Liebestragödie im Hotel. Die Kreundin erstochen- dann sich selbst aus dem Fenster gestürzt. BERLIN Dienstag, 10. Zuli 1928 10 Pf. Nr. 322 B159 45. Jahrgang. Erscheint täglich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60M. proMonat. Redaktion undErpedition: BcrlinSW68,Lindenstr.3 (€ Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Derlag G. in. d. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 297 In einem holet in der Eichendorsfslrafze. in unmittelbarer Nähe des Stettiner Bahnhofs, spielte sich in der ver- gangenen Nacht eine furchtbare Tragödie ab. die er st heute früh entdeckt wurde. Der IS jährige Drogist Erich Jahrmarkt aus der Schubertstrahe 64 in Wittenau tötete seine Geliebte, die 21 jährige E l f r i e d e Aernou aus der Wenzelstrahe 1 in Friedenau durch zwei Schläfenstiche mit einem langen Dolchmesser. Unmittelbar darauf stürzte sich der Täter aus dem Bodenfenster des Treppenflurs in den Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Die furchtbare Tragödie, die nach den bisherigen Feststellungen den Abschluß einer unglücklichen Liebe bildete, hat sich wahrscheinlich folgendermaßen zugetragen: Am Montag abend erschien in dem Hotel ein junges Paar und mietete für die Nacht ein Zinnner. Das Hotelpersonal hatte nach seinen Aussagen weder am Abend noch in der Nacht irgend etwas auffälliges bemerkt. Als heute früh kurz vor 7 Uhr ein Mieter des Hauses den Hof überschritt, sah er zu seinem Entsetzen einen jüngeren Mann in einer grohen Blutlache regungslos liegen. Man benachrichtigte sofort das nächste Polizeirevier, das mehrere Kriminalbeamte entsandte. Der Tote, in dessen Taschen sich Papiere auf den Namen des Drogisten Erich Jahrmarkt befanden, wurde von dem Hotelportier als der junge Mensch erkannt, der am Abend zuvor mit einem jungen Mädchen abgestiegen war. Die B e- a m t e n eilten nunmehr in das Hotel hinauf und begehrten Einlah in das Zimmer des Jahrmarkts. Da niemand antwortete, drang man in das Zimmer ein und fand in dem stark mit Blut besudelten Bett die Sljähricft Elfriedc F. tot auf. Neben dem Mädchen lag ein großes Dolchmesser, mit dem die tödlichen Stiche geführt morden waren. Aus dem Tisch wurden noch Neste von Verona! vorgesunden, so daß man annimmt, daß das Paar vor dem gemeinsamen Verzweiflungsschritt von dem Eist genommen hatte. In dem Abschiedsbrief schildert der junge Mensch ausführlich, was er und das Mädchen in den letzten Tagen alles unternommen haben. Schon am Freitag trafen sich die beiden, um zusammen in den Tod zu gehen. Jahrmarkt kaufte sich zu diesem Zwecke Vera- nal und Strychnin. Beide nahmen auch davon an einer nicht genannten Stelle, wahrscheinlich irgendwo in einem Hotel. Aber am Sonnabend morgen erwachten sie wieder, weil die Dosis zu gering gewesen mar. Jetzt besorgte sich der junge Mann eine Scheintodpistole und einen Dolch. Abends schnitt er dem Mädchen und sich selbst die Pulsadern an und nahm wieder Verona!. Aber auch diesmal kam das Paar nicht zum Ziel. Am Montag be- schloffen sie dann, unbedingt und mit aller Gewalt ein Ende zu machen. Nachdem beide abermals Verona! genommen hatten, griff Jahrmarkt zum Dolch. » Ein aufregender Vorfall spielte sich außerdem in der vergangenen Nacht im Hause Wrangclstraße 117 ab. Dort stürzte sich aus dem Schlafzimmerfenster seiner im vierten Stockwerk gelegenen Woh- nung der Zljährige Eisendrcher Richard B a a r t s ch auf die Straße hinab. B., der einen doppelten Schädelbruch und schwere innere Verletzungen erlitten hatte, starb bereits auf dem Wege zur nächsten Rettungsstelle. Krankheit ist das Motiv zu' dem Vcrzwciflungsschritt. Oer Lear von Werder. Wie den König Lear der Shakespeareschen Tragödie, so behandelten einen alten Oberamtmann seine beiden älteren Töchter, während nur die Jüngste, gleich der Eordelia der Dichtung, zum Vater hielt. In einer vornehmen Villa in der Eisenbahnstroße in Werder wohnt seit vielen Jahren der 8Zjährige Oberamtmann S t e i n b a r t. Der Oberamtmann hat drei Töchter, und seit längerer Zeit beklagt sich der alte Herr bei verschiedenen Werdcrschen Ge- fchoftsleutcn, daß seine Töchter es am liebsten sähen, wenn er sterben würde. Eines Tages kam nun auf Betreiben der Töchter ein Arzt Dr. Sch. aus Werder in die Villa, untersuchte den alten Herrn und bescheinigte G c i st c s st ö r u n g. Noch am selben Tage fuhr ein geschlossenes Auto vors Haus, d?r alte Herr wurde hinein- zefchafft und in eine Irrenanstalt noch Nikolassee gebracht. Die jüngste der drei Töchter aber, die treu z» ihrem alten Kater hielt, setzte sich mit zwei Werdcrschen Rechtsanwälten in Ver- Hindling, und ihr ist es jetzt gelungen, den alten Mann aus der Anstalt zu bekommen. Er ist gar nicht geistesgestört genesen. Die ersten polizeilichen Ermittlungen haben eingesetzt. Die Bombe in der Tscheka. Oer Anschlag aus die G. p. Lt. amilich bestäiigi. Endlich beauemk sich der russische amtliche Nachrichtendienst dazu, den Bombenanschlag aus das Gebäude der Tscheka zu bestätigen, den er ansang» der Oeffentlichkoit vorenthielt. Die Tele. graphenagentur der Sowjetunion verbreitet folgende Darstellung des Attentats: Zwei aus Paris über Bulgarien und Rumänien unler Mithilfe de, rumänischen Spionagedienstes hier eingetrossene Weihgardisten warfen am 6. dieses Monals abends eine Bombe in den Vuremts zur Erteilung von Einlaßscheinen für die Staatliche Polltische Verwaltung. Ein Rotormist wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt. Bei der Verfolgung wurde der eine Verbrecher namens R a d k e w i! s ch. ein ehemaliger Wrangel- osfizier, getötet, während der andere Weihgardist bei der Stadt Podolsk im Gouvernement Moskau verhaftet wurde. Es spricht nicht für die Wahrscheinlichkeit dieser amtlichen Darstellung. dah man zu ihrer Fertigstellung volle drei Tage gebraucht Hot und daß man in Rußland andere als amtlich zugelassene Mit. teilungen über dos Attentat zu verhindern wuhtc. �ockspihelarbeit oder Wahnsinn? lieber die Erplosion in der Hauptverwaltung der GPU. hören wir von kundiger Seite: Die Motive der Tat sind trotz der Darstellung des Sowjet- bureaus noch in tiefes Dunkel gehüllt. Soviel steht doch unzweisel- hast fest: Mit den Verurteilungen im Schachty-Prozeh kann das Moskauer Attentat nicht im Zusammenhang stehen. Weder die GPU. noch dos Urteil im Schachty-Prozeß konnten Beziehungen der Angeklagten zu illegalen monarchistischen Organisationen fest- fWffen. Die einzige Organisation, von der die Rede war, war die, die angeblich zum Zwecke der Schädigung der Kohlen- gruben ins Leben gerufen war. Es wäre auch vollendeter Wahnsinn der Freunde der Verurteilten gewesen, wenn sie zu terroristischen Akten gegriffen hätten— das hieße, die Verurteilten dem Henker direkt ausliefern. Denn jedes Kind in Sowjetrußland weiß, daß ein derartiges Attentat zu dem schlimmsten bolschewisti- schon Terror führt, dem zahllose Menschen zuin Opfer sollen. Wessen Hände Werk kann nun dies Attentat gewesen sein, Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder war es bestellte Lock- spitzelarbei: oder aber die Wahnsinnstat der m o n a r ch i st i- s ch e» Aktiv! st enzruppe, die gegen die Emigrantenorganisa- tionen, sowohl Sozialisten als auch Demokraten um Miljukow herum, den schärfsten Kampf führen. Dafür, daß es Lockspitzelarbcit sein könnte, spricht der Umstand, daß auch das mißlungene Spreng- . stoffattentat gegen das Verwaltungsgebäude der GPU. im Juli vorigen Jahres erwiesenermaßen Lockspitzelarbeit gewesen war, und auch die Tatsache, daß das Bombenattcntat auf den Kommunistischen Klub in Leningrad im Juli vorigen Jahres nicht ohne Mitwirkung von Lockspitzeln zustande gekommen war. Damals handelte es sich um ehemalige Mitglieder der Lockspitzel- Organisation, des sogenantcn Trust. Allerdings hatten auch damals schon die monarchistischen Aktivisten ihre Hände im Spiel. Terroristische Akte gegen das Sowjetslistein, einerlei, von welcher Seite sie ausgehen, können an dem Kewaltsystem des Sowjet- rcgiments nichts ändern. Sie bieten jedoch der Sowjetregieninz nur einen erwünschten Anlaß zu verschärftem Terror, dem in erster Linie Unschuldige zum Opfer fallen. Eine Aenderung der politischen Verhältnisse in Sowjetrußland kann allein auf dem Wege der Durchdringung der Arbeitermassen vom Bewußtsein der Unhalt- barkeit der Diktatur eines kleinen Häufleins über das Volk zu er- warten sein. � � �...i Die Taufe des neuen Zeppelin. Montag mittag ist in Friedrichshafen am Bodensee das neue Zeppelin-Luftschiff getauft worden. Es tief auf, daß die Farben der deutschen Republik nicht zu sehen waren. Die Fürsorge für die Schupo. Was wird für die ausscheidenden Beamten getan? Zu den Massenentlassungen bei der Schupo, die in unseren Spalten kritisiert wurden, schreibt uns der p reu bisch- Innen» minister G rze sin sk i: Der„Abend* vom Sonnabend, dem 7. Juli 192«, brachte unter der Ueberschrift„Massenentlassungen bei der Schupo' einen Artikel, dessen Inhalt nicht unwidersprochen bleiben dars, da die Ausführungen dieses Artikels zum Teil von falschen Voraus- setzungen ausgehen, zum Teil die Verhältnisse schief darstellen. Der Artikel befaßt sich mit den Folgen des neuen Polizeibeamtengesetzes und mit der Tatsache, daß auch nach Inkrafttreten dieses Gesetzes eine Anzahl von Polizeibeamten zur Entlassung kommen werden, die noch unter die Bestimmungen des alten Schutzpolizeibeamten» gesetzes fallen. Es heißt weiter in dem Artikel, daß„man'— das ist das Ministerium des Innern— damit sich über die Auswirkun- gen dieser Entlassungen irgendwelche Kopfschmerzen nicht mach«. Die Au«!fllhmng der Gesehe. Zunächst einmal sind das frühere Schutzpolizeibeamtengesetz wie das neue Polizeibeamtengesetz, auf die sich die Ausführungen des Artikelschreibers beziehen. Gesetze, und demnach nicht vom Ministerium des Innern, sondern vom Preußischen Landtag be» schlosien worden. Diese Gesetze haben nach ausführlicher und gründlicher Durchberatung in den betreffenden Ausschüssen des preußischen Parlaments und im Plenum auch die Zustimmung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion erhalten. Die Ausführungs- bestimmungen konnten sich nur im Rahmen der Gesetze holten und haben darüber hinaus noch den parlamentarischen Körperschaften vorgelegen. Daraus ergibt sich, daß die Verantwortung für diese Gesetze naturgemäß die gesetzgebenden Körperschaften in erster Linie tragen, womit natürlich nichts an der Tatsach« geändert wird, daß für die Gesetzesvorlagen wie für die Ausführungs- bestimmungen der parlamentarische Minister die ent- sprechend« Verantwortung trägt. Soviel zur Frage der Ler- antwortung. Die Fürsorgebefiimmungen. Die sachlichen Behauptungen des Artikel«, die sich nun aber gegen die notwendigen Entlassungen von Beamten infolge des alten Schutzpolizeibeamtengesetzes richten, gehen von falschen Voraus- setzungen aus. Zunächst werden schon heute in jedem Jahr auch in der Uebergangszeit durchschnittlich ISlXZ Schutzpolizeibeamte lebenslänglich angestellt. Ein weiterer Teil findet durch Ueberführung in andere Polizeidienstzweige lebenslängliche Anstellung, wie es für die schon unter dem neuen Polizeigesetz stehenden Polizeibeamten insgesamt vorgesehen ist. Außerdem oerschweigt der Artikelschreiber die F ü r s o r g« b« st i m m u n g e n, die nach dein alten Schutz- polizeibeamtengesetz für diejenigen Beamten in Kraft treten, die nun nach 12jähriger Polizeibeamtentätigkeit aus der Schutzpolizei man- gels anderer Unterbringunzsmöglichkeit ausscheiden müssen. Eine lebenslängliche Zlnstellung sämtlicher Schutzpolizeibeamten-in Preu° ßen ist eben in der Uebergangszeit bis 19Z3 unmöglich, es sei denn, daß man das dringende g-ff«ntlich« Interesse vernach- lässigt, das die Bevölkerung wie die Republik an einer nicht über- alterten verwendungsfähizen Schutzpolizei hat. Gegenüber den In- teressen der Gesamtheit muß das eines einzelnen Berufsstandes zurücktreten. Es müssen daher in jedem Jahre bis 1933— wie vorher dargelegt—«ine Reihe von Schutzpolizeibeamtsn nach Vollen- dung ihrer 12jährigen Dienstzeit ausscheiden. Für diese ousschei- denden Beamten, die jedoch bei Beginn ihrer Tätigkeit wußten, daß sie wahrscheinlich höchstens nur für eine IZjährige Tätigkeit in der Schutzpolizei gebraucht werden würden, sieht das Gesetz aber«ine Reihe von Fürsorgemaßnahmen vor, die bisher in keinem Arbeits- Verhältnis anderer nicht lcbenelänzlich angestellten Arbeitnehmer j ihresgleichen findet, so daß dos bloße Wort„Entlassung* bei der Schutzpolizei nicht dasselbe bedeutet wie für den Arbeitnehmer, der au» dem Betriebe mit kurzer Kündigungsfrist entlassen wird. Was bekommt de? ausscheidende Schuhpolizeibeamte nach dem alten Schutzpolizeibeamtengesetz? Er bekommt zunächst aus jeden Fall ein« Uebergangsbeihilfe von 1500 M., dann sür drei Jahre Uebergongsgebührnisse und zwar im ersten Jahr•/«, im zweiten Jahr*/« und im dritten Jahr'I» seines ruhegehaltsfähigen Diensteinkommens und drittens den Polizeiversorgungsschein, der ihn bevorzugt zur Einstellung im Reichs-, Staats- und Kommunal- dienst berechtigt. Nach Reichsgesetz müssen aber fast 50 Proz. oller in Frage kommenden Stellen mit Inhabern des Bcrsorgungsscheines besetzt werden, ja, darüber hinaus ist in Preußen auch von den restlichen Stellen ein erheblicher Teil den Inhabern des Persor- gungsscheine» vorbehalten. Man kann also nicht gut von einer mehr oder weniger„krassen Entlassung' sprechen. Aber das Schutzpolizeibeamtengesetz sieht noch eine andere Art der Sicher st ellung für die ausscheidenden Schutzpolizeibeamten vor. Wer nachweist, daß er sich eine aussichts- reiche Existenz außerhalb einer beamteten Laufbahn gründen kann, falls er im Besitze von tinigen Geldmitteln wäre, kann diese Heber- gangsgebührnisse und den Dersorgungsschein kapitalisieren lassen. In diesem Fall bekommt der ausscheidende Beamte statt des Vor-, sorgungsscheines für jedes Jahr, in dem ihm Uebergongsgebührnisse zustehen. 1000 M.. außerdem werden die Uebergangsgebührnisse kapitalisiert und dazu kommt noch die Uebergangsbeihilfe von 1500 M. Der Beamte kann danach also bei Ausscheiden aus dem Dienst 9000 M. bares Geld erhalten, um sich eine neue Existenz zu gründen. Welcher sonstige nicht lebenslänglich angestellte Arbeit- nehmer ist imstande, sich in einer Arbeitszeit von 12 Jahren ein solches Kapital zu erarbeiten, mit dem er dann in noch jungem und kräftigem Lebensalter von 3? bis 35 Jahren sich eine andere Stellung oder Tätigkeit suchen tonn, zu der er im übrigen sogar auch noch während seiner Polizeidicnstzcit in den Polizeiberufs- schulen auf Staatskosten vorgebildet wird? Welcher Dorgesehte entscheidet? Wenn es nun in dem Artikel weiter heißt, daß über die Ent- lassungen von Schutzpolizsibeamten der Vorgesetzte entscheidet, der die Eignung de» Beamten für eine unkündbare Anstellung zu begnt- achten hat. so ist auch hier nicht klar ausgeführt, welcher VorgsfegkZ gemeint ist. Nicht der unmittelbare Vorgesetzte entscheidet darüber, sondern der Polizeipräsident, auf den als politischen Beamten doch wohl, wie dem Artikelschreiber, bekannt sein wird, in 4s mein einzigen Falle die Kennzeichnung zutrifft, die der„Abend' für die Vorgesetzten gegeben hat. Die weitaus größte Zahl der preußischen Polizeipräsidenten cntsianimt heute denselben Bevölke- rungsfchichten, aus denen die nicht lebenslänglich angestellte Polizei- beaintenschaft hervorgegangen ist. Und das preußische Ministerium des Jimern, dem die gesamte Polizei in Preußen untersteht, wird seit dem November 191« fast ununterbrochen— mit einer Aus- nähme von 6 Monaten— von Minister» geleitet, die der Sozial- demokratischen Partei angehören. Wenn der Artikel also glaubt, über „Generalstäblerwirtschaft im preußischen Ministerium des Innern" sich aufhalten zu müssen, dann richtet sich dieser unbegründete Vor- wurs doch nur gegen die preußischen Minister des Innern, die— trotzdem sie Sozialdemokraten sind— sich nach Meinung des Artikel- fchreibers in ihrer Behörde nicht haben durchsetzen können. Ich glaube, daß die ungeschminkte Darlegung der tatsächlichen Verhältiiiss« genügt, um gerade der Arbeiterschaft klar zu machen. daß unter Berücksichtigung der heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse es unberechtigt ist, über besondere Härten bei dem Ausscheiden von Schutzpolizeibcamten zu sprechen. General Nobile wieder wohlauf Die von ihm Verlassenen schweigen... Wie über L u l e a gemeldet wird, hat der General Nobile seine Kräfte ewßerordentlich rasch wiedergewonnen. Von einer geistigen Störung könne gar keine Rede sein. Der Tod seine» Chef- ingenicurs Ceccioni wird bestätigt. Die„Citta dl Milano' meldet über Svalbard, daß in der Radiotelegraphie bei Anwendimg der kurzen Wellen seit zwei Tagen absolutes Schweigen herrscht und daß alle Schisse, die sich in Kingsbay befinden, in der gleichen Lage find. Da die Gruppe Viglieri nur über einen Kurzwellensender oerfügt, ist man feit zwei Tagen ohne jede Nachricht von ihr. Die„Braganza' ist mit einem finnländischen Flugzeug an Bord nach dem Pordkap abgefahren. Das Vordringen des Eisbrechers „Kr affin' ist durch schwere Eismasscn zum Stillstand ge- brächt worden. Reben dem Eisbrecher ist ein Startplatz für das Flugzeug geschaffen worden. Der Flieger Tschuchnowski Nobile:„Wieder einer gestorben! Und ich hatte mich doch so aufopfernd vor ihm retten lassen, um wirksamer für ihn beten zv können." hat den ersten Probeflug unternommen. Der Eisbrecher wird nach der Advenls-Bay zurückkehren müssen, um wieder Kohlen zu fassen und Reparaturen vorzunehmen. Der Leiter der Hilfsexpedition er» klärte, daß die Eisschmelz« noch zu wenig fortgeschritten sei, um mit Schiffen eine Polarexpedition unternehmen zu können. Der Dampfer„Inge III' hat nach einer Meldung aus Spitz- bergen die Zldvents-Bay mit der deutschen Klemm-Daimler- Maschine an Bord verlassen und steuert auf die schwedische Expeditionsbasis zu. Die Lage der Schiffbrüchigen ist nach wie vor sehr kritisch. Sluch die.Hobby' ist wieder in See gegangen, um zwischen der Amsterdam-Insel und Grönland nach Aniundsen zu suchen. * wie wir kurz vor Redaktionsschluß hören, ist im schwe- dischen Sriegsministerium folgendes Telegramm de» Hauptmanns Tornberg eingegangen: Der„kuassin" befindet sich 25 Diflonzminulen von der DigUerigruppe. Nebel. Alles wohlauf. Außer A m u n d s e n und seinen Begleitern vom„L a l h a m' werdeu auch der Jialiener Sora, der Holländer van Davgheu und der Däne V a r m i n g mit ihrem Flugzeug vermißt. Man Ist ohne Nachricht und sürchlet. daß auch sie Opfer des Nobkle- Wahnsinns geworden find. „Oer Kampf gehi weiier..." Die schleichende Krise der Oeulfchnationalen Während die Parteileitung der Deutschnatio- n a l e n den erstaunlichen Mut aufbringt, die schweren durch den Fall Lambach entstandenen Differenzen abzustreiten, kennzeichnet die„D A Z." die Vorgänge als eine Führer- krise. Mit anderen Worten: Westarp hat abgewirtschaftet. Das kam gestern deutlich zum Ausdruck, als der Antrag Ab- lehnung fand, der das Verfahren gegen Lambach dem zu- ständigen Landesverband überlassen, in Wirklichkeit also be- graben wollten. Die„DAZ.", die offenbar von deutsch- nationaler Seite unterrichtet ist, schreibt weiter: „Das darauf in seiner Abwesenheit angenommene, fast«in- stimmig« Vertrauensvotum vermochte nicht die Tatsach« aus der Welt zu schaffen, daß die opponierende Gruppe weiter bestand und ihre Entschließung aufrecht hielt. Als Westarp dann, zurückgekehrt, von neuem nichts erreichen konnte, ver- ließ er endgültig den Saal. Der zweit« Parteiocrsitzende, Exzellenz Wallraf, führte die Tagung notdürftig zu Ende. Tatsächlich besteht in weiten Kreisen des Landes Ver- stimmung und Unzufriedenheit, und es ist leicht, sie allein gegen die bisher leitenden Männer ouszuniiinzen... Der Kampf ist nicht zu Ende gesührt worden. Er ist nicht ob- gebrochen, nicht beigelegt, er geht weiter." Man kann also noch im deutschnationalen Lager allerlei Auseinandersetzungen erwarten. Auch die Völkischen rebellieren. Im Anschluß an die Verhandlungen innerhalb der Deutsch- nationalen Partei schreibt die völkisch gerichtete„Rostocker Zeitung': �„Wie wir hören, hat sich die Gruppe um E o e r l i n g- Bang nicht im gering st en durchsetzen können. Insbesondere ist Dr. Bong über die Totsachen, die er jetzt nach Uebernahme eines Reichstagsmandatg vorfindet, schwer «richüttert. Das ist ihm ja oft genug vorausgesagt worden; sein„Optimismus", der ein„Steuer lienirn" erhoffte, dürfte damit endgültig geheilt fein. Dos Ergebnis der Parteitagung ist also, kurz gefügt, die Ankündigung der fortgesetzten Politik der fetten Ueberlhriften zur Täuschung der monarchisch ge- sinntcn Wählerschaßt. Es ftagt sich nur, wie lange dieser trübe Deckmantel das brodelnde Durcheinander in der Partei noch schamhaft verhüllen kann." Das Vertrauensvotum für Westarp, das den Riß in der Deutschnationalen Partei verkleistern sollt«, Hot also ebensowenig die Leute um Lambach wie den völkischen Flügel der Deutschnatt analen beruhigt. Unaufhaltsam schreitet der Versall des organisierten politischen Betruges fort. Erwünschte Sparsamkeit. Herr v. Siemens und die Neichsbahniariferhöhung. In Königsberg, Ostpreußen hat der Aufsichtsratsvor- sitzende der Deutschen Reichsbahngesellschaft, C. F. v. Siemens, vor dem Verwaltungsrat der Reichsbahn eine Rede gehalten, die natürlich zunächst von Patriotismus nur so troff, um dann die geplante Erhöhung der Reichsbahntarife zu begründen. Den Höhepunkt seiner Rede bildete die Erklärung: Deutschland muß in vieler Beziehung erneut lernen, was früher in so hohem Maße zu seiner Größe beigetragen hat, spar- sam zu wirtschaften und jeden Taler dreimal in der Hand umdrehen, ehe er ausgegeben wird. Die Regierung sollte sich diese Worte zu Herzen nehmen. Will doch die Reichsbahn mit ihrer Tariferhöhung gerade das Gegenteil dessen, was Herr v. Siemens von „Deutschland" verlangt. Sie will in überflüssiger Weise die Ausgaben steigern und die Lasten dafür den breiten Volks in äffen aufhalsen. D i e sollen, ob- wohl sie ja auch zu„Deutschland" gehören, nicht den Taler umdrehen dürfen. Das dürfen nur die Herren Groß- industriellen, denen die Tariferhöhung zugute kommen soll. Der Regierung wird also wohl nichts anderes übrig bleiben, als auch letzt die Tariferhöhung abzulehnen und zwar mit derselben Begründung, die Herr v. Siemens feinen Forderungen gibt. Neue Ratifikation. Portugal anerkennt das Washingtoner Abkommen. Genf. 9. Juli. Die portugiesische Regierung hat das Washingtoner Zlbkommen über den Achtftunbentaz ratifiziert. Damit hoben seit dem von England Ansang dieses Jahres erhobenen, ober vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts zurückgewiesenen Revisionsbegehren vier Staaten, nämlich außer Portugal auch Luxemburg, Kuba und Spanien das Achtftundennbkommen rutt- fiziert. Die Rottfikation Spaniens ist allerdings wie die bereits früher vollzogene Ratifikation Frankreichs an die Bedingung ge- knüpft, daß die hauptsächlichen Staaten Europas ebenfalls rati- fizieren. Wie steht Frankreich zur Räumung? Erwägungen über die bedingungslose Räumung der zweiten Zone. Paris, 10. Juli.(Eigenbericht.) Der„Q u o t i d i e n" erklärt heute, daß eine bedingungs- los« Räumung de» Rheinlandes nicht in Frage kommen könne und daß sich die Reichsregicrung eine empfindliche Schlappe zu- ziehen werde, wenn sie die Räumung in der gleichen Form wie bisher weiter fordern werde. Immerhin, meint das Blatt, sei Frankreich bereit, den Beweis seines guten Willens zu bringen. Es seien im Schöße der französischen Regierung Ueberlegungen im Gange, ob man nicht Deutschland die bedingungslose Räumung der zweiten Zone anbieten könne. Man würde mit dieser Geste das vertrauen Frankreichs in das republikanische Deutschland kund- geben, hätte dann aber immer noch die Möglichkeit, bei den Vce- Handlungen über die Räumung der dritten Zone die Interessen Frankreichs wahrzunehmen. Die Gegenleistung, die sür die Räumung der dritten Zone ver- langt werden könne, sieht das Blatt ausschließlich auf f i n a n z i e l- l t m Gebiet. Zehntausende begrüßen den-Eisernen Gustav�. Wir kommen aus der Rummelei nicht mehr raus! Was Köhl und Hünescld recht ist, soll auch dem„Eisernen Gustav" billig sein. Auf der Rückfahrt von Paris ist er mit feinem„Erasmus" in Mannheim angekommen und wurde mit all dem Pomp emp- fangen, dereiner„Sensation" gebührt. Zehntausend« waren auf denStraßen, ein Gustav-Abend wurde veranstaltet, Auto- gramm« und Interviews wurden gegeben, und zum Schluß hielt der„Eiserne" eine Ansprach«, die gut gemeint war und wild beklatscht wurde. Immerhin ist dieser„Held des Tages' weit sympathischer als Herr v. Hünefeld, der Besuche bei Wilhelm von Doorn macht und für sich selbst ein« fast unerträglich« Reklame! Vierfacher Mord aus Aberglauben. Roch Blättermeldungen aus Reggio di Calabria in Italien hat dort ein Landarbeiter, der sich behext glaubte, in diesem Wahn sein« Frau, deren Eltern und seine Schwester er- mordet. Ein Mandat- 20000 Mark. W»e die Wirffchastspartei ihre �eichstagsmandate vergib� Folgende, für die politische Moral der sogenannten Wirt- schaftspartei überaus bezeichnende Ausführungen entnehmen wir der„Ztationalliberalen Korrespondenz": Die W i r t s ch a s t s p o r t e i, die sich im letzten Wahlkomps nicht genug daran tun konnte, olle anderen Parteien nach Kräften zu verunglimpfen und Über einzelne Kandidatenausstellungen die merkwürdigsten Geschichten in Umlauf zu bringen, hat sich selbst einen Kuhhandel geleistet, den man der Oefsentlichkeit nicht vorenthalten soll. Bei der Aufstellung der Kandidaten der Wirtschastspartci zum Reichstag ist im Wahlkreis Westsalen-Nord folgendes Verfahren eingeschlagen worden, um von vornherein einen mehr oder weniger friedlichen Ausgleich zwischen den ausgestellten drei Kan- didaten herbeizuführen, die sich gegenseitig den Rang ablausen woll- ten. Der Wahlkreis wurde in d r e i T e i l e geteilt und zwar nannte man die Bezirke Westfalen, Mittelsolcn und Ostsalen. Für jeden dieser drei Bezirke wurde ein Kandidat aus den gemeinsamen Wahl- Vorschlag gesetzt mit der Bestimmung, daß nicht die Reihenfolge aus diesem Wahlvorschlog nach der Wohl für die Erringung eines 3ean daques Rousseau der berühmte französische Schriftsteller, dessen Toi sieh am 2. Juli 1928 zum ISO. Male jährte. Mandats ausschlaggebend fein sollte, sondern daß derjenige Kandidat nach den internen Abmachungen der Partei als gewählt gellen sollte, der in seinem Bezirk die meisten stimmen aus sich vereinigt habe, und daß andere Kandidaten, die etwa auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag vor ihm stehen sollten, dann aus ihr Mandat zu verzichten hätten. Um diesen Abmachungen den nötigen Rachdruck zu verleihen und ihre Durchführung nach dex Wohl sicherzustellen, mußte jeder der in Betracht kommenden Bewcslier einen Sichtwechsel Über �20000 Mark bei der Parteileitung hinterlegen mit der Maßgabe, daß der Wechsel präsentiert würde, falls einer der Bewerber die vorstehend gekennzeichneten Abmochun- gen nicht innehalten würde. Dieser Fall hat sich nun tat- sächlich ereignet, da der Spitzenkandidat, cherr chester- mann sen., nicht in seinem Bezirk die meisten Stimmen ausbrachte. Er war also gezwungen, entweder den Wechsel über 20000 M. einzulösen oder aus sein Mandat zu verzichten. Da j)crr chestermann inzwischen nicht als Abgeordneter im Reichstag erschienen ist, darf man wohl annehmen, daß er in Ermangelung der 20000 Mark wohl oder übel aus seine Tätigkeit als Reichstags- abgeordneter verzichtet hat. An seine Stelle tritt ein Herr Hömberg. In diesem Zusammenhange liegt die Vermutung nahe, daß der Landtagsabgeordnete He st ermann, der Sohn des genannten Kandidaten, in ähnlicher Weise zu seinem Mandat gelangt ist, da auch er nickst die erste Stelle aus der wirt- schastsparteilichcn Liste seines Bezirks inne hatte. Helene Grünberg ist am Sonnabend in Nürnberg im 5i. Lebensjahre durch ein trogisches Schicksal aus dem Leben geschieden. Ein schweres Nervenleiden zwang sie im Jahre 1924 noch zwanzigjähriger Tätigkeit im Nürnberger Avbeitersekretariat in den Ruhestand zu treten. In einem Anfall geistiger Depression sucht« sie den Freitod. Die Verstorbene isk auch in der Bertiner Arbeiterbewegung keine Unbekannte. Schon mit 22 Jahren trat sie in Berlin in ihrer Berufsorganisation, dem Verband d«r Schneider und Schneiderinnen, agitatorisch hervor, um sich später mehr der Frauenbewegung im allgemeinen zu widmen. Im Jahre 1902 wurde sie dann, als das Nürnberger Arbeitersekretariat eine weibliche Kraft einstellte, unter vielen Bewerberinnen gewählt und nach dort be- rufen. Als ihr ureigenstes Werk darf wohl die Gründung der Hausange st elltenorganisotion betrachtet werden, die allen Rückschlägen und Lästerungen zum Trotz durch das Wirken Helen« Grünbcrgs besonders in Nürnberg zu einer beachtlichen ge- werkschaftlichen Organisation emporwuchs. Politisch war Helene Grünberg mit gleichem Eifer tätig. Auf vielen sozialdemokratischen Parteitagen als Delegierte, jahrelang Mitglied der Kontrollkommission der Partei, war sie auch Mitglied der Nationalversammlung. Stets bereite Helferin und Beraterin der Armen und Unter- drückten, eine energische und unerschrockene Führerin, dankt die deutsche Arbeiterbewegung in unvergeßlichem Andenken der reichen Arbeit, die Helene Grünberg für sie geleistet hat. Die Aechtung des Krieges. Oer Keliogg-pakt vor dem Abschloß. Pari». 10. Juli. Wi« der„Matin" zu wissen glaubt, ist es angesichts des Fort- schritts der Verhandlungen über den A n t i k r i« g s p a k t in der letzten Zeit sehr wahrscheinlich, daß in einigen Ägen die Regie- rungen, denen der amerikanische Dorschlag vorgelegt wurde, ihn unverändert annehmen werden. Es handelt sich, so schreibt das Blatt, dabei um Deutschland. Großbritannien, Frankreich und Italien und um die drei Mitunterzeichner des Locarnovertroges, also Belgien. Polen und die Tschechoslowakei. Es ist weiter zu erwarten, daß Kellogg, bevor er die Verhandlungen zum Abschluß bringt, eine Anzahl von Ländern außer den genannten mit seinen Plänen befassen wird, und zwar wird er sich voraussieht- lich an erster Stelle an ein großes neutrales Land wenden, das zvieder m den Völkerbund eintreten wird, nämlich Spanien. Echönheitskonkurrenz. Von Gerdland. Da ist man in Halense«'gewesen oder am Sursürstendamm oder in einer jener anderen Gegenden der heuchlerischen Kultur, der speichelleckenden Moral. Man ist in einer Bor gewesen oder in dem snobistischen Vergnügungspark der feinen Leute oder in einem auf„Kaschemme zurechtgemachten Lokal", in dem dos Bier in Nacht- geschirren verabreicht wird, in dem die Luft verpestet wird von Staubwolken, die tanzende Schuhe aus dem teppichbelegten Baden stampfen, in das die reichen Parasitären und Edelhuren hineingehen, um«inen neuen Nervenkitzel zu haben, oder man ist in einem jener Eas�häuser gewesen, in denen mondäne Degeneration sich mit in- offizieller, damenhafter Prostitution vereint, oder in einem Nepp- kobarett in der Friedrichstraße(dos ist ja so egal...). Aber dann ist man vom Ekel gepackt worden, vom Ekel, der sich ergab aus der Gedankenlosigkeit junger Schnösel und frecher, dummdreister sogenannter Backfische, aus der Gier der mit Lust- greisen verehelichten, feisten Domen der Gesellschaft. Ja, man hat so einem kleinen, unbedeutenden, nichtssagenden, maßlos«inge- bildeten Mädelchen in die nüttlichen Augen gekuckt, man hat dann mit ihr gesprochen... Do man ober nun einmal nicht aus seiner Haut heraus kann und sich nicht diesem Tohuwabohu aus Cocktails und Seidenbeinen und Iazzgeplärr« und geilen Lüsten assimilieren will, hat man gehofft, bei diesem jungen Mädchen etwas, ein ganz- kleunvenig jugendlichen(also fortschrittlichen!) Geist zu finden. Sie ober hat gegackert wie oll« die alten, manirierden Puten. Und hat gelocht... Da hat man denn den devoten Kellner gerufen, jenen Prole- tarier, der dazu verflucht ist, im Frack die reichen Nichtstuer devotest zu bedienen(und doshalb zu uns gehört...). Und hat seine Zeckst: bezahlt. Und ist gegangen. Dann ist man mit dem Autobus ins Unberechenbare gefahren. Vorbei an den Straßen der Rossinements, vorbei an den vornehm- stillen Wohnstraßen der Kapitalisten. Und plötzlich— schier unbewußt war man irgendwo ausgestiegen— befand man sich in dem Viertel der Arbeiter, der Proletarier, der arbeitenden Bevölkerung der immensen Stadt. Man ging ohne Ziel. Glücklich, dem Trubel des Boulevards entronnen zu sein. Straßen, Straßen. Häuserfronten grau wie alt«, zerschlissene Kulissen,. Trüb sunzelnde Laternen. Hier und da ein Leidenmädchen. Hier und da zermürbte Gannoven, die Bammel hatten vor den Versteckten(das sind Kriminalisten). Und dann war man in der Ackerstraße. » Diese Ackerstraße ist die Straße, die die Salomnenschen, die sich anmaßen, sozial« Zustände zu kritisieren, soziale Problem«— und eines der wichtigsten: die Kasernierung, Reglementierung, Kon- trolle der Prostitution— zu lösen, als die Kehrseite der Stadt Berlin betrachten. So wie die einzelnen Teil« unserer in den Himmel protzenden, langsam verreckenden Stadt ihre Eigentümlichkeiten haben, so wie der Klirfürstendamm die Gegend der morschen G«- sellschastskaste ist, so ist die Ackerstraße die Stroh« der armseligen Vergnügungen, der. realen Drasttk(die einem denkenden Menschen tausendmal lieber ist als die verlogene Moral und die moralisierte. demoralisierende Verlogenheit). Und da ist ein kleines Lokal. Und da ist in diesem kleinen Ackerlokal ein«— Schönheitskonkurrenz... Dieses Lokal liegt im Keller eines alten, baufälligen Hauses. Alkoholdünste und Rauchschwaden schlagen dem Eintretenden ins Gesicht. Am verstimmten Tastenbrett sitzt«in verkommene» Indi- viduum und klimpert eine Melodie, zu der die alten, vermickerten Liebesrauen ein Lied plärren:„... unn, wenn et zwelse schlächt, denn miss'n wo ackan jeh'n... und, wenn et«ensen schlächt. mit eenem ins Bette jeh'n..." Es gibt hier— wahrhaftig— auch so etwas wie ein Kobarett. Aber die Physiognomien der Gäste sind ungleich interessanter, als etwa die plumpen Späh« eines harmlosen Halbidioten, der ein Couplet trällert, das den schönen Refrain hat:„Ich bin dos, du bist dos. wir sind alle dos..." Dos Publikum schert sich denn auch nicht sonderlich um diesen Kunstgenuß, sondern sucht und krakeelt. Auch kleine Kinder sind da. Sie haben Wasserköpfe und klein« oerkümmerte Körperchen, die aus Rachitis schließen laflen. Und dann beginnt die Schönheitstonturrenz. Oh, Schönheit! Oh, kindlich rührende Bogrisssverschiebung. Oh, trostlos bizarr« Euphemie. Man ist versucht, ans Telephon zu gehen, um Richard Eichberg oder Friedrich Zelnik anzurufen oder«inen anderen Könner des Films. Hierher müßten sie gehen, wenn sie Komparserie brauchen für ihre lebensechten Filme, hierher, wo die Komparserie der Menschheit, der Auswurf einer gigantischen Stadt sich Stelldichein gibt zu einer unsagbar trübsinnigen, unglaublich armseligen, un- beschreiblich trostlosen Fröhlichkeit. Schönheit! Ja, es sind auch schöne Frauen da. Schön sind sie, auch wenn man weiß— und obgleich man weiß—»der gerade weil man weiß?!—, daß ihre Schönheit ihre Existenz Ist, daß ihre Schönheit sie zu ihrem„Gewerbe" bestimmte, denn sie waren Pro- lctenmädchen und waren arm und ihre Schönheit besohl ihnen mit unwiderstehlicher Gewalt, sich aus dem Qualm der Fabriken heraus- zufehnen in das große, gotterfüllte Leben. In jenes Leben, dos sie scheu sich erträumten: Kurfürstendamm. Kavalier, Gesellschaft... In jenes Leben, das sie nun in der Ackerstraße noch schön finden, in dem sie, noch erfüllt von einer gewissen Scham, noch erfüllt von jenem Funken, den die Dichter„Seele" nennen, vegetieren. Schönheit! Ja, wenn nur dieses stereotype Lächeln nicht wäre. dieses armselige, liebedienende Lächeln... Die Nacht ist vorgerückt. Die Stimmung ist gestiegen. Di« Arbeitslosen haben sich betäubt, und die kleinen Kinder wimmern im Schlaf. Die Frauen stehen auf den Tischen. Die Jury beröt. Die Wohl wird getroffen. Und die erkürte Preisträgenn bekommt«ine Pulle Kümmel, eine Leberwurst, eine Schachtel Zigaretten. Sie ist die Königin der Ackerstraßcnschönheiten. e- Der Morgen graut. Man geht hinaus. Die Laternen glimmen noch. Und man denkt an das elegante Mädel im Kursürstendomm- rase und an das junge, unkeusche, entheiligte, urifchuldige, lieben». werte Weib, dos die Gannoven und die Ackerdirnen, die Letzten der großen Stadt Berlin, mit ihren Gaben beschenkten. Kommunistischer Hofklatsch oder: Wie lebt die Dame? Di«„Rote Fahne" bringt einen Artikel von Slang mit der Ueberschrist:„Wie lebt die Dame?" Von der Morgenmanikure bis zur Abendgesellschaft ist der ganze Tag in Schlafen und Essen, Schön- heitspslege, spielige und kostspielige Liebhabereien eingeteilt, von der Sorge um Schminke, Lippenstift, Reispuder und elektrische Massage überschattet. Mit Recht stellt die„Rote Fahne" das Drohnenlos des Luxusdämchen an den Pranger, vergleicht damit den durchsorgten, durchschusteten, freudlosen Arbeitstag der Proletarierin. Di« sozio- listische Presse hat mehr als einmal den gleichen Luxus geschildert, dieselben Vergleiche angestellt, um die Bourgeoisie und ihr« christ- liche Bescheidenheit zu kennzeichnen. Wer aber glaubt, daß die Kommunisten mit ihrer Anklage den gleichen Zweck verfolgen, der irrt sich gewaltig. Hier wie überall gilt ihr Kamps einzig und allein der Sozialdemokratie. Deshalb bliebe das Bild des Luxus- weibchens für sie ohne rechten Sinn und Zweck, wenn es sich nicht irgendwie gegen die Sozialdemokratie verschieben ließe. Und so be- ginnt denn der Artikel mit folgenden Sätzen: „In diesen festlichen Tagen. wodieFrauenvonvierein- jachen, ehrlichen. sozialdemokratischenArbeitern plötzlich und unerwartet zu Reichsmini st ersgattinnen be- fördert wurden, ist es von doppeltem Interesse, zu wissen, wie die Dame der Gesellschaft wohnt und lebt. Wie leicht könnte es sonst der Fra» Reichskanzler Müller passieren, daß sie die Nachtcreme am hellerlichten Tage ans die Backen streicht und den Lippenstift al» Zahnstocher benutzt!" Sehk"ihr, der radikale Schmook kann alles! Er geniert sich nicht einmal, die Frau eines„einfachen, ehrlichen Arbeiters" in diesem verleumderischen, verächtlichmachenden Zusammenhang zu nennen. Aber es kommt noch besser. Die Schmiererei schließt: „So leben sie alle Tage, die Damen, in deren Kreis d i e Frauenoonviere infachen, ehrliche n.sozioldemo- kratischen Koalitionsmini st ern ihren siegreichen Einzug geholten hoben." Lassen wir den Kommunisten dos blödsinnige Vergnügen, solche gequälten Zusamnkenhänge zwischen dem Luxueweibchen des Ber- liner Westens und Frauen sozialdemokratischer Führer zu konstruieren. Aber worum in die Ferne schweifen? Wenn Kommu- nisten sozialistische Frauen derart beschimpfen wollen, haben sie doch die Beispiel« viel näher! Die Frauen derSowjetleut« sind schon mehrfach wegen ihrer luxuriösen Aufmachung der Gegenstand öffentlichen Interesses gewesen. Di« Frau de» bolschewistischen Aul- tusministers Lunarscharsii wird in bürgerlichen Blättern immer wieder abgebildet als eleganteste, mondonst« Frau Rußlands. Und mehrfach photographiert wurden in bürgerlichen Blättern Frauen kommunistischer Radikalinskis, wie der Filmstar Erna Morena, der doch sehr fest mit der kommunistischen Partei ver- bunden ist. Oder als aus der Kölner Presso die Sowjethall« er- öffnet wurde und die kommunistischen Gastgeber für die Vertreter der„sotten Bourgeoisie" ein feudale» Gastmahl anrichteten, da waren die Damen all dieser Herren wirklich nicht in Flanell gekleidet. Ganz abgesehen von der Eleganz der Damen des Mas- kauer Kremls. Seitenlang könnt« man Bilder zeigen, auf denen die Leser der kommunistischen Presse die hochgestellten Frauen ihrer Oberbonzen im Glanz mondänster Eleganz bewundern könnten. Aber wir»er- zichten daraus, un» mit den Mitteln kommunistischen Hofklatsches und kleinlicher Topfguckerei die Agitation bequem zu machen. Wir wollten mir wieder einmal an einem Beispiel festhalten, in welch heuchlerischer, verlogener Weise unsere Mostauer ihren Kampf gegen die Sozialdemokratie führen. � J. S. Grabmal des unbekannten Soldaten. (Theater am Kurfürstendamm.) Nach längerer Pause nimmt eine Berliner Bühne wieder Paul R a y n a l s„Grabmol des unbekannten Soldaten" in ihren Spiel- plan auf. Diesmal ist es das Theater am Kurfürstendamm. Di« Regie führt Theodor T a g g e r. Das Drama hat nichts van feiner Wirkung verloren Raynal schreibt eine glühende Anklage gegen den Krieg. Im Grunde ein einziger Monolog, den einer der vielen hält, ein Mensch, der als Symbol des Soldaten gelten soll. Aber neben diesem Haupr- thcma erklingen andere Motive. Raynal verfugt über ein differen- ziertcs Orchester der Sprach«. Die Dichtung ist zu reich, um aus einen einzigen Nenner auszugehen. Ueberschneidungen finden statt, lieber- lagerungen der Problem«. Der Krieg löst andere Fragen aus: alte und neue Generation, Mann und Frau, Mensch und Schicksal sind ein paar von ihnen. Hinter dem einmaligen Erlebnis des Krieges stehen ewige Mcnschheitsdinge. Je mehr Distanz zum Kriege gewonnen wird, desto weniger betont enscheint das Einmalige, desto stärker tritt dos Symbolisch« der Diclstung hervor. Und weil inan Abstand gewonnen hat, bewundert man auch den virtuosen Techniker Raynal, den großen Gestalter. Raynal ist Beherrscher der dramatischen Form, ein Meister der Kon- zentration, des dramatischen Ausbaues und de? Dialogs.„Das Grabmal des unbekannten Soldaten' ist ein Gedankendrama, aber Raynal übersetzt die Gedanken ins Bildhafte, verleiht ihnen eine klare, sprachliche Form Rur drei Menschen treten aus, drei getrennte Welten, die ein Schluß miteinander verschmelzen. Tagger läßt aber drei ver- schieden« Stile spielen. Robert Müller ist anfangs von ruhiger Geschlossenheit, gerät dann jedoch in Iombenraserei und kann nicht die Wandlung der Figur glaubhaft machen. Erika Burgin, sehr zart, sehr schmiegsam, mit ousdrvcksuvllem Gefühl mrd innigem Ton, beherrscht vorläufig nur die Koutilene des Schmerzes. Es bleibt Ernst Günther Körchow, der für die anderen voll entschädigt. Gebändigt in Geste und Wort, mit einem Minimum an Mitteln arbeitend, entsteht ein Leidender. Zerwühlter, Glücksuchender hinter der Maske des Willensstärken Weltmanns. Lelix Leberrei. Sprungbrett der Liebe. (Kleines Theater.) Das Kleine Theater dekoriert mit einem Doppelbett. Run fft die wichtige Frage zu entscheiden, ob ein legitimer oder ein illegi- timer Herr diese» Hochzeitslager besteigen wird. Denn«» zeichnet als Verfasser des Lustspiels Herr Sablons, ein Franzose, der gern unmoralisch sein möchte. Das Duell zwischen dem legitimen Herrn Henri(Z e s ch- B a l l o t) und dem illegitimen Herrn Gaston (Franz Schasheitlin) entscheidet sich zugunsten des legitimen Gatten. Zentrum dieses Doppelbettes ist Fräulein Christel Storni. Sie spielt so lustig, daß man im Kleinen Theater begeistert für sie Partei nimmt. M« Hochdorf. Das Ende einer unglücklichen Liebe Todesschuß aus der Schreckschußpistole. Am 21. Februar d. 3. fanden die Beziehungen des 27jährigen Kassierers Heinrich A. und der 26jährigen Hausangestellten Elli St. durch einen födlichen Schuß aus einer Schredschußpistole ein jähes Ende. Damit hatte ein Berhältnis feinen tragischen Abschluß gefunden, das von dem jungen Manne ehrlich gemeint war, während das junge Mädchen offenbar an eine Heirat nicht gedacht hatte. Es war die Tat eines Neurasthenifers, der nicht imftande war, von dem Mädchen, das er über alles liebte, zu lassen. Heute hat er sich vor dem Landgericht III wegen Totschlags zu verantworten. Den Borfih führt Landgerichtsdirektor Friedmann, die Verteidigung hat Rechtsanwalt Dr. Frey. Bor dem Richter steht weinend ein schwächlicher Mensch mit schmalem Gesicht und erzählt die Leidensgeschichte seiner Liebe. Für um das Theaterabonnement. Die St. gab zu verstehen, daß ihr daran überhaupt nichts liege. Auf sein Borhalten, daß er sich auf ein Jahr verpflichtet habe, sie somit auch einen Teil der Roften tragen müsse, gab sie eine höhnische Antwort. Er wurde immer erregter, bat sie, ihm endlich reinen Wein einzuschenken; und als er ihr, auf eine Herrenbekanntschaft anspielend, sagte, daß wohl jetzt der Genthiner Herr an der Reihe sei, meinte fie: Ja, er ist jegt fällig. In diesem Augenblick zog er feine Pistole, die er bei seinen Ausgängen stets mit sich führte. Sie sah ihn nun herausfordernd an und sagte: Schieß ooch, wenn du willst. In diesem Augenblick krachte der Schuß fann der Schuß aus diefer Pistole nur fein, wenn die Ladung direkt auf die Weichteile bringt, etwa ins Herz oder, wie in diesem Falle, ins Auge. Die Gerichtsverhandlung wird bis zum Abend dauern; es sind etwa 18 3eugen geladen. Ueber den seelischen Zustand des Angeklagten wird ein Psychiater gehört. Berlin und die Bauausstellung. Leere Drohungen und leere Gerüchte. Ueber den Streit des Vereins Bauausstellung mit der Stadt Berlin sind von einigen Zeitungen beunruhigende Darftellungen verbreitet worden, die durchblicken ließen, daß die Bauausstellung von 1930 nun überhaupt nicht in Berlin, sondern in einer anderen der deutschen Großstädte zustande kommen werde. Demgegenüber erflärt jetzt die Leitung des Vereins Bauausstellung mit aller Bestimmtheit, daß die Nachricht, der Verein sei bereits in Verhandlungen mii Köln und Leipzig wegen Uebernahme der Bauausstellung eingetreten, so lesen wir weiter in der Erklärung der Verein Bauausstellung, solange er sich noch im Zustande ernsthafter Verhandlungen mit der Stadt Berlin befindet, natürlich gar nicht daran denkt, mit anderen Städten wegen Uebernahme der Ausstellung in Verhandlungen zu treten." Der Schießfachverständige erklärte, daß die Waffe eine Schredihn war diese Liebe eine bitter ernste Angelegenheit. Das Mädchen schußpistole sei, die der Fachmann als Spielzeug ansieht. Tödlich vollkommen unrichtig ist"." Es versteht sich von selbst, daß vertröstete ihn aber immer wieder. Das emige Hin und Her, sowie das Unbefriedigende des Verkehrs, der übrigens über Zärtlichkeiten nicht hinaus gegangen war, zerrten an den Nerven des jungen Mannes. Aus einer Familie stammend, in der drei Selbstmordversuche vorgekommen waren, Kind einer sehr nervösen Mutter, fitt er schon früher an Angstzuständen. Jetzt ließ er in seiner Arbeit nach, wurde zerfahren und unaufmerksam, äußerte zu Hause Selbstmordgedanken und suchte bereits Ende November einen Nervenarzt auf, der bei dem schwer hyste rischen Psychopathen eine Herzneurose und einen schweren Depressionszustand feststellte. Kurz vor der Tat suchte er wegen der gleichen nervösen Beschwerden auch den Hausarzt seiner Familie auf. Nicht ganz einfach scheint während dieser Zeit auch der Seelenzustand der Elli St. gewesen zu sein. Ihrer Herrschaft" und der Hausverwalterin flagte sie oft, daß sie von K. nicht los tommen könne, daß sie es nicht übers Herz bringe, ihm zu sagen, daß sie ihn doch nicht heiraten würde. da er ihr im Grunde doch nicht gefalle. So unterhielt sie auch weiter ihre Beziehungen zu K. Eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Dinge spielte das Geständnis R.'s, daß er ein uneheliches Kind habe, für das er Alimente zahle. Die St. äußerte sich nun der Hausverwalterin gegenüber, daß sie einen Menschen, der ein uneheliches Kind habe, unter feinen Umständen heiraten würde. K. wurde aber immer unruhiger. Er fuhr zu den Eltern der Elli, um zu erfahren, weshalb sie ihn nicht heiraten wolle. Nach mancherlei Hin und Her gelang es ihm endlich, sie zu einem Zu fammentreffen und einer Aussprache an der Ecke der Brandenburgischen und Düsseldorfer Straße zu bewegen. Inzwischen hatte er, um ihr eine Freude zu machen, ein Jahresabonnement für ein Theater besorgt. Die Unterhaltung drehte sich zuerst Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staals- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Deutsches Theater Norden 12 310 Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 8 Uhr U. Ende nach 101/2 Artisten Leinen aus Regie Max Reinhardt Irland Die Komödie Komödienhaus Bismarck 2414/7516 32 U. Ende 10%, U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater arlottenstr.90/ 91. Dönh.170 34, Ende nach 10% lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. Heute geschlossen! Morgen 7 Uhr Premiere Heute geschlossen! Donne: stag 74, U. Zum 1. Male: Der Präsident! Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal Photoautomat. Nach dem Hineinwerfen eines Geldstücks macht der Apparat eine Aufnahme, stellt die Bilder fertig und liefert sie aus. Theater des Westens Kleines Theater Theater am Kottbuffer Zor 8 Uhr 81 Uhr: Lori Leux in Sprungbrett Die ungeküßte Eva der Liebe Operette in 3 Akten. Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Berliner Prater Kastanienallee 7/9. im Bett! 7, Täglich sitten schwank Die keusche Susanne. in 3 Akten. Außerdem In der Hauptrolle Elfriede Mertens a.G. Konzert, Varieté. Jugendliehe haben Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. keinen Zutritt! Tanz. Kaffeekochen. Parkett auch Sonnt. statt 4.- Mk. nur 1. Mk. Volksbühne Es kommt Rose- Theater Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 81 Uhr Orpheus in der Unterwelt 8 Uhr: Der Kuhhandel PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 13. Juli BTO Potsdamer Straße 38 Die Apachen von Paris 7 Akte mit: Ruth Weyler Außerdem: Milak, d. Grönlandjäger. 5 Akte Rheinstraße 14 Schlachtschiff Constitution und: No: che. 7 lustige Akte. Jeder dran! Lessing- Theater räglich 8, Uhr: Spiel im Schloss" Gr. Frankt. Str. 132 51 Uhr Konzert und bunter Teil 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Zesch- Ballot, Christel- Storm, Torning, Garrison, Schafheitlin. Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 84 Uhr: Der Wirt vom Heidekrug Ein lustiges Spie! m. neuesten Schlagern Gesang u. Tanz m. d. Park.auch Sonntags nur 60 Pi. statt 4. M. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger Zum Schluß ,, Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Donhott Brett' ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert. Tanz. Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Elite Sänger allabendlich Bombenerfolg! Lachen ohne Ende. u. a.:,,Wasserratten" sowie der unvergleichliche Soloteil. An schönen Sommertagen in den LUNA PARK Heute Eintritt 75 Pf. Das nächste Fest: Sonnabend, 14. Juli Wochenende b. Zille Der Verein Bauausstellung darf sich nicht wundern, daß solche Alarmnachrichten verbreitet und vielleicht auch geglaubt werden. Er selber hat ihnen die Wege geebnet, durch die von ihm beschlossene und fofort an die Presse weitergegebene Einspruchserklärung, die wegen. der Zuweisung angeblich ungünstigen Geländes für die Bauausstellung gegen Berlin einen scharfen Ton anschlug und deutlich genug sagte, daß bei Nichterfüllung der Wünsche des Vereins die Ausstellung in Berlin im Jahre 1930 nicht zustande kommen werde. Schnellbahn Neukölln- Gesundbrunnen vor der Vollendung. Der Magistrat hat beschlossen, für den legten Teil der Schnellbahn Neukölln- Gesundbrunnen 22 Millionen Mart Bautoft en bereitzustellen. Die Stadtverordnetenversammlung wird nach ihren Sommerferien, also erst im September, über die ihr zugehende Vorlage beschließen. Die geforderten Mittel sollen aus Anleihen entnommen werden. Man hofft, die Reststrecke der Schnellbahn Neukölln- Gesundbrunnen i m April nächsten Jahres in Betrieb seßen zu können. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GB 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Komische 31 Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Spezialehandl, ur für m Hüft, Gesä8 and Bein, wenn ärztl. festgestellt. In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. lestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. lavalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Seacfag 10-12. Jacoby Ischias Küchen bringt ab 9. Juli weiße u. lasterte, feinste und auch zur späteren Lieferung zu enorm billigen Preisen Auf allen Möbeln 10% Rabat Küchenmöbel- Haus Renaissance- Theater Laserstein, Luckauer Str. 1 Steinplatz 901. 8% Uhr Das Bett Ecke Oranienstr. am Moritzplatz TRAURINGE Preisliste gratis! 1 Ring Dukatengold( 900 gest.) zum Reklamepreis von Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 18. . Mk. 22. Mk. 28.1 Ring( 585 gest.) Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 12. Mk. 15. 8 karat. Ringe v. Mk. 4.- bis T.- p. Stück. Gravieren gratis zum Mitnehmen. 24, Ges. geschützt Hermann Wiese, Berlin N, Passauer Str. 12 Ständig ca. 3000 fugenlose Trauringe am Lager. KINO TAFEL Südwesten Osten = Film- Palast Kammersåle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. Achtung! Beg. 6.30. Andreasstraße 64 Du sollst nicht stehlen mit Lil. Harvey Steuermann Holk Süden Th. am Moritzplatz Beg. W. 6.15, 9. S. ab 4 Uhr Wenn die Mutter u. die Tochter Gigolo, der Tänzer für Geld Luisen- Theater Odeon, Potsdamer Str. 75 Reichenberger Straße 34 Hauptmann Sorell u. sein Sohn Tragödie in 10 Akten u: Der Untergang der Hesperus Jugendliche haben Zutritt Turmstraße 12 Verlängert: Fräule a Chauffeur mit Mady Christians Mit Gesangseinlagen Jugendliche haben Zutritt Zwei Menschen, nach Rich. VoB Der Texasreiter Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Paul Wegener in Ramper Erlebniss. ein.Nordpolforschers Bühnenschau Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Alexanderstraße 39-40 Tempelhof, Berliner Str. 97 ( Passage) Marys großes Geheimnis und: Achtung! Sprengstoff! 5 spannende Akte Du sollst der Kaiser meiner Seele sein Henny Porten in Lotte Bühnenschau Der Geiger von Florenz Charleys Tante Bühnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Frauenarzt Dr. Schäfer Kampf um den Mann Humboldt- Theater Badstraße 19 Panzerkreuzer Potemkin Der Sohn der Berge Große Bühnenschau Kristall- Palast Alhambra Müllerstr. Prinzenallee 1-6 Die Sünderin Belprogramm und Bühnenschau Metro- Palast Henny Porten in Lotte Auf der Bühne: Bruno Kastner u. Luisi Tirsch in der Duo- Szene: Chausseestraße 30 ,, Herzkrank" Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 O Jugend, wie bist du so schön Hoot Gibson in Der Ueberfall in der Silberschlucht Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 7073 Hoot Gibson in Der Ueberfall in der Silberschlucht Prinzessin Trulala Jugendliche haben Zutritt Friedrichsfelde Abenteuer in Paris mit Bebe Daniels Das Hanner! vom Rolandsbogen Der schwarze Zyklon Große Bühnenschau Pankow Palast- Theater Eheferien mit L. Harvey Bühnenschau Breite Straße 21 à Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Beg. 7. 30, 9 Uhr Milak, der Grönlandjäger Kohlhiesels Töchter Jugendliche haben Zutritt PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 13. Juli Weißensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205-210 Henny Porten in: Lotte Das Abenteuer eines Auswan derers Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 W. 7, 9.15, S. ab 4. Uhr Der große Erfolg: Schuldig Juxbaron mit Reinhold Schünzel Der Schöneberg früher Titania( ufa Schöneberg Tarzan und der goldene Löwe Tivoli- Lichtspiel- Th. Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 315, 5, 7, 9 U. Das Phantom der Oper Gesundbrunnen ,, Alhambra Badstraße 58 Das Recht der Mutter Die Launen einer Künstlerin Große Bühnenschau Berliner Straße 27 Man steigt nach Die Durchgängerin Bühne: Frassini( Hundedressur) Nieder- Schönhausen Film- Palast Kammerlichtspiele Ballschmieder- Lichtsp. Blankenburger Str.+ Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Liebe und Diebe( Henny Porten) Herkules Maier mit Reinh. Schünzel Badstraße 16 Der siebente Himmel Eveline Holt in Liebeled Große Bühnenschau Gustav Mond, du gehst so stille mit R. Schunzel Der Mann mit den 1000 Bräuten mit B. Keaton Das indische Grabmal, II. Teil und: Der Professor mit dem Bubikopf Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Eines starken Mannes Liebe Bühne: Eltinge und Vernon in ihrer Zigeunerszene: Meine Karawane {Beilage Sfritontö Dienstag. 10. Juli 1928 Besuch In Estland. 150000 Gäste beim estnischen Sängerfest. (Vinkel in Reval. Zur Heilung der Süchtigen.. Uns wird geschrieben: Im„Abend" vom IS. Juni findet sich ein Artikel von Dr. A. K. „Dom Schreinergescllenzum Arzt", der von der Heilung der Rauschgiftsüchtigen, insbesondere der Morphinisten handelt und der sicher das Interesse weiter Kreise gefunden hat. Richtsdesto- weniger oder gerade darum erscheint es mir unoerläßlich, zur Richtig- stellung einiger Irrtümer, die dem Berichterstatter unterlausen sind, das Wort zu ergreifen. Zunächst einige Berichtungen vom medizinischen Stand- pünkt: Man kennt im allgemeinen heute zwei verschiedene Wege zur Behandlung des Morphinismus— die plötzliche Entziehung und die langsame Entwöhnung. Von der erstercn Methode wird nun dort behauptet, daß„die Süchtigen, denen man die Rauschmittel mit Ge- walt plötzlich entzieht, in beträchtlicher Zahl entweder am Herzschlag sterben, geisteskrank werden oder Selbstmord begehen". Trotzdem würden plötzliche Entziehungen, in England und Amerika sogar hinter Gefängnismaucrn, rigoros durchgeführt,„ganz gleich, ob der Betreffende zugrunde geht oder nicht". Diese Darstellung ist nicht nur übertrieben, sondern direkt falsch. Es ist den behandelnden Aerzten durchaus nicht gleichgültig, ob der Betreffende zugrunde geht oder nicht, vielmehr wird in allen Fällen, wo gesahrdrohende Reaktionen auftreten, das entzogene Rauschgift in den zur Beseitigung der gefährlichen Symptome notwendigen Dosen sofort wieder gereicht. Wir kommen nun in medizinischer Hinsicht zum Hauptpunkt: Der Kölner Arzt und Forscher Dr. Hubert Kahle soll„als Erster" eine Heilmethode erfunden haben, durch die man nicht nur Morphium entzieht, sondern die krankhafte Sucht selbst bekämpft. In Wirklich- keit aber wird heute von allen Aerzten, die auf dem Gebiete des Morphinismus arbeiten, versucht, diese Sucht durch psychische Be- einslussung zu bekämpfen. Auch die Ausschaltung des Bewußtseins durch Berabfalgung von Schlafmitteln während der Kur ist keines- falls die Erfindung Dr. Kahles; diese Methode haben andere schon lange vor ihm angewandt. Indessen würde das Verdienst des Forschers dadurch nicht ge- mindert werden, wenn die Berichte über die Heilerfolge der Nach- Prüfung standhalten sollten. Denn während bei den bisherigen Ver- fahren Rückfälle außerordentlich häufig sind, so daß nur ein kleiner Prozentsatz der Morphinisten von ihrer Sucht dauernd geheilt bleiben, soll es Dr. Kahle durch Kombination der Entziehungskur mit einer besonderen medikamentösen Behandlung gelungen sein, Dauerheilungcn in bereits 240 Fällen zu erzielen. Diese medikamentöse Behandlungsmethode aber, die in der Tat die eigene Erfindung des Dr. Kahle ist, gibt er der Osffentlichkeit nicht bekannt— und damit komme ich zu dem moralischen Teil meiner Einwände. Angenommen, daß das Mittel wirklich das hält, was es verspricht, nämlich Menschen, die durch die Verletzungen und Schinerzen des Krieges in die Arme dieses unselige» Lasters ge- trieben worden sind, und wele andere Unglückliche, die durch den Morphinismus unsagbare Martern erdulden, von ihre» Leiden zu befreien— so gehört dieses Mittel der Menschheit! Wohin würden wir kommen, wenn andere Erfinder ebenso dächten, und etwa die Entdecker des Insulins, das in den wenigen Iahren seit seiner Entdeckung viele Zuckerkronkc vor dem Tode ge- rettet hat, oder der Erfinder der Malariabehandlung, die zahlreiche an Gehirnerweichung Erkrankten dem Leben wiedergegeben hat, sowie die vielen anderen Wohltäter der Menschheit ihre Erfindungen für sich behalten hätten! Wir müssen um so mehr fordern, daß das Mittel Dr. Kahles der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird, als der Forscher selbst in seinem kleinen Sanatorium doch nur eine sehr beschränkte Zahl von Morphiumsüchtigen aufzunehmen vermag. Dazu kommt noch. daß die Honorarsätze Dr. Kahles so hoch sind— er fordert für eine Entziehungskur 1000 M. und darüber—. daß eine Behandlung durch ihn für Al, gehörige der arbeitenden Klasse, zu- mal es sich bei Morphiumsüchtigen doch vielfach um oermindert Er- werbsfähige handelt, völlig unerschwinglich ist. Wenn Herr Dr. Kahle sich sein Mittel patentieren ließe, so würde er ganz gewiß auch auf seine Kosten kommen, und wenn „die von ihm entdeckte Methode" auch„sein einziges Erwerbsmittel ist, so darf diese dennoch nicht der Bereicherung eines einzelnen dienen, sondern der Allgemeinheit! Dr. L. H. Reval, im Juli 1928 Die Welt ist klein, so weit und groß sie auch erscheinen möchte. Man kann vom einen Ende dieser Erde zum anderen segeln, dampfern, auteln, fliegen. Vor allem kann man„drahten" und gar drahtlos Fernsprechen und Fernschreiben. Was sind da Entfernungen, die früher unermeßlich erschienen? Die Völker wohnen so eng beieinander und sind sich doch einander so fremd wie die Bewohner einer Berliner Mietskaserne.... Zwar lesen wir in den täglichen Neuigkeiten der Blätter von diesem oder jenem Staat, von Regierungsbildungen und Regierungs- Esten in hunter Nationaltracht. stürzen, von außenpolitischen Kundgebungen und von finanziellen Schwierigkeiten. Abe.r wer kann in Deutschland ehrlich von sich sagen, daß er ein« mehr als oberflächliche Kenntnis von unseren östlichen Nachbarvölkern hätte, etwa von den Litauern, die unmittelbar an unserer Grenze ihren Staat aufrichteten und das Mcmelland selbst dem Völkerbund entrissen? Oder von den L e t t en, die in Riga die Hauptstadt ihres neuen Staatswesens erblicken, oder gar von den E st e n und den F i n n en, die noch nördlicher wohnen? Man hat sie früher nur als einen Teil des großen Zarenreiches bc- trachtet, ohne nähere Kenntnis von ihren Stammeseigentümlichkeiten, ihren Lebensbedingungen, ihrem Ringen um Selbstgestaltung des baltischen Deutschtums. Nachfolger des alten Ritterordens und seiner Gefolgschaft, hat vieles getan, um sich selbst als den Kulturträger dieser östlichen Welt in Erinnerung zu halten, aber wenig, um die besondere Kulturentwicklung der vom Zarismus niedergehaltenen Volksstämme wenigstens verständlich zu machen. Der Weltkrieg wars zwar die deutschen Heeresteile auch nach diesen Gegenden. Aber dadurch ist kaum mehr bekannt geworden, als daß die Panje- Pferde auch in diesen einst russischen Provinzen heimisch sind. So haben wir seit dem Kriegsende eine Reihe von neuen Staaten mit nationaler Regierung, mit neuer Staatssprache, die doch eine alte Volkssprache ist, mit neuen Ansprüchen und alten Verpflich- hingen entstehen sehen. Zu ihnen gehört Estland, wie wir sagen, oder E e s t i, wie die Einwohner dieses ihr Land oder Ländchen nennen. Was wir von den Esten als Volksstamm wissen, ist vor allem, daß sie zu der großen u g r i s ch- sinnischen Völkersamili« ge- hören, die einmal vor grauen Zeiten im Süden des europäische» Rußlands gehaust haben. Bon ihr ist der eine Zweig, die Magyaren, nach Westen gewandert und hat sich an der Donau niedergelassen: ander« sind nach Norden dem Lauf der russischen Ströme gefolgt und haben sich in der Nähe des Meeres angesiedelt. Das sind hier die E st e n und Finnen. Ihre Sprache ist miteinander und gleichzeitig mit dem Unga- rischen verwandt. Hingegen verbindet sie mit Letten und Litauern nur die Erinne- rung an die gemeinsam erlittene zaristisch- russische Gewallherrschaft und das gemein- same wirtschaftliche Interesse der neuen so- genannten Randstaaten. Die estnische Regierung hatte jetzt, um Verständnis werbend, eine größer« Zahl Journalisten aus den verschiedensten Län- dcrn und Sprachgebieten eingeladen, um, ihnen Land und Bolk der Ersten in günsti- gem Lichte zu zeigen. Aeußeren Anlaß dazu bot das große estnische Sängerfest, das hier in Reval abgehalten wurde. Dies Sängcrfest ist nicht mehr als eine Veranstaltung mit künstle- rischem Ziele. Es ist eine große nationale Kundgebung, die den Einheits-, Freiheit?- und Selbständigkeitswillen des Volkes widerspiegelt. So etwa wie früher, zu Zeiten des Vormärz, deutsche Volksgruppen vom Gesangsfest, Schützen- und Turnerseste zum Hort bürgerlichen Freiheitswillens wurden, wie die Gesangvereine und„Liedertafeln" Zufluchtsstätten bürgerlich-demokratischer Zukunftshosfnungen darstellten, die von der „heiligen Allianz" der Fürsten verfemt und verfolgt waren, so etwa haben die estnischen Sängerfeste den nationalen Freiheits- gedanken auch gegen Zarentum und Ochrana gepflegt und hoch- gehalten. Wie stark das Bewußtsein von der Bedeutung dieser Feste im Volke wurzeln muß, das kann man an dem Ausmaß der Beteiligung erkennen. An diesem letzten Sängersest sind in Reval— oder Tollinen, wie die Hauptstadt estnisch genannt wird,— vom Zl). Juni bis 2. Juli nicht weniger als ISÜlZlio Gäste aus dem Lande gezählt worden» Da Reval selbst nur, bestenfalls, 130 000 Einwohner zählt, so ist an diesen Tagen nicht weniger als der zehnte Teil sämtlicher Landbewohner in der Hauptstadt versammelt gewesen. Das ist eine außerordentlich organisatorische und volkliche Leistung. Denn dies Land ist in der Hauptsache ein Bauernland, beson- ders seit die Revolution die Enteignung des Großgrund- besitze? brachte. Dieser Großbesitz war bis dahin vorzugsweise in den Händen jenes deutschbaltischen Adels gewesen, der dem Zaren Offiziere und Beamte lieferte, dafür seine Güter zumeist von ein- heimischen schlecht bezahlten und schlecht behandelten Arbeitern be- ackern ließ. Die sogenannte Agrarreform des neuentstandenen est- Nischen Staates hat die Zerschlagung der Güter in Bauern- schaften herbeigeführt und damit den Grund zu einer völlig neuen staatlichen Wirtschaft gelegt. Auf diese Agrarreform sind die Esten sehr stolz. Sie weisen gern darauf hin, daß„zehntausend« neuer Bauernstellen" geschaffen worden sind, und daß diese neuen in Gemeinschaft mit den früher schon bestehenden Bauernwirtschaften dem neuen Staate seinen inneren Reichtum geben und auch nach außen durch Ausfuhr land- wirtschaftlicher Produkte eine günstige Handelsbilanz verschaffen helfen. Tatsächlich besteht die estnische Ausfuhr hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Produkten, vor allem solcher, die aus der Vieh- zucht stammen: Eier, Butter, Fleisch. Der eigentlich« Ackerbau ist geringer und wirft nicht so viel ab, daß von seinen Erzeugnissen noch in erheblichem Maße ausgeführt werden könnte. Landwirtschaftliche Genossenschaften sind in Blüte. Sie bemühen sich ausgesprochener Weise nach deutschem Muster die bäuerlich« Produktion zu beleben und zu beeinflusien. Freilich hat diese Agrarreform, die dem Staate den sogenannten .freien Bauernstand gab, auch ihre Schattenseiten. Zumeist sind die Bäuernstcllen, besonders die älteren, so gering an Umfang, daß auf ihnen, wenn überhaupt, nur unter Ausnutzung der Arbeits- kraft sämtlicher Familienangehöriger, die Kinder einbegriffen, ein kümmerlicher Unterhalt erworben werden kann. Lohnarbeit findet nur in beschränktem Maße Verwendung, aber Kinderarbeit wird schon in frühem Alter(unter sieben Iahren) in Anspruch genommen. Sehr viele der ländlichen Besitzer und ihre Angehörigen belasten in den Wintermonaten den Arbeitsmarkt, der ohnehin stark gedrückt wird. Denn die I n d u st r i e des Ländchens ist nur spärlich ent- wickelt..Hauptsächlich wird auch durch sie verarbeitet, was das Land bietet. Da sind vor allem noch große Waldbestände, die der industriellen Verwertung anheimfallen. Hauptsächlich Zellulose und Papier wird in großem Maße erzeugt und exportiert. Einer der wichtigsten, erst in den letzten Iahren mehr bekannt gewordenen Bodenschätze ist der B r c n n s ch i e f e r, der in sehr reichem Maße vorhanden fein soll und jetzt berggerecht gewonnen wird. Zur Schiesergcwinnung ist eine Reihe von Konzcssionen er- teilt. Die Lager dieses neuartigen Brennstoffs sind bis jetzt im wesentlichen an der Küste des Finnischen Busens, in der Nähe von Narwa. Man gewinnt den Brennschicfer nach Art unserer Broun- kohle und heizt damit heute schon große Fabrikanlagen, wie z. B. die Oese» der Zellulosefabrik in Reval(Pöhja Punpapi), die Loto- Motiven der Eisenbahn usw. Der Schiefer ist aber über diese Art der. Verwendung hinaus ein Mittel des Nationalrcichtums. Denn aus ihm wird in hohem Maße O e l und— B e n z i n g e w o n n e n, so daß das kleine Estland sich durch ihn aus diesem Gebiete fast völlig unabhängig vom großen Weltmarkt machen konnte und bei weiterer Verbesserung des Verfahrens auch noch Exporteur von Schieferöl und Schieferbenzin werden dürfte. Das Land ist mit 41 588 Quadratkilometern räumlich größer als Dänemark oder Holland. Aber es hat mit nur 1 116 000 Einwohnern ein« weit geringere Bevölkerungszahl als jene Länder. Was jedoch nicht besagen will, daß das arbeitsame und erst jetzt zur vollen Entfaltung seiner Kräfte kommende Volk nicht binnen wenigen Jahr- zehnten eine starke Vermehrung erzielt haben kann. Franz Klühs. P£R Cg'LRC PrmM VM V LETOO?! (27. Fortsetzung.) Manderton schüttelt« den Kopf und deutete auf das Blut vor dem Mund, aus dem winzig« Lustbläschen aufftiegen. „Lunge," sagte er kurz. Er sprang nach vorn, brachte sein« Schulter unter den Wagen und versuchte mit aller Kraft ihn aufzuheben Aber er rührte sich nicht. Nur ein dumpfes Stöhnen kam unter dem Blech hervor. Der Verunglückte öffnete die Augen. „Hob wohl die Wegbiegung— verfehlt," flüsterte er und ver- suchte zu lächeln. Dann murmelte er:„Ach Gott— mein« Brust!" und stöhnte von neuem. Ein flackernder Lichtstrahl drang durch die Hecke. Das Geräusch von Fußtritten und Stimmen auf der Straße wurde hörbar. Gleich darauf erschienen zwei Männer am Ende des Feldes und rannten mit geschwungenen Laternen herbei. Ihre Kleidung war unvoll- ständig, un» offenbar waren sie beim Lärm des Unfalls eben aus den Betten gespuizgen. „Weg mit der Laterne!" schrie Monderton.„Es ist sa alles voll van Benzin. Und dann kommt her und halst mir, den Wagen aufzu- heben. Er liegt dem Mann da auf der Brust." Er zeigte den Leuten, wie fie's machen sollten und beugte sich selbst herab, um die regungslose Gestalt herauszuziehen. Dann ein gleichzeitiges„auf!" der beiden Männer, der Wagen hob sich«in Stück, und Manderton, der auf dem Boden kniete, hatte den Ver- unglückten in den Annen. Boulot wunderte sich, mit welch fast zärtlicher Sorgfalt der plumpe Mensch mit ihm umzugehen verstand. Als wäre er«in« Mutter, die ihr Kind betreute. Der Fremde schien bewußtlos. Bon Zeit zu Zeit stöhnt« er, und jedesmal erschien eine blutige Blas« vor seinem Mund. Sein Atem kam pfeifend aus der Brust, und seine Aug«nttder zuckten. Manderton winkte einen der beiden Männer heran. „Wohnen Sie hier in der Nähe?" fragte er.„Wir müssen ihn irgendwohin bringen, wo er bequem ruhen kann, bis der Arzt kommt. Lang wird's mit ihm nicht dauern." „Unsere Farm ist gleich über der Straße drüben," antwortet« der andere.„Das wird das best« für ihn sein. Und dann lausen wir gleich noch dem Doktor im nächsten Dorf..." .„Mein Freund bringt Sie im Auto hin und kommt mit dem Arzt zurück." Der Inspektor warf Eranmore einen fragenden Mick zu. „Natürlich!" murmelte der Makler versonnen und wandte lang- sam seine Augen von dem grauen, oerzerrten Gesicht des Der- unglückten. Der eine der beiden Farmer hatte mittlerweile ein paar Bretter hergejchleppt, während der andere mit Eranmore zur Straße hinab- eilte. Vorsichtig hoben sie den Fremden auf die improvisierte Bahr«. Die Bewegung schien ihn wieder zu sich zu bringen. „Wenn ich die Straße gekannt hatte!" flüstert« er.„Guter Gott <— daß das nun das Ende sein soll..'.!" Durch ein Gatter in der Eibenheck« trugen sie ihn ins Haus und betteten ihn auf eine Polsterbont im Wohnzimmer. Der Farmer ging in die Küche, um Wasser zu wärmen. Manderton und Boulot zogen sich Stühle herbei und setzten sich neben dem Lager nieder. So warteten sie schweigend auf die Ankunft des Arztes. Nichts war zu hören als das angestrengte Atmen des Sterbenden, dos Ticken der llhr und hin und wieder der Klang eines Schrittes aus dem anstoßenden Zimmer. Dann sah Boulot plötzlich, daß Nomon die Augen öffnet« und sie beide anblickte. Auf seinem Gesicht erschien ein geisterhaftes Lächeln. „Da seid ihr ja!" Es kam kaum hörbar aus seinem Mund. „Wie das Atmen wehtut! Hat keiner von euch ein bißchen Morphium--?" Er brach keuchend ab: der Schweiß stand in kleinen Tropfen auf seiner Stirn. „Der Arzt muß jeden Augenblin' kommen" sagte Manderton. Der Verwundete nickte. „Bielleicht kann er mir was geben, daß ich ohne solch« Schmerzen reden kann. Dann werden Sie was erleben! Nicht wahr, Boulot?" „Sie kennen meinen Namen, Flagg?" „Freilich. Kenn« alle die Kanonen..." „Das ist Inspektor Manderton von der englischen Polizei." Wieder versucht« der Sterbende zu lächeln. „Freut mich, Ihr« Bekanntschaft zu machen. Aber ich fürchte— es ist zu spät." Draußen wurde ein Schritt hörbar, die Tür flog zurück, und der Farmer trat n«t einein kleinen, dicken Mann ein, der ein« schwarze Tasche in der Hand trug. Jim Era innere folgte. Sie zogen sich ans Fenster zurück, während der Arzt den Rock auszog, sich die Hände wusch und an die Untersuchung machte. ■»Iis er sich wenig später zu den drei Männern gesellte, war seine Miene bekümmert. „Keine Hofsnung." sagt« er.„Die Brust ist gequetscht und di« Lunge verletzt. Kaum, daß er die Nacht überleben wird. Ich habe ihm Morphium gegeben, und er wird bis zuletzt nickst viel zu leiden haben. Wenn Sie mit ihm sprechen wollen..." Die drei Männer traten an das Lager. „Flagg," sagte Manderton freundlich,„wollen Sie uns mit- teilen, was Sie über das End« von Carmen Eranmore wisien?" Langsam schlug Ramon die Augen auf, in denen schon der Tod geschrieben stand. „Freilich will ich, Inspektor." Sein« Stimme erhob sich kaum zu einem Flüstern, aber sie war deullich. und sein Bewußtsein schien klar. Mit schwachen Fingern nestelt« er an seinem Hemd. „Fahren Sie da mit der Hand herein— und tm Futter der Weste ist eine Tasche..- da drin.. Manderton zog ein langes, schmales verschnürtes Päckchen her- aus und öffnet« es auf einen Wink de» Sterbenden. Ein wunder- volles Diarnantenholsband funkelt« in feiner Hand. Ein klägliches Lächeln spielte um Ramon« Mundwinkel. „Mit mir ist's aus. Ich Hab mich nie viel um Religion oder solche Sachen gekümmert, aber mit einer Lüg« möchte ich auch nicht sterben. Was ich Ihnen jetzt erzähle, ist die Wahrheit! Die ver- wünschten Stein« in Ihrer Horst» haben mich so weit gebracht. Hören Sie zu! Carmen war mein Weib. Ich lraf sie auf der Kunstschule. Damals war ich verheiratet und schon bekannt als der geschickteste Juwelendieb in den Vereinigten Staaten. Auch in Europa war ich gewesen und hatte einige große Fischzüge gemacht... In Paris fand ich heraus, daß ich Talent zum Malen hatte, und est» Künstler, den ich kannte, redet« mir zu, mich draizzuhalten. So kam ich in die Kunstschul«. Alles ging damals so furchtbar leicht. Aber Carmen wußte nur von der einen Seit« meines Lebens, auch nicht, daß ich schon verheiratet war... Ich hatte auf die Scheidung gerechnet, um Carmen heiraten zu töimen. Aber im letzten Augenblick weigerte stch mckine Frau. Weiß Gott, daß ich's mit Carmen ehrlich meinte! Aber ich konnte sie nicht aufgeben, al» mich mein« Frau nicht losließ. Sie war so süß und so rein... hätten wir uns früher getroffen, so würde alles anders geworden sein... „Ich furchte, es ist zu spät." Unser« Heirat hielten wir geheim. Ich sagte ihr, es müsse so sein, und das arme Ding hatte solches Vertrauen in mich! Jeder von uns behielt sein Atelier, und niemand erriet etwas. Bon Zeit zu Zeit gab's einen Schlag in einem Hotel, einen sicheren Diebstahl oder etwas Aehnlichcs. Als ich Carmen heiratete, wollt« ich das alles ausgeben, aber wenn man einmal drin ist... Drei Jahre lang waren wir sehr glücklich. Ich blieb beim Malen, weil ich Freud« dran hatte, und dann mußte ich doch auch Carmen was vorweisen können für dos viel« Geld, das ich nach Haus brachte. Dam» faßten sie mich wegen dieser Pittsburg-Geschichte.. Ramon schwieg einige Sekunden und rang noch Atem. „Ich tat's wirklich nur des Sportes wegen, denn ich wußte, daß solche Steine schwer zu verkaufen sein würden. Kein Hehler in New Aork wollte damit etwas zu tun haben, weil die Versicherungsgesellschaften Hölle und Teufel in Bewegung setzten. So versteckte ich einstweilen die Halskette in einen» ausgehöhlten Fuß des gelben Diwans, auf den» Carmen zu schlafen pflegte. Ich war sicher, daß sie sich niemals davon trennen würde, war er doch unfer Hochzeitsbett. Brady faßte n»ich in New Dork. Meine erst« Frau verriet mich an di« Polizei. Das hätte ich ihr oerzeihen können, ober sie brachte di« Sache mit Carmen heraus und erzählt« ihr von meiner früheren Heirat. Doch dos alles erfuhr ich erst neulich, als ich aus dem Zuchthaus kam. Carmen besucht« mich im Untersuchungsgefängnis. Nie werd ich diese Zusammenkunft vergessen. Jetzt weiß ich, daß sie damals von meinem Betrug wußte, ober sie sprach kein Wort darüber. Kein« Silbe des Vorwurfs weder über mein Betrogen gegen sie, noch wegen des Lebens, das ich geführt hatte. Ruhig und prakttsch wie immer erzählt« sie mir, daß sie einen Rechtsamvalt zu meiner Verteidigung genommen hätte. Dann ging sie, und ich Hab sie nicht mehr gesehen bis vor einigen Tagen in Quoyres Atelier..." Seine Stimme wurde immer schwächer. Offenbar war das Ende nah«, ober in seinem zerquetschten Körper»var ein Borrat von Lebenstrast, der ihn noch aufrecht hielt. Sein« Hände griffen unruhig umher. „Wie dunkel es wird!" murmelte er, und ein« gequält« Angst trat in seil»« Augen.„Will's dem» gar nicht Morgen merden?..." Der stumpfe, graue Ton des ersten Tageslichtes begann vor dem Fenster aufzudämn»«rn. Ein leichter Wind schaukalte di« Blüten- zweige draußen im Garten. „Acht Jahr« gaben sie mir," fuhr di« flüsternde Stimme fort. „Nie zuvor»var ich im Gefängnis geivefen und glaubt«, ich ivürde wahnsinnig werden. Für Carmen hatte ich gelebt, und Carnren lvar nicht da... „Sie kam niemals wieder. Sie schrieb nicht, und mein« Briese an sie erhielt ich uneröffnet zurück. Ich konnte nicht daran glauben, daß sie mich aufgegeben hätte! Und ich wußte nicht, was aus ihr geworden»vor. Acht lange Jahre... acht Jahre einer Qual.. Das war»nein« Straf«, weil ich das Spielzeug einer fetten Dame... Dann war's überstanden, und sie»varfen mich heraus ohne«inen Pfennig, ohne irgendein« Aussicht, nur mit meinen Erinnerungen an die Vergangenheit. Mein Entschluß war gefaßt. Ein ganz großer Spitzbub«»sollte ich»Verden, und das Halsband sollt« mir dazu behilflich sein! Mein« Frau erwartet« mich am Gefängnistor. Sie erzählt« mir, »vas si« getan hatte. Ich verwünschte sie für das, was sie Carmen und mir angetan hatte und ließ sie dort auf der Straß« stehen. Ich mußt« Carmen finden, mußte»Bissen, ob sie mich lvieder aufnehmen würde... Wenn nicht, blieb immer noch das Halsband,.. Ich suchte in New Port nach ihr und erfuhr, daß st« nach Eng- land gegatrgen war. Aber»»»eitere« konnte ich nicht herausbringen. Dann hörte ich zufällig, daß Quoyre, der auch an der Kunstschule gervesen»var, sich in London aufhielt. Sa fuhr ich nach England. lFortletzunq folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Nichts für die Finger. Von einem Leser erholten wir folgenden Spruch, der in der früheren deutschen Proviirz Posen zu lesen»var: Für jeden Fuß sei jeder Gang, Für jeden Müden jede Bank. Für jedes Auge jede Blum«, In diesem schönen Eigentum«. Für Herz und Sinn ich alles ureih« dir, Doch»tichts ist für die Finger hier. -4os dem Landtag. Christlichnationale Bauernbündier, Welsen, Aufwertter und etliche Völkisch« haben sich im Reichstag zu einer„Arbeitsgemem- schaft" zusammengeschlossen. Führer dieser eigenartigen Gruppe ist der Gras Posadowsky. Neulich wurde Posadoivsky von einem Kollegen gefragt, wie denn eine Fraktion mit solch widerstrebenden Interessen überhaupt arbeiten könne? „Ach," meinte Posadorvsky lächelnd,„wir verstehen uns ganz gut!— Politik treiben wir ja nicht!--" (Aus dem„Wahren Jacob".) Wälder auf dem Boden der Ostsee. Die Wissenschaft vermutete schon Immer, daß irgendwo im Gebiet« der Ostsee, heute unter dem Wasser, in der Zeit der ältesten Braunkohle, im sogena.rnten Eozän, di« Nadelwälder gegrünt haben müssen, denen wir das versteinerte Harz, den altbekannten Bernstein, verdanken. Man hat bisher von den Bäumen selbst im Ursprung- lichen Waldverband nichts gefunden, sondern nur einzeln« Holzstück«, die mit dem Bernstein verwachsen»oaren. Auch an manchen Stellen der deutschen Nardseeküste kann man zurzeit der Ebb« Waldrest« erkennen, die infolge ständigen Sinkens der Nardseeküste der letzten 2000 bis SM) Jahre unter dem Wasser liegen. Und nun hat di« geologische Wisie.ischast südlich der Insel Born Holm in 80 bis 100 Meter Tief« Reste größerer Nadelwaldungen nachgewiesen, die am Grunde der Ostsee vorhanden sind. Man kam durch Treibholz zu dieser Entdeckung. Es wurden mächtige Stämme schwimmend gefunden, die nicht von den Küstenwäldern der Jetztzeit stammen konnten, und«s stellt« sich heraus, daß st« südlich von Bornholm von untergegangenen Wäldern stammen. Noch in der jüngsten Steinzeit Hot also hier Land bestanden. Di« Ostsee muß damals von viel kleinerem Umfang« gewesen sein. Diese Tatsache unrd noch durch folgend« kürzlich gemacht« Entdeckung bestärkt. Auch an der Ostküste von Schleswig haben Tiefseeuntersuchungen die Rest« von Waldbeständen unter der Ostsee nachgewiesen. In der Mb« des Leuchtturms von Falshöft ragen die Baumreste aus dem Wasser heraus. Man hat erkannt, daß es sich um Rest« von Fören und Kiefern handelt, die zum Teil steinhart geworden sind. Diese Wälder ziehen sich unter dem Meer« südlich der Flensburger Förde hin bis nach dem breiten Grimd der Insel Alfen. Charakterdeutung nach den Beinen. Nach«in« Londoner Tageszeitung ist es einem gewissen Mister Prevost« gelungen, äußerst genaue Charokterdeutungen nach den Formen der Beine auszuführen. Nach der Meinung des Herrn Prevofte oerraten im allgemeinen hohe schlanke, aber doch gut pro- portioniert« Bein« größte Intelligenz und Schönheit. Dicke, kurze Beine zeigen gutmütige und fleißige Personen an. T-Beine sind ein Zeichen der Bequemlichkeit, während dünne Geiz bedeuten. O-Beine. wenn nicht zu geichweist, sogenannte Romanbeine. so b«- nannt, weil si« auseinandergehen und wieder zusammen kommen, sind Draugängerinnen zueigen. Dagegen gehören gleichmäßige, dünn« oder dicke, sogenannte Streichholz- oder Säulenbeine, ge- wissenhaften Charakteren, die zuweilen notorische Nörgler sein können. Da der Gang gcwissernrohen für die Deutung mit einbe- griffen werden muß. geHort einige Uebung dazu, um immer das Richtig« zu treffen. Die Männer bleiben leider von der Deutung des Mister Prevoste verschont, da sich deren Beine unter Korkzieher- oder gebügelten Hosen oerbergen. Tödliche Fuchsjagd. In Lille wollten zwei Jäger einen Fuchs zur Strecke bringen, indem sie trockenes Reisig anzündeten, um ihn auszuräuchern. Der Fuchs hatte sich in eine Höhle gejllichtet. Der Wind trieb aber den Rauch auf di« beiden Jäger zu, die bald bewrißtlos niedersanken. Man fand beide später tot auf. der Fuchs war entkommen. Leuchtturmwärters Tod. Als der Dockmeister Thomas Jones sich zum Dienst nach dem Leuchtturm L l a n e l l y am Kanal begeben wollte, erschrak er: das Licht war erloschen. Sofort begab er sich in den Leucht- türm, im Lampenraum fand er den Leuchtturmwärter toi vor. Er »var einem Herzschlag erlegen. Sein Ted hätte schwere Folgen für die Schiffahrt haben können, glücklicherweif« kannten die Kapitän« zioeler Schiff«, die sich dem Pier von Aonelly näherten, die Ein- fahrt sehr genau und fanden ihren Weg auch ohne das Licht des Leuchtturms. Schlechte Rosenernte. Der strenge Winter und der nachfolgende kalt« Frühling habe» viel« Rosenkulturen in Bulgarien vernichtet oder stark eingeschränkt. Im Jahre 1SS7 tonnten 6000 Tonnen Rosen für die Herstellung von Parfümerien geerntet»rerden, in diesem Jahre dürfte die Ernta um 30 Proz. geringer feilt Carusos ffinterlassenschatt Nach einer offiziellen Auistellung der amerikanischen Steuer. behörde beläust sich d!« Hinterlassenschaft des verstorbenen Tenors Enrico Caruso auf 1333137 Dollar. Davon sind allerdings nicht unbeträchtlich« Schulden abzusetzen, die in New York allein 262618 Dollar betragen. � = 01 15m111 Arbeiterathleten in Dresden. Die Tagung des Arbeiterathletenbundes. = Der Arbeiterathletenbund hält in diesen Tagen in Dresden seinen 9. Bundestag ab. Bei der Eröffnung am Sonntag sprach Gellert für die sozialistische Sportinternationale, die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege und den Arbeiter- Turn- und Sportbund. Niemann für den Arbeiter. radfahrerbund Solidarität, Frank für die Naturfreunde und Koch für den Arbeiterschüßenbund, Neuwald Bien und Poczchapfa Aufsig begrüßten ebenfalls die Tagung. Die Mandatsprüfungsfommission berichtete einleitend über die Organi jationszugehörigkeit der Anwesenden. 42 gehören der Sozialdemofratischen Partei, 15 der KPD., 3 der USP. und einer dem Leninbund an, 62 find freigewerkschaftlich organisiert, nicht politisch organisiert sind 11, feiner Gemerfschaft gehören 10 Delegierte an. Die Unorganisierten wurden namentlich aufgerufen eine Maß nahme, die man nur empfehlen kann. Bundesvorsitzender Strumpf erstattete hierauf den umfang reichen Geschäftsbericht. Der Bund umfaßt gegenwärtig über 1000 Vereine mit nahezu 40 000 Mitgliedern, außerdem gehören dem Bunde an 4000 Kinder und 15 000 Jugendliche. Allgemein ist in der Organisation ein Fortschritt zu verzeich nen. Die Verhältniffe in den Kreisen haben sich gebeffert. Durch Städtekämpfe und den Serien in Bezirken und Kreisen ist frisch pulsierendes sportliches Leben eingezogen. Organisationsgedante, Gefclligkeit und Solidarität haben zugenommen. Durch Anstellung des Geschäftsführers und des Dbmannes der technischen Leitung mar es möglich, wenn auch vorerst noch in beschränktem Maße Kurse abzuhalten, die beabsichtigten Vereinsleiterkurse fonnten leider noch nicht durchgeführt werden. Der gesamte Funktionärapparat be darf einer weiteren gründlichen Heranbildung. Der Leichtathletik und der Boxersparte wurde die Artistik und die Jiu- Jitsu- Sparte angegliedert, so daß Gewähr für vielseitige sportliche Ausbildung in den Athletikvereinen gegeben ist. Die Jugendbewegung hat besondere Sorgfalt erfahren. Das Verbandsorgan„ Athletit" hat versucht, Erziehungsarbeit, Belehrung und Aufklärung im allgemeinen an die Mitgliedschaft zu übermitteln. Die Zeitschrift steht auch sporttechnisch auf beachtlicher Höhe, das beweist die Leser zahl im Bunde und im Auslande. Das Verhältnis des Arbeiterathletenbundes zu den Bruderorganisationen ist zufriedenstellend. Das Bundesgeschäft bediente 1927 764 Bereine, die 3295 Bestellungen aufgaben, die einen Warenumsatz von 51 290,31 m. Das Nürburg- Rennen. Großer Preis für Motorräder. Die glanzvolle Besetzung des Großen Preises don Deutschland für Motorräder auf dem Nürburgring hat seine Anziehungskraft auf die Schaulustigen und alles, was zum Fach gehört, nicht perfehlt. Fünf Minuten nach den schweren Maschinen wurden die übri gen Kategorien bis zu 175 Rubitzentimeter abwärts im Rubel entlaffen. Von den shweren Maschinen holten zunächst Erlenbrud Elberfeld( Tornar- Jap) und Köppen- Berlin( BMW.), auf der Startgeraben einen Vorsprung heraus, dann ging der Engländer Wood( Norton) vor und passierte mit großem Vorsprung die fleine Schleife, mußte aber beim Kilometerstein 13 wegen Kettenriß aufgeben. Im weiteren Berlauf zog sich das Feld sehr in die Länge. Von der dritten Runde an erschienen die Halblitermaschinen unter Führung von Dodson( Sunbeam) in Front und die übrigen hatten nichts mehr zu bestellen. Der Engländer fuhr ein ganz hervorragen des Rennen, er bewältigte, den schweren, mit vielen Hunderten von Kurven übersäten Kurs mit dem glänzenden Durchschnitt Don 98,415 Kilometer, der schnellsten Zeit des Tages, und sicherte sich damit den Großen Preis. Auch die übrigen Klassen, mit Ausnahme der Kleinsten", sahen englische Marten in Front. In der 350er Klasse holte sich der Italiener Gershi( Morton) den ersten Preis, bei den 250ern endete B. Crabtree England( Erzelfior Jap) in Front, und nur Geiß 3ichopau war es vorbehalten, die Ehre der deutschen Industrie zu retten. Das Fußballturnier in Stralau. Das neunte Arbeiter Fußballturnier des Sportvereins Stralau" erbrachte schon in der Vorrunde einige Ueberraschungen. Das erste Treffen zwischen dem Treptower Ball spielclub und Eintracht 25 endete mit 5: 2 für Treptow. Bis zur Pause lag Eintracht noch mit 2: 0 in Führung. Doch dann machte sich bei Treptow die größere Spielerfahrung bemerkbar. Der zweite Kampf, Britannia gegen Fortuna endete 4: 3. Trok einiger Feldüberlegenheit der Fortunen mußten sie sich diese Niederlage gefallen lassen. Der Veranstalter des Turniers, Stralau, stand dem Bertreter des Nordbezirks, Amateure, gegenüber. In der ersten Halbzeit gelang es den Amateuren noch mit 1: 0 in Führung zu gehen. Nach der Pause hatte Stralau stets mehr vom Spiel, ohne daß es dem Sturm gelang, den Ball über die Torlinie zu bringen. Kurz vor Schluß fonnten die Nordleute mit dem 2. Treffer den Sieg sicherstellen. Die Hauptüberraschung bildete das Treffen zwischen Berlin XII und dem Berliner Sportverein 22. Berlin XII galt nach dem Ausscheiden Stralaus im allgemeinen als Favorit. Doch tam es diesmal anders. Wohl hatten die Stegliger die befferen Einzelspieler, aber es fehlte viel am Zusammenhang. Dagegen verfügte der Berliner Sportverein über eine gut eingespielte Glf. Schuld an der 5: 3- Niederlage hatte allerdings der Torwart der Steglizer. Bis zur Bauſe hatte B52. bereits mit 2: 1 die Spize, um dann sogar mit 3: 1 vorn zu liegen. Doch dann holte Berlin XII auf. Bis 10 Minuten vor Schluß stand das Spiel 3: 3. Im Endspurt fonnten die Sportvereinler jedoch noch zwei Tore erringen. Lichtenberg I scheint überspielt zu sein. Nach dem Sieg über den Norddeutschen Meister vom vergangenen Sonntag glaubte man wohl, daß auch Teutonia 09 den Kürzeren ziehen wird. Die Teutonen zeigten sich jedoch ihrem Gegner weit überlegen. Mit 6: 3 blieb Teutonia überlegener Sieger. Arbeiter- Handballspiele. Groß- Berlin- Rosenthal und Sportvereinigung Berlin 12 standen fich in Rosenthal, Hauptstraße, gegenüber. Rosenthal hatte Anwurf und fegte sich eine Zeitlang in Gegners Hälfte feft. Nach einem wechselvollen Spiel gelingt es Rosenthal in der zehnten Minute das erste Tor zu schießen, dem nach weiteren zehn Minuten der Ausgleich Don Berlin 12 folgt. Kurz nachdem geht Rosenthal mit 2: 1 in Führung, aber wieder gleicht Berlin 12 aus. Durch gutes Vorspielen fonnte Berlin 12 in der 40. Minute das nierte Tor buchen, denn der prolbionic nu asana Sportklubs Siegfried auf den Brettern und zeigte zunächst ihr 12 Rönnen im Gewichtheben. Im Einarmigreißen und im Gewichtheben wurden gute Leistungen erzielt. Nach dieser Borstellung der Kämpfenden wurden die Ringermetttämpfe ausgetragen. Die teilweise ausgezeichnete Leistungen erbrachten. Jahnte W. Busse, Bandusch- Grunst trennten sich nach schönem Rampf unentschieden. Durch Schultersiege siegten: Cylinsti über Ziege, 7 Min. 35 Set.; P. Buffe über Hieke, 4 min. 40 Set.; Heise über Sander, 3 Min.; W. Paul über Walloschef, 2 Min.; Plume über Jsmer, 6 Min. 30 Sef. erforderten. Der technische Betrieb ist im Aufsteigen begriffen. 1926 fonnte ein Lehrgang mit 106 Teilnehmern in der Landesturn anstalt in Spandau durchgeführt werden, in diesem Jahre wird ein ähnlicher wiederum dort stattfinden. Die Heber fonnten eine Reihe internationaler Reforde aufstellen. Die Ringer hatten im Auslande oft Gelegenheit, ihr hohes Können zu beweisen. 15 ausländische Mannschaften starteten in Deutschland. Deutsche Arbeiterathleten starteten in der Schweiz, in Rußland und Finnland. Neuzeitliche Zweckgymnastik wird in vielen Bereinen betrieben. 386 Vereine betreiben nebenher Leicht athletik. Der Länderkampf im Bogen gegen die Schweiz brachte günstige Resultate, gegen die lettische Mannschaft mar allerdings nicht aufzukommen. Der Borsport soll im besonderen Maße im Bunde sporttechnisch verfeinert werden. Die Sparte Jiu Jitsu bedarf noch fernerhin einer guten Berbreitung und besserer Organi fation. Sehr gut entwickelt hat sich die Sparte der Artisten, die fast tausend Anhänger in sich vereinigt. Die verschiedensten Artisten wettstreite, darunter der Reichsartistenwettstreit in Berlin brachten allgemein sehr gute Erfolge. Der Bau einer eigenen Bundes< fchule würde eine starte Förderung bedeuteten. Die Verschmelzung mit dem Arbeiter- Turn- und Sportbund tann angesichts der gegenwärtigen Berhältnisse noch nicht vollzogen werden. Die Generaldebatte nach den Geschäftsberichten war ziemlich lebhaft, oft unterbrochen von den lärmenden Zwischenrufen der„ Opposition". Ueber dreißig Debatteredner famen zu Wort. Auf die verschiedenen partei politischen Auseinandersetzungen und fommunistischen Umtriebe im Arbeitersport antwortete Gellert. Erfreulicherweise billigte ihm die Bundestagung sogar eine doppelte Redezeit zu, trotz oppofitionellen Einspruches! Der Redner hatte munmehr Gelegen heit auf die kommunistischen Anfeindungen in ergiebiger Weise an der Hand von glänzendem Beweismaterial zu antworten. 3 Interessant war es, während der Tagung zu beobachten, wie der Kommunist Wie ft Berlin, den man aus dem Bundestage des Arbeiter- Turn- und Sportbundes wegen seines frechen Auftretens hinausgeworfen hatte, immer wieder die Opposition mit seiner Unterstützung aufpumpte. Eigentlich hatte er dort gar nichts zu suchen, aber seine Brotgeber in der Parteizentrale hatten ihn zur Herstellung der Einheitsfront" eigens nach Dresden entfandt. Ball sprang vom Querpfoften ab. Rosenthal versuchte mit aller Energie ein anderes Resultat herauszuholen; eine Weile fand der Sturm nicht das Tor, ein Dußend Schüsse gingen an die Latte oder fnapp neben oder drüberweg. Schlußresultat 4: 3 für Berlin 12. Ein umgekehrtes Berhältnis wäre besser gewesen, denn die tech nifch Ueberlegenen waren die Rosenthaler. Aber das Obenangeführte und der gute Torhüter von Berlin 12 verhinderten vieles. Die Berteidigung war in der technischen Arbeit gut, zeigte es dafür aber in förperlicher Arbeit, worin sich der rechte Verteidiger hervortat. Hätte die Rosenthaler Läuferreihe die Verbindungsarbeit zur Ver teidigung ebenso gut hergestellt, wie zum Sturm, dann wäre es vielleicht anders gefommen. Städtekampf in Rathenow Zu einer großen Rundgebung für den Arbeitersport gestaltete fich das Freundschaftssportfest der Vereine ASC., Berlin, Köpenid, Burg, Brandenburg und Rathenom in der Brillenstadt Rathenow, trok einer gleichzeitigen Veranstaltung des Reichsbanners. Bar das Better im Anfang auch etwas trübe, so strahlte doch bald lachender Sonnenschein über den Play. Drei Schüsse aus der Startpistole gaben das Zeichen zum Beginn der Kämpfe. Dem Berliner Athletik- Sport Klub gelang es mit 1099% Buntten an die Spize zu kommen. 3weiter ist Rathenom mit 1050 Buntten. Es folgen dann Brandenburg mit 1011, Röpenid mit 966 und Burg mit 953 Puntten. Wie immer, so hatten auch diesmal die Läufe eine besonders starte Belegung gefunden. Wienice nertrat diesmal den ASC. im 100- meter- Lauf. Er siegte in der Zeit Don 11,4 Sefunden vor Schwarzer- Rathenow und Gutschmidt Brandenburg, die beide 11,6 Set. benötigten. Heinaz ASC. fonnte auf der Außenbahn die 400 Meter leicht in der Zeit von 54,7 nach Hause laufen. In der 10x100- meter- Staffette fonnte auch der ASC. in der Zeit von 1: 59,7 Min. als erster das Zielband er reichen vor Rathenows Mannschaft, die 1: 59,7 Min. gebrauchten. Allgemeinen Beifall erntete Mehwald. Rathenow, der in seiner Heimatstadt wiederum sein großes Können im Stabhoch sprung bewies. Mit 3,70 Meter erreichte er die von ihm aufgestellte Bundeshöchstleistung. Burg stellte im Rugel stoßen den Sieger mit 11,96 Meter vor Frize- Rathenow, der mit 10,70 Meter eine recht achtbare Leistung vollbrachte. Thormeyer- ASC. fonnte den Diskus 32,11 Meter weit werfen. Auch bei den Wettkämpfen der Frauen zeigte sich die Ueberlegenheit ASC.- Berlins. Im Weitsprung erreichten sie 4,35 Meter, im Rugelstoßen 7,93. In der 4 × 100- Meter- Staffete erreichten fie die achtbare Zeit von 56,3 Sekunden. Die mitteldeutsche Meisterschaft. Halle Gruppenmeister. Im Kampf um die mitteldeutsche Meisterschaft im Mannschaftsringen der Arbeiter- Athleten wurde kürzlich Berolina Sieger, doch legte Halle Protest ein. Nachdem nun der Protest durch die zuständige Instanz als zu Recht bestehend anerkannt worden ist, mußte der fragliche Kampf im Schwergewicht noch einmal wieder. holt werden. Er fand zwischen Seelenbinder Berlin und Lehmann Halle in Leipzig unter einem unparteiischen Schieds. gericht statt. Trotzdem Seelenbinder seinem Gegner weit überlegen mar, reichte es nur zu einem Bunftsieg für ihn. Damit stellt sich nun das Gesamtresultat des Kampfes auf 7½: 6% für alle. Halle ist somit Gruppenmeister und nimmt an den weiteren Kämpfen um die Bundesmeisterschaft teil, während Berlin aus dem Rennen geworfen ist. Radrennen ,, Rund um Ruppin". Berliner Führer als Sieger. Die Ortsgruppe Neuruppin des Arbeiter- Radfahrbundes Solidarität" hatte am Sonntag ein Straßenrennen, das aus einem Rennen über 20 Kilometer, 47 Kilometer, letzteres für Haupt- und Altersklasse, somie aus einem 47- Kilometer- Mannschaftsfahren bestand. Start und Ziel waren bei Neuruppin, die Strede ging über Dabergoz und Mezeltin. 3m 47- Kilometer- Mannschaftsrennen war es wieder die Mannschaft der Ortsgruppe Oberschönweide, die die betannte Bierer- Mannschaft der Rennfahrerabteilung hinter sich lassen tonnte. Das Einzelfahren über 47 Kilometer der Altersklasse war eine sichere Sache des Spandauer Baldru weit, der wohl knapp, aber sicher Eichler und Mustroph abfertigen konnte. Auch im 20Kilometer- Fahren ging der Sieg nach Spandau, hier war es Werth, der den Berliner Walter Eichler von der 6. Abteilung mit Radlänge schlagen konnte, dem dicht auf Hinz- Spandau und BöhmOberschönweide folgten. Das Rennen der Hauptklasse über 47 Kilometer war ein scharfer Kampf zwischen Neuruppin und der Berliner 6. Abteilung, von der es besonders Stod, Dubte und Peter waren, die den Neuruppiner Görn nicht aus den Augen ließen, da dieser als starker Fahrer bekannt ist. Namentlich Stod hatte ein großes Interesse daran, zu beweisen, daß sein legter Sieg über Görn in Neuruppin tein Zufallsfieg war und es glückte ihm auch wieder, vor Görn als Erster übers Band zu fahren, dicht dahinter folgten Dubke und Peter Ergebnisse: 20 Rilometer, Sauptklasse: 1. Werth, Spandau, in 30:52; 2. Walter Eichler, Berlin, 6. Abt., 30:53; 3. Hinz, Spandau, 30:54; 4. Böhm, Oberschöneweide; 5. Pieper, Neuruppin.-47 Kilometer, Altersklasse: 1. Franz Baldruweit, Spandau, 1:25:10; 2. Johannes Eichler, Berlin, 6. Abt., 1:25:29; 3. Muftroph, Rennfahrer- Abt. Moabit, 1:26:41. 47 Rilometer, Sauptklasse: 1. Stod, Berlin, 6. Abt., 1:17:48; 2. Görn, Neuruppin, 1:17:49; 3. Dubke, 6. Abt. 1:17:50; 4. Beter, 6. bt., 1:17:52; 5. Weber, Moabit; 6. Baldruweit, Spandau, 47- Rilometer- Mannschaftsfahren, 4 Fahrer eine Mannschaft: 1. Oberschöneweide( Gebr. Reh und Gebr. Stretfowiat) 1:20:19; 2. Rennfahrerübt. Moabit( Bolling, Thiele, Schmod, Rchberg) 1: 21: 2. Austritte aus dem Kartell. In der letzten Sigung der 6. Abteilung des Arbeiterradfahrerbundes Solidarität wurde eine Entschließung vorgelegt, in welcher gegen die Auflösung des alten Sportfartells protestiert wurde. Diese Entschließung wurde mit großer Mehrheit a bgc= lehnt, so daß die 6. Abteilung die Maßnahmen der Zentraltommiffion für Arbeiter- Sport und Körperpflege bezüg lich der Auflösung des bisherigen Berliner Sportfartells billigt. Stenographen Bereinigung Groß- Berlin wurde In der letzten Funktionärversammlung der Arbeiternach längerer Debatte festgestellt, daß das alte Arbeiter- Sporttartell nicht die Intereffen der Kulturorganisationen wahrgenommen hat, sondern sich nur mit tommunistischen Phrasendreschereien beschäftigte. Einstimmig wurde beschlossen, aus dem Kartell= verband auszuscheiden. Als nach der Abstimmung der zweite Borsitzende, ein Mitglied der Kommunistischen Partei, merfte, baß er mitgeholfen hatte, die Arbeiterstenographenvereinigung ,, re formistisch" zu machen, wollte er schnell etwas für seine Partei tun. Er liquidierte etwa 35 M. Fahrgeldentschädigung, auf die er, wie audy viele andere Funktionäre bisher, zugunsten der Vereinskasse verschichung zur Verfügung stellen! zichtet hatten. Den Betrag will er seiner Partei für die Kinderve: + 012- dis Sportvorträge im Berliner Rundfunt. Dienstag, 17. Juli, 19 Uhr, Karl Schoenbach: Die Bedeutung des Gegelsports"; Donnerstag, 19. Juli, 16.30 Uhr, Hans Samet:„ Der Golfsport". Kampfabend der ASB. Groß- Berlin. Am Donnerstag, dem 12. Juli, 20 Uhr, finden in der Turnhalle der 1. Abt. der Arbeite:= Sport- Bereinigung Groß- Berlin, Manteuffelstr. 7, die Ausschei= dungstämpfe der Mittelgewichtsklasse und die Endkämpfe im Federgewicht statt. Man ton sich schon im voraus einen genußreichen Abend versprechen, da von jeder Abteilung die besten Ringer auf die Matte gehen. Außerdem Vorführungen im Jiu- Jitsu und Heben. Tennis- Rot, Abteilung Lichtenberg. Die Mitgliederversammlung findet heute, Dienstag, 20 Uhr im Bereinsheim, Lichtenberger Stadion statt. Durch die Neuorganisation unserer Abteilung können noch einige Neuaufnahmen vollzogen werden. Interessenten, die gemerschaftlich und politisch organisiert sind, möchten sich während der Uebungsabende, die täglich außer Montag und Mittwoch im Stadion find, oder bei Heinz Wagner, Lichtenberg, Augustastraße 8, melden. Die Fortfehung der Generalversammlung des Arbeiter- Sportund Kulturfartells Großberlin findet Freitag, 13. Juli, 20 Uhr in den Sophiensälen statt. Es ist selbstverständlich, daß die Vorsitzenden und Delegierten der bundestreuen Bereine diese GeneralversammTung nicht besuchen. Sondernummer herausgekommen, die in der Hauptsache der Deutschen Die Zeitschrift Mofor und Sport" ist dieses Mal in Gestalt einer Sechstagefahrt gewidmet ist. In einem Umfang von 8 Seiten bringt diese Beilage überaus ansprechende Illustrationen der herrlichen übrigen Inhalt fei folgendes erwähnt: Sicherheit der Straßes Gegend, die von der Sechstagefahrt durchlaufen wird. Aus dem Schleizer Dreiecksrennen, das 24- Stunden- Rennen, bei Le Mans. Rundgang durch die Technische Stadt". Die Frau im Umgang mit Maschinen. Soll der Kraftfahrer stets seinen Brozeß durchführen oder nicht? Vereinskalender. 4 bi Louristenverein Die Ratuefrennbe", Sentrale Bien. bt. Friedrichshain: Dienstag, 10. Juli, 19 Uhr, Treffpunkt zum Abendspaziergang nach Alt- Fried richsfelbe Betersburger Straße, Ede Frankfurter Dec. Abt. Gesundbrunnen, Jugengruppe: Dienstag, 10. Juli, 18 2hr, Rasenspiele Sportplaz Humboldt. außerordentliche Mitgliederversammlung. hain. Abt. Fricbenen: Dienstag, 10. Juli, 20 Uhr, Offenbacher Str. 5a, Abt. Webbing: Dienstag, 10. Juli, 20 Uhr, Turiner, Ede Geeftraße, Gefchäftliches. Lieberabend. Abt. Treptow: Dienstag, 10. Juli, 18 Uhr, Spielen Wiefe 9 Treptower Bart. Abt. Barlow: Dienstag, 10. Juli, 20 Uhr, Görschftr. 14. Gefchäftliches. Liederabend. Berbebegirt Rorben: Donnerstag, 12. Juli, Bezirtsabendwanderung nach der Jungfernheide. Treffpunkt 19 Uhr Miller, Ede Seestraße. Inftrumente mit tag, 12. Juli, Bezirksmanderung. Treffpunkt 19 Uhr Müller, Ede Seestraße. Der„ Sport! lub Siegfried 09" hatte am Sonntag Abt. Gesundbrunnen und Brenzlauer Berg: Bezirksaber dwanderung. Treff seine Anhänger und die Freunde des Schwerathletitsports nach dem Abt. Schöneberg: Donners tag, 12, Juli, 20 Uhr, Sauptfir. 15. Freie Rörperkultur." Naturmiffen. Moabiter Schützenhaus eingeladen. In dem herrlichen Sommerliche Abt.: Donnerstag, 12. Juli, 20 Uhr, Johannisstr. 15.„ Komposi garten war bald fein Tisch frei. Im Kinderspielpark vergnügten fich die Kleinen und die Großen marteten beim Raffeefachen auf die Wettkämpfe. Pünktlich zur feftgesetzten Zeit stand die Riege des Schwerathletik im Moabiter Schützenhaus. bringen. ebteilungen müffen vertreten fein. bt, Liergarten: Dannerspunkt 19 Uhr Müller.. Ede Geeftrake, 12. Juli. tionen." Berliner Schwimmverein Freiheit" 1907 6. B. Gigungen jeden ersten und bitter Freitag im Monat bei Seibel, Schönhauser Anee 156. Badeabende im dienst im Freibad Beibmannsluk Geebad Weißenfee Montags und Donnerstags ab 17 Uhr. Sonntags Rettungs Hannes und Schlingschlang. Drei Geldschranffnader verhaftet. kürzlich wurde ein erfolgreicher Geldschrankein. bruch in einem Warenkredithaus in der Belle. Alliance- Straße verübt: Die Einbrecher waren über das Dach in die im 5. Stod gelegenen Kontorräume eingedrungen, hatten einen Geldschrank aufgeknabbert und im ganzen 12 000 Mart, hauptsächlich in Silber, erbeutet. Wie immer nach großen Einbrüchen, nahm das Sonderdezernat Der Kriminalpolizei besonders die bekannten Rolonnen und ihre Führer aufs Korn, weil in der Regel der eine oder der andere sich durch ungewöhnliche Ausgaben verrät. Diesmal half ein Trauring auf die Spur der Täter. Ein als Knacker schon bekannter 44 Jahre alter Hans Baltowski, der in seinen Kreisen Hannes" berufen wird, fam plöglich auf den Einfall, seine: Freundin, einer gewissen Eva, mit der er schon jahrelang verkehrt, einen Trauring zu verehren. Andere Verdachtsmomente, die durch längere Beobachtungen gesammelt wurden, bestätigten denn auch die Vermutung, daß Galkowski zum mindesten bei dem Einbruch mitgewirft haben mußte. Als Führer der Kolonne wurde der 53 Jahre alte Wilhelm Balzereit, genannt ,, der Lange", festgestellt, einer der ältesten und gewiegiesten ,, Fachleute". Balzereit und Galkowski hatten sich im 3uchthaus in Brandenburg a. d. Havel fennengelernt und eine Arbeitsgemeinschaft" gebildet, sobald sie wieder auf freiem Fuße waren. Den dritten Mann gewannen sie in einem als Geschäftseinbrecher bekannten 26 Jahre alten Ernst Haube, der von seinen Freunden wegen seines nachlässigen Ganges mit dem schönen Namen Schlingschlang" gerufen wird. Am Freitag spät abends fielen nun die Beamten der Dienststelle B6 überraschend bei Balzereit in seiner Wohnung am Wedding ein. Balzereit, der über Bärenkräfte verfügt, leistete natürlich Widerstand, wurde aber überwältigt. Eine Durchsuchung seiner Behausung, die er mit seiner Geliebten namens Elvira teilte, erbrachte raffinierte Verstecke. Man entdeckte an einem Vorhang ein blaues Bändchen, an dem ein in Zeitungspapier gewickeltes fleines Bäd chen mit einer Sicherheitsnadel befestigt war. Das Päckchen enthielt hübsch sauber geordnet Geldscheine. In der Küche lagen hinter dem Aufwaschtisch ein paar nasse Lappen, scheinbar achtlos dahingeworfen. Als die Beamten die Lappen aufnahmen, rollten die darin verborgenen Silbermünzen flingend auf den Fußboden. Wenige Stunden später überraschten die Beamten auch Gal. towski. Den dritten, Ernst Haube, entdeckte man in einem Lokal am Wedding und nahm ihn ebenfalls fest. Haube behauptet, daß er sein ganzes Geld in der kurzen Zeit verjubelt habe. Als man ihn erwischte, war er schwer betrunken und gibt selbst zu, daß er taum einen Tag nüchtern gewesen sei.A sta Konzert vor Gefangenen. Plöhensee Strafanstalt: ein merkwürdiger Hinter grund für eine musikalische Morgenfeier. Wäre die Philharmonie genannt gewesen, gewiß, durch die eigenartige Verbindung des Auf tretens der Gesangsgemeinschaft Rosebery d' Arguto mit dem Betttner Sinfonte Orchester, es hätte genügt, bas Unternehmen zum Tagesereignis werden zu lassen. Der Stellver treter des Präsidenten des Strafvollzugsamtes, Oberjuftiz rat Dr. Lemtes, meinte int einer scherzhaften Bendie Künstler, daß dung in seinem Dank zum Schluß an das Berliner Sinfonieorchester nun für immer in den Akten des Blößenseer Strafvollzugs festgelegt sei. Nur einige Aufzeichnungen der Kostbarkeiten aus dem überreichen Programm: Ais stimmungsvoller Auftakt im Gedenken Franz Schuberts die Sinfonie H- Moll ( Unvollendete). Zum Schluß die Ouvertüre zu Rosamunde" von Echubert und die Ungarische Rhapsodie Nr. 1 von Franz v. Liszt, die die Dirigententunst Prof. Schmal stichs in höchster Form zeigten, ebenso die ganze Hingabe seines Ensembles bei diesem feierlichen Akt. Dazwischen aus einem Arbeiter und Kinderchor gebildet die Gesangsgemeinschaft Rosebery d'Argutos, die einen Strauß alter und neuer Volkslieder nach eigenen Kompositionen des Genannien oder teilweise von ihm überarbeitet, bot. Die Dar bietungen spiegelten deutlich die Absicht d'Argutos wieder, den fünstferischen Gesang so zur Schlichtheit zurückzuführen, daß er Gemein 7960 sid So sieht er aus! NE Das ist Herr v. Hünefeld, aus dem Geschlecht derer von Lachmann, der zusammen mit Hauptmann Köhl seinen Besuch bei Wilhelm dem Letzten in Doorn so lange ausdehnte, daß die braven Bürger von Köln um die Freuden eines Empfanges kamen. gut bes Bolles werden kann. Es war das erheiternde erlebnis, das noch lange hinter diesen Mauern lebendig bleiben wird. 3u er wähnen sei auch das Trio Edith Rösch( Gesang), Ernst Knobel( Klarineite), Godfried Seelander( Klavier) im ,, hirt auf dem Felsen" von Schubert nach der ursprünglichen Fassung, das besonders der jungen Sängerin Gelegenheit bot, ihre schöne Stimme zu präsentieren. Plastisch, nicht nur visionär, fühlten wir alle, wie dort unten in der Sphäre der Töne ein Kampf siegreich zu Ende geführt wurde. Die Freien, die ausübenden Künstler im Ringen um den höchsten Ausdruck ihrer Kunst, die Unfreien, deren Rücken in den blauen Sträflingsjacken bei jeder Darbietung fich zum Dank erhob. Eine Brücke war durch die Mufit geschlagen, eine Sprache gefunden worden. Der moderne Strafvollzug, der solche Wege beschreitet, hat die sozialen Aufgaben unserer Zeit richtig erfaßt. Die ungetreuen Lotteriebeamten. N. Das Reichsgericht hat die Revision der Berliner Lotteriebeamten Rudolf Böhm und Schleinstein, die es seinerzeit verstanden hatten, 125 000 Marf zu gewinnen", verworfen. Beide waren zu 3uchthaus über einem Jahr verurteilt worden. Kürschners Deutscher Reichstag", der bekannte Buchzwerg, der soeben im Hermann- Hillger- Verlag in Berlin zum Preis von 1 M. zur Ausgabe gelangt, bringt auf 544 Seiten Bilder und Lebensbeschreibungen aller Abgeordneten. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland a. Sylt: heiter. Helgoland: heiter. Bor. fum: bemölft. Bremen: heiter. Hamburg: heiter. Ostsee. Travemünde: heiter. Warnemünde: heiter. Saßniz: heiter. Swinemünde: heiter. Stettin: start bewölkt. Kofberg: bewölkt. Danzig- 3oppot: start bewölkt. Seebad Kranz: bewölkt. Harz. Schierfe: bewölkt, vorher Regen. Harzburg: bewölft, vorher Regen. Bad Sachsa: bewölft, vorher Regen. Brocken: bedeckt, vorher Regen. Thüringen. Erfurt: leichter Regen. Inselsberg: start neblig. Heffen. Kaffel: bedeckt, vorher Regen. Wasserfuppe/ Rhön: bedeckt. Sachfen. Dresden: wolkig. Schandau: heiter. Annaberg: be: wölft. Fichtelberg( Erzgeb.): wolfig. Zittau: bewölkt. Schlesien. Breslau: wolfenlos. Flinsberg: bewölkt. Schreiberhau: heiter. Schneekoppe: heiter. Bad Reinerz: heiter. Landeck: heiter. Rheingebiet. Köln: neblig. Bad Aachen: start bewölkt. Koblenz: bemölft, vorher Regen. Wiesbaden: bewölkt, vorher Regen. Frankfurt a. Main: Regen. Feldberg/ Taunus: bedeckt, vorher Regen. Baden. Karlsruhe: bedeckt. Baden- Baden: bewölft. Württemberg. Stuttgart: start woltig. Friedrichshafen: heiter. Bayern. Fürth: wolfig. München: ziemlich heiter. GarmischBartenkirchen: bewölkt. Berchtesgaden: heiter. Zugspige: neblig. Oberstdorf: bewölkt. Bad Tölz: bewölkt. Tegernsee: heiter. Desterreich. Innsbrud: starf wolfig. Salzburg: heiter. Wien: wolfenlos. no Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Trocken und ziemlich heiter, wärmer, mäßige westliche bis südliche Winde. Für Deutschland: Ueberall teils wolkig, teils heiter, ziemlich warm, besonders im Süden. Weit unter Preis! Teilweise bis zur GARDINEN staunend billiger Verkauf im Lichthofa 1 Posten Halb- Stores Beginn 2. Juli His A Jaises Englisch Tüll, früh. bis 12.00 Mk.b Jetzt nur Serie I Serie II 390 290 1 Posten KünstlerGarnituren Englisch Tüll, früh. bis 22.00 Mk. jetzt nur Serie I Serie II 90 90 Serie I früher 21.50 jetzt 1 Posten echtfarbige darunter herabWaren, bekannt Hälfte und gesetzt sind viele guter Qualität! 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