BERLIN Mittwoch, 18. Juli 1928 Erscheint t S g l i ch außerSonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vowirts". TezuaSxrciS beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,6oM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindtnßr.3 10 Pf. Nr. 336 B 166 45. Jahrgang. o>eigtn»ret«: Die elnspallige Ronpareilleieil» «> Pf.. Reklamefeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. vstscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. s? 526. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 29? > Oer Präsidentenmord in Mexiko Ltngeheure Erregung im ganzen Land. Oer Mord bei Orchefiermusik. Das Dunkel um den Präsidentenmord in Mexiko hat sich noch nicht völlig gelichtet. Es sind bisher nur Einzelheiten über den rasend schnellen Verlaus des Attentates bekannt ge- worden. Die Beweggründe des Täters liegen »och im Dunkel», da er, fanatisch und verhetzt, jede Aussage über seine Tat verweigert, die sich gegen das bereits gewählte künftige Oberhaupt und damit gegen die Republik Mexiko selber richtet. Mexiko, 18. Juli. Obrego» hatte sich nach San Angel begeben, um an einem ihm zu Ehren im Labombilla-Restaurant veran» stalteten Bankett teilzunehmen. Als er an der Tafel faß. näherte sich ihm der in den zwanziger Jahren stehende Juan Escapulario, angeblich um Obrego« Zeitungs- karikaturen zu zeigen, und feuerte dann aus etwa SV Zentimeter Entfernung aus einer 4,S»Millimeter> Pistole. Als der Mörder feuerte, spielte gerade dieKapelle; viele überhörten infolgedessen die Schüsse und sahen Obrego« plötzlich auf seinem Stuhle zusammen- sinke«. Als Obregons Freunde über den Mörder her- fallen wollten, um ihn zu lhuchen, wurden sie von dem Polizeipräsidenten der Stadt Mexiko daran gehindert, der ausrief: Nein, wir wollen ihn am Lebe« lassen, um zu sehen, wer dahinter steckt. Präsident Calles ordnete sofort eine Untersuchung au, um festzustellen, ob der Meuchelmord die Tat eines einzelnen oder die Folge einer tiefgehenden politischen Verschwörung ist. Wie gemeldet wird, dürfte der Mörder bereits in wenigen Stunden hingerichtet werden. Wer wird Obregons Nachfolger? Mexiko. 18. Juli. In einigen Kreisen wird angenommen, daß Präsident Calles infolge der Ermordung seines Nachfolgers noch eine weitere Amtsperiode hindurch im Amte verbleiben werde. Der Mörder Obregons wurde sofort nach der Tat verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Obregons Leiche wurde, anscheinend heimlich nach seiner Wohnung in der Stadt Mexiko ge- bracht, wo sich nachmittags eine große Menschenmenge ansammelte. Polizei und Soldaten sperrten die Straßen in der Umgebung des Wohnhauses ab. Niemandem wird der Zutritt gestattet, nicht ein- mal Beamten. Obregon war erst am Sonntag von seinem Heim in Sonora nach Mexiko-City zurückgekehrt, wo er eine der größten politischen Kundgebungen der letzten Jahre leitete. Cr hatte vorgestern abend Pressevertretern erklärt, er werde voraussichtlich vor Antritt der Präsidentschaft am 1. Dezember eine Reise nach den Vereinigten Staaten antreten. Nach einer Mitteilung aus dem Hauptquartier Obregons ist Obregon unmittelbar nach dem Attentat seinen Verletzungen erlegen. Auf Obregon waren bereits in den letzten Monaten verschiedene Attentate oerübt worden.— San Angel liegt 12 Meilen südlich von der Stadt Mexiko. Oer Mörder verweigert jede Aussage. Mexiko. 18. Zu«. Die Leiche des Generals Obregon wurde einbalsamiert. Man beabsichtigt, die Vestaktnugsfeierllchkeiten für Obregon und den durch eine« Blitz vor einigen Tagen im Flugzeug getöteten Flieger Carranza zusammenzulegen. Der Exekutlvausschuß der' Arbeiterpartei unter dem Vorsitz von Luis Morones, derein poltijcher Gegner Obregon» ist, protestierte im Namen der Arbeileroerbände mit Nachdruck gegen«diese scheußliche Mordtal. Der Mörder General Obregons erklärte dem mexikanischen Staatspräsidenten Calles, der ihn persönlich verhörte, es sei nutzlos, ihn zu irgend einem Geständnis zwingen zu wollen. Wenn er entschlossen genug gewesen sei. Obregon vor hundertet» seiner Anhänger zu töten, in dem vollen Bewußtsein, daß dies feinen eigenen Tod bedeute, so sei er jetzt auch entschlossen genug, nichts «nszusageu. � Ci,,(SSdte« auaangm sich* t Settfci, i.uU-.JLj,. 1 Das Denkmal der Juliopfer. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Wilhelm Ellenbogen spricht am städtischen Grabdenkmal für die Wiener Juliopter— 67 von ihnen liegen an dieser Stätte— die Gedenkworte. Darauf marschierten über 60000 Arbeiter vorbei. Neue Spuren von Amundsen? Zaschistenzensur auf der„Ciita di Milano". Aus Oslo wird gemeldet, daß norwegische Fischer auf der Bäreninsel eine Skimühe gefunden und Räderspuren bemerkt haben, die ins Wasser führen. Man nimmt deshalb neuerdings an. daß Amundsen mit dem französischen Flugzeug in dem Gebiet der Bäreninsel verunglückt ist. Aus diese Annahme gestützt, ha» man die Suche nach dem norwegischen Forscher seit Dienstag in das Gebiet der Bäreninsel verlegt. Zwei deutsche Filmoperateure, die seit dem 15. Mai in Spitz- bergen waren, sind nach Stockholm zurückgekehrt und klagen ebenso wie die Pressevertreter über schlechte Behandlung durch die Italiener. Dagegen sprechen sie sich über das Verhalten der schwedischen hilssexpedilion sehr lobend aus. Sie äußerten, daß Nobile» ausführliche Berichte einer strengen Zensur durch den Kapitän der»Cilla di Milano". Romagna und der Behörden in R o m unterworfen waren. Dos französische Marinemini st erium veröffent- licht seinen Hilfsplan zur Auffindung G i l b a u d s unii A m u.n d- f e n s. Es wird u. a. ausgeführt, daß Admiral Herr sofort nach seiner Ankunft ini Eismeer am 30. Juni eine enge Verbindung mit der norwegischen Admiralität geschaffen hat. Genaue Vor dem lirfeil Im Hein-Prozetz. VerKehrsimdlttdt in NeiihiUln. (Berichte auf der 2* Seite,) Angaben über die Windströmungen haben zuerst die Erforschung der westlichen Eisfelder nahegelegt. Der Kreuzer„Stras- b o u r g", das Küstenboot„T o r d e» s k j ö l d", das Fischerboot „M i cha e l- Sa r s",„Hobby" und der Walfischsänger e j m- l o n d" haben sich in die Zone der westlichen Eisfelder geteilt. Zu der gleichen Zeit durchforschten die Kriegsschiffe und Flugzeuge, die nach den Genossen von Nobile suchten, die öslliche und nordöstliche Gegend. 13 Schiffe sowie 13 Flugzeuge haben sich an den Nachforschungen beteiligt. Der Eisbrecher„M a l y g i n" ist in Cis- maffen eingeklemmt, die ihn mit einer Geschwindigkeit von 1K Seemeilen nach dem Norden treiben. Die Versuche„Malygins", die Eismasfcn zu durchbrechen, blieben erfolglos. TornSerg klagt über Nobiles Verhalten. Der Führer der schwedischen Hilfsexpedition, Tornberg, hat dem schwedischen Kriegsministerium am Dienstag aus Spitzbergen «inen neuen Bericht zugelzen lassen.. Darin heißt es, der Führer des Eisbrechers„K r a s s i n' habe Nobile vorgeschlagen, die Flugzeuzsertundigung nach der vermißten Ballongruppe f o r t z u- setzen. Die„Krassin" sollte indessen in Spitzbergen bleiben. Darauf sei jedoch ein Befehl der italienischen Regierung ge» tontmen, die ßrhrrtmngsstiige einzustellen. Die schwedische Flugzeughilfe schein« jetzt entbehrlich zu sein, nachdem nunmehr zwei große italienische Wasserflugzeuge in Spitzbergen angekommen sind. Eigentümlich sei es, daß Nobile ihn von den Verhandlungen zwischen dem Führer des russischen Eis- brechers und der italienischen Regierung nicht benachrichtigt habe. Der Bericht Dörnbergs hat in Stockholm bsträchttiches Auj- Itbtn erveat.,. u-.ai. Verbrecherjagd im Banzer Wald. Oer Giaatsanwali wird gegen Hein Todesstrafe beaniragen. Soburg, lS. 3utL Die Forlsehung der Vewelsousnahme im Prozeß gegen den Massenmörder Hein bcschäfligke sich zu Beginn des heutigen drillen Berhandlungstages noch mit dem Fall Unter- siemau, wo Hein den Äendarmerieslationskommandanten Scheler gelötet hatte. Der Gendormeriewachlmeisler Schmidt au» llntersiemau schilderte die Vorgänge, die in ihrer Realistik stark an einen regelrechten Wildwest- oder Verbrecherroman erinnern. Hein machte auf den bereits zusammengebrochenen Scheler noch einen Schritt zu, feuerte noch eine Kugel ab und ergriff dann mit dem Fohrrad des Beamten die Flucht. Schmidt, der erst halb an- gezogen war, setzte ihm in Wolljacke und Hausschuhen auf seinem Fahrrad nach, nachdem er sich die Dienstpistole von Scheler hatte geben lassen, die ihm der Schwerverletzte mit der Mahnung über- reichte, sich vor Hein recht in acht zu nehmen. Schließlich holte Schmidt den fliehenden Mörder auf etwa 60 bis 70 Meter ein. Als Hein, der sich mehrmals umdrehte, erkannte, daß der Beamte hinter- herkam, sprang er vom Rad, rannte in eine Wiese, wo er hinter einem Erdhaufen Deckung nahm und mit der Pistole in Anschlag ging. Kaum war der Beamte daraufhin im Straßengraben in Deckung gekommen, als auch schon der erste Schuß aus dem Rs- ooloer Heins krachte. Der Wachtmeister erwiderte das Feuer und schoß etwa drei- bis viermal, während Hein etwa 10 bis 12 Schüsse abgab und dabei so gut zielte, daß eine Kugel dicht vor dem Gesicht des Beamten in die Deckung einschlug, so daß ihm Erd- klumpen in dos Gesicht spritzten und er glaubte, er sei getroffen. Auf den Zuruf:„Hein, ergeben Sie sich!" winkte der Berfolgte höhnisch hinter dem Erdhaufen hervor und rannte dann über das Feld in Richtung auf den Banzer Wald zu, wobei er sich m e h r m a l s h i n- warf und auf den ihm wieder nachsehenden Beamten abermals schoß. Etwa 40 Minuten dauerte die Verfolgung, bei der fortwährend kugeln gewechselt wurden, da Hein immer wieder seine Waffe lud. Schließlich begrüßte er die Fehlschüsse des Beamten mit höhnischen Gesten, wasür sich dieser in gleicher Weise revanchierte, wenn die Kugeln des Hein dancbengingen. Im Laufe der Jagd kamen sich die beiden aus 12 bis 15 Meter nahe, ohne daß einer den anderen traf. Auf den Zuruf Schmidts:„Hein, wie lange machen wir noch so?" warf Hein mit großartiger Gebärde seinen breitrandigen Hut auf die Erde und schrie zurück:„weshalb verfolgt Ihr mich, laßt mich doch in Ruhe." Dann bückte er sich, um aus einem Bach Wasser zu trinken und verschwand im Banzer Wald, wohin ihm der Beamte vergeblich den Weg zu verlegen suchte. Entgegen der Darstellung des Zeugen behauptete Hein heute, daß der Beamte zuerst auf ihn geschosien habe und daß er erst dadurch auf seine Verfolgung auf- merksam wurde. Der Wachtmeister blieb jedoch dabei, daß Hein den ersten Schuß abgegeben habe. Als letzter Zeuge wurde dann der Koburger Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Pfißner, vernommen, der bc- kündete, daß Hein ihm bei dem Verhör ruhige Antworten gegeben Hab«. Auf alle Fragen, wie er zu der Tötung der Beamten gc- kommen sei, habe er immer nur erklärt, daß er in große Erregung geraten sei und überhaupt nicht sagen könne, was er sich dabei gedacht habe. Nur ein Gedanke habe ihn immer beherrscht, sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Wie der Untersuchunzs- richter weiter bekundete, Hab« Hein nicht bestritten, daß er oersucht habe, bei der Festnahme von der Waffe Gebrauch zu machen. Er habe aber auch Reue über seine Taten gezeigt und betont, daß er die Beamten nicht habe töten wollen. Vors.: Hein, haben Sie nie daran gedacht, wie den Angehörigen der Beamten zumute sein würde, wenn Sie das Leben ihrer Ernährer auslöschten? Hein(leise): Es kam über mich, und dann wußte ich nicht, was ich tat. Es sind grausige Taten, die ich verübt habe, aber ich weiß nicht, wie ich dazu gckomen bin. Ich habe es nie gewollt. Hein vollkommen zurechnungsfähig. Dann kamen die medizinischen Sachverständigen zu Worte, die über den Geisteszustand des Angeklagten ihr Gutachten abgaben. Gericht-arzt Medizinalrat Dr. hartig. Koburg betonte, daß aus der Familie Hein nichts Ab- n o r m e s bekannt sei und daß sich über den Angeklagten selbst nichts Nachteiliges habe sagen lassen, bis zu dem Augenblick, als Larm nach Jena kam. Lärm sei Fanatiker, sein haß gegen die Polizei sei durchaus glaubhaft. Man könne ohne weiteres sagen, daß er einen unheilvollen Einfluß auf Hein ausgeübt habe. Der Angeklagte sei im übrigen völlig gesund. Insbesondere liege keine Störung des Nervensystems vor. Alkohol trank er nicht viel, konnte aber viel vertragen, wie er von sich selbst behauptete, 25 Glas Bier machten ihn noch lange nicht betrunken. Im übrigen Hab- er dem Sachverständigen gesagt, daß ihm sein Gewissen jetzt keine Ruhe lasse. Zedes Mal seien ihm die Tränen gekommen, wenn der Arzt von den Eltern sprach. Er war auf das Schlimmste gefaßt, habe aber doch nicht die Hoffnung aufgegeben, mit einer schweren Zucht- hausstrafe davonzukommen und dann ein neues Leben anzufangen. Zusamenfasscnd erklärte der Sachverständige: Z 51 komme in keiner Richtung in Frage. Es liege weder Geisteskrankheit, noch krank- hafter Affekt, noch Bewußtlosigkeit, noch haftpsychoss vor. Hein sei nach Ansicht des Sachverständigen nicht einmal Psychopath. Zu etwas abweichenden Feststellungen kam Med.-Rat Dr. Kunze von der Psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses. Ihm hotte 5)cin erklärt, seine Taten seien ihm gar nicht zum Be- w u ß t s e i n gekommen, und deshalb könne er auch keine Reue darüber cmpsindcn. Der Angeklagte zeige gewisse Degenerations- crscheinungen, die ihn zu einer unselbständigen Persönlichkeit machten. Irgendwelche Momente, die die Ueberlegung oder den Vorsatz bei 5?eins Taten ausschließen, seien nicht vorhanden. Eine verminderte Zurechnungsfähigkeit komme überhaupt nicht in Frage. Darauf wurde die Beweisausnahme geschlossen und die Verhandlung auf 3 Uhr nachmittags vertagt. Am Nachmittag werden dann die Plädoyers beginnen. Auf Grund der Bc- weisaufnohme wird Erster Staatsanwalt L e i m e r oerlangen, daß entsprechend der Anklage Hein dreimal zum Tode wegen Mordes an drei Polizeibeamten und zu mehrjähriger Zuchthausstrafe wegen der beiden Mordversuche verurteilt werde. Das Urteil ist nicht vor den Abendstunden des heutigen Mittwochs zu erwarten. Das Echo der Vluiiai. Zum Mord an Obregon. Ivashinglon, 18. Juli. Die Nachricht von der Ermordung des Generals Obregon hat hier Beunruhigung und Trauer hervorgerufen. Man hatte seiner Amtspsriode als Präsident von Mexiko, die am 1. Dezember be- ginnen sollte, in dem Glauben entgegengeblickt, daß eine neue Aera in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko im Anzüge sei. Der amerikanische Botschafter in Mexiko Dwight Morrow hat dem Präsidenten Calles einen Beileidsbesuch abgestattet, und Staatssekretär Kellogg hat eine Botschaft gesandt, in der er dem Schmerz und der Anteilnahme der amerikanischen Regierung Aus- dnick gibt. Mexiko. 18. Juli. Das Militär hat Befehl erhalten, sich in den Kasernen bereit zu halten, um sofort eingreifen zu können, wenn es etwa zu Ruhe- störungen kommen sollte. Die Theater und Kaffeehäuser sind geschlossen. Die Presse unterliegt der Zensur. Zwangsentlaffung aus dem Zuchihaus. Amnestierte lassen sich auf Bahren hinaustragen. Der Hungerstreik der Gefangenen im Zuchthaus Brandenburg hält auch am heutigen Mittwoch noch an: es sind immer noch 210 Zuchthausinsassen beteiligt. Auch im Zuchthaus in L u ck a u waren 29 Gefangene in den Hungerstreik getreten, jedoch gaben die meisten ihre Absicht sehr bald wieder auf, so daß heute nur noch in diesem Zuchthaus 2 Gefangene die Annahme der Nahrung verweigern. Wie jetzt erst bekannt wird, entstanden bei der Entlassung der Amnestierten aus dem Zuchthaus Sonnen bürg recht erhebliche Schwierigkeiten. Unter der Führung von Max Hölz hatten die Gefangenen bekanntlich schon die vorhergehenden Tage„Obstruktion geübt", d. h. im Chor die Internationale gesungen und die Frei- lassung von Hölz gefordert. Die zur Freilassung kommenden politi- schen Gefangenen weigerten sich, ohne Max Hölz die Straf- anstalt zu verlassen und so mußten sie mit Gewalt auf Trag- bahren aus dein Zuchthaus getragen werden. Vor der Strafanstalt wurden sie von kommunistischen Abgeordneten in Empfang ge- nommen und unter dem Gesang von kommunistischen Kampflieder!, und unter den Rufen:„Heraus mit Hölz und den übrigen politi- schen Gefangenen" zogen sie dann nach Küstrin, wo ebenfalls Kundgebungen veranstaltet wurden. Hölz hatte dann gestern abend eine etwa dreistündige Besprechung mit seinem Verteidiger, Rechts- anmalt Dr. Apfel, dem es gelang, Hölz wenigstens soweit zu be- ruhigen, daß er von seiner weiteren Obstruktion, dem Gesang und Gebrüll, Abstand nahm. Hölz weigert sich übrigens, das Zucht- haus Sonnenburg zu verlosten und sich in ein Gefängnis ver- legen zu lasten, wie es die Amnestieverordnung für ihn bestimmt. Inierpellation wegen des Bahnunglücks Im bayrischen Laadtag. Die Fraktion der Bayerischen Voltspartei hat im Landtag eine Interpellation zu dem Ersenbahnunglück im München« Houptbahn- hof eingebracht. In der Interpellation wird daraus hingewiesen. daß der Häufung schwerer Eisenbahnunfälle in Bayern wahrschein- lich ejire gemeinsame Ursache zugrunde liege. Die Regierung wird schließlich gefragt, ob sie bereit sei, auf die Reichsbahn ein- zuwirken und über die tatsächlichen Verhältnisse Aufklärung zu schassen, damit den Reisenden das Sicherheitsgefühl wiedergegeben werde. Verkehrsunglück in Neukölln. Sin Toter- ein Schververlehter. vor dem Hause Kaiser- Frledrich-StraßeZ2ta Neukölln ereignete sich heule srüh ein schwere, Verkehr»- ungiück, bei dem«ine Person getöte i, eine weitere schwer verletzt wurde. Der Gemüsehändl« F r a n z B a l d e ck, der im Hause Kaiser- Friedrich-Stroße 32 sein Geschäft betreibt, kehrte gegen %S Ujr mit seinem Pferdegespann von der Markthalle, wo er eingekauft hatte, zurück. Doldeck, der die Zügel führte, hatte gerade sein Geschäft erreicht und wollte holten, als es plötzlich einen heftigen Stoß gab. Das Gespann war von hinten von einem Prioatauto angefahren worden. Der Wagen wurde auf den Bürger st eig geworfen und stürzte um. V a l d e ck und sein Mitfahrer, der Hausdiener Isidor M a t t h i a aus der Zietenstraße 32 wurden in hohem Bogen aufs Straßenpflaster geschleudert, wo beide Männer mit schweren Verletzungen blutüberströmt liegen blieben. Die Ver- unglückten wurden in das Neuköllner Krankenhaus geschafft, wo Matthia bald nach der Einlieferung an den Folgen eines doppelten Schädelbruchs starb. Auch der Zustand des Gemüsehändlers Valdeck gibt zu Besorgnissen Anlaß. Die S ch u l d f r a g e ist noch ungeklärt. Wie der Chauffeur des Privatauto« bei seiner Vernehmung angab, geriet sein Wagen auf dem schlüpferigen Asphalt ganz plötzlich derart ins S ch l e u- d e r n, daß er einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern konnte. -* Heute mittag stürzte der 28jährige Arbeiter Walter Klause- w i tz aus der W e x st r a ß e 35 in Wilmersdorf aus dem dritten Stockwerk auf seiner Arbeitsstelle bei der Firma Raoenö Söhne, Alte Iakobstraße, in den F a h r st u h l s ch a ch t h i n a b. K. wnrde schwerverletzt zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo er unter den chanden des Arztes g e st o r b e n ist. Nächtliches Großfeuer in Johannisthal. In der Friedrich st raßc 58 in Johannisthal wütet« in der oergongeittm Nacht ein verheerendes Schadenfeuer. Auf dem Hof des umfangreichen Grundstückes befindet sich eine etwa 559 Quadratmeter große Scheune, in der mehrer« Viehställe eingebaut waren. Kürz vor 2 Uhr wurde ein Hausbewohner durch einen starken Feuerschein aus dem Schlafe geschreckt. Die Scheune stand in ihrer gesamten Ausdehnung in hellen Flammen. Als die alarmierte Feuerwehr mit mehreren Löschzügen eintraf, hatten die Flammen bereits auf angrenzende Stallungen, Wogen- remisen und mehrere mit Holz gefüllte Schuppen übergegriffen. Zahlreiches Federvieh, 39 Kaninchen und«in Pferd konnten nicht mehr gerettet werden und kamen in den Flammen um. Erst nach mehrstündiger Löschtätigkeit konnte dos Feuer wedergekämpfl werden. Bei den Löscharbeiten erlitt der Oberseuerwehrinann Baresel erhebliche Brandwunden im Gesichtund an den Händen. Di« Entstehungsursach« des Feuer» konnte nicht mehr ermittelt werden. Desuch auf dem Lande. „Welch reicher Erntesegen!" „Vicht so laut,- gerade Hab ich meine SteuererNärung eingereicht!" Kampf gegen Pilsudski-Oikiaiur! Erklärung des Abg. Gen. Viedzialkowski. Tb. T. Warschau, iin Juli. Genosse Niedzialkowski, Vizeoorsttzendcr der parlamentarischen Fraktion der polnischen Sozialisten und Chefredakteur ihres Zentralorgans, Hot auf unsere Bitte, sich zu der gegenwärtigen Lage in Polen kurz zu äußern, folgendes erklärt: „Um die innerpolitische Lage Polens und die Politik der Pol- nischen Sozialistischen Partei richtig zu ver st ehe n und enzu- schätzen, muß man sich stets das eine vor Augen halten: Polen ist gegenwärtig kein parlamentarischer Staat im westeuropäischen Sinne. Dos tatsächliche polit/sche Kräfteverhältnis, der Einfluß auf die Exekutive und die Legislative durch diese Kräfte sieht ganz anders aus, als dem Buchstaben der Derfassung entspräche, der rein formell nicht verletzt worden ist. Daher können auch die normalen Mittel des parlamentarischen Kampfes in der Regel nicht angewendet werden. Das Pilsudski-Lager wünscht den gegenwärtigen Stand der Dinge in dieser oder anderen Form verfassungsmäßig zu stabil!- sieren. Wir aber wünschen ihn zugunsten der parlamentarischen Demokratie zu liquidieren. Sämtliche Vorstöße und Abstim- mungen der sozialistischen Abgeordneten im Parlament, sämtliche Maßnahmen und Erklärungen Pilsudskis oder des Rsgicrungsblocks im Parlament bilden taktische Momente, die die Stunde der E n t s ch e i d ü n g vorbereiten. Wir sind der Meinung, daß das gegenwärtige Verhältnis der sozialen Kräfte dein künstlich erhaltenen politischen Kräfteverhältnis nicht entspricht. Aus diesem Grund« zähle« wir auf unseren Sieg nach einem vieNcichl noch sehr schweren Zeitabschuitt. Das heutige Rcgierungssystcm hat weder die wichtigsten Wirtschaft- lichen und sozialen noch die politischen und nationalen Ausgaben gelöst. Es Hot sie nicht lösen können, da es wirtschaftlich und sozial auf die— primitiv aufgefaßte— Unterstützung der Interessen des in organisatorischer, technischer und geistiger Beziehung rückständigen Großgrundbesitzes und des industriellen Großkapitals, nnd politisch lediglich aus das juristisch-konstiwtionclle Problem eingestellt ist, ohne im übrigen einen klaren Leitgedanken zu besitzen. Das letzte Presseinterview Pilsudskis fasten wir als einen uns bereits vom Juni 1926 bekannten Versuch auf, den politischen Streit um die Staatssorm aus den Boden eines persönlichen Streits mit der„Abgeordnetenkaste" zu übertragen. Es ist klar, daß wir diese Plattsorni des Kampfes nicht annehmen. Wir haben mit einer sehr scharfen Entschließung des Klubs der sozialistischen Abgeordneten aus die Beleidigung unserer persönlichen Würde geantwortet: wir haben die Aufmerksamkeit der Masten vor allem auf den letzten Absatz des Interviews, der von einer„Ottroyierung neuer Rechte" spricht, gelenkt, als auf eine keineswegs ausgeschlossene Möglichkeit. Die Palnische Sozialistische Partei fühlt sich heute stark. Um sie sammelt sich die demokratische Meinung des Landes." Geplatzte(Stahlhelmhosen. In T i l l e d a(Regierungsbezirk Merseburg) hatte der Domänen- Pächter Otto K r e u tz m a n n vor der Wahl seinen Arbeitern ie eine A r b e i t s h o s e versprochen, wenn sie sich dem Stahlhelm an- schließen würden, wodurch eine entsprechende Stimmabgabe erwartet wurde. Eine Anzahl der schlecht entlohnten Landarbeiter ließen sich auch durch dies Versprechen fangen. Sie erhielten die versprochenen Arbeitshosen, aber diese waren so miserabler Qualität, daß sie schon nach kurzem Gebrauch die bedenklichsten Risse und Sprünge zeigten. Den neugebackenen Stohlhelmern wird seitdem empfohlen, ihren Stahlhelm möglichst auf dem H i n t e r k o p s zu tragen. Neue Lakobowski-Llntersuchung. Angeordnet vom Ministerium. In der Angelegenheit des wegen Mordes hingerichteten früheren russischen Kriegsgefangenen I a c u b o w s k i ist die Staatsanwaltschaft in Neustrelitz vom Staatsministerium angewiesen worden, die in dem Gutachten des sächsischen Staatsministers a. D. Dr/ Binger vorgeschlagene gerichtliche Voruntersuchung zu beantragen, die die Frage klären soll, ob und inwiefern noch andere Personen an der Tat beteiligt sind. welterberichl der össenllichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachdr. verö.) Heiter bis leicht wolkig, am Tage ziemlich warm.— Für Deutschland: Ziemlich heiter und warm, strichweis« Gewitter. Nächtlicher Kampf mit Einbrechern. Ln der Notwehr niedergeschossen. Bei einem Einbruch wurde in der vergangenen Nacht der Ztjährige Wladimir Drcmlonjenko auf dem Grund- stück Schöneicher Strohe Zg in Ariedrichshagen überrascht und von dem Bescher des Nachbargeländes in der Notwehr erschossen. Als letztes chaus der Villensiedlung an der Chaussee Friedrichs- Hagen— Schöneiche liegt in der Schöneicher Straße 39 die Villa des Ingenieurs Walter Quindt, der zurzeit verreist ist. Eine Dachstube des Hauses ist an einen Arbeiter Kollics vermietet, die unteren Räume bewohnt Frau Quindt augenblicklich allein. An die Villa schließen sich noch zwei Baustellen an, dann folgt zu beiden Seiten schon der Wald. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr kletterten nun unbekannte Einbrecher über den Gartenzaun, zertrümmerten eine Scheibe des Küchensensters und verschafften sich so Zutritt. Frau Quindt, die durch das Klirren erwacht war, rief laut um Hilfe. Der Arbeiter K., der die Rufe hörte, rannte Qeneräl Altaro Obregon der erst kürzlich mit ubenrältigender Mehrheit zum Präsidenten von Mexiko gewählt wurde und jetzt den. Mordet kugeln eines politischen Fanatikers zum Opfer fiel. die Treppe hinunter, um nachzusehen, was geschehen sei. Im Haus« stürzten sich sofort mehrere Männer auf ihn, mit denen er in einen Ringkampf geriet. Als Kallies merkte, daß er der Uebermacht nicht standhalten könnte, flüchtete er wieder nach oben in seine Stube und verriegelte die Tür hinter sich. Dann rief auch er zum Fenster hinaus um Hilfe. Die andauernden Rufe hatten inzwischen die Nachbarschaft alarmiert und aus allen Häusern eilten Bewohner herbei. Als erster kam der Finanzarrwärter Otto Dietz«, der im Hause Nr. 36 wohnt, in den Garten der Quindtschen Villa. Auch ihm warf sich sofort ein Mann entgegen und rang mit ihm. Dietze gab zunächst aus seinem Revolver, den er mitgebracht hatte, einen Schreck- s ch u ß ab, der den Angreifer aber nicht einschüchtert«. In dem sich entspinnenden Kampf« feuert« Dietze abermals und traf jetzt seinen Gegner in die Brust, so daß er zusammenbrach und tot liegen blieb. Das Getümmel hätte eine große Anzahl Menschen herbeigelockt. die aber nicht mehr sagen können, wieviele Einbrecher eigentlich im Hause gewesen sind. Die inzwischen alarmierte Polizei suchte die angreifenden Grundstücke ab, fand aber niemanden mehr. Nach- barn wollen Warnungsschüsse gehört haben, sie haben offenbar dem Manne gegolten, der als letzter nach der Flucht der anderen im Garten zurückblieb und mit Dietze in den Kampf kam. In den Taschen des Toten fand man Papiere auf den Namen eines am 14. Februar 1897 in Kibarli in Litauen geborenen Wladimir Dremlonjenko. der anscheinend wohnungslos war. Die Lcich« wurd« noch der Halle des Köpenicker Krankenhauses ge- bracht. Im Garten fand man noch Schraubenzieher und anderes Einbruchswerkzeug, das die Flüchtenden in der Eile verloren haben. plöhenseer Ausbrecher in Prag verhastet. Dieser Tage wurden hier zwei internationale Hoch- st a p l e r verhaftet, die am 21. Juni aus der Strafanstalt Plötzensee bei Berlin ausgebrochen sind, wo sie eins zweijährige Gefängnis- strafe oerbüßen sollten. Ihren Lebensunterhalt in Prag hotten sie mit Taschendiebstahl bestritten. Ein Ministerpräsident verschwindet. Bartels geheimnisvolle Reise ins Ausland. Warschau, 18. Juli. In früher Morgenstunde, um 4 Uhr, hat der polnische Minister- Präsident B a r t e l unerwartet und chn« die geringsten Angaben über das Ziel seiner Reise Warschau zu einem vierwöchigen Urlaub verlassen. Man nimmt an, daß er sich ins Ausland begeben hat. jedoch wird di« Reis« und der Auscntholtsort geheim gehalten. Die Abreise Bartels, die für Ende dieser Woche beabsichtigt war. erfolgte so plötzlich, daß selbst der Chauffeur erst wenige Stunden vor der Abfahrt davon unterrichtet wurde und erst im Augenblick der Abfahrt einen Auslandspaß erhielt. Die Fahrt- richtung wurde dem Chauffeur erst während der Fahrt von dem Ministerpräsidenten mitgeteilt. Der Grund der geheimnisvollen Abreise dez Ministerpräsidenten ist nicht bekannt. Oer Ruhmfabrikant. Heldengröße nach Maß.— Weltruhm auf Abzahlung. Bitte, das ist kein Druckfehler. Einen Rumfabrikanten haben wir natürlich olle schon einmal erlebt. Aber einen Ruhm fabri- kanten... Doch beginnen wir hübsch mit dem Anfang. Ich mußte wohl, in Gedanken über Broterwerb und Geldsorgen, ziemlich laut vor mich hingedacht haben, denn plötzlich fuhr mich eine schnarrende Stimme an, genau meinen letzten Gedanken ausnehmend: „Ja, werter Herr, warum werden Sie denn nicht berühmt?" Ich fuhr empor. Durch Brillengläser trafen mich Blicke wie Stichflammen. Sie kamen aus einem nach allen Möglichkeiten ein- gekerbten Antlitz, dessen weiteste Vorsprünge, eine Spitznose und ein wippender Kinnbart, sich in mein Gesicht zu bohren drohten. „Nur Mut, auch Sie können berühmt werden. Vertrauen Sie nur mir," meckerte die gräßliche Stimme von neuem. Ich versuchte ein schwaches Lächeln:„Gewiß, aber..." „Gar kein aber! Hunderprozentige Sicherheit! Benutzen Sie mein„Institut zur Erlangung von Weltberühmtheit G. m. b. H." Gegen angemessenes Honorar verpflichte ich mich, jedem Beliebigen innerhalb von 14 Tagen zu internationalem Ruhm zu verhelfen." Ein Irrsinniger? schoß es mir durch den Kopf. Wie ziehe ich mich nur aus der Affäre? „Ach, wissen Sie, verehrter Herr, mir selber— ehern— liegt gar nicht soviel daran. Aber, Sie verstehen, ich habe eine sehr ehr- geizige Frau..." „Eine Frau, ha. ha, ha," meckerte mein Visavis,„die machen wir sofort berühmt. Bei Frauen geht es am ollerleichtesten. Was will sie werden? Ich offeriere, je nach Höhe der Anzahlung: Schönheitskönigin, Sommerkönigin, Miß Neutomischel, Mode- königin..." „Aber, werter Herr," unterbrach ich erschüttert,„meine Frau ist durchaus keine besondere Schönheit. Sie hat ein ziemlich großes Muttermal auf der rechten Backe und ihre Beine sind auch nicht ganz senkrecht eingeschraubt." „Was tut denn das? Schauen Sie sich doch mal die Photos der bisherigen Auscrwähltcn vor der Retouche an. Durch Schönheit hat's noch keine geschafft. Hauptsach ist: die Jury liegt in unserer Hand. Ich arrangiere das Fest, bestelle die Schiedsrichter. Oder, damit die Sache nach außen hin unparteiischer aussieht, lassen wir das Publikum abstimmen." „Da wird meine Frau wenig Chancen haben." „Oho! Wir besetzen natürlich den Wahlvorstand. Nehmen wir an. Ihre Gnädige bekommt Nr. 14, dann liegen eben schon 8lK> Stimmzettel mit Nr. 14 in der Wahlurne, ehe der Schwindel losgeht. Die Auszähler haten dafür zu sorgen, daß keine von den anderen mehr als 700 Stimmen bekommt. Das sind ja Kleinig- keiten. llebrigens, wenn Ihre Gnädige gor zu mies ist, dann lassen wir irgendein Probiermädel auf den Namen Ihrer Frau laufen. Ich Hab' da immer Ware an der Hand. Hauptsache sind natürlich meine Beziehungen zu Film und Presse. Die Gräulichwoche und die Popel- woche müssen uns hundert Meter Film in ihrer Wochenschau garantieren. An die„Beliebig Illustrierte" und die„Nacktausgabe" gehen Großausnahmen Ihrer Gnädigen mit Blechkrone und imitiertem Hermelin. Großartig, fabelhast! Ein paar Auslands- reporter werden auch bestellt." „Ich weiß nicht, meine Frau könnte doch Bedenken haben. Vielleicht werde ich lieber selber berühmt." „Auch gut. Da sind verschiedene Möglichkeiten. Obgleich bei einem Mann immer einige persönliche Unbequemlichkeiten zu ertragen sind. Wie wäre beispielsweise folgendes: Sie fahren auf einem Kinderroller nach Madrid. Natürlich muß ein effektvoller Name dabei sein: Der rollende Rolf. Statt des Rollers könnten wir auch ein Weinfaß nehmen. Oder wie wär's, wenn Sie sich auf eine Rolle Zeiwngspapier setzten! In diesem Falle müßte natürlich die Raule über die Pressa in Köln genommen werden. Titel: der rollende Reporter. Oder Sie kutschieren einen Berliner Sprengwagen und lassen sich feiern als den Mann, der die Grenzen sämtlicher Staaten sprengt! Vielleicht würden Sie einen„Völkerbundsmilchwogen' vorziehen? Am wirkungsvollsten bleibt natürlich immer ein Ozeanflug." „Um Gotteswillen— nein." wehrte ich schwach ab. „Sie brauchen ja gar nicht zu fliegen. Es genügt olle ochl Tage eine Nachricht, daß Sie den Start wegen schlechten Wetters ver- schoben hoben. Vor allem müssen wir irgendeinen neuen Trick dazu erfinden." „Vielleicht, daß ich auf der Fahrt Gedichte schreibe?" „Ist schon dagewesen! Wir müssen was haben, wogegen ein blankgeputztes Monokel stumpf aussieht. Nicht jo abgedroschene Requisiten, wie Amulette, Hunde, Katzen usw. Vielleicht wäre es das Richtige, genau über der Mitte des Ozeans eine Schnupftabak- dose des alten Fritz abzuwerfen. Das macht Effekt, regt die patrioti- schcn Gefühle an." „Aber es gibt doch schließlich noch andere Methoden, berühmt zu werden," wandte ich ein.„Shakespeare, Beethoven, Galilei, Humboldt..." „Quatsch, das war einmal. Wer wird sich denn noch ein ganzes Leben lang anstrengen, um berühmt zu werden, wo dach das heute in 24 Stunden bequem gcschasft wird. Dichten, Forschen, wissenschaftlich Arbeiten— die schlechtesten und unsichersten Chancen! Liegt Ihnen vielleicht daran, erst dreißig Jahre nach Ihrem Tode berühmt zu sein? Sie wollen doch Ihren Ruhm auskosten, nicht erst als alter Mann, sondern solange Sie jung und genußsähig sind. Wenn es Ihnen Spaß macht und Sie durchaus müssen, können Sie ja dicke Bücher schreiben. Aber glauben Sie bloß nicht, daß die heute nach ein Mensch liest! Damit können Sic als unterernährter Greis in einer Dachkammer sterben. Bestenfalls geben Sie dann eine Sensation ab, wenn Sie verhungert sind. Aber bestimmt nicht vorher. Liegt Ihnen was an Nekrologen? Die ersetzen nicht die Villa, die Weiber, das Auto, die Sie bei Lebzeiten hätten haben können. Nxin, mein Lieber; Ruhm ist heute eine ausschließliche Angelegenheit des Films, der Konfektion, der illustrierten Blätter und der Schlagzeilen in den Boulevardblättern. Die aber brauchen Leistungen, die auch der Dümmste begreift, keine ousgefollsnen wissenschaftlichen Theorien oder unverständliche Gemälde. Ich habe System in die Sache gebracht. Bei mir kann auch der Mittel- mäßigste berühmt werden, wenn er nur die Spesen zahlt. Irgendein Rekord findet sich schon. Also los! Wie wär's mit einem Versuch? Die Kosten für garantierten Weltruhm betragen nur..." Hier erwachte ich durä) einen starken Stoß der Elettrijcheit. Aber es kam mir gar nicht vor, als ob ich nur geträumt hätte. Jonathan. Oer geheimnisvolle Ozeanflug. (Titania-Palass.) Damit der geheimnisvolle Ozeonflug unternommen werden kann, ist ein Manuskript geschrieben, das allen Sensationslüstern- hciten eines verehrten Publikums freundlich entgegenkommt. So muß der tzuniorchef eines bedeutenden Flugzeugwerkes als Kampf- slieger in den Weltkrieg ziehen, abgeschossen werden und sein Ge- dächtnis verlieren. Als Mechaniker arbeitet er, der Totgesagte aus- gerechnet, in dem Werk seines Vaters. Bei einem Höhenrekordflug umnebeln sich seine Sinne und er wird geistig wieder'»normal. Darum wird er natürlich prompt in eine Irrenanstalt gesperrt, dach er bricht aus und fliegt über den Ozean. In Frankreich liegen sich dann olle, Vater, Bruder, Braut und Totgeglaubter in den Armen. Dabei geht dieses Wiedersehen recht fad und ohne groß« innere Auf- rcgungen vor sich, dank der wunderbaren Neroenkraft von Film- amerika. Die Rolle des Helden spielt Monte B l u e, der uns aus vielen Lustspielen vorteilhaft bekannt ist. Diesmal konnte er seiner Aufgab«, die seinem Können entgegenstand, nicht voll gerecht wer- den. Der Regisseur Howard Bretherton Hot nicht den geringsten Sinn für Einheit. Er bringt sehr schöne Landschaftsausnahmen vom Flugzeug aus, er hat ein paar tollkühne, rein artistisch« Flieger- leistungen photographieren lassen und er verwendet zwischendurch die unschönste, aufdringlichste Kulisse. Und aus einem Flickwerk wird mm mal eben kein Kunstwerk.«. b. Mitteilungen der Volksbühne. Die Volksbühne nimmt bereits Neuanmeldungen von Mit- gliedern für die nächste Spielzeit entgegen. Der Verein wird auch im neuen Spieljahr wiederum jedem Mitglied etwa 12 Vorstellungen bieten, und zwar 5 im Theater am Bülowplatz, 2 in der Staats- oper am Platz der Republik, die restlichen verteilt auf das Theater am Schiffbauerdamm. das Thalia-Theater und das Staatliche Schil- ler-Theater. Die„Sonderabteilungen" bieten eine Reihe eigener Aufführungen des Theaters am Bülowplatz und 4 Vorstellungen der Piscotorbühne. Neu eingerichtet wurden Opern-Zusatz-Abtei- lungen; sie setzen die Zugehörigkeit zu einer Stammabteilung vor- aus, um ihren Mitgliedern noch 3 oder(nach Wunsch) 6 Opern mehr zu vermitteln. Der Vorstellungsbeitrag, der außer dem Eni- gelt für den Platz(Auslosung) auch die Gebühren für Kleiderablage, Programmzettcl, illustrierte Vereinszeitschrift usw. umsaht, wird, wie bisher, für Nachmittagsvorstellungen 1,10 Mark, für Abend- aufführungen 1,50 Mark und für Opernvorstcllungen 2 Mark be- tragen, jeweils zuzüglich 20 Pfennig für Zins- und Tilgungszwecke. In den Opern-Zusotz-Abtcilungen haben die Mitglieder die Wahl zwischen drei Platzgattungen, für die 2,20 Mark, 3 Mark bzw. 3,80 Mark zu entrichten sind. Anmeldungen zur Volksbühne nehmen 150 Zahlstellen und sämtliche Tictzsche Theaterkassen entgegen. Schriftliche Zlnmeldungen sind unter Beifügung der Einschreibe- gebühr von 1,60 Mark lediglich an die Hauptgeschäftsstelle der Volksbühne, Linienstroße 227, zu richten. Ausmarsch der SSnzcr lu VSitn. Zum T.iiigerbunbeSsclt sind bisher auf den Bahnbösen in Wien und Umgebung Lg 118 Sänger in 43 Sonder- züzen eingetroffen. Der bekannte Wiener Schriftsteller, Kritiker und Journalist Hermann Bahr vollendet morgen sein 65. Lebensjahr. WER SEINE BOTE FÜR EINE ZWECKMÄSSIGE RIEN RECHT GENIESSEN WILL, DER LERNT NOCH VOR DER ABREISE DIE GE- ERNHHRUNG AUF DER GROSSEN SOMMERSCHAU AM KAISERDAMM Von 9 bis 8 Uhr geöffnet(EinlaB bis 7 Uhr).— Eintrittspreis i Erwachsene I.SO Mk., Jugendliche 0.7S Mk. Famllienkarten(für 2 Erwachsene und 2 Jugendliche oder 3 Erwachsene) 3.50 Nk., Klnder-Zusatskarie 0.25 Mit.- BEI SCHONEN WITTES t KONZKST IN DIN PUNKTURNOnTIN 44 Besuch in der Bundesrepublic Das Programm der Verfassungsfeier. Offizielle Feier im Reichstag.- Gemeinsame Feier in der Kroll- Oper. Das amtliche Programm für die Verfassungsfeier am 11. August wird nunmehr bekanntgegeben. Danach finden zwei Feiern statt, eine amtliche, wie üblich, im Reichstag, und eine zweite gemeinsame der Reichsregierung, der preußischen Regierung und der Stadt Berlin in der Kroll- Oper. Die Feier im Reichstag wird mit einem Feſtgefang eingeleitet werden, worauf der ehemalige die Eltern wirken, weil für fie Gemeinschaft" in der Kinder Reichsjustizminister Prof. Radbruch eine Ansprache hält. Hierauf Republik lebendigen Inhalt bekommen hat. - Daß es nach dem Besuch der Eltern rings um das Lager fast so aussah, wie nach einem warmen Sonntag im Grunewald Stullenpapiere, Limonadenflaschen ufm. fei nur registriert. Die Roten Falken haben es sehr übel vermerkt und meinen, daß sich das vermeiden ließe. Ordnung und Sauberkeit gehören zu den Hauptpfeilern der Kinder- Republik. Am Bormittag fonnten die Eltern mit ihren Kindern zusammen sein. Dann kam das Mittagessen und um 15 Uhr marschierten die Roten Fallen im Stadion" der Kinder- Republik zu ihrem Fest auf. Die Besucher hatten sich im Schatten der Bäume, in einem nach Westen offenen Biered aufgestellt. Dort, an der offenen Seite, nahmen dann die Bewohner der Kinder- Republik Aufstellung. Es war ein farbenfrohes Bild. Mitten in Grün hineingestellt fünfhundert Rote Falken in ihren blauen Kitteln und über ihnen leuchtend rote Wimpeln und Fahnen. Sprech- Chor der Buben und Mädeln, unterbrochen von Kampfliedern, begleitet von Klampfen, Klarinett, Trommel und Biolinen. Bom Wollen der Roten Fallen, vom Leben in der Kinder- Republik sprechen die Buben und Mädeln aus der großen, grauen Stadt, die jetzt hier daußen im Grünen leben in Freundschaft, wie Brüder und Schwestern. Alles teilen wir!" rufen fie ,,, Rot und Freude, in Gemeinschaft, durch Solidarität!" Und zum Schluß Betenntnis zur großen sozialistischen Idee: Unsere Fahnen leuchten und glühen und rufen:„ Wir sind rote Jungen, rote , Mädeln. Wir wollen rote Kämpfer werden!" Mit dem Gefang der Die Verwache: Weg mit mit die Sonntagszigarre Kinderfreunde rauchen nicht! Internationale ſchloß das kleine Feſt ab. Kinder- Republir am Uederfee, 16. Juni 1928. Acht Tage nach der Ausrufung der Kinder- Republik schon Befuchstag! Die Eltern und andere Genoffinnen und Genossen sollten Gelegenheit haben, ein Stück von der Arbeit der Roten Falken zu Jehen und zu erleben. Sonnabend wird Arbeitsdienst angefeßt, damit die Dörfer am Besuchssonntag, tno: fc" aussehen. Das soll nicht so verstanden werben, als müßte für einen Besuch erst alles hergerichtet werden. Rein, die Zeltrepublik am Uedersee ist immer so in Ordnung, daß sie sich jederzeit von Freund und Gegner sehen lassen kann. Aber Freund Rafperl, der natürlich auch seine Bude am Uedersee aufgeschlagen hat, ließ es sich nicht nehmen, den Roten Fallen besonders einzuschärfen, daß am Sonntag alles blizblank sein müsse. Und wenn der Kasperl Das verlangt, da muß man's natürlich besorgen. Am Sonntag in aller Frühe machten sich die Falfengruppen auf den Weg, die in Eberswalde und in Schöpfutth die Besucher abholen sollten. In Eberswalde ftanden Beftautos bereit leider nicht so viele, wie es zu wünschen gewesen wäre- und brachten die Genoffen bis zur Kaiserwegbrücke. Dort standen schon Rote Falken zum Empfang bereit. Das Gros der Besucher aber fuhr bis Schöpfurth und wurde dort von der Musikkapelle der Kinder- Republik und fünfzig Roten Falten mit roten Wimpeln und Fahnen abgeholt. Zu Fuß ging's dann zum llederfee; Gefang und Musi? verkürzten den Weg. Aus ihrem Liederschaz gaben die Buben und Mädeln, was sie hatten: Ja, wir sind die Roten Falken ,, Wenn wir marschieren. Und dann das neue Lieb, das am ledersee erst vor ein paar Tagen geboren wurde: So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage In der allerschönsten Kinder- Republik! Des morgens an dem Badestrand, beim Spiel sind mittags wir, Des abends in den Zelten, im Nachtquartier. Ein Lied löste das andere ab, bis die fleinen Kehlen ausgetrocknet waren. Es war nämlich ganz ausgiebig heiß auf der LandStraße. An der Kaiserwegbrüde standen schon Borposten, die sich dem Bug anschlossen und nun war's nur noch eine Viertelstunde zum Lager. Weithin leuchtet die rote Lagerfahne und zeigt den Weg. Am Eingang zum Kinderstaat haben sich alle seine Einwohner versammelt. Ein dreifaches kräftiges ,, Freundschaft!" grüßt die Kommenden. Noch ein paar Lieder, Klampfenmufit und die Eltern suchen sich unter den 500 Blaufitteln ihren Buben oder ihr Mädel heraus. Jetzt geht's in die Zeltdörfer. Die Zelte werden besichtigt, hier und dort mird von den Roten Falten etwas erklärt. Alles ist für die Besucher so neu und eigenartig und manche können sich vor allem nicht in den Gemeinschaftsgeist schicken, der hier das ganze Lagerleben beherrscht. Es muß anerkannt werden, daß eine große Zahl der Eltern vernünftig genug war, einzusehen, daß sie nicht ihrem" Fritz oder Franz, ihrer" Lotte oder Grete Berge von Kuchen, Koteletten und Schnitzel mitbringen fonnten, während deren Zeltgenossen das Zusehen haben sollten. Ganz abgesehen davon, daß das wie ein Zwölfjähriger im Lagerparlament fagte ein Mißtrauensvotum gegen unsere Lagerverpflegung ist. Aber es gab auch andere. Und das wurde in der Parlaments- Sigung der KinderRepublit von den Roten Falfen scharf fritifiert. Manche Eltern nahmen ihre Kinder beiseite, steckten ihnen allerlei Braten. Kuchen oder Schokolade zu: ß es aber allein!" Wollte dann das Kind mit seiner Zeltgemeinschaft teilen, dann fuhr das Berbot der Eltern dazwischen. Hier ist ein Gebiet, auf dem die Kinder erziehlich auf Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Dann gab's noch Spiele. Hoffentlich haben die Besucher der Kinder- Republik nicht nur ein paar schöne Stunden am lederses verlebt, sondern zugleich die Ueberzeugung mitgenommen, daß hier in opferfreudiger Arbeit an der Jugend des Proletariats wichtige Erziehungsaufgaben erfüllt werden. Felix Fechenbach. Hochbetrieb im Luftverkehr. Täglich anderthalbmal um die Erde. Inbetriebnahme der Bäderlinien seinen Höhepunkt. 150 moderne Der deutsche Sommerluftverkehr erreicht in diesen Tagen mit der Passagierflugzeuge befliegen rund 90 Linien im regelmäßigen Flug plan, das sind pro Tag nach der zurückgelegten Entfernung ge nach der zurückgelegten Entfernung gemessen die anderthalbfache Aequatorlänge. Fr F 60000 Kilometer oder Bei der Hitze... fieht Pieste bereits die Alligatoren in den Müggelsee einziehen. Norden 12 310 Volksbühne Deutsches Theater Theater am Bülowplatz U. Ende nach 10% 8 Uhr Artisten egie Max Reinhardt Orpheus in der Unterwelt Die Komödie Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel: Mpl. 16077 Während des Urlaubs der Elite- Sänger Bis 31. Juli täglich 8 Uhr Großes Sonder- Gastspiel Otto Pauls Bunte Bühne Größt. Erfolg! Tolle Heiterkeit! Reichshallen Theater Gastspiel der Dresdner Viktoria Sänger mit ihrem für Berlin völlig neuen Programm! Anf. 8 Uhr. Preise d. Plätze wie immer. Donbot Brett' ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Bismarck 2414/ 751f U. Ende 10%, U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Saltenberg- Bühnen Ots. Künstler- Th. 81 Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8, Uhr Spiel' m Schloss" Musik v. Spoliansky Theater des Westens 8 Uhr: Berliner Theater Lori Leux in Charlottanstr.90/ 91.00nh.170 Die Ende nach 101/ jastspiel d. Deutschen Th. ungeküßte Eva Der Prozeß Mary Dugan Lustspielhaus Täglich 8, Uhr. Die Reise furch Berlin in 40 Stunden. Operette in 3 Akten Musik v. kr. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppaenk Wospetsi man gut n.billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. Kleines Theater Rose- Theater 81% Uhr: Sprungbett der Liebe Zesch- Ballot, Christel Storm, Torning, Garrison Schafheitlin. Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/2 Täglich 8 Uhr: Der Wirt vom Heldekrug Gr. Frankt. Str. 132. 5% Uhr Konzert and bonter Teil 84 Uhr Der Fürst von Pappenheim Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Ein lustiges Spiel m. Elfriede Mertens a.. Gesang u. Tanz m. d. Jugendliche haben neuesten Schlagern Park.auch keinen Zutritt! Park auch Sonntags Parkett auch Sonn nur 60 Pf. nur 1.- Mk. Ischias das and Bein, wenn Arzil. festgestellt. In 15 Tagen sinc fingt der Domchor; anschließend hält der Reichskanzler Müller= Franten eine furze Ansprache. Sodann wird das Deutschlandlied gesungen. Im Anschluß an die Feier im Reichstag findet die übliche Parade der Ehrenfompagnie vor dem Reichstag statt. Bei der Feier in der Kroll- Oper werden gleichfalls Musikstücke vorgetragen, worauf der Oberbürgermeister Böß als einziger Redner des Abends spricht. Nach seiner Rede tommt erstmalig ein Theaterstück Hymnus zur Verfassungsfeier" zur Ausführung. Während der Feier wird sich außerhalb der Kroll- Oper ein Fadelzug formieren, der nachher vor den Teilnehmern an der Verfassungsfeier porbeimarschieren wird. Großer Waldbrand in Tegel. Ein großes Feuerwehraufgebot mar gestern nachmittag im Tegeler Forst mit der Bekämpfung eines großen Waldbrandes stundenlang beschäftigt. Das Feuer war gegen 15 1hr im Jagen 90 aus noch ungeflärter Ursache entstanden und griff schnell um sich. Auf den Alarm eilten die freiwilligen Wehren von Tegel, Heiligenfee, die Fabriffeuerwehr von Borsig und zwei Berliner Löschzüge unter Leitung des Branddirektors Mende herbei. Beim Eintreffen der Wehren standen etwa 10 000 bis 12 000 Quadratmeter Kiefernschonung in Flammen. Den vereinten Anstrengungen der Wehren, die von Waldarbeitern unterstützt wurden, gelang es, den Brandherd zu lofalifieren. Inter Zurüdlaffung einer größeren Brandwache rückten die Wehren gegen 18 Uhr wieder ab. Die völkische Bank in Konkurs. Wo sind die Schuldigen?- Empörung der Gläubiger. In seiner Nummer vom 20. Juni berichtete der Abend" über den Zusammenbruch einer völkischen Bant, die am Magdeburger Platz ihre Geschäftsräume hatte und bei der nationale Größen vom Schlage eines Sodenstern mit verwickelt waren. Zuerst versuchte 300 man den Zusammenbruch zu verschleiern. Die Gläubiger fleine Geschäftsleute find inzwischen so verbittert geworden, daß haben. Infolge der großen Fehlbeträge hat inzwischen der Bankfie in mehreren Sizungen sehr stürmisch Rechenschaft gefordert werden alle Geschäftsleute, die sich ein Anteil haben aufschwagen vorstand Konkurs angemeldet. Wie der Abend" seinerzeit schrieb, lassen, noch erheblich bluten müssen, um die Schulden zu bezahlen. Nach Erscheinen unseres Artikels haben wir eine Reihe zuschriften von den von uns angegriffenen Leitern der Bant erhalten. In allen Zuschriften wurde nie der Zusammenbruch der Bank bestritten. Es wollte nur feiner Schuld haben. Der Aufsichtsrat wollte den Vorstand, dieser wieder den Aufsichtsrat verantwortlich machen. Auch Herr Schmalz will mit dem Zusammenbruch nichts zu tun haben. Er schicht uns ein Schreiben, in dem er feststellt: Es trifft nicht zu, daß ich Vorfizender des Aufsichtsrates bin. Ich habe diefes Amt gemeinsam mit den anderen Aufsichtsratsmitgliedern in der Generalversammlung der Bank am 20. März d. 3. niedergelegt. Es ist nicht wahr, daß die Nationale Gewerkschaft deutscher Eisenbahner nicht eingetragener Verein ist. Es ist nicht wahr, daß die genannte Gewerkschaft Blankofredite der Bant in Anspruch genommen hat, daß meine Tochter Blankokredite von der Bank erhalten hat, daß ich den Vorstand anftaften wollte, mir die Kopien der an meine Gewerkschaften gerichteten Briefe, die mir für die Gewerkschaft hätten unbequem werden können, aus den Aften der Bank fortzunehmen". Das Material zu unserem Artikel war einer Dentschrift von Mitgliedern an den Vorstand entnommen. In den Generalversammlungen hat es Herr Schmalz vermieden, auf eindeutig gestellte Fragen erschöpfende Auskunft zu geben. Im übrigen wird eine gerichtliche Untersuchung sicher einwandfrei beweisen, wer Schuld hat, daß hunderte kleiner Geschäftsleute um ihr Geld gebracht werden. Herr Schmalz hat den Vorstand angezeigt wegen Depotunterschlagung und Wechselbetrug. Diese Klage und die Untersuchung der Staatsanwaltschaft wird die notwendige Klarheit bringen. Auch der Kontursverwalter, der in den letzten Tagen eingesezt wurde, um die Liquidation der Bank durchzuführen, wird fich mit der undurchsichtigen Geschäftsführung der Bank beschäf= tigen müssen. Die ganze Stadtvertretung angeklagt. Die Kroatitsche Hauptstadt will ihre Abgeordneten nicht als Schießscheiben nach Belgrad schicken. Alle Agramer Blätter, die eine vom Agramer Gemeinderat anläßlich der Bluttat im Belgrader Parlament verfaßte EntschlieBung veröffentlichten, wurden beschlagnahmt und unter Anklage gestellt. Da alle 50 Gemeinderäte mit dem Bürgermeister an der Spize die Verantwortung für diese Entschließung übernahmen, hat Die Agramer Staatsanwaltshaft die Anflage auf den ganzen Agramer Gemeinderat ausgedehnt. Berantwortlich für die Redaktion: Artur Saternus, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud bruderei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu i Beilage. Komische 81 Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN S gewaltiges neues Revue- Stück Bieb dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Kauen Sie nur Kapitän Kautabak die Qualitätsmarke 15 Pl. Kapitän- Kopenhagener 20 Pt. Vfk. In den meisten Geschäften erhältlich. Treff der Parteigenossen und R.- B.Kameraden Charlottenburgs im Eden- Café, Kaiser FriedrichStraße 24:: Täglich Konzert Beleuchtungskörper Auch bis zu Monats18 Raten VERLANGEN SIE SONDER ANGEBOT Spezialehandl, ur für ich Cestätiguns and Referenzen, ärztl. empfohlen. invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Neukölln. Lahnstr. 74/754 Berlin, Leipziger Str. 122-123 Berliner Tik- Trio Raddatz& C! föeiloge Mittwoch, 18. Juli 1928 ZkvMnid SfinlanlgnCa Ja lofwarü Der schwarze Tag, Heute vor zehn Jahren begann der Schlußakt derWeltkriegstragödie. Fochs entscheidender Stoß, „Vor zehn Iahren", heißt die stereotyp wiederkehrend« lieber- schrift über der militärischen Ecke der„vaterländischen" Presse, unter deren Bolkenlettern man uns seit 1924 den ganzen frisch-sromm- fröhlichen Weltkrieg von Lüttich bis Compiegne, mit dem Schleier der Erinnerung drapiert, aufs neue zu servieren sucht. Von Lüttich bis Compiegne— olle Herrlichkeiten des großen «Stahlbades" pflegt man hier den Lesern mit zehnjähriger Distanz vorzusetzen. Nun stehen wir vor dem Schlußakt der großen Tra- gödie im Westen, dem„schwarzen Tag" des kaiserlichen Heeres, dem ersten Gegenstoß des Generals Foch am 18. Juli und dem Nachstoß am 8. August.-- Wetten wir, daß die„nationale" Heldenlegende ein paar Wochen die Sprache verliert? Grundgedanke der August-Offensive. Mit stoischer Ruh« hat der Oberbefehlshaber der„Alliierten", Marschall Fach, den deutschen„Büffel-Angriff" aus der„Hinden- burg-Linie" feit März 1918 über sich ergehen lassen. Er läßt Luden- dorff trommeln, stürmen und die letzten Reserven verbrauchen— je tiefer der deutsche Stier sich in seine drei„Angrissssäcke" bei Chateau Thierry, Amiens und Hazebrock versängt— desto lieber ist es ihm! Er spart seine Infanterie, seine Tanks und seine Reserven, sammelt sie um Amiens und um Compiegne und in dem Augenblick, in dem Ludendorff der Atem auszugchen scheint, schlägt er los. Die aus der ,�)indenburg-Linie" vorgetriebenen Angriffs-, Luft- blasen", werden dem deutschen Westheer zum Verderben. Am 18. Juli setzt die große Operation ein. Aus der Gegend von Compiegne, den Wäldern von Dillers- Cotteret», bricht der erste Angriff los, stößt den Deutschen zwischen Marne und Aisne in die Flanke und wirft sie in einem Satz auf die Hindenburg-Linie zurück. Ludendorfs begreift noch nicht. Er hält den„Tank-Sieg" von Compiegne für einen vorübergehenden Chock. Da kommt der zweite Degenstoß des General Foch aus der Gegend von Amiens am 8. August und schlitzt die zweite„Seifen- blase" der Angriffsstellungen der Hindenburglinie aus. Am 8. August! Da beginnt Ludendorff zu begreisen, daß er den Krieg verloren hat— und er schreibt in fein Notizbuch die Worte vom „schwarzen Tag"!: Der schwarze Tag des deutschen Heeres brach an, der schlimmste des ganzen Krieges, außer dem 15. September, der den bulgarischen Abfall sah und„die Schicksale des Vierbundes besiegelte". Wie kam es Tun»»Schwarzen Tag"? Den Hauptgrund der deutschen militärischen Niederlage im Westen sieht die moderne Weltkrieggeschichtschreibung in der Tatsache, daß die deutsche Heeresleitung die„große Offensive" im März 1918 ohne berechtigte Aussicht auf Erfolg unternommen und dem deutschen Volk aufgezwungen hat.• Warum? Im englisch-französischen Hauptquartier verfolgte man damals mit brennendem Interesse die Vorbereitungen der deutschen Heeres- leitung zur letzten großen Schlacht. Dabei bildeten sich zwei Par- teien: Die„Zivilisten", d. h. die Reserveoffiziere und die Berufs- Militärs. Jean de Pierrefeu schreibt darüber in seinem Buch„Plu- tarque a menti": „Es entsprach dem Interesse Deutschlands dermaßen, sich in diesem Augenblick versöhnlich zu zeigen, daß viele von uns. die ans Zivilberuien kamen, überzeugt waren, daß Deutschland einer sried- lichcn Lösung zuneigen würde.„Irrtum! Sie werden angreisen!" riefen unsere aktiven Kameraden.„Wenn ein Feldherr ein« Armee von solcher Macht in seiner Hand hält, muß er angreisen! Das Gegenteil ist noch nie dagewesen!" Pierrefeu hat recht behalten! Es wurde angegriffen gegen jeden Sinn und Der- stand! Das„Große Hauptquartier" begibt sich in die Schlacht. Ludendorff schreibt in seinen Kriegserinnerungen über die Er- Lffnung der Operationen: „Ansang März verließ das Große Hauptquartier Kreuznach— In Spaa war dos neue Quartier inzwischen eingerichtet. Wir sind dort sehr gut untergekommen. Im Hotel Britannique, in dem ich schon 1914 einquartiert war.--* Für die verstärkte Operationsabteilung hatte ich Avesnes in Aussicht genommen. Unsere Geschäftszimmer waren dort nicht gut, olles sehr eng.-- Unser Kasino war zunächst recht unfreundlich, später fanden wir zusagende Räume. Wir verpflegten die Besitzer und richteten die Räume mit Möbeln aus Spaa ein. Der Aufenthalt dort und die Mahlzeiten bildeten eine Entspannung, die wir all« nötig hatten. Seine Majestät wohnte in seinem Hofzugc, der auf einem be- Nachbarten Bahnhof abgestellt wurde." Die»Sacke" der krönt. Der Grund, warum die deutsch« Front so rasch zusammenbrach, wird von der modernen Militärwissenschaft vor ollem darin erblickt, daß die deutsche Heeresleitung in unbegreiflicher Verblendung die Ausbuchtungen der Front noch Westen, die„Angriffsfäcke", ganz ein- fach stehen ließ, ohne die Frontlinie irgendwie zu planieren. Luden- dorffs„Säcke" sind dem deutschen Westheer so zum Verderben ge- worden! »Wir stoßen ins kederbett!" Pierrefeu beschreibt seine Eindrücke darüber im„Grand Quartier": Ich erinnere mich, daß mich damals ein Offizier des dritten Bureaus des Großen Hauptquartiers, der trotz seiner Berussvor- urteile mit großem Verstand begabt war, den Wert des Gegenstoßes mit Händen greifen ließ.„Wir werden aus der Gebrechlichkeit dieser aus der festen Derschanzung des Feindes hervorgequollenen Säcke Nutzen ziehen." Und ein anderer Offizier sagt« zu mir fol- gendes malerische Wort:„Wir stoßen jetzt ins Federbett und werden bald bei der Matratze angelangt fein." Die Matratz« war dl« Kindenburglinie, die der schwarze Punkt blieb. Ludendorff wird„groggy" geboxt. „Durch diesen furchtbaren, unerwarteten Schlag wird Luden- dorff erfchüttert, demoralisiert,„groggy", wie die Boxer sagen." Auch General Buat, der„Stabschef" Fochs führt die deutsche Niederlage aus die vorzeitige Verausgabung der deutschen Reserven sowie auf die oben erwähnten vorspringenden„Angriffs- säcke" zurück:„Daß Ludendorsf die Kriegsmethode der sparfamen Reseroenverwendung nicht anzuwenden wußte, das läßt sich noch begreifen: daß er uns aber zugemutet hat, unfähig zu fein, sie unsererseits anzuwenden, das ist weniger erklärlich. Und dies um so weniger, da die deutsch« Flut innerhalb unserer Linien in der gefährlichen Form ungeheurer Vorsprünge erstarrt war, die den Angriff ebenso sicher aus sich zuziehen, wie der Blitzableiter den Blitzschlag." »letzt hatten wir ihn an» Kragen!" Buat schreibt weiter über den Kardinalfehler der„Obersten Heeresleitung", die deutsche Front noch dem„schwarzen Tag" vom 18. Juli nicht schleunigst auf die Linie Antwerpen— Brüssel— Maas Anttftrjien zurückgezogen zu haben:„Ludendorff war viel zu hochmütig, um die einzig angepaßte Lösung anzunehmen, nämlich den sofortigen Rückzug quf die kürzeste ihm zur Verfügung stehende Linie, die mit dem Minimum von Kräften am leichtesten zu verteidigen war. In seinem hochmütigen Starrsinn wollte er diesen Entschluß nicht fassen. Das war fein Verderben. Durch unsere Angriffe auf seiner ganzen Front gepackt, sah er allmählich seine Reserven wie Schnee in der Sonne zusamenschmelzen. Jetzt hatten wir ihn wirtlich am Kragen." Ludendorff beschimpft die Front. lieber Ludendorffs Schimpfkanonade gegen die eigene Trupp«. die angeblich versagt habe, schreibt der Franzose Jean de Pierrefeu: „Unter anderem ist es peinlich, in seinen Memoiren gewisse ge- hässige Anspielungen auf versagende Mannschaften zu lesen. Die besten Truppen sind nicht unfehlbar, wenn dt« Schläge des Feindes allzu heftig werden. Ludendorsf gedenkt der Haltung, der Parade und der inneren Disziplin und mit Bedauern der Truppen aus dem Anfang des Feldzuges. Ich glaube nicht, daß unsere Generale während des Krieges auch nur in Gedanken eine solche Ungerechtig- keit begangen haben." Fazit. Leider hat man mit dem„genialen Hasardeur", dessen politische und persönliche Unzugänglichkeit erst die Republik aufzudecken in der Lage war, auch ein großes und arbeitsames Volk„am Kragen gefaßt". Vielleicht hat es das Schicksal mit Vorbedacht so gewollt, damit das ganze, mit Ludendorff, Tirpitz und Wilhelm dem Zwoten ver- koppelte System des„Nationalswlzes" und der zwischenstaatlichen Anarchie auch den letzten Grad des politisch-strategischen Irrsinns an einem Musterbeispiel zu erklimmen vermag. Das ist der einzige Trost der deutschen Arbeiterschaft an diesem „schwarzen Tag". llennonn Schützinger. 6 Personen--- 86 Flaschen Wein und Sekt. Wir wissen: von 1299 M. lebt ein Arbeiter ein ganzes Jahr. .lebt", d. h. er darf rund 399 Tage täglich 8 Stunden und mehr dafür arbeiten, so hart, daß er schwerlich den Begriff„leben" kennen. lernen wird. Er kaust sich knapp dos Nötigste dafür, dann ist es alle... Dann gibt es„notleidende Unternehmer", die es als arge sozialistische Phantasterei bezeichnen, wenn man ihnen sagt, daß sie schlemmen: es geht ihnen hundsmsserabel schlecht, sie wünschten, sie hätten das geruhige und sorglose Leben so eines fleißigen Ar- beiters. Und wenn dann mal so einer hingeht und an einem ein- zigen Abend für 1299 M. Sekt säuft, dann sagt die„Börsenzeitung" — die dos weiß—, ja, man muß vorsichtig in der Auswahl von Weinlokalen fein! Wirtlich, daß man 86 Flaschen Wein saufen könnt«, daß ist doch wohl nicht möglich, d a muß doch jemand be- trogen haben! Das Reichsgericht, bei dem man dann zuletzt mit dem— Wirt klagt, bringt es an den Tag: „Am 13. September 1927 vormittags besuchte der Bauunter- nehmer K. das Weinlokal„Rlldesheimer" in Frankfurt o. M. K. hatte ein Geschäft abgeschlossen und gegen 4999 M. bei sich. Aus dem zunächst nur beabsichtigten Frühstück wurde ein großes Wein- und Sektgeloge, an dem sich die Kellnerin, das Gastwirtsehepaar R. und zwei Verwandte beteiligten. Gegen 22 Uhr hatte der voll- kommen betrunkene Gast 1299 M. für 64 Flaschen Sekt und 22 Flaschen Wein bezahlt. In Wirklichkeit waren bei dem Gelage höchstens 39 Flaschen Wein und Sekt verbraucht worden. Als der Gast am nächsten Tage wieder nüchtern geworden war, reklamierte er ohne Erfolg die Höhe der Rechnung und stellte dar- oushin gegen oll« Beteiligten Strvfanttag wegen Betruges. Das Landgericht Frankfurt a. M. verurteilte am 15. Februar 1928 die Eheleute R. wegen Betrugs zu j« 699 M. Geldstrafe und wegen Vergehens gegen die Mäßigkeitsordnung(Animierverordnung) zu weiteren je 199 M. Geldstrafe, die Verwandten des Wirts wegen Beihilfe zu den genannten Vergehen zu je 59 M. Geldstrafe und die Kellnerin zu 199 M. Geldstrafe. Di« gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision sämtlicher Angeklagten ist ohne Erfolg geblieben und vom 1. Straf- senat des Reichsgerichts mit folgender Begründung verworfen worden: Es mag zugegeben werden, daß die tatsächlichen Fest- stellungen des Urteils der ersten Instanz nicht allzu erschöpfxyd sind, aber soviel geht daraus hervor, daß der Begriff des Betruges in keiner Hinsicht verkannt wurde. Die Täuschung, die hier vorge- nommen ist, liegt nach Annahme des Landgerichts darin, daß der Gast sich in der sortgesetzten Annahme befand, serienweise durch Hingabe von Hundertmarkscheinen den ent- sprechenden Gegenwert in Wein und Sekt zu erhalten, was tatsäch- lich nicht der Fall war. Diese irrige Annahme war ursächlich für die Hingabe des Geldes und damit auch für die Vermögens- schädigung. Das Landgericht folgerte zu Recht, daß 86 Flaschen Wein und Sekt von einer mäßig großen Gesellschaft in etwa zwölf Stunden nicht getrunken werden können." Wer unternimmt den unbedingt notwendigen Rekord, zu zeigen, daß solches sehr wohl möglich ist, straft das Reichsgericht Lügen und zeigt ihm, daß es hierfür doch nicht genügend fachver- ständig ist...? A. B. Im Zeichen der Völkerverständigung Deutsch-französische Demonstration auf der Seine. Aus Paris wird uns von einem Teilnehmer der«Reise des Reichsbildungsausschusses der Sozialdemokratischen Partei ge- schrieben: Dämmerung senkt sich langsam auf die französische Hauptstadt. Di« Türme der Notre Dame, die Anhöhe des Montmartre und die himmelhoch stehenden Eisenpfeiler des Eiselturmes verschwimmen in Dunst und Nebel. Träge strömen die Wasser der Seine. Nur an den gewaltigen Brückenbogen rauscht und braust der Fluß wild auf Zwei überfüllte Dampfer fahren langsam hinaus in die abend- liche Landschaft. Rote und schwarzrotgolden« Fahnen und Ab- zeichen schmücken das Verdeck, und revolutionäre Lieder in deutscher und französischer Sprache schallen weit hinaus in den stillen Abend. Die Passagiere sind deutsche und französische Sozial- demokraten, deutsche Arbeiter, die auf Einladung des Reichs- bildungsausschusses der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nach Belgien und Frankreich fuhren und französische Sozialisten, die es sich nicht nehmen lassen wollten, die deutschen Brüder zu begrüßen. Dunkler und dunkler wird die Landschaft. Nur die Umrisse der Anhöhen sind noch zu erkennen, die Ufer versinken ins Endlose. Da flammen Lichter auf. Ein Strahlenkranz elekttischer Glühbirnen wölbt sich über der Brücke von Suresnes: der Gruß der französischen Sozialisten an die deutschen Besucher. Begeisterte Rufe und die Klänge der International« empfangen die Ankommenden. Di« sozialistische Ortsgruppe von Suresnes marschiert geschlossen auf, und unter ihrer Führung wandern die Teilnehmer in den großen Saal des Hotels am Landungssteg. Un< vergeßliche Augenblicke! Der Himmel erstrahtt im Licht der bunten Glühbirnen, und vom Rathaus weht die deutsche republikanisch« Flagg«: Schwarzrotgold! Eine einzige Welle der Begeisterung strömt durch die Menschen. Immer wieder ertönen Hochrufe auf Deutschland, Hochrufe auf den Frieden zwischen den beiden Nachbarvölkern; immer wieder brausen die Klänge der Internationale durch den Saal. Und dann sprechen die Redner, von Beifallskundgebungen unterbrochen, von Stürmen der Begeisterung getragen. Der Bürger- meiste? von Suresnes, der der Sozialdemokratie angehört, begrüßt die deutschen Freunde und dankt ihnen, daß sie nach Frankreich ge- kommen sind. Er zeigt die Ziele der französischen Sozialisten, die sich mit unseren decken und fordert zu weiterer Zusammenarbeit auf. Es folgen Führer der französischen sozialistischen Partei, Par- lamentarier, wie Grumbach und Bracke, die in leidenschaftlichen, mitteißenden Worten sich an das Gewissen der Well wenden und die Massen auffordern, mit ihnen gegen Reaktion und Kapitalismus zu kämpfen. Inzwischen haben sich draußen die Helfershelfer der Reaktion, die Kommunisten versammelt und versuchen, die Versammlung zu stören. Steine fliegen herein. Die große Fensterscheibe des Restaurants klirrt, und ihre Scherben und Splitter bedecken den Fußboden. Glücklicherweise ist niemand verletzt worden. Polizei nimmt die Haupträdelsführer fest, die nach der Ausführung ihrer Heldentat zu flüchten versuchen. Die französischen Sozialisten und ihre Gäste bewahren chre Ruhe und Besonnenheit, und so kann die Kundgebung ohne weiteren Zwischenfall zu Ende geführt werden. Belgien entsendet Grüße: L 4 o n Blum, der selbst nicht anwesend sein tonnte, gibt seiner Freude über den Besuch der deutschen Sozialisten schriftlichen Ausdruck. Dantesworte von Willy M ö b u s, der im Namen der deutschen Gäste seiner tiefen Ergriffen- heit über den überwältigenden Empfang Ausdruck verleiht, be- schließen den herrlichen Abend. Die Sirene der Schisse mahnen zur Rückfahrt. MUternacht ist nahe. Draußen ertönen Hochrufe, Rufe der Freude und Zustimmung. Es sind ungezählte Einwohner der Pariser Vorstädte, die auf die Kunde vpn dem kommunistischen Bubenstreich herbeigeeill sind, um wieder gut zu machen, was blinder Fanattsmus und Verhetzung verschuldete. Es lebe der Friede! Nieder mit dem Krieg!„Es lebe die deutsche Sozialdemokratie!" — so tönt es immer wieder. Und als die Teilnehmer das Lokal verlassen, da strecken sich ihnen ungezählte Hände entgegen. Rote Nelken werden geworfen, rote Kokarden getauscht, äußere Zeichen der tiefen Bewegung, die durch die Herzen wogt. Ein Fest der Verbrüderung, ein Markstein aus dem Weg zum Weltfrieden. E. M. 4. Fortsetzung. Es ging, gerade herausgesagt, der Familie Fernleitner elend. Da» Wissensbedürfnis der Ilmwelt nahm beständig ab und nur dos der Schulgenosfinnen Hildes nahm stäirdig zu. Hilde hatte noch der Schule rasend viel zu tun, um den Mädeln, die es sich möglichst leicht machen wollten, den Lehrstoff einzutrichtern. Frau Fern- leitner hatte darauf gesehen, daß ihre Tochter in«ine Schule gehe, die hauptsächlich von Töchtern„besserer Familien" besucht war. Sie hielt auf Beziehungen und war überzeugt, daß der gute Umgangston sich erst l>ei einer gewissen Stufe elterlicher Ein- kommensteucr einstelle. Di«„besseren" Familien gingen jetzt freilich in einer Flut von Familicntöchtern unter, die nur hinsichtlich der Steuerleistung dem Fernleitnerschen Ideal entsprachen. Di« Model wollten nicht lernen und brauchten Zeit, um im rasenden Tonz de» frischen Reichtums mitzukommen. Die kleine Fernleitner war bald in Schieberkreisen so populär geworden wie die berühmtesten Direktoren von Zentralen oder andere hilfreiche Organe der Oesfent- lichteit, auf die man vertrauen konnte, um durch sie allen An- sprächen, die der neue Stand erforderte, zu genügen. Wie jene Männer den Vätern im Beruf, wie junge Professoren der Kunst- oder Literaturgeschichte den Müttern in der dringendsten Wissen- schaft von klassischen Malern und großen Dichtern, so stand die Neil« Fernleitner auch den Töchtern bei und sie bugsierte sie so weit, daß sie«ine Schule absolvieren und dabei doch an Tee» und Gesellschaften teilnehmen konnten. Aber das ging, solang es ging. Wie sehr auch der aufsteigend« pädagogische Ruhm der Hilde Fernleitner den erbleichenden der Frau Fernleitner überstrahlt«, die mageren Honorare, die die Schülerin verlangen durfte, hielten dein Wirbel der Preise nicht stand. Wunder der Rot! Man fror im Dunkeln, man aß in der Gemeinschaftsküche und hatte daheim nicht Mehl und Fleisch und Zucker, und dieses Nichts an Lebensführung kostete täglich mehr, verschlang die bitter erworbenen Einkünfte des kleinen Mädels und da» Mietgeld, das Fräulein Rose jetzt mit der Ehrlichkeit eines anständigen Kaufmannes entsprechend ihren Gehaltszulagen erhöht«, und auch das, was Frau Fernleitner nun mit Petit-Point-Stickereien oerdiente, von denen eine nach England zu verkaufen ihr sogar gelang. Was in dieser Not, die wie ein Gerücht von Hau» zu Haus sprang, die Menschen an traurigen, konfusen, extravaganten, komischen und manchmal auch mutigen Auswegen erfanden, machte Vi>ii -ir'tV nun die Rund« und wurde bedauernd, bewundernd und oft auch nur flüsternd besprochen. Der fesche Husarenoberleutnant, der mit einem Kameraden einen florierenden Seifenhandel gründet«, die Dtplomatengattin a. D., die eine Spielhölle mit damenhafter Würde leitete, der Jüngling, der immer zwischen Wien und Prag hin und her fuhr und sich dabei ein Dollarvermögen anlegte— und Frauen- und Mädelgeschichten! Hildens Schulkameradinnen, die alle älter als sie waren, berichteten das kichernd, und wenn Hilde sich von ihnen abwandt«, riefen sie ihr nach:„Du bist rückständig!" Einmal erhielt sie am Abend Besuch. Es war der italienische Offizier, den sie von Grubers her kannte. Er erschien in voller Uniform, stellte sich höflich Frau Fernleitner und Fräulein Rose, die im matt erleuchteten Speisezimmer saßen, vor und bat um die Erlaubnis, daß Fräulein Hilde am nächsten Sonntag an einer Autotour teilnehme. Frau Fernleitner fragte:„Ja, wie kommen Sie dazu, mein« Tochter einzuladen?" „Ich'atte bereits die Ehr«...", entgegnete der Graf, und wie immer, wenn er erregt war, verlor er sein« deutschen Sprach- kenntnisse, und suchte sie durch beredtes Augenspiel zu ersetzen. „Nein, meine Tochter fährt nicht mit!" sagt« Frau Fern- leitner kurz. „Eine jugendliche Gesellschaft... die lieben Signorina Gruber.. „Nein, nein. Herr Graf, ich danke, aber mein« Tochter fährt nicht mit!" wiederholt« Frau Fernleitner. „Signora, ich'atte nicht gedacht, daß eine Wienerin. wie sagt man hier... so... rückständig ist." „Mag sein." „Ich hatte wahrhaftig nicht die... Intention. leidigen, ganz im Gegenteil... meine Admiration Pienna... diese einzig« Stadt.. „Das habe ich nicht bezweifelt, Herr Graf. Aber meine Tochter bleibt am nächsten Sonntag bei mir." „In Wahrheit," fuhr der Italiener fort,„hotte ich noch«in Ziel, als ich mir gestattete, die gnädig« Dam« aufzusuchen. Fräulein Lutz hatte mir mitgeteilt, daß gnädig« Frau so herrlich« Spitzen verfertige. Meine Mutter ist Kollekteus«... sie jammclt Spitzen. so... zu b«. .. für &az von Jhzzl tBvrcfjdsiLbzr venezianische, irische, besonders gern Irisch-Häkeleien. Ich möchte ihr ein Geschenk..." Frau Fernleitner zögerte. Sie zögert« lange. Und dann nahm sie ein« seit einiger Zeit vollendete und bisher unverkäufliche Arbeit aus dem Kasten und legt« sie dem Fremden vor. Er handelte nicht und zahlte den oerlangten hohen Preis. Als er mit unzähligen Komplimenten, Entschuldigungen und Abschieds- warten weggegangen war, schwiegen alle drei im Zimmer. Hilde hatte zuerst die gute Laune wieder, die sie auch in diesen trüben Tagen nicht verließ, und sprang auf, um den Italiener zu kopieren...„Signora... Makkaroni... Kampanile..." sprudelte sie und warf den Oberkörper hin und her und rollte die Augen. Aber die Mutter und Fräulein Rose lachten diesmal nur, weil sie auf die Scherze des Kindes immer eingingen. Fräulein Rose benützte«inen Augenblick, in dem Hilde nicht zuhört«, und sagt« halblaut zur Mutter: .„Und Sie haben doch recht gehabt!" Dann wurde über diesen Besuch nie mehr im Haus« Fernleitner gesprochen. Da» war so eines der Abenteuer, die die Not jetzt hundertfältig selbst dort entstehen ließ, wo man sich gegen Abenteuer zuvor gefeit glaubte. Auf einmal, ja einmal stand die Not ganz nackt und unver- schämt in den Stuben der kleinen Familie Fernleitner. Frau Fernleitner hatte Fräulein Rose gebeten, die Miel« statt am Ersten schon jetzt zu zahlen, und wenn auch dieser schüchtern vorgebrachten Bitte bereitwillig Folge geleistet wurde, so war dies für die gut« Frau der Zusammensturz aller ihrer Prinzipien. Und das galt ihr mehr als alles, was sie heimlich und offen in diesen bösen Iahren gelitten hatte. ,',Mon hält sein Budget ein," hatte sie bisher immer erklärt, und weiter:„Wenn man sieht, daß man nicht auskommt, so schränkt man sich eben ein." Das waren Grundsätze, gesund« Grund- sötze, aber Grundsätze nur für gesunde Zeiten. Jetzt war das mit dem Einschränken eine schwierige Kunst geworden, und daß auch die Prinzipien der Frau Fernleitner von ihr selbst umgestürzt werden mußten, war für sie ein bedeutenderes Ereignis als olles andere, was die Weltgeschichte jetzt so behend an Umsturz gebracht hatte. Und wirklich vollzog sich nun alles so, wie es Frau Fern- leitner früher auszumalen pflegt«. Sie war nun selbst„auf der schiefen Eben«". Ein köstliches, zartes Tischtuch, das sie verfertigt hatte, wollte mit unangebrachter Anhänglichkeit wieder einmal nickst von seiner Erzeugerin fort und verblieb ihr unverkäuflich in den Händen, und gerade die beste Schülerin Hildens, das heißt, die am besten zahlende, denn sonst war sie die faulst« und dümmste, gestand endgültig, daß die Schule sie gor nicht interessiere, und daß sie mit ihrer Zeit was Besseres anzufangen wisse. Sie sollte nunmehr«ine Kochschule und einen Modistenkursus mit ihrer Gegenwort be- glücken...„Ich soll sparen lernen und mir die Hüte selbst an- fertigen, sagt der Papa," so erklärte das Fräul«m höhnisch. Aber die einzige Existenzberechtigung, die diese unnötige Zeitgenossin gehabt hatte, die nämlich, daß sie dem Fernleitnerschen Hausbudget nachhalf, war nun auch dahin. Und eines Tages war man eben„so weit". „Behüte Gott, daß wir je so weit kommen," sagte Frau Fern- leitner früher immer angstvoll, und diese»„So weit" war das Un- sagbare, dos sie selbst niöist genauer ins Auge zu fassen wagte, dos aber wie ein unabsehbares Land voller Grauen und Schrecken sich hinter der drängenden Sorge das Tages, hinter der bitteren Not, hinter der Schande«rstreckte, die jene offenbaren mußten. Ja, jetzt war die Familie Fernleitner„so weit". Fräulein Rose konnte man nicht noch einmal um ein«n Vorschuß angehen, die letzten H«ller waren zusammengekratzt und ausgegeben, die letzten ausständigen Honorare eingeholt worden, die werwolle hauchzarte Stickerei hotte «in Stadtgeschäst um ein Spottgeld schließlich doch noch angenom- men... nun gab es... das Leihhaus.(Und da kann man gesehen werden!)... Der Hunger...(Aber wie lang«, und Hilde sah schon so schlecht aus!)... das Nichts. Man war„so weit". (Fortsetzung folgt.) 66 Rätsel-Ecke des„Abend »««MIMiNMMNMUNsMNMMINMIIIIMMIIIIsNMIMMMMNlIIsIllttfliNjsIMsll'IWIMMMMMNllNIIIIIIllllMI'sNIIIMMMMNM'N'MIIIIIMNMNlMMMftMNMMNMt» Kreuzworträtsel. Senkrecht: t. Französ. Hafen: 2. Stadt in Süddeutsch- land: A. Gewürz; 4. Wäldchen: 6. Morgenland: 7. Ins et im Mittel- meir: g. Inselgruppe im Atlantic: 10. Stadt in Aegypten: 12. Ge» web«: 15. soviel wie gegen: 17. Nebenfluß der Donau: 18. Besitzung. — Wagerecht: 5. Stadt in Schl«swig-Holstein: 7. Flüßchen in Thüringen: 8. Stadt in Livland: 10. Note: 11. Shokespearcsch« Dramengestall: 12. Schlange: 13. Brennstoff 14. europäischer Staat; 15. T«il«in«» Bühnenstücke»: 16. weibl. Bbrnam«: 18. Wacholder- schnaps: IS. Gestalt d. griech. Sog«. (Zrgänzungsrätsel. Buchen Schweine Dünen »od« Wochen Justiz Lust Platz Reu Loch Baum Grube Sperre Punkt Haus Fleck Haie Sichel An Stelle der Striche ist«in einsilbig«, Hauptwort zu setzen, da, sowohl mit d«m vorangehenden als auch mit dem nach- folgenden ein neues Wort bildet. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter, von oben nach unten gelesen, nennen eine bedeutende europäische Handel»stadt. Visitenkartenrätsel. aAN8 RUEDELSEN DR. LVQ. Eine ander« Buchstabenordnung ergibt den n«ug«wählten Beruf he» Herr». Bilderrätsel. Auflösung der Ausgaben nächst«« Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Zohl«nrätsel: Nationalfeiertag: Antenne: Teller: In- terna: Olga: Natter: Anton; Lotterie; Freitag; Elle: Ilion; Essel: Remitier: Taler; Altona: Gatter. Charad«: Runkel— Runzel. Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Bebel: 2. Auer; 3 Opium; 4. Matt; 7. Leguon: g. Aargau: ll. Eid: 14. Leo: 15� Asien: 16. Braun; 18. Rebe; 20. Glos.— Wagerecht: 5. Europa: 6 Elbe: 8, Titan; 10. Beere; 12, Utah; 13. Ilm; 15. Ade; 17. Mars: 19. Lgram; 21. Gneis: 22. Laub; 23. Bernau. W« t t ta m p f beim K r« u z w or tr ä ts«l r a t en: Wenn Ursel ebenso lange gebraucht hätte wie Irmgard und Paula zu- stmrmen, so würde Ursel allein 25 Minuten gebraucht haben und Irinaard und Paula zusammen auch 25 Minuten. Da Ursel ober 8 Minuten weniger brauchte, wollen wir erst von 50 Minuten 8 Minuten abstehen, gibt 42 Minuten, dies« durch 2 teilen, gibt 21 Minuten für Ursel und, wenn man die 8 wieder zulegt. 214-85=29 Minuten für Irmgard und Paula zusammen. Man hätte dasselbe Ergebnis auch dadurch finden können, daß man etwas über und etwas unter 25 zwei Zahlen suchte, die um 8 voneinander entf«rm sind und zusammen 50 ergab««.— Nach einem dieser beiden Verfahren ermittelt man weiter, daß von den 29 Minuten 17 aus Irmgard und 12 auf Paula kommen. Umstellung: Neger Eger R«g«n. Die fehle ndeer st«Silbe: Si; Simili; Sinai; Sirups- saß: Sinalco: Sisyphos: Sirokto: Sirene: Sigismund: Sichelschnttt: Sibylle; Sicherheit; Simeon. Kapselrätsel:„Nach dein«» Erfolgen wirst hq beurteilt." Der 21. Oktober. Erinnerungs- und Werbetag. Am 21. Dtober begeht die Sozialdemokratische Bartei feierlich| Nachspiel zur Stehermeisterschaft Krewer, Junggeburth, Didier in Strafe genommen Kölner Dauerfahrer Baul Krewer und dessen Schrittmacher Der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer hat den Christian Junggeburth mit je 500 m. in Strafe genommen, weil sie anläßlich der deutschen Stehermeisterschaft in Röln nicht ben Tag der 50. Wiederkehr des Schandgesezes gegen die gemetagefährlichen Umtriebe der Sozialdemokratie". Nicht die Partei allein hat Anlaß, des Tages festlich zu gedenken. Der Parteivor stand hat sich deshalb in seinem Aufruf besonders auch an die Kulturorganisationen der Arbeiterschaft, und zwar in erster Linie an die Arbeiter sportler und Arbeiterjänger gewandt. Sie sollen gemeinsam mit den Gewerkschaften, der Partei und den Genossenschaften den 21. Oftober als Markstein in der Entwicklung der Arbeiterbewegung feiern. Als das Sozialistengesetz erlassen wurde, gab es noch teine feft gefügten Arbeitersportorganisationen, gegen die sich Bismard wenden fonnte. Immerhin verhinderte das Gesez jahrelang den Zusammenschluß der freiheitlichen Turner und erst als es fiel, Ponnten es die Arbeiterturner und sänger offen magen, sich als freie Turner und Sänger in die Kampffront der allgemeinen Arbeiterbewegung einzureihen und den Grundstod zu ihren heute so machtvollen Verbänden zu legen. Aus diesem Grunde haben auh die Arbeitersportler allen Anlaß, die 50jährige Wiederkehr des 21. Oftober feierlih zu begehen und durch Veranstaltungen in jedem Berein und jedem Drt neue Kämpfer zu werben. Der 21. Oktober soll auch ein Werbetag für die Kulturorganisationen der Arbeiterschaft und vor allem für die Arbeitersportbewegung sein. Die bürgerliche Olympiade. Viel Rummel, aber wenig Anteilnahme! Amsterdam, 17. Juli.( Eigenbericht.) Amsterdam rüstet zum zweiten Teil der großen bürgerlichen Olympiade, der mit dem 28. d. M. beginnen soll. Nachdem die Erwartungen hinsichtlich des Fremdenbesuches bei dem ersten Teil der Olympiade etwas enttäuscht haben, ist man in seinen Hoffnungen vorsichtiger geworden. Immerhin liegt der zweite in die Ferien entfallende Teil günstiger, und wenn die trođene, warme Sommerwitterung anhält, wird die Kaufmannsstadt an der Amstel mit großem Fremdenzustrom rechnen fönnen. Die alte Stadt bittet alles auf, um einen möglichst günstigen Eindrud auf die Fremden zu machen. Herrliche Beleuchtungseffefte werden vorbereitet. Im neuen Stadion ist nach Beendigung der Fußballwett tämpfe, bei denen sich die deutschen bürgerlichen Fußballer eine empfindliche moralische Niederlage zugezogen hatten, fieberhaft gearbeitet worden. Das Nieder ländische Olympische Komitee fann finanziell zufrieden sein. Außer etma 100 000 Gulden Luftbarkeitssteuer, die es bisher aus Eintrittstarten der Stadt zuführen tonnte, beläuft sich die Einnahme schon jetzt auf gut 700 000 Gulden. Trazdem fann man bei der ganzen Veranstaltung nicht eigentlich von ideellen Gesichtspuntten und einem Miterleben der Boltsmassen sprechen. Der geschäftliche Gefichtspunkt steht weitaus im Vordergrunde. Er macht sich in der Preissteigerung vieler Lebens mittel bemertbar, wodurch der Handel aus dem Ereignis Bor. teil ziehen will. Er hat olympische Krawatten mit den die fünf Weltteile darstellenden fünf Ringen und anderen Kitsch zu einer Konjunktur gemacht, und er beherrscht besonders alles, was Dermietet. Gemiz ermedten wohl die Fußballfämpfe Anteil, aber auch ohne Olympiade ist der Niederländer ein leidenschaftlicher Freund des Fußballspieles und das Stadion an schönen Sonumertagen ausverkauft. Die gleichzeitige olympische Kunstausstellung ist allerdings einzig in ihrer Art, da sie die erste umfassende Schau ftellung alles deffen ist, was auf dem Gebiete malerischer oder bild Sauerische Wiedergabe des Sports bisher geboten wurde. Die Beranstaltung dieser Ausstellung ist ein Gedante, den man der Stadt Rembrandts würdig nennen tann. Auch Deutschland ist hier gut, faft zu reichlich vertreten, und man ficht zum ersten Male staunend, wie weitgehenden Einfluß der moderne Sport auch auf das künstlerische Denfen ausübt. Daß jedoch, von dieser Ausstellung abgesehen, ein wirklich nachhaltiger und bleibender Einfluß von diefer Olympiade ausgehen wird, ist kaum anzunehmen. Dazu steht, wie der erste Teil der Olympiade deutlich zeigte, bei den zum Wet ftreit hier zusammenströmenden Nationen viel zu fehr bernatio: malistische Gedanke im Vordergrund. Man fann Ihließlich hoh zufrieden sein, wenn wenigstens der zweite Teil ohne die Zwischenfälle mie Anfang Juni d. I. verläuft. Möller, der neue Stehermeister 100 km in 1:35:01. Nur 10 m dahinter Sawall. ihre eigenen Gewinnaussichten verteidigt haben, sondern durch ihre Fahrweise versuchten, einem anderen Teilnehmer uner laubte Borteile zu verschaffen. Als erschwerend murde betrachtet, daß diese Berfehlung trog vorheriger Belehrung und Berwarnung vor dem Rennen begangen wurde. Möllers Schrittmacher Leon Didier ist wegen Berstoßes gegen die Bettfahrbestimmungen ebenfalls in eine Geldstrafe von 500 m. genommen worden. Dem franzöfifchen Schrittmacher murde außerdem mitgeteilt, daß bei einem nochmaligen Berstoß gegen die deutschen Wettfahrbestimmungen seine Berweisung von allen deutschen Radrennbahnen erfolgt. Die Winter- Radrennsaison. 6 Sechstagerennen. Berlin ohne 145 Stundenfahrt? Auf der Sommertagung des Bereins Deutscher Kadrembahnen in Köln wurden u. a. auch die Termine für die Wintersaison 1928/29 feftgelegt. Aus dem Terminkalender geht hervor, daß wir in der Wintersaison fechs Sechstagerennen haben werden. Stötn eröffnet den Reigen. Es veranstaltet seine 144- Stundenfahrt vom 2. bis 8 Novembet. Dann folgt Frankfurt a. M. vom 30. Novembe: bis 6. Dezember, 2eip. zig vom 10. bis 16. Januar, Stuttgart vom 31. Januar bis 6. Februar, Breslau vom 28. Februar bis 5. März, endlich Dortmund vom 15. bis 21. März. Die eigentliche Wintersaison mird für Deutschland die Stuttgarter Bahn am 29. September eröffnen. Der Sportpalast ist aus dem BDR. ausge. fchieben.. Db Berlin überhaupt eine Winterradrennsaison haben mird, ist fraglich. Termine sind nicht festgelegt, doch hat Direttor Sönigsberger der Tagung des BDR. mitgeteilt, daß die Möglichkeit der Abhaitung eines Sechstageren nens im Sportpalast im Januar bestände! Zur Fraze der Schrittmacherbestimmungen faßte der Kongreß einen Beschluß, wonach dem Sommerfongreß der Union Cycliste Internationale im August zu Budapest ein Regle ment zur Annahme vorzulegen ist, das internationale Beftimmungen für Sechstagerennen vorfieht! Ein Antrag der Radrennbahn Aachen, für alle Bohen. tage Abendradrennen zu genehmigen und die Ruhepause der Fahrer zwischen zwei Renntagen von 48 quf 24 Stunden zu ver türzen, gelangte zur Annahme. Bon besonderer Wichtigkeit ist der Beschluß, die Bahnen des BDR. in Zukunft nur noch denjenigen Verbänden zur Verfügung zu stellen, die die internationalen Sport gefeße achten und disqualifizierte Fahrer eines anderen Berbandes nicht zu offenen Wettbewerben zulassen. Dieser gegen die DRU. gerichtete Beschluß dürfte auch von den anderen Anschlußverbänden der BDRB. anerkannt werden. Bon einschneiden Arbeiterschach überall! Die Arbeiter- Schadyspieler im Werbebezirk West stehen in einer großen Werbeaktion. Die bisher abgehaltenen Schachwerbeveranstaltungen find mit großem Erfolg verlaufen. Am Montag wurde in Stegli nach einem Bortrag die Abteilung Stegliß mit drei Neuaufnahmen gegründet. Darauf eröffnete der Werbeobmann gegen neun Gäste das Simultanspiel, gemann nach kurzer Zeit acht Bartien und machte nur eine Bartie unentschieden. Diese neugegründete Abteilung spielt ab heute jeden Mittwoch bei Wild, Stegliß, Düppelstraße 7. Am heutigen 1. Spielabend wird ein der begonnene Schachlehrtursus fortgesetzt. Interessenten können sich Vortrag über: ,, Wie lege ich meine Schachpartie an" gehalten und an diesen Kurfus noch anschließen. Außerdem heute in der Abteilung Westen", Dorfstraße 36, Schachwerbeveranstaltung. Ein Meisterspieler behandelt die Sizi= lianische Partie und gibt eine Simultanvorstellung. Interessenten willkommen! Am Donnerstag ab 18% Uhr werden die Moabiter auf der Wald- Promenade( bzw. Turm- und Waldenserstraße) mit einer Schach werbeveranstaltung im Freien aufwarten: mehrere Simultanspiele gegen Gäste und ein Problemlösungsturnier. Anschließend Fortsetzung im Spiellotal, Rostocker Str. 16. Beteiligung ebenfalls fostenlos. Der Berliner Arbeiter- Schachklub hält auch Borträge, Lehrkurse, Simultanvorstellungen usw. in anderen Organisationen ab. Auskunft erteilt darüber: Franz Elison, Berlin NW. 37, Waldstr. 34. Wochenendfahrt in den Oberspreewald. Infolge des regen Zuspruches, den die letzte Wochenendfahrt der Naturfreunde in den Spreewald gehabt hat, wird diesen Sonnabend und Sonntag noch eine solche Fahrt veranstaltet. Die Fahrt beginnt am Sonnabend nachmittag. Treffpunkt der Teilnehmer um 14 Uhr im Wartesaal 3. Klasse des Görlizer Fern bahnhofes. Bahnfahrt nach Raddusch. Im Anschluß daran zweistündige Kahnfahrt zum Erlkönig.( Quartier.) Am Sonntag Spaziergang zum Kirchgang nach Burg und zurüd zum Erlkönig.( Mittagessen.) Danach sechs= stündige Kahnfahrt durch den Hochwald über Forsthaus Eiche, Kannomühle, Forsthaus Schüßenhaus, Wotschowska und Lehde, dem Spree= Denedig, nach Lübbenau. Rückfahrt nach Berlin 19,38 und 21,22 Uhr. Ankunft in Berlin 20,38 und 22,40 Uhr. Die Gesamtkosten für Eisenbahn- Hin- und Rückfahrt, zweimal Rahnfahrten, Logis und Frühstück und Mittageffen betragen ohne jede Nachzahlung 13 M., ohne Mittagessen 11,25 M. Teilnehmertarten im Reifebureau, N. 24. Johannisftr. 14/15, täglich von 18-20 Uhr, oder in der Borwärtsspedition Treptow, Graeßstraße 50, Walter, Neukölln, Siegfriedstr. 55, Hugo Sinn, N. 20, Stettiner Str. 30, Thomas, N. 65, Luxemburger Str. 1, Heinrich Schmidt, W., Ranteftr. 30. Altersturn- und Sportfest in NiederSchöneweide. Sonntag weilten auf Einladung des Arbeiter Turn- und Sport vereins Frisch Frei" Niederschöneweide die Altersturnerinnen und Turner im 1. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes auf eigenem Blaz. Ein stattlicher Werbezug durch den Ort eröffnete das Fest. Die Leistungen find recht beachtenswert. So wurde im Hochsprung noch 1,53 meter erreicht. Auch im 100- Meter- Lauf wetteiferten die Altersturner. So liefen die 100- meter- Strecke noch Genoffen im Alter von 55 und 60 Jahren in 16,4 Sekunden. Den Höhepunkt bildeten am Schluß die Faust ballspiele als Fortfegung der Serienspiele. 15 Mannschaften tummelten sich auf fünf auftballfeldern. Ein gemütliches Beisammensein beschloß in vollster Harmonie das 1. Sportfest der Altersturner im 1. Kreis. Die Ergebnisse. Dreilampf Frauen über 25 Jahre: 1. E. Hanke( Frisch- Frei) 234 Bunkie. 3. S. Taubmann( Weißenfee) 2. G. 8eilinger( Schöneberg) 220 Punkte. 222 Buntte. Einzeltämpfe her Männer: a) Beitspanng mit Anlauf, 30 bis 40 Jahre: 1. Klaue( Mahlsdorf) 5,55 Meter. 2. 6. Balter( Röpenid) 5,06 meter. 8. F. Janisch und A. Rohmer( Frisch- Frei) 4,80 Meter. b) Distus: 1. D. Taube mann( Weißenfee) 26,20 Meter. 2. D. Mattha( Mahlsdorf) 25,90 Meter. 3. Mohr( Röpenid) 25,80 Meter. e) Angelogen: 1. D. Mattha( Mahlsdorf) 9.36 Meter. 2. Rebel( Röpenid) 8,57 Meter. d) Sochsprung: 1. Mohr ( Röpenid) 1,53 Meter. 2. Rochen und Morawis( Schöneberg) je 1,43 Meter. Rugelstoßen: Beitsprung, über 40 Jahre: 1. Bogel( Mahlsbor) 5,10 Meter. Ueber 45 Jahre: 1. Reinide( Frisch- Frei) 7,86 Meter. Socjprung: 1 S. Stanislaus( Fichte 51. Gr.) 1,42 Meter. Boot( Mahlsdorf) Meter. 2.. Rohmer( Frisch- Frei) und F. Fuhrig( FTGB., Often) je 1,37 Meter. 100 Meter Enblauf. 1. 2auf: 1. Mohr( Röpenid) 13,2 Gef. 2. Rlaue( Mahls. borf) 13.5 Get. 2. Lauf: 1. Richter( Schöneberg) 13,5 Get. 2. Rosburg( Adlers hof) 13,9 Get. 3. Lauf: 1. Bogel( Mahlsdorf) 13,7 Get. 2. Stanislaus( Fichte) 18,8 Get. 4X100- Meter- Stafette: 1. Lauf: 1. Röpenid( 136 Jahre) 52,9 Set. 2. Mahlsdorf( 148 Jahre) 53 Get. 2. Lauf: 1. Fichte 51. Gr.( 181 Jahre) 52,9 Get. 2. Weißenfee II( 156 Jahre) 63,1 Get. 3. Lauf: 1. Schöneberg ( 157 Jahre) 55,7 Get. 2. Reukölln( 161 Jahre) 56,5 Set. Hunderennen hinter dem elektrischen Hasen Segelflieger Richter in Dänemark ber Bedeutung ist ferner der Beschluß, daß sportliche Leiter geblieben, denen die Haß schon seit nahezu unvordentlichen Zeiten Ein schwedischer Segelflieger meldet sich als Konkurrent. Kopenhagen, 18. Juli.( Eigenbericht.) Copyright in America. Der Segelflieger Hans Richter traf Mittwoch mit seinem Wafferflugzeug in Kopenhagen ein und wurde von der Bevölkerung auf seiner Fahrt von Gjedser nach Kopenhagen freundlichst begrüßt. Freitag ist der Apparat ausgestellt und Freitag bis Sonntag find Startvorführungen auf dem Oresund. Nächste Woche will Richter in Helsingör an den Start gehen, um den Sund zu über. fliegen. Inzwischen hat sich der Schwede Graf Hamilton als Konturrent gemeldet, um auch mit seinem Segelflieger an den Sta: in Helsingör zu gehen Welchen Apparat er benugen mill, hat er nicht angegeben. Man kann auf den Ausgang sehr gespannt sein, da es der erste Versuch in der Belt ist, eine Meerenge motorlos zu überfliegen Sport gegen Tuberkulose! Es ist seit Jahren nicht nur von Werzten anerkannt, fondern auch der Maffe der Bevölkerung bewußt geworden, daß das beste Borbeugungsmittel gegen die Tuberkulose die Bewegung in frischer Luft darstellt. Der Sport jeder Art, wie er im Arbeiter. Turn und Sportbund gepflegt wird, erfüllt am besten die Forderung nach Bewegung im Freien; er sollte deshalb Allgemeingut werden. Die Sportbetätigung fann nicht zu früh begonnen merden. Sie ist schon deshalb besonders wichtig, meil die Verwüstungen durch Tuberkulose von enormer Ausdehnung sind. Nach Berichten auf dem Internationalen Rongreß für Segualforschung ist im all gemeinen z. B. das Berhältnis der franken zu den gefunden in dern bei bertulöfen Ehepaaren wie 13,5: 1 von Radrennbahnen, die im Dienste von Besizern und Bächtern von Bahnen stehen, in Zukunft eine Lizenz des Vereins Deutscher Radrennbahnen besigen müssen. Dieser Beschluß ist nur zu begrüßen. Es wird so eher möglich sein, diejenigen zur Rehenshaft heranzuziehet, die sich im Radsport irgendwelche Uebergriffe erlauben. Kolberger Bäderrennen. Am 12. Auguft wird der Deutsche Motorradfahrer- Berband auf der befannten Rennstrecke vor dem Ostseebad Rolberg fein schon traditionelles internationales Bäderrennen zum Austrag bringen. Die Ausschreibung hierzu ist jetzt erfolgt. Im Gegensatz zu den früheren Rennen starten alle Klaffen an einem Tage. Die Berlegung des Start- und Zielplates nach Kauzen. berg wird einen besseren Ueberblick über einen beträchtlichen Teil der Rennftrede ermöglichen. Das Rennen ist für 4 Kategorien aus geschrieben und zwar für Kategorie nicht über 250 Kubitzentimeter ( Gesamtstrede 276,98 Kilometer), für die Kategorien nicht über 350, 500 und 1000 Rubitzentimeter( Gesamtftrede 332,38 Rilometer). Anläßlich der Beranstaltung werden mehrete Wanderpreise aus. gefahren, so u. a. ein filberner Schild der Stadt Kolberg. Die vor. genommenen Berbesserungen an der Rennstrede merden zu Ge schwindigkeitssteigerungen beitragen. Wie hier schon öfter erörtert wurde, gibt man sich die allergrößte Mühe, die Hunderennen hinter dem elektrischen Hafen in Deutschland und besonders in Berlin populär zu machen. In England, wo ein Teil des Volksvermögens in Wetten vergeutet wird, finden die Hunderennen regsten Zuspruch. Doch selbst in England, dem flaffischen Lande des Sports, muß man augenblicklich für Abwechselung sorgen und läßt dieserhalb For- Terriers die Jagd hinter dem Hafen machen. In Berlin ist man bislang bei den Windhunden Lebensinhalt ist. Von den Bahnen erfreut sich die im Post- Stadion des meisten Zuspruchs. Es tommen immer einige Neugierige, Freunde und Bekannte der laufenden Hunde und die sogenannte Gemeinde. Damit ist die Bahn natürlich nicht gefüllt. Die Abwicklung der Rennen geht flott vonstatten, die Pausen werden durch Konzert ausgefüllt, aber die meisten Zuschauer sind auf Tempo eingestellt und daher können die doch immerhin mur Sefunden dauernden interessanten Hundewettkämpfe die Langeweile nicht völlig bannen. Die Bahnen find so groß, die Hunde so flein. Die Augen haben zu menig Abwechselung. Man müßte das Programm noch irgendwie anders ausfüllen. Der Junkers- Weltrekord anerkannt. Die von den beiden Junters- Piloten Johann Risztics und Wilhelm Zimmermann an den Tagen vom 5. bis 7. Juli in Deffau geschaffenen Höchstleistungen im Dauerflug ohne Betriebsftoffaufnahme find vom Deutschen Luftrat wie folgt anerkannt morden: Entfernung in gefchloffener Bahn ohne Rugloft:. 5065,9 Rifometer, Dauer mit Rüdfehr zum Ausgangspunkt: 65 Stunden 25 minuten 14 Setunden. Die Leistun gen sind zur Anerkenning als Weltrekord nach Paris weitergeleitet worden. 1993 Vereinskalender. Einzelmitglieber der Freien Ruberer und Ranufahrer im 1. Areis, Bierteljahrsversammlung am Donnerstag, den 19. Juli 1928, im Restaurant ,, Schlesische Heimat", Neue Friedrichstr. 1( an der Waisenbrücke). Beginn 8 Uhr. Ruberverein Collegia Charlottenburg. Morgen Donnerstag, 20 Uhr Wielandstr. 4. Bichtige Tagesordnung. Bum internationalen Bäderrennen wird die Landesgruppe Bommern des Deutschen Motorradfahrer- Berbandes eine 3iel. fahrt für Motorräder und Automobile veranstalten. Für Ausschreibungen und Anfragen hierzu ist Scholz, Stettin, Kant ftraße 8 zuständig. Anfragen, das Bäderrennen betreffend, sind an die Geschäftsstelle des DMV., Berlin W. 62, Kleiftstraße 22, 3 gemäße Stonatsversammlung im Suit faut aus. Niche Berkamming in righten Freie Schwimmer Charlottenburg 04 e. B., Rannabtlg. Die ordnungs Ausgerechnet Matjeshering. Weil ihr der Eierfuchen über war. Lina war als Hausmädchen bei einer alleinstehenden Dame angestellt. Zu ihren Obliegenheiten gehörte auch das Zubereiten von Speisen. Lina fochte zwar ganz selbständig, aber doch streng nach den Direktiven der gnädigen Frau. Und diese Direktiven wiederholten fich mit pedantischer Sicherheit jede Woche. Sonntags gab es Schweinebraten, der für den Montag noch ausreichen mußte. Dienstags gab es Rindfleisch. von den Resten wurden Mittwochs Buletten gemacht, wie der Berliner so nett sagt. Donnerstags gab es efetlöße mit Pflaumen, Freitags Eiertuchen und Sonnabends abwechselnd: Erbsen, Bohnen oder Linjen. Lina war nun schon acht Wochen in ihrer Stellung und achtmal miederholte sich diese Speisenfolge automatisch. Kein Wunder also, daß Lina allmählich das Schweinefleisch satt bekam, das Rindfleisch ihr im Magen liegenblieb, die Klöße ihr im Halse steckenblieben und der Eierkuchen ihr über wurde. Eines schönen Freitags, als man wieder beim Eierkuchen angelangt war, rebellierte Lina und kaufte für sich einen Matjeshering! Weiß der Himmel, woher ihr dieser sonderbare Appetit tam, daß sie ausgerechnet im Sommer Matjeshering éffen wollte, aber das ist schließlich gleichgültig. Nur wurde dieser Matjeshering zum 3antapfel zwischen Lina und der Gnädigen". Diese fragte Lina, wie sie dazu fomme, sich einen Matjeshering zu taufen, worauf Lina meinte, sie hätte jetzt das ewige Eierfuchenessen did und bis oben hin. Da die Antwort nicht ganz im Sinne der Fragestellerin war, entspann sich schließlich ein fleiner Wortwechsel. Und da die ,, Bnädige" merkte, daß sie allein nicht mit der rebellierenden Lina Hohn dem deutschen Südtirol. Im deutschen Bozen enthüllte das Italien der Faschisten ein pompöses Denkmal jenes Sieges", der eine Viertelmillion Deutsche brutalster Fremdherrschaft ausgeliefert hat. fertig wirbe, rief fe Ste Tante zu Biffe, Som Siefe bem Mädchen einmal die Leviten lesen" solle. Was sich Lina begreiflicherweise wieder nicht gefallen ließ von einer fremden Person". Es ents wickelte sich eine sehr laute ,, Unterhaltung" zu dritt und schließ lich tam es zu Tätlichkeiten. Hierüber behauptete Lina später vor dem Arbeitsgericht, sie sei von der„ Bnädigen" geschlagen worden und hätte am Fenster um Hilfe gerufen, während die Frau wieder behauptete, Lina hätte sie zuerst geschlagen, worauf sie, die Hausfrau das lleberfalltommando anrief! Das mar dann auch einigermaßen schnell zur Stelle und die Frau zeigte das eigentliche Streitobjekt" in Gestalt eines unschuldigen Matjesherings. Dabei geriet sie aber wieder so in Wut, daß sie den armen toten Fisch zornig aus dem Fenster auf die Straße be förderte. Und ebenso fristlos" wie dieser flog" auch Lina hinaus, wenn auch nicht gleich zum Fenster. Und nun mußte sich das Arbeitsgericht mit diesem sonderbaren Streitfall beschäftigen, denn Lina hatte wutentbrannt Klage erhoben. Der weise Richter meinte zu der Beklagten, man fönne doch nicht aus einem Matejhering eine fristlose Entlassung fonstruieren. Er riet dringend zu einem Bergleich. Und schließlich einigte fich denn auch die ,, Gnädige" mit Lina, die von ihrer Forderung 20 Mart nachließ. An dem eigentlichen Corpus delicti hat sicherlich längst eine Raße sich gütlid) getan; nur sein Geist schwebte über dieser Gerichtsverhandlung und verlieh ihr eine recht humoristische Note. Karten für die Ausstellung„ Die Ernährung zum verbilligter Breise von 1 M.( statt 1,50 m.) sind in allen Gewerkschaftsbureaus sowie im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( Gewert fchaftshaus) zu haben. + Columbus Geflügelrestaurant Geschäfts- Anzeiger Groß- Destillation ,, Rittereck" Bezirk Süden- Weften. Billig. Bezugsquelle G.F.5] für fertige Ritterstr.95 Ecke Brandenburgstr. Herrenkleidung Inh.: Paul Männling Gut gepflegte Biere Kaltes und warmes Büfett. F.Hamburg, Bln.- Steglitz Schloßstr. 102-103 Berufskleidung Feine Herren- Ausstattungen:: Blinde, Invaliden und Witwen erhalten 5 Prozent Preisermäßigung! Kommandantenstr. 76 Frisier- Salon Murbadeanstalt Treptow Fur Damen und Herren für Gute Bedienung 165 Solide Preise Bouchéstraße 18 Stadtbad Kreuzberg, Bärwaldstr. 64-65 an der Graetzstraße[ 131 Lieferant aller Krankenkassen. Sport- Restaurant Inh.: Otto Lehngut[ G. F.26 Adlershof, Sedanstr. 3. Verkehrslokal: Partei u. 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