Morgenausgabe Nr. 357 A 182 45.I/, bis 17 llhr. Jentvatovsan der Sozialdemokvattschen Vartei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 lelegramm.Sdr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: verlin S7SSS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellt«« und Beamten Wallsir. KS. DiOkonto-Tesellschast, Depositenkasie Lindenftr. S Nanking/ Tokio/ Washington. Halbes Einlenken Japans, aber kein Ausgeben der Mandschurei. London. 30. Zoll. �Eigenbericht.) Das Entgegenkommen der Vereinigten Staaten an China ist auf Japan nicht ohne Eindruck geblieben. Vach Berichten aus Tokio hat sich das japanische Kabinett bereit erklärt, mit China über den Zolltarif zu verhandeln, falls die Regierung von Nanking die Kündigung des Vertrages zurückziehe. Die neu« amerikanische Regierung hat der Vankingregierung mitgeteilt, daß sie bereit ist. unverzüglich In Verhandlongen über die Ver- träge einzutreten. Die Japaner haben, da Marschall Zengjuhsiang angekündigt hat. daß er gegen die Truppen Tschongtsungschangs vorgehen will. die Zurückziehung ihrer Truppen eingestellt. Die Militäranleihe in Peking hat fünf Millionen Tael ergeben. Die Pariser Agentur Indopacifique berichtet aus C h a r b i n: In Mukiden besteht ein scharfer Kampf zwischen den verschle- denen Parteien. Während die linksstehenden Elemente sich für«ine Verständigung mit der Vatlonalregierung einsehen, tritt die kon- servaüoe Richtung für die politische Unabhängighell der Man- dschvrei ein. Aus guter Quelle wird behauptet, daß die Konservativen von denIapanernunterstützt werden und daß unter ihrem Druck sich die Verhandlungen zwischen den Regierungen von Nanking und MuWen in die Länge ziehen. Auf japanischen Druck sei es auch zurückzuführen, daß Tschangjuehliang beschlossen habe, für die Mandschurei nicht die Nationalfahne anzunehmen. Er habe offiziell seine» Vertreter in Peking angewiesen, vorläufig die Verhandlungen mit der Nationalregierung auszusetzen. Die gleiche Agentur meldet aus Peking, daß die Nationalregie- rung in einem' Erlaß ausländischen Kapitalisten verbiete, die Petroleum-Gebiete auszubeuten und hierzu bestimmte Untere nehmungen zu leiten. In Zukunft sollen ausländische Fachleute nur als Angestellt« beschäftigt werden. London. 30. Itlti. Im Unterhaus antwortele Chamberlain auf eine Anfrage, ihm sei mitgeteilt worden, daß die Unterzeichnung des amerikanisch- chinesischen Zolltarisvertrages der Anerkennung der füd- chinesischen Regierung durch Amerika gleichkomme. Da aber Amerika bereits zehandekl Hab«, ohne mit den übrigen Mähten zu be- raten, so wäre es diesen Mächten unmöglich, mit Amerika zu- sammen ein« gleichzeitige Anerkennung der südchinesischen Regierung zu verabreden. Auf die weitere Frage, ob er nicht bei dem Wiederaufbau der ostasiatischen Politik die Führung über- nehmen wolle, erwiderte Chamberlain, er lege keinen beson- deren Wert daraus, anderen zuvorzukommen. England Hab« sein« politischen JR'chKinien bekanntgegeben und werde bereit sein, ihnen nach Erledigung der Ranklng-Episode zu folgen. Chamberlain sagt« u. a.: Der erste Schritt der Regelung muß die Regelung des Nankingzwischenfalles sein. Ich h o f s e. die Nankingregierung wird mit dem ihr freundlich gesinnten England eine ebenso freundliche Regelung treffen, wie bereits mit der amerikanischen Regierung. Wenn dies geschehen ist, können wir die Frage der Dertragsrevision in Angriff nehmen: wir sind zum Beispiel bereit, einen neuen Handelsvertrag zu vereinbaren. Was die Truppen in China betrifft, so wird wahr- scheinlich m ab sehbarer Zeit eine weitere Verminderung «intreten. In der Mandschurei erblicki Großbritannien nichts weiter als einen Teil Chinas. Wir erkennen an. daß Japan großes Interesse an der Man- dschurel hat und bezüglich de» Schatzes der dortigen Japaner zu einer gewistea Besorgnis berechtigt ist. Aber Großbritannien hat ein Interesse an einem geeinten China und an einer einzigen Regierung, die im Namen Chinas Verpflichtungen eingehen und einhalten kann. In derselben Rede besprach der Außenminister, auch Aegypten, tue Abrüstungs- und sonstige Fragen. Seeabrüstungs-Kompromiß. Einigung Sngland-Zrankreich. London. 30. Juli. Im Unterhaus erklärte Chamberlain zur Abrüstungsfrage: Wir hätten uns um die Förderung der Rüstungseinschrän- t u n g«n bemühen müssen, auch wenn der Kellogg/Vorschlag nicht gemacht worden wäre. Gegenwärtig tagt die Abrüstungskommisston nicht und«in endgültiges Datum für ihre Tagung ist nicht festgesetzt. Aber es sind Besprechungen zwischen uns und der französischen Re- gierung, um die bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu ver- mindern, erfolgreich gewesen, und ich bin im Begriff, den anderen wichtigsten Seemächten ein Kompromiß mit- zuteilen, das wir erreicht haben in der Hoffnung, daß es auch für sie annehmbar sei und daß auf diese Weise ein großes Hindernis be- seitigt werden und ein Fortschritt gemacht werden wird. Ein Arbeitervertreter fragte Chamberlain, ob er bei der ameri- konischen Regierung anregen könne, daß die russische Regierung zur Mitunterzeichnimg des Kellogg-Paktes eingeladen werde. Cham- berlain erwiderte, er halt« dies nicht für angebracht. Die Ab- fendung der Einladung sei Sache der amerikanischen Regierung, die dabei zweifellos die französische Regierung zu Rate ziehen werde, da die Unterzeichnung in Paris erfolgen soll. Auf die Frog«, ob Chamberlain eine Einladung Rußlands durch die Dereinigten Staaten, wenn sie erfolgen sollt«, unterstützen werde, erwiderte der Staatssekretär: Nein. Ich würde sie weder unterstützen, noch dagegen Einwendungen erheben. Die Einladung Stresemanns nach Paris. Verlln. 30. Juli. Der französische Botschafter hat am Montag nachmittag die offizielle Einladung an Dr. St res« mann iiberbracht, zur Unter- zeichnung des Kriegsächtungspaktes am 27. August nach Paris zu kommen. Kein belgischer Sozialist zum Völkerbund entsandt. Brüssel, 30. Juli. sCigenbericht.) Di« belgisch« Regierung hat de»»«raten Iustizminister Ianfsv« und die frühere» katholischen Minister P oullet und Ca rtvn de Wiart zu Völkerbunds delegierten bestimmt— also feinen Sozialisten mehr, während bisher mit einer einzige» Ausnahme immer Vertreter aller drei großen Part««» delegiert wurden. Diese Ausnähme war während der Ruhvbefetzung, als der damalige Innenminister Iaspar davon absah, einen Vertreter der Sozialdemokratischen Partei zu dslogieren, die tue Ruhrbesetzung stark interessier f«. Der gogenwärtig« Beschluß der Rogierung hat Aussehen erregt, um so mehr, atf die sozialkstlschen Delegierten stet» besand-rz hervorragenbe Persönlichkeiten waren, wie Bänder- «« l d e und de Broucker«, die in Genf fthr»ermißt wrrden dürft«, �________ Oer Siaatsstreich in Aegypten. Protest des„aufgelösten" Parlaments. London, 30. Juli.(Eigenbericht.) Das aufgelöste ägyptische Parlament hat trotz aller Polizeimaßregeln am Sonntag in einem Privathaus in Kairo getagt. Es wurde eine Entschließung angenommen, in welcher die Auflösung des Parlaments als verfassungswidrig ge- kennzeichnet und alle Gesetzgebung des gegenwärtigen Ministeriums als null und nichtig erklärt wird. Im Unterhaus ging Chamberlain aus die Lage in Aegypten ein und sagte: Welche Regierungsform der ägyptische König und das ägpptische Volt auch erreichen mögen, so muß Aegypten doch die britische Erklärung von 1922 mit ihren Vor behalten in Rechnung stellen. Ich glaube nicht, daß die gegenwärtige Zeit geeignet für neue Verhandlungen ist.— Da» heißt: Macht in Aegypten, was ihr wollt, unter britischer Herrschaft bleibt ihr! •>— Halbe Begnadigung der Elsäffer. Strafe nachgesehen, Ehrenrechte und Freizügigkeit nicht wiedergegeben? Part», 30. Juli.(Eigenbericht.) Di« Angelegenheit der beiden elsässischen Abgeordnete» Rick. lin und Rossä ist durch deren Begnadigung keineswegs erledigt: es bleibt fraglich, ob sie ihr Mandat ausüben können. Durch die Begnadigung ist weder die Aberkennung der politischen Rechte noch die Aufenthaltsbeschränkung für Paris und chr Wohnung»- departemeM aufgehoben. Bevor nun irgendwelche Schritte getan werden, um auch hier Abhilfe zu schaffen, scheinen die beiden Abgeordneten selbst den Ausweg gefunden zu haben, sich einfach über die Bestimmungen hinwegzusetzen.„Oeuvre' weiß zu berichten, daß Ricklin, der wie Rosie nach seiner Freilassung bereits Der- fammlungen abgehalten hat, in de» nächsten Tag« nach Pari« kommen und sich dem Kammerpräsidenten Bouissvn vorstellen will. Ricklin hat auch bereits die Absicht ausgesprochen, bei der Generalratswahl im Oktober zu kandidieren. Ausweisung statt Kriegsgerichi. Immerhin noch die bessere Methode. Landau(Pfalz), 30. Juli. De« trünmaioberkommiffar B a u er ist im französischen Militär- gefängnl« der Ausmeifungsbefehl zugestellt worden. Bauer Hot gegen diesen Ausweisungsbefehl bei der Rheinlandkommission Einspruch erhaben. Bauer war wegen angeblich« mm* tu** Beraede»***** hi* fiefoitmui Immer noch Anschlußdebatte. pariser Linkspresse gegen L6on Blum. Die Pariser Aufregung über die Anschlußkundgebungen beim Wiener Sängerfest war schon im Abflauen begriffen, als sie vor zwei Tagen plötzlich von neuem auflebte. Anlaß — oder Vorwand— zu diesen neuen Wellen der Entrüstung ist anscheinend in einem langen Artikel unseres Genossen Leon Blum zu suchen, der im„P o p u l a i r c" vom 27. Juli erschienen ist. Mit dem Mut, der ihn in allen außenpolitischen Fragen auszeichnet, hat Blum, auf eine Aufforderung des„Temps", den Standpunkt der franzö- fischen Sozialisten zum Anschlußproblem zu präzisieren, den Stier bei den Hörnern gepackt und. eine klare Antwort erteilt. Er schrieb unter anderem: „Der ftanzosische und der internationale Sozialismus haben wiederholt das Selbstbestimmungsrecht der Völker ver- kündet, jenes Recht, das meines Wissens in den 14 Punkten Wilsons enthalten war. C» gibt, m. C.. keinen Grund, warum dieses Recht dem jetzigen Oesterreich ebenso wie ollen übrigen Nationen der Welt nicht zuerkannt werden sollte. Gewiß: der Versailler Vertrag hat in diesem Punkt eine kategorisch« Ausnahme festgelegt. Aber der Vertrag steht ja seine eigene Revision vor. Er beauftragt den Völkerbund mit dieser Revision. Die Ariedensklausel, die Oesterreich betrissl, ist eine von jenen, die in einer vielleicht nahen Zukunft unvermeidlich wird revidiert werden müssen. Ebenso wie der Vertrag im ooraus das Verfahren sür seine eigene Revision eröffnet hat, hat er auch selbst dafür gesorgt, daß die Revision unvermeidlich werde. Denn er hat ein Oesterreich gc- schaffen, das nicht lebensfähig ist, das seiner ungarischen und tschechaslawatischen Absatzmärkte beraubt wurde, das unfähig ist, sich zu ernähren, und das bisher nur durch finanzielle Hilf« der Groß- mächte leben kannte. Es war unvermeidlich, daß dieses Oester- reich über die eigenen Grenzen hinweg Cxistenzmöglichkeiten suchen und der Anschluß ist vor allein der A u s d r u ck dieses L c- b e n s b e d ü r s n i s s« s. Nun sagt man uns: durch den Anschluß läuft man Gefahr, ein großes Deutschland zu schaffen, das für ganz Europa gefährlich fein würde. Die schlimmste Heuchelei unserer Presse in dieser Frage liegt darin, daß sie stets die Vorstellung des V o r k r i e g s- Oesterreich wachruft und nicht jenes winzige und schwächliche Oesterreich, das bei der Ausarbeitung des Friedensvertrages wie durch ein Versehen entstanden ist. Die Bevölkerung Deutschlands würde sich durch«ine klein« Vermehrung ihres Geburtenüberschusses nach IS Jahren genau so vergrößern wie jetzt durch den Anschluß. Will man etwa auch die Geburten in Deutschland zwangsweisebesäiränken? Das sind unsere Gründe, über die der„Temps" durchaus im Bilde war. Er weiß auch, daß indem wir diese Grundsätze ausstellen, die wir nicht gewillt sind, preiszugeben, wir uns niemals irgendwelchen Illusionen über die Schwierig- keit ihrer Durchführung und über die Gefahren hin- gegeben haben, die vorzeitige Initiativen in sich bergen. Darüber enthält unser Wahlprogramm klare Formulierungen, die dem„Temps" nicht entgangen sein können. Wir wissen, daß diese Ausgabe nicht ungefährlich ist, wir fordern, daß sie a u s s ch l i e ß- lich mit friedlichen Mitteln erfüllt werde, aber wir erwarten den Erfolg von den Fortschritten der Demokratie und des Sozialismus." Es gibt in diesem Aufsatz van Blum keinen Satz, den wir nicht restlos unterschreiben. Das gilt insbesondere für die Schlußsätze. Auch die deutsche Sozialdemokratie ist sich aller Schwierigkeiten des Anschlußproblems bewußt, auch sie bekennt sich�zur Verwirklichung des Anschlusses mit rein Mitteln, auch sie warnt vor übereilten zritten. Von den Reden des Genossen P a u l L ö b e irgend- wie abzurücken, hat sie aber keinen Anlaß, weil gerade in diesen Reden immer wieder der Gedanke hervorgehoben wurde, daß die Verwirklichung des Anschlusses nur durch friedliche Mittel erstrebt werden dürfe und nur der Stärkung des Friedens und der Demokratie in Europa dienen dürfe. Man mag darüber streiten, ob die WienerKundgebungen lovprozentig„zeitgemäß waren, weil sie für die sonstigen dringlicheren außenpolitischen Ziele des deutschen Volkes eine indirekte„Belastung" bilden könnten, aber kein deutscher oder österreichischer Sozialdemokrat hat in Wien, Graz oder sonstwie einer„übereilten Initiative" das Wort ereoet. Dagegen erblicken wir alle unsere Aufgabe und licht darin, die Aufmerksamkeit der Welt auf das Anschluß- Problem zu lenken. Daß die internationale Anschlußdebatte, die durch die Wiener Kundgebung ausgelöst wurde, auch ihre nützlichen Seiten hatte, geht schon daraus hervor, daß in fast allen Ländern— einschließlich sogar der unmittelbar inter- essterten Staaten der kleinen Entente— Stimmen laut wurden, die sich zur Idee der Vereinigung Deutschlands und Oesterreichs sympathisch äußerten und vor einer kurz- fichtigen, störrischen Bekämpfung einer ebenso unvermeid- lichen wie ungefährlichen Entwicklung warnten. Wir würden aus die Angelegenheit nicht zurückgekommen sein, wenn nicht gerade Pariser Blätter, die sich sonst zur Linken zählen, von neuem gegen den Anschluß zu polemisieren anfingen. Wir erklären uns diese Erscheinung nicht »M mit der politischen Sauregurkenzett dt» den LpitartMei" w jeder Hauptstadt manche Verlegenheit bereitet. La diesem Zoll kommt dos inner» und parteipolitische Moment offenbar hinzu. Jene Blätter der Linken„Quotidien". ..Oeuvre" und„Eue Nouvelle". die sich über den Anschluß» Sedanken besonders aufzuregen vorgeben, versuchen' seit zwei ahren systematisch einen Keil zwischen den rechten und den linken Flügel der Sozialistischen Partei Frankreich» zu treiben. In dem klaren Bekenntnis des Genossen L&jn Blums zur grundsätzlichen Zulässigkeit des Anschlusses wittern sie eine Möglichkeit, den rechten gegen den linken Flügel der Sozialisten mobil zu machen Sie wiederholen dieses Spiel bei jeder Gelegenheit, und diese Gelegenheit erscheint ihnen um so günstiger, als viele Franzosen in völliger Unkenntnis der Grundlagen des Anschlußproblems das„größere Deutsch- land" für eine pangermanistlsche(alldeutsche) Mache halten, im übelsten, gefährlichsten Borkriegssinne des Wortes. Indem sie diesen Ausdruck fortwährend wiederholen, hoffen sie, eine Rebellion derjenigen Persönlichkeiten in der sozio- listischen Partei Frankreichs zu entfachen, die außenpolitisch weniger informiert und international weniger geschult sind als die offiziellen Führer der Partei. In dem bereits zitierten Artikel der„Populaire" hat Genosse L6on Blum selber auf diese» plumpe Manöver hingewiesen und schon die ge» bührende Antwort erteilt: das Wahlprogramm der Partei, das sich sowohl für die unverzügliche und bedingungslose Räumung des Rheinlandes wie auch für die grundsätzliche Zulässigkeit des Anschlusses ausspricht, ist von der Programm- kommission und später vom Parteitag ein st immig gutgeheißen worden. Aber die bürgerliche Linkspresse läßt nicht locker. Im „2 u o t i d i e n" schreibt der Chefredakteur Pierre Ber- t r a n d seit drei Tagen täglich einen Leitartikel, in dem er sich nicht nur in den unglaublichsten Ausdrücken über unseren Genossen Löbe ausläßt, sondern anschließend daran und das ist offenbar der Zweck der Uebung— in den schärfsten Worten auch Läon Blum angreist. Er bleibt dabei, daß ein Teil der französischen sozialistischen Partei die Stellungnahme Blums zur Anschluhfrage scharf verurteile. Was er übrigens an eigenen Argumenten gegen den Anschluß und gegen Löbe vorbringt, zeugt von absoluter Unkenntnis der Dinge, wenn nicht gar von b e w u ß t e r B ö s w i l l i g t e t t. So schreibt er u. a.. Löbe habe, in der Absicht, den Bundeskanzler Seipel zu kompromittieren, enthüllt, daß Seipel In Berlin versprochen hätte, nicht» ohne die Zustimmung Deutschlands zu unternehmen. Diese „Enthüllung" Lobes bestand aber lediglich in der Wieder- holung eines Satzes, den Seipel im Nationolrat öffentlich gesprochen hatte! Weiter nennt Bertrand Löbe einen„Nationalisten", er bezeichnet die Anschlußpropaganda als eine„niedrige Demagogie und eine hinterhältige Drohung für den Frieden" und er bezweifelt schließlich, daß es in Oesterreich eine Mehrheit für den Anschluß gebe:.�Jedenfalls ist da« bisher niemals bewiesen worden." Wir ent- sinnen uns einer geplanten Probevolksabstlm» m u n g ,. die unterbleiben mußte,' weil die Eiegermächt« offiziell die schärfsten Drohungen aussprachen für den Fall, daß diese» Plebiszit stattfinden würde.(Die Abstimmung wurde dennoch als private Beranstaltung wenig» stens in Salzburg und Tirol durchgeführt und ergab nahe- z u E i n m ü t i g k e i t für den Anschluß!) Daran ollein mag man schon den politischen und moralischen Wert der„Argu- m«nk6" de»„Ouotidien" ermessen. Da die außenpolitische Ignoranz des ehemaligen Sport» redakteurs Pierre Bertrand ebenso feststeht wie seine mora- lische Unzuverlässigkeit, braucht man sich nicht länger mit ihm zu befassen. Ernster ist es. wenn überzeugte Männer der Linken, wie die Redakteure von„Oeuvre" Jean P i o t und Henry Barde in die gleiche Kerbe hauen. Auch sie leitet zwar derselbe Grundgedanke. Gegensätze in der sozic'iftischen Partei zu schüren. Aber darüber yinaus werfen sie Argumente in die Debatte, die von erschreckender Einseitig» keit und Berständnislosigkeit sind: Barde meint z. B., das Selbstbestimmungsrecht fei zwar ein sehr schöner Gedanke, der aber nicht mißbraucht werden dürfe, um Oesterreich durch Deutschland„versklaven" zu lassen— auch wenn Wien erkläre, daß es versklavt sein wolle! Von dieser sonder- baren Behauptung ausgehend, deutet er an. man könnte als Bedingung für die frühere Räumung des Rheinlands z. B. den Verzicht Deutschlands auf denAnfchluß verlangen. Darauf fei in aller Kühle geantwortet: Dann warten wir lieber, als daß mir auf eine solche unmoralische Bedingung eingehen. Für eine solche„Berständigungspolitik" find w i r nicht zu haben. Nicht der Anschluß ist imperialistisch, son- dern das Bestreben jener Franzosen, die zwar die französische, die spanische, die italienische, die britische Einheit für etwas Selbstverständliches halten, die aber die deutsche Einheit mit Drohungen und Er- Pressungen verhindern wollen. Das ist die gradlinige Fortsetzung der Politik Ludwigs XIV und Napoleon I. Im übrigen nehmen wir die jetzige Polemik nicht allzu tragisch. Die Geschichte der letzten Jahre ist eine einzige Kette von Beweisen dafür, daß der Sozialiemus immer einige Jahre vor den Anderen die richtigen Lösungen erkannt und empfohlen hat. Das gilt in Deutschland wie in Frankreich. Als Ge- nosfe Blum vor fünf Iahren gegen die Besetzung des Ruhr- gebietes protestierte, da wurde er in der Kammer beschimpft und bedroht. Ein Jahr sväter gab ihm die große Mehrheit des französischen Volkes vei den Wahlen recht. Noch vor drei Iahren wäre», unsere Genossen die einzigen, die unter allgemeinen Verdächtigungen uno Verhöhnungen für ein« baldige Rheinlandräumung eintraten. Heute wird dieses Problem in Frankreich ganz allgemein und relativ sachlich diskutiert. Mit dem Anschluß wird es vielleicht etwas länger dauern, aber der Tag wird bestimmt kommen, wo die große Mehrheit der Franzosen einsehen wird, daß die Sozialisten auch in dieser Frage nicht nur mehr Mut. sondern auch mehr politischen Verstand al« alle anderen Parteien gezeigt haben! Denke» oder Vergesse»? DI«.Deutsche Zeitung" schreibt üb«? die Versammlung«» von Max Hölz i« Vogtland«:.Die Quittung. di« Herr Hölz durch sein Austreten der R«publit° erteilt, dürfte allen denen zu denken geben, die sich s ü r d i« A m n e st i e eingesetzt haben."— So, zu denken.. Oder sollen nicht diese Zeilen eher vergessen mache», daß das deulschnalionai« Blatt, in dem sie stehen, nächst der„Roten Fahne" am L e r g u j ch" vollsten noch Amnestie geschrien hat?! Klärung in Bayern. Oer Mnisterabbau beschlossen.— Wiederwahl des Kabineiis Held-■.— Schein, oppofiiion der christlichen Gewerkschastsabgeordneien. Milnche». 80. Juli.(Eigenbericht.) Der Bayerische Landtag sprach sich am Wontag in namentlicher Abstimmung mit SV gegen 52 Stimmen für den Abbau einzelner Ministerien aus. Die Reihen der Opposition wurden durch 7 Abgeordnete der Bayerischen Voltspartei verstärkt, di« den christlichen Bemerk- schafte« nahestehen und die in der Auflösung de» Sozialminist«- riums eine„unerträgliche staatspolitische Benachteiligung der Arbeit- nehmerschaft" erblicken. Ursprünglich wollten dies« sieben Leute ihrer Opposition In offener Landtagesitzung Auedruck geben. Sie begnügten sich aber schließlich mit einem Brief an den Ministerpräsidenten, der al, der Urheber diese, verrat, de» Sozialministerium» an-den sozialreattionären Bauernbund angesehen werden muß. In diesem Schreiben wird in verwässerter Form dem Ausdruck gegeben, was in den letzten Tagen in Dutzenden von Protestkundgebungen der christlichen Arbeiterschaft bekannt geworden ist.. Den christlichen Arbeiterabgeordnet�n war«» in MrkNchkeit mit ihrer Opposition gor nicht sonderlich Ernst: denn nach Annohme der Regierungsvorlage wurde Dr. Held mit ihren Stimmen zum Ministerpräsidenten gemählt. Held erhielt 7Z Stimm««, das bedeutet eine Mehrheit von 7 Stimmen. Die sozialdemokra- tisch« Fraktion gab weiße Zettel ab. Am Dienstag nachmittag stellt Ministerpräsident Dr. Held dem Landtag sein„neue," Kabinett mit den alten Ministern vor. Di« Regierungserklärung wird von den Parteien mit kurzen Erklärun- gen beantwortet werden. Die politisch« Aussprache soll erst im Herbst stattfinden. Die Bayerische Volkspartei vor der Krise? Der offen« Verrat, den die Parteileitung der Bayerischen 5Wf>- Partei an der christlichen Arbeiterschaft durch ZerftückÄung und Auf- lösung des Sozialministeriums beging, Hai in»«rhaU> dieser Partei offenbar eine recht ernste Situation geschaffen. Die „Augsburger Volkszeitung", ein führendes Organ der Partei, schreibt darüber: „Da, ist ein« sehr peinliche Situoüon, weil sie das Fundament der Bayerischen Volksportei noch mehr erschüttert als es ohnehin bereit« der Fall ist. Di« Partei befindet sich zurzeit in folgender Lag«: Bei den letzten Wahlen vom 20. Mm hat sie«inen beträchtlichen Stimmenverlust erlitten. Bei der jüngsten Koolitionebildung hott« die Partei innere Schwierigkeiten beträchtlicher Art zu überwutt>en. und was sie erreicht hat, ist kein Plus an innerer Stärke und Geschlossenheit: den» daß die christlichen Bauernvereine mit dem Er- gebnl« der Koalittonebildung zufrieden sind, kann niemand behaupten. Run kommt noch die tiefe Verstimmung der Arbeiterkreise der Partei dazu. Das ist ein« Summ« von inneren Unstimmigkeiten, die die Partei in ihrem Hochstand noch hätte ertragen kommen. In der gegenwärtigen Verfassung aber, in der sich die Parte, be- findet, liegt die Gefahr de? Ausbruchs einer Partei- krtf« nahe. Di«»eronttvorttichen Instanzen der Partei werden sich über Mittel und Wege schlüssig machen müssen, wie die Krise eingedänunt und eine Plattform gefunden werden kann, auf der ein Auegleich und die möglichste Herstellung der früheren Beschs ossenhtit erzielt werden kann." Oas Aeichsbahngerichi. Der Präsident de» Reichsgerichts Hot di« beiden Beisitzer d», Reichsbahngericht». da» sich demnächst mit dem Antrage der Deutschen Reichsbahngesellschaft auf«in« Tariferhöhung zu befassen hoben wird, entsprecheich dem Vorschlag« der beiden Parteien be- stellt. Das Reichsbahngericht wird sich danach zusammensetzen au» dem Senatspräsidenten beim Reichsgericht, Meyer, als Vor- sitzenden, dem auf Vorschlag der Reichsregierung ernannten !>. h. c. Silverherg. Köln, und dem auf Vorschlag d«r Deutschen Reichsbahngesellschast ernannien BeHeimen Legationsrat Bankdirektor Dr. W. Frisch, verlin, al« Beisitzcrn. Wirkungen der Lohnfleuerseukung. Gesomtovsfall 132 Millionen Mar? pro Iahr. Die vom Reichstag heschlossene Ermäßigung der Lohnsteuer ist gegen den scharisten Widerstand der Deutfchnotivnalen, der Deutschen Volksportei und—- der Kommunist«» zustandegekommen. Diese Einheitsfront zur Verhinderung eine» sozialen Fortschritt» mit ihm scharisten Reoktionären ist de» Komwv- nisten jetzt so unangenehm, daß sie durch die schlimmsten Peichimp- fungen der Sozialdemokratie ihre eigenen Anhänger zu beruhigen versuchen. Sie behaupten dabei n. di« beschlossen« Ermäßigung der Lohnsteuer sei bedeutungslos und unsozial. Beide Vorwürfe sind unberechtigt, besonders im Munde derer. di« überhaupt gegen jede Senkung der Lohnsteuer waren. Hätten die Kommunist«« durch ihr Bündnis mit den Schwei-industriellen und den Großagrariern«ine Mehrheit erhallen, so würden di« Lohn- steuerpflichtigen überhaupt kein« Ermäßigung ihrer Sbmerleistung erhalten haben. Da« aber ist da« Entscheidende. Auch die Sozial» demokroti» ist von der jetzt erfolgten Regelung in keiner Weise besriedigt. Sie betrachtet sie nur ol»«in« Abschlags- Zahlung und sie hält an ihren weitergehenden Forderungen durchaus fest. Aber da de? Widerstand im Reichstage gegen«ine sofortige Ermäßigung der Lohnsteuer auch von den Kommunisten ausging hatte man zu wählen, ob die Lohn- und Gehaltsempfänger gon-z leer ausgehen sollten, oder ob es nicht besser ist. wenigstens etwas für sie zu erreichen. Der Reichstag beschloß, die Ermäßigung der Lohnsteuer von 15 auf S5 Proz. zu erhöhe» und«in« weiter« Milderung dadurch «intreten zu lasse», daß die Steuer mir van Betrogen berechnet wird, di« beim Monatseinkommen auf voll« 5 M., bei Woche nein, komme» auf volle Mark nach unten abgerundet sind. Dadurch g»> stattet sich die Steuerleistung«ine» Ltdig«» folgendier- maßen: Monats- bisherige Steuerleistung Ermäßigung arbeitslohn Steuerleistimg vom 1. Oktbr. ab zum M. M- M- M- ' 112.50 1.05— 1.05 125.— 2.10 1.85 r~.25 150.— 4.25 3.75—.50 175— 6.35 5.60—.75 200.— 8 50 7 50 1.— Wie an, dieser Aufstellung hervorgeht, wird die unterste Gruppe der bisher Steuerpflichtigen völlig steuerfrei; ste erhält die größte Ermäßigung. Bei den anderen Steuerpflichtigen ist die Ermäßigung in den unteren Gruppen sehr klein, erreicht abar bereits bei einen, Monatseinkommen von Z00 M. die Höchst- grenz« von 1 M. monatlich. Il n w a h r ist ferner, daß di« Familien mit höhet?? Kinderzahl brnachtelllgt werden. Bon ih? kann schon deshalb nicht gesprochen werden, well die steuerfreie Brenz? bei den kinderreichen Familien perhältnismähig hoch ist. Bei einer Familie mit Zwei Kindern sind deretts Z40 M, mit drei Kindern 130 M., mit vier Kindern 240 M. und mit fünf Kindern 320 M. steuerfrei. Infolge dieser hohe» steuerfreien Grenze kommt die setzt be- schlossene Ermäßigung den kinderreichen Familien nur zum kleinen Teil zugute. Aber einfach deswegen, weil sie bisher bereits zum größten Teil steuersrei sind. Da der Besamtausfalk pro Jahr 132 Millionen beträgt, die sich auf runki(5 Millionen Sleuerpsljchtig, verteilen, so beträgt di? Ermäßigung pro Kopf durchschnittlich etwa 8,50 M Sie ist also nicht so unbedeiitend, wie die Kommunisten behaupten. Di« Sozialdemokratie sieht die durch ihr« Initiative herbeigeführte Senkung der Lahnsteuer trotzdem nicht al»»in« Erfüllung ihrer Wünsche au. sondern nur als«inen ersten bescheidenen Teilersolg. Würden d>« Kommunisten anstatt an der Seit« der Deutsch,, gstotuilen und der Deittichen Volkepariei zu käinpfen, mit der Sozialdemokratie' m einer Front gestanden haben, so wäre der Erfolg sllr die Arbeiterklasse wahrscheinlich größer geworden. Aber wie immer, so stand auch in dem Kampf um die Senkung der Lohn- steuer den Kommunisten parteipolttischer Haß höher als das Interesse der Arbeitermassenl_ Werncr schon in der Schule lernen mußten, Hot auch der erdaufwüh- lenden Buddelei auf dem Alexon- derplotz weichen müssen. Wie lange noch, dann fällt auch der Engpaß d�r neuen Königstrnße und mit ihm vielleicht der zweite Zeuge sriderizionischer Zeit in der Näh« des Alexairderplaßcs: Das alte Excrzierhaus an der Ecke d«r Alten Schützen- und der Keibelftroße. Mcrkwür- dig genug steht der Schuppen mit dem hohen, wie gotischen Dach aus. 1769 wurde er für die Regimenter von Renken und Bande- mer hier von Friedrich II. er- baut, ein solides und praktisches Stück Maurerarbeit— anders als fo viele um die gleiche Zeit auf Befehl des Königs entstandene Repräscntatinnsbauten. Aber natürlich: Wie sich die ewig undonk- boren und unzufriedenen Bürger hinter den Stuckfasfoden der ihnen aufgenötigten italienischen Paläste einrichteten, dos konnte dem König egal sein— und das war ihm in der Tat so egal, daß bei den Grundrissen der auf königlichen Befehl errichteten chäuser oft genug die Trepp« fehlt« und der Zimmermann sie nachträglich hereindichten mußte. Mit den lieben blmien Kindern war dos natürlich ganz anders: Die mutzten gute und feste Cxerzierhäuser haben, damit ihl.en bei der täglichen Wochtporode in der schlechten Jahreszeit nicht die Manturen verdorben, denn die Kerls wie die Monturen kosteten ia des Königs Geld, lind so sand die Wachtparade in der Zeit vom 1. November bis zum 1. März immer im gedeckten Raum statt, und somit wurden für die verschiedenen Regimenter in ollen Teilen Ber- lins Exerzierhäuser errichtet. Bis zum Anfang des vorigen Jahr- Hunderts diente das Exerzierhaus seinem ursprünglichen Zweck, allerdings unter den verschiedensten Regimentern. Dann wurde es degradiert: das neuerrichtete Alexanderregiment, aus verschiedenen alten Regnnentern zusammengelegt, bezog den neuen, jetzt längst verschwundenen Exerzierschuppen vor dem Prenzlauer Tor, und das alte Exerzierhaus wurde zum Lagerhaus: Zuerst zum W o l l- schuppen einer noch jetzt im Nedenhause bestehenden Firma, denn bis um dos zweite Drittel des vorigen Jahrhunderts war Bcr- lin noch ein großer Wallmarkt, vielbesucht von„Wollhabenden" und „Wollwollenden", wie Glaßbrenner sie klassifizierte. Und trotzdem die W o l l m ä r k t e Benins längst aufgehört hoben, dient das alte Excrzierhaus noch immer dem gleichen Zweck, allerding» lagert jetzt nur nach importierte Walle kolonialer Schafe drin. Ob sich die Schur der vaterländischen Schafe nicht mehr lohnt oder ab die zu ungebärdig geworden sind, kann der alte Bau auch nicht ver- raten.--- R. F. Zwei Großfeuer gestern nachmittag! Dachstuhlbrand im'Zentrum und im Tlarden. Die Feuerwehr war gestern nachmittag zu gleicher Zeit in der Potsdamer Straße 35 und in der p r a n- gen die Loren aus den Schienen. Im selben Augenblick ereignete sich auch schon das schwere Unglück. Die holzbrücke brach krachend zusammen und riß die vier Arbeiter mit in die Tiese. Den Verunglückten eilten sofort Arbeitskollegen zur Hilfe. Während es gelang drei von ihnen, den 27jährigen Arbeiter Gustav Loebert aus der Marsiliusstraße, den 29jährigen Oskar Zähujch aus der Reichen- berger Straße l3 und den 23jährigen Fritz vorberg aus der Kol- marer Straße 2, nach wenigen Minuten aus ihrer gefährliche» Lage zu befreien, konnte der vierte Verunglückte, der 39iährige Arbeiter Otto Wendisch aus der Chausseestraßc 49 erst nach längeren Bemühungen aus den Gefteinstrül�mern hervorgezogen werden. Er wurde bewußtlos mit schweren äußeren sowie inneren Verletzungen mit den übrigen Verletzten in die Charitä gebracht. Wendisch st a r b bereits aus dem Transport dorthin: Loebert liegt mit einer Bcckenvcrlctzung schwer danieder. Die Verletzungen der beiden anderen Arbeiter sind nicht so gefährlicher Natur. Die U n f a l l sie l l e wurde zunächst polizeilich gesperrt. Autobus Friedrichsfelde— Marzahn. Im Osten Berlins mird jetzt eine seit langer Zeit gewünschte wichtig« Verkchrsverbesscrung durchgeführt iverden. Am 1. Augutt nimmt die neue Autobuslinie 37 ihren Betrieb zunächst mit Einmannwagen aus der.Strecke Fricdrichsselde— Marzahn aus. Die Wagen— lustbereiste Niederomnibusse— fahren von Frie drichsfelde Schloßstraße durch die Frankfurter Chautz'ec nach dem Bahnhof Biesdorf und von dort durch die Bahnhoistrae, Marzahner Straße und Geißenweide nach Marzahn Dorfstroße. Der Fahrplan ist folgender: Werktags ab Marzahn 5,30 bis 20,30 Ilhr stündlich, ab Fnedrichsfeid« 6.00 bis 21,00 Uhr stündlich: Sonntags ab Marzahn 7,30 bis 22,30 Uhr stündlich, ab Friedrichsselde 8,00 bis 23,00 Uhr stündlich. Wie alle Autobiislinien mit Nnmmcrn- bezeichnung ist mich Linie 37 in den Ümsteigeverkehr mit Einhetts- sahrschcin einbezogen. Die neue Autobuslinie ist von besonderer Bedeutung für die zahlreichen Siedlungen, die sich in den letzten M Mchi nach dem Verrat. 21 s Nomon von Liam O'Flaherty. sAu» dem Englischen übersetzt von N. Häuser.) In diesem Augenblick wurde das Schiebefenster wiederum knirschend hvchqeschoben. die Kellnerin erschien in der Oeff- nung mit vier Gläsern Whisky auf einem Tablett. GaUagher ging zu ihr. zahlte den Whisky, reichte Connor und Mulbolland Gläser herüber, bekam sein Wechselgeld, tatschelte den Nacken der Kellnerin, daß sie kreischte: er lachte, zog selbst das Schiebefenster herunter und kam lächelnd, in jeder Hand ein Glas, auf Gypo zu. Er hielt das eine Glas Gypo ent- gegen. Gypo starrte es an, ohne eine Bewegung, es zu nehmen oder zurückzuweisen. Allen Bewegungen Gallaghers war er mit dem dumpfen und argwöhnischen Staunen eines erschreckten wilden Tieres gefolgt, das glaubt, man wolle ihm einen Streich spielen. Jetzt starrte er auf das Glas, als ob er auch darin eine Falle witterte.. � „Nimm's," sagte Gallagher kalt.„Nimms, Mann, wenn du halbwegs vernünftig bist. Es ist besser, mich als Freund zu haben wie als Feind. Wenn du uns hierbei nickst helfen willst, könnten die Leute vielleicht denken, daß... „IIH." begann Gypo mit einem Schütteln seines ganzen Körpers. Dann hielt er atemringend inne. In schrillem Diskant fuhr er fort:„Dos ist es nicht, aber... schau' her... 's ist, weil..." Seine Stimme vertiefte sich plätzlich zu heiserem Gebrüll:„'s ist, weil ich nicht weiß, was ich tu- Er hielt inne. Gallagher warf Mulhollond einen Blick zu. Mulhollands Katzenaugen zwinkerten unmerklich. „Ich bin hier am Verhungern gewesen die letzten sechs Monate." Gypo brach plötzlich in einen Sturm von Worten aus. Er redete wie ein Neger, hohl tönend, hallend und melancholisch.„Ich bin hier in der Stadt herumgelaufen und jeder von euch Kerlen ist an mir ohne ein Wort vorbelge- laufen, als ob ihr mich nie gekonnt hättet. Drüben im„Haus bin ich gewesen und bab' von der Hand in den Mund ge- lebt von allem, was ich den Seeleuten, Luden und Schauer- männern abpumpen konnte. Ich hatte keine Kleider, kein Geld Ich hatte gar nichts. Und jetzt kommst du auf einmal an mit deinen schönen Redensarten. Schön... uh... und wie kommt es, daß.. Wieder hielt er mn« mtt keuchender Brust. Er schien wieder in Wut zu kommen, aber plötzlich bewegte sich Gallagher näher an ihn heran und flüsterte freundlich und besänftigend:„Schau her, Gypo. Ich will ganz offen mit dir sein. Ich will zugeben, daß du für die Bewegung viel getan hast. Du hast in den letzten sechs Monaten die Strafe gezahlt für die gefährliche Lage, in die du die ganze Organi- satian im letzten Oktober gebracht hast. Wir wollen einen Strich durch machen, unter einer Bedingung: wenn du uns einen Schlüssel geben kannst, wer der Mann war, der Francis Joseph McPhillip verpfiffen hat, dann will ich dich wieder in die Organisation aufnehmen an deine alte Stelle im Stab des Hauptquartiers. Hier. Nimm dein Glas." Gypos Hand schoß augenblicklich vorwärts. Er packte das Glas und Gallagbers Hand zusammen in seiner enormen Tatze. Die beiden Männer rangen beinahe in dem Versuch, ihre Hände voneinander zu lösen. Sobald das Glas frei war, hob Gypo es an die Lippen und leerte es. Dann stakte er langsam zum Kamin hinüber und setzte das leere Glas daraus. Mit dem Rücken gegen die Gefährten hielt er inne, um sich mit dem Aermel den Mund zu wischen. Er brauchte Zeit, sich zu beruhigen. Gallaghers Vor- schlag war so gänzlich überraschend über ihn gekommen, daß er gar nicht bei sich war. Seit jenem schrecklichen Augenblick, wo er die Tür der Polizeiwache aufgestoßen hatte, war sein ganzes Leben in eine pechschwarze Wolke untergetaucht, die undurchdringlich war und kein Entkommen bot. Er war allein gewesen, aussätzig, umzingelt von einer unzähligen Schar von Feinden. Jetzt plötzlich wurde ihm eine Möglich- keit des Entkommens durch den großen Gallagher selbst er- öffnet. Gallagher, der große Gallagher, hatte ihm ein An- gebot gemacht. Er sollte wieder in die Organisation kommen. Leute sollten wieder Respekt vor ihm hoben. Wieder würden schlau Kerle stets bei der Hand sein, Pläne für ihn zu machen, ihn mit Geld versehen dafür, daß er gewagte Dinge unter- nehme, schützen würden sie ihn, ihn loben fiir seine Tollkühn- heil, seine Stärke und sein«... Himmlische Mutter, welch ein Glück! Während er sich am Sims den Mund am Aermel wischte, kam ihm bei seinem Bestreben, sich augenblicklich für seine Wiederaufnahme in die Organisation fähig zu erweisen, eine verrückte Idee. Einen Augenhlick lang betrachtete er den Mann, der auf die Polizeistation gegangen war, als ein Wesen außerhalb seiner selbst. Ein Gurgeln erfüllte seine Kehle. Es war ein Versuch seiner gegenwärtigen Persönlich- keit, zu sprechen und Angaben zu machen gegen jenen be- täubten Gypo Nolan, der n» die Polizeistation gestolpert war, Aber der Laut gefror ihm im Hals zu einer Kugel, die ihn schmerzte, als wären seine Drüsen plötzlich geschwollen. Er merkte, daß er selber eins war mit jenem schweren Jungen mit dem zerknüllten Hütchen, der auf die Polizei gegangen war. Es war nur eine neue List eines Stücks von seinem Innern, seines Gewissens vielleicht, das ihn überreden wollte, seinen Verrat zu bekennen. Der gleiche Impuls hatte ihn die ganze Zeit über ver- wirrt, in der er Frau McPhillips ansah. Und dann, genau wie in der Kneipe, wo ihm, erschreckt durch Katie Fox, der verrückte Plan mit dem Überfallenen Seemann in den Kopf gekommen war, entwickelte auch jetzt sein Hirn eine fieberhafte Tätigkeit. Es schoß ihm plötzlich wie ein Gewitter in den Kopf mit Krach und Blitz. Sein Gesicht und seine Augen leuchteten auf. Er öffnete den Mund, ging geschwind zu Gallagher hinüber und sagte in zischendem Flüsterton:„Ich will's euch sagen, wer ihn ver- pfiffen hat,'s war Mulligan, die Ratte. So sicher wie Christus am Kreuze hing." Die drei Männer drängten sich dicht um ihn. Argwöhnisch sahen sie alle hinter sich, dann starrton sie ihn an mit engen Augen. Einen Augenblick lang herrschte Schweigen. Dann tat ein jeder einen tiefen Atemzug. Connor ließ den Finger über den Drücker seines Revolvers gleiten. „Mulligan. die Ratte," sagte Gallagher schließlich.„Wie hast du das herausbekommen, Gypo?" „Das will ich dir sagen," schrie Gypo triumphierend, dann schwieg er wieder und sah sich theatralisch um, die Augenbrauen gerunzelt.„Ich hält' von selber nicht gern mos gesagt, aus Gründen, die jeder weiß. Ein Mann kann niemals so'ner Sache sicher sein. Und bei Gott,'s ist das Schlimmste, was man gegen einen Mann vorbringen kann. Aber wie du mir das so in den Weg gesetzt hast. Komman- dant, daß ich sein Freund gewesen bin und daß's wem- Pflicht wäre, in dieser Sache... na, und da... Trotzdem! Armer Mulligan!" „Oh, mach' los," schrie Gallagher, vor Aufregung zitternd. „Komm' zu Ende mit dem, was du zu sagen hast. Mach' deine Aussage, Mann." Aber Gypo ließ sich nicht hetzen. Eine erstaunliche An- maßung hatte Besitz von ihm ergriffen. Er langte nach dem Whiskyglas, das Gallagher noch unberührt in der Hand hielt.„Gib mir das, Kommandant, ich seh', dir scheint's doch nicht zu schmecken." Gallagher reichte ihm nervös das Glas. (Fortsetzung folgt.) ..-„.<7,.>*'*•'■ Anfangskämpfe der Olympiade, Amerikaner in Front— Numnis großer Sieg.— Goldene Medaille für den Plauener Heibig, Oos Olympische Stadion in Amsterdam war von etwa 35 000 Zuschauern fast aller Nationen beseht, als am Sonntag die ersten kämpfe aus der Aschenbahn, am Sprungständer und an der Wurfanloge Ihren Ansang nahmen. Sehr verhsißiingsvoll hatten die Spiele für die Deutschen schon am Vorabend im Saale der Kewichtsheber begonnen. Im fledergewicht langte es für Wölpert-München zwar nur zu einem dritten Platz bei einer gleichen Leistung mit dem Italiener Gabetti, im Kampf der Leichtgewichte ober erzielte der Plauener K. H e l b i g die erste goldene Medaille sür Deutschland. Er und der Oesterreicher W. Haas erzielten gleichgute Leistungen, auch dos Körpergewicht der beiden stimmte überein. Di« Wettkämpfe des ersten Haupttages im Stadion begannen mit dem Kugel st oßen. Der deutsch« Weltrekordmann Emil H i r s ch f e l d-Allenstein wartete zwar mit der achtbaren Leistung von 15,72 Meter auf. die Amerikaner waren aber besser. Johnny Kuck siegte mit der Woltretordleistung von 15,8? Meter vor seinem Lands- mann Drix mit 15,75 Meter, Hirschfeld wurde dritter, der süd- deutsche u ö b l e r kam mit 14,69 Meter auf den fünften Rang. MU großer Spannung sah mau den Vorläufen über 190 Meter entgegen. Hier qualifizierten sich all« vier Deutschen für die zweite Serie, so der deutsche Meister C o rt«, der allerdings dem Canadier Fitzpatrick den Vortritt ließ, sodann Hauben und Saunners, die ihre Läufe fast verhalten gewannen. Auch w der zweiten Serie, also den Vorzwischenläufen, setzten sich die Deutschen durch, indem sie sämtlich den zweiten Platz behaupteten, ohne sich ernstlich auszugeben und auf Sieg zu laufen. Die Vorläufe über 890 Meter sahen deutscherseits Dr. P e l tz« r, Engelhardt. Tarnogrocki und Müller in Wettbewerb. Dr. Peltzer lief ein ganz großes Rennen und gewanu in 1:57,4 leicht. Engelhardt strengte sich gegen den Amerikaner Llody Hahn nicht sonderlich an und begnügte sich damtt, hinter dem 1:66,8 siegenden Hahn den zweiten Platz zu halten. Da« schwerste Los hatte der Dredener Tarnogrocki, der in dem von Keller-Frank- reich vor dem Schweizer P. Martin gewonnenen Vorlauf nur vierter werden konnte und damit ausschied. Der Zehlendorfer Müller dagegen setzte sich durch, indem er hinter den Franzosen Martin(1,58,8) und Barsi. Ungarn den dritten Platz besetzte. Nach dem sechsten Lauf der lOO-Meter-Streck« wurde zum ersten Male die deutsche Flagge am Siegesmast emporgezogen, der Sieg Helbigs im Gewichtheben wurde der Welt verkündet. Am 499-Meter. Hürdenlaufen waren keine Deutschen betelltgt. Für die Entscheidung haben sich Taylor-Amerika in 58,4 von Cuhel-Amerika und Livingstone-England in 54 Sek. von Facelli- Italien qualifiziert. Im 19 999-Meter- Lauf stellte N u r m i seine große Klasse neuerlich unter Beweis. Er verwies seinen Landsmann Ritola, den vorfährigen Sieger, in der olympischen Rekordzeit von 99:18,4 knapp auf den zweiten Platz, dritter wurde der Schwede Wide. Die Amerikaner feierten ihren Metten Erfolg im Hoch- sprung. King siegte mit der beachtlichen Leistung von 1,94 Meter vor seinem Landsmann Hedges mit 1,91 Meter. Die Deutschen Köpke(1,87 Meter), Bonneder(1,84 Meter) und Huhn(1,85 Meter) konMen sich nicht placieren. Im Gewichtheben der Mittel- gewichtsklasse kam der Deutsche Z i n n e r nur auf den vierten Rang, Hoffmann-Magdeburg wurde sechster. In der Vor- runde zum Mannschaftsfechten kämpften Deutschland- Rumänien unentschieden 8: 8. die Deutschen unterlagen dann gegen Dänemark mit 7:9 und gegen Frankreich mtt 6: 19. Zweiter Kampftag. Von den so stark umstrittenen Zwischenläufen und dem Endlaut der 199. Meter- Meisterschaft und den drei Zwischenläufen des LOO-Meter-Lausens ging der Glanz des zweiten Kampflages in den, bei prachtvollem Wetter wieder ausgezeichnet besetzten Olympischen Stadion aus. Dansben interessierten dem deutschen Beobachter ins- besondere die l99-Meter>Dor- und Zwischenläufe der Damen, in denen unsere Vertreterinnen zunächst ein« so domimerend« Rolla spielten. Letder blieben den Deutschen keine Eni- täuschungen erspart, aber auch den Amerikanern erging es nicht viel besser. Gerade die Strecken über 199 Meter und 499 Meter(Hürden) betrachteten die Pankees als eine„gelaufene Sache", andererseits hofften wir wenigstens zwei unserer Sprinter im Endlaus der 199-Meier und Dr. Peltzer in der 899-Meter-Ent- scheidung zu sehen. In allen Fällen kam es jedoch anders, als er- wartet. Die Amerianer kamen im Sprinterlaus als Letzte ein und mußten in der 400-Metcr-Hürdenstrecke dem Engländer Lord Bnrghley den Sieg überlassen, von den Deutschen blieben Corts und Hauben in den Zwischenläufen der Sprinterstrecke hängen und Dr. Peltzer scheiterte in seinem tzüO-Metcr-Zwischenlauf. Im ersten Zwischenlauf über 199 Meter siegte der Amerikaner Mc. All ist er in 19,6 vor Williams-Kanada. Legg-Südasrikn sowie Hauben und Vracey, im zweiten Zwischenlauf kam Lammers Himer dem in 19,6 siegenden Engländer London als Zweiter ein vor Wyloff-Amerika, während Corts nur Fünfter werden konnte. Im Endlaus kamen die sechs Teilnehmer nach zwei Fehlstarts in Linie ab und lagen auch bei 59 Meter fast noch auf gleicher Höhe. In den letzten 39 Metern zog der Kanadier Williams davon, der dann sicher in 19,8 mit einem Meter Vor- sprung vor London-England gewann, einen halben Meter zurück folgte der Turnermeister Lammers klar vor Lega- Süd- afnfa, während die beiden Amerikaner Wyk oft und Mc. Mister den Beschluß bildeten. Der erste Zwischenlauf über 8 99 Meter sah Dr. Peltzer nach etwa 299 Meter an dcr Spitze und eine Runde lang das Feld anführen. Im enl. scheidenden Moment war er jedoch mit seinen Kränen zu Ende und mußte einen Läufer noch dem anderen passieren lassen. Füller- Amerika siegte in 1: 55,6 vor Lowe-England(1 Meter) und Kcllcr- Frantreich. Meister Engelhardt konnte sich als einziger Deutscher für das Finale qualifizieren, denn er besetzt« im zwei- ten Zwischen laus den dritten Platz mit mir einem Meter Rückstand hinter Dy lehn- Schweden(1:55/) und Wotscm- Amerika(Brustdreite zur.). Der Zehlendorfer F. Müller stand im dritten Lauf aus verlorenem Posten. Hier lies der Amer,- kaner Lloyd Hahn mtt 1:52,6 die best« Zeit aller Kon- kurrenten heraus. Edwards-Kanada wurde Zweiter vor dem Fron- zvsen 6. Martin. Im 1 99- Meter- La uf der Damen ge- wannen die deutschen Vertreterinnen sämtlich ihre Vorläuse, Stein- berg-Berlin, Schmi-dl-Bremen und Junker-Kassel in i« 12/ Sck., Holdmann-Hamburg in 13 Set. In den Z w! s ch e n l ä u s c u schieden Frl. Holdmann(Vierte hinter Rösenfeld-Kanada in 12,4, Smith-Kanada und Washburn-Amerika) und die Turner- Meisterin Junker(Dritte hinter Robinson-Australien in 12,4 und Cook-Kanada) aus. im dritten Zwischenlauf siegt« dann F r l. Schmidt in 12,4 vor I r l. S t e i n b e r g. Diese beiden dem- schen Damen kommen somit in den Endlaus. Hammerwerfen um, 4 99< M e t 5r- H Ü r d e n la u f e n gmgen ohne deutschc Petcil-- gung vor sich. Im Hürdenlauf triumphierte dcr Engländer Lord Burghley in 53.4 Sek. über die Amerikaner Cuhel(1 Meter) und Taylor(iL Meter), das Hammerwerfen gewann dcr Ira O'Callaghan mi, 51,39 Meter vor Sköld-Schweden mit 51,29 Meter und Black-Amerika mit 49,93 Meter. Aus den Wettkämpfen im Florett- Mannschastsfech- ten sind die Deutschen nach dem Uneittschicden m-t Rumänien und den Niederlagen durch Dänemark und Frankreich ausgeschieden. Iachrett zwffchen Biesdorf und Fftedrfchsfekd« b-zw. Marzahn ge» bildet haben. Von hier waren bis zum nächsten Bahnhof Wege b'S zu% Stunde zurückzulegen. Auch besteht auf dem Bahn« hdf Marzahn noch immer Fernverkehr. Die Autobusvcrb'ndimg schafft also eine bedeutend verbessert« Perkehrsnroglichkeit. Die Anträge im Ginsponprozeß. 68 Jahre Gefängnis, 28 Verteidiger. Gestern nachmittag begründete Staalsonwallfchastsrat von Slei necker die Slrasanträge im Einspou- Prozeß der SS Angeklagten, über den wir berichteten, und hielt bei den hauptbeschuldigten ganz besonders empfind- t i ch e Strafen für notwendig. Er beantragte gegen Leopold B a l f o n wegen Betruges in 25 Fällen 4 Jahre Gefängnis.<00 99901. Geldstrafe oder für 1000 01. einen weiteren Tag Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Gustav V a r a n y 3 Jahre Gefängnis 100 000 01. Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust. Znsgesamt sind annähernd 70 Jahre Gefängnis, 500 000 Ol. Geldstrafe und 27 Jahre Ehrverlust beantragt. Bei der Begründung seiner Strafanträge hob Staatsanwalt- fchaftsrat o. Stei necker hervor, daß es sich um ein System handele, durch das die Oeftentlichkeit auf das schwerst« ge- schädigt worden sei. Gegenüber diesem raffinierten System sei die Abschreckungstheori« mit hohen Strafen da» beste Schutz- mittel. Der Staatsanwalt oerglich die Hauptangeklagtcn mit den Häuptern der Hydra und hob noch hervor, daß sich unter den Angeklagten eine auffallend große Zahl von Ausländern be- finde, Letten, Polen, Russen, Oesterreicher, Tfchechoflowaken, Dänen, Schweden und Engländer. Im ganzen wurden vom Staatsanwalt Strafen von 68 Iahren und drei Monaten Gefängnis, 599 999 M. und 27 Jahre Ehrverlust beantragt. Von den 88 Angeklagten waren elf ausgeschieden, so daß nur noch 77 gegenwärtig zur Aburteilung des Schöffengerichts Charlottenburg stehen. Am Dienstag beginnen die Plädoyers der 28 Verteidiger. Eiferfuchtsiragödte ln SchöneSerg. Eine blutig« Eifersuchtstragödie spielte sich gestern abend kurz vor 20 Ahr im hause Grunewaldstraße 56 in Schönebecg ab. Ja ihrer Wohnung wurde die S2jShrige Elisabeth U. von Ihrem Gesiebten, einem angeblichen Baron von Arnim, mtt dem Z5sShrigen Seemann h. überrascht. Tlach einem kurzen heftigen Wortwechsel zog Arnim eine Pistole hervor und feuerte auf seine Gellebte und den Rebenbuhler mehrere Schüsse ab. Beide wurden schwerverletzt. Roch vollbrachter Tat flüchtete der Täter und entkam. Frau Ahl und Hain wurden mit lebensgefähr- lichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. o- Zum Thema: Nächtliche Nuddelei. Vor wenigen Tagen veröffentlichten wir eine Zuschrift über die ganz unhaltbaren Zustände der nachtlichen Vauarbeiten. Aber nichl mir die gesunden Menschen retten sich in ihrer Verzweiflung mit ihrer Bitte in die Oeftentlichkeit, auch die Kranken, deren geschwächtem Körperzustand die gestörte Nachtruhe doppelt schadet. melden sich jetzt. Hier wird Nacht für Nacht mit nachdrücklichster Vehemenz gebuddelt, gehämmert, schwere Eisenstücke fallen dröhnend zur Erde usw. Außerdem ist unglücklicherweise auch noch«in Lokal in allernächster Umgebung und das Geräusch der Straßenarbeiten oereinigt sich mit dem Gegröl angetrunkener Gäste zu einem für die schwerkranken einfach imhaltbaren Zustand. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Polizeirevier in der Albrechtstraße— es handelt sich um das M a r i a- V i k t a r i a- K r a n k e n h a u s in der Karl st rohe 29— versprach man, die polizeiliche Streife dahin zu informieren, daß die Arbeit etwas ruhiger vor sich gehen müsse. Damit ist der Sache wenig oder gar nicht gedient, da ja die diensthabenden Beamten auf ihrem Rundgang, wenn das Glück gut ist. vielleicht ein- bis zweimal hier vorüberkömmen. Ein Auf- heben der nachllichen Arbeiten wäre aus baupolizeilichen Gründen nicht möglich, da während des ziemlich lebhaften Tagesoerkehreo weder der aufgeworfene Schutt auf den Damm geworfen werden dürfte, noch ander« verkehrshindernde Arbeiten vorgenommen wer- den könnten. Dies das Resultat aus der einen Seit«. Der Kneipen- wirt, dessen Gäste an zweiter Stelle zur Unruhe beitragen, erklärt« kurz und bündig:„Ach wat, ich Hab mein Ieschäft, det besteht jetzt 89 Jahr«, nun wer» Ick vielleicht, weil sich auf ecnmal een Kranken- Haus hersetzt, etwa meine Bude schließen? Solln se mit chre Krankenhäuser doch außerhalb der Stadt ziehen!"'. Man kann ja gerade nicht sagen, daß seine Beurteilung dcr Angelegenheit von allzu viel Gemüt trieft, aber etwas Wahres ist an seinen Worten. Krankenhäuser gehören natürlich nicht in die Stadt und noch dazu in derart belebte Verkehrszeniren. Wie also den armen Kranken zu helfen ist, das bleibt jetzt dem Menschlichkeitsgefühl und der Energie der maßgebenden Stellen vorbehalten. Selbstmordversuch im Wohlfahrtsamt. Im Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg erschien gestern der Händler Richard I o k e l, Kniprodestt. 17 wohnhaft, mtt dem An- trage, ihm zum Ankauf eines Pferdes sofori den Betrag von hundert Mark zu bewilligen und zu zahlen. Er wurde zum Ausnahmebureau verwiesen, um einen entsprechenden Antrag aus- nehmen zu lassen, da ohne eine Prüfung seiner Verhältnisse natür- lich ein so hoher Betrag nicht ohne weiteres gegeben werden könne. Im Ausnahmezimmer erlitt Jokel einen Anfall von Herz» k r ä m p f« n, und während ein im Sanitätsdienst ausgebildeter Angestellter sich mit ihm beschäftigte, zog Jokel plötzlich unbemerkt einen Revolver aus der �.Tasche und schaß sich mit dem Ausruf .„?l lies verloren" ein« Kugel i n d i e Brust. Der herbei- gerufene Arzt stellte eine anscheinend leichtere Verletzung fest und ließ den Verwundeten in das Krankenhaus Friedrichshain überführen. Bergmanns Haftentlassungsantrag abgelehnt. Der Haftprüfungstermin über den Antrag des Rechts- amvaltes Dr. S. F e b l o w i c z, den bekannten Angeklagten in der Lombardoffäre Bergmann für h a s t u n f ä hi g zu erklären und aus der Untersuchungshaft zu e n t l a s s e n, fand gestern um 12 Uhr statt. Bergmann wurde dem Gericht aus dem Lazarett vorgeführt. Es wurde der Leiter des Lazaretts im Untersuchungs- gefängnis, Medizinalrat Dr. Woker, gehört, der sich eingehend über den Gesundheitszustand Bergmanns äußerte. Bei seiner Ein- lieferung wog Bergmann zwei Zell tner. Er hatte bis zum 4. Juli 16 Pfund abgenommen, aber von diesem Tage bis beute um weiter« 14 Pfund. Diese Gewichtsabnahme iührte der sachverständige auf den starken psychischen Druck zurück, der durch die A n k l o g c j ch r. i f t auf Bergmann ausgeübt worden ist. Et wär jedoch der Ansicht, daß diese Gewichtsabnahme keine Lebensgefahr bedeute. Bedenklich se! dagegen das Vruch- leiden Bergmanns, das auch feine Aufnahme In da» Lazarett k>«r- anlaßt habe. Hier könnte möglicherweise eine Darmverschlin- gung oder-Einklemmung eintreten. Bei der modernen Einrichtung des Lazarettes sei man aber in der Lage, binnen einer Stunde ärztsichc Hilfe eintreten zu lassen. Aus diesem Grunde bestehe bc! der Fortdauer der Untersuchungshaft auch nach dieser Richtung hin keine Lebensgesahr. Aus Grund dieses Gutachtens ist von der Strafkammer dcr Antrag auf Haftentlassung Berg- Manns abgelehnt worden. Die Kirche fordert! « klagen über«aberechligle Forderung von Kirchensteuern sind uns neuerdings wieder in größerer Zahl zugegangen. Eine besondere Ucberraschung ist es für einen mit einer solchen Forderung belästigten Dissidenten. wenn dem Schreiben auch noch das Flugblatt„Ein Wort zur Kirchensteuer" beigefügt ist, mit dem in diesem Jahre der kirchensteuererhöhung von t proz. auf 10 proz. die Kirche sich an ihr« zahlungsualustlgen Gläubigen wendet, wird man nicht endlich wirksame Olaßregeln tressen, die Belästigungen von längst nichl mehr zur Kirche gehörende« Personen zu verhüten? Nach einer der vielen von uns gebrachten Beroffentsichungen über Beschwerden dieser Art wurde uns einmal von kirchlicher Gelte geantwortet, wir möchten unsere Leser lieber ermahnen, bei der all- jährlich im Herbst zu Besteue rungszwecken ausgeführten P«rson«n- standsaufnahmen genau ihre Konfession oder Konfes- fionslosigkeit anzugeben. Ach, es bedurfte nicht erst der Anregung, denn wir hatten diesen Rat, dessen Befolgung angeblich vor unberechtigten Kirchensteucrsorderungen schützt, schon längst und mehrfach in unserem Blatt erörtert. Aber auch die größte Vorsicht und Gewissenhaftigkeit bei der Ausfüllung des Personenstandsauf- nahmebogens hat nicht immer davor geschützt, nach langt zuvor vollzogenem Austritt aus der Kirche noch mtt einer unberech- t igten Kirchensteuerforderung bedränat zu werden. Wir müssen bei diesen immer wiederkehrenden Beschwerden es uns leider versagen. die Aeuherungen der Beschwerdeführer wiederzugeben, aus denen die Kirche ersehen könnte, wie man über solche Mißgriff« der Kirchen st cuereinjorderung denkt. Den Freunden der Kirche ständen dl« Haare zu Berge, wenn sie hörten, welche An- sichten da im Volke verbreitet sind. Für die Kirche wird ein Dissident mit einer unberechtigten Forderung heimgesucht, und dann wird i h m auch noch die Pflicht auferlegt, unter Aufwendung von Zeit und Geld den Nochweis zu führen, daß«r nicht zahlungspflichtig ist! Tut er das nicht, dann hat er— das wird ihm angekündigt— Zwangs- beitreibung zu erwarten. Für welche ander« Körperschaft dats so vorgegangen werden? Nur die Kirche hat das Vorrecht, daß für ihre Steueriorderung nicht sie den Nochweis der Berech- tigung zu sichren braucht! Aus den die Kirchensteuer betreffenden Zuschriften, die in letzter Zett an uns gelangt sind, sei ein« besonder» herausgegriffen. Sit Ächtung! Leserinnen der Frauenwelt! Freitag, den 3. August, groß« gemeinsame Dampferfahrt nach BH>l!n»!)»rfer Schleus«. Abjabrt morgen» 9 Ubr»k> Oberbaum- ober Ssaijenbiüik« Karten zum Preise uon 1,00 M. für Erwachsene, Kinber, 30 Pfg. sind noili im Gefletiitot der Nrbeilttwobljgdrt, Lmbenjtrafee? 4. Hes. 9 Treppen, Zttnm« 1, zu Heden. betrifft ein« unberechtigt« Kirchensteuerfordernng. die schon recht weit zurück liegt. Der Fall oerdient aber noch jetzt Erwähnung, weil er zeigt, wo« im Kirchensteuerwejen möglich ist. Unser Gewährsmann, ein hochbetagter Parteigenosse, hat schon im Jahre 1878. vor jetzt einem Halbjahrhundert, in Weimar seinen Austtitt aus der Kirche vollzogen. Aber in Berlin-Lichtstffeld« wurde ihm noch für I9i8 Kirch«» st euer abgefordert, sozusagen zur Feier der damals vierzigsten Wiederkehr seines Kirchen- a u s t r i t t e S. Da» war doch ein Rekord, der wohl nicht so leicht zu Übertreffen ist. Aehnliche Belästigungen hatte unser Genosse schon fett 1909, wo er nach Berlin Übersiedelte, von Zett zu Zett immer wieder über sich ergehen lassen müssen. Lehrreich ist übrigens, zu hören, warum der jetzt hochbetogt« Genosse damals der Kirche den Rücken kehrte. Er tat es, nachdem in Weimar im Jahre 1878 bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals für 1879/71 ein Pastor in seiner Weihersd« sich eine Verherrlichung des Krieges geleistet hatte. Das war die rechte Antwort, zu der aber in jener Zett noch Mut gehörte. Zwei jugendliche Detter. Das Spiel an der Llferböschung. Beim Spielen an der Uferböschung stürzten gestern nachmittag der sechsjährige Ulbrjch S ch m o l k a aus der Böhmischen- straße 42 in Neukölln und sein fünfjähriger Bruder Arnold in der Grenz. Allee in den Neuköllner Schiffahrtskanal. Auf d»e Hilfeschreie der Kinder sprangen kurz entschlossen eine noch unbekanme etwa 14iährlge Schülerin und der I2jähr!ge Schüler Werner Rüben au« der Brusendorf«! Straße 29 ins Wasser. Es gelang den mutigen jungen Rettern, die verunglückten Kinder zu er- fassen und an Land zu bringen. Da die Kleinen dos Bewußtsein oer- loren hatten, mußte die Feuerwehr alarmiert werden. Di« Wisderbelebungsversuche hallen bei Arnold Sch. jedoch keinen Erfolg mehr. Sein Bruder wurde in» Leben zurückgerufen und ins Britzer Krankenhaus übergeführt. Vonhüttenjefk. Auf für die Arbeiterschaft historischem Boden — in Treptow— feierte d»„Deutsche Bauhütte" am Sonnabend mtt all ihren Mitarbeitern das Bauhuttenfest. Auf der Spreeinsel Abtei war der größte Teil de, Gartens mit rot und fchwarzrot- goldenen Fahnen ausgeschmückt. Sin Riesentransparent aus rotem Tuch mit der Maurerkelle, dem Zeichen der Bauhütte, entbietet den Willkommengkuß. Bis fast auf den letzten Platz füllte sich der Garten. Außer den Arbeitern und Angestellten der Bauhütten £ führt ab, es wirkt sehr } versuch es, und 'OTF#JHr Du bUi im Bilde Gegen den Krieg!-Auf zur Kundgebung am Mittwoch! maren zahlreiche Vertreter anderer Arbeiterorganisationen der EinTabung gefolgt. Kapellmeister Leo Kaden mit seinem Orchester und der Männerchor Friedrichshain metteiferten, die Bäfte zu unterhalten, Genoffe Fritsche, der Betriebsratsvorsitzende der Bauhütte, schilderte die Entstehungszeit der Deutschen Bauhütte, die Gründung diefer proletarischen Selbsthilfeorganisation, die in der furzen Zeit ihres Beftehens ihre Leistungsfähigkeit bemiefen hat. Ein Schwerverbrecher verhaftet. Vor Monaten aus dem Zuchthaus Brandenburg entwichen. Nach dem Billeneinbruch, bei dem in der Siedlung an der Schöneicherstraße bei Friedrichshagen einer der Täter, Bladimir Dremloniento, erschossen wurde, kam die Kriminalpolizei zu der Ueberzeugung, daß sein entkommener Spießgeselle der aus dem Zuchthaus Brandenburg entwichene berüchtigte Gregor Wittrad jein müsse. 150 fo Kürzlich hatten mehrere Beamte der Dienststelle B 11 in der Brunnenstraße in einer anderen Sache Beobachtungen und Feststellungen zu machen. Dabei fielen ihnen zwei Männer auf. die auf und ab gingen und sich eifrig unterhielten. Sie sahen die beiden dann in das Haus Nr. 3 hineingehen. Während ein Beamter draußen blieb, gingen andere den beiden nach und an ihnen vorbei, nachdem sie im Seitenflügel stehen geblieben waren. Bon oben her beobachteten die Beamten, daß die beiden Männer ein Patet mit 3igarren auspackten und den Inhalt austauschten. Sie Dermuteten einen Einbruch und nahmen die Berdächtigen fest. Der eine wurde als ein gewisser Gullmann erfannt, der andere nannte sich„ Müller". In Wirklichkeit war er der viel gesuchte Wittrad, der jetzt so stattlich aussah, daß er auf den ersten Blid nicht wiederzuerkennen war. Zunächst leugnete er, und erst als er auf dem Polizeipräsidium die Beamten sah, die ihn früher ergriffen hatten, gab er zu, der Gesuchte zu sein. Eine Beteiligung an dem Einbruch in Friedrichshagen und an anderen, die in seiner Gegend, Frohnau, Tegel ufm derübt wurden, bestreitet er. Bei seinem Ent. weichen aus dem Zuchthaus in Brandenburg, in dem er als Anstreicher beschäftigt gewesen war, hatte er sich bei einem 3 Meter hohen Sprung von einem Schuppen, aus dem er Farben und Geräte holen solle, die rechte Hand so schwer verstaucht, daß er auch jezt noch nicht recht etwas anfaffen tann. Schon deshalb, sagt er, habe er an feinem Einbruch mehr teilnehmen können. Häude weg von der Abonnentenversicherung. Für 50 bis 60 Pfennig möchentlich wird den Arbeitern, Angestellten und Beamten oft eine der vielen 2 erfiche. rungszeitschriften aufgefchwaßt, die sie mindestens ein Jahr lang hallen müfen. Wenn der Kündigungstermin verstrichen ist, find fie auf ein weiteres Jahr gebunden. Die mit dem Bezuge der Blättchen verbundene Bersicherung ist in den meiften Fällen prattif mertlos Der literarische Inhalt der Hefte genügt nur den primitivsten Ansprüchen. Wenn nun durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit das Abonnement nicht aufrechterhalten werden fann, hagelt es gewöhnlich Mahnbriefe und Zahlungsbefehle von dem Verleger und den Vertriebsstellen. Wie strupellos verfahren wird, zeigt folgendes Beispiel: Eine Kreuz. nacher Bertriebsstelle droht sogar den Abonnenten, die die Zahlung einstellen, an, in den Zeitungen Folgendes zu annoncieren: Eine einwandfreie Forberung an Herrn( folgt Name des Abonnenten) ist zu verkaufen. Näheres bei Firma Die breite Deffentlichkeit soll darauf aufmertfam gemacht werden und denkt dann wunder, um was für eine Forderung es fich handelt. Solchen Scherereien geht man am besten aus dem Wege, wenn man derartige Zeitschriften aus dem Hause läßt. Eine reelle Versicherungsgesellschaft gibt durch ent [ prechende Bestimmungen in ihren Bersicherungsbedingungen die Möglichkeit, die infolge mirtschaftlicher Notlage unterbrochene Brämienzahlung mieber aufzunehmen. Im übrigen follten alle Arbeitnehmer miffen, mo allein fie für sich und ihre Angehörigen Bolts und Lebensversicherungen abschließen dürfen. Das Stralsunder Jubiläum. Bekanntlich veranstaltete die Stadt Straffund in diesen Tagen größere Festlichkeiten aus Anlaß der dreihundertjährigen Wiederkehr des Tages, an dem allenstein die Belagerung der Hansestadt im Dreißigjährigen Kriege aufgeben mußte. Bas aber der Feier sehr viel von ihrem Wert nahm, war das Uebe wiegen der schwarz- weiß- ro: en Fahnen und Deforationen, was deutfich auf Machinationen ber Monarchisten hinwies. Bollkommen be rechtigt mar die Obstuftion des Reihs banners gegen dieses Borgehen. Zur Sprache tam sie auh in einer großen öffent: lichen Versammlung, die von der Sozialdemokratie auf den 23. Juli ins Gewerffchaftshaus einberufen morden war. Troßdem die Wallensteinfeier beinahe alles auf den Beinen hielt und gerade in diesem Abend Illumination und Zapfenstreich stattfanden, war ber Besuch gut. Nachdem der Parteivorsigende Reef die Bersammlung eröffnet hatte, hielt der Landtagspräsident Ge noffe Friedrich Bartels eine furze Ansprache, rechtfertigte dabei das Verhalten des Reichsbanners und mahnte zur gründlichen Be beiligung an den Kommunalwahlen. Das Hauptreferat hielt sodann der Beteran der Stralsunder Sozialdemokratie, mag Schütte aus Berlin, über das immerhin zeitgemäße Thema 3D „ Bor fünfzig Jahren". Die Ausführungen des greisen Genossen über das bedeutungsvolle Jahr 1878, das uns ja das Sozia listen gefe gebracht hat, fanden lebhaften Beifall. Der Vor. figende sprach ihm namens der Genossen den warmen Dant aus und schloß die Versammlung, die jedenfalls zur Belebung der Parteibewegung beitragen wird, mit dem dreifachen Hoch auf die SozialDemokratie. Ein bestätigtes Todesurteil. Bor bem Ferienstraffenat des Reichsgericht's stand am Montag die Reviston zur Berhandlung, die der Boatsbauer Erich Bruhn gegen bas Urteil des Schmurgerichts Schmerin Dom 10. mai 1928 eingelegt hatte, burch das er megen Mordes und fchweren Raubes zum Tode verurteilt worden war. Bruhn hatte einen Wandertellegen am 19. August 1927 in der Nähe von Submigsluft getötet. Darauf raubte Bruhn die Auswets. papiere des Ermordeten. Der Ferienftraffenat des Reichsgerichts bat die Revision des Bruhn verworfen. Das Lodesurteil ist somit rechtsträftig. Man darf aber hoffen, daß bie medlenburgische Linksregierung Möller von ihrem Begnadigungsrecht nach Borten der Erflärung des Reichskanzlers vom 3. Juli Gebrauch machen, zum Mindesten aber die Bollstreckung der Hin richtung bis zur Entscheidung des Reichstags über die Beibehal. tung ber Indesstrafe im neuen Strafgesetzbuch hinausichieben mirb. Wasistmitden Anleiheschiebungen? Hugo Stinnes junior und Herr von Waldow. Die Ermittlungen des Sonder dezernats zur Aufflärung der Anleiheidhiebungen erftreden sich auch darauf, ob die Bermutung zutrifft, daß der frühere StinnesAngestellte v. Waldom etwa für seinen früheren Chef oder onzerngesellschaften von Hugo Sfinnes junior den Versuch gemacht hat, Neubefit für Altbejih die auszugeben. Berdacht, sondern lediglich um eine Vermutung, der aber Es handelt sich allerdings noch um feinen positiven aus Gründen der restlosen Aufklärung nachgegangen wird. Die Untersuchungen werden noch geraume Zeit dauern, da die verschiedenen Berbindungen zwischen deutschen Personen und ausländischen Banten nachgeprüft werden müssen. Wie mir von der Reichsschuldverwaltung erfahren, auf deren Beranlassung die Affäre ins Rollen gekommen ist, hatte man bei Erlaß der Aufmertungsbestimmungen schäßungsweise damit gerechnet, daß etwa 20 milliarden Papiermart als Altbesitz für die höhere Aufwertung in Frage tommen tönnten. Tatsächlich find dann aber für etwa 42 Milliarden Papiermark Forderungen dieser Art angemeldet worden. Hieraus darf man aber nun nicht den Schluß ziehen, daß die restlichen 22 milliarden Neubefiz darstellen, der unter betrügerischen Machinationen als Alt besig angemeldet wurde. Das Reich hat vielmehr eine ganze Reihe von Anleihen, die von den eichsanleihen anerkennen müssen, so daß auch auf sie die vom früheren Bundesstaaten ausgegeben worden waren, als fogenannte Reich erlaffenen Aufwertungsbestimmungen zur Anwendung kamen. Bährend es sich zum Teil darum handelte, daß man im Aus Ian be nicht den Begriff Neubefiz und Altbesih unterscheiden fonnte und gutgläubig handelte, lag in anderen Fällen offenkundiger Betrugsversuch vor, der die Behörden zum Einschreiten veranlaßte. Der Reichstommissar ebenso wie die Reichsschulden perwaltung, die als Beschwerdeinstanz über die abgelehnten Anerkennungen zu entscheiden hatte, haben aber alle diese Versuche Nobiles klägliche Heimfahrt. Die Heimkehr zu Muffolini. Fahrplanmäßig um 11 Uhr 35 traf die Expedition Mobiles mit dem von Warnemünde- Stendal tommenden D- Jug in Magdeburg ein. Einzelne Mitglieder der Expedition fah man in den Gängen; auf einige Augenblide wurde auch Mobile sichtbar, der gefund, aber sehr ernst ausfah. Eine fleine men scheumenge, die sich vor dem Salonwagen angesammelt hatte, verhielt fich vollkommen ruhig. Absperrungsmaßnahmen maren nicht getroffen. Mit einer fleinen Berspätung fuhr der D- 3ug um 11 2hr 48 nach Halle weiter. Dort trafen Nobile und feine Begleiter am Montag miffag auf dem Hauptbahnhof ein. Ihr Sonderwagen wurde hier an den fahrplanmäßigen D- Zug nach München angehängt. K Die Hilfe für die anderen. tho durchschaut, so daß in feinem Falle ein Schaden für das Reich entstanden ist. Um die Rolle aufzutlären, die der in Salzburg verhaftete frühere Sekretär des Stinnes- Konzerns v. Baldom in der Affäre [ pielt, ist jetzt auch sein früherer Chef Hugo Stinnes jun. von der in Hamburg arbeitenden Berliner Untersuchungsbehörde vernommen morden. Da Hugo Stinnes fun. der Vorladung zur Vernehmung nicht fofort Folge geleistet hatte, war bereits ein Borführungsbefehl ergangen, der aber nicht in Wirksamkeit zu treten brauchte, da Stinnes doch noch am Mittag sich der Behörde zur Verfügung stellte. Worauf sich die Bernehmung von Hugo Stinnes bezog, wird von der Untersuchungsbehörde, da es fich um ein schwebendes Verfahren handelt, streng geheimgehalten, und vor allem macht man feine Andeutungen darüber, ob etwa Hugo Stinnes felbft irgendwie im Verdacht steht, Don diesen Betrugsversuchen feines früheren Angestellten gemußt zit Boche noch fortgelegt werden, und vor allen Dingen wird man eine Die Bernehmungen in der Angelegenheit merden auch in dieser Reihe von bekannten Persönlichkeiten des Handels, der Bank- und Börsenwelt als Zeugen vernehmen. Es scheint in der Bank- und Börsenwelt ein offenes Geheimnis gewefen zu schein, daß gewisse Kreise, die mit ausländischen Banken Berbindung hatten, das Aufwertungsgefeß zu betrügerischen Zweden ausnutzen, um durch die Bortäuschung des Anleihebesig in den Genuß der höheren Aufwertungssumme zu gelangen. Es scheinen sich hier ähnliche Dinge abgespielt zu haben, wie man sie während der Inflation und auch noch zur Zeit der Stabilisierung erlebte, als befanntlich das Gerücht auftauchte, daß der belgischen Regierung die rotgestempelten Tausendmartscheine höher bezahlt wurden, als dies in Deutschland der Fall war. Ebenso wie damals große Mengen von Laufenmartscheinen über die Grenze geschmuggelt wurden, scheinen jegt auch Anleiheftücke, die erst vor kurzem den Be. fiber gewechselt hatten und für die höhere Aufwertung nicht mehr in Frage tamen, durch Scheinverfäufe an ausländische Banken von dort aus als 2 It befit angemeldet zu sein. Aus der Partei. Bebet Denkmal für Griesheim. Aus Griesheim a. M. wird uns geschrieben: Griesheim am Main ist der Siz der bedeutenden chemischen Fabrif Elettron". Die Stadt zählt rund 10000 Einwohner und ist im Frühjahr mit Frankfurt a. M. eingemeindet worden. Dieses Griesheim befigt eine der ältesten Parteiorganis fationen des Maingaues. Die Sozialdemokratie verfügt dort über einen Stamm fo rühriger und tüchtiger Parteifreunde, wie sie jeder Stadt und jedem Dorf zu wünschen mären. Schon lange ist es ein glibender Wunsch der Griesheimer, in ihrer Stadt ein Dentmal des großen August Bebel zu besitzen. Es wurde deshalb ein Fonds gegründet und noch vor der Eingemeindung die Einwilligung der Gemeindekörperschaften zur Errichtung des Denfmais durchgesetzt. Von den eingereichten Ents. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat sich der russische Eiswürfen haben jetzt die Griesheimer Parteifreunde den des Franfa brecher Ssedom" auf Anweisung des Ausschusses für die Errettung der Italia" nach den Ufern des Franz- JosephLandes begeben, um mährend der Abwesenheit des traffin" und des„ Malygin" die Suche nach der Amundsen Gruppe fort: zufezen. Funkwinkel. furter Bildhauers Paul Seiler angenommen. Das eigentliche Bebel- Borträt steht danach auf einer elf Meter hohen Säule, deren Borderkante ohne Sockel auf Basaltpflaster aufgesetzt wird. Ein auf die Spise gestelltes Quadrat trägt das Bebel- Porträt. Der Kopf sout 1,60 Meter hoch werden. Die Regelung der Plakfrage wird auch nach der Eingemeindung Griesheims zu Frankfurt teine Schwierigkeiten machen. Die Griess heimer offen in ein bis zwei Jahren ihr Bebel- Denkmal zur Aus führung gebracht zu haben. Einstweilen reichen die gesaminelten Gelder zur Deckung der Kosten noch nicht aus. Am Sonntagnachmittag erörtert Paul Schorlig die Frage: Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsste II- e: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, 5of 2 r. Zum Schutz der EBO.- Rundgebung am Mittwoch, 1. Auguft, in Humboldthain, treten die Ortsvereine wie folgt an: Steglig: 18 Uhr Dippelplat( nicht 18.30 Uhr). Nachzügler 19 Uhr Arkonaplay. Bilmersdorf 18 Uhr Gesundbrunnen, Ausgang Millionenbrüde. Brenze Was bedeuter uns Bayreuth?" Er zitiert eine Reihe führender Kritiker der fiebziger Jahre, Krititer von Namen, die Wagner auf das heftigste angriffen, und er zieht daraus Rüdschlüsse auf das Genie Wagners, das fih gegen diese Angriffe fiegreich behauptete. Mun steht heute die Begabung Magners nicht mehr zur Diskussion, wohl aber seine Schöpfung Bayreuth. Und hier meiß Shorlig nichts Bofitines zu sagen. Er erklärt, daß in bezug auf Tempi, Rhythmifierung und Vokalisation der Wagnerschen Werke allein Bayreuth gahnen, Nachzügler Humboldthain, Wiefe am Stier, Weißenfee. 18.30 Uhr Vorbildliches leiftet. Schließlich verfügen Berlin, Dresden oder Prigenten Die Walter Blech, Buſch oder Bollad, Hamburg über die von den Vorwürfen musikalischer Schluderei keineswegs ge= troffen werden und ebensowenig das Ensemble der Sänger, das in Banreuth faum beffer ist als an führenden, deutschen Operabühnen. Schorlig will unter allen Umständen eine Lobeshymne auf Bayreuth anftimmen, und deshalb geht er auch nicht auf das szenische Broblem ein, und gerade dies ist in Bayreuth am umstrittensten. Dem Rundfunfhörer wäre aber mit einer fritischen Würdigung mehr gedient als mit dieser forcierten Jubelfanfare. Dr. Borizti untersucht in dem zweiten Bortrag des 3ntlus Paneuropa in ber Dichtung" bie Gemeinsamkeit der Märchenmotive bei allen Bölkern bes Abendlandes. Er zeigt, wie etwa ein Motiv aus Europa nach dem Orient gelangt, dort umgewandelt und in dieser neuen Gestalt wieder nach dem Abendland eingeführt wird. Daraus erfieht man ein wichtiges Moment: nämlich die Gleichheit in der seelischen Strute tur dieser Bölker. Abends wieder einmal Stabarett, nicht besser, nicht schlechter mie gewöhnlich. Jedenfalls ift Roellinghoff als Kon ferenzier erfreulich. Der Montag ift menig ergiebig. In Minstlerischer Beziehung läuft das Programm fast leer. Beethovens Alanierfonate in As- Dur und das Nachmittagstonzert der Rapelle Emil Roof3 bedeuten teine fünstlerische Erfüllung. Bon Borträgen zu erwähnen Die Brobleme bes Brüsseler Kongreffes" der zweite Bortrag in der Reihe Arbeiterschaft und Bölkerfrieden von Bittor Schiff Sonst versagt auf diesem Gebiet ebenfalls das Programm. Selbst Brof. Balter Thiem weiß nichts Besonderes über„ Die Photographie im Dienste der Boltsbildung" zu fagen. Selbstverständlich wird die Anschauung der Menschen durch die Uebermittlung ber Photographien bereichert, andererseits leidet aber durch eine Ueberfättigung mit Bibern die eigene Bhantafie. Kraußned lieft abends aus Bismards, Briefen mit gemeisterter Ruhe $ 5. Neulauer Berg. 18.30 Uhr Danziger Straße, Ede Schönhauser Alce. fölln- Brig. 18.30 ht Senefelderplay. Lichtenberg nebst Kamerad schaften 18.15 Uhr Landsberger nee, Ede Elbinger Str., mit Mufit ohne Heinersdorfer Ecke, Gustav- Adolf- Straße, ohne Fahnen mit Mufit. Klinit für Strumpf- Laufmaschen. Ein Seufzer der Erleichterung durchzittert die Großkonsumenten ber Seidenstrümpfe. Die heimtüdischen Laufmaschen, die sich, wenn man besonderes Pech hat, oft beim ersten etwas allzu raschen Anziehen des Strumpfes bereits einstellen, fönnen tadellos, unsichtbar wieder aufgefaßt werden und der Strumpf erstrahlt in neuer Schönheit. Die Firma Gerfon zeigt in ihrer Filiale. Ia uenien straße 7, eine amerikanische Erfindung, die StrumpfWundernabel Stelos". Es handelt sich um eine magne tische Strumpfnadel, mit deren Hilfe das bis jetzt so überaus mühfelige, zeitraubende Biederaufnehmen von gefallenen Maschen spielend leicht und schnell vollführt werden kann. Wie eine Dinzige Maschine tanzt die kleine Nadel über den breiten häßlichen Streifen, der durch das Fallen einer Masche auf dem Strumpf entsteht und in wenigen Gefunden fit der Fehler beseitigt. Das Geheimnis liegt in gwei magnetifchen Spigen der Nabel, welche das Hindurchzichen bes Fabens auf automatischem Wege ermöglicht. Die Rabel ist nicht täuflich, doch übernimmt die Firma gegen eine geringe Vers gutung pro Baujmasche wird 80 Pf. berechnet die Repara turen Falls einem auf der Straße ein solches Matheur passiert, fann der Schaden sofort hier wieber gutgemacht werden. Schaufenster der Tauenienstraße, in dem ein Mädchen die Nadel prattisch vorführt, ift non Schauluftigen und fündigen Patienten belagert. Db die Strumpffabrikanten pon diefer Cindung gerade fo restlos begeistert find, bleibt dahingestellt. Das Serr Schröpfer, Sufchnelber bei ber Sama Bar Coha 1.6., tebent aut 1. Auguft sein 25jähriges Jubiläum bet ben Firma Verbrauchssteigerung erstes Gebot Lehren der Meffebeobachtung. Das Institut für Ronjuntturforschung hat in Berbindung mit dem Leipziger Messeamt eine Dentschrift über die Lage der verarbeitenden Industrie im Lichte der Leipziger Frühjahrsmeffe 1928 veröffentlicht. Diese kurz zusammengefaßte, aber inhaltsreiche Arbeit verdient von der Deffentlichkeit beachtet zu werden, und zwar nicht nur wegen der Fülle der in ihr enthaltenen Angaben, sondern auch wegen bestimmter Anregungen, die fie enthält. Es ist nicht ganz flar, ob die füddeutsche Industrie ihren Mitgliedern die gesteigerte Exportpropaganda für eigene Rechnung empfiehlt oder erwartet, daß die Kosten von der öffentlichen Hand beftritten werden. Das letztere scheint uns wahrscheinlicher zu sein. Es handelt sich hier eigentlich um geringe Beträge, und man fönnte ohne große Bedenten diesen Plan unterstüßen, falls dabei wirklich ein Erfolg zu ermarten märe. Das vorgeschlagene Mittel scheint uns aber Kurpfuscherei zu sein. Wo gibt es einen vernünftigen Unternehmer, der gezögert hätte, 1000 M. für Propaganda auszulegen, menn er mit Sicherheit 1000 M. für Propaganda auszulegen, wenn rechnen fönnte, dadurch seinen Auslandsabfaz um 100 000 m. 3 erweitern? Die Grenzen für das Ausfuhrgeschäft find aber für die durch die Kaufkraft des deutsche Industrie ziemlich eng gezogen fönnen nicht einfach durch Propaganda unendlich erweitert werden. Auslandes sowie den Wettbewerb anderer Ausfuhrländer- sie Es ist deshalb falsch, die Binnentonjunktur als etwas Gegebenes anzusehen, den Weltmarkt aber als ein Feld für eine unbeschränkte Expansion zu betrachten. Baukonjunktur fördert die konfumgüterindustrie. Die Gesamtlage der deutschen Industrie beurteilt die Denkschrift optimistisch. Die Aussteller der Leipziger Frühjahrsmesse maren im großen und ganzen mit dem Auftragseingang und der Kundenwerbung zufrieden, fie erwarten eine günstige Entwicklung des Geschäftes und hoffen in den nächsten Monaten ihre Beschäftigung in dem bisherigen Umfange erhalten zu können. Auf Grund der Dentschrift ist es aber unmöglich festzustellen, mie meit diese Stimmung der Messeaussteller der objektiven Lage der be treffenden Industrien entspricht. Ein Mißverhältnis tritt jedenfalls hie und da in Erscheinung, so z. B. wenn die Aussteller von einer Cher müßte man die ganze lleberlegung in der entgegengesetzten guten Beschäftigung in der Textilindustrie oder in der Schuh- und Richtung anstellen: die Ausfuhrmöglichkeiten für die Industrie find Lederwarenindustrie sprechen( S. 8). Kennzeichnend ist dagegen, daß nicht ausreichend, die Aufnahmefähigkeit des Binnenmarktes hält auf der Messe sich im Inlandsgeschäft vor allem die Möbel mit dem Wachstum der produktiven Kräfte des Landes nicht Schritt, industrie und die Industrie der Haus- und Küchengeräte die Stodung des Absatzes von Verbrauchsgütern droht auch die eines guten Erfolges erfreuten: diese Industrien sind aufs engste Lage der Produktionsmittelindustrien zu unterminieren, mit der Abmit dem Wohnungsbau verbunden; die Belebung, die hier im Frühjaßpropaganda allein ist in diesem Falle nicht viel zu erreichen, man jahr 1928 herrschte, war auf den intensiven Bau neuer Wohnungen muß also für die Hebung der Kauftraft der Volks im Vorjahre zurückzuführen. Jin großen und ganzen ergibt sich aus der Denkschrift dasselbe massen sorgen. Dieses ist das erste, das dringlichste Gebot! Bild, das die Arbeitslosigkeitsstatistik der Gewerkschaften bietet: in den Industriezweigen, melche die Produktionsmittel erzeugen, ist die Lage beffer als in den Branchen, die für die letzten Konsumenten produzieren. Ferner herrscht in den ersteren Industriezweigen die Nachfrage nach Qualitätsmaren und neuen Marken vor, während bei den Konsumgütern der Absatz von mittleren und billigen Sorten im Vordergrund steht. Grenzen des Produktionsmittelabsatzes. WI. M. Abnehmer in Frage tommt? Fast fämtliche Broduktionsmittel, bie der Landwirt braucht, merden monopolistisch beherrscht, und der Bauer muß sich die Preise diktieren lassen. Als z. B. unlangst befannt wurde, daß die Stickstoffindustrie an dem an die Landwirtschaft pertauften Dünger weit mehr als 100 millionen Mart verdient, da erhob sich aus den heute so tampfbereiten Händlerkreisen teine Stimme für die Freiheit der Wirtschaft". Es ist bezeichnend für die Einstellung des Handels, daß er diesen jede Objektivität vermissen lassenden Kampf beginnt, weil die landmirtschaftlichen Spizenbanken die Getreideverwertung zu fördern suchen, daß er aber zur Verteidigung der Freiheit der Wirtschaft" tein Wort findet, wenn sich rein fapitalistische Handelskonzerne mit dem Kapital deutscher Prinat großbanten bilden. Er sieht die Freiheit der Wirtschaft" auch nicht bedroht, wenn der Handel bestimmter Produkte in die Hände einiger weniger großer Konzerne tommt, die rücksichtsloseste Preispolitik lediglich im Sinne ihrer privatwirtschaftlichen Kapitalanhäufung treiben. die Wenn die landwirtschaftlichen Spizbanken durch ihr Eingreifen Organisationsmaßnahmen der Landwirtschaft unterstügen wollen und die aufsichtsführenden Stellen des Reiches und des Staates diesem Versuch zugestimmt haben, dann versuchen diese staatlichen Stellen endlich einmal auch ihre Pflicht gegenüber dem landwirtschaftlichen Mittelstande nachzukommen. Ein solches Vorgehen ist darum von unserem Standpunkte aus nichts anderes als die Ausführung richtig verstandener diesbezüglicher Verfassungsbestim= mungen. Ein deutscher Margarinekonzern. Aus der Hinterlassenschaft der Teutonia- Delwerte- Hamburg Wir haben schon früher gemeldet, daß der Betrieb der C. und G. Müller Speisefett A.-G., Berlin, trotz der finanziellen Schwierigkeiten nicht stillgelegt, sondern weitergeführt werden soll, nachdem die Firma als Aktiengesellschaft liquidiert und die Betriebsmerte in die neugegründete C. und G. Müller Speisefett G. m. b. H. eingebracht wird. Die Berliner Firma gehört mit anderen Margarinefabriken zum Konzern der Delwerte Teutonia, Hamburg, die durch schuldhafte Berfehlungen ihres Generaldirektors zusammengebrochen sind. Die Beteiligung des TeutoniaKonzerns wird jetzt in der Allgemeinen Deutschen auf eine Million Mark erhöht werden soll, vereinigt. Neben der neuen C. und G. Müller Speisefett G. m. b. 5. handelt es sich um die Anteile des Margarinemerts Dr. A. Schröder G. m. b. 5. und die Anteile der Dresdener Speisefett G. m. b. 5., die von der Dachgesellschaft aufgenommen werden. Dazu soll später die Westfälische Süßrahmgesellschaft tommen. Große Gewinne durch Autofinanzierung margarine 21. G., Berlin, beren Rapital non 100 000 Mart 40 Proz. schon ausgewiesen- wahrscheinlich 100 Proz. Der Geschäftsabschluß der Deutschen Automobilban? A.-G., Berlin, vom 31. März 1928 darf wegen der Betätigung dieser Bank im Abzahlungsgeschäft von Autos und anderen langlebigen Gegenständen ein größeres Interesse beanspruchen. 14 848 Kreditanträge murden eingereicht; dovon murden 74,81 Prozent genehmigt. Die Bant finanzierte 132 000 Etüd Abzahlungsmechsel. Insgesamt wurden 252 079 Rundenforderungen finanziert, und der Wert der finanzierten Barenabfäße betrug über 110 Millionen Mart, davon für Kraftfahrzeuge 28,15 Millionen. Der Umsatz an effektiv ausgezahlten Darlehen in der Teilzahlungsfinanzierung erreichte den Betrag von 74 Millionen Mart. Diese Lage der deutschen Industrie müßte zu ernsten Besorg. niffen Anlaß geben. Die Erzeugung von Probuftionsmitteln ist nur ein Weg zur Produktion von Verbrauchsgütern. Die Nachfrage nach Produktionsmitteln kann weder unendlich steigen noch auf die Dauer hochbleiben, wenn die Nachfrage nach Berbrauchsgütern nach läßt. Eine Stockung im Absatz von Verbrauchsgütern führt deshalb unvermeidlich auch zu einer Stockung auf dem Markt der Produktionsmittel. Das Ausfuhrgeschäft ändert in dieser Hinsicht schon deshalb nichts, weil die Produktionsmittel( Maschinen) bei meitem nicht den größten Teil der deutschen Ausfuhr an Fertigmaren darstellen: hier fallen auch Textilien, Bapiermaren, Ledermaren fowie Berbrauchsgüter aus Stahl und Eisen sehr schwer ins Gewicht Man darf sich also nicht über die schmache Beschäftigung in der Erzeugung von Berbrauchsgütern damit trösten, daß die Erzeugung von Produktionsgütern noch mit Bolldampf vor fich geht. Bielmehr muß man rechtzeitig nach Maßnahmen suchen, um die Konsum. industrien zu beleben, bevor die bei ihnen herrschende Stockung sich.-G., in Mannheim für das füddeutsche Geschäft eine Beteiligung Murch über die anderen Industriezweige verbreitet. Auch die Verfaffer der Dentschrift fomnten nicht vermeiden, sich über die Maßnahmen auszusprechen, die die Uebermindung der vorhandenen Schwierigkeiten fördern tönnten. Sie empfehlen nämlich den Unternehmern zwei Wege zur leberwindung der Export. hemmungen: einmal die Herstellung hochwertiger Qualitätsmaren und ferner die Preissenkung durch rationelle Serienerzeugung ( S. 11). Dieser Empfehlung sollte Folge geleistet werden. Das Broblem wird aber dadurch nicht gelöst. Ueber die interessante Frage der Ausfallrififen wird gefagt, daß 1,89 Prozent der übernommenen Wechsel zu Protest getommen find. 0,87, affo fast 1 Prozent der finanzierten Kredite, mußte als verloren angesehen werden, doch sind auch diese Berluste versichert Der flarte Gefchäftszumachs mang zum Ausbau der Organisation. In Köln, Hamburg, Hannover murden Filialen bzw. Geschäftsstellen eingerichtet. In Leipzig wurde für das fächsische Geschäft eine Beteiligung an der Mitteldeutschen Industriebant an der Süddeutschen Kreditanstalt A.-G. und in Wien für das öfterreichische Geschäft eine Beteiligung an der Wirtschaftskreditgenoffen schaft m. b. 5. genommen. Noch überraschender als die starke Entwicklung sind die außer ordentlich großen Gewinne. Die Einnahmen aus Zinsen und Provisionen haben, sofern sie überhaupt ausgewiesen werden, fich von 127 auf 2,41 Millionen Marf erhöht. Da die Gewinne rasch steigen, scheint man an Ausgaben nicht zu sparen. Die Erhöhung der Unkosten von 0,66 auf 1,30 Millionen ist sehr start. Daß die Kreditversicherungsprämien von 0,41 auf 0,85 millionen ge= Eingezahlt sind von dem Kapital von 1,0 Millionen Mark zum Schluß des Geschäftsjahres nur 500 000 Mart. Auf diese 500 000 Mark wird ein Reingewinn von 216 000 oder weit mehr als 40 Prozent ausgewiesen. Das Schwergewicht der deutschen Produktion liegt nicht in der Ausfuhr, sondern im Inlandsgeschäft. Die Denkschrift selbst bringt stiegen find, entspricht wohl dem stark erweiterten Geschäftsumfang. Angaben, die mit voller Eindeutigkeit darüber zeugen. Nach den Berechnungen des Instituts für Konjunkturforschung setzten auf dem inneren Markte ab: Proz. der Produktion Bekleidungsgemerbe, Nahrungs- u. Genußmittelindustrie, Möbel und Holzmarenindustrie, Holz- und Baustoffindustrie Tertilindustrie und Bereifungsindustrie rund 97 88 Leder, Lederwaren- und Rautschufmarenindustrie und elektrotechnische Industrie 80 • Großeisenindustrie, Bapierindustrie und Maschinen- u. Fahrzeugbau Chemische Industrie Seidenindustrie und Feinmechanif. Eisen und Stahlwarenindustrie • • 2856 75 70 67 60 Als überwiegend ausfuhrabhängig tömmen nur die Mufifinstrumentenindustrie, die feinferamische und die Glasindustrie, die Werkzeugindustrie und einige Gewerbegruppen nebengeordneter Bedeutung gelten, die insgesamt nach der Zahl der Beschäftigten noch nicht 5 Proz. der deutschen Industrie ausmachen. Wohl nuß man für diese Industriezweige forgen, der Kern des Problems ist aber, dem Großteil der Industrie einen ausreichenden Absatz zu sichern, d. h. den inneren Markt zu feftigen, der im ganzen nicht weniger als 80 Broz der industriellen Produktion aufnimmt. Die Dentschrift gibt folgende lleberlegung wieder, die in Kreifen der süddeutschen Industrie angestellt worden ist: , 100 000 Arbeitslose fosten der Wirtschaft im Jahre an Arbeitslosenunterstügung 80 bis 90 Millionen Mart. Erhalten die 100 000 Arbeiter volle Beschäftigung in der Fertigmarenindustrie, so würden sie an Arbeitslohn, bei Berücksichtigung auch der meiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte, in einem Jahre 150 bis 160 Millionen verdienen. Da der Lohnanteil am Fabrikpreis eines Fertigproduktes im Durchschnitt 50 Proz. ausmacht, find zur Beschäftigung dieser 100 000 Arbeiter jährliche Aufträge in Höhe von 300 bis 400 millionen Mart notwendig. Auf dem Inlands markte sind nicht ohne weiteres für zufägliche 400 millionen Mark Waren unterzubringen; für eine Abfagerweiterung in diesem Umfange find daher auch die Auslandsmärkte heranzuziehen. Nun wird der erwünschte Absagerfolg nicht ohne systematische Werbearbeit zu erzielen sein. An Werbungstoften für neue Aufträge rechnet der Fabrikant mindestens 1 Broz des Endprodukts. Das würde nach der aufgemachten Rechnung einem Betrage von 3 bis 4 Millionen Mart entsprechen. Heute werden aus der Arbeits Infenversicherung für 100 000 Erwerbslofe im Jahre 80 bis 90 mil lionen Mart aufgemendet. Würde man dagegen 3 bis 4 Millionen Mart für eine wirksame Exportpropaganda ausgeben und durch Exportsteigerung 100 000 Arbeitskräfte ansetzen, so würden die bisher aus der Arbeitslosenversicherung gezahlten 80 bis 90 Millionen Mark frei merden und der Wirtschaft für die Beschaffung non Brobuftionsmitteln zur Berfügung stehen." Das ist an sich für eine Bant, die den Abfahnöten der Industrie abhelfen will, schon außerordentlich viel. Wir haben aber Anlaß, anzunehmen, daß die 1,3 Millionen Zinsrückstellungen unter den Gläubigern der Bilanz auch noch sehr beträchtliche Gewinne enthalten, so daß man wohl nicht fehlgeht in der Annahme, daß der Reingeminn der Automobilbant mindestens 100 Prozent betragen hat. Wir können nicht nachprüfen, mie meit das der Fall ist. Wünschenswert wäre es, wenn die Automobilbant felbft den Beweis dafür brächte, daß unsere Bermutung unrichtig ist. Solange das Solange das nicht geschieht, sind wir gezwungen auszusprechen, daß die Gewinne der Deutschen Automobilbant unangemessen sind und in absolut unvertretbarer Weise die Industrie und die Berbraucher belasten. Bauern gegen Getreidehandel. Deutsche Bauernschaft für die Scheuer- Transaktion. Der organisierte deutsche Getreidehandel läuft Sturm gegen die Bersuche der Preußenkasse und der Rentenbankkreditanstalt, durch Beeinflussung des Getreidehandels die Absatzverhältnisse für landwirtschaftliche Produkte etwas zu verbessern. Die Deutsche Bauern zeitung", das Drgan der Deutschen Bauernschaft", nimmt gegen die vom Getreidehandel organisierte politische Heze am 29. Juli folgen dermaßen Stellung: " läßt sich dem Angebot das Merkmal der Notverfäufe, das ihm heute Nur wenn die Kraft der Produzenten zusammengefaßt wird, des Angebotes fann ein wirklich ehrlicher Ausgleich zwischen Angebot in der Regel anhaftet, nehmen, und nur durch die Zusammenfaffung und Nachfrage stattfinden. 0 Die zusammenzuschließenden Gesellschaften, die von den großen Margarinetrusts unabhängig find, find finanziell ziemlich schmach. Die Müller Speisefett 2.-G. hat in ihrer jetzt für 1927 veröffentlichten Bilanz einen Verlust von 635000 Mart ausgewiesen, das ist fast ein Drittel des auf 2 Millionen Mark erhöhten Aktienfapitals. Die frühere Dr. A. Schröder A.-G. fonnte nach ihrem Geschäftsbericht zwar ihren Umfah auf mehr als das Doppelte steigern, hat aber 1927 ebenfalls einen Berlust von 135 000 Mart. Faber: Bleistift A.-G. hat Verlufte. Die alte Bleistiftfabrit vormals Johann Faber A.-G., Nürnberg, hat ihre Bilanz für das Jahr 1927 noch nicht veröffentlicht. Nach dem sie in den Jahren 1924/26 je 6 Prozent Dividende auf das Attienkapital von 5,6 Millionen Mark verteilt hatte, scheinen 1927 Generalversammlung die 3ufammenlegung des Attien beträchtliche Berlufte vorzuliegen. Der Aufsichtsrat mill nämlich der tapitals von 5,6 auf 2 und zur Beschaffung neuer Gelder die Wiedererhöhung auf 4 Millionen Mart vorschlagen. " Diese Reffelfreiben gegen Handwerkerselbsthilfe Die Bäder und Konditoren- Tageszeitung" entwickelt einen Plan gegen die Zugehörigkeit von Handwerksmeistern zu Konsumbereinen, den man niedriger hängen muß. Die Spitzenverbände der Handwerksmeister sollen sich auf den Amtsgerichten Abschriften aus dem Genossenschaftsregister geben lassen, um festzustellen, welche Handwerksmeister Mitglieder der Konsumvereine find. Dann soll den auf diese Weise festgestellten Handwerkern der Austritt aus dem Konsumverein nahegelegt werden. Methode entspricht durchaus dem Geist, den wir von den Syndizi der Handwerkerorganisation bereits tennen. Diese gutbezahlten Leute haben keine blasse Ahnung von dem Elend, in dem viele ihrer Mitglieder heute leben. Sie wissen nicht, wie jo vielen Handwerksmeistern zumute ist, denen jeder Pfennig Ersparnis bei den Einkäufen ihrer Frauen unter Umständen eine Schrippe mehr für die Kinder und Butter statt Margarine aufs Brot bedeuten. Glauben die Handwerkerorganisationen wirklich, mit unwürdigen Polizeimethoden die Massen der Handwerker an der Erkenntnis zu hindern, daß der Handwerker leztlich mit dem Wohlstand der Maffen steht und fällt, daß Konsumvereine, die den Massenwohlstand erhöhen, deshalb auch nicht handwerksfeindlich fein können, und daß die Konsumvereine schließlich auch große Auftraggeber find, auf die die Handwerksmeister achten müffen? Eine spanische Exportbant. Exportförderung um jeden Preis ist die kurzsichtige Verlegenheitsparole der staatlichen Wirtschaftspolitik überall da, wo diese den mächtigen privatkapitalistischen Monopol- und Kartellinteressen im Inlande aus dem Wege gehen will. Auch Spanien geht diesen Weg durch die Gründung einer Exportbant. Der spanische Ministerrat hat der Gründung einer Bank für auswärtigen Handel mit einem Kapital von 150 Millionen Besetas zugestimmt. Der spanische Staat gewährt einen rückzahl= baren, aber unverzinslichen Vorschuß im Betrage von 15 Millionen und jährlich einen verlorenen Zuschuß auf die Dauer von fünf Jahren im Betrage von je 2 Millionen Pesetas. Dieser verlorene Zuschuß soll ausschließlich zur Gründung von Filialen der Exportbant in Güd, Mittel- und Nordamerika vermandt werden. Wenn die Gewinne 7 Proz. übersteigen, soll der Staat einen bestimmten Gewinnanteil erhalten. Eine der Hauptaufgaben der Bank wird die Schaffung einer Exporttredit= sicherungsgesellschaften sein. Die Tätigkeit der Exportkreditverpersicherung unter Beteiligung des Staates und der Berficherung wird sich auf Spanisch- Amerika und die Philippinen beschränken. Eine Versicherung über 1,6 milliarden Mark. Wohl der größte Privatversicherungsabschluß, der je zustande fam, wird aus Amerifa gemeldet. Im Namen von mehr als 200 000 2ngestellten der General Motors Corporation, dem großen ameri tanischen Autotrust, wurde eine Lebens, Kranfen- und UnfallverDaß im Anfangsstadium eines solchen Versuchs zunächst von oben her eine gewisse Berbindung mit großen Getreidehandels fonzernen und Berarbeitungsmühlen gesucht werden muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Stellen fich für die Durchführung einer derartig dringend notwendigen Transattion das zentrale Genossenschaftssicherung über eine Gesamtsumme von 80 millionen Pfund bantinstitut und die größte landwirtschaftliche Zentralbank zur Ver fügung, jo erfüllen sie lediglich die Aufgaben, die ihnen entsprechend der heutigen Entwicklung obliegen. Der jetzt entbrannte Kampf des Handels, oder richtiger einzelner Handelskonzerne, wird also nur scheinbar gegen die Betätigung dieser großen öffentlichen Bantinstitute geführt. In Wirklichkeit richtet er fich gegen die große Masse des Bauerntums, die doch wahrlich Mittelstand im mahrsten Sinne des Wortes ist. Organisationsversuche der deutschen Landwirtschaft, geboren aus größter Not, erzwungen zur Abwehr des eigenen Ruins, sollen nach dem Borgeben des Handels die Freiheit der deutschen Wirtschaft" bedrohen. Wo ist denn diese Freiheit der deutschen Birtschaft nog vorhanden, wenn die Landwirtschaft als bedeutender Teil der Prämie wird von der General Motors CorSterling oder rund 1,6 Milliarden Mart abgeschlossen. Ein poration getragen, der andere Teil von den Versicherten. Ob es den deutschen Unternehmern wohl recht wäre, wenn sie von ihren Angestellten ebenfalls zu derartigen Bersicherungsabschlüffen ermuntert würden, die sie sicher mehr fosten würden, als die so arg beklagte deutsche Sozialversicherung? Frankreich hat in zehn Monaten für rund 1300 millionen Mart Gold gekauft. Nach einer Mitteilung der Bundes- Reserve- Bank in New York sind in der Zeit von September vorigen Jahres bis zum 20. Juli 1928 für 318 Millionen Dollar Gold, das find fast 1300 Millionen Mart, nach Frankreich verschifft worden. Dienstag 31. Juli 1928 Unterhaltung und Wissen Kohle und Korn. Bon Jean Jaurès. Erschienen am 31. Juli 1901 in La Petite République". Zu den goldenen Garben, die der Dreschmaschine harren, legen Bauern einige Stüde schwarze, glänzende Rohle. Es ist die Kohle, die morgen die Maschine in Bewegung sehen wird. Die Kohle ist es, die große Kraft der Industrie, die heute den Kreislauf des Getreides schließt. Eine ganz neue Vertettung von Erscheinungen und Kräften. Noch vor wenigen Jahren erweckte die Kohle die Borstellung entweder vor großen, lärmenden Bahnhöfen oder von riesigen, tofenden, staubigen Fabriken. Nun vermischt sie ihren Glanz aus dem unterirdischen Dunkel mit der lichten Pracht der Ernte, die die große, helle Weite vergoldet hat. Morgen wird sie die Maschine mitten in der andächtigen Natur erzittern lassen, und der Schatten ihres unruhigen Rauches wird über die Felder ziehen, die Felder voll langsamen Wachstums, wo die Kräfte des Lebens stumm arbeiten. In dieser Rohle ist, seit Millionen von Jahren, Sonnenwärme aufgespeichert worden. Und so, während die Sonne gegenwärtiger Tage die Kornähren reift, ist es die Sonne vergangener Tage, die der Genius des Menschen wieder zum Leben erweckt hat und die dem Bauern hilft, die Körner vom Stroh zu scheiden. Die menschliche Arbeit ruft mit den lebendigen Strahlen des gegenwärtigen Lichtes die dunkle Kraft vergangenen Lichtes zurüd. Und die erhabene Gefte des Säers, die den Kreislauf des Rornes cröffnet, den die Kohle schließen wird, breitet sich nicht nach sichtbaren Horizonten aus: für die legte Bollendung des Werkes zaubert die Arbeit Kräfte hervor, die in vergangenen Weiten leuchteten! Welch wunderbares Zeugnis der Entwicklung des Menschen, seiner wachsenden Macht über die Natur, welche Verherrlichung des schöpferischen Geistes! Und wieviel Freuden würden immer die Arbeit des Landmannes durchleuchten, wenn sie bewußter fein fännte! Man muß sein Bewußtsein meden und ihm bis in den Alltag seines Lebens, bis in seine gewohntesten, einfachsten Handlangen die Größe des Menschengeistes offenbaren! Und ist es nicht auch der Mensch, der das Getreide schafft? Die Produkte, die man natürliche nennt zumindest diejenigen, die den menschlichen Bedürfnissen dienen find meistens nicht ursprüngliches Wert der Natur. Weder Rorn noch Weinstod existierten, bevor einige Menschen, die größten unter den unbekannten Genies, langfam cinige Samen oder einige wilde Reben veredelt und aufgezogen hatten. Er, der Mensch, hat in irgendeinem armseligen Körnchen, vom Winde durch die Felder geweht, das zukünftige Kleinod des Er hat den Saft der Erde gezwungen, seine Weizens erkannt. feinste, tostbarste Substanz in ein Getreideförnchen zu pressen oder die Traube zu schwellen. Es gibt feinen von selbst gewachsenen Wein. Es gibt kein von felbst gewachsenes Getreide! Brot und Wein find Produkte des menschlichen Geistes. Die Natur selbst ist ein munderbares Kunst: wert des menschlichen Genius. Sully Prudhomme hat in seinem berühmten Bers das Wert der Sonne überschätzt, indem er sagt: ,, Sonne, Bater des Getreides, das Bater der Menschen ist!" Die Verbindung der Sonne mit der Erde hätte nicht genügt, das Korn zu erzeugen. Dazu war die Vermittlung des Menschen notBeilage des Vorwärts Leben und Tod in Hamburg. Eine Deutschlandfahrt. Hamburg ist eine gewaltige Stadt. Das Tempo der Welt hat in den Baracken der Neustadt und Altstadt mächtig aufgeräumt. Am Chilehaus sind neue Mammuthochhäuser im Bau. Eine großartige City entsteht, mittelalterliche Straßen fallen, die Bestlöcher, die Armutshöhlen, aber sie sind noch zahlreich genug in der Neustadt, in den dunklen, schmalen Gängen", in den verwinkelten Gassen, wo die Armut mit dem Lumpenproletariat Wand an Band wohnt. Weit draußen an der Alster liegen die vornehmen Villen der Kaufherren, auf dem Jungfernstieg schlendern immer noch die vielen Nichtstuer, im Alsterpavillon und in den Hotelhallen sitzt immer noch die goldene Jugend der Stadt. Hamburg hat schon ein Gesicht. An der Stirnſeite dieses Antlizes haben die Proletarier mitgemeiselt: die Stirnseite, das ist das große Gewerkschaftshaus, das ist das schöne Heim der proletarischen Reisenden: Die Heimstätte, das Hotel des fleinen Mannes, wie es sich so bescheiden nennt. Aber auch die vielen Siedlungen, die schönen Bierkantblods neuer Wohnungen, von Arbeitergenossenschaften errichtet, gehören in die Stirnseite der Stadt. Und auch die Produktion", der Hamburger Konsum mit eigenen Fabrikanlagen, Gütern und Warenhäusern. Die Stadt hat über eine Million Einwohner, und über 500 000 Menschen sind durch die Arbeit mit dem Hafen verbunden. Der Hafen ist das Leben, der Hafen ist auch der Tod. Das Leben: das ist die berauschende Sinfonie der Arbeit, das sind die Atemzüge der Welt, das sind die neuen Hochhäuser, die wundervollen Schulen, das ist die Arbeiterbewegung, die sich immer mehr und mehr der Freien und Hansestadt bemächtigt. Aber der Tod steht in Atemnähe zum Leben, und in den letzten 27 Jahren hat der Hafen über 800 Proletarier als Todesopfer gefordert. Ueber 20 000 schwere und über 50 000 leichte Unfälle im neuen Jahrhundert an den Kais, an den Kranen, in den Lagerschuppen, auf den Schiffen! Durch die Arbeit, aus Schweiß und Blut der Proleten ist Hamburg groß geworden und nicht nur aus den Spekulationen der Kaufleute, aus der Berechnung der Ingenieure, nicht nur durch die Schiebungen an der Börse, nicht nur durch die Ausbeutung fremder Völker. Zu Hamburg gehört auch St. Pauli mit der Reeperbahn, dem großen Vergnügungsrummel, von dem die Fremden schwärmen. Aber auch der Hafen gehört zum großen Teil zu St. Pauli und zwischen der Arbeit und dem bunten Vergnügen die Verwahrlosung ganzer Bezirke. Die Singspielhallen gehören dazu, die Chinesen feller, die Schlafhäuser, die Spelunken. Der Seemann, von wilden feller, die Schlafhäuser, die Spelunken. Der Seemann, von wilden Fahrten heimgekehrt, hat genug Einsamkeit gehabt, genug Arbeit, Männerdasein, Disziplin, genug Himmel, Feuer und Wasser. Er will und muß sich ausbalancieren fönnen. Und in St. Pauli balanciert er sich aus. Da findet er, was er sucht: Mädchen, Mufit, Kinos, Lärm, Suff und Fraß. ob nun die Ozeane gekreuzt oder die Fischgründe befahren werden. Dem Seemann bleibt wenig Gewinn. Der Gewinn der Seefahrt, die immer noch die chriftliche Seefahrt" heißt, strömt den Reedern zu, die in Hamburg zum größten Teil deutschnational sind, der Gewinn strömt den Kaufleuten zu, den Hochseefischfang- Aktiengesellschaften. Auch zu den Fischen muß man gehen, in die großen Hallen am frühen Morgen, wo in flachen Kästen die schwarzen Weise, die grünfilberblauen Heringe, die schimmernden Kabeljaus und Schellfische, die gelbbraunroten Schollen, die schwarzen Aalquappen und Aale liegen, die glitzernden Hechte, Schleie, Barsche und die vielen anderen grünen, blauen und rotgetupften Fische. Die Fische müssen gefangen werden. Sie werden in der Unterelbe gefangen und an den nördlichen Küften Europas. Dorthin, wo die Meeresströmungen zusammenfließen, wo auf dem Meeresgrund wuchernde Gärten sich wiegen, in denen kleine Fische spielen und leben, um von großen Fischen aufgefressen zu werden, dorthin fahren die Fischdampfer und mit ihnen der Mensch, der Oberfresser. Drei bis vier Wochen dauert so eine Hochseefahrt. Baufenlos geht die Arbeit, wenn die großen Fischzüge tommen. Die Fische schwärmen im Meer, bestimmten Gesetzen untertan, die weißen Fische, die rotgetupften Fische, die grünblauen Fische. Auch im Hamburger Hafen ist jeden Morgen große Bewegung. Die zwanzigtausend Arbeiter stürzen zum Hafen, die rund zehntausend Arbeiter stürzen nach den Werften. In die Maschinenwelt stürzt der Mensch und bewegt sie. Rauch und Dunst lagert über der Elbe. Die Sonne rollt, eine weiße, glühende Kugel, über den Werften, über den Schiffen, über den Getreidehebern. Ja, Leben und Tod ist in dieser Stadt verschwistert. In den schönsten lichteften Schulen lernen die Kinder aus den häßlichsten, dunkelsten Gassen. Die Verzauberung fremder Länder steht wie ein Regenbogen über dem Hafen. Auf der anderen Seite, im flachen Tal der Alster, liegt das Zuchthaus Fuhlsbüttel, in dem es teine Verzauberung der Belt gibt, nur Sehnsucht nach der Welt und vielleicht auch etwas mehr Raum und Bewegungsfreiheit, als sonst in den deutschen Gefängnissen und Zuchthäusern. Wir verlassen den Hafen und gehen dann die verwickelten Grenzen ab, die Hamburg- Altona trennen und zusammenschmieden, aber mehr trennen als zusammenschmieden. Die Flurbereinigung Deutschlands muß auch mit dem tragischen Unsinn dieser Grenzen aufräumen. Unweit der Grenze, am Heiligen- Geist- Feld, dem Aufmarschplatz der Hamburger Arbeiter, unweit der Schlachthäuser und einer Polizeiwache sehen wir auch das Missionshaus Jerusalem", das Institut zur Befehrung der Juden zum Christentum. Eine Inschrift verkündet: ,, In diesem Haus hat jeder Israelit Gelegenheit, das Christentum tennen zu lernen." Bielleicht hatte der vorübergehende Mensch mosaischer Religion Gelegenheit, in anderen Häusern das Christentum fennen zu lernen, aber nicht vollkommen, und so sagt eine andere Inschrift:„ Wir haben den Messias, Jesum Christum gefunden, von welchem Moses im Gesez und die Propheten geschrieben haben." Aber auch in hebräischer Reilschrift wird um gekämpft. Das ist das Missionshaus Jerusalem". Lese, Wanderer, lächle, und gehe weiter wendig, die Bermittlung seines forschenden Geiſtes, ſeines geduldigen Salpeter für Aalborg geladen ging unter, der Kapitän und zwei die verlorenen Seelen auch, it Willens. Das haben die Alten gewußt, als sie den Göttern, den glorreichen Urbildern der Menschheit, die Erfindung des Weinstocks und des Getreides zuschrieben. Aber folange schon sehen die Bauern Ernte auf Ernte folgen, das Getreide aus den Samen, den Früchten Der Ernte sprießen, die Schöpfung des Menschen ist so tief der Erde einverleibt, fie ergießt sich so üppig über Hügel und Felder, daß die Landleute, gewohnheitsträge, das alte Kunstwert menschlichen Genies für eine Gabe der Naturkräfte halten. Und wahrhaftig, wie fann man sich ohne hohe Spannung des Geistes vorstellen, daß dieses weite Getreidemeer, das seit Jahrtausenden seine goldenen Wellen wirft, im Sommer braun und warm unter der Sichel fällt, im März frisch und grün allmählich zu reifer Herrlichkeit ermacht, wie fann man sich vorstellen, daß dieses ge= maltige Meer, dessen Ebbe und Flut die Jahreszeiten regeln, seinen Ursprung im Geiste des Menschen hat? Und doch ist es so, und ein Teil der Aufklärung der Bauern liegt darin, das lebendige Gefühl, das Gefühl für die Geftaltungsmacht in ihnen machzurufen. Ihr Hauptfehler ist die übertriebene Ehrfurcht vor der Natur, ist die Tendenz, in allem, was ist, in der jozialen wie natürlichen Ordnung, ein unerschütterliches, unerbitt liches Schicksal zu sehen. Sogar heutzutage, sogar nach dem ungeheuer finnenfälligen Aufschwung der Wissenschaft, sogar nach der Anwendung der Chemie und der Mechanit in der Landwirtschaft, erscheint den Bauern der Fortschritt, auch wenn sie ihn anerkennen, nur als Zufall, nur als begrenztes Bunder. Sie haben feine Ahnung von der langsamen, aber unaufhaltsamen Evolution des Menschengeschlechtes. Das Leben ist für den Sandmann wie ein Fleines Floß auf unendlichem Ozean. Wenn er darauf nicht zu ſehr Hunger leidet, achtet er selten auf den Horizont. Nur langsam be. ginnt er sich zu rühren. Und wenn wir es verstehen, durch die Schule, durch Agitation, durch irgendeine Belt- und Geschichtsbetrachtung in ihm das Verständnis für das Simvolle in Entwicklung und Fortschritt zu meden, werden wir das Aufkommen einer rationelleren und gerechteren Gesellschaft vielleicht um ein Jahrhundert beschleunigen. Die Mädchen warten überall, aber auch der Tob wartet überall auf den Seemann. In den Berichten des Hamburger Seeamtes grinst der Tod, brüllt das Meer, heult der Sturm, lauern die Klippen. Der Steuermann Henry Heitmann wurde am 22. Mai über Bord gespült und ertrant. Der Motorsegler Herbert" mit Mann der Besagung ertranfen. Der Maschinist Lemke starb an Bord seines Schiffes an Rauschvergiftung. Der Schlepper ,, Gladiator" wurde von einem Schiff gerammt, der Maschinist Müller auf„ Gladiator" in seiner Roje zermalmt. Der Fischdampfer „ Steinhöft" ist von einer Fangreise ins nördliche Meer nicht mehr zurückgekehrt, die Befagung, zwölf Mann, ist verschollen. Der Schlepper Albatros" ging an der norwegischen Küste unter. Er tam von Gibraltar, war ein alter Rasten, 1891 gebaut und sackte mit seiner ganzen Besagung, mit 13 Mann, ins Meer. Und so geht es weiter, immer weiter: Sturm, Schiffbruch, Havarie, Tod durch Ertrinken auf hoher See oder im Angesicht der Küste, wo die Mädchen warten, wo die Frauen warten, wo die Kinder warten. Der Beruf des Seemanns ist ein schwerer Beruf, I Aus der Geschichte des Statspiels. Aus Anlaß des 12. Deutschen Stattongreffes in Altenburg, der eigentlichen Heimat des allbeliebten Spiels, die auch immer die „ Statstadt", vor allen anderen geblieben ist, widmet die Leipziger Illustrierte Zeitung" dem Spiel mit den vier Benzeln verschiedene interessante Beiträge. Das Kartenspiel überhaupt ift durch die heimfehrenden Kreuzfahrer aus dem Orient in das Abendland gebracht worden, wo es schon seit langem in llebung war, Zunächst breitete es sich in den romanischen Ländern aus, wo es sich in der Einsamfeit der Burgen als unterhaltsames Zerstreuungsmittel bewährte. Die erste Beschreibung des Kartenspiels in lateinischer Schrift hat uns, wie Valerian Tornius in einem der Artikel hervorhebt, der Klosterbruder Johannes von Rheinfelden überliefert: In einem Spiel, das man gemeinhin Kartenspiel nennt, bemalen fie die Karten auf verschiedene Art und spielen allerlei Spiele damit, wobei sie gewinnen oder verlieren. Dieses Spiel ist sehr hübsch für den Adel und Personen, die Zeit übrig haben. Man hat vier Könige auf vier Karten gemalt, und jeder hat ein bestimmtes Zeichen, von denen Und wir gehen weiter, berühren noch einmal den Hafen, sehen das wilde Leben und ahnen den schneelln Tod, wir denken an die Opfer der Arbeit am festen Band und auf dem bewegten Meer, wir Alte Giebelhäuser ragen am schwarzen Wasser auf, die Hochbauten sehen die zerfaserte After in dunklen Fleeten nach der Elbe strömen. der City werden sichtbar. Dann kommen wir an ein altes Haus, an das Geemannsheim. Eine Sammelbüchse hängt an der Tür, ein verblafftes Gemälde zeigt ein Schiff in Not, das Meer brüllt, und eine Inschrift nahe der Bettelbüchse flüstert, wimmert und beschwört: ,, Gebt den Seefahrer- Armen um Gotteswillen!" Mar Barthel. dem spielfreudigen Bürgertum der Meinen Residenz schnell Eingang fand. Die dem Spiel aber anhaftende gewisse Eintönigkeit und Bangmeiligteit wurde den geistig regjamen Männern bald zu viel, und sie bemühten sich um die Bertiefung und den Ausbau des Spieles. Der Schaftopf- Stat", von dem ein Geschichtsschreiber sagt, ,, daß man ihn mit Recht einen veredelten Schafkopf, folglich Merino nennen tönnte", mar gegenüber dem heutigen wechselvollen Spiel noch sehr einfach. Er entwickelte sich etwa in den Jahren 1810-1815 durch die Einführung des im Tarod üblichen Legens von zwei Statblättern, von denen das unterste den Trumpf bestimmte, dann in den folgenden Jahren durch Unterscheiden zwischen Frage und lung des Spiels zum eigentlichen Stat durch die Einführung der Handspiel, Bestimmung des Trumpfes durch Reizen und EntwidBewertung. In diefen Jahren hat auch der Hofadvokat Ferdinand Hempel, ein pfiffiger Jurist und Hansdampf in allen Gaffen", in der von ihm herausgegebenen Wochenschrift Osterländer Blätter" als erster den Stat im deutschen Schrifttum beschrieben; er verstand es auch durch feine originelle und humorvolle Geselligkeit, die Pflege und Berbreitung des neuen Spiels zu fördern. Die folgenden Jahrzehnte Ich weiß sehr wohl, daß jedes Wort überflüffig und jede Theorie gelten die einen für gut, die anderen für schlecht. Unter den Königen brachten dann die weitere Ausbildung des Spieles und schließlich ohnmächtig wäre, wenn die Bewegung der Dinge sich nicht selber in den Gewohnheiten der Bauern bemerkbar machte. Es ist notwendig daß die wirtdarin hat der historische Materialismus Recht schaftlichen Bedingungen den Gedanken des Menschen wachrufen! Aber dieser ist keine untätige Kraft. Er geht im Sinne der Ereignisse schneller als die Ereignisse selbst. Dem Bauer das tiefe Gefühl für die Bewegung des Universums geben, ihm durch die Geschichte die großen, schon vollzogenen Umwälzungen flar machen und seine Aufmerksamkeit auf die langsamen, aber beständigen Umwälzungen lenken, die sich beständig in ihm und um ihn vollziehen, ihm die steigende Macht des Menschen aufzuzeigen, der ununterbrochen neue Formen des Lebens und der Gesellschaft geschaffen hat und sozusagen die Natur selbst in ihren notwendigsten Produkten, ihm so von der Kühnheit des Geistes mitzuteilen, die die Menschheit groß machte: Es gibt keine dringendere Aufgabe, und heutzutage übersteigt fie nicht mehr die menschliche Kraft! Der Feuergeist der Industrie hat sich der Arbeit des Landmannes bemächtigt. Möge der brennende Geist des Fortschrittes, der Feuergeist der Menschengeschichte, auch in sein Hirn dringen! QUeberfest von Dr. Lili Roerber.) Karten kommen je zwei Marschälle, von denen hält der eine das Abzeichen nach oben, der andere nach unten. Nach diesen sind noch zehn andere von derselben Größe und Form. Auf der ersten ist das 3eichen des Königs einmal, auf der anderen zweimal und so weiter bis zur zehnten. Es wird also jeder König die dreizehnte Karte, so daß zu einem Spiel zweiundfünfzig Karten gehören." " Geht so die Geschichte des Kartenspiels weit in die Jahrhunderte zurüd, so ist das Statspiel noch verhältnismäßig jungen Datums; man fann auch nicht sagen, daß es einen eigentlichen Erfinder dieses Spieles gebe, vielmehr brauchte es Jahre der Entwicklung und der Zusammenwirtung der verschiedensten Personen. Zu Ende des 18. Jahrhunderts wurden besonders Spiele wie Süßmilch", Grobhannes"," Einundzwanzig", häufeln", Tippen"," Schafkopf" und Solo" gespielt. Von ihnen ist der Schafkopf der Vorfahr des Stat spiels, denn dieser weist in seinen Grundregeln auf das ältere Spiel hin. Es wird erzählt, wie Julius Benndorf in seinen Ausführungen über die Geschichte des Statspiels hervorhebt, daß der Schafkopf aus dem Erzgebirgischen durch einen Fuhrmann zur Kenntnis einer tarockenden Altenburger Abendgesellschaft gebracht wurde und bei eine gewisse Berwilderung durch zahlreiche Ortsgebräuche und Neuerungen, bis endlich 1886 der erste deutsche Statkongreß in Altenburg die Altenburger Statordnung feftfeßte, die eine feste Regelung gab. Der Name des Stats ist bedeutend älter als das Spiel selbst; er ist dem viel älteren aus Italien stammenden Tarockspiel entnommen, indem die wegzulegenden Blätter in ein Behältnis, die „, scatola", gelegt wurden. Da nun beim Statspiel ebenfalls Blätter weggelegt werden, hat man den Kunstausdruck des Tarocks„ Skatlegen" gleich sinngemäß auf das neue Spiel übertragen. Schuhe aus alten Pneumatifs. Für die alten Automobilreifen hat man in Mazedonien und Thrazien jetzt eine vortreffliche Verwendung gefunden. Man verfertigt aus diesem Abfall die absaglosen Schuhe der Bauern, und der Bedarf ist so groß, daß man bereits zur Einfuhr schreiten muß. So werden jährlich nach einem Bericht der Umschau" etwa 50000 alte Pneumatifs aus Frankreich importiert. Gin Reifen ergibt drei Baar Schuhe, die einen viel befferen Schuß gegen die Feuchtigkeit als die früheren Schuhe gewähren und beffer halten. ME Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit find Berlin GB3 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin itets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Szep. rechts, au richten. 1. Kreis Mitte. Die Genoffen der Abteilungen 1-7 treffen sich pünktlich um 6.45 Uhr auf dem Arkonaplaz am Mittwoch zur Teilnahme an der Anti- Kriegs- Demonstration. 2. Kreis Tiergarten. Die Genoffinnen und Genossen treffen fich fchon be. reits um 18.15 Uhr im kleinen Tiergarten zur Anti- Kriegs- Demonstration am Mittwoch. 3. Kreis Wedding. Die Genossinnen und Genossen beteiligen fich reftios an der morgigen Rundgebung im Humboldthain. Treffpunkt fiehe die Bekanntmachungen der Abteilungen. 15. Rreis Treptow und 16, Kreis Copenid. Treffpunkt aller Batteimitglieder zur Anti- Kriegstundgebung am Mittwoch um 6.45 Uhr. Abmarsch 7 Uhr. Heute, Dienstag, 31. Juli. 47. Abt. Martenmaterial und„ Unser Weg" beim Genoffen Mazante, Cöpenicker Str. 176, II., Quergeb., abholen. Anti- Kriegs- Demonstration im Humboldthain. Morgen, Mittwoch, 1. Auguft. 2. Abt. Treffpunkt 18 Uhr Betriplag, Ede Brüderstraße. 4. Abt. Treffpunkt 18.45 Uhr Artonaplas. Teilnahme unbedingt erforderlich. 9. Abt. Alle Mitglieder nehmen an der Rundgebung teil. Treffpunkt 18.30 Uhr im fleinen Tiergarten. Fahnen find von Hübner mitzunehmen. 13. Abt. Alle Genoffinnen und Genossen treffen fich um 18 Uhr im kleinen Tiergarten. Abmarsch 18.30 Uhr. 14. Abt. Die Genossen treffen sich 18 Uhr bet Gottschaft, Buttbuffer Str. 24. Dort findet die Einteilung statt. Pflicht eines jeben ist es, pünktlich zur Stelle zu sein. 17. Abt. 18.30 Uhr Abmarsch der Abteilung vom Zeppelinplag. Erscheinen aller ist Pflicht. 19. Abt. 18 Uhr Treffpunkt auf dem Brunnenplay. Reftlofes unb pünkt. liches Erscheinen wird erwartet. Sympathifterende find eingeladen. 20. Abt. Treffpunkt 18.30 Uhr Brunnenplag. Alle Fahnen mitbringen. 24. Abt. Treffpunkt 18.45 Uhr Danziger Str., Ede Prenzlauer Allee. Banner und Fahnen find mitzubringen. 33. Abt. Treffpunkt der Abteilung an der Abmarsdystelle bes 5. Rteffes. Genossen für den Ordnerdienst möchten sich dort bei dem Gen. Sie big melden. 34. Abt. Treffpunkt 18.15 Uhe Promenade Elbinger Str., Ede Landsberger Allee. 35. Abt. Alle Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich ausnahmslos an der Rundgebung, Treffpunkt 18.15 Uhe Elbinger Str. Ede Landsberger Allee. Abmarsch 18.30 Uhr. 36. Abt. Treffpunkt pünktlich 18.15 Uhr Promenade Elbinger Str., Ede Landsberger Allee. Sämtliche Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. 38. Abt. Alle Parteimitglieder beteiligen fich an der Rundgebung. Treffpunkt pünktlich 18.15 Uhr Sandsberger Allee, Ede Elbinger Str. um das Abteilungsbanner. 42. Abt. Treffpunkt des 6. Rteises Stealfunder Ede, Brunnenste. Fahnen mitbringen. 43. Abt. Die Abteilung beteilgt sich gefchloffen an der Demonstration. Treffpunkt der des Kreifes. Stralsunder Str., Ede Brunnenstraße. 47. Abt. 17.30 Uhr Treffpunkt bei Giebentopf, Mustauer Str. 55. Nathzügler 18.30 Uhr Stralsunder Straße, Ede Brunnenstraße. In der sauren Gurken Zeit Auf alle BADE ARTIKEL 20% Ermassig fabelhaft billige Preise SEIT 1872 für Strümpfe Trikotagen Wollkleider HerpenArtikel GRUMACH Volksbühnc Theater am Bülowplatz 81 Uhr Orpheus in der Unterwelt Deutsches Theater Norden 12310 U. Ende nach 10/2 Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 81 U. Ende 10%, U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charloftenstr.90/ 91.sh.170 81% Ende nach 10%/ Gastspiel d. Deutschen Th Der Proze Treff Dafült 48. Abt. Alle Barteimitglieder beteiligen fich an der Rundgebarng. punkt 18.30 Uhr Stralsunder Ede Brunnenstraße. 58. Abt. Charlottenburg. Die fällige Funktionärsigung fällt aus. beteiligen fich die Genossinnen und Genossen restlos an der Rundgebung. Treffpunkt am Knie. 81. Abt. Friedenau. Treffpunkt 17.30 Uhr am Knie. 83. Abt. Lichterfelbe. Alle Parteimitglieder beteiligen fich an der Rundgebung. Treffpunkt 18.45 Uhr Artonaplag. Fahrgelegenheit Straßenbahnlinie 40. Die Bezirksführer werden gebeten, unfer Weg" in Emp fang zu nehmen. Im Osten beim Gen. Krull, Lantwiger Str. 10, im Weften beim Gen. Quandt, Moltkestr. 31. 103. Abt. Oberschöneweibe. Die Genoffen verfammeln fich am Bahnhof Wedding, Ecke Lindower Str., wie der Kreis angegeben. 110. Abt. Grünau. Unsere Vorstandssigung fällt aus. Dafür beteiligen fich alle Genossinnen und Genossen an der Kundgebung. 111. Abt. Bohnsdorf. Nicht 19.45, sondern 18.45 Uhr Bahnhof Wedding, Lindower Str., Abmarsch mit Mufit nach dem Humboldthain. Be teiligung ist Parteipflicht. Sichtenberg 114. Abt. Treffpunkt 16.15 Uhr Elbinger Str., Ede Landsberger Allee. Donnerstag, 8 Uhr, Borstands- und Funktionärsigung bei Schwarzer, Gabriel- Mar- Str. 17. 117 Abt. Treffpunkt aller Genoffen 18.15 Uhr Elbinger Str., Ede Landsberger Allee. 119 Abt. Gammelpunkt Landsberger Allee, Ecke Elbinger Str., auf der Promenade um 18.15 Uhr. Abmarsch pünktlich 18.30 Uhr mit Banner. Alle Partetgenossen werden gebeten, zu erscheinen. 120. Abt. Friedrichsfelbe. Sur Rundgebung wird starte Beteiligung et. wartet. Treffpunkt 18.15 Uhr Elbinger Str., Ede Landsberger Allee. 128./130. Abt. Bantow. Treffpunkt 6.15 Uhr Marktplay in Pantom. Alle Mitglieder der Abteilung, der GAJ. und des Reichsbanners. Abmarsch mit Mufiftapelle. 134. Abt. Buch. Wegen der Anti- Kriegs- Demonstration findet unfer gemüt liches Beisammensein am Donnerstag, 7.30 Uhr, Waldschänke, ftatt. Treffpunkt zur Demonstration 5.45 Uhr am Bahnhof Buch. Nachzüglet treffen fich direkt um 6.30 Uhr in Pantom, Marktplag. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. Sämtliche Mitglieder beteiligen fich an der Rundgebung. Treffpunkt 18 Uhr Schüzenhaus, Ede Refidenz und Hauptstraße. Fahnen sind mitzubringen. Teilnahme ist Pflicht. Die Bezirks führer find verpflichtet, noch besonders dazu einzuladen. 17.45 140. Abt. Borsigwalbe. Achtung! Uhr Antreten am Boltshaus, Reinickendorf- West, Scharnweber Str. 114. Abmarsch 18 Uhr. Wir et. warten zahlreiche Beteiligung. Frauenveranstaltungen. 6. Kreis Krenzberg. Donnerstag, 2. Auguft, pünktlich) 19.30 Uhr, Funt tionärinnen- Gigung bei Wolf, Gräfeftr. Wichtige Tagesordnung. Alle Abteilungen müssen unbedingt vertreten fein. 7. Abt. Die Genoffinnen treffen fich Mittwoch, 1. August, um 18.30 Uhr am Artonaplag Abmarsch im zur Anti- Kriegs- Rundgebung Humboldthain. zum 37. Abt. Es ist Pflicht einer jeden Genoffin, in der Anti- Ariegs- Rundgebung am Mittwoch, 1. August, im Humboldthain teilzunehmen. Treffpunkt 19.15 Uhr Landsberger Allee, Ede Elbinger Str. Genoffinnen, denkt an bie schweren Kriegsjahre und beteiligt euch recht zahlreich an der Rundgebung. 93. Abt. Neukölln. Die Genoffinnen treffen fich am Mittwoch, 1. Auguft, zit Demonstration um 17 Uhr am Ringbahnhof Raiser- Friedrich- Straße. 136. Abt. Reinidendorf- Ost. Wir beteiligen uns an der Demonftration nach dem Humboldthain am Mittwoch, 1. Auguft. Treffpunkt 18 Uhr pünktlich Schützenhaus. Jungfozialisten Groß- Berlin. uth Achtung! Wir treffen uns zur Anti- Ariegs- Demonstration bereits 18 Uhr am Brunnenplay, nicht, wie ursprünglich angegeben, um 18.30 Uhr. OPEL Brad Mary Dugan Kleines Theater Saltenburg- Bühnen 81% Uhr: Dts. Künstler- Th. Sprungbett 81% Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater 8 Uhr der Liebe Rundfunk hörer halbe Preise Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Heute 8 Uhr Letzte Vorstellung! KÖNIGSTRASSE SPANDAUERSTR Spiel im Schloss" AbsteigeTheater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Städtische Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staat!. Schauspielh. Am Gendarmenmark! Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Komische 81% Uhr Oper 8. Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh Morgen 71, Uhr: Premiere Der Zarewitsch" Theater des Westens 8 Uhr: quartier Jegendliche keinen Zutritt! Park.auch Sonntags nur 60 Pf. statt 4.- M. Lori Leux in Rose- Theater Die Gr. Frankf. Str. 132ungeküßte Eva 5 Uhr: Operette in 3 Akten- Konzert und bunter Teil. Musik v. Martin Knopf. 8 Uhr: Rundfunk hörer Der Fürst von halbe Preise Pappenheim Residenz- Theater Lustspielhaus Blumenstr. 8. Täglich 81 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. Täglich 8, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Berliner Prater In der Hauptrolle Kastanienallee 7/9. Anneliese Wörtz 671 Täglich 7/ Jugendliche haben Keinen Zutritt! Die keusche Susanne. Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. Außerdem Konzert, Varieté. nur 1.-Mk. Tanz. Kaffeekochen. SCALA Nollendorf 7360 Ab morgen, 8 Uhri Das sensationelle GröffnungsProgramm! dich aus! Rennen zu Grunewald 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn Dienstag, den 31. Juli nachmittags 3 Uhr 3 GLOSSTE PRODUKTI ONDED WELT Täglich ab 4 Uhr voller Betrieb! Achtung Dortmundfahrer! Gonning, S. Auguft, sarmittags he, finbet anläßlich des Jugendtages der G. A. J. in Dortmund im Gilberfaal der Westfalenhalle eine Versammlung der jungsozialistischen Teilnehmer statt, auf der die Genoffin Anna Siemsen sprechen wird. Alle Berliner Jungsozialisten werden aufgefordert, sofern fie nach Dortmund fahren, diese Versammlung zu besuchen. Gruppe Tempelhof. Heute, Dienstag, 20 Uhr, Lyzeum, Eingang Berbergftraße, Diskussionsabend: Demokratie". Kinderfreunde Groß- Berlin: Alle Gruppenleiter wichtige Besprechung Dienstag, 31. Juli, 19.30 Uhr, Bindenstraße 4. Geburtstage, Jubiläen usw. 43. Abt. Unfer Genosse Robert Schulz, Sasenheide 48( 125. Bez.) begeht heute am 31. Juli das Fest der goldenen Sogzeit. Gen. Schulz, am feit Januar 1899 8. August 1850 geboren, gehört der Partei wünschen dem Subilar und seiner Frau einen frohen Lebensabend. SEJ 1 an. Wir Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für bisfe Rubrik nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Anti- Kriegsfundgebung! Mittwoch, 1. Auguft, Treffpunkt aller Werbebegirle pünktlich 18.30 Uhr am Brunnenplag Dortmundfahrer- Besprechung. Donnerstag, 2. Auguft, pünktlich 19.30 Uhr, in der Schulaula Kochstr. 13. Jede Abteilung muß vertreten sein. Heute, Dienstag, 19% Uhr: Röllnischer Part: Heim Große Frankfurter Str. 16: MitgliederversammYung. Webbing R...: Schule Lütticher Str. 4: Die Rechte des Lehrlings im Betrieb". Webbing- Nord: Heim Seestraße, Ede Turiner Str.: DarGtr 20: minismus". MitgliederSchule Sonnenburger Falfplay 1: versammlung. Sumannplay: Heim Scherenbergstr. 7: Klassenjuftig". den Sozialismus Rorboft: Heim Danziger Str. 62: Einführung in Hafen Wörther Play: Schule Kastanienallee 81: Jugendtagerlebniffe". Heim Schöneberg I: heibe: Seim Yordstraße 11: Literarischer Abend. Beffen II: Heim BülowSauptstr. 15: Erlebnisse auf Ferienfahrten". ftraße 88: Mitgliederversammlung. Lichterfelbe: Heim Albrechtstr. 14a: Neukölln 1: Seim Sanderstr., Ede Letzte Besprechung zur Dortmundfahrt. Reukölln: Sobrechtstr.: Goz. Erziehung". Seim Steinmesstt. 114: Reukölln V: Heim Kanner Str.: Die deutsche Reichsbanner und SAJ.". Reichsverfassung". Steglig: Heim Albrechtstr. 47: Ariegererlebnisse" Rottbuffer Zor: Rheinfahrerbesprechung auf der Wiefe." Lindaner Str., Barade 1: Berliner Humor". 1 1 Rein- Oft: Heim Treffpunkte zur Anti- Kriegsfundgebung am Mittwoch: Rottbuffer Tor: 18.30 Uhr Brunnenplag. Tempelhof: 1. Gruppe 17.30 Uhr Bhf. Tempelhof: 2. Gruppe 18 Uhr U- Bahn Flughafen. Werbebezirk Brenzlauer Berg: 18.30 Uhr Brunnenplag. Werbebezirk Müggelsee: 18.15 Uhr Bhf. Wedding, Nachzügler Brunnenplay. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend. ( Nachdr. verb.). Meist wollig, mäßig warm, feine erheblichen Niederschläge. Für Deutschland: Im Nordwesten stärkere Bewölkung und stellenweise Niederschläge. Im Süden troden, beiter und warm, im übrigen Reiche wolfig bis heifer ohne erhebliche Niederschläge. Allen Freunden und Belannten hiermit die traurige Nachricht, daß am 27. Jull, mittags 12 Uhr, nach fchwerem Leiben mein innigftgeliebter, freuer, fürsorglicher Mann und unser Bater, der Gastwirt Hermann Nebel verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen Anna Nebel als Gattin Kurt Nebel, New York Herbert Nebel und Braut Erna Hertel Charlottenburg, Englische Str. 32 Die Einäscherung findet am Mitt och, dem 1. Auguft, um 4 Uhr nachtttags, im Krematorium Bilmersborf statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 29. Juli meine liebe Frau, Mutter, unfere Tochter und Schwefter Adelheid Büssy ftorben ist. 1853 75 1928 Jahre Kakao- Import LUNA Raffee, Tee-, PARK HEUTE VOLKSTAG! Eintritt 75 PI. Grosses Feuerwerk Artist. Darbietungen. Theater am Kottbusser Tor Köttbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077! Heute 8 Uhr: Abschieds- Vorstellung Otto Pauls Bunte Bühne Morgen: Wiederauftreten der Elite- Sänger Volkspreise: 50 Pfg. bis 2 Mk. Reichshallen Theater Heute, 31. Juli: Letztes Gastspiel Dresdner Viktoria Sänger Morgen, 1. August: Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Anfang 8 Uhr. Dönhoff Brett': ( Saal und Garten) Groß Rösterei C.C.Stempel Berlin C2 An der Spandauer Bride 6, 2tes Geschäft Charlottenburg 4 Kaiser- Friedrich- Str. 58 a a. d. Rantur. 3tes Geschäft Lichtenberg Sonntagitrage 2, Bahnhof Stralau- Rummelsburg Um 1., 2., 3. und 4. Auguft Jubiläumsverlauf jeder Kunde erhält beim Gintaut von 3.-M. an ein Jubiläumsgeschen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Betriebsräte Achtung! nach langem, fchwerem Leiben verWerner Bussy Eva Büssy Pamille S. Joseph. Beileidsbefuche dankend verbeten. Die Einäscherung findet am Don nerstag, dem 2. August, 122 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Batentmattagen, Primissima"-Metall betten, Auflegematragen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spe sialgefchäft. Moebel- Boebel, Morigplak, Fabril gebäude, liefert gediegene Schlafzimmer, Speifezimmer, Herrenzimmer, Köchenmöbel, Einzelmöbel aller Art zu nie drigften Breifen. Besichtigung erbeten. Möbelhans Stein, Weinbergsweg 24. Besonders günstiges Angebot: Schlaf. zimmer 475,-, Speisezimmer, Nußbaumbüfetts, Antleideschränke mit Spiegel 105,- Küchen, Bolstermöbel. Rahlungserleichterung. Roffien. Gute und billige SonderReisemonate. angebote während der Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlafzimmer. Weitgehendste Rahlungs erleichterung. Raftanienallee 57. Ramerling, Raftanienallee 56. 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