Morgenausgabe Nr. 317,_„, A162-�hrgang «SchentNch 86 Pfg� mo«aMch 8.605)1 «m oorou« zahlbar. Vostbezag<82 SR. einschl. Bestellgeld. Auslandeabonne» ment 6,— M. pro Monat. * Der �Vorwärts" erjchewt wochentSg» lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mil dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und.Kindersreund". Ferner .Unterhaltung und Wisien".Frauen» stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend'Vonverts". f- f. Berliner Solksblatt Sonnabend ?. Zuli 1S28 Groß-Äerlin 1V PI Auswärts 15 pf. SU ein paitige Jlonporetntjelle 80 WtBiig. SeHameatll» 5.— Reichs» nwrt..Kleine«n, eigen" da, lettge» aneckt» War, 2» Pfenmg lzuidssig zw-- 'eNaedruckte Worte), ledes weitere Watt Iii BI-nnw, Stellengeluche da» erste Wart 18 Pi-nnig. �ede- weitere Won 10 Pfennig. Worte über 18 Buchstoden zählen für zwei WoNe. Arbeitsmarli Keil««0 Pfennig. Familienanzeigen für Atonnenten Zeiie<0 Pfennig. Anzeigen- annähme im chauptgefchaft Linden- raheO. wachentägl. 00N ff1/; bis 17-Ihr. '« Jenieawvsan der SozialdemokraMwen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhost 2SL— LS? Teiegramm-Abr.: Eoztoldewokrai Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. PostschetNonto: Berlin»7 SS«.- BankkoMo: Bank der«rbetter,«ngestellten und Beamten Wallstr.«. Dtätomo-Desellschaft. Depositeiltasse Lindenstr. S AutobusungW am Lößowfer. Gegen einen Baum gefahren.— 14 Verletzte. Am Lützowufer ereignete sich gester« abend gegen IS Uhr ein schweres Verkehrsunglück. Ei« »ollbesetzter Autobus der Linie 10 suhr in vollem Tempo über de« Bürgersteig und raste gegen «inen starken Baum. Der Autobus wurde schwer beschä- digt. und 14 Fahrgäste erlitten mehr oder minder schwere Bcrletzungen. Das Rettungöamt sorgte sür den Abtransport der Berletzten» während die zu Hilse ge» rufene Feuerwehr die Ausräumnngsarbeiten vornahm. Der Autobus, der vom Lützowplatz kam, fuhr am Lützowufer in Richtung Potsdamer Brücke entlang. Etwa 1S0 Meter vor der Haltestelle Lützowufer geriet der Autobus infolge de» sehr schlüpfrigen Pflasters plötzlich derart in �Schleudern. dah der Führer jede Gewalt über seinen Wagen ver- l o r. Immerhin gelang es ihm, das Steuer nach der Häuserseite herumzureißen. Hierbei geriet der Autobus jedoch auf den Bürger- steig und prallte mit ungeheurer Wucht gegen einen Baum. Der Kühler wurde vollständig«ingedrückt und sämt- liche Fensterscheiben zertrümmert. Die Fahrgäste des Autobus wurden von ihren Sitzen geschleudert und erlitten zum Teil erheblich« Bcrletzungen. Als ein besonderer Glücksumstand ist es zu bezeichnen, dah der Wagen nicht umstürzt«. Bon allen Seiten eilte sofort Hilfe herbei und in kurzer Zeit konnten sämtliche Fahrgäste aus dem stark demolierten Wagen geborgen roerden. Die Mehrzahl der Verunglückten, d!« Kopf», Bein-, Arm- und Rückenverletzungen erlitten hatten, konnten, nachdem sie in einer Privatklinik verbunden worden waren, alsbald wieder «ntloi'-n weiden. Der Straßenabschniit am Lützowufer. in dem sich das Unglück ereignete, war einige Zeit für den Verkehr gesperrt. Artikel 4S. Die Frage der Aussuhrungsbestimmungen wi»d überprüft. Der Reichzinnenminister Hot den Sachbearbeiter sür Ber- fassungssragen im Reichsinnenministerium, Ministerialrat Dr. Kaisenberg, beauftragt, eine Zusammenstellung über die bis- herigen Ergebnisse der Beratungen mit den Ländern über die Aussührungsbestimmungen zum Artikel 48 vor- zunehmen. Es soll festgestellt werden, ob und inwieweit eine Be- schleunigung der unter der letzten Regierung sehr dilatorisch be- handelten Frage möglich ist. Achtstundeniag und Minderheiienschutz. Kundgebungen der Völterbundliga. Haag. 6. Juli(Eigenbericht). Der Kongreß der Völterbundsgesellschasten schloß heute seine fünftägigen Beratungen mit einer Entschließung über den Acht- st u n d e n t a g ab. Er begrüßt mit Genugtuung die Ratifizierung der Washingtoner Konvention durch Frankreich und stellt fest, daß die Durchführung dieser Ratifizierung von der Ratifikation durch andere Staaten abhängt. Er bedauert, daß die R e v i s i o n s- bestrebungen den internationalen Achtstundentag und das ganze Werk des internationalen Arbeitsamtes gefährden. Der englisch, Gewerkschaftsführer E l v i n wies als Berichterstatter auf die Zusage der Negierung 5)ennann Müller hin, das Achtstundenabkommen bald zu ratifizieren und begrüßte die Aussichten, die sich dadurch für die Ausdehnung des Achtstundentages auf die ganze Welt ergeben. E» unterliegt keinem Zweifel, daß die schnelle Ratifizierung dieses Abkommens durch die deutsche Re- gierung geeignet ist, die Gefahren der englischen Revisions- Politik zu beseitigen. Zur Abrüstung, zum Kellogg-Pakt und zogen den Gaskrieg nahm der Kongreß einstimmig Entschließungen an— nur der Italiener G i a n n i n i stimmte dagegen. Ebenso«inigte sich der ganz« Kongreß, sowohl die Staatsvölker, wie die Minderheitsnationen auf die Forderung nach Einsetzung einer ständigen Minderheitenkom- misston beim Völkerbund, auf ein« Völkerbundsunterluchung des gesamten Minderheitenproblems und nach Ausdehnung de» Minderheitenschutzes auf alle Staaten. Auch hier isolierte sich der Faschist, indem er Einspruch erhob und erklärte, daß Italien sein« bisherig« Minderheitenpolitik weiter- führen werde! Der Kongreß nahm schließlich noch ein« Resolution an, daß das Bölkerbundssekretariat, unabhängig von den Regierun- gen. seine Beamten selbst wählen soll. Diese Entschließung ist gegen das Bestreben der italienischen und der spanischen Regierung gerichlet, wichtige Posten im Völkerbundssekretariat mit Faschisten und Halb- fvschisten zu besetzen. Der mit gastfreundschastlichen Veranstaltungen etwas überlastete Kongreß ging mit einem Bankett in Amsterdam zu Ende, nach- dem die Teilnehmer noch einen starken Eindruck von den in den letzten fünf Jahren für 120000 Menschen gebauten Wohnungen in neuer Architektur gewonnen hatten. Elf Todesurteile— keine Gründe! Eine unmögliche Ltrteilsbegründung. Moskau, 6. Juli(WTB.). In der Begründung des Urteils im Schachty-Prozeß wer- den zunächst die Entwicklungsetappen der gegenrevolutio- nären Organisation im Donez-Becken, die sich im Jahre 1924 aus den ursprünglich getrennten Gruppen der früheren Angestellten und der ehemaligen Grubenbesitzer gebildet haben soll, angeführt. Diese Organisation sei von Part» au» sowohl von der sogenannten„Vereinigung ehemaliger Bergindu- strieller Südruhlands� wie auch von der.Polnischen Vereinigung ehemaliger Grubenbesitzer des Donez-Beckens" unser Führung Dworschantschiks geleitet worden. Die Pariser Zentrale habe nicht allein AuskünsteüberdieArbeitenunddieZu stände in den Bergwerken eingezogen, sondern sie Hab« auch die Sch ädigungsarbeit bei der Kohlensörderung, bei der Durch- sührung der Einsuhrgeschäste und bei ähnlichen Vorgängen geleitet. Während der Beratung im Jahr« 1926 hätte sich die Pariser Zen- tral« das Ziel gesetzt,«inen Bruch zwischen der Sowjetunion und Frankreich herbeizuführen und hätte die Fragen der Vorbereitung eines Krieges der Intervention in Rußland, der Schädi- gungsarbeit usw. erörtert. Eine analoge Rolle hätte die pol- nische Vereinigung gespielt, die ihre Verbindung mit der Schädi- gungsorganisation nicht allein durch einzeln« Angestellte der sow- jetistischen Bergindustrie verwirklichte, sondern auch durch Personen, die bei einigen ausländischen Unternehmungen angestellt gewesen seien. Me Charkower Zentrale habe gemäß den ihr zugegangenen Anweisungen nicht nur die werivollsten Bergwerke den ehemaligen Grubenbesitzern zu erhalten gesucht, sondern sie habe auch die Wirtschaft im Donez-Becken derart zu führen sich bemüht, dah der weg sür die Rückgabe der nationalisierten Unternehmungen, wenn auch nur in Gestalt von Konzessionen angebahnt werde, die für die Kon- Zessionare besonders rentabel sein sollten. Zum Programm der Eharkower Zentrale habe auch die Pro- p a g o n d a gegen die Sowjetunion und für eine Unterstützung der Feinde der Sowjetunion gehört, die im Falle eines Krieges durch die Einstellung der Kohlenförderung, die Zerstörung der Bergwerk« sowie auch durch direkte feindselige Hand- lungen erfolgen sollte..'Es heißt dann weiter, die Beweisauf- nähme habe ergeben, daß die Schädigungsorgänisation auf der einen Seit« von den Vereinigungen ehemaliger Grubenbesitzer sowie gewissen kapitalistischen Kreisen und andererseits von gewissen Institutionen einiger Auslands st aalen finan- ziert worden sei. In den letzten drei Iahren hätte diese Or- ganisation mehrere hunderlkausend Rubel empfangen, wobei die Gelder entweder persönlich von den Mit- gliedern der Organisation bei ihrer Rückkehr von dienstlichen Aus- landsreifen oder mit Unterstützung gewisser ausländischer Instiiu- tionen übermittelt worden seien.(Eine der Finanzquellen seien auch die prozentualen Beiträge für die Bestellungen gewesen, die durch die Mitglieder der Organisation an deutsche Firmen vergeben wurden, wobei der Empfang der Geldmittel aus diesen Quellen in einzelnen Fällen dadurch erleichtert wurde, daß in einigen dieser Firmen leitend« Posten mit russischen E m i g r a n- t«n besetzt waren, die ihrerseits bereit gewesen seien, der Schädi- gungsorganisation allseitig« Unterstützung angedeihen zu lassen. Ferner stellte das Gericht fest, daß Anfang des Jahres 1928 die Charkower und auch die Moskauer Zentral« in Tätigkeit zu treten begannen, die die SchSdigungsclemente in den verschiedenen Trusten und Vottskoimnissariaten vereinigen sollten. In der De- gründung der Anklage gegen Matoff, Bratanowski, Vojarinoff, Krschischanowski, Iussewitsch und Budny wird daraus hingewiesen, daß diese nicht allein die tätigsten Mitglieder der Schädigungs- organifation gewesen seien, sondern auch mit Vertretern einiger omt- licher ausländischer Institutionen in Verbindung gestanden urch ihnen neben Wirtschaftsinformationen auch politische Auskünfte geliefert hätten. Man liest und staunt: man liest ein zweites Mal und glaubt zu träumen: man liest ein drittes Mal und fragt sich: Wie konnte sich das Sowjetgericht, also die Sowjet- Negierung, angesichts eines furchtbaren Bluturteils die Blöße einer so kläglichen, so widerspruchsvollen, so ungeschickten Urteilsbegründung geben I Worin bestand demnach die ganze„Sabotage-Ber- schwörung"? Darin, daß die Angeklagten versucht hätten, die nationalisierten Bergwerke,„zu erhalten", ja sie sogar„besonders rentabel" zu machen, da- mit die ehemaligen Besitzer sie unter möglichst günstigen Bedingungen,„wenn auch nur in der Gestalt von Konzesstonen" zurückerhalten! Bitte schön: so steht es schwarz auf weiß in der Urteils- begründung geschrieben! Wo ist da die Sabotage, wo die Verschwörung, wo das Verbrechen, das mit dem Tode gesühnt werden muß? Die ehemaligen Besitzer erstrebten demnach die Kon- zessionierung ihres ehemaligen Besitzes. Aber das ist doch die ganze„R e p", die. neue„ökonomische Politik« die von Lenin angeordnet wurde, als das Sowjet- Regime aus eigener Kraft wirtschaftlich nicht mehr wester kam! War es nicht das Bestreben der„Nep", die ehe- maligen Besitzer durch das System der Konzessionen wieder zur Mitarbeit an der russischen Volkswirtschaft heran- zuziehen? Die Ingenieure und sonstigen Spezialisten waren nun bemüht, die Betriebe, die durch das bolschewistische System zugrunge gerichtet worden wären,„zu erhalten", ja „besonders rentabel" zu gestalten. Seit wann ist das Sabotage, seit wann liegt darin eine Schädigung der Wirt- schaft? Wäre Sowjet-Rußland damit gedient worden, daß die Betriebe vollständig verkommen und u n rentabel bleiben, so daß sich überhaupt keine Reflektanten auf Konzessionen gemeldet hätten? Das Gericht hat offenbar gemerkt, daß es auf dieser Begründung die eigene Anklage einfach tot- schlägt. Deshalb führt das Urteil ganz plötzlich ein Salto mortale aus. Auf einmal ist nämlich alles wieder anders: Dieselben Angeklagten, denen zum Kapitalverbrechen gemacht wird, daß sie die Gruben e r- halten und besonders rentabel gemacht hätten. die hätten zugleich für den Fall eines Krieges die „Zerstörung der Bergwerke" in Aussicht ge- nommen! Eigenartige Exbesitzer, die gleichzeitig„Hundert- tausende von Rubeln" ausgegeben hoben sollen, um einer- s e i t s ihre Werke möglichst rentabel zu erholten und andererseits, um sie eventuell zerstören zu lassen, und zwar gerade dann zu zerstören, wenn sich ihnen durch den Ausbruch eines Krieges die beste Gelegenheit wieder bieten würde, zu ihrem früheren Besitztum zu gelangen! Beim deutschen Rückzug aus Nordfrankreich im Herbst 1S18 hat die Oberste Heeresleitung in frevelhafter Weise die Gruben zer- stören lassen, damit sie nicht von den wiedereinziehenden Franzosen in Betrieb genommen werden konnten. Nach der Logik des Sowjetgerichts mühten umgekehrt die f r a n z ö s i- s ch e n Besitzer der nordfranzösischen Gruben ein Interesse daran gehabt haben, daß die Deutschen noch schnell vor ihrem Rückzüge die Werke sprengen und ersaufen lassen! Man könnte über diesen phantastischen Unsinn nur herz- lich lachen, wenn nicht im Hintergrunde fünf Menschenleben auf dem Spiele stünden, die sofort vernichtet wer- den sollen, und ein Dutzend weiterer Menschen- leben in Gefahr stünde, durch endlose Haft in russischen Kerkern ebenfalls ruiniert zu werden. Von der Militärspionage zugunsten Polens, die vor Beginn des Prozesses kategorisch von höchsten Sowjet- stellen, insbesondere von R y t o w, behauptet wurde, ist wäh- rend der ganzen Verhandlungen überhauptnichtmehr die Rede gewesen, und auch in der Urteilsbegründung sucht man vergebens nach einem solchen Hinweis. Rur am Schluß steht eine Andeutung über gelieferte Wirtschaftsinformationen und„auch politische Auskünfte" an amtliche aus- ländische Institutionen. Was sind das für„Institutionen", und überhaupt was versteht man in Rußland unter„politi- schen Auskünften"? Ist das etwa ein Delikt, das mit dem Tode bestraft werden muh? Schönes Land! Prachtvoller „Arbeiterstaat"! Nebenbei bemerkt: von den deutschen Firmen« die zunächst beschuldigt wurden, schlechte oder unzweckmäßige Maschinen geliefert zu haben, ist nur noch ganz bei- läufig die Rede: er wird dunkel angedeutet, sie hätten „prozentuale Beiträge für die Bestellun- gen" bezahlt— der Vorwurf der B e st e ch u n g wird also nicht ausgesprochen, sondern nur vorsichtig maschrieben— und dadurch die„Verschwörung" mit finanziert. Da man die deutschen Angeklagten freiges irochen hat, — der„verurteilte" GPU.-Lockspitzel B a d st i c b e r inter- esiiert uns nicht, die Sowjetregierung wird ihn schon für seine Dienste belohnen— konnte und durfte man nich, mehr behaupten. Uebrigens legen mir auf diesen Teil des Urteils und seiner Begründung nur geringen Wert. wir wissen: auch wenn die deutschen Angeklagten schuldig gewesen wären, auch wenn die von Deutschland geileferun Maschinen unbrauchbar gewesen wären, das Sowjet-Tribunal hätte sie doch freigesprochen, um möglichst bald wieder die Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland ausnehmen zu können. Denn bei diesem Urteil war nicht das Recht od.c das Unr-cht, nicht die Schuld oder Unschuld maßgedeud, sondern allein die politische Zweck mäßigtett. Wozu aber überhaupt diese ganze Urteilsbegründung? Für das sowjetrussische Inland? Dieses ist ja sowieso nicht mehr fähig, nach zehnjähriger Abstumpfung durch Aus« Hebung aller demokratischen Freiheiten, sich eine eigene kritische Ansicht zu bilden. Diesem bolschewistischen Publikum kann man ja alles vorsetzen, sogar diese Urteilsbegründung, es wird die darin liegenden Widersprüche doch nickit erkennen, — und selbst wenn es sie erkennen würde, es dürfte sich dpch nicht dazu äußern. Für das Ausland? Nun dann hätte man sich doch die Mühe nehmen sollen, eine weniger un« logisäie, handgreiflich sinnlose Begründung auf zusetzen. Visher besaßen die Sowjet-Leut« in der übrigen Welt wenigstens den Ruf, kluge, fa gerissene Leute zu sein, die ihren Gegnern geistig ebenbürtig, dialektisch oft sogar überlegen seien. Nach diesem Elaborat, durch das die Blut urteile des Schachty-Prozeß begründet werden sollen, bleibt zwar ihr Ruf der Brutalität unbestritten, aber wo ist da noch eine Spur von Intelligenz? Gnadengesuche eingereicht. Moskau, 6. Juli. Die Verteidiger der im Schachty-Prozeß zum Tods ver- urteilten Ingenieure Gorletzki, Jussewitsch, Bojarinow, Budny und Krschischonowsti haben beim Zentoalexekutivtomitce für die Ver urteilten ein Gnadengesuch eingereicht. Wie Wilhelm IL Richter behandelte. Oer Zentrumssührer Spahn wird zum Rapport bestellt. Der nachstehend abgedruckte Brief Wilhelms II. aus den letzten Mcitagen 1906 an den damaligen Justizminister B es ele r, in dem dieser ausgefordert wird, den Zentrums- sührer Spahn wegen einer mißliebigen Rede bei der Beratung des Kolonialetats„zum Rapport zu bestellen", ist in jenen sympathischen und verbindlichen Wendungen ab- gefaßt, deren sich Wilhelm stets zu bedienen pflegte, wenn es sich um„vaterlandslose Gesellen" handelte. In jener Zeit ereignete es sich wiederholt, daß von dem allerhöchsten Herrn auch die Zentnrmsabgeordnetsn neben die vaterlandslosen Sozialdemokraten auf die Schandbank gesetzt wurden, wenn sie, vor allem in Militär- und Kolonialfragen, nicht nach der kaiserlichen Pfeife tanzten. Aus dieser Stimmung heraus ist der nachfolgende Brief geschrieben, in dem Nilhelm den dainalig?» Zentrumsfiihrer Spahn, der eine hohe juristische Stellung bekleidete— er war damals Oberlandes- g e r i ch t s p r ä s I d e n t—. durch einen ministerielle» Hand- Icmg-T vor die Alternative stellen ließ, entweder als Beamter die Regierungsvorlage zu vertreten, oder aber auf sein Amt zu verzichten. Dieser wilhelminische Zvrnesausbruch war die Folge der Ablehnung einer Forderung von 5 Millionen für den Bau einer Eisenbahnlinie in Südwestafrika. die von der Regierung im Hinblick auf den damals noch nicht ganz beendeten Krieg gegen die Hcrcros und Hottentotten als „besonders wichtig und dringend" bezeichnet wurde. Da die „feindliche?lrmee" damals aber nur noch aus ein paar hundert Wilden bestand, der Bahnbau aber nach dem Bor- nuschsag wenigstens zwei Jahre gedauert hätte, so wäre der Krieg längst beendet gewesen, wenn der erste Eisenbahnzug mit den„dringend notwendigen Verstärkungen an Truppen und Kriegsmaterial" durch den afrikanischen Busch gefahren wäre. Daher wurde die Regierungsnorlaae von ollen Par- 'neu des Reichstags, mit Ausnahme der Konservativen und Rationalliberalen abgelehnt-, die ablehnende Haltung des Zentrums wurde vom Abgeordneten Spahn begründet. Darauf erging nun das folgende Schreiben Wilhelms an Beseler, in dessen Eingang„der oberste Kriegsherr" sich.ch i e i! n verschämten Eingriffe des Zentrums in Meine K o m m a n d o g e w g l t" verbittet, und, um alle Irrtümer ein für alleino! auszuschließen, erläuternd beifügt, daß im Kriege Er zu befehlen habe und„nicht der Herr Spahn". Dann geht e? weiter: „Das Vnichvien Spahns gegenüber der Armee, die er durch seine unerhörten Reden tief oerletzt hat, veranlaßt Mich, Sie zu beauftragen, den p. Spahn zum Rapport zu bestellen. Sie haben ihm k kar z u ma ch c n. daß er ein königlich preußischer Beamter ist. und als solcher nicht die Befugnis hat. irgendwelche beleidigenden Zleußcrungen über die Armee zu machen, besonders nicht über salchc Truppenteile, die sich im Kriegszustande und vor dem Feinde befinden. Solche Acußerungen treffen zugleich seinen König als obersten Kriegsherrn niit. Falls der p. Spahn sich damit herauszureden suchen sollte, daß er nicht nur Beamter, fanden, auch Parlamentarier und zugleich Führer der größten Partei des Reichstags sei, so haben Sie ihm klar zu machen, baß es besser ist. sich künftighin nur seiner Partei zu widmen, wenn er' in Lagen, wie der gegenwärtigen, wo er zwischen dem Beamten des Königs von Preußen und dem Führer des Zentrums zu mahlen hat, stets für letzteres optiert. Seiner Lust zu Jnveksiven braucht er dann keine Zügel mehr anzulegen. Sollt« er aber M er tauf feine Beamten st ellung legen, so müsse er seine Zunge demgemäß im Zaume hakten." So hat Wilhelm II. die richterliche Unabhängigkeit und die Rechte der Beamten verstanden! Gegen den„Kaiserlichen Zachtttub". Verfügung des preußischen Kultusministers. D«r preußische Kultusminister hat an die ihm nach- geordneten Behörden joigende Versugung«rlosfen: .ZZer Herr Reichswehrminister hat mit Rücksicht darauf, daß der .�kaiserlicheJachtklubzu Kiel' nach immer die Bezeichnung .Kaiserlich" führt, Veranlassung genommen, den Offizieren und Be- amtcn seines Geschäftsbereichs den Austritt aus dem genannten .Ki»b nohezutcgen. Eh« ich für den Bereich der Bcnvaltung meines Ministeriums eine Entscheidung tresse. ersuche ich, mir binnen 14 Tagen zu berichten, ob und gegebenenjalls welche Be- a m t e n Mitglieder des genannten Klubs sind. Fehlanzsio« ist er, forderlich." Dos Reichskabinetl wird sich zu Beginn der kommenden Woche mit den deutsch-pol nischen Handelsvertraasver- Handlungen befassen. Der deutsche Gesa»die in Warschau, Ulrich Rauscher, ist zu diesem Zweck bereits in Berlin einge- troffen. Man hofft, daß die Verhandlungen bald wieder aufge- Nammen werden können und wesentlich schneller fortschreiten als es unter der Bürgerblockregierung der Fall war. Geringe Aussichten für eine Koalitionsregierung in Bayern. Die politische Lage in Bayern wurde ani Freitag in politischen Kreisen� und in der Presse allgemein als sehr ernst beurteilt. Auf allen.sviten wird die Möglichkeit des Wieder mstaudekominens der bisherig«» Koalition als sehr zweisclhast bezeichnet. Venizelos hat das neu« griechische Kabinett bcifammcit. Di« Regierung ist vereidigt. Kammer und Senat dürfen aufgelöst wer. dm Der Wahlkampf wird außerordentlich scharf wende». Belgien und die Räumung. Energische Forderung Vanderveldes in der Kammer. Brüssel. 6. Juli.(Eigenbericht.) In der Karrmer hielt Außenminister Hymans ein ausführliches Referat namentlich über die belgisch-halländischen Beziehungen und besprach dann u. a. die Repavationsfrage und den Kelloggschen Anti- kriegspakt. Er wie» dabei auf die Regierungserklärung Hermann Müllers hin, die den Wunsch nach Regelung der Reparationssragen enthalte. Di« Zkepavotionseinkünfte Belgiens be- trügen gegenwärtig nach Abzug der von Belgien zu zahlenden Kriegsschuld jährlich 18 Millionen Dollar. Diese? Ueberschußbetrag werde sich in einigen Jahren bis auf 28 Millionen erhöhen, um sich dann von 1933,'36 an bis auf 17 Millionen Dollar zu vermindern. Belgien hoffe, daß dieser Betrag bei einer Neuregelung nicht noch weiter vermindert werde. Hymans wiederholte dann die Forde- rung Belgiens nach Einlösung der deutschen Besotzungspapiermork. Usber den Kelloggschen Krjogspakt sprach er sich günstig aus, jedoch ohne besonder« Begeisterung. Dem Außenminister folgte Genosse Bandervelde mit einer ausgezeichneten Rede, die fast auf allen Bänken der Kammer Zu- stimnmng und zum Schluß lang anhaltenden Beifall fand. Auch er begrüßt den Kelloggschen Pakt, der ein« neue feierliche Verpflichtung bringe,«inen Krieg nicht mehr zu führen, spottete aber dabei leise über gewisse-Vorbehalte der Großmächte, die in einer Int«.-- vention in Nikaragua oder einer Bombardierung Nankings keinen Krieg sehen wollen. Dandervelde erklärte dann, daß er über die Aheinlandräuniiniq offen sprechen wall«, selbst auf die Gefahr bin, mancherlei Auffassungen entgegentreten zu müssen.„Ich bin überzeugt davon," so führte er aus,„daß die Fragen der Reparation und der Rheinlandbesatznng wieder aktuell werden. Die Rcpara- ti missrage kann nur mit Hilf« der vereinigten Staa- ten geregelt werden, denn sonst könnt««» sich leicht ereignen, daß die Alliierten mehr an Amerika zu zahlen hätten als sie von Deickschland erhalten. Amerika muß deshakb an einer Revision des Dawes-Plans mitwirken. Ich bin stets ein Gegner der militärischen Veseßmtg de» Rheinlands gewesen. Die Besetzung ist für uns wertlos. sowohl vom Standpunkt unserer Sichercheit wie dem der Repara- tionszablimgen. Wenn Deutschland rüsten will, dann kann e« da» gebeim jenseits des Rheins tun. Außerdem muß das Rheinland 13 3? aus alle Fälle geräumt werden. Glauben Sie, daß Deutschland darum feinen freiwilligen Verpflichtungen nachkommt, weil alliierte Truppen im Rheinland stehen? Dazu hat es andere Gründe, z, B. die Aufrechterhaltunz seines Kredits. Haben die Vereinigten Staaten etwa Truppen nach Belgien oder Frank- reich geschickt, um die Regelung unserer Schulden zu sichern? Die Aufrechterhaltung der Rheiolandbesetzung hat die Verweh- rung der Rüstungen in Europa ,md besanders m Bel- gien zur Folge.(Außenminister Hymans schüttelt verneinend den Kopf.) Ich sehe," fuhr V-rnderveld« fort,„der Herr Minister be- streitet die Richtigkeit dieser Behauptung, aber ich beruf« mich auf den Geveralstabsches General Galtet, der in der Militgrkonnnlssim» eeflärte. We Rheivlandbesetzung eotsache Haßaesüble im deukschen Dalke, denen Belgien durch vermehrte Rüstungen begegne» müsse. Sollet hat recht. Die Bejetzung zwingt uns zur Verstärkung unseres Heeres, ober richtiger wäre es, dieser Besetzung«in Ende zu wachen und«ine entschlossene Politik der Rüstungsver. Minderung zu betreiben. Es stimmt freilich, daß die Räumung nicht von Belgien allein abhängt und daß man für ihr Aufgeben vielfach als Gegenleistung erhöhte Sicherheitsgarantien, wie z. B. Verlange- rung der Kantrolle der entmilitarisierten Zonen, verlangt. Was wir tun könnten und was«ine wenig koftspieliz« und sehr nützlich« Geste wäre, ist, die zweite Rheinlandzone nicht erst 1930. wie der Vertrag vorsieht, zu räumen, sondern schon End« 19 28. Vor einigen Wochen waren in Deutschlaich noch die Deutsch- nationalen, die von der Revanche träumen, an der Macht. Damals sagt« man uns, wir könnten dieser Leute wegen nicht diese Geste der Aroiäherung machen. Heute sind die Deukschnakionalen nicht mehr in der Regierung. ihre Plätze nehmen Männer von unzweiselhast gutem Millen ein, die uns erklären, daß die Deutsche Republik unerschütterlich dasteht und daß ihr Friedenswille unbedingt ist. Ist die» nicht der gegebene Auzenblick, um diese Gest« zu tun? Sei es, daß der Einfluß Belgiens nicht entscheidend ist, aber unser guter oder böser Wille kann dennoch einen wesentlichen Einfluß ausüben. Wir können nicht vergessen, was wir durch den deutschen Einfall gelitten haben, aber es gibt zweierlei Methoden, sich zu er- rnnenr. Di« ein« treibt uns dazu, alles zu tun, um die Wieder. kehr solcher Schrecken zu vermeiden, die andere sucht nur Argu» mente zur Verewigung des Hasses. Mancherlei Vorgänge könnten im Ausland den Eindruck erwecken, als ob das belgische Volk gegen die Annäherung sei. Diejenigen, die uns kemien, wisse.» ober, daß das nicht richtig ist und daß bei uns zahlreiche Kräfte für Frieden und Annäherung wirken, neben den Arbeitern die Geschäftswelt, die starke Interessen an Deutsch- land hat." „Temps" über die Reichsiagsdebaiie. Sin„Wendepunkt" mit Vorbehalten. > Paris, 6. Juki.(Eigenbericht.) In seinem Kommentar zum Abschluß der Reichstagsdebatte erklärt der„T e m p s" am Freitagabend, es fei offensichtlich, daß die Sozialdemokraten all« Anstrengungen machten, um in der Regierung etwas Positives zu schaffen. Abgesehen davon ist das Blatt der Ansicht, daß das Kabinett einen ausgesprochen Homo- gsnen Charakter trage und die Auswahl seiner Persönlichkeiten mit viel Geschick erfolgt sei. Schon bei der Abstimmung über die Bikligungserllärung habe sich klar die Große Koalstion heraus- geschält, und zweifellos würden im Herbst Verhandlungen stattfinden, um sie endgültig zu konsolidieren. Man werde' die Deutsche Voltspartei durch eine Umbildung der preußischen Regierung und das Zentrum durch Hereinnahm« Wirth» in das Kabinett besriedi- gen. Im ganzen müsse festgestellt werden, daß der Kanzler Müller sehr geschickt operier«. Am Schlüsse seiner Betrachtung schreilst das Blatt, man könne vielleicht von euiem Wendepunkt in der Geschichte des Reiche» sprechen. Dos genüg« freilich, um ein« günstig« Atmosphäre zu schassen. Aster, so fährt der„Temps" fort, a scheint, daß noch ander« Dinge geschehen müssen, um das all- gemeine Vertrauen zu festigen und die europäisch« Ordnung«nd- gültig zu konsolidieren. Do» Blatt spielt mit diesen Bemerkungen insbesondere auf di« Sicherheitsfrage im Osten an und hebt aus Müllers Red« hervor, daß dieser jed« Einmischung dritter Mächt« in«in« Erörterung über die Rhemlandräumuvz abgelehnt habe. Das bedeutet, sagt das Blatt, eine indirekt- Antwort auf die kürzlich abgegebenen Erklärungen des polnischen Außenministers Z a l e s k i über das Interesse, das Pol«« mit Rück- sicht auf seine Sicherheit an dieser Frage habe. Außerdem müsse auch den Erklärungen des Kanzlers Über die Frage eines Ost- Loearno entnommen werden, daß eine unter sozialdewa» kratischem Einfluß stehend« Liulsregierung ebensowenig wie«in« Zentrums-»der Rechtsregierung dazu bereit fein wird, Polen für die Aufrechterhaltung der in den Verträgen festgesetzte» Grenzen Über die in den Loearno-Derträgen enthaltenen Garantie» hinaus Zusotzgarantien zu geben. Zustszverwaliung durch das Reich. Sin Antrag von Mecklenburg-Schwenn. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" mitteilt, ist die Frage der Uebernahme von Iustizoerwaltungen der Länder auf das Reich jetzt akut geworden durch einen Antrag, den die Regierung von Mecklenburg-Schwerin gestellt hat. und der die Reichs-egie- rung ersucht, die Justizverwaltung von Mecklenburg-Schwerin zu übernehmen. Innerhalb per beteiligten Ministerien haben bereits Besprechungen über dieses Ersuchen stattgefunden. Im übrigen wird die Entscheidung über diesen Antrag das neue Kabinett zn fällen haben. Zu der'Art der Uebernahme sind von Mecklenburg-Schwerin besondere Vorschläge nicht gemacht worden. Mitbestimmend für das Vorgehen dieses Landes Ist zweifellos die Kostenfrage gewesen. Die Justizverwaltung von Mecklenburg-Schwerin erfordert bei drei Landgerichten und 42 Amtsgerichten einen Jahreszufchuß von 3/ Millionen Mark. Abgesehen von der Tatsache, daß hie Berein- heillichungsbestrebungen durch diesen Antrag gefördert werden und einen starken Ruck erhallen, könnte es für die Reichsjustlzverwallung nur zweckmäßig sein, auf diese Weise Zlnregungen aus der Praxis zu erhallen. Di« Uebernahme der Justizverwaltung von Mecklenburg- Schwerin auf das Reich erfordert die Lösung einer Reihe von jurist!- schen Problemen. U. a. ist für diese Uebernahme«in oer- sassungsönderndes Gesetz nötig, denn im Artikel 103 heißt es, daß die ordentliche Gerichtsbarkell durch das Reichsgericht und durch die Gerichte der Länder ausgeübt wird. Dieser Berfassungs- artikel müßte also durch einen Zufatzantrog ergänzt«erden. Ein neuer Bädererlaß. Verichterstotwng über die Erfahrungen beim Zlaggenschnh. Amtlich wird mitgeteilt: Der preußische Minister des Innern hat an die Regie rungsprosi- denteu. Landräte und Polizeibehörden de, Regierungsbezirke Königsberg, Waricnwerder. Stettin, Köslin. Stralsund, Schleswig, Aurich und Stade einen Erlaß gerichtet, in dem er seinen Erlaß vom 8. August über den Schutz der Reichsfarben in den Seebädern besonders in Erinnerung bringt. Der Minister betont, daß auch in diesem Jahre alle geeigneten Maßnohmen zur unbedingten S i ch e r st«> l n n g de» Schutzes der Reichsfarben, inst'esondere durch Einsatz der erforderlichen Zahl von Polizeibcamteu, zu treffen such. Di« nachgeordneten Be- Hörden haben die Beamten im Sin« da» genannten Erwsses erneut zu belehre». Der Minister ersucht zum Schluß de« Erlasses, ihm Über die im Lauf« des Sommers gesammelten Ersahrungen, unfce- schadet sofortiger Berichterstattung in wichtigen Einzelfällen, zum f. Oktober d. I. z» berichten. Heraus aus der KPD.! Das Urteil eines bekehrten. Wieder hat ein in der Gewerkschaftsbewegung verdienter Ge- nosse der KPD. den Rücken gekehrt. Bereits 33 Jahre gehört« Genosse Finde wirth-Chemnitz der Sozialdemokratisch?» Partei an. als er im Jahre 1021 zur KPD übertrat. Zlm 30. Juni 1028 suchte er in einem Schreiben an den Zentralvorstand der SPD. des 16. Chemnitzer Unterbezirks um seine Wiederausnahme nach. Für sein freiwilliges Ausscheiden au» der Lonununistischc» Partei führte Genosse Findewirth folgendes an: „1. Nicht einverstanden bin ich mit der T a k t i k der KPD. gegen die Gewerkschaften. Di« Peschimpung und Verleumdung aller Gewerkschastsinstavzen und Gewerkschaftsführer. Die Verächtlichmachung und Besudelungen der ge« werkschaftlichen Veranstaltungen usw. Die Taktik der KPD.-gunktionäre als Gswerkschoftsfunkti». näre im Graphischen Hilssorbeiterverbond. 2. Der ruchlose Mord in Glauchau am Vorabend der Reichstagswahl an dem Genossen Paris. Die Einstellung der KPD. im Kämpfer zu diesem Mord: dem ruchlosen Mord o» einem Genossen, der stets bemüht war, alles in ruhiger, sachlicher und versöhnlicher Art und Weise zu regeln. 3. Das Verhatten der KPD.-Fraktion im Reichstag bei der Präsidentenwahl. Gar nicht davon zu reden, wie der Kampf während der Wahlbewegung geführt worden ist." Der Zentralverband des Unterbezirks der SPD. hat einstimmig beschlossen, dem Ersuchen des Genossen Findewirth um Wieder- aufnahm« in die Sozialdemokratische Partei zu entsprechen. Rabiisch lehnt ab. Di« südsiawische Regierungskrise. Belgrad. 6. Fuss. Infolge der Weigerung Stefan Raditschs. die Bildung einer Knnzevtrationsregierunq vorzunehmen, wurden die Empsänge beim König fortgesetzt, der nacheinander de» Präsidenten der Skupschtina. den Vizepräsidenten der radikalen Partei Dancwljewitsch und späte« den Chef der demokratischen Fraktion, Dawidowitsch, empfing. Elf Todesurteile im Gchachiy-Nrozeß. «'Und NUN, deutscher Toworischtsch, nachdem du unsere unbeugsame Härte bewundert hast, fahre nach Deutschland zurück und verbreite dort Flugblätter gegen die Grau- samkeit der Sozialdemokraten, die iu der Amnestierung der Kommunisten nicht weit genug gehen?' Die Zleichsreform. Preußen für schnellen Kortgang der Arbeiten im Reichsresormausschuß. Am i. Mai betraute der von den Regierungen de? Reiches und der Länder eingesetzte„Re ichsreformausschuß" unter Zu rückweisung solcher Vorschläge, die seine Aufgabe auf Nebenfragen ablenken wollten, eine Anzahl seiner Mitglieder mit der Vorderem tung der Arbeiten des Ausschusses für die Zeit nach den Wahlen. Mit dein 3 0. Lu n i lief die für dies« Vorbcreitungsorbeiten gesetzte Frist ob. Iir der Presse ist vielfach kritisiert worden, daß nur Material zusammengestellt werde, ober nichts zur Vorbereitung einer fruchtbaren Verhandlung über die Läfung des Pro- blems aeichehc. Hierzu teilt der Amtliche Preußische Presiedienst mit, daß auch die preußische Regierung«ine blaß« Zusammentrogung von Material über oft erörterte Schwierigkeiten nicht für aus- reichend erachte.. Ki« stellt jedoch oegemcher den angeführten Presseäußerungen fest, daß da? von Preußen entsandt« Mitglied, Ministerialdirektor Dr. Brecht, neben einem systematischen Veitrag zur Materialfaimnlung rechtzeitig auch eine ausführliche Denkschrift als geschäftstechnisch« Beratungsnnterlage vorgelegt hat. In dieser Denkschrift wird das Gesamtproblem der Reichsrefnrm mit Rücksicht auf seinen Umfang in geschöftstechntfcher Hinsicht in abtrennbar« Sonderfragen und in untrennbar»er» flochten« Fragen zerlegt. Für die abtrennbar«« Sond«?- fragen lBeseitigung der Enklaven, Verschmelzung der kleinen Länder mit größeren, Aenderung der Landesgrenzen, schärfere Ab- grenzung der bestehenden Zlsständigkeiten, Ungleichung der Ver- waltungsbezirk«, des Verwaltungsoufbaiis und Verwaitungsrechts, Aendcnmg der Struktur der Landesregierung und der Landtage usw.) wird die Einsetzung von Unterausschüssen vor- geschlagen, während die miteinander verflochtenen Hauptfragen (andere Peilung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern, Der- bindung von Reich?- und Landesverwaltung in der Mittelsteile, Lerschnielzung der Zeniralvenvoltung von Reich und Preußen. Preußischer Zentrallandiag, Reichsrai. Sicherung der betroffenen Beamten) vom Ausschuß einheitlich erörtert merden sollen. Hierfür werden zugleich bestimmt« sachlich« Vorschläge vorgelegt. die zunächst nur ols sachtechnische Berotungsoorlage und ohne Bin- dung für den Referenten oder seine Regierung ausgearbeitet sin*. ober dey technischen und politischen Schmierigleiten weitgehend Rech- nvng zu tragen sirchen.'s Di« preußisch« Regierung hofft, daß unter Führung der neue« Rcichsregierung der gesamte Ausschuß den schnellen Fort- gang der Arbeiten unterstützen wird, damit möglichst bald klargestellt wird, ob auf dem eingeschlagenen Wege fruchtbar ge- arbeitst merden kann. Mal herhören, Leute! Generalleutnant o. O. von Eramov redet. Es läßt sich nur bildlich wiedergeben. Man stelle sich vor:«inen Kafernenhof, dargestellt durch die Leitartikeifpalte der«Deutschen Zeitung". Das nationale Lesepuhlikum ist in zwei Gliedern auf. marschiert und bestndet sich im„Stillgestanden". Der Generali eut- narü a. D. von Eramon, rotwangig und wohlgenährt von republika- nischer Pension, sprengt herein, pariert kurz den Gaul und beginnt einen Leitartikel über Monarchie zu schnaroen, während sein Monokel die vorschriftsmäßige Siegeszuversicht blitzt. Rezept der Darlegung ist aus der«großen Zeit" des Weltkrieges übernommen...Das Ein- greifen der Amerikaner beweist, daß unsere Feinde mit ihrer Kraft zu Ende sind."—«Der Zusammenbruch unserer Bundesgenossen ver- bessert die Position Deutschlands erheblich."— Nach der bewährten Methode auch hier: «Die Frage, ob Monarchie oder Republik die für unser Vater- land geeignetere Staatsform ist, wird neuerdings wieder öfter behandelt. Es b e w e i st dies, daß der monarchische Gedanke nicht tot ist." Bravo! Der Fall Lambach ist selbstverständlich nichts als«in Beweis für die rapide Ausbreitung der monarchischen Idee. General v. Eramon spürt sie sogar«unter der Asch« glimmen".— Wie pflegt« eine echte Kriegsrede weiter zu gehen?— Etwa so:„Sehnlichster Wunsch aller Frontsoldaten ist, daß der Krieg mindestens noch drei Jahre dauere." Genau so jetzt! Wer kennt die Stimmung der Be- völkerung?— Nur der General Eramon: «Man kann in allen Kreisen dar Bevölkerung, mit Ausnahme der K o in m u n i st« n. den sehnlichsten Wunsch nach Wieder- Herstellung der alten Zeit hören, und ich Hobe bei meinem letzten Aufenthalt in Schlesien, wo ich kür stich Gelegenheit hatte. mich viel miier die Landbevölkerung zu mischen, überall die Frage gehört:„Wann kommt die Monarchie wieder?" Allerding»— die Scklesier sind etwas unl'einstfen« Leute. Sie können ihr« Gefühl« nicht so recht ausdrücken und haben om 20. Mai ihre Frag« dadurch beantwortet, daß sie rund 120 000 soziotdemo- kiwischc Stimmittel mehr, dagegen rund 110000 deutschnationale Stimmzeitel weniger gegen dos vorige Mal abgaben. Dach was ficht t os General Eramon an? Auch von den Berlinern weiß er, daß sie durchweg überzeugt- Monarchisten sind. Stur: «Wenn sie dies nicht offen auszusprechen wagen, so liegt dies daran, daß sie den Boykott fürchten, der über sie verhängt merden könnte: teils daran, daß sie sich vor der Vergeltung - durch die preußisch« Regierung schsuen." Dies« gräßliche Angst scheint die tapferen Berliner Monarchisten bis in die Wahlzellen zu verfolgen.' Doch, gottlob, der General Eramon ist auf diesen fragwürdigen Holdemnut nicht angewiesen. Denn die Wiedorkehr der Monarchi« ist so sicher, wie der Endsieg im Weltkrieg es mar: «Man hat so oft gesagt, daß Deutschland noch lange nicht tief genug gesunken sei, um zu gesunden! Nun, dann sind wir auf dem besten Wege hierzu, denn kehr viel weiter hinunter geht es nun nicht mehr." Knorke, alter Haudegen, knorke! Der Weltkrieg wurde ja quch gewonnen, als er nicht mehr weiter hinunter ging. Allerding? von d«n anderen— aber was tut da» schon? In der deutschen Zukunft werden ja auch nicht die Anhänger Eromonscher Generalsphrasen die Sieger sstin. Cm das bayerische Wahlrecht. «Zilie deinottatische �nterpettation im Reichstag. Die Reichstogsfraktionen der Demokraten und der Wirt- schaftsportei haben gemeinsam folgende Interpellation eingebracht; «Der Bayerische Landtag hat dos bayerische Wahlgesetz geändert und Bestimmungen in Kraft gesetzt, die den in der Reichsoerfossung festgesetzten Grundsätzen der Berhältmswahk ebenso wie denen der «strichen und direkten Wahl widersprechen. Dem Grundsatz der gleichen Wahl widerspricht die Höh« der Derteilungszahl: noch dem bayerischen Wahlgesetz wird ein« Partei, selbst wenn sie mehr als 100 000 Stimmen, d. h. etwa S Proz. der Gesomtziffer erhallen hat. aus dem Landtag ausgeschlossen, falls sie nicht in einem der sehr kleinen Wahlkreise einen sehr hohen Quotienten erreicht. Infolge dieses Verfahrens blieben 103 704 demokratische Stimmen und lOZOOO Stimmen der Wirtschaftspartei, die om 20. Mai in Bayern abgegeben wurden, unberücksichtigt, während dieselbe Stimmenzahl genügt bot. um der Deutschen Demokratischen Partei und der Wirt- schasl-partei für den Reichstag«in Mandat zu verschaffen und während die Deutsch« Lolkspartei mit 109318 Stimmen vier Land- tagsmandate erhielt. Den Grundsätzen der gleichen und direkten Wahl widerspricht die Bestimmung des bayerischen Landtagswahlgesetzes. daß nach- träglich von den Parteileitungen einiger Parteien 15 Abgeordnet« ernannt werden können. Eine solche nachträgliche Ernennung von Ab- geordneten, deren Ramen den Wählern vor der Wahl nicht, wie fis im Reich auf der Reichsliste geschieht, an sichtbarer Stelle und in besliminier Reihenfolge genannt worden waren und mit deren eventueller Wahl ste sich deshalb durch ihren Stimmzettel gar nicht einverstanden erklären konnten, ist eine indirekt« Wohl und mit den Grundsätzen der Reichsoerfossung nicht vereinbar. Bei dieser Er- nennung handelt e» sich zudem nicht um ein« gleichmäßige Ver- rechnung der Restsummen, sondern um ein« Zuteilung von Mandaten an einig« große Gruppen ohne jede Mitwirkung von Wählern. Bei dieser Zuteilung werden die Mandate oerrechnet, die rechtmäßiger. weise den durch die anderen verfassungswidrigen Bestimmungen ihrer Mandate beraubten Parteien hätten zukommen müssen. Gegen die Rechtegültigkeit des bayerischen Landeswahlgesetzes hat der Londesoerbond Bayern der Deutschen Demokratischen Partei bereits am 18. Februar 1028 Klage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich angestrengt. Zw« Monate später, am 2b. April 1028, hat der Bayerische Landtag mit rückwirkender Kraft den bayerischen Staatsgerichtshof für diese Klage ollein zuständig erklärt. Diesxs Gesetz widerspricht gleic�salls allen Grundsätzen des öffentlichen Rechts. Was gedenkt die Reicheregierung zu wn, um die krassen Rechtsbrüch«, die durch die Beschlüsse des Bayerischen Landtags be- gangen sind, abzustellen und den Vorschriften der Reichsverfassnng auch hinsichtlich des bayerischen Wahlgesetze» Geltung zu ver- schassen?"_. Zmmunstät. die sich lohnt. Der nationalsozialistisch« Abgeord- nete Dr. Frick hat beantragt, die Strafverfahren gegen den national- sozialistischcn Reichstagsebgeordneten Dr. Goebbels aufzuheben. Es bandelt sich hier um ein H o chv« r r a t s»e r fa h r en. um ein weiteres Verfahren, in dem ein Urteil schon ergangen ist und u in ein Dutzend Beleidigungsklagen. Der altjüdUroler Ortsname»lausen ist von der itoliemschen Fremd- und GewaUherrschast längst verboten. Jetzt mußte sogar von dem ollen Dürer-Denkmal die Inschrift«ntsernt weideei. daß her Meister von diesem Punkt aus Klassov gezeichnet ho« Abbau der Handelsfesseln. Genfer Konferenzbeschlüsse. Gens. 6. Juli.(Eigenbericht.) Auf der Konferenz gegen die Ein- und Ausfuhrverbot« ist ein« Einigung über den Zeitpunkt des Inkrafttretens sowohl der allgemeinen Konvention gegen die Ein- und Ausfuhrverbote wie des Ab- konunens über den internationalen Verkehr von Häuten und Knochen zilstandegekommen. Die besondere Kammission für die Aufhebung der Ein- und Anssuhrocrbote für Häute und Knochen legte der Kon- ferenz«in von achtzehn Staaten, darunter Deutschland und alle nam- haften europäischen Staaten unterzeichnetes Abkommen vor, daß alle Ein- und Aussuhrverbote von Häuten und Knochen mit wenigen Ausnahmen aufhebt. Die Konserenz bestimmt, daß dieses Ab- kommen bis zum 1. Juli 1020 ratifiziert werden solle, so daß es am 1. Oktober in Kraft treten könne. Das o l l g e m« i n e Abkommen über die Aushebung der Ein- und Ausfuhrverbote soll in Kraft treten, wenn es von mindestens achtzehn Staaten, und zwar bis zum 30. September 1029 ratifiziert worden ist. Es soll dann am 1. Januar 1030 verwirklicht werden. Unter den achtzehn Staaten müssen die Hauptwirtschaftsländer fein. Die Ratifikation durch die Bereinigten Staaten fall nicht notwendig sein, wenn sie als einzige an einem festgesetzten Datum sehst. Mit dorn Hinausschieben de» Inkrafttretens der Konvention bis zum Januar 1930 erreicht man, daß eine Anzahl zeitweiliger Ein- und Aussuhroerbote, darunter dos tschechisch« Einsuhrverbot für Auto- mobile, Wein und lebendes Vieh, vorher erlöschen, da sie bis 1030 befristet sind._ Miliiärgewalt gegen Genchisbarkeit. litauischer Ausnahmezustand geacn Memelcr Strafgericht. Der Gericht�onslikt in Memel beruht aus einem Kompetenz- streit zwischen den ordentlichen Gerichten des Memelgebietes und den litauischen Militärgerichten, welch« jsir sich die Zu- ständigkell zur Aburteilung gewisser Delitt« auf Grund des Aus. nahmezustandes in Anspruch genommen haben. Auf Befehl des.Kriegskommandonten" sind Akten und Gerichtsgefangen« durch litauische» Milllär trotz Widerspruch der beteiligten Richter und des Oberstaatsanwaltes aus dem Memcler Gerichtsgebäude gemalt- fam entfernt worden. Die Angelegenheit Hot im mem.cllän- frischen Landtag bereits eine Rolle gespicll, doch wurde die ein- gehende Wiedergabe dieser Verhandlungen den memelländtschen Blättern durch die Zensur unmöglich gemacht. Die litauische Regierung ist zum Zweck« eines Ausgleichs mit den zuständigen Stellen de» Memelgebietes in Verhandlungen eingetreten über eine Abänderung bzw. Ergänzung der Bestimmungen über den Ausnahineziistond und zwar im Weg« der litauischen und der memclländischen Gesetzgebung. Da? Ergebnis der VerHand tungen bleibt abzuwarten, unter Umständen wird die Frage den Völkerbundrat beschäftigen müssen. Die Tatsache aber, daß dt« litauische Regierung die Lücken und die Refvrmbedürftigkeit der Bestimmungen über den Kriegszustand hinsichtlich de» Memelgebietes selbst anerkannt hat, besagt zur Genüge, daß die gewaltsame Lösung des Konfliktes durch den Kriezskomm&nianten durch nichts gerechtfertigt war. Geipels Lohn— Kaschistenhohn. 'Oer Dank für den Kotau. Vozen. 6. Juli. Der Faschistenkommissar Giarrotana veröffentlicht eine Erklärung über die Italienisch-österreichischen Verhandlungen betraffend SüHtirol, in der er sagt, daß diese Verhandlungen«inen durch- schlagenden Erfolg der klaren Politik Mussolinis darstellten. Italien habe gerade in der letzten Zeit weiter« Fort- schritte in der moralischen(!) und rechtlichen(!) Durch- dringung d-r Provinz Bozen gemacht. Der einzige w u n d« Punkt sei die kulturelle Frage. Man könne auf diesem Gebiet gegen- über dem Pangermanismus nicht genug aus der Hill sein. Wie diese„Moral und Rechtlichkeit" aussieht, zeigt u. o. folgend« Nachricht: Der altsüdtiroler Ortsname Klausen ist van der lla- lienischen Fremd- und Gewaltherrschaft längst verboten. Jetzt muhte sogar von dem alten Dürer-Denkmal die Inschrift entfernt werben, daß der Meister von diesem Punkt ans Klausen gezeichnet hat! ch .Die Sozialdemokratisch« Rationairotssraktion hat«ine sehr scharfe Interpellation wegen der Abmachungen Seipel- Mussolini eingebracht, um den Bundeskanzler zum Raden zu bringen. Indien im Steuerstreik. Gegen i»Ze britische Herrschafi. tonban. 8. Juki. Der seit über vier Wochen in Bengalen geführte Steuerstreik der B o r d o i i— eines der bedeutendsten bengalischen Stämme hqt bedrohlichen Umfang angenommen. Die anglo-indischen Beamten in den mehr als 100 vom Steuerstreik betroffenen Ort- schaften sind bereits hinsichtlich ihrer B«rsorgimg mit Lebens- Mitteln, die teilweise als S t« u e r l« i st u n g verrechnet w«r- den, völlig auf den guten Willen der Streikführer angewiesen und können jederzeit vor der Notwendigkeit stehen, ihre Posten verlassen zu müssen, was ihr« ohnedies stark erschütterte St«l- tung völlig uniergraben würde. Die«ituation wird noch dadurch verschärst, daß die Bewegung neuerdings auch auf den Stamm der Sith« übergreift. In Peking wird gegen die Erhebung Nankings zur Hauptstadt protestiert. Die deutsche Funkstation im Gesandtschaftsviertel(Trans- ozeandienst) ist militärisch geschlossen und ausgeräumt worden, weil sie angeblich auch der Gcgenregierung in Mukden gedient hat; für den verstorbenen Tjchangtsolin ist jetzt sein Sohn Tjchangsüsiang Marschall und Diktator. Der Innenminister in Nanking hat allen, die noch nicht 20 Jahre alt sind, das Rauchen und das Alkohol- trinke« bei Strafe verboten. Schiedsspruch für die Metallindustrie. Die Metallarbeiter haben das letzte Wort. Gestern nachmittag ist nach wiederum neunstündiger Beratung für die Berliner Metallindustrie folgender Lohnschiedsspruch gefällt worden: I. Allgemeine Bestimmungen. Für die Entlohnung der Arbeiter gelten Mindestlohnfäße, die im Lohnabkommen vereinbart werden. Die Mindestlohnsäge der Ar= beiterinnen betragen 70 Pro 3. ber für Arbeiter vereinbarten. 1. Mindestlohnfähe richten sich nach der Art der verrichteten Arbeiten. Diese werden unterschieden nach Facharbeiten, angelernten Arbeiten, sonstigen Arbeiten. Facharbeiten sind solche, zu deren Verrichtung normalerweise eine Ausbildung in einem Facharbeiterberuf in vier- oder mindestens dreijähriger Lehrzeit erforderlich ist, die dem Arbeiter die Fähigkeit gegeben hat, Arbeiten seines Berufes selbständig und fachgemäß nach Zeichnungen oder Muster auszuführen. Die Arbeiten werden demnach in der Regel von in ordnungsgemäßer Lehrzeit ausgebildeten Facharbeitern verrichtet, in Ausnahmefällen von solchen Arbeitern, die in langjähriger Wert stattätigkeit dieselben vielseitigen Fertigkeiten erworben haben. An gelernte Tätigkeiten sind solche, deren Ausführungen eine planmäßige Anlernung erfordert. Sonstige Arbeiten sind folche, die nach kurzen Anweisungen ausgeführt werden, auch wenn es sich um wechselnde Arbeiten handelt. 2. Die hiernach unterschiedenen Arbeiten werden wie folgt in Klassen eingeteilt: Klasse a) Hochqualifizierte Facharbeiten, Klasse b Normale Facharbeiten, Klasse e Einfache Facharbeiten und angelernte Tätigkeiten, Klasse d Einfache angelernte Tätigkeiten und sonstige Arbeiten. Für jede dieser Klassen wird ein Mindestlohnjay festgelegt. II. Berufsgruppen und Klaffeneinteilung. Gemäß den unter a) I aufgestellten Grundsägen werden die Arbeiten auf vier Lohntlassen verteilt. Die Einteilung ist unter ausschließlicher Bewertung der tatsächlich zu verrichtenden Arbeiten erfolgt, die Ausbildung des die betreffende Arbeit verrichtenden Arbeiters ist auf die Einteilung ohne Einfluß. Die Einordnung des einzelnen Arbeiters erfolgt nach der normalen Tätigkeit. Borübergehende Beschäftigung mit geringwertigen Arbeiten darf nicht zu einer für die tiefere Lohnklasse maßgebenden Bewertung führen. Falls innerhalb der Berliner Metallindustrie noch Arbeiten vortommen sollten, die in nachstehende Gruppeneinteilung nicht aufgenommen sind, verpflichten sich die Vertragsparteien, eine nach trägliche Einordnung in die Klasseneinteilung vorzunehmen. Das Berufsgruppenverzeichnis mit den 44 Berufsgruppen des Tarifvertrages vom 4. Mai 1921 sowie der Anlage a) Arbeiten in der Glühlampenindustrie wird unter Berücksichtigung der nachstehenden Anmerkung wieder in Kraft gesetzt. Die Kündigungsschutzfrist. Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Der Angestellte E. war seit Jahren bei der 3igaretten fabrit Manoli in Berlin beschäftigt und hatte sich auße: ordentlich gut geführt. Im Februar 1927 wurde er grundlos entlaffen. Gegen dieses rigorose Borgehen der Firma erhob der Angestellte Klage beim Arbeitsgericht. Er machte geltend, daß er Don 1901 bis 1912 ununterbrochen als Angestellter bei der Firma tätig war. Dann habe ihn die Firma 1926 wieder eingestellt und sei dann im Februar 1927 fristlos entlassen worden. Da er länger als 12 Jahre bei der Firma beschäftigt ma:, habe er eine Kündigungsfrist von 6 Monaten. Der Kläger flagt auf rückständiges Gehalt und Spelen in Höhe von 6200 m. Die Firma lehnte die Forderung rundweg ab. Sie gibt zu, daß Kläger 12 Jahre bei ihr beschäftigt war, jedoch das letzte Jahr sei er Handel sangestellter gegen Provision gewefen. Er habe die Vertretung eines bestimmten Bezirks gehabt und habe auch noch andere Reisende beschäftigen können. Der Klage des Angestellten wurde vom Landesarbeits gericht stattgegeben. Dagegen richtet sich die Revision der Beklagten. Das Reihsarbeitsgericht wies die Revision fostenpflichtig zurück und schloß sich der Entscheidung des Landes arbeitsgerichts in Berlin an. Der Kläger fei länger als 12 Jahre ununterbrochen bei der Beklagten beschäftigt gewesen und habe somit Anspruch auf eine sechsmonatige Kündigungsfrist. Diese sei aber von der Beklagten nicht eingehalten worden, demnach war sie zu verurteilen. = aufrechtzuerhalten ist. Und so find noch sehr viele Fragen art die Straßenbahn zu richten. Befriedigende Antworten darauf sind aber erst dann zu e warten, wenn die Straßenbahner endlich ihre Interessenlosigkeit gegen die Vorgänge im Betrieb abstreifen. Mit der„ Roten Fahne" sind wir deshalb darin einig, daß es Pflicht jedes Straßenbahners ist, sich seiner Berufsorganisation anzuschließen, dem Deutschen Verkehrsbund. Erst dann lassen sich bessere Arbeitsverhältnisse im Betriebe der Straßenbahn durchführen. Weder der Kollege Flieger noch der Aufsichtsratsvorsitzende Reuter, am allerwenigsten der Polizeipräsident fönnen helfen, sondern einzig und allein die Gewerkschaft, der Deutsche Verkehrsbund, Abteilung Straßen- und Kleinbahn, Sektion 3. Anmerkung: Für die Einteilung der Arbeiten in die vier Lohnlaffen gelten folgende Grundsätze: In die Lohnklasse a) Hochqualifizierte Facharbeiten tommen die Arbeiten der früheren Lohntlasse I des Tarifvertrages vom 4. Mai 1921. In Lohnflaffe b) normale Facharbeiten kommen die Arbeiten der früheren Klasse II. In Lohntlasse c) einfache Facharbeiten und angelernte Tätigteiten sollen die Eine Schreckensfammer beim Arbeitsgericht. Arbeiten der früheren Rlaffe III eingereiht werden, sowie die Arbeiten in der Glühlampenindustrie in der Gruppe I. In Lohntlasse d) einfache angelernte Tätigkeiten und sonstige Arbeiten die in den früheren Klassen IV und V aufgeführten Arbeiten sowie die Arbeiten in der Glüh lampenindustrie in der Gruppe II. B. Löhne. I. Arbeiter über 21 Jahre Lohntlasse a) Mindestlohn 1,06 m., Lohntlasse b) Mindestlohn 0,95 M., Lohntlasse c) Mindest lohn 0,85 m., Lohntlasse d) Mindestlohn 0,80 m. II. Arbeiter von 18 bis 21 Jahren: Lohntlasse a) Mindestlohn 0,90 m., Lohntlasse b) Mindestlohn 0,81 m., Lohnflasse c) Mindestlohn 0,72 M., Lohntlasse d) Mindestlohn 0,69 m. III. Jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren: 14 bis 15 Jahre Mindestlohn 0,31 m., 15 bis 16 Jahre Mindestlohn 0,38 m., 16 bis 17 Jahre Mindestlohn 0,45 m., 17 bis 18 Jahre Mindestlohn 0,53 m. Jugendliche Arbeiterinnen 0,31 m., 0,35 m., 0,42 m., 0,48 m. Die Festsetzung der Affordpreise hat derart zu erfolgen, daß einem Arbeiter durchschnittlicher Leistungsfähigkeit unter normalen Bedingungen die Möglichkeit gegeben wird, einen Durchschnittsstundenverdienst zu erzielen, der 15 Pro3. über dem Mindest ohn der Lohntlasse liegt, in die die auszuführende Arbeit gehört. Unter der Voraussetzung, daß der vorliegende Schiedsspruch zum Bertrage wird, ist im Abschnitt IX des Rahmentarifes die Ziffer 6 zu streichen. Dieser Bertrag tritt am 30. Juli 1928 in Kraft und kann erst malig mit einer Frist von vier Wochen zum Schluß der letzten Lohn woche im Monat April 1929 gekündigt werden. Wird nicht gefündigt, fo läuft der Vertrag mit der gleichen Kündigungsfrist auf je 13 Lohn wochen weiter. Die Vertragsparteien sind sich darüber einig, daß nicht beabfichtigt ist, durch die Schaffung eines neuen Lohntarifes einen Abbau von Verdiensten vorzunehmen. Zu diesem Schiedsspruch werden die Funktionäre der BBMI.Betriebe sowie die Arbeiter in den Betrieben in der nächsten Woche Stellung nehmen. erstreben, Annahme. Ferner stimmte der Verbandstag einem Antrag auf Anbahnung tariflich geregelter Ferien für die Heim arbeiter zu. Ein Antrag Stettins, eine Reichsbranchenkonferenz für Zuschneider einzuberufen, wurde der Zentralleitung als Material überwiesen. Nach einem Bortrag Naphtalis über die Gegenwartsauf gaben der Gewerkschaften( Beschaffung von Arbeit, Ausbau der Arbeitslosenversicherung, Kontrolle der Monopolpreisbildung usw.) wurden die Anträge zum Statut beraten. Pletti begründete die von der Zentralleitung eingebrachten Anträge über die Anteile der Haupttasse an den Beiträgen zur besseren Rüstung für die wachsenden finanziellen Aufgaben. Eine Vorlage, die die an die Haupttaffe abzuführenden Mindestbeiträge entsprechend ben Stundenlöhnen regeln soll, wurde von der Zentralleitung wieder zurüdgezogen. Demzufolge mußten auch die Vorlagen der Zentralleitung zur Erhöhung der Unterstüßungen zurückgezogen werden. Beschlossen wurde, daß während eines Kalenderjahres nur zehn beitragsfreie Marken geklebt werden dürfen. Ueber diese Zeit hinaus werden Anwartschaftsbeiträge von 20 Pf. für männliche und 10 Pf. für weibliche Mitglieder erhoben. Ein Antrag der Statutentommission, möglichst rasch eine Alters- und Invalidenunterstügung sowie eine Aussteuerbeihilfe einzuführen, murde mit 77 gegen 4 Stimmen angenommen. Die Festsetzung des Eintrittsgeldes auf 1 M. für männliche und auf 50 Pf. für weibliche und jugendliche Mitglieder hält der Verbandstag für wünschenswert. Dr. Arnold als Arbeitsrichter. Bom Bauge wertsbund wird uns geschrieben: Am 1. Juli wurde der einjährige Geburtstag der Arbeitsgerichtsbarkeit in Wort und Schrift gefeiert, und mit Recht konnte auf die verbesserte Gerichtsbarkeit hingewiesen werden. Anders im Baugewerbe, das sich dieser Anerkennung leider nicht anschließen kann, und zwar wegen der Art der Erledigung der Streitigkeiten im Baugewerbe vor der Kammer 20 unter Borsiz des Landesarbeitsgerichtsrats Dr. Arnold. Die im Arbeitsgerichtsgeseß zur Vorbedingung gemachte Be= [ chleunigung der Erledigung der Arbeitsstreitigkeiten ist in das Gegenteil umgeschlagen. Zwischen Güteverhandlung und erstem Rammertermin liegt in der Regel eine 3 wischenzeit von vier bis fünf Wochen. Die Verhandlungen selbst nehmen aus nicht ersichtlichen Gründen eine ungewöhnlich lange Zeit in Anspruch. Bis in den Abend hinein müssen die Parteien auf den lichtund luftlosen Korridoren dieses reichlich veralteten Gerichtsgebäudes ihre Zeit verbringen. Man sagt: Was lange währt, wird endlich gut." Das Gegenteil ist hier der Fall. Bon einem Arbeitsrichter muß man verlangen, daß er sich in das Getriebe der komplizierten Wirtschaft hineinzufinden sucht, bab er versucht, die soziale Ungleichheit der streitenden Parteien rechtlich zu ergründen und ihr durch seine Rechtsprechung gerecht zu werden. Et muß, wie Dr. Schiffer, jagt, erst Mensch und dann Jurist sein“. nichts zu merken. Wenn wir jetzt die Flucht in die Deffentlichkeit Von all diesen Borbedingungen war bei Herrn Dr. Arnold antreten, dann nur deswegen, weil die Verhältnisse in seiner Kammer unhaltbar geworden find. Der Raum des Vorwärts" gestattet es nicht, alle Fehlurteile, die unter dem Borsiz des Herrn Dr. Arnold gefällt sind, aufzuführen. Es sei nur gestattet, auf zwei Fälle hinzuweisen. Im Sommer vorigen Jahres traten die Buzer Berlins nach vergeblichen Bemühungen um den Abschluß eines Tarifvertrages in den Streit. Die Bauunternehmer riefen das Arbeitsgericht an und behaupteten, die Puzzer hätten Tarifbruch begangen. Sie be antragten den Erlaß einer einstweiligen Verfügung auf Aufhebung des Streits, Verbot des Streitpostenstehens, Schadenerfazansprüche an die Organisation und was sonst dazu gehört. Was fein Mensch für möglich hielt, die Unternehmer selbst nicht, geschah. Unter dem Vorsiz des Herrn Dr. Arnold wurde die gewünschte einstweilige Verfügung erlassen. Den Bauunternehmern selber wurde diese juristische Heldentat recht unbehaglich, weshalb sie auf alle Rechte aus dieser einstweiligen Verfügung verzichteten, ehe das Landesarbeitsgericht als Berufungs instanz zu der notwendigen Korrektur tommen fonnte. Ein zweiter Fall. Ein Isolierer Pape arbeitete bei der Firma Huber u. Söhne von Ende Mai 1927 bis März 1928. Er befam nicht den Tariflohn. Die beklagte Firma behauptete, der Kläger sei nur als Helfer tätig gewesen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Kläger neun Monate als felbständiger Isolierer tätig war und nur einige Tage als Helfer beschäftigt wurde. Es wurde ferner festgestellt, daß der Kläger monatelang im sogenannten Ba u lohn bei dem Bauherrn beschäftigt war. Der Unternehmer hat für den Kläger vollen Tariflohn plus Unternehmerzuschlag bezogen und sich so ungerechtfertigt bereichert, indem er einen erheblichen Teil des dem Kläger zustehenden Tariflohnes in seine Tasche steckte. Herr Dr. Arnold wies den Kläger mit seiner Klage ab, hielt also das an Betrug grenzende Berhalten des Unternehmers für richtig. Aus allen Erfahrungen aus der Praris des Herrn Dr. Arnold als Arbeitsrichter fommen wir zu dem Schluß, daß Herrn Dr. Arnold das notwendige soziale Verständnis als Arbeitsrichter fehlt, weshalb er am Arbeitsgericht unmöglich ist. Wie steht's im Töpferberuf? Seine Erlernung lohnt sich nicht. ,, Desperadopolitik der Straßenbahn." ausgesprochener Beruf für Kleinmeifter. Den etwa 1000 Gefellent Die„ Rote Fahne" brachte in ihrer Nummer 152 den Notschrei eines fogenannten Arbeiterforrespondenten über Desperado- Politik der Straßenbahn". In dem Artikel wurden die Tatsachen auf den ungeniert und die Sozialdemokratie heruntergerissen werden". Verbandstag der Bekleidungsarbeiter. Ropf geftellt, nach dem alten Rezept der KPD.:„ Alles muß verBei der Aussprache zum Geschäftsbericht stand die Frage der zentralen Lohnregelung im Mittelpunkt der Debatte. Die Hamburger Mitgliedschaft hatte eine in der Verbandspresse veröffentlichte Entschließung angenommen, die sich für die örtliche Lohnregelung einfeßt, weil die Löhne in der Hamburger Herren- und Knabenkonfektion bei der zentralen Regelung ins Hintertreffen geraten seien. Die Mehrzahl der Delegierten sprach sich jedoch für die Beibehaltung der seinerzeit in Leipzig beschlossenen zen tralen Tarifpolitit aus. Die Vertreter der Zentralleitung betonten, daß die Lohn- und Tarifpolitit auch eine grundfäßliche Bedeutung habe; sie sei nicht lediglich vom materiellen, sondern auch pom prinzipiellen Standpunkte aus zu betrachten. Die Wünsche der Hamburger Kollegen fejten einen straffen und zahlenmäßig geschlossenen Funktionärförper voraus; diefer fet aber leider nicht vor handen Hier bestehe feine Fachfrage, sondern eine Machtfrage In der Debatte wurden wertvolle Anregungen und Winke für die Tarifpolitik gegeben. Gefordert wurde u. a. Gleichstellung der Löhne für Männer und Frauen, Ausdehnung der zentralen Lohnpolitit auf sämtliche Branchen, mehr Angriffstaftit, Maßnahmen gegen die bei jeder Lohnerhöhung von den Unternehmern vorgenommenen Serienverschiebungen. Im Schlußwort zum Geschäftsbericht führte der Verbandsvor figende Plettl an verschiedenen Beispielen den Beweis dafür, daß die zentrale Tarif- und Lohnpolitik die besten Erfolgsmöglichkeiten bietet, vor allem auch die Möglichkeit, in zurückgebliebenen Lohngebieten Erfolge herauszuholen. In der Abstimmung wurde ein Antrag Hamburgs, an Stelle der Tariffchiedsgerichte das Arbeitsgerichtsgefeß anzuwenden, angenommen. Ebenso fand ein Nürn berger Antrag, Garantielöhne für Stüdarbeiter in Werkstätten zu Wie liegen die Dinge? Durch die Konkurrenz der Schnellbahn und dem Autobus ist die Straßenbahn gezwungen, ihre Fahr geschwindigkeit zu erhöhen. Die Berkürzung ihrer Fahrzeit, wo sie möglich und durchführbar ist, ist schon lange geplant. Nicht erst seit einigen Wochen, sondern Monate vorher, hat der Betriebsrat eine Bollversammlung nach Boefers Festsälen einberufen, um zu der Fahrzeitverkürzung Stellung zu nehmen. Dem Berdreher der Tatsachen in der„ Roten Fahne" ist das Er scheint zu den nicht wenigen Straßen bahnern zu gehören, die solche Versammlungen schwänzen, dafür bahnern zu gehören, die solche Versammlungen schwänzen, dafür aber um so mehr schimpfen. wohl nicht bekannt? Wie fah die Brotestversammlung aus? Ein häuflein von noch nicht 200 Straßenbahnern hatte es für notwendig gehalten, gegen die Maßnahmen zur Verkürzung der Fahrzeit Stellung zu nehmen! Wo waren die übrigen Straßenbahner? Der schlechte Besuch der Vollversammlung war eine glatte Blamage für die Belegschaft. Mußte nicht durch diese Interessenlosigkeit der Belegschaft die Straßenbahn in ihrem geplanten Borgehen geradezu bestärt werden? Ist daran wirklich der Betriebsrats vor sigende Flieger schuld? wie es in der Roten Fahne behauptet wird. Uebrigens fann hier mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß der überaus größte Teil der Straßenbahner die verkürzte Fahrzeit als eine zeitgemäße Notwendigkeit anerkannt hat. Die Berliner Straßenbahn fann nicht gut hinter Krähwinfel fommen. Damit soll feineswegs gesagt sein, daß die verkürzte Fahrzeit lediglich auf Kosten der Straßenbahner durchgeführt werden soll. Es muß vielmehr eine Bertürzung der Arbeitszeit eintreten ohne Kürzung des Lohnes. Weiter muß geprüft werden, ob die alte Berechnung von 23 und 28 Proz. für alle Nebenarbeiten noch Die Arbeitslosigkeit unter den Töpfern wizd troß einigermaßen guter Baukonjunktur immer größer. Von den etwa 1000 Ofensegern in Groß- Berlin sind in diesem Jahre die Hälfte ständig arbeitslos. Woran liegt das? Der Beruf ist ein stehen über 600 Meister gegenüber, von denen viele zwar feinen Gesellen beschäftigen fönnen, aber einen Lehrling halten. Die Zentral- und Fernheizung verdrängt immer mehr die Kachelofenheizung. Schon 1927 wurden 38 Proz. der Wohnhausbauten mit Zentralheizung versehen. Für öffentliche Gebäude tommt überhaupt feine Kachelofenheizung in Frage. Für Küchen tommt ein Kachelherd ebenfalls bald gar nicht mehr in Frage, da hier der eiserne Herb den Kachelberd schon 1927 fast vollständig verdrängt hat. Der Töpfer wird sich nach einigen Jahren nur noch auf das Ausbessern der vorhandenen Kachelöfen und Herde beschränken müssen. Einer Regelung der Lehrlingshaltung haben sich die Töpfermeister widersetzt. Hierbei spielen zwei Momente eine ausschlaggebende Rolle. Erstmal ist der Lehrling ein billi. ger Arbeitsburshe. 3weitens braucht der Unternehmer eine ständige Reservearmee von Arbeitslosen, um dadurch die Löhne niedrig zu halten. Für die meisten Lehrlinge, die den Töpferberuf ergreifen, sind die Lehrjahre eine pergeudete Beit ge wesen, da dieser Beruf teine 3utunft mehr hat. Diese Junggesellen sind schon heute in den überaus meisten Fällen gezwungen, nach Beendigung ihrer Lehrzeit einen anderen Beruf zu ergreifen. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Connabend, 19% Uhr, find folgende Beranstaltungen: Nord. freis: Kreisagitation für die Gruppe Gesundbrunnen. Treffpunkt 18 Uhr Prinzenallee, Ede Babstraße. Lanbsberger Play: Nachtfahrt Frant Bernau- Seilfee, Treffpunkt 18% Uhr Bahnhof Landsberger Allee. furter Allee: Nachtwanderung Bernau- Ladeburg. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Zentralviehhof. Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Berantwortlich für Bolitik: Gevertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales and Sonftiges: Fris Raritäbt: Anzeigen: th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin, Drud: Vorwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Paul Ginger u Co., Berlin G 68. Lindenstraße 3 Sierau 2 Beilagen unb..Unterhaltung und ihen. Morgen! Internationaler Genossenschaftstag Sonntag! im Volkspark ,, Carlshof", Plötzensee Beginn 3 Uhr nachmittags Eintrittspreis: Erwachsene 30 Pfennig, Kinder 15 Pfennig 2 Musikkapellen, Gesangsvorträge, Ansprache, Feuerwerk, Kinder- Fackelzug B Ar. 317» 4S. Jahrgang Sonnabend,?. Iuli-t92S Wso so wo« gibt's noch! Da erzählen wir uns groß« Geschichten über die Fortschritte der Theaterfultur, schicken engogementslose Schauspieler, zu kleinen Wandertruppen vereinigt, in die Provinz und tun so, al» od die Volksbühne da, Proletariat bereits voll- ständig zu neuen B«g rissen von Vergnügen und Vergnügungen er- zogen hätte. Und derweil existieren hier in Berlin die lehrreichsten Leispiele für da», wa» ein großer Teil des Proletariats noch immer als ein, als sei« Vergnügen betrachtet: Der„A u m m e r verschiedenster Lusmachung und der„V u m m Was ist denn ein .Bumm»"? Wenn man glatt uad trocken sagen würde„ein variett niederster Ordnung», dann wäre damit noch nicht viel ge- lagt. So ein �vumm»" muß sozusagen am lebenden Exemplar er- klärt werde». Da liegt in der Gegend»m den Schlefischen Bahnhof herum«in« kleine Ecktneipe, die den Vorzug hat, einen Garten am Sproeuser zu hoben. Zwei Drittel des Garten« sind mit einem Zeltdach überspannt, und hier findet im Sommer die„große Sobarettoorstellung" mit Sonzert statt— bei völlig freiem Entree, wie ca heißt. Zuerst sitzt aus dem Podium, das mit einer Rheine londschast im fjintergrurtb und ein paar schmalen Settentickissen au«- ««startet ist. da« Trio und macht Slimmungsmusik. Der cherr Kapellmeister hat die Verpflichtung, stch von jedem Gast nach Be- «eben„anpflaumen» zu lassm und darf auch den massivsten„Witzen", wenn er sie schon nicht beantworten mag. nicht« al« ein freundliches Geficht entgegen setzen.' Eigentlich soll er sie ja passend beantworten — ihm ist aber bei seiner Beschäftigung sogar der Galgenhumor schon zu Ende gegangen. Und bann endlich tritt der„Conferencier" auf. Der steckt In einem an allen Nähten blanken, schwarzen Anzug, und sein„Oberhemdersatz" ist sogar leidlich sauber. Er begrüßt die Erschienenen namens der gesamten stünstl erschall„einschließlich der Toilettenfrau" und ergeht sich in längeren Ausführungen darüber,. wie man gerode diese„letzte Frau" unterstützen könne und solle(im Bedarsssall erweist e» sich aber, daß die letzte Frau in diesem Etablissement»in« völlig imaginär« Person ist). Und dann kündigt er das Austreten der Soubrette«m. Dos ist eigentiich seine Frau, und bis kurz vor dem Austreten konnte man sie am.„lkünftler- tisch" in der Näh« bewundern. Schon geschminkt und zurechtgemacht saß sie da in ihrem Bühnenkostüm, das nur zu deutlich verriet, wie oft st« als sorgende Hausfrau schon mit Nadel und Schere über den verblichenen Samt gegangen war. Die dickausgetragen« Fettschmink« auf dem mageren Gesicht tonnt« ihr auch nicht den Anschein der Gesundheit geben— eher hätte man unter der Schminkschicht Schwindsuchtsrosen vermutet. Natürlich darf sie hier nicht die Zimperliche spielen— für eine Nußswng« und einen Likör darf jeder betrunkene Gast ihr sein« Unterhaltung ausdrängen. Und nun steht sie aus der Bühne, und singt ein zwei-, nein, ein eindeutiges Chanson. Singen ist freilich ein sehr euphemistischer Ausdruck für ihr Beginnen, und so wie sie hat auch der nachfolgende Komiker den letzten Rest seiner Stimme längst verloren. Er kommt zu jedem Vortrag in einem anderen Kostüm, einmal sogar in roten Trikots mit einem aufgesetzten Storchkopf als„lieber guter Klapperstorch". und die Anspielungen di«s«s Couplets werden von den Gästen mit wieherndem Gelächter belohnt. Das Publikum besteht nun au» un- gefähr zweieinhalb Dutzend Menschen, und diese» Publikum ist mindesten» so interessant, als die Darbietungen der Künstlerschaft. Alle» ist Proletariat aus der Gegend, von der polnischen Schnitterin, die den Anschluß verpaßt hat und von den Spenden ihrer Delegen» heitssreunde lebt, bi» zu kleinen Geschäftsleuten au« der Nachbar- schaft, in der Mehrzahl sogenanntes Familienpubiikum— und sogar Kinder Hot man mitgebracht! Wahrhastig, da sitzen an verschiedenen Tischen Kinder, von zwei, von vier, von sechs Jahren! Und mit glänzenden Augen verfolgen sie die Sprünge des Komikers, mit An- dacht hören ste die eindeutigen Redensarten mit an. Von einer arbeitslosen �Stimmungssoubrette", die stch an unseren Tisch gesetzt Hot, höre ich von den Ar beitsbedingun» genfer A tt i st et»,.. die hier austreten. Es gibt drei, selten vier Mark für den Abend: selbst Lokale in der Friedrichstadt, die «ine Woinablcilung höben, zahlen ja jetzt im Sommer oft nur sechs Mark! Dafür muß man noch den ganzen Abend arbeiten, ein Doppelengagement an einem ähnlichen Lokal oder bei der Bühnenfchau eines kleinen Kinos ist nicht möglich, und selbst diese elend bezahlte Arbeit haben die meisten nur in den letzten Tagen der Woche. Und trotzdem meine Nachbarin andauernd be- teuert,„in solchen Lokalen ja gar nicht zu arbeiten— sie wäre was für den Westen!— Aber auch aus einem Rummel würde sie lieber arbeiten, selbst da verdien« man ja bester"— folgt sie mit hungrigen Augen dem Wirt, der ab und zu durch» Lokal geht. Wenn der merkt, wie sie Uns bei Stimmung erhält, wird er sie vielleicht doch für Sonnabend und Sonntag engagieren... die Erwerbslosen- Unterstützung ist so bitter wenig... und sie wird Ihre pikantesten Couplets bringen und lustig sein... Und bei ihrem fiebrigen Sprechen und unvermirtclten Gelächter begreift man erst, welch tottraurige Sache solch ein„Bumins" ist. Achtung, Reichsbahn! Die Straßenbahn vermehrt die Sitzplätze. In den nächsten Tagen wird die Berliner Straßenbahn den Bertinern einen neuartigen Anhängewagen vor- führen, der von der bisherigen Form abweicht und nur im Aeußeren eine gewisse Aehnlichteit mit dem Zwillingswagen, von denen Ende dieses Jahre» 300 in Betrieb genommen werden sollen, hat. Es wird zum ersten Male ein Straßenbahnwagen sein, der nicht so hoch gebaut ist wie sämtliche bisherigen Wagen und infolgedessen rin bequemeres Einsteigen ermöglicht. Der Wagen, der etwas länger als die jetzigen Anhänger ist, wird von der Mitte aus bestiegen und hat auf jeder Seite zwei automatisch schließbare Türen. Um Raum zu sparen und damit eine möglichst große Anzahl von Sitzplätzen herauszuholen, ist man von den Ouerbankfitzplätzen wieder abgegangen und hat l«der gepolsterte Sitzplätze auf jeder Längsseite des Wagens angebracht. Ohne lebensgefährliche, Ge- dränge werden in diesem Wagen zirka 85 Personen mit- genommen werden können. In bezug aus die Beleuchtung ist dafür Sorge getragen, daß aus allen Plätzen gleich Helles, schattenloses Licht vorhanden ist. Es wäre«in Schauspiel sfl« Götter, wenn in demselben Augen- blick, in welchem die Reichsbahn mit possierlichem Ernst erklärt, daß sie aus diesen und jenen Gründen unmöglich in ihren neuen Dorort- wogen die Anzahl der Sitze erhöhen könne, die S t ä b t i s ch e Straßenbahn den Nachweis erbrächte, daß es bei ernstem Willen eben doch geht. Warten wir also ab. wa« die Straßenbahn den Berlinern präsentieren wird. Das gestörte Gtahlhelmkonzert. Sin Kommunist wegen Landfriedensbrvch verurteilt. Die Zusammenstöße zwischen dem Stahlhelm der am 22. April in Neukölln ein Platzkonzert veranstaltete, und Kommunisten, über die Im„Vorwärts" berichtet wurde, fanden gestern vor dem Er- weiterten Schöffengericht Neukölln ihr gerichtlich«, Nachspiel. Nach- dem es schon während des Konzertes aus dem Hohen, zollernplatz zu schweren Ausschreitungen der Linksrabikalen gekommen war. er- reichten dl« Zwischenfälle in der Prinz-Handjery-Strah» ihren Höhe- punkt, wo die Kommunisten Barrikaden aus Balken und Eisenträgern errichtet hatten, um de» Stahlhelmzug aufzuhalten. Bei der Beseitigung dieses Hindernisses wurden mehrere Polizei beamte und S t a h l h e l m e r durch Stein- würfe erheblich o«r letzt. Einer der dabei Eislierten, der lSjährig« Musiker Walter W., hatte sich nun wegen schweren Landfriedensbruches und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu verantworten, während gegen andere Täter da» Strafverfahren noch schwebt. W. bestritt jegliche Beteiligung an den Ausschreitungen und will nur zusällig damals vorbeigekmmnen fein, während mehrere Zeugen bekundeten, daß Ihnen W. aufge- fallen fei, al» er, um scheinbar einen Stein zu schleudern, den Arm hochhob. Ob er tatsächlich geworfen hat, tonnt« nicht einwandfrei festgestellt werden. Das Gericht verurieilt« W. wegen einfachen Landfriedensbruchs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis unter Zubilligung einer. Bewährungsfrist. Eine Zeugenvernehmung Lombard-VergmavnS. In der Schadenersatzklag« v. Hindenburg gegen den Detektiv Gräger hatte das Landgericht I beschlossen, auch Berg- mann als Zeugen zu vernehmen. Während feil«? gestern sin Unter- suchunyvgefängm» stattgesundenen Vernehmung verweigert« Bergmann auf eine Frag« de« Vorsitzenden, ob er zu seinen Straftaten insbesondere über die mehrfachen Verpfändungen etwas aussagen wolle, die Antwort. Der Borsitzende wies ihn daraus hin, daß unter Umständen die Aussageverweigerung in dem Stmsver- fahren gegen ihn ungünstig ausgelegt werden müsse, da die Akten sicherlich vom Hchöffengericht eingefordert werden würden. Nunmetzr erklärte Bergmann, daß er sich erst mit Nechtsanwolt Dr. S. Feblo- ivicz, der in feinen, St ras Prozeß die Verteidimmq führe, einaehend beraten müsse. Da« Gericht göb auch diesem Antrag« statt. Bisher hat Bergmann in feinem Strafverfahien al« Angeklagter gel rüg- n« t, von den mehrfachen Verpfändungen, die in seinem Betriebe vorgenommen worden waren, etwas gewußt zu haben. Sie Äacht nach demVerrai. i] Roman von£iom O'Zlaherty. (Au, dem Englischen übersetzt von K.Sauser.) Es mar am 15. Mai 192.. drei Minuten vor sechs Uhr abends. Francis Joseph McPHUlip lief die Zementstusen hinauf, die zu der gläsernen Drehtür führten: es war der Straheneinaang des Dunboti-Logierhause». Das„Haus", wie es In Dublin in Derbrccherkreifen und bei der ärmsten Bevölkerung genannt wurde, war ein graues, vierstöckiges Betemgeböud«. Es stand linkerband von einem breiten. windigen Asphaltweg, abzweigend von der B.-Ttraßc an der Südseite der Stadt. Ein Labyrinth von Straßen des Slumviertels') umgab es. Ein undefinierbarer Geruch nach Menschen, die auf engem Raum leben, erfüllte die Luft. Bon dem Haus selbst ging ein Geruch von Esten aus. und van Fußböden, die mit Seife und heißem Master gescheuert werden. Ein rieselnder Regen troff herab von einem schwarzen, geballten Himmel. Von Zeit zu Zeit knatterten Hagel- schloßen, getrieben von einer plötzlichen Bö. in tanzenden Gruppen auf den harten, dampfenden Asphalt. McPhillip rannte die vier Stufen hinauf und drängte sich hastig durch die Glastür in den Borraum. Er brachte fein Gesicht so nahe an die Scheiben, daß sein blasender Atem augenblicklich«inen blinden Hauch auf dem gefrorenen Glas hervorrief. Dann wandte er sich um. Er duckte sich in den Winkel der Tür und spähte um die Ecke der Mauer die Straße hinunter, auf der er soeben gekommen war. Er war ein Mörder. Er hatte während eines Landarbeiterstreiks im letzten Oktober den Sekretär des lokalen Zweiges der Farmer- Union getötet. Seitdem hatte er sich zusammen mit einer Gruppe von Männern, die dem Gefängnis entflohen waren, H Proletarierviertel, sin gewisten Sinne auch verrufener Stadt- te«. mit Briganten, Verbrechern und politischen Flüchtlingen in den Bergen verborgen gehalten. Vor einer halben Stunde war er auf einem Güterzug nach Dublin gekommen. Der Zugführer war ein Mitglied der revolutinären Organisation, der auch McPhillip angehört hatte, als er den Sekretär der Farmer-Union erschoß. Nichts Besonderes war auf der Straß« zu sehen. Eine alte Frau ging weit hinten über den Damm. Sie hatte ein schwarzes Tuch um den Kopf ge- wickelt und trug eine Milchkanne in der Hand, deren Oeffnung sie mit einem Ende ihres Schals bedeckte, um den Regen abzuhalten. Ein Mann fang einsam vor sich hin: das Gesicht dem Rinnstein zu seiner Rechten zugewandt, hielt er seine Mütze vor sich. Er bettelte, aber niemand nahm Notiz von ihm. McPhillips Augen suchten überall umher mit der ge- übten Schnelligkeit eines Menschen, der keine Späher- Ittstinkte durch Not und lange Hebung entwickelt Hot. Die Straße war vollkommen sicher. Er seufzte und wandte.sich, um das Innere des Hauses zu prüfen. Er war ein Mann von mittlerer Größe und schlank ge- wachsen, aber seine Schultern waren breit genug für einen Riesen. Von den Schultern aus verengte sich srin Körper, Hüften und Taille waren ganz außer Proportion zu dem oberen Teil des Körpers. Sein rechtes Bein war unterhalb des Knies auswärts gebogen, und er setzte im Gehen den Zeh des rechten Fußes eher als den Hacken auf den Boden, so daß sein Gang die schleichende Art eines wilden Tieres im Wald hatte.' Sein Gesicht war mager und farblos. Sein Haar war schwarz und dicht, die Augenbrauen dunkel und buschig. Die Wimpern, die sehr lang waren, blieben be- ständig über den Augen gesenkt. Unter diesen gesenkten Wimpern waren seine Augen blau, scharfsichtig und finster: hoben ste sich aber für«inen Augenblick, wenn er an etwas Fernes, vielleicht Imaginäres dachte, so wurden ste groß, melancholisch und träumerisch. Sie waren sanft und von einer unfaßbaren Traurigkeit erfüllt. Seine Kinnbacken waren kantig und scharfknochig, ohne Fleisch, die Lippen dünn und eng gepreßt. Die Nase war lang und gerade. Seine Backen waren hohl, und an den Backenknochen er- schien jedesmal ein roter Flecken, wenn ein Anfall von hartem Husten ihn erschütterte den er zu unterdrücken versuchte. Er trug schäbige, blaue, faltige Holen, einen fahl ver- blichenen, alten Regenmantel, am Halse hochgeknövft wie eine Uniform. Die Schuhe waren alt und verbraucht. Sie quatschten vor Nässe und Schmutz, der sich In ihre ab- gelaufenen Sohlen eingesogen hatte. Eine graue Wollmütze trug er und unter der linken Achselhöhle oerborgen eine automatisch« Pistole in einer Ledertasche. Die Pistole hing an einem Riemen, der um seinen Nacken geschlungen war. Wie er so dastand und durch die Tür spähte, waren die Finger seiner rechten Hand in den Schlitz zwischen zwei Knöpfen des Mantel» hindurchgesteckt. Die Fingerspitzen ruhten auf dem kalten Abzug der Pistole. In der Borhalle warteten drei alte Männer, in einer Reihe aufgestellt, vor dem geschlostenen Glasfenster de« Bureaus auf der rechten Seite. Der Alte, der am nächsten stand, trug die braune Armentracht des Haufe». Seine Augen lagen tief in tränenden Schluchten, und er schien nahe daran zu sein, in eine Ohnmacht zu fallen. Er stand auf einem Stock gelehnt, und sein Kopf nickte immerfort zittrig vor sich hin wie der eines Betrunkenen, der im Be- griff ist, einzuschlafen. Der zweite alte Mann trug einen vertragenen alten Frack. Er sah au» wie ein durch Alter arbeitslos gewor- dener Kellner. Der letzte alte Mann war in ein Gemisch von unbeschreiblichen Lumpen gehüllt: er schüttelte fort- während seinen Leib in dem Versuch, sich durch sein Zeug hindurch zu trotzen. Di« drei standen schweigend. Hinter ihnen führten vier wettere Zementstufen zu einem langen Gang, der sich durch das Gebäude zog. Ganz hinten kreuzte ein Korridor den Gang. MänNer gingen dort gruppenweise ab und zu vorbei.. McPhilliv war im Begriff, dur-*i die Tür hindurchzugehen, als sich das Glasfenster mit«inem Knirschen öffnete um» innen der Kopf eine» Mannes erschien. Der Mann schnippte mit Daumen und Zeigefinger und veranlaßte so den alten Mann, der am nächsten stand, heranzukommen. Es war der Alte mit den Lumpen. Der Alte kam uild rief mit schwacher kindischer Stimme plötzlich:„Ach herrje, ich hob's vergessen." Schwach lächelnd und mit sich selber murmelnd begann er in seinen Lumpen herumzuwühlen. Der Mann im Fenster sah zu ihm hin, blies ärgerlich die Lippen auf und verschwand.(Forts, folgt.) Jetzt befand er sich hier in der Zwangslage, imter Umständen eidlich als Beuge über diesen heiflen Punkt aussagen zu müssen. Das Strafperfahren gegen Bergmann, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jacoby und acht weitere Ange schuldigte ist so weit gediehen, daß die Straffammer bereits die Zustellung der Angeklageschrift betreibt und gleichzeitig wegen des umfangreichen Materials über den Antrag von Oberstaatsanwalt Binder auf Eröffnung des Strafverfahrens berät. bes Strafverfahrens berät. 16 h Tod Löwensteins immer geheimnisvoller War der Banfier ein Schlafwandler? Auf dem Flugplatz le Bourget wurde gestern, wie der„ Temps" mitteilt, mit einem Flugzeug von dem gleichen Typ, mit dem der belgische Bankier Löwenstein verunglückt ist, der Versuch gemacht, ob sich während der Fahrt die Ausgangstür öffnen läßt. Zwei Mechanifer der Flugzeugfirma Foffer versuchten während des Laufens der Motoren bei voller Geschwindigkeit die Tür zu öffnen. Erst als fie beide gemeinfam fich mit voller Kraft dagegen ſt emmten, entstand eine Deffnung von genügender Größe, daß ein Mensch hätte hinaufallen können. Der Vertreter der Firma Fotter hat auf Grund dieser Feststellung erklärt, daß es einem einzelnen Menschen nahezu unmöglich sei, die Tür eines Flugzeuges dieses Modells während der Fahrt zu öffnen. Die Fachleute auf dem englischen Flugplatz Croydon haben nach der Rückkehr von Löwensteins Flugzeug den Aeroplan auf das Eingehendste untersucht, aber feinerlei Spuren von einem etwaigen Todessturz Löwensteins gefunden. Die internationale Fachpresse vertritt mit feltener Einmütigkeit die Auffassung, daß infolge des starken Luftdruces während des Fluges Löwenstein allein die Türe nicht hätte öffnen können, durch die er in das meer gestürzt fein foll. Das franzöfifche Gericht in Boulogne hat eine eingehende die licherweise zu feinem Ergebnis gelangt. Läge der Leichnam Löwensteins vor, dann wüßte man wenigstens, daß er tot ist. Von dem toten Löwenstein ist aber nirgends eine Spur zu entdecken. Im Gegensatz dazu erklärte der Privatsekretär Löwensteins, daß Jugendliche vor dem Schnellrichter Wo aber bleibt die soziale Gerichtshilfe? Mehr als einmal ist bereits im Vorwärts" gefordert worden, daß ein Helfer der sozialen Gerichtshilfe allen Sigungen des Schnellgerichts beiwohnen muß. Das Schnellgericht follte einer schnellen Hilfe dienen, nicht aber nur einer schnellen Berurteilung. Mit der letzteren ist der Gemeinschaft wenig gedient, die erftere bedeutet nicht selten alles. Immer wieder muß aber festgestellt werden, daß das Bewußtsein von der Notwendigkeit dieser Hilfe noch lange nicht in genügendem Maße vorhanden ist. Nicht selten fragt man sich bei Gerichtsverhandlungen in Moabit: Was soll hier die Helferin oder der Helfer der sozialen Gerichtshilfe? Manchmal scheint einem ihre Anwesenheit unnüz, weil nichts mehr zu retten ist, mitunter, weil Hilfe nicht erforderlich scheint. Und da sagt man sich: Wenn doch dieser Helfer die zwei oder im höchsten Fall drei Stunden Zeit fände, um die neun oder zehn Fälle beim Schnell gericht mitanzuhören; einige find bestimmt dabei, wo ein fofortiges Eingreifen unbedingt vonnöten wäre. Hier nur zwei Beispiele statt vieler. Ein noch nicht Vorbestrafter. ihn veranlaßt, den Einbruch zu begehen, sagte er. Die Freifarten hat er losgeschlagen, die Schokolade teils gegessen, teil verkauft, die Geige im Pfandleihhause versetzt. Nun steht er vor Gericht, halb jungenhaft trogig, halb beschämt. Der Geiger ist voll Zorn gegen den Einbrecher: Bis zur Stunde hat er sein Instrument nicht wieder. Der Richter verurteilt den jungen Menschen zur mindest zulässigen Strafe, zu drei Monaten Gefängnis wegen schweren Einbruchdiebstahls. Der Verurteilte nimmt die Strafe an, aber seine Lippen bewegen sich verdächtig. Was wird aus dem jungen Menschen? Hätte in diesem Falle nicht ein Fürsorger der sozialen Gerichtshilfe zur Stelle sein und sich des offenbar ganz hilf- und ratlosen Menschen annehmen sollen? hätte man ihm nicht Bewährungsfrist zubilligen können? Wird er im Gefängnis nicht den Rest der Selbstachtung verlieren und -sie draußen besaß? noch schlechtere Kameraden fennen lernen als er. Das Mädchen ohne Wunsch und Ziel. Ein ganz eigentümliches Geschöpf! Es zeigt eine Gefichtsmimit und lebergänge von Heiterteit zur Traurigkeit, daß einem Zweifel tommen fann, ob diese Neunzehnjährige geistig ganz gefund ist. Sie ist angetlagt, ein Portemonnaie mit einigen Mart gestohlen zu haben. Die Tat bestreitet sie. Wovon sie gelebt habe? Von Freunden. Wo fie wohne? Bei einer Freundin mit einem Freunde. Der Bestohlene ist zwar als Zeuge geladen, aber nicht erschienen. Die Sache muß vertagt werden. Wo wohnen Sie jetzt? Jetzt, hier. Sie, wenn wir Sie entlassen? Zu meiner Freundin. Und werden Sie da wohnen? Ja, mit meinem Freunde. foll. Das französische Todesursache veranstaltet, ist aber begreif 3. B. seinem jüngeren Arbeitskollegen gegenüber: Wie wäre es, Ich meine, haben Sie eine feste Wohnung? Nein! Wohin gehen es ihm persönlich mehr mehrere male möglich gewesen sei, während des Fluges die Tür zu öffnen und daß es demnach nicht ausgeschlossen sei, daß sich Löwenstein in der Tür geirrt habe und hinausgefallen sei. Der Sekretär schilderte die Anordnung des Toiletteraumes im Flugzeug und erklärte, daß, wenn man sich in diesen Raum begebe, man notgedrungen mit dem Rücken gegen die zweite Ausgangstür zu stehen komme, und daß diese Tür, wenn sie nicht ganz gut verschlossen sei, dem Druck des Körpers nicht standhalte, sondern sich öffnen müsse. ,, Paris Midi" veröffentlicht eine Unterredung mit einer dem Finanzmann Löwenstein nahestehenden ungenannten Persönlichkeit. Danach soll Löwenstein Schlafwandler gewesen sein und man tönne annehmen, daß er ein Opfer dieser Krankheit geworden sei. Einen Selbstmord hält die betreffende Persönlichkeit für ausgeschlossen. Eher fönne man noch ein Verbrechen annehmen. In Pariser Börsenfreifen wird allen Ernstes die Auffassung vertreten, daß sich die sensationelle Meldung von dem romantischen Todessturze Löwensteins schon sehr bald aufklären werde. Handelte es sich doch bei ihr um ein großes und gelungenes Börsenmanöver. Wenn das Flugzeug an der belgischen Küste eine Zwischenlandung unternahm, dort den belgischen Finanzmann an Land setzte und nach Calais weiterflog, um hierauf die sensationelle Meldung von dem Sturze Löwensteins aus dem Flugzeug in den Kanal zu verbreiten, dann befindet sich Löwenstein noch am Leben. Ein Vertrauter Löwensteins meldet im Le Petit Journal", daß Löwenstein wieder in wenigen Tagen wohlbehalten auf der Bildfiäche erscheinen wird. Amerika lobt unseren Flughafen. 3talienisches Faschistengeſchrei. Der amerikanische Flieger Mears mit dem Piloten Collygers an Bord, der einen Europa- Asien- Flug von Paris über Berlin, Moskau, Kurgan, Krasnojarst, Tichita, Mutden und Tokio unternimmt, ist gestern früh auf dem Tempelhofer Flugfelde eingetroffen. Mears war vorgestern abend in Paris nach Köln gestartet, mo er gegen 4 Uhr morgens landete. Nach kurzem Aufenthalt setzte er seinen Flug nach Berlin fort, verlor jedoch infolge des unfichtigen Wetters die Orientierung und mußte schließlich auf offenem Felde bei Landsberg a. d. W. eine 3 wischenlandung vornehmen. Mit anderthalb Stunden Verspätung trafen dann die Flieger glücklich in Berlin ein. Sie beabsichtigten, noch gestern in direktem Fluge nach Mostau weiterzufliegen. Beide Flieger äußerten ihre Bewunderung für die ausgezeichnete Einrichtung der Flughäfen in Köln und Berlin. Bei heftigstem Regen trafen gestern nachmittag vier italie nische Flugzeuge von Amsterdam fommend in Berlin ein. Die Italiener hatten an den Flottenmanövern in England teilgenommen und wollten mit 12 Flugzeugen Berlin einen Höflich feitsbesuch abstatten. Ein Bäderdugend italienischer faschistischer Schwarzhemden begrüßte die Flieger mit Eviva Gebrüll. Von den zwölf Flugmaschinen, die erwartet wurden, trafen aber nur vier in Berlin ein. Die übrigen hatten fich verflogen oder mußten notlanden. เวฟ Ein Zögling vom Lindenhof ertrunken. Im Flußbad Lichtenberg ereignete sich gestern gegen 20 Uhr ein schwerer Badeunfall. Der 15jährige 3ögling Gerhard Heinrich vom Erziehungsheim Lindenhof ging plötzlich vor den Augen zahlreicher Mitbadender unter. Es gelang, dem jungen Menschen nach kurzer Zeit zu bergen, doch blieben alle Wiederbelebungsversuche, die man anstellte, ohne Erfolg. Die Leiche wurde nach dem Friedhof in der Bornigstraße gebracht. Die Todesursache konnte noch nicht ermittelt werden. Ein 19jähriger Maschinenbauer. Arbeitslos geworden, nimmt er eine Stellung als Plazanweiser in einem Kino in Lichterfelde an, weit entfernt von seinem Wohnort. Die Arbeit sagt ihm nicht zu. Er scheint auch in schlechte Gesellschaft geraten zu sein, treibt fich am Bahnhof 300 umher, führt verdächtige Redensarten, äußert wenn wir die Kassiererin überfallen würden? Und eines Tages bittet er um Entlassung. Er bleibt, bis Ersatz gefunden ist, dann geht er. Einige Tage später wird im Kino eingebrochen. Am nächsten Morgen fehlen Freifarten, Schokolade im Werte von 60 bis 70 m., die dem neuen Plazanweiser gehört, und eine Geige, Eigentum des Rinogeigers. Der Verdacht fällt sofort auf den Maschinenbauer. Er wird verhaftet und ist geständig; ein Freund habe Mord bei Krummhübel. Der Mörder ein tschechoslowakischer Sträfling. Der im Gebirge bei Krummhübel zur Erholung weilende Oberpfarrer Schöne aus Modelsdorf wurde am Dienstag nachmittag auf dem Wege von der Hampelbaude nach der Kleinen Teichbaude erschossen aufgefunden. Die Leiche wies zwei Schüsse auf. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Raubmord. Zwei Männer hatten den Ueberfall beobachtet und gesehen, wie der Pfarrer von dem Täter ins Gestrüpp geschleppt wurde. Als sie hinzufamen, war er bereits tot und der Täter verschwunden. Pfarrer Schöne ist verheiratet, 44 Jahre alt und seit dem 10. Juli vorigen Jahres in Modelsdorf tätig. Der Verdacht, den Raubmord verübt zu haben, richtet sich gegen einen ehemaligen Sträffing, der vor einigen Lagen aus einem tschechoslowakischen Gefängnis entlassen worden ist und sich im Gebirge herumtreibt. Dem Ermordeten wurde die Brieftasche mit 100 Mart geraubt. Die Sezierung der Leiche findet heute vormittag statt. Der Mord hat in dem an Sommergästen vollen Krummhübel große Unruhe und Bestürzung hervorgerufen. Man darf hoffen, daß die tschechoslowakischen Behörden gemeinsam mit den deutschen die Fahndung nach dem Täter betreiben. Königlicher Schulinspektor. In Stolp in Pommern noch zu finden. Im Breußischen Landtag brachte vor kurzem der Abg. Hart. wig( S03.) folgende kleine Anfrage ein: In Stolp in Bom mern befindet sich im Flur des Hauses Bismardstraße 5, in dem der Schulrat Bornhagen wohnt, eine Tafel mit dem Berzeichnis der Mieter, auf der prangt: gl. Kreisschulinspettor Bornhagen". Dieser Beamte scheint nach 9 Jahren Republik noch nicht zu wissen, daß er sich obige Bezeichnung nicht zulegen darf. Bezeichnend ist, daß die Regierung in Röslin gegen diesen Beamten noch nichts unternommen hat, trotzdem, wie berichtet wird, der Oberregierungsrat Berns im Haufe des Schulrats Bornhagen verfehren soll. Ich frage: Was gedenkt das preußische Staatsministerium gegen diesen Beamten zu unternehmen? PP Im Anschluß daran fragt der in der Beamtenschaft befannte Herausgeber der Allgemeinen Beamtenforrespondenz" Herr Dr. Rathle, ob denn in der jetzigen Zeit feine anderen Sorgen als diese vorhanden wären! Wenn Herr Dr. Rathte dazu schreibt, es fei zu bezweifeln, daß die Beibehaltung des alten Türschildes eine Gefährdung der Republik bedeute und deshalb eine besondere parlamentarische Anfrage ungerechtfertigt ist, so müssen die Beamten, die ihren Eid auf die Verfassung ehrlich zu halten gewillt sind, erklären, daß allerdings ein Beamter in einem etwas anderen Verhältnis zum Staat stehen müsse als nur in dem rein materiellen eines Bürgers. Wer als Beamter 10 Jahre nach Aus rufung der Republik noch nicht einsehen will, daß die Bezeichnung föniglich in Verbindung mit der Amtsbezeichnung ein bewußter Affront gegen den Staat, der ihn bezahlt, ist, hat überhaupt das Das Gericht hebt den Haftbefehl nicht auf. Die Angeflagte bittet um gar nichts, als ob es sie gar nichts angehe, was um sie herum vorgeht. Sie wird abgeführt. Wo blieb in diesem Falle die soziale Gerichtshilfe? Oder war sie etwa nicht nötig? Recht verwirft, fich noch Beamter zu nennen. Es wird endlich Zeit, daß die übergroße Langmut gegenüber derartigen Herren aufhört. big Sozialdemokratie hilft Oberschlesien. Sturmschäden über 15 Millionen Mart. Gleiwitz, 6. Juli. Nach den jeßigen Feststellungen find die durch die Sturma fatastrophe in Oberschlesien entstandenen Schäden außerordentlich groß. Bon sachverständiger Seite werden die Ge samtschäden in ganz Oberschlesien auf 15 bis 20 Millionen Mart beziffert. Im Landkreis Gleiwit wird der Fausschaden allein auf zwei Millionen und der Forstschaden auf drei bis fünf Millionen Mark geschätzt. Die oberschlesischen Wälder mit den filometermeit gefnidten Baumreihen gleichen Schlachtfeldern. Biele Familien find obdachlos geworden und mußten in Schulen und Sälen untergebracht werben. Die Stadtparlamente von Beuthen und Gleiwit und der Kreisausschuß von Gleiwiz haben sich bereits mit den Unwetterschäden befaßt und einmütig die fofortige Einleitung Don Hilfsmaßnahmen durch Reich und Staat berlangt. Die großen politischen Parteien werden im Reichs- und Landtag Uranträge einbringen. Die fozialdemokratische Frat. tion hat bereits im Breußischen Landtag einen Urantrag zur Einleitung von Nothilfsmaßnahmen eingebracht. Die 20. Reichsfeuerwehrtagung. Wehren aus Deutschland, Defterreich und der Zschechei. Der 20. Deutsche Feuerwehrtag, der in den Tagen vom 6. bis 13. Juli in Breslau stattfindet, nahm am Freitag vormittag mit der Eröffnung der Feuerwehr ausstellung in der Jahrhunderthalle seinen Anfang. Die Tagung ist die bedeu tendste in der Geschichte des deutschen Feuer mehrwefens. Dem Deutschen Reichsfeuerwehrverband, dent die Wehren aus Deutschland, Desterreich und der Tschechoslowatei angehören, find 34 379 Feuer mehren mit 1702 442 Kameraden angeschlossen. Die mit der Tagung verbundene Feuerwehrgeräteausstellung zeigt neben den modernsten Feuerlöschgeräten auch eine historische Abteilung. Fast an jedem Tage werden Uebungen von schlesischen Feuerwehren stattfinden, so am Sonntag eine große Brandübung der Breslauer Berufsfeuerwehr. Am Sonntag vormittag werden jich über 20.000 deutsche Feuerwehrleute an einem Festzuge beteiligen. Die Hauptpersammlung findet am Montag vormittag im Meffehof des Ausstellungsgeländes statt. Für die Reise Wanderungen und das Wochenende unerläßlich Chlorodont.3ahn. paste und die dazuge hörige Chlorodont 3ahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt zur Beseitigung fauliger, übelriechender Speisereffe in den Zahnzwischenräumen und zum Weißpugen der Zähne. Die gef. geld. 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Nicht weit entfernt von ihr entdeckte man unter Baumwurzeln versteckt und ebenfalls mit Fichtennadeln zugedeckt mehrere Kleidungsstücke, die die Unbekannte getragen hat und die auf dem Rücken zum größten Teil aufgerissen sind. Nach dem Ergebnis aller Ermittlungen liegt ohne Zweifel ein Verbrechen vor. Für die Ergreifung und Ueberführung des Täters hat das Kriminalamt Chemnitz eine Belohnung von 1000 Mart ausgesetzt. Die Ermordete mag etwa 30 bis 40 Jahre alt gewesen sein. Sie war mittelgroß und der Kleidung nach wahrscheinlich eine Landarbeiterin. Zur Feststellung der Persönlichkeit und zur weiteren Aufklärung fönnen vielleicht auch Berliner Landarbeiter Vermittlungs. stellen beitragen. Wer etwas weiß, wird gebeten, sich bei der Inspektion A des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Ein prügelnder Polizeibeamter. Unter der Anflage der Mißhandlung im Amte hatte fich gestern der Polizeioberwachtmeister Paul Lemde vor dem Schöffengericht Mitte zu verantworten. In der Nacht zum 16. November hatte er den Händler Förster in der Frankfurter Allee, der in der Trunkenheit groben Unfug verübt hatte, zwangsgestellt. Auf dem Wege zum Revier foll fich nach der Behauptung des Angeflagten, der als Trinter und Krafeeler in der ganzen Gegend bekannte Förster, heftig gewehrt haben, so daß Gewalt angewendet werden mußte. Der Angeklagte bestritt aber, den Verhafteten miß handelt zu haben und gab nur zu, daß er vielleicht zufällig"(?) gegen das Gesicht des Festgenommenen geschlagen habe. Der Beuge selbst schilderte es anders. Er will sofort mit dem Polizeigriff vorwärtsgestoßen worden sein. Auf der Treppe zur Wache habe der Angeklagte mit Fußtritten nachgeholfen" und ihn mit dem Kopf gegen die Band gestoßen. Auch auf der Wache habe der Angeklagte ihn noch einmal gegen die Wand gestoßen. Der Polizeioberwachtmeister Frentel, der das Wachtbuch führte, hatte bei der ersten Bernehmung von dem Borgang in der Wachtstube nichts wissen wollen, fich später aber erinnert, daß Lemde sehr aufgeregt war und aus der Nase blutete. Plötzlich sei er aufgestanden und habe Förster einen Stoß gegeben, so daß diefer zurüdtaumelte. Der Angeflagte behauptete, daß er wegen feines Nafenblutens zum Spudnapf gegangen sei und den Mann nur babe beiseitechubs en wollen, Ueber den Vorgang ist übrigens feine Eintragung in das Wachtbuch gemacht worden. Förster, ein Mann von 43 Jahren, hat fich nach seiner Entlassung bei dem diensttuenden Abfahrt aller Kinderrepublikaner und ihrer Führer am Sonntag, dem 8. Juli, 10 2hr 25 Minuten, Stettiner Bahnhof. Treffen 9 Uhr 15 Minuten am Pappelplag( Jnvalidenstraße). Die fozialistischen Arbeiter tommen zum Abschied der Arbeiterkinder. Der Zelflager- Ausschuß. Beamten gemeldet und ihm die Wunde gezeigt. Als er am nächsten Tage Ohrensausen hatte, ging er zum Arzt, der eine 3 erreißung des linken Trommelfells und eine Berlegung am anderen Ohr feststellte. Der Sachverständige befundete auch vor Gericht, daß derartige Verlegungen nur von einem sehr harten Aufschlag oder einer Explosion herrühren können. Med.- Rat Dr. Dyrenfurth billigte dem Angeklagten§ 51 nicht zu, stellte aber eine starke Erregbarkeit bei ihm feft. Der Staatsanwalt bob hervor, daß der Angeklagte, der in acht Jahren sich als tadellofer Beamter gezeigt habe, ein gewisses Mitgefühl verdiene. Ein Beamter dürfe aber schon im Ansehen seines Standes und des Staates, auch wenn er durch Widerfäßlichkeiten noch so sehr gereizt fei, fich nicht zu solchen Roheitshandlungen hinreißen lassen, deshalb sei eine Geldstrafe nicht ausreichend, und er beantrage zwei Monate Gefängnis. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen Mißhandlung im Amte zu 100 Mart Geldstrafe. Funkwinkel. Zu Wochenendfahrten in die einzigartige Welt bes Spreewaldes wollte der Vortrag von Georg Eugen Rigler anregen. Nur zwei Bahnstunden von Berlin entfernt und infolge günſtiger Berbindungen bequem als Wochenendziel zu erreichen, liegt dieses wendische Boltsgebiet mit seinem wundervollen Baumbestand, seinen reizenden Wanderwegen; zu Lande vor allem aber auch zu Waffer bietet es ein mit Naturschönheiten gelegnetes Reiseziel. Das wendische Volkstum hatte hier einen großen Teil seiner Farbenprächtigen Trachten, die wendische Sprache wird in den Urwüchsigfeit bewahrt. Männer und Frauen tragen noch ihre Familien gepflegt. Die Schilderungen des Vortragenden fonnten wohl in manchem Hörer die Luft erweden, eine Fahrt in den Spreewald zu machen. Leider erfuhr man aus den Ausführungen nicht die Kosten eines solchen Wochenendausfluges. Üleber ben Wert und die Bedeutung der Frauengymnaftit" fprach Dr. Gustav Mustat. Er betonte, daß Turnen ein anstrengender Sport ist, der nur für den gefunden Frauentorper in Frage kommt, Gymnastit aber darauf hinwirkt, daß der Körper erst einmal gesund und leistungsfähig wird. Ein sehr hochwertiges Abendkonzert bot Georg Szell mit dem Funtorchefter. Besonders erfreulich wirkte das Klavierspiel in C- Moll von Saint Saens, dessen Solist Theophile Demitrieſcu war, durch den vollen, edlen Eine angenehme Unterhaltungsmufit brachte am Nachmittag die Kapelle Gebr. Steiner. Tes. Klavierton. Abermals ein schweres Fehlurteil? Unschuldig zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bamad pulls a Breslau, 6. Juli. Der Kaufmann Heppner aus Breslau ist im Februar vorigen Jahres vom Schwurgericht Breslau wegen Urkundenfälschung, vollendeten und versuchten Betruges und Anftiftung jum wiffentlichen Meineid zu vier Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverluft und dauernder Unfähigkeit, als Zeuge vernommen zu werden, verurteilt worden. Durch den Verteidiger Heppners ift ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt und damit motiviert, daß sich in der Zwischenzeit Tatsachen ergeben hätten, die dartun, daß Heppner unschuldig fei. Der Oberstaatsanwalt hat daraufhin die fofortige Eatlaffung Heppners aus dem Zuchthaus verfügt. Das wiederaufnahmeverfahren schwebt. Refordversuch der Junkers Piloten. dass! Freitag abend 43 Stunden in der Luft. Die Junters- Mashine W 33, die unter Führung der Piloten Risticz und Zimmermann am Donnerstagfrüh zu einem e: neuten Angriff auf den Weltbauerretord aufgeftiegen war, befindet fich noh immer in der Luft und der Flug verläuft bisher programmäßig. Der Kurs wurde auf der Strede Dessauede Deffau Leipzig und zurüd regelmäßig immegehalten. Am Freitagabend befanden sich die Flieger 43 Stunden in der Luft. Sie hatten bis dahin etwa 5000 Kilometer zurüdgelegt. Der Bersuch fann als geglüdt gelten, wenn die Landung nicht vor Sonnabend nachmittag 5 Uhr zu erfolgen Sraucht. Todesfturz einer deutschen Turmfeilläuferin. Wie wir fürzlich berichteten, wurden in Redcad in Eng( and die Mitglieder der deutschen Orion- Truppe durch eine einsehende Bö vom Seil geschleudert. Die Turmseilläuferin wurde ins Krantenhaus eingeliefert. Jetzt fommt aus England die Nach handelt sich um die deutsche Artistin Elsa Nunn, die am richt, daß die Artistin ihren schweren Verlegungen erlegen ist. Es 4. Oktober 1905 in Freiburg i. Br. geboren wurde. Die junge Artistin war außerordentlich beliebt, was besonders bei dem Leichenbegängnis in Redcad zu bemerken war, an dem sich auch die Bewohner sehr zahlreich beteiligten. Spielplanänderung. Die im Deutschen Künstlertheater für heute abenb angefeste Bremiere der Holländer- Revue Es kommt jeder bran!" ift auf Mittwoch, den 11. Juli, verlegt worden. Gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. ( Nachdr. verb.). Etwas fühler, wechselnd bewölkt, zeitweise beiter, teine wesentlichen Niederschläge. Mäßige westliche Binde. Für Deutschland: Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. Ueberall fühler, in der westlichen Hälfte des Reiches wieder Wetterbesserung. Niederschläge besonders im Diten. Bilanz der Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.- Ges. Vermögen Kasse, Postscheck u. Bankguthaben in Ifd. Rechnung Materialien Wertpapiere und Beteiligungen Schuldner Kapitalverpflichtungskonto der Stadt Berlin Vorauszahlungen auf Versicherungen. Interner Tilgungsfonds für die Frankenanleihe am 31. Dezember 1927 ARM 237 401,31 9 359 657,49 2538 670,89 16 926 426,78 173 263 297,51 452 889,24 1 585 176, Oftastis 204 363 519 22 Verbindlichkeiten Aktienkapital. Gesetzlicher Reservefonds 7% Franken- Anleihe v. 1925 6% Amerika- Anleihe I von 1926 6% Amerika- Anleihe II Gläubiger • Rücklage für Werkerhaltung Rücklage für besondere Betriebsverbesserungen Rücklage für Umschaltungen Rücklage für Delkredere Pensionsrücklage für Beamte und Arbeiter. Reingewinn: 10% Dividende auf RM 15 Millionen Stammaktien 1 500 000, Vortrag auf neue Rechnung.. 435 790,32 Gewinn- und Verlustrechnung RM 15 000 000, 1: 500 000, 24 116 695,35 12 600 000, 84 000 000, 43 520 823,17 16 892 074,19 598 136,19 1 200 000, 500 000, 2500 000, 1935 790.32 204 363 519,22 der Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.- Ges. Ausgaben Kosten für Betrieb und Strombezug. Unterhaltungs- und Instandsetzungskosten Umschaltungen Anlagen- Prüfungskosten Handlungsunkosten Steuern. Zinsen einschl. Anleihezinsen . · Abgabe an die Stadt Berlin Sonderabführung an die Stadt Berlin Zuweisung an das Kapitalverpflichtungs- Konto der Stadt Berlin Disagio und Unkosten bei Aufnahme der Auslandsanleihen. Ordentliche Abschreibungen Rücklage für Werkerhaltung Rücklage für Delkredere. Rücklage für Pensionen der Beamten und Arbeiter Reingewinn am 31. Dezember 1927 RM na mbo 35 610 159,45 10 509 100,57 2 459 932,49 1 663 757, 5212 841,72 2550 368,20 8 157 193,66 11 516 761,53 7147 000, 6959 990,85 129 039, 9 16 877 788,02 12.000 000, 134 323,28 1 166 266,99 1 935 790,32 124 030 313,77 In Hermsdorf( Thür.) finden Sommergästel gute und recht preis3237 Stromlieferung. Vermietete Anlagen.. Wohngebäude. Gewinn aus Wärmelieferung Gewinn aus Eislieferung Gewinn aus Installationen Kursgewinne aus Wertpapieren Gewinn- Vortrag ban nis bib nnow ad • Einnahmen RM 115 732 422,36 95 173,74 554 973,92 88 665,60 63 018,61 129 870,87 6 959 990,85 406 197,82 ob 124 030 313,77 werte Aufnahme. Hermsdorf ist umgeben von großen Nadel- Waldstadt Fürstenwalde waldungen, bietet prächtige Spaziergänge in der Umgebung und hat ein neugebautes, staubfrei gelegenes GemeindeSchwimmbad, das den höchsten, neuzeitlichen Anforderungen entspricht. Bequeme Halb- und Tagesausflüge nach Jena, Weimar, Saalfeld, Erfurt, Gotha und Eisenach sind möglich. Autopost nach Eisenberg und St. Gangloff. Mietauto im Ort Tagungsort u. Ausflugsziel der Bio Gewerkschaften und Vereine xool hol SAISON Jmmer AUSVERKAUF noch 890 XL Herren- Halbschabe, Rind bon. In schwarz #CIMU US brann gso NOTIC Mädchen braun Rindbox Spangenschuhe, fubgerechte Form, Gr. 31/35 6.90, 27/30 Dam.- Spangenschuhe, hellmode mit amerik. Abs., in schwarz Boxcalf mit dem beliebten Trotteur- Absatz Dam.- Spangen mit geschweiff. Abs., in beige, rosé und mauve 13 Herren- Lackbalbschuh, weiß gedoppelt... Herren Halbschuhe, braun u. schwarz, beste Rahmenarbeit 90 890 99 80 1090 $ 12.50 2 bei Zack & CIE A- G. BURG/ M. Lackspangenschab aperies Modell 7.90 MO Charleston Sandaletten, in blaa belge und rol., v 6 90 213 Liwera- Strümpfe Mako- Finish- Strumpf kunstseidener Damenstrumpf. 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Marienwahl(@berl), 3. Natal( Sedert), Toto: 25: 10. Plat: 16, 26, 17: 10. Ferner liefen: Michael, Luftschiffer, Stopere, Heideblume, Dante, Jda Palos, Kazbach, Großmogul. 7. ennen. 1. Biltes( G. Jauk ft.), 2. Rushaga Boy( Helland),| 3. Silberpappel( Sedert), Toto: 23: 10. Blat: 23, 66, 20:10. Ferner liefen: Morgenstunbe, Leuchte, Rosemarie, Nanu, Selamlit, Friz Balmetto, Constanze, Theokrat, Zierde. 8. Rennen. 1. Fram( Frömming), 2. Esparfette( Schleusener), 3. Fredegundis( 3. Mils). Toto: 37:10. Blak: 19, 32, 19:10. Ferner liefen: Trottel, Harsenmädchen, Cilly Dillon, Dancing Girl, Campanula, Egriftl, Minni Halle. 9. Rennen. 1. Interpellant( Sedert), 2. Flamingo( G. Jauß ir.), 3. Roblentönigin( Triphan). Toto: 103: 10. Blaz: 43, 25, 46: 10. Ferner liesen: Gopal, Langemann, Good Boy, Angriff, Casanova, Dolerit, Heideprinz I, Friedrich Neg, Eitelfried. Wetten. Ferner Hefen Vorträge, Vereine und Versammlungen. 3. Rennen. 1. Glücksbogel( J. Mills), 2. Beate( Snöpnabel it.), 3. Laterne( Lemzer). Toto: 182( Beate): 10. Play: 48, 60( Laterne), 59( Leuchttäfer): 10. Glüdsvogel lief ohne Alcibiades, Salome, Helmchen, Froschel, Dolman, Ruth 2., Baron Gabler, Schüler Teddy, Ludzina, Leuchttäfer. 4. Rennen. 1. Cotta( Schleusener), 2. Lodung( Sauß it.), 3. Königs abler( Lautenberger). Toto: 30:10. Blab: 26, 32, 28:10. Ferner liefen: Ehrenberg, Alpengeier, Natalis, Johannistäfer, Trotteur. 5. Rennen. 1. Galeere( Hedert), 2. Stafabu I( 3. Mius), 3. Arosa ( Rogomsti als 1. Bisq.). Loto: 26: 10. Blag: 13, 15:10. Ferner lief: Abendstern. 9 6. Rennen. 1. Graf Dorn( Befizer), 2. D'Captain Reerberg ( Befizer), 3. Grifa( Befizer). Toto: 26:10. Blag: 19, 87, 23:10. Ferner liefen: Effi, Erbpring jr., Ilona B., Barmaid, hellina, Importeur, Goudster jr. Theater, Lichtspiele usw. Sonnab, 7. 7. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 61. Anf. 20( 8) Uhr Sonnab., 7.7.28 Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber Bohème geschlossent Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 60 Staatl. Schauspielb. Am Gendarmenmark! Ant. 19%( 7%) U. Ferienhal ber Oedipus Rex Petruschka geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Dentsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 10% Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 81 U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91.Domb.170 8%, Ende nach 10% Gastspiel d. Deutschen Th. Der Prozes Mary Dugan Saltenberg- Bübeen Ots. Künstler- Th. Wegen Vorbereitung zur Premiere bis incl. 10. Juli geschlossen! Mittwoch, 11. Juli Premiere Es kommt Volksbühne jeder dran! Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 81 Uhr Orpheus in der 8% Uhr: Der Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: „ Spiel im Schloss" Unterwelt Kuhhandel Theater des Westens Reichshallen- Theater 81 Uhr: Lori Leux in Die Stettiner Sänger ungeküßte Eva Zum Schluß: Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel Anfang 8 Uhr. Donhoff Brett'l ( Saal und Garten) Operette in 3 Akten. Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Gr. Varieté- Programm, Konzert, Tanz Kleines Theater Sonntag, 8. Juli Wahl der Heute 8 Uhr Letzte Vorstellung! Kaiser- Netz Lotte Hlinder in SOMMERKONIGIN Galante im LUNA PARK Nacht! Sonntag 84 Uhr Premiere Sprungbrett der Licbe Lustspielhaus Täglich 8%, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Reederei Kieck Falckensteinstraße 48 Tel. Moritzplatz 8197 Ab Oberbaumbrücke täglich( auß. Sonnab.) auch nachm. 9 Uhr früh u.1 herrliche Dampferfahrten 2 Uhr mitt nach Woltersd. Schleuse 9 Uhr früh u.1 Uhr mitt. nach Hin u.zur. 1.50 M Woltersd. Schleuse Sonntag 2. M. Neu- Heringsdorf Kinder die Hälfte Hin u. zurück 1.-M. Sonntags 1.30 M. Kinder die Hälfte Tägl. 9 Uhr früb aus. Sonnabach Grünheide t- Buchhorst Kinder mi und Sonntag nach mit Rundf. b. Hin u. zur. 2.-M. 1.- M Täglich extra billige Erholungsfahrten mit dem neu erbauten Riesenluxusdampfer ,, Columbus"( erster Dampfer Berlins mit Promenadendeck) nach Forsthaus Templin Hin u. zur. 1.50 M., Sonnt. 2.80 M Kinder die Hälfte und Ferch a. Schwielowsee Hin u. zur. 2.-M., Sonnt. 3.-M. Montags und Freitags 1.50 M. Kinder die Hälfte. Abfahrt 9% Uhr früh nur ab Charlottenburg, Tegeler Weg ( nah. Landger. Ill, zwisch. Stadtbhf. Jungfernh. u. d. Schloßbr.) POST STADION Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianfte. 37/38,$ of 2 Te. Gonnabend, 7. Jali. Friedrichshain: 18% Uhr Antreten mit Mufi und Fahnen auf den Gammelplägen ber Rameradschaften. Pflicht veranstaltung. Lichtenberg: Kamerabschaften Boghagen und Traveplag 18 Uhr im Lichtenberger Bereinshaus, Frankfurter Allee 232, Sommernachtsfeier. Eintritt 80 Pf. Rosenthal: 20 Uhr Sigung bei Frische, Niederstr. 5. Wittenan: 20 Uhr bei Böhm, Oranienburger, Ede Hauptstraße, außerordentlicher Bahlabend. Sonntag, 8. Jult. Mitte: Antreten 18 Uhr Petersburger Blaz. Teilnahme am Boltsfest des Ortsvereins Friedrichshain, Mentes Boltsgarten, Roederstr. 28. Rameraben, welche nach Briezen fahren, treffen sich um 5 Uhr Briegener Bahnhof. Friedrichshain: Antreten 13% Uhr mit Mufil und Fahnen auf den Sammelplägen ber Ramerabfchaften. Ablershof: Abfahrt 18.24 h Bahnhof Adlershof zur Teilnahme an der Gründungsfeier in Neu- Schulzen dorf bei Zeuthen. Kreis Osten: Die Ortsvereine beteiligen fich am Boltsfest des Ortsvereins Friedrichshain in Mentes Boltsgarten, Roederstr. 28.- Montag, 9. Juli. Kreuzberg: Ramerad Rudolf Schimmelpfennig ist an den Folgen eines Straßenunfalls gestorben. Einäscherung 18 Uhr im Krematorium Gerichtstraße. Jugend III: 20 Uhr Bersammlung im Jugendheim Wrangeltraße 128. Stegliz( Kamerabschaft): 20 Uhr Versammlung bei Schulz, Birk buscftr. 90. Zugführer laden ein. Webbing: Kameraben, die an der Berfaffungsfeier in Frankfurt a. M. teilnehmen wollen, meiden sich umgehend bei Renton- Brig, 1. Rameradschaft: Sonntag, 15. Juli, Dampferfahrt nach Prinzengarten. Abfahrt 8 Uhr ab Wildenbrudy griffen, Ramerad Muller, Uferstr. 12. bride. Karten rechtzeitig bei den Funktionären entnehmen, da sonst verArbeiter Abstinenten- Bund, Bezirk Kreuzberg. Gonnabenb, 7. Juli, von 18-22 Uhr, Mitgliederversammlung im Jugendheim Berlin GO. 16, Beiger Straße 27-30. Borträge ber Genossen Dr. Fraenkel und Dr. Joel, danach Lautenvorträge. Reichsbunb ber Kriegsbeschäbigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinter. bliebenen, Bez. Webbing. Mitgliederversammlung Montag, 9. Juli, 20 Uhr, Chauffeefte. 64, Pagenhofer. Cine originelle Stellame, die von dem Werbe- Graphiker Hans Lindenstaedt erdacht ist, hat sich die Deutsche Maizena- Gesellschaft geleistet. Es werden täg lich vor 100 Schulen in Groß- Berlin Windmühlen, die auf dem Kopfe zu tragen find, verteilt. Die Freude der Rinder und der Ansturm auf die Verteilerinnen ift enorm und ben Borill ergehenden bietet sich ein recht hübscher Anblid, wenn Hunderte und vor manchen Schulen sogar Taufende von Kindern mit den Windmühlen am Ropfe durch die Straßen laufen. Der Streifen der Windmühle trägt ben Tert: Gebt uns Maizena- Speisen". Frauen, denen die Mode als anspruchsvolle Herrin erscheint, sagen: NORMAL PAKET 50 Pfg. DOPPEL PACKUNG 90 Pig LUX SEIFENFLOCKEN Gesellschot AG Für Wolle und Seide Für die feine Wasche, NEU UND WERTVOLL! Die drei anschaulichen Haushalts- Lehrkurse des neuen Sunlicht- Instituts Mannheim- je 12 Hefte können alle Verbraucher von Suma, Sunlicht Seife, Lux Seifenflocken und Vim kostenlos beziehen, Verlangen Sie Prospekt, LUX ,, Verwenden Sie Lux Seifenflocken, sie helfen sparen und verhüten Schaden." anches schöne Kleid wird beim Waschen ruiniert; viel Geld geht Mgeht dabei verloren. 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Juli, abends 830 Uhr Volkstüml.Preise: Stehpl. 30 Pf., Arena- Sitzplatz 50 Pf., Tribüne 3.- M., Logenplatz 5, M. SURLICHT WARME DEC 000 2 5% Uhr Konzert und bunter Teir 7 Uhr: Freude, schöner Götterfunken 8% Uhr Der Fürst von Pappenheim Rose- Theater Walhaila- Th. G. Franki. Str. 13. Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr im Bett! Der Wirt vom Sitten schwank Heldekrug In der Hauptrolle Ein lustiges Spiel m. Elfriede Mertens a.G. Gesang u. Tanz m. d. Jugendliche haben neuesten Schlagern keinen Zutritt! Park auch Sonntags Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1. Mk. in 3 Akten. statt 4 M. Berliner Prater nur 60 P. Kastanienallee 7/9. Steinplatz 901 VERBINDUNGEN Z POST- STADION, LEHRTER STR.57 STADTBAHN LEHRTER BHF, STRASSENBAHN: 11, 12, Renaissance- Theater 13, 14, 15, 21, 23, 44, 56, 113, 115. AUTOBUS: 10, 11, 19. Rennveranstalter: Windhundrenn- Gesellschaft, NW 7. Unter den Lindon 44.- Fernsprecher: Merkur 2158-59 8% Uhr Das Bett 7%, Täglich 7 Die keusche Susanne. 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Me Zechmherren von der Ruhr bzw. ihre beauftragten Genera!-! vtrettoren und Syndizi scheinen gewährte Gaftsreundschast auch dann, wenn sie von ihnen selbst angeboten ist, nur voll erfüllen zu können, wenn der Gastsreund restlos sich ihren Interessen beugt. � Diese Erfahrung dürfte der Vizepräsident des Deutschen Städtetage- Dr. Elsas aus einer Diskussion mitgebracht haben, die sich im An- � schlug an ein von ihm gehaltenes Neseraj über.Ferngasversorgung und Wirtschaft" auf einer am 3. Juli abgehaltenen Tagung der Wirtichaftsstelle des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirt- schastlichen Interessen in Rheinland-Westjalen abgejpielt hat. Dr. Elsas hat die gew' g immer zu begrüßende V e r st ä n d i- gungsabsicht des an der Zechenserngaeverforgung der Ruhr interessierten sogenannten Langnamvereins in dem von ihm er- statteten chauptbericht der Tagung richtig dahin verstanden, in biger Sachlichkeit vom Standpunkt der Oesfentlichkeit aus das -erngasproblem zu erörtern. Keineswegs wollen wir bereits die .'.düng gerade von Dr. Elsas durch die Ruhrleute, dessen Stel- nähme unseren Lesern bekannt ist, als ein Moment der Schwäche für die Position der Ruhrzechen bezeichnen. Dr. Elsas hat seme volkswirtschaftliche Anschauung über das: T'■lcTn dahin präzisiert, daß für diejenigen Bezirke, in denen K''''enförderung und Gasverbrauch räumli ch zusammen- lallen oder eng benachbart sind, der Ausbau der Gasversorgung durch Zechengas technisch möglich sei. Deren volkswirtschaftlich« und kommunalpolitisch« Zweckmäßigkeit hänge aber von der A u s g e- st a l t u n g der Verträge ab, wobei vom öfsentlichen Stand» punkt die Möglichkeit zur Eigenerzeugung, die Sicherung der be- sonderen kommunalen Bedürfnisse sowie der Ni chttonzernwerke und des Gewerbes, Abmachungen über die Preisgestaltung. Ausschließ- lichkeits- und Meistbegünstigungsklausel sowie die Sicherftellung des Koksbezugs notwendig sind, derart, daß den öffentlichen Interessen in vollem Ausmaß genügt wird. Di« Position der Ruhrzechen muß aber in der Tat nicht sehr st a r k sein, denn Direktor Baum von der Ruhrgas- A.-G.. der früheren A.-G. für Kohleverwertung in Essen, antwortete ebenso gereizt als unhöflich, soweit die uns vorliegenden ausführ- licken Berichte d«r den Zechen nahestehenden Press« das erkennen lassen. Sicher für das preußische Handelsministerium interessant ist die Feststellung von Dr. Baum, daß in einem Zeitraum von vier Monaten das frühere R W E.-N e ß bereits um 100 Proz. mehr Gas durchgeleitet hat. Ebenso lustig als falsch war seine Bemerkung, daß kommunale Interessen sich schon lange mit den Interessen der Verbraucher nicht mehr decken. Die Verbraucher, sagte er, wollen unter allen Umständen nur billiges Gas, gleichviel, woher es kommt. Das ist gewiß richtig. Herr Dr. Baum hat aber kein Wort darüber verloren, was denn die durch Sonderverträge mit Gas belieferte Industrie sagen wird, wenn die Masse der Verbraucher in den von ihnen gezahlten Gaspreisen die Abgaben der öffentlichen Werk« nicht mehr dem Steuersäckel zuführen mit der Folge, daß die Industrie weniger Steuern zu zahlen hat. Möchte Herr Dr. Baum in allem Ernste die kommunale Besteuerung der Industrie erhöht selzen? Allerdings ist Herr Dr. Baum auch um die Steuerzahler be» sorgt. Er meint nämlich, daß man die in den Preisen der Neben- erzeugnisse liegenden Schwankungen dem Steuerzahler nicht zu- muten dürfe. Diese Schwankungen sind so unangenehm, daß Herr Dr. Baum sie gern für die Ruhrzechen einschließlich der gesamten Nebenprodukterzeugung monopolisiert sehen möchte. Im Gegensaß zu Herrn Dr. Baum vermögen wir beileibe nicht einzu- sehen, weshalb öffentliche Großgaswerke keine chemischen und industriellen Veredlungsanstalten von größter Bedeutung sein sollen? Das würde den Interessen der Verbraucher, da die Gas- preise am wirksamsten durch Nebenproduktenverwertung gesenkt werden können, gewiß nicht widersprechen. Herr Dr. Baum wurde natürlich in seiner in jeder Hinsicht unzu- länglichen Kritik von seinen Kollegen und einigen inihrer Mei- nungsänßerung durch die örtlichen Machtverhältnisse sehr gehemm- ten Ruhrbürgermeistern unterstützt. Für die Oeffentlich- keit ist die Feststellung des Generaldirektors Lenze-Hamborn, der auch im Kohlensyndikat eine Rolle spielt, von beachtlichem Wert, daß vor jeder Gruppenversorgung die Ferngasversorgung zielbe- wüßt zu entwickeln sei. Wir können daraus nur die B e st ö t i- gung der von der Ruhr geleugneten These entnehmen, daß das Ziel der Ruhrzechen das Monopol ist. Den Eindruck haben wir wahrlich nicht von dieser Diskussion, den die ruhrfreundliche Presse ihr unterstellen möchte, daß der deutsche Städtetag nach dem von der Ruhrgas-A.-G. ang eschlagenen Ton den Ruhr- Projekten nunmehr freundlicher gegenüberstehe. Französisches Wohnungseiend. Zum �.Internationalen Wohnungs- und Gtädtebaukongreß. Paris, Anfang Juli 1928. Wird der 11. Internationale Wohuungs- und Städtebaukongreß, der jetzt in Paris bis zum 8. Juli tagt, auf die Auffassung der Franzosen über das Wohnungswesen einen günstigen Einfluß aus- üben können? Werden endlich größere Gartenstädte und Landwoh- nungen erstehen, so wie sie unser Genosse Henri Sellier in Suresnes, wo er Bürgermeister ist, bereits geschaffen hat? Die Wohnungskrise, an der Frankreich seit 1917 leidet, ist durch die Kriegsverwüstungen bedeuten verstärkt. Auch die Steige- rung der Mieten, die Erhöhung von Steuern, das Nachlassen der Hypothekenverleihungen, das Fallen der Realkaufkraft der Löhne und das Steigen der Baukosten trugen zur Krise bei. Während der Lcbensmittelindex jetzt auf 5,25 steht, sind die Bau tosten auf 8,29 gestiegen(auf der Basis von 1 für 1914). 1914 erhielt ein Tagelöhner 7 Goldsranken pro Tag, heute bekommt er 35 Franken in Baris, was der Entwertung, nicht aber der Teuerung entspricht. In der Provinz(außer in Lyon) sind die Löhne noch niedriger. Im Moment ist kein Wiederaufleben der französischen Bautätig- keit vorauszusehen. Das Wohnungsbauprogramm von Loucheur von 200 000 Wohnungen auf sechs Jahre bedeutet nicht allzu viel. Die unmittelbaren Nachtriegsbedürfnisse sind befriedigt, und in Süd- frankreich, von Mentone bis Biarritz, baute man nur in den ver- gangenen Iahren stark, um den Frankenfall, der jetzt aufgehört hat, ouszunutzen. Der nunmehr einsetzende Konkurrenzkampf kann aller- dings einen günstigen'Einfluß auf die Entwicklung der Baupreise ausüben. Man hat In den letzten zehn Jahren fast nur für die reichen Leute gebaut— an die armen dachte fast keiner. Di« schickt man im Notsall zur Heilsarmee, und ganz ernsthaft oerlangte schon Georges Risler(Präsident der„Französischen Vereinigung für billige Woh- nungen"), die Vereine, die Wohnungslosen Obdach gewähren, wie die Heilsarmee, mögen städtische oder staatliche Unterstützungen dafür erhalten. Das ist natürlich keine Lösung. Die Enge und mangelnde Hygiene der Landwohnungen schaffen einen immer stärkeren Zuzug in die Großstädte. Es gibt drei Kategorien von Landarbeitern: Zunächst die Schmiede, Wagner, Sattler, Maurer, Böttcher, Zimmerer. Ihnen gehört meist das von chnen bewohnte Haus. Dann gibt es die Arbeiter, die auf ein Jahr einen Kontrakt abschließen: die Fuhrleute, Ochsentreiber und Stall- schwetzer. Sie bekommen ihre Wohnung von den Arbeitgebern. Am schwersten haben es demgegenüber die Saisonarbeiter, die vier bis fünf Monate in einer Stellung bleiben. Sie bekommen Kost und Logis frei. Die Männer sind oft in großen, ungesunden Schlaf- räumen zusammengepackt. In der Normandie, der Tourain« und Bourgogne ist es üblich, diese Landarbeiter in Ställen oder Vieh- schuppen übernachten zu lassen. Aber auch das ist noch ein Paradies gegenüber den Zuständen, die in der Stadt Rouen herrschen, wo die Wohnungen so sehr von Ungeziefer zerfressen werden, daß die Ein- wohner in vielen Straßen vorziehen, auf Stühlen im Freien vor ihrem Haus zu schlafen und die kleinen Kinder in Netzen an der Zimmerdecke aufzuhängen. Diese Zustände werden leider offen vom Staat gedeckt. In den Ein- und Auswanderungsverträgen. die Frankreich 1919 und 1920 mit Italien, Polen und der Tschechoslowakei abschloß, steht sogar, daß auch die einwandernden Stollschweizer, Ochsentreiber und Fuhrleute als Schlafraum nicht mehr beanspruchen dürfen als einen Stall. Es muß nur in ihm ein Bett stehen, mit Strohsack, Kissen und Deck«. Ist aber wenigstens dies immer vorhanden? So heißt es auch in dem Bericht, den das Mitglied der Land- wirtschastskammer Pierre de Viel Caster dem Kongreß erstattete: „Es ist ganz außergewöhnlich, besondere Bauten für die Landarbeiter zu sehen, wo sie eigene Zimmer und gute Möbel haben. Immerhin gibt es das ganz vereinzelt, besonders in der durch den Krieg zer- störten Gegend. Zum Weiterkommen auf diesem Wege geben die landwirtschaftlichen Kreditinstitute Anleihen zu einem sehr mäßigen Zinsfuß aus, zu 5 oder 2 Proz., tilgbar in 15 oder 25 Jahren. Aber von diesen Anleihen wird nicht viel Gebrauch gemacht. So ist von den Forderungen, die für das ländliche Wohnungswesen auf dem Kongreß aufgestellt wurden, noch nicht eine einzige in Frankreich verwirklicht(Wasserleitung in jedem Hause, Wasserklosett, elektrisches Licht, gefälliges Aussehen der Wohnräume und größere Entfernung von den Ställen, Wohnküche, ein Schlafzimmer für die Eltern und je eines für Söhne und Töchter, dazu möglichst ein kleiner Küchen- garten, ein Geräteschuppen, ein Holz- und ein kleiner Viehschuppen). Man weiß noch nicht, ob sich die neuen Reformideen hier von selbst durchsetzen oder ob, was wahrscheinlicher ist, irgendwelche behördliche Maßnahmen dazu notwendig sind. Ferner steht noch dahin, ob die Privatinitiative diese Reformen durchführen kann oder ob eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinden notwendig ist. So ist die Aussicht, daß sich bald im französischen Wohnungs- wesen vieles ändern werde, sehr gering. 18 Proz. der französischen Familien haben nur ein einziges Zimmer als Wohnung Große Familien erhalten für ihre Unterbringung immerhin besonder« Unter- stützungen. Während in Wien keine besonderen Maßnahmen zur Unterbringung der Allerärmsten getroffen zu werden brauchten, weil dort die M'eten niedrig gehalten wurden, spielt in Frankreich die Frage des Wohnungswesens der Aermsten in Stadt und Land eine Hauptrolle. Der jetzt in Paris tagende Kongreß hat so für die Franzosen eine ganz besondere Bedeutung. K. L. Sachtteferung für französischen Wohnungsbau Der staatliche Wohnungsbauplan des französischen Arbeits- Ministers Loucheur, der jetzt dem Senat vorliegt, enthüll einig« für Reparationslieferungen wichtige Bestimmungen. Die Regierung ist ermächtigt, durch Verordnung vollen oder teilweisen Zoll. Nachlaß zu gewähren für all« zum Wohnungsbau im Rahmen dieses Gesetzes erfolgenden Sachlieferungen. Ein weiterer Artikel bestimmt demgemäß, daß der Staat die Bauherren verpflichten kann, die staatlichen Bauzuschüss« in Form deutscher Sachlieferungen entgegenzunehmen. Wer ist Woolworth? Zur Einrichtung eines Woolworttz-KaufhauseS an: Kottbusser Damm. Nachdem schon seit mehr als Jahresfrist im Norden Derlui- (Müllerstraße 153/164) ein Woolworth-Laden existiert, soll nunmehr »ach gleichem Prinzip am Kottbusser Damm in einem vierstöckigen Geschäftshaus, in dem sich bisher eine Möbelfabrik befand, eine größere Verkaufsstelle eingerichtet werden. Verwaltet werden diese Geschäfte von der F. W. Woolworth Co. G. m. b. H, einer Tochtergesellschaft der amerikanischen Woolworth-Gcsellschaft. Dies. Tochtergesellschaft wurde im Januar 1927 in Berlin gegründet, nichl nur zum„Erwerb und Betrieb von Warenhäusern", sondern auch zum Ankauf und Verkauf von Waren für Aussuhr und Einfuhr, für die Herstellung von Waren usw. Das Programm der Gesellschaft umsaßt nicht nur den Handel, sondern auch die Produktion. Schon 1925 wurde in Sonneberg, dem Zentrum der thüringischen Glas- und Spielwarenindustrie, mit dem Bau eines Großeinkaufshauses durch Woolworth begonnen. Im August 1927 wurde in Bremen ein Geschäft eröffnet, kurz darauf die erwähnte Niederlassung im Norden Berlins. Im April diess Jahres wurde der Erwerb einer Schokoladenfabrik(Holex-Schokoladenwerke A.-G., Hom- bürg) bekannt. Die weiteren Pläne, die diese Gesellschaft hinsichtlich des deutschen Marktes hat, sind großzügig: nicht weniger als 200 Woolworth-Läden und- Warenhäuser sollen in nächster Zeit in Deutschland eröffnet werden. In England be- stehen bereits 400 Läden der gleichen Gesellschaft. Das Prinzip, durch das Woolworth in Amerika groß wurde, beruht in der Verbindung der Vorteile des kleinen Spezialgeschäfts mit dem des großen Waren- Hauses. Man sieht auf möglichst billige Miete, einfache Vcrwal- wng, beschränkt sich auf eine bestimmte Anzahl Waren, verzichtet aus luxuriöse Einrichtung— wie das kleine Spezialgeschäft. Anderer- sell erfolgt der Einkauf in allergrößtem Maßstab, und da teilweise auch Produktionsbetriebe der Gesellschaft gehören, so werden nickst nur die Gewinne des Großhandels, sondern auch die des Produzenten miterfaßt. Verkaufshäuser dieser Art heißen in Amerika Chain- Stores, d. h. Kettenlüden. Woolworth ist keineswegs das einzige Untenrehmen dieser Art geblieben, wohl aber das größte. Die Verwaltung der riesenhaften Gesellschaft, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte auf diese Weise entwickelt Hot, befindet sich in New Port in Woolwortb- H o u s e, dem größten Wolkenkratzer New �orks und damir oer Welt. Zu Beginn des Jahres 1926 gab es in den Vereinigten Staaten 1423 Woolworth-Geschäste, Anfang 1927 waren es schon 1480. Der Umsatz der Gesellschaft belief sich 1926 auf 254 und 1927 auf 273 Millionen Dollar, also auf rund 1,15 Milliarden Mark. Der jährliche Reingewinn beträgt etwa 30 Millionen Dollar, d. h. rund 120 Millionen Mark. Es ist klar, daß bei solchen Gewinnen die Ausdehnung mit Riesenschritten weitergetrieben werden kann. Schon die großen finanziellen Erfolge der Woolworth-Gesell- schaft regten deutsche Warenhauskonzerne(insbesondere Karstadt und L e o n h a rd Tsi e tz) an, nach gleichem Muster„E i n h e i t s � preis lüden" zu errichten. Daß der deutsche Kleinhandel In dieser Entwicklung und insbesondere in der beabsichtigten Expansion deS Woolworth- Konzerns eine Gefahr sieht, ist selbstverständlich. Doch sind die Kleinhändler keineswegs die einzigen Leidtragenden bei dieser Entwicklung. Hierher gchören auch die Ange st eilten, da das Woolworch-Prinzip darin besteht, Verkauf und Buchführung so einfach und primitiv wie möglich zu gestallen, so daß fast durchweg Angestellte(ziemlich ausschließlich weibliche) ohne besondere Vor- kenntnisse verwandt werden. Der Lohnanteil am Umsatz ist in- folgedessen hier germger als bei anderen Berkaufssystemen. Die beste Form der Konkurrenz, wie sie auch im Interesse der breiten Arbeiterbevölkerung liegt, ist der verstärkte Ausbau der Konsumgenossenschaften. Diese vereinigen alle Vorteile der billig st en Warenverteilung in sich: Größter Einkauf und Eigenproduktion, reichliche und billige Finanzierung, dauernde und wirksame Kontrolle der Käufer, und außerdem anständige Löhne und Arbeitsbedingungen für die Angestellten und den Weg- fall des privaten Profits.— h. Landarbeiierlöhne und Getreidepreise. Falsche Behauptungen. In den letzten Monaten konnten in einigen Teilen des Reiches kleine Lohnerhöhungen für die Landarbeiter erzielt werden. Die Folge ist, daß die landwirtschaftlichen Unternehmer jetzt von neuen Opfern sprechen, die sie damit den Landarbeitern darbringen. Nachstehend geben wir an, um wieviel Prozent der Gesamt- stundenlohn der landwirtschaftlichen Deputatarbeiter in Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und Schlesien gegenüber dem Stand Ende Mai 1927 gestiegen bzw. gefallen ist. Wir stützen uns dabei auf die amUich anerkannten Lohnübersichten des Deutschen Landarbeiter- Verbandes, wie sie in der wissenschaftlichen Zeitschrift dieser Orga- nisation„Landarbeiter-Archw" zu finden sind. Daneben zeigen wir auf, um wieviel Prozent der durchschnittliche Preis des Roggens, des Weizens, der Gerste und des Hasers im Wirtschaftsjahr 1927/28 gegenüber dem durchschnittlichen Preis im Wirtschaftsjahr 1926/27 gefriegen bzw. gefallen ist. Di« Preise sind unter Zugrundelegung der täglichen Notierungen an der Berliner Produktenbörse errechnet worden. Die Verwendung der Durchschnittspreise für die Beweisführung kann nicht falsch sein, well sie nach unseren Beobachtungen unge- fähr den Getreidepreisen nahekommen, wie sie sich zur Zeit des stärksten Getreideabsatzes(November bis Februar) ergeben. Die Löhne der landwirtschaftlichen Deputat- arbeiter sind gegenüber Ende Mai 1927 erhöht um 6 Proz. in Ostpreußen, von 36,13 auf 37,48 Pf.: um 11 Proz. in Pommern, von 40,16 auf 43,96 Pf.: um 5 Proz. in Schlesien, von 38,61 auf 40,29 Pf. In Brandenburg ist infolge des Rück- ö'udfaitWin.niU ITfUiipcarut! Maizena- Flammeri mli Erdbeeren 2 Pfd. Garten-Erdbeeren werden mit etwas Zucker and wenig kaltem Wasser, in das man 1 Teelöffel Maizena auflöst leicht aufgekocht 120 Gr. JMalzena® wird in kalter Milch gelöst und mit Zucker und Vanille durchgekocht Dann mischt man die Maizena-Masse mit den Erdbeeren, von denen vorher die Sauce abgefiltert wird. Ifiht die Speise in ausgespülter Form erkalten und nS der Eidbaar-Sauoe. ganges der Kartoffelpreise sogar eine Sentung um 7 Proz. zu ver zeichnen; der Lohn sant von 46,12 auf 43,69 Pf. Der dur hnittliche Preis für Roggen, Wei zen, Gerste und Hafer im Wirtschaftsjahr 1927/28 ift gegenüber dem vorhergehenden Wirtschaftsjahr aber gestiegen um 8 Proz. bei Roggen, von 228 auf 247 M. pro Tonne; gesunfen um 9 Broz. bei Weizen, von 274 M. auf 249 M.; gestiegen um 20 Proz. bei Gerste, von 192 auf 227 M.; gestiegen um 25 Broz. bei Hafer, von 183 auf 226 M. Das ist das Gegenteil von dem, was die landwirtschaftlichen Unternehmer behaupten. Die Landarbeiterlöhne find nicht stärter gestiegen, als es bei den Getreidepreisen der Fall ist. Eine Ausnahme macht lediglich der Weizen. Dabei ist aber zu beachten, daß der Weizenbau in der deutschen Landwirtschaft feineswegs an erster Stelle steht und die prozentualen Preissteigerungen bei Hafer und Gerfte fogar noch mesentlich höher sind als die höchsten prozentualen Lohnsteigerun gen. Weiter ist zu beachten, daß die Getreidepreissteigerungen, die sielfach die wichtigste Ursache für das Anfteigen der Bandarbeiter, Löhne find, für die landwirtschaftli hen Unternehmer einen weit größeren Wert darstellen, als für den landwirtschaftlichen Deputat arbeite. Der landwirtschaftliche Unternehmer fann das Getreide verlaufen und entsprechenden Mehrverdienst einsteden. Der land mirtschaftliche Deputatarbeiter dagegen benötigt bas ihm gehörende Getreide zum Verbrauch in seiner Familie. Getreidepreissteigerun gen haben für ihn mur einen theoretischen Wert. Der Steuerfisfus als Kreditgeber. 20 Prozent rückständige Steuern beim Reich. Eine der beliebtesten Methoden des Privatkapitals, von billigen Krediten zu profitieren, ist der Beg, Steuern nicht bezahlen oder fich Steuern stunden zu laffen. Das Reichsfinanzministerium gibt für den 1. April ben Stand der Steuern, die rüdständig aber gestundet sind, auf 432,9 millionen Mart an, Diefe 432,9 mil. lionen Mark beziehen sich aber nur auf das Quartal Januar bis März 1928. Roh gerechnet, find also fämtliche Steuereinnahmen des Reiches in diesem Bierteljahr nur mit 80 Broz. eingegangen und 20 Broz. find rückständig. Von den 432,9 millionen Mart sind 259,2 millionen art gestundete Steuern. Fast aus schließlich handelt es sich dabei um Besitzsteuern. Es sind rund 160 Millionen Einkommensteuer und über 200 millionen Körperschafts, Bermögens-, Erbschaftss, Gesellschafts-, Obligationen und Wertpapiersteuern. Dazu kommen noch rund 64 Millionen Mart Umsatzsteuern. Bei den Zöllen sind 29,4 millionen Mark rückständig, bei der 3igarettenindustrie 58,9 millionen Mart und von der Zuckersteuer 8,2 Millionen Mart. Englische Rußlandgarantie verweigert. Troß des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland unterhält die englische Industrie mit der russischen Wirtschaft nach Möglichkeit enge Handelsbeziehungen, Graße englische Banken haben einen recht beträchtlichen Kredit zur Berfügung gestellt, damit die englischen Fabrikanten Rußland auf mehrere Jahre hinaus die Zahlungen für gelieferte Waren stunden fönnen. Die englische Industrie hat aber den Wunsch, daß die enge liche Regierung ähnlich wie es Deutschland mit feiner 60prozentigen Ausfallsgarantie bei deutschen Lieferungen an Ruß Tond gemacht hat ebenfalls eine solche Garantie übernimmt. Sie ist damit bei der englischen Regierung aber abgebligt. Sm Unter haus wurde auf die Frage, ob die Regierung bereit sei, nach dem deutschen Beispiel eine Sicherheitsbürgschaft bis zu 60 Bros. für englische Rußlandlieferungen zu übernehmen, nom englischen Han delsiminifterium eine glatte 2bfage erieift. Aus dem Michael- Konzern. Wie mir einer Mitteilung bes Berliner Börfen- Courier" vom Freitag entnehmen, ist der ebe malige Direktor der Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-B., Genaise Bern Meyer, für den Jakob- Michael- Konzern in führender Stellung verpflichtet worden. Wir hören dazu, daß es fich um die Industrie und Privatbant.- G., Berlin handelt, die pon Jafob Michael beherrscht wird. F Das Schicksal der Zeche Deimelsberg". Der Passionsmag der Belegschaften der Zeche Johann Deimelsberg" ist um eine Station bereichert worden. Erst hatte sich der Stiflegungstommiffar des Oberbergamtes Dortmund für die Lebensfähigkeit von Deimels berg ausgesprochen, wenn die Zeche mit 3entrum 4 bis 6 zu einer Zentralanlage vereinigt würde. Wenige Wochen später sprach er fich dagegen aus, und das preußische Handelsminifterium lahnte in der Folge die vom Landtag befürworteten Kredite zur Aufrechterhaltung von Deimelsberg ab. Jetzt hat, wie auf der General= versammlung des Adler- Bergbau- Konzerns, dem Deimmelsberg gehört, mitgeteilt wurde, Professor Dr. Gling von der Technischen Hochschule in Charlottenburg für den nereinigten Betrieb von Deimelsberg und Zentrum 4 bis 6 eine baldige gefunde Rentabilitat begutachtet. Bis Mitte Jull ist die Still legung hinausgeschoben, bis dahin soll auch das von Preußen ein geforderte Obergutachten porliegen. Der preußische an= delsminister Dr. Schreiber hat ieht sich dahin festgelegt, daß nach der Prüfung des Obergutadters die Frage endgültig geflärt merden fall, ob und auf welchem Wege die zur Um stellung erforderlichen Mittel beschafft merden follen. Staatsbürgschaft für die Sächsische Werle 2.-G. Der Sächsische Landtag hat eine Regierungsvorlage angenommen, nach der der faftiche Staat die britte Einzahlung auf 60 Millionen Mart Aftien der Sächsischen Werke A.-G. vellzieht und eine peitere Staats. bürgschaft für eine von den Sächsischen Berten aufzulegende An leihe übernimmt. Diese Staatsbürgschaft hat mit den Geschäften der Sächsischen Werte an sich nichts zu tun, sondern ist nur eriordes lich, um die Anleihebedingungen günstiger zu gestalten. Ein jo aieb demokratischer Antrag wollte die Zahl der 65 Aufsichts ratsmitglieder herabgefekt miffen. Die Regierung lebnte das ab und erflärie bezeichnenderweise, daß fie bie Zahl der Regier rungspertreter zu befchränken perfuchen werde. Gleichzeitig fand ein voltsparteilicher Antrag die Suftimmung des Landtags, daß die Sächsischen Werte Industrie und Mittelstand feine Kans furrenz machen folle. Die gegenwärtige fächfische Regierung fcheint non den Aufgaben öffentlicher Werte eine merimürbige Bon ftellung zu haben. her Emella- Phoenix Reichswehr, Der Geschäftsbericht des Emelle Ronzerns für das Jahr 1927 hat für die Deffent. lichkeit ein besonderes Intereffe. Die Münchener Lichispieltunit 2.- 8 bie nach ihren Anfangsbuchstaben den Namen Emelta trägt, ist nämlich der Grmerher jener berühmten Bhoenir- ltien, die ber Anlaß des noch berühmteren Phoenir: Standals des Reichsmehrminifteriums waren. Die Gesellschaft hat im Jahre 1927 mieber gut perbient. Shr auf 3 Millionen erhöhtes Atrientapitat erhält aus dem auf 321 000 Mart gestiegenen Reins gewinn eine Dividende pon 8 Prozent. Der Erwerb der Bhoenir- ftien des Reichsmehrminifterium bat alle laufenden Schulden der Phoenix A.-G. übernommen bringt ihr die unbe laftete Kontrolle über große Lichtspieltheater in Berlin, Dresden, Köln, München und Nürnberg. Der Phoenix Standal murbe für den Emella- Ronzern ein glänzendes Geschäft Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 568, Zinbeustraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Sot, 2 Step. rechts, zu richten. 4. Areis Brenzlauer Berg, Montag, 9. Juli, 19% Uhr pünktlich, erweiterte Kreisvorstandsligung bei Alug, Danziger Str. 71. 5. Freis Friebrichshain. Das Reichsbanner veranstaltet em Conntag, 8. Juli, in Mentes Bollsgarten, Lichtenberg, Rödernite, 28-29, ein großes Boltsfest. Eintritt 25 Pf. Aufaag 15 Uhr. Das Reichshanner marschiert ab 14 Uhr nom Petersburger Blah mit Muft und Fahnen zum Festlokal. Die Mitglieder werden gebeten, dieses Bollsfeft recht zablreich zu befuchen, 15. Kreis Treptow. Die Genaffen werden gebeten, fich recht zahlreich an ben Sammlungen des Arbeiter Samariter- Bundes zu beteiligen. Ausgabe der Ausweise und Büchsen am Sonnabend um 16 Uhr und Sonntag ab früh 8 Uhr. Für Treptow bei Temann, Graggstr. 28; für Adlershof bei Siege, Bismiardstr. 29. Heute, Sonnabend, 7. Juli. 11. bt. Unser Beg" tann fofort von Berger, 2evegomftr. 21, abgeholt werden. 13. Abt. Unfer Weg" fanu nom Genossen Kreffin, Butligftr. 15, fofert ab geholt merden, 47. bt. Unfer Weg" fafort ahholen nam Genossen Jacabi. 53. 9. Charlottenburg. Die Bezirksfithrer holen um 14 Uhr Einladungen und Unfer Beg" son Lux, Suttenftr. 28, ab. 115. Abt. Sichtenberg. Die Genoffen werden gebeten, fich 19 bz an bee republilauifchen Johannisfeier im Lichtenberger Bereinshans, Frankfurter lee 232, zu beteilgen. Morgen, Sonntag, 8. Juli. PEELERATERCOLLEGEFO 7. ht. Alle Genoffiunen und Genoffen treffen sich mit ihren Angehörigen, Freunden, Belonnten, Sympathifierenben unb Bot wärts" Belern zum gemeinsamen Ausflug nach Schulzendorf morgens 9 Uhr am Stettiner Bahnhof. Treffpunkt für Nachzügler Zolal Suber tus. Wir bitten um recht rege Beteiligung. 9. Abt. Achtung! Montag, 9. Juli, 19% Uhr, bei Sübner, Wilsnader Straße 34, wichtige Funktionärsihung. Erscheinen aller bringend erforderlich. 136. Abt. Reinidenborf- Deutag. 9. Juli, um 19 Uhr Borstandsfigung unb um 20 hr außerordentliche Funktionärßigung in der Borade Zinbauer Straße. Erscheinen dringend erforderlich. Franenveranstaltungen. 8. Areis Spanhas. Seute, Sonnabend, 7. Suli, 191 Uhr, in Läbells Karls Tuft, Satenfelde bei Spandau, Propagandaveranstaltung der Frauengruppe der SPD.- Spandau. Brogramm u. a.: Rezitationen, Lebenbe Bilder, Festspiel. Ansprache der Genaffin Elfe Scheibenhuber. Alle Genoffinnen, besonders die Charlottenburger, Berwärts"-Leser und Sympathisierende find eingeladen. 16 Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 19. Aris, Sonntag, 8. Sufi, findet eine Besichtigung des Shulgartens in Blantenfelde statt. Treffpunkt 9 Uhr am Straßenbahnhof Nordend, Salteftelle, dann gemeinsamer Marsch zum Schulgarten. Alle Parteigenossen aus dem 19. Areis find hiermit eingeladen. Bahlreicher Besuch wird er martet. C Jungfozialisten. Gruppe Reutöflu II: Conniog, 8. Juli, Treffpunkt zur Fahrt 6 Uhr früh Bahnhof Reuföün. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Achtung, Zeltlagerteilnehmer! 1. Wir nehmen nur Frühstück für den ersten Tag mit. 2. Wir treffen uns pünktlich 3.15 Uhr am Rappelplas( Invaliden, Ede Aderftraße). 8. Big treten in eitgemeinfchaften an in der Reihenfolge: Dorf Faltenhorst", Dorf" Eolidarität, Dorf„ Empor zum Licht". Der Bogerousschuß. Kreis Mitte, Gruppe Engelufer: Nachtfahrt der Roten Falten.£ reffen 16 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus, Machiigler 17 Uhr por dem Potsdamer Fernbahnhof. Fahrtfesten 1 M. Bei Regen föllt die Fahrt aus, dafür Gruppennachmittag im heim. Areis Tiergarten: Die Seltlagerteilnehmer treffen fich am Eonnabend, 17 Uhr, bei Anna Baerfch, Effener Str. 4, pit fertigem Rudiad.( Strohlad. empfang und legte Besprechung.) Sonntag früh treffen wir uns alle pünft lich 8 hr am Denkmal im Aleinen Tiergarten. Die zurüdbleibenden Rinder aller Gruppen beteiligen fich an der Genossenschaftsfeier in Carlshof om Sonntag nachmittag. Kreis Neukölln: Treffpunti aller gelagerteilnehmer am Sonntag, 8. Juli, 814 Uhr früh am U- Bahnhof Rathaus, Schönstedtstraße. Sterbetafel der Groß Berliner Partei. Organisation 41, ht, Die Eindscherung unferes alten Sampfgenoffen Rudpif Schimmelpfennig findet am Montag, 9. Suli, 18 Uhr, in Rremp torium Gerichtstraße 37-38 ftatt. Sämtliche Genoffinnen und Genoffen wer den ersucht, beftimmt zur Einäfcherung zu erscheinen. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfendungen für biefe Rubrif nur an bas Jugendfefretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Heute, Sonnabend, den 7. Juli: Reukölln VI: Sonnenwendfahrt. Treffpunkt 1716 Uhr Görlizer Bahnhof, Eingang Wiener Straße. Nachiigler 19 Uhr ebendort. Ligtenberg- Mitte nub Weft: 18 Uhr Treffpunkt Bahnhof Stralau- Rummelsburg zur Beltfahrt. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sämtliche Lauten, Geigen und Mando. Tinenspieler treffen fidh am Sonnabend, 7. Juli, 18 Uhr, im Jugendheim Done ziger Str. 62, Barade Mr. 7, aur Brobe für den Jugendtagabend am Frei fag, 18. Juli. Die Gruppenleiter haben dafür zu sorgen, daß alle Musifer ericheinen, Morgen, Sonntag, den 8. Juli: Uhr Bahnhof Bending.. Lempelhof Röpenider Webbing: Treffpunkt aur Fahrt Mariendorf: Fahrt. Treffpuntt 7 Uhr Bahnhof Tempelhar Biertel: Fahrt Hangelsberg- Magfee. Treffpuntt 6% Uhr Schlesischen Bahn, hof. Sübweten: Wir treffen uns 7 Uhr Friedensfäute Belle- Alliance- Blas Aur Fahrt. Frautfurter Biertel: Treffpunkt zur Fahrt 6 Uhe Baltenplay, Lichterfelde: Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Botanischer Garten. Spiel und Bede. fahrt zur Sanel. Werbebezirk Lichtenberg: Treffahrt nach dem Magsee. Die Gruppen Lichten berg- Nord und Reu treffen fich um 6 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Achtung, Abteilungsleiter! Die Anmeldeliften zum Dortmunder Jugend tog müffen umgehend abgegeben werden. Was sagt der Bär? prelitadale BM JOSETTI JUNO KON LINON Das Wochenende, ein Wort in aller Munde, soll Erholung bringen und Befreiung von Sorge und Last des Alltags. Dem Berliner ist diese Erholung vollkommen nur denkbar in Begleitung seiner geliebten Josetti Juno Berlins meistgerauchter 4 Cigarette odial and Sonnabend 7. Iutt �92S —as!™—— Unterhaltung unö ÄNissen Seilage des Vorwärts Der Melonenvertäufer. Skizze voll Auguste Äsnow. Ied«r Mensch wird geboren, um dos zu vollführen, zu dem er «juserwöhlt. Jeder Mensch wird einmal au» einer Gefahr gezogen oder, in eine hineingestoßen. S» wurde einst Moses aus dein Schilf« errettet, daß er als fviann seinem Volke Gesehe geben sollt«. Und Jesus ward geboren, um einer neuen Gemeinde Wunder und Lehre zu senden. Nur der Chinese Pu M Tschongtschou lam ins Leben, daß er aus fremden Steinen sein Herz verblute. Luch Pu Vi Tschongtschou hatte kein Erinnern an sein« Geburts- stunde. Wußte nur in btassen Stunden: mir haben einmal weiß« Gaukler gesagi:„Du, Sohu des Himmels, kennst deinen wahren Himmel nicht. Dein Doter und dein« schlanke Mutier arbeiteten mit uns in einem Wanderzirkus. Als sich der Schoß deiner Mutter erschloß, du zum ersten Mole von deinem Bater schweigend ange- sehen wurdest, starb acht Tage später die Frau, die dich geschenkt. Sie schleiß die Augen nicht allein. Wiederum acht Tage daraus siel dein Vater von hoher Kuppel und zerschlug, wie dos Dach eine» Reisschuppens stil Sturm." Aber Pu Pi Tschongtschou wußte: leichte Erinnerung an meine erste Kindheit Kode ich doch. AI? ich fünf Jahr« zählt«, schoben mich die Clowns, die fich meiner in jenem Zirkus, in dem meine Mutter starb, angenommen, wieder von sich, wie ein Lotosbiatt, das in ihren Augen nicht schon blieb. Sie sangen mir zum letzten Mal« das Lied vom Mond und gaben mich zu anderen Waicher selten, die ihnen begegnet waren. Auf weiteren Landstraßen wurde ich größer und größer. Bold nu-ßle ich bei einem Mann«, der sich nur als Chinese ausgeputzt halt«, dasselbe tun, was mein Vater getan, fildend für Wend wurde mein langer Zopf eisern fest geflochten. An ein« Rolle gebunden. Abend»är Abend sauste ich vom höchsten Punkt des Zeltes hinab. Ab«nd für Abend lachte ich schreiend von schwindelnder Höhe nieder,«eil es den Leuten, die aus Bänken und Stühlen saßen, wohlgefiel. Pu Pj Tschaugtjchou jedoch wußte am stärksten: Abend für Abend zertrieben weitere Jahre. Rissen in mein staubiges Sein. Das Lehen von der Klippel in die Tief« wurde mir immer schwerer. Ich lernte weinen, bis— bis an«in«m ganz besonderen Abend mein erster Wunsch zum ersten Mut erstieg. Es war so gewesen: ich war mit meiner Rümmer jertig. Die Pause setzte ein. Doch hatte ich Furcht, in die Ecke meines Wohnwagens, den ich mit amerikanischen Jongleuren teilen mußte, zu kriechen. Darum stellte ich mich in »inen schmalen Ärenagang, aus dem immer der alte Löw« getrieben wurde. Zuerst wußte ich nicht, wo ich schmerzlich hinstarrte. Dann wußte ich dach, daß mein« Augen auf dem bärtigen Antlitz eines älteren Herrn logen, der lesend in einer Loge saß. Von jener Sekunde an schoß mein erster Wuistch in meine erste Tat. Bewegt« meine Füße vor. Wie von kalten Nachtnebeln getrieben, die die deutsche Erde oft so klebrig und schaurig machen, schlich ich mich an die Log«, neigte ttes die Stirn« und bettelte:„Sir. Furchtz große Furcht vor Musik ist in Mr. Auch große Furchi vor dem Sgil. an dem ich hänge» muß, Ab«r Hie sehen wie h«r Sommer auf ihrem Lande aus. Warm. Von Sonn« vergoldet. Bitte, nehmen Sie mich wit. Schütze» Sie mich." La. na» diesem Abend an war Pu Zgi Tschangtschpus Leben ein bessere» geworden. Und seit den letzten sechs Jahren diente er dem Konsul Ix. Georg Paulsen, einem Junggesellen mit einer alten Hau». dame, in einer mittelgroßen Stadt mit vielen grünen, ruhigen Straßen und Plätzen. Nochmal«, Pu M Dschangtschou war in den sechs Jahren ein berühmter Diener in dieser Stadt geworden. Tag für Tag kamen viele Kjnder an der Villa des Konsuls vorbei, um den schwarzen Zopf zu sehen. llnh Pu M Tschangtschou hatte zusrieden«rsernt, daß e? als persönlicher Diener seinem Herrn gutmütig, vertraulich und ergeben jeden Wunsch von den Augen ablesen mußte. Doch eine» Tages wurde wieder alles anders.' Wieder alles düsterer um den Zopf. Pu Vi Tschongtschou stand auf»inem nassen Rasenstech Hinter sich zwei blühende Rosenstämme. Vor sich das hohe Schmiedegüter, i Mein Studium war noch nicht so weit gediehen, als daß ich gleich hätte zum Theater gehen können. Ich nahm also, um mein Leben fristen zu können, eine Stell« al» Schreiber in einer Adootaturkonzlei an. Diese Zeit bedeutete sowohl für mich als mich für den Advokaten eine Quesie von Leiden. Meine Konzentrotion auf die diversen Rechtsfäll« Neß so vi«l zu wünschen übrig, daß olles, was ich schrieb, meist unbrauchbar war— selbst wenn man es hätte lesen können. El kam oft vor, daß ich, um Auskunft befragt, was dieses oder jenes bedeute, meine eigene Schrift nicht entziffern kamst«. Um nenn Uhr früh saß ich in her Kanzlei, und um halb zehn war mein Bedarf berests derart gedeckt, daß ich unter den kühnsten, an die Leichtgläubigkeit meines Brotherrn die exorbitantesten Ansprüche stellenden Ausreden mich zwei, bis dreimal in der Woche drückte und die Vormittag« wegblieb. Dieser Zustand kornste auf die Dauer nicht aufrechterhasten werden, das stand fest. Eines Tages rief mich der Chef in sein Allerheiligstes und er- klärte mir, stchtlich bewegt, daß wir voneinander scheiden müßten. Seine Hochschätzung für mich als Sänger nehme, trotzdem er mich nie gehört habe, solch gewaltige Dimensionen an, daß dadurch der Schreiber weit in den Schatten gestellt werde. Wir reichten einander die Hönde, versicherten uns unseres gegen- seifigen Wohlwollens und atmeten beide, auf, als sich die Türe zwischen uns schloß. Wenn ich dann später, als alles weit hinter mir lag, mkt meinem ehemaligen Chef zusammenkam, sagte er oft:„Slezak, Sie ahnen nicht, was für ein schlechter Advokofiirschreiber Sie waren. Sie los zu werden, bedeutet« für jeden Advokaten eine Erlösung!" Es wäre unklug gewesen, ihm zu widersprechen. Die Sorge um die Eristenz stand nun wieder drohend vor mir. Man riet mir, da ich doch kein Sitzfleisch hätte, zu einem freieren Benif. Agent!— Großartig! Ich bekam, durch Elnpfehlung, die Vertretung einer Firma für Powidel. In Deutschland heißt es treffend: Pflaumenmus. Ich rannte von einem Kaissmannsladen zum anderen und offerierte mein« Powidel in der intensivstm Form. Ich erklärt« es für ein Verbrechen, die Gelegenheit vorübergehen zu lassen und mir meine Powidel nicht aus den Händen zu reißen. Di« Kaufleute fanden mich äußerst originell, amüsierten sich stchtkich, aber kauften nichts. Entweder war die Powidel nichts wert, oder aber war meine Art und Weife nicht ganz vertrauenerweckend.— Ich weiß«? nicht. Eine? Tages fraß ich alle Muster auf und' sah ein, daß ich auch hier fehl am Orte war, Mit krachendem Magen kam ich zu den Gesangstunden. Mein Lehrer meinte, daß das so nicht weiterginge. Er besuchte Direktor Aman, der dem Brünner Stadttheater vorstand, und bewirkte, daß ich zum Probesingen zugelassen wurde. So stand ich endlich auf der Bühne und sang die Bajazzaarie. Das Resultat war berauschend— man engagierte mich sofort. , Fürs erste Jahr bekam ich einen Borschuß von vierzig Gulden monatlich, der mir im nächsten Jahre von meinen hundert Gulden Gage abgezogen werden sollte. Für jedes Auftreten ein Spiel- Honorar von zehn Gulden. Im dritten Jqhre dreihundert Gulden Gags! Mir schwindelte!— So viel Geld gibt es ja gar nicht!— Ich saß da mit klopfendem Herzen, mir daran denkend:„Was wird die Mutter dazu sagen?" Dan» nach Hause» um die Unterschrift des Baters aus den Der- trag setzen zu lassen, denn ich war erst neunzehn Jahre alt. Wae sich daheim für ein Glücksgefühl aueiiöste. in welchen Formen es zum Ausdruck kam, kann ich nicht schildern, ich würde es damit profanieren.' Alle Not hatte«in Ende! Nun war ich Mitglied de? Theolers und durfte in die Künsster- log« gehen.— Ich wohnte in derselben. Jede? Erwachen des Morgens war ein Fest. Sämtliche Advokaturkanzleien und Pvwidelfobviken der Erde tonnten mir den Buckel heninterrutschen. Da«s im Bertrage Bedingung rvor, daß ich im ersten Jahre mindestens drei Opernpartien bühnenreif studieren müsse, ich ober noch keine Note lesen konnte, spielte mir Mama Robinson am Klavier mit einem Finger jede so lang« vor, bis ich sie nachsingen konnte. Auf diefe mühsame Art erlernte ich den Freischütz, die Zauber- flöte und den Lohengrin. r Beschäftigt wurde ich ulclst, was mich mit Entrüstung erfüllte. Ich glaubte mich zurückgesetzt, gab auch dieser Empfindung im Kollegenkreise drastischen Ausdruck und erklärte meinen Direkter für «inen Trottel. Dies wurde ihm naturgemäß pünktlich zurückerzähtt. was eine ziemlich bewegte Aussprache und«in noch intensiaeres Kaltstellen zur Folge hatte. Da kam das Benefiz des Bassisten Shukoosky. Er wählte Lohengrin, mit der Bedingung, mein verewigter Jugendfreund und Studiengenpsse solle den Telramund singen und ich den Lohengrin. Rudolf Berger, der leider so früh Dahingeschiedene, eine sonnige Frohnatur und mir ein lieber, herzlicher Kamerad, gleichfalls ein Brümier Kind, befaß eine herrliche Barilonstimme, war musikalisch und gesanglich viel reifer als ich und wurde daher von Direktor Aman al? Telramnnd sofort akzeptiert. Bei mir wehrte er sich in dem berechtigten Angstgefühl, daß es eine Katastrophe werden könnt«, mit Hchrde» und Füßen. Aber Robinson wußte ihn zu überreden— endlich willigt« er ein. Kapellmeister Thieme, ein äußerst.tüchtiger, gewisserhafter Nora- deutscher, leitet« die Vorstellung. Es kam zur Generalprobe— das Parkett voll Menschen. Alle» ging soweit ganz gut, bi? auf einige Taktenigleiiungen, hje der Kapellmeister scharf rügte. Nun kam aber ein« Stelle, wo sich der Arme mit seinem Orchester wahrhaftig keinen Rat mehr wußte. Er schrie:.Slezak, nehmen Sie doch die Noten zur Hanb!" Ich erwiderte bescheiden:.Lieber Herr, wenn ich Noten lesen .kömue, so redete ich nicht mit Ihnen!" Di« gespannte Situation wich einer erlösenden Heiterkeit. Dann kam der Abend. Zur Vorsorge stand der damalige Heldemenor als Lohengrin gngetlsidqt in den Kulissen, um«inzuspringest, wenn«? nicht mehr weitergehen sollte. Es ging weiter, bis zum Schluß, und brachte mir einen großen Erfolg. In der Kulisse stand mein Direktor. Ich trat zu ihm, nahm ihn um den Hol» und bat ihn wegen des Trottel? um Verzeihung. Er verzieh und wurde mir ein«armer, fördernder Freund. dem ich viel zu danken habe. Notenlesen habe ich inzwischen gelernt, bis auf die Bohnoien. Die kenne ich auch heute noch nicht. Ich befürchte ernstlich, ich werde sie nie mehr erlernen. ljPiit besonderer Erlaubnis de» Verlage« Ernst Aowablt, Berlin, de« Buche„Meine sämtlichen Werke" von Leo Clczok, entnommen,) Diesmal blieb das Herz des Konsul? aus Stein. Dr. George Paulsen erhob sich j«hr kurz vom Schreibtisch, an dem er gearbeitet, Sah lange den Diener an. Strich sich den weißen Schnurrbart. AM- wartet« barsch:.Uhfinn!" Pu Yi Tschongtschou schlich fort. Im Treppenhaus umkrampft« er eine Gelönderpuppe. Biß ins Holz. Wieder Tage darauf trug sein« Seele Haß. Beherrschte sich nur. weil sie es mußte Aber— die Sohlen.feiner schloiehend«» Füße drückten auf jeden Weg und Steg den wilden Brnnd des Aufruhrs. Pu Vi Tschgngtschcm biß sich die Zähne aus. Die Kett« zerbiß er niemals, Auch kam er nicht zum Morde, d«n er sich eines Nachts erdacht. Immer wieder schlug ihn sein Herr, der Konsul Dr. Georg« Paulsen, dem eine alte Hausdame wirtschaftete, mit gütigen Worten, di« hallten: pu wirst ruhiger werden, Pu V> Tschangtschoil. Wieder gutmütig dem Befehl meiner Augen folgen. lind so wurde langsam und sicher die sch gar nicht mordwütend« Seele Pu Fi Tschangtschous verwirrt Dieser Wahnsinn ließ den langen, pechschwarzen Zopf pst sinnen: wq? will ich? Mehr kann ich nicht wollen. Nun hat mich mein Herr doch nach Peking geschickt. Ich sehe bunte Straßen und will mich ernähren. Aber Eisträger werde Ich nicht. Ich werd« Melonen- Verkäufer. Das ist lustig, wie der ewig lachende Gott Putai, Sehr lustig, sehr lustig. Und als der Herbst kani, war Pu Fi Tschongtschou wirklich sehr lustig geworden. Setzte er sich zu den ersten fallenden Blättern tn den Vorgarten d«? Konsuls auf bi« Steine. Wohl hott« Pu Fi Tschongtschou keine Melonen vor sich auf, gebaut. Trotzdem leuchteten sein« glühenden Augen durch zwei Schlitze hindurch. Trotzdem hielt er ein Messer zwischen den Fäusten und schnitt Melonen, Melonen, Melonen—. Er schnitt imd lacht«. Er sah nicht, haß vorübergehenke Passanten am Zquire staunend stehenblieben. Er sah n»r Chinesen, hie ihn grüßten. Denen er die Melonen anbot. Denen er zurief: „Melonen, schön« Melonen! Seht doch, wie saftig sie sind!" stampf gegen die Trunksucht in Sowjelrußland. Die Lenin- gradlkojo Pramk»»:'" sagt in einem Artikel, daß die alkoholische Äer, jeuchung Sowjelrußland? so weit vorgeschritten lei, daß nur noch hie al.'erschärfflen Maßnahmen eine Beseitigung des Uebels�herbeiiühren könnten. Das Blatt plädiert für eine Schließung oller Schantstälten, soiern sie den Arbeiterklubs, Fabriken oder kulturellen Jnstttutionen angegliedert sind. Das Blatt meist It. a. darauf hin. daß in Lenin» grad sogar m einem Schulgebäude»in« Schont« unter»obracht fei. Aufschwung derschwarzenRaffe Oer gebildete amerikanische Neger. Sechzig Jahre sind es her, daß der Neger durch den Sieg des Nordens über den Süden aus der Sklaverei befreit wurde. In dieser kurzen Zeitspanne hat der Neger«ine kulturell« Cittivicklung durch- gemacht, die oerblstsseud ist und in ihrer ganzen Ausdehnung am besten durch ein paar Zahlen illustriert wirb. Ilm den kulturellen Aufschwung des Negers hat sich vor allem das vorbildlich geleitete Tuskegee-Jnstitut in Alabama verdient gr- macht, das sich als Gewerbeschule und Lehrerbildungsanstalt i» ganz Amerika eines hervorragenden Rufe? erfreut. Dem Tuskegee- Jnstitut sind eine ganze Reihe anderer Anstaiien nachgcgründet worden. In der kurze» Zeitspanne von Gl Jahre» hoben es die Neger so weit gebracht, doß sie heute über 41)1)00 schwarz« Lehrkräfte verfügen können, von denen 5000 Hochschulbildung besitzen. Jnsgesaml gibt es über 100 000 schwarze Studenten und Studentinnen in Amerika. In den Schulen der Reger werden 2!-'« Millionen schwarze Schulkinder unterrichtet, wofür ein jährliche» Schulgeld van 15 Millionen Dollar ausgebracht werden muß. Di« kulturellen An- strenguugen der Neger haben den Erfolg gezeitigt, daß es heute nur noch 15 Proz. Analphabeten unter den Schwarzen gibt— ei» Prazentsatz, der wesentlich besser ist, als der Italiens oder Spaniens. In akademischen Berufen, wie Richter, Staatsonwaltsgehllsen, Apotheker und Zahnärzte sind die Neger stark perfteten. So gibt es über 500 schivarze Aerzte und Aerztinnen.«elbjtoerständlich find Reger auch in Landesparlamenten— tn 15 Landtage» und in einem Landtags-Oberhaus---- durch Abgeordnet« vertreten. Auch im wirtschastlichen Leben Amerika» stellen die Reger heute eine durchaus beachtenswerte Macht dar. Ganz abgesehen davon, daß es zahlreiche Negermillianäre gibt, verfügen die Schwarzen über 7? Negerbanken mit schwarzen Direktoren und ebensolchen Versicherungsgesellschaften 35 an der Zahl. Und da.es eine ziem- sich stark« Negerpresse gibt, deren bedeutende? Organ„The Erisis" ist, so verstehen die Neger es ausgezeichnet, sich Gehör zu verschossen. Die Zahl der selbständigen Landwirte wird aus 900 000 geschätzt. Davon sind über 200 000 Gutsbesitzer, der Rest Pächter. Da« afrikanische Ideal existiert für den Neger Amerikas nicht. Wenn«r nach Afrika geht, dann nur al? Weltreisender. Jäger— oder Mffstonar. Dfp religiöse Bewegung unter den Negern ist sehr stark. In jüngster Zeit haben sich die Neger mich in der Kunstwelt Gellung.zu verschaffen gewußt. Es sei mir an den auch bei uns sehr geftierten Negertenor Roland Hayes und an M beiden Revue- sienw Florenee Mills und Joseftn« Paker erinnert. Zfus dem Gebier des Sports haben die Reger schon Ausgezeichnetes geleistet, stellen s>« im Boxsport, Springen, Laufen«ich Schmimingn eine ganze In fast allen Abteilungen: Grosser Saison Beginn: Montag, den 2.Juli AUSVERKAUF PREISE Damen- Kleidung. Kleider1975 aus Crêpe de Chine, reine Seide, in schönen Farben, jetzt Mäntel 2950 in schönen Modefarben, jetzt Damen- Blusen Aermellose 90 Westen 5⁹0 ten Wolle mitKunstside. 875 früher Ein Posten Crêpe de ChineKunstseide jetzt Jumper 90 7.90 früher bis 1175 jetzt Herren Kleidung Nur Leipziger Strasse, Alexanderplatz, Frankfurter Alles, Wilmersdorfer Strasse, Belle- Alliance- Strasse Anzüge moderne Sommerstoffe guter Sitz u. Verarbeitung, ein- u. zweireih. 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