Morgenausgabe Nr. 315 A 161 45.Jahrgang nich 85 Big., monatlich 3,00 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 2. einschl Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend, Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen Stimme". Technit", Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts. must Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 6. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pi. Auswärts 15 Pf. Die etxipaltige Ronpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das jettge oradte Bort 25 Pfennig( zuläffig amei tettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Mort 15 Biennig, ebes weitere Wort 10 Bennig. Borte über 15 Buchstaben ählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Belle 60 Pfennig Familienanzeigen für Abonnenten Selle 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden ftraße, wochentagl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat, Berlin Vorwärts Verlag G.m. b.. Boftschedkonto: Berlin 87 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 8 bime and de nd malixby priuatil dus d 261 gegen 134. allon JEG stefa Die Mehrheit für das Kabinett Hermann Müller. Der Reichstag hat gestern nachmittag mit 261 gegen 134 Stimmen bei 28 Enthaltungen folgenden Antrag angenommen„ Der Reichstag billigt die Regierungserklärung und geht über alle anderen eingebrachten Anträge zur Tagesordnung über." Die Mehrheit, die gestern der neuen Regierung die parlamentarischen Weihen erteilte, war stattlich, die. Oppofition blieb hoffnungslose Minderheit. Wenige Stimmen fehlten zur Zweidrittelmehrheit, mit der man auch verfassungsändernde Gesetze beschließen tann. Die Mehrheit ist in hohem Grade arbeitsfähig, folange sie zusammenhält. Die Regierung fann mit dem gestrigen Tage zufrieden fein, nicht nur, weil sie, wie zu erwarten war, bei der Abftimmung glatt gefiegt hat, sondern besonders auch, weil sie in der Debatte durch den Reichskanzler Hermann Müller und den Reichsfinanzminister Hilferding ausgezeichnet vertreten war. Endlich ein Kabinett, das man ohne Hohn als ein Kabinett der Persönlichteiten bezeichnen fann! Die Mehrheit ist von den Sozialdemokraten, den Demokraten ,, dem Zentrum, der Bayerischen und der Deutschen Bolfspartei gestellt worden. Deutschnationale, Kommunisten und Nationalsozialisten bildeten die Minderheit. Man sieht, Mehrheit und Minderheit sind mertwürdig gemischt. Ob es wirklich löblicher ist, mit Monarchisten und Antisemiten zusammen Opposition zu spielen, als mit den Mittelparteien gemeinsam den Versuch positiver Arbeit zu wagen? Wir wollen sehen, wie mir mit der Ge sellschaft, in die wir durch den Willen der Wähler geraten find, zurechtkommen, auf keinen Fall beneiden wir die Kom munisten um die ihre.. Der ernsten Entscheidung ging eine fleine Komödie vor aus. Die Nationalsozialisten hatten einen Bertrauens antrag" für die Regierung gestellt, und das Haus mußte erst in namentlicher Abstimmung beschließen, daß dem ernstgemeinten Antrag der Mehrheit von der nationalsozialisti schen Tricresolution der Vorrang gebüre. Dieses Theater wäre nicht möglich gewesen, wenn die Geschäftsordnung gegen die Entwürdigung des Parlaments durch derartige Manöver genügende Handhabe böte, es wäre aber auch dann nicht möglich gewesen, wenn im Reichstag nicht eine so abergläubische Angst vor ausgesprochenen Vertrauenspoten herrschen würde. Daß Roalitionsregierungen, ja Regierungen überhaupt nur ein beschränktes und zeitlich begrenztes Ber trauen genießen tönnen, versteht sich von selbst. Die Annahme eines Vertrauensantrags bedeutet fachlich nichts anderes als die Erteilung einer Bollmacht auf Zeit. Troßdem fürchten alle Parteien, fie fönnten sich durch den Gebrauch des Wortes Vertrauen" gegenüber einer dema gogischen Opposition eine Blöße geben. So hat sich der Brauch eingebürgert, die Bertrauensvoten durch Billigungspoten zu ersehen, als ob Billigung weniger wäre als Bertrauen! In Wirklichkeit wird es feine Partei geben, die jeden Saz und jede Nüance der sehr umfangreichen Regierungserflärung vorbehaltlos ,, billigt". In der sachlichen Wirkung tommt die ausgesprochene Billigung" dem erflärten Vertrauen vollkommen gleich. | der eine Aenderung des Etats bezweckt, dem Haushaltsausschuß zugewiesen. Dafür stimmten auch die Sozialdemotraten, und ihre Entscheidung war ebenso fachlich die von felbst gegebene wie tattisch die einzig zweckmäßige. Wie liegen denn die Dinge? Die erste Baurate für das neue Kriegsschiff ist vom Reichstag bewilligt. Der Reichsrat hat, um nicht das Zustandekommen des ganzen Etats zu gefährden, seinen Einspruch zurückgezogen. Die Bürgerblod regierung hat den starten, besonders von der Sozialdemofratie vertretenen Bedenken gegen die Neubewilligung nur insoweit Rechnung getragen, als fie beschloß, bis zum 1. September in eine neue Prüfung der Frage einzutreten, ob nicht aus finanziellen Gründen der Bau vertagt oder auf andere Weise eine gleichwertige Ersparnis am Reichswehretat erzielt werden soll. Diesen Beschluß hat die neue Regierung als Erbschaft übernommen. Wäre nun gestern im Reichstag über den fommunistischen Antrag abgestimmt worden, was wäre die Folge gewesen? Die Sozialdemokraten hätten sich ohne weiteres das Bergnügen leisten fönnen, für den Antrag zu ftimmen, denn sie find in dieser Frage vollkommen frei. Aber Kommunisten und Sozialdemokraten wären in der Minderheit geblieben, und das Ergebnis wäre eine Bestätigung des im alten Reichstag gefaßten Beschlusses durch den neuen Reichstag gewesen. Die Kommunisten find ja auch schlau genug, um die Wirkung ihres Antrags voraussehen zu fönnen. Sie haben ihn troßdem eingebracht und damit bewiesen, daß sie den Bau des Panzerschiffs wollen und daß er ihnen gar nicht schnell genug beginnen fann. Sie wollen ihn freilich nicht aus fachlichen Gründen, sie wollen ihn nur, weil sie glauben, ihn als Agitationswaffe gegen die Sozialdemokratie benüßen zu fönnen. Da die sozialdemokratische Fraktion aus fachlichen Gründen in der Panzerschiffrage noch genau derselben Meinung ist wie im alten Reichstag, hatte sie es nicht so eilig wie die Kommunisten und verwies den Antrag dorthin, wohin er gehört in den Haushaltsausschuß. Hilferding und die Stabilisierung. and da moni alo odst Abrechnung mit der Helfferich- Legende. Reichsfinanzminister Genoffe Hilferding Genoffe Hilferding ant wortete gestern im Reichstage auf Angriffe des deutsch nationalen Abgeordneten Oberfohren mit einer eindrucksvollen Rede, die die deutschnationale Geschichtslegende über die Borgeschichte der Stabilisierung gründlich zerstörte. Er führte aus: Die Ausführungen meines Borrebners über den Dames- Plan, für den er, wenn ich nicht sehr irre, selbst gestimmt hat, richten fich gegen die vorige Regierung. Sie hatte 1½ Jahre Zeit, eine große Bolitit in bezug auf den Dames- Plan aufzuziehen. Sie hat aber nicht das Geringfte getan.( Sehr wahr! bei den Goz.) Die Ausführungen über die Bermögenssteuer beziehen fich gleich falls auf einen Gefeßentwurf der vorigen Regierung und ich fand es überhaupt sehr merkwürdig, daß der Herr Vorredner in dieser Weise den Dank an die vorige Regierung abgestattet bat, den Herr Graf Bestarp von uns verlangt. Cunos Sturz. Nun zu meinem Berhalten während der Inflation. Ich erinnere an den Sturz des Ministeriums Cuno. Warum ist dieses Minifterium gestürzt worden? Nicht weil Sie( zu den Deutschnationalen), die Sie damals die zuverlässige Stütze dieser Re. gierung gewesen sind, dazu die Initiative genommen haben, sondern weil damals vor den Toren dieses Hauses bereits die Massen aufmarschiert waren( Unruhe und Zurufe bei den Komm.) und niemand wußte, wie es am nächsten Tage in Deutschland noch möglich sein sollte, eine Regierung aufrecht zu erhalten.( Stürmische Zurufe und andauernde Uuruhe bei den Komm.) Da war es die rettenbe Tat der Sozialdemokratie, damals die Republik und die Die Debatte bot anker den beiden Ministerreden nichts Demokratie zu sichern( lebhafte Zustimmung bei den Soz. und Dem.) Bemerkenswertes- höchstens abgesehen davon, daß gestern und ich sage: es war in diesem Moment die größte Tat der Sozialzum erstenmal im neuen Reichstag die Ausweisung demokratie nach der Niederwerfung des Kapp. Butsches.( Anhaltende eines Abgeordneten aus dem Saale erfolgte. Der Unruhe und erregte Zurufe bei den Komm.) Die Währung ist doch negative Held dieser Affäre war der Nationalsozialist in den letzten Monaten der Regierung Cuno unaufhaltsam gesunken. Strasser, ein Bedauernswerter, der nicht anders als Es war doch so, daß die Ruhrtredite Hunderte von Millionen durch Unflätigkeiten die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken monatlich erforderten. Es war doch so, daß durch die Besetzung vermag. Bedauernswerter als er ist freilich das Parlament, das eine solche Gesellschaft ertragen muß. " In der Stellung von Iridanträgen wollen sich freilich die Kommunisten nicht von den Nationalsozialisten übertrumpfen lassen. Also brachten sie einen Antrag ein, der Reichstag folle aus dem Etat die 9 Millionen für den Bau des Panzerschiffs A streichen und den Betrag der Kinderspeisung zuwenden. Die Kommunisten glaubten, mit diesem Antrag den Sozialdemokraten eine Falle stellen zu können, die im Wahlkampf sehr richtig die Annahme des Banzerschiffes und die Streichung von 5 Millionen für Kinderspeisung durch die Bürgerblodmehrheit fritisiert hatten. Der Antrag der Kommunisten wurde, wie jeder Antrag, Neuentdeckte Lassalle- Briefe. Wir veröffentlichen in unserer heutigen Ausgabe bisher unbekannt gewesene Briete Ferdinand Lassalles an den preußischen Ministerpräsidenten von Bismarck. des Ruhrgebietes, durch den Abwehrkampf an der Ruhr die ganze deutsche Wirtschaft in Gefahr geriet, zum Stillstand zu kommen. Glauben Sie denn, daß es damals irgendwie möglich gewesen wäre, von heute auf morgen die Währung zu retten? Die Stabilisierung. Damals ftanden fich sehr verschiedene Projekte entgegen. Ich habe aus politischen Gründen, um die Unterstügung der Landwirtfchaft, um die Unterstügung auch der Deutschnationalen Partei hier im Haufe bei diesem Rettungswert möglichst zu erlangen, mich im wesentlichen auf ein technisches Rompromiß mit dem Bro. jett Helfferich eingelaffen. Ich habe aber das Projekt Helfferichs grundlegend geändert. Ich habe zunächst den gefährlichsten Gedanken, die Souveränität des Reiches zugunsten der industriellen und landwirtschaftlichen Organisationen über das Geldwesen, beseitigt und habe die Souveränität des Reiches über das Geldwesen gerettet. ( Lebhafte Zustimmung bei den S03. und bei der D. Vp.) Ich habe Iweiter den zweiten gefährlichen Gedanken des Helfferichschen ProDer Herr Reichstanzler 2uther, mein unmittelbarer Nachfolger, jetts, die Anknüpfung des Geldwertes an den Roggenwert, beseitigt. fagt in feinem bekannten Buche: Die weitere Entwicklung( fortgefetzte Zurufe bei den Komm.) mit dem außerordentlichen Schwanken der Roggenpreise dürfte gezeigt haben, daß die Anknüpfung an den Roggenwert höchst ungünstig gewesen wäre."( Hört! hört! und Sehr richtig! bei den Soz. und der D. Bp.) Ich möchte es noch schärfer ausdrücken:. Die Anknüpfung an den Roggenwerf wäre ein nationales Unglüd gewesen und daran ändern alle lyrischen Phrasen und dergleichen nichts. In dem Helfferich- Projekt war vorgesehen, daß das Reich von der neu zu schaffenden Rentenbank einen Kredit von zwei Milliarden bekommen sollte. Das hätte nach meiner Auffassung die Gefahr einer neuen Inflation bedeuten tönnen. Ich habe diesen Krebit trotz der außerordentlich prekären Lage der Reichs. habe diesen Kredit trop der außerordentlich prefären Lage der Reichsfinanzen heruntergedrückt auf 1,2 Milliarden und die Zukunft hat gezeigt, daß das die richtige Zahl gewesen ist. Aber das Entscheidende ist, daß feine Währung zu halten iff ohne Herstellung des Gleichgewichts im Budget. Diese Her-ftellung des Gleichgewichts im Budget war während meiner Ministerschaft im Finanzministerium gelungen und ich habe heute noch eine sehr dankbare Erinnerung und eine Bewunderung für die Tüchtigkeit und Energie, mit der damals die leitenden Herren mit mir zusammengearbeitet haben, darunter auch der spätere deutsch nationale Minister Herr von Schlieben Die Droffelung der Kredite. Der vierte und schwerwiegendste Vorwurf war in der damaligen Situation psychologisch sehr begreiflich. Es ist der Vorwurf, daß man nicht rascher gearbeitet habe. Wie war denn die Situation? Wir hatten zwar unsere Bereitwilligkeit erklärte, den passiven Wider- stand abzubrechen, aber die Kredite gingen weiter. Sie sind lawincnhaft angewachsen und betrugen in den allarletztcn Monaten Hunderte von Gold Millionen und das bei dem immer weitergehenden Stillstand nicht nur der Rheinwirtschast, son- dcrn der gesamten Wirtschojt. Wenn man stabilisieren wollte, wenn man das Gleichgewicht Im Budget herstellen wollte, so muhken diese Kredite zunächst abgestoppt werden. Das aber war bei der Lag« der Dinge nicht von heute aus morgen zu machen. Ich habe schließlich trotz allet Wider st ände doch durchsetzen können, daß diese Kredite zunächst vermindert und mit dem 15. Oktober vollständig eingestellt wurden. Dos war schließlich die wichtigste Maßnahme, um die Stabilisierung überhaupt vornehmen zu können. Bevor ober diese Maßnahme durchgeführt werden konnte, ist das Kabinett g c st Ü r z t worden. Die Stabilisierung wurde dann von meinem Nachfolger durchgeführt. Aber der erste Entwurf trägt meine Unter- schrist und im Reichstag habe ich den ersten Entwurf noch selbst begründet. Die später getroffenen Aendcrungcn sind meiner Meinung nach sekundärer Natur gewesen. Das ist der wirkliche Sachverhalt. Jetzt, wo die Wahlen vorbei sind und wo Sie(noch rechts gerichtet) kein agitatorisches Material mehr brauchen, möchte ich Sie bitten, endlich mit der alten Legende aufzuhören. nicht in meinem Interesse— aber lesen Sie, bitte, die französisch« nationalistische Presse. Das einzige Argument, das sie gegen diese Regierung hat, ist, daß eine Regierung, an der Sozialisten beteiligt sind, keine Sicherheit gibt für die Aufrechterhaftung des Gleich- gewichts und der Stabilität. Das Stichwort stammt nicht aus Paris, es stammt von der deutschen Rechtspresse. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.— Widerspruch rechts.) Wie damals, so sehe ich auch heute meine wichtigste Pflicht darin, unter allen Umständen das Gleichgewicht des Budgets aufrechtzuerhalten, unter ollen Umständen die Währung, die meiner Meinung nicht im geringsten gefährdet, vielmehr sicher und fundiert ist, vor Verleumdungen zu schützen.(Bravo! Hände- . klatschen bei den Soz.)�> Da der Ministor bei seinen Ausführungen andmiernd durch koinniunistische Zurufe unterbrochen wurde, erteilte Präsident tobe den Abg. H ö llei n. Hörnte und S toset er einen Ordnungsruf. während Torgler und Geslfke.zwei Ordnungsrufe er- hielten. Der Lärm bei den Kommunisten war zum Teil so stark, daß der Minister seine Ausführungen unterbrechen mußte. Als die Kommunisten sich darüber beschwerten, daß sie lediglich wegen ihrer Zwischenrufe zur Ordnung gerufen würden, erklärte Präsident Lobe, er habe solche Zwischenrufe während anderer Reden zu Hunderten geduldet. Wenn aber die Zwischenruf« solchen Umfang annähmen. daß der Redner nicht mehr weitersprechen könne, so könne er das nicht dulden. Einigung in der Amnestiefrage. Sin Schlußstück. Reichsjustizmiuister Koch- Weser hatte gestern im Reichstage eine weitere Besprechung mit den Führern der hinter der Regie- rung stehenden Parteien über die Amnestiefrage. Es waren an- wesend die Abgeordneten Landsberg, Dr. Breitscheid und Dittinann von den Sozialdemokraten, Dr. Kahl und Dr. Wunderlich von der Deutschen Volksparte!, Wegmann und Dr. Bockius vom Zentrum, Haas von den Demokraten und Dr. Cmminger von der Baizerifchen Volksparte!. Bei der Aussprache ist eine Einigung im wesent- lichen herbeigeführt warben. Die vorgesehene Amnestie soll einen Schlußstrich machen unter die Ereignisse der Inflationszeit und der erregten Jahre nach der RevÄution. Für die Fememörder kommt eine Ermäßigung der Strafe in Frage. Der Reichs- ausfchuß wird sich nun weiter mit der Angelegenheit beschäftigen. » Der„Deutschen Tageszeitung' ist eine neue Wortbildung ge- glückt. Bisher sprach man in der Oeffentlichkeit von„Feme-Opfern' und meinte die Ermordeten. Das Landdundorgan dagegen spricht von„Femehetze-Opfern' und meint— die Mörder! Woraus man wohl den Schluß ziehen muß, daß Schulz, Klapproth und Genosser» als die Opfer der von ihnen Gemeuchelten anzusehen und pflichtgemäß.zu bedauern sind. Besonders auf Klopproch, dem da» Landsberger Schwurgerickflsurtoil viehische Rohest nnd bestialisch« Mordlust bescheinigt, paßt das Wort.Femehotze-Opfer' wie onge- gössen! Oer Nationalfeiertag. Oer Gesehenttvurf dem Reichstag vorgelegt. Dem Reichstage ist der vom Reichsrat beschlossene Entwurf ein«, Gesetzes über den Nationalfeiertag zugegangen. Er trägt die Unterschrift des neuen Reichsinnemninisters Severins und steht auf der Tagesordnung der Dienstagsitzung de, Reichstazs. Der Entwurf hat folgenden Wortlaut: .LI. Rattonalfeierlagdes deutschen Voltes ist der lt. August als Verfassungstag. Er ist Fest, oder allgemeiner Feiertag im Sinne reichs- und landesrechtlicher vorschrisken. 8 2. Am Tkationalfeiertagc sind alle Sf senklichen che- bände in den Reichssarbeu zu beflaggen� 3n allen Schulen sind für Lehrer und Schüler verbrndlickie. der Bedeutung des Tages entsprechend« Feiern zu veranstallen: fällt der Rational. feierlog in die Schulserien, so finden diese Gedenkfeiern bei Schluß ober Wiederbeginn de« Unterrichts stall.". In der Begründung wird ausgeführt, daß der Gedanke einer reichsgefetzlichen Festlegung des Berjossungstages als Rational- feiertag immer mehr Boden gewonnen habe. In den letzten sechs Iahren sei der Tag stets von der Rcichsregierung unter B e- teiligung des Reichspräsidenten und von der Mehr- zahl der deutschen Länder durch Befkaggung der Dienstgebäude und Veranstaltung besonderer Feiern festlich begangen worden. Im vergangenen Jahre habe darüber hinaus z. B der Magistrat der Stadt Berlin am Berfa ssiinzstage sämtliche städtischen Bureaus und Kassen für den ganzen Tag geschlossen, d. h. praktisch den Verfasiungstag zum Feiertag erhoben. Auf seine Initiative habe ferner eine eindrucksvolle gemeinsame B e r- fassungsabendseier der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und des Magistrat» Berlin stattgefunden, an die sich ein großer Fackelzug der Verbände anschloß. Ueber die ver. anstallung einer ähnlichen gemeinsamen Abendseier in Berlin auch in diesem Jahre habe» sich das Reich. Preußen und der Magistrat verlin bcrcik» in den Gruodiähcn geeinigt. Während also die Frag« einer zusammenfasiende» reichsgejctz- lichen allgemeinen Regelung der Feier- und Gedenkroge nach nicht spruchreif zu sein scheine, bedeute die gesetzliche Festlegung des Nationalfeiertages lediglich die Bestätigung einer länger« Jahre hindurch im Reiche und in der Mehrzahl der deutschen Länder bereits bestehenden Ucbung, soweit nicht— wie in Baden — der Derfasiungstag bereits durch laichesrechtliche Borschriften zum KejeKliehen Feiertag erklärt worden jei._/_________"". Briand erwartet Räumungsantrag Besprechung im Herbst in Genf. PariS. S.Juli. sGigenbericht.) Die Aufnahme der deutschen Regie- runsaerüläruug durch die hiesigen»ffizielle« Kreise ist um vieles günstiger als es die Kum- mentarc der nationalistischen Press« anfänglich glauten ließen. Im Ministerrat nahm Vriand am Donnerstag Gelegenheit, sich über die deutsche Forde» rung nach der Räumung des RheinlandeS zu äußern. Der Außenminister gab der Anficht Ausdruck, daß die Aeußerungen Herma,»« MüllerS zu erwarten gewesen wären. Frankreich, so führte er weiter ans, habe jedoch keine Ursache, hierzu Stellung zu nehmen, solange nicht ein offizielles RäumungSgcfnch vorliege. Sicherlich werde Teutschland im Herbst ein solches Gesuch stellen, daS dann auf der BSlkerbundS- tagung im September besprochen werde« könne. Auf jeden Fall sei es angebracht, daß sich die Minister schon jefct eingehender mit der Frage befaßte«, um sich gegebenenfalls rasch eine Meinung bilden z« könne», so daß dann ein baldiger Kabinettsbeschluß zustande kommen könne. In bezug auf den litauisch-polnischen Kon» f l i k t erklärte Briond» daß nach den«cueste» Depesche» eine gewisse Entspannung zu verzeichne« sei u»d Wolde- maroo eine versöhnlichere Haltung einnehme. Briond vor dem Genatsousschuß. Part», 5. Juli. Im Senatsausschutz für auswärtige Angelegenheiten machte Außenminister B r i a n d heut«, wie angekündigt, die vom Ausschuß mrlangten Mitteilungen über bestimmte Problem« der äußeren Politik Frankreichs, lieber den Inhalt dieser Mitteilungen wird in einem Kommunique folgendes bekanntgegeben: Be- züglich de» Dawes-Planes erklärte der Minister, daß der Plan sowie die Abkommen Frankreichs mit seinen ehemaligen Alliierten vollkommen einwandfrei und unter Erzielung eines beträchtlichen Ueberschusses funktionieren. Hinsickstlich der Rhein- landhefetzung wies� der Minister darauf hin, daß die? keine ausschließlich französische, sondern«ine i n t e r- alliierte Angelegenheit sei. Briond legte die Vorgeschichte des L« ll o'g g- P a k t e s und die Umstände dar, unier denen Frank- reich sich veranlaßt sah, Borbeholte zu machen, und erklärte schließ- lich, daß er hoffe, zu einer Läjung zu gelangen, die von großem Interesse sein werde. Zur Tangerfrag« betont« der Minister, daß die Verhandlungen auf gutem Weg« sind, und daß sie allem Anschein nach demnächst durch eine vollkommen« Einigung zwischen Frankreich, England, Spanien und Italien zum Abschluß gelangen werde. Im Lause der anschließenden Aussprache stellten u. a. die Senatorkst Milker and, de Iouoenel. General Bour- gevis und Lernen) Fragen, auf die der Minister antwortet«. Die französischen Sozialisten und der Anschluß. • Paris, 5. Juli. Unter dem Eindruck der französischen und' faschistischen Hetze gegen den Telegrammwechsel zwischen Müller-Franken qnd S eipek stellt der sozialistische„Soir' fest, daß. Deutschland ünh Oesterreich als Länder gleicher Sprache und Kultur durch � eine ihnen aufgezwungene Grenze nicht für immer ge- schieden von einander werden könnten. Kein deutscher oder öfter- reichischer Sozialist wolle die Anschlvßiragc durch Massen- gemalt gelöst wissen. Schachty-Lsrteil erst in der Nacht. Oie Verlesung der Begründung Hai begonnen. Sowno, 5. Zull. wie aus Moskau gemeldet wird, besau« die letzte Sitzung des Obersten Gericht shoses um 23 Ahr. Orr Andrang de» Publikum» war außerordentlich groß. Die Angeklagte« wurden unter starker Bewachung der GPU. in den Sitzungssaal geführt, ver Vorsitzende ist zurzeit mit der Verlesung der Urteils- begrüodong befchäfligt. Gegen moggeus 4 Uhr wird mit der vertüudung de» Urteil» gerechnet Asiatisch« Folter. Seit fünf Tagen stehen 21 Menschen, von denen die meisten nach europäischen Rechtsbegriffen sowieso u n- schuldig sind, unter dem Druck eines beantragten Todesurteils. Nun kommt der Tag der Urteilsverkündung. In zivilisierten Staaten pflegt man die Strafe, bzw. den Freispruch voranzustellen und dann erst zu begrün- den. Denn man betrachtet selbst den Raubmörder als einen Menschen, den man nicht überflüssigerweise quälen soll. Anders im Sowjet-Staai: dort werden die An- geklagten erst 5 Stunden lang die Begründung eines Ur- teils mit anhören müssen, das sie noch nicht kennen. Bon gestern abend 11 Uhr bis heute morgen um 4 Uhr. Dann erst werden sie hören, ob sie zum Tode durch Erschießen, oder zu zehn Iahren Gefängnis verurteilt oder freigesprochen sind. Gefühlslostgkeit? Sadismus? Und so was nennt sich„Arbeiterstaat'i Ein zweiter Oonez-Prozsß. Roch war der Schacht»-Prozeß in Moskau nicht zu Ende, als in Charkow vor dem obersten Gericht der Sowjet-IUraine ein neuer Donezprozeß begann. Angeklagt sind öS Personen, an der Spitze der stellvertretend« Leiter de? Baubureau» des Donezkohleirbeckens, Ingenieur Ketchudow. wegen Bestechung. Deruntreuung und. Urkundenfakschung. Das Baubureou wurde t92627 mit«wem Etat von 90 Millionen Mark ins Leben gerufen. Die ausgeführten Bauten soll ober sofort noch Fertigstellung groß« Risse gezeigt haben. Die Bauunternehmer sollen zehntousende Rubel Schmier- gelber erhakten, die obersten Beamten das luxuriöseste Leben geführt haben. Die„Prowda' vom 1. Juli berichtet über das Urteil in dem Prozeß gegen eine Reihe Krim-Kommunisten, deren Tätigkeit an leitenden Stellen der Sowjetinstitutionen zur nollständige» Des- organisation geführt hat. Die Anklage lautet aus Mißbrauch der Amtsgewalt, Unterschlagungen und dergleichen mehr. Besondres ausgezeichnet haben sich die Leiter der örtlichen Wirtschakts- institiitionen, des Bildungswesens und der komnrvnistischen Jugend. die u. a. Dutzende Frauen vergewaltigt haben! Dos Gericht hat zwei Angeklagte zu se 10 Jahren, einen zu 5 Jahren Gefängnis und noch mehrere zu G-söngnisstrofen verurteilt. Gerechtigkeit für die Nauern. Ein Erlaß de« ZieichÄfinaozmiuifier« zur Besteuerung des BavemeinkommenS. In der deutschen Landwirtschaft ist es ein« feststehende Er- kenntnis. daß diejenigen Landwirte kein« oder fast keine Steuern bezahlen, die als„bu chsührende Landwirte' gelten. In der Regel sind das die Großbetrieb«.„Die Steuern werden aufgebracht von den„nicht buchführenden Be- trieben'. Das sind in der Regel die mittleren und kleineren Bauern. Es war eine der ersten Maßnohmen des sazialdemokra- tischen Reichssinanzministers Dr. Hlkferding, durch den Erlaß von Richtlinien für die Besteuerung der nicht buchführcnden Land- wirte, also der Dauern, für Gerechtigkeit in der Steuer- erhebung und für Klarheit in der Steuerveran- lagung zu sorgen. Die nicht buchführenden Landwirte sind künftig nach Du'rch- schnittssätzen zur Einkommensteuer zu veranlage». Diese Sätze werden noch dem Rohertrag abzüglich der sachlichen Betrieb»- ausgaben ohne Arbeitslohn berechnet. Bon dem danach ermittelten Gesamtertrag werden zur Feststellung des Einkommens die im Durchschnittssatz noch nicht berücksichtigten Schuldzinsen. Pachtzinsen, Altcnteilslasten und ferner die Aufwendungen für die Löhne und Deputate an fremd« Arbeitskräjte in Abzug gebrocht. Zuschläge für den TLert der Arbeitsleistung des Besitzers und setner Familienangehörigen selbst erfolgen nicht. Wichtig ist die Berechnung dieser Durchschnitt»- sätze zur Ermittlung des Gesamtertrages. Sie werden ausgestellt für Betriebe, in denen außer Ackerbau auch Viehzucht da» trieben wird. In Gegenden mit überwiegendem Körner- und Hock» fruchtbau können die Präsidenten' der Londe»sinanzämter für überwiegend Wiesen und Weiden umsaffende Betriebe besondere Sätze aufstellen. Besondere Sätze können auch für Bezirke auf- gestelli werden- in denen au» klimatischen Gründen(beispielsweise Wetterfchöden) die Verhältnisse abweichend sind. Statt besonderen Sätzen in solchen Fällen können auch Zuschläge oder Abschläge von den allgemeinen Durchschnittssötzen erfolgen. Einkünfte aus landwirtschaftlichen N e b e n b e t r i e b r n, ait« Fischerei- und Bienenzucht«erden nutzer kalb der Durchschniftssätze ebenso besonder» ersaßt, wie Jngppachteinnabmen, wenn sie wesentliche Beträge ausmachen. Im Bezirk übliche und regelmäßige Emuahmen aus Auhrleist« nge« könne» im Durch- schnittssaß abgegolten werden. Auch Einkünfte aus sarstwirtschast» lich, weinbaumähig oder sonst gärtnerisch genutzten Grundstücken. ebenso die Erträge von Oedland und Wasserflächen, fallen nichl unter dies« Berechnung., Di« Gerechtigkeit in der Besteuerung der Bauern soll aber auch durch lausende Beobachtungen aller Dorgäng« in der Landwirtschaft gewährleistet werden, so daß Schäden und Härten jederzeit berücksichtigt werden können. Di« Präsidenten der Finanzämter sollen über Ernteerträge, Preis«. Wetterschoden. Diedleuchen dauernd Material sammeln, das bei der Prüfung der Ernnttlungsbetriebe oder Aufstellung der Durchschnittssätze und bei der Steuerveranlagung geeignet zu verwerten ist. Landwirtschafts» kammern und landwirtschaftliche Berufsverbänd« sind zur sachverständigen Mitwirkung heranzuziehen. Schließ« lich wird den Präsidenten der Finanzämter empfohlen, kleine landwirtschaftliche Vertrouensousschüsse für die Ausstellung der Durchschnittssätz«.zu bilden, wob«» all« landwtrt» schastlichen Organisationen des Bezirks vertreten sein sollen. ttm Lambach. ver Krach in der Oeuifchnationalen Volkspartei. Der Reichsang, stelltenausschuß der Deutschnationalen Bolksportei nahm in seiner Sitzung am 5. Juli im Reich- tags- geböud« einen Bericht des Abgeordneten Lambach entgegen. Der Rcichsangcstelltenausschuß sprach dem Abgeordneten Lambach nach ausführlicher Aussprache da» voll« Vertrauen au». Dieser Beschluß ist eine Gegenkundgebung gegen die Entschlie, ßung der deutschnationalen Reii�tagssraktion. die in her Frage des Monarchismus die Arbeiluchmcr im dcutschnaiionalen Lager ge- schlössen gegen sich hat.. Di« Parteileitung der Deutschnationolen wird am Tonnahenh über den Fall Lambach beraten. Kchimpsen darf«ur PilfudfA. Der Redakteur he» monarchisti« sähen Blatte»„Pro patrio' wurde vom Warschauer Geriche zu drei Monaten Gefängnis nerurteilt.«eil er den Sejm eine Dirne genannt halte. Ischllscherin bleib daheim! Das Politbureou hat die geplante Auslandsreise Xfchissffvrins at? unerwünscht erklärt. E? ist daher wahrscheinlich, daß diese Badereise auf den Spätherbst oeu schöbe» wird. j Bayerns Bürgerblockkrise. Die Regierungsverhandlungen ergebnislos abgebrochen. München, 5. Juft.( Eigenbericht.) Die feit acht Tagen zwischen den bisherigen drei Bürgerblodparteien zur Neubildung einer Regierung geführten Berhandlungen wurden am Donnerstag nachmittag er gebnislos abgebrochen. Nachdem schon eine weitgehende Webereinstimmung über das fünftige Koalitionsprogramm zustande gefommen war, handelte es sich bei den Besprechungen am Donnerstag um die Belegung der Ministerien. Auf Grund feines Mandatzumachjes verlangte der Bauernbund im neuen Kabinett zwei Ministerien, darunter wiederum das Landwirtschaftsminifterium, für das er deffen bisherigen Inhaber, Profeffor Dr. Fehr präsentierte. Beiden Ansprüchen widersetzten sich die Interhändler der Bayerischen Bolfspartei, die durch den Beschluß ihres Landesausschusses gebunden find, das Landwirtschafts ministerium nicht mehr mit einem Vertrauensmann des Bauernbundes besezen zu laffen. Die Gegnerschaft der Bayerischen Boltspartei richtete fich insbesondere gegen Fehr, dem man vorwarf, daß er während seiner Amtszeit als Landwirtschaftsminister dieses Ministerium zu einer Parteizentrale des Bauern bundes gemacht habe. Der Landesausschuß der Bayerischen Bolkspartei ist für Montag nachmittag nach München einberufen worden. brie mabnu 10 Staat und Kirche. Das badische Unterfügungsgefch bis 1931 verlängert. Karlsruhe, 5. Juli.( Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Frattion des Badischen Landtags hatte anläßlich der Beratung des Kultusetats beantragt. Unterstübungen an die Kirchen vom 1. Januar 1929 ab nur noch als Darlehen zu gewähren und ab 1. April 1929 den Staatszuschuß um ein Biertel zu fügen. Der Antrag wurde am Donnerstag abgelehnt. Ein Antrag der Demokraten, den Zuschuß um 10 Prozent abzubauen, verfiel ebenfalls der Ablehnung. Angenommen wurde ein Antrag des Zentrums und der Deutschnationalen, das Gefeß zur Unterstübung der Kirche bis 1. April 1931 zu verlängern OdaiM- siqmyl pauraziM( sisect Deutschland und Estland. Noch fein Ergebnis der Verhandlungen. Той DAUTS! ИЗМ Des Königs neue Kleider. wie- 100& Anggun ( Nach dem Märchen von Andersen.) LAMBACH 08. gensando CID ИЗЯД Of bus tadaibne euwtof! wtqmsQ 592 tenuwtts M uwadeshie JenuweeT Ort oblig 09/ bnenidou OS. br imals2 u televis 0*% OS.S 01 b tanuvitsMedon 12wbost A dozinlognsanida 08.0 08.1 1210w40902 terwall tenuwiola barb doziella 108 Alle Monarchisten aber, obwohl sie nur den nachten Körper fahen, faten fo, als ob fie Wilhelms prächtige Kleider beftaunten, denn fie fürchteten, aus der deutschnationalen Bolkspartei ausgeschlossen zu werden, wenn sie ihre wahre Meinung bekannten. Nur ein fleiner Junge rief:„ Der König hat ja gar nichts an!* gar nichts an!*- Der befam aber Dresche! nie 880$ 8.0 beninsonsM 887 neljudistet 20nis18 homeb Der Abbruch der Weichselbrücke. Et baute Polen schädigt mutwillig das Weichselland. Marienwerder, 4. Juli. Reval, 5. Juli. se In den letzten Tagen wurden zwischen der deutschen und der estnischen Regierung Besprechungen über die schwebenden Fragen geführt. Bon deutscher Seite wurde die estnische Regierung darauf hingewiesen, daß sie eine Antwort auf die bereits vor drei Monaten gemachten deutschen Vorschläge noch nicht gegeben habe. Die deutsche Regierung stehe nach wie vor auf dem Standpuntt, daß die prinzipielle Annahme des deutschen Borschlags der Zahlung einer Bauldalsumme durch Estland zur Abgeltung der deutschen Agrarentschädigungsforderungen das beste Mittel zur schnellen Beschloß, zunächst drei fremdländische Sachverständige reinigung diefer Streitfrage jei. Die deutsche Regierung sei nach wie vor zum Beginn von Handelsvertragsverhandlungen bereit. Die estnische Regierung stellte eine baldige Antwort in Aussicht und erklärte die bisherige Berzögerung mit der Schwierigkeit, die für die Agrarentschädigungsfrage erforderlichen Unterlagen vall. zählig zufammenzustellen. Obstruktionskampf in Belgien. Gozialiffen gegen Militär vorloge.- Militärausgaben durch Rheinlandbefehung verursacht. Der Abbruch der Münsterwalder Weichselbrücke durch die Polen lenkt die Aufmerksamkeit von neuem auf die Weichselgrenze. Die endgültige Festsetzung der Grenze erfolgte durch eine Kommission, an deren Spitze der französische General Dupont stand. Vor dieser Kommission mußten scharfe Kämpfe geführt stand. Vor dieser Kommission mußten scharfe Kämpfe geführt werden, um den maßlosen Forderungen der Bolen entgegenzutreten. Die Polen forderten, daß ihnen die ganze Marienwerderer Niede rung zugesprochen werde, mindestens aber die diese Niederung schüßenden Weichseldeiche. Die ausführlichen deutschen Gegenvor ftellungen vermochten die Grenzfommission nicht von der Halt losigkeit der polnischen Behauptungen zu überzeugen. Das einzige, was sich erreichen ließ, war schließlich, daß die Grenzfommission bezu hören und von ihnen Borschläge für die Grenzziehung einzus fordern. So famen denn ein Franzose, ein Engländer und ein Italiener in der Marienwerderer Niederung, bereisten die Gegend und gaben ibre Gutachten ab. Das franzöfifche Gutachten sprach fich ziemlich günstig für Polen aus; aber sowohl der Engländer mie auch der Italiener wiesen übereinstimmend die polnischen Ansprüche qui die Niederung und den Deich zurück. Die Grenztommiffion blieb infolgedessen dabei, daß die Grenze zwischen Fluß und Deich zu laufen habe, fie verließ jetzt aber den bisher geübten Grundsatz die Entfernung dieser Grenze pom Ufer des Stromes aus zu bestimmen und bestimmt die Entfernung vom Deichfuß aus. Brüffel, 5. Juli.( Eigenbericht.) Im Brüffeler Bezirksverband der Sozialdemokratischen Partei Gegen den Beschluß der Grenzfommission erhob Deutschland hielt Vanderpelde am Donnerstag ein Referat über die poli bei der Botschafterkonferenz in Paris energisch Beschwerde, aber tische Lage Belgiens und den Kampf gegen die Militärohne Erfolg. Durch Beschluß vom 19. Dezember 1922 fegte die Dariage der Regierung. Bandervelde wandte sich insbesondere Botschafterkonferenz die Grenze in der von der Grenzfommission be gegen die starke Erhöhung der Militärausgaben, die der Regierungsschlossenen Linienführung fest, und am 4. Januar 1923 befehten entwurf notwendig machen würde. Im Laufe der Debatte der Militärfommiffion so führte Bandervelde aus wurde der Beweis Was nun die Grenzziehung in der Gegend der Münsterwalder erbracht, daß es die Rheinlandbefehung ist, die uns zur Vermehrung Brücke betrifft, so hat die Entente von vornherein Wert darauf der Militärausgaben zwingt. Schon aus diesem Grunde müssen wir gelegt, nicht nur diese Brücke selbst, sondern auch noch einen die Beendigung dieser Besetzung fordern, die wirtungs- Brüdentopf auf dem deutschen Ufer zu erhalten. Bei der vor. los und zwecklos ist, die uns feinerlei Sicherheitsläufigen Grenzfestfegung durch die interalliierte 2 b ftimmungs. garantien bietet, da fie für alle Fälle im Jahre 1935 aufhören tommiffion in Marienwerder wurde nur vorgeschrieben, daß nruß. In der Kammer wird übrigens der Kampf der sozialistischen Frattion gegen den Versuch der Regierung, die Militärvorlage noch vor den Ferien durchzupeitschen, mit unveränderter Energie fort gesetzt. Auch am Donnerstag tonnten die Sozialisten wiederum die Beratungsunfähigkeit der Kammer durchfeßen und die Bertegung der Sligung erzwingen. Alle Bemühungen r Regierungspartei, ihre Mitglieder zur restlosen Teilnahme an den Sizungen zu bewegen, waren bisher ohne Erfolg. In der Nach mittagsfizung des Donnerstag fündigte Bandervelde deshalb an, daß die Sozialisten unter den gegebenen Umständen an teiner Die Regie Abstimmung mehr teilnehmen würden. rungsparteien haben nunmehr in allen Fällen für die Anwesenheit von mindestens die Hälfte aller Abgeordneten zu sorgen, menn das Haus überhaupt noch perhandlungs- und beschlußfähig sein soll. Das bedeutet, daß die Abgeordneten der Mehrheit dauernd fast vollzählig anmesend sein müssen. Man wird abwarten müffen, ob sie das schaffen können. Benn nicht, dann ist die Bertagung der Militärrefarm und voraussichtlich eine Krise im Herbst faum zu vermeiden. die Polen die Grenze. Die Fahnenattacke von Zweibrücken. Deutsche Ziviliffen vor franzöfifchem Militärgericht. Landau, 5. Jull, Das französische Kriegsgericht fällte heute das Urteil gegen den Autovermieter Frant und gegen Fräulein Rornberger aus Zweibrüden, die wegen Begünstigung der Flucht breier die junger Leute aus Zweibrücken namens Schimmel, Weiß und Luz angeflagt waren, die von der französischen Militärbehörde per dächtigt werden, in der Nacht zum 1. Mai d. 3. in Zweibrüden die französische Fahne am Offizierskafino heruntergerissen und zerfetzt am Bismard- Denkmal niedergelegt zu haben. Bei der Berlesung des Eröffnungsbeschlusses ging Staatsanwalt Trapet auf die Ermittlungen der deutschen Behörden ein. Die ergiebige Be meisaufnahme hat ungeachtet mancher Berdachtsmomente einen eclüdentpfen Beweis gegen die Flüchtigen nicht erbracht. Die BerMenehmung der beiden anwesenden Angeklagten 30g fich lange hin. Raditsch soll Regierung bilden! Den Schluß der Beweisaufnahme bildele die Berlefung eines 5.0 ndodtlindo2u8 motorban8216X 01.0 naad 3 spdul diefer Brüdentopf einen Umfang von 200 Meter um das mit Berteidigungsanlagen versehene diesseitige Brüdenende herum haben follte. Am diesseitigen Ende der Brücke war nämlich nicht nur das Brüdenportat selbst mit Schießscharten versehen, sondern baneben ist auch noch ein kleines Baumert mit Schießscharten eingerichtet wie es zur Zeit der Erbauung der Brücke worden, damit, wenn der Weichsel geräumt würde, und die Russen bis an die Weichsel geplant war im Falle des Zweifrontenfrieges, das Land öftlich fämen, die Brüde nicht gleich beim Erscheinen der ersten russischen Kavalleriepatrouille gesprengt zu werden brauchte. Dieses petit ouvrage fortifiè" hat bei der Grenzziehung die Aufmerksamkeit der Entente besonders auf sich gezogen. Es war ihr selbstverständlich, daß es nicht in deutscher hand blieb, jondern den Belen überlassen werden mußte. Damit es für diese aber auch einen militärischen 3wed hatte, mußten fie naturgemäß das nächstliegende Gelände erhalten. Bei der endgültigen Grenzfestlegung wurde dann diefer Brüdenkopf noch er heblich pergrößert. Auf diese Weise wurde das ganze ausgedehnte, Land zwischen den beiden Deichen obenjolls den Bolen zugewendet, so deß fie jebt einen ansehnlichen Brüdentopf und erhebliches Borgelände für Die fleine Befestigung am Brüdentopf haben. Jest brechen die Bofen die Brüde ab und haben gerode quch mit dem Abbruch des„ befestigten" Brüdenportals fchon begonnen. Wenn aber feine Brüde mehr da ist, brauchen die Polen dann noch einen Brüdenkopf? Würden die Polen nicht nach dem Abbruch der Brücke folgerichtig das Gelände, das fie als Brüdentopf in Anspruch genommen und erhalten haben, an Deutschland zurüdgeben müssen? Die Bolen werden ein solches Anfinnen selbstverständlich ablehnen und um eine Begründung, weshalb fie auch jetzt noch dieses Suid Land behalten müßten, wahrscheinlich nicht verlegen fein. Aber der unsinnige Abbruch der Brücke fügt der sowieso schon mider. finnigen Brenzziehung an der Weichset noch einen weiteren Bunft hinzu, in welchem die Linienführung der Grenze fünftig noch mehr als jetzt der fachlichen Begründung entbehrt. also, so wird erklärt, wenn es sich nur um Gedankenlosigkeit go handelt hätte, seinen 3rrtum sofort einsehen müssen. Wie aus St. Englevert( Franfreich) gemeldet mird, haben die dortigen Behörden die Beschlagnahme des Flugzeuges Löwensteins perfügt. Brüssel, 5. Juli. Der geheimnisvolle Tod Löwensteins hat in Brüffet allergrößtes Aufsehen erregt. In Finanzfreisen bespricht man viel die Tatsache, feiten geraten war. Sein Besuch in London soll dem 3med daß 2ämenstein in legter Zeit in finanzielle Schwierig. gegolten haben, einen ze dit pon 200 millionen zu er baften, um Schwierigkeiten in Brüssel zu decken. Dieser Kredit fall ihm verweigert worden sein. Auch das Scheitern seiner Berverweigert worden sein. Auch das Scheitern seiner Berbandlungen mit dem deutschen Glanzftofffyndikat soll ihn sehr enimutigt haben. Es ist die Ansicht aufgetaucht, daß Löwenſtein Selbstmord begangen hat. 25. Die Londoner Börsenpanifol London, 5. Juli. Briefes von Lutz an seine Eltern, in dem er sie um Berzeihung für seine Untat bittet und eines Briefes non Welg vom 23. Juni, Der sensationalle Tob Löwensteins hat an der Börje eine so in dem er danach fragt, ob die Franzosen noch immer zu seinen große Aufregung berpargerufen, daß die Geschäftstätigkeit nach Eltern fämen. Das Urisil lautet: für Wilhelm Weiß, Hermann Eintreffen der Todesnachricht für eine Viertelstunde suhte. Die Schimmel und Karl Luz in Abwesenheit auf 5 Jahre Zuchthaus Attien der pan Löwenstein tontrollierten Gesellschaften fielen mit Aufenthaltsverbot, für Eugen Frant auf 45 Tage Geaugteich um mehr als 70 Puntte, was einen Gesaminerlyst auf dem Martt von nahezu 600 Millionen Mart qusmachte. Der Barftand der von Löwenstein präsidierten International Solding and Investment Company und Hydro- Electric Securities Corporation hat eine Erflärung veröffentlicht, wonach die finanzielle Stellung beider Gesellschaften gesichert fei und die Mehrzahl her umfangreichen Attienanteile des verstorbenen Alfred Löwenstein unbelastet seien. Nach Ansicht beider Gesellschaften fei ein Grund zu Aufregungen nicht porhanden. Der Kroatenführer vom Gerbenfönig beauftragt. as.t Belgrad, 5. Juli Nach dem Scheitern der Miffiou Stanojewitsch wurde am Nach mittag in Bertretung des Stefan Raditsch, der sich noch immer im Krankenhaus befindet, Wetofar pribitschewitsch in faft zweiftündiger Audienz vom König empfangen. Der König übertrug Pribifiche- fängnis und für Fräulein Anna Kornberger auf 41 Tage milich für Stefan Radilich das Mandat zur Regie Gefängnis; durch die Untersuchungshaft verbüßt. Frank und rungsbildung. Bribiffchemisch überbrachte den Auftrag jofort Fräulein Kornberger wurden sofort freigelaffen. Radilich. Man nimmt jedoch an, daß Radiffd die Bildung einer Regierung, die mit der jegigen Rationalversammlung weilerarbeiten foll ablehnen micd, da er an dem Standpunkt festhalten merde, daß die bäuerlich- demokratijde Roalition mit dem jchigen Parlament nichts mehr zu tun haben will. 82.0 Sin Aufstand in Tibet soll nach Melbungen aus Mukden unterbrüdi morden sein. Die Regierungstruppan hötten bie Aufständi fchen umgingeft und sie zur Auslieferung ber Beffen gezwungen; Mehr als 300 Personen feien bei den Zusammenstößen getötet worden. Die Regierungstruppen fäuberten" die Bezirle von ben Aufständischen, die nach Chinesisch- Turkestan flüchten, 08.0 Der Tod Löwensteins. Gelbffmord vermutet, da Zusammenbruch drohte. Brüffel, 5. Juli, Die Version von der Berwechselung der Türen, der Löwenstein zum Opfer gefallen fein foll, wird angezweifelt, denn die Ausgangstüren find bei allen Flugzeugen jo angebracht, bas mährend der Fahrt injolge des außeren Luftdruds ein Deijnen nur mit beträchtlicher Anstrengung möglich ist. Löwenstein hätte Börsenrückgang auch in Paris. Baris, S. Sufi, Infolge des Lades Löwensteins haben diejenigen Berte, die er tontrollierte, aum Teil Verlufte non 30 bis 40 Bras in Bopierfranken zu verzeichnen gehabt, WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise nur Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat. Fleisch. Fische Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt. 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Gehacktes Pid. 70 Pt. 112019 Prima Gefrierfleisch Rinderkamm u. Brust Pfund 65 Pt. Hammelvorderfleisch Rack. 82rt Herzen Pfund 50 Pf. Kuh- Euter 28 Pt. sch FISCHE a. Pland Bratschollen 8, Hornaale Pad 10 Pt. 0.68 Seelachs ohne Kopf, ganze Flasche, Pfund 13 Pt. Kabeljau ohne Kopi. 0.95 1.25 Ananas Hawaii, 3 Scheib 1.05 Rindergulasch 0.80 1.55 1 Dose Apfelmus. Pflaumen mit Stein Kaiserschoten 1.65 Birnen ganze Frucht. Junge Erbsen 0.76 Preiselbeeren Leipz. Allerlei 0.82 miel- 1.12 fe.n Junger Spinat Sellerie in Scheiben Konfitüre, 2- P? und- Eimer Aprikosen 1.10 0.48 0.90 Oelsardinen 1.20 0.78 0.45 Touristen- Konserven Vierfrucht 0.82 Pflaumen 1.00 Orange 1.15 Erdbeer 1,25 Himbeer 1,35 Ananas 1.45 KONFITÜREN Vollmilch- Schokolade mit ganzen Haselnüssen 2 Tafeln à 100 Gramm 75 Pf. Creme- Schokolade( Apfelsinen- u. Himbeer- Geschmack 2 Tateln à 100 Gramm 45 Pf. Vollmilch- Relief- u.-Borke- Schokolade Pfund 45 Pf. Eisbonbon Messina Dreps 18 Pt. Milchkaramellen 25 P 14 Pfund mic Dessertbrezeln 1/4 Pfd. 38Pf. Pfund sanze Fische Schelitische Makrelen Goldbars Pfund 15 Pf. Filet vom Kabeljau Pland 32 Pf. Frischer Zander Pfund von 48 PL Lebende Schleie Piund von 115 an GEFLÜGEL an boldner aument Einkochgläser Ring 0.32 0.34 0.36 1, Ltr. Ltr. 1 Ltr... 11, Ltr. 2 Ltr. eng 0.32 0.42 0.48 weit 0.36 0.38 0.40 10 Gummiringe eng 0.30 weit 0.40 Einkoch- Apparat kompl., m. Thermometer 5.75. OBST U. GEMÜSE Knupperkirschen 20,30 Pt. Tomaten Pfund 32 Pt. Ital. Pflaumen Plund 42 Pf. Austral. Aepfel Pfund 48 Pf. Pfund 48 Pf. Pfirsiche Werdersche, 48 Pt. Erdbeeren Bananen Zitronen Plund ... Pfund 42 Pf. Dubend 75 Pf. Pfund 9 Pt. Grüne Bohnen Pfund 8 Pr. Wirsingkohl Salat Radieschen Stck. Pf. an 3 Kopf 10 Pf. 4 Bund 10 Pf. Jg. Mohrrüben 2 Bund 15 Pf. Schlangengurken 15 Von Blumenkohl Kopf von 15 Pt. Junge Schoten Pfund 22 Pl. Neue Kartoffeln 5 Ptd. 48 Pi. RÄUCHERWAREN Flundern Plund 25, 40 Pf. 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Krankenwein 1925 Niersteiner Domtal sehr ansprechend. 1921 Berncasteler milder, gehaltvoller Mosel 1922 Sauternes Wachstum Bernard, Orangeade 125 135 160 190 2.50 10 Renetten- Apfelwein süddeutscher.. FI. 1.75 1/2 Fl. 1.00 1/2 Fl. 1.60 Wein u. Spirituosen vom Faß, z. B.: Kantorowicz PL 2.60 Liter 0,50 Stück von 110 an 115 Johannisbeerwein sus, kräftig. Liter 0.95 1927 Kallstadter Weißkelterung guter Tisch- und Bowlenwein, Liter 1.40 370 Junge Tauben große. Stück von 88 Pt. an Suppenhühner trische, Pid. von 98 Pf. an Junge Gänse Plund von 105 an Junge Brathühner Wolgahühner Pfund von Hausmarke teinsüßer, welßer Bordeaux Nach langem, schwerem Leiden entschlief sanft meine liebe Frau, unsere Techter, Schwester und Schwägerin Therese Lück geb. Kühner Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Otto Lück Bn. Friedrichsfelde, Rummelsburger Str. 24. 5. Juli 1928 Die Beerdigung findet vom Elternhause in R stenburg, Ostpr.., aus statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern ur Nachricht, daß unjer Kollege, der Schlosser Gustav Lucht geb. 12. Juli 1886, am 28. Juni ge torben ist Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Freitag, dem 6 Juli, 15 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Die Ortsverwaltung. Dom Wanderkarten Balbparzellen, herrlich, baureif, 950. Leibhaus Morikplay 58a. Berlauf von Roffien, Raftanienallee 57. Gut und Anzahlung 100,- Wagner, Bandlig Ravalier Garderobe, teils auf Geibe, billig, polierte und eichene Schlafzim fee, Stolzenhagenerstraße. Jadett, rad, Smolinganzüge, Gabar. mer, Speisezimmer. Beitestgehende ZahLanbparzellen, nur 750,- Anzahlung binemäntel, Bauchanage, für jede Figur lungserleichterung. 100, Restaurant Hofmann, Oranien, paffend. Ertra- Angebote für neue Gar berobe. Belsjaden 50,- Belamäntel burg, Berlinerallee 21. 95. Sportpelge 85,-. Gehpelse 100,-. Reine Lombardware! 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Kalbskenle ganz und geteilt 1.00 Steinbuscher vollfett. Tilsiter Ptd 65, vollfett.. Pld. 96 Datteln Harzer Prd 40, Spitzkäse 2 Stück 25 Kranzfeigen. Romadour vollfett Stick 25 Austral- Aepfel .Pfd. 95 Tomaten Shweinebauch ohne 0.90 Heilage Schweineschinken Rückentett bratfertig 1.05 0.78 Bayersch. Limburger Ptd. 55 Wirsingkohl Liesen 0.70 Gehacktes 0.75 Schweinekopie gepökelt Pa Eisbein mit Spitzbein gepökelt Pa. Pökel- Rinderbrus! o Knochen Pa. Enter riech Pa. R oder angen frisch. Pa. Rinderherzen Pid. . 0.25 Fischen.Räucherwaren 0.50 1.40 0.28 . Erdbeeren Obst und Gemüse Pid. 0.38 Ptd. 0.45 Kohlrabi Junge Mohrrüben Ptd 0.45 Ptd. 0.50 • Pld. 0.32 Ptd. 0.11 Dicke Bohnen Grüne Bohnen. Holl. Blumenkohl Brüne Gurken Neus Kartoffeln Pfd. 0.50 an Gemüse- und Obstkonserven. Mandel 0.20 Bund 0.10 Pland 015 Plond 0.15 Kopf v. 0.20 an Stück v. 0.20 an 5 Pfund 50 Tomatenmark % Dose 0.38 Engl. Fettbücklinge. Pid. 3842 Kalif. Stangenspargel extr.st., Dose 3.Kaiser- Erbsen Assortierte Früchte/ Dose 0.70 Dose 1.57 Kieler Bücklinge Pid 50 Dose 0.68 Pflaumen, Frucht. Dose 0.58 Pid. 65 Gemüse Erbsen Kieler Sprotten 0.28 Sesaal Seelachs, geräuchert.... Pid 48 ge.Erbsen u. geschn.Karotten, Dose 0.45 Vierfrucht- Marmelade 2- Pfd.- Eimer 0.82 Brech- u Schnittbohnen, Dose 0.75 Erdbeer Konfitüre 2- Pid.- Eime: 1.20 Pfd 70 Kirsch- Konfitüre-Ptd.- Em 1.20 Bundaale Dose 0.52 Bund 40 Spinat sandfrei Karotten geschnitten, Dose 0.48 Ananas- Konfitüre 2- Pfd- Eim 1.45 0.50 Fst. Tatelöl 1.20. 70, 35 28 Pig Oelsardinen Dose 28, 30, 45, 50 6 Pa. Suppenhühner Pfd. v 0.90 Junge Tauben Stick v. 0.60 an Krabben Gelee Dose 55 u 1.10 Junge Brathühner 1.25 Rehblätter & B Pfd 1,10 an Heringe in div. Marinad 1Ltr. Dose 90 Pa. Wolgahühner Pid. ▼ 1,05 Rehragout Ptd. 0.35 an Pr 110 d Pa.Gefr.- Ochsensuppenfl.0.60 Pa.Gefr.- Hammelvorderfl. Pd 0.90 at V Pfd Main 80 Kassler Speer u. Kamm 1.25 Feuer Sneck A 115 12 11 Pfd. ▼ 80 RD Hoist Schlack- u. Salami pa 1.70 a Schinkensneck Saison- Ausverkauf Rücksichtslos herabgesetzte Preise! Tellweise bis zur Hä fte und darunter 1 Kolonialwaren Kaffee tr gebrannt Pfd. v. M. 2.40 an Kaffee- Misch. 30% sobnenk. Ptd. 1.10 Gebr. Gerste Beginn 2. Jull Worstwaren Fst Erfrischungswaffeln, Ptd 0.55 Bruchreis Pid. 0.28 Ptd. 0.26 11. Teewurst... Pld 1.70 Ptd 0.18 Pld. 0.22 Burma- Tafelreis Hartgrieß Einmache-( Hut-) Zucker Pid. 0.38 Eier- Band- Nudeln Pra 0.45 Maccaroni- Hartgrießbrucherd. 0.45 Vorzgl. Tischweine Apfelwein lose herb Liter 0.60 dto. lose. sus 0.75 Johannisbeerwein Stachelbeerwein Tarragona Malaga 1927 Diedesfelder 1927 Mesenicher Königsberg 1926 Liebfraumilch Orig. Vermouth Valencia span. Rotw Pin 1.70 la Schinkenecken Pa. Meitwurst Brachwg. Art Ptd. 1.25 Fst.Jagdwurst Pfd 1.25 Pa. Schinkenpolnische era 1.30 Fst. Blerwurst Pld 1.60 fl. Leberwurst P 1.50 Fst. Landleberwarst Ptd 0.90 Rotwurst Thür. Art Pid 0.90 Preßwurst Pta 0.85 1. 1.1.35 1.60 Pa. Sülzwarst Pla 0.85 Ft 1.39 1.50 Fst.Mortadella Pto 1.30 1.75 Pa. Brühwurst Pt. 0.80 1.35 1.30 Fst. Bageraleberwarst Pta 1.30 ohnepper Pt 115 Maper Smeck one per 120 Pfd ?!r. 3t 5- 45. Jahrgang 5rettag> 6. Luli 4S2S Wenn lnon das Große naben dos Kleine stellt, so wirkt V«nger die Distanzierung an den Dingel?, als vielmehr die K o m i k, die im Wesen der Gegensatz« beruht. Mit dem berühmten„Feuer- za u be r" ist es ebenso: der Großstodtgenießer würde bei einem fröhlich»erlebten Tag nicht auf seine Kosten kommen, wenn am Abend seine Stimmung nicht noch durch ein großes Feuerwerk „illuminiert� wird. Wenn da Rakete auf Rakete pfeifend in die Luft fährt, Sonnenrader ihre Millionen Funken sprühen und ein großer bunter Sternenregen vom Himmel niederfallt, dann ist das„Aahl" und.Vöhl' der Ausdruck der Befriedigung, des großen Glücks. Aber gleich darauf ist der Zauber erlaschen, die Beendi- gung des Feuerwerks kündet auch den Aufbruch der Familie nach den heimischen Penaten an. Beim Klammenkönig von Berlin. Ein Besuch. bei dem..Flammenkönig" im Carlshof ist sehr unterhaltend und läßt in Dinge hineinsehen, die noch etwas anderes bedeuten als das Blendwerk, das die Augen erfreut Hot. Paut L i n d n e r, der Schöpfer von Riefonfeuerwerten, wie sie vor einigen Jahren noch„Treptow in Flammen" und andere Gaststätten gezeigt haben, kletterte als erster auf den dainals noch lmvallcndeten Berliner Funkturm. Auf schwanken Planken unter Lebensgefahr führte er dem sensationslüsternen Publikum einen Wasserfall aus Magnesiumlicht von der Spitze des Funkturms herab vor. Nebenher ist er Boxer und behauptet noch heute die Meisterschaft im— Mundharmonika spielen, auf diesen? kleinen Instrument imitiert er ein ganzes Orchester! Also ein Illusionsina cher im wahrsten Sinne des Wortes,„Paule kann alles!" Man erfährt von ihn? dos interessante Geschäftsgeheimnis, daß der Feuerwerker bei seriösen Vergnügungsstätten bis zur Hälfte an den Einnahmen dar Eintrittsgelder beteiligt stt und somit auf eigenes Risiko arbeitst. Viele Gastwirtschaften bedienen sich seines Namens und seiner geschützten Schrift„in Flammen", ohne daß Paule etnxis damit zu tun hat. Da wird eben den Gästen auch«ine„Illusion" vorgemacht, die den Eintrittspreis von SO Pf. durchaus nicht berechtigt, denn— so meint dieser Tausendkünstler— es ist ein 11 n t e r s ch i« d, ob ein Feuerwerk für 250 M. am Abend oder für 5000 M. in die Lust verpulvert wird. Er hat aber bereits Feuerwerke losgehen lassen, bei denen 50000 Mark in Rauch und Flammen ausgingen! Brillantfeuerwerk im Äarlshof. Im C a r l s h o s, einem im Norden sehr bekannten Etobiisse- ,??ent, walte! Paule im Augenblick mit seinen? F-uerzauber, das er über drei künstliche Seen spannt. Es ist tatsächlich abends «in märchenhafter Anblick, n»en?t über die Brücken und llser mit den grilnüberspo?mte>t' Laubengätigkn im Hintergrund Roiseuer und andere bengoftsche' Flamruen sich entzünden und dl« Gäste durch Sterirenregen in eine- indisch« Märchen nacht geführt werde??. Der Feuerwerker hat es nickst leicht, das große Glücksliedürfnis der Massen zu befriedigen, obawhl er mit den stärtsten Mitteln arbeitet. Es?missen Einlagen in das übliche Aufflammen der„Brilla??t- schwärmer, BlirrnenforNänen, Fcuerräder, Bicnensch?vänn«, Kaskaden in Pyran?idensonn und als Fächeretagen hin«ingenom?nen njerdc??, die an irgendein Tagesereignis anknüpfen. Tag«la?�g kostet es Vorbereitungen ui?d Mo??tagen an Gestellen, die sich über den See spannen. So springt ein Mann mit einer Feuerkrone vo?n hohen Tun?? ins Walser und beim Eintauchen flannnt die Krone hell auf, um sich in wirbelnde?, Kreisen durch eigenen Airtrieb in die Höhe zu schle?idern. Das Prinzip der Bewegung der Feuer- iverkskörpcr, der Raketen, die bis zu 300 Meter unter pfeiserrdem Zischen in die Höhe steigen, um nnt einem scharfen Knall(Zeitzüi?der) zu explodieren und tropsenartige Sterne herabregnen zu lassen, ist ganz dasselbe, wie bei der rieuen Erfindung des„Rakete??motors" oder bester gesagt, die Rückstoßwirtung dieser Raketen bildet die Grundlage der neuen Erfindung. So will auch Lindner in den nächsten Tagen als neueste Attraktion seine„Mondrakete" auf- fliegen lasten. Ob sie den Mond erreicht, das wird er seinen? viel- tausendtöpstgen Publikum nicht verraten. Jedenfalls sind diese Figuren, die sich durch die Kraft des Pistoers faenjeaen, immer originell und spaßhaft. In einem Alpenidyll" wird u a. oine Kuh in ungeheurer Größe gezeigt, die von einer Magd gemolken wird. Die 5tuh ist sehr ungeduldig und schlägt mit dem Schlrxmz, plötzlich ober ergießt sich ein Milchstrom aus dem Euter, der ohne Einhalt über den Milchkübel flieht. Auch der„c i I e r n c G u st a v" vstrd bei Lindncr demnächst fein« feurig« Erstehung?mt eigenen Augen bewundern tön??«!?, weil die Berliner Fuhrherren ihrem berühmten Freunde im Carlshof eine offizielle Begrüßung widmen wollen. Sorgfalt ist Vorbedingung! Bei Riefenfeuerwerkim arbeiten oftmals mehr als 20 Gehilfen mit.©ie haben dam? am Abend nach genau vorgesehenen? Programm die an die Gerüste oikgeleimten und sonstlvie desestigtcn Feuerwerkskörper zu entzünden, so wie dein? Theater die B e l e>? ch- tungsmänner. Das Geheimnis der Wirkung und der Pracht liegt in der immer wechselnden Ausanm?enstellung des Farben- s p i e l s. Es kommen Bomben zur Anwendung, die ein Gearnckst von 38 Kilogramm besitzen und mit einer Stoßladung von mehr als zwei Kilogramm Pulver vcrschei? sind. Je höher die Bombe steigen soll, desto größer wird nat?>rgcmäb die Ladung sein. Man ersieht daraus, daß der Beruf eines Feuerwerkers allerlei Sorgfalt und Verantwortlichkeit erfordert, denn eine mangelhafte Behandl?i??g dieser Sprengkörper, auch wenn ihre lim- hüllung mcist mir aus Pappe besteht, könnt« allerlei Unheil iin Gefolge haben. Die„Treiber" bei den Rosetten werden aus ein beweglich«- Gerüst aufgesteckt. Eine Zündschnur»erbindet alle Patron«?? untereinander und entzündet sie zu gleicher Zeit, wodurch sich die Mechanik in Bewegung setzt. Bei den farbigen Figuren, Palmenbäumen, Glorien u.«..wird zu we i ß em Licht Magnesium- pulver verwercdet, das rote Licht macht salpetersaures Strontian. grünes salpetersaures Baryt, blaues schwefelsaures Kupfer- oxyd mit Schellack und chlorsaurem Kali. Die Herst«llu??g der Feuerroerkskörper im Laborakorium ist ein Kapitel für sich. Wir wollen uns mit der Feststellung be- gnügen, daß bei jeder Rakete, die aussteigt, 15 bis 100 M. in die Luft„gepulvert" werden und daß es deshalb ein besonderer Genuß ist, in 20 bis 30 Minuten«in Vergnügen zw erleben, das Fisch«, Vögel und Frösche schreckt und nur den Menschen zu begeisterten Freudenausbrüchen verleitet. F. R. Kall Pernetia-Gleißner beigelegt? Anklageerhebung wenig wahrscheinlich. Di« Boruntersuchung im Fall« P ern etta- G le i ß n e r be- schöstigt sich nach der Haftentlassung Gleißners und der Frau Per- nettas vor allem noch mit dem m?ifteriössn Filmmanuskript. Schrift und benutzte Tinte sollen von Sachverständigen untersucht werden, doch ist die Fertigstellung dieser Gutachten kaum vor den Gerichtsserien zu«rnwrten. Di« Präparierung des Schädels Pernettas scheint die Annahm«, daß ein Selbstmord vorliegt, weiter zu bekräftigen: Der sehr breite Einschuß hinter dem rechten Ohr deutet daraus hin, daß die tödliche Kugel aus nächster Nähe abgefeuert ist, während ein aus größerer Entfernung abgegebener Schuß be- � lanntlich eine kleine Eiirschußöffnung mit glatten Rändern ver- ursacht. Zurzeit?verden noch?nehrere Zeugen über da: Alibi ' Gleißners und der Frau Pernetta»ernommen. Bisher sollen sich > belastende Momente nicht weitcr ergeben haben. Kiebach nimmt das Llrieil an. Gnadengesuch der Verteidiger. Der vom Schwurgericht wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Stjährige Präparator Horst Siebach hat«ms da» Rechtsmittel der Revision beim Reichsgericht ver- z i ch t e t. so daß da» Todesurteil damit rechtskräftig wird. Die Rechtsanwälte Dr. Schwind t und Sidney Mendel haben nunmehr ein Gnadengesuch eingereicht, das Todes- urteil nicht zur Vollstreckung zu bringe??, und sie haben sich dabei auf die Stellungnahme des Schwurgerichts gestützt, die Landgerichts-" direktvr P e l t a s o n bei der Derkündung der Todesstrafe mitteilte. Das Schwurgericht hätte nicht auf Todesstrafe erkannt, wenn das jetzige Strastecht beim Mord die Wahl zwischen der Verurteilung zum Tode und einer a?>deren Straf« zulasien würde, wie es in dem neuen Strafgesetzentwurf vorgesehen ist. Kiebach wird wahrscheinlich nicht hingerichtet werden, sondern die Todesstrafe wird in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt werden. Die von Kiebach In der Verhandl?ing und bei der Verkündung des Todesurteils zur Schau getragene Kaltblütigkeit hat sich gründlich gewandelt. Seit seiner Rückkehr in die Gefängnis- zelle ist Siebach völlig zusammengebrochen und weint dauernd. Er hat an seine Braut, die ihm noch in der Hauptverhandlung erklärt hatte, daß sie die feste Absicht habe, den Mörder zu heiraten, einen Abschledsbrief gerichtet. Kiebach bittet seine 20jährige Braut, daß sie ihn sofort im Gefängnis besuchen möchte. Er wolle sie noch einmal sprechen und dann für immer von ihr Ab- schied nehmen. Nach Rechtskrast des Urteils wird die Gefängnis- Verwaltung, die dann für die Erteilung der Sprecherlaubnis zuständig ist, dem Wunsche des Mörders Rechnung tragen. Jad London: QSotf�btUf. (Schluß.) Wie ein Gefangener gefesselt und jeder Bewegung durch Binden und Gipsverbände beraubt, brachte Wolfsblut viele Monate zu- Er schlief viele Stunden lang und träumte viel, und an seinem Geiste zogen in endloser Reihe die Bilder des Nordlandes vorüber. Die Geister der Vergangenheit standen auf und umgaben ihn. Wieder war er bei Kische in der Höhle, wieder kroch er zitternd zu des Trauen Bibers Füßen, um ihm den Eid der Treue zu leisten, dann rannte er gehetzt umher, um fein Leben vor Liplip und der heulen- den Rotte junger Hunde zu retten. Ein andermal lief er durch die schweigende Emode während der großen Hungersnot und lauerte dem Wllde auf, oder er befand sich an der Spitze des Gespanns, und Mitsah oder der Graue Biber knallte mit der großen Peitsche und schrie mit rauher Stimme:„Raa! Raa!", wenn man an einen Hohlweg kam. und das Gespann, wie ein zu- sammengetlappter Fächer, sich dicht aneinander drängen mußte. Dany durchlebte er wieder die Schreckenstage bei dem schönen Schmitt und die Kämpfe, in denen er dort ruhmreich gestritten hatte. Zu solchen Zeiten winselte und knurrte er im Schlafe, und dann sagten die Leute, daß er schlimme Träume habe. Am meisten jedoch litt er unter einer Vision, die wie ein Alp auf ihm lastete. Das war, wenn ihm die rasselnden, tutenden Ungeheuer der elektrischen Wagen erschienen, die ihm wie ungeheure Luchse vorkamen. Er träumte dann wohl, er liege im Gebüsch verborgen und lauere darauf, daß ein Eichhörnchen sich von dem schützenden Baum entfernte. Sprang er jedoch darauf zu, so pflegte sich dasselbe in einen elektrischen Wagen zu verwandeln, der schrecklich und drohend sich wie ein gewaltiger Berg über ihm erhob und fauchend und kreischend Feuer spie. Ein andermal verfolgte er mit den Augen einen hoch in der blauen Luft über ihm schwebenden Habicht, der sich beim Hinunterstoßen eben- falls in den allgegenwärtigen Wagen verwandelte, oder er glaubte im Käfig des schönen Schmitt zu sein. Draußen hatten sich die Leute versammelt, und er wußte, ein Kampf stände bevor. Er beobachtete die Tür, durch die der Gegner eintreten sollte. Sie öffnete sich, und der fürchterliche Wagen wurde hineingeschoben. Das wiederholte sich unzähligemal, aber jedesmal war der Schreck fo groß wie das erstemal. Endlich kam der Tag, wo der letzte Verband, die letzte Binde abgenommen wurde. Es war ein großer Festtag für ganz Sierra Vista, deren Bewohner sich um Wolfsblut ver- sammest hatten. Der Herr kraute ihm die Ohren, und Wolss- blut grollte sein Liebeslied. Die Frau des Gebieters nannte ihn„den lieben, guten Wolf", welcher Name beifällig von den andern Frauenzimmern aufgenommen wurde. Er ver- suchte, sich auf die Füße zu stellen, alle??! immer wieder fiel er aus allzu großer Schwäche zurück. Er hatte so lange ge- legen, daß seine Muskeln alle Spannkraft verloren hatten und alle Kraft daraus verschwunden war. Er fühlte sich über seine Schwäche ein wenig beschämt, als sei er in dem Dienst, den er den Menschen schuldete, schlaff geworden- Darum machte er heroische Anstrengungen, sich zu erheben, und endlich stand er schwankend und taumelnd auf allen Bieren. „Der liebe, gute Wolf!" riefen die Frauenzimmer im Chor.— Richter Scott blickte sie triumphierend an. „Da habt ihr'?! Was ich euch immer gesagt habe! Kein bloßer Hund hätte das vollbringen können, was er getan hat. Er ist ein Wolf!" „Ein lieber, guter Wolf," stimmte der Richter ein,„und das soll fortan mein Name für ihn sein." „Cr wird wieder gehen lernen müssen," bemerkte der Doktor, also mag er gleich damit beginnen. Es wird ihm nichts schaden. Wir wollen ihn hinausbringen." Und hinaus schritt er wie ein König, ganz Sirra Vista im Gefolge. Er war sehr schwach, und als er den Rasen erreichte, legte er sich nieder und ruhte eine Weile aus. Dann fetzte sich der Zug wieder in Bewegung, als die Spannkraft wieder in seine Muskeln kam. und das Blut lebhafter in seinen Adern zu kreisen begann. Die Ställe wurden erreicht, und dort lag in der Tür Collie, und ein halb Dutzend dickbäuchiger Hündchen spielte in der Sonne um sie herum. Wolfsblut blickte sie mit verwunderten Augen an. Collie knurrte warnend, und er hielt vorsichtig in der Enffernung. Der Herr schob ein watschelndes Junge mit dem Fuße näher zu ihm hin. Mißtrauisch sträubte er das Haar, aber der Herr sprach ihm freundlich zu, daß alles richtig und in Ordnung sei. Doch Collie, die von einem der Frauenzimmer gehalten wurde knurrte ihn argwöhnisch und unfreundlich an. daß nicht alles richtig und in bester Ordnung sei- Das Hündchen stand breitbeinig vor ihm. Wolfsblut spitzte die Ohren und betrachtete es neugierig. Dann näherte er seine Rase der des Jungen und fühlte das warme Zünglein an seiner Schnauze. Auch er streckte die Zunge aus.— er wußte nicht warum,— und leckte dem Hündchen das Gesicht. Lauter Jubel und schallendes Hände» klatschen begrüßten sein Tun. Er war überrascht und sah sich verwundert um. Dann überkam ihn von neuem die Schwäche, er legte sich nieder, spitzte die Ohren, drehte den Kopf zur Seite und blickte das Hündchen an. Auch die andern Kleinen kamen zu Collies Enffetzen herbeigewackelt. und er ließ es gravitätisch geschehen, daß sie auf ihm herum- kletterten und Purzelbäume schössen. Zuerst zeigte er bei dem Jubel der Umstehenden ein wenig von der alten, linkischen Verlegenheit, aber auch diese verschwand, als die Hündchen fortfuhren, ihn zu zausen und mit ihm Possen zu treiben, und so lag er mit halbgeschlossenen, geduldigen Augen im Halbschlnmmer in der Sonne da. Sie Kosten der Aobile-Silfsexpeditionen. -15 große Schiffe und 20 Uugzeuge zur Rettung unterwegs. Kopenhagen, 5. IuN. Zn«Svenska Dagbladel" wird die Arage er- örleri, wieviel die hilsmahnahmen für die mißlungene Nobile- Expedition kosten. Die Zlusriislung der Nobile-Expedition selbst, schreibt das Blatt, kostete etwa IX Millionen Kronen, aber die Ausgaben für die Entsetzung werden anscheinend das Vielfache dieser Summe verschlingen. Alle Ausgaben für die schwedischen Fliegerexpeditionen werden vorschußweise von dem schwedischen Fliegerwesen bezahlt, das darauf die Rechnungen an die schwedische Regierung einsendet. Da die Maschinen des schwedischen Heeres nicht versichert sind, wird es einen Verlust von 80 000 Kronen bedeuten, wenn Hauptmann Lundborgs havarierte Maschine nicht mehr gerettet wird. Man kann damit rechnen, daß jedes Flugzeug, das auf Spitzbergen liegt, täglich 500 Kronen kostet, worin Betriebsstoff, Proviant usw. einberechnet sind. Da augenblicklich zwanzig Maschinen am Eismeere versammelt sind, beträgt diese tägliche Ausgabe also 10 WO Kronen Die ver- unglückte„Italia' hatte bekanntlich 16 oder 17 Mann an Bord und w deren Rettung sind 27 Mann mit fünf Maschinen auf Spitz-' bergen. � Hinzu tritt noch die deutsche Klemm-Daimler-Maschine mit Besatzung. An norwegischen Fliegern sind Hauptmann R i i s e r L a r s e n und Leutnant Lützow-Holm nach Spitzbergen ge- fahren. An Bord der französischen Maschine„Lathäm" befanden sich außer Roald Amundsen der französische Pilot Premier- leutnant D i e t r i ch s e n und zwei Mechaniker. Die finnische Maschine„Turrhu" hat fünf Mann an Bord. An Bord des russischen Eisbrechers„K r a s s i n* befindet sich eins der größten Flugzeuge Rußlands. Auch auf dem Eisbrecher„M a l y g i n*. der bei den Kaiser-Karl-Jnseln eingefroren liegt, sollen sich zwei Flug- zeuge befinden. Endlich sind von Italien vorläufig drei Maschinen, nämlich die„Saooya" mit dem Major Maddalcna und fünf Mann Besatzung und zwei Dornier-Wal-Maschinen mit je sechs Mann Besatzung. Fünfzehn größere Schiffe sind augenblicklich in den nördlichen Gewässern zur Entsetzung der Expedition versammelt, und zwar die folgenden:„C i t t a d i Milano' mit 250 Mann Besatzung, die„Braganza"', die von der italienischen Gesandtschaft in Oslo geheuert worden ist und sechzehn Mann Besatzung und eine Anzahl italienischer Alpenjäger an Bord hat.„H o b b y", das Fahrzeug der norwegischen Re- gierung,„Inger IV, gleichfalls von der norwegischen Regierung entsandt, sowie„Qu est' und„Tanja", die Fahrzeuge der schwedi- schen Regierung mit je 17 Mann Besatzung. Die russischen Eis- brecher„Malygin" und„Krassin", von denen letzterer 300 Mann Besatzung hat, das finnische Fahrzeug„Marita", das norwegische Fangschiff„H e i m d a l", das der französische Staat für die Nachsuche nach der„Lotham" gemietet hat, der Kreuzer „Strasbourg" und das Kanonenboot„Ouentin Roose- v e l t", die zu demselben Zweck von der französischen Regierung entsandt worden sind und von denen der elftere 475 Mann an Bord hat, das Panzerschiff„T o r d e n s k j o l d" und das For- schungsschiff„Michael Sars", die von der norwegischen Regie- rung ausgeschickt worden sind, sowie das Fangfohrzeug„Vesle Kar i", das zur Rettung Amundfens abgegangen ist mit den Fliegern Tryggve Gran und Leif Lier an Bord. Außerdem eine Reihe kleinerer Fahrzeuge, die für die Güterbeförderung bestimmt sind. Die Zahl der Hilfsschiffe wird noch ständig vermehrt. Anklage gegen drei Gasangestellie. Das Explosionsunglück in der Landsberger Allee. Das Strafverfahren in der Schuldfrage wegen des Explosions- Unglücks in der Landsberger Allee 115 hat, wie bereits kurz gemel- det, zur Anklageerhebung gegen drei Gasangestellte geführt. Die Anklageschrist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperver- letzung ist von Staatsanwaltsschaftsrat Dr. Kailer bereits fertig- gestellt und wird in den nächsten Tagen, nachdem der Oberstaats- anwalt seine Zustimmung erteilt hat, den drei Angeschuldigten zu- gestellt werden. Die Anklage führt die Ursache der folgenschweren Gasexplosion, durch die das Doppelhaus in der Nacht vom 4. zum 5. Januar zer- stört wurde und 16 Todesopfer erforderte, auf das fahrlässige Ver- halten der drei Beamten der Gasanstalt zurück. Die Fahrlässigkeit und die Ursache der Explosion wird in drei Punkten erblickt: Einmal darin, daß der Stöpsel an der Gasleitung nicht ange- bracht war, dann darauf, daß der Wassertopf nicht ge- nügend mit Wasser gefüllt war. Bei jeder Zufuhr von Gas in ein Haus befindet sich auf der Straße ein sogenannter Wassertopf, das Wasser bildet einen automatischen Sicherungsver- schluß. Den Hauptschuldpunkt erblickt die Anklage aber darin, daß die G a s h e i z ö f e n, die in dem Haufe eingerichtet worden waren, genehmigt wurden,«hesie noch ordnungsmäßig a n- geschlossen waren. Für diese Freigabe des Betriebes werden zwei der Angeklagten verantwortlich gemacht, weil sie dem Unter- nehmer auf dessen Anfrage, ob die Gasheizöfen in Betrieb genom- men werden könnten, eine bejahende Antwort gegeben hoben. Die Anklage stützt sich auf ein umfangreiches Gutachten, das Oberregie- rungsrats Ritter von der Ehemisch-Technischen Reichsanstalt erstattet hat. Die Haupt Verhandlung wird vor dem Schösfengericht Mitte voraussichtlich wegen ihres großen Umfanges erst nach den Gerichtsferien stattfinden können. Die Kavalierwechsel des Prinzen. Oer Kunstmaler als Fälscher. Vor dem Schöfsengerichi Schöneberg ging ein umfang- reicher Aktiensälschungsprozeß zu Ende. dessen Mittelpunkt als einer der hauptangeklagten der Kunstmaler Bruno Mahkowskj als wahres Fälschungsgenie stand. Bruno Matzkowski war früher Porträtist und es wird ihm großes Können nachgerühmt. Er ist aber frühzeitig straffällig geworden, weil er fein« Kunst in den Dienst der Fälschung ge- stellt hat. Matzkowski gilt als einer der geschicktesten Bilder- falscher. Er hat viel Geld verdient, ist aber auch schon zehnmal vorbestraft. Nach seiner eigenen Angabe hatte Matzkowski, bevor er das letzte Mal ins Gefängnis kam, sein Vermögen in der Inflationszeit in alten A k t i s n angelegt, die er teuer gekauft hatte, die aber schließlich wertlos wurden. Er kam dann, auf der Suche, wie er diese Aktienpakete dennoch ausnutzen könnte, mit dem Kaufmann Siegfried G a m b i tz k i in Verbindung, der einen sehr reichen Vater hat. Gambitzki ist sogenannter„Banksachmann" und hatte srüher ein eigenes Bankgeschäft, das er liquidierte. Später errichtete er in Paris ein Bankgeschäft, das aber in Konkurs geriet. Er be- schäftigte sich dann in Berlin damit, Persönlichkeiten von Namen zu sanieren und wurde n. a. Generalbevollmächtigter des Prinzen M a x v. H o h e n l o h e, dem er zunächst eine Million Mark, dann aber sofort noch ZOO 000 M. beschossen sollte. Der Prinz stellte ihm sogenannte Kavalierwechscl aus. Gambitzki und Matzkowski verabredeten, Inflationspfandbriefe verschiedener Land- schoften aufzukaufen. Matzkowski fälschte die Aktien in V o r k r i e g s- -> k t i e n um. Angeblich soll es nach der Behauptung der Angeklag- ten Prinz v. Hohenlohe nur darauf angekommen sein, seine Familie zu bluffen, indem er ihr den Nachweis führen wollte, daß der Borwurf der Verschwendungssucht, der gegen ihn gemacht wurde, ungerecht sei. da er sein Geld in wertvollen Aktien angelegt habe. Der Fälschungsbetrieb nahm einen ungeheuren Umfang an. Es wurden 11 X Millionen Mark Aktien gefälscht. Ein Teil der Aktien kam auch in den Verkehr, und Matzkowski bekam, als er wieder Jnflationspapiere aufkaufen wollte, feine eigenen Fälschun- gen in die Hand. Er behauptete auch in der Verhandlung, daß die ihm übergebenen Wechsel des Prinzen gefälscht gewesen seien; aber diese Wechsel seien ihm angesichts des reichen Daters von Gambitzki um so sicherer gewesen. Es gäbe auch„gefährliche Sicherheiten", bei denen die Sicherheit beim Staatsanwalt liege. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung von Matzkowski zu ein Jahr neun Monaten und Gambitzki und Bonwitt zu ein Jahr sechs Monaten Gefängnis. Ein Lebensdrittel im Zuchthaus zugebracht. Di- erst 33 Jahre alle Helene Szechowiok hat bereits 10 Jahre Zuchthaus und IX Jahre Gefängnis hinter sich, hat also ein volles Lebensdriltel hinter Der brave Soldat Scbweftt In Brieseland Unter diesem Motto findet Soanabcntl, den 14. «nid Sonntag, den 15. Juli, in Brieselang ein JUNGSOZIALISTEN- TREFFEN statt, ru dem auch die Partei- und Arbeiterjugend-Genossen herzlichst eingeladen sind. Sonnabend, ab 21 Uhr: Rezitationen, Gesang, Musik. Gedenkfeier der Wiener Todesopfer. Ansprache. Abbrennen eines Holzstoßes. Der Sonntag soll zur Förderung des Gemeinschaftslebens beitragen. Rezitationen, Stegreifspiele. Gitterstäben zugebracht. Nach ihrer letzten Strasoerbüßung wurde sie von der Fürsorge auf dem Land« untergebracht. Dort gefiel es ihr aber nicht, und sie kam nach Berlin, wo sie in einem Schwestern- heim angestellt wurde. Bald kehrte sie zu ihrer allen Lebens- gewohnheit zurück und stahl wie ein Rabe. Sie erbrach Schreib- tische und Schränk« und leerte die Geldtaschen. Die Diebin erhielt jetzt von neuem drei Jahre Zuchthaus, außerdem fünf Jahre Ehr- vertust, und sie wurde auch unter Polizeiaufsicht gestellt. Die Feier der 45 Millionen. Werbetag der Konsumgenossenschasts-Internationale. Was für die Arbeiterbewegung im allgemeinen der 1. Mai be- deutet, das stellt für die Konsumgenossenschaften der I n t e r n a t i o- nale Genossenschaftstag dar, ein Fest- und Werbe- tag, der vor sechs Jahren vom Internationalen Genosienschafts- bund eingesetzt wurde als ein« alljährtich zu veranstaltende, alle Landesgrenzen überbrückende Kundgebung der Verbraucherorganisationen für die Aufgaben genossen- schaftlicher Wirtschaftsführung. Don Jahr zu Jahr wächst das Ausmaß dieser Genossenschaftsfeier. In den Tausenden von Städten und Ort- schaften, in denen Konsumvereine Fuß gefaßt hoben, selbst in den entferntest gelegenen Tellen der Erde, wie in Indien. Japan, Australien, scharen sich an diesem Tage die Genossenschaftler um das Banner der Konsumgenossenschaftsbewegung mit dem Gelöbnis, nach innen ihr Werk auszubauen, nach außen ober allen noch Fern- stehenden verkündend die genossenschaftliche Lehre der Roch- d a l e r P i o n ie r e, die Lehre vom konsumgenossenschaft- lichen Wirken zum Wohle der Menschheit. Der Inter- nationale Genossenschaftsbund oereinigt jetzt 46 Millionen Ge- n off en s chaf t« r in allen der Kultur erschlossenen Ländern der Welt! der International« Genossenschaftstag soll mit der Erfüllung seiner werbenden Ausgabe neue Scharen für die genossenschaftliche Gedankenwelt gewinnen. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Um- g eg e n d begeht nach einer internen Feier, die am Sonnabend, dem 7. Juli, für den Funktionärkörper in der„Philharmonie" stattfindet, den Internationalen Genossenschaftstag durch ein Volksfest am Sonntag, dem 8. Juli, im V o l k s p a r k.L a r l s h o f", P l ö tz e n- s e e. Das Programm der Veranstaltung setzt sich zusammen aus Musikoorträgen zweier Kapellen des Deutschen Musikerverbandes, Gesangsoorträgen, Festansprache, Lampionreigen im Wasser, Rissen- feuerwert, Kinderfackelzug usw. Der Eintrittspreis zu dem um 3 Uhr nachmittags beginnenden Fest beträgt für Erwachsene 30 Pf., für Kinder 15 Pf. Eintrittskarten sind in sämtlichen Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend und am Eingang zum Festlokal erhältlich. Um auch über die Reihen der Festteilnehmer hinaus die Aufmerksamkeit der Berliner Bevölkerung auf die Konsumgenossenschaftsbewegung zu lenken, wird vom Fuhrpart der Ber- liner Genossenschaft am Sonntag in drei Zügen eine festtiche Korso- fahrt durch die Groß-Berlincr Straßenzüge unternommen. Für jeden Genossenschafter, für die Familie jedes an der Ent- wicklung der Genossenschaftsbewegung anteilnehmenden Arbeiters, Angestellten und Beamten muß am Sonntag, dem 8. Juli, die Losung lauten: Auf zum Internationalen Genossenschaftsfesl im volkspark „Karlshof"! » Ttrasietthaudler und Obstpreise. Die im Reichsverbond ambulanter Gewerbe- treibender Dciiljäilands, jEitz Berlin, organisierten Straßen- Händler des Bezirks Neukölln behandelten in einer Versammlung neben organisatorischen Fragen auch die Frag« der gegenwärtigen Preisbildung von Frischobst und Gemüse. Es wurde jcstgestelll, daß an den in der Tagespresse mit Recht kritisierten Preisen der Pro. dufte nicht der Straßenhändler schuld sei, da beispielsweise am 3. Juli für Kirschen 40 bis 45 Pf. und für Erdbeeren 50 bis 80 Pf. in der M a r k t h o l l e ge, zahlt wurden. Von einem anderen Redner wurde betont, daß er für runde, weiße Kartoffeln bei Abnahme von 20 Zentnern den Zentner mit 3,50 M. bezahlen sollte, während die- selben Kartoffeln eine halbe Stunde später— ebenfalls bei Abnahme desselben Quantums— pro Zentner 10 M. kosteten Lebhaste Klage wurde auch darüber geführt, daß' sich in den Körben oft oben eine Schicht erstklassiger Erdbeeren befindet, während sich die unteren, beim Einkauf unsichtbaren Beeren, zum TeL stacht für den Verkauf eignen. In diesem Falle ist der kleine Händler der Leidtragende! Die Straßenhändler erklären, daß sie an den hohen gegenwärtigen Preisen absolut kein IMeresse hoben, vielmehr be- strebt sind, Frischobst und Gemüse zu den billigsten Preisen der Bevölkerung zuzuführen, und erwarten in ihrem Bestreben die Unterstützung der Behörden. Die Feier des II. August. Sorgt für Fahnen der Republik. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teill, hat die Preußische Staatsregierung beschlossen, zur Feier des Verfassungstages am 11. August 1928 die gleichen Anord- nungen wie im vergangenen Jahre(Beschluß des Preußischen Staatsministeriums vom 8. Juli 1927) zu treffen. Es wird emp- fohlen, außerhalb der amtlichen Verfassungsfeier durch Anregung von sportlichen und anderen Veranstaltungen in der Bevölkerung für eine möglichst volkstümliche Feier des Ver- fassungstages Sorge zu tragen. Jeder Republikaner wird sicher jetzt dafür Sorge tragen, am Tage von Weimar die schwarzrotgoldene Fahne des neuen Deutschland hissen zu können. „Ein harter Schlag." Unter dieser sensationellen Ueberschrift bringt der Ableger der „Roten Fahne"«ine Darstellung über den Reichsbund deutscher Mieter, die sich wie eine groteske Mischung von Dichtung und Wahcheit ausnimmt. Genosse Fritz D z i e y k, der Vorsitzende des Reichsbundes deutscher Mieter, teilt uns dazu mit, daß in kürze«ine gebühre nde Antwort erfolgen wird. Schon heute aber fei gesagt, daß es sich um s e n s a r i o n e l l e aufbauschende Vorgänge handelt, die zwei bis drei Jahre zurückliegen und die offenbar nur darum in die Oeffenllichkeit gebracht werden, um bei dem bevorstehenden Reichsmietertage aus parteipolitischen und egoistischen Gründen den Bundesvorsitzenden, Genossen Dzieyk, zu stürzen. Interessant ist dabei die Tatsache, daß ausgerechnet Angehörig« der Kommunisti- schen Partei die Verbindung mit der sogenannten, in dem Beitrag erwähnten Meterbank hergestellt haben, die den Anlaß zu dem Angriffsartitel bildeten. Als die Sache schief ging, flogen die kommunfftischen Urheber über Bord und die verhaßten Sozial- demoftaten mußten den„Soustall" reinigen. Zehn„Lebenslängliche" brechen aus. Neun werden niedergeknallt. Bukarest. 5. Juli. Im Gefängnis von Ocnele-Mari versuchten zehn zu lebens- länglicher Zwangsarbeit verurteilte Gefangene durch ein« Oeftnung, die sie in die Mauer gestoßen haften, zu entfliehen. Die Gefängms- wache, die sie dabei überrascht«, tötete neun von ihnen. Nur einem Ausbrecher gelang es, in den Wald zu entkommen. Das Llnwetter in polen. 37 Todesopfer. Warschau, 5. Juli. Die Unwetter, die während der letzten 48 Stunden über Polen hinweggegangen sind, hab«n sehr großen Schaden angerihtet. Durch Blitzschlag, Brand und andere durch das Unwetter verursachte Unfälle sind insgesamt 37 Personen ums Leben gekommen. Festnahme zweier Mörder. Braunschweig. 5. Juli.' Di« Mörder des Polizeioberwachtmeisters Decker in Wolfenbüttel sind festgenommen worden. Es sind die Spinnereiarbeiter Karl und Rudolf Letto au» Wolfen- büttel. Beide sind geständig, Einbrüche in Wolfenbüttel ausgeführt zu haben und bei einem Einbruch in die Friedhofskasse in Wolfem büttel den Polizeioberwachtmeister Decker, der sie dabei überraschte, durch drei Revolverschüss« niedergestreckt zu haben. Die Waffe war bei einem Einbruch in das Polizeiamt in Wolfen- büttel gestohlen worden. Unfälle am Nationalfeiertag der UTA. Wie aus New Port gemeidet wird, sind die Unglücks« fälle, die stch am U na b häng i g k« i t s to g« durch Explo- sionen von Feuerwerkskörpern ereignet hoben, in diesem Jahr« zahl- reicher als ftüher. In New York wurden über zwölf Personen und in Jersey stoben Knaben schwer verletzt. In Philo- delphia brachten mehrere Jungen unter einem Pferd Feuer- werkskörper zur Explosion: der Fuhrmann und eine erhebliche An- zahl von Personen erlitten schwere Ber letzungen. Einem Schlafendel, wurde von einen, Unb«konni«n eine Rakete in den Mund gesteckt, die dem Manne sämtlich« Borderzähne ausriß. In L a m a r(Staat Missouri) explodierte inmitten einer Menschenmenge von etwa 5000 Köpfen aus einem Rollwagen eine Ladung Feuerwerkskörper. 14 Personen wurden schwer verletzt. Es brach eine Panik aus, bei der ebenfalls zahlreich« Personen Verletzungen davontrugen. Filmschauspieler Harry Piel verunglückt. Der bekannte Filmschauspieler und Arfist Harry Piel wurde gestern von einem schweren Unfall betroffen. Auf dem Filmgeländ« in der Oberlandstraße in Tempelhof wallte Piel bei einer Probe. ausnähme auf einem Motorrad einen Sprung über einen Groben vollführen. Er stürzte hierbei und kam so unglücklich zu Fall, daß er sich das rechte Schulterblatt ausrenkte und schwer« Brustquetschungen erlitt. Die FilmmisnahnKi, muhten aus diesem Grunde sofort abgebrochen werden. Der„Berliner Lendvai-Ehor". Mitglied de? DASB„ ver- anstallet mit 200 Sönqcr» heut«. Freiing abend, 8 Uhr auf dem Spielplatz im Park Friedrichshain«in öffentliches Konzert. Briefkasten der Redaktion. >. 9. 3,476 ßuebtalrutea. jjbev SeVdauuttssbsschwevdett, »ie Meaensckmerzco, Neigung zu DiarrbJtn oder Verstopfung usw. hoben viele immer wieder>u Nagen. Zwedmösig iff dann eine vorstchllge Ernährung, s»». 25. der regelmäßige Genuß von die oft Ol«»obre Wohllol empfunden werden. ,Äuf efe' ist beiucra in den läglichen Kuppen zu nehmen, macht diese schmoifnoli und wirft verdouungsregelnd und«fördernb. Gin versuch mit ,Än(e(e«6Bppe*— fiodivorfchrilten liegen jeder Do(e bei— Wird auch Sic zu einem üderzeuzlen Anhänger mache». Kommunale Schulzahnpflege. Organisation und Notwendigkeit ihres Ausbaues in Berlin. Ein großes und bedeutendes Teilgebiet der Schulgesundheits- pflege ist �die Schulzahnpflege. Mannigfach find ihre Auf- gaben. Ursprünglich diente sie hauptfächlich der poliklinischen Be- treuung der Schuljugend. Mit anderen Worten: hotte ein Schulkind Zahnschmerzen, dann ging es in die Schulzahnklinik, wo der kranke Zahn plombiert oder— gezogen wurde. Die sorgfältige poliklinische Versorgung der Jugend in den Schulzahnkliniken spielt auch heute noch eine Rolle. Indes ist, namentlich im Laufe de» letzten Jahr- zehnts, die planmäßige Sanierung der Gebisse der Schulkinder immer mehr in den Vordergrund gerückt und jetzt zum Hauptbestandteil der ganzacn Schulzahnpflege geworden. Man unterscheidet bei den Schulkindern verschiedene Sanie- rungsjahrgänge. Die zu„sanierenden" Schulkinder kommen klassen- weise in die Schulzahnkliniken, denn sie sollen dort sämtlich„über den Stuhl(den zahnärztlichen Behandlungsstuhl nämlich) gehen". Sehr wünschenswert wäre es, daß jedes Schulkind jährlich mindestens einmal vom Zahnarzt in der Schul- Zahnklinik untersucht würde und nötigenfalls von dem Zahnarzt in der Schulzahnklinik behandelt werden könnte. Viele erfahrene«chulzahnörztc fordern sogar eine halbjährige.Lahn- visite". So häufige Sanierungsuntersuchungen lassen sich aber in Berlin noch nicht durchführen, da es an der hierfür notwendigen Anzahl von Zahnärzten mangelt. Auf welche Untersuchungen, aus die Betreuung welcher Jahr- gänge hat�man nun besonderen Wert zu legen? Vor allem ist es nötig, dafür zu sorgen, daß die Jugendlichen, die bald die Schule verlassen und in das Berufsleben hinaustreten, ein möglichst gutes bzw. gut instandgesetztes Gebiß haben. Am besten kann man natürlich zu einem solchen Resultate in der Weise gelangen, daß man die Schulkinder während der ganzen Schulzeit möglichst häufig schulzahnärztlich betreut, beim Auftreten kleinster Zahnschäden sofort eingreift und auf diese Weise die Ausbreitung der Zahnfäule in den kindlichen Gebissen hindert. In den Monaten vor der Schul- entlassung hat man es dann einfach nicht mehr nötig, besonders um- sangreiche Sanierungen der Gebisse vorzunehmen, da ja die Zähne jahrelang gepflegt'wurden. Die systematische Zahnsanierung in Berlin ist aber erst jüngeren Datums und man kann aus den er- wähnten Gründen einfach nicht umhin, den Sanierungen der Gebisse der Vierzehnjährigen besondere Sorgfalt und Zeit zu widmen. Man wird jedoch, da ja vorbeugen besser, b i l l i g e r u n d euch weniger zeitraubend als heilen i st ,_ künftig in immer beträchtlicherem Ausmaße sich auch der Frühjahrs- fanierungen der jüngeren Jahrgänge anzunehmen haben. Will man die plamnäßige Sanierung der kindlichen Gebisse in dem notwendigen Umfange durchführen und nebenher poliklinische Sprechstunden abhalten lassen, so braucht man bei einem geordneten Betriebe eine größere Anzahl von Zahnärzten und von Schwestern, die den Zahnärzten als Hilfskräfte dienen. Die Schulkinderzahl, die durchschnittlich auf einen hauptamtlichen Schulzahnarzt entfallen so'l, schwankt zwischen 4000 und 6000. Jedem Zahnarzt muß eine Schwester als Hilsskraft beigegeben werden. Will man jedoch das Gebiet der Orchodontie in den Bereich der«chulzahnpflege einbeziehen, so bedarf es einer erheb- lich größeren Zahl von Zahnärzten. Etwa S Proz. der Schulkinder leiden nämlich unter allerlei Beschwerden, die auf ein regelwidriges Wachstum bzw. auf eine falsche Stellung der Zähne zurückzuführen sind. Durch„Richtung" solcher Zähne und mancherlei andere Maßnahmen kann man bei oft allerdings recht langwierigen Behandlungen sehr gute Enderfolge erzielen. Auf weite Sicht bietet auch zweifellos das Gebiet der Orthodontie für die Schulzahnpflege reiche Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten und es ist in diesem Zusammenhange sehr bezeichnend, daß auf dem diesjährigen deutschen zahnärztlichen Kongreß der„Vater" der systematischen Zahn- sanierung, der Ordinarius der Zahnheilkundc an der Universität Bonn. Genosse Professor Dr. Kantorowicz. verlangt hat. die Orthodontie den R e g e l a uf g a b e n der Schulzahn- pflege zuzuzählen. Einige Schwierigkeiten— dies muß ganz offen gesagt werden— dereitet es bisweilen, geeignete hauptamtliche beamtete Zahnärzte für die Schulzahnkliniken zu gewinnen. Das hat v«r- schiedene Ursachen. In mittleren und kleineren Städten finden drei praktizierende Zahnärzte immer noch ein recht gutes Auskommen. Von denjenigen, die sich zum Studium der Zahnheilkunde entschließen, neigen nicht allzu viele zu einer spezifisch sozialärztlich-fürsorgerischen Tätigkeit. Schließlich� haben auch die(von sozialdemokratischer und freigewerkschastlicher Seite mit Recht immer stark kritisierten!) großen Spannen innerhalb der einzelnen Stufen der Besoldung?- o r d n u n g bei der Gewinnung von Zahnärzten ganz deutlich ficht- bare nachteilige Folgen. Da nämlich ein beamteter Zahnarzt, der sich dem 50. Lebensjahr nähert, genau das doppelte an GelMlt bezieht gegenüber einem neu eintretenden Schulzahnarzt, der vielleicht zuvor einige Jahre lang als Assistent sich ausgebildet hat, so hat dieses Mißverhältnis zur Folge, daß sich bei Stellenausschreibungen über- wiegend ältere Zahnärzte melden, denen ein beträchtlicher Teil der Jahre ihrer freien zahnärztlichen Tätigkeit auf das Besoldungsdienft- alter angerechnet wird und die im übrigen auch auf die in Aussicht stehende Versorgung aus naheliegenden Gründen einen viel größeren Wert legen, als dies für jüngere(noch dazu meist arbeitskraftigere!) Zahnärzte zutrifft. Die Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Zahnärzten werden auch dadurch künstlich hervorgerufen, daß von gewissen zahnärzt- lichen Kreisen eine recht lebhafte Agitation gegen die Schul- Zahnkliniken und insbesondere gegen die Einstellung Haupt- amtlicher Zahnärzte entfaltet wird. Man wittert eben offenbar etwas vo»„Sozialifierung des Heilwese ns". Und worum sollten solche Volksbeglücker dann nicht den traurigen Mut aufbringen, gegen eine noch so segensreiche Einrichtung, die der Volksgesundheitspflege dient, wie dies für die Schul- Zahnpflege zutrifft, vorzugehen! Allerdings geschieht dies meist nicht öffentlich, da man sich wohl ein wenig schämt, dies zu tun, aber dennoch recht intensiv„unterirdisch". Hierüber werden in Bälde noch einige deutlichere Worte gesagt werden müssen. Es ist gerade grundsätzlich sehr wichtig, derartige Angriffe auf die Grundrechte der kommunalen Selb st Verwaltung, zu deren Teil- gebieten auch die kommunale Schulzahnpflege gehört, aus das energischste abzuwehren, ja, möglichst im Keime zu ersticken. Es muß gelingen, die Gegner der Schulzahnpflege als Feinde der Volksgesundheitspflege zu brandmarken und ihrem Treiben ein Paroli zu bieten. Die Schulzahnpflege wirb trotz mancher Schwierig- keiten zum Nutzen der Schuljugend in ihrer Entwicklung weiter fortschreiten und es ist ein erfreuliches Zeichen, daß man jetzt seitens der städtischen Gesundheitsverwaltung die vorbereitenden Schritte tut, eine Reihe von Berliner Schulzahnkliniken beträchtlich zu erwe,jtern.. Das ist die best« Antwort auf die erwähnten volksfeindlichen Bestrebungen, eine Antwort, die von ollen sozial- demokratischen Kommunalpolitikern sicherlich noch wesentlich bekräs- tigt werden wird. Dr. med. Alfred Korach. 49. Mww PCÖ rHJflrf Ö 9x999 6 399192« Durch Praxis zum Ziel. Möglichkeiten sozialistischer Wirischastspolitik. De! den starren Anhängern der biirgerlick).kapitalistischen Profit- wirtfchast gilt noch immer der Grundsatz von der Unübertreff- l! ch k e i t der auf Privateigentum und Auebeutung beruhenden kapitalistischen GesellschastsordnunA. Allerdings gibt es auch in bürgerlichen Kreisen Menschen, die an diesen starren Formeln zu zweifeln beginnen. Auf der anderen Seite spukt In den Köpfen vieler Gegner der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die primitive Aufsastung, daß der Kapitalismus mit einem Schlag« durch die Diktatur des Proletariats„abgeschafft" und durch den Sozialismus ersetzt werden könne Diese In den Anfängen der modernen Arbeiterbewegung verständliche Auffassung hat durch die kommunistisch« Agitation und durch dl« bewußt falsch« Auslegung der Entwicklung in Rußland neue Antriebe erhalten. Es ist nach wie vor die wichtigst« Ausgab« der sozialdemokratischen Aufklärung, der gesamten Arbeiterklaffe ein« richtige Auf- faflung über den Gang der wirtschaftlichen Entwicklung und die daran ffch knüpfenden Möglichkeiten bewußter sozialistischer Einwirkung auf die Wirtschafts- gestaltuug tt zu vermitteln. Der Verbreitung und Vertiefung dieser Erkenntnis dient in hohem Maß« eine kleine Schrift von Fritz Naphtali,„Kon- junktur. Arbeiterklaff« und sozialistische Wirtschaftspolitik"(32 Seiten, Preis SO Pf.), die vom Reichsausschuß für sozialistisch« Bildungs- arbeit soeben im Verlag I. f). W. Dietz, Berlin, herausgebracht worden ist. Ausgehend von den grundlegenden Ideen von Marx — die mehr als je heute Anerkennung finden, wir«rinnern an die hier abgedruckte Rede von Prof. Schmalenbach—, untersucht Naphtali die Wandlungen, die ffch im letzten halben Jahrhundert in der Frage der Krisen und der Konjunktur in der Arbeiterbewegung voll- zogen haben.„Niemand hat mit größerer Klarheit als Marx ent- wickelt, wie aus den Gesetzen der kapitalistischen Wirtschaft notwendig jenes Auf und Ab folgt, das wir die Konjunktur nennen: wie notwendig sich die Zelten der Depression, des Ausschwunges, des jgochschwunges, der Ueberproduktion und der Krise folgen, und wie ffch auf diesem ständigen Wechsel die Unsicherheit der gesamten Lebensverhältnisse und insbesondere die Un- sicherheit der Lage des ständig von Arbeitslosigkeit bedrohten Proletariats entwickett. Von dieser Aufdeckung des Zusammen- hange« zwischen Konjunktur und Kapitalismus. wie Marx sie gegeben hat, ist die ganze neue Konjunkturtheorie und Konjunkturforschung entscheidend beeinflußt worden. Die Be- obachtungen stnd verfeinert, die Theorien ausgebaut worden, aber an der Grundauffoffung des Kreislaufs, wie chn Marx besonders im.Kopital" geschildert hat. hat sich wenig verändert. Sehr viel ober hat sich verändert in bezug auf die praktisch-politischen Folgerungen, die die sozialistische Wirts chastspolitit der Gegen- wart au» der Konjunkturlehre zieht, gegenüber den Einstellung, die Marx und Engels zum mindesten in der ersten Periode ihres Schaffens diesen Problemen gegenüber hatten. Und gerade in dieser Wandlung sehen wir den Spiegel der Umwälzungen innerhalb der kapitalistischen Wirtschast und den Spiegel der Veränderungen der sozialen Machtverhältnisse durch da» Wachstum und die Ent- faltung der Arbeiterbewegung." ZHe« i ch t ig st e Veränderung gegenüber den siebzigerund achtzig«? Iahren de« vorigen Jahrhunderts steht Naphtali darin, daß man jetzt nicht— wie es damals psycho- logisch verständlich war— z« befürchten braucht, eine Periode de« wirtschafttichen Aufschwunges könne zu einer Versandung der Arbeiterbewegung führen. Die praktischen Crsahrun- gen eines halben Jahrhunderts haben vielmehr gelehrt, daß diese Bewegung nicht au» den Elendsrevoltea hnaqerade? Arbeiter, sondern au» der zähen, systematischen Aufbauarbeit proletarisch«? vrganlsettonen ihre wichtigsten Kräfte zieht. Krisen- zeiten wirken vielleicht noch an manchen Stellen revolutionierend auf die Köpf««in, ober es stnd gleichzeitig die Zeiten, in denen die Macht der Organisation der Arbeitertlaffe geschwächt wird. Es kann auch nicht mehr davon die Rede sein, Aufschwungszeiten als Ruheperioden der Arbeiterbewegung zu betrachten.„Auch in der Aufschwungszeit geht es der Arbeiterschaft in ihrer großen Maff« reineswegs so gut. daß die Gesahr einer Beruhigung, einer Lähmung de« Kampfwiklen» gegeben wäre. Gerade In der Aus. schwungsperiode muß zäh darum gekämpft werden, daß die Ar- J belterklaffe an den Früchten de» Avstchwnnge» Anteil hat." Wir sehen in dieser Feststellung«inen der wichtigsten Gedanken der Schrift von Naphtali,«inen Gedanken, der den nüchternen Realismus bei der Einschätzung der wirtschaftlichen und politischen Umwelt auf das engste oerbindet mit der idealistischen Zielsetzung und der bewußten Steigerung der Aktivität der sozialistischen Ar. beiterbewegung. Naphtali gibt sich keineswegs der von bürger- licher Seite propagierten Illusion hin, daß die Krisen inner- fialb des Kapitalismus beseitigt und eine konjunkturlose Wirtschaft aufgebaut werden könnte. Auf der anderen Seite wendet er sich gegen die Auffassung, daß der Kap'talismus an seinen periodischen Krisen zusammenbrechen müffe. und daß die Arbeiterklaffe auf den Ablauf der Krise keinen Einfluß haben könne. Für die Arbeiterklaffe, erklärt er, besteht zwischen der Gegen- wart und der Frühzeit ihrer Bewegung der große Unterschied, daß sie heute nicht mehr lediglich Objekt des wirtschaftlichen Systems ist, sondern dciß sie in vieler Beziehung M a ch t p o s i t i o- nen bezogen Hot, daß sie in gewerkschaftlicher und polittscher Hinsicht einkn Machtfaktor darstellt, und daß sie sich den Ber- pflichtungen nicht entziehen kann, die mit der Tatsache dieser Macht- entwicklung verbunden sind. „Macht verpflichtet insofern, al» in dem Augenblick, in dem die Arbeiterschaft auch nur über ein gewisses Maß von Macht verfügt, die Arbeiter nicht mehr ertragen können, daß sie abseits von der pratttschen Beeinflussung der Geschehnisse der Gegenwart stehen bleiben, die für ihre Lebensgestaltung entscheidende Bedeutung haben." Aus dieser Feststellung ergibt sich die Tatsache, daß die Ar- beiterschaft auch auf dem Gebiete der Konjunkturpolitik aus der Zuschauerrolle herausgedrängt und in aufbauende Aufgaben hineingezwungen worden ist. Naphtali schildert an Hand der Erfahrungen der letzten Jahre die wichttgsten Etappen dieser praktischen Konjunkturpolitik, die teils bewußt, teils unbe- wüßt unter dem Einfluß moderner sozialistischer Wirtschaftspolittk stand. Der wichtigste Schritt in dieser Richtung war das Arbeil». beschafsungsprogramm von 1926. das dahin führte, daß im Jahre 1927 mit mindestens 7 Milliarden Mark an direkten oder indirekten Aufträgen der öffentlichen Hand zu rechnen war, von denen 3 bis 4 Milliarden planmäßig unter dem Gesichtspunkt der Konjunkturbeeinfluffung vergeben wurden. Diese Tatsache zeigt, daß einerseits die öffentlichen Körperschaften einen immer stärkeren Einfluß auf die planmäßige Lenkung des Kapital- stromes gewinnen, und daß andererseits die Position der ösfe"t- lichen Wirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft immer stärker wird. Das alles ist natürlich noch nicht Sozialismus. Dazu gehört. wie Naphtali ausdrücklich erklärt, „eine viel tiefer greifende Awgestaltuvg her gesellschaftlichen Organisation und«ine Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse." Aber die Ansätze zu planmäßiger Wirtschaftsführung, ebenso wie die Einwirkung de« Staates auf die Preisgestaltung, der Kampf gegen die Kartellwirtschast und Subventtonspolittk der Unternehmer- schaft sind Keile, die in die kapitalistisch« Wirtschaft hineingetrieben werden.„Während die Wirtschaft ihre Form wandelt, während der Kapitalismus, um mit Sombart zu sprechen, grau« Haare bekommt und die ersten Zähne verliert, ist es die Aufgabe der Wirtschosts. polttik der Arbeiterklaff«, all« Tendenzen der Umbildung des Wirt- schastssystems zu stärken, um die Ansätze für den Aufbau einer befferen Zukunftswirtschast, für die Verwirklichung des Sozialis- mus zu schaffen." Mit Recht weist Naphtali darauf hin, daß der gesinnte Kampf der Arbeiterklasse erst dann belebt und geadelt wird, wenn der einzelne erkennt, daß der Komps für dieses Steuergesetz oder für jenen Zoll, der Kamps um Kapitaleinfuhr oder Verteilung landwirtschaftlicher Kredite, der Kampf um die Milderung einer Krise und ähnliches mehr, immer eine Teil- erscheinung ist in dem großen Kampf um die Neu- gestaltung der Wirtschaft und die sozialen Grundlagen der Gesell- schaft. Erst wenn aus diesen Erkenntnissen und den daran stch anschließenden kleinen und großen Aktionen der Arbeiterschaft sich in steigendem Maße die Zusammenballung ihrer Energien, die Hin- lenkung ihrer gesammelten Kraft auf die Bewälttgung der vor uns stehenden praktischen Ausgaben ergibt, wird jener große Strom der Bewegung einsetzen, der allen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz das große Ziel des Sozialismus verwirNichen wird. A. St. Die Ltmsa�e der Konsumvereine. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine i meldet für den Monat M a i«in« Umsatzsteigerung pro Mitglu* der Jl berichtenden Genoffenschaften aus 8.11 M. gegen 8.9 M. im Monat April. Da» langsam« Anwachsen des Umsatzes in den letzten Mo- naten ist eine alljährlich im Sommer.zu �beobachtende Er- fcheiimng. die In diesem Jahre allerdings, wo die Koniurntur zu- rückgeht, gegenüber dem starken Konjunkturjahr 1927 besonders beut' lich wird. GegenüberdemMonatMaivorigenIahres ist die Umsotzsteigerung sehr bedeutend. Sie beträgt 1,36 M. pro Mitglied, oder s a st 2 0 P r o z. Siandardiiflerie Ruiier. Jlad? GchleSwig-Holfiein auch Westfalen, Ostpreußen und Bayern. Di« Besttedungen zur Erzielung einer gleichmäßig guten und für den Massenverkauf geeigneten Qualität der landwirtschaftlichen Produkte scheinen im Zusammenhang mit der Diskussion über die Ursachen der gegenwärtigen Agrarltisc zu er- sreulichcn Ersolgen zu führen. Die Butter st aydardisic- r u n g scheint zu marschieren. Die westfälische Landwirtichasts- kammer wird in Zukunft den Molkereien, die stch ihrer Butter- kontroll« unterstellen, ihr« Butterschutzmarke und die Aufschrift Amt'lich« Butterkontrolle der Landwtrtschaftekammer für die Provinz Westfalen" verleihen. Der Buttermarke sind Kontroll' »Ummern beigedruckt, durch die«in« sosorttge und wirkungsvolle Reklamation, damit eine wirksam« Kontrolle durch die Berbraucher, möglich ist. Auch Ostpreußen hat die Butterkontrolle in dieser Form eingeführt, und in Eüddeutschländ wird mit Erfolg darüber verhandelt, eine bayerisch-württembergische Butter- marke mit der Absicht der Standardisierung zu schassen. Solche Bemühungen sind in der Tat m e h r w« r t. a l s a l l e Demonstrationen des Reichslandbundes zufam- mengenommen, und es Ist nur zu hoffen, daß die Bauern sehr bald und ohne Ausnahme den Unterschied zwischen polittsch-dema- gogiicher Verhetzung und gleichzeitiger Untätigkeit und einer aktiven Arbeit für die Verbefferung der Absatzoerhältnisse begrasen. Die Kunst, Gewinne ,« verstecken. Wie die deutschen Unter- nehmer.Gewinne zu v e r st e ck e n und still« Reserven zu bilden vermögen, dafür liefert der Prosvekt der Ludwig Löwe A.-G. Berlin ein ausgezeichnetes Beispiel. Der Buchwert sämtlicher Be- teiligungen des Löwe-Kon,zerns stand am 31. Dezember 1927 mit ll,S7 Millionen Mark in der Abschlußbilanz. Wenn man nach den heutigen Kurjen den Kurswert dieser Beteiligungen be- rechnet, so ergibt sich ein t a t s S ch l i che r B e r ä uß« r u n g s- wert der Be t e i l i g u n g e n. v o n rund 3S'Mlllionen Maxkl Das ist mehr ass da s Dreifache des Bilanzwertes und bedeutend mehr als das Doppelte des. gesamten 13 Millionen. Mark betragenden Aktienkapitals. Wie sagt doch kürzlich Herr von Siemens bei seiner Ber- nehmung in der deutschen Enauetekommisslon: Ee ist keineswegs angenehm, sich sede? Jahr den Kopf zerbrechen zu müssen, wie man in der Bilanz die Gewinne versteckt. Der Fall des Löwe-Konzerns ist für dieses Lopjzcrbrechen unserer Unternehmer ein sehr gutes Beispiel. Großfinanzier über Bord. Zum Todessturz von Alfred Löwenstein. Am Mittwoch abend flog um 6 Uhr vom Londoner Flugplah Croydon ein Privatflugzeug über den Kanal nach Brüssel. Als das Flugzeug sich der belgischen Küste näherte, merkten die Begleiter. daß sie den Besitzer des Flugzeuges verloren hatten. Die Tür des Flugzeuges war angeblich offen, Alfred Löwen- st e i n, der größte Finanzmagnat Belgiens, war verschwunden. Im Augenb'ick dürfte sicher sein, daß Alfred Löwenstein tot ist. Aus den internationalen Börsen, in London, Parts Berlin, Brüssel, Amsterdam, schlug die Nachricht ein w i e eine Bombe. Die Kurse der sogenannten Löwenstein-Paptere stürzten. In London gingen big Kurse seiner Kunstseide-Dachgesellschaft und die seiner Elektrizitäts-Holding-Gesellschaft um 30 Proz. herunter, in Berlin die Kurse der Vereinigten Glanzstoffwerke und der Bem- berg-Gesellschast um 37 und 28 Punkte. Aehnliche Nachrichten liegen aus Brüssel, Paris und Amsterdam vor: in New Vork wird es nicht anders sein. Wer war Alfred Löwen st ein? Die deutsche Oesfentlich- keit, wie auch die ganze Welt hat ihn am sichtbarsten kennengelernt im Jahre 1926, als Löwenstein die belgische Regierung, während der Frankenkurs immer tiefer stürzte, mit dem Angebot über- raschte, aus eigener Kraft durch die Beschaffung eines SO-Millionen» Dollar-Darlehens die belgische Währung zu stabili- sieren. Bielleicht hat er nicht zuviel versprochen, denn damals schätzte man sein Vermögen auf 300 Millionen Dollar. Aber Löwenstein war in der internationalen Finanz schon vor- her eine Größe. Heute 33 Jahre all, hat er schon in der Vorkriegs- zeit mit seinen Finanztransaktionen begonnen. In den Iahren 1921 und 1923 war er der Schrittmacher eines Weltelektro- t r u st« s. Er konnte das, weil er ähnlich wie der deutsche Finanzier Jakob Michael die belgische Inflation mll großem Erfolg auszu- nutzen verstanden hat. Mit seinem Weltelektrotrust erlitt er aller- dings ein Fiasko. Es blieben ihm aber große eigene Elektro- Intereffen in der Form von südamerikanischen, spanischen und kana- dischen Aktienpaketen. Der zweite große Plan, dem der Wettspekulant Löwenstein dann seine ganze Kraft widmete, war die Schaffung eines W e l t k u n st- seidetrusts. Er beherrscht die belgisch. französische Tubize-Gejell- schaft mit ihren französischen, belgischen und amerikanischen Tochter- gesellschaften. In Frankreich besorgte eine eigene Kunstseidefinanz- gesellschaft seine weitreichenden Intereffen. In Holland ist er am Enka- und Bredakonzern, In Polen am Kunstseidewerk von Tomaszow und in Deutschland mit 11 bzw. 13 Proz. des Aktien- kapitals an den Glanzstoff- und Bembergseiden beteiligt. In den letzten Monaten hatte Löwen st ein jedoch kein Glück. Die Danque de Bruxelles hatte seinerzett sein« Elektrotrustpläne zerschlagen, mll aller Gewalt versuchte er die�e Dank unter seinen Einfluß zu bringen. Das ist vor etwa 14 Tagen endgüttig mißlungen. Die schon vorher eingetretenen starken Kursverluste an seinen Aktienpaketen verstärkten sich. So war er gezwungen, einen Teil seiner Pakete zu verkaufen. Um zu neuen Schlägen auszuholen, aber auch um feine Finonztrufts und fein internationales Ansehen zu stärken, versuchte er über die Londoner Schröderbank und die New B orker Bant von Lehmann-Brothers eine Anleihe von 25 Millionen Dollar zu erreichen. Gleichzeitig mit der Nachricht über seinen Sturz aus dem Flugzeug ist die Meldung gekommen, daß dies« ihm versprochene Anleihe nicht zum Abschluß gekommen ist. So ist es möglich, Genaueres darüber wird aber die Well wähl nie erfahren, daß Alfred Löwenstein, am Ende seines Lateins angelangt, selbst den Todessprung aus dem Flugzeug gemacht hat, mit dem er in den letzten Iahren ununterbrochen zwischen Brüffel, London, Paris und Biarritz, wo überall seine Billen standen, hin- und herfuhr. Begreiflich, daß das plötzliche Ende dieses Mannes und die sensationellen Un, stände auf den Börsen ärger hauste als der Wirbelwind vor«inigen Tagen in der deutschen Landschaft. Alfred Löwenstein war der Löwe der großen Wcltbörsen. Die riesenhaften Kurssteigerungen der großen Kunstseide- und Elektro- werte in den letzten Iahren waren sein Werk. Er organisierte Baisse angriffe gegen die großen Börsenwerte, auf die er feine Hand legen wollte, um die Aktienpakete zu seiner Machtausdehnung billig zu erwerben. Er erweiterte mit seinem Vermögen seine Macht, indem er die Börsen Hausse ausnutzte, die er durch seine Aktienkäuse selbst erzeugte. Löwenstein war aber nicht nur der „Lowe der Weltbörsen", er war der„S t e i n des An- stoß es" für die sogenannten soliden Finanzkapitalisten, die die Unternehmergruppen der von ihm attackierten Großwerke und die dahinter stehenden Bonkgruppen darstellten. Wenn er mit Ab- ficht ins Meer stürzte, hat er seine Partie ge- genüber diesen seinen Feinden verloren ge- geben. Für die A r b e i t e r s ch a f t der Welt ist das Löwenstein- Drama, so sensationell es ist, ohne Bedeutung. Alfred Löwenstein war ein machtwilliger Spekulant, der anderen Großspekulanten gründlich einheizte, ober er war kein Unternehmer im eigentlichen Sinne des Worte». Die Werte, die er hinterläßt, sind Aktienpakete, deren Leidtragende an den Börsen sitzen: die betreffenden.Unter- nehmungen selbst werden von dem Löwenstein-Drama kaum berührt. Immerhin hat der Fall Löwenstein wieder einen bedeutenden Zipfel des kapitalistischen Systems gelüftet: einige Kulissen sind plötzlich gefallen, hinter denen der Kampf auf Leben und Tod zwischen den Führern der kapitalistischen Mächte deutlich erkennbar wurde. Neue Sperre für kommunale Auslandsanleihen? Nach Zeitun»s< Meldungen wurde den preußischen Aufsichtsbehörden und Gemeinden durch einen Runderlaß mitgeteilt, daß mit der Z u l a s s u n g w e I- terer Auslandsanleihen zunächst nicht gerechnet werden kann, nachdem die Beratungsstelle für Auslandskredite die Begutachtung der ihr vorliegenden Anträge der Gemeinden und Gemeindeverbände jetzt abgeschlossen und die Auflegung einiger Einzelanleihen und der Sammelanleihe des Giroverbandes der Deutschen Sparkassenoereine gutgeheißen habe. Die nach dem 19. Mai d. I. vorgelegten Anleihepläne von Ge- meinden und Gemeindeverbänden könnten daher an die Be- ratungsstelle für Auslandskredite zunächst nichtweitergeleitet werden. Ein französischer Halbzeug- und Trögervcrband. Nach einer Mitteilung der.�iournöe Industrielle", einem Fachblatt der fra'.i- zö fischen Industrie, ist zwischen dem französischen Cornitö des karges (HuttenoerbaillH und der Saarindustrie ein Einverständnis über die Gründung eines französischen Kontors für Halbzeug und Träger erzielt worden. Das würde die Gründung eines Halbzeug- und Tkägerfyndikats bedeuten, ähnlich wie in der deutschen Schwer-� Industrie.' Neuer Manteltarif für die Metallarbeiter. Die Lohnfrage noch nicht erledigt. leistungsfähig sind, unterliegt der freien Bereinbarung zwischen Unternehmern und Arbeitern unter Hinzuziehung eines Betriebs. ratsmitgliedes. Bei den Bestimmungen über die Affordarbeit Nachdem die Berhandlungen der Schlichtungsfammer über die Lohnforderungen des Metallfartells gestern morgen nach achtzehnstündiger Beratungszeit beendet und gestern nachmittag nach Berfündigung des Schiedsspruches über den Manteltarif fortgejezt wurden, berichtete am geftrigen Abend nor den im Saalbau Friedrichshain persammelten Funtionären des Metallfartells Ge- ist wichtig hervorzuheben, daß an Stelle der Angabe des Geld noise rich über die Ergebnisse der Arbeiten der Schlichtungspreises die Angabe der Alfordzeit genügt, fofern der Gelbfaftor tammer. Unter großer Aufmerksamkeit nahmen die zahlreich verfam. melten Funktionäre den Bericht des Genossen Urich entgegen, der feine Ausführungen mit der Feststellung begann, daß die Ber. handlungen über den Lohntarif auf heute vormittag 10 Uhr vertagt worden sind. Die Schlichtungstammer hat sich für Beibehaltung der 48 stündigen Arbeitszeit aus. gesprochen. Der Schiedsspruch bringt jedoch wesentliche Verbesserungen in der Ueberstundenfrage; innerhalb 13 Wochen dürfen nur noch 15 Ueberstunden nach Berständigung mit den Betriebsräten angesetzt werden. Bisher fonnten innerhalb 12 Wochen 36 Stunden angeordnet werden. Hinsichtlich der Bausen, der Arbeitsvermittlung, der Lohnwoche und der Lohn zahlung bleiben die Bestimmungen des alten Tarifvertrages befteben. Die Bestimmungen über die Urlaubszeit sind wie folgt abgeändert worden: Beist ein Arbeitnehmer nach, daß er gulegt bei einem Mitglied des BBMI, beschäftigt war und bort entlaffen worden ist, ohne einen wichtigen Grund zur Entlassung ge. geben zu haben, und stand ihm in diesem Betrieb ein tariflicher lirlaub zu, so steht ihm in der neuen Arbeitsstelle gleich falls Urlaub zu, der um einen Tag geringer ist als der, den er auf seiner letzten Arbeitsstelle hatte. dem Arbeitnehmer in zweifelsfreier Weise bekanntgegeben ist. Ebenso soll der gesamte Affordpreis nach Maßgabe der Stundenzahl und einem von der Firma por Beginn der Arbeitszeit bekanntgegebenen Berteilungsfdlüffel verteilt werden. Die Bestimmungen über Lohnarbeit, Arbeiter= periretung und Arbeitsbehinderungen bleiben unverändert. Jedoch wird versäumte Arbeitszeit bei Betriebsunfällen und beim Tobe eines Ehegatten bis zu acht Arbeitsstunden und beim Tode cines Kindes unter 17 Jahren bis zu vier Arbeitsstunden bezahlt. Wichtig ift ferner die Bestimmung, daß bei Streitigkeiten, die sich aus dem Bertrag ergeben, auf Antrag der einen Arbeitspartei unverzüglich Berhandlungen stattzufinden haben. Der Rahmenvertrag foll vom 16. Juli 1928 bis 31. Juli 1930 laufen. Empfohlen wird noch, daß beide Parteien eine paritätische Studien fommission bilden sollen, die prüfen soll, wieweit es notwendig fommission bilden sollen, die prüfen soll, wiemeit es notwendig und möglich ist, daß bei der Fließarbeit grundlegende Sonderfragen tariflich zu regeln find". i in stand of Genoffe Uridy empfahl ben Funktionären die Annahane des Schiedsspruches, meil durch ihn ein Tarifvertrag geschaffen worden ist, der die Garantie bafür gibt, daß die unsicheren Ber hältniffe in den Berliner Metallbetrieben beseitigt werden, und er eine Grundlage bietet, von der aus weitere Erfolge erfämpft werden können, Die Bestimmungen über Entlassungen haben Teine Abänderung Von den folgenden vier Distuffionsrednern sprach sich nur einer erfahren, Dagegen ist die Frage über Berdienstberechnung gegen die Annahme des Schiedsspruches aus. Nach dem Schlußbahingehend erweitert worden, daß nur die Zeit bezahlt wird, in mort des Genossen Urich, der die Annahme des Schiedsspruches noch der wirklich gearbeitet worden ist, abgesehen von den in diesem einmal als eine dringende Notwendigkeit empfahl, schritt die Berdie Annahme des Tarifvertrag vorgesehenen Ausnahmen. Die Entlohnung von Arsammlung zur Abstimmung, die die beitern, die infolge Krankheit, hohen Alters oder Invalidität meniger Schiedsspruchs ergab. Streiferfolg der Bäcker. ber bisherigen a distündigen Arbeitszeit bleibt. Damit ist der Versuch der Berliner Bädereinhaber, die möchentliche Arbeits zeit auf 54 Stunden und die tägliche Arbeitszeit nach eigenem Ermessen bis auf 16 Stunden zu verlängern, reftios abgemehrt worden. Das ist der größte Erfolg der Streifenden und die größte Niederlage der Unternehmer. Wichtig ist ferner die Vereinbarung, daß die Unternehmer fortab den städtischen Arbeitsnach Darum trete jeder noch nicht versicherte Beamte mit seiner Familie der Deutschen Beamtentrantenversicherung, BaG., Si Koblenz( Rhein)", bei. not Der zweite Satz obiger Anzeige richtet sich unverkennbar gegen das Beamtenprogramm der Sozialdemokratischen Partei, in dem die Angleichung des Beamtenrechts an das allgemeine Arbeitsrecht gefordert wird. Man ersicht daraus, in mele cher Form parteipolitische Gesichtspunkte unter der Flagge der parteipolitischen Reutralität in dem bundes amtlichen Organ des Deutschen Beamtenbundes zum Ausdruck fommen, ganz abgesehen davon, daß der Eintritt in die Beamten tranfenversicherung abfolut keinen Einfluß auf die Wahrung des Berufsbeamtentums hat. sid elisions tung der Arbeitsgerichtsbarkeit für das tollettive Arbeitsrecht" Oberregierungsrat Joachim vom Reichsarbeitsministerium und über„ Die Aufgaben der Jugendbewegung innerhalb des Verbandes" Bildungssekretär Fride. Seine Ausführungen fanden ihren Niederschlag in zwei Entschließungen. Die eine tritisiert die heutige Art des Aufbaues der Jugendbemegung. Die darin liegenden Hemmungen müßten durch straffe Organisation beseitigt werden. In allen Gauen und Zahlstellen müffe für Zentralisation eingetreten werden. In der zweiten Entschließung wird die Mits gliedschaft bei Bertiportvereinen als unvereinbar mit der Zugehörigkeit zum Verband bezeichnet. Den Mitgliedern wird empfohlen, sich den Sport- und Kulturorganisationen der Arbeiter= schaft anzuschließen. Die Wahlen zum Borstand ergaben fast einstimmig die Biebermahl der bisherigen Borstandsmitglieder. Der nächste Berbandstag foll 1931 in Stuttgart abgehalten werden. Der Berbandsleitung wurde für die in den letzten drei Jahren geleistete Arbeit in einer besonderen Entschließung das Bertrauen aus gesprochen. 196 nou om han ilipochi Wahlniederlagen der Mosfowiter.io Bei den Delegiertenwahlen der Metallarbeiter.*** sul Empfindliche Schlappen haben sich die Mostauer in den letzten Tagen bei verschiedenen Delegiertenwahlen zum Berbandss tag des Deutschen Metallarbeiterverbandes geholt. So wurden im Bezirt Hannover, der 12 Delegierte zu wählen hatte, alle 12 Kandidaten der Amsterdamer Richtung gewählt. Sn der Bahlabteilung Hannover hatte die Mostauer Richtung in der Generalversammlung nicht einmal 10 Braz. der Stims men zur Aufstellung einer eigenen Lifte erhalten. In der Wahlabteilung Braunschweig erhielt die Liste der Amsterdamer Richtung 1588 und die Liste der Moskauer Richtung 385 Stimmen. In allen anderen Wahlabteilungen ist das Stimmenverhältnis der Moskauer Richtung noch weit geringer. In Hannover forderte die kommunistische Parteileitung die Metallarbeiter ouf, alle Ramen der Liste durchzustreichen und dafür andere Ramen einzusetzen. Bon 3112 Abstimmenden haben nur 47 die kommunistische Barole befolgt. Die Kölner Delegiertenmahlen zum Verbandstag des Metallarbeiterverbandes brachten für die Liste A( Amsterdamer Richtung) 4014 Stimmen, für die Liste B( Mosfau) 1588 Stimmen. Im Bezirt Frankfurt am Main liegt bis auf drei Meine Landorte das Resultat der Delegiertenwahlen der Metali arbeiter vollständig vor. Auf die Borstandsliste wurden 3247 Stim men abgegeben. Die tommunistische Oppositiouslijte erhielt 695 Stimmen. Gegenüber früheren Wahlen haben die Kommunisten 50 Stimmen verloren, während die Borstandsliste um 800 Stimmen zunahm. Ebenso schlecht wie in Frankfurt schnitten die Kommunisten in Offenbach am Main ab. In dieser kommunistischen Hochburg erhielt die Vorstandsliste 1320 Stimmen, während sich auf die Kommunisten ganze 153 Stimmen zusammenfanden. In Bernburg entfielen von 711 abgegebenen Stimmen auf Rüter( Bernburg) 667 Stimmen und auf den Kommunisten Berger ( Bitterfeld) nur ganze 36 Stimmen. Ungültig maren 8 Stimmen. In Bochum erlitten die Kommunist en trot ihrer außer ordentlich starken und mit den bei ihnen üblichen Mitteln geführten, Agitation eine it a rfe Riederlage. Die Liste der auf gemertfchaftlicher Seite stehenden Kandidaten erhielt 658 Stimmen, mährend die Kommunisten nur 438 Stimmen verbuchen fonnten.. Noch stärker war ihre Niederlage in Belsentirchen hier erhielten sie 272 Stimmen, während die gewerkschaftliche Rich hielten sie 272 Stimmen, während die gewerkschaftliche Rich tung 601 Stimmen erhielt. ind tod odlicblsp" Istiqo trdnil the sta **** Für ein wirtschaftliches Locarno. Der Anschlag auf den Achtstundentag abgewehrt. Die am Mittwoch abend zwischen dem Verband der Nahrungs mittel- und Getränkearbeiter und der Vereinigung der Berliner Brot fabrikanten geführten Berhandlungen haben mit einer pötligen Rapitulation der Unternehmer geendet Es wurde zwischen den Barteien eine Bereinbarung getroffen, daß ab 16. Juli allen Bädern und Brotfahrern eine Zulage von 4 m. wöchentlich auf die bestehenden Löhne gezahlt werden muß. Diese Zulage bleibt zwar um 50 Pf. hinter der in dem Schiedsspruch seft gefesten Lohnzulage zurüd, der seinerzeit von den Unternehmern Trohdem man weiß, daß gerade die Sozialdemokra abgelehnt worden war. Sie muß aber, wie schon gefagt, auf alle tische Bartei gegen bie Zotengräber des Beruis bestehenden Löhne gezahlt merden, während die in dem beamtentums, die in allen bürgerlichen Barteten eine starte Schiedspruch festgesetzte Zulage pon 4,50 M, mur auf die Tariflöhne Bofition befizen( Schmidt- Stettin, Dnil., Morath, D. Bp., Eisen gezahlt werden follte. Die Unternehmer verpflichteten fich, alle berger, Bauernbund, Stegerwald, 3ir., Hellpad, Dem.), einen rbeiter, bie am legten Tage vor dem Streit in den Betrieben Schweren Kampf führt, wird verfucht, es so hinzustellen, als ob in befchäftigt waren, fpäfeftens in acht Tagen wieder einzuber Sozialdemokratischen Bartei, die eine moderne Entpid. einzung des Berufsbeamtentums mit Recht anstrebt, die Der Berbandstag der franzöfifchen Bergarbeiter in Clermonttellen, und die betriebsfremben Arbeitspilligen zu entlassen. Bereinbart wurde ferner- und das ist das wichtigste, baß es bei Tendenz vorhanden ist, durch Angleidung an das algemeine Arbeits- Ferrand hat fich eingehend mit der Lage im internatio recht die verfaffungsmäßig gewährleisteten ,, mohlerworbenen Rechte" nalen Bergbau befaßt. Der Generalfciretär der Gewerfichaiten, der Beamten zu schmälern. der Beamten zu schmälern. id hoepingt end any triam sid 3oubaur, gab in einem Referat der Ueberzeugung Ausdrud, Die Leitung des Deutschen Beamtenbundes sollte, sofern sie daß das Broblem der Broduktion nur auf internationaler Grundlage Anspruch auf wirkliche parteipolitische Neutralität erheben mill, aufgelöst werden könne. Der Irrtum des Kapitalismus bestehe darin, diese Dinge ein wachiames Auge haben. Oder hat man in baß er das eigene Nationalintereise auf Kosten des Intereffes der der Aera der Roth, Gutsche, Lenz, Rausch, Herrlein usw. dieses anderen Bölfer verfolge. Der deutsche Delegierte Berger trat in Felgenblatt endgültig abgelegt? feiner mit warmem Beifall aufgenommenen Ansprache für ein mirtschaftliches Locarno ein, das dem diplomatischen folgen müjje. Der englische Delegierte erklärte, die gegenwärtige Bolitik der bürgerlichen Regierungen führe die Bergarbeiterionit einer verzweifelten Lage entgegen. Sie müiffe überall ihre Stimme erheben, um Abhilfe, Ichaffen. Ihr Wahlfpruch folle fein: Die füitten für alle, nicht für die Hüttenbefizer, sondern für das ganze Bolt!" 3nternationaler Malerfongreß in Kopenhagen. Indianoju sillasjet Ropenhagen, 5. Juli. Anfäßlich der vor 25 Jahren in Hamburg erfolgten Gründung der Internationale der Maler murde am Mittwoch im Kopenhagenter Tivoli ein Jubiläumstongres der Maler eröffnet, zu dem Bertreter aus zehn europäischen Ländern erschienen find. Bon den 25 Delegierten find 6 Dänen. Der Gefretär des internationalent Berbandes, der Deutsche Otto Streine, hielt bei dieser Gelegen heit eine Rebe zu Ehren des Borsigenden des dänischen Malere verbandes, Rudolf Baulien, der als einziger der Teilnehmer des Gründungstongrefjes por 25 Jahren zugegen war. Im Nomen der dänischen Arbeiter und der Amsterdamer Internationale über brachte der dänische Landtingsabgeordnete und Borsigende der däni. fchen vereinigten Gewerkschaften, C. F. Madsen, die Jubiläumsgrüße. meis benußen müssen, während es in den früheren Abmachungen hieß, daß dies möglichst geschehen solle. Schließlich ist der Erfolg auch nicht zu unterschätzen, daß durch bie Aussperrungsaftion" der Brotfabrikanten dem Nahrungsmittelund Getränkearbeiterverband über hundert neue Mit glieber zugeführt wurden. Die Streifenden haben gestern in einer Bersammlung der Vereinbarung mit 492 gegen 8 Stimmen zugestimmt, so daß die Arbeit heute mieder aufgenommen wird, Jedenfalls fönnen die Berliner Bäckereiarbeiter auf diefen Streiterfolg stolz sein. do, 200 sintiages dis sub Ist das parteipolitisch neutral? tommiffion der Buchbruder hat die Aufnahme des Berbandes der Ein Affront gegen die Sozialdemokratie.din In der Nr. 49 der Zeitschrift Der Beamtenbun d" findet sich unter den Mitteilungen der Deutschen Beamtenfrankenversiche rung, Siz Koblenz, vorm. Krankenkasse für die Gemeindebeamten und freien Angestellten des Deutschen Reiches folgender der Form nach rebattioneller aber bezahlter Artikel: of Sturmzeichen! lol amb zu Die Beamtenzeitschriften weisen in tezter Zeit ständig auf die internationale Buchbrucerfefretariat seinen Standpunkt bald rufe, bittet uns um die Beröffentlichung folgender Dan Verbandstag der graphischen Hilfsarbeiter. sello Fast einstimmige Biederwahl des Borstandes.old Der Berband der Graphischen Hilfsarbeiter, der soeben in Köln seinen Verbandstag abhielt, fann auf 30 Jahre feines Bestehens zurückblicken. Die Mitgliederzahl hat sich von 35 000( im Jahre 1926) auf runb 42000 erhöht. Die Arbeitslosigkeit ist von 10,1 Proz. auf 3,9 Proz. gefunten. Die Verbandstasse weift etnen Bestand von 2005 000 m. auf. Auf den Kopf des Mitgliedes erhöhte sich das Berbandsvermögen seit den lezten drei Jahren von 9,62 auf 51,42 m. Der Verbandsvorsitzende Bucher behandelte eingehend die Frage des Anschlusses an die Berufs internationale. Die erweiterte Internationale Sekretariats graphischen Hilfsarbeiter gegen die Stimme des Deutschen Buch bruderverbandes abgelehnt, und zwar mit der Begründung, daß nach der Sagung der Internationale aus einem Land nur ein Berband Mitglied sein dürfe. Bucher erklärte, biele Sagungsbestim mung habe ursprünglich den Sinn gehabt, zwei tonfurrierende Berbände nicht gleichzeitig in die Internationale aufzunehmen. Um solche Verbände handle es sich aber in Deutschland nicht, da jeber Verband nur eine bestimmte Arbeitergruppe organisiert habe und beibe Berbände die Arbeitstämpfe gemeinsam führten. Der Ber bandstag nahm im Anschluß an die Ausführung Buchers eine Ent Der Genoffe Mar Gragen, Raffierer der Mitgliedschaft Berlin an, worin die der und verwandter Be Aus Anlaß meines 60. Geburtstages find mir von allen Seiten so In der Aussprache über den Bericht des zweiten Borsigenden viele Glüdwünsche und Aufmerffamteilen übermittelt worden, daß Hornfe über die Tarifs unb Lohnbewegungen wurde ich nicht in der Lage bin, jebem einzelnen zu danten. Ich nehme des in sehr lebhafter Aussprache zentrale Regelung der Lohn- und Urhalb Beranlaffung, auf diesem Wege allen Freunden und Genoffen beitsbedingungen für alle Berufsgruppen des Hilfspersonals als bie meinen herzlichsten Dank zu übermitteln. Mar Gragen. zweckmäßigste Rampfmethode gefordert. Die Einführung ber Invalidenunterstüßung wurde mit großer Mehrheit be. schloffen. Die Neueinrichtung einer Sterbefaffe hingegen abgelehnt. Bon interessierten einflußreichen Kreisen wird die Abschaffung des Berufsbeamtentums und die Einordnung der Beamten in das Arbeitsrecht erstrebt. Die Einbeziehung der Beamtenschaft unter bie Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung liegt auf gleicher Linie. Wenn sich die Beamtenschaft hiergegen wirksam schüßen will, so wird sie gut tun, sich rechtzeitig bei unserer Berufsbeamten Strantenversicherung zu versichern, denn durch eine starte Beamten trantenversicherung mit Selbstverwaltungsrecht der Mitglieder mird sie am ehesten den Bemeis liefern können, daß ein Bedürfnis für die Einbeziehung der Beamten in die Reichsversicherungsordnung nicht besteht.e silde 5.19378 ändert, nih Ueber Die materielle und fulturelle Bedeutung der Frauen arbeit" sprach Gertrud Hanna Dom ADGB., über„ Die Bedeu Mujitaufträge übergibt atan muz bem Rachweis bes Deutschen Mufilerverbandes, Berlin. Kom mandantenstr. 63,64 Dönhoff 3277-78 Gefchäftszeit 9-5, Gonntags 10-2 az Auf Wunsch: Bertreterbefuch Meine Frucht- Hammeris schmecken so rein und fein, so ganz anders! Wissen Sie woher das kommt, liebe. 2 Leserin On munaa oli tuo nis Bei mir wird jeder Flammèri, erst redt ein Frucht- Flammeri, mit kalt angerührtem Mandamin ( 90 g auf 1 Liter Plüssigkeit) zubereitet. Das reine Fruchtaroma kammt voll zur Entfaltung, well Mondamin sich nicht vordrängt, sondern es stützt. Und wie kinderleicht ist solch ein Flammeri zu bereiten! Er mißlingt niemals, ist nie zu locker, nie zu hart. Daß er noch dazu so nahrhaft und bekömmlich ist, schafft dem Frucht- Flammeri mit Mondamin immer neue Freunde, und mir, als Hausfrau wird das Lob zuteil, das eigentlich dem Mondamin gebührt. Neben Mondamin gibt es jetzt auch Puddingpulver aus editem Mondanin zu 10, 13 und 25 Pig. Eine von den. Millionen, die auf. Mondamin schworen Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin lide Spiele auf dem Sportolak Am Urban.- Areisbabeabend: Oftreis ab Seute 19% Uhr lagen die Gruppen: Seemannplok: Gruppenheim Jugendheim Ganderstt. 11, Ede Sobrechtstraße, Heimbesprechung. Ber baubsbuchkontrolle. Zeppelinplag: Gruppenheim Jugendheim des Be girlsomtes Wedding, Tuziner, Ede Geestraße, Eingang Zuriner Straße. Heimbesprechung. Berbondsbuchlontrolle. Unsere Rapelle spielt zum Sanz auf. Rorbring: Gruppenheim Jugendheim Holzhaus auf dem Sportplag Centionftrage, an der Schönhauser Ace. Heimbesprechung. Ausspracheabend: fieht es auf unserer Arbeitsstelle aus? Berbandsbuch- und Heimausmeis Kontrolle. Außenspielabende ab 18 Uhr: Spanbau: Spiel und Sport im Stadtwald Spandau. Weißenfee: Sportabend auf dem Sportplag Am Faulenfee, Blaz 3, Buschallce.-Südosten und Südwesten: Uebungsabend für sportBic 18 Uhr im Flußhad Alingenberg, Köpenicker Chauffee. Samburg: Jugendtreffen am 1. und 2. Geptember. Anmeldungen für die Ferienfahrten werden bis zum 15. Just unter Anzahlung von 10 M. und zum Jugendtreffen bis zum 27. Juli unter Anzahlung von 5 M. in den Bezirksjugendgruppen, Ortsverwaltungen der Berbände und in der Jugendzentrale, Engelufer 24-25, angenommen, Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute 19% Uhr sind folgende Beranstaltungen: Sübweft: Jugenbheim Belle- Alliance- Str. 7-10. Bortrag: Internationale Jugendbewegung." Referent Georg Seilbrunn. Jugendbezirk Gibost- Treptow spielt auf der Spiel. wiese 7 im Treptower Park. Wefferbericht der öffentlichen Wefferdienststelle Berlin und Umgegend. ( Machor. verb.). Zeils moltig. teils heiter, mit weiterer Erwärmung und Steigung zu Semitterregen. Für Deutschland: Im Besten nach Gemittentegen Abkühlung. Im übrigen Reichhe maim, ftellenweise Gewitterregen. Berantwortlich für Velitit: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Geverkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: De. John Echikowski; Lokales and Gonftiges: Friz Raritädt: Anzeigen: Sh. Glode, fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger Co., Berlin E 68, Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen. Theater, Lichtspiele usw. Freitag 6. 7. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 60.8 Ant. 19( 7) Zigeuner baron Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 125 Anf. 20( 8) U. Cardillac Freitag. 6. 7. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 138 Anf. 20( 8) Uhr Kalkutta, 4. Mai Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr Hinterhauslegende. Volksbühne Theater am Bülawplatz Th. am Schiffbanerdamm Uhr Orpheus in der 8 Uhr: Der Unterwelt Kuhhandel 0900 Komische 8% Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkau: ab 10 Uhr ununterbrochen. Renaissance Theater Steinplatz 901 3 Uhr Das Bett Reichshallen Theater Stettiner Sänger 08 Zum Schluß: Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel Anfang 8 Uhr. Donhoil Brett'14: ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert. Tanz. Ab PEEK& CLOPPENBURG OF, forbeinlogne HIZI.. Oh, I ba... 19mist 2,1 bant 03,1 bains 12wis 05 2.imals2. 05 108 2011.. 25.1 At in apnil boet nib Verlangen Sie für Ihren Haushalt unser vorzügliches BERLIN C19 GERTRAUDTEN- STRASSE 25-27 ROSS- STR. 1-4 feuwbps 3188 sono liz 155992 20.901. 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Aög.Strafser(Not.-Eo.z.) bezeichnet die Regierungserklärung als eine Barspiegelung falscher Tatsachen. Die wirkliche Regie- rungscrklärung fei durch den Zwischenbericht des Reparationsagentcn gegeben worden. Der jetzige Reichs- kan.zlcr habe in Bersailles das Todesurteil unterschrieben, das jetzt am deutschen Volk« vollzogen wird. Nicht dem Volke wolle die Regierung helfen, sondern den Verbrechern durch Aufhebung der Todes- strafe. Ein Nationalseiertag werde von dieser Regierung zur Feier der B a r m a t- R e p u b l i kk. Präsident Lobe: Wegen der Bezeichnung„Barniat-Republik" für unser Vaterland rufe ich Si« zur Ordnung.(Beifall.) Abg. Slrasser(Nat.-Soz.) begründet dann den nationalsozia- listischen Dertrauensantrag:„Indem der Reichstag über alle anderen Anträge.zur Togesordnung übergeht, spricht er der Reichsrcgierung das Vertrauen aus." Der Redner erklärt schließlich: Es ist eine Schande, daß ein in Oflgalizien geborener negroider Jude hier als Reichssinanzmlnister austritt!(Große Erregung bei der Mehrheit.) Präsident Lobe: Auf diese ungewöhnlich beschimpfende Deiner- kung gegen ein Mitglied der Reichsregierung wende ich den{j 91 der Geschäftsordnung an. Ich kann Ihr weiteres verweilen in der Sitzung nicht mehr dulden und fordere Sie aus.'den Saal zu verlajjen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Skraster trinkt noch ein Glas Wasi«r und verläßt dann langsam unter Entrüstungskundgebungen den Saal. Abg. Alpers(Dcutsch-channoveraner) vermißt in der Regierungserklärung ein Eintreten für die unterdrückten Deutschen Süd- tirols. Er verlangt eine Beschränkung des preußischen Einflusses im Reiche und erklärt, seine Freunde könnten der neuen Regierung nicht das Vertrauen aussprechen. Abg. Hillebrand-Schlefien(D. Bauernpartei) begrüßt in der Regierungserklärung die Sätze, in denen die Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft und der Siedelung zugesagt wird. Di« deutsche Agrarpolitik müsse zu 99 Pro.z. Baucrnpolitik sein. Die Steuerreform müsse vor ollen, in der Landwirtschast ein- setzen, damit der Bauer nicht länger für seine Tüchtigkeit und Spar- samkeit bestrast wird. Damit schließt die Aussprache. Abg. v. Lindciner-lvildau(Dnat.) erklärt in einer persönlichen Bemerkung, die beschränkte Redezeit mache es den Deutschnatio- nalen unmöglich, auf die letzten Ausführungen des Ministers hilser- ding zu ontwchteP..Hys.schweigen diirfe nicht als Zustimmung gedeutet werden.,."• i',■ Präsident Lobe: Der Aellestenrat hat.. auf meinen Vorschlag den n a t i o n a I s ö z i a l i st i s ch e n A n t r a g z n g e t a s s e n, weil er sich vorbehalten will, durch eine Aendernng der Geschäfts- o r dz, u n g in Zukunft vorzubeugen, daß Abgeordnete Anträge ein- bringen, für die sie selber nicht stimmen.(Abg. S t ö h r(Rat.-Soz.): „Dann können wir ja überhaupt keine Anträge mehr stelle»!"— Große.Heiterkeit.) Nach längerer Geschästsordmmgsdebatte wird in namentlicher Abstinununq mit 266 gegen 131 Stimmen bei 24 Enthaltungen beschlossen, daß an erster Stelle nicht über de» Vertrauens- antrag der Nationalsozialisten, sondern über den Billigung?- a n t r a g der in der Regierung vertretencn Parteien abgestimmt wird. Für den Vorrang des nationalsozialistischen Antrags habe» die Deutschnotionalen, Nationalsozialisten und Kommunisten ge- stimmt. Die Abstimmung. Die dann folgende namentliche Abstimmung ergibt die Annahme des DiMgungsanlrags mit 2S1 Stimmen der Sozialdemokraten. Demokraten, des Zentrums, der Deutschen Bolkspartei und der Bayerischen Lolkspartei gegen 134 Stimmen der Kommunisten, Deutschnotionalen, Nationalsoziallsten, Christi. Natiomile Bauern und Deutsch-Hannoveraner. S t i m m c n t- Haltung übten 28 Abgeordnete der Wirtschaftspartei und der Deutsche» Bauernpartei. Damit sind alle weiteren Vertrauens- und Mißtrauensanträge erledigt. Die mit der Beratung verbundenen kamnmmstischen Anträge zu sozial-, wirtschasts- und steuerpolitischen Fragen werden den zu- ständigen Ausschüssen überwiese». Als gegen den Widerspruch der Kommunisten und Deutsch- nationalen der gegen den B a u des neuen Panzerschisses gerichtete kommunistische Antrag nickst sosort verabschiedet, sondern dem Haushaltsausschuß überwiesen wird, kommen von den Konnnunisten lcbhaste Psuii-Ruse. Angenommen wird ein nationalsozialistischer Antrag, der V-�- Handlungen über eine dcutschösterreichische Zoll- und Wirtschasts- Union verlangt. Die Novelle zur Gebührenordnung sür Gerichtsvollzieher wird dem Rechtsausschutz überwiesen. Um 4)4 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag, den 19. Juli, 3 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die Vorlage über den Na- tionalfeiertag, das neue Strasgesetzbuch und kleinere Vorlagen. Bildung des Haushalisausschuffes. (fr umfaßt jeht 35 Mitglieder. Am Donnerstagvormittag fand die Konstituierung des Haus- haltsausschusscs des Reichstages statt. Seit langem war von der Sozialdemokratie in Wort und Schrift die Forderung er- hoben worden, im Interesse einer strafferen Konzentrierung und genaueren Kontrolle des gesamten Etatswescns den Rechnungsausschuß aufzuheben, seine Arbeit dem haushaltsausschuß zuzuweisen und diesen zur besseren Bewältigung der großen Mchrabeit um 7 Mitglieder zu vermehren, ihn also auf 32 Mitglieder zu bringen. Im Aellestenrat wurde diese Forderung von ollen Por- teien mit Ausnahme der Kommunistische» Fraktion als berechtigt und zweckentsprechend anerkannt. Zum er st en mal wird also der haushaltsausschuß in der neuen vierten Wahlperiode 3 5 Mit- g l i e d e r umfassen. Vorsitzender des Ausschusses ist wieder Genosse h u g o h e i m a n n. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden die Abg. Schultz-Bromberg(Dntl.) und Dr. K l ö ck n c r(Ztr.), zu- Schriftführern die Genossin B o hstst- S�ch u ch und Abg.: G o t t- he i'me r(Dilti.) bestimmt. Der ÄusschUß' beschloß zwei ständige Untersuchungsausschüsse einzusetzen, von' denen her eine das Rech- nungswesen zu bearbeiten haben wird. Auswärtiger Ausschuß. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags ist sür Dienstag vormittag zu einer Sitzung einberufen worden, auf deren Tagesordnung der K e l l o g g- P a k t sowie Fragen des Sicher- hcitskomitees und der Völkerbundsratssitziing stehen. Syndikalismus in Mexiko. Auflösung der politischen Arbeiterpartei. Mexiko-Skadk, Anfang Juli.(Eigenbericht.) Die sehr deutlichen Erklärungen maßgebender Arbeiterführer lassen keinen Zweifel mehr darüber, daß die mexikanische Arbeiter- parlei als politischer Faktor und politische Waffe der mexikanischen Gewerkschaftsbewegung zu existieren aufhört. Der Beschluß der Führerschaft gipfelt etwa in den Worten„heraus aus der Politik und hinein in die Gewerkschostsarbeik!" I Die Auswirkungen dieses Beschlusses zeigen sich schon heule und ein Stootsgouoerneur noch dem anderen, die mit der Arbeiterbewegung identisch sind und aus ihren Reihen stammen, stellt seinen Posten sür die nächste Zukunft zur Verfügung und beschränkt sich in seinem Amt nur noch auf reine verwallungsmaßnahmen. End« dieses Jahres, wenn nicht früher, dürste auch aus das bis jeht noch im Besitz der Arbeiterbewegung befindliche Wirlschafts- und Handelsministerium unter Luis ZI. M o r o n es verzichtet werden. Diese Umstellung mutet reichlich radikal und von einem Extrem ins andere torkelnd an. Schon während der kürzlich abgeschlossenen Varlomenlslagung, die die letzte vor den am 1. Juli statlgesundenen Wahlen war. erklärten die Redner der Arbeiterpartei, es wäre das l e tz l e m a l, daß sie aus der Varlamenlslribüne das Wort ergrisscn hatten. Natürlich ist die Enlsendung einzelner Arbeilervcrkreler ins Parlamenk auch weiterhin wahrscheinlich, aber ihre polltisch« Täligkeit dürfte kaum in positivem Sinne erfolgen. An sich darf dieser Schritt vom politischen Standpunkte nicht überschätzt werden. Die mexikanische Demokratie ist noch weit von der Vollendung entfernt und letzten Endes ist die mexikanische ösfent- iichc Meinung durch die letzten 18 Jahre so revolutionär orientiert, daß eine reaktionär« Gefahr und selbst ein« Gefahr sür die von der organisierten Arbeiterschaft erreichten sozialen Errungen- schaften nicht ohne weiteres zu befürchten ist. Das Parlament, das hier immer nur ein Scheinleben geführt hat und sich auf die . Rolle eines wenig gehörten Beraters beschränken muh, ist ohne jede Bedeutung. Die wirkliche Macht liegt einzig in den Händen des Präsidenten. Aber trotzdem ist nicht abzusehen, wohin auf die Dauer ein stummer Kampf zwischen den jetzigen Führern der Aibeitcrbcwegung und der neuen O b r« g o n- Regierung führen kann. Bis heute haben sich beide ausschließlich auf eine ge- naue Fixierung ihrer zukünftigen Politik beschränkt. Ob jedoch ge- rade dieses feindselige Gegenüberstehen und das Lauern auf den nächsten Schochzug des anderen nicht vom stärksten Einfluß auf die zukünstig« Entwicklung des Landes sein kann, ist noch nicht zu übersehen. Wie immer hängt der Frieden ZNcxikos an einem dünnen Faden und eine unvorsichtige Bewegung kann genügen, um neuen Bürgerkrieg zwischen revolutionären Elementen selbst herauf. zubeschwören. Erst die Monate Januar und Februar des kommenden Jahres, das sind die ersten Monate der neuen Verwaltung, werden zeigen, wie weit solche Befürchtungen gerechtfertigt sind. ck Heber die Vorgeschichte dieser Entwicklung unterrichtet der folgende Bericht unseres Korrejpoudenten in Mexiko, den er uns vor einiger Zeit geschickt hkil!'- 1-v: Die Maifeie rtagered« des maßgebendsten Führers,-der ninikanischen Arbeiterbewegung Luis M o r o n e s, des Wirt- schastsniinisters im Kabinett Calles, über die zukünftige Politik der im mexikanischen Gewerkschaftsbunde(CROM.) und der mexitani- schen Arbeiterpartei organisierten Arbeiterschaft sowie die Antwort des Präsidentschaftskandidaten Obregon haben eine tiefe Kluft aufgezeigt, die heute— einen Monat vor den Neuwahlen und sechs Monate vor Ilebernahme des Amts durch den neuen Präsidenten— zwischen dem kommenden Herrn und der Arbeiterbewegung, oder zum mindesten deren Führern, gähnt. Mo- rones' Worte und Obregons Antwort lassen keinen Zweisci darüber, dcß die Arbcilerschafl in der nächsten Regierung nicht vertreten sein wird. ?lußerdem gedenken die leitenden Persönlichkeiten der Arbeiterschaft sich gönzlich aus der politischen Arena zurückzuziehen und sich der organisatorischen Arbeit in den Gewerkschosten zu widmen. Diese Entwicklung, die nicht wie in Europa den Anmarsch in die Opposition bedeutet, sondern einen Kampf»m Leben und Macht, ist überraschend. Obregon kann z. B. keineswegs als Re- oktionär und Gegner der Arbeiterorganisationen angesprochen werden. Er hat seit Jahren die Bedeutung der Gewerkschaften für � das national« Leben Mexikos und die wichtige Rolle, die von der Arbeiterschaft Hierzuland« zu spielen ist, betont. Er hat aber auch — als geschickter Taktiker zwar nicht öffentlich— durchblicken lassen, daß einzelne Phasen der Entwicklung der letzten Jahre, für die die politische Leitung der Arbeiterschaft verantwortlich ist, seinen Beifall nicht finden und er es als seine Aufgabe betrachtet, darin Wandel zu schaffen. Da» bedeutet dem Sinne nach eine Aus- einandersetzung mit der jetzigen Führung der mexikanischen Ar- bciterbewsgung. Als solche ist sie auch an diesen Stellen aufgefaßt und von Morones beantwortet worden. Die sich nun aufdrängend« Frage, warum Mexikos pro!«- t a r i l ch e Bewegung— kaum 10 Jahre alt, ausgezeichnet organi- siert, aber doch innerlich ungefestigt und unerprobt � sich mit Tagespolitik identifiziert, leitende Regierungsposten über- nommen, kurz gesagt, sich politisch intensiv und an� oerant- mortlicher Stelle betätigt hat, ist einer prinzipiellen Erörterung wert. Wenn zugestanden wird, daß die Bewegung sich m den legten Jahren treibhausartig entwickelt und ungeahnte Er- folge erzielt Hot, so darf dabei nicht vergessen werden, daß sie da» zum großen Teil der Freundschaft und Förderung des P r ä s i- denten Calles zu danken hat. Die Annahme aller Dorteilej die uneingeschränkte Identifizierung der Gewerkschaften mit einer Regierung, die trotz ihrer fortschrittlichen und sozialen Ideen eben doch noch andere Dinge als Klasienentwicklung in Rechnung zu stellen hat, haben jetzt zu einer Situation geführt, die noch für viele Jahre heiß umstrittener Diskussionspunkt in den Mexikanischen Gewerkschaften sein wird. Dabei wird man nicht darum herum können, daß vom gewerkschaftlichen Stand- punkte gesehen, die Führerschaft nur Tagesoorteile ein- geheimst und darüber eine Gewerkschaftspolitit auf lange Sicht zwar nicht vergessen, aber doch vernachlässigt Hot. Es ist unzweifelhaft, daß die gesicherten politischen Positionen der Führer und die überragende Stellung der Arbeiterpartei die gesamte Bewegung veranlaßt hat, sich in Verkennung der zeitlich begrenzten Situation auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen und darüber wichtige Dinge in der organischen Weiterent- w i ck l u n g des jungen Gewerkschaftswesens Mexikos hiutanzusetzen. Daß muß sich natürlich bitter rächen, und so steht die Bewegung I heute vor einer Loge, die durch den sicheren Verlust aller politischen Vorteile für die gewerkschastliche Struktur selbst kritische Auswirkungen haben mag. Ilm beiden Seiten gerecht zu werden, muh gesagt werden, daß die Führerschaft durch politische Betätigung der Bewegung zu dienen glaubte, ober im Leben von Nationen und Klassen ent- scheiden keine noch so gut gemeinten Absichten. Jedenfalls hat sich die politische Einstellung als schwerer Irrtum herausgestellt. und Obregon, der die überragende Macht der Arbeiterpartei seit Jahren mit mißgünstigen Augen betrachtet hat, schickt sich jetzt an, der politischen Seite der Bewegung energisch die Flügel zu be- schneiden. Unter diesem Gesichtspunkte mag es als ein geschickter Schachzug der Arbeiterführer betrachtet werden, wenn sie schon heute durch Morones ihre Absicht, sich vom politischen Leben zurück- zuziehen und gänzlich organisatorischer Arbeit zu widmen, an- kündigen, anstatt eine Entwicklung abzuwarten, die, wie Mexikos Geschichte zeigt, leicht mit Schrecken und Gewalt enden kann. Immerhin erscheint es sehr sraglich, ob diese verspätete Ein- ficht geeignet ist, die einmal begangenen Fehler wieder gutzumachen. Die politische Tätigkeit der Arbeiterbewegung hat außerdem Auswirkungen gezeigt, deren Bedeutung für die Zukunft noch gar nicht abzusehen ist. Sie hat zu einer starken Entfremdung zwischen Arbeiter- und Bauernbewegung in Mexiko geführt, die von Rechts wegen seit altersher zusammen- gehören und zusammengehen sollten. Die mexikanische Bauern- bewegung stellt»».zweifelhaft durch ihr organisches Wachstum die st ä r k st e Kraft in Mexiko dar, und wenn sich diese Kraft nicht entsprechend auswirken konnte, so liegt dos ausschließlich an der mangelnden Organisation der bäuerlichen Elemente. Die Arbeiterbewegung dagegen, die ihre politischen Vorteile häufig auf Kosten der Bauernschast erworben hat, hat durch ihre enge Anlehnung an europäische Organisations- und Gewerkschaslsmethoden jedes Ein» gehen aus mexikanisch« Lokaltöne und Mentalität vermissen lassen, eine Einstellung, die sich letzten Endes zum Schaden der Organi- sationen in ihrer jetzigen Form auswirken muß. Der politisch« Gedankengang Obregons ist klar. Seine Politik ist nicht so sehr gegen die Arbeiterbewegung an sich. als gegen ihre Führer gerichtet, denen er politische Einstel- lung und politischen Machthunger vorwirft. Dem Fasse wurde der Boden ausgeschlagen, als die Arbeiterführer in unbegreiflicher Der- kennung de-«-"chloge den auch von der Arbeiicrfchast als Präsideni- schastskandidai-n aufgestellten Obregon durch geschickte Vorbehalte zwingen"Killten, sich politisch festzulegen und ihnen Versprechungen für die Zukunft zu machen. Das hat Obregon bis zum heutigen Tage rundweg abgelehnt und dadurch die Arbeiterführer gezwungen. Schritt für Schritt bis zur angekündigten Aufgabe ihrer politischen Stellungen unter seiner Herrschaft zu- rllckzuweichen. Wenn Obregon dabei haltmachen sdllte, so wäre für die Gewerkschaftsbewegung selbst nichts verloren, sondern nur vieles gewonnen. Unbehindert von politischen Rücksichten könnte sie sich der Vollendung und dem Ausbau der Organisationen widmen und eine Einheitsbosis mit der Bauernschaft Mexikos zu ge- Winnen suchen. Beabsichtigt der künstige Präsident aber einen Ein, bruch in die Gcwerkschaftsorganisationen, von dem Gedanken ge- leitet, die Führer auch aus diesen Posten zu verdrängen und dafür sich und seine Leute hineinzusetzen, so muß dos zu Komplikationen führen, deren Ernsthaftigkeit gar nicht überschätzt werden kann. In jedem Falle kann eine solche Entwicklung, wenn sie sich, was heute mehr als fraglich erscheint, bewahrheiten und erfolgreich sein sollt«, nicht dazu dienen, der mexikanischen Gewerkschaftsbewegung die notwendige innerliche Unabhängigkeit zu geben. Gommeriagung des Landtags. Besprechungen über die große Koalition? Am nächsten Dienstag wird der L a n i> t a g die nach den Bestim- mungen der Geschäftsordnung notwendige endgültige Wahl des Prä- sidenten und der drei Vizepräsidenten vornehmen. Ferner stehen zur Erledigung die zweite und drille Beratung des Entwurfes über die Vereinigung Waldecks mit Preußen, die Anträge über die Unfallschäden, die vom Havptausschnß bereits behandelt worden sind, sowie die kommunistischen A m n e st i e o nt r ä g e. Ferner soll die Beratung der Notverordnung über die B e- f l a g g u n g der gemeindlichen Dienstgebäude und der Schulgebäude abgeschlossen und der Gesetzesantrag' der Regierungsparteien, der allgemein das Flaggen durch öffentlich-rechtliche Körperschasten vor- sieht, zur zweiten Beratung gestellt werden. Gegen eine im An- schluß an die zweit« Beratung sosort vorzunehmend« dritte Bs- ratung des Flagzengesetzes wird voraussichtlich von der Opposition Einspruch eingelegt werden, andererseits werden die Regierüngs- Parteien mit Rücksicht auf den Bersassungstag im August die Ber- abschiedung der Vorlage fordern. Wenn die zweite Beratung der Vorlag« am Dienstag erledigt wird, könnte diese Verabschiedung nach den bestehenden Bestimmungen frühestens am Freitag erfolgen. Am Dienstag werden auch die einzelnen Fraktionen im Land- tag zusammentreten. Die Bolkspartei will bereits am Montag die politische Lage besprechen. Die Regierungsparteien werden in ihren sür Dienstag angesetzten Fraktionssitzungen vor allem zu der An- regung der Bolkspartei, in ein« Erörterung der Frage der Bil- dung der großen Soolitio» in Preußen einzutreten, Stellung zu nehmen habe». Spitel vor dem Reichsgericht. Bom Freikorpsführer zum KPD.- Spizel. Leipzig, 5. Juli.( Eigenbericht.) Der vierte Straffenat des Reichsgerichts befaßte sich in den letzten Tagen mit einem üblen Spizel, einem Vertreter Georg Gemmelmann aus München. Semmelmann wurde von dem flüchtigen Lehrer Braun als Nachrichtenleiter der Kommunistischen Partei in München eingesetzt. Er versuchte u. a. die Rechtsver bände sowie das Reichsbanner zu bespizeln. Der Angeklagte war mit falschen Papieren in die verschiedensten Formationen eingetreten und stand zeitweise als Oberleutnant bei einem Freikorps in Oberschlesien. Damals wurde er wegen Waffendiebstahls und Verschiebung zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt. Nachdem er in den rechtsradikalen Verbänden Olympia u. a. m. seine Tätigfeit ausgeübt hatte, trat er zur KPD. über. Bei der Kommunistischen Partei wurde er zu Spizeldiensten verwendet. Der Reichsanwalt bezeichnete Semmelmann als den typischen Parasiten der Gesellschaft, der seine Straftaten nicht aus politischer Ueberzeugung, sondern nur aus ver= brecherischer Neigung begangen habe. Semmelmann habe sich des Betruges, der Urkundenfälschung in 70 Fällen und der dings Sport. Sport Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 5. Juli. 1. Rennen. 1. Donnerfönig( Wurst), 2. Welf( Rufulies), 3. Tartar ( off). Toto: 133: 10. Biak: 36, 20, 16: 10. Ferner liefen: Nil, Nordmart, Andromache, Der Zufünftige, Hadrian, Altenau, Begonie. 2. Rennen. 1. Boros( Schniper), 2. Amara( v. Reibniz), 3. Myron ( v. Edertsberg). Zoto: 103 10. Blab: 18, 14, 14: 10. Ferner liefen: Bommeriund, Schildkröte, Alleluia, Girant, Ragula. Br 3. Rennen. 1. Eulalia( Bismark), 2. Das Lied( Schniper), 3. Rivalin ( Stutulies). Toto: 63: 10. Plaz: 20, 30, 35: 10. Veleda, Florida, Svanahild, Fuchsie, Schwertlilie, Marchesa, Schlehblüte, Ferner liefen: Dzema, Lufitania, Trier, Norge. 4. Rennen. 1. Rebell( Varga), 2. Madonna d'Arezzo( Brethes), 3. Rofenlippe( D. Schmidt). Toto: 20: 10. Plag: 18, 28: 10. Ferner lief: Siesta. 5. Hennen. 1. Felsenfest( Wolff), 2. Parsifal( Schniper), 3. Sperr mal( Hauler). Toto: 22: 10. Plag: 13, 18:10. Ferner liefen: Stromer, Quo vadis. 6. Rennen. 1. Intimus( Bachmann), 2. Ledon( Edler), 3. Vigor ( Hauser). Toto: 46: 10. Blag: 18, 19, 30: 10. Ferner liefen: Duelle, Wellgunde, Rotenstein, Rosenherzog, Fafner. 1. Teneriffe( Böhlke), 2. Logarithmus( Huguenin), 3. Merkurius( Sajdik). Toto: 133: 10. Blab: 27, 19, 17: 10. liefen: Bubi, Pagode, Falsum, Christinchen, Clothilde. 7. Rennen. Unterschlagung schuldig gemacht. Auch wegen Vorbereitung zum Parteinachrichten Hochperrat sei er zu bestrafen. Er beantragte 2 Jahre 6 Monate Buchthaus und 3 Jahre Ehrenrechtsverlust. Das Urteil wird am Freitag verkündet werden. Sozialversicherung. Berbandstagung der Versicherungsanstalten. München, 5. Juli.( Eigenbericht.) Eine der bedeutungsvollsten sozialpolitischen Körperschaften ist der Verband der Landesversicherungsanstalten, also der Träger der Invalidenversicherung. In ihm find rund 18 Millionen Versicherte zusammengefaßt. Es ist selbstver= ftändlich, daß er einen großen Einfluß auf die Gesetzgebung und auf die Durchführung der Invalidenversicherung befizt. Seine Jahrestagung, die am 4. und 5. Juli in München stattfand, war von rund 180 Bertretern aller Anstalten der Versicherten, die in einer vom ADGB. einberufenen Vorbesprechung ihre Stellungnahme zu den einzelnen Verhandlungsgegenständen festgelegt hatten. Der Präsident des Verbandes, Geheimrat Schröder- Kassel, erstattete sodann den Geschäftsbericht des zuständigen Ausschusses", d. h. des Vorstandes des Verbandes. Das Jahr 1927/28 brachte wieder manche Aenderungen der gesetzlichen Vorschriften über die Invalidenversicherung. Die Leistungen, namentlich die Renten in ihrer Höhe, sind gesteigert worden. Das macht für die Versiche rungsträger eine jährliche Mehrausgabe von 26 MilLionen, Marf. Als Mitberichterstatter wies Landesrat Gör= ling Raffel auf die Notwendigkeit der Rationalisierung der Verwaltung hin. Es müsse in dieser Hinsicht eine zweite Bauperiode der sozialen Versicherung beginnen. = Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, Lindenstraße 3. Ferner 67. bis 73. bt, Wilmersdorf. Die Genossen werden aufgefordert, den Ar beiter- Samariter- Bund an seinen Gammeltagen am 7. und 8. Juli möglichst zu unterstügen. Ausgabe der Sammelbüchsen, Ausweise usw. Connabend, 7. Juli, von 16 Uhr ab und Conntag, 8. Juli, ab früh 8 Uhr im Edenpalaft, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Str. 24. Parteibuch zur Legitima tion mitbringen. 94. Abt. Neukölln. 19% Uhr Funktionärsigung bei Schröder, Steinmegstr. 52. Erscheinen aller Funktionäre unbedingte Pflicht. 119. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Bark, Möllendorf, Ede Rittergutstraße, Funktionärsigung. Bannerlisten und desulfate von den Werbebriefen find 124. beſtimmt mitzubringe libr bei Anders, Bahnhofstr. 37, wichtige Funktionär. sigung. Erscheinen aller dringend erforderlich. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 19. Rreis. Conntag, 8. Juli, findet eine Besichtigung des Schulgartens in Blankenfelde statt. Treffpunkt um 9 Uhr am Straßenbahnhof NordendHaltestelle. Dann gemeinsamer Marsch zum Schulgarten. Es find alle Barteigenossen aus dem 19. Kreis hiermit eingeladen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Jungsozialisten: Gruppe Webbing- Gesundbrunnen: Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Orthstr. 10, Literarischer Abend:„ Jack London". Sieferent Genosse Herlinger. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gäste willkommen. berg: Heute, Freitag, 20 Uhr, Lichterarischer Abend im Freien. Treffpunkt Gruppe Schöne. Untergrundbahn Dahlem- Torf. Gruppe Süben: Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Yordstr. 11, Zimmer 3, Bortrag:„ Der Kampf der Arbeiterklasse um die Macht." Referentin Dora Fabian. Gäste herzlichst willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Gruppe Südwest und Südost: Achtung, Dubrowfahrt! Treffpunkt Gonn. abend, 7. Juli, pünktlich 1214 Uhr, vor dem Görlizer Bahnhof. Rreis Neukölln: Freitag 18 bis 19 Uhr Sprechstunde im Parteisekretariat, Redarftr. 3. Cammellisten, geltlagerbaufteine und Zahlungen der Zeltlager. für Groß- Berlin teilnehmer müffen bort unbedingt abgerechnet werden. stets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. 5. Kreis Friedrichshain. Den Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis, daß das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold am Sonntag, 8. Juli, in Mentes Boltsgarten, Lichtenberg, Röberstr. 28-29, ein großes Boltsfeft veranstaltet. Eintritt 25 Pf. Anfang um 15 Uhr. Das Reichsbanner marschiert um 14 Uhr ab Petersburger Plag mit Mufit und Fahnen zum Festlokal. Die Genossinnen und Genoffen werden gebeten, dieses Boltsfest recht zahlreich zu besuchen. 6. Kreis Kreuzberg. Heute, Freitag, 6. Juli, 19% Uhr, bei Krepp, Blanufer 75-76, Gigung des erweiterten Areisvorstandes. Niemand darf fehlen. 13. Kreis Tempelhof. Die heutige Sigung des Kreisbildungsausschusses, zu der die Bezirksführer zweds Empfangnahme der Karten zum Sommerfest besonders eingeladen sind, findet um 19% Uhr bei Niendorf, Mariendorf, Chausseestr. 19, statt. Heute, Freitag, den 6. Juli: 6. Abt. Die Bezirksführer haben„ Unser Weg" und die Billetts zum Sommerfeft schnellstens abzuholen. 26. Abt. Die Mitglieder werden gebeten,„ Unser Weg" vom Genoffen Walter, Meger Str. 37, abzuholen. 46. Abt. Unser Weg" tann sofort abgeholt werden. 91. Abt. Neukölln. 19% Uhr bei Palm, Mainzer, Ede Biebrichstraße, Funt tionärsizung. 118. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Jahn, Friedrich, Ede Jrenenstraße, Funt. tionärsigung. Pünktliches Erscheinen dringend erforderlich. Morgen, Sonnabend, den 7. Juli: 54. Abt. Charlottenburg. Die Genoffinnen und Genossen werden gebeten, sich am Connabend und Conntag, 8. Juli, zum Spendentag den Arbeitersamaritern zur Verfügung zu stellen. Funkwinkel.z Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 7. Abt. Zur Einäscherung unseres verstorbenen Genossen Albert Hente, unseres ältesten Mitgliedes, treffen sich die Genossinnen und Genossen heute, Freitag, 6. Juli, 20 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Achtung, Abteilungsleiter! Die Anmeldelisten für Dortmund müssen um. gehend im Sekretariat abgegeben werden. 1 Mitgliederversammlungen heute 19 Uhr: Moabit I: Jugendheim Waldenserstr. 21. Moabit II: Jugendheim Lehrter Straße 18-19, Selmholzplay: Jugendheim Scherenbergstr. 7. Hohenschön. hausen: Jugendheim Freienwalder Str. 5-6. Weißensee: Jugendheim Barkftraße 36. Andreas. Wörther Play: Jugendheim Schule Kastanienallee 81. plag: Jugendheim Brommnstr. 1. Friedrichshain: Jugendheim Diestelmeyerstraße 5-6. Stralauer Tor: Jugendheim Goßlerstr. 61. Besten 1: Jugendheim Hauptstr. 15. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Baumschulen weg: Jugendheim Ernststr. 16. Johannisthal- Riederschöneweide: Jugendheim Berliner Ctr. 31. Lichtenberg- Nord: In den Baraden Rathausstraße. Tegel: Jugendheim Bahr hofstr. 25. Niederschönhausen: Schule Blankenburger Straße 70-71. Pankow II: Jugendheim Kissingenstr. 48, Keller. * Faltplag: Schule Connenburger Str. 20. Eeruelle Fragen." Mariendorf: Jugendheim Dorfstr. 9. 3wede und Ziele der Arbeiterjugendbewegung. Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3.„ Warum Achtstundentag?" Neu- Lichten berg: Jugendheim Hauffstraße( Sportplag). Die Seguelle Frage." Bantow 1: Jugendheim Kiffingenstr. 48, Reller. Die arbeitende Jugend und Kirche." Artonaplag: Jugendheim Elisabethkirchstr. 13. Besprechung der Dortmund. Fahrer. Berbebez'rt Neukölln: Werbebezirksmitgliederversammlung im Jugendheim Ranner Straße. Fragen der Berufsschule. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Beginn pünktlich 193 Uhr. Werbebezirk Wedding: Werbebezirksvorstandssigung, Schönstedtstr. 1, pünkt. lich 20 Uhr. Werbebezirk Schöneberg: Im Heim Hauptstr. 15 Besprechung der W.- B.. Werbebezirk Brenzlauer Berg: Sämtliche Lauten, Geigen und Mandolinen. spieler treffen sich am Sonnabend, 7. Juli, 19 Uhr, im Jugendheim Danziger Straße 62, Barade 7, zur Probe für den Jugendtagabend am Freitag, 13. Juli. Die Gruppenleiter werden gebeten, dafür zu sorgen, daß alle Musikspieler er. scheinen. In der Aussprache bringt zunächst Walfer Berlin( ADGB.) die Ansichten der Versichertenvertreter zum Ausdruc. Die Gesezgebung habe sich offenbar auf den Standpunkt gestellt, daß man eine Schutz gegen Gasvergiftungen" forderte OberSache nicht einfach machen dürfe, wenn man sie verwidelt machen regierungsrat Heinrichs in einem Vortrag. Die Hamburger Treffahrt von 19-20 Uhr im Brandenburgzimmer. fönne. Die Beschränkung der Zahlung der Kinderzuschläge und Phosgen- Katastrophe sollte sicherlich allen denkenden Menschen die Waisenrenten auf die Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr( statt Erkenntnis gebracht haben, daß ein Schutz vor den Giftgasen und früher zum 18.) und ihre Weitergewährung nur in bestimmten Aus- ihren Birkungen nötig sei.. Wie? Durch wirkungsvolle Antifriegsnahmefällen brächte mehr Verwaltungsarbeit als Ersparnisse. Red- propaganda und ein internationales Berbot der Giftgasproduktion. ner wendet sich dann energisch gegen die Gepflogenheit der Wohl- Oberregierungsrat Heinrichs aber ist anderer Meinung: Gas. Vorträge, Vereine und Versammlungen. fahrtsämter, die Aufbefferung der Renten bei der Bemessung der öffentlichen Fürsorge zu berücksichtigen. Das Gefeß vom 29. März 1928 habe die Bezüge der Rentenempfänger auf bessern, nicht aber die Wohlfahrtsämter entlasten wollen. Walter fordert dann noch eingehend die baldige Verbesserung der Invalidenversicherung. 3wei andere Berficherungsvertreter bemängeln die geringe Höhe der Renten für die alten Leute, den noch unzulänglichen Reichszuschuß, das Fehlen der höheren Lohnklassen, das unpopuläre System der Vertrauensärzte, den unflaren Begriff der Invalidität usw. Ministerialdirektor Grieser umgrenzt in seiner Antwort Sinn und Ziel der neueren Versicherungsgesetzgebung. Man sehe in dem Versicherten heute auch den Ernährer einer Familie. Außerdem werde der Versicherungsfall nicht mehr für sich betrachtet, sondern auch in seinen Auswirkungen auf andere Fürsorgeansprüche. Der Präsident des Reichsversicherungsamtes, Dr. Schäffer, behandelt dann die Fragen vom versicherungstechnischen und juristifchen Standpunkt aus. Die ,, Ersparnis" maßnahmen der Wohlfahrtsämter feien zu bekämpfen. Nachdem noch Ministeraldirektor Grieser eine Beitragserhöhung als eine Lohnbeschlagnahme ge= tennzeichnet hat, wird eine Entschließung angenommen, in welcher die dargestellten, Forderungen zusammengefaßt werden. Gefordert wird besonders die Führung besonderer Reichsbeitragslisten." Ueber das Rinderheilverfahren sprechen Bizepräsident Appelius Düsseldorf und Präsident Diet! Weimar. Sie erörtern vor allem den Entwurf eines Abkommens, das die Berficherungsanstalten über die 3 u ständigkeit für das Kinderheilver. fahren abschließen sollen. Nach einer Aussprache, in der besonders Brachel Köln bemerkenswerte Ausführungen im Sinne einer Kritit der öffentlichen Fürsorge macht, werden die Abmachungen beschloffen. = Die Richtlinien für Gefundheitsfürforge, die fürzlich das Reichsarbeitsministerium im Entwurf veröffentlicht hat, behandelt Landestat Görling Kassel. Die vorgeschlagenen Arbeitsgemeinschaften der Träger der Sozialversicherung und der Wohlfahrtspflege, die schon vielfach bestehen, hätten sich sehr gut bewährt. Ihre Bervollkommnung sei nur zu wünschen. An den einzelnen örtlichen oder bezirklichen Arbeitsgemeinschaften könnten sich jedoch die Landesversicherungsanstalten nicht veteitigen. Einen bemertensmerten Bortrag hält noch Präsident Neumann- Darmstadt über die Rationalisierung der Verwaltungsarbeiten der Landesversiche= rungsanstalten. Die Gründung einer neuen Verbandszeitschrift wird beschlossen. Schließlich wird beschlossen, den nächstjährigen Verbandstag in Königsberg abzuhalten. = Schulterrorerfolg in Oftoberschlesien. Starfer Rückgang der deutschen Anmeldungen. Kattowitz, 5. Juli. Nach Meldungen der polnischen Presse liegen jetzt nach Ablauf der Anmeldefrist für die Schulen insgesamt 27 000 Anmeldungen vor. Davon entfallen auf die polnische Schule 24 000 und auf die deutsche Minderheitsschule 3000. Bon den Anmeldungen für die deutsche Minderheitsschule sind 300 abgelehnt worden, da sie angeblich den Vorschriften der Genfer Konvention nicht entsprechen. Das Endergebnis dieser Anmeldungen bedeutet fonach eine starke Zunahme der polnischen Anmeldungen und einen fehr beträchtlichen Rüdgang der Anmeldungen für die Min derheitsschule. Der Ausfall der deutschen Anmeldungen gegenüber dem Borjahr beträgt über 100 Proz Feier des Verfaifungstages. Die preußische Staatsregierung hat beschlossen, zur Feier des Verfassungstages am 11. August 1928 die gleichen Anordnungen wie im vergangenen Jahre zu treffen. Es wird empfohlen, außerhalb der amtlichen Verfassungsseier durch Anregung von sportlichen und anderen Veranstaltungen in der Benölferung für eine möglichst poltstümliche Feier des Berfassungstages Sorge zu tragen. sichere Häuser fordert er, Gasmasken in erster Linie für alle Beamte, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung da sind, und ähnliche Vorrichtungen. Abgesehen davon, daß in absehbarer Zeit nie gasfichere Häuser für die gesamte Bevölkerung Miete hierfür bezahlen könnten, ist die Wirksamkeit der Giftgase gebaut werden könnten, und also nur die geschützt würden, die die so verschieden, daß im Kriege unter Umständen die nicht vergiftete Bevölkerung verhungern müßte, weil alle Borräte durch das Gas verseucht sind. Es wäre richtiger gewesen, wenn im Rund= funt auf diese Tatsache hingewiesen worden wäre, daß die Wirkungen des Gastrieges unabsehbar sind und niemand sicher sein kann, ihnen zu entgehen. Die Furcht auch tigen Krieg ebenso betroffen zu werden wie die an der Front der nicht kriegsdienstpflichtigen Bevölkerung, durch einen zufünf Stehenden, sichert die Menschheit vielleicht am besten gegen Kriege und damit gegen Giftgaswirkungen. Die Operette ,, Das füße Mädel" wurde am Abend gesandt. Die Musit ist gute Durchschnittsware und wurde den Hörern entsprechend dargeboten. Ies. zur Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 r. Freitag, 6. Juli. Mitte: 20 Uhr Bersammlung aller Radfahrer Brunnenstr. 4. Schöneiche: 20 Uhr Versammlung bei Wiedemann. Lichtenberg, Kameradschaft Mahlsdorf: 20 Uhr Bersammlung. Stellungnahme Generalversammlung. werden. Mitgliedskarten müssen vorgezeigt Karlshorft: 20 Uhr Versammlung bei Polte. Anträge zur General. versammlung. Wahl der Delegierten.. Sonnabend, 7. Juli. Tier. garten: Fahrt nach Rathenow. Antreten mit Mufit. und Fahnen Lehrter Bahnhof, Abfahrtseite, 20% Uhr.( Abfahrt 20.52 Uhr.) Nachzitgler Sonntag, 8. Juli, 10.22 Uhr Bhf. 300. Sonntag, 8. Juli. Steglig( Ortsver Briz: 15 Uhr großes Eommerfest des Musikkorps in den Kontordia- Sälen, vorm. ein): Baden im Grunewaldsee. Eammelplag 8 Uhr Dippelplaz. Reukölln. Karpfenteil Treptow, Am Treptower Vart 69. Eintritt 50 Pf. Rinder 20 Bf. beit. Rre's Besten: Alle dienstfreien Rameraden treffen sich 9½ Uhr zum Baden Sportplas Friedrichsfelbe: Ab 9 Uhr allgemeine Uebungsstunden bis zur Dunkelam Westrand des Grunewaldsees. Steglig( Ortsverein): Frankfurt- Fahrer Straße) zu melden. find von den Zugführern umgehend bei Kam. Krüger, Arndistr. 28( nicht Amor. Typographisches Orchester, Musikverein Berliner Buchdrucker. Dirigent Erich Gutzeit. Uebungsabende Freitags 20%-22% Uhr in Neukölln, Hermannstr. 199 ( Sängerheim). Musikalische Mitwirkung Conntag, 8. Juli, 10 Uhr, bei den Passiven mit Damen" auf Tivoli, Kreuzberg( Typographia"). ücksichtslose Preisherabsetzung Hier nur einige Beispiele aus der Fülle unserer Angebote Sommerkleider aus Baumwoll- Musselin und Kunstseide Waschkleider aus Wasch- Kunstseide in aparten Mustern. i.bunt. 95 Rips- Mäntel Farb 195 auch in schw. u. mar. mit u. ohne Futter. 95 Gummi- Mäntel 2.95 sehr apart.Karomust. gute Gummierung. Voll- Vaile- Kleider 95 Regen- Mäntel rot, ohne Arm, in mod. Bordüren- n. 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Der Ministerpräsident, Genosse Otto Braun, übergab den kostbaren Fund dem rühmlich bekannten Historiker des Sozialismus, Prof. Gustav Mayer, zur Veröffentlichung. So wird in den nächsten Tagen im Verlag I. W. H. D i e tz Vachs, ein schlanker Band erscheinen:„Bismarck und Lassalle. Ihr Briefwechsel und ihre Gespräche." Er enthält die wiederentdeckten Schriftstücke, von denen wir die inter- essantesten heute schon unseren Lesern unterbreiten können. Sie gewähren uns tiefe Einblicke in die Psyche des Mannes, der nach dem Sterben der bürgerlichen Revolution 1848�49 der deutschen Arbeiterklasse zuerst wieder eine politische Klassenorganisation gab. In Lassalle lebt ein Cäsar, ein Diktator, und das war es wohl, was ihn zu dem preußischen Staatsmann hinzog. Er vermutete in Bismarck einen außergewöhnlichen Menschen, einen politischen Gewaltpolitiker, der seelenruhig Verfassungen brach, wenn sie seinen politischen Macht- Plänen entgegenstanden. Lassalle sah sich in eine Zeit revo- lutionäret und kriegerischer Konflikte hineingestellt, die mit der demokratischen Nationalbewegung Italiens begonnen hatten und die nun nach Deutschland hinüberfluten würden. Er glaubte in dieser mit Katastrophen geladenen Zeit einen Bismarck als Mauerbrecher gegen das liberale, kapitalistische Zwinguri benutzen zu können. Bismarck sollte das allge- meine, gleiche und direkte Wahlrecht oktroyieren und damit die schwersten Hemmnisse beseitigen helfen, die sich der politi- schen Machtentwicklung der deutschen Arbeiterklasse in den Weg warfen. Die ganze politische Berechnung Lassalles war von vornherein falsch: denn Bismarck stand als überzeugter Parteigänger des Obrigkeitsstaates mit grundsätz- licher Schärfe dem demokratischen Staatsgedanken gegenüber, von dem Ferdinand Lassalle als kämpfender Revolutionär des Jahres 1848 ganz erfüllt war. Wenn sich Bismarck im Kampfe gegen Oesterreich auf das allgemeine Wahlrecht berief, so tat er es nur. um es gegen die schwarzgelbe Monarchie und deren deutsche Verfassungspläne auszuspielen, wenn er mit Lassalle über dieses Recht diskutierte, so dachte er immer an die politischen Analphabeten, an die Bauern und Landarbeiter des Ostens, die er gegen die Fortschritts- parte- aufmarschieren lassen wollte.' Mit dem Bismarck, der durch seine Presseordonnanzen der an sich schon recht schwjndsüchtigen preußischen Presse- freiheit jede Lebenslust rauben wollte, konnte es für einen demokratischen Politiker eigentlich keine Unterhandlungen mehr geben, und doch setzte Lassalle auch noch nach diesem Staatsstreich und nach den darauf folgenden Verfasiungs- brüchsn seine Korrespondenz und seine Unterredungen mit Bismarck fort! Lassalle wiedersprach zwar den Pressemaß- regeln Bismarcks, aber er gebürdete sich doch als f ö r m- licher Verbündeter dieses preußischen Minister- Präsidenten gegen die Fortschrittspartei, die doch dem ge- walttätigen Zertrümmerer der preußischen Verfassung gegen- über im vollen Rechte war! Als ob er mit Bismarck ein Herz und eine Seele wäre, sprach er immer von den Fort- schrittlern als von„unseren Gegnern". Ja, Lassalle appellierte direkt an die Machtmittel des obrigkeitlichen Staates, als er von Bismarck einen Befehl des Justiz- min-'stsrs erbat, um die Staatsanwälte an der Verfolgung des „Bastiat-Schulze" zu hindern. Bismarck habe ihm ja felbst einmal ein Zirkular an die Staatsanwälte der Monarchie „zu Gebote" gestellt, daß seine(Lassalles) Schriften unver- folgt blieben. Was galt diesem Lassalle die politisierte Justiz? Die Annäherung Lasialles an Bismarck erklärt sich aus dem gesteigerten Selbstgefühl des Agitators, der da ver- meinte, durch die Macht seiner Persönlichkeit den Kurs des preußischen Staatsschiffes umstellen zu können. Professor Gustav Mayer hat durch eine in die eigen- artige Versönlichkeit Lassalles tiefeindringende und die Zeit- ereignisie trefflich charakterisiernde Vorrede die„Sünde L a s s a l l e" scharf hervorgehoben. Sie entsprang einem Temperament, das alles eher ertrug als das Warten auf langsam reifende Erfolge. Lassall-' ha! in seinem„Franz von Sickingen" den Ge- danken ausgesprochen, daß es den Hals kann kosten,„in großen Dingen schlau zu sein". Das eben hat er aber selber. wie seine Briefe an Bismarck zeigen, versucht und damit um den eigenen Hals gespielt. Bismarck ladet Lassalle zu einer Besprechung. Berlin, 11. Mai 83. Euer Wohlgek-oren benachrichtige ich ergebenst, daß es mit Rück- licht auf die über die Derbältnisle der arbeitenden Klaffen schweben- den Beratungen in der Absicht liegt, die gutachtlichen Aeußerungen unabhängiger Männer, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, zu höre». Aus diesem Krunde würde es mir erwünscht sein-, wenn Euer Wahlgcbarcn mir Ihre Ansichten über den Gegenstand mitteilen wollien.— v. Bismarck. Lassalle an Bismarck. Berlin, Bcllevuestrahe 13, 8. Juni 63. Ew. E ittellenz («■itbe;ch hierbei ergebest als eine, wenn auch nur scherzhafte Fort- iehung unserer neulichen Unterredung die Berfaslunq meines Reichs,'» um die Sie mich vüelleirbt beneiden dürften! Aber es wird Ihnen aus diesem Miniaturgemäide deutlich die Ueberzeugung her- vorgehen, wie wahr es ist. daß sich der Arbciterstand instin ttmäßig zur Diktatur geneigt fühlt, wenn er erst mit Recht überzeugt sein kann, daß dieselbe in seinem Interesse ausgeübt wird, und wie sehr er daber, wie ich Ihnen schon neulich sagte, geneigt sein würde, trotz aller republikanischen Gesinnungen— oder vielmehr gerade auf. Grund dersel''"»— in der Krone den notürlichen Träger der sozialen Diktatur, im Gegensetz zu dem Egoismus der bürgerlichen Gesell- Dem Brief lag das Statut des Allgemeinen Deutschen Ar- beiteroereins bei. | schaft, zu sehen, wenn di« Krone ihrerseits sich jemals zu dem— freilich sehr unwahrscheinlichen— Schritt entschließen könnte, eine wahrhaft revolutionäre und nationale Richtung einzuschlagen und sich aus einem Königtum der bevorrechteten Stände in ein soziales und revolutionäres Bolkstönigtum umzuwandeln! Der Zweck des Gegenwärtigen ist anzufragen, ob Ew. Excellenz Zeit gefunden hoben, Sich der Durchlesung der Ihnen übersandten Rede:„Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen" zu unterziehen. Die Ansichtsdifferenz, welche mir Ew. Excellenz neulich über die Wirkung der indirekten Steuern auf die Lage d«r ärmeren Volks- klasien ausdrückten, wollte ich der Ausführlichkeit wegen, welche gerade bei diesem Gegenstande zu einer gründlicheren Behandlung erforderlich ist, nicht mündlich zu widerlegen suchen. Ich zog vor, mich hierin auf die überzeugende Wirkung dieser Abhandlung zu verlosten. Haben Sie von derselben Kenntnis genommen, so werden Si« entweder bereits meiner Ansicht sein, oder aber es wird nun- mehr leicht möglich sein, auf Grund dieser faktischen Unterlage eine Uebereinstimmung der Ansicht herbeizuführen. Damit wäre etwas überaus Wesentliches gewonnen! Sie würden dann mit mir überzeugt sein, eine wie erheblick)« Berbesterung in der Lage der ärmeren Klassen schon eine Abolition von zunächst 8— W Millionen indirekter Steuern herbeiführen würde. Ueberdies brauchten dieselben nicht einmal durch die direkten Steuern— so vorteilhaft dies immerhin noch wäre— ausgeglichen zu werden, sondern könnten schon durch die neulich von mir ange- deuteten Maßregeln, obwohl diese ja selbst nur exemplisikatorische Proben eines größeren und zusammenhängenden Ensembles von Maßregeln waren, überreichlich ersetzt werden. Die Ueberzeugung Ew. Excellenz in dieser Hinsicht festzustellen, halte ich für so wesentlich und von so furchtbaren Folgen nach allen Seiten hin, daß ich, zumal ich Mitte des Monats auf drei Monate verreise, bereit bin, mich zu einer zweiten Unterredung bei Ew. Excellenz einzufinden, falls Sie mir den Tag bestimmen. Wenn ich letzthin Ew. Excellenz die Ansicht aussprach, daß eine zweite Unterredung unter den gegenwärtigen Umständen nutzlos bleiben müßte, so bin ich jetzt um so mehr hierzu erbötig, als die letzten Maßregeln,') die inzwischen getroffen worden, sehr verhäng- nisvoller Natur in ibren, wenn auch freilich nicht unmittelbaren Folgen sind. Dies« Maßregeln liegen nach meiner Ansicht genau ebensowenig im Interesse der Monarchie, wie im Interesse der Fort- schrittspartei, sondern wenn irgendwem, so dienen sie lediglich und allein, wie ich offen konstatieren muh, der speziellen Partei, der ich selbst angehöre, der revolutionären Partei! Um so selbstloser und aufrichtiger ist es von mir, wenn ich Ew. Excellenz sog«: Ist es wirklich Are Absicht, wie Ew. Excellenz äußerten, die Krone eines Tages zu jener Umkehr, zur Proklomierung des allgemeinen Wahlrechts und zur Alliance mit dem Volke zu be- wegen, so kann ein Fortschreiten auf dieser Bahn nur dazu dienen, Ihnen die Erreichung Ihrer eigenen Absichten unmöglich und jede Alliance zwischen Krone und Volk schlechthin unausführbar zu machen! Es wird«ine Mißstimmung erzeugt, die zuletzt selbst beim mrfnchtigstert"' Willen der Kr me'jede Alliance mit dem Volke aus. schließt. Freistch würde gerade das zu einem endlichen Siege der von mir vertretenen Ideen führen, aber nicht mehr auf jenem friedlichen und für die gesamt« Gesellschaft wohltätigen Weg, den mir Ew. Excellenz neulich in Aussicht stellten. Ein Feind, aber ein offener und ehrlicher Feind des bestehenden Systems fühle ich mich, da Ew. Excellenz einmal meine Ansichten zu hören gewünscht haben, in meiner Loyalität genötigt, dies offen aus- zusprechen und bin bereit zu mündlicher, näherer Begründung. Schließlich die Bemerkung, daß über die Tatsache unserer neu- lichen Unterredung sich irgend etwas irgendwoher ebruitirt zu haben scheint. So wenig meine Handlungen die volle Oeffentlichkeit zu scheuen hoben, so kann doch gerade durch eine halbe Oeffentlichkeit ein entstellender Schein erregt werden, und ich erlaube mir daher Ew. Excellenz hiervon in Kenntnis zu setzen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ew. Excellenz ergebenster F. Lastalle. Bismarck an Lassatte. Berlin, 23. Oktober 1863. Ew. Wohlgeboren werden mich sehr verbinden, wenn Sie mich morgen mittag um 12, oder, wenn es um diese Stunde nicht tunlich ist, morgen abend um 8 Uhr mit Ihrem Besuch beehren. Mst vorzüglicher Hochachtung Ew. Wohlgeboren ergebenster o. Bismarck. Lassalle an Bismarck. Berlin, 19. November 1863. Excellenz! Aus sicherer Quelle erfahre ich soeben, daß der Staatsanwalt von Schelling nichts geringeres beabsichtigt, als mir wegen meiucr Ihnen bekannten Rede:„Die Feste, die Presse»nd der Fronkfurtcr Abgcordnetentog" einen Hochnerratsproze fr') zu machen und meine Verhaftung zu beantragen. Was ich in jener Rede gegen die Verfassung sage, soll nämlich nach ihm die Absicht eines Umsturzes derselben darstellen und meine gesamte Agitation soll den Tatbestand dazu bilden. Alle Prozesse, die mir Herr von Schelling machen mag, welcher sich rastlos dafür an mir zu rächen stich«, daß ich ihn neben seinen Vater gestellt und dadurch getötet habe, sind mir unaussprechlich gleichgültig. Dagegen ist es mir keineswegs einerlei, im Laufe der Unter- suchung ne r h o f t e t zu sein. Einmal vcrhojlet, weiß ich hinreichend aus Erfahrung, wie lange es dauert, bis man sich den Händen der Justiz wieder entwindet. Und meine Zeit ist zu kostbar und olle Interessen, die ich vertrete, würden einen zu tödl-chen Schlag er- leiden, um auf viclc Monat« ins Gefängnis zu gehen, lediglich Herrn 1 Die Presteardanvanz vom 1. Juni, di« die Berwalümgsbe- Hörden berechtjote, Zeitungen nach'weimaliger Verwarnung zu unterdrücken, ferner da? Verbat an die Stadtvernrdnetenversawm- luvgen vom 6. Juni, politische Beratungen zu pflegen. ') Was gesperrt gedruckt, wurde,. hat.Lastalle unterstrichen. von Schelling zu gefallen, der, nachdem ich die beiden, Freiheit?- strafen verhängenden Urteile in den höheren Instanzen zur Auf- Hebung gebracht habe, nun auf dem bequemeren Wege der Vor- Haft seinen persönlichen Zorn an mir befriedigen will. Ein ernster und strenger Befehl des Iustizministers würde natür- lich diesen Verhastungsgelüsten des Staatsanwaltes ein End« machen. Ich bringe daher die Sache hierdurch zur Kenntnis Ew. Excellenz. Wollen Ew. Excellenz in derselben etwas tun, so bemerke ich, daß keine Stunde Zeit zu verlieren ist. Ruhe werde ich übrigens in Berlin nicht bekommen, bis 5)err von Schelling versetzt ist.') Mit vorzüglicher Hochachtung F. Lastalle. Lassatte an Bismarck. Berlin, Potsdamer Str. 13, 9. Januar 1864. Excellenz! Gerüchte von einer unmittelbar bevorstehenden Auslösung des Abgeordnetenhauses und gleichzeitiger Octroyierung des allgemeinen und direkten Wahlrechts zirkulieren. Sollten diese Gerüchte irgend begründet sein, so würde ich dringend wünschen müssen. Ew. Excellenz jedenfalls vor Publi- kation des Wahlgesetzes und selbst vor Feststellung seines Textes zu sprechen. Sehr wesentliche Gründe bestimmen mich dazu und würde ich dann Ew. Excellenz bitten, im gedachten Falle mich von der Ihnen zur Unterredung bequemsten Stunde benachrichtigen zu n-ollen. D» Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Excellenz ergebenster F. Lassalle. Lassatte an Bismarck. (ohne Datum) (Berlin, Ende Januar 1864 oder Ansang Februar,) Excelleuz! Die heutige Unterredung, die ich wirklich, weil ich Sie zu be- schästigt loh, nicht fortsetzen wollte, nötigt mich, auf die Gefahr hin phantastisch zu erscheinen, nochmals zu einer aus der Tiefe meiner Seele ertönenden Warnung, auf die Sic den Wert legen werden, die sie Ihnen zu verdienen scheinen wird. Sie müssen das all- gemeine und direkte Wahlrecht vor dem Krieg geben, denn sie können es weder während desselben noch n a ch demselben geben. Nicht während desselben, denn dann würde es, wie Sie stlbit sagen, nur als ein Zeichen der Schwäche erscheinen, und mim würde es statt Ihnen zu danken nur in eine Position gegen Sie»er- wandeln. Nicht nach dem Kriege, und von den hundert Gründen hiersür will ich nur einen einzigen anführen. Warum können Sie im Frieden alles, was Sie wollen? Warum gestand ich Ihnen schon im vorigen Mai z», daß, so lange kein auswärtiger Konflikt- eintrete, unser Land sich selbst den ärgsten Absolutismus ruhig gefallen lasten werde? Warum sagte ich Ihnen, daß er mit dem ersten Krieg zu- sammenbrechen werde? Im Frieden waltet das Interesse des Privatlebens din6>- aus vor und bringt die Volksstimmung zum Indifserentismus, möch- ten die Zustände sein wie sie wollen. Di« ganz entgegengesetzte Stimmung tritt mit jedem Krieg von einiger Dauer und einigen Umrissen ein. Eine ganz anders aufgeregte Atmosphäre erzeugt sich, und das Pathos des öffentlichen Lebens wird jetzt ebenso herrschend wie im Frieden das des Privatlebens. Diese öffentliche Stimmung des Volkes, die dann eintritt, darf durchaus nicht verwechselt werden mit der öffentlichen Meinung" der Zeitungen. M i r erscheint es mehr als gewagt, diese Stimmung eintreten lassen zu wollen, solange Sie zum Lande Ihre gegenwärtige negative Stellung einnehmen. Sie werden nach dem Kriege das Wahlrecht nicht mehr geben können, denn schon während des Krieges werden, wenn er zu einem Krieg von einiger Dauer und einigen Umrissen wird— und es ist niemand gegeben dies zu verhüten— Emeuten und Insurrektionen ausbrechen. Angenommen und zupe- geben selbst, Sie besiegen diese mit militärischer Gewalt— so ist, sowie von neuem Bürgerblut geflossen ist, die ganze Entwicklung der Dinge geändert und die von Ihnen gewollte zur Unmöglich- k e i t geworden. Bon beiden Seiten. Von seiten des Königs, der dann entweder in Ihrer Person die Ursache des geslostenen Blutes sähe und Sie fallen ließe, oder aber, wenn dies nicht eintritt, nicht mehr zu bewegen wäre, sich dem allgemeinen Wahlrecht anzu- vertrauen. Von seiten des Volkes in noch höherem Grade. Denn ist erst von neuem Bürgerblut geflossen, so ist durch das Volks- g e f ü h 1 jede Verbindung mit Ihrer Regierung und mit dem König. tum überhaupt zur Unmöglichkeit geworden und die Geschichte wird ihren vielleicht nicht gar raschen aber verhängnisvollen Verlauf nehmen. Diese Insurrektlanen. Ich wiederhole es, werden kommen, dieses Bürgerblut wird fließen, wenn wir einen Krieg von nur einiger Dauer»nd nur einigen Umrissen bekommen, solange noch die aeaenwärtige Antipatbic gegen die Regierung im Volk besteht. Die Dinge werden dann ihren düster» vorher bestimmten Lauf nehmen— und öap einzige Phcintncma, dessen ich mich vielleicht schuldig fühle» ist. gewünscht imd versucht zu haben, diesen traurigen Verlauf abzuwenden. Mehr kann ich nicht sagen, aber Ew. Excellenz werden das hier Vorhergesagte zu meiner sehr traurigen Befriedigung eintreten sehen. Man bestellt sein Haus, c b c man in den Krieg zieht. Ew. Erceltenz werden da? allgemeine und direkte Wahlrecht vor dem Kriege ortranieren oder nie mehr! Auf diese Versiche- rung glaube ich die ganze Ebre meines gcschichtlichen Blickes, aus den ich bisher einigermaßen stolz zu sein Gnnid hatte, setzen zu dürfen. Oi'xi et salwi snimam meam. Mit norzüglicher Hochachtung Pnr Exccllenz ergebenster F. Lassalle. ') Schelling wurde bald darauf als Appellationsgerichtspräsident nach Glogau versetzt. � � Laffalle an Bismard. Excellenz! Berlin, 5. Februar 1864. Etwas sehr michtiges und diesmal sehr leicht zu ErIedigendes, so daß ich die Zeit Em. Ercellenz, mie überbürdet dieselbe jetzt auch sein mag, auf einen Augenblic in Anfpruch nehmen muß! Binnen 8 bis 10 Tagen erscheint jetzt mein Werk der„ tödliche Bolzen", an dem ich seit vier Monaten Tag und Nacht schärfe be= titelt: Herr Bastiat- Schulze von Delitzsch, der ökonomische Julian, cder Kapital und Arbeit." Es wäre mir penibel von Ew. Excellenz in den Verdacht der Autoreneitelkeit genommen zu werden! Aber ich muß trotzdem Em. Excellenz sagen, daß dies Werk die gründlichste Bernichtung der Fortschrittspartei und des ganzen liberalen Bürgertums- denn mit diesen beiden, nicht mit der Person des nur als Typus in Betracht kommenden Herrn Schulze habe ich es in dem Wert zu tun herbeiführen wird. Es wird eine frenetische Wirkung im Arbeiter stand haben und nicht bloß in diesem, sondern alles, was noch intelligent ist in der Nation gegen die Fortschrittler auf die Beine bringen. Es ist, mit einem Wort, genau das, was als Vorläufer des allgemeinen Wahlrechts nötig ist. definitin der Aufreizung zum Hochperrat eventuell zu Haß I und Berachtung gegen die Fortschrittler(§ 102 St.GB.) ange= flagt bin! Nun, mit diesem Prozeß werde ich mich selbst abfinden, aber menn Excellenz nicht das neue Buch gegen Verfolgung und Beschlagnahme schützen, so sehe ich entschieden Gewehr bei Fuß und lasse die Dinge gehen, wie sie Lust haben. Laffalle an Bitelmann.*) Geehrter Herr! gom D D. Berlin, 9. Februar 1864. Um Ihrem Wunsche entgegen zu kommen, sende ich Ihnen die ersten fünf Aushängebogen das Bormort fehlt noch die ich soeben bekommen. Bogen vierzehn ist schon gesetzt, gebrudt sind aber erst diese fünf. Dieser Tage werden, während das Werf, ( das) fiebzehn Bogen beträgt, gleichzeitig zu Ende gefeßt wird, die anderen Bogen alle auf einmal abgezogen. Sie werden somit wahrscheinlich fast alle anderen auf einmal erhalten. Da also dann nur noch drei Tage etwa zwischen der Uebersendung der Aushängebogen an Sie und der buchhändlerischen Emittierung verfließen werden, so ist es jedenfalls sehr vorteilhaft, wenn Sie diese fünf Bogen gleich jetzt zuvor lesen. So wenig es auch darauf anfäme, da die durch die Presse verübten Bergehen politische sind und ihre Berfolgung oder Nichtverfolgung also vor allem politische Frage ist, widrigenfalls auch das Anklagemoncpol der Regierung gar feinen Sinn hätte, so werden Sie doch schon aus diesen ersten fünf Frägt sich also nur, ob nicht die hiesige Staatsanwaltschaft Bogen den rein wissenschaftlichen Charakter des Werkes hinreichend mieder, wie bei meiner rheinischen Rede und bei meiner Ansprache ersehen. Tragweite, Bedeutung und Wirkung desselben wird sich an die Arbeiter Berlins", darin Aufreizung zu Haß und Verachtung Ihnen freilich erst aus dem Verfolg ergeben können. Denn ich bin gegen Staatsangehörige etc. etc. sehen und eine Beschlagnahme verfchrittweise und terraffenförmig zu Werke gegangen, um der Wir anlaffen wird. Grund dazu ist zwar nicht im geringsten vorhanden, tung um so sicherer zu sein. es ist ein durchaus wissenschaftliches Werk und ich habe die schwersten Felsblöcke der Wissenschaft herbeigerollt, um unseren Gegner zu zerschmettern. Zugleich bin ich in der Lage, abgesehen von dem Aufsehen und der Berbreitung, welche das Buch fich selber schaffen wird, durch ein einfaches Restript seine Vorlesung in allen Arbeiterversammlungen Deutschlands anordnen zu können. Aber bei Gott und der preußischen Staatsanwaltschaft ist nichts unmöglich, zumal der Lector auf dem hiesigen Zentralbureau, Herr Friedländer, ein leidenschaftlicher Fortschrittler ift. Hier kann nun der Juſtizminiſter auf die leichtefte und einfachste Beise Schuß gewähren. Was verfolgt wird, hängt lediglich vom Staatsanwalt und dieser vom Justizminister ab. Derselbe muß also dem Staatsanwalt von Berlin im voraus einschärfen, daß keinesfalls gegen das Buch eingeschritten wird. Ein Prozeß wäre mir fehr gleichgültig, aber eine Beschlagnahme dieses Buches wäre Sie werden dies später selbst finden ein nie wieder gut zu machendes Unglüd. Der Justizminister muß den Staatsanwalt zum voraus instruieren, denn ist erst eine Beschlagnahme erfolgt und bis an die Ratstammer gebracht, so liegt es dann nicht mehr in den Händen der Staatsanwaltschaft und des Ministers! Darum schreibe ich bei Zeiten. Ich brauche nur Sicherung gegen den Staatsanwalt von Berlin, wo das Werk erscheint. Denn ich habe es bei Gelegen heit meines Königsberger Prozesses neulich durchgesezt, daß die Tribunale der Orte, wo das Wert nicht erschienen, nicht tompetent find. Bitte also dem Justizminister zu sprechen, der, hierbei Be horsam nicht weigern fann, da es in legter Instanz lediglich eine politische Frage ist, ob das Buch verfolgt werden soll oder nicht. Ich freue mich auf den Augenblick, wo ich es in die Hände Ew. Excellenz legen fann! Herrn Braß³) werde ich beim Erscheinen des Werkes ersuchen, das Nachwort desselben(„ Eine melancholische Meditation"), somie andere Auszüge daraus in seinem Blatte abzudruden. Beiläufig muß ich. um vollste Diskretion bittend Em. Excellenz vor den Intriguen des Hausministers von Schleiniz) dringend warnen! Mündlich mehr! Das Wachstum meiner Richtung im Bublifum steigt erstaunlich, in der Rheinproving in den tollossalsten Umrissen! Aber es ist eben fo erstaunlich, wieviel mir die Leute Em. Excellenz zu schaffen machen! Hier hat die Polizei den Wirt des Vereins so eingeschüchtert, daß er trotz des Kontrattes das Lotal weigert! In Barmen, Rons dorf etc. schleppt sie meine Bevollmächtigten vor das Strafgericht. Bolizei und Staatsanwälte tun alles mögliche, um den Arbeiterstand, so wenig Lust er dazu hat, gemaltsam gegen die Regierung zu erbittern! Das Telegraphengefeß harrt der Besprechung mit Excellenz, sobald Sie Zeit haben. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Excellenz ergebenster F. Lassalle. P. S. Goeben läuft die Anzeige des Oberstaatsanwaltes bei mir ein, daß ich wegen der Ansprache an die Arbeiter Berlins" 5) Dies geschah. Der einstige Revolutionär August Braß war der Hauptredakteur der offiziösen„ Norddeutschen Allgemeinen Beitung". *) Bismard sah in dem ehemaligen Minister des Auswärtigen, seinem früheren Vorgesezten, ein„ Geschöpf" der ihm selbst feindlich gefinnten Königin Augusta, einem von ihr abhängigen Höfling ohne eigene politische Ueberzeugung". Aber trotz des rein wissenschaftlichen Charakters würde nichts das Wert denn alle oder fast alle Polizisten, Staatsanwälte und Richter find, oft sich selber unbewußt, leidenschaftliche Fortschrittler und das Werk löst in seinem Verlauf den ganzen Fortschrittsstandpunkt ex fundamento auf und zerbricht von innen heraus die Macht, welche diese Leute noch über viele Volkskreise haben- so würde, ſage ich, nichts das Wert gegen Beschlagnahme sichern, wenn es nicht ein positiver Befehl des Justizministers an den Staatsanwalt ist, unter keinen Umständen zu einer Verfolgung zu schreiten. Herr von B( ismard) stellte mir, als wir im Oktober über die Beschlagnahme der Rheinischen Rede sprachen, sogar ein 3irkular an die Staatsanwälte der Monarchie zu Gebot, meine Schriften unnerfolgt zu laffen, falls ich nicht fände, daß mir dies denn natürlich würden davon Gerüchte ins Bublifum dringen in der Deffentlichkeit Schaden tun könne. Ich lehnte dies ab und bin auch jetzt nur einer mündlichen Einschärfung an den hiesigen Staatsanwalt bedürftig. Und zu dieser kann sich der Justizminister noch viel leichter verstehen, als zu dem mir von Herrn von B( ismard) offerierten Zirkular. Ich wiederhole also, daß ich diesmal auf die begehrte pofitive Ordre des Justizministers an den hiesigen Staatsanwalt bestehen muß. Ueberbies wird Ihnen der ganze Verlauf des Buches zeigen, daß Herr von B( ismard) dabei seinerseits eben so viel gewinnt wie meine Partei ihrerseits. Mit besonderer Hochachtung. Robert von Kendell an Laffalle. Berlin, 20. Februar 1864. Wilhelmstr. 74 Der Herr Ministerpräsident beauftragt mich, Em. Hochwohl geboren für die Uebersendung Ihres neuesten Wertes zu danken, und zugleich mitzuteilen, daß er zu seinem Bedauern außer zu seinem Bedauern außer Stande sei, Sie in den nächsten Tagen persönlich zu empfangen, auch irgend einen Termin nicht bestimmen fönne, da unabweisliche Geschäfte massenhafter als jemals herandrängen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Reudell, Regierungsrat. Lassalle an Bismard. Ercellenz! Ohne Datum. ( Berlin, nach 20. Februar 1864.) Da die Zeit zu mündlicher Unterredung fehlt, so wird es wenig stens nüßlich sein, die beiden Hauptpunkte zu bezeichnen, welche den Gegenstand derselben gebildet haben würden. Es ist natürlich, daß die auswärtige Politik gegenwärtig von ganz überwiegender Wichtigkeit ist. Wenn Em. Excellenz, wie és scheint, an dem Programm einer Allianz mit Desterreich gegenwärtig festhalten, so ließe sich auch eine solche höchst gesunde und nationale vollkommen denken. Es fömmt mir auf die Basen an, welche dieser Allianz zu Grunde gelegt werden. Es ließe sich sogar eine Allianz mit Defterreich denten, welche im höchsten Grade welthistorisch und national wäre. Zu dieser aber Desterreich gegenwärtig zu bewegen, ist noch völlig undenkbar und somit ist es auch, wenn sie auch vielleicht einst das notwendige Programm der Zukunft sein wird, überflüssig von ihr zu sprechen. Es ließe sich aber auch eine andere Alliars mit Desterreich denken, welche schon jetzt möglich und, ohne die Größe der vorigen zu haben, immer noch immer eminent national wäre. Eine Allianz, welche, zumal sowie Napoleon eine uns feindliche Politik einschlägt, Deutschland die volltommenste Ulleberlegenheit gegen ihn sichern und die Nation hinreißen würde. Es läßt sich aber auch drittens eine Allianz mit Desterreich denken, die uns leicht eine völlig conterrevolutionäre Stellung und Napoleon gewonnenes Spiel geben würde, eine Allianz, welche die größten Ratastrophen für uns im Gefolge haben könnte! Alles hängt also von den Basen der Allianz ab. Den letzten Fall zu vermeiden, den zweiten Fall herbeizuführen, die Ansichten Ew. Excellenz über diese beiden verschiedenen Allianzbajen zu hören und die meinige mit Ihnen auszutauschen, war der wichtigste Swed ter gewünschten Unterredung. Der zweite war, mich zu erfundigen, welche Begründung die fursierenden Gerüchte von der Wiedereinberufung der Fortschrittler haben. Dieselbe mürde der Nation nur den Eindruck einer namenlosen Schwäche machen können, und auf jeden Anspruch auf eine imposante Haltung müßte die Regierung dann verzichten. Ich kann übrigens nicht umhin, mein Befremden auszudrücken, daß ich von der Hand eines mir völlig fremden Regierungsrates eine Antwort erhalten habe. Meine Uebersendung des Berts mar eine persönliche, nicht offizielle, und die Benachrichtigung, daß Em. Excellenz feine Zeit haben, hätte mir durch zwei Worte oder Herrn Regierungsrat 3itelmann zufommen können, den ich, feit ihn Em. Excellenz zuerst mir schickte, als aushelfendes Organ Em. Ercellenz afzeptiert habe. Selbstredend daß ich, ehe ich Ercellenz wieder incommodiere, die Initiative derselben abwarte. Das Urteil von Engels und Marg. In der Einleitung zu dem Briefwechsel zwischen Bismarc und Lassalle zitiert Gustav Mayer zwei Urteile von Engels und Marx über Lassalle, die nach den in ihrem Nachlaz auf dem Archiv der Sozialdemokratischen Partei in Berlin schrieb Engels an Mary: ruhenden Originalen wiedergeben sind. Am 27. Januar 1865 ,, Der brave Lassalle entpuppt sich nach und nach doch als ein ganz fommuner Schuft. Subjektiv mag feine Eitelfeit ihm die Sache plausibel vorgestellt haben, objektiv mar es eine Schufteret, ein Berrat der ganzen Arbeiterbewegung an die Preußen. Dabei scheint der dumme Ged fich von Bismard aber auch gar feine Gegenleistung, gar nichts bestimmtes, gefchweige Garantien ausbedungen zu haben, fich bloß darauf verlassen zu haben, er müsse den Bismarc ., gerade, wie es ihm nicht fehlen fonnte, den besche Radowitz toizuschießen. Ganz Baron Izig..." Nicht milder urteilte Marr in seiner Antwort vom 30. Januar, indem er schrieb, Laffalle habe die Arbeiterpartei an Bismard verhandeln wollen, um sich als Richelieu des Proletariats" befannt zu machen. Die erste jiddische Arbeiterzeitung. Bisher nahm man allgemein an, daß die ersten sozialistischen Zeitungen in jiddischer Sprache um die Mitte der 80er Jahre in London erschienen jeien, und zwar der" Pirilischer Jide!"( 1884) und der„ Arbeterfraind"( 1885). 1886 erschienen in New York die gleichfalls sozialistisch orientierten Die naje 3ait" und die„ New Yorker jiddische Volkszeitung". Als erste jiddische Arbeiterzeitungen in Rußland galten die handschriftlich vervielfältigte Rajs fun Rusland" und die illegal gedruckte Arbeiterstimme"; beide erschienen in Wilna 1896/97. Runmehr entdeckte man in russischen Staatsarchiven eine jiddische Arbeiterzeitung, die früheren Datums ist, als die oben erwähnten. Es handelt sich um die Arbeiterzeitung", die illegal bereits 1881 in Petersburg herausgegeben wurde; sie war im Gegensatz zu den Londoner und New Yorker Blättern, die einem religiös gefärbten Sozialismus huldigten, ein Organ des revolutionären Klaffenkampfes und gibt interessanten Aufschluß über die Beziehungen der damaligen jüdischen Revolutionäre zu der Gruppe Narodnaja Wolja", der Vorläuferin der russischen sozialistischen Bewegung. Die Artikel in dem Blatt stammen zum Teil von dem bekannten russischen Revolutionär Sheljabow, dessen Attentat Alexander II. zum Opfer fiel. Die Einweihung der neuen Löwener Universitätsbibliothek erfolgte am Mittwoch unter einem starken Aufgebot von Militär und Gendarmerie. Die Brüftung mit der anstößigen deutschfeindlichen Inschrift ist verschwunden und durch eine andere, vom Universitätsprofessor Laduze bestellte, die feinerlei Inshrift trägt, ersetzt worden. Die Zeremonien waren recht pomphait. Rektor *) Bitelmann war Regierungsrat beim preußishen Minste: Laduze wurde mit lautem und nachhaltigem Beifall begrüßt. präsidenten. Zwischenfälle waren nicht zu verzeichnen. Größte Eile geboten!!! Wegen vollständiger Aufgabe des seit 40 Jahren bestehenden Detailgeschäftes Mohrenstr. 37 a Totaler Ausverkauf!!! Es kommen nur la Qualitätswaren zum Verkauf! In allen Abteilungen Passendes für stärkste Figuren! Ia Pelzmäntel Sealplüschmäntel auch für stärkste Figuren bekannte Qualitäten früher bis 79.118.195.selt 40 Jahren Ausverkaufspreis 49. 59. 95.135, Wintermäntel früher bis 29.65.. 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