Morgenausgabe Nr. 341 A 174 45.Jahrgang Böchentlich 85 fg., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6, M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolk und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen"," Frauen stimme", Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 21. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei ettgebrudte Worte), edes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, edes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden ftraße 3. mochentägl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Abr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Nanking trumpft auf! Abschaffung aller ungleichen Verträge offiziell angekündigt. Die chinesische Gesandtschaft in Berlin gibt| allerdings zweifelhaft sein. Nach der Haltung Englands wird folgendes Telegramm der chinesischen Regierung in Nanking bekannt: Die nationalistische Regierung hat, mit dem Ziele, sich den heutigen Verhältniffen anzupaffen, und in der Absicht, das Wohl Chinas zu fördern und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen China und den einzelnen Ländern zu vertiefen, stets die Annullierung aller ungleichen Berträge und den Abschluß neuer auf der Grundlage der Gleichheit und der gegenseitigen Achtung der territorialen Souveränität für die im Augenblid wichtigste Frage gehalten.. Dieses Ziel ist in verschiedentlichen Erklärungen der nationaliffifchen Regierung verkündet worden. Nachdem nunmehr die Einigung Chinas zur Tatfache geworden ist, ist es die Aufgabe der nationalistischen Regierung, jede Anstrengung zu machen, dieses Ziel zu erreichen. Während die nationalistische Regierung fortfahren wird, dem Recht gemäß. Leben und Eigentum der Ausländer in China zu schühen, gibt fie folgende besondere Erklärung in bezug auf alle ungleichen Berträge ab: 1. Alle ungleichen Verträge zwischen China und anderen Ländern, die bereits abgelaufen sind, sind ipso facto annulliert, und neue Verträge sollen an ihre Stelle treten. 2. Die nationalistische Regierung wird sogleich Schritte unternehmen, um auf geeignetem Wege bie jenigen ungleichen Verträge, die noch nicht abgelaufen sind, zur Aufhebung zu bringen und durch neue zu ersehen. 3. Für alte Verträge, die bereits abgelaufen, aber noch nicht durch neue ersetzt sind, wird die nationalistische Regierung geeignete Interimsvorschriften verkünden, um den Erfordernissen der Lage nach zukommen. Dieser wichtige Borstoß der Nanting- Regierung war seit der Einnahme von Befing zu erwarten. Er stellt die Regie: rungen vor wichtige Entscheidungen. Am besten hat es die deutsche Regierung, deren ungleiche Verträge mit China durch den Versailler Vertrag aufgehoben wurden. Was die Alliierten damals taten, um Deutschland zu schädigen, hat sich nachträglich als ein unschäzbarer Dienst erwiesen, den die Sieger dem Besiegten unbewußt geleistet haben. Die anderen Mächte werden nun Farbe bekennen müssen. England hat sich schon vor nahezu zwei Jahren bereit erklärt, die Revision ,, veralteter" Berträge zu diskutieren. Ob es damit zur Schaffung neuer Verträge auf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung bereit ist, dürfte sich Italien richten und wahrscheinlich wird auch Frankreich die gleiche Stellung einnehmen wie diese beiden westeuropäischen Mächte. Die Bereinigten Staaten stehen den chinesischen Forderungen relativ wohlwollend gegenüber, und sei es nur aus Gegensatz zu der China- Politik Japans. Bei Japan liegt die Hauptschwierigkeit, besonders, folange in Tofio die imperialistische Regierung Tanata am Ruder ist. Daß die Kuomintang- Regierung entschlossen ist, Ernst zu machen, zeigt die inzwischen notifizierte Annullie rung des Vertrages gerade mit Japan. Wie wird sich nun Japan dazu stellen? Es erscheint dringend notwendig, daß alle übrigen Mächte auf Japan einen Drud ausüben, damit es einlentt, sonst treibe man einem neuen schweren Konflikt mit unabsehbaren Folgen im ganzen Stillen Ozean entgegen. Außerdem ist es jetzt endlich an der Zeit, daß sämtliche Mächte unverzüglich die Nanking- Regierung offiziell anertennen. Eine andere chinesische Regierung gibt es nicht mehr, nachdem Tschangtfolin aus Beting geflüchtet ist. Ein weiteres diplomatisches Berstedspiel ist um so tindischer und zweckloser, als ja im September ein Vertreter der Ruomintang- Regierung den chinesischen Sitz im Böllerbund rat einnehmen wird. Sollen zu dieser Zeit die tatsächlichen Machthaber ganz Chinas mit Ausnahme des Norbzipfels der Mandschurei noch immer nicht offiziell anerkannt sein? Der Vertrag mit Japan bereits gekündigt. Paris, 20. Juli. Havas meldet aus Shanghai: Die Nanting- Regierung Vertrag von 1896 als abgelaufen betrachte, und daß die türzhat die japanischen Behörden davon in Kenntnis gesetzt, daß sie den lich bekanntgegebene Berordnung über die Stellung der Ausländer in China nunmehr auch auf die japanischen Staatsangehörigen Anwendung finde. Die Nanting- Regierung wendet die neue Verordnung auch auf die italienischen Staatsangehörigen an, weil sie den chinesisch italienischen Vertrag gleichfalls als abgelaufen betrachtet. Philippinen fordern Unabhängigkeit. Manila, 20. Jufi. Nachdem das Abgeordnetenhaus und der Senat die Wahl der Präsidenten beendet und der Gouverneur Stimpson die Eröffnungsrede gehalten hat, beschlossen Abgeordnetenhaus und Senat ein ft im mig, eine Note an den Kongreß der Bereinigten Staaten zu richten, in der auf dem von Präsident Wilson anerkannten Brinzip der Selbstbestimmung der Völker, die volle Unab. hängigkeit der Philippinen gefordert wird. Wasserrohrbruch in Lichtenberg. U- Bahn- Tunnel unter Waffer.- 2 Arbeiter verletzt. In der Rosenfelder Straße in Lichtenberg ereignete sich gestern abend nach 11 Uhr ein schwerer Wasserrohrbruch. Die ausströmenden Wassermassen setzten den dorf im Bau befindlichen Untergrundbahnfunnel der Strede Alexanderplah- Frankfurter Allee Friedrichsfelde völlig unter Waffer. 3 wei Arbeiter, die von den Wassermassen überrascht wurden, erlitten schwere Knochenbrüche, tonnten jedoch noch im letzten Augenblick von zu Hilfe eilenden Arbeitskollegen vor dem Ertrinkungstode bewahrt werden. Der im Bau befindliche Untergrundbahntunnel geht parallel der Brinzenallee in Lichtenberg. An der Kreuzung Rosenfelder Straße ist der Fahrdamm durch Bohlen überbrüdt. Sturz nach 11 Uhr entgleifte eine mit Erde beladene Lore und stürzte um. Hierbei wurde das Hauptentwässerungsrohr, das zu den Rieselfeldern führt, zertrümmert. Im nächsten Augenblic schossen gewaltige Wassermengen, die in den Entwässerungsrohren bekanntlich unter sehr startem Drud stehen, in die Baugrube. 3mei in unmittelbarer Nähe des Unglüdsherdes beschäftigte Ar beiter wurden von einstürzenden Holzbohlen getroffen. In menigen Sekunden hatte die ganze Belegschaft wegen der Einsturzgefahr den Tunnel fluchtartig verlassen und zuvor die in Gefahr befindlichen Arbeiter geborgen. nur etwa fünf Minuten später hatten sich so riesige Baffer mengen angesammelt, daß ein Teil des Tunnels mit feinen vielen Zentnern schweren Elfentellen unter großem Getöje zujammensfürste Da angenommen wurde, daß noch mehrere Arbeiter von den ausströmenden Wassermassen überrascht worden waren, die sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, drang die Feuerwehr, die auf dem Alarm„ Einsturz, Menschenleben in Gefahr", her. beigeeilt war, in den Tunnel ein. Zum Glüd bewahrheitete sich die Vermutung nicht, und die beiden Arbeiter, die in der ersten Aufregung davon gelaufen waren, fanden sich später wieder ein. Noch in später Nachtstunde trafen Arbeiter der Wasserwerke an der Unfallstelle ein und sperrten die Leitung ab. Die Verwüstungen an der Unfallstelle sind derart, daß die Aufräumungsarbeiten wahr scheinlich mehrere Tage in Anspruch nehmen werden. Straßenbahnunglück in der Blücherstraße. 7 Personen verlegt. Geffern abend gegen 9 Uhr fließen vor dem Hause Blücherfraße 16 ein Straßenbahnwagen der Linie 21, der sich in der Richtung vom Halleschen Tor nach dem Hermannplay in Neutölln bewegte, und ein Caftraftwagen, der nach der Mittenwalder Straße fahren wollte, mit folcher Kraft zusammen, daß der Straßenbahnwagen aus den Schienen fprang. Bon den Fahrgästen wurden fieben verlegt, von denen einer im Urbantrantenhaus mit inneren Berlegungen verbleiben mußte. Postichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3 Neue Inflation? Die Wirkung der kommunistischen Steuerforderungen. Bon Paul Herb. Die Kommunisten haben den Reichstag mit einem Bündel von Steueranträgen beglückt, durch die das ganze deutsche Steuersystem von Grund auf verändert würde. Die Anträge find ein glänzender Beweis für die Untenntnis und die Gewissenlosigkeit, zu der die Kommunisten durch ihre rein agitatorische Auffassung bei jeder Gelegenheit getrieben werden. Sie sind ohne jede Rücksicht auf ihre finanzpolitische und wirtschaftspolitische Wirkung abgefaßt worden und stellen sich zweierlei Biele. Der eine Teil der Anträge wünscht die vollständige Aufhebung der sogenannten Massensteuern, der andere Teil eine überaus scharfe Erhöhung der Besizsteuern. Da das deutsche Steuersystem höchst unsozial ist und den Massenverbrauch und das Arbeitseinkommen der unteren Volksschichten viel härter belastet als die großen Vermögen, Erbschaften und Einkommen, so ist gegen die Tendenz einer steuerlichen Entlastung der unteren Volksmassen nicht das geringste einzuwenden. Im Gegenteil: fie muß erstrebt werden. Die kommunistischen Anträge aber schießen so weit über das Ziel hinaus, daß ihre Annahme feinen Vorteil für die affen des Volkes bedeuten würde, sondern die schlimmſten Gefahren heraufbeschworen würden. Die öffentlichen Finanzen würden nämlich unheilvoll zerrüttet werden. Die Für den sozialen Ausgaben würden abgebaut werden. Wohnungsbau wären teine öffentlichen Mittel mehr verfügbar. Die Tarife für lebensnotwendige Bedürfnisse wie Waffer, Gas, Elektrizität und Verkehr müßten erheblich erhöht werden und dennoch würde ein so großer Fehlbetrag verbleiben, daß eine neue Inflation die unvermeidbare Folge wäre. belastung sehen vor: die Aufhebung der Lohnsteuer, der Zölle, Die fommunistischen Anträge zur Milderung der Massensteuer, der Hauszinssteuer, der Steuer auf Zündwaren, Leuchtder Tabaksteuer, der Zuckersteuer, der Biersteuer, der Umsatzmittel und Spielfarten. Alle wichtigeren Steuern sollen also ohne jede Einschränkung völlig aufgehoben werden. Die Annahme dieser fommunistischen Anträge würde einen Aus= fall von rund 5700 millionen hervorrufen. Rund zwei Drittel aller Steuereinnahmen des Reiches sollen also mit einem Schlage beseitigt werden. Daß das eine Unmög= lichkeit ist, sehen natürlich selbst die Kommunisten ein. Sie schlagen deshalb eine Erhöhung der Besizsteuern vor, und zwar der Bermögenssteuer, der Erbschaftssteuer, der Einfommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Kapitalverfehrssteuer. Aber selbst hierdurch würde sich günstigstenfalls eine Mehreinnahme von vier Milliarden Mart erzielen lassen, so daß immer noch ein un gedeckter Fehlbetrag von rund 1600 Millionen verbleiben würde. In Wirklichkeit wäre dieser Fehlbetrag wesentlich höher. Denn die vorgeschlagenen Steuererhöhungen fönnten bestenfalls nur im ersten Jahre die errechneten Mehrerträge einbringen. Steuersäge, wie sie die Kommunisten vorschlagen, würden bei tatsächlicher Durchführung die Erträge der Steuern von Jahr zu Jahr vermindern. So beantragen sie 3. B., daß alle Einkommen über 100 000 m. vollkommen weggesteuert werden sollen, daß Einkommen bis zu 100 000 m. einem Steuerfag von 65 Proz. unterliegen, so daß praktisch nur noch Einkommen bis zu 35 000 m. bestehen würden. Bei der Vermögenssteuer soll der Steuersatz fast so hoch sein wie der Ertrag, den ein Vermögen abwirft. Beide Maßnahmen allein würden also genügen, um jede Neubildung von Vermögen zu verhindern, die Einkommen wesentlich herabzudrücken und den Ertrag der Besteuerung fortlaufend zu vermindern. Durch die Erbschaftssteuer würde diese Entwicklung noch verschärft und beschleunigt werden. Daher wäre damit zu rechnen, daß der Ertrag der erhöhten Besigsteuern nur im Jahre aber um etwa eine Milliarde sinkt und in einigen ersten Jahre vier Milliarden ausmacht, in jedem weiteren Jahren überhaupt fein Mehrertrag mehr zu erwarten ist. Zeigt das bereits die bodenlose Gewissenlosigkeit der fommunistischen Anträge und die ungeheuren Gefahren, die für das ganze Wirtschaftsleben, insbesondere aber für die Arbeiterklasse entstehen, so braucht man nur noch daran zu denken, daß solche tonfistatorischen Absichten die Kapitalflucht und die Steuerhinterziehung ungemessen wachsen lassen würden, um die Unmöglichkeit dieses kommunistischen Steuerzerstörungsprogramms zu erfennen. Lediglich eine Gruppe von Kapitalisten wird von den Kommunisten mit auffallender Schonung behandelt. Das find die Körperschaften, also die großen Aktiengesellschaften, die von dem Trusttapital beherrscht werden. Während die Kommunisten bei den Privatpersonen jedes Eintommen über 35 000 m. wegsteuern wollen, wird den Körperschaften nur eine mäßige Erhöhung ihrer augenblicklichen Steuerbelastung zugemutet. Gegenwärtig beträgt die Kör perschaftssteuer 20 Proz. des Gesamtgewinnes. Die Kommunisten wollen diesen Steuersaz nur auf 25 Broz. erhöhen und die ausgeschütteten Geminne außerdem mit 15 Broz Paktunterzeichnung am 28. August Kellogg reist«ach Paris. hava« meldet au» Vashlngtoa: Au, gut« Quell« verlautet. Sakl der Patt zur Pachtung des Krieges am Z«. Ztagust U pari» ualcr zeichnet mctbca soll. Dieses Datum soll von Kellogg gewählt morde« sei«, der dem vernehmen nach Mitte August nach Europa abreisen wird. Washington. 20. 3b(L Ikachde» nunmehr von dreizehn Rationen die Zustimmung zum tellogg-pakt eingetroffe« ist. und nur noch die Antwort Japan» aussteh»(die in der Form einer vorbehaltlosen Zustimmung gestern übergeben wurde. Red. d.-U."). hofft man. Kellogg werde bereit» Milte August in der Lage sein, nach pari» abzureisen, um dort mit den Vertretern der betelstgten vÄlionen den Sriegsächtungspakt zu unterzeichnen. Zw Staatsdepartement wurde allgemeine vefriedi. g u u g über die eingelaufenen Antworten ausgedrückt. Zu politischen Kreisen sagt man. dah zwar nicht die Abflchk bestehe, den gegen- nxZrtigen Kreis der Unterzeichner z» erweitern, doch soll« auch anderen Ländern der Beitritt freigestellt werden. Daraus wird geschlossen, dah Rußland dem Vertrage beitreten könne, ahne daß hierdurch die Frage der Anertennnn» Sowjetruhla nds berührt werde. Man nimmt ferner hier an, dah der britische Vorbehalt über die Handlungsfreiheit in einigen Gebieten vornehmlich auf de« Suezkanal, Aegypten und Indien zu beziehen fei. und dah dieser Vorbehalt ein« Umschreibnag(i) der Selbstverteidi. gung darstelle, die de« Vertrag nicht znwlderianf«. Frankreich und die Räumung. Hestftldzug gegen die Sozialisten.— vie fechte gegen jede Räumung.- Entscheidung im Herbst. Doris. 20. Juli.(Eigenbericht.) Di« französische sozialistische Partei ist fest einigen Dogen in einem grasten Teil der bürgerlichen Press« einem heftigen Hetzfeldaug ausgesetzt. Sie hat es gewagt, aus ihrem letzten austerordenütchen Kongreß offen für die bedingungslos« Räumung der Rheinland« einzvtret«». Altbekannte Aus- drücke kehren wieder»Agenten Deutschland»�,»Feinde der eigenen Ration" und ähnliche Aeußerungen findet man seit Tagen in der chauvinistischen Press«. Di» sozialistische Kommerfrottion wird trotzdem bei dem Wiederzusammmtritt der Kammer ein« Interpellation über die Außenpolitik einbringen, um die Parteien in bezug auf dt« Rheialandriiumung endlich zu einer klaren Stellung- nahm« zu zwingen. Briand ist persönlich für eine baldige Räumung der zweiten Rheinlandzone und er wünscht nach unseren Informationen auch die gesamt« Räumung nicht so weit hinauszuschieben, ol» es die zur Regierungsmehrheit zählenden nationalt st ischen Elemente fordern. Eine Debatte über das Rheinlandproblem ist er vor der Vertagung der Kamm« au» dem Weg« gegangen, weil er sich volle Lowegungsfreiheit für die im September in Genf zu erwartenden Besprechungen vorbehalten wollte. Im Gegensatz zu dem französischen Außenminister lehnt die Rechle nach wie vor jede vorzeitige Räumung schross ab. In den Kreisen der Linken herrscht dagegen die Ueberzeugung vor, daß durch den Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie und die Bildung eines Kabinetts unter Führung eines sozialdemokra- tischen Kanzler» die Rheinlandfrage äußerste Aktualität erlangt hat und«« nicht Mehr möglich sein wird, sich auch in Zukunft noch der gleichen ablehueirdcn Argumente zu bedienen, wie zur Zeit der deutschnationalen Ministerschaft. Aber wie dem auch sei: Im h e r b st wird über die Stellung der Kammerfraktionen und der Rc- gierung zu dein Problem der sofortigen Räumung der 2. Zone unbedingt die notwendig« Klarheit geschaffen werden. P o in ca rä wird sich uxihrscheinlich sträuben, aber Im herbst wird er um eine klare Stellungnahme zu dem international so wichtigen Problem nicht mehr herumkommen. pariser Kombinationen über Gtresemanns Reise nach Karlsbad. Pari». 20. Juli.(Eigenbericht.) Die bevorstehend« Reis« de» Reichsaußenminister» Strese- mann nach Karlsbad gibt der franzLsilchin Press» zu neuen Vermutungen über etwaig« deutsch-tschechisch« Verhandlungen, be- sonders auch in der Anschlußfrag«(?), Veranlassung. Diese Gerüchte erhalten Nahrung besonders durch den Umstand, daß der tschechische Staatspräsident M a s a r y k bereit» seit längerer Zeit in Karlsbad weilt und der tschechische Außenminister Bcnesch gleichfalls in Karlsbad«noartct wird. besteuern. Da die ausgeschütteten Gewinne immer nur einen kleinen Teil des Gesamteinkommens ausmachen, so bleibt die steuerliche Belastung im Durchschnitt unter 30 Proz. Eines ist sicher, die kommunistischen Anträge würden jede geordnete Finanzwirtschaft unmöglich machen, die soziale Hilfe des Staates für die notleidenden Bevölkerungsgruppen erschweren, unzählige Menschen der Arbeitslosigkeft aus- liefern und trotzdem eine neue Inflation herbeiführen. Das olles ohne nennenswerten Nutzen für die Masse der Der- braucher. Denn was nützt die Äufhedung der hauszinssteuer, wenn die Mieten auf der jetzigen Höhe bleiben, wenn neue Wohnungen nicht gebaut werden können, die Wohnungenot verewigt wird und die Hausbesitzer eine gewaltige Uebermacht über die Mieter erhalten? Wae nützt die Zutfhebung der Umsatzsteuer oder anderer Verbrauchssteuern, wenn es nicht gelingt, auch die Preise entsprechend zu senken? Die kommunistischen Anträge sind nur ein Appell an die Unwissenheit und die Dumm- h e i t. Kein ernsthafter Kommunist wird jemals glauben können, daß in einem Lande wie Deutschland die ungeheuren öffentlichen Lasten lediglich durch eine Besteuerung der großen Vermögen. Erbschaften und Einkommen aufgebracht werden können. In Rußland haben die Kommunisten die politische Macht völlig allein. Trotzdem spielen dort d i« indirektenSteuern die größte Rolle. Der An- teil der indirekten Steuern an den gesamten Steuereinnahmen, der im Jahre 1922/23 nur 30 Proz. betrug, ist im Jahre 1920/27 auf 60 Proz. gestiegen. Also auch dort, wo die Kom- munisten herrschen, sind Verbrauchssteuern unentbehrlich. Da» kommunistische S t e u e rz« r st ö ru n g« p r o- g r a m m dient also nicht der Hilfe für die schwerleidenden Massen des deutschen Volkes, denen nur durch die praktische Arbeit der Sozialdemokratie geholfen werden kann, sondern nur der unehrlichen kommunistischen Agitation. Ohne Ansehen der Partei. Sin Fall aus der»guten, alten Zeit". Tagtäglich liest man in der deutschnationalen Presse van der alten monarchistischen Zeit, in der die Beamten ..ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit lediglich nach ihrer Tüchtigkeit und Fähigkeit" befördert worden seien. Als schöne Illustration hierzu veröffentlicht da»„Ber- liner Tageblatt" einen Briefwechsel aus dem Jahre 1888, der zwischen dem Regierungspräsidenten von Danzig, dem Oberlandesgerichtspräsidenten in Marienwerder, dem Ober- Präsidenten in Danzig, dem preußischen Innenminister Herr- furth und dem preußischen Justizminister gespielt hat. Die Sache beginstt mit einem vertraulichen Schreiben de« Regierungspräsidenten an den Oberlandesgerichtspräsidenten. Darin wird die Besorgnis geäußert, daß ein in Marien bürg amtierender Amtsrichter C. mit der Stelle de» aufsicht- führenden Amtsrichters betraut werden könne. Da» sei büchst bedenklich, denn C. sei zwar der älteste amtierende Richter, ober Jude und Anhänger der Fr«t> s i n n i gen P a r t« i. Desbalb möge dach der Oberlandes- Gerichtspräsident dafür sorgen, daß die Stelle dem nächst- a l t e-st e n, um sechs Jahre im Dienstalter zurückstehenden Richter übertragen werde. Hieraus erwidert der Oberlandesgerichtspräsiden» von Marienwerdsr. daß er die gegen E. geäußerten Bedenken teile, jedoch habe leider der Iustizmtntster ander» entschieden und C. zum aufsichtführenden Amtsrichter ernannt. Darauf setzt sich der Regierungspräsident mit dem preußische» Innenminister in Verbindung, um in einem vertraulichen Bericht nochmal» sein« Bedenken zum Ausdruck zu bringen. In diesem Bericht heißt es wörtlich: »Abgesehen davon, daß die Ernennunp eine» so a u« g e- s p r v ch« n« n®« an« r» dar königlichen Stontsregierung und ins- dssondere der von Geiner Majestät dem Kaiser und König persön- sich miederholt zum Ausdruck gebrachten Anschauungen zum aufsicht- führenden Richter«ine» großen Amtsgerichts den Bestrebungen der regierungsfeindlichen Parteien im Wahlkreise Elbing-Warienburq nur förderllch sein kann, kommt in Betracht, daß sich in Marienburg Wtufiger als sonst in kleinen Orten Gelegenheit findet, die Spitzen der Behörden mit de« asterhöchflev Herrschaften in Berührung»relen zu sehen. Nachdem insbesondere Seine Mofestiit d«r Kaiser und König da» Protektorat über den Dercin für Ausbau und Aus- schmückung der Morienburg übernommen hat, wird mit Sicherheit ruf«in« öst«re Anwesenheit Seiner Majestät zu? Besichtigung der Bauten am Schloss, gehofft werden dürfen. Daß bei solcher Go- lcgenheit die Vertretung der königlichen Iustizoerwaltung durch rinen jüdischen, der freisinnigen Parlei angehörenden Richler Un- zvlrägllchk eilen veranlassen kann, bedarf wohl kaum eine, besonderen Ainweises." Der Bericht trägt einen Bennert de» Oberpräsidenten in Danzig. daß er vollständig mit dem Inhalt einverstanden sei und die Ernennung des E. zum auf- sichtführenden Amtsrichter bedauere. Der preußische Innen- minister Herrfurth gibt diesen Bericht an den p r« u- ßischen Justizminister zur Kenntnisnahme. Dieser verfaßt ein Antwortschreiben, in dem er die Ernennung des C. mit der außerordentlich günstigen dienst- lichen Qualifikation des Ernannten begründet. Er teilt verschiedene Oualifikationsberichto über C. mit, die diesen geradezu für die Stelle eines aufsichtführenden Amts- richters vorschlagen. Aber wenn man nun meint, daß der Justizminister auf seinem Standpunkt beharre, so wird man durch den Schluß de« Briefes enttäuscht, in dem mitgeteilt wird, daß der Streit durch die Versetzung d«» Amts- gerichtsrats C. von Marienburg nach Kott- bu« sein« Erledigung gefunden habe. Soweit der Tatbestan'd. Er zeiat, welche Berechtigung die Lobredner de» alten Systems haben, gegen den heutigen Staat wegen seiner Personalpolitik Vorwürfe zu erheben I Da» Reichstabineil wird sich zu Beginn der kommenden Woche mit der Finanzlag« der Reichsbahn befassen. Diese Er- örierungen stehen im Zufammenhang mit der von dem Verwaltung,- rot der Reichsbahn geforderten Erhöhung der Tarife. In unterrichteten Kreisen verloutet, daß«ine Konnntssian au« deutschen Sachverständigen demnächst bi, Wirtschaftslage der Reichsbahn prüfen wird. Das t'öwener Gericht hat am Freitag mich vorhergehender Beratung den Verhafteten Marren, der bi« Bibliothekskatuftrade zerstörte, zu drei Monaten Hast verurteilt. Marren hat gegen dos Urteil Berusung eingelegt. Oeuifchnationat! (Sememe Beschimpfung der Keichsreglenmg. Eil» seine Gesellschaft, dies« Deutschnationalen! In Berlin- Schöneberg verbreiten sie neuerdings«in R o ch r r ch t a n b l a t t der dortig«, vrtsgrupp«, da» sich tn seiner Iulinumm« u.«. auch mit der neuen Regierung»auseinandersetzt". Unter der U«b«rschrift »Regierung ohne Vertrauen, Landesverräter ohne«Strafe" heißt es da: »Vier Minister gehören einer Partei an, die den Landes- vertat schon früher unterstützt hat. Die Fuhrung fiegt in den Händen der Sozialdemokratie, der Partei, deren Führer bei jeder Beschimpkuna de» deutschen Volk«, Hinsicht- (ich der Kriegsschuld, bei jedem Äolksosrrat und bei i,d«r sonstigen Gelegenheit, bei der e» sich um Verrat am Deutsch- t u m handelt«(Oberschlesien. Tirol, Nordschleswig und Elsaß) zu finden sind." In diesem Ton erfolgt dann die.Eharakteristerung" der Reichs- minister im einzelnen: .Reichskanzler Müller, bekannt al, der Mann, der dos Diktat von Versailles unterschrieben bat. dessen Hand noch Scheidemann vsrdomn sollte, der Mann, der die energische Be- kämpfung de? Kriegsschuldlüg« ablehnt... Hilferding„Von einem Kommunisten charakterisiert" beiihmfindetman... stark ausgeprägt« Züge eine« betrügerischen Börsenmakler». Bei all diesen Vorzügen wird er nun wieder Finanzminister." G r o e n e r ist nach dem deutschnationalen Hetzblatt der Mann, der dem„Reichspräsidenten Ebm zur Annahm« d« Verfoiller Schandoertrages geraten" hat. Auch Stresemann und Eurtius werden in derselben Weis« beschimpft. Die ganze Re- gierung verfahre selbstverständlich noch dem Grundsatz,„Landes- verröter werden beschützt, und bewährte Landesverteidiger werden zum Tode oerurteilt". Ein gemeiner Ton, der deutschnationalen Presse würdig! Hier gibt es nur eines: niedriger hängen. Oer siegreiche Vauernbund. Vor der Neubildung der bayerische» Regierung. München. 20. Juli.(Eigenbericht.) Dar Vorschlag der Bayerishen Bauernpartei zur Vermin- derung der bayerischen Ministerien geht praktisch da- hin, daß die drei seit 1919 bestehenden Ministerien(Landwirtschast»., Handel-, Industrie und Gewerbe- md Sozialministerium) zu einem einzigen sogenannten Wirtschaftsministerium vereinigt werden sollen. Di« Verwaltung diese» Ministerium» soll der bisherig« Land- wirtschofitiniiiister Fehr übernehmen. Es ist geplant, drei Staatssekretär« an die Spitz« von selbständigen Abteilungen treten zu lassen, die den Derwaltungsbereich der drei abgebaute» Mlnisterie-i umfassen. Don diesen Staatssekretäre« wird der D a u« r n b u n d varaussichtlich den für Landwirtschaft stellen. Infolge dieses vollkommene'» Rückzuges der bayerischen Volkspartei vor dem Bauernbund kann mit einer Wiederherstellung der alten Vürgerblockregisrung in Bayern schon in den nächsten Togen gerechnet werden. Am kommenden Mittwoch dürste voraussichtli h H«ld vom Landtag als Ministerpräsident 'wiedergewählt werden. Oer Sejm darf rn'chi spare«! Di« einzelnen polnischen Ministerien sind gegenwärtig mit der Aufitelluno de, Budgets für 1920/80 beschttttigt. Uirabhängig hiervon will die Regierung sofort nach dem Zusammentritt de» Sejm die Bewilllgung außerordentlicher Krcdtte verlangen. In diesen Krediten sollen die Summen entholten sein, die bei der Budgetderatung vom Sejm gestrichen wurden. Moskaus Kampfausage. Kriegspsychose.— Verschärfung des Kampfes gegen die Sozialdemokratie. Moskau. 19. Juli. Auf dem Kongreß der Kommunistischen International««rstattete Bucharin«in Referat über die Weltlag«. Der Inhalt dieses Referat» war der folgend«: Die Welt befindet sich m der Periode der kapitalistischen Rekonstruktion, des Wachs- tum» der ProdutttokrSste der gewaltigen technischen Fortschritte. Die technischen Veränderungen nahmen in mehreren Ländern die Form einer direkten technischen Umwälzung an. verbunden mit der Lertrustung de? Voltewirtschaft und dem Anwachsen der staatskapiia. listischen Tendenz. Dt« allgemein« Krss« de» Kapitalismus aber bleibt, nur di« Form der Krise fit anders geworden. Die Krise»- Momente sind: dos Bestehen der Sowjetunion, die chinsfssche Revo- kution und die Verschiebung des wirtschaftlichen Schwergewichts auf di« Vereinigten Staaten. Da« Wachstum der Produktivkräfte und di« Beschränkung der Absatzmöglichkeiten stellen die imperialistischen Mächt» vor di« Frag« der Neuein toilung der Welt und der Kolonien und das bedeutet Krieg. P vom Standpunkt der allgemeinen Krise des Kapitalismus ist der Krieg die Hauptfrage de» heutigen Tages. Ein Auedruck der Krise sind die heutigen Umgruppierungen inner- halb der kapitalistischen Staaten, aber di« grundlegend« Tendenz ist di« Gruppierung gegen die Sowjetuinon. Damit ist die Tendenz des Verwachsene der tapitalistischen Unternehmungen mit der Staatsgewalt v«rbunden. Dl« Arbeite r stehen nicht mehr einzelnen Unt«rn«hmern, sonder» großen, mit d«r Staatsgewalt verbundenen Trusts und Kartellen gegenüber, wodurch sich jeder Streik im poli- tischen Kampf gegen das gesamte Kapital und gog-n di« Staatsmacht verwandeln kann. Die kapitalistische Stabilisierimg zieht auch die Stabil!- sierung der Sozialdemokratie nach sich. Sl« stellt heute «in« bewußte aktive Hilfstrast des kapitalistischen Aufbaue» und der tapltallstsschin Ordnung sowi« der iniperialistischen Koloniaspolitik und der Kriegsoorbereitungen gegen die Sowjetunion dar. Dl« Verschärfung d«» Kamps«» gegen dl« Sozialdemokralle ist die Orienkierungslinle der Komintern. Die» bedeutet jedoch kelneswags die Abfchafjuvg der Einheits- front, sondern je schärfer der Kampf gegen die sozialdemokratischen Führer wird, um so energischer muß die Eroberung der sozialdemo- tratischen Massen betrieben werden. Die taktische Hauptorientierung der kommunistischen Parteien muß gegen das Verwachsen der Ar- beiterorganisatlonen mit den staatlichen und privaten Organisationen de» Kapitalismus«ingestellt sein. Das wichtigste Problem der Ein- heitsfrdnttattik ist die Arbeit in den Gewerkschaften. Mit dem An- wachsen der Kriegdoorbereitungcn wird di« gegen uns geführte Offensiv« immer mehr verschärft wenden, weshalb jetzt schon die Schaffung einer entsprechenden illegalen Basis notwendig ist. Der Versuch der Schaffung der ultralinken internationalen Opposition ist vollkommen mißglückt. Gegenwärtig Ist dl« haupfgcfohr rechts- Dm rechten Abweichungen kommen in verschiedenen Parteien in einem übertriebenen Legaliemu«, in»iner Furcht vor der L«rl«tung d«r gesetzlichen Schranken de« bürge» lichen Staate», in der Art der B-teisigungen an den gewer?- schafllichen Kämpfe« zum Ausbruch Wenu wir es lernen, die Tageesragen mit den großen politischen Fragen»» verbinde», werden mir die Arbeiter Westeuropas iinter unserem Banner vereinigen. Kamps gegen den Imperialismus auf Leben und Tod, Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Dieses Wort wird der Sieg der soz�Usttschen Revolution{ein AegHpiisches Gchaiienspiel. Zur Vorgeschichte des Staatsstreichs. Das Kabinett Nahas Pascha hat vor einigen ILochen ein ebenso unerwartetes wie unrü hwliches Ende gefunden. An cmea Tod in Schönheit hatten nach seinen bisherigen Taten selbst die intimsten Freunde des Schülers von Zaghlul Pascha nicht ge- glaubt» aber daß der Mann der Nationalisten ein End« mit Pech und Schwefel nehmen würde, hatten auch seine Gegner nicht er» wartet. Im Grunde genommen ist das Borgehen de« Rechtsau» w a l t s Nahas» das dem Staatsmann Nahas den chals um- gedreht Hot, an ägyptischen Maßstäben gemessen, kein« Todsünde. In einem Lande, in dem, wie böse Zungen behaupten, 25 Proz. der Slaatscinkünsle jährlich spurlos verschwinden, ist das Verbrechen, dessen sich Nahas Pascha schuldig gemacht hat, „och lange nicht das Schlimmste. Bis jetzt haben seine Gegner nicht c nirral überzeugend den Nachweis erbringen können, daß Nahas Pascha tatsächlich seine Stellung als Leiter der Staatsgewalt dazu mißbraucht Hot, um die Sache seines Klienten, des Prinzen Seif- e l. E d i n, zu fördern. Prinz Seif-el-Edin war von seinen Ber- wandten, die nach seinem, die Kleinigkeit von öll Millionen Dollar betragenden Vermögen lüstern waren, in«ine englische Heil« a n st a l t gesteckt worden. Nach Angora entflohen, nahm er nach Erwerbung der türkischen Staatsbürgerschaft mit Hilfe Mustapha Kcinol Paschas den Kampf um sein Geld auf und beauftragte drei ägyptisch« Rechtsanwälte, darunter den gewesenen Mmisterprästden- t-m Nahas Posch« und den jetzigen Präsidenten der Kammer Wissa Sei W as s« f, gegen da« immerhin stattlich« Honorar von ungefähr 2� Millionen Mark mit seiner Sachwaltung. Daran dürfte kaum zu zweifeln sein, daß der Ministerpräsident Nahas Pascha den Angelegenheiten des Advokaten mit sanftem Druck nachgeholfen haben wird, denn er ist, wie alle Aegypter, kein Der- achter des Gellte«. Der Teil, dem Nahas Paschas erlegen Ist, stamnik jedoch aus anderen Sphären. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß ihn Eng- l a n d trotz seiner in den letzten Wochen wieder größer gewordenen .Halsstarrigkeit zu Fall gebracht hak. Der englische Oberkommissar in Aegypten Lord Lloyd hat kaum«inen bequemeren Partner ge- babt als den Führer der ägyptischen Unabhängigkeitsbewegung. Seine ganze Politik war ein ewiger Rückzug vor den eng- rschen Wünschen, und wahrscheinlich hätte Nahas Pascha noch in diesem Sommer einen Vertrag nach dem Herzen Englands gemacht, obne daß die ägyptischen Nationalisten dagegen rebelliert hätten. Aber aerade diese Nachgiebigkeit hat ihm den Haß seiner K o a l i t! o n s g e n a sse n, der Liberal-Konstitutionellen, zuge- roacn. Die Kampagne gegen ihn wurde deshalb auch von den Blättern seiner Ministcrkollegcn geführt, die gleichzeitig durch Ihre Demission die Krise akut machten. Es war kein Kampf um das Prinzip, sondern das Ringen zweier CNqnev euf das Kommando des früheren Ministerpräsidenten Sorwat Paschas, der seine Stunde wieder kommen sieht. Die Frage der ägyptischen Unabhängigkeit ist ebenfalls dabei in» Hinter- treffen geraten. Bon der Idee der Freiheit Aegyptens bleibt iedensolls nicht mehr viel übrig und wird auf lange Zeit auch nicht mebr die Rede sein. Da» Mittel, mit dem der verfahrene Karren der ägyptischen Politik jetzt von König Fuod und seinem liberalen Minister- Präsidenten Mahmud Pascha gegen Kammer und Senat welter ---zogen werden soll, ist keine absolut« Neuheit. Schon in den Andren 1922 bi» 1924 hat man sich in Aegypten mit einer kleinen Diktatur beholsen. Bei der jetzigen Stimmung im Lande wjpd es damit auch wieder eine Weil« gehen. Es scheint auch, daß die Protlcmotion des Ausnahmezustandes nur ein be- g u e m e r N o r w o n d ist, um die politisch« Maschine der lln- abhänaigkeitspartei zu zertrümmern und für die Liberalen günstige Wahlen vorzubereiten. Dieser Schritt gehört zu den alten Lieblingsgedanken Sorwat Pascha». Bei dem ewigen Schwanken der politischen Konstellation in Aegypten ist es schwer zu prophezeien, welche Rolle König Fuad und welche Rolle der englisch« Oberkommista? Lord Lloyd in dieser Kabale gespiest haben. Di« Fäden de« Intrigenspiels in Aegypten find durch jahrelanges Hin- und Herzerren so ineinander- gewirrt, daß keiner der Beteiligten mehr zu sagen weiß, ob er ge- zogen hat oder ob er gezogen wird. Di« ägyptische Unabhängigkeitsbewegung in ihrer jetzigen Form hat jedenfalls durch den Sturz von Nahas Pascha, trotz allem, was in letzter Zeit vorgefallen ist, einen Schlag erlitten, von dem sie sich nicht sehr bald erholen wird. Damit ist ober da« letzt« Wort in der Frage der ägyptischen Freiheit ebensowenig g«. sprachen wie der Kampf gegen England beendet sein wird. England wird zunächst aus der ganzen Ltnie siegen! die Frage bleibt, od dieser Sieg die Schwierigkeiten wert ist, die au« ihm wahrscheinlich erwachsen«erden. Voraussichtlich wird sich die Welt in nächster Zeit mit dem offiziellen Aegypten der Gegenwart noch öfters zu beschäftigen haben. Oer»Kuckuck" auf der parlamenkstür. Kairo. 20. Juli. DieToredesParlämentsgebäude», vor dem Wochen aufzogen, wurden heute vormittag von der Polizei versiegelt. Schweigen ist Gold! Mussolini hat den Teilnehmern der Nobiie-Expedition jede weiter« Lerichterstattung verboten. Wilhelm telegraphiert wieder. Natürlich im allerßöchstpersönlichen Interesse. Amsterdam. 20. Juli.(Eigenbericht.) In einem Schreiben an die niederländisch« Regierung hat der augenblicklich in Katwyt weilende Vorsitzende der Republikanischen Beschwerdestell« Berlin gegen ein Telegramm de» Exkaisers an einen Leutnant Radl in Sulzbach protestiert. In diesem Tele- gramm erklärt der Exkaiser, er sei sich bewußt, daß der unvermutete Kampfgeist, der sein Regiment im Weltkrieg« beseelte, wieder in Kraft trete, wenn es darauf ankomme, Deutschland zu befreien und unter seinem Kaiser und angestammten Fürsten wieder aufzurichten. Das Beschwerdeschreiben an die niederländische Regie- vung sagt, daß dieses Telegramm«inen Mißbrauch de? niederländischen Gastfreiheit und ein« Bedrohung der deutschen und europäischen Ruh« durch die öffentlich« Bekundung von Absichten zur Wiederherstellung der deutschen Monarchie be- deute. Das Organ der holländischen Sozialdemokratie„Hei Volk* ersucht den Innenminister Kai, den Exkaiser darauf hinzuweisen, daß er sich jeder Einmischung in die Politik zv enthalten versprochen und sich danach z» verhalte» hat. Wie die Rückkehr nach Rom vor sich gehen soll. Glater freigesprochen. Wiederguimachung eines Iustizverbrechens nach 2V Lahre«. London. 20. Zoli. Die ans Edinburgh gemeldet wird, verkündete der Präsident des schottischen Bernsungsgerichts die Aufhebung des Arteil» gegen Oskar Slater. Zn der Begründung heißt es. daß nach Ansicht de» Berufungsgerichts der damalige Richter in seiner Rechtsbelehrung an die Geschworenen einen Fehler begangen habe, indem er n». günstige Einzelheiten aus Slaler» Leben erwähnte, die in keinem direkten Zusammenhang mit dem Mordsall standen. Die» hätte gerode in einem Falle wie dem vorliegenden, wo die Geschworenen naturgemäß große Mühe halle«, zn einer Entscheidung für oder wider zu gelangen, vermieden werdcn müssen. Die Enlscheiduag des Be- rufnngsgerichls erfolgte einstimmig. Der erwähnte Punkt ist der einzige, auf den sich die Aufhebung des Urteil» gründet. Zn gut unterrichteten Srcisen verlautet, daß der Sekretär, für Schottland den König ersuchen wird. Slater endgültig zn begnadigen, vnd daß die Regierung hierauf die Frage einer Entschädigung erwägen wird. Wenn im Jahre 1909 nicht 20000 Menschen ein« Petition zu- gunsten Oscar Sloters unterschrieben hätten, wäre er aller Dohr. scheinlichkeit nach hingerichtet worden. Bielleicht war« das Urteil aber auch trotz der Petition vollstreckt worden, wenn nicht ungeachtet des Schuldspruch«, doch gewisse Zweifel an seiner Täterschaft vorgelegen hätten. Das Todesurteil gegen ihn war nicht einstimmig, sondern nur mit neun Stimmen gegen sechs gefällt worden. Di« Bcrufungsverhandlung, die eben erst zu End« geführt worden ist» hat mit niederschmetternder Deutlichkeit ergeben, daß die Eeschwo- renen, die im Mai 1909 für greis pruch waren, im Recht« gewesen sind. Da» Gericht hat damals unter Auherachttassung wichtigster Recht»Garantien des Angeklagten mit unzulässigen Mittelp eine Ber- urteilung erzwungen. Den Lesern ist der Fall Glater noch in Erinnerung. Sobald durch die sensationelle Beröfsentlichung des �Daily Herald� das Iustizverbvechen an dem ehemaligen Deutschen Oscar Slater bekannt wurde, ergriff der„Vorwärts' mit aller Entschiedenheit Partei für diesen Mann und fordert« auch von den deutschen Be- Hörden, daß sie sich trotz seiner jetzigen Staatenlosigkeit seiner annehmen. Denn eben diese Staatenlosigkeit war ja der Grund dafiir, daß Slater, im Gegensatz zu dem in England lieh- lichen, nach Berbüßung einer zwölfjährigen Zuchthausstrafe nicht freigelassen wurde. Die für ihn an Stelle der Todesstrafe fest» gesetzte lebenslängliche Zuchth-iusstrose sollte in des Wortes wört- lichcr Bedeutung zu einer lebenslänglichen werden. Anfang November setzte die englisch« und deutsche Presselampogn« zugunsten Slaters ein: am 12. November war er bereits aus der Haft«nt- lassen: wenige Tage später nahm das Unterhaus«in Gesetz an, das «in« Ueberprüfung der Sache Slater ermöglichte. In aller Kürz« der Takbestmld: Im wohlhabensten Teil der Stadt Glasgow lebt« die reich« 82sährig« Fran Gilchrist. Am' 21. Dezember 1908 vernahm der Uederwohner der alten Frau gegen 7 Uhr abends ein dreimaliges Klopfen auf dem Fußboden— da» verabredet« Zeichen für einen Ueberfall. Als er hinauseilte, stieß er auf da» Dienstmädchen Helen Lambie, das sich nur auf wenige Minuten entfernt hatte, irm eine Zeitung zu holen. Im Augenblick, als sie die Wohnung betraten, stürmte an ihnen ein Mann vorüber. Die alte Dam« fanden sie mit zertrümmerter Schädeldecke» die ein« groß« Zahl von Verletzungen cmfwies, tot daliegen. Das Zimnier war durch- wühlt, von den Juwelen fehlte nur eine Brillantnadel. Die sofort ausgenommen« Verfolgung des Mörder» blieb erfolglos. Wenige Tage später erhielt ober dl» Polizei Nachricht, daß ein Deutscher namens Slater versucht habe, eine BrMantnadel loszuschlagen. Die Polizei stellte fest, daß der Betreffende nach Amerika abgefahren war: bei der Landung des Schiffes wnrde Slater verhaftet. Die englischen Behörden erreich!en die Auslieferung des mutmaßlichen Mörders. Im Mai 1909 erschien Slater vor dem schottischen Gericht. Er wurde des Raubmordes an der LZjährigen Gilchrist schuldig gesprochen. Er beteuerte nach wie vor seine Anschuld. Ein im Jahre 1914 eingeleitetes Wiederaufnahmeverfahren führte zu keinem Ergebnis, obgleich ein Mann, wie der bekannte Kriminal- fchrisisteller EoNan Doyle, sich des Verurteilten angenommen lzatte. Die in der letzten Woche durchgejührte Wiederaufnahmeoerhond- lung offenbarte, in wie leichtserttger Weise in dem Prozeß«in Schuldspruch heraufbeschworen worden war. Um gegen den Ange> klagten Stimmung zu machen, wurde sei« Privatleben in einseitiger Wesse in den Gerichtssaal gezerrt. Während der Angeklagte es ver. säumt hatte, einen Leumund zu stellen, führte die Staateanwalt. schaft gegen ihn einen Zeugen ins Feld, der ihn als Spieler uich Zuhälter hinstellte. Das Gericht duldete das. Es hatte aber seine?» seits unterlassen, sowohl den Arzt Dr. Adams zu laden, der als erster die Verletzungen bei der Toten in Augenschein genommen hatte, als auch«inen wichtigen Zeugen, Duncan Macbrayne, der etwa«ine Sttinde nach der Tat Slater ruhig vor seiner Haustür hatte stehen sehen. Dem Gericht war ober sowohl die Aussage Mac- braynes als auch der Besuch des Dr. Adams in der Mordwohming bekannt. Im Mederaufnahmeverfahren wurde festgestelll, daß Dr. Adams seiner Frau und dein bekannten Strafrechtskundigen- Rughead, der über den Slater-Prozeß ein Buch veröffentlicht hätte, seinerzeit erzählt hatte, daß der Mord mit dem Stuhl« begangen sein mußte, dessen eines Stuhlbein völlig mit Blut besudelt war. Da» Gericht hatte aber einfach«mgeoommcn, daß die Tötung nnt»inem kleinen Hammer vollführt worden sei, der spä�r bei Slater in New Park gesunden wurde- Weshalb war der Arzt nicht gehört worden?- Nicht weniger zweifelhafter Natur mar das Verfahren des Gerichts hinsichtlich der Identifizierung Sloters durch da» Diensttnädchen Helen Lambie und die IZjährig« Mary Barrowmon, die d«n Mörder beim Verlassen de, Mordhouses gesehen haben wollte. Ist die Identifizierung schon an und für sich stets eines der unvollkommensten triminalisttschen Hilfsmittel,-so mußte sie in diesem Fall« vollkommen versagen. Man hatte beiden Zeuginnen im Verlaufe des Auslieferu.izsversahrens den gesei selten Sinter im New-Porker Gefängnis gezeigt, ihnen also snggerlerl. daß er der Mörder sei« müsse. Trotzdem waren aber ihre Bekundungen vor dem New- starker Gericht äußerst ungewiß. Auch vor dem Schwurgericht wurden sie nicht viel bestimmter: Helen Lambie mußte zugeben, daß der Mann mit gesenktem Kopf an ihr vorbeigegangen war und daß sie nicht sagen könne, ob er glatt rasiert gewesen sei oder«inen Schnurrbart getragen habe. Die läjährige Barrowmon wurde während der Voruntersuchung zwei Wochen lang vom Staatsanwalt verhört. Jetzt erklärt« sie aber ausdrucklich, daß sie auch damals nur von einer A« h n l i ch k e i t gesprochen habe. Helen Lamhie hatte sich geweigert, aus Amerika im Genchtssaal in Ediichurg zu erscheinen. Als ebenso unzureichend erwiesen sich die übri�n Indizien gegen Slater. Die belastende Nadel hatte er bereits vor dem Morde versetzt: die Fahrt nach Amerika war bereits lange vorher beschlossen gewesen. In Liverpool hatte er sich in? Hotel mit seiner Frau nnt seinem richtigen Namen eingeschrieben. Der Um- stand, daß er auf fremdem Namen sich auf dem Dampfer einschiffte, fand insofern eine harmlose Erklärung, als er bereits früher einmal gleichfalls auf fremdem Namen nach Amerika gefahren war. An- gestcht« all dieser Umstände war es kein Wunder, daß der Vor. sitzend« dem Staatsanwalt gegenüber keinen Hehl daraus macht«, daß er das Gebaren des ersten Gerichts, das die Geschworenen über wichtig« Tatsachen in Unkenntnis belassen, während es anderer- seits nicht» unterlassen hatte, um sie gegen Slater einzunehmen, für »nzuläss ig halte. So mußte im Wiederausnahmeprozeß der Freispruch erfolgen. Slater Hot Über 18 Jahre im Zuchthaus verbracht. Das an ihm Gefehlte ist nicht wieder gut zu machen— selbst nicht durch ein« noch so hohe Entschädigung für unschuldig erlitten« Host. Der Fall Slater bedeutet eine neue Mahnung an das Gewissen derer, die Immer noch an der Todesstrafe festhalten wollen. Was Liiauen braucht. Smetona will Zar werden. Riga. 20. Juli.(Eigenbenht.) In Litauen machen sich neuerdings stark« monarchistisch« Tendenzen bemerkbar. Do» Osfiziersmitiativkmnttee veranstaltet« kürzlich eine Rundfrage unter hohen Militärs über die Einsetzung Smeionas als Präsident auf Lebenszeit. � Eine ander« Freg« betrifft die Stellung zur Umwandlung der höchsten Staatsgewalt auf dynastischer Grundlage. Dos ist deshalb bemerkensweri, weil die liiauische Regierung zurzeit Gesetzentwürfe über di«»il- dm'g eines Staatsrats und Ausdehnung der Rechte des Staats- Präsidenten berät. Der litauisch«.Demokratenjührer" S ch l j u p a s empfiehlt in Anbetracht des„niederen Bildungsgrades der Bevöl- kerung' die Einführung einer beschränkten Demokratie. Die Firma Schmidt und Heß. Antigewerkschaftliche Betriebsrätetagung. Der offizielle Name der Firma, in der die Herren Schmidt als Borsigender und Heß als Rebatteur die Hauptrolle spielen, ist: Reichsbund vaterländischer Arbeiter und Wertpereine E. B., Berlin, Alexanderplat 2. Um in ihre Tätigkeit der fonntäglichen Fahnenweihen- Festreden eine fleine Abwechslung zu bringen und was die Hauptsache ist die gelbsüchtigen Internehmer zu ermuntern, nach den Wahlausgaben dem Reichsbund wieder Gelder zuzuwenden, ist die Firma auf einen Blan verfallen, um sich in empfehlende Erinnerung zu bringen. Die Maiwahlen brachten uns den Sieg des gewertschaft. lichen Sozialismus, nicht zulegt innerhalb der Rechtsparteien. Mit der sog. politischen Wahlparole ift die entstandene Lage nicht zu ändern. Schmidt und es wollen daher eine vernunftgemäße Wirtschafts- und Boltsauffaffung herausarbeiten und organisch von unten nach oben warnend" entwidein und versichern, nur allein auf dieser Grundlage ist der Wirtschaft und Privateigentum zerstörende Marrismus zu überwinden". Schmidt und He fuchen also die Tatsachen auf den Kopf zu stellen, so daß der Krieg die Wirtschaft ruiniert und die Inflation das Privateigentum des Mittelstandes tonfisziert hat. Schmidt und Heß haben nun den Bankettsaal des Lehrervereinshauses für vier Tage im September gemietet, damit der ,, Reichsbund von fich aus die Initiative" ergreifen und zu einer wertsgemeinschaftlichen Reichswirtschaftston ferenz beruhend auf der Grundlage einer antigewertschaftlichen Betriebsrätetagung aufrufen fann. Es werden Gastkarten ausgegeben und versichert, daß zu der Sondertagung: Unternehmer und Arbeiter, die Beteiligung weiter Kreise der Unternehmer und der Wissenschaft dringend ermünscht sei." Die Wissenschaft der Firma wird in ihrem Wochenblatt an einem Beispiel demonstriert. Es handelt sich darum, den Erfolg der jüngsten Lohnsteuersentung herunterzureißen. Dazu wird grundfäßlich festgestellt, daß es gar nicht in erster Linie die Lohnsteuer sei, die den Arbeiter und Angestellten bei den Abzügen vom Lohn und Gehalt am meisten bedrückt, sondern die Abzüge für die sogenannte Sozialversicherung". Der Abzug für die Kranten. Passe sei etwa dreimal so hoch als der Lohnsteuerabzug. Hinzu kommen die Abzüge für Invaliden- oder Angestellten persicherung und für die Arbeitslosenversicherung. Geht es nach dem Willen der Roten, dann wird dieses System der Abzüge für die einzelnen Zweige der Sozialversicherung noch weit mehr ausIn fast allen Abteilungen: gebaut. Es wird dann dem Arbeiter nichts helfen, daß seine Lohnsteuer um einige Pfennige geringer geworden ist, die er noch dazu an indirekten Steuern in irgendeiner Form wieder aufbringen muß." Die Lohnsteuer wird also den Beiträgen für die Sozialversicherung gleichzustellen versucht, die wenn es nach dem Willen der Gelben ginge gründlich abgebaut würde. Schmidt und Heß scheinen in großer Berlegenheit zu sein. Generalversammlung der Sattler. Weitere Erfolge im 2. Quartal. Ueber eine weitere günstige Entwidlung der Berliner Ortsverwaltung des Berbandes der Sattler, Tapezierer und Bortefeuiller im zweiten Quartal fonnte am Donnerstag in der Generalversammlung der zweite Bevollmächtigte Genofje O ft en berichten. Er ging ausführlich auf die Tätigkeit der Organisations leitung und der Funktionäre ein und teilte mit, daß in Jämtlichen Branchen neue 2ohn- und Mantel tarife abgeschlossen wor den sind, die durchweg Berbesserungen aufweisen. Der er folgreiche Streit der Linoleumleger hat gezeigt, daß die Organisation, wenn es notwendig ist, auch zur scharfften Waffe greife. Es hat sich jedoch auch hier wieder erwiesen, daß die Unorganisierten bei Lohnbewegungen stets das größte Hemmnis bilden. Bei diesem Streit drohten die Unorganisierten einfach, wenn ihnen die Organisation feine Unterstügung zahle, Streitbrecher zu werden. Hier muß bereits vor dem Ausbruch eines Streits genügend gearbeitet werden. Ein neuer Rleberattordtarif fonnte ebenfalls abgeschlossen werden. Genoffe Dften behandelte dann die Borgänge anläßlich der Demonstration am 1. Mai, die den Borstand veranlaßten, den Beschluß zu fassen, daß in Zukunft Transparente und Blafate nur noch mit Zustimmung der Ortsverwaltung verwendet werden dürfen. Auf derfelben Linie fag ein Beschluß des Vorstandes, daß zu Betriebsversammlungen Referenten außenstehender Barteien nicht genommen werden dürfen, sondern dafür nur die von der Mitgliedschaft gewählten Funktionäre in Frage kommen. Dem Bericht des Kaffierers Genoffen Weyher war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl im zweiten Quartal um 198 gestiegen ist und jegt 4793 beträgt. Ein erfreulicher Aufstieg feit dem 1. April 1927, wo 4116 Mitglieder gezählt wurden. Das Bermögen der Lokaltasse erhöhte sich um 6700 m. und beträgt jet 88 803,23 m. An Unterstügungen für streifende und arbeitslose Mitglieder wurden aus der Lokaltasse 5700 m. gezahlt. Die Gesamtausgaben an Unterstügungen betrugen in der Berichtszeit über 35 000 m. In der Diskussion wurde, wie üblich, der eigentliche Ge Grosser schäftsbericht nicht beanstandet Bon ber Oppofition" wurden lediglich die Beschlüsse des Borstandes über die Blafate und Referenten sowie die Bewegungen in anderen Berufen fritisiert Die Redner der Amsterdamer Richtung sowie der Genosse Often in feinem Schlußwort blieben ihnen die Antwort nicht schuldig. Zur Entlastung des Kassierers gab ein Kommunist die Erflärung ab, daß die Fraktion der KẞD. beschlossen habe, für die Entlastung nicht zu stimmen, da bei den Neuwahlen der Revisoren die Mitgliedschaft die beiden kommunistischen Kandidaten nicht ge= wählt habe. Darauf wurde. die Entlastung mit 190 gegen 6 Stimmen erteilt. Die Vorstandsbeschlüsse über das Verbot des Mitführens nichtoffizieller Platate und Transparente sowie die Nichtzulassung fremder Referenten wurden gegen 10 Stimmen gebilligt. chluß des Mitgliedes Karl Daug wegen Streifbruchs während Die Bersammlung beschloß dann noch einstimmig den Ausdes Linoleumlegerstreifs. Niederlagen der Moskowiter. Bei den Metallarbeiterwahlen in Bayern. München, 20. Juli.( Eigenbericht.) Im Bezirk Bayern rechts des Rheins wurden zur Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes 21 Dele. gierte der Amsterdamer Richtung gewählt. Im Wahlbezirk Bamberg- Rosenheim findet noch eine Nachwahl statt, die den 22. Delegierten für die Amsterdamer Richtung bringen wird. Die Opposition" tonnte in teiner Wahlabteilung nennenswerte Stimmen erhalten. In den meisten Wahlabteilungen verzichtete sie von vornherein auf eigene Listen. In München erhielt die Lifte A( Amsterdem) 2088 Stimmen, die Liste B( Mostau) 551 Stimmen, in Nürnberg Liste A 4870, Liste B 1128, und ErlangenFürth- Schwabach Liste A 3800, Lifte B 182 Stimmen Im Stimmfreis Amberg Regensburg Würzburg ist die Opposition auch auf der gemeinsamen Liste unterlegen. P Freie Gewerkschafts- Jugend Groß: Berlin Achtung! Heute, Connabend, Probe des Ging- und Tanzspiels Jugend" auf bem Sportplag der Metallarbeiter, Berlin- Baumschulenweg. Rorbireis: Kreistreffen in der Jugendherberge Gamensee, Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn: Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales and Sonftiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Tb. Glede: fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co., Berlin GW 68. Lindenstraße 3. Sterzu 1 Beilage, Unterhaltung and Wiffen" und Frauenstimme". Saison Beginn: Montag, den 2.Juli AUSVERKAUF PREISE TEILWEISE HERABGESETZT BIS ZUR HALFTE HEUTE SCHLUSSTAG Baskenmützen 95 in vielen Modefarben.......... jetzt von DamenPt. an Strohhüte 195 290 moderne Formen, hell und farbig............ jetzt Frottierstoffe für Bademäntel.. 3.90 ........ jetzt Meter 39° VoileKleider Damenin schönen Mustern jetzt 50 45 in schönen Farbenzusammenstellungen, mit langen Aermeln jetzt Baumwoll50 Damen- Schlüpfer 750 35 StrumpfhalterTrägerhemden 135 mit Stickerei Damenmod rne Form.... ......... jetzt jetzt Gürtel eleg. Brochéestoff, Damen4 jetzt guter Kräuselstofftauchthemden Jacquard, mit Halters..... Bademäntel Waschseide ......... jetzt Kunstseide. mit Baum975 wolle, moderne Tupfen...... jetzt Meter Pf. 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Neuerdings wird dieser Weg zun» Bad auch von Dors- kremsern befahren,«in Behelf, der schon seinen Schatten den großen künftigen Dingen vorauswirft. Parzellierungen und kleine Neu- bauten Mischen den Waldbäumen oersprechen«in«„Dauer-Wochen- endtolonie* zu werden nach dem Muster Wonnsees. Im Dorf selbst überrascht die Primitivität des märkischen Gutsmesens, das man in solcher nächsten Nähe der chauptstadt nicht mehr vorzusinden glaubte. Die Leutehäuser der Gutsarbeiter sind noch mit Stroh gedeckt. Einzig der uralte Park und die alten Dorfbäume heben sich vorteilhaft von diesem Berfäll ab. Aber diese Erscheinungen sind nur noch ein Provisorium. Man kann hier direkt daraus warten, um zu sehen, wie sich der Umschwung vom Alten zum Neuen vollzieht. Den elroa 1000 Morgen große« See mit dem Gut Hot der Kreis aus früherer Privothand gekaust. Den größten Teil des Geländes besitzt die Gemeinde als Eigentum. Sie will alles lwn Grund auf um- gestalten und besonders am See«in Strandbad schaffen, wie es Verlin sonst noch nicht auszuweisen vermag. Ein ZOjähriger Vertrag mit dem Pächter des Freibades verpfktchtet diesen, große moderne Anlagen zu bauen, für deren Ausführung �»ic kleine Gemeinde selbst zu finanzschwach wäre. Die stark oerschrlsten Ränder des' Sees sind im Freibad bereits ausgebaggert, ein 600 Meter breiler Badestrand wirb hier entstehen. Von einer nahen Berghalde wird schöner weißer Dünensand, den die Natur vor 60 000 Jahren hier anwehte. Herangesohren. Es entsteht ein Saudstrand wie an den Oslseebädern. Bisher sind bereits 35 000 Kubikmeter Boden bewegt worden. Ein Restaurant mit Terrassen, die direkt an den See hinabführen, wird demnächst gebaut werden. Weiter ist ein großes Sportforum ge- plant. Um den See für Segler und Paddler zugänglich zu machen, wird der Zufluß in Verbindung mit dem Nutlzekanal reguliert. Während wir es sonst bei den Seen märkischer Struktur mit Fluß- wannen zu tun haben, die, wie z. B. beim Wannsee, in einem Kranz bewaldeter chöhen eingebettet liegen, liegt der Rcmgsdorser S« wie ein großes blaues?lug« inmitten flächiger Landschaft, nur von sanften Höhen und Feldern imrkrönzt, was ein ungenuin friedlich ruhiges Bild gibt. Westwärts erblickt man die Schulzendorfcr Mühlen. Der Iühnsdorfcr Kirchturm blickt hinter Woldspitzen her- vor. Die geplanten großen Anlagen werden jedenfalls dem Charakter der Landschaft keinen. Zwang antun, ivenn man dem Geschmack Vmna Tauts, der die künstlerische Ausführung übernommen hat, vertrauen darf. Im Augenblick freilich ist alles noch im Werden. Es ist ein Provisorium, dos den Preis von 20 Pf. für Eintritt und nochmals 23 Pf. für die Garderobenablag« durchaus nicht rechtfertigt. Immerhin ist auch jetzt schon«in lebhafter Bodebetrieb dort, der an schonen Sonntagen«inen großen Umfang annimmt. Und man sagt sich auch in Rangsdorf: Ob wir nun an der Ostsee sitzen oder am Rangsdorfer See, ist Piepe. Wasser ist Wasser! Demzufolge legt man es bei der holden Weiblichkeit mit mehr oder minder großem Geschick darauf an, so schick und potent wie möglich zu sein und die neuesten Schöpfungen der Bademode sind auch in Rangs- darf Trumps. Wilhelm-Kilchner-Stistung. Der Oberbürgermeister von Berlin hat eine „Dr.-Wilhelm-Filchn er- Stiftung" eingerichtet. Er selbst Hot hierfür 3000 M. überwiesen, der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 18. Juli 12 000 M. bewilligt. Zur Venvaltung der Stiftung ist ein Ausschuß eingesetzt worden, der aus den Rektoren der Unioerjstät und. der..�chuischeo. Hochschule. Stoatsrwnister a. D. Dr. S ch m i d t- O t t, Rfchtsanivali Dr. Luke, Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Drigalski und dem Oberbürgermeister besteht. Der Zweck der Stiftung ist, einmal dem Gelehrten die Mittel für den Unterholt und für die Ausarbeitung seiner Entdeckungen zur Verfügung zu stellen und chm weitere Forschungsreisen zu ermöglichen. Bei der Darmstädter und Nationalbank, Berlin, Depositenkasse Königstraße, ist unter Nr. 2040 ein Konto„Dr.- W i l- helm-Filchner-Stiftung" eingerichtet worden. Alle die- jenigen, die der oufopferungsbereiten Tätigkeit des Gelehrten, der dem deutschen Ansehen und der deutschen Wirtschast in der ganzen Welt große Dienste geleistet Hot, Interesse entgegenbringen, können auf das obengenannte Konto Spenden überweisen. Ein Bravo den Freidenkern! Die vernichtende TUederlage der Kommunisten. Am dritten Verhandlungstag des Kongresses der Frei- denker in Franksurt o. M. konnte die Generalversammlung an die grundlegende Aenderung des Verbands st atuts heran- geben. 100 Anträge standen zur Debatte und wurden nach griind- licher Vorberatunz im Ausschuß, dem u. a. als Berliner Vertreter unser Genosse Exner angehörte, nom Plenum erledigt. Auch hierbei mußt« die Opposition erleben, daß alle Versuche, den Verband in«ine K'ampfesstellunq gegen die Koalitivns- Politik der Sozialdemokratischen Partei zu drängen, von einer Bierfünftel-Mehrheit zurück- gewiesen wurden. Unter dem Vorwand,„zur Gcschästsordming" zu reden, erschlichen sich die Kommunisten noch einmal dos Wort und trieben Mißbrauch damit wie immer. Dem ersten Oppositions- redner gelang dies noch, weiter« Redner aus seinen Reihen wu-den nicht mehr angehört. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß die Komimmisten die Tribüne strahlenförmig besetzen ließen und der eigens aus Verlin-Pantow herbeigeholt« kommunistisch« Stadtrat M e n z sich artig wie ein Ki id verhielt. Wie sehr die Opposition glaubte, den Verbandstag an die kommunistische Kette zu legen, zeigen einige von ihnen gestellte Antröge: 1. Beitritt zur R o t e n Hilfe: 2. sofortiger Rücktritt des Vorstandes: 3. Beteiligung an politischen Kundgebungen: 4. Rückoersetzung ausgeschlossener Genossen: 5. Maslowsti als Referent zuzulassen: 6. Aufhebung der H a u s k a s s i e r un g: 7. Delegation nach Rußland: 8. Stimmrecht der Mitglieder unter 18 Iahren(also vom 1. Lebensjahr ab) und ähnlister Hokirspokus. Besonders bekämpft aber wurde die winzige Bei- tragserhöhung, die der Vorstand infolge der feit 1024 ge- ftieqenen Material- und Beftottungskosten beantragt«. Seit dieser Zeit sind Mehrkosten entstanden: Gesongsbegleitung bei Bestattungen, jährlich 62 000 Mark Bessere Ausstattung der Särge..„ 12 000„ Dos Berbandsorgon......„ 77 000, Mehr an Propaganda.....„ 60 000„ .Kultursekretariat und Ausbau des Archivs 16 000„ Belastung durch Steuern.,,.... 3Z 000 Gesamt 262 000 Mark Das Gros der Mitglieder befindet sich in Gruppe ü: sie leisteten 96 M. Beitroge nach zwanzigjähriger Mitgliedschaft. Die Bestattungskosten betragen bei diesem Mitglied 145,30 M. Es spricht für die mustergültige Sparsamkeit des Varstandcs. wenn bei dem bisherigen Beitragssatz olle lausenden Verpflichtungen bis Data erfüllt werden konnten. Sträflicher Leichtsinn aber wäre es, den Mitgliedern die tatsächliche Lage vorzuenthalten. Darum wagte die Generalversammlung die Flucht in die Mitglied- schast und sie ist überzeugt, daß alle einsichtigen Mitglieder den geringen Mehrbeitrag von etwa 20 Ps. pro Monat zahlen werden. Di« Opposition, die den Vsrbandstag mit seinen hohen Kosten verursacht hat, predigte Sparsamkeit. Bei der Neuwahl zu den Verbandskörperschasten wurde kein Kommunist gewählt. Mit Verachtung ging die Generalversammlung über diese Sorte„Kulturträger" zur Tagesordnung über. Neu in den Vorstand gewählt wurde der Genosse Bernhard Meier, Berlin, der sich um den Aufbau des Verbandes große Ver, dienst« erworben Hot. Zur„Rag"-Tagung in Dessau würden von Berlin D r a t w a und Fuß delegiert. Alle Freunde der deutschen Kulturbewegung können aus dos Ergebnis der Franksurter Tagung des„Verbandes für Freidenker- tum und Feuerbestattung" mit Stolz blicken. Die innere organlsolorlsche Festigkeil ist hergestellt. Zwar wird die Oppasilion nochmals den Versuch machen, Mißtrau ensanträge gegen die Delegierten an den Mann zu bringen, um ihre eigene, selbst- verdiente Blamage zu verschweigen. Aber sie mag nur kommen, will sie nun noch keine Ruhe halten, werden die G o n e r a l v e r- s a m m l u n g s b e s ch l ü s s e zu voller Wirkung gebrocht. Die Sozialdemokratie darf auf die Frankfurter Tagung mit Befriedigung zurückblicken! AieAachinachdemVemt. isi Roman von Liam O'Flaherty. (Au« dem Englische« übersetzt von«.Häuser.) Wenn niemand hinsah, pflegte sie oft Gypo eine halbe Krone in die Hand zu drücken und zu slüstern:„Möge die heilige Jungfrau dich beschützen, und willst du nicht auf Francis aufpassen und zusehen, daß ihm nichts passiert." Sie ist eine gute Frau, dachte Gypo ganz unpersönlich, während er sie ansah. Dann leerte sich die Küche plötzlich hinter einem fetten kleinen Manne, der einen dunklen Regenmantel und einen schwarzen, steifen Hut trug. Alle machten ihm Platz, als er aus der Tür ging, und man flüsterte. Einige starrten ihn mutend an, ober es war augenscheinlich, daß olle großen RZpekt vor ihm hatten und ihn bcneu,eten, sogar diejenigen die chn finster anstarrten. Er war ein bedeutender Politiker der Arbeiterpartei. Abgeordneter im Parlament für den Wahlkreis, zu dem Tittstreet und dle umliegenden vluin? gehörten. Dieser wichtige Politiker war in seiner Jugend m>. McPhillip zusammen Maurer gemesen und McPhillip mar noch immer seine Hauptstütze.. Als der Politiker gegangen war. blieben außer McPhillip und seiner Frau nur noch fünf Menschen im Zimmer. Drei Männer in der Ecke beim Fenster, links von Gypo, steckten die Köpfe dicht zusammen und flüsterten mit jener plötzlichen Vertraulichkeit, die aus der Gegenwart eines Unglücks ent- steht oder aus einem Gegenstand des allgemeinen Interesses. Zwei davon kannte Gypo. Die beiden waren Mitglieder der revolutionären Organisation.- Gypo murmelte in sich hmeiir:„Dieses Stinktier Bartly Mulholland ist hier und der andere bei ihm ist Tommy Connor. Mulholland ist, glaub' ich, drauf aus. Francis .McPhillips Stelle im Zntelligenzdepartement zu kriegen: »tnd vermutlich versucht der lange steife Connor ihn da hin- (sack McPhillip saß auf dem schmalen Bett in der von Gypo entferntesten Ecke. Er redete zu zwei Frauen, die chre Stühle nahe an da? Vett herangezogen hatten. Sie hotten sich auf das Gespräch mit McPhillip gestürzt, sobald der Politiker gegangen»vor. Sie nickten mit den Köpfen und zappelten in dem erstaunlichen Ueberschwung von Gefühlen, die Frauen auf der untersten Stufe des Mittelstandes zu ent- wickeln pflegen, wenn sie sich in Gegenwart von Mitgliedern der Arbeiterklasse befinden, die noch mehr im Urzustand ieben. Die eine war die Frau eines Kleinkrämers der Tittstreei, die andere die Frau John Kennedys, des Lastwagenkutschers. der sich gerade selbständig gemacht hatte. Jack McPhillip saß auf dem Bett, die rechte Schulter an den Pfosten gelehnt. Der eine Fuß hing fast bis auf den Baden, der andere lag auf dem Bett. Er hielt, während er sprach, seine rechte Hand, die Handfläche nach außen gekebrt. vor sein Gesicht, als ob er eine phantastische Vorstellung von sich vertreiben wollte. „Da seid ihr nun und seht, wozu's der Mann in seinem Leben gebracht hat. Das ist es, wonach jeder streben sollte, statt einen Narren aus sich zu machen, der Schande über feine Klaffe und über seine Familie bringt. Johnny Daly sitzt heute als Abgeordneter im Parlament, weil er seivu Groschen und freie Stund«, die er hatte, auf seine Bildung verwandte.'Er paßte auf sein Geschäft auf und tat. was in seinen Kräften stand, seine Genosien zu bilden und ihre Lage zu verbesiern. Danach sollte jeder handeln. Mein Sohn ober... ich hatte ihm eine gute Stellung als Vsrsicherungs agent verschafft, und wenn er nur etwas auf sich geholten hotte, dann wäre er jetzt aus dem. cgen Wege gewesen, sich eine, angesehene Lebensstellung zu erwerben, anstatt min ober. Plötzlich entstand eine erstaunliche Unterbrechung, die jedermann aufsehen ließ. Gypo hatte mit seiner tiefen, dröhnenden Stimme, die das ganze Haus erfüllte, gesprochen: „Es tut mir leid um das Unglück, das Sie betroffen hat, Frau McPhillip." Die Worte hallten m dem, Schwergen nach, das ihnen folgte. Sie waren wie mit eurem Male herausgeschaffen. Gypos Stimme hatte sich plötzlich aus feine« Lungen gelost, als unmittelbarer Ausdruck der Erregung, zu der ihn«in leidenschaftliches Mitgefühl gebrocht hatte, als«r Frau McPhillip ansah. Er suhlte plötzlich, daß er diesem Empfinden mst Gewalt Lust machen mußte. Nicht mit Flüstern, nicht mit über- legten, rücksichtsvollen Worten, sondern mst einem wilden Schrei, der keinen Widerspruch duldete. Der Schrei durchwanderte den Raum, lang« nachdem der Klang verhalst war. Niemand sagte ein Wart. Serie Kraft mar pt übermalt,- gend. Aus irgendeinem erstaunlichen Grund schnüffelte jeder nach dem Geruch der Bratensoße, der jetzt mit einem Male die Luft in der Küche durchzog. Der Geruch kam von der Pfanne her, die noch auf dem Feuer stand mit dem Abend- brot, das für Francis Joseph McPhillip gekocht wurde, als die Polizei kam. Er war so müde gewesen, daß er seiner Mutter sagte, sie solle ihm das Abendbrot ans Bett bringen. So stand es denn jetzt noch vergessen neben dem Feuer. Dann wich das erste, starre Staunen, und alle sahen zu Gypo hin. Sie sahen ihn auf dem Boden sitzen, zusammengeknickt, massig tn seinem blauen Zeug, das prall wie ein Schwimm- anzug an ihm saß, mit dem Hütchen oben auf den Kopf ge- stülpt, und immer noch wie magnetisch angezogen auf Frau McPhillip starrend, ohne Ahnung der Lähmung, die sein Ruf verursacht hotte. Die einzige von allen Menschen im Raum, die sich nicht wunderte, war Frau McPhillip. Sie hatte nicht aufgesehen. Sie bewegte nicht einmal die Augen. Ihre Lippen fuhren fort, Gebete zu flüstern. Ihr Geist mar angezogen non einem anderen Magneten, sie mar in die Betrachtung von Dinge« nerloren. die weit abseits lagen non den Menschen im Raum, west abseits auch vom Leben, in die Betrachtung von Dingen. deren Wurzeln irgendwo in den geheimnisvollen Grenzen der Ewigkeit steckten. Da raffte sich McPhillip auf dem Bett zu sitzender Hol- tung auf. Er faßte noch der alten Kappe, die von seinem grauen Kopf gefallen mar, und rief:„Oh. du bist es, der da- hinterftsckt, du bist das! Du Sohn der Hölle!" So wild stierte er Gypo an, daß sein Gesicht zu zsttern anfing. Es war von der Sonne so verbrannt, hoß es beinahe schwarz aussah. In der Nähe war es rotbraun. Er hatte ein Glasauge. Das andere Auge kreuzte den Blick d«s gläsernen, wie um es zu bewachen. Er mußte immer von einem Menschen weaschouen, um ihn zu sehen Diese Geb störung hatte feine Frau immer mst Schrecken erfüllt, so daß sie stets zitterte, wenn er sie ansah. Er war so mcheimlich. wenn er so aus der Entfernung guckte wie jetzt. Sein Körper war untersetzt und dürr, er mar fünfzig Jahre alt. Er sprang aus dem Bett auf und stand da in seinen grauen Socken, die blaue Weste aufgeknöpft. Der kleine weiß« Leinenflicken ans dem Bauch semes grauen Flanell- Hemdes blies sich ein und aus mst dem schwere« Atem, der chm die Kehle schnürte, während seine Hände sich rastlos SffpH** tmb M/m.(Forts, folgt.) Ernste Stimmen aus Oslo. Verlangt Norwegen Untersuchung? Der Leiter der norwegischen Lnftverfehrstinlen, SapilSn INelsf er t in. hat die Forderung erhoben, daß Norwegen eine ..See-Ertlarnng" in bezug aus die Latastrophe der l a l i a" ausnehmen müsse, da Spitzbergen unter norwegischer Ge. richtsbortelt liege. Der stellvertretende Außenminister hak erklärt, daß die Regierung sich mit der Frage besasse. vor läufig sei jedoch noch kein Beseht dieser Art nach Spitzbergen abgegangen., Wie von anderer Seite verlautet, soll die norwegische Regierung freilich beschlossen haben, nicht die Initiative zur Untersuchung der ..Jtolia"-Katastrophe zu ergreifen. Sie will sich auf den Stand- punkt stellen, daß die Rechtslage die Aufnahme einer See-Crklärung nicht rechtfertige. Dieser Beschluß soll hauptsächlich in Hinsicht darauf gefaßt worden sein, daß die italienisch« Regierung sich bereit erklärt hat, alle näheren Umstände des Schiffbruchs und der späteren Ereignisse eingehend zu prüfen. * Ein« See-Erklärung der norwegischen Regierung würde bedeuten, daß die„E i t t a d i M I l o n o* Kingsboy nicht verlassen dürste, um, wie Mussolini es befahl, die Geretteten der Robile-Katastrophe heimlich und unter Schweigegebot nach Italien zurückzubringen. Die Kingsbay auf Spitzbergen unter- liegt der norwegischen Souveränität. Internationales Recht bestimmt, daß Kiistenmeer und Küstengebiet auf drei englisch« Seemeilen vom Lande aus, Meerengen, die in dieser Weise vom Lande beherrschbar sind, und Meeresbuchten bis zu einer Oesfnung von 10 Seemeilen dem Besitzer st aat unterstehen. Diese Ve- fkimmungen treffen für die tilngsbay und den Ankerplatz der„Citla dl milano" zu. Norwegen hätte also wohl das Recht, Nobile tue Fahrt nach seinem faschistischen Vaterlande zu verbieten und von ihm im Rahmen der norwegischen Gesetze Rechenschaft zu verlangen. Tragischer Tod eines Schuhpolizisten. In der Krummen&mke ertrunken. Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag der 20jährige Polizeioberwachtmeister Fritz Ooehr» von der 2. Berittenen Bereitschaft.-. Goehrs. der seinen Dienst bei der berittenen Streife, Depot Grunewald, versah, besand sich gegen 1b Uhr auf einem P a- t r 0 u i ll e n r i t t, der ihn auch an die Krumme Lante führt«. Woizlich scheute das Pferd, stürmte den Äaldabhang hinunter und raste blindlings m den See hinein. Im Wasser schlug das Pferd wie wiid um sich: der Reiter wurde abgeworfen und von einem Aufschlag schwer getroffen. Der Beamte ging, obgleich er schwimmen konnte, sofort unter und kam nicht mehr an die Oberfläche. Zahlreiche Ausflügler, die Zeuge des Borfalls ge- worden waren, tonnten dem Beamten keine Hilfe mehr bringen. Die Feuerwehren von Steglitz und Zehlendorf wurden alarmiert und trafen mit mehreren Rettungswagen nach einiger Zeit an der Unfallstell« ein. Der verunglückte Schutzpolizist könnt» bald geborgen werden, doch hatten Wiederbelebung s- o e r s u ch e keinen Erfolg mehr. 60 Personen im Rhein erirunken. 3S6 Personen vermißt. Bei der Bermitztenzentrale in Köln find in den ersten 1? Tagen dieses Monats allein aus Köln 90 Vermißte gemeldet worden. Weiter wurden 118 Vermißte aus der übrigen Rheinprovinz und 173 aus dem übrigen Reichs- gebiet gemeldet. Es gelang, 83 der Vermißten als tat festzustellen. Von diesen 83 Personen waren 80 im Rhein ertrunken. Zto'chsmimster Severins in Wien. Reichsinnenminister Severing ist am Donnerstag abend zur Teilnahme an dem Sängerbundesfest in Wien eingetroffen. Er murde von dem deutschen Gesandten am Bahnhof empfangen. Auch Reichstagspräsident Lobe ist aus seinem Sommerausenthalt Inns- druck eigens mit Flugzeug nach Wien gekommen und hielr auf dem deutschen Sängerbundesfest eine mit großem Beifall aufgenommene Begrüßungsansprache.____ Der dritte Dieb von der Kadolzburg. Im Frühfahr erregte in Kunsttreisen großes Aufsehen«in Gin- bruch auf der Kadolzburg, bei dem den zunächst ganz unbe- kannten Tätern zwei wertvolle mittelalterliche Altarflügel tn die chandjj fielen. Jetzt wurde der letzte Täter, der Einbrecher G r a s k /, festgenommen. Beamte der Dienststell« B 3, die allen seinen Spuren nachgingen, ermittelten endlich, daß er bei seiner Braut in der ch o l l in a n n st r a ß c la einen Unterschiups gesunden hatte. Dort machten sie gestern morgen einen überraschenden Besuch und nahmen ihn aus dem Bett heraus fest. Graste besaß einen mit seinem Lichtbild versehenen Ausweis aus den Nomen „Gully-Bill", Redakteur der Weekendzeitung. die gar»ich- existiert. Mit diesem Ausweis hatte er sich bisher immer durchzuhelsen verstanden." Gefahrliche Sprengarbeiten. Bei Sprengarbeiten an der Jannowitzbrücke wurden gestern zwei Possanten durch umherfliegende Steinteile ver- letzt. Einer der steinernen Brückenpfeiler wurde in drei Etappen gesprengt. Obgleich die gefährliche Arbeitsstelle von Schutzpolizei in großem Umfange abgesperrt worden war und auch sonst weitgelzende Sicherungsmaßnahmen getroffen wurden, war der durch �>ie Explosion hervorgerufene Steinhagel so stark, daß einzelne Stücke bis zur Holz markt st raße ge- schleudert wurden. Dort wurde gegen 12 Uhr der Arbeiter Hcrn-.ann W. aus der Choriner Äraße am Kopf leicht ver- legt. Eine Stunde später wurde bei einer anderen Sprengung der LLsährige Musiker Siegmund W. aus der Treeckowstraße ebenfalls durch einen Steins plitter verletzt. Beide Ber- unglückte nahmen ärztliche Hilfe in Anspruch. Reichshallen-Thealer. Die Stettinsr Sänger sind in Urlaub ge- gangen und für sie sind die Dresdner Biktoria-Sänger eingezogen. Man möchte den Gästen aus der schönen Glbessadt gern etwas Freundliches sogen, aber wa« sie bieten, das ist selbst unter Berücksichtigung der Temperatur doch so unglaublich harmlos, daß man sich erstaunt fragt, wie es möglich Ist, daß diese Anspruchs- losigteiten noch gefallen. Sie gefallen aber in der Tat: Ein älterer Herr Komiker bewitzelt— man staune— den Bubikops und da« kurze Kleidchen. Man greift auf Melodien zurück wie diese: Nimm nnch mit, in dein Kämmerlein, oder Wenn die Liebe nicht war!, die partout darauf, salz- und geschmacklose TheaterstLcke von Anno dunnemals zu spielen. Es gibt Theaterverein« in Berlin, die dos ebenso- gut machen. Warum nicht, ihr Herren, die wirklichen schönen Sie Mnchener Eisenbahner freigelassen! Schwere Vorwürfe gegen die Reichsbahn. Aus München drahtet man uns: Auf Grund der Ver- nehmung der verhasteten Angeschuldigten in der Angelegen- heil des Münchener Eisenbahnunglücks und im Zusammenhang mit einem L o k a l l e r m i n. der gestern siallfand, konnlen die Aufhebung des hafibefehls und die Freilassung der drei verhaskelen Angeschuldiglen noch gestern erfolgen, da eine Verdunkelungsgefahr nicht mehr besteht. Die vorunlerfuchung gegen die drei Stell werksbeamlen sowie gegen den Lokomolioführer und Heizer des Siammzugs, wie auch die allgemeine Unlerfuchung zum Zweck vollständiger Aufklärung der Schnldfrage nimmt ihren Forkgang» Gestern vormittag hat nämlich eine Gerichtstommiffion auf dem Münchener Hauptbahnhof einen Lokaltermin abge- halten zur Besichtigung der Betriebshlltte I bei der Hacker- brücke und der Blockst e-l l e bei der Donnersbergbrücke, sowie zur Aufnahme verschiedener Lichtbilder. Am Abend hat ein weiterer L o k a l t e rm i n stattzefunden, um die veobachwngsmöglichkeit auf dem Stommzug zu prüfen, der bekanntlich auf den Vorläufer aufgefahren ist. Bon der Reichsbahndirekkion wurde dafür ein« gleiche Z u g s z a r n i t u r wie di« des Stammzug» zur Verfügung gestellt. Mit diesem Zuge wurde von der Gerichtskommisston die Beobachtungsmöglichkeit auf der Maschin« geprüft und ein Bremsversuch im Anschluß daran vorgenommen. Die Erregung der Bevölkerung über die Eisenbahnkatastrophe hält immer noch an. Gestern ward eine groß« Versammlung des Eisenbahnpersonals abgehalten, um zu dem Unglück Stellung zu nehmen. Glei chzestig riefen die National- sozio listen ebenfall» für Freitag abend zu einer großen Kund- gebung gegen die Reichsbahn, die bei ihnen.D a w e s b a h n* genannt wird, auf. Ueber den blöden Unfug des Namens „Damesbahn" in diesem Zusammenhang äußerten wir uns vor einigen Tagen ausführlich. Die Handelskammer Leipzig hat an das Reichs- Verkehrsministerium«ine Eingabe gerichtet, die sich mit dem Münchener Eisenbahnunglück und seinen Folgen befaßt. In dieser Eingabe heißt es, daß di« seitens der Reichsbahn- gefellschaft über di« Urs ach« der Unglücksfälle, die sich in letzter Zeit ereignet haben, abgegebenen Erklärungen nyi befriedigend seien, insbesondere müsse auch dafür Sorge getragen werden, daß durch klare Fesksiellung der Ursachen und Adstellung der mänget weitere Unglücksfälle nach mögllchkeil oerhindert würden. Die Handelskammer Leipzig stellt deshalb beim Reichsverkehrsmini- sterium den Antrag, daß der R e i ch s e i s e n b ach n r a t unverzüglich zusammenberufen wird, um einmal in Kreisen» der Bevölkerung Beruhigung zu schaffen, um weiter der DeuAchen Reichsbahn Gelegenheit zu geben, zu den Eisenbahnunglücksfällen Stellung zu nehmen und um schließlich Mittel und Wege.zu baraten, daß derartigen Unglücksfällen in Zukunft nach Möglichkeit wo r g e b«n g t werden kann. Die Reichsbahndirektion München oeröffenllicht eine neue umfassende Darstellung des Eisenbahnunglücks in der mu- geteilt wird, daß die Zentralisierung der Strockensicherunz für den Mittelteil des Münchener Hauptbahnhofes bereits g« n« h- m i g t worden sei. Die Behauptung, das System der Personal- einsparung trage an dem Unglück Schuld, s»i nicht zutreffend. Nach dem Personalabbau der Jahre 1S2S und 1928 sei im Bezirk des Betriebsamtes München trotz geringeren Zugverkehrs der Perfonalstand noch fast 7 Proz. höher als der m der Bor- k r i e g s z e i t. und bei der Station München-Hauptbahnhof betrage die Vermehrung sogar 14 Proz. Zum Rettungswerk wird gesagt, daß die Pressungen und Splittrungen den soforligen Tod der Reisenden herbeigeführt hätten. Der Tod könne nicht in Zusammenhang gebracht werden mit' dem erst viel später eingetretenen Brand. Bei der An- wendung der Schneidbrenner sei sachgemäß verfahren wor- den. Die Herbeirufung der Feuerwehr habe sich infolge der über» aus starken Belegung der Fernsprechleiwngen leider bis 22LS Uhr verzögert. Die Gasbeleuchtung des einen Magens komme für die Entstehung und Ausdehnung des Brandes n i ch t in Betracht. Es ist nicht angängig, aus den Vergleichsziffern von 1923 und 1928— inzwischen sind fünfzehn Jahr« vergangen, und die Derkehrsverhältnisse haben sich sehr verändert!— zu schließen. daß die Personalbesetzung bei der Reichsbahn ausreicht. Der Ausbau des Berterhs stellt Anforderungen gerade an die unteren Beamten, die«ine E-r höhung des Personalbestandes als unbedingt geboten erscheinen lassen! Loltelieder? Warum nicht ein kleine», fröhliches, schnelles Scherz- und Singspiel. Warum nicht mal was von ckians Rcimann und feinem netten alten„Genich"? Wir willen nicht tiefste sächsische Provinz. Wir wollen was aus der Hauptstadt Dresden hören. Bestien in Menschengestalt. Bor dem Schwurgericht Bautzen wurden in diesen Tagen der 27 Jahre alte Fleischergeselle Arthur Wieltsch und dessen Zöjährige Ehefrau Emma Anna Auguste, beide aus Zittau, zu je sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie ihr drei- sährige» vor der Eh« geborenes Kind Günther zu Tod« miß- handelt haben. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Eltern das Kind bestialisch mißhandelten. So ist es z. B. in einer Nacht voll« zwei Stunden geschlagen worden. Ein andermal hat man da« Kind in einem R e i se t o r b auf einen Nachttopf gesetzt, den Deckel des Korbes zugedrückt und das Kind sich selbst überlassen. Der Korb war so niedrig, daß das Kind nur in stark g e- krümmterHaltung, den Kopf tief herabgebeugt, sitzen tonnte. Bei der Sektion fand man am Halse eine frische Strangu- lationsfurche, am Gesäß eine eitrige kreisförmige Brandverletzung, so daß man annehmen mußte, das Kind sei auf einen Nachttopf mit heißem Wasser gesetzt oder ge- drückt worden. Als Todesursache wurde ein starker Blut- «rguß zwischen Schädeldach und Gehirn festgestellt, der durch einen starten Schlag oder Stoß auf den Kops entstanden war. Das sind Helden! In der Beelitzer Lungenheilstätte veranstalteten am Sonntag die Patienten eine Demonstration für Freilassung von Hölz. In der Bersammlung, die im Wald« abgehalten wurde, hielt der Kommuni st August Müller eine Schmährede auf den Reichskanzler Hermann Müller und die Sozial- demokratie. Zwei Parteigenossen, die durch Zwischenrufe protestierten, wurden verprügelt. Die Anstaltsleitung griff sofort ein und ließ die Prügelhelden feststellen. Sie werden sich vor dem Strafgericht zu verantworten haben. Die Kommunisten lassen eben kein« Gelegenheit vorübergehen, um den sozialdemokratischen Arbeitern den Beweis zu liefern, daß sie die S o z i a l d e m o- tratie als Feind« betrachten. Ein im besten Sinne volkstümliches Abendkonzert bot General- Musikdirektor Eduard Mörike mit dem Berliner Sinfonie. orchester. Weber» Ouvertüre„Beherrscher der Geister" und Men- delsfohns„Schottische Sinfonie" sind Werke der Romantik, die auch heute noch den Musikfreunden aller Kreis« Freud« bereiten dürften. Schumanns Orchesterkompositionen dagegen setzen vielleicht schon etwas mehr Musikwissen voraus. Es wäre daher noch günstiger ge- Wesen, wenn fein opus 52 nicht direkt als Abschluß des Programms gebracht worden wäre.— Dr. Kurt Z a r« k schloß seine Vor- tragsfolge über„Dichtung und Gegenwart" mit einer Wür. digung des Schaffens von Andre Gide. In dankenswerter Weif« vermied er hochtrabende Formulierungen und begnügte sich mit einer schlichlan, anschaulichen Darstellung bes Wirkens dieses französischen Schriftstellers, der durch starke Wurzeln auch in der deutschen Geisteswelt verankert ist.— Walter� Trojan zeigte seinen Hörern als lockendes Wochenendziel die märkischen Höhenzuge des hohen und niederen Flämings, di« besonders im August einen malerischen Anblick bieten, wenn di« Erika sHeidekraut) Täler und Hügel mit roten Blütenteppichen überzieht. Schloß Wiesen- bürg und Burg C i s e n h a r d t bei Belzig und Ruine Raben- stein sind besonders romantische Ziele auf dieser Fahrt.— Auf die„Erfolge des landwirtschaftlichen Schul- wesens" wies Diplomlandwirt Voigt hin. Er zeigte an Hand von Zahlen, daß die landwirtschaftlichen Betriebe, die durch Schulen und Beratungsstellen auf die richtige Bewirtschaftung hingewiesen wer- den, bis über 40 Proq. Mebrertraa zu buchen batten. Ein weiterer Ausbau des landwirtschafllichen Schulwesens ist noch notwendig, wenn all« Betriebe erfaßt werden sollen. Denn mindestens zu einem großen Teil ist die oft geklagt« Rot der Bauern nur eine Folge unrationeller Bodenbewirtjchoftung. Der Bortragende betonte allerdings nur di« Bedeutung, die eine bessere Auswertung des Bodens unmittelbar für die Allgemeinheit haben würde. Tes. Fassadenkletterers Nadereisen. Paul Kaßner auf„Erholung". Gegen den sogenannten SSnlg der Fasfadoa. {(cl lerer Paul kaßner wird gegenwärtig ein umfaner reiches Ermilllungsverfahren wegen einer ganze» Reihe schwer e-r Verbrechen geführt, die er während der zweimaligen„S l r a s n r l a n b e", die er sich durch Enl» weichen aus der Strafhaft selbst genommen hatte, begange» haben soll. Anscheinend hatte Kaßner di« Zeit benutzt, um»ine Rhein- und Bädertournee zu unternehmen, auf der er sein altes Gewerbe als Fassadenkletterer ausgeübt hat. Kaßner steht auch dr dem Verdacht, Hauptbsteiliglsr an dem Kassenraub im Zoo- restaurant am 18. Dezember 1927 gewesen zu sein. Durch eine» Vertrauensmann hat die Kriminalpolizei auch Nachricht erhalten, daß Kaßner einen Fassadeneinbruch in dem holländischen Seebad Scheveningen verübt hat. Außerdem ist er verdächtig, weitere Fassadeneinbrüche in Bad Salzschlirf, Schlangenbad, serner i» Tliainz. Frankfurt a. M. und Düsseldorf verübt zu habe». Schon vor seiner legten Flucht war gegen Kaßner Voruntersuchung wegen eines Einbruches in der Villa der Freifrau v. Münch- hausen in Wiesbaden und wegen eines Diebstahls im Hotel Bristol eingeleitet worden. Im ganzen werden ihm neuerdings zehn bis zwälf Etn- bräche zur Last gelegt. Kaßner bestreitet sämtliche Fälle und erklärt, daß es noch mehr Fassadenkletterer gäbe. Gegenwärtig verbüßt Kaßner in Tegel den Rest seiner letzten Strafe. Eine Uebersührung Kästners nach dem Untersuchungsgefängnis oder der Hausoogtei zur Erleichterung der jetzigen gegen ihn schwebenden Ermittlungsverfahren ist auf Anordnung de» Strafoollzugsamtes mit Rücksicht aus die Persönlichkeit Kahners, dessen Ueberwachung in der geschlossenen Strasanstalt g e j i ch e r t e r erscheint, abge- lehnt. Die Vorführung Kaßners zu den Vernehmungen erfolgt unter den größten Sicherungsmaßnahmen. Er wird stet» schwer gefesselt und unler Bewachung von fünf bis sechs mit Revolver.4 versehenen Beamten im geschlossenen Gesangenentronsportwageu befördert. Selbst bei Vorführungen im Gefängnis wird Kaßner regelmäßig von Kopf bis zu den Füßen körperlich durchsucht. um zu verhindern, daß er in den Besitz von Sägen und Feilen gelang._ Glite-Taq in der„Neuen Welt". Wirtliche Erholung und gute Unterhaltung sindet der Berliner an jedem Donnerstag in dem bekannten Dergnügungselablissement „Neue Welt" in der H a f e n h« i d e. Im schönen Naturgarten, dem alt« Kastanien Schatten spenden, steht eine der größten Bühnen Berlins, auf dem ein«rstklolsiges, schnell wechselndes Varietä- programm abrollt. Für die musikalische Unterhaltung sorgt«in Orchester, dessen Darbietungen durch eine eigene Senderanlag« zu einer zweiten Bühne überlrageu werden, so daß in jedem Teil des herrlichen Gartens die lustigen Weifen ertönen. Beim selbstgekoch- ten Kaffee— die Kaffeeküch« ist immer geöffnet— und einem Gläschen Bie» oergehen die Stunden wie im Fluge. Für den Zeit- vertreib der Kinder sorgt ein kleiner Vergnügungspark, auf den» neben Schieß- und Würfelbuden, Luftschaukeln und ein Karussell ausgestellt sind. Den Höhepunkt des Abends bildet aber«in R i e s e n f e u e r w e r k. das von dem bekannten Pyrotechniker Nieland abgebrannt wird. Denn krachsnd, berstend und zischend die bunten Feuergarben zum dunllen Nachthimmel emporsteigen. füllt sich jedes Herz mn lubelnder Freude und dem Bewußtsein. «inen wirklichen und billigen Clite-Tag der Unterhaltung erlebt zu haben.___ Arbelter-Rennfahrer bei Rükk am Zg. llnll Da die Bezirks- Meisterschaften im Bahnrennen ausgetragen sind, werien die Gau- meisterfchatten am 29. Juli d. I. auf der Rütt-Arena ausgetragen. IIa. fntßer den Gaumeisterfchasten«in 50- Kilometer- Mannschaftsfahren nach Sechstageart. ein Run- denze.tfahren und ein internationaler Länder- kämpf Deutschland-Franlreich- Belgien in drei Läufen. m»l>erb«r!chl»er öfievlllchea wetterten fllelle Berlin und Umgegend _ r.7*; aSfl.."»«« döber. teil« bewöl t, teil« fiter, westliche Wmde. Jur Deutschland: Im Südwesten und Südön weiteröin heiter und S�uck wmm, im übngen Reiche meist wollt i und mäßig warm, wir geringe;iiedenchläqe ttn Nordosten und an der DflseeUlfle. e& Q führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und Srivflr Du bist im Bilde Groß- Berliner Parteinachrichten. Heute, Sonnabend, 21. Juli 6. 9. 25 16 Uhr Sommerfest n Büttners Festfälen, Schwedter Str. 25. Alle Freunde und Bekannte find besonders eingeladen. Große Ueber. saschungen, Steels Kreuzberg. But Fahrt ins Bellfager treffen wie uns hente, Gonn abend, 15 Uhr, por bem Heim Belle- Alliance- Blag i oder 15 Uhr not dem Getttiner Fernbahnhof. Kreis Mitte Connabenb, 21. Sult, treffen mit uns vor dem Stettiner Bahnhof um 16% Uhr. Fahrpreis 2,10 M Die Seifertigung am Montag fält aus. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an bas Jugendfefretariat Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Heute Sonnabend. 37. abt. Sib 16 Uhr Sommerfest im Reſtaurant Stordnet", Sobenfönbaufen, Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bahnhof Schöneberg um 17 Uhr für Genoſſen mit gelten, 18 the file bie in Sauptste. 07. Die Parteigenoffen der naheliegenden Abteilungen find herzlich willkommen. Um tegen Befuch wird gebeten, utgen, Sonntag, 22. Juli 43. 96. bfahrt 9 Uhr Görliger Bahnhof zum Familienausflug nach Grinau. Faltenhorst, Sotal Bierbarth. Nachzügler 18 Uhr Bahnhof Grilnau. Staffeelochen 80 Bf., Mittagessen 1,25 M. und 1,50., bis 9 Uhr beim Genoffen Senste bestellen. Rinderspiele. 91. bt. Neukölln. Die Ordner treffen i 10 Uhr Rinbl- Brauerei, Hermannstraße, zur Seforierung des Gartens, Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Bezliu G. 14, Sebaftianfte. 87/38, Sof 2 r. Sonnabend, 21. Juli. Rentälln- Brig: 8. Kameradschaft: Bahnfahrer zur Gründungsversammlung in Selchow benugen die Mittenwalder Kleinbahn, Hermannstraße. Abfahrt 17 Uhr. Rowawes: 20 Uhr Sommerfest in Bornstedt bei Lau. Sonntag, 22. Juli. Bernau: Kreispflichtveranstaltung in Biefenthal. Eintreffen volzählig bis 11 hr am Bahnhof. Dort nähere Anweisungen burch den Rameraden Rahne.. Fahnen mitbringen. Wafferiaprt. abteilung: Bug Faltboot 7,42 Uhr Abfahrt Görlizer Bahnhof nach Bernsdorf. Charlottenburg: Frankfurt- Fahrer sofort Melbung beim L. Borfigenden. Pantow: Kamerabschaften Niederschönhausen: Sonntag, b. 22., 14 Uhr, n. freten mit Tambouctorps Straßenbahnhof Nordend. adynglod schlity 20.0% didng dudassisc Jatt Interessenverband bet burch Automobil und andere Berkehrsunfälle Ge fchädigten E. B. Geschäftsstelle: Berlin 93 40, Rathenower Str. 5( am alten Gruppen, bie ins Beltlager fahren, müssen des Fahrscheines wegen pünktlich Kriminalgericht). Sprechstunden und kostenlose Austunftserteilung täglich von 15 Uhr vor dem Etettiner Bahnhof fein. 17 bis 19 Uhr. 131. bt. Niederschönhausen. Die Genossen in den Rleingärten ber Stabt Berlin, Rorbend, Blankenfelder Chauffee, Taben bie Mitglieder zu einem Republikanischen Eommerfest" ein. Rege Beteiligung ist erwünscht. Ab. marsch 14 Uhr vom Straßenbahnhof Nordend. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Theater Lichtfpicle afw. Deutsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 10% Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 8 U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91.05gh.170 8, Ende nach 10/2 Gastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Residenz- Theater Blumenstr. 8 Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfriede Mertens a.b. Jugendliche haben, keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk nur 1.- Mk. Walhalla- Th. 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Treffpunkt 17% Uhr Jahn Ede Rubomer Straße. Fahrgelb 70 Bf. Reutella VI: Fahrt nach Sachsenhausen. Treffpunkt 19% Uhr Ringbahnhof Raiser- Friedrich- Straße. Untoften 1 M Bebb'ng: Blaubeerenfahrt. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Wedding. Lichten berg- Mitte und West: Treffpunkt zur Fahrt zum Uebersee 17% Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Seltbahn und Dede mitbringen. Morgen Sonntag. Faltplak 1: Fahrt Bernau- Bogenfee. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Gefund brunnen, Reukölln III: Treffpunti zur Badefahrt 6% Uhr Bahnhof Hermann ftraße. Tempelhof und Marienborf: Morgens Baben im See- und Luftbad Gülbende. Treffpunkt 7 Uhr Friedrich- Wilhelm. Ede Manteuffelstraße. Babe zeug und 40 Pf. mitbringen. Nachmittags Sommerfest der Partei. Treffpunkt 15 Uhr Birtenwäldchen". Sumannplay: Fahrt nach Strausberg. Treff. punkt 6 Uhr Bahnhof Prenzlauer Dee. Achtung! Sonntag Befuchstag der Arbeiterjugend im 8eltlager am Uebersee. 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Kamerad Mer tens, in seinem Referat zur Besprechung des Berichtes näher dar= legte, maren die Jahre 1926 und 1927 für die belgische Arbeiterklasse äußerst schwierige Jahre, eine Periode, die als eine solche schneller Steigung der Kosten des Lebensunterhaltes, auch infolge der Stabilisierung, gekennzeichnet werden muß. Wenn die Mitgliederzahl tros dieser besoders ungünstigen Umstände von 552 094 am 31. Dezemb. 1925 auf 530 575 am 31. Deze m b. 1927 oder etwa um 4 Proz. zurüdgegangen ist, dann fann man darin nur cinen Beweis für den durchaus gefunden Charakter der belgischen Gewerkschaftsbewegung erblicken. Mertens machte weiter auf die Angriffe des Unternehmertums gegen den Achtstundentag und auf die Bemühungen, das Ansehen der Gemerfschaftsbewegung selbst zu untergraben, auf mertfam. Weiter fonnte er mit Genugtuung auf das gute Eindernehmen zwischen der Landeszentrale und der belgischen Arbeiterpartei verweisen. Der Bericht wurde gleich dem Kassenbericht ein stimmig genehmigt. Kamerad Bondas, der Setretär des Gemertschaftsbundes, referierte über das Programm des Gemertschaftsbunde s. Das Programm umfaßt Forderungen u. a. auf dem Gebiet der sozialen Bersicherung, der Familienzulagen, des Urlaubs, der Arbeitsaufsicht, der Durchführung der internationalen Arbeitsübereintommen und der Rationalisierung. Außer in den Gruben besteht noch in feiner anderen Industrie das System der Arbeiter= Inspektoren. Hinsichtlich des Problems der Rationali. ſierung, ließ sich der Referent dahingehend aus, daß ein größerer Muzeffelt im Betriebsleben erwünscht sei, und daß es nicht auf dem Wege der Arbeiterklasse liege, fich dagegen zu sträuben. Die Vorteile der Rationalisierung dürfen jedoch nicht allein dem Unternehmer zugute tommen. Es sei noch ein anderer Grund vorhanden, die Rationalisierung nicht zu befämpfen: Belgien müsse mit anderen Lãn dern fonfurrieren tonnen; mürde sich Belgien nicht an der Rationalisierung beteiligen, dann würde es mirtschaftlich unmiderruflich die verhängnisvollen Folgen diefer Haltung verspüren. Liebaers( Schneider) ersuchte, in das Programm die Berbesserung der Lage der Heimarbeit aufzunehmen, und wurde das Programm nach ausführlicher Distuffion gegen nur einer Stimme ange= nommen. Ebenfalls einstimmig fand eine Entschließung Annahme, worin dem vom JGB., der Sozialistischen Arbeiter- Inter nationale und der Sozialistischen Arbeiterjugend- Internationale aufgeftellten Jugendschuhprogramm, von dem eine Anzahl Buntte in Belgien bereits vermirtlicht find, zugestimmt miro. Das Bureau des Belgischen Gemertschaftsbundes murbe nhne Gegenfandidaten wiedergemählt. Im Auftrage des 388. nahm Ramerad Jouhaur an der Tagung teil Zahlen, die für sich selbst sprechen. Es gibt faum eine Gemertschaftsveranstaltung, mo nicht bie Rommunisten in der unflätigsten Beise auf die deutschen Ge mertschaftsführer loshauen, ihnen Berrat, Preisgabe des Klaffentampfes und weiß Gott was alles- unterstellen. Wenn man diese Jünger Mostaus hört, gibt es auf der ganzen Welt tein Land, wo es der Arbeiterschaft fa schlecht gehe, als in Deutschland Schuld daran ist natürlich immer bie Gemertschaftsbureaufratie. 3u gleicher Zeit wird dann Rußland als das Jdeal alles Guben und Schönen gepriesen und man ist nur erstaunt darüber, marum diese Beute nicht schon längst den Staub von den Füßen geschüttelt und das Arbeiterparadies Ruß land aufgesucht haben. Oder follten fie manchmal felber nicht glauben, was sie in mehr oder weniger schmungvollen Worten der deutschen Arbeiterschaft erzählen? Bor uns liegt der Wirtschaftsdienst, weltwirtschaftliche Rachrichten," herausgegeben vom Weltwirtschafts- Archiv au Universität Hamburg, der einen Artikel enthält über die No minal und Reallöhne der Industrie, den Arbeits markt und die Arbeitslosenunterstügung in Rußland. Die Zahlen sind dem Statistischen Amt der Sowjetunion entnommen. Darin wird festgestellt, daß der Reallohn des Arbeiters im Durch schnitt nicht höher ist als 21 bzw. 24 Goldrubel und seit 1923 und 1924 taum eine Lohnsteigerung zu perzeichnen ift. Die höchsten Durchschnittslöhne in den elettrotechnischen Betrieben stehen nach den vom obersten Volkswirtschaftsrat übermittelten Ziffern im Jahre 1928 auf nicht ganz 103 Ru bel im Monat nominell. Das sind nach der offiziellen Kauf. fraftberechnung 54 Goldrubel oder 110 Reichsmart. Der Be richt ſtellt weiter fest, daß diese Not der beschäftigten Arbeiter noch nichts bedeutet, gemessen an dem Elend, das sich in Anbetracht der Arbeitslosigteit in Rußland ergibt. Der oberste Boltsmirt fchaftsrat hat auf eine Anfrage schriftlich geantwortet: ,, An Arbeitslosen waren am 1. Januar 1928 nach den Angaben des Bolfskommissariats für Arbeit laut Aufzeichnungen der Arbeiterbörse registriert: 847 800 Männer und 571 700 Frauen, zufammen 1419 500, Arbeitslosenunterstügungen merden von den Berficherungskassen der USSR. nach folgenden Monats normen angegeben( in Rubel): Bezirk I II III IV V VI Kategorie der Arbeitslosen I 27 24 20 17,50 15 12 " " " II 20 18 15 13 11 9 III 15,50 14,50 11,50 10,50 8.50 7 Das ganze Territorium der Union wird nach der Lohnhöhe in 6 Bezirke, die registrierten Arbeitslosen werden an der Börse je nach ihrer Qualifitation in 3 Rategorien eingeteilt." Der höchst qualifizierte Arbeitslose in Mostau bekommt daher 27 Rubel nomineii( 14 Rubel Kauffraft oder 28 Reichsmart) an Unterstützung, der unqualifizierte Arbeiter in einer fleinen Provinzstadt 7 Rubel nominell ( 3,6 Rubel Kauftraft oder 7,20 Reichsmart). Selbst wenn ein Kilogramm Brot nur 17% Ropeten foftet, reichen diese 7 Rubel monatlich auch nicht viel mehr als für je ein Kilogramm Brot pro Tag. Bom Wirtschaftsdienst wird aber noch meiter festgestellt, daß neben diesen hier amtlich registrierten Arbeitslosen die Zahl der nicht registrierten Arbeitslosen zum min desten noch 1% Millionen Perfonen beträgt. Rußland hat also unter 10 Millionen Arbeitern, Transport, Bandarbeitern und Angestellten zurzeit eine Arbeitslofenziffer Don mindestens 3 Millionen. Das find 30 Proz. des Broles tarjats in einem Staate, mɔ das Proletariat nach der Behauptung unserer Kommunisten unbeschränkt herrscht. Das sind nadie Zahlen, die statistischen amtlichen Quellen aus der Sowjetunion entnommen find. Sie noch ertra zu tommentieren, erfcheint uns überflüssig; fie zu widerlegen, dürfte auch unseren fommunistischen Helden außerordentlich schwer fallen. Jedenfalls empfehlen wir ihnen, das Heft 28 des Wirtschaftsdienstes" Dom 13. Juli 1928( Seite 1158) redyt aufmertfam zu lesen. Erstarfung der Holzarbeiter Internationale. Aus dem Bericht der Holzarbeiter- 3nternatio nale für das Jahr 1927 ergibt sich, daß sich der Internationale im Berichtsjahr fünf neue Organisationen angeschlossen haben, und zwar ein australischer Berband, die spanische Holzarbeiter- Föderation, der englische Kistenmacherbund und der dänische Korbarbeiterverband. Die Holzarbeiter- Internationale umfaßt damit Organisationen in 25 Ländern, von denen 20 in Europa liegen. Sie zählt 48 Bet bände mit zusammen 1055000 mitgliedern. Jahre 1927 vermehrte fich die Mitgliederzahl um 37 000. Int Bon den angefchloffenen Berbänden hatten im Berichtsjahre einen Mitgliederzumachs der Deutsche Holzarbeiterverband um 27 780, der Finnische Holzarbeiterverband um 2500, der englische Holzarbeiterverband um 1560, der schwedische Sägereiarbeiterbund um 1494, der schwedische Bauholzarbeiterbund um 947 und der dänische Tapeziererbund um 730 Mitglieder. Auch zahlreichere fleine Verbände wiesen ihrer Größe entsprechende Mitglieder Miglieder den höchsten Beitrag, nämlich bei Umstellung in Guldengeminne auf. Nach der Beitragsleistung zahlen die dänischen mährung per Mitglied und Jahr der Bildhauerbund 139,35, der Rüperbund 133,67, der Dreherbund 115,47, der Rorfarbeiterbund 106,19, der Maschinelle Holzarbeiterbund 92,30 und der Wagen macherbund 84,77 Gulden. Der Beitragsleistung nach folgt dann unmittelbar der Niederländische Möbelmacher- und Tapezier bund mit 60,30 Gulden, der englische Möbelmacherbund mit 38,97 Gulden, der norwegische Sägereiarbeiterbund mit 38,33 Gulden und Gulden, der normegische Sägereiarbeiterbund mit 38,33 Gulden und der englische Holzarbeiterbund mit 37,62 Gulden. Der schwedische Holzarbeiterbund zahlt 29,03 Gulden per Mitglied und Jahr, der deutsche Holzarbeiterverband 23,95 Gulden, wobei jedoch in Betracht gezogen werden muß, daß dessen Mitglieder noch besondere Orts gruppenbeiträge leisten. Churchill über die englische Arbeitslosigkeit. London, 20. Juli. Schazkanzler Churchill sprach am Donnerstag abend auf einem Bankett im ,, Mansion House" über die Bedeutung der Arbeitslosenfrage für England. Er führte u. a. aus, das Fortbestehen der Arbeitslosigkeit sei eine große Enttäuschung für die englische Regierung. Die Beschäftigung habe tatsächlich zugenommen, da heute in der Industrie 360 000 Personen mehr beschäftigt würden als por vier Jahren, ohne daß berücksichtigt worden sei, daß auch die Anzahl der beschäftigten Frauen ständig zunehme. Es fei nicht richtig, daß die Arbeitslosigkeit auf die Einfuhr fremder Waren zurückzuführen sei. Die Hälfte der gegenwärtigen Arbeitslosen und vier Fünftel der legten Zunahme verteilten fich auf die Kohlen- und Baumwollindustrie, auf das Bauwesen und die Werften. Wenn man diese vier Industrien. fortlasse, so sei die Arbeitslosigkeit in den letzten vier Jahren zurück. gegangen. In der Kohlenindustrie seien 300 000 Arbeitsloſe zu ver zeichnen. Dies sei darauf zurückzuführen, daß die Industrie sich neuerdings stärker auf den Wettbewerb eingestellt habe und auf diese Weise Menschenkräfte überflüssig geworden seien. Er hoffe, daß die Rationalisierung nicht bei der Kohlenindustrie halt machen, sondern auch bei den anderen Industrien sich durchsetzen werde. Bon 23 Berbänden in 13 Ländern waren 380 704 Mitglieder Neuerdings habe man den. Bersuch gemacht, die Beschäftigung durch an 2ohnbewegungen beteiligt; von Streifs oder Aussperrun- Schutzölle anzufurbeln. Besondere Maßnahmen, die der gegen gen wurden nur 33 000 Mitglieder betroffen. 9ad wärtige Notstand erforderlich mache; würden nächste Woche durch Premierminister Baldwin im Laufe der parlamentarischen Aus sprache mitgeteilt werden. Neues Schlichtungsverfahren im Textilfonftift Beschlüsse des englischen Bergarbeiterfongresses. Das Reichsarbeitsministerium hat im öffentlichen Interesse ein nenes Schlichtungsverfahren im Konflikt über die Arbeitszeit in der Legiilindustrie für Mittel und Westfachsen und Ostthüringen eingeleitet. Die neuen Berhandlungen sollen am tommenden Dienstag in Dresden stattfinden. Es ist ein Sonder schlichter bestellt worden. In einzelnen Tertilbetrieben sind bereits Streitigkeiten über die Regelang der Arbeitszeit ausgebrochen. Der Arbeitsmarkt Ende Juni 1928. In unserem gestrigen Bericht ist der letzte Satz zu streichen. In Wirklichkeit hat sich die Zahl der Arbeitslofen auf 6,2 Proz. nerringert, während sich die Kurzarbeit auf 5,6 Proz er höht hat. London, 20. Juli. Die Jahreskonferenz des englischen Bergarbeiterverbandes hat mit 620 000 gegen 8000 Stimmen die Entschließung des Egetutivausschusses des Verbandes gebilligt, in der in scharfer Form die Tattit der Kommunisten und der Minderheit zurückgewiesen wird. Weiterhin wurde eine Entschließung angenommen, in der verlangt wird, daß der Verband seine Propaganda für die Nationalisierung der Bergwerfe fortsetzt, da diese Frage für die Reuorganisation der Kohlenindustrie von weittragendster Bedeutung sei. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe der Töpfer. Am Dienstag, dem 24. Juli, 18 Uhr, Mitgliederversammlung in den Residenz- Festfälen( Landsberger Straße 31): Die Arbeitsnachweisfrage. Die Fachgruppenleitung. Was sagt der Bär? JUNO Ein guter Tip P ए KON LINON JOSETTI JUNO wird nicht nur von Freunden des Rennsports geschätzt, auch dem anspruchsvollen Raucher wird ein solcher willkommen sein. Er heißt: Josetti Juno Berlins meistgerauchte ploh? 43 Cigarette � Unterhaltung unö Wissen jzz. Das„freunoli Das verhängnisvoll« Scheitern der Nobile-Expedition und in« Schwierigkeiten b«i der Rettung der einzelnen Mannschaften haben wieder einmal gezeigt, wie schwer zugänglich die Eisfelder des Polar- gebiet«? sind, wenn man sich ihnen nicht mit den richtigen chilfs- Mitteln nähert. Um so mehr verdient der Weg zu den Polargebieten Beachtung, den der„Reoolntionür der Polarforscher V i l h j a l m u r S t e f a n s s o n, dem die Berliner Gesellschaft für Erdkunde in diesen Tagen die„Silberne Medaille" verliehen hat, der Forschung wies. Er ist der festen Ueberzeugung, daß der Norden, der so viel grausam« Tragödien gesehen hat, ein Land ist, in dem es sich ebenso gut leben läßt wie in der übrigen Welt. Er will nichts wissen von dem„öden",„leblosen",„schweigenden" Norden und von den Schrecken der Polarnacht, die doch für die Eskimos die Zeit der höchsten Freude ist, in der sie nach Herzenslust tanzen, springen und schmausen. In den„Eiswüsten" gewinnt Stefanison durch Jagd Lebensmittel in Hülle und Fülle. Das Tierleben ist nach seiner Meinung gerade in der Nähe des„Polarmeers ohne Leben" reichlich vorhanden, die großen Fischercigründe liegen in Den nördlichen Meeren. So lebte er SM Jahre von dieser„Eiswüste", und er entdeckte riesige Kohlenlager, taufende Quadratkilometer neuen Landes und die berühmten„blonden" und die„Kupfer-Eskimos", die wahrscheinlich von normannsschen Ein- Wanderern herstammen. Er schildert das„freundliche Eismeer" in seinem bei F. A. Brockhaus erschienenen Luche„Das Geheimnis der Eskimos", das unsere Anschauungen über jene Gebiete völlig um- wandelt. Gleich der Bericht über den asten Ta� den er unter den Eskimos der Delphin, und Union-Straß« verlebte, deren Dasein noch auf der Stufe der Steinzeit steht, ist ein« Idylle, die man in diesen Gegenden nicht oermuten würde.„Die Mundart", erzählt der For» scher,„untttschiad stch so wenig von der geläufigen der Mackenzie- Eskimos, daß wir uns mühelos verständigen konnten". Es wird bei wilden Völkerschaften wohl selten vorgekommen sein, daß ihr erster weißer Besucher sie in der Muttersprach« begrüßt«. Somit bot sich mir eine außerordentlich günstige Gelegenheit. Von Anbeginn unter- hielten wir uns über gemeinsame Belange, und bald zählten sie mich zu den Ihrigen. Was diese Kinder der Wildnis am meisten fürchten, gas sind die bösen Geister und kaum weniger die Fremden. Wir hatten uns als Menschen entpuppt. Al, Fremde fürchteten sie uns dann weniger, weil sie vierzig gegen uns drei waren. Aber sie hatten schnell Dertrouen zu un» gefaßt, denn, wie sie sagten, kehrt«in Mensch dem anderen niemals den Rücken zu, wenn er selber die Absicht hat, hinter- rück« den Dolch zu zücken. Das neue Haus war noch nicht ganz fertig, als die Kinder herbeieilten und meldeten, daß ihre Mütter mit dem Essen warteten. Wegen der Eng« der Behausungen kam jeder zu einer anderen Familie. Diese Verteilung ist bei den Eskimos Anstandsregel. Mein Wirt war der Robbenjäger, dem wir zuerst aus dem Eise be- gegnet waren. Er meinte, daß sein Haus sich besonders für mich eigne, weil feine Frau von allen Stammesyenossen am weitesten westlich geboren sei. Man munWte sogar, daß ihre Vorfahren au« dem Westen«ingawandert waren. Daher möchte sie mich gerne ausfragen. Die Frau war indessen nicht sehr gesprächig, aber gutmütig, gastfrei und mütterlich, wie alle ihre Schwestern. Ihre erste Frag« war nicht nach meiner Herkunft, sondern nach meiner Fußbekleidung. Hatte ich nicht etwa nasse Füße: wollt« ich. nicht die Stiefel ausziehen, damit sie sie über der Lampe trockne? Möchte ich nicht ihres Mannes Socken anziehen, und gab«s nicht Löcher in den Kleidern oder che Eismeer". Fäustlingen auszubessern? Sie hatte Robbensleisch für mich gekocht, aber kein Fett, weil sie nicht wußte, ob ich de« Speck roh oder ge- sotten vorzog. Sie aßen den Speck immer roh, ober der Tops lsinge noch über der Lampe, und die Sache sei tm Handumdrehen erledigt. Als ich ihr— übrigens der Wahrheit gemäß— sagte, daß mein Geschmack der ihrig« sei, war sie hocherfreut. Also trotz großer Eni- fernungen blieben sich die Menschen doch ziemlich ähnlich. Sie wolle mich nun al» einen der Ihrigen betrachten. Als ich zur Tür hereinkam, lag da» Robbensleisch schon damp- send auf der Platt«. Die Frau überreicht« mir dos beste Stück der Dorderstosse, nachdem sie das Fett gründlich ausgedrückt hatte, so daß nicht, mehr abttopft«. Dazu reichte sie mir ihr eigenes Kupfermesser. Der Mann bekam da» nächstbeste Stück, und so ging es der Reihe nach. Darm wurde«in Happen beiseitegelegt, fall» ich noch mehr verlangt«. Den Rest de» Fleisches teilt« mein« Wirtin in vier Teile und erklärte, daß vier Familien im Darf kein frisches Seshundfleisch hätten. Die kleine Pflegetochter de» Hauses, ein siebenjährige» Mädchen, mußt« die Speisen aus einem Holzteller hinübertragen. Die Gaben waren viel kleiner als unsere Anteile, so haß ich fürchtet«. die Beschenkten würden nicht sehr sott werden. Indessen hörte ich später, daß fast alle Familien beisteuerten, mehr als die Notleidenden bei einer Mahlzeit vertilgen konnten. Während des Essens liefen andauernd Geschenk« bei un, ein. Jede Hausfrau schien genau zu wissen, was die anderen im Tops hatten. Glaubte sie etwas befon- deres zu haben, so schickte st« es herüber, und olle paar Minuten kam ein« Nein« Botin mit Leckerbissen. Gewiss« Stück« waren ans- schließlich für mich bestimmt. Wir sahen aus dem Rande der Bett- bühne, jeder mit seinem Ueisch in der Linken und dem Messer in der Rechten. Zum erstenmal im Leben benutzte ich eine kupferne Kling«. Ei« erwie, sich al» scharf und handlich. Das Kupferstück war im Norden der Biktoriainsel gesunden und von einem anderen Stamm gegen gute» Treibholz eingetauscht worden. Meine Wirtin saß rechts von mtt, vor ihrer Kochlampe: ihr Mann faß links. Es Wr ein Schneehau« gewöhnlicher Größe, ein Kuppelbau von drei Meter Länge und zwei Meter Breite. Auf der mit Renntier-, Bären- und Schafochfenfellen belegten Bettbühne hatten mir drei knapp Platz. Die Kinder mußten daher stehen. In der hufeisenförmigen. einen Meter hohen Türöffnung, standen drei Hund« und warteten geduldig aus Knochen. Da» Essen bestand aus zwei Gängen, aus Fleisch und Suppe. Kalte« Robbenblut wird in die heiße Fleisch- brüh« geschüttet und unter stetigem Rühren erhitzt. Dieses Gericht ist etwa so dick wie Erbsensuppe. Man füllt es in Schafochsenhörner. Sind nicht genug Gefäße da, so wartet man, bis einer fertig ist, oder zwei Leute teilen stch w«ine solche Tasse. Als ich- einige Pfund Fleisch und zwei Tassen Blutsupp im Leibe hatte, setzten wir uns bequem aufs Bett zurück, lehnten un, an weiche Fellbündel und schwatzten. Meine Wirt« waren sehr taktvoll und vermieden Fragen, di« nach ihren Begriffen aufdringlich gewesen wären. Sie fanden es ganz in der Ordnung, daß wtt unsere Weiber nicht mttgcbrocht hatten, da wir ja nicht wußten, ob wir in feindlich« Gebiete kämen. Run, da wir gut aufgehoben seien,«oll« man, wenn wir«« erlaub- ten, einen Schlitten schicken, um Pannigablirf abzuholen. Ihne vorfahren waren oft mit Westleuten in Berührung gekommen, und jetzt möchte man doch auch die Frauen kennenlernen. Hätten wir nach der vielen Reiserei nicht Lust, den Sommer bei ihnen zu ver- bringen?" Tiere im Hafenviertel. Bilder aus Konstantinopel. Zwischen der Großen Galatosttaße und dem Zollkai am Bos- porus, dieses Hasenviertel von Konstantinopel mit seinen Sack- gasten, Durchlässen, Hinterhöfen und Gängen ist keine 600 Meter breit und nicht länger als zwei oder zweieinhalb Kilometer Tagsüber sieht man da nur die Fruchthändler, die bei ihren sünfzig, sechzig Melonen im kurzen Schatten eines Hauswintcls liegen und schlafen. Auf ärr anderen Gassenseite, grelle Häuserwände entlang, und auf der flirrenden Weiße der kleinen Plätze und im prallen, sonnenschwangeren Dunst der offenen Müllstätten hinter bröckeln- der Mauer bewegen sich dann ein. zwei, drei, vier Tiere: Hunde, hintereinander schleichend, das Maul am Boden. Hunde aller Farben, Größe, Rassen, Hunde aus allen Rassen gemischt. Sie be- wegen sich lauttos, hager« Flanken vom Stoß des Herzens ge- morsen, witternd das trockene Maul in den Staub gesenkt, halb verschmachtet und doch ohne Rast in Bewegung. Rotäugig, schmutzig, struppig, verwildert. Nachts, auf diesen Müllhaufen und an den Hintertüren der Häuser, indes draußen auf der großen Straße das Leben schreit, kämpfen sie ihre Kämpfe, einzeln und rudelweise, beißen, balgen sich um faule Knochen lange Stunden unter Geheul. Ms die neue Zeit kam, hat man ihrer 30 000 in diesem engen Hafenviertel gefangen und auf Schiffe verfrachtet. Hat sie hinüber. geführt auf die Prinzeninseln, nach Oria. Hat sie an Land gesetzt auf das kahl« Eiland, dreißigtausend lebende Hund« aus Konstan- tinopel� Und hat sie verhungern lassen. Ihr Geheul scholl zu den voriiberfahrendcn Schiffen hinüber zwei Wochen lang. Knochen, kleine Berge blasser Knochen liegen jetzt dort allenthalben zwischen den Steinen. Aber ihrer sind jetzt so viel« im Hafenviertel wie ehemals. Biel- leicht hagerer noch. Noch scheuer. Abwegig blickend. Feiern keuchend inmitten praller Sonne das Fest ihrer Brunst, und stieben auseinander und fort, wenn«ins nahekommt, als wären sie schlech- ten Gewissens. Manchmal nur läßt einer die Zunge hängen. Dreht sich. Beißt, dreht sich, läuft. Läuft, beißt, ohne zu bellen. Men- schen springen ihm aus dem Weg mit Geschrei. Bis«in Stein ihn trifft. Und ein zweiter Stein. Und ein Stockhieb, der den Schädel zersprengt. Katzen. Gehst du durch eine der Giebelgassen, ein, zwei Sttrn- den nach Mitternacht, dann findest du sie. Sie sind schwarz oder braun, selten grau, niemols weiß. Glatt«, satte, mächtige Tier«, di« den niederen Kopf halb über die Mouerkante heben und dir »wchblicken reglos, minutenlang. Da gibt es in einem Durchlaß die Hinttrseite einer geschlossenen Bar. Durch die lichttosen Scheiben blickst du quer durch zwischen Stühlen und Tischen nach der ver- sperrten gläsernen Vorderfront in der Quergasse. Ein Sttahl Mondlichts fällt von drüben herein und spiegelt sich in Kupfer- geschirr. In diese leere Bar haben Katzen irgendwie einen Weg gefunden. Ihrer fünf, sechs, sieben— kauern dort drinnen auf Sesseln, springen lange Sprünge, schnellen lautlos dahin und dort- hin. daß ihre schlanken Schatten hinter den Scheiben durcheinander wirbeln wie in einem Tanz von Dämonen. Ihre Brunft wird auf Dächern gefeiert, aus den Firsten, auf Regenrinnen im Monblicht, daß von ihren wllen, ineinander ge- krümmten Schatten der lange, heistre Schrei ihrer Lust in da» Dunkel der Gass« fällt. Furchtbar ist ihr schweigsamer Kampf. Ein Lauern, minutenlang. Der Hieb einer Tatze, prüfend noch, vorsichtig noch. Und dann entfesselt Sprmig, Hieb und Biß. Kaum «in Laut, kaum ein stimmloses Fauchen. Und immer neuer An- sprung, neuer Wirbel eingeschlagener Pranken und gefletschter Ge. bisse. Morgens findet sich dann wohl in einem Kanal oder dort, wo das Hafenwasser sich staut zwischen Schissen, unter schwimmen- dem Tang und Müll und Melonenresten eine zerbissene Katzenleiche, Bauch und Kehle zerfetzt. Doch die Herrschaft über dos Hafenviertel hat nicht Katze noch Hund. Der Hafen gehört den Rotten. Wenn du den Kai entlang- gehst nach Sonnenuntergang, kannst du sie springen sehen, vom Schisf an das Land, vom Land auf das Schiff, schwarze Schatten. Allenthalben hocken sie in den Hinterhöfen, im Abtritt, auf den Stiegen der Keller. Fenstersims« laufen sie im Mondlicht entlang. Allenthalben auch aus den Schissen: unter den Kohlen Im Bunker, in den Rettungsbooten, in den Tourollen an Bord und im Fracht- räum unten zwischen den Wavenballen. Steigst du hinunter, so bleiben sie ohne Laut, so lange du die Kloppe noch in der Hand hältst. Ist di« Luke geschlossen, so rascheln sie in drei Ecken zu- gleich. Nur wenig, nur wie wenn man mit dem Fingernagel an Holz scharrt. Läßt d» die Toschenlampe aufflammen, so sitzen sie dort, niidäugig. glitzeräugig, groß« Tiere, schlank, grau. Sie sind ohne Scheu. Trittst du näher, sie schnellen dir zwischen den Beinen durch, stürzen irgendwo ins Lichtlose. Sie fressen Frücht«, Fleisch, Leder. Sie beißen den Hühnern in ihrem Berschlagc die Kehle durch.. Sie fressen Holz, Abfälle, Aas. Sie fressen des Fressens halber. Auf den Stiegen, in den Warenballen findest du ihren Kot. Einmal hatten wir eine mit der Falle gefangen. Sie hing mit dem linken Hinterbein im Eisen und fauchte.. Wir holten die Katze. Wir sperrten die Tür ab und befreiten das gefangene Tier. Ob. es war ein toller Kampf,«in Beißen und Schlagen, ein Poltern. Rennen. Rasen die Wand entlang, ehe es zu Ende war. Wir schrien, wir lachten, wir schlugen die Schenkel vor lauter Ge- lachte r. Einmal legten wir Eist. Ein halber Hammel war uns ver- darben. Würmer saßen schon in der Keule. Da fiel es dem Koch ein, daß er Arsenik nahm und den Braten beizte mit vielen vollen Händen Arsenik. So schmissen wir ihn in den Schssfsroum hin- unter— abends war's— und machten die Luke zu. Wtt tranken und sangen. Es war nach Mitternacht, da japvten wir nach den Kojen. Sagt der Koch:„Wollen sehen, wie den Ratten der Braten bekommen hat!" Und so stiegen wir hinunter, unser sechs oder acht. Oh, dort lagen sie. Lagen dort in Knäulen und Haufen unter Säcken und am Eingang der Löcher. Lagen dort, groß« und klein«, verreckt und in sich gekrümmt. Eine Mutterratte mit vierzehn röllich zarten, dünnschwänzigen Kindern— all« hätten sie den Kopf in, Genick geschoden�und sttcckten die Beine von sich. Irgendwo pfiff es noch in der Schisfswand, pfiff in langem Qualton irgendwo in der Dunkelheit. Wir mußten noch einen Trunk ttm, ehe wir in die Kojen krochen. Aber das-dünn« Pfeifen starb nicht. Das dünne Pfeifen ließ uns nicht los. Uns gespensterte das dürms Pfeifen poch durch tat Tnwm,»>.._. fkabett Re««.««». Hiheliebhaber im Pflanzenreich. Di« Hitzewelle, die in diesen Tagen über Europa flutete, hat viele Blätter vorzeitig zum Abfallen gebracht und manches Gewächs verdorren lassen. Doch war es in vielen Fällen keineswegs allein die Hitze, sondern der gleichzeitig mit der starken Außenwärme sehr fühlbare Wassermangel, der dos Verdorren bedingte, denn die meisten Pflanzen vertragen, vorausgesetzt, daß sie durch entsprechende Einrichtungen gegen zu starke Transpiration gesichert sind, ziemlich hohe Wärmegrade. Besonders widerstandsfähig gegen die Hitze sind die Wasserpflanzen. Selbst die höheren Wassergewächse, wie z. B. die Victoria regia, fühlen sich in Wasserlemperaturen von 24 bis 30 Grad Celsius am wohlften, und andere höhere Wasserpflanzen der Tropen gedeihen auch in Temperaturen bis zu 20 Grad. Viele der im Wasser lebenden Kleinalgen sind gleichfalls große Wärme- liebhaber. In den Sprudeln von Karlsbad kommen solche Algen noch bei Temperaturen von 26 Grad Celsius, in den heißen Quellen von Albano bei 60 Grad vor, und in den Quellen an den Abhängen des Gedeh-Bulkans auf Java entdeckte Morin eine blaugrüne Alge ebenfalls in einem Wasser, das 60 Grad warm war. Der Botaniker Molisch fand auf seiner letzten Iapanreise Blaualgen sogar noch in Gewässern, deren Temperatur 60 Grad betrug, wogegen in den Geisern, den in Amerika, Island und Neuseeland vorkommenden heißen Springquellen, Algen selbst noch 80 Grad Hitze vertragen können. Auch die Bakterien, welche den„Schwefelrasen" erzeugen. zeigen noch bei 70 Grad Celsius reg« Lebenstätigkeit. Man hat die Ursache dieser besonderen Widerstandskraft gegen die Hitze schon in verschiedenen Richtungen gesucht. Sie erklärt sich— nach der Annahme von Molisch— aber vielleicht damit, daß die jene heißen Gewässer bewohnenden Gewächse aus Eiweißarten aufgebaut sind, deren Gerinnungsgrenze bedeutend höher liegt als bei den übrigen Pflanzen. Denn daß die Grenzen der Eiwelßgerinnung im Pflanzenreich sehr variieren, beweist die Feststellung, daß in manchen Pflanzen das Eiweiß bei 20 bis 40 Grad, bei einer Pflanze (Hzntturuz foetidus) aber sogar schon bei 16 Grad Celsius gerinnt. Große Hitzeliebhaber finden sich auch unter den sogenannten Trockenhettspflanzen, wie beispielsweise den Flechten, von denen manche der in den Wüsten Nordasrikas vorkommenden Arten Temperawren bis zu 70 Grad Celsius noch gut verttagen können, wie auch die an den dalmattnischen Kalkfelsen wachsenden Krusten- flechten, die bei 60 Grad Celsius noch vollkommen lebensfähig bleiben: freilich wachsen sie aber in dieser Gluthitze so langsam, daß sie jedes Jahr nur um wenige Millimeter zunehmen. Auf der im Indischen Ozean liegenden vulkanischen und fast immer unbewohn- ten Insel St. Paul fand der Forschungsreisende Drygalsti in der dicht mit Gras bewachsenen Lavadecke zahlreiche Löcher, in denen der Boden eine Temperatur von über 70 Grad Celsius aufwies. In dieser brennenden Hitze wuchsen jedoch dicke Moospolster: außer- dem gab es auf der Insel nach vereinzelte Binscnbüschel. Die Wurzeln dieser Pflanzen sahen wie gekocht aus, und der Boden war dem auch so heiß, daß Dämpfe ausstiegen, wem man«wen Stock in die Erde stieß. Die Flora im Ouellengebiet des Gedeh- Vulkans auf Java, die zum großen Teil aus Baumfarnen besteht, ist ebenfalls so wenig higeempsindlich, daß sie üppig gedeiht, obwohl sie fast ständig von den heißen Dampsmassen, die den Quellen ent- strömen, eingehüllt sind. Auch manche der in Mexiko einheimischen Kakteen oertragen bis zu 72 Grad Hitze. Welche Höhen kann der Mensch vertragen? Die Frag«, in welchen Höhen der Mensch ohne Gesundheit»- schädigung noch leben und arbeiten kann, ist nicht nur für di« Hoch- touristen von Wichtigkeit, sondern auch in neuester Zeit für die Lust- fahrt, die stch ja in immer höhere Luftschichten emporschwingt. Run hat man das Verhalten des Bluttreislaufs in großen Höhen schon öfters untersucht» aber bisher noch nie systematisch und an den gleichen Versuchspersonen. Der Hygieniker Professor Grober hat nun gemeinsam mit einigen anderen Gelehrten in den letzten vier Iahren an verschiedenen Stellen Mitteleuropas sowie auf Teneriffa an vier gesunden Personen Untersuchungen in verschiedenen Höhen- lagen durchgeführt, und zwar wurde das Verhalten des Blutkreis- lauses jedesmal zunächst in Ruhelage in stündlichen Abständen für den ganzen Tag gewonnen, und dann wurden die Bcrändcrungen beobachtet, die in den einzelnen Hähenlaqen, bei 180, bei 700, 1600, 2400, 3000, 3300 Meter sich zeigten. Wie der Gelehrte in der Zeitschrist„Forschungen und Fortschritte" mitteilt, hat sich ergeben, daß gesunde Menschen die Anforderungen des Hähenwechsels, selbst bei einem Unterschied von 0 und 3300 Metern in 10 Stunden, gut und ohne alle Folgen aushalten, wenn bei ihnen die„AkkUmati- sation" in etwa 24 Stunden abgelaufen ist. Ganz gesunde Personen können auch in großen Höhen starke Arbeitslei st un- gen ohne jeden Schaden vollbringen, und zwar schon in kurzer Zeit. Freilich ist dies nur bei wirtlich Gesunden der Fall. Kranke müssen sich in größeren Höhen sehr in acht nehmen, und zwar be- sonders Personen mit Herzfehlern, dauernd erhöhtem Blutdruck, mit Arteriosklerose, Blutarmut, labilem Nervensystem und überhaupt Menschen in höherem Atter. Stärker« Ansülluna des Magens und Darms und reichlicher Tabakgenuß sind in größeren Höhenlage» auch bei Gesunden zu vermeiden. Die Grenzen für das Erttagen der Höhen sind individuell verschieden: auch für Gesunde kann«in linterschied von 3000 Metern gefährlich werden, wenn die Er- reichung der Höhe rasch erfolgt oder wenn sie, wie beim Bergsport, mit körperlichen Leistungen verbunden ist. Man lernt nie«ms. Bei einem Buche, das durch„anostattschen Neudruck" hergestellt wurde, war das Setzen nicht mehr notwendig, sondern das Buch wurde nach einer schon vorhandenen Ausgabe in der Weise her- gestellt, daß durch em chemisches Verfahren der bereits vorhanden« ÄIL�. lüufnahme von Farbe empfänglich gemacht wurde. Abdruck wird dann auf Stein überttagen, von wo beliebig viele Abgüge gemacht werden können. Arbeitsmarkt und Konjunktur. Der Einfluß des Arbeitseinkommens auf die wirtschaftliche Tätigkeit. Mit dem Jahre 1928 find zwei neue Quellen zur Er| hielt an. Der Wechsel der Arbeitslosen war so start, daß es am forschung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands erschlossen worden. Wochenende schwer ist, mit hinreichender Genauigkeit festzustellen, Die eine ist der wöchentlich erscheinende Reichs- Arbeitsmarkt- ob im ganzen die Zugänge oder Abgänge auf dem Arbeitsmarkt Anzeiger", der von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und überwogen. Doch hat sich wohl eine weitere schwache Belebung des Arbeitslosenversicherung herausgegeben wird und nach den Berichten Beschäftigungsgrades durchgesetzt. der Landesarbeitsämter fortlaufend über die Arbeitsmartt. lage im Reich berichtet. Die andere Quelle ist der Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung", der fortlaufend über die Entwidlung der Konjunktur berichtet. Wir registrieren an der Hand der eben genannten amtlichen Materialien nunmehr die Lage des Arbeitsmarktes für die Zeit vom Dezember 1927 bis zum 17: Juli 1928 und die neuere Entwicklung des Arbeitseinfommens mit seinem Einfluß auf die Konjunktur. Dezember 1927 bis April 1928: Der saisonmäßig bedingte Rückgang am Arbeitsmartte im Herbst des Jahres 1927 tam mit dem Eintritt einer milderen Witterung gegen Ende Januar 1928 zum Stillstande. Die darauf folgende langsame Aufwärtsbe wegung stand im engsten Zusammenhange mit der Wiederaufnahme der Arbeit in den Außenberufen. Bei den übrigen Industrien war eine gewisse Stetigkeit der Arbeitsmarktlage zu verzeichnen. In den besonders tonjuntturempfindlichen Industrien macht sich eine fühlbare Unsicherheit bemerkbar. Mai 1. Woche: Die lebhafte Nachfrage der Außenberufe nach Arbeitskräften hält weiter an. Die sonstigen Wirtschaftszweige meisen feine einheitliche Tendenz auf. 2. Woche: Die jahreszeitliche Belebung der Außenberufe hält weiter an. Bei den übrigen Industrien bleibt die Lage ziemlich unverändert. 3. Woche: Das Tempo der Aufwärtsbewegung am Arbeitsmarkt beginnt nachzulaffen. 4. Woche: Die feit Ende Januar zu verzeichnende saisonmäßige Belebung des Arbeitsmarftes tommt erstmalig zum Still stand. In den Außenberufen nur landwirtschaftlicher Bedarf. Ruhrbergbau ungünstig, die übrigen Berufe bieten tein einheit liches Bild. Juni 1. Woche: Die Abnahmebewegung in der Zahl der Arbeitslosen setzt sich verlangsamt fort. Die Lage des allgemeinen Arbeitsmarktes bleibt uneinheitlich. 2. Woche: Weitere Verminderung der Arbeitslosigkeit. Beschäftigungsgrad ungleich. 3. Woche: Die Arbeitslosigkeit nimmt weiter ab. Die Nachfrage tommt in erster Linie wieder aus der Landwirtschaft, die weiter aufnahmefähig bleibt. Die Gesamtlage ist uneinheitlich. Die Unsicherheit wird verstärkt durch teilweise Steigerung der Kurzarbeit. 4. Woche: Im. ganzen betrachtet, ist die Arbeitslosigkeit weiter gefallen. Aber auch in den Bezirken, in denen sich der saisonmäßige Aufschwung durch setzte, steigen die Zugänge besonders von arbeitslosen Frauen. Die Lage ist gekennzeichnet durch Uneinheitlichkeit und mangelnde Stetigkeit. Die Unsicherheit wird durch eine teilweise Steigerung der Kurzarbeit verstärkt. 5. Woche: Die Unsicherheit der Lage Wieder englische Kohlensubventionen. Eine neue Etappe der internationalen Kohlenfrisis. Aus London kommt die Meldung, daß die englische Regierung beschloffen hat, der englischen Kohlenindustrie eine fofortige materielle Staatshilfe zu gewähren. Unter Hinweis auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die Schließung weiterer Bergwerte sollen von der englischen Regierung finanzielle Unterstützungen für die Ausfuhr von englischer Kohle bewilligt werden. Diese in jeder Hinsicht unerfreuliche Meldung scheint wahr zu sein. Sie ist allerdings unvollständig. Denn weder fennt man, abgesehen von dem Hinweis auf die Absicht der Export förderung, die Art der finanziellen Unterstützung, noch ihre Höhe und Dauer. Nachdem sich in den letzten Monaten die Lage auf dem Weltkohlenmarkt zwar sehr verschärft, aber gerade durch die scharfe Konkurrenz auch geklärt hat, ist die Wiederholung von Staatsfubventionen für den englischen Bergbau, die bis zum Streitausbruch 1926 gezahlt wurden und der englischen Kohlenindustrie nicht das allermindeste genügt haben, in hohem Maße bedauerlich. Der englische Staat hat damals fast eine halbe Milliarde Mart verpul. vert mit dem einzigen Ergebnis, daß es den Werken nicht besser ging und daß alle Machtmittel des Staates schließlich gegen die eng lischen Bergarbeiter eingesetzt wurden. Die Produktions- und Absatzverhältnisse im englischen Bergbau sind keineswegs allzu ungünstig. 1927 brachte für den englischen Bergbau, trotz des vorhergegangenen Bergarbeiterstreits eine Förderung von 263 Millionen Tonnen, die nicht weit hinter den Refordziffern von 1923 und 1924 zurückliegt. Die Ausfuhr übertraf mit insgesamt 72 Millionen( einschließlich Bunkerfohle) Tonnen die des Jahres 1925, und im erſten Vierteljahr 1928 wurden Ausfuhr ziffern erreicht, die das Ergebnis für das ganze Jahr eher günstiger als schlechter werden lassen als 1927. Der Förderanteil je Mann und Schicht hat im Jahre 1927 im Durchschnitt den Friedensstand von 1914 um 1, und im ersten Quartal 1928 sogar um 4 Prozent überschritten. Nur die Preise zeigten als Auswirkung der trotz des guten Weltkohlenjahres 1927 fortdauernden internationalen Kohlenfrisis ein relativ startes Absinken. So ist die Lage der englischen Kohlenindustrie feineswegs eine andere als in den übrigen europäischen Kohlenländern. Der Schritt der englischen Regierung ist unvernünftig Die Kohlenkrisis kann durch Subventionen nicht gelöst werden. Das sollte die englische Regierung aus den gemachten schlechten Erfahrungen gelernt haben. Erst seit dem Aufhören der Subventionen hat unter dem Druck der sinkenden Preise und der unvermeidlichen Verluste eine Konzentrationsbewegung in England eingefeßt, und es ist zu nicht ganz erfolglosen Syndi zierungsversuchen gekommen. Wir erinnern dabei an das von den Bergwerksbesitzern in Midland selbst eingeführte private Exportprämiensystem im Rahmen eines Exportsyndikats, bei dem auf jede geförderte Tonne eine Umlage erhoben wird, um den Kohlenerport zu forcieren. Es fann fein Zweifel darüber sein, daß alle Versuche zur Konzentration und Rationalisierung der englischen Kohlenindustrie, die im letzten Jahre auf organischem Wege unternommen worden sind, durch die neue Staatssubvention wieder zum Stocken tommen werden. Es ist nämlich taum zu erwarten, daß die englische Regierung mit der Gewährung der Subventionen einen 3wang zur Rationalisierung verknüpfen wird. Juli 1. Woche: Die Lage des Arbeitsmarktes blieb unsicher und uneinheitlich. Der verstärkte Rüdgang der unterstützten Arbeitslosen ist wohl weniger auf die Besserung des Arbeitsmarktes als darauf zurückzuführen, daß die sogenannten Altempfänger", die nach dem Uebergang von der Erwerbslosenfürsorge zur Arbeitslosenversicherung noch für neun Monate geschützt wurden, am 30. Juni teilweise ausgesteuert werden mußten. 2. Woche: Die Lage des Arbeitsmarktes war nicht einheitlich. Der jahreszeitliche Aufschwung begegnet immer noch abschwächenden Tendenzen. Zwar fette er sich, begünstigt auch durch die Witterung, etwas stärker durch, aber der Vorsprung, den die Entwicklung des Vorjahres hat, wird er nicht mehr einholen können. Wie find nun die Auswirkungen dieser uneinheitlichen Arbeitsmarktlage auf das Arbeitseinkommen und auf die Konjunktur? Das Institut für Ronjuntturforschung schreibt in feinem Wochenbericht vom 18. Juli: Während im Vorjahre gleichzeitig mit der Steigerung der Löhne auch die fonjunt. turelle Beschäftigung in sämtlichen Industriezweigen zugenommen hat, war in diesem Jahre die Steigerung der Beschäftigung nur von den Saisongewerben getragen und daher in ihrem Umfang bedeutend fleiner. Da nun die saisonmäßige Zunahme des Beschäftigungsgrades im wesentlichen abgeschlossen ist und auch die Erhöhung der Löhne wie im Vorjahre zunächst zu einem Stillstand gekommen sein dürfte, ist damit zu rechnen, daß in den Sommermonaten das Arbeitseinkommen sich faum wesentlich verändert. Diese Tatsache wird sich auch in den Umsatzverhältnissen des Einzelhandels auswirken müssen, um so mehr, als die Steigerung der Preise auch in den letzten Monaten weiterhin angehalten hat." Diese etwas allzu schüchternen Worte besagen, wenn man fie mit geschärftem Auge liest, daß die Löhne jezt langfristig durch die Tarifverträge festgelegt sind, daß aber die Unternehmer dennoch die Preise weiter steigern. Das wird zu einem Rückgang der Umsätze. und damit zu konjunkturellen Rückgangserscheinungen führen. Wir brauchen also eine beschleunigte, die Preissteigerung befämpfende Wirtschaftspolitik, damit die Umsätze sich weiter steigern und nicht zurückgehen. Von einem wesentlichen Zufluß an Beschäftigten und damit an Kaufkraft darf nicht mehr allzuviel erhofft werden. Das wichtigste ist jetzt, daß die Preise festgehalten und dann nach unten gedrängt werden. Weiter wird es notwendig sein, sich auf foziale Auseinandersetzungen vorzubereiten. Rurt einig. gefegen. Da ber Monat Jund aber 26 Arbeitstage gegenüber den 25 des Monats Mai hatte, ergibt sich für die arbeitstägliche Ge minnung eine leichte Sentung von 49 951 auf 49 790 Tonnen. Für die Zeit von Januar bis Juni 1928 ergibt sich eine Gesamterzeugung von 7,917 Millionen Tonnen. Im ersten Halbjahr 1927 wurden 7,954 Millionen Tonnen erzeugt, so daß das Jahr 1928 bisher die entsprechende Vorjahrserzeugung bis auf wenige 100 000 Tonnen erreicht. Die Leistung der deutschen Balzwerte im Monat Juni war noch erheblich günstiger. Sie ist von 0,986 Millionen auf 1,068 Millionen Tonnen gestiegen. Die Steigerung war so bedeutend, daß auch die arbeitstägliche Leistung sich erhöhte, und zwar Don 39 454 auf 41 063 Tonnen. Die Lage der Eisenindustrie ist also, im ganzen gesehen, viel günstiger, als sie die Klagen der Unternehmer in den letzten Wochen und Monaten erscheinen lassen wollen. So herum geht es! Eine Auslandsanleihe für die Ruhr- Wohnungsbau- A.- G. = = Es war bisher in Deutschland unmöglich, für den so dringlichen und absolut produktiven Bau von Wohnungen Auslandsanleihen zu sichern. Selbst die beschlossenen hundert Millionen Mark der Landesbanken sind noch immer nicht hereingekommen. Aber die RuhrWohnungsbau A. G., eine von den rheinisch- westfälischen Eisen und Stahlunternehmungen, besonders dem Stahltrust beherrschte Baugesellschaft hat jetzt mit einem amerikanischen Bankentonsortium eine sechsprozentige Dollaramleihe von fast 19 Millionen Mart abschließen fönnen, die in diesem Herbst in New York zur Beichnung aufgelegt werden soll. Es ist gewiß erfreulich, daß diese Anleihe überhaupt hereinfommt. Denn es ist schließlich gleich, ob private Unternehmer für ihren Werkswohnungsbedarf bauen oder ob für den allgemeinen Bedarf Wohnungen geschafft werden. Aber der volkswirt. fchaftliche Unsinn der Abneigung gegen allgemeine ausländische Wohnungsbauanleihen fann nicht deutlicher zum Ausdruc fommen als anläßlich dieses privaten Anleiheabschlusses, gegen den sich nur deshalb niemand wenden kann, weil es sich um eine vornehmlich private Unternehmung handelt. Ein grober statistischer Unfug. Erflärung des Reichsfohlenverbandes. Wir haben gestern unter der Ueberschrift Ein grober statisti scher Unfug" darauf hingewiesen, daß die Weltförderungs- und Weltverbrauchsstatistik für Kohle im Jahresbericht des Reichs= tohlenverbandes für 1927/28 falsch sein muß. Die Geschäftsleitung des Reichskohlenverbandes hat uns dazu eine Mitteilung gemacht. Sie legt Wert auf die Feststellung, daß nach der Fußnote 1 auf Seite 1 der Statistischen Uebersichten nur die Zahlen über die Inlands produktion unter der Verantwortung des Reichstohlen verbandes veröffentlicht werden, daß dagegen die Zahlen über die Welt- und Auslandsproduktion vom Reichstohlenrat bearbeitet und zu verantworten sind. Wir geben von dieser Feststellung der Deffentlichkeit gern Kenntnis. Die Deffentlichkeit darf mun an den Reichskohlen rat die Frage richten, ob er für die Ziffern, die wir kritisiert haben, die Verantwortung übernimmt. Die Geschäftsleitung des Reichstohlenverbandes scheint dazu feine Luft zu haben, woraus wir zunächst schließen dürfen, daß unsere Kritit voll berechtigt war, Selbstverständlich bedeutet das englische Borgehen auch für die deutsche Steinfohlenindustrie eine neue Erschwerung der Absatzverhältnisse, die auch wieder gegen die Bergarbeiter geim deutschen Bergbau noch immer nicht erschöpft, wie der lenkt werden wird. Zwar sind die Rationalisierungsmöglichkeiten fürzliche Jahresbericht der Gelsenkirchener Bergwerfs- und Hütten A. G. deutlich erkennen ließ. Ein Weg zur Rationalisie. rung im deutschen Steinfohlenbergbau ist bisher noch nicht be schritten worden; das ist der finanzielle. Wo die zu erreichenden Preise den Aufwand und die Kosten nicht deden, da muß die Sub stanz niedriger bewertet werden. In diesem Sinne gehört die Herabsetzung des Gewinn beanspruchenden Eigenkapitals zu den wenigen sehr wirksamen Mitteln, auch bei niedrigen Preisen die Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen. Daß das Zechenkapital selbst das Rifiko trägt, das sich aus einer Krisis für das investierte Rapital ergibt, ist eine privat- und volkswirtschaftlich selbstverständliche Forschaftstreifen herrscht nach einer Londoner Meldung über die in derung. Die Arbeiter müssen sich dagegen wehren, daß das Risiko für das investierte Kapital auf sie übergewälzt wird. Die Bergarbeiter haben ohnehin schwer genug durch Abbau und Feierschichten zu leiden. Darüber hinaus wird die internationale Verständi gung zum mindesten der europäischen tohleerzeugenden Länder zu einer immer dringenderen Notwendigkeit. Am schnellsten wäre sie durch die schärfere Auswirkung einer nicht fünftlich gehemmten Konkurrenz zu erzielen gewesen. Um so bedauerlicher ist es, daß die englische Regierung im gegenwärtigen Augenblic wieder eine derartige tünstliche Hemmung zu schaffen bereit ist. Rußland erhöht Getreideeinkaufspreise. heit der Bauern und der Krisis in der Brotversorgung Rußlands Der Ankündigung Rytows, daß man der Unzufrieden nicht mehr anders begegnen fönne als durch eine Erhöhung der den Bauern zu zahlenden Einkaufspreise für Getreide, ist schnell die Tat gefolgt. Wie aus Mostau gemeldet wird, hat der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion eine Verfügung erlassen, die Erhöhungen der Getreideeinkaufspreise um 10 bis 20 Ropeten für ein Bud( etwa 16 Kilo) vorsieht und jegliche Anwendung beschaffung verbietet. Weiter wird das Handelskommiffa ,, außerordentlicher Maßnahmen" bei der Getreide riat verpflichtet, die rechtzeitige Versorgung der Bauernschaft mit Industriewaren sicherzustellen. Von einer billigeren Versorgung mit Industriewaren, die die Schere zwischen den Preisen für Agrarprodukte und Industriefein. Mit politischen Methoden ist die Senkung der Induwaren schließen würde, scheint in der Verfügung nicht die Rede zu striewarenpreise allerdings ebenso wenig möglich wie die Versorgung des russischen Volkes mit Getreide und Brot. Günstige Lage der Eisenindustrie. Nach den Veröffentlichungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in der Zeitschrift„ Stahl und Eisen" hat sich die Rohstoffproduktion im Monat Juni gegenüber Mai erhöht. Sie ist von 1,249 Millionen auf 1,295 Millionen Tonnen Rote Grütz Maizena mit Zementabjah im Juni. Nach einer Mittellung des Deutschen 3ementbundes hat der Versand von Zement im Juni gegenüber Mai nur unerheblich zugenommen. Er betrug 763 000 Tonnen im Juni gegenüber 757 000 Tonnen im Mai. Der Deutsche 3ementbund führt diese geringfügige Steigerung auf die wenig günstige Entwicklung der Bautätigkeit zurück. Die englische Arbeitslosigkeit steigt weiter. In englischen Wirtden letzten Wochen festgestellte ununterbrochene Zunahme der Arbeitslojenziffer große Besorgnis. In der Woche zum 9. Juli erfolgte wieder eine Steigerung um 24 000 auf 1 242 000, innerhalb der letzten vier Wochen ist die Arbeitslosenziffer um nicht weniger als 80 000 gestiegen, womit insgesamt etwa eine Viertelmillion mehr Arbeitslose für England festgestellt sind als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Gegenüber den Bemühungen der englischen Regierung, die steigende Arbeitslosigkeit als Saisonerscheinung zu erklären, wird auf die sehr stark wachsende Erwerbslosigkeit in der Baumwollindustrie( Steigerung um 18 Proz. in den letzten sechs Wochen) und in der Wollindustrie hingewiesen. Starter Rüdgang der Schweinebestände. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Schweinezwischenzählung vom 1. Juni 1928 ift die Zahl der Schweine überhaupt auf 20,17 Millionen gegen 22,90 Millionen am 1. Dezember 1927 zurückgegangen. In diesem Rückgang Jahres zu dem bekannten Auftrieb der Schweinepreise zurüd. geführt hat. Wir tommen auf die Ergebnisse der Zählung noch ist einer der Gründe zu erblicken, der im Laufe des letzten halben Provinz Hessen- Nassau hat Mitte Juli die erste Sigung des Beginn der Umschuldungsaktion in Hessen- Nassau. In der Kreditausschusses zur Gewährung von Umschuldungskrediten stattgefunden, bei der ein Arbeitsausschuß und örtliche Unterausschüsse gebildet wurden. Bei der Festsetzung der Grundsäge für die Bewährung der Umschuldungskredite wurde für den Fall der Kreditgewährung an Kleinbauern bestimmt, daß Umschuldungshinreichend gesichert anzusehen feien, wenn eine Genossenschaft oder kredite auch ohne hypothetarische Sicherung dann als eine Sparkasse bzw. ähnliche Stellen die Haftung übernehmen. Geschäftsfonntage für den Einzelhandel. Der Preußische Handelsminister hat die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten in Berlin angewiesen, vor dem Erlaß von Richtlinien und Handelskammern und die örtlichen Einzelhandelsverbände sowie über die Freigabe von Sonntagen für den Einzelhandel die Industriedie Berufsvertretungen der Arbeitnehmer zu hören. Wanderungen und das Wochenende unerläßlich Chlorodont- 3ahnpaste und die dazuge hörige Chlorodont 3ahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt zur Beseitigung fauliger, übelriechender Speiserefte in den Zahnzwischenräumen und zum Weißpußen der 3ähne. Die gef. gefch. Chlorodont- Zahnbürste von bester Quali fät, für Erwachsene 1.25 ML, für Kinder 70 Pi., ist in blau- weiß- grüner Original- Chlorodonipadung überall erhältlich. Für die Reise Hamburger Rote Grütze: 1 Pfund Johannisbeeren und 2.Pfund Himbeeren gebe man nach dem Entstielen und Waschen in 1 Lifer baltes Wasser, gebe 1 ganze Stange Vanille und 1 Pfund Zucker dazu und lasse dieses zusammen ½ Stunde langsam kochen. Nun glest man die Masse durch einen Saftbeufel, rührt 160 Gramm MAIZENA 0 In% Liter Wasser glatt, gibt dieses in den durchgesichter Saft und last thn unter stetem Umrühren noch einmal gut aufkochen. Dann fall man the to gut mil kaltem Wasser ausgespalte Schüsseln,