wird. " Die Preffe der Demokraten stimmt der Regierungserflärung zu. Das demokratische Berliner Tageblatt" verlangt fogar, die Regierung solle sich nicht mit der Billigung des trauensvotum vom Reichstag verlangen. Zurückhaltender ist Programms begnügen, sondern sie solle ein formelles Berdie Germania", der das Schicksal der Schulvorlage und trauensvotum vom Reichstag verlangen. die Rechte der Religionsgemeinschaften Sorge machen was man ihr nach dem Reinfall des Zentrums im Bürgerblock respondenz", das einzige offizielle Berliner Organ der Deutschen Volkspartei, betont den Charakter des RegierungsDer sozialdemokratische Fraktionsvorstand programms als kompromiß und hofft, daß praktische Arbeit die widerstreitenden Kräfte in der Regierung führen großen Menschenmassen begrüßt und unter großer militärischer Eskorte durch die mit Flaggen und Begrüßungstafeln festlich geschmückten Straßen geleitet wurden. Die Fenster und Dächer der Häufer waren von Zuschauern dicht besetzt. Italienische Refordsucht. 3wei Ozeanflieger nach Südamerika gestartet. Das bedenkliche Abenteuer des Generals Nobile läßt auch andere Luftheroen Italiens nicht ruhen. Die beiden italienischen Refordflieger Ferrarin und Del Perte sind nach einer Meldung aus Rom am Dienstag abend gegen 20 1hr zu einem Ozeanflug über Algier, Gibraltar und Westafrika nach Buenos Aires gestartet. Mit dieser 7500 Kilometer langen Strecke wollen sie Chamberlins Streckenreford Amerita- Deutschland brechen. Verhandlungen in der Metallindustrie. Die Parteien heute vor dem Schlichter. Ist Reichskanzler Müller den Kommunisten der Generaldirektor, so ist er dem Hugenbergschen„ Tag" der„ Bour- wohl nachfühlen kann. Die Nationalliberale Kormittlung anzurufen. Heute vormittag 10 Uhr sind nunmehr Abg. Wels Abg. Dittmann Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat die Abgeordneten Breitscheid( Bild auf der 1. Seite), Dittmann und Wels zu geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt. Bisher hat der jetzige Reichskanzler Müller- Franken die Geschäfte der Fraktion geführt. geois Müller". Was hätten diese Leute für Freude Was hätten diese Leute für Freude gehabt, wenn der Reichskanzler ein demagogisches Programm heruntergebetet hätte. Wie schön hätte man da schimpfen fönnen. So aber wagt man nicht einmal, die sozialpolitischen Forderungen und die Ankündigung der Lohnsteuersenkung ernsthaft zu kritisieren. Die jungen Leute von den Deutschnationalen haben noch nicht einmal gemerkt, daß derartige Zusagen aus dem Munde eines sozialdemokratisch beeinflußten Ministeriums etwas anderes bedeuten, als wenn fie von der Partei des organisierten politischen Betruges vertreten werden. Darum die verlegene Schnoddrigkeit. Allerdings fann sich Hussong im Lotal Anzeiger" nicht verkneifen, das anzudeuten: ,, Und in der Mitte der Ministerbank sitt Herr Severing mit dem flugen, hartnädigen Kopf und schweigt beredter als Herr Müller redet." Der Deutschnationalen Parteiforrespondenz" ist ebenfalls nicht wohl bei diesem Programm in den Händen dieser Männer. Sie schreibt: Armer Kahl! Gott schüße ihn vor seinen Freunden. Die ,, Deutsche Zeitung", die mit besonderer Inbrunft für die Beibehaltung der Todesstrafe und für die Straflosigkeit der Fememorde eintritt, tut sehr entrüstet, weil die Regierung Hermann Müller laut gestriger Erklärung sich nicht an die Einzelheiten des von ihrer Vorgängerin eingebrachten Strafgesehentwurfes gebunden fühlt. Dies bezieht sich natürlich auch auf die im Entwurf beibehaltene Todes strafe. Man versteht, daß die ,, Deutsche Zeitung", die wegen der menschlichen Urteilsbegründung im Falle Kiebach über unsere ,, weibisch gewordene Zeit" lamentiert, mit der Stellung des jetzigen Kabinetts zum Strafgefeßentwurf gar nicht zufrieden ist. Humoristisch aber wird die Sache, wenn sie aus der Regierungserklärung Müllers eine persönliche Kräntung des greisen Professors Kahl, des geachteten Borsigenden der Strafrechtskommission, in folgender Weise zu konstruieren sucht: Bu zerstören also, was aufzubauen begonnen ist das ist das Ziel. An diefer Tatsache können auch die netten Worte nichts ändern, die Müller dem Senior des Rechtsausschusses sagte, dem Abg. Kahl, dem er als einem der Befürworter der Großen Roalition munmehr den Dant vom Hause Müller erstattet. Berhängnisvoller aber als dieser Undant ist die Ankündigung" Dies liest man, schlägt um und entdeckt auf der Rückseite des gleichen Blattes folgende interessante Notiz: usw. usw. wird. Nur den Kommunisten bleibt es vorbehalten, Arm in Arm mit den Deutschnationalen gegen eine Regierung zu fämpfen, die in der Sozialpolitik, in der Wirtschafts- und Steuerpolitik und in der Kontrolle der Monopole und Kartelle sich viele Forderungen der Arbeiterschaft zu eigen gemacht hat. Heil Moskau und Doorn! Unverbefferliche Nationalisten in Frankreich. Paris, 4. Juli.( Eigenbericht.) Die Regierungserflärung des Reichskabinetts Müller hat bisher in der Pariser Presse nur wenige Kommentare gefunden, zumal Regierungsfreise sich offenbar dazu nicht äußern fonnten. Allerdings zeigen die Blätter allein schon durch die große Aufmachung, welches Intereffe fie dieser Erklärung beimeffen. Die jenige Stelle, die bisher am meisten Eindrud gemacht hat, ist die neuerliche Versicherung des Reichstanzlers, daß Deutschland auf jede Revanche verzichte. Weniger angenehm berührte allerdings die praktische Schlußfolgerung aus dieser Friebens. erklärung: fofortige bedingungslose Rheinlandräumung und 2 brüstung auch bei den Siegerstaaten. Immerhin findet das Deuvre" dieses Verlangen durchaus natürlich und Sauerwein im" Matin" erklärt, die Forderungen des Reichskanzlers Müller, des Führers einer Partei, die schon die schönsten Beweise ihres guten Willens gegeben habe, verdiente die wohlwollendste Prüfung durch die interessierten Regie. rungen. Die Rechtspresse allerdings ist wie immer, sofort auf dem Blan, um in den höchsten Tönen zu protestieren. Der„ Gaulois" bezeichnet es als eine unverschämtheit, die bedingungslose Rheinlandräumung zu verlangen, zumal wenn man bedenke, daß biefe Forderung von einem sozialistisch inspizierten Rabinett ausgehe. Die Sozialisten hätten sich immer und überall als demagogische Finanzverwalter gezeigt. Sie hätten in Deutschland und in Frankreich den Staatsbanterott verursacht und sie würden sicherlich auch jetzt versuchen, Frankreich um den letzten Rest seiner Reparationen zu bringen. Auch der venir" bezeichnet es als eine Schamlosigkeit, wenn die neue Reichsregierung schlimmer als die Deutschnationalen alles mögliche verlangt, ohne auch nur das Geringste als Gegenleistung anzubieten. Nur eine einzige Gegenleistung werde in Aussicht gestellt: das Versprechen der Loyali. tät bei der endgültigen Liquidierung der Nachkriegsprobleme. partei) während der vergangenen Seffion Einspruch zu erheben, fowie auch gegen dessen ungerechtfertigte Angriffe auf verschiedene Mitglieder der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Eine derartige Rundgebung stellt etwas Neues dar und bemeist, wie start die Erregung deutsch nationaler Kreise gegen den Boltsparteiler Kahl ift." Diese Entrüstung" hindert die Deutschnationalen aber nicht, wie man sieht, die Person des Professors Kahl als Aushängeschild für ihre reaktionäre Strafrechtspolitik zu benutzen. Immerhin dürfte Professor Kahl über solchen„ Dant vom Hause Westarp" einigermaßen erstaunt sein. Die Atlantik- Flieger in Irland. Begeisterter Empfang. London, 3. Juli. Bei der Landung des Flugzeugs„ Europa" auf dem Flugplab Balbonnel waren anwesend Präsident Cosgrave, der deutsche Generalfonful Dr. v. Dehn- Schmidt, die Minister des irischen Freistaates und hohe Offiziere des Heeres und der Polizei. 15 Flug zuge des irischen Freistaates waren nach der DublinBucht geflogen, um den atlantischen Fliegern das Geleit zu geben. Als sie mit der„ Europa" wieder in Sicht tamen, brach die Menge in stürmische Zurufe aus. Das deutsche Flugzeug beschrieb zwei Kreise und fam dann herunter. Als es den Boden berührte, durchbrach die Menge die Schranken, Mädchen winkten mit Flaggen und Männer warfen ihre Hüte in die Luft. Sie liefen hinter dem FlugMetallindustrieller über den Abschluß eines 2ohn. und Da die direkten Verhandlungen mit dem Verband Berliner manteftarifes für sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der BBMI.- Betriebe gescheitert waren, hatten die Funktionäre in der vorigen Woche beschlosse den Schlichter für Groß- Berlin zur Verdie Berhandlungen aufgenommen worden. Sie werden von dem ftellvertretenden Schlichter Bauer geleitet.. Beide Parteien begründeten zunächst ihre Forderungen und Abänderungsanträge ziemlich eingehend, so daß man in den Vormittagsstunden nicht über die Beratung des Manteltarifs hinaustam. Die bekanntlich heftig umstrittene Lohnfrage dürfte aller Voraussicht nach erst in den späten Nachmittagsstunden behandelt werden. Berlin reist. Der Ferienverkehr, der bereits gestern in Berlin sehr start einsetzte, hat heute vormittag eine weitere Steigerung erfahren. Besonders am Nachmittag des heutigen 3 weiten Ferientages war der Ansturm auf allen Abgangsbahnhöfen außerordentlich start. Schähungsweife dürften bis heute mittag etwa 200 000 Ferienreifende Berlin verlassen haben. Interessant sind einige Zahlen, die Aufschluß über den Berkehr auf den einzelnen Abgangsbahnhöfen geben. Den stärksten Berkehr hat wie alljährlich der Schlesische Bahnhof zu verzeichnen. außer den planmäßigen D- und Eilzügen gingen ein Feriensonder zug nach Insterburg und zehn Vor- und Nachzüge zu den Hauptzügen nach Königsberg, Breslau, Schneidemühl, Frankfurt ügen nach Königsberg, Breslau, Schneidemühl, Frankfurt a. d. Oder und Küstrin ab. Vom Anhalter Bahnhof wurden brei Ferienfonderzüge nach München und Stuttgart, fomie je zwei Bor- und Nachzüge nach Dresden, Frankfurt a. M. und München gefahren. Aehnlich war der Verkehr auf dem Potsdamer Bahnhof. Außer vier Feriensonderzügen mußten fechs Bor- und Nachzüge nach Harzburg, Basel, Thale im Harz, Köln und Magdeburg in Betrieb gestellt werden. Den Görliger Bahnhof verließen sechs Vor- und Nachzüge nach Schlesien und den Stettiner Bahnhof fünf Vor- und Nachzüge mit dem Ziel Ostsee. Auch auf dem Lehrter Bahnhof mußten megen des Anbranges zahlreiche Vor- und Nachzüge eingesetzt werden. Ernst Legal Der neue Direktor der Krolloper Verbrechen in Klein- Machnow? In Klein- Machnow an der Chauffee nach Gütergoh wurde auf einer Wiese ein zunächst unbekannter Mann tot aufgefunden. Die Ortspolizei von Stahnsdorf stellte ihn fest als einen 53 Jahre alten ehemaligen Fuhrmann Wilhelm Uebe, der in der Kolonie Weft" zu Stahnsdorf wohnte und früher in der Berliner Straße 84 zu Wilmersdorf gewohnt hat. Die Ortsbehörde verist und benachrichtigte auch das Berliner Polizeipräsidium und die mutet, daß lebe einem Berbrechen zum Opfer gefallen die Potsdamer Staatsanwaltschaft. Am Tatort erschienen Oberflaatsanwalt Pfaffe und Kriminalkommiffar Dr. Dräger, um den Befund und die Ermittlungen aufzunehmen. Man will in der Gegend in der Nacht Schüsse gehört haben. Nähere Feststellungen fehlen noch. „ Im Rechtsausschuß des Reichstages, der Dienstag nachmittag zusammengetreten ist, war eine bemerkenswerte Kundgebung zu Berzeichnen. Sämtliche deutsche nationalen Mitglieder des deug her, mährend es auf dem Boden entlang der Halle zuroute. für Damen und Herren. In ihren Betrieben arbeiten tunstvoll erdachte BügelHauptmann Köhl und Herr von Hünefeld folgten. Nach der fleden sehr preiswert als Qualitätsarbeit ausgeführt. Die Baleteria verbindet Begrüßung begaben sich die Flieger nach Dublin, mo fie pon Ausschusses waren schon der Eröffnungsfikung fern geblie ben, um dadurch gegen die einseitige Amtsführung des wiedergewählten Ausschußvorfihenden Profeffor kahl( Deutsche BoltsWER SEINE FERIEN BOTE FÜR EINE Mit Recht populär geworden ist die Baleteria, bie hygienische Kleiderpflege apparate, auch werden Reparaturen, chemische Reinigung, Kunststopfen, Ent größte Sngiene mit schonendster Behandlung der Kleibung. Jeber bebiene fich ihrer Filialen oder rufe sie durch Telephon oder Karte. RECHT GENIESSEN WILL. DER LERNT NOCH VOR DER ABREISE DIE GEZWECKMASSIGE ERNAHRUNG AUF DER GROSSEN SOMMERSCHAU AM KAISERDAMM Von 9 bis 9 Uhr geöffnet( Einlaß bis 8 Uhr). Eintrittspreis: Erwachsene 1.50 Mk., Jugendliche 0.75 Mk. Familienkarten( für 2 Erwachsene & und 2 Jugendliche oder 3 Erwachsene) 3.50 Mk., Kinder- Zusatzkarte 0.25 Mk.- BEI SCHONEN WETTER: KONZERT IN DEN FUNKTURMGARTEN Zweimal Luftschlacht. I. Londoner Kriegsfilme und Kriegsspiele. Das Londoner Carlton- Theater auf dem Haymarket ist seit Monaten dreimal täglich ausverkauft: für„ Wings", einen Fliegerfilm mit dem Thema: Weltkrieg. Die Rahmenhandlung des Films, eines Paramountprodufts, ist gut, wo sie allgemein Menschliches berührt( vgl.„ Große Parade"), entsetzlich fitschig und von beleidigender Gemeinheit aber in der Schilderung des Etappensumpfes, weil man spürt, wie dieser Etappensumpf von den Machern des Films bejaht wird, von diesen Leuten, die zwar das Grauen zu zeigen verstehen, und wie zu zeigen verstehen, dabei aber immer auf das Silber schielen, das damit zu verdienen ist. Fünfzig Pro. zent dieses großen amerikanischen Thrillers" wird jeder anständige Mensch geradezu als scheußlich empfinden, das technische können und das ehrliche Refortierenkönnen aber, das sich in den anderen fünfzig Prozent offenbart, ist grandios. Des Zuschauers Nerven - das ist keine Uebertreibung find gestrafft, gezerrt, gespannt, gepeitscht, es ist schrecklich. Er hält den Atem an, hofft, daß es bald aufhört, hat aber gleichzeitig Angst, daß es aufhört. Im Orcheste: spielt manchmal Musik. Meistens rast ein Flugzeugmotor oder etwas, was man dafür hält, brüllt als einzig mögliche Begleitung 31 Bildern, wie diesen: Aufsteigende Flugzeuge. Flugzeugtette. Flugzeugschwarm. Auftauchen der Gegner. Hazz. Schüffe. Jagende Blize. Flügellahm minden sich getroffene Maschinen. Taumeln. Irren. Brennen. Stürzen. Zerschmettern. Das Drhester heult, alles tut weh. Weiter: Wieder Propellergesaus. Luftdurchfurrung. Augengespanntheit. Pfeilgepfeif. Bomben gedonner. Schüssegeknall. Schrapnellgewölk. Seltsam si htba: wird die Akustik der Schlach. Unten gleitet Landschaft. Unten zieht Truppe. Flieht Truppe. Schützt sich vo: Bomben. Kriegt sie doch. Menschen und Tiere reißt es in Fezzen. Förmlich hört man die Schreie der Qual. Immer hat der Zuschauer den Eindruck. mitzufliegen, mitzu: asen, so ist das gemacht. Minutenlang sitt man in der Kälte der tausend Meter in der Hize des Gefechts.( Einen Moment raus aus der Illusion, Klarheit darüber: Die Technik stammt vom„ Potemkin", die Ethik aus dem Sheckbuch.) Festgel hnallt im Sig eines amerikanischen Flugzeuges pfeilen wir wie rafend hinter die deutschen Linien. Bersen Bomben! Töten. Töten! Haben getötet. Brüden gesprengt. Truppen ertränkt. Stürzende Pferde. Berstente Erde. Und wir fliegen! Fliegen! Um uns andere! Lluch taumelnde! Sich Windende! Brennende! Da stürzt einer mit dem deutschen Kreuz! Da auch ein Engländer ab! Rachesluch des Kameraten. Und Racheflug! Tötend! Tötend! Töterd! Zuletzt, im Irrtum, Kampfgenossen tötend..... II. Und dann gab es am vergangenen Sonnabend in Hendon, einem nördlichen Londoner Vorort, ein bißchen Luftkrieg in praktischer Männergesangverein Arion Brooklyn. Amerifa in Berlin. Demonstration, genannt Royal Air Force Display". Ift auf dem Haymarket am Ende doch alles nur ein Film, so war in Hendon diesmal am Ende doch alles nu: ein Spiel, und fürs Ansehen gewiß ein schönes. Mit dem Ansehenlaffen der englischen Luftflotte von 200 000 Mens hen sollte wohl gezeigt werden, daß sie eben mirklich ansehnlih ist, aber ja. Doch da schlage ich vorhin den wirklich ansehnlich ist, aber ja. Doch da schlage ich vorhin den Sunday Dispatch" auf, und da schreibt mun wieder der Herr Prä fident der Königlichen Luftfahrtgesellschaft, die Engländer hätten doch nicht genug Flugzeuge für den friegerischen Ernstfall, was schade wäre, wo man sich doch schon für dreihunderttausend Pfund Sterling ein wundervolles fomplettes Geschwader( mit Reserven!) faufen fann, währenddes ein ordentliches Kriegsschiff, dessen Wert doch überdies in unserer Zeit ein höchst problematischer sei, heute zutage niht unter fieben Millionen Pfund Sterling zu haben sei, aber vielleicht im Inventurausverkauf billiger? 200 Flugzeuge gab es diesmal in Hendon zu sehen, 300 Offiziere, 2000 Mannschaften-, imponierend. Großartige Staffelflüge, Loopings, auch Außenloopings, mas furchtbar schwer sein soll, Egerzierübungen, wobei die Kommandos vom Führerapparat aus per Radio gegeben, aber auch unten aufgefangen und per Lautsprecher allgemein verbreitet wurden, sehr intereffant. Bei gegenseitige Schlachten, die man fich hier auf Grund vorheriger Bestellung liefert, gingen die angeblich getroffenen Flugzeuge brennend nieder. Was so demonftriert wird, daß unter ihren Flügeln gewaltige Lampen aufleuch ten, während den Weg des Fliegers eine dide Rauchfahne ten zeichnet. Höhenwettflüge wurden veranstaltet, Geschwindigkeitsrennen. das Inbrandsezen einer Delraffinerie gezeigt, dann auch ein neuer Flugzeugtyp: mächtig steif, schmalflüglig, aber riesengroß, der nach veränderten Rohrbachprinzipien erbaute inflegible Beardmore Ganzmetall- Monoplan" mit einer Flügelspannweite von 150 Fuß und einem Gewicht von 15 Tonnen; dann gab es noch, aussehend wie ein großer fliegender Drachenfisch, das schwanzlose Pteredactyl". Ja, da gibt es alles. Die Luft war außerdem natürlich von einem Höllengeknatter erfüllt; bloß in den Zwischenpausen streute ein Orchester durch den Mund von 41 Lautsprechern luftige Weiser über die Wiesen. Zum Schluß stieg ein schöner filberner Feffelballon auf, wurde angegriffen, brannte an, sant als Feuerballon, indes, programmgemäß den Fallschirm auf dem Rüden, ein Mann Bejagung absprang, wobei niht programmgemäß die brennerden Ballonfezzen ihn umflogen. daß es nur so qualmte, und das Publifum, besonders das weibliche, in entzückte Rufe ausbrach:„ Lovely" und Beautiful" und" Bern nice". Auch die heiligen drei Könige, die neben den Botschaftern von acht Nationen und den Gesandten von Stücker fünfundzwanzig unter den Zuschauern waren, sollen ihre höchste Zufriedenheit ausgesprochen haben: Georg von England, Alfonco von Spanien und Ofori Atta von der Goldküste. Erich Gottgetreu( London). PP Die Dame und ihr Chauffeur." Zitania Palast. Die Es ist nicht recht verständlich, warum man im Sommer Filme ohne jede Bedeutung uraufführt, da doch gerade bei der allgemeinen Flaute ein guter neuer Film weitestgehende Beachtung finden würde. Für Die Dame und ihr Chauffeur" ist ein furchtbares geht, nachdem er scheinbar alles verloren hat, arbeiten. Eine solche Tatsache wird schon seit Jahren von allen Filmmanuskriptfabrikanten als äußerst luftiger". Einfall gehörig breitgewalzt. Diesmal wird der ehemalige Millionär Chauffeur und der Herrenfahrer zeigt den Berufschauffeuren erst einmal, was richtiges Fahren ist. übrigen Dienstboten benehmen sich sehr nedisch( es handelt sich nämlich laut Ankündigung um ein nedisches Spiel), sie stehlen so ungefähr alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Und wenn sie nicht gerade ihre Herrschaft bestehlen, füllen sie ihr ruhevolles Leben mit Liebschaften aus. So wie die Zofe auf der Leinwand erscheint, wirft sie sich dem Millionär a. D. an den Hals; doch der Herrenfahrer bleibt fest, er ist in der Tat eine Lilie im Sumpf. Bor lauter moralischer Qualität schwellen ihm die Armmuskeln und er wird zum Lebensretter echt amerikanischen Stils. Zum Schluß heiratet dann die Dame ihren Chauffeur. Ein imposantes Unternehmen: der Männergesangver= ein Arion fommt aus Brooklyn über den Ozean gefahren, um an dem internationalen Massensingen in Wien, Franz Schubert zu Ehren, teilzunehmen. Unterwegs, nahe am Reiseziel, macht er in der deutschen Reichshauptstadt Etation und gibt in der Phil- Manuskript zusammengeschmiert worden. Der reiche Lebemann harmonie ein Konzert. Das Berliner Publikum, sehr zahlreich erschienen, grüßt die deutsch- amerikanischen Gäste mit großer Herzlichkeit, die durch die freundschaftliche"( nicht etwa nur, wie es sonst heißt, freundliche) Mitwirkung des Berliner Lehrergefang vereins einen Akzent follegialer Sympathie erhält. Die Stimmung, durch die Hochsommerhize draußen und drinnen nicht eben gefördert, hebt sich, steigert sich zu beträchtlicher Begeisterung, je mehr das abwechslungsreiche, freilich ein wenig bunte Programm den Sängern Gelegenheit gibt, unter der Führung des Dirigenten, Musikdirektor Heinz Fröhlich, ihr vielseitiges, hochentwickeltes Können zu entfalten. Ein Chor, den besten deutschen Männer: chören ebenbürtig, ausgezeichnet geschult, mit schönen Stimmen gesegnet, technisch und musikalisch jeder Aufgabe gewachsen. Sie fingen mit Liebe zur Sache, mit respektvollem Enthusiasmus, den die Vorstellung deutsche Musik im Herzen der Deutschamerikaner auslöst. K. P. Die Jjaat- Kathedrale als Museum. Wie aus Mostau gemeldet wird, hat der Zentralvollzugsausschuß der Sowjetunion beschlossen, die berühmte Ilaal- Stathedrale in Leningrad zu schließen. Die als Hoftirche des alten ruffischen Kaiserreiches bekannte Kathedrale soll als Museeum umgewandelt werden. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch. 4. 7.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 58. Anf. 19( 7) U. Rosenkavalier Staats- Oper Am Pi.d. Republ. Res.-S. 124 Anf. 20( 8) U. Cardillac Mittwoch, 4.7.28 Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 136 Anf. 20( 8) Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr Hinterhauslegende. Walhalla- Th. Barnowsky- Bühnep Weinbergsweg 19/20 Th. Königgrätz. St. Täglich 8 Uhr: 8 Uhr Irland LAA UGU An ein solches Manuskript ging ein Regisseur wie Manfred Noa. Er wollte ein Lustspiel schaffen und erfand das allervorzüglichste Schlafmittel. Daß es mit Manfred Noa schon seit langem bergab geht, weiß man, dennoch hätte der ärgste Schwarzfeher nicht solch' grobe Enttäuschung erwartet. Jad Trevor spielt, den Helden- Chauffeur, obwohl er ganz Volksbühne Residenz- Theater Kleines Theater Deutscher Metallarbeiter- Verband heater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt 814 Uhr: Der Kuhhandel Draschkenkutscher- Idyll mit Blumenstr.& Täglich 8 Uhr Der elserne Justav Gesang and Tanz Krafft- Lortzing Gaston Briese Emma Klein Renaissance- Theater Loni Pyrmont Steinplatz 901. Uhr Krankheit der Jugend Burkhardt Täglich 81, Uhr Kaiser- Tietz Lotte Klinder in Achtung! Vertrauensleute! Die Bezirksvertrauensleutetonferenzen des 4., 14. und 20. Bezirks finden in Die Ortsverwaltung. Galante biefem Monat nicht flatt. Nacht! Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr: Berliner Theater Rose- Theater Parkett auch Sonnt. Der Sternhimmel Charlottenstr.93/ 91. Dönh.170 Gr Frankf, Str. 132 34, Ende nach 10% iastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Rosenfest 7 Uhr Freude, schöner Götterfunken 84% Uhr: Die Komödie Der Fürst von Bismarck 2414/7516 32 U. Ende 103 U. Pappenheim statt 4.- Mk. nur 1. Mk. Saltenbarg- Babaen Dis. Künstler- Th. 814 Uhr ,, Das sind ja reizende Leute.." Sonnabend 7, U. Premiere Es liegt in Berliner Prater Es kommt der Luft Kastanienallee 7/9. Revue von Schiffer. 72 Täglich 7 Musik v. Spoliansky Die keusche Susanne. Außerdem Deutsches Theater Konzert, Varieté. Norden 12310 Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. U. Ende nach 10/2 Tanz. Kaffeekochen. jeder dran! Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: Spiel im Schloss der Heimat 18 Uhr: Erde und Weltenraum. 20 Uhr: Der Einfluß d. Gestirne Eintritt 1 M. tinder unt. 15 Jahren 0.50 Vom Besten das Beste! Denkbar feinste Buffer 1.80 Wegner, B- riin SO Mariannenstraße 34 Hausnummer achten! Zum 25. Male: Theater des Westens Theater am Kottbuffer Tor Artisten 8 Uhr: Der Wirt vom Leinen aus Regie Max Reinhardt Lori Leux in Heidekrug Ein lustiges Spiel m. Gesang u. Tanz m. d. neuesten Schlagern Park auch Sonntags statt 4. M. nur 60 Pf. Komödienhaus Heute 14 Uhr: Broadway Die Lustspielhaus ungeküẞte Eva Täglich 8, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Standen. Operette in 3 Akten. Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Elite- Sänger allabendlich Bombenerfolg! Lachen ohne Ende. u. a.: Wasserratten" sowie der unvergleichliche Soloteil. Komische 81% Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger " Zum Schluß: ,, Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Donhott Brett's ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert, Tanz. bestimmt für ihn nicht der richtige Mann ft. Itfabets Binajeff ist die Dame. Da eine schauspielerische Leistung vor ihr überhaupt nicht verlangt wird, ist sie weiter nichts als eine Modepuppe, wie man sie schodweise auf Lager hat. Frig Rampers muß fraftmeiern und Siegfried Arno jübeln, Die Photographie ist gut e. b. Das Archiv der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, läßt im Auftrage einer auswärtigen Bibliothek den zweiten Band der Zeitschrift„ Der Geächtete", herausgegeben von J. Beneden, Paris 1835, photographisch vervielfältigen. Der 2. Band besteht aus 2 Heften und umfaßt 104 Seiten. Es dürfte vielen Bibliotheken und Privatsammlern. die ebenfalls den betreffenden Band entbehren, erwünscht sein, ihr Exemplar zu ver vollständigen. Nähere Auskunft auf Anfrage durch die Archivleitung. Ein Planetarium in den Vereinigten Staaten. Das erste Planetarium in den Bereinigten Staaten soll auf einer Insel im Michiganfee erbaut terben werden. Die Soften find auf rund 500 000 Dollar seraufelagt. Die Bläne halten fich im allgemeinen an die deutschen Vorbilder. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: 2h. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Täglich Gehst Dy mit Deiner Braut Spazieren, lass Dich vorher valetieren! Valetieren heisst: auf unseren Specialapparaten Entstauben Dämpfen Bügeln. Ansug• 2 valetion Ostüm Kostenlose Abholung u. Lieferung. Entfernen einzelner Flecke. Reparaturen Kunststopfen. Chem.Expressreinigen Färben. Valeteria · Die hygien Kleiderpflegef.Damenu.Herren Cottbuserdamm 94 F2 Neukölln 8020 Rungestr: 21.F7Fannowitz 3377 Augsburgerstr: 31a Schlüterstr: 54 Motzstr: 43 B4 Bavaria 9101 Schönebg. Hauptstr: 49)( Sammelan) Steglitz, Schloßstr. 99 zahlreiche Annahmestellen! Billige Dampierfahrten auß. Sonnabd. ab 4. 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Jul. gestorben ist. Ehre seinem Anbenten! Die Einäfcherung findet Donnerstag, Sult, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Oberschöneweide 4744. Ruderverein ,, Vorwärts" Berlin B. V. Am 1. Juli verstarb ganz plötzlich und unerwartet unser lieber Sportgenosse und langjähriges Ehrenmitglied Hugo Fechner am Die Einäscherung findet Donnerstag, dem 5. Juli, 17, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Beilage Mittwoch, 4. Juli 1928 SprAbnid SfiaJaulgaße xfa r ihr Gesicht an sein« Brust gepreßt. Dann hatte sie zu seinen treuen. grauen Augen aufgesehen und— sie wußte nicht, wie es g« kämmen war— hatte ihren Arm um seinen Hots gelegt und ihre Lippen hotten sich vereinigt... Was war er doch für ein guter Freund, ihr Julian! So ge- dutdig und tapfer im Mißgeschick, so voll Lebensfreude und doch dabei so eigentümlich empfindlich! Wi« betrübt war er gewesen, daß Carmen ihr offensichtlich aus dein Weg ging, ihn nicht gegen Jim verteidigt«. Der arme Jution! Sie sah ihn vor sich, wi« sie ihn am liebsten hatte, wenn er in seinen, alten Malrock, eine unan gezündete Zigarette zwischen den Lippen, vor der Staffelei zurücktrat und über die Schulter weg mit ihr und ihren Freunden sprach, die sie zuerst ins Atelier mitge- nonnnen hatten.«Er hat die Sonne im Herzen," hatte einmal einer von ihnen über Julian gesagt, und wirklich, es war, als ob Sonnen- schein von ihn, ausginge. In ihm waren keine dunkeln Winkel. Nur Sonnenschein, wenn er sie liebevoll nud vielleicht ein wenig sehnsüchtig anblickte... Plötzlich riß Dolores die Augen entsetzt auf, und ihr Herz be- gann hestig zu schlagen. Durch das Rauschen des Regens hatte sie das Geräusch eines Fußtrittes draußen im Garten gehört. Noch einmal, dann Stille. All dos Grauen, das sie eben aus ihrer Seele gescheucht hatte, stürzt« wieder aus sie ein. Aus der Dunkelheit hinter ihr schien es zu kommen. Sie wagte nicht, sich umzusehen. Bolzengerad« saß sie auf dem Diwan und strengte ihr Gehör aufs äußerste an... Dann— ein leiser Tritt aus den Steinstusen vor dem Fenster, «in leichtes schnappendes Geräusch, dos Rascheln des zurückgezogenen Vorhanges— eine unerträgliche Spannung riß an ihren Nerven— sie fuhr herum und starrte— Ein großer Mann stand im Zimmer mtt dem Rücken gegen das Fenster, die Hände am Vorhang. Seine Augen schienen die Dunkel- heil durchdringen zu wollen. Das rötlich« Licht des elektrischen Ofens beleuchtete düstere, entschlossene Züge i« einem totenblasscn Gesicht. 21. Die Klaue des Drachens. Von seinen Kleidern rann das Wasser, und die schwarzen Haare. die unter dem triefenden Hut hervorsahen, klebten ihm am Kopfe. Langsam sielen von seinem Gesicht die Tropfen zu Boden, während er da» junge Mädchen unverwandt anstarrte. Es war ein scharfes, hartes Gesicht. Nu? die grenzenlose Traurigkeit der Augen milderte den fast grausamen Eindruck. Eine Hand in einem schwarzen Gummihandschuh fuhr hinter dem Rücken hervor und richtete die Mündung eines Browning auf das junge Mädchen. „Gehen Sie weg von dem Diwan!" Er flüsterte es nur, aber fein« Sttmm« klang rauh und be- fehlend. Mit der Pistole deutete er auf einen Bücherschrank, der neben dem Kamm an der Wand stand. „Da stellen Sie sich hin, und schauen Sie die Wand an! Wenn Sie sich umdrehen, ehe ich's sage, schieß« ich!" Sie blickte ihn an, ehe sie gehorchte. Nie hatte sie ein Gesicht gesehen, dos sie in ähnlicher Weis« erregte. So mochten die Verdammten in Dantes Hölle ausgesehen haben. Weder Hoffnung noch Lieb« oder Mitleid ging von dieser lebenden Maske aus— nur rotz und Verzweiflung. Was für Greuel hatten wohl dies« Augen betrachten müssen, welche Erinnerungen lagen in ihren Tiefen ver- funken, bis sie solch einen unmenschlichen Ausdruck angenommen hatten?! Kein Wort weiter kam von dem Mann. Sie stand der Wand gegeirüber und konnte nicht sehen, was im Zimmer vor sich ging. Aber sie hörte das Parkett leise krachen, als er sich dem Kamin näherte. Dann entstand ein Geräusch, als wenn ein Möbelstück vom Platz gerückt würde und ein merkwürdiger knirschender Laut wie vom Ansetzen eines Werkzeugs. Die Atemzüge des Mannes gingen schneller, offenbar war er bei einer harten Arbeit... Plötzlich schlug die Tür zurück, Boulots Sttnnne rief:„Wer ist da?" und der Raum war in Licht getaucht. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Ein betäubender Knall, das Klirren zer» brechenden Moses, und wieder dicke Finsternis. Dolores hörte einen Ausschrei Boulots an der Tür, sah da« Auf- zucken eines Feuerstrahls, ein neuer Knall, wieder das Klirren splitterndes Glases— die Vorhänge flogen raschelnd ins Zimmer— schwer« Fußtritte draußen— das Geschrill« von Pfeisen— Dolores fühlt«, wie sich alles um sie drehte und ließ sich in einen Stuhl fallen... Einen Augenblick später fuhren sich kreuzende Lichtstrahlen ins Zimmer. Zwei iriesende Polizisten erschienen und sprangen durch» Fenster herein. Als sie Dolores erblickten, h'ielteu sie ein wenig überrascht an. „Was gibt's. Miß?" fragte der ein«.„Wir hörten zwei Schüsse." „Hot scheint's das Licht ausgeschossen," erklärte der andere. „Und was hat's denn da gegeben...?" Er deutete auf den gelben Diwan, der auf der der Sette lag imd seine klauenbewehrten Füße ins Zimmer streckte. Ein« erschrockene Stimme rief von der Treppe her, was ge- schehen sei, und Lettice Harbury stürzte in einem etwas sonderboren Nachtgewand ins Zimmer. „Dolores!" schrie sie, als st« das junge Mädchen erkannte. „Mir ist nichts geschehen, Tante Letty... ein Einbrecher..." Wie ein Sttirmwind schwang sich Boulot vom Garten her durchs Fenster, naß bis auf die Haut, beschmutzt bis zu den Knien. Er schäumte vor Wut. und es bedurfte einer längeren Erklärung, bis sich die feindselige Haltung der beiden Konstapler in Respekt und Unter- tänigteit verwandte. Einer iqurd« zur nächsten Polizeistation geschickt, um Meldung zu machen, der andere begab sich zum Tele- phon. um Manderton in seiner Wohnung anzurufen. Al» sie fort waren, brach Boulots Entrüstung gegen sich selbst von neuem los. „Großer Gott!" jammerte er.„Fort, verschwunden! Und wenn ich denke, daß ich ihn schon am Kragen hatte, wenn ich nur leise ein- getreten wäre! Nie hätte er mir entkommen können! Was für eine Kühnheit und Geistesgegenwart. Donnerwetter...!" „Was wollte denn der Mann?" fragte Mrs. Harbury. „Was für eine Entschlußfähigkeit!" rief der Franzose, ohne die Frage zu beachten.„Nicht zwei Sekuichcn— nicht ein« hatte er, um sich zu entscheiden— und puin! schießt er das elektrische Licht aus— und pum! kauert er sich nieder, um meinen Schuß zu ver- meiden— und pum! pum! ist er draußen und fort, wi>e er sichs schon vorher zurecht gelegt hatte!(Zuel t>-pe! Was für ein Kerl!" Er brach plötzlich ob, und seine Augen starrten verblüfft auf den umgelegten Diwan. „Sie fragen mich, Madame, was der Halunke wollte. Da haben Sie's!" Er deutete mit vor Aufregung zitterndem Finger erst auf den Diwan, dann auf den Boden. Dort lag e irrer der abgeschraubten „Gehen Sie weg von dem Diwan!" Füße. Mtt einer schnellen Bewegung grift er danach und zeigte ihn den beiden Domen. Er war hohl. Rund um die Schraub« war eine Höhlung ausgeschnitten, groß genug, um als Bersteck zu dienen. Monsieur Boulot schlug sich mtt der Hand vor die Stirn. „Oh, ich dreifacher Esel!" schrie er.„Ich Dummkopf. Da haben wir die ganz« Erklärung..." Und wie«in Blitz fegte er aus dem Zimmer In das Licht der Strohenlampen mischte sich schon die erste Morgendämmerung, als Boulot in einer engen Gasse, sich vorsichtig nach rechts und links umschauend, die Tür eines Barbierladens ausstieß, schnell in einen völlig finsteren Gang trat und sie wieder hinter sich zuzog. Sogleich legte sich aus der Dunkelheit eine Hand auf seinen Arm. „Was wollen Sie hier?" Die Stimme klang wie die eines Ausländers. „Ich will mich nach Gaston, dem„Eichhörnchen", umschauen." „Also Freund. Gut! Geh nur bis ans End« des Ganges, aber mach keinen Lärm, damit die verfluchte englische Polizei..." Der unsichtbare Aufpasser verschwand murmelnd, während Boulot mit vorgestreckten Händen weiterstolpert«, bis er zu einer neuen Tür kam. Dann ging's über einen engen Hof zu einer dritten, hinter der«in Gewirr von Stimmen hörbar wurde. Eine Wolke heißer, tabatdunstgeschwängerter Luft schlug ihm entgegen, als er in den schmalen, durch Oellampen erhellten Keller» räum eintrat, zu dem einige steile Stufen hinabführten. An kleinen Tischen saßen meist einzelne Paare in eifrigem Gespräch. In der Mitte drehten sich«in halbes Dutzend Paare im Tanz. Boulots Blick streift« über sie hin: eil« Auswohl aus der Gesellschaft, mit der er in seinem langen Berufsleben zu wn gehabt hott«. Apachen mit ihren Stierköpfen und schleimigen Augen, entlassene Sträflinge. an ihrer grauen Gesichtsfarbe zu erkennen, geschminkte Dirnen und erfolgreiche Geschästsver breche? mit dicken Zigarren im Mundwinkel und einer Flasche Ehampagner neben sich An einem Tisch allein saß Gaston. der Kellner aus dem kleinen französischen Restaurant. Boulot klopft« ihm auf die Schulter. „Ein bißchen spät, aber da bin ich..." Dcr andere sah auf und warf ihm«inen mißtrauischen Blick zu. „Was wollen Sie von mir? Ich kenn' Sie nicht." Boulot fetzte sich lachend an den Tisch und nickte wohlgesällig seinem Bild in einem an der Wand hängenden Spiegel zu. das ihm einen schwarzhaarigen, gutmütig aussehenden Mann von etwa vierzig Iahren zeigte. „S« haben doch nicht erwartet, daß ich mich den Herrschasten so vorführe, wie sie mich von meinem Amtszimmer her kennen..." Gaston haute mit der Hand auf den Tisch. „Sie sind einer, Patron! Weiß Gott, da tonn man noch immer was lernen. Und jetzt hören Sie: unser Mann war hier letzt« Nacht..." „Letzte Nacht? Unmöglich!" „Lotte hat ihn erkannt. Näher heran, Patron?-- D* Frau da am nächsten Tisch könnt' was hören..." Boulot schielt« vorsichtig nach dem Spiegel. Das Mas warf die Gestalt einer Frau zurück, die allein am anstoßenden Tisch saß. Sie sah elend aus. ihr Gesicht war leichenblaß, und um die Augen hotte sie dunkle Ringe. Eine Masie dichtes, rotbraunes Haar stand um ihren Kopf und war im Nacken in einen Knoten ge» schlangen. Bor sich hatte sie«ine Tafte Kaff«, die noch unberührt war. Ohne sich anscheinend um irgend jemand zu kümmern, starrt« sie unbeweglich ins Leere.(Fortsetzung folgt.) Rät sei= Ecke des„Abend". mnininiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiiiiiniiiiiuutuiiimainviiRHii Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Ruhepause: 4. männlicher Vorname: 7. Rank- gewäche: 8. Pökelbrühe: 9. Weidelaid: II. Uferstraße: 13. Geist: 15. Ausdruck beim Kartenspiel; 17. Leere: 19. Saftpflanze: 21. Reinigungsmaßnahme: 22. mathematischer Körper; 24. Krater: 25. Sportausdruck für voller Lauf; 26. Vertrag: 27. Lebewesen.— Senkrecht: 1. Ankerplatz: 2. englisches Wort für Meer: 3. Beiguß: 4. Kleidungsstück: 5. Vogel: 6. Kreis in Brandenburg: 10. Aalgabel: 12. witzige Laune, 14. abgeschmackt: 16. Fisch; 17. Göttersitz: 18. Reichspräsident; 19. Goldmacher; Schwarzkünstler; 20. schleswig- Holstemischer Fluß: 22. mundartlicher Ausdruck für Pranger; 23. alt» deutsches Gedicht. Silbenrätsel. Die Silben ach da fa fer ful ger kaf land med nan ni pe rau re ro ti uh xe find zu 9 zweisilbigen Wörtern von folgender Be- deuwng, zusammenzustellen: 1. Schriftsteller: 2. umstürzlerischer Re- ligionskritiker: 3. türkischer Name: 4. Geist; 5. Angehöriger eines afrikanischen Volksstammes: 6. Leuchtturm: 7. Dichter: 8. Insekt: 9. wildes Tier.— Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, und die Endbuchstaben, ebenfalls von oben nach unten. ergeben zusammen den Namen einer deutschen Stadt. llnterfchiedlich. An„f"(ein Spruch sagt es wohl auch) Zeigt sich erst die Kultur; Mit„d", so zart oft wie ein Hauch. Ist's für die Reichen nur! Verwandlungsrätsel. Die Wörter: Else— Basel— Lampe— Rede— Eros— Ranke— Dorn— Rot— Leo sind durch Umstellen der Buchstaben in neue Wörter zu verwände!», deren Anfangsbuchstaben, hintereinander gelesen, ein« Welthilfssprache nemteit hL Z-üllrätsel. Die senkrechten und die wagerechten Reihen sollen gleich lauten: 1. Ottsbegriff: 2. Fluß: 3. Gesprochenes: 4. englischer Borname. Schieberätsel. Die Wörter Equipage, Warschau, Wesel, Hirse, Israel und Apfelsine sind untereinander zu setzen und seittich so zu verschieben. daß zwei benachbart« Reihen, die«in« von oben nach unten, die andere von unten nach oben gelesen, eine viel beachtete kulturelle Veranstaltung nennen. Oefiziträtsel. Aus den Silben ol och beil bit deck dikt en fei fest feld ait in in kon lo land not ne rei tor tum»a bilde man 11 dreisilbige Wörter mit gleicher Mittelsilbe.— Werden die so erhaltenen Wötter hieraus richtig gereiht, so nennen die Anfangsbuchstaben, nochein» ander gelesen, den Namen einer begabten deutschen Romcmdichterin der Gegenwatt. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Zahlenrätsel: Raketenflugzeug; Alaun; Keule; Erzeuger; Tanne; Erna: neun; Ferkel; Lunge; Ural; Gellert: Zange; Erkner: Unke; Gattung. Versteckrätsel: Schwlebus, Germersheim, Erwiderung. Bodens«:, Lichtbogen, Flundern, Norwegen— Wie gerungen, so ge» lungen. Zahlen st ernrötsel: Hatte. Erk, Roh«, Ahle, Kiel, Liter. ia. Thal«, Hnatlit. Kammrätsel: 1. Seine: 2. Nurmi: 3. Eiger: 4. Wesel: 5. Notar; 6. Ernte.— Sonnenwende. Figurenrätsel: 1. Fontane; 2. Mühl«; 3. Eberl: 4 Rot; 5. Ode: 6. o; 7. r= Theodor. Di« Großen und die Klei»«»; Rentner. Segel-W eitf ahrien. Die Freien Segler«uf der Mfiggel. In den Vereinen des Freien Segler-Verbandes herrscht emsige Tätigkeit. Die letzten Vorbereitungen für die Müggel-R egatten am 8., 14. und 15. Juli werden ge- troffen, die Boote werden sorgfältig abgewaschen, damit sie mög> lichst glatt sind, dos Zeug wird nachgetrimmt, die Takelage wird überprüft, damit alles in Ordnung ist: denn wer kennt nicht den Müggelsee. Auf seiner riesigen Fläche werden sich etwa 110 Boote— von 10 bis zu 60 Quadratmeter Segelfläche— ein Stelldichein geben. Weil gerade der Müggelsee ein ganz einwand- freies Gebiet für Segelwettsahrten ist, versprechen die Rennen der 17 verschiedenen Klassen besonders interessant zu werden. Zu dem vorzüglichen Bootsmateriol, das schon in den Vor- sahren viel Ausmerksamkeit erregte, sind in diesem Jahre wieder Neubauten besonders in der 22-, 20- und 15-Quadratmeter-Renn- klosie hinzugekommen, auf deren Eigenschaften man besonders ge- spannt sein darf. Ebenfalls hat die Ib-Quadratmeter-Wanderjollen- klaffe einige neue und aussichtsreiche Vertreter. Es soll nicht un- erwähnt bleiben, daß«in großer Teil der startenden Boote Selbst- bauten sind, die Zeugnis votvdem Fleiß und der Liebe zum Sport ablegen. Besonders klassisch werden die Rennen bei den 20- und 15-Ouo- dratmeter-Rennjollen werden, da bei den 20ern 16 Boote, bei den läern 25 Boote starten. Zwei ausgezeichnet besetzte Klasien! Di« 15er liefern sich außerdem noch ein besonderses Rennen, dessen Start um 9 Uhr stattfindet. Der Start für die Verbandswett- fahrt ist pünktilich um 11 Uhr. Gesegelt werden von den großen Klassen zwei Runden, was bei günstigem Wind etwa 2%— 3 Stunden in Anspruch nimmt. Start und Ziel befinden sich am Restaurant Müggelwerder. Die Boote der Gruppe West werden, zu einem Schleppzug vereinigt, zum Müggelsee geschleppt werden. Der Zug wird am Sonnabend durch die Stadt geleitet, um gleichzeitig werbend für den Arbeitersegelsport zu wirken. Hervorzuheben ist, daß auch drei Boote des SE..Hansa"-Lübeck, zwei 20- und eine 15-Oua- dratmeter-Rennjolle, an den Wettfahrten teilnehmen, die bei den vorjährigen Wettfahrten erfolgreich abgeschnitten haben. Die größte Zahl der Meldungen hat der W a s s e r s p o r t o c r e i n.Nord- st e r n" mit 18 Booten aufzuweisen, ihm folgt die Freie V e r> einigung der Tourensegler Grünau mit 16, SC. Fraternitas mit 13, Seglerverein Rahnsdorf mit 11, Freie Segler Müggelsee mit 9 Meldungen usw. Wenn berücksichtigt wird, daß ein großer Teil der dem FSV. an- geschlossenen Vereine eifrig mit dem Bau von Klubhäusern im Arbeitsdienst beschäftigt ist, daß ferner die Wettfahrtbestim- mungen auf dem letzten Seglertage im Januar d. I. bedeutend verschärft worden sind, kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß ein gesunder Geist in den Reihen der freien Segler herrscht und alles getan wird, um auch die Wettfahrten auf einem hohen Niveau zu halten. Für Gäste, die an den Wettfahrten interessiert sind und die- selben beobachten wollen, hat der FSV. ein großes Motorboot gechartert, das die Regattabahn in entgegengesetzter Richtung zur Wettfahrt ablaufen wird. Es ist also dafür gesorgt, daß auch ein- mal eine Segelregatta beobachtet werden kann, was in den meisten Fällen wegen der Eigenart der Segelei nicht möglich ist. Zu erreichen ist das Restaurant Müggelwerder mit der Stadt- bahn bis Rahnsdorf, dann auf dem herrlichen Hegemeisterweg«nt- lang zum Wolt ersdorfer Weg, dessen Verlängerung die Seestraße bildet, die direkt zum Restaurant Müggelwerder führt. Die Geschäftsstelle des Freien Seglerverbandes ist: Karl Pähl, Reukölln, Fuldastraße 14/15. Sommer-Boxen. Auf der Rütt-Arena. Die lange Ruhepause im deutschen Boxsport soll fetzt durch dllwöchentliche Kampfabend« auf der Rütt-Arena unterbrochen werden. Zu dem am Freitag. 6. Juli, stattfindenden ersten Kampftag wurden für das Haupttreffen die guten Halbschwer- gewichte H a r t k o p p- Berlin und H ü l s« b u s- Bremen verpflich- tet. Ferner kämpfen die Schwergewichte T a u w e l- Hamborn und S t i e f- Berlin, die Leichtgewichte Sta m m s- Dessau und Reppel. Herne. Zwei weitere Treffen, ein« Ausscheidung und eine Neulingspaarung, vervollständigen das Programm. Die Entdeckung des Grunewalds. Auf der letzten märkischen„Gebirgs"-Wanderung nach Rüdersdorf und Sperenberg lernten die Teilnehmer geologische Verhältnisse der Mark Brandenburg kennen, die einer weitzurück- liegenden Erdbildungsperiode angehören. Erscheinungen der Jetztzeit mit ihren verlandenden Seen, Flach- und Hochmooren kennen zu lernen, gilt die nächste Wanderung des Touristenvereins „Die Naturfreunde". Am Bahnhof Grunewald beginnend, führt die Tour zum Hundekehlensee und zu dem zum Naturschutzgebiet erklärten Hochmoor zwischen dem Hundekehlensee und dem Grunewaldsee. Dieses Hochmoor mit seiner eigenartigen Flora: dem Torfmoos, den absterbenden Kiefern und d«m Sonnentau, einer fleischfressenden Pflanze, bietet reich« Beobachtungsmögiichkeiten. Di« Wanderung führt dann weiter über Jagdschloß Grunewald die sogenannte Grunewaldrinne entlang zum Riemeistersee, der Krummen Lanke, Dem Schlachtensee und dem Nikolassee. Für den sonntäglichen Spaziergänger bleibt der Grunewald nur ein Park waldähnlichcn Charakters, aber dem Kundigen bietet er botanisch viel Interessantes. Botanik und Geologie muß draußen in der Natur studiert werden. Treffpunkt: Sonnabend, 1. Juli, 16 bis 1614 Uhr im Tunnel Bahnhof Grunewald, Ausgang Kolonie. Einleitung« Vortrag am Donnerstag, 5. Juli, 20 Uhr abends in der Geschäftsstelle der Ortsgruppe Berlin, N 24, Zohannisstraß« 14/15, linker Seitenfl. II Boxkainpfabend in Neukölln. D«r B.-C.„Sero Ii na", einer unserer aktivsten Arbeiter- koxeroerein«, veranstaltet« kürzlich in seiner alten Trainings- und Kampsstätt« in der Thomasstraße zu Neukölln wieder einen Box- lampfabend. Mit einem Treffen der ganz Kleinen wurde der Abend eröffnet. Loddin(NO) schlug im Papiergewicht Ganftow(Berolina)«in- vandfrei nach Punkten. Im Fliegengewicht siegt« der Nordost- Man» Rhode über Weiß(B.) durch Aufgabe in der zweiten Runde. Ebenso beendete Konieczny(Lur.) seinen Kampf gegen Röster fAllg. B.). Im Weltergewichtskampf, der eine« erbitterten und �rten Verlauf nahm, triumphierte Schlähmanu(Sur.) üb« Rose Der sozialistische Gedanke im Sport. Von Artur Crispien. Auch der Proletarier kann nicht auf Spiele verzichten, die körperliche Kraft und Gewandheit verlangen. Er braucht sie zu? körperlichen und geistigen Gesundheit, zur Lebensfreud«, zum kultu- rellen Aufstieg. Wo soll der Proletarier diese Spiele spielen? Wo soll er turnen? Wo soll er Sport treiben? Alle bürgerlichen Bereine betätigen sich nach dem Grund- prinzip der Bourgeoisie: Auslese der Tüchtigen. Züchtung von Führern! Ganz abgesehen davon, daß sie den Kapitalismus erhallen wollen, der die Ursache der sozialen Nöte ist. Die proletarischen Derein« erstreben die Hebung der M a s s e, die sich selbst führt, die jedem im Dienst an der Masse seine Funktion überttägt. Die proletarische Klasse ist die einzige Klasse, die den Kapitalismus überwinden will. Die Gegenüberstellung der beiden Grundprinzipien reicht schon aus, um die Notwendigkeit desArbeiter-Turn-undSport- b u n d e s zu begründen und es jedem Proletarier, der turnen oder Sport treiben will, zur Pflicht zu machen, sich dem Arbeiter-Turn- und Sportbund anzuschließen. Bürgerliche Turn- und Sportvereine haben entweder reaktiv- näre Tendenzen,„Ertüchttgung der Jugend zur Wehrhafttgkeit" gegen innere und äußere Feinde, oder ihnen sind da, Turnen und der Sport Selbstzweck, Sportsexerei oder sie erziehen Spießbürger, die in öder Vereinsmeierei völlig vertroddeln. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund ist, wie die Gewerkschaften, wie die Genossenschaften, wie der Arbeiter-Sängerbund und andere proletarische Organi- sationen ein Glied der modernen Arbeiterbewegung. Er muß allen Arbeitern, Angestellten und Beamten offenstehen. Anders kann er nicht, wie das für seinen besonderen Zweck not- wendig ist, alle Angehörigen der proletarischen Klaffe erfassen. Nach dem Bundesstattit ist der Zweck des Arbeiter-Turn. und Eportbundes „die Hebung und Förderung der Volkstraft und Dolksgesundheit durch Pflege der Leibesübungen auf volkstümlicher Grundlage als Mittel zur körperlichen und geistigen Belebung seiner Mitglieder". Die Zentrale der B o l s ch« w i st e n möchte aus dem Arbeiter- Turn- und Sportbund eine bolschewistische Parteifiliale machen. Sie schickt ihre Agenten in den Bund, wo sie als Zellenbauer mit List, Lüge und Betrug dem Bolschewismus zu dienen oersuchen. Außer- stände, gesunde und starke Parteiorganisattonen zu schaffen, möchten die Bolschewisten andere Arbeiterorganisattonen für ihre portei- politischen Zwecke mißbrauchen. Die Funkttonäre des Arbeiter- Turn, und Sportbundes, soweit sie Sozialdemokraten sind, werden von den Bolschewisten als Arbeiterverräter, Agenten des Kapitals und Subjekte bürgerlicher Regierungen beschimpft. Es ist schon be- zeichnend, daß die Bolschewisten dem nach ihren Behauptungen von Verrätern geleiteten Bund picht mit Abscheu den Rücken kehren. Sie können es ertragen, in einer Organisatton mit„Verrätern" zu sein. Anstatt im Bund den Zweck des Bundes zu erstreben, verlangen sie fortgesetzt von ihm, sich mit bolschewistischen Parteifragen zu beschäftigen. Angefangen von der donnernden Bedrohung der ver- faulten Kapitalisten mit Wellrevolution und Terror bis zum säuselnden Erbitten einer Amnestie von denselben verfoulten Kapi- talisten. Dazu gehen die Proletarier nicht in den Arbeiter-Turn- und Sportbimd, um sich dort mit dem bolschewistischen Partei- und Cliquen-Gezänk abzugeben. Immer stärker wurde die Auflehnung der nichtbolschewisttfchen Elemente im Arbeiter-Turn- und Eportbund. Und als alle Mah- nungen und Verwarnungen des Bundesvorstandes fruchtlos blieben, erklärte der 16. Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, daß der Bund zu der bolschewistischen Partei und ihren Einrich- tungen keinerlei Beziehungen mehr aufrechterhalten will. Bei den Bolschewisten geht jetzt ein großes Lamentieren los. In ihrer Presse reden die Bolschewisten davon, daß beileibe nicht sie, sondern— der Parteioorstand der Sozialdemotrati- schen Partei Deutschlands sich in die inneren Angelegenheiten des Arbeiter-Turn- und Sportbundes eingemischt Hab«, um alle Hindernisse wegzuräumen, die„die Einreihung der Arbeitermassen für die Interessen des neu deutschen Imperialismus" verhindern. Die Bolschewisten fordern ihr« Anhänger auf, gegen„die Koalitions- Politik" aufzutreten und sich mit der bolschewistischen Sport-Jnter- nationale zu verbinden. Zu den bolschewistischen Verdrehungen und Entstellungen habe ich auf dem 16. Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Stellung genommen: „Ich möchte noch einmal mit allem Nachdruck feststellen, daß die Sozialdemokrakische Partei niemals an Ihren Rund mit irgendwelchen wünschen oder Anregungen herangetreten ist. daß niemals, weder offiziell noch inoffiziell, weder zwischen In- stanzen noch Personen über Ihre inneren Angelegenheiten gesprochen worden ist. Was Sie auf diesem Kongreß verhandelt und beschlossen haben, entsprang aus Ihrem inneren Bedürfnis, Ihre Organisation weiter zu entwickeln, und ich kann verstehen, daß Sie endlich dazu kommen mußten, bestimmte Beschlüsse durchzuführen. Ich bitte Sie nur zu überlegen, wie eine Organisation überhaupt bestehen kann, wenn ihre Führer fortgesetzt als Verräter, als Objekte des Kapitalismus beschimpft werden. Damit werden ja nicht nur die Führer beschimpft. Leider ist es so, daß die im polittschen Leben stehenden Parteigenossen Freiwild sind für Elemente, die eigentlich in der Arbeiterbewegung nichts zu suchen hätten. Niemand würde wagen, einen der Führer unserer Partei als Privatperson so zu beschimpfen, wie es manche- gegen Genossen tun zu können glauben, die ein Amt in einer Arbeiterorganisation bekleiden. Wer dastut, beschimpftjanichtnurdieFührer, er beschimpft seine Organisation, beschimpft sich selbst! Sie mußten endlich die Frage stellen: Sind die Führer unserer Organisation Verräter, dann müssen sie entfernt werden, sind sie es nicht, dann müssen diejenigen, die ihre Organisation be- schimpfen und schädigen, entfernt werden. Etwas anderes ist un- möglich, wenn Sie Ihre Selbstachtung behalten wollen. So schön und groß Ihre Bauten sind— sie allein sind nicht die Organisation. Die Organisation sind wir doch alle selbst! Jeder von uns ist ein Stück Organisation. Deshalb müssen wi? auch dafür sorgen, daß rn den Organisationen der Arbeiterbewegung gegenseitige Achtung und Vertrauen herrschen und man sich nicht wie Pack schlägt und verträgt. Das ist der modernen Arbeiter- bewegung unwürdig. Wir Sozialdemokraten meinen nicht, daß man durh List, Be- trug, Terror und Beschimpfungen Genossen und Genossinnen werben kann: da? kann man doch nur durch Ausklärung. Wir wollen nicht gepreßte Mitglieder. Wir wollen nicht Zellen bauen, wir würden keine Genossen in unseren Reihen dulden, die in einer anderen Or- ganisation Zellen zu ihrer Vernichtung bauen wollten. Wir brauchen das nicht. Die Ideen der Sozialdemokratischen Partei sind so gut, daß wir auf ihre sachliche Wir- kung vertrauen können. Wenn Sie den Geist der Zusammengehörigtett pflegen, arbeiten Sie im Sinne des Soziatismus. Dieser innere Drang ist es, der uns zusammenführt. Ich wiederhole nochmals, was ich in der Be- grüßungsansprache gesagt habe: Sie können Ihre Aufgabe nicht erfüllen, wenn Sie nicht organisatorisch vollständig selbständig sind. Sie müßten jeden Eingriff einer anderen Organisation entschieden zurückweifen. Sie können Ihre Aufgab« nicht erfüllen, wenn Sie parteipolitisch gebunden sind. Ich kann nur versprechen, daß ich in meiner Organisation tun will, was in meinen Kräften steht, um mitzuarbeiten, daß der Gedanke von der Notwendigkeit de? Ar- beiter-Turn- und Sportbewegung Gemeingut aller Sozial- demokraten wird. So hoff« ich, daß Ihre Tagung dazu bei- tragen wird, daß in Ihrer Bewegung die kleine,: aufflackernden Krisenerscheinungen rasch überwunden werden. Wir müssen eine gesunde Arbeiterbewegung haben. in der die Menschen einander achten in ehrlicher Gesinnung und andere Leute wegen ihrer ehrlichen Gesinnung auch nicht be- schimpfen. Dann werden im gesamten proletarischen Lager die Kampfkraft und der Siegeswille wachsen, dann werden wir unsere eigentlich« Aufgabe vollbringen können. Arbeiten wir, jeder in seiner Organisation und auf seinem Platz, für das große Ziel des Sozialismus! Dann haben wir kein« Zeit übrig, uns mit niedrigen schmutzige» Dingen zu beschästigen. Dazu sind uns die Ideen, um die wir kämpfen unser Leben lang, zu hoch und heilig. Halten wir sie hoch, zeigen wir uns unserer großen Aufgabe würdig." (Allg. B.) gleichfalls durch Ausgabe. Im Mittelgewicht, das Apelt (Tasvorf) gegen Molinfki(L.) in den Ring brachte, gab da» Kampf- gericht den Punktsieg an Apelt. Schließlich siegte noch im Halb- schwergewicht Milzinstt(NO.) über Biese(Tasdorf) überlegen. 3 Stunden bei Hütt. Ehmer-Krotchel siegen! Di« Rütt-Arena brachte gestern abend ein internationales Drei- stunden. Mannschaftsrennen zum Austrag, zu dem 13 Paare ihre Meldung abgegeben hatten. Entschieden wurde die Dreistundenfahrt nicht dutch Jagden und Ueberrundungen, sonden, durch realen Punktgewinn. Wenn auch dadurch das Rennen nicht so interessant oerlief, wie man es erwartet hatte, so verfolgte doch die zahlreich vertretene Sportgemeinde den Kampf um den Mac Farland- Movan-Preis" recht gespannt, zumal eine Serie von Vorstößen das Feld in flottem Tempo hielt. Charlier, der mit Duray fahren sollte, wurde mit Duviviers zusammengetan: Duray war erkrankt. Unter Charliers Führung begann pünktlich das Rennen. Bis zur ersten Doppelwertung geschah nichts Besonderes. Bis dann der Dortmunder Goebel die erste Hätz anzettelte und sie durch Tietz fort- setzen ließ. Zwischen den einzelnen Wertungen setzten dann wieder- holt Vorstöße ein, die jedoch immer wieder verpufften. Nur die Kölner Mannschaft Damm— Weck mußte eine Verlustrunde hin- nehmen. Nach Erledigung de? 7. Spurts zogen Bujchcnhagen— Franken st ein los. Da das Feld keine Miene machte, ernsthaft nachzusetzen, konnten sie eine Runde aufholen und sich der alleinigen Führung bemächttgen. Nach der ersten Stunde— zurückgelegt waren 43,150 Kilo- meter— gab es für Miethe— Knappe ein« weitere Ver- lu st runde: Knappe hatte Defekt: Miethe ging trotzdem aus dem Rennen, so daß keiner von beiden im Felde vertreten war. Später glaubte Buschenhagen sich kleine Extravaganzen erlauben zu können und büßt« diese mit dem Verlust der gewonnenen Rund«. Nach dem Ablauf der zweiten Stund«— 85,040 Kilometer— gab es in der Auslaufkurve einen Sturz, der u. a. Ehmer imd Kroll zu Fall brachte, doch glimpflich verlief. De Martini sollte hier der Schuldige sein und erhielt wegen unfairer Fahrweise 50 M. Geldstrafe. Roch dem 20. Spurt machten Miethe— Knappe ch» Berwjtrunde ziemlich leicht weit. Das Feld, das in diesem Moment unter Kroll» Führung stand, setzte nicht nach, und so konnten die beiden wieder zur Spitze aufrücken. Ehtner holte dann zum großen Schlage au» und gewann die beiden Schlußspurts allein in großem Stile, womit die junge Mannschaft überlegen den Sieg in der Dreistundensahrt errang. Resultate: 1. Ehmer— Kr o sche l 52 Punkte. 126,125 Kilometer: 2. Tietz— Kroll 33 Punkte: 3. Frankenstein— Sufchetchagen 32 Punkte: 4. Bragardt— Goebel 29 Punkte: 5. Miethe— Knappe 26 Punkte: 6. Goris— Haesendonck 20 Punkte: 7. Dorn— Maczynski 16 Punkte: 8. Charlier— Duvioier 10 Punkte. ffteitt Saaneitin Stralau. Nächste Mitgliederversammlung Donnerstag, Bollrndach, Alt-Etralau st. Ncnaufnahn !!. Juli, 20 Uhr, Restaurant_ Ruderoerei» SoBcgia. 5. Juli Versammlung im Vereinslokal strafe 4. 7. Juli Versammlung der Ingendabteilung im Bootshaus. (Schluß de» redaktionellen Teils.) Ein scherzhaftes Zukunftsbild: Der Bierwagen im Jahre.2000". Festwagen der Engelbardl- Brooerei bei der Bertiner Gqpönmwrartr am 1.)uä 1928. Mordgerücht in Lichtenberg. Aber fein Verbrechen. Ein ungeklärter Ceichenfund gab in der vergangenen| Klärung der Todesursache wurde die Leiche beschlagnahmt und wird " iacht Veranlassung, die Mordkommission der Krimialpolizei zu alarmieren. Auf dem Boden des Hauses 3elletraße 10 zu Lichtenberg wurde der 67 Jahre alte Schlächtermeister Dstar opprasch, der Eigentümer des Grundstückes ist, tot aufgefunden. Ropprasch lag auf dem obersten Treppenabjah, neben der Leiche fand man einen Hammer. Die Untersuchung der Leiche durch den Gerichtsarzt Prof. Fraenkel ergab, daß keinerlei äußere Verlegungen vorhanden waren. Es wurde weiter festgestellt, daß Kopprajch am Dienstag vormittag mit einem Mieter, der nicht pünktlich zahlte eine lebhafte Auseinandersetzung gehabt und sich heftig erregt hatte. Weiter hatte der Hauswirt in Erfahrung gebracht, daß verschiedene Leute aus dem Hause, das eine Ecke bildet, den Boden. der nach beiden Seiten zugänglich ist, als Durchgang benutzten. Am Nachmittag nahm daher Kopprasch einen Hammer und Nägel und ging nach dem Boden hinauf, um die Durchgangstür zuzuna geln. Auf dem Rückwege hat den bejahrten Mann offenbar die auf dem Boden herrschende Hige überwältigt und er ist in einem Schwächeanfall zu Boden gestürzt. Fest steht, daß Ropprasch vor 1½ Jahren bereits einen Schlaganfall erlitt, durch eine Kur aber wieder hergestellt war. Allem Anscheine nach hat die geftrige Auf regung einen zweiten schwereren Anfall herbeigeführt. Zur völligen + obduziert werden. Kopprasch war besonders in den Kreisen der Trabrennfahrer eine bekannte Persönlichkeit. Mitteilungen von Bersonen, die vielleicht über den Gesundheitszustand des Verstorbenen Auskunft geben tönnen, werden ersucht, sich bei den Kommiffaren Dr. Berndorff- 3apfe im Polizeipräsidium zu melden. * Zu der grauenvollen Ehetragödie in der FürstBismard Straße in Lichtenberg ist mitzuteilen, daß die Tapeziererfrau Erna Kämpfe, die ihren Mann mit tochendem Wasser übergoß und dann mit ihrem 8½ Jahre alten Sohne die Flucht ergriff, noch nicht ermittelt ist. Bei den Verwandten, die die Kriminalpolizei bisher hat ermitteln fönnen, ist sie nicht aufgetaucht. Ob sie vielleicht bei Freunden oder Bekannten Unterkunft gefunden hat, weiß man auch noch nicht. Die Nachforschungen nach dieser Richtung sind noch im Gange. Der Mann liegt im Krankenhause sehr schwer danieder, die Aerzte haben jedoch noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, ihn am Leben erhalten zu können. Zu einer schweren Bluttat ließ sich in der vergangenen Nacht ein 38 Jahre alter Ingenieur Hans Schön nagel hinreißen. Der Mann hatte sich in ein gleichaltriges Mädchen verliebt und ver folgte fie dauernd mit Anträgen, die das Mädchen aber zurüdmies. Gestern nacht um 12 Uhr erschien Schönmagel vor einen Betal in der Dresdener Straße 111 und bat einen jungen Mann, Fräulein S. herauszurufen. Als das Mädchen, die nicht wußte, mer auf sie wartete, auf der Straße erschien, bedrängte der Ingenieur fie wieder mit Heiratsanträgen, wurde jedoch abermals zurückgewiesen. Da zog der Verschmähte ein Messer und brachte dem überraschten Mädchen einen schweren Stich in den Hals bei. Der junge Mann, der ebenfalls draußen auf der Straße stand, sprang dazwischen und hielt den Messerhelden solange fest, bis Polizeibeamte ihn festnahmen. Auf der Wache verweigerte der Verhaftete jegliche Ausfage. Die schwerverletzte Charlotte Schmidt wurde in das Krankenhaus in der Gitschiner Straße gebracht; ihr Zustand ist bedenklich. Beginn des Ausverkaufs. Von Julius Klausner, dem Inhaber der Firma Leiser, wird uns geschrieben: Der Ausverkauf hat in diesem Jahr so wuchtig eingesetzt wie nie zuvor. In den Warenhäusern und Spezialgeschäften, besonders in der Konfektion und in den Schuhwarenhäusern, waren die Läden gedrängt voll. Infolge des anhaltend schlechten Wetters war der Verkauf der Sommerware bisher eine Sorge für die Geschäftswelt. Das hat sich jetzt geändert. Sommerschuhe und Sommerkleider finden reißenden Absatz zu wesentlich herabgesetzten Preisen. Der Beginn des Ausverkaufs am 2. Juli, zu welchem Zeitpunkt die Hochfiut der Reisezeit und die Hochsaison der Sommerschuhe einsetzt, ist ein zu früher. Die Spezialgeschäfte erstreben einen etwas späteren Termin, doch sind die bisherigen Bemühungen an dem Widerstand der Warenhäuser gescheitert Wenn das Wetter noch 14 Tage anhält, werden die Sommerläger geräumt fein, und die Depression, die in der letzten Zeit auch infolge des schlechten Wetters in der Bekleidungsbranche geherrscht hat, dürfte einer optimistischen geschäftlichen Auffassung Plaß machen. Geschäfts- Anzeiger o Volksfürsorge Gewerkschaftlich- Genossenschaftl. Versicherungs- Aktiengesellschaft Die Versicherung aller Arbeiter und Angestellten 18 Auskunft erteilen alle Vertrauensleute, sowie die Rechnungsstelle Berlin S 42, Ritterstraße 126, I. Kassenstunden täglich von 8-1, Dienstags von 8-6,30 Uhr. Neetzelli Milch Schokolade Anerkannt vorzügliche Qualität Bezirk Süden- Weften. Schwartz& Co. Sportzelte aller Art mit Einrichtungen für Ruderer, Jnnenbau/ Ladeneinrichtung/ Bureanmöbel Segler, Jäger, Touristen. Zweiteilige Lieferant der Gewerkschaften nar [ G. 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