Morgenausgabe Nr. 347 A 177 45.Jahrgang Böchentlich 85 Big., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-m pro Monat. " * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend, Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und„ Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauenftimme, Technit, Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts". Molineup( bodnio? Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 25. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein patige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Retlamezeile 5.- Rechs mart Kleine Anzeigen" bas lettge orudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwei ettgedruckte Worte),: edes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Brennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden fraße 3. wochentägl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G. m. b.. Bostschecktonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 8 Neue litauisch- polnische Spannung. 3mmer wieder das Rheinland! Blutiger Grenzzwischenfall.- Gegenseitige Beschuldigungen. Warschau, 24. Jufi. Wie dem, pilfubftiblatt„ Glos prawdy" aus Wilna gemeldet wird, wurde gestern früh eine bei Neutrofi die polnisch- lilauische Litauischen Schüßen, fogenannten Schaulis. beschoffen. Ein Grenze abschreitende Grenzwache aus dem Hinterhalt von polnischer Soldat wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt. Es fall dies innerhalb einer Woche schon der 3 weite Fall einer Beschießung polnischer Grenzwachen durch Litauer sein. In einer weiteren Meldung aus Wilna wird behauptet, daß die Litauer an der polnischen Grenze reguläre Truppen und Schüßen in Maffen tonzentrierten. Auch fame es im litauischen Grenzstreifen zu ständigen Raubüberfällen, so daß in der Grenzbevölkerung, vor allem in der polnischen, Panit herrsche. Litauische Warnungsnote an den Bölkerbund. Die litauische Regierung hat dem Generalsekretär beim Bölterbund eine Note folgenden Inhalts übersandt: Bor einiger Zeit erschien in der Presse eine Meldung über polnische militärische Manöver im Wilna- Gebiet Manöver anbetrifft, so waren überhaupt feine vorgesehen. Freilich finden in Barenai jeden Sammer Schießübungen der litauischen Artillerie statt. Die litauische Regierung benachrichtigte aber stets hiervon die polnische Regierung, um allen möglichen Meinungsverschiedenheiten vorzubeugen. Die polnische Artillerie hält auch Schießübungen zwischen Schwenciany und Babradai an der Demarfationslinie ab. Diese Schießübungen riefen aber niemals Zwischen fälle seitens der einen oder anderen Partei hervor. Anders verhält es sich mit der Frage von Armeemanövern in der Nähe der Demarkationslinie. Das Zusammenziehen polnischen Militärs in größerer Zahl würde für Litauen eine solche Gefahr hervor. rufen, daß die litauische Regierung sich gezwungen sehen würde, rufen, daß die litauische Regierung sich gezwungen sehen würde, ficherheitshalber die litauischen militärischen Punkte zu verstärken. Unter solchen Umständen fönnen 3 wischenfälle stattfinden, die den Frieden in Gefahr bringen würden. Indem ich Sie von diesen Tatsachen in Kenntnis sebe, beehre ich mich, Euer Exzellenz zu bitten, diese Tatsachen nachprüfen zu wollen und im positiven Falle die in der Resolution des Völkerbundsrates vom 10. Dezember 1927 vorgesehenen Organe zur dringende Aufgabe staatsmännischer Kunst. Bon Rudolf Breitscheid. Wir, die wir die Befreiung der besetzten Gebiete fordern, sind nicht unsere sozialistischen Freunde allein, die unseren haben einen neuen französischen Berbündeten erhalten. Es Standpunkt drüben vertreten, es hat sich ihnen jetzt der befannte Bublizist Gustave Hervé angeschlossen, der in seinem Blatte ,, La Victoire" eine lebhafte Kampagne für die bedingungslose, fofortige und vollständige Räumung des RheinZone auf dem rechten Rheinufer auch nach der Räumung vorlands führt. Er meist darauf hin, daß die entmilitarisierte handen sein werde, und daß damit das Rheinland im Falle eines Krieges Frankreich ausgeliefert sei. Keine deutsche Regierung werde sich unter diesen Umständen bereit finden, in absehbarer Zeit mit Frankreich oder seinem polnischen Alliierten in den Krieg einzutreten. Es sei also gar kein Risiko dabei, bis 1935 den Rest des besetzten Rheinlandes ohne Gegenleistung im voraus zu räumen und damit eine erste Geste der Entspannung zugunsten des neuen republitanisch- demokratischen Deutschlands auszuführen. Nun ist an sich Gustav Hervé zweifellos fein Berbündeter, mit dem sich besonderer Staat machen läßt. Er war einmal ein Sozialist der äußersten Linken, der den berühmt gewordenen Ausspruch tat, daß die französische Fahne auf den en der Demartationslinie im Auguft als Antwort auf vor kurzem Bermeidung drohender Grenzzwischenfälle in Tätigkeit treten zu Misthaufen gehöre. Er wandte sich dann plötzlich nach rechts, beendete litauische Manöver in Barenai. Was die litauischen lassen. Heim ins Reich! Gewaltige Anschlußfundgebung in Graz. Graz, 24. Juli.( Eigenbericht.) In der steierischen Häuptstadt wurde heute unter Teilnahme des Reichstagspräsidenten Paul Löbe eine Ortsgruppe des öfter reichisch deutschen Boltsbundes gegründet, an deffen Spize Löbe steht. Am Nachmittag, nach Arbeitsschluß, versammelten fich auf bem Freiheitsplatz 30 000 Menschen, die mit Begeisterung die Reden des Bürgermeisters Genoffen Muschitsch und Lobes aufnahmen. In der Entschließung dieser Riesenversammlung wird nachdrücklich die Forderung nach. Bereinigung Deutschösterreichs mit der deutschen Republit auf Grund des unverlierbaren Selbstbestimmungsrechtes erhoben und den Staatsmännern Europas zugerufen: Respektiert den unerschütterlichen Willen des Boltes, dessen Erfüllung Frieden, Freiheit und Fort fchritt bedeutet. Am morgigen Mittwoch ist Genosse Löbe im Burgenland, in deffen Hauptort Sauerbrunn eine große Anschlußtundgebung veranstaltet wird. Scharfer Vorstoß Macdonalds. Die Regierung hat das Bolt über das Arbeitslosenproblem getäuscht. London, 24. Juli.( Eigenbericht.) Am Dienstag begründete Macdonald im Unterhaus eine Interpellation über das Arbeitslosenproblem und gleichzeitig den von seiner Frattion eingebrachten MiB trauensantrag gegen die Regierung. Macdonald warf mehre ren Ministern des Kabinetts Baldwin vor, das englische Bolt direkt belogen zu haben. Erst vor wenigen Tagen habe Churchill erklärt, daß die Arbeitslosigkeit zu feinen ernſten Bedenken Anlaß gebe. Die Ziffern der Arbeitslosenstatistik bewiesen aber, daß das Arbeitslosenproblem zu einer allgemeinen Beunruhigung im Bolte führen müsse. Es sei ganz allgemein festzustellen, daß sämt mäffern, haben dem Staatsdepartement und dem Marineanit empfohlen, angesichts der jetzigen geflätten Lage in China die dorf llegenden amerikanischen Matinefoldaten bis auf 1500 Mann zurückzuziehen. Diese Borschläge werden zurzeit vom Staats. departement und dem Marineamt ermogen. Nach dem Plan des Generals Butler sollen nur noch einige Flieger, eine Abteilung Artillerie, ein Signalforps und ein paar Maschinengewehr Abteilungen in China verbleiben. Die Krise in Jugoslawien. Neuer Lösungsversuch auf der alten Basis. Belgrad, 24. Juli. Der König hat den Führer der Slowenischen Volkspartei, Korosetsch, mit der Bildung der Regierung betraut. Wie verlautet, will Rorosetsch eine sich auf die alte Koalition stüßende Regierung bilden, in der die hervorragendsten Persönlichkeiten der Roalitionsparteien teilnehmen würden. Die demokratische Bauerntoalition dürfte sich zu dem Beschluß Korosetschs ab lehnend verhalten. Der Putsch in Portugal. Blutige Bilanz. Madrid, 24. Juli.( Eigenbericht.) Die in den letzten Tagen zu verzei hnende Rebellion ver= hältnismäßig großer portugiesischer Truppenteile beschränkte sich nicht auf die portugiesische Hauptstadt. Auch in der Provinz ist es zu größeren und fleineren Aufständen gekommen, die teilweise erst nach ich werem Blutvergießen niedergeschlagen werden konnten. In Lissabon allein beträgt die Bahl der Toten zehn. Außerdem werden mehr als 50 Verwundete gemeldet. Eine: der Hauptführer des Aufstandes entfam im Flug. zeug nach Spanien. wurde einer der wildesten Nationalisten und gehörte im Krieg zu denen, die Tag für Tag die Vernichtung Deutschlands predigten. Mit einigem Erstaunen hören wir jetzt von seiner Belehrung zu einer Politik der Verständigung. Man muß anerkennen, daß Hervé in jedem Augenblick den Mut seiner jeweiligen Ueberzeugung gehabt hat; einen Mut, der vor den äußersten Konsequenzen nicht zurückschreckt. Was ihm gegenüber bedenklich stimmt, ist der häufige und brüste Wechsel dieser Ueberzeugungen, der ihn von einem Extrem ins andere fallen ließ. Aber das ändert nichts daran, daß die Argumente, die er für die Rheinlandräumung ins Feld führt, richtig und unanfechtbar sind. Die mili= tärische Sicherheit Frantreichs ist nicht be droht, wenn die alliierten Truppen aus den preußischen, heffischen und bayerischen Gebieten zurückgezogen werden und wenn das Saargebiet wieder unter die deutsche Verwaltung fällt. Es bleibt nicht nur die fünfzig Kilometer breite entmilitarisierte Zone östlich des Rheins, es bleibt das Völkerbundstatut, es bleibt der Westpakt von Locarno, und zu ihnen tommt jetzt noch der Kellogg- Bertrag mit seiner Aechtung des Angriffstrieges. Geändert wird auch nichts an der Tatsache der Entwaffnung Deutschlands und vor allem nichts an dem ehrlichen Friedenswillen der großen Mehrheit des deutschen Volkes, der im Gegenteil durch die Aufrechterhaltung der Besetzung nur auf eine härtere Probe gestellt werden kann. Aber Hervé ist nicht Frankreich, und die Sozialisten sind es leider auch nicht. Einstweilen sieht es so aus, als fonime man in der Behandlung der Frage, die in der letzten deutschen Regierungserklärung so nachdrücklich als dringlich bezeichnet worden ist, nicht weiter. Von Paris aus werden immer wieder die alten Gründe gegen eine Erfüllung des deutschen Begehrens ins Treffen geführt. Es sind nicht nur die militärischen Einwände, die die Victoire" so wirksam widerlegt hat, es freuzen sich mit ihnen andere, und darunter namentlich der Hinweis auf den Pfandcharakter der Rheinlande, die man besetzt halten müsse, um die deutschen Zahlungen aus dem Dames- Plan sicherzustellen. Daß auch dieses Argument hinfällig ist, liegt auf der Hand. Deutschland zahlt nicht und wird nicht zahlen, weil fremde Truppen int feinen Grenzgebieten stehen, sondern weil es sich ver= tragsmäßig verpflichtet und weil es weiß, daß wenn liche Arbeitsmärtte von Arbeitslojen überlaftet ſeien. Der Hinweis Seltsame Folge des Obregon- Mordes. bags, meth es sich wirklich diesen Berpflichtungen entziehen auf die günstige Lage in der Kunstseiden-, Knopf- und der Automobil. industrie könne das vorhandene Elend nicht aus der Welt schaffen. Englische Annäherung an Ranting? Zschiantaischet soll die Bekämpfung des Bolschewismus zugesagt haben. Paris, 24. Juli. Die Agentur Indopacifique meldet aus Lofio. Wie ver lautet, soll es dem englischen Gesandten in Pefing gelungen sein, eine Verstandigung mit Ischiangtaischet dahin her beizuführen, daß bie fommunistische Propaganda im Jangife- Tal unterbunden und die englandfeindliche Bewegung eingestellt wird. Ms Gegenleiftung wird die Regierung von Ranting die finanzielle und diplomatische Unterstüßung Englands erhalten. Front gegen die Arbeiterminister. Merito, 24. Juli. Die Bereinigung der revolutionären(?) Parteien beschloß, an Calles die Forderung zu schicken, daß alle Mitglieder der Arbetterpartei aus den Regierungsstellen entfernt werden. wollte, die ganze Welt gegen sich hätte. Auch das Bemühen, Rheinlandräumung, Reparationszahlungen und interalliierte Schulden miteinander zu verkuppeln und diese drei Probleme sozusagen auf einem Papier zu lösen, ist abmegig. Man mag einen inneren Zusammenhang zwischen Reparationen und interalliierten Schulden zugeben, aber das Rheinland steht auf einem besonderen Blatt. Seine Angelegenheiten können und müssen gesondert geregelt nicht mehr unter Schweres Explosionsunglück.heitspolitischen oder finanzpolitiſchen Geſichtswinkeln Ein jugoslawisches Munitionslager in die Luft geflogen. Wien, 24. Juli. " Wie die Stunde“ aus Belgrad meldet, hat sich in Gattaro eine schwere Explosionskatastrophe ereignet. Ein staatliches Munitionslager ist in die Luft geflogen, wodurch eine noch nicht feststellbare Amerifa zieht Truppen aus China zurüd. Anzahl von Soldaten getötet worden ist. Da die Explosionen noch andauern, konnten Zote und Ver. Washington, 24. Juli. Brigadegeneral Butler b miral Bristol, der Chef wundete noch nicht geborgen werden. Gerüchte wollen hes amerikanischen Kreuzergeschmaders in den asiatischen Gewissen, daß es sich um ein Attentat handelt. betrachten. Sie sind rein politischer Natur, das heißt, es muß an fie herangegangen werden von der Basis des Friedenwillens aus und mit der Erkenntnis, daß die Fortdauer der Besagung weder mit dem Geist der seit 1925 beschlossenen Abkommen im Einklang steht, noch geeignet ist, die Welt der Berwirklichung der diesen Berträgen zugrunde liegenden Idee näherzuführen. Was Frankreich schließlich nur noch für sich geltend machen fann, ist der Wortlaut des Vertrages von Versailles. Das formale Recht ist in der Tat quf seiner Seite, und tifel 431 fein wirksames juristisches Instrument sehen, mit wir geftehen offen, daß wir auch in dem vielberufenen Ardessen Hilfe eine frühere Räumung durchzusehen wäre. Jedoch mit der Bezugnahme auf das formale Recht läßt sich keine Weltgeschichte brachen. � Der..Iurist mag den Wortlaut der Akten zitieren, der Politiker aber, der mehr als Jurist fein ' soll, muß jederzeit bereit sein, den Wert alter Dokumente einer Nachprüfung zu unterziehen, und er darf nicht immer in der Sorge leben, daß die auf Grund gegenseitigen Einvernehmens erfolgte Herausnahme eines einzelnen Steines das ganze Ge- bände des Völkerrechts und der internationalen Berpflichtun- gen zum Einsturz bringen könnte. Die moralisch-polltische Position der unnachgiebigen Kkeife in Frankreich ist nicht gut. Sie erkennen das wohl auch selbst, und so waren sie immer darauf aus, Einzelerschei- nungen des öffentlichen Lebens in Deutschland als Beweise für die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung ihres Stand- Punktes heranzuziehen. Bald waren es auch nach unserer Ansicht höchst überflüssige und unangebrachte Reden, bald war es die von niemandem mehr als von uns beklagte Zu- sammensetzung der Regierung des Bürgerblocks, bald waren es unsere Beziehungen zu Rußland, oder das deutsche Miß- vergnügen über die Grenzziehung im Osten. Jetzt wird es vielleicht wieder das Wiener Sängerfest sein, bei dem Hundert- tausende das Deutschlandlied gesungen haben und bei dem Lobe eine Anschlußrede gehalten hat, deren Inhalt aus dem Gedanken des S�lbstbestimmungsrechts der Völker und deren Temperatur aus der Feststimmung zu erklären war. Ge- sänge und Reden sind noch keine politischen Handlungen. Jeder weiß, daß wir noch recht weit von dem staatlichen Zu- sammenschluß des Deutschen Reichs und Deutschösterreichs ent- fernt sind, und daß es sich dabei nicht nur um eine Sache des Wollens der beiden Völker, sondern um ein gesamt- europäisches Problem handelt. Es ist töricht, wenn aus einer solchen Demonstration Schlüsse auf das Wiedererstarken des Alldeutschtums oder des deutschen Imperialismus gezogen werden— Löhe als Imperialist ist eine fast belustigende Vor- stellung—, doppelt töricht aber wäre es, die Wiener Vorgänge nun auch den übrigen für das Weltgeschehen verhältnismäßig gleichgültigen Tatsachen anzureihen, mit denen die Intransi- genten in Paris ihre schwache Stellung in der Rheinlandfrage zu befestigen versuchen. Die Räumung ist zu einer akuten Aufgabe staatsmänni- scher Kunst geworden, und wenn der Weg zu einem wirklichen Frieden nicht verbaut und verschüttet werden soll, muß diese Aufgabe bald eine Lösung finden.. Säbelraßler. Die Hugenberg-presse gegen die Reichswehr. Die geplanten Herb st Manöver van Heer und Marine an der ostprellßischen Küste sind abgesagt worden. Angesichts der Finanzloge des Reiches und der Notwendigkeit zu sparen, hat dos Reichswehrministeriinn sich zum Abblasen entschlossen. Dieser Ent- schluß ist zu begrüßen. Er bedeutet eine Einordnung der Reichswehr in die Staatsnotwendigkeiten Bisher hat die Reichswehr sich immer außerhalb' stehend gestihlt. Sie war es gewohnt, zu fordern' ohne auf erlisten Widerstand zn stoßen, so daß man manchnial den Ein- druck Haiti!, daß bei der Ausstellung des Reichswehretats manchen verantwortlichen Ressortleitern der Begriff dafür verloren gegangen war, daß ein« Million Mark sehr viel Geld sst. Wenn man jetzt in ' der Reichswehr zu rechnen anfängt, die finanzielle schwierige Lag« d«s»Ronhcs berücksichtigt und ernslhajte Ansätze zum Sparen macht» so ist das immerhin ein-«rsreuliches. Zeichen.- ''-. Die wachsende Einsicht dar Reichswehrleitung entspricht aller, dings nicht wachsender Einsicht der Kresse, die sich bisher als die. «inzig wahren Freunde der Reichswehr betrachtet haben. Die Presse des Herrn Hugenberg äußert sehr deutlich ihr Miß- behagen gegenüber der Reichswehrleitung, sie läßt aber zugleich sehr deutlich erkennen, was die Quelle dieses Mißbehagens über das Ab- blasen, der ostpreußischen Manöver ist. Der„Berliner Lokal- Anzeiger" hätte es lieber gesehen, wenn an Stelle der gemein- samen Heeres- und Flottenübungc» die Herbstmanöoer einer Inland- d'ivision ausgefallen wären. Warum? Weil er gehofft hatte, daß die Manöver im Grenzgebiet als eine politische Demonstration nach außen gewirkt hätten. Er hätte gewünscht, daß man ein kleines Kriegsspiel veranstaltet hätte, um gegenüber Polen mit dem Säbel zu rasseln. Aus solchen Gedankengängen heraus beklagt er sich, daß es schein«, als ob die Leitung der Reichswehr durch die Absage der ostpreußijchen Manöver der Welt wieder einmal einen Beweis der deutschen pazifistischen Gesinnung geben, wolle. Wenn das ein Klagcpunkt der Hugenberg-Press« gegenüber der Leitung der Reichs- wehr ist, so spricht daraus der Wunsch, daß die deussche Reichswehr ihr« Aufgabe darin erblicken müsse, mit dem Säbel zu rasseln. Der säbelrosselnd« Chauvinismus in der Armee eines bis an die Zähne gerüsteten Landes sst gefährlich, im Heere eines Landes aber, das oollkomincn abgerüstet hat, sst er nur lächerlich. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" hätte also gewünscht, daß die Reichswehr sich lücheilich mache. Nun ja, mit der besonderen Freundschaft der Leute um Hugenberg für die Reichswehr der Republik hat es immer feine besondere Bewandtnis gehabt! j Bayerns Verwaliungsresorm. Die Ministerien werden abgeschafft, aber die Minister bleiben! München, 24. Juli.(Eigenbericht.) Die Landtagsfraktion des Bayerischen Bauernbunde« hat am Dienstag abend nach mehrstündiger Beratung den Beschluß gefaßt, dem Vorschlag der Bayerischen Volkspartei auf Einrichtung eines politischen StaatSsekretariats in dem neu zu schaffenden„Ministerium für Landwirischafb und Arbeit" keinen weiteren Widerstand entgegenzusetzen. Die Voraussetzung für dieses Einverständnis erblickt der Bauernbund allerdings darin, daß die Tätigkeit des der Bayerischen Volkspartei entnommenen Staats- sekretäks Oswald, der bisher Sozialminister gewesen ist, sich ausschließlich auf die„Abteilung Arbeit" im neuen Miuiste- rium beschränkt. Die Stellvertretung des Ministers in allen übrigen Abteilungen des Ministeriums, also vor allem in allen landwirsschaft- lichen Fragen, soll Minister F e h r nach eigenem Gutdünken regeln. Es sst nunmehr wohl mit Sicherheit zu rechnen, daß die Bürger. blockkoalition Held auf Kosten der Arbeitnchmerschoft zustande kommt. Lambach ausgeschlossen. Durch einstimmigen Beschluß des deuischnaiionalen Ehrengen'chis. Aaiionalistischer pfarrerhaß am Grabe. �Zwischenfall in Oberfchlesien. kattowih, 24. Juli. Lei der Beerdigung einer Frau in Brgutschütz gab der am- tierende P f a r r e r seiner Mißbilligung über eine Kranz- spende Ausdruck, indem er erklärte, daß es unerhört sei, daß derartige Kranzspenden jetzt noch deutsche Aufschriften trogen..Fast wäre es zu Tätlichkeiten gegen den Pfarrer gekommen. Vom Landesverband poksdam II der Deutsch nationalen Volks- partei wird folgende Entscheidung in Sachen Lambach mitgeteilt: „Das parleimitglled Herr Waller Lambach, W. d. Zt., hat unter bewußter Ausschaltung der zuständigen Partciinstatizen Vorstöße gegen die programmatischen Grunds äße der Deussch- nationalen Volkspartei und Anseinaaderfehungen mit einem Zraktionskollegen in verletzender Form durch die presse in die Oessenflichkeit gebracht. Er hat sich dadurch im Sinne de» Paragraphen 17 der partejsotzung schwerster Verletzung der partetznchk und starker Schädigung des Ansehen» der Partei schuldig gemacht. Er wird deshalb durch einstimmigen Beschluß des Landesvorflandes aus der Partei ausgeschlossen. Gegen diesen veschwß steht dem Ausgeschlossenen innerhalb vier Wochen die vcrusung an das Partei- gcricht zu." Schlußfolgerungen zum Fall Lambach. Im„I u n g d e u t s ch e n" nimmt ein alter Frontofsizier zum Fall Lambach Stellung. Er hat sich zu der Erkenntnis durchgerungen,„daß es hier nicht um kulturelle oder politische Fragen geht, sondern um die rein ökonomische Frage des Kampfes zwischen Arbeitgeber und Zlrbeitnehmer". Der Fall Lambach illustriere als neues Beispiel die Tatsache, daß der Trust Herr Hugenberg der wahre Beherrscher der Partei ist und daß die nationalen Vosksteile für eine selbstsüchtige Trustpolitik mißbraucht werden. Der Frontofsizier führt dann weiter aus: Wir wissen, daß die Frage„Monarchie oder Republik" in diesem großen Komps eine Nebensache ist, Wir spüren dos OekoNomischc dieser Angelegenheit.„Der Endkampf ist der zwischen Lefitz und Itichtbesitz." Das hat Prof. Ludwig Bernhard in seinem Buch über den Hugenberg-Konzern als„Ideal" Hugenberg» gekennzeichnet. Selbst als früherer deutschnationaler Wähler muß ich mir eine Pro- fanierung der Ideale verbitten, die mich an die Deutsch- nationale Partei gebunden haben. Kalt und nüchtern glaubt der Trustdiktator der Partei heute sein nacktes Gesicht zeigen zu dürfen. Die Aufkäufe deutschnaticmaler Meinungsfabriken scheinen ihm zu Kopse gestiegen zu sein, es ist höchste Zeit, daß seinem Geld- und Machtkoller die Wucht der nationalen Bewegung entgegengesetzt wird. Er möge hören, daß der Offizier prcußisch-deutscher Erziehung kein Knecht und kein Söldner seiner K onz er n intr ig c n sein will. Nach der Kündigung der Fraktionsgemeinschoft durch Hugenberg. so schließen die Betrachtungen, müsse der eine oder andere gehen, und es fei an Hugenberg, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Frontoffizier wird vergeblich auf einen derartigen Schritt warten. Hugenberg ist in der Partei, in die er hinein- gehört. Wenn es sich um den Kampf zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer handelt, hat sich die D e u t s ch n a t i o- nale Partei noch immer auf die Seite der Arbeitgeber fcstellt. Die idealen Forderungen des deutschnationalen Parteiprogramms dienen lediglich einer Verschleierung dieses Tatbestandes. Die nationalen Kreise wenden sich infolgedessen gegen eine Teilerscheinuna an Stelle des Ganzen, wenn sie nur den Fall Hugenberg-Lambach unter dem Gesichtswinkel des Kampfes zwischen Besitz und Nichtbesitz sehen. Spionage und Todesurteile. Bier Todesurieile.— Spionageprozeß in Letiland. Riga. 24. Juli. Das Kriegsgericht in Rosillen, Lettland, hat nach viertägiger Verhandlung vier von den 28 wegen Spionage zugunsten der Sorvjetregierung Angeklagten zum Tode verurteilt, vier weitere zu lebenslänglichem Kerker und neun zu Geföngnisstvofen von fünf bis fünfzehn Jahren. * Am!?. Oktober v. I. erschien auf der Essenbahnstation Silup« ein Mann in der Uniform der Grcnztruppen der GPU. und bat, man möge ihn in die Operatiansabteilung der Grenzwache ge- leiten. Hier erklärte er, daß er Nikitin heiße und in der zweiten Abtcilmig der Gcheimagentur der GPU. als Stenotypist gearbeitet, feinen Posten aber wegen der außerordentlich schwierigen Arbeits- bedingungen verlassen habe(nicht selten 2lsstündig« Arbeitszeit, unpünktliche Auszahlung d«r ungenügenden Eytlahuung. schlechte Be- Handlung durch, die Vorgesetzten usw.). Nikitin überreichte neben einige» geheimen Dokumenten auch zwei Registerauszüge mit Nomen,«ins mit 28, ein anderes mit 89. Es waren Namen von Lettländern, die angeblich zugunsten Sowjetrußlands Spionage trieben. Auf Grund dieser Namenlisten stellte die politische Polizei fest, daß tatsächlich 28 Personen sich in Sowjetdiensten befinden. Vom 19. bis zum 23. fand in Rositten vor dem Militärgericht der Pro- zeß gegen die 28 Angeklagten stall. Nikitin schilderte unter anderem in großer Ausführlichkeit, in welcher Weife die Sowjetgeheimagenwr die Leute einfängt. So- bald ihrer Ansicht noch der eine oder andere für Spionagcarbeit in Betracht kommen könnte, werden für den Betreffenden»Personal- alten" angelegt. Darauf wird er von den Geheimagenten solange bearbeitet, bis er sich bereiterklärt, gegen Lohn irgendwelche un- bedeutenden Dienste zu leisten. Er wird veranlaßt, einen Frage- bogen auszufüllen und eine persönliche Verpflichtung zu unterschreiben, daß er alles, was ihm zur Kenntnis kommen würde, der Geheimagentur mitteilen würde, sofern dies für sie von Interesse fein könnte. Erst jetzt werden für ihn..Dienstakten" angelegt. Dos Gericht mußte deshalb mit gewisser Vorsicht vorgehen, um festzu- stellen, ob die in der Liste Genannten tassächlich Spionagedienste geleistet hoben oder nur zum Anwerben bestimmt waren. Nikitin war aber in der Lage, in bezug auf einige Angeklagte präzsse Angaben zu Machen. So wußte er zum Beispiel, daß in einem Falle ein Mobilisollonsplan überreicht worden war und daß in einem anderen Falle von einer großen Anzahl Aktenstück« Abschriften ge- macht werden konnten. Unter den Angeklagten befand sich unter anderem auch ein Mitarbeiter der politischen Polizei von Düna- bürg, der gleickzzeitig der Sowjctgeheünagentur ongehön«. Eine Reibe Angeklagter war geständig, den Fragebogen ausgefüllt und die Verpflichtung unterschriebe» zu haben. Das Gericht hat vier Angeklagte zum Tode verurteilt. Unter der. großen Zahl. von Spionageprozejsen ist das einer der wenigen Falle, in denen das'Kriegsgericht'die Todesstrafe angewandt hol und dem schlechten Beispiel der Sowjetgerichte ge folgt ist. Mossaus Antwort: Todesanträge in Leningrad. Sowuo. 24. Juli. Wie au« Moskau gemeldet wird, hat das Urteil im großen Rosittener Prozeß gegen die russische Spionage in Lettland in Moskauer Kreisen Empörung ausgelöst. Der Kriegs- und Re- volullonsrat hat in diesem Zusammenhang den Militärattache der Rigaer Sowjetgesandtschost, Sudakow, seines Postens ent» hoben. In dem.zu gleicher Zeit in Rußland angestrengten Prozeß gegen di« lettischen Spione zugunsten Englands in Leningrad hat der Staatsanwalt gegen zwei Angeklagte die Todesstrafe be- antragt. Man sst der Ansicht, daß es zu einem Austaufchver- fahren zwischen den beiden Ländern kommen werde. Der Ber- treter der lettischen Gesandtschaft hat als Sachverständiger an diesem Prozeß teilgenommen. Nachtwächter des Manchestertums. Oer Hansabund in Nöten. Man muß es dem Hansabund lassen, daß er e« mit seinem Kampf um die frei« Wirsschast und dem wirtschaftlichen Ändivi- dualismus ernst meint. Er sst von diesen seinen Idealen so be- geistert, daß er die Wirklichkeit nicht mehr erkennt. Schade für den Hansobund, denn man nimmt ihn deshalb in Deutschland auch nicht mehr ernst. Aber der Hansabund hat es auch bei seinen nächsten Freunden reichlich schwer. Das„Berliner Tageblatt" zitiert aus einer Rede des Hansabundpräsidenten Dr. Hermann Fischer, dem pro- minenten Hansabundoertreter im Reichstag, fotgende Worte: „Stärker denn je müssen wir gegeinvärtig für Privateigentum und Individualismus eintreten. Gerade im Hinblick auf di« jetzt gegebenen parlamentarischen Krästegruppierungen fühlen wir uns oerpflichtet, mit allem Nachdruck darauf zu verweisen, daß es zwischen der gegenwärtigen Wirtschastsordimng einerseits und dem Sozialismus andererseffs, mag er uns nun in der Form des Staatskapitalismus oder des Staatssozialismus entgegentreten, Kompromisse nicht geben darf." Aber das„Berliner Tageblatt", das gegenwärtig unter der schwie- rigen Aufgabe ein bißchen seufzt, den wegen des Eindringens der „öffentlichen Hand" in den Getreidehandel wild gewordenen Händlern Freundlichkeiten zu sagen, hält den kämpferischen Worten des Hanfabundpräsidenten über die Unmöglichkeit von Kompromissen für di« freie Wirtschaft Taten eines Präsidialmitgliedes des' Hansabundes entgegen. Generaldirektor Scheuer, der das Aktienpaket des Getreidehandels- und Mühlenkonzerns an die Preußentaffe und die Rentenbankkreditanstalt vertaust hat, sei ja Herrn Fischer kein Fremder und sei in jener Junitagung, wo der Hansabundpräsident seine Red« gegen jeden Kompromiß gehalten habe, als Präsidialmitglied des Hansabundes erst noch bestätigt worden. Allerdings sei das Präsidium des Hansabundes heute ge- sonnen, die Verbindung mit Herrn Scheuer zu lösen. Wir sind nicht der Meinung, daß das Präsidium des Honsaöuntes richtig handelt, wenn es sein Präsidialmitglied Herrn Scheuer heute abhalftert. Herr Scheuer hat absviut kompromißlos gehandelt, als er das Aktienpaket als freier Unternehmer und als wirtschaftlicher Individualist, so wie es der Hansabund vorschreibt, zu dem höchstmöglichen Nutzen, den er erzielen konnte, verkaufte. Herr Scheuer hat also nur geholten, was fein Kolleg«, Herr Fischer, von ihm selbst verlangt hat. Und er kann wirklich nichts dafür, daß die Prinzipien des Hansabundpräsidenten weder zur Wirklichkeit noch zu de» Pflichten eines mssrechten deutschen Unternehmers passen! Aber der Hansabund bekommt auch noch vom demotrati- schen Pressedienst eine keineswegs freundliche Belehrung. Herr Dr. Fischer hatte sich natürlich in erster Linie gegen di« Sozial- demokrati« gewandt, als er von der Unversöhnlichkeit gegenüber dem Staatskapitalismus und dem Staatssozialismus sprach Den Akssenkaus, durch Renten- bankkreditanstolt und Preußenkosse betrachtet die Sozialdemokratie als eine außerordentlich nüchterne Angelegenheit, zu der sie dann stehen wird, wenn den Verbrauchermassen und den Bauern in gleicher Weise durch die Aktion gedient und der Gesamtwirtschaft ein wirklicher Dienst gelesstet wird. Aber die Sozialdemokratie hat die Aktion gar nicht durchgeführt. Der Präsident des Hansabundes muß sich vom demokratischen Zeitungs- dienst sagen lassen, daß die Initiative zum Ankauf des Scheuer- Konzerns von der Rentenbankkreditanstalt ausgegangen ist, also von den Großagrariern,' die Herr Fischer doch gewiß nicht als Sozialisten bezeichnen will. Herr Dr. Fischer vom Hansabund hat es wirklich nicht leicht mit seinen Freunden. Wer wir fürchten, das liegt nicht an den Freunden, sondern an ihm. Ein halbes Jahrhundert zu spät die Fahne des wirffchastlichen Individualismus aufzupflanzen, sst eben eine Sache, die sich am Fahnenträger rächen muß. poincar�s Jubiläum. Zweijährige Kabinettsdauer wird gefeiert. Paris. 24. Juli. Dos am 23. Juli 1928 im Zeichen der nationalen Union gebildete Kabinett Poincarä konnte am Montag auf ein zweijähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß hat Ministerpräsident Poincare die Mitglieder des Kabinetts zu einer Feier eingeladen, die am 1. September im Anschluß an den Ministerrat auf dem Landsitz des Ministerpräsidenten in Sampigny stattsiirdea wird. Bekenntnisse eines Kommunisten. Heinrich Brandler über die sächsischen Vorgänge von 1923 Der befannte Kommunist Heinrich Brandler hat ürzlich in seinem und in Thalheimers Namen aus der Mostauer Berbannung" an den ihm befreundeten Beschäftsführer des Konsumvereins in Limbach in Sachsen einen Brief gerichtet, der niemals in den Besiß dieses Kommunisten gelangt ist. Ein Zufall will es, daß dieses außerordentlich interessante Schreiben nun menigstens das Licht Der Welt erblickt. Brandler mar in dem sächsischen Kabinett Zeigner Leiter der Staatsfanzlei, und als solcher mit den damals und heute maßgebenden Personen seiner Partei in enger Fühlung gestanden. Seine Freunde von gestern sind feine Feinde von heute. Geradezu schonungslos geht er mit ihnen in seinem Brief ins Gericht. Bon Stöder fagt er, daß es ,, vielleicht ein Fehler war, ihn wegen seiner sehr be denklichen Geschichten im Ruhrgebiet nicht vor aller Parteiöffentlichkeit durgeprügelt zu haben". Thälmanns Rolle in der Zentrale der KPD. caratteri fiert er dahin, daß die Leitung der kommunistischen Partei dadurch noch arbeitsunfähiger gemacht worden märe. Zusammenfassend stellt er über die gegenwärtige Führung der Kommunistischen Partei fest: „ Es ist das Verhängnis seit dem Tode Rosas und Leo Jogisches, daß wir überragende politisch führende Köpic niht haben. Ich habe mich nie dazu gezählt, obglei h ich glaube, daß ich nicht dümmer bin, als irgend einer der jetzt führenden Genossen." Brandler äußerte sich nach dieser geradezu niederschmetternden Charakteristik über die sächsischen Ver= hältniffe zurzeit des Einmarsches der Reichswehr nach Sachsen. Dazu sagt er: Lambach und die Aldeutschen. Das schwarze Schaf will der alldeutsche Wauwau aussondern ganze Hammelherde zum Ausbrechen! The und bringt die Der böse Nachbar im Lesebuch. Propaganda für den Stahlhelm durch die Schule. ,, Beim Einmarsch der Truppen in Sachsen am 23. Oftober 1923 wäre der Beginn des Bürgerkrieges feine revolutionäre Tat, sondern ein Berbrechen gewesen. Meine Schuld besteht darin, daß ich das zu spät, erst 14 Tage nach meiner Rückkehr aus Mostau, er fannte, mein großes Berdienst aber, das ich mir von niemand bestreiten lasse, hingegen darin, daß ich in der letzten Minute auf der Chemnitzer Konferenz noch die Gefahr erfarmte und die Losung gegen den Aufstand gab. Ich bilde mir ein, daß ich die Probleme des Aufstandes in Deutschland wie wenige andere durh dacht habe. 1918/19, im Rapp- Butsch und 1921 habe ich sie durch. lebt. Mir ist keine Phrase, sondert in Fleisch und Blut übergegangen, daß der Aufstand eine Kunst ist, daß man mit dem Aufstand nicht spielen darf und daß man, hat man begonnen, zu Ende gehen muß. Ich beurteile die Lage so: Wenn wir zum Aufstand aus Anlaß der Besehung Sachsens übergingen, in Sachsen der Kampf nicht mit einem Anfangssieg über die Kräfte des Gegners begonnen hätte, der den Todesmut und die Begeisterung der übrigen deutschen Proletarier hätte anfeuern tönnen, und so das ganze Band in den Aufstand gebracht hätte, sondern mir wären wie 1919 beim Einmarsch in München, wenn auch nicht in zwei Tagen, so in einer Woche dort, wo wir relativ am stärksten waren, nieder= geschlagen worden und das übrige Reich hätte ohmmähtig zusehen müssen. Ich werde mein Lebtag nicht die Lage vom April 1919 vergessen, wo wir in Chemnik Truppentransporte nach Bayern nicht verhindern fonnten. Der Hamburger Aufstand ist eine volle Bestätigung meiner Auffaffung. Noch nicht 200 aftive Rämpfer e einer Stadt mit einer halben Million Arbeiter fämpi ten heldenhaft gegen eine vierhundertfache Uebermacht und die Pro Tetarier fahen zu und freuten sich über die tapferen Kommunister. In Sachsen und Thüringen standen mir anderen Kräften gegen über. Außer den vier bis fünftaufend aktiven Revolutionären hätte niemand mitgefämpft. Wir wären in 14 Tagen nieder gefämpft gewesen. Es gibt Situationen, wo man auch das in Rauf nehmen muß. Sie bestand jedoch feineswegs 1923. Ich würde in einer ähnlichen oder gleihen Lage genau so handeln usw." Was aber sagen die Kommunisten heute noch? Sie beschuldigen die Sozialdemokratie wegen der damaligen Vorgänge in Sachsen nach wie vor des Berrats, weil sie es nach Brandler verhindert hat, daß in einer Woche Tau sende von Arbeitern ohnmächtig niedergewünsche der polnischen Minderheit in Breußen zu befriedigen, eben jchossen wurden. Die Verfaffungsfeier in Preußen. Folgen des Urteils des Staatsgerichtshofes. Die preußische Regierung hatte fürzlich angeordnet, daß die diesjährigen Berfassungsfeiern ähnlich wie im Borjahre gestaltet werden sollen. Dieser Erlaß wird mie der Soz. Breffe dienst" erfährt am Mittwoch durch eine neue Verfügung des preußischen Innenministers insofern eine Aenderung erfahren, als die Rechtslage inzwischen durch die Entscheidung des Staatsgerichtshofes über die preußische Notverordnung eine andere geworden ist. am Ber In dem vorjährigen und in diesem Jahre inhaltlich wieder. holten Erlaß zum 11. August wurde auf Grund der Notverordnung der preußischer Regierung angeordnet, daß auch die Gebäude der tommunalen Selbstverwaltungen fassungstage in den Reichsfarben zu beflaggen sind. Die damalige Rechtslage besteht nach dem Beschluß des Staatsgerichtshofes nicht mehr, so daß die fommunalen Berbände am Berfassungstag auf zu einem Flaggen nicht mehr angehalten werden können. Abgesehen davon ist das dem Reichstag vorliegende Gesetz über den Nationalfeiertag noch unerledigt. Der preußische Minister des Innern weist deshalb die kommunalen Aufsichtsbehörden in dem neuen Erlaß an, vorläufig von 3wangsmitteln gegen über den Kommunen abzusehen. Die Aufsichtsbehörden werden gleichzeitig aufgefordert, die Namen der Städte, die am 11. August nicht in den Reichsfarben flaggen, zu melden. Ausländische Ministerbesuche. Tschitscherin und Loucheur tommen nach Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 24. Juli.( Eigenbricht.) Der russische Außentommiffar Tschitscherin wird in den nächsten Tagen die hiesige Klinit des Profeffors von Noorden aufsuchen, um von einer Zuckerkrankheit Heilung zu suchen. Anfang August beabsichtigt der französische Arbeits- und Volkswohlfahrts minister ou cheur den Frankfurter Siedlungen einen Besuch abzustatten. Auf Berfügung der lettländischen Regierung ist ein Priegsgerichtliches Berfahren gegen den fommunistischen Abgeordneten Grimpel und dessen Mitarbeiter Rätsepp eingeleitet morden. Sie werden der Beteiligung an einer Geheimorga= nisation und staatsfeindlicher Berschwörung angetlagt. Grimpel ist es gelungen, nach Rußland zu entfliehen, wäh rend Rätsepp fich in Haft befindet, Nach dem viel zitierten Artitel 148 der Reichsverfassung foll in den deutschen Schulen im Geiste des deutschen Boltstums und der Bölkerversöhnung unterrichtet werden. Wir wissen, wie weit mir von diesem Ziele noch entfernt sind. In den Lesebüchern fommt mur allzu oft der Geist deutschen Voltstums in. blechernen, hohlen, nationalistischen Phrasen zu verzerrter Geltung, und der Völker verföhnung ist überhaupt fein Gedicht, fein Lefeftüd gemibmet. Am bedenklichsten sind jene Aufsäge, die sich nicht bloß in natio naler Ueberheblichkeit gefallen und so dem Kinde die Fähigkeit zur Kritik und späterer politischer Ertenntnis rauben, sondern auch noch bestrebt sind, andere Bölter herabzusehen, ja oft zu beschimpfen. Besonders in Gedichten pflegt sich diese Art von tattlofem Nationalismus auszutoben. Wie sollen die fünftigen Wähler später Berständnis für eine Politit des außenpolitischen Ausgleichs finden, wenn sie schon in der Fibel lernen, Franzosen und Polen zu verachten oder doch deren Unglück mit Freude aufzunehmen? Die Wirkung auf die polnische Presse ist bisher auch nicht ausgeblieben, denn sie nimmt sich verständlicherweise jedes Einzelfalles an, den sie entdeckt, und kommt dann immer wieder mit der Behauptung der Doppelzüngigkeit der deutschen Außen- und der preußischen Minderheitenpolitit, deren Bemühungen, die Schul nicht ernst genommen werden. Es besteht also neben dem pädago gischen ein hervorragendes politisches Intereffes an der Beseitigung aller derartigen lleberbleibsel der wilhelminischen Zeit in den Lejebüchern der Republik. Einige Beispiele: In den deutschen Schulen der Grenzmart, die auch von polnischen Kindern besucht werden, mird ein Deutsches Lesebuch für die Grenzmart, Bosen und Bestpreußen für das 5. und 6. Schuljahr" verwendet, das auf Seite 57 das Gedicht Falt von Stauf" von Feliz Dahn enthält. Da heißt es: ..Der Teufel ist's, du Wolfessohn, Der Teufel kommt euch holen, Ihr gottverfluchten Polen." Das lieft das Kind an der Grenze, das muß unter Umständen das polnische Kind in der Schule auswendig lernen! Der Geschichte des fleinen Städtchens Unruhstadt ist eine Reimerei von Otto Dobrindt mit folgenden Zeilen gemidmet: Erst unter dem Fittich des schwarzen Adlers fandest du Ruh nach Unruh und Sicherheit wieder. Immer neu erstandest du, durch Feuer geläutert, immer warst du Grenzwacht im Osten gegen die flawische Flut. Floß nicht erst jüngst noch Blut in deinen Straßen und Gassen um deine Freiheit, als der Pole mit gieriger Hand nach dir griff." Und dann wundert man sich, wenn an den Grenzen ein Geschlecht heranwächst, das durch seine nationale Unduldsamkeit auffallend von dem Durchschnitt im Innern des Landes absticht! Das Lesebuch, um das es sich hier handelt, ist im Berlag von Ferdinand Hirt in Breslau erschienen. Es wäre an der Zeit, daß fich die Unterrichtsverwaltung der Sache annimmt. Wer hat die Erlaubnis zur Einführung eines solchen, dem Geiste der Reichsverfassung widersprechenden Lesebuches in den Schulen der Grenzmart gegeben? Doch nicht nur durch schlechte Lesebücher werden die Kinder vergiftet, sondern auch durch sonstige Druckschriften, die im Unterricht herangezogen werden. So hat das Amtliche Schulblatt für den Regierungsbezirk Allenstein" folgende Aufforderung veröffentlicht: ,, Unsere Heimat." Bezugspreis beträgt gegenwärtig monatlich 35 Bf., ab 1. Just Dieses Jahres 50 f.. 11./2. Allenstein, ben 12. April 1927. Regierung, Abt. f. K. 1. Sch.( Kirchen- und Schulmesen). Auch Landräte des Regierungsbezirks Allenstein haben in den Kreisblättern zu Anfang dieses Jahres auf diese Zeitschrift aufmerk sam gemacht. Der Landrat in Reidenburg übernahm turzerhand den Tegt der Aufforderung, die von der Regierung in Allenstein am 12. April 1927 erlassen worden war, während der zuständige Landrat im Rosseler Kreisblatt noch weiter ging und sogar Privatpersonen zum Bezug der Zeitschrift aufforderte. Die Annahme, daß die Regierung in Auenstein hinter dieser Propaganda steht, hat dann der Berlag der Zeitschrift bestätigt, indem er folgenden Aufruf erließ: ,, Wie wir bereits mitteilten, hat die Schulabteilung der Regierung Allenstein den Schulen des Regierungsbezirks den Bezug unserer Heimat" wegen des heimatfundlichen und auch sonst für den Unterricht wertvollen Inhalts der Zeitschrift mehrmals dringend empfohlen. Wir bitten die Herren Lehrer, die Bestellung ,, Unserer Heimat" durch die Schule auch bann freundlichst zu veranlassen, wenn die Herren Lehrer die Zeitschrift sowieso persönlich beziehen. Um unserer Aufgabe im Grenz gebiet gerecht werden zu fönnen, benötigen wir weitgehendste Unterstügung, die am besten durch die Bermehrung der Bezieher erfolgt." Was ist das nun für eine Zeitschrift, um deren Verbreitung sich antliche Stellen berart bemühen, melch glänzendes pädagogisches Material muß sie enthalten, wenn sie so warm den Schulen wie ftaatspolitisch wertvoll, menn fie vom Landrat amtlich sogar Bris Daten zum Bezug empfohlen wird? Ein Beispiel für ihren Wert: ,, Unter Beteiligung von 8000 Stahlhelmleuten aus bem rheinisch- mestfälijohen Industriegebiet fand am Sonntag in Bochum eine große Rundgebung des Stahlhelms ftatt, die ihre besondere Bedeutung erhielt durch die Anwesenheit des Bundesführers Seldte und des Kornettentapitäns Ehrhardt. Rapitänleutnant Ehrhardt sprach sich in einer Rebe für ben Zusammenschluß aller nationalen Bestrebungen aus. Der Bund, den er mit Seldte beschlossen habe, merde halten, und dafür fegten Seldte und er ihre ganze Person ein. Der deutsche Gedante washe und werde sich immer mehr vertiefen. Bundesführer Seldte unterstrich in seiner Rede den Gemeinschaftsgeist, der die Frontkämpfer im Felde beseelt habe. Das verhelfe dem nationaden Ge danken zum Siege über den Internationalis. mus. Abgesehen von einigen fleineren kommunistischen Stö rungen tam es zu feinerlei ernsteren Zwischen= fällen." Wer magt es, jetzt noch den pädagogischen und staatspolitischen Wert dieser Zeitschrift zu bezweifeln? Der Stahlhelm tönnte sich teine bessere amtliche Propaganda vorstellen. Es bleibt nur eine Frage: Was sagt der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu diesen Dingen? Märchenerzähler als Politiker. „ Sozialdemokrat" Schober. In einem kleinen Oderdorf, faum eine Schnellzugſturde von Berlin, referierte in einer tommunistischen Bersammlung der bora tige Unterbezirksleiter der Kommunisten. Es gab natürlich das übliche Geschimpfe auf Partei und Gemertscheften; erwähnenswert ist es mur deshalb, weil der Redner den Brand des Wiener Justizpalastes besprach. Er erzählte den erstaunten Bauern in schöner Unbefangenheit, daß Herr Schober, der reaktionäre Wiener Polizei chef, früherer Rechtsblodfangler und Schuldiger an der Niedermeßze lung der 85 Arbeiter ein Sozialdemokrat sei! Bei den Agitationsreden der KPD. darf man sih taum noch Die vom Ostdeutschen Heimatdienst herausgegebene Wochen- mundern. Daß sie es aber fertigbringen, ausgerechnet Herrn schrift Unsere Heimat" ist wegen ihres heimat, polts- und fulturSchober, den Chef der besten Polizei" einen Sozialdemokraten zus fundlichen Inhalts zur Belebung des Unterrichts in Gejagen mir der Heimatkunde trefflich geeignet, außerdem nennen, das zeugt von einer unübertrefflichen wertvoll als Mitteilungsblatt für die a miliche Jugend- wandtheit. Wie lange wird es noch dauern, bis die Kommunister den Deutschnationalen Bestarp oder gar den Nationalsozialisten pflege im Regierungsbezirk Allenstein. Goebbels zum Sozialdemokraten gestempelt haben? Schaffen mera den sie's, daran ist kein Zweifel, Wir empfehlen allen Schulen des Bezirks den Bezug der Zeitschrift. Bestellungen nehmen alle Bostanstalten entgegen. Der Berliner Metallarbeiter! Wählt am Sonntag die Liste A! Am Montag, dem 3. September, beginnt der Bundestag des Algemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hamburg. Der Bundestag foll darüber entscheiden, ob die Tätigkeit des Bundesausschusses und des Bundesvorstandes in den lezten Jahren die Billigung der Bertreter der Bundesgewerkschaften findet und welche Richtlinien der Vorstand für die nächsten Jahre für seine Tätigkeit erhalten soll. Es ist selbstverständlich, daß diese Tagung für die gewerkschaftlichen Mitglieder von ungeheurer Wichtig feit ist. Die Berliner Metallarbeiter haben am Sonntag, dem 29. Juli, durch die Wahl der Delegierten zum Bundestag eine Vorentscheidung darüber zu treffen, ob sie die bisher im Sinne der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale betriebene Gemertschaftspolitik billigen oder nicht. Die Berliner Generalversammlung hat sich in ihrer lezten Tagung mit der Aufstellung der Kandidaten zum Gewerkschaftskongres beschäftigt und dabei mit überwältigender Mehrheit die Liste A, Liftenführer Janitschte, aufgestellt, während die Kommunisten ihre Kandidaten in der Liste B vereinigen. Die Kommunistische Partei versucht nun mit allen Mitteln den Gewerkschaftstongreß zum Schauplah ihrer tendenziösen, verlogenen Politit und Taktik zu machen. Die Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands hat schon seit Monaten alles in Bewegung gefegt, um von ihr fabrizierte Anträge in den Verwaltungsstellen des Deutschen Metallarbeiterverbandes sowie anderer Organisationen, wo sie infolge der Zusam mensetzung die Mehrheit haben, durchzubringen, um dieselben als dann als von Mitgliedern der freigewerkschaftlichen Organisationen aufgestellt, auf dem Gewerkschaftskongreß zur Verhandlung zu bringen. Schon seit Wochen arbeitet die kommunistische Presse mit allen Mitteln der Lüge und Verleumdung unter Berdrehung der Tatsachen, um Stimmung für ihre Delegierten zu machen. Besonders die Berliner Metallarbeiter werden von der Roten Fahne" bombardiert, indem man versucht, die Tätigkeit der Ortsverwaltung in den Dred zu ziehen. So behauptet man schamlos, daß die Ortsverwaltung ihre zusammengeschobene" Mehrheit dazu mißbrauche, die Unternehmer im Kampfe gegen die Arbeiterklasse zu unterstützen. Gerade die Berliner Metallarbeiter dürften am eigenen Leibe erfahren haben, wohin es führte, als ein Teil der Mitglieder den Phraseuren der Kommunistischen Partei nachlaufen zu müssen glaubte. Während der Inflationszeit wurde alles daran gefeßt, die Gemertschaftsmitglieder glauben zu machen, daß die Gewertschaftsführer sie verraten und deshalb die Zugehörigkeit zu den Gewerkschaften überflüssig sei. Infolge dieser zerstörenden und zerseßenden Tätigkeit der Kom munisten innerhalb der Gewerkschaften war es nur möglich, daß der Verband Berliner Metall- Industrieller im Dezember 1923 die Spitzenlöhne von 0,50 Mart auf 0,43 Mart ab 2. Januar 1924 herabsetzen fonnte, und als gegen das provokatorische Vorgehen der Unternehmer die Ortsverwaltung versuchte, soweit es ihre Kräfte Werkzeugmacherstreit bei Loewe, Radio. Die Werkzeugmacher der Firma Loewe, Radio, in StegFig hatten auf Grund der zentralen Bewegung der Werkzeugmacher Berlins bei ihrer Firma die Forderung erhoben, die der zentralen Bemegung zugrunde lag. Verhandlungen mit der gesetzlichen Betriebsvertretung, die Ende Mai geführt wurden, brachten tein Zugeständnis. Auch in den erneuten Berhandlungen im Beisein des Vertreters des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes hielt die Firma ihren Standpunkt aufrecht, eine Zulage für die Werkzeugmacher abzulehnen. Die Löhne der Werkzeugmacher als Spezialarbeiter müffen als niedrig bezeichnet werden. Da auf dem Berhandlungswege teine Einigung erzielt wurde, beschlossen die Werkzeugmacher, am 5. Juni in den Streit zu treten. Die Firma versuchte, in anderen Betrieben ihre Werkzeuge herstellen zu lassen, die sie zur Aufrechterhaltung ihres Be triebes benötigte. Sie wandte sich auch an Firmen im Reiche, um Streitarbeit herstellen zu lassen, was jedoch von der Organisation unterbunden wurde. Da nun mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß weitere Versuche unternommen werden, Streitarbeit in anderen Betrieben anfertigen zu laffen, ersuchen wir die Werkzeugmacher von Groß- Berlin, machiam zu sein, und etwaige Arbeiten für den Betrieb Loewe, Radio, als Streitarbeit abzulehnen; es muß jedoch zuvor der Dr ganisation davon Mitteilung gemacht werden. Die Firma versuchte auch Streitbrecher für ihren Betrieb zu gewinnen. Bis zur Stunde war es möglich, diese sogenannten ,, angeworbenen Streitbrecher" wieder aus dem Betrieb zu entfernen. Da die Firma offenbar nicht geneigt ist, auf dem Wege der Verhandlung mit dem Deutschen Metallarbeiter- Verband diesen Konflikt aus der Welt zu schaffen, fann noch mit einer längeren Streitbeuer gerechnet werden. Wir ersuchen deshalb alle Wertzeugmacher, Solidarität zu üben und die streifenden Kollegen in jeder Hinsicht zu unterstützen. Die Werkzeugmacher der Firma Loewe, Radio, sind entschlossen, wenn die Firma weiter auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharrt, den Kampf unermüdlich weiterzuführen. Wiederaufnahme der Arbeit bei Kühne. In der im Rosenthaler Hof" am Dienstag stattgefundenen Bersammlung der Streifenden von der Firma Karl Kühne, Weineffig, Mostrich und Konservenfabrit, berichtete Schmih vom Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter über die am Montagabend unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Riese als Unpartelischen geführten Verhandlung. Das Ergebnis der Verhandlung ist: Die Arbeitszeit beträgt 47 Stunden wöchentlich, bzw. 8 Stunden pro Tag, Sonnabends 7 Stunden. Arbeiterinnen unter 18 Jahre erhalten eine Stundenlohnzulage von 14 Pf., insgesamt wöchentlich 6,58 M.; Arbeiter 17 Pf. 3ulage, wöchentlich 7,99 M.; Essig arbeiter 15 f. Zulage, wöchentlich 7,05 m.: 5 andwerker, Müller, Heizer und Böttcher eine Stundenlohnzulage von 9 bis 17 Pf. oder wöchentlich 4,23 bis 7,99 M. Kutscher: Bulage möchentlich 5,50 M.; Kraftwagenführer wöchent fich 15 M. Ueberstunden werden wöchentlich für die Betriebsarbeiter mit 25 Broz, für Kutscher und Kraftwagenführer mit 15 Broz. bezahlt. Sonst erhielt das im Fuhrpart beschäftigte Personal überhaupt feine Bezahlung für die mehrgeleistete Arbeit Sonntagsarbeit wird mit 50 Proz. Aufschlag bezahlt. Ebenfalls erhalten die Kutscher für Pferdepflege am Sonntag, mofür sonst nichts bezahlt wurde, Bezahlung nach der geleisteten Stundenzahl Beffere bisherige Bestimmungen in der Lohnzahlung bleiben bestehen 2phnnachzahlung erfolgt ab 17 Juli 1928. Dauer des Bohrabtommens bis zum 31. Dezember 1928. Zum Abschluß eines manteltarifpertrages zweds Regelung bes Urlaubs uim. murde festgestellt, daß innerhalb zwei irgendwie zuließen, die Arbeiterschaft geschloffen zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen, gelang es leider nicht, daß in allen Betrieben dem Rufe der Verwaltung Folge geleistet wurde. So gelang es damals den Unternehmern, den Abbau der Löhne durch zuführen und das Verhältnis der Frauenlöhne von 75 Prozent auf 65 Prozent der Männerlöhne herabzudrücken. Die Ortsverwaltung bemühte sich dann wiederholt, in der Zeit von 1924 bis 1927 einen Lohntarif zustande zu bringen, weil sie sich bewußt war, welche schweren Schädigungen der tariflose Zustand für die Berliner Metallarbeiter in sich barg. Auch die Verhandlungen im September 1927 scheiterten an dem Widerstand der Unternehmer, die als Spizenhöchstlohn 0,81 Mart anboten. Erst der Streit der Werkzeugmacher im Februar 1928 ermöglichte es, daß endlich die Berliner Metallarbeiter in der Lohntariffrage einen Schritt vorwärts tamen. Gerade während des Werkzeugmacherstreits hat die Kommunistische Partei alles versucht, um die Geschlossenheit und Einheit der kämpfenden Metallarbeiter zu stören, indem sie den leitenden Personen offenen Berrat vorwarf, um so Mißtrauen unter die Arbeiter zu säen, wodurch sie die Unternehmer in ihrer Rücksichtslosigkeit nur stärkten, da dieselben ja wußten, daß die Kampffähigkeit in demselben Augenblid ausseßte, wenn die Kommunisten eine derartige Propaganda betrieben. Wenn der jet abgeschloffene Lohntarif auch nicht allen Wünschen der Arbeiterschaft der Berliner Metallindustrie nachtommt, so ist jedoch die Grundlage für einen weiteren Ausbau des Lohntarifes gegeben. Auch in der Frage der Arbeitszeit haben die Berliner Metallarbeiter mit Hilfe der Ortsverwal tung und der Organisation in der Frage der Ueberstunden Vorteile erringen fönnen. Auch hier muß gesagt werden, daß nicht durch Kraftmeiertum, das besonders von den Wortführern der Kommunisten gestellt wird, die Interessen der Arbeiterschaft am besten gewahrt find, sondern durch systematische Arbeit, wie sie die Gewerkschaften seit ihrem Bestehen betrieben haben. War es den Kommunisten bei der Verbandstagswahl am 2. Juli noch möglich, einen„ Sieg" davonzutragen, so hat es fich dennoch gezeigt, daß eine Ernüchterung bei den Metallarbeitern eingetreten ist, die bisher jeder Parole der Kommunisten folgten. Dieses zeigt auch das relativ starte Anwachsen der Amsterdamer Stimmen bei der Verbandstagswahl. Darum gilt für alle diejenigen, die die alte bewährte Taktik der Gewerkschaften als die richtige erkannt haben, alles daran zu setzen, um die Gleichgültigen und Lauen aufzurütteln und sie zu veranlassen, daß fie am 29. Juli 1928 in der Zeit von 8-2 Uhr ihre Stimmen für die Liste A abgeben. Denn die Delegierten der Liste A, die in jahrzehntelanger Gewerkschaftsfunktionärtätigkeit ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, bieten die Gewähr dafür, daß die Interessen der Berliner Metallarbeiter fo vertreten werden, wie es für die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen notwendig ist. Darum versäume niemand, am Sonntag zur Wahl zu erscheinen und seine Stimme für die Liste A abzugeben! Wochen in Verhandlungen über den von der Organisation eingereichten Manteltarifvertragsentwurf verhandelt werden muß. Der Schiedsspruch bestimmt weiter, daß alle Streifenden wieder eingestellt werden. Die Streiftage gelten nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Bon der Firma wie von den Streifenden wurde der Schiedsspruch angenommen und die Arbeit von den 153 Streifenden am Dienstag um 12% Uhr wieder aufgenommen. Mit oder ohne gewerkschaftliche Führung? Baudelegierte und zwischentarifliche Lohnerhöhung. Die Baugewerkschaft Berlin des Deutschen Baugewertsbundes hatte zu Montag abend nach dem Gewerkschaftshaus ihre Baudelegierten berufen, um mit ihnen über die von der Berliner Zahlstelle des Zimmererverbandes ,, eingeleitete" zwischentarifliche Lohnbewegung zu beraten. Der Vorsigende Genosse Drügemüller fnüpfte in seinem Referat an den am 26. Juni von den Funktionären der Zimmerer gefaßten Beschluß an, in dem von allen am Berliner Bezirkslohntarif beteiligten Bauarbeiterorganisationen die Durch fegung einer zwischentariflichen Lohnerhöhung gefordert wird. Drügemüller legte den Baudelegierten zunächst einmal dar, daß feine Gewerkschaft beim Bestehen eines Tarifvertrages Rampfmaßnahmen ergreifen fönne, die eine außertarifliche Lohnerhöhung zum Ziele haben. Genau so wie die Unternehmer an die Einhaltung des Tarifvertrages gebunden sind, sind es auch die Gewerkschaften. Es bedürfe wirklich feiner Propheten gabe, um voraussagen zu können, daß der Verband der Baugeschäfte Berlin ein Schreiben der Organisation ablehnend beantworten würde, in dem die Forderung nach einer zwischentariflichen Lohnerhöhung erhoben wird. Eine Organisation, die auf ihr Ansehen Wert legt, müsse es sich reiflich überlegen, solche Forderungen aufzustellen, deren Bewilligung fie eben megen der tariflichen Bindung nicht erzwingen fann. Drügemüller berichtete auch über die gemeinsame Sigung mit den Borständen der Zimmerer und der Maschinisten und Heizer, in der die Vertreter des Zimmererverbandes auch nichts Pofitives barüber sagen fonnten, wie sie sich bei einer ablehnenden Haltung Der Bauunternehmer die Durchsehung einer zwischentariflichen Lohn erhöhung mit gewerkschaftlichen Mitteln denken. Die Vorstände des Baugewertsbundes und des Verbandes der Maschinisten und Heizer haben ein solches Experiment abgelehnt, weil es von vornherein zum Mißlingen verurteilt ist. Es gibt aus der jeßigen Situatica feinen anderen Ausweg, als alle Kräfte zu sammeln für die Lohnbewegung im September, bei der die Organisation alles aufbieten wird, die infolge der Teuerung überholten Löhne der Bauarbeiter einer gründlichen Korrektur zu unterziehen. Bon der Mehrzahl der Diskussionsredner wurde anerkannt, daß die Organisation in der Frage der zwischentariflichen Lohnerhöhung nichts unternehmen könne. Verschiedene Redner traten dafür ein, daß auf den einzelnen Baustellen versucht werden müsse, eine übertarifliche Lohnzulage zu erwirken. Genosse Drügemüller zeige, daß dabei in den meisten Fällen nichts herausspringt. Er warnte in seinem Schlußwort davor, weil auch hier die Erfahrung forderte zum Schluß noch einmal auf, überall rege für den Baugewerksbund zu agitieren, damit bei der Lohnbewegung im Herbst die gesamte Bauarbeiterschaft gerüstet basteht. Metallarbeiteraussperrung. 3m Bezirk Dillenburg und Kreis Biedenkopf. Der Arbeitgeberverband der Siegerländer Gruben und Hütten, Sig Stegen, fündigte zum 25. Juli der gesamten Arbeiterschaft, bie dem Tarifvertrag für die Eisen- und Metallindustrie an der Dill und oberen Lahn unterstehen. Von der Aussperrung dürften zunächst 6000 bis 7000 Arbeiter betroffen werden. Die Differenzen nahmen vor einigen Wochen im Eisenwert Burgerhütte bei Herborn( Dillfreis) thren Anfang. Die Ur fachen sind: Den Former n der Burgerhütte und einigen anderen Werten wurden vor Jahresfrist die Akkordpreise um 10 Proz. gefürzt. Während bei der Mehrzahl der Betriebe der Abzug in besseren Konjunkturverhältnissen wieder rückgängig gemacht merden fonnte, weigerten sich die Burgerhütte und etliche Firmen im Kreis Biedenkopf hartnäckig, den Wünschen der Arbeiter auf 2tfordpreiserhöhung nachzukommen. Daraufhin stellten die Former der Burgerhütte die Arbeit ein. Die übrige Arbeiterschaft des Werkes wurde 14 Tage später entlassen. Die bisherigen Tarife waren bereits von den Gewerkschaften gekündigt. Zwischenzeitlich wurden indessen für die genannten Lohngebiete Tarife geschaffen und für rechtsverbindlich erflärt. Die Former der Burgerhütte beharrten jedoch weiter auf ihrer nur allzugerechten Forderung. Neue Verhandlungen führten wegen des allzu geringen Entgegenkommens der Unternehmer zu feinem Resultat. Am geftrigen Dienstag wurde ein letter Versuch zur eventuellen Beilegung des Konflikts unternommen. Scheitert dieser Schritt, so tritt die Aussperrung, die auf einstimmigen Beschluß der Unternehmer gefaßt wurde, in Kraft. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Die Erbitterung über die Unnachgiebigfeit der Unternehmer, die im allgemeinen eine glänzende konjunktur haben, geht weit über die Kreise der Arbeiterschaft hinaus. Die Arbeiterorganisationen nehmen in den nächsten Tagen erneut Stellung zu der gesamten Situation. Soviel kann jeboch heute schon gesagt werden, daß der Deutsche Metallarbeiter Verband seine im Rampf stehenden Mitglieder mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln schüßen wird. Dillenberg, 24. Juli. Die Berhandlungen im Lohnstreit in der Eisenindustrie des Dillgebietes find ergebnislos geblieben. Neue Verhandlungen sind auf Mittwoch angesetzt. Eine spätere Meldung besagt: Die für Mittwoch angefehten Verhandlungen zur Beilegung des Streites in der Metallindustrie finden nicht statt, so daß am heutigen Mittwoch nach Schichtschluß die vom Arbeitgeberverband der Siegerländer Gruben und Hütten, Sitz Siegen, für die Hüffen- und Metallindustrie an der Dill und oberen Lahn verfügte Generalausfpetrung in& raft friff. Neuer Textilschiedsspruch. Für Westsachsen. Dresden, 24. Juli. Bei den heutigen Berhandlungen über die Arbeitszeit in der westfälischen Textilindustrie vor dem Arbeits- und Wohlfahrts. ministerium ist ein neuer Schiedsspruch ergangen, den die Unter nehmer bereits angenommen haben. Die Arbeiter haben sich ihre Erklärung bis zum Montag, den 30. Juli, mittags 12 Uhr, vorbehalten. Für den Fall, daß die Arbeitnehmer ablehnen sollten, haben die Unternehmer bereits die Verbind= lichfeitsertlärung des neuen Schiedsspruchs beantragt. Die falsche Fünftagewoche. Bon morgen Donnerstag ab wird auf den Eisen- und Stahlwerten Hoesch wegen Mangel an Aufträgen in allen Betrieben außer der Abteilung Drahtverfeinerung nur noch an fünf Tagen in der Woche gearbeitet werden. Einigung im Saargebiet? Saarbrüden, 24. Juli.( Eigenbericht.) Die Regierungskommission des Saargebiets hatte die Führer der Gemertschaften am Dienstag zu einer Besprechung über die Lohnforderungen der Belegschaften eingeladen. Die Arbeitervertreter trugen nochmals die Forderungen der Bergarbeiter vor. Sie ließen gleichzeitig feinen Zweifel darüber, daß bei einem weiteren waltungsrats der Saargruben am 1. Auguft mit einem allge ablehnenden Berhalten der Bergwerksdirektionen und des Vermeinen Streif zu rechnen sei. Die Regierungstommission gab die Zusicherung, fich nut dem Problem zu befaffen und auf eine befriedigende Lösung der Lohnfragen hinzuwirken. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Bortrag: Das gewertschaftliche Bildungswesen als Fundament gewerkschaftlichen Wachstums." Süden, Südwesten: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Nordstr. 11( Fabrikgebäude). Lichtbildervortrag: Wandern und Schauen." Rentölln: Gruppenheim Jugendheim Bergftr. 29( Sof). Schachlehrabend. Weißensee: Gruppenheim WeißenHeide." fee, Bartstr. 36. Lichtbildervortrag:„ Eine Wanderung durch die Lüneburger uns! Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenider Str. 24/26. Unter Außenspielabende ab 18 Uhr: Webbing- Beppelinplag: Spiel und Tanz auf der großen Wiese im Schillerpart. Oftkreis: Spielabend auf dem Sportplaz Friedrichshain. Oftkreis: Uebungsabend für den 12. August im Jugendheim des Verkehrsbundes, Engelufer 24/25, Aufgang B, parterre. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute find folgende Beranstaltungen: Often: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Wir halten Kurzreferate. Stralan: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61, Nähe Rubolfplak. Lieberabend( Instrumente und Liederbücher mitbringen). Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtftraße 1( edigenheim 5 Tr.). Bortrag: Jugend und Theater." Referent Georg Heilbrunn. Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1/4. Bortrag: Unser Wandern." Referent Werner Deder. Nordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Bortrag: 50 Jahre Kampf um den Sozialismus." Referent Dr. Mar Schütte. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Löns- Abend. Sübaft- Treptow: Jugendheim Wrangelstr. 128. Vortrag: Die Entwicklung und Bedeutung des Bertehrswesens." SPD..Metallarbeiter, 7. Bezirk. Donnerstag, 26, Juli, 16% Uhr, wichtige Besprechung bei Richter, Maybachufer 5. Jeder Betrieb muß unbedingt ver treten fein. Partei- und Verbandsbuch legitimiert. Metallarbeiter Neukölln. Fraktionsversammlung aller SPD.- Genossen am Donnerstag, 16½ Uhr, in der Maresch- Klause, Marefchstraße. Deutscher Baugewerksbund, Bengewerkschaft Berlin. Achtung, Bauarbeiter! In dieser Woche ist auf jeder Baustelle eine statistische Erhebung der vom Baugewerksbund erfaßten Gruppen. Jede Pauftelle muß einen Fragebogen aus füllen. Soweit Baustellen vorhanden find, die noch nicht im Befig eines Fragebogens find, werden die Rollegen ersucht, ihn im Bureau, Zimmer 55, beim Kollegen Schäde anzufordern. Achtung, Beiratsmitglieber! Nächste Sigung Donnerstag, 26. Juli, 17 Uhr. Schriftliche Einladung folgt. Der Bereinsvorstand. Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn: Feuilleton: R.$. Döscher; Lotales and Sonstiges: Fris Raritäbt; Anzeigen: Tb. Glede; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger v Co., Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage unb Unterhaltung und Wissen". STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN Zur Gesundhaltung! Fachinger Versandstelle, Berlin SW11 Schöneberger Str. 168. Tel. Lützow 8260-61 ?!r. 341» 4S. Jahrgang MMvoch, 2S. I«li 492» Planeten. Auch die Gewerbe unterstehen diesem Gesetz. Von den ältesten Gewerben, den Schmieden und Webern, ist nur das erste noch vorhanden, die Handweber sind fast ganz verschwunden. Nagelschmiede, Lohgerber und viele andere Spezialbcrufe sind aus den Begriffen unserer Zeit bereits vollständig a u s g c- loscht. Dafür kamen neue, die heute in großer Blüte stehen. 50 Jahre Reimgungsgewerbe. Das Reinigungsgewerbe zählt zu ihnen, das in diesen Tagen den SO. Jahrestag seines Bestehens feiert. Es hat wie die meisten Gewerbe die Eigentümlichkeit, daß es aus der Hauswirtschaft erwächst/ ebenso wie Schmiede, Bäcker, Schuster, Schlächter, Schneider u. a. im Ansang Hauswirt- schaftliche Beschäftigungen waren. Man kann es nun verstehen, daß die Vertreter des Reinigungsgewerbes seit langem danach trachten, als Beruf wie jeder andere angesprochen zu werden, daß ihnen das ominöse Wort„Fensterputzer" unan- genehm ist, seit sie ihr Reinignngsgeschäft als Kunst betreiben. Aber die anderen Handwerke wehren sich entschieden gegen die Auf- nähme in die Familie, ihnen ist der junge Bruder nicht fein genug. Aus dem Fest der Innungen des Reinigungsgewerbes im Herrenhaus aber mar der junge Handwerkerstolz mit Fahnen und Zylindern vertreten. Leider freilich, wie bei fast jeder Siondesseier der Berufe, sah ! man auch hier nicht die„Gesellen", die Vertreter der Arbeit- nchmer. Waren sie nicht eingeladen? Folgen wir den interessanten Ausführungen des Obermeisters D a l l i sta t- Homburg über die Entstehung und Entwicklung des Reinigungsgewerbes. so zeigt es sich, daß der neue Berus heute in die mannigfachsten Tätigkeiten eingreift. Bor sechzig Jahren wurden die Reim- gungsarbeiten meist nur von den Hausfrauen und ihren Hausange stellten besorgt. Kroße schwierige Reinigungs- flächen, wie Fensterdächer, Glasfassaden, Bahnhofshallen aus Glas u. a., gab es ja nach nicht in dem Maße, daß sie speziell den Männern überlassen werden muhten. Ein eingewanderter Franzose war es, der 1878 arbeitslos Unter den Linden spazieren ging und dabei beob- achtete, daß hier eine Lücke im Erwerbsleben auszufüllen sei. Er bot sich den Geschäftsleuten und Hausfrauen zum Reinigen der Fenster im„Abonnement" an. Die Idee schlug so gut ein, daß Herr M o u s s y als erster Fensterputzer bereits im ersten Jahre 5 0 G e h i l s e n beschäftigte. Sein Agent S t a e h r, der ihm die ?luftroge besorgte, hatte mit noch mehr Scharssinn erkannt, daß der Markt jede Konkurrenz vertrug, er machte sich ein Jahr später s e l b st ä n d ig. Sein geschäftlicher Erfolg war so groß, daß er in Wien, Warschau, Kopenhagen, Stockholm, London, New Port und anderen Weltstädten Zweiggeschäfte begründete, die ebeufalls sofort zu florieren begannen. Es währte nicht lange, so spezialisierte sich bereits das Gewerbe. Es gibt Spezialisten für da» Fensterreinigen, für Fastaden, für das Fuhbodenabzieheu und für das Bohnern. Die Hauswäschcrei, die Fastadenreinigung kam in F r a n k- f u r t am Main auf, sie fand ihre Ergänzung durch Sandstrahl- gebläse-Apparate, die Sandsteinfastaden„auf neu" herrichten. Ein anderer Nebenzweig, die Straßen- und Trottoirreini- g u n g, fand eine rasche Ausbreitung, doch nahbren die Kommunen in den späteren Jahren diese Praxis in eigene Regie. Reinlichkeit ist Trumpf! Mit der Entwicklung der C h e m i e und der Technik Hot auch das Bedürfnis nach„Reinlichkeit"— wie sie sich in dem Wort „H y g i e n e* ausdrückt— zugenommen, denn das Gewerbe findet heute auf allen Gebieten ausdauernde Beschäftigung. Nicht nur die Krankenhäuser brauchen zur Instandhaltung und Säuberung ihrer Anstalten den berufsmäßigen Reiniger, auch die g r o ß e n H o tc l s, die F a b r i k e n mit Fenstern und Oberlicht sind feste Kunden. Bei dieser Arbeit, ine oft nur mit komplizierten Maschinen, Leitern und Spezialhandwcrkszpugen zu bewältigen ist, wächst auch das G e f a h r e n m o m e n t für den Beruf, der in einer besonders hohen Gefahrenklasse, der �fünfzehnten, bei der Be- rufsgenossenschost zählt. Reben Gewandtheit, Ilmsicht und Uebcr- legung erfordert der Beruf von den Ausübenden auch spezielle Kenntnisse von Säuren und Putzmitteln, um Gosniederschläge, Fette und sonstigen Schmutz van den Reinigungsslächen zu e n t- fernen. In Amerika hat sirb z. B. das Gewerbe unter anderem in Fensterputzer geschieden, die nur unten arbeiten, und die Reiniger, die hohe Wolkenkratzer besteigen. Die Arbeitendes müssen also vollständig schwindelfrei sein. Man kann schon hieraus den Schluß ableiten, daß es durchaus nicht angebracht ist, wenn man dem Gewerbe vierzehn- bis achtzehnjährige Menschen als Lehrlinge überliefert, wie es bereits in Sachsen und Bayern geschieht, deim danim allein dreht es sich bei der Frage um die Anerkennung als Handwerk. Dazu ist das Gewerbe zu gefährlich« Ebenso muß man es a b- lehnen, eine Tätigkeit als Handwerk zu bezeichnen, das, wenn es florieren will, ausgesprochener Großbetrieb ist. Es.l>at die ?lrbeit spezialisiert, so daß Fensterputzer, Parkett- und Fuß- bodenreiniger und Fassadenarbcitcr ihre jahrelange, eigene Uebung haben. Eine wohlorganisierte. G e h i l f e n s ch a f t, die dem Deut- schen Verkchrsbund angeschlossen ist, verhält sich gegen Zu- stände, wie sie noch jetzt bei der Lehrlingsausbildung und im Jnnungswefcn vorliegen, mit Recht durchaus ablehnend. Die Äacht nach dem Vermi. ig, Roman von Liam O'Afohefiy. (Aus dem Englischen übersetzt von N. Häuser.) Drei Sekunden lang entstand ein tödliches Schweigen. Dann lief ein vernehmlicher Schauer durch den Raum. Mit Entsetzen erinnerte sich jeder, daß ein Spitzel Francis Joseph McPhillip verraten habe. Ein Spitzel! Ein Gedanke, der in seiner Schrecklichkeit nur von einem irischen Herzen ganz oerstanden werden kann. Einen furchtbaren Moment lang verdächtigte jeder und jede unter den Anwesenden sich selbst. Dann sah jedermann nach seinem Nachbar hin. Langsam trat Wut an die Stelle der Angst. Aber sie hatte keine Richtung. Selbst die Kühnsten hielten den?ltem an, wenn ihnen in den Kopf kam, daß möglicher- weise der große finstere Riese... Unmöglich! „Da ist keiner, der dich verdächtigt, Gypo. Deshalb brauchst du keine Angst zu haben." Tommy Connor, der große Dockarbeiter mit dem roten Gesicht und den riesigen Backenknochen eines Bullen, der mit Bartlq Mulholland ge- flüstert hatte, schrie das. Er hatte lebhaft mit einem merk- würdigen Ton des Aergers in der Stimme gesprochen. „Niemand verdächtigt dich, guter Gott, Mann!'... Es erhob sich ein Chor von Zustimmung. Jeder be- strebte sich, den Worten Tommys beizupflichten. Jemand legte seine Hand auf Gypos Schulter und fing an zu sagen: „Natürlich, das weiß jeder, daß..." Aber Gypo stieß den Mann finster mit dem Ellbogen beiseite und schritt eilig durch den Raum auf Frau Mc- Phillip zu. Er schob die Leute fort, ohne sie anzusehen. Er stand vor Frau McPhill'v. Ein paar Augenblicke starrte er sie regungslos an. Dann griff er sich langsam an den Kopf und nahm seinen Hut ab. Er fühlte, wie ein starker Zwang ihn zur Bewegung trieb. Alle diese Handlungen hatten sich vollzogen, bevor er sich ihrer bewußt wurde. Vergeblich strengte sein Hirn sich an. den Handlungen noch- zukommen, sie zu widerrufen und Warnungen zu flüstern. Aber er hatte nicht die Kraft dazu. Der Trieb, der jetzt von ihm Besitz ergriffen hotte, kam aus dem gleichen Ursprung her wie der, der ihn übermannte. als er in das Schaufenster blickend an seine Jugend dachte. � Er war außer sich selbst geraten. Seine Lippen bebten. t. Die Kehle war ihm zugeschnürt. Er schnappte mit einem deutlichen Geräusch, das an einen Schmerzensschrei er- innerte, nach Atem. Er streckte seine linke Hand nach Frau McPhillip aus und öffnech sie langsam. Die blanken vier Silbermünzen lagen darin. Er stammelte:„Nehmt sie, Sie waren gut zu mir und ich bin traurig über Ihr Unglück." Er spürte das tolle Verlangen, die Rolle�Banknoten herauszuholen und sie ihr gleichfalls Zu geben, aber der bloße Gedanke an eine so verrückte Tat mgchte ihn zittern. Statt dessen ließ er die vier Münzen in Frau McPhillips Schoß fallen. Frau McPhillip sah auf das Geld und brach dann in lautes Schluchzen aus. Dies Geräusch machte Gypo wahn- sinnig. Er drehte sich um und lief nach der Tür. Er stieß mit dem Fuß an die Schwelle und taumelte in den Vor- räum. Er rannte durch den Gang, fluchend und wild um sich schlagend nach jedem, der ihm in den Weg kam. Er stand draußen vor der Tür und atmete tief. Zwei Männer eilten ihm nach. Es waren Bartly Mul- Holland und Tommy Connor, der Dockarbeiter. 5. „Gypo." Gypo hatte drei Schritte die Straße hinunter gemacht, als sein Name durch die Dunkelheit zu ihm drang, gerufen in jenem langgezogenen Flüsterton, der die gewöhnliche Art unter den Revolutionären ist. Er zog seinen Rücken ein, plötzlich, wie ein Esel, den man geschlagen hat. Dann machte er halt. Weder wandte er sich um noch antwortete er. Er wartete. Mit klopfendem Herzen lauschte er auf die lang- samen Schritte, die sich ihm von hinten näherten, Eins, zwei, drei, vier... sie verstummten. Gypo sah nach seiner linken Seste: Bartly Mulhollond stand neben ihm. Die zwei standen vor einem Fenster, durch das Lampen- licht quer über Gypos Brust auf Mulhollands Gesicht fiel. Mulhollands Züge sahen im Lampenlicht beinahe schwarz aus. Es war senkrecht von den Schläfen bis zum Kinn von tiefen, schwarzen Furchen durchzogen. Der Mund war groß: zu einem beständigen Grinsen geöffnet, aber ganz ohne Heiterkeit: jenem ständigen Grinsen von bitterer Verachtung, das man beinahe immer auf den Gesickstern der Menschen findet, die sich einen Beruf daraus machen, ihre Gedanken zü verbergen. Die Nase war lang und schmal, die Ohren groß. Die Stirn war wagerecht gefurcht. Im Gegensatz zu der dunklen Hautfarbe der Backen mar die Stirn weiß. Di« Fstlchen darauf waren flach und«vg wie dünve Linie«, die Wieder ein Straßenbahnunglück. Zwanzig Fahrgäste verletzt.- Versagen der Strombremse? j 3m Osten Berlins ereignete sich gestern abend ein schwerer Ausammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen. Zwanzig Fahrgäste erlitten zum Teil recht erhebliche Verletzungen. Der Zusammenstoß trug sich kurz nach 19 Uhr mitten auf der Kreuzung Petersburger Straße und Frankfurter Allee zu. Ein Straßenbohnzug der Linie 68 hatte bereits die Mitte der Straßenbahnkreuzung passiert, als es plötzlich einen ohren- betäubenden Krach gab. Ein Wagen der L i n i e 9 war in scharfem Tempo aus den Anhänger der Linie 68 ausgefahren. Der Zusammen- prall war so heftig, daß der Wagen umstürzte und sich quer über die Schienen legt«, lieber die erschreckten Fah»gäste, die im Innern des Anhängers wild durcheinandergeworfen wurden, ergaß sich in Hagel von Holz- und Glassplittern. Di« unverletzt gebliebenen suchten den Ausgang zu gewinnen Inzwischen traf die' alarmierte Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt mit mehreren Fahr- zeugen an der ilnsallstclle, ein. Die Berunglückten wurden von Polizei- und Feucrwehrbeamtcn aus dem Innern des umgestürzten Wagens geborgen. Zwanzig Personen wurden z u r n a h e- liegenden Rettungsstelle in der Proskauer Straße gs-] bracht. Siebzehn von ihnen konnten nach Anlegung von Not- verbänden wieder entlassen werden: zwei weitere Beninglückte da- j gegen, die schwere Kopsverletzungen und Knochenbrüche: erlitten hatten. Frau 3da heinze, Veteranenstraße 26, und Frau I vtartha Rodemski, Strausberger Straße 28, mußten in das Kronken-! Haus am Fnedrichshain gebracht werden. Die Aufräumunosarbeiten an der Ilnglücksstelle nahmen die Feuerwehr fast eine stunde in Anspruch. Es dauerte längere Zeit, bis der aus den Schienen geworfene Anhänger wieder eingegleist werden konnte. Der Straßcnbahnoerkehr war ein« Stunde in beiden Richtungen gestört und wurde zum Teil durch Umleitungen aufrechterhalten. Die Ursache des Zusammenstoßes konnte noch nicht einwrnafrei geklärt werden, soll aber auf ein Versagen der Strom- bremse zurückzuführen sein. Weriheim weiiet sich. Wer bleibt Sieger am Potsdamer Platz? Die Berliner W a r e» h a u s f i r m e h r t. Die zu diesem Zweck gegründete Wcrtheim-Grundstücks- gesellschoft m. b. H. hat beträchtliche Ankäufe, besonders in der Nähe des am Leipziger Platz gelegenen Wertheimfchcn Waren- Hauses, gemacht. In dem benachbarten Häuserblock zwischen Fried- rich-Ebcrt-Straße, Belleouestraßc und Lennestraße hat sie noch und nach neun Grundstücke oder sind's»och ein paar mehr?) für schweres Geld erworben. In die Quer« kamen ihr die Bemühungen der Warenhausfirma G a l e r i e s Lafayett«, sich dicht am Potsdamer Platz in der B e l l e v u e st r a ß e festzusetzen. Das Tauschgeschäft zwischen Teilen des Eckhauses Belleonsstr. t, das bereits für die Golerics Lafoyette angekauft war, und Teilen des Nebengrundstückes Belle- vucstr. 2, das der Stadt Berlin gehört, wurde viel umstritten, kam aber zustande. Die Stadt erhielt bei dem Tausch noch 900 000 M in bar dazu und sicherte sich künstiges Strnßenland für die not- wendige Erweiterung des Potsdamer Platzes an der Ecke Bcllrvuv- und Friedrich-Ebert-Straße und für die über kurz oder lang ans- zuführende Erweiierung des Ilntcrgrundbahnnctzes an diesem wich- tigen Berkehrsknaienpnnkt. Daß das Geschäft auch für die Galeries Lafayettc nartcilhoft war, versteht sich van selbst, sonst wäre wohl nichts aus dem Tausch geworden. Wenn min noch das angrenzende Grundstück B c l l c v u e st r. 3, das...K ü n st l c r h a u s", für die Galeries Lafayettc erworben werden konnte, dann mar sie im Be- sitz eines ansehnlichen Geländes an günstiger Ecke. Wcrtheim Hot jetzt einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Die W c r t h e> m- G r ii n d st ü ck? g c s c l l s ch a s t hat in einem scharfen Wcltrenncrr das„.Künstlerhaus" an sich ge- bracht und die Galeries Lafayette geschlagen. 3 1 00 009 Mark zahlt Wcrtheim, das ist mehr als das Doppelte des nan Galeries Lafayettc anfangs gebotenen Preises van l 500 000 Mark, der schließlich aus 2 500 000 M. cichöht worden war, aber von Wcrtheim noch überboten wurde. Hiermit ist dem künftigen man mit einem spitzen Bleistift zieht. Tatsächlich machte dieses Gesicht den Eindruck, als wäre es in der Garderobe eines Schauspielers mit Schminken künstlich hergestellt worden. Das Aussehest des Haares verstärkte diese Vorstellung, es fiel in losen Strähnen unter dem schaufelförmigen Schirm der grauen Mütze herab. Das Haar glich einer schmutzigen, braunen, durch langen Gebrauch abgenutzten Perücke. Aber weder das Haar noch irgendein Teil des Gesichts war künstlich. Alles war von der Hand der Natur geschaffen, die aus irgendeiner seltsamen Laune diesen Menschen für die Rolle eines Verschwörers bestimmt zu hgben schien. Das Gesicht war das eines Clowns und verbarg die Augen des Verschwörers, es sei denn, daß man sie sehr nahe ansah. Die Augen hatten die Farbe von Seewasser, das schmutzig ist von grauem Sand. Man beschreibt diese Augen zuweilen als„wasserblau": aber diese Beschreibung ist ganz falsch. In ihnen lag eine unbeschreibliche Kälte und ein Abgrund, die durch keine Farbe beschrieben werden können. Sie starrten, ohne die Pupillen oder die Wimpern zu bewegen, in Gypos Gesicht und drückten kein Empfinden aus. Sie waren nicht die Tore der Seele wie gewöhnliche Augen, sondern Spionen-! löcher. Sie starrten glasig wie Katzenaugen. Diese merkwürdige Kreatur war gekleidet wie ein Ar- beiter. Er trug schwere Nagelstiefel, braune Kordhosen, unterhalb der Knie mit Stricken um die Beine geschnürt, ein schwarzes Taschentuch war nach Seemannsart um seinen Hals geschlungen, und eine alte graukarierte Jacke hing ihm halbwegs bis ans Knie. Seine Hände waren tief in den Rocktaschen vergraben. „Wohin so eilig, Gypo?" Seine Stimme war leise und müde, als wäre er halb betrunken oder läge auf dem Rücken in der Sonne an einem heißen Tag. „Wer hat's eilig?" grollte Gypo.„Woher willst du wissen, daß ich's eilig habe?" „Oh, wollte nichts gesagt haben. Pump' dich nicht auf. Gypo. Erzähl' das anderen Leuten. Wir kriegen dich ja jetzt gar nicht mehr zu sehen, seit du aus der Organisation heraus bist. Hast du Arbeit?" „Nein", schnappte Gypo ärgerlich. Der kurze Ausruf, der von seinen dicken Lippen kam, klang wie ein einzelner Schuß, der bei stiller Luft aus weiter Entfernung kommt. „Ich Hab' keine Arbeit, und ihr Brüder alle, die ihr euch Genossen schimpft, nehmt euch ja verdammt in acht, daß ihr mir nicht in den Weg kommt, weil ihr Angst habt, ich könnte euch um's Geld für'n Essen oder für'n Bett anpumpen. SchSne fcniuwmiften feid ihr."(Fortsetzung folgt.; Ein deuischnaiionaler Sportplatz. Die Gelder des Herrn von Westeruhageu. Za der nähere» Umgebung von Derlln gibt es noch tnaoches. auf in» mit veullichkeil hingewiesen werden «nß. ventschnattonaler Einslntz belAlgk sich noch allzu sehr zum Schade» der Republik und zum Nachteil der A rbetlers cha ft. Zwischen dem Bahnhof Caputh und dem Lahnhof Schwielowsee liegt ein Gelände von etwa ZV Morgen Größe. Es ist Eigentum des Forstfistus, des Wasserbau- amtes Potsdam und der Domgemeind« Brandenburg. Mit diesen Stellen hat der Kriegerverein in Caputh, der etwa 100 Mitglieder zählt, den Namen..Waffen käme rad" führt und im Kqffhäuferbund organisiert ist, Pachtverträge zu außergewöhnlich günstigen Bedingungen auf di« Dauer von 30 Jahren abgeschlossen mit dem Ziele, hier einen„E h r e n h a i n" und einen Sp o r t p la tz zu errichten. Vater des Gedankens ist das Vorstandsmitglied des„Waffenkamerod� ein Herr Thilo von Westernhagen, der als Sohn des früheren Potsdamer Stadt- kommandonten Beziehungen zu rechtsgerichteten Be- amten unterhält und es durch fein gewandtes Auftreten verstand, die republikanischen Regierungsstellen für seinen Zweck einzusaugen. Durch sein« geschickte Berhandlungsart kam nämlich bei den Behörden di« Meinung auf, der adlige Herr ver- folg« einen ideellen Zweck und sein Sportplatz werde der Oeffentlichkeit zur Derfügung gestellt werden. So erklärt es sich, daß«hm la«lverantworkstchem Maße Sffenlliche Mittel zur Verfügimg gestellt wurden. Zunächst ließ Herr von Westernhagen auf dem Gelände in erheblichem Umfang« Müll aufschütten, das er von der Stadt Berlin bezog. Er keß sich hierfür zunächst eine Provision geben. Gemeinde- und Iugendpflegeausschuß Caputh hatten gegenüber dem Unternehmen eine schroff ablehnende Haltung einge- nommen. Deshalb erscheint dos Borgehen der Regierungsstellen doppelt unverständlich. Unverhältnismäßig große Msngen Mull sind in völlig unvorschriftsmäßiger Weife auf- geschüttet, denn es besteht die Vorschrift, daß Müll in einer be- stimmten Art mit Sand abgedeckt werden muß. Die gesund- heitsschädliche Aufschüttung hat zahlreiche Gewerbetreibende zu Protesten veranlaßt, denn im Sommer verbreitet dieser Müll einen widerlichen, etelerregonden unausstehlichen Gestank, der beispielsweise aus einer nahen Gastwirtschaft die Gäste ver- jagt«. Der zuständige Amtsoorsteher Weese hat Westernhagen wiederholt bestrast und ihm die voifchristswidrige Aufschüttung ver» boten. Der Landral Bohne m Zeisig, der Herr» aog West«» Hägen sehr fteundlich zugenmgl ist, hat allerdings dem Amtsvorsteher wiederholt empföhle», die Strafe» zurück- zuziehe». Eine Reihe von Besichtigungen, die auf Deranlafsuvg von Gemeinde und Zlmtsoorfteher vorgenommen wurden, hat trotz oller Beschwerden von Gewerbetreibenden den Laudrat und die Regierung in Potsdam nicht veranlaßt, die Einhaltung der Vorschriften zu erzwingen. Monatelang durste dieser deutschnationale Müll i n vorschrifts- und gesundheitswidriger Form auf- geschüttet werden! Zwei Jahre dauert dieser Komps gegen die Verstöße Westernhagens schon. Die Gememde ist macht- los, well ein reaktionärer Landrat ihr« Bemühungen durch- kreuzt. Der Landrat Bohne ist bekannt durch seine Landratsbauaffäre und dirrch sein unberechtigtes d i s z i- plin arisches Vorgehen gegen den sozialdernokratischen Amtsvorsteher Weese._.. Es ist ganz klar, daß der Berei«„Waff enkamerad nur vorgeschoben ist. Das Projekt ist ein Privatunter- nehmen des Herrn von Wersternhagen. Di« R«ierung Potsdam hat im Hinblick auf die unhaltbare Lage und die zahlreichen Proteste hin der Gemeinde den Vorschlag unterbreitet, daß di« Verträge in den Händen des„Waffen kamerad" verbleiben, aber ein Derwaltungs- kuratorium gebildet wird, in dem die Gemeinde Sitz und Stimme hat. Dieser Vorschlag wurde vom Vemeindcvorstavd Caputh ete- stimmig abgelehnt. Denn wenn der„Daffenkamerad" die Herrschastsgewalt über dos Gelände behält, geraten die Linksverbände in ein unertrSgliches Abhängigkeitsverhältnis von de» Deutschnationalen. Capuch wäre darauf angewiesen, einen eigenen Sportplatz zu errichten. Dies ist ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel nicht durchführbar, und zudem ist es nicht einzusehen, warum öffentlich« Miitel für di« sporlliche Betätigung einer so kleinen Gemeinde von zwei Stellen in Anspruch genommen werden sollen. Den Dezernenten, die für die Hergab« der Mittel und den Abschluß solcher Verträge verantwortlich sind, mutz auf die Finger gesehen werden; Landtag und Preußisches Ministerium des Innern werden sich mit dieser Angelegen- hcit zu beschästige» haben. � Inzwischen hat, wie wir erfahren, auch die Gemeinde« Vertretung von Caputh den Dorschlag der Potsdamer Regierung, ein Kuratorium zu bilden, einstimmig abgelehnt. Darenhalls Galerie? Lafaqette die Möglichkeit genommen, sich i» die Belleouestraße hinein auszudehnen. Das„Künstlerhaus" soll noch für zwei Jahre seinem bisherigen Eigentümer, dem Berei» Berliner Künstler, zur Benutzung überlasten werden. Dann aber tritt Wercheim in seine Rechte, und die Künstler werden sich für den großartigen Kaufpreis an anderer Stell« Berlins ein neues und prächtigeres Heim schaffen. Für die Galerie» Lafayette wird man wohl ans de- engtem Gelände ein Haus errichten, das notgedrungen in die Höh« wachsen muß. Der Potsdamer Platz wird dann sei» erstes Hochhaus haben._ Die Ermordete von Larnz. Ist di- Tote-in- Äerlinerio? Zur AufNärung des Verbreche« s' dem d» Sai». zer Tiergarten bei Wien eine Frau zum Opfer ge- falle» ist. hat die wiener Srimi'nalpolizei setzt auch die HIlse der Berliner Stellea in Anspruch genommen. Sie geh» augenblicklich den Spuren der llnbetannte». die nach Verlin weisen, nach. Die Ermordete, die d>urch mehr'er« Schüsse getötet war- den ist, war 20—30 Jahre alt und 1,60 Meter groß. De hat«inen kastanienbraunen Bubenkops, in der Nähe der Leiche lag aber auch ein Locken hignov, das sie vermutlich zur Ergänzung der Haartracht getragen hat. Besondere Kennzeichen sind kleine Hautknoten oberhalb des rechten Auges, etwas rechts vom Augenwinkel und auf der rechte» Wange in der Höhe de« Mund- winbsls. Hände und Füße waren gut gepflegt. Im Ober- kiefer r«chts und links und im Unterkiefer links trug die Tote Brücken aus 22karatigem Goldblech. Ihr« Kleidung bestand aus einem rosnholzfarbenen, ziemlich hochgeschlossenen Kleid aus Schaswollrips. Es hat an Brust und Hals einen Einsatz aus schwarzem Crepe de Chine mit rotbraungerändertem Muster und gleichem Besatz an den Aermeln. Die Schweißblätter tragen das Zeichen„Martha" doppelseitig B. 3. 0. und sind das Erzeugnis einer Firma Friedländer in Berlin. Als Unterwäsche trug sie ein lachsfarbenes Complet aus Crepe de Chine mit weißen Spitzen. Di« Fußbekleidung sind braune Spangenhalb- s ch u h« mit hohen Absätzen und dem Zeichen einer Triester Firma. An Schmuck hatte die Tote auf dem rechten Arm ein schmales Gliederarmband aus 18karatigem Gold, das in Abständen mit vier ovalen, dunkelblauen Saphiren besetzt ist. Der Mörder, deston Waffe ein Revolver, Kaliber 6,35, war, hat»ersucht, die Leiche mit Hartspirituswürfeln, Mark«„Meto". zu verbrennen. Neben der Leiche fand man auch ein Fläschchen Benzin. Mittellungen. di« zur Feststellung der Persönlichkeit dienen können, an Krimmalkommistar Johannes Müller, Inspektion A. im Polizsipräsidium. Ein Todesopfer des Keuerkampfes. van Halder seinen Verletzungen erlegen. Der nächtliche Feuerkampf in der Sickingen st raße 78 in Moabit hat nun doch noch«in Todesopfer gefordert. Der 23jährige Monteur van Halder. der au« MUwaute«(U. S. iL) stammt und sich feit längerer Zeit w Deutschland aufhielt, um Montagearbeiten zu verrichten, ist gestern nachmittag seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Aerzt« des Moabller Krankenhauses, in da« van H a l d e r ubergeführt wurde, hofften, den Schwerverletzten, der von elf Bauchschüssen getroffen worden war, am Leben zu erhalten. Wegen des starken Blutverlustes schian eine Bluttrans- fusion. zu der sich seine Lerlobte, Frau Flattau. bereit- willigst zur Lerfü�ung stellte, um da« Leben de« Der- lobten zu retten, unumgänglich. Aber auch diese Aktion blieb er- f o l g l o S Der Blutverlust de« Schwerverletzten war z u groß und außerdem hatten mehrere Kugeln die Einge- weide durchschlagen. So blieb alle ärztliche Hilf« vergebens und van Halder starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der Täter, der 34jährige Albert Flattau, liegt mit einem Becken- und Schulterlchuß im Staatskrankenhau» in der Schanchorststraß« als Polizeigefangener noch immer schwer danieder; Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Das Grundstück Sickingen st raße 78 war gestern nach- mittag das Ziel zahlreicher Neugieriger, die sich den ? chauplatz des nächtlichen Feuerkampfes ansehen wollten. Schutzpolizeibeamte mußten schließlich eingesetzt werden und die Menge, die aus mehrere hundert Personen angewachsen war. zerstreuen. Eine verhängnisvolle Spazierfahri. Das Kind vorne auf dem Ztade. Kl» warnendes Beispiel kann die Gerichtsverhanblur�j dienen, die vor dem Schöffengericht Schöneberg gegen einen jungen Arbeiter stattfand, der wegen fahrlässiger Körper- Verletzung angeklagt war. Der Angeklagte war auf seinem Rade von der Arbaitsftätt« • ach Haufe gekommen. In der Haustür empfing ihn fei» SjShriger Neffe und bat ihn, mit ihm etwa« auf dem Rad« Ipazieren zu fahren. Nun fetzte er dos Kind vor sich auf da» Rad und fuhr unterwegs ein« kurze Strecke durch die Pots- damer Straß«. Es war regnerisches Wetter, und der Damm war glatt. Als er«inen A u t o o m n i b u«, der gerade von der Haltestelle abgefahren war, überholte, geriet«r mit dem Rade in di« Straßenbahnschienen und stürzte. Das Kind fiel so unglücklich, daß der Autobus ihm über das link« Bein fuhr, das abge- nommen werden mußte. Der Vater des Kindes macht« in Er- «artung einer Rente Anzeig« gegen die Aboag. Die Unter- suchung ergab aber die v ö l l i g« U n s ch u l d de» Autofahrer», hin- gegen wurde der unglücklich« Schwager, der Angeklagte, unter �nktagc gestellt. Der Staatsanwalt erblickte ein« Fahrlässig- keit des Angeklagten darin, daß er mit einem Kind« auf dem Fahrrad bei dem glatten Asphalt durch ein« belebte Verkehrsstraße gefahren fei, und beantragt« 2 00 Mark Geldstrafe. Das Gericht sprach den Angesagten aber frei, weil es hin- sichtlich des fahrlässigen Verschuldens n i ch t so weit, wie der Staats- (rnwalt, gehen konn!«. Es liege hier zweifellos ein unglückseliger Zufatl vor. Zwei Großfeuer. Auf dem Berschiebebahnhof Tempelhof brach gestern abend ein Großfeuer au«. Ein Schwellenlager van mehreren tausend Stück war vermutlich durch Funkenslug in Brand geratsn. Di« Feuerwehr«rjchien mit vier Löjchzügen und mußte s«ch« Schlauchleitungen in Tätigkeit setzen, um des Feuer» Herr zu werden. Noch waren die Löschardeiten in Tempelhof nicht beendet, als «in satter Groß feueralarm au« Berlin-Buckow kam. I» dem Wirtschaftsgebäud« der Gärtnerei von Hennig war aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, das auf die angrenzenden Schuppen und Ställe übergriff. Von Berlin wurden die Züge 23 und 27 an die Brandstelle beordert. Gleichzeitig eilten auf den starken Feuerschein, der kiloNKterwest nach allen Richtungen hin erkennbar war, zahsreich« freiwillige Wehren an. Erst gegen Miwr- nacht war die Gewalt des Feuers gebrockten. Raphael gestellt und wieder freigelassen. Aber seine Wärter werden bestrast. Der frühere Oberleutnant Raphael, über dessen Flucht wir de- richteten, hat sich gestern vormittag bei der sogenannten„Dater- ländischen Gefangenenhilfe", die politische Gefangen« aus Rechts- kreisen betreut, gemeldet. Auf Deranlassung dieser Organisation meldete er sich sodann bei dem Direktor der Strafanstalt Tegel. Da sich inzwischen herausgestellt hatte, daß Raphael auf Grund der A mn esttev er or dv u ng keive Strafe. z?> verbüßen hat, weil die tatsächlich erlitten« Untersuchungshaft auf die Zuchthaus- bzw. Gefängnisstrafe in Anrechnung gebracht werden muß, so veranlaßte der Strafanstalt sdirektor die so- fortige Freilassung Raphaels. Raphael gehört also auch zu jenen, die durch die Sozialdemokratie, zusammen mit den kommunistischen Gefangenen, befreit wurden. Die Flucht des Raphael wird zwar nicht für diesen Ehrenmann, wohl aber für die beiden Transporteure noch ein Nachspiel haben. Wie wir erfahren, ist gegen sie ein Strafverfahren wegen Fahrlässigkeit und Gefangenenbegünstigung«ingeleitet worden. So werden unbescholtene Familienväter durch nationale" Männer unglücklich gemacht. Messeratteniai auf die Krau. Die Tot eines Geisteskranken. In der Guerickestraße 4 in Charlottenburg szneve(Ich gestern nachmitag ein aufregender Vorsoll ab. Der dort wohnende 33iährige Glöckner Bernhard Leik drang nach einem Streit mit einem Küch>nmess«r aus sein« Ehe- f rau ein. Der Frau gelang es, zu flüchten, und unter lauten Hilfe- rufen erreichte sie den Trcppenflur. Hausbewohner eisten hinzu und nahmen di« Bedrängte in Schutz. Inzwischen war das U e b e r- fallkommando alarmiert worden, das vergebens Einlaß in die Wohnung forderte. Man drang schließlich gewaltsam in die Räume «in und fand Leik an der Türklinke des Schlafzimmer« erhängt vor. Er konnte aber von der hinzugerufenen Feuerwehr ins Leben zurückgerufen werden. Jede Stadt veranstaltet hin und wieder irgendeinen Festakt. Diese dekorative.Hastung fit sie nun einmal ihrem Renommee schuldig. Jetzt ist Stralsund an die Reihe gekommen, weil Wallen- stein, der Feldherr des deutschen Kaisers, die Belagerung der Stadt abbrach. Daher der Festakt. Uebrigens ein merkwürdiger Festakt, wenn man bedenkt, daß Stralsund eigent- lich sein« Zugehörizkest zu Schweden bis zum Jahre 1813 feiert, und außerdem kann man über Wallenstein und Gustav Adolf ge- teilter Meinung sein. Es ist nicht notwendig, daß die Feier mit- samt der Rede eines Generalsuperintendenten und des Bürger- meisters auf den Berliner Sender übertrogen wird. Es gibt wich- tigere Dinge auf der Welt. Der„bunte Abend" ist seit längerer Zeit zum ersten Male wieder erträglich, kann in seiner Programm- gestastung beinahe als gut bezeichnet werden. Man hört heiter« Rezitationen, Bandonionvorträge, Cello und Koloraturen, dazwischen auch noch Zither, und die Darbietungen verlieren sich nicht einmal im Kitsch. Das allein bedeutet bei diesen Veranstaltungen schon ein Plus. Otto II r a k spielt meisterhast auf dem Cello, und Hedwig Kaufmann- Franc illo ist heute noch, wenn auch die Höhe nickt mehr mit der früheren Virtuosität behandelt wird, eine Kunst- lenn von hoher Gesangskultur.— Als einen erfreulichen Fort- schritt im Sinne der programmatischen Wünsche der Arbeiter» Radiohärer darf man wohl dt« Tatsache registrieren, daß über den bevorstebenden Brüsseler Kongreß der Sozialistischen Internationale im Berliner Rundfunk gesprochen wird.. Genosse Bietor Schiff behandest w einem ersten Bortrag das Wesen und die Geschichte der Internationale. Er tritt zu» nächst in wirksamer Weise dem Irrtum entgegen, daß„i n t e r- national" gleichbedeutend sei mit„a n t i national" Sodann gibt er in großen Zügen«inen geschichtlichen Ueberblick über die Ent- wicklung der International« von ihrem Londoner Gründitngston- greß im Jahr« 1864 bis zur Gegenwart.' F. S. L. wurde in das WestenderKrantenhaus gebracht, wo die Aerzte sein« Ueberfühntng indieNervenanstaltWittevou oeranlaßten. Allem Anschein noch Hot L. das Attentat auf seine Frau in einem Augenblick geistiger Umnachtung verübt. Warenhausbrand in Karlsruhe. Aasenüschnelle Ausbreitung. In der Teppichabteilung desWarenhaufesGeschw'ster Knopf m Karlsruhe entstand aus bisher unbekannter Ursache«in Brand, der bei den großen Vorräten reiche Nahrung fand. Die Flammen griffen mit rasender Schnelligkeit auf die Spielwaren- und die Haushalisabteilung über. Sämtliche Feuerwehren der Stadt beteiligten sich on den Löscharbeiten. Der Wasierschaden ist fast ebenso groß wie der Brandschaden. Die umliegenden Straßen sind in weitem Umfange abgesperrt. Der Brand dauert.zurzeit noch mit unverminderter Heftigkeit an. Xodessturz emes Dachdeckers. Bei Dacharbeiten auf dem Grundstück Alexanderstr. 3 4 verunglückte gestern nachmittag der 2Sj ährige Arbeiter Bruno Thomas tödlich. Th. war auf dem Doch mit Teerarbeite ,» beschäftigt. Plötzlich oer'kor er auf dem stark abfallenden Dach den Halt und stürzt« kopfüber auf den Hof hin- ab. Der Verunglückte hatte so schwer« Verlatzungen erlitten, daß er wenige Minuten später starb. Seme Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Kongreß der Lebensreformer. Anläßlich der großen Ernährungsausstellung luden di« deutschen Vegetarier-Vereinigungen für den 21.. 22. und 23. Juli zu ihrem diesjährigen Kongreß nach Berlin ein. Der Sonnabend war organisatorischen Beratungen gewidmet. Man sah aus dieser Tagung auch den Genossen Prof. Dr. Grotsahn. Die in den Orga- nffationen zusammengesaßten deutschen Vegetarier, so betont« der Berbandsvorsitzende Vogt in seiner Erössungsanspracke, seien durchaus nicht die Eigenbrötler, als di« sie von weiten Kreisen be- zeichnet würden, denn die Ernährungsreformen, die sie oerträten, seien wissenschaftlich fundiert und außerdem. wie die Vitaminenlehre und die Ernährungsaus- st e l l u n g beweisen, sehr zeitgemäß. Die Berichte über die ein- zelnen Zweige der Zlrbeit— Frauenbewegung, Ausstellungswesen, Siedlungsfragen u. a.— zeigten, mit welchem zäben Eifer ge- arbeitet worden fit, und daß deshalb da» Erreichte besonder» hoch gewertet werden müsse, wie die Abteilung„Cebensreform" aus der„P r e s s a" und der Stand der Berliner Vegetarjschen Vereinigung auf der„Ernährung". Selbst in diesem Kreis ner- sucht» ein konimunistischcr Lautsprecher sein Heil, wurde aber energisch abgewiesen. Am Sonntag wurde zunächst die Ernährungsausstellung de- sucht, di« durchaus nicht immer den Beifall der Kongreßteilnehmer fand und die sich— besonders in den für die ausstellenden Firmen vorgesehenen Hallen— manch« scharfe, aber berechtigt« Kritik ge fallen lasten mußte. Im Anschluß daran fand ein« öffenlliche Tagung im Vortragssaal der Funthalle statt. Medizinalrat Bach- mann behandelte die neuen Forschungen über die Bedeutung des Eiweiß in der menschlichen Ernährung. Er wie» nach, daß durch die Ueberfütterung unsere» Körper» mit Eiweiß. dedingt durch die heute üblichen Ernährungsformen, der Nährboden für viele Krankheiten geschaffen wird, denen wir dann mit allerlei Giften zuleide gehen, obwohl schon«ine Umstellung in unserer Ernäbrung Wandel schaffen würde. Der letzt« Tag fftbrt« die Kongreßteilnehm� nach Eden, einer genossenschafllich'arbcllsresormatorischen Siedlung bei Oranienburg, di« etwa 35 Jahre besteht und in dieser Zeit den Beweis dafür lieferte, daß Vegetarismus und üebensrefarm nicht nur in den Köpfen einiger Phantasten leben, sondern in jeder Richtung durch- führbar sei. Uebrigens werden die Interesse» der proletarffchen Leben». reformer durch den Verband Bolksgesundbeit wahr- genommen. Wetterbericht der ossevNlchev wetterdien lttlell« Berit» und Umgegend. (Nachdn eeid.). Wechselnd, meist stört« beivöltt mit Zteigung zu«ürzetnen Rcg-nlchau-ni. Temperaturen lvenig»«öndert.—«r ventschland: Auch in, Süden Bewölkungszunahme, besonder« im Stork» Deutschland» U» breitet« Regeoschauer, wenig Heißblütig wie der wilde kurdische Krieger ist der Tabak seiner Heimat. Eine vollkommene Tabakmischung verlangt deshalb auch ein kleines Quantum der lebhaft anregenden Tabake aus Samsoun. 美麗 Kurde aus Samsoun BEHNKE REEMTSMA CIGARETTEN OVA Araber format 5Pf. REEM SMA OVA Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 4. Areis Prenzlauer Berg. Die Frauenleiterinnen werden gebeten, am Donnerstag, 26. Juli, 20 Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71, alle Billetts zur Dampferfahrt am 3. August bestimmt abzureden. 14. Kreis Neukölln. Die Abteilungsleiter werden gebeten, die Handzettel vom Barteibureau abzuholen. Die Karten zum Sommerfeft find umgehend abzurechnen. 19. Kreis Pantom. Bei freiem Eintritt veranstaltet der Arbeiter- Radiobund am 27. Juli, 19 Uhr, im Reftaurant Bürgerpart, Bantom, einen Bunten Abend mit Gesang, Mufit, Rezitation, Tänze. Ansprache: Genosse Crispien. Der Arbeiter- Radiobund verdient tatkräftige Unterstügung durch unsere Parteigenossen. Rege Beteiligung ist deshalb erwünscht. Heute, Mittwoch, 25. Juli: 29. Abt. Die Bahlaben de fallen in diefem Monat aus. 32. Abt. Achtung, Wohlfahrtstommissionsvorsteher! 20 Uhr findet bei Stomp hardt, Paul- Singer- Str. 49, eine Sigung statt. Sämtliche Genossen und Genoffinnen, die als Vorsteher und Stellvertreter in Frage fommen, müssen erscheinen. Neukölln. 92. Abt. Die Sandzettel für die Maffentundgebung gegen den Krieg am 1. August im Humboldthain find sofort beim Abteilungsleiter, Genoffen Schindler, Raiser- Friedrich- Ste. 65, 4 Tr., abzuholen und restlos an die Mitglieder zu verteilen. 97. Abt. Die Bezirtsführer, merden ge beten, die Handzettel vom Genoffen Rohr, Siegfriedftr. 28/29, abzuholen." Morgen, Donnerstag, 26. Juli: 102. Abt. Baumschulenweg. Dampferfahrt nach Neu- Mühle. Abfahrt 9 hr von der Stubenrauchbride in Oberschönemeide. Erwachsene 1 M., Rinder 50 Bf. Gäste herzlich willkommen. Rarten noch zu haben bei der Genoffin Klein, Baumschulenstr. 95. * 16, Abt. Freitag, 27. Juli, 20 Uhr, bei Döhling, Brunnenstr. 79, außerordent liche Konferenz fämtlicher Funktionäre der Abteilung. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Frauenveranstaltungen. 2. Kreis Tiergarten. Die Genofsinnen, die zur Ernährungs- Ausstellung mitgehen wollen, treffen sich Donnerstag, 26. Juli, 10 Uhr, Turm- Ede Stromftraße, am Ufa". 6. Kreis Kreuzberg. Die Abteilungsleiterinnen werden gebeten, die Dampferfahrkarten für den 3. August möglichst umgehend bei der Kreisleiterin, Genoffin Rewald, Brinzen str. 84, abzurechnen, da unverkaufte Karten dem Frauensekretariat zurüdgegeben werden milffen. 7. Kreis Charlottenburg. Die Karten für die Dampferfahrt am 3. August nach Woltersdorfer Schleufe müssen von den Abteilungen spätestens am 26. Juli, vormittags, bei der Genoffin Schentalomfti, Meinedestr. 25, abgerechnet werden. 13. Kreis Tempelhof. Donnerstag, 26. Juli, Frauenausflug nach TegelHeiligensee. Die Genoffinnen treffen fich 10% Uhr an der Endhaltestelle der 25. Nachzügler fahren von der Endhaltestelle der Linie 25 mit der 128 bis Endhaltestelle Heiligensee. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Gäste willkommen. 17. Rreis Lichtenberg. Donnerstag, 26. Juli, Befichtigung des Boltsparts Bies dorf. Treffpuntt Bahnhof Biesdorf 14 Uhr. Anschließend gemütliches Beisammensein im Lotal Schillerfäle, Rönigstr. 120. Um recht zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Gäfte find herzlich willkommen. 7. Abt. Freitag, 27. Juli, in Cornis Festsälen, Gartenstr. 6, Frauenabend. Bortrag des Genoffen Miethte über: Religion und Sozialismus." Alle Genoffinnen,„ Borwärts" Lefer und Sympathisierende find eingeladen. 45. Abt. Achtung, Genoffinnen! Dampferfahrkarten für den 3. Auguft nach Woltersdorfer Schleuse sind noch zu haben bei der Genoffin Seidel, Reichen berger Str. 88, Hof 3 Tr. Erwachsene 1,30 M., Rinder 50 Bf. 51. Abt. Charlottenburg. Rarten für die Dampferfahrt am 3. Auguft nach Woltersdorfer Schleuse find noch bei der Genoffin Brettschneider, Häfeler. ftraße 12e, erhältlich. 79.2ht. Shineberg. Dampferfahrkarten für den 3. Auguft find bei der Genoffin Kirst, Hohenfriedbergstr. 21, zu haben. Abzuholen von 17 Uhr an bis Freitag, 27. Juli. 101. Abt. Treptow. Connabend, 28. Juli, 15 Uhr, bei Bieler Altes Eier. häuschen", Treptow, Raffeelochen. Anschließend gemütliches Beisammenfein. Alle Genossinnen und deren Familien find hierzu eingeladen. Gcnoffinnen, die sich an der Dampferfahrt am 3. August nach Woltersdorfer Graekstr. 50, erhalten. Erwachsene 1,30 M., Kinder 50 Pf. Heim Briger Str. 27/30. 3manzig- Minuten- Referate. Sparben: Seine „ Dortmund." Lindenufer 1. Das Tempelhof: Heim Germaniaftr. 4/6. politische Gesicht Dortmunds." Neu- Lichtenberg: Heim Hauffstraße. Blatt deutscher Abend. Lichtenberg- Rorb: Baraden Rathausstraße. Mitglieder versammlung. Schleuſe beteiligen wollen, tönnen Starten in der„ Bormårts"-Spedition, Vorträge, Vereine und Versammlungen. 114. Abt. Lichtenberg. Donnerstag, 26. Juli, Besichtigung des Boltsparts Bies dorf. Treffpunkt Bahnhof Biesdorf 14 Uhr. Anschließend gemütliches Beisammensein im Lotal Schillersäle, Königstr. 120. Um recht zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Gäste find ebenfalls herzlich willkommen. Jungsozialistische Bereinigung. Gruppe Neukölln II: Heute, Mittwoch, Heim Bergstr. 29, Bortrag:„ China." Referent Genoffe Louis. Bereinigung sozialdemokratischer Studierender. Donnerstag, 26, Juli, 20 Uhr, im Bund", Albrechtstr. 11, Arbeitsgemein fchaft für Außenpolitit. Es fprechen: Dr. Friedländer über„ Die kontinentalen Mächte und die Rolonialfrage" und Dr. Denide über den Imperialismus". Alle Mitglieder der VGS. find eingeladen. Sonntag, 29. Juli: Alle Gettionen beteiligen fich an der bei Bernau ftattfindenden Feier aus Anlaß der Grundfteinlegung zur ersten Bundesschule des ADGB. Wir treffen uns pilnktlich 9 Uhr am Stettiner Bahnhof. Nachzügler fahren bis Bernau, dort geben die Ordner Auskunft. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Tempelhof: Heute, Mittwoch, 16%-19 Uhr, Sportplak im Reuen Bart, Rofeftraße, Gymnastik und Boltstänze. Morgen, Donnerstag, 26. Juli, Ausflug nach Tegel. Treffpunkt 8% Uhr Dorfstraße, Tempelhof. 40 Pf. mit bringen. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 8. Abt. Am 22. Juli verstarb unfer langjähriger Genoffe Gustav 2achmann im 68. Lebensjahre. Ehre feinem Andenken! Einäscherung 26. Juli, 17% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. 33. bt. Nach langem schweren Leiden verstarb unsere Genoffin Anna Roch, Boediderftr. 33, im Alter von 42 Jahren. Die Einäscherung findet Freitag, 27. Juli, 14 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um recht rege Beteiligung ersucht der Vorstand. 82. Abt. Steglig. Unfer Genoffe Georg Pötshift plöglich verstorben. Er war 20 Jahre Mitglied der Partei. Die Einäscherung findet am Donners tag, 26. Juli, 16½ Uhr, in Wilmersdorf statt. Wir bitten um rege Beteiligung. Treffpunkt der Genoffen und Reichsbannerkameraden: 15% Uhr Titanic- Palast, Schloßstraße.( Reichsbannerkameraden: lange Hosen und schwarzen Schlips.) 89. Abt. Reukölln. Genosse Gustav Germersdorf ift am Sonnabend nach langem schweren Leiden verstorben. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 26. Juli, 19% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an bas Jugendfefretariat Berlin S 68, Lindenstraße 3 Achtung, Handball, Fauftballspieler und Stafettenläufer für Dortmunder Jugendtag! Gonnabend, 28. Juli, 19 Uhr, im Lichtenberger Stadion Nebung und Training. Jeder muß erscheinen. Abrechnung der Beiträge, Ausgabe der Arbeiter- Jugend" Juli August, heute zwischen 17 und 19 Uhr. Heute, Mittwoch, 25. Juli, 19% Uhr: Brunnenplag: Heim Gerichtstr. 8/9, Industriehof. Was fehen mit in Dortmund?" Webbing: Heim Turiner Ede Geestraße. Jad- London- Abend. Sumannplag: Heim Cantianstraße. Sozialisten und Rommuniften." Balten play: Heim Tilsiter Str. 4/5. Demokratie oder Diktatur?" Petersburger Biertel: Heim Ebertnstraße. Zehn- Minuten- Referate. Reichenberger Biertel: Theater, Lichtspiele usw. Deutscher Metallarbeiter- Berband Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Volksbühne| Walhalla- Th. Theater am Bülowplatz Weinbergsweg 19/20 81 Uhr Täglich 8 Uhr Achtung! Achtung! Zum 3med einer besonderen ftatistischen Erfassung aller in den Verkäufe Rochherbe, eiserne, Gas, Kohle, feder Art, Größe, Siedlung, Haushalt, Reftauration( Gelegenheiten), billige Bade einrichtung, Teilzahlung, Eisschränke, aschteffel, Ofentüren, Defen aller Art. Die alte Spezialfabrit Gemmler u. Blenberg A.-G., Dresdener Str. 98-99. Gas, Waffer: und Elektrizitätswerken Balbparzellen, herrlich, baureif, 350, und in den ( Kraft und Verteilungswerken) Verkehrsbetrieben ( Aboag, Straßen- und Hochbahn) beschäftigten Mitglieder müssen dieselben innerhalb einer Woche ihre genauen Berfonalien( Name, Geburtstag, Beruf und Wohnort) der Berwaltung, Linienftr. 83/85, bekannt geben. Die Ortsverwaltung. Theater des Westens Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter 8 Uhr: Filiale Berlin Anzahlung 100,- Bagner, Bandlig fee, Stolzenhagenerstraße. Sanbparzellen, nur 750,-, Anzahlung 100,- Restaurant Hofmann, Oranien burg, Berlinerallee 21. Billige Schuhwaren und trotzdem halt. bar laufen Sie am besten bei R. Herrnftadt, C. 25, Münzstraße 7. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr Zehlendorf: Mi., d. 25., 20 Uhr, im Vereinslokal. Borstands mitglieder um 19 Uhr. Donnerstag, 26. Juli. Steglig( Orts verein): Kamerad Bötsch ist verstorben. Einäscherung 16% Uhr im Srema torium Wilmersdorf. Teilnehmer 15% Uhr am Filmhaus Titanic, Schloß. straße. Reukölln- Brig: Kamerad Gustav Germersdorf von der 1. Kameradschaft ist verstorben. Antreten zur Einäscherung mit umflohrten Fahnen und Musik 19 Uhr Bahnhof Baumschulenweg. Freitag, 27. Juli. Schöneberg- Friedenau: Kameradschaft Rathaus 20% Uhr Versammlung Mühlenstr. 9. Lichtenberg nebst Rameradschaften: Alle Kameraden besuchen die zuständigen Rameradschaftssigungen. Treptow( Ortsverein): Jungbanner und Schuhsportabteilung Mi., d. 25., 19 Uhr, auf der Spielwiese an der Rennbahn in der Wuhlheide. Tiergarten: Kamerad Lachmann von Westen 2 ift verstorben. Einäscherung Do., d. 26., 17% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Zahlreiche Beteiligung erbeten. Friedrichshain: Schußsportabteilung Do., d. 26., ab 19 Uhr, Training auf dem Sportplay Friedrichshain. Freie Hochschule. Mittwoch, 25. Juli, 20 Uhr, Brinz- Louis- Ferdinand Straße 2, 1 Tr., Speisehaus. Dr. med. et jur. Rud. Bußmann:„ Internatio naler Arbeiteraustausch." Achtung, Arbeitersänger! Wir fordern unsere Mitglieder auf, fich zahlreich an der am 1. Auguft im Humboldthain 19% Uhr stattfindenden Anti- Kriegs. fundgebung zu beteiligen und im Maßsenchor mitzuwirken. Als Lieder schlagen wir vor: Arbeiter- Vaterlandslied"," Ich warte dein" und die Internationale". Der Gauvorstand. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem 24. Juli. 1. Rennen. 1. Bubi( Schat), 2. Killemitt( Scharff), 3. Mumpik ( Weiß). Toto: 28: 10. Blaz: 18, 20, 19: 10. Ferner liefen: Fuchsie, Karrara, Parades, gef., Husdent, Donna Lita. 2. Rennen. 1. Heluan( Wolff), 2. Duelle ( Thiele). Toto: 20: 10. Plat: 14, 15, 17: 10. Raps, Traulich, Goldtraut. ( Derschug). 3. Filigran Ferner liefen: Ledon, 3. Rennen. 1. Das Lied( b. Moreau), 2. Enzian( b. Reibnik), 3. Raute( v. Götz). Toto: 16: 10. Plat: 13, 21: 10. Ferner liefen: Ancilla, Szentes, Eichkaze. 4. Rennen. 1. Turmalin( Hauser), 2. Lotte( Morig), 3. Taunus ( Wolff). Toto: 16: 10. Plat: 13, 26: 10. Ferner liefen: Gerwin, Atiferifi II. 1. Balmieri( D. Schmidt), 2. Madonna d'Arezzo 5. Rennett. ( Hahnes), 3. Annchen( Dsw. Müller). Toto: 16:10. Drei liefen. 6. Rennen. 1. Fünf Uhr( v. Gök), 2. Bauberflöte( Standing), 3. Titus( v. Reibniz). Toto: 17:10. Blag: 12, 21, 18:10. Ferner liefen: Antin, Moros, Elfchen, Jogul. 7. Rennen. 1. Eisläufer( Haynes), 2. Laetitia( Jane), 3. Mission ( Huguenin). Toto: 31: 10. Plag: 12, 15, 14: 10. Ferner liefen: Christinchen, Hagen, Ivano, Besel, Fenja. Bildende Ferienbeschäftigung für Kinder. Auch dem zärtlichsten Bapa können Rinder in der Ferienzeit zu quecksilberig werden. Man beschäftigt sie ruhig, aber anregend, indem man ihnen die interessanten, farbenprächtigen Bildchen zum Sammeln gibt, die jeder Manoli- Raucher in den Badungen der von jeher beliebten Dandy- und Gibson- Girl- Zigarette findet. Das neueste Gammelalbum Die Welt in Bildern" ist für nur 1 m. direkt von der Zigarettenfabrik Manoli A.-G., Berlin SO 16, zu beziehen. Ramerling, Kastanienallee 56. Herren. zimmer, Gobelingarnituren, Klubtische, Armlehnfefsel Riesenauswahl. Spott preise. Sahlungserleichterung. Musikinstrumente Sintpianos, überaus preiswert. Biano. fabrit gint. Brunnenstraße 85. Arbeitsmarkt Stellenangebote Werkzeugmacher für Fräs- und Hobelarbeit, präzise, verlangt Maschinenfabrit Liers, Berlin- Lichtenberg, Riegerweg 15. Bandonions, Lange, Uhlig, weltberithmt, Fabriklager, Fabrifpreise. Teil. Züchtiger Kuvertmaschinen- Schloffer für ahlungen, fleine Anzahlung. Mufit. 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August Wiederauftreten der Stettiner Sänger Donhoff Brett'i: ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077! Bis 31. Juli täglich 8 Uhr Grosses Sonder- Gastspiel Otto Pauls Bunte Bühne Volkspreise: 50 Pfg. bis 2 Mk. Die Ortsverwaltung. Nach längerem, schwerem Leiden verstarb am Montag, dem 23. Juli, meine inniggeliebte, herzensgute Frau und Mutter Elise Ernst, geb. Schultze Jn tiefer Trauer Eugen Ernst und Sohn Georg Neumann. Werder a. d. Havel Remnizer Chauffee 226/27. Die Einäscherung findet am Freitag, bem 27. Juli, nachmittags 1 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Metallbetten 1250 MÖBEL Kinderbett., Chaiselong. 26.Polst.- Stahlmatr., Sofas. Ratenzahl. Göhr Pankow, Schmidtstr.1 Berlin, Pappelallee 12 Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarretgeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 auf Kredit Niedrige Anzahlung Monatsraten 20-30 M. Eigene Fabrikation August F. 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Jnsbesondere sind eingehende Kenntnisse im Straßenbau und in der Stanalisation notwendig. Zum Aufgabenkreis des Stelleninhabers gehört unter anderem auch die Vertretung des Magistrats im Aufsichtsrat der Städtische Werte A- G."( Gas- und Wasserwerke). Gehalt während der ersten Wahlperiode nach Gruppe la der Preußischen Besoldungsordnung plus 1000 RM ruhegehaltsfähige Zulage, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung nach den ortsstatutarischen Borschritten. Meldungen mit Lebenslauf, beglaubigten Zeugnis abschriften und Belegen über bisherige Beschäftigung unter Angabe von Auskunftspersonen bis zum 25. August 1928 an das Stadtverordnetenamt im Rat hause erbeten. Persönliche Borstellung nur nach Aufforderung. Stettin, den 5. Juli 1928 Der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Ahrens. Hühneraugen Hornhaut, Schwielen u. Warzen beseitigt schnell, sicher und schmerzlos ankinoe Vielmillionenfach bewährt. Packung 85 Pfg. Bei richtiger Anwendung sind Mißerfolge ausgeschlossen. Millionen kukiralen schon. Tun Sie es auch! Mnterhalwng unö Beilage des Vorwärts Da« Reiseekel. Sine Betrachtung von M. Hennig. Das bestgehaßte Wesen— dein und mein Gegenüber, natürlich auf dem Ecksttz am Fenster, während der D-Zug seine sausende Melodie spielt, über Brücken rast und hinter Bergen versinkt. Wer dieses Gegenüber in Wirklichkeit ist, weißt du nicht und wirst es meistens auch nicht erfahren. Es sitzt jedenfalls da mit Gähnresten um die Mundwinkel, riecht nach allen Wäsiern und Kosmetikas, denen sich„der Herr" programmäßig zu bedienen hat. Die Zähne, die er gelegentlich beim Gähnen zur Schau stellt,. empfehlen Chlorodont, Odol oder Prophyplactic-Zahnbürsten. Die großen Hände sind wildlederbehandschuht. Er lieft im„Auto" oder in der „Illustrierten". Dann und wann durchforscht sein beherrschender Strategenblick das Abteil, den Wagen, und jeden Neueinsteigenden, funkt er an wie ein in seinen heiligsten Rechten gekränkter ffibel- mensch, dem man das Unerhörte zumutet, mit anderen Kreaturen in einem Wagen fahren zu müffen, die selbstverständlich Pöbel find, ganz gemeiner Pöbel. Der Zug fährt. Er erhebt sich und nimmt den Hut vom Fett- schädel, auf dem die sicbenunddreißig Haare so sorgfältig gekämmt und geordnet sind, als wären sie numeriert. Jetzt dekoriert er sich mit einer schwarzweiß karierten seidenen Reisemütze. Dann überlegt er eine Weile. Wichtige Dinge scheinbar. Steht auf und langt nach seinen geradezu verwegen eleganten Köster im Gepäcknetz. Jetzt liegt der Koffer auf seinem Sitz. Die Anstrengung des Heninterlangens hat sein rundliches Biomalzgesicht leicht rosig ge- färbt. Jetzt wird der Koffer aus seiner eleganten Verschalung sozu- sagen hevausge-knöpft, und zwar mit einer Sorgfalt, als gälte es einen Säugling liebevoll>md vorsichtig aus seinen Windeln zu be- freien. Aus der Hosentasch« nimmt er ein Schlüstelbund, daß an einer silbernen Kette innerhalb der Hosentasche befestigt ist. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit! Er klappert mit den Schlüsteln und schließt Schlösser auf. Man begreift gar nicht, wie ein Handkoffer so viel« Schlösser haben kann. Er entnimmt dem Koffer ein rotledernes Etui und diesem ein lawendelduftendes fDardley old english Lavender) Riesentaschentuch— und— schnauzt sich, so nachdrücklich und aufsehenerregend, wie es eben einem Prominenten zukommt. Legt das Ewi wieder hinein. Wühlt weiter. Erwischt raschelnde Papiertüten. Legt sie heraus. Schließt den Koster. Verschließt jedes der X-Schlösier. Knöpft den Ueberzug zu. Stellt den Köster wieder in» Netz. Setzt sich. Die klimpernden Schlüssel verschwinden in den Untiefen der Hosentasche. Jetzt kommen die Papiertüten an die Reihe. Er öffnet die eine, entnimmt»in Paket. Steht auf. Oeffnet das Fenster, wirft die Tüte hinaus. Schließt das Fenster. Setzt sich. Packt das Paket aus. Neben ihm türmt sich ein Neiner Berg von Pergomentpapicren auf. Endlich die Schinkenstulle, pardon das Schinkenbrot! Energisches KiNnbackengeschaukl«. Unwillig betrachtet er den Pergamentpapierhaufen, verdrückt ober erst noch ein Brot mit Schweizerkäs«. Er erhebt sich, öffnet wieder das Fenster und raus mit allem Papier. Kramt in seiner Palctottasch«. Fördert eine Orange zutage. Ißt, so daß der edle Saft über sämtliche zehn Wurst- finger tropft. Erhebt sich. Oeffnet das Fenster, wirft die Scholen hinaus. Kramt dann neuerlich im Koffer, entnimmt ihm ein Hand- tuch und ein Ewi, diesmal ohne Schloß, stößt sich durch die Knie der Mitreisenden hindurch— freie Bahn dem Tüchtigen... Krach, die Schiebetür wird mit einer kraftvollen Geste aufgezerrt. Hinaus auf den Gang, bewaffnet mit Handtuch und Seifenetui. Daß hier auch so viele Leute rumstehen müssen. Diese dummen Bengels in ihren Sportanzügen kommen sich so wichtig vor, und der Mensch da mit seinem genialen Schlopphut und schäbigen Regen- mantel, auch so'n Cafehausliterat und die blonde Frau da mit ihrem plärrenden Balg auf den Armen— Ogottogottogottogott.— Mit seinem sich spitz vorwölbenden Bauche schiebt er sich wie ein Eis- brecher durch den Gang, die umherstehenden Mitpassagiere schubsend und auf die Füße tretend. Dann kommt er wieder in sein Abteil geschwankt, während die Berlocken an der sehr massiven Kette, die aus seinem Wamst baumelt, luftig klimpern. Krachend läßt er sich auf seinem Sitz nieder und du denkst: na endlich, jetzt kommt er wohl zur Ruhe. Denft ja gar nicht daran. Dein« Geduld scheint erschöpft, aber dein Reisegegenüber ist noch lange nicht fertig mit seinen wich. tigen Verrichtungen, hat auch noch längst nicht alles demonstriert, was er besitzt. Er hat ja so viel bei sich— das muß er alles zeigen. Wieder einmal kramt er irgendwo, erwischt«in Etui, diesmal ohne Schlüssel. Er entnimmt ihm eine dickleibige Zigarre, macht Gebrauch von einem silbernen(das ist sehr wichtig) an der Uhrkette baumeln- den Zigarrenabschneider. Dann kommt ein neues Etui zum Vor» schein, das in der Westentasche verwahrt ist. In diesem Sammet- Polster ruht eine Bernsteinzigarrenspitze, die muß raus. Das Etui wird zugeklappt und in die Westentasche verstaut. Di« Zigarre wird in den Mund praktiziert. Vorher kommt noch ein Toschenewi zum Vorschein, ein flaches, silbernes, für Taschenzündhölzer. Man qualmt wie ein Schlot. Und nun, in drei Teufels Namen, du Bestie, du Ekel, du Reiseungeheuer! Wieder steht er auf. Nochmal muß der Koffer herunter. Die Pantoffel— die Reisepantoffel aus rotem Iuchtenlsder(im Etui natürlich), ja, die fehlten noch. Die Zigarre ist ausgeraucht. Zehn neue Zeitungen sind in die Ecke gequetscht, nachdem er sie mürrisch durchflogen hat. Er räuspert sich prominent, sucht van neuem in irgendwelchen unergründlichen Taschen und fördert eine handliche rechteckige kleine Packung zu- tage— Vivil, was ist eine Reise ohne Pfefferminz? Dann werden Reiseprospekte und Bädeker gewälzt. Du schließt gottergeben die Augen, nimmst Abwehrstellung ein, willst nichts mehr sehen, hören und riechen und überlegst, ob du nicht bei der nächsten Station ein anderes Coupe aussuchen sollst, während dos Reiseekcl unverdrossen weiter packt, kramt, raschelt, klimpert, sich räuspert, weil es nicht weiß, was es mit sich und seinen Siebensachen eigentlich ansangen soll— im anderen Abteil wird aber ein anderes schaudererregendes Gegenüber sitzen. Nur du— du selbst, bist es natürlich nie. Oer mißratene Sohn. Don Wsewolod Zwonow. (Aus dem Nuffischen übertragen von Hans Nu off.) (Schluß.) Doch war er nach wie vor vergnügt und wußte, daß dos Glück wetterwendisch ist und Meschodi nie ganz verlassen würde, und in der Tat ließ es.ihn nicht im Stich— Wieder trillerten Maschinengewehre in den Bergen, und wieder wurde die Stadt von Soldaten z-esetzt. Aus dem Meere herrschte Sturm, und die Wellen umspülten die Wurzeln der Zypressen am User, unter denen Meschadi saß. Aus Langeweil« zählte er die Wellen, und als er ihrer dreizehn- tausend gezählt hatte, trat ein zerlumpter Mann aus ihn zu und jagte mit gerührter Stimme: „Bater, erkennst du mich wieder?" Meschodi blickt« ihn stolz an und erwiderte: „Ich glaub«, ich erkenne dich! Hat dir denn der sterbend« General gesagt, wer dein Vater ist?" „Ja. er nannte mir meinen wahren Vater und starb. Ich deckt« ihn mit der Regimentssohn« zu, verkaufte sein silbernes Zi- garetteneeui und fuhr zu dir her." „Das ist alles sehr schön", sagte Meschadi zu seinem Sohn und um- ormt ihn innig mit der ihm eigenen Würde.„Aber mein Berus ist jetzt ebensowenig einträglich wie der Beruf eines Generals. Ich bin alt geworden, sttz« am Meer und sehe den badenden Frauen zu, ohne die geringste Lust zu verspüren, mit ihnen in die Berge zu gehen." Daraus erzählte er dem Sohn von den alten Zeiten, zeigte ihm alle Bergpsod«, zeigte chm auch den Felsen, bis zu dem die Generals- gattin nie gekommen war, und so wurde sein Sohn Bergführer. Jetzt führte Meschadi z Sohn die Frauen in die Berge, ober ob- wohl er nur einen schmucken Tscherkessenrock und eine schneeweiße Pelzmütze trug, so hatten dach die Frauen, wenn sie aus den Bergen .urückkehrten, die gleichen hungrigen Augen wie vorher. Wohl sprach der nargnügte und weise Meschadi zu seinem Sohn von den Stürmen seiner Jugend, wohl erwidert« ihm dieser:„Schon gut!", und doch oermochte er nichts Gutes in den Augen der Frauen zu iinden. Da tat er folgendes. Als der Sohn eines Tages wieder die nach fänfter Unordnung lechzende Menschheit in die Berge führt«, schritt Meschadi neben ihm her auf Pfaden, die jedermann außer seinen, Meschadi», stolzen und heiteren Augen verborgen geblieben ivaren. Da sah er, daß sein unwürdiger Sohn es nicht nur unter- ließ den Frauen die Steigbügel zu halten und ihre Deine zart zu I crühren, sondern selbst weit vorneweg ging, als sucht« er erst jetzt Den Weg, und zudem sich mtt ihnen nur über Krieg und Kriegs- loten unterhielt. Wozu mtt einer Frau von Krieg sprechen, wenn riitgsum Felsen, waldumsäumt« Motten und ein Gras so grün wie sonst nirgends in Rußland stnd? Und da erfüllte der alte Stolz Nteschodis Seele, lind er begann große Felsblöck« aus die Wege hin- abzuwerfen/ daß sie dort unten meinten,«3 käme Steinschlag oder Oewitter. Meschodi? Sohn richtete sich hoch aus, bereit, das ihm niwerfrirnje fremde Peben vor Steinschlag, irni» Gewitter zu schützen, 1 nd seine Gangort wurde die eines Generals, der ein Regiment führt.„Du Esel!" sagte stch da Meschadi und ging langsam ins Tal ssnab. Am Abend sagte der Sohn Meschadi» zu seinem Vater: „In den Bergen hat schon der Sturm begonnen. Steine stürzten rnis unfern Weg herab, und ich befürchtete, es könnte jemand erschlagen werden." „Du Esel!" sagt« Meschodi zu ihm.„Diese Steine schleuderte ter Krater meines Zornes. Glaubst du denn, diese Frauen brauchten reinen Schutz? Eine jede von ihnen würde dich besser schützen als nn Regiment deiner davongelaufenen Soldaten. Du meinst, st« t milchten deine Gebirgspfod«? Eine jede oon ihnen kennt besser als du all« Pfade und dazu in ganz anderen Bergen, als es diese hier sind." „Keim« ich etwa meine Pfade schlecht?" erwiderte der Sohn. „Verstehe ich mich etwa schlecht daraus, andere zu beschützen?" „Du bist ein dreifacher Esel," sagte wiederum Meschadi,„erstens und zweiten», weil du das nicht verstehst, was ich dir sagte, und drittens,«eil dein Leib nicht ein stürmisches Meer ist, sondern ein Sumpf, aus dem sich nicht bauen läßt. So möge denn mein Hau» weiter oersollen, ich selbst will am User des Meeres sitzen und nur Vn Badenden zusehen,— doch soll nicht Schmach über mein Haupt lommen. Ich meinte, du seiest wahrhaftig ein Sohn Meschadis, in Wirklichkeit aber bist du ein Generalssohn. Du siehst hier vor dir aic Landstraße, sie führt noch Rußland»der noch weiter: geh diese alatt« Straße immer geradeaus, sonst könnt« ein Stein aus einen Gebirgspfod niederfallen und deinen Kops treffen... Ich habe dir vine Veits chenschläge verziehen, aber ich kann es nicht verzeihen, wenn ein Sahn Meschadis neben einer Frmi schlapp ist wie eine Peiflchenschniir oder ein noch schmachvolleres Ding. Geh!" Und sein Sohn ging die staubige gerade Landstraße, seine Schritte waren langsamer ois die eines Zugtieres, und jede? elende ihirde konnte ihn verspotten und aus seine Spuren spucken. Meschadi 'lickte ihm nach, er tat ihm leid, aber mit auf der breiten Bnist ge- reuzten Annen sah er die Berge an, die ebenso unbeugsam und tolz waren wie er selbst. Das war das Ende der Geschichte von dem vergnügten Berg- ührer Meschadi Faru Abas. Der Wächter der Quelle. Don D. Luschnat. nördlichen Eisgebiet gibt es eine heiße Quelle, die wild aus unem� Felsen heroordampst. Ein alter Eskimo hat sich dort an- '.«siedelt. Er lebt von den Gaben der Besucher. Jemand fragte ihn einmal, warum er nicht nach Süden ziehe, •r müsse doch reich sein. Er sei nicht reich, meinte der Alt«, und er nüsse auch bis an sein Lebensende hierbleiben. Das war dem anderen mbegreiflich. Er wollte ihn überreden, mitzukommen. Der Alte öchelte und stand auf. Er nahm ein Gefäß, schöpfte von der Quelle md stellt« es in die Sonne. „Schau her," begann er,„es gibt sanfte Menschen und wilde Menschen. Das Wasser in diesem Gefäß ist ganz still und wird inmer kühler. Es friert aber nicht. Es bleibt Wasser. So ist der ansle Meirfch. Die Lichtkegel dort oben ist der Allesmensch. Der rust üc Seele des sanften Menschen. Die Seele folgt ihm und steigt -u, dem Gefäß des Körpers empor. Wenn, das Gefäß leer ist, sagt nun. der Mensch ist tot. Das ist ober nicht so. Die Seele des »rnfrfrfB G«n dwm wie Lop. Deshalb kam» man sie nicht mehr sehen. Sie ist aber lebendig. Sie ist nur näher an den Allesmenfchen herangeflogen, um ein wenig Licht zu trinken. Das ist es.— Ich bin ein sanfter Mensch. Du bist ein wilder Mensch. Du kommst aus der Erde wie die Quelle. Und wie diese Quelle dampft dein« Seele und macht viel Geräusch. Warum das so ish kann ich nicht sagen. Das muht du selber in Erfahrung bringen.— Mich hat der Allesmensch gebeten, aus die Quelle zu achten, damit sie nicht allzu schrecklich dampft und vielleicht gar das Eis der ganzen Welt in Wasser verwandelt. Deshalb darf ich nicht fortgehen. Für dich wird es vielleicht dos Richtige fein, wenn du dir ein stilles Wasser suchst, um«»«in wenig in Bewegung zu bringen. So glaube ich. Willst du es genau wissen, mußt du den Allesmenfchen fragen." Der andere hotte aufmerksam zugehört. Er sagte:„Du bist, was ich nicht bin. Was ich ober bin, weiß ich nicht."—„Diese Antwort zeigt, daß du verstanden hast. Jetzt aber mußt du fortgehen. Wenn du angekommen bist, wo du bleiben sollst, wirst du auch wissen, wer du bist." lÄu» b*m"Crütanerf„aSeirteuer an(Setf, tu» rat 1828 im Berlaa Paul Stanal, Mwche». erscheint.) Auiomobilstraßen in Amen'ka. Vv« Charte« A. Miller. In keinem Lande der Welt gibt es prozentual aus den Kopf der Bevölkerung so viele Autos, wie in den Bereinigten Staaten von Nordamerika, und in Kalifornien, dem Einzelftaat, der mit Autos am meisten gesegnet sst. kommt aus drei Personen ein Auto. Dort ist das alt« Schlagwort:„Jeder Familie ihr eigenes Auto!" veraltet und ersetzt durch das neue Schlagwort:„Jedem Familien- Mitglied sein eigenes Auto." Run sind ja nicht überall die Verhält- nissc so günstig, wie in Kalifornien, doch in ganz Nordamerika ist das Automobil heute das meist benutzte Verkehrsmittel. Die Kon- kurrenz, die dadurch den Eisenbahnlinien eMsteht, ist so groß, daß in den letzten Jahren, besonders im Lokolverkehr, bedeutend« Ein- fchränkungen im Fahrplan fast aller Linien vorgenommen werden mußten und sogar einig« klein« Strecken ihren Betrieb gänzlich ein- stelften. Diese Entwicklung des Autowesens sst mir oerständtich, wenn man da» amerikanische Autostraßensystem betrachtet, das ohne Bei- spiel in' der ganzen Well dasteht. Denn heute, wo der Verkehr in den Großstädten schon so ins Maßlose angeschwollen ist, daß an ein schnelles Vorwärtskommen mit dem Auto nicht mehr zu denken sst, dient der Kraftwagen fast ausschließlich dem Ueberlandverkehr. Diesem Bedürfnis kommen nun Staat und Private durch Anlage durchaus mustergültiger Autostraßen entgegen. Man unterscheidet dabei im wesentlichen zwei Arten von Autostraßen: Speedways und Highways. Die Speedways, zu deutsch: SchnAligkettswege, sind Straßen, die ausschließlich dem Autoverkehr dienen. Aehnlich wie die Avus bei Berlin find sie gegen die Umwelt abgegrenzt, meist durch einen Drahszaun, und bieten keinerlei Kreuzungen mit Eisen- bahnen oder gewöhnlichen Straßen. Die ausschließliche Benutzung durch Automobile erlaubt ein« sehr große Steigerung der Geschwin- digkeit, und deswegen nimmt der Benutzer auch gern die Taxe auf sich, die er beim Eintritt auf den Speedwoy entrichten muß. Denn diese Autostraßen sind«ine sehr kostspielige Sache und werden Haupt- sächlich von Privaten unterhatten. Solche Speedways haben meist keine allzu groß« Ausdehmmg und befinden sich, ähnlich wie die Avus in Berlin, meist nur in der Nähe großer Städte, wo mit sehr viel»ertehr jm nchaen J Ganz anders gedacht und angelegt sind die Highways, zu deussch: Großverkehrsstraßen. Man könnte sie noch am ehesten vergleichen mtt unseren Straßen erster Ordnung, wenn sie natürlich auch viel besser angelegt sind, was Unterbau und Streckenführung betrifft. Diese Highways dienen nicht ausschließlich dem Autoverkehr, aber da mindestens 9l1 Pro,z. alles Straßenverkehrs in den Bereinigten Staaten Kroftwagenverkehr ist, so sind sie doch so gut wie reine Autostraßen. Man unterscheidet dabei Highways, die angelegt werden von den Einzelsstaaten, und solche, die von der Gesamtregierung er- richtet und unterhalten werden. Auch Großoerkehrsstraßen der Einzefftoaten schließen sich so aneinander an, daß dadurch ein un- unterbrochenes Straßennetz enssteht, und heute führt schon eine statt- ltchc An, zahl derartiger Straßen in allen Richtungen durch sämtliche 4t! Staaten. Von den Kanadischen Seen bis zum Gass von Mexiko und von einem zum anderen Ozean kann man heute bereits aus mehreren Routen ununterbrochen aus solchen erstklassigen Straßen fahren. Denn alle diese Straßen bestehen aus Beton, der selbst bei nassem Wetter ziemlich hohe Geschwindigkeiten erlaubt. Im übrigen überwacht die Polizei allerorts die Uebertrewng einer bestimmten Geschwindigkeitsgrenze, die messt bei ZS Meilen. also fiO Kilometer, liegt. Die Highways sind ausgezeichnet durch Warnungstafeln und ähnliche Vorrichtungen gesichert, und in einer geradezu bewundernswerten Art ist für jedes Bedürfnis des Auto- mobilisten Vorsorge getroffen. Alle paar Meilen befindet stch eine Tankstelle und eine Reparaturwerkstatt, und fast ununterbrochen ist die Kette kleiner Restanrants, wo man sich erfrischen kann. An schönen Orten und in der Nähe der großen Städte befinden sich ausgedehnte Campplätze, wo man auch das Auto gut unterbringen kann. All dieser Komfort, der besonders für größere Autoreifen unumgänglich ist, fehlt selbst dann nicht, wenn derartige Highways Hochgebirgsgegenden oder Wüsten durchqueren. Fast alle Hiqhways sind so breit, daß vier und mehr Autos nebeneinander fahren können, imd meist ist durch einen Strich in der Mitte eine Grenze gezogen fiir die Verkehrsmittel in beiden Richtungen. Im vorigen Jahre betnig die Zahl derartiger staat- licher Autostraßen bereits mehr als ein halbes Hundert, und stets werden neue angelegt...Darüber hinaus verbreitert man die alten Straßen, und sämtliche Highways befinden sich in einem ausgezeich- neten Zustand, der für Fahrer und Wagen die Reise zu einer Leichtigkeit macht. Wieviel könnten wir hier in Europa in dicsser Hinsicht von Amerika lernen, wo wirklich die Straßeiwerhältniss« mit den technischen Verbesserungen der Verkehrsmittel Schritt halten. Pomade. Der Ursprung der Pomade ist in Italien zu suchen, wo man nicht nur Apfelwein, sondern auch eine wohlriechende Haar- und Haussalbe hauptsächlich aus dem Fleisch von Aepfeln(tat. ponia) herstellte. An diese pomata kann aber nur eine sehr gezwungen« Erklärung anknüpfen für die Aussagen: das ist mir Pomade— es sst mir gleichgütttg, er hat viel Pomade, er ist pomadig— er ist sehr langsam, gemächlich. Die ursprüngliche Form zeigen noch heute die Mundarten: pomale, pomali, und es liegt ein tschechisches Wort zu- gründe: po mala— langsam, sachte. Pomade ist seit 4581 im deutschen Schrifttum nachzuweisen, und wurde dann an die im 17. Jahrhundert eingeführte Pomade angelehnt. Dem Tschechischen (fälschlich Böhmischen) verdanken wir auch den Halunken, tschechisch bolomek— nackter Bettler, Häscher, den Popanz, tschechisch vubak= Schreckgestalt, die Peitsche, tschechisch viä, die die Geißel verdrängte, die Haubitze, sschechisch boulnirc~ Steinschleuder, durch die Hussiten- kriege eingeführt, und den Stieglitz, sschechisch stcklec— Di stets in f. Auch die Polka ist tschechischer Herkunft. Sie kam um 1836 m Prag ans: sschechisch pulka Mvutet Halbschritt. C, M.(Deutschet Spvachvevemch Zur rumänischen Anleihe. Die Lehre von Bukarest. Der 20. Juli brachte für Rumänien ein großes Ereignis Ministerpräsident Bratianu fonnte seinem Kabinett mitteilen, daß eine französisch- englisch- amerikanische Finanzgruppe zur Gewährung einer Anleihe von 250 Millionen Dollar bereit sei. Ein Teilbetrag von 80 Millionen Dollar folle im Herbst für die Stabilisierung der rumänischen Leuwährung ( 1 Goldleu= 1 Goldfranken, 1 Papierleu etwa 2 Pfennig) aufgelegt werden. Rumänien erhält sofort einen Borschuß von 20 Millionen Dollar. Am 26. Juli soll das rumänische Parlament die Ermächtigungsgeseze beschließen. Für die forrupte liberale" Regierung Rumäniens, die mit der Regentschaft für den 6jährigen König" Rumänien in Grund und Boden regiert hat und die auf Tod und Leben von der rumänischen Agrarpartei bekämpft wird wir erinnern an den wir erinnern an den Bauernaufruhr mit dem Marsch nach Bukarest im Frühjahr bedeutet die Anleihe die Rettung. Sie verrät zwar nicht, was diese Rettung Rumänien toftet, welche Staatseinnahmen sie verpfänden mußte und wieviel staatliche Selbständigkeit bei der kommenden Finanzkontrolle preisgegeben wird. Aber auf den greifbaren internationalen Anleiheerfolg geftüßt, wird sie ihre brutalen Regierungsaktionen fortseßen können. Aber auch für die europäische Politik ist der Anleihe vertrag Rumäniens vom Juli 1928 von schwerwiegender Bedeutung, und die europäische Arbeiterschaft wird die Augen für alle Dinge offen halten müssen, die im Dunstkreis von Rumänien heute und in der Zukunft geschehen. Die rumänische Regierung hatte Jahrelang versucht, Währung und Finanzen durch die Zusammenarbeit mit Deutschland Rumänien seine flare Rückzahlungspflicht gegenüber deutschen Anleihegläubigern in voller Goldvaluta anzuerkennen sich weigerte. So tam es schließlich ohne die Beteiligung Deutschlands zu dem französisch- englisch- amerikanischen Anleiheabkommen, bei dem die Bereinigten Staaten finanziell, Frankreich und England aber politisch führen. In der politischen Kehrseite des äußerlich ziemlich harmlos und wegen der Stabilisierung der rumänischen Währung sogar verdienstlich erscheinenden Bukarester Anleihevertrags liegen denn auch die Gefahren, die das arbeitende Bolt Europas im Auge behalten muß. Es ist eigentlich die alte Entente unter Ausschluß Deutschlands, die mit einer führenden Macht der Kleinen Entente dieses Finanzgeschäft abgeschlossen hat. Rumänien bekommt mit insgesamt über 1 Milliarde Mark eine unerwartet große Summe; die Anleihe ist wahrscheinlich deshalb so hoch, weil fie die Rückzahlung der deutschen und englischen neben den franzöfifchen- Borkriegsanleiheforderungen mit ins Auge faßt, denn die Anleihe zeichnung wäre gefährdet, wenn die Sicher heit der Anleihe durch spätere neue Schuldenverträge belastet würde. Rumänien hat sich aber praktisch zweifellos weitgehend seiner Entschlußfreiheit gegenüber Frankreich und England entäußert, die schon in dem für die Schiedsgerichtsidee des öfterbundes so blamabel ausgegangenen Entschädigungsstreit zwischen Ungarn und Rumänien durch die Verweigerung des von Ungarn verlangten Schiedsgerichts bewiesen haben, daß sie über Rumänien besondere Interessen verfolgen. Natürlich kann man hier nur von Möglichkeiten, nicht von Tatsachen sprechen. Frankreichs empfindlichster Gegner ift gegenwärtig Italien. Italien hält wegen Frankreich mit England gute Freundschaft. Mit Rumänien, deffen lieberale" Regierung auch mit Mussolini fofettierte, hielt sich Italien auf gutem Fuße. Jegt hat Frankreich durch die Finanztontrolle in Butareft großen Einfluß, fann Rumänien endgültig von Italien ab brängen und die kleine Entente", das Machtinstrument Franfreichs in Zentraleuropa, verstärken. Kommt die durch die fürzlichen in Ordnung zu bringen. Die deutschen Großbanten und bie deutsche Schwerindustrie hatten während der Herrschaft des Bürgerblocks thre Finger im Spiele, um unter dem Zeichen der Exportförderung auf dem Rüden des deutschen Steuerzahlers ein gutes Geschäft zu machen. Deutschland sollte Rumänien eine Anleihe von zunächst 200 Millionen Mart ge währen, davon ein sehr großer Teil in schwerindustriellen Lieferungen für die rumänischen Eisenbahnen. Das Deutsche Reich sollte die Entschädigung der deutschen Gläubiger rumänischer Borkriegsanleihen übernehmen, während Rumänien auf seine Gegenforderungen aus der Besetzung Rumäniens durch General verzögerte internationale Serbenanleihe auch zustande, dann kommt Madense n. verzichten wollte. Diese noch bis in die letzten Wochen vor der französisch- englisch- amerikansichen Anleihe fortgeführten Ber handlungen scheiterten, weil das Geschäft selbst vom kapitalifti schen Standpunkt anrüchig war und Rumänien inzwischen, da der liberalen Regierung die schwierige innerpolitische Situation immer gefährlicher wurde, die verhältnismäßig geringe deutsche Finanzhilfe nicht mehr genügte. So ging die Führung der finanziellen ,, Rettung" Rumäniens an Frankreich und England über. Rumänien schloß mit Frankreich im März und im Mai 1928 3mei Finanzverträge, durch die die rumänischen Kriegsschulden an Frankreich von rund einer halben Milliarde Goldfranken und die Borkriegsonleiheschulden an franzöfifche Gläubiger anerkannt und deren planmäßige Tilgung feft. gelegt murde. Frankreich versprach dafür die Bermittlung einer 60- Millionen Dollar- Anleihe, und die Bart von Frankreich hat sofort nach der Stabilisierung der französischen Währung durch Direkte Berhandlungen ihres Gouverneurs in Bufarest das Geschäft zu Ende zu führen gesucht. Deutschland sollte daran beteiligt merden. Herr Moreau, der Bertreter der Bank Don Frankreich, erschien in Berlin zum Besuch bei der deutschen Reichsbant; aber die deutsche Beteiligung unterblieb dennoch, meil Englische Regierung gegen Eisenzoll. Die englische Regierung hat befchloffen, die Erhebung von Industrieschutzöllen für die Eisen- und Stahlinduftrie während der Dauer des gegenwärtigen Parlaments nicht zu erötfern. Diese wichtige Entscheidung wurde beim Empfang von Bertretern der Elfen- und Stahlinduftrie durch den Ministerpräsidenten Baldwin bekannt. Die Bertreter hatten die Einfehung eines Komitees gefordert, das eine neue Prüfung des englischen Industrieschutzgesetzes im Intereffe der Eisen- und Stahlinduftrie vornehmen foll. Recklinghausen verkauft Werfaftien. Eine wichtige Lehre. Schüsse in der Belgrader Stupichtina auch Serbien unter Finanzkontrolle. Wie conft es Frankreich mit falt vom 11. Juli in der französischen Kammer. Der Abgeordnete Bergery enthüllte die politischen Gefahren der Rumänenanleihe, und Poincaré fonnte sich nur mit persönlichen Denunziationen des Angreifers und mit der Aufforderung zu einem Duell aus der Affäre ziehen. jeinen Balkanintereffen ist, beweist der dramatische 3 wischen= Auf der anderen Seite möchte England die rumänische Finanzfontrolle gegen Sowjetrußland ausspielen. Rumänien steht mit Rußland wegen der beffarabischen Frage auf gespanntent Fuß und könnte die englische Rückendeckung für seine langgestreďte Rußlandgrenze ebenso begrüßen, wie England den Einfluß auf die rumänische Bolitit, den es durch die Finanzkontrolle jegt erhält, So können am Balkan im Zusammenhang mit der Rumänenanleihe wieder politische Bettermoften aufsteigen. Schärffte Aufmerksamkeit der europäischen Arbeiter. europäischen Arbeiter parteien wird notwendig. Leider auch gegenüber dem Völker= bund. Aus einem Instrument des Friedens, als das er gedacht mird, wird er noch leichter als bisher zu einem Instrument einfeitiger Machtinteressen seiner militärisch führenden Mächte. In der Erkenntnis dieser Gefahr liegt die Lehre von Butarest. halten wir an unseren damaligen Feststellungen feft in einer Zusammenkunft mit Vertretern der Schwerindustrie und der Elektrizitätswirtschaft in Leuna sich unmißverständlich dahin geäußert, daß es mit der Ausdehnung der öffentlichen Wirtschaft ein Ende haben müsse. Das schwerindustrielle Kapital hat diese unmißverständliche Aeußerung mit Recht so aufgefaßt, daß die feitdem scharf durchgeführte Kreditdrosselung der Kommunen, die zu einer hochverzinslichen kurz- und langfristigen Verschuldung auf dem inländischen Kapitalmarkt geführt hat, furz über lang einen großen Teil der öffentlichen Werte als reife Frucht in seine hand fallen laffen wird. Wir wissen, daß besonders in der elektrotechnischen Schwerindustrie das Bewußtsein sehr lebendig ist, die Holdinggesellschaften besonders großen Elektrizitätsaber bestimmte Aufgaben dabei stellt. Am 1. April 1929 tritt ein neues Abkommen in Kraft für neue zehn Jahre, nachdem das bisherige Zehnjahrsabkommen von 1924 dann fünf Jahre in Kraft war. Das neue Abkommen erweitert so die Subventionsperiode praktisch auf 15 Jahre. Die Höchstsubventionen sind jetzt nach folgender absteigen der Stala für die Luftverkehrsdienste festgesetzt: für jedes der zwei ersten Jahre. für jedes der nächsten 4 Jahre für das 7. Jahr " " 2 8. 9. " 97 " " Pfd. Sterl. 335 000 91 M. 6 825 290 " 310 000 220 000 6 315 940 97 4 482 280 " " 170 000 = 3 463 580 " PP 120 000 2 444 880 " " 70 000 = 1.426 180 " = 10.( Schluß-) Jahr. Der Höchstbetrag für jedes Jahr wird in einem bestimmten Berhältnis 1. für den Europadienst, 2. die England- AegyptenRoute, 3. den Aegypten- Indiendienſt feſtgeſetzt. # Zur Sicherung eines ständigen Fortschrittes in der Konstruktion, besonders auch um ein sinkendes Verhältnis zwischen Subvention und Betriebskosten zu erzielen, verlangt die Stala der Subsidien einen Erjat veralteter Ty= pen von nicht weniger als 25 Pro 3. pro Jahr, ohne die besonderen Fälle, die den Staatssekretär zu anderwärtigen Beftimmungen veranlassen könnten. Auf diese Weise sind zwei vollständige Ersatzgarni turen von Verkehrsflugzeugtypen während der Dauer des 10jährigen Abkommens vorgefehen. Am Schluß diefer Periode, in der eine beträchtliche Zunahme der Beförderung erwartet wird, hofft man, eine sich voll bezahlt machende MaschinenType entwidelt zu haben, so daß Subsidien nicht mehr von Staatswegen nötig sind. Nach dem bestehenden Abkommen war ein Drittel der Ueberschüsse der Gesellschaft aus dem eingezahlten Kapital nach Abzug einer Dividende von 10 Broz. zu Rückzahlun= gen auf die Subsidien zu verwenden, welche die Gesellschaft nach dem Ablommen vom 15. Mai 1924 erhalten hat. In dem neuen Abkommen ist diese Bestimmung gestrichen. An Stelle dessen erhält die egierung ein Los von Borzugsanteilen, welche an die jährlichen Ueberschüsse und Dividenden größere Rechte haben als die gewöhnlichen Anteile, auch mit besonderen Vorrechten an das Vermögen im Falle freiwilliger Liquidation der Imperial- Airways ausgestattet find. Das Recht der. Staatsregierung, zwei Direktoren in den Verwaltungstörper der Gesellschaft abzuordnen, wird beibehalten. Ruhr und englische Kohlenfubvention. 3m ersten Halbjahr 1928 ging der deutsche Kohlenerport fscharf zurück. Nach einer Mitteilung aus dem Ruhrgebiet wartet der rheinischmestfälische Kohlenbergbau mit großer Spannung auf genauere Mitteilungen Churchills im englischen Unterhaus über die neuen Staatssubventionen für den englischen Kohlenbergbau. Bemerkenswert ist die Aeußerung, daß man feinesfalls daran denke, bie englischen Fehler nachzuahmen, obwohl man sich klar darüber ist, daß der Kampf um die umstrittenen Gebiete ausgetragen werden müffe. Als wichtigstes Mittel sei vielleicht vom Standpunkt des deutschen Kohlenbergbaues eine Neuregelung der deut den tüften tarife zu ermägen, mährend man von dem Ausbau des Hanfatanals, der 300 Millionen Mart tofte und noch zehn Jahre dauere, teine Hilfe erwarte. Man glaubt an der Ruhr, daß es den Engländern hauptsächlich darum zu tun sei, sich auf einige Jahre in den umstrittenen Gebieten des Weltmarktes einen starter Absatz zu sichern, um bei eventuellen internationalen Verständigungs verhandlungen eine gute Quote zu erzielen. Der deutsche Kohlengesamtegport ist im ersten Halbjahr 1928 erheblich zurüdgegangen. Die Steinkohlenausfuhr ist seit März, mo der Rückgang am fühlbarsten wurde, von 2,25 auf 1,42 Millionen Tonnen im Juni gefunken. Einschließlich Brauntohle, Kots und Britetts entspricht das einem Wertrüdgang von 66,8 Millionen Mart im März auf 47 Millionen Mart im Juni. Im Vergleich zum ersten halben Jahr 1927 ist der Steinfohlenerport von 14,09 aui 11,96 Millionen Tonnen gefunten. Die Steinkohlen e infuhr ist in der gleichen Zeit von 2,43 auf 3,15 Millionen Tonnen gestiegen. Kots, Brauntohle und Briketts eingerechnet, ergibt sich eine Verringerung des Ausfuhrwertes von 469,6 auf 368,1 und eine Steigeringerung des Ausfuhrwertes von 469,6 auf 368,1 und eine Steige rung des Einfuhrwertes von 67,6 auf 83,0 Millionen. Die Mengen verschlechterten Steinfohlen handelsbilanz über die Grenzen. und Wertveränderungen gehen in der Hauptsache auf Kosten der konzerne bald durch hochrentable Aktienpakete von zwangsweise Rationalisierung in der Landwirtschaft. veräußerten öffentlichen Werken bereichert zu sehen. Kein Zweifel darüber ist, daß sehr vielen Kommunen heute das Wasser schon hoch am Halse steht, und zwar durch das Zusammentreffen einer politik, und daß die Finanznot manche Kommune zu der Erwägung treibt, ob man nicht daraus Konsequenzen ziehen soll, wie es jetzt Recklinghausen getan hat. Aus Recklinghausen kommt eine Mitteilung, auf die die deutsche Deffentlichkeit achten muß. Nach dieser Mitteilung verstädtefeindlichen Finanz- und der Schachtschen Kreditdrosselungskauft die Stadt Recklinghausen sämtliche 3,4 millionen Mart Aktien der von ihr allein beherrschten Gas- und Elektrizitätswerte Kommunal A.-G. an die Vereinigten Wir wollen hierbei nicht dem Reichsbankpräsidenten unte:= Elektrizitätswerte Westfalen, die ihrerseits die Recklinghausener Gas- und Elektrizitätswerte mit ihren eigenen Anlagen fufioniert. ftellen, daß er die Städte in Finanzverlegenheiten gebracht hat, Dabei wird die von den Recklinghausener Werken aufgenommene damit diese gezwungen werden, von sich aus die öffentliche Wirt Amerikaanleihe von 1,5 Millionen Dollar von den BEW. über- schaft zugunsten privater Interessenten abzubauen. Wenn wir dem Reichsbankpräsidenten auf diese Absicht nicht zu unterstellen nommen. Durch den 7 Millionen Mark betragenden Erlös aus dem Aktienverkauf ist die Stadt Recklinghausen in der Lage, hochvergins brauchen, so handelt es sich doch um eindeutig burch seine Politit Wir halten es aber für absolut liche städtische Anleiheschulden herabzumindern Da herbeigeführte Wirkungen. die BEW. weiterhin die Stadt Recklinghausen mit Gas und Kraft unmöglich, daß die Städte angesichts der von ihnen nicht die VEW. weiterhin die Stadt Recklinghausen mit Gas und Kraft versorgen wird, erhält Recklinghausen eine Stongeffione abgabe von verschuldeten Notlage, gegen das Interesse der von ihnen be10 Broz. auf den Kleinverbrauch und von 2 Broz. auf den Groß- trauten Bevölkerung irgendwann und irgendwo nur aus Gründen einer unverschuldeten Finanznot die Herrschaft über öffentliche Versorgungsbetriebe preisgeben. Hier handelt es sich um Fragen, bei denen die ganze Deffentlichkeit für die Städte Partei zu nehmen hat und wo die Städte gegenüber der Gesamtwirtschaft und der städtischen Bevölkerung ihre Bflicht verlegen würden, wenn sie nicht unter Anrufung der öffentlichen Meinung Notverkäufe öffentlicher Werke um jeden Preis zu verhindern suchen würden. verbrauch. Das der Tatbestand. Run handelt es sich bei diesem Verkauf nicht um eine Beräußerung tommunalen Attien- und Werfsbeliges an das Brivatfapital, denn die Vereinigten Elektrizitätswerte Bestfalen werben von der Provinz, westfälischen Städten und Kommunaiverbänden beherrscht. Deffentlicher Befig wechselt also nur die Hand, menn dabei auch zu beachten ist, daß bei derartigen provinziell- menu nalen Gesellschaften wie dem BRW. der privatwirtschaftliche Ein. fluß in der Regel größer ist als bei kein kommunalen Werfen. Es fann auch möglich sein, daß die Zusammenfassung der Reckling hausener Werke in Betriebseinheit mit den Werken der VEW. rationell ist. Wir fönnen das von hier aus nicht beurteilen. Aber der Fall Redlinghausen, wo eine Stadt mitten im schwerindustriellen Ruhrgebiet zur Erleichterung ihrer Finanzlast hochwertige Attienpatete rein tommunaler Werte ein für allemal veräußert, und damit die Versorgung ihrer Bevölkerung weit gehend außerhalb ihrer Kontrolle stellt, scheint uns doch typisch für eine Situation, die die Aufmerksamkeit der Deffentlich feit im höchsten Maße fesseln sollte. Im vorigen Jahre hat Reichsbankpräsident Schacht- trog des erfolgten Dementis Bom englischen Luftverkehr. Die Neuregelung der Staatssubventionen. Daß die„ Denticije Lufthansa" fast 80 Proz. ihrer Gesamtkosten aus öffentlichen Zuschüssen bestreitet, darauf haben wir oft hingewiesen Aber es gibt noch fast kein Luftverkehrssystem, das nicht mit hohen öffentlichen Subventionen arbeitet. Das englische System ist interessant, weil es bisher auf 10 Jahre mit sinkenden 3u schußraten abgestellt war und die Verwendung der Jahresraten zwar der Luftgesellschaft Imperial- Airways Ltd." überläßt, Butter und Eierstandardisierung. Wir berichteten fürzlich über die Absichten, die nach dem großer Erfolg in Schleswig- Holstein für die Standardisierung der Butter auch in Westfalen, Mecklenburg und Süddeutschland bestehen. Die Standardisierung der Butter, d. h. die Einführung von Butter marken, die die gleichmäßige und dauernd gute Qualität der Butter garantieren, wird in neuen Gebieten allerdings verhältnismäßig lange Zeit in Anspruch nehmen. Die Buttermarke wird erit dan gewährt, wenn die angelieferte Butter ein Jahr lang täg ich auf Fett- und Wassergehalt untersucht worden ist. Auch die Pläne zur Standardisierung deutscher Eier sehen ihre Durchführung entgegen. Die Grundlagen zur Schaffung von Eier verwertungsgenossenschaften sind ausgearbeitet, de Geschäftsbetrieb der Genossenschaften, an denen die brei deutscher Genossenschaftsverbände beteiligt sind, foll bald aufgenommen wer den. Den Unterbau der Eierverwertungsgenossenschaften der Pro vinzen bilden die Distriktsvereinigungen zur Aufnahme und zun Absatz der Eier. Für die Standardisierung der deutschen Eier is die Gründung der Berwertungsgenossenschaften eine Borstufe. Nad einer Mitteilung des Industriekuriers" liegt der Stempel de deutschen Landwirtschaftsrates„ Deutsches Frischei dem Patentamt noch zur Genehmigung vor. Kapita Neue Ausdehnung des deutschen Linoleumtruffes. Wie gemelde wird, hat die Deutsche Linoleumwerte A.-G. die finanzielle Herr schaft über die Rohpappenfabrit in Worms 0,81 Millionen Mark erworben Die Rohpappenfabrit A.- G Worms stellt das Woufilzmaterial für einen neuen Fußbodenbela her, der von den Werken des Deutschen Linoleumtrufts erzeugt wird Damit vollzieht der Konzern einen weiteren vertikalen Ausbau. Uebrigens sei uns hier die Frage gestattet, ob diese neue Ausdehnung aus laufenden Gewinnen oder aus in Anspruch genommene kredilen erfolgt ist. Wir haben nämlich vom Deutschen Lino leumtrust, der auf seine Breisermäßigungen besonders stolz ist, bishe noch keine Antwort auf unsere Frage erhalten, ob die von ihm et zielten sehr hohen Gewinne nicht noch bedeutend größere Breis noch teine Antwort auf unsere Frage erhalten, ob die von ihm et ermäßigungen ermöglichen würden, als diejenigen, deren er sich st gerne rühmt.