BERLIN Sonnabend, 21. M 1928 10 Pf. Nr. 342 B 169 45. Jahrgang. Erscheint t t g l i ch«vßerSoaatas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsrrei« beide Ausgaben 86 Pf.»ro Woche, 3,« Dutzend seidene Strümpfe u. a. m., im ganzen für 1 0 00 0 M« zusammen- packten, wieder herauszukommen. Wie die Spuren zeigen, versuch- ten si� alle gut gesicherten Türen von innen aufzuknabbern. Endlich gelang es ihnen, eine mit Gewalt aufzubrechen. Bei allen diesen Versuchen hatten sie sich so verspätet, daß sie morgen» von einer Angestellten überrascht wurden. Sie rannten diese kurzerhand über den Haufen und waren, bevor die Ueberrannte wieder zur Bc- sinnung gekommen toar und um Hilfe rufen tonnte, mit der Beut« verschwunden. In der Manteuffelstraße verschafften sich die Einbrecher »inen Ausweg aus einem Stoffgeschäft, indem sie von einer Tür da» Schloß abschraubten. Hier stahlen sie für 6000 bis 0000 Mark Anzug- und Mantelstoffe. Nach Beobachtungen von mehreren Sei- ten waren die Verbrecher hier mit einem Einspänner erschienen, um das gestohlene Gut wegzuschaffen. Schwere Getreidenot in Rußland Polonäsen vor Bäckereien.— Baiionierung.- Lockmittel für die Bauern. Für Sozialdemokraten sind die Grenzen Rußlands hermetisch geschlossen. Die sozialdemokratische Presse darf aus eigener Anschauung nichts über die dortigen Zustände be- richten. Die Gewalthaber wissen warum. Dagegen sind— um der guten Beziehungen zum deutschen Industriekapitäns- mus willen— Berichterstatter bürgerlicher Blätter zu- gelassen. Die„Rote Fahne" hat das damit motiviert, daß diese Herren viel objektiver berichteten, als ein Sozial- demokrat berichten würde. Man darf diesen Berichterstattern auch zugestehen, daß sie nach Möglichkeit es an Verbeugungen und Artigkeiten gegen die Moskauer Gewalthaber nicht fehlen lassen. Um so auffälliger wirkt daher die alarmierende bürgerliche Berichterstattung aus Rußland über die Tatsachen, die zur Einschlagung desneuenBauernkurses geführt haben. Deutlich kommt das Bestehen einer andieKriegs- zustände gemahnenden Getreideknappheit zum Ausdruck, die zwar noch nicht offene Hungersnot, doch von einer solchen nur um Grade unterschieden ist. So schreibt des Moskauer Berichterstatter des„B. T.": Trotz einer angeblich mittleren Ernte 1927/28 besteht ganz offenbar im Lande G e t r e i d e k n a p p h e i t, die sich an einigen Stellen zu Mangel st eigert. Natürlich sind die großen Zentren des Landes. Leningrad, Moskau, Charkow, für alle� Fälle versorgt, auch wenn selbst dort das Weißbrot jene gräuliche'Farbe Hot, die man uns im Krieg als Beweis besonderen Nährwertes bezeichnete. Ueberall wird das Getreide zu hohen Zahlen allsgemahlen. deren weitere Steigerung bevorsteht. Schon seit mehr als zwei Monaten kommen aus verschiedenen Gegenden, nicht nur aus den Städten und Städtchen dort, sondern auch vom platten Land, Nach- richten von nächtlich beginnendem Reihestehea vor de« Bäckerläden. zu denen neuerdings vielerorts die Rationierung des Broies im Einzelverkauf getreten ist. Im Kubangebiet erhalten beispielsweise die organisierten Landarbeiter der Sowjetgüter usw. zwei Pfund Brot, die unorganisierten gar nur ein halbes Pfund(200 Gramm)! Es werden Verfügungen vorbereitet, daß nur gebackenes Brot transportiert werden darf, aber vorläufig sieht man in den von Moskau ausgehenden Zügen Reifende die Menge, die das Mehl sackweife in die Provinz schleppen. Sonder- barer Zustand Das find Bilder, die den deutschen Erscheinungen während der letzten K r i e g s j o h r e gleichen wie ein Ei dem anderen. Daß sie nicht übertrieben sind, zeigt die eigene Kundgebung der Sowjetrcgierung, die den neuen Bauern- erlassen als eine Begründung beigegeben ist. Diese Erlasse sehen folgende Maßnahmen vor: Erhöhung der Ankaufspreise um durchschnittlich 20 Kopeken pro Pud Getreide, ferner Einstellung der bisher ange- wendeten Repressalien und der Zwangsfort» nähme von Getreide, die Einstellung gerichtlicher Verfolgungen wegen Zurückhaltung von Getreide, die Aufhebung von Verboten für den freien Handel usw. Nach- dem das System der gewaltsamen Erfassung also wieder ein- mal bankerott gemacht hat, versucht man durch Rückkehr zu kapitalistischen Methoden des Getreides habhaft zu werden. Und wie begründet man dies? Die Kundgebung der Regierung betont, daß die Stimmung unter den Bauern und nicht nur unter den„Kulaki" gelitten habe infolge der rigorosen Sondermaßnahmen, doch hättcn sich diese nicht vermeiden lassen angesichts der großen Schwierig- keilen, die bestanden, um die Ernährung des Landes sicherzustellen, zumal der u n g ü n st i g e Winter erhebliche Ausfälle an Winter- saat gebracht habe. Durch die neuen Maßnahmen, die den Jnter- essen der Bauern etwas mehr entgegenkommen und eine weitere Verbitterung durch Zwangsmittel vermeiden, hofft man auf günstige Resultate bei der kommenden Getreidcaufbringungs- kampagne. In diesem Zusammenhang verdient das Referat Bucha» rins auf dem 6. Weltkongreß der Kommunistischen Jnter- nationale Beachtung. Bucharin erkennt eine„teilweise Stabi- lisierung" des Kapitalismus in der übrigen Welt an, sieht aber schon eine allgemeine Krise herannahen durch das Miß- Verhältnis„zwischen den gestiegenen Produktiv- k r ä f t e n des Kapitalismus und den beschränkten Märkten". In einem hat er sicher recht: eine Krise infolge gestiegener Produktivkräfte hat das jetzige russische System n i ch t zu be- fürchten. Ob es freilich eine Empfehlung im Sinne Bucharins darstellt, wenn im Gegensatz zur kapitalistischen Produktion die Sowjetunion ihre Produktivkräfte so wenig zu steigern vermag, daß den 26 Proz. der ländlichen Produktion, die v o r dem Kriege aus dem Dorf hinaus in die Städte und in den Export gelangten, jetzt nach den eigenen Angaben der Sowjet- union nur wenig mehr als die Hälfte dieser Ziffer, nämlich 13,3 Proz. gegenüberstehen?! Gonntagsausflug auf der Weichsel Oer(Strom rächt seine Vernachlässigung. Lange werden die Teilnehmer des Dampferausflugs Brom- berg— Thorn(polnisch: Bydgoszcz— Tovun) vom letzten Sonntag daran denken: statt mittags in Thorn zu sein, saßen die Ausflügler nachmittags gegen 6 Uhr hoffnungslos s« st, so daß sie ausgeladen wurden und einen beschwerlichen Marsch nach Thorn über Floßholz, durch Meiden- sträucher and DIcklchk antreten mußten. Schuhe und Strümps«, auch so manches neue Sonntagskleid gingen bei diesem„Vergnügen" vorzeitig den Gong alle» Irdischen. Bei dem heißen Sommerwetter führt« die Weichsel so wenig Wasser, daß es«in Kunststück de» Kapitäns war, überhaupt so weit zu kommen. Man hatte Muß«, Betrachtungen über den Der- fall anzustellen, in dem sich alle Anlagen zur Sicherung des geregelten Stromlaufs jetzt befinden. Wenn schon die User der kleineren Flüsse, wie z. B. die der Brahe, und die Pfähle in ihr ein erbärmliches Bild bieten, so sieht es an der an und für sich reißenden Weichsel geradezu katastrophal au». während früher dauernd an Ausbesserungen der allen und an Reuanlagen frischer Duhnen gearbeitet wurde, herrscht heute friedliche Stille an den Ufern des großen Stromes, der wieder völlig in den wilden Urzustand zurücksinkt. Gewiß ist die Regulierung dieses Stromes von 1076 Kilometer Länge eine kostspielig« Arbeit, die man auf zirka 800 Millionen Zloty veranschlagt hat. Um so mehr hätte man das schon Bestehend« erhalten müssen, um die so viel teureren Kosten für spätere Neu- anlagen zu sparen. Ein luffger Mufikante... ... regierte einst am Nil.- Aber wie bald wird ihn das Krokodil verschlingen? Da man aber gegenwärtig nur 7 bis 8 Millionen jährlich für die Regulierung der Weichsel ausgibt und keines- wegs nach einem einheitlichen Plan baut, dürfte die Gesamtregulierung erst in 100 Jahren vollendet sein. Ja, noch später, denn in diesem Jahr enffollen von genannter Summ« ollein 3 Millionen auf Hafenbauten in Warschau. So läßt man also im Unterlauf der Weichsel ihren Willen. Di« Folg« ist, daß heute bereits durch das Hochwasser im Frühjabr und Herbst wieder große Stücke des durch alle möglichen Anlagen gewonnenen Landes fortgerissen sind und daß bei heißen, Wetter ungeheure Sandbänke die ganze Schiffahrt lähm- legen. Hier wäre ein geeignetes Tätigkeitsfeld für die„Fluß- und M c e r e s l i g a", ihr« Mitglieder in den Dienst einer guten Sache zu stellen und nachdrücklichst die Erhaltung der Schisfborkeit der polnischen Flüsse zu fordern. Wäre diesen Patrioten mehr an der Wohlsohrt des Landes gelegen, dann müßten sie ihre Stimme erheben und gegen die Ver- nachläffigung der Flüsse protestieren. An Stelle der gänzlich un- nötigen Kriegsflotte ließe sich viel produktivere und rentablere Arbeid durch die Regulierung der Weichsel tun! Opfer des Militärbetriebs. Die Opfer des Militarismus im Frieden nehmen in Polen kein Ende. So hatten in Skjerniewice am 12. d. M. zwei Unteroffiziere und drei Soldaten vom 18. Infanterieregiment Befehl erhalten, mehrere Kisten mit etwa 600 Handgranaten auf einem Wagen nach dem Truppenübungsplatz zu bringen. Der Unterossi- zier Slupkowski, der auf dem Wagen saß, steckte sich eine Zigarette aus dem mit Handgranaten beladenen Wagen an. Nachher warf er den qualmenden Stummel fort: dieser fiel jedoch infolge eines Windstoßes nicht zu Boden, sondern in den Wagen. Gleich darauf erfolgt« eine fürchterliche Explosion, durch di« die beiden Unteroffiziere und der eine Soldat, die auf dem Wagen saßen, in die Luft geschleudert und schwer verstümmelt wurden. Sie quälten sich unter den fürchterlichsten Schmerzen noch kurze Zeit, bis sie den Verletzungen erlagen. Die Pferde und der Wagen wurden buchstäblich i n S t ü ck e z e r r i s s e n. Die beiden anderen Soldaten, die ein Stück hinter dem Wagen zu Fuß gingen, kamen mit dem Schrecken davon. In Nowy Targ fanden Jugendliche auf dem Artillerieschieß- platz nicht explodierte Geschosse. Als sie hiermit hantierten, e x p l o- d i e r t e n die Blindgänger, zerrissen einen Jungen und verletzten einen zweiten so am Kopf und Arm, daß der Arm amputiert werden mußte. An demselben Tage fand ein Schmied der dortigen 6. Batterie einen Zünder und brachte ihn zur Explosion, wodurch fünf Soldaten verletzt wurden. Trübes Sovnia�sweiier... Dos trübe und kühle Wetter hält weiter an. Es besteht vor- läufig auch keine Aussicht, daß der augenblickliche Witterungs» charakter eine wesentliche Aenderung erfahren wird. Stärkere W e st w i n d e bringen feuchte und für die Jahreszeit zu kühle Luft heran; infolgedessen wird die starte Bewölkung fort- bestehen. Da sich ober im Westen ein leichter Druckanstieg bemerkbar macht, soll es zu Niederschlägen nicht kommen. Die Tagestemperaturen werden zwischen 17 und 2 0 Grad schwanken. Schauspieler in Not! Dae Mesenheer der GngagementsloseK in Berlin» Kein einziger Beruf kennt eine ähnlicl)e Konzentration der Ar- beitslosen auf eine Stadt wie der des Bühnenkünstlers. Nur i n Berlin gibt es engagementslofc Künstler, die von der Bühnen- genossenschaft Unterstützung und Lebensunterhalt beziehen. Dies hat verschiedene Ursachen. In Berlin ist der Sitz der großen Theateragenturen, die von hier aus die Engoge- ments nach der Provinz vermitteln. In Berlin findet der Engage- mentslose am ehesten Gelegenheit zu Nebenverdiensten, etwa als Statist bei den Berliner Bühnen oder als Filmkomparse, und in Berlin kann durch irgendeinen Zusall das Auge eines führenden Theatermannes auf ihn fallen und der Engagementslose avanciert dann plötzlich. Daß aber nur selten diese Blütenträume reifen, zeigt die hohe Ziffer der engagementslosen Darsteller. Die absolute Zahl dieser Engagementslosen ist schwer festzu- stellen. In der Bühnengenossenschaft sind 13 00 g e- meldet, aber viele, die in der Genossenschast nicht organisiert sind, können von der Statistik kaum erfaßt werden, außerdem ändert sich die Ziffer ständig durch Ab- und Zugänge. Nebenbei bemerkt sind in dieser Ziffer nur Schauspieler und Sänger ent- halten, nicht Orchestermitglieder, Dirigenten, Statisten, Chorsänger oder Mitglieder des Balletts. Da die Bühnengenossenschaft annähernd 14 000 Mitglieder zählt, sind beinahe 10 Proz. ohne festen Erwerb. Selbswerständlich ist dieser hohe Prozentsatz erst in den letzten Jahren erreicht worden. Vor dem Kriege setzte die Zuwanderung nach Berlin kurz vor Ostern ein. In der Karwoche kamen viele Provinzschauspieler zu den Agenturen, um das Sommerengagement abzuschließen, wanderten dann jedoch wieder ab. Heute liegen die Dinge anders. Immer mehr verschwinden die Sommer- und Kurtheater, selbst in Berlin findet selten ein Unter- nehmer den Mut. ein Theater für den Sommer zu übernehmen, deshalb ist die Ziffer der Engagementslosen im Sommer am h ö ch st e n. Da die größte Zahl der deutschen Bühnen noch nicht so weit ist, den Mitgliedern ganzjährige Verträge zu bieten, so sehen sich viele Bühnenkünstler im Sommer der Not preisgegeben, denn die Gagen reichen manchmal kaum zum Leben aus, so daß der Schauspieler überhaupt nicht in der Lage ist, für die Sommer- monate etwas zurückzulegen. Man bedenke, daß eine Reihe von Bühnen teilweise Gagen in der höhe von 180 Mark monatlich zahlen. Doch diese Künstler beziehen nur vorübergehend Unterstützungen oder begnügen sich mit Darlehen, die sie später wieder abzahlen, andere dagegen bleiben auch im Winter ohne Einnahmen, können beim besten Willen kein Engagement finden. Das Angebot bleibt eben zu groß, der Markt liegt zu flau. Schuld daran trägt in erster Linie die Wirtschaftslage und eine gewisse Theatermüdigteit des Publikums. Ferner muß in Rechnung gestellt werden, daß durch den Friedens- oertrag eine Reihe von großen Bühnen dem deutschen Schauspieler verloren ging, so Straßburg, Metz, Posen, Thorn, Bromberg, und ferner zwang die schlechte Konjunktur viele Städte, ihren Betrieb einzustellen oder ihn mit denen anderer Städte zu vereinigen. Es entstanden die Städtebundtheater, und gerade diese Gründungen haben vor ollem die hohe Ziffer der Engagemcntslosen veranlaßt, denn das Heer der Engagcmentslosen setzt sich zum größten Teil aus ehemaligen Mitgliedern dieser Bühnen in Städten bis zu S0 000 Einwohnern zusammen. Merkwürdig berührt es auf den ersten Blick, daß nur ein Zehntel der Engagcmentslosen Sänger sind, trotzdem die Ein- schränkungen am rigorosesten bei der Oper vorgenommen wur- den. Aber ein Sänger findet viel leichter eine Möglichkeit des Nebenverdienstes als ein Schauspieler. Vereine oder Rundfunk, selbst Kirchen oder Synagogen nehmen gern Sänger, während Rezi- tation heute nicht so hoch gewertct wird. Kaum läßt sich einwand- frei feststellen, in welchen Rollenfächern das größte Ueberangebot herrscht, denn der Engagemcntslose erklärt der Bühnengenossenschaft wie auch den Agenturen, er spiele alles, aus Angst, sein Fach könnte augenblicklich wenig gefragt sein, während bei anderen die Nachfrage das Angebot übersteige. Jedenfalls steht aber eins fest, daß Vertreter der jugendlichen Fächer selten ohne Engagements sind, da viele Theater unentwegt jugendliche Liebhaber und Lieb- haberinnen suchen. Die Mehrzahl der Engagcmentslosen gehört nicht mehr zu den Jüngsten und dies ist schließlich ihre Tragik. Es ist kaum anzunehmen, daß bald eine Besserung der Theater- konjunktur eintritt, daß neue Theatcrgründungen bevorstehen und die älteren Engagementslosen sind heute nicht mehr in der Lage umzulernen und einen neuen Beruf zu ergreifen. Wie versucht die Bühnengenossenschaft zu helfen? Vom August 1925 bis zum Ende vorigen Jahres ermöglichte sie es 1200 Engagementslosen vorübergehend G a st s p i e l e zu absolvieren, Schülervorstellungen und V o l k s a u f- führungen zu veranstalten oder auf Tourneen zu gehen. Allein im Laufe des Jahres 1927 zahlte sie als Darlehen 49 739 Mark und an Unterstützungen 86 952 Mark, die auf„konck perdu" gerechnet werden müssen. Diese Summen stammen aus der Wohl- fahrtskasse und aus privaten Beiträgen begüterter Kollegen, außer- dem gelangten in demselben Jahre 850 Gutscheine für Mittagessen in der Schloßküche zur Verteilung und hinzurechnen muß man noch 7825 Mark, die der Berliner Bezirksvcrband von August 1925 bis Februar 1928 an Bedürftige spendete. Die Höhe der Unter- ftützung richtet sich durchschnittlich nach der Länge der Zugehörig- keit zur Bühnengenossenschaft, aber auch NichtMitgliedern wird in dringenden Fällen geholfen. Neben der Tätigkeit der Bühnen- genossenschaft treten andere Organisationen wie etwa„Der Dienst am Künstler" zurück, schon weil diese ihre Hilfsaktion auch auf andere Künstler ausdehnen. Und trotz aller Bemühungen kann man nicht des Elends Herr werden. Aeußerlich zeigt der Schau- spielerberuf eine glänzende Fassade und zu oft werden darüber die wirtschaftlichen Nöte und Gebrechen vergessen.— t. Lovis Eormih. Zu seinem 20. Geburisiag am 21» Juli. Von dem großen Dreigestirn des deutschen Impressionismus — Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt— zeigen Liebermonn die naturwahrste, klasfisch-abgeklärtefte, Corinth die sinnlich-farbenfreudigste und Slevogt die phantasiereichste Form- gcbung. In Liebermann leben die Traditionen altholländifchcr Malerei fort, zu der er sich zeitlebens hingezogen fühlte, in Corinth die starke Sinnlichkeit der Flammen, besonders eines Rubens, mit dem er vieles gemeinsam Hot, und in Slevogt feiert die Romantik, die Kunst eines Spitzweg oder Delacroix eine moderne Auferstehung. Lovis Coxinth ist am 21. Juli 1858 in Tapiou als Sohn einer oftpreußischen Baucrnfamilie geboren. Nach dem Besuch des Königs- berger Gymnasiums trat er mit 18 Jahren als Schüler in die Königsberger Akademie unter Otto Günther ein. Don 1880 bis 1884 war er Schüler von Lösfts an der Kunstakademie zu München, wo er dem Münchencr Künstlerkreise nahe kam. Nach kurzem Ausenthalt in Antwerpen ging er noch Paris, wo er drei Jahre long an der Acadömie Julian unter Bourgucreou und Robert F l e u r y arbeitete. Dann kehrte er 1888 in seine ostpreußische Heimat zurück und lebte bis 1891 in Königsberg. Von 1891 bis 1900 war er in München seßhaft, und seit 1900 wohnte er in Berlin und zeitweilig am Walchensee in Oberbayern. Im Juli 1925 starb er auf einer Reise zu Sandvoort in Holland. Urwüchsig und bodenständig wie der.Künstler selber ist auch seine Kunst. Corinth war Maler in des Wortes tiefster Bc- deutung. Farbe war ihm Lebenselement. Mit ungeheurer Kraft sind seine Bilder hingesetzt. Mit voller Sinnlichkeit malte Corinth seine Frauenakte, deren Formen manchmal die Sinnenfreude eines Rubens noch übersteigern. Seine Gestalten nehmen oft grandiose Formen von michelangelesker Gewalt an. Landschaften, wie die prächtigen Ansichten vom Walchenfee, und Blumcnstilleben bieten ihm Motive für seine naturhafte Farbcnfreudigkeit. Schlächter- lüden und einzelnes Schlachtfleisch bringen die Leuchtkraft seiner Farben zu wahrem Sinnenrausch. Prächtig weiß der Künstler oft in das tiefste Menschliche einzudringen, wie in seinen Bildnissen der Frau Rosenhagen oder der„Donna Gravida" der Berliner National- galcrie, des Grafen Keyserling in München, serner in dem gradio- sen Bildnis des Schauspielers Rudolf Rittner als„Florian Geyer", dem Bilde des Dichters Peter Hille oder dem des Pianisten Anforge. Auch Henny Porten hat er als„Anna Boleyn" gemalt. Und immer wieder malt er nackte Frauen bei der Toilette oder im Bette liegend, in hellsten rosa Farben mit Weih als Hintergrund, einem leuchten- den Weiß von tausend feinsten Farbennüancen, einer Komposition in Licht. Die Malerei Corinths ist ganz Natur, elementarste Natur, die hervorbricht aus einer Lebensvehemenz mit urwüchsiger Kraft, und die sich auswirkt in Farbe, Licht und feinster malerischer Empsindunz. Die Kunst Corinchs ist anfänglich aufs heftigste angefeindet worden, bis der Künstler sich etwa in seiner Münchener Zeit durch- zusetzen begann und dann ein Siegeszug ohnegleichen ihn von Erfolg zu Erfolg führte. Auf sein Schaffen mag nicht unwesentlich der Einfluß einer der feinsten Künstlerinnen und Frauen, der Malerin Charlotte Berend, eingewirkt haben, mit der Corinth seit 1904 verheiratet war, und die noch heute eins der stärksten Künstler- talente der Berliner Sezession ist. In seinem Alterftii hat Lovis Corinth die letzte Freiheit tünft- lerischeu Gestaltens erreidst. Hier hat das Feste der Formen, die Plastik des Gegenständlichen die letzte Auflösung erfahren, und der Künstler gelangt zu wunderbar malerischen Farbensinfonien. Sein„Ecce Homo" erscheint wie von ergreifender metaphysischer Schau und sein Berndt Grönvold in Bremen wirkt in seiner ge- fpenstisch-grandiofen Formgebung wie ein letztes menschliches Bc- kenntnis. Auch graphisch-illuftrierend ist Corinth tätig gewesen. So hat er eine Reihe von Buchillustrationen für die„Tragikomödien",„Das Buch Judith" und das.„Hohelied" geschaffen. Als Schriftsteller trat er hervor mit einer theoretischen Schrift„Das Erlernen der Malerei", der Künstlerbiographie von Walter Leiftikow und den „Stegenden aus dem KünfUerleben". So zeigt sich Lovis Corinth als eine der bedeutendsten und großartigsten Künstlerpersönlich- keiten der jüngsten deutschen Kunstgeschichte, Dr. Wolfgang Med ding. Noigememschast deutscher Dichtung. Auf Anregung des Berliner Zweigvereins der deutschen Schiller- Stiftung Weimar soll gelegentlich der im September stattfindenden Generalkonferenz der Schiller-Stiftung nach dem Vorbild der„Not- gemeinschaft deutscher Wissensehaft" eine Vereinigung gegründet werden, der die Dicksterakademie, alle Schriststeller-Berufsvcrbände und sämtliche einschlägigen Stiftungen angehören. Der Name dieser Vereinigung soll lauten:„Notgemeinschaft deutscher Kunst und Dich- tung", ihr Wirken in erster Linie der Literatur zugute kommen. Die Reichsbehördcn, die Länder, Kommunen und großen Wirtschafts- verbände haben ihre 5)ilfe zur Sicherstellung dieser Gründung bereits zugesagt. Zum Wiener Gängerfest. 40 000 Sänger ehren Schubert Gestern fand in der Riesensängerhalle im Prater die erste Hauptaufführung des Deutschen Sängerbundesfestes statt, die mit einer würdigen Schubert-Ehrung von 40 000 Sängern verbunden war. Auf den Tribünen sah man als Feftgästz u. a. den Bundes- Präsidenten, die Bundesminister, die Gesandten mehrerer Staaten sowie den Bürgermeister Gen. Karl S e i tz. Nach der Bundeshymne erklang die„Festfanfare" von Marx, vorgetragen von dem Orchester der Wiener Siaatsoper, dem Wiener Symphonicorchester und Mit- gliedern des Oesterreichifchcn Musikervcrbandes. Darauf setzten Ord)ester und Chor zu Franz Schuberts„Hymne" ein. Zum erstenmal hatten sich 40 000 Männer zum Chorgesang vereinigt. Alle Befürchtungen, daß es nicht klappen würde, stellten sich als hinfällig heraus. Lautsprecher kündigten darauf die Schubert- Ehrung an. Der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Rechts- anwalt List- Verlin, hielt die Festrede, in der er daraus hinwies, daß die deutschen Sänger von überall her, wo die deutsche Zunge klingt, herbeigeströmt seien, um dem Gedächtnis Franz Schuberts zu huldigen und sich zu einem gewaltigen Bekenntnis für deutsches Wesen und deutsche Kunst zu vereinigen. Als der Beifall und ein dreimaliges Heil verklungen war, wurde Franz Schuberts Männerchor„Der Lindcnbaum", bearbeitet von Friedrich Siicher, zum Vortrag gebracht. Ihm folgt« Viktor Keldorfers„Deutschland, Du mein Baterland..." mit Begleitung von Blasinstrumenten. Der Vortrag dieses Chorwerkes bedeutete für Keldorfer eine besondere Ehrung. Nach stürmischem Beisall der Zuhörer begrüßten die 40 000 Sänger, ihre Kappen schwingend, den Meister, der gerührt über diese unerwartete Kundgebung dankte. Im Anschluß daran bestieg Festdirigent Prof. Gustav Wohlgcmuth- Leipzig den Dirigententurm, um sein Werk„Schön ist die Jugend", zum Vortrag zu bringen. Auch ihm wurde herzliche Anerkennung zuteil. Nach einem Vortrag des Schwäbischen Sängerbundes brachte der Gesamtchor, geführt von Viktor Keldorfer, Rudolf Ochs'„Vater- land" zum Vortrag. Nicht cndenwollende Heil- und Bravorufe be-. schlössen die erste Festaufführung. in Ein Gommerfilm. llfa-palast am Zoo. Buster Kcaton hat's vorgemacht und Bebe Daniels macht's dem Film„Eins, Zwei, Drei, Los!" nach. Sie ist die Studentin, die von ihren ganz auf Sport versessenen Kolleginnen absticht und erst aus Liebe zu einem Sportsstudenten sich auch zum Sport bekehrt(wie umgekehrt Buster Keaton aus Liebe zu einem Mädel). Zunächst ist sie eine rechte Wissenschaftlerin, die aus ihr Aeutzeres recht wenig gibt und sich vorzüglich mit Insekten bc- schästigt. Als sie aber sieht, daß der erkorene Student nur auf dem Umweg über den Sport zu gewinnen ist, stürzt sie sich Hals über Kopf in die gewagtesten Sportabenteuer, ohne dazu vorbereitet zu sein. Glückliche Zufälle kommen ihr zustatten, und ein in sie vcr- liebter Professor verschafft ihr schließlich Schwimmunterricht durä) die Kanalschwimmerin Gertrud« Ederle. So kann sie denn, als es zum großen Preisschwimmen kommt, den Sieg und die Liebe ihre- Studenten erringen. Es ist ein rechter Sommcrfilm, mit lustigen Zwischenfällen. Sommerfilm auch deswegen, weil so viel vom nassen Element gezeigt wird. Die Sportfexerci der amerikanischen Studenten und der vielerlei Spaß, der dabei Brauch ist, wird recht deutlich, und wenn auch Bebe Daniels kein weiblicher Buster Keaton ist, so bringt sie doch vielerlei für ihre Partie mit. Sic weiß das häßliche unge- schickte Enllein nicht minder gut zu charakterisieren wie die im Liebes- glück erstrahlende Siegerin. Gertrud Ederle, die sicher viele tausend Dollar für ihre kurze, filmisch nicht gerade bedeutende Gastrolle bc- kommen hat, hat dem Film in Amerika gewiß die erwartete Reklame eingetragen, da er sie in ihrer Schwimmkunst vorführt. Voraus ging ein amerikanischer Groteskulk„Fanny m a ch t s", in dem die tollen Streiche eines Pcnsionatsmädchens, das als Boxerin und Schnelläuferin austritt, vorgeführt werden. Außerdem brachte ein Kulturfilm schöne Nordlandsbildcr aus Island, Spitzbergen und Grönland. r. Ellen Terry gestorben. Ellen Terry ist heute früh Die bekannte englische Schauspielerin in London, 81 Jahre alt, gestorben. hon» Reimar.n».vollkommene Ehe'. In dem Berliner Verlag Paul Stecgrmann erscheint eine Parodie Hans ReimannS aus ba« vielbesprochene Buch' Vaudcrveldcs unter dem Titel»Tie irgendwie vollkommene Ehe" Theater der Woche. Dom 22. bis 30. Juli. Volksbühne. Theater am vülowptatz: Orpheus in der Unterwelt. Thealer mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Artisten.— Die Komödie: Es lieg! in der Lust.— Theater des Westens: Die ungeküßte Eva.— Komische Oper: Zieh' dich aus.— Deutsches Kiinsllertheatcr: Es kommt jeder dran.— llustspielhaus: Die Reife durch Berlin in 40 Stunden.— ceffing-Thsaler: Spiel im Schloß.— Residenz-Theater: Skandal im Bett.— Zcntral-Thealer: Familie Hannemann.— Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.— Die Tribüne: Sybille?..... Ausgeschlossen!— kleines Thealer: Das Sprungbrett der Liebe. Renaissance-Theatcr: Das Bett.— Walhalla-Theater: Ab 21.; Das Absteigequartier., ••• v:<•••->•• V v � d-' � t..V /: KWMiG Das erste arbeitspsychologische Institut in Deutschland wird jetzt in Dortmund neben der Westfalenhalle erbaut, Am die neuen Stadtbahnwagen Fort mit den Marterkästen! Auf einer von dem„Verkehrsverband der Schlesi- f ch e n Strecke" in Friedrichshagen veranstalteten öffent- lichen Versammlung referierte Ingenieur G r ü h n» Schöneiche über l.ie neuen Stadtbahnwagen, mit deren unzweckmäßigen Einrichtungen sich bereits die Presse wiederholt beschäftigt hat. Auch der„Vorwärts" hatte seinerzeit den verschiedenen kritischen stimmen Raum gegeben. Der Referent erinnerte an die von der Reichsbahn veranstallete TZressebesprechung, die mit einer Besichtigung der Wagen verbunden war, und die Zugeständnisse der Reichsbahn, die sich aber nur auf unwesentlich« Mängel bezogen. Durch die— von der Reichsbahn teilweise zugegebenen— Fehlkon st ruktionen werden nicht nur Unbequemlichkeiten, sondern auch Gefahren für die Gesundheit des Publikums verursacht. Die Allge- meinheit hat ein Recht darauf, daß von ihren Sieuergeldern Wagen erbaut werden, die das Reisen erleichtern und nicht erschweren. Leider sind etwa lausend von den neuen Stadtbahnwagen, die ungefähr 20 Jahre im Verkehr bleiben werden, bereits im Lau. Der Referent forderte, daß diese Wagen nur im Stadtverkehr Verwen- idung finden, weil dort die Fahrzeiten für das Publikum kürzer feien, als im Vorort- und Fernverkehr. Beim Bau der Wagen hat sich die Reichsbahn von dem Grundsatz leiten lassen, pro Quadrat- meter und pro Tonne möglichst viel Personen zu befördern. Standen in den alten Wagen 0,3 Quadratmeter zur Verfügung, so kommen in den neuen für die Person nur 0,2 Quadratmeter in Betracht. Wäh- rend in den alten Wagen das Verhältnis der Sitzplätze zu den Steh- Plätzen, 1: 1 war, ist es jetzt 1: 5. Nach diesen allgemeinen Fest- ftellnogen zähste der Referent, der das gesamte darüber vorliegend« M�erial mit großer Sachkunde zusammengetragen hat, die lange LWe der Mängel auf, deren Beseitigung notwendig und auch praktisch durchführbar ist, die auch zum Teil aus der Presi« bezw. aus den Veröffentlichungen des„Vorwärts" bekannt sind. Es wird der Einbau von Notsitzen(Klappsitzen), für deren Anbringung genügend Raum vorhanden ist, gefordert.(Die Anbringung von Notsitzen wurde gerade von dem Vertreter des „Vorwärts" bei jener Pressebesprechung gefordert und von dem Der- treter der Reichsbahn als technisch unmöglich abgelehnt. D. Red.). Die Anordnung der Gepäcknetze ist völlig verfehlt; über jeder Sitzbank muß«in Gepäcknetz sein, das größer als die bisherigen ist und an den Ausgängen bis zur Wagendecke reichen muß, um- Diebstähle zu verhindern. Ebenso fehlen Gepäcknetze über den Stehplätzen. Neben Handgriffen zum Festhallen an den Bänken und Wänden fehlen zum gleichen Zwecke Schlau- fen on den Verbindungsstangen der Stützen. Die Reichsbahn be- hauptet, daß dazu die..Wagendecken zu schwach"(I I!) wären. Hier tut eine gründliche Untersuchung und Abänderung not. Zu fordern sei weiter eine weichere P o l st e r u n g auf den Sitzen in den Wagen d-r Z. Klasse. Ein N�el ist, daß die Züge in den Bahnhofshallen zu weit vor- fahren, so daß man auf manchen Bahnhofsaufgängen bis zu 50 Mtr. zu dem Zugende zu lausen hat. Die letzte Forderung, die der Refe- rent aufstellte, ist eine sehr wichtige: Schaffung von besonderen Abteilen mit besonderen Eingängen für Sriegsbeschädigte. Die An- Weisung besonderer Sitzplätze für Kriegsbeschädigte in den neuen Wagen bringt für diese Unzuträglichkeiten mit sich, denen schnell ein Ende bereitet werden muß. Die Versammlung stimmte dem Redner zu und beschloß, einen Ausschuß zu bilden, der der Reichsbahndirektion das gesammelte Material unterbreiten und die Abänderung der bestehenden und teilweise unerträglichen Mängel fordern soll. Dieser Forderung wer- den sich nicht nur die Einwohner der Vororte anschließen, sondern auch die Einwohnerschaft des Stadtgebietes, die am Wochenende nicht in Marterkästen befördert werden will. Große OeuifcheFunkausstellungBerlln-1928. Verdreifachung des Ausstellungsraumes seit 1924. Die Große Deutsche Funkaus st ellung Berlin, die in dieiem Jahre(31, Aug bis 9. Septemb.) zum fünften Mal« gemeinsam vom Verband der Funkindustrie und dem Eine zeitgemäße Erinnerung, Rückkehr eines politischen Gefangenen vor 25 Jahren* Der damalige VormSritredakieur Robert Schmidt oer- läßt am 22. Januar 1903 die Strafansialt in Plötzensee. nach techsmonatiger Gefängnishaft. Seine Frau steht neben ihm und ist Zeugin der einfachen und herzlichen Begrüßung, die der jetzige Vorsitzende der Sozialdemokratie, Otto Wels, und sein längst oerstorbener Mitkämpfer Stadthagen dem Entlassenen bieten. Natürlich hat Schmidt seine Strafhaft opll abgebüßt— er sieht infolge der kargen Gefängniskost sehr abgemagert aus. Galt es doch damals als schimpflich, politische Gegner um Amnestie zu betteln, auch menn die Ursache der Bestrafung eine so geringfügige mar mie im oorliegenden Falle: die Kritik an deutschen Kolonialtruppen nach einer englischen Zeitung anläßlich des Boxerauf Standes. Das durch die lange Zeit etwas mitgenommene Bild zeigt den schlichten Empfang. Riesendemonstrationen mären damals oon der Polizei mit dem blanken De'gen zu Blutorgien oer- mandeli morden. Heute rühmen sich„proletarische" Kämpfer, menn sie mit Hilfe der Bürgerlichen, die sie bekämpfen, durch die Republik, die sie hassen, eine Amnestie erwirken. Heute veranstalten sie unter den Augen der Polizei riesige Demonstrationen— und sie schmähen dafür die Republik, der sie diese Freiheit oerdanken.(Bilder darüber sind nachzusehen in der„Roten Fahne" und deren Ableger, der„Welt am Abend".) Justiz von damals. Ein Freund unseres Blattes teilt uns dazu noch folgende Einzelheiten mit; Wie damals— vor 25 Jahren— die Justiz in Deuschland gegen uns wütete, sei kurz registriert. Gegen Schmidt hatte im bekannten Hunnenbrief-Prozeß(der„Vormärts" hatte die Kriegsgreuel der Deutschen gegen die chinesischen Boxer nach dem Bericht einer englischen Zeitung wieder gegeben) der Staatsanwalt 3 Monate Gefängnis beantragt; das Gericht erkannte auf 6 M o n a t e. Schmidts Kollege John erhielt wegen derselben Sache 7 Monate Gefängnis und kam vier Wochen später, Ende Februar, aus Plötzensee heraus. Wilhelm Schröder, ebenfalls Vormärtsredaktcur, ging wegen derselben Straftat am 26. März auf 4 Monate ins Gefängnis. Am 18. Januar 1896 hatte übrigens Robert Schmidt nach fünfmonatiger Gefängnishaft die„gastliche" Stätte in Plötzensee oer- lassen. Im bekannten Gummischlauchprozeß, der gegen ihn megen Beleidigung der Berliner Polizei angestrengt mar(die Polizei hatte mit Gummiknütteln auf aus einer Arbeitslosen- Versammlung kommende Proleten am Friedrichshain blind- mütig eingeschlagen), wurde ihm die Strafe zudiktiert. Schmidt saß also beide Male mährend der Weihnachtszeit im Gefängnis. Heute staunt er gewiss mit uns über die Tiradeu der KPD....■ Ausst ellu ngs-, Messe- und F r e m d« n v« r k e h r s a m t der Stadt Berlin veranstaltet wird, verspricht ein euro-. pöisches Fachereignis von ganz besonderer Bedeutung zu werden. Schon rein räumlich bedeutet die Veranstaitunq eine Ver- dreifachung des Gebotenen gegenüber dem Gründungsjahr 1324. Die erheblich gewachsenen Ausstelleranmeldungen haben nicht nur zu einer restlosen Ausnützunq der in diesem Jahre neu erbauten Hall« lV geführt, es hat sich sogar als notwendig herausgestellt, die Neue Aütohall« hin.zuzunehm«n, in der die Ausstellungen der Reichs- und Staatsbehörden und der deutschen Sende- gesellschasten Unterkunst finden und in der auch noch An- Meldungen von industriellen Ausstellern bis zum Anmelde- schluß(10. August) Berücksichtigung finden können. ZZ Menschen in Niederschlcsien ertrunken. Nach neuesten Meldungen hat sich die Zahl der Todesopfer durch Ertrinken in den letzten heißen Tagen in Niederschlcsien a u f 5 5 erhöht. Davon erlranken allein in Breslau 18 Menschen. 96 000 Ausländer in Berlin. In der Reichshauptftodt weilen nach einer amtlichen Statistik gegenwärtig 96 000 Ausländer, die im Deutschen Reich beruflich oder geschäftlich tätig sind. Berantwortlich für die Redoktwn: Artur Sater»u», Berti»! Anzeigen:?h. Klicke, Berlin. Lerlag! Lorwäris Lerlag tt e n sc hwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfrlede Mertens i.C. Jugendliche haben keinen Zutritt t Parkett auch Sonnt statt 4— Mk. nur V— Mk. Rose-Tlieater Qr. Franki. Str. 132 SV, Uhr: Komert and bnnter Teil. 8'/, Uhr Der rarst von PapDcnhelaee Kleines Theater SV, Uhr soromtbclf der Liebe Zesch-Ballot, Christel Sto-m, Torning, Garrison Schafheitlin. Walhalla- Tti. Weinbergsweg 19/20 Täglich SV, Uhr Absteigeqnartier Jggiadlldid keim Zetntt I Parltauch Sonntags statt 4.— M. nur 60 Pf. Heute Sonnabend| riUSitf'WETTSTREIT von 6 Kapellen LIINA Reichshatlen■Theater Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger mit ihrem fdr Berlin , völlig neuen Programm I Int. 6 Uhr. Preii» 1 fH'z;»ie iemer. Dönboll. Brett* 1: (Saal und Garten i Variete— Kabarett— Tant Berliner II IK-TrlO Neukölln. 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Ges. geschützt MMSIUI WiCSC, vKlM u( Ständig ca. 5000 fugenlose Tmarlnge an» Laxer. frröbmrä SfuUaulfaße xlii (Oelfa�e Sonnabend, 21. Juli 1928. Leben Menschen auf dem Mars? Was uns die moderne Forschung berichtet. 5m Zusammenhang mit dem Opelschen Raketenauto ist wieder einmal viel vom„Borstoß in den Weltenraum" geredet worden. Damit hat es, wie gerade die Erfinder selbst immer wieder betont haben, noch gute Weile, und auch die Phantasieoollsten der Phantasieoollen haben bei jenem Wort wohl immer nur an einen Flug nach dem Mond gedacht, stch ober kaum höher verstiegen... oder vielmehr, höher verflogen. Gewiß wäre schon die Durchforschung der noch nie betretenen Mondwelt ein geistiges Erlebnis und wissen- schaftliches Ereignis allerersten Ranges, aber diese Durchforschung könnte, wie mit Gewißheit feststeht, nur tot« Dinge: geologische Formationen, physikalische Erscheinungen usw. jum Gegenstand Haben; denn Leben existiert unter keinen Umstanden auf diesem ab- gestorbenen, wildzerrissenen, von einer Lufthülle nicht umgebenen Stern. Aber gerade dos Leben ist es, dem unser hauptsächliches 5nteresss gilt, das uns am meisten anzieht, und viel reger als �«r Mond hat daher seit Jahrhunderten der Mars die Phantasie be- flügelt, auf dem organisches Leben wenn auch nicht zu beweisen, so doch zu ahnen ist. » Wie stehen die Dinge heute? Was wissen wir positiv vom Mors? O, eine ganze Menge. Wir wissen Bescheid über seine Schwer«, seinen Durchmesser, seine Dichte, seine Umlaufszeit, seine Rotationst«uer, seine mittlere Entfernung von der Sonne. Man sieht: Es ist nicht wenig und es sind nicht kleine Dinge, worüber wir unterrichtet sind. Nur haben sie freilich eine unangenehme Eigenschast: Sie sind rein astronomisch-wissenschaftlichen Charakters und interessieren uns nur nebenher. Auf was es uns ankommt, dos ist die Frage der Bewohntheit oder wenigstens Bewohnbarkeit des fernen Planeten, die Frage, ob es auch jenseits der Weltraumkälte Schicksalsgenossen und Schöpfungsgefährten gibt. Wie lauten die Ergebnisse? Zu welcher Annahme neigt zurzeit die astronomische Erkenntnis? Am bündigsten wäre es natürlich, wenn unser Auge, grenzenlos befähigt durch die Hilfe des Teleskops, die ferne Welt durchforschen könnte. Immer noch ist es der Edelzeuge. Aber ach, heute ist noch gar nicht daran zu denken, daß wir, selbst mit den gewaltigsten Sehmaschinen, etwa das Gekrabbel der Mars- menschen, wenn es solche geben sollte, auf ihrem Heimatboden be- obachten könnten. Ein« Entfernung von drei Kilometern ist äugen- blicklich das kleinste vom Teleskop eben noch erhaschbore und als winzigstes Staubpünktchen sichtbare Marsmaß. Die Differenz zwischen tatsächlicher und scheinbarer Größe ist nicht hoffnungslos, wie man zugeben muß, ist durchaus keine Unvorstellbarkeit, sondern jtewegt sich im Rahmen irdischer Werte, aber natürlich ermöglicht sie vorerst nur die Feststellung größerer geologischer Komplexe: von Landstrichen, Meeren, vereisten Polartappen, Schmelzzonen zum Bei- spiel und jenen geheimnisvollen„Kanälen', die aber doch nicht so geradlinig verlaufen, wie ihr Entdecker, der große Marsforscher S ch i a p a r e l l i annahm, und denen man kaum noch den Charakter künstlich angelegter Gebilde beimißt. Zum wichtigsten, man kann wohl sogen zum Schlüsselproblem der gesamten Marsforschung, ist in den letzten 25 Iahren die Frage nach der Temperatur des Planeten geworden. Dank den Ent- Ricscnle/e�lop zur Beobachtung ferner Ii' eilen. deckungen von amerikanischen Astronomen vermag es die Wissenschast, mit Hilse von empfindlichen Bakuumthermozellen, die in gewaltige Spiegelteleskops«ingebaut werden, die Strahlungsiemperaiur der Weltkörper im allgemeinen und des Mars im besonderen zu er- Mitteln, woraus dann, auf Grund bekannter Stralssungsgcsetzc. die Körpertemperaturen berechnet werden können. Wenn auch die atmoshärischc Absorption noch nicht völlig durchforschtes Gebiet ist und wenn auch die gewonnenen Temperaturen sich nicht auf die den Weltkörper umgebende Lufthüll«, sondern auf deren Oberflächen be- ziehen, so dürsten die Fehlerquellen doch kaum prinzipieller Natur sein können. Die Amerikaner fanden für die Mitte der vollbe- feuchUiea Marsscheibe eine Temperatur von plus 7 Grad Celsius. Nach dem Rande zu sank sie auf minus 13 Grad und siel an den Polkappen auf minus 73 Grad ab. Der Belgrader Unioersitäts- Professor Milantowitfch,«ine Kapazität auf dem Gebiete der Mc rsforschung, hat ähnliche Resultate erzielt. Fußend auf den amerikanischen Entdeckungen, die es zunächst einmal ermöglichten, die Stärk« der Sonnenstrahlen zu bestimmen, hat er, nach einer eigenen Wärmeberechnungstheori«, eine mittlere Iohrestemperatui: der Ge- samtoberfläche des Mars von minus 17 Grad gefunden. Heiße Sommer find damit, nach semer Meinung, für den Mar» nicht aus- geschlossen, aber sicher sei, daß die Nächte und die Winter überaus kalt wären. Festgestellt ist ferner das Vorhandensein von Sauerstoff in der Atmoshäre des Mars und wenn sie auch ungefähr sechsmal weniger Sauerstoff als die Erdeatmosphäre enthält, so bewiese da» noch immer wenn kein menschliches oder tierisches, so doch mindestens «in vegetabiles Leben, da in einer vollkommen erloschenen Welt freier Sauerstoff nicht vorkommen kann, sondern eine Berbindung mit den verschiedenen, auf allen Planeten auftretenden Minerialienartm einginge. Exakt formuliert besagen diese Forschungsergebnisse also: Der Mars ist«in gealterter Planer, der den glänzendsten Teil seiner Geschichte sicher längst hinter sich Hot, aber er brauchr kein abgestorbener Weltkörper zu sein. Sauerstoffhaltige Atmosphäre, Wolkenbildung, Nebel sind auf ihm nachweisbar, und wenn feine klimatischen Verhältnisse für höhere Organismen auch recht ungünstig sind, so sind sie doch— selbst für diese— nicht völlig untragbar. * Sofern man überhaupt vom Boden der unmittelbaren Gegeben- heiten sich abwippt und hineinschwebt in das Reich der Spekula- tionen, wird man sich den Marsmenschen als unseren um Jahr- Hundertmillionen älteren Weltenbruder vorzustellen haben, der unser Entwicklungsstodium, das den Säuglingsjahren des Mars entspricht, Unter den modernen Dichtern nimmt Joachim Ringel- n a tz eine ganz eigenartige Stellung ein. Zusammen mit einigen anderen jüngeren Dichtern kultiviert er eine groteske Lyrik, in der sich Spott und Satire mit Elegie und Weltschmerz vereinigen. Man kennt ihn meist aus seinen Vorträgen in Kabarets, in denen er in der Maske des halbbeschwipsten Seemanns improvisierend seine Dichtungen zum besten gibt. Es wäre aber falsch, ihn lediglich als spöttischen alkoholduftenden Rezitator einzuschätzen. Seine vor kurzem im Verlag Ernst Rowohlt, Berlin, erschienenen„Reise- briefe eines Artisten' und noch mehr der im selben Verlag erschienene Gedichtband„Allerdings' zeigen Ringetnatz als schwermütigen Dichter, dem auch gesellschaftliche Probleme nicht fremd sind, und der sich in seinen besten Schöpfungen fast zu der Höhe von Christian Morgenstern erhebt. Gewiß ist nicht alles gleichwertig in den beiden Gedichtbänden. Manches hätte aus ihnen wegbleiben können. Aber der Grundton ist sympachffch, mitunter ergreifend. Ringelnatz sucht mit spöttischer Miene über den Dingen der Umwelt zu stehen, aber mitunter bricht doch ein starkes Gefühl der Kritik und Negation durch, so, wenn er in seiner„Meditation' klagt: .Ich, die Schlechtigkeit ist gar zu dumm, voch die Dummheit ist noch zehnmal schlechter." Scharf wendet er sich in seinem„Rachegelüst' gegen die Feig- heit und Heuchelei der Umwelt: „IDenn die Menschen dumpf stch nicht getraun, Ivenn sie feig und heuchlerisch sich fügen Und ihr Glück auf ihre Schlauheit baun, Redliches bedrücken und betrugen, wenn sie schleichen, flüstern und stch ducken, Rndrerseits aus würde sich genieren-- ® dann müßte etwas explodieren. Und ein kiese müßte sich erheben Ueber sie und sie nicht etwa töten, Sondern saftig, kräftig sie bespucken, Um sie für ihr weitres Leben 5lls verschleimte, fette Warzenkröten In ein Glashaus einzusperrn. Und ich würde durch die Scheiben gucken Und sie grüßen:„Hochverehrte Herrn!"" Mit spöttischer Ueberlegenheit verhöhnt er die Grundsatzlosig- keit und Anpassungsfähigkeit derjenigen, die sich aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit nicht heraustrauen: „warum denn immer alles übertreiben? warum denn links? warum denn rechts? Um Gottes willen, laßt uns mäßig bleiben. Nicht männlichen, nicht weiblichen Geschlechts. hübsch angepaßt und jede Reibung meiden! Nicht hart' nicht weich! Nicht ja. nicht nein! Ruf alles hören und sich nie entscheiden. wer weiß, wie's kommt. Man muß gewappnet sein. Venn golden ist der goldne weg der Mitte. Man ißt und zeugt und schläft schön ungestört. Regt sich nicht auf um„danke" oder„bitte" Und weiß und lebt und stirbt, wie sich's gehört." Mitunter klingt sogar in seinen Gedichten eine scharfe politische Kampsnote durch, so in seinem Gedicht„Auskehr", das dem Schmutz- und Schundgesctz gewidmet ist: „Sogen wir nur: Nein! ?n die Ecke. Bcsen. Besen? ?n dem Dreck, wo ihr gewesen Seid, macht euern Dreck allein! Nicht verhandeln. Venn wir wollen rein. Such durch Schmutz und Schund, w Freiheit wandeln." vor unvorstellbar langen Zeiträumen absolvierte-- und fraglich wäre nur, ob er uns belächeln oder'beneiden würde. Vorerst ist weder durch wohlgemeinte Maumraketen sein Leib, noch durch �iadio- telegramme, selbst wenn sie dringend aufgegeben werden, sejn Öhr Handwerkszeug des Marsjorschers: Globen der Planelen, in der Mitte ein Handbuch des Entdeckers der Marsmonde: Asaph Hall. zu treffen. Aber schließlich brauchen wir UNS unserer Unfähigkeit nicht zu schämen, denn nicht uns, sondern dem gereifteren Welt- geschöpf steht es an, ein« tosmische Unterhaltung in Gang zu bringen. Hanz Bauer. Im allgemeinen ist die Politik und der gesellschaftliche Kampf nicht da» eigentliche Schaffensgebiet des Dichters, der von der Passivität der bürgerlichen Intellektuellen angekränkelt zu sein scheint. Immerhin findet er Töne tiefen sozialen Verständnisses. Packend sst fein Gedicht„Berlin(An den Kanälen)": „Ruf den Bänken Rn den Rmiälen Sitzen die Menschen, Die sich verqckälen. Sausende Lichter, Tausend Gesichter Blitzen vorbei: Berlin. Uebers Gewässer Nebelt Benzin... Drunten wär's besser. fln den Kanälen Sitzen die Menschen, die Sich morgens ertränken." Zur höchsten Wirkung jedoch erhebt sich Ringelnatz. wenn er ' die Menschen verläßt und sich liebevoll in die Psychologie der Tiere versenkt: „Dummer Mensch spricht oft vom dummen Vieh, voch zum Glück versteht das Vieh ihn nie." Diese Worte sind typisch für seine Einstellung. Mit einer un- endlichen Zärtlichkeit versenkt er sich in das Gefühlsleben Neinster Tiere, denen er, wie Christian Morgenstern in vielen seiner Dich- tungen, menschlche Züge verleiht. Wie schön ist doch sein Gedicht „Heimatlose": .?ch bin fast Gestorben vor Schreck: 7>n dem Haus, wo ich zu Gast war, im versteck, Bewegte sich, Regt« sich plötzlich hinter einem Brett In einem Kasten neben dem Klosett, (Dhne Beinchen, Stumm, sremd und nett Gin Meerschweinchen. Sah mich bange an. Sann wohl hin und sonn her, . wagte sich Venn heran Und ftagte mich: „wo ist das Meer?"" Alle diese dichterische Feinheit in sich vereinigend und zur humoristischen Groteske steigernd, ist schließlich das Gedicht„Im Park": „Gin ganz Kleines Reh stand am ganz Kleinen Baum Still und verklärt wie im Traum. Das war des Nachts elf Uhr zwei. Und dann kam ich um vier Morgens wieder vorbei, Und da träumte noch immer dos Tier. Nun schlich ich mich leise— ich atmete kaum— Geyen den wind an den Baum, Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips. Und da war es aus Gips." Diese zarten und doch vom tiefen Gefühl beseelten Schöpfungen zeigen, daß wir es hier mit einem echten Dichter zu tun haben. Hadakuk. Ein Dichter der Groteske. --— Sätirvßatlszr 7. Fortsetzung. ..Natürlich. Und ich trau mich gar nicht mehr hierzubleiben, weil sonst gleich ein paar Bomben, die ich gelegt habe, losgehen und mich mitreißen. Ich fahr' morgen früh nach Bregenz." Sinder. „Magst du eigentlich Kinder?" fragte die Dely Grubezr.„Ich mag kein« Kinder, die stören doch!" Di« Mädeln saßen bei einer Jause, bei einer sehr einfachen Jause, wie Lutz, allen Kritiken vorbeugend, mitgeteilt hatte, und diskutierten ernsthaft. Kinder sind ganz lustig. Kinder sind immer ungewaschen. Kinder sind zu häufig krank. Wenn sie groß sind, sind sie ja lieb— aber bis dahin! Die Argumente flogen, in Schlag- warten formuliert, hin und her, doch hätte jetzt in diesem Kreise eine Volksabstimmung stattgefunden, so wäre das Aussterben der Menschheit lieschlossen worden. Di« jungen Damen entschieden sich in ihrer Mehrheit gegen Kinder. „Und du. Hilde?" „Ich mag Kinder sehr." „Natürlich," entgegnete Dely ironisch.„Du bist ja ein Muster- mädchen und wirst später eine Musterfrau sein, eine Mustermutter, eine Mustergroßmutter und so weiter. Ich gratulier' dir jetzt schon zu dem Dutzend, das du haben wirst— wie die Orgelpfeifen." Hilde zeichnete in der Lust die von klein auf immer größer werdende Generation und lachte. Alle Mädeln lachten. „Sag' mir nur, was an Kindern dran ist?" fragte die Dely. „Geh, frag' nicht so blöd!" antwortete eine andere, die früher erklärt hatte, daß Kinder ganz lustig sind. Und wieder schwirrten in knappen Sätzen die Meinungen durch- einander. Weil's eben Kinder sind. Weil's meine Kinder sind. Gar nix is an Kindern dran. Je gescheiter«in Volk wird, um so weniger Kinder hat es— schaut euch die Franzosen an! „Na, und du Hilde, was hast du an deinen künftigen zwölf Kindern?" „Daß sie hilflos sind!" Die Hilde hatte es ausgerufen und sah dann ganz erschrocken um sich— weil sie unwillkürlich und unabsichtlich so pathetisch ge- sprachen hatte. „Das geht mich nichts an!" sagte die Dely heftig.„Ich will mein Leben genießen, jetzt und später. Ich kümmere mich um mich, und damit hat jeder genug zu tun. Ich wähl' mir die Menschen aus, die ich gern hob', meine Mutter Hab' ich gern, den Edi und euch..." „Und auch noch a paar andre Leut'," warf eine gute Freundin spitz dazwischen. „Aber Hilflosigkeit ist kein Argument." Und sie fügte trotzig hinzu:„Für mich wenigstens nicht." „Ich kann mir vorstellen," sagte darauf die Hilde,„daß ich mein ganzes Leben für Kinder Hergeb', die nicht einmal meine Kinder sind. Nur weil sie so arm sind und mich brauchen und ohne mich nickt auskommen würden. Ich kann mir ganz gut vorstellen, daß ich Fürsorgerin werd' oder Kindergärtnerin..." „Hilde! Sind das Aukunftsträum«? Ja, man wird's, wenn man muß! Aber davon schwärmt man doch nicht. Hier, bei einem guten Iauscnkasfce, wo man sich bequem Luftschlösser bauen kann! Ich mächt' gern einen unermeßlichen Dollarnnllionär heiraten. Oder ich möcht' gern die Jeriga sein, das ja, berühmt werden. Aber ich mal' mir als Ideal nicht aus, daß ich achtzig Kinder unaufhörlich de» ganzen Tag hindurch schneuzen muß." Hilde war gar nicht beschämt. „Das mit dem Amerikaner— der trijst doch nicht zu mir. Und zur Ieritza Hab' ich keine Stimme..." „Aber geh. Hilde, du mit deinem Profil," sagte«ine andere. „Auf der Bühne muß man ja einmal auch was anderes zeigen als das Profil..." „Ganz gewiß," krähte ein« vor Vergnügen, daß sie eine An- ziiglichkeit anbringen konnte. „Aber so laß doch, ich mein', man muß auch Talent auf der Bühne zeigen." „Ach so!" „Ich möcht' nur eine Operettsndioa werden.,." schwärmte ein« dritte dazwischen.„Den ganzen Tag nix tun und am Abend den Applaus und die Blumen, und womöglich«in« Hosenrolle..." „Also nicht aus lauter Hilfsbereitschaft willst du Windeln waschen, fondsrn weil du dir nicht zutraust, was G'scheiteres anzufangen!" sagte die Dely und ließ nicht locker. Di« Hilde antwortete nicht, und die Dely nahm das Schweigen als Zustimmung.„Das Hab' ich wissen wollen. So seid ihr alle." „Wer denn?" „Na, die Menschheitsbeglücker. Wenn morgen ein Theater- direktor zu dir kommt und sagt: Liebes Fräulein Fernleitncr, so was Blondes wie Sie gibt's gar nicht. Spielen S' bei mir die Komtesse Schnuckerl, tausend Kronen Gage pro Vorstellung usw., usw---- so laßt du deine Fratzen tm Stich und gehst mit ihm. Eni- haltsamkeit ist das Vergnügen bei Dingen, welche wir nicht kriegen, sagt Wilhelm Busch." „Helene! sprach der Onkel Nolte... Was ich schon immer sagen wollte! Ich warne dich als Mensch und Christ. Oh, hüte dich vor allem Bösen..." zitierte jetzt- die eine weiter, die immer zur Unzeit dazwischen redet« und nie Beachtung fand. Und gerade, wie sie durcheinandersprachen und die Dely es un- bedingt durchsetzen wollte, daß sie mit der Gewöhnlichkeit ihrer Ge> sinnung nicht anders und nur aufrichtiger sei als die anderen, und wie Hilde eingeschüchtert und unsicher gemocht von den viel prunk- volleren Zukunftsbildern, die ihr ausgemalt wurden, Red« stand, gerade da drang von der Straße her erst nach ferner Gesang in das Zimmer. Der Klang von Mädchenstimmen wendete sich in di« Höhe und dunklere Bubenstimmen blieben unter ihnen als fester Unter- grund, von dem aus jene emporstiegen. Bubenstimmen und Mädelstimmen hielten sich im Takt anein- ander, und im Tempo des Marsches wurde der Gesang, erst ganz schwach, dann stärker und immer stärker, und unter dan Fenstern der Gruber-Villa war er in seiner vollen Kraft und Lebendigkeit. Die Mädchen oben im zweiten Stock waren an die'Fenster gesprungen. Da ging der Trupp im Marschschritt, etwa zwanzig winzige Mädeln und Buben,.zehn, elf, zwölf, höchstens dreizehn Jahre alt. all« im gleichen Sportkostüm, alle mit gleichen, leuchtenden Halstüchern, die gleich darauf, als sie vorübergezogen waren, wie ein dicker Strich aussahen, der die Nein« Schar umschloß. Rhythmus lag in ihrem gleichförmigen Ausschreiten und im ihrem frohen Gesang. und jugendliche Entschlossenheit lag drin u,d das Bewußtsein ihrer frischen Kraft. .Die Mäd«ln droben sahen ihnen nach, bis fi« verschwunden waren und ihr Lied oerhallt war. „Warum gehst denn nicht mit ihnen, Hilde?" fragte D«ly giftig« „Wär' gar nicht so übel, Bewegung zu machen und f«st mar- schieren, statt sich von dir totfüttern zu lasi«n." „Fein gegeben! Das war«in Kompliment und ein Hieb zu- gleich," konstatierte die Lutz. Alle waren wieder guter Laun«, auch di« Dely, die es ja nie so bös meint«. „Na, marschieren kannst du hi«r bei uns nicht, aber singen kannst du, w«nn du willst." Die Dely setzte sich ans Klavier. „Kennt ihr schon den Schlager aus der Komteß Schnuckerl?.., Dos hat der Marifchka himmlisch gesungen." Sie spielte und sang dazu mit entsprechender Mimik: „Ach. ich bitt' Sie, Fräulein Mitzi, Was tun S' denn mit dem Knie? Ich erröte, Na... so was lern ich ni«! Debütieren Im Charmieren Ist sehr schwe— e—-er, Ich sag' nicht meh— eh— ehr..." Di« Mädeln unterhielten sich köstlich und schnatterten durch- einander. „Daß du nicht zum Theater gehst, Dely!" „Wer weiß... vielleicht... wenn mir', z'Hau» einmal zu fad wird!" „Oder wenn Adolf Grubers Söhn« den Weg oller A. G.'s gehen." „Da sei Gott davor!" rief di« Dely erschrocken und wurde wirk- lich ernst. Und dann:„Sag', Hilde, ist das nicht auch so schön, wie das, was di« Buben und Mädeln da unten falsch gegrölt haben?" „Ich glaub' nicht," sagte die Hilde.(Fortsetzung folgt.) RätseUBcke des„Abend". iiiiiiiiimiwiunii(iniiuniniiiiuiiiiMiwiMiiiiiiiimiiMiiiiiiiii!;iimiimiHiiiiini«iiiiiii»nHiiiiiiiiiiiimiimmtiHniimimtmiinwiiimiiimin)inninniiiiiiiiniiiiiiiMinHiiiuiiiiuiiHW Zahlenrätsel. 6 wichtiges Ereignis. Name eines Musikdirigenten. verstorbener berühmter Schauspieler. tvchepkendcr. Täuschung. Vogeleier. Vcrteidigungsart. Röhrchen. altes Maß. ehemaliges Herzogtum in der Rheinprooinz. Leibriemen. Schiffsteil. Wofje. r£ii] S 6 7 Kreuzworträtsel. Magere cht: 2. Augen- deckel: S. Fluß in Frank- reich: 8. Stadt in Pa- Ilästina: 9. weiblicher Vorname in Koseform: 10. Muttertier. Senkrecht: 1. Land- wirlschaftliche Ausstellung: 3. nordfriesische Insel; 4. Maltazucker. Bersrätsel. Was du beginnst, fang mit der ersten an! Gewiß wird bald es dir zur zweiten dann. Nur hüt« dich, daß nicht sich dir ain Ende Die erst« ganz nur auf die zweite wende. Mag uns das Ganze weidlich oft erfreun, Das ganze Leben kann kein Ganzes sein! Scherzfrage. Zu welchen Tieren gehören noch Ansicht des Landmanns di« Hunde? Dersteckrätfel. In den Wörtern Bluff, Tunis, Hudson, Rennen, Gestern. Wunder, Schein, Achtung, Winüwolke und Sennerin sind je drei auf- einanderfolgende Buchstaben versteckt, die richtig aneinandergereiht ein Merkwort für eine naturgemäße Körperkultur ergeben. Buchstabeu-Züllrätsel. Durch Hinzusügung eines Anfangs- und eines Endbuchstaben sollen Wörter von folgender Bedeutung entstehen: 1. Maurerstoff: 2. römischer Kaiser: 3. männlich«? Schwein; 4. Paradies; 5. ungelogen: 6. altdeutscher männlicher Vorname: 7 Blas. inftrument: 8. unkxholfener Mensch: 9. modern: 19. erhaben: 11. Himmelskörper: 12. AbUhnungswönchen.— Di« beiden senkrechten Reihen der n«u hinzugefügten Buchstaben«rgeden je eine beliebte Märchengestalt. Auflösung der Ausgaben nächsten Mittwoch. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. S«ntrechl! 1. Calais: 2. Ulm: 3 Anis: 4. Hag: tz. Orient; 7. Ithako; 9. Azoren; 19. Abukir; 12. Batist: 13 Anti; 17. Nab; 18 Gut.— Wagerecht- b. Altona; 7. Ilm; 8. Riga; 19. Ais; 11. Thisbe; 12. Boa; 13. Gas; 14 Ungarn; 15. Akt; 18. Anni; 18 Gin; 19 Atreus. Ergänzungsrätsel: I. Ast; 2. Mast: 9. Sand; 4. Tot; 5. End; 8. Rat: 7. Druck; 8. Angst; 9. Mond. Amsterdam. Visitenkartenrätsel: Handlungsreisender. Bilderrätsel:„Der Sozialismus ist btx Iungbrunnei» des Lebens," Nr. 342 45. Jahrgang Sonnabend, 21. Juli 1928 Die eiserne T elephonistin. Mehr als 40 Jahre sind seit dem ersten Versuch, Ken Fern- sprecher in Nerlin einzuführen, vergangen. Damals fand ein Ausruf Emil Rothenaus, der um Teilnehmer an dem neu in Berlin einzurichtenden Fernsprechnetz bat, so gut wie keinen Erfolg. Nur zehn Teilnehmer hatten sich gemeldet. Heute gibt es genug Men- schen, die sich ihr Dosein ohne Telephon nicht mehr vorstellen können. Der Fernsprechbetrieb ist heute zu einer recht komplizierten Ange- legenheit geworden, an der die gesamte Oesfentlichkeit interessiert ist. In den Millionenstädten wurden zahl- reiche Aemter errichtet, um den gesteigerten Ansprüchen gerecht wenden zu können. An die Telephonistin dieser Handämter werden zu bestimmten Zeiten außerordent- lich« Ansorderungen gestellt, die nur auf Kosten der Nervenkroft erfüllt werden können. Daraus haben sich zahlreiche Unzuträglichkeiten ergeben, die sich bei weiterer Dergröherung des Fernsprechbetriebes bis zur Unerträglichkeit steigern mußten. Aus dieser Not suchte wiederum die Technik einen Ausweg. Sie will das Un- heil, das sie durch Schassung des Fernsprechers ange- richtet hat, wieder gut machen. So beschert« sie der ge- plagten Menschheit den automatischen Fernsprechbc- trieb. Sie setzt gleichsam Telephonistinnen aus Alelall in die Fernsprechämter und überläßt es jedem Teil- nehmer, sich selbst jeden beliebigen Anschluß herzu- stellen. Der Automat ist nicht nervös. Er kann von er- i regten Teilnehmern nicht beleidigt werden. Mit uner- I härter Genauigkeit tut er seine Pflicht. Im Augenblick i stellt er die gewünschte Verbindung her, trennt sie, so- f bald der Hörer die Gabel belastet und ist sofort wieder- bereit, einen neuen Anschluß herzustellen. Mit Ausdauer L— arbeitet er Tag und Nacht. Er entwickelt«ine Tätigkeit, die die menschliche weit in den Schatten stellt. Er ist geradezu die Verkörperung technischer In- telligenz. Dabei ist er oerschwiegen. Niemals hört er ein Gespräch mit an, und er oerhindert jedes Einschalten in eine bestehende Ver- bindung. Das automatische Telephon wurde in Amerika erfunden. Im Jahre 1889 wurde es zum ersten Male von Mitgliedern der be- kannten Erfinderfamilie Strowger zum Patent angemeldet. Das erste automatisch« Amt wurde am 3. November 1892 in Loporte im Staate Indiana in Betrieb genommen. In Deutschland wurde das erste automatische Amt im Jahre 1899 in Berlin versuchsweise eröffnet. Heute bauen zahlreiche Firmen auch in Deutschland hervorragende automatische Telephongeräte. Viele Städte und Londorte besitzen bereits ihr automatisches Amt, und auch die Millionenstadt Berlin, in der die Umstellung besondere Schwierigkeiten bereitet, wird nach und nach die Segnungen des automatischen Betriebes kennen lernen. Mensch und Maschine. Wer ein automatisches Fernsprechamt benutzen will, sollte zuerst «in Handamt besuchen. Der Unterschied in der Technik wird dadurch besonders klar werde lt. Im automatischen Amt sind die Vielsach». selber verschwunden. Verschwunden sind auch die Telephonistinnen. Dafür sind in hohen Gestellen, die bis zur Decke d«s Raumes reichen und die sorglich hinter, und nebeneinander ausgebaut sind, die „Wähler", die eisernen Telephonistinnen, untergebracht. Die Seele dieser automatischen Telephonistinnen sind drei Elektromagnete, die durch Stromstöße, die derjenige erzeugt, der eine Verbindung her- stellt, eine klein« Welle heben und drehen. An dieser Welle sind drei zierlich« Aermchen befestigt, die unendlich viel kleiner sind als die der niedlichsten lebenden Telephonistin. Diese Aermchen stellten die Verbindung zwischen dem rufenden und dem angerufenen Fernsprechteilnehmer her. In den großen Zehntousenderämtern (Aemter mit 10 000 Anschlüssen) liegen immer je 100 Leitungswähler zu einer Gruppe vereinigt. Sie werden von einem Gruppenwähler gleichsam beaufsichtigt. Die Aermchen dieses Gruppenwählers suchen selbsttätig eine freie Leitung zu den Leitungswählern auf. Diese stellen daim die Verbindung von 1 bis 99 der jeweiligen Hunderter- grupp« her. Die Gruppenwähler wieder unterstehen dem„Bor- wahler", einem winzig kleinen Apparat, der fast unscheinbar anmutet. In dem Augenblick, wo ein Teilnehmer den Hörer von der Gabel nimmt, wird dieser kleine Vorwähler schon erregt. Er ist sofort bestrebt, eine frei« Leitung zu suchen, ehe der Teilnehmer noch seine Wünsch« geäußert hat. Die Zahl der Gruppenwähler braucht durch.- aus nicht so groß zu sein wie die der Teilnehmer. Aus der Er- fohrung weiß man, daß höchstens 20 Proz. der Teilnehmer gleich- zeitig sprechen. Es werden also zur Herstellung der Verbindungen nur 10 Proz. der Wähler benötigt, weil ja immer nur ein Teilnehmer Wähler arbeiten. In dreimal anderthalb Sekunden hat er seinen An- schluß selbst hergestellt. In Abständen von zehn zu zehn Sekunden hört er, wie das Rufzeichen tönt: dadurch hat er die Gewißheit, daß die Berbindung totsächlich hergestellt wurde. Wenn die Leitung nicht frei ist, kommt das Besetztzeichen. Dann legt man eben ruhig den Hörer auf die Gabel und wartet, bis man. den Anschluß be- kommen kann. Schimpfen und erregtes Klopfen sind zwecklos, da der Apparat keine Nerven hat und sich von seiner Ar- beit nicht ablenken läßt. Die Umstellung vom Handbetrieb auf den auto- matischcn Betrieb läßt sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Man muß sich damit absinken, daß, wie es augenblicklich auch in Berlin geschieht, Hand- ämter neben automatischen Aemtern arbeiten. Das wird ermöglicht durch die Zwischenschaltung des halb- automatischen Betriebes. Berlin besitzt eine Reihe von solchen Vermittlungsämtern: in diesen Vermittlungs- ämtern ruft ein kleiner Vorwähler eine der Telepho- nistinnen an, die nun ihrerseits eine Zahlenheber- Maschine betätigt. Diese leistet durch ihre Umdrehungen die gleiche Arbeit wie der Teilnehmer eines automati- schen Amtes, der die Wöhlcrscheibe seines Apparates bedient. Es ist natürlich im Interesse der Telepho- nistinnen sehr zu begrüßen, daß ihre Ersetzung durch die eisernen Telephonistimien, durch den automatischen Betrieb, so langsam erfolgt. Dadurch wird die große Schwierigkeit, die entlassenen Beamtinnen in andere Berufe unterzubringen, etwas vermindert. IV. M. iifmiHiMiiiMiiiiiiiiiuniiMiiiiitiiMiiMiiiiimiitiMiiiiiiiiiiiiiMininiiMiiiiiiiiiiiMHfiimiiiuniNiimiimiiiiiimiiiiiMiiinMiHiiiimHHMimHiiiHiimfmimir Büdiersdiau. ■iimiiimMiimiH IHllMMIIIIIIIIIIIItfMIlUIMIIItlllllMIIIIMIIIIIfltlfllllllUIIIIIIIIIMIIIIIUIIUUlHIIIIHIIIIIIIMf MllllttMllllllit PHMfmiNiMinM'xniMiMiiMiMMUMiiMiHiiMiimniiMiiMmMitmiiiimiuniimiMiitMinniiiiiimiiinmiifuiiMiitiiuuiiinwHfiiniii? Der Apparat mit der Nummernscheibe. Blidc in ein automatisches Amt. die Verbindung herstellt, während der andere durch das Rufzeichen erst als Teilnehmer herbeigeholt wird. Der Betrieb in einem auto- matifchen Amt ist geradezu gemütlich. Hier und da schnurrt ein Wähler, läßt seine Welle steigen und sich drehen und stellt dann die Verbindung her. Sowie der Teilnehmer den Hörer aus die Gobel «iiiMiiiiiitmiinuiimiimiiiiiiiiiiiMmiiimiMiiMiiiiiMiiiiiiiiMiiMHirmiNiitr Der„Wühler". legt, fällt die Well« in die Ruhestellung zurück. Dann steht sie wieder aus d«m Sprung, unermüdlich zu klettern und sich zu drehen, wie ihr befohlen wird, ohne nervös zu werden. Das ganze mutet an wie ein neckisches Spiel und erzeugt«in beruhigendes Gefühl der Sicherheit, das der Besucher ein«s aulomotischen Handamtes niemals haben wird. Die Fernsprechgerüte, die den Teilnehmern zur Ver- fügung gestellt werden, unterscheide» sich durch die sogenannt« Nummernscheibe von dem bisher lieblichen. Die kreisrund« Nummernscheibe ist nach dem Rande zu mit Zchnfiirgcrlöchern versehen, unter den«n die Zahlen 0 bis 9 zu lesen sind. Wer eine Verbindung herstellen will, nimmt den Hörer von der Gabel. Dadurch wird der Apparat aus der Ruf- in die Sprechstellung geschaltet. Im gleichen Augen- blick deginnt der Borwähler auf dem Amt zu arbeiten. Dann dreht der Teilnehmer die Nummernscheibc, wenn er zum Beispiel die Nummer 293 haben will, so steckt er den Finger zuerst in 2 und dreht die Scheibe bis zu einem Anschlag. Dieser Anschlag muß unter allen Umständen berührt werden, denn sonst erregt der Teil- nehmer nicht die nötige Anzahl von Stromstößen. Die Magnete im Amt stellen sich infolge nachlässiger Bedienung der Nummernscheib« falsch ein. Durch das Drehen d«r Nummernscheibe bis zum An- schlag wird eine Feder gespannt, die die Scheibe wieder zurückrollen läßt. Dann macht es der Teilnehmer mit der 9 und mit der 3 genau so: dadurch läßi er die Gruppenwähler und dann di« Leitung»- Dr.-Zng. llulws Alagg. Ordentlicher Professor für Berbrennungskraftmaschinenbau: Dieselmaschinen. 287 Seiten mit einem Bildnis, 353 Abbildungen im Text und 9 Tafeln.— Im Jahre 1897 wurde die erst« Dieselmaschinc in Gang gesetzt. Jahre vergingen, ehe aus dem gelungenen Versuch ein« wirklich betriebssichere Maschine er- stand. Heute aber ist die Dieselmoschine sür zahlreich« Zwecke durchgebildet, eine schier unübersehbare Menge von Bauarten, die oft stark voneinander abweichen, ist geschaffen worden. Deshalb ist es zu begrüßen, daß der BDI. Professor Mogg ersuchte, ein zu- samincnsassendes Werk über die Probleme der Diefelmaschine zu schreiben. Zweckentsprechend ist das Buch in drei Hauptte-'le ge- gliedert. Zunächst werden die Grundlagen behandelt, Thcrmodyna- mik und Thermometrie der Dieselmaschinc, rechnerische Grundlagen, di« physikalischen und chemischen Eigenschaften der Treiböl«, Be- triebszahlen und Wirtschasttichkeit. Dann gibt das Buch in feinem zweiten Abschnitt über die Bauarten in geradezu klassischer Form Aufschluß. In n'cht weniger als 13 Einzelunterabteilungen werden die einzelnen Bauarten einer eingehenden Besprechung unterzogen. Besonders interessant erscheinen hier di« Abschrntie, die von den Diesellokomotiven in Gegenkolbenmasch' ncn und vor allem von den Krastsabrzcuzmaschinen handeln. Gerode hier zeigt sich die jüngste Entwicklung, hier sind weitere Ergebnisse von großen Zukunftsaus sichten zu erwarten. In einem Sonderabschnitt werden dann noch die Probleme des Schiffsantriebes mit Dieselmotoren behondeU. Der dritte Hauptabschnitt des Werkes ist dem Sonderprobkem der Dieselmaschinen gewidmet. Hier ist z. B. eine gänzlich neue Theorie des Spülvorganges bei Zweitaktmaschnen entwickelt, mit deren Hilf« es möglich wird, Spülvorgäng« rechnerisch vorauszubestimmen. Großes Interesse dürste bei allen Lesern dieses Werkes der Abschnitt über die Auspuffturbine und die Abgasturbin« hervorrufen. In einem Anhang sind Angaben über Raumbedarf, Schwunzmomcntc zu linden, ferner«in Literaturverzeichnis und selbstverstüliblich auch ein Sachverzeichnis. Das Wert, das in außerordentlich ernster und fleitztoer Arbeit entstanden ist, gibt aus relativ knappem Raum eine solche Fülle von Material, daß es sicherllch auf lange Zeit hinaus noch zu den besten Arbeiten aus diesem Gebiet gehören wird. Der Vorwühler. Für Einheit— gegen Spaltung Die Wahrheit über den Konflikt. Die letzten Vorgänge im Arbeitersport forderten energisches Eingreifen der Zentralkommission für Arbeitersport und Korper pflege, sollte nicht die Berliner Arbeitersportbewegung eine Einrichtung der Kommunistischen Partei und damit ge spalten werden. Das Arbeitersport- und Kulturkartell Groß-Berlin wurde deshalb von der Zentraltoinmission durch«instimmigen Beschluß am 3. Juli 1S2S aufgelöst. Mit 210 gegen 21 Stimmen hat ober auch der Bundestag des Arbeiter-Turn» und Sport bundes beschlossen, die kommunistischen Treibereien im Bunde nicht länger mehr zu dulden und die Beziehungen zur KPD. und deren Einrichtungen abzubrechen. Die Arbeitersportvcrbände waren stets bemüht, die Einheit der Bewegung zu erhalten. Sie waren stolz darauf, daß in ihren Organisationen der einheitliche Wille vor Händen war, in der Erfüllung eines Zieles für den Sozialismus zu wirken, eine gesunde kampfbereite und kampffähige Arbeiterschaft heranzubilden. Diese Einficht konnte nur erhalten bleiben, wenn nach den Beschlüssen der Bundestage gehandelt wurde. Sozialdemokratische Partei und frei« Gewerkschaften haben diese Einstellung des Arbeitersports stets geachtet und nie versucht, unsere Bewegung ihren eigenen Bestrebungen dienstbar zu machen. Dagegen hat die KPD. schon seit 1921 versucht, die Arbeitersportbewegung zu einer kommunistischen Einrichtung zu machen. Offen erklären die sanatischen Summunisten in unserer Sport- bewegung. daß nicht die Beschlüsse der Arbeilersportverbände ihr Handeln beeinflusse, sondern daß lediglich die Leitsätze und Statuten der kommunistischen Znternatlonale für ihre Arbeiten im Arbeitersport maßgebend seien. Fraktionen und Zellen wurden in den Dereinen, in den Bezirken, Kreisen oder Gaue, in den Sparten der Berbänd« und über das Reich eingerichtet. Die Kommunistisch« Partei schuf ein Sport- fekretariat in der Kleinen Alexanderstraß«, in der zwei An- gestellte die Aufgabe haben, die Arbeitersportbewegung für die Kommunistische Partei zu erobern und den KPD.-Zellen das not- wendige Material zum Kampf gegen deneigenen Bund, gegen die eigenen Bundesgenossen zu liefern. Durch Beschimpfungen und Verleumdungen sollte das Ansehen der Führer der Arbeitersportbewegung untergraben werden. List, Lüge, Verleumdung, Verschweigen der Wahrheit wurden in reichster Weise angewendet, einen hinterhältigen Kampf führte man gegen die Zentralkommifsion und die Derbandsvorstände, die Führer wurden als reformistische Menschewiken, als Arbeiter- Verräter, Agenten und Mameluken des Kopitals, als Kapitalsknechte, Kreaturen des Parteioorstandes, Subjekte bürgerlicher Regierungen, Lakaien und Bluthunde der Bourgeoisie, als Kommunistenhetzer usw. beschimpft, ihre Briefe als Schmierereien bezeichnet, mit Hohn und Spot! wurden sie von kommunistischen Sportgenossen überschüttet. Die Kartelle Groß-Berlin und Halle waren die Herde, von wo die Parolen und Losungen der KPD.-Sportzentral« hinausgingen. In raftiniert geschickter Weise hat man systematisch und planmäßig den Feldzug gegen die Bundesmehrheit organisiert. In die Kartell- Versammlungen, ob im Osten, Westen, Norden oder Süden Berlins, waren meist dieselben Redner der KPD. entsandt, überall die gleichen Debatten, fast wörtlich gleiche Reden, die gleichen' Resolutionen, vielfach wurde die Mitgliedschaft in mehreren Dereinen er- worben, nicht um Sport zu treiben, sondern um kommunistische Aufträge auszuführen, deren Ergebnis Zank und Streit in den Vereinen war. Unsere Sportfeste xvaren von Veranstaltungen der KPD. kaum zu unterscheiden. Rotfront-Kapellen, Embleme, Losungen und Parolen der KPD. waren in den Festzügen das hervorstechende Merkzeichen, rücksichtslos setzt« n>an sich über die Bundesbeschlüsse hinweg und beschimpft« selbst bei Festen die auf dem Boden der Mehrheit stehenden Genossen. Ihr wahres Gesicht zeigtön die kommunistischen Drahtzieher während der Reichstagsbewegung, deren Mißbrauch zur Sport- agitation für die KPD. sogar vor der Maifeier nicht halt machte. Und wie steht? in der Gemeinde Groß-Berlin? N Alle Anträge, die bisher die APD. für den Arbeitersport in Groß-Berlin gestellt hat. entsprangen nur Ihrem Agitalions- bedürsnis. man wußte genau, daß diese Anträge keine Mehrheit finden, deshalb wurden sie gestellt, um propagandamittel für ihre Tüchtigkeit zu haben. Feststellen können wir an Hand der Stadtverordnetcnprotokolle. daß die KPD. bisher stets in bestem Einoernehmen mit den Deutsch- nationalen gegen die Forderung der Arbeiter- s p o r t l e r gestimmt hat, da sie den Etat der Stodt ablehnte, in dem die im Stadtamt für Leibesübungen mit Zustimmung d«r KPD.» Vertreter aufgestellten Forderungen des Arbeitersportes enthalten waren. Würden wir die Taktjk der KPD. einschlagen, dann be- käme' die Arbeitersportbewegung nichts, dagegen die bürgerlich« Bewegung alles. Nicht die KPD hat für den Arbeitersport etwas herausgeholt, sondern festgestellt werden muß. daß erst die Sozial- dcmokratie die Gleichstellung der Arbeiterspoxtler bei der Verteilung der städtischen Mittel durchgesetzt hat. Haben wir vor Jahren nur sehr wenig erhalten, so bekommt seht der Arbeitersport durch die Arbeit der Sozial- demokraten Z0 000 Mark und für das nächste Zahr kommen 50 000 Mark in den Etat der Stadt Verlin für den Arbeitersport. So steht der„Verrat" der Sozialdemokratie an den Arbeitersport aus und andererseits kann jeder die ungeheuren Verdienste der KPD. an ihren Taten ermessen! Es ist ein« leichte und bequeme Art, Forderungen im Reichstag für den Arbeitersport zu stellen, wie es die KPD. macht, ohne überhaupt«in Wort zur Begründung zu sagen, ohne an den Beratungen des Ausschusses zur Förderung der Leibes- Übungen teilzunehmen! Wir klagen nach alledem, was vorgekommen ist, die KPD.- Sportgenossen an. daß sie ihres Parteiprinzips wegen die Interessen des Arbeitersportes aufs Spiel setzen, daß ihr Wirken nur auf eine Stärkung der von uns bekämpften bürgerlichen Sportbewegung hinausläuft. Es nützen keine noch so revolutionären Worte: die Taten beweisen, daß diese KPD.-Genossen die besten Schildknappen der Reaktion sind. Deshalb, Berliner Sportgcnossen und-genosslnnen, leistet den kommu- nistifchen Pharisäern nicht Gefolgschost. sondern stellt euch auf den Boden der gewaltigen Mehrheit der Arbeitersportbewegung! In Berlin kann nicht anders regiert werden als in anderen Orten, deshalb mußte das Arbeitersport- und Kulturkartell Groß-Berlin aufgelöst werden und an seiner Stelle wird ein neues Kartell gebildet. Der Weg ist nun frei für den Arbeitersport, stellt euch geschlossen hinter die Beschlüsse der Bundestage und der Zentral- kommifsion! Für den Bund! Gegen die kommunistischen Parlcifanatiker! Handballspiele. Kreismeisterschaft in Faust- und Trommclball. Heute, Sonnabend, hat um 20 Uhr Groß-Berlin-Norden 1 auf dem Platz an der Schönhauser Allee den Arbeiter-Turnverein Pankow zu Gaste. In Neukölln, Grenzallee, spielen um 19 Uhr Schwimmoerein Vorwärts und Frifch-Frei Niederschöneweide. Di« Jugendmannschaft Bohnsdorf spielt um 19 Uhr in B o h n s- d o r f, Schulzendorfer Straße, gegen Adlershof. Sonntag, den 22. Juli, Ausscheidungsspiele um die Kreismeisterschaft in Trommelball für Turnerinnen und Faustball für Männer, Frauen und Jugend. Die Spiele beginnen um 9 Uhr vormittags auf dem Urbanplatz. Handball spielen von den Männer- Mannschaften: Biesdorf gegen Wilmersdorf um 15 Uhr in Biesdorf, Lesssngplatzi Kaulsdorf 1. Männer gegen Adlershof II um 16 Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Straße; Potsdam gegen Velten um 16 Uhr in Potsdam, Luftschiffhafen; Neukölln-Buckow gegen Schmargendorf um 16 Uhr in Buckow; B e l t«m- Jugend gegen Hennigsdorf um 10 Uhr in Velten, Germendorfer Straße. Bundestag der Arbeiter-Athleten. Dem in Dresden abgehaltenen 9. Bundestag des Arbeiter- othletenbundes Deutschland lag ein zufriedenstellender Jahresbericht vor. Der Bund zählt rund 1000 Vereine mit 40000 Mitgliedern. Nicht mitgerechnet find Schüler und Jugendliche, mit denen die Mit- glicderzahl auf 60 000 kommt. An Unfallgeldern wurden 29 505 M. gezahlt. 37 Proz. der Mitglieder lesen die Bundespresse. Das Bundesgefchäft warf einen Ueberschuß von 21 000 M. ab. Viele Lehrgänge wurden in allen Sportarten abgehalten, ein gutes Zeichen für den Drang nach technischer Entwicklung. Rege war der internationale Sportverkehr. Oesterreichische, französische, hollän- dische, dänische, ungarische, lettische und Schweizer Mannschaften waren zu Gast. Deutsche Athleten weilten in der Schweiz, Rußland und in Finnland. Der Bericht fand Billigung, lediglich in sport- politischer Hinsicht waren die Meimmgcn geteilt. Zu Kursen soll die B u n d e s s ch u l e in Leipzig mit benutzt werden. Falls das im gewünschten Maße, wegen Ueberlostung der Schule, nicht durchführ- bar wäre, sollen Borbereitungen zum Bau eigener Lehr- räume getroffen werden. Das Auskämpfen von Einzelmeister- schuften bleibt verboten. Als Anerkennungen bei Wettkämpfen dürfen nur Sportgeräte, Sportkleidung und Sportbüchcr gegeben werden. Der Präsident der Sozialistischen Arbeitersportinternationale, Genosse Geller!(Leipzig), berichtete über die SASJ. und die Beschlüsse des Kongresses in Helsingsors. Gegen die Sportführer gerichtete Ab- lebnunos- und Mißtrauensanträge wurden abgelehnt und da- durch bekundet, daß der Arbeiterathletenbund hinter den Beschlüsien von Helsingsors steht. Bestleistungen in der Arbcitcr-Lcichtathlctik Auch in diesem Jahre ist eine gewaltige Steigerung der leicht- athletischen Leistungen im. Arbeiter-Turn- und Sportbund Deutsch- lar.d zu verzeichnen. Durch eifriges Winterkraining(allseitige Körpcrausbildung) ist es gelungen, einige Bestleistungen zu über- bieten. M e h w a l d(Rathenow) erreichte im Stabhochsprung die an- sehnliche Höh« von 3,70 Meter, bisherige Leistungen 3,61 Meter. Wagner(Leipzig) lief in Finnland 1500 Meter in 4:04,5 Min. (4:06,9 Min.) und 5000 Meter in 15:17,7 Min.(15:36,3 Min.). Die Freie Turnerschaft Karlsruhe lief in Bafel die 4X100- Meter-Stafette in der guten Zeit von 44 Sek.(44,8 Sek.). Genossin Schulz(Berlin) warf den Speer 32,61 Meter (31,95 Meter). Genosse Naumann(Leipzig) schraubte die Bun- desbestleistung im beidarmigen Kugelstoßen von 21 Meter auf 22,37 Meter(rechts 11,70 Meter, links 10,67 Meter), Fuchslocher(Sulz- gries) warf den Diskus 39,25 Meter(37,75 Meter). Arbeiler-Radfahrerbund Solidarität. Sonntag, den 22. Juli 1928, Straßenrennen über 50 Kilometer bei Span- d a u. Die Wettfahrausschußmitglieder des 1. Bezirks müssen früh 6 Uhr in Spandau, Luther-Platz, Lokal Subke. zur Stelle fein; desgleichen die Rennsahrer. Meldungen können noch dort an- genommen werden.— Meinert. Der Fahrlehrer in der„Badewanne' Neuerdings benutzen einige Fahrschulen(ür den Unferridi» im Motorradfahren eine Vorrichtung, die es dem Lehrer erlaubt, vom Beiwagen, der„Badewanne", aus den Fahrschüler zu kontrollieren Ob sidi diese Unterrichtsweise bewahrt, mub dahingestellt bleiben, da das Alleinfahren bei dieser Methode zu kurz kommt. Motorrad-Sechstagefahri Nur nodi Wenige ohne Strafpunkte. Nach der Wertung des zweiten Tages war das Feld auf 67 Bewerber zurückgegangen, nachdem wiederum zehn Maschine» wegen Sturz und Defekt ausscheiden mußten. Erheblich zufaminei»- geschrumpft ist auch die Zahl der Straspunktesreien. Nach dem» zweiten Tage waren nur noch 15 ohne Strafpunkte. War auch die-. Streck« der Nachtfahrt durch den ersten Tag bekannt, so machte: die Dunkelheit den Fahrern doch stark zu schaffen. Hinzu kam, daf* sich der Führungswagen verfuhr und mit ihm eine ganze: Anzahl Fahrer, so daß viel Zeit verloren ging. Di« schlechte Boden- beschaftenheit verursachte wieder viele Stürze. Kammer- Berlin(EVS.) mußt« mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus geschafft werden. Auch an Pannen aller Art fehlte es nicht. Als erster traf Henne- München auf BMW. wieder in Pößneck«in, die übrigen folgten in größeren Abständen. Außer dem gestürzten Kammer schieden noch Friedrich- Nürnberg aufi Triumph und K i tz a- Berlin aus D-Rad durch Defekt aus, ins- gesamt kehrten 66 zurück. Die Einschiebung der Nachtstrecke gilt als zweckmäßige Bereicherung der ganzen Sechstagefahrt. Die nächste Etappe führt über 246,8 Kilometer und berührt u. a. auch Oberhof. 4___ Internationales Schwimmfest in Duisburg. Das zweite internationale Schwimyrfest des Kreises Rheinland wurde am 15. Juli in Duisburg abgehalten, und hatte auch finnische und belgische Teilnehmer. Berlin war durch die Freien«chwimn-er Neukölln wie immer würdig oertreten. Die stärkste Stütze d�s Rheinlandes waren die Freien Schwimmer Düsseldorf. Trotz mustergültiger propagandistischer Vorarbeit nur mäßiger: Besuch. Die politischen Gegensätze, die sich in ähnlichen Formen- wie in Berlin abspielen, führten zu einer direkten Gegenaktion den Einheitsfrontapostel, ferner veraniaßten die 38 Grad im Schatten viele, das danebenliegende Freibad aufzusuchen. Sportlich wurde Hervorragendes geboten. Die Freistil- schwimmen der Männer und der Frauen zeigte dasselbe Ergebnis wie in Gladbeck, nämlich Leonhard, Düsseldorf und Frohn, Neukölln. Das Kunst- sowie Turmspringen fand begeisterten Beifall- Gutes zeigten F r i t s ch e r, Hamburg sowie O b l a d e n, Duisburg. Die Stafetten wurden in überlegener Manier von N e.u k ö l l n vor" Düsseldorf gewonnen. In den Stafetten der B-Älasse zeigte Belgien(Gent) gutes Können. Die sportlichen Erfolge der Finnen waren mähig. Ein von Düsseldorf und Duisburg vorgeführtes Gruppenfpringen zeigte neue Momente dieser Art. Das erste Wässer- ballspiel Bonn— Düsseldorf endet« 1:0. Im zweiten Spiel stand Neukölln einer kombinierten Mannschaft aus Belgien, Duisburg und Essen gegenüber und siegte mft 5: 1. Frgednlsse der Wettkämpfe mit injernallonalem Charakter SRäBnet-Stciflilftafctte 3X1M Meter: 1. Ztoukclln Sd2. uen-Brusischwimmen 100 Met« ff! "c 2. Difsseldais 8,50. eall«n.«rBsischw!mme>> 100 Meter: 1. ffroSit(Kcufflün) C40. 2. Schräder "Eilen) 1,42. RSrner-greifttllch-i-eme» 100 Meter: 1. Leonhard(Siltfclbon) 1,07». 2. Howe iReukölln) 1,08». 3. ffrohn(S�ukölln) 1,10. R-aner.»r-ft. schwimme» 100 Meter: 1. Becker sReukdlln) 1.26. 2. Schneider(Gent) l,2fV. 3. Weder tNcukölln) 1,30.«u»sts»ri»«en: 1. Oburden(Duisbura) 34 Punkte 2. Weltmann IReukölln) 82 Punkte. Z»rms»ri»gei>: 1. ffritschen(Hambursd 31 Punkte. 2. Pawilainen IFinnIand) 25 Punkte. Männer. Rückenschwtmm-n 100 Meter: 1. Dunkel IReukölln) 1.24. 2. Büttgen I Düsseldorf) 1,26. Frauen- Freistilschwimmen 100 Meter: 1. Froh» IReukölln) 1,23. 2. Lummiokko I Finnland) 1,28. Ränner Lagenftasette 4X100 Meter: I. Neukölln 5,27. 2. Diisscll» dors 5,49.-_ Nordwestdeutsche KrcisvcrbaEdsmcistcr- schaft im Wasserball. Am 14./15. Juli standen sich die Kreismeister A l t o n ai (3. Kreis), Gladbeck(6, Kreis), Hannover-'Lindem (11. Kreis) und Kassel(13. Kreis) im Kampf um die'Nordwest» deutsche Kreisverliandsmeisterfdiost gegenüber. Gladbeck trat gegen Kassel an und erzielt« ein Halbzeitresultat von 5: 2 Toren. Nach dem Wechsel war Gladbeck weiter überlegen und siegte verdient mit 10: 3 Toren. Anschließend spielte Altona— Hannooer-Linden. Altona zeigte sich bis Halbzeit Hannover-Linden gleichwertig, was auch, das.Halbzeitresultat von 3:2 für Hannover-Linden beweist, nach, Seitenwechsel jedoch war Hannover überlegen und trug sich das. Spiel fast ausschließlich in Altonas Hälfte aus. Hannover-Linden. siegte schließlich 8: 2. Am Sonntag stellten sich nun die beiden Sieger Gladbeck und Hannooer dem Sd>iedsrichter. Nach d�n Resultaten vom Vortage hotte man«in gleichwertiges Spiel erwartet. Doch Hannooer-Linden war jederzeit der Gladbecker Mannschaft: überlegen; mit 7:2 Toren wurden die Seiten gewechselt und mit dem Endrcjultat von 12: 3 Toren verließ Hannooer als Nord- deutscher Kreisverbandsmeister das Wasser, um am 11. August in Osnabrück gegen den Ostdeutschen Kreisvcrbandsmeistcr, den sidzer Berlin stellen wird, den Kampf um die Bundes- Meisterschaft auszunehmen. Berliner akademische Tennismeisterschaft. Don Freitag, dem 20. bis Montag, dem 23. Juli akademische Tennismeisterschaften, die durch die Meldungen von Prenn, Remmert, Kuhlmann, Claß und Müller außerordentlich interessante Spiel« versprechen. Der Berliner Schlittschuhklub hat für diese Veranstaltung in dankenswerter Weife seine Anlage zur Der- fügung gestellt.___ Morgen Karlshorst. Im Mittelpunkt steht das mit 32 000 Mark ausgestattete, über 5000 Meter der Großen Bahn führende Große Berliner Jagdrennen, das Immelmann(Bismart), Nokdse«(K.Thiel). Pommer(Hauser), Fa leider(Wurst), Herzog(Wolfs)', Daim ll (Stys), Folter(W. Heuer), Batilc Cruiscr(E. Eichhorn) und Borgia(Sd)nitzer) im Kamps sehen wird. Reichs-Tourenfahrt des ADAC. Der Allgemeine Deutsche Auwmobil-Club veranstaltet in de? Zeit vom 14. bis 23. August seine 2. Reichstourenfahrt, die in acht Tagcsetappen(etwa 1750 Kilometer) von Hilde-heim über Bad Kissingen, Nürnberg. Stuttgart, Lindau, Garmisch-Partenkirchen. Zell am oee, Berchtesgaden noch Müiichen führt. Zu der als reine Tourenfahrt ohne jede Wertung stattfindenden Veranstaltung find alle ADAE.-Mitglieder mit Wogen und Rädern zugelassen. ». T. Lehnitzsee 1,75 M. ». � V crei nskalender. Morgen Sonnlog. 22. Igli, Tompfctfofirt noch dcm .. v.~'nslai Riickfohrt V. Pankow. "nNr aRutNitkung der StrciüoföpTllp. Hin. und «orten on her Abfahrissclle■abfahrt 8 Uhr Tegel. ,,..._"Z. Heimodend am Montag fällt aus. Dienstag, 24. Juli, af» �ita». 27. Juli. 20 Uhr: T.-A.�tzun,