Morgenausgabe Nr. 329 A 168 45.Jahrgang Böchentlich 85 Pfg., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Postbezug 4,82 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen ftimme"," Technit" Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 14. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein page Ronpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettg.. orudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei ettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft LindenStraße 3. wochentägl. von 81%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Postschedkonto: Berlin 37 586. Bankkonto: Ban? der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 8 Reichstag bis Herbst vertagt. Das Ergebnis des ersten Sizungsabschnitts. Nach einer furzen Sommertagung ist der Reichstag| sollen nur Tatsachen festgestellt werden, die man nicht gestern nachmittag in die Ferien gegangen, aus denen er erft leugnen fann, ohne die Wahrheit zu vergewaltigen. Diese im Spätherbst zurückkehren wird, wenn nicht etwa unvorher Tatsachen sind da, sie werden sich in unserem Rechtsleben, in gesehene Ereignisse seine frühere Wiedereinberufung notwen- unserem sozialen Leben auswirken und werden für die dig machen. Die erste Probezeit der neuen Regierung ist Sozialdemokratie zeugen. vorbei, eiste Ergebnisse liegen vor. Die Entwicklung der Dinge seit dem 20. Mai ist an dieser Stelle stets ohne Ueberschwang betrachtet worden. Die Erkenntnis, daß das Wahlergebnis geradezu zwangsweise zu dem Versuch einer sozialdemokratisch geführten Koalitionsregierung hinleitete, war in der Partei von vornherein so gut wie allgemein. Ebenso allgemein war aber auch die Erkenntnis, daß der Versuch eines Zusammenarbeitens mit bürgerlichen Parteien- ganz besonders mit der Volkspartei, die zur Bildung einer sicheren Mehrheit notwendig ist auf sehr große Schwierigkeiten stoßen würde. Die Vorgänge bei der Rabinettsbildung und der Berlauf des legten Sizungsabschnittes haben diese Voraussicht bestätigt. Eine eigentliche Koalition ist ja nicht vorhanden, die Parteien, die in der Regierung vertreten sind, sind in ihrer Abstimmung frei. Die Art, wie die Bolkspartei diese Freiheit ausgenugt hat, zeigt das Borhandensein fachlicher GegenWo sich der fäge, die nicht überbrüdt werden konnten. Wo sich der fozialdemokratische Reformmille regte sei es, daß es die Bertiefung des republikanischen Gedankens oder die Vermehrung seines sozialen Inhalts galt machten sich Reibungswiderstände bemerkbar. Hätte nicht zwischen der Sozialdemokratie auf der einen Seite, dem Zentrum und den Demokraten auf der anderen, ein besseres Verständnis gewaltet, so hätte der verflossene Sessionsabschnitt ziemlich ergebnislos verlaufen müssen. überall Und doch würde derjenige, der da behaupten wollte, der Reichstag des 20. Mai habe in seinem ersten Tagungsab= schnitt nichts geschafft, sich einer Unwahrheit schuldig machen. Man mag über den Wert des Erreichten natürlich verschiedener Meinung sein. Wenn die die Opposition den aussichtslosen Versuch macht, ihn vor den Augen des Bolles gänzlich verschwinden zu lassen, so soll uns das nicht dazu verführen, ihn reklamehaft zu übertreiben. Immerhin ergibt eine ganz nüchterne Prüfung einige Tatsachen, die auf der Aktivseite des neuen Reichsregimes zu buchen sind. Dazu zählen wir: 1. Die Aufforderung der Reichsregierung an die Länder regierungen, in Zukunft teine Todesstrafe mehr vollstrecken zu lassen. 2. Die Verbesserung der Krisenfürsorge. 3. Die Senfung der Lohnsteuer. 4. Die Amnestie, die gestern mit verfassungsändernder Zweidrittelmehrheit angenommen wurde. Nur in einem Punkt hat der volksparteiliche Widerstand einen Teilerfolg errungen: es gelang nicht, den Geseßentwurf über den Nationalfeiertag zur Verabschiedung zu bringen, die Weiterberatung mußte auf den Herbst vertagt werden. Wenn die Rechtspresse daraus eine Niederlage der Reichsregierung macht, so fönnen alle ihre Freunde der Reichsregierung nur wünschen, daß sie niemals eine schlimmere Niederlage erleiden möge. Bekanntlich hat es sich in diesem Fall gar nicht um eine Vorlage der Reichsregierung gehandelt, sondern um eine Vorlage des Reichsrats, der hier allerdings eine bessere Einsicht als der Reichstag befundet hat. Deffen ist sich die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bewußt und daraus erklärt sich auch ihr Leidenschaftsausbruch gegen die Verlogenheit der Kommunisten, der zu einer einstündigen Unterbrechung der Sigung führte. Darüber muß ein ganz offenes Wort gefprochen werden. Angesichts des moralisch völlig bedentenlosen Vorgehens der Kommunisten, angesichts der Tatsache, daß die Sozialdemokratie Tote zu beilagen hat, die im letzten Wahlkampf der fommunistischen jetze zum Opfer gefallen find, war es von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine wahrhaft noble Taf, daß sie ungeachtet alles deffen mit Eifer und Erfolg für die Freilassung fommunistischer Gefangerer, für die Einstellung des Verfahrens gegen die eblen Bentralehelden eintrat. Wenn sich im Augen blick des gesicherten Erfolges ein Bursche wie Geschte auf die Tribüne ftellte, um der Sozialdemokratie den Dant Mos faus in einer Fülle unflätigſter Lügen und Schimpfereien darzubringen wer versteht nicht, daß da für einen Augen darzubringen blid der sozialdemokratischen Fraktion der Geduldsfaden rig! Sie hat trotzdem nach furzer Ueberlegung nicht der Stimme des Bornes, sondern jener der Menschlich feit Gehör gegeben, worüber die Kommunisten mit Grinsen und Gelächter quittierten. Bon Leuten, die zu jeder russischen Henkerstat Beifall heulen, war freilich anderes nicht zu erwarten. Was sie eigentlich wollen, das wissen die Kommunisten längst selber nicht mehr. Die Weltrevolution ist bis nach dem Die Putschflinte rostet, nur die nächsten Weltkrieg vertagt. Dreckschleuder funktioniert noch. Durch eine Häufung von Unflätigkeiten, die auf die Sozialdemokratie abgeladen werden, versucht man einen Anschein eines Radikalismus zu erweden, der in Wirklichkeit längst nicht mehr vorhanden ist. Früher einmal hatte sie vielleicht noch so etwas wie einen Glauben gehabt, jet tann diese Partei nur noch von der Lüge leben. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich gestern gegen eine Häufung verlogener Niederträchtigkeit elementar aufgebäumt. Sie ist dann aber dennoch den Weg, den sie als den fachlich richtigen erkannt hatte, weitergegangen. Möge sie auch in Zukunft so handeln! Seinen Weg gehen und die Leute reden laffen!" Schon gar, wenn es Leute vom Schlage Geschtes find! " Und war die geschlossene 3ustimmung der Fraktion Geschtes zu dem Amnestiegesetz nicht die schlagendste Widerlegung all feiner Schwindeleien? Der Reichstag ist in die Ferien gegangen, nun soll das Kabinett zeigen, wie es weiter arbeiten fann. Es ist ein Erperiment. Niemand kann den Ausgang prophezeien, niemand kann aber auch nach den Erfahrungen der letzten Die Ballongruppe gefunden! Amundsen bei der Gruppe gelandet? Mostau, 13. Juli. Einer Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion zufolge ift nach den letzten Nachrichten der Standort der Allessandri- Gruppe, die mit dem Ballonkörper der ,, Italia" abgetrieben worden war, 80 Grad 45 Minuten nördlicher Breife und 30 Grad 31 Minuten östlicher Länge. Das Hilfskomitee hält die Vermutung Nansens für wahrscheinlich, daß Amundsen die Alessandri- Gruppe erreicht hat und fich bei ihr befindet. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die neu aufgefundene Alessandrini- Gruppe an Bord des Eisbrechers Kraffin" noch nicht zu näheren Mitteilungen bewogen werden tönnen. Die Geretteten erklärten den Russen, fie feien ausgehungert und bäten inständigst um Ruhe und Schlaf; fobald fie fich von den unmenschlichen Strapazen etwas erholt hätten, würden sie ihren Rettern nähere Mitteilungen machen. Nach dieser Mitteilung scheint auch die Anbordnahme der Alessandrini- Gruppe gelungen zu sein, die seinerzeit mit der Ballonhülle abgetrieben wurde. Eine Bestätigung der Nachricht aus anderer Quelle liegt bisher noch nicht vor. zu Hauptmann Sora gerettet? London, 13. Juli. Wie aus kingsban gemeldet wird, hat der Eisbrecher„ Kraffin" auf der Fahrt nach Kap Platen, um den russischen Flieger chuchnowffi und seine Begleiter zu bergen. * Der Eisbrecher, rassin" ist ein Schiff aus der 3 are nzeit. Es führte früher den Namen„ Jermat" und wurde nach dem Plan des Admirals Mataroff erbaut. Der„ Krassin" hat 10 800 Tonnen Wasserverdrängung leer und 14 783 Tonnen mit Wasserballast. Er ist 93 Meter lang, 21,6 meter breit und hat 5,5 bis 7,6 Meter Tiefgang. Bier Dampfmaschinen von zusammen 12000 Pferdekräften treiben drei Schrauben am Ded und eine im Bug. Der Jermat" alias ,, Kraffin" vermag feste Eisdecken von 7,6 Meter Dide zu zertrümmern. Er fährt mit Volldampf in das Eis hinein und zermalmt es durch seine Schwere. Durch passende Verteilung von Wasserballast in Doppelbooten wird je nach der Eisstärke das Schiff mehr oder weniger vorn gehoben. Der Krassin" hat einen start zurückgekrümmten Bug und gilt immer noch als das beste Schiff seiner Art. Die Rettung der Biglieri- Gruppe. Kowno, 13. Juli. Aus Moskau liegen nähere Einzelheiten über die Rettung der Biglieri- Gruppe vor. Auf der Eisscholle mit dem roten Zelt befanden sich außer Biglieri noch Trojani, Ceccioni, Professor Behounek und Bjagi. Der Leiter der russischen Expedition Samuilowitsch berichtet, daß, als der Eisbrecher Krassin" auf drei Meilen an das Lager herangekommen war, er sein Kommen durch Sirenen bemerkbar machte, Es hat keinen unter uns gegeben, der gehofft hat, daß die Sozialdemokratie als Teilnehmerin an einer Koalitionsregierung mit stürmender Hand triumphale Erfolge erringen nunmehr auch Hauptmann Sora und den norwegischen Hundewürde. Mehr als ein allmähliches Vordringen auf schwieri- fchlittenführer van Dongen an Bord genommen, die feinerzeit gem Gelände unter mühevoller ueberwindung zahlloser 3u Nachforschungen nach der Gruppe Malmgreen aufgebrochen Der dritte Teilnehmer, der Schlittenführer Widerstände hat auch fein Optimist unter uns erwartet. waren. Bringt man so die möglichen Ansprüche auf das richtige Maß, warming ist mit seinem Schlitten bei kap Brun zurüdheitszustand der Geretteten sei gut mit Ausnahme von Ceccioni, so findet man, daß die Bemühungen der Sozialdemokratie geblieben. nicht ohne Ergebnis blieben und daß ihre Teilnahme an der Regierungsgewalt in der ersten Probezeit nicht ohne Nugen gewesen ist. Man wird zugeben, daß man sich nicht vorsichtiger ausbrücken kann, als es hier geschieht. Man könnte die Stellungnahme der Reichsregierung gegen die Todesstrafe in lauteren Tönen als eine Tat von hoher fultureller Bedeutung feiern. Man tönnte die Erfolge auf dem Gebiet der Krisenfür forge, der Steuerfenfung, der Amnestie in ein helleres Licht jezen. Doch sollen hier nicht Werturteile abgegeben werden, denen man widersprechen tann, sondern es Kowno, 13. Juli. Wie aus Mostau gemeldet wird, hat der Eisbrecher„ kraffin", nachdem er die Biglieri- Gruppe gerettet hatte, auf der Rückfahrt auch die Gruppe des Hauptmanns Sora an Bord genommen. Die Fahrt der„ Kraffin". Oslo, 13. Jufi. Wie aus Spitzbergen gemeldet wird, hat die Kraffin" auch Lundborgs bei der Landung auf der Eisscholle beschädigtes Flug zeug mit an Bord genommen. Der Eisbrecher befindet sich jeẞt worauf die Italiener durch Rauchsignale antworteten. Als sich der Eisbrecher in unmittelbarer Nähe des Lagers befand, wurde eine Fallbrüde herabgelaffen, über die sich dann die russische Hilfsexpedition auf die Scholle zu den Italienern begab. Der Gesundder einen Beinbruch erlitten habe und dessen Bein brandig geworden ist. Der Eisbrecher nahm nicht nur die Personen, sondern auch die gesamten Lagergeräte an Bord, auch das zertrümmerte Flugzeug des Fliegers Lundborg wurde geborgen. Gleich nach der Ankunft des Eisbrechers sant ein dichter Nebelschleier nieder, der gute Sicht verhinderte. General Nobile richtete an Professor Samuilowitsch eine in wärmster Form gehaltene Dankesdepesche und bat auch die nach seiner Auffindung in der Nähe befindliche Alessandri- Gruppe zu retten. Samuilowitsch antwortete, daß er diesem Wunsch nach Möglichkeit entsprechen wolle. Auf der Eisscholle sind nur die Reſte der zertrümmerten Führergondel der Stalia" zurüdgeblieben. Wochen ernstlich behaupten, daß es schon mißlungen ist. Bisher ist es nicht mißlungen, sondern es hat einige beachtenswerte Erfolge gebracht. Darum wird es, mögen sich die Kommunisten darüber auch das Maul zerreißen, fortgefegt. Im weiteren Berlauf der gestrigen Reichstagsfigung wurde unverändert der Gefeßentwurf über die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren in Armenfachen in zmeiter und dritter Beratung angenommen, ebenso die Aenderung der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher. Der Eatmurf zur Verlängerung des Steuermilderungsgefeßes bis zum 30. September 1929 in erster und zweiter Beratung angenommen. Der dritten Beratung wird von den Kommunisten widersprochen. Ministerialdirektor Dr. Zarden erklärt, das Reichsfinanz minifterium werde nach dem Ablauf des Gesetzes am 30. September 1928 Stundungen für den Mehrbetrag der Fusionssteuer gewähren. Die Amnestievorlage. Es folgt die zweite Beratung der Amnestieportage in der Kompromißfaffung, die sie im Rechtsausschuß gefunden hat. Reichsjustizminister Koch drückt seine Freude aus über die große Mehrheit, mit der der vorliegende Entwurf im Ausschuß angenommen worden ist. Daraus ergibt sich schon, daß es fich nicht um eine einseitige parteipolitische Maßnahme, sondern um einen Att wohlverstandener Volts souveränität handelt. Die Rotdelikte konnten aus praktischen Gründen nicht unter die Reichsamnestie fallen, aber wir wollen gern den Ländern Begnadigungen für solche Fälle empfehlen. Wenn das Reich die Amnestie für politische Delifte auch auf die Länder ausgedehnt hat, so ist das feine unitarische Rechthaberei, sondern der einzig praktische Weg 2uch unter dem alten Regime ist 1913 eine Reichsamnestie mit 23irkung für die Länder erlassen worden. Um aber alle Bedenten aus dem Wege zu räumen, wollen wir den verfassungsändernden Charakter des Gesezes betonen. Abg. Dr. Everling( Dnat.) bedauert, daß die Amnestie nicht weiter gegangen sei vor allem in der Amnestierung der sogenannten ememörder. Kommunistische Provokationen. Weltwirtschaftliche Sozialpolitik! Wiffell auf der Tagung der freigewerkschaftlichen Bergarbeiter. Magdeburg, 13. Juli. Bolle Deutschland aber dieses Ziel verfolgen, so sei es babei in Reichsarbeitsminister Wissell hielt heute auf der hier ab. hohem Maße auf eine entsprechende Einstellung der übrigen Länder gehaltenen Zagung bes freigemertschaftlichen Bergarbeiter angewiefen. Gewiß verlange unter Umständen die AußenhandelsDerbandes einen Bortrag über Die fogiale Bedeutung melt politit eines Landes auch einmal Opfer von der Arbeiterschaft. Es wirtschaftlicher Berflechtungen". Er schilderte zunächst die ständig lönne beispielsweise porfommen, daß eine Arbeitergruppe zunehmende gegenseitige Durchdringung der Bolkswirtschaften und an dem Zollschuh ihrer Industrie interessiert wäre, und bezeichnete es als eine wirtschaftlich unverständliche daß doch diese Gruppenwünsche hinter den Interessen ber GesamtTatsache, daß trojdem nach dem Kriege. nicht die Tendenzen zur heit des Bolles zurüdtreten müßten. Daraus tönnten sich im EinzelTatsache, daß trobem nach dem Kriege. nicht die Tendenzen zur Susammenarbeit, sondern zum nationalwirtschaftlichen falle und vorübergehend Härten ergeben, aber der Schaden für alle Abschluß gewachsen seien. Allerdings treffe das nur für die auch für die betroffene Gruppe sei auf die Dauer sehr viel Bolnit der Staaten zu. Die privaten Unternehmungen und das größer, wenn man derartigen Sonderwünschen nachgeben wollte. private Rapital hätten in der gleichen Zeit immer engere Formenzwischenstaatlicher Berbindungen herausgebildet. Diese Daher dürfte man einen reinen Gruppenstandpunkt in feinem Enimidung fei vor allem dadurch gefördert worden, daß das Prinzip Lager dulden bei der Arbeiterschaft ebensowenig wie bei der freien Konkurrenz mehr und mehr durch das Prinzip des wirtder Unternehmerschaft. fchaftlichen Zusammenschlusses abgelöst würde. Solche Zusammenschliffe aber wüchsen notgebrungen über die nationalen Grenzen hinaus. Der Minister bebauerte, daß die wirtschaftlichen Be ziehungen der Bölker zu einander in zahlreichen Fällen nicht die Form einer wirklichen Arbeitsteilung angenommen hätten. Sie bedeuteten vielmehr häufig erbitterte Ronkurrenztämpfe um den Absatz der gleichen Ware. Sie würden fünftlich geftüßt durch Subventionen aller Art und leider auch nicht selten durch antifoaiale aßnahmen. Das habe sich gerade auf dem Gebiet der Rohle gezeigt. Die englische Rohlenindustrie persuche, durch der Rohle gezeigt. Die englische Rohlenindustrie versuche, durch Berkürzung der Arbeitszeit und Sentung der Löhne ihre verlorene Rentabilität niederzugewinnen. Der Erfolg sei daß nun auch die Lage für die Rohle erzeugenden Länder erschwert und ein Drud auf die Arbeitsbedingungen ausgeübt werde; denn auch die Arbeits bedingungen in den verschiedenen Ländern feien auf das engste mit einander verflochen. Darum müsse man so start auch der 3wang zum Export in einem Lande wie beispielsweise Deutschland sei doch mit aller Entschiedenheit betonen, daß diefer Erpart nicht auf Koften fozialer Errungenschaften, auf Kosten der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft forciert werden dürfe. Bei der Abst fan mung wird die Vorlage unter Ablehnung aller Abänderungsanträge der Kommunisten, der Deutschnationalen und der Nationalfozidliften mit allen gegen die Stimmen der Bayerischen Volkspartei in der Ausschußfaifung angenommen. Abg. Geschte( Komm.) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Haltung der Sozialdemokraten in der Amnestiefrage. Die Sozial demokraten fprächen von der Wiedergutmachung des Unrechts, aber fie fönnten faum das Unrecht wieder gut machen, das sie selbst den Broletariern zugefügt hätten. In der Republik herrsche die größte Verwirrung bei der Justiz( 3uruf bei den Soz: Rußland!) Sie rufen Rußland" in dem Augenblic, wo die Zeitungen melden, daß der Eisbrecher Kraffin" die Nobile- Leute gerettet hat!( Lachen und Zurufe bei den Soz.) In der Amnestie hätte fich die Sozialdemokratie auf die Seite der Bourgeoisie gestellt. An Mar Hölz sei ein greulicher Justiziertum begangen, aber man wolle ihn nicht ganz freilassen. Die Landsberg und Heilmann hätten früher Mar Hölz einen gemeinen Verbrecher genannt.( 3uruf bei den Soz.) Ich habe keine Beranlassung, mich mit jemandem auseinanderzusehen, aus dessen Gehirn das letzte Abg. Stöder( Roman.) erklärt in der dritten Befung, das AufSchmalz durch die Hize fortgeflossen ist.( Heiterfeit.) Herr Ditt- treten der sozialdemokratischen Fraktion sei seinen Freunden durch mann beschimpfe im Vorwärts" die Kommunisten, daß sie um aus nicht neu. Bor funrzer Zeit ist Mitgliedern unserer Amnestie winselten. Seine Partei merde für die Amnestie. Frattion gegenüber erklärt worden, daß die Amnestie portage stammen( Ahal bei den Soz), aber sie werde den scheitern würde, wenn wir bei den Beratungen irgendwelche Kampf draußen weiter führen, bis der letzte Proletarier aus dem Angriffe gegen die Sozialdemokratie richten würden.( Hört, hört! Gefängnis befreit sei. Das tönne schließlich nur durch die soziale bei den Komm.) Wenn die Sozialdemokraten glauben, mit der Revolution erreicht werden.( Lebhafter Beifall und Händeflatschenartigen Bersuchen irgendeinen Eindrud auf uns zu machen und bei den Komm. Stürm. Erregung und zurufe bei den Soz) Abg. Dittmann( Goz.) zur Geschäftsordnung: Die fozialdemokratische Graftion hat dem Amnestieantrag mit schweren Bedenten zugestimmt; fie war fich bemußt, daß fie von den Kommunisten trobem sehr bechimpft werden würde, daß aber die Beschimpfung einen berartigen Grad erreichen würde, fonnte fie nicht erwarten. Die fozialdemokratische Partei biffet deshalb, die Sigung auf eine halbe Stunde zu vertagen, damit fie darüber beraten fann, ob fie unter diesen Umständen ihre Unterschrift unter den Amneffieantrag aufrecht erhält oder nicht.( Große Aufregung im ganzen Saal; erregte Zurufe von den Kommumisten.) Bizepräsident v. Kardorff glaubt, daß, da der Antrag von einer großen Fraktion geftellt sei, das Haus damit einverstanden sein werde.( Widerspruch von rechts.) Infolge des Widerspruches findet die Abstimming statt. ams zu einer Breisgabe unjerer fachlich notwendigen Kritif 34 per anlaffen, so befinden fie fid damit auf dem Holzmege.( Sehr rich tig! bei den Romm.) Bor mei Tagen hat der fozialbemotrafische Abg. Beus im Wohnungsausschus des Reichstags zwei Mit gliedern unferer Frattion mündlich und dann auch shriftlich er. Härt, daß die Amnestievorlage nicht zur Annahme fommen werde, wenn die fommunistische attion nicht die Zustimmung zum Nationalfeiertag gebe.( Lebhaftes hört, hört! bei den Komm. und Nat.- Soz Buruf: So eine Schiebung!) Der Redner verlieft eine Erklärung seiner Frattion, in der es u. a. heißt: Die kommuniften stimmen der Amnestievoqlage zu, weil fie eine Anzahl von flaffenbewußten proletarischen Kämpfern aus den Zuchthäusern und Gefängnisfen bringt, in die sie eine brutale klaffenjuftiz geworfen hat. Abg. Dr. Breitscheid( Goz.): Ich beabsichtige nicht, auf eine Auseinandersetzung mit den Kommunisten über das Gesetz und unsere Haltung dazu einzugehen. Wir nehmen unsere Haftung zu diesem wie zu anderen GeMit überwiegender Mehrheit wird die Vertagung um eine sehen ohne jebe Rücksicht auf die Kommunisten allein mit Rücksicht halbe Stunde beschlossen. Die neue Sitzung. Die Sigung wurde erst 5 Minuten vor 4 1hr wieder eröffnet. Bräfident Löbe: Ich mache das Haus darauf aufmerksam, daß es sich hier um einen Gesehentwurf handelt, Den mir als verfaffungsändernd mit qualifizierter Mehrheit amehmen müssen. Ich möchte deshalb bitten, daß die Redner fich auf eine recht turze Redezeit beschränken. Abg. Dittmann( Soz.) Die fozialdemochratische Fraktion hat sich nach der Rede des Abg. Geschke, die mit Beschimpfungen gegen die Sozialdemokratie angefüllt war, die Frage vorgelegt, ob sie ihre Unterschrift unter der Vorlage aufrechterhalten könne. Aus der Rede des Abg. Geshte geht hervor, daß diese Borlage, die von der Sozialdemokra tie angeblich gemeinsam mit den Parteien der Bourgeoisie vorbereitet sei, nach Ansicht der Kommunisten das Schlimmste zu un gunsten des Proletariats enthalte. Der Sozialdemokratie ist es darum zu tun, die wegen Delifte gegen die Republik in Haf: be findlichen Arbeiter zu befreien. Sie betrachtet deshalb die Amnestiefrage nicht als eine Parteifrage. Die schmähenden Urteile, die der Abg. Geschte über das Gefeh ausgesprochen hat, finden ihre nachdrüdlichste Widerlegung in der Tatsache, daß die kommunisten selbst dem Geseh ihre Zustimmung geben wollen. Die Sozialdemokratie zieht deshalb ihre Unterschrift nicht zurüd. ( Lachen bei den Komm.) Abg. Dr. Frid( Natsoz.) beantragt, die Ausnahmebestimmum gen in der Ausschußporlage zu beseitigen und die Amnestie auf die Disziplinarstrafen in Reich und Ländern auszudehnen. Als Redner von der fhmarzrotgelben Fahne spricht, erhebt sich ein ungeheurer Lärm, in dem der übrige Teil seiner Rede untergeht. Die Nationalsozialisten münschten nach Schluß der Rebe den Radau fortzusetzen. Mit einigen humoristischen Bemerkungen ge lingt es dem Präsidenten Löbe, die Ruhe wiederherzustellen. Abg. Dr. Wegmann( 3.) gibt für das Zentrum eine Erklärung ab, in der gegen allzuhäufige Amnestien Bedenten erhoben werden und auf die bereits erfolgten umfangreichen Amnestien hingewiesen wird, Sie beweisen, daß man nicht von einer hartherzi gen Republit sprechen tönne. Obwohl tein ausreichender Anlaß vorliege, habe das Zentrum seine schweren Bebenten zurüd gestellt, um einen Schlußsteich zu ziehen und habe babei Bert darauf gelegt, daß die Amnestie auf möglichst breiter Basis erfolge. Abg. Dr. Pfleger( Bayer. Bp.) mendet sich gegen die Aus führungen des Justizministers, daß die Reichsamnestie auf die Länder ausgedehnt werden solle. Es muß festgelegt werden, daß jede Amnestievorlage einer verfassungsändern den Mehrheit bedarf; auf diese Weise tönnten die swerften Bebenten bejelligt menben, auf die Wohlfahrt unserer Boltsangehörigen ein, mir laffen uns meber burch Beschimpfungen, noch, mas piel umangenehmer wäre, durch Labsprühe der Kommunisten uns zu den Komm.) Was mich veranlaßt, nochmals das Wort zu nehmen, irgendeiner politis hen Haltung bestimmen.( Lärm und Zurufe bei ist die Behauptung des Abg. Stoecker, baß die Sozialdemokratie durch Mittelsmänner auf die kommunistische Fraktion einwirken wollte, in dem Sinne, daß wir, wenn die Kommunisten Angriffe gegen uns richteten, unsere Unterschrift zurückziehen würden und weiter, daß die Sozialdemokratie durch Mittelsmänner eine Berbindung zwischen dem Amnestiegesen und dem Gesek über den Nationalfeiertag herzustellen gesucht habe. Ich erkläre, im Namen und Auftrag meiner Fraffion, daß die fozialdemokratische Fraktion zu feiner Zeit irgend eines ihrer Mitglieder zu Berhandlungen mit den kommunisten beauftragt hat. Wir würden in einem solchen Fall es für unter unferer Würde halten, in Verhandlungen mit den kommunisten einzutreten. Abg. Peus( Soz.): Ich habe in einem Artitel des Bolts. blatt für Anhalt meine Ansichten über die Amnestiefrage dar gelegt. Ich habe meinen persönlichen Standpunkt im Reichstag nicht bloß den Kommunisten, sondern auch Mitgliedern anderer Barteien gegenüber dahin zum Ausdrud gebracht, daß ich als Grumblage für eine Anmestie anfehe die Anerkennung ber Republit. Ich habe einen Teil von den Ausführungen, die im Anhalter Voltsblatt" stehen, den Kommunisten vorgelegt, weil es mich intereffierte, zu hören, wie andere Mitglieder darüber dächten. Ich habe aber gar nicht im Auftrage der Partei gehandelt. ( Lachen bei den Kommunisten.) In der Schlußabstimmung, die nicht namentlich war, ftimmten nur die Bayerische Volkspartei und die Deutschhannoveraner gegen die Borlage. Präsident Löbe ftellt feft, daß mehr als zwei Drittel affer Reichs ngsmitglieder anwesend waren und von den Anwesenden mehr als mei Drittel für das Gefeß gestimmt haben. Die Entschließung Hanemann( Dtn.), die Reichsregie rung zu ersuchen, zu prüfen, inwieweit den Reichsbeamten, gegen die wegen aus politifchen Beweggründen beruhen den Dienstvergeben ein Disziplinarnerfahren burchgeführt ober eingeleitet ist, Begnadigung zu gewähren sei, wirb gegen bie Stimmen der Linten angenommen. Desgleichen wird die Entschließung Dr. Haneman( Din.) angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen, bei den Regierungen der Länder dahin zu wirken, in der gleichen Richtung vorzugehen. Annahme findet dann die Ausschußentschließung, die Reichsregierung zu ersuchen, bei den Ländern dahin zu wirken, daß Perfonen, die aus wirtschaftlicher not oder aus Anlas des passiven Widerstandes ftraffällig gemorden find, bei der | Aufgabe einer verantwortlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik fei es, derartige Sonderwünsche den allgemeinen Interessen unterzuordnen und vorübergehende Schwierigkeiten gegen dauernde Borteile auf sich zu nehmen. Der wichtigste Fortschritt der letzten Jahre so betonte der Minister zum Schluffe liege ja gerade darin, daß wir unsere Politik wieder mehr auf den Gesichtspunkt der Dauer ab stellen fönnten, nachdem wir durch die Folgen des Krieges und der Inflation uns lange Zeit darauf beschränken mußten, nur gerade die schlimmsten Augenblidsnotstände zu beseitigen. Die große Entwidlungslinie aber führe- gewollt oder ungewollt in die Rich tung wachsenden internationalen Zusammen= hangs auf politischem Gebiet, auf wirtschaftlichem Gebiet, auf fozialem Gebiet. Sache der Führer jedes Landes sei es, diese Entwidlung in der Weise zu fördern, wie es dem sozialen Geiste der Gegenwart entspreche. D. h.: Nicht herabschraubung des Lebensstandards der fortgeschrittenen Länder auf den der zurüdgebliebenen, nicht Weltmarkieroberung auf Koffen der Arbeiterschaft, sondern Anpaffung der Lebensverhältnisse der zurüdgebliebenen Länder au die der fortgeschrittenen und damit Erhöhung des Wohlstandes der breiten Maffen in allen Ländern. Ausübung des Gnadenrechts in besonders wohlwollender Weise berüdfichtigt werden. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Löbe erbittet und erhält die Erlaubnis, den Reichstag zum Spätherbst wieder einzuberúfen. Er spricht dann dem Abg. Herold zu feinem 80. Geburtstage herzliche Glückwünsche aus. Mit den Wünschen guter Erholung entläßt der Präsident das Haus in die Ferien Schluß nach 4 Uhr. Nach Annahme der Amnestievorlage im Reichstag beschäftigte fich der Reichsrat mit der Borlage. Der Berichterstatter, Ministerialbirigent Schäfer, erklärte, die Reichsratsausschüsse schlügen vor, von der Erhebung eines Einspruchs abzusehen, obwohl es em Eingriff in die Juftizhoheit der Sänder sei, mit Rüdficht darauf, daß der Entwurf im Reichstag mit solcher Mehrheit befchloffen worden wäre, daß auch im Falle eines Einspruches durch den Reichsrat der Reichsrat mit ber notwendigen Mehrheit an dem Entwurf festhalten würde. Bayerischer Gesandter v. Preger gab namens feiner Regierung folgende Erklärung ab: Banern legt bagegen Berwahrung ein, daß auch in diesem Falle eine Benderung der Reichsverfassung, für die fein zwingender Grund vorliegt, vorgenommen wird und dadurch ein wesentliches verfassungsmäßiges Landesrecht wertlos gemacht wird. Um aber die Amnestie, mit der Bayern fachlich einverstanden ist, nicht zu gefährden, wird Bayern gleichwohl für die Vorlage stimmen. Die Vertreter der sächsischen, oldenburgischen und bremischen Regierung schloffen sich der bayerischen Erklärung an. Auch die Vertreter von Thüringen, Baben und Hessen verwahrten sich gegen den Eingriff in die Justizhoheit der Länder, verzichteten aber auf einen Einspruch. Namentliche Abstimmung wurde nicht verlangt. Die Borlage wurde ohne besondere Abstimmung angenommen. Die Amnestie in Preußen. Ausführungsbestimmungen des preußischen Justisministers Wie der Amtliche Preußische. Pressedienst mitteilt, hat der preubische Justizminister zu dem soeben vom Reichstag beschlossenen Geletz über Straffreiheit die Ausführungsbestimmungen erlaffen. Um die schleunige Durchführung des Befehes nach dessert Verkündung zu gewährleisten, haben die Strafverfolgungs- und Strafvollftredungsbehörden schon jest unverzüglich zu prüfen, welche Berfahren unter den Straferlaß, die Einstellung und die Strafmilderung fallen. Soweit das Gefeß den Erlaß der noch nicht verbüßten Strafen sowie der rückständigen Strafen und Bußen ausspricht, ist von jeßt ab von BollstreckungsverhandIungen abzusehen. Zahlungsaufforderungen find nicht mehr zu erlaffen. Die Bollstrechungsbehörden haben die Bollftredung in der Verbüßung begriffener Freiheitsstrafen, folange sie nach den Vorschriften des Erlasses zweifellos erlassen oder im Falle der Milderung gemäß§ 5 unter Berücksichtigung der im Absatz 3 daselbst vorgesehenen Anrechnung verbüßt find, sofort zu unterbrechen. Soweit Verfahren anhängig sind, die nach dem Gesez einaustellen sind, ist die Aufhebung im anftehenden Termin zu beantragen. Bei dem Verfahren auf Feststellung und Durchführung des Straferlaffes, der Einstellung und der Strafmilderung nach dem Infrafttreten des Gesetzes ist auf Beschleunigung der Brüfung und Durchführung besonders Bedacht zu nehmen. Die im§ 7 Absatz 1 angeordnete Tilgung des Strafvermerts haben die Strafvollftredungsbehörden gleichzeitig mit der Feststellung des Straferlaffes gemäß§ 8 des Gesetzes vom. 9. April 1920 herbeizuführen. Ständige Hebung Litauens. Schaffung des Ku- Klug Clan. Sowns, 13. Juft Der Meritale Rytas" behauptet in einem Artitel, daß in Litauen mit Wissen der Regierung Boldemaras in Form eines Sportvereins eine geheime Gesellschaft nach der Art des Ku- Klur- Clan bestehe. Das Blatt flagt diese Gesellschaft ,, mör de= Fischer Abfichten" an und verlangt von der Regierung ein fofortiges Eingreifen Die Phalanx der Arbeiterfeinde. „Wir schieben vereint, wir hassen vereint-- Gehts schon wieder los? Die Cliquenkämpfe in der NPD. Nachdem in der KPD. die frühere Führung 5tuth Fischer, Schalem, Maslow völlig abaesägt worden war, schien es von außen her so, als ob in der Partei eine gewisse Ruhe eingetreten wäre. Darf man jedoch der„Fahne des Kommunismus" glauben, dann trügt dieser Schein. Denn das genannte linkskommunistische Organ weiß folgendes zu erzählen: Der Kampf um die Führung der KPD. geht mit verstärkter Kraft in Gestalt von Cliquenkämpfen weiter. Di« Ewert- Gerhart- Fraktion bekommt mehr und mehr Oberwasser. In der Delegation, welche die KPD. auf dem VI. Welttongretz vertreten wird, ist die älmann-Fraktion bereits in der Minderheit. Sein Versuch,«inen seiner Leute als Chefredakteur in der.Roten Fahne" unterzubringen und den jetzigen Chef zu beseitigen, ist abgelehnt worden. Kein Wunder, daß Thälmann verzweifell nach Hilfstruppen sucht, kein Wunder, daß deshalb auch in einem.geheim zu haltenden" Rundschreiben an die Pollelter der Bezirk« für die Wiederaufnahme von Maslow und Ruth \ Fischer in die Panei, allerdings unter Ankündigung ihrer Ber- dannung ins Ausland, Stimmung gemacht wird. In den Bezirken spürt man diesen Kampf gleicherweise. In der thüringischen Presse darf Max Köhler, der von den Thal- mannleuten in der zentralen Gewerkschaftsabteilung abgesägt wurde, Gewerkschaftsartikel schreiben. In Hamburg setzt Thälmann die Säge an, um seinen bisherigen Anhänger, einen rühmlichst be- konnten Revoluzzer, Stephan, der zur rechten Fraktion über- gegangen ist» zu erledigen. Die Mitgliedschaft aber, in der die Rechten um We st ermann, einen waschechten Brondlerioner, starken Einfluß gewonnen haben, läßt den guten Teddi im Stich und will die Anträge der Teddileute nicht annehmen. Im Reichstag ist aufgefallen, daß der eben erst gewählte Ewert sofort dazu destimmt wurde, die politische Hauptrede zu halten und daß dieser neue Mann sich eines allzublöden Geschimpfes enthielt. Andere haben dafür desto bester ge> zeigt, wie man es machen muß. Sind gewisse Reden, die schon eher einem Kotbrechen als einer sachlichen Auseinander» setzuna glichen, am Ende als Symptome eines inneren Kampfes zu werten?_ Verfassungs» und Verwaliungsreform. Aussprache im Zieichskabinett.— LSnderanSschvßtogung im Herbst. Das Reichskabinett befaßte fich gestern in eingehender Aussprache mit der Berfassungs und Verwaltung»- reform. Auf der Grundlage der Beschluss« der Länderkonferenz bestellte die Reichsregierung den Reichsminiper de« Innern als diejenige Stelle, die zur Herbeiführung von Verein- barungen über das Aufgehen kleinerer Länder in Nach- barländer sowie für die Auflösung von Enklaven und Exklaven in enger Fühlungnahme mit den Ländern anregend, vermittelnd und auf Anruf der Beteiligten als Schiedsinstanz tätig werdqn soll. Da die Berichte der vom Verfassungsreformaus- schuß der Länderkonferenz bestellten Berichterstotter bereite vorliegen bzw. demnächst eingehen werden, hat die Reichsregierung die Einberufung dieses Ausschusses für etwa Ende September dieses Jahres in Ausficht genommen. Die Beratungen des Kabinett» erstreckten sich sodann auf eine Anzahl daimt zusammenhängender EinzAfragen, und auch hier kam das Kabinett zu der einmütigen Auffassung von der Notwendigkeit der Förderung der Reichsreform. Wirrwarr in Bayern. Die Ztegienmgsbiltang stockt.— Das Parlament bleibt ausgeschaltet. Mönchen, 13 Juli.(Eigenbericht) Di« Landtagsfraktion de« Bayerischen Bauern- blindes beschloß trotz aller Drohungen der Bayerischen Boll»- partei bei der Wiederherstellung der Bürgerblockkoalition zwei Ministerien zu verlangen, und zwar u. a. das Lantanrtfchafts- Ministerium mit F ehr an der Spitze. Hinter den ZtuLssen hört man allerdings, daß der Bauernbund über die Forderung nach einem Ministerium mit sich handeln läßt. Da die Fraktion der Bayerischen Bollspartei erst am Dienstag nächster Woche zu dem Beschluß des Bpuernbundes Stellung nehmen wird, ist es nicht ausgeschlossen, daß die jetzige Regierung Held auch während der Ferien- zeit nur al» Geschäftsmini st«rium fungiert. Die sozialdemokratisch« Fraktion hat inzwischen ohne Rücksicht auf die Verhandlungen über die Regierungsbildung die sofortige Einberufung de» Landtages verlangt, da es sich immer mehr herausstellt, daß gewiss« Kreise mit Absicht die Arbeitsfähigkeit des Landtages sabotieren. Acht Wochen nach der Neuwahl hat die Bayerisch« Volkspartei zwar in einer ganz kurzen formellen Sitzung des Landtage» chren Präsidenten wählen lassen, dagegen die Bildung der Ausschüsse verhindert und damit die Volksvertretung praktisch ausgeschaltet. Aushebung des alien Schießerlasses. Neuregelung des Rechtes der Polizeibeamten zum Gebrauch der Schoßwaffe.— Starte Einschräntung des Waffen- gebrauchs. Schon seit längerer Zeü wurde im preußischen Innenministerium die Frage geprüst, ob unter den heutigen Lerhällnisten nicht ein« Abänderung der Bestimmungen für den Wasfengebrauch am Platze wäre. Der bislang für den Wasfengebrauch maßgebende Erlaß vom IS. Dezember lg21 war durch die damals noch wenig gefestigten inneren Verhältnisse gerechtfertigt. Seitdem aber hat die Stabilisierung auf innerpolitlsch em Gebiet bedeutende Fortschritt« gemacht und auch die kriminellen Verhält- nisse haben sich weit gebessert, so daß«in« Abschwächung de» Wasfengebrauch s gegen Fliehende für Pvlizcibeamtc durchaus am Plag« erscheint. Infolgedessen wird das Wasteugebrauchsrecht gegen Fliehend« in einem neuen Erlaß des preußisch« Innenminist«, lediglich auf die Fälle beschränkt, in denen e, sich um Personen Handell, die dringend emes Verbrechen» verdächtig stnd und sich der Fest- nähme oder Feschaltung durch Polizeibeamt« durch die Flucht zu entziehen versuchen. Auch die Androhung de» Waiiengebrauch» bei Fluchtversuchen darf nunmehr nur solchen Personen gegenüber angewandt werden, die eine» Verbrechens verdächtig oder über- führt sind. Oer Opferiod Cesare Battistis. Llnd das Hohnmal in Bozen. In Bozen ist ein italienisches Siegesdenkmal ent- hüllt worden. Zuerst sollte dort ein Denkmal für Dr. C e s a r e B a t t i st i errichtet werden, den sozialdemotrati- s ch e n Reichsratsabgeordneten von Trient, der in die italienische Armee eingetreten war, um für die Befreiung Italienisch-Tirols von der habsburgisch-deutschen Staatszu- geHörigkeit zu kämpfen. K.-u.-k.-Truppen fingen ihn, der in der vordersten.Linie stand», ein.. hahsburgisches Kriegsgericht verurteilt« ihn als Deserteur, der gegen Oesterreich gesochten hatte, zum Tode und der Scharfrichter Lang aus Wien henkte ihn, wie er in allen Grenzgcbtsten der Monarchie wirkliche oder auch nur vermeintliche Verräter gehenkt hat. Cesare Vattisti ist ein Märtyrer seines Volkes, das foviele Kämpfer in Hobsburgs Kerkern und an Habsburgs Galgen hat enden sehen. Al» aber den Hinterbliebenen Cesare Battistis vorgc- schlagen ward, ihm ein Denkmal in B o z e n zu errichten, da baten sie, davon abzusehen, denn Cesare Battisti habe nur dafür gekämpft, daß Jtalienisch-Tirol, das Trentino. nicht aber Deutsch- Südtirol zu Italien geschlagen werde.... So vollzog Battistis Familie seinen letzten Willen. Sollte nun, wo alle Welt sieht, mit welcher Roheit die Macht- haber Italiens diese Viertelmillion Deutscher verfolgen, die Stimme des Toten nicht das Gewissen der Welt erwecken? Die sie Dattistis Namen mißbrauchen. Bozen. 13. Juli. In seiner Festred« bei der Deukmolseinweihung foqtie der italienische Arberts minister Giuriati, daß die Stadt Bozen, von Druses gegründet, wieder ihren allen italienischen Charakter, den sie Jahrhunderte hindurch bis zum Beginn des vorigen Jahr- Hunderts bewahrt hätte, aimehme. Auf die Büsten der im Welt- krieg Hingerichteten Märtyrer zeigend, rief der Minister aus, der Strang, der den Hals eines Battisti umschnürt, müsse für die, die jenseits der Alpen noch immer dl« Sache d es ungerechten Eroberers von einst verträten, eine unumstößliche Antwort sein. In Ewigkeit werde dieser Strang verkünden, daß Geographie und Geschichte das territoriale Recht bestimmen. Ein Volk, das durch den Sieg seine Einheit wieder hergestellt habe, könne es nicht dulden, daß seine von Gott errichtete Grenze auch nur angetastet werde und auch nicht zulassen, daß eine un- endlich kleine Minderheit, die im vorigen Jahrhundert in einigen italienischen Provinzen eingewandert sei, für kühne An- sprüche herhalt«. Das Vozener Siegesdenkmal sei ein Meilenstein auf dem Wege de» italienischen Volke».(Soll er noch weiter nordwärts gehen, ist das Karwendetgelnrge die nächste Etappe? Red. d. B.) An dem Umzug durch die Stadt nahmen SM0 Italiener teil, von denen 90 Pro.z. von auswärts gekommen waren. Geistesstörung einer Telegraphistin. Innsbruck. 13. Juli. Am Tage der Enthüllung des Bogener Hohnmals erschien� eine Beamtin des Innsbrucker Haupttelagraphenamtes mit schwarzer F a schist en blu s« zum Dienst. Ihren Kol- leginnen erklärte sie. daß sie zu E h r e n der Denkmalsenthüllung und zu Ehren Mussolinis das Faschistenkleid angelegt Hab«. Di« Kolleginnen verweigerten darauf einmütig den Dienst, wenn die Beamtin nicht sofort entfernt werd«. Sie wurde von der Hauptlottung des Telegraphenamtes ihres Dienste» enthoben. Das Personal weigert sich, auch in Zukunft mit ihr gemeinsam Dienst zu machen. Aus Grund des polnischen Amnestiegejehes. das dieser Tage ver- össenllicht werden soll, werden nach Angabe» des Justizministeriums äow Strafgefangene freigelassen. Aiientai in Belgrad. Gn Mazedonier schießt den Polizeichef nieder und tötet sich selbst. Belgrad. 13. Juli. Um ll Uhr vormittags erschien bei dem Sekliouschef Lazitsch. dem Leiter der polltischen Polizei, ein Mann, der sich al» Bürger der mazedonischen Stadt Stip und al» Angehöriger der bulgarischen Nation vorstellte. Der Mann zog einen Revolver und feuerte mehrere Mole aus Lazitsch. Dieser sank, schwer am Kops verwundet, um. Daraus erschoß der Atteatäler sich selbst. Lazitsch wurde. in» Krankenhau» übergeführt. Bei dem Attentäter_ sind tetnerlei Vot'imcnte gesunden morden. Me�über sein« Person Ausschluß geben könnten, doch zweifelt man nicht daran, daß es sich um«Inen polittfchen Racheakt handelt, zumal Lozltjch af« ein Hauptgegner der mazedonischen Organisationen gilt. Setlionsches t a z i t i ch wurde bei dem Attentat oberhalb de» rechten Auge» schwer verwundet, der Attentäter durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt. An dem verwundeten Sektionschef wurde sofort eine Operation vorgenommen und da» Geschoß au» dem Schädel entfernt. Auf dem Schreibtisch de» Sektionschef» wurde ein Anmelde' zettel gesunden, aus dem der Name Momolto Zovanovitsch stand. Man vermute», daß die» die Anmeldung de» Attentäter» sei. Lustizeinkehr im Elsaß? Die Ztvtonomisten Baumann und Kohler freigesprochen. pari». 13. Juli. Der AppellatioasgerichtShos in Colmar hat der Ve- rvsvng der wegen angeblicher Spionage In erster Instanz zu acht Monaten Gefängnis und 500 Fronten Geldstrafe verurteilten Auto- nomislen vaumann ynd kohler stattgegeben und die beiden verurteilten sreigcsprochen. Ja der Begründung de» freisprechenden Urteils wird laut..Temps" ausgeführt, daß Bau- mann und kohlcr durch ihre Fomilienbeziehunge«, durch ihre häv' figen Reisen bzw. längeren Aufenthalt in Deutschland sich ver- d ö ch t i g gemacht hatten, daß jedoch angesichts des N i ch t ü b e r- c I n st i m m e n s verschiedener Zeugenauesagca der sichere Leweis für Spionage nicht erbracht worden sei. China machi Ernst. Nanking fordert offiziell Zurückziehung der Kriegsschiffe und Revision der Verträge. Schanghai, 13. Juli. Nach einer Pressemeldung bereitet die Nanking-Regierung Noten vor. die im gleicheu Wortlaut au Großbritannien. die Vereinigten Staaten. Japan, Frankreich und Italien gerichtet werden sollen. In den Noten wird die Nanking. Regierung die Zurückziehung der Kriegsschiffe vom pauglse fordern, da nach Beendigung der militärischen Operotioneo im Innern Chinas die Anwesenheit. der Sriegsschisfc zum Schutze de» Leben» der Ausländer nicht mehr erforderlich fei. Es verlautet serner von zuverlässiger Seile, daß da» Auswärtig« Amt Noten an dle Vertreter voa 24 Ländern au»-. gehöndigl Hot. in der sie die sofortige Revision aller Ber- träge mit der chinesischen Regierung, sowohl der abgelausenen als auch nicht abgelausenen. vorschlägt. Die japanische Regierung soll durch die Ungewißheit der Lage besonder» beunruhigt sein, da die südchiaefische Regierung e» vielleicht ablehne» wird, fich an die von Marschall Tschaagtsolin gewährten Fristverlängernngen gebunden zu erachten. Amnestie auch in Frankreich. Anläßlich de; Nqlionolsestes am IS. Juli Hot der Präsident der Republik auf den Borschlog de» Kriegsministers 614 verurteilt« Militärpersonen Strafemäßigung oder-erlaß gewährt. 17S weiter« Verurteilungen unterliegen noch der Prüfung. 16.Verbandstag der Fabrifarbeiter Stellungnahme zum Gewerkschaftskongreß. Hamburg, 13. Juli.( Eigenbericht.) Ueber den bevorstehenden Gewerkschaftstongreß sprach der Borfigende des Verbandes Thie mig. Dem Gewerkschaftstongreß lägen zahlreiche Anträge vor, von denen die meisten sich mit der Organisationsform beschäftigen. Obwohl die Beschlüsse in Breslau eine gewiffe Regelung brachten, seien viele Gewerkschaften mit ihnen nicht zufrieden. Der Fabritarbeiterverband erstrebe große leistungsfähige Organisationen in der Richtung der Industrieverbände. Auf dieser Grundlage jei der Verband groß und start geworden und die verschiedenen Instanzen des Verbandes haben fich deshalb des öfteren für die Beibehaltung derfelben ausgesprochen. Der Verband habe mit den verschiedenen Gewerkschaften verhandelt, um eine gewisse Dor. Abgrenzung des Berbandsgebietes herbeizuführen. In der Regel sei aber eine große Gegenliebe auf der Gegenseite nicht zu finden gewesen. Die zwangsmäßigen Verschmelzungen hätten sich nicht bewährt, dafür lägen Beispiele genug Die Verminderung der Zahl der Verbände auf 35 gegen 66 im Jahre 1926 sei ein Beweis dafür, daß trotz aller Schwierigkeiten eine Konzentration erzielt werden tonnte, jedoch sei immer die freiwillige Verschmelzung die richtige gewesen. Der Fabritarbeiterverband werde unter allen Umständen daran festhalten. Ein Antrag verlangt eine allgemeine Gewerkschaftsorgani fation. Zweifellos geht die Entwicklung diesen Weg und die Fabritarbeiter seien der Ansicht: lieber eine Einheitsorganisation als etwaige Zerschlagung und 3ersplitterung. In Breslau ist der Ausbau des ADG B. beschlossen worden. Er erfolgt in immer umfassenderer Weise. Fragen, wie die des Arbeitsrechts, des Arbeiterschuhes, der Steuern, der Zölle, die Koalitionsfrage, Gewerbehygiene, Bildungsbestrebungen, Lohnpolitit, Arbeitszeit und die allgemeine Wirtschaftspolitit usw., werden weniger von den einzelnen Verbänden, sondern vom Bund in seiner Gesamtheit geregelt und vertreten. Einer Entschließung zu diesem Punkt entnehmen pir: ,, Der Verbandstag ersucht seine Vertreter, auf dem Gewert schaftstongreß dafür einzutreten, daß der Vorstand des ADGB. beIn fast allen Abteilungen: auftragt wird, die Sagungen für die Ortsausschüsse dahin auszuschreiben, daß die Beiträge nach einheitlichen Grundsägen geregelt werden." Das Arbeitsrecht hamburger Boltszeitung" befaffen. Die Berichte waren derartig widersprechend und tendenziös, daß der Berbandstag dagegen seine Entrüstung zu erkennen gab. Die tommunistischen Delegierten versprachen, dafür zu sorgen, daß die Richtig stellungen wörtlich aufgenommen würden. Das unterblieb jedoch. Trotzdem hat der Berbandstag die kommunistischen Pressevertreter nach wie vor zugelassen. Betriebsratswahl im Reichswehrministerium. Am 16. und 17. Juli finden im Bereich des Reichswehrministeriums die Wahlen zum Hauptbetriebsrat statt. Die freigewerkschaftliche Einheitsliste der Arbeiter und Angestellten firmiert unter Liste I. Mißerfolg der ostindischen Eisenbahner. Nach einer Dauer von 134 Tagen ist der Streit bei der ostindischen Eisenbahn zusammengebrochen. Die Arbeiterführer teilen mit, daß alle ihre finanziellen Quellen erschöpft seien und daß die Arbeiter bebingungslos die Arbeit wieder aufnehmen werden. in Entwicklung und Rechtsprechung behandelte Schmidt vom Hauptvorstand in einem mit reichem Material gespickten Bortrag. Der Schuß der Arbeitskraft müsse unter allen Umständen erweitert werden; die Arbeitskraft sei nun einmal mit dem lebendigen Menschen verbunden, deshalb sei Arbeitsrecht Menschenrecht. Der Redner brachte dann eine Reihe Entscheidungen der verschiedenen Gerichte zur Sprache, die sich vielfach gegenseitig widersprechen und auch den fozialen Erkenntnissen und Errungenschaften nicht Rechnung tragen. Es tomme auf den Geist und den Inhalt der Rechtsprechung an. Das individualistisch gefärbte Recht sei im heutigen verbandsmäßig gebundenen Leben nicht mehr zeitgemäß. Führen wir das ArbeitsAchtung, Klempner! Die Klempner- Innung in Hamburg recht durch, dann haben wir eine Kulturmission von ungeheurer Besucht in anderen größeren Stätten Klempner nach Hamburg. Es deutung erfüllt. Unsere Parole muß daher lauten: soziales wird gebeten, den Zuzug nach Hamburg zu verhindern. Ungefähr und neuzeitliches Gesez, Schuß der Arbeit. 300 Klempner sind im Groß- Hamburger Stadtgebiet noch erDer Verbandstag nahm diesen Vortrag mit Beifall auf. Karl werbslos. und Meister- Berlin ergänzten den Vortrag. Dann wurden die nochmals durch beratenen Vorlagen zur Abänderung des Statuts erledigt. An dem Einheitsbeitrag mit Staffelungen nach dem Stunden verdienst wird festgehalten. Der Vorstand des Verbandes setzte sich nach wie vor für die ursprüngliche Vorlage ein. Die Invalidenunterstützung wurde in der vorgelegten Faffung angenommen. Das Statut wurde in der neuen Gestalt einstimmig gutgeheißen. Es tritt am 1. Januar 1929 in Kraft, die Invalidenunterſtüßung am 1. Januar 1930. Das Streifreglement wurde ebenfalls einstimmig gutgeheißen, obwohl die Kommunist en früher gegen die Notstandsarbeiten Einspruch erhoben hatten. Bom Borsitzenden wurde im Laufe der Berhandlung ein Telegramm der Zentrale bekanntgegeben, wonach im Juli 467 798 Mitglieder vorhanden sind; gegen den Jahresschluß ist dies eine Zunahme von 44 739 Mitgliedern. Genosse Bren mußte sich während des Verbandstages inehr. Berlag: Borwärts- Berlag Gm b. 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Juli 492S Demi mit Nm ersten frühlingswarmen Sonntagen des Jahres die Saison der S o m m« r l o k a l e an der Peripherie der Troß- ftadt beginnt, dann beginnt mich die Sommersaison der edlen Tilde der„B a u e r n s ä n g e r". Kein Jahr bildet eine Ausnahme: an den letzten Sonntagen hat man schon Vertreter der edlen Zunft im Truncwald„arbeiten" sehen. Was ist und was macht ein Bauernfänger? Unter der Sammelbezeichnung„Bauernfänger" will der Kriminalist die Sorte Verbrecher verstanden wissen, die Ausplünde- rung und Schädigung ihrer Mitmenschen unter der Spekulation aus niedrigste menschliche Instinkte, wie Gewinnsucht und Spiel- trieb, häufig unter der Maske des Biedermannes, mit den primi- tivsten Mitteln, die bezeichnend sind für die Intelligenz der Opfer,«ewerbsmäßig betreiben. Es ist leider auch heute noch keine Seltenheit, daß sich in der Nähe der großen F e r n b a h n h ö f e. sei es nun der Anhalter, der Stettiner oder der Schlesische Bahnhof, oder der Bahnhof Alexanderplatz dem harmlos,„provinziell" ausschauenden Reisen- den, zumal abends, wenn es dunkelt, eilenden Schrittes ein Mann nähert. Im Vorbeigehen stößt er im Flüsterton die nun schon bald geflügelten Dort« hervor:„W oll'n Sie'nett Ring kaufen, eben frisch„gestoßen"(der terminus tcchnikus des Ver- Oer„echte*1 Ring. brecherfargons für„gestohlen"). Dabei läßt er im unsicheren Sicht einen verführerisch blitzendetx Stein sehen.— und es gibt Dumme und Tewiffenlose, die sich einreden lasten, daß der Ring ans einem Einbruch in ein Juweliergeschäft stamme, und die Gelegenheit, für ein Spottgeld in den Besitz eines Wertstückes zu gelangen, nicht ungenutzt vorübergehen lasten wollen. Diese Leute sind eigentlich, wenn sie später betrübt feststellen, daß ihr echter Brillant, zweiein- halb Karat groß und lupensrei, feinstes Offenbacher Erzeugnis, Ladenpreis 1,75 bis 2,50 Mk., ist, mit dem Verlust eine» Zwanzig- oder auch' Fünfzigmarkscheines lange nicht hart genug ge- straft, denn sie waren ja willens, Hehlerei zu treiben. Oos berüchtigte Kummelblättchen. Im Sonnner ist der Haupterwerbszweig der edlen Znnft „K ü m m« l b l ä t t ch e n", da» bekonnte Kartenspiel. Kümmel, abgeleitet vom hebräischen gimmel— drei, hat also mit dem mit Recht so beliebten Kornschnaps nicht das mindeste zu wn, sondern will mir darauf hinweisen, daß dieses Spiel mit drei Karten gespielt wird. Die drei Karten gewöhnlich drei Asse, zwei schwarze und ein rotes, genügen schon, um im Walde in der Nähe der großen Zugangsstraßen zu den besuchten Waldgaststätten und Rennbahnen im Handumdrehen ein Monte Carlo im kleinen entstehen zu lassen, das immer noch dank derer, die anscheinend nicht alle werden, seinen Mann ernährt. Die Handhabung des Spiels ist denkbar einfach: Der Bankhalter nimmt die drei Korten, nach- dem er sie mit dem Spiegel dem sich immer einfindenden, teils nur neugierigem, teils wettlustigem Publikum gezeigt hat, verdeckt auf, und läßt dann, ollen Zuschauern sichtbar, in der Hand die Lage der einzelnen Karten zueinander blitzschnell sich verändern. Aufgabe des wettlustigen Zuschauers ist es, sich trotz der Geschwindig- teit, mit der diese Manipulation vorgenommen wird, die rote Gewinnkarte zu merken und dann auf sie mit einem größeren oder kleineren Betrage zu wetten. Hat er auf die richtige, die rote Kort« gesetzt, hat er„getroffen"= gewannen, so erhall er seinen Einsatz verdoppelt zurück, also beispielsweise für fünf Mark zehn Mark. Hat, er auf ein« der beiden schwarzen Korten gesetzt, so ist sein Einsatz an den Bankhalter verloren. GewinnouSficht 4: 3. Ein Mensch, der etwas vom Spiel versteht, kann es nicht be< greifen, wie ein mit fünf gefunden Sinnen ausgestatteter Mensch dieses Spiel, es fei denn als B a n k i e r, überhaupt spielen kann: eine Chance gewinnt, zwei verlieren, die Gewinnkorte zahl) Pari- Gest», die Gcwinnaussicht steht also 1: 3, dagegen ist ja das „Räuberspiel" Roulette, bei dem sich die Bank mit der Vorgabe von V« und der des Zcro begnügt und damit schon immer aus die Länge gewinnen m u ß, geradezu eine zivilisierte Angelegenheit. Die Gewinnchance 1:3 aber ist, selbst wenn„auf glatt", dos heißt ehrlich gespielt wird, direkter Selbstmord für den Pointeur (Wetter). Damit nämlich das Geld aus den Taschen des Pointeurs auf dem raschesten Wege in die des Bankhalters gelangt, wird überdies auch noch„hingelangt"_ falsch gespielt, und zwar wird durch einen recht einfachen Trick die rote Gcwinnkarte, die der Bank- Halter«tien noch allen umstehenden Personen deutlich zeigte und wodurch er mitunter auch„Angestoßene"=- Mißtrauische zum Wetten veranlaßt, im entscheidenden Moment vertauscht, und der Pointeur, der ihren Fall genau mit den Augen verfolgt zu haben glaubt, ist der Dumme— und ist sein schweres Geld los. Dabei wird dieser einfache Trick auch noch häufig so ungeschickt und plump ausgeführt, daß man über die vollendete Harmlosigkeit der Leutchen, die auf ihn hineinfallen, manchmal lächeln muß. Zugegeben: Die Verlockung ist groß, auf scheinbar risikofreie Weise,— denn die meisten Polleure sind überzeugt, die rote Gc- winnkorte genau mit den Augen verfolgen zu können, und ahnen nicht einmal leise, daß hier„Zauberei" im Spiele sein könne,— die Unkosten de« sonntäglichen Ausfluges respekttve den„Start" für die Rennbahn„anzuschaffen". Aber ist denn wirklich so viel Naivi- tot gestattet, daß man annimmt, jemand etabliere in der Waldein- samkeit ein Wohltätigkeitsunternehmen, das ihn mit dem Strafgesetz in Konflikt bringt? Denn Kümmelblättchen ist mit vol- lem Recht ein verbotenes Glücksspiel, und der Deron- „liier wird gewonnen!" stolter und mich die Teilnehmer machen sich strafbar. Dennoch finden die Männer non der schwarzen Kunst alle Jahre wieder zahl- reiche„Freier", die sich„auf den Karren laden" lassen; vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei, ihre Zahl ein wenig zu verringern. dann 1)0 1 er seinen Zweck erfüllt. Wie �gearbeitet'* wird. Gewöhnlich„arbeiten" die Bauernfänger beim Kümmelbläti- chcn zu Dritt. Einer ist der Bankhalter, der zweite steht an der nächsten Wrgkreuzung„Schmiere", um eine Ueberraschung durch Polizei seinem Kollegen rechtzeitig durch Psifs zu melden, der Dritte mischt sich unauffällig unter die wettlustigcn Zuschauer und bemüht sich krampfhäst, selbst als solcher zu wirken: Er knüpft mit den Ilmstchendeu ein Gespräch an, erörtert die Chancen des Spiels, natürlich im(doppelt) positiven Sinne, setzt selber und ani- miert so zum Spiel, bis die„Stubben" ihre Marie los find und betrübt weiter wandeln. Dann wird„auseinandcrgemacht", d. h.: oerrechnet, wobei natürlich die Beträge, die der dritte Teil- Haber„fallchalbcr" gesetzt hat,„von oben" abgerechnet werden, Sie Rächt nach demVenat. 71 z�oman von Liam O'Flaherty. (Au« dem Englischen überseht von K. Hauser.) 2. Fünfunddreißig Minuten nach sieben erschoß sich Francis Joseph McPhilli�, bei dem Versuch, aus dem Hause Nummer vierundoierzig in der Tittstreet, dem Hause seines Vaters, zu entfliehen. Das Haus war von dem Detektiv- fergeanten McCartney und zehn Mann umzingelt worden. Mit der linken Hand am Fensterbrett des rückwärts ge- legenen Schlafzimmers im zweiten Stockwerk hängend, schoß McPhillip zwei Kugeln in McCartneys linke Schulter. Als er zum dritten Mole feuern wollte, glitt seine Linke aus und verlor den Halt. Die Mündung der Pistole streifte die Ecke des Fensterbretts. Die Kugel entlud sich nach oben und drang durch die rechte Schläfe McPhillips ins Gehirn. Als sie ihn in der Apfelsinenkiste im Hinterhof, auf die er gefallen mar, entdeckten, war er schon tot. 3. Zwanzig Minuten nach acht verließ Gypo die Polizei- ftation durch eine Hintertür des Gebäudes. Er trug in der Tasche zwanzig Pfund in Schatzscheinen, die Belohnung für Angaben, den Francis Joseph McPhillip betreffend. . Er durchschritt eilig einen engen Durchgang, der in eine dunkle Straße führte. Die Straße war leer. Sie schien es jedenfalls auf den ersten Blick zu sein. Als aber Gqpo verborgen in dam Törwes eines alten, leeren Hauses stand und seine wilden Blicke sich in das Düsikel bohrten, hörte er Schritte. Die Tritt« schreckten ihn auf. Es war der erste menschliche Schritt, den er hörte, der erste Laut der Menschheit um ihn her, seit er zum Angeber geworden war— und zum Aussätzigen. Unmittelbar empfand er. daß die Schritte drohend waren, als sei es gewiß, daß sie jemand gehörten, der ihn verfolgte. Wie seltsam.' In jenen neunzig Minuten war durck? irgendein schlimmes Wunder der gewohnte Laut eines menschlichen Schrittes Drohung geworden. Neunzig Minuten vorher würde sein Ohr nicht auf den Klang eines menschlichen Schrittes geachtet haben, so m«rtg wie er das Ge« rausch beachtet hätte, das beim gewöhnlichen Atmen aus seiner Lunge kam. Jetzt aber spannte sich seine Aufmerksam- keit bei dem schweren Schlürfen, das sich von links her näherte. Sein Herz begann zu schlagen. Natürlich war es niemand von Bedeutung. Es war eine zerlumpte, alte Frau, übel beleumundet, mit oer- wüststem Gesicht und melancholischen Augen. In ihrer Trunkenheit blieb sie vor ihm stehen und murmelte etwas Unverständliches. Dann entblößte sie ihre Zahnlücken, spie aus und ging wortlos weiter. War das ein Zeichen? Gypo empfand nicht, daß, es eins war. Er lauschte nur auf den Klang der Schritte, die achtlos durch die Pfützen patschten. Verstohlen sah er vor sich und ging weiter, angestrengt lauschend und mit der stockenden Bewegung eines, der nachts in einem wllden Wald, in dem es Löwen gibt, allein geht. Eine Straßenecke umschreitend, fand er sich plötzlich in einer Geschäftsstraße, in der viele Menschen gingen, einer Flut von Licht gegenüber. Zuerst schlotterte er vor Furcht. Dann fluchte er und holte tief Atem. Was hatte er denn zu fürchten? Er kannte die Straße gut. Wer wollte mit ihm anbinden? Seine riesigen Fäuste ballten sich wie Pranken, und die Nacken- und Schultermuskeln wurden steif. Im Geist erdrosselte er diese Feinde, die ihn etwa angreifen wollten. Di« Pressung seiner Muskeln ließ ihn seine enorme Stärke fühlen, das beruhigte ihn. Er schob sein rundes Hütchen verwegen auf den Hinterkopf. Die Hände schob er in die Taschen. Er setzte seine Beine in Schwung und !jing wiegend wie ein Seemann aus der Gasse keck in das trahlende Licht der Straße. Mit der gleichen schwingenden und wiegenden Gangatt überschritt er die Straße mitten durch den Berkehr hindurch, ahne anzuhalten, ohne auszu- weichen, ohne rechts oder links zu sehe». Automobile. Karren, Räder und Wagen wichen vor ihm aus. Ohme sie zu sehen, ging er durch sie hindurch, wie ein riesiges Zster durch eine Wolke von Ameisen geht, die zu seinen Füßen weiter ihre sinnlose und unendliche Arbeit tun. Man fluchte ihm nach, aber denen, die sein Gesicht sahen, blieb der Atem stehen, und sie fuhren weiter in d,e Nacht hinein mit einem unterdrückten Fluch. Dies Gesicht mit seinen Beulen, die im Licht der Laternen glänzten, war wie eine seltsame Maske! Es war so— so tot. Gerodeswegs ging er über das Pflaster auf eine Kneipe zu. Er stieß nttt dem Fuß die Tür auf, ohne die Hände au« dem Taschen z« nehmen, gen«, je wie er die Polige». mache betreten hatte. Er legte mit einem Platschen seiner flachen Hand eine Pfundnote auf die Theke und sagte nur das eine Wort:„Pinte". Er startte auf die Theke, bis das Getränk kam, hob dann das Glas, machte sich den Hals frei und schüttete den Inhalt in einem Zug hinunter. Mit einem tiefen Seufzer gab er das Glas dem Barmann zurück. Er nickte. Als er das zweite Glas und das ge- wechselte Geld bekam, ging er in eine Ecke und setzte sich. Jetzt war er endgültig entschlossen, einen Plan zu machen. Das war immer so eine Gewohnheit gewesen von McPhillip und ihm. Jedesmal, wenn sie irgendein„Ding gedreht hatten", gingen sie in die nächste Kneipe, tranken und überlegten sich Pläne für ein Alibi. McPhillips Sprichwort war immer:„Bloß nicht vorher nachdenken, wie man aus dem Schlammassel kommt, bevor das Ding gedreht ist." Mit einem Male empfand Gypo, was für ein heller Kopf McPhillip tatsächlich gewesen sein mußte. Das Pläne- machen ging bei ihm so leicht. Blitzartig schoß ihm ein Plan nach dem anderen durch den Kopf. An Pläne hatte Gypo niemals gedacht. Mit einem seltsam glasigen Blick pflegte er oft zu McPhillip zu sagen: „Mac, du beißt imnker von der weichen Seite im Käse ab. Ich muß die schwere Arbett tun, und du besorgst das Denken:'s scheint mir, du kommst gut dabei weg, Genosse." Jetzt zum ersten Male merkte er, wie schwer es war. ohne McPhillip einen Plan zu machen. Als er selber sich einen ausdenken sollte, erschien ihm das als eine teuflische Arbeit. Der Kopf wurde ihm ganz wirr davon, und er konnte nirgends einen Anfang finden. Er raffte sich ein »aarmal auf mit zusammengepreßten Lippen und mit steifem Rücken, wie ein Pferd sich anspannt zu einem mächtige» Ziehen an einer ungeheuren Last. Es half ober nichts. Er konnte das schwere Gewicht nicht überwinden. das sich jedesmal auf sein Gehirn zu legen schien, wenn sein« Sinne sich darauf richteten, sich probeweise von ihm Rat zu holen. Er saß auf einer Holzbank im Hintergrund der Bar. die Beine gekreuzt, das Glas in der Rechten vor sich haltend, langsam träufelte der Schaum des Bieres auf die Spitze seines hochgehobenen Schuhs: er starrte zu Boden in einer Agonie verworrenen Denkens. Se'tt zer- drückte? Hütchen, oben auf den Stuhl gestülpt, sah aus wie ein Zauberhütchen, mit Wissen und Verstand begabt, da; «bor seiner vohe» Starte Wache Hütt.(Forts, folgt.) J.dxAL-. i /. und mehr als einmal m&b natürlich von beiden Heitm versucht. dabei„u n t e r z n l a u s« M''(falsch zu deNarieren), denn der Ehren- kodex der Bauernfänger verbietet das sinngemäß nicht! Mit dem Beginn der kvlten Jahreszeit wird das Betätigungs- feld des Bauernfängers ein wenig eingeengt, er ist dann auf die Gtadt angewiesen. Auf dem Bahnsteigen und in den Wartesälen der großen Bahnhöfe sucht ev sich dann seine Opfer. Man sei also stets vorsichtig, wenn m»m von einem fremden Mann ange- sprachen wird, der beobachtet hat. wie man sich nach der Absahrts- zeit seines Zuges erkundigt hat, und der dann mit treuherzigem lSesichtsausdruck vorschlägt, die anderthalb Stunden bis zur Ab fahrt des gemeinsamen Zuges in einem Lokal in der Nähe zu ver- bringen, wo man für billiges Gest» gut esien und noch bester trinken kann, denn man wird immer„auf der Rolle", d. h. der Dumme fein, ganz gleich, ob„getippelt",„eine vorgezogen",„gemauschelt",„ge- trudelt" oder„ausgeraten" wird Auch während der Eisenbahnfahrt selbst und unterwegs in den Botels lehne man Einladungen fremder Personen zu Kartenspielen, ganz gleich welcher Art, höflich, aber bestimmt ab, auch, wenn man sieht, wie andere(vorübergehend) gewinnen, denn zum Schluß „kostet es" immer. Der gemütliche Reisende in Kurz-, Weiß- und Wollwaren, der so fabelhaft Witz« erzählen kann,«nt- puppt sich mitunter als ein vielfach vorbestrafter Falschspieler. 55,2 Grad im Schatten! Hihschläge und Badeunfälle.— Massenandrang in den Freibädern. wie man erwartete, kletterte die OuetffllbersSute de» Thermometers in den gestrigen frühen Nachmittagsstunden noch nnaushaltsam and erreichte gegen lS Uhr mit 35.2 Grad im Schalten den Höchststand. Erst gegen t S U h r ging die Hitze ans 35 bzw. 32 Grad zurück. Berlin kann damit den Ruhm für stch in Smpruch nehmen, gestern diehöchsteTemoeratur im Reich verzeichnet zu haben. In Magdeburg und Grü n b erg in Schlesien wurden„nur" ZS Grad, in Stettin 34 und ebenso in der Rheingegend 34 Grad gemessen. In Nordwestdeutschland und Ost» preußen ging die Wärme über 30 Grad nicht hinaus. Die Tropenhitze brachte den Freibädern und Au«flugs» orten einen Mastcnbefuch. Alles, was nicht beruflich in dem olüh enden Häusermeer festgehalten wurde, zog hinaus, um in den Fluten der Havel und Spree Erfrischung und Erholung zu suchen. Schon in den frühen Morgenstunden fehle ein großer.Andrang ans die Freibäder ein. Di« Angestellten freilich hatten draußen gestern nichts zu lachen, der Zustrom der Ausflügler nahm nicht ab. Viele Taufende suchten auch gestern das Strandbad W a n n f e« auf, das am Donnerstag allein von rund2S 000 Badegästen besucht worden war. Auch in den Freibädern Adlershof, Grünau, Müggelsee, Tegelort usw. herrschte ein Riesen- betrieb. In Tegelort und an der Scharfenberger Enge hiellen 20000 Ausflügler, Erwachsene und Kinder, den Strand dicht besetzt. Eine richtige Zeltstadt war dort entstanden. Ohne Badeunfälle ist es leider nicht abgegangen! Im K r a m p n i tz s e« bei Ne d l i tz ertrank gegen 14 Uhr ein junge» Mädchen, deren Leiche noch nicht geborgen werden konnte.— Im Teltow-Kanal, unweit der Grenzallee-Brücke in Neukölln, ging r>«km Baden der Arbeiter Alfred Jüchens aus der Bürgerst?. Li m Britz plötzlich unter. Mitbadende brachten I., der beretts das Bewußtsein verloren hatte, bald an Land, doch konnte der hinzu- gerufene Arzt nur noch den Tod feststellen. Im übrigen haben sich trotz des außerordentlich starken Badebetriebes weitere ernste Un- fälle nicht ereignet. Der Reichswasserschutz der Kommandos Baum» fchulenweg, Spandau und Potsdam hatte gestern einen angestrengten Dienst, während des ganzen Tages kreuzten die Fahrzeuge unaufhörlich auf den Gewässern und patrouillierten die Vadestelleu ab. In mehreren Fällen brachten die Boote in E r- trinkungsgefahr Schwebenden rechtzeitig Hilfe. Erst spät abends kehrten die Boote des Reichswasserschutzes in ihre Häfen zurück. Auf das Konto der tropischen Wärme kommen auch zwei Hitzschläge, von denen einer tödlich oerlaufen ist. In den Räumen einer Konfektionssirma am Hausoogteiplatz 11 brach der SSjährige Retsende Julius Cohn plötzlich ohnmächtig zu» lammen. Ein sofort hinzugerusener, benachbarter Arzt stellt« den Tod fest, der wahrscheinlich infolge Hitzschlages ein- getreten ist.— In einem Betrieb in der Kommandanten» straße erlitt der Buchdrucker Albert Engelhardt aus der Ackerstraße mitten in der Arbeit einen Hitzschlag und sank be> wußtlos zu Boden. E. wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Des weiteren wurden auf den Städtischen Rettungsstellen noch mehrere leichtere Hitzschläge behandelt. Oer Schlangenbiß in Heiligensee. Zu dem gefährlichen Unfug, den der Kunstmaler Reuß gestern in einer Gastwirtschaft in Heiligensee trieb, erfahren wir weiter, daß die von der Schlange in den Handrücken gebissene Charlotte Träger nach ärztlicher Ansicht wohl ohne großen körper- lichen Schaden davonkommen wird. Das Reptil ist eine europäische Viper vom Balkan, verwandt mit unferer Kreuzotter. Sie ist kenntlich an dem dreieckigen Kopf, dem scharf abgesetzten Unterkiefer und dem Zickzockstreifen aus dem Rücken. Reuß, der Schlangenliebhaber ist, behauptet, daß er schon acht» oder neunmal gebissen worden sei. Anfangs habe er wohl etwas gemerkt, jetzt aber reagiere er nicht mehr auf die Bisse. Er sei dagegen bereits abgestumpft. Das mag wohl sein. Es berechtigte ihn aber durchaus nicht, andere Menschenleben in Gefahr zu brin- gen. Das gebissene Mädchen zeigte die tzpischen Dergiftungs- erscheinunaen, es fror, das herz war etwas angegriffen und die Hand geschwollen. In der Nacht stellte sich auch eine Schwellung des Armes ein, die aber bald wieder zurückging. Das Mädchen hatte ständig Erbrechen, das gegen 10 Uhr abends aufhörte. Was für Folgen die seelische Erschütterung haben wird, läßt sich bisher noep nicht sagen. Nach diesem gefährlichen Experiment wäre es wohl an der Ordnung, dem Kunstmaler seine„Lieblingstjere" abzunehmen.____ Ter Rechtsamvalt von Strautz. Der Berliner Rechtsanwalt v. Strantz, gegen den zwei Strafverfahren weaen Autoschiebungen und wsgen Betruges 'nirch Zechprellerei schweben, ist aus der psychiarrifchen Ab- tcilunfl der Charit- entlassen worden» in der er aus Antrag von Rechtsanwalt Dr. Schwindt sechs Wochen auf seinen Geistes- zustand untsrsucht worden ist. Landaerichtsdirektor Bode hat nunmehr den Leiter der Abteilung. Gch.-Rat Dr. Bonhoeffer, k«auftragt, dem Schöffengericht Charlottenburg In der Zechpreller«- afsäre, in der bereits Anklage gegen v. Strantz erhoben worden ist, zu der Hauptvsrhandlung sin schriftliche» Gutachren über den Geisteszustand des Angeklagten zu erstatten. Strantz ist außer- dem sehr stark an einer großen An t os ch i eb u ng» a ffä r e be- recligt. jedoch hat Staatsanwaltschastsrat Nuthmann dem Der- leidiger von Strantz, Rechtsanwall Dr. Schwindt, Zugesichert bis zur Entscheidung über die Frage, ob dem veschuldigten§ 51 zuzuvilltgen sei. von Berhastungsmaßnahmen abzusehen. Wieder ein schweres Autounglück. Zwei Kerienkinder tot, sechzehn schwer verleht. Nach einer vrahlung aus Detmold ergeignete sich gestern nachmittag auf der Straße Lopshorn-Det- m o l d ein schweres Autounglück, das furchtbare Fälgen hatte. Fünfzig oberschlefische Schulkinder, die sich im Kinderferienheim Neuhaus bei Paderborn befanden, woll- ten mit ihren Lehrern auf einem�Lafttraftwagen eine Fahrt nach dem Hermannsdenkmal machen. Auf der abschüssigen Straße kurz hinter Lopshorn löst« sich ein Bremsbolzen, so daß der Führer die Fußbremse nicht benutzen konnte. Infolge der Fahrgeschwindigkett versagte auch die Handbremse, der Wagen kam ins Schleudern, sauste mit voller Wucht gegen einen Baum und stürzte in den Straßengraben. Durch den Sturz wurden mehrere Kinder aus dem» Wagen geschleudert; ein elfsährigerKnabe brach stch das Genick. 17 Kinder wurden, zum großen Tell schwer verletzt, ins Detmolder Krankenhaus geschafft, wo ein Kind seinen Verletzungen erlegen ist; bei den anderen besteht keine Lebens» gefcchr. Wie Meldungen, die uns kurz vor Redaktionsschluß zugeheiz besagen, stellt sich das Uutobusunglück beim � Jagdschloß Lopshorn als einer der größten Unglücksfälle dieser Art m Lippe dar. Die Ilnglücksstelle bot ein herzzerreißendes Bild. Der begleitende Lehrer führt das Unglück, das im übrig« noch keineswegs auf- geNärt fft, auf«in Versagen der Steuerung zurück. Trotz aller Bemühungen des Führers, den Wagen zum Stehen zu bringen, geriet dieser in eine Straßengrube. Die Bergung der oerletzten Kinder gestaltete stch sehr schwierig. Einige von ihnen smd so schwer verletzt, daß die Aerzte ihre» Zustand als bedenklich erklären. » Eb« erst erfuhr die Oeffentlichkeit von dem schweren Unglück bei W o l t e n r I e d im H a r z, als auch schon w« neue Katastrophe, deren Opfer Ferientinder— in der Mehrzahl Arbeiterkinder au» Oberschlesien— sind, bekannt ward. Bei dem Zusammenstoß im Harz wurden, wie jetzt endgültig festgestellt ist, drei Personen. und zwar ein Landwirf vnd zwei Franen ans Cramme, sofort ge- tötet. Der Chauffeur des Autobus ist nicht tot; er ist nur schwer verletzt und war längere Zeit besinnungslos. Fünfzehn Per- fönen, alle aus Cranime, sind mehr oder weniger schwer ver- letzt und befinden sich im Krankenhaus Nordhausen. Acht Personen wurden leichter verletzt. Bei den Schwerverletzten handelt es stch um Knochenbrüche, in einigen Fällen liegen auch Schädelbrüche vor. 6in Zogzusammenstsß in Oeutschböhmen. Ein folgenschwerer Zugzusammen st oß ereignete sich ant Frettag früh im Reichenberger Hauptbohnhof. Ein einfahrender Güterzug fuhr auf einen stehenden Lastzug mit derartiger Gewalt auf, daß 13 Wagen vollständig zertrümmert und mehrere andere schwer beschädigt wurden. Da die Wagen mit Gü- tern aller Art voll beladen waren, ist ein Millionenfchaden entstanden. • In Königinnenhof stieß das Auto einer Königgrätzsr Großbäckerei mit einem Lastauto aus Königinnenhof zusammen. Beide Wagen wurden zertrümmert. Aus den Trümmern wurde ein achtjähriger Knabe als L e i cd- vorgezogen, während die jüngere Schwester des Knaben so schwer verletzt wurde, so daß sie auf dem Wege zum Krankenhaus starb. Die Führer der bei- den Autos und ein Mitfahrer erlitten ebenfalls schwere Der- letzungen. Wie aus London gemeldet wird, stürzte bei elnemMersuchs- flug einer kleinen Maschine der Imperial Airways, die für den Flugverkehr von London zum europäischen Kontinent vorge- sehen war, das Flugzeug über dem Flugplatz bei Purery Plötz- lich ab. Insgesamt sollen sich außer dem Piloten fünf Perso nen, ausschließlich Mitglieder der Imperial Airways, an Bord befunden haben. Soweit bisher bekamtt ist, sind drei von den 3n- saffen getölel worden, während der Pilot schwer verletzt wor- den ist. Die Wechselsatte des Mulatten. Wieder 900 Mark erbeutet? Eine mlgewöhnllche Geschicklichkeit bewies gestern wieder der Aknlait«, der schon seil einiger Zeit mit Erfolg in Berlin die wechselfall- stellt. Um 11 Uhr kaufte er in ein cm großen Geschäft»a» Kurfürsten- dämm eine Masche Parfüm für 20 Mark. Jetzt gab er durch Zeichen den Wunsch zu erkennen, ihm vier Hundertmark. scheine in kleines Geld umzuwandeln. Der Kunde sprach kein Wort deutsch, und«ms Fragen, die der Geschäftsführer auf englisch und französisch an ihn richtete, blieb er jede Antwort schuldig. Don seinem Gestammel verstanden die anderen wieder nichts. Endlich wußte man aber doch, woraus es ihm ankam. In Gegenwart des Geschäftsführers und von zwei anderen Herren legte er die vier großen Scheme hin und veranlaßt s die Kassiererin, kleines Geld herauszunehmen. Diese hotte in dem unteren Schub ihrer Kasse die Einnahme vom Tage vorher mtt der Abrechnung bankmäßig gebündelt daliegen. Sie nahm Päckchen für Päckchen heraus, und der Kunde zeigte jedesmal mit dem Finger, welche Sorte von Scheinen er wünschteil So geriet ollmählich alles etwas durcheinander. Während der ganzen Zeit standen die drei Herren mit an der Kasse und sahen genau zu. Irgend etwas, was ihren Berdacht hätte erregen können, nahmen nicht wahr. Als endlich das„W e ch f e l- P a l a o e r" zu Ende war, steckte der Mulatte seine Schein« ein, empfahl sich und ging ganz ruhig hinaus. Jetzt machte sich die Kassiererin daran, die nicht ausge- aebenen Schein« wieder zu ordnen und neu zu bündeln. Da fand sie denn unter den kleinen Scheinen zu ihrer Berwunderung einen recht erheblichen Fehlbetrag. Man zählte und zählte immer wieder, aber für 1300 Mark Scheine verschiedener Art waren und blieben verschwunden. Die vier Hundertmarkschein« hatte der Kund« zurückgelassen. Immerhin hatte er 300 Mark übrig. Oer befangene Schöffe. Ein sonderbarer Zufall im Gerichtssaal. Di« Ablehnung von Richtern wegen Befangenheit ist im Gerichtsverfahren keine Seltenheit, während es selten vorkommt. daß ein Schösse abgelehnt wird, denn in der Großstadt kennt der Angeklagte kaum die über ihn zu Gericht sitzenden Schöffen. Der Fall der Ablehnung eines Schöffen ereignete sich dennoch beim Schöffengericht Mitte. Der Angeklagte war ein bisher unbestrafter Gastwirt, dem Körperverletzung zur Last ge- legt wurde. Als er zur Gerichtsverhandlung kam, begegnete er im Korridor einem Herrn, den er seit langem kannte, der aber seinen Gruß nicht erwidert«. Beim Betreten des Verhandlungssaales be- merkte er zu seinem Erstaunen, daß derselbe Herr am Richter» tisch saß. also einer der Schössen war, die über ihn mit abzu- urteilen hatten. Mit diesem Schöffen hatte der Angeklagte aber rüher in Geschäftsbeziehungen gestanden, und er hatte ihn wegen einer Forderung verklagt. In dem Zivilprozeß hatte der Beklagte ihm Betrug vorgeworfen. Nach Kenntnis dieses Vorganges lehnt« Rechtsanwalt Dr. E. Feblowicz den Schöffen als besangen ab. Der Schöffe er- klärte sich namnehr auch selbst für befangen, deshalb mußte die Ber. Handlung ausgesetzt werden, und die Justizwachtmeister mußten am späten Nachmittag aus der List« der Schöffen«inen Ersatz- mann herbeischaffen, ehe das Gericht zur Aburteilung der Sache schreiten tonnt«. Das nun neu zusammengesetzte Schöffengericht verurteilte dann R. zu 100 M. Geldstrafe._ Das Wohnungsbaujahr 4 92S. Au» Hauszins st euermitteln des Jahres 1328 sollen für Berlin etwa 25 000 Wohnungen durch Gewährung von Hypotheken finanziert werden. E» könnten sehr viel mehr sein. wenn nicht da» groß« Berlin, das begreiflicherweise außerordentlich hohe Hauszinssteuererträge aufbringt und abliefert, bei der Ver- teilung an die Gemeinden nur so wenig zurückerhielte. Daß der Staat mit der Einbehaltung eine» sehr großen Teile» der aus Berlin aufkommenden Hauszins- st euer den Wohnungsbau in Berlin aufs schwerste beeinträchtigt, wird in immer wetteren Kreisen der Vevölke- rung erkannt. Der Magistrat hat die Staatsregierung darauf hin- gewiesen, daß der Stadt Berlin mit ihrer Hauszinssteuer Wohnungen weggenannne« würden. Aber all« Bemühungen, ein« gerechtere Verteilung de» Hauszinssteueraufkommen» zu erreichen, sind bisher erfolglos geblieben: Auf Rechnung der etwa 120 Millionen Mark, die Berlin dies- mal im Laufe des Jahres zu erwarten hat, sind bereits Hypo- theken für 13 000 Wohnungen vergeben worden. Die Restbeträge werden für weitere 12 000 Wohnungen ausreichen, und auch sie sollen in den nächsten Wochen vergeben werden. Für das Baujahr 1328 sind neben den aus Hauszinssteuermitteln dieses Jahres bis- her finanzierten 18 000 Wohnungen noch 10 OOOWohnnngcn aus restlichen Hau ins st euermitteln von 1927 finanziert worden, so daß für das Baujahr 1328 bisher im ganzen 23 000 Wohnungen finanziert sind. Die Forderung, zu Beginn des Baujahres sogleich für das ganze Jahr die Hypotheken- gewährung und Wohnbaufinanziernng zu erledigen, ist leider u n- erfüllbar. Für 1328 begannen ja die Mittel aus der HktUs- zinssteuer erst im April zu fließen, und die letzten Beträge werden erst im Winter und Frühjahr 1329 etnkommen. Die 120 Milliyncn Mark für 1328 liegen etwa zu Beginn des Baujahres 1328 voll- ständig vor., Kein Anwachsen der Ltnsatte. Trotz Zunahme der Verkehrsmittel. Nach einer Zusammenstellung des Polizeipräsidenten betrug die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr im Monat Juni 2432 gegen 2474 im Monat Mai. Die Unsallziffer ist also fast dieselbe geblieben, abgleichen die Zahl der Derkehrsmittel, ins- besondere die der Kraftwagen, erheblich gewachsen ist. Bon den 2492 Unfällen entfallen aus die 2ö 233(2ö4,?8> Personenkraftwagen 66(64), auf die 12 956(12944) Last- und Geschäftskraftwagen einschließlich der Elektrokarren 78(90), die Last- und Geschäftskraftwagen mit Anhänger 20(22), die Zugmaschinen 4(1), die Zugmaschinen mit Anhänger 5(2), die 9123(9151) Großtaris- und-Kleintarifdroschken 310 (321), die 720(654) Kraftomnibusse 69(58), die 27372 (25 879) Krafträder'212(183), die 3665(3669) Straßenbahn- wagen 172(138), die Reichseisenbohnen, Kleinbahnen und ähnliche 1(1), die mit 42 974 Pserden bespannten Wagen 196(214), die mit anderen Tieren bespannten Wagen 2(1), die Handwagen 44(43), die Treträder 702(690), die Fußgänger 466(531) und auf Häuser, Laternen, Bäum«, Gitter, Zäune, Bordschwellen usw. 93(115) Unfälle. An diesen Unfällen waren als Wegehenutzer 4363(4374) Fuhr- werke, Personen oder Gegenstände beteiligt. Wenn man die Unfälle auf die einzelnen Tage verteilt, so er- geben sich für die Sonntage 185(232), die Montage 333 (306), die D i e n s t a g e 310(408), die Mittwoche 355(388), die DonnerstageZ38(351), die Freitage 422(373) und die Sonnabende 543(416). Die größte Zahl der Unfälle trug sich also an den Sonnabenden und an den Freitagen zu. Die meisten Unfälle ereigneten sich in der Zeit von 4 bis 5 Uhr nachmittags(236), die wenigsten in der Zeit von-4 bis 5 Uhr früh(12). Bei den Unfällen wurden insgesamt 12(18) männliche und 1 (4) weibliche Personen getötet und 783(770) männliche und 356(333) weibliche Personen sind verletzt worden. Hausemsturz in Lichtenberg. In der der Lückstraße 22 in Lichtenberg stürzte gestern nachmittag ein Teil des etwa fünfzehn Meter langen einstöckigen baufälligen Wohnhauses zusammen. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Die Feuerwehr, die auf den Alarm „jh ausein stürz— Menschenleben in Gefahr" mit mehreren Spezialsahrzeugen anrückt«, nahm die notwendigen Aus. räumungsarbetten vor. Sieben Todesurteile vollstreckt. In Eddyoille(Kentucky. USA.) wurden sieben zum Tode Verurteilte, darunter drei Schwarze, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Deiche«uto-Clnb wlrd durch da- Präsidium und einen Teil seiner Mitglieder das Locarno-Auto in Werder offiziell begrüßen. Es erfolgt dann gemeinsam die Weitersahrt nach Berlin zum Auswärtigen Amt.' kür die Reise Wanderungen und dos Wochenend« unerlötzlich Chlsrodont- Zahn- laste und die damge» „--.idrize Chlorod ont- Zahnburste mit gezahntem BorstenichniN zur Beseitigung fauliger, üdel. nechender«peilereste m dea Zahnzwischenräumen und zum Wei'npuhen der �,<« m. li?<,oZlt"2aiinb0rste von bester Quali» «u., für �wachsen- 1.2S Mi., für Kinder 70 vk„ ist t» Umwüäkfldltter Origtna.-Chsorotonlpääung überall«rhMich. FL Verbandstag der Bergarbeiter. Der Schluß der Tagung. Magdeburg, 12. Juli.( Eigenbericht.) . Die Nachmittagssigung wurde mit der Wahl der Delegier. ten zum nächsten internationalen Kongreß eröffnet. Es wurden gewählt: Ruhrrevier: Meyer- Bodrum, Martus und Wiesemann- Essen; Mitteldeutschland: Schröder- Nord Haufen, Bode- Hannover, Rettigau; Schlesien: Koffahl- Gleiwig; Aachen Köln: Jodhnann- Köln; Gaargebiet: Schwarz Saarbrüden; Sachsen: Weber- 3widau. Hinzu kommen noch fünf Delegierte des Borstandes. Die Festsetzung des Tagungsortes der nächsten Generalversammlung bleibt dem Borstand überlassen. In der Nachmittagstigung meldete sich der kommunistische Land tagsabgeordnete Sobotta als Berichterstatter ber Roten Fahne". Meyer- Saarbrüden beantragte, Gobotla als Berichterstatter zuzu Jaffen. Die Generalversammlung beschloß jedoch, Gobotta megen feiner Haltung dem Berbande gegenüber auch für die weitere Dauer ber Tagung auszuschließen. Den Bericht der Beschwerdekommiffion gab effe, Halle. Drei Fälle lagen zur Beratung vor. Dem Be. schluß des Vorstandes, Meyer- Saargebiet auszuschließen, weil er auf einem Fest bes Berbandes in Hirschstein einen Verbandsangestellten megen seiner sozialdemokratischen Gesinnung anpöbelte, mußte die Beschwerdekommission zustimmen. Die Generalversammlung be fchloß ebenfalls den Ausschluß, obwohl der Kommunist Ulrich ber Generalversammlung vorschlug, folche Streifigteiten vor einem ordentlichen Gericht austragen zu lassen.( Lachen der Delegierten Buruf: Klaffenjustiz!) Die Beschwerde des tommunistischen Landtagsabgeordneten Sobotta, der wegen fortgesetter verbandsschäd licher Tätigkeit aus dem Verbande ausgeschlossen worden ist, murde Don der Beschwerdefommission abgewiesen. Berichterstatter effe: „ Das Statut forbert, daß der, der Wert auf die Erhaltung der Mit gliedschaft legt, verbandsfördernd wirken muß. Sobotta hat sich aber verbandsschädigend betätigt. Folglich ist er auszuschließen. Ich bitte, unferem Antrage auf Uebergang zur Tages. orbnung zuzustimmen." Die Generalversammlung folgt diesem An trage und beschließt gegen die wenigen tommunistischen Stimmen Uebergang zur Tagesordnung Es murden dann 6 die Wahlen zum Borstand norgenommen. Der alte Vorstand wird mit 124 gegen menige tommunistische Stimmen, die zu den einzelnen zu wählenden Bersonen 16 bis 22 Delegierte aufbrachten, wieber gemählt Verbandsvorsitzende wurden Friedrich use mann und Friedrich Waldheder Bodum; Kaffierer Hermann Biti ner Bochum: Sefretäre: August Schmidt, August Balfe, Al bert Martmüller, Karl Borgschulze, sämtlich Bochum. Als Beifizer murden gewählt: Paul Heinig- Ruhr, Emil Stenbecke- Ruhr, Julius Blod- Ruhr, Albert Trentei- Nordhausen, Marlin Stiefner Halle, Mag Bechler- Senftenberg, Rart Rudolf- Waldenburg, Chriftian Deubner- Herborn, Michel Schmidt- Saargebiet und Emil Sternißfi Sachsen. Als Rebatteure, wurden wiedergewählt: Heinrich Limberg Essen und Peter Zimmer- Bochum. $ Magdeburg, 13. Juli.( Eigenbericht). Der Rongreß erreichte am Freitag seinen Höhepunkt. Zunächst prach Reichsarbeitsminister Wissell über„ Die fojiale Selte wellwirtschaftlicher Berpflichtungen. Ueber den mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag berichten wir an anderer Stelle. Dann sprach Dr. Berger Dom Deutschen Bergarbeiterverband über„ Die internationale Kohlenbewirtschaftung". Der Rebner mies bestehenden internationalen Rartelorganisationen( Stalitartell) feine Gemähr. Der Rebner forderte deshalb für die Bergarbeiter durch Beteiligung an ben zu schaffenden Kohlenwirtschaftsorganisationen einen hinreichenden Einfluß, um die fapitalistische Form mit neuen sozialen und wirtschaftlichen 3ielen er füllen zu tönnen. Man verkenne dabei nicht, daß man hierzu die Hilfe des Internationalen Arbeitsamtes und des ölkerbundes benötigt, die in einem dringenden Appell der Bergarbeiterinternationale nachgesucht worden ist. Die Bergarbeiter fähen besonders in der Bereinheitlichung der Arbeitsbedingungen einen wichtigen Schritt zur internationalen Kohlenverständigung Deshalb habe auch der Internationale Bergarbeiterfongres in Nimes die Siebenstundenschicht als zunächst zu erreichendes internationales Standardmaß aufgestellt, das auch die deutsche Berg. arbeiterschaft zu perwirklichen trachten wird. Um in diesem Sinne die Kohlenverständigung zu fördern, beantragte die Bergarbeiter Internationale auch beim Internationalen Arbeitsamt die Einberufung einer Weltkonferenz aller Kohle erzeugenden Länder. Der Einbrud dieser beiden Reden auf dem Verbandstag mar fo ftart, daß eine Aussprache fast einstimmig abgelehnt wurde. Die Generalversammlung beschloß ferner, die beiden Reden in Broschürenform drucken zu lassen und allen Verbandsmitgliedern zugänglich zu machen. In einem Schlußwort banfte husemann allen Bälten und Delegierten für ihre Aufmerksamkeit während der Tagung Stehend fangen die Bertrauensmänner der Bergarbeiterschaft bann ihr altes Kampflied: Glückauf, Kameraden, durch Nacht zum Licht! Generalversammlung der Buchdrucker. Delegiertenwahl zum Gewerkschaftstongreß. bruder am Donnerstag im Gewerkschaftshaus berichtete der GauIn der gut besuchten Generalversammlung ber Berliner BuchDorfigende Braun über das abgelaufene Quartal und über die Gauvorstehrtonferenz in Köln. Dem Bierteljahrsbericht ist zu entnehmen, daß die 3ahl der Arbeitslosen in Berlin während der Reichs. und Bandtagswahlen start zurüdging, und zwar auf den niebrigften feit langer Beit erreichten Stand Don 179. Jegi find bagegen bereits mieber insgesamt 483 Arbeitslose zu verzeichnen. Die Kon junttur im Gewerbe war andauernd gut. Durch das Eingreifen der Organisation ist es gelungen, die nach Beendigung der Lohnbewegung in verschiebenen Betrieben entstandenen Konflikte für die Beteiligten erfolgreich beizulegen. Ueber die Gauvorstehertonferenz in Röln ist im Borwärts" bereits berichtet worden, u. a. auch über den Brotest ber Konferenz gegen die Berbindlichkeitserklärung des Lohn- Schieds. spruchs durch den Reichsarbeitsminister. Nähere Ausführungen machte Braun über die Besprechung der schlechten Lage der Sandieger. Die Bauvorsteherkonferenz wurde sich dahin schlüssig, ben Handsegern in Zukunft mehr Unterſtüßung angebeihen zu lassen. u nächster Zeit wird eine Borständetonferenz ber Handsetzer zu der Entlohnung der Handfeber Stellung nehmen. Au die Berichte schloß fich eine rege 21 usfprache, in der bie Kommunisten bie Lohnpolitit des Verbandes betämpften, ohne jedoch selbst einen gangbaren besseren Beg weisen zu tönnen. Braun antwortete darauf sehr treffend, daß die Buchdruder von anderen Gewerkschaften um ihre Macht und um das, was sie auf vielen Gebieten bisher erreicht haben, beneidet werden. Is Delegierter für den im September in Hamburg stattfindenden Gewerkschaftstongres wurde mit außerordentlich großer Mehrheit der 1. Gauvorfizende Braun gegen einen aussichtslosen fommunistischen Kandidaten gewählt. befferung ihrer Klaffenlage geben fann. Rachbem er jahrelang ehrenamtlich die verschiedensten Funktionen innerhalb des damaligen Verbandes der Steinfeger inne hatte, wurde er im Jahre 1904 als Gauleiter angestellt. Seine Tätigkeit war für den Verband so fruchtbringend, daß er im Jahre 1920 zum 1. 23 orsigenden des Verbandes gewählt wurde. Diesen Posten bekleidete er bis zur Verschmelzung mit dem Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands, am 1. Januar 1924 und übernahm dann wieder den Posten als Gauleiter, ben er bis zu feinem Tode mit voller Hingabe aus. gefüllt hat. Die letzten Lebensjahre murden ihm durch eine Anzahl Berufsangehörige reichlich verbittert. Daraus erklärt sich auch der letzte Bunich des Verstorbenen, in aller Stille zur letzten Ruhe geleitet zu werden. In der Geschichte der Steinfeger wird der Name Schende unvergeßlich sein. Japan will Unfallverhütung. Die dauernde Steigerung der Betriebsunfälle in der japanischen Industrie hat die Regierung veranlaßt, ie intes nehmer zur Berbesserung der Sicherheitsmaßnahmen gegen Feuer und andere Arbeitsgefahren zu zwingen. Eine Enquete hat ergeben, daß die polts mirtschaftlichen Schäden an Menschenleben und Sachwerten, die durch Außerachtlaffung der primitivsten Vorsichtsmaßregeln entstehen, in Japan jo groß find, wie in feinem anderen Industrieland der Erde. Nach der offiziellen Statistik hat die 3ahl der Unglüdsfälle in japanischen Industriebetrieben die Rekordziffer von 470 000 im Jahr erreicht, von denen Die jährlichen 1200 tödlichen Ausgang gehabt haben. Unterstützungen an die Berunglüdten belaufen fich auf 9 Millionen Yen, während die Sachschäden allein an Feuer 15 Millionen Den betragen. Unter Hinweis auf diese Bustände, bie nach der Feststellung der japanischen Fabritinspektion lediglich die Folge fal icher Sparsamteit der Unternehmer find, hat das Bohlfahrtsamt des Innenminsteriums neue Borschriften für die Berbefferung der Arbeiterschutzbestimmungen erlaffen, die für jeden Fall der Zumiderhandlung hohe Geldstrafen vorsehen. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für biefe Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin GB 68, Lindenstraße 3 Heute, Sonnabend, 14. Juli: Berbebegirt Beften: Die Funktionärtonferens fällt am Gonnabend, 14. Juli. aus. Den Vorfigenden geht über den nächste Sufammenkunft nähere Rach right au Berbebezirt Reukölln: Eonntag in der Rönigsheide Spielen auf der großen Spielwiese. Wir treffen uns 13% The Sergbergplag. Rote Falmen mitbringen. Ferienfahrt gehen wollen, müffen sich am Sonntag unbedingt beim Genossen Achtung, Dortmundfahrer! Genossen, bie anschließend an den Jugendtag auf Bock oder Billwod melden. Lester Tag zur Anmeldung. Werbebezirk Schöneberg: Werbebegirtsvorstandssigung am Montag, 16. Juli, im Jugendheim Hauptstraße. Tagesordnung: Organisationsfragen und politische Aussprache. Sntereffierte Genossen willlonimen. Tempelhof Marier barf- Steglik: Gemeinsame Fahrt nach dem Mühlenbeder Gee. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Faltplay II: Nachtfahrt nach bem Bogenfee. Treffpunkt 19% Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Sonntagsfahrte 6 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Röpenider Biertel: Fahrt nach dem Gamen fee. Treffpunkt 2014 Uhr am Briegener Bahnhof. Bewegungschor: Brobe file Dortmund 19 Uhr. Webbing: Baben im Blogenfee. Treffpunkt 16 Uhr. Miller Ede Seeftraße. Nachzügler 19 Uhr vor der Badeanstalt. Anschließend Abendmanderung durch die Jungfernheide. 1 Morgen, Sonntag, 15. Juli: Treffpunkt Webbing: Spielfahrt aur Proletarierwiefe Jungfernheide. 1316 Uhr Müller. Ede Geestraße. Falfplay 1: Fahrt nach Briefelang. Treff puntt 7 Uhr Bahnhof Schönhauser llee, Wolfplag II: Elternfahrt nach Briefelang. Treffpunkt 1½ Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Kinderrepublik Berlin- Brandenburg am Ueberjee. Wir laden zum Sonntag, 15. Juli, unfere Eltern und Parteigenoffen ein. Abfahrt in Berlin 7,20 Uhr Stettiner Bahnhof. Auf Sonntagsrüdfahrtarte bis Eberswalde. Bon dort mit dem Boftauto( 80 f.) bis Raiferwegbrüde oder mit der Kleinbahn( 50 Pf.) bis Schöpfurth. Bon der Raiserwegbrüde 15 Minuten Fußweg, von Schöpfurth eine Stunde Fußweg. auf die Ueberproduktion in Kohle und auf den furchtbaren Kon. Generalversammlung der Bekleidungsarbeiter Borträge, Vereine und Versammlungen. furrenzfampf zwischen den einzelnen Kohle produzierenden Ländern hin. Der Weg, die Kosten des Konkurrenztampfes um die Lasten einer zu umfangreichen Festlegung von Kapitalien auf die Berg arbeiter abzuwälzen, sei nicht gangbar; auch die neuen Berfahren der Brennstoffverwendung und der Brennstoffveredlung( so viel versprechend sie für die Zukunft sind, weshalb sie die Unterstügung der Bergarbeiter verdienen, sofern diesen ein größeres Maß Don Mitbestimmung zugestanden wird) fönnen aus der augenblicklichen Bedrängnis nicht herausführen. Das gleiche. gelte für den Konzen trationsprozeß. Die Bechenstillegungen an der Ruhr hätten die Gesamtbeteiligung am Syndikat nicht verringert. Die Betriebe würden wohl stillgelegt, die Syndikatsquoten verfaufe man aber wie eine Handelsware, wodurch das Mißverhältnis zwischen Fördermöglichkeit und Abfagfähigteit verstärtt merde. Für die Lösung der Krise tomme, mie der Redner betonte, por allem die internationale Kohlenverständigung in Frage. Eine Verständigung fönne es aber nicht auf rein fapitalistischer Grundlage geben. Die Kohlenwirtschaft schneide so start in die allgemeine Wirtschaft ein, daß sich die Deffent lichkeit ein umfassendes internationales monopol auf Kosten ber Verbraucher und der Arbeiter nicht gefallen laffen werde. Die Bergarbeiter würden sich auch nur für eine solche Lösung einsehen, die ihren Intereffen gerecht werde. Dafür böten aber die bereits Die Verbandstagsarbeit fast einstimmig gebilligt. Die Berliner Beffeibungsarbeiter hielten am 10. Juli ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Bevollmächtigte Genoffe 2ehmann gab einen ausführlichen Bericht über die außerordent lich reiche und fruchtbringende Arbeit des Verbandstages in Stettin. Die Diskussion über den Bericht war verhältnismäßig furz, aber äußerst fachlich. Selbst der einzige tommunistische Redner tonnte nichts Positives gegen die Arbeit und die Beschlüsse des Verbandstages porbringen. Die Versammlung, die sehr gut besucht war, faßte ihre Meinung über die Arbeiten des Verbandstages in einer gegen menige Stimmen angenommenen Entschließung zusammen, die besagt, daß die Delegierten die Arbeit des Verbandstages billigen. Paul Schende gestorben. Bieber hat ein tapferer Kämpfer für die Befreiung der Arbeiter schaft die Augen für immer geschlossen. Der Gauleiter Paul chende vom Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands ist nach langem schweren Leiden im Alter von 56 Jahren einem Herzleiden erlegen. Schon in frühester Jugend hatte Schende erkannt, daß nur der fefte Zusammenschluß der Arbeiterschaft die Möglichkeit zur VerReichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäfis ftelle: Berlin G. 14. Sebastianstr. 37/38,$ of 2 Tr. 2'chtenberg( Ortsverein): Kam. Willi Weste, Rittergutstr. 25, ist verstorben. Cinäscherung Co., b. 14., 13 Uhr, in Baumschulenweg. Antreten mit Fahnen 12% Uhr Bhf. Baumschulenweg. Sportplag Friedrichs. felbe: Ed., b. 14., 19 Uhr, Sigung der Gesamtvorstände, Aufsichtspersonen fomie Revisoren im Bereinsheim, Kreuzberg: Mo., d. 16., Jugend 20 Uhr Kreis Ober-, im Jugendheim Dordstr. 11, Bortrag des Ram. Steinte. Riebertarnim. Die attiven Kameraden sämtlicher Ortsvereine nehmen an der Areispflichtveranstaltung in Biefenthal am Sonntag, d. 22., teil. Nähere Anweisungen folgen noch. Prenzlauer Berg: Sonntag, b. 15., Uhr, Bezirks. amt Danziger Straße. Fahrt nach Nieberlehne. Friebrichshain: Sonntag, b. 15., Schußsport und Jungkameraden 7 Uhr Treffpunkt zur Wanderfahrt, Frucht. Ede Madaistraße. Republikanische Rebnervereinigung. Montag 20 Uhr im Alten Astanier", Anhaltstr. 11, Bortragsversammlung. Genosse Rutt Fuchs spricht über: Das Genossenschaftswesen". Gäste willtommen. Arbeiter- Abftinentenbund, Bezirk Kreuzberg. Sonntag, 15. Juli, Fahrt nach Hoheninchen zur Besichtigung der Insel Heilstätte. Bon Fürstenberg zweis ftündige Dampferfahrt bis zur Insel. Mufitalische und andere Darbietungen. Abfahrt 5% Uhr frith Stettiner Fernbahnhof. Treffpunkt 5% Uhr am Fahr. fartenschalter. Kosten der Fahrt hin und zurück einschl. Dampferfahrt etwa 5 M. Gäfte willkommen. Die Recberei Langwaldi u. Schmolte, Berlin 62, An der Stralauer Brüde 8, veranstaltet billige Ferienfahrten ab Neukölln, Bildenbruchbride. Näheres über Abfahrtzeiten und Preise ist aus dem heutigen Inferat ersichtlich. adam obisw neg hess Walling ecidoal do 0 netledayus Mod Neu: desialge den Moslem S ( nadom) 1988 198 sidoel Ein Meisterwerk orientalischer Mischungskunst und doch nur 4 Pf. graciadorovnemu gonebri bu as you nebegehsboimquch Bader u. Rurorte Kneipp, der Wasserfreund. Bad Lauterberg, eine Stätte feiner Lehre. Vor dreißig Jahren, im Sommer 1897, ist Sebastian Kneipp, biefer merkwürdige Mann, der Priester und Naturarzt zugleich gewesen ist, in Wörishofen bei Türtheim, wo er als geistlicher Herr" gewirkt hatte, gestorben, und man hat ihm nach seinem Tode Denkmäler gesetzt, in Wörishofen und in seinem Heimatsorte Stafansried. er gelebt, in Wörishofen und in Die Welteren unter uns freilich wissen sicher noch, daß er es nicht leicht hatte, sich mit seiner Empfehlung der Wafferturen, die er bei verschiedenen Krankheiten anwandte, durchzusehen, und daß er mit seiner„ Kneipp- kur" viel Spott erntete, bis man fich allmählich zu der lleberzeugung durchrang:„ Das ist einer!" Die zünftige Medizin besonders wandte sich gegen den etwas fnorrigen Pfarrherrn. Was der Pfarrer Sebaftian Kneipp predigte", die Heilkraft des Wassers, war medizinisch nichts Neues. Schon von den alten Indern und Aegyptern an hatten Aerzte aller Zeiten und Länder der Kaltwasserkur das Wort geredet, und nur im tiefften Mittelalter hatte man den Gebrauch des Wassers als eine Art Lurus angesehen und verurteilt, bis dann im Jahre 1738 der schlesische Arzt Johann Sigismund Hahn in feinem ,, Trattat von der Kraft und Wirkung des falten Waffers" die Sache wieder in Ordnung brachte. Hierauf fußte der Pfarrer Sebastian Kneipp, als er im Jahre 1848 mit seinen Wasserfuren begann. Er stattete fie auf Grund jahrelanger Beobachtungen, die er an sich selbst angestellt hatte gelang es ihm doch, seinen schwerkranten Körper auszufurieren noch bedeutend aus, empfahl zum Beispiel das Barfußgehen auf nassen Wiesen, wie es früher schon am Walpurgistage von Ge lähmten ausgeübt worden war. Neben dem Wasser wandte er verschiedene Kräuter an, und über dies alles schrieb er eine ganze Anzahl Bücher. Die Zahl seiner Jünger murde immer größer. Auch solche, die anfangs über ihn gespottet hatten, begannen plöglich, barfuß auf taufrischen Wiesen herumzulaufen, und behaupteten, wenn fie den ersten Schnupfen überwunden hatten, daß fie fich beffer fühlten. Nicht daß Kneipp etwas unerhört Neues erfunden hat, ist sein Ruhm, sondern daß er das vergessene Gute der kranken Menschheit und den Aerzten wieder in Erinnerung brachte. Die Art und Weise, wie er das tat, wie er feine Erfolge erzielte, das ist seine Schöpfung, das ist das, was ihn zu der außerordentlichen Persönlichfeit stempelte, als die ihn alle Welt bewundert. In diesem Wie" liegt das Eigentümliche seiner Berson, das Geheimnis seiner Erfolge. Heute ist die Wafferheilmethode ein mefentlicher Bestandteil " der Medizin geworden, und es fällt niemand mehr ein, über| natur der Nehrungsbäder zwischen Kahlber und Memel den Pfarrer Sebastian Kneipp zu lachen. - jezt neu entdecken, verdanten sie dem für Reich und Breußen Bad Lauterberg im Harz, das im Jahre 1925 zum offi- durch den Norddeutschen Lloyd und Bräunlich betriebenen Seeziellen Kneipp- Kurort nach dem Vorbilde Wörishofens erklärt dienst Ostpreußen, der Schnellschifflinie Swine worden ist, hat damit seine Tradition als älteste Raltmaffermünde- 30ppot- Billau- memel Biermal wöchentlich heilanstalt des westlichen Deutschlands neu aufgefrischt. Die Lehren( Sonntag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend 19 Uhr) verlassen die eines Brießnitz setzte Dr. Ernst Benjamin Ritscher, der neuen schönen Motorschnellschiffe Hansestadt Danzig und BreuGründer des Bades, hier im Jahre 1839 in die Tat um. Nun hat Ben" Swinemünde in rascher Fahrt gen Often( Berlin Stettiner diese Linie ihre Fortsetzung in der Eröffnung der Kneippschen Bahnhof ab 14 Uhr). Nicht nur Besucher der Bäder, wer sich an Ruren gefunden, deren Segen und Heilwirtung schon viele den großen Kulturwerken ostdeutscher Baukunft oder an der Schönleidende und gesunde Menschen auch bereits hier an sich erfahren heit der ostpreußischen Seen und Wälder erfreuen will, fann durch haben und noch täglich neu erfahren. die Seereise, die mit günstigen Anschlüssen ausgestattet ist, ein abwechslungsreiches Erlebnis verschaffen. Bis 31. August herrscht im Seedienst" voller Betrieb. Viermal wöchentlich wird gefahren. Alle Einrichtungen zu Kneippschen Anwendungen sind vor handen, auch ein Luft- und Sonnenbad fehlt nicht, und ein besonderes Kneipp- Heim( Sanatorium) unter bewährter ärztlicher Leitung bietet die Gewähr dafür, daß den Lehrern des Pfarrers Kneipp auch im Kneipp- Kurort Bad Lauterberg eine würdige Mögen der Anhänger immer mehr werden, die erkennen, daß der Kneippfchen Heilmethode ein Weg zu Boltstraft und Boitsgesundheit enthalten ist. Stätte bereitet ist. in Lindau am Bodensee. Die baulich intereffante Inselstadt Lindan mit großem Badestrand( Bad Schachen) mit dem buntbewegten Leben am Hafen, wo filbergraue Möven in fühnem Fluge das Brot aus der hand holen, mit dem interessanten Flughafen, wo Wasserflugzeuge tommen mio gehen, ist eines der erstrebenswertesten Reiseziele. Und nicht nur der Plaz selbst, sondern auch die Umgebung bietet Außer gewöhnliches. Eine Dampferrundfahrt auf dem Bodenfee zählt zu dem Schönsten, was der deutsche Süden bieten tann. Ein Besuch der großen Luftschiffwerft in Manzell, wo in Kürze als neueste Großtat deutscher Geiftesarbeit das größte Luftschiff aller Zeiten aufsteigen wird, hinterläßt zeitlebens eine wertvolle Erinnerung. Auf den nahen Pfänder, einem der schönsten Aussichtspunkte der Vorarlberger Alpen, führt eine ganz moderne Seilschwebebahn und verschafft bequem den Genuß einer herrlichen Hochalpenrundschau. Endlich liegt greifbar nahe die Schweiz, in die hervorragend qut organisierte Motoromnibusse fahren, die in außergewöhnlich billiger und angenehmer Fahrt über die bekanntesten Alpenpässe an die schönsten Buntte der Schweiz führen und so enge Fühlungnahme mit der Bucht der Alpenwelt bieten. Riviera des Nordens. Nicht mit Unrecht trägt bie Danziger Bucht mit der besonderen Leuchtkraft ihrer Farben diesen Namen Daß viele Taufende diese Schönheiten von 3oppot bis zur II rgesundheitsamt hat im Verlag der Wiener Staatsdruckerei Desterreichisches Bäderbuch. Das österreichische Bolts-= ein offizielles Handbuch der Mineralquellen, Kurorte und Kuranstalten Desterreichs herausgegeben, die auf dem Gebiete des heutigen Desterreichs gelegen find. Den Hauptteil des Werkes stellt der Don Obermedizinalrat Dr. Karl Diem bearbeitete balneologische Teil dar. In dieser Darstellung fommen 99 Orte mit Mineralquellen, 7 Moorbäder, 72 Luftturorte und 188 Ruranstalten in 64 Orten zur Besprechung. Vor allem werden die Lage, das Klima, Kurmittel und Heilanstalten und bei Mineralquellen die nach modernsten Grundsätzen umgerechnete Quellenanalyse mit allem, was der Besucher eines Kurortes wissen muß, mitgeteilt. Das Buch stellt einen unentbehrlichen Behelf für jeden Arzt als Nachschlagebuch, aber auch für den heilungsbedürftigen Laien dar. Es ist sehr zu wünschen, daß dieses öfterreichische Bäderbuch dazu beiträgt, die nicht geringen Hellmöglichkeiten in Desterreich besonders allen Deutschen bekannt zu machen. Pauschalturen in Bad Langenau. Wie uns die Kurverwaltung mitteilt, hat fie fich entschloffen, ab 16. Auguft eine Bauschal fur für 3 und 4. Wochen einzurichten. Die Kurtosten für eine Badefur von 28 Tagen betragen 204 Mart und die von 21 Tagen 160 Mart. In diesem Betrage, der im voraus zu entrichten ist, sind Kurtage, Wohnung, Verpflegung, Licht Heizung sowie Kohlenfäurebäder, elektrische Behandlung und Moorpadungen enthalten. Moor- Boll- und Moor- Halbbäder müssen voll bezahlt werden und sind in dem Bauschaljaz nicht inbegriffen. Wird ein Badearzt in Anspruch genommen, so ist die Höhe des ärztlichen Honorars mit ihm feft zu vereinbaren. Die Unterbringung erfolgt in guten Logier. häusern. Zwei Batienten teilen ein Zimmer, wenn nicht ein Einzelzimmer zur Verfügung gestellt werden famm. Es wird sich emp fehlen, diese Bauschalturen bald zu bestellen, da erfahrungsgemäß derartige Kurmöglichkeiten sehr in Anspruch genommen werden. Näheres ist von der Badeverwaltung Langenau zu erfahren. | An die Riviera des Nordens über Swinemünde- Zoppot- Pillau- Memel nach u. von OSTPREUSSEN, DANZIG. MEMEL mit den Motorschnellschiffen ,, Hansestadt Danzig". ,, Preussen" FAHRPLANE, FAHRKARTEN und NÄHERE AUSKUNFT durch den Norddeutschen Lloyd, Abtellung Inländisches Verkehrswesen, Bremen, die Stettiner Dampfschiffs- Gesellschaft J. F. Braeunlich, G. m. b. H., Stettin, deren Vertretungen sowie durch alle Relsebureaus und Eisenbahn- Fahrkartenausgaben, in Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin G. m. b. H., Berlin W 8, Unter den Linden 1( Hotel Adion), Zentrum 12230, 122 31 und 12250 Das Geheimnis von Westerland: der hervorragende gesundheitliche Einfluss Westerlands beruht auf der wundervollen Wirkung des reinen Seeklimas und der starken Brandung auf den menschlichen Körper. Die Nerven werden angeregt, der Geist erfrischt. 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Im Verlaufe der Rationalisierungsarbeit ist man in Deutschland immer mehr zu der lleberzeugung gelangt, daß die Verbeffe: rung und Umorganisierung der Produktion allein noch nicht höchste Wirtschaftlichkeit bedeutet, sondern daß das volle Ziel der Rationalisierung nur durch eine gleichzeitige Umgestaltung auch des Barenvertriebes erreichbar ist. Schon seit langer Zeit hat es zahlreiche Strömungen zu einer rationellen Abfazgestaltung gegeben. Die Konsumgenossenschaftsbewegung der Besitzlosen hatte zum erstenmal in der Handelswirtschaft Wege zur Rationalisierung gewiesen. Später sind dann die Warenhäuser auf der privatkapitalistischen Seite gefolgt, und heute erfolgen dauernd Neubildungen in der Handelswirtschaft mit der Tendenz zu ratio= nellerem Wirtschaften. Maffenfilialbetriebe, Einheits preisgeschäfte und auch in Automobilen untergebrachte, von Ort zu Ort mandernde Kaufhäuser sind bekannte Typen diefer neueren Entwicklung. Das Grundproblem der rationelleren Absaßgestaltung ist, mann und unter welchen Umständen jedes einzelne dieser vielen Systeme des Handels, des Vertriebs die Erreichung höchster Wirtschaftlichkeit gewährleistet. Ehe dieses Problem aber gelöst werden fann, muß festgestellt werden, wie wirtschaftlich oder wie unwirt schaftlich die heute bestehenden Formen des Groß und Klein handels und auch der Konsumgenossenschaften arbeiten, bis zu welchem Grade man die Wirtschaftlichkeit der bestehenden Betriebe und Betriebsformen erhöhen fann, und wo ungefähr das Maximum an Wirtschaftlichkeit zu suchen ist, das von möglichst zahlreichen Betrieben einer Branche und einer Unternehmungsform überhaupt erreicht werden kann. Der Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Abfaz bedingungen der deutschen Wirtschaft, der sogenannte Enquete Ausschuß, hat zum erstenmal in seiner Handelsgruppe den Bersuch gemacht, hier grundlegende Untersuchungen anzustellen. Das bei fam es ihm vor allem darauf an, für möglichst viele Handelsformen und für möglichst viele Handelsgebiete sogenannte Standardzahlen festzustellen, bie ein Urteil über die am häufigsten vorkommenden Umfaz- und Untostenverhältnisse ermöglichen. Mit einer solchen Standardzahl tamm der Verfuch gemacht merden, zum mindesten diejenigen Betriebe, die aus irgendwelchen Gründen mit ihren Ilmjägen unter oder mit ihren Unt often über dem allgemein erreichbaren Stand liegen, zu veranlassen, bei fich nach dem Rechten zu sehen und sich dem allgemeinen Standard anzugleichen. An Hand von Standardzahlen über die durchschnittlich Lagergröße in verschiedenen Branchen ist es möglich, der in Deutschland in bedauerlichem Umfange zunehmenden unwirtschaft lichen Großhaltung der Lager zumal im Einzelhandel kräftig entgegenzuwirken, indem mit aus der Bragis verschiedener Branchen genommenen niedrigen Lagerumschlagszahlen eine wirksame Propaganda zur Kleinhaltung der Lager entfaltet wird. Die Untersuchungen des Enquete- Ausschusses find natürlich nur geeignet, allgemein gehaltene wissenschaftliche Unterlagen zu schaffen Pariser Flugzeug- Ausstellung. ( Von unserem Sonderberichterstatter.) F. W. Paris, im Jufi. Als vor 20 Jahren hier in Paris zum erstenmal eine Luft fahrzeugausstellung abgehalten morden ist, lag das Flugwesen noch in seinen ersten Entwidlungsanfängen. Von da an wurde der Bariser Aero- Salon eine alljährliche Einrichtung von größter Weltbedeutung. Alle Neufonstruktionen tamen hier zusammen. Das ging bis zum Jahre 1913. Nach dem Krieg fonnte der Salon nicht mehr das werden, was er seinerzeit war. Bon Bedeutung ist vor allen Dingen, daß nach 15 Jahren zum erstenmal auch wieder Deutschland unter den Ausstellern ist. Die Aufnahme der Deutschen ließ an Freundlichkeit nichts zu wünschen übrig. Nach Frankreich ist Deutschland zahlenmäßig am stärksten mit neun Flugzeug- und drei Motorenfabriken vertreten. Besonderes Interesse ruft der Junters Stand hernor, auf dem das Frachtflugzeug W. 33 steht, der gleiche Typ wie die Bremen". Ein groß bemessener Laderaum ist für die Frachtstücke vorgesehen. Die Maschine ist wirtschaftlich, denn sie fann ebensoviel Zuladung aufnehmen wie sie leer wiegt. Zwei Schul- und Uebungsflugzeuge sind durch die beiden Doppelbecer Albatros L. 57a ,, AB" und Arado Ar. SC. II vertreten, während Heinkel das für den Postdienst besonders geeignete meischwimmer- Seeflugzeug HE. 5e hierher geschickt hat. Der kleine Klemm- Leichteindecker L. 25 ist das gegebene Sportflugzeug, gleichzeitig aber auch für Schulzwede geeignet. Die übrigen deutschen Flugzeugfirmen wie Rohrbach, B., Dornier und Focke- Wulf beschränken sich nur auf Modelle. Ihre verschiedenen Flugmotorentypen zeigen BMW., Junters, Siemens, unter denen der von Siemens in Lizenz gebaute Jupiter" erstmals in die Deffentlichkeit tritt, während BMW. ebenfalls zum erstenmal den luftgekühlten amerikanischen 500 PS. Hornet" Sternmotor zeigen, den das Münchener Wert in Lizenz herstellen wird. Ueberhaupt sind die motoren wieder das Inter effanteste vom ganzen Salon. Bor allem tritt deutlich das immer größere Bordringen des luftgefühlten Motors in Erscheinung, dessen Vorzüge doch so große sind, daß man heute nicht mehr achtlos an ihnen vorüber gehen fann. Luftgekühlte Motoren find ausgestellt bis zu etwa 600 PS.- Leistung und wasser gefühlte bis 1000 PS. Die paar Berkehrsflugzeuge zeigen nichts Besonderes. Das gewiffermaßen von den Franzosen als Clou" angesprochene Sweimotoren- Flugzeug für 25 Flugreifende dürfte in fonftruttiver Hinsicht noch längst nicht auf der Höhe fein. Die französischen Berkehrsmaschinen von Bernard, Bréguet, CAMS., Priez und Aero find Ausführungen allgemeiner Art. An militärischen Flug zeugen ist alles vorhanden, was in unserer modernen Welt zur Bernichtung von Menschen und Kultur als geeignet erscheint. Die beste„ Nie wieder Krieg Propaganda" sind diese alles bahinraffenden Jagd, Bomben und ähnlichen Flugzeuge, H imunit 10.21 me 1315168 Sonnabend, 14. Juli 1928 lische, holländische und französische Kapitalmarkt nach der Kapital verteuerung in New Yort mehr zum Zuge tommt als bisher. Dennoch darf gerade Deutschland bdie scharfe Kapital verteuerung in den Bereinigten Staaten nicht unterschäßen. Die großen furzfristigen Kredite deutscher Banten tommen in machfende Gefahr, abgerufen zu werden. Kurzfristige europäische Gelder werden den amerikanischen Geldmarkt wegen der munmehr besseren Berzinsung stärker aufsuchen als bisher. Die Geldspannung tann in Deutschland also verschärft werden. und damit den Anstoß zu der eigentlichen praktischen Rationalisie rungsarbeit im Groß- und Einzelhandel zu geben. Der Handel selbst hat ein brennendes Interesse an einer Weiterbildung der wissenschaftlichen Grundbeschaffung. Es wird sich jest bald zeigen, ob die vielfache lagen und ihrer Auswertung für die Bragis. Darum ist beim Ausschuß für wirtschaftliche Verwaltung des Reichsturatoriums für Wirtschaftlichkeit unter der Leitung von Brofeffor Dr. Julius Hirsch ein besonderer Fachausschuß für Handelswirtschaft damit beschäftigt, in der gleichen Richtung zu arbeiten wie der Enquete- Ausschuß, um die Betriebe des deutschen Handels an die Notwendigkeiten eines Betriebsvergleichs zu gewöhnen und um gleichzeitig über die Arbeiten des Enquete Ausschusses hinaus praktische Borschläge zur Rationalisierung der deutschen Handelswirtschaft zu machen. Der Fachausschuß für Handelswirtschaft hat bisher zwei Frage bogen an die Verbände des Einzelhandels verfandt, die fich mit allgemeinen Rationalisierungsproblemen im Einzelhandel be. faffen, und die für das Jahr 1927, auf das sich die Erhebungen des Enquete- Ausschusses nicht mehr erstrecken tonnten, statistisches Material über Personalverhältnisse, Umfäße, Lagerumschlagsgeschwindigkeiten und Unkostenverhältnisse zusammenzustellen suchen. Gleichzeitig bemüht sich der Fachausschuß für Handelswirtschaft, zur genaueren Feststellung besonders wirtschaftlicher Bertriebsformen, die vor allem auch im Interesse der Verbraucher start gefördert werden müssen, den Betriebsvergleich zwischen verschiedenen Branchen und verschiedenen Vertriebsformen überhaupt erst zu standezubringen. Das soll durch die Propagierung eines einheit. lichen Fragebogenformulars geschehen, das durch die Berbände des Handels den Einzelbetrieben zugeleitet und später vom Fachausschuß für Handelswirtschaft für alle Zweige des deut. schen Handels ausgewertet werden soll Die sozialen Probleme, die bei der industriellen Ratio. nanfierung entstehen, wirten fich bei der Rationalisierung der Handelswirtschaft in ungleich starterem Maße aus, da im Handel, vor allem im Einzelhandel, die Kosten des Personals einen weit größeren Brozentsaz innerhalb der gesamten Untoften nalisierung ftand der ausmachen als in der Industrie. Schon bei der industriellen RatioBegriff der Arbeitsbereitschaft Dazu tritt die Auswirkung für die langfristige Anleihe Draffelung der Rapitalbeschaffung aus dem Auslande durch deutsche Stellen in den Zeiten, als das amerikanische Angebot noch verhältnismäßig billig war, sich nicht rächen wird. Deutschlands größte Chance für die Zuhilfenahme ausländischer Gelder zur Durchführung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues bestand darin, daß Deutschland bei aller Borsicht doch so start als möglich für echte Rationalisierungszwede fich in der Zeit verschuldete, als das amerikanische Geldangebot fehr groß und die Nachfrage der Länder mit noch nicht ftabilisierten Währungen sehr gering war. Diese Chance wurde in der Bergangenheit durch die teilweise syste matische Drosselung der Auslandsverschuldungen wahrscheinlich viel weniger ausgenutzt als es zwedmäßig gewesen wäre. Es ist flar, daß die Kapitalnachfrage derjenigen Länder Europas, die ihre Wäh rungen stabilisiert haben und zur Rationalisierung ihrer Wirtschaft große Rapitalien brauchen, noch zunehmen wird und das gerade in einem Augenblid, mo Deutschlands Wiederaufbau noch nicht vollendet ist, vielleicht eine neue Krise den Wiederaufbau von neuem hemmt, die deutsche Kapitalnachfrage also steigen wird, Amerika aber feinen Kapitalpreis erhöht hat. Die bisherige syftemlose deutsche Drosselungspolitit, die teilweise über reparationspolitischen Illusionen die deutsche Rapitalversorgung vernachlässigte, tann die deutsche Boltswirtschaft in der Zukunft sehr teuer zu stehen tommen. Noch immer Leistungssteigerungen. Aus dem Bericht der Gelsenkirchener Bergwerfs- M.- G. Der Jahresbericht der Gelsenkirchener Bergwerts- A.- G., die heute in der Hauptfache nur noch den großen Bechentompleg Monopol bewirtschaftet und die ihr Geschäftsjahr am 31. März abgeschlossen hat, gibt einige für die Wirtschaftlichkeit in großen Bechentomplegen bedeutsame 3iffern. In den drei Gefchäftsjahren von 1925-1928 hat fich die arbeitstägliche Förde rung von 3298 auf 3934 bzw. 3947 Tonnen erhöht. Außerordentlich interessant ist die Tatsache, daß der Förberanteil je Mann und Schicht im Jahre 1927/28 einen bedeutend größeund ihre Zulässigkeit als Mittel zur Rationalisierung im Borber. ren Sprung gemacht hat, als im Jahre 1926/27, verglichen jeweils grund der Diskussion. Bei der Rationalisierung des Einzelhandels mit dem Vorjahr. Der Förderanteil je Mann und Schicht stieg wird die Diskussion um diesen Begriff von noch größerer Bedeutung Don 1925-1927 von 1147 auf 1161 Kilogramm, also um 14, Rilo. ſein. Die freigewerkschaftlichen Angestelltenverbände gramm oder genau 1 Prozent. Im Jahre 1927/28 dagegen widmen darum der Frage der Rationalisierung der Handelswirt- ift der Förderanteil je Mann und Schicht gegenüber dem Borfchaft mit Recht eine besondere Aufmerksamkeit. Hier wird von den jahr von 1161 auf 1216, also um 55 Kilogramm gestiegen, Angestelltenverbänden auch start vorgearbeitet werden müffen, denn das find nicht weniger als 4,7 Brozent. Einer Er mur eine gründliche Renntnis der Fragentamplere, höhung der arbeitstäglichen Förderung von 0,3 Prozent steht eine die mit der Rationalisierung des Handels zusammenhängen, wird den Erhöhung des Förderanteils je Mann und Schicht von 4,7 ProAngestelltenverbänden bei den notwendigerweise um die Frage der entgegenüber. Die Leistungssteigerung war also, während die Arbeitsbereitschaft entstehenden Diskussionen eine starte Kampf- epoche im Bergbau sprechen, auch im Jahre 1927/28, und zwar Bergbauunternehmer schon längst vom Ende der Rationalisierungs| position verschaffen können. Hinsichtlich der Konstruktionsbetails find manche ganz intereffante Dinge zu sehen. Ein Mertmal ist es auch, daß im Ausland der Metallbau immer mehr Anwendung findet. Er unterscheidet sich dabei mitunter in vieler Hinsicht von unserer deutschen Baumeise. Die fostspielige Blechbeplantung von Rumpf und Flügel wird in der Mehrheit durch die billigere Stoffbespannung ersetzt. In der historischen Abteilung ist auf großen Bild tafeln die Entwicklungsgeschichte der Luftfahrt sehr gut dargestellt. Daß man es hierbei aber ganz vergessen hat, welch große Pionier. und Forscherarbeit gerade Otto Lilienthal geleistet hat, ist ein grober Mißgriff. Die im Otober in Berlin stattfindende la" wird manches dem Bariser Ealon voraus haben und vor allen Dingen die Tatsache, daß da für Militärflugzeuge fein Platz ist. lleber furz oder lang wird ja doch einmal eine internationale Regelung der Flugzeugausstellungen kommen, und hier kann Deutsch land, soweit ausgesprochene friedliche Flugzeuge in Frage fommen, sicher die Führung an sich bringen. Teures Geld in Amerika. Auch New Hort erhöht den Diskont.- Bedeutung für Deutschland. Erst vorgestern brachten wir die Mitteilung, daß die Bundes reservebant von Chitags ihren Diskontsatz von 4% auf 5 Broz. erhöht habe. Gegen alle Erwartung schnell ist die für den amerikanischen Kapitalmarkt entscheidende Federal- Reserve- Bank von New Vort, bie bei der legten Diskonterhöhung Chikago erst nach acht Wochen gefolgt war, ihrer Schwefter von Chikago nachgekommen. Auch die Bundesreservebant von New Yort hat den Diskontsatz auf 5 Proz. erhöht. Im ganzen wird man annehmen dürfen, daß die relatio schnelle und starte Kapitalverteuerung in Amerifa vorgenommen worden ist, um der fich überschlagenden Börsenspekulation in New York einen Riegel vorzuschieben. In der Hauptsache handelt es sich also bei der amerikanischen Stapitalverteuerung um eine inneramerikanische Angelegenheit. Die Folgen sind aber sehr weittragend. Der New Yorker Distontjag hat jetzt dieselbe Höhe wie der von London und zwischen den wichtigsten Geldplägen des mestlichen Europa und der Bereinigten Staaten find die 3insdiffe renzen jegt ausgeglichen. Vom Standpunkt der internationalen Rapital- und Kreditwirtschaft fann man den hier eingetretenen Aus. gleich sicher begrüßen. Er ist der Ausdruck einer weitergreifenden Normalisierung der internationalen Kapitalmarttverhältnisse mit der Folge, daß die internationalen Kapitalströme weniger massenhaft, die Konkurrenz um die Kapitalanlage durch die kleinere 3insmarge lebendiger und die Kosten des internationalen Kapitalverkehrs dadurch niedriger werden. Es muß auch nicht unbedingt eine allgemeine Berteuerung des Rapitals in der ganzen Welt eintreten, weil insbesondere der eng. # bis in dieses Frühjahr hinein noch außerordentlich start. Umsonst bemüht sich der Gelsenkirchener Bericht, die Bedeutung dieser Leistungssteigerung auf die mechanische Rationalisierung unter Tage allein zurückzuführen. Zu diesem Zweck macht er folgende an sich sehr interessante Mitteilungen: Bon 1913 bis 1927/28 habe sich die Zahl der unterirdischen Betriebspunkte von 273 auf 115 verringert, gleichzeitig sei die Förderung je Betriebspunft von 13,2 auf 37 Tonnen gestiegen. Die maschinelle Kohlengewinnung durch Abbauhämmer habe sich seit 1913 von 5,6 auf 92,3 Prozent der Gesamtförderung erhöht, während die maschinelle Förderung vor Ort durch Schüttelrutschen fich gegenüber 1913 von 10,6 auf 59,1 Prozent gesteigert habe. Diese gewiß sehr interessanten Angaben wären für den wachsenden Anteil der Mechanisierung der Kohlengewinnung, also des Kapitals, an der Leistungssteigerung je Mann und Schicht im Jahre 1297/28 erst dann bemeisträftig gewesen, wenn auch die Verhältnisziffern für 1925/26 und für 1926/27 gegeben worden wären. Leider hat der Geschäftsbericht diese aber verschmiegen. Die Gelsenkirchener Bergwerts- A.- G. ist nach der Einbringung ihrer gesamten Produktionsanlagen in die Bereinigten Stahlwerke 2.-G., abgesehen von den von ihr betriebenen Sechentomplex Monopol" und dem Bochumer Wert eine Holding- Gesellschaft. Sie verteilt auf das dividendenberechtigte Aftientapital von 237,4 Millionen( insgesamt 250 Millionen) für das vergangene Jahr eine Dividende von 8 Prozent. Die Vereinigten Stahlwerke 2.-G. hat eine Dividende von nur 6 Prozent verteilt. Es war der Gelsenkirchener Gesellschaft also möglich, in der Hauptfache aus ihrer Sechenwirtschaft die für ihre Aktien vom Stahltrust empfangene Dividende noch um 2 Prozent zu erhöhen. Deutschland größter Kupferverbraucher Die Amerikaner eröffnen eine eigene Zinnhütte in Hongkong Es gibt in den Bereinigten Staaten eine Organisation, das fogenannte Bureau für Metallftatiftit, das Berechnungen über den Verbrauch, die Erzeugung und den Stand der Borräte von allen Metallen und für alle Länder anstellt. Der jetzt vorliegende Jahres bericht dieses Bureaus ift von großem Intereffe auch für eine Be trachtung der Konjunktur in der deutschen Metallwirtschaft. Das amerikanische Metallbureau stellt fest, daß im Jahre 1927 Deutschland mit einem Berbrauch von 265 300 Tonnen an der Spize aller fupferverbrauchenden Länder steht. An zweiter Stelle befindet fich England mit nur 159 400 Tonnen, dann folgt Frankreich mit 90 500 Tonnen. Es steht fest, daß der deutsche Verbrauch im vergangenen Jahre größer war als im Jahre 1913, wo nur 259 700 Tonnen Kupfer verbraucht wurden. Auch für die ersten fünf Monate des Jahres 1928 fonnte man einen durchaus normalen Bedarf der deutschen Industrie an Kupfer feststellen. In der Zeit vom 1. Januar bis 31. Mai wurden über 100 000 Tonnent eingeführt. Auch bei den anderen Metallen war eine günstige Verbrauchsentwidlung festzustellen, mie überhaupt das ganze Metallgeschäft innerhalb der letzten Wochen ein gubes mar. Besondere Breis #efgerungen hat Rupfer aufgumeffen. Die nachstehend auf geführte Tabelle zeigt die Preisbewegung während der legten Beit: Parteinachrichten 100 Kilo tofteten am 16. Mai Elektrolytfupfer 1. Juni 29. Juni 6. Juli 1928 135,75 139,25 139,50 139,75 m. 40,50 42,50 42, 41,25 53, 475, 51,25 51,75 51, 415, " Blei Zint Zinn • 460,- 431.Die Preisentwicklung von Kupfer steht im Gegensatz zu der Ständigen Vergrößerung der Welterzeugung. Diese betrug 1926 etwa 1,48 Millionen Tonnen, 1927 1,52 Millionen Tonnen, und auf Grund der Ergebnisse der größten amerikanischen Kupfergesellschaften wird im laufenden Jahre eine Welterzeugung von mindestens 1,55 Millionen Tonnen erreicht werden. Auch die Herstellungstoften haben sich, wie schon mehrfach an dieser Stelle erörtert, verbilligt, so daß die Berteuerung von Kupfer lediglich eine Folge der Preispolitik des internationalen Kartells ist. Die Berteuerung, die in einem Monat durch die letzten Preisherauffegungen entstanden ist, beträgt ungefähr 1 Million Mart. 7 3 inn ist billiger geworden, da die Erzeugung gestiegen ist und sich der amerikanische Verbrauch wesentlich verschlechtert hat. Man rechnet für das laufende Jahr mit einer Steigerung der Beltzinnerzeugung um mindestens 10 Proz. Die Amerikaner haben die Errichtung einer eigenen 3innhütte in Hongtong beschlossen, um sich von dem englischen Preisdiftat zu befreien. Die Gründer sind die Brüder Guggenheim in New York, die in der internationalen Kupfererzeugung eine sehr große Rolle spielen und außerdem kapitalkräftig genug sind, um eine große Hütte zu unterhalten. Der Klaviertruft der 53. int Einsendungen für diese Rubrik find Berlin GB 68, Lindeuftraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Rreis Mitte. Sonntag, 15. Juli, findet eine Besichtigung des Städtischen Schulgartens in Blankenfelde statt. Treffpunkt 9 Uhr in Nordend, EndVon dort gemeinsamer Ab station der Straßenbahnlinien 48 und 199. marsch zum Schulgarten. Nach der Besichtigung findet eine Raft im Ber einshaus der Kleingärtenpächter in. Blankenfelde- Rosenthal statt. Rachmittags ein Rundgang durch die Kleingärten. Alle Genoffen des 1. Kreises find hierzu eingeladen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Boranzeige: Mittwoch, 18, Juli, 19% Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71, erfte Vollversammlung der neugewählten Elternbeiräte. Abschriften der Wahlvorschläge von jeder einzelnen Schule find mitzubringen, 7. Kreis Charlottenburg und Spandan. Juristische Sprechstunde findet wegen der Gerichtsferien erst wieder im Eeptember statt. 13. Kreis Tempelhof. Sonntag, 15. Juli, veranstaltet die Radfahrerabteilung Solidarität Mariendorf ihr 25. Stiftungsfest bei Mali, früher Graßl, in Marienfelde, Chausseestr. 305. Alle Genofsinnen und Genossen werden um rege Beteiligung gebeten. 16. Kreis Röpenid. Am Sonntag, 15, Juli, großes Boltsfest im Wasserlokal Wendenschloß. Mitwirkende: Arbeiter- Musikverein„ Echo", Gemischter Chor Röpenid, Männerchor Sangestuft", Grünau, Männer- und Gemischter Chor Bohnsdorf, Arbeiter- Turn- und Sportverein„ Eiche"; als Gaft: Thes Maret. Festrebe: Reichstagsabgeordneter Johannes Etelling. Tanz, Tombola, Raffeekochen. Abends im Garten Festbeleuchtung. Großer Fackelzug durch Wendenschloß. Jedes Kind erhält eine Fadel und Müze gratis. Eintritt 50 Pf. Rinder frei. 18. Kreis Weißensee. Achtung, Bezirksführer! Montag, 16. Juli, von 18 Uhr ab, Abrechnung des 2. Quartals sämtlicher Sammellisten und Maimarten in der Wohnung des Genossen Daeschner, Gedanstr. 49. 101. Abt. Treptow. Der Arbeiter- Turn- und Sportverein Sahn hält am Sonntag, 15. Juli, fein Sportfest auf dem Sportplag Riefholz ftraße, gegenüber dem Krematorium, ab. Der Festzug nimmt Aufstellung um 13 Uhr auf dem Sportplag. Das eigentliche Sportfest beginnt 14% Uhr. An alle Genossinnen und Genossen richten wir die Bitte, diese Veranstaltung nach Kräften zu unterstüßen und Freunde und Be tannte mitzubringen. Die Mitglieder der GAJ. und der Gewerkschaftsjugend unserer Abteilung sind ebenfalls herzlich eingeladen. Abmarsch 120. Abt. Friedrichsfelde. Ausflug der Genossen mit ihren Familienangehörigen, Freunden und Bekannten nach Sanssouci, Raulsdorf- Süd. 12 Uhr von der Friedrichsfelder Kirche. 128./130. Abt. Bantow. Sonntag treffen sich die Genoffen mit ihren Familien. angehörigen um 14 Uhr am Bahnhof in Buch zum Ausflug nach dem Lotal Waldschänke. Gäste aus den anderen Abteilungen des Kreises herzlichst willkommen. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. 131. Abt. Rieberschönhausen. Genoffen, welche fich an einem Freundschafts. besuch der Genossen in Buch beteiligen wollen, werden gebeten, fih um 14 Uhr am Bahnhof Pantow- Schönhausen einzufinden. Treffpunkt in Buch, Lokal Waldschänke. Frauenveranstaltungen. 124. Abt. Mahlsdorf. Dienstag, 17. Juli, Ausflug nach Schmetterlingshorft. Abfahrt vormittags 9,20 Uhr mit der Straßenbahnlinie 83 ab Bahnhof Mahlsdorf Beteiligung aller Genossinnen und Genossen wird erwartet. Gäste willkommen. Achtung, Genossinnen! Teilnehmerkarten für die ant Freitag, 3. Auguft, stattfindende Dampferfahrt nach Woltersdorfer Schleuse find bei der Genoffin Marquardt, Burggrafenftr. 11, bis zum 21. Juli au bestellen. Preis der Karten für Erwachsene 1,30 M., Rinder 50 Pf. de Heute, Sonnabend, 14. Juli: id pH the 35. Abt. Pünktlich 18 Uhr Abteilungsvorstandssizung mit den Gruppenführern beim Genossen Adolf Viertel, Schreinerstr. 38. 55. Abt. Charlottenburg. Flugblattverbreitung. 8. Gruppe: 18 Uhr bei Schütz, Wallstr. 99. 9. Gruppe: 16 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 10. Gruppe: 17 Uhr bei Röhricht, Schloßstr. 45. 80. Abt. Schöneberg. Die Genossen treffen sich zur Flugblattverbreitung 18 Uhr und Sonntag um 9 Uhr bei Gürlich, Rubens Ede Begasstraße. 101. Abt. Treptow. 18 Uhr Verteilung der restlichen Flugblätter, von den bekannten Stellen aus. 127. Abt. Hohenschönhausen. Werbeversammlung des Reichsbanners 20 Uhr im Berliner Hof, Berliner Str. 93. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen 139a. Abt. Freie Scholle bei Tegel. 20 Uhr Werbeversammlung im Schollen. trug. Vortrag: Die Entwicklung der Unternehmerorganisationen und ihre Bebenturg für die Arbeiterklaffe." Referent Bernhard Krüger. Alle Mit geladen. Wir bitten um recht pünktliches Erscheinen. bolls Morgen, Sonntag, 15. Juli: Kein vollkommener Truff, aber doch Trustwirkung. ich baran, In der deutschen Klavierindustrie läßt sich jetzt eine Bewegung flarer übersehen, deren Ergebnis bei der fehr zersplitterten Induftrie einen sehr beachtlichen Willen zur Rationalifie= glieder sowie Borwärts"-Leser und Sympathisierende sind herzlichst ein. rung erfennen lößt. Nicht weniger als 53 Firmen der Klavierindustrie, darunter alle großen wie Bechstein, Blüthner, Feurig, Steinweg, Jbach, Rheinische Piano, Römhildt, Schiedmayer u. a. haben sich zu der„ Interessengemeinschaft Deutscher Pianoforte und Harmoniumfabriten A.-G."" mit einem Kapital von 4 Millionen M. zusammengeschlossen, dessen Aktien unter die Mitglieder verteilt sind. Das Arbeitsprogramm dieser Interessengemeinschaft ist außerordentlich reichhaltig. Die Interessengemeinschaft bedeutet praktisch die Vorbereitung eines großen Klaviertruftes, denn faft fämtliche Unternehmerfunktionen, die mit dem Hinaustreten auf den Markt, sei es zum Einkauf, zum Verkauf oder zur Finan7. Abt. Treffpunkt zur Besichtigung des Städtischen Schulgartens 8 Uhr Invaliden. Ede Aderstraße. 84. Abt. Lankwig. Familienausflug nach der Machnower Schleuse. Aus dem Brogramm sei erwähnt: Rinderbeluftigungen aller Art, Ansprache, Sprech chor, Bollstänze, Lieder und Spiele. Für Getränke und Erfrischungen ist gesorgt. Die Jugend übernimmt ab 14 Uhr die Wegweisung von der Endhaltestelle der Straßenbahn zum Ausflugsplay. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. zierung verbunden sind, sollen von der neugegründeten Dachgesell- sidel di sic fchaft wahrgenommen oder gefördert werden. Wie weit die früher von den Einzelunternehmungen wahrgeno nommenen Funktionen jetzt zusammengefaßt werden, zeigt folgende Liste der für die neugegründete Gesellschaft angegebenen 3 wede: Einkauf der Materialien, Normalisierung und Verbilligung der Produktion, Austausch von Erfahrungen, Vereinbarungen für den Berkauf, Beschaffung und Sicherung von Krediten, Finanzierung des Einkaufs und Berkaufs nicht nur der Mitglieder, sondern auch der Händlerfirmen, Finanzierung ebenso des Teilzahlungs- und Mietgeschäftes und die Beleihung von Mietinstrumenten. Dieses weitgreifende Programm läßt in der Tat den Einzelunternehmungen nur noch die Betriebsführung der einzelnen Werke übrig, den Abschluß und das Hereinbringen der Aufträge, sowie die Buchhal tung und die Bilanzierung. Allerdings dürfte auch diese scharfe Zusammenfassung der Funktionen für die Klavierindustrie, die es auf dem Weltmarkt feineswegs leicht hat, noch nicht genügen. Der Schritt zum Trust wird noch ernster und entschlossener gegangen werden müssen, als es hier geschehen ist, wenn ein wirklich durchgreifender Erfolg erreicht werden soll. 53 Firmen find trog aller Spezialisierung zuviel. Die Kapitalien find insgesamt zu hoch, und der Weg, durch gegenseitige Konkurrenz allmählich zu einer Zusammenfaffung zu kommen, dauert wohl auch zu lange. So wird auch dieser Zusammenschluß in der Klavierindustrie mur eine Etappe zu noch größeren Zusammenschlüssen sein. Roheijengewinnung und Kohlenabfah im Juni. Der Monat Juni brachte mit 1,021 Millionen Tonnen eine Roheisener zeugung, die gegenüber dem Juni vorigen Jahres mit 1,068 Millionen Tonnen nicht allzu start zurückbleibt. Das Halbjahr Januar bis Juni 1928 ist mit 6,586 Millionen Tonnen nicht unerheblich günstiger als das entsprechende Halbjahr des Vorjahres mit 6,365 Millionen Tonnen. Sehr günstig hat sich im Juni der arbeitstägliche Absatz des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats entwickelt. Er stieg von 207 000 Tonnen im Mai auf 227 000 Tonnen im Juni, alfo um 10 Prozent. Ueber den Mairüdgang( rund 20 Prozent) wurde besonders in der Bergherrenpresse sehr geunft; schon schien, natürlich unter Hinweis auf die Lohnerhöhung der Bergarbeiter, die Welt untergehen zu sollen. Die Bergherren werden mit ihren Prophezeiungen wieder etwas vor fichtiger werden müssen. Niederschlagung von Wertzuwachs feuern. Die preußische Regierung hat angeordnet, daß beim Rüdtauf von Grundstücken, die in den Jahren 1922 bis 1924 aus Gründen persön licher Mot veräußert worden sind, die Wertzuwachssteuer ganz oder teilweise niedergeschlagen wird. Voraussetzung dafür ist, daß der Rückkauf durch den früheren Eigentümer bzw. Erben( Ehegatte oder Kinder) erfolgt. Die Erleichterung gilt auch für Ber täufe, die nach dem 30. Juni 1928 stattfinden; jedoch muß der Rauf bis zum 31. Dezember 1928 abgeschlossen sein. Siebzig Millionen Wohnungsbauhypotheken weist die Preußische 3entralstadtschaft, das zentrale Berliner Anleiheinstitut Don von acht Provinzialstadtschaften, am 30. Juni 1928 in ihrem Gesamtbestande von 177,7 Millionen aus. Trotz der Schwierig feiten auf dem Kapitalmarkt brachte das erste Halbjahr 1928 für den Pfandbriefumlauf eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung; es wurden für rund 36 Millionen Goldmark neue Pfandbriefe abgesetzt, fo daß sich der Pfandbriefumlauf auf 178 Millionen Mart bis Ende Juni erhöhte. 1927 ffieg die öffentliche Elektrizitätserzeugung um etwa 25 Pro3. Das ist eine Feststellung der Vereinigung der Elektrizitätswerke, die in ihrem Jahresbericht für 1927 eine Steigerung der Stromerzeu gung bei den öffentlichen Werfen auf 12,4 gegenüber 9,9 milliarden Kilowattstunden im Jahre 1926 errechnet hat. Die Eigenerzeugung der Industrie wird auf den gleichen Betrag mit der gleichen Steigerung geschätzt. Die Gesamtleistung der deutschen Elettrizitätswerte ist von rund 5,1 auf 5,7 millionen Kilowatt ge Stiegen. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 4-6 Uhr. Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdr. verb.). Zeils heiter, teils mollig, etwas fühler, stellenweise etwas Gewitterneigung. Für Deutschland: In Nordwest- und Mitteldeutschland trichweise Neigung zu Gewittern und etwas fühler, sonst Fortdauer des heiteren und sehr warmen Wetters. 16 2016 Jungjozialisten. Gruppe Lichtenberg: Heute, Connabend, Treffpunkt 17% Uhr, Lehrter Bahnhof. Nachzigler in Briefelang. Gruppe Weißensee: Wir beteiligen uns an der Fahrt nach Briefelang. Treffpunkt 22 Uhr vor der Jugendherberge. Montag, 16. Juli, Vortrag des Genossen Hans Waldmann im Jugendheim Parkstr. 36. * Heute, Sonnabend, und morgen, Sonntag, 14./15. Juli, nehmen alle Berliner Jungsozialen am Treffen in Brieselang teil. Beginn 20 Uhr. Abfahrt vom Lehrter Bahnhof bei halbstündigem Zugverkehr. Partei- und Arbeiterjugend. genoffen find herzlich eingeladen. Rote Fahnen und Musikinstrumente mit. bringen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Jeden Kreis Mitte. Am Montag, 16. Juli, fällt die Helfersigung aus. Mittwoch veranstalten wir eine Fahrt. Treffen aller Teilnehmer 7 Uhr auf dem Pappelplag. Verpflegung und 20 Pf. Fahrgeld sind mitzubringen. Wir fahren am 21. und 22. Juli in die Kinderrepublik. Die Gruppenleiter erhalten noch Nachricht. Gruppe Pappelplag( 1. und 7. Abt. der SPD.): Sonnabend. 14. Juli, Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 18 Uhr Pappelplag. Mitzubringen find 80 Bf. für Fahrgeld, Herberge und Getränke, außerdem Berflegung, eine Dede und Trinkbecher. Kreis Kreuzberg. Treffpunkt der Eltern und Helfer zum Besuch des gelte lagers am Contag früh 5% Uhr am Stettiner Bahnhof. Kreis Neutrin. Alle Eltern und Genossen, welche die Rinderrepublik am Uebersee" besuchen wollen, treffen sich am Sonntag früh 6% Uhr Stettiner Fernbahnhof, Haupteingang, neben der Treppe. Was sagt der Bär? M HT- HILL JOSETTI JUNO Jeden Abend wenn die Flammengarben zum Himmel sprůhen, erglühf dem Berliner nach des Tages Mühen auch die freueste Freundin: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette KON LINON ISTS sx Unterhaltung unö ÄVlssen Vellage des Vorwärts Bankherr Löwenstein. Oer König der Kunstseide. Er ist tot. Wie starb er? Woher kam er? Wohin ging er? Wer war er? Er war der kühnste Adler in den freien Lüften der internationalen Hochfinanz. Adler sind Räuber. Adler sind aber auch das Sinnbild des Mutes und der stolzen Einsamkeit. Und Symbol des Herrschens sind die Adler. Aha— herrschen— richtig getroffen: jawohl, der tote Bankherr Alfred Löwenstein war ein Herrscher: er beherrschte mit kühnem Mute, mit Trotz und Hohn- lachen die Börsen in London, Brüssel und Paris. Ein König war der tote Löwenstein, er war der König der europäischen Kunstseide — und er war der Herzog der spanisch-amerikanischen Elektrizitäts- werke. Eine unbändige Natur war er, ein Außenseiter der„soliden" alteingesessenen Hochfinanz: er war ein Kondottiere im Reiche der Aktien, ein Abenteurer war er. Seine Freunde sagen: Er war ein Finanzgenie. Seine Feinde sagen: Er war ein« Hornisse im Netz unserer sicher berechnenden Finanzkunst, er zerriß boshaft all die zarten Fäden unserer klugen Börsenpläne.— Er war ein SchSd- ling? Er war ein Genie? Für und wider. Ja und nein. Sicher aber war er ein Komet: ein Komet am nächtlichen Himmel des funkelnden Goldes. Und nun ist er tot. Alles ist vorbei. Wie starb er? Ueber der See. Er starb wie ein Seeadler, der vom Schicksal den tödlichen Schuß bekam. Aber was heißt hier Schicksal? Ist Schicksal nicht Zufall? Oder steht hinter den Menschen eine ewig und gerecht wallende Kraft? Ich weiß das nicht. Wer das weiß: der hat den uralten Stein der Weisen aus- einandergeschlagen— der hat die blaue Perle von den letzten Geheimnissen des Seins gefunden. Ja, über der See starb Alfred Löwenstein. Oder besser: in der See. Aus einem sausenden Flugzeug ist er herausgestürzt. Er fiel hinein in die Nordsee. Zwischen London und Brüssel. Aus tausend Meter Höhe— stürzte er ab. Der Propeller sang ihm das Todeslied. Warum starb Bankherr Löwenstein? Die einen sagen: Unglücks- fall. Die anderen wissen es besser: die triumphieren: Selbstmord! Und die dritten gar, die spinnen um seinen Tod schon die Sage, wie um den toten Kaiser vom Kyffhäuser: Er wird wiederkehren, er kommt zurück, in sein Börsenreich, ins Reich der Aktienwälder: der König der Kunstseide ist nicht tot, laßt euch nicht düpieren. Er wird aber nicht wiederkehren. Alfred Löwenstein ist mause- mausetot! Sein Leben. Warum ward er— wie er war? Ja. warum? Warum ward ich— wie ich bin? Und warum— lieber Genosse, wurdest du: wie du bist? Hier: Veranlagung, Erziehung und Um- weit! Das ist die große Drei: die uns alle geprägt hat. Alfred Löwenstein Dater. Der kam aus Deutschland, aus der Stadt Soest in Westfalen. Vater Löwenstein ist in Brüssel ein kleiner Geschäftsmann: Inhaber einer Wechselstube. Die sloriert— vom Handel mit Münzen schreitet Vater Löwenstein zum Handel mit Effekten: zum Handel mit Börsenwerten. Er ist nun Makler und kleiner Spekulant. Er hat glücklich geheiratet, eine Belgierin, in deren Adern brennt wallonisches Blut, freurige französische Rasse. Und dann ist das Kind da: Wir gratulieren! Wie soll das Kindchen heißen? Alfred. Alfred Löwenstein junior wächst als rundliches Bourgeois- söhnchen glücklich heran. Aus den grünen Wiesen vor Brüssel treibt er Sport, Fußball: Der Kibitz schreit und weißsilberne Wolken trei- den von der See her über den blaßblauen belgischen Sommerhimmel. Der Jüngling Alfred ist ein starker Bursche, klein— ober muskulös. Sportsmann. Auch schon Geschäftsmann. Unter der Leitung des Boters erwirbt er sich die ersten Sporen und Lorbeeren— an der Börse von Brüssel: Er oerdient, er spekuliert mit Glück. Glück wie Sonne. Aber das neidische Swrmwetter kommt herauf, unheil- schwanger, mit Wetterleuchten und grollendem Donner— Zickzack, der Blitz schlägt ein: Vater Löwenstein ist tot! Trauer zieht schwarz vor die Sonne des häuslichen und geschäftlichen Glücks. Alfred Löwenstein hat keinen Vater mehr. Er weint mit einem Auge. Aber die Väter leben doch in den Söhnen weiter? Der Sohn Löwenstein übernimmt das väterliche Effektengeschäft, er steigert dessen Rentabiliät, er erweitert den geschäftlichen Wirkungskreis, immer eine Stufe höher— und plötzlich staunt der junge Löwen- stein selbst: Er ist ein Bankherr geworden, ein feudaler Ritter des großen allmächtigen Kaisers, der da heißt:.Die Börse!" Der Krieg. Europa fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus: um- und eingeblafen vom Teufel Habsucht und von dessen Tra- banten: dem allgemeinen Militarismus. Das eingestürzte Karten- haus fängt Feuer: Europa brennt, an allen acht Ecken, piff-paff- pum: der Mord geht um— der Krieg: der Krieg! Alfred Löwenstein, wohin nun? Du lebst zwar in Brüssel, aber dein Vater war doch ein Deutscher. Jawohl. Und die Mutter war französische Belgierin: feueräugige Wallonin. Das heiße Blut der Mutter überwiegt das kühlere Blut des nordischen Vaters. Alfred Löwenstein fühlt sich im Kriege als Belgier. Zunächst. Er steht gegen Deutschland. Wird er kämpfen? Ach was— Unsinn. Alfred Löwenstein will kein Blut, er will Geld. Gegen Deutschland, ja: aber Geschäft dabei machen. Töten? Nein, das überlassen wir dem .Musketenpöbel", der muß schießen: wie wir Herren kommandieren! Der Krieg. Der Krieg. Europa zittert und bebt wi« ein kochen- der Erbjenbrei: eine Teufelsküche: Schwefeldämpfe und giftige Gase. In dieser Teufelsküche walten ihres Amtes die kapitalistischen Köche. Einer von ihnen heißt Alfred Löwenstein. Er ist in London. Er organisiert(als Vertreter Belgiens!) mit britischen Finanzgrößen alle Wirtschaftskräfte: zum Widerstand gegen die �Hunnen", gegen die.Barbaren". Und alle Organisatoren werden reich. Schwer, schwer reich. Nur in London? Vielleicht in Paris und in Berlin nicht? Der Krieg war für die Hochfinanz ein glänzendes Geschäft. In allen Ländern. Nun aber ist der Krieg vorbei. Der Krieg mit Waffen. Nun kommt der andere Krieg: der Krieg der Inflation, der Krieg des Hungers. Stinnes wird Papierherzog in Deutschland. Alfred Löwenstein wird Eoldherzog in Belgien. Ungeheuer reich sind beide: Aus Krieg und aus Inflatton heraus. Das Licht Stinnes wird schnell ausgeblasen, vom Rächer Tod. Aber das Licht Löwen- stein brennt auf zur wehenden Fackel. Löwenstein ist der Löwe der hohen Börsen, mit seinen gewagten Spekulationsgeschäften be- herrscht er die Finanz von London, Brüssel und Paris. Er spekuliert m Elektrizitätswerten, mit Glück. Er beleuchtet Spanien, Südamerika und Zentralamerika— dabei verdient er hundert Millionen, in blankem, schwerem Gold«. In blitzendem Golde. Aber da blitz noch etwas. Strahlenblitze, langgezogen wie silberne Sonnenstrahlen durch das Laub der Wälder. Dieses an- der« Blitzen sst das Geblitze des Seidenfadens, das blanke Ge- strahle der Kunstseide. Kunstseid«, leichte Bekleidung, ein« neue Industrie. Ein neues Erwerbsreich, das auf seinen König wartet. Hier ist er schon: der König, der belgisch« Großfinanzier, der Bankherr Alfred Löwen- stein! Er konzentriert. Um die Gespinste der Kunstseid« spinnt er seine Profitgespinste. Er verbündet die Kunstseid« zu einer Weltmacht. England, Deutschland, Italien, Belgien, Polen, Spa- nien— dann Holland— und selbst Kanada: alles, was Kunstseide produziert, das muß hinein in den internationalen Profitbund. „British Celanese",„Glanzstoff",„Demberg",„Enta",„Breda", „Tomaszow",„Ceda Espana",„Tubize" und andere große Kunst- seidenzentralen: alle werden sie da» Ausbeutungsreich des Seiden- königs Alfred Löwenstein. Hunderttausend und mehr Menschen arbeiten— um den König der Seid« und dessen Vasallen ungeheuer zu bereichern. Mit den Arbeitswerten der Menschen treibt der Bankherr Schacher— wie mit alten Lumpen. Was ist der einzelne Mensch? Gar nichts. Das Aktienpaket— das heißt alles. Erfolg wechselt mit Mißerfolg. Löwenstein hat seine Feind«. Die stellen ihm ein Bein. Aber der König der Kunstseide steht gut und sicher, er steht aus marmornen Säulen— so glaubt man. Und doch gerät eines Tages sein Tempel ins Schwanken— der Tempel, den er dem Gotte Gold gebaut hatte. Säulen splittern— Archi- traoe senken sich— Tresore bekommen Risse— Goldströme verflüchten. Das war für den Bankherrn Löwenstein der Unglückstag zu London. Sein« Konzerne bluten, tödlich verwundet von seinen Feinden. Er stürzt! Und nach diesem Unglllckstag kam die Nacht, die letzte Nacht, die Nacht über der See. Alfred Löwenstein stürzt— zum zweiten Male, aus tausend Meter Höh«, er fällt heraus aus dem stürmenden Flugzeug, unten— die Tiefe der See: die hat mit ihrem schwarzen Rachen den König der Kunstseide gefressen, die Strömung treibt ihn fort— die Gedärme der See verdauen das arme klein« Menschlein. Alle» ist aus. Aber die Spindeln sausen weiter. Und die Sonne geht auf— und die Sonne geht wieder unter. Und über ollem vergänglichen Glanz des Goldes strahlt das bessere Gold: das Gold der jungen Sterne, die nichts anderes sind, als die Schritt der Ewigkett: Segen wächst den Menschen nur aus ehrlicher Arbeit! Aber diese Frage: Was bedeuten am Nachthimmel die Ko- meten? Auch sie schreiben in goldener Schrift, eine Schrift, die abseits oller sicheren Berechnung wächst. Und so eine Schrift schrieb in höherem Sinne der Bankherr Alfred Löwenstein. War er ein Genie— oder ein Schädling? Sicher war er kein Durchschnitts- mensch. Vielleicht war seine Persönlichkeit das Wetterleuchten einer herausziehenden sozialen Weltwirtschaft? Denn in der Konzen- tration blitzt die Zukunft. Allerdings kommt es darauf an: War- um man konzentriert! Max D o r t u. in der Dlarf)h IStcaxn der Straße irrt betruvkeu. Bleiche Häuseruacht llmtcurmelt Seiuer Seele roarme Trädsal. Sterne tanzell, Änto heult, flamme Sä»de greifen Leere, Feuchte Lippen ächzeu Elend, Frau ist tot, ste starb am Nebel, Starb an Husten, diese Nacht. List das nicht ein Grund zum Saufen? Ja. das ist es. LNädchen ruft ihn: .kommst du? ,Äomm doch!"»Ja, Ich tomme," Eingehakt und abgefchaukelt. Stunden rinnen» Binder wimmern, Luge rollen,'Wolken wandern, lind das heilige Herz der Erde Schlnchzt nnd znrkt. _ D. Taschaat. Der fliegende Holländer. Don Walther&. Oschilewsti. (Schluß.) „Vielleicht ist es nach Hause gefahren?" „Breikops, dämlicher!" spuckt« Schmitthenner Wittebald zu, der diesen Quatsch sich zu bemerken erlaubte. Recht hat er, hier lag nicht der Hund begraben. Er wird hinüber sein, dacht« heimlich schon «in jeder von uns, ohne es auszusprechen. Wo sollte er sonst auch hin sein? Das Wasser gibt keine Antwort und V«rkehrspoliz:tten stationieren noch nicht in der Südsee. Man soll sich nicht! vormachen, ein Traum narrt den anderen und ein« Hoffnung ist der anderen gram. Es war ein« lebhafte Nacht gestern, der Wind war breit und kräftig, und kann viel in den Arm nehmen. De. Regen war straff und peitscht« das Wasser auf, da wird sich unser„King" freigemacht haben und losgerissen sein. Der Ozean nahm ihn auf seinen Rücken und schüttelt« ihn hin und her, daß er ganz krank wurde und ritt mit ihm in den Tod. Kapitän Strumpeter und Wul- per, Kien und die anderen drei Leute wird er, wenn sie nicht schon früher von Deck geschlittert waren, mitgenommen haben. Ja, so wird es gewesen sein, dachte wohl ein jeder. Und es war sicher ein trauriges Begräbnis. Stellt euch vor, Jungen», fünf Mann und ein halber Knabe noch, liegen in banger Erwartung mutters«Ä.'n>leln aus dem Stillen Ozean, an einer der höllischsten Ecken der Welt, auf einem Dreckschiff, das man schon zu dreiviertel ausgegcbe.l hatte. und versuchen Löcher in die wüdf lotternde Regennacht zu schlagen, durch die wir zurückkommen müßten. Plötzlich reißt sich der KHt-n aus der verwünschten Umklammerung los, und haut in die See hin- aus,«ins unsichtbare Gewalt im Rücken. Strumpeter, Wulper und Kien können dos Schiff nicht halten, das Ruder bricht, die M:schine heult auseinander. Wer wettet da aus Sieg?. Erst spalteten sich die einzelnen Gliedmaßen, dann war er vollgepumpt und sackte ohnt Vaterunser in die Tiefe. Kein Stern hielt sein segnendes Kreuz über ven Rest der Besatzung, nur das Wasser wusch ihnen das Totenhemd. Außer uns kräht kein Hahn nach ihnen. Das ist dos ewige Elend mit der Seefahrerei. Die auf dem Land sterben vielleicht oft seliger, von den Angehörigen betrauert, und eine Hand, die der Tote geliebt hat, drückt ihm den letzten Dank in die Augen. Und dann haben sie alle«in Grab, wo man hingehen kann, und dann weiß, daß er der Erde vermählt ist, so wie er ge- worden. Unsereinen fällt der Typhus an und man stirbt auf den Brettern und wird über Bord geworfen, um nicht die Pest zu sein, die die anderen Iungens' auffrißt. Oder man platzt vor dem Kessel, weil einem die Hitze ins Herz steigt und alles ouseinairderreißt. Er- innett ihr euch an den langen John? Das war ein Kerl wi« ein Ouerbaum, aber zehn Jahre Asienfahrt haben ihn ausgedörtt, Ma- laria, Arbeit, wenig Schlaf, Syphilis, Regen, Hitze, Wetter und Wind, das die Haut brach, der Rest ist zum Kotzen. Mit eingezogenen Schultern rattetten wir wieder noch Tahiti. Dieses Schicksal überkam uns schwerer als wir es gewohnt waren. Steif von Müdigkeit, Hunger und stillem Gedenken stolperten wir das Land hinauf. Wir wurden mit Hallo empfangen, man schien irgendwie Bescheid zu wissen. Ein Kerl rief uns an, daß ein schotti- scher Petroleumdampser, der von den Hebriden kam, in der vorigen Nacht einem leeren Wrack begegnet sei. Di« Leute warteten in der Pans-Bar auf uns. Wir kamen in Bewegung und eilten im Dauer- lauf nach Papeete. Ja, sie hätten gestern nacht einen schlimm zugerichtetn Dampfer gesehen, erzählte der schottische Steuermann. Es wird der„King Edward" gewesen sein. Nein, Leute schienen nicht an Bord zu sein. Sie hätten hinübergerufen, da sie ganz in der Nähe waren, obwohl sie sich vorsehen mußten, um nicht von ihm gerammt zu werden. Wmn er auch kein Fräulein sei, meinte der Schotte, aber es war ein höllisches Wetter, und dann nachts einem totgeweihten Kollegen zu öegegnen, das setzt sich in die Glieder und juckt einem etwas unheim- lich de» Körper hinauf. Sie mußten selbst sehen, nach hier zu kommen, und der„King" schlug auch nach Westen. Achtern schien er schon Wasser zu schleppen. Das den Leuetn vom„Prince of Wales" die Begegnung mit .unserem„Eimer" etwas unheimlich war, will ich schon glauben. Ich möchte selbst nicht so einem Tatenkops von Kahn, der mit«inge- drückt em Kalabreser, flatternder Mähne und einem Mantel, der die See aushebt, über das Wasser reitet, in so einer Nacht begegnen. Das ist immer kein gutes Zeichen. Wir sind nicht gerade abergläu- bijch, ich hob« schon«naiichem Gespenst die Gurgel geknackt, ober manchmal zieht es doch kalt den Rücken ein und es legt sich wi« Blei um die Finger, daß man sich nicht wehren kann. Die Gedanken, die man Hot, die Erfahrung, die einem angewachsen ist, rebellieren wohl sehr, ober was soll man tun, wenn das Körperlich« schlapp macht und nicht mit will? Unser„King" war nun endgültig verloren, das war eine abge- mochte Sache. Wir schrieben Ott und Zeit seines unglücklichen Hin- ganges in unser« Nottzbücher und soffen uns dann den Leib voll, um über den Dreck himpegzukommen. Anfang November bracht« uns der Schott«»Prince of Wales" nach Hamburg zurück. Wir waren olle um einen Stein hätte? geworden und fluchten über die Dar- barei unseres Berufes, um uns schon zwei Wochen später für den „Senator", diesmal em funkelnagelneues Frachtschiff, da» nach New Pork gehen sollte, anzuheuern. Aber immer werde ich an die Fahtt von San Franziska nach Tahitt denken und keine Erttawurft be- kommt mich nochmal in diese Gegend." Da hatten wir nun unsere Geschichte, die un« ganz warm ge- macht hatte und die Nacht hindurch trinken ließ. Piepenfott wollte nun endlich die Bude zumachen: es ging auf 4 Uhr zu. Der Morgen stelzte blank herauf und putzte die verregnete Nase von St. Michael. Wir machten uns auf, ins Quartier zu trollen. All« waren schon draußen, ich blieb noch einige Minuten und mußt« noch einmal schleunigst weg: diese allzu menschliche Notdurft sollt« mir teuer zu stehen kommen. Die Kerl» hatten den Schnaps nicht bezahlt. Piepenkott hielt mich am Aermel. Da mußte ich schön heran, fluchend, aber das ist nun einmal so: den letzten beißen die Hunde. Lltibeliebie Gchwiegereliern. Sittengesehe bei llnvalbzwergen, Negern und Kirgisen. Bei den seltsamen Zwergvölkern, die in den Urwäldern der malanischen Inseln leben, herrschen recht eigenartige Bräuche. So- bald«ine Heirat vollzogen ist, muß der Verkehr zwischen Schwieger- vater und Schwiegertochter ebenso wie zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn vollständig aushören. Das Gebot ist so streng, daß man sich überhaupt nicht mehr nahekommen, geschweige denn einander sprechen darf, selbst dann nicht, wenn Eltern und Kinder in unmittelbarster Nähe wohnen. Der Forscher Schebesta, der kürzlich dos Leben dieser Urwaldzwerg« eingehend beobachtete, be- richtet, daß er selbst an einen der Zwerge die Frage stellte:„Wenn deine Schwiegermutter ins Wasser siele, dürftest du als Schwieger- söhn sie wenigstens retten?"„Nein," erwiderte der Zwerg,„ich müßte sie ertrinken lassen, denn ich darf sie ja nicht anrühren!" Aehnliche Gesetze bestehen auch bei den südasrikanischen Koffern: doch beziehen sich die Vorschriften dieser Stämme hauptsächlich auf Sprechbräuche. Keine Frau darf z. B. ein Wort aussprechen, das mit dem Namen eines ihrer Schwäger in Zusammenhang steht, während die Frauen eines anderen Negerstammes, der Iulus, nie- mals im Leben den Namen ihres Großvaters. Schwiegervaters oder Schwagers aussprechen dürfen. Bei den Jules sind, wie die Forschungen von Flora Kraus ergaben, die Sittengefetze sogar be- sonders streng: wenn eine Frau einen Schwager hat, in dessen Namen etwa die Silbe„ja" vorkommt, darj sie das Wort„Jung- geselle", das„mkenjo" lautet, nie gebrauchen und muß es immer durch ein anderes Watt umschreiben. Die Frauen sollen aber durch die lange Uebung eine große Gewandthett erlangen, verbotene Worte und Silben zu ersetzen und manchmal viel Poesie in die erzwungene Sprache bringen. Auch bei den Kirgisen im asiatischen«utzlond gilt es für sehr unschicklich, wenn eine Frau den Namen eines ihrer männlichen Verwandten ausspricht: das ist aber um so schwerer zu vermeiden, als die Männer der Kirgisen oft die Namen von Gegen- ständen oder Tieren führen. Heißt also der Schwager einer Kir- gisin„Messer", so muß sie ihr Leben lang für die Bezeichnung Messer ein anderes Wort wählen, Funkwinkel. ,, Die Kämpfe der Gewerkschaften um ihre Anerkennung in Staat und Gesellschaft" schilderte Otto 3ista, Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Er führte aus, daß gewertschaftliche Bereinigungen unmöglich maren, solange der Glaube regierte, daß eine göttliche Weltordnung die Besitzenden zum Herrschen, die Armen aber zum Dienen bestimmt habe. Bei strenger Strafe war es den Gesellen verboten, sich ähnlich wie die Meister in Zünften zusammenzuschließen. Wesentliche Aenderung brachte erst das Zeitalter der Industrialisierung. Es schuf rasch große Mengen von Proletariat, die die Gemeinsamkeit ihres Schicksals erkannten. Seit der Revolution pon 1848 fämpften zuerst zwar nur fleine, aber doch nicht mehr zu unterdrüdende Arbeiterscharen um Einfluß auf die Arbeitsbedin Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Städtische Oper Bismarckstr. 25. August Ferienhalber erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarki Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 10% Artisten Regis Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 3%, U. Ende 1034 U Es liegt in der Luft Revue von Schiffer, Musik v. Snoliansky Berliner Theater Charlottenstr.93/ 91.0önh.170 91%, Ende nach 10/2 Gastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 81% Uhr Volksbühne Leinen aus Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 81 Uhr Orpheus in der 8 Uhr: Der Unterwelt Kubhandel Komischeck 31%, Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater am Kottbuffer Zor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Irland Komödienhaus Norden 6304 Tägl. 81 Uhr Theater des Westens 8 Uhr. Lori Leux in Die alf ungeküßte Eva Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, gungen. Das Gozialistengele mate tonen bas Seben Kwer. Mis es 1890 fiel, nahm der gewerkschaftliche Gedanke einen gewaltigen Aufschwung. Die Arbeiter erfannten immer deutlicher die Notwendigkeit, sich zu organisieren und so geschlossen um bessere Arbeits- und Lohnverhältnisse zu kämpfen. Im Jahre 1890 betrug die Arbeitszeit 10 bis 12 Stunden täglich, 1914 durchschnittlich neun Stunden. Taufende von Kämpfen waren nötig gewesen, um Biertel stunde um Viertelstunde den Unternehmern abzuringen. Je mehr die Arbeiterschaft die Notwendigkeit der Organisation begreift, desto stärker wird der gewerkschaftliche Gedanke sich durchjetzen und die Gesellschaftsordnung reformieren helfen. Zwei andere Darbietungen des Tages standen im Zeichen der Reisezeit. Prof. Ferdinand Gregori, dessen seingeschliffene Sprechfunst immer wieder angenehm auffällt, hielt einen Vortrag: Mit großen Dichtern auf Ferien," den er mit zahlreichen Rezitationen würzte. Otto Petters führte seine Hörer in das Land Friz Reuters, nach Mecklenburg, das er anschaulich als lockendes Reiseziel schilderte. Am Abend brachte das Sinfonieorchester unter Leitung von Eugen Straub ein schönes Konzert mit ANONG Ies. Orchestervariationen. Walhalla- Th.& stot Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr: Der Wirt vom Heidekrug Ein lustiges Spiel m. Gesang u. Tanz m. d. neuesten Schlagern statt 4. M. Park auch Sonntags nur 60 Pf. Kiper, Neruda, Berliner Prater Steppaenk Kastanienallee 7/9. 7 Täglich 7 Saltenberg- Bühnen Die keusche Susanne.p Dts. Künstler- Th. 8 Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: Spiel im Schloss" Kleines Theater 814 Uhr Sprungbett disAußerdem Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. ST.PAULI IN BERLIN TANZ Cit AM der Liebt ALEXANDERPL Zesch- Ballot, Christel Storm, Torning, Garrison Der Präsident! Schafheitlin. Residenz- Theater Lustspielhaus Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sittenschwank in 3 Akten. NEUE KÖNIGSTR 796 62-64 anis si bider Das neueste für bin Berlin! Eröffnet! Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. SPARKASSE OSMARRICE MOPE FENBURG 101 # do 19 SELFENFLOCKEN 100 pl MARK( allo In der Hauptrolle Rose- Theater Quittungs-, RabattFUR ALLE ZA Elfriede Mertens a, G. Gr. Frankf, Str. 132.Reklamemarken e Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.- Mk. 5 Uhr gegen Nachahmung gesetzl. gesch. Konzert und banter Teil fertigt seit 45 Jahr, 8 Uhr: dals Spezialität Der Fürst von Conrad Müller Pappenheim Leipzig- Schkeuditz Reederei Langwaldt& Schmolke Berlin C2, An der Stralauer Brücke 8 Fernspr.: E2 Kupfergraben 4200, E1 Berolina 3288. Billige Ferienfahrten! 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Toto: 23: 10. Eisenhagel, Radames. 6. Rennen. 1. Silo( Grabsch), 2. Atlantis( Jane), 3. Himmelgeiſt ( D. Schmidt). Zoto: 15:10. Drei liefen. 5. Rennen. 7. Rennen. 1. La Margna( Grabsch), 2. Cromwell( Ayrig), 3. Jad London( Shurgold). Toto: 39: 10. Blag: 18, 62, 40: 10. Ferner liefen: Avec Dieux, Vers le Soir, Tbeofrit, Karo- Bube. Joel is taatus or dustis this sad sadi tu na Stead ammoth o bad mad disturbiando o d Prammi sadni nanui medi sdom alla asilor sp 416819 spilled and drif Holid ( 02) Schützen Sie die Schönheit Ihrer 198 zartfarbenen, buntgemusterten Sommerkleider durch Lux Seifenflocken! om do muz my969 nst glsid top and sit dulf hd ud sim did led to bras обы по Für Ihre feinen bunten Sommerlachen aus Kunſtleide, hide( Seide Voile und Batift brauchen Sie vor allem ein mildes Walch mittel. 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