Morgenausgabe Tit. 343, Ai:r5 4S.Iahrg ge Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Ztetlamereile ii.— Ne che» mark,.«law« Anzeihen' da, ieitg,- »ruckt« Wort 2S Psennig(zulässig zwei ettaedruckte Worte>,>edes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeiuch» da, erste Wort lä Piennig,(«de, weitere Wort l» Pfennig. Sorte über U> Buchstaben für ewei Worte. Ardeilemarkt annahme.... lirabeZ. wochentägl. o»n i>lh bi» 17 Uhr. Zentralorgan der GozialdemokraNfchen hSartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68. Lindenstrabe 3 Fernsprecher: DönhofI ZSZ— 297 lelegramm-Sdr.: Sozialdemokrat verli» Vorwaris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: verlin 87 KSK— vankkonto: vank der«rdetter,«ngeftellten und Beamten Wallstr.KS. Mikonto-Gesellschafl, Depositenkasie Ltndenstr L Bauernaufmarsch in Mexiko. Sühne für Obregon gefordert.— Angriffe aus Arbeiterführer. L— t-. Mexiko- City. 21. Juli. lEigeubericht.) Die Lage hat Plötzlich hochgespannten Cha» r a k t e r angenommen. Die nationale Bauerube» w e g u» g, repräsentiert durch die Bauernparteien, der» anstaltet Strahenknndgebungen. in denen Sühne für die Ermordung Lbregons gefordert wird. Der Partei» Vorsitzende Sota y Gama bezeichnet in einer öffent» lichen Erklärung die Lage als ä n st e r st e r n ft. Er er- klärt, daß die Bauernbewegung nur zu Calles stehe, wenn rücksichtslose Gerechtigkeit geübt werde. Er macht die Führer der Arbeiterbewegung für de» Mord au Obregon intellektuell verant- w o r t l i ch 01 und fordert die Entfernung der Arbeiter» führer aus der Regierung Calles. Die Agrarpartei droht mit Bürgerkrieg. Mexiko. Zt. ZuN. Der Führer der Agrarpartei. Sota, erklärte:„Die Lage ist so erast, wie zur Zeit der Ermordung Madero». wenn un» Gerech- tigkeit verweigert wird, werden wir zu de« Mass eu greisen. Da» einzige Mittel, deu Ausbruch des Bürgerkrieges zu vermeiden, ist der Rücktritt des Arbeitsminister» und die B e s e i- llgung der Arbeiterführer aus der Regierung." Um diese plötzliche auf Vorgänge zurückgreifen. ung zu erklären, mutz man ie einige Wochen vor der Ermordung Obregons zurückliegen und~über einen im„Vor wärts" vom 6. Juli erschienenen Bericht unseres Korrespon denten in Mexiko City interessante Aufschlüsse gab. Danach war ein Bruch zwischen Obregon und der Ar» beiterpartei in Mexiko eingetreten. Der Führer der Ar- beiterpartei Luis N. Morones, der Handels- und Ar- beitsminister in der Regierung Calles, hat aus dieser Sach- läge die Konsequenzen gezogen und schon in einer Maifeierrede angekündigt, dah die Arbeiterpartei sich von der aktiven Politik zurückziehen und auf die g e w e r t- s ch a f t l i ch e Tätigkeit beschränken würde. Später und zwar unmittelbar vor der Wahl Obregons ist dann von den Arbeiterführern betont worden, daß die Gewerkschaften nach dem Präsidentenwechsel in die Opposition treten wür- den Obregon hatte diese Kampfansage mit einer A n- lehnung an die Bauernschaft beantwortet, die der bisherigen politischen und sozialen Machtentfaltung der städtischen Arbeiterschaft mißgünstig gegenübersteht. Unmittelbar nach dem Attentat hat Morones desien ungeachtet als einer der ersten die Ermordung Obregons als ein„fcheutzliches Verbrechen" bezeichnet. Aber die Bauernführer wollen offenbar im Trüben fischen und da Obregon ihnen neuerdings näher stand als der Ar- beiterschaft, versuchen sie eine Bauernbewegung gegen die Arbeiterschaft zu entfesieln. Der Vorwurf der„intellektuellen Urheberschaft", den sie gegen Morones und die Arbeiter- führer erheben, nur well sie sich mit Obregon überwarfen hatten, ist natürlich vollkommen sinnlos: denn aus den Aus- sagen des Attentäters geht ja unzweifelhaft hervor, daß er aus religiösem Fanatismus gehandelt hat, also aus Gründen, die den Anschauungen der Arbeiterschaft diametral entgegengesetzt sind. Die Kundgebung der Bauern richtet sich aber zugleich gegen Calles, der mit den Gewerkschaften stets loyal zusammengearbeitet hatte und nach seiner unvorhergesehenen Wiederwahl wahrscheinlich weiter zusammengearbeitet hätte. Diese Aussicht hat nun die Bauernführer um so mehr er- regt, als sie gehofft hatten, durch Obregons Wahl würden sie künftig allein das Feld beherrschen. Die Wirkung ihres Vorstohes gegen Morones und Calles wird zunächst sein, daß die Oeffentlichkeit von den wahren intellektuellen Schuldi- gen an der Mordtat, nämlich von den Schürern des religiösen Fanatismus, abgelenkt wird. Aber vielleicht ist auch das der Zweck dieser Kundgebung, die zu einem allgmeinen Bürgerkrieg zwischen Arbeitern und Bauern führen kann. (Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) Heimkehr. Es gibt'ein erschütterndes Bild des französischen Zeichners Gustave Dorä: Zerprügelt und zerschlagen kehrt Don Quichotte, auf das Maultier eines mitleidigen Bauern gebunden, von seiner ersten Ausfahrt heim. Der irrende Ritter, der die Welt mit seinen Heldenideen und Heldentaten erfüllen wollte, ist auf die Gutmütigkeit eines braven Plebejers angewiesen, ohne die er verkommen würde. Die von Mussolini angeordnete Heimkehr des Generals Nobile erweckt ähnliche Vorstellungen. Nicht nur körperlich, auch m or a l i s ch zerbeult und herunter- gekommen, muß der General von einem Unternehmen Ab- schied nehmen, das seinen und des Faschismus Ruhm hell in der Welt erstrahlen lassen sollte. Die Parallelität liegt nicht nur im Aeußerlichen. In der Figur des Don Quichotte wollte Cervantes, Repräsentant emporkommenden sachlichen Bürgertums, die Ueberlebtheit mittelallerlicher Ritterromantik geißeln. Mussolini, Nobile und der Faschismus leben in Heldemdeen und Heldenvorstellungen, die mit der rauhen Wirklichkeit des 20. Jahr- Hunderts nichts mehr gemein haben. Es hat Aergernis bei dem Faschismus geistig ver- wandten deutschen Kreisen erregt, als hier einmal die schlichte Aufopferung des Feuerwehrmannes. des Sama- riters, des Bergmannes über die ganze pomp- und reklame- Haft aufgezogen- Rekordfliegerei gestellt wurde. Nach dem Mißerfolg des Nobilefchen Unternehmens sollte man sich darüber klar sein, daß der deutsche Ozeanflug nur um Haaresbreite vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt ge- blieben ist. Am Ende ihres Fluges saßen auch die deutschen Flieger hilflos fest, auch bei ihrer Abholung hat einer der Retter, der amerikanische Flieger Bennet, das Lebxn ein- gebüßt! Bei Nobile und den Seinen kommt zu dem Leichtsinn, mst dem das ganze Unternehmen aufgezogen war, aller- dings noch anderes hinzu: Die Ausführung des Fluges gegen den Rat aller Sachverständigen, bloß um am Tag der italienischen Kriegserklärung die Flagge über dem Nordpol abwersen zu können, das Verhalten Nobiles. der sich als erster retten ließ, die Art, wie der hilflose Malmgreen von seinen Gefährten lebend im Stich gelösten wurde, die thea- tralische Telegraphiererei und Beterei des Führers, der seine Leute im Stich gelassen hatte. All das hat bewirkt, daß im Gegensatz zu vielen anderen Expeditionen diese nicht einmal in Ehren untergegangen ist. Dann als größter Treppenwitz der Geschichte: die Rettung der faschistischen Propagandaexpedition durch den Eisbrecher der Sowjetunion. Wirklich, wenn das Welt- geschehen selber Satiren schreibt, übertrifft es jede. dichterische Phantasie! Aber doch liegt in dieser Satire auch gleichzeitig das einzig versöhnende Moment der Tragödie. Hier Faschisten, dort Kommunisten, beide pochend auf ihr Dogma, daß nur durch die physische Ausrottung des Gegners das Heil der Well erzielt werden könne. Zwei Menschengruppen, die unter jeden anderen Umständen mit der Flinte aufeinander losgegangen wären, den wehrlosen Gegner an die Wand gestellt hätten. Und hier, in der Eiswüste dos Nordens, retten die einen ihre ärgsten Feinde, lasten die anderen sich retten. Nicht doch ein Beweis, daß über der unmenschlichen Lehre von der Vernichtung des Gegners ein höheres Gesetz der Menschlichkeit waltet, ein Gesetz, das alles zu gegenseitigem Beistand verpflichtet, was Menschen- antlitz trägt? Möge dies das lebendige Fazit bleiben, wenn sich über die anderen Bilder des mißlungenen Helden- theaters am Nordpol der Schleier des Vergestens ge- breitet hat! Ltnd wieder einmal putsch... DaS Hauptvergnügen der Portugiesen. Paris, 21. Juli.(Eigenbericht.) Au» Lissabon werden hier bestimmte Nachrichten über einen angeblichen Putsch in Portugal verbreitet. Die Vor. ginge scheinen nach den vorliegenden Meldungen ernsteren Charakter zu tragen. Es heißt, daß über Lissabon der Belage- rungszustand verhängt worden ist und die Artillerie gegen die Revolutionäre bereits in Aktion gesetzt wurde. Die Gründe de« Putsche» sind nicht bekannt. Der neueste Putsch ist seit 1908 der 21. P u t s ch in Portugal. Alles wieder in Ordnung? Spätere Nachrichten besagen, daß die Bewegung inzwischen volltommei eingedämmt Ist, und daß Militär und Polizei im Auftrage her Regierung die Ordnung vollkommen auf- rechterhalle». Das Wunder aus dem Osten. Oer neue Weltkrieg— die Hoffnung der Komintern. Die Entlastung der Amnestierten aus den Gefängnissen und Zuchthäusern hat begonnen. Die preußischen Aus- führungsbestimmungen sind der Annahme des Gesetzes auf dem Fuße gefolgt. Andere Länder haben es weniger eilig. Das Mißvergnügen über die Amnestie verzögert dort den Erlaß von Ausführungsbestimmungen und läßt die amnestier- ten Gefangenen in peinlicher Ungeduld. Die Kommunistische Partei hat ihre Amnestierten überall mit Parteidemonstrationen begrüßt, mit wehenden Fahnen und dem Aufgebot des ganzen wohlgeübten Reklame- apparates. Wenn die Demonstration vorüber ist. beginnt für die befreiten Gefangenen der Alltag in der Freiheit. Es sind Männer unter ihnen, die seit 1921 und 1S23 die Welt nur noch unter der beschränkten Perspektive der Zelle gesehen haben. Sie müssen sich nun mit dem auseinandersetzen, was seither gewesen und geworden ist. Was ihren Parteifreunden Gewohnheit ist und darum nicht problematisch, das kann für sie ein schmerzhaftes Problem werden. Denn die Welt von 1928 sieht beträchtlich anders aus, als die Welt von 1921 und 1923! Das politische Leben von heute ist fest und stetig geworden. Das letztere vor allem. Die Klassenkräfte sind nicht mehr im labilen Gleichgewicht, das ein Mastenstoß zerstören kann. Der Gang der Ereignisse wird nicht bestimmt von der Masse, die außerhalb der Organisation steht oder die Grenzen der Organisation sprengt, sondern von den Organisationen. Die Entscheidungen im politischen und wirtschaftlichen Leben fallen im organisierten Machtkampf. Der Staat, der immer stärker das Wirtschafts- leben durchdringt, ist das Objekt des Machtkampfes. Einfluß im Staat und auf den Staat zu gewinnen ist das Ziel der organisierten Arbeiterbewegung. Sie glaubt nicht an Wunder und wartet nicht auf sie— sie wirkt. Die Sozialdemokratische Partei— im Jahre 1921 zerrissen und geschwächt, im Jahre 1923 nur eben wieder ge- einigt und noch an der Nachwirkung der Spaltung leidend— ist heute wieder die starke einige Massenpartei der Arbeiter- schaft. Damals Zerrissenheit— heute geschlossener systematischer Vormarsch. Sie gewinnt stetigen Einfluß auf die Staatsmacht. Ihr Wachstum ist stetig— zur Betrübnis ihrer Gegner von rechts und links. Wer die Welt unter der Perspektive von 1921 und 1923 gesehen hat und nun ansieht, was heute ist, der muß erkennen: die Ver- wirrung von damals ist der Sicherheit des Willens und des Machtgewinns der sozialdemokratischen Massenpartei gewichen. Festigkeit und Stetigkeit— ein vergleichender Blick auf die Kommunistische Partei lehrt, wie sehr sie die wesent- lichsten Merkmale des heutigen politischen Lebens sind. Die Kommunistische Partei hat ihre Existenz behauptet. Aber was ist sie heute, was ist noch übrig von der Kommunistischen Partei von 1921 und 1923, von der revolutionären Offensive, der Vorbereitung des Bürgerkrieges, von der Hoffnung, daß eine Massenexplosion, geführt von der KPD., die Ordnung des staatlichen Lebens zerschlagen und freie Bahn für bolschewistische Experimente schaffen würde? Die Stetigkeit der praktischen Politik hat die Kommunistische Partei er- griffen. Sie ist nicht die Partei des Putsches mehr— die faschistische Hugenberg-Presse, die den Putsch der Amnestier- ten, fällig in sechs Wochen, an die Wand malt, eine Panik- stimmung erzeugen will, um darin im Trüben zu fischen, zeichnet nur ein Zerrbild der Kommunistischen Partei von heute. Die Kommunistische Partei ist intransingente par- lamentarische Oppositionspartei in der Stetigkeit der prak- tischen Politik. Dogmatisch flach und unfruchtbar, eine Hem- mung des praktischen Wirkens, aber keine Kraft mehr, die die Stetigkeit der Entwicklung, des aktiven Ringens der So- zialdemokratie um die Eroberung des Staates durch eine Katastropbe unterbrechen könnte. Die kommunistischen Kräfte, die einst Massen zur Gewalt auf die Bühne des politischen Geschehens riefen, toben sich heute im Rahmen der Staats- ordnung und des Parlaments in phrasenhafter Schmutz- konkurrenz gegen die Sozialdemokratie aus. Der über- treibende und verzerrende, aller positiven Zielsetzung cnt- kehrende Schrei, der 1921 ein Mittel war, um Massen in die Psychose gewaltsamer Zerstörung zu versetzen, ist heute nur noch schmutzige Gewohnheit politischer Charlatane, die der politischen Wirksamkeit entbehrt. * Die Kommunistische Partei, die praktisch eine Partei der unfruchtbaren parlamentarischen Opposition ist, weist es von sich, Einfluß auf den Staat und über den Staat auf die Wirt- schaft gewinnen zu wollen. Sie ist gesammelte Kraft wie jede Partes, aber unwirksame, unfruchtbare Kraft. Ihre Ideologie verharrt bei der Theorie der politischen Katastrophe. Und da einstweilen die politische Katastrophe nicht am Horizonte ficht- bar ist, bleibt ihr nichts anderes übrig als zu hoffen und zu harren, daß sie eines Tages eintreten möge. Bis dahin ver- Karrt sie m fatalistischer Ruhe, in der Hoffnung, daß ihr eines Tages ein SÖunder die Staatsmacht auf den Trümmern des Staates van heute wie ein Gattesgeschenk in die Hand werfen werde. Angesichts der für sie fatalen Perspektive der Äon- nnuität der politis6)en Entwicklung bleibt ihr nichts anderes. Sie möchte diese fatale Linie gerne unterbrechen— aber sie . denkt nicht mehr daran, die Unterbrechung, die Katastrophe, den Putsch, den Mosscnaufstand selbst praktisch zu propagieren und zu organisieren. Bleibt also— das Wunder. if Der politische Wunderglaube wird auf dem Kongreß der kommunistischen Internationale jn Moskau in wohlformu- lierte Thesen gegossen, und von Bucharin verkündet. Der politische Wunderglaube In der Komintern Hot schon ver- schiedene Formen angenommen. Bald sollte das Wunder aus Deutschland kommen, bald vom Balkan, bald von den Südseeinseln. Jetzt schwört Bucharin auf China, auf den Gegensatz Amerika— Europa, vor ollem aber— auf den Krieg. Die alte vulgärmarxistische Theorie wird wieder auf- gewärmt: Wachsen der Produktivkräfte im Kapitalismus führt zum Kampf um die Märkte. Kampf um die Märkte aber zum Krieg— mit zwingender Gewalt, ohne Ausweichmög- lichfeit. So wie mit Sicherheit morgens die Sonne aufgeht, so wird mit Sicherheit der Krieg losbrechen, bald, sehr bald sogar: denn Bucharin sagt es: derKriegistdieFrage d e s T a g e s. Ist aber einmal der Krieg da. dann vollzieht sich mit Notwendigkeit die Entwicklung weiter: Imperialisti- scher Krieg gebiert Bürgerkrieg, Weltrevolution, Sieg des Sowjetsystems in der WcltI Es lebe die Weltrevolution, oder vielmehr, da dies erst der zweite Akt ist: es lebe der Krieg? Das ist nun das Wnnder, das die Stetigkeit der Entwick- lung. die Kontinuität des Wirkens der Sozialdemokratie in der praktischen Politik für den Sozialismus unterbrechen soll! Die Geschichte soll von 1914 an noch einmal anfangen, ein neues 1914— das ist die Illusion, die den kommunistischen Parteien der Welt gegeben wird, um sie über die Trübselig- kcit ihrer Perspektiven und die Ausweglosigkeit ihrer Situation hinwegzutäuschen. Sie sind glücklich wieder bei der Anschauung angelangt: der Krieg ist der Vater aller Dinge. » Immerhin gibt es Kräfte im internationalen Maßstab, die einem künftigen Kriege entgegenwirken— trotz der Versicherung Bucharins. daß' er notivendig sei wie ein Natur- geschehen. Die Stärke und das Wachstuni der Sozialdcmo- kratie, ihre Teilnahme an der Reaicryngsmacht ist die beste Garantie des Friedens. Es ist nur konsequent, daß die Bucharinsche Katastrophentheoric die Sozialdemokratie als treibende Kraft des imperialistischen Krieges bezeichnet. Es ist ja so einfach und logisch, nicht wahr! Die Sozialdemokratie fördert durch ihr stetiges praktisches politisches Wirken das Wachstum der Produktivkräfte, also den Kampf um die Märkte, also den imperialistischen Krieg. Also schärfsten Kampf der Sozialdemokratie: Die kapitalistische Stabilisierung zieht auch die S t a b i l i. sierung der Sozialdemokratie nach sich. Sie stellt heute eine bewußte aktive Hilfskraft des kapitalistischen Aufbaues und der kapitalistischen Ordnung sowie der imperialistischen Kolonialpolitik und der Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion dar. D i e Berschärfung des Kampfes gegen die Sozial- demokratie ist die Orientiei Antröge und Enlschließuvgen eingebrachk wurde», so ist klar, daß schließlich nur eine ganz summarische Er- ledig» ng der Anträge erfolgen tonnte. Hier, schon vor jeder Paria, memsresorm. die Fraktionen zu strafferer Selbstdisziplin zu erziehen, ist ein« nicht- leicht« und nicht angenehme, aber dringend notwendige Aufgab« der Obleute. Die Hoffnung, daß eine durchgeführte Rationalisierung und Vereinfachung der Gcsetzgebungs- und Verwaltungsmaschinen« zu gleich auch bedeutende Ersparnisse mit sich bringen wird, wird und kann für absehbare Zeiten sich nicht erfüllen. Die Notwendigkeit zu solchen Maßnahmen bleibt darum nicht minder dringend. Die angeführte Schrift kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, auch dort interessante und beachtliche Kritik zu bieten, wo die Aendernngsvorschläge selbst abgelehnt werden müssen. Kampfrüstung in Oesterreich. Frühere Einberufung des sozialdemokratischen Parteitages. Wien, 21. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat zum 14. September nach Wien den Parteitag einberufen. In der Begründung wird daraus verwiesen, daß unmittelbar vor dem Schluß.der Sommerwgung des Nationalrots die Regierung die M i c t e n v o rl a g e und den Entwurf eines Abgabentei- lungsgesctzes eingebracht hat. Damit sei der Generalan- griff gegen den Mieterschutz und gegen die pro- letarischen Gemeindeverwaltungen«ingeleitet. Die beiden Vorlagen würden die Arbeiterschaft im Herbst, wenn der Nationalrat wieder zusammentritt, zum energischen Abwehr- kämpf zwingen. Außerdem haben die bürgerlichen Parteien de» Nationalrats da» Alters- und Invalidenversicherung s- gesetzwiederabgelehnt. Das zwing« ebenfalls zum Kampf. Wörtlich heißt es dann in dem Aufruf: Es wird im Herbst de- sonders große Kämpfe geben. Die Gesamtheit der Partei muß unsere Taktik für diese Kämpfe festsetzen. Deshalb hoben wir uns entschlossen, den ordentlichen Parteitag nicht im November, sondern schon im September abzuhalten. Auf der Tagesordnung des Parteitages stehen außer den Be- richten folgende Punkte: Mieterschutz und sozialdemokratische Woh- mingspolitit, der Kampf um die Abgabenteilung, Sozioloersicheenng und Arbeitslosenversicherung, Pächterschutz. China gegen Frankreich. Konflikt wegen des gekündigten Handelsvertrages. Peking, 21. Juli. Wie aus Nanking gemeldet wird, hat die Nanking-Regiening beschlossen, die Note Frankreichs auf die Kündigung des französisch-chincsischen Handelsvertrages hin nicht zu beant- warten. In dem Beschluß wird festgestellt, daß China mit Frankreich keine Kompromisse schließen könne, daß man jedoch bereit sei, mit Frankreich Verhandlungen über den Ab- schloß eines neuen französisch-chincssjchen Handelsvertrages auf ganz neuer Grundlage aufzunehmen. Falls die französts he Regierung Zwangsmaßnahmen gegen Chinesen In Inda- China ergreifen würde, werde stch di« Nanking-Regierung gezwungen sehen, Gegenmaßnahmen zu treffen. Die stockende Konferenz der Generäle.— Japan boykottiert Tschiangkeischek. Peking, 21. Juli(MTB.) Seit der Abreise Fenyusians, der nicht einmal die An. kunft des Kontoner Gewalthabers Litfchischun abwartete, ist die Konferenz der großen Militärführer zu keinen weiteren Beschlüssen gekommen. Sie oerhondelt anscheinend dilatorisch mit der hier anwesenden Delegation aus Mukden. Im übrigen wurden alle wesentlichen Fragen einschließlich der Durchführung des Ab- rüstungsprogramms vorerst die zu der großen Tagung der Kuomintang am 1. August zurückgestellt. Inzwischen sind hier der Verkehrs minist er der Rankinger Regierung, Wangposchun, und der F i na n zm i n i st e r Sung eingetroffen, letzter anscheinend zum Zwecke der Unterbrin- gung einer größeren inneren Anleihe. Dem heutigen Tee- empfang des diplomatischen Korps durch General Tschiang-- k e i s ch c ck blieb die gesamte japanische Gesandtschaft ostentativ fern. Sanst ist der chinestsch-japanische Streitfall über den Vertrag von 1890 bisher ohne japanischen Gegenzug ge- blieben. Auch Iftcklin wird begnadigi. Entlassung bevorflehend. Paris, 21. Juli(Eigenbericht.) Der„T e m p s* bestätigt am Sonnabend, daß di« B c g n a dt» gung Ricklins im Prinzip endgültig beschlossen wurde. Mit seiner Entlassung ist in den nächsten Tagen zu rechnen. Gegen fremden Ordenssegen. Volksabstimmung in der Schweiz. Bern. 21. Juli. Das Volksbegehren auf eine Verfassungsrevision im Sinne des allgemeinen Verbots der Annahme von Orden und Ehrenzeichen fremder Regierungen hat 75 000 Unter- schriften erhalten. Notwendig waren 50 000 Unterschristen. E» erfolgt nun eine Dolksab st immun g. * Die Schweiz selbst hat längst die Orden abgeschafft. Aber die Annahme von fremden Orden war den Schweizer Staatsbürgern durch die Verfassung bisher nicht verboten, und besonders in der Westschweiz benutzte die französische Regierung diesen Umstand, um zahlreichen Professoren, Journalisten, Anwälten, Industriellen usw. die Ehrenlegion oder sonstig« Ehrenzeichen minderen Wertes zu oerleihen. Dieser Ordenssegen, der aus propagandistischen Gründen bereits während des Krieges stark einsetzte, hat auch nach dem Kriege nicht nachgelassen und den U n» willen nicht nur aller Schweizer Sozialdemokraten, sondern auch eines großen Teils der deutschsprachigen bürgeruchen Bevölkerung in wachsendem Maße erregt. So ist der Erfolg des Volksbegehrens zu erklären und man darf nun gespannt fein, ob auch die eigentliche Volksabstimmung zum Ziele führt._ ver Relchsparteilag des Zentrums wird End« Oktober in Düssel- dorf abgehalten werden. venizelos Richte Kandidatin in England. Der Vorstand der liberalen Partei von Northampton hat beschlossen, der Partei die Aufstellung von Fräulein Helen Schillzzi. einer Nichte des griechischen Ministerpräsidenten Venizelos, als Kandidatin für den Bezirk' Northampton zu empfehlen. Oer Herr und der Oiener. Oder: die Kameke feiern Familientag. In der„K r e n z- Z e i t it il g* kann man folgendes lesen: Der am Id. Juli in«treckenthin versanimelt« von Kamekesche Aomilientag entsandte nachstehendes Telegramm: Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm,, Hau« Doorn. Sor".00 Jahren wurden uns unsere alten noch heute in unserem Besitz desindlichen Lchnsgiiter Kratzig und Varchmins- hagen zum erstenmal vom Landesherrn bestätigt. Wir gedenken bei diesem Anlaß alleruntertänigst in unverbrüchlicher Treue unseres Königs und Herrn, in dem Bewußtsein, daß der preußische Adel groß geworden ist durch seine großen' Könige, Der von kamekesche Familienlag. Der Familientag erhielt daraushin folgendes Brieftelegramme Die Mir vom Komekeschen Familientage gesandten Grüße haben M i ch gefreut. Ich danke dafür. In fünf Jahrhunderten brandenburgischipreußischer Geschichte haben die Kameles viele her- vorragende und bewährte Diener dem KSnigshause gestellt. Ich freue Mich, daß in der Familie das Bewußtsein lebendig erhalten wird, wie der preußische Adel durch seine Könige groß geworden ist. und gebe M i ch der Erwartung hin, daß solche» Bewußtsein sich auch in die Pflicht umsetzt, für TNIch und JITein Hau» allezeit unerschrocken einzutreten. (gez.) Wilhelm TL Die Erwartung des Herrn von Doorn nimmt sich in der „Kreuz-Zeitung" besonders gut aus. Wagt es doch dieses Blatt des Grafen Westarp nicht einmal, den Antrag auf Ausschluß des ungetreuen Dieners seines Herrn L a m- b a ch zu unterstützen! Aber freilich, der Graf hat nun einmal nur 50 Proz. Monarchismus befohlen. Prinzipien triumphieren. Das neue Schankstäiiengeseh. Die Vorlage dem Reichstag zugeleitet. Nachdem der Reichsrot seine Borberatung des Entwurfs eines Schankslättengcsetzes abgeschlossen hat, hat der Reichswirt- schastsminlster dies« Vorlage jetzt dein Reichstag zugeleitet. Gleich im? 1 des Gesetzes, der zum Ausdruck bringt, daß das Betreiben einer Gastwirtschaft oder der Kleinhandel mit Brannt- wein einer Erlaubnis bedarf, und daß die Erlaubnis nur erteilt werden darf, wenn ein Bedürfnis nachgewiesen wird, ist«ine Unstimmigkeit zwischen Reichsregicrung und Rcichsrat ausgetreten. Während nämlich die Regierungsvorlage fest- setzt, daß die Reichsregicrung, mit Zustimmung des Reichsrats, die Voraussetzungen für das Vorliegen eines Bedürfnisses bestimmen kann, und daß nur subsidür die obersten Landesbehörden eintreten können, will der Reichsrat allein die oberste Landesbehörde als maßgebende Instanz dafür gelten lassen, unter welchen Voraus- sctzungen ein Bedürfnis für die Erlaubniserteilung anzuerkennen vdcr zu verneinen ist. Die Reichsregierung beharrt jedoch auf ihrem Standpunkt und l'etont, daß es im all gemeinen Interesse l'Sge. wenn eine möglichst einheitliche Regelung im ganzen Reichsgebiet in dieser Frage durchgeführt werde. Im übrigen regelt das Gesetz die Materie in insgesamt 35 Pars ckvaphen. Im Abschnitt 1, der die Erlaubnisfrage regell, wird noch ausgesprochen, daß auch beim Vorliegen eines Bedürfnisses die Erlaubnis zu versagen ist, wenn der Antragsteller u n zuverlässig erscheint. Auch juristische Personen sowie' nicht r-'cht: fähige Dereine kömien Konzessionen erhalten. Die Ausübung de« Gast- oder Schankgewerbes durch einen Stellvertreter ist nur mit besonderer Erlaubnis gestattet, was für den Verkauf von Gast und Schankwsrischasten von Bedeutung ist. Den Inhabern erlaubter Gast» oder Schankbetriebe kann vorgeschrieben werden, daß sie auch nichtgeistige Getränke bereitzuhalten haben. Die Gewerbebefugnis kann nach Abschnitt 2 zurückgenommen werden, weim sie auf unrichtigen Voraussetzungen beruhte oder wenn nachträglich Tat fachen über den Charakter des Gewerbetreibenden bekannt werden, die einer Erlaubnis km Weg« stehen. In solchem Falle ist die Er> Neuerung der Erlaubnis für den betreffenden Betrieb erst nach einem Jahre möglich., Im Abschnitt„Umfang der Gcwerbebesugnis" wird u. o. erklärt. daß der Ausschank geistiger Getränke an Person'« n unter 18 Iahren verboten ist. Auch darf an Betrunkene nichts mehr ausgeschenkt werde», ebenso wie der Vertrieb geistiger Ge- tränke durch Automaten oder der Zwang, das Verabfolgen von Speisen von der Bestellung van Getränken abhängig zu machen, verboten ist. Uebcrtrewngen dieser Dorschriften werden mit Ge föngnis bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bedroht. Nroiieuerung in Rußland. Als Folge der Erhöhung der Getreideankaufspreise. Aus einer nach dem Vortrog eines sowjctruffischen Regierung»- Mitgliedes von der ukrainischen Kommunistischen Par- t e i angenommenen Resolution ergibt sich, daß man auch in Moskau mit einer Erhöhung der Bratpreisc durch die veränderte Politik gegenüber den Bauern rechnet. Die von der Regierung angeordneten Erhöhungen der Einkaufspreise für Getreide sind in ollen Gouvernements oerschieden, bewegen sich aber bei Weizen bis zu 20 Proz. und liegen bei Roggen teilweise über 25 Proz. Di« Verteuerung des Brotes wird natürlich eine Erhöhung der Löhne unausweichlich machen, damit die Produktionskosten der Staatsindustrie weiter erhöhen und die Aussichten, die Versorgung der Bauern mit Industriewaren zu verbilligen, weiter verschlechtern. Die neue Bauernpolitik Rußlands kann damit zwar die politischen Schwierigkeiten etwas verringern, die wirtschaftliche Ge- samtsituation dürste aber kaum verbessert werden. Die Sowjetregierung kündigt Maßnahmen an. Bioskau. 21. Juli. Der Rat der Volkskommissare beschloß, während der diesjährigen Winterfeldbestcllung Vertröge über den Ankauf des künftigen Ernteertrages für eine Anbaufläche von 5 Millionen Hektar abzuschließen und stellte zu diesem Zweck 40 Millionen Rubel bereit, die den Ackerbauern zur Erweiterung der Zlnbauflachc und Durchführung landwirtschaftliche� Verbesserungen in Gestalt von Vorschüssen zur Verfügung gestellt werden sollen. Lteberschwemmung im Vinschgau. Rom, 21. Juli. Nach dem.Giornalc d'Italia'' trat im Vinschgau durch heftige Gewitter der Fluß über die User und bedeckte die Felder mit einer«tiva IVj Meter hohen S ch l a m m s ch i ch t, wo- durch großer Schaden entstand. Alle Kellerräume wurden über- schwemmt.....___ Obredon, 3« Mexiko triumphierte das Prinzip wahrer Frömmigkeit, während beim Untergang der„Mafalda" dos Prinzip des Faschismus Triumphe feierte, das aber auch am Nordpol sich ebenso triumphal bewährt hat. LAMBACH Ooch alle diese Triumphe übertrumpft der Triumph des deutschen Monarchismus. Eine Botschaft von Calles. Oer Kurs soll der alle bleiben!. Blexiko, 21. Juli. Das mexikanisch« Staotssekretariat des Aeußern gibt folgende Erklärung des Präsidenten Calles bekannt: Das unerhörte Verbrechen, durch dos der neugewähllc Präsident der Republik, General Obregon, sein Leben hat hingeben müssen, und das gemeine Komplott, das ihm zugrunde liegt, hat das mexikanische Boll in berechtigte Trauer versetzt, und es gibt keinen achtbaren Menschen, der diesen Vorfall nicht mit tiefster Empörung verabscheut. Mexiko verliert dadurch seinen sähig st en Staatsmann der Gegenwart und den hervor- ragendsten Vertreter der sozialen Bewegung, die dem mexikanischen Bolkc viel Mühe gekostet hat und in deren Eni- Wicklung und Varwärtsstrcbcn es seine ganze Kraft legt. Anläßlich dieses unglückseligen Borfalls ist es meine Pflicht als Führer des Volkes, der Ration meine entschiedenste Verachtung dieses niederträchtigen Verbrechens zu bezeugen und ungesäumt meine Ge- sühle zu offenbaren, die mich bei einem so unerwarteten Geschehnis bewegen und meinem Verhalten den Weg weisen. In erster Linie darf ich erwähnen, daß die Regierung mir großzügig die F ü h r u n g überläßt. Sie ist vollkommen entschlossen, ihre ganze Kraft und Energie anzuwenden, um, auf das Gesetz gestützt, nicht nur den wirklichen Täter dieses ruchlosen Verbrechens zu bestroscn, sondern auch jeden ans Tageslicht zu ziehen, der sich als Anstifter und hinkermana dieser Tal verdächtig erweisen sollte. einer Tat, die die nationalen Einrichtungen und die Sicherheit der Republik tief verletzte. In diesem Bestreben wird die Regierung nicht unterlassen, alle ihr zur Verfügung stehenden Kräfte in Be- wegung zu setzen. Der Verbrecher hat unumwunden eingestanden, daß er sein unselige Tal aus religiösem Fanotismus begangen habe, und die mit der Äufklärung des Verbrechens beauftragten Behörden haben schon weitgehende Ermittlungen angestellt, deren Ergebnis auf offensichtliche Beeinflussung von kle- rikalerScite schließen läßt. Die Regierung läßt ssch jedoch nicht einen Augenblick durch dieses dunkle Vorgehen gegen die Einrich- tungen der Republik beeinflussen, sondern geht mitneuenKräf- ten ans Wert und verbürgt sich dafür, daß die liberalen Grund- sätze der sozialen Bewegung, seit 18 Iahren in dem Gewissen des Volkes festoerwurzclt, niemals mehr gestürzt werden können, und daß es vollkommen illusorich ist, auch nur daran zu denken, daß das Land Mexiko jemals in jene finstere Epoche zurückfallen sollte. Unsere soziale Entwicklung wird vielmehr trotz aller hinter- listigen Attentate siegreich ihren Gang fortsetzen zum Wohle der mexikanischen Nation! Aus diesem bewußten Streben heraus, das ja das Wesentliche unserer politische» Bewegung darstellt, ist es mir ein Bedürfnis, mich in diesem schmerzlichen Augenblick an olle Parteien mit der Auffor- derung zu wenden, mir ihren sesten Beistand zu gewähren. Ich fordere sie auf, sich unlösbar zusammenzuschließen, um ihre höchsten Ideale zu verwirklichen, ohne sich durch unglückselige Vorfälle erschüttern oder beeinflussen zu lassen, und sich mit ganzer Energie zu einmütiger Zusammenarbeit zu vereinigen, gewisse ge- fährliche Intrigen zu vernichten und mit dem ganzen Feuer unserer Zuversicht an der Beständigkeit der nationalen Gesundung zu ar- bellen, die ja unser höchstes Ziel ist. In all dieser Erregung, die das Verbreche» aufgewülstt hat, ist es mir ein Trost, bestätige» zu könne», daß unentwegt im ganzen Lande die größte Ruhe und Sicherheit sortdauert, daß alles eins ist in der Verurteilung dieses beschämenden Attentats auf den große»' neuerwählten Führer, uns daß die Regierung jortkahren wird, die Ordnung im Lände aufrecht zu erhalten, denn sie ist es ja, die unserem Volk« Recht und Sicherheit verbürgt, damit zur Ehre unserer Nation Unruhen endgültig verschwinden. Zum Schluß will ich betonen, daß die Regierung ihren Weg wie bisher, mit Ruhe und wenn nötig mit Energie, noch den Bestimmungen der Ver- fassung weiter verfolgen wird. Oer wird hereingelassen! Oer Pressechef Rockefellers reist nach Nußlani». pari», 21. Juki. Der Pressechef des Rocke sellcr-Konzerns Pve Lee ist dieser Tage in Paris auf der Durchreise nach Moskau ein- getroffen. Poe Lee hat bereits im vorigen Jahr eine Reise nach Rußland unternommen, wo er zwei Monate verweilte. Die Ein- drücke dieser Reise hat er in einem Buch„Rußland, das Welträtsel* niedergelegt, das als Manuskript für einen engeren Kreis von New- Parker Geschäftsleuten bestimmt war. Der Zweck der zweiten Reise des Pressechefs von Rockefeller nach Rußland ist nicht bekannt. doch deutet die Wiederholung der Reise auf das große I n t c r- esse Rockefellers für Rußland(!) hin. Sowjetmanöver. Au der Küste Estlands. Renal. 21. Juli. Ein elf Einheiten umfassendes Geschwader der sowjetrussi- s ch c n Flotte wurde am Sonnabend an der estländischen Küste gesichtet. Es handelt sich um die Hcrbstmanövcr der russischen Flotte. Riga. 21. Juli. Im großen Rolittener Spionogcprozeß fand Sonn- abend die Bernehmung des Hauptzeugen, des früheren T s ch e- eisten Nikitin, statt. Er gab an, daß ihn die mangelhaste Entlohnung und schlechte Behandlung zur Flucht aus der GPU. veranlaßt habe. Die lettländischc Spionageorganisation habe der GPU. auch den lettländischen Operationsplan in die Hände gespielt. Die Vernehmung der übrigen Zeugen ergab nichts WescnUIches. Eisenbahnunglück im Korridor. Ein Reisender getötet, vier schwer verletzt. Danzig. 21. Juli. In dem iüdlichen Teil des polnischen Korridors stieß beute abend auf der Streck« Kandrczin— K a r t h a u s ein in Rich- tung Kartl>a-us verkehrender Personenzug mit einem Güterzug zusamman. Bei dem Zusammenstoß solle» nach den bisher vorliegenden Meldungen ein Reisender getötet, vier schwer vorletzt und sieben leicht verletzt sein. Die Schwer- verletzten wurden in dos Krankenhaus von Karthaus geschafst, die übrigen Reifenden setzten mit einem Hilsszug ihre Reis« nach Kart- Haus fort._ 3n Prag soll die Errichtung eines Bureaus für Sozial- Politik crMgen, das dem zu errichtenden Sozialen Museum onzu- gliedern wäre. Dieses Bureau soll in Anlehnung on das Borbild des Muse« Social in Paris und das Bureau für Sozialpolitik iu Berlin auf sozialpolitischem Gebiet theoretisch und praktisch tätig sei». II r LI WAS�STOFFE SEIDENSTOFFE WO LLSTOFFE ZU' umpfi DES PREIS! Kleider bedruckUr Vollvoil* od. Waichkunstield« mit kurzem Ärmel BaSt reine Seide e I n f a r b I o und moderne Druek- m ueter, ce. 80 cm Frottierhandtücher weiß-bunt kerlert, ca. 48 x 100 cm Hemdhose fOr Domen, mit Stlckerel-Ansatz, 2 mal Hohlsaum 145 ee we Iii Di Bastkaros •uchFaconnA, Kunstseide mit Baumwolle, waaehbar Crfeped« Chine reine Seide, oute Oualltit,mod.Tupfen- muster, ca. 100 cm Badelaken weiß u. bunt gemusL, 140-180 breit, 200 lang El n b alteprals Oberhemd für Herren, Trlkolet, vorzügliche OuallUt, m.Ersatzmanschetten W 6® Vollvolle bedruckt, apsrteMuster.vorzQgL Quallttt, ca. 100 cm Strü m pfe für Damen, Semberg, künstl. Wascheeide, mit Zwickel Frottierstoffe hervorregende Jacq uard-0 ualltlten, 150— 170 cm breit Sessel aus Paddlgrohr, mit Wulstrand, durchgeh. dichte RückenstreMen 095 235 W BERLIN C 2 SPANDAU ER STRASSE- KONIQSTRASSE GEGRÜNDET 1815 'taats-3per .Hier ü. 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Cil nebt SdllDllslilb I ZOO-OSTAFRIKASCHAU! — Kanllacenbecks Somalis.— i t) AQUARIUM SPORTKUNST• »> reö»n. v. 9-7 U. AUSSTELLUNQ SliläiilurHübaen Ii«. Künstler- Ii. 8', Uhr Es kommt jeder drani Revue von Fr. Holland"r Lesslng-Theater raalich 8S Uh' „tpiel m IchloTt" Residenz-Theater ßlumenstr. 8. Tritfiich s*'s Uhr Skandal im Betil Sitten schwank in 3 Akten. in der Hauptrolle Elfriede Mertens a.C Jugendliche haben keinen Zutritt I Parkett auch Sonnt. statt Mk. nur 1.— Mk. Walhaila-Th. Veinbergsweg l9/2f Tätlich 8l74 Uhr Absteigequartier JogridllA. lilm Zolrttt I Jark.auch Sonntags statt 4.— M. nur 60 Pf. £pexial J&**££ 'ahrräeter»Mri'" _ sefion von JnkKX\JaTu Morkcn-Fahrräder bis 5 Jahre Gorontie Mäntel. Schläuche. Laternen etc.enorm blMTq! Fatirradhau» WERNER Berlin SOse Adalberlstre�e 9 (am Koitbutser Tor) i.ustspielDaas Täglich 8>,, Uhi Bis Reisa urdi derlis in 40 Staden. Hose- Theater jr t ranki. Str. lo.'. 5 Uhr: üonzert und bunter Tiü »V.Uhr Oer FOrs) von Paonehlieini fheater des Westens ', Uhr Lori Leux m Die ungeküßteEva Operette in 3 Akten- Ifitilt r. Martin Knop. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppanek Berliner Prater Kastanienalice 7/9. 7'/, Täsllch 71,, 3ie keesdia Susanns. Außerdem Konzert, Variete. ranz. Kaiieckocben. Sieiaes Taeater 8V. Uhr SonurtbeH der Liebe Zesch-Ballot, Christel Stcrm, Tornlntf. Garrison Schafheitlm. Slutneaspendeii eber Art icrtt r cn s mer: Panl Golletm. uoem. Kbcn ktru Mariannenstriße 3, £ is 2 Mk. Rennen a Karlshorst Sonntag, den 22. Juli. nachmittags 3 Ubr Gr. Berliner Jagdrennen. 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Eli. cithrtgir dkitttreittc Hol uns verlassen Ehre seinem AnbenkrnI Die Einälcherung wird nvch bekannt j�etje-rit) eteil iflnng aller Rameraben V"Tti-«! W mit viel Wasser- ein lustiger Film für heibe Tage Gertrud Ederle der Bezwingerin des Ärmelkanals Eis ParcmeaBinim der Paratcmcl Regie: Clären cc Badger Regisseur des „Verschwundenen Brillante nkolUer" HtulfcalUche DhutratlOB und LeUuagi Altor CuUrnsna lugendliche haben Zutritt Wodientags 7 15 und 913 Sonntag 515 715 O15 Ufa-Palast am Zoo Vorrcikaol von IJ-3 Uh» Im Uia-Pa'ul sm Zoo 0. A Verth dm Deoisdier Metallarbeiter-VeriiaDi! Verwsliungsstelle Berlin. Den Mitaliebern zur Rachrichi, daß unser Kollege, ber Former Miideim Gottmsllll geb. 28. April 1872. am Z7. Juli fit- sforbeu ist____ Ferner verstarb unser Kollege, der Einrichter Gustsv Pawlitzki geb 10. Februar 1885, am 16 Juli Am 19 Juli starb unser Kollege, der Rohrleger Otto Meier geb. 81. 8. 1818. Die Einäscherung ftndel am Dien». tag. dem 24. Juli 1928, nachmittag, 15-/, Uhr, im Krematorium Baum» schuienweg. Kiesdoizstrahe, statt. «hre ihrem Anhenlen! Rege Beteiligung erwartet Die Ottooranoltang. U an kaagran k. Fllr die vielen Beweise Herzlicher Teil» nähme bei der Einäscherung meine» lieben Manne», unsere« guten Batert und Droßvater». de, Gastwirt» Rodert Golddsod 5. Abtig. der EDD sBeiir Veddingl unseren herzlichsten Dan' Frau Marie oldbach nebst Kindern. Brunnenftrahe 46 kt5u- Ä'. Letten, Suhlmatratzen,«flnstl* u Pnv. bUMS b diicamObeiTirni SN». i(Thür*. Gegen Wanzen gibt e» nur«in Mistel, durch welche» nicht »in» cm Leben dleidl. Reichel» Waas«,. kuid greis! und lölel>»b« Wanze und zeriläri die Bruknefler restlos. Wirdung verheerend. Bichl steckend, überall an» wen d dar. M«» nehm, nur Original» stalchen und verweigere Aachahmungen» M. 0.65. M. 1.50.«>. 2.40,»/. List. M. 6.— In Apoth. u. Drog.«Haiti., sonst bei Offs Reichel.-ZZeriinEOI«nbahn!Ir4.Aber echt undwirksam nur mi> dn berühmlen Ward» Tod und Teufel nnenEch!— Rsslerme8»er? Verhafte Sie wegen verbotenen Waffenfragens! Gegen Hühneraugen braucht man„Lebewohl*" *> Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten emplohlene Hühneraugen-Lebewohl und Lebe» wohl. Ballenschelben. Blechdose(8 Pflasterl 78 Pfg, Lcbcwobl.FuUbnd gegen empfindliche Fi!3e und PuB- schweiS. Schachtel(2 Bäderi 80 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen er eben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl la Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute* Mittel zurück. Nr. 343* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 22. Juli 4925 \\\u i �bep; Eine Weltstadt wie Berlin bedarf der Grünflächen wie der Körper die Lungen. Sie sind es. die die Dunststosfe des steinernen Meeres aufsaugen und dafür Sauerstoff abgeben für diese arbeitende, schwktzende und in feine Tiefen zu versinten drohende Masse Mensch, die ihrer natürlichen Entfaltung entzogen wurde. Die Kleingartenbewegung oerdient, von diesen Gesichtspunkten aus gesehen, jede Unterstützung, jedes Aufmerken seitens der Be- Hörden und der Presse. Die Kleingärtner waren es. die aus dem von Natur aus öden Sand- und Strandland die herrlichen, blühenden Grüngürtel geschaffen haben. Vornehmlich waren es Arbeiter und kleine Beamte, die ihr Letztes opferten, um die Erhaltung ihrer Familie auf einem Stückchen Garten draußen vor den Toren sicher- zustellen. Denn man darf nicht vergessen, daß die mörderische Stadt die Familien dazu verdammt, meist schon in der dritten Generation auszusterben. Die Wichtigkeit der Kleingärten erfährt bei den Behörden eine verschiedenartig« Beleuchtung. Aus der einen Seite betont man sie, aus der anderen Seite, weil dem Bodenbesitz nicht weh getan werden darf, läßt man es zu. daß Tausende von Ihrer urbar ge- machten Scholle vertrieben werden, ohne daß Ihnen Ersatz wird. Ab und zu wirft man den Kolonisten einen Brocken hin: Ausweisung von Dauergärten nennt man es. Aber die wenigen Be- glückten fühlen sich solidarisch mit den Hunderttausenden. Es ist hier tatsächlich eine Bewegung im Gange, die, von unseren Genossen in den Stadtämtern unterstützt, das Recht ihres Anspruchs Ziffern- mäßig in die Wagfchole wirft. Welche Wert« in Gefahr sind, in allernächster Zeit vernichtet zu werden, zeigte die Prefferundfahrt rings durch die Lauben» gärten Derün«, die der Provinzialverband Groß-Ber- lin der Kleingartenveretne Deutschlands»er- austastete. Der rührige Vorsitzende. Genosse R e i n h o l d. tonnte bei jedem Ort. bei jeder Kolonie die Geschichte des bittren Leidens erzählen, die die fleihign Laubengärtner in dieser Zeit durchmachen müssen.„Wie lang« noch, wie lange werden wir noch unser Gärt- chen behasten können?�, diese und ähnliche Fragen und Klagen traten allerorten den Gärten entgegen. Blühende Gärten, blühendes Land, trotz Hitze und Dürre Fruchtftröucher unter Lasten von Beereuobst. Gemüse in festen« Ueppigkeit, gesunde, frische Kind« im Ferienglück, mit ihren Müttern im ständigen Sommcraufenthost in den Gärten, Taubenfreunde, alles, alles, was an idealem Gut, an kostbarstem Schatz der Etadtmensch sich erhallen konnte, dos sah man auf dies« Fahrt durch di« Gärten. Und das soll oerschwinden. weil die oder jene Industriegrupp« und Bodcngesellschast, auch aus- ländische Kapitalisten, die das Gelände mit billigem Inflationsgeld aufgekauft haben, mst dem Gedanken spielen, irgendwann HI« ein- mal eine Riederlog« für ihr« Material, ein Haus, einen Bahnhof, ein Restaurant, ein Kino zu errichten. Bielleicht erst einmch in zwanzig Jahren, vielleicht überhaupt nicht. Ein Lankonsortium möchte gar zu gern die großen blühenden Gärten zwischen Wilmersdorf und Schmargendorf am Wosse-Siisl »«Nichten, das„Fruchtparadies", wie es von gärtnerischen Kennern genannt wird. Welches vermögen an Obstwerten von den 2S4 Klein- gärtnern gezogen wird, ist unbeschreibbar. Sonntags ist diese Kolonie eine lebendige Verbindung mit den umliegenden Ein- wohnern, die lieber sich auf den stillen gepflegten Wegen zwischen den Gärten ergehen als im nahen Grunewald. D« Magistrat stimmt dem Bauvorhaben zu, um die Wohnungsnot zu beheben. Di« Wohnungsnot? Wenn der Preis für eine Arbeilerwohnung. die hier«stellt wird, 1350 bis 1750 Mark im Jahr istl Wenn es dem Magistrat um Arbeitersiedlung zu tun ist, wo nimmt« die Arbeiter her, die imstande sind, diese Wohnungen bei dem heutigen hohen Lebensstandard und den niedrigen Löhnen zu bezahlen? Man gerät in die Versuchung, von ein« Katastrophenpokitik mit den schlimmsten Auswirkungen für die Zukunft zu sprechen, in die die Bezurksämt« hineintreiben. Den Arbeit« will man im Westen gar nicht Isaben. Die Herrschaften wollen unter sich bleiben! Weit« geht die Fahrt in eine neue Unglücksstätte. Von den Kleingärtnern des Schöneb«ger Südgeländes ist immer noch nicht der Alp gewichen, den das amerikanische Bebauungsprojekt auf die Kolonisten legte. Sie haben zwischen Sanddünen ein blühendes Paradies geschaffen, das inmitten all« Pracht das schönste Lust- und Freibad Berlins beherb«gt. Auch hi« stnd die Pläne auf Jahre hinaus noch nicht reif, die diesen großen Ortsteil einmal wirtlich zur Bebauung erschließen werden. Schon ist der Wagen in Tempelhos und fährt durch die neu- geschaffenen Kolonien hart am Flughafen entlang. Weil« die Herren vom Flughasengelände für nötig hielten, wurden die eben vom Bezirk angesiedelten Kleingärtn« ausgefcheuchl und find schon wied« gekündigt worden, damit d« Flughafen für die Anfordernisse des Verkehr» in 100 Jahren(oder auch nicht!) vergrößert w«den kann. Diese 1300 Kleingärtner aus dem Tempelhos« Ostfeld, meist Eisenbahner, haben— weil das Gelände als Dauergärten aus- gewiesen wurde,— ein Vermögen von vielen hunderttausend Mark hineingesteckt, mußten nach behördlicher Anordnung Tausend» für die wegeh«stellung. Daumbepslanzung. Umzäunung, Wasseranlägen usw. auswerfen. Soeben jedoch, mich Beendigung ihrer Arbeit, ist ihnen sofort wieder gekündigt worden. Vnige Kolonisten sind Schone Wochenendheime. erst ein Jahr auf ihrer Scholle und sollen schon wieder herunter. Wie ist eine solche Behandlung der Kolonisten möglich? Weiter geht die Fahrt durch Reukölln« Gelände nach Treptow. Am Dammweg findet man Kolonien, die bereits 45 Hahr« bestehen. Und immer muß sich der Wagen zwischen engen Straßen, in denen gebaut wird, hindurchwinden. Manchmal ist der Weg vollständig mit Mauersteinen versperrt, so nahe stoßen die gegnerischen Jnter- essen aneinander. Gewiß, es mutz gebaut werden, das Volk schreit nach Wohnungen. Aber dann soll man sich mit den wohlerwogenen Ratschlägen des Kleingartenverbandes auseinandersetzen, schiedlich- friedlich. Beide Teile werden zum Besten des großen Gemein- wefens gut dabei fahren! Vor mehreren Jahren haben die Lauben- besitz« hier blühende Gärten besessen und das Land mit großer Mühe kultiviert: heute leuchtet der weiße Sand wieder auf, denn ein Industriekonzern hat zu bauen begonnen, wieder aufgehört und den weiteren Bau auf bessere Zeiten verschoben. In Ireplow-Südost, an der Spree, ist ein Schildbürgerstück des Bezirks zu verzeichnen. Ausgerechnet an ein« der gefährlichsten Spreeuferstellen sollte ein Freibad errichtet werden. Man hatte mit dem Bau angefangen, hatte die Laubenbesitzer gekündigt(immer muß bei ein« solchen günstig sich bietenden Gelegenheit gleich die ganze Kolonie verschwinden): dann hat man mit Bauen wieder aufgehört und einen Zaun im wass« gezogen, weil beim Baden in diesem„Freibad� die Menschen ertrinken. eichlenb«g-5rledrichsfclde. Prenzlauer Berg und dann der große Borden, desien Aaubengürtel sich bis zum Gut Blankenfelde hinausdehnt, Reinickendorf usw., bis sich der Gürtel im Westen Berlins wied« schließt: überall die Klagen. Hier sind es AX), dort 400 und mehr arme Laubenpächt«, die von ihrem schönen©Örtchen hermttergetrieben werden. Irgendwo hier im Norden war es, da wurde ein Eumpfgürtel gezeigt und die Straßen stießen offen ins Laubenkond, weil sie nicht weiter konnten und di« Häuser nasse Füße bekamen. Mein die Fundamente d« zwei äußersten Häuf« verschlangen eine Summe von 160 000 M. Mer, was tut es, die Laubenpächt« müssen herunter, es muß ausgerechnet hi« in den Sumpf hineingebaut w«den. Sollten di« Laukosten auch so hoch w«den, daß später selbst ein Fürst die Mieten nicht bezahlen kqnn� Wie eine«frischende Brise auf dies« Fahrt mutet der R»he. punkt aus den Behbergen des Weddlngs an. Di« Stadt hat auf den Süd- und Nordhängen Dau«gärten aiisgewiesen, die nach einheil-- lichem Plan soeben von den glücklichen Pächtern eingerichtet werden. Mancher, der über die fruchttragenden Gärten sich belustigenden Spießer würde mit Staunen merken, was es heißt, einen Garten und das Häuschen dazu aus dem Nichts �zu schaffen: so lange nicht ehrliche Absicht auf dem Kapitalmarkt vorhanden ist, Arbeit«- Wohnungen, d. h. billige Wohnungen, zu bauen, werdeu die Laubenpächt« sich wehren, aus ihren selbstgeschafsenen Paradiesen vertrieben zu werden. Denn die Laubenkolonien, indem sie die Großstädte auflockern,«füllen eine hohe Kulturaufgabe. Friedrich Natteroth. Aufruf an alle- Freunde der Natur! An die Bürger Berlins richten wir die dringende Bitte, uns ztf helfen in dem Kampf für die Erhaltung der Wälder und Grünflächen. Duldet nicht, daß gedankenlose Mitbürger das Eigeztum der Wgemeinheit schädigen. Wiesen und Wäld« sind keine Schutt» ablodestellen!, Schonet Blumen. Pflanzen und Tiere! Zündet kein Feuer in, Walde an! Das Rauchen sst in den Wäldern verboten! Wer Zweige und Blumen abreißt, Forftkulturen beschädigt. Tiere beunruhigt, sängt oder tätet, Unrat in den Wäldern ablagert oder durch Unachtsamkeit Brände hervorruft, begeht Forstfrevel oder Diebstahl mtd macht sich strafbar. Bürger Berlins! Bekämpft den Eigennutz und die Gedankenlosigkeit. Denkt daran, daß jeder ein Recht an den Schönheiten der Heimat hat. Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Wirkt durch gutes Beispiel, denn gute Beispiele oer« derben schlechte Sitten. Naturschutz ist Sache des Volkes. Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde E. B. Berlln-Friedrichshagen. Sie Rächt nach demVeml. u] Nomon von Liam O'Flaherty. (vos dem Englischen übersetzt von K.Sauser.) Die Frau erwachte aus ihrer Geistesabwesenheit, so- bald ihr Mann sprach. Sie blickte auf und griff mit einem dumpfen Ausruf an ihre Brust über dem Herzen. Dann rieb sie sich hastig die Augen und starrte ihn an. Sobald sie ihn gesehen hatte, verschleierten sich ihre Augen wieder, und ihr Körper sank in den Stuhl zurück, von dem«r sich etwas erhoben hatte. „Jack," schrie sie mit entsetzter Stimme,„Jack, Jack, laß ihn in Ruhe. Er war Francis' Freund, er war der Freund von meinem toten Jungen. Laß ihn in Ruhe. Was geschehen ist, ist geschehen." „Verdammt sei solch ein Märchen!" Jacks Stimme war schwach und brüchig wie die seines toten Sohnes.„Einen Hreund nennst du den? Den Verschwender, der nie im eben auch nur einen Tag gearbeitet hat, den willst du Freund nennen? Den Ex-Polizisten! Selbst da haben sie ihn rauszeschmissen. Das ist die richtige Gesellschaft für deinen Sohn, Maggie. Das ist die Sorte, die Francis in Tod und Verderben gestürzt hat. Die und ihre Revolution. Nach Rußland da gehören sie hin, wo sie sich als Kannibalen benehmen können, soviel sie wollen, statt anständige Ir- länder auf Absvege zu führen. Weshalb scheren sie sich nicht fort von hier und gehen zurück nach England, von wo sie hergekommen sind mit ihrem verruchten Gold, das die Gelben ihnen gegeben haben, um in Irland Aufruhr anzu- zetteln, damit die Freimaurer wieder hereinkommen könnten? Ah— h— h— h—, mit meinen Händen könnte ich dich erwürgen." Er wollte sich auf Gypo stürzen, aber die drei Männer waren aufgesprungen und ergriffen ihn. Sie hielten ihn fest. Verdutzt und regungslos starrte Gypo ihn an. Aber die Muskeln seiner Schultern oersteiften sich ganz unbewußt. Seine Augen wanderten langsam von dem schäumenden Mann hinüber zu der schluchzenden Frau, die sich wieder dem Feuer zugewendet hotte. Durch das Geschrei herbeigezogen, stürzten dann die Leute aus dem Woynziouner m die Küche. Allen voran Mary McPhillip, die Tochter des Hauses. Sie war ein hübsches Mädchen, mit voller Gestalt, üppig, mit roten Backen, energischem Kinn, mit rotblondem Haar, das in der üblichen modernen Art geschnitten war, mit blauen Augen, die einen verständigen Ausdruck hatten und mit einem ziem- lich großen Mund, den sie in ihrer Erregung weit geöffnet hatte. Bis auf den Mund glich sie aufs Haar der Durch- schnittsfrcm des irischen Mittelstandes. Der Mund war ein Produkt der Slums. Seine Größe und seine Neigung, den Gemütszustand durch übertriebene Beweglichkeit zu ver- raten, stempelten sie zum Mädchen der Slums und straften die adrette Eleganz der übrigen Gestalt und aller Kleider Lügen. Sie trug dieselben Kleider, in denen sie aus dem Bureau gekommen war. ein fesches marineblaues Kostüm, das sie sich selbst gemacht hatte. Der Rock war nach der Mode ziemlich kurz: sie stand da mit weit auseinander- gestellten Füßen in der arroganten Haltung einer Frau aus guter Familie. Dünne schwarze Seidenstrumpfe bekleideten ihre gut geformten Waden. Unbewußt hatte sie die Hände auf die Hüften gestemmt, während sie an der Spitze des zusammengewürfelten Haufens von Leuten stand, die ihr aus dem Wohnzimmer gefolgt waren, um zu erfahren, was den Zwischenfall in der Küche verursacht habe.— „Was für ein Krach ist hier los, Vater?" fragte sie. Ihr Akzent war gut, ein bißchen zu gut. Er war zu „fein". Die Betonung der Worte war zu korrekt. Sie hatte nicht die selbstverständliche Sicherheit der geborenen Dame. Sie sprach mit einer ärgerlichen Sopeanstimme in den vollen, weichen Lauten der Midlands, des Geburtsortes der Mutter. Ihre Stimme hatte eine Weichheit wie Butter: dieser Stimm- klang, den irische Patrioten immer mit Güte und unzer- störbarer Unschuld und Tugend zusammenbringen, der aber die natürliche Maske eines harten und entschlossenen Charakters ist. Sie fuhr fort:„Sind wir nicht schlecht genug dran, daß du dich wie ein betrunkener Landstreicher aufführst? Sei still und mache dir nicht selber Schande." Sie stampfte mit dem rechten Fuß auf und rief nochmals:„Sei still!" Der Vater fiel sofort in sich Zusammen. Er fing an, leise zu zittern. Er hatte große Angst vor seiner Tochter. Trotz der Fähigkeit, zu fluchen und zu schelten, die er un- zweifelhaft besaß, hatte er sich stets vor den Kindern ge- fürchtet. Als Francis voller Unzufriedenheit sich der revo- lutionären Organisation angeschlossen hatte, pflegte der Bater fast in jeder Nacht zur Erbauung semer Frau stunden- lang Drohungen und Schmähworte auszustoßen, aber wenn der Sohn nach Hause kam, sagte er nichts. Er hatte«inen schwachen, nervösen Charakter, er war leicht hysterisch: zwar fähig, jede Tat im Rausch des Augenblicks zu tun, aber nicht imstande, eine logische Reihe von Handlungen ent- schloffen durchzuführen. Aber seine Kinder waren resolull, Sein Sohn war resolut in seinem Haß auf die bestehenden sozialen Verhältnisse, er war ein entschlossener Revolutionär- Die Tochter war resolut in ihrem Entschluß, aus den Slums herauszukommen.> Der Vater glitt den Männern, die ihn hielten, aus den Händen und bewegte sich rückwärts, bis er das Bett erreichte- Ohne hinzusehen setzte er sich darauf. Er rieb sich die Stirn mit dem Aermel, obwohl sie vollkommen trocken war. Aber er spürte ein prickelndes Gefühl darin, als Hüffe sich aus dem Gehirn ein Schock Nadeln durch sie hindurchgebohrt- Er hatte immer dieses Empfinden, wenn er einen Nerven� anfall bekam, besonders seit sein Sohn ein Revolutionär ge- worden und bekanntgeworden war, daß man im Haupt- quartier seine Schritte überwachte. Er starrte geduckt nach seiner Tochter hin. Er fürchtete sich vor ihr, weil sie das geworden war, was er sich von ihrer Kindheit an gewünscht hatte: eine Dame. Er fürchtete sich vor ihr, weil sie so gut erzogen war, weil sie so„vornehme" Freunde hatte, weil sie sich so gut anzog, sich mehrmals am Tag wusch, weil sie so fein sprach. Dann aber beunruhigte ihn das alles und er erinnerte sich, daß er selbst ein Sozial- demotrat war, Obmann seines Handwerks in der Gewert- schast, ein politischer Führer des Distrikts, daß alle Menschen frei und gleich seien— all die Lieblingsphrasen, mit denen respektable Sozialdemokraten sich einreden, daß sie Philo- sovhen seien und Männer von Prinzipien. Mit einem Klang von gekränkter Würde und von Warnung in der Stimme sagte er:„Muß ich mich von meiner eigenen Tochter und in meinem eigenen Hause einen Vagabunden nennen lassen, wenn ich diesem Burschen sage, was er in Wirklichkeit ist.— Jawohl, und jedem von den anderen Kerlen, die der Fluch der Arbeiterklasse sind mit ihrem Geschwätz von Ge- walt und Mord und Revolution. Mein Leben lang Hab' ich aufrecht für die Sache meiner Genossen gestanden. Ich war einer von den ersten, die sich für Conolly und die Sache des Sozialismus erhoben, aber ich habe immer gesagt, daß der größte Feind des Arbeiters der Arbeiter selber ist, wenn er nach der Gewalt ruft. Ich habe..." (Fortsetzung folgt.) Kür den Zusammenschluß! Löbe und Severins in Wien. Meo. 21. Juli. 3m Rohmen des SSngerbaudesseste» fand am Sonnabend die große tlaschlußknudgeboag tu der Sängerhalle statt. Der Andrang de» Publikum» mar heute noch viel größer als an den vorhergehenden lagen. Obwohl in der Sängerhall« etwa 80000 Mens che n Einlaß finden können, nnißten viele Taufende an den Kassen zurück- gewiesen werden, weil die Halle bereits voll war. Diese zahl- reichen Menschen blieben auf dem Festplatze und hörten die Reden und musikalischen Darbietungen durch die angebrachten Laut- spreche? an. Man sah unter den Ehrengästen u. o. den deutschen Gesandten, Grafen Lerchenfeld, und den ReichstagsprSstdenten L ö b e. Zwischen diesem und dem Reichsinnenmimster Severins saß der Wiener Oberbürgermeister S e i tz. Die Regierung war durch den Minister W a b e r vertreten. Ferner sah man die Spitzen der Festorganisation und sämtlicher reichsdeutschen verbände sowie des Deutschösterreichischen Volksbund«« und der deutsch- österreichischen Arbeitsgemeinschaften. Es bestieg, vom großem Beifall begrüßt, Rechtsanwalt Friedrich List» Berlin die Dirigententribüne und hielt die Begrüßungsansprache, in der er aus- führte, daß Oesterreich und die Stadt Wien deutsch bleiben würden, solange es«in deutsches Volk und eine deutsch« Dolksver- bundenheit gebe. Der Redner weiht« dann den gefallenen Brüdern im Weltkrieg ein Gedenken und führte weiter aus, daß die Schicksolsgemeinschaft des Weltkrieges verwirklicht hätte, was der Sängerbund aus seine Fahne geschrieben hatte, eine allgemein- deutsche Volksverbundenheit ohne Rücksicht auf poli- tische Grenzen zu schaffen. Wie sollte es da anders fein, als daß der heiße Wunsch aussteige, das geistige Großdeutfchland auch noch außen als ein einiges Großdeutschland erstehen zu lassen? Wenn auch tausend Bedenken der Verwirklichung dieses Gedankens entgegenständen, so fühlten die deutschen Sänger es doch zu tiefst, daß es nationale Pslichten gebe, die ein Volk nicht aufgeben dürfe, ohne sich selbst aufzugeben.„Aus den Flammen der Begeiste- rung des heutigen Tages/ so schloß der Redner,„möge die Liebe zum großen deutschen Vaterlande, befreit von allen Schlacken vnd Vorurteilen, erstehen. Wir grüßen dich, großes deutsches Vaterland, wir erneuern das Bekenntnis zu dir in den machtvoll dahinströmenden Klängen des Deutschlandliedes, das in seiner Verbindung der Wort« des.norddeutschen Dichters mit den von einem österreichischen Meister geschaffenen Tönen dos Sinnbild deutscher Verbrüderung, unlöslicher deutscherSchicksalsverbundenheit ist." Der Höhepunkt des Sängerbundesfestes wird der F e st z u g am Sonntag fein. An ihm werden nicht weniger als 15 0 0 0 0 M c n- s ch e n teilnelnnen, und zwar werden die Fußgänger im allge- meinen in 12«r-Reihen marschieren, was bei der besonders großen Breite der Wiener Ringstraße möglich ist. Längs der ganzen Straße sind hölzerne Tribünen aufgestellt, die mehr als 20 000 Sitzplätze bieten. In den Zwischenräumen zwischen den Tribünen sind für etwa 300000 Zuschauer gesicherte Plötz« frei- gehalten. Polizeiliche und sanitäre Vorkehrungen sind in reichem Maße getroffen. Der Festzug bildet den Schluß der großen Veranstaltungen des zehnten Deutschen Sängerbundesfestes. Reichsinnenminister Genosse Seve ring ist als Vertreter der deutschen Reichsregierung beim Söngerbundesfest in Wien«in- getroffen. Er wurde am Bahnhof vom deutschen Gesandten Trafen Lcrchenfeld empfangen. Auch der Präsident des deutschen Reichstags, Genosse L ö b e, ist über Innsbruck in Wien angekom- men. Löbe, der bis zum Abschluß des Sängerbundesfestes in Wien bleibt, wird sich dann nach Graz begeben, um dort der Gründung der Ortsgruppe Graz des Deutsch-Oesterreichischen Bolksbunbe» beizuwohnen. In seiner Begleitung befinde» sich die Mitglieder d«» Reichstags H o f ma n»--Lickmigshaf««<&), Staatsminister a. D. Ronneburg- Braunschweig(Dem.), Oberst v. G i lsa ch(D. Dp.) und der württ«mb«rgische Landtagsabgeordnet« Dr. Hölscher(Dnot.). Wie sehr der Anschlußgedanke Gemeingut over Deutschen� ohne Unterschied von Partei und Klasse ist, zeigt, daß auch die bürger- lichen Sängerbünde, die sich in Wien trasen, so deutlich den Zu» sammenschluh von Deutschland und Deutschs st er- reich in den Vordergrund stellten. haupltröger de, Anschlußgedanke«» ist in Deulschösterreich und in Deutschland die Sozialdemokratie. Anknüpfend an die Traditionen der Paulskirche, fußend auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, führt sie ihren waffenlosen Kampf um ein freies, einiges, demokratisch und sozial regterte« Grohdeutschland. und sie freut sich über jÄ>en Bund«». genossen, auch wenn er aus dem bürgerliche» Lager kommt.> Genosse Löbe über GroßdeutUland. Mehrer« Wiener Blätter veröffentlichen Untervedungen mit dem Reichstagspräsidenten Lob«. Nach der„Neuen Frelen Press«" sagte Lob«, den Wiener Festtagen käme ein« national. politische Bedeutung zu, dadurch, daß sie dem An s cht u ß. g« d a n k e n gewidmet seien. Mit Genugtuung stelle er fest, daß die erdrückende Mehrheit der Deutschen in Oesterreich sich zum gemeinsame« Symbol„Schrnarzrolgold" bekannt habe. Es zeige sich, daß e» richtig war, auf die schwarzrotgoldenen Farben in Deutschland zurückzugreifen im Jntevesse der tatsächlichen großdeutsch«» Zusamme-fassun« mit Oesterreich. Die inner« Aogleichung zwischen Deutschland und Oesterreich mache große Fort. schritte. Der einstimmige Reichstagsbeschluß, wonach die deutsch- österreichischen Handelsvertragsverhandlungen mit dem Ziele einer Wirtschafts- und Zollunion geführt werden möchten. sei der weitestgehende Antrag, der jemals in dieser Richtung vom Reichstag angenommen worden sei. In der„Wiener Allgemeinen Zeitung" sagt Löb« Obtt da» Sängerbundesfest, er sei davon überwältigt. Bei einem solchen Zusammenströmen Hunderttausender von Menschen seh« man. daß der Anschluß nicht eine Sache der Politik sei. sondern«in« Sache. des g a n ze n Voltes. Aehnlich äußerte sich Reichsinnenminister Genosse Se»«ri»s. Pari». 21. Juki. sTigeNbertcht)' Dos Wiener Sängcrfest gibt dem„Temps" venmlossnng M einer scharfen Polemik gegen di« Anschlußbeweguu� Das Blatt schließt seine Betrachtungen mit der Feststellung, oll« Mächte seien zu größter Aufmerksamkeit«rpfllchte«. damit nicht durch die Bildung eines mächtigen deutschen Block»«in« neue deutsch« Hegemonie in Mitteleuropa fick z« bilden vermöge. Die ganze Anschlußbewegung sei in Wahrheit gegen den euröpäischen Frieden gerichtet. Derartige törichte engherzig nationalistische Auslassungen brauchen wohl auch gegenüber jedem vernünftig denkenden Franzofen nicht widerlegt z» werden..- Oeussch'österreichifcher KinberausiaufiH. Mit Unterstützung der dentschöfterreichsschen und deutsch«,»«» gierungs stellen wird augenblicklich in Oesterreich utt im Reich«in soziales Hilfswerk allerersten Zfangs» orgoutsiert und«ine groß« Aktion ins Werk gefetzt, die den Auetausch vo» heilbedürftigen österreichische»»»d r«ich«d«»t» schen Kindern zum Ziel« hat. t Mobiles klägliche Heimfahri. Die Beschädigungen des„Kniffin". Nobile ist mit eiuem Teil der geretteleu.3talia". Mannschaft am Sonnabend mit der.Ciita dl Milauo" von Kingsbay abgereist. Da» Mutterschiff der.3lalla" wird zunächst Narvik ansteuern. Nobile dürfte bereits Mille der kommenden Woche in R o m eintreffen. Das von dem„Kr äff in" bei der Rettung der Vigkieri- Gruppe mitgenommen« berühmte Rote Zelt, verschiedene Maschinenteile der„Italia" und der ebenfalls an Bord des russischen Eisbrechers gebrachte Sendeapparat für drahtlose Telegraphie des Funkers Biagi sowie einige Schlitten und die Ueberreste von Lundbergs Flugzeug sollen nach Italien gebracht und dort als„heilig« Reliquien" aufbewahrt werden. Das ist auch wieder echt nobilefaschistisch! Die Suche nach der Ballongruppe der„Italia" und nach Amundsen wird varläusig eingestellt. Der russische Eisbrecher„Krassin" hal so starke Schäden erlitten, daß er kaum vor Mille August nach Spitzbergen zurückkehren dürsle. Auch der andere russishe Eisbrecher„Malygin" hat di« Suche nach Amundsen aus Grund von Kohlenmangel vorläufig einstellen müssen. Ab- gesehen davon hält man in arktischen Kreisen mit Rücksicht auf die große Kälte im Polargebiet und die Eisbildungen ein« erfolg- reich« Nachforschung zur, zeit für völlig aussichtslos. Ertun- dungsslüge sollen in den nächsten vier Wochen so gut wie u n- durchführbar sein, und da die Eisverhältnisse besonders nörd- lich Spitzbergens bereits Ende August wieder schwieriger zu werden beginnen, fragt man sich mit Recht, ob ein neuer Ein- j a tz an Menschen und Material überhaupt noch den geringsten Zweck hat.* Demgegenüber veröffentlicht die norwegische Admiralität eine Bekanntmachung, in der es heißt: Das französische Polarschisf /,P o Ii r q u o i P a s" unter dem Kommando von Dr. C h a r c o t, und der Robbensängcr„Heimland" werden in den nächsten Tagen die Suche nach der„Latham" am Eisrand von Grönland entlang ausnehmen. Nach den gegenwärtigen Plänen werde» da- neben zahlreiche Schisse die Nachforschungen in der Gegend zmischen Spitzbergen und Grönland aufnehmen, wo- hin, wie man vermutet, die„Latham" abgetrieben worden ist. -» wie kurz vor Redaktionsschluß aus Stockholm gedrahlek wird, hak die schwedische Regierung den russischen Vorschlag aus weitere Zusammenarbeit zur Hilfeleistung für die noch vermißten Mitglieder der„Itatia". Mannschaft abgelehnt, da sie weitere Nachforschungen für zwecklos hält. Die schwedische Hilsserpedilion hat bereits die heimfahrt angetreten. „Gommerzeii und Ltniformiräger." Die Feuerwehr darf nicht vergessen werden! Am Freitag brachten wir unter der Ueberschrift„Sommer- zeit und Uniformträger" einen kurzen Aussatz, der die veralteten Bestimmungen und Bckleidungsvorschriften der verschiedenen staatlichen und kommunalen Dienststellen behau- dclte. Die Nachrichtenstelle des Reichspost Ministeriums teilt uns hierzu mit, boß der Reichspostminister seit Anfang d. I. eine neue Form der Dienstjoppev für die Beamten eingeführt habe. Die geschlossene Form sei verlassen worden, die Joppe habe einen offenen Klappkragen mit Vorhemd. Diese Joppen- form bedeute für den Beamten eine wesentliche Crleich- t c r u n g,' namentlich in der heißen Jahreszeit. Wenn die neue Form noch nicht in größerem llmjang« in Erscheinung getreten sei, so liege .dAS. darap, daß gleichzeitig ein neuer b e�s s e r e r.S l o f i für ole'Jöpprn ausgesucht wördeN sei, der in den Fabriken erst an- aesctlifft werden muß. und daß di« Beamten ihre alten 'J'oppen/hie sie zu zwei Dritteln selbst bezahlt haben, erst noch austragen. Zur weiteren Erleichterung für den Außendienst der Postbeamten in der heißen Jahreszeit sei die Einführung von Joppen aus leichtem B a u m w o l l st o f f in die Wege geleitet. Wenn di« sich bei den schon angestellten Proben bewähren, sollen sie im nächsten Sommer endgültig e i ng e fü hr t werden. Diese Mit- leilung des Reichspostministeriums ist an sich gewiß erfreulich. Leider aber handelt es sich in der Hauptsache noch um Zukunftsmusik. Wir hoffen deshalb, daß di« Erwägungen und Prüfungen nicht so lange dauern, bis di« Beamten auch 1929 noch in der dicken schwe- rcn Uniform herumlousen müssen, und daß vor allen Dingen Bor- schriften, die kleine Erleichterungen verbieten, aufgehoben werden. Besonders wichtig ist auch eine Aenderung der Vorschriften bei der Feuerwehr. Die Beamten der Feuerwehr, deren Beruf so außerordentlich verantwortungsvoll ist, di« bei jedem Brande jbr Leben in die Schanze schlagen müssen und sich in langen Jahren ichwerer, den Mitmenschen gewidmeter Dienstzeil bewährt haben, dürfen nicht durch kleinliche Bestimmungen schika- nier t werden, die es ihnen oerbieten, wenn di« Glut des Sommers und die Glut des Feuers sie bedrängt, sich Erleichterungen zu verschaffen, die schon beim preußischen Mititär in Brauch waren. Auch hier tut es not, für eine zweckmäßig« Sommerklei- d u n g zu sorgen, die es den Beamten ermöglicht, bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit für die Allgemeinheit in ihren Bewegungen frei und ungesesselt zu sein. Hoffentlich wird recht bald auch bei unserer Berliner Feuerwehr, die es verstanden hat, sich vi« Zcneigung der allerweitesten Volkstreise zu gewinnen, von oben her kraftvoll durchgegriffen, um mit alten, von der Zeit -tibttholten Bestimmungen aufzuräumen. Feldwebel oder Kontrolleur? Ein höchst ungehöriger Kasernenhoston. Mit Recht wird darauf Hingewiese», daß moderne Verkehrs- Politik nur dann einen Sinn hat, wenn sie neben der schnelleren und besseren Beförderung des Publikums zugleich die Herbeiführung eines guten Verhältnisses zwischen Publikum und Beamten. zum Ziele hat. Der Kontrolleur der Linie 68, die am Freitag, dem 20. Juli, früh 9 Uhr von Wittenau abfuhr, scheint hierfür nicht viel übrig zu haben. Er hielt es für notwendig, einen neueingestellten Schaffner, der versehentlich die Umsteigeberechtigung der Fahrscheine mitgelacht hatte, in Gegenwart der Fahrgäste in einein Ton herunterzuputzen, der jeder Beschreibung spottet. Als unser Gewährsmann unter Zustimmung der übrigen Fahrgäste den Kontrolleur bat, eine Zurechtweisung des Schaffners, wenn sie notwendig sei, doch erst bei dessen Rückkehr in» Depot— und auch dann in anständigem Tone— vorzunehmen, meinte dieser Herr, er hätte schon ganz andere Leute, auch ehemalige Kausleute, vtuden- len usw., die den Schaffner berui ergreifen mußten— ebenso behandelt,„wenn Sie mir unter die Finger kämen, würden Sie auch schon ruhig werden."„Ais ich mir diesen Ton verbat", heißt es weiter,„und ihn darauf aiffmerksam machte, daß sein Käser- n e n h o s t o n doch wohl nicht angebracht sei, osfenbarte sich die Seele in ihrer Schönheit mit der Frage, ich sei wohl leider nicht Soldat gewesen, sonst wäre ich ruhig geblieben. Es scheint von Zeit zu Zeit für die Berliner Straßenbahn der Hinweis notwendig, daß der viel gerühmte„Dienst am Publikum" nicht bloß für die„unteren" Beamten gilt, sondern noch viel mehr für die sogenannten„obere n". Schließlich ist ein Straßenbahn- wagen der Stadt Verlin kein Sasernenhos. Bielleicht wird dem Kon- trolleur und allen anderen, die ihre Feldwebelallüren noch nicht begraben haben, einmal mit aller Deutlichkeit klargemacht, daß der schwere Dienst der unteren Beamten neben der Anerkennung durch das Publikum auch eine anständige Behandlung durch die „oberen" Beamten verdient. Die Straßenbahner selbst können als einzelne gegen derartig« Elemente nichts tun. Sie sind stark, wenn sie sich ihrer gewerkschaitlichen Organisation, dem Deutschen Bertehrsbund. anschließen und neben dem Kampfe für ihre wirtschaftlichen Forderungen mit dem Publikum gegen derartige Elemente zusammenstehen. Goldene Hochzeit eine» Porkeweleranen. Unser alter Partei. genösse und Reichsbannerkamerab Gotthard M« u tz n e r feierte in seltener Rüstigkeit in diesen Tagen mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Die Kameroden vom Reichsbanner brachten dem alten Kämpfer und seiner Gattin ein Ständchen, während immer neue Gratulanten kamen. Meutzner gehörte im Jahre 1876 mit zu den Begründern des Wahloereins Leipzig-Plagwitz. Seit 53 Jahren ist er L e s e r d e r P a r t e i p r« s s e. Unter dem S o- ziali st engesetz wirkte auch Freund Meutzner für die Ver- breitung der damals verbotenen Parteizeitung. Auch K»••«(< f u ng e n mußte er auf sich nehmen. Aber nicht» konnte ihn i» ftinee Treue zur Partei beirren. Als 1924*ur Gründung de» Reich»- b a n n e r s oufgerusen wurde, war Meutzner in Llchterfeld««»er der ersten._ Opfer der(Straße. Fünf Kinder überfahren. 3m Lause de» gestrigen Nachmittage» ereigneten sich ein« Reihe von schweren v e r ke h r»n u s S l l e«u Allein vier Kinder befinden sich als Schwerverletzte onter den Opfern, ein fünfte» starb«ms dem Iransport in» Kranken- hau». Beim Spielen«ms dem Fahr dämm wurde gestern gegen 13 Uh? auf der Kreuzung Gotland- und Bornholmer Straße der fünfjährige Gerhard Lange au, der Gotlcrndstr. 6 von enem Lastauto überfahren. Das Kind erlitt einen schweren Schädel- bruch und starb bereits auf dem Wege zur nächsten Rettungs- wache.— In der Nähe der elterlichen Wohnung in der Huttenstraß« wurde der sechsjährige Kurt Mosch von einem Lieferauw überfahren und lebensgefährlich verletzt. Der Knabe fand im Moabiter Krankenhaus Ausnahme.— In der Jnvalidenstraße geriet ein etwa zehnjährig«? Junge unter die Räder einer Kraft- droschk«. Schwerverletzt wurde er in die Charit« übergeführt.— Bor der Marktstr. 38 in Reinickendorf-Ost lief der zwölffährige Hein, Exn«r aus der Razarethkirchstr. 38 in ein Pferdegespann hinein. Der Knabe wurde schwerverletzt und in sehr bedenk- lichem Zustande in dos Kinderkrankenhaus Reinickendorfer Straße gebracht. In der Gattenstraß« g«ri«t ein Geschäftsauto aus noch unb«. annt«r Ursache aus den Bür g ersteig und fuhr in ein« Grupp« spielender Kinder hinein. Ein siebenjährige» Mädchen aus der S e y d l i tz st r a ße 6 6 wurde dabei überfahrea und schwerverletzt. pkeffermini- fitlsdumg durch Chlorodont % Der berühmte, soeben aus Asien zurückgekehrte Tibetforscher Dr. Wilhelm Filchncr schreibt uns wie folgt: Von Srinagar aus, dem Endpunkt meiner 2J/i Jahre währenden innerasiatischen Expedition, darf ich Ihnen mitteilen, daß ich mit dem von Ihnen hergestellten Chlorodont wiederum sehr günstige Erfahrungen machte. Meine Zähne sind gesund geblieben und haben immer nodi blendend weiße Farbe. Die erfrischende Wirkung des Chlorodonts wurde von mir besonders in heißen Zonen angenehm empfunden. Ich werde das genannte Mittel audi fernerhin in Gebrauch behalten und empfehle es besonders Forschungsreisenden angelegentlich zum Gebrauch. Srinagar, den 16. April 1928. Dr. Wilhelm Filchner.—(Originaibttef bei unserem Notar hinterlegt.)_ überzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube 1 Mk. Chlorodont-Zahnbürstel.25Mk.. für Kinder 70 PL Chlorodont- Mundwasser Flasche 1.25 Mk. Zu haben in allen Chiorodont-Verkaufsateileo. Man verlause nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück. m mm Baderegeln, die das Leben retten. Eine Mahnung an die Sonniagsausflügler. oder sonstigen Erkrankungen entstandene Mittekohrentzündung ein Loch im Tromm elsell zurück. Dringt durch dies« Oeffnung b«im Baden oder Tauchen auch nur«in Tröpfchen Wasser ins innere Ohr und den darin verborgenen Gleichgewichts- a p p a r a t ein, so können die Folgen unabsehbar sein. Der kleine Wassertropfen reizt das Gleichgewichtsorgan, es treten Schwindel. Unsicherheit und Ohnmacht auf, die nicht selten den Tod herbeiführen. Dasselbe gilt für das Erbrechen unter Wasser, das stets einen tötlichen Ausgang nimmt. Darum muß jeder Ohrenkranke einen Schutz tragen, der beim Baden das Eindringen von Wasser mit Sicherheit verhütet. Einen solchen Schutz gewährt Verstopfen des Ohres mit etwas fetthaltiger Watte oder mit einem kleinen KügclchenvonWochs. Durch strengste Jnnehaltung dieser kleinen für jedermann leicht erfüllbaren Dorschrift wird es gelingen, die Zahl der Unglücksfälle erheblich zu mindern und die Freude am Baden und Schwimmen ungetrübt zu erhalten. Auch Personen, die zu Krämpfen neigen, sollten sich vor dem Schwimmen hüten. Wer beim Schwimmen von Wadenkrömpfen befallen wird, muß sich sofort auf den Rücken werfen, und in dieser Loge zu verharren suchen, bis der Krampf vorüber ist. Diese Mahnungen soll jeder Ausflügler beachten! Wo ist das Geld gebtieben? 270 ovo Mark verschwunden. Erstaunen mußte es in der Verhandlung vor dem Schöffen- gericht Mitte gegen den Kaufmann D w o r z a k wegen Unter- schlogung erregen, wie es möglich war, daß er innerhalb 2 Iahren 2 7(><1lZg Mark veruntreuen konnte, ohne daß im Geschäft dos Fehlen dieser Riesensumme bemerkt wurde. Dworzok war Hauptbuchhalter und Kassierer einer Aktiengesell- schaft für Erdöl- und Kohlenvcrwsrtung und genoß uneingeschränktes Vertrauen. Er war in der Lage, jede beliebige Summe vom Bankkonto abzuheben, indem er die den beiden Direktoren vorgelegten Quittungen u n g e p r ü f t unterschrieben bekam. Man konlrollierle auch niemals, wofür das Geld gebraucht wurde und wo es blieb. Der ungetreue Hauptbuchhalter buchte nur, was ihm paßte, und behielt das andere für f i ch. So kam es, daß manchmal bei den Kafsenrevisonen mehr Geld vorhanden war, als nach dem Bücherbestand da sein konnte. Diese Beträge legte er dann auch für sich beiseite. �Der 38jährige aus Wien stammende Angeklagte lebt« auf sehr großen» Fuße, hatte sich«in Auto für 14000 M. ange- schafsl, und seine Frau hielt sich dauernd in der Schweiz auf, angeblich wegen eines Lungenleidens. Trotz seines üppigen Lebens wollte es dem Gericht nicht einleuchten, daß der Angeklagte die Riesensumme innerhalb von zwei Iahren restlos verbraucht haben sollte, wie er immer wieder behauptete. Es ließ sich ihm aber, so nahe die Vermutung blieb, nicht nachweisen, daß er noch erhebliche.Kapitajien verborgen hält. Immerhin wird er eine germime Zeit brauchen, bis er zum ruhigen Genuß der ver- steckt gehaltenen Gelder kommen wird. Das Schöffengericht schickte ihn zunächst einmal auf I I a h r und 5 M o n a t e ins Gefängnis. Die Strafe würde, wie Amts- ger'chtsrot Nicolai im Urtell aussprach, noch höher ausgefallen sein, wenn dos Gericht nicht berücksichtigt hätte, daß dein Ange- klagten durch jeden Mangel an Aufsicht und durch die- unglaublich« Sorglosigkeit seine Vergehen so außer- ordentlich leicht gemacht worden»väven. Die üble perle. Festgestellt, aber mmer noch nicht festgenommen? Sie lst endlich erkannt, aber immer noch nicht ergriffen. die diebische Hausangestellte, vor der nicht dringend genug gewarnt werden kann. Seit Jahren haben di« K r i m i n a l b c h ö r d e n mit ihr zu tun, und öfter Hab sie auch schon vor Gericht gestanden, aber stets unter falschem Namen. So wurde sie in Berlin einmal verurteilt, nachdem sie zwei O i e d st ä h l e verübt hatte. I.i diesem Falle nannte sie sich.O t t i l i e Sandmann". Jetzt e»d- lich ist festgestellt worden, daß man es mit einer am 4. August 1895 zu Reu ß nitz in Schlesien geborenen Theresia Hettwer zu tim hat. Diese vielgesuchte Diebin nimmt mir in katholischen .Familien, und in katholischen Mädchenheimen Stellungen an und stiehlt außerdem planmäßig in katholischen Stiften., lleberall stellt sie sich sehr fromm und bescheiden. Dabei verschmäht sie es aber nicht, Namen aus ihrer Heimat und deren Umgebung zu gebrauchen, so daß schon oft unschuldig« Mädchen in große ilnannehinlichkeiten geraten sirrd. Nach zwei oder drei Diebstählen, die sie regelmäßig kurz hintereinotüwr verübt, wechselt die He it. .»ver den Ort. In Berlin selbst verschwindet sie jedesmal,»m ihre Spuren zu verwischen, von einem Viertel in dos andere. So trat sie einmal in der Augsburger Straß« auf, gleich darauf in Lichtenberg und dann in der Uhlandstraße. Hiernach verschwand sie, um nach Verlauf von einiger Zeit über Oranienburg und Pols- --"AS i&tBW&mwiWirtu. dÄii'Diebstählen Wieden-. Im Februar dieses Jahres tauchte sie .--wieder aus und stahl bis zum Mörz wieder an drei Stellen, zu- letzt in. Charlottenburg. Nach längerer Abwesenheit ist sie jetzt wieder dorthin zurückgekonnnen und hat bereits zwei Familien heimgesucht, zuletzt unter dem Namen«Frau Lehmann, geb. W i n k l e r". In Privathaushaltungen nimmt diese Perl« immer ' nur bares Geld und Schmucksachen, an Kleidungsstücken höchstens einmal-einen wertvollen Pelz, den sie gleich versetzt. Braucht sie neue Kleidung, so versieht sie sich damit in den Mädchen- Heimen oder Stifter.■ Oas Eisenbahnunglück bei Neuß. Die Reichsbahndirektion Elberfeld gibt.zu dem Güterzugzusammenstoß auf der Strecke Neuh— Düsseldorf folgenden Bericht heraus:.hellte früh 2,45 Uhr fuhr auf der Strecke Neuh— Düsseldorf der Güterzug 7705 zwischen Blockstellen Erft-Kanal und Rheinbrücke zwischen den Bahnhöfen Neuß— Düsseldorf— Bilk auf den Schluß des Güterzuges 8133. Dieser war schon in den fol- genden Blockabschnitt vollständig eingefahren. Der Zug blieb jedoch in der Steigung der Rheinbrücke Rampe 1: 125 aus noch unbekannter Ursache halten und geriet bei dem Versuch, wieder in Gang zu kommen, mit seinem Schluß etwa 120 Meter in dem ver- lässenen Blockobschnitt, wobei eine Verständigung des Block- wärters unterblieb. Bei dem starken Anprall schoben sich die letzten Wagen des zurücksetzenden Zuges stark ineinander, wobei mehrere Wagen entgleisten. Vom Zugpersonal des Güter- zuges 7705 wurde der Zugführer Hubert Dappen aus Krefeld ge- tötet und ein Schaffner verletzt. Der Zugbetrieb wird über die beiden Personenzuggleise ohne wesentliche Störung ausrecht- erhalten. Die Schuldfrage ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist aber anzunehmen, daß em Verschulden von Bedren steten n l ch t vorliegt. � f, �, Bald wird ein Eisenbahnunglück aus der Deutschen Reichsbahn T a g e s er s ch e i nü n g. Immer wieder haben wir in langen fach- - lich begründeten Artikeln daraus hingewiesen, daß etwas faul ist, . warten aber bisher vergeblich daraus, daß Herr Dorpmüller endlich energisch durchgreift. Das Geheimnis der Bankiersleiche. Wie aus Calais gemeldet roird, sind bei der gerichtsärzt- lichen Untersuchung der Leiche Löwensteins mehrfach« Brüche des Schädels, der Wirbelsäule und der Glieder festgestellt worden. Die Eingeweide wurden der behördlichen Untersuchungsanstalt zur Feststellung etwaiger Giftspuren übermittelt. Daß die große Möhrzahl aller tätlich verlaufenen Badeunfälle, von denen in diesem Sommer erschreckend viel gemeldet werden, aus das Schuldkonto der Verunglückten, i selbst zu setzen sind, kann m'cht bestritten werden. Zum L e i ch t s in n und der Ueberschätzung der eigenen Kräfte gesellt sich die Außerachtlassung wichtiger Vorsichtsmaßregeln, die an sich sehr einfach zu befolgen sind. Es erscheint darum angebracht, einig« Regeln wieder in die Erinnerung zu rufen: Kranke, insbesondere� er z t r a n k« oder Epileptiker, sollten überhaupt nicht ohne ausdrückliche ärztliche Erlaubnis baden, uird auch dann nur da, wo sie im Bedarfsfälle leicht Hilfe bekommen können. Vor dem Bade kühle man den vorher erhitzten Körper ausreichend ab. Niemals gehe man mit vollem Magen ins kalte Wasser! Auch ein plötzlicher Schreck, wie ihn z. B. der Nichtschwimmer dadurch erleidet, daß er an einem unbekannten Badeplatze plötzlich den Grund verliert, kann zur Ohnmacht und zum Ertrinkungstode führen. Also vor dem Baden sich über die Be- schafsenheit des gewählten Dadeplatze» vergewissern und im Zweifelsfalle auf das Bad verzichten. Ganz besondere Vorsicht aber ist geboten für alle die- jenigen, die jemals eine Ohrenkrantheit durchgemacht haben. Häufig bleibt im Anschluß an eine im Gefolge von Masern, Scharlach Gasexplosion in Hermsdorf. Zwei Derlehte.- Eine Wohnung schwer verwüstet. In der Wohnung des Kaufmann, E. in der Auguste- Viktoria-Straße 34 in Hermsdorf hat sich gestern kurz noch 22 Uhr aus noch unbekannter Ursache eitue schwere Gap- e x p l o s i o n ereignet. Durch den gelvaltigen Luftdruck wurden sämtliche Scheiben im Hause zertrümmert, die Wohnung wurde schwer ver- wütest. Die Fensterkreuze flogen auf die Straße. Der Woh- nungsinhaber und feine Frau erlitten erhebliche Verletzun- gern Feuerwehrsamariter leisteten den Veninglückten die erste Hilfe. Die Ausräumungsarbeiten nahmen längere Zeit in Anspruch. Ein Empfang bei den aasländische» Studenten. Am Sonnabend veranstaltete die Hauptgemeinschaft ausländischer Studierender an den-Berliner Hochschulen im Fesffaal des Flugverbandhauses einen Tee-Empfang, der sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Zusammen- arbeit mit den deutschen akademischen Kreisen gestaltete. Die Hauptgemeinschaft, die einen Zusammenschluß der ausländischen Studierenden an der Universität, der Technischen Hochschule und der Handelshochschule darstellt und gegenwärtig 30 ausländische Studentenvereinc umfaßt, wurde im Mäm dieses Jahres gegründet. Nach den Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden, Herrn Tschatschibaja i Georgien), begrüßte.der Rektor der Berliner Universität, Prof. Dr. Norden, die Gäste und wies in seiner kurzen Ansprache daraus hin, daß der zahlreiche ausländische Besuch der deutschen Hochschulen als ein Zeichen der Anerkennung deutscher Wisienschaft gewertet werden dürfe. Zahlreiche Einrichtungen, mit denen die deutschen Hochschuten ihrer Gastpflicht gegenüber den aus- ländischen. Gästen gerecht, werden,� ftstv bereits errichtet. Auch das KultiisS min ister tum sei gern bereit, den. Organisationen der ausländischen Studenten helfend zur Seite zu stehen. Man fühle sich als eine geistige Geinsinschast, die dazu berufen ist, m i t z i» w i r- k e n an der völkerverbindenden Gemeinschaft der Wissenschast. Die Gemeinschaft der Lehrer und Studiercnben repräsentiere eine „univer.-utas nationura"— eine Gemeinschaft der Natio- n e n. Am Horizont der vereinigten Völker möge aufgehen die Sonne der Humanität. Nach diesen mit starkem Beifall aus- genommenen Ausführungen sprach der Vorsitzende der Alexander- von-Humboldt-Stiftrmg, Staatssekretär a. D. L e w a l d. Er gab -der Hoffnung Ausdruck, daß die Humboldt-Stiftung dazu helfe, das Band der internationalen Freundschaft immer stärker und fester wer- den zu lassen. Zuin Schluß ergriff Pros. Dr. S o m b a r t, der einige Ausführungen zum Problem der Jnternationalität und des kosmopolitischen Denkens machte, das Wort. Die Veranstaltung, auf der Studierende aus allen Teilen der Welt a»»wesend waren, bildete einen verheißungsvollen Auftakt für die Arbeit an den kommenden großen Aufgaben. Der„Raubüberfall" bei der Kueiptour. Ein nächtlicher Raubüberfall beschäftigt seit etwa acht Tagen die Kriminalpolizei. Ein Angestellter T. aus Neu- babelsberg versäumte aiff einer Kneiptour den letzten Zug und ging zu Fuß di« Bahnstrecke entlang nach Hause. Aus diesem Weg« elichien er ohne Jackett und Weste bei einem Wächter und teilte ihm mit, daß er an der Kreuzung der Wonnlee- und Stadtbahn überfallen und beraubt worden sei. Wege- l a g e r e r seien aus dem Walde herausgekommen, hätten� ihn zu Boden geworfen und mit dem Gesicht in den Sand gedrückt und ihm die Kleidungsstücke und«ine Brieltasche mit 80 Mark ent- rissen. Die Kriminalpolizei hat jetzt sestgesliellt. daß der lieber- fall e r d i ch t e t ist. T. halt sein Geld o e r t n e i p t und aus der letzten Stelle Jackett und Weste zum Pfand lassen müsien. Aus Scheu- vor einer häuslichen Auseinandersetzung hatte er den.Maubüberfall" gemeldet. Das Nachspiel wird jetzt wohl ein Verfahren wegen groben Unfugs fein. Der erste Aufstieg des„Graf Zeppelin". Wie man aus Friedrichshafe» meldet, wird das neue Luftschiff„Graf Zeppelin" immer noch täglich von einigen tausend Fremden besucht, unter denen sich zahlreiche Aus- l ä n d e r befinden, die absichtlich für ihre Sommerreise den Weg über Friedrichshafen gewählt haben. Die ersten Werkstättenfahrten, die für die legten Iulitage vorgesehen nmren, werden frühe st ens Ende der ersten Augustwoch« stattfinden, was ein« neuer. liche Verzögerung um mindestens 10 Tage bedeutet. Das für den iteuen Gasbetriebsstosf erstellte Gaswerk rvar für den vorgesehenen Zeitpunkt nicht fertig, und man befindet sich im Gas- werk auch jetzt noch im Stadium der Versuche. Die Motoren bleiben ir»zwischen noch bei den M a y b a ch- W e r k e n, wo auf den Bremsständen noch einmal Prüfungen vorgenommen»Verden können. Erst wenn feststeht, bis wann die nötige Menge Betriebsstoff verfügbar ist, wird sich der genaue Zeitpunkt für die erste Fahrt festlegen lassen. ■ Oorine und der Zufall. Etwas über Reisezeit, Zulihihe und Arbeitsgericht. Sie hieß Dorine und war ihres Zeichens Privatsekretärin bei einem so weit ganz netten und ziemlich gitt zahlenden Chef. Denn sie bekam für diesen Vertrauensposten, wie der Chef es nannte, die hübsche Sunime von 300 M. Kein Wunder also, daß sie es sich leisten konnte, sich Ansang Mai Urlaub geben zu lassen, um 14 Tage ins Gebirge zu fahren. Di« restlichen 14 Tage ihres Urlaubs wollte sie dann Anfang August nehmen. Sie fuhr also im Mai nach Zell am See. Hinter dem netten, feschen Mädel war bald eine Schar Verehrer her, die sich die redlichste Mühe gaben, sie zu erobern. Ihre Wahl fiel schließlich alff«inen sehr eleganten, wenn auch schon etwas on- gegrauten Herrn. Man verlebte einige entzückende Tage und Stunden miteinairder, und Dorine konnte sich über ihre Wahl durch- aus nicht beklagen. Nun wollte es der Zufall, daß Dorines Chef geschäftlich in Wien zu tun hatte und seinen Wochenendausflug noch Zell unternah, n. Wie groß»l>ar das Erstauiren der Beiden, als man sich abends auf der Kurpromenade begegnete! Ri.chtsdestmveniger gtüßte Dptin« ant Arm�.ihres-neuen Freundes ,neit Jhren. Chef, der ahep nux mit Mger Höflichhttt und sehr - kurz dankte. Verdutzt und betroffen sah sie ihrem Chef nach-und. wandte sich dann mit der Erklärung und der Frage an ihren Begleiter:„Das war mein Chef! Was mag er nur hoben?" Der lächette amüsiert und meinte dann lustig:„Ja, Kind, ich kann dz« Gefühle deines Chefs schon verstehen, vzenn er dich mit zpir' zu» sammen sieht, denn zufällig bin ich der schärf st«Kon» kurrent in seiner Branche. Aus diesem Zufall entstanden aber noch andere Verwicksubgen, als Dorine wieder ihre Stellung antrat. Ihr Chef besprach nur das Notwendigste mit ihr und als der Monatsletzt« gekommen»var, wurde sie zun» nächsten Ersten gekündigt. Dorine sah das natürlich als Ungerechtigkeit an, denn sie könnte ja schließlich nichts dafür, daß ihr neuer Freund zufällig ein Konkurrent ihres Chefs war, und klagte beim Arbeitsgericht. Bor dem Arbeitsrichter poltert« der Beklagte los, er könne sich doch nicht gefallen lassen, daß seine Privatsekretärin, seine rechte Hand, ein Techtelmechtel mit seinem Konkurrenten hätte. Wie leicht könnten da Geschäftsgeheimnisse ausgeplaudert und er geschäftlich geschädigt werden. Er habe sie einfach entlassen müssen,»veil er ihr doch nie verbieten könne, in ihrer Freizeit mit ihrem Fretmd zusammen zu kommen! Dorine meinte darauf, ste hätte in ihrer Freizeit«tl»>as anderes zu tun, als mit ihrem Freund über geschäftliche Angelegenheiten zu reden. Dieser Ausführung schloß sich auch der Richter an und so wurde schließlich der Beklagt« verurteilt, an Dorine noch ein Monatsgehalt zu zahlen. Dorm« gab sich damit zufrieden und wird jetzt sicherlich die Privatsekvetärin und rechte Hand der Konkurrenz ihres bisherigen Ehefs. Wahr- scheinlich sogar mit höherem Gehalt. Lebensmittelwucher zum Kölner Turnfest. Die mit Massenveranstaltungen gewöhnlich zusammenfallend«, unerwünschte Begleiterscheinung der Teuerung macht sich in Köln kurz vor Beginn des Turnfestes der Deuffchen Turnerschast bereits bemerkbar. Aller Bevölkerungsschichten hat sich eine groß« Er- regung über diese plötzlich eingetretene Verteuerung der Lebens- »Nittel bemächtigt. Man fordert Ueberwachung der Preisbildung durch die BeHorden. Das Gewerschaftskartell hat sich daraufhin an die zuständigen Behörden gewandt. Belmonte- Uhren preiswert°v-. z.t» ReUendcr Qold- und SUberxfemiick, SUfeerfterlte I»«roter Aonrek Schinken mii Brillanienbeitage. Sin Zwischenfall in der Markthalle. Tin« ganz kuriose Geschichte hat sich gestern in der Markt- Holle am Arminiusplatz zugetragen. Ein« Standinhaberin hatte sich ein hübsche, B r i l l a n tk o l l i e r für 500 M. gekauft und nahm es am Sonnabend morgen in die �alle mit, um es in berechtigtem Besitzerstolz ihrer Standnachbarin, einer gletscherfrau. zu zeigen. Eben schickte sich diese an, den strahlenden Schmuck gebührend zu bewundern, als eine Käuferin an den Stand herantrat und ein Viertelpfund gekochten Schinken verlangte. Die fleische rsrau legte also das Schmuckstück einstweilen auf das Ein- wickelpapier, und auch die Besigerin war zu beschäftigt, um darauf achtzugeben. Als die Kundin sich entfernt hatte und die Besichtigung wieder aufgenommen lverden sollt«, ergab sich: Da» Kollier war verschwunden! Schreckensbleich stellten die beiden Frauen dies fest. Die Fleischerfrau hatte es versehentlich mit dem Papierbogen zusammen gegriffen und es der Kundin als „Beilage" zum gekochten Schinken mitgegeben. Nun war guter Rat teuer. Die Besitzerin, der das Weinen näher als das Lachen war, und die Fleischerfrau suchten die ganze Halle nach der .-indin ab, konnten sie aber nicht mehr finden. Den Tag über spähten beide mit Argusaugen umher, ob sie nicht wieder aus- tauchen würde. Endlich, kurz vor Hallenschluh, erblickten sie die Käuferin wieder und stürzten sich wie Löwinnen aus sie. Die Frau bestritt, jemals Brillanten im Schinken gesunden zu haben. mutzte aber der Uebermacht nachgeben und mit zur n ä ch st« n Wache gfljen. Auch hier leugnet« sie zuerst, man fand aber in ihrer Handtasche die Saufbescheinigmlz eines SokdwarenhSudlers. der für das Kollier, das 500 M. wert war, ganze 80 M. aus- gezahlt hatte. Nun gab die Kundin die Fundunterschlagung zu. Ei« hatte zu Hause beim Auspacken die Brillanten gleich ge- funden. Dem natürlichen Drange, sich damit zu schmücken, hatte sie heldenhaft widerstanden, um so eher, als ihr Mann krank ist und sie bares Geld nötiger brauchte als Schmuck. So ging sie denn zu dem Goldwarenhändler und verkaufte das sozusagen vom Himmel in den Schinken gefallen« Stück. Eine Villa ausgebrannt. In der vergangenen Nacht wurde die Feuerwehr nach dem Villengrundstück March st ratze 7a in Charlotte»bürg g«. rufen, wo im Erdgeschoß der zweistöckigen Villa Feuer ausgebrochen war. Der Besitzer, ein Berliner Bankier, ist zurzeit verreist, und die Räume werden augenblicklich einer Renovierung unterzogen. Vermutlich ist durch irgendeine Unvorsichtigkeit der Hand- werker das Feeur, das viele Stunden unbemerkt geschwelt haben mutz, entstanden. Als die Wehren an der Brandstelle eintrafen, stand dosErdgeschoß, dasrerste und zweiteStockwerk, die nur zum Teil möbliert waren, in hellen Flammen. Die Decken waren durchgebrannt, sämtliche Türen und Fensterkreuze brannten lichterloh. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit konnte das Feuer niedergekämpft werden. Die Villa ist voll- kommen ausgebrannt, der Schadeü jedoch durch Ver- s i ch« r u n g gedeckt. Oer Brand im Hamburger Hafen. „Vaby Eastle" ausgebrannt. Zu dem Brand des englischen Dampfers„R a b y C a st l e" im Hamburger Hafen wird berichtet, daß als E n t st e h u n g s- Ursache Kurzschluß in einem Kabel in Frage kommr. Das Feuer, das in einem Laderaum ausgebrochen war, fand in der La- dung, die aus H a r z b a u m w o l l e und 300 Faß Terpentin bestand, reiche Nahrung. Es griff auf andere Räume über und nahm bald einen bedrolichen Umfang an. Die Feuerwehr griff den Brand mit mehreren Löschzügen von Land aus sowie mit Löschbooten auch vom Wasser aus energisch an. Es wurden große W a s s c r m a s s e n in das Schiff geschleu- dert, so daß es sich bedenklich aus die Seite legte. Dadurch wurda die erfolgreiche Bekämpfung des Brandes erheblich erschwert. Auch der Qualm, der aus allen Oefinungen und Luken in dicken Schwaden herausquoll, machte die Löschorbeiteu äußerst schwierig. Schließlich wurde das ganze Schiss unker Wasser geselzi. Um drei Uhr nachts war die Gefahr endgültig beseitigt. Das Schiff ist ausgebrannt. In den Sonnabend-Morgenstunden ist die Feuer- wehr, nachdem die Flut eingesetzt hat, mit dem Auspumpe» des Löschwassers beschäftigt, womit die Gefahr des Um- f ch l a g e n s des Schiffes beseitigt wird. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff! Wirtschaft!«. llliiigrlhiifcr; Sewerkschaktsbcwrguna: Fr. Stzloru! ffcuillcton: fl. K. Diiichcr; Lokale» and Sonliia«»: Frifi tkarslldt: älnwioen: Td. Slocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärto-Berlag S m d. H.. Berlin. Druck: Dorwärts.Buchdruckeret und Berlaosanstalt Paul Singer u So.. Berlin EW 58, Lindcnftrag« 3. Pier,« 8 Beilage« and.Unterdaltung und Wissen". WERTHEIM Leipziger Str.(Vereand-Abt) Könlgstr. Rosenthaler Str. 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Vor zwei Monaten erschien im Zentralorgan der amerikanischen Gewerkschaften(„A merican geberat ionift", Mai 1928), ein Aufsatz über die deutsche Arbeitslosenversicherung. Dr. C a r o l l. der Verfasser dieses Aufsatzes, der die deutsche sozialpolitische Gesetz- gebung an Ort und Stelle studiert und zweifelsohne einen guten Einblick in die Sache gewonnen hat, schließt mit einigen generellen Bemerkungen über die Bedeutung unserer Sozialversicherung über- Haupt. Er meint, daß die Belastung durch die Beiträge zu allen Formen der Sozialoersicherung, an den Leistungen der Sozialversicherung gemessen, relativ gering sei. Dann schneidet er auch die wirt- schaftspolitische Seite der Frage an:„sind nicht die Sicherungen, die durch solche Methoden wie das deussche System der Sozialversiche- rung geboten werden, die beste Grundlage für die künf- tige Produktion?" Schließlich stellt er die Frage an seine Landsleute, ob in Amerika etwas Gleichwertiges geschaffen worden wäre und wie es möglich sein würde, bei der in Amerika oorherr- schenden Einstellung, bei der amerikanischen wirtschaftlichen„Philo- sophie" etwas Gleichwertiges zu schaffen. Diese Fragestellung kann nicht anders verstanden werden, als eine Aufforderung an die amerikanischen Gewerkschafter und„industriellen Führer", ernstbait zu überlegen, ob nicht in Amerika der gleiche Weg wie in Deutsch- land einzuschlagen wäre. Diese amerikanische Stimme scheint uns sehr beachtenswert zu sein. Nicht deshalb, weil wir mit unserer Sozialversicherung völlig zufrieden wären: wir sind weit davon entfernt. Unsere Kritik an der deutschen Sozialpolitik und insbesondere der Sozialoersicherung bezweckt ihren weiteren Aus- bau. Wir vertreten den Standpunkt, daß der weitere Ausbau der Sozialpolitik auch die beste Wirtschaftspolitik ist, und es ist uns sehr w'llkommen, wenn ein Vertreter des Landes, in dem eine ganz andere Grundeinstellung vorherrschend ist, ähnliche Schluß- folgerunoen aus seinen deutschen Beobachtungen zieht. Amerika ist das Land, in dem man sich auch in gewerkschaftlichen Kreisen zum wirtschaftlichen Individualismus bekennt, und in dem soziale Zwangs Versicherung so out wie allgemein abgelehnt wird. Amerika ist das Land der hohen Löhne, wo man meint, die Sich«- runaen für olle Fälle von Arbeitsunfähigkeit der persönl'chen Spar- samkeit oder freiwilligen Organis"�« überlassen zu dürfen. Amerikanische Zullände stellen ein Musterbild auch für manche unserer Sozialpolitiker dar, die wie Herr Erkelenz keine Liebe für die Zwanasversicherung haben. S-breibt doch cherr Erkelenz Cm demokratischen Sammelwerk„Zehn Jahre deutsche Republik"):„In den Vereinigten Staaten, wo es so gut wie gar keine Zwaynsversicherung gibt, hat die freie, große und kleine Lebens- und Gesundheitsversicheruna einen Umfang er- reicht, der ein Vielfaches.-dep deutschen Versicherung, freiwillige und Zwangsversicherunq einaeschlossen, jährlich eufbriuat." cherr Erkelenz bekennt sich zu dem Grundsatz:„chohe Löbne sind w'�iger, sind gesundheitsfördernder als die Renten einer Zwannsversicherung bei niedmen Löhnen." Eine solche Gegenüberstellung scheint uns schlechthin sinnlos zu sein. Es ist orundfalfch än-unebmen. daß die Zwangsversicheruna irgendwie ungünst'g auf die Lohnentwicklung wirkt. Eine der wicbtinften Funktionen namentlich der ArbeiMosen- Versicherung ist die, daß sie den Lohndnick der sogenannten Reserve- armee vermindert. Genüoend ausaebant. können auch die anderen Farmen der Sozialverkicherung eine ähnliche Wirkung haben. Es besteht ke'ne Alternative: bobe Löbne oder Sozialversicherung. fondern eine für die Arbeiterschaft günstiae Lohnentwickluno ebenso wie der Ausbau der Sozialversicherungen hängen letzten Endes von einem und demselben Faltar. nämlich von der Stärke der Arl�Uor- beweaung ab. Am liebsten sind uns natürlich weder hohe Löhne obne Zwanasversicheruna noch Zmangsversich-riing bei niedriaen Löhnen, sandern habe Löbne und Zwanasverstcherung Das scheint nun auch für die Beobachter aus dem glücklichen Lande der hohen Löbne e'nleuchtend.zu sein! Wenn wir für die Zwangs verstcherung und nicht mir für die Bropaganda der freiwilliaen Verstcherung eintreten, so bin wir es N'cht nur deshalb, weil die freiwillige Invaliden-, Kranken- usw. Versicherunn bei uns in e'nigermaßen genügendem Ausmaß, und freiwilliae Arbeitslnsenversichencng nirgendwo als möglich er- scheint, sondern auch und vor ollem deshalb, weil wir allen Formen der Soziolverstchernng einen so großen sozialen und wirkschaftlichea Wert beimessen, daß wir ihre Entwicklung nicht dem Zufall, der guten Einsicht oder dem„freien Willen" der einzelnen überlassen sehen wollen. Dies um so mehr, als der„freie Wille" der Unter- nehmer in der Mehrzahl der Fälle nicht zugunsten der Sozialver- sicherung, sondern gegen sie wirken würde. Zur Beteiligung an der Versicherung der Arbeiter müssen die Unternehmer gezwungen werden. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, daß die Unter- nehmer den großen wirtschaftlichen Nutzen der hohen Löhne und der Sicherung der Arbeitskraft einsehen werden. Auch diejenigen amerikanischen Unternehmer, die jetzt die positive wirtschaftliche Be- deutung der hohen Löhne anerkennen, würden dies freiwillig nicht eingesehen haben. Nur mit geringsten Ausnahmen wurden sie zu dieser Einsicht durch den Kampf der amerikanischen Arbeiter- schcft gezwungen. vis jetzt ist fast jeder Unternehmer, auch in Amerika, zwar für möglichst hohe Löhne in den anderen vetrieben. aber für möglichst niedrige Löhne in seinem eigenen vetrieb. Setzen wir nicht, wie es die Unternehmer so gerne tun, die Wirtschast mit dem Unternehmertum gleich, so dürfen wir auch nicht auf die De- einflussung der wirtschaftlichen Entwicklung durch die Sozialpolitik, die in ihrer Gesamtheit die Steigerung der Massenkaufkrast bewirkt, * verzichten. Wir finden auch die Formulierung von Dr. Caroll. daß Sicherung der Arbeltskraft und der Arbeiter. «ristenz durch die Sozialversicherung die beste Grundlage für die künftige Produktion ist, für sehr glücklich. Wir hören aber hier einen Einwand: die Sozialversicherung vermindert doch die Kaufkraft um die chöh« der für sie erforderlichen Abzüge, es findet höchstens eine Verschiebung statt, d. h. defi da». was cur der einen Stslle ausKe�eben, an der anderen Stelle i abgezogen wird. Bekanntlich gilt solche Einwendung auch gegen die Vorstellung, daß hohe Löhne die gesamte Kaufkraft steigern: das sei doch lediglich eine andere Verteilung des vorhandenen Ein- kommens. Von allen theorettschen Erwögungen, die sich auf diese Frage beziehen, ist in unserem Zusammenhang vor allem eine wichtig, nämlich, daß die Art der Verteilung des Einkommens auch für die Weiterentwicklung der Produktion von allergrößter Bedeu- tung Ist. Die ständig wiederkehrende Disproporttonalität zwischen den verschiedenen Zweigen der Wirtschaft, die zu Depressionen und zu wirtschaftlicher Verschwendung führt, wird in der übergroßen Mehrzahl der Fälle dadurch bedingt, daß die Entwicklung der Massenkaufkrast hinter der Entwicklung der Produktionsmöglichtesten zurückbleibt, daß durch die Art der Einkommensverteilung, die in der kapitalistischen Wirtschaft herrscht, regelmäßig die Verkleinerung des Marktes im Vergleich mit den erweiterten Absatzbedürfnissen eintritt, was auch bei der absoluten Zunahme der Massenkaufkrast der Fall sein kann. Dies ist die typische Erscheinung für den Wirt- schaftsverlauf der kapitalistischen Wirtschaft, die nur mit der Ueber- Windung des Kapitalismus völlig überwunden werden kann. Sozialpolikik siabilisiert die Kaufkraft. Es ist aber möglich, und dies ist unser Ziel, für heute auch im Rahmen der kapitalistischen Wirtschaft eine gewisse relative Stabilität der Produktionsentwicklung und damit die Erhöhung des allgemeinen Niveaus der Produktion zu bewirken. Wir geben uns dabei nicht der Illusion hin, daß wir dadurch eine„konjunkturlose" Wirtschaft schaffen, wir wollen aber die Wirkung der Depression mildern und die Dauer de» wirtschasklichen Ausschwungs in jedem Fall ver- längera. Zu den Willeln. das zu erreichen, gehört wie der Kampf um hohe Löhne so auch der Ausbau der Sozialversicherung. Es ist gewiß richtig, daß die Sozialversicherung zwar in einigen ihrer Formen der Erhaltung der gesamten Arbeitskraft dient(was auch wirtschaftlich eine eminent wichtige Funktion ist), aber u n- mittelbar keine zusätzlichen Werte schafft. Sie bewirkt aber eine gewisse Beständigkeit der Massenkaufkrast, Indem sie z. V. ein bestimmtes Mindesteinkommen für die Arbeits- Deutscher Außenhandel im �uni. Bessere AußenhanMsbisam.— Trost der Erhöhung des Einfuhrüberschusses. Im Monat Juni hat sich die deutsche Wareneinfuhr ins- gesamt von ll)8K auf 1108 Millionen erhöht: die deutsche Warenausfuhr ist gegenüber Mai mit 89S Millionen iost un- verändert geblieben. Der Einfuhrüberschuß, dessen Tendenz seit Januar ein« rasch sipkeuhe.war, häts ssch gegenüber Mai vön 191 auf 214 Million» e r h ö h't/!... j' wwiw.rn Waren gruppen Einfuhr 1928 Ausfuhr 1928 Die Erhöhung des Einsuhrüberschusses um 23 Millionen Mark kam zustande durch eine Steigerung der Lebensmitteleinsuhr um 25 auf 329 Millionen, der ein Rückgang der Lebensmittelausfuhr um rund 8 auf 41,8 Millionen gegenübersteht, durch eine Zunahme der Rohstoffeinfuhr um rund 13 auf 579,7 Millionen bei einer um nur 1,4 aus 166,5 Millionen erhöhten Rohstoffausfuhr und durch den Rückgang der Fertigwareneinfuhr um rund 25 auf 188,8 Millionen, dem eine Steigerung der Fertigwarenaus- fuhr um rund 9 auf 685,1 Millionen gegenübersteht. Obwohl sich der Einfuhrüberschuß um 23 Millionen Mark er- höht hat, kann man von einer(vielleicht vorübergehenden) Besserung der Außenhandelsbilanz sprechen. Zum ersten Male im Jahre 1928 hat sich nämlich das Außenhandels- volumen, d. h. Ein- und Ausfuhr zusammen, um etwa 22 auf 2003 Millionen erhöht, nachdem von Januar bis Mai ein ununter- brochener Rückgang von 2219 auf 1981 Millionen zu verzeichnen war. Die im Juli erfolgte Mehreinfuhr von Lebensmitteln ist durch die allmähliche Verringerung der inländischen Vorräte an Ge- treibe- und Viehfutter eine saisonmöhige Erscheinung. Daß sich die Rohstoffeinsuhr um rund 13 Millionen erhöht hat— das ist mit Ausnahme des Monats Februar seit Jahresbeginn auch zum ersten Male der Fall, daß die Einfuhr von Fertigwaren sich recht erheblich verringert hat und zugleich die Fertigwarenaussuhr (in der Hauptsache Walzwerkserzeugnisse. Eisenwaren, Maschinen) ebenfalls anstieg, läßt auf der einen Seite aus eine neuerdings wieder stärker gewordene Rohstoffversorgung, auf der anderckn Seite auf eine gesteigerte� Konkurrenz- fähigkeit gegenüber ausländischen Waren im Ausland und In- land schließen. Natürlich kann die Besserung eine vorübergehende sein, sie läßt keineswegs schon auf eine erhöhte Kauffähigkeit im Inland schließen, und zwar um so weniger, als dt« Einfuhr von Tertilrohstoffen weiter zurückgegangen und trotz der stark rück- gängigen Beschäftigung der deutschen Textilindustrie die Ausfuhr von fertigen Textilwaren ebenfalls weiterhin rückgängig blieb. Die Bedeutung des für 1928. im allgemeinen trotz der Aus- nähme des Monats Juni stark rückgängigen Einfuhrüberschusse« rechtfertigt einig« Bemerkungen gegenüber den- Heilsverkün- dem einer aktiven Handelsbilanz und der Volkswirt. schaftlichen Zweckmäßigkeit von Ausfuhrüberschüssen Wenn die Entwicklung in der Richtung sinkender Einfuhr und selbst steigen. der Ausfuhrzifsern so weiter geht, wie im ersten Halbjahr 1928, so könnten dies« Heilsoerkünder sehr bald die Freude einer atlioen Handelsbilanz wieder erleben. Diese, aktive Handelsbilanz hätte aber eine verzweifelte Aehnlichkeit mit her Entwicklung im e r st e n Halbjahre 1926, wo der dc-maliä« Ausfuhrüberschuß von einer außerordentlich schwere» Wirtschaftskrlsis begleitet war. invaliden sichert oder überhaupt den Lohndruck vermindert. Ins- besondere hat die Arbeitslosenversicherung in diesem Sinne eine wichtige ausgleichende Funktion, vor allem deswegen, weil sie den Lohndruck vermindert und dadurch den Widerstand der � Arbeiter gegen die Herabsetzung der Löhne während der Depressionen stärkt. Sie beeinflußt aber auch direkt die Verteilung der Kaufkraft in der Richtung größerer Gleichmäßigkeit. Nehmen wir an, daß monatlich durchschnittlich 60 Millionen Mark insgesamt an Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung ge- zahlt werden, wo» ungefähr unseren gegenwärtigen Verhältnissen entspricht. Do» macht im Jahre 720 Millionen Mark aus. Da in Monaten der besseren Beschäftigung mehr Beiträge gezahlt werden, als in den Monaten der schlechteren, so nehmen wir an, daß die monatliche Summe zwischen 50 und 70 Millionen Mark schwanke. Für unseren theoretischen Fall dürfen wir weiter annehmen, daß die gesamte Summe im Laufe des gleichen Jahres in der Form von Unterstützungen ausgegeben wird und zwar so, daß' im Monat der stärksten Beschäftigung nur 10 und im Monat der größten Arbeitslosigkeit 150 Millionen ausgegeben werden Alles dies sind Annahmen, die nicht sehr weit von der heutigen Entwick- lung abweichen. Wir sehen also, daß jeden Monat 50 bis 70 Mil- lionen abgezogen werden mit der Wirkung, in der Zeit schlechter Be- schäftigung zusätzliche Kaufkraft bereitzustellen. In dem günstigsten Monat werden 70 Millionen Mark abgezogen und nur 10 Millionen ausgegeben, so daß die gesamte Kaufkraft um 60 Mil- lionen verringert erscheint: in dem ungünstigsten Monat werden dagegen nur 50 Millionen abgezogen und 150 Millionen ausgezahlt, so daß die Kaufkraft um 100 Millionen erhöht erscheint. Die Arbeitslosenversicherung wirkt also ausgleichend, sie sichert zwar ein nur sehr bescheidenes Existenzminimum für die Arbeitslosen, darüber hinaus bewirkt sie aber auch eine gewisse Stabilisie- rung der wirtschaftlichen Tätigkeit. Zugegeben, daß dies vorläufig nur in einem sehr bescheidenen Ausmaß geschieht, so ist doch die Tendenz unverkennbar, und diese Tendenz bestätigt unsere Auffassung, daß der zweckmäßiae Ausbau der Sozial- Politik auch eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftspolitik ist. Gerade weil gegenwärtig der Einfuhrüberscbuß stark in der Ab- nähme begriffen ist, gibt er der rückgängigen Beschäftigung im In- land deutlichen Ausdruck.' Für die Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches er-. gibt sich auch daraus die zwingende Forderung, alle Mittel zur Stärkung des Inlandsebsatzes in Anwendung zu bringen, weil von der Stärke der industriellen Beschäftigung und von der vollen Ausnützung der industriellen Leistungsfähigkeit die Konkurrenz. fähigkeit deutscher Waren aus dem inländischen und ausländischen�. Markt upd damit di« A u» d e h n u n g s m ö g l i ch k e i t der. wfrtschaskiichen Tätigkeit überhaupt abhängt. Erst dann ist es möglich, die leichte Besserung der Außenhandelsbilanz im Juni allmählich wieder zu einer dauernden zu machen. Die englische Kohlensubveniion. Ehurchill verkündigt tv'nfchaffiichen Notstand.- Englischer Menschenexport. Ausführungen des Schatzkanzlers Churchill auf einem Bon» kett in London bestätigen die Absicht der englischen Regierung, die Folgen der internationalen Kohlenkrisis für den englischen Kohlen- bergbau durch ein« Subvention wieder auf Staatskosten zu nehmen. Er sprach dabei von einem wirtschaftlichen Notstand, der besondere Maßnahmen erfordere. Schon am nächsten Dienstag soll dee englische Ministerpräsident Baldwin dem englischen Unterhause den Subventionsplan der Regierung bekanntgeben. An den Aus- führungen Churchills war überraschend, daß er, entgegen der bis- herigen offiziellen Haltung der englischen Regierung, sich grund- sätzlich symvathisch über die Politik der Schutzzölle äußerte. So kann di« Matznahm« für den Kohlenbergbau die Einleitung' we i- terer Schutzzollmaßnahmen bedeuten. Nach den bisherigen Mitteilungen soll die Kohlensubvention di«� Form einer auf zunächst drei Jahr« ausgedehnten staat- lichen Geldzuweisung an die englischen Eisen-' bahngesellschoften haben, zu dem Zweck, die FracWsätze für bestimmte englisch« Kohlensorten lBunker-, Erport- und Industrie- kohle) um 9 bis 11 Pen« pro Tonne herabzusetzen. Es ist noch unklar, ob dieser indirekten Subvention für den Kohlenbergbau noch «ine direkte Geldzuweisung an den Bergbau selbst folgen soll. Der entscheidende Anlaß zur Durchführung der Subvention scheint in der Tat die steigende Arbeitslosigkeit zu sein, unb zwar nicht nur, in den Bergrevieren. Es sei nicht richtig, sagte Churchill, daß die Arbeitslosigkeit ans die Einfuhr fremder Waren zurückzuführen sei. Di« Beschäftigung habe tatsächlich zugenommen, da trotz der Arbeits- losiokeit heute 360 000 Personen meh« in der Indu- strie beschäftigt seien als vor vier Iahren. Die englische Regierung verknüpft mit ihrem Plan der Sub- ventionierung der Kohlenindustrie die Absicht, die Arbeitslosigkeit auf Dauer durch den Export von Menschen abzubauen Zu diesem Zweck sollen große Summen bereitgestellt- werden, um eine jährliche Auswanderung von 20000 Personen, insbesondere Bergarbeitern, nach anderen Teilen des Britischen Reiches zu ermöglichen. Besserer Arbeiismarki in Brandenburg. Nach dem Bericht des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat sich auch in der Woche zum 21. Juli die Arbestsmarktlage in der Provinz Brandenburg und in Berlin wieder etwas gebessert. Die Zahl der Unterstützten sst um rund 2600 Personen zurück- gegangen. Die Gesamtzahl der Unterstützung beziehen- den Personen betrug in der Berichtswoch« 116 206(118812),' davon enttallen 66 987 168 862) aus männlich« und 49 219 149 950) auf weibliche Unterstützungsempsänger. Arbeitslosenunterstützung be. zogen 57 232 158 903) männliche und 45 585 146165) weibliche Per. scmen. Krisenunterstützung erhielten 9755(9959) männlich« und 3634(3785) weibliche Personen. Rationalisierung des Linzelhandels. Die soziale Kehrseite. Fragen der Betriebsrationalrsierung finden jetzt auch im Einzel- Handel rege Beachtung und werden in der Fachpresse des Handels lebhast diskutiert. Durch Zentralisierung des Einkaufs, durch neue Formen des Warenausatzes(z. B. Einhetts- Preisgeschäfte) und durch statistische Untersuchungen ist man bemüht, das Rationalisierungsproblem auch im Handelsgewerbe seiner Lösung näherzubringen. Im WinschaslstK des„Vorwärts" (Rr. 329 vom 14. Juli) sind in einem Aufsatz„Wirtschaftliche Waren- Verteilung" die Fragen der Rationalisierung des Handels in ihrer Sonderheit geschildert worden. Mit Recht wurde dabei auch auf die Bedeutimg hingewiesen, die gerade da, Untostenkonto der Angesielltengehälter für den Handel besitzt. Kein Wunder also, daß die Rationali- sier ii ngsbc strebungen des Handels insbesondere auch darauf abzielen, gerade die Gehaltsunkosten einzu- schränken. Der damit verbundenen sozialen Gefahren sind sich die An- gestellten des Einzelhandels schon sei! geraumer Zeit bewußt. Ins- besondere ist der Zentralverband der Angestellten bemüht, die Angestelltenschaft und den interessierten Teil der wei- leren Oeffentlichkeit aus die sozialpolitische Kehrseite der Rationalisierung des Handels aufmerksam zu machen. Run ist man im Lager der Einzelhandels-Unternehmer nicht plump genug und durch die Erfahrungen mit den freien Gewerk- fchasten zu gewitzigt, uni etwa eine Gehaltseinsparung in der Fonn des dir ekle n Gchaltsabbaus zu versuchen. Diez geht, so glaubt man, auch auf indirektem Wege, indem mit der Bezahlung der häufig verlangten Ueber st rinden aufgeräumt wird. Zu diesem Zweck wird folgende Rechnung ausgemacht: Für die Kontrolle der Arbeitsleistung des einzelnen Angestellten im Kundenverkehr sei lediglich die Zahl der im Lause des Tages ersolgtcn Verkäufe ausschlaggebend. Die Zahl der statistisch er- faßten Verkäufe, auf eine achtstündige Anwesenheit im Betriebe umgerechnel. ergebe, daß der Angestellte keineswegs den ganzen Tag voll beschäftigt sei, sondern zwischen der Bedienung der ein- zelnen Kunden über ein, wie man behauptet, nicht geringes Maß freier Zeit verfüge. Acht Stunden Anwesenheit im Betriebe feien nicht acht Stunden Arbeitsleistung; also entfalle auf einen erheblichen Teil des Tages keine Arbeitsleistung, sondern nur sogenannte Arbeitsbereitfchafl. Soweit die Argumentation der Unternehmer. Selbstverständlich folgern sie daraus, daß die Arbeitszeit verlängert werden müsse, um ein« auf acht Stunden tonzentrierbare Arbeitsleistung zu erreichen. In diesen Bestrebungen der Einzelhändler, die wahrscheinlich in nächster Zeit den Ausschuß für Handelswirtlchastlichkeit beschäf- iigen werde», liegt eine Gefahr für die gesamte Ängestelltenschast. Nicht nur, daß jede Verlängerung der im Einzelhandel obnehin ungünstigen Arbeitszeit einen invircklcn Gehaltsabbau bedeuten würde,— die Angestellten des Einzelhandels find bereit» durch die Natur des Handelsgewerbes beruflich stärker an- spannt und gesundheitlich höher gefährdet, at» ander« kaufmännische Berufetategorien. Zudem sind die Be> hauptungen der Arbeitgeber absolut falsch. Erstens haben die Angestellten, neben ihrer eigentlichen Der- kaufstätigleit, noch eine erhebliche Menge anderer Arbeiten(am Lager zum Beispiel!) zu leisten, zweitens kann in der überwiegenden Mehrzahl der Handelsbetriebe und gerade in den maßgebenden Geschäften von einem Zuwarten auf das Erscheinen de» Kunden keine Rede sein. Im Gegenteil! Da» kaufend« Publikum muß es sich gefallen lassen, daß ein« Verkoufskrast mehrere Kundgn zu gleicher Zeit bedient, hier selbstverständlich nicht immer d>« Sorgfalt anwenden tonn, die cher--so häufig im Munde geführt« „Dienst am Kunden" erfordern würde. Unerhört ist es nun gar, wenn sich die Einzelhändler zu der Behauptung versteigen, die Gewerkschaften hätten früher das Barliegen von Arbeitibemtschast anerkannt, denn sie hätten das Vorliegen von Arbeitsbereitschajt anerkannt. Diese absurd« Behauptung versucht man glaubhaft zu machen mit dem Hinweis auf den Kamps, den die Gewerkschastcn vor über L0 Jahren um di« gesetzliche Einführung von Sitzgelegenheiten für das Per- sonal in offenen Verkaufsstellen geführt haben. Eine solche Argumentation richtet sich selbst. Die einzig« karge Be- stimmung über den Gesundheitsschutz der Berkauss- angestellten wkrd benutzt, um die sozialreaktionären Wünsche der Einzelhändler zu begründen. In Wirklichkeit fehlen entweder die Sitzgelegenheiten überhaupt, oder aber die Angestellten haben durch die Fülle der Arbeit gar keine Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen. In einer großen Zahl von Betrieben herrscht eine Atmosphäre, die es den Angestellten als bedenklich erscheinen läßt, sich vom Chef oder einem Borgesetzten bei einer Arbeit sitzend antreffen zu lassen. Es ist daher höchst sonderbar, wenn in einem Neuköllner Warenhaus den Angestellten, die oft fünf Kunden auf einmal be- dienen müssen, ausdrücklich anempfohlen wird, von den vorhandenen Sitzgelegenheiien Gebrauch zu machen. Sollen jetzt etwa über die Benutzung der Sitzangelegenheiten„statisfische Unterlagen" gesam- melt werden? Daß im Einzelhandel von Arbeitsbereit schaft keine Rede sein kann, wäre durch genaue Wiedergab« des Berufsbildes der verschiedenen Einzelhandelszweige und durch Schilderung ihrer Betriebsorganisation leicht zu beweisen. Selbstverständlich ist e» das gut« Recht des Einzelhandels, di« Zahl der Fehlbedienungen nach Möglichkeit einzufchrän- ken. Während einige Beiriebe ihre Bemühungen vornehmlich auf die Schulung des Personals richten, glauben andere wie- derum, durch eine sehr eingehende Kontrolle der Verkoufstängkeit und Hinweis auf jeden hierbei beobachteten Fehler dieses Ziel zu erreichen. So hat sich eine „Gesellschaft für Verkaufskunst" gebildet, die neben der eigentlichen Vertaussschulung die Schaffung eines sogenannten„Ve r t r a u e n s k u n dl« n- S y st e ms" betreibt. Die Gesellschaft(handelsrechtlich als gemeinnützige Genossenschaft eingetragen!!), bildet auch Jnstriiktoren für Ver- kaufsschulsn heran. Ihre Hauptbetäfigung besteht jedoch in der Organisierung der„Vertrauens? unden", des söge- nannten„Shoper-systems". Jede Einzelhandelsfirrno kann sich auf dieses Shoper-System abonnieren Für 245 Mark werden 30 Beobachtungen im Verlaufe eines Holben Jahres unternommen. Der V e r trä u e n s k u n de macht einen S che i n« i n k a u s(die War« wird später zurückgenommen!) und berichtet über seine Beobachtungen an die Gesellschaft, die dann den Firmen Bericht er- stattet. Di« weitere Folge für die Angestellten ist meist ein Hagel von Briefen, welche«ine geharnischte Kritik der Berkausstätigteii der einzelnen Angestellten enthalten, ohne daß die schwerbetasteten Ver- käuferinnen und Verkäufer die Möglichkeit haben, die erhobenen Vorwürfe nachzuprüfen oder im einzelnen richtigzustellen. In den meisten Fällen wird so der„Vertrauenskunde" bewußt oder un- bewußt zum Spitzel des Verkaufspcrsonal». Es kann sehr bezweifelt werden, daß derartig« Methoden zu ratio- nellerer Arbeitsleistung anreizen. Zur Hebung der Arbeitssreudigkeit tragen sie bestimmt nicht bei. An der beruflichen Weiterbildung des Verkaufspersonals be- teiligt sich auch das L a n d« sb e r uf s a m t, indem es Kurse siir die arbeitslosen Berkausskräfte errichtet. Die Durchführimg eine» solchen Kursus hat man neuerdings dem Leiter der Gesell- schaft sür Derkaufskunst übertrogen. Zweck des Unter- richts soll sein, die Teilnehmer mit den modernen Grundsätzen der Verkausspjychologie vertraut zu machen, ein 4m sich durchaus an- erkennenswertes Lehrziel. Gehört es aber noch zum Choratter eines berufstundlichen Kursus, wenn die arbeitslosen Teilnehmer vom Leiter veranlaßt werden, bei den Einzelhandelsbetrieben als Werber für das B e rt ra u e n s tu nde n- S ystem der Gesellschaft tätig zu werden? Eine solche Tätigkeit, in einen Kursus arbeitsloser An- gestellten eingegliedert, kann u. E. bestimmt nicht im Sinn« der vom Landesb'erufsamt getroffenen Einrichtungen liegen. Auch wäre es unverständlich, wenn langfristige Arbeitslose einer Beschäftigung alz„Vertrauenskunde"(jede Beobachtung 2 Mark) nicht mehr mit der notwendigen Kritik gogenüberstönden. Die Gefahr des Miß- brauchs der arbeitslosen Angestellien liegt hier auf der Herab! Dies« Ausführungen ergeben nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Fragenkomplex, welcher der Lösung durch die An- gestelltenschaft harrt. Nur auf der Basis freigewevkschaftlicher Grundsätze und Taktik kann«ine befriedigende Lösung dieser brennend- aktuellen sozialen Fragen gefiinden werden. Angestellte! Stärkt eure Organisation! Schließt euch zusammen im Zentralverband der Angestellten! Streit bei der Firma Karl Kühne. Dom Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter wird nns mitgeteilt, daß die bei der Firma Karl K Ü h n e, W e i n e s s i g-, Mo strich» und Konservenfabrik, Berlin N 31, Brun- nenstraße III, beschäftigte» etwa ISO Arbeitnehmer am Sonn- abend früh einmütig wegen Lohn- und Manteltarifvertragsdifse- rcnzen in den Streik getreten sind. Zurzeit werden sür die Arbeiter Stundenlöhne von 89 bzw. 70 Pf., für die Arbeiterinnen von 50 Pf. gezahlt. Ärastwagenführer erhalten 45 M. und Kutscher 48 M. wöchentlich. Verhandlungen zwischen der Organisation und der Firma führten zu keinem befriedigenden Ergebnis. Mit allen gegen vier Stimmen wurde beschlossen, die Arbeit niederzulegen. Die Parteien vereinbarten,«in freies Schiedsgericht über die Lohnstreitigkeiten entscheiden zu lassen. Dieses tritt morgen, Montag, zusammen. Die Arbeiterschaft Berlins wird gebeten, den Streik zu unter- stützen. Freigewertschastlicher Wahterfolg. Bei ver preußischen Wasserbouverwaitung. Di« im Bereiche der preußischen Wasserbauverwaltung vor- genommenen Wahlen des Hauptbetricbsrate haben zu einem vollen Erfolg der freien- Arbeiter, und An- gestelltengewcrkschaften geführt. Die Liste 1 der freien Gewerkschaften erhielt 2803 Arbeiter- und 209 Angestelltenstimmen, die der christlichen Deutschen Wasserstraßengewerkschast jedoch nur 452 Arbeiter- und 80 Angestelltenstimmen. Somit fallen die fünf Arbeiter- und zwei Angestelltensitz« des Hauptbetriebsrats restlos den freien Geroertschaften zu, die Christen gehen völlig I e« r aus. Vor zwei Jahren konnten die Christlichen von den sieben Hauptbetriebsratssitzen noa, zwei für sitz erobern. Dieses Wahlergebnis zeigt deutlich, wie sich das Vertrauen der Arbeitnehmregruppen in der preußischen Wasserbauverwaltung immer mehr den freien Gewerkschaften zuwendet, die den Beweis erbracht haben, daß sie erfolgreich« Arbeit vollbringen können. Trotz der zahlreichen, persönlichen Verunglimpfungen, mit denen die Christen auch diesen Wahltampf betrieben, ist es ihnen nicht ge- lungen, auch nur einen Sitz zu erobern Der neugewählte Haupt- betriebsral wird das in ihn gesetzte Vertrauen in Zusammenarbeit mit den freien Gewerksämsten zu rechtferngen missen. In der kon- stituierenden Sitzung am 19. Juni ist der Genosse Zaavcnga wieder zun« ersten Vorsitzenden des Hauptbetriebsratcs gewählt worden. Ergänzung des Einspruchsrechtes bei Kündigungen. Kür die preußischen Staotsarbeiter. Nach � 84 des Betriebsrätegesetzes können Arbeitnehmer im Falle der Kündigung durch den Unternehmer unter bestiminten Vor» aussetzungen Einspruch erheben, indem sie den Arbeiter- und An- gestelltenrat anrufen. Hieraus folgt, daß Arbeitnehmer in Staats- betrieben, bei denen infolge der niedrigen Arbeit«rzahl ein Arbeiter- oder Angestelltenrat auch durch Zusammenfassung von örtlichen Dienststellen nicht gebildet werden kann, kein« Möglichkeit des Ein- spruches im Falle ihrer Kündigung haben. In einer Novelle zur preußischen Ausführungsverordnung zum Bctriebsröiegesetz, die im Entwurf soeben fertiggestellt wurde, wird min bestimmt, daß bei Dienststellen, deren Betriebsveitretung nur aus einem Betriebs- Obmann besteht, aus Ankrag des Obmann» der Bezirtsbetriebsrat zur Annahme von Einsprüchen gegen di« Kündigung von Arbeit- nehmern befugt sein soll, um das Einspruchsrecht auch in den ge- nannten Betrieben zu sichern. Lohnregelung in der oberschlesischen Metallindustrie. Am Donnerstag fanden in der weiterverarbeitenden Metall- industrie Ostoberschlesiens Lohnverhandlungen statt, wobei eine Lohnerhöhung um 8 Proz. mit Wirkung ab 1. Juli zustande kam. Das Abkommen ist mit 14tägiger Fr'st jeweils zum Monats- ende kündbar, stellt also nur eine vorübergehend« Rege- lung dar._ Oie Lohnfämpfe im Antwerpener Hafen beendet. Brüssel. 21. Juli. Wie„Peuple" meldet, hat der mit der Regelung der Löhne und der Arbeitsverhältnisse im Antwerpener Hafen betraute Sonder- misschuß seine Arbeiten beendet. Zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer wurde ein Uebereinkom- m e n abgeschlossen, dos eine Lohnerhöhung von 4 Fron- k e n und die Reglcinenticrung der Arbeit vorsieht. Die Künfiagewoche. Auch bei den 7tew«�orter Oamenschneidern eingeführi. Der Amerikanische G e w c r k s ch a f t s b u n d hat sich be- kanntlich sür die Emsührung der Fünftagewoche zunächst in den Industrien ausgesprochen, in denen sie ohne große technisch« Schwierigkeiten eingejüht werden kann. Die Durchführung der Fünftagewoche hat jetzt eine Erweiterung erfahren. Zwischen den Arbeitern und Unternehmern der Neiv-Vorkcr Damenschneiderei- industrie ist«ine Vereinbarung zustandegekommen, nach der die fünstätige Arbeitswoche mit Wirkung vom Juni d. I. Mit einer Gesamtzahl von 40 Arbeitsstunden eingeführt worden ist. Für die Arbeitergewerkschaft wurde dabei die Verpflichtung fest- gelegt, die dem Abkommen noch nicht beigetretenen 1200 Werk- statten mit 15 000 Arbeitern ebenfalls zum Beitritt zu bringen. 20 000 Arbeiter sind durch das Abkommen in den sosortigen Genuß der kürzeren Arbeitswoche eingetreten, wobei entscheidend i!t, daß dieLöhnetrotzderVerkürzungder Arbeits zeit nicht herabgesetzt wurden. Die Löhne betragen für Vor- arbeiter und Vorarbeiterinnen 43 Dollar, für die übrigen 25 Dollar die Woche._ Oer englische Vergarbeiterkongreß beendet. Scharfe Mißbilligung der Haltung Eooks. llondon. 21. Juli.(Eigenbericht.) Der letzt« Tag des Bergarbeitertongresses bracht« l e b h a s t s Angriffe auf'Cook und einhüllte den starken persönlichen Gegensatz zwischen diesem und dem Präsidenten Herbert Smith. Bei der Diskussion über das Gewerkschaitsorgan.Miner onriw Cook scharf kritisiert, weil er die Spotten des Blattes für feine eigene Politik verwendet, die im Widerspruch zu der P o l i- tik d«s Vorstandes und des Verbandes steht. Die schottischen Delegierten prokestierten dagegen, daß Cook Er- klärungen von Kommunisten ausgenommen hat, sich aber weigene, die offizielle Entgegnung des Vorstanoes der schottischen Berg- arbeitergewerkschaft zu verösfentlichen. Es wurde daher bestziosse», den.Miner" sür eineinhalb bis zwei Monat« unter c i n e n, neuen Redakteur weiter zu sühren. Man iiosst, daß man ihn dann später unter Verhältnissen herausbringen kaim, die ihm den Chaiokter eines Organs der ossiziellen Verbandspolilit ndjern. Cook erklärte, daß er keine Zeile mehr für das Blatt schreiben werde. Ein Berireter der komiministenfreundlitzcn„Minderheits- beweg» ng" schlug eine Entschließung vor. die eine Verurteilunq der Besprechungen zwischen dem Generalrat der Gewerkschaiien und der Arbeitgebergruppe unter Lord Melchett enthielt. In der lange» Debatte, die eigentlich zwischen den Boritondsmitgliedern geiübrt wurde, sprachen sür die Resolution u. a. der kommunistische Dele- gie-le von Süd-Wales, Arthur Horner,»nd auch Cook, der durch erregte Zwischenrufe wie„Lügner" unterbrochen wurde. Cook spielte sich wie immer als der Berireter von Grundsätzen auf. rlilt dann aber eine schwere Absuhr durch.Herbert Smith.-D>ej» arbeiten. Entschäbigung für die Ueberstnnden erhalten sie nicht. Kleidung, wie«» für Fleischerlehrling« Bedingung ist, erholten st« nicht. Die Sozialabgaben werden sür sie nicht bezahlt. Arbeitsbücher sind für sie nicht angelegt. Und schließlich werden sie enttassen ohne di« Abgangssumme zu bekommen. Da» Arbeitsgericht perurteille den Vorsitzenden der Verwaltung zu sechs Monaten Gefängnis, da» Berwoltunqsmitglied zu drei Monaten Gefängnis.— So berichtet« die„Prawda". Als Gegenstück zu diesen eigenartigen Zuständen in Somset- betrieben, die vom Arbeitsgericht mit Recht so scharf gerügt wurden, bringt die„Leningrader Rote Zeitzing"«ine Darstellung van den Arbeitsverhältnissen in den Voltsgerichten selbst. Da fiel eine» Abends eine Stenotypistin in Ohnmacht. Bei näherer Nachprüfung ergab es sich, daß die Ursache de« Ohnmochtsonsallo Uebermüdung war: das junge Ding hatte zwölf Stunden hintereinander gearheitet. Das war aber kein Ausnahmefall. So ging es tagtäglich: zehn- bis zwölfstündige Arbeitszeit. Weder Kino noch Theater existierten für die Angestellten. Und als sie sich an die Arbeitsinspektion wandten und ihr Leid klagten, erhielten sie zur Antwort:„Wir wissen es, ja, oll« wissen wir es, daß bei den Volksgerichten eine Ausbeutung der Angestellten herrscht. Wir sind aber mochttos." Di« Ange- stellten wandten sich noch wo anders hin. Hier erhielten sie den gleichen Bescheid. So arbeiten sie heute noch zwöls Stunden den Tag, sogt dos bolschewistisch« Blatt. Glückliches Frankreich? Die Zahl der Arbeitslosen ist in ganz Frankreich im Rückgang bcgrissen. Am 13. Juli zählte man 1221 Arbeits- lose, davon 755 in Pari». Im Seine-Deportement betrug die Zahl der Halbbeschäftigten 4611. Die französische Presse weist m diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Stabil!- sterung des Fronken keine wirtschaftliche Krise verursacht habe. Die Spartasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A..G.. Berlin, wallslr. 65. ist täolich mit Ausnahme von Sonnabend von S— 3 Uhr und 4—6 Uhr. Sonnabend» von v— 1 Uhr geäfsnet. Nibt«»«,««»deleale-t»! Morgen, Montag. 17 Uhr. im groffin Saat»'« Sei»-rtschastsl,ause» Lerlainmlung»et tZaudelrgiertr» int Loch., Vrton. un» Tilfbaugrwerbr. Arußetst wlchnge TaA»,ordnung. Zn»rr Brrs-mmlun« werden auch dir steageboinn sttr dir Zuliftotiftik ausgegeben. Bon jeder Bau- stelle muh ein Mitglied des Baugeweeksbundes entsandt werden. Bcebandi- buch ist mitgubelngen. Deutscher Bekleidnugsaebeiteeveebaud. Kerre».. Snabrn.,«urschensontettio». Uolsoemlieseruug und«ummllonseltl»«! Morgen. Montag. 19'4 Übe. Mit. glirdrrversammlung in den Relideng-ssestlalen, Landsberger Sie. ZI. Bericht oom Berdandswg. Bericht Uder dir Lolinverbandlunz. Mitgliedsausweis legi- timiert. Die» rauche ntswtnisti»,. l&tFfeie Gewerkfchasts-Lugend Groß.Verlin Morgen, Montag, folgende Veranstaltungen: Achtung. IS Uhr: vuree.,- chorprobe titr SZ. Juli auf dem Snortuta» dir Metallaedeiter, Beelin. Vaumschulenweg, au der Oberlnree.— Auhenspieladend» a» IS Uhe: R-rdeing-tzentruM! Aus dem Snorwtah lanitanstrahe, Älah 4 H.— B«lt,ta„». bell Wei Heusee: In der lleiueu Turnhalle Piftoriuostrahe(Pumpstation). % Iuaendaruppe des ZentralverbaadeS der Anaesieilten Jörnen, Montag, finden folgende»eranftaltungen statt: Dcrmauuplah: v' Iiniendljcirn tobrecht,(k-te Eonderstrohe. Unierbaltung-abend. � Borden: Jugendheim kostar.ienallee Hl. Vortrag:„vab'te und Sesinnung.' Befetent College Lamm.— Tempclhof: Jugendheim dir Schule S-rmania. strahe 4-». Eingang Doetzitraße. Bunter Aden».— Eh-rlotteub»»,: Jugendheim B-stnenftt. 4.»urzreserate.— Der Iugtndbegiri«ordwest spieä auf de» Svortplah Bremer Strahe. . 343* 45. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 22. LuK 4923 le»0ung«» fSr diele Rudrit find rlio SS«. Lilld-ustrab- Z. ariemachrichienA�jfürGroß-Berlin Net» c» da» Bezirisletreiarta» Z. Hol. i Sttf. recht«, ja richte». Voranzeige. Mittwoch, den 1. August. 19% Uhr, findet im Hum- ldthaiu eine Massenkundgebung gegen den Krieg tt.— Ansprachen halten Reichstags- und Landtags- gcordnete. Massengefang des Arbeiter-Tänger-BundeS. tfmarsch der Arbeiterjugend und Arbeitersportler. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich »sen Abend für die Beteiligung freizuhalten. Der Bezirksvorstand. * Streit Friedrich»ha>>». Achtung. Abteilungslriter und Bezirlsfllhrorl Die sz., 34., 3ö. und 37. Abt. werden gebeten, bis ,uv> Sonnabend, 28. Juli. die Teilnehmerzahl beim Senossen Be», Eohlerstr. 1, einzureichen. 1. Er- wachsen-, 2. Kind.r von 6—14 Iahren, 3. Rinder unter« Jahre. Nach dem 28. Juli werden keine Anmeldungen mehr augcnonunen. weil nach �ditser WWWWWWWHWWDWWWWM�W Dampier ttcciä0 ÄnISlln�"Heutr, Sonntag, Krei»�-o«merseft in der Berliner«ndl. '««i, Lichtenberg. Mittwoch, 26. Juli, IS Uhr,«reisv-rftand-fidnng bei »Albrecht, Boxhagener Straße. Erscheinen aller Adtrilungsoertrrtrr bringend «rforderlich. heule. Sonnlag. den 22. Zvli: Abt. Di« Eintrittskarten zum Sommerlcst der 1«. Abt., da« heut« w d«r Löwen-Brauerei stattfindet, müssen sofort abgerrchnet werden. . Abt. Karten zur Dampferfahrt am 3. August nach Wolterstork find bei der Genossin Schllnseldt. Dunkerftr. 7», bis zum 25. Juli zu haben. Erwachsene 1,30 SR.,«nter 50 Bf. Morgen. Montag, den 23. Zuli: „ 15., 1«.«bt. 20 Uhr treffen sich alle Dezirkssilhrer bei Leuschner. Acker. praß- 110, zu einer wichtigen Befprechung. � �„ . Abt. 20 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Burg. Brenzlauer Allee IS». .Abt. Lichterfelb«. Di« Frauen und Kinder beteiligen fich am Ausslng«um Bahnhaus 4. Kaffeekochen im Wolde. Abfahrt 14,8 Uhr Lichterfelde-West. 4 . Abt. Sonntag. ZS. IuN, findet unser Eommersest im Moabit« Haus statt. Reichhaltige» ProgramMi SC. Atempo, SA.,., SC. ding. Frei- Turnerschafl Sroß-Berlin, Gemischter Chor Norden, Tambour- korp» usw. Kasfeekochen.»inderbelustigungen, Ti«port, Brillantseuerwerk u. a. Ueberrafchungen. Abmarsch>4 Uhr von Anttoerpener Straße, an der Seeftraße. Gäste u>ib„Porwärts".L°s-r sind herzlich willkommen. Eintritt 30 Pf. Ab 1» Uhr im großen Saal Da«» i � � Abt. Achtung, WohIfahrtÄominiu'ionsvorst-her! Mittwoch. 26. Juli, M Uhr, bei Kromr'""' und Senoi Müllen erscheinen. wohnenden Borsteher einzuladen......,.».. .«tt. Uns« Familienausflug mit Tan, und«nderbeliistigungen findet Sonntag. 6. August, statt snach Blankenfelde). Alle» Näher« wird noch mitgetent. Arauenveranslaltungev: . Krei, LJ_ ZU haben. Preis der Karten fiir Erwachsene ILO M., Kinder jO Pf. Um zahlreich« Beteiligung wird gebiteil. Die Abrechnung ttr«arte» muß späieidin- bi« zum 23. Juli erfolgt sein.._.. . Kreis W lmcr.dorf. Am Wiltwoch, 25. IuN, hnbet-ine g-nl-insame N>hrt zum Besuch d«..»inderrepublik Berlin. Biandonburg' statt Abfahrt Stet. tiner Hauptbohiih-f, Bahnsteig C, früh 714 Uhr. Fahrpreis«. Kfasst bis >?ber«u>a!de 1,60 M. Nur dieser Iug hat Anschluß an den Omnibus in Ederswolde bis Schüpfurth, sonst 114 Stund« zu Fuß.?Ue Genossinnen. auch anderer Kreis«, werden aufgefordert, ssch hieran Mit Gästen zu tt. teiliaen. Essen ist m!t,ubringen. Getränke, kalter Tee od« Milch, und zu haben. Dreffpunkt früh 7 Uhr am Bahnsteig C Stettin« Hauplbahnhof. — Die Dampferfahrkarten Ar den 3. August ssnb spätestens Montag, R. Juli, bei der Kreisleiterln abzurechnen. «reis Tempclhof, M-rie»d-rf, Marienfelde, Lichtenrade. Donnerstag. 26. Juli, Ausflug na» Tegel. Tr-ffpunkt lO'.i Uhr Eiibst-tl-n der Linie 26 in Tegel, Gäste willkommen._____,„_ , Kreis Lichtenberg. Donnerstäg, 2«. Infi, B-sschttgung des«olksvarke» Biesdors. Tr-ffpunkt Bahnhos Biesdorf IVA Uhr.«"lchNeßend gemüt. liches Belfaimnenfein im Lolai Echillerfäle, KSnigftr. 120. Um recht zahl- reiche Betetligung wird gebeten. Gäste find ebenfalls herzlich, willkommen. — Karten zur Dampf«fohrt am 3. August ssnd imigehend tti d« Genossin Scheibenhub«, Neue Bahnhofstt. 1,»u bestellen,,,., . Abt. Uin zahlreiche Beteiligung an der Groß-Berlin« Dampferfahrt am 3. August wird gebeten. Karten sind noch bei d« Abteilungsleiteri» zu hoben. Erwachsene ILO M,, Kinder 60 Pf. M erhältlich. Erwachsene 1,30 M., Kinder 50 Pf.>> «tt. Für bi- Dampferfahrt am 3. August find bei der Genossin Frähbrott, Simplonstr. 36. Karten zu haben. Erwachsene ILO M., Kinder 60 Pf. 38. Abt. Dienstag, 24. IuN. in der„Waldfchänke, Sodowa, Kaffa». den. Trefivunft Matti- Ecke«oppenstraße. Nachzügler treffen stch in der„Taldschiinke". Gäste find herzlich willkommen.—»arten für die kochen. Trefipunkt Ind«..Waldlästinke'.—-----------------„ ,Y Dampferfahrt am 3, August find nur noch in gering« Anzahl vorrätig. , Abt. Unser Kaffeekochen fallt in diesem Monat aus. Dafitr beteiligen fich die Genossinnen am Kaffeekochen der Konsumgenossenschaft am Dienstag, 24. Juli, bei Bieler,„Altes Slerhäuschen", Treptow._„„ Abt. Die Geiiossinnen beteiligen ssch am Dienstag, 24. Juli, am Kaffee» lochen bei Bieter(„Altes Sierhäuschen"). Treffpunk, daselbst. Auch find noch Karten für die Dampferfahrt am 3. August tti der Genossin Simon, Sorauer Stt. 18. zu habe».....,«... Abt. Stegllh. Montag. 2». August. Ausfiug nach Kehlendoef-West. Kaff». kochen im Walde bei Bude 4. Treffpiinkt 14 Uhr Wannfeebahnhof Steglitz. Nachzllgler fahren bi» Iehlendor'.West. Dann noch 16 Minuten Fußweg. Juli. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. W Abt. Marienborf. Die Keuossiniien treffen fich am Montag, ,514—1614 Uhr. an der Ecke Chaussee, und Prußstraße zum zwanglmen Ausflug zur Genossin Paasch, Siedlung„Daheim", an der Rennbahn. Nachzügler ebenda. Kaffeekochen»f«.— Donnerstag, 26. Juli, gemein- famer 7luoflug nach Tegel. Die Genofiinnen werden gebeten, fich recht zahlreich mit ihren Kindern ZU beteiligen. Alle» Nähere nur» Partei» »achrichten 13. Kreis Frauenveranstaltungen.— Billetts zur Dampferfahrt am 3. Aiigust find noch zu haben bei d« Genossin Nother, Strelitzftr. 18. . Abt. Reukelln. Mittwoch, 26. Juli, Ausflug nach Schmetterlingshorst bei Grünau. Treffpunkt 71h Uhr Bahnhof Hermannstraße. Badezeug bitte mitbringen.,., . Abt. Treptow. Sonnabend. 2«. Juli, ab 15 Uhr, Kaffeekochen bei Bieler, „Altes Eierhäuschen". Treptow. Anschlleßenb gemütliches Beisammensein. Alle Genossinnen und deren Famillen sind hierzu schon heute eingeladen. . Abt. Srnnan. Unser Kaffeekochen findet am Montag, 23. Juli, statt. Treffpunkt 14 Uhr. Iägerhans", Bahnhof. Ecke Friedrichstraß«. Alle Ge- iwssinnen find herzlich eingeladen. >VocdevproAramm des Berliner Rundfunks. Sonnta«, 22. Juli: 6-30: Frfihkonzcrt. 9: Morgenfeier. II.3B: Unterbaltungsinnsik. 14: Fuplr*- hcinzclrnanns QroBstadtinäfthen. 15.30: Für den Landwirt 17: Unterhaltnngs- ransik*. 19: Die Olympischen Spiele. 19�0: Austausch literarischer Stoffe und Formen der Weltliteratur. 20; QroBstadtiucend aufs Land. 30.30: Oarten- koozert 22.30: Tanzmusik- Montag, 23. Juli: 6: Gymnastik. 16: Familie und Hanshalt als Träger der Wirtschaft. 16.30; Technische Wochenplauderci. 17: Lieder. 17.30: Teemnaik. 19: Der Arbeitstag des Studenten. 19.30: Föhrerpcrsönlichkcitc® der deutschen Bühne. 20: Geistliche Abeodrousik. 21: Szenen aus„Wallenstein" von Schiller. Dienstag, 24. Juli: 6: Gymnastik- 12.30; Die Viertelstunde ftr den Landwirt. 14; 300-Jahr. Feier der Abwehr Wallenstcins(Ucbertragung Stralsund). 16: Deutsche Volkskunst. 16.30: Stunde mit Büchern. 17: Schnurriges and Knurriges. 17.30: Unterhaltungsmusik. 19: Reisestunde: Die fröhliche Pfalz. 19.30: Wesen und Geschichte der Arbeiter-Internationale. 19.55; Haftpflichtversicherung. 20.30: Bunter Abend. Mittwoch, 25. Juli: i: Qymnastfk. 16: D«s OroSsttätkiDd. 16.30: De» Irrcinnt fJ: Klnder- «tnnde. 17„10; Unterhaltungsmosik. 18.65: Die: FOrdemc der berafstätigen Juzend durch die ge VC rkseiiaft liehe Organisatioo. 14.26: Die Ergebnisse der Londoner Internationsien Konferenz für Krebsforschung. 20: Die Internatioaale der Wissenschaft. 20.30; Ferienfahrten durch die Mark. 21.30; Viktor Aubnrtln. 22.20: Nachtmusiic. Zum.fiusiigeK Wochenend«"' liefe Ludwig Manfred Sommet wieder seine Runxendorfer Typen auftnarschieren. Die Neinen, Harmlos witzigen Szenen, in denen Lommel ein ganzes Personenverzeichnis verkörpert, zeigen charakteristisches, amüsantes Kleinstadtmilieu. Lominels Virtuosität, Sprachnuancen zu geben, scheint unerschöpflich. Immer wieder schiebt stch eine neu« Gestalt in das Hörbild, die stets sogleich durch StimmenNang und Sprech- weise so deutlich umrissen wird, dafe sie sich klar von den übrigen unterscheidet.— Ministerialrat Dr. Kurt Richter gab..Reise- b i ld« r aus Amerika' mit dem Untertitel„Gesunde Seele in gesundem Leib'. Er bot«inen Ueberblick über die Gesundheiispsleg« in den Vereinigten Staaten, in denen vorbildlich« systematische Pro- paganda zur Gesunderhaltung des Körpers betrieben wird. Um- gehung der Prohibition ist schwierig und kostspielig. Nur sehr Wohlhabende wissen sich die verbotenen Getränke zu beschaffen. Die werktätige Bevölkerung hat gelernt, anderen Getränken, vor ollem Milch und Fruchtsästen, Geschmack abzugewinnen. Man bekommt sie an allen Orten wohlfeil und In guter Qualität und konsumiert sie reichlich. Der ooUswirtschaftliche Nutzen dieser Alkoholabstinenz zeigt sich deullich in einer Hebung de« Lebensnioeaus der arbeitenden Massen.— Helmut Jaro I a r e tz k i gedachte in einem warmherzigen Dortrag des verstorbenen grohen Malers Lovis Corinth, dessen 70. Geburtstag auf den 81. Juli fällt.' Tes. Donnerstag, 26. Juli: 6: Gymnastik- 12.30: Die Viertelstunde für den Landvirl. 16: Die diso herigen Entdeckungsfahrten nach dem Nord» and Südpol. 16.30: Pompelanische Wandinschriften. 17; Konzert. 19: Espjrantovortrag. 19.30: Was kostet die Kraft? 20: Der russische Film. 20.30: SommerUchkeHen ans Sadisen und Umgebung. 21: Volkslied« verschiedener Nationen. 21.30; UnterhattangsJ musik. 22.30; Tanzmnsik. Freitag, 27. Juli: 6: Gymnastik. 16: Ernstes und Heiteres ans dem Eeben berühmter Mnsiker. 16.30: Gemflseernte and Ueberwintenmg. 17: Uettrlragnng Knrmnsik Heringsdorf. 19: Dentscbland«nd Abessinien. 19.30: Die Niederlausltz. 20: Rechtsfragen des Tages. 20.30: Orcbestcrkonzert. Sonnabend, 28. Juli: 6; Gymnastik. 16.30: Schachstande, 17: Humoristische Sportplandereicn, 17-30: Unterhaitongsmasik. 18.43: Der Dichter and die Alpen. 19.18: Der Fürsorgcdienst im Krankenhans. 19.45; Rund um die Welt m Berlin. 26.36z „Der Jongienr", Berliner Posse von Emil Pohl. 22.30: Tanzmnsfk. Königswusterhausen. Sonntag. 22. Juli: Ah 6.30: Uebertrarmg ans Berti., tt; Pnkttache Winke für Liebhaber- photographen. Ab 15.30; Uebertragnng a« Berlin. 18.30: Deutscher Dichter-: sommer. 19: Ernst Moritz Arndt. Ab 20: Uebertragnng ans Berlin. Montag, 23. Juli: 16: Englisch fknItarkandNch-INer arische Stunde). 16.30: Funktechnische Fragen. 17: Uebertragnng aus Berlin. 18: Arnold Ulitz. 18.30: Verkehr and Ange. 18,58: Die Bedentang von Handelsverträgen für die deutsche Forstend Holzwirtschaft. 19.20: Was geht In der Seele meines Autos vor? Ab 20: Uebertragung ans Berlin. Dienstag. 24. Juli; 16: Wie ich zn meiner l.gemlMhne kam. I6L0: Die Stadt als Kunstwerk- 17t Uebertragnng ans Leipzig. 18: Bfihnenknnst im Wandel der Zeiten. 18.30: Seereisen. 18.55: Der deutsche Bnchhandcl. 20: Ucbertragung aus Hamburg. Ab 22: Ucbertragung ans Berlin. Mittwoch, 25. Juli: 16: Nene Wege im Unterricht der Qrnndklasc. 16.30: Mit dam Faltboot im unbekannten Dalmaticrj. 17: Uebertragnng ans Hamburg. 18: Die Deutsche Bank. 18.30: Seereisen. 18 55: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. 19.20: Georg Frnndsberg znm 400iShrigen Todestage. Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 26. Juli: 16: Erziehungsberatnng. 16.30: Willy Schlüter, der Schöpfer des dcuN sehen Tatdenkens. 17: Ucbertragung aus Berlin. 18: Weltpolitische Stund», 18.30; Sinclair Lewis. 18.56: Maschinenbetrieb in der Getreideernte. 19.20: Der reisende Kaufmann. 20; Die politische Aufteilung der Welt. 20.30: Zcit- iragan der Oper. 21: Das Sinnesleben der Bienen. Anschl.: Uebertragung ans Berlin. Freitag, 27. Juli: 16; Der Beruf des Schuhmachers. 16.30; Eindrücke aus Sfidstawien. 17: Uebertragnng ans Leipzig. 18; Die Ergebnisse der Blutgrnppcnforschung n> ihrem Wert oder Unwert fBr die Rechtsprechung. ISLj; Aussterbende RaubJ wHdarten. 18.66: Technischer Lehrgang für Facharb ter and Werkmeister, 19,20: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. Ab 20.30: Uebertragung au Berlin. Sonnabend, 28. JuD: 16; Ans detn Zentralinstitnt für Erziehung und Unterricht 16,30: Wöhr nwtgsselbsthllfe der Beamten. 17: Uebertragung aus Hamhjirg. IS: Das kulturelle Problem der Arbeitszeit 18J0: Zwischen Kanada und Punaroa. 18-55: Das komische Element in der Klaviermusik- 19-20: Goethe und das geltgenösslsrtje Kunstschaffen. Ab 20.30:, Ucbortraguag an« Berlin. Reuthen, Seiet Hermann zahlreiche Beteiligung ttl. Abt.»obnsttrf. Montag, 23. IuN. Ausfing w Thiel. Treffpunkt 13HL Uhr Bahnhof Grünau. wlrb aettten. Gäste willkommen. 121. Abt Karlshorst. Alle Genossinnen w«ttn gebrten, fich recht Mhlreich an ttm Ausfiug nach dem Biesdors« Volkspark am Donnerstag. 28. IuN, zu beteiligen. Nähere» stehe Mitteilung unter Frauenveranitalwngrn 17. Kreis Lichtenberg.— Karten für die Dampferfahrt am it. August nach :utn nach Genossin. Woftersdorfer Schleus« find lpdtcstens bis»um 25.. Juli von her Genossin »nimmfchmiht, Karlshorst, Kransestr. 26, bei Frau Pielenz, abzuholen. 122. Abt. Bleeborf. Donnerstag, 26. Juli, gemeinsames Kaffeekochen mit Bt» fichtlgung lies Bolksporks Biesdorf. Treffpunkt 14y( Uhr Bahnhof Bles» borf. Anschließend gemütliches Beisammensein. Näheres stehe Notiz tts 17. Kreises unter Frauenveranstaltungen. »tt. 124. Mahlsborf-Süb. Mittwoch, 25. IuN. Ausfiug der Schmöckwitz. Treffpunkt Wt Uhr Haltestelle Winkl erfiraße. nen find bazn eingeladen. Gäste willkommen. Jungsoziallstische Vereinigung: Gruppe Bilwersttrf. Morgen, Montag, treffen wir UN» 1» llbr am Unterzrundbabnhos Fehrbelliner Platz.— Gruppe WelßeRse«: Montag. IS Uhr, Besprechung der Dorttnunb-Fahrer. 20 Uhr Bortrog bes Genossen Lepfnsky: „Ist der Sozialismus Wellanschanung?" Arbeilvgemelnschafl der Kinder freunde: 82.»tt. Steglitz. Dle Spiele müssen wilhrrnb d« Ferien ausfallen. Tempelhof. Wir ttteiligen uns heutr, Sonntag, am Eommerfest her Part«. Treffpunkt 16 Uhr im Birkenwälbchen. Sozialistische Arbeiierjugend Swß-Serlin. Genossinnen nn» Genssse», bi« anschließend an den Dortmund« Iugenhtag eine rierzehntägig« Wanderung durch den Schwarzwalb machen wollen, melden ssch im �Sekretariat ob« bei der Genossin Maria Junker, Wannsee, Chaussee- �"�efuchstag der Arttiterjngend I« sseltlag« b« Kinderfreund« am Uebersee. heule. Sonnlag. den 22. Juli: Aalkplatz N: Fahrt Bernau— Bogensee. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Gesund. brunnrn.— Neniol» III: Treffpunkt zur Badefahrt 6 tu Uhr Bahnhof Hermann» straße.— Tempelhof und Marienttrs: Morgens Baden im See- und Liritbab Sllbendi'.—. �...—.-» »ru, Humannplatz: ffah Allee.— Köpenick, « Biertel: Fahrt nach Sebbiner ......WWW 6 Uhr Bahnhof Prenzlauer. See. Treffp.mft 6 llhr Schlessich« Bahnhof._ «erttttzirk Mitte- Treffpunkt um 0 Uhr am Alerander.Funkhaus zur B«. fichfigung ttr Ausstellung„Dje Ernährung" am Kaiferdamm. Morgen. Montag, den 23. Juli: Werbe bezirk Mitte: Borständekonferenz um 20 Uhr im Heim Landsttrg« Straße 50. Sehr wichtige Tagesordnung. Daher Erscheinen Pfiicht. Neukölln VI: Funktlonärfitzung. Treffpunkt ISVii Uhr Sonnenallee Eck- Ledigenheim Schönstedistt. 1.„Was sehen wir in Eanttonstraße.„Meine Agitation auf dem Lande." ... Litauer Str. 18.„Erziehung-ausgab-u der SAI*— Stralau« Viertel:„Gemelnschaftskuntt." Wepneiimey cler Lev/ei-k�ckoNen t* 5. 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Zrirdrichshain: Ifl'A Uhr Kameratschaft Warschau Versammlung bei Paul Schendtke, Simon-Dach-Etr. 14. Lichtenberg: 20 Uhr Sportplatz Ire i brich?» felde Sitzung im Vereinsheim. Ergänzungswahl zum Vorstand.-- Kreuz barg: Zug 1: Frankfurt-Fahrer wollen sich bis spätestens Mo, d. 28, bei Kamerad Seehak melden.— Köpenick: Di, i>. 24, 20 Uhr.(brstndungsversammlung des Iungbanncrs im Restaurant Fiebach, Mllggelheimer Str. 2. ___________ ist.— St-öd. 1. Nur den in den Dienst de» Memelgebiet» beurlaub . 8.«MMgokosten.— 3.14. Ei« können sich dageae» nur»eh: Ihr» Recht» beeinträchtigt werden.— 8. 9t. L Rein. 8 Iii(nicht 1 t, wozu noch der tbemeindezuschlag zur Grundvermögensstruer tritt(t1 zerrt der Friedensmiete). 3. Der Hauswirt kann Klage erheben. il. 1. Ja. 8. Die Verjährungsfrist beträgt 4 Jahr«. westerberlchl der bffenMche» Wetterdienststelle Berlin»» (Nachdr. derb.). Wechselnd wolkig, zeitweise heiter. Temperaturen wenig höher, keine oder mtr unwesentliche Niederschläge, mätzige Winde i westlicher Richtung.— ZÜr ventschland: Nur strichweise w Norddentschli leichte Schauer, im Sstden und Südwesten vielsach heiter. Temperatl Verhältnisse wenig geändert. In die Ferien— mit Eleetrola! Zum Reisegepäck gehört auch ein»E trola"-Koff-r:nstiument. dessen Anschaffung durch das.EIectrola".Rat»nsns jedermann möglich ist. Die Electrola-Gesellschost m.b.H., Berlin 88 8, Li ziger Str. 23, SB 15, Kurfürstendamm 35, führt das ideale.Eleetrola-Kol enstrumentc jederzeit ohne Kaufverpilichwng vor. Zur Ausstellung».Die Ernährung"' m. 1,— pro Stück in sämtlichen Gewertfchaftsbureaus und im gigarrengefch von Paul Horsch, Engelufer 24/25(Dewerkschastshaus) zu haben. (pflege UkVasdtv. , ä_•/ i«-..-r, griff neuzdl-lichzr Wäschepflzge- J Wasch mit NM AMttM-MM MOB EL'— Der Vorstand veranstaltet im Monat August für die im Maschinenbau für das graphische Gewerbe beschäftigten Verbands Mitglieder einen Kursus in unserer Wirtschaftsschule in Dürrenberg. Kollegen, welche beabsichtigen, an diesem Kursus teilzunehmen. müssen ihre selbstgeschriebenen Bewerbungen bis spätestens Mittwoch. den 25. Juli, bei der Ortsverwaltung einreichen. Aus der Bewerbung muß hervorgehen: Die bisherige Mitgliedschastsdauer im DMV., Tätigkeit im Verbände und in der Arbeiterbewegung, gegenwärtige Funktion im DMV. oder als Betriebsrat usw., ob verheiratet, Alter des Bewerbers. ob und inwieweit bisher an Kursen teilgenommen und sonstige zweikdienliche Angaben. Die Bewerber müssen geistig regsam und aufnahmefähig sein und sollten in der Regel das 45. Lebensjahr nicht überschritten haben. Weitere Informationen können mündlich im Zimmer 4 des Verbandshauses eingeholt werden. Achtung! Mkglleiler Achtung! Am Sonnfag. dem 29. Juli, In der Seit von 8 Uhr vorm. bis 2 Uhr nachm. findet die Wahl der Abgeordneten für den Sewerkfchaftskongrctz in Hamburg statt Autzer in den bereits veröffentlichten Wahllokalen wird die Wahl noch in folgenden Lokalen vorgenommen: Buchholz bei Rossack, Hauptstr.71, vermra bei Modisch, Kaiserstr. 79. äl! Btanöje der Mler. Mlerlunen. Zsollerer mi» Wiemlnnev. Dienstag, 24. ZnlI. abends 7»Hr. bei v ä h i in g, Srnnnenfkeabc 79 w Versammlung-»E aller in den Elektromotoren- Reparaturwerkstätten beschäfttglen Wickler. Siektromonteure. Dreher, Schlosser und sonstigen Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: Die Lohn- und Ardeitsoerhällnisse in den Befrieden. NtiffinseH. 25. ZnN. abends,»hr im Cotal nan w o 1 1 f ch I ä g e r MOalberfffc. 21 Branchen verf ammlung der Drahlarbeiler Gross-Berllns Tagesordnung: 1. Bericht von den Lohnverhandlungelt. 2. Disfufston. Wiedereröffnung der Kulinrabteilung am 8. August 1928. Spielplan unserer Nnthsrabfeiinng. 2,»sgnst: 3« 1. flnffnrabfeiii Zn der Woche oom ö. bis 12. I. Der Heilige Berg. 2. Die Berliner Hochbahn. 3 Humoreske. der Woche vom 13. bis 19.«ngust: Bis ins dritte und vierte Glied sSexual-Filw) 2. Maichinenfabrik«ugsdnrg- Rürn- derg. Hersteller Fritz Knefels Fimmerstr.>3. Z. Humoreske. der Woche vom 20. bis 2«. August 1. Die Wunder des Amazonenstroms. 2. Der neueste Fordfilm. 3 Humoreske. Zn der Woche oom 27. August bis 2.8eptbr.: 1. Der Mann im Feuer. 2. Serfiellung von Starkstromkabeln. 3. Humoreske. Dazu für jede Borstellung die neueste Wochenschau mit einer Einlage. Anfragen wegen Uederlassung und Besuch der Abteilung sind telephonisch oder schrifi- lich an das Bureau lKulturabteilung) tu richten. 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September 1928 wird Steile einer politischen Sekretär! neu besetzt Bewerbungen müssen bis z I. August 1928 an die Adre Bezirksrerhand Berlin der S Berlin SW 68, Llndenstr. 3, z. de, Voni'zcnden Franz Kflr.s eingereicht werden. Nur politisch geschul e und der Organisation erfah ere nossinnen wollen sich bewert Oer Bczirksworsu •ä. Unterhaltung unö �Vilsen Das probt Wir entnehmen diesen Aufsatz mit Genehmigung der Dilchergilde Gutenbcrg, Kerlin, dem Wert- von K. Travcn:»Land de» F r ii h I e n»»". ei»« Reise in Mllitm Ein van» eigenartige» Rciseduch mit l<0 Originaiaufnahmen de» Bcrfasser», da» letzt in- tolze de» meiikanischen Attentats erhishte Beachtung verdient. Das japanisch« Volk genießt als tägliches Brot mi-schließlich Reis. Reis wird als Nahrung dort und in«inigen andern asiatischen Ländern viel mehr konsumiert als in Europa die Kartossel, der Weizen und der Roggen. Einige Millionen Kleinlandwirte in Japan finden ihren Lebensunterhalt im Reisbau. Jedermann weiß, wie billig der japanische, der chinefische oder der koreanische Kuli arbeitet. Infolge dieser billigen Arbeitskräfte ist der Reis sehr billig. Und ganz plötzlich wurde der Reis in Japan noch bedeutend billiger und wurde so billig, daß die japanischen Reisbauern ihren Reis nicht oer- kaufen konnten, oder sie inuhten init ihren Preisen so weit herunter- gehen, daß die Kulis beinahe umsonst zu arbeiten hatten, weil der Lohn nicht hereinkam. Was war der Grund? U. S. hatte begonnen, Reis zu bauen, und U. L. war imstande, den Reis so billig z» produzieren, daß trotz der Schiffsfrachten der amerikanische Reis in Japan billiger verkauft werden konnte als der In Japan gebaute Reis. Hinz» kam, daß der amerikanische Reis viel besser war als der japanische. Dieser Vorgang führte zu einer Art Panik unter den japanischen Reisbauern, die sich um den Lohn ihrer Arbeit gebracht sahen, und die japanisch« Regie» rnng begann, den Fall zu studieren. Zuerst glaubte man, daß ein finanzielles Manöver einiger amerikanischer Großkapitalistcn vor- läge, um ein Reismonopol zu schaffen.?lber die nach U. S. gesandte japanische Unlersiichuiigskommission fand schnell heraus, daß kein Finanzmanöver vorlag, sondern daß alles mit ganz ilatürlichcn Dingen zuging. Und zu ihrem allergrößten Erstmrnen fand sie, daß die amerikanischen Zlrbcitcr in den amerikanischen Reissarmen Kall- forniens, je nach der Tätigkeit, die sie ausübten, und je nach ihren Leisiiingen für den Tag drei bis zehn Dollar verdienten, während ein japanischer Kuli für den Tag nur etwa fünfundzwanzig bis dreißig Cent erhält. Wie war das möglich? Die amerikanischen Reisfarmer hatten etwa hunderttausend Hektar Land unter Retskultur. Das Land war wüstes Land gewesen. das siir nichts zu gebrauchen war, und das die Farmer für ein Ei und einen Apfel gekauft hatten. Dos Land wurde künstlich bewäsiert nach ganz neuen Systemen— denn Reis brauövt sehr viel Wasser—, und dann wxrde es mit gewaltigen Traktoren bearbeitet. Die ganz« Idee war niiftt dein Hirn eines Geldmannes entsprungen, was, nebenbei beinerki, ja auch sehr verwunderlich wäre, weil man bei dem richtigen Geldmanne selten viel Hirn vorfindet, sondern die Idee war sorgfältig ausgearbeitet worden von dem Prosesiör Mackic von der simdwirtschastliche!' Versuchsstation in Kalifornien. Daß der Professor, wie die Mehrzahl der Hirnarbeiter, van dem Milllnnen- segen nicht viel abbekam, sondern sich mit dem Ruhm sättigen mühte, braucht ja wohl kaum besonders betont zu«erden. Ein« Arbeit, dt« von tausend japanischen Kuli» getan werden muß, wird hier von den gigantischen Traktoren in einem Tage oer- richtet, und viel besser, als es der yeschilkteste und tlejhigste Kuli kann. Geenitet und gadrafchen wird wieder wit gewaltigen Maschmea. Gewaltig« Maschinen reinigen den geerntetcn Rei» in einer rasen den Geschwindigkeit. Ander« Maschinen füllen den R«is aus«in Viertel Kilogramm genaue» Gewicht in Säcke. Ein gewaltiger Traktor zieht einen langen Zug Lastwagen, vollgefüllt mit dem Gut, in Autogeschwindigkeit zur Küste, und ohne daß eine menschliche 5zand einen Sack auch nur anrührt, wird in wenigen Stunden ein Schiff oollgelabrn. Das alle» sah die japanische Regierungskom- missian, und sie lernte auch noch erfahren, daß it. S. heut« bereits zweihundert Milllonen Kilogramm Reis produziert, her nicht nur billiger, sondern infolge gutgewählter Saat auch viel besser ist als der japanische Reis. Die Konunisston kehrt« zurück nach Japan und berichtete genau, was sie gesehen hatte. Aber das System laßt sich Veilage des Vorwärts nn Mexiko. in Japan nicht einführen, weil es auch hier vom Individualizmu» widerstritten wird.. Aber man darf noch eine andere Lehre aus diesem Vorgänge ziehen. Wenn ein paar unternehmungslustige Kapitalisten einen solchen Plan durchführen, dann werden sie als tüchtige Männer gepriesen, ans die das ganze Volk stolz sein dürfe und stolz fem niiissc. Wenn aber Arbeiter einen fotchen Plan im Jnterefse der Gesamtheit empfehlen, m» der Geiamthcit billiges Brot bei weniger Mühe zu verschaffen, dann werden sie nicht gepriesen, sondern als Stoatsumflürzler, als Revolutionäre, als Bolschewisten, als Anarchisten und ich weiß nicht was sonst noch alles verdammt, und es gibt sogar Leute, die sich Arbeiterführer nennen lassen, und die behaupten, Privateigentum an Dinge», die von der Menschheit be- nötigt werden, um existenzfähig zu bleiben, sei heilig und dürfe nicht angetastet werden. Was aus einem so fruchtbaren Lande, wie es Mexiko ist, gemacht werden kann, wenn der eigennützige Jndividualisimis von einem wahren Gesellschaftsstnn verdrängt wird, brauche ich wohl denen, die von der Notwendigkeit gemeiniamen Zusammenwirkens der Mensch» Ifeit überzeugt sind, nicht klarzumachen. Denn all« die natürlichen Vorzüge, die Kalisornien Hot. die Hut Mexiko hundertfach günstiger. Unter dem heute waltenden individnalistisch-anarchischen Wirtschasts- system Ist der unbeschreibliche Reichtum Mexiko» ein Unsegen siir da» Land und für das Volk. Die Weltprodukte, um die in diesem Jahr- hundert der Kamps geht, sind Gold, Erdöl und Kautschut. In der Prodilktio» an Erdöl steht Mexiko an zweiter Stelle, und es kann und wird bald an erster Stelle stehen. An Gold produzierie es im letzten Jahr?M00 Kilogramm. Kaffee lieferte es dreißig Millionen Kilo- gramm. Und Kautschuk tan» es erzeugen, wo immer jemand sich die Mühe»mchl, einen Gummibaum zu pflanzen, oder wo man sich damit beschöstigl, andere existierend« knutschukerzeiigende Pflanzen z» kulii- vieren. Aus diesen Gründen sollte sich niemand in Europa wundern, lvenn Mexiko immer ni«hr und mehr in den Zentralpunkt der Welt- geschchnissc rückt. Man muß sich mir hüten, sich von Worten den Kopf v« hämmern z,- losten. Gesagt wird„Bedrohung der religiösen Gewistenesreilteii", gesagt«iro„Konfiskation des Privateigentum» der Fremden", gesogt wird„bolschewistische Tendenzen der Regie- rung", gesagt wird„Annerionsabstchten der Mexikaner in Zentral- amerika". Aber gemeint ist in allen Fällen, ohne eine einzig« Aus» nähme, das Erdöl, das Gold, das Silber Mexikos. Mexiko braucht heute wer einen unbedeutenden politischen oder dlplomatisch'n Fehler zu begehen, und die ganz-' Welt wsxd dumm geschlagen werden mit dem Geschrcl: das ehrenhafte und edle rn-chika» nifche Volk muß von der Tyrannei einer brutalen winzigen kölsche» wistischen Minderheit von politischen Hochstaplern beiieit werden. Die ganze Welt wird auf diesen'Schwindel hereinfallen, wie sie 19H in Europa simd ISt? in II,£.) auf einen ähnlichen Schwindel hereingelallen ist. Aber ich hoffe doch, daß einige Menschen da sein wecken, die den Kops klar behalten und die begreifen worden, daß die Männer, die in U. S., in England und In einigen anderen«uro» paischen Länder» Politik mackjen, sich nicht einen Dreck um die„G*- willenssreiheit de» edlen mexikanischen Volkes" oder sonst irzevdwe um dos Wohlergehen der Mexikaner kümmern. Es ist nur das Erdöl. und«» sind nur die Gold- und Silberminen, um die es geht. Die pegcnwäriige mexikanische Regierung wird nur darum in der ganzen Welt gehaßi, weil sie die erste Regierung ist, die den Mexikaner auf die gleich? Stufe mit dem ausländischen Kapitalisten erhebt, und weil sie jetzt damit begonnen hat, die Besitztitel der ausländischen Kapita» listen aus inexikanischcn Bode» und auf mexikanische Naturreichtiimer eimual genau aus ihre rechtliche Herkunft nachz-iprüsen.. So wird haute der ckdtürliche Reichtum eines Laude-, der zum Segen seiner Bewohner werden sollte, zum Fluch de» Landes und zum Verderben feiner Söhn«. Die Affäre Vachura. Don Laroslav.Haschek. Der Mogistraispraklikant Bachura war ein junger unerfahrener Mensch, der nicht wußte, daß auf dem Magistrat für Menschen seines Schlages tausenderlei Gefahren lauern und daß es eines festen Charakters bedarf, wenn sich ein Praktikant nicht in irgendeine Komiptionsassäre mit seinen Vorgesetzten oder ohne sie ver- wickeln soll. Der Magistratspraktikant Bachura wußte nicht, daß auch die Hydra Mammon lauert, um die zarten Seelen der Magistratsbeamten zu verschlingen, wie sie bereits die grauen Haare vieler Stadtverord- rieten verschlungen hatte. Keine von den großen Korruptionsassören aus dem Rathaus, die di« össentliche Meinung ist Aufruhr versetzt haben, läßt sich auch nur im entfernteste» mit der Affäre d?s Praktikanten Bachura vergleichen. Der heute korrumpierte Bachura treibt sich als Judas irgendwo in der Welt herum, denn er hat die rein« Fahne des Rathauses ober- mals in Sumpf und Schmutz gezerrt, ja sogar— befleckt. Um also in diese ganze Geschichte einzudringen, müssen wir in dieser abscheulichen Afsäre mit der Kleinseite beginnen. Zlus der Kleinseite, in dem Wirrsal altertümlicher Gößchen, be- fiydet sich dos Gasthaus des Herrn Schediwi. Herr Schediwi war einer von den alten gutwütigen Menschen, die der Gesundheitsvorschristen des Magistrats nicht achteten und vielleicht ganze Jahrzehnte lang die Ventilationsröhren im Pissoir münden ließ. Die Gäste befchuierte» sich niemals, denn das Bier war gut, und im Pissoir war es ununterbrochen finster. Dieses in der Korruptionsasfärc des Praktikanten Bachura ein« Roll« spielende Pissoir hotte kein Fenster, das in den Lichthof ge- führt hätte, hatte keine Oeffnung, die wenigstens ein wenig vom Lichte Gottes in da. Innere des traurigen, feuchten Raumes einge. lassen hätte, um de» dunklen Ort tichrer und heiterer zu machen. Diesenigen. aber, die herkamen, um Bier zu trinken, waren ganz zufrieden. Die konservative Kleinseit« in ihrer steinernen Erstarrt- h«it protestiert« nicht dagegen. Aber«s kam ein« Zeit, in der das Tempo des modernen Lebens schließlich auch das Pissoir des Herrn Schediwi ergriff. Eine Vaukommission stellte zwei fürchterliche Dinge fest. Die in das Pissoir mündenden Ventilationsröhren— was sofort der Ge- sundheitskmnwission übergeben wurde— und dos unbeleuchtet« Pissoir, ohn« eine an die Luft führende Oeffnung. Und so geschah«». daß der Magistratspraktikont Bachura als Schriftführer der Baukammission in« Bekanntschaft Herrn Schediwis e-wchte. Mit einem vernichtenden Blick verfolgt« er all« Bewegung«» d«» Gastwirts, der kampflustig und fest behauptet«, daß die ganz, glor- reich« Kommission noch nicht auf der Welt gewesen sei, als man hier bReits feine Notdurft verrichtete und daß es auch gegang«« sei. Dazu brauche man nicht sehen, wenn mir«in« Abflußrinne vorhanden fei, das genüge vollkommen. Eine Tür« fei da. und da« s«i doch eine genügend große Oeffnung, um die Lust herein zu lassen. „Mäßigen Sie sich," sagte man ihm,„damit Sie sich nicht auch noch ciye Beleidigung«in«? Amtsperson xnsthnfben kviniwm lassen. Glauben Sie denn, daß«»«in Honiglecken ist, von einem Pissoir zum anderen zu gehen?" Dann wurde ihm angeordnet, daß er die Mauer durchbrechen und im Pissoir«in Fenster machen müsse, zumal es sich ober um eine Veränderung eine» dem Gastgewerbe angehörenden Raumes handle, müsse er Pläne und ein Gesuch«inreichen, um die Aenderung vornehmen zu dürfen. Da, geschah am Vormittag, am Nachmittag kam die Gemudheiis- kommisston. Die ordnet« an. die Röhren durch die veftnung, die gemacht werde» sollte, in den Lickkhos zu führen. Er war davon bald verrückt. Die Mauer muh durchbrochen werden, das hatte man ihm angeordnet. Und den Plan muß er vorlegen und um Bewilligung einreiehen, damit er die Mauer durchbrechen und di« Bentilatjons- röhren aus Gesundheitsrücksichten in den Lichthaf führen darf, wohin die Fenster samtticher Klosett« im«Hause münden. Er schlief die ganze Nacht nicht und ging früh zu einem Maurer- meister, tmt sich von ihm«inen Plgn für da« Fenster entwerten und durch Vermittlung eine« Derussschreiber» von Gesuchen ein Ge- such überreichen zu lasten, auf Grund dessen die da» Pissoir be- treffenden Plön« in kürzester Frist vom hohen Magistrat genehmigt und di« Durchbrechung der Mauer zwecks Anbringung eines Fenster« gestattet werde, wofür er sich durch sittliches Betragen im Alter erkenntlich zeigen«olle. Es verflossen drei Wochen, und die Erledigung de« Gefucheo kam nicht. Gastwirt Schediwi begab sich also zum Magistrat, um die An- gel«genhoit zu urgieren. Im Baureserat traf er nur Praktikant Bachura an, denn die anderen befanden sich bereit, seit neun Uhr im gegenüberliegenden Wiriohou» beim Frühstück. Jetzt war«s gerode zwölf Uhr. „Was wünschen Sie?" fragte Praktikant Bachura würdevoll. „Ich komm« wegen meine» Pissoirs, junger Herr, Schediwi« Pissoir auf der Kleinseite, Sie erinnern sich doch." „Ja, ich erinnere mich," sagte Bachura feierlich,„ich denke, ich erinnere mich, und was wollen Sie eigentlich?" „Wissen Sie, es dauert schon drei Wochen, und es wurde nicht schaden, die Sache zu beschleunigen. Mein« Gäste freuen sich jetzt schon wie die kleinen Kinder auf das Fenster, bei uns geschieht näm- Lch nie etwas, und das ist»in Ereignis." Bachura entsann sich, daß das Gesuch bereits längst erledigt sei und in der Schublade liege. E» mußte nur noch abgeschickt werden. Aber der Ehes hatte ihm gesagt:„Schicken Si««s noch nicht ob. soll so«in Gastwirt warten, ja, der Magistrat muh dics« Leute fest am Zügel halten." Er schwieg«in« Zeittang, und dann sagte«r ernft:„Nun, wir werden sehen, was sich machen läßt." Etwa eine Woche nach diesem Besuch ging Bachura über den Franzensquat. Er hatte dort nämlich Rendezvous mit einem Fräulein, da» sehr froh war,«inen Herrn vom Magistrat zu kennen. E» war ein schöner Nachmittag, warm und heiter. Bachura bleib bei dem Sodawasserkiost stehen, ließ sich«in Glas Himbeer- nnd ein Dlae Zitronenlimonad« einschenken und schritt, seines Mäd- chens. dem er bald begegnen mußte, sehnsüchtig gedenkend, wieder weiter. Der Hradschin am Horizont, der Laurenziberg in Grün gehüllt, blühende Kastanien aus der Schützeninsel. Aber mitten in oll der Schönheit befielen ihn Bauchschmerzen. Bachura.hatte, bevor«r von zu Haus«{ortgegangen war. ein Glas Illyurt. die Nammaljxetje der Bulgaren, getrunken, die HImbeer- und Zitronenlimonade vollendeten d«n unerbittlichen Prozeß im Labyrinth der Därme de, Magistrot»- Praktikanten. Gegenüber dem Hrnhschin aus dem Quai befindet sich im Park ein kleine, Häuschen. Aom Quai aus kann man die Aufschrift„Für Herren", vom Kinderspielplatz in dem Park au» diskreter„Für Domen" lesen. Wi« ein Löwe, wie«in durstiger Traber in der Oase zu einem Quell, wi« di« Assentieruugskommission auf die Retruten, stürzte Bachura noch innen. „Erste oder zweit«?"—„Zweite," sagte Bachura bescheiden. aber schnell. Die Alte schaute ihn an und sagt«:„Ich kenn' Sie von irgendwo, junger Herr," und riß einen Zettel vom Block, Bachura griff in« Portemonnaie und schrie entsetzt:„Das ist nicht möglich. Ich dacht«, daß ich noch einen Sechser habe." Die Alt« schaute ihn noch einmal an und sagte dann langsam, di« entsetzliche Situation Bachura? auf di« Spitze treibend:„Wissen Ste, woher lch SI« kenne? Bon m«inem Bruder Sibediwi, Gastwirt auf der Kleinsetie. Ich war damals zu Hause, wie Hi« mit der Kommission wogen de» Pissoir» bei ups waren. Nehmen Sie sich nur eine Kart«, wir werden keinen Schaden an Ihnen haben." Bachura sprang in das kleine Separü. und al» er sich glücklich und fröhlich entfernte, rief die Alte ihm nach:„Und vergessen Si, nicht, junger Herr, meinem Bruder schon die Erledigung wegen des Aborts zu schicken." Bachura schickt« gleich am folgenden Tag. ohne den Chef erst zu fragen, da« erledigt« Gesuch und die dazu gehörenden Pläne, die bereits feit fünf Wochen genehmigt waren, an Herrn Schediwi und atmet« erleichtert auf. Jeden Morgen vor neun Uhr hielt sich Magistralsrat Stanek in jenem kleinen Häuschen aus dem Franzensquai auf. wo Magistrats- Praktikant Bachura da» fürchterliche Delikt verübt hatte. Der Herr Rat plaudert« mit der Alten, um sich zu informieren, was die Oeffent» lichkeit von der Stadtverwaltung denke, deim die Alt« au« dem öffentlichen Klosett war für ihn die Stimm« de» Bolkes. Das war nun mal sein Steckenpferd. „Ja. Euer Gnaden, die Korruption erfaßt auch schon die Kleinsten," erzählte di« Alte,„ja, dies« Herren vom Rathau» w«nn man ihnen erlaubt, daß sie umsonst auszu.... g«h«n sie der Partei gleich an die Hand, so wie meinem Bruder.,." Und si« erzählt« dem Herrn Rat di« ganz« abscheuliche Kox. rupttoniasfär« de, Moyistrat»praktikant«n Bachura mit allen Einzel- .........,............„'_ Heute sitzt aus Bachura» Platz bereits ein anderer Praktikant, Bachura wurde noch Beendigung der Disziplinanintersiichung, mährend welcher ihm in der Angelegenheit des Gastwirls Schediwi Bestechlichkeit nachgewiesen wurde, entlassen. Er treibt sich heule wie Judo» in Europa herum, und zuletzt hat man ihn in Hamburg verdächtig in das schwarze Wasser des Kanals blicken gejchen. Jemand hat eines seiner Selbstgespräche belauscht:„Wenn ich lveiiigstens ein Abonnement für'dos ganze Jahr bekommen hätte... Ja. ja! Klein« Diebe hängt man..." Oer Sieg über die Seekrankheit. Die Seekrankheit ist von jeher ein Schreckgespenst der Reisenden gewesen. Tritt sie doch nicht nur aus Schisjeu auf, sondern es gibt soaor auch Leute, die im Eisenbohmvagen„seekrank" werden. Iii erster Linie freilich ist sie eine„Schissskrankhcit", wie sie schon d-e alten Ariechen nannten. So uralt dieses Leide» ist, so hat man zu seiner Bekämpfung doch bis vor kurzem wenig getan, wohl hauptsächlich deshalb, weil sie nie als lebensgefährlich galt und man sie einfach nermeiden konnte, in dem man zu Hause blieb. Eine eingewurzelte Anschauung behauptete auch, daft man durch Willen und Energie ' die Seekrankheit von sich sernhalteu könne. Dies ist aber keineswegs der Fall. Einen Sieg über die Seekrankheit konnte mon erst erringen, nachdem man ihr Wesen erkannt hatte, und das ist in letzter Zeit geschehen, wie Prof. E.©tarkenftein in einem Aussatz der„Um- schau" ausführt. Die vcekrankhei! wird durch Gleichgewichtsstorun- gen Hervorgenifen, die ihre Entstehung hauptsächlich dem Stampfen, d. h. dem Schwanken in der Querachse, und der„Dünung", den Schwantungen durch aus- und niedergehende See, verdanken.'Auf Grund zahlreicher versuche ist festgestellt, daß starke Reizungen unseres Gleichgewichtsorgans, das in dem Labyrinth des Ohres liegt, zu sehr heftigen Gleiehgewichtsstörungen führen können. Vom Labyrinth ausgehend wird dann der Vagusnerv und ein anderer, nicht unbeträchtlicher Teil des Großhirns in Erregung versetzt. Voin Lagusnerv gehen vorwiegend die Störungen im Magen und Darm und auch dos Erbrechen aus, während die heftigen Unlustgefühle durch die Reize der Großhirnrinde bedingt sind. Als man diese Zu- sammenhänge erkannt halt«, v»ar es auch möglich, ihrer Entstehung vorzubeugen. Man mußt« ein Mittel finden, dos nicht nur den Bagusnerv beruhigt, sondern auch das Zentralneroensystem Ix- fänftigt. Dieser Stoff ist im S k o p o l a m i n gefunden, einem Alkalaid, da» vorwiegend in der sagenumwobenen Mandragorawurzel enthalten ist. Durch zwei Tabletten dieses Präparats gelingt es. auch bei stürmischer See und bei Personen, die für das Leiden außer- ordentlich empfindlich sind, das Auftreten der Krankheit zu verhindern. '.....» Ende des Girls. Revolution des Frauenideals im Film. Während man in Europa in allen Modekreisen noch eisrig hin und her überlegt, ob nun endlich die schlanke Linie der vollschlanken Figur weitxm soll, ist man in Hollywood bereits darüber zu einer Entscheidung gekommen. Das Girl hat ausgespielt. Di« über- schlanke Gestalt, möglichst moch mit langweiligen, blondgefärbten Haaren, ist außer Mode gekommen. Das ist ja auch nicht zu ver- wundern, denn es gibt eigentlich nichts Langweiligeres und Naturwidrigeres, als die Schönheitsnorm, die in den letzten Jahren Film, Bühne und Kunst beherrschte. Zudem war die Sache ja für die nieisten Frauen sehr unpraktisch, da es nur wenig« gab, die dem letzten Schönheitsideal von Natur aus einigermaßen entsprachen. So mußten alle möglichen Mittel herhalten, um die von Natur aus ganz anders gestaltete weibliche Figur aus die neue Linie umzu- gestalten. Milchwochen und Obstkuren, Kalorienessen und Kosme- tit, Sport und Gymnastik sollten nachHelsen, wo die Voraussetzungen für die Modeforderungen nicht von vornherein vorhanden waren. Doch mußte man erkennen, daß mit all diesen Mitteln nichts End- gültiges zu erreichen war. Zwar war die Lebensweise, die mehr «ui Vermeidung überflüssiger Nahrungszufuhr verzichtete, sicher eine fruchtbare Neuerung und wird auch so leicht nicht wieder verschwin- den. Alle gewaltsamen Abmazerungsmittcl haben aber höchstens die Nervosität unserer Zeit noch um einige Grade vermehrt. Den entscheidenden Anstoß zur Ausgab« der bisher so sehr über- schätzten schlanken Linie gab aber die Einsicht, daß gerade Sport, Tanz und Gymnastik niemals dazu führen, daß der weiblich« Körper zu der geforderten schlanken Linie kommt. Bekannt ist ja die Tat- fache, daß Tänzerinnen niemals die von drr Mode gesorderten Streichholzbeine haben können. Die heutige Zeit ist aber eher im- stände, auf ihr bisheriges Schönheitsideal zu verzichten, als auf Sport, Tanz und Gymnastik, die gerade in den letzten Jahren als unbedingt lebensnotwendig für den Menschen der Neuzeit erkannt wurden. So kommt es, daß zuerst in Amerika die neu« Frauen- mod« sich durchsetzt, in dem Lande, wo ja der Sport für beide Ge- schlechter im gleichen Maße schon geradezu eine Religion geworden ist. Und wiederum mußte der Film hier den ersten Schritt tun, da er der sichtbarste Ausdruck des Volksgeschmacks ist. So Hot alfo die Herrschast des Girls im Film ein Ende gefunden. Nicht mehr die klapprig dürre Gestalt mit dem ausdruckslosen Gesicht wird gesucht und hoch bezahlt, sondern die Frau, die durch die voll- schlanke Linie mehr die richtige Weiblichkeit zum Ausdnick bringt. Die Ueberschätzung der Dllrrschlankheit war ja ein Zeichen des über- triebenen Kampfes der Geschlechter. Nach dem Kriege hatte die Frau fast in allen Staaten und Ländern die politische Gleichberechtigung errungen, und sie meinte nun, es in allem dem Manne gleichtun zu müssen. Es ist nur zu verständlich, daß eine Klasse von Menschen, d,e eben aus der Emanzipation kommt, zunächst die früheren Be- Herrscher in allem nachäfft. Heute aber, wo das Selbstbewußtsein her Frauen stets zunimmt, besinnt sich dos weibliche Geschlecht daraus, daß auch in der Gleichberechtigung der Geschlechter niemals eines der beiden seine von der Natur gegebene Rolle aufgeben darf, ja, daß die Frau nur dann wirklich zu Achtung und Geltung kommen kann, wenn sie die Höchstleistungen vollbringt, zu denen sie gerade ihre Fraulichkeit bestimmt. Das sind also die Hintergründe, aus denen heraus sich dos neue Fraubnideal entwickelt. Bezeichnend für die ganze Umstellung ist eine Verpflichtung einer Dollschlanken, die bisher in Hollywood lange Zeit keine An- stellung finden konnte. Es handelt sich um Molly O'Day, die gerade auf allerhand Wegen sich bemühte, sich der spindeldürren Gestalt nach Möglichkeit anzunähern, als sie von Raimond Griffith in ditsen Tagen unter der Bedingung für einen Film verpflichtet wurde, daß sie ihre Figur beibehält.' Griffith, einer der bedeutendsten ameri- konischen Regisseure, braucht also Vollschlanke, vertritt daher die Meinung, daß sich Amerika und die ganze Weit an der alten Figur sattgesehen haben. So ist es auch nicht verwunderlich, daß zu gleicher Zeit Sir Alfred Butt, einer der größten englischen Theater- Unternehmer, für eine Operettenausführung im kommenden Herbst sein Ballett aus Damen zusammenstellt, die mittelgroß sein und dabei mindestens 130 Pfund.wiegen sollen. Das bedeutet aber immerhin schon ein« ganz nette„Rundlichkeit". Noch eines dürft« mitgewirkt haben zur Veränderung des modernen Frauenschönheitsideals. Zu der. Klapperdürrheit gehört das wasserstoffgefärbte Haar, das das interessanteste Gesicht ausdruckslos machen muß. Da man aber zurückkehrt zur Natürlichkeit, so zieht man heute schon wieder die Brünette vor. Zu diesem Typus aber paßt nur eine gewisse Weib. lichkeit aller Formen, nie die bisher so sehr überschätzte schlanke Linie. Die Frage des Bubikopfes ist wohl in Hollywood wie in London dahin entschiede» worden, daß er noch unbedingt seine Herrschaft behält. CharlesB-Miller. Die höchste Eishöhle der Erde. Eine Entdeckung von außerordentlicher wissenschafllicher Bedeutung ist dem französischen Höhlenforscher Norbert Easteret in den Pyrenäen bei dem kleinen Gebirgsdorf Gavarnie hart an der fron- zösisch-spanischen Grenze gelungen. Echte Eisgrotten, die als unter- irdifche Felsenhöhlen Gletscher in sich bergen, sind fetten: zu ihnen gehört die„Eisriesenwelt" in den Salzburger Alpen, mit ihrer Aus- dehnung von 27 Kilometern zugleich die größte Höhl« Europas. Umso überraschender ist es, daß gerade im heißen Spanien der höchstgelcgene unterirdische Gletscher der Erde entdeckt wurde. Ein ausführlicher Bericht über diese wagehalsige Entdeckungssahrt wird von Easteret in der.Umschau' oeröffentticht. Bon Gavarnie aus unternahm der Forscher mit mehreren Familienmitgliedern sein« Entdeckungsfahrten, die meist noch dem Massiv des Moni Pe-chu(3353 Meter) auf der spanischen Seit« führten. Sie suchter, das Felsplateau nach Grotten ab die sich in das Innere des Gebirges als Höhlen fortsetzen konnten. Da ge- wahrten sie über einem steilen Firnseld ein großes Felsentor, und dieses führte zu der schönsten und merkwürdigsten unter den neunzig Höhlen, die Easteret untersucht hat. Als sie einen großen Hausen von Felsblöcken und Geröll, der das Inner« barg, erklommen hatten, lag vor ihren Augen ein unterirdischer Eissee, und auf der anderen Seite kam ein Gletscher aus dem Innern des Gebirges her- aus. Die weite Galerie mit See und Gletscher schimmerte in einem fremdartigen bläulichen Licht. Die neuentdeckt« Eiszrotte lag in einer Höhe von 2700 Metern, also 300 Meter höher als die„Riesen- «iswelt* in der Dachsteingruppe. Nur mit einer einzigen großen Kerze ausgerüstet, begannen die Forscher eine Voruntersuchung. Beim Ueberschreiten des Eises zeigt« sich, daß der See von 700 Quadratmeter Fläche zwar von Grund aus gefroren war, daß aber Wasier darüber hinlief, das sie bis an die Knie zum anderen Ufer durchwaten muhten. Das Grundeis schmilzt wohl nie, wird aber tagsüber vom Schmelzwasser des Gletschers Überflossen. Der Boden der hohen weißen Höhle jenseits des Eissees war von einer durch» sichtigen Eisschicht bedeckt und von der Decke hingen Eisstalaktiten herunter, während sich Eisstalagmiten vom Boden erhoben und Eis auch die Marmorwände der Höhle überzog. Ein niederer. 50 Meter breiter Bogen führt« von dort in einen Eissaal, dessen Ende sich im Dunkel verlor. Als sie auf dem unterirdischen Gletscher weiter vor-- drangen, schlug ihnen ein kaller Luftzug ins Gesicht und sie standen vor einer wunderbaren Eissäule, die die Höhle von der Decke bis zum Boden durchzog und trotz ihrer Dicke von mehreren Metern den Lichtschein der Kerze durchfallen ließ. Jetzt verengte sich die Höhle plötzlich, und es kam ein Gewirr von vereiste-, Felsblöcken, durch das man zu emer steil absallenden Eiswand gelangte. Mit vieler Mühe gelang es, das Hindernis zu umgehen, und man stieß auf einen Eisstrom, der aus 8 bis 10 Meter Höhe unter einem Winkel von 60 Grad entgegenkam. Wie ein« Robb« auf dem Bauche kriechend, sorgfältig im Dunkeln jeden Griff vorher abtastend, ge- langte Easteret durch einen niederen engen Gang zu«iner nicht sehr brctten, ober ziemlich hohen Spalt« und traf hier auf«inen zweiten gefrorenen Wasserfall, der fast senkrecht wie«in Vorhang herabhing und ohne Hilfe nicht zu überwinden war. Die Rückkehr vollzog sich ohne Zwischenfall. Bei einer zweiten Expeditton wurde die groß« Eishall« genauer untersucht, in der sich über einer Fläche von.2800 Quadratmeter«in« einzige ungeheuer hohe Kuppel wölbt. Aus allerlei Spalten fließt dem unterirdischen Gletscher ständig Wasser zu. so daß dieser fort- gesetzt wächst. Dann macht« Easteret den Versuch, über den oberen Eissall, an dem er das erstemal zurückgekehrt war, weiter vorzu- dringen. Es gelang nach großen Schwierigkeiten, und durch eine enge Galerie, die steil aufwärts führte, kam der Forscher in einen runden Raum mit einer kreisförmigen Oeffnung in der Kuppel, durch die der blau« Himmel hereinlachte. Die ganze Decke der Grotte war wie ein Sieb von Oeffnungen durchbohrt, durch deren eine der For- scher wieder ins Freie gelangt«. Er war hier an der Ostseite des Berges, während er an der Nordfianke in das Inner« eingedrungen war. Eine Schnitt« Brot mit all ihren Blasen und Löchern gibt «ine schwache Vorstellung von der Zerrissenheit des Gesteins im Innern des Berges. Das unterirdische Schluchtengewirr, das glück- lich durchquert war, nahm einen Flächeninhalt von 40 Hektar ein. künstlicher Zucker. Den Genfer Gelehrten Pictet und Dr. Vogel ist es gelungen, Rohr- und Mbenzucker, in denen beiden der gleiche aus Kohlenstoff, Wasserstoff zusammengesetzte Körper vorliegt, synthetisch, also künstlich zu gewinnen und damit ein Problem zu lösen, das die Chemiker seit langem beschäftigt. Damit kann wiederum eines der wichtigsten Naturprodukte unter Ausschaltung der Pflanze auf künstlichem Wege hergestellt werden. Freilich kommt dieser neuen Entdeckung, wie Dr. Freitag in der Leipziger„Illustrierten Zeitung' hervorhebt, vorläufig nur rein theoretische Bedeutung zu. Es ist kaum zu hoffen, daß in absehbarer Zeit künstlicher Zucker an Stelle des aus der Pflanze gewonnenen in chemischen Fabriken hergestellt wird. Die Genfer Forscher stützten sich auf die Arbeiten des beut- schen Chemikers Emil Fischer, dem es im Jahre 1890 gelang, Traubenzucker künstlich aufzubauen, sowie auf die Arbeiten englischer und amerikanischer Forscher. Bei dem ziemlich komplizierten Weg ist die Essigsäure ein wichtiges Hilfsmittel für die Erzielung des Er- folges. Nach den gleichen Methoden ist auch die künstliche Herstellung des Malzzuckers, der beim Brauen und Brennen eine ausschlag- gebende Rolle spielt, sowie des Milchzuckers, eines wichtigen Milch- bcstandteils, gelungen und dadurch der Beweis erbracht, daß unsere vielfach auf theoretischen Vorstellungen fußenden Kenntnisse üb# den Aufbau wichtiger Naturstoffe richtig sind. Seide und SMenBeNMiMl L« r*" 4'° SSIDf fflr HsndUschen........... 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