BERLIN Mittwoch, 11. Juli 1928 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntag& Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenfir.3 66 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 324 B 160 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Helden für 10000 Mart. " Wies Wie Köhl und Hünefeld im Rheinland auftraten. Der Dzeanflieger Hauptmann Röhr und sein monofelbehafeter Reklamechef v. Hünefeld, der seine halbsemitische Abstam mung durch junterliche Manieren zu verdecken sucht, hatten der Stadt Köln mitgeteilt, daß sie bereit seien, sich dort empfangen und feiern zu laffen. Am 8. Juli traf aber aus Jrland, wohin sie den anderen Ozeanflieger Figmaurice begleitet hatten, ein Telegramm ein, aus dem hervorging, daß sie erst nach Doorn fliegen und dann nach Köln tommen wollten. Als das in Köln Sp. fannt wurde, hat die Rheinische Zeitung", das Organ der Sozialdemokratie, sich entschieden gegen einen Empfang der Flieger dur h die Stadt Köln ausgesprochen. Der zuständige Dezernent legte den Artikel der Rheinischen Zeitung" dem Oberbürgermeister vor und bat um Entscheidung, ob es bei dem vorgesehenen Programm bleibe. Der Oberbürgermeister erflärte, menn auf der Besuch der Flieger in Doorn während ihres offiziellen Rundfluges bedque: lich sei und die öffentliche Meinung nunmehr gegenüber den Fliegern geteilt sein würde, so solle der Empfang und das Frühstück im Rathaus wie vorgesehen stattfinden. Darauf wurde mit den Vorbereitungen auf dem Flugblag fortgefahren, die Einladung zu dem Frühstüc telephonisch mitgeteilt und die Einladungskarten in Drud gegeben. Am 6. Juli, spät nachmittags, wurde dem Dberbürgermeister durch einen Herrn der städtischen Verwaltung mitgeteilt, ein frühere: Kamerad des Hauptmanns Koehl habe ihm telephoniert, er habe mit dem Privatsekretär der Flieger in Doorn telephonisch gesprochen. Diese tämen nicht um 12 Uhr mittags, sondern im Laufe des Nachmittags. Sie fönnten teinesfalls vor 5 Uhr eintreffen. Am selben Nachmittag lief von anderer Seite bei der Stadtverwaltung die Mitteilung ein, die Flieger fämen überhaupt nicht mehr am Sonnabend, sondern erst am Sonntag. Eine telegraphische ader telephonische Mitteilung der Flieger an die Stadtverwaltung tam nicht. Die Einladungen zum Frühstüc wurden nun rüdgängig gemacht. Empfangsfeierlichkeiten für Sonnabend abend wurden nicht mehr vorgesehen mit Rücksicht auf das Telegramm vom 4. Juli, in dem um Ruhe für die vollständig überanstrengten Flieger gebeten wurde, mit Rücksicht auf die Ungewißheit, ob und wann die Flieger überhaupt fommen würden, mit Rücksicht auf die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, und mit Rücksicht auf die geringe Bedeutung, die die Flieger dem Empfang durch die Stadt Köln offenbar beilegten. Bei ihrer Ankunft in Köln am Nach 3 mittag des 7. Juli wurden die Flieger vom Beigeordneten Billstein im Namen des Oberbürgermeisters auf dem Flugplatz begrüßt und in das von der Stadt im Hotel vorgesehene Quartier gebracht. Bei der Begrüßungsansprache waren nur wenige Menschen zugegen. Die ganze Kölner Bresse nahm gegen die Flieger Stellung, mit Ausnahme eines fleinen deutschnationalen Blättchens von ganz untergeordneter Bedeutung. Die Veranstaltung auf der Pressa war außerordentlich schlecht besucht, man mußte die Saaltüren weit öffnen, um den Raum mit Ausstellungsbesuchern notdürftig zu füllen. Die Bevölkerung der Stadt Köln hatte für die Flieger überhaupt fein Interesse; daß sie auf der Breffa" am Sonntag mehr Zulauf hatten, erflärt sich aus der Tatsache, daß an diesem Tage 50 000 bis 60 000 Besucher auf der Ausstellung weilten. Geschäft bleibt Geschäft. Die Rheinische Zeitung" schreibt dazu noch folgendes: Die Kölner Episode ist zu Ende. Sie dürfte den beiden Fliegern, befonders aber dem Freiherrn v. Hünefeld, in aller Deutlichkeit bewiesen haben, daß man in diefer Stadt einer schrankenlosen Heldenverehrung höchst abhold ist, um so mehr, wenn es sich um Personen handelt, die durch den eklatanten Bemeis politischer Ge. fchmadlofigfeit sich bei der weitaus größten Mehrheit der Bevölkerung unbeliebt gemacht haben. Herr v. Hünefeld hat das auch eingesehen und darum die Erklärung abgegeben, daß er und Hauptmann Röhl als„ Privatleute" in Doorn geweilt hätten. Demzufolge sind die beiden Herren auch in Köln als Privatleute behandelt worden. Kennzeichnend für die beiden Flieger dürfte auch noch die Tatsache sein, daß sie es ablehnten, während ihres Fluges von Holland nach Köln in Krefeld eine Zwischenlandung von 10 Minuten Dauer zu machen, dagegen aber bereit waren, für 10 000 Mark einen Vortrag zu halten. Diese Offerte ist wegen der Höhe des Preises abgelehnt worden. Man muß schon sagen, daß beide Herren ihre Geschäfte verstehen. Daß ein folches Borfommnis mie in Krefeld nicht zur Stärfung der öffentlichen Sympathie für Köhl und Hünefeld beiträgt, ist ganz Mar. Das sollten die beiden Herren auch wiffen. Schwer ist es, Ruhm und Ehre zu erreichen, aber rascher als man denkt, hat man sich die Begeisterung und die Sympathie der Deffentlichkeit verscherzt. Die beiden Flieger, ins besondere aber Freiherr v. Hünefeld, sind auf dem besten Wege bazu." Die Kundgebung für den Nationalfeiertag. Am Dienstag hat das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold eine große Kundgebung für den Nationalfeiertag am 11. August veranstaltet.- Oben: Die Massen auf dem Gendarmenmarkt. Unten: Der Redner, Gauvorsitzender Johannes Stelling. Die Entrüstung über das Berhalten der Ozeanflieger beschränkt sich durchaus nicht etwa auf sozialdemokratische Kreise. So berichtet der Kölner Lotalanzeiger", ein Organ des Zentrums, über einen Bortrag des Freihern v. Hünefeld:" Dort sprach der Junker vom Typ auch international verhängnisvoller vorkriegszeitlicher Arroganz und Selbstüberschätzung. Allgemein war der Eindruck start, daß der Redner Hünefeld nach Effekten haschte, daß er sich in Poje jetzte, um diese Effekte zu erzielen und daß es ihm vor allem Bedürfnis war, seiner durch die Gestaltung der Dinge in Köln verletzten Gitelfeit Genugtuung zu geben. Dieser Eindruck war besonders bei der Versammlungsrede des Junkers Freiherr v. Hünefeld in der großen Messehalle so allgemein, daß er uns von den verschiedensten Seiten, teilweise mit großer Schärfe, bestätigt worden ist." * Die Ozeanflieger hatten auch für Dessau ihren Besuch angemeldet. Die sozialdemokratis he Fraktion des Dessauer Gemeinderats hat dem Magistrat einen Beschluß übermittelt, in dem es heißt, daß die Empfangsfeierlichkeiten für die Ozeanflieger mehr und mehr in den Dienst einer republikfeindlichen Propaganda gestellt worden feien. Das Verbredien Nobiles. ( Bericht 2. Seite.) Die Lohnsteuer wird gesenkt! Einigung der Regierungsparteien. Bor der Sitzung des Steuerausschusses des Reichstags, die um 11 Uhr begann, verhandelte heute vormittag Reichsfinanzminister Dr. Hilferding nochmals mit den Parteiführern über die Frage der Einkommensteuersentung. Das Ergebnis dieser abschließenden Besprechung war, daß Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum dem Steuerausschuß einen gemeinsamen Antrag vorlegen werden, 2 Mart monatlich erfolgende Abzug vom Steuerbetrag auf monach der gegenwärtig in Höhe von 15 Proz. bzw. höchstens 25 Pros. bzw. 3 Mart erhöht werden soll. Unter diese Ermäßigung würden Einkommen bis zu 15 000 Mart jährlich fallen. Daneben soll eine weitere Ermäßigung der Steuerleistung durch eine Abrundung herbeigeführt werden. Die Neuregelung foll ab 1. Oktober in Kraft treten. Am 2. Dezember Gemeindewahlen. Als Wahlter min für die Gemeinde-, Kreis- und Provinziallandtagswahlen ist, wie wir erfahren, für Preußen allgemein der 2. Dezember in Aussicht genommen worden. Ausgenommen sollen die Regierungsbezirke Arnsberg, Münster und Düsseldorf bleiben, da hier bekanntlich eine große fommunale Neuregelung zu erwarten ist. politischer Bankerott. Oer Sinn der Krise in der veutschnationalen Partei. Aengstlich haben sich die Führer der Deutschnationalen Partei bemüht, die wahren Gründe des Lambach-Konfliktes zu vertuschen. Erst allmählich beginnt man einzusehen, daß man um eine öffentliche Diskussion doch nicht herumkommt. Der Auftakt hierzu, wie er heute in den deutschnationalen Parteiorganen sich in mehreren Artikeln zeigt, läßt mit aller Deutlichkeit erkennen, worum es eigentlich geht: Die katastrophale Niederlage der Deutschnationalen Partei hat den Kampf um die persönliche und geistige Führung der einzelnen Interessengruppen auf das äußerste entfacht. Ist es doch geradezu erbaulich, in der„Kreuz-Zeitung" zu lesen, daß eine Monarchievorläufignichtmög- l i ch ist, daß vielmehr erst die V o r a u s s e tz u n g e n für die Monarchie geschaffen werden müssen. Der Kamps um die Seele des Menschen bedürfe ideeller Waffen, sie müß- tcn jedoch vorerst noch geschmiedet werden, sind also nicht vorhanden. Für die Gegenwartsarbeit bedürfe es eines Programms, das vorläufig fehlt. Die Forderung des Tages gipfelt in dem für die Deutschnationale Volkspartci geradezu blamablen Stoßseufzer: Wir müssen geistig wach werden. Nun, Außenstehende haben schon lange gewußt, wie fremd die Reaktion allen Gegenwartsproblemen gegenüber- steht. Wenn heute anerkannt wird, daß die Reaktionäre, die Deutschland zu regieren sich anmaßten, bis heute geistig geschlafen haben, so ist das nur für die Anhänger der Deutschnationalen Partei etwas Neues. Um so amüsanter ist es, daß man den bewährten Hüter des Schlafes, den Grafen Westarp, doch noch bewogen hat, den Vorfitz zu behalten, um das Erwachen seiner ausgezeichneten Führung zu überlassen. Wie sich die„Kreuz-Zeitmig" dieses Erwachen denkt, dafür seien einige Sätze wiedergegeben: Noch vor einem halben Johrhundert mar das Deutsch« Reich überwiegend von Bauern und setständigcn Handwerkern und Ge- wcrbetrcibenden bevölkert. Heute befinden sich 80, wenn niht !K) Pro;, in abhängiger Lage. Ihr« Einstellung zu den öffentlichen Berhältnisstn muß notwendig«ine andere Richtung nehmen. K a p i- tat u n d Arbeit stehen(ich i n Kampfstellung gegen- über. Der Ausgleich. d«r unter allen Umständen gefunden wer. den muß, ist auf einer höheren Ebene zu such«». Es gibt nur eine Möglichkeit, das Volk vor marxistischer Verseuchung zu bewahr«», und das ist die Hcrausarbeitung des sozialen Gehalts konservativer Anschauung: persönlich« Freiheit und Unabhängigkeit, ge« bunten durch Sclbstverantwortung und Verantwortung dem Staat und der Nation gegenüber als höherer Gemeinschaft. In diesem Zusammenhang inuß der Eigcntumsdcgriff scharf fixiert und ab- gegrenzt werden. Wir gehen vom A töb Arbeitern, 1108(5 Angestellten, insgesamt also.81252 Beschäftigten, 4 0 Einzel- betriebsrätc mit 395 Betriebsrats Mitgliedern gewählt worden. Die Arbeiterräie weisen 35S und die A n- gestelltenrätc 249 Mitglieder auf. Von den.395 Betriebsrotsmilgliedern sind 304 im Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter organisiert und 49 im ZdA. Der Rest von 42 verteilt sich aus neun andere freigewerk- schaftliche Arbeiter- und Angestelltenverbände, während GdA. mit zwei, die Christlichen mit drei Sitzen, der ,„Komba" und der Deutsche Bankbeomtenverband mit je einem Sitz im Betriebsrat ver- treten sind. Mithin sind 388 Betriebsratsmitglieder freigewcrkschastlich organisiert und sieben in vier gegnerischen Verbänden. Don den 336 Arbeiterratsmitgliedern stellt der Gemeinde- und Stootsarbeiterverband allein 315, während 15 sich auf sechs andere Verbände des ADGB. verteilen und die Christlichen Stephan Xodfhtch Führer der Kroaten in Südstawien, der beim Revolverattentat in der Skupschtina verletzt wurde. Er ist wieder nach Agram zurückgekehrt und verlangt jetzt einen völligen Wechsel des Regimes. sich mit dem Rest von sechs begnügen müssen. 330 von den .3 36 Arbeiterratsmitglicdern sind freigewerk- schastlich organisiert. Die 249 A n g c st e l l t e n r ä t e verteilen sich wie folgt: 107 sind Mitglieder des Verbandes der Gemeinde- und Stoatsarbeiter, 83 Mitglieder des ZdA. und 19 Mitglieder des Butab, 11 sind Mit- glied in sechs freien Gewerkschaften und weitere 12 gehören vier AsA-Verbänden an, während der Rest von 17 sich auf sechs bürger- liehe Verbände verteilt. Von d« n 249 Angestelltenräten sind mithin 232 sreigewerkschaftlich organisiert. Neue Stillegung im Bergbau. Bochum. 10. Juli.(Eigenbericht.) Di« Verwaltung der zum Klöckner-Konzern gehörenden Zeche „General" hat die Stillegung dieser Zeche beim Demobilmochunas- kommisiar beantragt. Di« vorhandenen Anlagen sollen ab- gebrochen werden. Als Termin für die Stillegungsverhandlungen ist der 30. Juli festgesetzt.._ Laienkunst und Dilettantismus. Die Bedeutung der rhythmischen Bewegungschöre. lieber das aktuelle Problem des Laientanzes sprachen auf dem Essener Tänzerkongreß Martin Gleisner und Berthe T r ü m p y. Gleisner, der Leiter des Berliner Laban-Lmenchors — Frau Trümpy, die Leiterin des bewegten Sprcchchors der Bcr- liner Volksbühne. Gleisner unterschied klar Laicnkunstübung von Dilettantismus. „Laienkunftübung"— sagte er—„bedeutet die Uebung einer Kunst durch Nichtfachleute, Menschen, die diese Kunstübung in der Freizeit, tterthe TrHmpy, Ph0t R°bert»on. Ber,in Leiterin der Tanzschule Trümpy-Skoronel und des Sprech- und Bewegungschors der Berliner Volksbühne. die ihr Beruf ihnen läßt, zur Freud« und Entsponnung pflegen. Dieser Begriff, der Einarbeiten in die elementare Technik einer Kunst und ihre fortlaufende Pflege umschließt, grenzt sich deutlich ab gegen den des bloß spielerischen Dilettantismus." Der Loientonz tonn nicht von Turnern, Gymnastikern usw. nebenbei initbeforgt werden. Der Loicntä�zcr muß vielmehr von Tanzpädagogen geschult und geführt werden. Der Laientanzchor muß sähig sein, fertige Tanzwcrke auszuführen, die von Tanz- dichtern komponiert sind. Der Laientanz gipfelt in Bewcgungschor. Dieser kanit eine Bedeutung bekommen, die auch künstlerisch neuartig und be- fruchtend wirkt. Sowohl formal, wie inhaltlich, wie im Rahmen der Neubildung unserer Festkultur. Der Laientanz verlangt eine Pädagogik, die ganz andere Wege und Ziele haben muh als die Heranbildung des beruflichen tänze- rischcn Nachwuchses. Diese Pädagogik muß auf tänzerischem Weg und mit tänzerischen Mitteln gleichzeitig eine umfassende gesunde Körperbildung der Allgemeinheit schassen können. Sic muh beinahe «in Spielen sein, das ober doch planmäßig umfassende, fortlaufend ausgebaute Körper- und Bcwegungsschulung sowie Tanzwissen(nicht in Worten und Begriffen, sondern im Bcwegungserleben) vermittelt. Ein solcher Entwicklungsgang wird gleichzeitig die umfassendste Gymnastik darstellen und unendlich mehr Lebendiges geben, als rein gymnastisch gerichtete Körpererziehung geben kann. So wie Sprechen oder Singen die beste Zungen- oder Stimmschulung bedeutet, so bedeutet Tanzen die beste Körperschulung. Mit einer Durchsetzung und guten Verwirklichung der Laien- tanzidee würde die Tänzerschaft— neben dem sachverständigen Publikum, das sie sich selber schasft,— der Allgcmeinerziehung ihren wertvollsten Dienst leisten. * In kurze, schlagende Sätze faßte BertheTrümpy ihre Aus- führungen. Was sie sagte, war der Extrakt reicher praktischer Er- fahrung.„L a i e n t a n z ist D i e n st am Menschen". Dieser Wahrheit sollte sich der Leiter eines Laienchors stets bemußt sein. Er muß mit den Mitgliedern seines Chors denken und empfinden. Boraussetzung dafür ist freilich, daß auch die Mitglieder selber von einem klaren und einheitlichen Denken und Fühlen beherrscht sind. In dieser Hinsicht kann der Sprech, und Bewegungschor der Berliner Volksbühne als vorbildlich gelten. Seine Mitglieder stammen olle aus der gleichen Klasse. Sie sind Prole- torier. Junge Fabrikarbeiter und-arbeiterinnen. Sie machen die- selben Leiden und Kämpfe durch und haben den gleichen Drang zur Kultur. Sie sind von großer ehrlicher Begeisterung für die Sache und von tiesernstem Bildungsstrebcn beseelt. Durch die kunsterziehe- rischcn Veranstaltungen der Volksbühne sind sie überdies aufs Beste vorgebildet. So verfügen die Leiter des Berliner Sprech- und Bcwcgungschors über ein Materiol, das schlechthin nicht zu über- tresfen ist. Die Schwierigkeiten, die aus der Bereinigung des Sprechens und Tänzens sich ergeben, konnten hier restlos überwunden werden. Die Sprache bildet gewissermaßen den Konzentrationspunkt. Sic dient dazu, den rhythmischen Bewegungen die eigentliche Färbung zu geben. Leider gibt es heute erst wenige geeignete Chorwerke. » Welche Bedeutung der Essener Tänzerkongreß dem Problem de» Laientanzes beilegte, geht aus dem Passu» der Resolution hervor, in dem es heißt: „Der Tönzerkangreß betont den inneren Zusammenhang zwischen den neuen tänzerischen Bestrebungen und dem Loientonz(Fest- gestoltung durch Tanz, geselligen Tanz, Bewegungschor), fordert ständige Förderung durch die Tänzerschaft und verlangt, daß die Ausbildung des Laientanzlehrers eine genaue Regelung und Krö- nung durch die Schasjung einer öffentlichen wisscnschastlich-soziolo- gischen Forschungsstättc für Bewegung erjährt." Der Florentiner Hut. (Tauentzien- Palast.) Der Poriser Kleinbürger der neunziger Jahre in feierlichen und verzwickten Situationen, dies ist dos Thema des sranzösischen Films „Der Florentiner Hut". Die 5)andlung noch dem gleichnamigen Lustspiel der Herren Labiche und Michel spielt keine große Rolle. Die Unannehmlichkeiten, die der Bräutigam an seinem Hochzeitstag durchkosten muß, weil sein Pscrd den Hut einer vornehmen Dame angefressen hat, bieten für den Regisseur Rene Elair nur die Gelegenheit, in der Schöpfung eines noturwahren Milieus eine Kunst zu entfalten, die durch die kultivierte Haltung, durch ihren Sinn für filmische Wirkungen immer wieder in Erstaunen setzt. Rene Cloir erzielt die stärkste Wirkung dadurch, daß er die Schauspieler in die Kostüme der neunziger Jahre steckt. Es ist diesem Franzosen vorbehalten geblieben, die Lächerlichkeit einer vergangenen Made sür den Film auszuwerten. Dies ist ober nur die Voraussetzung, die Folie, von der sich die schauspielerische Leistung abhebt. Es gelingt dem Regisseur, die Darsteller dahin zu bringen, daß sie sich in ihren Kostümen völlig selbstverständlich be- nehmen, daß sie mit dieser Maskerade tatsächlich auch Menschen der Jahrhundertwende werden, lind nun entfaltet Rene Elair inner- halb dieses Rahnicns eine wundervolle Dctoilmolerei. Aus winzigen Mosaikstücken setzt er dos Bild des kleinbürgerlichen Heldenlebens zusammen. Am besten die Szene auf dem Standesamt, wo hinter feierlichen oder grinsenden Gesichtern jeder seine persönlichen Be- schwerden verbirgt. Die Enge und Verschrobenheit der Mode teilt sich auch ihren Trägern mit, macht sie ebenfalls engbrüstig und heuchlerisch. Der Film hat kein Tempo im amerikanischen Sinn, der Rest von Handlung wird mühsam zerdehnt. Aber das schadet in diesem Falle wenig, da Regisseur und Schauspieler so reich an Einfällen sind, um diesen Mangel vergessen zu lassen. Jede Szene ist schauspielerisch bis zum letzten ausgedeutet und ausgefeilt. Immer wieder überraschen neue Einfälle. F. S. Ein englischer Film. Tttanta-palast. Englische Filme sehen wir so selten, daß die Uraufführung eines Filmes der British International Pictures„Eines starken Mannes Liebe" gewissermaßen zur Sensation wurde Das Manuskript erzählt von einem guten Boxer, der in einer elenden Bude auf einem Rummelplatz sein Können zeigt Sein Mädel ist dem Boxer sicher,«ine glänzende Karriere freilich nicht. Doch ein Boxer, der den Weitmeistertitel hat. sieht das Mädel an der Kasse sitzen und fein Interesse ist im selben Augenblick erwacht. Er geht in die Bude und als er dort gereizt wird, tritt er in den Ring und der klein«, unbekannte Boxer hält vier Runden gegen ihn durch. Der Besiegte fürchtet seine Stellung zu verlieren, doch ein Manager sorgt für einen guten Kampf, nach dessen siegreichem Ausgong der Unbekannte Tromingsportner des Weltmeisters wird. Das Mädel ist inzwischen die Frau des llcinen, unbekannten Boxers geworden, aber sie möchte gerne zum Gegner, zu der Weltberühmt» heit hinüberwechseln. Da kämpft der Unbekannte um den Welt- meisterschaftstitel und um die Frau und— wird Doppelsieger. Es ist recht gut, daß die Engländer sich nach diesem Manuskript auf ihrem ureigenste» Gebiet, dem Sport, ausleben konnten. So schuf der Regisseur Alfred Hitchcock einen Sport- und Spiel- film zugleich, der sehr gut gemacht ist. Di« Sportszenen sind nicht eingeflochten, sie sind wahrhaftes Leben. Das kommt, weil Hitchcock selbst im Milieu wurzelt. Er schildert es anschaulich, wie unendlich ernst die Menschen einen Boxkamps nehmen und im selben Augenblick zeigt er, wie durch diesen heiligen Ernst die Wen- schen doch recht komisch wirken. Er kennt nicht nur die Begeisterung, er kennt auch den Hohn. Fein sind alle die Gestalten rund um den Boxring erfaßt. Es ist ein Kabinettstück durchdachter Regiearbeit, wie alle die Kraftmeier, die vor dem Teufel nicht bange sind, sich in der Kirche während der Trauung durch die feierliche Stimmung arg bedrückt fühlen. Ebenso sind die Massenszenen auf dem Rummelplatz vorzüglich beobachtet. Die Massen setzen sich hier aus vielen einzelnen Figuren zusammen, die Eigenleben behalten. Die Hauptdarsteller Lilia» Hall- Davis und Carl B r i s s o n sind sehr sympathisch. Bei der Premiere wurde ihnen lebhaftester Beifall zuteil. e h. Denkmal sür August Giramm. Für den Dichter August Stramm und seinen gleichfalls dichte- lisch hochbegabten Sohn Helmuth, der mit 20 Iahren dem Vater in die Ewigkeit folgte, wurde kürzlich ein Denkmal auf dem Südwest- friedhof in Stahnsdorf vollendet, das der Bildhauer Alexander Küpper ausgeführt hat. Aus weithin durch die Sommerblüt« leuch- tendem Muschelkalkstein erhebt sich über drei Stufen dieses Grabmal. Es trägt die Worte:„Tränen kreist der Raum...", die aus dem Gedicht„Die Menschheit" von August Stramm entnommen sind. Aus der literarischen Hinterlassenschaft des jungen Sohnes stammt «ine andere eingemeißelte Inschrift:„Vielleicht sind wir noch einmal Stern« am Antlitz Gatte»..." Der natürliche Hintergrund des Denkmals aus Tannen, Birken und wilden Rosenbüschen gibt diesem auf bevorzugtem erhöhten Platze aufgestellten Monument ein ganz besonders stimmungsvolles Gepräge. Die Sensationsnummer. In Moskauer Künstlerkreisen erzählt man sich folgende hübsche Geschichte: Der Direktor eines Staats- zirkus in der Sowjctstadt I. faßte infolge schlechten Geschöstsganges eines Abends den rettenden Entschluß, an der Eingongspforte des Zirkus folgendes Plakat anzubringen:„Jedem Zuschauer, der mit der letzten Nummer unseres heutigen Eliteprogramms unzufrieden ist, wird der Eintrittspreis in doppeltem Betrag» an der Kasse zu- rückerstattet." In wenigen Stunden war das.Haus ausverkauft. Das Publikum hielt den Atem an, als nach der letzten Pause die Sensationsnummer des Abends steigen sollte. Do erschien der Ge- nasse Zirkusdirektor höchstpersönlich als Ansager in der Arena und oerkündete der erwartungsvollen Menge:„Als letzt« Nummer unseres Programms bringen wir die Internationale,' gespielt von der Stadtkapelle der GPU.(früher« Tscheka)!" Der von manchen befürchtete Schlußondrang an der Kasse blieb erfreulicherweise voll- kommen aus. Lerlchllgung. Itiiler.7. F.-Mitnrbeitcr, der nicht in der? Verdacht kommen möchte, sich mit Hemden Federn zu ichmückcn. legt Gewicht aus dt« Fest- stcllung, daß die Chisire unter dem Artikel»Kommunistischer Hosklatsch'(im Montag-.Abend") richtig TB. laute» muß. unadi Präsidentschaftskampf in Amerika. 3obanna ging... 目 5 Die beiden großen bürgerlichen Parteien der Vereinigten Staaten von Nordamerika haben jetzt ihre Kandidaten für den Präsidentschaftsposten aufgestellt. Oben von links nach rechts: Normann Thomas.„ Al Smith, Herbert Hoover, Curtis, J. T. Robinson, James H. Maurer und unten von links nach rechts: William Foster und Benjamin Gitlow. Strenger Richter in Lichtenberg. Zwei Jugendliche hart bestraft. Bor dem Einzelrichter des Landgerichts Lichtenberg sfehen zwei Fürsorgezöglinge, denen einfacher Diebstahl zur Last gelegt wird. Sie finden feinen milden Richter. Ist es nötig, daß junge Leute, bei denen doch offensichtlich Aussicht auf Besserung besteht, gleich das Gefängnis fennen lernen müssen? Ein strenger Richter der Herr Amtsgerichtsrat Held in Lichtenberg. Wieder eine Liebestragödie. Das Paar glücklicherweise vom Zode gerettet. In der Wohnung ihres Arbeitgebers wurde heute früh die 25jährige Hausangestellte Christel P. und ihr 18jähriger Beliebter Willi P. aus Berlin- Marienfelde durch Gas vergiftet bemuẞtlos aufgefunden. Beide hatten in der Frankfurter Arlee zu Lichtenberg ein Fahrrad gestohlen. Während der eine der Burschen sich auf das vor einem Geschäft stehende Rad geschwungen hatte und damit losgefahren war, spielte der andere den læbeteiligten. Der Dieb tonnte jedoch bald eingeholt und der Polizei übergeben werden. Der andere meldete sich darauf auch auf der Wache und Auf dem Treppenflur des Hauses Potsdamer Straße 39 madhte gab zu, seinen Freund zu der Tat angestiftet zu haben. Beide fich heute früh starter Gas ger udh bemerkbar, der aus der Woh tamen daraufhin in Untersuchungshaft, aus der sie dem nung des Kaufmanns P. drang. Der Wohnungsinhaber befindet Amtsgericht Lihtenberg zur Hauptverhandlung vorgeführt wurden. fich mit seiner Familie zurzeit auf einer Erholungsreise. Lediglich Nach Angaben des Vertreters des Jugendamts sind beide Leute, die die Hausangestellte war in der Wohnung zurückgeblieben. Als auf jetzt im 20. Lebensjahre stehen, in denkbar ungünstigen Verhältnissen wiederholtes Klopfen und Klingeln niemand öffnete, wurden aufgewachsen. Die Erziehung, die ihnen im Elternhause zuteil- Polizei und Feuerwehr benachrichtigt, die sich gewaltsam Einlaß zuteil- erholtes wurde, war für ihre Entwicklung nicht günstig. So tamen sie So tamen sie verschafften. Die Beamten fanden in dem völlig mit Gas angeschließlich in Fürsorgeerziehung. In letzter Zeit haben sie füllten Schlafzimmer des Mädchens das Liebespaar sich recht gut geführt und gearbeitet. leblos auf. Es wurden Wiederbelebungsversuche mit Sauerstoff vorgenommen, die erst nach langwierigen Bemühungen von Erfolg waren. Der Zustand der Gasvergifteten war jedoch so bedenklich, daß der Arzt die Ueberführung in das Elisabeth- Krankenhaus an. ordnete. Wie aus einem an die Angehörigen gerichteten Abschiedsschreiben hervorging, haben sich die jungen Leute schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken getragen, da ihrer ehelichen Berbindung hindernisse im Wege standen. Heute früh schritten sie dann zur Ausführung der Tat. Ein Schaden ist durch den Diebstahl nicht entstanden, denn das Rad fonnte ihnen wieder abgenommen werden. Beide Angeklagte sind so gut wie unbestraft, nur der eine ist einmal wegen Unterschlagung mit einer Geldstrafe bedacht worden. Trotzdem der Vertreter des Jugendamts den Vorsitzenden Amtsgerichtsrat Held um milde Beurteilung des Falles bat, wurde ein harter Spruch gefällt. Der eine Angeklagte, der die geringe Borstrafe hat, erhielt eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten und 2 Wochen wegen Diebstahls und intellektueller Urkundenfälschung er hatte bei seiner Festnahme fih eines falschen Namens bedient und sich so in die Register eintragen laffen ohne Bewährungsfrist. Der andere noch niemals vorbestrafte junge Mensch erhielt wegen des einfachen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von sechs Bochen unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft. Wenn er eine Woche der Strafe verbüßt hat, soll er für die weiteren zwei Wochen eine dreijährige Bewährungsfrist erhalten gegen Zahlung einer Buße von 60 m. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staati. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Volksbühne heater am Bülowplatz Th. m Schiffbauerdamm 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt 54 Uhr Der Komische 81%, Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues evue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater des Westens 8 Uhr: Lori Leux in Die Verhandlungsabbruch in der Textilindustrie. flittes in der mittel und westsächsischen Tegtil Die Berhandlungen zur Beilegung des Arbeitszeitfon industrie, die am Dienstag im Reichsarbeitsministerium stattfanden, sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Tertilarbeit geber hatten den Schiedsspruch über die Arbeitszeit angenommen und Verbindlichkeitserklärung beantragt. Deutsches Theater Norden 12 310 Sultenburg- Bahnen Rose- Theater U. Ende nach 10% ts. Künstler- Th. Gr. Frankt. Str. 132 Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 32 U. Ende 108, U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Heute 7 Uhr: Premiere Es kommt jeder dran! Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: ..Spiel im Schloss" Kleines Theater 81 Uhr: Charlottenstr.93/ 91.03.170 Sprungbrett 814, Ende nach 10/2 Gastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Residenz- Theater Mary Dugan Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr ungeküßte Eva skandal Operette in 3 Akten. Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Lustspielhaus Täglich 8, Uhr Die Reise durch im Bett! Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 8 Uhr Sitten schwank Leinen aus Irland in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfriede Mertens a.G. Jugendliehe haben keinen Zutritt! Komödienhaus Hute geschlossen! Parkett auch Sonnt. Donne stag 72 U. statt 4.- Mk. Zum 1. Male:. Kuhhandel Berlin in 40 Stunden. mur 1.- Mk. Der Präsident! 66 E.G. m. der Liebe Zesch- Ballot, Christel Storm, Torning, Garrison Schafheitlin. Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr: Der Wirt vom Heidekrug 5 Uhr Berliner Prater Kastanienallee 7/9. 7 Täglich 7 Konzert and bunter Teil. Die keasche Susanne. 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Außerdem Konzert, Varieté. Anf. 5 U., Sonnt. 4 U. Tanz. Kaffeekochen. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Zum Schluß: ..Mutter uff Reisen" Burleske von Meysel. Anfang 8 Uhr. Donhoft Brett': ( Saal und Garten) Gr. Varieté- Programm, Konzert, Fanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 160 77 Täglich 8 Uhr: Elite- Sänger allabendlich Bombenerfolg! U. a: Lachen ohne Ende. ,, Wasserratten" Ein lustiges Spiel m. sowie der unvergleichliche Soloteil. Gesang u. Tanz m.d. neuesten Schlagern Park.auch Park auch Sonntags Berliner Ulk- Trio statt 4. M. nur 60 Pl. Neukölln, Lahnstr.74/ 75& Genossenschafts- Tischlerei ,, Ideal" Die Königſtädtiſche Dampf- Waſch- Anstalt Bischlerei für Möbel, Bau u. Innenausbau b. H. [ 105 Neukölln( Hermannshof) Hermannstr. 48 Tel. F 2 Neukölln 2444 SO 33, Cuvryftraße 1 Mpl. 3618, 8982[ 30 wäscht gut und billig Unerwünschte Folgen der eintägigen Kündigungsfriff. ,, Es ist im Leben häßlich eingerichtet, daß man beim Abschied auseinandergeht". Das hatte auch Herr Kammhuber, feines Zeichens Haarformer, zu seinem Leidwesen feststellen müssen. Eines Abends hatte seine erste Kraft im Damenfalon, Fräulein Johanna, von ihm Abschied genommen und war nicht wiedergekommen. Desto zahl reicher erschienen am nächsten Tag die Kunden des Friseurs, die aber alle verlangten, von Fräulein Johanna bedient zu werden. Und als Herr Kammhuber erklären mußte, daß Fräulein Johanna nicht da sei, da verließen die Kunden den Laden, um sich der Konkurrenz in die Arme zu werfen. Nach drei Tagen betam Herr Kammhuber das erste Lebenszeichen von Johanna. Sie schrieb ihm, daß sie wieder zu ihrem früheren Chef zurüdgegangen sei und zwar mit einem höheren Gehalt. Da zwischen ihr und Herrn Kammhuber nur eine eintägige Ründigungsfrist vereinbart sei, so betrachte fie das Arbeitsverhältnis als beendet. Herr Kammhuber murde rafend, als er diesen Brief erhielt. Noch immer hatte er gehofft, daß Johanna eines Tages wieder in seinem Salon" auftauchen würde. Er merkte erst jetzt, was für eine wertvolle Kraft Johanna gewesen war und dabei so anspruchslos in ihren Lohnforderungen. Man fann daher verstehen, daß der Friseurchef fofort nach Erhalt des Scheidebriefes aufs Arbeitsgericht lief, wo er gegen Fräulein Johanna eine Klage auf Schadenersatz anstrengte. Herr Kammhuber verlangte nur 50 m. für entgangenen Gewinn und begründete seinen Anspruch damit, daß Fräulein Johanna gegangen war, ohne die achttägige Kündigungsfrist einzuhalten, die der Tarifvertrag vorsieht. Aber die Beklagte fonnte nachweisen, daß sich Herr Kammhuber seinerseits auch nie an den Tarifvertrag gehalten, daß er untertarifliche Löhne gezahlt und mit all seinen Angestellten entgegen dem Tarifvertrag tägliche Kündigung vereinbart hatte. Benn Fräulein Johanna oder eine ihrer Kolleginnen Herrn Kammhuber mur einmal so leise. hatten beibringen wollen, daß es auch einen Tarifvertrag gäbe, so hätte der Herr Haartünstler nur immer ertlärt, daß er unorganisiert sei und feinen Tarifpertrag anertenne. Jetzt wollte er das natürlich nicht wahr haben. Das Gericht aber stellte sich auf die Seite der Beklagten und nahm den Standpunkt ein, daß in diesem Fall wirklich nicht der Tarifvertrag, sondern die Einzelabmachung geltend war. Danach hätte die Beflagte eine Kündigungsfrist von einem Tag einhalten müffen. Da sie das nicht getan hatte, wurde fie verurteilt, an Herrn Kammhuber eine Entschädigung in Höhe des bei ihm bezogenen Tagelohns, nämlich 3 M., zu zahlen. Mit seinen Mehransprüchen wurde der Kläger abgewiesen. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Oeffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland a. Sylt: wolfig. Helgoland: heiter. Bortum: wolfig. Bremen: leicht bedeckt. Hamburg: ziemlich heiter. Saßnig: moltig. Stettin: woltig. Rolberg: wolfig. Stolp: bededt. Offfee. Travemünde: wolkig. Warnemünde: leicht bedeckt. Danzig- 3oppot: heiter. 19456 Harz. Schierke: woltig. Harzburg: heiter. Bad Sachsa: heiter. Brodent: wolfig. Thüringen. Erfurt: moltig. Eisenach: heiler. Bad Lieben ſtein: heiter: Oberhof: heiter. Infelsberg: wolkenlos. Hessen. Wassertuppe/ Rhön: wolfig. moltig. Fichtelberg( Erzgeb.): moltig. Zittau: moltig. Sachsen. Dresden: wolkig. Schandau: heiter. Schandau: heiter. Annaberg: Schlesien. Breslau: wolfig. Flinsberg: moltig. Schreiberhau: wolfig, vorher Regen. Schneetoppe: woltig. Bad Reinerz: woltig. Bad Landed: wolkig. Rhein. Köln: wolkig. Bad Aachen: ziemlich heiter. Bad Ems: heiter. Feldberg i. Taunus: ziemlich heiter. Bad Dürkheim: heiter. heiter. Koblenz: heiter. Wiesbaden: wolkig. Frankfurt a. M.: heiter. Feldberg i. Schwarzwald: heiter. Baden. Karlsruhe: heiter. Baden- Baden: heiter. Freiburg: Bayern. Hof: wolfig. Fürth: moltenlos. München: heiter. Garmisch- Partenkirchen: moltig. Zugspige: heiter. Berchtesgaden: wolkig. Oberstdorf: wollig. Bad Tölz: wolfig. Tegernsee: moltig. * Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und UmBewölfungszunahme, überall ziemlich warm. gegend.( Nachdruck verboten.) Teils heiter, teils woltig und mäßig Für Deutschland: Im Süden heiter, im Norden zeitweise marm. Berantwortlich für die Rebaltion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Horst Walther G.m.b.H. Siemensstadt, Voltsstraße 2.=== Fernruf: Wilhelm 8205 und 8206 Heizungs- und sanitäre Anlagen Ständiges Lager sämtlicher Materialien Bauklempnerei Otto Knöfel Klempnermeister Gas- und Wasseranlagen [ G. F. 106 Neukölln, Reuterstr. 45 Tel.: Neukölln 2547 ,, Hawag" Be- und Entwässerungs-, KanalisationsAnlagen:::: Heiztechnische Beratung [ R. 7. NO, Landsberger Str. 92:: Tel.: Alex. 9130/1 Wittling& Güldner BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU. TIEFBAU Bln.- Wilmersdorf HELMSTEDTER STR. 3 TEL. AMT UHLAND 962/63 IG. F. 117. (Beilage Mittwoch, II. Juli 192» frrfttmb Sf\n/nnlQnft jfa Rund um das Moltkehaus. Wir pilgern an einem heißen Sommertag durch den Tiergarten hindurch zu Karl Sevcring, dem neuen Rsichsinnen-, Polizei- und Derfassungsminister am Platz der Republik. Breit spannen sich die Baumäste de« Parks über die Spazierwege und Reitbahnen Wil- Helms des Zwoten und über die breite Asphaltstrahe, durch die eine endlose Kolonne von Autos nach dem StadtiNnern oder nach dem Berliner Westen rast. Da steht der rote Steinbaukasten, den das Reichsinnenministerium nach dem endgültigen„Ausverkauf"' des Großen Gcncralstabes bezogen hat, vor uns. Rechts vorn, in weißen Stein gehauen, das Moltke-Oenkmal. Reglos steht er da oben, an seinen Sockel gelehnt, in Ueberrock und Mütze— während ringsum die richtigen Majestäten mit der Pickelhaube auf ihren steinernen Rössern sitzen— reglos schaut der„große Schweiger", dem die liohenzollern ihr Kaiserreich militärisch zu ver- danken hoben, nach dem Bismarckschcn Regierungsviertel hinüber und ein skeptisches Lächeln spielt um den ganz unsaldatischen Ge> lehrtenkopf. Zu seiner Linken Wilhelms des Zweiten Lieblinzsspielzeug— Das Gcncralsiabshaus. Em vlereckiger Kasten mit roten Sandsteinrabatten und festungs- ortigen Zinnen, von denen kriegerische Löwen ihre Mäuler herunter- zeigen. Die ganze Vorderfront ist mit Wappenschildern maskiert: Immer ein großes„W" und dann dos HoHenzollernsche l)auswappen, wie eine in Abständen angebrachte Eisentiahnreklame, die der neu- gierige Passant immer wieder zu lesen Hot, bis er sie endlich kapiert. Das Ganze ist überragt von einer kriegerisch ausgeputzten Frau am Giebel, die drohend zum Reichstag und zum roten Berlin hinüber ein scharfkantiges Messer schwingt. Im übrigen ist das Gebäude, als.' Reliquie von Wilhelms: Soldatenlaiserherrlichteit bis in alle Details mit einer rührenden Pietät kmeferviert. Im gepflasterten Hof die Ställe der Generalstabspserde,«in Ziehbrunnen, Modell 1871, und eine Art Aufzug, der Vorläufer eines sogenannten List, der außen an dem roten Kommißkasten so stabil angebracht ist, als ob er einem halben Dutzend von Fliegerangriffen hätte standhalten müssen. Vor der Tür ober weht die schwarzrotgoldene Fahne am grünen Ministerauto freundlich im Winde. Ein Sommerfrischler, ein kleiner Mann aus der Provinz mit wettergebräuntem Gesicht, spricht mich zaghaft an: „Was ist denn das für ein Bau?"—„Das Reichsinnenministe- rium!"—„Ah! Sevcring!', haucht er ganz glücklich und voller Hoffnung vor sich hin. IfcudcU verabschiedet sich. Ich frage den Portier:„Gestatten, Herr Ministerialsekretär? Um 1 Uhr erwartet mich der Herr Minister! Könnte ich unterdessen nicht mal dos Moltke-Zimmer sehen?'—„Ree, da wern Se woll kein Glück haben, mein Herr! Erstens ist Einzelpersonen am Werktag der Besuch nicht gestattet—"—„Ich bin aber doch von der Presse, Herr— Herr—'—„Deswegen sind Se ooch Einzelperson!' schnarrt er mich an,„und zweetens ist der Herr Amtmann X. im Bibliotheksaal und verabschiedet sich eben vom Herrn Minister von Keudell—" —„OH pardon, da will ich nicht stören bei dieser Feierlichkeit!" Irgendwer führt mich ins Wartezimmer des Herrn Ministers hinein. Ich nehme an einem Schreibtisch Platz. Donnerwetter! Der Tisch ist voll brauner Schreibmappen, jede mit einer mächtigen Kaiserkrone verziert. Hier herein hat also der Wind der Republik noch nicht geweht! Ich klappe auf— ein Zirkel der Saxo-Borussen aus der ersten Seite— in der dritten Mappe ein„Wettschein"? 108 581 des Buchmachers T. für das Rennen in P. Aha! Der Bohrwurm des Kaiserreichs, der Graf Holstein, die„graue Eminenz' und Börsenkanone in einer Person geht also immer noch um— am ehemaligen Königsplatz. Lei Severing. Ein großer Eckraum im Moltke-Haus. Rot« Tapeten, em großer roter, den ganzen Fußboden überspannender Tcppich— am Schreibtisch Karl Severing. Der kluge, fein gewölbte Kopf mit der grau melierten Mähne, dem energischen Mund und den lebhaften Augen, für die sich zuzeiten auch bürgerliche Reporter zu begeistern pflegen. beiigt sich interesiiert über den großen Schreibtisch hinweg. Der ist jetzt— um«in Uhr mittag— von allen Aktendeckeln reingefegt. Hinter ihm zwei Bücherschränke mit kostbaren Bänden. An den Wänden zwei Oelgemälde: ein alter niederländischer Herr mit Spitzenkragen und Pluderhose von einem Amsterdamer Meister, rechts ein Kind, ein Iackie Coogan oder Kaspar Hauser aus dem 16. Jahrhundert. Wilhelminische Embleme sind hier ausverkauft. Wir sprechen über die groß« Bedeutung des Reichsinnenministe- riums für die innere Politik. Ueber die wichtigen hier bearbeiteten Rechtsgebiete: Verfasiungsabteilung, Beamtenabteilung, politisch« und Reichskriminalpolizei. Reichswehr, Landesverrat, Spionageabwehr- und Waffenfragen. Kulturabteilung. Filmprüfstelle. Reichstunstwart, Reichsarchw usw „Ja, und wie denken Sie sich«ine Revidierung der von ihrem Vorgänger hier eingeleiteten deutschnqtionalen Personalpolitik?" "�Oh-- die Zeit deutschnationaler Detternwirtschaft in diesem Hause ist natürlich vorbei— seit ich hier bin. Darüber wird sich hier wohl jedermann im klaren sein. Hier wird nur mehr sachlich gearbeitet. Für die Republik, wie ich in meiner Begrüßungsrede im die Beamtenschaft deutlich genug betont habe, nichl für einen imaginären Staalsbegriff—— „Und fürchten S!« kein« Widerstände im Beamtenkörper de? Ministeriums?" „Sobald ich merke, daß sich da oder dort in dieser oder jener Abteilung Widerstand gegen meine Anordnungen rührt, daß man obstinat ist oder passiv« Resistenz übt, dann greise ich sofort«in und räume aus. Sobald ich mir darüber klar bin, daß dieser oder jener Herr, den man aus rein politischen Gründen hier hcreingesetzt hat, seinen Aufgaben nicht gewachsen ist, entferne ich ihn." „Eine Generalabrechnung mit der politischen Aera Ihres Herrn Vorgängers halten Sie nicht für---?" „Ich habe hier die Leitung übernommen und setz« meinen Willen durch. Eine Gehcimwirtschoft dulde ich nicht. Ebensowenig wie ich sie in Preußen geduldet Hobe! Ein festgeführter Blaustift und ein« kurz« Entscheidung:„Zurück! Wiedervorlage am soundsovielten" wirkt oft vielmehr als ein langer Dortrag über Personalpolitik. Meinen Willen setze ich durch, glauben Sie mir. Was ich hier aber aufbaue, soll von Dauer sein." „Gewiß. Wir oll« haben das Vertrauen zu Ihnen---* „Vertrauen muß sein! Das Vertrauen zwischen uns und den Millionen, die hinter uns stehen, ist ja das Geheimnis all unserer Regierungskunst." Das Hundegrab. Wir gehen durch den Hof, dem Ausgang zu, große, breitäftige Linden überschatten den Pferdestall Wilhelms des Zweiten und seiner Adjutanten. Ein« Schmiede arbeitet immer noch: in der„Reichs- kartenstell«" benötigt sie irgendwer. Wie lange ist es her, da regierte hier noch Wilhelm mit seinem lauten Wesen und mit seinem takt- losen Gepolter. Wenn ein ganz wichtiges„Kriegsspiel" gedreht werden sollte, setzte man dem„Soldatenkaiser"� einen Floh ins Ohr: „Es gibt Masern im Moltk«-5)aus!" Dann war der alte Schweiger allein und dozierte ungeschoren seinen Feldzugsplan. Da— zwei Steinplatten im Rasen. Die„Hundegräber" Wil- Helms des„Großen": Depkir Atem treuer Begleiter 1876-1886 Butterblumen und Unkraut wachsen über den verregneten Steinen, und aus den Autoschuppcn fließt mürrisch blaugraues Oel rn die Jahreszahlen hinein. Draußen, an der Tür aber, im Licht des Sommertages, steht immer noch der Mann aus der Provinz und schaut immer noch zu Karl Semrings neuem Amtszimmer empor. Di« Jungfrau am Dach mit dem krummen Säbel in der Pranke stört ihn nicht weiter dabei! Hermann Lckülringcr. Wie Zeitungsleute arbeiten Was weiß die Öffentlichkeit davon? Der Zeitungsleser hat gewöhnlich eine nicht ganz richtig« Vor- stellung von der Entstehung einer Zeitung. Am meisten verbreitet ist wohl der Irrtum von der täglichen Sorge des Redakteurs, wie er die vielen Seiten seiner Zeitung füllen soll. Di« wenigsten Leser wissen, daß es sich mit dieser Sorge gerade umgekehrt verhält. Nie ist nämlich so viel Raum verfügbar, daß der Redakteur alles unterbringen kann, was er für wichtig genug hält, es seinen Lesern mitzuteilen. Roch viel weniger aber weiß die Oeffentlichkeit vom pro- duktiven Schaffen des Redakteurs, davon, wie er arbeitet, w i e er schreibt. Wer außerhalb des Zeitungsbetriebes steht, kennt dos Hetztempo nicht, das die Redoktionsarbeit beherrscht, weiß nichts davon, daß der Redakteur zu jeder Tages- und Nachtzeit, ob er gut oder übel gelaunt, ob feine Großmutter gestorben, oder ob er selbst glücklicher Vater geworden ist.— kurz, daß der Redakteur immer und in jeder Situation und Stimmung die Fähigkeit haben muß, sich auf einen bestimmten Gedankenkreis zu konzentrieren und seinen Gedanken wirksamen Ausdruck zu geben. Schon daraus geht hervor, daß ein glatter Stil noch nicht den Redakteur macht und daß nicht jeder, der glaubt, ein geborener Journalist zu fein, sich zu diesem Beruf wirklich eignet. Erste Voraussetzungen sind: Gründliche Sachbeherrschung, schnelle Ausfassungs- und Kam- binationsgabe und starke Konzentrationsfähig- keit. Daß dazu noch eine gewandte und gute Ausdrucks- form gehört, versteht sich von selbst. Einen Blick in die Arbeitsweffe der Redakteure großer Zeitungen gestattet uns das Ergebnis einer Rundfrage, das der Reichsoerband der deutschen Presse in der Sondernummer seines Organs„Deuffche Presse" zu seinem Kölner Verbandstag« unter dem Titel„W i t ich schreibe...", veröffentlicht. Redakteure verschiedenster Parteizugehörigkeit tellen in ihren Antworten auf die Rundfrage mit, w i e sie schreiben und die nochstehenden Auszüge daraus geben ein interessantes Bild von der Verschiedenartigkcit der Temperamente und damit der Arbeitsweise. Es fällt ihm immer etwas ein. Wie ich schreibe?— Gar nicht! Denn ich diktiere meist, und ich bemüh« mich, den direkten Einfluß, den ein Redner auf sein« Zu» Hörer Hot, durch die Druckerschwärze nicht verloren gehen zu lassen. Ich diktier« schnell, und die Einfälle kommen mir. wenn sie kommen müssen, nämlich dann, wenn ich es für notwendig halte, meinen Lesern etwas zu sagen. Dafür, daß mir immer etwas einfällt, wenn ich es gerade hrauche, bin ich einem gütigen Gc- schick sehr dankbar, denn ich kann wirklich nichts dafür. Prof. Georg Bernhard,„Vosfffche Zeitung". Er arbeitet am besten, wenn er keine Zeit hat. Ich bin der Sklave, nicht der Herr meines Stoffes. Es ist gleichgültig, ob ich ausgeschlafen oder übernächtigt, hungrig oder satt, arbeitsdurstig oder faul, heiter oder verstimmt bin, ob ich mit der Hand, Füllfeder oder Bleistift oder auf der Maschine schreibe, ob ich ins Stenogramm oder Telephon diktiere oder Telegrammstil einhalten muß, ob ich einen Leitartikel verfasse oder einen Bericht gebe, ob es Nacht oder Tag ist, Abend oder Morgen, Sommer oder Winter, Arktis oder Tropen, ob ich Ruhe habe oder von Lärm umgeben bin. Wichtig ist, daß ich die Materie durchaus kenne und daß ich eine bestimmte Absicht ohne Hemmungen verfolgen kann. Ich glaube, daß für die journalistische Wirkung die Form nichts, die Intensität des Wollens alles ist. Ich arbeite am besten, wenn ich keine Zeit habe. Rudolf Olden,„Berliner Tageblatt". Er schreibt, wenn er den inneren Drang dazu spürt. Ich diktiere aus dem Stegreif oder an Hand von Stichworten, fünfundzwanzigmal schlecht gerechnet gestört durch Telephonote, Bc- sucher, irgendwelche Ansrager: ich stenographiere, wenn mich die Lust packt, im Eiscnbahnzug druckreif ein Manuskript zu einem Artikel oder Entrefilet. Ich kommentiere ebensowohl gelegentlich in Muße handschriftlich, wie in der Hätz der letzten Minuten in die Setzmaschine diktierend... Der Gedanke, zu genau festgesetzter Zeit unter allen Umständen mit einem Artikel zur Hand sein zu müssen, wäre mir ein Greuel und würde mir Stimmung und Tem- perament erschlagen. Ich schreib«� wenn ich den inneren Drang dazu spüre... Wilhelm Ackermann,„Deutsche Tageszeitung". Mit einem Arm im Mantel. Sie meinen wohl die übel berüchtigte Nachtarbeit? Das geht sehr rasch, am Tage braucht« ich dreimal länger. Die Hauptarbeit geleistet auf dem Wege vom Theater zum Schreibtisch. Hier entsteht die Disposition der Hauptteile. Die kritischen Einfälle sind ja im Theater entstanden. Sie müssen nur noch geordnet werden. Auf dem Schreibtisch werden die Notizzettel ausgearbeitet und nichl an- gesehen. Dann wird in fieberhafter Eile losgeschrieben. Auf einmal kommt ein Satz, der mir mehr Zeit nimmt, als die letzte Spalt«. Eine Notiz wird gedeutet und verarbeitet. Dann schreibt's weiter. Nach vollbrachter Tat merke ich, daß der linke Arm noch im Mantel steckt. Es wird überlesen und Vergessenes«in- gefügt. Dann schlafe ich, so gut es geht nach so viel Konzentration. Am Morgen lese ich die Korrektur und bin gespannt, was der Kerl von gestern eigentlich geschrieben hat. Dr. Bernhard Dicbold,„Frankfurter Zeitung". Nur mit Tinte und Feder. Don der vielleicht etwas kindlichen Einbildung, daß ein guter Artikel mit der Hand und mit Tinte geschrieben sein müßte, komme ich nicht los. Als die der intensiven Arbeit günstigste Zeit betrachte ich den Vormittag bis 11 Uhr oder irgendeine Nacht- stunde, welche den Vorzug hat, daß sie selten durch Besuche oder Konferenzen gestört wird. Meine Auffassung, daß diejenigen Artikel, die bei großen Ereignissen unter starken seelischen Eindrücken in einer Stund« geschrieben werden müssen, die besten sind, ist durch «ine langjährige Erfahrung befestigt. Max Horndasch,„Kölnische Volkszeitun� Nach alter Väter Weise. Ja. ich schreibe wirtlich noch. Schreib« mit der Hand und dem gegenüber der Feder ungleich beweglicheren Bleistift. In dieser— beinahe hätte ich gesagt, oltväterischcn— Methode liegt noch eine Ahnung jener handwerklichen Tüchtigkeit und Muße, die im Zeitalter des technischen Tempos, der Schreibmaschine, des Drktaphons immer mehr den Abglanz des Märchens gewinnt: es war einmal Rudolf Michael,„Hamburgifchcr Eorrespondcnt". ccr ceise orMAN (28. Fortsetzlln«.) Gleich nach meiner Ankunft verschaffte ich mir Quayres Adresse und niachte mich noch seinem Atelier auf. Di« Tür war offen, aber niemand drin. Dann kam Carmen..." Ein tiefer Seufzer entfloh der Brust des Sterbenden. Sein« Augen waren Plötzlich feucht von Tränen. „Im Augenblick, ais ich sie sah, wußte ich, daß sie mich nicht ganz vergessen hotte. Ich nahm sie in meine Anne, und wir sprachen kein Wort. Sie starrte mich nur an wie jeniand, der nicht ganz bei Sinnen ist oder Angst hat. Dann mochte sie sich los und fing zu weinen an. Einmal nach dem anderen sagte sie:„Wie siahst du aus! Was hoben sie mit dir gemocht?!* Ich hott« vergessen, wie diese acht Jahre Zuchthaus mich verändert hatten. Der Rawon, den Carmen gekannt hotte, war eip hübscher, frischer Junge gewesen mit lockig«», schwarzen Haaren. Und jetzt..." Er schwieg. Ein blutiger Schaum trat auf sein« Lippen. Der Arzt warf Manderton einen Blick zu und schüttelt««rnst den Kopf. Der Inspektor beugte sich über den Sterbend«». „Warum hoben Sie si« ermordet. Flagg?* fragt« er. „Ich... hob's nicht g«tan. Als ich ihr... von dem Halsband ... sprach... und dam Diwan... lief si« von mir fort... aus dem Atelier. Erst... aus der Zeiwng erfuhr ich... daß sie... erstochen worden... war...* Sein Kopf war auf die Brust herabgesunken, und seine Stimm« wurde undeutlich, während er noch Atem rang. Nach einigen Minuten schien er sich mit einer letzten Anstrengung zusammenzuraffen. „Ich hob... nicht recht gegen sie gefpmdelt... aber die Hand gegen sie aufgehoben... nie... Gott ist msin... Zeuge...!* Aus seiner Kehle kam«in röchelndes Geräusch. „Wer war's dann, der sie ermordet hat?* Cranmore kniet« am Loger und sprach ins Ohr des Sterbenden. „Wer hat sie ermordet? Sprechen Sie! Ich bin ihr Mann___ I* Longsam wondete Nomon ihm sein Gesicht zu. Er versuchte zu reden, zu lächeln, aber es ging nicht mehr. Ein Blick unendlichen Mitleids trat in seine brechenden Augen. Mit einer kaum merk« lichen Bewegung suchte seine Hand die des anderen. Dann hotte er sie gefunden... Die Lampe auf dem Tisch blakte, und der Doktor löschte sie aus. Die ersten rosa Strahlen der Sonn« fielen ins Zimmer. Von Zeit zu Zeit kam ein gurgelnder Laut von dem Sterbendem Schweigend umstanden si« fein Lager und sahen, wie mählich der Tag anbrach Dann ging Boulot plötzlich zum Fenster und öffnet« es weit. „Ein alter bretaginscher Glaube,* sagt« er,„damit die ent- fliehende Seele freie Bahn hat.* Cr stieß Manderton an und zeigt« auf den Toten. „Sehen Sie diese Hände an. Die waren einmal berühmt wegen ihrer unerhörten Geschicklichkeit, und jetzt...!* Auf der weißen Decke zeichneten sich die Hände ab mit hornigen, stumpfen, abgearbeiteten Fingern... die Hände eines Sträflings. 28. Das lehke Rätsel. „Nun bleibt uns nur noch das letzte Glied zu schmieden,* sogt« Mairderton zu Boulot,„das Nomon mit Quoyre verbindet. Ich lpzb schon nach New Vor? telegraphiert und hoffe, die Auskunst wird mir dabei helfen...* Sie fuhren gemütlich durch den taufrischen Iuinmorgen Southampton zu. Der Inspektor wünschte, sich mit der Zentrole telephonisch in Verbindung zu setzen, und außerdem gab's da ein Bad, ein gutss Frühstück und alle Bequemlichkeiten, die in dem abgelegenen Dorf nicht zu haben waren. „Was für ein Glied, rpon eher? Ich verstehe nicht ganz...* „Sie teilen vielleicht meine Meinung nicht, ober ich neige der Ansicht zu, daß Nomon die Wahrheit gesprochen hat, ehe er starb. Wenn so, ist er am Mord schuldlos, und mir müssen mm heraus. bringen, wer sich Mrs. Cranmore entgegenstellte, als sie aus dem Atelier flüchtet«, und sie erstach* „Nun?* „Die Indizien weis« noch immer nur auf eine einzig« Person hin: Ouayrel* „Dos würde also heißen, daß Quoyre, nachdem er die beiden gesehen hat. aus dem Garten hinten herumging an die Haustür und dort wartete, bis Mrs. Cranmore herauskommen würde, nicht?'. Manderton nickte. „So ungefähr." „Und das Motiv: Eifersucht?' „Höchstwahrscheinlich etwas der Art!" Boulot schien sich auf nichts Weiteres einlassen zu wollen. Er lehnte sich in seinen Sitz zurück und schloß di« Augen. In Southampton fuhren sie zu einem großen, roten Hotelkosten gegenüber den Docks. Cranmore sah nach dem Wagen, während Manderton telephonierte und Boulot bat, für das Frühstück zu sorgen. Es hatte noch nicht acht Uhr geschlagen, und der Speisesaal war fast leer. Ein paar Reisende tranken vor der Abfahrt hastig ihren Kaffee, ein« brasilianische Familie mit zahlreichen Kindern saß in einem Winkel vor«inem Haufen von Gepäckstücken, und eine einzelne Dome starrte von ihrem Tisch beim Fenster auf die Docks hinaus. Als Voulots Auge auf sie fiel, zuckte er überrascht zusammen. Sie wandte ihm den Rücken zu. Unter ihrem Strohhut quoll«ine Fülle braunroten Haares hervor, das in«inen Knoten geschlungen 'ich von der blassen Haut des Halses abhob. Schweigend winkte Boulot den Kellner heran. „Wer ist die Dame da am Fenster?* fragte er nachlässig. „Ihren Namen weiß ich nicht. Augenscheinlich ein« Italienerin. Si« ist erst gestern nacht angekommen und wollte mit dem Nacht- wot noch Havre. Warum sie dann nicht gefahren ist, weiß ich ruch nicht." „Schon gut!" � Boulot näherte sich leise dem Tisch, an dem die Fremde saß. sie war so sehr in ihre eigenen Gedanken vertieft, daß sie ihn nicht bemerkte und er sie ungestört betrachten tonnt«. Eine zierliche Gestalt, die, wenn auch nicht mehr in der ersten Jugendblüte, doch Spuren früherer Schönheit zeigte. Aus dem blassen, eingefallenen, etwas verlebten Gesicht sahen zwei dunkle Augen hervor, die seltsam mit dem roten Haar kontrastierten. Di« Hand, auf der ihr Kops ruhte, war schlank und wohlgesormt. B«im Klang von Boulots Stimme fuhr sie zusammen, und eine flammende Nöte stieg in ihr Gesicht. „Ich glaube, Madame Hot das verloren...," sagte«r li«ben»- würdig und reicht« ihr dos kleine, emailliert« Amulett, auf dem ein menschliches Auge dargestellt war. „Oh, mein Amulett!" rief sie, nahm sich aber schnell wieder zusammen, während die Farbe langsam aus ihren Wang«» wich. „Ich habe wohl die Ehre, mit Madam« de la Bandera zu spiechen?" „Nein, Si« irren sich." antwortete sie schnell.„Das ist nicht mein Name." Die waren einmal berühmt wegen ihrer GeschieilickleiL „Ich muß Ihnen mitteilen, daß Ihr Gatte tot ist!" Sie starrt« ihn mit weitgeösfneten, entsetzten Augen an und versucht« zu sprechen, aber kein Laut kam über ihre Lippen. Einen Augenblick dachte Boulot, sie würde ohnmächtig werden. Er sah, wi« sich ihr« Nägel in die Handfläche bohrten. „Tat!" wiederholte sie.„Tot! Und ich...?* „Wäre es nicht am besten, Madame. Sie würden mir die ganze Wahrheit sagen?* „Wie....* begann sie mit zitternder Stimme,„wie ist das geschehen?* Ihre Stimme war leise und wie leblos. „Er wurde schwer verletzt bei einem Autounfall letzte Nacht, als er seiner Verhaftung wegen des Mordes an Mrs. Cranmore zu entfliehen versuchte. Um vier Uhr ist er gestorben." Boulot ließ kein Aug« von dem blassen Gesicht. Si« macht« eine stolz« Kopfbcwegung, ihr Blick wurde kalt und hart, und um ihren Mund erschien ein herausfordernder Zug. „Ich habe die Signora erstochen!" sagte sie endlich.„Ich bin Lucia de la Bandera!" In einer trostlosen Polizeistation erzählte sie die Geschichte des Derbrechens. Sie hotte bitterlich geweint, während die Formoli- täten der Verhaftung vor sich gingen, und ihr Gesicht trug eine trogisch« Maske, als sie jetzt mit bald trotzigen, bald verzweifelten Augen di« vier Männer musterte— Manderton, Boulot, Cranmore und einen Aufseher— die ihr an dem tintenbespritzten Tisch gegenüberstanden. Mit nervösen Bewegungen und bebender Stimm« sprach sie, und noch und nach hob sich der Vorhang, der Carmen Cranmores Tod bisher verschleiert hatte. „Für ihn war das Messer bestimmt, die Canaille!" rief sie und macht« mit der Faust eine drohend« Gebärde,„aber wenn ein Weib liebt— und Gott weiß, wie ich ihn geliebt habe— ist sie blind und närrisch. Ehe ich ihn traf, war ich glücklich. Er riß mich von meinem Mann weg. In Rom war's, wo ich am Constanzi- Theater sang. Bei einem Fest im Grand Hotel sah ich ihn zuerst. Er war jung, schön, elegant und lebte wi« ein Prinz. Und italienisch sprach er wi« ein Italiener. Keine Frau konnte Ramon wider- stehen, wie«r damals war. Aber genug davon...! „Ich ging mit ihm. Durch ganz Europa zogen wir miteinander, wo es schön war und vornehm herging. D'io, wi« ich stolz war auf meinen Ramon!... Nachdem sich mein Mann von mir hatte scheiden lassen, wurden wir im Konsulat in Paris getraut. Dann gingen wir nach New Park. Damit war der Traum zu Ende. Weniger und weniger sah ich von ihm, und dann... verließ er mich, von einem Tag zum anderen... ohne einen Pfennig, mit gebrochenem Herzen... Ein paarmal schrieb sein Rechtsanwalt, ich sollt« mich scheiden lassen. Aber er war mein, und ich wollte ihn nicht aufgeben. Dann hörte ich gar nicht» mehr von ihm... bis«r wegen einem Dieb- stahl in Pittsburg verhaftet wurde. Dos war für mich keine Uoberraschung. Schon bald noch dem Beginn unseres Zusammen- lebens hatte ich entdeckt, woher er seinen Lebensunterhalt bezog. Aber mir war dos gleich. Ich liebt« ihn... per Dio... ich liebte den Elenden... Drei Jahre hatte er mit einer Malerin zusammengewohiü! Ich verschafft« mir ihre Adresse und ging hin zu dieser Carmen. S>e behauptet«. Ramon und si« wären verheiratet. Ah, ich warf ihr meinen Heiratsschein ins* Gesicht...! Ich versuchte, Ramon zu sehen, ober er wollt« mich nicht sehen. So wartet« ich, bi» er aus dem Zuchthaus kommen würde. Am Tor traf ich ihn. Ein Auto stand bereit, Zimmer hotte ich im best«» Hotel genommen, schon«in Mahl bestellt, wie er'a liebte... Aber ol» ich ihn erblickte... Mein Gott,«r seh zwanzig, dreißig Jahr« älter aus...* „Wenn du jemals«inen Sohn bekommst, Luria,* sagte er zu mir,„so lehr« ihn, niemals einem Weib zu vertrauen!" (Schluß folgt.) Rätsel= Ecke des„Abend 6i Kimniiumiiiiinniinnumtniiniunnir Silbenrätsel Aus den Silben au be ce chi eil de de« el gard gel ha hib i im irm lau le l«s lis mun ne pos ja sei so ta» scher Schriftsteller; lO. Einfall: 11 englischer Vorname; 12. Naturerscheinung; 13. Dichter; 14. englisch« Landschaft; 15. Ort aus der griechischen Sag«.— Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben, von unten nach oben, ergeben den Anfang eines oft gesungenen Liedes. Kreuzworträtsel. n Senkrecht: 1. Waldgoti; 2. Fluß in Steiermark; 3. Straußenart; 4. Seidenstoff; 6. Wäldchen; 7. Stadt in Westfalen; g. Vogel; 11. geographisches Werk; 14. buddistifcher Priester; 1(5 Produkt ohne Gerste; 18 Tiermagen; 20. Tonlage; 22. Urteilchen; 23 Körperteil.— Wagerecht: Kostenanschlag: 5. Vogel; 8. englische Insri; 9. tierisches Fett; 10. tierischer Körperteil; 12. Antilopenart; 13. röm. König; 15. Sammelmappe; 17. Boden- ßestaltung: 19. Voael; 21. Nahrungsmittel; 23. Schöpfung: 24, Stadt in Schweden; 25. Mediziner. Geographie. 1, 2. 3 ist die Ruine einer Siadi, die man in Afrika gefunden hat. Di« 3, 2 ist als Stadt bekannt im schönen thüringischen Land. lind eine Insel ist die 5, 3, 4. Auf einer 4, 1, 6 da such sie dir. Rösselsprung. Aufbau. Mit einem Bindemittel verein' alles Leben, Kern, Dann ersteht vor dir und liegt nicht allzu fern Ein Aussichtspunkt im schönen Sachsenland. Nun nimm eine halbe Ell« zur Hand, Setz' in dos Ganze sie mitten hinein, Dann wird dich modern« Arbeit erfreun. Magisches Quadrat. A A A A Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so z>« A D D M ordnen, daß die entsprechenden wagerechten und 51 51 51 O senkrechten Reihen Worte mit folgender Bedeutung k l? U X ergeben: 1. Biblischer Männername. 2. ehemaliges russisches Abgeordnetenhaus, 3. Liebesgott, 4. Begründer des wissen- schastlichen Sozialismus. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Rösselsprung: Und als di« Nachtigall geendet Im Lindenboum ihr schönstes Lied, Da ist in heil'ger Morgenstunde Die rote Rose aufgeblüht. Kapselrätsel: Es lebt«in anders denkende» Geschlecht. Diamanträtsel: 1. S; 2. Ate; 3. Berta: 4. Bodetal; 5. Schrippen: 6. Streikrecht: 7. Gastronom; 8. Tabelle; 9. Le he; 10. Oho; 11. T. Buchstäbliche,: Buchstabe G. Die Drehscheibe. Die Punkte d«Z Zeigers sind durch „ille" zu ersetzen. Dann ergeben sich: l. Hille; 2 Lille;?. Rille; 4. Dille; 5. Spille;*. Pille; 7. Grille; 8. Bille; 9 Stille; 10. kille: 11. Till«; 12. mille; 13. Zill«; 14. Wille; 15. Brille; 1«. Dill«. Lisitentartenräksel: Derlin-Frievenau. Tagung der Athleten. Ablehnung der oppositionellen Anträge. Wiederwahl des Vorstandes. Nach den Schlußmorten zum Geschäftsbericht erfolgte einstim mige Entlastung des Bundesvorstandes. Annahme fand eine Resolu tion, die von der Zentralfommission parteipolitische Neutralität ver langt. Die Schaffung einer eigenen Sportschule wurde im Brinzip gutgeheißen. Vorarbeiten hierzu sind sofort in Angriff zu nehmen. Der Bundesbeitrag für alle über 14 Jahre alten Mitglieder beträgt 0,20 m. Der Bundestag findet alle drei Jahre statt. Meyer Berlin behandelte in ausführlichem Bortrage die Jugendfragen im AAB. Auf diesem Gebiete muß noch tüchtig nachgeholfen werden. Das mit viel Spannung erwartete Referat über„ Die Sportinternationale und der Kongreß in Helsingfors" fand durch Gellert eine einwandfreie und fachgemäße Erledigung. In der Debatte sprachen nur Kommunisten. Gellert erweiterte dann in seinen Schlußworten noch seine Stellung nahme und geißelte wiederholt in temperamentvoller Weise die Machenschaften der fommunistischen Zellenbilder. Lebhafter Beifall bemies das Einverständnis der Versammlung. Die zu dem Bortrage gestellten Anträge, fabriziert in der Alexanderstraße, verfielen mit 34: 15 Stimmen der Ablehnung. Der. technische Dbmann, Haushalter Magdeburg, behan delte ausführlich die Anträge zur Betttampfordnung und die technischen Neuerungen. Lehrgänge müssen die allgemeine sport. liche Erziehung vertiefen. Kurse möchten in der Bundesschule in Leipzig stattfinden. Die Lehrmethoden in Spandau laufen der Arbeitersportbewegung zuwider. Die übrigen Spartenleiter ergänzten die Ausführungen. Nach der Aussprache wurden die Einzel meisterschaften abgelehnt; bei Wettkämpfen dürfen nur Sportliteratur, Sportkleidung, Geräte und Diplome verabreicht werden. Bei den Neuwahlen trat die fommunistische Opposition" mieder in Tätigkeit und bat flehentlich um zmei Siße im Geschäfts. führenden Borstand. Baul Strumpf. Borsigender und Redakteur, Karl Schüße, Raffierer, Karl aus: halter, technischer Obmann, alle drei Magdeburg, wurden einstimmig wiedergewählt. Die Statutenänderungen fanden schnelle Erledigung. Am später Nachmittag wurde der Bun destag nach anstrengender Tätigkeit der Delegierten geschlossen. Naturfreunde- Ferienfahrten. Zu der am fommenden Sonnabend und Sonntag stattfinden. den Wochenendfahrt durch den Spreewald find noch etliche Teilnehmerfarten bei Hugo Sinn, M. 20, Stettiner Str. 30, Thomas, R. 65, Luxemburger Str. 1, Heinrich Schmidt, W., Rankestraße 30, Balter, Neukölln, Siegfriedftr. 55 ,,, Borwärts"-Spedition Treptom, Grachstraße 50, und in der Geschäftsstelle des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" R. 24, Johannisstraße 14-15, erhältlich. Eine Ferienmanderung durch den Harz findet vom 11.- 18. August statt. Auf dieser Wanderung werden folgende Orte berührt: Wernigerode, Broden, das Bodetal, Rübeland, Ofertal, Goslar und Harzburg. Gesamtkosten dieser Reife 70 M.( Eisenbahn- Hin und Rückfahrt, Nebenbahnen, Quartiere, Betten, Frühstück und Mittag eisen.) Teilnehmer fönnen sich noch an das Reisebureau des Louristenvereins ,, Die Naturfreunde" R. 24, Johannisstr. 14-15, täglich außer Sonnabends von 18-20 Uhr wenden. Internationale Rennwoche. Arbeitersportler auf Reisen. Neuköllner Schwimmer in Gladbeck. Sportfest in Neuruppin. Einer Einladung folgend, meilte dieser Tage die Wettkampf-| liner Vereinen waren Schöneberger Turner und Freie mannschaft der Freien Schwimmer Reukölln in der west- Turnerschaft Groß- Berlin- Friedenau vertreten. Am Sonntag früh fälischen Industriestadt Gladbeck, um an dem Schwimmfest des dortigen Arbeiler- Schwimmvercins teilzunehmen. Finnische und belgische Schwimmer gaben dem von etwa 2500 Zuschauern besuchten Fest einen internationalen Charakter. 200 Startende aus dem Rheingebiet vertraten ihre Bereine. # Mit Ausnahme des Männer- Freistil- und Rückenschwimmens waren die Neuköllner in allen Konkurrenzen Sieger. Der gute Düffel dorfer Freistilschwimmer Leonhardt fonnte Götte mit Armlänge auf den zweiten Plaz verweisen und der Neuköllner Frohn mußte fich im Rüdenschwimmen hinter Sälter Elberfeld geschlagen be. fennen. Die Schwester des Frohn konnte im Frauen- Freistil schwimmen über 100 meter eine neue Bundesbestzeit von 1,23% herausholen. Bei den Springern jah man nur mäßige Leistungen. Diese Disziplin scheint dort nicht viel geübt zu merden. Der Finne Bavilaine holte sich das Turmspringen vor Fischer- Düsseldorf. Beim Kunstspringen drehte Fischer den Spieß um und konnte vor dem Finnen siegen. Mit Spannung wurde die Austragung der mestdeutschen Bafferballmeisterschaft verfolgt. Die Bladbeder maren gegen Düsseldorf mit 7: 6 Halbzeit 1: 2) erfolgreich, werden aber wohl feinen ernsthaften Gegner beim Endspiel um die Bundeswasser. ballmeisterschaft in Osnabrück abgeben. Neukölln spielte gegen Elberfeld 5: 3. um 9 Uhr begannen die Vorfämpfe der Sportler auf dem schön eingerichteten Sportplay der Reichswehr. Gute Leistungen wurden hierbei im 100- meter- Lauf und im Weitsprung erzielt. 3u gleicher Zeit hielten auch die zahlreich erschienenen Radfahrer vom ArbeiterRadfahrerbund ,, Solidarität" ein Straßenrennen ab. Am Mittag gruppierten sich 300 Sportler, Fußballer und Radfahrer unter starfer Beteiligung der Bevölkerung zum Feftzug. Am Nachmittag fanden die sportlichen 5 au ptfämpfe statt. Besonderes Interesse nahmen naturgemäß die Stafetten in Anspruch. Bei den Männern sicherte fich Groß- Berlin- Friedenau vor Neu ruppin die 4X100 Meter in 47,4 Sef. und die Schwedenstafette in 2 Min. 14,5 Get. und bei der Jugend Schöneberg vor Neuruppin die 4X100 Meter in 52 Sef. und die Schwedenstafette in 2 min. 25,4 Set. Den 100- Meter- Lauf der Jugend gewann durch guien Endspurt Beŋerle, Schöneberg, in 2 min. 59,6 Set. gegen Stauch, Neuruppin, in 3 Min. 1,3 Sef. Beim 3000- Meter- Lauf der Männer fiegte Mollmann, Neuruppin, in 10,54 Sef. 3m 100- Meter- Endlauf A siegte Boß, Groß- Berlin- Friedenau, in 11,6 Sef. vor Schubert in 12 Sef. und Endlauf B Heinicke, GroßBerlin- Friedencu in 12,3 Sef. vor Bätsch- Neuruppin in 12,5 Scf. Den Weitsprung der Jugend sicherte sich Beyer- Schöneberg mit 5,47 Meter, während bei den Männern Boß- Friedenau mit 6 Meter Erster blieb. Im Fußball stenden sich Neuruppin und Sachsenhaujen gegenüber. Bei den zweiten Mannschaften gewann Sachsendie Freie Turnerschaft Neuruppin veranstaltete am Sonnhausen mit 2: 1, während bei den ersten Mannschaften Neuruppin tag ihr diesjähriges Sportfest. Schon am Sonnabend trafen die die bessere Elf war und mit 4: 1 Sieger wurde. Der Abend verBereine der weiteren Umgebung in Neuruppin ein. Bon Bereinigte dann nochmals alle Sporiler im Boltshaus. Man fann nun höchst gespannt darauf sein, ob das Resultat des Klassischen Wettbewerbes hier bestätigt, wird oder eine Korrektur erfährt. Neben einem Prämienrennen für die auf der Rütt- Arena ständig trainierenden Fahrer wird zum Schluß noch ein 50= Rilometer. Mannschaftsrennen ausgefahren, an dem u. a. auch sämtliche oben genannten Fahrer teilnehmen. Was Naturfreunde schufen. *** Neuc Heime im deutschen Land. Die Arbeiterbewegung bat oft bemiesen, daß fie prattis für den Sozialismus zu mirten meiß. Eins der wertvollsten Werfe ift in den Ferienheimen und Wanderherbergen für Die erholungsuchende Arbeiterschaft zu erblicken. Der Touristenverein ,, Die Naturfreunde" hat gerade auf diesem Gebiete in den letzten Jahren außerordentlich niel geschaffen. Die letzten Wochen brachten die Eröffnung einer ganzen Reihe neuer Naturfreundeheime. Dem Gruppenbetrieb dienen in erster Linie das neue Strandheim in Barmen, das Stadtheim in Solingen und das Heim der Ortsgruppe Me is en nahe der Borta Westfalica. Es ist zugleich auch ein guter Etüßpunft für die. Banderherbergen im Befer- Bergland. 3m 3sergebirge bouten die Görlißer Naturfreunde bei Bad Schwarzbach einen schönen Banderstützpunkt aus. Bon Bad Füinsberg ist das Heim in 70 Minuten erreichbar. Ebenso mertnoll dürften das neue Heim der Ortsgruppe Weinheim a. d. B. auf der Tromme im Odenwald, das Geejener Naturfreundehaus im West harz und das Lehrter Haus Graf horn im Burgdorfer Holz merden. Freitag und Sonntag: Grunewald. Internationales Jagdrennen und St. Simon- Rennen bilden die Bugnummern der beiden noch ausstehenden Renntage der Inter nationalen Berliner Woche, die am 13. bzm. 15. Juli In allen diesen Heimen tönnen mehr denn 50 Wanderer Unterauf der Grunewaldbahn zur Durchführung gelangen. Im funft finden. Die Billinger Naturfreunde haben die Burg Internationalen Jagdrennen am Freitag dürfte der hervorragende mühle" bei Mundelfingen in der Gauchachschlucht( SchwarzSteepler Maestoso( K. Thiel) Deutschlands stärkste Waffe gegenwald) angekauft. Hierdurch wird das schwäbisch- badische Hüttennet die Ausländer sein. im südlichen Schwarzwald um ein herrlich gelegenes Heim bereichert. Das reizvollfte Heim, das in den letzten Tagen der Deffentlichfeit übergeben wurde, ist am Sonntag bei Niedermenbig in der Eifel eröffnet worden. Das„ Laacher Eechaus" in der Nähe der bekannten Abtei Maria Laach am wundervollen Loacher See stellt Naturfreunden und Jugendwanderern 130 Betten und außer dem eine Anzahl Notlager zur Verfügung. Das Haus ist nach den modernsten hygienischen Grundsägen nach einem Entwurf des Regierungsbaumeisters Stahl Düsseldorf ausgebaut und bietet besten Aufenthalt in einem der prächtigsten Wandergebiete. Auch die Berliner und Brandenburger Arbeiterwanderer werden auf ihren Ferienfahrten gern ihre Schritte hierher lenfen. Frankreich bleibt, nachdem Jeu de Roi seine Teilnahme am Internationalen Hürdenrennen mit dem Leben bezahlen mußte, unvertreten, dafür ist aber der gute englische Steepler Golden Street ( 3. Hogan) zur Stelle. Die Internationalität wird weiter durch den polnischen Bollblüter Dola gewahrt, mährend aus deutschen Ställen noch Phyllis( Lt. v. Göz) und Battle Cruiser( Haufer) aufgeboten merden. Die Teilnahme von Friz Fromm ist fraglich. Das St.- Simon- Rennen über 2200 Meter, mit seinen 50 500 M. an Preisen die wertvollste internationale Prüfung der Woche, dürfte ant Sonntag, 15. Juli, nur ein fleines Feld om Ablauf sehen. Der Franzose Leopardus fommt nicht, der Start der Dreijährigen Abitja und Farn erscheint zweifelhaft, und so werden wohl nur Torero ( Haynes) sowie die beiden Franzosen Bers le Soir( Rob. Kaiser) und Masked Ruler( Williams) gegen den famojen Oleander, der diesmal auf die Begleitung von Mah Jong verzichten soll, den Kampf aufnehmen. Da am gleichen Tage auch die Internatio nale Meile", für die u. a. die drei Franzosen Princesse Macé, Saint Sernin und Bédant unter Ordre stehen, gelaufen wird, dürfte der Schlußtag der Internationalen Rennwoche zu einem ähnlichen Erfolge werden wie der Eröffnungstag. Los vom Motor! Flieger bei Rütt. Die Arbeiterschaft kann auf diese Werte einer ihrer Organijationen mit berechtigtem Stolz blicken und wird solcher Arbeit immer gern alle erdenkliche Hilfe bieten. 24- Stunden- Autorennen. Auf der Rennstrecke bei Spa fam wie alljährlich das 24. Stunden Rennen um den belgischen Grand Brig" zum Austrag. Dreißig Wagen befannier Marken, die abwechselnd von zwei Fahrern gesteuert wurden und ihrer Stärke entsprechend in sechs Klassen geteilt waren, nahmen an dem Rennen teil. Als Schnellster ermies fich ein 1½- Liter- Wagen Alfa Romeo( Fahrer IvanowskiMarioni). der schon bei Halbzeit in Front lag, in den 24 Stunden 2464,9 Kilometer zurücklegte und den 1926 von Peugeot mit 2234,6 Rilometer aufgestellten Reford beträchtlich verbesserte. In den übrigen Klaffen siegten, über 3 Liter: Chrysler; 3 Liter: Lancia; 2 Liter: Jrat; 1100 Stubitzentimeter: Aries; 750 Stubilzentimeter: Senechal. Die großen liegerfämpfe auf der Rütt Arena am fommenden Sonntognachmittag versprechen erstklassigen Sport. Das größte Intereffe bringt man naturgemäß der Revanche der Deut fchen Fliegermeisterschaft entgegen, die zwei Tage vorher im Kölner Stadion stattgefunden hat. Es läßt sich natürlich noch nicht sagen, wer die vier Auserwählten sein werden, doch Rütt hat vorsichts= 3m Schwimmen Quer durch Berlin" segte sich der ungarische halber folgende Fahrer fest verpflichtet: Weltmeister Engel, Strommeister Parod fofort an die Spize, vergrößerte seinen VorDizmella, Schamberg, Ehmer, Rütt, den Titelversprung immer mehr, so daß der Berteidiger Steinhauff( FriesenBerlin) zeitweise bis 80 Meter zurücklag. 500 Meter vor dem Ziel teidiger Fride, Steffes, Lorenz, Knappe und Fran- rüdte Steinhauff auf. Er erreichte den Ungarn und es entspann sich renstein, unter denen aller Wahrscheinlichkeit noch die vier ersten ein überaus schaufer Kampf, den Steinhauff schließlich ganz Der Deutschen Fliegermeisterschaft 1928 zu fudhen sein werden. fnapp für sich entscheiden fonnte. Nur mit Kopfvorsprung ging der Die nicht für die Revanche der Meisterschaft in Frage kommen. Berliner durchs 3iel. Im Gegensah dazu war das Rennen der den Fahrer treffen sich im Jacquelin Breis, der dadurch Damen eine sehr einfache Angelegenheit. Die Bienerin Bufti noch an Bedeutung gewinnt, daß auch drei erstklassige Ausländer leischer übernahm fofort die Führung und zog ber Berlinerin Daran teilnehmen, nämlich der Franzose Schilles, der zweite des Simmermann mit wachsendem Vorsprung davon. Abwechslungsreich waren wieder die Staffelkämpfe. Hier erlitt der Berliner SB. 78 Großen Preises der Stadt Leipzig, der schon am Montag fein eine glatte Niederlage in der Bruststaffel durch die Bereinigten Trainingsquartier nach Berlin verlegte, ferner der wieder in Höchst Balferfreunde 09, die auch den Mehrkampf gewannen. Die erfte form befindliche Auftralier Bob Spears und der Franzose Lucien deutsche Hochschulmeisterschaft holte fich Bogt- heidelberg, Louet. Auch dieses Rennen wird infolge seiner vorzüglichen Be- nachdem Mießbach- Leipzig bis 3000 Meter in Führung gelegen hatte. fegung die spannendsten Kämpfe bringen. An diesem Tage tommt Die Hamburgerin Carola Hüfing sicherte fich den ersten Meistertitel auch noch der fällige Herausforderungstampf Diamella Rütt für Damen. zum Austrag. Der Kölner hatte bekanntlich den Weltmeistersohn beim Großen Preis von Berlin geschlagen, war aber megen Be hinderung seines Gegners in den letzten Metern distanziert worden. SPD.- Sportler 15. Bezirk. Donnerstag, 12. Juli, 19% Uhr bei Bamp, Niederschöneweide, Ede Haffelwerder- und Fennstraße, Fraktionsfizung. Parteibuch mitbringen. Neue Menschen, neue Feste! Die nächsten Wochen und Monate werden für die Arbeitersportler reichlich Gelegenheit geben, werbend in die Deffentlichkeit zu treten. Dabei gilt die Werbung nicht der persönlichen Gipfelleistung; sie gilt auch erst in zmeiter Linie dem Mitgliederzuwachs. Die Idee, die gesundheitlichen Nußen und geistige Frische für jeden bringt, steht voran! Dementsprechend wird auch die Ausgestaltung der bevorstehenden Sportfeste vorzunehmen sein. Es sei dabei natürlich die gute Einzelleistung im Turnen, in der Leichtathletik wie auch bei den Schwerathleten meder verfannt, noch vergessen. Doch der bemußt inmitten der Gegenwart wirkende Mensch verlangt gewöhnlich etwas mehr. Das Auge ist heute an Buntheit und Lebendigkeit gewöhnt. Hier hat die Schematisierung nicht die Wirkung wie in der reinen förperlichen Betätigung. Die Gefeße der Spannung und Entspannung finden in einer folden Zeit eine andere Wertung und Lösung als vordem zur Zeit des unumschränkten Individualismus. Das ist auch bei unseren Sportfejten zu berücksichtigen. Der Zeitgeist verlangt Bielseitigkeit und Lebendigkeit in den Darbietungen, das Streben nach gemeinschaftlichem Arbeiten löft auch große ge meinschaftliche Wirkungen in den Feierstunden aus. Go treten Maffenbarbietungen immer mehr in den Bordergrund festlicher Beranstaltungen der Arbeiterschaft. Sei es bei Turnfesten ouf Sportplägen, bei Wassersportfesten oder bei den großen Treffahrten der Naturfreunde: überall findet man Massendarbietungen. Neben Orchestervorträgen, Gesangs- und Sprech hören, stehen Maisenfreiübungen in freiem Stil. Turnipiele mannigfadhher Art, Massenreigen der Radfahrer, Paddler und Schwimmer, Ballspiele auf dem Lande und im Wasser, Volkstänze großen Stils der Jugend und der Wanderer sowie Bewegungschöre im Mittelpunkt der Arbeiterfeste.. Hierfür schaffen Arbeiter- Sportfeste beste Grundlagen. Man strebe also überall neue Festformen an, um in der Arbeiterschaft neue Erlebnisse zu wecken. Ein Ausschluß und eine Erklärung. Der aus der fommunistischen Partei fürzlich ausgeschlossene hauptamtliche Spielleiter int Arbeiter- Turn- und Sportbund, Mar Schulze Leipzig. veröffentlicht in der Freien Sportwoche" vom 9. Juli eine Erklärung, der wir folgendes entnehmen: = Die KPD. hat mich ausgeschlossen wegen parteischädigendem Berhalten. Wie man es auffaßt. Wer die Bartci in der Sportbemegyngregierend machen will, muß allerdings nur die Parolen dieser Partei befolgen. Wer aber der Ansicht ist, daß der deutsche Arbeitersport nur gesunden und groß werden kann ohne politische Einmischung, muß die Einmischung der Parteien in das Organisationsleben ablehnen, ja wenn es fein muß, ihr mit aller Energie entgegentreten. Von dieser Seite habe ich meine Arbeit in der Arbeitersportbewegung von jeher aufgefaßt und immer danach gehandelt. Das werde ich auch in Zukunft halten. Recht eigenartig ist der Ausschluß. Ohne je gehört u werden, wird mitgeteilt, daß Beweise genügend vorhanden find( 3uftimmung zur Resolution, Bundesvorstand) und der Ausfchluß vollzogen sei. Berufung tönne schriftlich oder mündlich zur Weitergabe an die Zentrale erfolgen. Ich verzichte auf eine Berufung. Barum mußte ich der Resolution des Bundesvorstandes 31= stimmen? Beil: Die Arbeit bestimmter KPD.- Genossen im A- 3u. Sp. B. nur fraktionell und parteimäßig aufgezogen wird; endlich einmal Ruhe tommen muß, um unsere Arbeitersportbewegung besser auszubauen und ihr vorwärts zu helfen; die Arbeitersportbewegung viel zu heilig ist, um von unberufener Seite zerstört zu werden. Schulze sagt dann am Schluß seiner Erklärung. daß er die Parteiarbeit im Arbeiter- Turn- und Sportbund nicht deswegen abgelehnt habe, um die kommunistische Partei zu schädigen, sondern um den Bund vor Zerstörung zu bewahren. Er bittet bie Bundesgenoffen, dahin zu wirken, daß die Kommunistische Bartei Don der großen Macht und der inneren Stärke des Arbeiter- Turnund Sportbundes überzeugt wird; das würde genügen, um eine einige Arbeitersportbewegung in Deutschland zu haben! Brandenburgische Jiu- Jitsu- Meisterschaften. Im Rahmen einer Beranstaltung des Polizeisportvereins Berlin trägt der DASB., Freitag, 13. Juli, 20 Uhr, in der Schloßbrauerei zu Schöneberg, Hauptstraße 122/123, feine diesjährigen Brandenburgischen JiuJitsu- Meisterschaften aus Geschäfts- Anzeiger Gebrüder Groh Gegründet 1332 55 eigene Verkaufsstellen in allen Stadtteilen Groß- Berlins 10 eigene Dampfmolkereien Bauhütte 16 Bezirk Süden- Weften. Café Serno Neukölln, Berliner Straße 80/81 Tag- und Nacht- Betrieb von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachts Tag und Nacht Musik [ G. F. 146 Wilhelm Schaale Bindfaden Dachdeckungs- Geschäft Neukölln, Hermannstr. 58 Fleisch- und Wurstwaren bester Qualitäten zu den ill.gsten Tagespreisen.[ G. F. 175 In Berlin m. 3 Berlin- Tempelhof G.m. b. H. Gesellschaft für Bauausführungen aller Art Berlin SW 48, Wilhelmstr. 106 Fernsprecher: Zentrum 3205-3207, 3284 Urnen und 123 Grabdenkmäler Genossen! Unterffügt Cure eigenen Betriebe: Dedi Euren Bedarf an irnen u. Grabdentmälern nur in de Steinmetzhütte, Gemeinnügige G.m.b.6. Baumschulenweg, Kiefholzfir. 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