BERLIN 1990S me Join Montag, 30. Juli 1928 10 Pf. 356 B176 45. Jahrgang. Der Abend™ Erideint t& glid asfer Sonntag& Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 66 Spalausgabe des„ Vorwärts jeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillegeile 80 Vf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bokfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37586. Fernsprecher: Douboff 292 bis 297 Nobiles Begleiter in Berlin. Eine Unterredung mit dem Prager Professor Behounek. Sonntag nacht sind die geretteten Teilnehmer der NobileExpedition von Kopenhagen abgereift und heute früh in Der Grundstein für die Bundesschule Warnemünde eingetroffen. Der Wagen mit den Italienern ift von dort direkt nach Halle geleitet worden, wo er an einen Schnellzug Berlin- München- Italien angehängt werden wird; der tschechoslowakische Radiologe Professor Dr. Behounet, der Begleiter nobiles, trennte fich von seinen Reisegefährten und ist heute vormittags mit seiner Schwefter, die ihm nach Stocholm entgegengefahren war, in Berlin eingetroffen. Die Braut Professor Behouneks und ihre Mutter erwarteten ihn auf dem Stettiner Bahnhof. Man fann fich denken, wie herzlich die Begrüßung war, nachdem die ganze Welt wochenlang mit Bangen auf die Rettung der Berunglückten gewartet hatte. Ueberaus freundlich war natürlich auch der Empfang, der dem Prager Gelehrten durch die Bertreter der tschechoslowakischen Ge fandtschaft zuteil murde. Dann machte der großgemachfene, blonde Mann den zahlreich erschienenen Breffe vertretern Mit teilungen über seine Erlebnisse und Eindrüde. Nachdem Behounet den Photographen standgehalten hatte, berichtete er: Ich kann alle Behauptungen über Unstimmigkeiten unter den Expeditionsteilnehmern und mit General Nobile als unrichtig bezeichnen. Bielleicht erklären sich diese Behauptungen und auch ge wisse Meldungen über das traurige Ende Malmgreens, die ja aus der russischen Presse hierhergelangt find, aus der Tatsache, daß die fieben Journalisten auf dem Eisbrecher ,, Krassin" sämtlich nur der russischen Sprache mächtig waren, nur einer von ihnen tonnte etwas Französisch. Da sind wohl Mißverständnisse bei der Ausfragung der Geretteten zu verstehen. Was Malmgreen selbst mbelangt, so dürfte es für die Leitung der Expedition nicht ganz leicht gewesen sein, ihn mitzunehmen, da es doch in Italien selbst genug Meteorologen gibt. Die Drei- Männer- Gruppe, die sich nach dem Unglüd zu Fuß auf den Weg zur Küste machte, hat Malmgreen schaftsbundes gelegt. Theodor Leipart hält die Festrede. Ausführlicher Bericht 8. Seite. aus eigenem Entschluß verlassen, da er sein Ende unabwendbar her. Am gestrigen Sonntag wurde in Bernau der Grundstein für die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkannahen fühlte. Zappi hätte ja in Anbetracht der später aufge tauchten Behauptungen gewiß richtig gehandelt, wenn er Malmgreen gebeten hätte, diesen Entschluß schriftlich festzulegen. Aber in jener gefährlichen Situation ist manches vergessen worden, woran man in normalen Umständen wohl gedacht haben würde. Es ist auch nicht richtig, daß Malmgreen die Nobile- Gruppe unfreiwillig verlaffen hätte. Nobile hatte nach der Strandung uns allen freigestellt, unsere Rettung auf jede nur mögliche Weise zu versuchen. Was die Tatsache der Keffung Nobiles als erften und zunächst einzigem anbelangt, so hatten wir untereinander für den Fall einer Reffung durch Flugzeug eine Reihenfolge feffgefeht, in der Ceccioni als erfter stand und Nobile als vierter. Aber dies scheiterte daran, daß Lundberg zunächst nur einen Mann mitnehmen fonnte, um das Flugzeug nicht zu überlaften. Und das für war Ceccioni mit seinen 210 Pfund viel zu schwer. Von den anderen dreien aber bedurfte Nobile, der Hand und Bein gebrochen hatte, zuerst der Rettung. Selbst als Lund berg zum zweiten Male tam und außer dem Beobachter auch die Radioeinrichtung samt Affumulatoren usw. absetzte, fonnte Ceccioni wegen seines hohen Körpergewichtes nicht mitgenommen werden. Im übrigen kann ich über die Vorwürfe gegen Nobile noch nichts sagen, da ich sie im einzelnen nicht tenne. Nach meiner Anficht hat sich Nobile als äronautischer Fachmann bewährt. Das halb starre Luftschiff Norge" war ja auch seine eigene Konstruktion. Auf eine Frage, ob nicht gerade malmgreen furz vor dem Unglück auf schlechte Navigation und drohende Gefahr aufmerksam gemacht habe, antwortet Profeffor Behounet: Malmgreen fam turz vor dem Absturz zu mir und machte mich in sehr ernstem Tone dar auf aufmerksam, daß wir nur mit dem Steuer fahren und jeden Augenblick auf dem Eis sein könnten. Dies war jedoch nicht ganz richtig, denn als das Cufffchiff niedergegangen war, erhob es sich wieder auf 900 meter. Die Katastrophe ist erft beträchtlich später erfolgt und zwar infolge eines plötzlichen und starken Gasverluftes. Dieser Gasverluft war durch Ceccioni vorher bemerkt und gemeldet worden. Darauf wurde der zuständige Mann, der zu der später sogenannten Alessandri- Gruppe gehört, mit Untersuchung der Ballonhülle beauftragt, fand aber nichts fo daß man glaubte, es sei alles in Ordnung. Kurz darauf erfolgte der Absturz, der uns natürlich mit den schwerften Sorgen erfüllte, wir standen zunächst im Schnee, ohne irgendwelche Lebensmittel und sonstige Hilfsmittel. Erst nach einer Weile fand Malmgreen im Schnee Riften, die vor ( Fortfegung auf der 2. Seite.) Ein Ringbahnzug entgleift. Erfreulicherweise fein Verletzter. tommt nicht in Frage. Die Maschine ist aus bisher noch völlig ungeflärter Ursache entgleift. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Westend entgleifte| Berschulden des Zugpersonals nicht vor, auch ein Materialfehler heute früh um 7 Uhr beim Paffieren der Weiche 17 ein Ringbahnzug, der aus Grunewald tam. Die Cotomotive sprang plöglich aus den Schienen und riß die drei nachfolgenden Wagen dritter Klasse aus den Gleifen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Es ist als ein besonderer Glüdsumftand zu bezeichnen, daß die Maschine und die Bagen, die mit zahlreichen Reisenden besetzt waren, nicht um stürzten. Mehrere Fensterscheiben gingen in Trümmer. Die Fahrgäste mußten den Weg zum Bahnhof Westend zu Fuß antreten. An der Unfallstelle war noch bei Redaktionsschluß eine größere Arbeitertolonne mit den Eingleisungsarbeiten beschäftigt. Die Störung wird vermutlich erst in den Abendstunden endgültig behoben sein. Hochbahnkatastrophe in New Hort. Drei Zote, sechsundvierzig Schwerverlette. New York, 30. Juli. Ein furchtbares Unglück, durch das 46 Personen zum größten Teil schwer verlett wurden, hat sich auf der New Yorker Hochbahn zugetragen. Infolge Kurzschluß war ein Zug, in zugetragen. Infolge Kurzschluß war ein Zug, in Dunkel gehüllt, stehen geblieben, auf den dann ein zweiter zug auffuhr. Wie von der Direktion der Reichsbahn hierzu noch mitgeteilt wird, handelt es sich um einen Bersonenzug der Strede Brunewald- Nordring, der über die Stadtbahn verfehrt. Beim Baffieren der Beiche entgleifte die Lokomotive und drei Wagen, die fich quer über die Schienen stellten und sowohl den Stadtbahn verkehr in beiden Richtungen wie auch den Güterverkehr von und nach Halensee( perrten. Der Bersonenverkehr wurde dadurch aufrechterhalten, daß die Ringbahnzüge, die aus Richtung Potsdamer Bahnhof ankamen, und ebenso die Züge, die aus entgegengesetter Richtung aus der Frankfurter Allee einliefen, von Bestend zurüdgeleitet wurden. Die Reifenden, die als End. ziel Salenfee hatten, mußten über Charlottenburg fahren. Wie uns furz vor Redaktionsschluß gedrahtet wird, wurSofort nach Bekanntwerden des Unfalls eilten mehrere Sach verständige an die Unglüdsstätte, um die Ursache der Ent- den bei dem Zusammenstoß zweier Hochbahnzüge 50 Pergleisung festzustellen. Nach den bisherigen Ermittlungen liegt ein jonen verlegt, darunter drei tödlich. Motorbootunfall in Norwegen Explosionsunglück in Lodz ( Berichte auf der 2. Seite) Drei Wagen wurden vollkommen zertrüm. mert. Unter den Insassen der dicht mit Ausflüglern besetzten Züge entstand eine große Panit. Nachts feine Autohupen. Der Bolizeipräfeft von Baris hat zur Wahrung ber Rachiruhe der Bewohner von Paris eine Verfügung erlaffen, der zufolge die Automobile von 1 Uhr nachts bis 5 Uhr morgens die Fahrgeschwindigkeit so herabsehen müssen, daß die Anwendung der Signalhupen unnötig wird. Mobiles Vegleiier in Berlin. (Fortsetzung von der 1. Seite.) der Strandung als Ballast abgeworfen waren und in denen wir 50 Kilo Pemitan(luftgedörrtes Fleisch) und 30 Kilo Schokolade, sowie sonstige notwendige Materialien fanden. Wir setzten eine Tagesration von 300 Gramm pro Kopf fest,«s war also eine Rechenaufgabe, wie lange wir es hätten aushalten können, vorausgesetzt, daß das Eis unter uns fest blieb. Dies war übrigens sehr problematisch. Als wir und nachher Zopp! und Marians gerettet und an Bord des.Lrasfin" waren, und das Schiff zwei Tage später die Stelle passierte, wo diese Beiden vom Eis- herauf- genommen worden waren, da war kein Eis mehr, sondern offenes Wasser an dieser Stell«. Ich glaube, wenn das ganze Expeditionsmaterial veröffentlicht wird, dürfte sich auch die Meinung über die ganze Kata- stroph« und was ihr folgt«, ändern. Die Situation war eben nicht so einfach, wie man das in der nichtpolaren Welt vielleicht glaubt. Malmgreen war ein Gentleman und fester Charakter: ich halte es für möglich, daß er selbst gesag: hat, Nobile müsse als erster die durch Lundberg gebotene Rettungs- möglichkeit benutzen, um die Rettung der anderen zu fördern Marian» liegt übrigens nach Amputation de» eines Fuße, im Krankenhau» zu Narvik. Ohne den Eisbrecher wären wir kaum gerettet worden, denn die Flugzeuge hatten es, um es einfach zu sagen, sattt Interessant ist auch die Erzählung Professor Behouneks, daß Malmgreen den einen Eisbären mit einem Colt-Revolver von 12 Millimeter Kaliber auf 7 Meter Entfernung geschossen Hot. Siebenmal sind einzelne Eisbären bis an das rot« Zelt gekommen. einer wurde von dem kleinen chund verbellt, so daß er sich wieder trollte, und überhaupt glaubt Professor Behounek, daß die Eis bären, vielleicht ganz alt« ausgenommen, den Menschen nicht gefährlich geworden wären, wohl aber den Porräten und der Radiostation. Der tschechoslowakische Gelehrte hat die Absicht, über sein« wissen schaftlichen Forschungsergebnisse ein Buch zu schreiben und auch eine Darstellung des Expeditionsvcrlaufes zu veröffentlichen. Auf eine Frage, ob er nun wohl noch einmal eine Nordpolexpedition im Luftschiff mitmachen würde, antwortete er heiter: Ja, wenn ich noch ledig wäre! Dieser Hinweis, feine bevorstehende Verheiratung, wurde natürlich mit Heiterkeit aufgenommen. Der Forscher verbringt den heutigen Tag in Berlin und fährt morgen früh noch Prag. Zapp! bei MalmgreenS Mutter. Stockholm, 30. Juli. Der Schwager van Dr. Malmgreen, Dr. Feg ersten. teilte der Schwedischen Telegraphen-Agentur mit: Hauptmann Zopp! stattete Sonnabend vormittag einen Besuch bei der Mutter Malmgreens ab. Er übergab dabei den Kompaß Dr. Malm- greens und verschiedene Wertgegenstände, die Malmgreen an Bord der„C i t t a d i M i l a n o" zurückgelassen hatte. Dr. Fegersten detont, daß sowohl er wie auch Frau Malmgreen einen durch- aus günstigen Eindruck von Zopp! gehabt hätten. Aeun Toie im Gognesjorö. Sin Motorboot gekenntert. Ein furchtbares Unglück ereignete sich im ianersien Teil de, Sognefjord» In Norwegen. Ein stark belastetes Motorboot wurde von den wellen, die ein vorbeifahrende» Dampfschiff ver. ursachte, zum kentern gebracht und sank. Nenn Personen ertranken. Nur ein Nlann konnte sich durch Schwimmen retten. Die Verunglückten befanden sich auf dem Heim- wcge von einem Begräbnis. Auf dem Dampfer hotte man da» Unglück nicht bemerkt. Aepp in Gdingen. Aus dem polnischen Kriegshafen. Anläßlich des Auftnthalts des Direktors der staatlichen Landes- wirtschaftsbank, Goretti in Gdingen veranstaltete der polnische Fischereiverband«in Diner. Als einer eine R«d« hielt, drangen mehrere mit der Kreditpolitik der Landeswirtschaftsbank un» zufricdene Fischer in den Speiftsaal unter heftigen Schinä- Hungen gegen die Regierung, den Fischereiverband und die Landeswirtschaftsbonk. Darauf entstand zwischen den Eindring- lingen und den im Saale Anwesenden ein wüstes Hand» g« m e n g e, dem erst«in starkes Polizeiaufgebot dadurch ein Ende bereitete, daß es die Angreifer verhaftete. Die polnischen Zeitungen in Edingen regen sich darüber auf, wie man ganz gemein und schofel einen Trupp Polen aus Amerika— 150 an der Zahl— behandelt hat, der das Vater- land kennen lernen wollt«. Die Leute sollten gebührend empfangen und bewirtet werden. Man hatte deewegcn auf d«m Dampfer vor dem Landen nichts gegessen und wartet« auf da» Empfangsmahl im„Easino\ Um 1 Uhr war das Essen angesetzt worden, aber ee wurde Z42,%2, 2 Uhr.„Psia krcw. cholcra!" flucht« still und leift manch hungriger Amerikaner. Doch der Zeiger der Uhr rückte langsam aber sicher weiter. Er zeigte �3,'A3.•%3, 3 Uhr. Endlich ging der Betrieb los. Ein großer Teil der polnischen Amerikaner verzichtete aber auf dos Gastessen, da man, von Hunger gequält, vorher auf eigene Rechnung gespeist hatte. Lang wurden aber die Gesichter, als man Rechnungen erhielt, die selbst für die Dollarbesitzer unheimlich hoch waren. Sieben Gästen gaben die Kellner den Rest aus 100 bzw. 50-Zloty- Scheinen nicht mehr heraus, da man glaubte, die Amerikaner legen auf dies« Bagatellen keinen Wert. Für Schuheputzen ver. langte man 3 bis 5 Zloty(1,50 bis 2,50 M). Di« betroffenen Amerikaner sollen die Rase voll haben. Llnfälle beim Gabelbachrennen. Bei der Bergprüfung für Motorräder und Automobile, die auf der Gabelbachstrecke bei Ilmenau stattfand, ereigneten sich einige schwer« Unfälle. Der Motorradfahrer R a e b e l- Apolda stürzt« an einer flachen Kurve, kam unter seine Maschine zu liegen und erlitt ein« Rippenquetschung. Beim Rennen der Automobile geriet Modersohn- Berlin mit seinem Wagen aus der Bahn, riß einen Baum um und brachte mehrere Zuschauer zu Fan. Eine Frau mußte mit schwerem Schädelbruch in bedenklichem Zu- stände abtransportiert werden. Außerdem wurden noch zwei Männer und ein« Frau erheblich verletzt, die sämtlich in da» Krankenhau, übergeführt wurden. Das Rennen erlitt durch die Unfälle längere Unterbrechungen. Spitzel gegen Arbeiterjugend. Eingeständnis der KPN.- Störung des Lugendtages vorbereitet. In der gestrigen Sonntagsausgabe der„Roten Fahne" gestehen die Kommunisten zu, daß sie s e i t I a h r en die Sozialdemokratisch« Arbeiterjugend bespitzelt haben. Sie schreibt wörtlich: „Es ist selbstverständlich, daß die Kammunistische Jugend an der Oppositionsbewegung der«AI. nicht uninteressiert blieb, sondern sich sür ihre Unterstützung, ihre Ausreifung und Ent- Wicklung in die Bohnen klarer revolutionärer Erkenntnis ein- fetzte. Das war nur ihre proletarische Pflicht." Als„proletarische Pflicht" sehen die Kommunisten die B e- s p i tz c l u n g anderer Organisationen an. Mit dieser Feststellung hat sich die Kommunistische Partei moralisch selbst gerichtet. Und es ist daher ganz unerklärlich, daß sie nicht ein Wort zur morali- schen und pädagogischen Seite der ganzen Angelegenheit verliert; vielmehr ergeht sie sich in den üblichen Schmähungen über Bcr� trauensmänner unserer Partei. Auf unsere Feststellungen geht die „Rote Fahne" mit keinem Wort ein. Sie hat damit den Beweis erbracht, daß sie nicht in der Lage ist, das unsaubere Borgehen der Kommunisten abzuleugnen. Die Feststellungen vom Sonnabend abend sollen noch durch folgende Tatsachen ergänzt werden: Den Herren Pieck und Arthur G o l k c war es bekannt, daß Jugendliche, obwohl Mitglieder der TAI. und SPD., feit Iahren von bestimmten kommunistischen Stellen ausgefordert wurden, Spitzelberichte über ihre eigene Organisation abzugeben. Damit die gedungenen Spitzel un- gehindert das Karl-Licbknccht-Haus betreten konnten, wurde ihnen der folgende Ausweis ausgehändigt: •'Vi«* fjAp- "�äasssr (Laßt bitte den Herrn auf diesen Ausweis hin ins Haus. Gada.) Aufträge, die die Kommunisten an die durch Geld und Ver- sprechungen gewonnenen Jugendlichen erteilten, wurden mündlich und auch schriftlich gegeben. Da» in unserem Sonnabend-Artikel erwähnte Schreiben an die kommunistischen Polleiter wurde auch sogenannten Oppositionellen in der SAI. durch die Post zu- g e st e l l t. Dafür haben wir nachstehend wiedergegebenes Kouvert als Beweis in Händen: Vorderfeile: 5312 f«>, VILHELM PIECK HBRUN -> Nikolaoa 0 a t e r r o t 7 �jva., u Berlin.- Tegel,. Ste inbergstr. 32 b/Thlel Rückseite: »it-l' vv&V. \Artur. GplKe Berlin C.25 KLAUxandmtr.2i Auf diesem Kouvert sind zwei Einzelheiten festzuhalten: 1. Der in der kommunistischen Zentrole durch Frankiermaschine abge- stempelte Brief trägt das Datum vom 26. Juli 1928 und befand sich bereits am 24. Juli 1928 in unseren Händen. 2. Als Absender firmiert der kommunistische Landtagsabgeordnete und Par- teisekretär Arthur G o l k e. Da Golk« einer der maßgebenden Männer in der kommunistischen Zentrale ist, so ist diese hauptverantwortlich zu machen für das Derbrechen, dos an Jungproletariern verübt wurde. Den Kommunisten zur Warnung, und unseren Mitgliedern Cxplosionsunglück in Lodz. 22 verletzte Feuerwehrleute. In der Nacht zum Sonntag kam es gegen Ist Uhr Im nörd- lichen Teil von Lodz zu einer schwere» Explosion eine« Venz in- und Ehemlkalienlagers. die In der ganzen Stadt hörbar war und in den nöhergelegenen Stadtvierteln«Ine Panik hervorrief, weil sich das Gerücht verbreitet«, daß«In Munitionslager in die Duft geflogen sei. Suxz nach der Cxplofiou standen vier Häuser tn Flammen, die sich unler wetteren Explosionen rasch ausbreiteten. Die Hausbewohner konnken nur mit Mühe flüchten und fast nichts retten. Die DSsckxirbeite« gestalteten sich außerordentlich schwierig, well die Feuerwehr nicht an den eigentlichen Brandherd gelangen konnte und sehr bald Wasser. Mangel eintrat. Erst" in den Morgenstunden wurde dt« Feuer- wehr de? Brande» Herr. Bei den Löscharbeiten worden 27 Personen teil» durch Balkeneinstürze, teils durch Verbrühungen schwer verletzt. Durch den starten Luftdruck wurden sämtliche Fenster- scheiden in der Umgebung eingedrückt. zur Aufklärung sei noch folgendes festegestellt: Unter dem 23. Juni 1928 wird in einem Rundschreiben an die Bezirksleitungen des KJPD. mitgeteilt, daß„eine Politisierung der SAI. und auch ihres Iugendtages in Dortmund im Interesse der Kommunisten ausgenutzt werden soll". Den kommunistischen Iugendgruppen st» westsaten ist die Anweisung gegeben, am 5. August nach Dortmund zu fahren, um den Zug der Opposilionsgroppe der SAI. ZU verstärken. Die Mitglieder der kommunistischen Zugendoraon'.. ialion sollen die Abzeichen der SAI. anlegen. In den R'cht. Unten wird osten ausgesprochen, daß eine Störung de» soziolisti- schen Zugendlage» geplant ist. Auch für den 1. August sollen sich Mitglieder der Kommunist!- schen Jugend, unauffällig gekleidet, am Treffpunkt der SAI. zur „Anti-Kriegs-Kundgebung" in Berlin einfinden. Den Kommunisten fei aber gesagt, daß unsere Parteileitung alle Vorkehrung getroffen hat, die geplanten Störungsaktiänen unschädlich zu machen. Die Kommunisten, die so gewissenlos vorgehen, werden an ihren eigenen Methoden zu Grunde gehen. Eine Partei, die das Spitzelsystem als eine„Waffe" im Kampf« für die Befreiung der Arbeiterklasse in Anwendung bringt, braucht sich nicht zu wundern. wenn, wie uns bekannt ist. in ihren höchsten Instanzen Männer sitzen, die dieselben Methoden gegen die eigene Partei anwenden. Bei passender Gelegenheit wird auch darüber noch ein Wort zu reden sein. k'rane Xün-tler. Max Hoetz gegen seine Manager. Klägliches Oemonflrationstheater in Zwickau. Zwickau, 30. Juli.(Eigenbericht.! Di« Kommunistisch« Partei und der Rote Frontkämpfcrbund de» Bezirk» Erzgebirge Vogtland hatten zum Sonntag zu einer großen Kundgebung zum Empfang von Max Hoelz in Falkenstein aufgerufen. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Folkenftein hatten sich jedoch nur wenig« Neugierige und einige Abteilungen de» Roten Fr o nt b u nde s eingefunden. Als Max Hc>«lz eintraf und ein bereitstehendes Lastauto bestieg, verstummten die Hochrufe seiner Parteifreunde bald, als sie sahen, daß Max Hoelz sich mit seiner Be- gleitung stritt und dos Auto wieder verließ. Es gab laute Auseinandersetzungen zwischen Max Hoelz und den ibn umgebenden kommunistischen Funktionären. Alle redeten auf den berühmten Genossen ein, aber er wollt« nicht. Er sah leidend aus. aber redete energisch und temperamentvoll gegen die tommu- nistschen Funktionäre.„Ich mache nicht mehr mit. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder kleine Funktionär macht was er will!" Und als ihn einer sanft dirigieren wollte, brauste er auf:„Rührt m i ch n i ch t a n, sag ich Euch!" Hoelz ging dann wieder zum Bahn- hos zurück und die Roten Frontkämpfer mußten ohne ihn zum Platz der Kundgebung marschieren. Auf dem Kundgebungsplatz wurden dann mehrere Ansprachen gehalten. Hoelz erschien schließlich noch, sprach ober in sehr gereiztem Tone. Es liege ihm nichts an diesen Bravorufen, er verlange Taten. Er wies dann darauf hin, daß die Sammlungen für die Rote Hilfe nicht das Ergebnis gehabt hätten, das er erwarten müsse. Während die anderen Redner auf die Sozialdemokratie schimpften,, machte Max Hoelz in seiner Ansprache hiervon eine Ausnahme. Di« ganze Kund- gebung machte den Eindruck, daß Hoelz keineswegs mit dem um seine Person aufgemachten Betrieb einverstanden ist. Oer unglückliche Kunstschule. Im Bittorio-Keller in Dresden nerleßi« der als Kunstschütze austretende Anton Kazawa seine Braut, ein zwanzigjähriges Mädchen aus Frcital, durch einen Kopfschuß. Der Schütze hatte dein Mädchen allabendlich kleine Bälle und andere Gegen stände vom Kopf geschossen. Diesmal ging der Schuß fehl. Da? verunglückt« Mädchen wurde noch dem Kran- kenhaus gebracht, dach soll ihr Befinden zu keinerlei Be» s o r g n i s s e n Anlaß geben. Bon den anwesenden Gästen hoben fünf Ohnmachtsonsälle erlitten. ver polnisch-sozialistilche Abgeordnete Matinowski»or ver- dächtigt worden. PUizeispigH zu Irin. Er hat da»„Marlchollgericht" des Sejm angerufen und dieses hat nach gründlicher Prüfung fest- gestellt, daß die Verdächtigung eine Verleumdung ist. Die Turner als Friedensarmee. Rede Severings im Namen der Reichsregierung. Sola. 30. Juli. Auf dem 14. Deutschen Turnfest ergriff Reichsinnenmmister Sc« nering das Wort: Er fei gekommen, um den Veranstaltern und den Teilnehmern am Deutschen Turnfest die herzlichen Grütze der Reichsregierung zu übermitteln. Wer vom Opernhausplatz aus Zeuge des farbenprächtigen Bildes des Festzugcs gewesen sei, Hobe Eindrücke gewonnen, die er in seinem Leben nicht vergessen werde. Was er heut« früh gesehen habe, erinnere ihn an andere Eindrücke und Erlebnisse, die er in Köln 1924/25 anlätzlich der Jahr. tausendfeier in technischen Ausstellungen gewonnen Hab« und die in ihm Befürchtungen aufkommen liehen, datz bei der fortschreiten. den Technik die Maschine die Oberhand über d«n Menschen gewinnen könnte. Nicht die Maschine soll herrschen, sondern der Mensch. Das Turnen fei ein Mittel dazu, sich nicht von der Technik unter- kriegen zu lassen. Der Minister wies dann auf das Deutschs Sängerfest in Wien hin und erwähnte in diesem Zusammenhange den Doppelklang von Muskel und Kehle. Der Minister fchloh: Bildet eure Männer nicht nur zu tüchtigen Turnern und frohen Sängern, sondern auch zu guten Staatsbürgern aus und, ich füg« hinzu, hier am Rhein zu guten Weltbürgern. Der Aufmarsch der Turner ist der Aus marsch der Frieden» armee, und damit wird Deutschland am meisten gedient! Im Stadion waren am Nachmittag etwa 200 000 Menschen. Nur unter den grötzten Anstrengungen aller Verkehrseinrichtungen und der Sicherheitspolizei war es möglich, die Masten wieder in die Stadt zurückzuleiten. Das am Sonnabend wegen Regenwetter» abgesagte Feuerwerk in der Presta beschlotz den letzten Festtag. Ein tollkühner Bursche hatte am Nachmittag wieder einmal den südlichen D o m t u r m erklettert und an dem Blitzableiter an der Turmspitz« ein« weih« Flagge mit der Aufschrift Olympiade Amsterdam� gehiht. Abends 8 Uhr wehte die Fahne noch in der luftigen Höhe. Rundfunk zensiert Reichsbanner. Sbert-Rathenau-�rzberger-Oenkmal in Osnabrück. Osnabrück, 30. Juli.(Eigenbericht.) Am Sonntag fand in Osnabrück die Enthüllung eines vom Reichsbanner Schwarz»Rot-Gold errichteten Ebert-Erzberger» Rathenau-Denkmals statt. Die Weihered« hielt Abgeord» neter Vogel- Berlin, der in treffenden Ausführungen die Der- dienste dieser drei Männer um die deutsch« Republik würdigte. Re- aierungs-Aizepräsident Dr. S ch m i« d e r- Osnabrück legte im Auf- trage des Ob«rpräsid«nten von Hannover am Denkmal einen pracht- vollen Lorbeerkranz mit schwarzrotgoldenen Schleifen nieder. Es sprachen weiter Vertreter der SPD., des Zentrums und der Demo» kratsn. Da der Magistrat der Stadt Osnabrück es merkwür- digerweise abgelehnt bot, das Denkmol in seinen Schutz zu nehmeir, übernahm das Osnabrücker Reichsbanner diesen Schutz. Zur Feier hatte sich eine vieltausendköpfig« Menschenmenge ein- gefunden, die den Platz de» Denkmals umsäumt« und begeistert in da» Hoch aus die ixutsche Republik einstimmte. Mit Gesang des Deutschlandliedes schloß die Feier. Es war beabsichtigt, di« Red« de» Genosten Bogel durch d«n westdeutschen Rundfunk übertrogen zu lasten. Dieser hotte aber den Entwurf der Rede in einer derartig vormärzlichen Weise z e n- s i e r t, daß der Redner im Einverständnis mit dem Reichsbanner auf eine Uebertrogung durch den Rundfunk verzichtete und sie so hielt, wie er«z für richtig befand. Knedensfeier in Krankfurt. Frankfurt a. TN.. 30. Juli.(Eigenbericht.) In Frankfurt a. M. hatte die Parteileitung am Samstag abend zu einer Friedenskundgebung auf dem Waldfriedhof auf- gefordert, die sich beim Fackelschein des Reichsbanners zu einer eindrucksvolle» und tiefergreisendcn Feier gestastete. Sie wurd« umrahmt van Trauermärschen der Reichsbannertapclle und van Liedern zweier Arbeitergesangvereine und eines Sprechchors. Die Gedenkrede hielt Genosse Jacob A l t m a i e r. Die Kirche« endlich für Abrüstung. Die erste Aussprache: TO Jahre nach dem Aölkerbunde. Prag. 30. Juli. In der letzten Augustwoche treten in Prag über 500 Vertreter fast sämtlicher n i ch t- r ö m i s ch e r K i r'ch e n der Erde, darunter etwa 50 Deutsch«, zu einem International«» Kirch« nab- rüstungskongretz zusammen. Die Hauptthemcn der Derhand- lmgen find:„Die moralischen und religiös«» Grundlagen des Welt- friede»»".„Das Abrüstungsprogramm vom moralischen Standpunkts „Moralisch« Abrüstung«in« erste Notwendigkeit",„Sozialer Fortichritt und Weltfriede". Unter den Rednern befinden sich Reichs- gerichtspräfidcnt Dr. W. Simon s-Leipzig und Unio.-Profesior Rade- Marburg. Dam Ausland haben die Teilnahme zugesagt: Albert Thomas vom Internationalen Arbeitsamt in Gens, Sir W. H. D i ck i n s o n(England), der berannte Spezialist in Minder. heitssragen, der tschecho-slowakischc Staatsminister Dr. Bcnefch, der schwedische Erzbischof Dr. S ö d e r b l o m. Oer Kampf um den präfidenienmord. Mexikanische Sewerkfchastm weisen die Angriffe auf Arbeiterführer zurück. Al-xiko-City, 30. Juli.(Eigenbericht.) Auf Anordnung der Regierung sind am Sonnabend sämtliche Kommissar« der hauptstädtischen Polizeireviere ihres Amte» enthoben und durch Bcrtrouensleut« der Obregon-Bewegung er- letzt worden. Am Montag soll dos vorläusige Ergebnis der poltzei- lichen Untersuchung über den Mord an Obregon veroffentlscht werden. Der Korrespondent d«s„Soz. Pressedienstes" in Mexiko ist von der Leitung, der Gewerkschaften zu der Erklärung ermächtigt, datz alle im Zusammenhang mit der Mordtot gegen einzelne Führer der Arbefterbewegung erhobenen Dormürfe unberechtigt sind und sich durch das Ergebnis der Untersuchung als völlig holt- l o s erweisen werden. Die Meldungen über die Flucht des bis- berigen Arbeitsminister» Morones nach Amerika sind ebenfalls frei erfunden. Morones befindet sich nach wie vor in Mexiko. w-ttnberichl der öffenklichen Velkerdienststelk« Berlin und Am- gebunx.(Nochdr. verb.) Zeilweifc heiter und am Tage mätzig warm.— Deutschland. Im Süden heiter, trocken und warm, im Norden etwas mehr Bewölkung bei wenig höheren T«mperowr»n. Oer Unpopuläre. Oaps ein Boxer philosophieren? Die West verlangt Eindeutigkeit. Wen st« liebt, bewundert,— von dem will st« auch ganz bestimmt wissen: das ist der und der. Der Dichter, der FUmstar, der Schnelläufer, der Forscher. Für die Oeffentlichlcit Hot d«r Betreffende nichts zu tun, als egal zu Deutschlands Dichterfürsten. Herr von Hühnejeld, Schiller Goethe dichten, zu filmstaven, zu schnelläufern. zu forscher». Gewiss« Ding«, die gleichsam al« Attribute, als schmückendes Beiwerk seiner Haupt- tätigkeit gelten, sind natürlich gestattet: der Dichter darf ein« Geliebte haben, der Filmstar nicht unter drei Dutzend, der Läufer darf sich die Sehiten zerren und der Forscher verhungern. Treibt ober einer was, das traditionsgemäß nicht mit feiner Ruhmeslaufbahn verbunden ist, so wirkt tr verdächtig. Die Menge wittert Verborgenes, Kompliziertes, das nicht ins Schema patzt. Kurzum: der Mann wird unpopulär. Da ist ein Meisterschaftsboxer, Weltmeister Tunney. Der Mann versteht sein Fach, das Ist ausgemacht. Einen Konkurrenten nach dem anderen haut er entzwei. Aber er wird nicht populär. Und woran liegt das? Er tut etwas, was mit einem Boxer un- vereinbar ist: er liest in seiner Freizeit Bücher, treibt Philosophie, hält Vorträge über Dicht«? und Denker. Nun bitt' ich, warum tut der Mann das? Sind dos Dinge, die sich für den Weltmeister einer Sportgattung ziemen, die schon den alten Griechen als die roheste galt?(Bergleiche darüber den Sportbericht des alten Homer von d«n Wettkämpfen zu Ehren des Patroklus.) Er könnte sich doch so viel anderes gestatten: Er dürfte eine Filmdiva poussieren, er dürfte beim Heimweg aus einer Bar sechs Rowdies auf einmal verdreschen, er dürfte sich mit einem jungen Löwen im Arm photographieren lassen, er dürfte im IdO-Kilomter-Tempo Auto fahren, er dürfte die beim Boxkampf verdiente Million innerhalb von vier Wochen durch unsinnige Spekulationen verpulvern, kurz und gut: alles Exzentrische und Unverrninftig« wäre ihm zu tun gestattet. Aber Verstand zeigen, Geist haben? Ein Mann, der nach der Vorstellung der Welt nur au» Körper zu bestehen hat? Das geht eben nicht. Man stelle sich bitte vor, ein preußischer General fing« plötzlich an, Verse und Satiren von der Qualität Hans Rcimanns, Joachim Ringelnatzens zu schreiben. Glatt um den Ruhm von zehn gewonnenen Schlachten würde ihn das bringen. Ich höre den Einwand: Und der Ozeonflieger mit dem Theater« stück? Doch nicht: Hier war schlechtes Theater durchaus am Platz«. Der Gesamteindruck blieb unverändert. Wesentlich, datz dos Theater schlecht war.(Ibsen hatte fliegerische Vorbereitungen zum Bühnen- erfolg nicht nötig. Sie hätten dem Erfolg seiner Stücke höchstens geschadet. Ganz gewiß aber hätten„Nora" und„Wildente" seinen sportlichen Ruhm vernichtet.) Notabene unsere heutigen Dichter. Vielleicht würde mancher populärer werden, wenn man ihn nicht ständig im Sportdreh und mit Hünefeld-Monokel abgebildet sähe. Der Dramatiker Sowieso beim Skilaufen in Daoos erweckt dieselben dunklen Zweifel in der Volksseele wie der Weltchampion Tunney den Kant studierend. Ein Parlamentarier wäre— es ist viele Jahre her— beinahe einmal dadurch erledigt worden, datz ein findiger Gegner im Anti- quariot einen Bond Iugendgedichte des Mannes entdeckte. Und— zum Unglück des Betroffenen— die Gedichte waren gut! Holper- ocrfe, mühsam zusammengeschwitzt zu einem Vcreinsjubiläum, wären unbeochtlich gewesen. Aber datz er einmal hatte gute Verse machen können, entlarvte ihn als Mann, der unmöglich sich fürs öffentliche Leben eignete. Fazit: Mensch, sei eindeutig! Könne nur das, wozu du äffent- lich abgestempelt bist. Kannst du anderes und gor Wesensfremdes, so wird keine Meisterschaft dich von dem Verdacht reinigen, über- Haupt nichts zu können..jonatbsn. Technische Geistigkeit. Von Paul Gutmann. Der Rektor der„Technischen Hochschule" zu Berlin, Profcstor Ha mel, versandte dieser Tage an den gesamten Lehrkörper, an befreundete Körperschaften usw. ein« kostspielig ausgestattete Druck- fchrift:„2>em Gedächtnis der Gefallenen der„Technischen Hochschule". Da es der Rektor für angezeigt hält, heute, zwei Jahre nach der Eni- hiillung des Gefallenendenkmals der Technischen Hochschule, über dessen gehässig militaristischen Geist seinerzeit der„Vorwärts" be- richtet hat, die damals gehaltenen Reden in einer Festgabe zu ver- öffentlichen, so erscheint es nicht minder angebracht, jene Geistigkeit, deren unsere Hochschulen sich rühmen, wieder einmal unter die Lupe zu nehmen. Was verlangen wir von einem staatlich besoldeten Hochschul- lehrer? Vor allem, daß«r der Erforschung der Wahrheit diene. Jene Herren, die sich über das„wettpropagandistische Lügennetz" entrüsten, das gegen Deutschland gesponnen wurde, spinnen munter die alten Lügen weiter, womit di« akademische Jugend in«1n- falsch« Geschichts- und Staatsauffastung gefesselt wird. Jedem Wafsenfähigen, so sagt der Festredner, liegt es aus jahrhu»d«rte- langer alipreutzischer Traditio» ün Blut, sich für das Voicrlond zu opfern. Daß der Preuße noch zu Friedrichs II. Zeit«» den Begrisf des Vaterlandes nicht kannte, daß die aus den verschiedensten Län- der» zuin Dienst gepreßten Rekruten zu Tausenden desertierten, datz die barbarischsten Prügelstrafen die Massenslucht vor dem Heldentum nicht hindern konnten, weiß der Herr Professor nicht. Er zitiert Ludwig XIV., der ebenso wie die Hunnen und Römer Deutschland überfallen hat. und unterschlägt die landcsoerräterischen Dienste, die der„Große" Kurfürst den Franzosen leistet«. Er erzählt der Jugend, datz in Preutzen der heldische Gedanke stets in der Mitte von Tugenden stand und verschweigt, datz der König Friedrich Wil- Helm III. solange in kläglichster Weise sich vor Napoleon duckt«, bis di« nationale Erhebung in Oesterreich auch die zaghaften Preußen mit fortriß. Cr verschweigt, datz der preutzische Nationalheros Fried- rich Franzosen und Türken zum Kampf gegen das übrige Deutsch- land herbeirief. Er erdreistet sich hingegen zu fragen,„aus wessen unsühnbarer Schuld nach einem so rühmlichen Feldzug mitten in den Wofsenstillstandsverhandlungen die Revolution ihr 5)anpt erheben durfte?" Deutschland stt eingeengt, so behauptet er, aus „zänkische, parteiegoiftische Doktrinen", was soviel heißen soll, daß jede Doktrin außer der auf den Akademien propagierten deutschnatio- nalen, parteiegoistilch sei. Cr spricht von«nsern herrlichen S>cge», von den russischen Horden und von den deutschen, rein sittlichen Be- weggründen, deren Gegensatz natürlich die teuflischen der Feinde bilden. Datz unsere Kunst heldisch durch und durch ist.„wie die stolze Quadriga auf dem Brandenburger Tor beweist, wie das, was die G'-lly's, Bater und Sohn, sozusagen im Flominenftil schufen" usw. ist selbstverständlich.(Gemeint ist natürlich die preutzische 5iofkunst.) Der höchst« Ruhmestitel aber ist ihm die technische Gcistigkeit, womit wir„ganz besonders im Stellungskrieg Wissen und Leisten(die an- deren leisteten nichts!) erfolgreich an di« Rettung des Vatetlands fetzen konnten". Er verherrlicht mit einem Wort die Technik Haupt- sächlich alz Mittel zum Krieg. Es wäre überflüssig, sich mit dieser Häufung verlogenster Ge- schichtisälschung zwei Jahre, nachdem die betreffenden Reden geholten wurden, zu beschäftigen, wenn nicht jene offizielle Veröffentlichung der„Technischen Hochschule" dazu herausforderte. Wer gibt die Mittel, so müssen wir fragen, um eine luxuriös ausgeftottet«, mit einer photographifchen Nachbildung des Gefallenendenkmals ver« sehen« Broschüre heute, unter dem Zeichen des Kellogg-Pecktes. herauszugeben und in wahrscheinlich Tausenden von Exemplaren zu verbreiten? Ferner, wie können wir uns in der Republik dagegen schützen, datz unter dem Deckmantel patriotischer Gesinnung ein« «inseitig nationalistische und militaristisch« Propaganda getrieben wird? Ulme aus Papier. Nach vierjährigen Versuchen ist es einein Berliner Ingenieur gelungen endlich«in neues Filmmaterial herzustellen. Während bisher die Filme auf das teure und leicht brennbare Cellulaid übertragen werden mutzten, fall es nach der neuen Erfindung möglich sein, die Film« auf Papier zu kopieren. In einer Papierfabrik in der Nähe von Schwerin sollen bereits alle grundlegenden Versuche zur vollständigen Zufriedenheit abgeschlossen sein. Das neue Ver- fahren fall sich in keiner Weife von dem hergebrachten Filmmaterial unterscheiden. Die Herstellungskosten des Papierfilms würden mir einen geringen Bruchteil der Kosten des Celluloidsilms betragen. Und damit stönnte die ganze Filmproduktion bedeutend billiger und rentabler arbeiten. Nachdem es nun auch gelungen ist, unverbrenn- bares Papier herzustellen, das selbst bei einer Hitze von 2000 Grad weder verbrennt noch ankohlt, so dürfte auch damit die große Ge- sahrenquelle beseitigt sein, die bisher stets der Eelluloidfilm darstellte. Mit einem Schlage wäre damit die Filmvorführung zu einer absoluten Sache gemacht, während bisher die Zahl von Film- brändcn während der Dorsührung doch noch immer ziemlich hoch ist. Die thüringische Theaterfrage. Bei dem Ausammenschlutz der thüringischen Kleinstaaten zum Fveistnat Groß-Thüringen ging das Land seinerzeit die Derpslich- lung ein, die Garantie für die Erhaltung der Theater in materieller und künstlerischer Beziehung zu übernehmen. Nunmehr hat der Staatsgerichtshos die Klag« der Stadt Gotha, die sich aus dieser Garantie ergebende Beitragspsliht für ungültig zu erklären, al» gewiesen und damit zugleich eine prinzipielle Entscheidung über die Verpflichtung der Theaterstädte zur Zuschutzleistung getroffen. Auch für dos weitergehende Theratergeseft. durch welches alle am Theater Interessierten Städte und Landkreise an der Zlufbringung der Zu» schutzleistungen beteiligt werden sollen. Hot der Stoatsgerichtshof durch seine Enscheidung den Weg gebahnt. Thüringen ist wie kein zweites Land sür eine Theotcrplanwirt« Ichaft; hoffentlich gibt diele Entscheidung«ndlch den Anlatz dazu, die Theatervcrsorgung des Landes organisatorisch aufzubauen. Die Rechtsregierung hat sich bislang mit System um dies« Lösung gedrückt. Nelly, die Eintänzerin. Nach einer wahren Begebenheit. Nelly, ein hochaufgeschossenes, mageres Ding von 20 Jahren, ist Eintänzerin, Konfettverkäuferin und Gesellschaftsdame, alles in einer Berson, in einem Nachtlokal. Sie ist stets luftig und guter Dinge, tanzt vor allem für ihr Leben gern, hat ein nettes Gefichtel, schlanke Beine und ist jung und dumm und leichtsinnig. Natürlich möchte auch sie, wie all ihre Schicksalsgenoffinnen, eine richtige ganz große Tänzerin werden. So eine mit Riesengagen, reichen Freunden, die sich willig vor den Triumphwagen spannen laffen, furzum, eine Künstlerin von Namen und Rang, um die sich die Direttoren der Vergnügungsetablissements reißen, um die sich die Agenten die Haden abrennen, um sie für dieses oder jenes Lokal buchen zu können. Aber zu alldem fehlt es all den kleinen Mädchen an Fleiß, Energie und all dem Drum und Dran, das man haben muß, will man das Schicksal zwingen. So tanzt und scherzt sie Nacht für Nacht zum eigenen Spaß und dem ihrer täglich wechſelnden Partner. Jeder läßt sich gern von dem jungen fröhlichen Ding ein paar Stunden lang die Grillen vertreiben, und beim Wein und Geft, da wird sie dann zutraulich, schenkt Küsse, und die Nacht ist doch so luftig und sie ist eben jung... Und der Mann, der sie gerade im Arme hält und ihr heiße Liebesworte ins Ohr flüstert, verspricht ihr alles, was sie ihm jetzt, da er in froher Geberlaune ift, ganz fachlich, ja eigentlich rein geschäftsmäßig abbettelt. Ein Kleidchen, ein Paar Schühlein, oder ein Mäntelchen, oder Geld Geld oder Geldeswert, es ist immer wieder dasselbe... So will es das Metier, denn von der kleinen Gage, da kann man sich keine schiden Kleidchen, Hütchen und zierliche Stöckelschuhchen faufen, und das muß man doch haben fürs Geschäft", und auch ein wohl frisiertes Röpfchen, manifürte Finger, Seidenstrümpfchen und Seidenwäsche. Und wenn man jung und mit dem nötigen Leichtfinn begabt ist, dann schafft man es auch So hüpft sie in ihrem fröhlichen Morästchen in feden Sprüngen von Pfütze zu Bfüze. Bis eines Tages, wer weiß? Ach was, das alles will sie ja gar nicht wissen, das wollen sie alle nicht wissen; denn wüßten sie es, dann spränge die eine oder die andere vielleicht lieber heute wie morgen aus dem Fenster oder nähme Gift oder atmate geduldig das füßlich- eklige Parfüm des Gaskochers ein. Also: entweder Finger davon oder nicht ans Morgen denken! Und es geht doch auch ganz gut. Läßt sich der eine nicht neppen, dann findet sich ein anderer Dummer, denn der Wein und die hirnzerreibende Musik und des zarte Mädel mit ihrer hauchdünnen Emballage, Herrgott, die Kerls find noch nun einmal so saublöd Gott sei Dant! Proft Schat! Manchmal wird sie mitten im trautesten Tete- a- tete abgerufen.„ Nelly, Verkauf!" brüllt der wachthabende Herr Geschäftsführer durch's Lotal. Und da fligt sie auch schon im Sturmschritt davon. Dem etwas tonfternierten Tischherrn flüstert fie ein„ Entschuldige mich, bitte, einen Augenblic, Süßer," zu. Mit fühnem Griff schultert sie jekt das Konfektbrett, auf dem zierliche Püppchen, Teddybären, Luftballons und Konfettichachteln balancieren; vergeffen find all die eben getauschten Roseworte, sie ist jegt eine nüchtern- gerissene Berkaufsdame, die ihre Ware mit größter Routine anpreist und dem zur nachdrücklicheren Wirkung auch noch gratis ein paar ertra schöne Aeuglein macht. Das ist Die Nelly, das ewig luftige, alljeits beliebte Mädel für alles. " Aber heute, überhaupt schon seit einigen Tagen, ist sie eine öllig andere geworden; sofort ist das dem scharfäugigen, hellhörigen Geschäftsführer unangenehm aufgefallen. Privatsachen find An gelegenheiten des Empfängers," meint er troden und zwinkert dabei der temperamentvollen, hochbufigen Rita von der Bar verständnisvoll zu. Aber im Geschäft wollen wir so was gar nicht erst einführen. Da heißt es Stimmung haben, sonst ist's Effig! Die täta uns ja die paar Gäste bei dem miesen Geschäft auch noch vergraulen. Sagen Sie ihr das mal, Rita, ja? Aber, Spaß beiseite. Ich kann da keine Rücksicht nehmen!" Und Rita und all, die anderen wissen, was diese Worte des harten, unnachsichtigen Mannes zu bedeuten haben. Rita hat Mitleid mit dem armen bummen Ding, fie mag sie überhaupt gern leiden und tommt eigentlich mit ihr, wenn sie ihr nicht gerade einen Verehrer wegschnappt, noch am besten aus. Sie nimmt sich also vor, Nelly ins Gebet zu nehmen und ihr das Gefährliche ihrer Situation vor Augen zu nehmen und ihr das Gefährliche ihrer Situation vor Augen zu führen. Da kommt sie eben vorbei. Wieder gesenkten Kopfes, mit trauTheater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark: Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr bis zum 31. Juli: Dresdner Volksbühne heater am Bülowplatz 81 Uhr Orpheus in der Unterwelt Deutsches Theater Norden. 12310 U. Ende nach 101/2 Artisten egie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/751 12 U. Ende 108 U. Es liegt in der Luft rigen Augen, schier berstend vor verhaltenem Weh. Sie fommt geradewegs auf Ritas Plaz zu, und diese will eben die Schleusen ihres ratgeberischen Redeschwalles öffnen, da sieht sie in ein total entgeistertes Menschenantlitz, und unwillkürlich stottert sie: Nelly, bist du frank?" Ach, Rita," flüstert Nelly faum hörbar.„ mir ist so eigentümlich, ich glaube, ich werde ohnmächtig." Sie hat den Satz noch taum zu Ende gesprochen, liegt sie auch schon lang aus. geftredt am Boden. Geschäftige Kellner eilen herzu, machen erft faule Bize von wegen beschwipft und so weiter, aber schließlich merken sie doch den Ernst der Dinge. Rita springt, soweit dies ihre ansehnliche Körperfülle erlaubt, rasch aus ihrem Barfäfig. besprengt die Ohnmächtige mit Wasser, flößt ihr ein wenig Kognat ein, und man bringt sie rasch, damit kein unnötiges Gerede oder gar Aufsehen entsteht, nach der Garderobe. Sie erholt sich auch rasch wieder, und als man fie frägt, war ihr denn sei, da erzählt fie: Der Bruder, lebensgefährlich verletzt, im Krankenhaus, die Mutter, von Kummer und Sorge vollkommen aufgerieben, liegt Schwertrant zu Hause im Bett, alle Laft und Gorge ruht mun auf dem jungen, unerfahrenen Menschenfind. Kein Verdiener ist da und fein Brot ist im Hause Nun weiß sie nicht mehr aus und ein. Denn allen Kummer muß sie heimlich in sich hineinfressen und abends fröhlich und ausgelaffen fein. Stimmung muß fie machen und die Gäste unterhalten. Boll Anait erzählt fie, daß fie die fcheelen Blicke des Hausgeftrenaen wie tödliche Pfeile auf sich ruhen fühlte. Das zarte, schmale Gesicht ist totenbleich und kaum handtelleraroß, die überschlanke, dürftige Gestalt zittert und bebt. 3ur seelischen Not gefellt sich vor allem die förperliche. Für ein ver. haltenes Mittageffen gibt es schon ein Paar billige haltenes Mittagessen gibt es schon ein Paar billige Seidenftrümpfchen, und da man ihrer recht viele braucht, so werden aus der einen nicht gegessenen Mahlzeit zwei und drei und auch noch mehr... .397 99m Sportler heraus! sic Alle auf dem Boden der Sozialdemokratie stehenden Arbeiter. fport- und Kulturvereine beteiligen sich an der vom Bezirksverband Berlin der SPD am Mittwoch, 1. Auguft d. I. veranstalteten nie- wieder- rieg- undgebung auf der großen Spiel. wiese im Humboldthain mit vorhergehender Demonstration. Sportler in Sportkleidung, Treffpunkt 18 Uhr am Zeppelin- Plaz Sportler in Sportkleidung, Treffpunkt 18 Uhr am Zeppelin- Plaz ( Wedding). Umkleideräume im Haufe Lütticher Straße 8, unmittelbar am Zeppelin- Plah. Fahnen der Vereine usw. sind mitzubringen. Nellys Wandlung fest, Rita von der Bar tut einen tiefen Seufzer der Befriedigung, und Nelly hüpft und springt und tollt und lacht als der Ausgelaffenften eine... Clarissa, Das Schwert des Jungstahlhelm. PGR. gegen die politischen Schülerabzeichen. Der Republitanischen Beschwerdestelle Berlin war gemeldet worden, daß immer noch eine große Anzahl von Schülern der Primen und der Obersetunda der Friedrich- Werderschen Realschule zu Berlin das Ab. zeichen des Jungstahlhelms tragen, obwohl es der Mi nifter verboten hat. Auf eine Beschwerde hat nunmehr das Provinzialschulkollegium Brandenburg- Berlin unter dem 4. Juli der Republikanischen Beschwerdestelle folgenden Bescheid erteilt: ,, Die Nachprüfung der uns vorgetragenen Angelegenheit hat ergeben, daß tatsächlich Schüler der Oberprima der Friedrich- Werder fchen Oberrealschule in Berlin das Schwert des Jungstahlhelm" zeitweise getragen haben. Es handelt sich dabei aber nicht um ein bewußtes Dulden von seiten der Schulleitung. Wir mißbilligen das Borkommnis scharf und haben der Schule erneut nachdrüdlich aufgegeben, die Vorschriften über das Abzeichenverbot in Zukunft streng zu beachten." Plönlich befinnt fich Nelly; durch ihren Körper geht ein eigen. Das Musikkorps der Berliner Straßenbahn. artiger Rud, die Augen leuchten unnatürlich auf, fie springt vom Stuhl, lacht trampshaft. Ich muß doch!" Und schon ist sie wieder im Saal. Mitten drin im Gewühl johlender Menschen. freischender Saxophonfafophonien, pofulierender Ravaliere und füß girrender Amoureusen. Befriedigt schmunzelnd stellt der Geschäftsführer Auch„ Kriegsopfer". Generat Anzeiger GIO Wir bitten als Arbeitslose mildtätige Regierungen um einen Bor vierzehn Jahren befamen wir das letzte Mal Arbeit. Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk, ab 10 Uhr geöffn. fleinen Weltfrieg." SCALA Beginn der Winterspielzeit Mittwoch, d. 1. August, abds. 8 Uhr Vorverkauf an der Theaterkasse von 10-5( Nollendorf 7360), bei Wertheim, K. d. W., Tietz, invalidendank und allen bekannten Hotels u. BillettbGros. KinderRevue von Schiffer Berliner Tik- Trio isu- Beiten, beren. Musik v. Spolianskv Berliner Theater harlottenstr.90/ 91. Doah.170 34, Ende nach 101/2 iastspiel d. Deutschen Th. Der Prozch Mary Dugan Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 1, Uhr Skandal Viktoria- Sänger im Bett! Ab 1. August: Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Donho Brett': ( Saal und Garten) Varieté. Kabarett- Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str.o Tel.: Mpl. 16077 Bis 31. Juli täglich 8 Uhr: Sonder- Gastspiel Otto Pauls Bunte Bühne Ab 1. Aug. Wiedera intreten der Elite- Sänger Volkspreise: 50 Pfg. bis 2 Mk. Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Elfriede Mertens a.G. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonn. statt 4. Mk. nur 1. Mk. Rose- Theater Jr. Franki, Str. 15. 5 Uhr: Konzert und bunter Teil: 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Neukölln. Engelhardt Engelhardt Caramel- Matbizn DIRTETISCHES GESUNDHEITSBRAU Mark VOLLBIER Engelhardt Brauere Stahlmatratzen, instig an Priv. Kat.2649 fr. Lahnstr. 74/ 75% sisenmöbelvar Snh( Thür). EngelhardtCaramelMalzbier nahrhaft wohlschmeckend bekömmlich erfrischend Aerztlich empfohlen für Kinder, Junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportier In der Ausstellung ,, Die Ernährung" Halle II, Stand 131 Filmvorführung Kostproben Ja, so was gibt es offenbar. Wenn auch die Deffentlichkeit bisher nicht viel von diesem Musikkorps gehört hat. Es muß an scheinend so etwas geben, weil es offenbar Musikhöre noch nicht genug gibt und weil die freien Mufiter noch lange nicht genug Konkurrenz haben, das heißt also, noch lange nicht Arbeitslose genug find. Und wer fein Lüftchen spürt, sich an den Künsten dieses Chores zu ergößen, der kann das jetzt sogar auch vermittels einer Grammophonplatte, denn das Mufiftorps der Berliner Straßenbahn hat wer hätte das gedacht. bei einem großen bekannten Plattenmie nett von euch, ihr fonzert eine Platte bespielt, und noch dazu Berliner Straßenbahner mit zwei monarchistischen Märschen, nämlich mit dem Kaiser Friedrich- Marich und dem Hoch habsburg Marich. Die Berliner städtischen Straßenbahner verbeugen fich also auf einer Platte vor dem Haufe Hohenzollern und dem Hause Habsburg, von denen sie wahrscheinlich ihre Gehälter beziehen. Höfliche Leute, diese Straßenbahner, das muß man ſagen. Berantwortlich für die Rebaltion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Zb. Glode, Berlin, Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SB 68. Lindenstraße 8. Sieran 1 Beilage. Als Medizin ist Coffein, Gar manchem Mittel vorzuziehn, Jedoch in täglichen Getränken, Soll man das Coffein sich schenken. Kaffee Hag habe ich schon seit jeher herzfranken Patienten verordnet, und zwar mit bestem Erfolg. Der Kaffee hat auch für verwöhnte Kaffeetrinker ein gutes Aroma, beeinträchtigt den Patienten den Kaffeegenuß, ohne Befürchtung der Verdas Herz auch bei schweren Herzstörungen nicht und ermöglicht Schlimmerung ihres Leidens. Gebt Euren Kindern Sinalco Sinalco ist stärkend, erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. Ueberall zu kaban! Generalvertr. Starick& Krigar Q. m. b. M., Lands berger Alles 6-7. Alexander 4703/ Königst, 1666 Sultenburg- Bühnen Dis. Künstler- Ti 812 Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. 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März 1890 von dem Reichskanzlerposten in fast beleidigender Weise durch Wilhelm II. entfernt war, da zitterten seine Nachfolger vor dem lebenden Löwen, der ja mit seiner alles zerfleischenden Tatze wütend um sich schlug. Am 30. Juli lief nun die Nachricht ein, daß der Alte im Sachsenwalde ausgehaht hatte. Der Haß hatte ihn gleichsam am Leben erhalten; und vielleicht war er noch mit einem bösen Fluch auf den Lippen gestorben. Nun, da er tot war, konnten seine Feinde in den Aemtern wieder ruhiger schlafen— vor allem der grimmig angefeindete Staatssekretär Boetti- chcr. Aber auch der schlaue Fuchs Miquel, der vom roten Kommu- nisten zum schwarzweißen Finanz- minister aufgerückt war, mochte seinen Zorn gefürchtet haben. Bismarck, ein Revolutionär be- sonderer Art, hatte in den acht Jahren, nachdem er dem Reichs- länzlerpalais in der Wilhelmstraße den Rücken zugewandt hatte, durch seine Enthüllungen geradezu revo- lutionär auf die monarchische Pol!» tik gewirkt. Ehrwürdige Schleier waren von dem Allerheiligsten des deutschen Monarchismus gefallen. In seinen„Gedanken und Erinne- rungen" setzte Bismarck seine In- dickretionen fort, und so standen den.; die preußischen König« vor aller Welt vollkommen nackt da. Bismarck war, obwohl er sich einen„treuen Diener" Wil- Heinis I. genannt hatte, olles andere als ein ergebener Vasall der Hohenzollernschen Dynastie. Den. alten Wilhelm I., dem in der beginnenden Konfliktszeit die Knie vor dem Henkerbeil fchlodderten, crinnerte er an �»as„Portepee" des preußischen Offiziers. Er hatte den mutlosen Monarchen aufgerichtet, der den Angstschrei ausgestoßen hatte:„Ich sehe ganz genau voraus, wie dos alles rndigen wird. Do vor dem Opernplatz, unter meinen Fenstärn, wird man Ihnen den Kopf abschlagen und etwas später mir." Bismarck hatte den mit ollen dynastischen. Gefühlen bedrückten Wilhelm jn den Krieg mit Oesterreich hineingerissen. An den legi- 'iünistischen Bedenken des Alten war er lächelnd vorübergegangen und hatte gleichsam mit derben Fußtritten deutsche, eigentlich un- absetzbare Gottesgnadenfürsten von ihren Thronen gestoßen. Don einem Lassalle ließ er sich über die Bedeutung des allgemeinen Wahlrechts belehren und eindringliche Vorträge über die revolu- tionär-diktatorische Rolle des sozialen Königtums halten. Bor dem kriegerischen Zusammenstoß mit Oesterreich proklamierte Bis- inarck das ollgemeine Wahlrecht als Grundlage für einen völlig neugestalteten deutschen Bund. Er schloß Kriegsbrüderschast mit den Revolutionären des Auslandes, um unter Umständen das„ehr- würdige" Herrscherhaus Habsburg völlig zu vernichten. Dann brach er mit seinen konservativen Freunden und richtete mit Hilfe der Nationalliberalen ein liberales ökonomisches Deutschland auf. Jn der sozialistengesetzlichen Zeit überraschte er die Welt mit einem Staatssoziolismus, dessen„revolutionäres Prinzip" der na- tionalliberale Manchestermann Bamberger bis auf den franzö- fischen Konvent zurückführte. Bamberger sprach auch Bebel als den wirklichen Urheber des ersten Unfallversicherungsentwurfes an, denn er habe in einer Rede die Grundzüge des nun vorliegenden Entwurfs entworfen. Bismarck ist, wie wir betonten, stets ein Revolutionär eigener Art gewesen— ein Gewaltrevolutionär von oben. Jn den Tagen der werdenden Sozialversicherung trägt er dem Reichstage die Theorie vor, daß die Reichsverfassung ein Vertrag der Regierungen sei, den sie, ohne den Reichstag zu fragen, durch einen anderen ersetzen könne. Und höhnend bemerkt Engels in einem Schreiben an Ed. Bernstein am 12. Juni 1833: Das wäre ein gefundenes Fressen für uns, das soll er nur probieren. Wir können nicht vor- ankommen, bis wenigstens ein Teil der Bourgeoisie auf die Seite einer wirklichen Bewegung gedrängt wird— sei es durch in- nere oder äußere Ereignisse." Um die gleiche Zeit wohl spricht Bis- warck zu dem Geheimrat Theodor Lohmann von„korporativen Genossenschaften", die als Grundloge einer künftigen Volksver- trctung dienen sollen, die anstatt des Reichstages oder neben dem Reichetag ein mitbestimmender Faktor der Gesetzgebung werden sollen. Und diese einschneidende Umwälzung der Verfassung will Bismarck unter Umständen„durch das Mittel eines Staats st reiches" durchsetzen. Bismarck fällt nicht zuletzt, weil er im Ernst eine„m i l i- t ä r i I ch e" Lösung der sozialdemokratischen Frage erstrebt und Wilhelm II. nicht durch das Blut seiner Untertanen waten will. Bismarcks„Revolution von oben" hätte sicher die große Zusammen- Wenn der Löwe tot— ist es für Füchse eine Lust zu leben, bruchskatastrophe des Jahres 1918 einige Jahrzehnte vorher heraufbeschworen! Nach dem Tode.Bismarcks schrieb am 3. August 1898 der „Vorwärts"— wahrscheinlich Liebknecht—, daß Bismarck in gewissem Sinne„das Werk der Revolution" verrichtet habe. Er mutzte „dem Sozialismus, den er zu Zwecken der Sclbstherrlichkeit hatte aus- nutzen wollen",„Vorschub und Spanndien st e leisten". . P. K. „Des Heiden Heimfahrt*6 Das geheimnisvolle Waitoreke. Im australischen Winkel unseres Planeten gibt es zahlwiche merkwürdige Tiere, die wie Ueberbleibsel aus längst vergangenen Erdperioden anmuten: Ameisenigel, die Eier legen und ihre Jungen säugen, Schnabeltiere, die dasselbe tun, den Kopf einer Ente pnd den Pelz eines Säugetieres haben, Bären, die keine Bären, und Ratten, die keine Rotten, sondern Beuteltiere darstellen. Auf Neu- secland lebt der Kiwi, ein hühnergroßer Vogel, der keine Flügel hat, ein Papagei, der in Erdhöhlen statt auf Bäumen lebt, und ein anderer Papagei, der sich als Raubvogel von dem Fleisch erbeuteter Schafe nährt. In den antarktischen Meeren tummelt sich der Pinguin, der ein Vogel ist, von weitem wie ein Mensch aussieht, wie ein Fisch lebt und wie ein Reptil Schuppen trägt. Auf Nee- sceland findet man die Brückenechse, eine kleine Echse mit Schuppen und Stacheln, die in ihrem inneren Bau die Merkmale der Lurche, Schildkröte und Schlangen vereinigt. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß in dieser merkwürdigen Gegend noch andere verwunderliche Tierarten existieren. Stephan v o n K o tz e, der bekannte Wcltenbummler, berichtete seinerzeit, daß in den Geschichten der dortigen Eingeborenen ein eigentümliches, otterngroßes Wassertier, das Waitoreke, eine Rolle spiele, dessen zoologische Zugehörigkeit gänzlich unbestimmt sei; das Tier zeige sich sehr scheu und hätte bisher noch nicht erbeutet werden können. Noch nie hat ein Weißer es zu sehen bekommen. Kürzlich erschien in Windham im nördlichen Australien ein Mann namens B r« n t; er gab an, das Nordterritorium vom Golf von Carpentaria aus durchquert und sich in den Bergurwäldern fünfviertel Jahre hindurch ausgehalten zu haben. Näheres weiß man über ihn nicht, verschiedene vermuten in ihm einen von einem Frachtdampfer desertierten Matrosen. Dieser Mister Bvent be- hauptet nun, an einem von Sumpf umgebenen Bergsee ein ihm unbekanntes Tier erlegt zu haben, das in der Größe fast an das brasilianische Wasserschwein herangereicht hätte— eine ganz respektable Sache, da dieses Tier, das größte Nagetier der Welt, bis einen Meter Schulterhöhe erreichen kann. Leider konnte der glückliche Jäger seine Beute nicht vorzeigen; er kam in gänzlich abgerissenem Zustand in Windham an und berichtete, er habe seine ganze Ausrüstung, über- Haupt alles, was er bei sich hatte, auf dem Marsch durch die Wildnis zurücklassen müssen. Das unbekannte Tier, das er geschossen haben will, soll einen dichten Pelz gehabt haben, dessen Haare dicht an der Haut eine schuppenartige Verbreiterung zeigten. Es habe kein Gebiß besessen, sondern eine eidechsenartige Schnauze mit einem ein- gekerbten Kieferrand an Stelle der Zähne; der Schwanz sei breit und schuppig gewesen wie bei einem Biber, die Füße hätten breite Schwimmhäute aufgewiesen. Ein in Windham zufällig anwesender Zoologe vermutete in diesetn Tier sofort das sagenhafte Waitoreke und schrieb in diesem Sinne nach Sydney. Man will jetzt von dort aus eine Expedition unter Begleitung von Brent nach dem Golf von Carpentaria schicken, die denselben Weg wie der angebliche Entdecker nehmen soll. An sich wäre der Fund Nicht unmöglich, aber es ist sehr leicht möglich, bajz JMtcr Brenk geschwindelt hat, um. für die nächste Zeit versorgt zi�fem. Puhl! Da sauste mit großem Rumor, der Bismarck durch das Ofenrohr. Talmudistische Weisheiten. Keine Regel ohne Ausnahme. Rabbi Clieser war nicht nur wegen seiner Körpersülle, sondern auch wegen seiner treffenden Antworten bekannt. Einst besuchte er den Rabbi Simon. Er ward von ihm freundlich empfangen und mi> o'nem Becher Wein bewirtet, den er in einem Zuge leerte. Mit einem zweiten Becher, der ihm gereicht wurde, machte er es ebenso. „Bruder Eliescr," sprach da Simon,„weißt du nicht, was die weisen Männer gesagt haben?" erwidert« der Rabbi,„ich weiß es wohl: Du sollst den Becher nicht m einem Zuge leertn. Aber die weisen Männer geben doch keine Lehre, ohne eine Ausnahme zu gestalten. Und diesmal ist dreifache Ursache zur Ausnahme: dein Becher ist klein; der ihn austrinkt, ist groß; und dein Wein ist köstlich!" Die Schrift ist unparteiisch. Einst sprach ein römisches Weib zu Rabbi Iosias:„Der Der- fasser der Bücher, die ihr heilig nennt, scheint mir bei der Erzählung einiger Ereignisse sehr parteiisch zu sein. Manche scheinen mir ganz unglaublich. Ist es möglich, daß Josef,«in armer Sklave, in der Blüte seiner Jugend den verführerischen Reizen und lockenden Aus- jorderungen seiner reichen, mächtigen Herrin widerstanden habe?" „Du würdest nicht so sprechen," entgegnet« der Rabbi, hättest du unsere Bücher mit gehöriger Aufmerksamkeit gelesen." Dabei machte er auf die Erzählungen von Rüben und Bichar, Iuda und Thamar aufmerksam.„Sie waren," bemerkte er,„äUer als Josef, und mehr als er, und doch verschweigt der Geschichtschreiber ihre Fehler nicht, sondern legt sie ihren Nachkommen ossen vor. Denn das Eigentümliche unserer heiligen Bücher ist, daß sie die Hand- lungcn unserer Vorsahren getreu und unparteiisch erzählen, ihre Fehler nicht verschlimmern und ihre Tugenden nicht vergrößern, damit die Nachkommen jene meiden und diese«achahmen mögen." Das Wörtchen„uns". Einst sprach ein Athener zu einem hebräischen Knaben:„Hier, mein Söhnchen, hast du Geld; besorge uns einige Feigen und Wein» traubcn!" Der Knabe ging und kaufte die Früchte; er gab sie dem Fremden, behielt ober die Hälfte sür sich. Ueberrascht fragte der Mann aus Athen:„Ist es hier Sitte, daß der Bote aie Hälfte dessen behält, was er geholt hat?" „Nein," antwortete der Knabe; aber wir pflegen zu sprechen, wie wir es meinen, und zu tun, was man verlangt." „Ich habe aber doch nicht verlangt, daß du die Hälfte der Früchte behältst-?"-•-• „0 ja," war die kecke Gegenrede;„was melMest du denn sonst mit dem„bring uns"?" ?. B. Geheimbund der weißen Hand. Aus der weißgardistischen Emigration. Bor einigen Tagen wurde in Stockholm der Amerikaner Reginald Lehrs durch einen Gnadenakt des Iustizminssters aus dem Gefängnis entlassen. Diese Nachricht weckt die Erinnerung an den Prozeß gegen den„Geheimbund der weißen Hand", der im Herbst 1919 in Stockholm verhandelt wurde. Unter den vielen Russen, die dort ein Asyl gefunden hatten, zeichnete sich ein gewisser H a d j e t l a ch e, Offizier der kaiserlichen Garde, durch sein flottes Austreten aus. In seiner Gesellschaft sah man täglich den früheren Generalquartiermeister der russischen Nordarmee, Ge- neral G i s s e r, und den Amerikaner Lehrs. Die Russen mieteten eine luxuriöse Villa im Stockholmer Tiergartenviertel am User des Fjords und veranstalteten dort prunkvolle Fest«. Als ein gewisser Lewitzki, der häufig in der Villa zu Gast war, eines Tages spurlos verschwand, fiel dies nicht weiter auf, da Lewitzki vorher die Absicht geäußert hatte, eine Amerikareise anzutreten. Auch das Verschwinden des Finnen C a l v 6, der ebenfalls zu der lustigen Gesellschaft gehörte, erregte nicht besonderes Aufsehen, da das Gerücht ging, Calvä habe wegen einer dunklen Angelegenheit das Land verlassen müssen. Erst als im Sommer 1919 abermals ein Gast der Villa, der Russe A r d a s ch e v, verschwand, begann die Stockholmer Polizei Verdacht zu schöpfen. Eine Haussuchung bei Hadjetlache, der eiste russische Emigrantenzeitung herausgab und über den nicht die besten Gerüchte im Umlauf waren, ergab, daß der ehemalige Gardeoffizier und der Amerikaner Lehrs an der Spitze einer Organisation standen, die sich Geheimbund der weißen Hand nannte und angeblich den Zweck hatte, gegen Leute, die mit den Bolschewik! in Verbindung standen, Femejustiz zu üben. Die drei Verschwundenen waren zuerst ausgeraubt und dann grausam ermordet worden. Als Lockvögel dienten die bildschönen Frauen der russischen Gardeoffiziere und die s e ch- zehnjährige Tochter des Generals Gisser, die eben- falls zu der unheimlichen Gesellschaft gehörte. Ardaschev war drei Tage lang in ketten gehalten und schließ- lich gezwungen worden, einen Scheck zu untctschceiben; dann brachten ihn die Verbrecher um, nähten die Leiche in einen Sack und warfen diesen in den Fjord. In dem Keller der Villa fand man Säcke; auf denen bereits die Namen der Männer mit Kreide geschrieben waren, die die Bande als n ä ch st« Opfer in Aussicht genommen hatte. So waren der frühere russische Marineattach« in Stockholm Stascheski, von dem man wissen wollte, daß er mit den Bolschewik! in Verbindung stand, serner der vielgenannte, aus der Rasputin-Affäre bekannte Bankier R u b i n st e i n, sowie der damals in Stockholm weilende K r a s s i n ausersehen. Der Anführer der Bande, Hadjetlache. wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, da das schwedisch« Strafgesetzbuch die Todesstrafe nicht kennt. General Gisser wurde bereits vor einigen Jahren aus den» Gefängnis entlassen und be- treibt jetzt in Stockholm eine Sch u h m a ch e rw er k st a tt. Jetzt erhält auch Lehr» die Freiheit zurück. &iri von JasojI Mvrgßsälszr (14. Fortsetzung.) Mama©ruber, die immer bald müde zu werden pflegte, saß jetzt in holbliegender Stellung auf dem Sofa. „Reich' mir die Zigaretten herüber— also, wa? ich nur Hab' sagen wollen... richtig! Da» schien dir früher so erstrebenswert, das mit der Medizin? Na meinetwegen. Aber seitdem hast du, glaub' ich, doch andere Verhältnisse kennengelernt. In eurer Wohnung in der Iofefstadt ist das ja gewiß schon was Enormes. Frau Dr. tfjilde Fernleitner. Aber hier bei uns hast du ja gesehen, woraus es in der Welt ankommt, nicht? Wer tyird geachtet? Die Leute, die Geld haben, wenn sie auch sonst noch solche Hallodris sind. Mit allen diesen brotlosen Künsten bleibt man Zeit seines Lebens ein Hungerleider. Ein Hungerleider, der sich einredet, daß sein Magen in Versen knurrt. Aber deshalb knurrt er doch." „Schau, ich sag' dir ja olles nur deinetwegen, weil Ich dich eben lieb Hab'.— Komm, gib mir einen Kuß und schau nicht so trotzig drein. Mit der Dely oder der Lutz würde iä) anders reden, die können sich schon— wenn sie die hätten, ach©ott!— Neigungen erlauben. Du aber, die Hilde Fernleitner, mußt dich fürs Leben ander» ausrüsten, nicht wahr? Ich mein' dir'« ja gut." Frau©ruber sah auf die Armbanduhr.„Um Gottes willen, es Ist ja schon 7 Uhr... Ich werd' ja nie fertig werden... Also paß auf! Noch ein Wort: Du gehst mit mir zur Frau Neumann. Narret. Das ist eine ausgezeichnete Lehrerin. Sie war am Burgtheater, hat da zwar keine großen Rollen gespielt, die Großen hoben sie eben nicht zugelassen. Aber sie versteht was, sie soll prüfen, ob du Stimme hast oder mtr so Talent. Sog's deiner Mutti und wenn du willst, fahr' ich zu ihr hin!... Um©ottes willen! Nie werd' ich fertig werden..." Frau©ruber sprang vom Sofa herunter, man hätte ihrer Leibesfülle niemals diese Beweglichkeit zugetraut, und graziös lief sie hinaus.„Wenn die Dely und die Lutz kommen, so sog' den Fratzen...* Hilde erfuhr nicht den Inhalt der Botschaft, die Worte der Mama©ruber oerhallten in den nächsten Zimmern. Hilde blieb in merkwürdiger Stimmung zurück. Ja, In diesen Räumen, in denen sie sich immer so behaglich gefühlt hatte, war sie nach nie so beklommen gewesen. Es bedrückte sie. daß ein Zwang auf sie ausgeübt wurde— ah. sie kannte die Art der Mama©ruber und getraute sich schon, mit ihr fertig zu werden. Jkren eigenen Willen, wenn der wohl überlegt war, wollte sie schon durchsetzen. Es war auch nicht die Aussicht, in eine Theater- schule zu gehen— das könnte ja ganz lustig sein, und wenn sie Talent habe, worum nicht zum Theater gehen? Das mit dem medizinischen Studium, das mar ihr gerade während des Gespräches eingefallen, sie hatte früher immer nur an die Matura gedacht und alle Möglichkeiten, die sich aus ihr ergaben, erwogen— jetzt erst, war sie darauf gekommen, daß das ihr innigster Wunsch war: Arzt sein. Komisch, daß so eine Herzenssache ihr gerade von ungefähr in den Sinn kam, ein bißchen wahrhaftig, ein bißchen au» Trotz und Opposition gegen Mama©ruber. Hilde wußte nicht, was sie nicht im Gedankenkreis der Mama ©ruber litt, die sie auch liebte und die sich um ihretwillen so sorgte. Sie ahnte es vielleicht, konnte sich aber darüber nicht klar werden. lind ließ gern ihre Gedanken weiterschweifen, ohne jetzt darüber nachzudenken. Es war ihr unangenehm. Aber sie wartete nicht auf die Dely oder auf die Lutz. Ihr war In diesem Zimmer un- behaglich, dieses prunkvolle Iungmädelzimmer. Da war eine Vbatographie de» italienischen©rasen ip voller Uniform mit«in« Signatur in Monumentalschrist, und da waren Bilder von Schau- spielern und Sängern, von denen einer beim©rinsen ein be- sonder» dumme,©esicht machte. Und da die Reproduktion eine» „Heiligen Sebastian", der recht geziert in seiner Nacktheit dastand und sich anscheinend durch seine Leiden laicht au» einer vorteilhaftesten Pose drängen lieh. Das große schöne Zimmer war ihr zu enge. Sie riß da« Fenster aus, und die schärfere Luft de» Tiirtenschanzparkes drang ein. Aber das war es nicht, das Zimmer war nicht uberheizt und nicht dunstig. Sie wollte Bewegung machen. Fort! Ja. sie fühlte, daß nicht das Zimmer an ihrem Unbehagen schuld war, sondern es war, als ob das Gespräch, ja richtig, das Gespräch mit Mama Gruber, sie irgendwie verletzt hätte. Sie war doch nicht beleidigt? Dazu war gar kein Grund! Sie sagte:„Fräulein Jenny," die 5)auegehilfin bei den©ruber» hieß gar Jenny,„ich kann auf die beiden Fräulein nicht warten. Ich seh' sie ja morgen." Und' ging. Sie wollt« noch heute der Mutti über diese» seltsame Gespräch Mitteilung machen. AI« Hilde der Mutter so ungefähr wiederholte, was Mama Gruber Ihr gesagt hatte, brach Frau Fernleitner In Tränen au». „Ja, warum weinst du denn, Muttt?" „Ich weiß nicht, Kind. Aber diese Idee, daß du zum Theater— gerade du..." und Frau Fernleitner trocknete wieder ihr Gesicht ab. Zum Glück war Fräulein Nase noch nicht vom Bureau zurück, die hätte zweiseklo» die Situation noch viel tragischer aufgefaßt. „Aber die Sache ist ja klar— die Medizin geb' ich nicht auf.. „Was gibst du nicht auf?" „Die Medizin, ich will nämlich Aerztin werden. Mutti!" .Kind, das ist schön von dir!" Di« Frau Fernleitner sagte es ganz feierlich und küßte die Hilde. „Wart' nur. wart' nur, Mutti, wenn ich g'sagt Hab', daß ich die Medizin nicht ausgeb', so mein' ich vorerst die Matura. Denn bi» zur Universität und dem Spital oder dem Laboratorium ist es noch weit, aber was nahe Ist, das Ist. daß wir kein Geld haben. Und um diesem Eharalterfehler abzuhelfen, geh' ich zur Frau Meumann-Norrek oder wie sie heißt: Ja, wenn ich Talent Hab', will ich Geld verdienen. Wenn du gehört hättest, wie die Mama Gruber über da» Geldverdienen gesprochen hat— e» war wirklich schön. So pathetisch Hab' Ich die Mama©ruber nach nie reden g'hört. Sie Hai recht. Man muß©eld verdienen und den Lu�us, sich einem Neigungsberuf hinzugeben, können sich nur die reichen Leut' leisten. Wenn'» nach mir ging, so bleib' ich bei der Medizin." „Du bleibst dabei!" sagte Frau Fernleitner und mußte doch |jj£ela.„Du bist sa noch gar nicht bei ihrl" Hilde ging über den Denkfehler, der ihr nachgewiesen wurde, hinweg. „Und wenn es nicht sein kann, ja, wenn es nicht sein kann, so geh' ich unters Theater." Und sie sang die Strophe aus der „Fledermaus", in dem vom„Unters-Theater-Gehen" die Rede ist. „Bleib' ernst, Kind, bei ernsten Sachen. Ich oersteh' dich nicht." .Tich mach' Matura und mach' die Schul' bei der Frau mit dem langen Namen, das ist doch sehr einfach!" „Zu gleicher Zeit? Das kannst du nicht, da» erlaub' ich auch nicht, diese Ueberorbeitung!" „Geh, Muttt, du weißt ja, wie ich solche Prüfungssach-n durch- führ'. Ich stell' die Mama Gruber zufrieden und— mich auch." Ja der Theaterschule. Hilde ging am frühen Nachmittag zur Mama©ruber, gleichsam, um ihr offiziell ihren Entschluß mitzuteilen. Frau©ruber lag auf dein Sofa in ihrem Zimmer, das von Zigarettendunst ganz blau war, und raucht« iminer weiter Zigaretten. Es war größer als das der Dely. kein Bett war drin und es hingen oder standen in wert- vollen Rohmen mehr und andere Photographien überall herum, sonst sah es aber genau so aus wie jenes. Mama©ruber härte zu, was Hilde in wohlformulierter Rebe zu sagen hatte, und lächelte bloß nachsichtig. .Kab' mir's ja schon damals gesagt, daß du mir Recht geben wirst. Was ich will, geschieht— schon deshalb, weil es iminer ver- nünstig ist. Das Kompromiß, mit dem du dich selbst beruhigen willst, ist zwar ein Blödsinn, ab« du wirst es ja ohnehin bald auf- geben. Darüber mach' ich mir kein« Sorgen, was du in deinen freien Stunden tust, ob du Latein oder Lauchtanz lernst, ist mir Wurst. Aber ich mach' aus dir eine Primadonna, das mußt du dir merken. Wenn du Zeit hast, fuhren wir jetzt zur Fvau Neumann- Norrek." Hilde hatte Zeit und Frau©ruber war erstaunlich rasch zum Fortfahren bereit. Frau Neumann-Norrek war eine stattliche Dame. Sie muhte einmal ausfallend schön gewesen sein und bot noch heute— die erste Jugend war ja dahin— das Bild einer reifen Schönheit, die oller- dings auf die Unterstützung der Kosmetik und anderer©nadenmittel der Kultur nicht mehr verzichten konnte. Sie musterte Hilde lange durch ihr Lorgnon, als ob ihr ein seltsame» Tierchen zum Kauf angeboten würde, und sagte dann:„Also da» ist da» lüde Kind, das Sie, verehrte Freundin, der Kunst zuführen wollen?" Ihre getragene Sprechweise stach um so krasser von dem gemüt- lichen Wienerisch der Mama Gruber ab. „Denken S' Jhna, liebe Frau Norrek, man bietet einem Mädel die Chance, zum Theater zu gehen und sie hat andere Ideen im Kopf. Zu meiner Zeil war das umgekehrt." .La, ja. es sind traurige Zellen. Die Lüde zur Kunst schwindet iminer mehr und mehr und dos Gell» allein..." „Ganz im Gegenteil. Frau Norrek, Si« strn auf der falschen Spur, aber das gehört nöt hieher." Die stattliche Dame sah, daß si« ein anderes Thema anschlagen müsse uixb ging brüsk auf den Zweck des Besuches über. „Wie dem auch sei, mein lübes Kind— sprechen Sie mir etwas vor!" Vorsprechen! Die Hilde wußte sehr wenig auswendig. Ein paar Lieder, ein paar klassische Gedichte, an die sie sell der Schulzell im Lyzeum nicht mehr gedacht hatte, einen Absatz aus den„Bunten Steinen" von Stifter— daß der ihr g'rad einfiel!—, sie schwieg. „Wie? Sie wissen nichts vorzusprechen, lübes Kind? Wie ich das erstemal in der gleichen Situation war, und es war Meister Sonnenthal, der mich noch prüfte, da hatte ich bereits ein ganzes Repertoire, und ich war bereit, jede Naive des Burgtheaters zu«- setzen— leider ist es dazu niemals gekommen. Das ober Sie be- trifst, lübes Kiird, wie soll ich denn sehen, ob Sie Talent haben, viel- leicht auch ob Sie Gesangstalent haben..." „Geb's Gott!" warf Frau©ruber ein. „Wie soll ich das sehen, wenn Sie schweigen?" (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. mfmmuiiuimiiiimnnmniiimnniinimimmimiminmmimmnmiiinnmnmmmiiinnnHniinmDimumnimnniiimnimmmiiiimmumiiiittramnnnmmiimiuinmmHmniii '.Achtung, der Külz." Ansichten über öffentliche Moral, wahre Dolksgesinnung und Volteansichten karm man nicht aus dicken, theoretischen Wälzern kennenlernen, da muß man sich einfach„unter das Boll mischen". Besonder» lehrreich und instruktiv ist— so schreibt man un«— in dieser Beziehung der Besuch der Leipziger Strandbäder. Nachmittag» in einem Strandbad vor den Toren der Stadt. Es ist heiß zum Ersticken, alles flüchtet ins Grün«: ältere Damen mit Schwimmkostümen au» der Zeit Albrecht des Bären, junge Stenotypistinnen mit Herrenschnitt, behäbige Statpartien und «lastische Sportgestalten beleben das Bild. Was soll ich es leugnen? Es sind auch zahlreiche Liebespaare anwesend. Es wäre wohl auch ummfrichtiz, wenn ich verschweigen würde, daß eben diese Paar« miteinander liebevoller und zuvorkommender umgehen als ältere, gesetzte Menschen über(50 Jahre es zu tun pslegen. Neben mjr liegen solch' zwei sunge Menschen. Sie plaudern und lachen, daß man sich im Zusehen und Mithorchen selbst ordentlich freut. Es fällt auch gar nicht weler auf, daß sie sich von Zeit zu Zeit mal so ein bißchen zärtlich umarmen. Jeder sieht es, keinem fällt es auf. Warum auch nicht. Man ist ja im Freibad! Plötzlick) sagt er— der junge Mann—:„Achtung, Erna, der Külz kommt!" Worauf sie sofort in R-spektzentfernunz ouseinandernicken. Ich muß gestehen, daß ich im ersten Augenblick etwa» verblüfft war. Sollte tatsächlich Herr Külz...? War er ein Bekannter der jungen Leute? Was war es denn? Doch es dauerte nicht lange, da war ich„im Bilde". Ich muß nämlich wohl etwas dämlich dreingeguLt haben. Das wird meinen beiden Nachbarn aufgefallen sein, denn Erna meinte freundlich zu mir:„Er macht jetzt seinen Rundgang, der Külz."— Ich brauche die»«ehrlichen Leser wohl nicht näher aufzuklären, daß es nicht der demokratische M d. R. Dr. Külz, Generalrepräsentant der Deutschen Schund- und Schmutz G. m. b. H. war, sondern— sondern? Es war der Bädemeister, der würdig und doch voll Tücke seinen„Rundgang" machte. Zur Hebung der öffentlichen Moral! Immer noch„Wild-West". Zu dem Artikel vom 20. Just im„Abend" werden uns noch folgende Angaben aus einer amerikanischen Gewerkschastsztitung mitgeteilt. Unter der Ueberschrift Mord und Torschlag als„freier Beruf" in den Bereinigten Staaten, wird da berichtet: Während t« Leningrad selbst wahrend der größten Hungersnot im Jahre 1022 auf 100 000 Einwohner 26,7 Fälle von Mord und Totschlag kamen, betrug die entsprechende Zahl in sechs verschiedenen Städten der Dereinigten Staaten im Jahre 1927 das doppelte und drei- fache davon, nämlich 40,0 bis 60,3 per 100 000. Es waren die» allerdings Städte, die sich in den Südstaaten befinden, so daß an- zunehmen ist, daß ein großer Teil der ums Leben Gekommenen „farbige" Personen waren. Berglichen mit England kommen die Bereinigten Staaten noch schlech'cer weg; im Jahre 1926 starben rn den Vereinigten Staaten vo se einer Million Einwohner 104 eine» gewaltsamen Todes, in England dygegen nur sieben. Zu dem Kapitel„Der rote Hahn", das ebenfalls in dem ein- gangs erwähnten Artikel vorkommt, fei folgende Tatsache erwähnte Eine Versicherungsgesellschaft in Chicago hat die Feuer- Versicherung' eines Hauses annulliert, das�-einem Richter gehört. Die Gesellschaft fürchtet, daß das Haus einem Bomben- attentat zum Opfer fallen wird: und zwar dürfte damit der Wahlkampf eingeleitet werden. „Es scheint, daß der Wahlkampf nicht nur mit geistigen Waffen geführt werden wird"— bemerkt die amerikanische Zeitung dazu.— Das scheint allerdings so! Dampferdiebe. Gleich den Eisenbahndieben gibt es als Spezialisten ihres Handwerks Dampferdiebe: als Passagiere der ersten Klasse machen sie ihre Touren hin und zurück aus den Ozeandampfern, spielen hier die Kavaliere, treiben Flirt mit den Damen der Gesellschaft, wiegen sich mit ihnen bei den Klängen des Jazz im Iimmi, sehen sich dabei ihr« Opfer gründlich an, um eines Tages reiche Beitte zu machen. Ganz vor kurzem war ein Kollier im Werte von 1 250 000 Franken, das ihnen aus dem Dämpfer„Barigaria" auf dem Wege von London nach New Jork in die Hände siel: es gehörte der amerikanischen Schauspielerin Ann! Uort. Don den Dieben fand man keine Spur. Für Anni Uort wird die Begebenheit eine harte Lehre sein. Aber wer s-hließlich Millionenwerte am Halse trägt, wird sich nicht wun- kern dürfen, daß auch andere an ihnen Gefallen finden. Dazu wer- den Schmuckstücke ja doch wohl getragen... Ueber den Löffel barbiert... Gewiß gibt es In New?)orl auch ehrlich« Leute, aber seit- samerweise haben die„Grünhörner" immer das Pech, zuerst Gau- nern In die Hände zu fallen. So ließ sich ein Neuankömmling bei einem Barbier rasieren und sich den Kopf waschen. Er bekam von 10 Dollar nur 2 wieder. Der so geschorene Kunde ging nun zur Polizei, die den Barbier sofort bei seiner Serviette nahm. Wohl behauptete er, er habe eine„wissenschaftlich« Behandlung" der Kopf- haut" vorgenommen, doch schien es mehr, als habe er seinem Kun- den das Fell über die Ohren ziehen wollen. Er mußte daher schleu- nigst die 8 Dollar zurückgeben, wollte er nicht wegen Betruges vor da» Gericht zitiert werden. Diesmal hatte er sich selber gründlich cingsseist.., L Sportkämpfe des Sonntags. Arbeiter- Radfahrer bei Rütt! Gau- Meisterschaften und Länderkampf. Rote Fahnen flatterten gestern auf der Rütt Arena! Die Arbeiterradfahrer des ARB. ,, Solidarität" gaben sich hier ein Stelldichein. Frankreich hatte den sympathischen Chambille entsandt, Belgien fonnte wegen einer eigenen Veranstaltung entsandt, Belgien fonnte wegen einer eigenen Veranstaltung nicht vertreten sein. hielt Kaulsdorf das Spiel sehr engmaschig und fam aus diesem Grunde über die mit Unterstügung der Läuferreihe gut arbeitende Potsdamer Berteidigung nicht hinaus. In der 10. Minute gelang es dem Kaulsdorfer Halbrechten, einen unhaltbaren Schuß anzu bringen, dem acht Minuten später der zweite folgte. Kurz nachdem fonnte Potsdam durch Verwertung eines Freiwurfes das Ehrentor teidigung eingestellt und blieben darum die drei Stürmer ohne die schießen. Potsdam hatte sich von Anfang an nur auf die Ber nötige Unterstützung von seiten der Läuferreihe. Darum wurde jeder Angriff sofort von der Raulsdorfer Berteidigung, die mit vier 10 Minuten hielt Botsdam leider nicht mehr der Uebermacht stand Mann den Werfer abdecken konnte, unterbunden. In den letzten und mußte der Torwächter in dieser Zeit vier Bälle passieren lassen. Eine sportliche Ungehröigkeit leisteten sich von Kaulsdorf der Halb. rechte, der megen allzu starten förperlichen Spielens herausgestellt murde, und der Tormächter. Die Frauenmannschaften Rüstig- Borwärts und Berlin 12 für Rüstig- Borwärts. trennten sich bei einem flotten und lebhaften Spiel mit 1: 0( 0: 0) Arbeiter- Segeln. Unter den Klängen der Internationale" fuhr der französische Kamerad, begleitet von Fisch Darmstadt und Pinieci, eine Ehrenrunde. Zunächst wurde die Gaumeisterschaft der Hauptflasse über 1 Kilometer ausgefahren. Kühne von der Rennfahrerabteilung sicherte sich den Sieg, indem er in der letzten Runde den zu lange führenden Zimmermann- Kirchhain durch einen starken Borstoß vom ersten Blaz verdrängte. Den zweiten Platz belegte LottraRottbus. Die Baumeisterschaft der Altersfahrer über 2 Kilometer gewann Must roph von der Rennfahrerabteilung, nachdem er lange mit Troppa- Kolfmiz gefämpft hatte. Einen feffeinden End tampf lieferten sich Lottra und Kühne in der Gaumeisterschaft der Hauptklaffe über 2 Kilometer. Kühne wurde tnapp geschlagen. Der als ändertampf gedachte Wettbewerb hatte infolge der Absage Belgiens seinen internationalen Charafter verloren. Es stellten sich dem Starter: Chambille- Frankreich, Fisch- Darmstadt und Jugendwettfahrten des Freien Segler- Verbandes. Binieci- Berlin. Chambille gemann den 1. Lauf über 1 Kilometer in prächtiger Manier. 2. Fisch vor Pinieci. Der Darmstädter mar jedoch im zweiten Lauf, der über 2% Kilometer ging, auf dem Bosten und schlug hier feinen französischen Bundesgenossen. Pinieci wurde wieder dritter. Der letzte Lauf über 5 Kilometer fah Chambille in Front, der somit mit 8 Punkten Sieger im Gesamtflaffement wurde. Fisch hatte 7 d Piniedi 3 Bunfte. Schröder von der Rennfahrerabteilung wurde Gaumeister der Hauptklasse über 5 Kilometer. Lange lagen jämtliche Teilnehmer dieses Laufes nebeneinander, bis es dem vehement antretenden Schröder gelang, auszureißen. פט Der Kreis Berlin des FEB. veranstaltete gestern auf dem Langen und Sebdin sowie auf dem Tegeler See seine Jugendmettfahrten, an denen ungefähr 50 Boote teilnahmen. Das regnerische Better trug mit dazu bei, daß nicht alle Boote rechtzeitig zum Start erscheinen fonnten. Bei einer Bindstärke Don 2 bis 3 Gefundenmetern aus WNW starteten doch annähernd 40 Boote. Der leichte Wind, der zeitweise ausfeßte, veranlaßte die Wettfahrleitung, die Bahn auf eine Runde abzukürzen. Die jungen Steuerleute und Mannschaften mußten ihre ganze Aufmert samkeit anwenden, um möglichst gut den Wind auszunutzen. Von einzlenen Booten konnten dabei achtbare Leistungen beobachtet Der Gaumeister der Altersklasse über 2 Kilometer, Must roph. mar ehrgeizig gemig, auch den Sieg im 5- Kilometer- Lauf an sich zu bringen. Troppa und Richter- 3schipkau waren die nächsten. Die Gaumeisterschaft über 10 Kilometer mit drei Bertungen wußte fich Bazat von der 10. Abteilung zu sichern. Lottra wurde zweiter vor Zimmermann. Gehre- Alt- Döbern hatte bereits nach der ersten Bertung aufgegeben. Recht flotten Verlauf nahm das Ausscheidungsverfahren, das mit dem Siege 3uds von der 1. Abteilung endete. Bemerkt sei, daß bei diesem Wettbemerb die Organisation hätte straffer sein können. Weniger Funktionäre am Zielband, doch mehr Vollmachten für die, die dort ihres Ehrenamtes walten! Die Baumeisterschaften im Mannschaftsfahren über 20 Kilometer brachten zwei prächtige und bravouröse Sieger: Strypnit und Thomas der 1. Abteilung. leberrundungen maren hier nicht gestattet. Bielleicht überlegt fich ber Rennausschuß einmal diese seine Maßnahme und ftreicht fie! Diese Tat würde berartige Wettbewerbe vielmehr be leben! Jm Mannschaftsverfolgungsrennen gelang es der Ber Iiner Rennfahrerabteilung, die Obers hänemeider Mannschaft nach 9 Runden zu holen. Wie nicht anders zu erwarten, fuhr int 3eitfahren über eine Runde Chambille mit 16,4 Gefunden die beste 3eit des Tages. Batzat und Kühne brauchten je 17 Sefunden, Schröder 17,1, Fisch und LöwenthalFrankfurt a. M. je 17,3 und Lottra 17,4 Gefunden. Altersfahrer Mustroph fuhr 18 Sefunden. Beschlossen wurde der Renntag mit einem 50- Kilometer- Mannschaftsfahren, das 9 Paare bestritten. In 1 Stunde 15 Minuten fiegten 3ud- Strypnit von der 1. Abteilung als alleiniges Spizenpaar. Sie hatten 11 Bunfie auf sich vereinigt. Eine Runde folgten Kühne- Piniedi mit 24 Punkten vor Stod- Dubte mit 8 Punkten. 3 wei Runden zurüd: 4. Edhröder- Peter 19 Punkte, 5. Pazzal- 15 Marien 8 Punkte. Den Austlang fand die Beranstaltung im Gewerkschaftshaus, mo Seeger den französischen Kameraden herzliche Worte midmete. Fußball. Der Bundesmeister abermals geschlagen. Am geftrigen Sonntag mußte fich der Bundesfußballmeister, Abler 08, wieder eine Niederlage gefallen lassen. Und mieber war es die Fichte- Bereinsmannschaft, der der große Buri gelang. Troß dauernder Feldüberlegenheit der Adler- Mannschaft, die auch hier wieder gerade in der ersten Halbzeit besonders zutage trat, gelang den Fichte- Leuten furz vor dem Abpfiff der Stegestreffer. Mit 3: 2 blieb Fichte Sieger. Das am Sonn abend ausgetragene Spiel 3mischen Abler 08 und Bantom 08 fonnten bie 2bler mit 2: 0 für sich entscheiden. Stralau fpielte gegen Lichtenberg I unentschieden 2: 2, troßdem die Stralauer noch bis 20 Minuten vor Schluß mit 2: 0 in Führung Lagen. Bezirk Osten schlägt Erzgebirge 2: 1( 1: 1). Das Rückspiel des Berliner Ostbezirts gegen den Bezirt Aue Erzgebirge fonnten die Berliner mit viel Glück fnapp gewinnen. Die Gäste spielten fast dauernd überlegen. An der sicheren Abwehrarbeit des Torwarts scheiterten aber alle Angriffe. Die Berliner hatten dazu noch das Glüd auf ihrer Seite. Mehr als einmal glaubte alles an einen Torerfolg für die Erzgebirgler. Dann zeigte sich aber der Torpfosten bzm. die Latte als Retter. Während der Sturm der Gäste bas Spiel hauptsächlich in Berlins Hälfte verlegte, gelangen den Einheimischen mur gelegent liche Durchbrüche. Ein solcher führte dann auch 5 Minuten vor Schluß zum fiegreichen Tor. Hamburger Sport- Verein Fußballmeister. Das Enbipiel um die Fußballmeisterschaft des deutschen Fußballmeisters gelangte gestern im Stadion zu Altona zur Austragung. Die beiden Kandidaten, Hertha BSC., Berlin, und der Hamburger Sportverein lieferten sich Dor 50 000 Zuschauern einen äußerst flotten Rampf, den die Hamburger mit 5: 2, Halbzeit 3: 1, für fich entscheiden fonnten. In die bei Sertha so beliebte Abseits falle" fielen die Hamburger, auf Grund der in früheren Kämpfen gesammelten Erfahrungen, nicht hinein. Handball. Kaulsdorf gegen Potsdam 7: 1( 3: 1). Potsdam trat der Freien Turnerschaft Kaulsdorf nur mit acht Mann gegenüber, mas fie aber auch während des ganzen Spieles büßen mußten. Kaulsdorf fing den Anwurf Potsdams jojort ab und feste fich Dorläufig in Potsdams Hälfte fest. Nach einigen Minuten wirft Kaulsdorfs Halblinker einen Ball, den aber der Potsdamer Tormächter in blendender Manier abwehrte. Beider 15- qm- Wanderjollen auf dem Wege von und zur Gosener Wendemarke. werden. Nur mit dem Start wollte es nicht so recht flappen. Da muß noch zugelernt werden! 3u direkten Kämpfen in den einzelnen laffen tam es auch sehr wenig, da die Felder schon zerrissen ins Rennen gingen. Lediglich die 30er Rennjachten und die Quuadratmeter- Rennjollen hatten einigermaßen M1 Deutscher Kanu- Verband. Die Regatta am 4. und 5. August. Das Meldeergebnis zu den Deutschen Meisterschaften, die blejes Jahr zum zehnten Male ausgefahren werden, und zu den Rennen der Internationalen Repräsentation für Kanusport auf dem Templiner See bei Potsdam, vor dem Gelände der AWA., ist sehr gut ausgefallen. Insgesamt meldeten 40 Bereine mit rund 140 Booten, so daß das Bild ein außerordentlich lebhaftes sein wird. Für das Rennen am Sonnabend im internationalen Kajak über schiedenen Staaten eingegangen, darunter Deutsch. Dester= 10 000 Meter im Schweden- Einer find 7 Meldungen aus fünf verreich, Tschechoslowatei, Dänemart und Schweden. mit je einem Boot, Deutschland mit drei Booten. Der internationale find Schweden, Dänemark und Tschechoslowakei wieder mit je einem Einertajat über 1500 Meter meist acht Teilnehmer auf. Vertreten Boot, Deutschland mit fünf Booten. Im internationalen Einer Kanadier beteiligt sich außer Deutschland mit zwei Booten nur noch Dänemart mit einem Boot. Sehr gut bejezt sind die Deutschen Meisterschaften im Einer- und Zweier- Kajat, sowie im Einer- und 3meier- Ranadier über 1500 Meter. Bekannte Namen der Kreise und der Meisterschaften des Vorjahres sind auch diesmal wieder am Start. Ein nicht minder erfreuliches Bild versprechen die übrigen Rennen der Jugendlichen und der Anfänger. Die Zahl der Meldungen, bis zu 14 Booten in einem Rennen, verspricht einen erfreulich starken Nachwuchs. Und schließlich werden auch die Kämpfe der Senioren, der gemischten Zweier( Dame und Herr) und der Damen viel Interessantes bieten. Auch da sind bekannte Namen vertreten, die den Sieg wieder an ihre Fahnen hesten wollen. Deutschlands Ländermannschaft gegen Berlin. Berlinern am fommenden Dienstag bieten. Deutschlands Ein ganz besonderes Ereignis im Arbeiterfußball wird sich den Ländermannschaft, die sich augenblicklich in Finnland be findet, wird sich auf dem Adler 12- Sportplag in der Christianiastraße gegen Berlins Städtemannschaft zu einem Kampf stellen. Bei diesem Spiel wird sich die Gelegenheit bieten, zu erfennen, daß es in der Arbeiterfußballbewegung Spieler mit außerordentlichen Fähigkeiten gibt. Die Berliner Mannschaft dürfte nach' den Erfahrungen im Dresden- Berlin- Spiel eine umfassende Umstellung erfahren. Zwischenfall in Amsterdam. Fernbleiben der Franzosen. Die französische Olympiade- Mannschaft hat am feierlichen Einmarsch der Abordnungen nicht teilgenommen. Wie nachträglich be tannt wird, sind die Franzosen aus folgendem Grunde nicht erSchienen: Frankreichs Leichtathleten hatten am Freitag die Erlaubnis erhalten, im Stadion zu üben. Als sie jedoch das Stadiongebäude. betreten mollten, wurde ihnen vom Wächter des Stadions der Eintritt vermehrt. Es kam dabei zu einem Handgemenge, in dessen Berlauf der Führer der Franzosen Paul Mericamp vom Wächter am Auge verlegt wurde. Die Franzosen mußten unverrichteter Sache wieder heimkehren. Abends entschuldigte Baron Schimmelpennind von der One im Auftrage des holländischen olympischen Komitees diesen Vorfall und versprach, daß der Wächter von seinem Poften entfernt würde. Als nun die Franzosen heute das Stadion betreten wollten, fanden sie dort noch den Wächter Dor und machten turzentschlossen tehrt. Diesem Zwischenfall ift deshalb noch eine besondere Bedeutung beizumeffen, da nun die Frage entsteht, ob Frankreich überhaupt noch an den Spielen teilnehmen fann, weil es bei der Bereidigung nicht zugegen war. Peltzer macht nicht mit! Der Europapreis für Motorräder. Genf, 30. Juli.( Eigenbericht.) Der deutsche Läufer Dr. Peler ist, wie heute bekannt wird, guten Start aufzuweisen. Der schralende Wind trug mit dazu bei, gestern abend wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Vertretern daß nur auf sehr kurzen Strecken ein Kreuzgang in Frage fam der deutschen Sportbehörde, die sich auf die Unterbringung der und die jungen Mannschaften ihr Können zeigen fonnten. Die deutschen Teilnehmer an der Olympiade bezogen, plöglich von schnelle nationale Jolle J 29 hätte sicher das Rennen gemacht, wenn Amsterdam abgereift und wird infolgedessen nicht am 800- meterfie nicht eine verzeihliche Startverspätung gehabt hätte. Die Ber Lauf teilnehmen. gütung von 8 Minuten ist wohl gegenüber den 20.QuadratmeterRenn- und Wanderjollen ein menig zu hart. So fonnte der nationale 30er 223 Frechdachs II" als schnellstes Boot in der Zeit von 1,12,49 das Rennen beenden; der schnelle 220 fam diesmal nicht recht zur Geltung. Kurz vor dem Ziel lief ihm 237 noch den Rang ab, der gut gefegelt wurde. Der Kampffreudige ,, Delphin", 21, mußte leider infolge Bruches des Pickfalles ausscheiden. Nach der Bettfahrt hielt der Verbandsjugendleiter Alfons Sachs eine Ansprache, die eine kleine Kritif begleitete, aber doch in einem Lob für die Jugendfegler ausflang: Wenn auch alles nicht so ginge mie bei den Großen", so sei doch der Eifer und der frisch- fröhliche Geist anzuerkennen, der den Nachwuchs des FSV. beherrrsche. Die ganze Veranstaltung fann als gelungen bezeichnet werden; der Berlauf hätte ein wesentlich befferer sein können, wem Wind und Sonne ein menig mehr Einsehen gehabt hätten. 220 Windhund 1:18:16; 223 Frechdachs II 1:12:49, I.; 7 Mudi 1:17:55, 1.; 3 29 Nibelung 1:47:49( 81 Minuten Startverspätung): M7 Sieselden 1:22:34; 20 71 Fatir 1:17:59, 1; 9 112 Rilhleborn 1:31:04; 181 gibertas( nicht gestartet); W 132 Frogtopf 1:24:12: 73( nicht ge. startet); 5 64 Pan III 1:18: 49, T.; 58 Friebel( aufgegeben); D 16 Commer liebe( nicht gestartet); 63 Sanja II 1:24:09, 1., C 21 Delphin( Savarie); 39 Schnudi 1:36:31, I.; 88 62 Geebär 1:39:53, 1.; 11: 1:45:34; III 331 Jda 1:16:01, I.: III 293 Teufel 1: 28: 48; 338: 1:31:58; IV 835 Silbe( nicht gestartet): 317 Fraternitas 1:27:36: 10 Bolte 1: 20:10, I.: IV 358 Amazone 2:02:58; 1 156 Binbsbraut 1: 87: 58, 1. Bei den Ausgleichsbooten find bie Bon der Gruppe West stehen die Resultate berechneten Seiten angegeben. noch aus. Schwimmfest in Finsterwalde. Am Sonnabend und Sonntag fanden in Genf die internatiound zwar auf der 9,3 kilometer langen Strecke Le Bouchet- Mennalen Motorradrennen um den großen Preis von Europa statt, rin- Mategnin und zurück nach Le Bouchet. Am Start fanden sich 17 Fahrer ein, von den fünf durch Sturz ausschieden. Das Rennen gemann der Engländer Handley mit einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Das Weltgehen Paris- Straßburg hat Louis Godan gewonnen, der gestern 16,40 11hr in Straßburg eintraf. Er hat die 504 Rilometer lange Strecke in 75 Stunden 49 Minuten und 45 Se funden zurückgelegt. Vereinskalender. Arbeiter- Schützenverein Groß- Berlin. Alle Mitglieder nehmen an der EPD.. Sportlerpersammlung heute 19 Uhr im Lehrervereinshaus, Alexanderplaz, teil. Parteimitgliedsbuch oder Einladungskarte vorzeigen. Mittwoch, 1. August, Beteiligung an der Antikriegskundgebung der SPD. Eammelplas 18 Uhr am Zeppelinplay( Wedding). Touristenverein Die Naturfreunde", Zentrale Bien. Drtsgr. Berlin: Mittwoch, 1. August, 18 Uhr, Zeppelinplas. Treffpunkt aller Naturfreunde zur Antikriegsdemonstration. Fahnen mitbringen. Nachzügler 19 Uhr Hum boldthain. Abt.. Frichrichshain: Dienstag, 31. Juli, 20 Uhr, Ebertnstr. 12. Geschäftliches, Liederabend. Abt. Gesundbrunnen; Dienstag, 31. Juli, 18 Uhr, Nasenspiele im Sumboldthain. Abt. Friedenau: Dienstag, 31, Juli, 20 Uhr, Offenbacher Str. 50. Seitere Rezitationen, Abt. Rorben: Dienstag, 31, Juli, 18 Uhr, Epielabend im Freien. Abt, Webbing: Dienstag, 31. Juli, 20 Uhr, Frage und Antwort. Abt. Bankow: Dienstag, Zuriner Ede Secftraße. 31. Juli, 20 Uhr, Görschstr. 14. Ausgrabungen in der Mart. Abt. Brenzlauer Berg: Tonnerstag, 2. Auguft, 20 Uhr, Chriftburger Sir. 14. Geſchäft. Freier Kanu unb Ruberverein Stralau. Mitgliederversammlung DonnersWichtige Tagestag, 2. August, 19% Uhr, bei Bollenbach, Alt- Stralau 8. ordnung! Gäste willkommen. Zuschriften an Otto Nockel, Berlin D 17, Benme Straße 9, 2 r. Arbeiter- Samaritertolonne Berlin. Abt. Reinidenborf: Mitgliederversamm Ausmeis Nr. 578, auf den Jung 2. Auguft. 19% Uhr, Solländer Str. 129. Namen Rurt Ressan lautend, wird hiermit für ungültig erklärt. Finder werben gebeten, aegen Erstattung der Unkosten den Ausweis der Geschäftsstelle zu überfenden. Mißbrauch strafbar, An dieser Veranstaltung nahmen von Berlin teil: Neukölln, Norden, Neptun, Weißensee und Vorwärts. Als Einleitung zeigten bie Frauen von Freie Schwimmer Norden ein gut durchgeführtes Figurenliegen, das reichen Beifall fand. Um die Ostdeutsche Kreisliches, Siebergbenb. verbandsmeisterschaft im Wasserballspiel standen sich Senftenberg und Neptun- Weißensee gegenüber. Neptun- Weißensee stellte die meitaus beffere Mannschaft, was auch das Endresultat von 13: 1 zeigt. Halbzeit 6: 0. Im 50- Meter- Freistilschwimmen für Frauen fiegte Frohn- Neukölln in 36 Sekunden mit großem BorSprung, während die männliche Jugendlagenstafette Leipzig in 2:54 Dor Neukölln in 2: 54/, nach scharfem Kampf siegreich sah. Auch im Frauenbrustschwimmen über 50 Meter ftellte Frohn- Neukölln den Sieger in 46s. Im Jugendwasserballspiel waren sich Neukölln und Leipzig gleichwertig. Sehr gut war hier der Neuköllner Mittelstürmer. Das Spiel endete unentschieden 3: 3. Zum Schluß standen sich dann noch Leipzig und Neptun- Weißensee gegenüber. Halbzeit 1: 0 für Weißensee. Neptun- Weißensee erzielt nach Halbzeit das zweite Tor. doch Leipzig gleicht innerhalb 20 Setunden aus. Das beifere Stehnermögen des Bundesmeisters ließ ihn aber doch 4: 2 geminnen. Ein Pußballspiel Leipzig- Freie Schwimmer Norden ( Frauen) endete 4: 0 für Leipzig. Berliner Arbeiter- Schaub. Dienstag, 31. Juli, 20 Uhr: Abt. Meiniden. borf- eft: Scharnweberstr. 114/115. bt. Morden: Sprengelfte, 39. Abt. Sum. Folbthain: Boltastr. 19. Abt. Weißenfee: Behberstr. 122. Abt. Memel; Memeler Straße 10. Abt. Lichtenberg: Gürtel Ede Poffeftrake. Abt. Nordwest: Wihelmshavener Str. 24. Abt. Charlottenburg: Bismardftr. 56. Gäfte ftets will tommen. Mittwoch, 1. August, 20 Uhr: Abt. Lügow: Rüdipiel gegen Abt. Mitte, Rofinenstr. 16. Abt. Westen: Nachspielen von Partien, Yorditr, 36. Abt. Steglig: Eröffnungslehre. Düppelftr. 7. Werbebezirk Oft: Sportplag Friedrichshain freier Schachverkehr. Außerdem spielt Werbebezirt Nord gegen Werbebezirk Guld Berbefpiel an 50 Brettern, Cafe Seine, Sasenheide, an der Graefeftraße. Gäste herzlichst millfommen. Arbeiter- Turn- und Sportverein Bankom. Sonnabend. 4. August. 19 Uhr, im Turnerheim auf dem Bereinsfportplay außerordentliche Generalversamm. Tagesordnung: Kartell- und Bundesangelegenheiten. Wichtige Ab Tung. ftimmungen! Fußballspiele der Woche: Mittwoch, 1. August: Minerva I gegant ATB. Pontow I in Borsigwalde. Donnerstag, 2. Auguft: Minerva II gegent AB, Bantom II in Borfigwalbe. 4 Gewerkschaftliches Krastzenirum. Grundsteinlegung zur Buudesfchule des AOGB. ' Das kleine Städtchen Bernau im Norden Berlins hat in feinen Straßen und auf seinem Marktplatz wohl selten soviel Volk gesehen n>i« am Sonntag, als in seiner Nähe der Grundstein für die erste , Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes gelegt wurde. Schon von �9 Uhr an brachte jeder von Berlin kommende Vorortzug Hunderte von Menschen, die Zeugen der Grundsteinlegung sein wollten. Trotz des regnerischen und unfreundlichen Wetters erlebte Bernau einen Massenbesuch. Unablässig strömten die Alltagsmenschen im Feiertagsgewand vom Bahnhof zum Marktplatz, wo der Festakt eingeleitet werden sollte. Obwohl der geräumig« Platz schon gegen �10 Uhr einem Ameisenhaufen glich, kamen von allen Seiten immer neue Züge mit wehenden Fahnen und Bannern unter den Klängen von Musik angerückt. Vor dem Rathaus stellten sich im Halbkreis die Bannerträger der Organisationen aus Berlin und der Provinz Bran- denburg auf. Von der Stirnseite des Rathauses grüßte die grünweißrote Etadtflagge Bernaus, flankiert von der preußischen und der Reichs- flagge. Vor dem Rathaus waren grünumrankte Obelisken errichtet. Auf der Freitreppe hatte der Bernauer Arbeitergesangverein Frei- heit Aufstellung genommen, der den ersten Akt der Feier mit dem Gesang„Festgruß"' einleitete. Der Bürgermeister der Stadt Bernau, Dr. G e r i ck e, hielt dann an die dichtgedrängte Menge eine schwung- volle Ansprache, in der die Freude der Stadt darüber zum Ausdruck brachte, daß die Vertretung von fast fünsi Millionen organisierter Arbeiter im Bereiche dieser Stadt ihre Geistes- schmiede errichten will. Im Anschluß Hieron begrüßte der Vorsitzende des Ortsaus- schusses Bernau die Festteilnehmer und Bürger der Stadt, worauf der Bezirkssekretär des ADGB., Vollmerhaus, nach einigen zündenden Worten der ersten Iugendgruppe im ADGB., der Iugendgrupp« von Luckenwalde, einen Wimpel zu treuen Händen übergab. Hierauf setzte sich ein nach taufenden zählender Zug, der einem wogenden Fahnen- und Bannermeer glich, nach dem Bauplatz in Bewegung. Die Häuser Bernaus wiesen überall«inen reichen schwarzrot- goldenen Flaggenschmuck auf. Die Straßen waren dichtumsäumt von den Einwohnern Bernaus, denen die Freude über das Ereignis am Gesicht abzulesen war. Nach einem dreivicrtelstündigcn Marsch gelangte der riesige Zug zu der Waldlichtung, wo das stolze Gebäude errichtet werden soll. ! Die Feier der Grundsteinlegung wurde eingeleitt durch den >,Festmarsch" von Levermann, den der Posaunenchor der Staatsoper spielte. Der Gesangverein der Berliner Buchdrucker und Schrift- gieher„T y p o g r a p h i a* ließ dann den Gesang„Krönt den Tag" erschallen. Einen sichtlichen Eindruck auf alle Festteilnehmer mochte das im Anschluß hieran vom Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerkschaftsjugend Berlin aufgeführte Werk„Gesänge vom Werktag". Nach dieser weihevollen Einleitung trat der Genosse L e i p a r t aus dem Kreise der Festteilnehmer her- aus und richtete an die vieltausendköpfige Menge folgende Ansprache: „Wissen ist Macht, Bildung macht frei", diese Worte sind für die deutsche Arbeiterbewegung stet» Leitstern ge- wesen. Um ihnen eine praktische Gestaltung zu geben, soll hier heute der Grundstein gelegt werden für die erste Bildungsonstalt des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes." Genosse Leipart begrüßte dann im Namen des Bundesvor- stondes den Landrat des Kreises, den Bürgermeister von Bernau, und sprach ihnen und der Stadtverwaltung den wärmsten Dank aus für das Entgegenkommen, das sie dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund zur Verwirklichung seines Planes entgegen« gebracht haben. Er schloß in seine Dankeswort« ferner ein die Vertreter der Ortsausschüsse aus der Provinz, die Mitglieder des Bundesausschusses, die einzelnen Delegationen der Verbände und insbesondere die Vertreter des/B auhauses Dessau, insbeson- der« Hannes Meyer, nack/ dessen Entwürfen die Bundesschule gebaut werden soll. Genosse Leipart fuhr dann fort: Die Bitdungsanstalt, für die wir heute den Grundstein legen wollen, wird Zeugnis ablegen von der vorwärts- strebenden Kraft, die den freien Gewerkschaften innewohnt. Man hat die Gewerkschaften gelegentlich Streikverein« ge- nannt, weil sie die Vertretung der materiellen Interessen der Ar- beiter in den Vordergrund stellten. Man wollte damit die Gewerk- schaften vor dem Volke diskreditieren. Sie sind niemals nur Srreik- vereine gewesen, sondern waren stets bestrebt, neben der Verbesse- rung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, der Arbeiterschaft auch die Möglichkeit zu geben, an den Kulturgütern der Welt teilzuhaben. Die Gewerkschaftsbewegung ist auch nicht eine Bewegung rein mate- rialistifcher Art» sondern eine Kulturbewegung. Als Beweis dafür dient das Werk, das hier begonnen werden soll. In dieser Bundesschule sollen Menschen ausgebildet werden, die das hier Gelernte und Gehörte in die Massen tragen sollen. Diese Schule soll sich als ein wichtiges gewerkschaftliches Kraftzentrum auftun. Ueber die Geschichte des Werdens dieser Schule sowie über das Wesen und Wirken der deutschen Gewerkschaften gibt die Urkunde Aufschluß, die wir in den Grundstein einmauern wollen. Möge dies« Urkunde niemals durch sinnlose Kräsre der Zerstörung wiA>er an das Tageslicht gefördert werden. Aber wenn sie einst doch ans Tageslicht kommt, dann möge sie dem zukünftigen Geschlecht Kennt- nis geben von dem, was heute die Gewerkschaften darstellen und von welchem Geiste sie beseelt sind. Mögen dann glücklichere Zeiten sein, in denen Freiheit und Recht herrschen, wofür wir seither ge- stritten und gelebt haben, und zu deren endgültiger Erringung wir durch den Vau dieser Schule weiter mit beitrogen wollen. Diese Schule soll nicht nur ein« Lernstätte, sondern auch ein« Lebensstätte werden für die Mitglieder unserer Organisation, die das Glück haben werden, sie zu besuchen. Die Schüler sollen hier einige frohe Wochen verleben und das Gefühl der echten Kameradschaftlichkeit und der gegenseitigen inner- lichen Verbundenheit nach Hause tragen. Diesem unserem Wollen gibt der Entwurf unseres Hannes Meyer eindeutige und recht wirk-, same Prägung. In seiner äußeren Gestaltung roiit) das Gebäude kein prunkhafter Bau, aber ein gutes Beispiel moderner Baukunst werden und durch seine Form von unserem Zweck und Srrebeu allen Menschen 5kunde geben. Möge dieses Werk glücklich vollendet werden, so daß es seinen Meister lobt. Wir Alten und Jungen wollen an dieser Stell« das Gelöbnis ablegen, weiter mitzuarbeiten und unser Bestes dafür einzusetzen, daß die deutschen Gewerkschaften noch größer und mächtiger werden, als sie es jetzt schon sind. Dann wird vielleicht unser Ziel noch schneller erreicht werden, als es sich der Kühnste unter uns zu denken wagt. Leipart schloß seine Rede mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Zukunft der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Nun trat der Bildungssekretär des ADGB., Heßler, an den Grundstein heran, verlas die gedruckte Urkunde und verwahrt« sie in einer metallenen Hülle. Von zwei Arbeitern in blauer Bluse wird die Hülle unter dem Kreuzfeuer der Photographen und Kino- operateure verlötet, mit Rostschutz versehen und in einem Spalt des Grundsteinsockels versenkt. Drei Maurergesellen in weißer Ar- beitskleidung betteten dann den Grundstein auf dem Sockel. Diese feierlich« Handlung begleitete der Posaunenchor der Staatsoper mit dem„Siegeslied" von Händel. Der Bundesvorsitzende ergreift den Hammer und vollzieht die traditionellen drei Hommerschläge mit den Worten: „Für den Fortschritt der deutschen Gewerk- schaften. Für den weiteren Aufstieg der deutschen Gewerkschaften. Für das Wohl des deutschen Volkes." Es ergreifen dann noch den Hammer der Landrat Schlemmin- ger, der Bürgermeister Dr. Guericke und der baukeitende Architekt Hannes Meyer, die alle in kurzen und kernigen Worten dem Werke des ADGB. das Beste wünschen. Mit dem gemeinsamen Gesang „Brüder zur Sonne..." fand die eindrucksvoll« Feier ihren Ab- schluß. (Jas halbe Hochhaus. Das Europahaus am Anhalter Bahnhof, das nicht weiter geljaul witd, da das IT uhlfahrlsminislerium feine Genehmigung für einen Hochhaus-Hotelbau versagt. Miete statt Baukostenzuschuß. Man schreibt uns: Die Statistik ergibt, daß mit Hilfe der sogenannten Baukosten- Zuschüsse, die von einigermaßen bemittelten Wohnungsuchenden an die Gemeindebehörden gezahlt werden, nur verhältnismäßig wenig neu« Häuser gebaut worden sind. Es muß somit die Frage entstehen, ob nicht neue Weg« eingeschlagen werden können, um die Baukostenzuschüsse für die Zwecke möglichst schneller Wohnung»- beschaffung nutzbarer anzulegen. Nehmen wir einmal das folgende Beispiel an: Irgendein industrielles Unternehmen will in einem ihm gehörigen, neben dem Betriebsgelände gelegenen Althaus« mehrere Wohnungen frei haben, um seinen Betriebsleiter und anderen An- gestellten eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Betriebes zu beschaffen. Die bisherigen Inhaber der Wohnungen sind bereit. gegen angemessene Entschädigung in beschlagnahmeftei« Wohnungen zu ziehen. Für solche Regelung sst nach dem Wohnungsmangelgesetz die Genehmigung der Gemeindebehörde, also des örtlich zuständigen Wohnungsamts, erforderlich. Die Leitung des Unternehmens ist bereit, für die Erteilung der Genchmigung einen erheblichen Geld- betrog zu spenden, der für die Interessen von Wohnungsuchenden ver- wendet werden soll. Das Wohnungsamt versagt aber aus allgemein wohnung swirtschastlichcn Erwägungen heraus die Genehmigung. Das ist rein formell vielleicht richtig, aber praktisch falsch, da ohne die Genehmigung das Angebot eines erheblichen Geldbetrages gegen- standslos wird. Selbst wenn man annimmt, daß vor der Versagung der Genehmigung etwa die ein« der Wohnungen schon geräumt war, hätte das Wohnungsamt als einzigen Erfolg seiner ablehnenden Haltung immer nur das Derfügungsrecht über diese«ine geräumte Wohnung. Was aber könnte es bei Erteilung der Genehmigung mit dem Angebot von— sagen wir— achttausend oder zehntausend Mark anfangen, wenn in praktischer Arbeit von dem bisherigen Modus abgegangen und die Spende für Mietezuschüsse verwendet wird? Es könnten mit einem Schlage zehn Wohnung- suchende in Neuhäuser untergebracht werden, indem man ihnen aus der Spende auf drei Jahr« hinaus die Differenz der Mieten zwischen Alt- und Neuwohnungen sicherstellt. Auf die unerhebliche bureaumäßige Mehrarbeit darf es nicht ankommen, denn ein« Hauptsache oller modernen Wohnungspolitik muß doch immer bleiben, auch den minderbemittelien Kreisen den Zuzug in Neu- Häuser zu«Möglichen. Bekanntlich lehnen sehr viele Wohnung- suchende die Einweisung in Neuhäufer nach oielsährigem Warten auf eine Wohnung schweren Herzens ab, weil sie di« teure Miete nicht erschwingen können. Natürlich dürfen für den hier vorge- schlag enen neuen Weg, zu dessen Durchführung etwa entgegen- stehender Parographenkram schnellstens zu beseitigen wäre, nur solch« Neuhäuser in Betracht kommen, die mit Mitteln aus der öffentlichen Hand gebaut worden sind._ „Sieg der Opposition." Das Montagsblatt der KPD. hat es sehr eilig mit der Verkün- dung des Sieges der Kommunisten bei den gestrigen Delegierten» wählen der Metallarbeiter zum Gewerkschaftskongreß. Bis jetzt steht nämlich das Wahlergebnis noch nicht fest und seine Bekanntgabe ist nicht vor Mittwoch zu erwarten. Auf die Kombinationen dar- über einzugehen, wonach die Opposition 15 922 und die Liste der Amsterdamer Richtung 13 623 Stimmen erhalten habe, ist mithin zwecklos. lilsszenllilmlgeliung Mittwoch, 1. August@69611 dGllKriGfl ISVjUhr, im Kumboldthain (Wiese am Stier) für internationale Völkerverständigung und Völkerfrieden Ansprachen halten Reichs- und Land- tassabgeordnete.— Massengesang des Anbei c Sängerbundes.— Aufmarsch der Arbeiter- Jugend und-Sportler. SPD. Berlin Erscheint in Massen! Wo steckt der Schwerverbrecher Wittrack? Nach dem Feucrkampf in der V i l l e n s i e d lu n g bei Friedrichshagen, bei dem der Einbrecher Wladimir Drem- lonjenko auf der Strecke blieb, vermutete die Kriminalpolizei gleich, daß der Erschossene ein Komplice des berüchtigten Schwerver- brechers Gregor Wittrack sei, der vor einiger Zeit wieder aus dem Zuchthause in Brandenburg entwichen war. Diese Ver- mutung hat sich jetzt als richtig erwiesen. Die Ermittlungen haben bestimmt ergeben, daß Drem lonjenko mit Wittrack früher zusammengearbeitet hat. Deshalb unterliegt es auch keinem Zweifel mehr, daß Wittrack der zweite entkommene Einbrecher in der Friedrichshagener Siedlung war. Der Verlust seines Helfershelfers hat den Verbrecher doch wohl so schwer ge- schreckt, daß er sich einstweilen ruhig verhält. Villeneinbrüche sind seit jener Nacht nicht mehr vorgekommen. Wittrack hält sich jetzt wahrscheinlich im Zentrum Berlins oder in der Gegend des«chlesi- scheu Bahnhofes bei Freunden, vermutlich Landsleuten, verborgen. Der aufgeschnittene Koffer. Eine unliebsame Entdeckung machte eine Engländerin, die in einem Hotel im Zentrum wohnt. Als sie abends von einem Aus- gang zurückkehrte, fand sie ihren Koffer, einen kleinen Hand- k o f f e r, d�n sie verschlossen hatte stehen lassen, aufgeschnitten. Ein unbekannter Dieb hatte daraus ein Platinarmband mit Brillanten im Werte von 3lXX1 M. gestohlen.— Eine Holländerin ließ in einem anderen Hotel ihre goldene Zigarettendose in der Hotel- halle aus einem Tische liegen als sie zum Tanzen ging. Als ive zurückkehrte, war sie verschwunden. Von den Dieben ist noch keine Spur gefunden. In beiden Fällen ist für die Wicderbeschafsung eine hohe Belohnung ausgesetzt._ Japans Einladung an die Ingenieure der Welt. Im nächsten Jahre werden die hervorragendsten Vertreter der Technik ans allen Erdteilen in Tokio zusammenkommen, um an dem e r st c n Weltingenieurkongreß auf asiatischem Boden teck- zunehmen, der mit einer Teilkonferenz der Weltkrastkonferenz ver- bunden sein wird. Die seltene Gelegenheit, einen Einblick in die technisch-wirtschaftliche Lage Japans zu gewinnen, wird zweifellos viele Ingenieure veranlassen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Karten für die Ausstellung„Die Ernährung" zum verbilligten Preise von 1 M.(statt 1,50 M.) sind in allen Gewerkschaftsbureaus sowie im Zigarrengeschäst von Horsch, Engeluser 24/25(Gewerk- schaftshaus) zu haben. kindersreunde Groß-VerUn. Kreis Mitte: Montag, 30. Juli, 20 Uhr, Gruppenleitersitzung im Heim Zehdenicker Straße. Alle Gruppen müssen oertreten sein. Unlernekmen der Gewerkschaften />'«"V'f ■ t» K'•' v\ i■ Ix i Ct / Ohne Anzahlung Wochenrofe 3rMK. MonalsraTe 12.- MK. 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