BERLIN Sonnabend, 14. Juli 1928 2 mi noillpepia 181 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 10 Pf. πr. 330 B 163 45. Jahrgang. 66 Unzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Spätausgabe des„ Vorwärts 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Boftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 586. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Die Aufnahme der Amnestie: Politische Gefangene stellen den Hungerstreif ein! Durchführung der Begnadigung Der geftrige Reichstagsbeschluß, durch den die weitgehende Amneffie für politische Straftaten mit überwältigender Mehrheit, nur gegen die paar Stimmen der Bayerischen Volkspartei, aber mit den Stimmen der Hakenkreuzler und der kommunisten beschlossen wurde, ist in den Strafanstalten zu Gollnow und Sonnenburg bekanntgegeben worden. In Sonnenburg haben die politischen Gefangenen den Hungerstreit eingestellt; zwar erklären sie, daß das nur für heute geschähe, aber es ist nicht einzufehen, warum sie den Hungerstreit wieder aufnehmen sollten. Was die Entlaffung derjenigen Strafgefangenen anbelangt, die nach der Amnestie einen Strafrest nicht mehr zu verbüßen haben, fondern freizulaffen find, so wird ihre Entlaffung aus der Strafanstalt so schnell als irgend möglich erfolgen. Die Juftizverwaltung bemüht sich nach dieser Richtung, was auch Juffizminifter Dr. Schmidt nachdrüdlich angeordnet hat. Es handelt sich jedoch um die notwendige Affenprüfung bei einer sehr großen 3ahl Personen und es wird daher nicht möglich sein, die Entlassungen noch heute vorzunehmen. Wenu auch in Sonnenburg die wegen gemeiner Verbrechen ohne politischen Beweggrund Berurteilten den Hungerstreit noch fortfehen, fo werden fie doch einsehen müffen, daß sie von der Amneffie nicht betroffen find und darauf werden sie wohl auch ihr unsinniges Beginnen ein ftellen. Jm Festungsgefängnis Gollnow i. Pommern haben die dort untergebrachten polifischen Gefangenen bereits gestern abend beschloffen, den Hungerstreit abzubrechen. Einige hundert Rechts- und Linksradikale, politische Täter, sind gestern begnadigt worden, die meisten gänzlich, dem geringen Rest wurde der größte Teil seiner Strafe erlassen. In Preußen wird das Reichsgesetz unmittelbar bei Infrafttreten, d. h. spätestens am Montag, in die Tat umgefeßt sein. Grund genug für die Rote Fahne" einerseits, die Deutsche Zeitung" andererseits, ihr hysterisches Schimpftheater fortzusetzen. Während die ,, Rote Fahne" in ihrem Leitartikel ein halb Dugend Mal über sozialdemokratischen AmnestieDerrat" brüllt, schilt das halb völkische halb deutschnationale Blatt über die Freilassung von Mördern, Plünderern und Mordbrennern", während nationale Männer noch im Gefängnis figen müssen. Die ,, Rote Fahne" erzählt, daß Hölz im Zuchthaus gemartert werde, während die Fememörder ein Herrenleben führten, aus der ,, Deutschen Zeitung" fann man erfahren, daß Hölz im Zuchthaus alle Bergünstigungen genieße, daß dagegen die Fememörder einem sadistischen Strafvollzug ausgefeßt seien. Sieht man von solchen Kleinigkeiten ab, so ließen sich die Artikel der Deutschen Zeitung" und der Roten Fahne" bequem miteinander austauschen. Das Hakenkreuzlerblatt schließt: ,, Niemals werden wir anerkennen, daß dieser Gnadenerlaß das Unrecht beseitigt, das im Namen des formalen Rechts begangen. wurde." Das Gegenstück in der ,, Roten Fahne" lautet: ,, Um so einheitlicher und geschlossener muß die gesamte deutsche Arbeiterschaft ihren Kampf um die Bollamnestie als einen Teil des allgemeinen Klaffentampfes gegen Bourgeoisie und Koalitionsperräter fortsetzen." Wir nehmen diese tobende Einheitsfront nicht tragisch. Beide Teile dürfen doch schließlich nicht gar zu deutlich ihre Befriedigung darüber zeigen, daß sie sich von der ver haßten Republif ihre Amnestie erminfelt und erbettelt haben, eine Amnestie, wie sie weder das faschistische Italien noch das bolichemistische Rußland je feinen Gegnern gewährt hat, noch gewähren wird. D- Zug Paris- Aachen entgleift. Drei Zote.- 15 Berletzte. Der neu erschlossene Plötzensee. Der Schnellzug Paris- Belfort- Basel hatte bereits infolge miederholtem Maschinenschadens eine dreiviertelstüne Der D- Zug Paris- Belfort- Aachen ist gestern nach- dige Berspätung. Kurz hinter Bar- fur- Aube bemerkten die Reifenmittag in der Nähe von Trones, zwei Kilometer von Barden, daß die Bremsen scharf angezogen wurden. Die fur- Aube aus bisher noch unbekannter Ursache ent- Cotomotive entgleifte und stürzte mit dem Tender, dem Gepädwagen gleift. Durch den ausftrömenden Dampf der Lokomotive und einem Personenwagen die vier Meter hohe Böschung hinab. wurden drei Personen getötet und 15 leichter verletzt. Der vordere Teil des zweiten Wagens wurde eingedrüdt, während Zehntausende von Bewohnern des Berliner Nordens erfreuen sich bei der herrschenden Sommerglut einer Anlage, die erst neuerdings zu einer Erholungsstätte für das arbeitende Volk ausgestaltet wurde. Der Plötzensee ist von der Umzäunung, die ihn von der Umgebung absperrte, befreit und dient heute mit seinem malerischen Ufer und seinem großen Freibad einem schönen Erholungsplatz, wie er inmitten der Stadt leider nur noch selten zu finden ist. Die Ausgestaltung der Anlage ist ein Werk des unter sozialdemokratischer Führung stehenden Bezirksamts Wedding. der Speisewagen und die restlichen vier Bagen auf den Schienen stehen blieben. Eine durch den Unfall losgeriffene Schiene durchftieß den Heizkeffel der Maschine. Durch den ausströmenden Dampf wurde ein fiebenjähriger Schüler aus Paris, der sich in eine Ferientolonie begeben wollte, der Heizer und eine Reifende verbrüht. Alle drei find gefforben. Die 15 Berlegten, in der Mehrzahl Amerikaner. Engländer und Schweizer, find außer Gefahr. « Deulschnationolcn wegen des Ankauf» gestohlener Akten zur Verwendung gegen Stresemonn zu brandmarken. Von der Höh« seiner geläuterten Moral sprach er verächtlich über da» demokratische Entrüstungsgeschrei. Zimmermann hatte ver- gössen, daß er vor noch gor nicht langer Zeit Mitglied der Redak- tian einer demmokrotischen Zeitung hott««erden wollen, und daß er es geworden wäre, wenn die Anschauungen der Redaktion des „Berliner Tageblatts" über politische Reinlichkeit sich nicht vorteil- hast von den scinigen unterschieden hotten. Die Keckheit des Herrn Zimmerniann bewirkte, daß der Redaktion des„Berliner Tageblatts" die Galle überlief. Sie machte Herrn Zimmermann den Vorwurf der Gesinnung». lumperei. Der Beleidigte wäre einer gerichtlichen Klage mit gutem Grunde gern aus dem Wege gegangen: er wallt« die Angelegenheit auf ehrengerichtlichem Wege, d. h. in einem geheimen Ver- fahren erledigen. Erst nachdem das.„Berliner Tageblatt" erklärt hatte, daß es jede andere Auseinandersetzung als die vor dem ordentlichen Gericht ablehne, entschloß sich Herr Zimmer- mann zur Anstrengung der Privatklage, die er indessen nicht in Bcr- lin, sondern bei dem A m t s g er i ch t Oranienburg erhob. Zimmermann wohnt nämlich in Frohnau. Diese Totsache er- möglichte es ihm, ein Gericht anzurufen, dessen Sitzungen von der Oessentlichkeit nicht entfernt so aufmerksam verfolgt werden, wie Verhandlungen in der Großstadt, und er trieb die Vorsicht so weit, daß er die klage nicht nur gegen den verantwortlichen Redakteur, sondern auch gegen denjenigen dem Redaktionsftab angehörigen Herrn anstrengte, durch dessen Vermittlung er scinerzeil Unterschlupf bei der demokratischen Zeitung gesucht hotte. Zwar hotte die Tätigkeit dieses Redakteurs ficl/ darauf beschränkt, daß er den Wunsch dos Herrn Zimmermann dessen Auftrog gemäß an zuständiger Stelle vorgetragen hatte. Die Notiz, die der Klage zugrunde lag, entstammte nicht der Feder dieses Mannes, und Herr Zimmermann wußte das. Aber er hatte es durch die Aus- dehnung der Klage zuwege gebracht, etnen unangenehmen Zeugen, von dessen Aussage er die Entlarvung befürchten mußte, auszuschalten. Dieser nicht gerade vornehme Trick würde Herrn Ziinmermann vor der verdienten Stäupung nicht bewahrt haben. Sein eigener Redaktionstollege Dr. Breslauer hat sich dahin ausgesprochen, daß der Vorwurf der Gesinnungslumperei gegen einen Mann g e- rechtfertigt sei, der sich nachweislich bemüht habe, aus der Redaktion eines deutsch nationalen Blattes in die eines demokratischen hinüberzuwechseln und nach dem Scheitern seines Versuchs, Blätter der Richtung, in deren Dienst zu treten er sich bereit erklärt hatte, gehässig angreife. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Oranienburg würde den vollen Beweis dafür erbracht haben, daß die Boraussetzungen des bedingten Ver- dammungsurteil des Herrn Dr. Brcslauer bei Herrn Zimmermann gegeben sind. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird bestätigt werden, wenn Herr Zimmermann uns den Gefallen erweisen sollte, diesen ihm gewidmeten Artikel zum Gegenstand einer Be- leidigungsklage zu machen. So wenig Wert wir auf eine Ueber- einstimmung seiner Anschauungen mit den unserigcn legen, so möchten wir doch hassen, daß er gleich uns die Erhebung einer Klage für notwendig hält. Run ist das von Ijcrrn Zimmermann eingeleitete Privat- klageverfahren gegen das„Berliner Tageblatt" durch das Amnestiegesetz beendet worden. Herr Zimmermann hat Glück. Eine andere Möglichkeit, dem verdienten Schicksal zu entgehen, gab es für ihn nicht. Nicht die von ihm angeklagten Redakeure sind amnestiert worden, sonder» er selbst ist es. Das eine mag er sich aber gesagt sein lassen: Das Gesetz Hot ihm zur Amnestie verHolsen, der ehrenhafte Journalist, ganz gleich in welchem Partcilogcr er steht, gewährt sie ihm nicht. Arbeiterpartei schlägt Liberale. Wahlsieg in England. Halifax(Uorrshire), 1Z. Juli. Bei einer Nachwahl zum Unterhaus gewann t»er Kandidat der Arbeiterpartei Longbottom einen bisher mit einem Liberalen besetzten Sitz. Long- bottom erhielt Stimmen, der Liberale BarncS 12 585 und der Konservative Croßlcy 10 804 Stimmen. Feierliche Begrüßung leerer Waggons. Weil man pilfudffi darin wähnte. P i l su d s k i liebt Uebcrraschungen und sich mit dem Schleier des Geheimnisvollen zu umgeben. Die ganze Welt erfuhr, daß er nach Rumänien fahren wellt«, um sich von seinem Aergcr über den Sejm zu erholen. Tag und Stunde der'Abfahrt waren genau fest- Die Katastrophe von Sachsa. Ein Bild der Trümmer statte. Bei Bad Sachsa wurde, wie gemeldet,«in mit Landarbeitern vollbesetzter Autobus von einem Eisenbahnzug vollständig vernichtet. Fünf Menschen fanden dabei den Tod. Bei der furchtbaren Wir- kung des Zusommenstobes, die unser Bild zeigt, scheint es fast wie ein Wunder, daß überhaupt Insassen mit dem Leben davonkamen. gelegt, die Villa gemietet, die ehemaligen Legionäre der Städte, die der Marschall passieren sollte, putzten ihre Uniformen. Geheimnisvoll« O-Wagen mit der Aufschrist„bestellt' reisten von Warschau ab und wurden auf dem Lemb«rger Bahnhof von allen möglichen militärischen Vereinen feierlich und ge- horsamst begrüßt. Allerdings zeigt« sich niemand am Fenster. Ueberrascht werden sie allerdings gewesen sein, als sie dann später lesen mußten: Der Marschall jährt nicht; in Rumänien ist's zu heiß! Er ist nach Sulejuwek abgereist, wo er bei den Seinen die Ferien verbringen wird. Die rollenden Eisenbahnwagen, olle die Vorbereitungen, ein kleiner Spaß. Und die Kleinen dürfen wieder die Köpfe schütteln über die Eigenheiten der Großen. Internationaler Verband der Jugendrichter. Im Anschluß an die Pariser internationale Tagung für den Iugendschutz wurde ein internationaler Verband der Jugendrichter gegründet. Dem Vorstand gehören als Vorsitzender der Franzose Rollet, als Generalsekretär der Deutsche Clo st ermann und als Beisitzer Franke, Berlin, an. Theater der Woche. Vom 15. bis 23. Juli. Volksbühne. Theater am Bülowplah: Orpheus in der Unterwelt. Theater am Schiffbauerdamm: Der Kuhhandel. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theoler: Artisten.— Die Komödie: Es liegt in der Luft.— Theater In der Königgrähcr Straße: 1?. Leinen aus Irland. Ab 16. geschlossen.— Komödienhaus: 15. Der Präsident! Ab 16. geschlossen.— Theater des Westens: Die ungeküßte Eva.— Komische Oper: Zieh' dich aus!— Deutsches Künstlertheater: Es kommt jeder dran! Lustspielhaus: Die Reise durch Berlin in 40 Stunden.— Lessing-Iheater: Spiel im Schloß.— Residenz. Theater: Skandal im Bett.— Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.— Neues Theater am Zoo: Frühlingsmädel.— Die Tribüne: Bis 17. geschlossen, ab 18. Sibyll?... Ausgeschlossen!— Kleines Theater: Das Sprungbrett der Liebe.— Renaissance. Theater: Das Bett.— Walhatla-Theater: Der Wirt vom Heide- krug.— Rose-Thealer-Gartenbühne: Der Fürst von Pappenheim. — Schloßpark-Theater Steglitz: Bis 21. Das Dreimäderlhaus.— Theater in der Lühowstrahe: Muschi.— Theater am Kotlbusser Tor: Elitc-Sänger. , Theater mit wechselndem Spielplan. Theater in der kiosterstraßc: 15.. 19.. 21.. 22. Büchse der Pandora. 16. Die Schissbrüchigen. 17.. 18.. 20. Geschlossene Vor- stellung.— Reichshallen-Thcater: 15. Steiiiner Sänger. Ab 16. Gastspiel der Dresdener Viktoria-Sänger. Nachmittagsvorstellungen. Rosk-Theoter-Gortenbühne: 171� Ilhr. Konzert und bunter Teil.— Theater in der klosterstroße: 15. Liebe. 22. Büchse der Pandora.— Schloßpark-Theater Steglitz: 15. Die Frau ohne Kuh. Erstausführungen der Dache. Mittwoch: Tribüne: Sybille... ausgeschlosien! Wie Talente verkommen. Opernanen aus Berliner Hinterhöfen. Sonntag vormittag. Im Norden Berlins. Arbeitergegend. Ein feiner Regen riefelt. Ganz gedankenverloren eil« ich durch die menschenleeren Straßen. Plötzlich holte ich inne. Aus einem der Höfe höre ich dröhnende Applaufe. Neugierig trete ich näher. Ein eigenartiger Anblick: Alle Fenster dicht besetzt mit Menschen, mit müden Arbcitcrgcsichtern. Ihre Augen leuätzen. Sie klatschen noch immer Beifall und werfen sorgsam in Zeitungspapier gewickelte Geldstücke in den Hof. Und inmitten des Hofes steht ein junges, zartes Geschöpf, halb noch Kind. Ihm gilt der Applaus. Die Geldstücke klirren. Das Kind, ein schmerzlicher Zug um- spielt seine Lippen, huscht hin und her. Hebt die einzelnen Geld- stücke auf und steckt sie in die Tasche. Ein Mann, ein jovial aussehender Berliner beginnt aus einer Ziehharmonika zu spielen. Di« große Arie der Mimi au- der „Boheme" ertönt. Das Mädchen fängt zu singen an. Es wird mäuschenstill. Ich stehe wie gebannt und lausche dem Gesang«.— Ich schließ« die Augen und glaube eine große Sängerin zu hören, denn dieses halbe Kind erfaßt mit verblüffender Sicherheit dos Gefühl dieser Töne, den Ausdruck der Melodie und erklimmt die höchsten Höhenlagen mit spielender Leichtigkeit. Dabei steht sie ganz stille. Eine schlanke, anmutige Linie. Di« Hände ineinander- geschmiegt, die Augen gesenkt, wie in sich versunken. Sie scheint sich und die ganze trostlose Umgebung vergessen zu haben— sie singt. Dann— dos Lied ist aus. Das Bild von vorher wiederholt sich. Beifall, Geldstücke klirren, der schmerzliche Zug um den Mund des jungen Mädchens erscheint wieder. Sie klaubt die Geldstücke zusammen. Das Künstlerkonzert geht weiter. Das junge Geschöpf singt „Ave Maria". Dann kommt Mignvns Sehnsuchtslicd„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" an die Reihe. Zuletzt höre ich noch eine Arie aus den„Hugenotten". Sie singt alles durch- einander. Alles mit gleicher Innigkeit, gleicher Beseelung. Die Beiden schicken sich zu gehen an. Ick) schließ« mich ihnen an. Wir sitzen bei einem heißen Tee in einem kleinen Cofähause. Ich erfahre den Namen der Sängerin: Martha Schöne- mann. Erinnerungen werden in mir wach. Im Jahre 1925 war es, bei einem Tee des Vereins Berliner Presie im Koisersaal des Zoologischen Gartens. Ein junges löjähriges Kind, Martha Schöne- mann, wurde damals gefeiert. Des Schauspielers Eugen Burg seither verstorbene Gattin hotte sie, als sie in einem Berliner Hof fang, entdeckt und sich ihrer angenommen. Sie sang zum ersten Male vor der Oefsentlichkeit, und die Musikkritiker oller Blätter prophc- zeitcn ihr«in« glänzende Karriere. Aber bis heute— drei Jahre sind seither vergangen— geschah nichts. Die kleine Martha zieht noch immer mit ihrem Vater von 5iof.zu 5)of und verdient so ihr tägliches, karges Brot. Dazwischen tritt sie in kleinen Tingeltangels, rn der Bühnenschou der Borstadt- kinos auf, und ihr Talent liegt brach. Martha Schönemann erzählt ihre Lebcnsgefchichte. Itzr Dater, dem der Krieg seine Existenz vernichtet, machte in Hamburger Kneipen Musik. Eines Abends begleitete ihn die kleine Martha und fang den Gästen ein Liedchen vor. Sie erntet« reichen Beifall, der sich in klingend- Münzen umsetzte. So begann Marthas Lauf- bahn. Sie wurde die Stütz« der Familie, zog mit dem Vater, der sich eine Ziehharmonika anschaffte, von Haus zu Haus, von 5)os zu Hof. Zwischendurch sang sie in obskuren, kleinen Lokalen. Dann kamen sie nach Berlin, wo Martha ein gern gesehener Gast der 5)interhöfe wurde. Ich frage das Mädchen, von wem sie die Opernaricn und Kirchenlieder gelernt hat. Da kommt die unerwartete, verblüffende Antwort:„Niemand." Manha kennt noch heute kaum die Noten. „Ich hott« ein Grammophon und dies war mein einziger Lehrer. Ich kaufte mir die verschiedenen Platten, lernte den Text der Lieder und sang sie, wie sie mir das Grammophon vorspielte." Seit etwa einem Monat scheint nun in Marthas künstlerischem Dasein ein« Wendung zum Besseren eingetreten zu sein. Frau Francillo-Kaufmann, die bekannte Gesangspädogogin, hatte die ge- waltige Stimme des Mädchens neuentdcckt und' erteilt ihm jetzt Gesangsunterricht.„Noch vier bis fünf Monate studieren," erklärte sie mir,„und dieses Kind kann beruhigt in einem jeden großen Opernhaus Mim» in„Bohsme" Mignon in„Wignon" und andere 5)auptrollen singen. Sie wird durchschlagenden Erfolg haben." „Aber" und nun kommt dieses Aber,„sie braucht während dieser kurzen Monat« Ruhe und Sammlung. Sie muß eifrig lernen und darf nicht durch das tägliche Browerdienen abgelenkt werden." Und das ist der springende Punkt. Martha Schönemann soll einige Monate lang fleißig studieren. Während dieser Zeit muß sie aber auch leben. Und Martha ist arm, bettelarm. Und auch ihr Vater ist ein armer Proletarier. Voraussichtlich wird sie also, trotz ihres Möllens, ihres Strebens. ihres Könnens, wieder scheitern. Scheitern an der unerbittlich harten Wirklichkeit. Ist es denn nicht möglich, eine solch seltene Begabung auf ihrem Wege zu fördern? Ihr die materiellen Möglichkeiten zu verschaffen, um in die 5)öhe zu gelangen? Nicht die private Wohl- tätigkeit müßte hier in Tätigkeit treten. Der Staat, der für das Musikleben so viel Geld opfert, müßte sich solcher Begabungen an- nehmen. Lau! Diner Denes. „Bluff" im Wallnertheater. Aufführung des Notbundee Deutscher Bühnenangehöriger. Weil ein Hochstapler kein Hochstapler ist und weil sich ein« Hochstaplerin am Schluß als höhere Tochter vorstellt, heißt das Stück „Bluff".- Das ist einleuchtend, ober niemand versteht, warum Rudolf Schneider-Schelde für dies« Vorgänge die Bczeich- nung Groteske wählt. Die etwas sonderbor aufgemachten Gestalten sind nicht grotesk, sondern schemotislert« Lustspielfiguren, und auch die Führung der Handlung weist aus keinen einfallsreichen Kopf hin. Aber Oskar Wilde scheint es Schneider-Schelde angetan zu haben. Er bemüht sich um Bonmots und Paradoxe, leider nicht mit dem gewünschten Erfolg. Für diese Hochstoplergeschichtc, die keine ist. fehlt es ihm an Witz und Erfindungsgabe. Das Resultat: ein Lust- spiel, das nicht einmal mit guter Situationskomik aufwartet, das sogar im technischen Aufbau stellenweise versagt. Die Aufführung, die der Notbund deutscher Bühnenangehörigcr veranstaltete, hatte anständiges Niveau, das der Träger der Haupt- rolle überragte. Walter Tapp« ist durchaus überzeugend in der Konversation, ein Schauspieler mit Sinn für Ironie und von bc- herrscht«? Liebenswürdigkeit. Allerdings gibt er nur den Entwurf der Nolle ohne feinere Ausarbeitung, aber ein guter Regisseur könnte leicht die Mängel beseitigen. Man fragt sich, worum dieser Darsteller wie auch mancher andere des Ensembles kein Engagement findet._ F. S. Moderne Arbeiterfortbildung. Gewerkschastöschule in Bernau. Ein« Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- b im des wird jetzt in Bernau errichtet werden. Di« große Anlage. in einer Lichtung im Forst zwischen Bernau und Lank«, war Gegen- stand eines engeren Wettbewerbes. Die Preisrichter: Martin Wagner, Heinrich Tesienow, Theodor Leipart. Otto Hehler und Dr. Adolf Behn«, bewerteten am höchsten die Entwürfe von Hannes Meyer, dem jetzigen Leiter des Dessauer Bauhauses, Aloys Klement in Hamburg und Max Taut in Berlin. Der Bundesvorstand hat daraufhin Meyer den Bauauftrag erteilt. Ende dieses Monars wird der Grundstein gelegt werden. Die Schicke soll schon im nächsten Frühjahr ihr« Arbeit beginnen. Di« Baukosten sollen 500000 Mark nicht überschreiten. Der Leiter des Dessauer Bauhauses entwarf eine Anlage in freier Gliederung, die sich dem Gelände anpaßt. Die Schul« soll Arbeiter und Arbeiterinnen zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr weiter bilden. Sie soll den Funktionären des Ge- werkschaftsbundes in den Betrieben eine weitere Ausbildung in den Fragen des Betrisbsrechtes, der Gewerbehygiene, der Voltswirtschast geben und sie zugleich für die Aufgaben eines Referenten, eine» Schlichters, eines Iugendleiters oder Dersammlungsvorsitzenden vor- bereiten. Für diese Zwecke werden die«schüler und Schülerinnen von ihren Organisationen für vier Wochen nach Bernau geschickt werden, vielleicht später auch für länger, und sie mit ihren Familien werden in dieser Zeit wirtschaftlich sichergestellt. Die Bauanlage be- steht nun aus den Wohngclxiuden für die Hörer, 60 Zimmern für die 120 Schüler, dann aus dem Eßsaal, der Aula, den Wohnungen der Lehrer und Verwalter auf der einen, den Unterrichts- und Lese- räumen sowie der Sporthalle aus der anderen Seite. Auf dem leicht bewegten Gelände schließen sich ein Schwimmbad, ein Luft» und Sonnenbad sowie Sportanlagen an. Die Schule des Bundes mit ihrer Eingliederung in die Natur stellt einen vollkommen neuen Schultypus dar, wie das ja auch den Benutzern entspricht, die aus dem Berufsleben selbst kommen. Gerade im Hinblick daraus soll di« Vundesschulc auch als Anlage eine Art indirekte Erziehungsarbeit leisten. Eine deutsche Afrikaforscherin. Sieben Monate unter afrikanischem Bergvolk. Die erste deutsche Afrikaforscherin, und überhaupt die erste Frau. die jemals selbständig zu Forschungczweckcn den afrikanischen Busch betreten hat, Frau Gutta Pfeffer, ist dieser Tage nach mehr- monatiger Abwcienheit nach Berlin zurückgekehrt. Wie die junge Forscherin erzählte, Hot sie sich hauptsächlich mit der antrvpologi- sehen Erforschung der wilden und zum Teil noch mcnschenfresscndcn Bergvölker in Kamerun und Nigeria befaßt. Die Forschungsreise hat im ganzen acht Monate gedauert und wurde im Auftrage des Berliner Museums für Völkerkunde unter- nommen. Die von Frau Pfeffer geleitete Expedition bestand aus 18 Gepäckträgern und 2 Boys, mit denen sie sieben Monate unter den Bergstämmen lebte. Die Forscherin hat ein« reichhaltige Mate- rialsammlung mitgebracht, die dem Museum für Völkerkunde zur Verfügung gestellt werden wird. Vereinfachung der türkischen Sprache. Einführung der lateirnschen Schrift. Wie aus Konstantinopcl berichtet wird, macht die Arbeit der Kommission für lateinische Schrift in letzter Zeit gute Fortschritte. Während es früher ein« religiöse Streitfrage war, hat das Unter- richtsministertum jetzt die Kommission angewiesen, die Frag« nur rein wissenschaftlich zu behandeln. Die Parteigänger der Beibehal- tung oder der Reform-der arabischen Schrift haben in den letzten beiden Jahren an Boden v?rloren, und die Intellektuellen sind fast all« für das lateinische Alphabet gewonnen. Die Kommission hat mit der Prüfung der Vorschläge über die Wahl der Buchstaben, die Festlegung der Aussprache und der Schreibregeln begonnen. Der Reichtum an Sprachlauten im Türkischen wird über 30 Buchstaben nötig machen. Das neue Alphabet soll in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren«ingeführt werden. Die Berliner Sezession beabsichtigt na» Schluh ihrer ZlquarcllauSstrllung die noch die Monate Juli und August geöffnet bleibt, tm Herbst diese« JadrcS au« Anlaß de« SO. Geburtttage« von Professor Karl Hof er einen lieber. blick über dessen Gesamtwcrk sowohl au« öffentlichem wie auch au« privatem Besch zu geben. »kli SONNTAG SOMMER-AUSSTELLUNG AM KAISERDAMM Von 9 bis 8 Uhr geöffnet(EinlaB bis 7 Uhr) Eintrittspreis 1.50 H., jugendliche 0.75 M., Fami.lienkarten(für 3 Erwachs, und S lugendl. oder 3 Erwachs.) 3, SO M., Kinder.Zusatzkarte 0.2S M. Bei schönem Wetter: KONZERT in den Funkturmgärten 57 ERNAHRUNG ii ip a Das Rettungswerk im Polareis. Der Eisbrecher ,, Krassin". Dieses Schiff, Rußlands größter Eisbrecher, konnte mit Unterstützung der Erkundungsflieger bis gestern abend nicht weniger als sieben Menschen vor dem Tode im Polareis retten, die durch die leichtfertige Expedition Nobiles aufs Spiel gesetzt waren. Das Rettungswerk wird hoffentlich mit weiteren Erfolgen fortgesetzt. Überlebende der Viglieri- Gruppe. Kapitän Lt. Viglieri Ing. Trojani Wie Unternehmer proffen. Luxusausgaben, Putschbriefsgelder, der Syndikus als Gündenbock. Frankfurt a. M., 14. Juli.( Eigenbericht.) Der 46jährige Ingenieur Wilhelm Fuchs, der seit 1916 Geschäftsführer des Verbandes der Metallindustriellen in Frankfurt am Main war, murde vor etwa Jahresfrist wegen Untreue und Unterschlagung entlassen. Der Metallindustriellenverband hatte es jedoch unterlassen, eine Strafanzeige einzureichen. Sie erfolgte anonym. Fuchs wurde daraufhin vor 6 Monaten in Haft genommen. Die Verhandlung vor dem Großen Frankfurter Schöffengericht wurde eine schwere Unklage gegen die Metallindustriellen selbst. Es wurde zunächst gezeigt, welch unglaubliche Lotterwirtschaft jahre lang in den Kaffengeschäften dieses Verbandes geherrscht hat, dessen Mitglieder sich Tag für Tag nicht genug tun fönnen, öffentliche Körperschaften wegen angeblicher Verschwendung anzuflagen. Außerdem läßt dieser Prozeß die Frage offen, mit welchem Recht Industrielle über soziale Lasten flagen fönnen, wenn sie felbft Festessen und Festgelage veranstalten, die 40 000 mart gekostet haben und dies zu einer Zeit der schlimmsten deutschen Kapitalnot. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, 185 000 Mart unter schlagen und veruntreut zu haben. Was ergab die Beweisaufnahme? Es herrschte in den Geschäftsbüchern des Verbandes ein heilloses Durcheinander: beglaubigte Unterlagen für die Ausgaben von 185 000 Mart find nicht vorhanden. Fuchs erklärte, diese 185 000 Mart seien ordnungsgemäß für den Verband und seine Zwecke ausgegeben worden. Er habe Bollmacht für Ausgaben gehabt. Unter anderem berichtete der Angeklagte, der Verband habe Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielb. Am Gendarmenmark: Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Volksbühne heater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt Deutsches Theater Norden 12 310 3 U. Ende nach 101/2 8 Uhr: Der Kuhhandel Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. 8 Uhr Artisten Leinen aus Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 84/2 U. Ende 108 U Irland omödienhaus Norden 6304 Tägl. 81, Uhr Es liegt in Der Präsident! der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91.0önh.170 Rose- Theater Gr. Frankt. Str. 13. 5 Uhr 3/4, Ende nach 10/2 Konzert und banter fei Jastspiel d. Deutschen Th. 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Der Prozeß Mary Dugan Prof. Behounek Funk- Offizier Biagi in seinem Jubiläumsjahr ein Festessen veranstaltet, an dem 100 Personen teilgenommen haben. Die Ausgaben hierfür wurden auf 40 000 Mark tagiert. Für je 10 Personen waren vorher 10 Probeeffen à 1500 Mart, also für insgesamt 15 000 Mart, die ebenfalls aus der Verbandskasse bezahlt worden seien. Ein Sachverständiger hat bei der Prüfung der Bücher u. a. eine Rechnung von einem Frankfurter Bergnü= gungsetablissement gefunden, in dem 3500 Mait aus= gegeben worden sind, 3igarren, pro Stüd für 8 M., wurden geraucht, und da den Teilnehmern am Festgelage diese Ausgabe für Zigarren doch zu hoch erschien, veranlaßte man Fuchs, die Zigarren auf Konto Französischer Seft" zu buchen. Ferner berichtete der Angeklagte über Zusammenfünfte in Bars, über Autofahrten mit Damen, denen größere Mengen von Konfitüren und Schokolade geschenkt wurden. Alles dies sei aus der Kaffe bezahlt worden. lleber andere Gelder, die der Syndikus unterschlagen haben soll, gibt er vor Gericht an, daß sie ohne Wiffen der Verbandsmitglieder an rechtsftehende Organifationen gezahlt worden seien. Ausführlich erzählte der Angeklagte von Sigungen zu diesem Zwed, an denen General Reinhardt teilgenommen habe. Unterstützungen sind auch an.Selbstschutzorgani fationen, u. a. an die Dr gesch, gegeben worden, und zwar jährlich 30 000 Mart. In der Inflationszeit feien 250000 Gold mart dafür zur Verfügung gestellt worden. Diese Beträge seien auf Wunsch der Vorstandsmitglieder in die Kassenbücher des Vereins eingetragen worden. 1925 habe man zur Erlangung solcher Gelder beschlossen, höhere Beiträge zu erheben, ohne daß der 3wed angegeben wurde. Es feien ½ pro Mille der Lohnsumme erhoben worden, was im Jahre 30 000 Mart ausgemacht habe. Die Zeugenaussagen bestätigten zum größten Teil die Aussagen des Angeklagten. In Hemdsärmeln- unfittlich. Die empörte Stenotypistin. Herr Busch, Inhaber der Firma Jacob Busch sel. Bw., wollte nicht in den Ruf eines Nichtstuers kommen. Darum war er ununterbrochen im Geschäft anwesend und arbeitete. Sogar so start, daß er schwitzte. Wenigstens war es daraus zu schließen, daß er eines Tages es mar noch lange nicht die Zeit der Hundstagshizze in seinem Privatkontor das Jackett auszog und sich in Hemdsärmeln an den Schreibtisch sezte. In dieser Aufmachung rief er seine erste Stenotypistin, Fräulein Henriette, ins Privatkontor, um ihr einen Brief zu diktieren. Fräulein Henriette, das schon etwa drei Dutzend Lenze gesehen hat( von denen, bei denen es fortgesehen hat, wollen wir nicht reden), tam ins Privatkontor, sah den Chef in Hemdsärmeln, machte jo fort wieder fehrt, und verließ nicht nur das Privatkontor, sondern überhaupt das Geschäft. Nach einem Monat sahen sich Fräulein Henriette und Herr Busch vor dem Arbeitsgericht wieder. Die Sekretärin tlagte auf Gehaltszahlung. Herr Busch weigerte sich zu bezahlen; denn, so behauptete er, die Klägerin habe ohne jeden Grund die Stellung aufgegeben und sei einfach fortgeblieben. Das Fräulein war anderer Ansicht. Sie behauptete, mit vollem Recht die Stelle verlassen zu haben; denn der Beklagte sei ,, ihrer Ehre zu nahe getreten". Wieso, weshalb und weswegen begehrten die Richter zu wissen. Das wollte auch der beklagte Chef wissen, der diesen Vorwurf ganz entrüstet zurüdwies. Da erzählie das Fräulein, daß sie der Beklagte ins Privatkontor gerufen, und dort in Hemdsärmeln empfangen habe. So etwas fei unfittlich". Und das brauche sie sich nicht gefallen zu lassen. Ob denn sonst noch etwas vorgekommen sei, begehrte der Vorsitzende zu wissen. Diese Frage mußte das Fräulein ver= neinen. Denn, so führte sie aus, dazu habe sie es gar nicht erst fommen lassen, weil sie gleich fehrt machte, als sie den Chef in dieser ,, unfittlichen" Bekleidung gesehen hatte. In der Verhandlung wurde sehr viel geredet, besonders von der Klägerin. Der langen Rede furzer Sinn aber war, daß Fräulein Henriette mit ihrer Klage abgewiesen wurde. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß es einem Chef teinerlei Vorschriften darüber machen könne, ob er in seinem Privatkontor in Hemdsärmeln fizen dürfe oder nicht. Festnahme des Lehrerinnenmörders. In Stockach in Baden wurde von der Gendarmerie ein gewisser Meisel unter dem Verdacht verhaftet, den aufsehenerregenden Mord an den beiden Lehrerinnen auf der Weißa tannenhöhe im Feldberggebiet begangen zu haben. Der Berhaftete hatte einem Handwerksburschen, mit dem er zusammen auf der Wanderschaft war, erzählt, daß er den Mord began= gen habe. Darauf hat der andere bei der Gendarmerie eine Anzeige erstattet, was zur Verhaftung des Meisel führte. Ob es sich hier tatsächlich um den seit langem gesuchten Mörder handelt, bleibt vorläufig noch abzuwarten. Wieder ein schwarzweißrofer Richter. Der Republikanischen Be schwerdestelle Berlin war gemeldet worden, daß der Oberlandes gerichtsrat Heuermann bei jeder Kundgebung der Kriegervereine, so auch beim Gardefest am 6. Mai 1928, seine Dienstwohnung in Quenen a. Lippe schwarzweißrot beflaggt hat. Auf Beschwerde hin hat nunmehr der Oberlandesgerichtspräsident Dr. Jockwer in Hamm der Republikanischen Beschwerdestelle mitgeteilt, daß er das Erforderliche veranlaßt habe. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland a. Sylt: heiter. Helgoland: heiter. Borfum: heiter. Bremen: wolkenlos. Hamburg: wolkenlos. Ostsee. Travemünde: heiter. Wornemünde: wolfenlos. Saßniz: wolfenlos. Sminemünde: heiter. Stettin: fast wolkenlos. Kolberg: heiter. Stolp: wolkig. Danzig- 30ppot: heiter. Seebad Kranz: wolfig, nach Regen. Harz. Schierke: ziemlich heiter. Harzburg: heiter. Bad Sachsa: heiter. Brocken: heiter. Thüringen. Erfurt: wolfenlos. Eisenach: heiter. Bad Liebenſtein: heiter, nach Frühnebel. Infelsberg: wolkenlos. Hessen Kassel: heiter. Wasserfuppe/ Rhön: wolfenlos. Sachsen. Dresden: ziemlich heiter. Schandau: heiter. Annaberg: heiter. Fichtelberg( Erzgeb.): heiter. Zittau: heiter. Schlesien. Breslau: wolfenlos. Flinsberg: heiter. Schreiberhau: heiter. Bad Reinerz: heiter. Bad Landed: heiter. Rheingebiet. Köln: heiter. Bad Aachen: wolkenlos. Koblenz: heiter. Wiesbaden: heiter. Frankfurt a. M.: wolfenlos. Feldberg/ Taunus: wolkenlos. Baden. Karlsruhe: wolfenlos. Baden- Baden: heiter. Feldberg/ Schwarzwald: heiter. Bartenkirchen: heiter. Zugspitze: in Wolfen. Berchtesgaden: heiter. Bayern. Fürth: wolfenlos. München: molfenlos. GarmischOberstdorf: heiter. Bad Tölz: heiter. Tegernsee: heiter. Desterreich. Innsbrud: fast woltenlos. Salzburg: wolfenlos. Wien: wolfenlos. Wetterbericht der öffentlichten Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Heiter bei wenig veränderten Temperaturen, und ziemlich heiß; lofale Gewitter nicht ausgeschlossen. nur geringe Gewitterneigung. Für Deutschland: Ueberall heiter Berantwortlich für die Redaktion: Artur Saternus, Berlin; Anzeigen: Th. Gloce, Der Angeklagte wurde wegen Unterschlagung zu 1½ Jahren Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanftalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Gefängnis verurteilt. Sierzu 1 Beilage. Lustspielhaus Täglich 8, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden Kleines Theater 81 Uhr Sprungbett Theater des Westens Residenz- Theater 8 Uhr: Blumenstr. 8. Lori Leux in Täglich 8 Uhr Die ungeküßte Eva Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk der Liebe ST. PAULI Zesch- Ballot, Christel Storm. Torning, Garrison Schafheitlin. Saitenbarg- Bühnen Dis. Künstler- Th. 8 Uhr Es kommt jeder dran: Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: Spiel im Schloss" IN O Skandal Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr: im Bett! Der Wirt vom Sitten schwank Heldekrug in 3 Akten. In der Hauptrolle Ein lustiges Spiel m. Elfriede Mertens a.G. Gesang u. Tanz m. d. Jugendliche haben neuesten Schlagern Park.auch Sonntags keinen Zutritt! statt 4. M. Parkett auch Sonnt. statt 4- Mk. BERLIN nur 1.- Mk. TANZ AM ALEXANDERPL. NEUE KÖNIGSTR 62-64 Das neueste für Berlin! Eröffnet! nur 60 Pl. Reichshallen- Theater Sonntag, den 15. Juli 1928 Abschieds- Vorstellung der Stettiner Sänger ab 16. 7. Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger Anf. 8 Uhr. Preise d. Plätz wie immer. Donholl Breit': ( Saal und Garten) Varieté Tanz- Kabarett Komische 8 Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkau ab 10 Uh ununterbrochen. Der gute KapitänKaufabak ist in den meisten Zigarrenseschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Theater am Kottbusser Zor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr: Elite Sänger allabendlich Bombenerfolg! Lachen ohne Ende. u. a: ,, Wasserratien" sowie der unvergleichliche Soloteil. Spezialehandl ar für Ischias n Hüft uesäß und Bein, wenn Erzil. festgestellt. In 15 Tagen sind Unantastbare Heilerfolge. chwere Fälle beseitigt worden. estätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Patentanwalt Dipl.- Ing. Hans Wolff BERLIN SW 68 Alexandrinenstraße 1 Beilage Sonnabend, 14. Juli 1928. Der Ab p n d Spalausgabe des Vorwärts Miquel als Revoluzzer Ach! ein bayrisches Guldenstück 3st fein preußischer Taler; Darum folge nur Cäsars Glüd, Nationalliberaler! Herwegh. Wenn Seine Exzellenz, der fgl. preußische Finanzminister v. Miquel im Parlament für den Zusammenschluß der staatserhaltenden Kräfte" die Trommel rührte, warf er für die Eingeweihten einen Schatten, der merkwürdig einem Heckerhut glich, und wenn er gegen die Mächte des Umsturzes metterte, blickte ihm das Gespenst der eigenen Vergangenheit höhnisch über die Schulter auf das Papier, von dem er seine Phrasen ablas. Daß der hohe Herr in jungen Jahren selbst in Umsturz gemacht hatte, mußte man zum mindesten seit 1893, da Bebel auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Köln einen Brief Miquels an Karl Marg perlas und bald darauf auch im Reichstag auf beider Beziehungen anspielte. Daß derart ein heller Lichtstreif auf eine Begstrede seiner Entwicklung fiel, die er selbst ängstlich im Dunkel gehalten hatte, war dem Bielverschlagenen äußerst peinlich; in einem Schreiben an Wil helm II. entschuldigte er spisfindig die Sünden feiner ,, unreifen Jugend", um von der Burg Hohenzollern ein faiserliches Beruhigungstelegramm zu empfangen, das dröhnendes Blech war: Bom Feis zum Meer, von Jugendträumen zur Mannestat, das ist Ihres Königs Antwort vom Hohenzollern." Das Rezept für ehrgeizige Umstürzler. T Als freilich Eduard Bernstein 1914 in der Neuen Zeit" auch die übrigen Briefe Miquels an Marg veröffentlichte, ward alle Welt gemahr, daß jenes Beschäftigung mit Revolution und Sozialismus doch nicht nur eine beiläufige Episode seiner grünen Jahre gewesen war, aber erst durch den fürzlich erschienenen ersten Band der groß angelegten Monographie Johannes Miquel", die Wilhelm Mommsen( bei der Deutschen Berlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin und Leipzig) herausgibt, tritt die Revoluzzerrolle dessen, der nachmals ein ausgefochter, eisfalter Reaktionär wurde, plastisch und drastisch hervor. Mommsen ist feineswegs, wie es oft Biographen widerfährt, in das Objekt seiner Darstellung ver. liebt, aber er bemüht sich, wie es die Pflicht gebeut, die politischen Bandlungen Miquels, die man grob als schäbiges Renegatentum abtun tönnte, psychologisch aufzuhellen. Die angeführte Erflärung, daß der Eindrucksfähige leicht dem Einfluß seiner Umwelt erlegen sei, daß ihn der Wille zur Macht besessen habe, vor allem, daß er den Drang zum Handeln in sich gespürt habe, in seiner Un geduld unfähig, auf das Reifen seiner Ideale zu harren, mag schon ftimmen, und ein höchft fomplizierter, schwer faßbarer Charafter", ein doppelbodiger, doppelpoliger Mensch war er sicher, aber vielleicht traf auch in Einfalt ein findlich Gemüt das Richtige, als der Göttinger Polizeirat Rüppel ihn 1865 in einem amtlichen Bericht einen ,, falt und schlauberechnenden Menschen" nannte, von dem ein Kenner seines Charafters versichert habe:„ Berschaffen Sie Miquel eine seinen Neigungen und seinem Ehrgeiz entsprechende Stellung, und er wird seinen demokrati schen Liebhabereien entsagen!" Miquel, Hecker und Marx. Damals war er längst nicht mehr das gefährliche Subjeft", als das der Göttinger Magistrat den Studenten Miquel abgeftempelt hatte, sondern eben im Begriff, zum Bürgermeister von Osnabrück aufzurücken, und gar nicht mehr fern davon, mit fliegenden Fahnen in Bismards Lager überzugehen. Seine Jugendideale lagen längst, zu Scherben geschlagen, im Mülleimer. Auf ihre Bildung hatte Johannes Miquels um zehn Jahre älterer Bruder 23 ilhelm nicht wenig eingewirkt, der, Gymnasiallehrer, nicht nur auf dem äußersten linken Flügel der vormärzlichen Demokratie stand, sondern auch der Sache des Sozialismus, wie er sie verstand, leidenschaftlich zugetan war. Kein Wunder, daß auch der Jüngere einer der radikalsten unter den Radikalen war, als er sich an der Heidelberger Universität dem Studium der Rechte überließ; und als gar die Märzrevolution aufflammte, hei! was war da, unter feinem breitrandigen Demokratenhut, der zwanzigjährige Miquel für ein Bursch! Hecker und Struve hießen seine Vorbilder; attiver Revolutionär zu werden hinderte ihn mur ein Zufall, und aus seinem eigenen Munde stammt das Geständnis, daß er nach Hannover entsandt worden sei, um Bauernaufstände zu organisieren. Jedenfalls trieb er es in Göttingen, wohin in sein Vater überzusiedein zwang, ebenin toll wie in Heidelberg, pebärdete sich unter den Hochschülern als Wortführer der radikalſten Richtung, sammelte Unterschriften für eine Huldigungsschrift an Heder und entwarf auf dem Eisenacher Studententag zu Pfingsten 1848 eine Adresse, in der es ohne Umschweife hieß: Wir wollen feine Vereinbarung mit den Fürsten, denn die Nation hat sich selbst aus eigener Kraft geeinigt und wird aus ihren bewährtesten Patrioten schon den Mann finden, der nicht von Gottes Gnaden, sondern frei gewählt ihr Bundesoberhaupt sein wird. Mit einem Worte: Wir wollen die Republit als die einzige Staatsform, die eines edlen und gebildeten Menschen würdig ist, und die als ihr erstes Banier das teuer errungene Kleinod unserer Revolution, die gleiche Berechtigung aller, obenanstellt. Spätestens seit dem Jahre 1848 verschlang Miquel auch heißhungrig alles, was er an sozialistischer Literatur auftreiben fonnte, und wenn er Fourier und Proudhon nicht verschmähte, so schlug ihn doch die kühne und zwingende Dialektik der Marr und Engels in Bann. Als er im Sommer 1850 zu Göttingen der Rechtsanwaltsprüfung zusteuerte, wandte er sich denn, der Jüngere an den Meister, brieflich an Mary, indem er die Visitenkarte abgab: Kommunist und Atheist, will ich wie Sie die Dit tatur der Arbeiterklasse." Zugleich empfahl er, bei dem unvermeidlich kommenden Umsturz die revolutionäre But auf die Spitze zu treiben" und ging überhaupt stramm aufs Ganze. Der partikuläre Terrorismus, die lokale Anarchie müssen uns ersezen, war uns im großen abgeht. Klaffenbewußt fein fehlt den meisten deutschen Arbeitern gänzlich, wir müssen den individuellen Haß, die Rachelust des Bauern gegen den Bucherer, die Erbitterung des Tage. löhners gegen den Herrn" ausbeuten, wir müssen an allen einzelnen Stationen( da mir noch kein Zentrum haben) so rasch und eindringlich terrorisieren, daß wir den demokratischen Ausbeutern bei der Vollendung ihrer Organisation als vollkommen siegreiche Macht entgegentreten können. Solcher Tatbereitschaft verschloß sich Marr nicht, und in der " Folge war Miquel tätiges Mitglied des Bundes der Kommunisten, gründete und leitete eine sechs Köpfe zählende Gemeinde" dieser Geheimorganisation, rief einen Arbeiterbildungsverein ins Leben, beides in Göttingen, und wirkte 1851 durchaus als Ver. trauensmann von Marg in Deutschland. Miquels Stube," schließt Mommsen ,,,, war anscheinend ein Zentralpunkt der ganzen Agitation in Deutschland." Strohfeuer oder kämpferische Leidenschaft? Der revolutionäre Eifer des späteren wilhelminischen Handlangers mar schon deshalb kein rasch verfladerndes Strohfeuer, weil er sich mit der Flamme einer großen Liebesleidenschaft paarte. Seine Neigung zu Bertha Lewy, Schwester des Schriftstellers Julius Rodenberg, sog nicht wenig Nahrung aus der fommunistischen Ueberzeugung, die der Mann wie das Mädchen teilten. An seine traffe und flare Materialistin" richtete Miquel klassenbewußt politische Liebesbriefe, die revolutionäre Kampflust schnoben; statt Don Nachtigallengefang und Beilchenduft schwärmte er der Geliebten von der Zeit vor, wo wir all diesen Jämmerlichkeiten" nämlich der ganzen bürgerlichen Gesellschaft durch einen fräftigen Fußtritt den Garaus machen", und als Berthas orthodox jüdische Eltern ihr nicht umsonst geboten, von dem Christen zu lassen, stieß er, dem Bösewicht Franz Moor gleich, die zähneknirschende Drohung aus: ,, Die bürgerliche Gesellschaft zwingt mich, allein zu bleiben, ich werde sie dafür unter die Füße treren. Bom Revoluzzer zum Reaktionär. Theaterdonner! Denn ach! Wie schnell hatte die bürgerliche Ges fellschaft den gar nicht Widerstrebenden unter ihren Füßen, und mie rasch rutschte er dann immer weiter nach rechts, bis er als Sachwalter des oſtelbischen Junkertums endete! Das war kein Sonderschicksal und symbolisiert sich in einer Episode aus feiner Revoluzzerzeit. Als Miquel sich in den Tagen des Bor. parlaments mit einer Schar gleichgesinnter Kommilitionen, alle forchterlich mit Menfurschlägern bewaffnet, von Heidelberg nach Frankfurt aufmachte, um die Weltgeschichte ein wenig auf den Trab zu bringen, wurden von der besorgten hessischen Regierung die Eisenbahnwagen mit den kühnen Freiheitshelden in Darmstadt vom Zug abgehängt und auf ein totes Gleis geschoben, wo sich die aufgeregten Jünglinge, nicht zuletzt unter dem Einfluß reichlich verzapften Frei. biers, allgemach beruhigten. Das war das Los des 1848 rebellierenden Bürgertums überhaupt: von den Machthabern auf ein totes Gleis geschoben zu werden, es sich schmecken zu lassen und den Aufrührertrotz abzuschwören. Sagt doch selbst Mommsen, gewiß fein Sozialist, daß Miquels Entwidlung für die bürgerlichliberale Generation der Zeit von 1848 bis Wilhelm II. typisch sei. Hermann Wendel. Gesundheit durch das Bild. Was uns das Arbeitsschutzmuseum sagt. VORSICHT ,, Safety first" sagt man in Eng land, und dieses Wort ist dort eine feststehende Redewendung. Ueber alles die Sicherheit!" heißt das auf Deutsch, aber leider erfreut sich dieser Ausruf noch lischen Wortbruder beschieden ist, und nicht der Popularität, die seinem eng lischen Wortbruder beschieden ist, und doch läßt sich gewiß nicht sagen, daß die Gliedmaßen eines deutschen Arbeiters meniger wertvoll, weniger wichtig wären, als die seines englischen den ist die UnfallverhütungsArbeitskollegen. Unter diesen Umstänpropaganda, die die Berufsgenossenschaften konsequent und zweifellos mit Geschick betreiben, jegens beim Umschreiten von Ecken fellos mit Geschick betreiben, segensreich und erfreulich. Natürlich ist es in erster Linie Sache der Unternehmer, dafür zu sorgen, daß ihre Maschinen, Apparate und Gerare mit allen erdenklichen Sicherheitsmitteln gestattet sind, daß an Bohrmaschinen, Drehwerten, Bandsägen, Wertbänken nicht die Schutzkörbe und Absaugungsvorrichtungen für die Späne fehlen, daß die Hochspannungstabel einwandfrei isoliert, daß Asbestschirme vorhanden sind, die gegen die Ueberraschungen von Heizflammen feien, daß Treibriemen mit Gittern versehen und Gas rohre nicht undicht sind. In Berlin existiert ein Benutze tändiges Fainch Richtig unfallsichere Holztritte od. Leitern 빼기 Ricine aus FALSCH wonnen worden sind, jene Bilder zu sein, die den Augenblick des Unglüdsfalles darstellen, aber die Fol. gen, die er für den Verunglückenden haben wird, nur ahnen lassen und noch nicht festlegen. Dieser Art von Bils dern wohnt eine starke dramatische Kraft inne. Sie sind packend und zwingen dazu, selbständig meiterzudenken und das Angedeutete zu vollenden. Sie regen die Phantasie an, eine Visionenfolge abzuspulen, die bei dem Augenblick der Unvorsichtigkeit beginnt, und sich bis zu dem Zeitpunkt der Verletzung erstreckt. Der Arbeiter ist in besonders starfem Maße von Gefahren umgeben. Im Jahre 1925 erstatteten die gewerben Betrieve ves veurschen Reiches 652 897 Unfallmeldungen, und nicht weniger als 5285 der Unfälle hatten den Tod des Verunglückten im Gefolge. Aber es lauert nicht nur auf den Arbeiter, sondern auf jeglichen Menschen überhaupt die Gefahr. Wer hätte nicht zuweilen mit elektrischem Strom oder Gas zu tun, wer hantierte nicht gelegentlich mit Hammer, Meißel, Art, Spaten, wer bestiege nicht manchmal Leitern, wer öffnete nicht Risten, wer lüde nicht auf oder ab, wer höbe und trüge nicht hin und wieder! Vor allem: wer ginge nicht täglich auf der Straße! Natürlich ist das nicht so, daß Arbeits= alle diese Betätigungen sich dauernd unter schwerster Lebensbe= schußmuseum, das drohung für die Beteiligten abwickelten. Es hat feinen Sinn, zu durch Bilder und Moübertreiben und sich in einer wüsten Schwarzmalerei zu ergehen. delle darüber belehrt, Aber es ist gewiß, daß undichte Gashähne, schlecht isolierte Leitungen, was zu tun not ist und nachläffig aufgestellte Leitern, geöffnete Riften, aus denen die Nägel das auf dem laufenden nicht entfernt sind, falsch gehandhabte Werkzeuge schweres Unheil über den Stand der anzurichten vermögen. Es sind feine schwierigen Rezepte, die die Propagandabilder vorschreiben, sondern nur leicht einprägianie Grundregeln, deren Vernunft offen auf der Hand liegt. Eine wichtige Warnung, die die Propagandabilder aussprechen, ist auch die: Niemals Laien am Körper herumturieren lassen! Der Arbeiter, der dem Kollegen einen Splitter aus dem Auge entfernen oder ihm die Wunde auswaschen will, womöglich sogar mit Seife, mag ja ein sehr wohlwollender Mensch sein, aber sicher ist auch, daß er vin der Heilkunst nicht das mindeste versteht und mit großer Wahrschein lichkeit das an sich harmlose Uebel nur verschlimmert Auch bei Kleinigkeiten zum Arzt oder wenigstens in die Unfallstation! Es lohnt sich! Schutzvorrichtungstechnik erhält. Aber zweifellos ist nicht genug damit getan, daß der Unternehmer feine Pflicht erfüllt und Schutzvorrichtungen an seinen Maschinen anbringt. Der Arbeiter muß sie auch benugen, und dazu gehört zunächst einmal, daß er sich im flaren über die Gefahren ist, die ihm drohen. Ein falsches den Mittel, auf diese Ge fahren aufmerksam zu machen, ist die Verbotstafel, die fleingedruckt und mit Fliegendreck durchsetzt an einer verborgenen Ede des Betriebes hängt und im echten Kasernenhofton soundsoviel Paragraphen aufzählt, die da anfangen: Es ist untersagt... Die ArSolche Aus beiter werden angewiesen... Es ist verboten hänge liest kein Mensch, und läse er sie doch, dann ärgerte er sich über die arrogante Kommandiererei, die aus solcher Literatur spricht. Nicht darauf kommt es an, zu drohen und Strafen zu verhängen, sondern darauf, den Arbeitern recht sinnfällig und anschaulich vor Augen zu führen, daß es im Interesse ihrer Gesundheit und in dem der unversehrtheit ihrer Gliedmaßen liegt, gewisse Borsichten walten. zu lassen. Das Unfallverhütungsbild ist das richtige Mittel, auf Gefahren hinzuweisen und sie zu bannen. Wie soll es sein? Da wäre zunächst einmal das humoristische Bild, das sich des spaßigen Tonfalls befleißigt, um zu belehren. Dann wäre das fachliche Bild, das unterrichtet: So soll es sein! und so soll es nicht sein! Dann wäre das grausige Bild, das die fürchterlichen Folgen zeigt, von Am wirtsamsten denen Fahrlässigkeiten begleitet sein können. scheinen, nach den Erfahrungen, die bisher auf diesem Gebiet ge. esd lis 2 pandiung Eine Tatsache ist ferner, daß manche Arbeiter einen gewissen Ehrgeiz dareinseßen, ganz ohne oder doch mur mit unumgänglichen Schutzvorrichtungen aus zufommen, und daß sie fich beispielsweise einreden, das Auge des auto genen Schweißers gewöhne sich mit der Zeit an die grellen Lichtbögen könne daher der und entraten. Schutzbrille Stolz ist eine schöne Sache. Aber nirgendwo ist er unangebrachyter, als gegenüber den Mitteln und Bestrebungen, die das einzige Kapital schützen möchten, dessen der Arbeiter sich manchmal noch immer rühmen fann: seinen gesun den Körper. Hans Bauer. delsern Lulegtetzen Sichern! vonSkzzZ tBurvffSsLÜszr 1. Fortsetzung� Frau Fernleitner hatte den Tisch frei gemacht und häufte jetzt einen Berg von Wäschestücken darauf. Hilde nahm ihre Bücher vor. einen französischen Klassiker, daneben das Wörterbuch. Die Frau stopfte vorsichtig, das Mädcl wand sich durch die lleborsetzung end- loser Verse durch und beide taten, als ob es nichts Wichtigeres für sie gäbe. Frau Fernleitner erhob den Kopf. „Weiht du was, Kind, wir werden uns schließlich doch verstehen müssen, das Schlafzimmer zu vermieten. Das sieht in den Garten hinaus und wäre am besten anzubringen. Mein Bett nehmen wir herüber, es ist Platz genug, und wenn wir einen Vorhang ein- hängen, sieht das Zimmer hier gar nicht verändert aus, eher noch schöner. Und du bleibst in deinem Kammerl." „So steht's also schon!" sagte sich Hilde, denn sie wußte, daß die Mutter bisher immer die Idee einer Zimmervermietung abgelehnt hatte. Aber sie nickte nur zustimmend und rezitierte laut den pothe- tischen französischen Vers, den sie gerade in Arbeit hatte und der die Weisheit eines greisen Schlachtenführrs kundtat.. Die Mutter korri- gierte die Aussprach« eines Wortes und Hilde sagte es ihr nach. Dann herrscht« wieder Ruhe. Die Mutter warf den halben Wäsche- pack ungeslickt beiseite und nahm auch ein Buch vor, und Hilde türmte die Schulbücher aufeinander und las auch, las mit leuchten- den Augen, als ab sie weiß Gott welche.Abenteurergeschichten vor sich hätte. Aber es war«in sanfter Dichter, der sie in den Frieden seiner Landschaft zog und mit den einfache» Ereignissen, die er darstellte, beglückt«. Dann schlug die Standuhr mit leisem, feinem Tone zehnmal. Mutter und Tochter hatten nur wenig miteinander gesprochen. Die Mutter war so müde vom vielen Reden, für das st« bezahtt wurde. betteln, manchmal nur gewohnheitsgemüß, selbst wenn sie müde war. Sonst pflegte Hilde immer noch um ein« halbe Stunde zu beteln, manchmal nur gewohnheitsgemäß, selbst wenn sie müde war. Heute gab sie sogleich nach. „Also gute Nacht, Mutti!" „Und... Kind.. Frau Fernleitner fragte es zögergd, gleichsam schamhaft...„du... bist... mir nicht böse, daß ich dich dabehalte, bei mir... anstatt dich fremden Leuten zu überlassen?" „Aber dir böse sein, Mutti!" Hilde sprang hoch zur schlanken, großen Mutter hinauf und beugt« ihr Haupt zu sich nieder. „Nein, Mutti, wir bleiben schon beisammen!" Dann legte sie sich gehorsam zu Bett, sagte gute Nacht und ließ von der Mutter das elektrische Lämpchen neben sich abdrehen. Sie suchte einzuschlafen, aber es gelang nicht. Sic suchte sich nach einmal die Landschaften vorzustellen, von denen sie eben gelesen hatte und die sie so liebte. Aber die Berge und Täler zerrannen, wie ein Sonnenhimmel plötzlich hinter Regenwolken verschwindet. Und plötzlich, sie wußte selbst nicht, wie es gekommen war. quoll ein Strom heißer Tränen aus ihren Augen. Rasch biß sie fest in die Kissen, damit Mutti das Schluchzen nicht höre, und dann weinte sie, so herzlich sie konnte. Oh, diese enge Stube, in der die alte Standuhr mit ihrem vorlauten, unbegreiflich raschen Ticken die Zeit in ganz winzige Späne zu verteilen schien! Oh. dieser altmodische Hausrat, an den man sich stieß! Und die Tür, die sich von da ins Freie, ins Weite öffnen wollte, ward wieder zugeschlagen! Sie hatte, ohne es Muttt zu sagen, doch auf diese dänisch« Reise gehofft. Und nun— alle dies« Träume— adieu! Wieder hieß es: später, vielleicht später! Aber bald lösten sich die Zähne vom Kissen und die Tränen hörten auf, die Wangen wurden trocken und ein Lächeln lagerte sich über dem halbgeöffneten Mund«. Hilde schlief dein neuen Tag entgegen. ..Wie in der guten alten Zeit." Für den nächsten Sonntag nachmittag war Hilde wieder zu den Grubers geladen. Ihre Schutkollegin Lutz Gruber hatte Geburtstag. Sie hieß natürlich Ludmilla, aber sie wäre sehr böse gewesen, wenn man sie anders als Lutz genannt hatte, und sie schämte sich geradezu, wenn sie bei feierlichen Gelegenheiten, wie bei der Zeugnisverteilung, mit dem amtlich beglaubigten Tauf- namen aufgerufen wurde. Also Lutz feierte ihren fünfzehnten Geburtstag und bat einige Kameradinnen, ihn mit ihr zu feiern. Diese Devise: Wie in der guten alten Zeit. Sie sagte zedem einzelnen, den sie einlud, es sollte sehr lustig werden und sie flüsterte auch jeder zu, daß sogar «in Offizier von der italienischen Militärkommission da sein werde. Und das werde nicht die einzige Ueberrafchung dieses denkwürdigen Nachmittags sein. Es war, als Hilde eintrat, die übrigens wieder einmal bild- hübsch aussah, tatsächlich wie in jener Zeit, die die Familie Gruber als gute zu bezeichnen schien. Es war geheizt, rein als ob die Gastgeber zeigen wollten, daß sie Kohlen genug hätten. Im hell erleuchteten Salon waren schon mehrere junge Damen und junge Herren da und auch ein wirklicher fescher Leutnant, der sich freilich bei näherer Besichtigung als Fräulein Dely Gruber erwies, als die ältere der beiden Schwestern, die die selige Paradeuniform eines ihrer Brüder angelegt hatte. Papa und Mama Grubcr ließen sich nicht blick«», sondern die Leitung des Hauses hatte, wie er immer wieder erkförte, Herr Eduard Gruber übernommen, der ein strenges Regiment zu führen versprach. Unter den Gästen, bald waren ihrer zwanzig da. mar auch der italienische Offizier, ein glutäugiger, junger Mann mit ewig schmachtendem Gesichtsausdruck, der, wie die anwesenden Damen sich einig waren, wie ein Operetten- tenor während seiner großen Liebesarie aussah und doch bald von allen umringt wurde. Cr suchte recht drollig sich in einem wienerisch- italienisch-französischen Kauderwelsch verständlich zu machen. Gleich, als Hilde da war, ließ Ediiard Gruber die Gesellschaft, mit der er sich bisher unterhalten hatte, und wich nicht mehr von ihrer Seite. Er war um fünf Jahre älter als sie, ein hübscher Jung« mit ein wenig weichlichen Zügen und gewollt nachlässiger Haltung. „Na, Fräulein Hilde," sagt« er, im Ton und in den Worten wie gewöhnlich ein bißchen ironisch,„Ihnen muß es wohl auch ein Vergnügen sein, sich in die gute alte Zeit zu versetzen? Was? Damals war man halt jünger und das ist für eine Dame immer was besonderes, sich jünger zu machen." r „Ja, ja," sagte Hilde darauf,„bei Kriegsausbruch war ich zehn, oder eigentlich doch schon els Jahre alt." „Da ist es eigentlich für Sie jetzt besser, wo Sie schon ein Fräulein sind. Wissen S' Fräulein Hilde, wann ich'- recht überleg", war's ja damals, in der guten alten Zeit zinnlich fad. Die Schul', und mit den Professoren hob' ich mich nie so recht einigen können, und die ewige Angst vor der Matura, die ich ja nie gemacht hätt', ohne den Krieg mit seinen Notstandseinrichtungen. Ah, sein Gufts hot er schon g'habt, der Krieg, ganz unter uns g'sagt, Fräulein Hilde." Das war nun der Kleinen zuviel und sie sagte, indem sie die Oberlippe hochzog, ein Zeichen der Mißbilligung, dos Edi immer verstand:„Das kann ich aber nicht finden." Sie politisierten, das war ja jetzt an der Tagesordnung. Und Eduard Gruber, der Sohn von Adolf Gruber und Söhne, zeichnete, wie gewöhnlich dabei auch«in wenig über sich selbst und die Seinigen spottend, unliebsame und nicht zu verleugnende Tatsachen mit einem gemütlichen Witz verbrämend, ein Bild jener guten alten Zeit, die sich für die Firma und die mit ihr Verbundenen weit über Krieg und Kriegselend hinaus zog und jetzt erst im Sttirm der Zeit mit Getöse untergegangen war. Dem Beispiel aller, die vor ihm sprachen, folgend, hiett er sich für verpflichtet, jener strahlenden Vergangenheit, obgleich er sie kaum gekonnt hatte, und wo sie doch für ihn ganz gegenwärtig geblieben war. nachzutrauern. Das war wenigstens für Adolf Gruber und Söhne eine Zeit gewesen, die freilich allerhand Reize hatte und in der es sich nicht übel hatte leben lassen. Die geringen Unannehmlichkeiten, die Familie Gruber schandenhalber oder um nicht allzu seh?" aufzufallen, jetzt auf sich nehmen mußte, stachen davon ob wie Schönheitspflästerchen auf dem Teint einer blonden Frau. „Ich bitt' Sie, Fräulein Hilde, jetzt darf man net einmal mehr am Sonntag ein« Autotour inachen!" Das war der eine Höhepunkt der Anklagen und der zweite: „Und im Wienerwold reißen s' die Bäum' aus dem Boden, um sich zu wärmen!" Der erste Vorwurf gegen die neue Zeit berührte Hilde nicht sonderlich, aber den zweiten hielt sie nicht für unberechtigt. Es war wirklich arg, die Wälder so zu verschandeln, daß Biertelstunden lang kein Fleckchen Schatten mehr war, wo man sonst unter Laub- dächern hatte spazieren gehen können. Bisher hatte Hilde hübsch ruhig zugehört, und sie war, ohne es sich natürlich einzugestehen. ganz stolz, daß dieser weltgewandte junge Mann so vernünftig mit ihr sprach. Es war manchmal gewesen, als nähme er sie an der 5)and. um sie in einem Paradies herumzuführen, das sie ja nie mit wachen Augen gesehen hatte. War's möglich, daß die Leute früher so sorglos, so heiter ihre Tag« hatten verbringen dürfen? Der Edi, pardon der junge Herr Gruber, hatte wie ein Ausrufer die Bilder gezeigt... Wissen S', Fräulein Hilde, so eine Burg- theaterpremiere... denken S' sich, Fräulein Hilde, eine Land- Partie nach Heiligenkrcuz in Fiakern... wie der Dicrwoldstättcr See schön ist, davon hat man ja keine Ahnung, wenn mon's nicht gesehen hat... und was meine alleren Brüder mir so manchmal verraten haben, das kann ich Ihnen heut' gar nicht erzählen, heut' noch nicht...(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". nmmmiiiimiiummiiimiiiiiiiimiiimmiiiiiimiiiiimimiiiinmimiiininiiimmiiiiimiiiiiiiiMimMmniiiiiiiiiimiimmmiiimmimwminimniiiimiiiinininimmnimiiimmmtnm Zahlenrätsel. 1234512678 9 8 1 2 10 8 9 3 2 10. Fest der Republik. 1 3 8 11 8. Gerät zum Radio. 8 6 6 8 9. Eßgeschirr. 3 8 9 1 2. Innere Angelegenheit. 5 6 10 2. Weiblicher Vorname. 3 3 8 9. Schlange. 13 5 1. Männlicher Vorname. 8 9 4 8. Glücksspiel. 4 3 210. Wochentag. 8 6 6 8. Altes Längenmaß. '451. Altgriechisches Gebiet. 7 8 6. Vergland am Rhein. 4 8 9 Säugetier des Nordens. 6 8 9. Alte Münze. 5 12. Stadt an der Elbe. 3 8 9. Einzäunung. Eharade. Mit k im Leib bin ich'ne Rübe, Mit Z mach' ich das Antlitz trüb«. Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Sozialistenführer: 2. Sozialistensührer: 3 Rauschgift: 4. Ausdruck im Schachspiel: 7. Asrikan. Reptil: 9. Kanton: 11. Beweismittel: 14. bibl. Gestalt: 15. Erdteil; 16. preuß. Staatsmann: 18. Pflanze: 20. Trinkgesäß.— Wage- recht: 5. Erdteil; 6. dcmlcher Strom: 8. Riese: 10. Frucht; 12. Staat der USA.; 13. Flüßchcn in Thürinzen; IS. Gruß: 17. Planet: 19. Staat in der Tschechoslowakei: 21. Sesteinsart; 22. Teil des Baumes: 23. Stadt in der Mark Brandenburg. Wettkampf beim Kreuzworträtfel-Z�aten. Irmgard, Paula tind Ursel brauchten zur Lösung eines Kreuzworträtsels zusammen 50 Minuten. Paula brauchte 5 Minuten menigcr als Irmgard, Ursel 8 Minuten weniger als Irmgard und Paula zusammen. Wieviel Minuten brauchte jede? Umstellung. Du findest ihn in Afrika Und auch in Nordamerika; Schlag' ihm den Kopf ab, so grauslich es sei, Ein Städtchen in Böhmen gewiimst du dabei. Oder laß ihm den Kops und kehr' um den Mann, Ein erfrischendes Nah daraus werden kann. Die fehlende erste Silbe. byl hel her co saß gis Heft i ka le Ii me mi wund na nal ne on phos rups re rok schnitt si.— Aus diesen 24 Silben sind 12 dreisilbige Wörter zu bilden unter Hinzufüzung einer flleich. lautenden ersten Silbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? Kapselrätsel. � Nachtlicht: Buchdeckel; Leinewand: Banner: Erbfolge: Sprüh- regen: Hauswirt: Mastdarm: Bubenstreich: Kurtaxe: Reigen; Altona. — Aus vorstehenden 12 Wörtern sind je 3, aus den letzten beiden je 2 aufeinanderjolgend« Buchstaben zu entnehmen, die anein- andergejügt einen alten Erfahrungssatz nennen(eh zwei Buchstaben). Auflösung der Aufgaben nächsten Mittwoch. Austösungen der Rätsel aus voriger Tlummer. Silbenrätsel: Immun, Chile, hnbar«, Wehlou, Clbe, Irmgard, Seide, Sahib, Repos, Idee, Cecil. Hagel, Tasio, Wale», Aulis.— Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Kreuzworträtsel. Senkrecht: l. Pan; 2. Mur; 3. Emu: 4. Taft; 6..Hag: 7. Urnia; 9. Taube; 11. Atlas: 14. Lama: 16, Malz: 18. Lab: 20. Alt; 22, Ion: 23. Arn:.— Wage recht. 3. Etat; 5 Uhu: 8. Man: 9. Tran: 10. Huf: 12. Gnu; 13. Titus: 15 Album; 17. Tal; 19. Aar: 21. Mais; 23. 2IU; 24. Abo; 20. Arzt. Geographie: Karthago. Gotha, Helgoland. Landkarte Rösselsprung: Greift nur hinein m'z volle Menschenleben: Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt Und wo iihr's packt, da ist's interessant. Vorspiel zu Goethe?„Faust", Ausbau: Bast Ei Bastei Bastelei. Magisches Quadrat: 1. Adam; 2. Duma; Z. Amorz 4. Marx. folgaller Nr. 330 45. Jahrgang Technik Sonnabend, 14. Juli 1928 Margarine- ein Maschinenprodukt. 1 führt der mechanische Weg zu den Badmaschinen. Ein endloser Margarinestreifen quillt aus einem quadratischen Mundstück, ein Messer schneidet automatisch den Halbpfund- oder Pfundwürfel ab, Metallarme ergreifen die Würfel, Backpapier schiebt sich unter und andere Metallarme verschließen das fertige Patet. So wan Vor einem halben Jahrhundert noch bestand in Deutschland| walzen, bie das Produkt bis zur völligen Gleichförmigkeit ausmaizen, eine einzige fleine Margarinefabrit, die täglich mur etliche Zentner dieses neuen Nahrungsmittels produzierte. Im vergangenen Jahre dagegen murde der wöchentliche Margarineverbrauch in Deutschland auf 8 Millionen Kilo beziffert und die Jahresproduktion der deutschen Margarineindustrie auf annähernd 500 Millionen Kilo. Die Schöpfung Mège Mouriers. Frisches Milde 100 Broz. enthaltene Rotosfett einen außerordentlich hohen Nährs wert für den menschlichen Körper befigt. Wirtschaft und Margarine. Hand in Hand mit dieser eindrucksvollen technischen Entwic Lung ging aber in der Margarineindustrie eine Zusammenballung der kapitalistischen Kräfte vor sich, die für die Verbrauchermassen äußerst gefährlich ist. 3wei Riefentonzerne mit Deutsch holländisch englischem Kapital, die Jürgens- und van den Bergh Gruppen beherrschten heute etwa 300 Fabriken. Allein in Deutschland werden etwa zwei Drittel der gesamten Produktion von ihnen kontrolliert. Darüber hin aus besitzen sie auch noch bei den Werken, die nicht zu ihren Konzerngruppen gehören, großen Einfluß als Rohstofflieferanten, da die meisten freien Werke teine eigenen Delmühlen besitzen. Die Gefahr einer Preisdiktatur liegt also nahe. Befämpft werden kann sie bei der heutigen Situation nur durch die erpprobte Selbsthilfe der Arbeiterschaft in der konsumgenossenschaftlichen Bewegung. In Großbritannien versorgen zurzeit bereits zwei Margarinefabriken größten Stils fünf Millionen Haushaltungen des Genossenschaftsverbandes und bilden damit einen festen Wall gegen Monopolbestrebungen der Margarinetonzerne. In Deutschland find wir noch nicht so weit, doch hat die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Ronfume Diese wenigen Ziffern genügen, um den rapiden Aufschwung, den der Mar garineverbrauch in den letzten Jahrzehnten genommen hat, zu kennzeichnen. Die Jahre nach dem Kriege taten ein übriges, um bei der gesunkenen Lebenshaltung der breiten Volksmassen der billigen Kunstbutter immer nette Berbraucherscharen zuzuführen. Es wäre aber verfehlt, von den eindrudsvollen Verbrauchsziffern unserer Zeit auf eine reibungslose Entwicklung der Margarineindustrie zu schließen. Seit dem Jahre 1869, in dem der hervorragende französische Nahrungsmittelchemiter Mège Mourier die erste Kunstbutter schuf, die er aus zerlassenem Rindertalg und Milch im Verhältnis 85: 15 herstellte, hat die Berbreitimg diefes neuen Nahrungsmittels Rückschläge über Rückschläge erfahren, bis es populär wurde und sich bei den Hausfrauen durchsetzen konnte. Durch Margarinegenuß hervorgerufene Bergiftungen fleineren und größeren Umfanges in der Borkriegszeit vertieften na. türlich das Mißtrauen, das einem neu auf den Markt kommenden Nahrungsmittel stets zu begegnen pflegt.| dern täglich aus diesem Bert eine halbe Million Pfund Margarine| vereine ihren technisch- fortschrittlichen Geist zur Genüge bewiesen, In solchen Fällen gefellte sich zum Schaden auch noch der Spott in den Spalten der Wizblätter, wie jene viel belachte Karikatur in einem Berliner Blatt, die den Papst als Gastgeber ungehorsamer Tellerwalzen Fettgemisch und frische Milch werden in den Kirnen emulgiert. Kühlung und Härtung auf eisgekühlter Trommel Walzung in der Multiplex und Knetung auf der Teller Maschine walze Form und Packs maschine in die bereitstehenden Waggons. Das erstaunlichste an diesem Prozeß ist, daß während des ganzen Produktionsganges teine menschlichye Hand mit der Ware in Berührung fommt. Koch-, Back- und Bratenfett. So unentbehrlich die Margarine als Brotaufstrich für die wert. tätige Bevölkerung geworden ist, so wenig ist das Balmin als Koch, Back- und Bratenfett aus dem Haushalt der Lohn- und Gehaltsempfänger wegzudenken. Der Ursprung des Palmin geht auf den deutschen Chemifer Dr. Heinrich Schlint zurück, der vor etwa 40 Jahren die erste fleine Fabrik in Frankfurt a. M. ins Leben rief, die fich heute unter gleichem Namen in Hamburg zu einem gewaltigen Unternehmen ausgewachsen hat. Balmin ist ein reines Pflanzenfett, das aus dem Fleisch der Kotosnuß( Indien, Südsee, Afrifa) gewonnen wird. Der Fabri tationsgang des Palmin ist dem der Margarine sehr ähnlich. Das getrocknete Fleisch der Kotosnuß, die Kopra, wird zu Mehl gemahlen und das Del unter stärkstem hydraulischen Drud bis zu 500 Atmosphären ausgepreßt und raffiniert. In dem Raffinierungsprozeß wird das Rokosöl oder besser Rofosfett zunächst von Fettfäuren befreit. Das jeßt neutrale Kotosjett wird durch Bleichen mit Absorptionsmitteln farblos gemacht und destilliert, indem in fuftleerem Raum ein heißer Dampfstrom durch das Fett gejagt wird. Die riechenden und schmedenden Anteile des Kofosfettes find flüchtig Kirchenfürsten darstellte, die, mit Margarine bewirtet, in furzer und destillieren mit dem Dampf über. Das Kokosfett ist jetzt geruch Frift alle Vier von sich streden. Der Weg der Margarine. und geschmacklos und nach mehrmaliger Filtration ist der Veredelungsprozeß beendet. Das Del wird durch Rohrleitungen in Abfüllräume gepumpt, auf mechanischem Wege in flache Blechformen geleitet und auf dem Wege durch die Kühlräume erstarrt es bis auf den Kern. Das Palmin ist fertig. Nährwert der Pflanzenbutter, Biel umstritten war die Frage des Nährwertes der Mar. garine. Er ist nach den neuesten wissenschaftlichen Feststellungen sehr hoch und steht hinter der Butter nicht zurüd. Nach Professor v. Judenad liefern je 100 Gramm Butter Margarine Dauermurst Reis. . Kalorien 761,1 761,1 • 499,1 343,1 Ralorien Ger. Schweinefleisch 220,0 Roggenbrot 210,6 Vollmilch Apfel · . 64,4 56,3 Es zeigt sich also, daß das bei der Margarinefabrikation verwandte Fett der überseeischen Delsaaten und das im Palmin zu Aber diese Kinderfrankheiten gehören vergangenen Zeiten an. Die Margarinefabrikation unserer Tage hat dank der rastlosen technischen Fortschritte eine denkbar hohe Produktionsstufe erreicht, die den unbemittelten Käufermassen, die nicht täglich die teure Naturbutter auf dem Tisch des Hauses sehen können, die Gewähr gibt, ein aus reinen Naturstoffen hergestelltes hoch wertiges Nahrungsmittel zu erhalten. Der äußerst fesselnde Produktionsweg, den die aus Uebersee tommenden Rohstoffe, Delpalmfrüchte, Paranüsse und Sonabohnen, bis zur fertigen Margarine durchmachen, konnte bei einer eingehenden Besichtigung der Mar garinewerfe in Altona Bahrenfeld, der größten Margarinefabrik der Welt, und der Schlink- Palminwerte verfolgt werden. Die aus dem Hafen in Bastfähnen kommenden Delsaaten werden zu Mehl gemahlen und mit starkem hydraulischen Drud bis zu 500 At. mosphären ausgepreßt. Der Rückstand bildet den Delfuchen, der ein hochwertiges Kraftfutter für Rinder und Pferde darstellt. Das gewonnene Del wird einem mehrfachen Raffinadeprozeß unterworfen, um die in jedem Del enthaltenen schwer verdaulichen Fettsäuren zu entfernen. Diese Fettsäuren wiederum geben den wichtigsten Grundstoff für die Herstellung von Pflanzenfettfeifen ab. Am Ende des Raffinadeprozesses ist das für die Margarine Senugte Del wasserklar sowie geruch und geschmadlos. Während dieje Delströme in Röhrenleitungen Riesenbehältern( Kirnen) zufließen, geht in der Milchabteilung ein wichtiger anderer Prozeß vor sich. Ueber 50 000 Liter Kuhmilch, die für die tägliche Produktion erforderlich sind, werden zunächst tief gefühlt und sodann feimfrei gemacht. Die von der Wissen schaft festgestellten Batterien, die der Kuhbutter ihr natürliches Aroma verleihen und die heute in Reinfultur gezüchtet werden können, werden der Milch zugelegt, die sich dann gleichfalls in Rohrleitungen ergießt und fich in den Kirnen mit dem Delstrom trifft. Schnellaufende Rührwerte mischen Delsette und Milch so lange, bis sie sich zu einer Creme verbunden haben. Da vorher bereits das erforderliche Eigelb zugesetzt ist und damit alle erforderlichen Stoffe in der Margarine en halten find, hat jetzt nur noch der notwendige Erstarrungsprozeß einzuSezen. Zu diesem Zweck wird die Masse maschinell auf große ratierende Kühltrommeln in millimeterdünner Schicht aufgetragen. Eine einzige Umdrehung dieser eisgekühlten Riesentrommel genügt, um die flüffige Masse zu Margarine erstarren zu lassen, die mun auf mechanischem Wege in die Multiplexfnetmaschine wandert. Diese Maschine ist ein etagenförmiges System von Bahnradtegein, Gdmedengetriebe und geriffelten Holzmalzen, zwischen denen die Dlargarine gefnetet, von mässerigen Reften befreit und mit dem nötigen Salz versehen wird. Ueber Teller Afrika Russione Ⓒ COCOS Chino @ SCHMALZ BAUMWOLLOEL RAPS ③SESAM © ERDNUSS, FETTBOHNEN RINDERFETT PALMKERN HARTFETY ①SONNENBLUMENDEL BUTTER Australia Ursprungsländer der Oele und Fette um dieses so wichtige Neuland für die Millionen ihrer organi fierten Berbraucher bald in Bearbeitung zu nehmen. Dr. R. Bathe. Maschinelles Kirnen Bücher für Alle. STOC Ing. E. Pfeiffer und Dr. med. W. Schweisheimer: Alendert die Technik den menschlichen Körper?" 80 Geiten, 16 Abbildungen. Died u. Co.( Franch's Technischer Berlag), Stuttgart.- Breis geh. M. 1,80. Dieses Büchlein ist eine der interessantesten Neuerscheinungen. Es ist aus der Zusammenarbeit zweier tüchtiger Fachleute, eines Ingenieurs und eines Mediziners entstanden. Der Mensch selbst steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Verfasser unterscheiden scharf zwischen dem Einfluß der Industrialisierung und dem der Technik. Sie behandeln nicht soziale Fragen, sondern versuchen zu einem ob jektiven Ergebnis hinsichtlich der Veränderungen zu gelangen, die ausschließlich auf das Konto der Technik selbst zu sehen sind. Sie zeigen, was der Mensch durch die Technik verlor und was er durch fie gewann. Die Verfasser tommen schließlich zu dem Ergebnis, daß die Technik mit ihren tausendfältigen Geräten, die an alle Sinne des Menschen ihre verschiedensten Anforderungen stellen, in der Tat den menschlichen Organismus beeinflussen. Nur eins verhindert die allgemeine Erkenntnis dieser Tatsache: Der unendlich langsame Umwandlungsprozeß, den die Menschheit im Laufe der Entwicklung burchzumachen hat. Der allzugroßen Mechanisierung hat unsere Zeit die sportliche Betätigung entgegengesetzt. Daher ist auch das Kapitel, das vom Sport und der Technik handelt, besonders zu begrüßen. Hier wird mit großer Schärfe der Zusammenhang zwischen sportlichen llebungen und technischen Anforderungen flar gemacht:„ Die Technik verlangt 3medmäßigkeit, und da dieser weder das Mutterföhnchen, noch der Kraftprozeß entspricht, sucht sie durch ihren Bundesgenossen Sport feine solchen Träger heranzuziehen. Wir brauchen Nerv, Gewandtheit, Millen und flaren Blick. Das fleine, leicht faßlich geschriebene Buch wird vielen neue Einblicke in das Verhältnis Mensch und Technik gewähren. Es ist ein gutes, ein ausgezeichnetes Volksbuch. Bernh. Weidmann. Taschenbuch der handwerklichen Selbsthilfe. Verlag J. F. Schreiber, Eßlingen und München. 206 Seiten Text, 326 Abbildungen auf 41 Tafeln. Preis geh. 4 M. Dieses handliche Werk, das wirklich den Namen Taschenbuch verdient, gehört mit zu dem Beste: t, was auf diesem Gebiete bisher dem Laien geboten wurde, ja, auch mancher Fachmann dürfte erstaunt sein, mit welcher Geschicklichkeit und wie anregend sein eigenes Fachgebiet geschildert wird. Das Buch gibt Auskunft über Maurer, Zimmer manns, Tischler- und Schlosserarbeiten, es behandelt die Arbeiten des Installateurs und des Klempners, Glaser- und Ofensetzer- und Malerarbeiten, somie die des Tapezierers. Es gibt ausgezeichnete Rezepte und hervorragende Anleitung zur Handhabung der Werkzeuge und Bea handlung der Wertstoffe. Es ist ein Meisterwert auf biefem Gebiete, Der Arzt im Sport. Sein Dienst an der Volksgesundheit. Das preußische Wohlfahrtsministerium ist seit mehreren Jahren mit starkem Nachdruck auf dem Gebiete der sport ärztlichen leberwachung als einem wichtigen Ausschnitt der Volkshygiene tätig. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt hier einen kurzen Ueberblick über das Arbeitsgebiet der Sportärzte, deren Ausbildung dem Wohlfahrts= ministerium besonders am Herzen liegt. Der uralte Gedante, daß vorbeugen besser als heilen" ist, hat auch bei der Schaffung des Sportarztberufes am Anfang dieses Jahrhunderts Pate gestanden. Anders als der Krankenarzt, berät der Sportarzt vorwiegend den gesunden Menschen und vor allem die Jugend. Er unterweist sie in der Hygiene und bringt insbesondere dem im Wachstum begriffenen jungen Menschen diejenigen Kenntnisse bei, die ihn befähigen, feinen Organismus auf der Grundlage der ererbten physischen, sittlichen und geistigen Eigenschaften zu höchster Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Aber darüber hinaus will der Sportarzt der Jugend als Mensch ein Führer sein. Seine Arbeit gibt ihm die Möglichkeit, dem Heranwachsenden die Rätsel so mancher Fragen des Ablaufs unseres täglichen Lebens zu lösen und ihm so jene Erkenntnis zu vermitteln, daß er nicht Schiffbruch leide an den Klippen, die seine Entwicklung bedrohen. Gestützt vor allem auf die wesentliche Förderung des preu ßischen Wohlfahrtsministeriums hat das Sportarztwesen sich zu einem heute bereits allgemein anerkannten Arbeitsgebiet der Gesundheitspflege entwickelt. So hat die preußische Medizinalverwaltung bereits in der Nachkriegszeit begonnen, den Angelegenheiten, die mit der Sporthygiene und dem Sport arztwesen zusammenhängen, ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es wurden im Rahmen der Dienstversammlungen der Regierungs- und Medizinalräte der preußischen Regierung wissenschaftliche Referate über das einschlägige Arbeitsgebiet gehalten, es wurden ferner aus Mitteln, die das Wohlfahrtsministerium zur Verfügung stellte, neutrale Lehrgänge für die Fortbildung der Sportärzte eingerichtet und beibehalten, Richtlinien für die GesundDle Handballspiele. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hat einer Reihe von Kampfs spielen, die bisher unter die Bezeichnung„ Turnspiele" fielen, num den Sammelnamen ,, handballspiel" gegeben. Dazu gehören Handball, Raffball, Faustball, Trommelball, Hockey, Schlagball und Tennis. Begründet wird diese Umbenennung damit, daß die Beheitspflege durch Leibesübungen aufgestellt, die Einrichtung der fo- zeichnung„ Turn" spiele veraltet ist, denn nicht nur die Turner, songenannten Leistungsprüfungen geschaffen usw. Kurz: das preußische Wohlfahrtsministerium hat diesen neuen Zweig der Heilkunde im Intereffe der Volksgesundheit soweit nur irgendmöglich gefördert! Damit erhielt die sportbegeisterte Jugend in Deutschland einen wertpollen und starten, von ärztlich- wissenschaftlicher Autorität getragenen Rückhalt für den tatkräftigen Ausbau ihrer Bestrebungen. In den Jugendlichen, sowohl den Schülern wie den der Schule noch nicht lange Entwachsenen, bekommt der Arzt meist schon ein sportliches im gewissen Sinne vorgebildetes Material zur Untersuchung, da heute, ja schon in den Schulen Leibesübungen getrieben werden. Aber sein Urteil wird zwingend beeinflußt durch die Tatsache, daß es sich hier um Organismen handelt, die noch in der Entwic Iung begriffen sind. Seine Maßnahmen gelten daher der Möglichkeit, diese Entwicklung verfolgen zu fönnen. Mehrfache Unter suchungen im Jahre, die den Zweck haben, praktische Ratschläge für die Ausgleichung etwa gefundener förperlicher Mängel zu geben, find nötig. Die zu wählende Sportart ist zu bestimmen, wenn nicht etwa auf Grund des ärztlichen Befundes überhaupt jede sportliche Betätigung unterbleiben muß, wie bei beginnender Lungentubertulose und manchen Herzklappenfehlern, während z. B. bei nur nervösen Beschwerden im allgemeinen die sportliche Betätigung dem Jugendlichen wohl empfohlen werden kann. Es gehört zur sport. ärztlichen Untersuchung, daß auch die psychische Leistungsfähigkeit soweit als irgendmöglich festgestellt wird. Für die attiven Sportsleute fommt besonders die in Frage. Ueberwachung und Beobachtung beim Training Im Interesse der Volksgesundheit liegt es, daß die Entwicklung, die das Sportarztwesen in gedeihlicher Zusammenarbeit mit den Sportorganisationen bisher genommen hat, weiter fortschreitet. Die zuständigen preußischen Stellen werden jedenfalls ihre Bemühungen auf diesem Gebiete von Jahr zu Jahr weiter verstärken und alle neuen wissenschaftlichen Erfahrungen laufend für diese Arbeit nutzbar machen. gewonnen. Die den Kampfabend bestreitenden Paare ning für den Sonntag beendet. Insbesondere Reppel und PöhAtemlose Stille herrschte auf der Stadionbahn in Köln- nisch haben den Hochstand ihrer Form erreicht und zweifellos sehr Müngersdorf, als die beiden Lokalmatadore Mathias Engel und befriedigende Proben ihres Könnens abgelegt. Reineswegs aber Oszmella zum Entscheidungskampf um die Deutsche Flie werden sich ihre Gegner leicht geschlagen geben. germeisterschaft 1928 in die Pedale traten. Oszmella führte und trat in der letzten Runde auf der Geraden kurz entschlossen an. Er hatte im Handumdrehen drei Längen gewonnen, aber Engel ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit prächtigem Antritt holte er den verlorenen Boden auf, war 30 Meter vor dem Ziel mit Dizmella auf gleicher Höhe und rang Oszmella schließlich auf dem Zielband mit einer halben Länge nieder. Der Jubel der Zuschauer über den Sieg des vorjährigen Amateurweltmeisters war riesengroß. Der Bundesvorsitzende Mooshagen legte dem Fahrer das Meistertrifot an, während Kölns Engel Deutscher Meister. Reppel- Kühm und Böhnisch- Schulz haben foeben ihr scharfes Trai. Engel, der neue Meister. Oberbürgermeister Dr. Adenauer dem neuen Fliegermeister Schärpe und Medaille überreichte. Stehend wurde das Deutschlandlied gesungen, dann begab sich Engel auf die Ehrenrunde. Der neue Meister der Berufsflieger steht erst im 23. Lebensjahre, seine ersten Radrennen bestritt er 1924. Schon zwei Jahre später reihte er Erfolg an Erfolg. Seine stolzesten Triumphe als Herrenfahrer hatte er in den Großen Preisen von Paris und Kopenhagen und in der vorjährigen deutschen und in der Weltmeisterschaft. Im Die se ch s Vorläufe verliefen so ziemlich programmäßig. Nacheinander gewannen Fride, Engel, Oszmella, Ehmer( gegen Schamberg) ihre Vorläufe, dann wurde Graue wegen Innendurch gehens zugunsten von Knappe distanziert und schließlich war Frankenstein erfolgreich. Zu diesen sechs Fahrern gesellten sich Schamberg und Steffes als Gewinner der Hoffnungsläufe. ersten Zwischenlauf schieden Schamberg und der Titelverteidiger Fride gegen Engel und Frankenstein aus, den zweiten Zwischenlauf holte fich Oszmella gegen Knappe, während Steffes und Ehmer auszuscheiden hatten. Für die Entscheidung in sechs 3weierläufen blieben somit Engel, Oszmella, Knappe und Frankenstein übrig. Die Revanche bei Rütt. Die vier Ersten der Deutschen Meisterschaft sollen morgen, Sonntag nachmittag um 16% Uhr, die traditionelle Revanche auf der einwandfreien Bahn der Rütt- Arena austragen. Man kann gespannt sein, ob es Frenzel gelingt, nochmals dem Ansturm feiner drei schnellen Gegner siegreich zu begegnen und damit die Echtheit des Meisterschaftsresultates zu beweisen. Die Regatta des FSV. Morgen 2. Renntag. Die letzte Wettfahrt des Freien Seglerverbandes im Rahmen der Sommerwoche findet morgen, Sonntag, auf dem Müggelsee statt. Start und Ziel um 11 Uhr vor dem Müggel seereſtaurant( Rahnsdorf). Um 9 Uhr Start zur Sonderwettfahrt der 15- Quadratmeter- Rennjollenklasse. Sommerboxen. Auch der zweite Bogtampfabend bei Rütt hatte wieder mur schwachen Besuch aufzuweisen. Trotz der wahnsinnigen Tempe ratur wurde aber guter Sport geboten, und die Sieger mußten sich ihre Lorbeeren in harter Arbeit verdienen. Der Berliner Schwer gewichtler Walter punktete den Westfalen Bischof mur fnapp nieder. Das gleiche Resultat erzielte Borf auf Bremen über Glaser Berlin. Der zum ersten Male als Profi auftretende Magdeburger Schulz fand in Graß Köln feinen Gegner, den er gebrauchen konnte. Bereits in der zweiten Runde gab Graß wegen einer Augenverlegung auf. Ein anderer talentierter Neuling stellte sich in dem aus Bonn gebürtigen Röderstein vor. Es reichte bei ihm sogar, gegen einen Mar Dietmann ein Unent schieden zu erreichen. In dem Treffen der Leichtgewichte fertigte der Engländer Young Spears Krufe Hamburg in der fiebenten Runde durch t. o. ab, nachdem der Unterlegene bereits in der fünften Runde einmal am Boden war. # Rettungsdienst am Krüpelsee. Der Verein Cablower Angelfreunde hat in seiner letzten Sizung beschlossen, auf seinem Grundstück an der Cab. Tower Lante, die in Verbindung mit dem Krüpelfee steht, einen Rettungsdienst für alle Wassersporttreibende einzurichten. Der Verein wird an jedem Sonntag und, soweit Mitglieder anwesend sind, auch in der Woche einen nur für diese Zwecke bestimmten Rahn mit allen Rettungswerkzeugen ausgerüstet in Bereitschaft halten, um nötigenfalls mit zwei diensthabenden Mitgliedern bei Gefahr sofort eingreifen zu können. Auf dem Grundstück befindet sich am Waffer auch eine Alarmglode. Um Helgoland geschwommen. Wie gemeldet wird, ist es dem 66jährigen Sanitätsrat Dr. Shiff aus Berlin gestern gelungen, die Insel Helgoland in 4 Stunden 56 Minuten zu umschwimmen. Das Haus der Schwimmer. Der Deutsche Schwimmverband hat auf dem Gelände des Sportforums im Grunewald gestern nachmittag sein Haus geweiht. Gegenwärtig waren Vertreter des Reichsrates, der Minifterien des Innern, des Aeußern und der Reichswehr, der Stadt Berlin und der bürgerlichen Sport- Spitzenverbände. Nach dem Hoch auf den Reichspräsidenten(!) macht Har für den Schwimmverband die ersten Hammerschläge. Ichm schloffen sich Geheimrat Beder für das Reichsinnenministerium und die Abgesandten der Verbände an. Windhundrennen im Poststadion. Heute, Sonnabend, 20,30 Uhr findet im Boststadion der neunte Bindhundrenntag statt. Der Be heraus, sich mit Demetia über die Strecke von 482 Meter zu messen. fizer des bisher erfolgreichsten Hundes Demetia fordert jeden Hund Bisher haben zwei Besizer die Herausforderung angenommen. Für den Preis von Widrathsberg, ein Flachrennen, das in drei Ausscheidungsrennen die Besten herausschält, hat Herr Hermann Belger Für die beiden Matches im Dempsey- Ring des Lunaparts am einen wertvollen Ehrenpreis gestiftet. Den Schluß des Renntages bildet ein Hürdenrennen über 482 Meter, die sich beim Publikum Sonntag 9 Hhr abends wurde Samson Körner als Ring- größter Beliebtheit erfreuen. Im Boxring des Lunaparks. dern auch Leichtathleten, Schwimmer, Schwerathleten, Ruderer, ja jogar Fußballspieler betreiben obige, Rampfspiele mit großem Intereffe. Im Gegensatz zum Fuß ballspiel, das eine Sparte für sich bildet, können die Hand ballspiele also als Algemeingut aller Sparten bezeichnet werden. Sie sind Ergänzungssport im besten Sinne des Wortes und zugleich die Brücke, die die Sportgegenfäße verringert oder ganz zu beseitigen durchaus geeignet ist. Im Jahre 1927 waren in 4073 gemeldeten Vereinen 1793 Spielabteilungen vorhanden mit 68 166 Spieltagen. Auf jeden Verein tommen demnach 167 Spielabende. Gemeldet wurden 60 379 Spieler und Spielerinnen somie 20 595 Kinder. Da von 2800 Vereinen die Spielstatistik fehlt, so kann mit gerechnet werden. weit über 100 000 Handballspielen An den Vereinsspielen im Handball beteiligten sich 1813 Mannschaften mit 8361 Spielen, das ist ein Mehr von 374 1813 Mannschaften mit 8361 Spielen, das ist ein Mehr von 374 Mannschaften und 2165 Spielen gegen das Vorjahr. Am Raffball beteiligten sich 739 Mannschaften mit 3511 Spielen( Minus Ostschweizerisches Arbeiter- Turn- und Sportfest in Arbon am Bodensee. 113 Mannschaften und 20 Spiele). Schlag ball hatte 282 Mannschaften mit 973 Spielen( Minus 72 Manns haften und 75 Spiele). Faust ball, das frühere Universalspiel der Turner, weist einen großen Rückgang auf, bei 1852 Mannschaften und 6939 Spielen ergibt sich ein Weniger von 549 Mannschaften und 427 Spielen. Tennis ist zum erstenmal mit fünf Mannschaften und sechs Spielen angeführt, hat sich inzwischen aber bedeutend vergrößert. Hockey erscheint gleichfalls erstmalig in der Statistit, und zwar mit 73 Mannschaften und 222 Spielen. Außer den Serienspielen, die Pflichtspiele der gemeldeten Vereine sind, gibt es noch Börsenspiele, die von den Spielführern allwöchentlich in einer Zusammenkunft( Börse) frei millig vereinbart werden. An Börsenspielen beteiligten sich insgesamt 3515 Mannschaften mit 21 289 Spielen. Davon entfallen allein auf das eigentliche Handballspiel 1685 Mannschaften mit 11 455 Spielen. Von den Vereinen selbst wurden außerdem noch 46 086 Spiele mit 6506 Mannschaften vermittelt, davon 19 946 Spiele mit 2182 Mannschaften für Handball. Trommelball, das beliebte Turnerinnenspiel, war hierbei mit 349 Mannschaften und 1325 Spielen beteiligt( Minus 77 Mannschaften und 305 Spiele). Tennis hatte 37 Mannschaften und 61 Spiele( Plus 29 Mannschaften und 57 Spiele). Erstmalig ist auch Eishoden beteiligt mit zwei Mannschaften und neun Spielen. Die Bundesspielstatistik ist mit großem Fleiß zusammengestellt und ein Beweis zielbewußter Organisation. Als Resultat fann festgestellt werden, daß das Handballspiel von allen Kampfspielen den größten Erfolg hat. Es hat den Anschein, als wenn dieses Spiel sich auch weiter im gleichen Maße entwickeln und das FußballSpiel bald einholen, wenn nicht gar überhoben wird. Schon jetzt spielen alle Kreife des Bundes Handball. Raffball ist auf Sachsen beschränkt. Schlagball hat seinen Boden in Nordwestdeutschland und im Hamburger Gebiet. Das Trommelballspiel der Turrinnen ist in vielen Kreisen schon durch Handball abgelöst. Tennis, bisher das Spiel der höheren Töchter und Jünglinge, ist in schnellem Aufstieg begriffen und findet großes Interesse auch bei Schwerarbeitern, was bei der Feinheit dieses Spiels sehr interessant iſt. Die weitere Ausbreitung ist von der Lösung der Spielplatz= frage abhängig. Die Arbeitervertreter in den Kommunen sollten dieses schöne Spiel durch Bewilligung von Mitteln für Tennisplähe unterstützen. Eis hoden ist in Danzig, Elbing und Königsberg eifrig gepflegt und sind Spiele mit den Letten ausgetragen worden. richtig. Aber wir sehen noch ein weiteres: Die Jugend will bei ,, Unsere Jugend hungert nach Licht, Luft und Sonne!" Das ist Wettkampf und Spiel Körperfraft und Lebensfreude erobern und genießen." Der Arbeitersport hat die Pflicht, diese jungen Sportler auch zu flaffenbewußten Kämpfern zu erziehen! Diese Aufgabe muß in enger Fühlung mit der Partei und den Gewerkschaften gelöst werden. Der Anfang ist gemacht, wir fönnen nur münschen, daß alle Beteiligten mit vollem Ernst an die Arbeit gehen. Jungen und Mädel sind zu Hunderttaufenden im Arbeitersport organisiert. Sie zu erobern für die politische und gewerkschaftliche Arbeit das ist die Pflicht der Erwachsenen! Die Wahrheit. Ueber die Vorkommnisse beim Frauensportfest des 1. Kreises in Ertner werden in den Vereinen und Versammlungen vielfach falsche Darstellungen verbreitet, deshalb sei folgendes mitgeteilt: Der Vorstand der Turnersparte( Nigichte, M. Zeilinger und M. Stephan) haben bereits im Mai ausdrücklich ihre Zustim mung gegeben, daß die Reichsbannerfapelle von Erfner beim Frauenfest in Sportkleidung spielen darf. Am Feftfonntag felbft haben die Obengenannten aber nichts getan, um diesen Beschluß durchzuführen, im Gegenteil wurden die Beteiligten über die erteilte Genehmigung im unklaren gelassen. Darüber hinaus haben Nitschke und der Fichte"-Turnwart Kienbaum sich eifrig bemüht, eine erregte Stimmung gegen das Reichsbanner heraufzubeschwören. Die Turnerinnen und Sportlerinnen haben sich an diesem Streit gar nicht beteiligt, sondern nur lebhaft bedauert, daß ihr Fest durch diese Machinationen gestört wurde.