Morgenausgabe Xv. 325,. o,,■ A166 45�at?r9Qng Wöchentlich LS Pfg� monatlich?.60M. im voraus zahlbar. Postbezug<32 2R. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne« ment k.— M. pro Monat. * Der„Vorwärts" ericheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreuno". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen» Smme".„Technik".„Blick in die ücherweU" und„Iugend-Vorwärts". � W Verliner Voltsblatt Oonnerslag 12. 3uli 1928 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Sit 1 1 n i p a i 1 1 q t Nonpareilltzellt 80 tSfennlg. Rtllamegtile S.— R« ch». mort..Kleine Anzeigen" das!et!g>» oruckie War! 25 Piennlg izulässia zwei 'ettaedruckle Wone),-edes wettere Won 12 vftnnia. Stellengesuche das erste Won IS Pfennig, edes weitere Wort 10 Pfennig, Worte über 15 Buchstaben zählen für twei Worte, Arbeitsmarit Zeile SO Pfennig. FamUienanzeigen für »donnenten geil«<0 Pfennig. Anzeigen» annahm« im Hauptgefchäft Linden» drahe Z, wochentägl. von 89, bis 17 Uhr. Jentralovsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher� Dönhosi LS2— A? Telegramm-Adr,: Sozialdemokrat Berit» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlw S7S26,— Bankkonto: Bant der Arbeiter, Angeslellien und Beamte« Wallstr. Sb, Dislonto-Geselllchast, Depositenkasi« Lindenstr, L Heute Amnestiedebatte. Die Annahme des Gesetzes gesichert. Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssigung steht die Amnestievorlage. Nach den Beratungen und Beschlüssen des Rechts- ausschusfes, über die wir in dar Beilage berichten, ist die Annahme des Gesetzes gesichert. Mit Ausnahme der Bayerischen Bolkspartei werden voraussichtlich alle Parteien der Vorlage zustimmen. Das Gesetz wird also mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden. Dem Rechtsausschuß des Reichstages ist am Mittwoch die Vorloge über den Nationalfeiertag zugegangen. Die Borlage si-ht als zweiter Punkt auf der Tagesordnung der Donnerstag-Sitzung. Ihrer Beratung dürfte insbesondere von deutschnationaler Seite starker Widerspruch entgegengesetzt werden. Abgesehen davon ist in Anbetracht der zahlreichen von der Oppo- sition zu erwartenden Abänderungsanträge technisch kaum die Möglichkeit zur Erledigung des Gesetzentwurfes gegeben. Die Vor- läge des Reichsrates wird deshalb voraussichtlich er st im gerbst zur Be votting gelangen. Die Lohnsteuersenkung. Beratung im Eteuerausschuß.— Heute Beratung im Reichstagsplenum. Am Mittwoch ist, wie wir schon kurz berichteten, ein« E i n i- g u n g über die Frage der Senkung der Einkommen- ste uor erzielt worden. Sie soll noch vor der Sommerpause des Reichstags beschlossen werden. Die Beratung eines entsprechenden Gesetzentwurfs steht bereits auf der Tagesordnung der Donnerstag- Sitzung des Reichstages. Die Einigung erstreckt sich nur auf die Parteien der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Demotraten. Abwartend bzw. ablehnend stehen dem Gesetzentwurf die beiden an- deren in der Regierung vertertenen Parteien gegenüber: die Deut- sche Volkspartei und die Bayerische Volkspartei Der gemeinsame Antrag lag in der Mittwoch-Sitzung des Steuerousschusfes vor. der sich gleichzeitig mit dem kam- m u n i st i f ch e n Autrag auf Aufhebung der Lohnsteuer bzw. auf weitgehenden Abbau zu beschäftigen hatte. Daß die Kommunisten es bei dieser Gelegenheit nicht an heftigen Angriffen gegen die So- ziaidemokrati« fehlen lassen würden, war vorauszusehen, Sie wur- den ober sehr kleinlaut, als ihnen Zlbg. Hertz(Soz.) durch«ine tri- tische Beleuchtung ihres Bündels von Steueranträgen nachwies, daß sie dabei entweder bodenlos leichtfertig oder bodenlos dumm handeln. Durch ihre Anträge würde eine neu« In- flation in riesiegem Ausmaß herbeigeführt werden. Das Jnter- «fsaniefte aber fei, daß die Kommunisten bei den A t t i e n g e s e l l- s ch a f t e n nur eine Erhöhung der Steuerleistung von 20 auf 2S Prozent beantragen, obwohl bis zum Jahre 1923 ein Steuersatz von 35 Prozent geltendes Recht gewesen fei. Die Kommunisten feien also in Wirklichkeit die Schützer des Trustkapitals, Wenn die Sozialdemokratie den vorliegenden Antrag mit dem Zentrum und den Demokraten eingebracht habe, so sehe sie darin nur e i ne Ab- schiagszahlung auf die begründeten Ansprüche der Lohn- steuerpflichtigen auf weitere Ermäßigungen ihrer Steuerlasten und «inen ersten Teilersolg auf dem Wege zu einer grundsätz- lichen, von sozialen Gesichtspunkten getragenen Steuerreform. In der weiteren Aussprache erklärte Dr. Becker(D. Vp.), die Deutsche Bolkspartei wolle sich emer Lohnsteuerseukung nicht ent- ziehen, bestehe aber darauf, daß diese Angelegenheit im Z u s a m- menhang mit den anderen Steuerfragen erst im Herbst behandelt werde. Auch der Abgeordnet« Rademacher, ein deutschnationaler Großindustrieller, sprach ein glattes Rein aus. Die Debatte wird am Donnerstag zunächst im Steuerausschuß und dann im Plenum des Reichstags fortgesetzt werden. Obwohl hinter dem geminsamen Antrag von Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum noch keine Mehrheit steht, wird man mit seiner Annahme rechnen dürfen, da die übrigen Parteien es kaum wagen werden, die an sich berechtigte und in ihrer Wirkung maß- volle Senkung der Steuerlasten aller klemen Einkommensbezieher zu Fall zu bringen. Die in der Regierung vertretenen Parteien haben im Reichstag emen Antrag eingebracht, wonach die Geltungsdauer des Steuer« milderungsgefetzes vom 31. März 1926 bis zum 36. Sep- tember 1929 verlängert wird. Vertagung des Landtags. Nächste Sitzung am 2. Oktober. Der Preußische Landtag hat gestern trotz kommunistischer Ob- struktionsversuche sein Arbeitspensum vor den Sommerserien er- ledigt. Die nächste Sitzung ist für Dienstag, den 2. Oktober, ein- berufen.(Bericht siehe Beilage.) Rettungsanleihe für Bratian«. Die Regierung vor dem Sturz? (Bon unserem Korrespondenten.) Bukarest, im Juli. Nun geht es in Rumänien endlich doch um eine Entschei- dung. Innenpolitisch ist die Regierung schon lange in eine unhaltbare Situation geraten. Durch den Tod des Königs und I o n e l Bratianus starker Helfer und Führer beraubt, durch die von der nattonalzaranistisch-sozialdemokra- tischen Opposition entfachte Massenbewegung in die Enge getrieben, durch die jahrelange Wirtschaftskrise schwer kompromittiert, sah die Regierung der Reaktion ihre einzige Rettung nicht mehr in Gendarmerie und Polizei, sondern in der Auslandsanleihe und der Stabilisierung. Es war ein schwerer Schritt für die liberale Wirtschafts- Politik, zu den im Grunde oppositionellen Parolen der An- leihe und der Stabilisierung überzugehen. Bisher hatte sie auf zwei von dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten und Finanz- minister V i n t i l a Bratianu mit besonderem Fanatismus verfochtenen Dogmen beruht: Wirtschaftsnationalismus und Wiederaufwertung des Leu aus eigener Kraft.„Durch uns selbst�— wie die berühmt-berüchtigte Formel lautete— sollte sowohl die Industrialisierung Rumäniens, die kapita- listische Ausbeutung der Bodenschätze und sonstigen Pro- duktionsmöglichkeiten, als auch die Aufwertung des Leu bis zur Goldparität bewerkstelligt werden. Hand in Hand damit ging eine feindselige Haltung gegen das ausländische Kapital, das— allen möglichen Schikanen ausgesetzt— kaum Eingang in die wichtigeren Industriezweige finden konnte. Wirtschaftliche Drosselung, Kapitalsnot. Staayation und Krise waren die Folgen, Rumänien war nicht imstande, die kapita- listische Entwicklung aus eigenen Kräften oorwärtszutragen. Dann kam die sensationelle Wendung. Die Regierung griff die Parolen der Opposition auf, ließ den Wirtschaftsnationalismus und die Revalorisierung fallen, verkündete die Notwendigkeit der Stabilisierung und der Auslandsanleihe, die— mag sie auch im gegebenen Fall vor allem der Stabilisierung dienen— doch dem ausländischen Kapital Tür und Tor öffnen muß. Dadurch hoffte die Re- gierung die Krise lindern, die Wirtschaft, die heute im Zeichen der Arbeitslosigkeit und der Absatzkrise steht, neu be- leben und die materiellen Ursachen der allgemeinen Unzu- friedenheit wenigstens zum Teil beseitigen zu können. Gleich- Zeitig wollte die Regierung der Regentschaft beweisen, daß ihr Perbleiben notwendig ist und im Interesse des Staates liegt. Aber die Verhandlungen über Anleihe und Stabilisie- rung stoßen auf schwerste Hindernisie. Zwar erfreut sich die Regierung Bratianu der weitestgehenden Unter st ützung Frankreichs, das bei der Anleihe insofern das Haupt- geschäft machen soll, als ihm bedeutende Industrie- lieferungen zugesagt wurden. Abgesehen davon liegt es auch im außenpolitischen Interesse Frankreichs, Ru- mänien— das bereits bedenklich mit Mussolini liebäugelte— unter seinem Einfluß zu halten. Um so komplizierter ist die Lage in England und Deutschland. Die alten Differenzen Rumäniens mit den Besitzern ungestempelter rumänischer Rententitel sind noch nicht erledigt. Das englische Petroleum- kapital hat besonderen Grund, mit der nationalistischen Wirtschaftspolitik der Liberalen unzufrieden zu sein und auf weitgehende Konzessionen zu drängen. Deutschland ist an einer Erschließung des rumänischen Marktes für seine Industrieprodukte interessiert und hat überdies mit Rumänien besondere Streitfragen, die vor allem aus den R e p a r a- tionsverpflichtungen resultieren. Die so der Re- gierung Bratianu gestellte Aufgabe ist um so schwieriger, als es nun in kurzer Zeit feit Iahren angehäufte und durch die Hartnäckigkeit der Liberalen immer wieder verschärfte Kon- flikte beizulegen gilt. Mag auch die Anleihe an sich— unter drückenden Bedingungen freilich— auch etwa nur durch französische Vermittlung zu erzielen sein, so erscheint doch die Stabilisierungsaktion ohne die Beteiligung der führenden Emissionsinstitute Europas ernstlich bedroht. Tatsächlich hat der ergebnislose Abbruch der vor mehreren Wochen in Berlin gepflogenen deutsch- rumänischen Verhandlungen sofort die Stabilisierung in Frage gestellt und in London, Zürich und Amsterdam, ja sogar in Paris merkliche Reserve verursacht. Die rumänische Presse ist seither voll der widersprechendsten Nachrichten über Verlauf und Aussichten der Verhandlungen. Aber in dem einen Punkt herrscht Einigkeit: Von der Anleihe und der Stabilisierung hängt letzten Endes das Schicksal der Regierung ab. So ist das Anleihe- und Stabilisserungsproblem zum wichtigsten Problem der Innenpolitik Rumäniens ge- worden. Da es sich nickt um reine Wirtschaftsfragen, sondern' um die Rettung einer Regierung und eines Systems handelt, die von den Massen des Volkes ebenso leidenschaftlich abgelehnt werden, wie sie den Notwendigkeiten der ge- sellschaftlichen Entwicklung widersprechen, so ist sich die ge- samte Opposition darin einig, daß die Anleihe und die Sta- Die Malmgreengruppe gefunden! Durch einen russischen Flieger aus dem Eis entdeckt. Nie die Telcgraphenagentur der Sowjetunion meldet, entdeckte bei einem Eickuadungsslug der russische Sieger T s ch u ch- n o w s k l 86 Grad 42 ZNinvkcu nöidllcher Breite, 25 Grad 45 Akt. nuten östlicher Länge. 26 Meilen östlich von der„ftrassin" die Malmgreengruppe, von der zwei Manu mit Fahnen winklen und der drille in liegender Stellung oerharrte. Tschuch- nowski sucht nach einem Landungsplatz. Nach einer Mitteilung der italienischen Gesandtschast in Oslo sind die Gerüchte von dem Tode Ceccionis nicht zutreffend. Hoffentlich stimmt diese Meldung. Man weiß freilich nicht, woher diese Weisheit der faschistischen Bertrctung in Oslo stammt. Große Freude in Oslo. Oslo. 11. Juli. Der Bericht des russischen Fliegers Tschuhnowski. über die Auffindung der Gruppe Malmgreen, ist hier mit großer Freud« auf- genommen worden. Der schwedische Meteorologe Malmgreen ist in Norwegen durch seine Teilnahme an Amundsens Rordpolexpedition mit der Maud und an dem Polslug der Rorge allgemein bekannt. Der Polarforscher Otto Sverdurp erklärt in einem In- terview, falls sich die Gruppe Malmgreen wirklich in so kurzer Entfernung von dem russischen Eisbrecher Krossin befinde, so sei sicher, daß sie gerettet werden könne, vorausgesetzt, daß die Kohlen- Vorräte des Krassin ausreichen. Die Lage der Gruppe Dig- l i e r i müsse allerdings Besorgnis erregen, um so mehr, als der Krosstn möglicherweise die Adventbay anlaufen müsse, um seine Kuhlenoorräte zu ergänzen. Sverdurp erklärte, er glaube nicht, daß der Krassin die Gruppe Blglieri rechtzeitig erreichen werde, wenn er seinen jetzigen Versuch aufgebe und auf dem Wege durch die Hinlopenstraße und längs der südlichen und östlichen Küste des Nordostlandes vorzudringen versuche. Der dänisch« Polarforscher Peter Freuchen hat sich dem „ffkstrabladet' gegenüber dahin ausgesprochen, daß die ita- lienische Regierung ihn zu spät um Hilfe für die„Italia'-Mann- schaft gebeten habe. Jetzt könne von dem Erfolg einer Fußexpe- ditton gar nicht mehr die Rede sein. Nobile habe zweifellos außer- ordentlich leichtsinnig, ja schlimmer gehandelt. Wenn es richtig sei, daß er gegen besseres Wissen falsche Berichte gegeben habe, um unangenehme Tatsachen zu verschleiern, so trag« er auch d i e Schuld an dem Untergang Amundsens und seiner Be- gleiter. Er, Freuchen, sei der festen Ueberzeugung, daß Amundsen sich von Tromsö aus sofort aus die Suche nach der .Italia"- Gruppe begeben hob«. Natürlich habe er diese Gruppe nicht finden können, da das Luftschiff damals schon längst verbrannt gewesen sei. Dieser Umstand scheine Nobile b e- könnt gewesen zu sein: doch habe er ihn wochenlang oer- schwiegen. Di« schwedischen Flieger halten eine Rettung der Italiener, die sich in ziemlich ungünstiger Lag« befind«! für u n m ö g- I i ch. Der Radiotelegraphist, der auf der Bäreninsel Dienst hatte, als G u i l b a u d und Amundsen den Flug antraten, von dem sie bisher nicht zurückgekehrt sind, ist in Tromsö eingetroffen. Seinen Schilderungen wäre zu entnehmen, daß das Flugzeug Latham, das man lange Zeit in den Gewässern um die Bären- i n s e l gesucht hat. sie gar nicht erreichte. Die Großen Vier von Peking. Erweiterung ver Oauerkon erenz. Tokio, 11. Juli.(Agentur Indo-Pacifique.) Die maßgebenden Persönlichkeiten der Finanz, des Verkehrs- wesen» und des auswärtigen Dienstes der Nanking-Regierung sind aufgefordert worden, ssch der Konferenz der„Vier Großen" Vensit- schon, Fengyusiang, Tschiangkaischek und Litschaisam anzuschließen. Die Konferenz wird auf diese Weise zu einer Art Zentralrat der Regierung erweitert. bllisierung nicht durch di« gegenwärtig« Regierung abge schloffen werden dürfen. Sowohl die na�onalza�anistische Partei, als auch die Sozialdemokratie stehen geschlossen auf diesem Standpunkt.' Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so ist ker»e, aber gar keine Aussicht vorhanden, daß die von der Regierung im Ausland gepflogenen Verhandlungen— man, spricht auch von der Wiederaufnahme der Verhandlungen flüt Deutschland zu einem günstigen Abschluß kommen. Nach ist aller- dxngs ein Aufschub bis zum Herbst möglich. SÄ«n beginnt die regienmgs freundliche Presse anzudeuten, daß die Verhandlungen ausgeschoben werden durften, da die maßgeben- den Personen der Finanz und der Polstik in Urlaub gehen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und es gidt Leute, die mit Sicherheit behaupten, daß die Regierung nichts ün- mal einen Aufschub überleben könnte, zumal Pe in nächster Zeit mit ziemlicher Sicherheit auch mit der De» Mission des Außenministers T i t u l e s c u, also mit otner Regierungskrise von innen heraus, zu rechnen hat. So nähert sich die Schicksals stunde der Regie- r u n g B r a t i a n u. Europa aber, das Europa der Demo- kratie und des Sozialismus, sollte es sich ins Gedächtnis rufen, daß eine Anleihe und die Stabilisierung keine, chilfe für Rumänien und das rumänische Volk bedeuten, sondern nur eine Rückendeckung für die erbärmlichste Regierung, die es je in Rumänien gegeben hat. Merkwürdiges Nachspiel in Paris. Die Verhandlungen über die rumänische«EtofnlifkninjjMnleiljc haben unmittelbar vor Schluß der parlamentarischen Session Anlaß zu einem Aufsehen erregenden Zwischenfall gegeben. Der neue radikale Abgeordnete Bergery wollte den Minister- Präsidenten und Finanzminister P o i n c a r 6 über diese Anleihe- Verhandlungen interpellieren, die, wie er erklärte, stiir die srainzösischen Sparer eine Gefahr darstelle. Denn die rumänische Nationale Bauernpartei habe schon jetzt erklärt, daß sie etwaige Anleihen, die von der gegenwärtigen Regierung abgeschlossen würden. nicht anerkennen kBanle. Man müsse dabei an die verloren- gegangenen 8 Milliarden französischen Sparecgelder erinnern, die einst dem Zarenregime geborgt wurden, trotz der feierlichen Alornungen der russischen Sozialdemokraten und der sranzäsischen Sozialisten, insbesondere von Ja u res. Bergery fügt« hinzu, daß diese Anleihe weniger für den Wiederaufbau Rumänien» als für die Konsolidierung einer Regierung Derweickmug finde, die nur den, Namen nach„liberal" fei. Er schloß mit den Worten, daß Frankreich an dieser Anleihe nur teilnehmen dürfe, wenn sie von mehreren Stoaieu gleichzeitig aufgelegt würde, wodurch«ine international« Kontrolle gesichert wäre, widrigenfalls Frankreich lediglich I n d u st ri r kr«di t« gewähren sollte, wo- durch ein politischer Mißbrauch der Summen verhindert werden könnte. P o i n c a r e erwidert« zunächst in ruhigem Tone, daß es in Frankreichs Interesse läge, wenn die Anleih« nicht ausschließlich von anderen Staaten aufgelegt würde. Selbstverständlich würde Frank- reich nur zusammen mit anderen Staaten die Anleihe gewähren. Im übrigen habe Bergenz«ine„Unkorretthrit" begangen. Indem er eine fremd« Regierun gangegrifsen hätte. Aber er„kenne di« Gründe", die Bergerq bewegten. Di�e dunkle Andeutung war dos Signal zu«inem außerordentlich heftigen persönlichen Zwischenfall zwischen dem Interpellanten und dem Ministerpräsidenten, bei dem dieser sich derartige Eni- Ältisüngen zuschulden kommen ließ, daß allgemerner Tumult entstand. Bergery forderte Pomrore ouf. seine Redensart näher M erläutern. Poi ncar« antwortete, Bergerv habe chm selder gchagt. daß er im Namen der rumänischen Bauernpartei interveniert sei. Bergery erwiderte, das sei richtig, aber dieselbe Deleoatim Ijabe auch bei Poinearä vorgesprochen. Darauf P o i n c o r ä:„Ülctn, diejenigen llllitglicder her Bauer»- Partei, die ich empfangen Hab«, unterstützen die jetzige rumänl» ich« Regierung."(Es handelt sich also um die Anhänger de» Ar- beitsministers Lupu, eines Abtrünnigen der Dauernpart«, mährend Bergery mit einer Delegation der eigentlichen— oppositionellen — Bauernpartei Maniu» gesprochen hatte. Red. d. �Lovwärt»".) vnter leWzaflem Protest der Sozialisten fügte Poincare hinzu:„Ich wundere mich, daß Sie mit einer solchen Leichtfertigkeit eine Frage der auswärtigen Politik hier behandeln. Aber ich kenne Sie: Sie waren ja mein Mitarbeiter in der Reparationskommffsio» und Sie sind ein Meister in der Zkunft, die Tatsachen zu»er- drehen." Heftige Zwischenruf« der Linken beantworteten diese» Ausfall des Ministerpräsidenten. Die Kammer wich immer nervöser. Bergery fordert Poinrarc auf, di�e Beleidigung zurückzunehmen. Statt dessen antwortet Poincarä mit einem Sech, der bei dm Abgeordneten Bestürzung und Entrüstung auslöst: „Sie können mir Ihre kartellträger schicken(1!). Und im übrigen hat mich Herr Bergery einst gebeten,«st» er zum ersten Male Heiratete, sein Trauzeuge zu sein(!!!)" Jetzt bricht ein Sturm der Empörung bis weit a» die Rechen der Regierungsanhänger gegen diese unglaubliche Bemer- kung des Miiiisterpröfldenten los. Bergery antwortet sehr kühl:„Ich rufe da» Parlament zmn Zeugen auf. wie mein Privatleben in diese Debatte hinein- gezogen wird und frage, welcher Zusammenhang zwischen meiner Interpellation und dieser Anspielung besteht." Wenige Minuten später verlas Poincart das Dekret über die Vertagung der Kammer bis zum Herbst,- dadurch war der äußerst peinliche Zwischenfall beendet. Aber noch in den Wandel- gangen erklärte der Ministerpräsident, e» würde sich bei ein«» D u e l l schon zeigen, wer von den beiden der Jüngere sei.(Poincare ist um 30 Jahre älter als Bergeryl) Zur Erklärung dieses rätselhaften Vorganges sei bemerkt, daß Bergery früher einen wichtigen Posten in der Reparation»- k o m in i ss i o n innehatte, als Poincare deren Vorsitzender war. Nach Poincarcs Sturz im Frühjahr 1924 wurde Bergery Kabt- n« t t s ch c f von H« r r i o t. Das scheint ihm Pomcarä nicht ver- ziehen zu fzaben. Aber noch mehr durfte der Ministerpräsident, der gegen olles Bolschewistische eine fast trankhaste Abneigung hat, seinem ehemaligen Mitarbeiter verargen, daß er sich hat scheiden lassen,.um eine Tochter de, früheren Botschafters in Pari» Kr a s s in zu heiraten. Der ganze Zwischenfall, desien Ausgangspunkt die rumänische Anleihe war, hat in den politischen Kreisen Frankreichs den für Poincare denkbar ungünstigsten Eindruck hinterlassen. Sozialpolitik vor allem? Das Programm des neuen Arbeiisministers. Die Hamburger Phosgenkotastrophe ist, wie die britische Regie r u n g im Oberhaus mitteilte. Gegenstand d i p l o m a- lisch er Erörterung mit Frankreich. -. Französischer Posten nnoeschc.sien. In Landau(Pfalz) würde ein Soldat, der vor der Kaserne Paste» stand, von drei Schüsse» getroffen. Toter sollen zwei Radfahrer sein, nach denen man fahndet. In einem Preff«empfang führte Reichsarbettsmlnister Genaffo W i f f e ll u. a. au«: In der Regierungserklärung vom 4. Juli beansprucht die Sozialpolitik einen nicht geringen Raum, obwohl auf Einzelheiten naturgemäß nicht eingegangen werden tonnte. Die Sozialpolitik der Nachkriegszeit ist eines der wichtigsten Problem« unserer inneren Politik, dos weit Über die Grenzen unseres Landes hinaus wirkt. Die Reichsregierung wird das bereits vom Reichsrot verab- fchtedete Arbeitsschutzgesetz alsbald dem Reichstag vorlegen. Barher wird der Entwurf noch einmal d« Reichskabinett beschäftigen. E» wird dabei besonder» zu prüfen haben, ob die Regelung der Ardeltszeit, di««in Haupt- stück des Entwurfs bildet, noch strenger als bisher dem Washing- inner Abkommen angepaßt werden soll. Ferner wird sich da» Ka- binett mit der Ausgestaltung der Arbeitsaufsicht befassrn. Zur Ergänzung de« Arbeitsschutzgesetzes wird der Entwurf eine» Bergarbeit» gefetze» vorgelegt werden, da» der Eigen- ort des Bergbaues, besonders der erhöhten Unfallgefahr unterTage Rechnung trägt. Die Reichsregierung beabsichtigt die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über de» Achtstundentag. Sie wird bemüht sein, di« durch da» RevisionsdegeHren Englands entstandenen Schwierigkeiten zu beheben. Mit dem Inkrafttreten des Arbcitsschutzgesetze» kommen die Grundsätze des Abkommens in Deutschland zur Durchführung: die Ratl- fizierung hat lediglich zur Folge, daß Deutschland Völker- rechtlich daran gebunden ist. Die Seemannsordnung oorn 2. Juni 1902 wird dem neuen Arbeitsrecht angepaßt werden und ein« Sonderregelung der Arbeitoverfassung und der Arbeftsgericht»da rteit für die Seeschiff- fahrt bringen. Zum Entwurf eines Gesamtvertragsgesetze«, das neben dem Tarifvertrags recht auch dos Betrieb« vertragsrecht enthalten wird, find schon umfangreiche Porarbeiten geleistet worden, ebenso für ein allgemeine» Arbcitsoertrazegesetz. Mehrfach ist in der Oeffentiichkeit in letzter Zeit eine Reform des Schlichtungswesens verlangt worden. Als ehemaliger Schlichter verfolge ich diese Kritik mit besonderer Aufmerksamkeit. Berschiedene Pressestinnnen haben au« den von mir im Jahre tNIV und später vertretenen Auffassungen über die organische Gestaltung der deutschen Wirtschaft Schlußfolgerungen gezogen, dahingehend. daß nun wohl die Politik des staatlichen Zwangseingriffs in die Lohn- und Arbeiteverhältniffe, die mein geehrter Herr Bargänger angeblich begünstigt habe, ein Ende finden würde. Das ist doch nicht richtig gesehen. Ich hoste natürlich meine Ausfassimg durchaus aufrecht, daß Selbstverwaltung und Selbstbestimmung in möglichst weitem Umfang jedem staatlichen Zwange V 0 r z u z i e h e n ist. Die selbständige Dertragsschaffung durch die Parteien des Arbeitslebens, notfalls unter Zuhilfenahme non ihren vereinbarten Schlichtungsorganen, ist der staatlichen Bertrag?- bilf« durch Schlichtungsbehörden vorzuziehen. Nach der geltenden SchNchtungsverordnuvg haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer in vollem Umfang di« Möglichkeit, das Arb-iteverhÄtnis selbst durch Gesamtvereinbarungen nach ihrem Willen zu gestalten. In je höherem Maße sie da? tun. um so staber wird mrr dos fern. Der Staat hat aber auf Grund der Reichsoerfasiung waiter die Per- pflichtung, die Regelung der Arbeiteverhältniffe durch Gesamt- Vereinbarung auch dort zu fördern, wo die Parteien mit dieser Aufgabe allein nicht fertig werden. Darauf beruht die staaMche SchOchtang als fttstc zum Abschluß von Gesamtvereinbarungen. Auch sie läßt den Parteien noch weiten Raum MM eigenen ver- antwortlichen Handeln. Nur dort, wo keine Aussicht mehr besteht, daß sie ihr« Aufgaden lösen können, wo ober andererseits di« All- gemeinheit nach der wirtschaftlichen oder nach der sozialen Seit« durch den Mangel einer vertraglichen Regelung des Arlxitsoerhält. niffes Schaden nehmen kann, hat sich der Staat vorbehalten, den unter Mitwirkung der Parteivertreter vorgeschlagenen Vertrag durch Derbindlichkeitserklärungin Kraft zu setzen. Daß et« solches Ewgreifen des Staates dem Volks willen ent- spricht, zeigt«in«instimmiger Beschluß des vorigen Reichstags, der den Reichoarbeitsmimster aufforderte, von der Der- Kindlichkeit serNänmg überoll dort Gebrauch zu machen, wo da» Zustandekommen einer fveiwiMgen Regelung am gnindfaszstcheu Tarif- nnwillen«wer Partei scheitert.— Ernsthafte Borschlöge zur De- seitigung von Mißständen werde ich stets prüfen amd auch den Be- Gelegenheit geben, solche Vorschläge an mich heranzubringen. Der Gesetzentwurf über die Beschäftigung in der Hauswirt- fchaft liegt bereite längere Zeit dem Reichsrat vor. Wenn auch dieser Regelung sicher gewiffe Schwierigkeiten entgegenstehen, so darf da» doch nicht dazu führen, auf einen gesetzlichen Schutz für diese wichtige Arbeitnehmergruppe zu verzichten. Ich bin überzeugt, daß die Schwierigkeiten zu überwinden sein«erden. Der Entwurf ist als vorläufiger Reserentenentwurs vor kurzem veröffentlicht worden. Er wird jetzt im Ministerium weiterbehandelt und die Grundlage zu Anträgen der Reichsregierung bei der Weiterberatung de, dem Reichsrat vorliegenden Gesetzentwurf» sein. Der Sozialpolitische Ausschuß hat gester«»erfangt, daß stte Krisensürsorg« generell auf 39 Wochen ausgedehnt wird. Diese Frage wird da» Kabinett noch beschäftigen muffen. Bei der Durchführung aller dieser Maßnohmen werde ich mich von der Erkenntnis leiten lasten, daß die Loge der Erwerbslose». vor altem derer, di« bereits seit längerer Zeit ohne Befchäftigunz sind, besonders hart ist und alle verantwortlichen Stellen verpflichtet, nichts unversucht zu lassen, um das Los dies« von, Schicksal schwer betroffeneu Volksgenossen im Rahmen des Irgend- möglichen zu erleichtern. Die Forderung auf Verbesserung der Kleinreninerhilse teile ich. Li« Re�Keregierung hat auch in ihrem Programm als Ihren Willen bekundet, tue Klein- rentnerhitse auf ein« von dem Ermessen der örtlichen Fürsorge- stellen unabhängig« gesetzliche Grundloge zu stellen. Es fit ausgeschlossen, ein Rentneroersorzungegesetz auf der Grundloge auf-- zubauen, daß die srühcren Besitzer großer Kapitalien u n v« r- hättnismäßig hohe Renten erhakten, während �die Be- sitzer kleinerer Kapitalien aber ganz oder zum größten Teil leer ausgehen. Man wird von mir nicht verlangen können, daß iß schon heute im einzelnen Art und Form angebe, in der die Regie- rung ihr Versprechen erfüllen wird. Ich werde mich aber, wie ich nochmals betone, dafür einsetzen, daß diele Zusage erfiillt wird. Auf dem Gebiete der sozialen Versicherung wirb die Rationalisierung der Reichsversicherung ein« der nächsten Aufgaben sein. Die anerkannten Regeln der Betriebswirtschaft müiscn auch die Soziolo-rsicherung durchdringen. Dabei Ist die Erhaltung der Selbstverwaltung selbstver- ständlich. Di« Sachleistungen müssen besonders aus dem Ge- biet der vorbeugenden H e t l v« r so H re n uich der Unfall- Verhütung ausgebaut werden. Beabsichtigt ist die A u« d e h- nung der Unfallversicherung auf noch nicht versicher,« Berufskrankheiten, wie Schädigungen durch Kohlenoxyd. durch Schwefelwasserstoff, durch Mangan, durch Sandsteinstaub und durch Thamasschlackcnstaub. ferner die Staublunge der Bergarbeiter, Hauffchädigungcn durch Pech, Teer und Anthrazev. Gestern ist dem Reichstag ein Gesetzentwurf zugegangen, der die Unsallversichcrunz auf Feuerwehren und Lebensretter. Krankenhäuser und öhnluh« Aifftalten, wie Rönkgenbetriebe, Laboratorien. Schauspielunternehnnmgen und Lichtjpielbetriebe ans- dehnen will. Geprüft wird, ob noch weitere Ausdehnung erfolgen soll, z. B. ans die.Kleinbetriebe in Handel und Gewerbe, besonders Gast- und Schonktvirtschasten. Denrnächst wird eine Verordnung ergchen, welche die Perffche- rungspslicht grenze in der Angestelltenvcrsichcrung erweitert. Das Ziel des landwirtschaftlichen SIedlungs- Werkes, ein« gesunde Verteilung der Bevölkerung und ihrer einzelnen Gruppen zwischen Stadt und Land zu erwirken, kann nur erreicht werden, wenn zwischen dem Reich und den Ländern besser, Zusammenarbeit erfolgt. De .Kosten der. Siedlung müssen gesenkt werden, denn die geeignetsten Siedsirngsboworber' sind Kleinbauern und Landarbeiter. Die Aufwendungen- für die Kriegsäpferversorgung<» Hohe von 1H Milltetden Mar» bilden eine« der größten Ausgabeposten- Im Re'chshsusholt. Dia letzte Rdvell« Hot in erster Lima dl« Besch ad,,t«!W varsorgung ausgestaltet C» wird daher setzt vdr allem geprüft wertem. Multen, ob und inwieweit die Versorgung der Hinter. blieben«» verbessert»erden kann. Ich denke hierbei tn»besvn» der« an die alleinstehenden erwerbsunfähigen W' t- we n sowie an die Eltern, die nur aus Renten und Zusatzrevten angewiesen sind. Den Wünschen der Dersorgungsberechtigien, die Zusotzrente in voller Höhe in die Rente einzubauen und so da» Bedürfnisprinzip an» der Versorgung zu entfernen, wird, solange das Reich nicht wesentlich mehr Mittel zur Verfügung stellen kann, wohl kaum«it. sprachen werden können. Hingegen wird geprüft werden, od und inwieweit ein Abbau der Zusotzrente in Frage kommen und so da» Verhältnis zwischen Rcntc und Zusotzrente zugunsten der erster«» verschoben werden kann. Was den Verkehr zwischen Dersorgungsdienststellen und 55er. sorgungsberechtigien anlangt, so habe ich alsbald noch meinem Amtsantritt den Behörden meine Aussassunq von dem sozialen Empfinden kundgegeben, da» sie den Sricgsbeschädiglen und krtegerhinter- bliebeven gegenüber in dt« Tat umzusetzen haben. Ich hob« den seinerzeit lebhaft begrüßten Erlaß meines Amtsvor» gänger» über diesen Verkehr eindringlich in Erinnerun,? gebracht und die Erwartung ausgesprochen, daß die Arbeit der Behörden von dem Bewußtsein ihrer hohen sozialen Aufgoben ge- trogen werde. Selbstverständlich hängt di« Ausführung dieses groß- zügigen Programms zeitgemäßer Sozialpolitik zum großen Test davon ab, daß die Mittel dafür vom Reichstag bewilligt und wirklich aufgebracht«erden i dafür ist«ine der wefsnt- lichsten Bedingunaen natürlich, daß Deutschland von einer neuen Wirtschaftskrise verschont bleibt! Ein Märtyrer des Sozialistengesetzes. Letzter Gang eine« alten Parteiveteranen. Im Krematorium Gerichtstraße hatte sich gestern eine zahlreiche Trauergemeindc eingefunden, um dem Genosicn Karl Iohcmn Behrend die letzte Ehr« zu erweisen. Bom Bezirksvorstand der Groß-Verliner Parteiorganisation waren anläßlich der Verdienste des Genossen Behrend' um die Arbeiterbewegung während der schweren Zeit des Sozialistengesetzes und in den nachfolgen- den Iohren drei Vertreter erschienen. Nachdem der Redner der Freidenker-Organisötion den, Genossen Bchrend Worte des Abschieds nachgerustn hatte, sprach im Namen des Berliner Bcztrksverbandes Genosse Reichstagsabgeordneter Franz Künstler. Karl Johann Behrend. so führte er aus, hat dem Sozialismus in der schwersten Zeit die größten Dienste geleistet und wurde deswegen van der Polizei durch ganz Deutschland gehetzt und seiner Familie entrissen. Die Portes zollt Karl Johann Behrend um so mehr Dank, als er der Partei jahrz-bntelang die Treue hielt und stets iür deren Ideale eingetreten ist. Die jüngere Generation wird die Berdtenfte des alten Kämpen stets zu schätzen wissen und sein Andenken für alle Zeil in Ehren halten. Unter den Klängen des ollen Lied«.Ein Sohn des Volkes" sank die sterbliche Hülle unseres allen Genoffen in die Tiefe, um den Flammen übergeben zu werden. Man spricht von Spaltung. Oer parteikrach bei den Oeutschnationalen. Die deulschnational« Presse im Lande straft die Be- ruhigungsversuch« der deutschnationalen Pressestelle Lügen. DI«„Vraunfchweigische Landeszeitung" schreibt: „Die Entscheidung über die Führerkrisi» ist vorläufig dt» zum Herbst vertagt worden, dach wird inzwischen der Partei- vorstand obermal- zus a m m»ni retan. Dte Vertagung W« zum Herbst gilt allgernein mrr als«in vorläufiger Aus- meg. Nach Aufsiiffung vieler angesehener Porteimitalteder ist eine Spalt u n g kaum zu vermeiden." Diese Pressestimmen offenbaren eine Niedergeschlagen- heit und Nervosität, die deutlich erkennen läßt, wie stark die Deutschnattonolen den Glauben an sich selbst und ihre Zu- kunst verloren haben.>>>> r. « ö* b«s gege. jaftet [ usj cgen M l liitf r tf" t!?< b(� tf nFikriegspaki-Aniwori überreicht. Veröffeatlichuag am Freitag. Dis Antwort dor deutschen Regierung aus die letzt« am«- ii anische Note vom 23. Juni d. Äs. über den Abschluß eines Üernationslen Paktes zur Aechhmg des Krieges ist gestern dem »erikanischen Votschafter überreicht morden. Di« Note wird keitag verösfeiMcht werden. rankrsichs Antwort: Aufrechterhaltene Vorbehalte Die französische Antwort aus di« letzte Kellogg-Note hat Mittwoch dl» Billigung des Ministerrates gesunden. fanfreich stimmt darin im Prinzip dem letzten Friedenspakt- Uschlag der Vereinigten Htoaten zu. hält oder nach wie vor sein« »rbehalt« bezüglich des Dülterbundes, der La- >rno.D«rtrög«, des Rechts auf legitim« Verteidigung und der re- ionalen Sicherhsitsoerträg« aufrecht. Ehamberlain im Kreuzverhör. tondon. 11. Juli. Im Unterhaus erklärte Chambsrlain auf verschieden« foim J11 ihn gerichtete Anfragen über den amerikanischen Kriegsächtung» brik- ltfi: Ich hege die zuverficht li che Erwartung. d«ß ich Sou- der Loge fem werde, die Antwort der britischen Regierung vor nde der Parlamentstagung(das ist etwa am Z. August) 1926 übersenden. Der Gedalikenaustaltsch mit den Regie- ein« �ngcn der Dominions und Indien testcht weiter, ich be- iege aber mit ollem Nachdnnk. daß diese kein« Verantwor- zäre-»na für irgendeine Verzögerung tragen. üsch-.Yierouf richtete der Arbeitenllhrer Wc dg wo od folgende Man lcher ,erke ihr-' ESZ «iU5 geif me* �ort« an Ehamberlain: Darf ich eins deutlich« Frage an Sie 'eilen? Wollen Sie diesen Dorschlog zum Scheitern bringen, indem u« aus Ihren Vorbehalten bestehen? Ehamberlain er- »idert«: Ich beabsichtige nicht, diesen Vorschlag zum Scheitern zu ringen. Ich begrüß« den Vorschlag und wünsche ihn zu einem rsolgreiche« Abschluß z» bringen. Vedgwood fragte El)a>nbcrlain darauf, ob er, wenn er auf -inen Vorbehalten bestehe und dadurch die Unterzeichnung des Vertrages verhindere, die Verantwortung für die Zerstörung iescr Aussicht auf Weltfrieden übernehme. Das Arbcitermitglied turtle stellte sodann die Frage, ab, wenn die Dominions nicht ür die Verzögerung verantwortlich feien, die nicht erzielte lieber- instimmung mit der französischen Regierung an der Ver° ögeruirg schuld sei. Diese Bemerkung loste bei der gesamten Oppo- uns ition Beifall aus. Ehamberlain antwortete: Nein, die Ursache der Verzögerung st die s o r g s 2 l t i g« Erwägung, die die britische Negierung >nem Dorschlag von solcher Bedeutung zuteil werden zu lassen, Iteu für notwendig hält, flenworlhy erklärte: Dann ist Ehamberlain für imß-'e Verzögerung verantwortlich. Ehamberlain antwortete: Ja. ich bin für die Verzögerung ver- bbtworklich. Ich gebrauche dos Wort„Verzögerung" im Sinne der für«in« fargsältig« Erwägung erforderlichen Zeit. mel achi Iber Inf' iiriv tag- strie zuut in- nit dm» der »nq nst- b» Mi b«°> ö«r zs« d«e mifl zev. i n' Ä Sf' in !öt Die tat- >bei das >cr- :rt n- foft Wv der iel- mj reit Vor der Begnadigung der Auionomisten 3vm 14. Zuli.— Oer Fsll Oaudet u«d der Fall Ooriot- Vari«. tl. Zu». tEigenberichl.) ver Wtai st erra k beschloß am Mittwoch im Prinzip die v e- »« adl ga« g der elf S s fisch« n Aula« am ist t n Posse, KW- bcholl und Zaßhaver. Sie soll anläßlich de» volianalieiertaAes im 14. Zu» durch den Präsidenten poumergue«lassen werden. Kleber die Begnadigung de» Führer» der.Aetion Frangoise". t ö o n Daudet, der sich als Alüchtstng in Brüssel aushält, ist noch kein Beschluß gefaßt worden,«siezen seine Begnadigung«heben sich "»n den verschiedenste« Selten Widerstände da dann«ruch der stowmltmist So tief begnadigt werden müßte. V« Kommunist BotCo» soll nicht begnadigf werden. Oesterreich— der Bettler Europas. In England gibt man die Wahrheit zu. toudov. 11. Juli. sEigenbericht) Dar„Manchester Guardian" veröffentlicht einen Artikel, in dem er sich für den Aufammenschluß von Deutschland Und Oesterreich«insetzt. Oesterreich sei total zerstückelt und 'ebensunsähig. Es sei auf die Barmherzigkeit der anderen Mächte angewiesen,«eil sein Defizit nur durch Ausländsanleihen gedeckt«erden könne. Oesterreich werde zum Bettler Europas herabgewürdigt und es gebe nur ein« Lösung: die Verein!- Süng mit Deutschland. Der Koiau vor den Würgern OeutfchsüdtirolS. Wien. 11. Juli.(Eigenbericht.) Der Hauptausschuß des österreichischen Nationolrots befaßte sich am Mittwoch mit dem Verhältnis zwischen Oesterreich und Italien. Tin Antrag der Sozialdemokraten, die Politik des Bundeskanzlers Eeipel zu mißbilligen, wurde unter Annahm« eines Villigungs- antrage? abgelehnt. pangalos freigelassen. Eine der ersten Itegiernngshandlvngen von Venizelos. Athen. 11. Juli.(Eigenbericht.) Der früher« griechische Diktator Pangalos, der sich seit ?? Monaten in Haft befand, ist in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch auf Anweisung des neuen Ministerpräsidenten Veniz«- > o z auf f r e i e n F u ß gesetzt worden. Die n«uc Kammer wird bei ihrem Wiederzusaimnentritt am 17. Sepiember darüber zu entscheiden haben, ob dem Diktator noch der Prozeß gemacht werden soll oder nicht. Die russische Rokschast dementiert selbstverständlich, daß der ver- hastete Dr. Ludwig für die Sowjetunion spioniert und mit. shrer Vertretung In Verbindung geständen habe, und daß der irühere Militärattache L u n j e s s wegen dieser Affäre abberufen worden sei. Verlängerung des Steuermilderungsgefeße». Die Regierungs- Parteien haben im Reichstag einen Antrag eingebrocht, wonach die Tsltungsdauer de? Steuermilderungegesetzes vom 31. März 1026 bis Sum 30. September 1920 verlängert wird. Wellkorrefponden, nennt sich eine zu Paris in ungewöhnlich feiner Ausstattung erscheinende Aaitnngskorrespoiidenz in deutscher Sprache. Sic bringt zahlreiche Verdächtigungen und Hetzereien liegen Deutschland— man weiß also, was für«ine Bewandtnis es wit dieser trüben Lichtquelle hat! Meine Herren? Bei der großen Notlage unseres deutschen Volkes ist die Schaffung eines Nationalfeiertages für uns untragbar! Verbesserte Knsenuuterstühung. Die Ausschußentschließung vor dem Reichstag. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung stand als erster Punkt der Einspruch des nationalsozialistischen Abg. S t r a s s e r gegen seinen Sl u s s ch l u ß v o n d e r 6. P l e n a r- s i tz u n g. Vor Eröffnung der Sitzung hatten nationalsozialistische Abgeordnete den von einer Privotdruckerei gedruckten Einspruch in dem vom Präsidium zurückgewiesenen Wortlaut im Hause und guf der Iournalistentribüne verteilt. Präsident Lobe hatte die im Saale verteilten Zettel wieder einsammeln lassen. Abg. Dr. Frick(Nat.-Saz.) protestiert gegen die Wiederein- sowmlung. Präsident tobe erklärt dazu, jahrzehntelang seien solche Ein- spräche ohne Begründung zur Entscheidung gebracht worden. Ini Jahre 1926 sei vom Aeltestenrat mit Zustimmung oller großen Parteien, auch der Doutschnotionalen. ausdrücklich beschlossen worden, daß solche Einsprüche ohne Begründung erledigt werden. Abg. Dr. Frick(Nat.-Soz.) beanträgt nunmehr, den Wortlaut des Einspruchs zur Verlesung zu bringen. Dieser Antrag wird gegen die Notionolsozialisten obgelehn!. Der Einspruch des Abg. Strasser selbst— eine Aussprache darüber ist nach der Geschäslsordnung nicht zulässig— wird abgelehnt. Dafür stimmen nur die valionalsaziaiisten und unter laufen Pfui-Rusen der Alehrheil die Deutschnalionalen. Ein nationalsozialistischer Antrag aus Einstellung eines Straf- Verfahrens gegen den Abg. Dr. Goebbels(Not.-Soz.) wird dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Es folgt die erste Beratung eines Zlllgemeinan Deut- schen Strafgesetzbuchs, dos dem Rechtsausschuß zur Fortsetzung der im letzten Reichstag nicht abgeschlossenen Beratung überwieset) werden soll. Abg. Dr. Alexander(Komm.) lehnt den Entwurf des neuen Strafgesetzbuchs oh- Diese StrafrechtStesorm verfolge nur den Zweck, die den Gesetzen-zuwider betriobene p a lä t i s ch« K l a f fem i u st i z gegen das Proletariat zu legalisieren. Ohne weitere Aussprache wird der Entwurf de? neuen Straf- gesetzbuchs dem?kusschuh für die Siresrechtsresonn überwiesen. Die Rechtslage der Wartestandsbeamien. Auf Antrag der in der Regierung vertretenen Parteien und der Mrtjchastspartei soll im Gesetz über die Einstellung de? Personalabbaues die Frist für die Regelung der Rechts- Verhältnisse der Wartestandsbeomten vom 31. Juli b i s zum 31. Januar 1929 Verl ä narrt werden. ?lbg. Gokthein«(Dim) wendet sich gegen den Antrag und»er- langt, daß die Wartestondsbramten ohne weiteren Verzug in ihr« asten Rechte wiedereingesetzt werden. Älbg. Dr. Frick(Nat.-Soz.» beantrag» die volle Anrechnung der Wartestandszeit aus das Personoldienstaster. Zlbg. Torgler(Komm.) spricht gleichfalls gegen eine Fristver- längeru ng und[ür die endgültige Regelung der Angelegenheit. Ministerialdirektor Dr. Dolhplz l?ittet um Annohme des Antrags der Regierungsparteien, damit die Reichsregierung die verlängerte Frist zur Regelung der Verhältnisse benutzen könne. Abg. Dr. Ouoatz(Dtn.s erklärt, es niatr die Pslich« der Regierung gewesen, diese IKolerie schon längst zu regeln.(Rufe links: „Sehr richtig, das sagen Sie Herrn v. Kc u d e l l Etz Die letzte Regierung kannte es nicht, weit sie den Versprechungen der früheren Kabinette endlich die Tot der Besoldungsausbesserung folgen ließ. Ich habe immer die Regelung dieser Materie verlangt und bin deswegen oft angegriffen worden. Abg. Skeinkopf(Soz.) tritt gleichfalls für neue endgültige Regelung ein. Dem neuen Kabinett niüffe aber durch die Fristverlängerung die not- wendige Zeit dazu gegeben werden. Um eine Schädigung der Beamten zu vermeiden, müsse der Regelung rückwirkende Kraft gegeben werden. Ein devtfchnaUonaler Antrag auf?lusschußüberw«isung wird abgelehnt und der Antrag der M e h r h c i t s p a r t e i c n nach Ablehnung nationalsozialistischer Aendcrungsanträge in erster und zweiter Beratung angenommen. Die dritte Beratung wird auf Donnerstag vertagt. Eine Regierungsvorlage, die die Bienen in das Vieh- seuchengesetz einbeziehen, ober auch ein« abweichende landes- rechtliche Regelung zulassen will, wird ohne weitere Zlussprachc in allen drei Lesungen angenommen. Der Freunjischo fts-, Handel»» u n d E ch i f f a h r t s- vertrag mit S i a m wird dem Handelspolili schon Ausschuß über- wiesen. Das deutsch-schwedisch« Abkommen zur Ausgleichung der in- und ausländischen Besteuerung wird in allen drei Lesungen angenommen. Die Krisenunierstützung. Es folgt der Ausschußbericht über den kommunistischen Antrag zur K r i s e n u n t e r st ü tz u n g. Der Sozialpolitische Ausschuß schlägt dazu eine Entschließung vor, in der verlangt wird, zur Krisenunjerstützung all- gemein solche Fabrikarbeiter zuzulassen, di« ge- wohnheitsmäßig mst Berussanaehörigen der Gärtnerei. Metalloer- arbeitung, Maschinenindustrie, Lederindustrie, Holz- und Schnitzstoss- gewerbe, Bekleidungsgewerbe und Angestelltenberufe zusammen- arbeiten. Bei weiterer V e r s ch l e ch t e r u n g des SlrbeitS- marktes soll die Krisenfürsorge auf sämtliche Berufe ausgedehnt werden. Die U n t e rstü tz u n g s d a u e r in der Krisensür- sorge soll allgemein auf 39 Wochen, für Arbeitnehmer über 40 Ähre tis aus 52 Wochen verlängert werden. Die auch aus der Krisen- fürsarge ausgesteuerten Erwerbslosen sollen bei Notstands- arbeiten bevorzugt berücksichtigt werden. Abg. Dr. Pfeffer(D. Ap.) beantragt die Streichung der in der Entschließung enthaltenen Forderung aus allgemeine Ausdehnung der Unterstühungsdauer auf 33 Wochen. NeichSarbeiisminisier Wissekl verweist auf seine gestern im Ausschuß abgegebene Erklärung. Die gegenüber dem Vorjahr nerfchlechtcrte wirtschaftliche Konjunktur splegele sich auch in der Arbeitslosevzahl wder Die als Voraussetzung für die Krisenfürsorge erforderliche andauernd-b e j o o d e rs ungünstige A r b c i t S n, a r k t l a g c fei erfreulicherweise noch nicht in allen Berusen gegeben. Kolli? es dazu kommen, so werde da? Arbeitsmlnisterium gern die krisenfülsorge aus sämtlich? Be- rufsgruppcn ausdehnen. Der Minister erklärt sich o u ch mit d e n übrigen Forderungen der Entschließung einverstanden. Für die älteren Erwerbslosen solle die linterstützungsdauer aus 62 Wochen verlängert werden. Ob die allgemeine A u S d e h n u n g o u f 3 9 Wochen möglich ist, werde von der Regierung wohlwollend geprüft werden. Der Minister erklärt zum Schluß, es sei ihn' ein Bedürfnis, den notleidende" Volksgenossen, die Objekte$>cr Entschließung sind, diejenige Fürsorge zuzuwenden, die irgend möglich sei. Abg. Rädel(Komm.) wiest den Sozialdemokraten gegen den lauten Widerspruch des Abg. Aufhäuser vor, sie hätten gemcinsom mit den Deutschnationalen das Krisensürsorgegesstz so ungünstig ge- stallet, daß die Erwerbslosen dabei verhungern müßten. Mit her "Ausschußenischließung sei den Erwerbslosen nicht geholfen. Der Redner begründet«inen weitergehenden kommunistischen Antrag. Abg. Müller-Lichtenberg(Soz.) erwidert, daß auch die Sozia idemokeaten. d'e Ungleichheiten der?Jr. beilslosenuvterftützung kritisierten. Di« Entschließung wolle ja di« Ilnteistütznng aus;, neue.-.- BorvsSjMppkn husdehnen Schon jetzt weiche großes., Elend gemildert. Der kommunistische Antrags der nicht angenommen«erden könne, diene mir. dazu, die Vrrbesst.» rungen zu o c r i ch l- pv e n.(Fortaefetzter Lärm bei den Kommu- nisten, den Präsident Löbe rügt und mit einem Ordnungsruf straft.) Daß Verbekfermigen nötig feien, müsse anerkannt werden. Auch in Rußland werde Unterstützung nur a e w a h r t, wenn B e» dürftigkeit n o r s i e g e. von d-m vielen INlllionen Arbeiks- lofeu in Rußland würden nur 6fl0 090 uniersiüßl.(?lng. Reuge. baver(Komm.i wird«eg-n fortgesetzter Störung zur Ordnung ge. rufen) z« Rußland(Ruf bei d-n Kommunisten: Deutschland' Deutschland! über alles!) bekämen die Unterfkülsten nur b Rubel monatlich..In derselben Aoit feien in Rußland vierzig Millionen Rubel für die Erwerbslosen gezahlt werdim, in Doulschfand abm achthundert Millionen Mark. Abg. Aufhöuser Das Ar- beitslosengkjelz sei das erste Gesetz, das den unerträglichen Zustand der Erwerbslosenfürsorge besütigt hc(>e.(Erneute Unterbrechungen bei den Komm.) Es bedenie eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem alten Zustand. Da die Ko m m u n i st e n bei dem Zustande- kommen de? Gesetzes nicht mitgewirkt hotten, hätten sie heute auch kein Recht, es zu kritisieren. Er wende sich entschieden gegen den Versuch, die jetzt vorliegende Enstchließung zu Fall zu bringen und dadurch lediglich die Arbeit erschast zu schädigen Für den fichtbaren kutsivochsel in d-r Arbeitslosen fiirsorge gebühre dem Reich.— arbellsminister Dank.(Widerspruch bei den.Komm.) Es sei Pflicht eines sozialdemokratischen Arbeitsministers, mst sofortiger Wlrki/ng durch eine Verbesserung der.Krisenfürsorge zu helfen. S e l, r v i e l e Wünsche der Kommunisten würden in der Eni- schließuog erfüllt. Die Entschließung müsse sofort ange- nominen werden. Sie bietst die Gewahr dafür, daß noch vor Wiederzusammentritt des Reichstags diese dringliche Maßnahme be- ginnt. Die Sozialdemokratie, entschlossen zur sozialen Tat. lehne es ober ob, die Not der Arbeitslosen zu Parteizwccken zu mißbrauchen. (Beifall bei den Soz. Große Unruhe bei den Komm.) Slbg. Stöyr(Nat.-Soz.) erklärt, die vorliegende Entschließung reiche für den gedachten Zweck nicht aus. Entschieden wende er sich gegen den volksparteilichen Aenderungsonirag, der di« Hilfe fast ganz nutzlos mache. Abg. Rädel(Komm.) erklärt, noch vor wenigen Togen habe der „Vorwärts" viel weitergehende Maßnahmen oerlangt. Die Ausschußentschließuvg wird unier Ablehnung der kommunistischen und valkvvarleilichen Aenderungsanträge angenommen. Der Antrag der Wirtschaftspartei auf Aenderung der Verordnung über zollfreie Einfuhr non Gefrierfleisch wird ohne Debatte an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr: Lohnsteuersenkunq, Amnestie, kleinere Vorlagen und Anträge. Der neue Befehlshaber der Londoner Polizei ist ein General, Lord V y n g s. Abg. Genosse S n o w d« n kritisierte diese Er- nennung im Unterhaus scharf, der rechtskonservative Innenminister Johnson Hicks bestritt, daß er die Polizei militarisieren wolle. Ein Protestantrag der Arbeiterpartei wurde mit 231 gegen 105 Stimmen abgelehnt. Ein kommunistischer Verleumder. Der Kommunist Jörg aus Vitzenhaufen war wegen Verleumdung des Genossen Landrat Thon« zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Jörg legte Revision ein. Das Reichsgericht hat die Revision verworfen, da, Urteil ist rechtskräftig Der VergarbeiterkoiMß in Magdeburg. Bochum bleibt(3ih des Hauptvorstandes. Magdeburg. 11. Juli.(Eigenbericht.) Der Hauptkassierer B i t t n e r- Bochum berichtete über eine erbebliche Stetgerung der Einnahmen. Die Gesamt- einnahmen, die sür 1924/25 insgesamt 9 760000 M. betrugen. konnten für die Berichtszeit auf 10 268 000 M. gesteigert werden. Der Gcsamtoermögensstand des Verbandes beträgt nach Abschluß des Jahres 1927 die stattliche Summe von 6 500 292 M. und hat sich im Vergleich zum letzten Vorkriegsjahr 1913 verdoppelt. Am Dienstag setzte über die Berichte des Vorstandes ein« überaus reg« Diskussion ein. Die Opposition war recht matt. Den oppositionellen Rednern stand der Zweifel an der Durch- schlagskraft ihrer Argumente auf den Gesichtern. Dazu kam, daß die übrigen Diskussionsredner zu Dutzenden von den Kommunisten abrückten und ihnen ihre Sünden gegenüber der Bergarbeiters chaft vorhielten. Im Schlußwort rief d«r Verbandsvorsitzende H u s e m a n n den kommunistischen Delegierten zu:„Wenn eure Reichstagsfrak- ticm und eure Partei sich ebenfalls zu den Forderungen der Ar- beiters chaft so sachlich einstellen würden, wie es die Sozial- d e m o k r a t e n tun. dann hätte im Tageskampf für die Arbeiter- s chaft schon mehr erreicht werden können, als es bisher möglich war. Ich hoffe, daß die Vernünftigen doch noch einmal zur Einsicht kommen werden. Auf der letzten Generalversammlung war ein Kamerad der Führer der Opposition, der heute nicht mehr in euren Reihen steht. Dafür ist er jetzt in euren Augen ein Verräter. Der mitteldeutsch« Bergarbeiterstreik konnte nur erfolgreich geführt wer- den, weil die Bergarbeiterschaft sich hinter die Verbands- leitung stellte und der Streik lediglich nach gewerkschaft- l i ch e n Prinzipien geführt wurde. Die hetzerische Schreibweise einiger mitteldeutscher kommunistischer Zeitungen erreichte nur, daß sich die Bergarbeiter noch geschlossener hinter ihre Führer stellten. Wir wollen Glück,(frieden und Freiheit der Arbeiterschaft. Damit leisten wir der Bergarbeiterschast, der deutschen Arbeiterschaft, dem gesamten deutschen Volke den besten Dienst."(Lang an- haltender Beifall.) Anschließend wurde dem Vorstand mit großer Mehrheit Entlastung erteilt. Von der„O p p o s i- t i o n" wagten nur 6 Mann gegen die Entlastung d«s Vorstandes zu stimmen. Die übrigen 11 Mitglieder der Opposition waren also mit der Haltung und Arbeitsweise des bisherigen Der- bandsvorstandes einverstanden. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen sprach der Hauptkassierer des Verbandes, B i t tn e r- Bochum, über Aenderun- gen des Verbandsstatuts. Nicht weniger als 92 Anträge lagen zu diesem Punkt vor. So wurde u. a. gefordert, daß zu den Wahlen nur solche Mitglieder berechtigt sind, die mindestens vier volle Wochenbeiträge entrichtet haben. Die Kommission ist zu diesem Vorschlag gekommen, weil in einigen Zahlstellen die Opposition zu den Verbandswahlen Mitglieder geworben hat, die ihr den„Sieg" bringen sollten, die aber noch der Wahl sofort wieder aus dem Verbände ausschieden. Dem soll endgültig em Riegel vorgeschoben werden. Zur Frage der Streik- und Gemaßregeltenunter- stützung wurden gleichfalls Aenderungen vorgenommen. Di« Crwerbslosenunterstützung wird nach einer Karenzzeit von 7 Tagen gewährt. Zur Frag« der Anstellung von Vcr- bandsangestellten wurde vor allein verlangt, daß nur«he- malige Bergarbeiter angestellt werden dürfen. Folgende außer- ordentlich wichtig« Neuerung wird dem Z 47 des Statuts hinzugefügt:„Zahlstellen, die sich beharrlich weigern, die Bestim- mungen des Statuts und den Anweisunzen des Vorstandes nach- zukommen, sollen ausgelöst werden." Die Organisation soll in Zukunft den Namen „verband der vergbauindustriearbeiler Deutschlands" führen. Die Bergarbeiterzeitung soll künftig den Titel „Der Bergbauindustrieorbeiter" tragen. Zur Frage der Namensänderung des Verbandes und der Verbandszeitung so- wie der von den Bezirken Halle und Senftenberg geforderten Der- legung des Hanptsitzes des Verbandes von Bochum noch Berlin sprachen eine Reihe von Delegierten, deren Einstellung zu den Vorschlägen ganz verschieden war. Die Namensände- rungdes Verbandes wurde mit 96 Stimmen beschlossen. Die AeNderung des Namens der Verbandszeitung wird dem Vor- stand überlasten. Die Verlegung des Hauptsitzes nach Berlin wurde mit 78 gegen 64 Stimmen abgelehnt. Beschlossen wurde dann noch, die Zahl der Beisitzer zum Vor- st a n d von 8 aus 10 zu erhöhen, und daß die Beisitzer aus ver- schieden«» Revieren zu wählen sind. Bisher stellte lediglich das Ruhrrevier die Beisitzer. Der Mittwoch war sitzungsfrei. arbeitsminister W i s s e l l sprechen. Am Freitag wird Reichs- Berbandsiag der Kabrikarbeiier. Hamburg, den 10. Juli.(Eigenbericht.) Im weiteren Verlaufe des Verbandstages wurde ein B e r t ch t des Arbeiterinnensekretariats der Kollegin Z a m- m e r t entgegengenommen. Rednerin trat darin für die Berücksichti- gung der Wünsche der weiblichen Mitglieder innerhalb des Verbau- des ein und forderte die Einberufung einer Reichs- frauenkonferenz, die beschlossen wurde. Der zweite Vorsitzende des Verbandes, T h i e m i g- Hannover, setzte sich auf Grund konkreter Unterlagen mit der zersetzenden Tätigkeit der Kowmunisten in einzelnen Bezirken auseinander. Das Schlußwort des Genossen Brey bildete den Höhepunkt der Vormittagstagung am Dienstag. Ein- gangs seiner Ausführungen kam er auf Grund einer„Vorwärts"- Notiz auf das Ex p l o f i o n s u n g l ü ck im Kreise Melsungen zu sprechen, wo sechs Arbeiter den Tod gefunden haben. Die Versammlung erhob sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen. Brey knüpfte an dieses Unglück die Mahnung, noch mehr als bisher für die Durchführung der A r be ite r j ch u tz- b e st i m in u n g e n enrzutreten. Es war nicht anderes zu erwar- ten, daß der Vorsitzende des Fabritarbeiteroerbandes mit den kam- munistilchen Diskussionsrednern sich eingehend aueinandersetzie. Wer Brey als Redner kennt, wird sich ungefähr einen Begriff machen können, wie die Kommunisten dabei abschnitten. Ein großzügiges Referat über die Tarif- und Lohn- b e w e g u n g e n der letzten drei Jahre hielt das Vorstandsmitglied Portz ich. Die Erfolge der Bewegungen müsten angesichts der Schwierigkeiten als gut bezeichnet weichen. Im Jahre 1928 sind bereits 800 Lohnbewegungen beendet und 483 Verträge abge- schlössen worden. Der Verband ist an 17 Reichs-, 47 Bezirks- und 756 Orts-Rahmenverirägen beteiligt. Die Stärke der Organisation genügte vollauf, um der Bewegung den nötigen Schwung zu geben. Der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag wurde er- gänzt durch Ausführungen der Kollegen G r ü n z e l- Berlin und Elzner-Berlin. Daran knüpfte sich ein« äußerst rege Aussprache. Aus der hauplentschließung zum vorskandsbericht heben wir folgendes hervor: „Der Verbandstag begrüßt die Verschmelzung der Verbände der Porzellan- und. Glasarbeiter mit dem Fabrikarbei- terverband. Er fordert alle Berufskollegen auf, zur Ausbrei- tung des Verbandes beizutragen. Der Verbandstag erklärt sich mit der Tätigkeit der Re- d a k t e u r e und den Veröffentlichungen des Verbandes e i n v e r- st a n d e n und spricht den betreffenden Kollegen Dank und Ver- trauen aus. As nächstes Ziel gesetzgeberischer Täligkeik erklärt der Verbandstag: Ausbau der Krisenfürs org«, Sorge für die älteren Arbeiter, Schaffung eines sozial einheitlichen Arbeitsrechtes nach der Ver- fassung, Ausbau der Arbeitsrechtspflege, Bes. ferst ellung der Versicherten der Sozialversiche- rung und Ausbau des Arbeiter schntzes. insbc- sondere strafrechtlicher Schutz der Arbeitskraft. sichere Erfassung der Berufskrankheiten als Unfallfolgen, Achtstundentag als Höchst grenze. wirksamen Arbeiterschutz den Heimarbeite- rinnen. Diese Entschließung wurde gegen 10 Stimme« an$f n o m m e n. Der Antrag, der dem Vor st and das Vertrauen aus- spricht, wurde in namentlicher Abstimmung mit 180 Stimme« angenommen. Mit Nein stimmten 4, enthalten haben sich 30, nutzt abgestimmt etwa 13 Delegiert«. Unter den Stimmen thaltun- gen befinden sich sämtliche Vorstandsmitglieder, ine Bundesleitung und die Bronchenleitungen. Oer Kamps ver Klavierarbeiter. Neue Verhandlungen vor dem Schlichter. Bekanntlich wurde am 28. Junl vom Schlichter des Bezirks Brandenburg zur Beilegung des Lohnkampfes in der Berliner Kla« vierindustri« ein Schiedsspruch gefällt, den die streikenden Klavier- arbeiter mit großer Mehrheit ablehnten. Die Unternehmer da- gegen hatten ihn angeiwmmen und seine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Vom Arbeitsminister wurde die Verbindlichkeitserklärung abgelehnt, weil er Bedenken hatte, einen Schiedsspruch verbindlich zu erklären, den er gefällt hat, als er noch Schlichter war. Juristisch betrachtet, fühlte sich der Arbeitsminister Wistell befangen, in diesem Fall eine Entscheidung zu tveffen. Nunmehr ist auf Drängen der Unternehmer ein neues Schlichtungsverfahren zum Freitag, dem 13. Juli, ange- fetzt worden, bei dem der stellvertretende Schlichter Bauer die Verhandlungen führen wird. Von seiner Person wird es abhängen, ob das Ergebnis der Verhandlungen eine Grundlage für den Frie- densschluß tn der Klavierindustrie bilden wird. Die Kampf- front der Klavierarbeiter steht unerschütterlich fest und wird auch durch ein unbefriedigendes Derhandlungsergebnis nicht beeinflußt werden. Den Unternehmern brennt das Feuer auf den Nägeln. Sie drängen deshalb auf eine beschleunigt« Beilegung der Differenzen. Der Frieden könnte bei einigem guten Willen der Unternehmer schon längst wieder hergestellt sein. Nur ihrer Hart- näckigkeit ist es zuzuschreiben, daß der Kampf diese Ausdehnung angenommen hat. Sollten die Unternehmer in den neuen Derhand- lungen keine weiteren Zugeständniste machen, dann ist auch jetzt noch nicht mit der Beilegung der Differenzen zu rechnen. ? o ■ rg Ith Oer Streik im Hafen von Antwerpen abgebrochen. Eine Schlichtungskpmmission soll unter dem Vorsitz des Gouver- neurs der Provinz Antwerpen eingesetzt werden, die innerhalb 15 Tagen eine Entscheidung über die Lohnfrage und die Arbeitsregelung im Hafen zu treffen hat. Die Streikenden haben in der Mehrzahl diesem Vorschlag zugestimmt. »le« fiffcti Äide it-inc] lehnt Züsch! des I leilui >ütd »ns lliath liimp leine |«incr I dos j lliom hütet \Schij denn Achtung, Preußische» Statistische« Lande»amt! Am Freitag. IS. IuU, 16 Uhr, im Restaurant Jonas, Lindcnstr. 87, Versammlung aller Parteigenossen. Tagesordnung: Bildung des Wcrbeausschusses. Wahl des Vorstandes. Mitgliedsbuch der Partei ist mitzubringen. Achtung, 0-ram-5tonzcrn! Am Freitag. 18. Juli, 19 Uhr, findet bei Hummel, Toxhienstr. 8, eine wichtige Fraktionssitzung des ge. samten Konzerns statt. Alle Genossen müssen erscheinen. Der Araltion-oorst-nd. �Freie GewerkschastSsLugend Groß-Verlin wSSS&uU 19% Uhr tagen die Gruppen: Lichtenberg: ZugeudhelM Dosse- stratze 23. Vortrag:„Vom Fischerdorf zur Weltstadt."— Franksurter " Allee: Gruppcnheim Städtisches Jugendheim Litauer Str. 18. Aintmer 3. Musik-, Spiel, und Tanzabend,—«Speaick: Gruppenhctm Jugendheim Grünauer Str. 5. Spiele im Freie» auf der Spindler-Wiefe.— Schijncweide: Gruppenheim Jugendheim Niederschiineweide, Berliner Str. 81. Unterhaltungs- abend. Frohsinn und Laune regieren den Abend.— Südostcu: Gruppen Hern ugendheim'R-icheuberger Str. 6« lFeuerwehrhaus). Dortrag:„Alkohol und ' eiterschaft."— Charlotteuburg: Gruppenheim Jugendheim Epreestr. 80. Reihenvortrag:„Die Wirtschast— ihre geschichtliche Entwicklung."— Tempel Hof: GtuppcnhmM. Jugendheim Lyzeum Geimaniastr. 1/6. Vortrag:„Waruch iswerkschastliche Jugendarbeit?"— Moabit: Grnppenbeim Städtisches Zugeüd heim Lehrter Str. 18,19. Reihenvortrag:„Religion."— Gesundbrunnen: Gruppenheini Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Strasse. Literarischer Abend. Aus dem Sagenschatz unserer Mark.— Wedding: Gruppenheim Jugend- heim Orthstr. 10. Vortrag:„Die Ideenwelt des Sozialismus."— Aussen- spielabende ab 18 Uhr: Treptow: Spiel und Sport auf Wiese 8 im Treptower Park. Humboldt: Lebungsabend auf dem Sportplatz im Humboldthain.—- Singt reis Weisse»!«: Chorprobe im allen Lyzeum, Paristraße. D Iuaenvaruppe des Zentralverbandes der Anqesielkten Iugendbezirk Wcdbing spiell aus dem Sportplatz im Humboldthain.— Jugcndbczirk Osten spielt auf der Spielwiese 3 im FriedrichsHain.— Ab 19% Uhr Zugendleitungsfitzung im Ortsbureau. Verantwortlich für Politik: Victor Schilf; Wirtschaft:<8. KllngelhSscr; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Stzkor»; Feuilleton: Dr. John Schikowsti; Lokales: and Sonstiges: Fritz starftädt: Anzmen: T» Stocke: sämtlich in Verl:». Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Vuchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin EW 68, Lindenstrasse 3. Hierzu 1 Beilage und„tluterhaltung und Wiste»-'. h o ö stilii er ri Cich 6 ch dies, Veti 49' siestl b c t flew «es G« ÄdA ichaf zmc Deu tret, fr« g-gi Gey auf Staunend bbmaamaa ftASAMraAiHAHiABtlffAiilA Staunend 1 1 baiilg! RSB&OnHBBl bSiiig! =3 .n Herren salMzDge......... 25- lemg-suHuntiiiei......... 27- Herren-'lnierpaietois......... 39- ejRtBSeniKr- und Uliniernidniei 10.50 oamen eonnniRiOniei.a..°. r.,b... 10.58 Herren 6oniiniin0n.el 13.50 lodenfniniei o-w«. � u.,,-.... 13.50 iüianswer-SBortanzogs„» 29- o leilüe snananzoge h.„„«_ mit kurzen und langen Hosen........ Uö. Herran-ieoarsonnwen 55- Damen-ieoersnoriiaciien...... os- Ciiauiienranzooe... Mf.n.... 39. gerieiwigilacaen...... 0.95 iHrraaHemOinationea....... s.50 Herrea-Sreecües............ 8.59 KniGOeriaciier.. 9.50 Oestreil e Herrenonsen........ 3.75 Herren iniascnieppen.....«... 3.95 Wariaeiieiia................ 5.75 Ein Pasien Knaoenniianzoge. 3.75 ünaoen- und mmeWiWUOniei. 9.50 JOngüngsanzdoe............ 23- Herrensirelteürs. s.« 0.25 HSsren-oiieriMflsn 2.95 Herren Hosen.......... 1.89 Herren üemion oas*«....1.50 Herren-Snclii?.....«w 0.39.. Wffl«r&b mit kurze. Aennelz..... 1,95 HeSSDl leg cm b,.it.,»»»», n«t.r 1 8.95 OSileS«mieebie............... 8.98 HaiiSiDCil 140 cm, gute Qualität 1,59 HatieStiBüHen für Balkon und Garteu. 1.40 8.95 OlrtCnUieSlen tu, Damen„,4 Herren... 8.25 »inner ynierjacüBn.......... 2,95 Kinüer-SM'Mien Gr».»...... 275 oinisr:msm aisr»...«.» M/. kkNl.M U 4. Cäsm�ssSraSa 2S-|y| /G Untergrundääaat?t: Staitinar BaSinhoir W sich 3 3 sch Mi 83 pli! Asi sich in fflaittiiiMiaiittiiiitaiiiiaiiKimiiiilyi.tii.üaiaiimaimiEiiiHiimimiaiiiiHmMiiiiiMiamimaffilBüMiiHlL'MwaiiBKiBigtaiiaiiiiiiila Nr. 325* 45. Lahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnerstog, 42. Juli 4925 Er Handette nach Goiies Weisung. Oer„Ordensmeister"?loese wegen Betruges verurteilt. ??ach �wöchiger Verhant>long ging jeht V�trugs rrozeh gegen den gänzlich erblindeten Vaumeister Budolph Reese vor dem Schöffengericht Schöneberg zu End«. Der Angesagte, ein Mann von 54 Jahren, hatte früher große Bouunternchmungen geleitet und ein beträchtliches Bermegen erworben. Im Jahre 1920 erblindete er völlig, suchte nun aber durch verschiedene Gründungen einen von ihm erjundenen Schnellibaustein, den sogenannten Lufttammer- st e i n, der ihm auch patentiert worden war, zu verwerten. Schon diese Ersindung will er durch göttliche Erleuchtung gemacht haben. Der blinde Rocse verstand es, sich gewissermaßen mit einem Heiligenschein zu umgeben und hotte eine große Schar von Anhängern, die an ihn glaubten. Im Mittelpunkt seiner Gründungen stand der Hans-Siegsried-Ordcn und eine Drdensarbeitsgemeinschoft. Durch die letztere mutzten die künftigen Ordensbrüder, ehe sie die Weihe bekamen, hindurch- gehen. Es war ihnen ober auch ein Eigenheim in Aussicht gestellt worden. Die Baumittcl sollten aus den allgemeinen Tamm- lungen und der Arbeitskraft der eigenen Mitglieder bestritten werden. Das Haus sollten sie nämlich selber erbauen, während die Baustelle und das Baumaterial von den anderen durch Roese kontrollierten Gesellschaften bezogen werden mußte. Ein Haus ist auch gebaut worden, nämlich das Ordenshaus, ein Gebäude, dos in Kreuzform in Schlachtensee errichtet ist. Merkwürdiger- weise ist es aber das Ordenshaus des Grohmeisters Roese selbst, der sonderbarerweise äutzerst weltlich-klug auch als Eigentümer des Grundstücks eingetragen ist. lieber die Ordensgründung hatte Roese dem Gericht eine sehr mnsteriose Geschichte erzählt. In der Nacht des Weihnochtsheiligabend sei er von unsichtbarer Hand aus dem Schlaf« geweckt worden, und als er nicht gleich aufstand, aus dem Bett gezogen und an den Schreibtisch geführt worden. Nach Gottes Diktat habe er, obwohl vollständig blind, in finsterer Nacht die Ordensregeln niedergeschrieben. Zur feierlichen Grundsteinlegung des Ordenshauses hotte er 100 Ordensglöubige am Silvesterabend in ein Restaurant in Schlochtensee geladen und hatte sie bei Sonnen- oufgang zur Grundsteinlegung geführt. Gott konnte ober nicht persönlich in Erscheinung treten, und dafür wurden die Hammer- schlage von einem weiblichen Medium, dem Gott als sein« Stell- Vertreterin die Hand führte, gemacht. Die Verhandlung gegen Roese endete mit seiner D e r u r t e 1- l n n g wegen Aktienvergehens und Betruges zu einem Jahr Gefängnis. Dem Angeklagten wurden die fünf Monate Unter- suchungshost voll angerechnet. Für den Rest der Strafe erhielt er Bewährungsfrist. Roese beauftragte sofort nach �>em Urteil seinen Verteidiger, Berufung einzulegen, da er nur nach Gattes Weisung gehandelt und daher unschuldig wie ein Lamm sei. Fristverlängerung für Kriegsbeschädigte! Kriegsbeschädigte, die nach 19 23 deshalb mit einer Ab- findung aus der Rentenverforgung ausgeschieden, weil ihre Erwerbs- Minderung auf unter 25 Proz. festgestellt wurde<8 10t Reichs- Versorgungsgesetz), und solche Kriegsbeschädigte, deren k ö r p e r- liche Unversehrtheit schwer beeinträchtigt ist. und denen die sogenannte Versehrtheitsrente(§ 25 Abs. 3 des Reichsversorgungsgesetzes) gewährt wurde, können nach dem Fünften Ab- änderungsgesetz zum Meichsversvrgungsgesetz wieder in die Rentenoersorgungeinbeizogen werden. Di« erstgeiwnnte Gruppe dann, wenn die Erwerbsminderung infolge des anerkannten Versorgungsleidens jetzt— auch ohne dah eine Verschlimmerung nachweisbar ist— mindestens 25 Proz. beträgt, die zweite Gruppe dann, wenn«in Versorgungslciden vorliegt, das früher einer Er- werbsminderung von 20 Proz. gleichgeachtet wurde und durch die Aenderung der Verordnung zu§ 25 Abs. 3 RVG. vom 21. De- zember 1927 jetzt mit mindestens 26 Proz. gewcrtct wird. Hierfür kommen u. a. in Frage: Verlust eines Auges, Verlust des Daumens an der Arbeitshand,' abstoßend wirkende Entstellungen des Ge- sichts usw. In allen diese» Fällen erfolgte die Zahlung der Versorgungsgebührnisse rückwirkend vom 1. Ok- tob«r1S27 ob, wenn der A n t r a g— wie seinerzeit vom Reichs- bund der Kriegsbeschädigten durch die Presse bekanntgegeben— bis zum 31. März 1928 gestellt worden war. Auf Per anlastung des Reichsbundcs hat das Reichsorbeitsminifterium mit Erlaß vom 27. Juni 1928— I c 2791— die Frist um ein halbes Jahr bis zum 3 0. September 1928 verlängert. Nähere Auskunst erteilt die nächstgelegenc Ortsgruppe des Reichsbundes oder die örtliche Fürforgcstelle. Oer abgelehnte Krastdwschkentaris. Neue Aussprache mit dem Polizeivizepräsidenten. Der Magistrat hat den Entwurf des neuen S.rast. droschkeneivheitslariss ovgelehu». Die Ver- kchrsdepatakion hatte vorher ihre Zustimmung za den neuen Tarifsätzen gegeben. Der Beschluß des Magistrats wird damit begriaidet, daß die neucn Torissätze zu hoch seien. Dia Arbeitsgemeinschaft für das Kraftdroschk«noewerb«, die gegenüber dem Polizei- Präsidium bei den Beratungen als Berhandlungskontrohent auf- getreten ist, hat bereits am gestrigen Tage versucht, mit dem Polizei- Vizepräsidenten Dr. Weiß Fühlung zu nehnien. und es ist damit zu rechnen, daß im Lauf« des heutigen Tages eine Besprechung nn Polizeipräsidium über die durch die Ablehnung des Magistrots entstandene Lage stattfinden wird. Ob bei diesen Besprechungen aber neue positive Borschlög« ge- macht werden können, ist zweifelhaft, weil bisher der Polizei- Präsident Z ä rg i« b e l stets persönlich die Berhandlungen über den Krastdroschkentarif geleitet hat und über die Materie von An- fang an unterrichtet ist. Auto zerstört Autoschuhinsel. Zwei Personen schwer, eine leicht verletzt. Auf dem Kurfür st endamm ereignete sich gestern nach- mittag ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem drei Personen oerletzt wurden, darunter zwei schwer. Gegen 16 Uhr fuhr ein P r i v a t a u t o vor dem Haus« Kur- fürstendamm 45 in vollem Tempo gegen die dort befindliche hol- zerne Schutzinsel der Straßenbahn. Durch den Anprall wurde ein großer Teil der Schutzinsel auf die Stra- ßenbohnschienen geworfen. Der Führer eines kurz darauf folgenden Wagens der Linie 7b F. konnte feinen Wag:n nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen und riß das hölzerne Ge- stell noch etwa 8 bis 10 Meter mit. Drei Passanten, die im Augen- l lick des Unfalles auf der Schutzinsel stau!"», wurden aus das Stroßenpflaster geschleudert. Zwei von ihnen, die 75- jährige Frau Emma Kortsch aus der Sächsischen Straße 5 und der 30jöhrige Kailsmann Hans George ans der Rofcherstr. 9 hatten schwerere Verletzungen erlitten und mußten zur nächsten Rettungsstelle gebrocht werden. Durch den Vorfall entstand eine längere, sehr empfindliche Verkehrsstörung. -» Auf der Kreuzung Schweden- und Ehristianiastraße im Norden Berlins stießen gestern nachmittag eine Straßenbalin der Linie 41 mit einem Lastauto in voller Fahrt zusammen. Die Straß»iibahn wurde schwer beschädigt, sämtliche Fcnsterschechen gingen in Trüin- nrer. Ein weiblicher Fohrgast wurde erheblich verletzt und mußte prwatärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Sowohl die Straßenbahn als auch das Laftauta mußten abgeschleppt werden. Der Straßen- bahnverkehr war fast eine halbe Stunde lang ge- stört. Die Schuldfrag« konnte noch nickst geklärt werden. In der Großetz Krampe ertrunken. Beim Baden in der„Großen Krampe* bei der kleinen Ortschaft Müggelheim ging gestern nochnnttog der 16jährige Bäckerlehrling Erwin Wer welzer an? der Dorfstraße 21 in Miiggelheini plötzlich unter. Der Unfall war sogleich bemerkt wor- den und mehrere badende Ausflügler machten sich sofort an das Nettungswerk. Es gelang ihnen, den jungen Menschen nach wenigen Minuten zu bergen, doch blieben alle Wiedcrbelebiingsvcrsiichs ohne Erfolg. Ein hmzugemfener Arzt stellte den Tod fest. Die Leiche wurde noch der Friedhofshalle gebracht. Aach acht Zahren gesühnt. Zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Roch fast acht Jahren hat ein furchtbares Verbrechen fein« Sühne gesunden. In Leipzig wurde der jetzt 25johrige, aus Leipzig gebürtige Kellner Otto Theodor Schulze vom Leip- ziger Schwurgericht wegen Totschlags in drei Fällen zu l e b« n s- länglichem Zuchthaus verurteilt. Dos ihm zur Lost gelegte Verbrechen wurde in den Morgen- stunden des 11. Dezember 1920 in Knautkleeberg, einem Vorort von Leipzig, entdeckt. Hier wurden in ihrer Wohnung der Fahrstuhlführer Hermann Panzer, dessen Ehefrau und der Untermieter Gemeindekassierer Bergmann mit fürchterlichen Schädeloerletzungcn und durchschnittenen Pulsadern tot aufgefunden. Die sofort einsetzenden Untersuchungen führten zu keinem Ergebnis, bis sich der Verdacht der Täterschaft gegen den anderweitig straf- fällig gewordenen Schulze im Untersuchnngsgesängnis in Frank- surt am Main lenkt«. Das am 9. November 1927 vor dem Leipziger Krimiimlkon> miffar Bast abgelegte Geständnis widerrief der Angeklagte in der Verhandlung. Das Gericht tonnte ihn jedoch überführen und kam zu den: angeführten Urteil. Raubmörder Hein. Ein Prozeß wegen drei Morde und zwei Mordversuche. Am kommenden Montag, dem 16. Juli, beginnt vor dem Schwurgericht Kobnrg der Prozeß gegen den dreifachen Mörder und Posträ über Hein. Drei Morde und zwei Mordversuche an Polfzeibeamten, ein Raubüberfall aus das Postamt Klosterlausnitz und zahlreiche Einbruchsdiebftähle werden ihm zur Last gelegt. Ein weiterer Postraub, den er mit seinem Komplicen Lorn in Ohligs im Rheinland verübte, und bei dem ein Postjelretär den Tod fand, steht gegenwärtig nicht zur Aburteilung, sondern wird später noch in Elberfeld verhandelt werden..Hein mar um die Jahreswende der Schrecken des thüringisch- fränkischen Grenzgebietes. Er hatte gedroht, jeden Polizeibeamten, der ihn festnehmen wolle, niederzuschlagen. Sein letztes Opfer wurde der Gendormericbeomte Schelcr, der Hein An- fang Februar auf einer Landstraße bei Lichtenfels festnehmen wollte. Hei» flüchtete sich damals in den B a n z e r Wald, der alsbald von einem riesigen Polizeiausgebot umstellt wurde. Nach mehrtägiger Belagerung gelang es schließlich einem geistesgegenwärtigen jüngeren Beamten, Hein, der noch über reichliche Munition verfügte, aber göirzlich heruntergekonmien war, ohne Widerstand festzunehmen. Zu dem Prozeß sind rund 40 Zeugen und zahlreiche Sachverständige geladen. Hein wird von Justizrat Fränkel-Berlin verleidigt. Der Angeklagte, dem alles Käse ist. Als ein ebenso gemeingefährlicher wie dreister und gemeine« Bursche erwies sich ein gewisser Willi Giering, der zu der Klasse der Klingelsahrer und Wohnungsdicbe gehört. Als er zulegt ans dem Zuchthaus gekommen war, hatte die Fürsarge ihn in einer Fabrik untergebracht, wo er 32 Mark die Woche verdiente. Er hotte aber nicht Lust,„sich den Nerv töten zu lassen", wie er vor Gericht meinte, brach daher bei einer 70jährigen Frau, die ihm eine Schlaf- stelle vermietet hotte, S ch r ä n k e u n d K ö st e n aus und räumte aus der Wohnung die gesamten Habseligkeiten der armen Fron und eines auch schon fast 70 Jahre alten Untermieters ans. Er hatte so gründliche Arbeit gemacht, daß die Greisin, die bitterlich vor Gericht weinte, sich, um zum Termin zu kommen, von einer Nachbarin einen Rock und einen Mantel hatte leihe n m ii s sd n. Der Angeklagte behauptete, daß er das mir aus Wut getan habe, weil die Frau ihn immer ausgeschimpft hätte, daß er so unsauber sei. Aehnlich hotte er es in einer anderen Schlafstelle gemacht. Da wollte er einen anderen Grund für seine Wut gehabt hoben. Schließlich ereilte ihm das Geschick bei einer Klingelsnhrt. Als Landgerichtsdirektor Sternheim dein Angeklagten das Urteil des Schöffengerichts Mitte verkündete, das auf f ü n f Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht lautete, antwortete er mit den Warten:„Ick, stamie über die Hartnäckigkeit des Gerichts." Vors.:„Nehmen Sie an oder nicht?" Zlngekl.:„Das ist mir alles Käse,. aber was bleibt mir übrig, meinetwegen." Darauf wurde er abgeführt. Aje Aach! nach dem Verrat. »I Nomon von Liam O'Flaherty. sAu« dem Englischen übersetzt von N. Hauser.) Er murmelle träge:„Hat keinen Zweck, daß du so mit mir redest, Francie. der einzige Grund, warum ich nichts sagen wollte, war. weil's mir nicht paßte.. Wieder kam das Gespenst ihm in den Kopf, und er hielt plötzlich inne: fast augenblicklich aber fuhr er mit un- natürlich gesteigerter Stimme fort. Er fing an, sich des Phantoms zu schämen, als hätte er den schlimmen Ein- fiüsterungen schon nachgegeben, die er noch nicht verstand. „Sieh her, ich will dich nicht ins Unglück stürzen. Ich weiß nicht, ob oder ob nicht beim Haus deines Vaters eine Wache ist, verstehst du? Ich halte mich ja meistens da um litt- ftrect herum auf, aber nach Nummer vierundzwanzig bin ich nicht hingekommen seit der Nacht, wo ich mit der Boschaft kam und wo dein Alter mir sagte, ich solle ihm nicht wieder über die Schwelle kommen. Da kann'ne Wache sein und da kann auch keine sein. Wenn ich dir aber sagte, da wäre keine, und du gingest dann hin und dann erwischten sie dich, verstehst du...* „Was willst du damit sagen?* grollte McPhillip arg- wähnisch. Gypo lachte laut und rief:„Ich meine man nur.'s ist bloß, weil du mir so plötzlich damit gekommen bist, ich weiß gar nicht, was ich sage. Ich bin ganz dumm im Kopf, ver- stehst du, von dem ewigen Rumlaufen die letzten sechs Monate, kein Kamerad, der mir ein paar Pfennige Schlaf- geld gegeben hätte, und wenn ich in der O'Donnelstraße auf dem Pflaster gelegen Hütt' am Verrecken mit'new erfrorenen Fuß im Schnee. Die...* „Ouaßlo nicht von dir selber, red' siebe? was Per- nunftiges." „Reg' dich nicht gleich so auf, Francie, ich bin za schon dabei. Mann, ich erzähl' dir ja schon. Am anderen Tag dielten sie mich auf der Straße an und redeten'ne Menge über dich. Es stimmt schon, daß sie hinter dir her sind. Sergeant MeEartney und noch einer aus Sligo waren da. Der Detektiv Sergeant MeCartney ist ein böser Procken. Hu. das ist cin Schuft, das kann man geradeheraus sagen. Geschworen hat er, daß er dich kriegen würde tot oder tebsndig.„Dobet mScht' ich nicht m Iß«? Haut stvckeu", genau so Hab' ich das zu ihm gesagt, und er schmiß mir einen Blick zu, der dich platt auf den Boden gelegt hätte." Gypo sah hastig nach der Stelle hin, die McPhillips Augen fixierten. Er sah nichts. Er blickte wiederum in McPhillips Gesicht und runzelte die Stirn. Dann räusperte er sich und begann nochmals mit großer Schnelligkeit zu essen. Er blies auf das Esten, um es zu kühlen, während er es zwischen die Kiefer schob. Er machte viel Geräusch. Lange Zeit starrte McPhillip auf den Tisch. Seine Rechte spielte nervös mit der Pistole, ein seltsames Funkeln kam in seine Augen. Er lachte plötzlich-, ein seltsames Lachen. Gypo sah auf und fragte erschrocken:„Was ist los, Francie?" „Nischt ist los, gib mir was zu esten.* Heißhungrig begann er zu esten. sein Taschenmester als Messer und Gabel gebrauchend. Seit langer Zeit hatte er nichts mehr zu sich genommen. Er schmeckte nicht, was er aß. er schlang es nur mit großer Schnelligkeit hinunter. Auch Gypo aß. starrte ober dabei immerfort McPhillips an. Jedesmal, wenn seine kleinen Augen McPhillips Augen begegneten, oerengten sie sich und bekamen einen scharfen Blick. Er fuhr sich dann mit der �unge in die Backentaschen und machte ein schmatzendes Geräusch. Schließlich hörte McPhillip auf zu essen. Er wischte sein Taschenmesser an der Hose ab und steckte es ein. Langsam sagte er:„Gypo, stehen da Polypen vor dem Haus von meinem Alten in Tsttstreet?" Gypo schüttelte als Antwort dreimal den Kopf. Er hatte einen vollen Mund. Dann schluckte er den Bissen her- unter, stemmte die Gabel an die Stirn imd dachte nach: „Laß sehen. Iawoll. sie hatten Polypen da. dir Wache stand bis noch Weihnachten. Dann hoben sie sie weg- Senommen. Soviel ich weiß, haben sie seitdem keinen wieder ingestellt, aber ich glaub«, es geht von Zell zu Zeit einer hin und stellt Fragen. Natürlich kann's auch fern, daß die Geheim«, sich mit der Sache befasien. Gatt allein mag wissen, wer alles für die Regierung spitzelt und wer nicht. Man weiß sa nie, mit wem man redet. Nie im Leben hob' ich so was gesehen. Ich will dir was sagen, Francie, der Prolet ist es gar nicht wert, daß man für chn kämpft. Die mesiten denken, du bist nach Amerika gegangen, aber ge- fährlich kann es trotzdem sein, dahin zu gehen. Wenn ich Geld hätte, dann tat' ich dir welches geben, damit du dann...* „Wo, zum Teufel, ninunst du all das Geschwätz her?* rief McPhillip. Er jchum Verdacht zu schöpfen.„So viel Ooalfch Hab' ich dich in einem Tag noch nicht reden hören, nicht mal in'ner Woche. Du gehst wohl jetzt auf die hohe Schule in der freien Zeit oder was ist sonst mit dir los?' McPhillip begann wieder auf den Tisch zu klopfen. Schweigen entstand. Gypo führte nachlässig mit dem flachen Messer die Krümel auf seinem Teller zum Mund. Als der Teller ganz leer war, schmiß er Messer und Gabel darauf. Dann dehnte er seine breite Brust und rieb mit der flachen Hand daran entlang. Plötzlich fluchte McPhillip und wrang auf die Füße. Er stand da und sah, wie einer, der träumt, cin paar Minuten den Tisch an. Gypo beobachtete seine Züge, die kleinen Büschel seiner Augenbrauen zuckten. Gleichzeitig bohrte er sich mit dem linken Daumennagel zwischen den Zähnen. Schließlich stieß McPhillip einen tiefen Atemzug durch seine Zäbne mit einem Geräusch, als ob er Eis lutschte. „Also gut," sagte er,„mein Alter ist jetzt zu Hause, wie?" Gypo antwortete:„Ja. ich sah ihn gestern. Er hatte Arbeit am See, aber diese vierzehn Tage ist er zu Hause. Ich glaube, er arbeitet an dem neuen Haus draußen in Rathmines." „Schön." McPhillip hob die Augen, sah Gypo finster an und lächelte aus eine merkwürdige Art.„Auf Wieder- sehen. Gypo. falls die Polizei mich nicht erwischt." Während er sprach, schien er an etwas zu denken. Seine Züge verdunkelten sich, er bebte. Dann zuckte er die Schultern und lochte geradeheraus. Er nickte und drehte sich auf dem Absatz um. Mit schnellen Schrstten verließ er den Raum. Longe und regungslos sah Gypo ihm nach. Er war mit dem Reinigen seiner Zähne fertig. Er starrte gerade auf die Tür, durch die McPhillip entschwunden war. Allmählich füllte sich sein Kopf mit Vermutungen. Seine Stirn runzelte sich. Sein Körper geriet in Bewegung, schließlich sprang er auf. Er sammelte Teller, Mesier, Gabel und das Salz zusammen Die Sachen stellte er im Gong in ein Spind. das von der Leitung des Heims zum Gebrauch der Logierer dort angebracht wor. Dos Spind gehörte nicht ihm, er hatte kein«, well er nur zeitweilig im Heim logierte, feit er keinen richtigen Verdienst mehr hatte, um das Schlofgeld für eine Woche zu bezahlen. Das Spind gehörte einem Kutscher, den Gypo kannte. Gypo hatte gesehen, wie der Mann sein Esten fiir den nächsten Tag in das Spind tat und wegging, ohne den Schlüssel umzudrehen. G»ipo wußte auch, daß der Mann vor zebn llhr abends nicht nach Haufe komme» würde: ja nahm er sich da««ßm.(FvrK folgt.) Ludmilla Swobuboda. NeueSchwindeleien der„Baronin Schütter v. Klingenberg" Di« angeblichc Baronin Schütter v. Klingenbs-g stand wi«d«r einmal vor Gcrichl. Ihr« Hochstapeleien haben wiederholt von sich reden gemacht. Einmal war ihr vor Iahren ein Perlenhals- band im Werte von IKllllllO G o ldm a r t, ein Familienstück aus der Hinterlassenschast des Barons Schütter v. Klingenberg, der sie vor dem Kriege geheiratet haben sollte und der dann in der Schlacht bei Tannenberg als russischer Offizier gefallen sein soll. gestohlen worden. So behauptete sie wenigstens. Damals war sie als Hochstaplerin noch nicht be- P a n n t Auf der Suche nach dem wertvollen Schmuck reiste sie in der Welt herum und glaubte ihn dann in der Auslage eines Iu. wellerladens in Südwestdeutfchlond entdeckt zu haben. Für sie kam oder nur eine Betrugsonzeige dabei heraus, denn_bie ganze Geschichte von dem Familienschmuck erwies sich als Schwindel. Auch die Heirat mit dem russischen Baron dürste ein Märchen sein, denn die angebliche Witwe hat keinerlei Papiere auszuweisen. Sie sollen ihr während der Kriegswirren gestohlen worden sein. Mehrfach ist die jetzige Angeklagte schon bestraft worden. Nach den neuesten Ermittlungen soll sie Ludmilla Swobuboda heißen und aus der Tschechoslowakei stammen. Früher hatte sie sich als Sophie Soboda aus Göttingen ausgegeben. Jetzt gestand sie, daß das falsch sei, kam nun aber wieder mit einer neuen roman- tischen Erzählung. Sie hätte jenen Namen nur angenom- wen. weil sie die Tochter eines reichen Gutsbesitzers sei und In der Familie und Heimat nicht bekannt werden lasten wollt«, daß sie in Deutschland schon bestraft sei. Als die„Baronin* vor einiger Zeit aus dem Gefängnis kam, erschwindelte sie sich monatelang Unter« stützungen beim Wohlsahr dsamt, indem sie sich als die Kammerjungfer der Baronin Schütter v. Klingenberg ausgab, also als ihre eigene Kammerjungfer. Das Schöffengericht Eharwtten- bürg verurteilt« die Angeklagte wegen fortgesetzten Betruges zu 3 Monaten und einer Woche Gesänzni». Ein(Schwerverbrecher eniwicheu. Oer Schrecken der Äorsiadtvillen. Am Sonnabend entwich aus dem Zuchthau» in Brande». bürg a. d. Havel der 31 Jahr« alts au» Kiew gebürtig« frühere russische Kriegsgefangene Gregor Wtttrack, der im vergangenen Jahre viel von sich reden machte. Im Frühsommer wurden damals verschiedene Vororte von ES- penick bi» nach Hermsdorf himiber von Einbrechern schwer heim- gesucht, besonders die Landhäuser und«infam stehenden Villen. Die Verbrecher waren stets mit Schußwaffen ausgerüstet und mochten auch Gebrauch davon. In Eöpenick wuche ein junger Saus« mann Rudolf Grosser auf der Verfolgung durch einen Schuß so schwer verleizt. daß er bald darauf st a r b. Wochenlang hielt die Band« die Kriminalpolizei und die Oeffentlichkeit in Atem. Anfang Juli wurde zunächst ein Mitglied der Bande, ein früherer Tischler namens Wicke, sestgenommen, bald darauf auch der Anführer W i t t r a ck in der Kleinen Auaustftrahe. Wsttrack hatte erst im Frühjahr 1327 das Zuchthaus in Kassel nach Verbüßung seiner Stase wegen eines Einbruches bei dem früheren Reichskanzler Bauer in Sonderehausen verlassen. In der Strafanstalt hotte er Wicke Pennen gelernt. Beide kamen nach Berlin und gründeten hier eine Einbrecherbond«. Für die Vororteinbrüche wurde Wittrack, soweit sie ihm nachgewiesen werden konnten, zu Iahren Zucht- hau» und 5 Iahren Ehrverlust verurteilt. Das Verbrechen au Grosser wurde abgezweigt, weil ein dritter Mann noch nicht ermittelt war. Er ist auch jetzt noch nicht «griffen. Zur Verbüßung der neuen Strase wurde Wittrack nach Brandenburg gebracht._ Der vorletzte(Schritt. Ja der Leipziger Straße, mitten tm Rummel grellbunter Pla- kat«. flatternder Wimpel und einer riesigen, unaufhörlich hin» und derwogenden Menschenmasse steht ein Mann mit einem großen Plakat in der Hand. Auf diesem offeriert er sich der vorübercilen« den Menschheit zur Entgegennahme von Arbeit, gleich welcher Art. Sei» eigentlicher Beruf ist Schaufensterdekorateur. Und nun folgt in kurzen Worten sein Lebens- und Leidenslouf. Sicher war es nicht bloß Zufall, daß der Mann gerade jetzt, zur Inoenturzeit, im lebhaftesten Geschäftszentrum der Stadt feine Not htnausfchreit. Bielleicht kalkuliert er:„Ein vorteilhaftes Fähnchen weniger, mein« liebe Dame, und ich kann mich von dem Geld« wochenlang sattesten!"' Noch nimmt er töne Groschen, Sechser oder Pfennige. Aber de? Schritt vom Betteln um Arbeit zum Vetteln um Brot ist doch nur«in halber. Heute bäumt er sich noch auf in Derzweislung über sein trauriges Geschick, morgen vielleicht schon streckt sich nur mehr ein« Hand vor und ein von Bitternis versthlostener Mund murmelt wirres, unverständliches Zeug. Frau Äraunihal tödlich verunglückt. Auf einer Ferienreise in den Tiroler Alpen verunglückte die Gattin de« Leiters der Heim-Dolkshochschule Tinz bei Gera. Frau Dr. Brounthal: sie stürzte von einem Felsen und war sofort tot. Dies« Mitteilung wird bei vielen jungen Arbeitern und Ar. beitermnen, die in den letzten Iahren als Schüler In Tinz waren. Bedauern und Trauer hervorrufen. Trauernde Hiuterbliebeueu. Lachende Erben sich) heute selten. Auch hinter dem Sarge der entschlummerten„Täglichen Rundschau" geht ein Gefolge mehr trauriger als trauernder Hinterbliebener. Der Beutel der Beworbenen soll leer gewesen sein, und die Lösung der verschiedenen Verbindlichkeiten im Hause selbst scheint auf Schwierigkeiten zu stoßen. Mit am empfindlichsten trifft dies den Stab der freien Mitarbeiter, die ihre letzte H o n o ro r f o r de r u n g einfach nicht mehr ausbezahlt bekommen haben und auf spätere bester« Zeiten vertröstet wurden. Man erkennt wohl chre Forderungen an. verspricht auch deren Bezahlung, ober vor- läufig heißt es: Es ist kein Geld dal Die„Tägliche Rundschau" hat nicht nur in den letzten Jahren ihres Bestehens, sondern seit je kräftige Wörtlein über Treue, Redlichkeit, Biedersinn, Zuverlässigkeit. alles nur mit dem energisch betonten Zusatz„deutsch", gesunden. besteht für uns nicht der geringste Zweifel, daß die„Tägliche Rundschau" die deutsche Treue und die deutsche Ehrlichkeit, die sie stet« dem deutschen Volke gepredigt ha«, setzt selbstverstöndlich in erster Linie ihren Mitarbeitern erweisen wird. Man wird e« er» leben: Jeder Mitarbeiter, jeder Schriftsteller wird auf Heller und Pfennig bezahlt werden. 3?r. 678 Hauptgetvmn. Auf 253 678 fiel am Schluß der gestrigen Nachmittags-Ziehung der Preußisch-Süddeutschen ftlaffenlotterie der Hauptgewinn von 100000 M. Gegen das Tchneeballsystem! Dl« umlautere Kundenwerbung durch da» sogenannte Schnee« ballsystem bildete den Gegenstand eingehender Besprechungen im Einzelhandelsaueschub der Industrie« und Handwerk»- »ammer zu Berlin. Erfahrungsgemäß lasten sich gerade min- derbemittelte Käuferfchlchten durch den bei diesen Geschäfts. arten festgesetzten Unterpreis, der im ofsensichtllchen Mißverhältnis n dem Wert der angebotenen War« steht, zu Anschaffungen»er« leiten, die meisten, zu wirtschaftlichen Schädigungen des Erwerbers führen, weil es nur selten gelingt, den schweren Bedingungen des Verkäufers, noch deren Erfüllung die Ware erst abgegeben wird, nachjukoinirieii. Außerdem werde durch der- artig« unsolide Systeme in weiten Kreisen ein durchaus u n- gesunder S p e k ula t i o n« g e i st herangezüchtet, der die ganze Geschäftsnioral ungünstig beeinslusten kann. Oer Giahlpiloi. Gin avtomatisch lenkbares Flugzeug erbaut? Paris, 11. Juli. Lechnkich wie die Ozeanfchiff« durch entsprechende Kuppelungen mkt automatischen Kompaßeinrichtungen für die Normalfahrt ge- steuert werden können, ist es nach einer Mitteilung des„Petit Journal" den Ingenieuren B o u ch e r und Bernady nach lang- jährigen Versuchen offenbar gelungen,«in Flugzeug zu bauen, besten Führung nicht mehr durch menschliche Kraft, sondern durch den sogenannten„S t a h l p i l o t« n" erfolgt. Dieser enthäst drei Stabilisatoren, um die Längen-, Seiten- und Rtchtungsstabilität während des Fluges zu sichern. Die einzelnen Organe werden durch elektrisch« Motor« geleitet, di« durch Druck auf verschiedene Knöpfe ausgelöst werden. Explosion in Oberschöneweide. Auf dem Gelände der Olex. Petroleum« Gesellschaft, Nobelshofftraße 3 in Oberschöneweide, explodierte gestern früh unter starker Detonation aus bisher noch völlig ungeklärter Ursache ein B e n z i n f a ß. Ein in der Nähe des Cxplosionsherdes beschäf- tigter Arbeiter wurde erheblich verletzt und mußte in das Elisabeth. Hospital gebracht werden. Der Wertswehr gelang es, das Feuer einzudämmen und die Gefahr für die in nächster Nähe de» Brandherdes lagernden Vorräte zu beseitigen. am Donn«rslagf dem 13. Juli, findet Ober OroD-Berlin eine sehr wichtige Flugblattverbreitung statt. Alle Parteimitglieder müssen sich In den bekannten Lokalen einfinden I J»S Ausland entkommen. Dem am 11. April d. I. au» dem Untersuchungsgefängnis Moabit befreiten Schriftsteller Otto Broun ist es, wie WTB. mitteilt, nach inzwischen eingegangenen Nochrichten gelungen, mitsamt der Stenotypistin Olga Benario ins Ausland zu entkommen. Aus diesem Grund« steht sich der Oberreichsanwokt veranlaßt, die damalige Auslobung von 5000 M. für die Mitwirkung bei der Er- greifung von Otto Bronn und Olga Benario zurückzunehmen. All« übrigen Fahndungsmaßnahmen gegen die Fluchtigen werden auf« rechterhalten. Nock, acht Ueberlebende der„Angamos". Acht weitere Ueberlebende der„Angamos"»Aatastrophe. die sich in«in«n Rettungsboot gerettet hatten, sind aufgefunden worden. Die Zahl der Toten stellt sich somit auf 201. Gin Mädchen zu Tode gequält« Aus D ü r» h a l z bei Iglou In Böhmen wird«in erschütterndes Unglück gemeldet. Junge Burschen stellten einem ISjährigen Mädchen nach, das von den Bengeln nichts wissen wollte. Es war daher dem Spotte der Archen ausgesetzt. Die Burschen ver« anstalteten dem Mädchen Katzenmusiken, setzten üble Gerüchte in Umlauf und klebten an das Haus unflätige Zeichnungen. Dazu schrieben sie an das Haus: Hier gibt es billiges Bockfleisch. was im dortigen Sprachgebrauch« heißt: Hier wohnt ein Mädchen, das jedem leicht zu Willen Ist. Das Mädchen geriet darüber lo in Aufregung, daß es nervenkrank wurde und in wenigen Tagen starb. Mörder Alkohol. In einem Hause vor der Stadt Oslo wurden drei Männer und eine Frau in verkommenem Zustande gefunden. Sie hatten von Sonnabend bis Montag ein Trinkgelage veranstaltet. Einer der Männer war berests an Alkoholvergiftung gestorben, ein weiterer starb auf dem Wege zum Krankenhau» und die Frau während der Behand- l u n g durch die Aerzte. Der dritte Mann schwebt zwischen Leben und Tod._ ver preußische Innenminister Grzesinskl wird im Rahmen des von der Handelshochschule, der Stadt Berlin und der Industrie- und Handelskammer veranstalteten Kursus„Fremdenverkehr" am Vonnerstag, dem 12. Just, 18 Uhr, in der Handelshochschule Berlm, Berlin C. 2, Spandauer Straße 1, über dos Thema „Polizei und Fremdenverkehr" sprechen. Genosse Friß Schäfer. Eamphausenstraße 4, ist, 63 Jahre all, nach kurzem Krankenlager plötzlich einem Herzschlag erlegen. In über 35 jähr ig er Mitgliedschaft hat er bis zuletzt der Partei als Funktionär treu gedient: einer von den vielen Genossen, die in stiller, hingebungsvoller und treuer Arbeit den Aufstieg der Arbeiterklasse verwirklichen halfen. Kein Freund von großen Worten, bleibt er mit seinem ruhigen, unermüdlichen Wirten uns allen ein Vorbild. Die Einäscherung findet beute, Donnerstag, nachmittag Viü Uhr, im Krematorium Baumschulen« eg statt. Aus der Arbeitsstelle lödllch verunglückk. Auf dein Treppenflur des Hauses Lützowufer 31 ereignete sich gestern ein sch w e r e r Unfall. Dort waren mehrere Maler mtt Arbeiten beschäftigt. „Ferienfahrten durch di« Mark" heißt»ine Serie von Abendveranstaltungen, die der Rundfunk seinen Hörern be- scheren will. Als erster Treffpunkt wurde Rheinsberg gewählt, das Fleckchen französischer Rokokoeleganz. Die Funkveranstattung hätte versuchen müssen, dies einzusangen. Statt besten Inszenierte ste. wenigstens zum Teil, eine Art Vereinsausslug. Aus eine andere Feri«, fahrt, di« frellich in Wirklichkeit erst in einiger Zell auszu« führen sein wird,«elcstete ein Vortrag oon Norbert Meyer, der .cht« neuentdeckten Tropfsteinhöhlen bei Plauen" schildvte. Dieses Naturwunder wurde durch einen Zufall von einem Kalkbruch aus im Frühjahr diese» Jahres ausgefunden. Es ist eine unterirdische West von märchenhafter Schönheit. Sie wird den Tim- rlsten jetzt zugänglich gemacht. Man legt— leider— Lichtleitungen hinein, bahnt Wege und schafft damit ein« Sehenswürdigkeit, die dem Oertchen Syrau in künftigen Reisehandbüchern ein« Notiz und «inen Stern sichern. Die verzauberte, kaum berührte Schönheit, die der Vortragende erblickte und den Funkhörern schilderte, wird diese unterirdisch« Welt dann wohl kaum noch zeigen, wenn bei elektrischer Beleuchtung di« Reisenden in Schaven durch sie gefüyrt werden. Ein sehenswerte? Naturwunder aber werden die Tropfsteinhöhlen bleiben. T e s, Der Zljährige Mol« Friedrich Pasche» aus der Alexander', straße 8 stürzte eine etwa 10 Meter hohe Wendel« treppe hinunter und erlitt einen doppelten Schädelbruch, sowie inner« Derletzungcn, Der Verunglückte wurde durch das Städtische Rettung samt in das naheliegende Elisabeth- Krankenhaus gebracht, wo er einige Zeit nach seiner Einltesenurq starb. Di« Leich« wurde beschlagnahmt. Pflege und Ernährung des Säuglings. Am Donnerstag, dem 3. August, beginnt im Augufte-Vittoria-Haus, CharloneriburI, Frank ftraßc 3(Stroßenbahnhös Westend), ein Kursus für Mutter und Mädchen, in dem alles das gelehrt wird, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings misten muß. Der Kursus umfaßt vier Doppelstunden, jeweils Donnerstags von 3— 5 Uhr. Die Einschreibogeknihr von 8 M. ist im Aufnahmebureau der Anstalt zu entrichten. Elile-Sänger am Soklboster Tor. Man kann es dem Sänger- oötkchen am Kottbuster Damm gerne bescheinigen, daß es auch in der Sommerszeit gilt versteht, sein Theater zu füllen. Im Mittelpunkt de« Iuliprogramms— das wegen der Uriaubszett der Sänger nur bis zum 16. Juli läuft— stcht wieder Schorfch Ruselli, der auch in der Schlußkomödie„Wasserrotten" neben Gustav Rieß eine wundervolle Figur abgibt. Die Herren Naumann, Hohenfels, Becker und Rieh sorgen mit einem Croeschen Gelangsakt siir«ine gute Einleitung des Abends. Alfons Bornemann folgt mit Salonvorträgen. Max Hennings ist besonders prächtig aus- gelegt. Sein im Parkett vorgetragenes Chanson von Knikel und Erlte läßt die Sitzreihen wackeln. Später macht Gustav Rieh in „Stimmung"... Dann ist der Moment für Ruselli gekommen, der im Juliprogramm„nicht weiß, was er will". Ueberflüsstg zu sagen. daß er wieder Triumphe feiert. Die Herren Becker. Hohenfels, Nau- mann und Rieß finden sich im zweiten Teil des Programms im Bild„Auf zur Landpartie" zusammen. Eine flott gespielte Angelegenheit. die mehr gefällt als das Bild vom Leben auf dem Ka fernenhos in vergangener Zeit, das zu naiv-unwahrfcheinlich aufge- macht ist. Dos Programm wird durch die Komödie„Wosterroten beschlosten. Kapellmeister �ermonnele" betreut wieder bedacht'? die Hausmichk._ Sport. Kennen zu Hoppegarien am Mittwoch, dem 11. Intt. 1.« e n n e ti/ 1. gafit. 3. Bnlonla(Ianek) Toto: 18:10. Platz: 11. 18:10. Ferner lief: Ee.ivio. 7. Rennen 1. üaetilia(I-nekl. 2. Logarithmus(Huguenin). 8. Bubi(D. Schmidtt Toto: 32: 10, Platz: 12, IT 13- 10. Ferner liefen: Immortelle, Siidkap. parieinach richten fürGroß-Nersin SWIenduvge» Illr diele Siudrkl stutz ver li» SB«. Si-de-ltr-tze«. stets an das«eitrtslehct axial' L Hol. I Treo- rechts, zu richte». Acht»»»: Alle Kreise, die de» Aufmarschpla«»ur Antl-ilrie�skundgebung an, 1. August»och aicht eingereicht haben, werde» dringend aufgefordert, deujelben »«gehend de« Bezirkssekretariat, Bureau Fischer, ein' znsenden. |t«ttis Mitte tonrernnsü Jtemwiftiss:«» ,«»«'£:& � /tetet eine Befuht Runo des Schnlgsrtcu« iu Blauten selde statt. Irfffanott rar- mittags 9 Uheln stterderd.«adstatwu der Stxastendadneu«»d«"> Don ootl genmuloiaet Dtiuaeich»um Sditzlgartto. Nach(wt«öu.t.prun? von au». -von van vevirlii.au.--!. ai 1 U, �uiM t �- findet«In,«est im«ex«I-»dau» der«l-i-gaetcupachtet in»laulenfe.d: «»ienlhal statt. Nachmittag, Rundgang durch die fttengaxte«. Stet Scnostlnnen und He aasten des 1. gxeists stud hierzu eiugeladk«. henke. Donnerstag, 12- Zuli: «.«Ist.«ne»knasscn treffen sich von 18 dis» Uhr dai Richert, Stein nutz. strutze 85,, zur Flugblattoerdreituni.. te.«dt. ig Ulic de! Schmidt. 3SUI«{(te 17. Flugdlattverdreiluua U.«dt. Tlugblattoerdrellung deute. DannexSae. und marg-n stmchaa Die MltgNeder mosten hle Alugtzlöttce von der Soedittuu Zoiepd. Sildelcn»- doviner Str. 15, zur Verbreitung abholen 19.«dt, Sic Bezirksfilhrer holen heute ab 17 Ubx die Mu"htetter Scheene! ad. 15 Uhr Flugdlattveebreiwna von den belannten Lollalen Äste«cnossinneu und Genossen haben sich daran z», d-teiliacn 29.«bt. 15 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee Ist», wichtige Flugblattvcrdr-i« tung. Niemand darf fehlen..„..„ 35-«St. Muablattverbieitung 18 Uhr in den Lokalen»Usch, rilstter Str. 27, und Äiusckuß. P-ier-burger Sir.!> Die T-Nnehmerlisttn zur Bomofcr- fahrt am 6. August müffen bestimmt bis Freitag, 13. Suli. abend». Selm Abteilungsleiter atmelielert werden. 38.«bt Die Flugdlilltcr kdnnen oon IZ bis 18 Uhr vom Se nassen SSnxk«. --Juristisch- Surechstundr, Lindenstr. 8, abgeholt.werden 49.«Ist. Fluablativerdreitung bei«cufuer. Hagelberger SN. ZV.«tlc Mit- gli'der müssen stch daran Tieteiligcn. «7. Abt ITt, Ubt Flugdlaltvexbreitung in folgenden Lokalen: Bez-rfe 83, 83 bei Timve. Raunvnstr. 60. Bezirk 97 bei Litt, Naunqnstr. 9. Bezirke 93 bis 105 bei Siedenlopf, Muslauer Str. 33.. �. 113.«ist. Schmöckwitz. 30 Uhr Mitglieberverfanmikung im Lokal«aronlkl IN Schmöckwitz. Um pilnftliches und volliohliges Erscheinen wird gebeten. 114.«dt Lichte itbera. Bon U Uhr an Zlugbiauu-roreuung bei Schwarzer, Gabriel- Biax-Sltatze 17.,,, Morgen, Freitag. 13. ZuN: IIS. Übt Köpenick. Di« Funktioniire der Abteilung sowie all« Genossen, die bereit sind, den Bildungsausschutz bei der Vcranstalllinz des Sommerfestes am 15. Juli im Wondenlchlotz zu unterstützen, iverden gebeten, stch am Frtilag MU Uhr in der Bibllothek Schlotzstr.«7 l einzufinden. 124,. Abt. Zstahlsdoef-Siid. 30 Uhr bei D rader, UHlandstr. 15, wichtige Zuuk- tionstrsitzung. Alle Funktionär« müssen zur Stelle sein. — s 195.«bt Alst. Köpenick. Sonntag, 15. Zuli, km veudenschlotz? Somwerfcst Wie bitten die»«Nossen, sich retbt zahlreich mit ihren. Familien, Verwandte» und Bekannten zu beteilige». 125. Abt. Friedrichsfeld«. Sonntag, 15. Zuli.«nsflns mit Familie», sst angehöe'aen nach Eansfvncf, Kauledarf-Sstd. Abmarsch 12H Uhe oon?) der Friedeichsseldex Kirch«. Bit bitten um recht reg,«etelliguug. Li Bm Jraucnoeranffasfungen. 88.«bt Teilnehmerkarten zur Dampferfahrt am Z. August nach Woltern- darfer Schleus« sind bei den Senossinnen Wolf, Höchste Str. 42, und Reusch, Friedenstr. 36, ,u haben. Preis der Karten für Erwachsen« UO M. und für Kinder 50 Pf. 82. S.'bt. Steglitz. Montag, 25. Juli, Ausflug nach 8-hlendarf.Dcst. Stoffce- kochen im Walde bei Bude 4. Treflsunit 14 Uhr Wannseebahnhof Steglitz. Ziachzügler fahren bin gehlendorf-Vest. Dann noch 15 Minuten Futzweg- Um zahlri'ch« LeteUiguug wird gebeten. Jungsozialisten. »txtz. Berlin: Heute, Donnerstag, von 17 bis 19 ih Uhr k taten Ar. 4, Buchte- stube, Abxechnuaa der Beiträge nfw. Gruppe Rr nickendarf: Heute. Donnerst�. 30 Uhx. Im«alkshau» Schaxn. w'berstx. U4 B-xtxag:„«Vnoteatie im Klasienstaat.�«»leeent Genosse Seig«- Wasser. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht Käste willkommen. Geburtstage, Jubiläen usw. 19..«bt Wa Genosse«» t u Nxill. Holst-iuex llfe» 12. beoing am 5. Zuli das Fest tet Silberueu Hochzeit»h graiulier-u ihm h-r»lichst. Sterbetafel der Groß. Berliner Partei. Organisation� ?lb� Britz-Buckom. Unser Genosse Karl Schul». Hannemannste. 88, ist �ttstorben. Ehr« seinem«»denken. Einäscherung heute, Donnerstag. 12. Zuli, 15 Uhr, im Krematorium Baumschnlenwsa. Wir bitten um rege Beteiligung. Beteiligung. Der Rechisausschuß beschließt Amnestie. Mii allen gegen eine Stimme. ver Rechrsaosschvß des Reichskog» ha» gestern mik allen Sllmmea gegen eine Klimme der Bayerischen Balfsporlei einen Amncstiraalrag Villmavn. Rosen- feld. wegmann. Bokins. wunderlich. Ehlermann a n g e- nommen. Der Antrag besagt: .Es wird Straserlasj gewährl sNr die beim Inkrafttreten des Gesetzes rechtskräftig erkannten und noch nicht verbühten Strafen. die von Gerlchleu de» Reiches oder der Länder wegen Straftaten verhängt wurden, die aus politischen Beweggründen begangen worden sind oder die wegen Zuwiderhandlungen gegen das Militär st rafgesch von Militärgerichten bis zum l. Oktober lSZO rechtskräftig erkannt worden sind. Anhängige Verfahren werden eingestellt, wenn die. To« vor dem l. Januar 1it?S begangen ist: neue Verfahren werden nicht etugelcilel. Ausnahmen von der Skraffreiheil sind Landesverrat und verrat militärischer Geheimnisse, wenn die Tot aus Eigenuuh begangen Ist, ferner Verbrechen gegen das Leben und solche Stroflalen, zu deren Durchführung der Töter ein verbrechen gegen das Leben begangen hat. Strafen wegen Verbrechens gegen dos Leben werden gemil- bert Freiheitsstrafen werden a v f die Hälfte herabgesetzt. Dabei tritt an die Stelle von Zuchthaus G e f S n g n l». Lebenslängliche Zuchkhausstrafen werden in Gefängnis von 7 H Jahren umgewandelt. Ist bereits ein Gnadenbeweis er- folgt, fa tritt die Milderung bei der im Gnadenerwels festgefetzten Strafe ein. Erlittene Unterfuchuugshafl und erlittene Strafhaf« werden auf die gemilderte Strafe angerechnet. Enthält ein« Gefamkstrafe Eivzelstrafea wegen ein« Zuwiderhandlung, die unter das Amnestlegefeh fällt, fo wird dlefer Test der Gefamtstrofe im Falle des Straferlasses in voller höhe. im Falle der Strafmilderung zur Hälfte der Gefamlstrafe in Ab- Zug gebracht. Sind wegen de» Zusammentreffens mit Zuchthaus- strafen wegen der unter da» Gesetz fallenden Zuwiderhandlungen hei der Bildung einer Gesamtstrafe Gefängnisstrafen in Zuchthansstrafen umgewandelt worden, fo wird die gekürzte Ge- famtftrafe in Gefängnis von gleicher Dauer umgewandelt. vermerk« über Strafen, die unter da» Amnestlegefeh fallen. find im Strafregister zu tilgen." » In der Ausschußberatung begründete Abg. Alexander(Komm.) 'ttmv weitergehenden Amnestieantrag- Abg. Hanemanu(Dnot) be- m-r"--------- Antrages Dittmann und Ge- bereit, dem Antrage zu- daß seine Freunde grund- glich gegen Amnestien seien, daß st« aber, um eine allgemein« politische Beruhigung herbeizuführen, s ü r den Amnestieantrag stimmen würden, falls nicht eine größere Fraktion dagegen stimme. Reichsiustizminister koch gab für die Reichsregierung die Er- Närung ab, daß die Amnestie nach dem Wunsch der Regierung nicht al» parteipolitische Maßnahme erscheinen solle, sondern von >iner großen Mehrheit des Reichstags getrogen werden müsse. Abg. Dsteger(Bayer. Dp) führte aus, daß seine Freunde, nicht nur grundsätzüch gegen jede Amnestie seien, sondern auch diese Amnestie ablehnten, vornehmlich aus staatsrecht- Öchen Gründen, weil dlf Vorlage- die-g ust i zh oh djer; Länder verletz,. GtaNt'srat vllßti-in-schloß sich- namens-der Bayerischen Regierung dieser Erklärung an. EMntiiche größeren deutschen Länder seien der Meinung, daß das Reich für eine so weitgebende Amnestie nicht zuständig sei. Minister koch erwiderte, daß c» der Reichsregierung fern liege, bei dieser Gelegenheit den Gegensatz zwischen Unitarismus und Föderalismus wachzurufen. Die ZZerhandrungen mit den Landern hätten ergeben, daß eine Einheitlichkeit der Länder in der Be- Handlung der Amneftiesrage nicht zu erzielen sei. Deshalb sei kein anderer Weg möglich gewesen alz der einer Reichsamnestie auch für die Länder. Genosse Dr. Rosenfelb erklärte für die sozialdemokratische Frak- tion: Auch meine Freund« sind von der Vorlage nicht restlos befriedigt, auch wir hätten die Amnestie gern in manchen Punkten anders gestaltet, . insbesondere hallen mir den Wunsch, auch diejenigen Slras- loten zu amuestieren, die aus sozialer Rot begangen find. Nachdem wir aber m den Verhandlungen mit den anderen Par- teien, die in der Regierung vertreten'sind, nicht alles und nicht mehr haben erreichen können, und da wir erwarten können, daß der in der Resolution ausgedrückte Wunsch der antragstellenden Parteien zu einer weitgehenden Einzelbegnadtgung von Personen führen wiro, die aus sozialer Not strafbare Hand» lungcn begangen haben, werden wir unter Ablehnung aller'Ab- Sndcrungsanträg« für den vorliegenden Kompromiß- a n t r a g ft i m m e n. Abg. wunderNch(D. Dolksp.) legte dar, daß feine Freunde gegen eine Amnestie seien, daß sie aber bei breiter Front für die Amnestie bereit seien, ihr zuzustimmen. Abg. Iärisfen(Wlrtsch. P.) sprach die Zustimmung seiner Freunde aus. Stach kurzer Auseinandersetzung des Staatssekretärs Joel k mit dem Abg. Alexander(Komm.) über den Zentral«-Pro- z e ß stellt Abg. Dr. Everling(Dnot.) folgenden Antrag: Die Reichsregierung wird ersucht, den Reichsbeamten, gegen die wegen eines aus politischen Beweggründen beruhenden Dienswergehens ein Disziplinarverfahren durchgeführt oder eingeleitet ist, Begnadigun- gen zu gewähren derart, daß verhängt« Strafen gestrichen und daß Beamte, die mit Entlastung bestrast sind, behandelt Verden wie in den einstweiligen Ruhestand verfetztc, bei Erreichung der Altersgrenze wie pensionierte Beamte. Redner fügt hinzu, daß er bedaure. daß dem Mtragc der Regierungsparteien ultimative Be- deutung gegeben werde. Er bitte prvtokollmäßig festzustellen, daß die Länder weitergehende Schritte auf dem Wege der Amnestierung vornehmen können. Reichsjustizminister Dr. koch: Daß die Länder in der Begnadi- gung weitergehen können, ist felbstverständlich zu bejahen. Ich kann den Ländern dos Begnadigungsrecht nicht entziehen. Der Entfchlie- ßung wegen der Disziplinarverfahren bitte ich nicht zu entsprechen. Lei der Abstimmung wurden sämtliche von Kommunisten und Deulfchnallonaleu gestellten Anträge gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der Antrag Dittmann und Ge- nossea wurde schließlich in der Gefamtabstiwmung mit alle» Stimmen gegen die eine Sttmme des bayerische» Volksparkeilers angenommen. Ein Aolrag Dittmann. Rosenfeld, wegmann. Vokius. wunderlich, Ehlermann: Die Reichsregierung z» ersuchen, bei den Ländern dahin zu wirken, daß Personen, die au» wirtschaftlicher Rot oder aus Anlaß de» passiven widerstände» straffällig geworden find, bei der Ausübung de» Gnadenrecht» in be' sonder» wohlwollender weife berücksichtigt werde», wurde ein- stimmig angenommen. Arbeiterfragen im Landtag. Die Tirt der Küstenfischer.— Vie Zechenstillegongen im?ilchrgebiet. Zu Beginn der Wiltwoch-Sitzung des Landtag» sprach zunächst Präsident Bartels d«n Abg. Herold(Z.) die herzlichsten Glück- wünsche zu feinem 80. Geburtstag au», den der Abg. Herold am 20. Juli, also während der Vertagung begeht.(Die Kommunisten rufen: Der alle Sacker!— Große Entrüstung im ganzen hause.) Der Präsident teilt dann mit, daß für den Abge- ordneten Kolosser der Abg. M« n z. Berlin(Wirtschastspartei) in den Landtag«ingetreten ist. Da» Haus tritt in die Tagesordnung«in und bespricht zunächst die Anträge über die Notlage der Küstenfischerei. Nach kurzen Ausführungen der Abgg. wörick«(Komm.), Gieseler(Natsog.) und Sickhöffel(Dnat.) erhält das Wort Abg. Jürgeosev(Soz.): Während die Hochseefischerei bi» jetzt Beihilfen bekommen hat. haben die Küstensischer bisher nur Kredite erhalten. Wir wallen, daß der Küstenfischerei geholfen wird und werden deshalb darauf hinwirken, daß die Kredit« entweder zu ganz geringen Zins- fätzen gegeben oder in Beihilfen umgewandelt werden. Di» Deutschnationaten haben sich trotz aller großen Wort« l«diglich 'darauf beschränkt, unser» schon früher gostellten Anträge au» den Protokollen abzuschreiben.(Hört, hörtl bei den Soz.) Durch die Annahin« unserer Anträge wird den Küstensischern in wirksamer Weise geholfen werden.(Bravol bei den Soz.) Die A b st i m m u n g ergab die Ablehnung der Einbeziehimg der Küstenfischer in die Erwcrbslosenfürsarge und di« Annahme des sozialdemokratischen Antrag», durch geeiqnet« Maßnahmen dl« Fischer in der westlichen Ostsee für den Verlust der nordschleswigschen Fanggründe zu entschädigen. Nach den Anträgen des Geschäftsordnungsausschustes stimmt da» Haus d«r Einstellung von Strafverfolgungen einer Reih« von Ab- geordneten zu. Hierauf wird ohne Aussprache eine Anzahl von kleineren vor- lagen an die zuständigen Apsfchüss« überwiesen. Nach kurzer Aussprache überweist da» Hau» die vorlag« über di« Bestimmungen betreffend die unkündbare Anstellung in d«r Schutzpolizei dem Demntenausschuß. Cs folgt die Beratung der Hauptavsschußanträg« über di« ge- planten Zechenstillegung«» und Bergarbeiterent- lassungen im Ruhrgebiet. Nach den Berichterstattern Abgg. Mehtuger(Z.). Sobottka(Komm.). Fries-Siegen(Soz.) erhält das Wort Abg. Jakobs(Soz.): Wir können nicht di« Notwendigkeit der ZechenMegungen und Arbeiterenllastungen tn dem Umfang anerkennen, wie ste vorge- noimnen werden sollen. Wenn man die Ursache lediglich auf die englische Konkurrenz abschiebt, vergißt man völlig di« Rationa- lisierung, die sich nur aus Kosten der Arbeiterschaft auswirkt. Die angebliche Rotlage der Ruhrindvstrie wird«reffend illustrier« durch franzäsifche Berichte, wonach im Zahre»027 Sötme und Töchtrr van Ruhrlndustriellen in Monte Carlo nicht weniger als öllll Millionen Franken versptelt haben.(Hört, hört! bei den Soz.) Die siebenstündig« Arbeitszeit nur in den Staatsbetrieben einzuführen. wie es die Kommunisten wollen, können wir uns aus dem Grunde nicht entschließen, weil die Staatsbetriebe nur ein Zehntel der ge- samten Ruhrindustri« ausmachen. Damit würden die Staatsbetriebe konkurrenzunfähig und schließlich sine Beute der Privatindustrie werden. Der Redner spricht sich schließlich ganz energisch gegen die geplanten Stillegungen und Entlastungen aus. Nach kurzer Aussprache wurde der Ausschußanirag an- genommen, wonach die Stoatsregierung aufgefordert wird, auf die Reichsregierung einzuwirken, das Sohlenmirkschaftsgcfetz so zu verbessern, daß die Vetetllgung-quole stillgelegter Gruben aus andere nicht überkragen werden kann. Mird die llebertragborkeit beibehalten, so soll den arbeitslos werdenden Arbeitnehmern bis zu 2S Wochen der Unterschied zwischen der Arbeitslosenunterstützung und dem letzten Reltoloh« als Abfindung gezahlt werden. Schließlich verabschiedete dos Haus noch ein« Resolution des Wohnungsauechlzustes, die sich mit der Wohnungsnot der Beamten beschäftigt, und einen Antrag des Houptausschustes, der die Regierung auffordert, die Ausländsanleihe der Pro- vinz Ostpreußen tatkrästig zu fördern. Damit war die Tagesordnung erledigt und das Haus ging mit den besten Wünschen des Präsidenten für gilt« Erholung in die Sammerferien. Die nächste Sitzung findet am 2. Oktober statt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Gillsevdmig« fflr diese iHudrfl IN» a» Da* Zugendfetretaitat Zerfla SD«. ündenflrote 3 heute. Donnerstag. 12. 3aQ. 19H Uhr: Mmelfeti Ml Paetetheu» S-of- mU, Schlstzstr. 27, N, fieUen Borsis-Nden i>« AoteUuns nehme» teil. »Amischee»Zar!: Srnße grantfueter Str. lt. Zimmer 2..Ardeittrfllhrer." — Sie eben- Lortzing. Scke vraunsiraße..Ausaan«» der Sewerkschastcn/'— Fellvlat II Schul« Soiuieniurger Str. W..Wir bilden»ine Ziegierunz."— »Speuicke» Di ertel,.Lerualfragen."— WIlinerndois! Ius«ndl>eun Wilhelms. au« 137. �ugeudwohlsahrt."— iZehlenbors- Im LolaI uon Busse, RarlstioBe. .Die Zugenobewegung im moberneu China." Bewegielioechor: Utdungsstunhe. Anschließend Probe fllr Dortuwnd. Slsasser Straße 3«, S-s»ort. Partei Werde Sesirt Prenzlauer«erg!.... W I Zuzenbtagabenb am Freiiao, 13. Zuli, schon um 19 Uhr erscheinen. Die Sruppenleiter«erben gebeten, recht viele Zeltbahnen und Decken mitzubringen. Die Srvppen Fallt! laß I und D übernehmen die Ausschmückung her Aula. Vorträge,Verei«e und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Sefchättaftell«: Berlin 6.11, Eebastiaustr. 177«. Kok Z Dr. Don-eratag, 13. Juli. Mitte: Z. Sam-robschatt: 20 Uhr Versammlung aller aktiven tlamerahe», Aungestr. SO. Fiergorten! Äomerab- ost Hansa: Die Versammlung fiillt wegen der Funktwnärsisii�g de, Kreises ! stell au». Technische Funktionäre 30 Uhr im iSaubureau. Lichtenberg nebst Kamerabschasten: 20 Uhr SameradschastsvorstSnbe, Komm! ssu»n»obl«>!t« mit S:> Lcke Drosseuer Sttllßc. mm Saalschuß bei ___________..._________ Urminiue: 30.llhn Versammlung bei Schmidt, Wielefstr. 17.«tegliß: Iungmaiinschast! 70 Uhr '.....""'" Vereinoangelegenheiten. Sooaa Ihr Versammlung bend. 11. In«. P rrnzlauer Berg: Kameradschaft Balkan! 20 Uhr Versammlung auf dem Sportplaß Friedrichefeld', mit Damen. Weißensee! 20 Uhr Werbeversammlung in Hohenschönhausen, des Korn, Berliner Str. SZ. Anschließend gesellige» Brisammensein. Antrete» IS Uhr dei Peters, mit Fahnen und Musik. Frledrichahage» sKameradschaft): 20 Uhr Ver. sammiung im Braustübl mit Angehörigen. Vorirag Koni. Knael:.Der Porla- montarismue in Deutschland." Sportplatz Friedrichaseld«: Ab id llbr allge. meiner Arbeitedienst aller beteiligten Ortsvereine.— Kreuz bcry: Sonntag, d. IS., Ilebungssabrt ohne Fahnen. Abfahrt 7,23 Uhr Potsdamer Bahnhof. 7,3» Uhr Porckstraße, bi» Mahlow. Ztachrichwnzng»Ilnitlich»Zj Uhr Fontane- Promenade. Zugend fährt S«„ d. 11.. ab Yorcksrraß« 19�2 Uhr. bis Mal, low. Uebernachten in Zellen. Decken mitbringen. Angehörige Sonniag frith oder ab Mittag Lokal W. Langner, Darf Mahlow.— Reinickendorf-Ost(Kameradschaft): Kameraden, welche an der Versassungsfeier in Frankfurt a. M. teil, nehmen wollen, melden sich bi, zum 1Z. Juli bei Kam. Zwar«. Grüner Weg t«. — Wedding! d. 14., 19 Uhr, treffen sich die Sportler am Lportplaß Reinickendors.West, Echarnwederstraßc.— Zieukölln.Driß! Zungbanner: Fr.. , 20 Uhr, Versammlung des Balewski, Boddinstr. S?.— Tiergarte»' annschast: Fr., d. IT. 1814 Uhr, Training auf dem Sporiplaß 1.1#»,-_ ballmannschalt Straße. : Hättd- Vremer welterb erlcht der öffeutklche» wetkerdievstftell« verlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Wolkig bi« heiter, warm, westliche bi» südwestliche Winde. — y&t Deutsch laod: Ueberau warm, nur an der Küste geringe Nieder- schlag«, gm übrige» Reiche meist trocken, m der südlichen Hälfte vor- wiegend heiter. �ile-Fest» i« Lllnepark. Am kommende» Sonnabend, 11. Zuli, fwdet im Lunopart da» größte Kostümfest de» Sommer» unter der Devise.Wocheneudc bei. miierunl Abschiedsvorstellung, um dann auf.______ ««Ihrcnd dieser gelt kommen, wie alljährlich, die Dresdner viktoria-Sänger und werden die Stettiner würdig vertreten. Sie bringen ein für Berlin völlig neue» Programm»it. zu gehen. fa. Sänget sTem Neu: En Meisterwerk orientalischer Mischungskunst und doch nur 4 Pf. Soziale Wohnungswirtschast. Zum Jahresabschluß der„Oewog�. Di«%rt"-rfctirfyiff lyoi«uch auf mirtschaftlichem hc* wiefcn, sie yenuy schnpseristsie Kraft« siesitzt, um nicht nur zu npponieren, fmtsiern aufbauend planvall zu mirkem Durch die Errichtung nrni Eigenbetrieben und die Organisation des Konsums fchzfft sie Werte materieller und ideeller Art. Sie beweist, daß sie «fuolftativ einwandfreie und preiswerte Güter erzeugen kann und bringt den Nachweis ihrer Fähigkeit zur Wirtschaftsführung im gemeinwirtschaftlichen Geiste. Auch die„De wog"(Deutsche Wohnungsfürsorg« AG. für Beamte, Angestellte und Arbeiter Berlin) ist mit ihren Bestrebungen im Vormarsch! daran hindert sie auch nicht das Geschrei der Bauspekulanten und Hausagrarier. Der„Berliner Lokal-An- z« i g e r" bestätigt, daß die„Dewog" auf dem richtigen Weg ist durch folgende Auslassungen: .„Hu großen Bedenken gibt auch die Tätigkeit der Deutschen Wohnungsfürsorg« A.-G. fiir Beamte, Angestellte und Arbeiter („Dewog") Anlaß, die den Zweck hat. als Konsirmentenongonisa- sinn die gemeinnützigen Bau genösse» scho st en, die als Bauherren r rim Wohnungsbau auftreten, soweit sie..gemeinwirtschaftlich" (sprich sozialistisch) orientiert sind, zusammenzuschließen. Die Ak- tionäre der„Dewog" sind Gewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerkjchostsbundes und des Afa-Bundes." Nachdem dos Hugenbergblatt auf die Gefahren für die private Bauwirtschoft durch die„Aufsaugung von Behördenaufträgen, ja so- gor auch von Ingenieurbauten" hingewiesen hat, stöhnt es dann' wefter: „Hat sich erst einmal die„Dewog" den ausschlaggebenden Einfluß auf die einzelnen Genossenschaften gesichert, wer will sie dann hindern, einfach Richtpreise festzusetzen, zu denen dann die sozialen Bauhütten ohne weitere Ausjchreibuiig die Arbeiten übertragen erholten? Dos bedeutet aber den Todesstoß für jede pri- nate Initiative, zumal die Gewerkschaften die Parole auszugeben Icheinen., daß bei Arbeftskämpfen die sozialen Baubetriebe nicht bestreikt werden dürfen, ohne daß ein« ausdrückliche Erlaubnis des .zentralen Verbandes des Baugewerkbundes vorliegt. Ein Dolch- stoß gegen die Lohn- und Sozialpolitik des privaten Bau- gewerbes." Diese neuartige Dolchstoßlehre der.ftugenberger kann allerdings für die gewerkschaftliche Wohnungswirtschast mir«in An- sporn zur Weiterarbeit sein. Die„Dewog" hat es zwar mit solchen Dolchstößen nicht ganz so eilig wie der„Lokal-Anzeiger", ober der „D« w o g" b e r i ch t für das Jahr 1327 gibt mit erfreulicher Offenheit Zeugnis für gute und erfolgreiche Arbeit im Interesse der Massen. Das Stammkapital von 53 000 M. wurde am 3. November 1027 auf 4 00 000 M. erhöbt. Um die Konzen- trotion stärker durchzuführen, d. h. um möglichst in ollen ihren Tochtergesellschaften 73 Proz. des Kapitals zu übernehmen, ist eine weitere Erhöhung des Stammkapitals auf 1 M i l l i o n M. b e- ab ficht igt. D,e Bilanz zum 31. Dezember 1327 weist an Betei- ligungen 108 100 M. noch. Die Siedlung Cichkamp ist mit 188 170,35 M aufgeführt. Besonders auffallend find die großen flüssigen Mittel(Kasse 1456,45 M. Bankguthaben 233 433 M.. Postscheckguthaben 637,66 M., insgesamt 235 587,11 M.). Nach geringer Abschreibung verblieb ein Reingewinn von 14 2 4 4,63 M.. von dem 10 000 M. dem Reservefonds zugeführt und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen wurde. lieber ihre Hauptaufgabe, die Beschaffung gesunden und preis- werten Wohnraumes, heißt es im Geschäftsbericht- Insgesamt ist es der„Dewog'-Organisation sin Jahre 1927 möglich geworden. rund 3000 Wohnungen fertigzustellen. Für weitere 500 Wohnungen nahestehender Organisationen hat die„Dewog" Finanzierungshllf« usw. geleistet." Die Durchfüührung ihrer Ausgab« wurde der„Dewog" erleichtert durch die Hypothekenhergabe von der gewerkschastlich-ge- nossenschaftlichen Bersicherungs-Aktiengesellschast„Bolksfür- sorge", der Reichsversicherungsanstalt für Angestellt«, den ßrni- desversichei ungsanstalten, den Sparkossen usw. lim die Zwischenkrediifinanzierung machte sich die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. besonders verdient. Die„Dewog" hat z. Zt. Tochtergesellschaften in Al- to-na, Augsburg, Berlin(eine für Groß-Berlm und eine für die Pro- viizzen Brandenburg und Grenzmark), Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Königsberg, Leipzig, München, Rostock und Schwerin. Diese Tochtergesellschaften hoben allein in dreieinhalb Iahren mehr als 5000 Wohnungen hergestellt. Ueberblickt man die ganze Arbeit, so darf man sagen, daß dieser junge Zweig der modernen Arbeiterbewegung sich schon recht kräftig entwickelt hat und daß alle Aussichten für ein« weitere günstige Eni- Wicklung bestehen. II. K. 3m kleinen Schwerin. Das Organ fiir die Wohnungsbouorganrsatwnen der Gewerk- schasten, in dem systematisch die wohnungsbaupolitischen und die Verwaltungsfragen der WohwmgsVirtschoft behandelt werden, ist die„Wohnimgswirtschaft", deren 13 Heft, das letzt erschienene, uns jetzt vorliegt. Darin berichtet nnter anderem der Geschäftsführer Fuchs der Gemeinnützigen Baugenossenschaft „Selbsthilfe" in Schwerin über die dortigen Leistungen der gewerkschaftlichen Wohmmgswirffchast. In dem kleinen Schwerin mit 50000 Einwohnern und einem Fehl bedarf von 1700 Wohnun- gen hat die dortige gewerkschaftliche Wohnungsbouorganffation seit 1324 123 Wohnungen fertiggestellt und gegenwärtig ein Projekt von 276 Wohnungen in Arbeit Dos entspricht fast 25 Proz. des Wohnungsbedorfs. Auch im Nordosten Deutschlands, das in man- cher Hinsicht für die A rbeiterbewegimg Neuland ist, macht dte ge- werffchaftliche Wohmmgswirffchast also erfreuliche Fortschritt«. Zögernde Reichsbankentlastung. In Amerika OiSkonterhöhvng. Für die Frage der von mrs mehrfach diskutierten Diskont- ermäßigung ist der Reichsbonkausweis vom 7. Juli, in den, das Ergebnis der ersten Woche nach dem Halbsahrsultinw zum Ausdruck. kommt, wichtig. Die Entlastung der Reichsbank rn dieser ersten Irnliwoche war nicht gering, aber auch nicht sehr stark. Die Wechsetb« stände haben um 173,0 aus 2 304,2 Millionen abgenommen, aber erst durch den sehr starken Rückgang der Lombard- darlehen um 111,0 auf 27,3 Millionen ergibt sich das Bild einer nor- malen Entlastung der Reichsbonk. Wenn der Umlauf an Reichsbanknoten um nur 247,5 auf" 4 426,7(derjenige an Rentenba nkscheinen um 22,0 auf 556,3) Millionen zurückgegangen ist, dann erklärt sich dies« unter der G«- samteiUlostung der Reichsbank zurückbleibende Abnahme des Geldumlaufs aus der gleichzeitigen Senkung der Kundengelder auf Reichsbankgirokontv um 101,4 auf 423Z Millionen. Di« Goldbestände hoben«ins Vermehrung um 21,6(wieder aus russischen Goldkäufen) auf 2 105,4 Millionen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen eine Abnahme um 10,5 auf 239,5 Millionen erfahren. Im ganzen sind die Deckungsverhältnisse also günstig geblieben. Dom Ausland her haben sich allerdings die Bedingungen für eil« Diskontermäßigung tendenzmäßig etwas verschlech- tert. Die Federal Reserve Bank von Chikago, die führende amerikanische Bundesrcservebank der Provinz, hat ihren Diskontsatz. wieder als erste der amerikanischen Bundesbanken, von 4L auf 5 Proz. erhöht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die übrigen am»- rikanischen Bundesbanken, schließlich auch die entscheidende Federal Reserve-Bank von New Jork dem Beispiel von Chikagv folgen. Das bedeutet von dem wichtigsten ausländffchen Sapitalgeber Deutschlands her gegenüber dem an sich hohen Zinsstand in Deutschland eine Verringerung de» ZinsgesSlle» und«ine Er- ichwening der von der Reichsbonk zu prüfenden Möglichkeiten, den deutschen Diskontsatz zu senken. Denvch enthebt dies« Erschwerung die deutsche Reichsbankleitnng nicht ihrer Pflicht, die weitere Gestaltung der Reichsbankbilanz aus das ernsteste daraufhin zu prüfen, ob die bank politische Lage der Reichsbank die- knnjiinktur- politisch zweckmäßige Diskontsenkung nicht bald ermöglicht. Der Güterverkehr der Reichsbahn. In der Woche zum 30. Juni hat sich die orbeitstägliche Wagen- zestellung der Reichsbahn gegenüber der Vorwoche wieder um 2700 auf 147 500 Wagen gesenkt. Es ist ein Zufall, daß diese Ziffer ziem- lich genau mit dem Stand des Güterverkehrs der Reichsbahn vor einem Jahre zusammenfällt, wo in der gleichen Woche arbeitstäglich 147 700 Wogen gestellt wurden. Wichtig ist etwas anderes. Im Jahre 1927 Hot von Januar bis Ende Juni die Zunahme der or- beitstäglichen Wagengestellung insgesamt etwa 18 000 Wagen be- tragen, während sie in der gleichen Zeit 1928 nur etwa 8000 Wagen betrug. Da das Niveau der Wagengestellunz heute nur ebenso hoch wie im Vorjahre ist, ergibt sich also eine Verlangsamung de» Zuwachses auf noch nicht fünfzig Prozent des Vorjahres. Im ersten Halbjahr 1927 lag die niedrigst« Ziffer der orbeits- täglichen Wogcngestellung im Januar etwa bei 130 000, die höchst« in der letzten Maiwoche bei 158 500. Im Jahre 1928 lag die niedrigste ebenfalls im Januar bei etwa 139 000 und die höchste ebenfalls in der letzten Maiwoche bei 155 400. Der Vergleich der beiden Halbjahre zeigt bei einem niedrigeren Ausgangsniveau ikin schnelleres Wachstum für. 1927 und für 1928 bei einem höheren Ausgangsnweau ein nicht unerheblich langsameres Wachstum. Man muß im Vergleich zum Vorjahre die Tendenz des Güterverkehrs der Reichsbahn also ebenfalls als rückgängig bezeichnen. Vilanz der Krankenkassen. Anders halb Milliarden Einnahmen im Jahre 192T. Nach einer Untersuchung des Statistischen Reichsamts hatte« ftU reichsgesetzlichen Krankenkassen im Jahre 1927 einschliehlich der Knappschaften 1,63 Milliarden Mark Einnahmen gegen 1.45 Milliarden im vorhergehenden Jahre. Ohne die Knappschaften betrugen die Einnahmen 1,51 gegen 1,34 Milliarden. Die A u s-> gaben der Krankenkassen sind rascher als die Einnahmen gestiegen. Die Zaihl der Krantheitstage dürfte rund 230 gegen 21 2 Mi1-> lionen im Vorjahre betragen haben. Einschließlich der Knappschaften betrugen die Ausgaben 1536,9 gegen 1325,9 Millionen, wovon auf die Krankenkasse allein 1415,2 gegen 1230 Millionen entfallen. Die Aufwendunge« für Äranlenhilfe haben sich um 17, diejenigen für Wochenhilfe um 10, die fitr Sterbegelder um über 7 Proz. erhöht. Der E i n n a h m e üb«rs chu ß hat ssch gegenüber 1926 von 124 aus 97 Millionen Mark verringert. Zweifelhaste preissenkungsrektame. Di« Deutschen Linol« umwerte A.-G., bei der der größte Teil der deutschen Linoleumerzeugung monopolistisch zusom- mengesaßt ist, hat nach einer eigenen Bekanntmachung die Fabrik- presse von Linoleumbomvar« um VA Proz. für größere Bau- vorhaben ermäßigt. In der Veröffentlichung des Trusts wirb darauf hingewiesen, daß das die dritte Preissenkung seit November 1926 sei, und daß sie vorgenommen werde, um den Konsumenten eine Nerteuerung des Linoleums zu ersparen, die angesichts der gestiege- nen Unkosten der Händlerschaft sonst unoe vi neidlich gewesen wäre. In den, durch Prissenkungen keineswegs verwöhnten Deutsch- land ist die Ankündigung des Linoleumtrusts gewiß erfreulich. Man sollte ober doch mit der reklamehasten Ausnützung solcher Ankündigungen vorsichtiger sein. Die Deussche Linoleunnverke A.-G. verteilt regelmäßig 15 Proz. Dividende und finanziert ihre Expansionspolitik ausschließlich aus den verlangten Pressen. Es wäre wünschenswert, wemi die Deussche Linoleunuverk« A.-G. ein- mal erklären würde, um wieviel die Preis« noch niedriger sein könnten, ohne daß die Rentabilität der Trusssirme« Schaden leidet. Gegen die hohen Oüngemitielpfeise. Ein Protest der.Deutschen Äauernzeitung'. Den großen Gewinnen der Stickstoffindustri« gegenüber ist uns ausgefallen, daß es immer nur die londwirsschastlichen Arbeitnehmer gewesen sinb, die ihren Unwillen darüber zum Ausdruck gebracht hoben. Die Landbündler, die soisst bei jeder Gelegenheit über die hohen Ausgaben der landwirsschoftlichen Betriebe klagen, hüllte» sich vollständig in Stillschweigen. Die„Deussche Bauernschaft" muß das Unhaltbare dieser Situation empfunden haben. In einem Auf» satz mit der Ueberschrist„Hohe Düngemittelpress« machen die Land- wirsschaft unrentabel", der in Nr. 26 der„Deusschen Bauernzeituuz" abgedruckt wird und sich über die Geschäftsabschlüsse der Kaliindustri« A.-G. und der I. G. Farbenirrdustrie A.-G. ausläßt, heißt es zum Schluß: „Es scheint un» sehr an der Zeit z« sei». daß sich Regierung und Parlament einmal mit dieser wichtigen Frage beschästige«. Nach d« Gesetz über den Enqiieteausschuß wäre eidliche Bernehrming der Direktoren der Düngerindusttie möglich und die Reichsregiernnq hätte dann Mittel und Wege genug, gegen oltzuhöhe Verdienst- spannen einen Druck auszuüben." Wir regen an, daß ssch der Lanbbund dieser deutliche« und be- herzigenswerten Erklärung anschießt- Unterläßt er es, muß er«'s sich gefallen lassen, der Unehrlichkeit gegenüber seinen Anhängern be» schuldigt zu werden. Zur Tariferhöhung der Reichsbahnges ellschaft wird von der Sonunertogung des Verwoltungsrats der Reichsbahn in Königs- b« r g gemeldet, daß noch der Auffassung des Verwaltungsrats die eingetretene Verzögerung die Notwendigkeit einer Tarifer höhiu»g noch gesteigert habe, denn der Ausgabeubedars sei noch gestiegen. Auf der anderen Seite sei das Anwachsen der lausenden Ein- nahmen im Vergleich zum Vorjahre zum Stillstand ge- kommen. Die ReichsbohngSsellschaft hast also ihre Wünsche nach einer Toriserhöhung in verstärktem Maß« aufrecht. wichssge Texttlfusion. Die große Leipziger Strumpf- Köbke A.-G. nimmt die Tcxtiisyndikat G.m.b.H. nach einer Kapital- erhöhung von 3 auf 6 Millionen Mark in sich auf. Wichtig sst dabei der G r u n d d e r F u s i o n. Die beiden Firmen, von denen das Syndikat eine stark« eigene Handelsorgan ifatton ausgebaut hat, ver- einigen sich, um ihre Verkäuferposition aus dem Markt gegenüber den immer stärker werdenden Großeinkäufen des Ein- zelhandels zu festigen. Die beiden Finnen sind heute fast ganz auf Strümpfe und Socken spezialisiert und sind nach ihrer Ver- schmelzunq die zweitgrößte Srrumpsfirma Deusschlands. Nach der von den beiden Firmen gegebenen Begründung für die Verschmel- zung handelt«s sich bei der Fusion also um eine weitere Auswirkung jener großen Umwälzungen im Einzelhandel, di« schon in anderen Fällen auch auf di« Produktion stark zurückgewirkt haben. frrottse Weifen. QUJL* rBCEfjs;.«- Ij TTCCf-1 yfab Original Wiener Sirldorarcn •-us bester Angora-, Zepbir- nsw. Wolle, i. riel. 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Später entschloß er sich doch, dieser lesenden Menge sich zu offen- baren und jetzt gibt er sogar seine gesammelten Werte mit Hand- schristen und Lesarten, wie der schnüffelndste Philologe, heraus. So hatte er als ZIjähriger sein« ersten Versuch« unter der kind- lichen Ueberschrift„Die Fibel" veröffentlicht: aber nie und nirgend- wo bei George entsteht doch der Eindruck, er habe je eine Jugend gehabt, gefühlt, entwickelt. Er war. wie er nun einmal, ist, als Künstler von Anfang an fertig, gewiß ist er mit den Iahren im Handwerklichen— wenn ihm gegenüber nicht dieser Ausdruck ver- pönt wäre— fortgeschritten: doch der Mensch, den man hinter seinem Schaffen wittern darf, hat weder stürmende Jugend noch schenkende Reife gekonnt. Als die Unerbittlichkeit der Zeit ihn schließlich aus seinem gläsernen Tum der Zeitlosigkeit und Unnah- liarkeit stieß, wußte er ihr nicht mehr zu sagen, als daß er sie be- stritt. Seine rauschenden Rhythmen taktierten nur noch zu dem Bakel, mit dem er allen Unausstehlichkeit«« dieser Tag« auf die Finger klopfte. Stefan George« Unwandelbarkeit oo» Anbeginn ist unleugbar seine Stärke. Er hat und hatte darin unter all seinen poetischen Zeitgenossen kaum seinesgleichen. Sein Dichtertum war ihm ein geweihter hoher Beruf von mönchischer Religiofitöt, im Wirken der Glaubenslehre, in der Selbstaufgabe dem Heldischen mindestens ebenbürtig. Aber diese Mission war ihm bewußt, so bewußt, daß er sie nach außen hin mit den allersuggestivsten Mitteln in Szene setzt«. Er wollte seine Dichtung nicht dem profanen Aug« jedes zohlfähigen Lesers preisgeben, er hielt seinen leiblichen Menschen wie einen Mythos verborgen, man tonnte lange nicht Ort und ' Zeit seiner Geburt, ein Kreis von Getreuen— mit ironischer Anwendung der griechischen Umschreibung„Die um George" genannt — durfte zu seinen Diensten sein, aber keineswegs jederzeit seine Gegenwart genießen: er hielt Hof, er war der Meister, ein Hoher- Priester fast seine« streng gezügelten und abgegrenzten esoterischen Kreises. Zu meinen Träumen lloh ich vor dem Volke, mit heißen Händen tastend noch der Weite und sprach allein und rein mit Stern und Wolke von meinem ersten jugendlichen Streite. Sehr bezeichnend klingt aus dem Lyriker George nicht nur das in mannigfache Gestalt verwandelte Ich, sondern allzuoft der persönliche Beruf, der Einsame, der Märtyrer, der Prophet, der Führer. An diesem steten Bewußtsein rankt sich sein Schossen aus, dies ist sein eigentlicher Lebensinhalt, der nicht von rotem Blut gespeist erscheint: es ist, wie Nietzsche es einmal von dem in manchem wesensverwondten Bayreuther gesagt hat, der„Schau- spieler seines Ideals". Er verleugnete die Leserschaft, er bestritt— in doppeltem Sinne— seine Zeit. So sind dir Trost und Beispiel höchste Meister, die attischen, die reinsten Gottesdiener, der Rebelinseln finst'rer Fürst der Geister, Voclufos Siedler und der Florentiner. Also: die Griechen, Shakespeare, Petrarca, Dante. Georges Erlebnis heißt Literatur. Tut nicht, daß all diese Vorbilder ihrer eigenen Gegenwart und nur ihr, die Griechen besonders dem me!- testen Kreis ihrer Volksgenossen, gelebt und geschaffen haben. Auch dieser Aristokrat Rictzschescher Färbung bedarf wie ein Parvenü literarischer Ahnen, um sich vor seinem eigenen Bewußtsein und semer Gegenwart in Geltung zu bringen. Ab«r der Künstler, den heut« alle« den größten deutschen Ly- George. wrtsiag des Dichters. riker nennt? Die angesührten Proben zeigen bereits, wenn man sie etwa mit Dehmel oder Dauthendey vergleicht, wie wenig ge- lockert diese Sprache, wie wenig unserm Gefühl entquollen, wie fremd lebendigem Ausdruck sie bleibt. Man spürt wohl den ab- gewogenen Wohlklang, zieht den scharfen Ilmriß in einer klaren Luft nach, in der sich dennoch kaum atmen ließe, und ermattet schließlich unter einem getragenen Pathos, das nicht den frischen Anlauf der Tat und nicht den wühlenden Zusammenbruch des Schmerzes kennt. Braucht es mehr als des eigenen Eingeständ- nisles: Mein Garten bedarf nicht Luft und nicht Wärme, der Garten, den ich mir selber erbaut, und seiner Vögel leblose Schwärme haben noch nie einen Frühling geschaut. Alles ist klassisch getragen, nobel im Milieu und an Requi- siten, wie in einem teuren Antiquitätenhandel, kaum von dieser Welt, und— dem geübten Ohr— ach. nur allzu bekannt. Diese Reimkunst spielt gewiß virtuos, auf dem, was Arno Holz den „inneren Leierkasten" genannt hat. Und was dieser Leierkasten, der Zwang des regelmäßigen Versmaßes und besonders des Endreims an Empfindung und Sinn fälscht, ist nur allzu bekannt. Ein Bei- spiel für viele: Die Spange. Ich wollte sie aus kühlem Eisen und wie ein glatter fester Streif. Doch war im Schacht auf ollen Gleisen so kein Metall zum Gusse reif. Run ober soll sie also sein: wie eine große fremde Dolde, geformt aus feuerrotem Golde und reichem blitzenden Gestein. Abgesehen davon, daß es in der zweiten Zeile syntaktisch korrekt „wie einen glatten festen Streifen" heißen müßt«, ist das„auf allen Gleisen" im dritten Vers reinstes Füllsel von einem rhythmischen Uebergewicht, das durch keine innere Bedeutung gerechtfertigt wird. Was bleibt, ist genau dasselbe, was sich in der bildenden Kunst ent- wickelt, wenn man das Wirklichkeitserlebnis in rein« Raumbeziehun- gen auflöst, die durch Wiederholungen, Symmetrie, Parollelismus und ähnliche geometrische Reize wirken wollen, ohne doch Leben vorzutäuschen: Kunstgewerbe. Auch dies ist und bleibt Kunst. Was aber Georges Bild völlig in Mißverhältnis zu seinen Ansprüchen gebracht hat, dos sind feine Jünger und die Dogmen, die allerdings nicht ohne sein Zutun mit der ilnduldsamkeit und Ueberheblichkeit einer kaltfanatischen Sekte von jenen verkündet werden. Die von 1890 bis 1016 als Organ dieser Gruppe erschienenen„Blätter für die Kunst"— der bestimmte Artikel besagt: es gibt nur eine Kunst, und die sind wir— verkündc- ten einleitend, daß„unsere Jugend von der Schwärmerei für seichte, allgemeine Ordnung und Beglückung sich ebenso gelöst hat, wie von verjährter landsknechterischer Barbarei". Das heißt: man war gegen Sozialismus wie Militarismus, vertrat also augenscheinlich ein« Art literarischen Manchestertums. Für George selbst schienen dies« Thesen auch nur bedingt bindend gewesen zu sein. Nannte er doch in jungen Iahren sich den„jüngeren Bruder des verhöhnten Dulder- königs" Ludwig II. von Bayern. Und wenn er drei Jahre nach Kriegsend« die Tot«n so aufrief: Wenn einst die? Geschlecht sich gereinigt van Schande, von: Nocken geschleudert die Fessel des Fröners, nur spürt im Geweid« den Hunger noch Ehre: dann wird aus der Wahsstatt voll endloser Gräber aufzucken der Blutschein... so kann man sich d«n Hinweis aus die politische Bruderschaft dieses Dichterbekenntnisses sparen: sie ist von gestern. Alfons Fedor Cohn. Oer fliegende Holländer. Von Walther G. vschilewsti. Es war mein spanischer Freund Alfonzo, d«r mir anläßlich meines zwanzigsten Geburtstages aus einem unerklärlich gebliebe- nen Grunde so ein« herunterhaute, daß ich zeitlebens den Kopf tragen muß wie eine schief gewachsen« Melone. Ich will dies« Geschichte nicht mehr anrühren, well er mein Freund wurde, ein tapferer, hilfsbereiter Soldat gemeinsamen Lebens. Wir waren beide jung, was vielleicht auch Alfonzos etwas merkwürdigen Glück- wünsch entschuldigen könnt«. Von einer breitnasigen Mulattin und einem spanischen Edelmann oben im kantabrischen Gebirge ge- boren, wog er 90 Kilo netto und hatte«in Maulwerk wie eine Trompete. Die Schnapsgläser begannen zu marschieren, wenn er lustig wurde und ein Abenteuer ersann, dem wir beide dann nach- liefen, hopp, hopp, bis wir es erwischten, und uns das Fell ritzten und uns einen Kreisel ins Blut setzen ließen. Gefährliche Aden- teuer oft, die mir, einem dummdreisten, verschlagenen, recht unange- nehmen, mehr von Erfahrungen als vom Geist ewig beunruhigten Knaben riesigen Spaß machten, einen ober auch trank, aufgerauht und müde nach Haus« gehen ließen. Nun saßen wir wieder im „Strammen Peter" zusammen, di« ganze Kolonne unserer Jugend: Fiete, Boldus, Pieter, Olga, Mosto, Jasua, Tom und ich, und mop- sten uns gewaltig. Es war«in« mächtig ruhige Zeit in Hamburg. Seit Wochen hing der Regen in den Straßen, der Frühling hatte schlapp gemacht und lag noch hinter dem Bauzaun. Josua ließ c-treichhölzer in den Bierlochen schwimmen, eine ganze Flottille, Großflaggschiff«, Schlachtschiffe, Torpedoboot«, die er aus Lange- weile und Stumpfsinn gegeneinander hetzt«, Pieter trommelt« auf Olgas Hinterteil einen Aftitoner, Fiete massierte die Stubenfliegen und selbst Alfonzo, dem es scheinbar nicht gut ging, steckte den Zeige- singer in di« Nase. Piepenkorl, was unser Wirt war, schnarchte wie ein Lautsprecher. Wenn das so weiter ging, wären wir alle- samt blöd' geworden.„.Hrntmelsegeltuch! Wir fallen auseinander, wenn uns keen Sorg winkt", rebellierte ich um die zehnte Stunde und sti«ß Alfonzo, der gerade unter den Tisch schlittern wollte, m die Rippen und löcherte ihn, uns doch eine Geschichte zu erzählen, die uns den Sternen näher treiben sollte und etwas im Herzen lüitterlasscn würde....„Schön!" sagte Alfonzo, und tauchte den Daumen mit einer seltsamen, gebetöhnlichen Gebärde in das Rum« glas, um sich die Rase anzufeuchten.„Schön, ich will euch etwas erzählen, damit ihr genug habt." lind er begann folgende Ge- schichte, die wiederzuerzählen mir Freud« und Vergnügen bereitet: „Die Iungens vom„King Edward", der der nach außen noblen, aber für die Eingeweihten nicht weniger schäbigen Cunnard Steamp Ship Eo. gehörte, nannten ihren alten Dampfkahn, für den ich kein Stück Haut hergeben würde,„Eimer". Ja, Eimer nannten sie ihn. Kapitän Holzeisen mm Blankenese, ein Großonkel von mir, fuhr schon an die zwanzig Jahre einen sehr üblen angestoßenen„See- bund". Wittebold, Wulper und Hein krabbelten in kurzweiligen Abständen mft einem ganz verrosteten„Stockfisch" durch die Welt- meere. Und„Pott" und.Schlickrutscher" sind auch lange gu» genug für«inen schwimmenden Drecksorg. Dazu kommen nun nach die Namen, die ihnen die Reeder aus den Bauch klopften, ge- hämmert«, mit Salz und Feuer eingebrannte. So hat em jeder seinen Spleen fürs Leben: das fit so eine Berufskrankheit, und „wat dem eenen sin Uhl, ls dem andern sin Nachtigall". Unier„King Edward" hieß also„Eimer" und war wirklich teil« Staatstaross«, lag all« Jahr auf Reparatur. Er war 42,95 Meter lang, 7 Meter breit, lief 1890 in Liverpool vom Stapel, konnte, wenn es an der Not war, Segel setzen, und hatte mit vier- iacher Expansionsmaschine etwa 450 Prerdekräste. Ich will van ihm eine Geschichte erzählen, die mit Sandpapier gewaschen ist und die nmn ruhig seinem Mädel ins Riaul werfen kann. Ja. es war inzwischen Oktober geworden, Donnerstag, Sokro- seqeltuch! Di« Zeit war vergangen wie ein Honigkuchen. Der „Eimer", von San Franziska kommend, lies Kurs Australien, hatte Blechkavnen und Werkzeuge an Bord und.zwölf Mann Besatzung. Die bergwilden Marquesasinseln, die, weiß Gott warum, nach einem newissen Marquis oder Marquiez de Mendozo, einem spanischen Vizekönig von Peru, den Namen erhielten, logen glücklicherweise schon hinter uns. In einer Woche konnten wir, wenn alle» kloppen würde, nach Brisbane kommen. Unser breitbeiniger Josua, wo» unser aller Frnnck» ist, stand aus Deck und pfiss den Priem über Backbord, daß einem Sehen und Hören oergehen konnte, und ging dann achtern. Plumps, log er in einem Topf Tauenden, fluchend, wahnsinnig müde, wie wir all«, blieb er liegen: ja, es war, obwohl schon ein orangefarbener Abend über un« lief, heiß zum Umfallen. Wittebald, ein baumlanger Kölner Jung', der in der letzten Zeit viel über Zahnschmerzen Nagt«, ein« himmlisch versoffene, mit vollblütigem Temperament geladene Seele, war knurrig, da er diesen Daukahu fahren mußt«, und wäre gern einmal daheim ge- blieben. Aber abgebrannt bis auf den Segelsack, wie die Nungen» alle, mußte er Heuer nehmen, die er postwendend in St. Pauli ver. 'u bette. Jetzt tonnt« er noch st» sehr auf die Arbeit schimpfen, sie hing ihm am.Hasse, sie war einmal da und ging nicht in die Büsche — was half da alles Pottern und Lamentieren! Won muß leben. wenn auch oft wie ein Schwein, um nicht ms Gras zu beißen. Noch hatte man Fäuste, die nickjt von Poppe waren, und die man oft gern, wie es so m der Ordnung gewesen wäre, dem Kapitän oder dem Reeder oder der Aktiengesellschaft unter die Nase gesetzt haben würde. So trafen wir wieder zusammen, Wulper, Schmitt- henner, Josua, Wittebald und ich, verbunden im gleichen Schicksal, sich nie richtig ausschlafen zu können, immer den schwankenden Sarg unter einem, immer, jahraus, jahrein den Dreck fressen müssen, den einem die anderen, die es besser haben, vor die Füße werfen. wchmirthenner, der Paus« hatte, saß achtern und war gerade schweißtröpfelnd bemüht, seine arg löcherigen Socken für die oustra- lisch« Landfahrt herzurichten. Di« Sonn«, schon mit dem dick- flüssigen Schatten der hereinbrechenden Dunkelheit gemischt, lag noch heiß auf den Brettern, daß das Holz knarrte. Kien, unser kleiner struppiger Küchenjunge, ließ in viertelstündigen Abständen Wasser auf» Deck lausen, um etwas Kühle und Linderung zu ichaffcn. Die Maschinen stampften verdrossen im Bauch unseres „Eimers". Es war«in trostlose» Leben. Wir krochen langsam Australien zu. Langsam fiel auch d»« Sanne heimwärts. Wie m Lava ge- taucht, b rannt«~, ft«»«ni uns allen Ein leiser Wind mochte sich auf und blies in die Bocken, leckre im»«in wenig di« Haut kühl. Nur der Maschinist und der Nigger, der den ersten Heizer machte, hockten eingepökelt in de? Unmensch- sschen Hitze unter Deck. Josua, Sckimitthen-ner und die anderen Jimgens, die frei waren. gingen in die Kombüse pennen. Wittebald hatte Steuerwoche.(Forssetzung folgt.) Zwei Verworfene. Von v. Qlschnat. Als er vor Jahren den dummen Streich beging, durch den di« Familienehre beschattet schien, hatte ihm der Vater in bitterem Groll prophezeit:„Du wirst hinter einem Zaun enden!"— Seitdem zuckte jedesmal Angst in ihm, wenn er einen Bretterzaun sah.„Bielleicht ist es dieser," dachte er,„hinter dem ich enden soll." Eines Nachts bummelte er durch die Speichergasse. Fensterloses Dunkel der Holzgebäude droht« hart, so daß er die Schultern einzog. wie um fein Gesicht zu verberge». Die Hände hielt er in den Hosen- taschen. Sein zerknüllter Anzug war feucht vom Regen. Da hörte cr sich von einer Mädchenstimme angeredet. Er schrak auf. Ein Kind von kaum siebzehn Jahren winkt« ihm, er solle mit- kommen. „Du scheinst hübsch zu sein," jagte er,„aber ich habe kein Geld." „Wenn du kein Geld hast— dann geht es natürlich nicht." „Komm wenigstens zur nächsten Laterne, ich möchte dein Gesicht sehen." „Bitte sehr." Als sie unter der Laterne standen: fragte sie:„Zkun, wie findest du mein Gesicht?" „Schön.— Wirtlich sehr schönt" „Es macht nichts, wenn du kein Geld hast." Er küßte sie. Sie hiev behutstm, still. Dam» gingen sie zur Wohnung des Mädchens. Auf der Trepp« war es finster. Die Stufen knarrten, als wären sie unwillig, so spat in der Pacht gestört zu werden. Sie faßt« sein« Hand, damit er picht stolpere. Im Zimmer zündete sie Licht an und stellte sich vor ihn hin:„Hast du mich lieb?" „Ja." „Wirst du mich immer lieb haben?" -Ia.- „Go nz befttmntt?" -Je." „Gib mir die Hank» drauf!" Er gab ihr die Hand, die sie krampfhaft mnklannnert«. Purpurn« Schönheit blüht« auf. Sie gaben sich ganz und «mpimgen sich ganz zurück. Die Liebe brachte ihre ertrunkenen Seelen ans Licht. Sie sahen sich an und lachten. Ihre heißen Körper gaben und nahmen vom Ueberfluß ihrer Jugend, bis sie müde wurden und Schlaf kam. Runder Mond quoll aus den Wolken und floß über verstummte Gesichter, die nebeneinander auf den Kissen lagen. Sein kühles Licht drang durch die Lider in ihr« Augen und rann als Traum in ihre Seelen. Er träumte, daß fein Vater freundlich den Zeigefinger hob und sagte:„Das ist der Zaun, hinter dem zu enden dir beftiinmt ist." Dabei zeigte er auf ein goldenes Gitterwerk. Dahinter faß das Mädchen und aß Apfelkuchen.„Du mußt noch warten," flüsterte sie. „wenn ich aufgegessen habe, schließe ich das Tor auf. dann darsst du herein." Das Mädchen war im Traum in einem Keller und sollte ge- tragen- Kleider verkmifen. Die Kundschaft stand vor ihr und auf der Trepp« bis zur Straße hinauf. Da drängte sich jemand durch Er war es.„Ich will«in Kleid für meine Braut." sagte er. Sie weinte:„Ich habe doch nur Lumpen."—„Das wollen wir erst sehen!" Er griff in den Haufen und zog ein prachtvolles Seidenkleid hervor.„Wunderbar!" sagte er und lachte,„das mußt du anziehen. Heute ist Sonntag." Solche Träume senkte der Mond in ihre schlafenden Köpf«. Die Sonne Gottes aber stach am Morgen in ihre Augen und weckte sie schmerzhaft ins Wachsein zurück. _ Sie sahen sich cm und weinten ITr»???rrrrTTrrT???!T?5T!TrTTT?r???nT?????TTrT!TIITr»T?TTrT?!T7?TT!Tr??Tf?rrM»5? Theater, Lichtspiele usw.| Staats-Oper Unter<1 Linden 2S. Auönst mti Tontillggg laA d(B Ferien Staats-flper Am Pl.d. Republ. 25. imtnst gntg Igntellugj gg» in Firto Stäittisöia Oper Bismarckstr. rerlenliaQier gescblosseDl Stall. Sdomgielh. An Gneirntifflurkl Forionliaüier Staell.Sdüller-Ilieater.Oiarltlig. Volksbühne ikggtgr la SügwgMi 8*/, Uhr Orpheosinder Unterwelt TL n Sdiffkgnriggim SV. Uhr: ocr Bohhandel Theater am Kottbvffer Tor tYheater in tag;, den 18. J oll I92S Ahsdlictii-Tttmeunn« der Slettiner Sänger ab 16. 7. Gastspiel der DresdnerViktorla-Sanoar Auf. I Ohr- Nin t Ptlta wir lamr. Oünholt'Brett'A: (Saal und Garten) Variett— Tani— Kabarett LoMttlWlOl Norden 12310 'U. Ende nach lOt/j Artisten lijh Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 24I4/7ZI6 VI, U. Ende IN»/. U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Husfkv.Spollansky SerliDir Theatir iiitrlitlnslr.W/ll.OMi.llC IV. Ende nach 10»/, inlgigl CDutidmlk. Der ProzeD Mary Dwtan SiltnlnrHDnB Bis. KUnstler-Th. Uhr Es kommt Jeder dran I Revue von Pr. Hotlinder Lesslng-Theater räglich S'l, Uhr „Spi»l in Sthlog' tfieioet Dieater «>/. Uhr SprnndbreB der liebe Zesch-Ballof, Christel Sto'm, Torning. Garrison Schafheitlin. Bamikr-Ukan Th, KSniggrätz. Si «>/. Uhr Leinen ans Irland KomMlrohao» Norden 6304 7*/, Uhr Zum 1. Male; Oer Präsident! Thulsr dps 8V, Uhr Lori Leux in Die nngeküßteEva Operette in 3 Akten, Inik Martin Knopf. Else BOtticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Komische 1 3V/, Ohr Oper IV, Dir) JÄHES KLEIN*! gewaltiges neues A e v ii e• S t U c k: Zieh' didi aus! 200 MltwlrKende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Residai-Tbntei Blumenttr. 8. Täglich«i/, Uhr Skandal Im Bettl SI tten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfrlede Mertens lL Jugendliebe haben keinen Zutritt 1 Parkett auch Sonnt. statt 4— Mit nur 1.— Mk. Taftsphlhans" Täglich 8»/, Uhr IbibisM Hose-Theater Gr. Franki. Str. 131 SV, Uhr baiuf und bunt« Till 8'/, Uhr B«r rarst von Wvpeimeuii Valbaila-Th. Wetnbergsweg 19/20 Täglich 8V4 Uhn Der Wirt vom Hefdekrag Ein lustiges Spiel m. Gesang u- Tanz m.d. neuesten Schlagern Paritauch Sonntags statt 4.— M. nur 60 Pf. Berliner Prater Kaslaalenallec 7/9. Hntegr.VoIM Dil keud» Sasanne. Auf allen Plätzen jo Pf. Keu.rt, Variete. Ten». Kaffeckochen. Aohf.nar: 1 Ltr. entbiM m. v» Ltr. mebr% ruub. Feinst* Erdbeerbowte. süfl, 13%.» e Ltr. 1.15 Feinster Apfelwein, herb....«« Ltr. 0.50 Feinster Apfelwein, süß. 13%.... Ltr. 0.75 Feinster Dessert-Obstwein, süfl, 14%. Ltr. 0.95 Feinster Jobandsbeenreln, süfl, 13%. Ltr. 0.05 FeiasteriandhnJEntbeemiiil8uiU4% Ltr. 1.45 tdrter Tarragora, süfl, 16% 1"».. Ltr. 1.35 Echter HaiBga. la. süfl. 1«%.,». Ltr. 1.60 Echter Griechen-Süßwein, ca. 18%.» Ltr. 1*40 Echter Wermnthwein, säB. ca. 18%. Ltr. 1.85 Echter Sanato lAMt lud Samos. c«. tao�, Ltr. 1.00 Echter Donro-Portwelfc c«. 20%... Ltr. 2.80 Echter Pepsinwein, für Kranke..% Ltr. I.SO Echter HecfcJfwfweta, für Krank«.% Ltr. UO Feinster Plllzer Vetttrchi-..es Ltr. 1�0 Feinster DQrkbeimer Rotwein-»»» Ltr. I�O Veifl. md Rotweine. 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Gemeinnützige Häuserbau- und Verwaltungsgesellschaft m.b.H...,. RM 4 120 193.82 II Aktienkapital». 4 844*855.60 U Obligationen.... 13 320-54 U Kreoitoren Delcredere...... 459 565.10 H Gesetzlicher Reservefonds 13 011 398.99 D Gewinn- Vortrag 1926. 1 491 62535|| Ergebnis 4 t» g g g. 1 4SI 310.77 11 053 04996 128 017.88 186 626.67 36 789 964.48 RM 15 000 000.— 149 478.— 13 189 117.46 200 000— 320000— 17 553.70 T 913 815.32 Ausgaben Gewinn« und Verlustrechnung am 31. Dezember 1927 36 789 964.48 Einnahmen Gaskohlen...... Unterfeuerung.,»,. Löhne..«*»»« Gehälter Pensionen, Ruhegelder, Abkehrgelder usw..,,. Abgabe an die Stadt.,. Sonstige Kosten»,,, Werkerhaltung.».,» Abschreibung,,»,» Ergebnis.,,,« a. RM 28 052 314.77 4 418 362.56 14 385 581 A3 9 128 743.78 4 903 433.11 6 852 318.65 15 570 922.10 12 759 629.85 451 673.64 7 913815.32 164 436 795.63 Gaß»»gyuzvz. Koks Koksgrus Waschkoks...... Steinkohlenteer Benzolvorprodukt und S-Benzol...... Wassergas. Braunkohlenteer u. 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In allen Tdivrodont-Leriaussilellen zu haben, Lei direkter Einsendung diese» Inserates als Drudsach«(Um- ichl-rg nicht zulleben) nm genauer und deutlich geschriebener «bsenderadresse auf dem Umschlaq erhallen Sie«Ute klein« Probesendung wstenlo» durch Lco-Werle L�E., DreedewSLs tNewinn auszog �_ 4 Rlafie 51. Preudqch�Sddeuqch« fNasiea-Sofferia. Ohne Gewähr_ Nachdruck verdofe» Auf jede gezogen« Nummer find gesallen, und Mar je einer auf in de» beiden Abteilunge» I 2. Ziehungstag 11. Du« 1928 290 349597 ön der Vonnttfagsziehung wurden Gewinnt über ue 9t, 3•ckrtam M 60000 OL 181091 4«MDlm« i« 6000 2». 163198 396812 4®«Dlmu|a 2000 HL 264369 332398 8 Ocadaat ga 800 O. 82012 12Ö861 19B020 888869 32 nttotriBe m 600®l. 12162 22206 31596 36748 49022 S0SSS 100490 138160 187132 232839 243188 291939 308083 3422901------ 364846 104 amahm. 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Berlin. SuU 19», Pamllle Haasa, tSneifenauftr. 98. Von dar Reise zurück Uduarzl Karlimhcl Alt-Meablt 20. wüsai VewgllMgzMkglleM! Hm d«u 12. Kill, findet Mu» statt Je«««», nachm. VhV*, �WW 126 Versammlung stall« pinaru und Kollegen der Mefallschleiiereien Ich«» Anstalten»roß. Seriin». Taeeaardnung! l. Bericht»an de» Lehiuterhandlnngen. t SH»fnfflon Mitgliedsbuch logiiimiezL SatuMOenk, den 14. ZuN. miflune 12'/, Mtze, bei Cuufer. CanAket Ofe.Zs Mr Versammlung aller erwerbslosen Drücker »nd Vollerer. Xa((»*tbaana; t. Erwerbslosen. angelegenheilen, t«erschtedeues. Z««ndetzocht der Wichtigfell der Taaeaardming I» dos Gelchetnen aller Nollegen dringend«rforderllch. Miihvvg der MMe der Lehrllna« in den Bau- und Geldschrantbrlrieben. Zmische» der Echlalferpvanaslnuung und dem«isellenauslchust wurde salgeitde» vrratndluts im«rsten Lehejahr 5 SB. » zwellrn. 1, m dritten, 4, »»ierteu, 12. t>i« Ott uuet■ at tun g. Verkäufe Teopichi mtt fUiata Sanderprel» 2X8 W— ©tblehlitr. 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