Morgenausgabe Ar. 353 A 180 45.Jahrgang öchentlich 85 Pfg, monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat. * Der Barwärts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Jllustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen Stimme Technit". Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 28. Juli 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezelle 80 Wennig. Reklamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden ( traße 3. wochentägl. von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donbofi 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr. 3 Washington begünstigt Nanking. Der Faschismus in Argentinien Handelsvertrag China- Bereinigte Staaten. Washington, 27. Jull Der neue Zolltarifvertrag zwischen den Vereinigten Staaten and China ist am 25. Juli in Peting unterzeichnet worden. Der Bertrag gewährt China volle Autonomie in allen Fragen der Zolltarifpolitit und trift am 1. Januar 1929 in Kraft, falls er bis dahin von belden Regierungen ratifiziert worden ist. Freudiges Echo in China Japaner. Mißstimmung der Pefing, 27. Juli. Die chinesische Presse äußert sich höchst befriedigt über ben neuen Zolltarifvertrag mit den Bereinigten Staaten und deutet ihn als einen erneuen Beweis der freundschaftlichen Gesinnung Ameritas. Die Unterzeichnung des Bertrages sei ein Ereignis von weitefttragender Bedeutung für die Weltstellung des neuen China, bedeute dessen moralische Anerkennung feitens der Bereinigten Staaten und werde zwangsläufig auch den anderen Mächten den Weg vorzeichnen. Die in. Beling erf heinenden japanischen Zeitungen bezeichnen den Vertrag als eine Gefte ohne materiellen Gewinn für China, da. Amerita damit feinerlei Rechte aufgebe, solange die anderen Mächte ihre bisherigen Privilegien behaupten. Sie frisifleren befonders abfällig den von der Washingtoner Regierung befonders a biatlig und über die japanische Politit in der Mandschurei muß die natio nale Regierung eine dirette Einmischung der japanischen Regierung in die inneren Angelegenheiten Chinas und eine Berlegung der nationalen Souveränität erblicken. Die Bereinheitlichung Chinas und die Abschaffung der Verträge sind zweierlei. Die erstere betrifft die innere Politit, die letztere die Außen politit Chinas, die man nicht miteinander vermengen darf Dadurch, daß Japan sich der Abschaffung der ungleichen Berträge widerfeßt, hofft es, feine besonderen Privilegien in der Mandschurei aufrechtzuerhalten. Diese Haltung Japans steht aber in traffem Widerspruch zum Geiß und Buchstaben des Bölterbund statuts und des in Washington von den neun Mächten unterzeichneten Abfommens über die territoriale Integrität und Souveränität Chinas. Japan fontrolliert die Mandschurei. New York, 27. Juli. ,, Herald Tribune" veröffentlicht an hervorragender Stelle eine Depesche ihres Berichterstatters in China, in der es heißt. daß Ja. pan tatsächlich jetzt die Mandschurei kontrolliere. Nanting fönne feit drei Tagen nicht mehr mit Mufden verkehren, da der Funkverkehr von den Japanern unterbunden worden sei.„ New York Times" spricht die Hoffnung aus, daß das Beispiel, das Amerika in feiner Note an China gegeben habe, von den anderen Nationen befolgt werde. zur Unterzei- hmung des Bertrages gewählten Zeitpunkt, der nichts Japanische Oppositionspartei gegen Machtpolitit. melter als eine Stimmungsmache für die grundlägliche Bereitwilligfeit zur Revision der China- Berträge bebeute, die ja fchließlich auch von den anderen Mächten einschließlich Japans Längft, und wiederholt: betont morden sei. Tofio, 27. Juli, Chinesischer Proteft gegen Japans Einmischungs japanische Regierung würde die Belange der japanischen Bürger in versuch. Paris, 27. Juli. Die Barifer Bertretung der Sanfi Regierung ver öffentlicht einen aus Ranting stammenden Brotest gegen die Haltung ber japanischen Regierung. Diese Kundgebung besagt a. a.: In den Erklärungen des japanischen Ministerpräsidenten und bes japanischen Ronfuls von Mufben über die ungleichen Berträge Schärffte Antwort Polens an Litauen. ,, Dauernde Unterschiebung friegerischer Absichten." Genf, 27. Juli.( Eigenbericht.) Der ständige polnische Delegierte beim Bölferbund hat dem Böllerbundssekretariat am Freitag im Auftrag feiner Regierung eine Rote übergeben, die eine sehr deutliche und scharfe Antwort Bolens auf die fürzliche Klage Litauens über angeblich bevorstehende große polnische Manöver im Wilnagebiet dar stellt. Die polnische Note betont, daß Bolen alljährlich in ver. schiedenen Teilen feines Landes militärische Manöver abhält und in diesem Jahre wie im vorigen Jahre im Wilnagebiet, zwar nicht im Auguft, wie Litauen angab, aber im September die üblichen Manöver stattfinden. Die Manövergegend läge weiter von der polnisch- litauischen Grenze entfernt als im vorigen Jahre. Im Anschluß an diese Angabe bezeichnet die polnische Note die litauischen Behauptungen daß die Sicherheit der litauischen Grenze gefährdet fet, als eine Anschuldigung, die jeder Begründung ent. behrt. Die polnische Rote geht dann zu folgenden allgemeinen Bemertungen über: Die polnische Regierung meift jeden ausländischen Brotest gegen fein Recht, auf seinem Gebiet militärische Uebungen abzu halten, fategoris zurüd. Die Barschauer Regierung stellt feft, daß das dauernde fitauische Bestreben, Bolen einzig und allein auf Grund infontrollierbarer Breffemeldungen friegerische Ab.. fichten zu unterschieben, ein ernstes unrecht ist, das vom Bölkerbund nicht geduldet werden barf. Dieses Bestreben ist um so verdammenswerter, als Litauen die polnischen Borschläge auf Abschluß eines Nichtangriffspattes zurüdgewiesen und im Gegensatz zu der Resolution des Bölterbundsrates vom 10. Dezember 1927 seit mehr denn sechs Monaten unzählige Schwierigkeiten, hervorgerufen hat, um ein Ergebnis der polnischLitauischen Berhandlungen, die das gute Einvernehmen... von bem der Frieben abhängt, zum Ziele hatten, zu verhindern. Die polnische Regierung, die auf die feierlichste Weise die Berficherung abgegeben hat, baß fie bie friedlichen Beziehungen zu Litauen aufrechterhalten will, die den guten Willen gezeigt hat, in diretten Berhandlungen zu einem guten Einvernehmen zu ge langen, protestiert auf das farffte gegen die von der fitauischen Regierung angewandten Methoden. Diese stelen darauf hin, am Borabend der Bölterbundsversammlung eine Atmo sphäre der Unsicherheit zu schaffen und die Berant wortung Litauens für bas Sheltern der Berhandlungen mit Die Oppositionspartei Minjeito bat dem japanifchen Rabinett eine Erklärung überreicht, in der gegen die ja pa nische Politit in China Einspruch erhoben wird. Die China beffer wahren, wenn sie Verhandlungen mit. der Ranting- Regierung einleiten würde. Die bisherige Politit erinnere an eine Macht politit gegenüber einem Kolonialvolt, die bei den heutigen Verhältnissen nicht mehr angebracht sei. Im Widerspruch zu dieser Machtpolitik stehe das Verhalten der japani schen Regierung gegenüber den energischen Forderungen der Mantingregierung bezüglich der alten und neuen Verträge. Es liege nicht in dem Interesse Japans, in China sich einen Feind zu schaffen. Die letzten Bombenattentate.- Der Führer des Faschio als Attentäter schwer fompromittiert. L. G. Buenos Aires, im Juli. Das Bombenattentat gegen das italienische Konsulat in Buenos Aires, durch das nicht weniger als acht Menschen getötet und vierzig zum Teil schwer verlegt wurden, hat Mussolinis Bruder, Arnoldo, in einem Leitartikel feines römischen Blattes die argentinischen Behörden der Nachlässigkeit und Duldung antifaschistischer Elemente beschuldigen und die verfassungsmäßigen Freiheiten der Republit als ,, verbrecherisch" bezeichnen lassen, weil sie die Regierung verpflichte, den verbrecherischen und politischen Ballast mit dem Mantel der Freiheit zu decken und zu schützen!" Deshalb, so sagt Mussolini, sei es ,, notwendig, mit einem so gefährlichen Zustand ein Ende zu machen". Und er sagt weiter, solange das nicht geschehe, sei es ,, lächerlich und grotest, von guten Beziehungen zu sprechen, wenn man die Verbrechen gegen Italien duldet, unterstützt und rechtfertigt". Es sei daher dumm und verbrecherisch, aus dieser Duldsamfeit eine Frage der Freiheit zu machen". Diese herausfordernde Sprache hat auf die Argentiner, denen die Verfassung vom 16. Juli 1816 ein unantastbares Heiligtum ist, eine Wirkung gehabt, die lange anhalten und alle Bemühungen der offiziellen faschistischen Emissäre, als die der Gesandte des Duce und seine Konsuln offen für den Faschismus werben, zum Scheitern bringen wird. Bei einiger Kenntnis der politischen Psyche des argentinischen Boltes hätten die Unfehlbaren" in Rom wohl unterlassen, das argentinische Bolt und seine Preffe in so herausfordernder Weise zu reizen. Da man aber im Chigipalast anscheinend nicht weiß, daß ,, Amerika" aus zwei Hemisphären besteht, von denen jede ihr eigenes politisches und fulturelles Leben hat, beurteilt man es von dem Gesichtspunkt aus, der in Washington vorherrscht und von dort durch den Botschafter Child nach Rom übertragen wurde. Die politischen Gesichtspunkte Washingtons und Roms werden aber hier a b= gelehnt, seit der große Bruder" im Norden aufgehört hat, ein Vorbild der Demokratie und ein Hort der Freiheit zu sein, und seit der Faschismus das freie Italien Cavours, Garibaldis und Mazzinis in einen Sklavenstaat umgewandelt hat. Das Schicksal Nikaraguas und die von der Dollardiplomatie ausgegrabenen Grenz= streitigkeiten zwischen mittel- und südamerikanischen Republiken mit drohender Intervention Washingtons haben das auf seine Unabhängigkeit und Freiheit stolze Bolen, die die litauische Regierung nicht bestreiten kann, vor der argentinische Bolt ebenso mit Mißtrauen erfüllt, wie die öffentlichen Meinung der Welt von sich abzuschieben." Kabinett Korosetsch gebildet. Unter Führung des Glowenen Korosetsch. Belgrad, 27. Juli. Dem Führer der Slowenisch- kleritalen Partei korofetich, der schon im alten österreichischen Nationalrat eine Rolle spielte, ist es gelungen, ein kabinett zu bilden, das am Freitag nach mittag vom König bereidigt worden ist. Es jetzt sich zum größten Teil aus Mitgliedern des vorigen Kabinetts zusammen. In die neue Regierung wurden acht Radikale, vier Demotraten und zwei kleritale aufgenommen, darunter als Ministerpräsident und Innenminiffer Dr. Korosetsch( Slow.Kler.) und als Außenminister Dr. Marinkowitsch( Dem.). faschistische Dittatur mit ihren Greueltaten ihm die Erinnerung an die Schreckensherrschaft des Diktators Manuel Rojas dauernd wach hält. Das argentinische Bolk ist demofratisch und republikanisch aus Ueberzeugung. Der Abscheu vor jeder Dittatur wird hier den Kin dern schon in der Schule durch den Geschichtsunterricht eingeimpft und das Urteil über die 22jährige Diftatur Rojas wird in den Worten zusammengefaßt: Nicht die Asche seiner Knochen darf in argentinischer Erde ruhen! Ein Bolt, das so im Haß gegen die Diktatur und in der Liebe zur Demokratie und Freiheit erzogen wird, setzt natürlich allen reaktionären Bestrebungen, die es auch hier natürlich allen reaktionären Bestrebungen, die es auch hier gibt, den stärksten Widerstand entgegen. Das hat die ,, ig a Patriotica" erfahren, der so lange die Massen zuströmten, als das bolfchemistische Gespenst im Lande herumspukte, der sie aber den Rücken fehrten, als sie sich mili⭑ tärisch organisierte, indem sie ihre Mitglieder in Fliegerbrigaden, Eisenbahnerbrigaden, Chauffeurbrigaden und so weiter organisierte, zugleich auch rückschrittlich in den politiRiefenaussperrung in England.schen und arbeiterfeindlich in den ſozialen Kampf einzugreifen 500 000 Zegtilarbeiter werden aufs Pflaster geworten. London, 27. Juli.( Eigenbericht.) Die englischen Spinnereibesiker beschlossen in einer Versammlung in Lancaster, am 11. August sämtliche Arbeiter auszusperren und die Betriebe still zulegen. Bon diesem Beschluß werden mehr als 500 000 Arbeiter betroffen werden. Der Konflikt innerhalb der englischen Textilindustrie war schon seit längerer Zeit latent. Die Arbeitgeber bestanden auf einer Lohnkürzung und auf einer Verlängerung der Arbeitszeit. Lohnherabsetzung bei der Eisenbahn. London, 27. Jufi. Zwischen den Eisenbahngesellschaften und den Eisenbahngewertschaften ist heute em provisorisches blommen für die Dauer von 12 Monaten getroffen worden, wonach vom 13. Auguft ab alle Löhne und Gehälter, einschließlich der jenigen der Direktoren und Geschäftsführer, um 2,5 Prozent herabgelegt werden. begann. Mittlerweile ist die Mitgliederflucht so stark ge= worden, daß die Liga nur noch ein Scheindasein führt. Wie das Volk jede Absicht verurteilt, eine Gewaltherrschaft in irgendeiner Form einzuführen, hat auch der Kriegsminister Justo erfahren, als er den Bersuch machen wollte, nach dem Beispiel des chilenischen Diktators General Ibanez alle Macht an sich zu reißen. Damals hat ihm das Militär den Gehorsam offen verweigert und die ganze Landespresse hatte eindringlichst vor den Folgen gewarnt, die derlei Gelüfte haben müßten. Auch der gegenwärtige Außenminister Dr. Gallardo ist in der heftigsten Form getadelt worden, als er bei seinem jüngsten Besuch in Rom seine Sympathien für den Faschismus und den Duce lauter geäußert hatte, als er das als Außenminister einer demokratisch regierten Republik tun durfte. Bielleicht sind es derartige Sympathiebeweise gewesen, die Mussolini veranlaßten, die Propaganda für den Faschismus hier offiziell zu organisieren und in Buenos Aires einen Hauptfaschio für ganz Südamerika einzuseßen; seitdem gebärdeten die Faschisten sich so, als ob Argentinien eine Kolonie Mussolinis wäre. Die Folge war eine tiefgreifende antifaschistische Bewegung mit flammenden Reden über bie Schreckensherrschaft in Italien an den Straßenecen im Allgemeine Krise rechts. Rebellion der katholischen Arbeiter gegen die Bayerische Volkspartei. 001 A Ueber die Stimmung in christlichen Arbeiterfreifen gegen die springt derselben Ursache mie die Krise der Deutschnationalen. Die katholischen Arbeitervereine sind seit der legten Wahl Bayerische Boltspartei gibt eine Entschließung ein Bild, die von tief unzufrieden, weil sie bei der Kandidatenaufstellung an der Bezirksfonferenz der 56 katholischen Arbeiter und Arbeiterinnendie Wand gedrückt worden sind. Nun hat die Bayerische Volks- vereine Münchens gefaßt worden ist. Diese Entschließung ruft bie J. partei das Sozialministerium und den Sozialminister gesamte katholische Arbeiterschaft in ganz Bayern auf, ihre StellungDs mald geopfert, um die Rechtstoalition aufrechterhalten nahme zu den Führern und Abgeordneten der Bayerischen Bolfs zu können. Das hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Im partei von ihrer Einstellung zu der Frage des Sozial Drgan des Verbandes Süddeutscher fatholischer ministeriums abhängig zu machen. Arbeitervereine erscheint unter der Ueberschrift unsere Geduld ist zu Ende" ein Artikel, in dem es heißt: 11 „ Schließlich sind die Lage schon wieder ziemlich meit zurüd, wo man christliche Arbeiter an die vorderste Front in Politit und Staat berufen hat, und auch bei den Wahlen haben diese christlichen Arbeiter ihre Pflicht getan, die sie auch getan hätten, wenn man nicht allerhand Zusagen und Versicherungen gegeben hätte, weil diese christlichen Arbeiter staatspolitisch geschult sind und wiffen, was auf den Spiele steht. Aber die Art und Weise, wie man jetzt bei der Regierungsbildung in Bayern vorgeht, wie das Sozialministerium mit einem Federstrich hinweggefegt wird, mie man gegen Sozialminifter Oswald vorgeht, Der Fall Lambach. Zustimmungserflärungen für Lambach. Die Pommersche Tagespost", das deutschnatio nale Organ in Stettin, schreibt noch heftigen Ausfällen gegen Hugenberg und Bang zum Fall Lambach: Zentrum des Geschäftsviertels und in den von Arbeitern und fleinen Angestellten bewohnten Stadtteilen. Diese Aufs flärungsarbeit ist noch durch massenhafte Verteilung von Flugblättern gefördert worden und hat dem Ansehen des Faschismus derart geschadet, daß fast allgemein irgendein ..großer Gegenschlag" der Faschisten erwartet wurde, durch den die öffentliche Meinung gegen die Antifaschisten aufgebracht werden sollte. Als nun das Bombenattentat am Die Bayerische Boltspartei, die dritte der sogenannten| Bahl des Minnisterpräsidenten, die Borstellung der 23. Mai erfolgte, war der erste Eindruck, daß es eine be- Bolts" parteien, hat nun auch ihre Krise. Diese Krise ent Kabinettsmitglieder und die Regierungserklärung. stellte Arbeit sei. Dieses Empfinden haben gleich am Tage des Verbrechens einige Nachmittagszeitungen, darunter die größte, Critica", durch fette Ueberschriftenzeilen und in Artikeln Ausdruck verliehen. Daß diese Vermutung richtig war, hat die polizeiliche Untersuchung bewiesen. Nach einer eingehenden Untersuchung durch Chemiker und Sachverständige für Explosivförper ist die Polizei zu der Ansicht gekommen, daß die explodierte Bombe nicht in Argentinien hergestellt, sondern aus dem Auslande eingeführt worden ist. Sie ist auch gar nicht besonders start gewesen, so daß, wenn sie in einem größeren Raum des Konsulats explodiert wäre, sie wohl viel Lärm gemacht, aber faum größeren Schaden angerichtet hätte. Nur der Umstand, daß sich in dem kleinen Zimmer die Gase nicht schnell genug ausbreiten konnten, hat das große Unglüd verursacht. In der Bombe sind auch weder Blei- noch Eisenstücke enthalten gewesen, wie sonst, wenn es auf die Tötung von Menschen abgesehen ist. Es hat sich also bei dem Attentat mehr um die Absicht gehandelt, 2 ufiehen zu erregen, als um einen wirklichen Anschlag gegen Personen. Die Annahme, daß die Faschisten hier selbst mit Bomben attentaten arbeiten, um das sehr getrübte Ansehen des Faschismus wieder aufzufrischen und die Behörden wider die Antifaschisten scharfzumachen, ist durch ein zweites ein zweites Bombenattentat gestärkt worden, das im Hause des Führers des hiesigen Faschio, des italieniischen Oberstleutnants Afeltra, wenige Tage nach dem Attentat im Konsulats gebäude verübt wurde. In diesem Falle haben die polizei lichen Erhebungen festgestellt, daß die Bombe nicht außen on der Mauer explodierte, wie Afeltra angegeben hatte, sondern im 3immer selbst! Durch die Explosion war die Zimmerwand nicht nach innen eingedrückt worden, sondern nach außen! Auch sind Spuren der herumfliegenden Bomben splitter auf der Innenseite der Mauer entdeckt worden, was nicht möglich wäre, wenn die Bombe außen explodiert wäre. Afeltra hatte auch auf der Polizei ausgesagt, die Bombe sei wahrscheinlich in das Gitter eines Lüftungstanals gelegt worden, aber es wurde festgestellt, daß ein solcher Lüftungstanal gar nicht vorhanden war. Wegen dieser mert würdigen Widersprüche ist Afeltra unter dem Berdacht verhaftet worden, die Bombe selbst zur Explosion gebracht zu haben! Tatsächlich geht aus den polizeilichen Feststellungen hervor, daß Afeltra diesem Attentat nicht fernstehen fonnte. Afeltra hat, wie nachträglich festgestellt wurde, lange Zeit die Gunst Mussolinis genossen und auch ein Gramen als Bizetonful gemacht. Er hatte start gehofft, Konjul in Buenos Aires zu werden. Afeltra scheint aber in Rom vergessen worden oder gar in Ungnade gefallen zu sein, denn die Ernennung ist ausgeblieben. Nach der Ansicht einiger Polizeibeamten hielt Afeftra durch das Attentat im Ronfufatsgebäude die Beit für ge forunen, fich in Rom durch ein gleiches Attentat gegen ihn felbft in empfehlende Erinnerung zu bringen. Merkwürdig ist, daß es über diese zwei Attentate hier fehr still gemorden ist. Das haben einige große Zeitungen mit der Möglichkeit verglichen, die Täter des Mailänder Attentats gegen den König festzustellen. Deß hier in Buenos Aires feinerzeit geschrieben worden ist, das sei eher ein Attentat der Faschisten gegen den König, ohne die Absicht, ihn zu töten, sondern um ihn den politischen Zielen Mussolinis noch ge fügiger zu machen, befremdet es hier nicht, daß weder die hiesigen noch die Mailänder Attentäter bei allen Anstren gungen nicht eruiert werden können. Dennoch hat Mussolinis Bruder den Mut aufgebracht, der argentinischen Nation die Berantwortung und der argentinischen Verfassung die Schuld für die Reaktion gegen die faschistische Gewaltpolitik zuzuschreiben Dadurch hat der Faschismus erfreulicherweise auch die Sympathien derjenigen eingebüßt, die mit dem faschistischen Regime liebäugelten Die in den letzten Monaten vor den zwei Attentaten ziemlich laut geäußerten Wünsche, einige der faschistischen Methoden auch hier einzus führen, find ebenso verstummt wie die Rufe der Faschisten nach polizeilichem Schuß por den antifaschistischen Dynamitarden. Mussolini hat in Argentinien die erste Schlacht ver loren, und er wird nicht mehr Glück haben, wenn er eine zmeite Kraftprobe wagen sollte. Severing räumt auf. Der Reichsminister des Innern hat der von seinem deutsch nationalen Borgänger kommissarisch in das Reichsministerium des Innern berufenen deutschnationalen Abgeordneten des preußischen Landtages, Frau von Tilling, bereits vor 14 Tagen mitgeteilt, daß ihre Tätigkeit als hiffsarbeiterin mit dem 31. Juli dieses Jahres als beendet zu betrachten ist. Frau von Tilling war von ihrem Parteifreund Keudelt anter anderem zur Mitarbeit an dessen Reichsschulgefeßentourf beauftragt. Die Frage eines Reichsschulgefeges ift zurzeit nicht afut, so daß die Aufhebung des Dienstverhältnisses zu Frau von Tilling durchaus notwendig war. Jaurès Hof in Wien. Der jüngste Gemeindewohnbau. wie man die christlichen Arbeiter vor den Kopf stößt, mur um den revolutionären Bauernbund in feinem Machthunger zu befriedigen und angeblichen staatspolitischen Notwendigkeiten gerecht zu werden, fann nicht wirkungslos bleiben. Sicher wird die chriftliche Arbeiterschaft in feinem feindlichen Lager Hilfe suchen und nicht auf Lockrufe sozialistischer Rattenfänger gehen. Sie fühlt sich auch in Bayern start genug, sich durchzusehen. wenn nicht in der Bayerischen Volkspartei, dann auf anderen Wegen; im Meinen ist es da und dort schon in Gemeinden und Bezirken er wiesen worden. Zunächst seien diese Ausführungen ein Warnungsrufin tester Stunde an die verantwortlichen Stellen in der bayerischen Regierung und der Bayerischen Bolkspartei. Die christliche Arbeiterschaft behält sich alle Schritte vor. Für alle Fälle läßt sie fich nicht politisch an die Wand brüden oder gar mundtot machen. Wir erklären mit aller Deutlichkeit: Unsere Geduld mit der unantastbaren, oberen Beamtenclique hat nunmehr ihr Ende gefunden! Nochmals: Die christliche Arbeiterschaft läßt sich eine derort megwerfende Behandlung nicht mehr länger bieten, sie ist sich ihrer macht bewußt und wird sie in gegebener Stunde zu gebrauchen wiffen." " Das sind fräftige Tone! Die fatholischen Arbeiter Banerns fommen zur Erkenntnis, daß fie in der sogenannten Bolkspartei" mißbraucht werden. Sie fordern stärkere Be rücksichtigung ihrer Interessen. Was sich in den sogenannten Bolksparteien Deutschnattonale, Deutsche und Bayerische Bolkspartei vollzieht, ist ein Stüd Klassentampf. Es ist interessant, daß der ,, Deutsche", das Organ der christlichen Ge werkschaften, den fatholischen Arbeitern in Bayern rät, sich träftig gegen die soziale Reaktion zur Behr zu jegen. Soziale Reaktion- das ist die Bayerische Bolfspartei, ihre eigene Bartei! Die Opferung des Sozialminifteriums. München, 27. Juli.( Eigenbericht.) un Die Regierungsverordnung über die Aufhebung des Sozialministeriums und des Handelsministeriums wurde am Freitag abend vom Verfassungsausschus des Bayerischen Landtages mit 17 Stimmen gegen 10 ber Oppo fition und eine Stimmenthaltung des Deutschvolfspartellers gutgeheißen. Die endgültige Entscheidung über die Borlage fällt am Montag im Plenum des Landtages. Daran schließt sich die Eine Ohrfeige für Bazille. Ein deutschnationaler Hifforifer für den Einheitsstaat. Stuffgart, 27. Juli.( Eigenbericht.) Wo ist denn die Jugend, in deren Namen Herr Sievefing gegen Lambachs Darstellung Protest erhob? Man sehe von Pommern und Ostpreußen ab, und die einst so hoffnungsvolle Bismardjugend besteht noch aus Bruchstücken und feinen Gruppen. Wenn die Partei auf diesen Nachwuchs angewiesen sein soll, dann muß fie aussterben. Seitdem Herr Hugenberg in die Arena geritten ist, um Lambach aus dem Sattel zu werfen, mehren sich die Stimmen, die nicht mehr von einem Kampf gegen den Neuerer Lambach sprechen, sondern von einer Attade gegen den Sozialpolitiker Lambach. Wie meit Hugenbergs Gefolge in seine wirklichen machtpolitischen Biele eingeweiht ist, mag dahingestellt bleiben. Durfte fich Botsdam II der Wirkung ganz verschließen, die der Aus= schluß des Sozialpolitifers Lambach auf die Massen der Angestellten, der Arbeiter, der Beamten, der Rentner usw. hervorrufen muß? Mag es taufendmal zutreffen, daß die R.v.A.- Bewegung im Gegensah zur chriftlich- nationalen Bewegung steht; menn es sich darum handelt, ob die Sozialpolitik in vernünftigen Grenzen fortgeführt oder abgebaut werden soll, wird sich nur ein Widerstand gegen den Abbau finden. Mit einer Be setzen. Diese Auseinandersetzung ist aufzubauen auf den Willen zur wegung, die nun einmal vorhanden ist, muß man sich auseinanderEinheit und Geschlossenheit der Partei. Die Bewegung zu ignorieren, würde heißen, der Partei die Zukunftstanäle ab= perren. Die Bewegung erfchlagen zu wollen, wäre eine törichte Bermessenheit." Die Ortsgeruppe Dresden DHV. hat ebenfalls Lambach das Bertrauen ausgesprochen. Es friselt bei Scholz. Wie das Nachrichtenbureau des Bereins Deutscher Zeitungs perleger erfährt, hat der deutsch- volksparteiliche Reichstagsabgeord nete Otto Ihiel unter dem 27. Juli folgendes Schreiben an die Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Bollspartei gerichtet: Sie fragen mich banach, mas ich zu den Bemühungen des Berliner Tageblatts", innere Fragen der Deutschen Bolts partei in die Vorgänge um Bambach hineinzuziehen, fage. Meine Animert ist furg und bündig: 3h würde es als eine Gemeinheit anjehen, ausgerechnet zu derfelben 3eit, in der sich unser Parteiführer in feinem wohlverdienten Erholungsurlaub befindet, eine Parteifrife anzuzetteln, mie fie bas ., Berliner Tageblatt" offenbar herbeisehnt. lleber gemiffe Sorgen, bie mich und bie in der Deutschen Bolts partei vertretenen Arbeitnehmer bebrüden, habe ich schon lange, bevor es einen Fall Lambach gab, Herrn Dr. Streiemann in loyalster Weise aufgeflärt. Mein Ziel ist, diese Spierigteiten mit der Partei und zum Nutzen der Partei, nicht aber in einer anderen Partei gegen die Deutsche Boltspartei zu überwinden. Und das hat Zeit, bis Dr. Strefes. mann fich, hoffentlich recht gut, erholt hat. Mit deutschem Gruß Otto Thiel, M. d. R." Das zeigt deutlich genug, daß die Leute um Thiel gegen ben frassen Unternehmerstandpunkt und gegen die Führung des Herrn Dr. Scholz aufbegehren. zum Kleingeld der lanbläufigen Beschimpfungen gegen die Sozialdemokratie ausgemüzt. Die Versammlung der Nullen in Moskau erhält ihr Pensum eingebläut. Fünf Millionen für Wetterschäden. Auf Geverings Veranlassung. Eine Ohrfeige für den beschränkten und lediglich auf Agitationsrücksichten beruhenden Partitularismus des württembergischen Unterrichtsministers. Bazille bedeutet das rückhaltlose Betenntnis des Deutschnationalen Historifers der Tübinger Universität, Profeffor Haller, zum deutschen Einheitsstaat, das er in einem Vortrag vor dem nationalen Studentenklub in Tübingen abgelegt hat. Haller stellte sich ausdrücklich das Thema:" Bundeswirtschaftlicher Erzeugnisse fünf Millionen zur Behebung der Unstaat oder Einheitsstaat?" Auf das bundesstaatliche System der Borkriegszeit, besonders auf das Doppelspiel zwischen dem Reich und Breußen, führte er die meisten politischen Schäden zurüd, die das Deutsche Reich erlitten hat. Mit Entschiedenheit beftritt er, daß die kulturelle Kraft des deutschen Voltes aus seiner bundesstaatlichen Gliederung erwachsen sei. Der Einheitsstaat würde die Besonderheiten der einzelnen deutschen Stämme unbe rührt lassen. Der Widerstand gegen den Einheitsstäat wird nach Hallers Meinung lediglich von den höheren Beamtenfreifen der Länder geleistet. An die akademische Jugend richtete Haller den Appell, sich ihre unitarische Gesinnung zu bewahren. Das Konzil von Moskau. Die gehorsamen Nachbeter haben das Wort. Schon vor längerer Zeit hatte die preußische Staatss regierung die Forderung, aufgestellt, daß von dem 30- mil lionen- Fonds des Reiches zur Förderung des Absatzes landwetterschäden, die namentlich in einigen preußischen Provinzen traß waren, abgezweigt, würden. Dieser preußische Antrag war im Reichsrat gefallen. Annahme jand dagegen im Reichs tagsausschuß zur Durchführung des landwirtschaftlichen Notprogramms ein Antrag von Lewis( Dnat.) und Hilferding, daß zwar die 30 Millionen unberührt bleiben follten, daß aber aus ben lleberschüssen des Jahres 1927 extra fünf Millionen für die landwirtschaftlichen Unwetterschäben auf die Länder verteilt werden sollten. Das Kabinett Marr hatte zwar diesem Antrag grundsäglich zugestimmt, aber erklärt, daß er undurchführbar fei, weil buchmäßig über die Einnahmen von 1927 schon perfügt märe. Der neue Reichsinnenminister Severing hat diese für die Landwirtschaft bedeutsame Frage erneut geprüft. Auf Antrag Severings hat das Reich stabinett beschlossen, den Betrag von fünf Millionen für 1929 in den Etat einzustellen. Abgegolien werden sollen damit aber vor allem die Schäden aus den Jahren 1927 und 1928, weshalb die Mittel auch ipfort bereit. des Barlaments zu verlangen sein. Bereits in der nächsten Woche soll die Entscheidung darüber fallen, wie diefe fünf Millionen vom Minifter Severing auf die Länder verteilt werben follen. Kaum zwei Wochen vor der zehnjährigen Wiederkehr des Striegsausbruches und des Tages, an dem Jean Jaurès durch Mörderhand als erstes Opfer des Bölkermordens fiel, hat das rote Wien einen seiner neuesten Wohnhöfe, draußen an der Weichbildgrenze, im Arbeiterbezirt Favoriten( X.), nach dem großen Die Diskussion über das Referat Bucharins auf dem Rongreß der Borkampfer der Bölkerverföhnung benannt. Der Gebenfrede fommunistischen Internationale in Moskau ist eintönig. Die Bergestellt werden sollen. Später würde dann die Zustimmung Dr. Wilhelm Ellenbogens folgte die Enthüllung dieser Getreter der Sektionen treten auf und jagen ihr Sprüchlein, wobei die denktafel: Bucharinschen Ideen stereotyp auf die Verhältnisse ihrer Länder angewandt werden. Dieser Hof führt seinen Namen nach dem franzöfifchen Bolitiker Jean Jaurès, der 1904 in Paris die Bereinigte Sozialistische Partei gründete, die Versöhnung mit Deutschland an= bahnte und 1913 die Verständigungskonferenz in Bern einberief. Er fiel als überzeugter Kriegsgegner einem Mordanschlag zum " Opfer. 1859 bis 1914. ** Arbeiterfrauen und finder führten Reigentänze por: ein fehr befannter Schauspieler rezitierte Szenen aus dem Grabinal des unbekannten Soldaten". Dann fangen alle das Lieb der Arbeit. " Für die deutsche Delegation hat Thälmann gesprochen. Die deutsche Delegation ist vollkommen einverstanden... Die Sozialdemokratie unterstüßt aktiv die imperialistischen Kriegsvorbereitungen... Die Entwicklung des Reformismus zum Sozialfaschismus ift eine allgemeine Erscheinung... Der Borwärts" führt eine offen antibolichemistische Sprache... Und so weiter. Was Bucharin vorgefagt hat, befet Thälmann eifrig nach, und dann wird es in der deutschen kommunistischen Presse Berfassungsfeier in Medlenburg. Aus Anlaß des Reichsverfassungstages veranstaltet die medlenburgische Landes: regierung am 11. Auguft, vormittags 11 Uhr, eine größere Feier im Landtagsfaal des Schlosses. Nach einer musikalischen Eine teitung wird Etudienrat Dr. Koszminsti über das Thema Goethe als Begbereiter des Deutschen Reiches" sprechen. Den Schluß der Feier bildet eine Ansprache des Staatsministers Dr. Freiherr von Reibnit Oeuffchnaiionale und Angesietlie. „Wir von berZieichoiagsarbeit eine Zweipfenniglohnerhöhung oder sonst einen materiellen Vorteil in seinem Berus erhofft, für den ist lein plot> in der deutschnationalen Partei." (Aus einer deutschnatl. Parteikorrespondenz) .Wie— dafür, daß Sie uns Ihre Stimmen geben, verlangen Sie wirtschaftliche Vorteile? Wo bleibt denn da der nationale Idealismus? Krankreich und der Separatismus Eine Erklärung poincares und eine Aniwort Harry Keßlers. In Paris lebt als politischer Flüchtling der ehemalige Separatistensührer M a t t h e s. Obwohl das Londoner Re- parationsabkommen eine allgemeine A m n e st i e für alle Taten aus der Separatistenzeit vorsah, zieht es cherr Matthes, ebenso wie Dr. Dorten und andere„prominente" Führer der rheinischen Loslösungsbewegung, vor, i n Frankreich zu leben. Es fragt sich nur, wovon. An- scheinend beruht die Existenzgrundlage dieser Herren vor allem darauf, daß sie über die Zusammenhänge von 191g bis 1923 sehr viel wissen, und daß gewisse französische Re- ierungsstellen verhindern möchten, daß sie zu reden an- angen... Wie dem auch sei, Herr Matthes lebt in Paris und ver- sucht, sich nützlich zu machen. Als kürzlich das Buch vom Grafen Harry Keßler über„Wolter Rathenau, fein Leben und sein Werk" erschien, da schrieb Herr Matthes dem französischen Ministerpräsidenten Poineara, Keßler hätte in diesem Buche behauptet, daß dse Annexion de» Rheinlandes das Ziel der französischen Regierung zur Zeit der Ruhrbesetzung gewesen märe--- Darauf antwortet? P a i n r o r e, in einem Brief an Matthes: ..Diese Behauptung ist vollkommen falsch, und die französische Regierung hat memals danach gestredt, da« Rheinland zu annektieren." Das illtra-„pazifistische" Blatt der F. W Foerster- Mertens-Gruppe,„Die Menichhe« t", die offenbar zu Matthes gute Bsziehungcn unterhält, druckte alsbald den Brief Poincaros ab. Daraufhin hat Graf Keßler an den französischen Ministerpräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Sie werden mir gestatten, Ihnen zu sagen, daß Herr Matthes Ihren guten Glauben getäuscht hat. Nirgends Hab« ich in meinem Buche gesagt, daß Sie die Absicht gehobt hätten, die Rheinlande zu„annektieren"; ich unterschreibe im Gegenteil Ihr Dementi, daß«in« Annexion der Rheinland« im politischen und staatsrechtlichen Sinne nie in der Nachkriegszeit «In von der französischen Regierung»erfolgtes Ziel gewesen ist. Aber ich habe gesagt und kann nur meine Behauptung aufrecht erhalten, daß Ihre Politik daraus ausging, die Rheinland« vom Deutschen Reich abzutrennen, indem ein„autonomer" Rhewstoot geschassen wurde, der staatsrechtlich weder zum Reich, noch auch zu Frankreich gehört Hölle, der aber aus unbestimmte Zeil von größtenteils französischen Truppen beseht und an Frankreich durch die starken, vom Senator Dariac in seinem Bericht an Sie vom ZZ. RIot l92Z erdachten und genau beschriebenen Bindungen gekettet, zwangsläufig unter dem entscheldenen Einfluß von Frankreich gerate« wäre. Es handelt sich also in der Tat keineswegs um eine „Annexion", sondern um eine Angliederung der Rhein-- lande an Frankreich dprch Einrichtungen, die denen analog gewesen wären, durch die Frankreich sich Tunis, England Aegypten, die Vereinigten Staaten Euba angegliedert haben. Mir scheint, Herr Ministerpräsident, Sie selbst dürften nicht imstande sein, eine andere Deutung für die Erleichterung zu finden, die die französischen Besatzungsbehörden der separatistischen Bewegung gegeben haben, dw ganz offen einen Rheinswat unter dem Schutze Frankreich? errichten wollt:.•-"< Die Antwort Keßlers trifft in der Tat den Kern dev' Sache. Ohne eine formelle Annexion zu erstreben, ging Hl« damalige Politik Frankreichs ouf eine Zexschlagung der deutschen Einheit, oder zumindest auf eine Loslösung des Rheinlandes vom Reichsgefüge aus. Ob nun die franzö- fische Regierung diese offene Unterstützung der Separatisten durch die Besatzungsbehörden offiziell angeordnet hatte oder ob sie sie nur st i l l s ch w e i ge n d billigte, ist ziem» lich einerlei. Auf der anderen Seite glauben wir gern, daß die franzö- fische Politik seit 1924 diese Ziele völlig aufgegeben hat, nachdem sie erkennen mußte, daß sie sogar unter den durch die Ruhrbesetzung erzeugten Zuständen nicht erreicht werden konnten. Wir haben sogar Grund zur Annahme, daß der Ministerpräsident Ppincaröauf diesen Teil der franzö- fischen Nachkriegspolitik alles eher denn stolz ist. Das Ausliesemngsbegehren. Es wird verhandelt— und es wird gehetzt. Des A u s l i e f e r u il g s b e g eh r e n der französischen Besatzungsbehörden hat noch mitten im Stadium der � B e r h a n d l u n g e n die Dimensionen einer hochpolitischen Angelegenheit angenommen, die dem gegenwärtigen Stand . der Dinge in keiner Weise entsprechen. Schuld daran ist I eine Mischung van nationali st ischerBösartigkeit und von pressepolitischen sowie diplvmati- scheu Regiefehlern. Die am Donnerstag abend von der„Telegryphen-Union* verbreitete Darstellung, wonach die Reichsregierung dem Aus- lieseruugsbegehrcn stattgeben würde, mußte den Ein- druck erwecken, als handle es sich um eine bereits abgeschlossene und entschiedene Angelegenheit. In Wirklichkeit wurde in Koblenz bereits seit längerer Zeit über den Fall verhandelt, und eine für beide Teile durchaus b e f r i e d i- g e n d e Lösung stand unmittelbar bevor, als offenbar nicht ohne Absicht— die Tatsache der französischen Forderung in sensationeller Aufmachung durch gewisse Agenturen mit- geteilt wurde. Anstatt nun die Presse sofort über die wahre Sachlage zu informiersu, haben die zuständigen Stellen sich darauf beschränkt, die Mitteilung zu bestätigen und zu ver- sichern, daß das formale Recht auf französischer Seite liege. l In Wirklichkeit hat es in den letzten Iahren Hunderte solcher Auslieferungsforderungen gegeben, die stets durch Verhandlungen glatt geregelt werden konnten. In einigen ausgesprochen kriminellen Angelegenheiten ist unter früheren Regierungen die Auslieferung sogar tatsächlich erfolgt. Ini vorliegenden Falle, der einen politischen An- strich hat, muß natürlich ein Ausweg gefunden werden. Es mag sein, daß einige französische Herren in Koblenz, die ein Interesse daran haben, eine frühere Räumung zu verhin- dem und die deutsch-französischen Beziehungen zu trüben, es darauf angelegt haben, besondere Schwierigkeiten zu machen. Die französischen Regierungsstellen i n P a r i s waren bis gestern über die Angelegenheit gar nicht informiert. Erst jetzt ist man auf den naheliegenden Gedanken ge- kommen, durch diplomatische Schritte in der französischen Hauptstadt eine schnellere Beilegung dieses maßlos auf- gebauschten Zwischenfalles zu veranlassen. Auch auf französischer Seite sind, weizp wir recht unterrichtet sind, ähnliche diplomatische Bemühungen im Gangt Das h y st e r i ich e Geschrei der deutschnationalcn Presse, die verrückten Kundgebungen der vaterländischen Ver- bände beweisen lediglich, daß die Rechtsparteien ein Ab- lenkungsmanöoer von ihrer eigenen schweren Lambach-Krise dringend brauchten und daß sie aus innerpoli- tischen Letzgründen ganz bewußt einen außenpolitischen Kon- slikt schwerster Axt heraufzubeschwören bemüht sind. Das Echo der pariser Hetzpresse. pari», 27. Juli.(Eigenbericht.» Da« A u, kies eru v N»k> e g e h r e n des französischen Rhein» landkvmnnssars findet in der hiesigen Rechtspresse natürlich eifrigste Unterstützung. Die ablehnend« Haltung der beut- scheu Presse wird dagegen als Zchnrfmacherei hivgestellt. Dir fimfs» presse hüll sich außetzprörMtich Mijck. Zeigi Schwarzroigold! Seebäder und Reichdflogge. Die„Deutsche?ag°vzeitung" wendet sich gegen die Absicht de? Reichsbanners, in den Seebädern schwarzrotgoldene Werbeumzugc zu nerapstasten. Das sei Provokation und 3 error. Das Blatt droht mit Ausschreitungen, wenn die„aktive Flaggenpropoganda" Tat werden sollt». E, gab ein« Zeit, in der die Gesinnungsgenossen der „Deutschen Tageszeitung" in der Reichsregierung feierlich oersprach«», den Äteichssarben die ihnen zukommende Achtung zu- kommen zu lassen und sie vor der Beschimpfung Uebelwollender zu schützen. Di« betresfenden Herren haben Inzwischen abgcwirtschastet. Wenn man daraus, wie nach der Angabe der„Deutschen Tages- zeitung" angenommen werden muß, den Schluß ziehen soll, daß das feierliche Wort der deutschnotionalen Parteiführer nicht mehr gilt, so ist das eine Propaganda für schwarzweißrot« Eha» r a k t c r st ä r k e. die für sich selbst spricht. Das bedeutet aber nicht, daß damit schwarzweißrotem Uebel- mollen ein Freibrief ausgestellt wird. Der prgußischc Innen- m i n i st e r hat in seinem Bädererlaß für den passiven Flaggenschutz gesorgt. Damit kann es nicht sein Bewenden haben. Die Reichs- flagge hat ein Anrecht darauf, allenthalben im Reiche gezeigt zu werden. Wenn die Herrschaften in den Seebädern diese Flagg« sabotieren, so ist es nur zu begriißen, wenn sich Repu- blikoner finden, die ihr Geltung verschaffen- Paßt das den schwarz- weißroten Herrschaften nicht, so mögen sie sich einen Aufenthalt wählen, der außerhalb der schwarzrotgoldenen Grenzen der Repu- blik liegte » Aus dem Ostseeliad Rügenwaldermünde wird uns ge- schrieben: Hier ist auch heule noch alles auf Schwarzweißrot ein. gestellt. In einzelnen Hotelzimmern Kaiserbilder. Richi«ine schwarzrotgoldene Flagge am Strande. Biel« Badegäste mit Stahl- Helmabzeichen und monarchistischen Emblemen dekoriert. Es lohnt sich, diese antirepnblikqnischen Badegäste cinmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Blättert man in der kurliste. so findet man zur guten Hälfte aktiv« Beamte der Republik darunter: Oberregierungsräle. Zstinisteriolbcamte. Lehrer usw. Und das sind die tonangebenden Antirepublikansr am Strande- Kelnem von ihnen fällt»s«in, sich der Republik gegenüber, die sie bezahlt, an- ständig zu benehmen. Zur.Jllttstration der schwarzwejßroten Gesellschaft diente ein sogenanntes Reiter fest, das am Sanntag hier stattfand. Der kiestplatz schwarzweißrot geflaggt. Der e r r e n"— meist adlig« Gutsbesitzer aus der Umgebung— in roten Iagdröcken aus Wilhelms Zeiten. Mongkel ins Auge geklemnü. Di«„Knechte", d. h. die Mitglieder der Reilcroerefne, angeblich Bauern, dursten zum Gou� d'iim der„Herren" Wettrennen zu Fuß und ähnliche Scherze ver- anstalten. Preisverteilung, an der sich auch ein Reichswehr- oberleutnan« in Uniform aktiv beteiligte, ver Abschluß ein großes Zechgelage in einem Hotel, das bis 8 Uhr morgens dauerte iind in«inen Lärm ucherging, der alles andere als herrlich und her, ichafilich war. Unter diesen Umständen kann man sich nicht wemdern, wenn der hier piel gelesene p s l i n« r A n z e i g e r", her zngleich die a m t- lichenÄnzeigen bringt, nichts unterläßt, um sich an der Repu- bllk und der proutzrjchen R-gi-ravs zu r-idni... Di« belgische Militärdebatte. Sozialistische Kriedenöworte erregen nationalistische Kriegs- Hetzer. Brüssel, 27. Juli.(Eigenbericht.) Die Regierung hat in der Kommer bei der Militärdebatte«in« neu« Niederlage erlitten. Trotz ihrer Bemühungen wird die Gen«- raldebalte über den Gesetzentwurf auch diese Woche noch nicht bc- endet, sondern auf nächsten Mittwoch vertagt werden. Ob sich die Kammer dann noch entschließen wird— sie steht kurz vor oen Ferien—, die Spezialdebatte zu beginnen, bleibt abzuwarten. In der Donnerstagnachtsitzung kam es zu heftigen Zwischen- fällen, besonders während der Red« des sozialistischen Abg. Som» m erHausen aus Eupen-Malmeby. Sommerhausen, ein früherer belgischer Kriegsfreiwilliger, legte ein begeistertes Frie- aensbekenntnis ab und sprach seine Ueberzeugung dahin aus. daß auch Deutschland, dgs im Kriege und nach dem Krieg« so furchtbar zu leiden gehabt hat, keinen Krieg mehr«ntf-sseln werde. Diese Erklärung ärwcckte die Entrüstung nationallstl- scher Abgeordneter. Sie wurden von dem früheren sozialistischen Arbeitsnünister W a u t e r s und dem Bergarbeiterführer D e, tattre gebührend zurechtgewiesen. Bor Schluß der Sitzimg sprach noch der kommunistische Abg. I a ey ii«m o tte. der da« Signal zum Herunterwerfen von Flugblättern von der ZuschauertriWlne gab. Auch ein Sowjetrichter! Ein Iilm aus der russischen Justiz. In den nächsten Tagen erscheint vor den« Moskauer Gericht ein« Anzahl von Justizbeamten, u.a. auch der Richter Dworin. Di« Anklage lautet wie üblich auf Bestechung und sonstige Beamtenoerbrechen. Don dem Prozeß perlohnt« es sich nicht, Notiz.zu nehmen, wenn nicht die eigenartige Persönlichkeit dieses„Genosten" Dworin wäre. Selbst nnier den Sowietverhält- nisten stellt dieses Biirschchen etwas Außergewöhnliches vor. Dir Kollegen bezeichneten ihn nicht anders als dummen Jungen, frechßn K,rl und dergleichen mehr. Da ex aber die Gewohnheit hatte, mit Svlvptgrößev telephonische Ga» spräche zu führen, so fürchtete man ihn und ließ ihn in Ruhe. Woher dieser 27jiihrige Volksrichter stammte, wußte niemand genau; bald nannte er«ine Stadt, bald ein« ander«, bald ein« dritte. Auch sein ursprünglicher Berus war nicht ohne weiteres festzustellen; in den Fragebogen nannte er sich bald Gärtner, bald Friseur, bald Metallarbeiter. Wo und unter welchen Umständen er Mitglied der Kammunistischen Partei geworden ist, ist bis heute unbekannt. Im Alter von. 1514 Jahren will er als Freiwilliger in die Rote Arme««ingetreten sein, und es bis zum Divisions- kommandanten gebracht lzaben. Im Jahre 1923 wird er Revier» aufseher im Kiewschen Gouvernement und Sekretär der Parteizelle. Einige Monate später hat er sich wegen Ermordung einer Frau, passiver Bestechung und Erpressung zu ver- antworten. Er entweicht aus dem Gefängnis, kehrt acht Monate später zurück, die Staatsanwaltschaft stellt das Ver- fahrengcgen ihn ein. Im Mai 1924 erhält«r den Posten «Ines Gefängmslelters in Tscherkastk. Nach zivei Monaten wird er �n di« Luft gesetzt; unter anderem liebte er es, ohne jeden Anlaß die Gefangenenzellen zu beschießen. Nun arbeitet er anderthalb Monate in der Kiewer GPU. In schneller Auseinandexfolge ist er Gefängnisleiter in Nologda. Propagandist in einer großen Fabrik im Moskauer Gouvernement, hökerer Polizei beomt« in einem . Moskauer Bezirk, Untersuchungsrichter und Volksrichter in Rostow; hier befindet er sich übrigens zeitweilig weg«» dem Kiewer Frauenmord in Haft. Schließlich taucht er in Moskau auf. arbeitet zuerst In verschiedenen staatlichen Institutionen, wird dam im Gouver»«- mentsgencht angestellt'»Nd zum Volksrichter gewählt: in dieser Rolle treibt- er anderthalb Jahre die unmöglichsten Dinge. Also zi; lesen in der„Prawdo" vom 25. Juki dieses Jahres. Reklame mit„Krassin". In der„Roten Fahne" schildert ein kommunistischer Postbeamter, wie er in seinem Betrieb mit der Nobile-Rettung durch den Eisbrecher„Krassin" politisch« Propaganda gemocht hat. Besonders effektvoll sei sein Argument gewesen: „Man habe die Bostchewisten immer al? Barbaren hingestellt, und Nüst sc! es doch komisch, daß die angeblich. daniisdeNiegende In du strie''Rußlands de» größten Eis brechen de r Welt bynen könne."— Wobei der Moskauer Reklameapostel aller- dings vergessen hat hinzuzufügen, daß der„Krassin" bereit? im Jahre 1012 gebaut»Vörden ist,,»,, Amsterdam oder Moskau? Die Metallarbeiter vor der Entscheidung. die taktischen Fehler der Kommunistischen Partei, die darin liegen, in Wirtschaftsbewegungen ohne jede Rücksicht auf die tontreten Rampfbedingungen mit sehr radikalen Phrasen und revo lutionären Barolen einzugreifen. Erklärung. Zu dem uns vom Baugewertsbund zugegangenen und im ,, Borwärts" Nr. 317 am 7. Juli veröffentlichten Artikel mit den Ueberschriften: Eine Schredenstammer beim Arbeitsgericht. Dr. Arnold als Arbeitsrichter", teilt uns der Baugewertsbund mit: Auf Wunsch der Justizpressestelle Berlin tommen wir auf die von uns im Borwärts" besprochene Angelegenheit zurüd, nachdem handelt haben. Am Sonntag soll die organisierte Berliner Metallarbeiterschaft| dem Plenum des EKKI. diese Entschließung vorgelegt hat, nahm in wir auch mit einem Bertreter des Preußischen Richtervereins verentscheiden, ob Moskauer oder Amsterdamer Gewerkschafter ihre Inter seiner Begründung ausdrücklich Bezug auf effen auf dem Gewerkschaftsfongreß in Hamburg ver treten sollen. Die Mitglieder der Organisation, die gleichzeitig mit glieder der Kommunistischen Partei und somit Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale find, fühlen sich verpflichtet, ihre gewert. fchaftliche Tätigkeit sowie ihre gewerkschaftlichen Prinzipien aus. schließlich einzustellen nach den Weisungen Mostaus und der Rommunistischen Partei. Deshalb betrachten sie es als ihre höchste gemertschaftliche Pflicht, alle die Verbandsmitglieder als bewußte Arbeiter Derräter zu bezeichnen, die die Mostauer Methoden als verfehrt und für die Arbeiterschaft schädlich halten. Neben dieser„ kollegialen" Tätigkeit( pielt auch das sogenannte Entlarven der Reformisten noch eine Hauptrolle. In erster Linie müssen die Reformisten deshalb ,, entlarvt" werden, weil fie nicht aus jeder Streifbewegung zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen den nationalen oder internationalen Generalstreit und als höchstes der Gefühle die Weltrevolution machen. Weiter müssen sie entlarnt werden, weil sie im Interesse der Rege lung der Lohn- und Arbeitsbedingungen mit den Unternehmern berhandeln, um durch Tarifabschlüsse Sicherungen gegen die Wechselfälle der Konjunktur zu schaffen. Diese, Tätigkeit der Amsterdamer Gewerkschafter ist für die fommunistische Presse das Material, auf dem sich das Ge. schrei vom Arbeiterverrat und der bewußten und planmäßigen Unterstüßung des Kapitalismus aufbaut. Wesentlich anders werden die Dinge aber, wenn die Kommu. nisten und die Moskauer Gemertschafter im Lande ihres Ideals, in Rußland, die Tätigkeit eines praktischen Gewerkschafters zu beurteilen haben. Da die Gewerkschaften in Rußland von der Kom munistischen Partei in jeder Beziehung abhängig sind, hat das Plenum des EKKI.( Erekutivkomitee der Kommunistischen Internatio. nale), das dem 4. Kongreß der Roten Gewerkschaftsinternationale unmittelbar voraufging, eine Entschließung zur Gewerkschaftsfrage angenommen, in der sich u. a. folgende bemerkenswerten Säße befinden: ,, Ein guter Kommunist sein heißt durchaus nicht, daß man stets unter allen Umständen für sofortige Streits eintreten muß. Be sonders gilt das für den Mißbrauch der Parole des Gene. ralftreits. Der Kommunist muß es verstehen, den Zeitpunkt des Kampfes zu wählen, sich flare Rechenschaft abzugeben über das Kräfteverhältnis, darf nicht hinter den Massen hertrotten, aber auch nicht zu weit vorstoßen, mit dem Streit nicht spielen." Veröffentlicht ist diese Entschließung im Imprefor" vom 10. März, Seite 494/495. Der Berichterstatter der Kommission, der Tomsti, der Vorsitzende der Roten Gewerkschaftsinternationale, hat in der Begrüßungsansprache zum 4. Rongreß der RGI. hinfichtlich der Verhandlungsmethoden der Gemert jihafter folgendes erklärt: Biele Genossen ignorieren entweder ganz den wirtschaftlichen Rampf oder suchen ihn unbedingt anders als Reformisten auf irgend eine neue Art zu führen. Mögen aber die Kompromisse noch so schwer sein, manchmal sind sie im Wirtschaftstampf unumgänglich, manchmal muß man auch auf den Streit verzichten fönnen. Wird der Streit zu einer Niederlage führen, so ist es besser, auf ihn zu verzichten. Langsame, geduldige Alltagsarbeit und die Berbindung der Tagesinteressen der Arbeiter mit den Interessen ber Arbeitertiaffe, diefes muß unsere Grund. linie fein, falls wir das Vertrauen der Massen erobern wollen." ( Trud vom 18. März 1928.) Wenn ein Amsterdamer Gewerkschafter eine solche Auffassung zum Ausdrud bringt, ist er für die Opposition" und auch für die Drahtzieher der Kommunistischen Partei ein Arbeiterverräter und Rapitalfnecht Benn die tommunistischen Gewerkschafter Rußlands und die Kommunistische Partei ihre eigene Tätigkeit zu beurteilen haben, ist alles das, was bei anderen Arbeiterverrat ist, höchste gewerkschaftliche und tattische Weisheit. Jeder organisierte Metallarbeiter, der trotz der kommunistischen Phrafen und troß der heimtüdischen, unehrlichen Propaganda der Oppofition" sich noch einen Funken menschlicher Vernunft und Einficht bewahrt hat, wird bei der Gegenüberffellung oppofifioneller Worfe und Tafen sofort erkennen, daß die Propaganda der Gewerkschaftsopposition und der Kommunistischen Partei weiter nichts ist, als eine ver. Logene, heuchlerische Demagogie, die einzig und allein Den partelegoistischen Zwecken der Kommunistischen Partei dienen soll. Jeder organisierte Metallarbeiter, der es ernst mit seiner Intereffenvertretung meint, muß sich mit Abscheu und Efel von solchen Methoden wenden. Er kann und muß sein Teil zur Bekämpfung und Ausrottung einer solchen hinterhältigen Bro Pro= paganda beitragen, indem er am Sonntag unbedingt zur Wahl geht und feine Stimme abgibt für die Liste A der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung. Die Metallarbeiteraussperrung. Frankfurt a. M., 27. Juli.( Eigenbericht.). Die Lage in der Metallindustrie der Kreife Biedenkopf und Dillenburg ist unverändert. Bemerkenswert ist, daß den Gewert schaften ein Brief aus Unternehmerkreisen des Nachbargebietes zu gegangen ist, worin die Streifenden zur Abwehr bestärkt werden, meil die Schmußkonkurrenz der Ofenfabrikanten des Kampfgebietes nur durch die niedrigen Löhne möglich sei. Die Aussperrung der Siebentausend hat im übrigen schon ein für die Unternehmer wenig angenehmes Ergebnis. Dillenburg und Biedenkopf sind bäuerliche Gegenden, die in der Frage der gewerkschaftlichen Organisation gerade nicht an erster Stelle stehen. Der bäuerliche Charakter der ausgesperrten Arbeiter bildete einen für die Gewerkschaften verhältnismäßig schwer zu beadernden Boden. Die brutale Aussperrung hat jedoch den dortigen Arbeitnehmern die Augen weit geöffnet und hat ihnen sowohl den Kapitalismus in seiner ganzen Nacktheit gezeigt wie die Notwendigkeit der gemertschaftlichen Organisation. Täglich mehren sich die Neuanmeldungen zu den Verbänden. In einer am Freitag stattgefundenen Funktionärfonferenz der Streifenden wurde der Streitleitung ein einstimmiges Ber. trauensvotum ausgestellt und gleichzeitig Protest erhoben gegen die lügnerischen Berichte in bürgerlichen Zeitungen, wonach die Schuld an der Aussperrung den Arbeitern und dem Metallarbeiter verband in die Schuhe geschoben werden soll. Dagegen wird außer dem am Sonnabend eine Demonstration sämtlicher Ausgesperrter auf dem Marktplatz in Herborn Stellung nehmen. LX 232-270 Beamtenspikenorganisationen bei Gevering. Ver" ,, Wir erklären, daß die Vorwürfe über zu lange Dauer ber Termine, zu langem 3eitraum zwischen Güteterminen und kammerverhandlungen nicht gegen die Person des Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Arnold, sondern gegen die Justizverwaltung gerichtet sind, die wie uns bekannt ist von den Arbeitsrichtern verlangt, daß sie die gleiche Zahl von Sachen erledigen sollen, wie die Mitschöffenrichter, ohne zu erkennen, daß die Tätigkeit der Arbeitsrichter eine erheblich schwierigere iſt. Eslaguns fern, Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Ar illen bei der Urteilsfindung in 8weifel zu nold persönlich zu verlegen oder feinen guten ziehen." Graphische Hilfsarbeiter zum Kölner Verbandstag. In gut besuchter Mitgliederversammlung nahm die graphische Hilfsarbeiterschaft Berlins am 25. Juli im Gewerkschaftshaus führlicher Berichterstattung durch den Bevollmächtigten Gloth, der Stellung zu den Ergebnissen des Kölner Verbandstages. Nach auseingehend die praktischen Ergebnisse des Verbandstages für die Drganisation würdigte, und den üblichen Bersuchen der„ Opposition", ihre grundsäglichen" Phrasen an den Mann zu bringen, entgegentrat, nahm die Versammlung folgende Entschließung mit erdrückender Mehrheit an: ,, Die Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin vom 25. Juli billigt die Arbeiten des Ber= bandstages in Köln und die haltung der Berliner Delegation." Veraltete Polizeimethoden. Riga, 26. Juli. die Bureaus der linten Gemertighaften in Riga Auf Anordnung der zuständigen Behörde find am Donnerstag geschlossen worden. Hinter diesen Gewerkschaften verbirgt sich die in Lettland verbotene Kommnistische Partei. Die politische Po lizer erklärt, umfangreiche Beweise dafür in der Hand zu haben, daß die linken Gewerkschaften von Mostau aus außerordentlich hohe Subventionen erhalten haben. Die Beziehungen dieser Gemertschaften zu Moskau ergeben sich auch daraus, daß sie in dem Erefutiv tomitee der britten Internationale vertreten sind und deren Kongreß beschiden. Also, weil der erste Fehler gemacht wurde, eine Partei zu verbieten, muß auch der zweite gemacht werden, die Gewerkschaften zu verbieten. Damit wird höchstens eine Spigelwirtschaft großgezogen, aber sonst nichts erreicht. Soll denn das Beispiel Rußlands Schule machen, wo der Staat nur eine Bartei und mur eine Gewerkschaftsrichtung duldet, feine Staatspartei, feine Gewertschaft? Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Tarifbruch und Nichtbenugung des öffentlichen Arbeitsnachweises find für die Mitglieder des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Café- Angestellten folgende Gastwirtsbetriebe gesperrt: Tegel, Tegeler See: Restaurant uralbhütte, Inhaber Karius, Tegel- Restaurant um Leuchtturm", Inhaber Becher, Tegelort Restaurant Seeblid, Inhaber Radomi. Tegelort. Restaurant Seglerhaus, Inhaber Bergmann, Tegelort.- Sporthaus heiligensee, Inhaber Dannenberg- Friedrichs hagen:" Gesellschaftshaus", Inhaber Ww. Schröder.. Bürgerfale", Inhaber Trepping. Raffee mig. non". Restaurant, u bertus", Inhaber„ Ma u 5". Bürgergarten", Inhaber M. Schröder. Woltersdorfer Schleuse: 3um Kranichsberg", Inhaber Günther.. Grünheide: Bater Fielig, Inhaber. 3abransti. " Erfner: Der Reichsminister Severing empfing in den legten Tagen Ber. treter der Beamtempikenorganisationen und besprach mit ihnen beamtenpolitiche Fragen. Zuerst wurde vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund Faltenberg und Kour empfangen, die in längeren Ausführungen den Minister über die Wünsche der frei gewerkschaftlich organisierten Beamten unterrichteten. Sie ersuchten ben Minister, insbesondere in der Frage der Dienstzeit den fort Schrittlichen Standpunkt einzunehmen, den er seinerzeit als preuBischer Innenminister zusammen mit dem preußischen Minister. ben Darlegungen nicht nur großes Interesse, sondern auch volles präsidenten Dr. Braun eingenommen habe. Der Minister brachte Berständnis entgegen. Den Bertretern des Deutschen Beamtenbundes, der Grundsteinlegung der Bundesschule des ADGB, teilnehmen wollen, treffen die später empfangen wurden, erklärte der Minister, daß er für die Erhaltung des Berufsbeamtentums auf öffentlich- rechtlicher Grundlage eintrete. SPD. Metallarbeiter! Das Zentralbureau der Metallarbeiter( Richtung Amfterdam) befindet sich im Lofal 3schiefing, Aderftr. 1. Telephon: Norden 2736. Arbeitswillige Parteigenoffen stellen fich dort ab 7%, Uhr zur Verfügung Der Fraktionsvorstand. Waschen Sie Ihre leichten Sommerkleider schonend, dann sind sie im nächsten Jahr noch gut/ Waschen Sie sie mit. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband. Rollegen und Kolleginnen, die an fidh um 8 Uhr Stettiner Vorortbahnhof, und nicht um 9 Uhr, wie in det Generalversammlung bekanntgegeben wurde, weil die Feierlichkeiten schon um 9 Uhr beginnen. Die Filialleitung. Deutscher Bangewerksbunb, Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe Betonbau: Am Dienstag, 31. Juli, 19 Uhr, im Gaal 1 des Gewerkschaftshaufes äußerst wichtige Versammlung. Wahl ber Delegierten zur Reichstonferenz der Betonarbeiter in Leipzig. Erscheinen aller Rollegen ist Bflicht. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Sprech- und Bewegungschor: Treffpunkt 19% Uhr am Bahnhof Gesund. brunnen( Bullewintel). Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Calorn; Feuilleton: R.$. Döfcher; Lotales and Conftiges: Fris Raritäbt: Anzeigen:. Glede: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Berlagsanftalt Ban! Ginger Co. Berlin SW 68. 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Ein barmherziger Samariter verschmierte eine ganze Tube Gold- creme auf seinem Rücken und hielt ihn glücklicherweise davon ab, nun mit der entzündeten Haut ins Wasser zu gehen, denn das ist bei Sonnenbrand genau so verkehrt, als wenn man frisch- erworbene Brandstellen„zur Kühlung" unter die Wasser- l e i t u n g hält.?n beiden Fällen wird dadurch die Blasen- b i l d u n g bzw. die Ablösung der Haut gefördert. Ein sehr gutes Mittel, das man leicht im Paddelboot mitführen oder in der Laube für unvorsichtige Leute vorrätig halten kann, ist aber eine Flasche Leinöl mit Kalkmajser, das den Schmerz fast augenblick- »ich lindert und außerdem den nicht unerheblichen Vorzug besitzt, daß es sehr viel billiger ist, als die mit großer Reklame angeprie- Jenen Cremes. Ueberhaupt gibt es eine Reihe von Hausmitteln, die im Kampf gegen die Hitze noch viel zu wenig gebraucht werden. Wer durch seinen Berus an die Stadt gekesselt ist.und sich in unzweck- mäßiger Kleidung in heißen Arbeitsröumen aufhalten muß, kann seine Körpertemperatur mehrere Male am Tage erheblich herab- setzen, wenn er die Pulsadern der Hände einige Male unter den starklaufenden Strahl der Wasserleitung hält. Eine kurze Koni» presse mit einem nassen Taschentuch im Genick verstärkt die Wir- kung sehr. Dabei gleich ein Wort über die Sommerkleidung! Die übliche Männerkleidung für heiße Tage ist so ungefähr das lln- zweckmäßigste, was sich detiken läßt. Das ist ja nun wohl auch denen klar geworden, die sich trotzdem nicht aus den Fesseln der Konvention befreien können. Aber auch die„leichte Sommerkleidung" der Frauen läßt manchmal vom Standpunkt der Vernunft viel zu wünschen übrig. Was nutzt das schönste, luftige Voilekleid, wenn man beim Nach- zählen der Achselbänder konstatieren kann, daß seine Trägerin dar- unter mindestens n o ch drei Kleidungsstücke anhat! Daist es vernünftiger, für den Hochsommer auf das schleierhafte Ober- gewand zu verzichten und dafür einen etwas dichter gewebten Stoff, möglichst in weißer oder gelber Farbe, zu wählen, darunter dann aber nur eine Kombination, eine Hemdhose, anzuziehen. Vor allem eines: Sommerkleider sollten möglichst lose gearbeitet sein: ein in der Taille fest anliegender Rock, auch aus leichtesten Stoffen und mit einer ganz dünnen Bluse, staut die Wärme immer mehr auf als ein kittel artig geschnittenes Kleid. Ze mehr unbewegte, durch dichte Stoffe voneinander gelrennte Luftschichten den Körper umgeben, desto mehr speichert sich die wärme aus. In loser Kleidung bleibt die Haut durch die Verdunstung des Schweißes immer kühl. Hitzschläge sind meist die„Erfolge" unzweckmäßiger Kleidung. Sonnen st iche— eine von den Hitzschlägen durchaus verschiedene Erkrankung— lassen sich meist auch durch zweckmäßige Kovsbedecknng vermeiden. Landarbeiter, die sich doch während ihrer schweren Arbeit nirgends vor der sen- g enden Sonne bergen können, gehen darum auch» i e u n b e- MeAachinachdemVermi. igs Roman von Liam O'Zlaherty. (Aus dem Englischen überseht von N. Häuser.) Die Taktik richtet sich ganz nach den Launen, die jeweils dem Genossen Gallagher in den Kopf kommen. Im Gegen- satz zu vom Hauptquartier gegebenen Befehlen ist die Or- ganisation noch rein militärisch und hat kaum den Versuch ge- macht, als legale politische Partei vor die Oeffentlichkeit zu treten. Das ist vielleicht nicht ganz die Schuld des Genossen Gallagher. Es bestehen hierfür lokale Ursachen, die aus dem kürzlichen Kampf für nationale Unabhängigkeit entstanden sind, der beim Proletariat eine romantische Vorliebe für Per- schwörungen und eine stark religiöse und bürgerlich-nationa- listische Weltanschauung hervorgerufen hat, sowie einen Haß gegen konstitutionelle Methoden. Das alles macht es für den Augenblick schwierig, dem Genossen Gallagher Einhalt zu gebieten." 7. Gallagher? Augen hatten sich weit geöffnet, als die drei Männer in das Limmer traten. Dann verengten sie sich wieder zu dünnen Schlitzen unter ihren langen, schwarzen Wimpern. Er nickte Mulholland und Connor zu. Dann starrte er auf Gnpo. Gypo gab den Blick zurück. So ungleich die beiden Männer an Aussehen und Körper waren, so gleich waren sie sich in der Gelasienheit ihres Starrens. Gypos Züge waren wie ein fester, wuchtiger Granitfels, undurch- dringlich, aber der Intelligenz ermangelnd, deren die bloße Stärke bedarf, um über Männer zu herrschen. Gallaghers Gesicht war weniger wuchtig, aber von Klugheit erfiillt. Die Stirn war hoch und schien das Gesicht zu umrahmen. Die Augen waren groß und standen weit auseinander. Die Nase war lang und gerade. Dünnlippig der Mund. Das Kinn war fest, aber zart: verfeinert wie ein Frauenkinn. � Das ganze Gesicht war vollkommen farbfos, aber eine beständige Bewegung überlief die Backen, als liefen kleine Strömungen unregelmäßig unter der weichen, glänzenden Haut. Das Haar war kohlschwarz und kurzgcschnitten. Die Ohren waren groß. Der Nacken verbreiterte sich allmählich von den Schul- tern aus auf beiden Seiten wie ein Hügel, der in die Eb schen das Vordringen wehrt und seit Jahrhunderten Schritt für Schritt zurückweichen muß, schickt ihre Riesen zum Angriff vor: die furchtbare Flotte der Eisberge läuft zur Ofsensive aus, und kein Admiral der Welt vermöchte ihr den Weg zu verlegen. Gleichwohl sind auch der weißen Gefahr Grenzen gesetzt, die die Wasser d«» Golsstromes umschreiben. Seit vielen Jahrhunderten bis zum Jahre 1912 bildet« der Golfstrom die einzige Sicherung, über die die Wen- schen gegen die Gefahr der schwimmenden Eisberge verfügten. Da» Unglück der„Titanic" aber, die ebenfalls das Opfer eines Eisberg» wurde, schreckte die an der Frage meist beteiligten Nationen au» ihrer Ruhe aus und gab da» Signal zur Alarmbereitschaft. Amerika. da» durch seine geographische Lage zunächst von der Eisgesahr be- droht ist, England, das seine Schiffe auf allen Meeren weiß und eine gewaltig« Fischerflotte besitzt, und Frankreich, das Jahr für Jahr von der Bretagne aus zahlreiche Fischerboote zum Fang hinaussendet, stellten gemeinsam ein kleines Geschwader gegen die schwimmend« Eisslotte zusammen, das unter der offiziellen Bezeichnung„Ei»- Patrouille" in See stach, und zu der auch der brittfche Kutter „Modoc" gehört.„Seit der Katastrophe der Titanic", schreibt Massimo Escard in der„Stampa",„hat die„Modoc" nicht eine einzige Kampagne ausgelassen. Alljährlich sticht sie regelmäßig in den ersten Tagen des Mai in See. Der Hauptzweck des britischen Pattouillendienstes ist, die Eisberg« oder Eisfelder aufzuspüren, ihre besonderen Merkmal« von Fall zu Fall festzustellen und das Ergebnis dieser Beobachtungen den auf Fahrt befindlichen Seeschiffen funken- telegraphisch zu übermitteln. Angesicht» der Gefahren, von denen selbst die gewarnten Schisse noch bedroht sind, ist man neuerdings dazu übergegangen, einen systemattschen Vernichtungskrieg gegen die Eisberge zu organisieren, bei denen da» Dynamit als einzig« in Be- ttacht kommende Zerftörungswaff« in Aktion tritt. Am Morgen des 2S. Mai hatte die„Modoc" einig« Meilen von der äußersten Grenze der Neufundlandbank einen riesigen Eisberg von 80 Meter Höhe, vom Wasserspiegel an gemessen, gesichtet. Er bildete ein. Viereck, dessen Seiten rund 170 Meter lang ryaren. Der Kapitän des Kutters, der während seiner ganzen Laufbahn keinen Riesen von solchen Ausmaßen zu Gesicht bekomm«» hatte, beeilte sich, der Instruktion entsprechend, die festgestellten Einzelheiten der britischen Admiralität zu melden, die den neuentdeckten Eisberg in ihren Registern„Eisberg Nr. 14" eintrug. Denn alle Störenfriede, die der Schiffohrt gefährlich sind, erhallen in den Registern der Admiralität eine Matrikelnummer. Es handelte sich jetzt darum. diese Nr. 14 nach den der Patrouille erteilten Befehlen zu beseittgen. Die„Modoc" begann die Jagd, indem sie den Riesen beständig um- kreiste, um ihn in allen Einzecheiten zu studieren und seine verwund- barste Seite aufzuspüren. Man entschloß sich endlich, ein paar Matrosen auf einer hervorspringenden Zunge des Eisbergs zu landen und dort einen Minengang anlegen zu lassen. Auf Befehl des die Abteilung kommandierenden Offiziers wurden zwei Gänge ge- bohrt, die unter die Wasserlinie hinabführten. Nachdem man die Minen zur Entzündung gebracht hatte, erschütterte eine gewollige Explosion die Luft. Der Eisberg wankte wie ein zu Tode getroffener Dickhäuter, und eine Säule von Wasser und Rauch erhob sich bis zu einer Höh« von 30 Metern. Als sich die Wolke verzog«» und das Meer sich wieder beruhigt hatte, überzeugten sich die Leute der „Modoc" staunend, daß der Eisberg nur wenig gelitten hatte. Nur sein Dach hatte sich etwas verschoben und einige Tonnen Eissplitter schwammen auf dem Wasser. Die Seehund« waren erschrocken unter- getaucht, und Möven flogen schreiend und verängsttgt herum, aber die in der Sonn« hellglänzende Eismasse zog weller gemächlich und ruhig ihre» Weges. Aber die„Modoc" gab die Sache nicht verloren und verfolgte den Riesen weiter wi« eine auf dem Kriegspfad befind- lich« Rothaut, die einen neuen Angriffsplan ausheckt. In den ersten Tagen des Juni schien die Zell zu einem neuen Angriff gekommen. An der Basis des Eisbergs hatte sich ein« etwa 15 Meter breite schnabelartige Rille gebildet, die eine Landung erleichterte und es gestattete, an das 60 Meter hohe Massiv heranzukommen. Durch die Erfahrung belehrt, ging man daran, einen besonders tiefen Gang zu graben, der bis zum Rand« mit einer Dynamllladung versehen wurde. Bold darauf gab es vier gewallige Explosionen in der Flanke des Berges. Ein Trichter öffnet« sich, der groß genpg war, um drei Paaren als Tanzboden zu dienen. Dieser Trichter tvurd« dann noch einmal mit einer Dynamitladung gefüllt: eine neue Explosion folgte. Die schwimmende Insel sprang in die Höh«, fiel aber dann wieder zurück und setzt« chren verhängnisvollen Weg fort. Tage vergingen. Am Morgen des 18. Juni meldet« der Mann im Ausguck freudig, daß der Gipfel des Eisberge« in» Wanken ge- kommen sei, und wenige Minuten später stürzten auch wirklich etwa 2000 Tonnen Eis von der Höhe ins Meer: allem Anschein war dieser Erfolg der Nachwirkung der vorangegangen«» Explosionen zu danken. Zwei Tag« später verschob sich infolge der zerstörenden Wirkung des Wassers der Schwerpunkt des Eisbergs Nr. 14, der mit furchtbarem Krachen und unter Erzeugung einer Riesenwelle kopfüber stürzte. Bon da an waren seine Tage gezähll. Die Wirkung de» Golfstroms macht« sich innner deutlicher bemerkbar. Bald war der schwimmende Ries« nur noch eine auf dem Ozean treibende, schmutziggelbe Masse, die di« auf ihm heimische Polarfauna schleunigst verließ. Da» Eis war wie ein Schwamm, mtt dem die Wellen ihr Spiel trieben. Schweigend beobachtete die„Modoc" seinen langsamen Todesgong. Die schwimmenden Eisstücke bedeuteten immerhin noch ein« Gefäht,� denn jeder in diesen hohen Breitengraden fahrende Kapitän fürchtet nichts mehr, als daß die Eisstücke in di« Schraubenwell« de» Schiffes geraten könnten. Am 2. Juli meldete ein Offizier der„Modoc" in einem an seine Londoner Braut gerichteten launigen Brief offiziell den Tod des Eisberg« Nr. 14, der dort geendet hatte, wo alle Eis- berge ihr Ende finden: im Golfftrom. wurde auch handgreiflich— da» ließ sich schon nicht vermeiden. Ich begann aber, im stillen schon di« Sachen auf den Hos zu tragen. Einige Male fuhr sie mir noch übers Gesicht, dann sagte sie: „Nun," sagte si«,„Bau«r. dein Glück, daß du'« bemerkt hast. Fahr' mich jetzt zurück." Wir setzten uns in den Wagen und fuhren los. Al» wir aber noch gute sieben Werst vom Städtchen entfernt waren, überkam mich «ine wahnsinnige Wut. „Es ist Erntezeit." dachte ich,„da kann man nicht viel Umstände machen,— und ich sollte da Bräut« noch Hause fahren." Ich warf kurz entschlossen ihr« Habe vom Wagen und wartet« ab, was nun kommen würde. Das Frauchen sprang natürlich ihrer Habe nach. Ich warf meine Stute herum und ftihr im Galopp in den Wald. Damit endete auch die Geschichte mit der Soldatenfrau. Wie sie aber mit ihrer Truhe und dem Federbett noch Haus« gekommen ist, weiß ich nicht. Angekommen muß sie aber sein, denn nach einem Jahr hat sie dann doch geheiratet." fNirtarifiert« lltberfetuirtfl«v» kern Zwfflschevä Die Zahnschmerzen des Höhlenmenschen. Die Zunahme der Krankheiten mit wachsender Zivilisation ist zwar eine bekannte Taffache, aber man muß nicht«twa annehmen, daß der prähistorffche Mensch mit seiner robusten Konstitution ein schmerzenfreies Dasein führt«. Vielmehr ergibt sich bei der Prüfung prähistorischer Skelette und Knochen, die der bekannte schwedische Archäologe Nchlen bei Ausgrabungen auf der Insel Gotland an der Stätte des heutigen Wisby zutage förderte, daß der Mensch bereits vor 5000 Iahren von einer ganzen Reihe uns wohlbekannter Krank- Helten heimgesucht wurde. Bestimmte Deformationen weisen auf hefttge rheumatische Leiden hin, die wohl in d«n harten klimatischen Bedingungen ihre Ursache haben mochten, und die ausschließliche Fleischnahrung bewirkt« den Verfall der Zähne und Deformierungen des Kiefers, fo daß also auch qualvoll« Zahnschmerzen dem Menschen der Vorzeit nicht erspart blieben. Auch die sogenannte „englische Krankheit" ist nicht«twa ein KulturproduN, auch von ihr sind deutliche Spuren bei den Skeletten zu finden. Zudem scheinen schwere Epidemien unter der Bevölkerung geherrscht zu haben, di« Kindersterblichkeit muß erstaunlich groß gewesen sein imd das durchschnittliche Lebensalter nur etwa zwischen 40 und 50 Iahren gelegen haben. Andererseits darf man sich auch nicht vorstellen, daß dem prähistorischen Menschen die ärztliche Hilfe sehlte, auf deren Vervollkommnung wir heute so stolz sind. Es gab auch damals schon Ehirurgcn, die ihre Kunst an häufig«» und schwierigen Operationen erprobten. So wurden z. B. mehrfach an der Schädeldecke klein« runde Einschnitt« beobachtet, die darauf hin- deuten, daß die Technik des Trepanierens schon m grgizer Vorzeit bekannt war. Zur Ausführung der Gehirnoperatton wurde ein großer Steinbohrer verwendet, und es scheint, daß die ärztliche Kunst mit solch primitivem Instrument in den meist«» Fällen das Leben des Patienten zu retten vermocht«. Fliegende Blumen. Bei der Ernte. Di« Sense geht über di« Wiesen. Aber im Laubwald« gibt e« Stellen, wo«r sich unerwartet lichtet und eine vom Mähe: ver- zessen« Blöße freigibt. Vielleicht lohnt sie ihm die Mühe nicht, denn statt saftiger Gräser steht sie voller Blüten, die uns mehr Fr«ude machen als dem lieben Rindvieh. Einen Griff nur, mit zwei Händen, und man hat einen Strauß beisammen. Das Gelb. das sonst im Frühjahr und im Herbst unsere Flora beherrscht, tritt hier völlig zurück. Hier wiegen sich di« blauen Blütenkugeln der Skabiosen, die in Filigran zerfransten, zart rosenroten Blumen d«r wilden Federnelke: in zarten Punktschleiern durchweben die weiß«» Rispen der Spiräen, der Labkräuter und vieler anderer Pflanzen die Wies«, und selbst die Dffteln lassen ihr« Stacheln unter d-m» x Pomp ihrer geballten, stattlichen, dunkelroten Blütenkörbe ver- gessen. Liegt aber auch der au» allen Blüten gemischt« Dust und die warm« Sonn« über dem Bilde, s«in« Vollendung erhält«s erst durch di« Falter, die bei j«dem Schritt in Menge aufflattern, um so» gleich wieder einzufallen. Ihre Bunthest schlägt die der Blüten. Der Kohlweißling zwar gehört nicht recht hierher, aber nicht allzu- weit von hier baut der Bahnwärter seinen Kohl. Sonst sind es lauter kleinere Sommerfalter, di« durch Menge und Farbigkeit ihre großen Brüder reichlich ersetzen. Wundervoll anzusehen dies« Ääulinge, die kleinen Perlmuttfalter und wieder andere mit prächtig orangeroten, am Rand« dunkel gesäumten Flügeln. Wir jagen und fangen sie nicht, und auch mit den Namen dieser fliege.:» den Blumen sind wir nur oberflächlich vertraut. Sonst würden wir vielleicht zu sehr auf ihr« Kennzeichen und zu wenig auf ihre Schönheit achten. Das faltert und flattert und segelt unablässig von Blüte zu Blüte, und wo es sich setzt, klappt es die bunten Flügel zusammen und ist, nun ein unscheinbarer grauer Fleck, plötzlich ver- schwunden. Anders das Widderchen(Zygaena), dessen dachartig geneigte Flügel stets ihre Lage behalten. Schwarzblau und durch- scheinend sind sie, und grellrote Tupfen sind darauf. Blutsttäpfchen nennt das Volk diese Tierchen. Langsam sind si«, und sie lassen sich in Ruh« betrachten. Wo der Blick hinfällt, trifft er auf Wunderland. Was ist hier Tier, was Pflanz«? Falter»nd Blumen sind für einander da, wachsen und leben einander eittgegen, bilden ein« der Einheiten, die uns überall in der Natur fesseln. Warum sind es immer so wenig«, die solche Bilder aussuchen und sich in sie versenken? Besser als Kilometersteine jagen und die Stille des Waldes durch gut- gemeinte Gesänge zu entweihen, ist es. sich hier ein Stündchen zu lagern und sich von Blumen und Faltern Märchen erzählen zu lassen. Märchen, die alle Rätsel dieser Weit umfassen, di« wir uns zu lösen bestreben und di« wir doch nicht lösen können und auch nicht völlig lösen möchten, auf daß der Reiz dieser Geheimnisse und Märchen immer und immer auf uns wirk«.,,," Rqz, Baderu. Kurorte Leben in der Altmark. Weit reicht die Geschichte der Altmark zurüd. Schon in der Steinzeit ist sie besiedelt gewesen; davon zeugen viele Funde und nicht zum wenigsten die Hünengräber, die von Germanen errichtet find. Seit etwa 2000 v. Chr. haben wir für diese Gegend eine seßhafte germanische Bevölkerung anzunehmen. Geographisch gehört die Altmart zur Lüneburger Heide, deren Randgebiete fie im Südosten umfaßt. Wir wandern Don der Tangerniederung zur Westheerener Höhe, von den Uchteauen zur Arneburger Hochfläche, Don der Wische zur Arendseer Diluvialplatte, Don der Mildeniederung zur Bismarker Höhe, vom Hausjochenwinkel zum Drömling und von den Hellbergen zur Lezlinger Heide. Der höchste Bunkt, der Langenberg in den Hellbergen, weift mur eine Meeresöhe von 160 Meter auf und in der Wische senkt sich der Boden bis zu 25 Meter. In den Kiefernwaldungen der Letzlinger Heide haben wir einen Schatz von Naturschönheiten, um den uns gar viele beneiden. Mittagüberglänzte Schlehenheden, goldene Hänge am be sonnten Rain locken in ein Land voll romantischster Schönheit. In der altmärkischen Schweiz bei Gardelegen haben wir ein ähnliches Gebiet vor uns. Fern im Osten erheben sich die schwarzen Wälder der Arneburger Hochfläche, grüßen die Türme der Stephanskirche der ehrwürdigen Stadt Langermünde, unvergleichlich schön ist auch der Blick vom Burgplaze nach dem fernen Jerichow. Ganz im Südwesten statten wir noch einem ganz eigenartigen Gebiet einen Besuch ab. Es ist der Drömling, der von Aller und Ohre durch floffen wird. Friedrich der Große ließ der Ohre ein Bett graben, legte außerdem noch 38 Abzugsfanäle, 17 Gräben, 32 Brücken, 16 Dämme und ebensoviel Schleusen an; fo berichtet die Geschichte. Bom Dolchauer Berge im Nordosten des Städtchens Calbe schweift des Wanderers Blick über die sieben altmärkischen Städte und 80 Dörfer, in denen die fleißigen Altmärker mohnen. Ein bicderes, zufriedenes Geschlecht ist's, aber jeder hat in der Altmark so seinen Kopf für sich; und darum ist es für den Fremden gar nicht so leicht, in ein Freundschaftsverhältnis zu tommen. Hat der Altmärker aber die Aufrichtigkeit des anderen erkannt, dann bilden sich wahre, wirkliche Freundschaften heraus. Der Altmärker liebt Geselligkeit in zwangloser Form. Im alltäglichen Leben sparsam, öffnet er seine Taschen oft in verschwenderischer Weise bei Hochzeiten, Kindtaufen, beim Kartenspiel im Krug und bei den so beliebten Reisen in die nächste Stadt. Luftfurort Markt Tännesberg in der Oberpfalz. Der Markt Tännesberg liegt malerisch am Südwesthang des gleichnamigen Parteinachrichten, 760 Meter hohen Berges. Die alten hochgelegenen Ruinen Murach und Leuchtenberg grüßen herüber, während in der Ferne der Böhmerwald mit dem Arber, das Fichtelgebirge mit dem Ochsenkopf, die Berge des fränkischen Jura und der Pfraumberg in Böhmen sichtbar sind. Die malerisch gelegenen Burgen und Ruinen wie Leuchtenberg, Trausnit i. Tal, Murach und Bildenstein find lohnende Tagesausflugspunkte. Der Naturfreund hat auch als Botaniker und Geologe ein reiches Betätigungsfeld. Klimatisch ist die hochgelegene Ortschaft durch den Berg geschüßt gegen die rauhen Ostwinde, den Talnebeln entrückt, im Sommer warm ohne die gewünschte Luftbewegung zu entbehren, trocken falt im Winter mit reichem Schneefall. Die Gegend ist noch ziemlich automobilfrei. Die Pension Schloßberg, Inhaber Aufenthalt in künstlerisch im Heimatstil, behaglich eingerichteten Anton und Sophie Grieb, bietet nicht Lurus, aber angenehmen Räumen, reichlich gutbürgerliche, abwechslungsreiche Verpflegung. Die Küche ist allgemein als sehr gut bekannt. Sommergäfte und Touristenfrequenzzahl betrug im Jahre 1927 etwa 1200. Zahl der Uebernachtungen 3400. = A = Hansestadt Danzig" und Breußen" betriebene SeeperbinDer„ Seedienst Ostpreußen, die mit den Motorschnellschiffen dung Swinemünde 3oppot Billau Memel, hält bis 31. August seinen vollen viermal wöchentlichen Betrieb( einmal wöchentlich bis Memel) aufrecht und bietet durch billige Rückfahrfarten und Gesellschaftsreisen die Möglichkeit, Ostpreußen ebensogut als Reiseziel zu wählen, wie näher gelegene Gebiete. Auch im September und in der ersten Hälfte Oftober werden noch zwei Fahrten schiffsgesellschaft J. F. Braeunlich, Stettin, und bei dem Norddeut in jeder Richtung durchgeführt. Auskunft bei der Stettiner Dampfschen Lloyd Bremen mit allen seinen Bertretungen im ganzen Reiche. 17 Funkwinkel, -Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin G 68, Lindenstraße 3, für Groß: Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Sof. 2 Trep. rechts, zu richten. 2. Kreis Tiergarten. Achtung, Metallarbeiter! Alle Genofsinnen und Ge noffen, die im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert find, müssen am Gonntag, 29. Juli, zwecks Wahl eines Delegierten zum Gewerkschaftstongreß nach Hamburg ihre Bahl rechtzeitig ausüben in der Zeit von 8-14 Uhr. Wahllokale: Sturz, Huttenstr. 9; Lange, Rostocker Str. 28; Krüger, Butligftr. 10; Scheffler, Bülowftr. 58; Meyer, Lühowstr. 7. 7. Kreis Charlottenburg. Waldfeftausschußßigung im Jugendheim Rosinenftraße 4 am Montag, 31. Juli, 20 Uhr pünktlich. Heute, Sonnabend, 28. Juli: 32. Abt. Die Bezirksführer werden ersucht, für die am 1. August statt. findende Rundgebung fämtliche Genoffinnen und Genossen einzuladen. Treffpunkt und Abmarsch bleibt, wie durch die Gruppenführer in den Bahlabenden bekanntgegeben. 95, Abt. Neukölln. Material abholen bei Reil, Prinz- Handjern- Str. 38. Erscheinen unbedingt notwendig. 131. Abt. Niederschönhausen. Die Funktionärkonferenz fällt aus. Die Bezirksführer werden gebeten, zu der am 1. August stattfindenden Antikriegstund gebung einzuladen und auf die Notwendigkeit der Beteiligung hinzuweisen. Abmarsch Mittwoch pünktlich 18% Uhr Marktplay Pankow. Morgen, Sonntag, 29. Juli: 35. Abt. 10 Uhr Treffpunkt zum Abteilungsausflug nach Gadowa am Bahnhofsausgang Gadowa. Nachzigler treffen uns jederzeit auf den Spielwiefen. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 36. Abt. Treffpunkt zur Besichtigung des Krantenhauses Friedrichshain pünktlich 10 Uhr am Haupteingang des Krankenhauses. Abt. 140a Bittenan. Gemeinsamer Ausflug der Parteigenoffen mit Kindern nach Schulzendorf. Abmarsch 8½ Uhr Trift. Ede Sauptstraße. Nach zügler 13% Uhr am Bahnhof Wittenau( Sremmener Bahn) bis Schulzendorf. Frauenveranstaltungen. 74. Abt. Zehlendorf. Die Teilnehmerkarten für die Dampferfahrt am Frei tag, 3. Auguft, nach Woltersdorfer Schleufe find bei der Genoffin Defe, Leffingftr. 2, und Genoffin Schneider, Spandauer Str. 64a, in der Beit von Sonnabend bis Montag erhältlich. 101. Abt. Treptow. Heute, Sonnabend, 28, Juli, ab 15 Uhr, bei Bieler, Altes Eierhäuschen", Treptow, Raffeekochen. Alle Genoffinnen und deren Familien fowie die Jugend find herzlich eingeladen. Nach dem Kaffeefochen humoristische Borträge; anschließend gemütliches Beisammensein. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Neukölln. Alle Eltern und Genoffen, welche die Kinderrepublik am Ueberfee besuchen wollen, treffen fich am Sonntag früh 6% Uhr am Stettinet Fernbahnhof. Saupteingang, neben der Treppe. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaftianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Connabend, 28. Juli. Friedrichshain: Kameradschaft Büsching 19% Uhr Kameradschaftsfigung in den Fortunasälen, Strausberger fahrt Gröbenufer( Oberbaumbrüde) nach dem Möllenfee. Gäste willkommen. Straße 3. Bortrag. Wintersportabteilung: 17% Uhr Abfahrt zur MondscheinTiergarten: Sonntag, d. 29., Dampferfahrt über Lehnißfee nach Jörsfelde. bfahrt 9½ Uhr Charlottenburger Brilde, am Bahnhof Tiergarten. Fahr preis 2 M. Kameraden und Angehörige anderer Ortsvereine willkommen. Fahrer müffen bis si. Juli, das Fahrgelb beim Raffierer, Ram, Senie, Neukölln- Brig: 4. Rameradschaft Mo., b. 30., 7,20 Uhr, Bersammlung Lindenpart, Chauffeeftr. 18. Wichtige Tagesordnung. Mitte: Frankfurt, Brunnenstr. 187, eingezahlt haben. Brenzlauer Berg: Frankfurt- Fahrer 19 Uhr können die Fahrtarten von Ram. Rosemann abgeholt werden. milfen bis zum 5. August bas Fahrgeld bei Ram. Rofemann entrichtet haben. Nachzügler fönnen nicht berüdüchtigt werden. Am 8. Auguft awischen 17 und Abessinien ist nicht nur ein erotisches Kaiserreich mit einer Band, das den Europäer zur wirtschaftlichen Spekulation reizt. merkwürdig veränderten katholischen Religion, sondern auch ein Der Bauber der Ferne verschwindet immer mehr, Kaffee, Tabat Vorträge, Vereine und Versammlungen. und Baumwolle stehen allein im Vordergrund des Interesses. Deshalb betont auch Max Grühl, der Leiter der deutschen Aethiopischen Expedition in den Jahren 1927/28 in seinem Vortrag Das Wirtschaftsleben der Altmark bietet ein ungemein Deutschland und Abessinien" vor allem das wirtschaftliche Moment, harmonisches Bild von Industrie und Handel, Gewerbe und Landdie Möglichkeiten, die der deutsche Handel dort finden könnte, den wirtschaft. Die Wirtschaft schöpft ihre Kraft aus dem Boden, auf Reichtum an Kaffee und Tabat und an Bodenschäßen. Das dem sie erwächst. Es fann deshalb die Altmart nicht Treibhaus fein Kulturelle wird nur gestreift. für eine industrielle Entwicklung, denn dazu fehlen die wichtigsten Ernstes und Heiteres aus dem Leben berühmter Mufifer". Dr. Anton Ma yer erzählt Borbedingungen: Die Produkte des Bergbaues, Erz, Kohle und Anekdoten aneinandergereiht, aber die Auswahl ist gut getroffen. chemische Rohstoffe, die, soweit sie vorhanden sind, bisher der Was Anton Mayer über Händel und Bach beispielsweise mitteilt, Wirtschaft nicht dienstbar gemacht wurden. Aber ein Fattor ist es, ist nicht nur für die Mufiter charakteristisch, sondern auch für die der der Industrie Anreiz gibt, sich hier niederzulassen, das ist die Beit, für ihre Einstellung dem Künstler gegenüber. Der Vortrag ist nicht nur für die Mufiter charakteristisch, sondern auch für die zentrale Lage der Altmart im Herzen des Reiches und die günstige feffelt gerade durch seinen anekdotischen, plaudernden Charakter, Wasserverbindung, die der Elbftrom bietet. Un landwirtschaft und vielleicht werden auf diese Art am einprägsamsten Wissens lichen Produtten merden neben den Erzeugnissen der Biehstoffe durch den Rundfunt verbreitet, Abends ein hochwertiges zucht hauptsächlich Getreide und Kartoffeln durch den einheimischen Sinfoniekonzert, das.daneben auch im besten Sinne populär Handel in die Bedarfsgebiete des Reiches geleitet. Wie in der In gehalten ist. Händel, Massenet, Tschaikowsky, Mozart und Doorat dustrie, so auch in der Landwirtschaft, sind die Großbetriebe von stehen auf dem Programm des Konzerts, das Eduard Moride feiner überragenden Bedeutung, die fozialen Gegensätze merden leitet. Möride ist ein Dirigent von feinem Stilgefühl, der in überbrückt durch eine starke Mittelschicht, die dem Wirtschaftsleben feinem Sinne nach betonter, individueller Interpretation strebt, der ausgleichenden Charakter verleiht. Die Wirtschaft nahm hier einst nur der Sache dient. Bronsgeeft ist der Solift des Abends. ihren Anfang in Sumpf, Heide und Moor. Aber die Arbeit eines Gut disponiert singt er mit fünstlerischer Kultur die Arie aus tatkräftigen Volksstammes überwand alle Hindernisse und die Aus Händels Julius Cäsar". Aber die Mängel in der Höhe sind mir sichten für die weitere Entwicklung der altmärkischen Wirtschaft find schwer zu verdecken. Bielleicht geht Bronsgeest, der jetzt über eine günstig zu nennen. gesättigte Tiefe verfügt, ganz ins Baßfach über. F. S. ( Rachdr. verb.). Wefferbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. Teils heiter teils start mollig, Gemitterneigung, fühler. Für Deutschland: Neberall Gemitterneigung, im Norden träftige Abfühlung. Für die Reise Wanderungen und das Wochenende unerläßlich Chlorodont 3ahn pake und die dazuge hörige Chlorodont Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt zur Beseitigung fauliger, übel riechender Speiserefte in den Zahnzwischenräumen und zum Weißpugen der Zähne. Die gef. gefch. 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