BERLIN Montag, 16. Juli Nos bru 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts EM 10 Pf. Nr. 332 B164 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Zugkatastrophe in München. Zehn Tote.- 25 Schwerverletzte. Zusammenstoß und Brand. München steht wieder einmal im Mittelpunkt einer Eisenbahnkatastrophe. Sie erinnert an das furchtbare Unglück vom 27. Mai 1926 am Münchener Ostbahnhof, dem 27 Menschenleben zum Opfer fielen. Diesmal spielte sich das Unglück in unmittelbarer Nähe des Münchener Hauptbahnhofs ab. Am Sonntag abend gegen 10 Uhr fuhr der Nürn- 6 berger Sportzug, Stammzug Nr. 52 841, auf den Vorläufer des Nürnberger Sportzuges kurz außer halb der Hackerbrücke auf. Gegen Mitternacht wurde an der Unfallstelle bekannt, daß zehn Tote und 25 Verlekte zu beklagen sind. Im Vorläufer war ausbisher unbekannten Gründen die Notbremse gezogen und dieser Zug zum Halten gebracht worden. Eine halbe Stunde nach dem Unfall fingen die beiden ineinandergeschobenen Wagen zu brennen an. Die Bekämpfung des Feuers, das sich sehr rasch aus. dehnte, war äußerst schwierig. Die Hilfsaktion zur Rettung der Verunglückten sette sofort tatkräftig ein. München, 16. Juli.( Eigenbericht.) Am Sonntag abend gegen 9,30 Uhr stieß außerhalb des Münchener Hauptbahnhofs in der Nähe der Haderbrüde ein Berfonenfonderzug mit einem Borzug zusammen. Die Katastrophe mar leider viel größer, als nach den ersten Meldungen angenommen werden mußte. 9 Personen blieben auf der Stelle tot; sie schieden von dieser Welt unter den fürchterlichsten Qualen und völlig verkohlt. Das zehnte Todesopfer forderte die Katastrophe bei der Einlieferung Ins Krankenhaus. Von den 10 Toten find 7 Männer, 2 Frauen, 1 Mädchen, deren Personalien bisher nur teilweise festgestellt werden fonnten. Die Leichen sind so verkohlt, daß sie nicht mehr kenntlich find. Nur in einem Falle, wo der Tod durch Ersticken eintrat, konnte die Person des Opfers bereits festgestellt werden. Außer den zehn Tcdesopfern sind noch 13 Schwerverletzte und ebensoviele Leichtverlegte zu verzeichnen. Die Schwerverletzten mußten mit Knochenbrüchen und Brellungen ins Krantenhaus eingeliefert werden. Ein Teil befindet sich in Lebensgefahr. Die Ursachen des katastrophalen Unglüds sind bisher im einzelnen noch nicht festgestellt worden. Infolge des starken Reiseverkehrs sah sich die Eisenbahndirektion in München veranlaßt, dem fahrplanmäßig um 9,22 Uhr von München- Hauptbahnhof abgehenden Zug einen Borzug vorausgehen zu lassen. Dieser Vorzug ver ließ um 9,15 Uhr den Hauptbahnhof. Er befand sich bereits 1 kilo meter vom Bahnhof entfernt und in voller Fahrt, als plötzlich die Notbremse gezogen wurde. Die Eisenbahnbeamten verfuchten sofort die Ursache dieses Attes festzustellen, aber schon war das Unglüd passiert: der 6 Minuten später von München abgehende fahrplanmäßige Zug war auf den Vorzug aufgestoßen. Mehrere Wagen gerieten in Brand; das Feuer forderte feine Opfer. Die Lokomotive des fahrplanmäßigen Zuges schob sich so in den letzten gepolsterten Wagen des Vorzuges, daß ganze Teile auseinanderge schweißt werden mußten. Die Brandgefahr wurde größer und größer, so daß gegen 11 Uhr abends die Münchener Feuerwehr eingreifen mußte. Er gelang ihr, schon nach kurzer Zeit den Brand zu löschen. Die Reichsbahndirektion München behauptet, daß nach den Feststellungen der Eisenbahnbeamten in dem dritten Abteil des vordersten Zuges die Plombe der Notbremse verlegt und der Hebel der Bremse benutzt worden ist. Es war bisher jedoch nicht möglich, die Person des Täters festzustellen. Die Staatsan waltschaft München nahm bereits furz nach Mitternacht die ErmittLungen auf. Ein Ergebnis liegt bisher noch nicht vor. Der amtliche Bericht. Ueber das Eisenbahnunglüd bei München wurde folgender amtficher Bericht ausgegeben: Am 15. Juli tam der Vorzug des Berwaltungsfonderzuges 52 841( Sportzug) München- Augsburg- Nürnberg etwa 21,30 Uhr bei Ausfahrt aus München- Hauptbahnhof zwischen Hackerbrücke und Donnersberger Brücke durch Ziehen der Notbremse in einem Abteil des Zuges zum Halten. Während Lokomotivführer und Zugführer zur Feststellung der Ursache der Bremsung den Zug entlang gingen, fuhr der nachfolgende Stammzug 52 841 aus das Zugende auf und fjob deffen beide letzte Wagen ineinander. Auf die um 21,37 Uhr Die Flucht vor tropischer Hitze. 10 Aehnlich wie das neue Freibad Rummelsburg, das unser Bild zeigt, waren am gestrigen Tage sämtliche Frei- und Schwimmbäder Berlins infolge der tropischen Sommerhitze von Erfrischungsuchenden überfüllt.( Vgl. auch unsere Berichte im Innern des Blattes.) Der Mordprozeß Hein. Malmgreens fragisches Ende. Andauernde Tropenhitze. Berichte im Innern des Blattes. eingegangene Meldung des Unfalles traf der Hilfszug um 21,50 Uhr an der Unfallstelle ein und es wurden sofort Versuche unternommen, unter Ansehung von Schneidebrennern eingeklemmte Reisende zu befreien. Die hierbei entstandenen Brandstellen konnten durch die bahnfeitig eingefeßten Löschmittel immer wieder erstickt werden. Inzwischen war jedoch im letzten Abteil erster Klasse des Schlußwagens des Vorzuges Feuer ausgebrochen, das sich schnell ausdehnte und auch den vorletzten Wagen erfaßte. Zur Bekämpfung des Feuers wurden aus den benachbarten D- 3ug- Garnituren zirfa zwanzig Handfeuerlöscher entnommen und außerdem eine Schlauch leitung an die Lokomotive des Hilfszuges angelegt. Mit diesem Hilfs mittel gelang es, bis zum Eintreffen der städtischen Feuerwehr das Feuer in den mittleren Abteilen soweit niederzuhalten, daß etwa um 22,50 Uhr der erste Reisende noch lebend aus dem Wagen heraus: gebracht werden konnte. Die städtische Feuerwehr löschte den Brand der beiden Wagen vollständig ab, etwa um 23,30 Uhr. Die Toten. Aus den gänzlich ausgebrannten Wagen wurden sodann neun Leichen geborgen. Von diesen konnten bisher festgestellt werden:: Niedermaier, Mar, Hauptmann bei der Landespolizei, Augs. burg. Deifinger, Rudolf, Oberleutnant bei der Landespolizei Augsburg. Geißler, Josef, Friseur, Alpenstraße, Ort unbekannt. Unbekannte Leichen: Eine weibliche Person, Leiche trägt weiße Stußen, Finger ring mit rhtem Stein; eine männliche Person, 30-40 Jahre alt, verfohlt; cine männliche Person, 20-30 Jahre alt, trägt Siegelring; eine weibliche Person, etwa 20 Jahre alt, verheiratet, trägt Chering; eine weibliche Perfon etwa 50 Jahre alt; cine männliche Perfon, etwa 30 Jahre alt. Der aus dem Wagen gerettete Wäschereibefizer Rebele, Gottfried, aus Augsburg ist nach Ueberführung in die Klinik dort verstorben. Verletzt wurden nach den bisherigen Feststellungen: Kaiser, Marie, Augsburg, beiderseitiger Knöchelbruch; Her mann, Erna, Augsburg, Prellung am Unterarm; Rücker 1, Hugo, Augsburg, Gehirnerschütterung; R unges, Berta, Nürnberg, leichte Berlegungen; Köstler, Waldemar, Augsburg, Schürfungen an Beinen und Armen; Aigner, Ludwig, Hautabschürfungen; Rudert, Mag, lediger Redakteur aus Augsburg, Verlegungen am Kopf; Schultes, Eduard, Eisenbahnangestellter, Augsburg, starke Rohlenberger, Georg, Kraftwagenführer, Nürnberg, Brellung Brellungen am linken Handgelenk und rechten Oberschenkel; der linken Hand; 3 weifel, Wilhelmine, Augsburg, Brellungen an der Stirn; Gebhardt, Wolfgang, Oberfranten, Schienbeinverletzungen; Schürger, Albert, Dentist aus Nürnberg, Brellungen Verletzungen an Kopf und Hals. am linken Arm, Kopf und Hals; Dorn, Johanna, Nürnberg, leichte zum Teil gar nicht festzustellender Verlegungen sowie wegen zu Außerdem haben sich eine Anzahl von Reisenden wegen leichter, Berlust geratener Gepäckstücke bei der Bahnstation München- Hauptbahnhof gemeldet. Auch haben einige bei den Rettungsarbeiten beteiligte Angehörige der Eisenbahn und wohl auch der Feuerwehr und Sanitätsmannschaft durch die Rauchwirkung Schaden genommen. Ueber die Ursache des Unfalles konnten die in Gang befindlichen Erhebungen bisher keine Klarheit schaffen. Wer zog die Notbremse? Zu dem Eisenbahnunglüd im Münchener Hauptbahnhof wird berichtet, daß der Lokomotivführer des Vorzuges mit dem Zugführer die Ursache des ziehens der Notbremse feststellen wollte, als der Stammzug 52 481 sich näherte und auf den Bor3ug aufffieß, wodurch die beiden letzten Wagen des Vorzuges ineinander geschoben wurden. Wie es möglich war, daß der Stammzug abgelassen wurde, während der Vorzug noch nicht das nächste Blockfignal erreicht hatte, ist bisher noch nicht aufgeklärt worden. Durch die eindringenden Heizgase aus der Lokomotive des Stammzuges entstand im letzten Abteil erster Klaffe des Borzuges ein Brand, der fich rasch auf die beiden lehten Wagen des Vorzuges ausbreitete und auch auf benachbarte Zaggarnituren übergriff. Besonders aus dem mittleren Teil der Wagen wurden Hilferufe hörbar. Es gelang nach 11 1hr, des Feuers soweit Herr zu werden, daß der erste der Berunglückten noch lebend, aber mit schweren Quetschungen geborgen werden konnte. Bald danach wurden zwei tödlich ver unglückte Reisende aus den Wagentrümmern herausgeholt. An der Bekämpfung des Feuers wurde nach Mitternacht noch immer gearbeitet. Ein schwerverletzt geborgener Passagier starb noch vor dem Abtransport so daß an der Unfallstelle insgesamt neun Tote aufgebahrt sind. Ein weiterer Schwerverletzter erlag seinen Verletzungen in der Chirurgischen Klinik. Die Zahl der Toten hat sich auf zehn erhöht. Als verleht wurden um die erste Nachtstunde rund 25 Personen angegeben, von denen der weitaus größere Teil allerdings nur ganz leichte Verlegungen erlitten hat und die zum Hauptbahnhof zurückgebracht wurden und von dort aus größtenteils ihre Wohnungen aufsuchen fonnten Zwei Bersonen von der Rettungsabteilung zogen sich bei den Schweißarbeiten an dem Unglückszuge eine Rauchvergiftung zu. An der Unfallstelle waren eingetroffen Reichsbahndirektionspräsident von Bölder und Bizepräsident Trumm fowie Polizeipräsident Mantel. Die Unfallstelle Sicherheit durch Abrüstung. Sofortige Räumung von französischen Sozialisten verlangt.- Boncour bleibt im Bölferbund. Paris, 15. Juli. Der Nationalrat der Sozialistischen Partei hat heute die Distuffion über Abrüftung und Bölterbund fortgesetzt. Zu Beginn der Sigung bringt ein Delegierter eine Tagesordnung ein, durch die der Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie be grüßt wird und allen sozialistischen Parlamentariern zur Pflicht gemacht wird, für die sofortige Räumung der Rheinlande einzutreten. Es entspinnt sich eine außerordentlich lebhafte Disfussion über die gegenüber dem Böltebrund einzuschlagende Bolitit, vor allem aber über die Frage, ob Paul Boncour auch ferner eine selbst bietet ein grauenvolles Bild der Bermüftung. Auf der Loto nicht sozialistische französische Regierung im Bölferbund vertreten motive des aufgefahrenen Zuges hängen Bagenteile von dein letzten tann. Besonders scharf drückt sich der Abgeordnete Brade aus, Wagen des Unglücszuges, die beiden letzten Wagen des Borzuges der erklärt: Man fann nicht behaupten, daß die Außenpolitik Frant find fast zur Hälfte ineinandergeschoben. Die Wagen waren derart reichs diefelbe geblieben ist; denn aus den letzten Wahlen ist ineinander verteilt, daß es erst nach Mitternach gelang, die letzten Boincaré mit einer erneuten Autorität hervorgegangen. Die deutToten zu bergen. Die Leichen sind teils bis zur Unkenntlichkeit ver- fchen Delegierten werden in Genf nach den Direktiven einer sozialver- che ftümmelt, teils verbrannt, so daß die Indentifizierung um die zweite demokratischen Regierung handeln; es wird nicht angehen, daß entgegensteht. Für Paul Boncours Berhandlungen ist nicht die französische Sektion der Internationale, sondern die franzöfifche Regierung verantwortlich. Es entspinnt sich nach Schluß der Diskussion eine lebhafte Debatte über die Priorität der vorliegenden Tagesordnungen. Schließlich erhielt die Resolution Faure eine Mehrheit von 1707 Stimmen, während die Resolution Vincent Auriol bei 62 Stimmenenthaltungen und 188 Abwesenden 1266 Stimmen erhält. Die Resolution Faures fezt sich für die Demokratisierung des Bölkerbundes ein. Bezüglich der Friedensverträge verlangt sie von neuem, daß der internationale Sozialismus feine gemeinsame Aftion auf die Revision dieser Berträge richten müsse, um ihre ungerechtigkeiten zu beseitigen und um die Achtung des Selbstbestimmungsrechtes der Bölfer auf einen möglichst hohen Grad zu bringen. Bezüglich der Abrüstung erinnert die Entschließung daran, daß dieses Problem nicht von dem Problem der Sicherheit abhänge ,. sondern daß aus der Schiedsgerichtsbarkeit und aus der Abrüstung die wirkliche Sicherheit hervorgehe. Morgenstunde noch nicht abgeschlossen werden konnte. Bisher steht Paul Boncour in Genf eine These vertritt, die der deutschen These Schließlich erinnert die Tagesordnung daran, daß die sofortige und lediglich fest, daß sieben Männer und drei Frauen Todesopfer bei der Katastrophe wurden. Noch um die erste Morgenstunde war die Berufsfeuerwehr damit beschäftigt, die mittleren Abteile der ineinandergeteilten Wagen zu öffnen. Glücklicherweise erwies sich, daß diese Abteile leer waren. Die Unfallstelle, die wenige hundert Meter vor der Einfahrt zum Hauptbahnhof zwischen der Haderbrüde und der Donnersberger Brüde liegt, wurde bald nach dem Unfall durch Landespolizei abgesperrt. Auf den beiden Brücken und seitlich der Bahnanlage fammelten sich troß der späten Abendstunde zahlreiche Neugierige an. Das Rettungswert wurde besonders dadurch erschwert, daß die Feuerwehr den Brand mit Schlauchleitungen von über hundert Meter Länge über die zahlreichen Gleisanlagen hinweg bekämpfen mußte. Gegen 12,30 Uhr nachts fonnte die Berufsfeuerwehr, die mit allen verfügbaren Kräften an der Unglücksstelle erschienen war, wieder abrücken. * Die Kunde von einer großen Zugtatastrophe bei München hat schon einmal vor etwa zwei Jahren, am 25. Mai 1926, die Welt durcheilt. Am Pfingstmontag 1926 stießen vor dem Münchener Ostbahnhof zwei Ausflüglerzüge zu samme n; bei dieser Katastrophe wurden 27 Reisende ge= tötet und 23 schwer verlegt. Ein beschleunigter Personen zug aus Berchtesgaden, der vollbesetzt mit Sonntagsausflüglern nach München unterwegs war, mußte vor dem Ostbahnhof warten, da das Einfahrtssignal auf Halt stand. Bevor der Zug sich nach Freigabe des Einfahrtssignals sich in Bewegung setzen fonnte, tam auf dem selben Gleis ein beschleunigter Personenzug aus Rosenheim. Der Lokomotivführer dieses Zuges saß, wie das Signal hochging, bezog die Einfahrt auf seinen Zug und fuhr mit voller Bucht auf den Borzug auf. Der Anprall war so start, daß die beiden leßten Wagen des Berchtesgadener Zuges über die etwa 25 Meter hohe Bahnböschung hinabgeschleudert wurden. Die ersten beiden Bagen des Rosenheimer Zuges wurden vollständig ineinandergeschoben. Noch in aller Erinnerung ist die Eisenbahnfatastrophe bei Nürnberg. In den frühen Morgenstunden des 10. Juni 1928 entgleiste bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Siegelsdorf 18 Kilometer von Nürnberg der Schnellzug München- Frankfurt. Die Strecke hinter dem Bahnhof Siegelsdorf, in der das Unglück paffierte, hat eine Rechtsturve. Auch bei dieser Katastrophe wurden 24 Perfonen getötet, 12 schwer verletzt und eine große Anzahl leichter verletzt. Der Riefenverkehr am Sonntag. Spitzenleiffung der Straßenbahn: 4%, Millionen Fahrgäste Der gestrige Sonntag war nicht nur ein Großtampftag für die Freibäder und Restaurants in den Ausflugsorten, sondern auch für die Berliner Verkehrsmittel. Straßenbahn, U- Bahn, Eisenbahn und Aboag, die die Massen hinausbeförderten, hatten einen Generalangriff zu bestehen. Solch einen Massenverkehr wünscht man sich darum auch bei einer Size von fast 33 Grad nicht zum zweiten Male. Was allein auf der Straßenbahn am Sonnabend und Sonntag befördert worden ist, bricht alle bisherigen Rekorde. Insgesamt wurden an diesen beiden Tagen 4% Millionen Fahrgäste befördert. Das ist eine Zahl, wie sie wohl faum jemals erreicht worden ist. Der Ansturm setzte auf den Ausflugslinien, wie die Direftion der Straßenbahn mitteilt, schon in den frühen Mor genstunden ein und war während des ganzen Tages gleich start. Das gesamte Wagenmaterial rollte über die Schienen. 3 a hllose Einsatz wagen, doppelt behängt, die in Abständen von nur wenigen Minuten ihre Abgangsorte verließen, suchten den Verkehr zu bewältigen. Im Stadt und Vorortverkehr der Reichsbahn wurden über 2 Millionen Jahrkarten ausgegeben. Nach Nikolasfee und Wannsee wurden 151 000 Ausflügler befördert. Nach Grü= nau fuhren 85 000, Friedrichshagen 45 000, Treptow 35 000 Ausflügler. Auf den übrigen Vorortbahnhöfen schwanken die Zahlen zwischen 20- und 30 000. Gie pfeifen... ... aber sie nehmen an. Die Rote Fahne" gefällt sich darin, Kundgebungen ihrer amnestierten Parteianhänger zu veröffentlichen, deren Inhalt ein einziges wüftes Geschimpfe auf die Sozialdemokratie ist. Die Sozialdemokratie hat ihren Standpunkt in der Amnestiefrage nicht um des Dankes oder der schönen Augen der Kommunisten willen einge: oder der schönen Augen der Kommunisten willen einge nommen; sie hat nach ihrer Rechtsüberzeugung gehandelt und wird das auch weiter tun, ganz gleichgültig, ob man sie dafür preist oder schmäht. Uns wundert das nicht weiter. Die Schimpfbolde aber dürfen versichert sein, daß sie im besten Begriff sind, sich lächerlich zu machen, wenn sie in ihren Kundgebungen bombastisch geschwollene Säge schreiben wie den wir pfeifen auf Gnadenerweise einer Ge sellschaftsordnung, die nur von Ausbeutung und Terror gegenüber den Ausgebeuteten und entrechteten Maffen lebt." Wir pfeifen...? Bor Tische hat man davon nichts gemerkt. Da wurde nicht gepfiffen, sondern nach Gnadenermeisen geschrien. Jegt, wo man die Amnestie mündelsicher und gesetzlich verankert in der Tasche hat, jetzt hinterher darauf zu pfeifen, das mutet reichlich seltsam und fläglich an. Rénaudel erklärte: Die Entwaffnungs- und Räumungsfrage wird im September in Genf gestellt werden. Wenn Deutschland nicht Genugtuung erlangt, wird niemand sagen fönnen, was sich ereignen wird. Ich bin dafür, daß Paul Boncour in Genf verbleibt, vorausgesetzt, daß der Internationale Rongreß in Brüffel nicht eine andere Entscheidung trifft. Aber Baul Boncour darf in Genf feine Stellung einnehmen, die im Widerspruch steht zur Parteipolitif. Solange Paul Boncour sich so verhalten wird, wie es bis jetzt geschehen ist, haben wir einen Vorteil davon, daß er im Böllerbunde verbleibt. Wir müssen Frankreich erklären, daß wir fähig sind zur Regierung und daß wir regieren wollen. Ich bin noch heute betrübt darüber, daß im Jahre 1924, um die Regierung Herriot am Ruder zu halten, die Ruhrkredite bewilligte. Daraus ergibt fich, wie oft man eine schwere Verantwortung auf sich nehmen muß. bedingungslose Räumung des Rheinlandes im Wahlprogramm der sozialistischen Partei stehe; sie bleibe die un= erläßliche Bedingung jeder dauerhaften deutsch- französischen Annäherung, ohne die Friede Europas und der Belt stets bedroht sein würde. Der Nationalrat stimmte dann über zwei Anträge über Baul- Boncour ab. Die Tagesordnung 3yromsti- Brade fordert die vorbehaltslose Entziehung des Mandates Paul- Boncours; in der Tagesordnung Baul Faures heißt es: Paul- Boncour habe innerhalb des Bölterbundes eine lobenswerte persönliche Leiftung für den Frieden vollbracht, von der der Sozialismus gern Kenntnis nehme; die Partei wisse, daß Paul- Boncour bei Ausübung seines Mandates feinerlei Mission übernehmen werde, die die Gefahr in sich schließe, seine Tätigkeit in Widerspruch zu der Politik der internationalen Aktion zu bringen. Die Entschließung Paul Faures wurde von 2129 Stimmen angenommen. Auf den Antrag Brade3yromsti, der die Zurückziehung Baul- Boncours verlangte, entfielen 846 Stimmen. Massenmörder Hein. Beginn des Prozesses vor dem Koburger Schwurgericht. In dem mehrere Jahrhunderte alfen 2andgerichtsgefängnis zu Koburg begann heute früh der Prozeß gegen den Maffenmörder 3o hann ein aus Düffeldorf Gerresheim wegen seiner in Thüringen und Franken an Polizeibeamten begangenen Mordtaten. Das Schwurgericht tagt in dem Beetsaal des Gefängnißfes, der für die Berhandlungszwede entsprechend hergerichtet ist. Bei dem Aufsehen, das dieser Prozeß in Mitteldeutschland erregt, war die Nachfrage nach Karten naturgemäß fehr groß, doch fonnten nur 25 Zuhörer zugelassen werden. Größer als die Zahl des zugelassenen Bublifums ist das Aufgebot von Landespolizei, das das Gefängnis befeßt hält und auf allen Gängen schärffte Rontrolle ausübt. Den Borfiz führt Landgerichtsdirektor Dr. Schad, als Beisiger fungieren Oberlandesgerichtsrat Ferling und LandDer Angeklagte Hein. gerichtsrat Klok. Von den Geschworenen sind vier Landwirte aus der Umgebung Roburgs, darunter ein Bürgermeister, ferner ein Maler und ein Friseur. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Leimer, die Berteidi. gung liegt in den Händen des Justizrats Bifter Fraenti aus Berlin, Bon den 10 Sachverständigen find sechs Mediziner, darunter Prof. Giese- Jena und Prof. Rodel Leipzig, ferner find Schieß. sachverständige und ein Chemiker zur Stelle. Unter den 35 Beugen befindet sich auch die Mutter des Angellegten, eine Arbeiterfrau aus Düsseldorf- Gerresheim, deren Mann, der Vater des Angeklagten ein, infolge schwerer Arterienverfaltung geiftestrant geworben ist. Bor der Gerichtsestrade sind die Affervate aufgebaut, und zwar ein ganzer Haufen Kleidungsstüde der von Hein getöteten und schwer verwundeten Polizei- und Gendarmeriebeamten, die Waffen mit der dazugehörigen Munition, die man bei dem Mörder noch vorfand, sowie einige von ihm und seinem Helfershelfer Barm aus gestohle nem Sprengstoff angefertigte Handgranaten. Unmittelbar nachdem das Gericht erschienen mar, wurde der Angeklagte von zwei Landespolizeibeamten hereingeführt. Hein, der nicht gefesselt war, war sorgfältig gekleidet und machte alles andere, als einen gewalttätigen Eindruck. Sich scheinbar unbefangen umsehend betrat er mit einem halblauten Guten Morgen" den Saal und nahm zwischen zwei Bolizisten in der Anklageeftrade Blaß. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte er, daß er sich gefund 台 鐵 fühle und bereit sei, sich zu verteidigen. Seine Bersonalien belagen, daß er 26 Jahre alt, ungelernter Arbeiter und nicht vorbestraft ift. - Bei dem Aufruf der Zeugen kam es dann zu erschütternden Szenen. Als eine der ersten betrat die Braut Heins, eine Schneiderin Hedwig Claeste aus Jena den Saal, brach in lautes Beinen aus, als sie den Angeklagten erblickte und versuchte zu ihm. zu eilen. Polizeibeamte mußten die heftig Weinende zurückhalten. Gleich darauf erschien die Mutter des Angeklagten, Frau Marie Hein aus Düffeldorf. Kaum hatte sie den Blid auf die Anflagebant geworfen, von der aus ihr ihr Sohn stumm zunidte, als fie laut fchreiend auf einen Stuhl fant und unter Weinfrämpfen fortwährend rief: „ Mein liebes Kind, mein liebes kind, was wird mit dir passieren. Gott vergib ihm, er wußte ja nicht, was er fat." Die Versuche, die bedauernswerte Frau zu beruhigen, maren per geblich. Unter gellenden Schreien und lautem Beinen verließ sie, Don zwei Polizeibeamten geftüßt, den Saal. Noch eine ganze Weile hörte man ihr lautes Klagen aus dem Zeugenzimmer. Unter den Beugen befand sich auch der Kriminalmachtmeister Schuhmann, der heute noch unter den Folgen der schweren Beinschüsse, die Hein ihm zugefügt hat, zu leiden hat. Mit einem noch vollfommen bandagierten Bein mußte er auf einem Liegestuhl Plazz nehmen. Nach der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, der dem Angeklagten die Ermordung des Kriminalbeamten 5 eß aus Jena, des Kriminaltommiffars Schmidt aus Plauen und des Gendarmeriebeamten Scheler Unterfiemau, ferner Mordversuch an den Kriminalbeamten Schuhmann und Endisch zur Last legte, wandte sich ber Berteidiger, Justizrat Fraenfl, gegen den Wortlaut des Eröffnungs beschlusses, der dem§ 207 der Strafprozeßordnung nicht entspreche. Die Verhandlung dauert an. Was ist mit Amundsen? Malmgren fliegl ebend in sein Eisgrab. Wie foeben aus Kingsban gedrahtet wird, foll es dem ruffischen Eisbrecher Malygin" gelungen sein, Roald Amundsen und 3wei feiner Begleiter auf dem Treibels südwestlich ven König- Karls- Land zu entdecken und an Bord zu nehmen. Eine Bestätigung dieser Meldung steht noch aus. Wie aus Mostau gemeldet wird, ist am Sonntag bis 6 Uhr abends in Mostau noch nicht bestätigt worden, daß Amundsen durch den russischen Eisbrecher Malygin" aufgefunden worden ist. Die Sowjetregierung telegraphierte an den Leiter des Malygin", Professor Wiese, und bat, sofort die Sowjetregierung zu benach. richtigen. Oslo, 16. Juli. Hier gehen wieder Gerüchte um, die offenbar ihren Ursprung tit Ringsban haben und wissen wollen, daß Amundsen und ein Eisbrecher Malygin westlich der König- Karl- Insel gerettet morTeil der Mannschaft der Latham von dem russischen den seien. Von anderer Seite wird behauptet, daß sie von Fischerbooten in der Nähe der Bäreninsel aufgenommen worden seien. Dann heißt es auch wieder, daß Amundsen und seine Gefährten fich bei der Gruppe Alessandri befänden. In amtlichen norwegischen Kreisen weiß man ebensowenig von irgendwelchen Grundlagen dieser Gerüchte wie in der Sowjetgesandtschaft und der italienischen Ge fandtschaft. Malmgrens Grab. Bie Samoilowitsch berichtet, erzählte Zappi: Um 16. Juni habe der erschöpfte Malmgren bei der Brodinsel ihn gebeten, ihm im Eise ein Grab zu graben, in das er dann hinab. stieg. Am nächsten Tage sahen ihn die Italiener noch leben, er bat fie weiterzugehen. Er wolle durch feinen Tod die anderen retten. Tropische Temperatur. Ungeheure Hitze über ganz Europa. Nach wie vor steht ein großer Teil West- und Mitteleuropas unter dem Einfluß eines Hochdrudgebietes, das überall ganz ungewöhnliche Temperaturen gebracht hat. Dieses Hoch hatte seinen Ausgangspunft in Nordamerika, ist ziemlich schnell über den Atlantik gewandert und erreichte zunächst in Spanien den Kontinent. Von hier griff es weiler nach Often und verurfachte nun bei heiterem Himmel infolge der ungehinderten Einstrahlung der Sonne die tropische Hihe. Borerst ist überhaupt noch kein Ende dieser Hizewelle 24 abzusehen. Am Sonntag vormittag trat über dem Kanal eine Störung auf, die ihren Weg ost wärts nahm und gestern abend in den Bereich der Reichshauptstadt gelangte. Die Störung brachte aber feine Lenderung des Witterungscharafters und heute morgen strahlte die Sonne von einem heiteren Himmel nieder. Die heutigen Temperaturen liegen wieder erheblich höher als am Sonntag. Gestern früh um 8 Uhr wurden 22% Grab bei schwachen östlichen Winden gemessen. Im Laufe des Tages erreichte das Thermometer ein Maximum von 32 Grad. Um 7 Uhr abends waren noch 31 Grad im Schatten. Heute früh sah das Bild wesentlich anders aus. Bereits um 8 Uhr lag die Temperatur um 6 Grad höher als am Vortage. Um 11 Uhr vormittags war die höchste Sonntagstemperatur von 32 Grad erreicht. Das Quecksilber ftieg aber unaufhörlich weiter und es ist sehr wahrscheinlich, daß die bisher höchste Temperatur von 35,2 Grad vom Freitag voriger Woche erheblich überschritten wird. Nette Aussichten also: und dabei feine Anzeichen für Abkühlung, feine Gewitterneigung weiter: hin Backofenhite. Zum Trost der unter der Hize schmachtenden Edenbürger fei gefagt, daß auch im Ausland die Temperaturen höchste Grade aufweisen. In Ungarn herrschen 37, in Frankreich 38 und in Italien fogar 40 Grad im Schatten. England hatte gestern die ungewöhnliche Temperatur von 32 Grad zu verzeichnen. Im Reich, in Schlesien, Thüringen, Sachsen und ganz Süddeutschland schwankten die Temperaturen zwischen 34 und 36 Grad im Schatten. In Karlsruhe wurden bei spielsweise gestern um 20 Uhr noch 34 Grad festgestellt. In Ham burg, Baden und den deutschen Alpentälern gingen heute früh schwache Bärmegewitter nieder, die aber nicht die geringste Abfühlung brachten. # Tödlicher Unfall auf dem Nürburg- Ring. Bei dem Remmen um den Großen Preis von Deutschland für Sportwagen, das auf dem Nürburg- Ring ausgetragen wurde, stürzte der Fahrer Jung( Bag) in der Kurve bei Breitcheid und überfchlug sich. Er war sofort tot, wähend seine mitfahrende Frau leicht verlegt murde. Zum Zeichen der Trauer gaben die im Remmen liegenden tschechischen Fahrer einige Zeit später das Rennen auf. Das Locarno: Auto. Am gestrigen Sonntag wurde das Locarno- Auto, das die Freundschaftsfahrt Paris- Berlin unternommen hatte, den Besuchern des Luna- Portes vorgeführt. Das putige fleine Wägelchen mit seinem altmodischen Motor, das sich da blumen- und fahnengeschmückt auf erhöhtem Podest präsentierte, wurde von allen Seiten bestaunt und bewundert; gegen seine heutigen, im Vergleich dazu faft überdimensional erscheinenden Brüder mutet dieses Seniorauto. wie ein Kinderspielzeug an. Mit einer„ Geschwindigkeit" von durch schnittlich 25 Kilometer pro Stunde legte es aber doch die Strede Baris Berlin über Baug, Epernay, Reims, Verviers, Maubeuge, Brüffel, Waterloo, Löwen, Tirlemont, St. Trond, Lüttich, Köln, Essen, Dortmund, Pyrmont, Hameln, Braunschweig, Magdeburg, Brandenburg in 15 Tagen zurüd. In einem durch Lautsprecher übermittelten Bortrag des Fahrtleiters dieser französisch- deutschen Freundschaftsfahrt, Dr. Duesberg, erzählte dieser, daß die Seniorenfahrt des„ eisernen Gustav fie auf den Gebanten gebracht hätte, nun ihrerseits mit einer der ältesten Autotypen Frank. reichs der Stadt Berlin einen Gegenbesuch abzustatten. Man inferierte nach einem möglichst historischen Behifel, worauf sich ein Siebzigjähriger meldete, der den Wagen im Jahre 1890 für 6000 Frants getauft hatte. Der Wagen wurde zum Originalpreis erstanden und in seinem Urzustand, bis auf neue Pneumatifreifen, trat er die große Reise an. Unterwegs brachte man den waderen Automobilisten mit ihrem etwas eigenartigen Fahrzeug überall freundliches Interesse, das der Komit nicht entbehrte, entgegen. Der Bertreter des französischen Blattes, der ebenfalls die Fahrt mitgemacht hatte, brachte hierauf in seiner Muttersprache ein paar herzliche Begrüßungsworte und seinen Dank für die freundliche Aufnahme in Berlin. Am Montag und Dienstag wird das Locarno Muto in der Automobilverkaufsstelle der Firma Wertheim, Boß, Ede Friebrich Ebert- Straße, zu sehen fein Der Roman New Horks. Manhattan Transfer" von John dos Passos. „ Manhattan Transfer", der Roman New Yorks, des amerikanischen Schriftstellers John dos Passos, ist in deutscher Sprache im S. Fischer Ber lag, Berlin, erschienen. Die Hebertragung aus dem Englischen besorgte Paul Baudisch. Fünfundzwanzig Jahre New York von der Eingemeindung Brooklyns und Jersey Citys bis zu der Investierung amerikanischen Rapitals in Europa und bis zu dem blühenden Geschäft des Alkoholschmuggels. Innerhalb dieser Zeitspanne erfolgt der ungeheure Aufstieg der Metropole, die Wandlung Manhattans, der City New Yorks, zur Insel der Wolfenfrager. Hier um die Hauptstraße, den„ Broadway", konzentriert John dos Passos die Handlung seines Romans, hier vollziehen sich Aufstieg und Sturz der wirtschaftlichen Existenzen, und hier freuzen sich die Wege der einzelnen Gestalten des Werks. Nur in furzen Abschnitten, in ein paar Nebensägen entsteht die Impression der Straßen, der Wolkenkratzer, des Hafens, allerdings Impreffionen von stärkster Bildhaftigkeit. John dos Passos beschreibt nicht New York, sondern zeigt allein die Ausstrahlung der Stadt auf die Bewohner. Die Menschen gestalten allmählich das Bild und den Geist der Stadt um, aber diese neue Stadt verwandelt wiederum die Menschen, macht fie nervöser, hilfloser und zerquälter, steigert das Tempo, den Wirtschaftskampf, die Jagd nach dem Dollar. Der Roman ist feine fortlaufende, ruhig dahinfließende Er zählung, in der der Verfasser mühevoll und mit einem Schein von Logit die einzelnen Schicksale miteinander verknüpft. Etwa zwanzig Menschen treten in den Bordergrund, heben sich von der Masse der anderen ab, aber diese Hauptakteure sind nicht immer zueinander in anderen ab, aber diese Hauptakteure find nicht immer zueinander in Beziehung gesetzt, sie kennen sich manchmal taum. 3wanzig Einzelromane sind zu einem künstlerischen Ganzen zusammengeschweißt. John dos Paffos bringt auf engem Raum dieses Kunststück zustande, weil er nur die Höhepunkte, den künstlerischen Extrakt einer Szene gibt, weil er belanglofe Uebergänge vermeidet. Szene setzt er an Szene, jede prägnant geformt, jede einen Ausschnitt aus einem anderen Schicksal zeigend. Es entsteht ein Mosait, das das Porträt Manhattans und seiner Bewohner wiedergibt, die Willensrichtung und die soziale Lage dieser Menschen, die Atmosphäre und den Geist der Stadt und darüber hinaus des ganzen Landes, da New Yort als Symbol für die UEA. gewertet werden kann. ,, Manhattan Transfer" ist ein sozialer Roman. Er deckt die Struktur, die Schichtung der New Yorker Bevölkerung auf, er zeigt die Lebensbedingungen, die Wünsche, die Interessen der verschiedenen Kreise. Allerdings ist hier eine Einschränkung zu machen. Es fehlen die fünfte Avenue und der Fabritarbeiter. Nur einmal ffizziert Auf falschen Wegen. Zweite Uraufführung des„ Notbundes". John dos Passos ganz flüchtig einen Magnaten, und der Kreis des arbeitenden Proletariats ist nur mit ein paar Nebenfiguren angedeutet, denn der Kutscher Mc Niel wird durch die Auszahlung einer Entschädigungssumme zum Spekulanten und später zu einem einflußreichen Mann. Vielleicht liegt diese Ausschaltung der beiden Kreise daran, daß John dos Passos nichts Stabilisiertes geben wollte, sondern nur den bunten Wechsel, das Schwanken zwischen den Berufen, die für europäische Begriffe völlige Unsicherheit des sogenannten gesicherten Bürgertums. und den Aufstieg der Proletarier ins Bürgertum. Es heißt, daß der utopistische Baunsch„ Freie Bahn dem Tüchtigen" in Amerika eher als in Europa berüdsichtigt wird, doch John dos Passos scheint cher als in Europa berücksichtigt wird, doch John dos Passos scheint anderer Ansicht darüber zu sein. Tüchtigkeit im Beruf entscheidet nicht über den Erfolg, wenn Sinn für die Konjunktur, Menschentenntnis und die Fähigkeit der Anpassung fehlen. Unterwerfung unter die herrschenden Ansichten bedeutet die Boraussetzung für den fozialen Aufstieg. Wer seinen eigenen Weg gehen will, bhne daß ein großes Bankkonto diese Extravaganz rechtfertigt, geht in die Irre, verliert Pofition und Achtung. Deshalb verläßt der Journalist Jimmi Herf, der sich weigert, Tiraden über den Krieg zu schreiben, New York und geht als romantischer Wanderer ohne Dollar in der Tasche nach dem Westen. Jedoch genügt ein bejahendes Kopfnicken, hinter der Maske kann jeder Gesichter ziehen, wie es ihm beliebt. Man erkennt die Prohibition an und trinkt trotzdem Whisky und Sekt bis zum Delirium. Dieses Bild der Bereinigten Staaten zeichnete schon der Antläger Upton Sinclair, doch John dos Passos wahrt dabei die Haltung des objektiven Chronisten, er bleibt fühl, macht keine Bemerfungen, er offenbart seine Ansichten nur durch die Art seiner Menschengestaltung, die auch die Aermsten der Armen umfaßt, jene Unglücklichen, die jahrelang durch die Straßen New Yorks lausen, ohne eine Stellung zu finden und die schließlich im Rinnstein oder im Hudson enden. Man kommt nicht leicht in Kontakt mit John dos Passos. Diese ganz fachliche Reportage, die es Jenseits von Haß und Liebe, diese neuartige Romantompofition befremden zuerst, bis man dann den großen Gestalter entdeckt, bis alle die kleinen, manchmal nur knapp angedeuteten Notizen sich kontrapunktisch zu dem Hauptthema in dieser Sinfonie der Stadt New York vereinigen. Vielleicht ist die Technik des Nebeneinanders die einzig mögliche, um das verzweigte, moderne Leben einigermaßen in seiner Totalität fünstlerisch zu erfassen und um den Eindruck der Wahrheit zu erzielen, ohne daß merkwürdige Schicksalsverknüpfungen ihn wieder aufheben. Alfred Arna. gleichfalls sehr start vertreten. Aber auch Aegypten, Algier, Kuba, Peru, Kanada, sämtliche südamerikanischen Staaten, Japan und China sowie alle europäischen Länder haben ihre Vertreter zu dieser Konferenz entsandt, auf der die neuesten Methoden zur BeTeure Paufenschläge. Die moderne Musit. Der„ Notbund deutscher Bühnenangehöriger", der im Ballner- Theater eine Reihe von Theateraufführungen fämpfung der Halskrankheiten erörtert werden sollen. veranstalten will, scheint mit der Wahl seiner Stücke geringes Glüc zu haben. Man möchte diesen engagementslosen Schauspielern und Schauspielerinnen von Herzen einigen materiellen Erfolg wünschen aber es muß sehr fraglich erscheinen, ob sie mit ihrem bisherigen Spielplan ein größeres Publikum anlocken können. Panopti tum", ein Kuviosum in drei Aften von Georg Wolf war als Uraufführung für Berlin angekündigt. Der Verfasser bringt eine Mischung von Strindberg und Georg Kaiser so wie er fie auf faßt " Als sich Richard Wagner einmal bei dem Stuttgarter Intendanten über die stiefmütterliche Behandlung seiner Werke im Spielallzu großen Länge der Wagnerschen Musikdramen und dem dadurch plan beklagte, soll der Intendant diese Vernachlässigung mit der verursachten Mehrverbrauch an Gas begründet haben. An diese ergögliche Motivierung erinnert die Stellungnahme, die Sir Hamil ton Harty bei der Generalversammlung der Londoner Gesellschaft der Hallé Konzerte" als Borsigender präzisierte. " in einem sprachlichen Stil, der teils von Sternheim, teils von dem seligen von Schiller herkommt. Eine durchaus unmerfliche Regie läßt die Schauspieler zwischen diesen vier Richtungen wählen, und es ist menschlich sehr verständlich gereicht aber der Darstel lung nicht zum Vorteil daß sich jeder für eine andere entscheidet. In Beantwortung der Klagen, daß das Orchester der Gesell Dabei fönnten alle sicherlich sehr anständig ein handfestes Theaterschaft zu wenig moderne Musik spiele, verwies der Borsigende auf stück spielen. Sie sollten sich bald dafür entscheiden und sollten sich die bedeutenden Kosten, die die Einstudierung neuer Werke verdazu nach der festen Hand eines Regisseurs umschauen. S- 3. ursache, und wandte sich an die Widersacher mit den Worten: Benn Sie die Kosten für die Extraproben selbst bezahlen wollen, fönnen Neuentdecktes Selbstbildnis Feuerbachs Sie jedes Bert haben, das Sie zu hören wünschen. Jedenfalls iſt Aus dem Nachlaß des Gymnasialdirektors Schmitt. In der langen Reihe der Selbstbildnisse von Anselm Feuer. bach, in denen fein Dasein von der Schülerzeit durch mehr als 30 Jahre bis zum letzten Aufenthalt in Benedig genau zu verfolgen ift, flaffte bisher eine Lüde; denn aus der Akademiezeit in München und der Studienzeit in Antwerpen war fein autherishes Selbstporträ: vorhanden. Kürzlich ist nun im Nachlaß des vor wenigen Jahren hochybetagt in Freiburg verstorbenen Gymnasialdirektors Schmitt ein vollbezeichnetes Selbstbildnis Feuerbachs, das wohl gegen Ende des Münchener Aufenthalts von ihm geschaffen wurde, aufgefunden und wird jetzt von Hermann Uhde- Bernays im neuesten Heft des„ Kunst wanderers" veröffentlicht. Schmitt, der sich auch durch kleinere Auf sätze und die Herausgabe von Briefen um Feuerbachs Nachrufen verdient gemacht hat, war durch Erbschaft in diesen Befiz gelangt. Handelt es sich hier auch um eine frühe Arbeit Feuerbachs, so zeigen fich die charakteristischen Vorzüge feiner Malerei doch namentlid) in der strengen, menschlich ergreifenden Auffassung der Persönlich feit. Die unerfreulichen Erfahrungen, die seine Münchener Jahre beschatteten, haben hier eine leiderfüllte lebendige Sprache gewonnen. Feuerbach war aus Düsseldorf ohne den Willen der Eltern fortgelaufen und auch aus München stürmte der Ruhlose in rascher Flucht nach Antwerpen; es ist möglich, daß dieses Selbstporträt aus dem Münchener Atelier in der Schellingstraße mit den übrigen zurückgelassenen Habseligkeiten dann zu den Eltern nach Freiburg geschickt wurde. Der Ausdruck der nachdenklich blickenden Augen und des herbe verschlossenen Mundes ergeben eine auffällige Aehnlichkeit Feuerbachs mit Rovalis. Internationaler Aerztefongreß. Ende Juli wird sich in Kopenhagen der erste internationale Aerztefongreß seit 1914 versammeln. Dieser Beranstaltung," so erklärte sein Präsident, Professor Schmiegelow, fommt eine ganz besondere Bedeutung zu. Zunächst ist es das erstemal, daß Aerzte aus allen Ländern nach dem Kriege zufammenkommen; zweitens iſt es der erste Weltkongreß für Nasen- und Halsspezialisten, und drittens ist es der erste große ärztliche Kongreß in Dänemark jeit 1884. Es werden sich nicht weniger als 600 Aerzte aus fünfzig verschiedenen Ländern und Gegenden des Erdteils in der dänischen Hauptstadt versammeln. Allein aus Sowjetrußland haben sich 30 Delegierte angemeldet. Deutschland ist selbstverständlich in den letzten zehn Jahren nichts geschrieben worden, was einen solchen Mehraufwand an Kosten und Zeit zu rechtfertigen vermag. Sie dürfen jedoch nicht denken, daß ich damit die moderne Musit überhaupt in Bausch und Bogen als schlecht bezeichnen will; mir fommt es bei dieser Frage einzig und allein auf den Kostenpunkt an. Es ist zu hoffen, daß irgend jemand einmal mit Herrn Strawinffy ein ernſtes Wort spricht und ihn bestimmt, seine letzten Werke einmal zu überprüfen und sie von dem Unkraut der kleinen Kinker. lichen und Schnörkeleien zu reinigen, die nur eine ganz unnötige Steigerung der Einstudierungskosten bedeuten. Er sollte sich doch darüber klar sein, daß jedes Arpeggio der Violine für den Geiger einen Zeitwert von zwanzig Schilling sechs Bence darstellt, und daß jeder Paukenschlag einen Aufwand von sechs Pence erfordert." Opernneuheiten der Spielzeit 1928/29. Programm der Berliner Opern. Die vereinigien Berliner Opernhäuser teilen ihren Spielplan für die fommende Winterspielzeit mit. Danach gelangen zur Urauf führung oder zur Neueinstudierung: Staatsoper Unter den Linden: Aegyptische Helena( Strauß), Der singende Teufel( Uraufführung Schrefer), Orpheus und Eurydike( Krener), André Chenier( Giordano), Trojaner( Berlioz), Walfüre, Siegfried, Götterdämmerung, Stumme von Portici, Verkaufte Braut, Mona Lisa. Staaatsoper am Blak der Republif: Heimliche Ehe( Cimaroia), Diftator, Königreich, Meisterborer( Srenet), Mahagori( Weil), Uraufführung( Hindemith), Spanische Stunde( Ravel), Salome, Holländer, Carmen, Heiling. Städtische Oper: Don Carlos( Berdi), Mondnacht( Uraufführung Bittner), Sin( Wolf- Ferrari), Irrelohe( Schreter), Josefslegende, Tannhäuser, Widerspenstige, Fledermaus, Eunen Onegin, Boccane gre( Berdi), 3ar läßt sich photographieren( Weil), Weibervers wörung( Schubert- Feler), Rosamundennufit( choreographisch), Jeuersnot, Lohengrin, Parsifal. Kammerfänger Karl Perron gestorben. Am Sonntag vormittag ist in Dresden einer der glanzvollsten Vertreter der alten Dresdener Oper unter Schuch, der Heldenbariton Kammerfänger Karl Berron, nach langem Leiden im 71. Lebensjahre gestorben. Perron galt als einer der größten Wagnerfänger aus der Zeit der eigentlichen Durchgeistigung des Bayreuther Spieles. J3 G Das Berliner Stadtfuhramt. 嚴嚴 e Sonderfahrten 888 A An der Schillingsbrücke ist der Neubau des Berliner Stadtfuhramtes, ein stattlicher moderner Hochbau, jetzt fertiggestellt. Der Sonntag der Millionen. Der Tag der Freibäder und der Laubenkolonisten. Ein Tag wird dem Berliner in jedem Jahr beschert, ein Sonnfag, an den er das ganze Jahr hindurch mit Freude zurückdenkt. Und dieser Sonntag war für 1928 gestern. Es ist ja trotz des vielen Redens und Schreibens immer noch leider! muß man sagen so, daß das Wochenende des Berliners am Sonntag früh beginnt, und bei sehr, sehr vielen Berlinern sogar immer noch erst, wie vor Jahrzehnten, am frühen Sonntag na hmittag. So war es wieder einmal der Sonntag, der den Berliner Lust und Freude bereitete, wie fein anderer dieses Jahres. In frühester Frühe zogen die Paddler mit ihren 50- Pfund- Paketen, die Wanderer mit ihren 30- Pfund- Rucksäcken, die Radler mit ihren leichten Straßenrennern und weniger leichten Tourenmashinen, die Schwimmer mit ihren 100- Gramm- Kostümen los. Die Bahnhöfe hatten schon am frühesten Morgen einen AnSturm auszuhalten, wie es eben nur immer an diesem auserwählug ten Sonntag der Fall ist, Hntergrundbahnen, Straßenbahnen und Autobusse wurden den ganzen Tag über gestürmt... Daß die verschiedenen Berliner Bezirksverwaltungen besonders in den Arbeiterbezirken im Laufe der letzten Jahre mit so großem Eifer und ebenso großem Erfolg für die Errichtung von Freibädern gearbeitet haben, ist ein Verdienst, daß ihnen gar nicht hoch genug angerechnet werden kann. Die Notwendigkeit dieser Bäder erwies sih gestern ganz besonders. Nicht jeder kann und mag in die Großfreibäder fahren, und zwar schon deswegen nicht, weil die Reichsbahn es, trotz der wieder halten Anregungen im Vorwärts", immer noch unterlassen hat, durchgehende Züge hin und zurück einzuführen. Wenn ein anderes Freibad in der Nähe ist, geht man lieber dorthin, denn Wasser, Sonne und Betrieb ist überall. Und außerdem geht das schnell und ist auh billiger. So hatten denn, von den großen Bädern nicht zu reden, die kleineren, über die Bezirke verstreuten, einen Besuch aufzumeisen, wie nie zuvor. Auch die Licht- Luftbäder, von benen Berlin noch immer viel zu wenig hat, hatten einen riesigen Besuch aufzuweisen. " Aber eine andere Stätte der Ruhe, Erholung und Ausspannung feierte gestern ihre Triumphe. Das waren die vielen Lauben tolonien und die neuen Siedlungen mit ihren Tausende Do Kleingärten. Unsere Laubenkolonien, Dor dem Kriez von den Behörden und besonders von der Polizei beargwöhnt, fonnten sich nach der Revolution endlich, dank dem Eintreten der Sozialdemokratie, besonders üppig entwickeln. Während Huntert tausende gestern durch die Gluthize schlichen, hatten es die Laubengärtner besonders fein. Ein Meter unter der Erdoberfläche ist es auch in der Hize fühl, und in dieser Tiefe lassen sich allerlei Flashen aufbewahren, die zu gegebener Zeit mit liftigem Augenzwinkern ans Tageslicht befördert werden. Helles, Dunkles, Berliner Weiße, Malz und die föstliche Konsum- Apfelbrause, von anderen Dingen gar nicht zu reden. Nur eines fann einem beim Ueberdenken etwas die Freude vergällen. Das ist die Tatsache, daß an einem solchen Sonntag die Berkehrsangestellten und die Bahnbeamten hi einer Weise in Anspruch genommen werden, wie es 3. B. in Eng land unmöglich wäre. Für diese Männer und für die Frauen in Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! den Billettausgaben war der Sonntag ein Tag furchtbarster Anstrengung und größter Nervenprobe. Es war alles in allem ein Sonntag, den man das ganze Jahr hindurch nicht vergessen wird: ,, Weßte noch, det wa an den Sonntag, in Juli, a den heeßen. Da war det Wasser in Müggelsee so heeß, det de Eier drin tochen tonnst und det de Leite Brandblasen an die Fieße gefriecht ham." * Leider ereignete sich auch gestern wieder eine größere Bahl von Badeunfällen, über die mir an anderer Stelle berichten. Absturz eines Berliner Studenten. I Todesstürze in drei Tagen im Hochgebirge. Genf, 16, Juli,( Eigenbericht.) Am Sonnabend stürzte in der Nähe von Zermatt ein Berliner Student ab, der mit zwei Kameraben und einem Lehrer den Cervon besteigen wollte, er war sofort tot. Faft gleich zeitig wurde einer deutschen Touristin oberhalb 3ermatt durch einen fich lösenden Stein die Schulter zerschmettert. Sie fonnte erst am Sonntag durch eine Hilfserpedition in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt haben in den letzten drei Tagen sieben Personen bi dem Versuch, das Hochgebirge zu besteigen, das Leben ein gebüßt. Mit Ausnahme der Dame hatten alle Verunglückten ihre verhängnisvolle o ch gebirgstourohne Führer unter: nommen. Sie mußten wegen ihrer beschränkten Mittel auf jede Führung verzichten. Die Entlassung fündbarer Beamter. Entscheidung des Disziplinarhofs. dem Ende des Dienstverhältnisses, im vorliegenden. Falle alfo bis zu dem in der Verfügung angegebenen Entlassungstag, nach freier Entschließung abgeändert werden. Bon dem in der Verfügung angegebenen Entlassungstag ab fann aber eine Rücknahme der Verfügung nicht mehr erfolgen, weil der Beamte von da ab bereits aus dem Dienst ausgeschieden ist und weil ein aus dem Dienst bereits ausgeschiedener, früherer Beamter durch den Widerruf der Entlassungsverfügung nicht die Beamteneigenschaft wiedererlangen kann. Im vorliegenden Fall aber, wo die Zurücknahme der Entlassungsverfügung vor dem in ihr angegebenen Entlassungstag erfolgte, blieb das Be= amtenerhältnis bestehen, die Einleitung der Disziplinaruntersuchung war also zulässig. Um der Brüder willen schuldig geworden Der unerbittliche Zuchthausparagraph. Der 30jährige Karl W. aus K. war seit einigen Jahren probemeise bei einem Berliner Bezirksamt eingestellt, zwar mit einem vielversprechenden Titel, als nicht planmäßiger Stadtobersekretär, aber mit nur fleinem Gehalt, mit 260 m. Damit mußte er seine Familie, Frau und zwei Kinder ernähren; außerdem lebten aber noch seine Mutter, deren ganzes Einkommen in 37 M. Invalidenrente bestand, und zwei Brüder, die ein ganzes Jahr hindurch arbeitslos waren. Die Brüder glaubten ihren Bruder in gutgesicherter Stelle und lachten, wenn er ihnen sein tatsächliches Einkommen nannte, dachten, daß er einen Scherz mache und erwarteten in ihrer eigenen. Not von ihm Hilfe. Er half aus angeborener Gutmütigkeit, folange es ging, aus seiner eigenen Tasche. Aber das magere Gehalt erlaubte es nicht lange, und da beging er jenen Fehltritt, für féine Mutter und Brüder, deretwegen er jetzt vor dem Erweiterten Schöffengericht in Pankow stand. Er hatte eine Vertrauensstellung bei der Erwerbslosenfürsorge, fannte den Betrieb und nugte ihn aus. Fälschte eine sogenannte 3ahltarte von einer Erwerbslosen, deren Gesuch abgewiesen. worden, und stellte sie auf den früheren Namen seiner Frau aus, die daraufhin das Geld erhob und mit falschem Namen quittierte. Noch einmal fälschte er zwei Karten, um die Weihnachtsbeihilfe zu erhalten. Die ganze Ausbeute, 537 M., erhielten die Brüder. Als die Berfehlungen befannt wurden, stand man vor einem Rätsel. Man fonnte es nicht glauben, daß dieser so überaus tüchtige und zuverlässige Beamte in seiner Not diefen Ausweg genommen und sich nicht um Hilfe an seine Behörde gewandt hatte. Auch jetzt vor Gericht stellt man ihm das Er und seine Ehefrau sind voll beste Zeugnis aus. ge ständig, und unter normalen Umständen würde die Tat, zumal er durch Verpfänden seiner Möbel die Summe gedeckt hat, mit einer geringen. Gefängnisstrafe und voller Bewährungsfrist gefühnt werden. Aber er hat in Beamteneigenschaft gefehlt, und der verhängnisvolle, starre Paragraph 349 StGB. taucht auf. Er fennt keine mildernden Umstände, keine Nachsicht. Selbst dem Staatsanwalt und Gerichtshof sind die Härten peinlich, aber der Buchstabe verlangt sein Opfer. Während das Gericht die Befürwortung eines Gnadengefuches in Aussicht stellt, während es auch, soweit als es gesetzlich möglich, von dem Recht der Bewährungsfrist Gebrauch macht, muß es doch duf der anderen Seite dem Buchstaben des Gesetzes gehorchen, und der verlangt für diese geringfügige Berfehlung als Mindeststrafe, die hier angewandt wird, ein Jahr Zuchthaus! Die mitangeflagte Chefrau tommt mit drei Monaten und bedingte Straf ausfegung davon. Der Mann aber bricht fassungslos zusammen. Das Oppenkowiti- Urteil rechtsträffig. Das gegen den Former Franz Oppentowski, dem Frauenmörder vom Arnswalder Blak, erfannte Urteil von 12 Jahren und 1 Monat 3uchthaus und 10 Jahren Chrverlust ist jetzt rechtsträftig geworden. Oppenkowski hat das Urteil anerkannt und die beim Reichsgericht eingereichte Revisionsschrift zurückgezogen. Berantwortlich für die Redaktion: Artur Saternus, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Kaffee Hag ist allerorten Und bei Jung und Alt beliebt, Denn er ist ein Bohnenkaffee/ Wie es feinen beff'ren gibt. Ein fündbarer preußischer Polizeibeamter erhielt im August eine Verfügung seiner vorgesezten Behörde, daß er seinem Antrage gemäß am 14. September aus der Schutzpolizei entlassen werde. Ende August hob jedoch die vorgesetzte Behörde diese Verfügung wieder auf, machte dem Beamten davon Mitteilung und eröffnete gegen ihn im Dezember eine DiszipliKaffee Hag schont Ihr Herz' sagen Sie, ich sage aber naruntersuchung. Es fragte sich, ob die Entlassungs Kaffee Hag schont noch mehr Ihre Nerven, unter denen in verfügung mirtsam zurüdgenommen werden konnte, so daß der Beamte auch über den 14. September hinaus im Dienste verblieb und im Dezember in Disziplinaruntersuchung gezogen werden durfte. Amtlich wird hierzu mitgeteilt, daß der Disziplinarhof für die nichtrichterlichen Beamten diese Frage bejaht hat. Die Beendigung des Dienstverhältnisses wird nicht etwa vertragsmäßig durch die Annahme des Entlassungsantrages des Beamten seitens der zuständigen Behörde in dem Zeitpunkte bewirkt, der dem Antrage des Beamten und der mit ihm übereinstimmenden Verfügung der Behörde entspricht. Vielmehr wird die Aufhebung des Beamtenverhältnisses durch die einseitige Willenserklärung der Behörde herbeigeführt. Einseitige Willenserklärungen, die von der Behörde dem Beamten gegenüber in bezug auf das Dienstver hältnis abgegeben, worden sind, können von der Behörde bis zu Volksbühne Deutsches Theater Saltenburg- Bühnen Jts. Künstler- Th. 8 Uhr Norden 12.31. heater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm U. Ende nach 10% 81 Uhr 8 Uhr: Artisten Es kommt Der Legie Max Reinhardt Die Komödie Fr. Holländer Orpheus in der Unterwelt Kuhhandel Komische 31% Ubr Oper 8%, Obr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaur ab 10 Uhr ununterbrochen. Bismarck 2414/7516 312 U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Jeder dran! Revue von Lessing- Theater Täglich 84, Uhr „ Spiel im Schloss" Theater des Westens Kleines Theater 81, Uhr: Lori Leux in Die ungeküßte Eva Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk 81 Uhr Sprungbett der Liebe Zesch- Bailot, Christel Storm, Torning, Garrison Schafheitlin. Walhalla- Th. Rose- Theater Weinbergsweg 19/20 Gr Frankt. Str. 13 5 Uhr dieser Zeit die meisten Menschen zu leiden haben. Ich möchte hier meine Behauptung nicht als Phrase angesehen haben, da ich besonders häufig die Wohltat des Kaffee Hag bei nervösen Menschen gesehen habe. Häufig trat nur durch den Uebergang vom Coffeinfcffee zu Kaffee Hag schon ein Wahlbefinden bei meinen Patienten auf. Es besteht leider gegen alles Neue ein Mißtrauen gerade bei Kaffeefreunden, die in dem Kaffee Hag ein Surrogat sehen. In jedem Falle gelang es mir aber durch eine Kostprobe diese Mißtrauen restlos zu beseitigen. Ich selbst möchte jedenfalls den Kaffee Hag nicht missen. Reichshallen Theater .Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger mit ihrem für Berlin völlig neues Programm! Anf. 8 Uhr. Preise d. Plä'ze wie immer. Donhoff Brett': ( Saal und Garten). Varieté Kabarett- Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str 6 l'el. Mpl 160 77 Täglich 84 Uhr: Ronzert und bunter Teil Montag, den 16 Ju'i. 8 Uhr: Berliner Theater Residenz- Theater Der Wirt vom harlottenstr.93/ 91: Dönh.170 3, Ende nach 10% lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeß Mary Dugan Lustspielhaus Täglich 8 Uhi Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Blumenstr. 8. Täglich 81% Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Heidekrug Ein lustiges Spiel.m. Gesang u. Tanz m. d. neuesten Schlagern 8 Uhr Der Fürst von Pappenheim Letzte Vorstellung der Elife- Sänger vor ihrem Sommerurlaub. Vom 17. bis 81 Juli: Großes Park.auch Sonntags Blumenspenden Sonder- Gastspiel statt 4.-M. nur 60 Pi. eder Ar te ett pressmer E friede Mertens a.G. Yom Besten das Beste! Paul Golletz. Jugendliche haben Denkbar feinste Dorm. Robert, Meyer Keinen Zutritt: Butter 1.80 Mariannenstraße 3, Parkett auch Sonnt. Wegner, Berlin Sor Round 1 statt 4.- Mk. SO Ede Naunynftrage Mariannenstraße 34 Ami Morigpl 10303 nur 1. Mk. Hausa mmer achten! Otto Panis Bane Bühne zwei Programmed. Frohsinns u. d Helterkeit! Die Vorzugskarten haben weitere Gültigkeit! Zu noch nie Dr. J. dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen, Bettdecken Künstler- Gardinen in besten Qualitäten für 5.90, 7.50.8.90 M. 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Der bohe erzieherische Wert dieser lebensanschaulichen Methode tritt am deutlichsten aus den Tagebüchern der Schüler selbst her- vor. Wir bringen einen Auszug aus dem Tagebuch mit H. P. aus der Untertertia. 10. Mai. Alles einsteigen!— Fertig! Langsam setzt sich der Zug in Bewegung. An einigen Stationen im schwarzen Berlin hält er noch einmal. Nun verläht er Berlin mit wachsendem Tempo. In Dessau überqueren wir die Elbe. Bold auch die Saale. Wir kommen durch ein reiches Industriegebiet. Hinter Songerhausen erblicken wir, tief in Nebel gehüllt, den K y s f h ä u s c r.. Da uns die Zeit langweilig wird, spielen wir einige Gesellschaftsspiele. Nach- dem wir etwas geschlafen hoben, kommen wir um 24 Uhr in Frankfurt a. M. an. Wir gehen schnell zur Jugendherberge, um noch ein paar Stünden zu schlafen. 11. Mai. Um ss>(5 Uhr werden mir geweckt. Schnell machen wix uns fertig und gehen zum Bahnhof. Wir fahren über Darm- ftadt— Karlsruhe nach F r e i b u r g. In Freiburg angekommen, gehen wir zur Jugendherberge und legen unsere Sachen ab. Dann besichtigen wir dos Münster und das Freiburger Theater. Herr Papmeyer erklärt uns einiges vom Münster Dos Ouerschifs ist in romanischem Stil gebaut. Während der Bauzeit muß aber ein anderer Baustil ausgekommen sein, denn der Turm und das Längs- schiff sind in gotischem Stil gebaut. Die Fenster sind bunt be> malt, lleber dem Eingang sind große BrSnzefiguren, wahrscheinlich Heilige. Wir besteigen den Turm und zählen dabei ungefähr IOV Stufen Bald gelangen wir in den Glockenstuhl. Dort hängen große Glocken an fast morschen Balken. Um den Glockenstuhl geht ein schmaler Gang. Jetzt gehen wir noch ein paar Stufen höher und kommen dann in die eigentliche Spitze. Dort oben hat man eine herrliche Aussicht auf ganz Freiburg und die Umgegend. Es ist eine schwindelnde Höhe...•-. 13. Mai. Nach dem Kaffectrinken ist eine Besprechui� über den Arbeitsplan. Einer von uns hat draußen eine bergauf- fließende Quelle entdeckt. Wir gehen gemeinsam hin, ury das Wunder zu besichtigen. Es stellt sich ober heraus, daß die Quelle nicht bergauf fließt.— Nun spielen wir Trapper und Indioner. Um ,12 Uhr versammeln sich alle zum Mittagessen. Danach schickt uns unser Lehrer noch H o f s g r u n d, um dort zu studieren. Wir teilen .uns iii, kleine Gruppen, und jede Gruppe geht in. ein..Haus, um sich von den Bauern etwas erzählen zu lasten. Der Bauer, den ich fragte, war ein sehr netter'Monn. Er sagte mir, daß Getreide hier nicht gebaut wird, da die Winde zu rauh sind und der Boden zu feucht. Hier in der Nähe sei auch ein Bergwerk Dieses sei im Jahre 1300 gebaut. Während des Krieges habe es stillgestanden. Noch- dem wir so Kenntnisse über Land und Leute gesammelt haben, geht schreiben unser Tagebuch..Nach dem Essen machen einige einen Spaziergang nach Notschrei. Andere rodeln und tollen im Schnee herum. Nachdem unsere Kaffeetafel aufgehoben ist, spielen wir Tischtennis. 13. Mai. Heute geht's nach Hasgrund zur Besichtigung eines Stollen im Bergwerk. Wlr öffnen ein Eisengitter und be- treten den feuchten, dunklen Gang. Das Wasser tropft von den Wänden. An den starten Boltenträgern sitzt dicker Schimmel. Mit dem Scheine einer Taschenlampe vor uns gehen wir in den Berg hinein. Der Weg wird immer beschwerlicher. Wir müssen uns oft bücken, damit wir mit dem Kopf nicht gegen die Decke stoßen. Plötzlich sagt unser Führer:„Halt!" Wir sehen vor uns einen kleinen Tümpel. An der rechten Wand führt ein schmaler Gang steil aufwärts. Nun kehren wir um. Der Weg ist sehr matschig. Oft müssen wir durch Wasser waten. Bald wird der Gong etwas heller und schließlich langen wir wieder an dem Eingang an. Wir Haus im Schwarzwald. freuen uns, als wir endlich dos Tageslicht erblicken. Bon dem Spaziergong unter der Erde geht's auf den Gipfel von Schau- insland, wo wir uns viel wohler und freier fühlen als in der dunklen Tiefe. Auf dem Heimweg kommen wir an einem Stein- bruch vorbei. Wir fragen die Arbeiter, da sie ein Loch in dos Ge- stein bohren, ob heute noch gesprengt wird. Um 2 Uhr soll es los- gehen. Wir sind pünktlich zur Stelle und dürfen uns in einer Ent- fernung von 150 Meter van der Sprengstelle aushalten. Die Zünd- schnür wird angesteckt. Eq dauert gar nicht lange,. schon gibt es einen lauten Knall und ein Teil der Felswand stürzt ein. Einige Steine sind bis zu uns geflogen. Nun gehen wir wieder zum Stein- bruch und lasten uns einiges erklären. Ein Arbeiter zeigt uns das Dynamit. Es ist eine weiche gelbe Masse, die wie Kunsthonig aus- sieht und mit rotem Oelpapier umwickelt ist. Dos Dynamit explo- diert erst bei einer Hitze von 300 Grad. Die Hitze wird durch Schlag- feuer erzeugt. Dazu nimmt man eine Kapsel, die mit Pulver ge- füllt ist.' Die Zündschnur hat einen Koliber von zirka 5 Millimeter. Sie ist mit Teer getränkt und enthält Pulver. Durch die Schnur geht ein Seidenfoden, der glimmend das Feuer sortbewegt. 25. Mai. Noch dem Kosfeetrinken wandern wir nach Alt- g l a s h ü t t e n, um ein« Blaufuchsfarm zu besichtigen. Als wir einen Berg erklommen hoben, erblicken wir durch ein Gitter ein paar Füchse. Sie hoben ihren Winterpelz noch nicht ganz abgelegt, denn Konfisziert! Preßgeschichten aus Alt-Osterreich. So sah der Zwölf jährige das Freiburger Münster. Herr Popmeyer mit einigen Iungens durch dos Dorf und dann zur Herberge zurück. Dort werden wieder Gruppen gebildet. Jede Gruppe nimmt sich eine Arbeit vor. Einige sammeln Stein« oder Pflanzen, photographieren oder zeichnen. Noch dem Abendbrot wird wieder ein« Besprechung abgehalten, in der jeder erzählt, was er am Tage erlebt und beobachtet hat. 17. Mai/ Wir sehen zum Fenster hinaus und erblicken eine weiße Landschaft. Es hat geschneit. Wir rennen hinaus in den Wald und toben uns im Schnee aus. Nun wird ein Schneemann gebaut. Hände und Füße sind wie abgestorben. Bald ist der Schnee- mann fertig. Jetzt rennen wir noch Hause, um uns aufzuwärmen. Scharfer, kalter Wind braust uns entgegen. Schneebälle pfeifen von hinten an uns vorbei. Jetzt aber beginnt die Arbeit. Wir Dos oltösterreichische Recht ermächtigte den Staatsanwalt, in Städten ohne Gerichtshof sogar den Bezirkshouptmann, jede Druck- fchrift zu beschlagnahmen, nicht nur, wenn die Angabe des-Ber- antwortlichen' auf dem Druckwerk fehlte, sondern auch, wenn sein Inhalt irgendwie eine strafbare Handlung darstellte. Eine Anklage brauchte der Konfiskation nicht zu folgen, es war das sogenannt« objektive Versahren, von dem auch massenhaft Gebrauch gemacht wurde— besonders natürlich gegen die radikalste Opposition; das waren die Sozialdemokraten und die verschiedenen Natianalradikolen. Gegen die Konfiskation, die der Gerichtshof fest immer bestätigte, gab es nur das fragwürdige und gewöhnlich nutzlose Rechtsmittel des Einspruchs, über den ohne Anhörung und in Abwesenheit des Redakteurs verhandelt wurde und gegen desten Abweisung noch die Beschwerde an das Oberlandesgericht, die genau so verhandelt wurde. Hotte solch ein Rechtsmittel mal Erfolg, so mußte der Staat den nachgewiesenen Schoden ersetzen— ober er kam höchst selten dazu. Das Konfiskationsrecht wurde in der Frühzeit der Arbeiterbewegung systematisch mißbraucht, um ihre Zeitungen zu ruinieren. So entstand ein zäher Kampf zwischen der Preßpolizei- gewalt und der Pfiffigkeit unserer Genossen, di« ihre Ehr« darein setzten, möglichst wenig Blätter den Polizisten zu überlassen und möglichst viele zu verbreiten. Selbstverständlich wurde nach einer Konfiskation immer eine zweite Auflage herausgegeben, die die verbotenen Stellen durch schwarze Flächen ersetzte, aus denen das Wort„konfisziert" weiß herousleuchtete, oder durch weiße Flächen, auf denen man dieses Wort schwarz los; sehr schön war es, wenn dabei etwa herauskam: Unsere Freiheit ist ja längst--- konfisziert! Monetzmal ersetzte man auch die gestrichen? Stelle durch neuen Satz, womöglich solchen, daß der Leser erroten konnte, weswegen man konfisziert worden war. Als zum Beispiel unser Porteiblott in der nordböhmischen Glasindustrie Gabloirz a. d. Neiße einmal wegen Beleid igpng der Kirche konfisziert wurde, erschien die zweite Aus- läge mit dem— JSoter unser" als Ersatz. Das konnte nicht kon- an der Schwanzspitz« sind sie nach weiß. Sie gucken uns staunend an. Als wir den Mann fragen, was so ein Blaufuchs koste, sagt er uns, daß diese keine Blaufüchse, sondern Silberfüchse seien. Das Paar koste 6000 M. Ein Pelz sei aber schon für 750 M. zu haben. Auf dem Rückweg besichtigen wir noch die Kirche. Am Nachmittag machen wir eine Wanderung nach dem Schluchsee, der 1'/- Swn- den von uns entfernt ist. Dort wollen wir rudern, finden ober nur einen Fischerkohn. Wir besteigen ihn und fahren damit in der Nähe des Users umher. Bald machen wir uns aus den Heimweg. Die„Eute Stellung". Was einer jungen Heusangcstcllicn zugemutet■wird Als kluger Geschäftsmann, der sich auf seine Interessen versteht, hotte sich Herr B. von seiner Hausangestellten bei ihrem Abgang eine Ausgleichsquittung unterschreiben lassen. Als ihn das Mädchen beim Arbeitsgericht verklagte, berief sich B. auf seinen Schein mit der Sicherheit eines Mannes, dem keiner etwas an- halien kann. Doch der Richter belehrte ihn: Im allgemeinen ist es zwar so, daß jeder das gelten lassen muß, was er unterschrieben hat. Aber hier wird das Gericht doch prüfen müssen, ob die Klägerin—- ein achtzehnjähriges Mädchen s i ch der Trag- weite dessen, was sie unterschrieb, bewußt war. Nun muhte sich der vorsichtige Geschäftsmann in eine sachliche Erörterung der Klage einlassen. Diese war dadurch veranlaßt, daß das Mädchen bei seinem noch ordnungsmäßiger Kündigung erfolgtem Abgang einen Teil des verdienten Lohnes nicht be- kommen hatte.— Worum nicht? Weil B. als Geschäftsmann nur an seine Interessen denkt. Er hatte nämlich dem Mädchen, dos ein Jahr zur vollen Zufriedenheit bei ihm in Stellung war und den für heutige Verhältnisse sehr mäßigen M o n a t s l o 5 n von 25 M. er- hielt, ein Hauskleid und einen Sommennantel im Werte von 18 M. geschenkt» sicher in der Absicht, die tüchtige und so billige Arbeits- kraft seinen Haushalt möglichst lange zu erhalten. Aber dies« Ab- ficht wurde nicht erreicht, denn das Mädchen hatte bald nach Emp- fang des Mantels gekündigt, um sich zu verbessern. Darum zog ihr B. nicht nur den Betrag des Geschenks vom Lohn ab, sondern auch 3 M., die er ihr für geleistete Mehrarbeit, weil Gäste im Hause waren, gegeben hatte. Im übrigen konnte B. nicht Worte genug der Klage finden über die„Undankbarkeit" des Mädchens, das es so gut bei ihm gehabt habe und nun, „aufgehetzt durch den Bräutigam", die gute Stellung verlassen habe. Das Mädchen konnte dagegen Tatsachen anführen, welche die „gute" Stellung als«in« sehr schwere und arbeitsreiche kennzeichnen. Alle zwei bis drei Wochen mußte sie die große Wäsche ganz allein ausführen. An diesen Tagen hat sie von morgens 5 bis abends 11 Uhr gearbeitet. Auch sonst war ihr ein reich- liches Teil Arbeit zugemessen. Zu dieser Darstellung bemerkte der Richter:„Das ist ja elne Ausbeutung der Arbeitskraft, aus die man den Staatsanwalt auf» merksam machen müßte." Der Beklagte verwahrt sich dagegen. Das sei doch nicht: zu- viel verlangt, wenn das Mädchen die Wäsche für drei Personen waschen müsse. Aber das sei ja eine allgemeine Erfahrung, daß die Mädchen heuzutag« möglichst wenig arbeiten wollen. Darauf er- widerte der Richter: „Ich Hobe hier beim Arbeitsgericht schon oft die Erfahrung ge- niacht, daß Damen, die den ganzen Tag aus dem Sofa liegen, von ihren Mädchen mehr Arbeit verlangen, als sie beim besten Willen leisten können. Was den Abzug der Geschenke be- rrifft, so liegt hier der Fall vor, von dem es im Bürgerlichen Ge- setzbuch heißt:„Scheiiku.rgen, durch die einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprochen wird, unterliegen nicht der Rückforderung." Die.Klage endete mit einem Vergleich, wonach sich das Mädchen mit der Zahlung von 10 M. begnügt. fisziert werden, mochten auch schon Schillerzitate beschlagnahmt worden sein! Frühzeitig schon entwickelte sich ober die Praxis, konfiszierte Artikel zu immunisieren. Das geschah so: Da nach der Ver- fossung wahrheitsgemäße Berichte über die Verhandlungen des Reichsrats nicht beschlagnahmt werden konnten, ließ man im Ab- geordnetenhaus eine Interpellation einbringen, die dem Justiz- minister die Konfiskation folgenden Artikels miiteilte— folgte der konfiszierte Artikel— und der Schluß:„Was gedenkt der Herr Minister gegen solche rechtswidrige Einschränkung der Preßfreiheit zu tun?" In der nächsten Nummer konnte man so den beschlag- nahmten Inholt wieder abdrucken. Diese Immunisierung entwickelte sich mit der Zeit zu imposanter Großartigkeit. Als z. B. in der Epoche der alldeutschen„Los-von-Rom"-Agitätion irgendein Staats- onwalt sogar Wilhelm Busch'.„Heiligen Antonius von Padua" kon- siszierte, wurde das ganze Buch samt den Zeichnungen als Jnter- pcllation eingebracht und dann mit dem Aufdruck„Interpellation des Abg. I. und Genossen in der y. Sitzung des Abgeordnetenhauses vom....." und der Schlußsrage munter wieder verkauft. Aller- dings wurde die Immunisierung auch mißbraucht, um wilde anti- semitische Hetzschriften freizumachen. Als ober zur Zeit eines üblen Ritualmordprozesses die damals geradeheraus pogromiftischen tschechischen Nationalsozialisten judenhetzerijche Lebkuchen- f i g u r e n. die verboten worden waren, als— Interpellation ein- bringen wollten, hinderte der Präsident diesen Unfug. Heute noch besteht das objektive Verfahren ziemlich un- geschmälert in der Tschechoslowakei und anderen Nachfolgestaaten. jedoch scheint die Immunisierung abgekommen oder wohl nicht mehr möglich zu sein. In Deutschösterreich hat die Republik vorgeschrieben. daß jeder Konfiskation die Anklag« gegen den Verantwortlichen vor den Geschworenen folgen müsse: aber die Staatsanwälte helfen sich meist so. daß sie die dasür bestimmte Frist verstreichen lassen, ohne die Anklage zu erheben. Der Staat muß dann allerdings den Schaden bezahlen, ober in einem solchen Wien» Fall vom Juli vorigen Jahres hat man mit Hilf« des Gerichts dabei noch größte Snickngkeit gezeigt. r-bq. von J&azzL fäurgfSalizr 2. Fortsetzung. Was war es nur, daß Hilde sich an diesen Bildern, die Edi so (indrucksnoll und dadei so launig zeigt«, schweigend vorüberführen ieß, wie an Gemälden einer Galerie, die sie interessieren mußten— vi« konnte es denn anders sein— aber doch nicht zu ihrem Herzen Drachen? Plötzlich kam es ihr in den Sinn: Mutti weiß von all- lem so wenig wie sie selbst, die nach dieser verklungenen Zeit ge- ioren wurde. Mutti pflegte zwar nie viel von ihren Mädchentagcn ind ihrer kurzen Ehe zu erzählen, aber gewiß hätte sie von Reisen »r die Schweiz und den anderen Freuden berichtet, wenn sie sie triebt hätte. Longe konnte Hilde nicht bei ihren Gedanken bleiben und in Wis Zwiegespräch mit Edi klang die Ausgelassenheit der jungen teut« ringsum. „Das ist gar nicht, wie bei den Erwachsenen, wo alle immer tinsilbiger werden, bis das Essen kommt", konstatierte Edi und ein Fräulein rief schnippisch, als ob es Scherz wäre, aber sie meinte ls auch crnsthast:„Ich bitt' Sie, Herr Eduard, protzen S' nicht so nit Ihrer Schokolade, die haben wir auch zu Hause." „Hätten wir Sie sonst eingeladen, Fräulein Lola?" antwortete kdi sogleich.„Sie find ja hier nicht Objekt einer Ausspeisung, sondern einer Einladung!" „Oh, welch reizesidcs Objekt,«in Knnstobjekt!" schwärmte der Italienische Offizier so laut, daß ihn dieses Objekt seiner De- wunderung bestimmt hört«. „Was, Herr Graf, könn' ma noch in Wien Auktionen ver- onstalten mit derartigen Kunstobjekten?"„Gott sei Donk!" de- merkte Edi und olle, die diese Anspielung verstanden und mußten, daß der Italiener mit rasender Eile zusammenkaufte, was ihm an Kunstwerken unter die Hände siel, lochten. „Oh, Vienna, Vienna, wie ßode diese einzige Sstadt! Europe wird ein Juwel weniger haben!" „Ro, sein S' so gut, Herr Gros, jetzt Helten S' uns ja gleich einen Nekrolog!" „Nekrolog! O nein! Die Menschen werden gewiß nicht unter- gehen. Dies« Liebenswürdigkeit! Diese Gastfreundschaftlichkeit! Oh, welche Population! Aber die Sstadt, futsch, leider Gatte«! Mein Dater, der Minister, sagt eben das gleiche. Die Kaiserstadt ist es nicht mehr und dann ist eben nicht mehr Menno." >„Aber was, Herr Graf, o Stadt, wo man verdient, lebt!" sagte brutal einer der Gäste, der dem Aeußercn nach älter war als die anderen jungen Leute im Salon— er trug kurze Kotcletten und zeigte in seinem ganzen Wesen gewollt Altwienerisches.„Ich war während des Krieges in Bukarest und noch tiefer am Balkan. Glauben& die Leut' bleiben dort zu Haus? Z'Haus machen s' das G'schaft und dann fahren s' nach Paris, an die Riviera. Is a net schlecht." „Oh, ich lade die ganzen Erschasten zu mir nach Roma, meine Eltern werden sein glücklich, Ihre Gastwirtschaftlichkeit zu be- antworten." „Damit hat's noch Zeit, jetzt sein wir hier und die Jausen ist schon ang'richt," kommandiert« Edi, und die jungen Herren und jungen Domen waren froh, daß es mit dein ernsten Gespräch zu Ende war. Unter lautem Geschnatter stürmten alle zur Tür, die dos Stubenmädchen geöffnet hatte, und in die sich alle zur gleichen Zeit hineindrängen wollten, daß keiner ins Speisezimmer gelangt«. Auch hier brannten die Lampen an dem Luster, waren die Räume gut erwärmt, der allzu frühe Herbst ließ beides, Wärme und Licht, wohlig empfinden. Auf den Tischen waren Berge von Backwerk aufgestapelt, in der Mitte glänzte ein gewaltiger Gugl- hupf, machtgebietend und wie ein« Feuersonne alles überstrahlend, und über der Schokolade in jeder Schale wölbte sich gleich einer Schneedecke über bräunlichem Boden ein Hügelchen von Schlagsahne. „Wie in der guten alten Zeit!" sagte ein Nein«? Fräulein, und da konnte man schon sehen, daß sie alle, Mädeln und Jungen, und auch der Senior der Gesellschaft, jener 5)crr mit dem Schubert- Gesicht, noch einen Augenblick hinter ihren Sesseln standen und das Bild dieses Iausentisches mit anerkennenden Blicken musterten, ehe sie sich niederließen. „Uje, die Dely ist wieder ein Mädel geworden!" rief noch«in junger Herr. Seine Nachbarin war blitzschschnell verschwunden, hatte rasch die Ofsiziersuniform abgeworfen und sich in eine Dame verwandelt, die das Kleid an der Seite gerafft, an der Hüfte ge- bauscht und schon bis zu den Knöcheln trug und das Haar hoch- gesteckt, im Nacken zu einem Knötchen geschlungen hatte. Dann machten sich alle gewissenhaft'an die Jause, die der italienisch« Offizier französisch als eine„Schofö" ansprach, als man nach der Pause eben wieder zum Sprechen kam. Cduard erhob sich, als ob er einen Trinkspruch ausbringen wollte:„Also bitte: Erstes Gebot. Vom Essen wird nicht geredet!" Alle stimmten zu. „Zweites Gebot. Schau ma, daß wir ohne llebertreibung, aber mit Anstand, fertig werden, damit wir zum Tanzen kommen. Und driltes Gebot. Getanzt wird Walzer, Polka, meinetwegen Boston. Aber nix vom Foxtrott und dem sonstigen modischen Zeug. Höchst« Ueberraschung: Vor dem Nachtmahl wird sogar ein« Quadrille arrangiert. Wie in der guten alten Zeit!" „Ich kann keine Quadrille tanzen!" flüsterte ihn lauter, als sie es gewollt hatte, Hilde zu, die neben ihm saß. „Na fa. Bei Ihrem Alter sind Sie halt noch beim Menuett stehengeblieben, Fräulein Hilde, aber wir werden Sie unterrichten." Man aß, man erhob sich, man tanzte. Glühende Mädchen- gesichier, ein duftiger Reigen von flatternden, hellen Mädchen- kleidern, die im Wiegen des Tanzes zu einer vielfarbigen Einheit verschmolzen,«in rhythmisches Scharren und Stoßen der Füße, goldumkleidet«, atlosverhüllte, lockumschlossene Füße, die unter den Kleidern hervorlugten und über den Boden schwebten. Und über allem tirilierend und jubelnd die Straußschen Walzer. „Ob, sagen Sie mir nochmals die Namen von der Piccola Signorina im gelben Kleid, mit der Sie so oft tanzen. Signor Gruber!" Der italienisch« Ossizier nahm Edi beiseite und jeder Darsteller des Othello hätte ihn jetzt um seine rollenden Augen benridet. ..Das? Dos ist die Hilde Fernleitner." Der Offizier verlor in seiner Bcrzückung seine deutschen Sprach- kenntnisse und sprudelt« nur italienisch. Dann besann er sich: „Aber, die ist ja entzückend! Die Wienerin, wie man das auf una pLttura sieht. Und diese... diese... Anmutigkcit im Tanz, ein bisset— sagt man so?— Höchen tut sie.. „Aber, was Ihnen net einfallt. Wahrscheinlich sind S' ihr am Fuß getreten..." „Nein, Sie'oben mich ßlecht verstanden, ich mein', so... wiegen tut sie sich im Tanz..." „Regen S' Ihnen net wieder auf. Herr Graf, die Hilde ist ja noch a Schulmädel." „Aber das wird bald ein« Sßönheit allerersten Ranges fein.. „Das weiß ich schon," erwiderte Eduard, und sein blasierter Ton wurde jetzt warm.„Schön ist die Hilde. Und ein Pracht- mödel dazu." „Ich muß... ancor... nochmals mit ihr tanzen..." „Geben S' nur acht, daß sie nicht wieder hatßt." Dann, als all« vom Tanzen müde waren— der Edi hatte an- scheinend vergessen, die Quadrille zu arrangieren—, setzte sich der Doppelgänger Schuberts, der Herr mit den Bartkoteletten und den Vatermördern und der altwienerischen Riescnkrawotte, ans Klavier imd sang wienerische Lieder, echte Schrammellieder, und Fräulein Dely kopierte eine Operettcnsängerin, die gerade in Mode war. Und Lutz spielte mit zwei Freunden einen Film, in dem es sehr blutig zuging und worin alle drei zappelnd und zitternd die Be- wegungen so nachahmten, wie sie auf der Leinwand voriiberzu- flimmern pflegen. Zum Schluß erst kamen die Couplets an die Reihe, die der junge Hans Heinz eigens für diesen Tag gedichtet hatte und die jedem aus der Familie Grubcr, wie jedem der Gäste gutmütig einig« Klapse versetzten. Es war wirklich sehr lustig und als man schicklicheriveifc fortgehen wollte, ging man noch lange nicht fort. Wieder Tanz und wieder Büfett, und selbst die traditionellen Würstel fehlten nicht. mit denen ein solches Fest in der guten alten Zeit stets abgeschlossen hatte, und die in Schüsseln zu Haus lagen, kunstvolle Kreise schlingend, von bläulichen Dünsten umschwebt, und sie waren durch die Geschästsverbindungen des Firineiffcniors aus Prag hierher gelangt. Bei dieser Anknüpfung an das Einst hielten die Gäste mit ihrer Bewunderung nicht mehr zurück. Aber dann nahm man doch Abschied. Die jungen Leute begleiteten die Mäd6>en, zwei Kavaliere drängten sich an Hilde, um sie aus der Eottage in die Iosefftadt heimzuführen, und der italienische Offizier schloß sich gerade dieser Gruppe an.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. .Versicherungspolice des amerikanischen Heeres. Di« Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat ihr ganzes Heer gegen Unfall bei einer großen Versicherungsgesellschaft für die jährliche Summ« von 9 975 323 Dollar und 59 Cent versichern lassen, so wird von„drüben" berichtet. Allerdings, das amerikanische Heer ist weiter den Unbilden d« Krieges ausgesetzt. Jetzt sogar erst recht. Denn diese eigenartige Police versichert eigentlich den Staat und befreit ihn von der lästigen Verpflichtung, für die körper- lich« Sicherheit seiner Soldaten zu sorgen. Geschah bisher ein Unglück während des Exerzierens, explodierte unvorhergesehen eine Granate und richtete Unheil an oder wurde gar Krieg geführt, dann mußte der Staat den Kriegsinvoliden und Hinterbliebenen Renten zahlen. Das macht zurzeit jährlich 15 Millionen Dollar aus. Run wird dos anders werden. Das gesamte ständige Heer ist gegen Unfall, auch im Kriegsfälle, versichert. Jetzt können beruhigt Kriege begonnen werden. Nicht der Staat, die Ver> sicherungsgesellschast ist ersatzpflichtig. Angenehme Aussichten. In Bowncmouth in England hat ein gewisser Bening Arnold sein hundertjähriges Lebensjahr angetreten. Bemerkenswert an dieser Tatsache ist besonders, daß Arnold noch heute Tennis spielt, während er sich in früheren Jahrzehnten aus diesem Sport gar nichts gemacht hoben soll. Wenn das so weiter geht: was wird Herr Arnold mit 129 Iahren wohl anfangen? Geburtenregelung auch bei den„Wilden". Im Kampf für und gegen die Geburtenregelung wird von Freund wie Feind meist übersehen, daß die Rationierung des Nach- Wuchses durchaus keine Erfindung der Neuzeit und kein„Auswuchs unserer Ueberzivilifation" ist. Schon die primitivsten Völker haben sich mit diesem Problem auseinandersetzen müssen. Bei den Acker- dauern freilich ist die Regelung der Geburten kein dringendes Problem, denn hier sind, wenn genug Land zur Verfügung steht, die Kinder als Arbcitskrastzuwochs für die Familie meist herzlich willkommen: anders bei den Iägervölkern. Eine zu große Ber- mehrung der Familien, die, wie die Eingeborenen Australiens, hier auf engem Raum hausen müssen, bedeutete für olle Hungersnot, und bei den Iagdzügen und den Wanderungen der Nomoden sind die Kinder wenig geschätzter Ballast. Interessant ist es nun. wie die Austrglier für sich die Frag« der Geburtenbeschränkung gelöst haben, Menschen, die noch vor 30 Iahren im„Slsin.zeitalter" lebten und deren Kultur auf denkbar niedrigster Stufe steht. Einige Stämme setzen eine gewisse Anzahl von Neugeborenen aus oder töten sie. Bei anderen wird nach vorheriger Beratung der Alten eine Anzahl der Jünglinge zur Kastrorion bestimmt; die betreffenden Jünglinge werden dann einiein vom Camp weggelockt und verstümmelt. Außer durch Kostrotion erreicht man das ge- wünschte Ziel aber auch aus die Weis«, daß den Uebersqllenen mit emem Steinmesser die Harnröhre aufgeschlitzt und durch Einlegen von Basffäden verhindert wird, daß die Wund« sich schließt. Bei einigen Stämmen ist es scgar üblich, daß sich nach Geburt seines zweiten oder dritten Kindes jeder Mann dieser Operation unterzieht: damit ist ihm Mar nicht der Geschlechtsverkehr, wohl aber jede weiter« Zeugung unmöglich gemacht. Dieses System der Geburten- rsgelung hat sich bei den Bewohnern der kargen australischen Steppe seit Jahrhunderlen bewährt, und wenn sie jetzt aussterben, so ist daran nicht die Rationierung der Geburten, sondem der Schnaps- import durch die weißen„Kulturpionier«" und der Zwang schuld, europäische Kleidung zu trogen. Außerdem läßt man st« bei karger Unterstützung in den Reservationen vegetieren, so daß sie. die an schrankenldse Freiheit gewöhnt waren, hinsterben, wie Raubvögel in engem Käfig. R. L. Der Vers als Mahner. In den hannoverschen Straßenbahnwagen finden sich neuer- dings folgende nette Derse anstatt der sonst üblichen Ge- und Ber- böte: Spring'»nicht ab und spring' nicht auf, wenn der Wagen noch im Lauf. Rechte Hand am rechten Griff, so steig' ein beim Abschiedspfiff. Steigst du aus, merk' dir den Kniff, Linke Hand am linken Griff. Reiseziel und Strecke melde, Zahle stets mit kleinem Gelde. Wenn der Schaffner dich vergißt, Zahle, wenn du ehrlich bist. Deinen Fahrschein, deinen alten, Darfst du gern für dich behallen. Essen darf du mit Behagen, Aber wirf nichts in den Wagen. Eine wirksame Bekämpfung des gefährlichen Auf- und Ab- fpnngens hat die Stadt Magdeburg eingeführt. Eine Tafel, deren Zahlen monatlich erneuert werden, zeigt die Zahl der so entstan- denen Unglücke an. Zur Nachahmung empfohlen! Wi. Wo. Ein faschistischer Wellenbrecher. Der Innsbrucker Sendestation wurden in letzter Zeit wiederholt Störungen im Radioempfang gemeldet, die durch einen 5hirzwel!eri- sender hervorgerufen waren. Man glonbte zunächst, daß die Störungsquellc in Innsbruck zu suchen sei. Wie'nun die Inns- bruckcr Sendeleitung mitteilt, wurde festgestellt, daß die Störungen durch einen Kurzwellensender verursacht werden, den Italien knapp an der Brenncrgrcuze ausgestellt Hot. Es läßt sich nickt entscheiden, ob man«s da nur mit einer der gewohnten faschistischen Rücksichtslosigkeiten zu tun Hot, oder ob nicht vielmehr der Kurz- wellcnsendcr in der Absicht ausgestellt worden ist, die deutschen Süd- tiroler am'Abhören des Innsbmckcr Senders zu behindern. Früh krümmt sich... Susi, bald fünf Jahre, sieht zu, wi? der Pudding— nicht aus dem fertigen Pulver in der Tüte— zubereitet wird. Da fragt da» Kind:„Machst du den Pudding eigentlich mit Sulionmen oder ohne?"—„Ohne!"—„Dann ist es gut; ich habe nämlich die Sultaninen schon aufgegessen!"--— Ein gütiger Vater. In einer Zeitschrift wird aus dem Schreiben eines schlessschen Bauern an den Lehrer seines Sohnes folgend« nette Stelle mit- geteilt: „Wir hoben«ine befreundete Leiche und ich wollte das Kind der Freude nicht berauben." Natürlich! Spaß muß sein.—— Die deutsche Stehermeisterschaft. Fußballkampf Dresden- Berlin. Dresden gewinnt 4: 3. Erich Möller Sieger in Köln. 94 190 effe ber Embänger der Fußballbewegung vorbei zu sein. Denn Die unerträgliche Hige hatte ungünstig auf den Besuch der Radrennen auf der Bahn in Köln- Riehl gewirft, nur 7000 Personen wohnten dem Rennen um die Deutsche Stehermeisterschaft über 100 Kilometer bei. Der Titel fiel neu an den Hannoveraner Erich Möller, aber die größere Leistung vollbrachte zweifellos Walter Sawall. Er hatte fortgesetzt unter den Schikanen von Kremer und dessen Schrittmacher Junggeburth zu leiden und lam dennoch nur 10 meter hinter dem Opel- Fahrer ein. Krewer zog bei der Auslosung die Startnummer 1 por Saldom, Lemanow, Möller, Samall und Rosellen, doch beim Anschlußnehmen war Möller schon an Lemanom vorbei auf den dritten Platz vorgegangen. | gulären Verlauf. Bernhardt und der Holländer Mazairac fämpften um die Spize, als Maceirac 200 Meter vor dem Ziel von Bernhard zu Fall gebracht wurde. Der Hannoveraner mußte daraufhin zugunsten von Joksch distanziert werden. Das 3 weifiberhauptfahren gewannen B. Leene- van Dyk gegen die Kölner Scharferberger- Trauden. Ergebnis der deutschen Stehermeisterschaft: 1. Erich Möller( Opelrad, Contireifen) 1,35,01; 2. Balter Sawall 10 Meter; 3. Karl Saldom 1180 Meter; 4. Baul Krewer 2440 Meter; 5. Jean Rosellen 2820 Meter; 6. Emil Lewanow 3190 Meter zurück. Mit dem Schluß der eigentlichen Fußballsaison scheint auch das Durch eine Unachtsamkeit von Krewers Schrittmacher fiel der Revanche der Fliegermeisterschaft Ball und unhaltbar fitzt der Ausgleich. Dresden wird nun zuKölner beim 20. Kilometer einen Augenblick von der Rolle; dieser Zwischenfall fostete Krewer drei Runden. Beim 40. Kilometer gab es einen interessanten Kampf zwischen Möller und Sawall zu sehen, bei dem Rosellen überholt wurde. Möller passierte bei diesem Kampf Kremer, ohne auf ernsten Widerstand zu stoßen, dagegen wehrte sich der Kölner aus Leibeskräften gegen Sawall. Diese merkwürdige Rolle spielte Krewer bis zum Ende und brachte dadurch die Zuschauer um das einwandfreie Duell zwischen Möller und Sawall. Saldow hielt sich auffallend gut und auch Lewanow hatte verschiedene gute Momente. Letzterer fonnte nach dem 50. Kilometer Sawall lange Zeit vom zweiten Platz verdrängen. Beim 59. Kilometer ftürmte Sawall an Lewanow und Saldow zugleich vorbei und eroberte fich den zweiten Platz wieder zurüd. Saldom zog gleich falls wieder an Lewanow vorbei und brachte sich dadurch in den Besitz des dritten Platzes. Wieder einmal schob sich indessen Krewer swischen Möller und Sawall und deckte den Hannoveraner gegen alle Angriffe feines großen Widersachers. Nach dem 78. Kilometer hatte Sawall vorübergehend mit einer Schwäche 34 fämpfen und büßte fast eine Bahnlänge an Möller ein, fam dann aber wieder auf und lieferte Möller einen der schönsten Kämpfe, die man je gesehen. Im Endkampf fielen Sawall und Krewer zu gleicher Zeit von ihren Schrittmachern ab, beide waren hierbei bis auf 10 Meter zu Möller aufgelaufen. Sawall legte nach Schluß einen berechtigten Protest gegen Möllers Schriffmacher 2. Didier ein, da dieser unvorschriftsmäßige Manschetten an den Händen hatte und immer eine Hand von der Lenkstange hatte, um seinem Fahrer besseren, aber nicht erlaubten Windschutz zu bieten. Die Rückstände von Bewanow und Saldom find auf Reifendefekte zurückzuführen. Und wieder Mathias Engel! Walter Rütts Beschluß, die für Sonntagnachmittag vorgesehenen Rennen der Hize wegen erst abends ausfahren zu lassen, war sehr vernünftig. Trotzdem blieb die Veranstaltung nur mäßig besucht. 34 dem Städtespiel Dresden- Berlin im Poſtſtadion hatten sich noch nicht 4000 Zuschauer eingefunden. Schuld daran hat wohi hauptsächlich die große Hize und auch die zu frühe Anfangszeit des Spiels. So verloren sich die Zuschauer in dem weiten Rund. Nach anfänglicher Ueberlegenheit der Berliner konnte Dresden das Spiel verteilt gestalten. Ohne dem Torwart gefährlich zu merden, wandert der Ball von einer Seite zur anderen. Meist sind es die Verteidiger, die durch entschlossenes Eingreifen die Angriffe zunichtemachen. Erst in der 11. Minute spielt sich Berlins Sturm durch. Aus klarer Abseitsstellung heraus sendet Halbrechts zum Führungstreffer ein. Doch nicht lange dauert die Freude. Gut täuschte der Mittelstürmer Dresdens. Der Halblinke erhält den fehends besser. Durch gute Kombination wird die Läuferreihe Berlins abgehängt. Hauptsächlich ist es der Mittelstürmer, der volltommen schwimmt". Selten fommt er an den Ball. Hat er ihn aber doch einmal erwischt, so ist er ihn gleich wieder los. Merkwürdig ist, daß Spieler, die in ihrer Bereinsmannschaft Hervorragendes leisten, bei diesem Spiel überhaupt nur wenig zur Geltung famen. Trog Ueberlegenheit der Dresdener vermögen sie vorerst nicht das Resultat zu verbessern. In der 33. Minute kann dann der Halbrechte zum 2. Tor einsenden. Schuld an diesem Tor hat die Berteidigung Berlin. Im Sturm der Berliner fehlt die Entschlußtraft. Doch kurz vor der Pause gelingt dem Mittelstürmer Der Biederbeginn sieht sofort die Berliner, die in der Läuferder Ausgleich. reihe eine Umstellung vorgenommen haben, in Front. Doch nur eine Ecke ist die Ausbeute. Dann übernimmt Dresden wieder für einige Minuten das Kommando. Vor dem Tor der Berliner sieht es sehr schlecht aus. Doch das Glück ist den Einheimischen hold. Auch der Berliner Sturm stattet dem Gäftetorwart einige gefährlich aussehende Besuche ab, denen sich der Torwart stets gewachsen zeigt. Lebhafter Beifall der Zuschauer belohnt ihn. Wieder versagt der Schiedsrichter bei einer flaren Abseitsstellung, die für Dresden das dritte Tor einbringt. Weiter versucht Dresden, das Resultat höher zu gestalten. Die Berteidigung Berlins zeigt sich aber allen Angriffen gewachsen. Auch der Sturm arbeitet jetzt besser zusammen. Unter diesen Umständen fann der Lintsaußen wiederum den Ausgleich erzielen. Noch sind 15 Minuten Spielzeit. Beide Manngelingt fieben Minuten vor Schluß der vierte Treffer. Obwohl Berlin noch einen Strafstoß zugesprochen erhält, bleibt es bei diesem Ergebnis. Im Mittelpunkt des Programms stand die Revanche der Fliegermeisterschaft. Die vier Ersten des Kölner Endlaufs, nämlich Engel, Oßmella, Knappe und Franken. ste in waren hierzu verpflichtet und starteten in sechs Zweierläufen, die folgende Ergebnisse brachten: 1. Lauf: 1. Knappe vor Frankenstein; 2. Lauf: 1. Oßmella vor Frankenstein; 3. Lauf: 1. Engel vor Knappe; 4. 2 auf: 1. Knappe vor Dẞmella; 5. Lauf: 1. Engel vor Frankenstein. Das mit Spannung erwartete Treffen Engel- Dßmella im 6. Lauf, brachte, wie wohl kaum anders zu erwarten, den Sieg des neuen deutschen Meisters Mathias Engel. Er hatte mit diesem Siege die Revanche der Fliegermeisterschaft in allen Ehren bestanden. Den zweiten Platz belegte Oßmella mit 5 Punkten vor Knappe mit 4 Punkten. Den letzten Platz nahm Frankenstein mit 3 Punkten. Im internationalen Fliegertreffen holte sich Ehmer den ersten Platz. Er hatte u. a. in Fricke einen harten Gegner, der jedoch im 6. Lauf distanziert murde und somit bei der Entscheidung nichts mehr mitzureden hatte. Zweiter wurde Louet vor Steffes, Schamberg, Lorenz, Fride und Schilles. Nachdem Dorn die Deutsche Meile" gegen Maczinski gewonnen hatte, ging ein von 13 Mannschaften setzen alles daran, den Sieg zu erringen. Den Dresdenern fchaft en befettes 50- ilometer- Rennen vor sich. Es brachte teine großen Momente. Nur Engel- Steffes büßten durch Unachtsamkeit eine Runde ein. Das Ergebnis: 1. Schamberg Fride 30 Bunfte, 3eit 1: 13: 40,2; 2. Ohmella- Frankenstein 26; 3. Lorenz- Knappe 14; 4. Kedzierski- Kantorowicz 12; Das internationale Amateur- Hauptfahren nahm einen irre 5. Tied- Stroll 10 Punkte. Müggel- Regatten des Freien Seglerverbandes. Die beiden letzten Wettfahrten am Sonnabend und Sonntag ftanden in geradem Gegensatz zu der ersten Regatta vor adht Tagen. Troz Hize und Flaute hatten sich doch gegen hundert Boote dem Starter gestellt, von denen jedoch die meniger Aussichtsreichen bald das Rennen" aufgaben. Für die Leichtwetterboote war es der gefundene Wind. Gleich nach dem Start, der bei dem leichten Wind leiblich flappte, zogen die Flautenschieber los und waren so leicht nicht einzuholen. Bald bot der Müggelsee ein buntes Bild vollständig durcheinandergeschobener Kaffen. Alle Segler versuchten jeden Hauch aufzufangen, und alle zulässigen Beisegel wurden gesetzt. Mit gemischten Gefühlen sah manch einer, der in der Flaute hängengeblieben mar, seinen Gegner mit einer Privatbrise luftig losziehen auf Nimmerwiedersehen. Für die Steuerleute and Mannschaften war es eine harte Aufgabe, an diesen beiden Tagen durchzuhalten, dauerten doch die beiden Runden( verfürzte Bahn) etwa 3-4 Stunden; aber trotz alledem wurde mit außerordentlicher Aufmerksamkeit gefegelt. Mädchengymnastik. Die Zwischenrunde im Stralauer Turnier. Noch nie hat das Fußballturnier in Stralau derartige uner= freuliche Momente zutage gebracht, wie die Zwischenrunde. Schon das erste Treffen zwischen dem Treptower Ballspiel- Club und den Amateuren erbrachte einige Unstimmigkeiten zwischen den Spielern und dem Schiedsrichter. Mit 3: 0 blieben die Treptower Sieger. Das zweite Treffen zwischen Britannia und dem Berliner Sportverein 22 wird der Einspruchsfommission noch Gelegenheit zum Eingreifen geben. Hier blieb Britannia durch Verzicht des Sportvereins Sieger. Brandenburgische Jiu- Jitsu- Meisterschaften men = doe Im Garten der Schloßbrauerei in Schöneberg famen im Rabeiner Veranstaltung des Polizei Sport Vereins ( PSB.) die diesjährigen Brandenburgischen Jiu- Jitsu= Meisterschaften zum Austrag. Trotz der tropischen Hihe hatte fich eine große Sportgemeinde eingefunden, die auch voll auf ihre Kosten kam. Nach einigen guten Jiu- Jitsu Demonstra tionen der Polizeisportler stieg der erste Kampf im Fliegengewicht zwischen Pa a p( Totsuka) und Donner.( Totfufa). P. wurde Punktsieger. Im Federgewicht siegte Walter( DIJC.) über Karlsburg( T.) nach Punkten. Der Leichgewichtler Loose ( DIIC.) bezwang Badhaus( T.) zu Anfang der zweiten Runde durch Bürgegriff. Im Leichtmittelgewicht siegte Lobner Beide Tage brachten natürlich auch Ueberraschungsfiege. Die schnellen Lübeder Boote find wahrscheinlich an hartes Wetter gewöhnt und fonnten sich nicht behaupten. Im allgemeinen waren die flinken Jollen den Klassen überlegen. S 1 ,, alte", Jungturnerinnen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin.(.) über Görges( DIIC.) tlar nach Punkten. Eine luftige Ein" mußte leider am Sonnabend als schnellstes Boot mit der Zeit 2:44:16 distanziert werden. Sein Nachfolger war die Nationale Binnenjolle J 29, 2:51:25, die auch am Sonntag eine beachtliche Schnelligkeit entwickelte und die kurze Zeit von 3:07:28 herausholen fonnte. Aber diese gute Zeit reichte nicht, die 15Quadratmeter- Rennjolle Wildfang II, M 129, zu fchlagen, die die fabelhaft furze Zeit von 3:04:30 segelte und damit schnell stes Boot der Bettfahrt am Sonntag wurde. Ein gemiß feltener Fall! Bei den 20er Rennjollen gab es an beiden Tagen eine unerwartete Ueberraschung. Avanti", Z 79, dem man nachsagte, daß er nicht liefe, rannte einfach seinem ganzen Felde davon und bewies bei dem leichten Wind gerade das Gegenteil. Schnellftes Boot der kleinen Bahn wurde am Sonnabend C 58 mit 2:09:22, am Sonntag C 55 mit 2:04:00. 3m großen und ganzen waren die leichten Rennjollen den Wanderjollen start überlegen. Die Wander- Fünfzehner Aare", H 72 und der befannte ,, Ronchi", H 40, waren fich äußerst scharfe Ronfurrenten, jedenfalls wird Aare dem allseitig bekannten Favoriten Ronchi viel zu schaffen machen. " Zusammengenommen bildeten alle drei Wettfahrten am 8., 14. und 15. Juli für den FEB. einen glänzenden Erfolg. Ein lebhaftes Interesse wurde ihm auch durch viele anwesende Gäste, die die Wett fahrten auf einem Motorboot begleiteten, entgegengebracht. Selbst Sportgenossen aus Rathenow und Brandenburg hatten es fich nicht nehmen laffen, auf eigenem Riel zu dem großen Treffen des FEB. zu erscheinen, und zeigten damit ihre Liebe zum Sport und ihr Interesse an den Veranstaltungen des Freien Segler Berbandes. Die Bocte der Gruppe West wurden, zu einem imposanten Schleppzug zusammengestellt, gleich nach der Wettfahrt zu ihren Heimathäfen zurückgeschleppt. Nachfolgend die Zeiten beider Wettfahrtage: Seanabend, 14. Juli. 1. Slaffe: Falke, distanziert; 2. Alaffe: 1. Wind. hund 305 42; 8. laffe: 1. Ribelung 2:51:25; 4. Algfic: 1. Avanti 3:05:41; 5. Klaffe: 1. Nudi 3:31:19; 6. Klaffe: 1. Sobibo 3:31:19; 7. Klaffe: 1. ildfang IT 3:21:03; 8. Rlaffe: 1. Cia 8:27:34; 9. Rraffe: 1. Mare 3: 24.: 12; 10. Klaffe: 1. Edith 2:09:22; 11. Alaffe: 1. Geebär 2:16:52; 12, laffe: 1. Carmen 3:16:17; 13. Alaffe: 1. Trudchen 3: 45: 49; 14. Riaffe: 1. Jennn 3:11:22; 15. Alaife: 1. Sturmgefell 8:11:22; 16. Alaffe: 1. Burzel 2: 00:13; 17. Slafie: 1. Gophie 2:17:54. Sonntag, 15. Juli. 1. Slaffe: 1. Falle 3:08:47; 2. Klaffe: 1. Orion 3:14:00; 3. Rlaffe: 1. Nibelung 3:07:28; 4. Riaffe: 1. Avanti 3:08:58; 5. Rlaffe: 1. Rudi 3:38:46; 6. Alaffe: 1. Sohiho 2:30: 25; 7. Klaffe: 1. Bildfang II 3:04:30; 8. Alaffe: 1. Ela 3:36:26; 9. Klaffe: 1. Mongli 3:23:46; 10. Klaffe: 1 Irma 2:04:00; 11. Klaffe: 1. Strabbe II 2:27: 49; 12. Alaffe: 1. Carmen 3:58:37; 13. Klaffe: 14. Rlaffe:; 15. laffe: 1. Sturmgefel 3:34:20; 16. Klaffe: 1. Hete 2: 43: 41; 17. Klaffe: 1. Sophie 3: 14:10. Zusammenkunft Donnerstag, Freie Faltbootfahrer Berlin. 19. Juli, 20 Uhr, Weinmeiſterſtraße 16/17. Gäste willkommen. Sonnabend, 21. Juli, Fahrt Fürstenmalde- Ate Spree. Abfahrt 17.05 und 18.05 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Arbeitersport in Treptow. lage, betitelt: ,, Polizei- und Jiu- Jitsu", in der ein uniformierter Bolizist zwei auf ihn eindringende Individuen in wenigen Sekunden ohne Polizeifnüppel durch Jiu- Jitsu- Griffe unschädlich macht, rief große Heiterfeit und viel Beifall hervor. Nach der Pause standen Der Turn- und Sportverein Jahn, Treptow- Baumschulen fich im Schwermittelgewicht Rind( PSB.) und Flid( PSV.) Der Turn- und Sportverein Jahn, Treptow- Baumschulen meg, veranstaltete gestern sein Sommersportfest auf dem Bereins- gegenüber. Rind wurde nach 14,20 Minuten durch Armhebel weg, veranstaltete gestern sein Sommersportfest auf dem Vereins überraschender Sieger. Einen schnellen Sieg errang im [ portplatz in Baumschulenweg. Begünstigt durch das Wetter, ge- Schwergewicht Glasenapp( DIIC.), der seinen Gegner Kemstaltete sich dieses Fest unter starter Teilnahme zu einem wahren per( PSB.) schon nach 25 Sefunden durch Würgegriff Boitsfest. Als Gäste beteiligten sich mehrere Bezirke der Freien zur Aufgabe zwang. Der Kampf im Halbschwergewicht Turnerschaft Groß- Berlin, Rüftig- Borwärts- Neukölln, Freie Turner- mußte auf einen späteren Termin verlegt werden, da einer der schaft Waltersdorf. Ein stattlicher Fest zug führte alle Sportle- mußte auf einen späteren Termin verlegt werden, da einer der Sportle- Kämpfer rinnen und Sportler, sowie mehrere Fahnendelegationen durch Kämpfer aus beruflichen Gründen nicht antreten konnte. Baumschulenweg. Die flotten Märsche der Spielleute wechselten mit den Kampf und Wanderliedern der Zugteilnehmer, so ging es zum Festplatz. Von den Eingangspfosten grüßt der Bundesgruß: Froh- Frei- Start- Treu! Der Besuch, sowie der Verlauf der ganzen Veranstaltung bewies, daß hier Gemeinschaftsarbeit im Sinne des Arbeiter- Turn- und Sportbundes geleistet wird. Der sportliche Teil brachte scharfe Kämpfe. Beachtenswert war die lebhafte Teilnahme der Sportlerinnen. Während die Stafettenläufer die Bahn durcheilten, traten die einzelnen Riegen zum Distus- und Speerwerfen, Hoch-, Weitund Stabhochsprung an. Interessant war u. a. der 1500- meterauf der Männer: BliẞTreptom führt, muß jedoch seinem Bereinsfollegen Müller die Spize überlassen. Mölder- FTGB. fommt an 2. Stelle und versucht fortgefeßt, die Führung zu er= langen. Mülln- Treptow erreicht jedoch in ausgezeichnetem Tempo und Stil das Band in 4 min. 39 Set. Dichtauf folgt Nölder- FTGB. Bez. Often, mit 4 min. 41,8 Get. In der Jugend Schwedenstafette führte FTGB.- Nordring bis zum letzten Wechsel. Dann 30g Treptom scharf an und ging fnapp vor FTGB. Nordring und Wedding durchs 3ict. Der Männerlauf über 10x1 Runde brachte hoshinteressante Momente. Dauernd lagen Treptow und GB. an der Spite. Die Läufe blieben dicht zusammen. Doch leider läßt der Groß- Berliner den Stab beim Wechsel fallen. Nur durch dieses Mißgeschick geht Treptow als Erster durchs Ziel. Die Einzelergebnisse tragen wir morgen nach. Bonaglia besiegt Todd. Italiens Halbichmergewichts- Bormeister Michele Bonaglia, befannt durch seinen Kampf mit Mar Schmeling um die Europameisterschaft, traf in Turin mit der auf dem Abstiege befindlichen Engländer Roland Todd zusammen. Das ungleiche Treffen 30g fich bis zur neunten Runde hin, in melcher Lodd zur Aufgabe gezwungen war. Beim Windhundrennen im Post- Stadion am 14. d. M. wurden Preise ausgetragen über 282 und 482 Meter. Die Sieger erreichten die Zeit von 19,2 und 19,8 Gefunden für 282 Meter und 33, 33,9, 35 und 37,2 Sekunden für 482 Meter. Der Brandenburgische Bog- Berband führt am 11. Auguft seine erste diesjährige Freiluftveranstaltung auf dem Sportplay Friedrichshain durch. Für das Programm find u. a. folgende Kämpfe vorgesehen: Bantamgewicht: Hundertmart, Teutonia, gegen Möhl, Heros; Federgewicht: Marks, Tennis Boruffia gegen Jahnke, Eisenbahn, Weltergewicht: Seelig, Tennis Borussia gegen Mudrack, BCB. 13; Mittelgewicht: Britsch, WFC. 00 gegen Wilsch, Westen. Beginn der Veranstaltung 20 Uhr. Vereinskalender. Touristenverein„ Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Abt. Friedrichshain: Dienstag, 17. Juli, 20 Uhr, Ebertyftr. 12, Gingsang. Abt. Friedenau: Abteilung Norden: Dienstag, 17. Juli, 20 Uhr, Eonnenburger Str. 20: Die neue ErDienstag, 17. Juli, 20 Uhr: Offenbacher Str. 5a, Neue Lieder. ziehung". Abt. Wedding Dienstag, 17. Juli, 20 Uhr, Turiner Ede Seefir.: Mit Gang und lang". Abt. Pankow: Dienstag, 17. Juli, 20 Uhr, Görschstr, 14, Lichtbildervortrag: Mit Rudfad und Kamera durchs Frankenland". Abt. Treptow: Dienstag, 17. Juli, 18 Uhr, Spielen auf der Wiese im Treptower Part. Abt. Gesundbrunnen, Jugendgruppe: Dienstag, 17. Juli, Pant. Ede Wiesenstr.: Heimabend. Kindergruppe: Dienstag, 17, Juli, Abt. Südost, Donnerstag, 19. Juli, 18 Uhr: Sportplas Dumboldthain. Jugendgruppe: Mittwoch, 18. Juli, 20 Uhr, Reichenberger Str. 66: Heimabend. Abt. Charlottenburg: Dienstag, 17. Juli, 19 Uhr: Spielplag Ragnigftraße. Abt. Tiergarten: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr, Lehrter Str. 18/19: Bortrag. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr, Christburger Str. 14: Festkultur im Wandel der Seiten". Abt. Gesundbrunnen: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr, Pant. Ede Wiesenstraße, Lichtbildervortrag: Mit Rudfact und Kamera durchs Frankenland". Abt. Spandau: Donnerstag, 19, Juli, 20 Uhr, Lindenufer 1: Heimabend. Abt. Schöneberg: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr, Hauptstr. 15: Heinrich Heine". Naturwissenschaftliche Abteilung: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr: Johannisstr. 15: Naturwissenschaftliches Allerlei": Berliner Arbeiter- Schachilub. Dienstag, 17. Juli, 20 Uhr, Abt. Reinickendarf- West: Scharnweberstr. 114/115. Abt. Sumboldthain: Boltaftr. 19, Abt. Abt. Weißenfee: Lehderstr. 122. Abt. Norden: Sprengelfte, 23. Abt. Lichtenberg: Gürtel Ede Dosfestraße. Memel: Memeler Str. 10. Abt. Charlottenburg: Bismardstr. 56. Abt. Nordwest: Wilhelmshavener Straße 24. In allen Abteilungen: freier Schachverkehr und kostenloser Schachlehrturfus, Der Schrei nach der Peitsche. Kolonialprobleme im Kongo. In Belgisch Kongo haben sich Vorfälle ereignet, die ein| fernen und die es„ an Respekt vor den Weißen fehlen grelles Licht auf die Methoden unmenschlicher Ausbeu laffen". Sie verlangen die Ermächtigung für die weißen„ Arbeit. tung werfen, mit denen der Kolonialfapitalismus ungemessene geber", felber sofort die Mängel in der Arbeitsleistung der Profite aus dem Schweiß und Blut der Eingeborenen holt. Und schwarzen Diener, Arbeiter und Angestellten ahnden zu dürfen", jeder Versuch der Verwaltung, den an den Schwarzen verübten und sie erklären, überzeugt zu sein, daß Grausamkeiten Einhalt zu tun, begegnet den größten Schwierigfeiten. Im Aequatordistrikt, einer der Provinzen des Kongo, ist der Hauptzweig der Ausbeutung die Gewinnung des Kopalharzes, eines bernsteinartigen Naturprodukts, das von den Eingeborenen in mühevoller Arbeit aus den Wäldern, aus den Sümpfen und unter der Erde hervorgeholt wird. Die Eingeborenen werden zu dieser Arbeit mit Hilfe schwarzer Agenten, die sowohl sie als die weißen Unternehmer betrügen. gepreßt. Für ein Kilogramm mühsam gesammeltes Kopalharz erhalten sie 1,20 belgische Franken( 14 Pf.). Diese angeblich freiwillige" Arbeit fommt einer 3 wangs arbeit gleich. Durch die Konkurrenz des seit kurzem von der chemischen Industrie hergestellten fünstlichen Kopalharzes ist der Kopalharzhandel in eine Krise geraten und eine Reihe weißer Unternehmer mußte ihre Geschäfte schließen. Ihr Zorn richtete sich nun gegen die Schwarzen, die angeblich zu wenig arbeiten, und gegen die Re gierungsbeamten, die den weißen Ausbeutern angeblich zu wenig Unterstützung angedeihen lassen. Die Beschwerden gegen übertriebene Milde" wurden immer heftiger, und als ein Weißer in Coquilhatville wegen lehertretung dieser Vorschriften vom Gericht bestraft wurde, fam es zu einem förmlichen Aufruhr, wobei die Freilassung des Betreffenden mit Gewalt und Drohung erzwungen wurde. Der Gauverneur des Distrikts begab sich an Ort und Stelle und verfuchte zu vermitteln. Die aufgebrachten Ausbeuter hielten ihm erregt das angebliche Sündenregister der Verwaltung vor. Da erfuhr man, was diese Herren unter" unangebrachter Milde" gegenüber den Schwarzen verstehen. Sie beklagen fich darüber, daß die Maßnahmen der Regierung es ihnen schwer machen, schwarze Arbeitskräfte im erforderlichen Ausmaß und zu den entsprechenden Bedingungen zu bekommen: Besonders beschweren sie sich darüber, daß den Frauen der Eingeborenen nicht erlaubt werde, zusammen mit ihren Männern auf die mörderische Arbeit zu gehen. Und diese ehrsamen weißen Raufleute stellten eine förmliche Lifte ihrer Forderungen auf: fie fordern gerichtliche Verfolgung und Bestrafung der schwarzen Arbeiter, die sich von der Arbeit entTägliche Rundschau t. Cagliche R dgliche Rundfchau Gagen Gie, Herr Petrus, wann fommt die Auferstehung?" " Tja, das dauert noch verfligt lange. Ich könnte Gie ja in swischen als Geift auf die Erde beurlauben, aber wo ift 3hr Geist?" Engelhardt Engelhardt Caramel Makbin QUATETISCHES GESUNDHEITSS40 Marke VOLLBIER Engelhardt- Brauere EngelhardtCaramelMalzbier nahrhaft wohlschmeckend bekömmlich erfrischend Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportler In der Ausstellung ,, Die Ernährung" Besonders Halle II, Stand 131 Filmvorführung Kostproben wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und billig! die Strafe des Auspeitschens, ja schon ihre bloße Androhung, ein ausgezeichnetes Mittel gegen den wachsenden Ungehorsam wäre." Wenn der Schrei nach der Peitsche so offen erhoben werden fann: wie muß es da in den Winkeln der afrikanischen Wälder zu= gehen, aus deren Dickicht kein Ton herausdringt auch nicht die Schmerzenslaute der geprügelten schwarzen Arbetter!: Elf tödliche Badeunfälle. Ein trauriger Sonntagsreford. Havel- als auch im Spreegebiet herrschte, hatte leider auch eine Der außerordentlich starke Badebetrieb, der gestern sowohl im große Anzahl von Unfällen zur Folge. Elf Per= onen fanden beim Baden den Tod im Wasser. In den meisten Fällen sind die Berunglückten das Opfer eigener unvorsichtigteit geworden. So entfällt auch die Mehrzahl der Unfälle auf die zahlreichen wilden Badestellen", wo Hilfe überhaupt nicht, oder nicht rechtzeitig genug zur Stelle war. Wer nach Mempflinga, Ellinga, Heidelfinga will, Bahschtelg Dis" Berzeihen Sie einen Momang, ich möchte nur mal fragen ob der ,, Bahschteig zwei, Heftlinga, Kröglinga, Neschtlinga... Ich möchte nämlich mit dem Buch" nach Nes- t- lingen... fährt der Buch" denn ab?" 2036 Der ärgerliche Ausrufer: Eba han i's Maul zu g'macht." Zeitungen zum Ausschneiden". gewaltigen des„ Auswärtigen Amtes" aktuell, der einem jüngeren Kürzlich wurde wieder mal die Verfügung eines Bureaus Diplomaten, als dieser ausländische Zeitungen lesen wollte, den schriftlichen Bescheid zugehen ließ: Die Zeitungen, die ge halten werden, sind nicht zum Lesen, sondern zum Ausschneiden da!" Stimmt. Zeitungen wirklich lesen" war von jeher eine Todsünde gegen den heiligen Bureaukratius! Mitteilung zur Einkommensteuer. Das Finanzamt Wedding hat fürzlich an irgendwen folgende Mitteilung verschickt: ,, Mitteilung zur Einkommensteuer 1927. Die Feststellungen auf Grund des Einkommensteuergesetzes vom 10. August 1925 haben zur Festsetzung einer von Ihnen noch ziz erhebenden Einkommensteuer für 1927 nicht geführt. Sie haben für 1927 bisher an Vorauszahlungen entrichtet: 0 RM. Hiervon werden auf rückständige Reichssteuer verrechnet 0 RM. Mithin find zu erstatten 0 RM. Dieser Betrag wird Ihnen, falls Sie nicht innerhalb zweier überfandt werden. Soweit fällig gewordene Vorauszahlungsbeiträge Wochen anders darüber verfügen, auf Ihre Kosten durch die Post für 1928 bisher nicht abgeführt worden sind, find sie nicht mehr zu zahlen. 3. A.: Unterschriften." Es gibt Leute, die glauben, daß Schreibarbeir und Papier und Porto für diese inhaltsreiche Mitteilung des Finanzamts ver schwendet sind. Etwa 150 Meter westlich vom Freibad Rahnsdorf entfernt ging die 39jährige Frau Ida Schumacher, aus Rahnsdorf, vor den Augen ihres Mannes plöglich unter. Alle Rettungsversuche waren vergebens. Beim Durchschwimmen der Spree am Kraftwert Unterspree wurde der 34- streifte der Triebwagen der Linie 98 vor dem Hause Zeugen gesucht! Am Freitag, dem 29. Juni d. J., gegen 20 Uhr, jährige Steinträger August Borawski aus der Ebersstraße 69 Kaiser- Friedrich- Straße 245 den auf dem Heimwege von einem Schwächeanfall befallen und von der Strömung befindlichen 63jährigen Werkzeugmacher Hermann Stod, nach fortgeriffen. Hilfe tam zu spät, die Leiche konnte noch nicht dem derselbe die Gleise der Straßenbahn bis auf 4 Meter übergeborgen werden. In der Nähe des Restaurants Müggel- schritten hatte, riß ihn um und schleifte ihn noch etwa 4-5 Meter fchlößchen versant beim Baden plötzlich der 19jährige Arbeiter weit mit. Der Verunglückte erlitt einen doppelten SchädelThe ophil Schompora aus der Kurze Straße 19 in Fried- bruch mit Gehirnverlegung. Nach anfänglicher leichter Besserung richshagen. Mitbadende holten den Verunglückten nach wenigen Die Leiche wurde beschlagnahmt. Augenzeugen werden geverstarb er im Urbanfrankenhaus unter den Händen der Aerzte. Minuten an Land, doch blieben Wiederbelebungsversuche ohne beten, ihre Adresse an Herrn Richard Nofs, Neukölln, BißErfolg. Unweit des Restaurants Hirschgarten ertrant mannstraße 21, mitzuteilen, oder nähere Mitteilungen persönlich in der Spree der 39jährige. Maurer Karl Gehring aus der dortselbst zwischen 17 und 19 Uhr zu machen. Fahrgelder werden Schillerstraße 19. In der Havel bei Lindwerder ertrant vergütet. der 27jährige Müllergeselle Wilhelm Gilberg aus der Bärwaldstraße 47. Die Frau des Verunglückten, die Zeugin des furchtbaren Geschehens war, erlitt einen schweren Nervenanfall. Baden in der Großen Krampe" versant vor den Augen zahlreicher Mitbadender der 19jährige faufmännische Angestellte Eduard Prcybylowicz aus der Stalizer Straße 94. Im Orantefee in Hohenschönhausen wagte sich die 14jährige Schülerin Elli Lebus zu weit hinaus. Das Kind verlor die Kräfte und versant. In der Nähe des Freibades Lichten= berg geriet ein etwa 18-20jähriger Mann in den Strudel einer Dampferschraube und ertrant. Im Freibad Müggelsee ertrant gegen 20 Uhr der 17jährige. Handlungsgehilfe er bert Koch aus der Lichtenberger Straße 13. Im Tegeler See am Jagen 64 ertrant beim Baden der 25jährige Arbeiter Paul Beier, aus der Reinickendorfer Straße 19. Die Leiche tonnte nicht geborgen werden. Beim Die Zahl der Todesopfer wäre wahrscheinlich noch größer, menn nicht in mehreren Fällen, wo Badende in Gefahr schwebten zu ertrinken, beherzte Retter im rechten Augenblick eingegriffen hätten. Die fliegenden Sanitätsstellen und die Ar= beiterfamariter, die sowohl in den westlichen wie auch östlichen Vororten vornehmlich an den Wasserläufen und Seen ihre Zelte aufgeschlagen hatten, mußten wiederholt eingreifen. Einen besonders schweren Dienst hatte wieder einmal der Reichswasserschutz der Kommandos Baumschulenweg, Spandau und Potsdam. Bom frühen Morgen bis zum späten Abend waren alle zur Verfügung stehenden Boote unterwegs und verrichteten bei der Tropenhize ihren schweren und verantwortungsvollen Dienst. Bürofraz auf dem Kriegspfade. Der Bahnfteigbureaufrat. Der Mann mit dem vollendeten Rundkopf, der die Züge auf einer süddeutschen Station anfagt, ist schlechter Laune. Es ist Sommerverkehr. Die Reisenden fragen in allen möglichen Sprachen, namentlich hochdeutsch macht dem Ausrufer besondere Schwierigkeiten. Er flingelt:„ Wer nach Heftlinga, Kröglinga, Neschtlinga will, Bahnsteig zwei." Berzeihen Sie, ich möchte fragen..." Pumpen, Sinalco halt Ermattung nieder Röhren, Filter. Ersatzteile Pre's iste gratis. Hoblank Berlin N 65, Reinickendorfer Str. 95 Wanderkarten at 11 L- Juergens Alexanderplatz Neue Königstr. Krause- Pianos zur Miete W50.Ansbacherstr.1 starkt Schaffenden die müden Gheder. Sinalco ist stärkend. erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. 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