BERLIN Mittwoch, 25. 3uli 1928 10 Pf. Nr. 348 B172 45. Jahrgang. erscheint t S g Ii ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Dorwärt«'. BezuKtprei« beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche,»MM. pro Monat. Redaktion undErpeditiou: BerlinSW6L,Liudtnstr.g SjuUauLQaße Jßk« Nteigenpret«: Die einspaltig« Nonpareilleteil» S0 Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. ogscheckkonro: Dorwärts-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. Z7üS6. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis LS? m Kolgen eines Kchergerichts. Lambachs Ausschluß.— Katzenjammer bei den Deuffchnationalen. Eine Ehrentafel für Lassalle. Diese Tafel hat die Stadl Bertin an dem Hause Bellevueslraße 13 angebracht in Erinnerung an die Talsache, daß der sozialistische Vorkämpfer hier längere Zeit gewohnt hat. Der Ausschluß Lambachs aus der Deutschnationalen Partei steht wie eine starke Geste aus, ist aber in Wirklichkeit mit Zähneklappern unter dem Druck der Hugenberge be- fchlosten worden. Davon zeugt schon die Tatsache, daß der Ausschluß mit der„verletzenden Form" der Lambach» schen Aeußerungen begründet wird, während von der S a ch e, nämlich von der Stellung zur Monarchie— und erst recht von den tieferliegenden Gründen— überhaupt keine Rede ist. Trostreich wird Lambach auch die Aussicht auf Berufung an den Parteivorstand eröffnet, die nach einer neueren Meldung von Lambach bereits eingelegt worden ist. Der Berufungsinstanz dürfte es kaum noch möglich sein, bei ihrer Entscheidung auf formale Gesichtspunkte aus- zuweichen. Denn so einfach läßt sich die durch den Ausschluß Lambachs heraufbeschworene Parteikrise nicht mehr beilegen. Schreibt doch selbst die in letzter Zeit den Deutschnationalen recht nahegerückte ,LAZ.": Die Folgen dieser kurzsichtigen Entscheidung für die Deutschnationale Volkspartei sind unabsehbar. Drohend erhebt sich über der Parteikrise, die eine geschickte Hand noch hätte bändigen können, jetzt die Gefahr der parteispallung... Mag der Beschlutz sich noch so sehr auf die Einzelheiten der Lambachschen Verstöße beschränken, so wird doch in weiten Kreisen, die bisher zur deutsch- nationalen Fahne schwärten, der Ausschluß «t» etu Vorstoß gegen den Gewerkschaftsführer aufgefaßt werde«, nicht als eine Maßregelung de- unzuverlässige» Monarchisten. Nichts aber ist. gerade nach dem Wahlergebnis vom 20. Mai, für die Deutschnotionale Partei gesährlicher, als wenn die Meinung Nahrung erhält, sie sei» anc eine Partei de, Großbefltze», des Großkapitals. Es wird' jedoch den Gegnern nicht schwer fallen, mit dem Hinweis Eindruck zu machen, daß ja auch für die Deutschnationalen die monarchistische Frage keine aktuelle Bedeutung besitzt, daß also in Wirklichkeit hier andere Gegensätze, politischer und wirtschaftlicher Art, «m die Entscheidung ringen... »ei den Wahlen find den Deutschnati analen zahlreiche Klein- besitze r, Kleinrentner und Kleinbauern davongelaufen. Sollen ihnen jetzt auch die Angestellten davonlaufen. weil ein Landesverband sich echt deutsch als Vereinsoorstand fühlt, statt als politische Instanz? Die Besorgnisse des schwerkapitalistischen Blattes, bis keineswegs einer feindlichen Einstellung gegen die Deutsch- nationale Partei entspringen, haben ihren guten Grund. Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband ist zwar keine deutschnationale Parteiorganisation(der Name des Ver- bandes besteht schon seit 1893). aber gut zwei Drittel seiner Mitglieder dürften der Dcutschnationalen Partei nahestehen. Mit seinen etwa 300 000 Mitgliedern stellt dieser Verband für das organisatorische Fundament der Rechten einen beträcht- lichen Faktor dar. Nun ober ist der DHV. seinerseits mit einer Anzahl anderer Angestellten- und Arbeiteroerbände im Deutschen Gewerkschaftsbund kartelliert, der feine Mitgliederzahl auf üoer eine Million angibt. Bisher tendierte der evangelische Flügel der im Gewerkschaftsbund ein- geschlossenen chri st lichen Gewerkschaften zu den Deutfchnationalen, wie die Zugehörigkeit der Behrens, Meyer- Dermsdorf usw. zu deutschnationalen Fraktionen zeigt. Schon bisher ergab sich ein seltsamer und fortwährende Spanm'.ngen erzeugender Zustand daraus, daß außerdem die Führer der Nationalen"(Gelben) Arbeitervereine auf den Bänken der Deutschnationalen sitzen. Von den letzteren ist der Fall Lambach schon eifrig benutzt worden, um gegen die chri st- Richen Gewerkschaftler in der eigenen Partei zu Hetzen Der Ausschluß Lambachs vergrößert die Spannung, steigert die Schwierigkeiten des Gewerkschaftsflügels in der Deutschnationalen Partei. So erklärt sich, daß die eigemuche deutfchnationale Partei- presse den Ausschluß Lambachs bisher völlig kommen- tarlos bringt. Den Herrschaften ist schwül zu Mute und sie berechnen wohl, wieviel solcher Hugenbergscher Siege die Deutschnationale Lollspartei noch verträgt. Das Ende eines Sdinmlzblalles. Krise auA im Landbund. (Berichte auf der 2. Seite) Reichswehr beim Stahlhelm. Reaktionäres wetterfest in Wilsnack. lichmeterhoheStichflammen heraus. In wenigen Minuten stand«in Teil des Erdgeschosses mit großen Holzvorräten und der Maschineneinrichtung in hellen Flammen. Die Belegschaft tonnte sich rechtzeitig in Sicherl)eit bringen, so daß Menschen nicht zu Schaden gekommen sind. Drei Züge der alarmierten Feuer- wehr konnten im Verein mit der F a b r i k f e» e r w e h r den Brandherd durch starkes Wassergeben aus mehrerenSchlauch- le Hungen nach zweistündiger Tätigkeit einkreisen und nieder- kämpfen. Die von dem Brand betroffene Tischlerei wurde vor einiger Zeit schon einmal bei einem Grohfeuer schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ein Leser schreibt uns: Anläßlich eines Besuches in Wilsnack wohnt« ich hier einem Reiterfest des Stahlhelm bei, dessen Verlauf recht interessant war. Es war angekündigt als„Reiterfest des Reiteroereins Legde-Lennewitz". die Leiwng hotte Oberleutnant Kamloh-Grubc. Zu dem Feste hatte man allenthalben schworzweißrot geflaggt, nur vom Rathaus wehte ein« ein- same schwarzrotgoldene Flagge. Fast alle Reiter waren in Stahl. helmuniform erschienen, Stahlhelmleut« zu Fuß ver- sahen den Ordnungsdienst, sämtliche Verkäufer von Eintrittskarten trugen das Stahl Helmabzeichen. Nach einigen Nationalist!- schen Begrüßungsreden ging es durch die Stadt zum Brink, wo auf dem Platz vor dem Schützenhaus die Reiterspiele stattfanden. Hier trat die R e i ch s w e h r in die Erscheinung, vertreten durch zwei Osfiziere und achtzehn Reiter vom Reiterregi- ment ä in Perleberg. Offensichtlich nahm die Reichswehr keinen Anstoß daran, daß vom Schützenhaus die schwarzweiß- rot« Fahne wehte und daß der ganze Festplatz mit schwarz- weißroten Fähnchen abgesteckt war. Vielmehr führte die Reichswehr auf diesem Festplatz unter Leiwng ihrer Ossiziere Schul- reiten und Springen vor. Die Besten wurden durch den Stahlhelm- mann Oberleutnant K a m l o h- Grube ausgezeichnet. Die ganz« Veranstaltung zeigt, daß die angebliche Trennung der Beziehungen zwischen Reichswehr und Rechtsverbänden in den ostelbischen Bezirken immer noch auf dem Papier steht. Der Reichs- wehrminister G r o e n e r sollte hier einmal nach dem rechten sehen. Keuer bei der AEG. Sine Tischlerei zum zweiten Male niedergebrannt. In der Fabriktischlerei der Transformatorenwerke der AEG. in der Wilhelnnnenhofstraße 83— 85 zu Oberschöne- w e i de brach heute vormittag Feuer aus, das bald größeren Um- fang annahm. Aus einem Spauebunker imd Exhaustsr schlugen Plötz- Explosion in einer Druckerei. Sin Arbeiter lebensgefährlich verletzt. Im Maschinenhaus der Druckerei von Paß u. Garleb in der Bülowstraße 86, in der bis vor einiger Zeit die inzwischen eingegangene„Tägliche Rundschau" hergestellt wurde, ereignete sich heute mittag ein schwer es Explosionsunglück. Der Mafchinenarbeitcr August Pagode war gegen 11 Uhr mit der Inbetriebsetzung des Dieselmotors beschäftigt. Aus bisher noch völlig ungeklärter Ursache explodierte plötzlich die Anlasser- slasche des Dieselmotors, die mit Preßlust angefüllt war und unter einem Druck von etwa 60 Atmosphären stand. Die Folgen waren geradezu verheerend. Das Maschinen Haus wurde schwer beschädigt und ein Teil der Decke zum Einsturz gebracht. Auf den Alarm rückten Fahrzeuge der Feuerwehr und des städtischen Rettungsamtes an. Außer Pagode, der l e b e n s- gefährliche Verbrennungen erlitten hatte, und dem e i n Arm abgerissen wurde, ist niemand verletzt worden. P. wurde in das Elisabeth-Krankcnhaus gebracht. Klugzeugabsturz in Holland. Sine Dame getötet, eine schwer verletzt. Als am Dienstag nachmittag ein Fokker-Verkehrsflugzeug de? Königlichen Luftfahrtgesellschoft mit fünf Damen als Fahr- g ä st e n zu einem Rundslug über Rotterdam aussteigen wollte, berührte das Flugzeug infolge des heftigen Windes den Mast eines in der Nähe liegenden Schiffes. Der Apparat stürzt« ins Wasser, hielt sich jedoch, auf den Flügeln treibend, auf der Wasseroberfläche. Es gelang, die Insassen aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Jedoch war eine Dame infolg« des S�' getötet worden, eine ander« fchwcroerlekt u dritte leichwcrlctzt, während die beiden anderen Fah' 1 Pilot unverletzt blieben. V Das beschlagnahmte Außenministerium Ein holländisches Geeichtsurieil. Haag, 25. Juli. Der holländisch« Staat ist ein«r ihm auf Grund des Urteils eines Zivilgerichts auferlegten finanziellen Verpflichtung zur Schadens- «rfatzleiftung an den früheren Kanzler der niederländischen Gesandt« schaft in Tokio, Wenniger, nicht nachgekommen. Deshalb hat ein Gerichtsvollzieher Beschlag auf die Räume des niederländischen Mi- nisteriums des Aeußercn gelegt. Das Ends eines Schmutzblattes. Jahrelang von der Industrie ausgehalten. Essen, 25. Juli.(Eigenbericht.) Wie uns mitgeteilt wird, ist der Herausgeber des„Freien W o? t« s"', Arthur K i r s ch n e r, seit Ende der vergangenen Woche aus Essen verschwunden. Die Staatsanwaltschaft wird in den nächsten Stunden einen Haftbefehl gegen ihn erlassen wegen einer Anzahl bereits festgestellter Wechselsälschungen. Mit Kirschner scheidet im Industriegebiet ein Mann aus dem öffentlichen Leben, der zu den übelsten Erscheinungen gehörte, ffirschner gab im zehnten Jahrgong ein Wochenblatt„Das freie Wort" heraus. Am Kopf stand die Devise:„Furchtlos und treu für Wahrheit und Recht". In Wirklichkeit gehörte es zu denjenigen Wochenblättern, die auf die Sensationslust des Publikums spekulieren. Es gab kaum eine Verleumdung von Rechts, die im„Freien Wort" nicht in der gehässigsten Form wiedererschien. Besonders führend« Personen des Ruhrgebietes, Minister der Nachkeiegszeit, usw. waren die Ob- . jekte der Angriff« Kirschner». Dabei stand die Sozialdemokratie in der ersten Reihe. Aber auch führende Politiker des Zentrums waren Kirjchaer ein Dorn im Auge. Es sei nur an den Fall Hirt- s i e f e r erinnert(Vorgänge, die dessen Besuch in Wien betrafen und die dem Redakteur drei Monate Gefängnis einbrachten). Aber dem„Freien Wort" ging es wie allen Blättern dieses Schlages. Di« Zahl der Klogen wurde immer größer. Die Prozeßkosten stiegen ins Unendliche. Das Publikum merkte schließlich, daß das, was im„Freien Wort" steht, al« Lüge und Verleumdung anzusehen ist.. Die Auflage des Blattes sank immer mehr, bis die Katastrophe hereinbrach. Eine Zeitlang hielt der frühere Reichstagsabgeordnet« Geißler(Dereinigte Stahl« werke) und Bergassessor Löwen st ein(Bergbou-Vcrein) das Blatt noch durch Zuschüsse über Wasser. Wie wir hören, liegen der Staatsanwaltschaft gefälscht« Wechsel in Höhe von rund 20 000 Mark vor. Unter den Geschädigten befindet sich auch ein früherer Reichstagsabgeordneter und jetziger Zigarren- ' Händler, Adam, der mit Kirschner zusammenarbeitete. Das „Freie Wort" selbst ist in der vergangenen Woche wieder in einem anderen Format und einer anderen Redaktion erschienen. Es ist wahrscheinlich von anderen Kreisen übernommen worden. Damit schließt ein trauriges Kapitel de» Journalismus im Ruhrgebiet. Buchstäblicher Abbau. Ein Siadtpafcha läßt die Opposiiionszeiiung demolieren! Bukarest. 25. Juli. Die Bauernzeitung von Konstanza,„D a c i a", richtete scharfe Angriffe gegen die Mitglieder der Stadtverwaltung, vor allem gegen den Bürgermeister Hoculescu, denen sie vorwarf, daß sie ein liederliches Leben führen, besoffen in ihre Bureau» kommen und durch ihre Schandwirtschaft die Gemeinde zugrunde richten. In der Nacht auf Sonntag hat daraufhin der Bürgermeister einigen Arbeitern einfach den Austrag gegeben, das Haus der„Dacia" abzutragen. Als Hoculescu zur Verantwortung gezogen wurde, berief er sich auf«inen viele Jahre zurückliegenden Beschluß des S ta d tba u a m t« s, der die Abtragung des Hauses aus Stadtverschöner ungsgründen empfahl. Plötzlich, nach den Angriffen auf den Bürgermeister, ist nun diese Verschönerung « so dringend geworden, daß man der Redaktion der„Dacia" dos i Dach über dem Kopf wegtragen mußte. Die Bauernpartei hat vom > Minister des Innern die Suzpendierung de» Bürgermeifters [ verlangt und gegen die Gemeindeverwaltung einen Schadener- ' satzprozeß angestrengt. Gwßfeuer im Südwesten Berlins. In der Lackspriherei der Sunsianstalt für Reklameplakale von Prag er u. Lojda in der Hagelberger Straße SZ/54 entstand heute mittag kurz nach 12 Uhr durch Explosion eine» Lackbottich» Feuer, da» in wenigen Minuten zu einem Großfeuer auswuch». Die im vierten Stockwerk des Seitenflügels auf dem zweiten Hof gelegenen Räume brannten völlig aus. Stichslammen von 20 bis 30 Meter Länge schössen minutenlang au» den Fenstern hervor und gefährdeten die Löschmannschaften, die nach oben vorgedrungen waren, außerordentlich. � Es konnte nicht verhindert werden, daß die Flammen auf das Obergeschoß und den Dach stuhl de» ersten und zweiten Ouergeböudes übergriffen. Bei Redaktionsschluß dauerten die Löscharbeiten noch an. Zum Glück ist niemand oerletzt worden. Revision gegen ein Todesurteil. Die Luckenwalder Gattenmorderin nochmals vor Gericht? Am 27. März d. I. wurde die 42jährige Hutmacherin Frieda Schmidt, geb. Müller aus Luckenwalde vom Potsdamer Schwurgericht wegen Gattenmordes zum Tode ver- urteilt. Die Angeklagte soll ihren Ehemann, während er schlief, dadurch vergiftet haben, daß sie beide Gashähne geöffnet hat. Dann ist sie ruhig nach Berlin gefahren. Der Mann war etn notorischer Säufer, der seine Frau jahrelang mißhandelt hat. Während Frau Schmidt in der Hauptverhandlung und in dem Ermittlungs- oerfahren die Tat zugegeben hat, bestreitet sie jetzt im Gefängnis, die Gashähne geöffnet zu haben. Ihr Verteidiger, Dr. Barbasch- Berlin, hat gegen das U vi eil Revison eingelegt. U. o. führt er in der Begründung an, daß einAssessoralsRichter mitgesessen habe, der noch nicht als Hilfsrichter amtiert hat. Fischslerben in der Spree. In der Spree zwischen der Reuen- Friedrichftraße und dem Zirkus Busch ist plötzlich«in Fischsterben ausgebrochen. Man sieht auf der Oberfläche des Wassers Hunderte von toten Fischen schwimmen, deren Zahl sich immer noch oermehrt. Die Ursache tonnte noch nicht ermittelt werden, dürft« aber auf '''che Stoffe von irgenfcvelchen Abwässern zurückzuführen sein. Die Krise in Vertrauenskrise.— Franksurl a. M.. 24. Juli.(Eigenbericht.) Die„Frankfurter Zeitung" beschäftigt sich in ihrer ersten Morgenausgab« vom 25. Juli mit den Vorgängen im Reichs- landbund. Zunächst stellt sie fest, es sei„eine grobe Jrresührung", wenn die„Deutsche Tageszeitung" den Streit zwischen dem Präsi- denken Kalckreuth und Hepp als harmlose Organisationsfragen hin- zustellen beliebe.„Tatsächlich befindet sich der Reichslandbund heute in einer so schweren Inneren Krise wie noch niemals zuvor. In internen Sitzungen van Organen" des Reichslandbundes haben dessen beide Präsidenten, Graf Kalckreuth Und Herr Hepp, zwischen denen ein schwerer Gegensag ausgebrochen ist, diese Tat- fache zum Ausgangspunkt heftiger und langwieriger Auseinander- setzungen gemacht, die noch keineswegs abgeschlossen sind, sondern die nächsten Wochen noch erfüllen werden. Der Rcjchslandbund befindet sich in einer latenten Vertrauenskrise, was viel- fache Deputationen, schriftliche Eingaben und die Debatten im Bundesvorstand und im Gesamtoorstand deutlich beweisen. Weite Kreise sind von einem Mißtrauen gegen die Leitung er- faßt.' Unzufriedenheit mit der Führung ist draußen vielfach vor- handen, sogar von einer Abriegelung einzelner Landbiinde gegen führende Persönlichkeiten wird als einem Zeichen für die schwere Krise bereits gesprochen." In dem Kampf um die Präsidentenschaft sieht die„Frankfurter Zeitung" jedoch mehr als eine Person cnfrage. Die Krise sei akut geworden, als Hepp feine chriftlich-nationale Bauern- partci gründete, und hier liege die Kernfrage: Hepp oder der von Kalckreuth protegierte Schiele: dcutschnational oder christlich-notio- nal? Hepp habe damals die Zeichen der Zeit erkannt:„Den in immer stärkerem Maße sich vollziehenden Abfall der Bauern sowohl vom Rcichslandbund wie von den Deutsch- nationalen. Schon lange hatte dieser Abfall sich angekündigt. Wachsende bäuerliche Schichten hatten schon seit geraumer Zeit ihre Beiträge im Reichsland b und nicht mehr gezahlt. und wurden nur noch in den Mitgliederlisten weitergeführt, um „Kraffin" will Ausbesserung Moskau, 25. Zull. Der Kapitän de, Eisbrechers„krassin", S a m o i l o. witsch, meldet dem Hilfskomitee, er habe, anstatt Kurs aus Göteborg za nehmen, beschlossen, den Spitzbergen näher gelegenen Hafen Stavanger anzulaufen, dessen Docks ebenfall» für die Reparatur des.Firassin" geeignet seien. Die italienische Regierung richtete an das russische Robile-Hilsskomitee die Bitte, das Gerippe des Lustschifses „Ztatia" aussuchen zu lassen. Es wurde angeordnet, dem Ei»brecher„Srassln" zwei Flogzrwge zu senden, ihn auszubessern und mit Kohle und Proviant zu versehen. Wie aus Moskau gemeldet wird, beabsichtigt dos russische Institut für Meeresforschung, seinen Dampfer„P e r s e y" zu einer Hilfsexpedition für Amundsen auszurüsten. Man ist der Ansicht, daß A m u n d s e n nur im Bereich des Franz-Ioseph-Landes aufzufinden sei. Nach einer Mitteilung aus T r o m s ö hoben die beiden Sachverständigen, Direktor Krugnaes und p e v o l d, eine genaue Berechnung angestellt, wo sich die„Latham" jetzt bc- finden müßte, wenn sie in der Nähe der Bärentnsel notgelande> wäre. Auf Grund dieser Berechnung wird Devold sich nach Grönland begeben, um an der Ostseite der Mygge- Bucht sämtliche Depots abzusuchen. Im Hinblick auf die von Mussolini kürzlich im Ministerrat gehaltene Rede, in der eine Untersuchung der Umstände des Schei- terns der„Jtalia"-Expedition in Aussicht gestellt wird, erklärte der schwedische Minister des Aeußeren. L ö f g r e n, daß die s ch w e- dische wie auch die norwegische Regierung offizielle und in- offizielle Verhandlungen mit Italien gepflogen haben. Bon schwedischer Seite wird besonders volle Klarheit über den Untergang des schwedischen Wissenschaftlers Dr. M a l m g r e n gefordert. Einsturz in einem Telegraphenami. Ein Äeamter getötet, zahlreiche Verletzte. Weimar, 25. ZvN. heute vormittag gegen tl Uhr ist ein Saal des hiesigen Tele- graphenamles au, bisher unbekannten Gründen eingestürzt. Ein Obertelegraphensekretär wurde dabei getötet, von den dort beschäftigten etwa 25 Damen sind eine Anzahl teils leicht verletzt worden, teilweise kamen sie mit dem Schrecken davon. Einzel- Helten liegen noch nicht vor. da die Verbindung mit Weimar unterbrochen ist. Orei Verletzte beim Warenhausbrand. Nach mehr als fünfstündiger Täigkeit ist es der Feuerwehr ge> lungen, des Brandes im Warenhaus Geschwister Knopf ip Karlsruh« Herr zu werden. Dem amtlichen Bericht zufolge sind bei den Löfcharbeiteei drei Feuerwehrleute verletzt worden, einer von ihnen schwer. Rummel um Hölz. Bescheidener Empfang in Hannover Hannover, 25. Juli.(Eigenbericht.) Wie die KPD. die Hölz-Rcklamc aufzieht, zeigen die Berichte der „Roten Fahne" und der übrigen KPD.-Presse über den Hölz-Rummel in Hannover. Frech wird gelogen, daß 15 000 Arbeiter Hölz empfangen hätten und zwei Säle überfüllt waren, so daß noch eine Kundgebung unter freiem Himmel abgehalten werden mußte. In Wirklichkeit umfaßte der Zug etwa 800 K o ni in u n i st c n und Rotfrontbündler, die ans der näheren und wcileren Umgebung Hannovers zur Verstärkung herangezogen waren. Mit den neugierigen Zuschauern, die an der Seile miltrottelen, um Holz zu sehen, waren es alle» in allem höchstens 2500 M«n- ll Landbund. Abfall der Bauern. den Abfall nicht offenbar werden zu lassen. Die Verluste bei deck Gcnossenfchaftsgründungen des Landbundcs hatten das Ihrige ge- ian und die ungeheuerliche Hetze, die der Landbund zu Beginn des Jahres unter der ländlichen Bevölkerung entfesselte, hatte anfangs riesige Massenversammlungen zustandegcbracht, aber der Katzenjammer kam verhältnismäßig früh, denn die Bauern erkannten, daß sie nur ihre Haupt zu Markte tragen sollten, nicht die Hetzer, die zum Steuersircik, zum Zahlungsstrcik, zum Käufer- streik und damit zur offenen Gewalltat gegen den Staat und zur Lerrottung ihrer Wirtschaft aufwicglten. Sic erkannten, daß sie wieder einmal für den von der Krise bedrohten Großgrundbesitz ge- opfert werden sollten, und jetzt klagt Graf Kalckreuth, daß man über die Anwendung der sagenannten gewerkschastlichen Mittel in den Kreisen des Reichslandbundcs sehr verschiedener Meinung sei, daß eine Provinz nach einer weiteren Vorbereitung dränge, während andere Provinzen diese Mittel völlig ablehnten und daß eine einheitliche Front offenbar nicht'zu erreichen sei. .Kurz, die Bauern drohten abzufallen, und die Parteigründung des Herrn Hepp entsprang dem Wunsche, diese abfallenden Massen auf- zufangen. Wahrscheinlich rechnet« er damit, daß er erst am An- fang sei, daß dieser Prozeß weitergehen werde, un� so ist die jetzige Krise im Rcichslandbund zugleich ein weiteres überaus wichtiges Symptom für die Krise der Deutschnationalen Par- t e i: Nach ihrem schweren Verlust in den letzten Wahlen droht ihr durch die Auseinandersetzung mit dem Abgeordneten Lambach und seinen Kreisen 8er weitere Absall in ihren Angestelltenschichten, droht ihr durch die selbständige Aktion des Herrn Hepp der weitere Abfall ihrer bäuerlichen Schichten. Abschließend sagt die„Frankfurter Zeitung". Hepp oder Schiele als Führer der Bauern, bleibe sich gleich. Auch Hepp diene nur den großagrarischen Interessen, und die christ- lich- nationale Bauernpartei habe ebenfalls nur den Zweck, die Bauernpolitik auf der Seite der Reaktion zu hatten und sie wirt- schaftspolitifch an einer entschlossenen Vertretung ihrer wahren Interessen zu hindern. weiter suchen. in Siavanger. Roch Blättermeldungen ist die an M a r! o n o vorgenommen« Beinamputation an der Verspätung schuld, mit der die „Ei t t a d! M i la n o" die Kingsbay verließ. Die Operation wurde von einem italienischen Marinearzt unter Aiiistenz«ine» zweiten italienischen lind des russischen Arztes vom„Krassin" vor- genommen. Falls in Rorvik ein« geeignete Pflege statt« vor- handen ist, wird Marians auf Weisung der italienischen Regierung bis zu seiner Genesung dort bleiben. Was ist mit Aehounek? Die tschechoslowakische Ocssentttchkei» ist stark beunruhigt über das bereiis feit langer Zeil bestehend« Ausbleiben von Nachrichten über das Schicksal Dr. B e h o u n- k». der sich bekanntlich an der Expedition des Generals Nobile beteiligt hat. Die weldun- gen. daß General Nobile mit seinen Gefährten die Heimreise antreten wird, wirk« in Prag befremdend. Die tschechoslowakischen Blätter fordern von den amtlichen Stellen, daß sie unverzöglich olle Zweifel über das auffällige Ausbleiben.d i r« k t e r Nachrichten Dr. B e h o u n.e k s aufzuklären suchen. Kurz nach der Rettung der D i g l i e r i- G r u p p e, bei der sich Professor Behounek befand, drahtete Nobile überschwängltche Worte an die Schwester des tschechischen Gelehrten, und eine kurz« Unter- r e d u n g Behouneks mit einem Journalisten wurde in der Prager Presse veröffentlicht. Seitdem herrscht Schweigen, und die Verwunderung hierüber in der TschcchoslowakB ist nicht unbegründet. Vielleicht sühlt sich der Gelehrte, von dessen Acußerungen namentlich die eine beachtlich war, daß der Schwede Malmgreen ihn kurz vor der Katastrophe der„Italia" auf die Mängel in der Führung des Luftschiffes aufmerksam gemacht habe, aus Loyalitötsgründen gleichfalls an das Schweigegebot Mu f so- l i n i s gebunden. schen. Ursprünglich war geplant, in zwei Sälen zwei Kund- gedungen hintereinander zu veranstalten. Da beide Säle nicht einmal voll wurden, verzichtete man auf die zweit« Kundgebung und zag nach dem Klogenmarkt. So frisierte man für die Oessentlichkeit eine neue Kundgebung heraus, die in Wirklichkeit nur eine Fort- fetzung der ersten war. Ganz Hannover lacht über den durchsichtigen Schwindel der KPD.-Bezirksleitung, der lediglich dazu dienen fall, sich nach der katastrophalen Wahlniederlage bei der Zentrale lieb Kind zu machen._ Feierschichten im Neuroder Kohlenrevier. Im Neuroder Kohlenrevier sind auf der R u b e n g r u b e wegen mangelnden Absatzes und Unrentabilität Feierschichten ein- gelegt worden. Auch in der Textilindustrie in Mölke be- stehen Absatzschwierigkeiten, doch wird der Betrieb vorläufig noch aufrechterhalten. Auch wird wegen ungünstigen Geschäftsgänge» verkürzt gearbeitet._ Tariftündigung der rheinischen Brounkohlenarbeiter Die Bergarbeiterverbänd« Hoden am Dienstag da» Lohn- und Arbeitszeitabkommen für das rheinische Braun- kohlengebiet zum 31. August gekündigt. Es ist damit zu rechnen, daß die Unternehmer- und Arbcitervertreter schon in den nächsten Togen zu gemeinsamen Verhandlungen zusammentreten. Die Er- örterungen dürften sich insbesondere auf eine Neuregelung der Arbeitszeit erstrecken. Bestimmte Forderungen sind von den Gewerkschaften bis jetzt noch nicht eingereicht worden. Ein vernünftiges Urteil. Wieder einmal sollte eine Buch, die Novelle„Arabellas Opferung" von A. M. Frey zum Tode verurteilt. d. h. im objektiven Verfahren unbrauchbar gemacht werden. Er- freulicherweise gab aber das Charlottenburger Schöffengericht das Buch frei, obwohl der Vorsitzende des Gerichts dahingestellt fein ließ, ob die Idee absurd oder pervers fei und obwohl er es als Lektüre für junge Menschen nicht geeignet hiell. Braool Selma ohne Llnierleib. Keine„selbstverschuldete Krankheit". Selma war Dorietestar. DaritS ist vielleicht etwas über- 'rieben, aber Star stimmt unbedingt. Selma trat nämlich vornehmlich in Schaubuden auf Jahr- Märkten, Volksfesten und dergleichen auf, wo sie stets einen großen Kreis kunstbegeisterter Zuschauer hatte, die sich speziell aus der Herrenwelt rekrutierten. Sie erwies sich jederzeit als ein guter Kassenfüller. Das war auch gar nicht anders möglich, denn sie trat auf als„Jungfrau ohne Unterlei b". Da war sie eine Attraktion, die man unbedingt gesehen haben mußte. Kein Wunder also, daß sie schon vier Jahre bei ihrem„Direktor" engagiert war, mit dem sie unser schönes Vaterland kreuz und quer bereist hatte. Dann aber war eines Tages Kurzschluß. Der Herr Direktor hatte Selma fristlos entlassen, und da er auch keine Gage zahlte, klagte sie nun vor dem Arbeitsgericht. Selma, die Jungfrau ohne Unterleid, erschien nicht persönlich vor dem Gericht. Sie ließ sich von einem Herrn vertreten, den sie mit Vollmacht versehen hatte.. Und dieser Herr war— der rechtmäßige Ehegatte von Selma. Das war schon eine kleine Ueberraschung für den hohen Gerichtshof, der diesen Künstler- streit zu schlichten hotte. Die nächste Ueberraschung war ober noch größer. Der beklagte Chef behauptete nämlich, daß er' einen berechtigten Grund gehabt hätte, Selma fristlos zu entlassen. Sie hatte nämlich, wie es das Bürgerliche Gesetzbuch so schön bezeichnet, eine„s e l b st v e r s ch u l d e t e" Krankheit. Selma war, wie wir bereits erfahren haben, verheiratet und sah Mutter- frcuden entgegen. Der Chef erblickte hierin die„selbstverschuldete Krankheit", die ihn zur Auflösung des Engagements berechtigte. Infolge der Veränderung ihres Körper umfanges war es Selma in den letzten Tagen nicht mehr möglich gewesen, ihre sonst so schlanken Glieder in einen kleinen Kasten zu pressen, um sich dann als„Jungfrau ohne Unterleib" vor dem staunenden Publikum zu produzieren. Das Gericht aber teilte die Auffassung des„Direktors" er- freulicherweise nicht. Es stellte sich vielmehr auf den Standpunkt, daß jeder Arbeitgeber, der verheiratete weibliche Angestellte be- schästigt, auch mit derartigen„Zwischenfällen" rechnen muß, und dann nicht von einem„selbstverschuldeten" Unglück sprechen darf. Aus diesem Grunde riet der Vorsitzende dringend zu einem V e r- gleich. Der Direktor erkannte die eingeklagte Gage an, und Selma verpflichtete sich, in spätestens zwei Monaten bei dem Beklag- ten wieder aufzutreten, und zwar nach wie vor als„Jungfrau ohne Unterleib". Das ist vielleicht das größte Wunder in diesem wundersamen Prozeß gewesen. Der Zeichner im Irrenhaus. Was ist Schicksal? Was ist Schuld? Um Ausdrucksstudien bei Irren zu machen, um das Spiel ihrer Leidenschosten physiognomisch zu studieren, hat Rudolf Groß- mann in einem Irrenhaus gezeichnet. Er erzählt davon in„Kunst und Künstler". „Ein mir befreundeter Arzt zeigt die Anstalt. Unser Weg führt einige Schritte ins Freie. Ein« Art 5)int«rhof— grüner Rasen steigt an mit laublosen Bäumchen. Dazwischen stehen in fast gleichen Abständen ein paar Krank«, wie Schachfiguren— unbeweglich, in sich versunken, mit mcht mehr Eigenleben wie die Stämme. Schemen, Bertrampfungen! Draußen fällt's noch mehr auf, wie im geschlossenen Raum. Wir scheinen ihnen gleichgültig. Da, plötzlich löst sich einer vom Platz, kommt auf un» zu. Er geht mit Haltung, wie ein Vornehmer. Trägt einen Strohhut, dem der Rand fehlt, und merkwürdig, sein schwarzer Anzug ist an der Naht aufgetrennt, liegt w zwei Teilen auf der Unterkleidung, die hindurchsieht.„Herr Doktor, Sie oerzeihen, es wäre an der Zeit, daß ich endlich wieder einen neuen Anzug bekäme." Er sieht entrüstet an sich herunter. „Außer diesem Rubin nierkt man nichts von meinem Besitz!" Er weist auf die Hand, um deren Mittelfinger er ein rotes Bändchen gewickelt hat. Diesen Protest leiert er immer schneller herunter, mit' ollen möglichen Verschönerungsoorschlägen seiner Person.— Wir gehen weiter. Der Arzt erklärt:„Ein Großkaufmann, der plötzlich aus der Jungfraubahn ins Gebirge entsprang und dort nackt aufgefunden wurde. In seinem Kofser hatte er noch eine Reihe neuer Anzüge. Man gibt sie ihm nicht, er trennt sie alle aus und heftet sie in lächerlicher Weise an seinen Körper." Die anderen Kronken stehen noch still—, unbeteiligt, es geht sie nichts an: er aber kommt uns nach, den kleinen Hügel hinunter, immer schneller, er gibt seine anfängliche Reserve auf:„Herr Doktor, Sie oerzeihen, aber mit diesem Anzug--" hören wir im Weitergehen noch einig« Zeit, dann steht er wieder still, eingeordnet mit den anderen auf dem kleinen Platz.' Im Garten draußen erblickte ich in der Frühlingssonne im schwarzen Gehrock den Rechtsanwalt. Er fegt altes Laub zu- sammcn. Ich kenne ihn shon von einem früheren Besuch. Ein Renommierfall von Echizosrenie, für die Aerzt« typisch in seinen Kapriolen und Gedankensprüngen. Als ich ihn kennenlernte, schlug er einen regelrechten Purzelbaum nach rückwärts, versicherte mich seiner Sympathie—, ich wich etwas zurück: denn bei den Gefühls- schwankungen dieser Schizofrenen kann man trotzdem im nächsten Moment eine Ohrfeige bekommen. Kaum hatte er mich jetzt von draußen wieder gesehen, sprang er mit einem Satz an das Par- terregitterfenster und krampst sich da fest.„Da bist du ja. General- söhn!" schrie er und ließ einen Wortschwall auf mich los. Die Hals- odcrn schwollen an und er sah aus mit seinen hängenden Rock- schößen wie eine große Fledermaus. Komisch, ich war drinnen hinter dem Gitter und er klebte draußen dran. Bei den Frauen geht's no ch lebhafter zu, wie bei den Männern. die weniger sprechen und sich langsamer bewegen. Auch im Irr- sinn sind die Frauen uns Männern überlegen, das mehr Assoziative ihres Gedankenablaufes kommt ihnen dabei zugute. Melancholische erkennt man leicht an der Stellung der Augen- brauen, die sie dauernd schräg stellen am Nasenwurzelende, auf- wärtsziehen, so daß die Stirn Querfalten bekommt, ein Ausdruck, den man oft auch bei Normalen im Schmerz oder besonders bei Frauen. wenn sie moralisch beunruhigt sind, beobachten kann. Aeußerst in- teressant im Ausdruck sind die Größenwahnsinnigen. Ein junges Mädchen geht an uns vorbei, ignoriert uns vollständig, der Arzt hält sie an, sie reckt sich in lhoheitsgeste über ihn weg und beschimpft ihn in derbster Weise. Mit einem Blick auf mein Notizbuch, in das ich sie gerade zeichne:„Schreiben Sie nur alles auf, was dieser Hund mir angetan hat." Sie wendet sich ob von uns mit einer Geste, die unsere Existenz auszulöschen scheint. Ihre Oberlippe auf der rechten Gesichtsseit« hebt sich, auch die Nase etwas mit, und der rechte Eck- oder Hundszahn wird sichtbar, was fast einem Lächeln gleicht, die Augenlider hält sie halb geschlossen. Sie richtet sick) steif und hoch auf, scheint zu wachsen und dreht uns— das Lächeln ist inzwischen zu einer dumpfen Lache geworden— den Rücken. Wir sind so nichtig für sie, daß wir ihr unwillkürlich diese Fröhlichkeit entlocken. Sie geht im Korridordunkel auf und ab, setzt sich dann ans Fenster, blättert Seite um Seite in einem Buch, mit weit ge- öffneten Augen starrt sie dazwischen ins Leer« und nennt immer wieder denselben Nomen. Es war der Name eines mir bekannten Bildhauers aus der Gegend. Lebendige Menschen, die nur noch Schemen, Schotten ihrer selbst sind. Emotionen, die sich ohne Hemmung ausleben,. Haare, die sich vor Schrecken sträuben, Muskeln, die sich von selbst spannen, Zähne, die in der Wut frei werden—, Rückbildungen in die Tier- weit? Was ist erworben, was ererbt? Was in diesen Dramen Schicksal und Schuld?" Vom Kunsttempel zum Warenhaus. Das Künsilerhaus in der Bellevuesiraße, das bisher nur AmatellungS' und Festsäle enthielt, ging in den Besitz des Kaufhauses Werlheim über, um später— frühestens nach zwei Jahren— Handelsswechen nutzbar gemacht zu werden. -------- Nachmittags um fünf im Zoo... Eine Reichswehrkopelle spielt vor der weißen Terrasse... An weiß gedeckten Tischen sitzen wohlhabende Leute mit Kindern und Großmüttern... Die Kmder laufen weg und spielen am Teich... � Die Großmütter schmunzeln bei Wagners„Feuerzauber. sie klatschen begeistert Beifall, soweit es ihre weichen Hände erlauben... Es sind auch nett« junge Mädchen da, die mit jungen Herren im neuesten Modedreß ein bißchen kokettieren... Sie löffeln Eiskasfee, und ihre kleinen Füße wippen auf und nieder, wenn die Reichswehrkopelle einen Walzer von Strauß spielt... Sie sind sehr sorglos, diese jungen Mädchen. Di« Mütter, kaum zu unterscheiden von den Töchtern, seufzen und denken:„Wann wird man sie endlich unterbringen können?" Sie langweilen sich olle, an den weißen Tischen, sie haben nichts zu tun, sie hoben Dauer- karten zum Besuch des Zoo... Man muß also da sein..- Daß sie einmal die Kinder ihres Portiers hinschicken könnten, die lungenkranke Tochter ihrer Schneiderin, den Buben ihres Chauffeurs, daran denken sie nicht... C s r n o. Staatsbibliothek und Technik. Di« Preußische Staatsbibliothek, die sich neuerdings die Förde- rung ihrer technischen Abteilung besonders angelegen sein läßt, bringt soeben ein Sonde roerzeichms der im Großen Leesaale zur freien Benutzung ausgestellten leckinischen Werke heraus. Bei dem sehr beschränkten Raum des Lesesaols konnten nur die wichtigsten Roch- schlagewerke und Bücher aus den Hauptgebieten der Technik sowie von einigen 40 Zeitschriften die jeweils letzten fünf Jahrgänge Platz fanden Immerhin sind es 408 Werke, die der Katalog in jystema- tisch« Anordnung mit einem alphabetischen Register aufführt. Aehn- liche, einzeln käufliche 5>cfte für die andern Abteilungen der Lese- saalbibliothek sollen folgen._ «in«aspoNa Zi.'m..Ra»putm» LiebeZabenteu«" heißt der neue Gros,- sg«, mit dessen Hnizemerung Mari« Lerzer dieser Tage begonnen Hai. „Liebeskarneval." (Titania-Palofi.) Wer möchte Carmen B o n i nicht gern bald als liebendes Mädchen und bald als flotten Jüngling scheu? Wer wäre von ihrer Keckheit und Grazie nicht entzückt, wenn sie reitet, schwimmt und sich in allen Verkleidungskünsten bewährt? Trotzdem wird man den Gehalt dieses Lustspiels etwas dünn finden. Diese tolle Komtesse erinnert an die Backfischromane der Rataly von Eschstruth. Sie sehnt sich nach einem Maim und stellt die ganze Masterade an. um den Dichter seiner Freundin abspenstig zu machen uird für sich zu ge- Winnen, Augusto Genina bringt allerlei filmische Abwechslung in seine Regie: es jehlt nicht an lustigen Episoden und komischen Einfällen. Aber im ganzen dreht sich doch alles um die Starrolle. Jack Tresor als der umworbene Mann meidet alle Schmalzigkeit und freut durch seine Natürlichkeit. Sehr spaßig ist Camilla Spiro: ihr neugieriges, zudringliches Dienstmädchen, das überall die Finger mit drin hat. sorgt für das Lochen. Hans I Untermann, Olga Engl und Oreste B i l a n c i a oerooll- ständigen das Ensemble aus� beste. Ein Kulturfilm über Amerika und ein Groteskulk(„Man soll kein Kavalier sein") gingen voran. r. Die Bestattung Ellen Terrys. Am Dienstag fand im Little Hythe in der Nähe von Tenterden die Beisetzungsfeier für die verstorbensi englische Schauspielerin Ellen Terry statt. Alle Teilnehmer trugen gemäß dem Wunsche der Künstlerin sommerliche Kleidung, und kein ernstes Trauergewand war zu sehen. Am Eingang der Kirche hatte eine Ehrenwach«, de- stehend aus Landarbeitern. Aufstellung genommen, die beim Heran- nahen des Leichenzuges mit aller Art Handgeräten einen Triumph- bogen bildeten. Nach der Beendigung der Feier in der Kirch- wurde der Sarg nach dem Krematorium in Golders Green gebracht, von wo die Urne am Mittwoch zu einer öffentlichen Feier nach der«t. Pauls- tnche übergeführt werden wird. Neinhardis New Yorker Theaierbau. Max Reinhardts große Erfolge in New Dort hoben ihn ver- anlaßt, nunmehr ein eigenes Theater dort erbauen zu lasten. An der Ecke von Broadway und SV. Straße, im Herzen der Hudson- Metropole, wird der neu« Bau aufgeführt. Entsprechend dem künst- lerischen Bestreben von Max Reinhardt soll auch schon der Bau an sich etwas ganz Einzigartiges sein. Nach den Plänen des Wiener Architekten Joseph Urban wird er nur aus Glas bestehen, und zwar, im Gegensatz zu allen anderen Glasbauten, aus schwarzem Glas. Goldene Muster werden auf dem dunklen Untergrund angebracht werden und vor allem dazu dienen, die Feuerleitern, die nach New- Park er Baugesetz an allen Häusern, auch auf der Straßenseite, an- gebracht werden müssen, in das bauliche Gesamtbild cinzubezieheir.'WD Ist so das äußere Bild de» neuen Reinhärdt-Theaters schon einzig' artig, so wird der neue Bau im Innern erst recht alle Theater- bauten der Alten und Neuen Welt übertreffen. Zwar die Größe ist' nicht kolossal, mit seinen 1700 Sitzplätzen wird das neue Theater' durchaus nicht in dieser Hinsicht an der Spitze stehen. Aber Max Reinhardt will hier nicht nur großartige Schauspiele aufführen, son- dern daneben auch kleinere Kammerwerke, deren Inszenierung ihm ja besonders liegt. Dogegen wird die Bühne des neuen ihaujes alles Derartige in aller Welt übertreffen. Die flache Bühne wird den größten Proszenmmsbogen der ganzen Welt besitzen und mit einer großen Borbühne in den Zuschauerraum hineinragen. Diese Vorbühne wird sich nach beiden Seiten kreisförmig rings um den ganzen Zuschauerraum herum fortsetzen und so gewissermaßen zum Teil die bekannten Bauhauspläne für ein modernes Thealcr in die Wirklichkeit umsetzen. Max Reinhardt hat schon in Berlin im Großen Schauspielhaus viel mit dem Austreten und Verschwinden der Schau- spicler im Zuschauerraum gearbeitet, und diese neue Vühnenonord- nung ermöglicht ihm eine weitgehende Verwendung derartiger Auf- tritt« und Abgänge. In technischer Hinsicht wird die Bühne mit allem versehen sein, was je diesseits und jenseits des Ozeans erdacht wurde. Es sollen n«ch eigene neuartige Einrichtungen angebracht werden, die selbst schwierige Szenenverwandlungen in kürzester Zeit ermöglichen. Der Zuschauerraum wird kreisförmig ansteigen und also eine amphi- theateröhnltche Gestalt haben. Deshalb werden auch keine Ränge vorhanden sein, sondern nur Logen, die aber so angeordnet werden. daß von jedem Platze aus eine gute Uebersicht des ganzen Spiel- raumes gegeben ist. Bei der unerhörten Schnelligkeit, mit der Bauten in Amerika ausgeführt werden, hofft Max Reinhardt, das neue Haus schon in der kommenden Winterspielzeit eröffnen zu können. Zunächst will er mit einem Repertoire beginnen, das sich aus den Stücken zusammensetzt, mit denen er in Europa so großen Erfolg hatte. Im einzelnen ist über die Auswahl der Stücke für das nächste New-Porker Spieljahr Reinhardts noch nichts bekannt, ober man wird nicht fehlgehen in der Annahm«, daß vor allen Dingen wieder„Sommernachtstraum" und„Dantons Tod" aus der Spiel- liste stehen werden. Später will Reinhardt dann auch amerikanische Dramen im Broadwoy-Stil aufführen, und es ist ein osfenes Ge- heimnis, daß die fabelhafte Inszenierung von„Artisten", die Rein- Hordt jetzt in Berlin und im Herbst in Wien zeigt, eigentlich für dos neue Haus in New Dort bestimmt ist und in Europa sozusagen nur erprobt wird. Da Max Reinhardt zu gleicher Zeit mehrfach Verpflichtungen als Filmregisseur in Hollywood eingegangen ist, so wird wahrscheinlich seine Tätigkeit in Europa«in Ende finden oder doch zum mindesten sehr«ingeschränkt werden.____ Eine Heinegedenktasel In Paris. Seit dreißig Iahren streiten die Väter der Stadt Paris darüber, ob an einem der Häuier. in dem Heine in Paris gelebt hat. nicht ein« Gedenktafel angebracht werden soll. Neuerdings haben zwei Stadträte beantragt, daß dos Haus in der Avenue M a t i g n o n, m dem sich die berühmte „Motratzengruft" Heines befand, endlich eine Tafel erhalten soll. Und diesmal ist auch die öffentliche Meinung dafür. Der„Temps" erinnert in einem längeren Artikel daran, daß Heine Paris über alles geliebt hat. In den 27 Jahren, die er hier verbracht hat, wohnt« der Dichter in so- vielen Stodteilen, daß ein« unendlich« Zahl der Häuser sich rühmen kann, ihn beherbergt zu haben, wenn man ober in dem Hause in der Avenue Matignou den Vorrang geben will, so ist es wohl nur richtig, weil Hei« hier zu seinem höchsten Martyrium und Heldentum verurteilt war. Neue Wege? Phrasen oder Arbeit für die Bevölkerung! Im Juli fnnb in Berlin die erste Sitzung der Arso statt. Zlrso heißt„Arbeitsgemeinscliaft sozialpolitischer Organisationen", Vater der Gründung ist die Kommumstische Partei. Geschke erklärt in der »Roten Fahne", die Arso kämpft gegen die private Wohlfahrtspflege, für öffentliche Einrichtunzcn. Nach dieser Erklärung ist man allerdings erstaunt, die List« der eingeladenen Organisationen zu sehen. Zur„Bekämpfung der pri- vaten Wohlfahrtspflege" hatte man u. a. geladen, den Allgemeinen Blindenverein, Blindenlnmd für Führerhunde, Bund preußischer Junglehrer, Interessenvertretung für Auslandsdeutsche, Bund für Mutterschutz usw. Der Unbefangene möchte glauben, die Kommu- nisten sind Anhänger der großen Koalition geworden. Das ein- leitende Referat des Dr. Schmincke belehrt uns aber eines besseren. Er beginnt mit der Feststellung:„Koalitionsregierungen, wie sie jetzt die Sozialdemokratie gebildet hat, können den Abbau der Sozial- Politik nicht aushalten," und er schließt mit den Worten:„Der Kampf um die Gesundheit des Proletariats kann nur durchgeführt werden, wenn sich das Proletariat alz» Klasse zusammenschließt, unter Ablehnung oller Versuche der Sozialdemokratie, weite Teil« der Ar- beiterschast an die Bourgeoisie auszuliefern." Man ist also beruhigt. Die Arso bedeutet kein« Schwenkung der kommunistischen Taktik, sondern nur ein« neue Gelegenheit, die Sozialdemokratie zu beschimpfen. Was sonst in jenem Referat« ge- sagt wurde, ist nicht eben neu. Die Feststellung, daß soziales Elend der Volkcgesundheit abträglich ist, dürste überall ohne Widerspruch anerkannt werden. Man kann zum Beweise nur die russischen Verhältnisse heranziehen.„Trud" veröffentlicht am lS. Juli 1928 eine Er- Hebung des Moskauer Gesundheitsamtes, die sich aus 250 000 Arbeiter erstreckt hat. Danach leiden 30,8 Proz. aller Moskauer Arbeiter an Tuberkulose, 19,3 Proz. an Blutarmut und 29,6 Proz. an Herzkrankheiten. Unter den Arbeiterinnen leiden 29,3 Proz. an chronischen Frauenleiden. Die Tatsache, daß in proletarischen Bezirken prozentual weniger Aerzte vorhanden sind, als in westlichen Bezirken, wirft durchaus nicht, wie behauptet wird,„ein Schlaglicht auf die sozialen Zustünde in Berlin". Jeder Sachkenner weiß, daß es in Berlin keinen Bezirk gibt, der unter «inem Aerzte Mangel leidet, daß aber ein Neberschuß an Aerzten, die eine Existenzmöglichkeit suchen, wie es in den westlichen Bezirken vielfach der Fall ist, durchaus nicht im Interesse der Volks- gesundheit liegt. Richtig ist die Feststellung, daß in Neukölln die Säuglingssterblichkeit besonders gering ist. Leder fehlt ein Hinweis darauf, daß diese erfreuliche Tatsache in erster Linie den vorbildlichen Einrichtungen zu danken ist, die der verstorbene Sozial- dcmokrat Dr. S i l b e r st e i n geschaffen hat. Dos unter seiner Leitung entstandene Säuglings- und Mülterheim gibt die Möglichkeit, gefährdete Kinder aus dem Milieu, das ihre Gesundheit und ihr Leben gefährdet, herauszunehmen. Da die Mutter bei ihrem Kinde belassen werden kann, wird so manchem un- ehelich geborenen Kinde die Mutterliebe und die Möglichtcit, bei der Mutter aufzuwach-sen, erhalten, während der Zwang, sich sofort von dem neugeborenen Kinde zu trennen, oft dauernd für Mutter und » Jfend das Zusammengehörigkeitsgefühl zerstört. In der Ario wurde verkündet, es muh erreicht werden, daß in Berlin jährlich 2000 Säug- Der meistgenannte Außenminister. Kellogg, AußenminisleT(Siaatsselretar) der Vereinigten Staaten, der den andern Machten einen allgemeinen Kriegsverzichtspakt vorschlug; er entfesselte damit eine internationale Diskussion über die Fliedensflage und wurde so zum meistgenannten Politiker der letzten Zeit, In den letzten If'ochen erklärte eine Reihe von Staaten sich zur Unterzeichnung des Paktes— allerdings unter vielen F orhehallen— bereit. lingc vor dem Tode gerettet werden. Silberstein hat durch seine seit vielen Jahren mustergültig durchgeführte Säuglingsfürsorge in Verbindung mit dem Mütter- und Säuglingsheim den Weg ge- zeigt, wie das zu erreichen ist. Sehr merkwürdig ist die Illusion, daß mit der in Neukölln er- richteten Sexualberalungsstelle ein neuer Weg zur Geburtenregelung beschritten sei. Di« Kom- munistcn haben sich ja noch nie an der schwierigen Aufgabe, den Berliner Etat zu balanzieren� beteiligt. Aber sollte es ihnen wirklich entgangen sein, daß wir seit vielen Iahren, in hartem Kampfe gegen die Einstellung der bürgerlichen Parteien, die Errichtung st ä d t i- scher Ehcberatungs stellen erkämpft haben und daß diese Einrichtungen sich seit langem einer großen Beliebtheit und eines stetig wachsenden Zulaufes in allen Schichten der Bevölkerung er- freuen? Aus allen Berichten geht hervor, daß diese Stellen sich ebenfalls mit der Frage der Geburtenregelung befassen und die Frauen darin unterweisen, wie sie eine ungewollte Schwangerschaft verhüten können. Neu ist nur, daß die Bekämpser der privaten Wohl- fahrtspfleg« sich mit dem Bund für Mutterschutz vereinigt haben, um in unmittelbarer Nähe, der städtischen Beratungsstelle ein Konkurrenzunternehmen zu schaffen, das dazu noch am gleichen Tage Sprechstunde hält, wie die städtisch« Stelle. Eigentlich ist es nickst eben das, was rnem sich unter einer rationellen und einheitlichen Arbeitsmethode im Interesse der Bevölkerung vorstellt. Was die neue Einrichtung von den übrigen unterscheidet, ist vor allem die Koalition mit einer bürgerlichen Organisation, die eine Fülle von Beschränkungen bringt. Konzeptionsverhiitende Mittel werden gegeben bei sozialem Notstand, wenn in den letzten zwei Iahren schon eine Geburt stattgefunden hat, wenn schlechte Erbanlagen zu be- fürchten sind usw. Ueber das schwierige Problem, was geschehen soll, wenn die Schutznrittel versagt haben und doch eine ungewollte Schwangerschaft eingetreten ist, kann aus gesetzlichen Gründen die neue Stelle so wenig etwas aussagen, wie die städtischen Stellen es können. Was Margaret Sanger, unter deren Mitwirkung die Ein- richtung geschaffen wurde, in New Park geleistet hat, war eine Tat. Sie hat diese Tat mit Nerfolgung und Gefängnis büßen müssen. Die Neuköllner Stelle ist ein« von vielen. Neue Wege für Sozial- Politik hat die Arso nicht gewiesen. Positiv« Arbeit konnte man auch von den Kommunisten nicht erwarten. Zu oft in den letzten Jahren haben sie gezeigt, welche Politik sie eigentlich verfolgen. Hatten doch die Kommunisten den traurigen Mut, die Schwongeren-Schutzgesehe abzulehnen, weil sie ihnen nicht weit genug gingen. Aus demselben Grunde lehnten sie die Lohnsteuerscntung ab. Den Berliner Etat lehnen sie regelmäßig ab, immer unter derselben Begründung:„Wir for- dern mehr." Man kann die Taktik kurz zusammenfassen in der Feststellung: Jeder Schritt� der von uns für die Besserung der sozialen Verhältnisse erkämpft wiid, wird von den Kommunisten sabotiert. Sic können ein« allmählich fühlbar werdende Besserung nicht brauchen, weil sie zu genau wissen, daß ihre Desperado- Politik nur Erfolg haben kann bei einer verzweifelten Ar- beiterschast. Insofern ist es richtig, daß sie die Sozialdemokratie als ihren gesährlichsten Feind betrachten müssen. Unser unermüdliches Bestreben ist es, die geordneten Zustände zu schaffen, bei denen den Kommunisten die Felle fortschwimmen. Wir werden uns auch ferner in unserer Arbeit nicht behindern lassen. Jeder Fortschritt, auch der kleinste, soll uns als Etappe willkommen sein. Daß olles bisher Erreichte nur Etappe ist, daß weiter gestrebt werden muh, und noch längst nicht die Zeit gekonnnen ist, mit dem Erreichten zufrieden zu sein, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Darüber Tiraden zu halten, überlassen wir den Kommunisten. Aber eine» muß fest- gehalten werden: Es ist niederdrückend, daß wir, gehemmt durch die Machtverhältnisse, nur langsam und mühsam vorwärtskommen und bei weitem nickst das erreichen können, was«ine einige, starke Ar- beiterschast in Deutschland schon erreicht haben müßte. Schmählich ober ist es, dos Elend der Acrmsten zu mißbrauchen, sich einen Thron darauf zu errichten, um sich zu sonnen im Glan.ze dema- gogischer Phrasen!_ Dr. Kätlic Frankcntdal. Ein mißlungenes Erntefest. Schluß: Keilerei und Gerichtstermine. Herr M i e l k e ist unbestrittene Autorität in Vergnügung s- fachen, ein verdienstvolles Mitglied diverser Spar-, Kanarien- Vogelzüchter, Skat- und Gesangvereine. Wenn der sogt,„det Quatsch Zimmt is", dann stimmt das. Und überhaupt— Herr Mielke, ein Ehrenmann durch und durch. Mit Herrn T i m me ist schon weniger Staat zu machen. Er ist zwar auch ein feiner Mann, aber längst nicht in s o vielen Ber- einen. Und dann ist er Maurer. Alle Maurer, sagt man mit Unrecht, sausen. Oh, weh! Da ist Herr Müller schon ein anderer Kerl. Ein netter Mensch! Sehr ordentlich, aber„'n bischen d o f". Alle Leute können ja schließlich nicht schlau sein. Ein bißchen mehr Intelligenz könnte ihm nichts schaden. Er ist zwar bloß Partwächter, ober immerhin doch Beamter. Blelbt noch Herr Witt««?.«Hn toller Held. Im g« fährlichen Alter, Junggeselle an die 40. Frauenliebling nick» Schürzen» jäger. Im allgemeinen sehr verträglich. Aber wenn er einmal in Wut gerät, dann kennt er sich nicht wieder. Herr Wittwer ist Steinträger. Diese vier Herren sind im Bergnügungstomitee eines Sommerfestes gewesen. Hätte man es doch nie oersucht! Es war eine schreckliche Geschichte,«ine richtiggehende Keile- rei mit Tanzvergnüg e n! Und es wäre Zolles so gut ge- gangen, wenn bloß nicht Herr Pieper— ach so, Sie kennen Herrn Pieper noch nicht. Herr Pieper ist P o r t i e r— so eine fürchterliche Wut auf Herrn Wittwer gehabt hätte. Herr Pieper hatte deshalb eine tiefe Abneigung gegen Herrn Wittwer, weil Frau Pieper— na ja, schließlich läßt man sich nicht umsonst einen Bubikopf schneiden.— Das wurmt einen doch! Die vier Herren hatten mit Pieper gesprochen und hatten auch erreicht, daß der Hauswirt die Erlaubnis zu einem Ernte- f e st auf dem Hof gab. Man hatte sich sogar eine Kapelle engagiert. Knautschkommode und Wimmck.rholz. Sehr stilvoll» fast wie Schrammelorchester. Die Lampions brannten, sogar b e n g dij fthe Beleuchtung hatte es gegeben, und die Sache wäre flzbelhaft gewesen, wenn es bloß nicht so h e iß gewesen wäre. Aber gpie das immer so ist, bei der Hitze konnte man nicht trocken sitzen, SVd) so hatten denn die Herren für den feuchten Untergrund zu soften. Das hatten sie auch besorgt, indem sie eine B i e r t e l t o rust e„an- schaukeln" ließen. So kam man in Stimmung. Wie die Geschichte dann weitergegangen ist, ließ sich nicht mehr genau feststellen. Jedenfalls hatte Herr Pieper plötzldH gesehen, wie Herr Wittwer mitseinerFrautanzte, und zwack in einer Weise tanzte, daß Herr Pieper heute noch zu kochen anfängt. Da war Herr Pieper zu Herrn Wittwer gegangen und hatte ihm mitten im Tanz eine g e l a a t s ch t. Mit Pauken und Trompeten. Herr Wittwer, der sozusagen ein reines Hemd anhatte, fühlte sich dadurch in seiner Ehre gekitzelt und gab Herrn Pieper „ein D i n g". Wie Herr Mielke dazwischen kam, um den Streit zu schlichten, kriegte er der Ordnung halber von beiden eins. Zum Schluß gab es im Hause drei Parteien, diverse ausgcschlagene Zähne, zwei Löcher im Kopf(das eine gehörte Herrn Pieper und das andere Herrn Wittwer, dem man die Sache mal eingetränkt hatte), diverse Beleidigungsklagen und einen Ruf:„Pieper muß'raus!" Weil Pieper'rausmußte, aber nicht'raus wollt«, sckh man sich vorm Arbeitsgericht wieder. Der Hauswirt hatte, wie Herr Pieper bekundete, auf Grund gefälschter Berichte von der Gegen- parte! ihn einfach an die Luft setzen lassen wollen. Dabei war er vollkommen unschuldig. Wenn es nicht so heiß gewesen wäre, und wenn Herr Wittwer Frau Pieper nicht so ge- drückt hätte, und wenn schließlich Frau Pieper sich nicht hätte einen Bubikopf schneiden lassen, dann wäre gar nichts passiert. Wenn schließlich dieser„dämliche Herr Mielke" nicht überall sein Maul hätte dazwischenstecken müssen, dann wäre auch noch alles anders gekommen. Ueberhaupt Herr Mielke... der war an allem schuld. Erst hatte er Herrn Pieper aufge» putscht, und nachher wollte er natürlich nichts gesagt haben. Aber nichtsdestotrotz: Herr Pieper hatte angefangen. Wenn er auch mit Engclszungen redete, er mußte'raus. Der Richter konnte ihm nicht helfen. Wehmütig ging Herr Pieper aus dem Zimmer, wehmütig folgte die treue Gattin. Nur ein Blick streifte noch Herrn Wittwer, und dann stand man vor Herrn Mielke. Aber dos ist eine Sache, mit. der sich die ordentlichen Gerichte zu befassen haben. ArbeiigniMsler'Iflorones ron Vfexiko trat aus Anlaß der Krise in seinem Lande zurück. Die Bauernpartei warf ihm vor, enge Beziehungen zu den Feinden des soeben ermordeten Präsidenten Obregon unterhalten zu haben. Verantworllich fflt die Redaktion:?et»r Sotee»«», Rellin: Anzeigen: Td.«locke, Berlin. Lerlaa: Vorwärts Verlag G. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer ch Co., Berlin SW SS. Lindcnstrake 3. Kierz» t Beilsae. voUlivaime >»»«» im 8llg«iiliti «'/< Uhr Orpheus in der Unterwelt WM IHM Norden 12 310 U. Ende nach NN/, Artisten Max Reinhardt die Komodie Jismarck 2«ltt7J1(. >/. U. Ende 10»/, U. £■ II© der terue von Schifier Auslk r. Soollaatkv sgt in Lull Mim meaiei .iri4tt3Ktr.93'9t. uaatO< C Ende nach iOV: istsji!! I.DintitmTli Oer Prexeft Mary DnOan Hose-Theater Qr. Frankt. Str. 13-. 5 Uhr linirt nl butir Tiii 80, Uhr Der rarst von Dapneahelm ter Blumenslr. s. rsulich!>>., Uhr Skandal im Bett! Sittensch wank in 3 Akten. In der MauptroIIe Blfricde Mertens i.t. Jugendliche haben keinen Zutritt t Parkeuauch Sonnt. statt 4.— Mk. nur 1.— Mk. LustspUlbaus Täglich 8l/4 Lihr Die Reise'ordi Eeriin in 40 Stunden. Komische IS', Uhr Oper('- Uhr] jjAMES K L E I N' S| gewaltiges neues Revue-Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkeode jVorverk. ah 10 Uhr ireöffn.| K©ichshaH©n« thealer Allabendlich 8 Uhr Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger I. August wiederauftreten der Stettlncp Müncrr Uonfaoli.urett'i. (Saal und Garten) Variet«— Kabarett— Tanr Wa!iia!la-Tii. iVeinbergsweg 19/2C Täglich 8'/, Uhr Absteigequartier Jigntitki ti.in Zitritll Park-auch Sonntag« statt 4— M. nur 60 P7. Hieatet des Kestens s«/, Uhr Lori Leux n Die ungekfißteEva Operette in 3 Akten Mosik?. Martin Knopf. Rundfunkhörer vs vs P-eise Silleniarg-SJlunii bis. Künstler-Th. 8", Uhr Es kommt Jeder dranl Revue von Fr. Holländ-r Lessing-Theatcr täglich 8h, Uhr Jpiel m 5d)loss" tfleiDH IM 8V, Uhr SpronäheRf der Liebe Rundfunkhörer batoc Preise Theater am Kettbusser Tor tvottbusserStr.ü Tel: Mpl 16077 Bis 31.(uli täglich» Uht Grosses Sonder-Gastspiei Otto Ranis Bunte Bühne Mk. rensler» und Gebäude•Rolfiigungs- Oesellschafl m.b.H., S0 18, Michae*. klrchpl. 4. Tel.: 8 7, lannowiti 4314 TRAURINGE -7, I Ring Dukatengold(900 gest.) -4 VreT/O zum Reklamepreis von... Mk. 18.- whlS'Ir C Gediegen und modern... Mk.)I3.— Schwere Ausführung.... Mk. 28.— I Ring(885 gest.) Gediegen und modern. Mk. 12.— Schwere Ausführung..... Mk. 15.— h kamt. Ringe v. Mk. 4.— bis 1.— p. Stück Gravieren gratis zum Mitnehmen. Gesjeschützt Lsrmsim WiCSB, BeFÜll»".«aurr"''. U I Ständig ca. 3000 Ingeniöse Trauringe na Lager. dSelloge Mittwoch, 25. Juli 1928. ZkvÄbmid SfuUaulgaäe dei Ibioasti Buchtrödler am Seinequai. Von Hermann Wendel. In seiner Wurzel mit dem deutschen„Buch" verwandt, ist I e b o u q u i n, das alte Buch, der Schmöker, aber das davon ab- geleitete Zeitwort douquiner bedeutet nicht etwa schmökern in unserem Sinne, also in einem Schmöker lesen, sondern etwas ganz anderes. Nämlich: vornehmlich auf dem Pariser linken S e i n e- U f e r, vom Quai Saint-Bernard bis zum Quai Dol- taire, haben auf der Mauer des Stadens selbst die Buchtrödler oder bouquinistes ihbe Stände aufgeschlagen. An diesen Freiluft-Anti- guariaten entlang schlendern, vor den großen verschließbaren cholz- kästen stehenbleiben, ein Buch herausgreifen und darin blättern, mit dem Verkäufer ein wenig plaudern, einen Einband prüfen, ein paar Kupferstiche aufmerksam betrachten, weiter bummeln, einem Dampferchen nachschauen, die Silhouette von Notre-Dame bewun- dern, einen philosophischen Angler tief beneiden, wieder vor einem Kasten haltmachen, endlich ein Werk oder zwei erwerben— das alles umfaßt der Begriff bouquiner, der füglich nur mit bougui« nieren wiederzugeben ist. Und der da bouguiniert, ist ein bcm- quineur. Nicht erst seit heute oder gestern bieten die Bouguinisten ihre Druckware an den Quais feil. Schon ein königliches Privileg vom 30. Januar 1629 gestattet ihnen den freien Handel am Flußufer. Hier haben sie die Jahrhunderte und den Wechsel der Re- gimes überdauert. Die gekräuselten Perücken des Rokoko beugten sich ebenso über die buchgefüllten Kästen, wie die Jakobiner der Schreckenszeit, die Stutzer des Directoire und die Offiziere Na- poleons: Bouguiniert wurde während der Juli- und Februar- revolution, während des Staatsstreichs und 1870 während der Be- lagerung. Nur als im Weltkriege die deutschen Flieger und das weittragende Geschütz Unfreundlichkeiten nach Paris warfen, wurde es vor den ungedeckten Buchständen etwas ungemütlich: auch hielt es damals schwer, die Vorräte an Schmökern zu ergänzen. Die Quais des linken Ufers sind das rechte Quartier für die Händler mit Gedrucktem, denn hier hat der Geist feine Zelte auf- geschlagen. In der Häuserreihe gegenüber den Ständen starb Voltaire, lebte M u s s e t. In der Nähe liegen die Sorbonne, das Institut de France und die Schule der schönen Künste. Unweit verläuft der Boul' Saint-Mich', der Boulevard Saint-Michel, die große Verkehrsader des lateinischen Viertels. Von den Bestedlern dieses linken Ufers stammen zum guten Teil die am Quai aus- gebotenen Bücher und zum guten Teil kehren sie wieder zu ihnen zurück. Verständnislose Nachkommen, die in Bausch und Bogen e.ne geerbte Bibliothek losschlagen, Studenten, die, um einen Aus- flug mit einem kleinen Mädchen nach Meudon zu finanzieren, sich ihrer Kollegbücher entäußern, berühmte Kritiker, die es ihrem Sekretär überlassen, die im Laufe des Jahres eingegangenen Wid- mungsexemplare zu Geld zu machen, neuerdings auch Verleger, die Restauflagen eines wie Blei liegenden Werkes abstoßen— dos sind die re gelmäßigen Lieferanten der Bouguinisten. Auch die: Mehrzahl der Bouguineurs rekrutiert sich unter den Geistes- arbeitern des Viertels: Pennäler und Professoren, Hochschüler und Künstler suchen hier ihren Bücherschrank wohlfeil zu füllen: aber auch die Köchin, begierig, einen verregneten Sonntagnachmittag mit einer gefühlsseligen Liebesgeschichte totzuschlagen, geht bougui- nieren, und der alte Lüstling fehlt nicht, der in den Kästen einen erotischen Barch mit anregenden galanten Kupfern zu finden hofft. iieberhaupt sind die Käufer so buntgemischt wie der Inhalt der Holzkästen, die, weil der Zufall sie vollschllttet, alles bergen, vom ägyptischen Traumbuch bis zur Fliegerschule, von Klassikern bis zu Kitschschreibcrn, von feinen Maroquinbänden bis zu schmutzig zerlesenen Hintertreppenromanen: auch alte naive Landkarten hängen da, etwa von den Großen und Kleinen Antillen, Stiche, Lithographien, Modckupfer, Farbendrucke: in anderen Kästen gibt es Briefmarken, Münzen, Teller, Unisormknöpfe, Säbel, Ge- Bücherbuden in Paris. wehre, dort eine sächsische Pickelhaube, wie wir eben die E o u r t h s- M a h l e r im Original entdeckten. Aber die Hauptsach« sind: Bücher, Bücher, Bücher, auf dieser kilometerlongen Front von Anti- quariaterr: Tausende, Zehntausende, Hunderttausende. In seinem .Z-geunerleben" schildert Henri M u r g e r den Bohemien-Philo- sophen Gustave Colline als leidenschaftlichen Bouquineur, der allen Bouguinisten am Quai„van der Konkordienbrücke bis zum St.-Michels-Platz" wohlbekannt ist; kehrt er abends ohne neu- erworbene Schmöker in der Tasche seines nußbraunen Ueberziehers heim, sagt er mit Titus:„Ich habe einen Tag verloren". Dies« Gattung hingegebener Schartekenjägcr ist keineswegs ausgestorben. Manche tragen alles zusammen, was sich auf einen bestimmten, oft recht entlegenen Gegenstand wie das Trictracspiel oder den Schein- tod bezieht. Andere sind ewig auf der Suche nach einer kostbaren Erstausgabe, die eines Tages, für wenige Franken zu erstehen, wie eine Gnade des Himmels in einem der Holzkästen auftauchen wird. Ihr Hofsnungsflämmchen nährt die Erinnerung an die großen Schlager, die am Quai schon gemacht wurden: der ein« erwarb einen einmal existierenden Rabelais samt vier Inkunabeln für insgesamt zehn Franken, der andere löste fünfhundert Franken für eine Elzcoierau-gabe des„Königlichen Zuckerbäckers, die ihn ganze fünf Sous oder sc6)zehn Pfennig gekostet Holle, und berühmt ist her Fall des Marquis de L i b r i, der eine Reih« italienischer Chro- niken des sechzehnten Jahrhunderts mit sechzig Franken bezahlte und um 30 000 Franken an die Nationalbibliothek verschacherte. Das freilich sind Treffer wie das Große Los in der Lotterie und fallen immer seltener, je gewitzter die Buchtrödler werden. Aber die angenehmsten Bouguineurs sind weder die Zweck- menschen/ die ein benötigtes Werk am Quai billig kaufen wollen, noch die Sammelwütigen, die ihre Leidenschaft blind macht, sondern die Genießer, denen das Bouquinieren unter grünen Bäumen und zwitschernden Vögeln, nahe dem Fluß, im Herzen der einzigen Stadt, eine durchaus epikureische Angelegenheit ist. In unserer ameri- Nicht nur Bücher, auch Bilder und seltene Drucke werden hier gehandelt. konisch zerhetzten Zeit, in der Kauf und Verkauf ineinandergreifende Teile einer Präzisionsmaschine ohne olle Gefühlswerte sind, bewahrt das gemächliche Bouqujnieren noch am ehesten den in- timen Reiz, der dem hastlosen Verweilen in orientalischen Basaren anhaftet. Man tauscht nicht gleichgültig Geld gegen Ware, sondern genießt, Zeit habend, schauend, plaudernd, suchend, entdeckend, gebeird, nehmend. Darum haben seit je die erlesensten Geister ihre Schritte hierher gelenkt. Dichter und Denker. Anatole France, Buchhändlerssohn, empfand bei den Buchtrödlern seine stillsten Wonnen, und auch Politiker wie M i l l e r a n d, Leon B o u r- g e o i s, Eamille Pelletan entspannten sich gern, indem sie sich im Strom der Bouguineurs an den Buchkästen entlang treiben ließen. Ja, viel Wahrscheinlichkeit hat es für sich, daß auch Jean I a u r e s, lebendes Gefäß aller Bildung, nach mancher stürmischen Kammersitzung rechts abbog, um, am Quai bouguinierend, die Heiterkeit des Gemüts wiederzufinden. Die Kaufmannsodyffee. Da ist im Sieben-Stäbe-Verlag zu Berlin-Zehlendorf ein kleines. Buch erschienen:„Kaufmannsabenteuer" von Hans Ost- wald, ein Buch, das Leben und Gefahren des Kaufmanns vom 15. Jahrhundert nach den Originalberichten deutscher Kaufleute schil- dert.— Dieses Buch, zusammengestellt zur Ehre und Verherrlichung der„fahrenden Ritter der Kaufmannschaft", enthält viel kulturhisto- risch wertvolles Material, das sonst in den Laien schwer zugäng- lichen Bibliotheken und Büchern schlummert. Gegen die Zusammen- stellung an sich läßt sich auch nichts sagen, so daß man das sauber gedruckte und gut ausgestattete Buch gern empfehlen möchte, wäre es nicht ein Schulbeispiel dafür, wie in scheinbar so unpolitischen Büchern Politik getrieben wird, wie gerade durch derartige Bücher „Patriotismus" gezüchtet wird. Da schreibt Ostwald:„Dieser deutsche Kaufmann(Bartholomäus Welses wendete deutschen Fleiß und Kapital, deutsche Bildung und Unternehmungslust auf, um sich und seinen Landsleuten einen Anteil an dem neuen Lande zu sichern..." Und dann folgt eine Schilderung der Weiser als Gold- sucher in Amerika, wo sie Schiffsladungen voll Sklaven, Gütern und Gold erpreßten, und vorher steht eine Schilderung von Balthasar Springers ostindischer Seefahrt, die in glatte Räuberei auslief: auf dig grauenhafteste Weise wird Mombassa zerstört, und die ehrbaren deutschen Kaufleute beklagen sich nur, daß sie von den Spaniern und Portugiesen bei der Teilung der Beute schauderhaft über das Ohr gehauen werden„trotz aller Mühe, Angst und Arbeit". Wie aber diese Arbeit aussah, davon gibt der Brief eines eingeborenen Fürsten an seinen Freund Zeugnis:„Gott erhalte Dich, Syd Ala. Ich mache Dir zu wissen, daß ein großer Herr mit Feuerverheerung gekommen ist. Unsere Stadt hat er mit solcher Macht und Grausamkeit betreten, daß er niemand das Leben schenkte, weder Mann noch Weib, jung noch alt, selbst den Kindern nicht, so klein sie auch waren.... Man verbrannte nicht nur die Menschen, selbst die Vögel des Himmels wurden zu Boden geworfen. Der Gestank der Leichen ist so groß in der Stadt, daß ich nicht wage, sie zu betreten. Auch von der überaus reichen Beute, die sie aus der Stadt wegnahmen, kann ich keine bestimmte Nachricht geben..." Mit dieser Methode erzielten sie den„moralischen Ersolg, der den Phyrrussieg feindlichen Schicksals überdauerte"— meint Herr Hans Ostwald und schreibt beschönigend, daß die Methoden der deutschen Kaufleute keineswegs blutiger und roher als die ihrer fremdländischen Konkurrenten waren. Gewiß— wir wissen, daß das Kapital sich nur vom Blut der Bc- siegten nährt, daß der Kapitalismus vom Augenblick seiner Geburt bis zum heutigen Tag Ströme von Blut vergossen hat, und daß das nicht das Vorrecht des deutschen Kapitals war. Aber um so ab- stoßender berührt es uns, wenn Ostwald die Teilnahme der beut- schen Kaufleute an den Räubereien und Morden als Großtaten anpreist. Eine Iugendlektüre sst das Buch also darum nicht. Aber wer sich über die Methoden des frühen Kapitalismus unterrichten will und über das, was der ehrbare Kaufmann noch heute für gerecht- fertigt hält, wenn ihm nur genügender Prosit winkt, wird es trotz- dem mit Nutzen lesen. R o s« E w a l d. Von neuen und alten Rasierklingen Die Kapitalsmacht der Gilette-Companie.— Pendeluhren and Rasenmäher aas alten Rasierklingen. Es gibt wohl kaum einen Menschen auf der Welt, dessen Bild so viele millionenmal abgedruckt wurde wie das C. Gillettes, der im Jahre 1901 eine Rasierklinge erfand. Die Gillette-Rasierappa- rotegesellschaft, die zur Verwertung der Erfindung von John E. Aldred gegründet wurde, verfügte über ein Aktienkapital von 5000 Dollar. Dieses Kapital wuchs bis zum Ende 1927 auf über 43 Millionen Dollar an: diesen gewaltigen Kapitalzuwachs kann man wohl verstehen, wenn man erfährt, daß im Jahre 1927 ollein Gillette-Klingen im Werte von 14� Millionen Dollar verkauft wurden. Ein weiterer Beweis für die gewaltigen Gewinne, die diese Gesellschaft im Laufe der Jahre erzielte, ist darin zu erblicken, daß von den in der ganzen Welt angemeldeten Potenten, die mit über 3Hj Millionen Dollar bewertet waren, der ganze Betrag abge- schrieben wurde bis auf— einen Dollar. Der in diesen Pa- tenten investierte Betrog ist längst amortisiert und die Gesellschaft erspart durch diese kolossale Abschreibung gewaltige Beträge an Steuern. Auch vor Gillette gab es bereits Rasierklingen, wie auch jetzt noch andere Marken in Gebrauch sind. Wenn man aber erfährt, daß die größte Konkurrenzgesellschaft Gillettes, die amerikanssche Sicherhcits-Rasierapparotegesellschaft, im Jahre 1927«inen Rein- gewinn von etwas über eine Million Dollar erzielte, erkennt man aus dem Vergleich mit den oben angeführten Zahlen, daß sich die Gillette-Klinge wirklich die Welt erobert hat. In den 26 Iahren ihres Bestehens Hot die Gillettc-Gcsellschaft 3'b Milliarden Stück Klingen verkauft. Die G'llette-Gesellschoft unterhält eine eigene Detektivgruppe, die unaufhörlich auf der Suche ist, Nachahmungen und Patentver- letzungen aufzuspüren. Durch diese Privatpolizci wurde die Staats- Polizei kürzlich auf die Spur eines Unternehmens gelenkt, das die Gillette-Klingen nachmachte. In vier Städteir von New Jersey wurden genaue Nochforschungen vorgenommen, bei denen nicht weniger als zwei Millionen Nachahmungen der Gillette-Klinge ge- funden wurden. Daß der Kampf zwischen der Gillette-Gcsellfchaft und den unberechtigten Nachahmern ihres Fabrikates auf echt ameri- konische Weise geführt wird, erhellt daraus, daß ein Zeuge in einem Prozeß, der wegen Betruges und Patentverletzung geführt wird, erklärt«, man habe ihm 1500 Dollar angeboten, wenn er Amerika auf Prozeßdauer verlasse und außerdem 50 Dollar als Unterhalts- beitrag für jede Woche angeboten, die er außer Landes verbringe. Bei der Unmenge von Rasierklingen, die erzeugt werden, ist die Frage nicht müßig, was mit den alten unbrauchbaren Klingen geschieht. Da gibt es die verschiedensten und merkwürdigsten Derwen- dungsmöglichkeiten. In New Bork, im Dockerviertel, gibt es«inen berühmten Uhrmacher, dessen Vorfahren, gleichfalls Uhrmacher, vor mehr als einem Jahrhundert aus Dänemark anwanderten. Seine Spezialität besteht darin, aus alten Rasierklingen genauest funk- tionierend« Pendeuhren zu erzeugen. In Brookline, im Staate Massachusetts, hat sich ein invalider Former aus Rasierklingen einen Rasenmäher gebaut. Cr mon- tierte den Motor eines alten Staubsaugers zwischen den zwei Rödern eines kleinen Wagens, der als Spielzeug gedient hatte, steckte durch die Achse Stäbe in der Länge von 10 Zentimeter, die oben Rollen und unten Messingschciben von 10 Zentimeter Durch- messer tragen. An diesen Scheiben befestigte er Rasierklingen unter dem geeigneten Winkel. Die Rollen sind mit dem Motor verbun- den, dieser ist durch«in Kabel an die Lichtleitung des Hauses an- geschlossen, so daß der Apparat vom Hause aus durch Einschalten betätigt werden kann. Was aber das häufigste Schicksal der für die männliche Schön- heit heute unentbehrlich gewordenen kleinen Dinger ist, erfährt man aus nachstehendem Vorfall, der sich kürzlich in den New Porker Küstengewässern zutrug. Ein Patrouillenboot der Regierung, das auf Alkoholschmuggler Jagd machte, sichtet« einen kleinen Dampfer, von dessen Bord ge- hcimnisvolle Pakete in das Meer hinabgelassen wurden. „Was versenkt ihr da?" fragte das Patrouillenboot „Rasierklingen", war die Antwort. Da mon die Antwort für einen schlechten Scherz hielt, ging eine aus mehreren Offizieren bestehende Patrouille des Regierungs- fchiffes an Bord des verdächtigen Schiffes, um die Wahrheit zu er- forschen. Die Patrouille war überrascht, als der Kapitän des kleinen Schiffes eine Erlaubnis des Kriegsministeriums vorwies, derzu- folge er feine Ladung ins Meer versenken dürfe. Die Ladung be- stand wirklich aus Rasierklingen. Ein Fabrikant von Rasierklingen chartert zweimal jährlich einen Neinen Dampfer, den er mit einer Ladung Rasierklingen aussendet, die bei der Erzeugung als fehlerhaft ausgeschieden wurden. In dem betreffenden Falle hatte das Schiff 19 Millionen Stück Klingen an Bord, deren Marktwert zwei Millionen Dollar betrogen hätte, wenn sie gut ausgefallen wären. Sie wogen 38 Tonnen und vier Leute hatten vier Stunden zu arbeiten, um sie ins Wasser zu werfen.— Amerikatnsch!_ Kahlköpfigkeit ein Scheidungsgrund? Frau Ruth Moore aus San Franziska hat es satt, sich mit einem Manne sehen zu lassen, dessen männliche Schönheit ihrer An- ficht noch durch eine niedliche Glatze völlig entwertet worden Ist. Herr Moore trägt seine Glatze in allen Ehren und weigert sich standhaft, dem Wunsche seiner Frau nachzukommen, diese leuchtende Blöße seines Hauptes durch eine angemessene Perücke den stechen- den Blicken und den boshaften Zungen der Umwelt zu entziehen. Frau Moore hält diese Weigerung für einen schwerwiegenden Grund, der zur Aufhebung der ehelichen Gcnietnschast mit einem solchen bloßgestellten Wann genügen sollt«! 10. Fortsetzung. Die Reise war an sich schon eine Sensation! Familie Gruber hatte bereits das Billett für sie besorgt, natürlich erster Klasse(neben- bei bemerkt hätte selbst die zweite für childe alle Geheimnisse des Unbekannten und nie direkt Berührten gehabt). Dies« wundervolle Fahrt ins Salzkammergut, ollein mit Mama Gruber und Lutz und De'y im Kupee, auf den weichen Stoffpolstern, das war freilich andere als alle die kurzen Fahrten auf harten cholzbänken, die sie bisher gemacht hatte: Frau Gruber und Dely rauchten sehr viele Zigaretten, die aus England importiert waren und so süß rochen, so blond aussahen, und sie sprachen von Kleidern, unausgesetzt von Kleidern, die sie in Modesalons gesehen oder bestellt oder auf anderen Damen gesehen und schließlich doch nicht bestellt hotten. Dann kannten die Grubers auch so fabelhaft viele Leute und sie wußten den ganzen Tratsch von Wien, alle Scheidungen, die voll- zogen waren oder in Aussicht standen— es war eine andere, ein« leichtere, beschwingtere Welt als diejenige, in der Hilde bisher gelebt hatte. Und es war sehr amüsant, in sie nicht bloß flüchtig hinein- zuschauen, sondern ihr, wenigstens für ein paar Wochen, anzu- gehören. Und diese Billa Bietoria! Sie hatte einem Aristokraten gehört, der sie nicht mehr weiter erholten konnte und sie„vorläufig" ver- mietete. „Fch hätte in unserem Hause zwar lieber eine Herrschaft ge- sehen," sagte die Besitzerin unverschämt nach dem Bertragsabschluß Frau Gniber ins Gesicht,„aber der Krieg war ja für Sie das große Los." Frau Gruber war nicht ein« von denen, die sich so was schweigend gesollen ließ. Sie erwiderte nämlich ganz ruhig: „Sehen Sie. Exzellenz, wenn der Krieg für uns das große Los war, so haben wir es wenigstens gewonnen, während der Herr Gemahl Eurer Exzellenz ihn verloren hat?" Frau Gruber ließ sich eben nichts gefallen, wenn mar ihr auf die Füße treten wollte, auch von einer Exzellenz nicht, die sie ja zu verehren sonst sehr bereit war. Auch eine Generaloberstengattin und Barornin sollte wissen, was Adolf Grubers Söhn« waren, und daß man sie mit dem neureichen hergelaufenen Pack nicht verwechseln dürfe. Im übrigen hatte Ihre Exzellenz in dem einen Punkte recht gehabt, daß die Billa Victoria«in wirklich herrschaftlicher Besitz war, auf dem nun Frau Gruber Hof hielt und die unabsehbar abrollend« Folge von seligen Togen überwachte, Wochen, Monate, in denen man auf nicht» anderes als darauf bedacht war. sich mit ollen Sinnen zu vergnügen. Die männlichen Mitglieder der Familie Gruber waren zumeist in Wien. Papa Gruber hielt im Geschäft streng« Zucht, und die Zeiten waren zu ernst und dabei zu ergebnisreich, als daß man sich für lange entfenren konnte. Aber an jungen Leuten mangelt« es nicht. Und die drei Gruber-Mädeln, man rech- nete Hilde der Einfachheit halber gleich dazu, samt ihrer stattlichen Mama, waren bald der Mittelpunkt eines großen Gesellschaftskreises, den die Ungezwungenheit des Landlebens zusammenbrachte. Die Rochrichten, die aus Wien und von seinen Röten und Kämpfen hereindrangen, waren wie die Schauer eines fernen Gewitters. Ein drohender Regen, der«inen Ausflug verhindern konnte, schein weit- aus wichtiger und ging den Menschen hier seelisch näher als das Echo der Leiden, die so viel Menschen in Wien den strahlenden Sommer verdüsterten. Sie waren ein Gesprächsstoff, wie es deren auf diesem Eiland der Glücklichen so viele andere gab. Man erzählte— und der schwarze Kaffee wurde auf der Ter- rosse serviert, von der aus man weithin über den See und bis zu den höchsten Alpenqipfeln sehen konnte—> man erzählte von Heimkehrern, die in Monate währenden Fußmärschen, ein« ge- stohlene Glühlampe als einzigen Besitz, sich aus Sibirien fort- geschlichen hatten— die Glühlampe tauschten sie gegen eine Jacke und die Jacke gegen ein Brot und das halbe Brot gaben sie für eine Wagenfahrt hin— und das war so spannend wie ein Abenteurer- roman, nur daß er erlebt und wirtlich war. Man erzählte, daß jetzt in Wien hundert Menschen mehr in der Woche starben, als die Statistik im Durchschnitt zu verzeichnen pflegte— und das wurde, wie es die gut« Sitte und die anerzogene Barmherzigkeit erforderten, aufrichtig bedauert. Man erzählte von jenen mannigfaltigen Aben- teuern der Not, die sich jetzt zu taufenden ereigneten, von den Siegern darin und von den Besiegten— am liebsten aber, freilich «in bißchen spöttisch, von den Siegern, von Liftjungen, die mit weiß Gott woher erlangten Ausfuhrbewilligungen gehandelt hatten, mit behenden Sprüngen Millionäre geworden waren, und die ein« mit sehr ernsten Dingen beschäftigte Welt ernst nehmen mußte. Ein Primgeiger bei den Philharmonikern hatte in sich das Talent ent- deckt, das ihn befähigte, Ehef der Devisenabteilung einer Großbant zu werden, und man hörte diese Berichte mit dem bewundernden Staunen an, das einstens Goldgräbergeschichten erregt hatten. Man verwünschte dies« Zeit, raunzte über sie, verglich sie mit der ruhi- aeren Vergangenheit, beklagte den Verlust von Südtirol, weil man früher dahin ohne Paß und Geldwechsel hatte reisen können, man beklagte, daß neu« Schichten— und was für Schichten, wie man stets dazu bemerkte— aus ihrer Unterwelt heraufgestiegen waren und den ohnehin engen Raum noch mehr beengten, man sprach die Hoffnung aus, daß die Entente, der Sorgen um den Friedensvertrag ledig, mit der Arbeiterherrschaft bald Ordnung machen werde, man belächelt« die neue Erfindung schweizerischer Holdingqesellschafien, die es ermöglichten, gewisse unbequeme Gesetze dieser Republik zu um- gehen, man konstatierte, daß ein förmliches Scheidungsiieber rasch gefügte sowie anscheinend solide Ehen auseinandersprenge, man gab dos Gkriicht weiter, daß der berühmte Komponist erklärt habe, künftighin nur noch in Amerika seine Werke aufführen zu lassen, weil es sich in Europa nicht lohne, man kommentierte die grauen- hgste Mordtat eines Voters, er eine ganze Familie. Frau, vier Kinder und schließlich sich selbst erschossen hott«, weil er der ver- rückten Zeit nicht weiter standzuhalten vermocht«, und man wählte au» d«n reichen, verwirrenden, nach nie in gleicher Fülle sich zu- drängenden Ereignissen das zur Betrachtung aus, was eben spon- nend war. wie ein Leser für«in« lang« Bobnsahrt sich gerade dos Buch heraussucht, dos er für geeignet hält, ihm über einige leer« Stunden hinwegzuhelfen, und das zu gar keinem Zweck geschrieben wurde. So war es für diese Gesellschaft, die als Betrachter vor ihrer Zeit stand und sich von ihren Wellen rficht berühren lieh: alle von JAsaiL MvrsflhJUszr Geschehnisse zogen wie ein Wandelpanorama an ihnen vorüber, sie selbst war auf ihrem sicheren Aussichtsturm im Zentrum, daran nur als Zuschauer und für Sensationen geschulte Menschen interessiert. Diese Welt der Qualen, Demütigungen, Anspannungen, diese Welt des Berzweifelns, Verderbens, Vergehens als Gesprächsstoff für sternüb«rglänzt«, wohlige Abende! Dazu oft Musik, man tanzte viel beim Seewirt und ließ sich von Bouernburschen gern derb anfassen und übertrug dann, von Städtern umschlungen, die bäuerliche Tanzweise ins Salonhafte. Junge und manierliche Leute in der neuesten Dreß kamen in die Billa Biktoria, salopper gekleidet« Künstler, Doktoren, Gelehrt«, deren Sonderlichkeiten man gellen ließ, wenn Titel und Erfolge si« entschuldigten. Gelegenheit macht« natürlich Lieb«, und wenn auch die Mädeln des Hauses erst sechzehn oder siebzehn Jahre all waren, so taten sie doch so erwachsen und war immer auch sonst so viel reizende Weiblichkeit zu treffen, daß man aufs Sentimentale nicht zu verzichten braucht«. Und wirklich gab es in der Villa Viktoria, von ihrer Geselligkeit angeregt und gefördert, nicht bloß Flirts, über die man nachsichtig hinweggehen konnte, wenn sie sich in den Grenzen des Zulässigen hielten, sondern auch leibhaftig«, offizielle Verlobungen, die Mama Gruber den Ehrennamen einer Schwieger- muttcr von Aussee eintrugen. So oerging der Juli, der August, und es schien allen, daß wahrhaftig nichts leichter zu ertrogen fei als eine solche Reihe von schönen Togen, und daß dieses Wort Goethes, wie dies mit Dichter- worten so manchmal der Fall ist, erlebt und überprüft, sich als trügerisch« Weisheit erwies. Hilde war in der Sonne und der guten Lust, in der Füll« der Freuden, die ihr jeder Augenblick bot, förmlich aufgeblüht. Rein, sie war wirklich nicht krank gewesen. Dely musterte sie und konsta- tierte: der blasse Teint war geschwunden und—„Hilde, du wächst ja!" Hilde war emporgeschossen und war, wie Dely feststellt«, die ihre Vorliebe fürs Theater gern auf ihre Ausdrucksweise abfärben ließ, aus der Soubrette ein« Primadonna geworden, nicht mehr so mager wie ehedem, sondern vollschlank, wie es jetzt modern wurde und wie man das Kompromiß zwischen dem Pariser Gebot und der Wiener Tradition bezeichnete. „Na, dein« Mutti wird diesmal an dir eine Freude haben," stellte Frau Grub«r, Hilde musternd, fest. „Ja, Mama Gruber." Frau Gruber hatte von ihnen Ahnen her, rüstigen Hand» werkern, den Drang überkommen, zu schasten, zu leisten, und da es di« glücklichen Verhältnisse, in denen si« lebte, es ihr geradezu oerboten, selbst Hand an eine Arbeit zu legen, so suchte sie ihrer Tätigkeitslust zu genügen, indem sie unausgesetzt und an hun- derterlei Stellen etwas ins Werk setzte. Was es war, schien viel weniger wichtig, als daß es geschah. Das gute Aussehen Hilden» betrachtete sie als ihren persönlichen Erfolg, wie etwa di« kleine Milchwirtschast, die sie errichtet hatte, und wie die Erfolge, daß auch mehrere Paare unter die Haube gebracht worden waren, und wie di« improvisierten Derbesserungen des Haushalts, die sie in der Villa Viktoria eingeführt hatte. Dieses Mädel, die Hilde, wie sie sie jetzt ansah, prächtig entwickelt, stattlich geworden und ganz damenhaft in ihrem Gehaben, war einfach ihre Schöpfung, und sie ahnte, daß si« mit dieser noch einmal Ehre einlegen würde. Diel- leicht die gleiche, wie mit dem Musiklehrer, den si« veranlaßt halle, sich von den faden Sinfonien fort, die kein Orchester spielen wollte, zur Operette zu wenden, und der jetzt angeblich was ganz Exquisites zustande gebracht haben soll. Wahrscheinlich mehr Ehr« als mit der oder jener unter ihrer Patronanz geschlossenen Ehe, von der sie gewiß war, daß si« rascher als man erwartet«, in Brüche gehen würde. Ja, die Hilde sollte ihr Geschöpf sein, an dessen Zukunft— was? eine glanzvoll« Heirot? Karriere auf dem Theater?— sie mitbouen wollte. Um Dely und Lutz braucht« sie sich nicht zu be- kümmern, die gingen mit sicherem Instinkt ihr« Weg«, und wenn man die mit liebevoller Fürsorge begleitete, so war das genug. Aber noch ihnen, natürlich nach ihnen, wenn die versorgt waren, sollt« die Hilde an die Reihe kommen, und um drei Mädeln statt um zwei sich zu bekümmern, war für die schasfenslusllge Mama Gruber eine Kleinigkeit, ja, das machte ihr eben um ein Drittel mehr Freud«. (Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend. iiiiiniitiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiimmiiiininiiiiHiiimiimnnNnimiHnniimiinimnniiiniiimnilHiHiiinmmiinniHiiiiiiiiiiiniiniiiiniimiiiimm Kreuzworträtsel. Gilbenausschnitträtsel. Ans nochbenonnten Wörtern ist so je eine Silbe zu entnehmen, daß diese Silben ein bekanntes Zitat aus Schiller ergeben: Zweifels- ohne, sodaß, Anästhesie, Edomiter. Koswig, ergrübeln, gewinnen. geblieben, lobesom, Dieberei, beschönigen. Anemone, Hcrbst.zenlvse, Oderbruch, junterhast, verbergen, abliefern, Weberei. Ouadraträtsel. Senkrecht: 1. bibl. Gestalt: 2. Gestalt d. griech. Soge: 3. Getränk: 4. ägypt. Göttin: 5. Fluß in Schweden: 6. weidlichcr Vorname: 11. Verschluß: 13. warme Quelle: 13. Baum; 13. sumpfiges Gebiet; 19. Teil des Auges: 21. Teil des Baumes. — Wagerecht: 1. Werkstatt: 7. Flächenmaß: 8. Umhang: 9. Fürwort: 10. Chemikol: 12. Wasser pflanze: 14. unbestimmter Artiteli 17. Kopfbedeckung: 18. Körperorgan: 20. Fürwort; 22. Reptil. Ergänzungsrätfel. Die Silben di die heit ihr noch rich sen sich ten uns wir sind in die freien Felder der neben- stehenden Figur einzu- ordnen. Bei richtiger Löfnna erholten wir einen Spruch und dessen Verfasser. � Eharade. Im feinen Frankreich bin ich geboren: Dort leb' ich meistens als Mama. Doch wenn ich Anfang und Ende verloren, So bin ich aller Weit Papa. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Nebenfluß der Elbe: 2. Singvogel: 3. füdeuropäischer männlicher Vorname: 4. Ort bei Abevill« an der Sommemündung: 5. Ursache.— Die vorderste und die hinterste senkrecht« Reihe, beide von oben nach unten gelesen, ergeben je eine wichtige Verkehrsiinie. Auflösungen der Rätsel aus voriger Kummer. Zahle nrätsel: Geburt, Reger, Grube, Geber, Trug, Brut, Burg, Tube, Rute, Berg, Gurt, Bug, Ger. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Leid; 3. Marne: 8. Ierusolcu: 9 Uschi: 10. Sau.— Senkrecht: 1. Tierschau: 3. Amrum; 4. Melis. V c r s r ä t f c l: Luft, Spiel, Lustspiel. Scherzsrage: Hinter die Schote. Versteckrätsel: Bluff, Tunis, Hudson, Rennen, Gefiern, Wunder, Sehein, Achtung, Windwolke, Sennerin. Luft und Sonne, Gesundheit und Wonne! Buchstaben-Füllrätsel: 1. Sand: 2. Nero: 3. Eber: 4. Eden: 5. Wahr: 6. Zngo; 7. Tut«: 8. Top»: 9. Chi«; 10. Hochz 11. Erb«: 12. Rein.— Sneewittchen, Dornröschen. Die Opposition in der Zange. Und die Vereine? Der Kampf um Me E« n h e i t tm Arbeitersport— im Smne icr bimdestreuen Vereine— tritt jetzt in ein neues Stadium. Wen Vereinen sind die Beschlüsse der Zentralkom- Mission für Arbeitersport und Körperpflege zugegangen. Die- s�ben sogen klar und deutlich: „Aus den bundestreuen Vereinen in Verlin und Halle werden neu« Kartelle gebildet, die der Bestätigung durch die Zentralkommission bedürfen. Mitglied in diesen Kartellen können nur die Vereine und Ortsgruppen der Der- bände werden, die der Zentralkonnnission angeschlossen sind, soweit sie keine Beziehungen zur kommunistischen Partei Deutschlands unterlialten und kein« kommu» nistische Propaganda in ihren Reihen dulden." Diesen Beschluß hat die Zentralkommission einstimmig ze- faßt, er gilt für alle Dereine. Der Vorstand des Arbeiter-Turn- «>eiter.»Udsahm.Bit»d.«»«»aeitäf. 1. Bezirk, 3. Bezirk. 21. Bezirk: Sitmtlich« Tauren für Sanntag, 28. Juli, fallen au«. Alle Ortsgruppen und Abteilungen besuchen die Riitt. Arena: Gaudahnmeisterschaflen und internationaler Liinderramps. Trankreich, Belgien, Deutschland. Gintritt«- preis t Mk. Griserbslase und Kinder 50 Pf. Beginn 15 Uhr. Tanristeavetei».Di« Slataeftninbe*, Zentrale Wien. Abt. Ritte: Mittwoch, 25. Zuli, 20 Uhr. Zusammenkunft in der Deschüftsstellc Zahannisstr. 1acrkchr. Wcrbebezirk Rord: Bezirtswettkitmpte: Reinickendorf gegen Mitte, Refidenzstr. 10». Gesund- drunnen gegen Humdaldthain, Kalaniestr. 147. Nordring gegen Echillerpari, Gleimstr. 10.»aste willkommen.— Aeeitsg, 27. Znli, 20 Uhr: Adt. Garten- Plast: iuiugftr. 8. Adt. Mitte: Zionsrlrchplast 5. Abt. Wedding: Liedenwaldea Sroast« 8ö». Abt. Ostdop: Riga er Str. 57.«dt. Südwest: Illterbager Str. 7. Abt. Ksteu�stadt:�tiriKnstr�51. 9Strbri*jjrk Staad: Bezirkswettdampf Wtddin» Gin Ausflug nach„Kuhle Wampe". Nerlins kleinster„Vorort4'. ..Kuhle Wampe" ist das kleinste Dörfchen im Berliner Gebiet und liegt neben den Dörfern„C h e m u l p o" und„Klein- K l e ck e r i tz". Dabei ist K l e i n- K l e ck e r i tz ein Ulkname, während in Chemulpo der russisch-japanische Krieg von Pate gestanden hat: Vor Chemulpo. dem wichtigsten koreanischen Hasen, fand als Eröffnung des Kriegszustandes zwischen Petersburg und Tokio am S. Februar 1904 ein Seegefecht statt, bei dem zwei russische Kreuzer versenkt wurden. Und Kuhle Wampe? Der Berliner denkt sicher, wir wollen ihn uzen! In Berlin soll es Dörfer geben mit so komischen Namen, Jawohl, die drei gibt es, einige bestehen sogar schon 17 Jahre, sind aber nicht etwa mit Kleinbahnen zu erreichen. Wer di« Dörfchen besuchen will, braucht nur mit der Vorortbahn bis Rahnsdorf zu fahren. Dort an der Nrrdfpitze des Müggelsees liegen sie doch, nur in den Monaten von Mai bis September sind sie zu finden. Im Mai, gewöhnlich acht Tage vor Pfingsten, treffen die Be- wohnec ein. Auf Leiterwagen, auch per Auto, wird dos„Haus" mitgebracht. Der Gemeindeoorstond(alias der Vereinsoorfitzende) bestimmt die Plätze in dein zugewiesenen Gebiet. Dort wird dann das Zelt errichtet und mit Mobiliar ausgestattet. Schlaf- gclegenheiten sind die Hauptsache. Wer großen Komfort liebt, bringt sich einen Schrank mit, der auch im Zelt Platz findet. Der Kochherd steht neben dem Zelt, und dann ist di« Einrichtung komplett. Rund um di« Zelte werden Anlagen.getätigt". Der eine pflanzt eine kleine Hecke, ein anderer wieder macht aus Knüppelholz einen Zaun. Selbstverständlich weisen di« Dörfer Grünanlagen auf, die von den Zeltbcwohnern gemeinsam betreut werden. Durch sie führen kleine Wege, die zu den Nach- barzelten führen. Aus Kicserästen werden di« schönsten Gartenmöbel, kleine Stühle und Tische gezimmert, an denen die Hauptmahlzeiten eingenommen werden und mancher Skat geklopft wird. oelbstverständlich bildet jede Gemeinde einen Verein, dem es obliegt, daraus zu achten, daß die Dorfbewohner auch ihre staatsbürgerlichen Pflichten ersüllen. Die kleinen Dorf- gemeinden beruhen auf einer Genehmigung des Bezirks Köpenick, der allerdings vom Vereinsvorstand verlangt, daß er für Ruhe und Ordnung sorgt. Wie im Dorf das Schulzenamt kenntlich gemacht ist, so hier das Zelt des Vereinsvorsitzenden! Er wird ausgefragt. Er nimmt ein« kurze Zeit die„Piep" aus der Mundecke und berichtet über feine Aufgaben:„Das schwierigst« war, den Berliner Ausflüglern, die hier vorbeispazieren, anzugewöhnen, daß sie den Wald sauber halten. Wir haben die Verpflichtung übernommen, 100 Meter im Umkreis für Sauberkeit zu sorgen. Sonst gibt es noch eine Reihe ungeschriebener Gesetze. Da Zelte nicht zu verschließen sind, muß ein ständiger W a ch d i e n st eingerichtet werden, der aufpaßt, daß nicht etwa Berliner Wohnungslose sich einnisten. Jeder läßt sein Zelt aufgebaut, auch wenn er für ein paar Tage in Berlin bleibt. Die Bewachung nachts ist sehr einfach. Einmal würde sich jeder Fremde in den Zeltschnüren den Hals brechen, und wer durch die Hindernisse glücklich hindurchkommt, wird von den Hunden gefaßt. Wie überall, gibt es auch bei uns Dorfkötcr, die auch ihre Hütte haben, und jedem nicht Ortsansässigen in die Waden greisen." Hier in diesen Dörfern hat seder klein angefangen. Die meisten Bewohner sind einfache Arbeiter, die auf einige Wochen aus den Großstadtwohnungen flüchten wollen. Da langt es zuerst nur zu einem kleinen primitiven Zelt, in dem man nur nachts hineinkriecht, um, aufgerollt wie eine Schlange, zu schlafen. Nach fleißigem Sparen kommt dann«in Erweiterungsbau Der größte Luxus ist ein Zelt, in dem man auf- recht stehen kann. Ganz„fürnehme" Einwohner haben zwei Zelte, ein Wohn- und ein Schlaszclr, aneinandergebaut. Lustiges Leben herrscht dort draußen in den Zeltdörfern. Bei Spiel und Sport oerbringen die kleinen Dorfbewohner ihr« Zeit. Die großen angeln, fckwimmen, rudern und warten mit der Piep im Mund, bis der Herbststurm sie alle wieder zurücktreibt in die Großstadtmauern. Zu einer teuren Sommerreise reicht es nicht, in der Natur will der Großstadtmensch eine Zeit leben: so packt er sein Zelt ein und baut sich selbst eine Sommerwohnung an den märkischen Seen._ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachdr. verb.) Wechselnd wolkig, vereinzelt leichte Regen- schauer, westliche Winde bei wenig geänderten Temperaturen.— Deutschland: Im Norden unbeständig mit Regenschauern, auch im Süden Uebergang zu veränderlichem Wetter. fäezirfc füden-Wefien. ßß W W�en-SCreditgeschäfl Berlin-S&ane&er&EisenadierSlr 3637 an der Rosenheirner StraBe. Bcrreii' und Damengarderobe. Bett- . Leiawasdie. TepplAe, fiardlnen ec. Cafe Serno Neukölln, Berliner Straße 80/81 Tag- und Nach!-Betrieb von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachls Tag und Nacht Musik«i. f. I4b '•■V1.'JJs j •> ,// ', xri.„ /?/ L' ii."; ijf■";*4« ■. SchokÄl-tde �nvr�qnnt oOrzüglicFse Quantät FiuEtinurnmu vekin UNTEF�EICHSAUFSjCH�pJ�Jp Nacd dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanapruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirehenaustrltt erforderlich [Q. F. 54 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haupt- Geschäftsstelle: Berlin N. 4, invalidenstr. 110 Farn rat■«»!«» 3(85— U, 50 44 Bnserieren bringt Erfolg 0. Rackwitz NO. Groß-Destillation 1. Am BIDcherplatz(Planufer 24) II. Am Hermannplatz(KottbusserDamm 36 37) III. Wiener Straße 15(Ecke Lausitzer Straße) Bien's Festsäle Kreuzbcrgsh-a�e 48— an der Katzbachstrafje Täglich auhcr Diendag und Freitag Großer altdeutscher Ball RundtSnze— Zwei Kapellen— Ende 3 Uhr'ioa Sie KWWMe SiWs'VM'NW SO 33. 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