BERLIN Montag, 23. Juli 1928 = Der Abend™ Erideint täglich außer Sonntags Bugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 130 in " 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Ein Bolf- ein Staat! Die große Anschlußfundgebung in Wien. Wien, 22. Juli. Bei dem Empfang im Rathaus sagte Bürgermeister Seit: Dieses Fest wird uns immer in Erinnerung bleiben als eine Rundgebung der Verbundenheit aller Deutschen. Dafür danke ich im Namen Wiens, der alten deutschen Stadt an der Donau. Grüßen Sie unsere Brüder im Reich und sagen Sie ihnen, daß hier ein Bolt lebt, das sich eins fühlt mit den deutschen Stammesbrübern. Wien wird deutsch bleiben und seine Sendung erfüllen.( Stürmischer Beifall.) Nach den Ausführungen des Präsidenten List, der für die Aufnahme in Wien dankte, sprach Reichstagspräsident 25 be, Borfikender des Oesterreichisch- deutschen Volksbundes, zuerst von dem ungeheuren Eindruck, den der Festzug auf ihn gemacht habe. Dieser Tag sei zur größten Anschlußkundgebung und Einheitskundgebung der Deutschen geworden, die die Welt je gesehen habe. Wir werden der ganzen Welt eine Runde mitbringen: Wir waren nicht in einem fremden Land, und wir famen nicht aus fremden Land. Weil wir ein Volk sind und eine Nation, wollen wir auch ein Staat sein. ( Stürmischer Beifall.) Kann man auf die Dauer einem Siebzig- Millionen- Volt verbieten, was jedem anderen Bolt erlaubt wird? Ebensowenig wie die italienische Einigung oder die Einigung der jugoslawischen Völker berhindert werden konnte, wird man verhindern können, daß das deutsche Volt sich das Selbstbestim. mungsrecht erringt. Herr Benesch und Herr Marin towitsch, wenn Sie dem deutschen Volke das Recht be streiten, dann sagen wir Ihnen: Sie vernichten damit die Magna Charta Ihrer eigenen nationalen Entstehung! ( Stürmischer Beifall.) Die Trauer um Südtirol. Wien, 22. Juli. Borbildlich war bie Organisation des Festzuges, bei der neben ben annähernd 200 000 Teilnehmern auch die Bewegung von etwa Eine seltsame Kindesentführung. einer Million Zuschauern zu berücksichtigen war. Der annähernd acht Stunden dauernde Feſtzug bot durch die Regierungsumbildung in Mexiko. ungeheure Masse der Teilnehmer und durch die Farbenpracht ein malerisch buntes und monumentales Bild. Tiefen Eindruck machte der Borbeimarsch einzelner Gruppen aus den bedrängten deutschen Gebieten, besonders aus dem Rheinland, der Rheinpfalz, aus dem Saarland. Die Saarländer trugen Tafeln: Das Saargebiet zurüd zum Vaterland! Tiefe Bewegung rief die Gruppe Südtirol hervor. Inmitten eines weiten Zwischenraumes fchriften drei ältere Männer in Bolfstracht, den Südtiroler Adler in ihrer Mitte stumm vorüber. Schweigend faßen die Zuschauer, bis das innige Mitgefühl sich in einem leidenschaftlichen Ausbruch von Heil. und Hochrufen für Südtirol Luft machte. In der Sängerhalle, wo an vierzigtausend Personen den Festzug erwarteten, nahmen auf dem Riesenpodium des ungeheuren Raumes über 35 000 Sänger Aufstellung und trugen nun unter Begleitung Don 400 Musikern Massenchöre vor. Pariser Hetzphantasien. Paris, 23. Juli( Eigenbericht). Das Wiener Sängerfest ruft in der Pariser Breffe immer schärfere Proteste hervor. Der Petit Parifien" spricht von einer förmlichen deutschen Invasion nach Wien, die einer Generalprobe zur endgültigen Annektion Desterreichs gleichtomme. Die ganze Anschlußbewegung, behauptet das Blatt weiter, sei eine fünstlich hochgezüchtete, pangermanistische Angelegenheit. Die Desterreicher hätten gestern bei dem tötlich langweiligen Demonstrationszug deutlich genug ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Anschlußbewegung gezeigt. Die österreichische Regierung habe sich vollkommen ferngehalten und die Wiener Bevölkerung habe ta um geflaggt. Was aber auch in der Pariser Presse stärkste Entrüstung hervorruft, ist die Tatsache, ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) ( Berichte auf der 2. Seite) Ueber die Zugbrücke ins Meer! Eisenbahnfatastrophe in Amerika. In der Nähe von New York hat sich im Strand. und Badeort Rod away ein eigenartiges, schweres Eisenbahnunglüd ereignet, bei dem 32 Personen verlegt worden sind. Der verunglückte Eisenbahnzug wurde elettrisch betrieben und bestand aus zehn Wagen. Der erste Wagen des Zuges, der von New York nach Rockaway unterwegs war und in dem sich 60 Personen befanden, stürzte di egeöffnete Zugbrücke in die Jamaikabucht hinunter. Der zweite Wagen blieb halb auf der Brücke in schwindelnder Höhe hängen. Der Passagiere bemäch tigte sich eine furchtbare Panit. Die Reisenden in dem ab= gestürzten Bagen fämpften verzweifelt um ihr Leben. Es gelang ihnen schließlich, die Scheiben einzuschlagen und sich schwimmend zu retten. Den meisten Personen glückte es erst nach gewaltigen Anstrengungen, aus den Wagen herauszufommen, wobei viel durch die zerschlagenen Fensterscheiben schwer verlegt wurden. Lediglich dem Umstand, daß sich das Unglück zur Zeit der Ebbe ereignete, ist es zu verdanken, daß niemand ertrunten ist. Die Zugbrücke war furz vor der Ankunft des Vorortzuges auf gezogen worden, um einem Schleppdampfer die Durch fahrt zu ermöglichen. In diesem verhängnisvollen Augenblick brauste der elektrische Zug heran, der wahrscheinlich deshalb verunglückt ist, weil die Zugbrüde wochenlang fehlerhaft arbeitete. Ein Auto vom Flugzeug gerammt. Anläßlich eines englischen Fliegerrennens ereignete sich dieser Tage der eigenartige Unfall, den unser Bild zeigt: Ein Flugzeug rammte bei seiner Landung ein Automobil. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. 200 Menschen in Seenot. Rettungsmöglichkeiten sehr gering. Silfe Der englische Dampfer City of Yokohama" ist mitten im Indischen Ozean in Seen of geraten. Wie der„ Sunday Expreß" aus Colombo meldet, besteht wenig Aussicht, daß den 200 Paffagieren Hilfe gebracht werden kann. Zur Zeit befinden sich eine Dampfer in der Nähe der berni Der Nä Unfallstelle. Der heute in Colombo eintreffende Dampfer ,, Catuna" werde sofort zur Hilfeleistung entsandt werden, före aber die City of Yokohama" erst in etwa einer Woche erreichen. Eisenbahnunglück in Pommerellen. Ein Toter, elf Berletzte. Im nördlichen Teil von Pommerellen( polnischer Korridor) hat sich auf der Strede kantrichin- Karthaus zwischen den Stationen Garcz und Protau unweit der Danziger Grenze ein 3ugzufammenstoß ereignet, bei dem eine Person getötet, vier Personen schwer und sieben leicht verlegt wurden. Ein Güterzug, der in der Richtung Karthaus fuhr, fam bei der großen Steigung des Bahnförpers allmählich zum Stehen, und der Lokomotivführer entschloß sich, die Maschine abzukoppeln und eine zweite Maschine zu holen. Kaum war die Lokomotive einige hundert Meter davongefahren, als die Güterwagen sich in Bewegungsegten und den Berg hinunterfuhren. Der Bremser fonnte die Wagen nicht zum Stillstand bringen, und ein Perso. nenzug, der um diese Zeit fahrplanmäßig auf der eingleisigen Strecke nach Karthaus verkehrt, fuhr gegen die Güterwagen und schob sie ineinander. Der Tote ist der Bremser des Güterzuges. Anschsußkundgebung in Wien. (Fortsetzung von der 1. Seite.) daß im gestrigen Demonstrationszug ein« besondere Saargruppe. sowie die deutschen Vereine aus der Tschechoslowakei, aus Polen, aus Jugoslawien und aus Dänemark teilnahmen und daß die An- Wesenheit der Südtiroler Dereine durch ein« große Lücke im Zuge demonstriert wurde. Das„Oeuvre" bemerkt dazu, wenn die übrigen Völker den gleichen annektionistischen(!) Geist zeigen woll- ten wie Deutschland, dann würde die Welt notwendigerweise wieder zu dem alten Bündnissystem der Vorkriegszeit zurückkehren müssen. Besonders bedauerlich sei es aber, daß sich an derartigen imperia- listischen Kundgebungen auch die deutsche Sozialdemokratie osfiziell (völlig unwahr: Die Redaktion) beteilige. Der nationalistische„Ave nir" sordert angesichts der Totsach«, daß durch die Anschlußbewegung der europäische Frieden tSglichbedroht(l) würde, die Allierten und die Slein« Entente auf, offizielle Demarchen in Berlin zu unter» nehmen. Mit einem Umzug von 150 000 Sängern aus allen deutsch- sprechenden Ländern hat das Wiener Sängerbundesfest seinen Ab- schluß und dies« gewaltige Kundgebung für die cheimtehr Deutsch- österreichs ins Reich, ihren chöhepunkt erreicht. Nicht etwa nur die Gäste aus dem Reich demonstrierten dafür, sondern die Hundert- tausende Wener Zuschauer, die sich mit dem Menschenstrom aus der Ringstraße zu dem brausenden Chor„ijeim ins Reich" vereinigten. An sich ist das weder neu noch überraschend. Am 12. No» vember 1918 hat die Nationalversammlung einstimmig als ersten Artikel der Verfassung den Satz beschlossen: Deutschösterreich ist ein Glied der deutschen Republik. Und wenn auch„im Namen des Selbstbestimmungsrechts" der Staat gezwungen wurde, diesen ersten Verfassungssatz und das Wort „deutsch" aus seinem Namen zu streichen— das Volk und seine Vertretung haben nie den mindesten Zweifel daran aufkommen lassen, daß sie einmütig heim wollen in die deutsche Republik. Daran kann keine Verdächtigung, und keine Lügenhetze etwas ändern. Boncour für menschliche Einheit. Paris, 23. Juli.(Eigenbericht.) Auf einem Bankett der Sozialistischen Partei des Departements Tarn hielt Paul Boncour in Aldi eine Rede über die Rolle der Sozialistischen Partei in der Innen- und Außenpolitik. Paul Bon- cour trat wieder für die Teilnahme der Soziali st en an einer Linksregierung ein, denn nur so könnten die notwendigen sozialistischen Fortschritte verwirklicht werden. Außenpolitisch habe die Sozialistische Partei die Hauptaufgabe, den Frieden zu st ü tz e n. Angesichts der Tatsache, daß die Sozialisten nun in allen Ländern Europas zu den stärksten Parteien gehörten, könne man hoffen, daß die Menschheit sich endlich vom Kriege abwende und eine rein menschlich eingestellte Einhest aller Länder zustande bringen würde. Amnestierter Fememörder entsprungen. Bei der Lleberführung ins Gefängnis. fr ü sl r i n. ZZ. Zoll. Der im Landsberger Fememordprozeß zu acht Zahren Zuchthaus verurteilte Oberleutnant Raphael, der auf Grund des Amnestie- gesehes von der Strafanstalt Sonaenburg nach Tegel transportiert werden sollte, ist am Sonnabend vormittag aus dem houptbahnhos Süstrin seinem Transporteur entwichen. Trotz eifrigster Bemühungen der Küstriner Polizei ist es bis heute nicht gelungen. den Flüchtling wieder zu ergreifen. Regierungsumbildung in Mexiko. Die Arbeiterführer scheiden aus. Rlexiko-Eity, 23. Juli(Eigenbericht). Von dem Wunsche geleitet, die nationale und revolutionäre Ein- heit nicht zu gefährden und sich von den lautgewordenen Vorwürfen der intellektuellen Urheberschaft des Obregon-Mordes zu reinigen, reichten die Führer der Arbeiterbewegung dem Eallcs-Kabinett ihre Demission ein, namentlich Luis M o r o n e s, Wirtschafts-, Handels- und Arbeitsminister, General Gasca, Chef nationaler Waffen- fabriken und Moneda, Direktor der nationalen Druckereien. Initiative der Agrarpartei. ! Mexiko, 23. Juli. Der Führer der Agrarpartei, Soto, erklärte:„Die Log« ist so ernst wie zur Zeit der Ermordung Maderos. Wenn uns Gerechtig. keit verweigert wird, werden wir zu den Waffen greifen. Das einzige Mittel, den Ausbruch des Bürgerkrieges zu vermeiden, ist der Rück- tritt des Arbeitsministers und die Beseitigung der Arbeiterführer aus der Regierung." Ein aufgeklärier Raubüberfall. Drei junge Burschen als Täter verhastet. Wie wir mitteilten, wurde in der Nacht zum Sonnabend ein Polier H. aus der Frieden st raße überfallen und feiner Brieftasche und Uhr beraubt. H. war zunächst mit einem Arbeiter, der in seiner Kolonne rlt, zusammen ausgegangen, hatte sich dann ober von seinem Begleiter getrennt und allein noch ein Lokal in der Frankfurter Straße aufgesucht, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Hier fiel ihm auf, daß er von einigen jungen Burschen dauernd be- obachtet wurde. Als er den Heimweg antrat und aus dem Straus- berger Platz war, sprach der eine Bursche ihn an, versetzte ihm gleich darauf einen regelrechten Kinnhaken und kniete dem Gestürzten auf die Brust. Zwei andere, die hinzukommen, raubten dem Ueberwältigtcn die Brieftasche mit 200 M. und die Uhr. Dann liefen oll« drei davon. H., der sich zum Glück von dem Hieb bald erholte, eilte ihnen nach und sah noch, wie sie in dem Hause Weberstraße 7 verschwanden. Er erstattete j�fort Anzeige, und die Beamten des Raubdezernats konnten alle drei Burschen festnehmen. Zwei von ihnen sind der Kriminal- polizei nicht mehr unbekannt. Es sind ein 30 Jahre alter Fritz K o n i tz n i und ein gleichaltriger Emil Fahrenhol d. Der dritte, der den Boxhieb führt«, ist ein bisher noch unbestrafter junger Mann, der„B o x e r- E m i l" genannt wird. Er hat von dem Geld« nichts abbekommen. Bei den Festgenommenen wurde von dem Geld« nichts mehr gefunden, weder Geld noch Uhr. Ob sie das Geld schon durch- gebracht oder irgendwie versteckt haben, weiß man noch Eine seltsame Kindesentfiihrung. Eine unbekannte Frau verschwindet mit einem dreijährigen Kinde. Die Nachforschungen ergebnislos! Eine geheimnisvolle Sindesenlführung befchäsligt die Kriminalpolizei. Sei« Freitag voriger Woche ist der dreijährige Heinz Nicolai aus der G e n t e r Str. 28 verschwunden. Bisher fehlt jede Spur von dem vermißten Knaben. Der Vater des Kindes war früher Schupobeamter und betreibt jetzt an der Ecke Genter und Luxemburger Straße eine Schankwirtschaft. Am vergangenen Freitag stand Frau Nicolai gegen 7 Uhr abends vor der Tür, während der kleine Heinz aus der Straße spielte. Plötzlich trat eine jüngere Frau an Frau Nicolai heran, die schon öfter das Lokal aufgesucht hatte, knüpfte ein Gespräch über das Wetter an und erbot sich endlich, mit dem Kleinen ein wenig auf und ab zu gehen. Die Mutter, die in der Küche noch zu tun hatte, willigte gern ein, da sie die Frau ja dem Ansehen nach kannte und an nichts Böses dachte. Nach einer weile, als sie nach dem Kinde ausschaute, war es nirgends zu sehen, und die Fremde brachte es auch nicht wieder. Seitdem ist jede Spur von dem Kind verloren. Die Eltern er- statteten sofort Anzeige bei der Kriminalpolizei. Umfassende Nach- forschungxn ergaben, daß die E n t f ü h r e r i n seit etwa acht Wochen hier und da in der Gegend ausgetaucht war. Sie hatte als stiller ruhiger Gast in mehreren Lokalen oerkehrt, war aber über ihre eigenen Angelegenheiten schweigsam gewesen. Nur an einer Stelle hatte sie beiläufig erzählt, daß sie oerheiratet gewesen sei und ein Mädchen von 9 Iahren habe. Niemand jedoch kennt ihren Namen oder ihre Wohnung. Die fremde Frau ist etwa 2 9i Jahre alt, 1,60 Meter groß und schmächtig. Sie hat ein bräunliches Gesicht mit verlebten Zügen und sah ziemlich verwahrlost aus. Ihre Bekleidung bestand in einem modernen grauen Topfhut mit weißer Garnierung. einem rotbunt quergestreiften Pullover, einem blauen kurzen Falten- rock, schwarzen Seidenflorstrümpfen und schwarzen Schuhen. Bei sich hatte sie eine hellgelbe Handtasche mit braunen Streifen. Der entführte Heinz Nicolai ist 70 Zentimeter groß und mittel- kräftig, hat hellblondes Haar, das er in Ponnies trägt und ein rundes gebräuntes Gestchtchen mit dunklen Augen. Er trug einen grünen Strickanzug, eine graue Schürze mit weißen Streifen und roter Einfasiung, graue Wadenstrümpfe mit bunten Rändern und braune Sandalen. Obwohl natürlich nicht aus- geschlossen ist, daß die Frau das Kind zuunsauberenZwecken entführt hat. neigt die Kriminalzilizei doch mehr zu der Ansicht, daß sie es auf Bellelfahrlen mitnehmen und für ihr eigenes ausgeben wird. Wo die Frau mit dem Kinde angetroffen wird, sollte man sie unverzüglich der Polizei über- geben. Mitteilungen über ihr Auftauchen und besonders zur Fest- stellungen ihrer Personalien sind an das 44. Polizeirevier(Genter Str. 39, Anruf C. 6, Moabit 777) und die Vermihtenzentrale im Polizeipräsidium zu richten. Wie die weiteren Ermittlungen ergeben haben, ist die un- bekannte Frau Mitte voriger Woche schon einmal mit einem kleinen Mädchen in dem Lokal von Nicolai erschienen und er- zählte der Wirtin, ohne daß indessen das Kind es hörte, es sei ihr Töchterchen. Das kleine Mädchen konnte gestern er- m i t t e l t werden. Es ist das Kind eines Schankwirtes aus der Nachbarschaft. Hier ist die Fremde mit dem gleichen Schwindel erschienen. Sie hat sich erboten, das Mädchen spazieren zu führen, was ihr auch erlaubt wurde, wit dem Kinde bauchte sie einen nahegelegenen Rummelplatz, ließ das Mädchen schaukeln, beschenkte es mit Süßigkeiten und kaufte ihm in dem Lokal eine Aruchtlimonade. Die Kleine hat sie pünktlich bei den Eltern wieder abgeliefert. Kriminalbeamte suchten gestern den ganzen Tag die Umgebung der Eenter Straße und vcr- schiedene Rummelplätze ab, konnten aber bisher keine Spur der Frau und des verschwundene Kindes finden.« Das Heim der Eltern. Oben am Wedding, in einem Eckhaus, an das grünwogendes Laubengelände stößt, liegt das Restaurant„Zur Taubenbörse". von der die noch in ein dunkles Geheimnis gehüllte Anglegenhctt ihren Ausgang genommen hat. Am blinkenden Schanktisch des ge- räumigen Restaurants steht ein« junge, verhärmte Frau: die Mut- t e r. Neben ihr auf einem Tischchen spielt ein kleines dunkelblondes Mädchen: i h r e k l e i n e T o ch t e r. Mit leiser brüchiger Stimme, durch die das Aufschluchzen eines unsagbar gequälten Menschen zit- tert, erzählt die Mutter von dem Unglück. Ihr Mann, der auch in der vergangenen Nacht bis heute früh in jagender Angst nach seinem Sohn gesucht hat, schläft erschöpft im Nebenzimmer. Seit einigen Wochen sind sie erst in Berlin. Ihr Mann war Schupobeamtcr. Mit dem Geld der Abfindung, und einigem geliehenen dazu hat er das Restaurant gekaust. Fremd waren sie hier, gänzlich fremd. Und doch ging es gut— die Kunden waren nicht ausgeblieben— bis zu diesem schrecklichen Abend, als der kleine Heinz mit der fremden' Frau fortging und fortblieb. Am Freitag abend ist er noch gesehen worden: da saß er vor der geschlossenen Jalousie eines Woll- w a r e ng e s ch ä f t e s, das in der Näh« liegt.„Eine Lügnerin war es. der ich meiu vertrauen geschenkt habe." kommt es gramvoll von den Lippen der angsterfüllten Frau.„Gut gekleidet war die Fremde, rauchte und trank und schlief hier viel. Mein Mann konnte sie nicht leiden, ober ich..." Fassungslos sieht die gebrochene Frau ins Leere, durch die Scheiben des Restaurants die Straße ent- lang, als wenn von dort ihr lieber, fröhlicher Heinz kommen müßt«. Alles, alles, alles will ich ja geben,— wenn nur mein Zunge kommt." Die Verzweiflung, die dies Herz der Mutter peinigt, ist unendlich groß. Erschüttert reicht man ihr die Hand mit dem heißen Wunsch im Herzen, daß tausend Hände sich regen mögen zur Hilfe, bis den maßlos gequälten Eltern der Sohn wiedergegeben werden kann. nicht. Die Uhr haben sie wahrscheinlich ver tauft oder oersetzt. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung erbittet Kriminalkommissar Lissigkeit, Dienststelle.A.5 im Polizeipräsidium. Ein toller Banditenstreich. Nach einer Meldung aus Lyon trat im Postwagen eines Schnellzuges plötzlich ein maskierter junger Mann, der sich anscheinend vom Beginn der Reise an dort versteckt gehalten hatte, mit vorgehaltenem Revolver vor den P o st wo g e n s cha s f» ntt und forderte von ihm die Herausgabe von Wert- b riefen. Nach Entgegennahme dreier Poftfäcke zog er die Not- lein« und verschwand, als der Zug zum Stehen kam, im Dunkel der Nacht. Die sofort aufgenommene Berfolgung blieb ergebnistos. Am nächsten Tag fand ttian unter einer Rhone-Brückc die durchwühlten Postfäck«, aus denen die Wertbrief« fehlten. Geschlechistag derer von Kameke. „Seine Majestät erwartet von uns, daß wir allezeit für Majestät und sein Haus unerschrocken eintreten. Gut! Wir werden zu diesem Zwecke sogar nicht davor zurückschrecken, wie unser teurer Vetter Ministerialrat bei der Republik Dienste zu nehmen!" Holzstaubexploswn in einer pianofabrik. In den Kellerräumen der P i a n o f a b r i k von Wcrnike und Lruhn in der Hobrecht st raße 65 zu Neukölln ereignete sich am Sonntag vormittag eine schwere Holzstaubexplosion. Durch den starken Luftdruck wurden mehrere massive wände zum Einstürzen gebracht. Ein Schornsteinsegermeistcr, der im Augenblick der Explosion an einem Luftfchacht Reinigungsarbei- ten vornahm, wurde lebensgefährlich verletzt. Der Aer- unglückte wurde in das Urbantranken haus überführt. Mehrere hervorfchießende Stichflammen hatten«in Hol z- lager in Brand gesetzt, doch war die alarmierte Feuerwehr bald Herr der Situation._ Lleberfall auf einen Gastwirt. Nächtliche Schlägereien. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde das Ucbcr- fallkommando noch einem S ch a n k l o k a l in der Hermannftrasie gerufen, wo der Gastwirt von acht jungen Burschen über- fallen worden war. In der Notwehr gab der Angegriffene einen Schuß ab, durch den der L3jährige Arbeiter W. S ch i m a n s k i aus der Birtenstraße am Kopf verletzt wurde. Sch. wurde zur nächsten Rettungsstell und später in dos Urbantrankenhous gebracht. Die Schußverletzung ist nicht lebensgefährlich. In der Krummen Straße entstand«ine größere Schlägerei, in t/er die Polizei vermittelnd eingreifen wollte. Jetzt ließen die Streithähne von einander ab, und drangen mit Steinen bewaffnet auf die Beamten ein. Erst als polizeiliche Verstärkung eintraf, tonnten fünf der Rädelsführer überwältigt und festgenommen werden. Ein ungetreuer Rechtsanwalt. Köln, 22. Juli.(Eigenbericht.) Der Kölner Rechtsanwalt Josef S ch e e b e n ist am Samstag verhaftet worden, weil gegen ihn ein« Zlnzahi Anzeigen wegen Veruntreuungen in Konkurssachen schon seit längerer Zeit er- stattet worden sind. Er war bis vor kurzem Inhaber einer Treuhand- und Revifionsgefellschaft, in der hauptsächlich die Veruntreuungen begangen worden sind, lieber die Höhe der Vcruntrcaiungen steht noch nichts fest. Ein Sommerfest in Neukölln. In der Ki n d l- B ra u e r« i in Neukölln trafen sich am Sonn- tagnachmittag die Mitglieder der Neuköllner Parteiabtei- l u n g e n, um einige frohe Stunden zu verleben. Gin Blasorchester des Deutschen Musikerverbondes und der Neuköllner Sängerchor unterhielten die Gäste. Die trefflichen Darbietun- gen fanden reichen Beifall. Kinderbelustigungen sorgten für die Unterhaltung der Kleinen. In die lustigen Weisen der Kapelle wurden Darbietungen von Arbeiterartistcn eingestreur. Di« vier Shamrocks, dos Kempa-Trio, in der Arbeiterschaft wohl bekannt, zeigten ihr Können. Den Abschluß der Feierstunde� machte der Fackelzug der Kinder mit Stocklaternen. (Sin französischer Ozeanflug. Leutnant Paris fliegt die Etappe Brest— Azoren. � a r i s, 23. Zuli. Schiffxleulnant Paris ist am Sonnlag um 17.05 Uhr in Brest zu seinem Ozeans lug geslarlel. Um ll Uhr erhiell er vom Marineministerium die telegraphische Weisung, den Flug über den Atlantischen Ozean zu versuchen, wenn er die Wetter- beding» ngen für günstig erachte. Das Telegramm empfahl die gröhte Flugzeit sowohl aus dem hin- wie aus dem Rücksluge über Tleusundland. Vor dem Start erklärte Schiffsleutnant Paris, daß er nicht mehr als 16 Stunden für die 2l)8<) Kilometer betragende Entfernung Brest— Azoren zu benötigen gedenke. Auf den Azoren wird das Wasserflugzeug„F r e g a t e" von einem französischen Aviso mit neuem B r e n n st o f s versehen. Paris rechnet für die weiter« Flugstrecke von insgesamt 6766 Kilometer über die Bermudas-Inseln noch New Park mit einer durchschnitt- lichen Stundengeschwindigkeit von 146 Kilometer. Im Laufe der Nacht wurden zahlreiche Funksprüche der„Fregate* aufgefangen, wonach an Bord des Flugzeuges, das mit einer Geschwindigkeit von 176 bis 1S6 Stundenkilometern fliege, alles wohl fei. Um 1 Uhr früh gab das Flugzeug folgende Position an: 41 Grad nördlicher Breite, 22 Grad westlicher Länge. Danach befand sich das Flugzeug um diese Zeit etwa 6 66 Kilo- meter von den Azoren entfernt und müßte, falls unvorhergesehene Zwistbenfällc nicht eintreten, gegen Tagesanbruch in horta eintreffen. • Nach Blättermeldungen aus Chambery mußte ein deutsches Flugzeug der Linie Genf— Barcelona gestern abend bei hyenne in Savoyen ein« Notlandung vornehmen. Das Flug- zeug wurde dabei beschädigt. Die Fahrgäste sind unverletzt geblieben. kurz vor Redaktionsschluß wird gemeldet: Das Flugzeug „F r e g a t e" des Leutnants P a r is ist heute früh gegen'AS Uhr amerikanischer Zeit aus den Azoren eingetroffen. Nobiles Pläne. „Und was gedenken(Sie als nächfies zu iun, Herr General?" „Aach dem Beispiel des Herrn v. H ü n e s e l d werde ich ein T l> e a t e r st ü ck schreiben." „Bon Ihnen darf die Welt aber wohl eine Tragödie erwarten?" Oer Oornierwal„Lübeck". 325 Kilometer(Stundengeschwindigkeit. Hamburg. 23. Juli. Zum Bersuchsflug des Dor nierwales„Lübeck" wird berichtet: Der Flug stand unter Leitung des Direktors, Kapi- tänleutnants a. D. Schiller� von der Deutschen Lufthansa. Neben den neuesten Methoden der Luftnavigation sollten besonders die für diese Zwecke erforderlichen besonderen astronomischen Jnstru- mente erprobt werden. So wurden über Pisa praktische Funk- peilversuche für Ortsbestimmungszwecke gemacht. Auf dem Flug von Cadix nach Las Palmas hoben sich die angewandten Novigationsmethoden außerordentlich gut be- währt. Denn trotz schlechter Sicht landete die.Lübeck" auf die Minute genau entsprechend der sunkentelegraphischen Voranmeldung. Bei diesem Flug wurde mit der spanischen Luftverkehrsgesellschast I b e r i a, einer Gesellschaft, die nur deutsche Flugzeuge führt, in eng st er Gemeinschaft gearbeitet und ein spanischer Fliegeroffizier an Bord genommen. Bei dem Flug von Cortogena nach Cadix erreichte das Flugzeug die beachtliche Stundengeschwindigkeit von 32 5 Kilo- meiern, indem es die 76 Seemeilen lange Strecke Gibraltar— Cadix in 24 Minuten durchflog. In Lissabon wurden die Flieger herzlich empfangen. Dos portugiesische Morineministerium sowie dos Handels- und Verkehrsministerium interessierten sich sehr für den Flug. Noch den Ergebnissen dieses Fluges kann man feststellen, daß sich für die Zukunft des deutschen Transozcanflugoerkehrs sehr günstige Ausfichten eröffnen. Zu Lassalles Gedächtnis? Die Gedenktafel für Ferdinand Lassalle, deren Stiftung vom Berliner Mogistrot bereits im vergangenen Jahre beschlossen wurde, ist kürzlich am Hause Bellevuestraße 13 angebracht worden. Lassalle hatte hier während der Jahre lKS6 bis 1863 g c- wohnt. Die Gedenktafel, In Langsormot aus Bronre hergestellt, befindet sich in der Mitte über dem Eingang des Hauses und trägt die Inschrift:„hier wohnte von 185g bis 1863 Ferdinand Lassalle. Seinem Andenken die Stadt Berlin 1928." Vermännlichung der Frau? Widersprechende Ltrieile. Die veränderte Stellung der Frau im Leben, die sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat, mußte mit Notwendigkeit auch einen neuen Frauentyp hervorrufen. Inwiefern sich dieser auch in der Physiognomie, in der Aenderung der Gesichtszüge und der ganzen äußeren Erscheinung widerspiegelt, darüber äußern sich als die berufensten Beobachter eine Anzahl bekannter englischer Künstler auf eine Umfrage der„Daily News". Der englische Bildhauer A. Bertram Pegram glaubt, daß die größere Freiheit und Selbständigkeit der Frau von heute ihre Züge lebendiger und ausdrucksvoller gestaltet hat. Aber er betont auch die Schäden, die der Frauenschönheit aus der fortschreitenden Entwicklung des„Sportweibes" erwachsen:„Ih habe die Beobach- ttung gemacht, daß die Frauen einen allzu männlichen Gesichtstypus bekommen. Das ist um so mehr zu beklagen, da einer der hauptreize weiblicher Schönheit mit den weicheren Linien verschwindet. Die mehr viereckigen, männlicheren Gesichtszüge drücken mehr Charakter aus. aber sie sind viel weniger ausgesprochen weiblich. und ich bin durch die immer größere Angleichung des männlichen und weiblichen Schönheitsideals beunruhigt." Rein äußerlichen Umständen der„Aufmachung".irnd nicht der veränderten Lebens- einstcllung glaubt die Miniaturmalerin Lucy W. Macdonald die Erscheinung der Frau von heute zuschreiben zu müssen:„Das Gesicht der Frau Hot sich verändert, weil es mehr oder weniger „genormt" worden ist. Früher konnte man den Charakter einer Frau aus ihren Augen, ihrer Nase und ihrem Mund herauslesen. heute hat jede Frau einen bogenförmigen Mund, der mit Hilfe des Lippenstiftes hergestellt wird. Die Augenbrauen sind zurechtgezupft und halbbogenförmig, wie man sie auf alten Miniaturen aus der Zeit der Königin Elisabeth sieht. In Wahrheil hol sich nicht das Gesicht der Frau verändert. sondern nur seine Behandlung. Die Frau von heute kann ihrem Gesicht durch die Verwendung von Puder und Schminke jeden gewünschten Ausdruck verleihen. Im ganzen ist sie anziehender und verführerischer in ihrer Erscheinung geworden als sie es jemals war." s Eine Rückkehr zu einem noch früheren Frauentypus, zu dem Botticelli-Jdeal glaubt der bekannte Porträtmaler Alfred Praga zu erkennen:„Die Gesichtszüge des modernen Mädchens zeigen eine Rückentwicklung zum 15. Jahrhundert, häufig sieht man Gesichter, die man nur als den früheren Botticelli-Typus bezeichnen kann. Dies mag mit der gegenwärtigen Einfachheit der Mode zusammen- hängen. Vom künstlerischen Standpunkt gesehen, bedeutet die Tendenz der heutig» Mode, den Körper durch das herabziehen der Taille und die hochgezogene Endlinie des kurzen Rockes in ungleiche Teile zu teilen, keine Erhöhung der Schönheit. Im ganzen kann man sagen, daß heute wenige unschöne Frauen, aber auch nur wenige von einem stark ausgeprägten, individuellen Typus zu finden sind. Blauäugige Mädchen trifft man nur noch sehr selten. Blaugraue Augen herrschen weitaus vor." Weniger das äußere Drum und Dran der Mode als die innere Veränderung glaubt der englische hofphotograph Richard S p e a i g h t für das Gesicht der modernen Frau verantwortlich machen zu müssen:„hätte sich eine Frau vor 26 Jahren die haare abgeschnitten, so hätte sie doch niemals so ausgesehen wie das Mäd- chcn von heute. Ganz junge Mädchen und selbst Kinder haben heute in ihren Zügen einen Ausdruck der Bestimmtheit und Entschlossenheit, den man früher nur bei Männern gefunden hat. Es hat niemals so viele ausdrucksvolle Gesichter gegeben wie in unseren Tagen. Auch glaube ich. daß die Form länger und schmäler wird."„Das Gesicht der modernen Frau hat sich weniger verändert, als ihre Gestalt," so faßt Lady Troubridgc, die auch als Bildhauerin erfolgreich tätig ist, ihren Eindruck zusammen. „heute fällt cs schwer, ein Modell für eine Madonna zu finden. Der Madonnen- oder mütterliche Typus mit schmalen Schultern und breiten Hüsten ist von einem breitschultrigen und schmalhüftigen ersetzt worden. Nie stand sich der männliche und weibliche Typus so nahe; ein„Mischtypus" des Weibes wächst empor: große, gcrad- gliedrige Geschöpfe, nüt breiten Schultern, schlanken Hüften, großen Füßen und athletischem Bau." Erst Ozeanflug, dann Bühne. HünefeidS Drama in Dresden.» Am Sornitag, dem 21. Juli, wurde in der Dresdener„Ko- mödie" ein von dem Ozeanflieger Günther von Hünefeld verfaßtes Schauspiel mit Namen„Die Furcht vor dem Glück" zur Ur- aufsührung gebracht. Es fängt zwar von diesem Datum weder ein neues Kapitel der Weltgeschichte, noch auch nur der Literatur- geschicht« an, aber ich kann dennoch sagen: ich bin dabei gewesen. Um es mit einem Wort aus diesem Drama zu beschreiben!„Ein Edelmann, der sich den schönen Künsten ergibt, kann nur Unheil anrichten". Und ein Unheil war es, das kann man wohl sagen! Es fing so an, daß ein alter Knacker von Adel einen Akt lang über die guten, alten Zeiten jammerte, das„legitimistischc" Prinzip in allen Tonarten pries und gegen die sich mit den neuen Verhältnissen abfindenden Standesgenossen wetterte. Dazu wurde unentwegt Tee getrunken, im zweiten Akt zur Abwechslung Kaffee. Mit einem Mole sind zwei von der„neuen Regierung" verfolgte Monarchisten und Hakenkreuzler da, die sich bei dem königstreuen, alter Herrn einquartieren. Deren einer und des Hausherrn dichtendes Töchter- lein vergucken sich ineinander. Er komponiert und ist jener Künst- ler von Adel, dem das oben ongesührte Wort gewidmet ist.. Das künstlerisch angehauchte Pärchei hat ober Angst vor der Heirat: ihre beiderseitige Kunst könnte nämlich darunter leiden! Daher entfleucht der Bräutigam, und daher die Ueberschrist:„Die Furcht vor dem Glück".„Alberner Titel!" sagt man auf der Bühne, als die sitzen- gelassene Geliebt« ein Buch hierüber schreiben will.(Herr von Hünefeld fand diese Selbstironie so großartig, daß er, entzückt von der eigenen Witzigkcit, in seiner Loge lebhaft lachte!) Im letzte» Akt bekommen sie sich fahrplanmäßig. Der Alte will erst nicht, als man ihn aber an die politische Ueberzeugung seines künftigen Schwieger- sohns erinnert, sagt er Ja und Amen, und nimmt«ine Prise. Dieser eines Ozeanfiiegers keineswegs sehr würdige Stöfs ist in einen so jo>ninernollen Dialog gekleidet, daß man zu Herrn von hllneselds Ehr« arfnehmen möchte, er habe dieses Werk als Unter- tertioner geschrieben. Aber das täuscht: es ist Nachkriegsware, da-' mit die Tendenz nicht so faustdick wirkt, spielt die ganze Sache beim Erbfeind. Das Publikum raste. So ein Premierenerfolg ist in der Theatergefchichte noch nicht dagewesen. Dabei hatte man nicht mal halbwegs gute Schauspieler engagiert. Wozu auch die Unkosten, so eine Sache zieht ja von selbst! Wir anderen bogen uns auf den Sitzen, teils vor Heiterkeit, teils vor Entsetzen. Ich komme um vor Langenxile", sogt einer in hüneselds Drama.„Ich auch", räusper- ten sich mehrere im Zauschaucrraum. Und so wäre nur noch nach der Moral von der Geschicht' zu fragen. Die eine ist die Aufforderung an alle unausgeführten, lungen Schriftsteller, sich rechtzeitig als Passagier bei einem Ozean- slug zu beteiligen. Die andere steht im Dialog des lorbeergekrönten Kollegen Gerhart Hauptmanns und ist auch in seinen Reden oft ge- hört worden:„Es geht ein Zug von Materialismus durch die Welt", heißt sie. Wonach zu fragen wäre, ob Herr von hünefeld feine Tantiemen den hungernden Künstlern aller Art zu überlassen bereit ist. Und wann er nun filmen wird. Walter Victor. Bibliothek und Belletristik. Oeffentliche(Sammlungen der Llnlerhaltungsliteratur. Der große Umfang der modernen„schönen Literatur" hat zur Folge, daß unsere großen öffentlichen Bibliotheken so gut wie nir» gcnds mehr in der Lage sind, bei den geringen ihnen zur Ver- fügung stehenden Mitteln diese Belletristik zu sammeln. Di« große Lücke wird sich mit den Jahren immer fühlbarer erweisen und in einiger Zeit literaturgeschichtlichc Studien über das heutige Schrift- tum außerordentlich erschweren. Außer der Deutschen Bücherei in Leipzig, die von den deutschen Verlagen alle Neuerscheinungen er- hält, und außer der preußischen Staatsbibliothek, die wenigstens alles in Preußen Erscheinende im Pflichtexemplar(aber nur dieses, z. B. nicht die Erzeugnisse des Leipziger Buchhandels), gibt es in Deutschland nur noch sehr lückenhafte moderne Büchereien in öffent- lichcm Besitz. Der Verein Deutscher Bibliothekare hat daher auf seiner Göttinger Jahresversammlung eine Entschließung angenom- men, die sich die Kritik des Bibliothetdirektsrs Dr. Schultz« an der unzulänglichen Pflege der modernen Belletristik an den wisien- schaftlichen Bibliotheken zu«igen macht. Die Mitarbeit auch der wissenschaftlichen Bibliotheken bei der Sammlung der schönen Lite- ratur des In- und Auslandes könne nicht entbehrt werden. Den Entschluß, eine solche Mitarbeit auf sich zu nehmen, können aber die wissenschaftlichen Bibliotheken bei der Unzulänglichkeit der Mittel, die ihnen für die Lösung ihrer noch dringenderen, nächsten Ausgaben zur Verfügung stehen, nur dann fassen, wenn sie zur Durchführung dieser neuen Aufgab« durch«ine wirtlich durchgreifende Erhöhung ihrer Kaufkraft instandgesetzt werden. Oas Cnde der Paschas. Ein neuer Gesetzentwurf der türkischen Regierung. Wie aus Angara gemeldet wird, bereitet die türtische Regierung ein Gesetz vor, das den Paschatitcl und andere Titulaturen wie „Ew. Exzellenz" abschaffen will. Als Begründung wird angegeben, daß alle diese Titel unvereinbar mit den Grundsätzen der Demokratie seien. Der Paschatitel war ursprünglich eine Ehrenbezeichnung der osmanischen Prinzen von Geblüt, war aber im Laufe der Zeit zum Gemeingut der hohen Beamtenschaft des Zivil- und Soldatenstandes geworden und entsprach bei den Zivilbcamten dem Exzellenztitel, bei dem Militär dem Generalsrang. Die Roßschweife, die früher bei feierlichen Anlässen den Paschas oorausgetragen wurden, sind bereits im Anfang des 16. Jahrhunderts von Sultan Mahmud II. ab- geschafft worden, doch blieb die Bezeichnung der Paschas mit einem, zwei oder drei Roßschwcifcn als Rangbczcichnung weiter bestehen. Heldeniaten englischer Zensoren. In England pflegen Zeitungen, Leihbibliotheken, Buchhandlungen und Publikum eingreifende private Zensurtäligkeit zu üben. So hat „Te Times Book Club", der vielleicht die bedeutendste Leihbibliothek der Welt ist, die unter dem Titel„Wy lise" erschemenden Memoiren der Isidora Duncan, die Bernhard Shaw für eine der bedeutendsten Autobiographien der neueren Zeit erklärt, nicht in ihre Bestände ein- gefügt, um die Sittlichkeit der Nation nicht zu gefährden, stellt sie jedoch, wie die„Lit. Welt" mitteilt, in der ihr angeschlossenen Buch- Handlung ohne olle Bedenken zum Verkauf. Eine andere Leih- bibliothck, die als einzige Isidora Duncans Biographie ausnahm, hat dagegen einen erotisch durchaus harmlosen Nomon von Maurice Dekobras auf den Index gesetzt. Eine Londoner Sonntagszeitung verösfentlicht Emil Ludwigs„Menschensohn", in dessen vermensch- lichendcm Grundgedanken die bigotten Iren eine Prosanierung Christi sehen. Eine erregte Menge Irländer stürmte kürzlich den Londoner Zug, der die Zeitungen bringt, riß sie heraus und ver- brannte sie als Protest gegen die von ihr befürchtete„schädigende Wirkung auf die irländische Jugend". Ein Amundsen-Kilm. Die Terra-Film-A.-G. hat soeben einen Amundsen-Film erworben, der bisher in Deutschland noch nicht gezeigt wurde. Der Film bringt in prächtigen und packenden Bildern Amundsen und seine Genossen, darunter auch den unter so tragischen Umständen um- gekommenen Professor Malmgreen, in ihrem Kampfe mit den. ewigen Eise.— Der Film wird demnächst erscheinen. Eröffnung der Heidelberger Festspiele. Die Heidelberger Festspiele haben am gestrigen Sonnabend mit einer Aufführung von Kleists„Käthchen von Heilbronn" ihren Ansang genommen. Am Sonnabend pachmittag fand in Anwesen- heit des Badischcn Staatspräsidenten und der Staatsminister sowie zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens, der Kunst und Wissen- schoft ein Festakt statt, dessen Mittelpunkt eine auch im Rundfunk verbreitete Rede Gerhart Hauptmanns bildete. Opernaufführungen auf dem Markusplatz in Venedig. Gestern begannen auf dem Markusplatz die Aufführungen der Opern„Eavollcria Rusticana" und„Bajazzo". Der Platz war mit Zuschauern überfüllt, ebenso waren die Fenster der umliegenden Paläste dicht besetzt. Die Aufführungen, die unter der mufikolifchen Leitung Mascagnis standen, fanden außerordentlichen Beifall. Mißflänge beim Rundfunkfest. Kommunistischer Spektakel. Das vom Arbeiter Radio Bund" am geftrigen Sonn-| verlassen und ist jetzt nach Archangelst unterwegs. Bon der tag in der„ Neuen Welt" veranstaltete Sommerfest hatte einen Latham" und ihrer Besatzung fonnte teine Spur festgestellt sehr starten Besuch aufzuweisen. raten Troß des mißlichen Wetters war nicht nur der Riesengarten des Etablissements bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern auch säm te lich'e Säle, die mehrere tausend Personen fassen. Die Veranstalter warteten mit einem großen Programm auf, das seine Bugtraft auch nicht verfehlte. Eine besondere Sehenswürdigkeit bildete die Ausstellung von selbstangefertigten Rundfunkappadie Apparate des blinden Bundesmitgliedes Karl Petermann erregten allgemeine Aufmerksamkeit und die Vorführung des drahtlosen Bildsenders Fultograph" durch den Erfinder Kapitän Otho Fulton. Auch das künstlerische Programm des Tages war ungemein reichhaltig, so daß im kleinen und großen Garten, in den kleinen und großen Sälen die Riesenschar der Gäste, unter denen man den alten, verarmten Radiopionier Bernhard Keßler sah, anregende Unterhaltung fand. Besonders erwähnenswert waren die Darbietungen der Funkkapelle unter Kapellmeister Boscheds Stabführung, die Vorträge des Gedie Vorträge des Ge mischten Chores Groß- Berlin( M. d. ASB.), Rezitationen von Gertrud Ensoldt, Meinhart Maur, Karl Haas, Johannes R. Becher, Liedervortäge von Charlotte Freyer, Friedel Rlig, Theo Noll und Kammersänger Rübsam. Filmvorführun= gen und die mit stürmischem Beifall aufgenommenen Borträge des Berliner Ulftrios beschlossen den Reigen dieser Darbietungen. Leider wurde auch in dieses Fest ein erheblicher Mißtlang getragen. Bedeuteten schon die Rezitationen" des Minnesängers der 3. Internationale, Erich Weinert, eine grobe Taft- und Geschmacklosigkeit, die nicht wenige Gemüter peinlich erregte, so wuchsen werden. Marco Polo, Columbus und Nobile. Der italienische Konsul in Preßburg, Palmieri, hat an einige slowakische Blätter eine Erklärung gesandt, in der er die Angriffe gegen General Nobile als unberechtigt zurückweift. Italien unterstehe nicht der Vormundschaft einer anderen Nation und werde feine Einmischung in italienische Angelegenheiten dulden. Der Konsul erklärt, General Nobile habe sich wie ein Held benommen, und vergleicht ihn mit Marco Polo und Columbus; die Blätter machten ihn mit Unrecht für die Katastrophe der" Italia" verantwortlich. Die Faschisten haben eben ihre eigene Auffassung von Heldentum: Nobile hat bloß seine Mannschaft im Stich gelaffen. Hätte er, wie der Faschistenta pitän der Principeffa Mafalda", auch noch eine Schiffstasse mitgehen heißen, wäre er noch ein größerer Held, als er jetzt schon ist. " Durch Kreuzotternbisse getötet. Entfehlicher Tod zweier Kinder. Auf der Chauffee Berlin- Brandenburg, die durch die Rochowsche Heide führt, wurden ein nabe und ein Mädchen eng umschlungen auf der Erde liegend tot aufgefunden. getrennt hatten. Belde Kinder find offenbar von einer Kreuz offer beim Beerenpflüden gebiffen worden, der Knabe am Fuß und das Mädchen an der Hand. Wahrscheinlich haben sie zunächst die Berlegung nich beachtet und erst später, nachdem sich die Folgen des Bisses bemerkbar machten, versucht, nach Hause zu eilen. Sie haben dann in der Aufregung den Weg zu den anderen Kindern verfehlt und sind so lange umhergeirrt, bis das Gift im Körper soweit vorgedrungen war, daß fie traftlos niederstürzten und in enger Umarmung den Tod fanden. Konflikt in der Dillenburger Metallindustrie. Die Einigungsverhandlungen gescheitert. Frankfurt a. M., 23. Juli.( Eigenbericht.) Die am Freitag zur Beilegung des Lohnkonflittes in der Dillenburger Metallindustrie geführten Berhandlungen find völlig ergebnislos verlaufen. Die Unternehmer verlangten die bedingungsloje Wiederaufnahme der Arbeit im Eisenwerk Burger Hütte in Burg ( Dillkreis), deffen Belegschaft sich in einem Streit befindet um die Wiedererringung der vor zwei Jahren während der Krise gemachten Cohnabzüge. Die Unternehmer drohen nunmehr damit, am Mittwoch sämtliche Metallarbeiter im Handelskammerbezirk Dillenburg. insgesamt also etwa 25 000, auszusperren. Die Gewertschaften nehmen heute zusammen mit den in Frage kommenden Belegschaffen zu der Situation Stellung und werden die notwendigen Abwehrmaßnahmen beschließen. Gesprengte Minen. ſich die Vorführungen der 3. Abteilung der„ Arbeiter- Sport- grauschwarz gefärbt. Es handelt sich um die acht Jahre Verband zu entscheiden. Die belgische Gewerkschaftskommiſſion hatte Vereinigung Groß- Berlin" zu einem offenen Standal aus. Diese Gruppe brachte eine geschickte Regie hatte sie an das Ende des Programms gestellt unter dem Titel„ Bilder des täglichen Lebens" plastische Darstellungen, die weiter nichts als eine ganz dummdreiste Retlame für die KPD., für ,, Rot Front" und für Sowjetrußland waren. Eine GeEin Bein des Knaben und der rechte Arm des Mädchens waren altee Tochter Maria und den 12 Jahre alten Sohn Paul des Arbeiters Pätzold aus Görzte bei Brandenburg an der Havel, die beide mit mehreren anderen Kindern aus dem Ort zum Blaubeerenpflüden gegangen waren, von denen sie sich im Walde Ramen Hundstopfschlinger wegen ihrer eigenartigen Kopfform und der riesigen Borderzähne haben; giftig sind sie natürlich nicht, sondern töten ihre Beute, fleinere Säugetiere und Bögel, durch ſchmacksverirrung, von der einem übel werden konnte, ſtellten fon Hundskopfschlinger im Aquarium. die sogenannten China Bilder dar, bei denen es man sich nicht versagte, auf der Bühne eine Hinrichtungsszene mit ab= Das Berliner Aquarium hat in diesen Tagen prächtige Grüne geschlagenem Kopf zu zeigen. Dann fam man erst richtig in Hundstopfschlinger erworben. Es sind dies baumbewohnende Schwung. Mit der„ Parade", der eine illuminierte Rot Front- leinere Riesenschlangen aus dem tropischen Südamerika, die den Faust" vorangetragen wurde das Deutsch- Russische LiebhaberOrchester" spielte dazu„ Deutschland, Deutschland über alles", dem ein Schwänzchen aus der Internationale" angehängt wurde be= gann es. Szenen, die das Recht auf der Straße" betitelt waren und bei denen ein Arbeiter von einem Schupo niedergeschoffen wurde, sezten die Serie bis zu dem großen Schlußbild( In diesem Zeichen müssen wir siegen") mit Lenin und den Emblemen Hammer und Sichel fort. Als der Beifall zu diesen Bildern etwas dünn erflang, animierte der Ansager" auf der Bühne zum Applaus, indem er dem erstaunten Bublikum zeigte, mie man flatschen muß. Das alles konnten sich die Kommunisten nur darum erlauben, weil die große Mehrheit der Besucher, die dem, tommunistischen Reflameflimbim ablehnend gegenüberstand, durch ihren Protest die Veranstaltung, nicht stören wollte. Mit dem Anstand der andern hatten sich die Kommunisten auch diesmal nicht verrechnet. Ueber die innerlich ablehnende Haltung der meisten Buschauer tann auch nicht der lärmende Beifall der kommunistischen Barteiclique hinwegtäuschen. Ebenso wenig darüber, daß die für diesen Standal Verantwortlichen im Vorstand des„ ,, Arbeiter- Radio- Bundes" zu suchen sind. „ Kraffin" fährt nach Gotenburg. Auch Mariano gestorben? kingsbag, 23. Juli. Da es sich als unmöglich herausgestellt hat, den Schraubenschaden des„ Krassin" hier zu reparieren, wird der Eisbrecher fobald wie möglich nach Gotenburg abgehen. Die Jfalia"-katastrophe soll noch ein weiteres Todesopfer gefordert haben. Der Marineoffizier Mariano von der Malmgreen- Gruppe, dem vor einigen Tagen ein Bein amputiert werden mußte, soll gea fforben sein. Auf der„ Ciffa di Milano" schweigt man über das Gerücht. Wie aus Oslo gemeldet wird, hat der norwegische Dozent Hoel an Bord des Eisbrechers Krassin" außerordentlich genaue Aufzeichnungen über die Rettung 3appis und Marianos gemacht. Diese Aufzeichnungen werden vorläufig jedoch noch nicht veröffentlicht werden. Nobile und die geretteten Italiener werden vermutlich am Dienstag von Narvif aus in Stockholm eintreffen. Nach einer Mitteilung der norwegischen Admiralität werden norwegische und französische Kriegsschiffe und Küstendampfer Suche nach Amundsen fortsetzen. Der Eisbrecher Malygin" hat, nachdem er noch das Gebiet der Hoffnungsund Karl Insel nach Amundsen abgesucht hat, die Eisgrenze die Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! DODO Volksbühne heater am Bülowplatz Saltenbarg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr 81, Uhr Curt Scholle Bin. Mahlsdorf- Sud Umschlingen. Knäulartig liegen fie in dichten Windungen am Tage regungslos über einen Ast, der Kopf ist meist verborgen, und die Tiere sind im Gelaube sehr schwer zu entdecken. Der Körper ist eigentümlich kantig, weil die Rückenmitte firstartig Schlangenleib entlang läuft, ihr Farbenmuster sticht von dem Der belgische Zellenbauer Jacquemotte taltgestellt. Brüffel, 23. Juli.( Eigenbericht.) Der Kongreß des belgischen Angestelltenverbandes, der am Sonntag in Brüssel tagte, hatte über den Ausschluß des tom= munistischen Abgeordneten Jacquemotte aus dem vor einigen Monaten den Angestelltenverband aufgefordert, Jacquemotte und einen anderen Kommunisten wegen 3ellentätig= feit und disziplinwidrigen Verhaltens auszuschließen oder aber aus der Gewerkschaftskommission auszuscheiden, also zwischen ihr und den Kommunisten zu wählen. Die Leitung des Angestelltenverbandes wollte dieser Aufforderung nachkommen, aber die Brüsseler Ortsgruppe, der Jacquemotte angehört, widersetzte sich ihr. So kam die Frage vor den Kongreß, der mit den Stimmen aller Ortsgruppen gegen die von Brüssel und Gent für den Ausschluß Jacquemottes entschied. Die Brüsseler Delegierten erklärten darauf, daß ihre Ortsgruppe aus dem Berbande austreten werde. De: Beschluß des Kongresses bedeutet einen sehr wichtigen Schritt auf dem Wege der Säuberung der belgishen Arbeiterbewegung von der zersetzenden kommunistischen Zellerarbeit. Streitbeschluß der Gaarbergarbeiter. Saarbrüden, 23. Juli. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Bezirk Saargebiet, hat am Sonntag in einer Revierkonferenz zu der Ablehnung der Lohnforderungen durch die Bergwerksdirektionen Stellung genom men: Mit 144 Stimmen bei zwei Stimmenenthaltungen wurde eine Entschließung angenommen, in der die Bezirksleitung beauftragt wird, in Verbindung mit den übrigen Tariforganisationen am 1. August den Streit zu erklären, falls die Möglichteit einer Lohnerhöhung in den nächsten Tagen nicht gegeben: ft. Der Sechzehner- Ausschuß des Gewerfvereins der christlichen Bergarbeiter hat ebenfalls zur Lage Stellung genommen und, um jede Berhandlungsmöglichkeit auszuschöpfen, beschlossen, vor dem letzten entscheidenden Schritt an die Saarregierung zweds Bermittlung heranzutreten. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wechselnd wolkig, vereinzelt noch leichte Niederschläge, Temperatur im ganzen wenig verändert, westliche Winde. Für Deutschland: Im Norden unbeständig mit Strichregen, im Süden weiterhin heiter und warm. Berantwortlich für die Redaktion: Artur Saternus, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Das Leben hat nur wenig Sinn, Sind Herz- und Nervenkraft dahin. Das Beste ist, Sie denken dran, Und trinken Kaffee Hag fortan. den Mit Befriedigung bestätige ich gern, daß ich Kaffee Hag in Blattgrün der Körperseite mit filbrigem Weiß, das sich nach den meiner langen Tätigkeit als Sportarzt allen Sportlern aufs Seiten zu ab und zu verbreitert, leuchtend ab. Die in der Hellig wärmste empfohlen habe. Ich konnte die Beobachtung machen, feit zu einem schmalen Querband zusammengezogenen Bupillen daß Kaffee Hag beruhigend auf das Nervensystem gewirkt hat, verraten das Nachttier. Zwei große Stüde liegen im Gezweige im Gegensatz zu reinem Kaffee, der die Herztätigkeit zu sehr des großen Terrariums Nr. 8, ein fleineres in dem kleineren Terrarium Nr. 4 des zweiten Stockwerks. Hier ist auch ein leuchtend anregte, was ja gerade beim Sport vermieden werden soll. braungelb und weißes Stück untergebracht. Theater des Westens Lustspielhaus Kleines Theater 8 Uhr: Lori Leux in Die Täglich 8, Uhr Die Reise durch Orpheus in der Es kommt ungeküßte Eva Berlin in 40 Stunden. Unterwelt Deutsches Theater Norden 12 310 3U. Ende nach 101 jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. Else Bötticher, Kiper, Neruda, Steppanek Artisten Spiel im Schloss" Rose- Theater Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 Residenz- Theater 8, U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. Berliner Theater In der Hauptrolle harlottenstr.93/ 91. Dönh.170 Elfriede Mertens a.G. 31, Ende nach 10%, Jugendliche haben keinen Zutritt! lastspiel d. Deutschen Th. Parkett auch Sonnt. statt 4.- Mk. Der Proze Mary Dugan nur 1.- Mk, Gr. Frankf, Str. 132. 5 Uhr: Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr Absteigequartier Konzert and bunter Teil. Jugendliche keinen Zutritt! 8% Uhr: Der Fürst von Pappenheim Park.auch Sonntags statt 4.- M. nur 60 Pf. Reichshallen- Theater Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger 81 Uhr: Sprungbett der Liebe Zesch- Ballot, Christel Storm, Torning, Garrison Schafheitlin. Pumpen, Röhren, Filter. Ersatzteile Pra's iste gratis. Roblank Berlin N 65, Reinickendorfer Str. 95 Komische 81%, Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Blumenspenden Theater am Kottbusser Tor jeder Art tejert preiswert mit ihrem für Berlia völlig neuen Programm! Paul Golletz. Anf. 8 Uhr. Preise d. Plätze wie immer. Dorm. Robert Meyer Mariannenstraße 3. Donhoff Brett': Ede Naunynstraße ( Saal und Garten) Varieté- Kabarett- Tanz Amt Morigpl. 10303 Kottbusser Str.6 Tel.: Mpl. 16077! Bis 31. Juli täglich 8 Uhr Grosses Sonder- Gastspiel Otto Pauls Bunte Bühne Volkspreise: 50 Pfg. bis 2 Mk. Dr. W., Nürnberg POST STADION 72= WINDHUNDRENNEN HINTER DEM ELEKTRISCHEN HASEN Dienstag, den 24. Juli, abds. 830 Uhr Volkstüml.Preise: Stahpl. 30 Pf., Arena- Sitzplatz 50 Pf., Tribüne 3.- M., Logenplatz 5.-M. VERBINDUNGEN Z. POST- STADION, LEHRTER STR. 57 a: STADTBAHN LEHRTER BHF. STRASSENBAHN: 11, 12, 13, 14, 15, 21, 23, 44, 56, 113, 115. AUTOBUS: 10, 11, 19. Rennveranstalter: Windhundrenn- Gesellschaft, NW 7, Unter den Linden 44.- Fernsprecher: Merkur 2158-59. Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem billig! föeilage Montag, 23. Juli 1928. SprAiipni) SfuUauXfaJh du I�«>ar6 0m vergessenen Winkel. Bei den Geigenbauern und Bogenmachern von Bad Brambach in Süöwestsachsen. In weiter Kurve zieht die Eisenbahn, die von Adorf heraus» stampft und„ins Bömische" hinüber will, einen Halbkreis um Bad Brambach. Berg« mit gezackter Waldsilhouette verebben zu sonst gleitenden Wiesen, wie ei» Stück Spiegelglas glänzt ein Weiher im Grün der Niederung, und dann liegt der Ort in friedlicher Stille hübsch in das Tal gruppiert, der früher ein im Zipfel Südwestsachsens verlorener Marktflecken war und heute ein Bad Brambach ist mit V-Zuganschluß und einem schlecht gemalten und häßlich in das Bild Bad Brambach der Landschaft zeziinmerten„Die stärkste Radium-Mineralquellc der Welt!" Im Orte wird eifrig gebaut. Bezahlt ist das neu« bauliche Kostüm noch nicht, ober die Hoffming aus Kurgäste ist stärker als die Furcht vor einer neuen Katastrophe. Einer neuen Katastrophe? Ja. Brambach steht nämlich mitten in einer furchtbaren Krise. Die vielleicht kommende Fremdenindustrie ist der berühmte letzte Strohhalm, an den sich die Berzweiselten klammern. Und die große Mehrzahl der Brambacher Einwohner hat Ursache, verzweis�li zü sein. Die Bogenmacher und Geigenbauer in Brambach stehen sämtlich vor der Notwendigkeit, entweder ein« andere Erwerbsmöglichkeit zu suchen oder langsam zu verhungern. Ein kurzer Rundgang zeigt das. Es sängt ganz hübsch an. Dieses Haus am Fichtenwaldrand könnte das Sicdlerhaus eines gutbezahlten Beamten sein. Sehr nett. Drinnen sieht man allerdings, daß unter dem tadellos sitzenden Snmmerpaletot ein wenig salonmäßiges Hemde sitzt. Der Villen- -'äßige Aufbau thront auf einer Armeleutbehausung. Und unter der 5. i! gastwohnung tritt man— Vorsicht, Kopfschuß!— durch«inen niederen Türrahmen in die Werkstatt eines Bogen- m a ch c r s. Dieser Herr ist ein sogenannter kompletter Arbeiter. Er macht nicht nur wie viele seiner Kollegen die Bogenstangen, die Frösche oder die Schrauben, er niacht den Vogen fix und fertig. Das bringt etwas mehr ein. Unser Bogenmacher ist außerdem ein Qualitätsarbeiter, jung und fleißig, und er ist sich klar darüber, daß er nicht zu den Wcnigverdienern gehört. Er arbeitet zwölf Stunden täglich. Die Frau hilft ein bisse! mit, sie macht sich beini Einziehen der Haar- bezöge nützlich. Ah, was denlt ihr, unser Freund hat eine Drehbank mit Kraftbetrieb, viele Werkzeug«, und die anderen lassen bei ihm arbeiten, weil sie keine solche Werkstatt haben. In der Woche bringt er zwei Dutzend Biolinenbogcn fertig. Die Bogenstangen werden «us Brettern und Stücken amerikanischen Holzes herausgeschnitten, mit der Hand gehobelt, fünf-, sechsmal mit Sandpapier abgerieben, gelocht zum Ansetzen für Frosch und Schraube, die beide zum Anbringen und Anziehen des Haarbezugs dienen, lackiert, geschliffen Beti und Drehbank »nd poliert, und am Ende kommen für diese Arbeit einer Woche 23 M. B« r d i e n st heraus. Bon dieser Summe, die einen Krösus schwindeln machen könnte, gehen etwa 3 M. Betriebs- kosten ab. Es bleiben also 20 M. sür«in« Arbeitswoche, die keinen Achtstundentag und oft auch keinen Sonntag kennt. „Am liebsten den ganzen Dreck hinhauen." das ist der Refrain. der immer wiederkehrt. Keine Krankenkasse— freiwillig steuern? von ivas?— keine Sozialversicherung, keine Erwerbslosenoersiche- rung— es sind ja keine Arbeiter, sondern Besitzer von Produktions- Mitteln,«in guter Witz! Wenn einer krank wird, dann geht das Borgen los. Wird er alt oder sonst in der Ausübung seiner Ar- beitskraft gehemint, dann hat er eben noch weniger. Das ist dem Häodler, der das Material ausgibt und die Fertigware erwirbt, doch egal. Dem geht es, fragt nur seinen Syndikus, noch schlechter als den Bogenmachern. Also herunter mit den Löhnen! Ueberall sitzen Bogenmacher, in Brambach, in Oberbrambach, in Rohrbach, in Hohendorf und in den benachbarten böhmischen Orten. Die Lager sind voll, trotz der Abwanderung in andere Berufe ist ein Heber- angebot da. Was für eine wundervolle Gelegenheit, den Bogen- machern den Brotkorb hochzuhängen! Pensionierte Briefträger und Landwirte pfuschen ins Handwerk und helfen die Arbeitsverdienste in den Dreck treten. Wenn nur so schnell andere Arbeit zu finden wäre! Sprudelarbeiter(Arbeiter im Badebetrieb und Mineral- wasseroersand) kann auch nicht jeder werden. Und um die armen Leute an der Grenze kümmert sich niemand. Die bürgerliche Presse spricht nur von den nationalen Belangen der Grenzgebiete. Wer nahe der Grenze lebt, hat das Deutschtum zu wahren, steht als Grenzsoldat am Bollwerk. Das sieht sehr hübsch aus. Aber wer kann von einer Phrase leben? Bon den früher 200 selbständigen Bogenmachern in Brambach sind noch 100 übrig. Die alten sterben aus. Die jungen— wer wollte ihnen zumuten, ein untergehendes Gewerbe zu lernen? Ein Bogen, der im Verkauf 7,50 M. bringt, wirft für den Bogenmacher 2 M. ab Und da muß der Arbeiter noch bitten und betteln, daß er Arbeit bekommt! Der tschechische Nachbarstaat greift den Bogenmachern an seiner Grenze wirtschaftlich unter die Arme. Der deutsche Staat greift seinen Bogenmachern nach der Gurgel. Das nennt man dann Dienst am Deutschtum. Eingaben an die Behörden sind in die Aktenschränke gewandert. Anklagen über ausländische Händler, die mit Betrug arbeiten, blieben unerhört. Versuche, die Heimarbeiter zu organisieren, wurden hintertrieben. Di« Absicht, Produktion und Absatz genossenschaftlich zu regeln, wurde mit List und roher Gewalt niedergestampft. Im Orte regiert die nationale Phrase, die sromme Sekte und eine reiche Kirche. Und draußen in der Welt oerdrängen Radio und Grammo- phon die Violine. Achselznckcnd geht die göttlich« Weltordnung über eine sterbende Industrie zur Tagesordnung über. In engen Werkstätten, zwischen Drehbank und Bett, hingehockt an einen niedrigen Fensterplatz, sitzen die„kompletten" Bogenmacher und die Verfertiger der Teilprodukte. Am interessantesten ist noch die Arbeit des Fräschelmachers. Das Ebenholz, aus dem der Frosch, dieses Halte- und Spannstück sür die Bogenhaare, verfertigt wird, kommt in gutgetrocknetem Zustand entweder in Stücken oder zugeschnitten aus den Basteltisch des Fräschelmachers. Die Perl- mutier- oder Goldfischcinlage wird mit einer Säge aus dem Muschel- stück herausgesägt, geschlissen und gefeilt und schließlich aufgeleimt. Dazu wird meist ein Blättchcn aus Silber oder Neusilber aufge- schoben, eingefeilt und mit kleinen Stiften festgehalten. Alles wird für den Bogenmacher fertiggestellt, der dann nur noch den Ring für den Haarbezug anzubringen hat. Für ein Dutzend Frösche, gute Sorten, werden 6,50 bis 8 M. bezahlt, für die billigen Sorten 2,80 bis 4 M. pro Dutzend. Da hiervon für Material usw. allerhand abgeht, bleibt ein Stundenver- Cine Rechnung„guter, alter" Zeit. Allen ihren Lobrednern zur Einsicht. Im Jahre 1712 mußte sich die Stadt Amsterdam aus dem be- nachbarten Haarlem den Mann beziehen, der das Handwerk aller Folterarten am besten zu beherrschen schien. Wie stark beschäftigt der Scharfrichter war und was er verdiente, zeigt folgende Rechnung, die er nach getaner Arbeit dem Magistrat vorlegte: Amsterdam, den 17. Dezember 1712. Einen geköpft, macht......... 6 Fl. Für das Richtschwert......... 3„ Für das Tuch............ 3„ Für den Sarg........... 3„ Einen erdrosselt........... 6, Abgenommen und in den Sarg gelegt.. 3. Einen gerädert mit 9 Schlägen ä 3 Gulden. 27„ Für das Erdrosseln......... 6„ Abgenommen und aus der Stadt gebracht. 9. Zwei gehängt, mit dem Schwert über dem Kopf 18, Einen abgenommen und hinausgebracht.. 9„ Einen abgenommen......... 3„ Vier an denGalgen gehängt, zu 6Guld.dasStück 24„ Einem mit dem Schwert über dem Haupt. 3„ Zwei mit Briefen vor der Brust.... 12„ 24 gegeißelt, zu 3 Gulden das Stück.... 72, Drei niit dem Schwerte über dem Haupt. 9. Einen mit Fußsesseln an den Pranger gestellt 6. Einen auf dem Rücken gebrandmarkt... 6„ Tagegeld.............. 12, Meilengelder............ 12. Für die gebrauchten Stricke....... 12, Für die Handlanger......... 12„ Zusammen 276 Fl. Der preußische Scharfrichter und Wäschereibesitzer T. in Magde- bürg, der am 13. Februar 1926 den Landarbeiter Josef Jakubowski hinrichten mußt«, erhielt von der Mecklenburgischen Staatsanwalt- schaft einen Barscheck von 300 Mark. Für den Fall der Verzögerung der Hinrichtung ein Sondcrhonorar von 50 Mark und, falls die Hin- richtung unterbleibt,«ine Entschädigung von 200 Mark. Zwei Kultur- bilder aus dem 18. und 20. Jahrhundert. Moderne Oramatiker auf der Freilichtbühne. Die Leitung des Naturtheaters Belvedere in Weimar hat das Wagnis unternommen, Werke von so ausgesprochenem Zeitcharakter, wie es die von Georg Kaiser und Alfred Brust sind, für die Auf- führung auf der Freilichtbühne vorzubereiten. In den nächsten Tagen werden Kaisers„Iuana", das im Jahre 1918 während Kaisers Weimarer Aufenthalt geschrieben wurde, und Brusts „Frühlingslied" erweisen, ob eine geschickte Regie sie dem Rahmen von Goethes Naturtheater anzupassen vermochte. dienst von weniger als 50 Pf. Voraussetzung ist aber, daß sehr flott gearbeitet wird. Die guten Dutzendsorten müssen in zehn Stunden fertig sein, die gewöhnlichen in sieben bis acht Stunden. Bei der Haarzicherin wird dos ganze Elend der Heimarbeit offenbar. Die gebleichten oder nnturfarbenen Roßhaare werden vom Händler bezogen. Genau 135 Haare werden aus einem Büschel gezogen und an einem Ende mit einem Stück Zwirn zusammen- gebunden. Zu einem Dutzend Bogensträngen gebündelt, wird die fk.''w' A Raum ist in der kleinsten Hütte Arbeit abgeliefert. Fürs Dutzend werden 12 Pf. bezahlt. 12 Pf. für fast eine Stunde Arbeit! Daher also die schmalen Gesichter der kleinen Kinder? Daher also die Villen der Händler? Aber weit gefehlt, wenn ihr glaubt, daß dieser Zehnstundentagesverdienst von einer Mark— für eine Arbeit, die den Augen das Licht nimmt!— die Heimarbeiter zu rasenden Rebellen macht. An der Wand'über der gebückten Frau hängt Kaiser Wilhelm der Zweit«, und sein Friedensschnurrbart ist herrlich anzuschauen... Aus unserer Kinderzeit klingt ein Lied in unseren Ohren von einem Geigenbauer gottbegnadet, der in seiner stillen Wertstatt Wundergeigen baute, mit denen er die Geister der Nacht zwang, ihm dienstbar zu sein. Ach, dieser alte Zauber ist tot. Und tot ist auch der Glanz um das Gewerbe der Geigenmacher. In ganz Bram- dach leben noch vier selbständige Geigenbauer. Sie sitzen unter Girlanden von graziösen Instrumenten, zwingen rumänisches Holz in die leicht gerundete Form des Bodens, die Decke aus Aham in die Anmut der zierlichen und Jahrhunderte alten Fassung diesem gefeierten Instruments, machen die Geigen fertig mit Hals, Schnecke, Griffbrett und Saitenhalter, legen die Schmuckader rings um den Rand, beizen und schleifen, lackieren und altimitieren, spannen die Seiten auf und haben schließlich für ein Instrument 2,50 M. in der Tasche. Nein, es ist kein Druckfehler! Zwei Mark fünfzig Pfennig für eine Geige. Der Händler zahlt für alles, für Material, Licht, Heizung, Werkzeugverbrauch usw. und für die Ar- beitslcistung 7 bis 8 M. Im Laden kostet dasselbe Instrument 40 M. Ohne Bogen und Kasten. Der Gcigenmachcr„verdient" 2,30 M. In der Geigenbauerwerkstatt davon. Und wehe, wenn er sich einfallen läßt, seiner Hände Arbeit, seine Kunsiwcrk« selbst zu verhandeln. Die im Gegensatz zu ihm gutorganisierten Händler hetzen ihn zu Tode! Ein« Pro- duktionsgenosscnschaft, die allein helfen könnte, ist noch weit, weit entfernt, solang« die Geigenbauer nichts wissen von der Macht der Organisation... Das Radiumbad ist die letzte Hoffnung der verlorenen Leute an der Grenze. Sie ziehen in die untersten Winkel, um mit dem Wohnraum zu verdienen. Vorigen Sommer schlief eine Familie von drei Personen auf Strohsäcken im Hausflur, damit Sommer- gästc Platz hatten. So sieh! es in Bad Branibach aus.— Erieb Knauf. (Zeichnungen von Fritz Wiatler- Dresden.) &iri ffitenerJ&oraäJt von 2AazzZ Mvrffßsäter 8. Fortsetzung. '■iJ je, Zeichen der Zeit! Die chtz'd« wird sentimental! Die verehrt nur das Burgtheater und die Klassiker: Heraus in eure Wipfel, rege Schatten..." rezitierte die Dely und schritt mit Tra- godiemvwjestüt dahin.„Na, du wirst auch bald eine fade Nocken werden, wenn man dich nicht rasch herausreißt!" „Also, man ist eine fade Nocken..." rekriminierte die Hilde. „3a, das ist man, wenn man nicht alles genießt, was die Zeit überhaupt hat... Reisen im Luxuszug, Monte Carlo, Paris... auf alle noblen Redouten gehn und bei allen Premieren dabei sein... und dann in den teuersten Restaurants speisen... und«ine Villa und Gesellschaftsabende, zu denen die elegantesten Leut' kom- wen... und Freund«, wenigsten» zwei, die sich gegenseitig belauern und miteinander um meine Gunst streiten, die ja doch dem feschen Göttergatten gehört... und.. und... und soviel, daß ich dir'- gar nicht ausmalen tonn. Wenn man das alles haben kann... und du kannst es... und du bleibst so... so rückständig... altes Burg, theater voller Rührung... und bei einem mehrstimmigen Gesang bist du den Tränen nah... dann ist man eine fade Nocken!" „Gut. ich bin eben ein« fade Nocken," sagte die Hilde lochend in scheinbarer Fügsamkeit und amüsierte sich bei dieser Vorstellung wieder einmal köstlich. Sie glaubt nämlich selbst daran so wenig wie die anderen Mädeln, die in ihr Lachen einstimmten. Blühender Flieder. Und es war doch Frühling geworden, wie verbittert und böse auch die Menschen waren, die einen langen Winter hindurch an nichts als an Geld und an die Hetzjagd nach dem Geld« gedacht hatten. Wie ein Truggeschöpft war die Krone, die sie in unsäglicher Plage erhaschten, in ihren Händen zerstoben, und nun mußten sie immer weiter, immer tiefer in allen möglichen Morast, um die Jagd von neuem aufzunehmen. Aber bei all dieser Mühsal und Trübsal blühte und sproß es ringsum, und so verhärtet war keiner in seiner Begier, so umschlossen keiner von der Not. daß er nicht für«ine Weil« von den Wundern, auf die sein Blick lauerte, den Sinn abgewendet hätte auf die wirklichen Wunder, die sich rings um ihn ausbreiteten. An solch einem Frllhlingssonntag, der gleichsam das Tor für eine von Seligkeiten erfüllt- paradiesische neue Zeit zu sein scheint, zog auch Familie Fernleitner in» Freie, drei Frauen stark. Mutti Fernleitner, Hilde und das unabwendbare Fräulein Rose, das zu den Borräten des mitgetragenen Stricknetzes ganz besonder« Lecker- bissen beigesteuert hatte. Sie nahmen den Weg von Klosterneuburg nach Greifenstein, und nur Frau Fernleitner wußte, worum sie gerade diesen Weg so liebte und ihn als den ersten Frühlings- ousflug in Borschlog brachte. Aber sie sprach nichts darüber. Sie blieben vor einer Pflanze stehen und kramten vor ihr botanische Kenntnisse aus, um sie einer Familie zuzuteilen: ein Schmetterling, der sich früher, als«s eigentlich nach dem Natur- geschichtsbuch erlaubt war, ins Leben vorgewagt hatte: lustige Ge, schichten, die sie einander erzählten: viel Appetit, der immer be- friedigt werden konnte: andere Spaziergänger, die an ihnen vor- überzogen und die immer etwas Komisches an sich haben, über das man lachen kann, oder etwas im Grund« Rührendes, das zur Be- trachtung anregt: und Sonne, viel Sonne, segensreiche Sonne: und endlich das Oh! des Staunens, wenn sich der Wald teilt und vor den Micken tief unten sich das Band des Donouftromes ausbreitet. Es war, solange Hilde zurückdenken konnte, in jedem Jahre, wenn sich die Wälder belaubten, dasselbe Wunder, das sie umfing, und das sie beide, Mutter und Tochter, wie zwei Freundinnen dahin- wandelnd, mit dankbarer Seligkeit neu auf sich wirken ließen. Sie kamen von der Ruine Greifenstein herunter in den Ort. der von dem Getümmel froher Menschen erfüllt war, und gingen weiter, wo nahe einem der letzten Häuschen auf einem Wiesenplan ein vollerblühter Fliederstrouch stand. Den kannten sie, und sie besuchten ihn alljährlich wie einen guten Freund, an dem man schicklicherweise nicht wortlos, ohne bei ihm stehen zu bleiben und ihn zu begrüßen, vorübergeht, wenn man ihn so lange nicht gesehen hat und in seine Gegend kommt. Wie es dann weiter war. ließ sich genau nicht feststellen, ob- gleich Frau Fernleit.ier Hilde immer wieder ausfragte und diese selbst sich Mühe gab, sich aller Einzelheiten zu erinnern. Frau Fernleitner und Fräulein Rose waren noch ein Stück weiterspaziert, ohne sich um das Mädel zu kümmern, in ein Gespräch über die Kochkünste jener Zeit vertieft, da es noch panierte Schnitzel und Zwetschenknödel gab. Ja, darüber war ein Zweifel nicht möglich. Und Hilde war zu ihrem blühenden Fliederstrauch zurückgekehrt, oder sie war noch länger bei ihm geblieben: schon da stimmten hie Aussagen nicht überein. Und dann— doch das sagte sie nicht einmal der Mutti— und dann klang In der Ferne Geigen- und Lauten- iviel. und jugendliche Stimmen sangen ein Lied— die Dely hatte sie schon gehöhnt, daß sie sich von einem Liedc, das zu ihr drang, so leicht gefangennehmen ließ— und dann— und das wogt« sie nicht einmal sich selbst zu gestehen, und es drängte sich dieser Ein- druck gegen ihren Willen in ihr Bewußtsein— und dann hörte sie ganz nahe, die beiden mochten hinter dem breiten Fliederstrauch ge- wesen sein, der sie wie«in mit allem Menschlichen vertrauter Onkel mit seiner Leibesfülle barg— und dann hörte sie das Geilllster eines Burschen und eines Mädchens und das Geräusch eines Kusics. Und plötzlich war Hilde zusammengesunken: oh, sie fühlt«, daß ihr Herz vor einer Sehnsucht verging, die sie nicht zu deuten vermochte. und daß ihr Blick die Landschaft weit überflog, sie war zusammengesunken und sin Weinen durchschüttelt« ihren zarten Körver, als ob sie eben die kummervollst« Nachricht vernommen hätte. „Ja, was hoben Sie denn, Fräulein?" rief das jung« Mädchen, das aus dem Fliederstrauch zu ihr hingesprungen war und sich jetzt auf di- Liegende hinneigte. „Aber gar nichts," sagt« Hilde und versucht- auszustehen, fing aber nur wieder zu weinen an und rührt« sich nicht vom Fleck. Das Mädchen kauerte sich neben sie hin, bettet« ihren Kopf auf seinen Schoß, trocknet« die Tränen und sendete den Burschen, mit dem sie früher geslüstert hotte, um ein Glos Wasser. Aber da war auch schon Frau Fernleitner herbeigeeilt, die plötz- lich Hilde nicht mehr neben sich bemerkt hatte, und nun, aus ihrem interessanten Gespräch mit Fräulein Rose aufgescheucht, zurück gelaufen war. Und hinter ihr keuchte das kleine Fräulein Rose, und beide riefen und sahen sich um und hatten nach wenigen Schritten da» Bild vor sich: unter dem blühenden Fliederstrauch das sitzend« Mädchen, und auf dessen Schoß Hilde, die nicht aufhört« zu weinen. Frau Fernleitner war erst sprachlos vor Schrecken und Angst und beschäftigte sich nur mit dem Kind«, das sie zusammen mit der Fremden labte und aufrichtete. Fräulein Rose löste erst die Der- wirrung, indem sie in den Ruf ausbrach:„Das Kind hat die Blattern! Ich sag' immer, man soll sich vor den den Blattern in acht nehmen!" Darauf lächelt« Hilde und versicherte, daß sie bestimmt nicht die Blattern habe und daß ihr bereits gut sei. Sie stand auf, brachte sich in Ordnung und dankte recht herzlich dem jungen Mädchen für seine Hilf« und dem jungen Burschen, der abseits gestanden war und ratlos nur mit verzweifelten Blicken auf Hilde hingesehen hatte. Sie schob den Arm zurück, mit dem Fräulein Rose sie stützen wollte, und sagte nur immer wieder:„Ich weiß nicht, was mir war... ich weiß wirklich nicht, was mir war..." Frau Fernleitner sagte mit jenem Ton, der keine Widerrede duldet«, daß sie morgen mit Hilde zum Arzt gehen werde. Und Fräulein Rose flüsterte von Zeit zu Zeit:„Ich sag' Ihnen, das Kind hat die Blattern... weil sie sich nicht in acht genommen hat." Noch «inen kurzen Aufenthall im Gasthaus, um Hilde mit etwas Warmem zu laben, und dann zogen die drei heim. Frau Fernleitner verborg ihre Angst, Fräulein Rose schließlich ihre wissenschaftliche Ueber- zeugung bezüglich der Blattern und Hilde ihr Staunen über den Vorfall, den sie selbst nicht zu erklären vermochte. Am nächsten Tage ging's zum alten Doktor Wolfs, der schon von weitem, als er der zwei«intretenden Frauen gewahr wurde, ausrief:„Also jetzt ist die kleine Fernleitner auch da. Alle kommen s' schließlich her! Alle, der Reihe nach! Bedankt? euch beim Krieg! Bedankts euch beim Frieden!" Er umersuchte Hilde gründlich und konstatierte:„Na, was wird's den sein? Ausgehungert ist sie! Erschöpft! Mit den Nerven fertig! Ein fünfzehnjähriges Mädel... pjui Teufel, über eine solche Zeit!" Der gute Doktor schimpfte noch eine Weile über alles und jedes, dann sprach er von seinen Kakteen, die er züchtete und mit Stolz herzeigt«, und am Ende ging er wieder auf das medizinische Gebiet über:„Sie braucht frische Lust und anständiges Essen. Können Sie's ihr leisten?" „Ich geb' das Letzte her." sagte Frau Fernleitner. „Wird morgen zu wenig sein, wenn'? heut' noch halbwegs genügt hat. Aber da schickt ja die Gemeinde Kinder fort, jetzt ist sie dafür drei Millionen Kronen schuldig geblieben, denn Defizit hat's auch, olle leben wir ja nur von Defiziten, aber ich bleib' lieber für Kinder Geld schuldig als für erzherzogliche Hochzeitsgeschenke... geben S' die Hilde dem Iugendhilfswerk." „Niemals," antwortete Frau Fernleitner trocken. „Oder die holländischen Gewerkschaften nehmen Wiener Kinder auf, ich bring' sie vielleicht da unter." Frau Fernleitner zuckte die Achseln. „Na, dann wenden Sie sich, gnädige Frau, an die englische Linie von hochdero Verwandtschaft, sie soll die Hilde aufs Schloß einladen und ich leg' a Rezept von an Bitterwasser dazu. Was kann ich denn mehr machen?" Die Hilde lachte— das Mädel lachte doch immer— und Frau Fernleitner mußte sich bequemen, dem alten Doktor wieder einmal seine Bosheiten nicht übel zu nehmen. „Ich sag', die Hilde ist überarbeitet und unterernährt.... über« ernährt und unterarbeitet wär' mir lieber..., aber es is hall so. Ich sag': sie soll schau'n, daß sie aufs Land kommt..., ich sag': je «her, je lieber..., und wenn Sie heute nicht zur Gemeinschaft stoßen wollen, so werden Sie's halt in an Jahr, nur wird es, wegen der Hilde, schad' um die Zeit lein. Und wenn Sie jetzt meine Wolfsmilch anschauen wollen, ein besonders feines Exem- plar..."(Fortsetzung foigU WAS DER TAG BRINGT. iiiiiininiiiiiimiininiMiiiiffliiinmimiiniimmiiiiiniiiiimmiraimmiiiiiiHiiiiraiiiiiiininiimniiMiiiiiiiiiiiimHiimwiiHniiiiiiiininiiiiiiiiiiMMiiiniiiiimnuiiiiiiiiniinimimiiiiiHiiiniii Künstliche Erdbeben. Bei der Festsetzung der Bahnlinie der gegenwärtigen im Bau befindlichen Turkestonisch-Sibirischen Eisenbahn bedienen sich die russischen Techniker eine» eigenartigen Verfahrens, um d!« geologi« schen Verhältnisse der Landstrecken, die die Bahn durchziehen soll, kennenzulernen. Mit Hilf« von Explosiostosfen, die in die Erde vergraben zur Entladung gebracht werden, erzeugt man künstliche Erdbeben, deren Bewegungen ein in der Nähe ausgestellter Seis- mograph aufzeichnet. Gleichzeitig werden Gang und Richtung der Erdbebenwellen gemessen, und ihren Bergleichszahlen entnehmen sodann die Erbauer der Bahnlinie die Beschaffenheit des Bodsns, den die zukünftige Bahnlinie befahren soll. Die Bulldogge fühlte sich so einsam.. Aus Oakland in Kalifornien wird ein drolliges Ereignis aus dem Tierleben berichtet: Eine Bulldogge, Buster, sühlle das dringende Bedürfnis nach Gesellschaft— vielleicht auch nach Mutter- glück. Kurzerhand raubte sie einer Katze ihre fünf Kleinen, schleppte sie nach ihrer Hundehütte, richtete ihnen ein warmes Lager her und bewachte sie mit Argusaugen und Zähnefletschen. Den kleinen Katzen gegenüber erfüllte der Hund alle Mutterpslichten! Furchtbare Rache einer Mulattin. Ein« entsetzliche Tragödie hat sich, wie aus Brasilien be- richtet wird, vor«inigen Wochen in St. C h i l o b a, in der Nähe der Stadt Cariobe, abgespielt. In der Näh« der Urwaldgrenzc befindet sich die Plantage von Maurice Preatzonza, dessen Tochter Sich vor einigen Monaten mit einem Spanier Sennor Mendisto ver- jeiratete. Während der Sennor vor längerer Zeit zu Besuch bei seinem zukünftigen Schwiegervater sich aufhielt, bewohnte er dessen Landhaus, das sich aus den Höhenzügen befindet. Dieses Landhaus wurde von einer Mulattenfamilie, die sich schon längere Zeit im Dienste von Preatzonza befindet, verwaltet. Mendisto lieh sich damals verleiten, mit der Tochter Hanna dieser Familie«in- Liebes- Verhältnis einzugehen, dessen Folgen sich jetzt bemerkbar machten. Vor einigen Wochen fuhren nun der Spanier mit feiner jungen Frau wieder nach dem Landhaus. Sie wurden von dem Mulatten- ehepaar ehrfurchtsvoll empfangen, nur Hanna ging mürrisch im Hause umt�er und verrichtete widerwillig die Arbeit. Eines abends, als Mendisto mit seiner Frau einen Jagdwagen bestieg, verbarg Hanna einen kleinen Handkorb, dessen Deckel geöffnet war, unter dem Kutschersitz. In diesen Korb hatte das Mädchen drei Klapper- schlangen hineingetan: während der Fahrt verließen die Reptilien den Korb und bissen Mendisto und seine Frau in die Hand. Obwohl der Spanier die Pferde zu schnellster Gangart antrieb, dauert« es doch gegen eine Stunde, bis die jungen Eheleute auf der Plantage wieder eintrafen. Inzwischen hatte das Schlangengift schon seine Wirkung getan, beide starben unter den Händen des Voters. Un- schwer konnte festgestellt werden, welch furchtbares Verbrechen an dem Ehepaar begangen worden war. Als man auf dem Landhause eintraf, war Hanna verschwunden, hatte ober in einem hinterlassenen Briefe mitgeteilt, daß sie, ohne daß ihre Eltern etwa» davon wußten. Rache genommen habe. Doch die erzürnten Beamten und Arbeiter nahmen Roche an dem Mulattenpoar, indem sie die alten Leute zu Tode prügelten. Die Tochter wurde nach einigen Tagen in einer Schlucht im Urwald tot aufgefunden: auch sie hatte, ob mutwillig sei dahingestellt, den Tod durch gisttge Schlangenbisse gesunden. Kein Schießbefehl, aber—/ Eine ganze Anzahl Einwohner der Weberstadt Langen- bielau im schlesischen Eulengebirge hat folgende höflich« Ver- fügung der Polizeioerwaltung erhalten: „Auf Grund de» preußischen Gesetzes betr. die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten werden Sie hiermit ausgefordert, sich am Montag, Dienstag oder Mittwoch, dem 16., 1?. bzw. 18. Juli d. I., im Laufe des Nachmittags in einem der hiesigen Kranken- Häuser einzufinden und dort«tuhl und Urin abzusetzen zur Untersuchung auf Typhusbazillen. Im Weigerungssalle muß die H e r g a b e des Untersuchungsmaterials polizeilich erzwungen werden." Berständlich. daß man der Derbreitung des Typhus durch vor- sorgliche Untersuchung zuvorkommen will. Begreiflich, daß man sich dazu die Berdauungsprodukte der Verdächtigen beschaffen muß. Gefährlich doch, den Schein zu wecken, als ob diese Produktion förm- lich unter behördlicher Aussicht abgesetzt werden müßte oder gar eine Produttionsförderung durch Geldstrafen, Hast oder im Nicht- beitreibungsfallc vielleicht mit dem Gummiknüppel betrieben würde, zumal doch Rhizinusöl nicht zu den Zwangsmitteln der deutschen Freistaaten gehört. Die verbotene Mischheirat. Die Frage„Schwarz oder Weiß" ist für die Zukunft Süd« afrikas von entscheidender Bedeutung. Die Stellungnahm« dazu kann verschieden sein, eines ist sicher: daß arrogante Anmaßung gepaart mit brutaler Ausbeutungssucht nur den Weißen zu eigen ist. Man ist sich hierüber am Cap vollkommen klar und sucht mit allen Mitteln in einem fremden Erdteil die Zukunft der weißen Rasse zu sichern. Dahin gehört euch ein unlängst erlassenes Gesetz. das jede Mischehe zwischen Weißen und Eingeborenen streng ver» bietet. Mit welcher Hörte dabei vorgegangen wird, zeigt der Fall eines gewissen Abraham Pelser, eines Europäers, der in frühester Kindheit seine Estern verlor und von Negern großgezogen wurde. Pelser lebte ständig unter den Eingeborenen. Kürzlich heiratete er eine Frau vom Stamme der Baralong, für die er ihrer Mutter nach Stammcsbrouch achtzehn Kühe als Drautgeld zahlte. Wegen dieser„Mischhcirat" wurde der junge Ehemann nun an- geklagt und vom Gericht zu Lichtenberg(West-Transvaal) zu vierzehn Tagen Zwangsarbeit verurteilt. Auch die schwarze Gattin sperrt« man für die Sitzungsdaucr des Gerichts ein. Arbeitersport vom Sonntag. Mitteldeutscher Mannschaftsmeister. Mannschaftsmeister. In Lippert und Wenzel ie 1,60 Meter. Diskuswerfen: Knorr 29,50 Meter. Lurich schlägt Adler- Staßfurt 9: 7. " Am geftrigen Sonntag kam der Endkampf um die Mitteldeutsche Mannschaftsmeisterschaft im Bogen des AABD., zwischen Adler" Staßfurt( Meister des 8. Kreises) und Zurich 02"-Berlin( Meister des 4. Kreises), in Treptom zum Austrag. Mit 9: 7 Punkten fonnten die Vertreter Berlins knapp gewinnen. Bei der ausgezeichneten Form der Staßfurter Sportler hätte das Resultat ebensogut umgefehrt ausfallen können. Jedenfalls war die Entscheidung der Punttrichter, die im Weltergewicht den Sieg an Berlin 1000- Meter- Lauf: Kerth 2,54,5 Min., 2. Lahl. Frauen: 75- Meter- Lauf: Rippel II 11,6 Gef.; 2. Reek 12, 8 Get. Hochsprung: 8ippel I 1,25 Meter; 2. Rippel II und Jankowiti 1,10 Meter. Weitsprung: Jankowsti 4,62 Meter; 2. Rippel I 4,86 meter. 200- Meter- Lauf: Santosti 30,2 Gef.: 2. Zippel 1 32,2 Gel. Rugelftohen: Rippel I 7,46 Meter; 2. Rippel II 6,62 Meter. Distuswerfen: Zippel I 22,56 meter; 2. Riedlinger 18,22 Meter Speerwerfen: Lippert G. 18,21 Meter; 2. Riedlinger 17,13 Mic. Beitsprung: 1. Günther 5,14 Meter, 2. Fabisch 5.11 Meter. Distuswerfen: Jugend: 100- Meter- Lauf: 1. Fabisch 12,3 Get.; 2. Günther 12,5 Set. 1. Wegener 28,96 Meter; 2. Schulten 28,71 Meter. Hochsprung: 1. Wegener und Fabisch je 1,41 Meter. 1000- Meter- Lauf: 1. Wegener 2,57,4 min., 2. Sempt 2,58,3 min. Rugelfioßen: 1. Begenet 11,21; 2. Sirthe 11 9.73 Mir. Schwimmfest in Luckenwalde. Am gestrigen Sonntag hielt die Schwimmabteilung der Freien fest ab. Bon auswärts beteiligten sich Freie Schwimmer- Neukölln prächtigen Gebiete der weiteren Berliner Umgebung führen. Der Plan für die nächsten Monate zeigt folgende Fahrten an: 28./29. Juli: Spreewald, 5. August nach der Ruppiner Schweiz, 18./19. Auguft: Spreewald, 26. August: Fürstenberg( Medlbg.) Bobligkanal- Lychen, 8./9. September: zur Heideblüte in den Fläming, 23. September: Kloster Chorin- Plagefenn Lieper Schleusen- Niederfinom, 7. Oktober: Fürstenwalde Rauensche Berge, 28. Oktober: Neubrandenburg und 11. November: Wittenberg. Gute Führer der Naturfreunde machen bei diesen Fahrten nicht nur auf die allgemeinen Schönheiten der Natur und auf naturwissenschaftlich intereffante Gebiete aufmerksam, es sind auch Eindrücke vielfa her Natur vom Volksleben der verschiedenen Gebiete mitzunehmen. Diese bringen uns gerade zum Verständnis der sozialen 2age ländlicher Bevölke= rungsschichten. Für den bewußt im Leben und in der ArbeiterIam Blaze gewesen, wenn nicht gar ein Punktsieg des Staßfurters! Turnerschaft Luckenwalde ihr diesjähriges gut besuchtes Schwimm Bert. Ueber Einzelheiten der Fahrten gibt das Reisebureau der Die Kämpfe verliefen in allen Gewichtsklassen äußerst spannend und nahmen zum großen Teil einen sehr harten und erbitterten Berlauf. Im Fliegengewicht fiegte Stange( 2.), 89,5 Pfd., über Schobert( 2.), 101 Pfd., verdient nach Buntten. Gh. borte etwas unrein und mußte zweimal wegen Genicschlages verwarnt werden. Im Bantam fiel der Sieg an Berlin. In allen drei Runden fonnte Zimmermann( 2.), 106,5 Bfd., fleine Borteile für sich buchen, die zu einem fnappen aber einwandfreien Bunttfieg über Stusfe( 2.), 105,5 Pfd., ausreichten. Einen sehr flotten Berlauf, der Stimmung in die Zuschauer trug, nahm der Kampf im Federgewicht, Leifer( 2.), 112,5 Pf., und Konieczny( L.), 115 Pfd., hießen hier die Gegner. R., ein wuchtiger Schläger und Fighter, zwang dem Gegner feinen Stil völlig auf. Leiser konnte sich trot befferer Technit nicht durchseßen und mußte sich fnapp nach Punkten geschlagen bekennen. Auf Biegen und Brechen ging es im Leichtgewichtstreffen, das Braun( 2.), 118,5 Pfd., gegen Fromm( L.), 120 Bfd., in den Ring brachte. Auch hier triumphierte wieder die physische Ueberlegenheit des Berliners über die gute Technik des Staßfurter Sportgenossen, der in der zweiten Runde sogar bis vier zu Boden mußte, den Kampf aber dann überraschend gut bis zum Schluß durchhielt. Zu einem Fehlurteil tam es unserer Meinung, wie schon eingangs erwähnt, im Weltergewichtsmatch zwischen Engelmann ( 2.), 133 Bfd., und Schlößmann( 2.), 129,5 Pfd. Beide Gegner machten einen gut trainierten Eindruck und lieferten sich einen schönen Kampf, der fast vom Anfang bis zum Ende die Sieges chance offen ließ. Engelmann, der besonders gegen die Magen partie Schlößmanns wiederholt und mit ertennbarer Mir fung landete, überwand bald die Reichweite des Gegners, die dieser gefchicht auszunügen verstand. Die zweite und dritte Runde sah jedenfalls Engelmann sehr in app aber flar im Vorteil. Unverständlich erscheint daher die Wertung des Bunftgerichts, das den Sieg mit 7: 6% an Schlößmann gab. Unentschieden endete das Treffen im Mittelgewicht zwischen Heinemann( A.), 126,5 Pfd., und Molinsti( L.), 131 Bfd., M. hatte in der letzten Runde zwar etwas mehr vom Rampf, doch entsprach das Urteil mehr dem allgemeinen Verlauf. Einen überraschenden Ausgang nahm der Halbschwergewichtstampf zwischen Beierle( 2.), 142,5 Pfd., und Altenpohl( L.), 138 Pfd. Der Lurich- Mann versuchte den Gegner in wildem Fight zu überrennen. Die genau gefeßten linten Stopper, die Wirkung verrieten, mahnten Altenpohl jedoch zur Borsicht. Beierle gab dann auch feinen Augenblick die Führung aus der Hand und deckte seinen Gegner derart mit Kopftreffern ein, daß dieser in der dritten Runde völlig hilflos in einer Ringede stand und den Kampf aufgeben mußte. Die Ruhe und Schlagtechnik des Staßfurter- Sportgenossen mar zeitweise bestechend. Schließlich fam ,, Adler" Staßfurt noch im Schwergewicht zu einem Siege. Refonctiemiz( 147 Pfd.), der ständig das Tempo diktierte, punktete Räthner( 2.), 146 Pfd., den man schon besser gesehen hat, langsam aber sicher aus. Alles in allem ein schöner Kampftag, der auch gezeigt hat, daß es mit dem Borsport in den Kreisen der Arbeitersportler mächtig vorwärts geht. Die Staßfurter Sportler haben einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen und es ist zu wünschen, daß sie sich recht bald mieber einmal in der Metropole den Berlinern präsentieren. Straßenrennen in Spandau. Das gestrige 50- Rilometer- Straßenrennen des 23. Bezirks bes Arbeiterrabfahrerbundes Solidarität auf der Strede Spandau, Faltensee, Brieselang, Pausin, Grünefeld, Börnite, Weinberge, Brieselang, Falkensee wurde in 3 Klaffen in Abständen von 2 Minuten gefahren. Zu dieser etwas engen Startfolge war die Rennleitung gezwungen durch die Spandauer Polizei, welche das Starten über haupt nicht zulassen wollte, da die Genehmigung angeblich nicht erteilt war, obwohl fie rechtzeitig eingereicht war und außerdem vorschriftsmäßig auch bei der obersten Behörde für Straßensport angemelde war. Diese Schifanierung ist um so verwunderliche:, als zur selben Zeit ein bürgerlicher Verein auf der gleichen Strede ebenfalls ein Rennen ausfuhr; auch ohne Genehmigung? Infolge dieser dichten Startfolge fanden sich die Fahrer bald in einem großen Rudel zusammen und waren nicht mehr auseinander zu bringen. Wiederholt versuchten Fahrer wie Dubke, Binici, Kühne, Bud usw. davonzulaufen, aber die Konkurrenten waren auf der Hut und so fonnte die Bost eben nicht abgehen. Gleich vom Start aus macht ein fräftiger Gegenwind den Fahrern viel zu schaffen und awang manch schwächeren Fahrer zum Aufgeben, auch einige gelinde ausgelaufene Stürze zwangen dazu, das Gros hielt aber zu sammen und so tamen in Faltensee etwa 25 Fahrer dicht gedrängt durch das Ziel, an der Spize 3ud von der 1. Abteilung Berlin, dem dichtauf der B- Fahrer Sachse somie Weber und der Neu Ruppiner Görn folgten. Bei den Altersfahrern fonnte der Span bauer Balduweit ficher Annen und Mustroph abfertigen. Ergebnisse: -Riaffe: 1. Rud, Berlin, 1. Abt., 1.32.16. 2. Weber, Moabit, Renn fahrer- Abt. 3. Görn, Neu- Puppin. 4. Pinidi, Rennf. Abt. 5. Andrejewski, Rennf. Abt. 6. Stod, 7. Duble, beide Berlin, Rennf. Abt. B- Klaffe: 1. Eachle, Berlin, 4. Abt., 1,36,17. 2. Rehberg, Moabit, Rennf.- Abt. 4. Storbel, beide Charlottenburg 3. Rübelohl. C- Rlaffe: 5. Börte. 1. Arause, Moabit, Rennf. Abt., 1.49.6 2. Marquardt, Röpenid. AltersZaffe: 1. Balduweit, Spanban, 1.34.22. 2. Annen. 3. Muſtroph, beide Moabit. Rennf.- Abt. Jugend: 2- Alm. Strede: 1. Fulde, Charlottenburg, B.10. 2. Riffe, Berlin, 6. Abt. Vereinskämpfe im Lichtenberger Stadion. Der Arbeitersportverein Lichtenberg trug am Sonntag im Lichtenberger Stadion Vereinskämpfe für Männer, Jugend- und Frauenmannschaften aus! 60 Sportler stellten sich dem Kampfgericht. Um jeden Blaz wurde in den Mehrtämpfen heiß gestritten. Leider war die Beteiligung der Lichtenberger Arbeiterschaft, obwohl fein Eintrittsgeld erhoben wurde, recht mäßig. Ergebnisse: Mäuner: 100.Meter- Bouf: Wegener 12,3 Set. Weitsprung: Sippert 5,75 9. 400- meter- Lauf: Anorr 36,4 Sef. Rugelstoken: Anozz 9,13 Meter. Soch. mit den Gruppen Neukölln und Lichtenberg, Vorwärts- Oberschöne Naturfreunde gern weitere Auskünfte. weide, Berlin 12 und Charlottenburg, und aus der Provin KleinBittenberg. Ein Umzug mit Mufit führte die Schwimmer durch Luckenwalde zur Badeanstalt. Eingeleitet wurde das Fest mit einem Jugend Wasser= ballfptei Vorwärts- Oberschöneweide- Neukölln, das Neukölln für sich entschied. Die Eröffnungsstaffel gewann Neukölln überlegen. In den Knaben- und Mädchenschwimmen dominierte Lichtenberg, während das Frauen- Bruft sowie Rüdendominierte Lichtenberg, während das Frauen- Bruft- sowie Rüden Ein Flieger rettet Touristen. Pilot Thoret erblickte beim Ueberfliegen des Mont Blanc einen Bergsteiger in Not. Er alarmierte eine Rettungspatrouille und flog dann zu dem Verunglückten zurück. Auf die Tragflächen seines Apparates hatte er malen lassen: Rühren Sie sich nicht vom Platze, Hilfe kommt. Die Rettungsko'onne hat den Bergsteiger und seinen abgestürzten Kameraden geborgen. Die schwimmen eine sichere Sadje für Frohn war. Scharfe Kämpfe gab es im Männer- Seite sowie in Männer- Brustschwimmen. In Klasse A siegte im lekteren Grün- Charlottenburg, während in Klasse B Lehmann- Lichtenberg sich als Erster plazierte. Rettungsvorführungen hätten in Anbetracht ihres besonderen Weries eingehender vorgeführt werden müssen. In den am Schluß gezeigten Wasserballspielen siegte die Jugend Neuköllns über Berlin 12. Die Männer Luckenwaldes spielten gegen K.- Wittenberg unentschieden, während die Freien Schwimmer Neukölln, Gruppe Lichtenberg, über Charlottenburg nach reichlich scharfem Kampf mit 4: 2, Halbzeit 0: 2, triumphierten. 19 Treibt Arbeiter- Hockey! In der Kultur der modernen Kampfspiele, die im Rahmen des Arbeiter Turn- und Sportbundes gepflegt werden, ist wohl das Rennen bei Rütt. Der letzte Renntag der Rütt Arena brachte u. a. Radrennen hinter Tandemführung. Bier gute Fahrer hatte fich Walter Rütt hierzu ausgesucht: 2ouet, Ehmer, Tieg und Frankenstein. Jeder Fahrer hatte mehrere Führungsmann schaften. Dieser Versuch, die Radrennen hinter Zweifizerführung aufzufrischen, glüdte nicht ganz. Die Ablösungen ließen zu wünschen übrig. Ehmer gab nach einer fnappen halben Stunde die Angelegenheit auf. Der Franzose Louet, der eine hervorragende Fahrweise zeigte, hatte infolge der schlechten Ablösungen durch seine Führungsmannschaften außerordentlich zu leiben. Dstar Tiek bzw. seine Führungsmannschaften nüßten diese Momente aus und fonnten so ihren Steher" zum Siege führen. Auf der Ehrenrunde mußte er allerdings ein Protest= pfeiftonzert des Publikums über sich ergehen lassen. Die Sympathien der Sportgemeinde waren eben bei Louet. der 70 Meter hinter Tietz( 46,950 Rilometer) durchs Ziel ging. 3weiter wurde Frankenstein, 40 Meter zurück. Das Hauptfahren der Profeffionals holte sich im Endlauf der Ersten der Krefelder Schamberg vor Knappe und Fricke. Lorenz gewann den Endlauf der 3 weiten gegen Hahn und Gottfried. Kießlich war der Mann im Endlauf der Dritten. Krüger und Beinert hatten die nächsten Plätze. Ein 3 weifigerprämien fahren sicherte sich Lorenz- Knappe, 2. Kühl- Mühlbach vor Fride- Gottfried und Beinert- Wette. Recht lebhaft ging es im 3talienischen Verfolgungsrennen zu, das einen hübschen Sieg der Knappe Mannschaft über die Fride- Mannschaft brachte. = Schließlich ein Hauptfahren der Amateure, in dem der Concorde Schulz den neuen Gaumeister Fliegel vom BRC. 89 auf den zweiten Play verwies. Deutscher Segelflugrekord in Frankreich. Bei dem Segelflugwettbewerb in Cherbourg schlug der deutsche Flieger Nehring, Apparat„ Darmstadt", mit einem Flug von 27 Kilometern den Flugreford für motorlose Flüge. Der Reford würde bisher von Rapitän Thore mit 8% Rilometer gehalten. Nehrung hat in der Rhön bereits einen Flug von 52 Kilometern aus geführt. Auch die übrigen dentfchen Flieger zeigten beachtenswerte Leistungen, so Wirth aus Württemberg mit einem Flug vont puntt erhob, sowie Magersuppe und Tropfen mit Flügen 44,27 Minuten, bei dem er sich 250 Meter über seinen Ausgangsvon je 34 Minuten. Der Flieger Regel erlitt bei der Landung einen Unfall, wobei das Höhensteuer seines Apparates zerbrach. Erster Segelflug im Berner Oberland. Bern, 23. Juli, Der Segelflieger Alfred Elsasser flog Sonntag früh von Niessen in 30 Minuten nach) Uetendorf bei Thun, wo er glati landete. Die zurückgelegte Strecke beträgt 22 Kilometer. Das ist der erste motorlofe Segelflug im Schweizer Hochgebirge. Neuer Weltrekord im Diskuswerfen. Der Weltreford im Kugelstoßen des Ostpreußen Hirschfeld sowie die famosen Leistungen von Paulus und Hoffmeister. von denen Paulus in diesem Jahre immer den Bogel abschoß, sind noch in aller Erinnerung. Jetzt gelang es dem Münsteraner Hoffnur dessen deutsche Rekordleistung überbot, sondern auch dem Weltreford den Garaus machte. Bei einem Sportfest in Schalke marf Hoffmeister die Scheibe 48,77 meter meit! Der Weltrekord des amerikanischen Olympiafiegers Clarence Houser von 48,625 meter, aufgestellt im April 1926 in Minneapolis, ist also um 14,5 Zentimeter verbessert. Im Revanchekampf Ho u ben- Jonath siegte wiederum Jonath in 10,6 Sefunden um Brustbreite. Hocken eines der schönsten Spiele, das zur Erholung und Zerstreuung meister, dem Beglarer Paulus den Rang abzulaufen, indem er nicht der Jugend beiträgt. Bei sachgemäßer Uebung hat Hockey den Vorzug, den Spieler zu einen energischen, geschickten und geistig regsamen Menschen zu machen. Schon lange vor dem Krieg wurde bei uns das Hocken gepflegt; seine Entwicklung sehen wir aber erst so recht in der Nachkriegszeit. Da es uns an Sportplägen mangelt, geschieht dies wohl sehr langsam, aber wir fönnen stolz darauf sein, was bei uns bisher an Technik und Zweckmäßigkeit geleistet worden ist. Da die Vorzüge des Hockey hauptsächlich im Geistigen liegen, aber auch die Vorteile für das Körperliche sehr hoch sind, hat sich er= Windhundrennen im Post- Stadion Dienstag, 24. Juli, freulicherweise in letzter Zeit auch die weibliche Jugend dem abends 8.30 Uhr. Verschiedene auswärtige Befizer haben Nennungen schönen Spiel zugewandt. Um nun den Anschluß an die ArbeiterTage abgegeben. Zur Entscheidung gelangt der Preis von Hodenbewegung zu erleichtern, hat die Hodenabteilung des Athletik- Bidrathberg, der von den Siegern und Zweiten der drei AusSport- Klubs einen Kurfus für Anfänger eröffnet. Damen scheidungsrennen vom 14. Juli bestritten wird. Den Schluß des fowie Jugendlichen ist hier die Gelegenheit gegeben, sich neben leicht Renntages bildet ein Hürdenrennen. ahtletischen und gymnastischen Uebungen dem schönen Spiel zu widmen. Die Leitung liegt in den Händen erfahrener Hockenspieler. Training jeden Donnerstag ab 18 Uhr auf dem Fichtesportplatz Baumschulenweg und jeden Sonnabend ab 18 Uhr im Lichtenberger Stadion. Schöne Trainings- und Brauseanlagen stehen zur Berfügung. Näheres durch Walter Hechler, Neukölln, Weisestr. 55. Wochenendfahrten. Biel zu flein ist die Schar der organisierten Arbeiterwanderer noch in unseren Wandergebieten, obwohl ihnen auch hier durch die Organisationen der Naturfreunde bedeutende Erleich terungen vermittelt werden könnten. Vielen der älteren Generationen ist es infolge geschwächter Gesundheit nicht mehr möglich, so ungebunden wie die Jugend durch Wälder und Wiesen zu ziehen, in Quartieren primitivster Art zu übernachten oder gar nach durchVereinskalender. Freie Faltbootfahrer Berlin. Rusammenkunft Tonnerstag, 26. Juli, Schule Weinmeisterstr. 16/17, 18 Uhr. Bericht von der Werra- Fuldafahrt. Am 28. und 29. Juli Bereinstreffen am Hölzernen See( Aequatortaufe). Benügt werden die Züge 14.55, 16.00, 17.30 ab Görl. Bhf. bis Teupis- Or.. Köris. Mittwoch, 1. Auguft, geschlossene Beteiligung an der Antikriegsfundgebung der Partei im Humboldthain. S.-C. Berolina", Neukölln. Bierteljahresversammlung fülr alle Abteilungen Mittwoch bei Ticze, Mahlower Str., Ecke Weisestr., 20 Uhr. Schr wichtige Tagesordnung. Wanber- Ranu- Berband ,, Mart Brandenburg e. V." Geftion Brandenburg: 20. bis 31. Juli Treff- Fahrt nach Mecklenburg. Treffpunkt: Einmündung des Bolter- Kanals in die Mitrig.( Reltlager!) Gruppe Erkner: 4. Auguft Italienische Nacht auf dem Flatensee. Reltlager Freibad am Flatensee. Lampionfahrt usw. 5. Auguft, vorm. 11 Uhr: 1000- Meter- Schwimmen um das Diplom des W. K. B. Start Flatensee Bootshaus des W. A. 23. Gruppe Potsdam- Wannsee: 11. Auguft Italienische Nacht im Königswald bei Nedlig. 12. Auguft vorm. 1000- Meter- Schwimmen um das Diplom des W. R. V. Gruppe Grünau: 21, bis 22. Juli Britlager am Ecddinfee, Nähe Eandschurre. 28. bis 29. Juli Seltlager in der kleinen Rrampe. 12. August, vorm. 10 Uhr, 1000- Meter- Echwimmen um das Diplom des. R. B. Start Teltom- Ranal, Einmündung Grünau. Gruppe Spandan- Tegel: 4. Auguft Lagerfahrt nach Tapenberge. Berliner Arbeiter- God? lub. Dienstag, 24. Juli, 20 Uhr: Abt. CharTottenburg: Bismarcftr. 56. Abt. Nord- West: Wilhelmshavener Str. 24. Abt. fahrener Nacht marsch- und aufnahmefähig zu bleiben. Auch ihnen muß aber die Möglichkeit gegeben sein, auf Wanderungen einfacherer Art Naturerlebnisse in sich zu sammeln und damit Stärkung Norden: Sprengelſtr. 30. Abt. Meinidendorf- West: Scharnweberstr 114/115. für das schwere Alltagsdasein zu gewinnen. für das schwere Alltagsdasein zu gewinnen. Um hier grundlegende Besserung zu schaffen, hat nunmehr der Touristenverein„ Die Naturfreunde"( Auskünfte im Reisebureau, Berlin N 4, Johannisstr. 14/15) ein neues Arbeits. gebiet in Angriff genommen, auf dem bereits prächtige Erfolge erzielt wurden. Für eine ganze Reihe von Tagen sind auch in diesem Jahre noch wieder Wochenendfahrten vorgesehen, die in alle Abt, Sumboldthain: Boltaftr. 19. Abt. Weißenfee: Lehberstr. 122. Abt. Memel: Memeler Str. 10. Abt. Lichtenberg: Gürtel- Ede, Doffeftr. Werbebezirk Norb: Bezirkswettkämpfe: Reinidendorf- West, Gartenplag, Scharnweber. straße 114/115. Norden: Weddina. Sprengelstr. 39. Sumboldthain: Gesundbrunnen, Boltaftr. 19. Gäste milkommen! Arbeiter Rabfahrerbund ,, Salibarität“. Mennfahrer- und Wettfahr. ausichuß! Wettfahrausschußigung Mittwoch, 25. Juli, 7.30 Uhr abends bei Schilling, Berlin, Rungestr. 30:, Gefchäftliches. Die Gaubahnrennen am Die zum Gaubahnrennen gemeldeten Mitglieder 29. Juli. Riltt- Arena. müffen zum Training auf der Rütt- Arena im Befik einer Trainingstarte fein, abzuholen beim. Gen. Meinert, Berlin, Brüdenstr. 5b. Der unschuldig Verurteilte.rov filmgerechte Idealgestalt erweist. Er wird das Gegenteil sogar oft Doraussetzen müssen. Darin eben hat das wirtliche Gefühl für Gerechtigkeit sich zu zeigen, daß es sich im Rampf um die Unschuld nicht von Gefühlsmomenten leiten läßt. Bei allen Kämpfen um das Recht handelt es sich nicht darum, ob der Verurteilte sympathisch unmoralische Handlungen geglänzt hat. Entscheidend ist einzig unb allein die Frage, ob ber Berurteilte gerade bas spezielle Verbrechen begangen hat, weswegen er schuldig gesprochen wurde. Nur schärfste Konzentration auf diese eine Frage tann dem Recht zum Siege verhelfen. E. K- r. Unschuldige sind keine Engel.- Fehlschlüsse aus unsympathischer Erscheinung.- Esober unsympathisch ist, ob er im Leben durch moralische oder durch ist ihm zuzutrauen!- Lehren der Fälle Slater und Jakubowski. In schlechten Filmen und Romanen ist der unschuldig Verurteilte| lichen Zusammenhanges) roh und gemein wirkt. Der Fall Jakueine Idealgestalt, ein Muster an Tugend, dessen Leiden doppelt grau- bowsti lehrt, wie eine einzige solche Aeußerung unter Umständen jam anmuten, weil das erlittene Schicksal im trasfesten Gegensatz ihrem Urheber den Kopf kosten kann! zu dem verdienten Los steht. -Das wirkliche Bild sieht meist ganz anders aus. Der größte Teil der unschuldig Berurteilten sind Leute, denen ihre Mitmenschen schlechthin das Prädikat, unsympathisch" anzuhängen pflegen. Gerade ihr Mangel an Fähigkeit, die Herzen anderer zu gewinnen, wird diesen Naturen zum Verhängnis. Denn ganz erklärlich läßt und auch der Richter ist ein Mensch viel sich jeder Mensch leichter von der Schuld eines von ihm unsympathischen als eines ihm sympathischen Menschen überzeugen. Jeder Gerichtspraktiker wird bezeugen, daß vor männlichen( ganz gleich ob Berufs- oder Laienrichtern) ein sanftes junges Mädchen mit Madonnenaugen ganz andere Chancen auf Freispruch hat als eine triefäugige, zahnlose Alte. Selbstverständlich entscheidet nicht allein das Aeußere. Sehr meintliche Täter bei anderen Gelegenheiten ein wirklich unviel Verurteilungen Unschuldiger entstehen daraus, daß der vermoralisches oder verurteilenswertes Berhalten an den Tag gelegt hat. Die Zweifel des Richters über die Schuldfrage löst dann gewöhnlich ein unterbewußtes: ,, Na, dem Lumpenhund kann ja ein Denkzettel nicht schaden". So war die frühere Verurteilung des jetzt im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Slater vornehmlich auf den moralischen Unwillen zurückzuführen, den die puritanischen englischen Geschworenen über das Zusammenleben Slaters mit zwei Frauen in der gleichen häuslichen Gemeinschaft empfanden. Vielfach wird unschuldigen Menschen auch der Umstand zum Berhängnis, daß sie eben nur kleine, durchschnittliche Menschen, durchaus keine Helden sind und deshalb dumm und ängstlich lügen: Es wird beispielsweise ein Unschuldiger verhaftet unter der Beschuldigung, am Dienstag nachmittag um 5 Uhr im Hause Berliner Straße 113 einen Mord begangen zu haben. Durch einen ganz äußerlichen Zufall hat der Verhaftete wirklich um diese Zeit das Haus betreten. Nur ein ganz großer Charakter bekennt in solchem Fall ruhig die Wahrheit. Der typische ,, kleine Mann" sieht nur die furchtbare Gefahr, in die ihn das Spiel des Zufalls gestürzt hat, und leugnet aus Leibeskräften, um die bestimmte Zeit am Tatort gewesen zu sein. Wird nun durch Zeugen seine Anwesenheit bewiesen, so ist für den nichtpsychologischen Richter alter Schule das hartnädige Leugnen des Angeklagten" der sichere Beweis des sehr eindringlichen Beleg. Die Urteilsbegründung wirft dem HinSchuldbewußtseins. Auch hierfür bringt der Fall Jakubowski einen gerichteten nämlich vor, daß er vor dem Bormundschaftsrichter über den Zeitpunkt des Verschwindens des fleinen Ewald Nogens eine falsche Angabe gemacht und hierdurch sein schlechtes Gewissen" verraten habe. Dabei handelte es sich um ein für die kriminalistische Untersuchung ganz gleichgültiges Protokoll, das nur die Alimentationsverpflichtungen des Jakubowski zum Inhalt hatte. Wirkliche oder vermeintliche Verstöße gegen den bürgerlichen Tugendkoder sind eine erhebliche Gefahr für den Angeklagten. Wer Noch größer wird die Gefahr eines Fehlspruchs, wenn die un- ein unstetes Zigeunerleben geführt hat, erscheint dem seẞhaften moralische Handlung gar eine gewisse Parallelität mit der ver- Spießer von vornherein verdächtig. Einem Schuldenmacher oder meintlichen Tat aufweist. So bereitet der große Dichter und Seelen- Spieler wird ein Raubmord leichter zugetraut werden als einem kenner Dostojewsky den Justizmord an Dimitri Karamafoff sehr Grundbesitzer mit gefestigtem Bankkonto. Wie der Fall Slater zeigt, geschickt dadurch vor, daß Dimitri am Tag vor der Ermordung seines schaden auch Verstöße gegen seruelle Moralregeln dem Angeklagten Baters sich dazu hinreißen läßt, den alten Mann förperlich schwer gewaltig. Auch in deutschen Urteilen findet man das Bestehen eines zu mißhandeln. Natürlich geht die ,, Vox populi", hier verkörpert ,, Konkubinats" und ähnliches oft als Beweis der Amoralität des durch die Bäuerleingeschworenen, dahin: Wer seinen Bater schlägt, Angeklagten. Sehr oft find nicht einmal bedeutsame- Ehe. dahin: ,, Wer der ist auch fähig, ihn zu ermorden". Da Dimitri außerdem einen zwi stigteiten Ursachen falscher Verdächtigungen. Auch bei guten liederlichen Lebenswandel führt, Schulden hat und sein Alibi nicht und harmonischen Ehen finden sich liebevolle Nachbarn, die durch beweisen kann, wird er des Vatermordes schuldig gesprochen. Seine Wände und Decken einen heftigen Streit gehört, durch die GardinenBeteuerung: Ich habe viel Lumpereien begangen, aber den Vater spalte ein Handgemenge der Ehegatten beobachtet haben! 3war gibt getötet, das habe ich nicht", findet keinen Glauben. es Streit in jeder Ehe, aber wie schnell und bequem ist der Schluß gezogen:„ Die Ehegatten lebten in Feindschaft, also war es dem Mann darum zu tun, seine Frau zu beseitigen." Unendlich gesteigert wird der Verdacht des Gattenmordes natürlich, wenn wirklich die Ehe im Zerfallen war. Der psychologische Scharfblick des Dichters deckt sich vollkommen mit den Erfahrungen der Wirklichkeit. Oft genug fann man in Urteilen lesen: Da der Angeklagte sich in dieser und jener Beziehung unmoralisch, herzlos, lieblos usw. benommen hat, so war ihm die hier zur Aburteilung stehende Tat wohl zuzutrauen." Typisch hierfür ist das Urteil im Fall Jakubowski. Jakubowski war ein schlichter Landarbeiter, dem man seinem ganzen Verhalten nach die Ermordung seines vierjährigen Rindes von vornherein nicht zutrauen durfte. Acht Zeugen bekundeten, daß Jakubowski zu seinen Kindern gut gewesen ist und an ihnen gehangen hat. Aber ein roher Scherz, den sich der Angeklagte fast vier Jahre vor der angeblichen Tat einmal geleistet haben soll, wird vom Gericht forgfältig der Vergessenheit entrissen und als Beweis für die Gemütsroheit und Herzlosigkeit des Angeklagten zitiert. Natürlich gibt es feinen Menschen, dem man nicht aus seinem Leben irgend eine Aeußerung nachweisen kann, die( namentlich außerhalb des ursprüngPapierhaus L- Juergens jetzt Nr. 43 Am Freitag, dem 20. Juli, verschied nach furzer Krankheit mein über alles geliebter Mann, mein lieber Vater, der Maschinenseger Georg Pötsch im 44. Lebensjahre. In tiefstem Schmerz Martha Pötsch, geb. Piepenhagen, Georg Pötsch, Gohn. Finüscherung: Donnerstag, 26. Juli, 16 Uhr, im Krematorium BerlinWilmersdorf, Berliner Str. 101/103. Neue Königstr. NEUE KONIG S Eisschränke auch bis zu 18 Monats- Raten Rawatz Berlin W 66, Leipziger Straße 122/123 Mit diesen Ausführungen soll gesagt sein, daß es sich bei der Aufdeckung von Justizmorden durchaus nicht um romanhafte Befreiung gequälter Idealmenschen handelt. Selbst die große franzöfifche Affäre des Hauptmanns Dreyfus entstand nicht zulegt dadurch, daß Dreyfus ein ziemlich unbeliebter Kamerad unter seinen Offizierskollegen war. Gesellt sich zu solcher Unbeliebtheit noch, wie bei Dreyfus, das Vorurteil gegen den Juden oder wie im Falle Jakubowski gegen den russischen Kriegsgefangenen, sowie das Bestreben der wirklich Schuldigen, den Verdacht auf andere abzulenten, so ist der Justizmord fertig. Der Wahrheitssucher und Rechtsfreund darf sich daher niemals beirren lassen, weil das Objekt seiner Bemühungen sich nicht als Die größte Betonhalle der Welt. In Frankfurt a. M. wurde kürzlich eine neue Großmarkthalle errichtet, die zugleich die größte Betonhalle der Welt ist. Auch dieses monumentale. Bauwerk trägt in seiner äußeren Gestaltung die Züge moderner Technik. Soll beim Sport der Sieg Dir winken musst Du nur Sinalcotrinken Sinalco ist stärkend erfrischend bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. Ueberall zu haben! Generalvertr. Starick& Krüger G. m. b. H., Lands berger Allee 6-7. Alexander 4703/ Königst. 1666 ingelhardt Engelhardi Caramel- Matzbler DIATETISCHES GESUNDHEITSBR www Mark VOLLBIER Engelhardt- Brauerei Goethe und die Deutschnationalen. Es wird wohl faum einen Deutschnationalen oder einen Deutschvölkischen geben, der nicht in Goethe den großen Deutschen zu verehren behauptete. Und da dürfte es diesen Germanen wenig angenehm sein, wenn man ihnen folgende Ansichten Goethes, die er vor etwa hundert Jahren Eckermann darlegte, ins Stammbuch schriebe. Goethe tam auf den Vorwurf zu sprechen, den man ihm machte, weil er nicht politisch- militärisch wirksam gewesen, und meinte dazu: Wie hätte ich ,, Für mich, der ich feine friegerische Natur bin und feinen friegedie mir sehr schlecht zu Gesicht gestanden hätte. Lieder des Hasses schreiben tönnen ohne Haß? Und unter uns, rischen Sinn habe, würden Kriegslieder eine Maste gewesen sein, ih hasse die Franzosen nicht, wiewohl ich Gott dankte, als wir sie los waren. Wie auch hätte ich, dem nur Kultur und Barbarei Dinge von Bedeutung sind, eine Nation hassen können, die zu den kultiviertesten der ganzen Erde gehört und der ich einen so großen Teil meiner eigenen Bildung verdanke!" Und dann fährt er fort: ,, Ueberhaupt ist es mit dem Nationalhaß ein eigen Ding. Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn am heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen geht und man ein Glück oder ein Wehe seines Nachbarvoltes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet. Diese Kulturstufe war meiner Natur gemäß, und ich hatte mich darin lange befestigt, ehe ich mein sechzigstes Jahr erreicht hatte." Wenn man auch den Vertretern des Gewaltstandpunktes und der Fauft nicht zumuten kann, ihren Goethe gründlich zu studieren, so sollte man obige Worte doch in den Universitäten als Sinnsprüche einbrennen, die dort si her besser hinpassen würden, als jene, die man auf das Ehrenmal der gefallenen Studenten setzte, und die in ihrem Sinn fraß jenen Goetheschen Worten entgegenstehen, die der Ausdruck jeder echten Kultur und Geistesgröße find. Unternehmen der Gewerkschaffen LINDCAR Ohne Anzahlung Wochenrate 3. Mk Monatsrate 12. Mk. Zu beziehen durch samtliche freigewerk schaftlichen Organisationen od direkt durch INDCAR- FAHRRADWERK Aktiengesellschaft Berlin Lichtenrade Erste Niederlage: patie Berlin SW, Oranienstraße 127 Zweite Niederlage: Berlin NO, Gr. 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