*. > BERLIN Freitag, 27. Zuli 1928 10 Pf. Nr. 352 B124 45. Jahrgang. Erscheint täglich außerSenntag«. Zugleich Abendausgabe bei.VvrwSrt«'. Bemgipreis beide Ausgaben 8S Pf. xrv Woche,»MM.rro Monat. Redaktion undErpedition: BerliuSW 68, ündenfir. s „Ibwasfa» r r m Nieigeoprei«: Die einsraltige Nonoareilleieil, so Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. «ßscheckkonto: VorwSrts-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 unahme der �eichsbahnunfalle Oorpmüller erklärt.— Die Verantwortung der Z�eichsbahnleitung. Am die Deutsche Reichsbahngesellschass entskand in den lehten Wochen durch die schnell auseinandersolgenden Eisen- bahnkalastrophen, besonders in Bayern, dicke Lust. General- direkkor Dr. Dorpmüller von der Reichsbahngesellschaft hatte das begreifliche Bedürfnis, einen Bericht zu erstatten. Die hohen Reichsbahnbeamten Norddeutschlands und Bayerns, auch die Vertreter des Reichsverkehrsministeriums standen zu Er- tlarungen an die Presse heute bei der Hauptverwaltung der Reich»- bahn in der Voßstraße zur Verfügung. Die Reichsbahndirektion mußte manche Fehler zugeben, im ganzen aber war dos Examen für fic nicht allzu ungünstig. Dorpmüller war verschnupft darüber, daß die Unglücksfälle der letzten Zeit in allzu sensationeller Weise durch die Presse a u f g e- bauscht worden seien und unterließ auch nicht, indirekt gegen die Kritik des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zu polemisieren. Man spanne die öffentliche Meinung an, um Ziel« zu erreichen, die in Zeilen eines einwandfreien Arbeitens der Eisenbahn keinen An. klang finden, von einer mürbe gewordenen Verwaltung aber viel- leicht herauszuschlagen seien. Dorpmüller gab dann eine eingehende Darstellung der zwei schweren Katastrophen in Siegelsdors und München und der drei leichteren in Ummendors, Ulm und N e u ß am Rhein, die sich olle in der kurzen Zeit vom 10. Juni bis zum 21. Juli abgespielt haben. Di« schwere Katastrophe in Siegelsdorf, die 40 Tote und Verletzte gekostet habe, sei dadurch entstanden, daß die die Gleis- anlogen besichtigende Kolonne nach Beendigung ihrer Tagesarbeit entgegen der Vorschrift die langsamen Fahrsignale weg- genommen hätten. Hier liegt unseres Trachtens die V e r a n t» wortlichkeit der Reichsbahnzesellschaft klar zutage. Es kann nicht genügen, den Rottenführer und die dortige Bahnmeisterei der Unausmertsamheit zu beschuldigen, wenn die Reichsbahn- gesellschaft selbst zugeben muß, daß in Süddeutschland die in Preußen vorhandene Oberbauverwaltung noch fehlt, und wenn die Reichsbahngesellschast erst jetzt beabsichtigen will, bei den Direktionen besondere Streckendezernate einzurichten und besondere Oberbau- kontrolleure anzustellen. Den Mittelpunkt der Diskussion bildete natürlich die schwere Katastrophe Im Münchener hauptbahnhos. Ein neuartiges Flugzeug, bei der zehn Menschen Ihr Leben ließen und eine große Anzahl von Verletzten zu verzeichnen war. Darüber gab Dr. Dorpmüller folgende Darstellung „Im Vorzug war die Rofbremse gezogen worden. Infolge- dessen blieb der Zug liegen. Der Blockwärier wußte nicht mehr, ob der liegengebliebene Zug zurückgemeldet sei und ob er den nächsten Zug nachfolgen lassen dürfe. Sein Apparat zeigte ihm zwar die rote Scheibe. Sein aus dem Stellwerk tätiger Kollege rief daraus den vorliegenden Block an. ob der Vorzug schon durchgefahren feL Die Antwort lautete:„Ja, er ist durch, Zhr habt ja schon den nächsten Zug vorgeblockt." Daraufhin gab der Blockwärier dem nachfolgenden Stammzug das Ausfahrlssignal, und der Zu- sammenstoß erfolgte." Der Präsident der Reichsbahndirektion München von Völcker teilte dabei mit. daß er einen Brief von dem Sohn des Bürger- meisters von Wehringen erhalten habe. In diesem Briefe wird die Beobachtung mitgeteilt, ein Reisender habe in dem ausfahrenden Hauptzug« die Notbremse gezogen, weil eine Tür des Abteils sich nicht schließen ließ. Im ganzen aber g a b die Reichsbahndirektion für die Münchener Katastrophe in einem weiteren Sinn die Verantwortlichkeit zu. Dorpmüller erklärte: -«iwwÄ-W,-- �• Auf dem Tempelhof er Feld probiert Ingenieur Zoschha mit Erfolg das neuartige, von ihm honstruierte Flugzeug aus, dessen Forzug darin besteht, daß es mit den Rotations flügeln uherall landen und aufsteigen kann; es steigt und fällt senkrecht. Die durch Motor kraft angetriebenen Tragflächen werden durch zwei Kreisel stabil gehalten. Die Aussperrung im Siegerland. 7000 Metallarbeiter im Abwehrkamps. „Mire das Vlockseld in Abhängigkeit mit dem Signal gewesen. so wäre das Unglück nicht geschehen." Für die beiden Flügelbahnhöse seien die entsprechenden Sicherungen berctts durchgeführt. Für den mittleren Teil. Mo sich das Unglück ereignete, standen für 1928 bereits 350000 M. zur Verfügung, der Bau hätte aber nicht in der Zeit des stärksten Verkehrs ausgeführt werden können. Dennoch sei die Katastrophe nur auf das unglückliche Zusammentreffen von fünf nicht vorherzusehenden Zufällen zurückzuführen. Dos Ziehen der Notbremse, die fehlerhaste Anfrage des einen Dlockwärters beim anderen, die mangelhafte Auskunft der zweiten Blockstelle, die voreilige Signalbedienung trotz ungeklärter Lage und endlich die mangelnd« Aufmerksamkeit des Lokomottv- führers im nachfolgenden Zuge, der unbedingt die drei roten (Fortsetzung auf der 2. Seite.)_ i. Frankfurt a. 2R., 27. Zuli.(Eigenbericht.) Die vom Arbeitgeberverbond der Siegerländer Gruben und Hütten angekündigte Aussperrung ist am Mittwoch und Donnerstag durchgeführt worden. Gestern abend waren in 20 Betrieben der Metollindustrie an der Dill und an der Lahn rund 7000 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt. Es trifft nicht zu, daß der Metallorbeiterverband in letzter Stunde angebahnte Einigungsverhand- lungen abgelehnt hat. Richtig ist vielmehr, daß sich die in Frage kommenden Organisationen das Eingreisen des Landrates in Dillen- bürg verbeten haben, der unter Ausschaltung der Organisationen mit den Ausgesperrten allein verhandeln wollte. Die Kampsstimmung unter den Ausgesperrten ist vorzüglich. Am Sonnabend werden die Gewerkschaften in Dillenburg eine große Kundgebung der gesamten ausgesperrten Metallarbeiter veranstalten, in der über die Streiklage berichtet und die weiteren Sampfmaßnahmen beschlossen werden sollen. Oer Anschluß ein Lebensrecht. tton Blum nennt ihn unvermeidlich. Paris. 27. Juli.(Eigenbericht.) Der Führer der Sozialistischen Partei Frankreichs, Leon Blum, legt heute im„Populoire" den Standpunkt seiner Partei zur A n- schlußfrage fest. Man habe kein Recht und auch keine Mittel, um Oesterreich allein das Selbstbestimmungsrecht vorzuenthalten. Man Hobe im Friedensvertrag einen vollkommen l e b e n s- unfähigen Staat Oesterreich geschaffen, der überhaupt nur mit fremder Hilfe existieren könne. Es sei glatte Heuchelei, zu be- haupten, daß der Anschluß Oesterreichs an Deutschland eine Gefahr für den Frieden sei und eine Wiederausnahme alter imperialistischer Pläne darstelle. Man übersehe bei derartigen Behauptungen be- wüßt, daß der heutige Kleinstaat Oesterreich etwas ganz anderes sei als die frühere Doppelmonarchie. Der starke Zuwachs, der für Dernschlond aus dem Anschluß erwachsen könne, entspreche etwa seinem Geburtenzuwachs in 15 Jahren. So wenig, wie man diesen Geburtenzuwachs hindern könne, könne man den Anschluß hindern. Interessant ist übrigens auch die Ansicht der royalistischen „Action Franeaise". Frankreich, so schreibt das Blatt, stehe gegen- über dem Anschluß vor der gleichen Alternativ« wie Napoleon III. gegenüber der deutschen Einigung. Wolle man dem Beispiel Napo- leons folgen und den Anschluß hindern, dann setze man sich auf ein Pulverfaß, das früher oder später explodieren müsse. Gebe man ihn zu, so müsse man alle Folgen des Machtzuwachses für Deutschland tragen. Vauunglück infolge Konstruktionsfehler Zwei Arbeiter getötet, vier schwer verletzt. K a l l o w! tz, 27. Zuli. Am Donnerstag ereignete sich in ZN y s l o w! tz auf dem Neubau des Zenlralviehhofes ein folgenschweres Vau- unglück. Beim Abmontieren einer holzbetleidung stürzte in einer Länge von Z0 Metern ein Teil der Halle ein. von den an der llnglücksslelle beschäftigten Arbeitern wurde einer sofort getötet, ein zweiter starb auf dem Iranspor nach dem krankenhause. Außerdem wurden vier weiter« Arbeiter, darunter eine Frau, schwer verletzt. Die sofort angestellte gerichtliche Untersuchung ergab einen konstrukltons- s e h l e r. Es Ist nicht ausgeschlossen, daß die Trockenheit der letzten Tage die Bindung des Betons verhindert hat und' die Abnahme des Gerüstes zu zeitig erfolgte. Tunney bleibt Boxweltmeister. Beridit im Sportteil. Ltrsachen der Zieichsbahnunfälle (Fortsetzung von der 1. Seite.) Scheiben des Vorzuges hätte sehen müssen. Nachprüfungen an Ort und Stelle, die erst gestern stattgefunden haben, hätten das eim deutig erwiesen. Zwanzig Jahre lang sei nach den bisherigen Methoden im. Münchener Hauptbahnhof gearbeitet worden� und es fei nur dem unglücklichen Zusammentreffen der genannten Moment« zuzuschreiben, daß die Katastrophe eingetreten ist. Zu Dorpmüllers Ausführungen über die Arbeitszeit und die behauptete Ueberanstrengung des Personals werden sich die Eisen- bahner- und Bcamtenverbönde noch zu äuhern haben. Er macht die bemerkenswerte Feststellung, daß während in Preußen die Ruhepausen 10 bis 12 Stunden betrogen. in Süddeutschland nur Ruhepausen von S Stunden bestehen. Diese Diensteinteilung mit den kurzen Ruhepausen unter gleichzeitiger Möglichkeit von zwei freien Togen von je M bis 35 Stunden habe auch bei dem Münchencr Unglück eine Rolle gespielt. Staatssekretär von Frank der bayerischen Gruppenverwaltung der Reichsbahngesellschaft stellte die Ueberanstrengung des bayerischen Personals in Abrede. Für den Blockstellendienst an der Hackerbrücke und der Donnersberger Brücke in München bc- stehe ein durchschnittlicher wöchentlicher Blockstellendienst von 52,4 bzw. 54,1 Stunden. Im Jahre seien 52 Ruhetage gewährleistet, und für die Werktage ergebe sich ein durchschnittlicher Dienst auf den Blockstellen von nicht über acht Stunden. Auch diese Behauptungen werden sicher noch nachzuprüfen sein. Die Behauptung, daß die Reichsbahngescllschaft die bayerische Eisenbahn vernachlässige, wurde zurückgewiesen. Bayern sei für die Reichsbahn ein Zuschußgebiet. Während im Reich die Ausgaben nur EteiirtawerdaiHl Berlin SPD. Montag, 30. Juli, 19.30 Uhr SPD.- Sportlerversammlunä im großen Saal des Lehrcrrereinshauses, Alexanderp'atz Thema; „Die Vorgänge In der Arbellersportbewegnng" Referent Gen. Adolf Bude.- ParteimllgUedibuch legitimiert. 94,2 Proz. der Einnahmen betragen, werden in Bayern die Ein- nahmen durch die Ausgaben um über 3 i�pz. übcrtroffen. Die Unterhaltung der baycrisihkn Anlagen koste dreimal mehr, als Bayern in der Friedenszeit für die Unterhaltung ausgegeben habe. Außerordentlich bemerkenswert war die Feststellung, daß die Sotaslrophen in der letzten Zeit nicht auf den Geldmangel der Reich». bahn zurückzuführen sei. Vi, zum 1. Zuli Hobe der Reichsbahn kein Geld für die restlose Sicherung des Oberbaue» und die ver- hütung von Unglücksfällen gefehlt. Die Zahl der Unfälle betrug auf eine Million Z u g k:,I o> Meter 1913 4.55, 1919 19.78, 1927 5,71, Die Besetzung der Züge war 1927 um 24 Proz. größer als 1913. Sie Hot sich also im Bcr- gleich zu 1919 erhöht. Die Forderungen für 1913 und 1927/28 sind aber gleichzusetzen, denn wir leben heute weder in der Kriegszeit von 1919 bis 1923.� Herr Dr. Dorpmüller gesteht zu, daß die Zahl des Bahn Unterhaltungspersonals heute g e- r i n g e r ist als 1913. Das steht in W i d e r s p r u ch zu der Steige- rung der Anforderungen an das Personal bei dem Ausbau des Ver- kehrs in den letzten sechs Jahren. Der Reichsverkehrsminister von G u 6 r a r d wird hoffentlich dafür sorgen, daß nicht das Vertrauen aus die Verkehrssicherheit bei der Reichsbahn weiter erschüttert wird. Neuer �aketenwagen. Oos Vallier-Experiment bei Tiordhousen-Gertirode. Gestern nachmittag fand aus der Eiscnbahnstrecke Nord- Hausen— Gernrode die erste Versuchsfahrt des neuen von vallier unabhängig von Opel konstruierten Raketenwagens Eisfeld-Vallier-Rak. I unter Ausschluß der Oessentlichkeil statt. Oer neue Wagen weist gegen das Opelsche Modell sehr starke konstruktive Veränderungen auf. Diese kommen am stärksten darin zum Ausdruck, daß die Raketen über den ganzen Wagen verteilt sind. Ferner fehlen dem neuen Wagen die Flügel, die der Opelsche Wogen Rak. III an den Seiten trägt. Die erste und zweite Versuchsfahrt verlief bei halber Raketenladung oußerordent- lich zufriedenstellend. Der Wagen erzielte eine G e s ch w i n d i g- keit von 189 Stundenkilometer. Bei dem dritten Start, bei dem die Raketen mit 4,5 Ladung versehen waren, erreichte der Wagen zwischen der zweiten und dritten Zündung eine amtlich ge- prüfte Gesäiwindigkeit von 219 Stundenkilometern. Nach- dem sich alle vier Raketenbündel entzündet hatten, wurde der Wagen in einer scharfen Kurve aus den Schienen geworfen und vollkommen zertrümmert. Vallier sowie die Vertreter der Pyrotechnischen Firma Eisfeld, die die Raketen herstellt und nach der der Wagen mit- benannt ist, erklärten, daß sie mit diesem Unfall gerechnet hätten, da der Dersuchswagen ganz aus Holz gebaut, nur 59 Kilogramm wiegt und für die Schnelligkeit, die er erreicht«, zu leicht war. In 19 bis 14 Tagen wird Vallier mit einem stabilen aus Leichtmetall gebauten neuen Wagen feine Versuche wiederholen. Ltnaussprechlich! „Der preußische Innenminister mit dem unaussprech- lichen polnischen Nomen... so beginnt der deutschnatio- nole ,.Deutsd?e Schnelldiorst" geistvoll»inen Erguß gegen Genossen G r z« s i n S k i. Wären wir boshaft, so könnten wir einen Artikel beginnen etwa mit den Worten:„Die deutschnationalen Führer Bazille(sprich: Bc»iHj), L c j e u n«(sprich: L« j ö n) und Graf von Garnier (sprich: Garnjch) mit den unaussprechlichen französischen Erb- feindnamen usw. usw. Aber wir wollen un» erinnern, daß ein deutscher Dichter namens Goethe einmal geschrieben hat:„Name ist Scholl und Rauch/ wobei wir uns allerdings bswuht sind, daß für die Deutschnationalen Goethe nicht gelebt hat. Die gefälschten Wertpapiere. Ein früherer(Stinnes-Sekreiär wegen Kriegsanleiheschiebung verhastei. Vor wenigen Tagen wurde der frühere Sekretär von Hugo Stinnes. v. waldow. in Salzburg, wo er zur Erholung weilte, plötzlich verhaftet. Diese Verhaftung kommt für Eingeweihte keineswegs unerwartet. 3n vieler Erinnerung wird noch die große Schwindelaffäre mit Kriegs- anleihe-Reubefitz fein, wodurch das Deutsche Reich um Mit- lionen geschädigt wurde. Als das Hirn dieser geschickt angelegten Betrugsaffäre, die aber schließlich an der Aufmerksamkeit der deutschen Behörden scheiterte, war bisher immer der jetzt 39jährige Bankdirektor Mar Kuhnert- Berlin bezeichnet und viel genannt worden. Durch die sensationelle Verhaftung v. Waldows rückt die Affäre in ein wesentlich anderes Licht, und nach dem bisherigen Ergebnis der mit größter Sorgfalt geführten Untersuchung scheint/ es in der Tat so, daß Bankier Kuhnert, wie er auch immer behauptet hatte, eine nur unter- geordnete Rolle spielte. Im Februar des Jahres wurde in der Oeffentlichkeit bekannt, daß das Reich dadurch um Millionen geschädigt worden war, daß Kriegsanleihe-?! eubesttz als Altbesih angemeldet worden war. Der Unterschied zwischen Altbesitz und Neubesitz spielt bei der Aufwertung der Kriegsanleihe deshalb eine besondere Rolle, weil die A l t b e s i tz c r eine Auswertung erhalten, die fünfmal so hoch ist, als die der Neubesitzer. Der Nennwert dieser neuen Ab- lösungsanleihe betrögt in jedem Falle 2% Proz. des Nennwertes der ölten Kriegsanleihe. Für 19 999 M. Kriegsanleihe erhielt man also 259 M. Ablösungsanleihe. Wer ober den Nachweis erbringen konnte, daß er die Kriegsanleihe seinerzeit selbst gezeichnet hatte, oder daß er schon seit einem bestimmten Stichtage im Besitze dieser Papiere war, erhielt außer diesen 259 M. Ablösungsgeld noch ein sogenanntes Sluslasungsrecht. Die mit einem Auslosungsrecht ver- fehenen Schuldscheine werden allmählich, und zwar im Lause von 39 Jahren, auf Grund eines bestimmten Auslosungsplancs zum fünffachen Betrage ihres Nennwertes zurückgezahlt. Der Inhaber eines Auslosungsrechtes, dessen Nummer etwa im Jahre 1939 ge- zogen wird, erhält also statt 259 M. 1�59 M. zuzüglich 4�3 Proz. aufgelaufener Zinsen. Die Neubesitzer dagegen sind von dieser Vergünstigung ausgeschlossen. Das Betrugskonfortium mit Kuhnert scheinbar an der Spitze hatte in Deutschland Kriegsanleihe-Neubesitz in allen erreichbaren Mengen aufgekauft und nach Frankreich geschafft. Durch Mittelsmänner wurden beim Deutschen Reich daraufhin An- spräche angemeldet, und größere Posten angeblicher Alt- besitz gingen nach Deutschland ob. Der Betrug gelang nur zum Teil,? die Behörden wurden aufmerksam und schöpften Verdacht. Das Reich war inzwischen schon um Millionen geschädigt. Die Bc- trüger wurden entlarvt und zur Verantwortung gezogen. Schon damals wurde der Name v. Waldow mehrfach genannt. Dieser frühere Sekretär und engere Mitarbeiter von Hugo Stinnes, mehr- facher Aufsichtsrotsvorsitzender, kam bei dem bekannten Erbschasts- streit zwischen Eduard Stinnes und Familie um Glanz und Ruhm. Jetzt folgt« Schlag au� Schlag, Sensation auf Sensation. Kuhnert wurde entlarvt. Man hielt ihn zunächst für den Anstifter: inzwischen war die hervorragende Rolle, die Waldow in der Angelegenheit spielte, bekannt geworden. Waldow hotte es vorgezogen, ins Aus- land zu flüchten, bis man vor einigen Tagen zu seiner Verhaftung schreiten konnte. Der Coup, das Reich um erhebliche Beträge zu schädigen, glückte aber nicht, sondern hotte nur den Erfolg, daß die Anleihe- ältbesitzstelle und das Reichstommisfariat für die Abwicklung der An- leiheaufwertung hellhörig wurde und sich die einlaufenden Anmel- düngen von größerem angeblichen Altbesitz in Verbindung mit der Polizei und Staatsanwaltschaft schärfer unter die Lupe nahm. Durch die Aufmerksamkeit der Behörden sind bisher in den meisten Fällen die Betrugsoersuche mißglückt. Die Ermittlungen der Berliner Kriminal- polizei und der.S t a a t s a n w a l t s ch a f t werden zurzeit noch außerhalb von Berlin geführt, und es ist nicht aus- geschlossen, daß noch weitere Verhaftungen in dieser Angelegenheit erfolgen werden. Der„Franzosenkopp" von Zweibrülken. Ein Vergleich zwischen der Auslieferung Hindenburgs und eines Kranzöslings. Das Auslieferungsbegehren französischer Militärbehör- den wird von der Rechtspresse zu einem Generalsturm aus die Reichsregierung benutzt. Mit Ausnahme der„Deutschen Tageszeitung", die von der ganzen Angelegenheit kein Wort bringt, schlagen alle Blätter die schärfsten Töne an. Natur- lich weniger gegen die bornierten französischen Militär- behörden, als gegen eine Reichsregierung, die so„schwach- voll" bereit sei, ein„nationales Harakiri" zu vollziehen. Ganz gerissen fängt es dabei der„Lokal-Anzeigcr" an. Er spielt die drei am weitesten rechts stehenden Gruppen gegen die Koakition�aus�-''�''--------------- „Jene drei Paftefert haben die Macht dazu. Lassen ste gleich- wohl geschehen, was geplant wird, so wird das deutsche Volk nicht die Sozialdemokratie, der es schließlich alles zu- traut, und deren demokratisches bürgerliches Anhängsel, sondern in erster Linie sie drei, von denen es Besseres erwart.-c, mit der Verantwortung dafür belasten. Nicht nur das deutsche Volk am deutschen Rhein, sondern das deutsche Volk überall in deutschen Landen, innerhalb und außerhalb der schwarzrotgoldenen Grenzpfähle. Und die Geschichte wird ihnen wie der Regierung Müller einst das Urteil sprechen." Dabei passiert der Rechtspresse ein kleines Malheur. Sie bläst die drei in Zweibrücken wegen eines Dummeniungen- streiches Verurteilten zu nationalen Heroen auf. Sie ver- gleicht das neue Auslieferungsbegehren mit dem Aus- lieferungsbegehren, das vor acht Iahren gegen den jetzigen Reichspräsidenten Hindenburg und andere Generale gestellt wurde. Sie unterschlägt dabei, daß es die Reoierung Bauer — Außenminister Hermann Müller— gewesen ist. die dieses Begehren damals abgelehnt hat. Uns scheint es um so weniger angemessen, die beiden Auslieferungen miteinander zu vergleichen, als es sich im Falle Zmeibrücken cor allem um einen Dummenstingenstreich handelt. Es wurde in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni unternommen, die in ZweibrückPn seit alters her als„H e x e n n a ch t" gilt, in der allerhand Unfug verübt wird. Dabei hoben nicht nur die Briefkästen der Reichspost und Fensterscheiben ehr- würdiger Honoratioren, sondern auch die Symbole der Be- satzungsmacht etwas abgekriegt. Daß es ijch um kein plan- mäßiges Attentat handelt, geht auch daraus hervor, daß einer der Täter als„F r a n z o s e n k o p p" gilt, der dafür bekannt ist, daß er und seine Verwandten mit den Franzosen freundschaftlich verkehren; seine Schwester ist mit einem französischen Beamten verheiratet,, sein Bruder in der franzö- fischen Fremdenlegion. Die Rechtspresse macht sich schon mehr als lächerlich, wenn sie solche Gestalten mit Hindenburg und anderen Armeesührern veraleicht. � Im übrigen sind in den letzten Iahren schoi. Hu»1derte von Auslieferungsbegehren in ähnlich gelagerten Fällen gestellt und auf Grund der bestehenden Abmachungen formell erledigt worden; natürlich ganz unabhängig davon, wie die Reichsregierung zusammengesetzt war, auch unter der Rechtsblockregierung wurden Ausliefe- rungsbegehren gestellt und ihre Durch- führung angeordnet. Im übrigen hat sich das Reichskabinett mit der Angelegenheit noch grr nichr befaßt. da allein die zuständigen Stellen bisher in der Sache ver- handelt haben. Bon einer nationalen Würdelofigkeit der Regierung Müller zu reden ist aus allen diesen Gründen schon der Gipfel nationalistischer Hetze. Sinowjetv aufgetaucht. Sinowjew erhielt wieder ein offizielle» Amt in der Sowjet-Union. Kork schwimmt oben. Ln der Garage erfiicki. Tragischer Tob eines jungen Chauffeurs. In einer Box der Weiß- Garage, Nestor st raße 35/3« in Wilmersdorf, wurde heute früh der 22iährige Chauffeur Fritz Baak« aus der Iohann-Georg-Stroße 19 in H a l e n s e e, leblos aufgefunden. Ein hinzugezogener Arzt konnte nur noch den Tod infolge Oxchdgasoergiftung feststellen. Nach den Ermittlungen ist B- das Opfer eines Unglücks- falle» geworden. Nachdem er gestern nacht seinen Wagen in die Box gesteuert hatte, lieh er den Motor w e i t e r l a u s e n. Die stark gifthaltigen Auspuffgas« schläferten den jungen Menschen zunächst«in und führten im Lauf« der Nacht seinen Tod herbei. Als heut« früh Chauffeure leises Motorcngeräusch vernahmen und in die Box hineinsahen, entdeckten sie das Unglück. Sieine auf dem Gleis. Transportgefährdung durch junge Taugenichtse. Zwei jung« Burschen verübten am Dienstag abend gegen 9 Uhr einen bösen Streich auf der Vorortstrecke zwischen Wannsee und Stahnsdorf. Etwa 599 Meter vom Bahnhof Stahnsdorf entfernt hotten ste mehrere groß« Steine auf das Gleis gepackt. Der Führer eines von Wonnsee kommenden Dampfziches verfpü-t« zwar«inen Ruck, konnte aber die Fahrt fortsetzen. Er erstattete Meldung und der gleich darauf von Stahnsdorf abfahrende elektrisch« Zug wurde langsamer über die gefährdete Stelle geführt. Dabei sah der Führer zwei jung« Bengel, die die Wirkung ihre» Streiches beobachtete n. Er brachte den Zug zum Stehen, verfolgte die jetzt Flüchtenden und konnte auch einen einholen und der Polizei übergeben. Es ist ein 14 Jahre alter Laufbursckze Willy B. Sein Helfershelfer bei dem üblen Streich wurde ebenfalls er- mittclt als ein gleichaltriger Schlosserlehrling Max I. Die Uebel- täter werden sich wegeu Transportgefährdung zu verantworten haben. Schmelzer junior nicht entlassen. Nur Strafmilderung, keine Dollamnefiie. Die„Rote Fahne" mimt Wutanfälle wegen der an- geblichen Haftentlassung der beiden Arensdorfer Schmelzer. In Wirklichkeit hat eine Haftentlassung des Hauptverurteilten August Schmelzer nicht stattgefunden und ist auch nicht beabsichtigt. Wie uns von amtlicher Stelle bestätigt wird, hat eine Prüfung darüber stattgefunden, ob die Tat der beiden Schmelzer als politische anzusehen fei, diese Frage ist bejaht worden. Dagegen bestand von Anfang an kein Zweifel darüber, daß für die Arensdorfer Tat als Totschlags- delikt, wir heute früh im„Vorwärts" ausgeführt wurde, keine Bollbegnadigung, sondern lediglich Straf- Milderung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ein- zutreten habe, also Herabsetzung der Strafe auf die Hälfte. Umwandlung von Zuchthaus in Gefängnis und volle An- rechnung der Untersuchungshaft sowie der bereits verbüßten Strafzeit. Hierbei ergab sieb, daß die Strafe von Schmelzer (Vaters, die ursprünglich l'/a Jahr Zuchthaus betrug, durch Herabsetzung und Verbüßung fast restlos konsumiert ist, während bei Schmelzer, Sohn, der zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt war und feit der Tat in Untersuchungshaft gesessen hat, noch ein Strafrest von etwa einem Jahre bleibt, den er auch abzusitzen hat. Richtig ist lediglich, daß die K o m m u n i st e n eine Amnestie gefordert haben, durch die auch der Sohn August Schmelzer sofort in Freiheit gelangt wäre. Das Wchgefchrei der„Roten Fahne" über die— tatsächlich nicht erfolgte— Haftentlassung August Schmelzers ist daher nicht nur verlogen, sondern auch im höchsten Grade heuchlerisch. Einsturz im Telegraphenamt Im Weimarer Telegraphenamt stürzte, wie berichtet, ein Saal ein, wobei ein Beamter getötet wurde. Vor der Stillegung der Saargruben. Die französische Bergwerksdirektion unnachgiebig. Soarbriilken. 27. Juli.(Eigenbericht.) Die Vertreter der Bergarbeiter haben die Regierungskommission nochmals darauf aufmerksam gemacht, dah am kommenden Montag der Bergbau stillgelegt werden wird, falls die französische Bergwcrksdirektion bis dahin von ihrer ablehnenden Haltung hinsichtlich der Lohnfrcge nicht abgegangen sein sollt«. Das fronzösifch« Mitglied der Regierungskommission ist inzwischen zu Verhandlungen init dem Verwaltnngsrat der Saargruben und dem Minister Tardieu nach Paris abgereist. Verhandlungen> der Regicrungskommission mit den Unternehmern über eine eventuelsse Lohnerhöhung führten zu keinem Ergebnis. Kein platz für Arbeitslose. Australien und Kanada gegen Einwanderung englischer Bergarbeiter. London, 27. Zuli. wie aus Canberra gemeldet wird, erklärte der australische Premierminister Bruce unter Bezugnahme auf die Empfehlungen ber englischen Kommission zum Studium der Arbeitslosigkeit, die australische Regierung werde nicht zulassen, dah da» Problem der Arbeitslosigkeit, das die englische Regierung nicht lösen könne, von Großbritannien nach Australien verpflanzt werde. Räch einer Meldung aus Ottawa hat der kanadische Sewerk- schastskongreh eine Kundgebung veröffentlicht, in der erklärt wird. buh für die 200 000 arbeitslosen englischen Bergleute in Kanada kein Platz sei. Kanada habe vor allem Landleute nötig und- diese könnte Großbritannien nicht liefern. Äergarbeiterentlasfungen auch in England. > London. 23. Juli. Die Cromtillery-Kohlenbergwerke haben am Sonnabend wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten 2000 Bergarbeiter zum S. August gekündigt. Die Estern auf der Anklagebank. Von Hellmuth Dattenfeld. Die Gewissenlosigkeit, mit der die Menschen von heute Kinder in die Welt setzen, wird nur noch von der übertroffen, mit der sie die Kinder erziehen. Hier einige klein« Beispiele aus dem Leben. Sie zeigen, daß es mit der Aufzucht von Menschen in den 150 Jahren seit Rousseous Tode nicht besser geworden ist. Biel- leicht dienen diese Beispiele ober dem einen oder dem anderen „Erzieher" zur Warnung. I.. Eines schönen Sommertoge» macht ein« größer« Anzahl von Erwachsenen mit Kindern«inen Ausslug. Die Männer rauchen Zigarren, die Kinder pflücken am Wegrand Blumen. Ein kleines Mädchen Hot ein Sträußchen gepflückt und gibt es ihrem Dater. Der wirft vor den Augen de» Kindes den Strauß verächtlich weg. Das Kind fängt bitterlich an zu weinen, der Bater feixt vor sich hin.— Ein typischer Fall für«in Derbrechen an der Kindesseele. Ein beispielhafter Fall dafür, wie Borniertheit und Roheit der Eltern dem Kinde einen„Knox" für dos ganze Leben beibringen können. II. Zwei Schwestern gehen mit chrer Mutter spazieren. Man trifft einen Bekannten, der mit dem älteren hübschen Mädchen schön wt. Sie ist sechs Jahre alt und ist liebenswürdig, weil inan sie oft hübfch gefunden hat. Di« kleinere Vierjährige ist schüchtern und ängstlich. Die Mutter sagt zu dem Bekannten, ostenbar, um die Klein«, die bei der Begrüßung etwa? vernachlässigt wird, in» rechte Licht zu setzen:„Run, die Lotte, die Kleine, die kann auch noch mal ganz nett und hübfch werden." Die Kleine Hot es gehört und daraus entnommen, daß sie sehr abstoßend sein muß. Sie wird bestimmt ihr ganzes Leben an dieser Bemerkung zu tragen haben. III. Gespräch zwischen einem zehnjährigen Jungen und seiner Mutter:» .Mutter, warum darf ich nicht so lange aufbleiben wie du?" „Weil sich Kinder nicht das erlauben dürfen, was Erwachsen« tun dürfen." Der Junge(nach einigem Rochdenken):„So. Aber ich denke, die Eltern sollen chren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen?" Die Mutter ist in Ermangelung einer richtigen Antwort auf diese logisch ausgezeichnete Einwendung fo wütend, daß sie zu weinen anfängt und den Jungen beschuldigt, ein schlechter Mensch zu sein. Der Junge ist innerlich fassungslos:„Ist denn Denken etwas Schlechtes?"'— Entweder er gewöhnt sich das Denken nun wirklich ab, oder er kommt nunmehr in eine dauernde und sachlich nicht notwendige Opposition hinein, die nicht der größeren Einsicht«nt- spricht, sondern einer aus verletztem Stolz sich entwickelnden lieber- heblichkeit. IV. Roch viel schlimmer ist aber folgende» in> tausend Häusern sich abspielend« Gespräch: „Du wirft zu Onkel Gustav gratulieren gehen." „Aber ich mache es doch gar nicht gern. Er hat eine so faltig« Haut, und es macht mir gar keinen Spaß, wenn er mir einen Kuß gibt." „Run schön, dann tu es mir, deiner Mutter, zuliebe." „Aber warum willst du, daß ich etwas tue, was mir so schreck- lich ist?" „Ich will sehen, ob die Lieb« zu deiner Mutter so groß ist, daß du dich überwinden kannst." Ratürlich geht das arme Kind zu Onkel Gustav. Aber dunkel ahnt es doch, daß es da» Opfer eines Betruges war: Man wollte es der Lieblosigkeit zeihen, wenn«s einem törichten Befehl nicht nachkam. Dos Odium des Ungehorsams hätte da» Kind ertragen können, ober nicht das der Lieblosigkeit, des Undanks gegen die Eltern, die, wie ihm täglich versichert wird, alle» für das Kind hergeben. So muß das Kind lernen, um der Liebe zu den Eltern willen törichte Dinge zu wn. Jeder Denkende kann sich selbst sagen, wie eine solche Liebe enden muß. Der Fall lV ist der schlimmst« aller bisherigen Fälle und— der meistverbreitete. Daß das Kind die Eltern zu lieben hat, ist ein« Zumutung, die sich meist mit einem anderen Dogma verquickt, näm- lich dem der Dankespflicht der Kinder gegen die Eltern. Wie steht es mit dieser Pflicht der Dankbarkeit der Kinder gegenüber den Eltern? Haben die Kinder eigentlich die Eltern ermächtigt, sie in die— höchst unvollkommen«— Welt zu setzen? Nie und nimmer., Die Eltern haben also von den Kindern nicht Dank zu erwarten, sondern die Ellern haben an dem Kinde eine dauernde Schuld ab» zutragen, dafür, daß sie die Kinder— meist zu ihrem, der Eltern, höchst egoisttschem Vergnügen— in die Welt gesetzt haben, ohne die Einwilligung der Kinder einzuholen. Di« Verpflichtung der Eltern gegenüber den Kindern höret nimmer auf. Wenn die Kinder- ihr« Eltern lieben, ist es ein Glück. Daß die Eltern für ihre Kinder olles tun, ist nur recht und billig. VI. Manch ein Leser der Abschnitte I bis VI wird vielleicht sogen: So kann nur einer reden, der selbst nicht Dater ist. Verzeihung. Ich hob« eine Tochter. Aber ich bin stets bereit, mich ihr gegen- über auf der Anklagebank niederzulassen, so wie ich bereit bin. alle Anklagen von Kindern, die diese Zeilen lesen, zur Kenntnis zu nehmen und zu sammeln. Schließlich haben ja alle wirklich vernünftigen Eltern kein größeres Interesse als dos. zu wisien, was sie an ihren Kindern gesündigt haben. Da die Kinder— darin den Tieren ähnlich, die der Mensch ja auch aus? gemeinst« aus- beutet— aber keine Gewerkschaften und politischen Parteien zur Vertretung ihrer Kinderinteressen bilden können, da sie ihre An- klagen zumeist nicht einmal recht zu formulieren imstande sind, so ist es durchaus nicht paradox, zu fordern, daß die Eltern die An- klagebank, auf die sie wegen ihrer vielfachen ungesühnten kleinen urch großen Verbrechen an Kinderseelen gehören, selbst zimmern Heidelberger Festspiele. „Schluck und Zau" mit Pattenberg. Im Rohmen der Festspiele kommt mit der Aufführung einer Komödie von Gerhort Hauptmann zum ersten Mal« ein lebender deutscher Dramatiker zu Wort. Man hat mit Recht sich für den Dichter de?„Weber" entschieden. Mit weniger Grund hat man gerade „Schluck und Jau" gewählt, eine Komödie, die nicht nur Stoff und Einfall aus Shakespeare entnimmt, sondern auch sonst der Ur- wüchsigkeit entbehrt: Es will uns nicht überzeugen, wenn die fürst- liche Gesellschaft mit den beiden Vagabunden Schicksal spielt. Di« Projektion des Traumes,„wenn ich nur einen Tag König wäre", in die Wirklichkeit, geschieht recht gewaltsam. Es mag schwer �genug sein, für Festspiele dieser Art ein Stück aus Hauptmanns großem Werk zu wählen. Aber wenn man von den„Webern" absehen will, bleibt doch immer das Freiheitsdroma des Bauernkriege»,„Florion Geyer". Mit„Schluck und Jau" ist kein« Forderung recht erfüllt. Die Aufführung fand im Bandhaussaal statt, einem der gut erhaltenen Räum« des zerstörten Schtosie». Sein Steingrau ist mit frischem Grün geziert, farbige Bonner hängen von der Deck«, Scheinwerfer huschen über Podium und Fenstcrwand: alle Mittel haben ihn nicht zum Theoterraum zu wandeln vermocht, und seine schlechte Akustik trotzt allen Versuchen. Auch fächert ein solcher Raum Strenge und Einfachheit der Darstellung. Bedingt schon da» Possenhoste der Komödie ein« gewiss« Buntheit und Belebtheit, so überlädt Härtung? und Hauptmanns gemeinsame Regie die Szene noch mit ollen Mitteln, die hart an die Grenzen der Operette. selbst der Revue streifen. Die Aufführung ist überfüllt mit tanze- rischen Einlagen, und für die belanglosen Sprünge eine» Narren ist kein geringerer als Ernst M a t ra y bemüht. S metanas als Bühnenmusik verwandte Melodien sind so reichlich zugetan, daß die Aufstihning mit ihren beiden Hauptrollen in die Nähe einer kleinen Oper rückt. Di« Hauptrollen wechen von Pallenberg und Klopfer getragen und die Leistung der beiden großen Menschendarsteller recht- fertigen die sonst auch schauspielerisch, mit Ausnahm« der charmanten Leonttn« Eagan, recht durchschnittliche Aufführung. Die zu wenigen Szenen, in denen sich die beiden auf der Bühne oegegnen, strömen jenes undefinierbar« Fluidum au», da» bis in« letzt« er- fchütternd vom Zusammenwirken solcher Persönlichkeiten ausgehen kann. Di« Annseligkeit und Gedncktheit, die Selbstsicherheit und Un- beirrbarkeit, die Weichheit und die Beständigkeit, in die Pollenberg den Schluck kleidet, wird unvergeßlich bleiben wie nur je ein schau- spielerische» Ereignis. A. v. Sacher-Mafoch. Eine Umfrage über Vererbung. Der Direktor de» Koifer-Wil- Helm-Jnftitutes für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlm-Dahlem. Prof. Eugen Fischer, und der Abteilungsleiter Prot. H. Muckermann veranstalten eine Umfrage über da» Problem der differenzierten Bolksvermehrung. Dadurch soll, wie die Deutsche Medizinisch« Wochenschrift berichtet, erforscht werden, ob und in- wieweit die Auffassung begründet ist, daß alle» Begabte sich selbst auszumerzen scheint, während da» Minderwertige den stärksten Nachwuchs aufweist. Eine genaue Feststellung dürfte zu einer teil- weife veränderten Anschauung, jedenfalls zu einer sehr viel kam- plizierteren Lösung des Problem«? führen. vi« Volksbühne ist ab l.Auzust aus-Inen Monat g«sibloss>!«. Vi» dahin wird allabendlich 8'/. Uhr.Orpheu» in der Unterwett' gespielt. Als Sitz de» Zat-rvoti-aole» ZnsilW» für c ehrfilme wurde die Villa Zalcomeri bei FraScati bestimmt. Harmloses, amerikanisches Abenieuer „Im Tal der Niesen" in der Gchauburg. Zwei große Holzfirmen weit draußen in Kalifornien sind er- bittert« Konkurrenten, woraus sich ernsthaft« Komplikationen er- geben. Beispielsweise werden von der einen Firma die Wechsel der anderen aufgekauft, ferner kündigt man den Vertrag, noch den, die wirffchaftlich schwächere Firma die Eisenbahn der stärkeren benutzen darf. Beinah« kommt es zur Katastrophe, zum wirtschaftliche» Ruin, aber dann im letzten Moment entdecken zwei Leutchen ihre lieben- den Herzen, und alles löst sich in dem glücklichen Ende auf. Die g«- schäftlich« Angelegenheit bietet Gelegenheit zu finsteren Intriganten- gesichtern, zu abenteuerlichen Wildwestfahrten und zu prachtvollen Boxereien. Ein harmloses amerikanisches Abenteuerchen, in dem auch fchüchtem die Frage angedeutet wird, ob es nicht besser ist, die Arbeiter gut zu behandeln und ausreichende Löhn« zu zahlen. Aller- dings wird dieses Problem nur in einem Nebensatz gestreift. Milton Gills ist der Held. Er boxt, flirtet, arbeitet und bremst aus dem richtigen Geleise geratene Transportzüge, er ist eben«in echter, amerikanischer Filmheld und oerfügt dabei noch über ein liebesenwürbiges ironisches Lächeln. Es sieht manchmal fo aus, als ob er sich über sich selbst amüsiert. George Fawcett und Paul Hurst geben ausgezeichnete Typen, während die junge Dome über ein süß-energisches Girllächeln nicht hmausgelangt. Der Regisseur Charles J. Brabin wird kaum Anspruch darauf er- heben, als originelles Genie angesehen zu werden.— t z,» m jiicn Aus der Kunstgemeinschast. Die Deutsche Kunstgemeinschaft stellt gegenwärtig einige Säl« voll angenehmen Landschaften aus: zu merken sind vor allem: Eduard Bischofs, Charlotte Berend, Pech st ein» Degner von Aelteren, Brill, Fritz Kuitner, Döbel und Wunderwald als vortreffliche Jüngern. Die Einrichtung eine» Saales, der einem oder zwei Künstlern allein eingeräumt wird, hat sich bewährt und soll ständig werden. Zurzeit hängt dort eine streng gesiebte Kollektion von Christian Arnold, hauptsächlich Landschaften: das Aussieben bekommt ihm sehr gut, man sieht, es kommt nicht auf da» Viel an, sondern auf das Bessere. Unter den Einzelnen fei auf ein Porträt des verstorbenen Präsidenten Fried- r i ch E b e r t von W. K r a y n hingewiesen: es ist nur nach Photo- graphien und der Erinnerung gemalt, gibt aber das Charakteristische der Gestalt überzeugend wieder. Wie mit dem roten Hintergrund«. der die Gesichtsfarbe unansehnlich macht, kann man sich nicht ein- verstanden erklären. Warum nicht ein dunkler durchgehender Ton? _ P. F. Sch ttine neue Ubleilnnq im IRufrorn für Völker tonde. Tie Ditanatiiiie Kunslabteilung, dl« Indische Äblellung und die Oslasiaillche Elbnologjlche Abteilung de« Museum« iür Völkerkunde sind zu einer selbständige» Ab. teilung zusammengesatzt worden. Die Leitung ist Herrn Direktor Kümmel übertragen worden. «» Zabilönmsprei» der böhmlsche» Spartass- Au««nlatz ib,e« bundertjährigen Besteben» hat die Böhmische Sparkasse in Prag eine NilZi-n Tichechokroncn gestiftet. Die Zinsen sollen jöbriich ol«.JubiläumSprei» der Böhmischen«tiaifaffa" abwechselnd sür eine Arbeit aut tünstlerischem ober wisienichasilichem Gebiet und wiederum adwechieind einem Angehörigen der deutschen und der tichechiichen Aolion zugeteilt wei den. Im Jahr« lSW soll die lünsll«rilche Arbeit eint» deul ichen Bewerber» pleitgekrönt werden und zwar ein bisher noch nicht ausgcsührte« Lustspiel in deutscher Sprache. Die Bewerber müssen die tschechoslowakische Staattangehörigteit besitzen. Das Recht auf Urlaub. imffenmord mit Scheiterbaufen. Was wird mit der reichsgesetzlichen Regelung des Urlaubs für Arbeiter? Ferien und Urlaub das sind zwei Worte, die allen Menschen Freude und Lebensglück bedeuten. Leider ist nur ein Heiner Teil unseres schaffenden Volkes in der Lage, den ermüdeten und franken Körper in frischer Gebirgs- und Seeluft gesunden zu Iaffen. Nur begüterte Menschen fliehen in den Juli- und Augustmonaten aus den durch die sommerliche Hize unerträglich gewor= denen Großstädten. Nicht ohne Neid und Schmerz sieht der Erdund Streckenarbeiter den Urlaubszügen nach, die glückliche Menschen auf Wochen dem Alltag entrüden. Die Urlaubsgewährung ist abgesehen von ganz wenigen Fällen, in denen die Urlaubsfrage reichsgefeßlich oder auch durch Drts- oder Bezirkstarife geregelt ist für die überwältigende Mehrzahl der deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger ungelöst. Seibst da, wo durch Tarifbestimmungen den Arbeitern und Angestellten ein mehrtägiger Urlaub zusteht, wird es den Urlaubern infolge der hohen Eisenbahntarife fast unmöglich gemacht, den nach jahrelanger schwerer Arbeit entfräfteten Rörper in gesunder und freier Land, See- oder Gebirgsluft erholen und fräftigen zu können. Im Interesse der deutschen Bolf s. gesundheit und Bolts wohlfahrt liegt es, wenn gerade die Menschen einmal im Jahre ausspannen tönnten, die die schwersten Arbeiten verrichten und bis heute faum eine Lebensfreude genießen. Der erste Reichstag der deutschen Republit hat sich schon ein mal mit der Urlaubsgewährung unter Fortzahlung der Löhne resp. Gehälter beschäftigt. In der Sigung des Reichstages vom 24. Februar 1921 wurde folgende Entschließung angenommen: " Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu erfuchen, unverzüglich einen Gefeßentwurf vorzulegen, durch den den Arbeitern und Angestellten das Recht auf Urlaub unter Fortzahlung der Löhne und Gehälter gewährt wird." Ueber 7 Jahre find seit der Annahme der Entschließung durch ben Reichstag ins Land gegangen, ohne daß die Urlaubsfrage für bie Arbeiter eine reichsgesetzliche Erledigung gefunden hat. Die bürgerlichen Regierungen haben allerdings in diesen Jahren dieser Frage wie so vielen anderen Arbeiterfragen kaum die notwendige Beachtung geschenkt. Nachdem die Bürgerblockparteien am 20. Mai von den Arbeitern entscheidend geschlagen wurden, ist es doch an der Zeit, gerade die wichtige Urlaubsfrage wieder in den Vorder grund zu rücken. Nicht nur in der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens find andere Länder der deutschen Republit voraufgegangen, sondern auch in der Einführung eines bezahlten Urlaubes für Arbeitnehmer hat die Tschechoslowakische Republit zum Beispiel durch Gesetz vom 3. April 1925 versucht, die Urlaubsfrage für Arbeiter in Industrie und Landwirtschaft zu lösen, Obwohl das genannte Gefetz viele Mängel aufweist, bringt meines Wissens die Tschechoslowakei zum erstenmal für den Arbeitnehmer eine gesetzliche Regelung des Urlaubs. Urlaub erhalten danach dauernd angestellte Arbeitnehmer, welche Arbeiten oder Dienste auf Grund eines Arbeits- oder Dienstverhältnisses leisten, und zwar nach einjähriger ununter brochener Verwendung in derselben Unternehmung oder bei demselben Arbeitgeber. Alle Arbeitnehmer, die diese Bedingung erfüllt haben, haben Anspruch auf einen vom Arbeitgeber gezahlten Er holungsurlaub. Nach einem Jahr ununterbrochener Beschäftigung erhält jeder Arbeiter 6 Tage Urlaub. Dieser Urlaub beträgt im Maximum 8 Tage bei einer ununterbrochenen Beschäftigung von 15 Jahren. Daß der Arbeiter erst nach 15 Jahren 8 Tage Urlaub erhält, Diese Spanne ist allerdings nicht nachahmenswert. Der Wert des tschechoslowakischen Gesezes liegt eben darin, daß jedem Arbeiter nach einjähriger Beschäftigungszeit 6 Tage Urlaub zustehen. Das Gesetz bestimmt ferner, daß nach Möglichkeit der Urlaub in der Zeit vom 1. Mai bis Ende September zu legen ist. Davon sind ausgenommen die Saisonbetriebe und namentlich die landwirtschaftlichen Unternehmungen. Für die Landarbeiter soll der Urlaub in der Zeit ab 1. Oktober bis Ende April erteilt werden. Der Urlaub unterbricht das Arbeitsverhältnis nicht. Daher find für die Urlaubszeit die Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeit geber zu entrichten. Die Zeit, die ein Arbeitnehmer infolge von Krankheit, Unfall oder aus einem anderen wichtigen, seine Person betreffenden und von ihm weder vorfäßlich noch durch große Fahrlässigteit herbei. geführten Grunde im Dienste versäumt hat, gilt für die Bemessung bes Urlaubes als Arbeitszeit. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Volksbühne| Theater des Westens Theater am dülowplatz 8 Uhr Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 101/2 Artisten Lustspielhaus Täglich 8, Uhr Die Reise durch Regie Max Reinhardt Berlin in 40 Stunden. Die Komödie Bismarck 2414/7516 Ueber die Bezahlung der Urlaubszeit sagt der§ 9 des Gesetzes rom 3. April 1925 wie folgt: Wie man in Szegedin vor 200 Jahren Heren verbrannte. Gerade jetzt ist es zweihundert Jahre her, daß in Szegedin einer der gräßlichsten Herenprozesse der Geschichte zu seinem erschütternden Abschluß geführt wurde, ein Prozeß, der, obwohl er schon in das einst als Jahrhundert der Aufflärung bezeichnete 18. Jahrhundert fällt, selbst in dem dunkelsten Mittelalter seinesgleichen sucht. Nicht weniger als 13 Unschuldige mußten eines qualvollen Todes sterben unter der Anklage, den Regen an die Türken verkauft zu haben. " Dem Arbeitnehmer gebührt für die Urlaubszeit außer allen vereinbarten Zulagen eine dem durchschnittlichen Ber dienste der letzten vier Wochen unmittelbar vor dem Antritt Im Szegedine: Geheimarchiv werden diese Aften über den des Urlaubs nach den Grundsätzen des§ 12 Abs. 2, des Gesetzes vom 9. Oftober 1924, S. d. G. u. V. Nr. 221, betreffend die Ber- größten Herenprozeß des 18. Jahrhunderts aufbewahrt. Aus ihnen ficherung der Arbeitnehmer für den Fall der Krankheit, der In- geht hervor, daß das scheußliche Verbrechen von einem Klüngel validität und des Alters, entsprechende Lohnentschädigung. In hohgeborener Herren, dem Csanader Bischof Ladislaus Nadasdy diesen durchschnittlichen Verdienst werden die Zuschläge für Ueber- an de: Spize, ins Werk gesetzt wurde. Der Hauptangeklagte war stundenarbeit und die unregelmäßigen, nach ihrem Charakter verein wohlhabender Bürger von Szegedin, ein 82jähriger Greis einzelten Prämien für erhöhte Arbeitsleistung nicht eingerechnet." namens Daniel Rozsa, der als Ratsherr an der Ständeversammlung Die so nach dem vorstehenden Paragraphen berechnete Entdes Jahres 1717 die Stadt Szegedin vertreten und sich beim Kaise schädigung wird um ein Zehntel erhöht. Die in den Urlaub fallen über die Gewalttaten der Ortspotentaten, unter ihnen auch des den Sonn- und Feiertage werden in denselben eingerechnet und Chanader Bishofs, beschwert hatte. Die Herren, die sich in ihrem bezahlt. ungarischen Nest als fleine Könige fühlten, fannen auf Rache, und der Oberrichter von Szegedin, Podhradszky, der gleichfalls allen Grund hatte, seine Missetaten dem Wiener Hof zu verbergen, ging mit wahrhaft teuflischer Tüde ans Wert. Er ließ in der Stadt Gerüchte aussprengen, daß die große Dürre, gegen die fein Gebet auffam, von Heren und Herenmeistern verursacht worden sei, deren Rädelsführer, der alte Daniel Rozja, den Regen an die Türken verkauft hätte. Auch der Jugendschuh hat in der Tschechoslowakei eine wesentliche Förderung erfahren, indem in dem genannten Gefeß bestimmt wird, daß Lehrlinge nach halbjähriger ununterbrochener Berwendung Anspruch auf einen bezahlten Erholungsurlaub im Ausmaße von 8 Tagen im Jahre haben. Aus dem besprochenen Gefeßentwurf ist zu ersehen, daß auch für die Arbeitnehmer eine gefeßliche Regelung der Urlaubsfrage feine Unmöglichkeit ist. Ohne daß man diesen Gesezentwurf als Vorlage für eine Regelung in Deutschland übernehmen soll, ist es die Pflicht aller an der Gesetzgebung Beteiligten, sich mit diesem Problem zu befassen mit dem Ziel einer baldigen Verwirkli hung. Hält man selbst die Grundtendenzen des tschechoslowakischen Gesetzes in Deutschland nicht für annehmbar, so wäre doch immerhin zu prüfen, ob nicht auf dem Bersicherungswege die gesetzliche Urlaubsgewährung für die deutschen Arbeiter durchführbar ist. Man soll nicht mit der Einwendung fommen, daß die finanzielle Be lastung einer gesetzlichen Urlaubsfrage im Wege stehe. Bisher ist es so gewesen, daß noch alle sozialen und kulturellen Forderungen mit finanziellen Gründen abgelehnt wurden. Das war vor dem Kriege der Fall und ist heute noch nicht viel anders geworden. Was aber dem jungen und viel kleineren Staate der Tschechoslowakei gelungen ist, sollte für die deutsche Republik nicht unmöglich sein. Im übrigen ist die gefeßlich geregelte Urlaubsfrage für Arbeitnehmer feine spezielle Frage der Arbeiter, sondern eine eminent wichtige Frage unserer deutschen Volksgesundheit und damit eine wirklich nationale Frage. Franz Künstler. Der eiserne Arm. Der hochlöbliche Magistrat, dem diese Gerüchte hinterbracht wurden, ließ Rozsa verhaften und einem hochnotpeinlichen Berhör unterziehen, in dessen Verlauf dem alten Manne das Geständnis aller ihm zur Laft gelegten Verbrechen abgezwungen wurde. Der Oberrihte: Podhradszky mies hierauf den Magistrat in einem noch heute vorliegenden Schreiben an, schonungslos gegen alle der Mitschuld verdäftigen Spießgesellen des hinzurichtenden" Daniel Rozsa vorzugehen, da der hochwürdige Herr Bischof über eine etwaige Nachsicht überaus ungehalten wäre". Der Magistrat, der zwar über das Hinrichtungsrecht verfügte, in der Führung von Hegenprozessen aber nicht bewandert war, wendete sich um weitere Weisungen an den Oberrichter, der auf Grund der deutschen Rechts= pragis die verlangten Auskünfte erteilte. Daraufhin wurde das Berfahren gegen Rozsa und seine inzwischen verhafteten angeblichen Mitschuldigen aufgenommen und in graujamster Weise zu Ende geführt. Zuerst wurde die Wafferprobe angeordnet, die darin bestand, daß die Verdähtigen in die Theiß getaucht wurden. Drei von ihnen ertranfen, worauf sie für unschuldig und des kirchlichen Begräbnisses für würdig erklärt und mit Ehren bestattet wurden. Die übriggebliebenen Dreizehn wurden in den Rerfer zurüdgeffih- t und solange gefoltert, bis sie alles zugegeben hatten. Das auf Grund dieser Geständnisse gefällte Urteil lautete auf Tod durch Verbrennung; bloß eine Frau, Katharina Malmos, wurde vorerst ent hauptet und nur ihre Leiche auf den Scheiterhaufen geworfen. Die übrigen zwölf Angeklagten des Szegediner Herenprozesses wurden am 23. Juli 1728 auf drei Scheiterhaufen unter dem Jubelgeschrei des Pöbels bei lebendigem Leibe verbrannt. Der Regen blieb zwar auch jetzt aus, aber das Vermögen des hingerichteten Daniel Rozsa wurde vom Csanader Bischof geerbt". Das faiserliche Handschreiben, das die Rechtmäßigkeit des Urteils und seiner Vollstreckung bestätigt, befindet sich noch im Archiv des Szegediner Stadtrates. Der Fluch with auch seither nicht von Szegedin. 190 Jahre nach der Hinrichtung auf der Hegeninsel zog von hier cin blutbefleckter Mörder, in dem der Geist Podhradszkys weiterlebte, aus, um Qual und Angst über das unglückselige Land zu bringen. Er, der Mann, der seinen Namen„ mit der eigenen frechen Faust" auf das scheußlichste Blatt der Weltgeschichte hinschrieb, ist heute llngarns Reichsverweser. Sein Name ist Horthy. Ein Zehnjähriger als Mörder. Ein zehnjähriger Rnabe, der auf dem Jahrmarkt in Saint- Amand in Frankreich mit einem Altersgenossen in Streit geriet, nahm von einem nahen Schießstand einen Karabiner und tötete seinen Gegner durch einen Schuß in die linke Schläfe. Dieser riesige Kran im Hafen von Dublin- ein Sinnbild moderner Transporttechnik- hat eine Tragfähigkeit von 100 000 Kilogramm und eine Ausladung von 23 Metern. brudetei und Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SB 68, Lindenstrake 3. Rose- Theater Gr. Franki, Str. 132 5 Uhr: SpezialKonzert und banter Teil Behandl, 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim 3, U. Ende 10%, U. Besonders wirksam sind die Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater harlottenstr 90791. Đính 170 31/4, Ende nach 10%/ lastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan Saitenburg- Bühnen Dis. Künstler- Th. 81 Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater räglich 8, Uhr 8 Uhr:„ Spiel m Schloss" Lori Leux in Die Kleinen Anzeiges in der Gesamt- Auflage billig! des Vorwärts und trotzdem Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Ischias Hüft., Gesa. and Bein, wenn ärztl. festgestellt. ar für In 15 Tagen sino schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. testätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr bis zum 31. Juli: Dresdner Viktoria- Sänger Ab 1. August: Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Donhoff Brett'i: ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Berantwortlich für die Redaktion: Artur Saternus, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud Sierau 1 Beilage. Zu noch nie dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen, Bettdecken Künstler- Gardinen in besten Qualitäten für 5.90,7.50, 8.90 M. Halbstores in allen Webearten 1.75, 4.50, 5.50 8.- M. Gardinen- Reste Einzel- Schals eEinzel- Fenster zum halben Preis. Einzelverkauf von 9-7 Uhr. Spezial- Gardinen- Werkstätten Neukölln, Bergstr. 67 2. Stock, am Ringbahnhof Kein Laden! 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Juli 1928. gprÄbiniö SfinJauignäa-det lofldarü Auf der Höhe von Dakar an der Westküste Afrikai erhielt unser Schiff den Anruf eines Norwegers, ob wir einen Kranken an Bord nehmen könnten, um ihn in dem nächsten Hafen abzuliefern. Was für eine Art Krankheit es fei, sandte unser Schiff radiotelegraphifch an den Norweger. Der Kapitän Hot die Pflicht, einen Arzt über- setzen zu lassen, um dort zu helfen, wenn es sich natürlich nicht um eine ansteckende oder andere Infektionskrankheit handelt. Einige Sekunden später erhielten wir die Antwort, es handle sich um einen Unfall. Darauf wurde der Kurs angegeben, di� beiden Schiffe kamen sich entgegen. Einige Stunden später lag der Norweger hundert Meter von uns. Nachdem wir die Flaggensignale gewechselt hatten, setzten wir unser Motorboot zu ihm. Eine halbe Stunde später hotten wir den verunglückten Heizer, dem der Oberschenkel von einem herniedcrsausende» Kohlenkran zermalmt worden war, an Bord: wir nahmen Kurs auf Dakar, der Norweger nach Kap- stadt. So ist es gelungen, im Dienste des Radios, einem. Mann sein Leben zu retten und ihn auf dem schnellsten Wege zur Heilung in das nächste Häsenkrankcnhous zu führen. Der Zufall spielt natür- lich hier eine der größten Rollen, denn es hätte ja auch sein können, daß wir ebenfalls Kurs nach einem weitliegenden Hofen gehabt hätten und keine anderen Schiffe in der Umgegend sich bewegten, um zur Hilfe einzutreffen. Ein Fehler liegt da in den Seefahrts- gesetzen, der unbedingt revidiert werden müßte, der nämlich, daß Frachtschiffe bis zu 44 Mann keinen Schiffsarzt mitführen brauchen, ja selbst wenn das Schiff auf Passagiere eingerichtet ist, wie unser Schisf, das 90 Inder von Loonda nach Freetown bringen sollte. Es sieht so aus, daß die Technik allen voran die menschlichen Gesetze überflügelt. Äo wir uns mit einem Aber oder Wenn herumplagen, genügen einige Hebeldrucke, und eine sinnreich kon- struicrt« Maschine speit die Botschaft durch den Aether. Wie gran- dios die Errungenschaft der drahtlosen Telegraphie ist, wie klein wir Menschen uns bei dem. Gedanken vorkommen, um so lustiger ist es, eine Nacht in der Zauberzelle zu verbringen. Das Schiff stampft und schiebt sich durch das dunkle Meer, Leuchtschiffe glitzern am Bug wie Millionen Irrlichter. Wie aus- gestorben liegt der Schiffskörper da, aus den Mannschaftslogien schnarcht es, eine Katze schleicht auf Mäusejagd— und immer wieder dos monotone Stampfen der Maschinen, selbst die Kommandobrücke scheint ausgestorben zu sein, bis ein kurzer Befehl des wachthabenden Offiziers den Steuermatrosen das Ruder drehen läßt. Die Mosten mit ihren Lichtern ragen in den Himmel mit seinem südlichen Kreuz, nur zeitweise wird durch ein gedämpftes Tacken und Prasseln die nächtliche Stille entzaubert, und um des Kontrastes willen folge ich gern der Einladung unseres RadiSoffiziers. Es rasselt und blitzt in der Wunderkammer, zwischendurch liegen Instrumente in tiefem � Schlaf, sie sehen so bizarr aus, daß sie den Glauben erwecken, als dürften sie nur in ihrer mannigfaltigen Zusammenstellung hier nutz- los untergebracht sein. Nicht müde wird der junge Offizier mit dem Erklären, dabei droht sein Adamsapfel aus dem Kragen zu hüpfen, und auf meine bescheidene Frage, ob er sich denn hier auskenne, lächelt er stolz. „Und ob, wir haben doch jahrelang studiert," und er stülpt wieder den Hörer um den Kopf. Nach einer Weile Still« sagt er so nebenbei:„Ein Amerikaner rief uns an, wie bei uns das Wetter ist." Auf meine Frage, wie weit das Schiff fei, höre ich den Offizier antworten:„Noch weit." Wieder rasselt und knattert es wie in der Hexenküche, die Londoner Börse sendet ein Telegramm: An Mister Stadler, sein« Aktien find gefallen. Gleich darauf ein zweites, die Kurse sinken mehr, ob man verkaufen soll. Mister Stadler sitzt unterdessen nichts- ahnend in der Bar eines großen südamerikanischen Ozeanriesen und trinkt, seinen Whisky, und wenn er endlich feine Reise beendet, weiß er, ob er ein armer oder ein reicher Mann ist. Noch können wir uns einige Sekunden mit ihm freuen, er weiß noch nichts von seinen Berlusten. Genau so Herr Oldenburg, der sich auf der„Cecilia" befindet, mit dem Kurs' noch der Lüderitzbucht, daß er glücklich?? Vater eines Jungen ist, wie es das Telegramm uns verrät. Kauf- vertrüge, Versicherungen, Orders, Gratulationen, Geldsendungen und Steckbriese stürzen durch den Aether. Aus den entgegengesetzten Gegenden der Welt treffen sich die angenehmen und die unangenehmen Botschaften, und kaum hat der Mensch sie ausgesprochen, erhält sie der Empfänger, ob sich das Schiff auf hoher See oder bei Sturm oder im sicheren Hafen befindet, die Botschaft trifft ein, mit einer Gewißheit, die nur das göttliche System des Universums vermag. Die Anrede des Offiziers treibt mich zurück in die Wirklichkeit:„Möchten Sie Mufik hören? Ich darf ja nicht einstellen," und sl�on drückt er mir einen Höper um den Kopf. Ein Jaulen und Schreien vom höchsten Diskant bis zum feinen Piepsen, und plötzlich überstürzen sich einige Fetzen von Musik. Rom, das verfluchte--- ist wieder dazwischen--- Jetzt irgendein« Opernarie klingt an mein Ohr,„Madrid," höre ich den Offizier sprechen,---„was sie dazwischen klingen hören, ist Gibraltar" --- abgerissen. Das Gejodle und Gepfeife nimmt kein Ende. Versuchen wir es mit der englischen Station--- Negergesänge im Globetheater. Uebertragung, Publikum applaudiert. Man kann sich vorstellen, wie die vier Negersänger gerade ein ernstes Lied vortragen, wie uns oft das Ultraphon eine Darbietung übermittelt. doch hörte man plötzlich ein jauchzendes Lachen des Publiku ns. „Was wird Komisches vorgefallen fein?" Wahrscheinlich hat einer der Neger seine Hose verloren. Stimmengewirr setzt ein, wir empfangen vom polnischen Sender unverständliche Fragmente eines Dramas oder Lustspiels. Wien holen wir heran, der unvermeidliche Walzer klingt, was haben Sie sonst gedacht?„Achtung! Berlin: Uebertragung des Dreimäderlhaus. Alfred Braun als Schubert, armer Schubert, hätte statt dir nicht die zweite Besetzung sterben können? �legerle v. MuKIkeld. Frauen ohne Recht Haremsdame und Kuli in Europa. Der Europäer pflegt gewöhnlich mit den Begriffen„Pascha- regiment",„Haremsfrauen" höchst romantische Dorftellungen zu verbinden oder aber diese Begriffe als für ihn, für Europa, absolut nichtexistent beiseite zu schieben. Europa ist ja so fortschrittlich. Die Frage der menschlichen Gleichberechtigung der Frau ist für Europa längst gelöst: sie diskutieren hieße offene Türen einrennen. Sogar in den Orient ist diese These durch die junge Türkei bereits «ingedrungen. Wir Europäer sind in dieser Hinsicht jung, gesund und fortschrittlich. Gemach! Der europäische Stolz ist ein bißchen voreilig: der Orient beginnt nicht erst jenseits des Mittelmeeres. Eine kleine Europareise genügt, um Mittelalter und Orient erleben und den Reisenden schaudernd und erschüttert spüren zu lassen, daß die Geister der Bergangenheit und der kulturellen Finsternis auch in Europa noch sehr lebendig sind. Mit dem Pantoffel auf dem Kopf. Am Westpol Europas zum Beispiel, im Lande Portugal, das einst zu den seebeherrschenden Nationen der West gehörte und heut« von Militärdiktaturen und wirtschaftlicher Stagnation be- drängt wird, hat sich die Stellung der Frau seit den Zeiten Vasco da Gnmas kaum geändert. Zwar versuchen die Regierungen Portugals mit Fleiß, dos Gesicht ihres Landes dem der übrigen europäischen Nationen anzupassen, jedoch geschieht dies nur äußer- lich und oberflächlich, als unzulängliche Imitation mussolinischer Methoden. Es kommt dann zu Regierungsdekreten, wie dem be- xüchtigten Pantostelerlaß, der anordnete, daß in den Städten nie- mand ohne Fußbekleidung herumlaufen dürfe. Da mit dem Dekret nicht auch gleichzeitig der barfußlaufenden armen Bevölkerung Ecld zur Neubefchaffung und Ergänzung von Schuhrvert geliefert wurde, hatte der Erlaß zur Folge, daß das Gesetz auf grotesk« Weife umgangen wurde: die barfußlaufenden Proletarierfrauen liefen fortan„mit FußbeNeidung herum", indem sie die Pantoffel auf dem Kopfe trugen— die Portugiesin benutzt ausschließlich den Kopf als Tragwerkzeug—, und die Ochsengespanntreiber, die über- dies den nackten Fuß zum Einstemmen aus den steiten und glatten Straßen benöttgen, teilten sich zu Zweien in ein Paar Pantoffel und trugen nur an einem Fuß das von der zivilisationsgierigen Regierung angeordnete Schuhzeug. Auf den ureigenen Gebieten der Frau jedoch sind nicht einmal solch oberflächliche Reformen bisher versucht worden. Die Frau steht in Portugal noch völlig und uneingeschränkt unter dem Druck mittelalterlicher und orientalischer Denkweise, die—«inst von den maurischen Eroberern und von den zahlreichen orientalischen Einwandererelementen eingebracht— heute noch in jeder Hinsicht und durch alle soziale Schichtungen hindurch lebendig und wirksam ist. Etwaige Bersuche, sie zu durchbrechen, wurden schon im Keime durch die in den iberischen Landstrichen sehr mächtige und in serualethischer Hinsicht bekanntlich sehr reaktionäre Kirche erstickt: auch der vorübergehend sehr heftige, heute wieder völlig abflauende Kampf der Regiening gegen die katholische Kirch«, hatte diesen Einiluß nicht geändert. Die Sklavin des Mannes. So ist die Situation der portugiesischen Frau heute eine für uns kaum begreifliche. Die Frau ist de facto die Gefangene, die Sklavin des Mannes, dessen Besitzerrolle von der öffentlichen Meinung nirgend«!« angetastet wird. Sie ist das ungeschützte Objekt uralter männlicher Tyranneninstinkte. Nach außen— das intimere Familienleben lernt der Fremde kaum kennen, da es absolut unzugänglich und gegen die Außenwelt hermetisch ver, schlössen ist— wirkt sich dieser Zustand in einem fast völligen Fehlen des weiblichen Bürgerelementes im öffentlichen Leben aus. Die Frau wird unter Klausur gehalten: sie darf nicht allein auf die Straße, in öffentliche Lokale, Institute, nicht ohne Einwilligung des Mannes, des Vaters und nur in seiner oder von ihm ge- nehmigter Begleitung. Der Mann bestimmt ihre Lektüre, ihren—- sehr spärlichen und ausschließlich weiblichen— Umgang. Es ist ihr von der Sitte und von der Kirche streng verboten und durch die Lebensformen auch unmöglich gemocht, mit einem anderen als dem Ehemann allein zusammen zu sein: ebenso das Mädchen, das nicht einmal mit dem Verlobten sich allein treffen und sprechen darf. Zusammenkünfte zwischen Verlobten oder Verliebten ge- schehen derart, daß das Mädchen vom Balkon oder Fenster aus unter Beisein Verwandter mit dem auf der Straße stehenden Manne sich unterhält. Di« eheliche Gemeinschaft wird unter allen Umständen aufrechterhalten. El)escheidungen kommen unter katho, tischen Portugiesen überhaupt nicht, unter den wenigen nicht« katholischen, insofern sie der bürgerlichen Gesellschaftsklasse an« gehören, kaum vor. Soweit die Frau dem gut situierten Bürger« tum zugehört, geht es ihr materiell nicht schlecht: sie wird in ihrer Geschlechtseigenschast als wertvoll betrachtet und gut gehalten. Das junge Mädchen wird nur für die Ehe erzogen, felbstverftänd« lich im durchaus konservativen Sinne. Kuliarbeii der Frauen. Die Stellung der proletarischen Frau unterscheidet sich nur in materieller Hinsicht von derjenigen der bürgerlichen. Innerhalb der Familie ist sie den gleichen Bindungen unterworfen. Nur die wirtschaftlichen Verhältnisse in Portugal— neben einem sehe wohlhabenden Bürgertum ein« große, außerordentlich verelendete proletarische Masse— bewirken für die Proletarierin äußerlich eine Sonderstellung: sie muß, wie kaum sonst irgendwo in Europa ihre Geschlechtsgenossin, schwer arbeiten. Während der Mann teile als zu teure Arbeitskraft oder aber— als Südländer— in frei, williger Muße auf dem Pflaster liegt, wird die Frau zu den schwersten Männerarbciten herangezogen. Ich sah in den portu- giesischen Häsen Tausende von verhärmten, unterernährten Frauen, vielsach im schwangeren Zustand«, schwerste Lasttrögerarbeit ver»- richten. Es ist ein empörender, erschütternder Anblick, diese armen, zerlumpten, schlecht genährten Geschöpf« zentnerschwere Lasten aus dem Kopfe— Fässer, Eisenstangen, Kohlcnsäcke— unter Kontrolle von kräftigen Männern von den Lagerhäusern über schwankende, schmale Bretter auf die Lastschisfe schleppen zu sehen. Regierung wie Kirche sehen diesem Zustande völlig tatenlos zu. lind das Proletariat, von keiner starken Arbeiterbewegung erfaßt und ge- Eigenartige Postzustellung. Auf Neu-Seelaftd finden sich die oben abgebildeten Postkästen der in der Nähe wohnenden Farmer. Diese müssen sich von den Freiluft- Post- schließ- fächern die eingegangenen Bnefe abholen. führt, ergibt sich fatalistisch seinem Geschick, ftoh und zufrieden, wenn es seinen Hunger mit Maisbrot und Fisch stillen, seine Leiden den Heiligenbildern klagen und abends singen und Raketen steigen lassen kann. Wenn zuweilen aus Portugal die Nachricht von Revolutionen zu uns dringt, dann sind wir Mitteleuropäer geneigt, darin Zeichen zu erblicken, daß es im portugiesischen Proleteariat gärt. Aber das ist eine Täuschung. Die„Revolutionen" Portugals haben mit dem Proletariat nichts zu tun. Die portugiesische Republik ist ein« Dreiviertelsdiktatur in den Händen ehrgeiziger Militörpolitiker, ständig umkämpft von Ehrgeizlingen, die dauernd bemüht sind, einen Teil der viel zu großen Armee auf ihre Seite zu bringen und damit die Macht an sich zu reißen. Soweit die Arbeiterschaft sich überhaupt politisch betätigt, neigt sie zu anarchistischen Ten- denzen. Eine klare, gesunde und starke Arbeiterbewegung wird in Portugal erst erstehen können, wenn die vorhandene Arbeiter- bewegung sich von diesen Tendenzen freimacht, und wenn der Ein» stuß der Kirche auf die Gemüter zurückgedrängt ist. Dann erst wird auch die Stellung der Frau sich von Grund auf ändern können und aus der Haremsdome und dem weiblichen Kuli ein freies, schönes und an Leib und Seele gesundes Menschengeschöpf werden. Heinz Eisgrubcr. &in von JasojI (12. Fortsetzung.) Dieses Gespräch hott« bei den beiden, bei der Hilde und dem Edi, gar fein« Verstimmung Hinterlossen. Der Edi mar ein guter Kerl und zeigte sich bloß sehr beflissen, von Hilde etwas über ihre nächsten Pläne erfahren zu fönnen. .�setzt haben S' doch endlich die Lyzealmoturo, mos wollen S' denn noch weiter?" „Die Gymnosialmaturo!" �Uje! Immer die gleiche fade Lernereil Dos führt doch zu nichts!" „Soll ich mich vielleicht zur Ruh« setzen, in meinem Alter?" „Na ja... freilich... obgleich..." Man sah es dem Edi an, dah er etwas hinunterschluckte, aber er sagte nichts. So waren die zwei Monate vergangen,«ine Reche von frohen Tagen, die in der Erinnerung Hildens wie eine sonnenbeglänzte Landschaft dalagen. Motorbootfohrten, Bäder im See, Ausflüge und Bergbesteigungen, ein Kostümfest, auf dem die Hilde als fron- zösische Marquis« de» achtzehnten Jahrhunderts erschienen war, Schäferin und Hofdame zugleich, reizvoll das Tellerhütchen auf dem weihgepuderten Haar,«in lebendiges Schäfchen an der Leine... und die gute, lustige Mama Gruber... und die Versicherung, dah der Edi sie lieb habe... und so viele neue Freundschaften, mit so vielen, netten wohlerzogenen Leuten, die einander immer nur Höf- lichfeiten sagten... Am Abend nach dem Abschiednchmen von den Betannten, die alle versprachen, am nächsten Tage zur Bahn zu kommen, ging Hilde in ihr Zimmer, das ganz oben neben dem der Dcly und der Lutz lag, ein Zimmer mit hellockierten lustigen Bauernmöbeln, und drinnen nahm sie auch noch Abschied von dem so oft geschauten und immer auf» neue sie bewegenden Bilde, das sich vom Fenster aus ihren Blicken darbot, und dann, als sie sich entkleidete, dachte sie: Es ist so schön, reich zu sein! Di« reichen Leute haben'? gut! Und weiter spannen sich die Gedanken... Reich sein... reich sein.. so ganz noch eigenen Wünschen leben... die Welt ist schon.-.. wenn man reich ist... und wenn man reich ist... so ist man gut... wie gut ist die Mama Gruber... dah sie sie in ihren Reichtum aufgenommen hott«... ein Kind dieser Mama Gruber sein... Hilde Gruber— wohin gingen nur ihre Gedanken! Aber die hielten sich nicht an den Willen ihrer Gebieterin, sondern schweiften, wohin sie wollten, gelöst von ollem, was sie auf dem Boden der Wirklichkeit festhielt, noch nicht Traum und nicht mrhr von irgendeiner Ueberlegung beschwert... Reich sein... reich sein... reich sein... später einmal, später... Und dann schlief Hilde ein. tockung der Gegenwart. Mti Blumen und Bonbons beladen, die ihr die neuen Freunde und Freundinnen in langem Zuge zur Bahn gebracht hatten, kam Hilde wieder nach Hause, zurück in die enge Stube. Mutti sah gut aus, erzählen konnte sie natürlich nicht viel von Langenlebarn, ober erhalt hatte sie sich doch ein wenig, Fräulein Rose war förmlich aufgeblüht, das große Ereignis ihres Sommers war gewesen, daß der Generaldirektor ihier Gesellschaft— er war schon General- direktor!— ihr au» dem Engadintal«ine Ansichtskarte mit einem Scherzgedicht zugesendet hatte. Aber um so mehr hatte Hilde zu berichten, und so spät und selig war es noch nie daheim gewesen, wie in jener Nacht, da Hilde von allen ihren großen und kleinen Erlebnissen getreulich berichtete, von den vielen interessanten, netten und lustigen Menschen, die sie kennen gelernt, und von dem groß- zügigen Treiben in der Dilla Viktoria. In ihrer Schilderung, die kaum«ine Einzelheit überging, verschwieg sie nur einen Ausflug und ein gewisses Gespräch mit Edi. Dann fing der Alltag an und in ihm sogleich der erwartete Kampf, den sie wegen ihrer nächsten Pläne austrogen muhte. Aber es ging merkwürdig leicht, denn ein Argument wag schwerer als all« anderen, die si« vorbereitet hotte und ins Treffen führte:„Die Lutz Gruber geht ja auch ins Gymnasium!" „Sa, die Lutz auch?" Mutt! wurde nachdenklich. Ja. wenn da» in den vornehmen, dah heißt in den reichen Kreisen jetzt Mode war— ihre Hilde sollt« stch dem Reichtum nur in ollem anschließen. Also Gymnasium. Zwei Jahre weiter noch die alten Sorgen. Na. wo» an ihr war. wollt« Frau Fernleitner gewiß leisten. Sie hatte wieder Auesicht, französische und englische Stunden geben zu können, und die Stickereiarbeiten könnte sie in der Nacht auf sich nehmen. Ihre Augen waren ja noch jung. Und Hilde half ja auch topfer mit. Aber das sah auch Hilde ein, daß ein weiteres Studium von zwei Iahren viel war, zu viel für ihre materielle Situation, zu viel auch für ihr« eigene Ungeduld. Sie wollte bald frei fein, und dunkel empfand sie es, was sie nicht einmal in Gedanken klar formuliert«—, bald eine Dame sein, nicht mehr ein Schulmädel und nicht mehr mit der kleinlichen Sorge belastet sein, Mitschülerinnen über die nächst« Prüfung hinweg- zuh«lfen. Di« Lutz— das war ein liebes, braves Ding, ein bißchen Haus- back«» und an den Schulbüchern hängend, weil sie allein nichts andere» anzufangen wüßt«. Aber die Dely. die kein« Schule mehr besuchte, war geistig und sozusagen gesellschaftlich ganz erwachsen. »b«n eine Dom« in ihrem Sprechen, mit ihren Interessen und ihrer Auflassung des Lebens. Hilde— das sah sie ein— mußte studieren. Dos Studium, die Universität mit ihrer Freiheit und ihren Möglichkeiten war für sie der Ausstieg, war das Tor, von dem aus olle Weg« hinausführten, mehr als von jeder anderen Kreuzung ihrer Lebenswege. Hilde worein ihren Ueberlequngen sehr nüchtern geworden, und ff« überlegt« viel. Wie pflegt« die Dely zu sagen?„Die erste Reaung ist stnmer h!« schlechteste. Man muß sich die Dinge durch den Kopf g«hen lasten," Also: Gymnasium und dann die Universität, aber das dürft« freilich nicht;u lange dauern. Hilde entschloß sich, einen der Matura« kurs« zu besuchen, die jetzt an vielen Mädchenschulen errichtet worden waren und nur zwei Jahr« lange» Studium erforderten. Sie nahm diese gewaltig« Arbeit auf sich, dazu ihre Privatstunden. Aber«» war der Müh« wert. Und Frau Fernleitner sah da» alles auch«in und war damit zufrieden und übrigens— sie erkannt« immer mehr, wie klug ihre Hilde geworden war und daß sie nun alles reiflich überdacht«— wie hatte sie es oerstanden, sich an die Familie Gruber eng anzuschließen!— und daß man ihr daher ruhig ihren Willen lassen dürfe. Hilde dachte aber nicht bloß an die Wege, di« vor ihr logen. sondern auch an die Ziele. Ja, sie war jetzt wirklich sehr klug geworden und da» Beisammensein mit den vielen jungen Mädeln, die reich waren, oder mit solchen, die reich erscheinen wollten, hatte merkwürdigen Einfluß auf sie geübt. Früher, da war sie harmlos dem Leben entgegengeschritten— freilich, wie jung war sie ge- wesen— und trotzdem wie ein Rotkäppchen dem Wolf, so hatte eine ihrer neuen Freundinnen lachend bemerkt, als sie davon sprachen. Wenn sie aber an die Universität dachte, so mutzte sie doch auch an den Zweck denken. Lehrerin? Rein, für» Unterricht«» empfand sie keine Neigung. Si« war viel rascher ch» ihre Schülerinnen, und etwas, was sie ohnehin selbst wußte, noch zehmal Wiederkauen, war ihr verhaßt. Also? Si« erhielt jetzt aus der Schweiz ziemlich regelmäßig Ansichtskarten, aber wenn si« im Ueberlegen an diesem Punkt angelangt war, brach si« ab. Das wäre ja Unsinn gewesen, ein« törichte Dummejungenlaune, ernst zu nehmen. Die große weite Welt, der Edi jetzt noch schüchtern und erstaunt gegenüberstand, würde ihn noch so manche» vergessen lassen. So«rroochsen, so nüchtern, so unglaublich vernünftig dacht« jetzt Hilde. Das ist da» Ziel und das der Weg dahin! E» darf nur einen Weg geben, den kürzesten, der zum Ziele führt. Und was das Ziel selbst betraf, so hatte Hilde in ihrer Umgebung ein« Menge von abschreckenden Beispielen, wie keines aussehen solle. Dieses lächerliche Fräulein Rose, deren Leben im Dienen verrann, und Mutti, ja auch Mutti, die immer liebte und durch ihre Li«b« litt, und Toni« Hedwig—, an die sie übrigens im Rausch der Ausseer Vergnügungen ein« einzige kurze Karte geschrieben hatte—. Tante Hedwig, die an ihrem Ziele gründlich vorbeigealtert war und darüber mit bissigen Witzen hinwegzukommen sucht«! Diese» Zielbewußtsein, dos ihr jetzt recht deutlich zur Erkenntnis gelangt war, bewirkte, daß sie fortan nichts um seiner selbst tat, sondern nur weil sie dadurch ihrem Ziele näherkommen mußte. Tagsüber war sie das Schulmädel und arbeitet« wie rasend, um in den zwei Iahren über die Schulepisod« hinauszukommen. Dann lief sie ihre eigenen Schülerinnen unterrichten. Und abend» kam sie mit Dely Gruber zusammen, der sie sich jetzt besonders innig angeschlossen hatte und durch die sie in eine Anzahl anderer Familien kam. Die Hilde Fernleitner war sehr beliebt. Hübsch, eine gute Tänzerin, gebildet, Gymnasium und gar keine Spiel« neiderberin, und so blond— man mußte sie gut leiden und gern einladen. Es war ja die Zeit, in der«in Teil der Bevölkerung sich gegen den anderen amüsierte. Hilde war bei allem dabei, tanzte und spielte Theater, spielte auch Theater glänzend. „Aber, Hilde, du hast ja Temperament!" rief die Dely,„das Hab' ich dir nie zugetraut. Hab' ich dir endlich die Musterhaftigkeit abgelernt?" „Das noch nicht!" antwortete die Hilde, aber ihr Ehrgeiz war geweckt. Einmal gab's bei den Grubers«ine Revue. Die Hilde spielte ein Stroßenmirdel, das ein sentimentales Lied zu fingen hatte, und dann eine Schlangenbändigerin. Und danach war olle, einig, daß die Hilde kolossales Talent habe und eigentlich zum Theater müsse. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Darf man sich im Kino küssen? Da» New Parker Gericht sagt: ja, man darf sich im Kino küssen. Der Direktor des firnos war anderer Ansicht und hatte ein sich küssendes Paar aus dem Theater gewiesen. E» half auch nichts, daß ein Teil des Publikums für die Liebenden Partei ergriff: es kam zu einem Skandal, die Vorführung mußte unterbrochen werden. Das ganze hotte ober ein Nachspiel vor dem Gericht. Der Direktor erklärte, daß Liebesszenen sich nur auf der Leinwand, nicht jedoch im Saal abspielen dürfen. Die jungen Leute beriefen sich darauf, daß e» stets Sitte gewesen sei, sich im Kino zu küssen und das Küssen in der Dunkelheit niemand beunruhigen könne. Das Gericht war der- selben Ansicht. Der Direktor hatte das Nachsehen. Er mußte eine klein« Geldstrafe zahlen. Der Tod des Deserteurs Paul Grappe. Man erinnert sich vielleicht noch dieses fran.zösi>chen Deserteurs: Im November 1914 wurde er bei der Schlacht an der Somme schwer verwundet. � Sechs Monate verbracht« er im Hospital, dann erhielt er einige Wochen Urlaub. Er kehrte aber nicht mehr an die Front zurück. Zwei Jahre lang verbarg er ssch in einer kleinen Kammer seiner Wohnung: er arbeitete unermüdlich an seiner voll- kommen«» äußeren Umwandlung. Mit Hilfe eines elektrischen Apparates merzte er seinen Haarwuchs am Gesicht aus, er ließ sich lange Haare wachsen und übte Frauenstimme. Als er fein Versteck verließ, war es nicht mehr der Sergeant Paul Grappe, sondern eine ZAjährlge Frau. Ini Frühling 1917 gelang es Grappe, sich Papier« auf den Namen einer gewissen Susanne Dangles zu be- schaffen. Susanne beschäftigte sich zuerst mit Nähen, dann wurde sie Fabrikarbeiterin. So lebte sie viele Jahre hindurch. Als aber im Jahre 1925 für Deserteure eine allgemeine Amnestie erlassen wurde, begab sich Susanne zum Friseur, ließ sich die langen Haare schneiden, zog Männerkleidung an und war von nun an wieder Paul Grappe. Di« Rückverwandlung in«inen Mann schien ober bei der bis zum Augenblick zahmen Susanne ein« entscheidende Chorakteränderung bewirkt zu haben. Paul Grappe begann sich dem Trunk hinzu- geben, wurde ausfallend, prügelte Im trunkenen Zustand Frau und Kind. Bor«inigen Tagen macht« er sich wieder über seinen Jungen her und mißhandelte ihn. Seine Frau ergrilf einen Revolver und schoß ehren Mann nieder. Dies ist das Ende des Deserteurs Paul Grappe. Ein halbes Bett wird vermietet. In einer Budopcster Zeitung erschien vor wenigen Tagen ein eigeuaniges Inserat:„In einer ruhigen, anständigen Familie wird ein halbes Bett vermietet. Der Preis ist gering. Adresse Madame Androchi, 42 Sandvrgasse, Budapest." Die Zeitung glaubte, daß es sich um einen Ulk handle und schickte ihren Reponer an die ge- nannte Mresse. Er erkletterte die sechs Stockwerke und läuteis mi der Tür. Ein anständig aussehendes altes Frauchen fragte nach seinem Begehr. Er gab zu verstehen, warum er gekommen sei und erhielt zur Antwort: Das Bett werde von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens vermietet. Tagsüber schlafe das Frauchen selbst daraus, da sie nacht» arbeitt. Da» Leben sei augenblicklich so teuer und der Verdienst so gering, daß sie gezwungen sei, die Hälfte de» Bestes zu vermieten.— Ein Blick in die sozialen Zustände unseres wunder- vollen kapitalistischen Zeitalters. Selbst ein Bett darf man nicht für sich allein haben.— Aber so etwas soll nicht allein in Ungarn vor» kommen! Glänzende Aussichten der Kleinkraftwagen. Bor dem Polizeigerichtshof in Brighton kam eine Zeiterschei» nung zur Sprache, die, falls sie Schul- macht, bedenklich stimmen dürste. Ein Londoner Dcrkehrsschutzmann versperrte einem kleinen Kraftwagen mit dem ausgestreckten Arm den Weg. Aber der Herrenfahrer kannte seinen Wagen— und fuhr glatt unter dem ausgestreckten Arm des Schutzmannes weiter! Doch di« Nemesis schlief nicht! Der Vorwitzige stieß einige Schritte weiter mit einey» Lost- kraftwagen zusammen, so daß von dem Kleinsttrastwagen nicht mehr viel übrig blieb. Aber es erhebt sich immerhin die bonge Frage: Wie schützen sich künftig Verkehrspolizisten dagegen, daß ihnen ge- wissermaßen der Kraftverkehr unter dem Arm fortrutscht? Soll man sie vielleicht mit kleinen Schmetterlingsnetzen bewaffnen? Der unschuldige Sittlichkeitsverbrecher. In der Näße der Schloßmühle Dohna bei Dresden bemerkten einig« Mädchen auf einmal einen Mann ohne Hofen. Schreiend liefen sie davon, holten den nächsten Polizisten und ließen den— wie man in so einem Fall zu sagen pflegt—„Unhold" festnehmen. Es stellte sich aber heraus, daß es ein ganz unschuldiger und ehren- werler Bürger aus Zschachwitz war, der keine anderen bösen Absichten gehabt hatte als Ameiseneier zu suchen und bei dem Geschäft seine Hosen voller Ameisen bekommen hatte. Der Mann war un- vorsichtig genug, sich, um sich von der unerwünschten Einquartieriwg zu befreien, in allzu großer Näf� der Straße als Sansculotte zu produzieren: jetzt wird er wohl lebenslänglich als Wüstling ge« kennzeichnet sein! Zuchtvieh. Di«„Landwirtschastli chen Blätter" sind sehr unhöflich! Sie de- richten über einen Preiszuchtviehmarkt in wenig sympathischer Weise: „Der II»-Preis wurde einem Altstier der Gemeinde Donnstadt. der llb-Preis dem Vertreter der Gemeinde Haßloch zuerkannt." � Od sich nun der Altstier der Gemeinde Donnstadt oder der Herr Ter- treter der Gemeinde Haßloj) beleidigt fühlt? Franzensbad wird von Gästen aus ollen Ländern besucht, darunter auch aus äst» lichen Gegenden, wo Handel» und Feilschen heimatberechngt sind. Zu einem Bodearzt komnu eine Frau, die Rechnung für die Kon» sultationen zu begleichen. Dr. Lödcl nennt einen Betrag, die Frau legt die H ä l f t e der Summ« auf den Tisch. Ihre Verlenkette und Ringe lassen Si« ol» wohlhabend erkennen: kein Grund, da» Honorar zu ermäßigen. Dr. Label sagt:„Gnädige Frau, Sie habe» sich geirrt." Worauf di« Dame:„Aber, ein Doktor und handeln?!..." Tunney bleibt Boxweltmeister. Heeney in der 11. Runde technisch k. o. 190 New Yort, 27. Juli Jm Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewichtsbogen, am Donnerstag abend zum 24. Male im Yankee- Stadion, wurde der bisherige Weltmeister Tunney vom Ringrichter in der elften Runde zum Sieger durch technischen f. o. über den Herausforderer, den Neuseeländer Heeney erklärt. Heeney war zu dieser Zeit volltommen zermürbt. Während im Vorjahre etwa 150 000 Zuschauer dem Kampf Tunney Dempsey beiwohnten, waren diesmal nur etwa 40 000 3uschauer anwesend. Die Veranstaltung dürfte mit einem beträchtlichen Verlust abschließen, da man mit einer Einnahme von nur 600 000 Dollar rechnet. Tunney find 525 000 Dollar und Heeney 100 000 Dollar vertraglich zugesichert. Gave Tunney Berliner Arbeiter- Tennis in Front. Das am Sonnabend und Sonntag neben dem 3. sächsischen Kreisfest des Arbeiter Turn- und Sportbundes in Dresden durchgeführte erste größere bundesoffene Arbeiter Tennis= turnier hat den Berliner Tennissportlern der Freien Turnerschaft, dem Bezirt Tennis Rot, beste Erfolge gebracht. Ov= C148 wohl fich bis kommunistische Richtung nicht beteiligte, wurden glänzende Resultate herausgearbeitet, die auch für die auswärtigen Arbeiter Tennisspieler sehr ehrenvoll waren. Besonders gilt das für 3 widau, aber auch für Dresden und Kottbus. Ihnen schlossen sich Mannschaften aus Leipzig und Gera an. Die große Zahl der Teilnehmer bewies schon das starke Interesse an diesem Turnier. Hier wurde • teftatt parteimäßiger Phrajen prächtige sportliche Arbeit geleistet. Die Berliner zeigten sich fast immer in bester Form. Das gleiche gilt von den 3widauern, vor allem im Frauen- Einzel und im Gemischt- Doppel. Gutes Zusammenspiel, gute Rombinations gabe und Konzentrationsfähigkeit war beiden zuzuerkennen. Die Dauer des Beſtehens der einzelnen Gruppen und ihres Zusammenspiels war dabei natürlich von ausschlaggebender Bedeutung. Man sah baneben auch, welchen Wert selbst für das Spiel eine gute be= hörbliche Unterstügung ausmacht. Unsere Berliner tönnen in dieser Hinsicht sicher nicht flagen. Wir hoffen, daß aus diesem ersten größeren Gemeinschaftsspiel für die deutsche Arbeiter- Tennisbewegung ein besonderer Antrieb entsteht. Die wichtigsten Ergebnisse: der Theater und des Kinos erschienen, u. a. Dempsey mit seiner( Berlin) 4: 6, 0: 6. Männer B- Einzel: Kliebsch( Leipzig). gegen Rutter Frau, Jim Corbett und andere Boger. Der Bogtampf zwischen Tunney und Tom Heeney war einer der heißesten und blutigsten seit vielen Jahren. Schon von Anfang an holten beide Gegner zu den schwersten Schlägen aus. Heeney war sehr unsicher. In der zehnten Runde wurde er niedergeschlagen, stand aber sofort wieder auf; in die elfte Runde ging er völlig groggy". Sein Gesicht war nur noch eine blutige Maffe... Nahezu 60000 Zuschauer waren gestern abend im Dantee- teurStadion versammelt, um dem Borkampf beizuwohnen, in dem gum erffen Male feit 20 Jahren ein britischer Boger den Bersuch macht, die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zu er ringen. Um 9 Uhr abends waren ungefähr zwei Drittel der Bläge bejezt. Die einleitenden Borfämpfe verliefen in der üblichen Weise, außer einem, wo ein fnod out in der ersten Runde erfolgte. Als die Beit des Hauptereignisses des Abends nahte, begann sich das Stadion schnell zu füllen. Es waren viele Berühmtheiten des Sports, Schiebungen wird vorgebeugt! In manchen Bereinen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und Sportfartellen wird versucht, für die Spartakiade in Moskau Delegierte zu wählen. Durch Bundesbeschluß ist die Teilnahme an der Spartattade verboten. Der Bundesvorstand erwartet, daß ihm vom Einbringen solcher Anträge Kenntnis gegeben und feinesfalls Wahlen vorgenommen werden. Auch der Plan, sich vorher vom Bund abzumelden und dann nach der Teilnahme an der Spartakiade wieder einzutreten, entbindet nicht von der Verantwortung, welche die Teil nahme an der Fassung solcher Beschlüsse und der Spartakiadebesuch nach sich zieht. Zuwiderhandlungen gegen die neuen Bundesjagungen werden nachdrücklichst geahndet. Bom ATSB. wird uns auf die Aufforderungen der KBDBreffe, zur Finanzierung der Spartafiade- Delegation, auf Sammel listen Gelder zu zeichnen, mitgeteilt, daß die Sammlung von Geldern für die Spartafiadeteilnehmer im Widerspruch steht mit den Beschlüssen des Bundestages und deshalb verboten ist. Der Bundesleitung ist Mitteilung zu machen, wo und welche Bundes. mitglieder solche Listen zur Einzeichnung vorgelegt haben. Uebt Solidarität! Unterstügung des Schwächeren durch den Starten ist eine edle Sache auch im Arbeitersport. Die fleinen Arbeiter- Turn- und Sportrereine in der Broving ringen schwer, um ihre Entwicklung. Es fehlt nornehmlich an Technifern, an Uebungspläßen und Hallen, der Betrieb leidet unter Arbeitsüberlastung der Funktionäre. Lange Arheitszeit und geringer Lohn tun ihr übriges zum schweren Rampf. Die großen Stadtvereine haben die Pflicht, mit ihren Abteilungen aufs Land zu gehen, um durch ihre Teilnehmerzahl und fortschrittlichen Uebungsbetrieb die Veranstaltung der fleinen Bereine zu Budt und Größe werden zu lassen. Praktisch in großer Form zeigen, was der Arbeitersport zu leisten vermag, ist der Kern aller Werbung. So durchgeführte Veranstaltungen wirken auf die Massen und geben den schwachen Vereinen Winte, wie auch sie vorwärts tominen tönnen. Hier ein rühmliches Beispiel. Eine 200 Kinder fiarte Abteilung des Vereins für Leibesübungen Leipzig- Süd oft ist gegenwärtig in Oberfranten und führt dort in mehreren Orten( Selb, Rehau, Thierstein, Hochstädt, Arzberg, Brand) große Abendveranstaltungen durch. Schon seit dem Winter übten die Kleinen mit Begeisterung. Auch nicht ein Zweig der für Kinder geeigneten Leibesübungen bleibt bei den Vorführungen unberücksichtigt. Bo fie bis jetzt auftraten, ernteten sie ungeteilten Beifall und hohe Anerkennung. Die Beranstaltungen tragen zur Stärkung des Arbritersports in Oberfranken sehr viel bei. Warum sollen andere nicht Worte Großstadtvereine nicht ebenso merben fönnen? Taten der ihm braucht der Arbeitersport, um sich den Platz zu erobern-, gebührt! Eine Berichtigung". Zur Notiz im„ Abend" vom 14. Juli über die Vorkommnisse heim Frauenfest in Ertner sendet der Borstand der Turnersvarte jetzt eine Berichtigung. Zugegeben wird die Richtigkeit unserer Mitteilung, daß der Vorstand( Nigschte, Zeilinger, Stephan, fämtlich KRD.) ausdrücklich ihre 3ustimmung gegeben hatten, daß die Reichsbannerkapelle in Sportkleidung spielen darf. Aber, so heißt es weiter,„ die Durchführung dieses Beschlusses sei nicht Sache des Vorstandes, sondern der Kapellen gewesen!" Das ist ja ein ganz furiofer Standpunkt. Uns scheint ein Borstand, der Beschlüsse faßt, die Durchführung dieser Beschlüsse aber ablehnt, woltommen ungeeignet für sein Amt zu sein. Unsere Feft Hellung, daß die Beteiligten über bie erteilte Genehmigung im um Ein Amateur- Professional- Match. Bei einem Bogtampf in Madrid standen sich bekannte Amaund Brofeffionalboger einander gegenüber. Es ist im Ausland schon oft vorgekommen, daß Amateure bei ProfeffionalDeranstaltungen in den Ring gingen und umgekehrt, aber Kämpfe zwischen Profeffionals und Amateuren in solchem Ausmaße find noch nicht dagewesen. Im ersten Treffen siegte der Amateur Fliegenmeister Bilanova über Campos, während der Professionalmeister Gonzales( Bantam) den Amateurmeister Marli schlagen konnte. Der Leichtgewichtsamateurmeister Sauz fämpfte mit Fejene unentschieden, und der Amateurschwergewichtsmeister Berailt besiegte Alig n. P.. Frauen- Ginzel: Rohler( Berlin) gegen Schud( Dresden) 8: 6, 6: 4, 8: 6. Neigte( Berlin) gegen Bollad( Dresden) 6: 3, 6: 1. Neigte( Berlin) gegen Road( Berlin) 6: 2, 6: 2. Mener( Dresden) gegen Betersdorff( Berlin) 6: 3, 6: 0. Road( Berlin) gegen Händler( Dresden) 6: 2, 6: 4. Pampel( Zwickau) gegen Reizke( Berlin) 6: 1, 6: 0, Männer A- Einzel: Glaue( Berlin) gegen Rulosa( Dresden) 6: 2, 6: 2. Rubsch( Dresden) gegen Standschuß( Berlin) 8: 6, 8: 6. Glaue( Berlin) gegen Rubsd)( Dresden) 6: 1, 6: 1. Rante( Gera) gegen Grosche( Leipzig) 8: 6, 3: 6, 6: 1. Kucharsti( Berlin) gégén Röhlet. ( Dresden) 6: 4, 3: 6, 6: 3. Grosche( Leipzig) gegen Holze( Leipzig) 6: 2, 6: 1. Compagnini( Berlin) gegen, Schulze( Dresden) 6: 2, 6: 2. Hennig( Dresden). gegen Rühl( Leipzig) 3: 6, 6: 3, 6: 3. Frauen- Doppel: Schud- Justmann ( Dresden) gegen Gaste- Lehnicht( Rottbus) 6: 2, 6: 3. Rohler- Reizke( Berlin) gegen Schud- Justmann( Dresden) 6: 1, 6: 0. Männer Doppel: Kuchariti Glaue( Berlin) gegen Schulze- Rulosa( Dresden) 6: 0, 6: 2. Günther- Rohler ( Berlin) gegen Rubich- Aulosa( Dresden) 6: 0, 6: 1. Stanbichuk- Road( Berlin) gegen Rühl- Rliebsch( Leipzig) 6: 3, 6: 1. Rante- Köcher( Gera) gegen Wohlte. Fischer( Leipzig) 6: 1, 6: 3. Böscht Schmidt( Rottbus) gegen Rasche- Schutte ( Leipzig) 7: 5, 6: 2. Pöscht- Schmidt( Rottbus) gegen Fischer- Martin( widau) 6: 2, 6: 4. Geipelt- Solfert( Dresden) gegen Rante- Köcher( Gera) 6: 4, 2: 6, 16:14. Rohler- Günther( Berlin) gegen Geipelt- Solfert( Dresden) 6: 3, 6: 1. Ge. Böscht Schmidt( Rottbus) gegen Kohler- Günther( Berlin) 1: 6. 1: 6. nrischt Doppel: Günther- Glane( Berlin) gegen Meyer- Geipelt( Dresden) 6: 4, 6: 2. Seibefeld- Fischer( 3widan) gegen Rohler- Rohler( Berlin) 1: 6, 1: 6. Bampel- Mischlin( widau) gegen Petersdorff- Standichuk( Berlin) 6: 1, 6: 1. Tambel- Mischkin( midau) gegen Rohler- Rohler( Berlin) 4: 6, 6: 2, 6: 3. Neigte Glaue( Berlin) gegen Road- Rucharski( Berlin) 6: 1, 6: 3. Handballspiele. Morgen, Sonnabend, spielen in Hennigsdorf, Waldsportplay, um 19.20 Uhr Siemensstadt und Wilmersdorf. Groß- Berlin- SüdenJugend empfängt um 19 Uhr auf dem Urbanplag Spandau, Sonn tag, 29. Juli, spielen in Raulsdorf, Köpenider Straße, Kaulsdorf 1 gegen Potsdam um 16 Uhr. Von den Frauenmannschaften spielen Rüstig- Borwärts und Berlin 12 um 17 Uhr in Neukölln, Innstraße. Wilmersdorf spielt gegen Adlershof um 17% Uhr in Hennigsdorf, Baldsportplatz. Am Dienstag, dem 31. Juli, spielen in Bantow, am Bahnhof Heinersdorf, um 19 Uhr Pantom 1( Männer) gegen Schwimmverein Borwärts. flaren gelassen wurden, wird betreffs der Turnertapellen bestritten. Tatsache ist aber, daß unsere Notiz im„ Abend" überall Erstaunen erregte, zum mindesten wußten die Fest teilnehmer, die foon on vormiltags an in Aufregung gehalten wurden( ie Neunjährige Dauerschwimmerin. wollte das Fest verlassen, wenn Reichsbanner spielt), nichts von der Genehmigung. Aber auch das Verhalten des Baufenschlägers Dom Arbeitersportverein Lichtenberg, der auf das Reichsbanner ein schlagen wollte, läßt auf Unkenntnis schließen, denn sonst hätte er doch sein Schlagholz gegen den Spartenvorstand wenden müssen, der die Reichsbannerkapelle bestellt hatte. Schließlich wird noch bestritten, daß Nitschke( ebenso wie der Fichte- Turnwart Kienbaum) fich eifrig bemüht habe, eine erregte Stimmung gegen das Reichsbanner heraufzubeschwören. lleber diese Frage wird die vom Bund eingeleitete Untersuchung wohl bald Klarheit bringen Unterzeichnet ist die Berichtigung: Turnspartenvorstand, J. A.: 2. Rigschte, mit dem Stempel der Spartenvereinigung. Demnach scheint Nigschte nach wie vor die Geschäfte weiterzuführen, trotzdem er auf der Ausschlußliste steht und laut Bundesstatut während des Verfahrens feine Funktionen bekleiden darf. Wir möchten darauf hinweisen, daß das neue Bundesstatut bereits seit 1. Juli in Kraft ist. Olympia- Zensor in Amsterdam. Eine führende Amsterdamer Zeitung hatte vor einiger Zeit fcharfe Kritik an den schlechten 3ustand der Wettkampf. anlagen im Stadion geübt. Diese Kritik wurde von einer westdeutschen Tageszeitung übernommen, worauf man in Holland zu Bergeltungsmaßnahmen schritt. Als der Bertreter der betr. westdeutschen Zeitung am Donnerstag feine Preffetarte in Emp. fang nehmen wollte, wurde ihm diese unter Hinweis auf jenen friti fchen Artifel verweigert. Die bürgerlichen Olympiagrößen dulden teine Kritik! Rudern ein Jungbrunnen. HA Ruth Fiege, eine neunjährige Schülerin des Brieger Lyzeums durchschwamm die Oder von Brieg bis Ohlau, 15 Kilometer.. in sechs Stunden. Schon im Vorjahre hat das Kind eine Langstreckenleistung von 8500 m vollbracht mm Vereinskalender. Eine bemerkenswerte Leistung vollbrachte fürzlich eine Bierermannschaft im Alter von zusammen 256 Jahren, deren Schlagmann 74 Jahre zählte. Sie fuhren in einer mehrtägigen Wanderfahrt auf der Mosel von Trier nach Koblenz und hatten unterwegs Gelegenheit, einen verunglückten deutschen Vierer aus Rotterdam kameradfchaftlich zu unterstützen. Trotz der herrschenden Hize tamen fie frisch lieb der GBD. find, beteiligen fich an der Berjammlung im gehrervereinsund wohlbehalten in Koblenz an. Deutsche Segelflugerfolge in Frankreich. Die Gesamtwertung des Segelflugwettbewerbs in Bauville stellt fich wie folgt: Höhenflug: 1. Preis Flugzeug Württemberg( Flieger 5irth) 327 meter; 2. Flugzeug Darmstadt( Flieger Nehring) 230 Meter. Weitstreckenflug: 1. Flugzeug Württemberg( Flieger Hirth) 29 Kilometer; 2. Flugzeug Darmstadt( Flieger Nehring) 24,9 Kilometer; 3. Flugzeug Kassel( Flieger Kegel) 7 Rilometer. Summe der erreichten Höhen: 1. Preis Flugzeug Württemberg ( 5) irth); 2. Flugzeug Kegel- Biclet( Magerjuppe); 3. Flug zeug Darmstadt( Nehring). Flüge von mindestens einer halben Stunde Dauer: 1. Flugzeug Württemberg( 5) irth) 10 Flüge; 2. Flugzeug Mar Kegel( Mageriuppe) 6 Flüge; 3. Flugzeug Darmstadt( ne hring) 4 Flüge. Ein für den am besten placierten franzöfifhen Segelflieger ausgefeßter Breis wurde dem franzöfifchen Flieger Alfred Auger, der mit dem Segelflugzeug Bautour sich an dem Wettbewerb beteiligte, zuerkannt. Die Mit glieder der Französischen Fliegervereinigung Sprachen den Gewinnern, vor allem Wolfgang Hirth, ihre Glückwünsche aus. De: Bürgermeister von Cherbourg und der Bizepräsident des Verbandes ber Fluglehre: brachten dem in Cherbourg anwesenden Borfißenden des Rhön- Institutes Dr. Walter Georgi ihre Anerkennung und Glüdwünsche zum Ausdrud. Arbeiter Radfahrerbund Solidarität", Berlin 2. Abt. Conntag, 29. Juli, 5 Uhr Seddiner Sec. 15 Uhr Rütt- Arena. Start Dieffenbachstr. 36, bei Rohde. Gäste stets willtommen. haus, Alexanderplat, am Montag, 30. Juli, 19% Uhr. Thema: Die Borgänge in der Arbeitersportbewegung." Parteibuch ist vorzuzeigen. Touristenverein„ Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Detsgr. Berlin: Mittwoch, 1. Auguft, Antikriegstundgebung. Treffpunkt aller Mitglieder um 18 Uhr Zeppelinplag, an der Müllerstraße. Bon dort aus gehen alle beteiligten Sportler zum Humboldthain( Anschluß für Nachzügler). Fahnen find mitzufithren. Abt. Charlottenburg: Freitag, 27. Juli, 20 Uhr, Spreestr 30, unterhaltungsabend. Abt. Suboft: Freitag, 27, Juli, 20 Uhr, Briger Str. 27. Seimabend. Abt. Treptow: Freitag, 27. Juli, 20 Uhr, Elsenstr. 3. Bunter tuuftgemeinschaft: Freitag, 27. Juli, 20 Uhr, Johannisstr. 14/15. Feldblumen. Abend. Abt. Reukölln: Freitag, 27. Juli, Babeabend Alingenberg. Mal Abt. Briz: Montag, 30. Juli, 20 Uhr, Chauffeeftr. 10. Bortrag. Photo Ausstellung: Das gemeinschaft: Montag, 30. Juli, 20 Uhr, Ebertnftr. 12. Faltbootgruppe: Connabend, 28. Juli, Fahrt mit Bootstaufe Wochenende." obere Dahme- Groß Köris. Abfahrt 17% Uhr Görlizer Bahnhof nach Salve ( Rückfahrkarte). Ortsgr. Berlin: Montag, 30. Juli, 20 Uhr, Funktionär versammlung, Johannisstr. 14/13. Sportverein Sparta Berlin. Treffpunkt zum Eportfeft in Tegel am 29. Juli, Rathaus Königstr., 7 Uhr. Mittwoch, 1. Auguft, Funktionär igung in der Kartellgefchäftsstelle Landsberger Str. 82, 7 Uhr. Freitag, 3. August, Bierteljahrsversammlung in der Kartellgeschäftsstelle, Landsberger Str. 82, 7 Uhr. Arbeiter- Rabfahrer- Bund Solidarität", Gau 9. Rennfahrer und Wettfahrausschuß. Connabend, 28. Juli, abends 8 Uhr, im Ge mertschaftshaus, Berlin, Engelufer 24/25, Gaal 1, Begrüßungsabend unserer zu den Gaumeisterschaften auf der Rüti- Arena hierhergekommenen Bundesgenossen. Da auch die Genossen aus Frankreich, Belgien und Darmstadt in Berlin sind, so ist es Ehrenpflicht aller Genossen, besonders aller Bahne und Straßenfahrer, zu erscheinen. Kein Eintrittsgeld. Gonntag, 29. Juli, müssen alle gemeldeten oder startverpflichteten Rennfahrer bis mittags 1 Uhr auf ber Rütt- Arena zur Stelle fein. feet sorber um 12.30 Uhr mittags im total Gwars, Sasenheide 63( am Die Mitglieder der Gauleitung, bes Gausport- und Wettfahrausschusses treffen Untergrundbahnhof Safenheide). wxo& Demokratie der Kleidung. Bon der Handweberei zur Maffenkonfettion. Die Demokratie marschiert auf verschiedenen Wegen und fie ußert sich nicht allein politisch, wirtschafts- und fulturpolitisch, sondern tritt auch bei ganz andern Anlässen auf. Die Scheinbar unwichtig und höchst nebensächlich, in Wirklichkeit aber für die Entwicklung demokratischer Gedanken und Zustände höchst bedeutsam ist die Entwicklung der Kleidung. Einst, vor Jahrtausenden und Jahrhunderten, waren die Zäsaren und Raiser, die Prinzen und Fürsten, die Großen und Edlen eines Reiches mit den kostbarsten farbigsten Gewändern angetan. Das Kleid unterschied fie äußerlich von jedem anderen Menschen, und zwar sofort und auf den ersten Blick. Niemals fonnte ein Mann geringen Standes mit einem Großen verwechselt werden. Bruntgewänder der Großen mit ihren noch durchweg handgefertigten und deshalb zwar fünstlerisch außerordentlich wert vollen aber auch ungeheuer teuren Zierraten als: Brotat, Seide, Spizen, Bänder, Sammet, und schließlich die Berbrämung und Ausstattung mit feltenen Belzen, der Schmuck mit edlen Metallen und seltenen Steinen, alles das war für den Bürger und erst recht für den fleinen Mann unerschwinglich und sollte auch bewußt und abfichtlich unerschwinglich sein. Die Kleidung war es, die die Klassen am schärf sein. Die Kleidung war es, die die Klassen am schärf sten voneinander schied. Gegen Prunk und Pracht der ften voneinander schied. Gegen Brunt und Bracht der fürstlichen Kleidung fonnten anfangs felbft die reichen Kaufherren nicht an. Herrenkleidung für Arm und Reich. Aber dann kam die Maschine und schleuderte Tausende von Die moderne Frau. bol about Etwas anders ist die Entwicklung der Kleidung bei der Frau. Zwar ist der Schnitt und die Mode heute vollkommen demokratisch. und wenn auch die Frau der Aristokratie ihren höchsten Triumph darin sieht, der Mode der Masse um ein paar Wochen oder einen Monat voraus zu sein, so nüßt ihr das nicht viel, denn die scharfen Augen der weniger begünstigten Mitschwestern haben sehr schnell die Unterschiede der geltenden Mode erkannt und ändern eben ihre Kleidung entsprechend. In der Frauenkleidung aber spielen ihre Kleidung entsprechend. In der Frauenkleidung aber spielen heut noch wie vor Zeiten die zierenden und schmückenden Zutaten eine große Rolle. Die seltensten, echtesten Spizen und teuersten Stoffe und Belze sind eben nur dem Reichtum zugänglich und der Minderbemittelte muß mit Imitationen vorlieb nehmen. Aber immrhin ist die Illusion durch die Imitation auch etwas wert, und wer heut am Sonntag nachmittag über die Promenaden und durch die Parts unserer großen Städte geht, der fann beim besten Willen nicht unterscheiden, ob das schlanke elegante Mädel, das vor ihm geht, eine schlichte Hausangestellte oder die Tochter eines Groß kaufmanns iſt. In England und in Amerita hat man längst aus dieser Demokratisierung der Kleidung die Folgerung gezogen: Jedes anständig und sauber gekleidete Mädel, und sei es das einfachste Geschäftsmädel, wird als Dame behandelt, ein Ziel, dem auch bei uns nachzustreben ist. So macht auch auf dem Gebiet der Frauenkleidung die Demokratisierung ihren kulturfördernden Einfluß bemerkbar. Das Kleid des Soldaten. der Front verschwand der Offizier sehr gern in der Maffe Menfch Und es wird Aufgabe einer aufmerksamen Demokratie sein, zu vera hindern, daß sich beim Friedenssoldaten die Neigung nach Kenn zeichnung der Chargen allzu sehr austobt. Besonders im amerika nischen Heer sehen wir deutlich das Streben, den Soldaten durch die Kleidung, d. h. die Uniform, nicht allzusehr aus dem Volk heraus< zuheben. Im Amerika hat die Uniform eine gewiffe Tendenz zur Sportskleidung an sich. Und das ist im Sinn der Demokratie gut, denn das Heer soll nicht etwas Besonderes, es soll ein Teil des Bolfes sein. Man sieht aus alledem: die moderne Kleidung ist ein nicht un wsentlicher Helfer in dem Ausgleich jener Klassengegensätze, die durch die Brunkkleider de: altbevorrechtigten Stände unterſtrichen, wenn nicht gefördert wurden. Tr. Ursache des belgischen Waffenarbeiterstreifs. Die Betriebsleitung will die Gewerkschaften sprengen. Brüffel, 27. Juli.( Eigenbericht.) Der Streit, der in der großen Nationalen Waffenfabrik in Herstal in Lüttich ausgebrochen ist, hat für die belgische Arbeiterschaft eine grundsägliche Bedeutung. Die Betriebsleitung hat eine Betriebstrantentaffe eingerichtet, trotzdem die große Mehrzahl der im Betrieb beschäftigten Arbeiter bereits bei einer gewertschaftlichen Krantentaffe versichert ist. Der 3wed der Kaffe ist, diese gewerkschaftlichen Krankenkassen und damit die Gewerkschaften selber zu schädigen, sowie den unorganisierten Arbeitern besondere Vorteile zu sichern. Aehnliche Versuche, die gewertschaftliche Krantentassenorganisation zu zerstören, werden auch von anderen Unternehmern gemacht. um diese Angriffe abzumehren, find 5000 Arbeiter der Aersdaler Waffenfabrik einschließlich mehreren hundert christlichen organisier ten Arbeitern in den Streit getreten. Metern Sammet, Hunderte und aber Hunderte von Metern feinster dieser Demokratie der Kleidung. Nur ein einziger macht noch eine Hilfe von Technifern, Angestellten und Gelben menigstens teilweise Spize heraus. Da fielen die Preise für diese Dinge und viele konnten sie sich kaufen. Feine seidige Tuche spann die Maschine zu unendlicher Länge, an denen Fürst und Bürgersmann ihre Freude hatten. Jetzt fonnten beide sie bezahlen, so billig waren sie. Tracht wandelte sich zur Mode, denn die schnell produzierende Maschine erlaubte es, die Form der Kleidung zu wechseln. Zwar sah der Große noch seinen Stolz darin, jeden Wandel der Mode mitzumachen, aber er war nicht mehr allein, auch der wohlhabende Bürger, der reiche Handelsherr fonnten jetzt die Mode mitmachen. Immer vollkommener wurden die Maschinen, immer billiger die Stoffe, immer häufiger wechselte die Mode. Längst waren die bunten Brunkgewänder nur noch besonderen Feierlichkeiten überlaffen oder sie hatten sich zu den Uniformen der Soldaten geflüchtet und übten hier ihren alten Rimbus aus. Bon England und Frankreich aus verbürgerlichte sich die Kleidung mit ungeheurer Schnelligteit. Lord und Börsenmann waren durch die Kleidung nicht mehr zu unterscheiden, alle Standesmerkmale waren durch die neue Kleidung beseitigt: fie duldete teine Bordüren, feine Lizen, feine Schnüre. Im Gegenteil, wer auf den Gedanken tam, seinen Stand durch besondere Merkmale an der Kleidung zu fennzeichnen, machte fich lächerlich. Immer weiter ging die Demokratifie rung der Kleidung: der fleißige und sparsame Arbeiter fonnte eines Tages hingehen und sich ein Kleid fertigen laffen, das sich vielleicht im Preis, aber auf keinen Fall äußerlich bitch die Form von der des Prinzen und Herzogs unterschied. Und Diese Tatsache bedeutet für die Demokratisierung der Welt einen ungeheuren Fortschritt, denn wer will wiffen, ob der elegante junge Herr, der ruhig und sicher über die Promenade schreitet, ein Graf oder ein Handelsherr oder ein Arbeiter ist? Man kann es nicht mehr wissen. Folglich ist man gezwungen, den einen so höflich und anständig zu behandeln wie den andern. Aber noch eine ganz andere unerwartete Wirkung hatte die pon England beeinflußte Herrenmode. Sie schuf uns das internationale Herrenkleid. So sehr man sich in Berlin, Wien, New York Mühe gibt, eine Mode mit nationaler Betonung zu schaffen, to na ngebend ist und bleibt London. Die deutschnationalen und völkischen Herren bedanken sich bestens, bei großen Anlässen in einer Kleidung aufzutreten, die der von ihnen vertretenen deutschen völkischen Eigenart entspräche, also etwa in tniefreien Wanderhosen und Rittel oder Bams mit freiem Hals. Man fann vielmehr schmunzelnd feststellen, daß diese stolzen Teutomanen gehorsam in das Kleid von internationaler Geltung gefrochen sind, in den Frad, und sogar besonderen Wert darauf legen, einen Frack nach neuestem englisch- internationalen Schnitt zu tragen. Sie wissen oder ohnen gar nicht, wie sehr sie mit diesem Anzug dem international- demokratischen Gedanken huldigen. Und selbst wenn fie es wiffen, werden sie nicht wagen, in den Reunions der ausländischen Lurusbäder und den Festen der internationalen Lurushotels anders als im Frac zu erscheinen. PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 30. Juli BTC Potsdamer Straße 38 Jackle Coogan in Jaekle, der Schiffsjunge Jugendliche haben Zutritt Rheinstraße 14 Die Jugend der Königin Luise mit Mady Christians Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Str. 75 Herbstzeit am Rhein Mit Gesangseinlagen Jugendliche haben Zutritt Turmstraße 12 Carmen Boal, Jack Trevor in Liebeskarneval Alle Stände, Berufe und Klassen beugen sich heute bereits Ausnahme: Dem Soldaten sieht man es äußerlich an, ob er ein General oder ein Gemeiner ist. Aber auch hier machte sich bereits im Krieg eine Demokratie bemerkbar. Denn merkwürdig, die Kugeln machten feineswegs einen ehrerbietigen Umweg um den Herrn Major. oder den Herrn Hauptmann. Im Gegenteil, sie schien sich mit besonderer Vorliebe gerade die Herrschaften auszusuchen, die sich in ihrer Kleidung durch Litzen, Bordüren, Treffen, Schnüre, Knöpfe als besonders hoch im Rang verrieten. Das war den Trägern feineswegs angenehm und so bemerkte man auch schon im Krieg die Tendenz, die Abzeichen, die im Frieden auf dem Ererzierplatz und auf der Straße eine so große Rolle spielen, so unauffällig wie möglich zu gestalten. Im Krieg, d. h. an Alligatorsische im Aquarium. Scholze Curr Mahlsdorf Su Im Berliner Aquarium sind neuerdings zwei foge nannte Alligatorfische eingetroffen, die sich von den schon lange hier befindlichen Kaimanfischen oder, wie man sie auch häufig nennt, Knochenhechten, durch die breitere Schnauze unterscheiden. Sie sind im Süden der Vereinigten Staaten zuhause. Auf Berfolgung und auf Vorstoß lassen sich diese sonderbaren Gesellen nicht ein, trog ihrer schnabelähnlichen, scharfen Kiefer; auch darin unter scheiden sie sich von den Hechten, mit denen sie nicht verwandt sind. Angesichts der Versuche der Betriebsleitung, den Betrieb mit aufrechtzuerhalten, und dem provokatorischen Verhalten der an die Streifstelle abkommandierten Gendarmen sind schwere 3u+ fammenstöße zu befürchten. Ausdehnung des französischen Seeleutestreifs. Paris, 27. Juli.( Eigenbericht.) Der Streit der französischen Dockarbeiter hat heute neue Ausdehnung gewonnen. In Dünkirchen und Rouen ruht der gesamte Schiffsverkehr. In Rouen sind die Forderun gen der Streifenden bereits anerkannt worden, so daß dort mit einer baldigen Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen ist. In Le Havre konnte gestern nur der Amerikadampfer„ Suffren" auslaufen, nachdem etwa 50 Mann der Besatzung ersetzt worden waren. Die Bewegung hat auch auf die Häfen von Brest, Cher. bourg, Bordeaux und Marseille übergegriffen, wo es bisher allerdings nur zu Teilstreits gekommen ist. Ausstellung buchgewerblicher Schülerarbeiten. Eine sehenswerte Schau buchgewerblicher Arbeiten, an der die Berufsschulen DON Frankfurt a. M., Nürnberg, Zittau, Bremen und Wilhelmshaven- Rüstringen beteiligt sind, befindet sich gegenwärtig im Buchgewerbesaal in der Dreibundstraße 5. Als besonderes Merkmal dieser fleinen, aber ungemein anregenden Ausstellung ist die wirkungsvolle fünftlerische Gestaltung der typographischen Arbeiten anzusprechen, wobei auch alle Gestaltungsmöglichkeiten der Schrift voll zur Geltung fommen. Auffallend find die Entwürfe der Berufsschule Nürnberg für Ehrenurfunden, Diplome und Zeugnisse, und die Kunst- und Vielfarbendrucke der Franf furter Berufsschule. Die Arbeiten bilden den besten Beweis für den Wert gut eingerichteter Schulwerkstätten, die ihre Aufgaben Ergänzung der Werkstattlehre nur dann erfüllen fönnen, wenn das Werfft üd im Mittelpunkt des Unter richts steht. Bemerkt sei, daß es sich nicht nur um reine Lehrlingsarbeiten handelt, sondern auch um Arbeiten von Sonderfursen, die zur beruflichen Fortbildung für die Gehilfen eingerichtet find. Auf der Ausstellung, die auch den mit dem graphischeit Gewerbe nicht beruflich Verbundenen interessieren dürfte, offenbart sich in reizender Weise die schwarze Kunst" als eine schöne Kunst. Eine Besonderheit bilden noch die ausgestellten Lehrbücher für Buchdrucker aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Besuch der Ausstellung, zu der der Zutritt frei ist, fann jedem warm empfohlen werden; sie ist an Wochentagen bis 6 Uhr( Sonnabends bis 1 Uhr) geöffnet; Sonntags geschlossen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Heiter und ziemlich warm, später wieder zunehmende Bewölkung. Deutschland: Heiter, trocken und warm, später im Westen beginnende Zunahme der Bewölkung und im äußersten Westen etwas Regen. KINO TAFEL Südwesten Osten = ilm- Palast Kammersåle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. Achtung! Beg. 6.30. Andreasstraße 64 Eines starken Mannes Liebe Die Hölle der Jungfrauen mit Werner Krauß Süden Th. am Moritzplatz Beg. W. 6.15, 9. S. ab 4 Uhr Chikago Bobby, der kleine Detektiv Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Die Durchgängerin mit Käthe v. Nagy Pat und Patachon im siebenten Himmel Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspielé Neukölln, Bergstraße 151-152 Eheskandal im Hause Promont jr. und Risler sen. Bühnenschau Tempelhot Alexanderstraße 39-40 Tivoli- Lichtspiele ( Passage) Eines starken Mannes Liebe Der Ueberfalli. d. Silberschlucht Tempelhof, Berliner Str. 97 Wenn die Mutter und die Tochter Bahnenschau Die Dame und ihr Schofför Der Bandit Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Mady Christians in Fräulein Sehofför Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Margot Landa, Harald Paulsen in Flitterwochen Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Die Durchgängerin mit Käthe v. Nagy Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Eins, zwel, dreilos( Daniels) Du sollst der Kaiser meiner Seele sein Alhambra Müllerstr. Die Karussell des Todes uroßes beiprogramm und Bunenschau Metro- Palast Chausseestraße 30 Es war nach Herm. Sudermann Beiprogramm u. Bühnenschau Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Der Florentinerbut Ein Mädel aus dem Voike Gesundbrunnen ,, Alhambra Liebe und Trompetenblasen mit Badstraße 58 Harry Liedtke Friedrichsfelde Harry Liedtke in Die Wiskottens Große Ausstattungs- Revue: Es war einma'. 16 Mitwirkd. 16 Bilder Große Bühnenschau Kammerlichtspiele Humboldt- Theater Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Maria Stuart, I. u. II. Teil, mit Magda Sonja, Fritz Kortner Lustiges Beiprogramm Badstraße 19 Miiak, der Grönlandjäger Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 30. Juli Weißensee Der geheimnisvolle Ozeanflug Schloßpark Film- Bohne Die Leoparden- Lady Große Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Kreuzzug des Welbes mit Harry Liedtke u. Conrad Veldt Venus im Frack Bühne: Berliner Allee 205-210 Die Hölle von Mont Martre Der schwarze Blitz mit Richard Talmadge Große Ausstattungs- Revue Charlottenburg Ich u. das große Los Sketsch Schlüter- Theater Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a Beg. 7.30, 9 Uhr Majestät schneidet Bubiköpfe Jugendliche haben Zutritt Schlüterstr. 17 Wegen Renovierung geschloss. Wiedereröffnung Anfang August Schöneberg früher Titania( uta Schöneberg berg) Tivoli- Lichtspiel- Th. Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U Berliner Straße 27 Dorine und der Zufall Streng vertraulich Große Bühnenschau Nieder- Schönhausen Film- Palast Wehe, wenn sie losgelassen mit Blankenburger Str.+ Henny Porten Blätt. Paulan i. Herkules- Pillen! Bühné: Die lachende Grill: m. Lya Mara Im weißen ROBI Fräulein Chauffeur mit M. Christians Ritter ohne Furcht und Tadel Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Liebeskarneval Bühne: Der galante Chansonnier Pau: O'Montis