Morgenausgabe Nr. 349 A 178 45.Jahrgang Böchentlich 85 Pfg., monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Volk und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner ,, Unterhaltung und Wissen"," Frauentimme", Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 26. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge orudte Bort 25 Pfennig zulässig zwei jettgebrudte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jebes meitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3. wochentägl. von 81%, bis 17 Uhr. Hentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Bostichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Anschlußdebatte in ganz Europa. Der Scheintönig als Ditiator. Stimmen der Feindschaft.- Stimmen der Vernunft. Paris, 25. Juli.( Eigenbericht.) Der Temps" schreibt abermals über die Anschlußkundgebung In Wien. Das Blatt, diesmal sichtlich bemüht, einen ruhigeren Ton anzuschlagen, tann nicht umhin, die Zurückhaltung der verantwortlichen Stellen in Berlin und in Wien festzustellen; es er klärt, die Ereignisse in Wien würden taum größere Aufmerksamkeit verdienen, wenn nicht die Wiener und Berliner Preffe ihre politische Bedeutung ständig unterstreichen würde. Der„ Temps" tut, als wäre er besonders beunruhigt über die Rede des Reichstagspräsidenten Löbe in Graz. Das offene Eintreten Löbes für den Anschluß tönne man nicht mehr als eine persönliche Kundgebung betrachten, da er Reichstagspräsident fei. Das Blatt, das den Spontanen Charakter dieser Rundgebung anerkennen muß, leistet fich schließlich die lächerliche Bemerkung, daß die Persönlichkeit Löbes für die vom jezigen deutschen Kabinett befolgte Außenpolitit ebenso tompromittierend sei wie die Westarps für das frühere Rabinett. Der Kommentar der„ Temps" schließt mit der Behauptung, daß die alliferten Mächte sich stets dem Anschluß widersehen würden. Der Temps" dürfte nicht berechtigt sein, den ehe= maligen Alliierten ihre Haltung für alle Zukunft vorzuschreiben das tönnen nicht einmal die Minister von heute. Der Bölferbundsrat ist im Frieden von 1919 ermächtigt nicht ,, beauftragt", wie hier irrtümlich gestanden hat, das Anschlußverbot aufzuheben; dazu bedarf es freilich einstimmigen Beschlusses jeder Quertopf im Rat, mag er auch ausschließlich dem nationalen Selbst bestimmungs= recht diese Stelle verdanken, fann dessen zuerkennung an die 6,5 Millionen Deutsche hinter Passau verhindern. Aber soll diese schreiende ungerechtigkeit ein politisches Heiligtum für das Volk der großen Revolution sein? Die Anrempelung Löbes richtet sich von selbst. Wenige so bekannte Politiker wie er sind so unausgefeßt für die Bölkerversöhnung tätig. Wenn er außerhalb des Reichstags und schon gar jenseits der Reichsgrenze redet, tut er es zu meist nicht und in dem Grazer Fall schon gar nicht als Reichstagspräsident. Kein Reichsgesetz und fein Friedensdiftat aber verbietet dem Präsidenten des Deutschen Reichstags, ein Deutscher, ein Demokrat und ein Sozialist zu sein. Wer das aber ist, der fordert, daß den Deutschösterreichern nicht vorenthalten bleibe, was den Dänen, Tschechen, Rumänen, Südflamen, ja selbst den Arabern im Frieden von 1919 gemäß der feierlichen Verkündung Woodrow Wilsons zugestanden worden ist. Wir fordern gleiches Recht mehr nicht. London, 25. Juli.( Eigenbericht.) Der Manchester Guardian" schreibt im Gegensatz zu dem größten Teil der französischen Presse zum Wiener Sängerfest: ,, Berlin und Wien werden nicht durch reaktionäre, sondern durch freiheitliche Kräfte zueinander hingezogen. Die eigentlichen Träger der Anschlußbewegung bilden die republikanischen Mehrheiten in beiden Ländern. Mit jedem Siege der Linken wird die Bewegung stärfer. Sie lag danieder, solange die Deutsch nationalen in der Regierung waren. Jetzt, da Deutschland eine unter sozialdemokratischer Führung stehende Regierung hat, ist die Bewegung wieder mächtig aufgelebt. Die Wiener Kundgebungen waren die gewaltigsten, die es je gab. Die beiden Hauptrebner waren Severing, der mehr als irgendeiner die deutsche republikanische Demokratie befestigt hat, und Paul Löbe, der sozialiftische Reichstagspräsident und von jeher ein Vorfämpfer des Weltfriedens. Die Bewegung mit Alldeutschtum oder deutschem Nationalismus gleichzustellen, ist völlig falsch. Auch wird der Anschluß für niemand eine Gefahr sein. Er wäre für beide Länder und für Europa gut. Desterreich und Deutschland gehören zusammen und ihre gemeinsamen Ueberlieferungen, ihre gemeinsame Kulfur, ihr gemeinsamer und erfolgreicher Kampf für die Demokratie und ihre gemeinsamen materiellen Interffen führen sie zusammen. Der Anschluß wird ein Schrift zur Entbalkanisierung Europas sein und wird die Niederlage der ftreitbaren Reaktion und des Nationalismus nördlich des Brenners und westlich der Weichsel vervoll. ständigen." Das englische Blatt schließt seine Betrachtungen wie folgt:" Der „ Der Anschlußaft und die Verschmelzung der beiden Souveränitäten sollte schließlich zu einer Formalität werden, die der Völkerbundsrat nach den Geboten landläufiger Höflichkeit nicht verweigern könnte." Gelbst in Rumänien kommt die Bernunft zum Worte! • Bukarest, 25. Juli. Der Ada perul" beschäftigt sich heute in seinem Leitartikel mit der Anschlußtundgebung in Wien. Die sogenannte deutsche Gefahr sei nur eine Legende. Ein demokratisches Deutschland bilde, wenn auch Desterreich einverleibt sei, feine Gefahr für die übrige Welt. Was Rumänien betreffe, so habe es feinen befonderen Grund, die Leiden Desterreichs verewigen zu helfen. Mit der Einverleibung Defterreichs in Deutschland verschwinde auch für immer das Phantom der Habsburger Hegemonie. Mahnung der Ratsmächte an Litauen Mitteilungen Chamberlains im Unterhaus. London, 25. Jufi. Chamberlain teilte heute im Unterhaus mit, der britische Gesandte in Riga, der die britischen Intereffen auch in Kowno wahr nimmt, fei beauftragt worden, dem litauischen Minister des Auswärtigen dringend nahezulegen, daß es wünschenswert fei, die Empfehlungen des Völkerbundstates bezüglich der Meinungsverschiedenheieten zwischen Polen und Litauen in die Tat umzusetzen. Es fei anzunehmen, daß auch der französische und der deutsche Gesandte in Kowno ähnliche Borstellungen erheben würden. Die Telegraphen- Union bezweifelt in einem eigenen Kommentar zu dieser Meldung die Richtigkeit der Mitteilung Chamberlains über einen ähnlichen Schritt des deutschen Gesandten in Kowno, weil eine solche Demarche im Gegen faß zu der bisherigen Politik Deutschlands im litauisch polnischen Konflikt stehen würde. Wir könnten in einem solchen Schritt, falls er wirklich erfolgt ist, nichts Anormales erblicken. Im Gegenteil, mir find der Ansicht, daß die Mächte schon längst die Pflicht gehabt hätten, Woldemaras darauf energisch hinzuweisen, daß es so nicht weiter geht. Litauen hat die Empfehlungen des Böllerbundrates vom Dezember 1927 ausdrücklich angenommen und durch den Mund seines Ministerpräsidenten versprochen, normale Beziehungen zu Bolen anzustreben. Statt dessen hat Litauen bei jeder Gelegenheit, insbesondere auf der Königsberger Konferenz, dokumentiert, daß es eine solche Annäherung nicht erwünscht. Durch den immer wieder betonten Souveränitätsanspruch auf Wilna macht Woldemaras eine Einigung tatsächlich unmöglich. Unter diesen Umständen hat auch Deutschland, das an der Genfer Resolution vom Dezember 1927 mitgewirkt hat, allen Anlaß, auf Litauen einzuwirken, damit es diese Tattit aufgebe. Die neue gefährliche Spannung an der litauisch- polnischen Grenze läßt einen solchen gemeinsamen Schritt der Ratsmächte durchaus geboten erscheinen. Polen bestreitet, Wilna- Manöver abzuhalten. Warschau, 25. Juli.( Eigenbericht.) Die litauische Note an den Bölkerbund gegen die bevorstehenden polnischen Manöver an der litauischen Grenze nennt der sozialistische Robotnir einen faum ernst zu nehmenden Versuch Bolde maras, die Augen der Welt wiederum auf die Wilnafrage zu lenten; bie polnische Regierung werde hoffentlich faltes Blut bewahren und die Grenzfonflitte, von denen Woldemaras in seiner note spreche, die aber nur in seinem Kopfe entstanden seien, würden auch in seinem Kopfe enden. In gleichem Sinne äußert sich die offiziole Epota", die dem Bölferbund empfiehlt, die Note in ben Papierforb zu werfen. Zur litauischen Note an den Völkerbund hat die polnische Re gierung ein Kommuniqué veröffentlicht, das erklärt, daß teinerlei militärische Manöver im Wilnagebiet vorgesehen feien. Es würden dort lediglich die jedes Jahr nach der Ernte im ganzen Lande üblichen lebungen derjenigen Truppenteile sein, die dort stationiert seien. Infolgedessen stelle die litauische Note einen neuen Versuch dar, Polen friegerischer Absichten zu beschuldigen. Das sei um so bezeichnender, als Litauen den polnischen Borschlag eines Richtangriffspattes abgelehnt habe. und Strömungen in Aegypten. Bon Dr. Artasches Abeghian. König Fuad hat einen Staatsstreich vollzogen. Er hat fich, allerdings nur" auf drei Jahre, zum absoluten Monarchen und Diftator" Aegyptens ausgerufen. In Wirklichfeit aber wird nunmehr weder er noch sein Ministerpräsident Mahmud Bascha, vielmehr der britische Oberkommissar Lord Lloyd die Geschicke des Nillandes unumschränkt und unkontrolliert leiten. Fuad wird sich eben als ,, Diktator" mehr als bisheriger tonstitutioneller Herrscher mit der Rolle des Scheintönigs begnügen müssen. Der Schlüssel des ägyptischen Umsturzes ist ja lezten Endes im Foreign Office zu suchen. Aber auch in den inneren Verhältnissen findet die ägyptische Staatsfrise ihre teilweise Erklärung. Welche Strömungen und Richtungen herrschen in Aegypten? Es muß hier vor allem festgestellt werden, daß die ägyptische Nation nicht einheitlich ist. Die meisten Aegypter von heute sind wohl Nachkommen des alten Pharaonenvoltes, aber sie haben sich mit den später eingewanderten Arabern und den afrikanischen Hamiten stark vermischt. Das Arabische ist die nationale Sprache aller Aegypter geworden. Die Kopten, die fast durchweg in den Städten seßhaft, und zwar monophysitische Christen sind, haben viel mehr Charakterzüge des ägyptisch- hamitischen Typus erhalten, als die übrigen Stadtbewohner und die Fellachen oder die Landbevölkerung. Die Kopten machen übrigens nur einen sehr fleinen Teil( etwa 8 Proz.) der ägyptischen Bevölkerung aus. Die Gesamtzahl aller Aegypter erreicht heute 1 Millionen; vor 40 bis 45 Jahren betrug sie nicht mehr als 3 Millionen. Die Aegypter find zum größten Teil feßhaft. In den Städten beschäftigen sie sich hauptsächlich mit Handel und Gewerbe. Die ägyptischen Zentren, Kairo Städte. Ein, wenn auch geringer Teil der Bevölkerung, die und Alexandrien voran, gelten mit Recht als europäische echte Araber find, die Beduinen, beschäftigen sich mit nomadischer Viehzucht. Im großen und ganzen befindet sich die ägyptische Nation noch im Prozesse des Werdens. Trotzdem fühlen sich alle und sind auch in ihrem Endziele, der vollen UnabAegypter als Glieder ein und derselben nationalen Einheit hängigkeit des Landes, ohne Unterschied der Abstammung und der Religion einig. Religiöser Fanatismus ist den Aegyptern fremd. Unter den Führern des Volkes find Mohammedaner wie Christen und Juden vertreten. Auch die nationale Bewegung hat unter den Kopten hervorragende Vertreter. Der Banislamismus hat in Aegypten keine große Gefolgschaft. Die Aegypter sind auch den Fremden gegenüber tolerant gesinnt. Parteien im europäischen Sinne gibt es in Aegypten nicht. Die bestehenden Strömungen und Richtun= gen unterscheiden sich voneinander hauptsächlich durch ihre Einstellung in der Unabhängigkeitsfrage. Aber auch sozial find fie differenziert. Die eigentliche Trägerin der nationalen Bewegung unter den Aegyptern ist die Partei der Waf= disten oder der 3aghlulisten. Das arabische Wort ,, Wafd" heißt Abordnung, Delegation: Wafd" wird die ägyptische Unabhängigkeitspartei genannt, weil sie ursprünglich in einer Abordnung verkörpert war, die unmittelbar nach dem Waffenstillstande gebildet wurde, und die sich die Aufgabe stellte, bei der britischen Regierung die volle Unabhängigkeit des Landes durchzusehen. An der Spige der Delegation und der daraus entstandenen Wafd- Partei stand bis zu seinem Tode( 1927) Baghlul Bascha, daher der Name Baghlulisten. Die Engländer wünschten ursprünglich nichts von der ägyptischen Unabhängigkeit zu hören. Die ganze Delegation mit Baghlul an der Spize wurde( März 1919) nach Malta verbannt. Später, freigelassen und nach Kairo zurückgekehrt, setzte er seinen politischen Kampf fort, wurde zum zweitenmal verbannt, zuerst nach den Seishelinseln, dann nach Gibraltar. Aegypten kam doch nicht zur Ruhe. Die Regierung Lloyd Georges sah sich gezwungen, die Unabhängigkeit" Aegyptens zu deflarieren. Dies geschah am 28. Februar 1922. Sie war jedoch mit derartigen Einschränkungen bedingt, daß sie nur eine scheinbare war. Deshalb auch erklärten die Aegypter diesen Tag als den Tag der nationalen Trauer. Baghlul wurde 1923 freigelassen und kehrte nach der Heimat zurück. 1924 fam er zur Macht, vermochte jedoch keine Konzessionen Don England zu erlangen. Als er im August 1927 starb, wurde Nahas Pascha sein Nachfolger. Er wurde vor einiger Zeit in eine Korruptionsgeschichte verwickelt. König Fuad und die Gegner der Wafdpartei mußten fie in dem Sinne aus, daß fie Nahas beseitigten und zuletzt das Dittaturregime verfündeten. In einem Briefe Mahmud Baschas an den König, wo der Umsturz begründet" wird, bezeichnet er die Führung der Barlamentsmehrheit als eine„ fleine Gruppe". Diese kleine Gruppe, die nicht weniger als 85 Broz. aller Abgeordneten und der gesamten ägyptischen Bevölkerung hinter sich hat, besteht aus den Anhängern der Wafdpartei. Bei allen drei Barlamentswahlen hat die überwiegende Mehrheit der Aegypten bcn Wasdisten ihr Vertrauen ausgesprochen. Diese Mehrheit besteht aus wer k t ä t i g e n Schichten der Ve- völkerung den Fellachen, Handwerkern. Lohnarbeitern, Kleinhändlern sowie breitesten Kreisen der Intellektuellen; sie ist durchaus demokratisch und die Trägerin der ägyptischen Freiheitsbewegung. Man kann sie in vieler Hinsicht mit der chinesischen Kuomintang vergleichen. Die r e p u b l i- konische Staatsform liegt ihr näher als die der konsti- tutionell-monarchistischen. An Gefolgschaft und Einfluß nimmt die sogenannte k o n st i t u t i o n cll-liberale Partei die zweite Stelle ein. Daß aber ihr Wesen weder dem Konstitutionalismus noch dem Liberalismus entspricht, beweist allein ihr letzter Akt der Abschaffung der Verfassung und der bürgerlichen Freiheiten. Der Anhang dieser Partei ist klein und besteht aus den oberen Schichten der Bevölkerung: den Großkaufleuten. Grundbesitzern, höheren Beamten und anderen wohlhabenden Kreisen des Bürgertums. Sie haben gemeinsame Wirtschaft- liche Interessen mit den Vertretern des englischen und über Haupt des ausländischen Kapitals. Hierdurch ist es auch zu erklären, daß sie den Engländern gegenüber stets kompromifr bereit sind. Mahmud, Sarwat Paschas u. o. sind ihre Führer Die übrigen Gruppierungen sind kaum erwähnenswert: die p a n i s la mi ti s.ch e und rechtsradikale Wotan (Vaterlands-) Partei, die auch die„nationale Partei" genannt wird, und schließlich die Partei der Jttihadisten.ober der Unionisten. die mehr die Interessen des Königshauses und der britischen Herrschaft vertreten. Eine wichtige Rolle spielt schließlich die gebildete Jugend. Die Ashar-Unioersität von Kairo mit mehreren tausend Studenten bildet den eigentlichen Stamm der ägypti schen Nationalbewegung. Zaghlul selbst und viele andere ägyptische Führer sind Asharisten. Auch viele Hunderte von ägyptischen Studenten, die in verschiedenen europäischen HoH schulen weilen(allein in Berlin 200), sind eifrige Anhänger der Nationalbewegung, aber manchmal auch Propagandisten einer extremen Taktik. Wafd-pariei will aus die Straße gehen. (Straßendemonstrationen der oppositionellen Parlamentarier Kairo. 2Z. Juli.(Reuter.) Die Mitglieder der W a s d- P a r t e i hiellen heute nacht eine Versammlung ab, in der, wie verlautet, beschlossen wurde, daß li5 Abgeordnete und Senatoren einen Zug zum Parla- mentsgebäude unternehmen sollen, das am Sonnabend von der Regierung versiegelt worden ist. Dabei ist zu bemerken, daß beide Häuser zusammen 33S Mitglieder zählen. Die Wafd-Partei hatte auch vorgeschlagen, morgen in Damanhur in Unterägypten eine Versammlung abzuhalten, aber die Behörden haben, wie berichtet wirb, die Versammlung verboten, und ägyptisches Militär wurde in die Stadt gelegt, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Im Lande herrscht im allgemeinen völlige Ruhe. Tokio gegen Aanking. Japan nimmt die Kündigung des Handelsvertrages nicht an. 1"W 0' 25-:5un- Ministerpräsidenl Tanaka teilte den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Amerikas und Italiens' mit, daß Japan die Sündigung des Vertrages mit China vom Jahre tSSS nicht annehmen und sich auch nicht aus Verhandlungen über ein« Re- vision des Vertrages einlassen könne vor einer förmlichen Mitteilung. daß die Kündigung zurüikgezogen sei. Tanaka gab auch dem Bedauern Ausdruck, daß die Regierung von Nanking den Geist des Washingtoner Vertrages über die Einkünfte cm« der Salzsteuer und den Postgebühren verletzt habe. Amerika zu Verhandlungen mit Nanking bereit. N e w P o r k, 25. Juli. wie aus Washington gemeldet wird, ist dort durch Staats- sekrelär Kellogg die Fertigstellung einer neoea Note an die Nanking-Regierung erfolgt. Die Rote, die noch nicht ver- öffenllicht worden ist, beschäftigt sich mit der Einstellung Amerikas zu den Verträgen mit der südchiaesischen Regierung, insbesondere zu den Cxterrilorialitäts- und Zollvcrträgen. wie verlautet, soll in der Rote die Bereitwilligkeit Amerikas ausgesprochen sein. neue Verhandlungen über die Durchsicht der bisherigeu ver- träge aufzunehmen. wie au» Ranking gemeldet wird. Hot nach den verhand- l u n g e n zwischen Außenminister Wang und dem a m e r i k a- nischcn Generalkonsul die Ranking-Regierung beschlossen, dos amerikanisch-chinesische Abkommen noch nicht tu kündigen. Die Ranking-Regienmg erklär» amtlich, daß Zlmcrika ihr in den Verhandlungen entgegenkomme und daß sie Amerika gegenüber zu Kompromissen bereit sei. Ame- rlka werde voraussichtlich schon in der nächsten Zeil die Ranking-Regierung äe kacto anerkennen. Der Mord in der Skupschiina. Zwei weitere Abgeordnete der Mttäterfchast verdächtig. Belgrad. 25. Jllli. Der llirtersuchungsrichter, der die lliiterfuchung in der Ange» legenheit der Ermordung Pmil�Raditschs leitet, hat an das Präsi. drum der Skupschtina das Ersuchen gerichtet, den radikalen Abge- ordneten P o p o w i t s ch und den demokratischen Abgeordneten Iovanowitsch auszuliefern, da die beiden Abgeordneten der Mitwisserschaft verdächtig seien. Geistige Zusammenarbeii. Tagung der Völkerbundskommifsion. Genf. 25' Juli.(Eigenbericht.)' Unter dem Vorsitz des englischen Philosophen Professor M u r r a y eröffnete die Kommission de» Völkerbundes für geistige Zusammenarbeit am Mittwoch ihre zehnte Tagung. Zn ihre» Mitgliedern gehören u. a. der Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek Kruß und die bekannte franzö- st'sche Physikerin Frau Curie. In einer Auseinandersetzung über den Aufgabenkreis dev-Kom-. Mission betonte der französische Kriegsminister und Mathematiker P n i n l e v ä mit Recht, daß die Behandlung der Berufsfragen der geistlB-n A beiicre dem Inicinali analen Arbeit' a m t zu überlasten sei und er damit eine Feststellung vom vorigen Iabr wiederbole. Schon H-rmv n n M ü l l e r Li ch t f« b er g halte als Führer der Arbeiinehmergruppe im Verwaliung-rat des Inter- Die Deutschnationalen in der Krise. Nach dem Ausschluß Lambachs. Die deutschnationale Presto spiegell die Absichten und Befürchtungen wider, die in der Deutschnationalen Partei mit dem Fall Lambach verknüpft sind. Die PresseHugenbergs schweigt. Wenn chr Herr und Meister daran arbeitet, eine Diktatur in der Deutschnatio« nalen Partei zu errichten, darf sie ihn nicht stören und nur auf Kommando in den Chor einfallen. Die ,L e u t s ch e Z e i t u n g' fordert weitere Ausschlüste. Wer sich zu Lambach bekennt, gehöre mit ihm vors Partei gericht. Die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der agrarischen Interessen wird sehr beredt. Krise im Landbund und Parteikrise— das ist zu viel. Der Landbund braucht die deutschnationalen Arbeitnehmerstimmen für die agrari- schen Interesten. Also empört sich die„Deutsche Tageszeitung" gegen Hilgenberg, der die sozialen Gegensätze in der Deutsch nationalen Partei aufreißt: „Die Deuisehnationale Partei ist feit einiger Zeit mit bemerken?- wertem Erfolg bestrebt, die sonst der innerpolitischen Ruhe gewid» meten Ferienmonaki zu einem Sommer ihres und unseres Miß vergnügen» zu gestalten. Jetzt ist mit dem Ausschluß Lambachs durch den Landesvorstand des Landesverbandes Potsdam II eine Tatsache geschaffen, die wegen der zu erwartenden Berufung an das Parteigericht zwar noch kein Definitivum darstellt, die aber nach unserem Empfinden nicht den Schlußstrich unter die mancherlei Miß Helligkeiten der letzten Monate zieht, sondern höchstwahrscheinlich erst der Ausgangspunki neuer, höchst unerfreulicher Auseiuander- sehungen sein wird. lieber die tiefere Bedeutung des Falles Lambach ist an dieser Stelle bereits das Erforderliche ausgeführt worden, und wir haben nicht unterlassHp, über die Zweckmäßigkeit der Form und des Zeit- Punktes, die Lambach für seinen Aufsatz gewählt hat, ernstem Zweifel Ausdruck zu geben. Aber wir sind ebensosehr der Meinung ge- wesen, daß die Tendenz, die Lambach mit seinem Hervortreten verfolgte, alles andere als parteizerstörend war, daß sie den Ausdruck emer totsächlich vorhandenen Bewe- gung in nicht eben kleinen Kreisen darstellt, und daß Man sich mit ihr unmöglich auseinandersetzen kann, indem man sie einfach durch formalistische Krafffprüche zu erschlagen sucht. Leide? ist der Spruch des Landesoorftandes ausschließlich aus diese for- malistische Seite abgestellt, und wir können die Feststellung nicht unterdrücken, daß er offenfichklich unter Anwendung durchaus subalterner Maßstäbe zustandegekommen ist., Nichts verderblicher für das Abbild der Volksgemeinschaft, dos die Deutschnationol« Partei darstellen will, als wenn in solche Mei- nungsverjchiedenheiten Gegensätze sozialer Art hineing«. zerrt werden. Leider aber züngelt, genährt vom Wohlwollen der gegnerischen Preste, aus den Kulissen aus die Bühne de, Lambach- Streites die Flamme solchen Gegensatzes, und es rönt „hie Anlernchmer„hie Gewerkschaftler!" und der Verdacht mindestens, daß solche Dinge in das Vor- gehen gegen Lambach mit hineinspielen, wind bei ihm und seinen Gesinnungsfreunden erregt werden." Das ist die Klage darüber, daß die Klastengegensätze her- vortreten und sich nicht mehr hinter der nationalistisch-anti- demokratischen Ideologie oerbergen lassen— zum Borteil der Großagrarier und der Interessenten des Großbesitzes. Die„H amburger Nachrichten" kündigen den Zerfall der Deutschnationalen Partei an: Wir hoffen, daß das Urteil des Potsdamer Landesverbandes von der Berufungsinstanz revidiert werden wird. Die Deuffchnati. nol« Voltspartei ist unseres Erachten? nicht fest genug ge- fügt, um schwere innere Erschütterungen zu ertrogen. Die Un» Zufriedenheit weiter Wählerkreise der Partei, die doch zum größten Teile nur von denen lebt, die sie für das Neinftc Hebel halten, ist st ä n d i g im Wachsen begriffen. Der Fall Lambach werde die Deukschnalionole vostsparlei zerschlagen. Lambach als Märtyrer würde der Partei Taufende von Stimmen kosten. Es fei unbegreiflich gewesen, diesen Fall vom rein forma- listischen Standpunkte aus zu behandeln. Die ,L r e u z- Z e i t u n g" versteckt sich hinter dem for- malen Parteirecht. Sie lehnt eine politische Behandlung des Falles Lambach ab und versichert, sie wolle als allein tnaßgeblich die Frage betrachten:„m a s i st r e ch t", und nicht fragen:„was kommt danach". Also den Kops in den Sand! Was danach kommt, wird sie freilich von selber merken— denn der Lrach bei den Deutschnationalen ist in vollem Gange!_ Eine Erklärung Lambachs. Er wird auf keinen Fall sein Mandat niederlegen. Von dem Abg. Lambach nahestehender Seite wird dem Roch» richtenbureau des Vereins Deuffcher Zeitungsverleger mitgeteilt: „Der Abg. Lambach hat bisher gegen den von der örtlich«» Parteimstanz seines Wahlkreises Potsdam II gegen ihn verhängten Ausschluß noch nicht Einspruch erhoben. Er muß erst de.r Wortlaut der Urteilsbegründung abwarten, die ihm schriftlich zu-- gestellt wird. Er ist jedoch fest entschlossen, diesen Ei»- spruch einzulegen und beim Obersten Parteigericht auf eine Revision des Ausschlußbeschlusses hinzuwirken. Das Oberste Parteigericht dürfte erst im Spätherbst zusammen- treten, und zwar, da der bisherige Borsitzende, Abg. Wallras, sein Amt niedergelegt hat, voraussichtlich unter dem Präsidium«ine» der stellvertretenden Vorsitzenden, wahrscheinlich des Abg. Schultz» Bromberg. Die dem Lambach-Flügel nahesteheirden Deutschnotio- nalen sind der Ansicht, daß selbst, wenn das Oberste Parteigericht sich gleichfalls auf den rein formalen Standpunkt stellen sollte, den die örtliche Parteiinstanz eingenommen hat, dennoch ein an de- res Endurteil{Zustandekommen wird, weil das Oberste Partei- gericht eine Anzahl Lambach nahestehender Parlamentarier umfaßt. Indessen könnte, selbst wenn dos Oberste Parteigericht einen Widerruf Lambachs fordern sollte, die große Volksbewegung innerhalb der Deuffchnationolen Volkspartei nicht einge- dämmt werden, denn diese Bewegung ist schon längst nicht mehr allein an den Namen Lamboch gebunden. Sollte der Abg. Lambach auch vom Obersten Parteigericht zum Ausschluß aus der Partei verurteilt werden, so dürfte er vichl der Meinung sein, daß er durch eine Mandatsniederlegnng dem von ihm verlrelenen Gedanken der großen Rechten einen Dienst erweisen kann." Eine offene Kampfansage. Der„Politische Gewerkschaftliche Zeitungsdienst" schreibst „Die Freund« Lambachs, welche er innerhalb der Reichstags- fraktion besitzt, werden nunmehr ihrerseits den Standpunkt Lam- bachs auch in der Oeffentlichkeit oertreten. Bisher haben sie nur innerhalb der Partei in internen Auseinandersetzungen sich zu Lambach bekannt. Jetzt werden sie es vor aller Oeffentlich- keit tun. Wenn die Partei dann weiterhin nach formalf leistischen Grundsätzen entscheiden will, die politischen Entwicklungen aber übersieht, so wird es letzten Endes dazu kommen. daß nur noch einige ausfchlußbereile Borstände vorhanden find. aber keine Mitglieder mehr in der Partei. Sollte das Parteigericht den Spruch des Landesverbandes Pots- dam ll bestätigen, dann wird Lambach auf keinen Fall sein Reichstagsmandat niederlegen dürfen, sondern ermuß im Reichstag«ine Ausnahmestellung einnehmen, um von hier aus unter Nutzung seiner politischen Stellung die Dinge zur endgültigen Klärung zu treiben. Die Jugend und die Arbeitnehmerschaft, die in Lambach den politischen Führer sieht, wird dies mit allem Nach- druck verlangen. Gleichzeitig werden diese Kreise aber auch der letztentscheidenden Steve zum Ausdruck bringen, daß sie in Lamboch ihren Führer sehen und gleichgültig, wie das Urteil der Instanzen sein wird, zu ihrem Führer sich auch weiterhin bekermou werden." Ein protestschritt. Der deutschnotionale ReichstagsaBgeardaeta Dr. Lej«une-Iung hat an den Vorstand des deutschnationalen Landesvebbandes Potsdam II ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß er infolg« des Ausschlusses von Lambach fein Parteiamt als Vorsitzender der Ortsgruppe Halens«« nieder- lege., Oer„einstimmige* Beschluß. Der„Iungdeutschc" teilt mit:„Der Vorstand des Landes- Verbands? Potsdam, der da» Ausschluhurteil gefaßt hat, setzte sich zu. sammen aus dem Vorsitzenden, dem Stadtrat Steinhoff, M. d. L., den Herren Kaufmann Michaelis, Dr. Frantz, Schim- m« l p f e n n i g, Geh. Rat Da u s(der als Parteianwalt in diesem Falle fungierte). Schulrat S t ra u ß- Teltow, Amtsgerichtsrat Matz- Köpenick, und v. D u ch n e r- Treptow. Zur Sitzung waren ferner eingeladen, aber nicht erschienen der erste Landes- geschöstsführer Könnecke, M. d. L-, der zweite Landesgeschäfl», führer Major Lyons, Frau Dr. Else Neumann, Studienrat Dr. Beetz, Oberst a. D. v. d. Osten, Geheimrat Kaufhold und Kaufmann Ziebarth." Der einstimmige Beschluß ist also mit 8 von 18 Stimmberech» tigten gefaßt worden. nationalen Arbeitsamtes im vorigen Jahre gegen die Art, wie das Internationale Arbeitsamt und der Völkerbund die Arbeitsbedin- gungen der geistigen Arbeiter untersuchen wollen, im Namen der Gewerkschaftsbewegung Einspruch erhoben. Im übrigen be- gnügte man sich damit, die Fortschritte der früher angestellten Der- suche geistiger Zusammenarbeit besonders hinsichtlich des Unter- richts der Jugend über Aufgaben und Ziele des Völkerbundes estzustellen. Der Plan einer Zeitschrift, die die Pädagogen über diese Fragen auf dem laufenden holten soll, wurde einer Ilntcr- kommission überwiesen. Die Kommission, die voraussichtlich Ende der Woche ihre Ar- bellen beenden wird, hat sich u. o. mit dem von Italien dem Völker« bimd angebotenen Institut für pädagogische Filme zu beschäftigen, dessen vorläufige Satzungen noch zu prüfen sind. Elsaß-Kinder bei poincar6. Französische Schulleistungen mit Frühstück belohnt. Pari», 25. Iüli. Eine Anzahl elsässischer Kinder aus dem Departement Ober- rhci», die sich bei der schriftlichen Prüfung in der französischen Spräche besonders ausgezeichnet hatten, wurden in Begleitung des Lehrpersonals, worunter sich 5 Schwestern befinden, vom Minister. präsideiiicii Poineare z» einem kleinen Frühstück und später mich vom Präsidenten der Republik, Douniergue. empsangen. Pointare erklärte in einer Ansprache, daß die sramzösildK Regierung stets die dem Elsaß treuen Sitten respsktieren werde. Er ließ sich wst leinet Gattin inmitten der kleinen Gäste photographieren. Zwischen Schiebung und Korruption. Die Sovjelführung versagt- die SPLl. soll retten. Moskau, 28. Juli. Die GPU. Hot einen Privattrust der Getreide. Händler aufgedeckt, der das Getreide bei den Bauern aufkausie und neben den staatlichen Unternehmungen zu höheren Preisen ab» setzte. Im ganzen sind 40 Privatpersonen verhaftet worden, die sich nicht der Eisenbahn als Transportmittel bedienten, sondern zum Zwecke der Kontrollumgehung Bauerngespanne benutzten. Nette Aufkaufskommissare. Charkow. 28. Juli- Bor dem Kreisgericht in Odessa begann der Prozeß gegen 17 Beamte der staatlichen und genossenschaftlichen Getreideank aufsorga no, die beschuldigt werden, bei der Durchführung der von der Sowjetregierung angeordneten Repressiv- maßnahmen aus dem bäuerlichen Äetreidemarkt die.Flassenlmie" mehrfach aus das gröblichste verletzt zu haben. Die An- geklagten sollen sogar bei den ärmsten Bauern sämtliche Getreide- Vorräte beschlagnahmt haben, so daß ganze Dörfer bis zur neuen Ernte der Hungersnot ausgeliefert wurden. Die Klagen der völlig ruinierten Baueriiwirtschojten murde» nichr angenommen. Die Beamtk» jeierien T r i n k v r g i e n i» den Dörfern, nachdem das letzte Getreide der Aermsten der Armen unter den Klangen von Musik nach den Städten gebracht wurde. Die neue Flaggen Verfügung. Ein ordentliches Flaggengesetz für Preußen zu erwarten. Die Berfügung des preußischen Innenministers betreffend die diesjährige Feier des Verfassungstages, über die wir schon furz berichteten, hat folgenden Wortlaut: Durch Beschluß des preußischen Staatsministeriums vom 26. Juni 1928 ist angeordnet worden, daß auch in diesem Jahre die Bestimmungen des Beschlusses des preußischen Staatsministeriums Dom 8. Juli 1927 Anwendung zu finden haben. Im Absatz 1 dieses Beschlusses vom 9. Juli 1927 war angeordnet worden, daß neben fämtlichen ftaatlichen Dienstgebäuden auch die Gebäude ber tom> munalen Selbstverwaltungstorperschaften am Berfassungstage in den Reichs- und Landesfarben zu flaggen haben. Die Rechtsgrundlage für diesen Beschluß bildete, soweit es sich um die Gebäude der fommunalen Selbstverwaltungsförperschaften handelte, die Verordnung über die Beflaggung der gemeindlichen Dienst und Schulgebäude vom 8. August 1927. Der Staats. gerichtshof des Deutschen Reiches hat jedoch diese Verordnung am 9. d. M. für nicht vereinbar mit der Preußischen Verfassung er flärt. Die damit fortgefallene Rechtsgrundlage sollte allgemein durch ein vom Verfassungsausschuß des Landtages bereits angenommenes Gefeß über das Flaggen der öffentlich- rechtlichen Körperschaften und außerdem noch besonders für den Verfassungstag durch den§ 2 bes dem Reichstag vorliegenden Gefeßentwurfs der Reichsregierung über den Nationalfeiertag vom 4. Juli 1928 wieder geschaffen werden. Landtag und Reichstag haben jedoch vor der Sommerpauſe beide Gesetze in der Vollversammlung nicht mehr verabschieden tönnen, so daß zurzeit eine gesehliche Grundlage für eine rechtliche Verpflichtung zum Flaggen der kommunalen Selbstver waltungsförperschaften nicht besteht. Auf Gemeinden und Gemeindeverbände, die am bevorstehenden Verfassungstage nicht aus eigenem Entschluß die im Artikel 13 der Reichsverfassung gefeßlich festgelegten Reichsfarben zeigen, kann deshalb im Hinblick auf die gegenwärtige Rechtslage von Aufsichts wegen ein 3wang nicht ausgeübt werden. Ich ersuche die Regierungspräfidenten, mir bis zum 1. September 1928 zu berichten, welche Gemeinden und Gemeindeverbände am Verfassungstage die Reichsfarben nicht gezeigt haben." Wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hierzu noch erfährt, soll das Material, das in diesen Berichten der Regierungspräsidenten bei der preußischen Staatsregierung eingehen wird, nur zu den bereits gesammelten Gründen für die Notwendig feit einer or dentlichen Flaggen gefeßgebung in Preußen hinzugefügt werden. Das Ministerium woll den Landtag auf jeden Fall im Herbst ersuchen, die Flaggengefeßgebung unter Dach und Fach zu bringen, unabhängig davon, ob das Reichsgesetz über den Nationalfeiertag kommt oder nicht. Anklagen gegen die Reichsbahn. Münchener Eisenbahnunglück vor dem bayerischen Landtag. München, 25. Juli.( Eigenbericht.) Der Landtag befaßte sich am Mittwoch mit der Inter pellation über das Münchener Eisenbahnunglüd: Ministerpräsident held erflärte in seiner Beantwortung der Interpellation, daß die Reichsbahngesellschaft es zweifellos an der notwendigen Betriebssicherheit hat fehlen lassen. Man müsse aber das Ergebnis der Berhandlungen abwarten, die von der Reichsregie. rung als der zuständigen Instanz mit der Reichsbahn geführt würden. Die bayerische Regierung, in deren Bereich sich die schwersten Unfälle der letzten Zeit ereignet hätten, werde bei der Reichsregierung mit allem Rach brud auf eine Klärung ber: Ursachen der Katastrophen drängen. Sie feien nach allgemeiner Ansicht in der Personaleinsparung, der überlangen Dienstzeit des Personals und der ungenügenden Instandhaltung der Bahnanlagen zu suchen. Der fozialdemokratische Redner, Abg. Herrmann, von Beruf Lotomotivführer, erblickte die Schuld an den Unfällen der legten Jahre in dem von der Reichsbahngesellschaft beliebten Bera maltungssystem, nach dem die ständigen Bahnarbeiter mehr und mehr abgebaut und durch Zeitarbeiter erlegt werden, nach dem nicht genügend ausgebildete Leute im schweren Rangierdienst verwendet werden, die Stellwerfs- und Blodbeamten außer ordentlich lange Dienstzeit machen müssen und das Personal der Schnellzugslotomotiven im Durchschnitt fogar 58 Wochenstunden leisten muß. Wer in der Leitung der Reichsbahn für diese Dinge verantwortlich fel, gehöre auf die Anflagebant. Zur Beseitigung dieser Mißstände müsse die Reichsbahn mieber vollkommen unter die Kontrolle des Reichstags fommen, die privattapitalistischen Tendenzen müßten völlig aus. gemerzt werden. Der moderne Ausbau des veralteten Münchener Hauptbahnhofs fei schon vor 20 Jahren von der Sozialdemokratie gefordert, gleichzeitig aber auch von denen verhindert worden, die damals und heute noch die politische Macht in Bayern befizen, nämlich von der Bayerischen Boltspartei. Die Interpellation wurde mit der Annahme verschiedener Anträge abgeschlossen, die u. a. für das gesamte Personal bei der Reichsbahn die achtstündige Dienstzeit verlangen. Nach Kahr Roth. Putschminifterversorgung in Bayern. Der ehemalige bayerische Justizminister und Butschist Roth ist zum Generalstaatsanwalt befördert worden. Die rechtsstehende „ Süddeutsche Sonntagspost" bemerkt dazu: Deutschnationales Scheibenschießen. D KLEI NTNER REN KLEIN BAVER ANGE STELLTER MITTEL STAND Fall Lambach, wieder ein Kernschuß in die eigenen Reihen der Deutschnationalen Partei! Neuer Besatzungsfonflift in Sicht? Angebliches vierfaches Auslieferungsverlangen. Landau( Pfalz), 25. Juli. Auf Grund des Artikels 4 des Rheinlandabkommens und der Ordonnanz 2 hat die französische Besaßungsbehörde 11. Juft dieses Jahres vom franzöfifchen Kriegsgericht in Landau an die deutsche Regierung das Berlangen gestellt, die am unter der Anschuldigung, die französische Fahne von dem Offizierstafino in 3 weibrüden herabgeriffen zu haben, in Abwesenheit zu fünf Jahren Zuchthaus verurfeilten drei deutschen Staatsangehörigen Bäder Weiß und die Arbeiter Schimmel und Cutz auszuliefern.. Die drei Angeschuldigten halien sich der ihnen drohenden Berhaftung dadurch entzogen, daß fie fich auf unbesetztes Gebiet begaben. Weiterhin ist von der franzöfifchen Besatzungsbehörde die Auslieferung des vom französischen Kriegsgericht in Candan am 16. Juli, ebenfalls im. Abwesenheitsverfahren wegen des fogenannten Maximiliansauer 3wischenfalls am 3. Juni unter der Anklage der Gewalttätigteit gegenüber einem franzöfifchen Offizier zu zwei Jahren Gefängnis und 200 Franken Geldstrafe verurteilten Arbeiters Merz aus Neupfok verlangt worden. Nach Artikel 4 des Rheinlandabkommens haben die deutschen Behörden auf Berlangen eines hierzu ermädytigten Offiziers ber Befagungstruppen jede Person, die eines Berbrechens oder Ber. gchens gegen Angehörige oder das Eigentum der bewaffneten Streitträfte der Alliierten angeflagt und der Gerichtsbarkeit der alliierten Truppen unterstellt ist, zu perhaften und dem nächsten Befehls. haber der alliierten Armee zu übergeben. Gegen dieje Bestimmung hat die deutsche Abordnung schon nach Abschluß des Rheinlandabfommens bei den Alliierten Einwendungen erhoben, die aber von den Besatzungsbehörden abgelehnt wurden. Somit müßten also nach der Auslegung des Rheinlandabkommens die vier angefchildigten Deutschen, deren Aburteilung in Abwesenheit erfolgte, ausgeliefert werden. An maßgebender Berliner Stelle ist von einem derartigen fran3öfifchen Anfinnen noch nichts befannt. Da eine Bestätigung des Auslieferungsbegehrens noch nicht vorliegt, muß man zunächst abwarten, mas an dieser Aus dem russischen Arbeiterleben. Wahrhaft vorbildliche Zustände. land, spielt die Torfgewinnung, weil hier( namentlich in den In der Industrie der Sowjetunion, insbesondere in Zentralruß neuerrichteten Elektrizitätsmerken) Torf als Brennmaterial Bermen dung findet, eine bedeutende Rolle. Die Lage der Torfarbeiter wird in dem nachstehenden Bericht aus dem Gouvernement Wladimir, den wir dem Tru d" vom 1. Juli entnehmen, recht anschaulich geschildert: Fast auf allen Torfabbaustellen herrschen die standalöse ft en misst ände. Ausbeutung der Arbeiter, Nichterfüllung der sten mißstände. Tarifverträge, das find alltägliche Erscheinungen. Die Betriebsräte führten dagegen einen verzweifelten Kampf, sobald aber die Angelegenheit vor die Bezirksverwaltung des Berbandes( Bergarbeiterverband. D. Red.) fam, wurde ihr dort sogleich ein Begräbnis bereitet. Große, sehr große Mißstände herrschen auf den Torfabbau stellen. Die Torfarbeiter von Sobin arbeiteten z. B. im Jahre 1927 12 Stunden, die Torfarbeiterinnen statt 8 Stunden 10 bis 11 Stun beiter 10, die Arbeiterinnen 8 Stunden arbeiten. D. Red.). Gearden( nach dem Tarifvertrag sollten die erwachsenen männlichen Arbeitet wurde zu wahrhaft höllischen Bedingungen. Die Torfarbeite rinnen wurden gezwungen, bei Regenwetter zu arbeiten, bis zu den Hüften im Wasser watend Torftörbe mit einem Gewicht von 57 Kilo zu schleppen. Eine Untersuchungskommission stellte all diese Tatsachen fest und leitete die Akten an die Bezirksverwaltung des Verbandes meiter. Glaubt man, die Bezirksverwaltung hätte Krach geschlagen, die nötigen Maßnahmen ergriffen? Keine Spur! Die Angelegenheit wurde ebenso begraben wie Dußende von anderen, nicht minder wichtigen. Halbwüchige Kinder Herr Dr. Roth hat einen gewaltigen Sprung in feiner Karriere getan. Der ehemalige Justizminister, der feit 1921 mit Wartegebühr auf der Gehaltsstufe eines Oberamtmannes und mit dem Rang und mit dem Titel eines Ministerialrates beurlaubt war, also feit sieben Jahren feinen Dienst getan hat, läßt sich plöglich auf den Seffel des Generalstaatsanwalts nieder, mit Uebergehung einer großen Reihe von tenntnisreichen, hervorragenden, für diesen wichtigen Posten besonders geeigneten und vor allem politisch unbelasteten Beamten. Bir lassen die Person des Herrn Dr. Roth völlig aus dem Spiele; arbeiten auch je 10 bis 12 Stunden pro Tag. Mädchen werden auf aber an der Tatsache, daß der jezige Präsident des Ber- die Torfabbaustellen wegen der schweren Arbeitsbedingungen nicht maltungsgerichtshofes, Herr von Kahr, einstmals Herrn Dr. Roth, den frischgebadenen Generalstaatsanwalt, an demselben Gerichtshof megen feiner Beteiligung am Deutscher Nordlanddampfer in Not? Hitler Butsch hatte perhaften lassen, fann man nicht Dorübergehen. Ist die Aufrechterhaltung eines solchen Zustandes möglich? Wie tam diefe merkwürdige Ernennung zustande? Wurde feines von diesen Bedenten hinter den verschlossenen Türen des Ministerrats zur Sprache gebracht?" Es ist nicht ersichtlich, an wen das Blatt feine Fragen richtet. Die Banerische Boltspartei hat jebenfalls deutlich genug gezeigt, daß fie an eine Aenderung der Zustände nicht benit, Kraffin" eilt zur Hilfe. Mostau, 25. Juli. Der auf der Fahrt nach Stavanger befindliche Eisbrecher raisin nahm heute nachmittag 5,20 Uhr Kurs auf Belfund zum deutschen Dampfer Monte Cervantes mit 1500 Fahrgäften an Bord, der einen Funtnotruf ausgefandi hat, beunruhigenden Meldung wahres ift. Trifft sie zu, dann beweist sie wieder einmal, wie es die Militärs glänzend verstehen, die Beziehungen zwischen den Völkern unnötig zu eg beschritten werden. Wir fönnen aber nicht glauben, belasten. Es müßte zumindest der diplomatische daß die französische Diplomatie fich dazu hergeben würde, eine Forderung zu unterstützen, von der sie wissen muß, daß fie für jede deutsche Regierung schlechterdings unerfüllbar wäre. Andererseits ist es das Interesse Deutschlands, selbst gegen die Beschuldigten gerichtlich vorzugehen, um festzustellen, ob sie sich tatsächlich dieses ebenso bösartigen mie finnlosen Dummenjungenstreiches schuldig gemacht haben, wegen dessen fie vom französischen Kriegsgericht in Abwesenheit verurteilt wurden. Es geht nicht an, daß Menschen, die die ganze Bevölkerung des befeßten Gebietes so leichtfertig neuen Repreffalien und Schifanen ausgelegt haben, im un besetzten Gebiet ein straffreies 2fyl finden und womöglid, fogar als ,, Helden" von den Deutschnationalen und Böllischen gefeiert merden. Im Interesse nicht nur der Verständigungspolitik, fonderu der beorüdten Bepofterung des befeßten Gebietes liegt es, daß die deutschen Behörden non fich aus tüd fichtslos gegen die Schuldigen vorgehen. Bergendetes Dawes Geld. Rheinlandbefahung auf Reparationstonto. Condon, 25. Juli.( Eigenbericht.) Auf die Anfrage eines Arbeiterarbgeordneten über die Kosten der englischen Besazung im Rheinland erwiderte Chamberlain, daß England dafür aus dem Reparationsfonds jährlich 950 000 fund fügung gestellt werden, sobald die englischen Truppen auruda Sterling erhalte. Dieser Betrag würde, nicht mehr zur Ber. gezogen seien. Im übrigen sei es feineswegs un mahra fcheinlich, daß bei einer Burückziehung der englischen Truppen andere Mächte die bisher von England befesten deutschen Gebietsteile nicht besetzen würden. geschickt, trotzdem hat sich ergeben, daß auf der Torfabbaustelle von Sobin 24 Mädchen arbeiten. Als der Betriebsrat dies erfuhr, ftrengte er sofort eine gerichtliche Klage gegen die Betriebsleitung an und benachrichtigte die Bezirksverwaltung des Berbandes. Die Bezirksſtützt. verwaltung hat die vom Betriebsrat eingeleitete Alage nicht unterDie Arbeiter haben Angff, in Bersammlungen aufzutreten, weil sie befürchten, hinterher nicht zur Arbeit zugelassen, zu werden. Die Befürchtungen find begründet. Alle erinnern sich noch dessen, wie zwei magemutige Torfarbeite rinnen des Bezirks Popadjino, attiv Verbandsmitglieder, im vergangenen Jahre die Mißstände aufdeckten, Eingaben beim Betriebs rat machten unt im Endeffett bei der Einstellung von Arbeitskräften für die diesjährige Saison zur Arbeit nicht mehr zugelassen wurden. Der Betriebsrat nahm fich sogleich der beiden Arbeiterinnen an, entsandte einen Vertreter zur Bezirksverwaltung, aber die Leute vont der Bezirksverwaltung schwiegen fich aus, als hätten sie den Mund voll Wasser. Der Vertreter des Betriebsrates fuhr zum Zentral porstand des Verbandes, po ihm recht gegeben wurde. Als der Bes vorstand von dem Vorsitzenden der Bezirksverwaltung vorgehalten: triebsratsvertreter zurückfain, wurde ihm seine Reise zum Zentralnicht genug damit: der Vorsitzende der Bezirksverwaltung verein Wie fonnten Sie wagen, fich an den Zentralvorstand zu wenden?" barte am nächsten Tage mit der Betriebsleitung, daß entgegen der die Torfarbeiterinnen nicht wieder eingestellt werden sollten, und Abrebe des Betriebsrates mit dem Zentralvorstand des Verbandes setzte den Trust hiervon in Kenntnis. Der Betriebsrat ist niederge-. brüdt. Seine Autorität ist untergraben. Und das Ergebnis ist, daß die Arbeiter sagen: Jegt werden wir schweigen, somit ergeht es uns wie den Torfarbeiterinnen von Bopadjino." Der ganzo, bem maßgebenden fomjetruffifchen Gemertschafts blatt entnommene Bericht, ist ein schöner Beweis dafür, wie die sogenannte Diftatur des Proletariats zu einer Diftatur der kommunistischen Parteibureaufratie über das Proletariat gemors den ist. Der böse Nachbar im Lesebuch. Wir werden darauf aufmertfam gemacht, daß die Reichszentrale für Heimatbienst, das amtliche Aufklärungsorgan der Reichsregierung feinerlei Einfluß befigt auf den Ostdeutschen Heimatdienst", der eine rein private Organisation ist. Die Reichszentrale für Heimatdienst, ebenjo mie die von ihr herausgegebene Zeitschrift bote stehenden Mitteln das Verständnis des deutschen Boltes für Der Heimatdienst" find selbstverständlich bestrebt, mit allen zu Ge I die Bolitit von Locarno und Genf au vertiefen und zu erweitern. 4 geht am Sonntag von 8 bis 2 Uhr SPD.- Metallarbeiter wahl der Delegierten sum Schiedsspruch für die Herrenkonfektion. 3n Berlin mif fnapper Mehrheit angenommen. Bom Deutschen Bekleidungsarbeiterverband war der Reichs Iohntarif für die Herrens und Knabentonfettion zuni 30. Juni gefündigt worden. Außer einer Verbesserung der Serienanwendung und einer Erhöhung der Löhne um durch fchnittlich 20 Broz. war die Eingruppierung der an Spezialmaschinen arbeitenden Frauen und eine besondere Erhöhung der Frauenlöhne fowie die Regelung der Teilafforde gefordert worden. Die Unternehmer lehnten in direkten Verhandlungen am 14. Juni sämtliche Forderungen wegen ihrer erorbilanten Höhe" ab, so daß die Ber. handlungsfommissionen unverrichteter Sache wieder nach Hause gingen. . zur Gewerkschaftstongreß! Die Gelben sind nicht tariffähig, fie find feine Gewerkschaft. Der Hirsch Dundersche Gemertverein fehlte noch, um mit seinem Namen die Tarifunfähigkeit der Gelben zu decken und den Arbeitgebern die 54stündige Arbeitswoche zu bewilligen. Daß diefer Gewertverein auch das in den gemischten Betrieben beschäftigte Küchen- und Bedienungspersonal im Gegensatz zu dem Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses um seine Rechte bringt, indem er es aus den Tarif läßt, ist verständlich durch seinen Drang, heran an den -reund, dem er so vieles und alles, nämlich seinen Bestand, verdankt. Weiß doch der Gewertverein, daß die Bäckermeister nie von ihm verlangen, daß er den Tarif beachtet. Man hat ihm gestattet, gegen den im Tarif benannten Arbeitsnachweis felbft noch einen Arbeitsnachweis zu unterhalten und hat ihm weitgehende Unterstüßung angedeihen lassen in dieser seiner Tarifbetätigung. Auf den Antrag der Unternehmer hin fanden dann am 18. und 19. Juli in Reichsarbeitsministerium Verhandlungen statt, die mit Der ganze Tarif bedeutet alfo mit der Unterschrift des Gewerfeinem Schiedsspruch beendet wurden. Dieser Schiedsspruch vereins in trauter Harmonie mit dem Bund nichts weiter, als daß wird den Forderungen der Arbeiter nach Berbefferungen in die Bäckermeister sich damit die Straffreiheit bei ihrer 54stündigen der Serienanwendung zum größten Teil gerecht. Die an- Arbeitswoche ertquft zu haben glauben. Die Bäckergesellen Berlins deren Forderungen sind aber leider nur teilweise berücksichtigt wor werden sich mit aller Entschiedenheit dagegen ver. den. An Stelle der geforderten 20prozentigen 2 ohnerhöhung wahren, daß diefer Tarif als der Tarif im Berliner follen die Löhne in zwei Etappen erhöht werden, und zwar so, daß Bädergewerbe gilt, und sie werden die Verbindlichkeitserklärung die jetzt bestehenden Löhne ab 13. August um 5% Broz und ab eines folchen Tarifes, den selbst feine Kontra: 1. November um insgefamt 11 Pro3. aufgebessert werden. benten nicht innehalten, abzuwehren wissen. Sie Gür die niedrigste Städtegruppe 5 follen die jetzt bestehenden werden, wenn sie es für notwendig und zweckmäßig halten, ihre Löhne ab 13. August um 8 Proz. und ab 1. November soweit, er- Rechnung präsentieren und den Gewertverein dabei so behöht werden, daß die Lohnzulage im Endeffett 16 Bro3. bewerten, wie er fich selber bewertet hat, als Verräter der Arbeiter, trägt. Die Löhne der Zuschneider sollen im gleichen Maße auf- ais Helfer der Arbeitgeber, als Streitbrecherlieferant. gebessert werden. Das Lohnablommen soil bis zum 30. April 1929 gelten. Wenn es nicht sechs Wochen vor dem Ablauf gekündigt wird, perlängert es sich um ein halbes Jahr. finen zu leiftenden Arbeiten nilaffor gefordert worden nach Frankfurt a. M. einberufenen Konferenz freigewerkschafteg 3 Der Schiedsspruch anerkennt meiter grundfäßlich die Ein. guppierung der an Spezialmaschinen arbeiten. den Frauen, bewertet aber die an den verschiedenen Mawar. Die Festsehung der in den einzelnen Letrieben soll in Zukunft nicht mehr einseitig durch den Unternehmer erfolgen, sondern im Einvernehmen mit der Dr ganisation. Die in der Berliner Herren- und Knabentonfettion beschäftig. ten Mitglieder des Bekleidungsarbeiterverbandes nahmen am Montag abend in einer gut besuchten Bersammlung in den ResidenzfeſtWahl zum Aufsichtsrat der 3G. Farbenindustrie AG. In einer von den dem Allgemeinen freien Ange ftelltenbund angeschlossenen Verbänden( 3dA., DWV., Butab) licher Betriebsratsmitglieder der J. G. Farbenindustrie A.-G. wurde einmütig beschlossen, für die in der nächsten Zeit stattfindende Wahl eines Angestelltenvertreters für den Aufsichtsrat eine felbftändige AfA Liste( Reinhard DWB., Marse 3A., Richter Butab) aufzustellen. fälen zu diesem Schiedsspruch Stellung. Genoffe Kuebach, der Wachgesellschaft für Berlin und Nachbarorte. den Bericht von den Verhandlungen gab, empfahl unter Hinweis af die augenblickliche wirtschaftliche Lage in der Herrenkonfektion die Annahme des Schiedsspruches. In der Diskussion gingen die Xtrinungen über den Inhalt des Schiedsspruches, besonders aber über den ungünstigen Ablaufstermin weit auseinander. Die ge= heime Abstimmung ergab daher auch nur mit fnapver Mehrheit die Annahme des Schiedsspruches. Gie lehnt den Schiedsspruch ab. Der Deutsche Berkehrsbund, Seftion 7, Bran he der Wach- und Schließangestellten, berichtet: Ab 1. August dieses Jahres ist durch Schiedsspruch bzw. Bergleich durch den Schlichter Groß- Berlins eine Lohnerhöhung von 8% Proz. festgesetzt worden. Während fämtliche übrigen Tarifgesellschaften sih diesem Schiedsspruch unterworfen haben, lehnt die Bachgesellschaft für Berlin und Nachbarorte G. m. b. 5, Wilhelmstr. 32, die Annahme dieses Schiedswurde eistimmig der Beschluß gefaßt, falls die Firma nicht innerhalb zweier Tage die Umahme des Schiedsspruches ebenfalls vollzieht, in den Streit zu treten. Wie die Bäckerinnung Tarife abschließt. fpru hes ab. In de gestrigen gut besuchten Betriebsverfammlung Mit Gelben und Hirschen im Bunde. Die Günthersche Bäcker- und Konditoren- Tageszeitung, das Amtsblatt Groß- Berlin des 3wedverbandes der Bädermeister Groß- Berlins, veröffentlicht einen Tarifvertrag", den der wedperband und die Bereinigung ber 8totfabrikanten Gabh Grog Berlin mit dem Gemertverein Deutscher Bäder Fonditoren und verwandten Berufe( Hirsch- Dunder) und dem Bund der Bäder und Konditorengesellen Deutschlands, Sig Berlin, abgeschlossen haben. Wie der Stellvertreter des Obermeisters der Bäderinnung, Herr Rabfahl, in der Quartals versammlung der Innung berichtete, follen auch die Christ. lichen den Tarif mit abgeschlossen haben. Doch nach der Tarif veröffentlichung zu schließen, scheint den Christlichen die Gesellschaft denn doch etwas zu bunt gewesen zu sein. Die Bachgesellschaft für Berlin und Nachbarorte hat insbeson dere Bauwächter befchäftigt, und wir bitten die Baudelegierten, in den nächsten Tagen eine genaue, Kontrolle vorzunehmen, ob die betreffenden Bachter die Genehmigung zur Arbeit durch die zuständige Organisation im Deutschen Berfehrsbund haben. Die Fabrifarbeiter zu ihrem Verbandstag. Die Unterschrift der Brotfabritanten unter diesem Tarifmachwert soll wohl zum Ausdrud bringen, daß es nicht Liebe war, was sie zur Berständigung mit dem Verbande der Nahrungs- jährigen Berbandstage aber die Einführung einer Invalidenunterund Genußmitelarbeiter, Seftion der Bäder, geführt hat. Die Bereinbarung mit der freigewerkschaftlichen Organisation schließt zwar Maßregelungen freigewertschaftlich freigewertschaftlich organisierter Bäckereiarbeiter aus, doch wird die Zeit bald lehren, ob man der um eine Mart niedrigeren Mindestlohne willen, etwa den Plan verfolgt, diese Arbeiter abzubauen. Sollte dies der Fall sein, dann wird die Gewertschaft Mittel und Wege zu finden wissen, ihre Mitglieder zu schüßen. Durch die Bereinbarung mit der Gewerksachft sind die Herren Brotfabritanten verpflichtet, bei Bedarf an Arbeits fräften nur den paritätischen städtischen Arbeits. nachweis zu benugen. Glauben sie nun, diefe Berpflichtung umgehen zu fönnen, indem sie in 3iffer 6 ihres gelben Tarifs feft legten, daß diefer Nachweis möglich ft" zu benußen ist? Die Arbeiter in den Betrieben werden genau darauf achten müffen, mas hier gespielt wird. Der Bund der Bädergesellen mit dem als einem der Kontrahenten der Tarifvertrag abgeschlossen ist, ist die als gelbe Gewertschaft nach dem Streit im Jahre 1904 von den Meistern geschaffene Bereinigung von Bädergesellen und Meistersöhnen, die unter der Flagge fegelte:„ Gemeinsam mit den Meistern für das Handwerk." Die Bergangenheit dieser Bereinigung ist so bekannt, daß es nicht weiter verwunderlich ist, wenn der heutige Bund der Meistertreuen Jeinen Gönnern froß ausdrüdlichem gefeßlichem Berbot eine 54 stündige Arbeitszeit in diesem Tarif zugesteht. Weniger begreiflich sollte sein, daß der Gewertverein ( Hirsch- Dunder) einen derartigen Tarifvertrag unterzeichnet. Allein nach der schmählichen Rolle, die der Gewerkverein bei dem Streit der Brotbäder spielte, indem er sich zur Lieferung der ge wünschten Streitbrecher erbot und auch einige Streif brecher geliefert hat, hält er sich auch zu dieser Tarifner. tragsrolle nicht zu schade. Die Sucht, ins Geschäft zu fommen und als Zarifpartei aufmarschieren zu fönnen, geht bei dem Gewerkverein so weit, daß er in die Rolle der Gelben verfällt und ihnen den Steigbügelhalter macht. 60% In einer Bersammlung der Funktionäre der Berliner Fabrit arbeiter berichtete Genoffe Klein über die Beschlüsse des Verbandstages in Hamburg. Einleitend wies er darauf hin, daß auf dem Berbandstage im Jahre 1904, der in Hamburg tagte, die Einführung der Erwerbslosenunterstüßung beschloffen wurde, auf dem diesstügung. Den neuen Beschluß bezeichnete er als einen höchsten Akt der Solidarität mit den alten Berbandsfollegen. Daß für diese Zwede auch Mittel bereitgestellt werden müssen, sei selbstverständlich. Allein die Beitragserhöhung sei verhältnismäßig nur gering. In den beiden unteren Beitragsklassen verbleibt es zumal bei den bisherigen Säßen, wogegen die Erhöhung in den nächsten Klassen 5 b3m. 10. Bf. beträgt und nur in den allerhöchsten Beitragsklassen auf 30 bis 50 Pf. pro Woche steigt. Aus dem Borstandsbericht hob der Referent noch besonders hervor, daß der Berbandsvorsißende Bren die Verschmelzung mit den Berbänden der Glas- und Borzellanarbeiter begrüßte und feststellte, daß fie mehr gebracht habe, als man erwartete; die Organisation habe sich noch mehr gefeftigt und neue Rämpfer find ihr beigetreten. Dies fei auch von dem Genossen Wollmann, dem bisherigen Borfizenden des Keramischen Bundes, ausdrücklich bestätigt worden. Am Schluffe feines ausführlichen Berichtes stellte Klein unter Zustimmung der Versammlung fest, daß der Verbandstag gute Arbeit geleistet habe, und daß sich seine Beschlüsse zum Wohle der Mitglieder unseres Verbandes und des Verbandes selbst auswirken werden. Wie auf dem Berbandstage selbst, so durfte auch hier die hämische, alles herabfehende Kritik der sogenannten„ Opposition" nicht fehlen. Der fattsam bekannte Wehner hatte den Auftrag feiner Gewerkschaftszentrale" auszuführen, doch entledigte er sich desselben so fläglich, daß er bei den meisten Versammlungsteilnehmern nur ein mitleidiges Lächeln hervorrief. Wie wenig die sogenannte Opposition" zu der wirklich praktischen Arbeit des Verbandes Kritisches zu sagen hatte, bewies der Versuch, an den Veranstaltungen, die die Hamburger Bahlstelle den Verbandstagsdelegierten nach getaner Arbeit darbot, herumzumäfeln. Stuhrmann blies in dasselbe Horn. Unsere Genossen Rüder, Rämmer und Klein in seinem Schlußwort gingen mit biefen eigenartigen Förderern der Gemertschaftsbewegung scharf ins Gericht. Eine Resolution der Oppofition", die die Arbeiten des Verbandstages in Grund und Boden verdammte. murde mit einer außerordentlich starken Mehrheit abgelehnt. Der Bevollmächtigte Rüder fonnte dann auch am Schlusse feststellen, daß die Funktio näre sich durch die Ablehnung dieser Resolution auf den Boden der Beschlüsse des Verbandstages gestellt hätten und somit jeder Funktionär verpflichtet sei, für die Durchführung derselben zu wirken. Mit einem begeistert aufgenommenen dreimaligen hoch schloß Rücker die von einem guten Geist getragene Bersammlung. 7000 Metallarbeiter ausgesperrt! Die TU.- Meldung von der am Mittwoch nachmittag durchgeführten Generalaussperrung von 7000 Arbeitern in der Eisen- und Metallindustrie des Handelskammerbezirks Dillenburg, schließt mit den Sätzen: ,, Noch in letter Stunde ist der Versuch unternommen worden, beide Parteien zu nochmaligen Einigungsverhandlungen nach Dillenburg zu laden. Die Führer des Deutschen Metall. arbeiterverbandes haben diesen Vorschlag jedoch ab. gelehnt. Ist das richtig, dann aber nur deshalb, weil dies bei dem Ver. halten der Unternehmer, die an der 10proz. Atforddrückerei unter allen Umständen festhalten wollen, zwecklos erscheinen mußte. Oder sollte der Metallarbeiterverband von den Arbeitern fordern, daß sie auf ihre Forderung verzichten, den unrechtmäßigen Affordabzug fortab aufzuheben? Aerztliche Untersuchung der Lehrlinge. Die Wiener Arbeiterfammer hat in Gemeinschaft mit den Gehilfenausschüssen der Gastwirte, Hateliers, Kaffeehausgehilfen, Friseuren, Fleischhauern usw. an den Bundesminister für Sozialverwaltung das Ersuchen gerichtet, die obligatorische ärztliche Untersuchung aller Lehrlinge, die sich den obengenannten Gewerben zuwenden wollen, auf gefeßlichem Wege einzuführen. Das Ministerium hat auf Grund dieser Eingabe die Abteilung für Sozialverwaltung um ein Gutachten erfucht. Sie tam zu dem Schluß, daß gewiffe Krankheiten und Gebrechen Lehrlinge für die erwähnten Berufe minder tauglich machen, und macht den Vorschlag, daß neben der einmaligen ärztlichen Unterfuchung vor Antritt der Lehre auch eine periodisch wiedertehrende ärztliche Untersuchung der Lehrlinge zu verfügen sei. Dagegen wenden sich die Innungen mit der fadenscheinigen Behauptung, daß durch die gewünschte Untersuchung der Nachwuchs auf die einzelnen Berufe ungleich verteilt werde. In Deutschland dürfte diese wichtige Angelegenheit bei der bevorstehenden gefeßlichen Regelung der Berufsberatung eine ein. gehende Erörterung erfahren. Streif in der belgischen Waffenfabrik Herstal. Brüffel, 25. Juli 3mei Drittel der 5000töpfigen Arbeiterschaft der Nationalen Waffenfabrik Herstal bei Lüttich find heute früh wegen Meinungsverschiedenheiten über Versicherungs- und Urlaubsfragen in den Ausstand getreten. Differenzen im nordfranzöfifchen Kohlenbergbau. Paris, 25. Juli. Die Lage im Rohlenbergbau Nordfrankreichs ist ziemlich ge spannt. Es besteht die Gefahr, daß infolge Ablehmung der Lohnforderungen die Grubenarbeiter von Ancin und Pas de Calais binnen furzem in den Streit treten werden. Man befürchtet, daß die Arbeitseinstellung im Saargebiet eine Rückwirtung auf die Kohlenbezirke an der belgischen Grenze haben werde. SPD.- Metallarbeiter! 3. Bezirk. Jeber Bezirk ist verpflichtet, am Donnerstag, 26. Juli, 16 bis 18 Uhr, einen Genossen zur Entgegennahme von Flugblattmaterial nach bem Lokal Seipte, Kronpr nzenfte. 47, au entfenben. Mitgliedsbuch legitimiert. Betriebe bes 8. Bezirks. Am Donnerstag, 26. Juli, 17 Uhr, bei Braffer, Michaellirchstr. 29a, wichtige Zusammenkunft aller SPD.- Genoffen des Bezirks. Neukölln. Donnerstag, 16% Uhr, Frattionsversammlung aller SPD.- Genoffen in der Maresch- Klause, Marefchstraße. Der Frattionsvorstand. Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute sind folgende Beranstaltungen: Schöneberg: Jugendheim Hauptstraße 15( Sofgebäude Tr., Thüringenzimmer). Literarischer Abend. Der Jugendbezirk Süboft- Treptow spielt auf der Spielwiese 7 im Treptower Part. Der Jugendbezirk Wedding- Gesundbrunnen spielt auf dem Sportplat im Humboldthain. Der Jugendbezirk Often spielt auf der Wiese 3 im Freidrichshain. Der Jugendbezir! Charlottenburg spielt auf dem Sportplag Olbersstraße. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Bortrag: Die Bedeutung der Bresse, insbesondere der Jugendzeitschriften." Frankfurter Allee: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Litauer Str. 18, 8immer 3. Mufit, Spiel- und Tanzabend. Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Diskussionsabend: Berufsfragen." Schöneweibe: Gruppenheim Jugendheim Niederschöneweide, Ber liner Straße 31." Hermann Löns der Dichter der Heibe." Südosten: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Vortrag: ,, Kampfmittel der Gewerkschaften." Tempelhof: Gruppenheim Jugendheim Lyzeum Germaniaste, 4/6. Bortrag:„ Erste Hilfe bei Unglüdsfällen." Char lottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spreeftr. 30. Reihenvortrag: Die Wirt schaft Wirtschaftstheorien und ihre Anwendung in der Pragis. Moabit: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Bortrag: Körpertultur und Körperpflege." Gesundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Note Schule, Gotenburger Straße. Gruppenabend: Wedding: Gruppenheim Jugendheim Orthstr. 10. Großvaters lernen tanzen. Boltstanzübungsabend. Außenspielabenbe ab 18 Uhr: Treptow: Spielen auf der Wiefe 8 des Treptower Parts. Humboldt: Spiel und Sport auf dem Sportplay Humboldthain. Neutölln: Spiel im Boltspark Hasenheide. Weißensee: Chorprobe der Singschar Weißensee im Lnzeum Partstraße. Achtung! Sprech. und Bewegungschor. probe für 29. Juli um 19% Uhr auf dem Metallarbeitersportplag Baumschulenweg, an der Oberspree. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn: Feuilleton: R.$. Döscher; Lotales and Sonstiges: Frik Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Vaul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage unb Unterhaltung und Biffen". Pfefferminz- Erfrischung durch Chlorodont Der berühmte, soeben aus Asien zurückgekehrte Tibetforscher Dr. Wilhelm Filchner schreibt uns wie folgt: Von Srinagar aus, dem Endpunkt meiner 2 Jahre währenden innerasiatischen Expedition, darf ich Ihnen mitteilen, daß ich mit dem von Ihnen hergestellten Chlorodont wiederum sehr günstige Erfahrungen machte. Meine Zähne sind gesund geblieben und haben immer noch blendend weiße Farbe. Die erfrischende Wirkung des Chlorodonts wurde von mir besonders in heißen Zonen angenehm empfunden. Ich werde das genannte Mittel auch fernerhin in Gebrauch behalten und empfehle és besonders Forschungsreisenden angelegentlich zum Gebrauch. Srinagar, den 16. April 1928. Dr. Wilhelm Filchner.( Originalbrief bei unserem Notar hinterlegt.) Überzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube 1 Mk. Chlorodont- Zahnbürste 1.25 Mk., für Kinder 70 Pf. ChlorodontMundwasser Flasche 1.25 Mk. Zu haben in allen Chlorodont- Verkaufsstellen. Man verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück. 281 ?tf. Z4Y» 45. Jahrgang Vonners�g. 26. Luli 192» Daß dam in dar Zwingburg dar Alillionenstadl ein- geaagtkn schassendan Volke, daß besonders dem in licht- und lustlosen Mietskasernen lebenden Proletariat Raum und Zeil zur Erholung und Auffrischung gegeben werden müßten. ist eine Erkenntnis, die von den Möchten des alten Staates vollkommen außer acht gelaflen wurde. Erholungsstätten nach hartem Kampf. Dos„von oben" protegierte Muckertum sorgte durch seine Dunkelmänner dafür, daß aufklärend« Arbeit mutiger Lebens- resormer e r st i ck t und verschüttet wurde und daß die von der Sozialdemokratie im Interesse der Volksgesundheit auf- gestellten Forderungen weilen Kreisen des Volkes vorenthalten blieben. Di« Behörden selbst dachten nicht im entferntesten daran. dem Volke Erholungsplütze zu schaffen; die Gelder der C, Lübars, das Freibad des Nordens. Steuerzahler fanden für den Bau mm Aaferneo und Exerzier» und Schießplätzen Verwendung. Die sozial- demokratischen Stadtverordneten waren es. die schon fair Jahrzehnten in den Gemeindevertretungen einen zähen, im» erbittlichen Kampf für die Schafslina von V ol k s e r h ol u n g s- statten und die Einrichtung von städtische,. Freibädern führte. Dieser Kampf, bei dem Stück um Stück dem verbissenen Gegner abgerungen werden mußt«, fand in Verlin außerhalb des Valhauses seine Fortsetzung durch die Selbsthilf« der Arbeiterschaft, die an geeigneten Stellen der märkischen Seen ihre Logerplätze einrichtete und so tatsächlich söhne die An- Wesenheit von ö. M.f den„Grundstein" zu unseren Freibädern legte. Das erste Kapitel der Geschichte der Freibäder Berlin» bildeten die volizeiattocken gegen die„roten Freibäder", die, ihre Kleider im Schilf oersteckt haltend und selbst bis zum.stalfe im Wasser stehend, die hoch zu Roß sitzenden � und mit schweren „Plempen" bewaffneten„Blauen" mit einem höllischen Hohn- g e l ä ch t e r empfingen. Was illustriert den Sieg der fazialdemo- kratischen Arbeiter und ihrer Führer besser als die Tatsache, daß der heutige Direktor des Freibades Wonnsee einer von denen war, aus die von der Polizei Treibjagden veranstaltet wurden! Der Selbsthilfe der sozialdemokratischen Arbeiter und der Zähen, vor- bildlichen Arbeit sozialdemokratischer Kommunalpolitiker ist e. Zu danken, daß die leßten Kapitel der Geschichte der Berliner Frei- bäder von zukünftigen Generationen mit dankbarem Stolz gelesen werden können. Eine Rundfahrt durch Berlins Freibäder. Es konnte daher außerordentlich begrüßt werden, daß die Stadt Berlin am vergangenen Dienstag die Vertreter der Presse zu einer Rundfahrt durch die städtischen Freibäder einlud, wo- durch Gelegenheit zur Besichtigung der verschiedenen kleinen und großen, sowie der Freibäder, die noch im Entstehen sind, gegeben war. Zuerst ging die Fahrt zu dem kleinen von dem Bezirksamt Reinickendorf geschaffenen und erst in diesem Jahr eröffneten Freibad Lübars. Idyllisch in dem als Freisläche ausgewiesenen Fließtale bei W ai d m a n n s l ust liegend, kann es— über die Stettiner Vorortbahn— von der Bevölkerung der Bezirke Pankow, Reinickendorf und der nördlichen und östlichen Außenbezirke bequem erreicht werden. Don Tegel führt die Autobuslinie ZS zum Freibad. Das Bezirksamt Reinickendorf hat hier eine sehenswerte Erholungsstätte geschaffen. Umgeben von schattenspendcnden Pappeln, liegt der bis zu IS Meter tiefe Ziegeleisee,' der früher einer Ziegelei gehörte, die jetzt stillgelegt ist. Aus einer Wüstenei haben die mit Rotstandsarbcitern vorgenommenen Regulierungsarbeiten ein hübsches Stück Erde gemocht, das ay� den letzten heißen Togen von über zehntausend Personen besucht wurde. Weil die vorhandenen Räumlichkeiten — int Freibad befindet sich ein Restaurant und die Umkleidähallen — nicht mehr ausreichen. Hot das Bezirksamt beim Magistrat Mittel zu Erweiterungsbauten angefordert. Es soll z. B. eine lllkl Meter lange Schwimmbahn mit Tribüne angelegt werden. Ohne Zweisei wird das Freibad Lübars, aiff dessen Wosier- fläche im Winter Schlittschuhsport gelrieben werden kann. einen weiteren Aiffschroung nehmen. Von Lübars ging es nach Tegelort. wo sich heute nach ein im allcrichlimmsten Sinne des Wortes„wilde, Freibad" befindet. Gegenüber der Insel Scharfenberg und der kleinen.Liebesinsel" erstreckt sich ein fast 1 Kilometer langer stacher Strand, der von einem prächtigen Kiefernwald begrenzt wird. Auch zu diesem Gelände, dos jetzt schon von Tauseichen besucht wird, führen bequeme Fahrver- bitchiingen. Für den Ausbau des Geländes zu einem städtischen Freibad hatte der Magistrat dem Bezirksamt Reinickendorf, das im Einvernehmen mst der Forstdeputotion arbeiten wollte, bereits eine -'t' ' i f Im Plötzensee. Summe als erste Rat« bewilligt. Der Einspruch der Hochbau- deputotion hat aber schließlich den Beginn der Arbeiten erneut verzögert. Das Bezirksamt wollte einen etwa 700 Meter langen Strand schaffen, aus dem mehrere über den ganzen Strand vcr- teilte Gebäude errichtet werden sollten, um den Waldbesiavd nicht zu gefährden. Die Hochbaudeputalion dringt aber ans die Errichtung eines großen Zentralgcbäudes, das nicht nur das Land- schaslsbild verschandeln, sondern auch zur Ab Holzung eines großen Teiles des herrlichen Waldbestandcs zwingen würde. Dieser Streit schweb, noch. Indessen verwandelt sich das wilde Freibad zu einem Müllhanfen, von dessen Umfang und Widerwärtigkeit man Das Zukunftsbad Tegelort. sich komm eine Barstellung mcichen kann. Die Verschmutzung des Geländes durch Papier, Kot. Konserrenbüchsen, zerbrochene Pier- imd Thermosflaschen, zerrissebe Stiesel und Kleidungsstücke und Matratzenrestc hat einen Grad erreicht, der den Aufenthal, aus dem Gelände zu einer Gefahr für die Gesundheit macht. 'Schuld an diesem Zustand trägt natürlich das Publikum selbst, das mst feinem Verhalten erschreckend wenig Selbsterziehung offenbart. Wenn allerdings ein geordneter Freibadbetrieb herrschen würde, wäre dem widerlichen Anblick des mit Unrat besäten Strand- und Woldgeländes und der ganzen buchstäblich zum tVnnref stinkenden Unordnung mit einem Schlage ein Ende bereilet. Hoffentlich kann nun bald mit dem Bau des Freibodes begonnen werden, damit aus dem Schandfleck Tegelort ein Erholungsplatz wird, der den andere» würdig zur Seile steht. Welchen wunderbaren Anblick bot das nächste Ziel der Fahr:, dss Freibad Psötzenfee, dos im Jahre 1922 von dem Bezirksamt Wedding errichtet wurde! Dam Gründungstage ab hat es einen ununterbrochenen Aufschwung genommen, so daß die Besucherzahl von 300 000 im Eröfsnungsjahr 1922 auf 900 000 im vergangenen Jahr gestiegen ist. Ueoer SO 000 Besucher wurden allem an einem Tage der vergangenen heißen Wochen gezählt. War früher der Plötzensee durch viel« tödliche Badeunfälle berüchtigt, ja, ist fetzt dank der vorzüglichen Organisation und Einrichtungen kein ernsthafter Unfall zu verzeichnen. Auf lcÄcrcm, weichem Ufersand lagern hier Taufende, während sich im Wasser das frög- liehe Badeleben abspielt. Die den Plötzensec umgebenden Park- Sie Aacht nach demVenat. 171 Roman von Liam O'Flaherty. (Aus dem Englischen übersetzt von N. Hauser.) Mulholland zog den Bauch ein, stieß den Atem aus, zuckte die Schultern, streckte den rechten Fuß vor und lehnte sein Gewicht schwer nach hinten auf den linken Fuß. Dann drehte er den Kopf schräg nach oben, so daß der rieselnde Regen ihm hinten in den Nacken schlug statt gegen das lMicht. Das Grinsen wich von seinem Mund, und einen Augen- blick lang schien er ärgerlich zu sein. Ganz sanft flüsterte er:„Heute scheinst du jedenfalls kein Geld zu brauchen Gypo." Ebenso plötzlich brach er in ein heuchlerisches und schmeichlerisches Lachen aus. Dann fuhr er mit seiner ge- wohnten trägen Stimme fort:„Versuch' doch nicht, uns vor- zumachen, daß du nichts hättest, wo wir gesehen hoben, wie dir grod vorhin in der Küche das Geld aus der Tasche ge- fallen ist. Willst du nicht einen für uns ausgeben?" Gypo fing an zu schaudern. In winzigen Bewegungen überliefen ihn die Schauer, wie ein riesiger Baum zittert, wenn der Waldboden durch einen heftigen Erdstoß erschüttert wird. Dann plötzlich bekam er sich wieder in die Gewalt. Ohne einen Augenblick zu überlegen, schössen seine beiden Hände gleichzeitig wie Kolben vor. Mulholland schnappte nach Atem, als sich die beiden riesigen Hönde um seine Kehle schlössen. Hilflos schlug er auf Gyno ein. Aber seine Schläge waren so wirkungslos wie ein kleiner Bogel, dessen flatternde Flügel gegen seinen Käfig schlagen. Eine teuflische Freude leuchtete in Gypos Gesustt, möbrend er Mulhollands Körper mit beiden Händen am Hals vom Boden hob. Er hob ihn wie ein Buch,'n dem er lesen wollte, bis Mulhollands Augen in gleicher Höhe mit den feinen standen. Dann sahen sie sich beide einander an. Mulhollands Augen waren noch immer kalt und glasig. undurchdringlich und vollkommen gefühllos. Gypos Augen waren mildglühend in einer tollen, rohen Freude Sein Mund war fest geschlossen und seine Haut hotte sich über den blanken Beulen seines Gesichts gestrafft, so daß es wie gegerbtes Schweinsleder aussah. Mulholland hing die Zunge heraus. Gypo stöhnte und schickte sich an, Mulhollands Leben zwischen seinen dicken Fingern herauszuquetschen, als ein Schrei von hinten ihn störte. Er-ließ Mulholland wie einen Sack auf den Boden fallen und schwang sich herum. Tommy Connor war vom Hauseingang der» Nummer 44 herbei- gestürzt, wo er gewartet hatte. Er stand nun mit vor Staunen und Schreck weit offenem Mund und schrie:„Was ist passiert. Iungens, in Gottes Namen, was tut ihr da?" „Er verdächtigt mich und----" Gypo brüllte das, dann schwieg er plötzlich, unfähig, weiterzusprechen. Seine un- gestillte Wut erstickte ihn. „Verdächtigt dich weswegen? Weswegen sagst du, daß er dich verdächtigt?" schrie Connor. „Ich Hab' ihn gar nicht verdächtigt." Mulholland kam langsam wieder auf die Füße. Sein Gesicht war schmerz- verzogen.„Ich Hab' ihn bloß gefragt, ob.. „Du lügst," brüllte Gypo.„du verdächtigst mich und ich Hab' dich durchschaut, Mulholland. Denkst du vielleicht, ich müßte nicht Bescheid über dich? Immer hast du was gegen mich und McPhillip gehabt. Ich weiß doch, daß du Kom- missar für den dritten Bezirk bist und daß du jetzt herum- schnüffelst, Ueberwachungs.. „Sei still oder ich knall' dich über'n Hausen!" Connor rammte die Mündung seines Revolvers Gypo in die Seite. „Weißt du nicht daß da die Leute zuhören? Willst du, daß jeder Hund auf der Straße die Geheimnisse der Organisation erfährt, die du mit deinem Eid geschworen host, geheim- zuhalten?" Er rang nach Atem und fuhr dann noch leiser zischend fort:„Bist du verrückt geworden oder willst du mit Gemalt niedergeknallt werden?" Gypos Mund blieb offen stehen, als ob er etwas sagen wollte, aber er brachte kein Wort heraus. Er wandte halb den Körper, um Eonnors Gesicht zu seben. Er sah es, groß. zornig, drohend, mit geblähten Nasenflügeln, sa daß die. fohlengeschwärzten Innenseiten sichtbar wurden. Das Ge- ficht war nur vier Zall von Gypos Gesicht enffernt. Eonnors Renolnermündung preßte sicb in seine rechte Schulterbök l». Gypo fürchtete weder das Gesicht noch den Veoolner. Mit gerunzelter Stirn starrte er auf Eonnar; er wußte, daß er ihn zerquetschen konnte,-ihn und Mulholland zusammen, daß er sie zu Tode quetschen konnte, zu einem formlosen Brei in der Umklammerung seiner Arme. Aber das waren nicht bloß zwei Männer, zwei mensch- liehe Lebewesen, sie waren mehr als das. Sie verkörperten die revolutionäre Organisation. Sie waren nur die Zähne in dem Rad jener Organisation. Das war es, was er fürchtete und was ihn hilflos machte. Er fürchtete das ge- heimnisvolle, unfaßbare Ding, das ganz Gehirn war und nicht körperlich, ein körperloser Geist, ein Ding, das volW Pläne stak, unerbittlich, unsichtbar, überallhinreichend mit unsichtbaren Fühlern wie ein übernatürliches Monstrum. Ein Ding, das wie eine Religion war, mysteriös, verborgen und teuflisch. Francis McPhillip hatte ihn einmal erzählt, daß sie einen Mann in Argentinien verfolgten, irgendwo am an- deren Ende der Welt. Schossen ihn tot, in einem Logier- Haus, obendrein bei Nacht. Was sagst du dazu? „'s ist gut, steck' dein Schießeisen weg, Tommy, ich will ruhig sein," sagte er schließlich. Ein paar Leut� hatten sich in der Entfernung ange- sammelt und schauten neugierig her. Bei gewöhnlichen Ge- legenheiten würde sich schön eine riesige Menschenmasse ge- staut haben, aber Furcht und Spannung lagen in dieser Nacht über dem Distrikt. Jeden Augenblick konnte eine Schießerei beginnen. Immer war das so. Ein Toter zieht andere nach. Jeder einzelne dachte im Innern daran, obwohl niemand einen Laut von sich gab. Es war eine Art schweigenden Schreckens. „Kommt. Iungens." sagte Eonnor,„machen mir, doß wir hier fortkommen. Die Leute laufen zusammen." In seiner gewohnten trägen und vieldeutigen Weise flüsterte Mulholland, als ob nichts geschehen märe, Gypo zn:.„Komm mit herunter zu Ryans Kneipe. Kommandant Gallagher ist dort. Er will dich sehen." „Wozu will er mich sehen? Ich bm nicht mehr M't» glied der Organisation. Ich komme nicht." „Komm, Mann," wisperte Eonnor, steh hier nicht 'mm und schwatze nicht. Er wird dich nicht fressen. Komm? Bist du ba»ge«er dem Kommandanten? Warum denn das?" „Ich Mn nicht bange, vor keinem Mann, der jemol»- ausgekrochen ist.— Los, kommt mit.". i (Fortsetzung folgt.)(\ anlag e« erhShen den Reiz des Aufenthaltes in diesem Vade, das heute zu einem Schmuckstück der Stadt geworden ist. Unweit des Freibades liegt das grüne Wunderwerk des Volksparkes Rehberge. über dessen Anlogen und Schönheiten im.vorwärts" schon ausführlich berichtet worden ist Wer die öden Sandhügel kannte, von denen der Wind den Sand bis in die Wohnungen der angrenzenden Mauser wehte, und heute den Zaubergarten sieht, dem schlägt das cherz im freudigen Stolz über die Leistungen einer von Sozinldema- kraten geführten Kommune. Und rings um die gewaltigen Grün- flächen des Parkes, die oft einen woldartigen Charakter haben— üppig wuchernde Watdkulturen mit einer farbenprächtigen Waldflora geben der Landschaft ein malerische? Bild—, sind neu« Bauten im Entstehen begriffen: die Baugerüste von Luft- und Sonnen- bädern. R e st a u r at i o n s rä u m e n, Unterkunft?- ballen und Sporthäusern ragen in die Lust. Der Park de? Volkes ist ein herrliches Naturdenkmal, das bis in fernste Zeiten an den Befreiungskampf der Arbeiterklasse erinnern wird. Von Plötzense« ging die Fahrt zum Bad der chundert- fassend, dem Freibad Wannsee, wo die Pressevertreter vom Direktor des Bades, Genossen C l a j u s, empfangen wurden. Den bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden Entwurf eines Gesamt- bilde? von der größten und repräsentativen Anlage Berlins können mir unseren Lesern, die erst kürzlich im„A b e n d" einen durch photographische Aufnahmen unterstützten Artikel(„2lm märkischen L i d o") darüber gelesen haben, im Rahmen dieses Berichtes ersparen. Es seien daher heute einige Zahlen genannt, die geeignet sind, die gewallige Entwicklung dieses Freibades— das jetzt übrigens den gefä'lTgen Titel �Strandbad Wannsee" trägt— deutlich zu machen. Do; Waldgelände ist 900 Meter lang und 290 Meter breit. Der Strand sst 1200 Meter lang und 80 Meter breit und die Wasserfläche bei gleicher Länge 200 Meter breit; insgesamt nimmt das Freibad ein« Fläche von 480 000 Quadrat- m e t e r n ein. Im Jahre 1924 wurden 880 000 Personen, im Jahre 1928 700 000, im Jahre 1928 780 000 und im Jahre 1927 900 000 Personen gezählt! Bis zum 23. Juli 1928 sind schon— trotz des schlechten Weiters in dieser Saison— 75 000 Besucher mehr gezählt worden als bis zum gleichen Tage im vorigen Jahr. Beschäftigt werden im Freibad gegenwärtig 130 Personen, zu denen die Rettungsschwimmer— je nach Bedarf 7 bis 80 Mann— gezählt werden müssen. Die Statistik über die Unfälle ist eine sehr erfreuliche: von 14 242 Fällen, die im Jahre 1927 gezählt wurden, waren nur 10 ernster Natur und auch von diesen keiner mit tödlichem Ausgang. Etwas kurios wirken die von der Fund- stelle' de? Bades gegebenen Zahlen: im Jahre 1927 wurden 1048 Gegenstände— darunter ganze Garderoben— abgegeben, während im gleichen Jahre die Kinderfundstelle 738 Kinder den Eltern wieder zuführte. Eine 40jährige jj�au fand durch die Kinderfundlstelle auch ihren untröstlichen Gatten wieder... * In diesem Sommer sst auch die Kanalisation fertiggestellt und sehr modern ausgestattet« Toiletten in Betrieb genommen worden. Man plant für da» nächste Jahr«in« Erweiterung der nicht mehr ausreichenden Restaurations- und Garde- robenräume. Gegenwärtig macht man im Bad« Versuche mit> Lautsprechern, die den Strandwärtern die Arbeit bei der< Bekanntgab« von Nachrichten an das Publikum erleichtern sollen. Ein Rundgong durch die Anlagen des Bades, dessen hochgelegene Uferproipenaden einen schönen Blick über den Wannsee ge- währen beschloß die Deraisstaltung. Eindringlich wurde man durch sie an die ersten trüben Kapitel der Geschichte der Berliner Frei- bäder erinnert, aber zugleich mich von dem Bewußtsein erfüllt, daß die letzten Kapitel noch nicht geschrieben sind und daß die Sozial- demokrati« dabei weiter die Feder führen muß. Alfred Fritzsch«. Das Wunder von Konnsrsreuch vor Gericht. (Ha Freisprach. Der Redakleur der Zeilschrist„Psafienspiegelck Xreabct stand gestern unter der Anklage der veschimpsung der katho- lichen Kirche vor dem Schöffengericht Berlin-Witt«. Er halle ein bereits in einer Wiener Freideukerzcltschrift verosfenl- lichte» Bild gqpracht. aus welchem die berühmte Therese B e u m a n n. im Bette liegend, abgebildet war. 3m hinter- g«inde sieht man eine Schar der wundergläubigen und neben dem Wunder mädchen steht ein Geistlicher, der in der einen Hand ein gefülltes Nachtgeschirr hält, in der anderen Hand eine Sammelbüchse. Der Angeklagte erklärte das an- gebliche Wunder von Konnerorevkh für Schwindel und nahm das Recht der Kritik für sich in Anspruch. Staatsamvalsschastsrat K i r j ch n e r beantragte die Verurteilung Treubers zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat, an deren Stelle«ine Geldstrafe von 300 Mark treten fallt«. Der Vertreter der Anklag« behauptete, daß das Bild eine Beschimpfung des Wunderglaubens der katholischen Kirche enthalte und damit indirekt eine Beschimpiung der Kirche selbst. Genosse Dr. Kurt Rosenfekd beantragte als Verteidiger des Angeklagten die Fressprechnng. Er führte aus. daß sich die An- klagen wegen Gottes- und Kirchenbeschimpfiing in der letzten Zeit in sehr bedauerlicher Weise mehrten. Der Berliner Weihbischof D e i t n e r erstatte andauernd Strafanzeigen, und es sei notwendig, diesem Vorgehen entgegenzutreten. Im vorliegenden Falle könne höchstens eine Beleidigung de» Geistlichen von Konnersreuth die Rede sein. Man habe sich aber wohlweislich gehütet, deshalb Straf- ontrog zu stellen, weil dann die Möglichkeit bestanden hätte, vor Gericht das Wunder von Konnersreuth zu entlarven. Ein« Be- schimpfung der Kirche liege nicht vor, weil die Kirch« dieses Wunder gar nicht anerkannt habe. Therese Neumann sei nicht heilig ge- sprachen worden, eine Kritik an ihr könne deshalb auch niemals die Kirche tresfcn. Wenn das Bild schon in Oesterreich nicht bean- standet werde, wo ein Geistlicher an der Spitze de» Staates stehe, so sei eine Verurteilung in Deutschland oollend» inimöglich. Das Gericht schloß sich den Aussührungen des Verteidiger» an und sprach den Angeklagten frei. Amlsgerichtsrat Nicolai begründete dies Urteil damit, daß eine Beschimpfung der katholischen Kirche nicht vorlieg«, da die Kirch« al» solche da« Wunder von Konners- reuth nicht anerkannt Hobe. Was wird aus dem Sportpalast? Seit Wochen Hot der Sportpalast feine Pforten geschlossen. Wie der„Vorwärts" vor einiger Zeit mitteilen konnte, entstanden Pläne, den Sportpalast zu einem Riesenvariete umzubauen. An der Finanzierung dieses Umbaues war eine englisch« Finanzgruppe inter- «ssiert. Sie hatte jogar schon einen Mann engagiert, der das Volks- nariete aufziehen sollte. Trotzdem immer wieder oersichert wurde, daß nur noch eine Unterschrist sehle. um die Berhandlun- gen abzuschließen, haben sich doch die englischen Interessenten wieder von dem Projekt zurückgezogen. Eine andere Gruppe trat auf den Plan, um au» dem Sportpalast eine Riesenmartthalle zu machen. Auch diese Gruppe schreckte oor den hohen Umdaukosteu zurück, und so wurde wieder nach Finanzlenten gesucht, die den Sportpalast seinem alten Zweck zuführen sollten. Dies« Berhand- lungen scheinen aber bisher noch nicht vorwärtsgekommen zu fein; bisher ruht jeder Betr!«b im Sportpalalt und keiner weiß, nb und mann und mit welcher Zweckbeftimnuing er seine Pssrlen wieder öffnet. Wie Existenzen vernichtet werden. Die Jolgen der Hirisieferfchen Lockerungsverordnung. Durch die Lockerungsverordnung für die Wohnungszwangs- Wirtschaft, nach der Geschäftslokale ohne Wohnung gekündigt wer- den können, sollten nach Herrn Hirtsiefers gutem Glauben nur große Bureauräum« erfaßt werden. Herr Ladeudorf, der Bor- fitzende des Berliner Bundes der Hausbesttzervereine, kannte seine Pappenheimer besser. Er erließ wenige Tage nach der Bekanntgabe der Lockerungsverordnung ein Rundschreiben an die Dorständ« der Berliner Haus- und Grundbesitzer-Bereine, in dem er dringend er- mahnte, nicht wild draiss los zu kündigen, um die Kluft zwischen Mieter und Vermieter nicht noch tiefer aufzureißen. Im allgemeinen soll dem Wunsche des Herrn Ladendorf nachgekommen worden fein. Aber um so skrupelloser sind die Wirte vorgegangen, denen der persönliche Borteil alles, Herrn Ladendorfs Mahnruf aber schnuppe ist. Zu allem Unglück sind nun die betreffenden Ladenmieter vielfach arme Schlucker. So sind im stillen trotz der beruhigenden Aeußerun- gen des Wohlfahrtsministers und trotz der schönen Worte des Herrn Ladendorf doch viele kleine Existenzen brutal vernichtet worden, ohne eine Aussicht zu haben, sich im gegenwärtigen scharfen Kon- kurrenzkampf j« wieder eine Lebensmöglichkeit schaffen zu können. Hausiererelend. Straßenkarren und fchließlich der— Gasschlauch. da» sind die Folgen einer an sich völlig unsinnigen Ver- Ordnung, die nichts als eine höfliche Verbeugung vor den mtir- renden Hauswirten war. Ein Beispiel möge zeigen, wie die Folgen der Lockerungsver- ordnung in Wirklichkeit aussehen. Es möge ein Bild geben von Zuständen, die uns erwarte«,«venu die Hanswirte wieder völlige Sündigungsfreiheit bekämen. Ein Bildhauer, der seinen Be- ruf wegen körperlicher Erkrankung nicht mehr ausüben konnte. richtete sich mit fremder Hilfe in einem östlichen Berliner Vorort ein« Buchhandlung efp. Das Gefchäft ging gut. Der kleine Laden wurde bald zu eng und er bezog einen größeren im gleichen Haufe, jedoch an der Hauptverkehrsstraß« gelegen. 18 Jahr« lang zahlte er seine Miete pünktlich. Zu dem Laden ge- hören Stube und Küche. Das Ehepaar und ein erwachsener Sohn bewohnen ein« Wohnung von Stube. Küche und 2 Kaounern in einer anderen Straße. Die zum Laden gehörende Stube wurde zum Bücherlager eingerichtet, während in der Küche fahrelanz das Essen bereitet wurde. Hier ist auch ein Ruhebett untergebracht: eine lange Kiste mit Decken und Kissen belegt, weil ein Bett fast den ganzen Raum ausfüllen würde. Alles geht feinen Gang. Da kommt die Lockerungsverordnung und dem Hauswirt schwillt der Kamm.. Ein Schuhmacher, der in dem zuerst von dem Buchhändler inne- gehabten Laden wohnt, fliegt. Eine erhebliche Mietssteige- rung wird von den beiden anderen Ladenmietern dadurch pariert. daß sie dem Hauswirt freiwillig eine höhere IRiete bieten. Der Buckchändler macht hier jedoch nicht mit, und die Folge ist d>e Räumungsklage. Mit allen Schikanen arbeitet die von einem An- walt vertretene Wirtin. Anderkhab Jahre lang gehl der zermür- bende Kampf. Angeblich unpünktliche Mietszahlungen können als unwahr �zurückgewiesen werden. Auch die Beanspruchung der Köche als Kochraum wird zugunsten des Ladeninhabers bewiesen. Das genügt dem Richter jedoch nicht, dein Raum die Geltung als Woh.i- räum zuzusprechen. Schuld daran ist die Schlaf statt— es ist nur ein« Kiste und kein Bett, obwohl der schwer ner- venleidende Ladeninhaber oft genug darauf geschlafen hat. Asso verkündet da» Landgericht: Das Urteil des Amtsgerichts auf Räumung binnen einer Frist von 8 Wochen besteht zu Recht. Einspruchsrnäglichteit gegen Landgerichtsurteil gibt es nicht. Hier die Folgen: Der inzwischen in schlechte Dermögensverhält« niss« geratene Ladeninhaber kann feine wertvollen Bücher- schätze für ein Butterbrot verschleudern, da Bücher kein Gegenstand des täglichen Bedarfs sind, für den er wenigstens noch den Erstehungswert erzielen könnte. Geld zur Beschaffung eine» neuen Ladens ist nicht vorhanden, da durchweg hohe Ab- fwndsfummen gezahlt werden müssen. Auch zu einem eigenen Bau oder dergleichen reichen die Mittel nicht aus. Erwerbsmöglichkeiten für den schwer nervenleidenden Luchhändler gibt es nicht mehr. und da auch seine Frau erwerbsunfähig ist. hat der ehemais selb- ständig« Geschäftsmann die Wahl zwischen Straßenkarren, Stem- pelkarte und Gasschlauch. Herr Lodendori ahnte so etwas. Herr Hirtsie fer hätte es wissen müssen,— denn er ist Wohlfahrt» minister. Oer Othello von Treptow. Kosamunde und ihr Liebhaber. Der krlmiaalpollzei lief eine Anzeige wegen eine« Word- versuch» in Treptow ein. Die llachsorschongen ergaben dann einen wesentlich mildereu Sachverhalt und führten zum Le- tauntwerden dar solgendeu Llebesgeschichte! Rosamunde war ein hübsches Mädchen, das in einer Kon. ditorei in der Küche wirkte. Ihr Lächeln war so süß und betört« den Kellner Hugo so sehr, daß er sie keinem anderen Sterblichen !lönnsn wollte. Als er die Angeberet« einmal dabei erwischte, daß ie— natürlich in allen Ehren— einem Gast zulächelte, machte er ihr auf dem Heimwege einen Riesenkrach, drang mit in ihre Wohnung ein und demollerte das spärliche Mobiliar. Ganze.zehn Tage lang war Rosamunde böse, dann vertrug sie sicb wieder mit Hugo, dessen Eifersucht ihr Furcht einjagte. Wie sie selbst sagt, war es aber doch nicht die„richtige" Liebe. Die empfand sie mehr iür einen anderen Kellner namens Ernst, der sie nichl so plagte. Als Hugo von dieser Anbändelei erfuhr, ergrimmt« er und sonn gegen Ernst auf Rache. Er kundschaftete aus, daß fein Nebenbuhler zu- weilen mit der Frau«ine» Kapellmeister» schön tat. „petzte" das dem Ehemann und erlebte die Genugtuung, daß dieser den lieben Ernst nach Noten verdrosch. Am vergangenen Sonntag hatte Hugo Dienst in Treptow. Während er mit Kaifeekannen und Nopikuchen beladen von Tisch zu Tisch eilte, iah er plötzlich auf der Platiiorm eines uorüberfahrenden Straßenbahnwagens Rosamunde und Ernst Arm in Arm stehen. Das war zuviel. Hugo griff sich einen jungen Mann, da er selbst seinen Posten nicht verlassen konnte, und beauftragte ihn, der Treulosen sofort zu folgen und festzustellen, wo sie mit dem Kavalier hinginge. Der Jüngling eilte den beiden »ach und fand sie am Spreeufer an einem idyllischen Plätzchen. Do» Vorpostengefecht war schon vorüber, der Hauptangriff stand bevor. So schnell er konnte, lief der Kundschafter zu Hugo zurück und meldete, daß Eile not täte. Hugo warf die Schürze und Jacke ab, fauste los und fiel wie ein Donnerwetter über die Sünder her. Mit einem Knüppel verprügelte er Ernst gewaltig und warf ihn zur Abkühlung leiner hitzigen Gejühl« in die Spree. Schaden nahm der jo rüde Beyandelte nicht, es langte weder zu einem Schnupfen noch gar zum Ertrinken. Dennoch kam jetzt für Ernst die große Stunde. Er rannte zur Kriminalpolizei und zeigte Hugo wegen „M o r d v e r f u ch e s" an. Die geduldig« Kriminalpolizei hört« sich die ganze Geschichte an und machte dann Ernst klar, daß hier von einem„Morde" wohl keine Rede sein könne. Man riet ihm dafür väterlich, lieber anderer Leute Bräute in Ruhe.zu lassen, besonder» wenn der Rivale solche Othello-Natur habe wie Hugo. Rosamund« ist inzwischen reumütig zu Hugo zurückgekehrt, und allmählich wird sich jo wohl auch die„richtige" Liebe einstellen. Budapest— SKitrim... Ein großer Juweleneinbruch in Budapest beschäftigt jetzt auch die Berlmer Kriminalpolizei. Unter dem Verdacht, ihn verübt zu haben, sind in Budapest eine 23 Jahre alte Frau Ludwig Sigrist, Ilona geb. Pocek. und ihre ein Jahr ältere Schwester, ein« Frau Mathilde H o f f m a n n». festgenommen worden. Der Einbruch wurde am 9. Juni ausgeführt. Wie die Ermittlungen der Budapester Kriminalpolizei ergaben, sichren die beiden Frauen am 18. Juni abends nach Prag und am nächsten Tage von dort nach Berlin. Bon hier sandten sie Geld nach Budapest, und am 19. Juni trafen sie selbst dort wieder ein. Man vermutet nun, daß sie diese Reise unternommen haben, um in Berlin die Juwelen zu oerkausen, und daß das nach Budapest gesandte Geld aus dem Erlös stammte. Die Dienststelle B. 3 der Berliner Kriminalpolizei forscht nun hier nach dstt gestohlenen Schmucksachen. Zu den wertvollsten Stücken ge- hören ein RrillantMllier, das an einer langen Kette eine große Schleife mit zwei Brillanten träat. ein Ring mit einem großen Brillamen, eine 8 Zentimeter lange Plotinbrojche mit Brillanten und«in Plotinring mu einem Brillanten. Sportler heraus! Alle auf dem Loden der Sozialdemokralie stehenden Arbeiter. spart- und Sulturoereiue beteiligen sich au der vom Dezirk»verband Berlin der SPD am Wtttwoch. L August d. 3. veraustallcten Nie- wieder- Krieg- Kundgebung aus der großen Spiel. wiese im Humboldlhaiu mit vorhergehender Oemonsiraiion.— Spartler In Sportkleidung, Treffpunkt 18 Uhr ara Zeppelin-Platz (Weddingj. Umkleideräume im Hause tütticher Straße 8. unmittelbar am Zeppelin- Platz, Fahnen der Lcreine usw. sind mit zu- dringen. Berlin an der Havel. Die Stadt kaust Gut Neu-Eiadow. Seck der Zusammenfassung Groß-Berltn» im Jahre 1921 liegt Berlin nicht nur an der Spree, sondern auch o ir der Havel. Bald wird auch die Bebauung, die sich immer wecker nach Westen hin entwickelt, das westliche Haoeluser oberhalb und unterhalb Spandaus erreicht haben. Die Stadt Bern lin trifft schon jetzt die nötigen Vorkehrungen. Der Magistrat hat gestern den Ankauf des Rittergutes Reu-Cladow fGatowl, das der Frau Man. von Brandes gehört, beschlosien. Das Gut ist etwa 480 Hektar groß und joll zum Preise von 2,73 Reich?- mark je Quadratmeter erworben werden. Das Städtebauamt wird beauftragt werden, fchleuniglt einen Generalbebauvngs- plan für das gesamte Gelände westlich der Havel einschließlich des schon der Stadt gehörenden Gute» Carolinenhohe auszuurbeitm und den städtischen Körperschaften vorzulegen. Die Hänge an der Havel sollen ak» öffentliche Anlagen vorbehalten bleiben. Der vorhandene Uferweg an der Havel, der schon städtisches Eigentum ist, wird entsprechend verbreitert und befestigt. Die Mittel werden aus dem Vocschußkoiito entnommen und sollen durch entsprechend« Geländeoertäuf« au» dem Bestände tie? Grundstück?- erwerbungsjonds gedeckt werden. Ein« entsprechend« Borlag« wird der Stadtverordnetenversammlung zugehen. Aeues Leben auf Berliner Gchmuckplätzen. Die Umgestaltung der Schmuckptätze Berlin» nach neueren Grundsätzen schrecket fort. Im Norden Berlin» wurde mit dem Arkonaplatz, der noch zum Berwoltungsbezlrk Mitte gehört, der Anfang gemacht. Jetzt folgt der nicht weit davon liegende, aber schon zum Verwaltungsbezirk Prenzlauer Berg gehörende T e u t o- burger Platz, der soeben nach der Umgestaltung freigegeben worden ist. Auch hier ist aus einer bisher ziemlich kahlen Fläche eine freundliche Anlage geschaffen worden, die den Kleinen wie den Erwachsenen eine Erholungsstätte sein. soll. Früher jührten zwei Diagonatwegc quer über den Platz, ein wandlasten in trübseliger Umgebung diente den Kindern, außer einigem Buschwerk jehlten Anpslanzungen. Jetzt ist der Platz nach dem Projekt de? Gartendirektors Barth vollständig eingehegt. In der Mitte des Platzes befindet sich in engerer Einzäunung der für die Kinder bestinunte Spielplatz. Im Anschluß an die Ein- zäunung sind nicht Beete angelegl, sondern wahllos durcheinander Blumen gesät. Die Anlage wirkt dadurch jreundllch und ursprünglich Für das Alter sorgen zahlreiche Bänke im Schutze der Hecken. Nördlich und südlich des Platzes sind zwei geschmackvolle Backsteinbauten errichtet als Unterkunstshallen für das Publikum in Verbindung mit einer Bedürsnlsanstalt, Transiormatorenraum, Milchverkauj usw. Der Bezirk kann aitz den Teutoburger Platz stolz sein. Herzl- Gedenkfeier. Anläßlich der 24. Wiederkehr de, Todestage» von Theodor Herzl veranstalteieu die Berliner Ziornsten im Loch-Saal«ine Gedächmisiejer. Augenblicklich tagt in Berlin das Aktionskomitee, wodurch die Feier an Bedeutung gewonnen hat. Stehend hörte die Bersammlung den Gesang d»r von Herzl geschafsenen Hymne an. Leo Motztin, der Vertreter der jüdischen Minoritäten beim Völkerbund, leitet« die Versammlung und wie? auf die große � menschliche Bedeutung Herzss hin. der der Welt den Frieden bringen wollte. Er glaubt«, daß die Befreiung der Juden nur durch sie selbst geschehen kann Nach Kurr Llumen. selb ergriff Nachum Sokolow. Maglied der Exekulive, das Wort. Er sagte. Herzl ehren, hieße sein Werk: den Iudenstaat ehren. Er ist heut«, wo der Staat eine Wirklichkeit geworden ist. lebendiger als je. Und solange er lebendig ist in der zionistischen Weck, wird der Zionismus alle Schwierigkeiten überwinden. Der Präsident der zionistischen Organisation. Proiessor Weizmann, konnte auch angesichts der schwierigen Lag« de» Aklionstomitee» nicht» anderes logen, als daß er hoffe, daß die Berwirklichnng des Traumes von Theodor Herzl weitere Fortschritte mache. Die Gedenkfeier war ein« Würdigung für den Toten und ein Gelübde, auszuharren an dem von ihm geschaffenen Werk. 'achte man nur bei zwei oder drei bürgerlichen Familien Schmie- riakeiten: inan liebt keine Paraden und drängt sich nicht unter die Vornehmen. Die Mädchen jedoch hatten überall groß« Lust zur Sache, und der Präsident des Gesangvereins verstand es so beredt zu beweisen, daß dies ein Fest des ganzen Bamos, ein Fest der ganzen Bürgerschaft sei, daß selbst die verwitwete alte Schneider- frau Hanko sagte: nun gut, sie läßt ihrer Enkelin ein schönes weißes Kleid machen, darin kann sie gehen. Aber schon am dritten Tag kam«m Brief von Frau Kende- ressy. Sie bedauert sehr, ihr« Tochter kann aber an der Fahnen- weihe nicht teilnehmen. Isnmittelbar darauf kam ein Schreiben der Frau Bartha. Der Inholt war derselbe: sie bedauern, auch sie können nicht teilnehmen. Der Präsident des Gesangoereins eilte sofort zu ihnen. „Aber, ich bitte sie. mein« Damen!" Frau Kenderesiy blieb unerbittlich. Kalt, hochmütig wies sie den Flehenden ab und ließ sich in keine weiteren Erklärungen«in. Frau Bartha ging mit dem armen Präsidenten schon milder um. .Lieber Bodor, sie können doch nicht verlangen, daß unsere Töchter zusammen mit den Töchtern irgendwelcher Schuster, Schnei- der und Tischler auftreten. Was fällt Ihnen ein, ich höre, daß sie auch Iulcas Hanko eingeladen haben, deren Mutter einmal bei uns Stubenmädchen gewesen ist." Der Präsident entschuldigte sich:„Wir konnten dem nicht aus- roeichen. Es ist eine wohlhabende Familie und sie hoben eine ausgebreitet« Verwandtschaft. Iulcas Vater ist Ausschußmitglied des Magistrates. Auch der Obergespan ladet ihn ein. wenn er ein großes Diner gibt." Bei Frau Bartha fingen solche Erwägungen nicht. „Der Obergespan, das ist etwas ganz anderes. Die Männer können gar manches tun, was wir Frauen nicht tun dürfen. Rein, lieber Bodor. das kann nicht fein, daß mrfere Töchter... wohin denken Sie?" Dem Präsidenten traten die Schweißtropfen auf die Stirn«.� „Wir haben sie schon«ingeladen, wir können nicht mehr zurück- treten. Und dann, bitte, unter den Mitgliedern des Gesangvereins gibt es viele einfache Dürrer, Kleinkaufleute, Gewerbetreibende, auch auf diese muß Rücksicht genommen werden." Frau Bartha zuckte die Achseln. Sie sagt ja nicht, daß man je» mand ausschließen soll. „Sie dürfen' nur nicht oerlangen, lieber Bodor, daß auch wir dort sein sollen. Das können Sie wirklich nicht verlangen. Man geht ja wohl zu einer Bauernhochzeit, auch zu einer Taufe, wir lassen uns gern zu den Leuten niedrigen Ranges hinab. Das ist aber etwas ganz anderes." Ms es in der Stadt bekannt wurde, daß Familie Bartha, Ken- deresiy und die übrige vornehme Welt an der Fahnenweihe nicht teilnehmen werden, begann sich plötzlich die ganze Intelligenz -"rückzuziehen. Die Komitats- und Kommunalbeamten, die Richter des Bezirksgerichtes, die Beamten der Finanzdirektian, sie alle über- legten, ob ihre Töchter bei der Fahnenweihe erscheinen können, wenn Aureli'e Kenderesiy, Marie Groß, Gisela Bartha einmal erklärt habe», daß sie nicht zugegen sein werben. Der Präsident raufte sich die 5)aore. Entsetzlich. Das wird aus der glänzenden Fahnenweihe werden? Von den oierundzwonzig Kranzjungfern sind mir mehr neun übrig, und auch diese sind meist Töchter einfacher Dürgersfamilien. Uber auch den Uebriggebliebenen ist nicht zu trauen. Eine Woche vor der Fahnenweihe kommt der Rechnungsbeomte de? To- bakeinlösungsamres mit großem Gepolter zu dem Präsidenten gestürzt. Man beliebe auch seine Tochter zu streichen. Er ist ein königlicher Beamter, auch er will nicht, daß seine Tochter zu den Leuten niedrigen Ranges zähle. Von der Intelligenz war nur mehr die Tochter des Doktor Ho- marod übrig. Auch dia weint, daß sie gehen muß, ober sie wagt nicht zu widersprechen, denn ihr Vater will von einer Absage nichts wissen. Warum nicht gar! Er wird doch nicht wogen einer Mädchen- laune seine besten Patienten verlieren. Die Schneider, Schlosser sind mehr wert, als die vornehmen Herren, denn jene zahlen, diese aber nicht. Der reiche Metzger Valentin Zsiros begab sich aufgebracht zum Präsidenten des Gesangvereins. „Wer ist es also, der sich mit meiner Tochter nicht in eine Reihe stellen will?" Der Präsident beschwichtigte ihn, so gut er konnte. „Einige haben allerdings abgesagt, doch liegt darin, bitte, durch- aus keine beleidigend« Absicht, nur aus Fomiliengründen. Man braucht deshalb nicht aufgebracht zu sein. Das Festkomitee hat schon für die Besetzung der leeren Plätze gesorgt. Bitte, nur ganz ruhig zu sein, alles wird in Ordnung gehen." „Es sei aber auch so," drohte der erzürnte Metzger,„denn sonst..." Er sagte nicht, was sonst geschehen wird, aber der Präsident wußte, daß es sonst zu einem riesigen Skandal kommen wird. Der ganze Gesangverein schwebte in Gefahr. Aber wie immer sich auch der Präsident abquälte, er fand keinen Ausweg Davon, daß das Festkomitee für neue Kranz-. jungfern sorgen werde, war keine Rede, das war mir ein leeres Versprechen. Aber mich das Fest ließ sich nicht aufschieben. Di« aus- übenden Mitglieder des Gesangvereins, die Bürger, Handwerker, Kleinkousteutc forderten laut:„Es muß abgehalten werden. Justa- ment muß es abgehalten werden." Der Präsident sah die große Gefahr, hier konnte nur mehr ein Wunder Helsen. Und dieses Wunder geschah auch. Drei Tage vor dem Feste verschwand die neue Seidenfahne. Ein unbekannter Täter hatte sie bei Nacht aus dem Vorzimmer des Präsidenten ge- stöhlen. Man hat nie erfahren, wer es gewesen zst. Den Schaden Hot der wackere Präsident wieder ersetzt, er hat ober ausbedimgen, daß man für dieses Geld keine neue Fahne an- fertigen lassen darf. Der Vamoser Gesangverein kann unter der alten Fahne noch lange mit Triumph wirken. pSutorillerti Hebers efttma ons dem Ungarischen von L. Nenscha.l Musik als Schlafmittel. Sanfte, getragene oder heitere Melodien? Wie neroenaufreizend kaut« Musik wirken kann, beweist die ..Musik der Geräusche", die Jazzmusik. Auf der anderen Seite kann man dieselbe Wirkung auch mit ganz geringen Mitteln erzielen. So oersetzte seinerzeit Otto Brahm bei einer der ersten Aussührun- gen von Gerhort Hauptmanns„Elga" dos Publikum mit einem einzigen leisen Akkord in höchste Erregung. Er hotte gleich am Be- ginn des Stückes, schon während sich der Vorhang hob, auf einem Harmonium«inen Ouart-Sextakkord in Moll so leise anklingen lasten, daß er den Zuhörern während de« Dialogs gar nicht zum Bewußtsein kam. Aber dieser einzige stets gleich« Akkord wurde mit dynamischen Schwankungen ununterbrochen durch da« ganze Stück festgehalten und steigert« sich bis zur höchsten Krastentfalwng des Instruments, das in einem so großen Raum ja nie zu stark wirken kann. Wie ein Ohrenzeuge jener Ausführung berichtet, oer- ließen die Zuschauer schließlich wie betäubt das Hau». Prahm hat dieses gelungene Experiment übrigens nie mehr wiederholt: er hatte sich von seiner Wirkung auf die Nerven der Zuhörer hinläng- lich überzeugt.. Welche Art von Musik erreicht nun das Gegenteil:'eine wohl- tätige Beruhigung der Nerven? Vor ollem nur heiter« Musik. Gänzlich irrig ist die alte Annahme, sanfte getragene Musik sei im- stände, ein trauriges oder heftig bewegtes Gemüt wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. R. H. Stein in Berlin, der sich dem Studium der Heilung durch Musik widmet, erzählt hierzu zwei lehrreiche Beispiele. In einer Blindenanstalt wollte er zu seinen Zwecken Musik vorführen. Im Gefühl, daß leicht« Musik hier nur stivol klingen könne, begann er mit ernsten Weisen. Da flüsterte ihm der Kapellmeister des Blindenchors erschreckt ins Ohr: „Haben Sie denn nichts Lustiges?" So versuchte es denn der also Belehrte ein andermal in einem Zkrankenhaus mit froher Musik. Aber auch hier hatte er das falsche getroffen. Empört wies der Chefarzt das ihm vorgelegte Programm zurück und stellte nach eigenem Crmesten ein paar recht ernst« Nummern zusammen. E» ist nachgewiesen, daß Rundfunkdarbietungen oder Gramms- phonmusik das Nervensystem viel weniger angreisen als direkte Musik, da sie sozusagen die Musik erst„aus zweiter Hand" geben: Maschinenmusik wird daher in Sanatorien auch unbedenklich zu- gelasten. Andererseits können aber Nervenkranke, die durch nichts mehr aus ihrer Apathie zu erwecken sind, durch auf Lautsprecher- stärke eingestellt« Radiotöne, die, wie Stein sogt, scharf rhythmi- siert sind und in regelmäßigen Abständen gebracht werden, doch wieder emporgerüttelt werden: vorausgesetzt natürlich nur solche Kranken, deren Gehirn noch nicht angegriffen ist. In England, wo viel mehr als bei uns die Musik als Heil- mtttel angewendet wird, bestehen schon seit den achtziger Jahren de» vorigen Jahrhunderts eigen« Kapellen, die niemals öffentlich, sondern nur in Krankenhäusern zu Heilzwecken konzertieren. Dort gibt es auch einen eigenen Harmoniumspielerberuf, der darin be- steht, daß bei besonderen Ausregungszuständen solche Harmonium- spieler durch ihr Spiel, das sich genau dem jeweiligen Gemütszu- stand der Kranken anpaßt, die Patienten beruhigen: sie sind in dieser Beziehung mit Hypnotiseuren vergleichbor. Diese Kunst bringt dem. der sie ausübt, große Summen ein.' es soll aber auch Idealisten geben, die sich ihr menschenfreundliches Werk nickst honorieren lasten. In England und in Amerika sind auch die sogenannten Schlaf- Maschinen bereits bekannter, deren Wirkung sich Opern- und Kon- zertbesucher leicht vorstellen können, denen es gelegenttich wider- fährt, daß sie sich mangels genügender Begeisterung mit dem besten Willen nicht des Schlafes erwehren können. Diese therapeutische? Schlafmaschineu sind nämlich Mustkapparate, die mit leisem sym- pathischen Klang stundenlang, ohne aufzuhören, dieselbe freundliche Melodie immer wieder herunterspielen: also eine Mutter, die un- ermüdlich Wiegenlieder für„große Kinder" singt, das unschädlichste Schlafmittel, das sich nie abnützt, und das der natürliche Mutter- infttnkt schon seit Jahrtausenden ersonnen hat und noch heute ver< abreicht. Mathilde von Leinburg. Im Schlangeniempel aus pettang. Do« Dr. Gerhard Denzmer. Der Weltreisend«, der Gelegenheit hat. im Abend- und Morgen- land die Heiligtümer miteinander zu vergleichen, die der Mensch seinen Göttern baut, erstaunt innner wieder darüber, wie gar so abweichende Pfade die Sterblichen wandeln, wenn sie den Weg zu Gott suchen. So abgrundtief verschieden sind ja in West und Ost die äußeren Hilfsmittel, deren sich der Gläubige bedient, um die Gottheit an sich zu verwirklichen, daß es bisweilen schwerfällt, in der Manniqfalttgkeit der Erscheinungsformen das Gemeinsame wieder- zusinden. Kaum ein Heiligtum aber wird den Westländer mit solcher Verwunderung erfüllen, wie ein seltsames Tempelchen, das der nach Ostasien Reisende im Maloienlande aus der Insel der Betelpalme Penang findet. Im dichten lstrün üppiger Palmen träumt hier mit kühn geschweiften Dächern ein hölzernes Gotteshaus, das zu den merkwürdigsten Andachtsstätten der Welt zählt: der Schlongentempel. In dem kleinen halbdunklen Raum entdeckt dos Auge zunächsi weiter nichts als ein paar goldstrotzende Buddhasiqnren und ein Tischchen, aus dem aus Bronzeurnen trockene Sträncher ihr Geäst erheben. Betrachtet man aber aufmerksan�r die Zweige, so sieht man mit Staunen, daß ein jeder um sein Astwerk geringelt ein buntes Schlönglcin trägt. Selbst die ausgestreckten Arme der Götter- bilder an den Wänden dienen den geschmeidigen Tieren als Ruhe- platz. Und so unbeweglich verharren die Schlangen, daß man sie für leblos halten würde, kündete nicht bisweilen ein Züngeln, daß Leben in den schlanken Leibern wohnt. Niemals»erlassen sie ihren Platz: wozu auch— füttern doch die Priester die heiligen Tiere alltäglich mit leckeren Voqeleiern! Auch die gesürchteten Kobras, deren Biß in Indien in jedem Jahre Taufende von Opfern fordert. gibt es in diesem sonderbare» 5)elliqtum. Frei und ungehindert ruhen sie, träge zusammengerollt, in ihren flachen Sandkästen. Aber wenn man sie mit dem Stock reizt, richten sie sich empor und spreizen den Halsschild! Ein furchterweckender Anblick. Geheimnisvolles Halbdunkel liegt über dem Raum. An den Wänden lächeln die goldschimmernden Götterbilder. In bronzener Opscrschale slnckert blau die Flamme des Weihrauchs, mit süßlichem Dust die Lust durchschmängcrnd. Der Priester rührt den heiligen Gang, die Schlangen züngeln. Welch seltsamer Kult! Aber kommt nicht auch in ihm letzten Endes imr dos gleiche Empfinden zum Ausdiuck wie in allen übrigen Andochtsstätten der Welt: einen den Hauch des Geheimnisvollen atmenden Ort innerer Einkehr zu schaffen, der dem Erdenmenschen Hilst, jenes Unsichtbare und Unfaßbare auf sich wirken zu lasten, das er ungewiß� und doch überall und allgegenwärtig über sich ahnt? Wunderbar isf», wie duldsam weite Reisen den Menschen in diesem Betracht machen. Wa» einem an den Kultgebräuchen fremder Länder und Völker ansang» sinnlos, la abstoßend und barbarisch dünkt, offenbart gar bald die tiefe innere Bedeutung. Und angesichts so mannigfaltiger, zu Gott führender Pfade fühlt man's mit einem Male, daß Peterskirche und Buddha von Kanmturo, Kölner Dom und Maduro-Pagode, Hagia-Sofia und Tempel der Tausendlindein-Kwanonstatuen, Dorfkirche und Schlangentempel letzten Endes alle das gleiche wollen. Und mir die Art, in der sie den Menschen zu beeindrucken suchen, ist der wechseln- den Wesensart ihrer Gläubigen angepaßt. So mag auch das kleine, unscheinbar« Heiligtum des Schlangen- tempels denen, die in ihm beten, helfen, im Anblick der seltsamen geschmeidigen Geschöpfe, die der Mensch von je mit dem Nimbus des Geheimnisvollen umgab, das wundersam« und unbegreifliche Walten der Schöpfung zu erschauen.___ Die Höhlenmalerei der Buschmänner. Eine Theorie, nach der die in den Felsenhöhlen Südafrikas auigefun denen Zeichnung?» nicht unbedingt das Werk primitiver Buschmänner zu sein brauchen. daß vielmehr das verhältnismäßig hohe künstlerische Niveau dieser Bilder viel«her aus alle Zivilisationen schließen lasse, vertritt der englische Oberst Inipcy in einer Abhandlung, die kürzlich in einer Sitzung des Londoner Anthropologischen Instituts verlesen wurde. Leider mußte die Versammlung aus die Vorführung erläuternder Filmaufnahmen verzichten, da der Oberst, der viele Jahre dem ver- gleichenden Studium von Höhlenzeichnungen in verschiedenen Län- dern gewidmet hat, durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. Der Grundgedanke seiner theoretischen Ausführungen stützt sich auf die Annahm«, daß die Völker, die vor vielen Jahrtausenden im Süden der Sahara lebten, teils nach Spanien, teils nach Südafrika auswanderten, als ihre ursprüngliche Heimat unbewohnbar geworden war, woraus sich auch die zwischen den verschiedenen Höhlenzeich- nungen bestehende Aehnlichkeit erkläre. Der Oberst ist auch der Meinung, daß die Sabäer aus Sudarabien, die unter Benutzung phönizjscher Schisse zwischen Indien und der afrikanischen Küste Handel trieben, solche Felsenzcichnungen auf ihrem Wege hinterlassen haben. Einer der bemerkenswertesten Bilderzyklen war ein« Reihe von Zeichnungen am Dachgewölbe einer Höhle in der Nähe van Fort Victoria. Sie wirkte in der Auffassung erstaunlich modern und stellt nach Impeys Meinung Frauen dar, die, in altgriechische Gewänder gekleidet, auf den Straßen Schaustellungen gaben, indem sie Musikinstrumenre spielten und zu dieser Musik tanzten. Eine andere Entdeckung wurde in einer Höhle aus der Spitze eines Felsens gemocht, der eine Meile lang und zweihundert Meter hoch war. Für die dort gestmdenen Figuren, die in einem ausschließlich in Südafrika bekannten Stil dargestellt sind, gibt der Oberst eine eigen- artige Erklärung. Impey hält die Gestalten für Männer, die Vogel- masken tragen, und für Frauen, die zum Sonnengott um Regen zur Erhaltung der heiligen Bäume beten. Er hält dies« Zeichnungen für die Arbeit der alten Sabäer. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 68, Sindeuftraße 3, für Groß- Berlin ftets on bas Bezirkssekretariat 2. Sot, 2 rep. rechts, zu richten. 2. Kreis Tiergarten. Freitag, 27. Juli, 20 Uhr, engere Kreisvorstandsfizung bei Krüger, Butligste. 10. Die ersten Abteilungsleiter müssen unbedingt anwesend fein. Sonst Stellvertreter schicken. 13. Kreis Tempelhof. Achtung! Die Funktionäre werben gebeten, bis späteftens Gonnabend, 28, Juli, die Karten vont Sommerfest beim Genossen Rathmann, Mariendorf, Prüfstr. 8, vorn 3 r., abzurechnen. 14. Areis Rentölln. Morgen, Freitag, veranstaltet die Sozialistische Arbeiter. Jugend Neukölln im Scalbau Bergstraße einen Filmabend. Sur Aufführung gelangt Freies Boll" nebst dem guten Beiprogramm. Einlaß 19% Uhr. Eintritt 50 Pf. Porteigenoffen, unterstützt die Jugend durch euren Besuch, 16. Kreis Ripenid. Dampferfahrt am 31, Juli nach Rabelom am Udlenfee. Karten find bei den Funktionären zu haben. Abrechnung der Karten muß bis zum Sonntag erfolgen, da sie fonft als verkauft gelten. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, 26. Juli, 20 Uhr, bei Geiple, Rronprinzen. ftraße 47, Ausschuß für das Boltsfest. Alle beteiligten Organisationen mollen einen Bertreter entfenden, Bezirksverband Berlin SPD. Montag, 30. Juli, 19% Uhr, SPD.. Sportlerversammlung im großen Gaal bes Lehrervereinshaufes Aleranderplan. Thema: Die Borgänge in der Arbeitersportbewegung. Referent Genoffe Adolf Bud. Parteimitgliedsbuch legitimiert, Heute, Donnerstag, 26. Jult: 33. Abt. Bezirksführer reichen fpätestens bis Sonnabend die giften der Teilnehmer zur Dampferfahrt dem Raffierer ein. Desgleichen find die Billetts für das Sommerfest des Gängerchors Friedrichshain bis 12. Auguft abzu holen. Cotl, Bertreter schicken. 38. Abt. Die Bezirksführer, welche noch keine Melbung der Teilnehmerzahl aur Dampferfahrt am 26. Auguft an ben Raffierer der Abteilung erstattet Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Komische 81% Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Orpheus in der Unterwelt Deutsches Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 10% Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 8, U. Ende 10% U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91. Domb.170 8, Ende nach 10/2 Gastspiel d. Deutschen Th. Der Prozes Mary Dugan Saltenbarg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 81, Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8, Uhr: „ Spiel im Schloss" Kleines Theater 814 Uhr: Sprungbett der Liebe Rundfunk hörer halbe Preise Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfriede Mertens a.G. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt. statt 4.- Mk. nur 1.- Mk, Theater des Westens Rose- Theater 8 Uhr Lori Leux Die in ungeküßte Eva Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. Rundfunkhörer halbe Preise Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Gr. Frankf. Str. 132. 5 Uhr: Konzert und bunter Teil. 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Berliner Prater Kastanienallee 7/9. Hente gr. Volkstag! Die keusche Susanne. Außerdem Konzert, Varieté. Walhalla- Th. Tanz. Kaffeekochen. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr Absteige- Krause- Pianos quartier Jugendliche keinen Zutritt! Park.auch Sonntags statt 4.- M. nur 60 Pf. zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Reichshallen- Theater Allabendlich& Uhr bis zum 31. Juli: Dresdner Viktoria Sänger Ab 1. August: Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Donhoff Brett'l: ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz NEUE WELT Arnold Scholz Hasenheide 108/14. Gr. Feuerwerk Beschießung van Heidelberg Konzert u. Gala- Varieté- Vorstellung. Binlaß 2 Uhr. Kaffee- Küche. Verkauf direkt vom Faß- Kostproben gratis Achtung: 1 Ltr. enthält ea. o Ltr. mehr als 4 Flasche Feinste Erdbeerbowle. süß, 13%. Feinster Apfelwein, herb Feinster Apfelwein, süß, 13% . • Ltr. 1.15 Ltr.0.50 B Ltr. 0.75 Feinster Dessert- Obstwein, süß, 14%. Ltr. 0.95 Feinster Johannisbeerwein, süß, 13%. Ltr.0.95 Feinster Kirsch- u.Erdbeerwein, süß, 14% Ltr. 1.45 Echter Tarragona, süß, 16% Ltr. 1.35 Echter Malaga, la, süß, 16% Ltr. 1.60 Echter Griechen- SUBweln, ca. 18%. i Ltr. 1.40 Ltr. 1.85 • Echter Wermuthwein, süß, ca. 18% Echter Sanato und Insel Samos, ca. 18% Ltr. 1.90 Ltr. 2.80 Echter Douro- Portwein, ca. 20% Echter Pepsinwein, für Kranke 1/2 Ltr. 1.30 Echter Medizinalwein, für Kranke. 1, Ltr. 1.50 Echter Tafel- Aquavit, fuselfrei Echter Weinbrand Verschnitt 3*** Echter Deutscher Weinbrand 3*** Ltr. 2.95 Ltr. 3.20 Ltr. 4.20 Feinste Edel- Liköre bis 38%.... Ltr. 4.45 Himbeer-, Kirsch-, Zitronensaft, Orangeade Ltr. 2. mit feinster Raffinade eingekocht Selter Ltr.Fl. 0.10 Limonade Brause Ltr.Fl.0.15 Wegen Ueberfüllung des Lagers! 20 000 Fl. verb. Pfälzer Weißwein.. Fl. 0.95 20 000 Fl. 1926er Edenkob. Weißwein Fl. 1.15 20 000 Fl. 1925er Liebfraumlich Weißw, Fl. 1.60 20 000 FL. 1923er Niersteiner Weißwein Fl. 1.60 Versand nach außerhalb unter Nachnahme. Bei Einkauf von 25 Mark franko Zusendung. haben, wollen diefes bis spätestens Connabend, 28. Juli, nachholen. Spätere Meldungen finden teine Berücksichtigung. Morgen, Freitag, 27. Juli: 16. Abt. 20 Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 79, außerordentliche Konferenz fämtlicher Funktionäre der Abteilung. Erscheinen aller unbedingt er. forderlich. 17. Abt. 19% Uhr kurze wichtige Besprechung mit den Funktionären, 128./130. bt. Bantom 8u dem Bunten Abend des Arbeiter- Radiobundes um 19 Uhr im Restaurant Bürgerpart erwartet die Abteilungsleitung rege Beteiligung. Mufil, Gesang, Rezitation, Tänze. 140. Abt. Borsigwalde. 19% Uhr im Lotal Woitscheck, Ernststr. 1, Funktionärund Borstandssitung. Pünktliches Erscheinen wird erwartet. * 36. Abt. Die Besichtigung des Krankenhauses Freidrichshain findet Sonntag, 29. Juli, statt. Treffpunkt pünktlich 10 Uhr am Haupteingang des Krankenhauses. Frauenveranstaltungen: 2. Kreis Tiergarten. Filt die Dampferfahrt am 3. Auguft find bei der Kreisleiterin, Genoffin Jordan, Lübecker Str. 43, noch Karten zu haben. 35. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Dafür beteiligen sich die Genoffinnen heute, Donnerstag, 26. Juli, nachmittags, am Raffectochen der Konsum. genossenschaft im Saalbau Friedrichshain. Eintritt 10 Bf. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Eaal statt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: 7. Kreis Charlottenburg. Die Attenbesprechungen fallen bis auf weiteres aus, da die Fürsorgerin in Urlaub geht. 13. Kreis Tempelhof. Die Arbeiterwohlfahrtssigung fällt in diesem Monat aus. Jungsozialistische Bereinigung. Gruppe Reinidendorf: Donnerstag pünktlich 20 Uhr Zusammenkunft im Boltshaus, Scharnweberstr. 114. Vortrag. Erscheinen aller Genossen ift Pflicht. Geburtstage, Jubiläen usw. 83. Abt. Rentön. Am 26. Jult begeht unfer Genosse mit Breuße, Bezirtsführer des 85. Bezirks, feinen 70. Geburtstag. Wir wünschen, daß er in alter Frische noch recht lange in unferer Mitte weilen möge. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 6. Abt. Unser Mitglied Emil Senning, Granfeer Str. 5, ift per. ftorben. Die Einäscherung findet Freitag, 16 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. SES Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfetretariat, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bezirksverstandsfigung heute, Donnerstag, pünktlich 19½ Uhr. Achtung, Sandball, Fotballspieler und Stafettenläufer für Dortmunder Jugendtag! Sonnabend, Juli, 19 Uhr, im Lichtenberger Stadion Uebung und Training. Jeder muß erscheinen. Heute, Donnerstag, 26. Juli, 19% Uhr: „ Körper. Röllnischer Park: Heim Große Frankfurter Str. 16, Zimmer 2. F: Itur." Rorben: Schule Butbuffer Str. 3. Ausspracheabend. Faltplay 1: Schule Sonnenburger Str. 20. Die Katastrophen der Sternenwelten. Fallplag II: Funktionärsigung beim Genoffen Schellenberg, Gleimstr. 59. Schönhauser Borstadt: Schule Connenburger Str. 20. Erziehung zum Sozia fismus." Rottbuffer Tor: Heim Briger Str. 27/30. Die Staatsformen." Köpenider Biertel: Boltstanz und moderner Tanz. Südwesten: Heim Lindenstr. 4. Das neue Rußland." Schöneberg III: Heim Hauptstr. 15. Rehn- Minuten- Referate, Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue 123. Warum SAJ.?" Werbebezirk Renkölln: Morgen, Freitag, Filmabend im Gaalbau Bergftraße 147. Freies Boll" und Beiprogramm. Einlaß 19% Uhr. Eintritt 50 Pf. Parteigenossen! Unterstüßt uns durch euren Besuch. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend( Machdr. verb.). Wechselnd wolfig mit bereinzelten leichten Regenschauern Temperaturen wenig verändert. Mäßige bõige, westliche Winde. Für Deutschland: Fortbestand des herrschenden Witterungscharakters. F. W. WOOLWORTH Co. G.m.b.H. BERLINS 59/ KOTTBUSSER DAMM 25-26 alo Mul Pf 25 Warenhaus Pf 50 Eröffnung Freitag, 27. Juli 1928 nachmittags 2 Uhr Wir beehren uns, die Einwohner von Berlin zu einer Besichtigung von 2 bis 6% Uhr einzuladen Musik Während der Besichtigung am Freitag nachmittag kein Verkauf Der Verkauf beginnt am Sonnabend, den 28. Juli 1928, 8%, Uhr morgens BERLIN S 59/ KOTTBUSSER DAMM 25-26 F. W. WOOLWORTH Co. G.m.b.H. Das Vorlesungs- Wospetst man Theater am Kottbusser Tor verzeichnis der Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Bis 31. Juli täglich 8 Uhr Grosses Sonder- Gastspiel Otto Pauls Bunte Bühne Volkspreise: 50 Pig. bis 2 Mk. gutu.billig? Benig getragene Fradanzüge, Emo. tinganzüge, Gehrodanzüge, Sadcit anzüge, Gummimäntel, Cutawananzüge, Gabardinemäntel, Covertcoatpaletots, für jede Figue passend, Spezialität: Bauchanzüge fpottbillig. 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