Morgenausgabe Jlr. 327 A 167 4S.Iahrgang Göchentlich 85 Pfg.. monatNch 3.80 M. m voraus Zahlbar. Postbezugchs- marf.„Kleine Anzeigen" das settge- druckte Wort 25 Pfennig tzulässtg zwei ettaedruckte Worte), edes weitere Won 12 Pfennia. Stellengeluche das erst« Wort 15 Pfennig, edes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeits morki Zelle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme«m Hauptgeschäft Linden- 'tvaheZ. wochentägl. vonfWz bis 17 Ubr. Zentvawvgan der GozialdemoSvattMe« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrahe 3 >!ill>rcchkr' Dönbost WS— LSI Telegramm. Ädi Sozialdemokrat v«rlt» Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postschockkonto: Berlin 87536— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wollstr, 65 Diikonio-lSesellschafi. Depositentasse Lindenstr, 8 Lohnsteuersenkung beschloffen! Mit 2-10 gegen-iSS Stimmen.- Ein Erfolg der Sozialdemokratie.- Die Kommunisten stimmen mit Volkspartei und Deutschnationalen dagegen. Der Reichstag hat am Donnerstag die Senkuag der Lohnstener um 10 Proz. mit 210 gegen 188 Stimmen bei 7 Stimm» enthaltungen angenommen. Die Slommu- nisten stimmte« mit Nein. Diese Aenderung der Gesetzesbestimmungen über die Lohnsteuer bedeutet eine Entlastung der Lohnsteuerpflichtigen um 132 Millionen Mark im Jahr. Davon entfallen etwa 20 Millionen auf die neu eingeführte Abrundung des der Steuer unterliegenden Einkommensbetrages, der Rest auf die Erhöhung des an der Lohnsteuer vorzunehmenden Abzugs von 15 auf 25 Proz. Für den einzelnen Lohnsteuer- Pflichtigen ergibt sich aus dieser Senkung nur eine geringe Entlastung. Trotzdem konnte sie nur im heftig st en Kampf durchgesetzt werden. In diesem Kampf schieden sich die Geister nicht nach Koalitions- oder Regierungsgemeinschaft, sondern nach den Wirtschaft li chen Interessen. Die reinen Vertreter der Besitzinteressen, Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Wirtschaftspartei, zu denen sich aus partikularistischem Eigen- sinn noch die Bayerische Volkspartei gesellte, auf der einen Seite, Sozialdemokratie, Zentrum und Demokraten auf der anderen Seite. Gewiß drängen sich auch beim Zentrum und den Demokraten die Besitzintereffen vor, aber diese Parteien haben doch noch auf größere Schichten von Lohn- und Ge- Haltsempfängern Rücksicht zu nehmen. Darum schlössen sie sich nach langen Verhandlungen der sozialdemokratischen For- derung auf sofortige Senkung der Lohnsteuer an. Wo aber standen die Kommunisten in diesem Kampfe? Bei der gekennzeichneten Partei- gruppierung sollte man glauben: an der Seite der Sozial- demokratie, an der Seite der Arbeiterschaft. In Wirklichkeit verhielten sie sich anders. Sie marschierten an der Seite der Großagrarier und Schwerindu- striellen, sie unter st ützten die Tru st Herren. Wäre es auf die Kommunisten angekommen, so wäre die Lohnsteuersenkung entsprechend den Wünschen der Herren Rademacher, Hugenberg, Becker-Hessen und Genossen ver- hindert worden. Es handelt sich hier um eine proletarische Ange- l e g e n h e i t im vollsten Sinne des Wortes. Die kämpfen- den Parteien standen sich in klaren Linien einander gegen« über. Selbst die Rotionalsozialisten erkannten, daß sie es bei diesem Aufmarsch der Heerlager nicht wagen durften, gegen die Hand- und Kopfarbeiter zu stimmen. Die K o m- munisten aber taten es! Entscheidend für sie war nicht die Geringfügigkeit des Zugeständnisses an die Lohn- steuerpflichtigen. Sie selbst beantragten z. B. die Aufhebung der Zuckersteuer, die für das ganze deutsche Volk eine Ent- lastung um 140 Millionen bedeuten würde. Es kann also nichts Bagatellartiges sein, wenn die Lohnsteuer um 132 Mil- lionen gesenkt wird, wovon nur ein kleiner Bruchteil auf die veranlagte Einkommensteuer entfällt. Nein, es war der H a ß gegen die Sozialdemokratie, der die Kommunisten antrieb, den Lohnsteuerpflichtigen eine Milderung der Steuer- last zu verweigern, die den bürgerlichen Mittelparteien in zähen Auseinandersetzungen abgerungen worden war. Haß macht blind. In ihrer Blindheit wähnen die Kommunisten, mit dem Hinweis auf frühere sozialdemokra- tische Anträge die Arbeiterschaft kopfscheu machen zu können. Gewiß hat die Sozialdemokratie früher weitergehende Anträge gestellt. Heute noch hält sie, wie ihr Vertreter Dr. Hertz im Reichstag ausgeführt hat. diese Anträge sachlich für richtig. Sie hätte aber den Lohnsteuerpflichtigen mit der Zustimmung zu diesen von den Kommunisten wieder aufgenommenen An- trägen nicht einen Deut genützt, sondern nur das Zuge- ständnis gefährdet, das sie den Mittelparteien abge- kämpft hatte. Vor die Frage gestellt: für einen weitergehen- den Antrag zu stimmen, der keine Aussicht auf Annahme hatte und damit den ganzen Erfolg zunichte zu machen, oder auf den Abstimmungseffekt zu verzichten und die Entlastung der Lohnsteuerpflichtigen in Sicherheit zu bringen, mußte die Sozialdemokratie aus die Sicherung des Erfolges bedacht fein. Die Kommunisten stellen sich einsichtsloser als sie sind. In dem Kampfe um die Amnestie in diesem Frühjahr er- kannten sie, daß man, wenn man selbst die Mehrheit nicht darstellt, Vereinbarungen mit anderen Parteien treffen muß, um Mehrheitsbildungen zustande zu bringen. Sie waren damals so bedenkenlos, mit dem deutschnationalen Fürsten- anwalt E v e r l i n g ein Bündnis abzuschließen, das den ver- urteisten Fememördern die Freiheit bringen sollte. Hier, wo es sich um die Jnteresien der breiten Arbeitermassen handelt, beschimpfen sie die Sozialdemokraten des„Be- trugs", well sie mit bürgerlichen Parteien gemeinsam eine Herabsetzung der Lohnsteuer beschließen. Der einfachste deutsche Arbeiter versteht es, daß die Sozialdemokratie gegen- über einer Bürgerblockregierung, die auf die sozialdemokrati- schen Forderungen keinerlei Rücksicht nimmt, ihre eigenen Anträge vertritt, daß sie dagegen, wenn sie die Möglichkeit hat. durch Verständigung mit anderen Parteien einen m a t e- riellen Vorteil für die Arbeiterklasse zu er- reichen, auch bereit sein muß, ihre eigenen Forderungen teilweise zurückzustellen. Die Deutschnationalen glaubten, in der Taktik der So- zialdemokratie eine Rechtfertigung ihres Betruges an den Sparern erblicken zu können. Die Deutschnationalen über- sehen hierbei den kleinen Unterschied, daß sie selbst die von ihnen bei der früheren Wahl gemachten Versprechungen im Reichstag bekämpft und die Mehrheit für eine bessere Auf- wertungsgefetzgebung, die sie bilden konnten, nicht ge- bildet haben, während die Sozialdemokratie nur einstweilen sich mit dem Erreichbaren begnügt, weil sie für ihre volle Forderung eine Mehrheit nicht erreichen kann. Trotz des tatsächlichen Verrats der Arbesterinteressen durch die Kommunisten hat die Sozialdemokratie im heißen Kampfe einen Erfolg erzielt. Der Verlauf dieses Kampfes hat die Lage blitzartig beleuchtet. Ihre Beteiligung an der Regierung hat die Sozialdemokratie nicht gehindert, mit an- deren an der Regierung beteiligten Parteien scharf die Klinge zu kreuzen, um den breiten Massen der wirtschaftlich Schwachen in Stadt und Land zu dienen. Wie nicht anders zu erwarten, ist in diesem Kampfe die deutschnationale Oppo- sition an die Seite der mitregierenden Deutschen Volkspartei getreten, um den wirtschaftlich Schwachen die kleine Ent- lastung zu versagen. Daß auch die Kommunisten sich diesen Gegnern der arbeitenden Schichten angeschlossen haben, wird vielen die Augen öffnen. Die Sozialdemokratie ist sich bewußt, daß sie auch ferner- hin gegen die geschlossene Phalanx der Arbeiterfeinde auf der Rechten und der Kommunisten zu kämpfen haben wird. Das wird sie nicht hindern, sondern erst recht anspornen, ihren Mann zu stellen. Wilhelm Keil. Botschaster Hoesch bei poincarc. Das deuisch-französische Problem in seiner Gesamtheit besprochen! pari«. 12. Zuli. lEigenbevicht.) Der deutsche Botschafter». hoesch halte am Donnerstag eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten P o I n c a r 6. D. hoesch gab zunächst einige Aufklärungen über die deutsche Regierungsbildung. Hierauf nmrdeu— wie eia Kommunique der Botschaft mitleift— tu der Unterhaltung die d e u t s ch- französischen Beziehungen tu ihrer Gesamtheit in allgemeiner Weise besprochen. Inwieweit in der Unterredung auch die Rheinlandfrage erwähnt wurde, geht aus der französischen Presse nicht hervor. Immerhin versucht die französische Linkspresse, die Rheinland- frage weiterhin in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. In der „P o l v n t ö"' wird z. B. am Donnerstag davor gewarnt, die Be- setzung in unzulässiger Weise zur Durchsetzung von Wünschen auszunutzen. Die Besatzung hätte lediglich den Zweck, die Durchführung der Entwaffnung und die genaue Beobachtung der von Deutschland eingegangenen Reparationsoerpflichtungen zu sichern. Die Ent- waffnung sei aber erfolgt und es könne höchstens noch die Rede von der Errichtung einer internattonalen Kontrolle für die Rheinlandzone fein. In keinem Falle aber könne man sich etwa darauf stützen, daß erst die Ost frage geregelt werden sollt« oder Frankreich seine Festungen ausbauen müsse. Die«rstere Auffassung sei nach Locarno juristisch unhaltbar und was die Festungsbauten bettäse, so könne man ja dmm einfach die Bauten dauernd oerzögern, um die Besatzung rechtfertigen zu können. Schwieriger läge die Frage in bezug auf die Reparationen. Jedenfalls fei das deutsche Verlangen auf die Fest- setzung einer Endsumme vollkommen gerecht- fertigt. Die Malmgreen- Gruppe erreicht! Malmgreen seit einem Monat tot.— Marians und Zappi gerettet! M-Skau, 12. Juli. Es ist dem russische« Eisbrecher„Krasfin" gelungen, die Malmgreen-Gruppe zu erreichen. Malm- g r e e n selbst ist schon seit einem Monat tot; seine Leiche wurde geborgen. Die beiden Italiener M a r i a« o und Zappi wurden gerettet. * Der Eisbrecher.Lrasfin" erreichte am Donnerstag früh um 6,40 Uhr die van dem russischen Flieger Tschuchnowski am Dienstag nachmittag um 18,45 Uhr entdeckte Malmgreen-Gruppe. Die beiden geretteten Italiener Moriano und Zappi hatten in den letzten 13 Tagen sehr unter Nahrungsmangel zu leiden gehabt. Mariano hatte infolge einer Beinoerletzung große Schmerzen oushalten müssen. Die geringe von Tag zu Tag abnehmende Aussicht auf Rettung sowie der vor vier Wochen eingettetene Tod ihres Führers, des Schweden Malmgreen, hatte auf ihre seelische Berfassung natür- lich sehr eingewirkt. An Bord des Eisbrechers„Krassin", der seine Suche nach der Biglieri- Gruppe weiter fortsetzt, hegen die beiden Geretteten die Hoffnung, noch Augenzeugen der Rettung ihrer Kameraden bei der Biglieri-Gruppe werden zu können. Um die Bergung des gliegers Tschuchnowski, dessen Be- mühungen die Rettung der Malmgreen-Gruppe zu danken ist, be- müht sich jetzt der russische Eisbrecher„Malygin", der den Flieger Babuschtin an Bord hat. Der notgelandete Flieger steht mit den Eisbrechern in ständiger Radioverbindung. „Gagen Gie die Wahrheit!" Der Kall Nobile. • Der Fall Nobile wächst sich immer mehr zu einer Angelegenheit aus,� die nicht nur Spezialinieresse beansprucht, sondern auch den Faschismus an sich in seinem besonderen eigenen Lichte er- scheinen läßt. Bedeutsam scheint in diesem Zusammenhange eine Erflärung der größten schwedischen— bürgerlichen Zeitung „S o e n s f a J) a g b l a d e t*, die in diesen Tagen erschien. Man verlangt von Nobile klipp und klar eine Erklärung darüber, warum Malmgreen und seine Kameraden ohne Ausrüstungsgegen- stände das Lager verließen. Es heißt, daß man es als unoer� z e i h l i ch ansehen müsse, wenn der verantwortliche Leiter deq Expedition der Stalia" feine brei tüchtigsten Mitarbeiter dem ficheren Tode auf der Eismüfte entgegengehen ließ. Reiner, der Malmgreen fannte, glaubt an die Erflärung Nobiles, daß der junge schwedische Forscher nach der Ratastrophe des leichtfertig ausgesüfteten Luftschiffes Selbst m.ord habe verüben wollen. 3m Gegenteil: In Schweden nimmt man an, daß Malmgreen und seine beiden Begleiter einen besonderen Grund gehabt haben, den General Robile zu verlassen. Sagen Sie die Wahrheit, Herr General!", fo heißt es in dem schwedischen Blatt. In den letzten Wochen hat jeder, der die Berichte, die durch Nobile von der„ Citta di Milano" tamen, las, das Gefühl gehabt, daß der General nicht die Wahrheit sagte. Es sind Dinge verschwiegen worden, die, wenn sie bekannt gewesen wären, die Rettungsmaßnahmen anders gestaltet hätten. Man muß fich flar darüber sein, daß die besten Kenner des ewigen Eises ihre Hilfs expeditionen wagten in dem Glauben, daß Nobiles Mitteilungen richtig waren. Sie setzten ihr Leben aufs Spiel, und diese Annahme ist heute leider in mehr denn einem Falle nicht mehr abzuweisen, fie verloren ihr Leben, weil Mobile log. Ein Beispiel! Der Ueberwinterungsingenieur an den Kohlenminen auf Spitbergen, der dänische Ingenieur Barming, war ein in Forschertreisen hochangesehener, tüchtiger und energischer Mann, der weite Schlittenreisen auf das Eis hinaus unternommen hatte und schon oft in den Regionen des Bols wichtige Dienste geleistet hatte. Er ging zusammen mit dem Hauptmann Sora hinaus in das ewige Eis, veranlaßt durch die Mitteilungen Nobiles, wonach das Eis sicher sei. Kaum wagt man daran zu zweifeln, daß Sora und Warming tot find. Ich finde, daß Nobile sich unverzeihlich leichtsinnig benommen hat, ja, mehr noch als das. So sagt der dänische Bolarforscher Freuchen. Nobile hat mider befferes Wissen falsche Rapporte abgegeben, er hat unangenehme Tatsachen verschwiegen, und er ist deshalb schuld daran, daß die gesamte Hiffsarbeit auf einer ver tehrten Basis gestartet worden ist. Malmgreen und Ceccioni find tot, mimosen, Biglieri und die Mannschaft bes abgeführten Ballons find so gut wie aufgegeben. Wer hat die Schuld? Nobile, der allen Warmingen und Mahnungen zum Trotz am 24. Mai, dem Tage des italienischen Kriegseintritts, am Nordpol die italienische Flagge abwerfen wollte! Der dänische Forscher sagt: ,, Nobile ist sicher der unpopulärste Mann in Europa. Selbst seine Landsleute werden ihn faum mit offenen Armen aufnehmen, er muß sich in acht nehmen, innerhalb der norwegischen Dreimeilenzone zu erscheinen. Fast müßte der Aermste wünschen, bei seinen Kameraden auf dem Eise zu fizen." Das ist die Ansicht eines dänischen Forschers von hohem Ruf. Darüber hinaus aber sagt sich, wer Nobiles Berhalten von der psychologischen Seite aus prüft, daß hier ein Verbrechen vor. liegt, das bezeichnend ist für den Faschismus an sich. Helden tumn wird im Munde geführt, Borschußlorbeeren werden willig entgegengenommen, billige Demonstrationen werden unter pomp. haften Begleitumständen in die Wege geleitet! Aber wenn es nach her darauf ankommt, gerade zu stehen, zu zeigen, daß hinter den Phrasen Verantwortungsbewußtsein und Pflichthum bes echten Führers vorhanden sind, dann ist es zu Ende. Dann verreckt der Ingenieur, dann sterben elend im Eise die Begleiter, und nur der Führer wird gerettet. Der Faschismus hat in den sechs Jahren feiner Herrschaft teine so schwere moralische Niederlage erlitten, als die Schmach, die Nobile ihm beibrachte. Eine Bewegung, hinter der nur tenom mistischer Machtwville steht, maik berjagen. Es fehlt die Idee, die einzig und allein den Menschen befähigt, nicht nur proflende Reden zu gebrauchen, sondern vor allen Dingen benen gegenüber, die ihm das Leben als Untergebene zur Seite ftellt, feine Bilicht und Schuldigkeit zu hmm Hier hat nicht Nobile allein verfogt. Faschismus. Noch 40 Kilometer! Mostani, 12. Jufi. Der Eisbrecher ,, Kraffin" befindet sich zur Zeit in geraber Ridh fung 40 kilometer von der Gruppe Biglieri entfernt und wird, wie man hier annimmt, bei günstigen Eisverhältniffen am Freitag abend einen neuen Verfuch unternehmen, längs der Nordseite der Insel Foyn und der Brod- Jufel bis zur Gruppe vorzubringen. Das Zeugnis des Gegners. Deutschnationale Zerstörung der Helfferich Legende. Den Deutschnationalen ist die von dem Reichsfinanzminister Dr. Hilferding getroffene Feststellung, daß er Minister einer festen Währung gewesen ist, außer nicht der letzte Minister der Inflation, sondern der erste ordentlich unangenehm. Hilferdings Feststellungen waren so unwiderleglich, daß die deutschnationale Frattion sich nicht imstande sah, im Reichstage darauf zu antworten. Um so mehr versucht sie jetzt durch Berleumdungen in ihrer Preffe zu wirken. Vor allen Dingen wird behauptet, Hilferding habe durch sein Verhalten die neue Währung wochenlang verzögert und dadurch den Wert der Mart von einer Milliarde auf eine Billion herabgedrückt. Wie falsch und unberechtigt diese Behauptung ist, zeigt ein glänzendes 3eugnis eines Deutschnationalen. Ein Freund Helfferichs, Karl v. Lumm, schreibt in seiner Biographie über Helfferich, die von Lobpreisungen Helfferichs mimmelt, folgendes: ,, Ein sehr wichtiger Grund für die lange Hinzögerung war die durch Hilferding von Anfang an vertretene Ansicht, daß die Durchführung einer Währungsreform nicht möglich sei, folange unsere Geldwirtschaft durch den passiven Widerstand im Ruhrgebiet belastet und deshalb die Wiederherstellung des Gleich gewichts im Reichshaushalt ausgeschlossen sei. Dieser Einmand war von um so größerer Tragweite, als er von Stresemann und auch von Luther als richtig anerkannt wurde. Der tiefere Grund lag darin, daß der Ruhrkampf, der unüber sehbare Summen verschlang, nicht planmäßig durch valorifierte Steuereingänge finanziert wurde und deshalb mit Hilfe der Notenpresse finanziert werden mußte. Diese Art der Geldbeschaffung war damals nicht mehr zu vermeiden. Wie die Dinge lagen, war es in der Tat unmöglich, während der Dauer des Ruhrkampfes ein wert beständiges 3ahlungsmittel herauszugeben." Also selbst sachkundige Deutschnationale müssen anerkennen, daß Hilferdings Berhalten richtig war, durch seine Bemühungen die ungeheuren Kosten für den Ruhrkampf eingeschränkt murden und damit die Boraus fegung geschaffen worden ist für die Stabilisierung der Wäh rung, die Hilferding eingeleitet hat, und die von seinem Nachfolger schließlich vollendet wurde. Deutschland zur Unterzeichnung bereit. Die Antwort an die amerikanische Regierung. Die vom Staatsjefretär von Schubert dem amerita-| schiebt, sich mit seinen Dominions zu verständigen, um menige nischen Botschafter Shurman im Auftrage der Reichss ftens Zeit zu gewinnen. regierung überreichte Antwort auf die legte Note bezüglich des Kriegsächtungspattes befagt: ,, Die deutsche Regierung hat die Ausführungen der Note und den ihr beigefügten revidierten Entwurf des Pattes mit größter Sorgfalt geprüft. Sie stellt mit Genugtuung fest, daß der in der Note dargelegte Standpunkt der Regierung der Bereinigten Staaten von Amerita der grundsäglichen deutschen Auffassung entspricht, wie sie in der Note vom 27. April dieses Jahres mitgeteilt wurde. Auch mit den Aenderungen in der Präambel des Entwurfs des Battes ist die deutsche Regierung einverstanden. Sie freut sich daher, erklären zu fönnen, daß sie von den in der Note Euerer Exzellenz vom 23. Juni enthaltenen Darlegungen der Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika Att nimmt, daß sie der Auslegung zustimmt, die darin den Bestimmungen des in Aussicht genommenen Baftes gegeben wird, und daß sie demgemäß bereit ist, diefen Patt in der jetzt vorgeschlagenen Form zu unterzeichnen." Deutschland ist somit die erste im Völkerbundsrat vertretene Macht, die ihre vorbehaltlose Bereitwilligkeit zur Unterzeichnung des Pattes zum Ausdrud gebracht hat. Frankreich laboriert noch an jenen Hemmungen, die durch seine militärischen Bündnisverpflichtungen gegenüber Bolen und den Staaten der fleinen Entente verursachen, während England wieder einmal die Notwendigkeit vor Frankreichs Borbehalte. Baris, 12. Juni.( Eigenbericht.) In der Antwort der französischen Regierung auf die Kellogg Note behält sich Frankreich nach einer Meldung des Datin" die polle Freiheit vor, trotz der Unterzeichnung des Kellogg Pattes zu den Waffen zu greifen, wenn die bestehenden Berträge verlegt, neutrale Zonen bedroht oder seine Berbündeten überfallen werden. Gine Juristenbesprechung in Berlin. Seite jeẞt amtlich bestätigt wird, hat in der vergangenen Woche in Wie man durch die englische Bresse erfährt und wie von deutscher Berlin ein informeller" Gebantenaustausch zwischen den Jua riften des deutschen, des französischen und des englischen Aus wärtigen Amtes, Dr. Gauß, Fromagert und Cecil Hurst, Battes und des Sicherheitsausschusses besprochen. stattgefunden. Dabei wurden vor allem die Fragen des Kellogg Ein deutsches Weißbuch. Die Reichsregierung hat ein Beisbuch herausgegeben, das alle Dokumente bezüglich des Antikriegspattes enthält. ore Autobuskatastrophe im Harz. 4 Tote und 28 Schwerverletzte. Nordhausen, 12. Juli. Ein Perio ucuzug der Strede Walten. ried- Braunlage der Südharzbahn erfaßte heute nachmittag an unübersichtlicher Wegstelle einen vollbe. fekten Personenkraftwagen und überrannte und zertrümmerte ihn; von den Insassen wurden 28 schwer verlegt in das Nordhauser Krankenhaus gebracht. Bier Personen wurden getötet. Der Hergang des Unglücks. Braunlage, 12. Jufi.( Eigenbericht.) In einer Stelle, die etwa je eine halbe Begfhmbe von Bad Sachsa und Bieda entfernt liegt, auf einer etwas abfchiffigen Chauffee, die non dem Schienenftrang ber Kleinbahnlinie Ballenrieb Braunlage gefreuzt wird, hat sich am Donnerstag gegen 4 Uhr nachmittags ein folgenschmerer Unfall zugetragen. 3mei Kraft omnibusfe, von denen der eine eina 45, ber andere eima 25 Berfonen au faffen vermag, hatten von Wolfenbüttel aus eine Fahrt nach Bad Sachsa unternommen. In dem größeren Autobus befanden sich 36 Shultinder mit ihrem Lehrer und deffen Familie sowie einige weitere ermachsene Berfonen. Dieses Auto passierte gegen 16 Uhr die Unfallstelle, als unmittelbar danach der Zug non Die Verschwörung des Schweigens. Bom deutschnationalen Kriegsschauplah. Die Kreuz- 3eitung" ist vor einigen Tagen auf den Streit im deutschnationalen Lager eingegangen, sie hat die Machtkämpfe zugestanden, für Westarp gegen Hugenberg Bartei ergriffen. Darauf antwortet die Deutsche 3eitung": Bir müssen gestehen, baß uns diese Ausführungen auf das höchste überraschen. Soviel wir wissen, ist von allen Teilnehmern an der Deutschnationalen Parteivertreterbagung, insbesondere also über die Tagung in die Bresse gelangen zu laffen. auch zwischen den verschiedenen Richtungen, wenn es soche geben sollte, vereinbart worden, teinerlei Mitteilungen wenn auch die Lintspreffe bereits fich erstaunlich gut unterrichtet gebärdet und genaueste Schilderungen über den angeblichen Verlauf der vertraulichen Beratungen gegeben hatte, feßt es uns doch in Berwunderung, daß nunmehr ein deutschnationales Blatt von haus ebenfalls Mitteilungen über die Tagung machen zu dürfen glaubt." Sie hatten also eine Verschwörung des Schweigens getroffen, um den inneren Krieg vor der Deffentlichkeit zu ver bergen! Schlußßigung in Genf. Die zweite Konvention für Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote unterzeichnet. Ausfuhrverbate ist beendet. In der Schlußfizung haben 26 Don Die Genfer Diplomatenkonferenz zur Beseitigung der Ein- und ben 28 vertretenen Staaten bas Zusakabtommen zu der im November vorigen Jahres aufgestellten Hauptfonvention unter zeichnet. Falls die erforderlichen Ratifitationen für die beteiligten Staaten rechtzeitig vorliegen, tritt die vereinbarte Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote mit 18 Vorbehalten am 1. Januar 1930 in Kraft. Am 1. Ottober 1929 fommen aber bereits die Bereinbarungen über die Aufhebung der Ein- und Ausfuhr perbote für Häute und Knochen in Geltung. Man muß sich hüten, die für die Befreiung des internationalen Warenverkehrs von den Handelshemmnissen der einzelnen Länder in Genf erzielten Fortschritte zu hoch einzuschätzen Einmal hat die Konferenz fehr wichtige Borbehalte aufrecht erhalten. Zum anderen handelt es sich bestenfalls um die Wegräumung von Kriegs- und Inflationsballaft, den der internationale Barenverkehr in der Borkriegszeit zum größten Teil nicht fannte. Ein großer Fortschritt liegt aber dennoch in den in Genf gefundenen neuen tollettiven Formen, internationale Handelspolitik zu treiben. Die jetzt beschlossenen Ronventionen fönnen gemissermaßen als follettive Handels. | Balfenried über Wieda heramahte. Das folgende zweite Auto bemerkte den Zug zu spät und stieß mit der 2otomotive zusammen. An der Unglüdsstelle stand ein stärkerer Baum, der ein Umfippen des Autos verhinderte. Das Auto tam zwischen Lokomotive und Baum und wurde auf der rechten Seite vollständig aufgerissen. Die Lokomotive wurde durch das am Baum festgerammte Auto aus den Schienen gehoben, tippte um und rutschte auf der Seite noch einige Meter weiter und wühlte sich zirfa einen Meter tief in den meichen Acerboden ein. Die Wirkung des Susammenstoßes war furchtbar. Die Mehr zahl der 22 Insassen wurde von den Glas- und Holzsplittern des Autos teilweise furchtbar verlegt. Drei Personen waren jofort tot, und zwar der Landwirt Lüdide, feine Verwandte, bie Bitme Strandstedt, ein Fräulein Burgdorf und der Chauffeur. Kurze Zeit nach dem Unglüd eilten aus dem nahen Bab Sachja, aus Balfenried und Sorge Herste herbei. Die Berunglückten murder in dem underlegten Omnibus jojort nach Nordhausen in das Kran fenhaus gebracht. Der Abtransport ber Unnerlegten mährte längere Seit. Enijeglich war es anzuschauen, als man endlich nach einigen Stunden die vielen Schultinder in einem Autobus abtrans portieren wollte. Die meisten der völlig verstörten armen Geschöpfe fträubten sich, in das Auto zu steigen, und erst nach langem Zureben gelang es endlich, fie abzutransportieren. Dertragsverhandlungen" angesehen werden, bei denen durch einen gemeinsamen Beschluß Dinge vereinbart werben, die jonft nur von Land zu Land festgelegt werden konnten. Das formale Gelingen dieser Berhandlungen ist fast michtiger als ihr materielles Ergebnis. Die an den Genfer Berbandlungen beteiligten Staaten haben bewiesen, daß auch in wirtfchaftlichen, nicht nur in politischen Dingen, heute follettive Berhandlungs- und Entschließungsmöglichkeiten gegeben sind. Man muß nur hoffen, daß derartige Berhandlungen mit pofitivem Er gebnis in der Zukunft auch für wichtigere Objekte gelingen. " Nichts gelernt! Barbarei, mastiert als Gozialismus. In der Roten Fahne" verteidigt ein gewiffer horft Fröhlich die Schachty- Hinrichtungen mit der These: Freiheit des Bro letariats ist Bernichtung des Klassenfeindes". Das ist der primitive Standpuntt von Steinzeitmenschen: mer außerhalb der Horde steht, ist ein Feind, der totgeschlagen werden muß. Die ganze sozialistische Erkenntnis dieses Kommunisten besteht in dem Sah: fchlagt die Bourgeois tot. Wobei die Kommunisten niemals einen Zweifel darüber gelasen haben, daß fie Sozialdemo traten zu den Bourgeois rechnen, daß sie vielmehr Sozialdemokraten noch vor den Bourgeois totschlagen würden. Diese These: Freiheit des Proletariats ist die Bernichtung des Staffenfeinbes ist ein Beweis für die geistige Primitivität und bie grauenhafte sozialistische Unbildung der Kommunisten. Sie habets heute noch nicht begriffen, daß es nicht der Sinn des Sozialismus ist, Menschen auszurotten, sondern die Beziehungen zwischen Menschen au regeln unter dem Gesichtspunt der Gerechtigkeit und der Achtung bor ber Menschenwürde. Für fie haben die großen sozialistischen Lehrer nicht gelebt. Sie müssen erst vom barbarischen Denken zur Achtung von Menschenleben und Menschenwürde erzogen werden, ehe fie bas BC des Sozialismus buchstabieren lernen. Siegesfeier in Bozen. Muffolini drückt fich und schickt den König vor. In Bozen fand gestern eine„ Siegesfeier" mit Einweihung eines Dentmals, Milizparade usw., statt. Der König mar mit einigen Ministern erschienen, Mussolini dagegen fehlte. Es waren strengste Sicherheitsmaßnahmen getroffen morden, auch die Kontrolle an der Tiroler Grenze mar vershärft. 3 wischenfälle sind nicht vorgekommen. Die deutsche Benölferung hatte die Feier gemieden, die Straßen waren mit Ausnahme von italienischen Gruppen leer. Nur die deutschen Musikkapellen und Schulkinder waren durch Drohungen gezwungen worden, an den Huldigungen für den König beilzunehmen. Der gestrichene Satz. Westarp: Oe« schönste« Sah Hab ich streichen müssen: die Partei steht einig bis auf de« letzte« Mann.— Welch unervartete Bescheidenheit— plötzlich wollte jeder der, letze SKann' sein! Severins vor dem Reichsrat. Reichsgliederung und Rationalifleruug der Venvaliung als Gegenwarisaufgaben Die öffentliche Dollsitzung des Reichsrats vom Donneretag nachmittag wurde durch den neuen Reichsminifter des Innern Severtug geleitet, der die Sitzung mit folgenden Worten eröffnet«: Ich habe die Ehr«, mich Ihnen heute in meiner neuen Amts- stcklung als Reichsmintster de» Innern vorzustellen. Ich Hab« schon früher da, Vergnügen gehabt, dem Reichsrot anzugehören, und bin Ihnen darum wohl kein Fremder. Ich glaub«, datz uns jetzt die Arbeiten für die Entwicklung des Reich«, in der nächsten Zeit recht oft zusammenführen werden. Di« Reichsregierung Hot die Absicht, noch den Vcschlüssen der Länderkonferenz die?r«Mn der Reichsglkderung und Rosiouafiflervmg der Verwaltung welterzu führen. Schon allein dies« Dinge werben die Reichsregierung und den Reichsrat oft zusammen beschäftigen und den Reichsminister de» Innern recht oft in Ihr« Mitte führen. Ich hoffe, daß wir un» dann näher kennenlerncn werden. Ob wir dabei immer am gleichen Strang« ziehen werden, ist Sache der Zukunft. Selbst wenn wir oll« der Meinung sind, daß die Fragen, die ich eben andeutete, recht schnell zu einer gewissen Klärung gebracht werden müssen, so werden doch Streitpunkte bestehen aus Tradition und geschichtlicher Auf- fossung, Melche Differenzen ergeben..Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen". Di« Gutachten der Gutachter der Länderkonferenz lassen sich auf dem Papier sehr leicht formulieren, die Ausführung aber in der Or> ganisation des Reiches stellt uns vor große Aufgaben und Schmie- rigkeiten. Ich hoffe aber, daß uns mich etwaig« Differenzen in einem nicht auseinanderbringen werden, in der gemeinsamen Ar- beit für das Bolkswohl, denn die Gliederung des Reich«« und alles, was damit zusammenhängt, ist fa nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck, um den Staat und da» Volk poliKfch. kulturell und wirtschaftlich vorwärts zu bringen. und ich bin überzeugt, daß Sie darin mit der Regierung einig fein werden. So fast« ich mein« Aufgabe auf und ich bin überzeugt, daß das auch Ihre Auffassung ist. Preußischer Staatssekretär Dr. weifzaumn erwiderte hierauf: Namen« des Reichsrats dank« ich Ihnen, Herr Reichsminister. für ihre freundlichen Worte der Begrüßung. Sie haben schon mit Recht hervorgehoben, daß im Laufe �>er nächsten Zeit sehr wichtige Aufgaben gerade vom Reichsminifter des Innern zu lösen sind, die eine Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Reichsrat in viel höherem Maße voraussichtlich veranlassen werden, äls es bisher der Fall war. Sie haben auch mit Recht hervorgehoben, daß die Aufgaben, die Ihnen dann gestellt sind, kein« sehr leichten sind. Seien Sie überzeugt, daß der R-ichsrat in vollem Vertrauen Mit Ihnen zusammenarbeiten wird. Sie sind, wie Sie bereit» hervor- gehoben haben, un« durchaus kein Fremder. Als preußischer Mi- nister de, Innern haben Si« nicht nur dem Reichsrat angehört. sondern Sie hoben in schwerer verantwortungsvoller Zeit«ine Reih« von Vorlagen instruiert und vielleicht auch im Reich Mit beeinflußt, di« M der damaligen schweren und unruhigen Zait d»m Reich«ine große Beruhigung gebrocht hoben. Schon aus diesem Grunde können Sie überzeugt sein, daß d« Reichsrat davon ausgeht, daß Sie gerode in der schwersten Frag«, die jetzt hei der Neu- gestaltung des Reiches und der Derwollung an un« herantreten wird, sicher auch das Interesse der Länder im Auge behalten«erden und damit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewährleistet wird. In diesem Sinn« heiße ich Sie willkommen und spreche, unser« Freud« darüber aus, daß wir Gelegenheit haben werden, Sie oft als unseren Vorsitzenden begrüßen zu kännen. Der Reichsrat erklärt« sich mit der Ausführungsverordnung zu dem Gesetz über Schußwaffen und Munition elnven. standen. Diese Verordnung regelt unter anderem die Frag«, melche Waffen- und Munitionsarten nicht dem Gesetze unterliegen sotsen. Ferner wird die behördliche Zuständigkeit geregelt, und es a>?rbm Bestimmungen getroffen über die Bücher, die von den Waffen- Händlern geführt wecden müsien. Dle neuen Satzungen des Kaiser- Friedrich-Krankenhous-Dereins in San Rems wurden genehmigt, ebenso eine neue Verordnung über K ra ftf a hr z e u g o evt« h r und die Ausführungsbestimmungen zum Krastfahrzeug- steuergesetz. Den vom Reichstag unverändert angenommenen Gesetzentwürfen betreffend das deutfch-schwedifche Ab- kommen zur Ausgleichung der in- und ausländischen Besteuerung und betreffend eine Novelle zum Viehseuchengesetz gab der Reichs- rat die endgültige Z u ft i m m u n g. Die Amnestie. Skein Freibrief für Komnumifiea und Völkische! i Von Wilhelm Oittmann. Der Reichstag wird heute ein Amnestiegesetz deschließen. da» in weitgehendem Maße für politische Delikte Straffreiheit gewährt. Gleichzeitig wird er in einer Zkeso- lution für Vergehen aus sozialer Not Verücksichtigung bei Einzelbegnadigungen empfehlen. Das Zustandekommen dieser Amnestie ist vor allem ein Verdien st der sozialdemokratischen Reichs tagsfraktion. Zugute kommt die Amnestie vornehmlich Angehörigen und Mitläufern der„äußersten Linken" und der„äußersten 'Rechten", der Kommunisten und der Völkischen und ihnen nahestehender Truppen. Wir Sozialdemokraten haben wahrhastig keinen Grund, uns der Kommunisten und der Völkischen etwa mit besonderer Liebe anzunehmen. Die einen wie die anderen bekämpfen uns in der skrupellosesten und demagogischsten Weise und betrachten die Sozialdemokratie als ihren Hauptfeind. Wenn wir uns trotzdem so nachdrücklich für die Amnestie eingesetzt haben, so ist das begründet durch die„Himmel- schreiende Parteilichkeit", mit der die deutsche Justiz jahrelang einseitig nur gegen„links" vorgegangen ist und dabei die härtesten und ungerechtesten Urteile gefällt hat. Hunderte von Kommunisten irregeleiteter und miß- brauchter Proletarier, die in den schlimmen Zeiten der In- flation und der Deflation geglaubt haben, durch Teilnahme an sinnlosen Putsch- und Verschwöreraktionen der Befreiung ihrer Klasse zu dienen, sind zu schweren Zuchthaus- und Ge- fängnisstrafen verurteilt morden. Gleichzeitig aber war die Justiz blind gegen die gleichen und weit gefahrlicheren Per- fehlungen von„rechts". Vergebens haben wir Sozialdemokraten lange Zeit hindurch auf die verheerende Wirkung hingewiesen, die durch diese einseitige K l a s s e n j u st i z im Rechtsbewußtsein des Volkes angerichtet werden mußte und angerichtet worden ist. Erst allmählich hat man auch im bürgerlichen Lager de- griffen, daß tatsächlich eine Vertrauenskrise der Justiz eingetreten war und der von den Gerichten verursachte Schaden wiedergutgemacht werden müsse. Diese Stimmung wuchs, als es der Sozialdemokratie endlich gelang, die Justiz dahin zu bringen, auch gegen„rechts" die Gesetze anzuwen- den. Vor ollem haben die Prozesse über die Feme- mörder der bürgerlichen Oeffentlichkeit die Augen ge- öffnet über die Gemeingefährlichkeit der„Rechts"verbrecher. Im Gegensatz zu den Verurteilungen gegen„links" sind die Urteile gegen diese Verbrecher von„rechts" meistens j«hr milde ausgefallen. Wenn es trotzdem gegen„rechts" zu Todesurteilen und Zuchthausstrafen gekommen ist, so lag das an der Ungeheuerlichkeit der begangenen Straftaten. Durch die Verurteilungen gegen„rechts" bekamen auch die politischen Rechtskreise ein Interesse an einer Anmestie. So entstand die psychologische Situation, in der der Gedanke einer möglichst weitgehenden Amnestie für politische Delikte sich durchsetzen konnte. Wir Sozialdemokraten sehen in der Amnestie gegen„links" einen Akt der W i e d e r g u t- m a ch u n g des schweren Unrechts, das die Justiz in den auf i Jnftation und Deflation gefolgten Jahren begangen hat. ' Jn.dtr Amnestie gegen„rechts" dagegen sehen wir eine, fach- I'ch nicht berechtigte Vergünstigung. Wir wissen aber, daß vbne sie die Wiedergutmachung nach„links" von den bürger- lichen Parteien nicht zu haben ist. Wölls» wir die Amnestie noch„links", so müssen wir die Amnestie nach„rechts" mit in Kauf nehmen. Aus dieser Zwangslage heraus hat die sozial demokratische Fraktion in der Amnsstiefrog« gehandelt. Wir sind un? völlig klar darüber, daß die Kommunisten, die schuld daran sind, daß Hunderte braver Proletarier von der bürgerlichen Klassenjustiz zu schweren Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt werden konnten und die jetzt davon faseln, daß ihr„Massendruck" die Anmestie„crzwum gen" habe, fortfahren werden, über den„Amnestieverrat" der Sozialdemokratie zu schreien und zu schimpfen. Das läßt uns kalt. denn, wie schon betont, ist unsere Stellung nicht ou« Liebe zu den Kommunisten diktiert, sondern aus unserem Gefühl für Gerechtigkeit. Die Rolle der Kommunisten in der Amnestiefrage ist in den Augen jedes geroden und aiifrechtsn Menschen und e.rst recht in den Augen jedes wirklichen Revolutionärs kläglich und jämmerlich. All« andern konnten Amnestie fordern, nur die Kommunisten nicht! Wo war es bisher da in der Geschichte, daß Revolutionäre, die In die Fänge der Machthaber geraten waren, sie um Vergebung anwinselten? Die bürgerlichen Revolutionäre von 1848 verfemten jeden der ihrigen, der so zu handeln wagte. Sie sangen voll revolutionären Trotzes: Wenn die Fürsten ftagen: „Will er Amnestie?" Lostet ihnen sagen: „Er hat steift Knie." „Steife Knie" kennen die heutigen Kommunisten nicht. Auch bei uns Sozialdemokraten gast in den Zeiten unse- rer Aechtung, in den schmachvollen Jahren des Sozia- listengesetzes, und gilt bis auf den heutigen Tag, ein Betteln um Amnestie, um Vergeben und Vergessen als schwächsich und eines aufrechten politischen Kämpfers un- würdig. Es blieb den Kommunisten vorbehalten, diesen Bruch mit der revolutionären Tradition herbeigeführt und ihre„bürgerlickien Tod- und Klassenfeinde" um Amnestie an- gefleht zu haben, um Vergeben und Vergessen von Taten, die sie veranlaßt haben. Kommunisten wie Völkische mögen sich aber darüber klar sein, daß die Sozialdemokratie, wenn sie auch überzeugt ist, unter die politischen Missetaten der Vergangenheit jetzt einen Strich machen zu können, well die Republik stark und ge- festigt dasteht, doch nicht gewillt ist, dura> die Amnestie einen Freibrief auszustellen für neu« frevelhaste Attacken gegen das Gefüge der Republik! Reichskabmeii und Eisenbahnianfe. Da» Reichskabiuett beschäftigt« sich bi.ftiuer gestrig« Sitzung mit der Frage der Erhöhung der Eisenbahn- tarife. Da» Reichskabmett beschloß, zur«eiterep Klärung der ?lngelegenheit die Verhandlungen mit der Reichsbahn durch die zuständigen Ministerien fortzuführen. Die Todesstrafe. Der holländssch-mdische Volksrat hat die Ab- schftwng der Xota-st-oft»it»«ege» 11 fSämmm»hg.Ieh»� poincare-Nergery. Oer Ministerpräsident will nichts zurücknehmen. Ministerpräsident Poincare hat im den radikalen Adgeord- ueten Bergerq, mit dem er am Montag in der letzten Sitzung vor Vertagung der Kammer einen heftigen Zusammenstoß hotte, und den er bei dieser Selegenheit der Unwahrhafirgkeit beschuldigt hatte(stehe Donnerswg-Morgenausgab« des.Vorwärts"), ein Schreiben gerichtet, in dem er«klärt, daß er von seinen Aeußerungen in der Kammer nichts znrückzunehmen Hobe. Wenn Abgeordneter Bergerq weiter« Erklärungen wünsche, so stelle er ihm ftei, in der nächsten Tagung sein« g n t e r p« l l a- t i o n wegen der rumänischen Stabi lisierimgsanleih« wieder auszunehmen._ NeschwerdegegenThomasuudVomffon deren Einleitung auf eine Kabinett-verfügung der Regierung Macdonald zurückgeht, erscheinen nunmehr auch Einzelberichte über die wichtigsten englischen Industriezweige, über den Bergbau, die Metallindustrie sowie über die Textilindustrie. Di« Textilindustrie bleibt nach dem Bergbau das gröfjle Schmerzenskind der englischen Wirtschast. Die englische Textilindustrie, die im Vorjahre rund Million Arbeiter beschäftigte und nach wie vor Englands größte Exportindustrie ist, hat ihre Vor- > kriegsposition nicht zurückgewinnen können. Große Arbeitslosigkeit , in den Textilbezirken. finanzielle Schwierigkeiten zahlreicher Textil- gesellschasten, Kartellierungsversuche und Zollforderungen, die frei- lich bisher ebenso wie die Bemühungen um Lohnkürzungen und Aibeitszeitoerlängerungen ergebnislos waren, sind die Begleit- erscheinungen der krisenhaften Lage in den alten englischen Textil- industrien. Die neuen Sonderberichtedes. Balfour-Komitees zeigen nun zwar keinen Weg aus dieser schwierigen Lage, trotzdem sind die Berichte durch ihr umfangreiches Material beachtenswert und können für eine Neuorganisation der englischen Textilwirtschast wertvoll« Grundlagen bilden.'Der starke Produktionsrückgang in der englischen Baumwollindustrie ist auf die groheu Exporkverluske zurückzuführen. Di« englische Produktionsstatistik von 1924 ermittelte ein« Gesamtproduktion an Baumwollgarnen von rund 629 Millionen Kilogramm und Baumwollgeweben von rund SlKX) Millionen Meter, gegenüber rund 9 Millionen Kilogramm und rund 7399 � Millionen Meter im Jahr« 1912. Der Produktionsrück- gang beträgt also— 1S2S und 1927 hat sich die Gesamtproduktion etwa auf gleicher Höhe gehalten— mengenmäßig etwa e i n Drittel der Borkriegsproduktion. Die Exportverluste sind vor allem auf den beiden großen Hauptabsatzgebieten in Indien und Ostasien infolge der gewachsenen Eigenproduktion der asiatischen Länder«ingetreten. Auch in Amerika, besonders in den südamerikanischen Ländern, hat England viel Boden durch die amerikanische Konkurrenz verloren. Nur der Ab- i satz nach Europa hat sich behauptet, aber er spielt mit einem Anteil von etwa 19 Proz. des englischen Gesamtexports eine unter- geordnet« Rolle. Die Bedeutung des Inlandsmarktes. Seit 1924 waren die Exporte der englischen Baumwoll- i n d u st r i e weiter rückgängig, doch scheint, wie man aus dem | nahezu gleichgebliebenen Rohstofsverbrauch schließen kann, der i Jnlandskonsum sich weite? gehoben zu haben. Der Inlandsmarkt ist heute bereits für die Baumwollindustrie ein bedeutender Faktor geworden: fast zwei Fünftel der Gesamtproduktion dürste im Vor- jähr« gegen nur ein Viertel m der Vorkriegsperiode auf dem Binnenmarkt abgesetzt worden sein. Noch bedeutsamer ist übrigens der Binnenmarkt für die eng- lisch« Wollindustrie. Im Gegensatz zu der Situation in der Baumwollindustri« beruhte der Produktionsrückgang in der Woll- industrie vornehmlich auf der Verringerung der inländischen Kauf- kraft, während der Export sich jedenfalls bis 1924 auf der Vor- kriegshöhe behaupten konnte. Seitdem dürfte, ganz besonders fühl- bar im Jahre 1927. durch Erhöhung der Masienkauskrasl infolge Senkung der Lebenshallungskosten bei gleichbleibendem Lohnniveau eine erhebliche Steigerung des Znland-absahes auch bei der Woll- industrie eingetreten sein. Anders läßt sich jedenfalls die Steige- rung des Rohstoffverbrauchs bei erheblich zurückgegangenem Export und die starke Verbesserung des Beschäftigungsgrades(Ende 1927 betrug die Arbeitslosigkeit in der englischen Wollindustrie 9,7 Proz. gegen etwa 9 Proz. im Durchschnitt Ende 1924/25 und 25 Proz. während der Streikperiode) nicht erklären. Die beiden großen englischen Textilindustrien sind also heut« in viel höherem Maße als in der Vorkriegsperiode von der In- landsfrage abhängig. Auch für die zukünftig« Entwicklung der Industrien ist— das kommt in dem Bericht mehrfach zum Aus- druck— die Hebung der Realeinkommen der Massen von entscheidender Bedeutung. Auf Grund der veränderten Weltlage hält es dos Balfour- Komitee für kaum möglich, daß die englische Baumwollindustrie den verloren gegangenen Exportobsatz an Stapelwaren wieder- gewinnt: die Ausgabe der englischen Baumwollindustrie sei es vielmehr, sich zunehmend auf bessere Qualikäken umzustellen. Hierin besteht infolge der technischen ileberlegenheit, der großen Spezialisierung und der guten Schulung der Arbeiterschaft die Zukunftschance der englischen Bauwollindustri«. Diese Anschauung scheint schon durch die bisherige Entwicklung gerecht- fertigt zu sein. Diejenigen Zweige der englischen Textilindustrie, die überwiegend fein« Garne und hochwertig« Gewebe herstellen, die sogenannt« ägyptisch« Sektion(überwiegende Ver- arbeitung von ägyptischer Baumwolle) ist bisher von der Krise fast ganz verschont geblieben. Mst Rücksicht hieraus sind auch bereits zahlreiche Umstellungen erfolgt. Während in der Dorkriegs- zeit nur rund 14 Millionen Spindeln ägyptische Baumwoll« ver- arbeiteten, war ihre Zahl 1927 bei gleichgebliebener Gesamtzahl der Spindeln rund 18 Millionen. Dagegen lastet die Krise schwer auf den Derarbeitungszweigen von amerikanischer Baumwolle, der sogenannten Amerikasektion, die überwiegend gröbere Garne und Gewebe herstellen. Alle Bemühungen, durch ein einheit- liches Vorgehen hier die Schwierigkeiten zu mildern, sind bisher fehlgeschlagen. Di« organisierte Kurzarbeit, Festlegung von Produktionsquoten mit dem Recht der Ouotenüber- tragung, Festsetzung von Minderheitspreisen konnten infolge der Durchbrechung durch zahlreiche Auhensester nicht ausrecht erhalten werden. Die tieferen Ursachen hierfür wie für die mangelnde Rentabili- tät in der Baumwollindustrie find zu einem großen Teil in der außerordenklichen IerfpNkkerung und ungeheuren lieber- kapikalisierung zu suchen. In der Baumwollindustri« bestehen mehr als 609 Einzelunternehmungen, von denen rund drei Viertel mit weniger als 199 999 Spindeln ausgerüstet sind. Konzernmäßige Zusamenfassungen sind bisher nur in geringem Maße erfolgt: es bestehen außer der durch die Firma Coats vertrusteten Nähgarn- industrie eigentlich nur drei groß« Spinnerkonzerne mit ins- gesamt wieder nur ein Zehntel der vollen Kapazität. Noch stärker ist die Zersplitterung in der Weberei; von den rund 999 Unter- nehmungen wird der Hauptteil noch als Privatfirmen geführt, rund ein Viertel der Unternehmungen hat weniger als 299 Webstühle. Di« gesamte Baumwollindustri« konnte in den Kriege- jähren und in der Nachkriegskonjunktur von 1919/29 Riesen- gewinne einheimsen. Die Mehrzahl der Betriebe ließ sich durch die enormen Gewinne und die außerordentlich hohe Verzinsung des Kapitals zu bedeutenden Kapitalerhöhungen verleiten: die Betrieb« wurden entweder an neu« Gesellschaften mit viel höherem Stamm- kapital verkauft oder«s wurden an die Aktionär« Gratisaktien aus- gegeben. Insgesamt wurde fast die Hälfte der Spinnerei- und etwa ein Siebentel der Webereianlagen von diesem Finanzierungstaumel befallen. Diese Gesellschaften, die ihr Kapital auf Grund von Kriegs- gewinnen und der Riefenprofst« der Nachkriegskonjunktur ohne eist- sprechende Anlageerweiterung verdoppelten oder verdreifachten, waren natürlich nach Wiederherstellung normaler Verhältnisse außer- stand«, ihr viel zu hohes Kapital zu verzinsen. Während die alten Gesellschaften, die ihr Kapital nicht erhöht haben, im Durch- schnitt seit 1921 8,7 Proz. Dividende verteilen tonnten, be- trug die Dividendenrote bei den überkapitalilierten Be- trieben nur etwa 2,5 Proz. Die Verschuldung ist serner bei den Betrieben mit verwässertem Kapital außerordentlich ge- wachsen: sie beträgt pro 1999 Spindeln etwa 15999 M. gegen 19 999 M. bei den Gesellschaften mit unverändertem Kapital. Die mangelnde Rentabilität und die wachsende Verschuldung der Be- triebe ist darauf zurückzuführen, daß man die Sanierung der notleidenden Betriebe durch Kapital- Zusammenlegung unterließ. Jedenfalls ist die Lohn höh« und die Arbeitszeit keinesfalls ein gegenüber diesen schweren Mißständen irgend- wie nennenswert nachtellig wirtsamer Faktor: die Schwierigkeiten einzelner englischer Industriegruppen beruhen ja überhaupt nicht auf zu hohen Löhnen— das Lohnniveau in den sogenannten alten Industrien, wie Bergbau, Textilindustrie u. a., ist ohnehin erheblich niedriger als in den zahlreichen modernen Industrie- zweigen, die trotzdem»oll wettbewerbsfähig sind— sondern auf organisatorischen Mängeln. Neue konstruktive Bor- schläqe zu deren Behebung und zur Sanierung der englischen Daum- Wollindustrie werden im Bericht nicht gegeben, jedoch geht aus ihm unmißverständlich hervor, daß die Rettung keinesfalls durch Lohn- Herabsetzung oder Arbeitszeitverlängerung, sondern nur auf dem Wege der Rattonalisierung der Betrieb«. Ausschaltung oder ver- schmelzung der nicht mehr leistungsfähigen Kleinunternehmungen und rücksichtsloser Kapitalzusammenlegung der überfinanzierten Un- ternahmungen erreicht werden kann. Rekorde im Konsum. 52 Millionen Ilmfaß.— 28 532 neue Mitglieder. Der letzte Monat des 29. Geschäftsjahres der Konsumgenossen- schaft Berlin, das am 39. Juni schloß, brachte einen weiteren Zugang von 1885 neuen Mitgliedern, wodurch sich der Mitgliederbestand auf 157 215 steigerte. Die Gesamtzahl der Aufnahmen im abgelaufenen Gcfchäflsjahr betrug 2S5Z2. ein Rekord der Aufnahmen, der in der 29iShrigen Entwicklung der Genossenschaft noch in keinem Zahre er- reicht wurde. In welch erfreulich starkem Maße sich die Anziehung?- traft der konsumgenossenschaftlichen Organisation auf die breiten Massen der Berliner werktätigen Bevölkerung erhöht hat, dafür folgende Aufnahmeziffern: im Jahre 1924/25 , 1925/26 , 1926/27 ,, 1927/28 2 628 neue Mitglieder 11 300„ 20 721„ 28 532. Im letzten Geschäftsjahr ergibt sich durch Todesfälle, Kündi- gungen, Ausschlüsse usw. ein Abgang von 11 923 Mitgliedern. Der Reinzugang beziffert sich demnach auf 17 599 Mitglieder. Das 39. Geschäftsjahr beginnt mtt einem Mitgliederbestand von 146192 gegen 128 683 im Vorjahr. Der Umsah im INonal Zun! betrug 4 845 127,28 JH.; im vergleich mit dem vorjährigen Zuuiumsatz ist eine Steigerung um 1 007 929 ITC. oder um 26,2 proz. eingetreten. Die stärkere Umsatz- Vermehrung weist mit 177 Proz. die Abteilung Warenhäuser aus. Der Gesamtumsatz im 29. Geschäftsjahr betrug 51 997 043 AI. oder rund 52 Millionen Mark gegen nur 49,67 Millionen im Jahre 1926/27. Der Jahres- umfaß ist um 11 S22 966 M. oder 27,8 Proz. gestiegen. In der konsumgenossenschaftlichen Sparkasse vermehrten sich die Einlagen im I u n i um 844 179 M. Der g e- samte Einlagenbestand erhöhte sich damit am Abschluß des Geschäftsjahres auf 24 954 673 M. Da am Beginn des Geschäfts- jahres nur 15 929 294 M. als Einlagen vorhanden waren, stiegen die Einlagen um 9 025 469 M. oder 56 proz. Oer Kampf gegen die Agrarkrise. Keine Staategelder für die Mühlentransattion. Es ist begreiflich, daß der überraschende Aktienerwerb an der Getreide-Industrie- und Kommissions-A.«G. durch die Rentenbank- kroditanstalt und di« Preußenkasse all« Kreise der interessierten Oeffentltchkeit in Atem hält. Natürlich ist auch der private Ge- treidehandel, der sich zunächst betroffen fühlt, beunruhigt, und man ist bemüht, die in ihrer Tragweit« zweifellos bedeutende Aktton durch den Hinweis darauf in ein besondere, Licht zu rücken, daß man von«rheblichen Beteiligungen öffentlicher Gel» der an dieser Transakttoa spricht. Der Amtliche Preußisch« Pressedienst stellt dem» gegenüber fest, daß di« von der„i>2lZ." gebrachte Mitteilung, der preußische Staat Hab« der Preußenkasse einen Sonderkredit gewährt, für den die Preußentasse ihrerseits Wechsel zu geben habe, unrichtig sei. Preußen hat der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse aus Anlaß des Aktienerwerbs keine neuen Mittel zur Verfügung gestellt. Von Interesse ist auch ein« Mitteilung, von der wir annehmen, daß sie aus Kreisen des Reichsernährungsmini st eriums stammt. Darin wird zur juristischen Seite zunächst betont, daß es sich bei dem Aktienerwerb zunächst um ein privatwirtschaflliches Geschäft der Preußenkasse und der Rentenbankkreditanstalt handele, für das die Verwendung von Reichsgeldern eben- falls nicht in Frage komme. Der neue Reichsernährungs- minister habe«ist kurz vor dem Abschluß des Geschäftes von der Transaktion erfahren, und habe im letzten Augenblick sein Augen- merk darauf gerichtet, daß bei der endgülttgen Abwicklung und bei der Gestaltung der Organisation«inseitige In- teressen hintangehalten wurden. Durch die Zusammen- arbeit von Rentenbankkreditanstalt und Preußenkasse sei eine Garan- tte dafür gegeben, daß weder die Produzenten noch die Konsumenten- interessen allein zur Geltung kommen. An dieser Mitteilung ist der Hinweis auf die Zusonnnenarbeit der beiden Institute bemerkenswert, von der wir hoffen wollen, daß sie durch die Zusammenarbeit der Regierungsstellen des Reiches und Preußens unterstützt wird, an der es bekanntlich in der Vergangenheit, besonders vom Reiche aus, sehr gefehlt hat. Gerade weil die Einflußnahme der beiden Bankinstitute aus Mühlengewerb« und Ge- treidehandel im höheren Sinn« eine Rationalisierung der Landwirt- schaft zur Folge hoben kann, wäre ein« akttve Behandlung der von hier aus erreichbaren agrarpolitischen Probleme durch di« beiden Regierungsstellen von größtem Nutzen. Maffenkaufkrast und Konjunktur. Kauftrast der Massen noch immer unter Vorkriegs höhe. Die Reallöhne allein geben noch keine Auskunft über die Mafsenkaufkraft, wenn nicht auch der Beschäftigungsgrad der Arbeiterschaft bzw. die Arbeitslosigkeit berücksichtigt werden In der jüngst erschienenen„Wirtschaftskurve" unternahm Dr. Moritz Elsas den B«rsuch, die Massenkaufkrast unter Be- rücksichtigung des Beschäftigungsgrades zu bestimmen. Für die Be» rechnung des Reallohnes bediente er sich der amtlichen Lohnstatistik und des Lebenshallungsindexes, für den Beschäftigungsgrad aber der Statistik der vollarbeitslosen Gewerkschaftsmitglieder Kurz. arbett, Saisonarbeit, Ueberstunden wie Arbeitslosenunterstützung und Veränderungen infolge des Wechsels im Altersaufbau der Be- völkerung mußten unberücksichtigt bleiben; nach Ansicht des Der- fassers kommt diesen Momenten wahrscheinlich eine entscheidende Rolle nicht zu. Die vetrachlung der von ihm ausgestellten Kurve ergibt, daß seit 1924 die Kaufkraft nur einmal, und zwar gegen Mille 1927, während einer ganz kurzen Zeil, die Dorkriegskaufkrast um ein Geringes überstieg. Seitdem geht es wieder abwärts. Da» zweite Halbjahr 1927 zeigt bereits eine belrächlliche Senkung der Masjen- kaufkrast. Das erste Quartal 1928 brachte eine kleine Steigern-�, ohne daß die Vorkriegskauskrast erreicht werden konnte. Dr. Elsas weist daraus hin, daß die Massenausgaben im Herb st und im Winter erheblich höher sind als im Sommer, wo di« 2lusgaben für Heizung und Beleuchtung fort- fallen bzw. eingeschränkt werden und auch die Sommerkleidung durchschnittlich billiger ist als im Winter. Deshalb ist es an sich nicht berechtigt, daß gerade im Herbst keine Lohnsteigerunge« stattzufinden pflegen. Durch di« Erhöhung des Reallohnes steigen die Absatzmöglich- ketten für die verschiedenen Gewerbezweige nicht gleichmäßig. Die Veränderung der Massenkauftraft trifft die verschiedenen In- dustrien in verschiedenem Maße. Für Wohnung, Heizung und Be- leuchtung, ja in der Regel auch für die Nahrung, werden stets ungefähr die gleichen Ausgaben gemacht, dagegen nehmen die Ausgaben für Kleidung bei Wechsel des Einkommens anteilmäßig zu, noch mehr aber die Ausgaben für den Posten„Verschiedene?" Auch in der Entwicklung der Spareinlagen spiegeln ,ich die Veränderungen der Massentaufkraft wider. Doch müssen wir uns dabei bewußt bleiben, daß erfahrungsgemäß auch bei einem Niedergang der Massenkauskraft die Spareinlagen meist noch einige Zeit hindurch relativ hoch bleiben, da die Besorgnis vor einttetender Arbeitslosigkeit in Zeiten des konjunkturellen Nieder- ganges den Sparttieb der noch Beschäftigten fördert. Quarialben'cht des Giahlirusts. Teils saisonmäßiger Beschäftigungsrückgang. Die Vereinigt« Stahlwerke A.-G. hat. ihrer neuer- lichen Uebung entsprechend, auch für das dritte Quartal(April bis Juni 1928) ihres von September zu September laufenden Geschäfts- jahres einen Lagebericht erstattet. Dieer Bericht zeigt allgeme!,, Rückgänge in den Produktion?-, Beschäftigten-, Umsatz- und Auf- tragszifsern. Zu berücksichtigen ist bei den eingetretenen Verände- rungen, daß das Quartal vom April bis Juni regelmäßig die stärksten Saisoneinflüsse enthält, was besonders für den Steinkohlenbergbau gilt. Im Jahre 1928 waren natürlich auck Me Dorelndeckungen wegen der in diesem Quartal vorgenommen-m Elsen- Preiserhöhung von Bedeutung, die die Beschäftigung und die Umsatz- Ziffern im vorhergehenden Quartal künstlich etwas erhöhten. Das Gesamtbild zeigt ober noch eine reichliche Beschäfti- g u n g, wobei besonders auffällt, daß der Auftragsbestand der Hut- tenwerke und Verfeinerungsbetrieb« ab 1. Juli erheblich weniger stark gesunken ist, al« der Gesamtumsatz an Fremde. Am stärksten äußern sich die Saisoneinslüsse bei dem Rück- gang der Kohlenförderung. Nach einer Steigerung von 6,67 auf 6,99 Millionen Tonnen vom ersten zum zweiten Geschäfts. quartal hat das dritte Quartal eine Senkung auf 6,29 Millionen Tonnen gebracht, allerdings etwas mehr als di« entsprechende Sen- kung in dem gleichen Quartal des vorigen Jahres. Bemerkenswert ist, daß die Kokserzeugung mit 2,39 Millionen Tonnen nur um 29 999 Tonnen niedriger war als im zweiten, und gor nur um 8999 Tonnen niedriger als im ersten Gechästsquartal. Bei der Roheisen- und Roh st ahler zeugung zeigen sich stärkere Rückgänge. Die Rohessenerzeugung Ist kontinuierlich vom ersten bis zum dritten Gechästsquartal von 1,72 auf 1.79 bzw. 1,54 Millionen Tonnen gesunken, während die Rohstahlerzeugung nach einer gering- fügigen Stelgerung vom ersten zum zweiten Quartal von April bi» Juni 1928 von 1,84 aus 1,62 Millionen Tonnen sank. In der Zahl der Beschäftigten ergab sich ebenfalls vom ersten bis dritten Quartal eine kontinuierliche Senkung. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten der Trustsirmen ist von 198191 am 31. Dezember aus 197 827 am 31. März und auf Bei Umjazziffern nahm, betrug der Beschäftigungsridgang in der leders erzeugenden Industrie 10 Broz., in der leder nerarbeitenden Industrie 14 Proz., und innerhalb der letzteren bei der Schuhindustrie dem Fremde ausgewiesen, je rat interne Umjah zwischen den Trusts des leßten Geschäftsjahres, betrugen diese Auftragsbestände 80,4 Pro- ubin but rie jogar 17 Broz. Die Sauteeinfuhr, gus borg d. h., der 192 620 am 30. Juni gefunden. Die entsprechenden 3iffern für den I 1. Juli bei den Hüttenwerfen und Berfeinerungsbetrieben zu ver. Steinfohlenbergbau find 92 481, 92 588 und 90 567. zeichnen waren, weniger start gesunken als der Gesamtumfaz. Im wieder nur der Berhältnis zum Bestande vom 30. September p. 3., also zum Schluß sent am 1. Juli gegen 92,3 Prozent am 1. April. Im Berichtsvierteljahr wurde auf dem Hochofenwert Wissen auflegten Bierteljahres 1927. der Niederrheinischen Hütte, dem Schalterverein und dem Hütten betrieb Medderich je ein hochofen stillgelegt, dagegen wurde auf der August- Thyssen- Hütte in Hamborn ein weiterer Ofen in Betrieb genommen. und Konzernfirmen erscheint in den Ziffern nicht. Dieser Umsatz an Fremde ist gegenüber dem zweiten Geschäftsquartal von 360,90 auf 339,80 millionen gesunken. Dabei ergibt sich für die Berteilung der Umsätze an Inlands- und Auslandskunden die an gefichts der nicht unerheblich verbesserten Weltmarktverhältnisse zu ermartende Tatsache, daß der Auslandabsah zunahm, mährend der Inlandabsag zurüdging. An Abnehmer im Inlande murbe für 216,61 gegen 245,96 Millionen umgefeßt, während bei den Abnehmern im Auslande fich der Umfag gegenüber dem zweiten Geschäftsvierteljahr von 114,98 auf 123,19 dionen erhöhte. Wie schon gesagt, sind die Auftragsbestände, die am Den vergleichsweise stärksten Sonjuntfurrudgang berzeichnet beutsche Leber- und Schuhindustr te. Während von Dr. nach neuen Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung die tober 1927 bis Mai 1928 die allgemeine industrielle Beschäftigung nach den Berichten der Gewerkschaften nur um etwa 3,5 Broz. ab Der Absag von Lederwaren an die Konsumenten ist, wenn auch nicht so start, ebenfalls zurückgegangen. Das Institut nennt dafür drei Ursachen: einmal die seit dem vorigen Herbst gesteigerte Erwerbslosigkeit, dann die ungünstige Witterung der vergangenen Monate, und schließlich die erhebliche Steigerung der tschechoslowakischen Einfuhr, die sich von 224 000 Baar im Durchschnitt des letzten Quartals 1927 auf 666 000 Baar im Mai 1928 erhöht habe. Der Anteil ber Ginfuhr am deutschen Schuhallerdings, daß die recht undernünftige Breispolitik ber verbrauch sei non noch nicht 5 auf 13 Broz, gestiegen. Wir glauben deutschen Schuhfabrikanten sowohl den Abfahrüdgang im Inland als auch die Mehreinfuhr aus dem Ausland sehr gefördert hat. Größte Elle geboten!!! Mohrenstr. 37 a Wegen vollständiger Aufgabe des seit 40 Jahren bestehenden Detailgeschäftes Totaler Ausverkauf!!! Ia Pelzmäntel Sealplüschmäntel auch für stärkste Figuren bekannte Qualitäten seit 40 Jahren Wintermäntel mit und ohne Pelz früher bis 79.Ausverkaufspreis 49.118.. 59. 95. 65.135 48.früher bis 29.Ausverkaufspreis 950 29. Seal Electric Maulwurf Nerzmurmel Persianer 650 früher bis 250,- 550, Ausverkaufspreis 175. 275. 365. Einzelne Pelzjacken spottbillig! 195. Gummi, Sport- und Reisemäntel, Ulster früher bis 59 45.- Ausverkaufspreis 1975 Kunstscidene und Seldenmäntel herrliche Schöpfungen auch für allerstärkste Figuren Wollplüsch, Bibercilepidisch für früher bis 85.- 156.stärkste Figuren unverwüstliche Qual. 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Beilage des Vorwärts Freitag, 43. Juli 492S Lohnsteuersenkung beschlossen! 2-10 gegen'lSS Stimmen bei der Schlußabstimmung. D«r Antrag des Geschöftsordnungsausschusies gemäß ver- -eigerte der Reichstag gestern zunächst die Genehmigung zur trasverfolgung der Abgg. Buch mann(Komm.). Brüning- aus(D. Vp.), Pieck(Komm.). L u f s t(Soz.), Dr. Eoerling Znat.), Lücke(Wirtsch.-P.). Münzenberg(Komm.). Putz tomm.) und Mache(Toz.). Weiter wird die Einstellung eines Strasnerfahrens gegen den bg. Schulz(Soz.) und eines Disziplinarverfahrens gegen den bg. Dr. Neubauer(Komm.) beschlossen. Die Lohnsteuersenkung. Es folgt dann die zweite Beratung der Lohnsteuer- e n t u n o. Der Steuerausschuß empfiehlt an Stelle der kommunistifchen .'nträge den von Sozialdemokraten, Demotraten und Zentrum ein- ebrachten Entwurf, der eine Senkung um 25 Prozent oder Mark monatlich vorsieht bei der Eintommensteuer von Ein- ommensteuerpslichtigen mit einem Einkommen bis 15 000 Mark. ußerdem toll eine Ermäßigung dadurch erfolgen, daß das zu ver- euernde Monatseinkommen auf volle 5 Marl nach unten bgerundet wird. In einer Entschließung ersucht der Ausschuß die Regierung, ngesichts des hohen Steuerdrucks in den Sommermonaten die Frage ncr Senkung der Einkommensteuer in den unteren und uttleren Stufen zu prüfen und dabei die von� den Parteien ge- dlten Antrüge sowie die Notwendigkeit der Senkung der Real- euern zu berücksichtigen. Abg. Dr. Reubauer(Komin.) erklärt, der vom Ausschuß ange- ommene Entwurf bedeute keine wirksame Senkung der Lohnsteuer. 'ie Sozialdemokratie habe damit ihre Wahlversprechungen ge- rochen. Die Sozialdemokratie treffe jetzt dieselbe antisoziale Re- elunq wie vor ihr die reaktionäre Bürgerblockregierung. Di« Sozialdemokraten hätten das früher von ihnen abgelehnte Gesetz tzt in noch verschlechterter Form aufgenommen. Der Antrag sei in Betrug der Arbeiterklasie: dieKommuniften würden diesen etrügerifchen Antrag ablehnen. Präsident LSbe ruft den Abg. Dr. Reubauer wegen des Aus- rucks„betrügerisch" zur Ordnung. Abg. Dr. Rademacher(Dnat.) meint, die Ausschußoerhandlungen ber die Lohnsteuersenkung hätten die Hoffnung auf ein langes eben der jetzigen Regierungskoalition sehr herabgestimmt. Wenn -er jetzige Regierungsentwurf wirklich angenommen wird, dann , erde die Annahme gegen zwei Regierungsparteien rfolgen. Die durch den Entwurf gewährte Entlastung sei für den inzclnen Steuerzahler lächerlich gering. Di« Deulfchnationolen seien jir eine organische Steuersenkung unter Berücksichtigung der Real- euern. Die fetzt beabsichtigt« Vorwegnähme einer solchen Bagatelle mrde die allgemein« Steuersenkung nur stören. Der weitaus größte Dell der deutschnationolen Fraktion rderde deshalb dem Entwurf nicht zustimmen. Abg. Dr. Horlacher(Bayer. Dp.) bekämpft die Borlogt. Eine vorwegnähme eines Teils der Steuersenkung widerspreche der ersten 'egierungserkläruna, daß bi» zum Herbst erst geprüft werden lüffe, in welchem Umfange die Finanzlage des Reiches eine oll- emeine Steuersenkung zuläßt. Borher seien auch die iorairssetzungen der revidierten Lex Brüning nicht gsgeben. Das ertrauensvoll« Zufammenorberten der Länder Kit dem Reiche würde durch die Annahm« des Entwurfs gestört »erden. Bei so wichtigen Dingen hätte die Reichsregierung sich orher mit den Ländern verständigen sollen. Wg. Dr. herh(Soz.) 'fist darauf hin, daß die Reichsregierung erst vor einer Woche die >illigung des Reichstages«chatten Hab«. Die Ausführungen der bgg. Dr. Rademacher und Dr. Horlacher feien übertrieben gewesen. jach der Stellungnahme der bisherigen Redner müsse man damit -chnen, daß der mit einer kleinen Mehrheit im Ausschuß ngenommene Entwim im Plenum abgelehnt werde. Die iozialdemokralen seien glelchsall» der Meinung, daß e» sich nur um ne sehr geringe Senkung handele. Sie stimme trotzdem dieser >en?ung zu. Tatiächlich seien die formalen Vorausjchungcn der ex Brüning gegenwärtig überhaupt nicht gegeben. Die Tatsache. aß trotzdem eine Senkung vorgeschlagen werde, beweis«, �daß die Dünsche der Lohn, und Gehaltsempfänger jetzt besser berücksichtigt mrden als früher. Wir bedauern, daß nicht das Existenz» linimum erhöht worden ist. Bon den Ländern wi« von den Parteien wurden unseren weitergehenden Absichten unüberwindliche indernisse bereitet. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen uns nd der Deutschen Volkspartei hier in der Lohnsteuer bedeuten nur n kleine» Borgesecht für die großen Meinungsverschiedenheiten in er Richtung der allgemeinen Steuerpolitik überhaupr. Wir stimmen tzt zu, weil die Vorlage die weiteren Möglichkeiten einer weiteren rmäßigung der Lohnsteuer, wie wir sie für richtig halten, nicht erbaut. Die Kommunisten sollten uns daher bei Durch- ringung der Borlag« unterstützen. Aus ein« Aenderung unserer ineren Haltung darf man aus unserer Zustimmung zu der Vorlage icht schließen. Die Steuersenkungsvorschiäge der Kommunisten »ürde« schon im ersten 3ahre fünfzehnhundert Millionen S teuer- usfall ergeben. Nicht die Sozialdemokraten, sondern die Kommu- isten sind Schützer des Trusttapitals. für dessen Unternehmungs- >rm sie die größte Vorliebe haben.(Widerspruch bei den Komm.). >j« Sozialdemokraten werden sich durch die Schwierigkeiten bei iesem ersten Versuch, die Eintommensteuer sozialer zu gestalten, icht entmutigen lassen. Inzwischen ist ein Ankrag der Deutschen DolksparkÄ und der aycrischen Volkspartei eingegangen, die Erledigung der Vorlage is zum herbst, bis zur Vornahme der allgemeinen Stenerfenkung , vertagen. Abg. Drewitz(Wirtsch..P.) wendet sich gegen die Vorlage, weil � davon eine ungenügende Entlastung der Steucr- slichtigen, aber«ine Erhöbung der jetzt schon unerträg- hcn Real st euern durch Länoer und Gemeinden befürchtet. «tzt, wo die Finanzlage noch nicht zu übersohen sei. wäre der un- �eignetste Moment für ein« Steuersenkung. Abg. Dr. Brüning(Z.) erklärt, seine Freund« ipären entschiedene .cgner einer Erhöhung der Realsteuern. Im letzten Jahre habe sich »er gezeigt, daß die Länder und Gemeinden trotz der er- ihten Realsteuerzuweisungen vom Reiche die Realsteuern nicht ge- nkt, sondern erhöht hätten. Der vorliegende Entwurf könne um weniger zur Begründung einer Erhöhung der Realsteuern benutzt erden, als er nur die Lohnsteuersenkung vorweg nehmen wolle, die n nächsten Jaimar doch nach den gellenden gesetzlichen Bestim- ungen eintreten müßte.(Rufe bei den Komm.:„Die Lorlage singt eine Verschlechterung!") Nach dem Einmaleins kann eine teuersentung um 10 Proz. niemals für den Steuerzahler eine Ber- zlechterung bedeuten. Das Zentrum wird der Vorlage zustimmen. ine einheitliche Steuerreform in Reich, Ländern und Gemeinden üsie möglichst bald»rfolgen und sich auch aus die Realsteuern er- recken. Das sei die Ausgabe des Steuerverelnhelllichungsgesetzes. Abg. Dr. Lecker-Hejsen(D.Bp.) meint, die Deutschnatio» die» hätten kernen Anlaßt die Regimmgskoakition mit einer brüchigen Ehe zu vergleichen. Die letzten Vorgänge inner- halb der deutschnationalen Fraktion gäben viel mehr Anlaß zu solchen Vergleichen. Der Redner begründet dann den Antrag auf Vertagung der Entscheidung bis zum Herbst. Abg. Dr. Fischer(Demi) führt aus, diese Borlage sei nicht isoliert zu betrachten, sondern sie sei ix-r erste Schritt zur Erfüllung des Regierungsprogramms, dem die Aeichstagsmehrheit zugestimmt hat. Abg. v. Sybel(Christl.-Nat. Bttuernp.) spricht gegen die Vorlage. Die hier erörterte Frage müsse gemeinsam mit der allgemeinen Steuersenkung erledigt werden. Wg. Stöhr(Nat.-Soz.) stimmt der Borlag« zu. Wenn der Reichstag schon die notwendige allgemeine Steuersenkung bis zum Herbst aufschiebt, dann müsie wenigstens die kleine Er- l e i ch t e r u n g auf diesem Teilgebiet vorweggenommen werden. In erster Linie würden die Nationalsozialisten für die weitergehenden kommunistischen Anträge stimmen. Abg. Dr. Reubauer(Komm.) wendet stch gegen die Ausführungen der Abgg. Dr. Brüning und Dr. Hertz. Damit schließt die Aussprache. Die Abstimmungen. Der Antrag, die Erledigung der Vorlage bis zmn Herbst zu«r» tagen, wird abgelehnt. Der kommunistische Antrag auf stärkere Erhöhung des ftever- steten Existenzminimums wird in namentlicher Abstimnmng mit S43 gegen 59 Stimmen der Komnm nisten und Nationalsozialisten ob- gelehnt. Im Hammelsprung wird§ 1 des vom Auvschuh angenommenen Sleueilenkungsentwurfs m i t 2 0 3 gegen 187 Stimmen angenommen. Dafür haben neben den Sozialdemokraten. Demokraten, dem Zentrum und de« Ztalionalsoziallstea auch einige Abgeordnete der Deutschen Volkspartei und der Dentschnationalea gestimmt. Auch die übrigen Bestimmungen des Entwurf» werden in zweiter Beratung angenommen. In der dann folgenden dritten Beratung versiest Abg. Dr. Ren. baner(Komm.) eine Erklärung der kommunistischen Fraktion. die den vorliegenden Entwurf ein Betrugsmanöver der Regierungs- Parteien nennt(Gelächter bei den anderen Parteien.) Die kommu- nistische Fraktion werde auch in der Schlußobstimmung gegen den Entwurf stimmen. Abg. Dr. Hertz(Soz.: Ich habe nicht die Absicht, mich in ein« längere Widerlegung der Erklärung der kommunistischen Fraktion einzulassen. Ich will nur einige wenige Tatsachen feststellen. Erstens. Ich habe bereits in meiner Rede vorhin darauf hin- gewiesen, daß die sozialdemokratische Fraktion im Dezember 1927 dem damaligen Gesegentwurs über die Senkung der Lohnsteuer nur deshalb nicht zugestimmt Hat, weil neben einer. Berbesierung auch die Berschlechterung des Textes der sogenamtten Lex Brüning darin enthalten war.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ohne diese Tatsache zu berücksichtigen, hat Herr Neubauer sich eben wiederhov die gleiche Unwahrheit zu eigen gemacht wie vorhin und behauptet, die Sozialdemokratie habe damals wie die Kommunisten gehandelt. Zweitens. Zu unserer heutigen Abstinnnung zu dem kommu- nistischen Antrag, der dem Antrag der Sozialdemokratie vom De- zember 1927 entspricht, habe ich zu erklären: angesichts der Gesamt- situation(Große Heiterkeit bei den Komm.), die eben durch die ganz kleine Mehrheit für diesen bescheidenen Anttag, wie er aus der Kommission hervorgegangen ist, vorliegt, geht auf das deutlichste her vor, daß in diesem Augenblick der von uns gestellte und auch heute noch für richtig gehaltene Anttag nicht durch setz bar ist und die Abstimmung imr eine Demonstration darstellen würde.(Zuruf von den Dnat.: Wie konntet Ihr früher so tapfer schmälen!— Gegen rufe von den Soz.— Erneute Zurufe von den Dnat.) Ferner wird behauptet, daß die Steuersenkung, wie sie jetzt vor- genommen worden ist, für die Lohnsteuerpfsichttgen nur Bettel- Pfennige bringe und deshalb abgelehnt werden müsse.(Sehr wahr! bei den Komm.) Demgegenüber stelle ich folgende Tatsache fest: Die kommunistische Fraktion hat den Antrag aus Aufhebung der Zucker- steuer gestellt. Da» würde eine Ermäßigung der Steuerlast voa 149 Millionen bedeuten, eine Ermäßigung, die aber aus da» ganze deutsche Volk verteilt werden mühte, während diese Senkung der Lohnsteuer allein für die Lohnsteuerpflichtigen eine Ermäßigung von jährlich 100 bi» 120 Millionen bedeutet. (Hört, hört! bei den Soz. und in der Mitte.— Zuruf von den Komm.: Bis zu 15 000 M. Einkommen!) Viertens. Der Herr Abg. Neubauer hat wie in seineu ersten Ausführungen so auch jetzt feine Angriffe gegen das gesamte deutsche Steuersystem wiederHoll. Unsere Anschauung in dieser Frage ist bekannt. Auch wir' wollen eine Aenderung nach sozialeren Gesichts» punkten.(Zuruf von den Komm.: Und stimmen dagegen!) Aber ich darf doch gegenüber der Krittk der Kommunisten aus einige für sich sprechende Zahlen verweisen. Im Jahre 1922/23 war der Anteil der direkten Steuern an den gesamten Steuereinnahmen in Sowjekrußlaud 192 vroz. (Lebhafte Rufe: hört, hört! bei den Soz.— heilerkeit bei den Komm.) Im Zahre 1926/27 ist dieser Anteil der direkten Steuern aus 15,5 proz. gesunken.(Lebhafte Rufe: hört, hört! bei den Soz.) In der gleichen Zeit aber sind die indirekten Steuern gestiegenvonl1,7auf 27,6 Vroz.(hört, hört! bei den Soz.) Ich glaube, diese einzige Tatsache, die ich dem soeben erschienenen Werke des Professors H e n s e l von der Moskauer Staatsuniversität entnehme, zeigt mit aller Deutlichkeit den Widerspruch zwischen Praxis und Theorie.(Lebhafter Beifall bei den Soz.— Zuruf« von den Komm.) Ein Antrag der Wirt schaftsparte i, den Entwurf an den Steuerausschuß zurückzuverweisen und das Mehroufkommen aus der Lohnsteuer zur Senkung der Realsteuern zu verwenden, wird gegen die Rechte abgelehnt. Der Entwurf wird in seinen einzelnen Teilen in einfacher Ab» sttmmung angenommen. Die Schlußabstimmung ist namentlich. Sie ergibt die Annahme de» Entwurf» in dritter Lesung mit 210 gegen 188 Stimmen bei 7 Slimmenthaltuageu. Die Ausschuß-Enischließung für allgemeine Steuersenkung im Herbst wird mit großer Mehrheit angenommen. Bei der dann folgenden zweiten Beratung des deutsch- siamesischen Handelsvertrages protestiert Wo. hörnte (Komm.) gegen die Aufrechterhaltung der Ausfuhrzölle für Reis. Die Sozialdemokraten feien iu dieser Frage Bundesgenossen der Deutschnattonalen. Abg. Dr. vleyer(Dem.) erwidert, die deutsche Regierung habe sich um die Aufhebung des siamesischen Reisausfuhrzolles bemüht, habe aber den Widerstand der siamesischen Regierung nicht über- winden können. Abg. krätzig(Soz.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Hörnle, die er als Verleumdung bezeichnet. Präsident Löbe rügt diesen Ausdruck mit einem Ordnungsruf. Der Handelsvertrag wird darauf in zweiter und dritter Beratung angenommen. Um 7 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 11 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen das Anmestiegesetz und kleinere Vorlagen. Drucksache Nr. 93. Die Abänderungen des Reichstags am Haushaltsplan. Tag um Tag ergießt sich über die Mitglieder des Reichstags eine Flut von Drucksachen. Der überwiegende Teil entfällt auf An- ttäge der Parteien. Es ist charakteristisch, daß in der Zahl der ein- gebrachten Anträge die kleineren Fraktionen die großen sehr erheb- lich übertteffen. Die bei weitem stärkste Fraktion, die der Sozial- demokroten, ist an diesen Hunderten von Anttägen nur mit einigen wenigen beteiligt. An der Spitze marschieren Deutsche Volkspartei, Bayerisch« Volkspartei und natürlich die Kommunisten. Letztere, überzeugt, daß ihre Anträge gar nicht angenommen werden können, find neuerdings dazu übergegangen,.für den Fall der Ablehnung des Prinzipalanttags", dem Reichstag gleich Eventualanträge, mit- unter bi» zu drei Stück, zur geneigten Auswahl zu offerieren. Aus der Zahl solcher nur zu Agitationszwecken gestellten An- ttäge ragt neben einigen anderen Drucksachen die Drucksache Nr. 93 hervor, die allen denjenigen, die in irgendeiner Weise sich mit dem Retchsetat und mit Bewilligungen des Reichstags zu besasien haben, eine sehr erhebliche Arbeitserleichterung bringt. Der Reichsetat, so wie er schließlich vom Reichstag ver- abschiedet wird, unterscheidet fich In sehr zahlreichen Positionen von dem Etatsentwurf, den die Reichsregierung dem Reichstag in zwei dickleibigen Bänden unterbreitet. Zusätze, Streichungen, Herauf- setzungen, Herabminderungen. Aenderungen der Zweckbestimmungen usw. wechseln in bunter Folge. Bor dem Kriege gelangte der Reichs- etat in der vom Parlament genehmigten Form ungekürzt im Reichs- gesetzblatt zum Abdruck. Es war also einfach und leicht, die«nd» gültige Fassung einer Pofition bzw. die Aenderung gegenüber dem Etatsentwurf festzustellen. Aus Ersparnisrücksichten ist von solchem Neudruck des gesamten Etats im Reichsgesetzblatt nach dem Kriege Abstand genommen worden. Das Reichsgesetzblatt bringt den ge- nehmigten Reichshaushaltsplan jetzt nur noch kapitelweise, d. h. in derart abgekürzter Form, daß für die meisten praktischen Arbeits- bedürfnisse dieser Abdruck nicht genügt und zeittaubendes, umständliches Nachschlagen in den Protokollen und stenographischen Berichten notwendig wird, um festzustellen, welche Titel und Posttionen w dem betreffenden Kapitel geändert worden find. Die Drucksache Nr. 93 enthätt nun eine von der Reichstagsoer- waltung gefertigte Zusammenstellung der vom R eichs» tag zum Entwurf des Reichshaushaltsplanes für das Rechmmgsjahr 192? nebst Ergänzung beschlossenen Aenderungen", die so vollständig und in der Druckeinrichtung so klar und übersichtlich ist, daß jede Aenderung gegen den Etqfs- entwurf ohne Mühe sofort ersehen werden künn. und dadurch ein Neudruck des gesamten Etat» in der Tat entbehrlich wixd. Der Hinweis auf diese wertvolle Zusammenstellung, die in der Fülle der Drucksachen leicht übersehen werden könnte, wird sicherlich vielen* erwünscht sein. Kamps der Wohnungsnot! Oos Programm des Arbeitsministers: Auslandsanleihen, Rationalisierung des Bauwesens, erschwingliche Mieten. Der Wohnungsausschuß des Reichstags nahm einen Bericht der Reichsrezierung über den Stand des Wohnungsbaues entgegen. Reichsarbeitsminister Wissel! führte dabei aus: .Ich werde es meine besondere Sorge sein lassen, an der Hand der schon vorhandenen Erhebungen, namentlich der Reichs- wohnungszählung, noch eingehender festzustel- len, in welch»» Gebieten und für welche Schichten der Bevölke- rung die Abhilfe dieser Wohnungsnot am d r i n g e n d st e u ist. Die erheblichen Mittel der öffentlichen Hand, die gegebenenfalls noch durch Anleihen, auch aus dem Auslande, zu stärken sein werden, geben uns die Handhabe, die von uns als besonders dringlich erkannten Maßnahmen in erster Linie durch- zuführen. Ich denke hierbei an die seit Iahren begonnene bevorzugte An- siedlung von Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter- bliebenen. Ganz dringlich scheint«s mir aber zu sein, bei un- serem Wohnungsbau in wesentlich erhöhtem Maße auf die de- sonder» schwierige Wirtschaftslage unserer kinderreichen Fa- Milien Rücksicht zu nehmen. Mit dem Wohnungsausschuß des früheren Reichstags halt« ich es für unumgänglich, in erster Linie Wohnungen in einer Größe und zu Preisen zu bauen, deren Bezahlung gerade den in den schwierigsten Verhältnissen befindlichen breiten Massen der arbeitenden Bevölkerung noch möglich sein wird. Nach wie vor bleiben die öffentlichen Mittel das Rückgrat des Wohnungsbaues. Es ist vor allem notwendig, daß sie endgültig auf eine dauernde gesetzliche Grundlage gestellt werden. Ebenso dringlich erscheint mir endlich die Förderung der ge- rode in den letzten Jahren, namentlich auf Anregung des Reichs- tags begonnenen Versuche zur allmählichen Rationalisierung des gesamten Wohnungsbaue». Den Arbeiten der Reichssorschungsgesellschast werde ich deshalb mein besonderes Augenmerk widmen." Ueber den augenblicklichen Stand, namentlich die Aussichten für 1928, berichtete hierauf Ministerialrat Wälz vom Reichs- arbeitsministerium. An die Ausführungen der Regierungsvertreter schloß sich eine ausgiebig« Debatte, in der von den Vertretern aller Parteien der Wunsch immer wiederkehrte, durch umfangreichen Bau oou Neubauwohnungen der Wohnungsnot recht bald ein Ende zu bereiten. Tausendfach bawährte Mahrung bei: Brechdurchfall, Diarrhöe, Darmkatarrh etca 16.Verbandstag der Fabrifarbeiter Einführung der Invalidenunterstützung.- Sakungsreform. In der Mittwochfizung wurde die Aussprache über die Lohn-| handelt sich um eine grundsäßliche Neuregelung der Beiträge und und Tarifpolitik fortgesetzt. Genosse Partsch konnte mit Leichtig- der Unterstützungseinrichtungen. Auch die Invalidenunterstützung feit im Schlußwort die in der Aussprache erhobenen Einwände mußte in das Statut hineingearbeitet werden. Der Vorlage der gegen die Lohn- und Tarifpolitik des Verbandsvorstandes Kommission lagen die Beschlüsse und Vorschläge der Verwaltungsentkräften. Interessant war die Feststellung, daß 90 Broz. der im reformkommission des ADGB. zugrunde. Frühjahr 1928 geführten Lohnbewegungen ohne den behördlichen Schlichtungsapparat durchgeführt werden konnten. In der Ent schließung zur Lohn- und Tarifpolitik wird u. a. folgende Forde rung erhoben:„ Der 16. Verbandstag des Verbandes der Fabrit arbeiter, der nahezu eine halbe Million Arbeiter und Arbeiterinnen in sich vereinigt, fordert einen größeren Anteil an dem gesteigerten Arbeitsertrag durch Sentung der Warenpreise und Erhöhung der Löhne." Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte war die Einführung der Invalidenunterstützung. = Bom Borstand des Verbandes setzten sich Thimig und Adler für die Vorlage ein. Es gelte auf eine größere Bereinheitlichung der Leistungen und Gegenleistungen in der Gewerkschaftsbewegung hinzuarbeiten und damit Reibungen zwischen den einzelnen Berbänden zu vermeiden. Die Gegner der Vorlage befürchteten jedoch, daß der Fabritarbeiterverband besonders unter der Neuregelung zu leiden habe. Der Bundesvorsitzende Leipart gab deshalb Aufklärung über das Zustandekommen der Beschlüsse der gewerkschaftlichen Berwaltungsreformfommission und des Bundesausschusses. Es könne feinesfalls die Rede davon sein, daß die einzelnen Berbände nicht genügend Gelegenheit gehabt hätten, an der Vorlage mitzuarbeiten. Um zu einer Vereinheitlichung der Beiträge und zu einem Ausgleich Lotalfaffenbeiträgen notwendig. Leipart nahm dann von dem Berder Leistungen zu fommen, fei eine Trennung zwischen Haupt- und bandstag herzlichen Abschied. Um zur Klärung der Frage zu kommen, ging die Vorlage an eine Kommiffion zurüď. Es folgte nunmehr ein Vortrag von Segerer Hannover über Jugendfragen. # Der Referent, Adler Hannover, ging von dem Grundfak aus, daß gewerkschaftliche Unterstützungen nicht Selbstzwed, sondern Mittel 3um 3 med sind. Der Verband muß danach streben, seinen Mitgliedern in jeder Lebenslage Hilfe angedeihen zu lassen. Sicher ist es eine Pflicht des Staates, für alte und invalide Arbeiter zu sorgen. Fast sämtliche Gewerkschaften planen die Einführung einer Invalidenunterstützung oder haben sie bereits durchgeführt. Die günsti Dem glänzenden Referat lagen folgende Hauptgedankengänge gen Auswirkungen der Invalidenunterstützung zeigen sich vor allem zugrunde. Die Gewerkschaften schenken der Jugendfrage eine immer in einer größeren Stabiliät der Organisation, einer starten Bin- größere Bedeutung. Die Umstellung der Industrie beeinflußt die dung der Mitglieder an den Verband, in der größeren weise in der Flaschenindustrie die Lehrlinge faft Arbeitsweise der Jugendlichen ganz ungemein. So sind beispiels Werbekraft und nicht zuletzt in der Steigerung der Kampf vollständig verschwunden. Aus diesem Grunde muß gefraft. Nicht zuletzt werden die Gewerkschaften zur Einführung der fragt werden, ob der Ausdrud Ungelernte" noch zutreffend iſt. Invalidenunterstützung gezwungen, meil in den Großbetrieben Heute wird auch von einem fogenannten UngeUnterstützungsvereinigungen gegründet werden, die sich zu gelben lernten ein erhebliches Maß von Sachfenntnis Wertvereinen entwickeln fönnen. Der Verband fann unund Berantwortung gefordert. Auch sie müssen möglich zusehen, daß ihm von den Gelben" in dieser Weise das Qualitätsarbeit leisten. Deshalb muß die Berufsausbildung Wasser abgegraben wird. Die Einführung der Invalidenunter- auch auf die ungelernten Jugendlichen ausgedehnt werden. Das Be Die Einführung der Invalidenunter- rufsausbildungsgesetz ist demgemäß zu gestalten, und die Unterftützung läßt eine weitere Aufwärtsentwicklung des Verbandes nehmer müssen zur Aufbringung der Mittel verpflichtet werden. Es erhoffen. bedarf feiner Frage, daß der Verband Bestrebungen wie die des In der regen Aussprache fezten sich alle Redner, mit Aus- ,, Dinta" grundsätzlich ablehnt. In der Aussprache wurde die Tätig nahme eines Kommunisten, für die Borlage ein, am wärmsten die feit des Verbandes in der Jugendfrage begrüßt. Die Kollegin im Arbeitsverhältnis stehenden Delegierten. In der Abstimmung Rahrmann- Nürnberg führte erschreckende Beispiele von der Ausbeutung der Jugendlichen wurde die Einführung der Invalidenunterstützung gegen 11 Sfimmen befchloffen. entgegen. Der Verbandsiag nahm dieses Resultat mit lebhaftem Beifall Hamburg, 12. Juli.( Eigenbericht.) Eine lebhafte Aussprache löfte die Vorlage der Statutenberatungstommiffion aus, die von Hertwig- Köln begründet wurde. Es Der am. Die Jugendlichen stehen an Maschinen, an denen noch vor wenigen Jahren Erwachsene standen. den für den Verband in Frage kommenden Industrien die UrIm Schlußwort teilte der Referent Segerer noch mit, daß in laubsfrage für fast alle Jugendlichen geregelt ist. Der Verband beabsichtigt in nächster Zeit Gaujugendkonferenzen und eine Reichsjugendführertonferenz einzuberufen. Eine von den Kommunisten eingebrachte Resolution wurde dem BorAufstieg Umsätze 1. Konsum 1924/25 27 MILLIONEN MARK 1925/26 33 MILLIONEN MARK m 1926/27 40 MILLIONEN MARKM K G stand überwiesen. Aus der von dem Referenten eingebrachten Enta ichließung, die einstimmig angenommen wurde, heben wir folgendes hervor: Berufsausbildung der Ungelernten. Ungelöst ist bis heute noch die Frage nach einer Berufsaus bildung der sogenannten jugendlichen Ungelernten. Infolge der Rationalisierung und Mechanisierung gleicht sich in der Induſtrie die Arbeit der gelernten und die der ungelernten Arbeiter immer mehr an. Die Mehrzahl der Arbeiter gehört heute zu der Mittelschicht, den sogenannten Gelernten. Es liegt daher im Interesse der Wirtschaft und der Arbeiter, daß auch der jugendliche Ungelernte heute ein Mindestmaß von Wissen in der Beherrschung des Arbeitsstoffes und der Werkzeuge erhält. Dieses muß ihm vermittelt werden durch die Berufs- und Werkschulen, an denen die Ge wertschaften mitzuwirken haben. Der Verbandstag hofft, daß in dem zufünftigen Berufsausbildungsgesetz die Berufsausbildung auch der Ungelernten weitestgehende Beachtung findet. Der Ferien- und Freizeitfrage sowie der Weiterentwicklung des Jugendrechtes und Jugendschutzes ist sorgfältige Beachtung zu schenken. „ Grundsätze" des Chemiekapitals. Das Bezirkslohnabkommen für die chemische Industrie, Seft. 6, für Baden, Rheinpfalz und Württemberg wurde von den an diesem Bezirkslohnabkommen beteiligten Gewerkschaften zum 31. Mai 1928 gefündigt und ein Entwurf für einen neuen Bezirkstarif eingereicht. Die Antwort der Unternehmer auf diesen Entwurf lautete: ,, Nachdem die zuständigen Organe unseres Verbandes sich mit Ihrem Entwurf für das Sektionslohnabkommen beschäftigt haben, teilen wir Ihnen mit, daß Ihr Entwurf megen seiner weitgehenden und unerfüllbaren Forderungen als eine geeignete Grundlage für die Verhandlungen nicht angesehen werden kann. Der Arbeitgeberverband bleibt seiner Tradition treu; wann waren einmal die Forderungen der Arbeiterschaft für ihn erfüllbar? In einer unverbindlichen Aussprache am 22. Juni erklärten die Vertreter des Arbeitgeberverbandes, daß sie alle Forde= rungen, die einer meiteren Lohnerhöhung dienen, grundfäglich ablehnen; ebenso lehnt man grundsäglich jedes Mitbestimmungsrecht bei Akkord- und Prämienarbeit ab. Als eine weitere Lohnerhöhung" fehen die Herren die Forderung einer Nachtschichtzulage für turnusmäßige Schichtarbeit," Schaffung eines prozentualen Berhältnisses Sozial-, Fach- und Läftigkeitszulagen sowie der Bleilöterzulage zum jeweiligen Tariflohn an; ebenso die Erhöhung der Mindestgrenze von 15 auf 25 Proz. Akkord- und Prämienarbeit. schwierig gestalten. Unter diesen Umständen werden die Verhandlungen sich recht Mujifaufträge 1927/28 übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Musikerverbandes, Berlin, Rom mandantenstr. 63/64. Dönhoff 3277-78. Seschäftszeit 9-5, Gonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch: Bertreterbesuch. 52 MILLIONEN MARK शु K B G ऊँ Satis B B G B Konsum- Genossenschaft Berlinu.Umgegend e.G.m.b.H. 229 Lebensmittelabgabestellen in allen Bezirken Groß- Berlins 20 Fleischabgabestellen 4 WARENHÄUSER 3 Manufakturwarenabgabestellen 1 Freitag 13. Juli 1928 Unterhaltung und Wissen Der fliegende Holländer. Bon Balther G. Ossilewsti. ( Fortsetzung.) Inzwischen famen Wolfen herauf, ganze Kolonnen schwarzer, unheimliche: Felsmaffen verrämmelten das Tor des Himmels und Lasteten drohend über uns und verdunkelten die so bell mit Sternen und Lichtern begonnene Nacht. Auch der Wind hieb schon träftiger das Wasser gegen die Bordwand. Gegen 1 Uhr gab es plöglich einen fürchterlichen Stoß, daß einem die Eingeweide durcheinander rutschten, und alles, was niht gerade festgenagelt und festgemachsen war, durcheinanderpurzelte. Die Hängematten plumpften bodenwärts. Schmitthenner schrie: „ Seit wann werden im Stillen Ozean die Walfische ungemütlich?" um, da er allzu unglücklich zu Fall gekommen war, bei seiner angeborenen Jämmerli hkeit aufzuwimmern. Oben auf Ded rabauten schon mehrere Stimmen. Der Kapitän riß sich den Bart, was ihn bei Gott nich schöner und gemütlicher machte, und fluchte. Alles, was noch unten war, ging nach oben. Ein paar Kerle hatten shon Lampen flar gemacht, damit mir uns nicht in die Füße rannten. 21 Pr Was war eigentlich los?" Riff! Angehauen!" Das war eine nette Bescherung, sage ich euch Eizen mir da nachts im Stillen Ozean mie feftgeboden und fonnten nicht lose fommen, auf dem 16. Grad südlicher Breite lagen mir etma, die Baumotuinfeln, die sih, eine zerfaferte Wolfe von fleinen Eie Tanden, fast 1500 Kilometer durch den Ozean zogen, mußten in der Näh sein. Auch Tahiti. Kapitän Strumpeter ließ die Jolle hinunterschnurren und fuhr, aufgeblasen wie ein Schulmeister, um den Eimer", nachzusehen, mas eigentlich zu tun sei. Mir war alles piepe. ,, Samuel soll die Maschine laufen lassen." blieb einfach fizen. Ha, pustekohl! Der„ Eimer" rumorte, schnarrte, pruftete und Der Wind zischte mit einem gläsernen Knall über das Ded, riß das Tatelwert und shlug uns um die Ohren. Es begann gu regnen. Das war ein ganz gefährliches, heimtückisches Gewässer, fage ich euch. Die größten Korallenriffe der Welt lagen in dieser Gegend, fleine Teufel, vielleicht das einzige, was der Seemann fürchten müßte. Die Inseln, denen wir benachbart fein mußten, find un Bählige kleine Steinsehen, die oft sehr tief liegen. Im Jahre 1903 brach der Dzeant über sie her und fraß alles auf, mas lebend und tot buf ihnen hockte. Bir fonnten nih: allzuweit von diesen Ansiedlungen abliegen. 3wei Stunden standen wir schon im Regen und versuchten noch Immer den Kahn freizubringen. Er schien wie mit Ketten in der Tiefe zu hängen; vielleicht machte es ihm Spaß, auch einmal ruhig Schlafen zu können. Was blieb uns anderes übrig, als Band zu suchen, das füd. bftlich liegen mußte, um Hilfe zu holen. ATI Getto der Armen. denn ich bin ja ein Mädchen für Geld." Unmeit des Meganderplates, über deffent riesenhafter Baugrube, in ber die Zementwände für den U- Bahntunnet errichtet werden, mässig ber rote Ziegelsteinbau des Polizeipräsidiums emporragt, nehmen die grauen Straßenzüge der Münze" thren Anfang. Die Hamburger haben ihr St. Pauli" die Berliner die Dünze", in der die braven Bürger die Romantik des Berbrechens und Lafters nicht nur studieren, sondern auch von ihnen etwas mindestens von dem letzteren fosten fönnen. So einen fleinen bitterfüßen Tropfen... " Dort beginnt die 202 i na straße: auf der einen Seite steht der Dammutbau eines Warenhauses mit unendlich vielen Schau fenstern, hinter deren durchsichtigen Wänden die Schätze der Welt ausgebreitet liegen dem Warenhaus gegenüber steht eine Bo lizeitaserne, die gleichfalls sehr viele Fenster hat, aus denen en schönen Sommerabenden die Polizisten auf bie Straße fdruen. Warenhaus und Polizeifaserne bilden das Tor zur Münze", deren buntes, perwegenes Leben in ben bunklen Seitenstraßen des Scheunenviertels vergurgelt. Grenadierstraße, Dragoner straße, Kaiser- Wilhelm- Straße, Schendelgaffe, Steinstraße, Mulad ftraße und Alte Schönhauser Straße, Wohnviertel, erste Station und unterfte Stufe der oftgalizischen Juden, deren schwarze Schwärme bis Mitternacht auf den Straßen zu sehen sind. In diefem Biertel werden ganze Häuserreihen mit morschen und berbredten Wohnhöhlen umgelegt. Indessen spült die trübe Flut des Lebens durch die Stanäle dieses sterbenden Stadtviertels. Eine Großdeftillation" reiht sich neben die andere. Dazwischen Rinos, grell um tnallig.„ Das Todeslasso",„ Der Ueberfall auf die Staatsbant"," Die Frauenräuber von Paris" ,,, Auf dem elef. trischen Stuhl". Sechs, zwölf, achtzehnt Afte. Ununterbrochen Spieldauer von 10 Uhr vormittags bis Mitternacht. Mufitautomaten, deren mit titschigem Stud geschmückte Borderfronten auf Rafen gebettete Englein blasen Schalmeien bis auf die Straße hinausgebaut find, dudeln zu den Filmen die Begleitmufit. Ber nur mufifliebend ist, tann sie sich auf der Straße anhören. Bon vormittags 10 Uhr bis Mitternacht. Im Winter schlafen und wärmen sich verzweifelte, gejagte und obdachlose Menschen in den heißen, filigen Kinos. Vor vormittags 10 Uhr bis Mitternacht. Ohne jede die auf Rosen geNachzahlung. Dazu ununterbrochen Musik betteten Englein blasen fleißig die Schalmeien Die Elendsgestalten, die die Destillationen füllen, haben alts ihnen Goldgruben gemacht. Die meisten find überfüllt. Von mor gens bis morgens. An einer Hausmand hängen über einer Kneipe sechs von innen erleuchtete Riesen- ,, Mollen". Cine große Wolle belles Bier foftet 20 Bf. und ein großer Korn" 10 Bf. dort, wo die erleuchteten Riefen ,, Mollen" an der Hauswand hängen. Im Schaufenster der Kneipe große Schüsseln voll Burst, Fleischfülze, Eisbeinen, Spigbeinen, Schweineohren und Schnauzen, Ochsenschwänzen und Bodwürsten. Und dampfende effel voll Erbfenfuppe. Teller 25 Pfennig. Drinnen, gehüllt in beißenden Tabaks qualm, brängen, schieben, lachen und brüllen die Menschen an der Thefe" und an den Tischen. Gelegenheitsarbeiter, Arbeitslose, Ar. beitsscheue, Straßenhändler( ,, Gummimantel gefällig?" Einen ech ten Siegelring?"), Entmurzelte, aus dem Gefängnis Entlassene, Berufsverbrecher, die hier Sore verscheuern, 3uhälter und Dirnen. Ein Klavier pauit, eine Trompete dröhnt, alles fingt: -In Hamburg bin ich gewesen, Meinen Namen barf ich nicht nennen, Denn ich bin ja für jeden bereit. Mein Bruder hat mir geschrieben, Ach, Schwester, ach, fehre zurüd, Deine Mutter liegt schwertrant danieber, Sie beweinet ihr unglücklich Kind. Ach, Bruber, ich fann ja nicht kommen, Ich hab' ja tein Glück auf der Welt, Meine Ehre, die hab' ich verloren, Denn ich bin ja ein Mädchen für Geld. Was nügte es wohl, wenn wir in einer von Regen und Wind mmauerten Südseena ht die Topplaternen fchmangen, das Rebel Born schreien ließen, Rateten in den vermisteten Himmel schicten? Niemand würde das Licht der Laternen sehen. Niemand würde das Rebelhorn schreien hören. Niemand würde in den verwüsteten Himmel schauen. Stapitän Strumpeter, drei Mann, Bufper und unser Küchen. Junge Rien blieben an Bord, wie anderen sechs gingen in die Boote and ruderten oftwärts. Der Regen weichte uns die Haut auf und machte uns jämmerlich frieren. Jofua bellte wie eine Derrostete Rattan Sammet und Geide gefleib't, none und pruſtete mir alle fünf Minuten in den Kragen. Hallo, linter Hand tränte ein schwaches Lichtlein durch die Regenwand, ba mußte Land sein, menn uns nicht das Wetter narrte. Vielleicht war es Pitcairn, jenes fleine Basaltinselchen, das den Engländern. gehört, taum 5 Quadratkilometer groß und das 1790 von den, meuternben Matrofen des englischen Kriegsschiffes Bounty", die sich einfach Frauen aus Tahiti in den Arm steckten, besiedelt wurde; vielleicht ist es dieses Kleine Basaltinselchen, dachten wir, und waren voller Hoffnung in Blid und im Herzen. Denn mittlerweile machte die Geschichte auch keinen Spaß mehr, wir mußten doch nun einmal nach Brisbane, um die Werkzeuge und Blechkannen abzuliefern, und hockten doch auch noch sechs Mam verlassen auf dem Eimer. Wir Tuderten geradeswegs auf das Licht zu und schienen ihm auch näher zu tommen. Auf einmal saßen wir auf Land, sprangen auf die Erde und zogen die Bote einige Meter hinan. Dann liefen wir einem villenähnlichen Gebäude in den Rachen, das Licht war verschwunden, aber es schienen Leute im Haus zu wohnen. Wir lärmten in den Gängen und leuchteten die Winkel und Zimmer aus, bis eine Tür aufgeschlagen wurde und uns ein breitnafiger, traustöpfiger und etwas verängstigter Insulaner einige Worte eines tomischen Südfee Französisch an den Kopf warf, daß wir grienen mußten. Was wir wohl in aller Nacht und bei diesem Wetter wollten? Er sei Teipo, der seinem Herrn, dem Monsieur Gustave de la Chavellerie, seit drei Jahren diene und ein Weib habe, schön wie eine Blume der Südsee. Was wir denn wollen? Wir fragten nach seinem Herrn, ben er sofort weden müßte, und wo wir denn eigentlich seien. Der breitnasige Diener tauberwelschte etwas von Atibi und Atobui. Es stellte sich nachher heraus, daß es Tahiti war, die größte der französischen Gesellschaftsinseln. Inzwischen tam auch Monsieur Gustave de la Chavellerie, wie es schien, ein sehr seriöser, vornehmer und gut gewachsener Herr, das muß man schon sagen, schwer reicher Banille- und Koprahändler, mie mir später erfuhren. Dem erzählten mir nun unser verdeibeltes Mißgeschick und baten um Hilfe. Monfieur de la Chavellerie fnurrte noch einmal etwas über die unange nehme Störung durch die aristokratischen Zähne und schichte uns dann, da er, was zu verstehen ist, doch nichtmit seinem Forbwagen unferen Ring" nach Brisbane ziehen tönne, nach dem naheliegenden Papeete, der kleinen Stadt der Insel, woselbst Boote und vielbebat auch ein Dampfer lägen. Der Regen hatte inzwischen etwas nachgelassen und wir trabten alle etwas bedrückt durch den Kokoswald nach Papeete. Es war hell geworden, der Tag lief mit filbernen Flügeln über den Waldrücken und pumpte uns das übermächtigte Herz auf. Endlich fanden wir das Haus der französischen Berwaltung und befamen eine Motorbarkasse mit drei Mann und einem mafaiischen Berufstaucher frej. So fonnten wir uns nun endlich wieder auf den Weg machen, um den Eimer von dem verfluchten Stein loszueifen. Die Bartasse hatte allerhand Straft in den Motoren, sie schoß durch die Fluten, vielleicht glückt es, und wir lönnen ben Eimer damit aus dem Dret ziehen. Sapperlot! Wir fuhren schon zehn Minuten über die Zeit hin, aus, wir hatten gut Richtung gehalten, hier irgendwo muß er doch liegen, unser Eimer", sagten wir uns. Es war strahlendes Licht über der Südsee, wir konnten weit sehen. Der Himmel war ins Bläuliche getaudyt, weit hinten am Horizont schon tintenfarbener, aber, zum Teufel, wo war er denn? Wir sahen uns die Augen aus, oft, west, süd, nordwärts. Weit und breit war nur Wasser und ein leichter, zarter Wind darüber. Vom Schiff aber war teine Spur zu sehen. Josua wurde unruhig und befam Wasser in die Augen, uns allen frampfte sich das Herz zusammen. Wo find Wulper, Strumpeter und der fleine Kien? Hat sie der Wind verschlucht, ohne Gruß und Abschied? Man kann doch nicht ein nahezu 50 meter langes Dampfschiff, das eine ganze Anzahl Kubikmeter verdrängen tonnte, in die Tasche stecken. Auch der Wind kann das nicht. Aber das Meer ist ein heimtüdischer Geselle, das tennt ihr, bem ist nicht zu trauen. Es öffnet den Rachen, und schwapp, hat es weg, was es haben will, wenn es ihm Spaß macht. Da hilft bein Toben, kein Inangriffgehen, da darfst du nicht um dich schlagen, du mußt ganz rubig feines gießt bir Waffer in den Bauch, daß dir die Luft ausgeht, wenn du frech wirst, und du wirst dann schön dick und fegelft hinunter, aufgeschwemmt und mit Algen und Schwammzeug garniert, daß selbst die Fische dich nicht mögen. So geht es auch den Schlickrutschern, wenn die Spanten faulen; bas Baffer will überall hinein, um das, was noch hohl ist, vollzufaufen. Vielmännerei in Tibet. ( Schluß folgt.) Daß in meiten Gebieten des Drients Vielmeiberei besteht, ist eine allgemein befannte Tatsache. Aber weniger verbreitet dürfte bie Kenntnis von der Bielmännerei in Tibet sein. Dort ist nämlich eine Frau das Eigentum der ganzen Familie. Heiratet also der älteste Bruder eine Frau, so ist sie zugleich die Gemahlin aller anderen männlichen Geschwister. Auch Bater und Onfel des Batten fönnen sich an dieser Che beteiligen und selbst Freunde, d. h. nichts perwandte Männer, fönnen in seltenen Fällen als Batten diefer einen Frau zugelassen merden. Allerdings hat feiner diejer Gaiten bas Recht auf alleinigen Besitz der Frau und fann besmegen auch teine www Beilage des Borwärts Das ist das sentimentale und einfältige Lieb, das hier am lieb sten gesungen wird. Die Straßenmädchen fingen es besonders gern. Sie nehmen für 3 mei mort jeden Mann mit und wollen das befungen haben. Mit dem Hamburger Lied. An den Tischen sitzen die Mädchen, ihre Freier" umhalsend, weil sie ihnen eine Erdbeerbowle für 25 f. spendiert haben und auch sicher ,, mitgehen" werben für 2 Mart. Der Ober" jongliert mit einem Tablett herum und verkauft belegte Brötchen, faure Gurfen und gefochte Eter. Die Mädchen haben immer Hunger. Alte und junge, frische und ver brauchte, hübsche, sogar bildhübsche und ganz häßliche, sorglose und zerfreffene und zertretene, die sich an einem Glas Bier sättigen... In einem Eckhaus ein Schießfalon", über deffen Schießstand - als ,, Erster Breis" ein verstaubtes Fahrrad hängt. Im Schießsalon stehen auch Guckfäften, die, nachdem man einen Groschen hin eingeworfen und an einer Kurbel gedreht hat, allerhand zeigen: den Einbruch ins Mädchenpenfionat", die Hochzeitsnacht" und Lene, was hast du für Beene". Nur für Erwachsene". Ab und zu drehen auch die Zwölfjährigen an der Kurbel und find von der Hochzeitsnacht und Lenes Beenen ebenso enttäuscht wie die Erwachsenen " " Bor den Spiegelscheiben eines Schaufensters steht ein Ruitdhen. Aus ihrem Handföfferchen tramt sie ihre Sachen heraus und pervollständigt ihre Toilette mit Puderdose, Wangenrot, Hautcreme, Augenwaffer, Lippenstift und einem Rasiermesserchen, mit dem sie fich die Augenbrauen schmaler fragt. Die Mode, die der Kurfürstendamm kreiert hat; warum soll der Osten nicht tun, was der Westen nicht laffent tann? Das Muttchen ist nun fomplett und„ ackert" ihren Strich. Kommite mit?", as fostet es denn?",' n Taler", 5m, soviel fann ich nicht ausgeben", Ra, dann kommid hab' Absteige", ein Haus, das die ganze Nacht offen ist. Hier ist immer noch nich mal Handjeld für zwee Mart". Im Trab geht's zur großer Betrieb. Die schmale, knarrende Treppe wird durch eine Petroleumlampe erhellt. Auf den obersten Stufen des Treppenabsages fißen zwei Mädchen mit ihren Stubben" und warten, bis die drinnen fertig sind. Manchmal steht auch die Wohnungsinhaberin vor ihrer Wohnung, weil auch die Küche gebraucht wird. Fäuste hämmern gegen die dünnen Wände.„ Anneken, halt dir nich so lange uff!" Eine andere Absteige befindet sich in einem Keller. Kohlenhandlung" steht über dem Eingang. Die Mädchen, die hier absteigen, nehmen die Männer für 2 m. mitt. 50 Pf. müssen sie je. desmal der Bermieterin geben. 1,50 m. behalten sie für sich. Monches Mädchen ,, verdient" an einem Abend 10 M. und mehr piele verdienen an zwei Abenden garnichis. Alle zusammen aber verdienen für die 3immervermieter" eine ganz bedeutende Summe. " " lnb in den Kneipen und Cafés warten die Zuhälter auf ihre Pferdehen". Hin und wieder gibt's Rradh und Brügel. Drinnen und draußen. Auf der Straße hat sich eine verhärmte Frau auf ein äbchen gestürzt und schlägt auf die lleberraschte mit einem Gummis auch ein.„ Du Aas haft meinen Mann angesteckt, du Bich Boligisten tauchen auf und bringen die beiden zur Wache. Eine johTende Menge hinterber. Die Erna ist alle gegangen, ruf mal ihren Den!" Missionsschwestern verteilen Trottätchen:„ Denft an den Herrn!" " Die freudlosen Mädchen der freudlösen Gasse denken an mehr als einen Herrn und summen das Liedchen: n Hamburg bin ich gewesen..." Alfred Frigiche. Rofenernte in Bulgarien. Wohl die ausgedehntesten Rosenfulturen befigt Bulgarien in seinen Tälern Don Kasonlit und Kartomo. Weit ausgedehnte Flächen sind dort nur mit Rosen bepflanzt, die zurzeit in voller Blüte und damit im Zeichen der Rosens ernie stehen. Diese Ernte besteht in den Rosenblättern, die zur Syerstellung von Rosenöl dienen. Die Ausfuhr von Rosenöl, in deffen Erzeugung Bulgarien den ersten Blaß einnimmt, betrug im Jahre 1927 2400 Rilo im Werte von 185 Millionen Lema( 5 500 000 mart). Hauptabnehmer des bulgarischen Rosenöls fins Frankreich, die Ber: einigten Staaten und Deutschland. Zur Herstellung von einem Kilo Rosenöl find 3000 bis 5000 Stilo Rosenblätter nötig. Entschädigung verlangen, wenn er z. B. den Ort wechselt. So tommt es vor, daß manchmal eine Frau Männer aus ganz verschiedenen Gamilien hat. Diese Biemännerei herrscht in Tibet seir alters her und man glaubt den Grund für ihre Entstehung in wirtschaftlichen Borausseßungen gefunden zu haben. Da das Land vor allen Dingen Agrarland ist, würde durch neue Familienbildung jedes größere Gut in fürzester Zeit zerschlagen werden, was natürlich den Ruin der gesamten Wirtschaft bedeuten würde. Uebrigens fühlen sich die Frauen in dieser Rolle sehr wohl und verachten die Frauen anderer Gegenden, wo Vielmeiberei herischt. Es ist sicher so, daß in Tibet die Frau eine ganz bedeutende Stellung hat zwischen ihren per schiedenen Männern und vielleicht spricht man besser anstatt von ge gemeinsamem Befihtum mehrerer Männer an einer Frau davon, daß eine Frau viele Männer besitzt. einheimischen weißen Diptam( Dictamus albus), einem ftrauchartigen Pflanzen, die explodieren. An dem in Südeuropa und Aften Gewächs mit weißen oder rofaroten Traubenblüten, fann man an marmen, windstillen Tagen eine seltsame Erscheinung wahrnehmen. Näher man sich plötzlich dem Strauch mit einem brennenden Licht oder Zündholz, so ziicht plöglich ein unerwartetes Feuermert aui; der Strauch ist in Flammen eingehüllt. Ist das Feuer aber ausgebrannt, so steht er wieder gang unversehrt da, und nur ein eigenfümlicher Geruch zeugt noch von dem Feuerspiel. Als Ursache dieser Explosionen bat man ein in den Blüten des Diptam enthaltenes ätherisches Del festgestellt, das die Eigenschaft befigt, unter dem Einfluß der Wärme brennbares Gas auszuftrahlen. An heißen Tagen, wenn der Diptam in voller Blüte steht, ist die umgebende Luft oft so start mit Gas angefüllt, daß es manchmal, vor Gewittern, zu einer Selbstentzündung fomment tann. Beim Menschen hat das Ginatmen der Gase oft Uebelkeit und selbst Bewußtlosigkeit zur Folge. Steine feurige Explosionen fann man auch an dem in Westindien und in Südamerika vorkommenden Acajoubaum, auch Nierenbaum genannt, beobachten; seine Früchte, die Acajounüsse, enthalten Zellenschichten, die mit einem brennbaren unb leicht entzündlichen Del an= gefüllt find. Entzündet man in der Nähe einer Acajounuß eine Flamme, so daß die Nuß erwärmt mird, dehnt sich die Luft unter der Samenschale aus und preßt nun das Cef aus der Frucht herous. Sm selben Augenblid entzündet sich das Del und umblißt die Nuk mit einem fleinen Funtenfeuerwert; man bezeichnet daher die Früchte bes Acajoubaumes oft auch als Feuermertsnuffe". Uebungen um 15 Uhr. Neukölln- Brig: Die Fahrkarten zur Dampferfahrt am Vorträge, Vereine und Versammlungen. Contag, 15. Juli, find bei den Funktionären ber 1. Kamerabſchaft bis Freitag Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Freitag, 13. Juli. Webbing: 19 Uhr treffen sich die Sportler am Sportplatz Reinickendorf- West, Scharnweberstraße. Neukölln- Brig: Jungbanner 20 Uhr Versammlung bei Balewski, Boddinstr. 57. Sonntag, 15. Juli. Lichtenberg nebst Rameradschaften: 9 Uhr Generalversammlung des gesamten Ortsvereins. Zutritt haben nur die mit besonderem Ausweis versehenen Kameraden. Ausgabe der Ausweise in den Kameradschaftsversammlungen. Sportplag Friedrichsfelde: Allgemeine Uebungen für Mitte, Treptow, Prenzlauer Berg und Friedrichshain ab 9 Uhr. Für Lichtenberg beginnen die zu entnehmen. Abfahrt morgens 8 Uhr Wildenbruchbrücke nach Prinzengarten. Lichtenberg( Ortsverein): Kamerad Willi Weste, Rittergutstr. 25, ist verstorben. Einäscherung Sonnabend, 14. Juli, 13 Uhr, Baumschulenweg. Antreten mit Fahnen 12 Uhr Bahnhof Baumschulenweg. Typographisches Orchester. Musikverein Berliner Buchdrucker. Dirigent Erich Gutzeit. Uebungsabend jeden Freitag 20-22% Uhr in Neukölln, Hermannstr. 199( Restaurant Sängerheim, Johann Lausch). Gäste stets willkommen. Verein Sozialistischer Lebensreformer Berlin i. V. V. Jugendgruppe Often: Freitag, 13. Juli, 20 Uhr, im Jugendheim Goßlerstr. 61 Gruppenabend. Vortrag: Sinn und Herstellung der Nunenzeichen." Jugendgruppe Süden: Freitag, 13. Juli, 20 Uhr, im Jugendheim Neukölln, Schierkestr. 44 Vortrag: Ist die Frau minderwertig?" Referent Baul Scholz. Am Gonnaben 14. Juli, Besuch der Ausstellung Die Ernährung", Berlin W, Kaiserdamm Fahrverbindung: Bahnhof Wizleben und Untergrundbahnhof Kaiserdamm. Treffpunkt 17 Uhr vor dem Haupteingang; dortselbst Ausgabe der ermäßigten Eintrittskarten. Führer Genosse H. Hauptmann. Eine Delikatesse aus Johannisbeeren! Ein Pfund Johannisbeeren läßt man in Liter Waffer etwa 20 Minuten lodhjen. Dann wird der Eaft durch ein feines Gieb gegeben, mit etwa 150 Gramm 8uder gefüßt und aufgekocht. Inzwischen quirlt man 75 Gramm Mondamin in 4 Liter Waffer glatt, gießt es langsam in den tochenden Johannisbeersaft und läßt das Ganze unter Rühren nochmals durchkochen. Nun tommt die Masse in eine talt ausgespülte Form. Nach dem Erkalten wird die rote Grüße gestürzt, mit frischer Milch übergossen oder mit Schlagsahne gereicht. கய ebensmittel TIETZ Billige Leipziger Strasse* Alexanderplatz* Frankfurter Allee* Belle- Alllance- Strasse Brunnenstrasse+ Kottbuser Damm* Andreasstrasse* Chausseestrasse Mengenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat. Sische und Räuchertvaren Kabliauo. Kopf, i. g., Ptd. 20Pt. Engl. Fettbücklingertand 58Pt. " Seelachs o. Kopf, ig, Pta. 16pt. Seelachs. Pfand 40P. * Schellfisch. Pfund 20Pt. Seeaal. Pfund 58Pt. Fischfilet..Pfund 25Pt. Echte Makrelen... Pfund 50Pt. Leb.Schleie..Pfund von 1,10an Räucherheringe... Stack 15Pf. * Frische Zander.... Pfund 48Pt. Stückenlachs.. Pfund 2,30 Nur Leipziger Str., Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Kottbuser Damm, Belle- Alliance- Str. an Wolgahühner Pfund von 15 Junge Tauben Stack 75Pf. Masthümer Darm, Pfd van Tilsiter, ohne 20 Rehblätter........ Pfund 10 Junge Gänse Ptd. von 95 Rehkochileisch Ptd. 30Pf. Jange Enten 1 Wildschwein Pfd.von 70th Pf. an ohne Darm, 10 an Wurstwaren Sülzwurst........ Pfund 80Pf. Schinkenpolnische Pid. 1,30 Speckwurst..... Pfund 95Pf. Hildesheimer... Pfund 1,40 Hausm.- Leberw. Pta. 1,10 ff. Leberwurst..Pfund 1,50 Jagdwurst....... Pfund 1,20 Schinkenwurst..Pfund 1,60 Knoblauchwurst Ptd. 1,20 Teewurst......... Pfund 1,70 Fleischwurst..... Pfund 1,20 Cervelatu.Salami Ptd. 1,75 Mettwurst Braunschw.Art, Pfd. 1,30 Mausschinken..Pfund 2,00 Berliner Schlachtung Fetter Speck..Pfund 1,10| Schinkenecken Pfund 1,05 Magerer Speck Pfund 1,20 Schinkenspeck Pfund 1,80 In fast allen Abteilungen: Frisches Fleisch 147 Konfitüren u. Reiseerfrischungen Vollmilch- u Vollmilchauss- Schokolades Tiln. 95Pt. Volimilch- Schokolade gute Qualität, 8 Tafeln 90Pt. Mürbegebäck, Erfrischungswaffeln.., Pfund 55Pt. Messina- Drops und Eisbonbons." ₂ Pfund 35Pt. Pfefferminz- Fondant/ Pfd. 40Pt. Kakao 1 Ptd. 95Pf. Fleisch, Wild, Geflügel, Fische, Obst und Gemüse sind vom Versand ausgeschlossen. Obst und Gemüse Stachelbeeren..... Pfund 18Pt. Salat Pa. Schweinebauch ohne Beilage.. Pfund 94Pf. Pa. Schmorfleisch Keule, ohne Kuoch., Pfd. 1,28 Pa. Schweineschulterblatt.. Pfund 98Pf. Pa. Schabefleisch Pfund 1,28 Pa. Kassler Rollen o. Knoch., o.Schwart., Pfd. 1,22 Pa. Gehacktes Pfund 70Pf. Pa. Eisbein mit Spitzbein, mild.... Pfund 42Pt. Pa. Rindeleber ....... Pfund 1,18 Pa. Liesen stark... ...... Pfund 70Pf. Kalbskamm ohne Beilage.......... Pfund 86Pf. Pa. Rückenfett bratfert., ohn.Schwarte, Pfd. 70Pf. Kalbsuierenbraten ohne Beilage... Pfund 90Pf. Pa. Hammelvorderfleisch.... Pfund von 98Pf. an Kalbskeulen bis 9 Pfund schwer... Pfund 95Pf. Kirschen dunkle... Pfund 20Pf. Zwiebeln. Pfirsiche 3 Kopt 10pt Pfund 35Pt. Wirsingkohl. Johannisbeeren.... Pfund 35Pt. Puffbohnen Pfund 10Pt. Pfund 10pt. Pfund 15pt Pa. Mast- Kalbschnitzel.... .Pfund 2,10 Gefrierfleisch Pa. Ochsenschmorfleisch Keule o. Kn., Pfd. 1,08 Pa. Rinderherzen frisch.. Pa. Ochsengulasch ohne Knochen... Pfund 78Pf. Pa. 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