BERLIN Äienstag, 31. M 1928 10 Pf. Nr. 358 B177 45. Jahrgang. e r, ch e i n t tagHA außerTonntaq«. ?ualeich Abendausgabe des �Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion undErpedition: BerlinSW68,Lindenstr.3 „Ibwasds «»»et,«»»reis: Di« einfpaltig« NonpareMqeil« «0 Pf., Reklame; eile 6 M. Ermäßigungen nach Tariß. Postscheckkonto: Dvrwärts-Verlag G. m. b. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Döndoff 292 bis 297 Das Geständnis des Mörders. Obregon aus religiösem Fanatismus getötet! Mexiko. City, 31. Juli.(Sigenbericht.) Das der Leffentlichkeit heute vorgelegte Unter» fuchungsmaterial über den Lbregon-Mord zeigt klar das religionsfanatische Tatmotiv. Ter streng katholisch erzogene Mörder war Mitglied einer katholi» schen Organisation und der berüchtigten Liga zur Ver» teidigung religiöser Freiheit.(?r war auch befreundet mit den hingerichteten Tütern des mistglückten Obregou-Attentats und war von der Notwendigkeit der Beseitigung Obregon« und Calles im Religionsinteresse überzeugt. Weitere Hauptschuldige find die Kloster- schwester Concepcionaceredo sowie die bisher flüchti» gen Manual Trejo und Carlos Castro, die den Mörder mit Mordwaffen und Munition versorgten. Tie beide« Ware« auch die bisher««entdeckt gebliebene« Täter der im Mai d. I. im Parlament erfolgten Bomben» explosion. Tie Slosterschwester ist gestandig. Sie gibt zu. dast der Mordplan im Kloster besprochen worden ist und dast sie selbst vor Monaten im Vertrauten» kreis« ans die Notwendigkeit des gewaltsamen Todes Obregons und Calles hingewiesen hat. Der Mörder hat am frühe» Morgen des Mordtages die Messe gehört und die Absolutio» erhalte« und ist auch am Bortage des Mordes mit einem Priester namens Jmenenz zusammen» gewesen. Es ist aber zweifelhaft, ob der Priester mit dem Mordplan vertraut war. Der Mörder hat vor Zeitungstorrespondeuten aus» drücklich sein Bedauern darüber ausgesprochen, dast ihm die Bemühungen Obregons zur Beilegung des Religions» konflikts vor dem Attentat nicht bekannt gewesen seien. Er habe ganz selbständig gehandelt, um die Kirche und Obregons Seele zu retten. Ter Mörder be» antwortet die Frage unseres Korrespondenten, ob Mo- r o n e s. wie behauptet, mit dem Mordkomplott verquickt sei. folgeudermasten: Es wäre leicht, in meiner jetzigen Lage andere Leute zu beschuldigen. Da ich aber guter Katholik bin. will ich keinen Unbeteiligten, ins» besondere keinen Mann, der selbst Religionsfeind ist, b c- schuldigen. Tie polizeiliche Untersuchung ist jetzt abgeschlossen. Es sind insgesamt 23 Schuldige de« ordentlichen Ge» richten zugeführt worden. Oer Einsturz im Kolonialmuseum. Sine Erklärung der Neichsbahndirektion über die Llrsachen Zu dem Einsturzunglück, das sich gestern nachmittag bei den stlbbruchsarbeiten des früheren Kolonialmuseums in A l t- M o a b i t ereignete und bei dem ein Arbeiter tödlich und drei andere schwer bzw. leichter verletzt wurden, erklärt die Reichsbahndirektion folgendes, nachdem die Untersuchungen über die Ursache zum Teil abgeschlossen find: Beim Abbruch des Äolonialmuseums werden Stein« und Schutt mit Arbeitswagcn zu den auf dem Eisenbahngleis stehenden Eisen- bahnwagen befördert. Die Beförderung geschieht über das K« l l e r- gewölbe, welches als Kappen zwischen eisernen I'-Trägern besteht. Beim Verschieben zweier Loren wurde«ine Kappe zu schwer belastet, wodurch das Widerlager und ein eiserner T-Träger sich verschoben und die Kappe einstürzt«. Die beiden be- ladenen Wagen und die vier Arbeiter stürzten dabei etwa 6 Meter herunter. Die U rf a ch e ist auf das z u w e i t abgebrochene seitliche Mauerwerk zurückzuführen. Die B e r a n t- wortung trägt die Firma Albert Kosterlitz, Greifswalder Straße KS/6S. Mobiles Heimfahrt. Die Gruppe Nobiles auf der Heimfahrt durch Deutschland: Pedretti(Radiotelegraphist), Trojani, Biagi, Vigliari, Nobile, Cecchioni, Prof. Behyunek. Zu der Durchfahrt Nobile» durch München ist ergänzend zu berichten, daß Nobile in seinem Wagen auch kurz deutsche und ausländische Pressevertreter empfing. Er gab auf Fragen zu- rückhaltend Antwort. Dann erklärte er, daß er mit der Aufnahm« in Deutschland sehr zufrieden sei. Er sei sest davon überzeugt, daß man ihn später überall herzlich begrüßen werde, wenn die Wahr- heit über den Verlauf seines Unternehmens bekannt geworden sei. Im Augenblick denke er an nichts anderes, als daß er in 24 Stunden feine kleine Tochter wiedersehen werde. v-Zugunfall bei Kürstenwalde. Oie Kuppelung gerissen.— Niemand verletzt. Der Zug Verlin— Breslau— Bukarest wurde in der vergangenen Nacht gegen?42 Uhr kurz nach Passieren der Station Fürstenwalde o. d Spree von einem eigenartigen Unfall betroffen. Die Kupplung zwischen einem Teil des Zuges und dem Bukarester Wagen riß aus noch ungeklärter Ursache plötzlich durch. Der vordere Teil des Zuges fuhr noch einige Hunderl Meter weiter und kam dann durch selbsttätiges Einschallcn der technischen Sicher- heitsvorrichtungen, die auch bei dem abgerissenen.Zugteil in Funk- tion traten, zum Halten. An die rückliegenden Stationen wurden sofort entsprechende Mitteilungen telephonisch durchgegeben, so daß die Strecke, um ein Unglück zu verhüten, rechtzeitig gesperrt werden tonnte. Der beschädigte Wagen mußte ausrangiert werden und die Fahr- gäste in die anderen Wagen umsteigen. Mit einer Verspätung von rund 75 Minuten konnte die Reise um 3 Uhr sortgesetzt werden. Schießerei um eine Sljährige. Oer Täter unbekannt. Die seltsame Liebes- und Lebenetragödie. die sich gestern abend in der Grunewald st raße abspielte. Hai noch keine Ausklärung gesunden. Die Verletzte 57 Jahre alte Frau U h l, die in Lebemanns- kreisen eine Rolle spielte, hatte vor einiger Aett einen etwa 42 Jahre alten Mann kennengelernt, der sich ihr als„von Arnim" vor- stellte. Bald nach der Betanntschost kam es schon zu Streitigtetten zwischen beiden. Angeblich, um nicht schutzlos zu sein, hatte Frau Uhl gestern abend einen ihr ebenfalls bekannten 25 Jahre alten Matrosen und Boxer Alfrod Hein zu sich gebeten. Der angeb- liche von Arnim, dessen Wohnung und Beschäftigung der Frau Uhl nicht bekannt ist, drang nun ein und gab auf die Frau und den Matrosen mehrere Schüsse ab. Die Verletzten liefen dann aus der Wohnung, die Treppe hinunter, auf die Straße.„Bon Arnim", der als erster unten ankam, feuerte noch mehrere Mal« und traf die Frau mit drei Schüssen. Der Matrose Hein wurde nach dem Auguste-Viktoria-Krankenhaus gebracht, Frau Uhl nach dem Achenbnch-Krankenhaus. Di« Verletzungen, die beide davon- getragen haben, sind nicht lebensgefährlich. Frau Uhl erklärt«, daß sie nichts näheres über den vermeintlichen Baron aus- sagen könne; sie wisse nur, daß er im Anfang der vierziger Jahre stehe. Ob der Schütze wirklich von Arnim heißt und was er treibt, konnte noch nicht festgestellt werden. Er ist flüchtig und wird von der Kriminalpolizei gesucht. Frau Uhl, die sich zuweilen auch „von Fischler" nannte, führt diesen Namen zu unrecht. Die Führung des Adelstitels ist ihr durch Verfügung des Amtsgerichts Berlin- Schöneberg untersogt. Die Ivellrevolution marschiert— wie die krebse. Der Mit- ßliederbestand der französischen Kommuni st ischen Partei ist nach einer Stattstik des„Matin" von 75 VW im Jahre 1926 auf 52 372 im Jahre 1927 zurückgegangen. Vergeft es itidtf: Gegen den Krieg! Mlffwofli. den 1. JUijcsf abends Di- Uhr Im Humboidih-aln Wahlen zum Gewerkschastskongreß Wie die Meiattarbeiter gestimmt haben. Die Wahrheit über Aegypten. Die Kammer kämpft gegen Derfassungäverlehung und tritt wieder zusammen. Der Präsident des ausgelösten ägyptischen Parlaments wissa Iv aß sendet uns in französischer Sprache via Emden das folgende Telegramm: Kairo, 30. Juli. Ich habe die Ehre, Ihnen den Bericht der Sitzung der ägyp- «ifchen Kammer vom 28. Juli 1928 zu übermitteln. Am 28. Juli hat sich unter meinem Vorsitz die Kammer in dem Hause Mohammed-Ali-Str. 93 in Kairo im Hinblick darauf ver- sammelt, daß das Ministerium mit Waffengewalt das P a r l a- m e n t belagert und alle Ausgänge geschlossen hat und dadurch den Zutritt zu dem Sitzungssaale unmöglich macht. Es waren 139 Abgeordnete, also mehr als die absolute Mehrheit anwesend: 19 Abgeordnete waren durch höhere Gewalt entschuldigt. Der Präsi- dent verlas eine Entschließung, in der es heißt i„Da das ägyptisch« > Aolt seit einem halben Jahrhundert um eine Verfassung kämpft, � die sein heiliges Recht ist, da es diese Verfassung dank seiner 2ln> strengungen und seiner fortgesetzten Opfer erreichte und die Nation , ein glückliches Leben unter einer vollkommen freien Verfassung be- ! gönnen hat, die ihm eine wirksame Anteilnahme an der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten, an der Ausarbeitung der Gesetz« ' und der Kontrolle ihrer Durchführungen sicherte und ihm ruhiges j Vertrauen auf die Zukunft einflößt«, und da, während sich Ruhe | und Frieden über das ganze Land ausbreiteten, einige Kammer- ! Mitglieder, die zurzeit Minister sind, sich am 19. Juli gegen das verfassungsmäßige Regiment erhoben und die Freiheit seines poli- tischen Lebens angriffen, die Verfassung aufhoben, das Parlament auflösten und die durch die Verfassung garantierten Freiheitsrechtc antasteten, die gesetzgebende Gewalt an sich rissen und über das Land di« Iherrschaft des Despotismus und des Terror» aufgerichtet haben, und da ihre Verordnung vom 19. Juli, die die Kammer für drei Jahr« auflöst, ohne Neuwahlen auszuschreibe», wider die Ver- fafsung ist, so faßt die Kammer die folgenden Entschließungen: Das Parlament ist n i ch t a u s g e l ö st und wird feine Sitzungen ' gemäß der Verfassung fortsetzen: das gegenwärtige Ministerium befindet sich im Zustand fortwährenden Verfassung». b r u ch e». und die Kammer erklärt, daß sie keinerlei vertrauen zu ihm hat und daß es zurücktreten muß: jedes Gesetz, das verkündet werden wird, ist völlig nichtig: jedes politische, Handelsoder Finanzabkommen, dos von dem Ministerium mit l fremden Mächten abgefchlosten wird, ist nichtig, ebenso alle � Verwaltung sakle, und können die Ration nicht verpflich- t en: die Kammer wird am Z. Sonnabend im November 1926 von neuem zusammentreten, es sei denn, daß die Umstände ihren Zusammentritt vor diesem Tage durch Einberufung de» Präsidenten nötig machen." Diese zur Abstimmung gestellten Entschließungen wurden ein- stimmig von den anwesenden Kammermitgliedern angenommen, � di« einen Eid darauf ablegten, der Verfassung mit allen Mitteln b i s !zum letzten hauch ihres Lebens Achtung zu ver- schaffen. -/ Reklame mit Schulz. Und sensationelle Falschmeldungen. Was den Kommunisten recht ist, das ist den Deutschnatio- nalen billig. Wenn die Kommunisten ihre h ij i z- Retlame haben, so müssen die Deutschnationalen S ch u l z- Reklame treiben. Und wie die„Rote Fahne" zunächst durch sensationelle Falschmeldungen über angebliche Nichtbegnadigung von hölz i den notwendigen Schwung in die Sache zu bringen suchte, so treibt es jetzt die„Deutsche Zeitung" mit ihrem Helden, dem Oberleutnant Schulz. In gewaltiger Aufmachung behauptet sie nämlich, daß dem Femehäuptling Schulz seine Unter- suchungshaft nicht angerechnet werden sollte, wo- durch er statt siebeneinhalb etwa zehn Jahre Gefängnis zu verbüßen hätte. Anstatt sich künstlich aufzuregen, hätte das alldeutsche Blatt lieber den Wortlaut des Amnestiegesetzes lesen sollen, dessen§ S im Absatz 3 sagt: „Erlittene Untersuchungshaft und oerbüßte Strafhaft werden auf die gemilderte Strafe angerechnet." Da dies zwingende gesetzliche Bestimmung ist, so ergibt sich die Berechnung der Strafe für Oberleutnant ' Schulz ganz von selber. Für irgendwelche Willkür läßt der Wortlaut des Gesetzes keinen Raum. Im einzelnen liegt, wie wir erfahren, der Fall Schulz i folgendermaßen: Schulz Hot im ganzen etwadreiIahre wegen verschiedener Fälle in Untersuchungshaft gesessen. So- weit Verurteilung erfolgt ist, gelangen diese Fälle unter die ; Sträfmilderung der Amnestie, und es gelangt auch die in diesen Fällen erlittene Untersuchungshast automatisch zur Anrechnung auf den Strafrest. Nun hat Schulz vom Früh- jähr bis Herbst 1925 einige Monate nur wegen des Falles Gröschke in Untersuchungshaft gesessen, in dem er frei- gesprochen wurde, und der daher nicht unter die Amnestie fällt. Infolgedessen können diese Monate noch dem Wortlaut des Gesetzes nicht ohne weiteres auf die Reststrafe angerechnet werden. Es wäre dies nur durch besonderen Giiadenerweis möglich, über den sich nach unserer Kenntnis das Ministerium »och nicht schlüssig ist. Jedenfalls handelt es sich hierbei aber nur um einen kleinen Bruchteil der Gesamtzeit, die Schulz in Untersuchungshaft verbracht hat. Der weitaus größere Teil von zirka 2Vi Jahren gelangt automatisch zur Anrechnung. Im übrigen verfolgen Kommunisten und Deutschnationale in gleicher Weise eine sehr durchsichtige Taktik. Jeder Teil beschwert sich, daß der andere bei der Amnestie z u g u t wegkäme. Dabei verschweigen beide, daß die Strafmilde- rungen in jedem Fall nach dem zwingenden Wortlaut des Amnestiegesetzes berechnet werden, d c m s o w o h l Deutsch- nationalewieKommunistenimReichstagzu- g e st i m m t h a b e n. Die Länderregierungen können gar nichts anderes, als den Wortlaut des Gesetzes ausführen. Wl�s also geschieht, das geschieht mit ausdrücklicher Zustimmung der Kommunisten und der Deutschnationalen. * In Erkner befaßte sich am Montag eine Versammlung des oortigen Reichsbanners mit der Amnestierung der beiden Arcnsdorfer Totschläger Schmelzer. Bekanntlich gehörten die beiden von Schmelzer getöteten Kameraden Tietz und Wollank der Kamerad- schasl Erkner an. Der Referent, Landtagsabgeordnetcr Kiittncr, machte zunächst aufmerksam, daß es eine Falschmeldung der „Roten Fahne" war, wgnach die beiden Schmelzer restlos amnestiert j Frankfurt a. M.. 31. Juli. lEigenbericht.) Bei den am Sonntag vom Deutschen Metallarbciterverband i in Frankfurter Bezirk vorgenommenen Wahlen zum Gewerk- schostskongreß siegte die Amsterdamer Richtung mit gewaltiger Mehr- heit. Es erhielten Stimmen:!Jm Bezirk Frankfurt a. M. Liste A(Amsterdamer Richtung) 8258, Liste B(Moskauer Richtung) 2046. Im Bezirk stehen noch einige Resultate aus, die aber am Gesamtresultat nichts mehr ändern können. Gewählt find B e r n a r d, Bezirkslciter Frankfurt a. M., Stadtmllller, Geschäftsführer Offenbach a. M., Storck, Geschäftsführer in Durmstadt. Bei den Wahlen der Verwaltungsstelle Frankfurt am Main«rhielten Stimmen: Liste A(A m st e r d a m e r Richtung) 2 618, Liste B(Moskauer Richtung) 522. Gewählt ist in Frankfurt a. M. M u l a n s k y. Trotz der häßlichen und ver- logenen Kampfesweise der Kommuni st en in Ver- sammlungen und in Flugblättern hat die Amsterdamer Richtung einen gewaltigen Sieg errungen. Das S.timmenverhältni» der beiden Richtungen ist im Bezirk gegen die letzten Wahlen un- gefähr das gleiche geblieben, während es i n Frank- furt a. M. stch zugunsten der Amsterdamer Richtung erheblich gebessert hat. Bochum. 31. Juli.(Eigenbericht.) Bei der im Deutschen Mctallarbeiteroerband in Bochum vor- genommenen Wahl der Delegierten zum Kongreß des ADGB- er- hielten die V«rtret«r der Amsterdamer Gewerkschafts- richtung 577 Stimmen, während die kommunistischen Kan- Bayerns Iustizminister oder der Gürtner als Gärtner: sein sollten. In Wirklichkeit hat August Schmelzer noch bis zum 27. Dezember 1929 Strafe zu verbüßen, während bei dem älteren Schmelzer nur noch ein Strafrest von zwei Monaten bleibt. Die Berechnung ergibt sich z w i n g e n d aus dem Wortlaut des Amnestie- gesetzes. Gewiß können die verbleibenden milden Strafen unser Rechtsgefühl nicht befriedigen. Wenn aber jetzt die K o m m u- nisten aus der teilweisen Amnestierung der beiden Schmelzer politisches Kopital zu schlagen suchen, so ist darauf hinzuweisen, daß die Kommunisten im Frühjahr dieses Jahres bereit waren, zusammen mit den Deutschnationalen die Amnestie in einer Form zu erledigen, nach der die beiden Schmelzer schon damals— März 1928— bedingungslos aus der Haft entlassen wor- den wären, ebenso die Fcmenwrder Schulz, Klapproth usw. Nur durch den Widerstand der Sozialdemokratie und der anderen republikanischen Parteien war es überhaupt zu erreichen, daß die reaktionären Mörder und Totschläger wenigstens einen Teil ihrer Strafe verbüßen müssen. Die Versammlung war mit diesen Ausführungen vollkommen einverstanden. Wer irägt die Kosten? Amnestie und Privatkläger. Verschiedentlich ist in der Presse die Frage aufgetaucht, wer den Privatklägern in den politischen Privatbeleidigungsproz«ssen, di« jetzt durch di« Amn«sti« zur Einstellung gelangen, ihre teilweise nicht un- «rh«büchen Auslagen ersetzt. Di« preußische Regierung hat in ihren Ausführungsbestimmungen an dem schon bei früheren Gelegenheiten eingenommenen Staudpunkt festgehalten, daß in solchen Fällen, wo dies billig erscheint, die Staatskasse den Privatklägern ihre erstattungsfähigen Auslagen aus besonderen Fonds des Justizministeriums ersetzen soll.— War das Versahren bereits rechtskräftig abgeschlossen, so werden durch die Kostennieder- schlagung die Ansprüche der Kläger gegen di« Verurteilten auf Ersatz der Auslagen nicht berührt, da sich die Kostenniedcrjchlozuug nur auf die vom Staate zu beanspruchenden Gerichtskosten erstreckt. Vernunst in Güdflawien. Belgrad. 31. Juli.(Eigenbericht.) In der Zeitung„Politika", dem größten Belgrader Blatt, wird ein Artikel aus der Feder eines aktiven serbischen Diplomaten verösfentlicht, in dem zur Slnschlußsrogc Stellung genommen wird. Es heißt darin: Die Anschlußsrag« habe nicht nur eine sentimentale, sondern auch«ine materielle Seite, da Oesterreichs Handels- Politik sich infolge der Zollpolitik nach Westen gewendet habe und Deutschland den verhältnismäßig größten Teil der österreichischen Ausfuhr auf sich nehme und immer mehr an sich ziehe. Im Wirtschaftsblock mit der Kleinen Entente aber könne sich die Handelsbilanz Oesterreichs nur verschlechtern. Di« europäischen Staatsmänner, die sich mil der Konsolidierung Europas befassen, sollten ihre Zeit nicht mit müßigen wirtschaftlichen Kombinationen vertrödeln. Die Verhinderung der Bereinigung Deutschlands und didaten rund 299 Stimmen erhielten. Damit zeigt sich für die Kommunisten prozentual ein weiterer Rückgang gegenüber den Wahlen zum Verbandstag des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Leipzig, 31. Juli.(Eigenbericht.) Die Kommunisten erlitten bei der Wahl der Metallarbeiter zum Gewerkschaftskongreß eine erhebliche Niederlage. Für die Amsterdamer List« wurden 4515, für die kommunistische Liste 2252 Stimmen abgegeben. Köln, 31. Juli.(Eigenbericht.) Die Kommunisten kamen bei der am Sonntag stattgesundenen Wahl der Metallarbeiter zum Gewerkschafts- k o n g r c ß nicht auf ihre Rechnung. Insgesamt wurden 3411 Stim- men abgegeben. Davon erhielten die Amsterdamer Liste 2716, die Liste der Opposition 669 Stimmen. Die Kommunisten erhielten bei den Wahlen am 1. Juli noch 28,3 Proz. der abgegebenen Stimmen, während sie bei den letzten Wahlen nur noch 19,6 Proz. auf ihre Liste buchen konnten. Erfurt. 31. Juli.(Eigenbericht.) Bei den Wahlen zum Gewerkschaftskongreß zum DMV., Bezirk Thüringen, hat die KPD. eine Niederlage erlitten. Es hat stch ein weiterer Rückgang des kommunistischen Einflusses in Thüringen be- merkbar gemacht. Es erhielten Stimmen: Richtung Amsttr» dam 5 8 9 8— 68 Proz.(5695— 66 Proz.), Richtung Moskau 2 7 2 4— 32 Proz.(2924— 34 Proz.). Die Zahlen in Klammern bedeuten die Wahlen zum Gewerkschaftskongreß in Breslau. Ge- wählt sind die beiden Delegierten der Richtung Amsterdam. Oesterreichs sei ein« Unmöglichkeit. Die Kombinationen der Staatsmänner würden am Verlangen des deutschen Volkes nach Selbstbestimmung zerschellen. Zst Löwenstein ermordet worden? Die Angehörigen des Toten glauben es. Wie aus Boulogne-sur-Mer gemeldet wird, hat sich die Familie des verstorbenen Bankiers Loewenstein in dem wegen vor- sätzlichen Mordes eingeleiteten Gerichtsverfahren als Nebenkläger er, klärt, noch bevor der Bericht über die gerichtliche Sektion der Leiche vorliegt. Bekanntlich führen die beiden Schwäger Loewensteins den Unglücksfall des Finanzmannes nach wie vor auf ein Verbrechen zurück. Rechtsanwalt Convert erklärte seinerseits, Loewenstein habe in Frankreich und Belgien erbitterte Feinde gehabt und wies darauf hin, daß nach dem Diebstahl in der Villa des Finonzmannes in Biarritz, wo für 17 Millionen Fronken Wertgegenstände geraubt wurden, gewisse Blätter über Loewenstein die beleidigendsten Berleumdungen ver« ösfentlicht hätten._ (Schwere Gewitter in polen. 65 Personen vom Blitzschlag getroffen, T? gelötet. ■"' Marschau, 31. Juli. Wie erst jetzt bekannt wird, haben die Gewitter am letzten Sonntag am stärksten im Wilna-Gebiet gewütet und dort eine große Anzahl Menschenleben gefordert. Es wurden im ganzen 6 5 Per- sonen vom Blitzschlag getroffen, 17 Personen wurden getöt. Ungefähr 1999 Morgen Saaten sind von dem 5)ggclsch!az dicht vor der Ernte völlig vernichtet worden. Das Ostseebad zeigi Gchwarzroigold. Man schreibt uns zu diesem Thema: Die Mehrzahl der Seebäder steht anscheinend auf dem Stand- punkt, daß es unbedingt das Ansehen eines Badeortes h«bt, wenn man dem Badepublikum huldigt, das in„nationalem" Gebahrcn den Strand schwarzwcißrot b«floggt und dem Ausland, auf das man doch so gern schimpft, zeigt, wie man den eigenen Staat respek- tiert.— Wenn nun auch von der politischen Intelligenz eines ge- wissen Teile» des deutschen Volkes nicht viel zu erwarten ist, st> sollte man es als«ine Selbstverständlichkeit ansehen, daß wenigstens die Badeoerwaltungen dem heutigen Staat hie Achtung zollen, die ihm gebührt, um so m«hr, als sich am 29. Mai das deutsche Volk in seiner übergroßen Mehrheit zu der deutschen Republik bekannt hat. Wo aber weht zum Beispiel auf dem Kurhaus oder aus der Landungsbrllcke die Fahne der Republik? Es ist menschlich begreiflich, wenn die Badeverwaltungen, um nicht eine Schädigung ihrer Bäder durch die schwarzweißroten Kreise zu erfahren, überhaupt nicht flaggen. Biete aber machen den schwarzweißroten Rummel mit und wissen gar nicht, m welche lächerliche und taktlose Situation sie sich begeben. Im Ostscebad Zinnowitz weht sogar, wenn ich das vom Dampfer aus richtig beobachten konnte, eine Hakenkreuz- sahne. In Binz z. B. die s ch w a r z w e i ß r o t e. In Sellin aus Rügen hat der Bürgermeister endlich durchgegriffen und den Schändern der Reichsfahne die gebührende Antwort ge- geben.— Allerdings hat er das auf den starken Druck der dort anwesenden republikanischen Badegäste getan.— Vor mehreren Nächten wurde trotz Bekanntmachung, daß Fahnenschänder gewarnt seien, wied«r der größte Teil der schwarzrotgoldenen Fahnen heruntergeholt, zerrissen, zum Teil in die Strandkörbe, mit Sand zugedeckt, gelegt. Es erfolgt« auf Druck der betreffenden Badegäste eine weitere schärfer« Bekanntmachung, daß Frevler der verdienten Straf« zugeführt würden. Trotzdem geschah in der nächsten Nacht eine weitere Schondung. Die republikanischen Gäste verlangten, daß ihnen für die Schändung der Reichsflogg« Genüge getan werde! In Anwesenheit des Regierungspräsidenten von Stralsund und des Landrots von Bergen, die wegen der Bor- kommnisse am letzten Donnerstag in Sellin weilten, wurden die schärfsten Maßnahmen gegen die Wiederholung solcher Bubenstücke getroffen. Der Bürgermeister ober hatte sofort auf die Beschwerden hin die einzig richtige Konsequenz gezeigt und über der Lan- dungsbrückc von Sellin die schwarzrotgoldene Flagge hissen lassen! Bold hott« sich die Erregung darüber gelegt. Es reiste keiner ab! Der echte„teutsche" Bürger liebt seine Bequemlichkeit. Er wird doch nicht wegen einer schlichten Fahne sein genußreiches Leben inmitten der Schönheit der Natur ausgeben. „Opfer seiner Fahne zu bringen", das wäre doch ein bisset zuviel verlangt! An diesem Beispiel ist aber wieder einmal zu sehen, daß durch ein entschiedenes Einsetzen der republikanischen Kreise für das Sym- bol des Bolksstaatc» die Würde der deutschen Republik gewahrt wird. Oesterreich will heim. Blum antworiet den Anschlußfeinden. Varls. 31. Juli.(Eigenlxrichl.) 3m„Populoire" veröffentlicht Leon Blum eine Antwort auf 'ie heftigen Angriffe, die von den rodikolsoziclistischen Blättern gegen Me Haltung der französischen Sozialisten in der Anschlußfrage zerchtet worden sind. Der Führer der Sozialisten stimmt feinen Zegnern darin zu. daß die Wiener Kundgebungen inopportun nid unklug gewesen seien. Sie könnten bei dem augenblicklichen Zustand der Dinge zu keinem praktischen Resultat führen und die Liquidierung der Besatzung werde durch sie kompromittiert. Aber die Radikalsozialisten konnten nicht die offenkundige Tatsache abstreiten, daß die Forderung nach dem Anschluß an Deutschland spontan von Oe st erreich selbst gefordert werde. Mit welchem Recht würden seine Gegner sich dem Willen des österreichischen Volkes widersetzen, wenn er eines Tages in bestimmter Farm tundgeton werde? Der Friede habe keine sicherer« Garantie als das Selbst- bcftimmungsrocht der Völker. Das Schicksal Eharpeniiers. Hock wUl öffentlich Recheufchost fordern. Auf unsere Frage nach dem Schicksal de. Rußlanddelegierten Chorpentier veröffentlicht die„Rote Fahne" ein« angeblich« Zuschrift feiner Wähler, die erklärt, daß er in Moskau gestorben sei. Sie gibt auch eine angeblich Mitte Oktober 1926 ausgestellte Be- schsinigung des 1. Städtischen Krankenhauses in Moskau wieder. wonach Charpentier dort Anfang Juli in Behandlung kam und am 2. August dort gestorben ist. Hingegen sagt der Rußlanddelegierte Hack in der„Rheinischen Zeitung" dos folgende: „von der Erschießung des Delegierten Chorpentier hoben mir Schmitz und die anderen Emigranten(aus der Sowjetunion) tief erschüttert Mitteilung gemocht. Ich schlage vor, nach Rückkehr der Emigranten mich diesen in einer öffentlichen Versammlung gegen- übcrzustellen oder jemanden auf meine Kosten nach Leningrad zu schicken, der sich dort erkundigt. Zu Schmitz(Leningrad) kann !ch noch bemerken, daß diesen die Erschießung Charpentier» b« s o n- d c r s getroffen hat, weil seine Flucht nach Rußland durch die bries- lichc Vermittlung Chorpentiers noch langer Irrfahrt zustande kam." 250000 Schupo enihalisam. Sin Teegelübde in Japan. London, 31. Juli. 230000 japanische Polizisten und Soldaten, die während der Krönungsseierlichteiten den japanischen Kaiser bewachen, haben sich verpflichtet, schon einen Monat vor ihrem Sonderdienst aus diesem Anlaß keinen Alkohol mehr anzurühren und mir noch Tee zu trinken. Bismarck, der eiserne Memoirenschreiber Zum 30. Todestag. Wilhelm I.:„Schade, mein lieber Nanzler, daß Sie meinen Snlel im Leben nicht so eisern behandelt hoben wie nach Ihrem Tode." Regelung des Arbeiisschuhes. Der Sozialpolitisch« Ausschuß des vorläufigen Reichs» « i r t s ch a f t» r a r» hat die letzten beiden Abschnitte de» Arbeit»- schutzgesetzes gutachtlich verabschiedet. Damit Hot er seine Berotun- gen über das Arbeitsschutzgesetz, die etwa eineinhalb Jahr« in Anspruch genommen haben, abgeschlossen. Zu dem Entwurf wurden auch" einige Entschließungen angekommen, die sich aus eine reichseinheitliche Regelung der S ch u l p s l i ch t und aus die Behandlung der Schwarz» arbeit beziehen. Vach dem Entwurf ist dt« Arbeit von Kindern unter 14 Zahren verdaten und die Arbeit»an jugendliche« bi» zum 1«. Lebensjahre unter einschrSnkend« Vorschriften gestellt. Do die Dauer der Schulpflicht in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich geregelt ist. und infolgedessen Kinder schon vor dem 14. Lebens» jähr« aus der Schule entlassen werden, aber nicht in ein Arbeits» Verhältnis genommen werden können, wird in einer Entschließung ein« einheitlich« Regelung sowohl im Interesse der Jugend als auch der Eltern als notwendig bezeichnet. Bezüglich der Schwarzarbeit wurde mit geringer Mehrheit ein« Entschließung angenommen, die sich fiir ein gesetzliches ver» bot der Schwarzarbeit einsetzt. Die Arbeitnehmervertreter brachten in einer Erklärung Bedenken gegen diese Entschließung zum Ausdruck und betonten, daß dies- Frage für eine gesetzlich« Lösung nicht geeignet sei und durch Erziehungsarbeit der Organifa» Äonen, bejonders auf tariflichem Gebiet, geregelt werden sollte. Dokumente der Verrücktheit. Bon Hans Bauer. Joimnerschode, daß es im August 1914 den Tonsilm noch nicht gab. Welch eine ergötzliche und unsagbar komische Angelegenheit würde die Wiedererweckung der Geräusche sein, von denen die Straßen damals widerhallten! So sind wir, außer auf unser freilich immer ungenaues„Erinnerungsbild, auf die schriftlichen Dokumente angewiesen und die spiegeln nun allerdings den Irrsinn, in den Europa verfallen war, auch nicht schlecht wider. Ein paar sind mir zur Hand und ich will sie der allgemeinen Belustigung ausliefern. Eine Annonce der Lippstädter Waffenfabriken vom August 1914 suchte Munitionsarbeiter, aber diese Arbeiter mußten drei Bedin- gungen genügen, sie durften„Weder Sozialdemokraten, noch Epilep- tiker, noch Alkoholiker" sein. Einen erbaulichen Borschlag machte damals, in der„Reuen Gesellschaftlichen Korrespondenz", der Justiz- rat Eschcnbach-Berlin. Es wckr ihm um die Ehrung„unserer um sterblichen Helden von Tsingtou" zu tun, und da während des Krieges die Errichtung eines Denkmols aus Stein und Zement nicht üblich war, ihm aber an einer sofortigen Ehrung lag, regte er an, mittlerweile ein Sprachdenkmal zu errichten. Di« Gesamte deutsche Presse solle künftighin, ständig, ausnahmslos und für alle Zeiten, statt des Wortes„Engländer" das Wort„Mörder" und statt des Wortes„Japaner" das Wort„Raubmörder" gebrauchen... Der Krieg ist«ine verdammt ernste Sache, aber man soll nicht meincn, daß nicht auch unter seiner Herrfchaft der Frohsinn zu dem ihm gebührenden Rechte gekommen wäre. Di«„Norddeutsche Allge- meine Zeitung" wußte zum Beispiel in den ersten Kriegstogen zu melden, daß„hier ollgemeine Befriedigung und Heiterkeit" erregt worden fei. Und welches Ereignis hotten diese erfreulichen Gemüts- stimmungen ausgelöst? Ei,„das Indieluftfliegen der Pulvennaga- zinc in Warschau". Alles wurde damals aktualisiert. Statt des französischen Adieu wurde bekanntlich der Herzenswunsch„Gott tzrafe England!" als zeitgemäß empfunden und das Kloscttpapicr war mit Symbolen der österreichisch-dcuischen Waffeilbriiderschaft bedruckt im Handel zu haben. Aber auch das Vaterunser belam seine Kriegsbemalung. Die„Breiner Nachrichten" vom 30. Oktober 1914 veröffentlichten eine Erzählung und darin wurde endlich mal ausgesprochen, wie jenes höchste christliche Gebet eigentlich zu verstehen fei. So: „Bater unser, der du bist im Himmel"— Los, feuern, immer feuern! „Dein Reich komme, dein Wille geschehe."— Diese Hundel „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren. Schuldigern."— Schießt! Schießt! Am greulichsten dufteten natürlich die Leitartikel der natio- nalistischen Zeitungen und das Boshafteste, das sich tun läßt, ist dies, daß man mit gutgespielter Empörung die Rechtspresse heute bei einigen der Worte nimmt, die ihr damals aus dem geifernden Mund gefahren find. Ich besitze zum Beispiel ein« kleine Sammlung von Zitaten, die aus einem der rüdesten Provinzblätter, den„Leipziger Neuesten Nachrichten" stammen, aber natürlich läßt sich auch jederzeit «in Zitatenschatz der entsprechenden Berliner Pcessekloakcn aufstellen. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten" glaubten also am 29. August 1914 bemerken zu müssen:„Gott ist gerecht und Gott ist mit den Wahrhaftigen!" Wie?, muß ihnen hier entgegengehalten werden, Gott ist mit den Franzosen und Engländern gewesen und Deutschland wäre demnach ungerecht und unwahrhaftig? Schämt euch was, ihr Daterlandsbefchmutzer! Am 23. August äußerten sie das folgende: „Auch im Auslande wird man die Sprache der siegreichen Kanonen verstehen. Wer dem Sieger in den erhobenen Arm fällt, handelt nicht weise." Wie? Ihr verlangt demnach, daß auf den inter- nationalen Konferenzen die Welt sich lediglich für die Siegerländcr einfetzt? Pfui Teufel, über solche Deutschlandfeindlichkeit I An, 18. August:„Ist das Land in Feindeshand, ja wird eben der Wider- stand der Bewohner zum Strauchrittertum und der Schütze aus dem Hinterhalt zum Mörder." Was? Eine solche pharisäische Haltung nehmt ihr zu Schlageter ein? Am Z. August:„Vae victis! so lautet die Losung, die unser Militörwochenblatt zum Schluß ausgibt: Wehe den Besiegten! Ja, weh« ihnen! Feinbundbeschirmer, Franzosen- knechte ihr! Demnach ist euch Deutschland wohl von den Siegern noch gar nicht hart genug angefaßt worden...? Was sagen die Herren dazu? Lange ist der Straßen- und Zeitungslärm der europäischen Wahnsinnszeit verebbt— aber es ist kein mütziges Beginnen, ihn einmal im Jahre zu feinem grauenhaften Leben zu erwecken. Die Dabei waren, sollen es sich von neuem vergegenwärtigen und die Jüngeren sollen es gesogt bekommen: Wie der Krieg keine Fort- setzung der Politik, sondern nur deren Bankerotterklärung ist, so ist dos, was ihn einleitet, keine Begeisterung, sondern deren scheusäligste Fratze: ein Iammerprodutt aus Lächerlichkeit und Blutdurst. Gommerkitsch. „Der Tanzstudent" im Ll. T. Kurfürstendamm. Johannes Guter war einmal, das ist schon ziemlich lang« her. ein sehr guter Regisseur, er blieb, das gilt bis auf den heutigen Tag, ein recht sorgfältiger Regisieur. Doch da dem guten Johanne» Guter ein ganz gehöriger Schuß Temperament fehlt und er zudem ein Manuskript verfilmen mußte, das eitel Oberflächlichkeit ist, wurde der„Tanzstudent" eine sehr mittelmäßige Sommerware. Also, der reiche Lebejüngling wird, ausgerechnet ein paar Mi- nuten vor seiner offiziellen Verlobung mit einer reichen Braut, bettelarm. Stolz und edelmütig, wie Filmhelden mm einmal sind, tritt er von der Verlobung zurück. Er will und muß arbeiten, doch findet er fürs erste keine Arbeit und ist schließlich froh, als er Ein- tänzer werden kann. Als diese Karriere ein frühes Ende findet, wird er Chauffeur, und da er große Schiebereien im Betriebe des Vater» seiner einstigen Braut ausdeckt, wird er ohne weiteres Ge- schäftsteilhaber und der filmübliche Dauerkuß weist auf die bevor» stehende endgültige Verbindung des jungen Paares hin. Willy F r i t s ch ist der tapfere, reiche Jüngling mit den vor- nehmen Manieren und der Wesenshöslichkeit, die das Filmpublikum von ihm verlangt. S u s y V e r n o n ist der nachgerade langweilig werdende Kurfürstendammtyp. Sie trägt rafsineirt elegante Kleider, hat«inen vollendet vorzüglich ondulierten Bubikopf und ein aus- giebig bemaltes Gesicht. V a l c r y B o o t h b y ist als Schauspielerin gänzlich unmöglich, als Mannequin ist sie angängig. Recht nett ist Margit Manstad, sie sieht oft wirklich lieb au» und vor allen Dingen liegt ihr jede? gezierte Getue fern. Von den männlichen Darstellern FritzAlberti.CarlAuen und AlbertPaulig ist jeder aus seinem Platz. Ein fabelhaft interessantes Filmgesicht hat Artura Duarte, der eine zu kleine Rolle spielt, um schau» spielerische Fähigkeiten zeigen zu können. Edgar S. Ziesener, der Photograph, ist tüchtig und äußerst geschmackvoll. e. b. Bergpartie aufdemEchornstein So» Hans ttatonek. Au» dem schwarzen Hinterland Leipzigs kommt«ine seltsam«, beinah« symbolisch« Meldung: Ein Bergarbeiter hat einen der vielen ragenden Schlote zu ersteigen versucht und ist aus einer Höhe von 50 Metern tödlich abgestürzt. Dos ist mm der Gebirgssport des Proletariers au« den weiten, öden, rußigen Kchlenbezirken, die rings um Leipzig ihren dunklen, traurigen Gürtel legen. Die turmartigen Schornsteine sind die Berg- gipfel dieser trostlosen Landschaft. Begüterte Touristen haben den Vorzug, in der schneeigen Silvretta-Grupp« Graubündens abzu- stürzen. Gewiß, es war ein unzulässiger Sonntagsübermut des Berg» mann», seiner monotonen Umwelt zu entfliehen und einmal Höhen- luft und Fernblick zu genießen. Aber der Bürger hat immerhin ein normales Ventil für fein« Doseinslust: die Ferien, die Reise in die Ferne. Man muß die Traurigkeit deser Gegend kennen, die Monotom« der großen Fabrikdvrser am Sonntagabend, wenn die Menschen stumpfen Blickes aus den Fenstern ihrer niedrigen Häuser lehnen, um nicht» zu sehen, als was sie alle Tage sehen: die Mauer des gegenüberliegenden Kohlenwertes, die weiten rauchigen Haldem Möglich, daß den Arbeiter eine leichtfertig geschlosiene Wette antrieb, den Schlot zu besteigen. Aber einmal auf der Tour, vergaß er den eigentlichen Anlaß, stieg höhdr und höher, beglückt von jenem Höhenraujch, von dem auch erfahrene Touristen ergriffen werden. Um wieviel mehr der Berqmonn, der in der Tiefe lebt und dessen erst« und leider auch letzte Parti« die Ersteigung des Schlotes seiner Brikettfabrik war. Seinen Drang in die höheren Regionen, seinen einem Proletarier nicht zukommenden Anspruch auf eine Art Som- merfrische mußte«r schwer büßen. Man stürzt allenfalls in einem Kamin der Dolomiten ob, ohne sich den Tadel der Zeitgenossen zu- zuziehen, nicht aber van einem Schlot in den Kohlengruben von Borna_ Jack S»UH. der flüsleinde Bariton, galtiert ab Mlttlooch. den l. August. im Rahmen der Holländer» Revue.Et kommt jeder dran!" im Deutschen Kilnstlertheat». Gisvergefetz für die russischen Schristsiellsr. In diesen Tagen ist in Sowjetrußland, wie wir der„Paris» Times" entnehmen,«in Gesetz beschlossen worden, das die russischen Schriftsteller, die in steuerlichen Dingen bisher sehr bevorzugt waren, mit außerordentlich hohen Abgaben belegt. Auf Grund diese» Gesetzes hat nämlich jeder Schriftsteller, der«in monatliches Ein» kommen von 225 bis 450 Rubel bezieht, ob er nun im Dienst der Tagespress« wirkt oder al» freier Schriftsteller, eine Abgab« von 20 Proz. zu leisten, und die Höhe der Abgabe steigert sich nach der Höhe des Einkommens, bis bei einem Einkommen von 675 Rubel und darüber mit 40 Proz. die Grenze der Besteuerung erreicht ist. Durch diese Bestimmung werden die Schriftsteller der Sowjetunion sehr schwer getroffen, unter ihnen vor allem Maxim Gorki, der au» seinen Büchern sowohl in Rußland, wie im Auslande Honorare nr bezieht, welche die Grenze von 675 Rubel weit übersteigen. Zzle�ust gleich trifft dieses Gesetz auch die im Auslande im Interesse der Sowjetregierung wirkenden Schriftsteller sehr empfindlich, da viele von ihnen ihr« in der europäischen und ainerikanischen Presse erscheinenden Artikel gegen hohes Honorar an die russische Press« weiter verkauften, wo sie als Stimmen des Auslandes angeführt wurden. All« diese Schriftsteller, die sich, obwohl sie völlig un- bekannt waren, ganz beträchtlicher Einnahmen erfreuten, sehen sich jetzt durch«inen Federstrich um nahezu die Hälfte ihrer bisherigen Bezüge gekürzt. potemkin— Psychose. Trotzdem es bei Aufführung des Potemkin-Films noch niemals in Deutschland zu Skandalszenen gekommen ist, denkt die würtiem- bergische Landesregierung daran, die Aufführung des Films in Stuttgart zu verbieten und hat sich deshalb an die Filmprüsstelle gewandt, um den Film einer neuen Prüfung zu unterziehen. Gleichzeitig versucht man in München, den Film von dem Repertoire der Filmfestwoche abzusetzen mit der fadenscheinigen Begründung, daß der Pvtemkin-Film in nächster Zeit in zwei Münchener Licht- spielhäusern laufen wird, die von kommunistischer Seite gemietet wurden. Die Potemkin-Angelegenheit wächst sich also allmählich zu einer Lächerlichkeit ersten Ranges aus, und den Leuten, die das Verbot betreiben, kann man für ein späteres Leben das Himmel- reich prophezeien, in das nach der Bergpredigt all« die hinein- gelangen, die sich durch eine geistige Armut auszeichnen. Internationaler Kongreß für Zeichnen in Prag. In Anwesenheit von fast 3000 Delegierten aus allen Welt» teilen wurde heute in Prag der 6. Internationale Kongreß für Zeichnen und angewandte Kunst vom Vorsitzenden der Jnternatio» nalen Föderation für Zeichenunterricht und angewandte Kunst, Dr. Specker-Zürich, eröfnet. Der Protctor des Kongresses, Minister für Voiksaufklärung und Unterricht Dr. Hodza, übermittelte dem Kongreß die Grüße des Präsidenten der Republik. Besonders herzlich begrüßt« Miniqr Hodza in deutscher Sprache die deutschen Gäste und wies darauf hin, daß im Rahmsn der intellektuellen Zusammenarbeit der Volker die deutsch-slawisch« Verständigung nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich sei. Der Will« der slawischen Völker sei auf eine ehrliche Zusammenarbeit mit. ihren Nachbarn gerichtet. Der Kongreß trat dann in die sachlichen Berawngen ein. Opern-ZulahabteNvngeii der Voltbühne<£. v. Die Nolksbühne vermlttetl au« im n-chN-n Iabr jedem Mitglied wiederum 2 Lpernveranltalmngen am Plah der Republik, iür die ein einheitlicher Beitroa von 2.20 M. für alle Vlöd« erhoben wird Die im Einveruebmen mit der Generalverweltiing der StaatStheater cmgerichtetcn Qpern.Iuiababteiliingen geben aber künftighin jedem Mitglied der Volksbühne die Mäglichkeit. auch noch Z oder 6 weitere Vorstellungen der LtaatSober»u besuchen. Für dies- Vorstellungen sind die Plätze in drei Kruppen gestaffelt, sie kosten je nach Güte 3,80, 3,—. oder 2,20 M. Kleiderablage und Zettel einbegriffen. Ih-ater de» Westen, Die ursprünglich iür den 1. August angesetzt« Eritaiistührung der Schn-ank-p-relle.Da» süsse Geheim»!»" von Burg und T-usstcin finpct erst«m Freitag, dem 3. Augun, abend» 8'/. Uhr statt. Eröffnung der Kopenhagener««zlelagung. Am Sonntag ist hier die grohe Ivtervationale Äerztetagung eröffnet worden, an der im ganzen 700 Aerzte au« 41 verschiedenen Staaten teilnehmen. Bekanntlich handelt et sich um«in- Spezialistentagung für Nasen- und Ohren-Acrzte. Eine neue Erholungsstätte für die Berliner. CLA A I P 3 Kramer Eine der schönsten Landschaften im Westen Berlins ist durch den Ankauf des Gutes Neu- Cladow durch die Stadt Berlin für die Oeffentlichkeit erschlossen worden. Von Lind- Werder, noch besser von der Höhe des Kaiser Wilhelmturms hat man einen prächtigen Blick auf die bewaldeten Hänge des gegenüberliegenden Havelufers zwischen Gatow und Cladow, auf den Schloßpark von Cladow mit seinen uralten Eichen, auf ausgedehnte Kiefernwälder, zwischen denen wogende Getreidefelder eingebettet sind, und auf die langgedehnten Höhenzüge. Die Bestie im Menschen. Wann wird die Prügelstrafe für Lehrlinge beseitigt? Hamburg, 31. Juli.( Eigenbericht.) In den letzten Tagen ist in Hamburg ein schwerer Fall von Lehrlingsmißhandlung befannt geworden. Am 19. Juli warf sich der 19jährige Gartenvolontär Heinrich Rasch in Schnelsen vor ein Auto. Er wurde überfahren und sofort getötet. Diese Nachricht wurde von allen Zeitungen ohne Angabe der Beweggründe peröffentlicht. Die inzwischen angestellten Ermittlungen haben nähere Einzelheiten über den schrecklichen Vorfall zutage gefördert. Rasch ist seit März 1928 bei dem Gärtnereibefizer Lüersen in Schnelsen bei Hamburg als Gartenvolontär tätig gewesen. Seine Eltern zahlten dem Lehrherrn zuletzt eine Bergütung von 5000 Mart. Trog diefer fürstlichen Entschädigung wurde der unglückliche R. von dem Lehrmeister in roher und bestialischer Weise geprügelt und mißhandelt. Als man 2. aus der Nachbarschaft Borstellungen über seine Handlungsweise machte, erwiderte er: Der Junge sei nichts wert und zu nichts zu gebrauchen, er müßte eigentlich totgeschlagen werden. Dabei steht fest, daß der junge Mann die höhere Schule besucht hat und sehr begabt war. Durch die entsetzlichen und gemeinen Quälereien war der Junge allmählich am ganzen Rörper mit schweren Wunden bededt. Die Be mühungen eines Ortseinwohners, die Polizei auf die empörende Behandlung aufmerksam zu machen, blieben ohne Erfolg. Man wandte # sich dann brieflich an die Eltern des unglücklichen R., betam no aber feine Antwort. Als hierauf ein Nachbar persönlich zu den Eltern nach Bremen fuhr, wurde er nicht zugelassen. Die Eltern hatten also offensichtlich fein großes Interesse, sich um das Wohl ihres Sohnes zu fümmern. Mißhandlungen und Gleichgültig feit der Eltern trieben dann den jungen Menschen zur Verzweiflung, so daß er freiwillig in den Tod ging. Dem aus dem Leben geschiedenen R. hätten am Tage seiner Mündigteit 400 000 Mart zur Verfügung gestanden. Bielleicht ließe das die Nachlässigkeit der Eltern erklären. Die Mutter des R. ist in zweiter Ehe mit einem Direttor Klemann Don den Schlüsselwerten Bremen Delmenhorst verheiratet. R. ist ein Kind aus der ersten Che. Die Flucht vor dem Leben. Eigenartige Gelbstmorde. Das Rätsel um Löwensteins Tod ist bis heute noch nicht end gültig gelöst. Ist er Opfer eines Unfalles gemorden oder ist er freiwillig in den Tod gegangen? Sollte letzteres der Fall sein, so ist Löwenstein jedenfalls der erste, der sich auf diese Weise das Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Städtische Oper Bismarckstr. 25. August Ferienhalber erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber Volksbühne Walhalla- Th. heater am Bülowplatz Weinbergsweg 19/26 8 Uhr Heute 8 Uhr Letzte Vorstellung: Orpheus in der AbsteigeUnterwelt Deutsches Theater Norden 12 310 quartier Jugendliche keinen Zutritt! Park.auch Sonntags statt 4.- M. U. Ende nach 10% nur 60 Pf. Artisten Tegie Max Reinhards Residenz- Theater Blumenstr. 8. Die Komödie Täglich 8 Uhr Skandal Bismarck 2414/7516 2 U. Ende 103 U. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wörtz a. G. Musik v. Spoliansky geschlossen! Berliner Theater Jugendliche haben Staatl. Schiller- Theater, Charlthg. Ferienhalber geschlossen! Rose- Theater Saltenburg- Bühnen Gr. Franki, Str. 13 5 Uhr: Konzert und banter Teil. 8 Uhr: Der Fürst von Pappenheim Lustspielhaus Täglich S, Chi Die Reise durch ): s. Künstler- T Uhr: Es kommt keinen Zutritt! hariotienstr.93/ 91. Jóh.170 Parkett auch Sonnt. 1/4, Ende nach 10% statt 4.- Mk. jastspiel d. Deutschen Th. nur 1.- Mk. Der Prozen Mary Dugan Theater des Westens 8 Uhr: 8 Uhr: Die Kleines Theater Lori Leux in Sprungbett ungeküßte Eva der Liebe Operette in 3 Akten Musik v. Martin Knopf. halbe Preise jeder dran! Rundfunk hörer Rundfunkhörer Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater 84 Uhr ..Spiel m Schloss" Morgen 7 Uhr: Premiere Berlin in 40 Stunden. Der Zarewitsch" halbe Preise Tbeater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077! Heute 8 Uhr: Abschieds- Vorstellung Otto Pauls Bunte Bühne Mor en: Wiederauftreten der Elite- Sänger Volkspreise: 50 Pfg. bis 2 Mk. Leben genommen haben würde., Schon berichtet aber eine Meldung aus New York, daß die amerikanische Schauspielerin Mary Jobling sich während des Fluges aus dem Flugzeug ins Meer gestürzt hat. Es befand sich in der Höhe von 500 Metern. Die Schauspielerin faß neben dem Piloten und zeigte sich die ganze Zeit über äußerst nervös. Die Motive des Selbstmordes find unbekannt. Die Leiche der Schauspielerin ist bis zum Augenblick nicht gefunden. Man glaubt, daß Löwensteins Tod für sie der Anlaß gewesen ist, sich auf diese Weise das Leben zu nehmen. Zu den äußerst seltsamen Selbstmordarten gehört zweifelsohne auch das Sich- selbst- in- die- Luft- Sprengen. Als por furzem in dem bekannten Prozeß der Dahlemer Sprengstoffvilla von der Verteidigung die Vermutung ausgesprochen wurde, daß hier nicht eine Fahrlässigkeit, sondern Absicht, sich das Leben zu nehmen, bestanden habe, wurde diese Auffassung allgemein bezweifelt. In Judensdorf, Desterreich, hat aber vor wenigen Tagen ein Arbeiter Selbstmord begangen, indem er sich in die Luft sprengte. Er verließ gegen 3 Uhr morgens fein Haus ,,, unterminierte" sich mit 10 Dynamit patronen, die durch eine gemeinsame Schnur verbunden waren, zündete diese an und brachte so alle 10 Dynamitpatronen gleichzeitig zur Explosion. Meerrettig ist eßbar! Aus einem„ Kren"-Land. Der bekannte Wurzelstock des Meerretichs wird in den Ländern Altösterreichs mit einem Lehnwort aus dem Elawischen Kren" genannt. In Oberbayern wird er zum Bier, jenseits von Bassau, Bodenbach, Zittau und Oderberg besonders zu Würstchen gegeffen und zwar in geriebenem( gerissenem") Zustand; außerdem zu anderen Fleischspeisen und als Sauce oder mit Effig, Zucker, auch noch mit Scheiben roter Rübe, zum gekochten Rindfleisch. Wie bedeutend der Verbrauch davon ist, zeigt die Tatsache, daß in das fleine Deutschösterreich allein im vergangenen Jahre 8307 Doppelzentner Kren eingeführt und dafür 636 000 Shilling( 380 000 Mark) ausgeführt worden sind. Beinahe die ganze Kreneinfuhr stammt aus Deutschland und nur ein kleiner Teil aus Italien, dem Desterreich ohnedies für Obst, Gemüse und Blumen so schwer tributpflichtig ist. Die Gesamteinfuhr Deutschösterreichs an Rren ist im vergangenen Jahre um 1329 Doppelzentner gewachsen. Der Kren wird nicht gegessen, sondern genossen. Nicht Kalorienerzeugung ist sein Ziel. Er ist sozusagen zum Vergnügen da. Der Kren ist in Europa überall zu Hause. In der berühmten Hegischen Flora von Mitteleuropa" heißt es: Häufig in Gärten und auf Feldern kultiviert, zuweilen verwildert, stellenweise an Fluß- und Bachufern, in feuchten Gräben( oft ins Waffer vordringend), an feuchten, schattigen Stellen, auf Schutt, an Mauern, Zäunen, Acer feuchten, schattigen Stellen, auf Schutt, an Mauern, Zäunen, Acker: rändern und Aeckern, auf Eisenbahndämmen, Flußdämmen, Kompost haufen, seltener in Wiesen; in den Alpen bis 2188 Meter, am SCALA Nollendort 7360 Ab morgen, 8 Uhr Das sensationelle GröffnungsProgramm! Reichshallen Theater Heute, 31. Juli: Letztes Gastspiel Dresdner Viktoria Sänger Morgen, 1. August: Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Anfane 8 Uhr. Täglich ab 4 Uhr voller Betrieb! LUNA PARK HEUTE VOLKSTAG! Eintritt 75 Pl. Grosses Feuerwerk Artist. Darbietungen. Kauen Sie nur Donhoff- Brett': Kapitän- Kautabak ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Komische 31, Uhr Oper 8. Uhr 2 JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. die Qualitätsmarke 15 Pf. Kapitän- Kopenhagener Vfk. In den meisten Geschäften erhältlich. Der Gegenb Stilffer Joch angebaut! 3n der Gegenb son ürnberg und Bamberg und in andern bayerischen Gebieten wird er gartenmäßig viel gezogen. Frauen aus der Umgebung von Bamberg, bie Rrenweiber", bieten in den Straßen Münchens zur Herbstzeit ihren Kren fingend zum Verkauf an. Sie gehören zu dem herbstlichen Straßenbild Münchens. Solche, die nun etwa den bisher unbekannten Meerettich ver suchen wollen, seien vorerst zur Mäßigung gemahnt: Laßt ihn nach dem Reißen" erst eine Weile stehen und nehmt wenig, denn ganz frisch fann er ordentlich brennen. Aus Sowjetrußland. Wie steht es in den fonzessionierten Unternehmungen? Eine Kommision des Volkskommissariats der Arbeit hat die an Ausländer überlassenen Industrieunternehmungen revidiert und ist zu dem Ergebnis gekommen: es ist faul im Staate Dänemart. Die Prawda" schlägt Alarm. Dabei handelt es sich aber um Unternehmungen, wie das der amerikanischen Bleistiftund Federnfabrit von Hammer, der österreichischen Knopffabrit von Tiefenbacher, der schwedischen Kugel= lagerfabrik, der österreichischen Trifotageufabrit Altmann und der lettischen Metallwerte Diana. " Ueberall das gleiche Bild. Die Jagd nach dem Profit verdrängt jede Sorge um die Aufbesserung der Arbeitsverhältnisse. Es herrscht ein unmöglicher unsanitärer Zustand auf den Höfen, unglaubliche Enge und Sch muß in den Arbeitsräumen, es fehlen die erforderlichen Schuhvorrichtungen, die Beleuchtung ist unzureichend, erste Hilfe bei Unglüdsfällen ift nicht vorhanden, die gesundheitsschädlichen Arbeiten werden in den üblichen Räumen verrichtet. Neben modernen Maschinen findet man ganz primitive Arbeitsmethoden; fo werden Arbeiterinnen z. B. gezwungen, Risten mit Bleistiften zu schleppen, die 36 Kilo wiegen, während laut gesetzlicher Vorschriften sie nicht mehr als 12 Kilo heben dürfen. Bei Tiefenbach und Hammer müssen Arbeiter bei ihren Maschinen essen, ein Antleideraum fehlt. für die Berufskleidung gibt es teine speziellen Schränke usw. Der größre Unfug wird mit den Ueberstunden getrieben. So wurde in der Kugellagerfabrik festgestellt, daß hier Ueberstunden ohne die Erlaubnis der Arbeitsinspektion gemacht wurden. An Stelle der gestatteten 353 Ueberstunden tamen von Januar bis August 1979 Ueberstunden zusammen. Die Kommission stellt ausdrücklich fest, daß die Konzessionäre vollständig straffrei ausgehen, daß sie troß der systematischen Verlegung der Arbeitsgesetze nicht zur Verantwortung ge30gen wurden. Und das Interessanteste dabei ist, daß dies möglich war, obgleich die Fabriken oft genug von der Arbeitsinspektion besucht wurden. Diese nahm aber in teiner Weise mit den Betriebsräten Fühlung und schlugen unter Umständen auch eingeleitete Verfahren nieder. Als Illustration fann der Fall Tiefenbach dienen. Es war der Fabrit gestattet, 250 2rbeiter einzustellen. In Wirklichkeit wurden aber 750 eingestellt, obgleich die Arbeitsräume in feiner Weise ausreichten. Die Fabritinspektion mußte das, unternahm jedoch nichts. 3mar forderte sie die Einrichtung von Bentilation und dergl. mehr, die Fabrikadministration fehrte sich aber an diese Vorschriften nicht. So geht es spaltenlang weiter. Eins bleibt jedoch unverständlich: weshalb sollten die ausländischen Konzessionäre ihre Arbeiter besser behandeln afs die staatlichen Betriebe. Da sieht es aber nicht anders aus. Zeugen gesucht. Am 4. Juli gegen 4 Uhr wurde auf der Chaussee Wannsee- Potsdam( Glienicker Brücke) etwa 100 Meter vor dem Restaurant Waldfrieden ein Lasttraft= magen durch Anfahren an einen in seiner Fahrtrichtung auf der linken Seite stehenden Baum völlig zertrümmert. Der mit= fahrer ist an den Folgen des Unfalls gestorben. Anscheinend ist dem Lastkraftwagen ein aus der anderen Fahrtrichtung tommender, auf der richtigen Straßenseite fahrender Personenkraftwagen oder fleiner Lieferwagen furz vor der Unfallstelle rechts über das Banfeit hinweg, um einen Baum herum, ausgewichen. Der Führer dieses Wagens sowie die Führer anderer Wagen oder sonstige Bersone.1, die den Lastkraftwagen haben fahren sehen, werden ersucht, sich als= bald als Zeugen bei der Staatsanwaltschaft Potsdam zum Aktenzeichen 3. J. 716/28 zu melden. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Nach leichten Regenfällen etwas Abkühlung Nordwesten ziemlich zahlreiche, weiter östlich vereinzelte Regenfälle und wechselnd bewölkt bei westlichen Winden. Deutschland. Im mit mestostwärts fortschreitender Abkühlung; im Süden noch mäßig warm und zeitweise heiter. Küchen bringt ab 9. Jull weiße n. lasierte, feinste und auch zur späteren Lieferung zu enorm billigen Preisen Auf alle Möbel 10% Rabatt Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr. am Moritzplatz Berliner Tik- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/751 Patentanwalt Dipl.- Ing. Hans Wolff BERLIN SW 68 Alexandrinenstraße 1 Korbmöbell Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Monbijouplatz 12, Hof part. 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Zeichnungen Erich Ohser-Berän. „Sagen Sie mal, He.-r Wirt, hat di« Radensar'l von den saufen- den Bürstenbindern etwas auf sich?" Nach einem schnell prüfenden Blick aus das Gesicht des Fragenden bestätigt der Wirt zum„Boye- rischen chos" in Schönheide, daß die Bürstenbinder im allgemeinen mit einen« tüichigen Durst gesegnet sind, aber er lehnt es ab, und Großmutter und Enkelkind. sein behagliches Lächeln wird unwiderstehlich, etwa Not und So.'ge als Ursachen dieser Sauferei gelten zu lassen:„Not? Wo denken Sie hin? Den Leuten— ja einige haben es natürlich schlecht— geht es bester als uns Ich war im Wohlfahrtsausschuß, und da kenne ich die Verhältnisse." Donnerwetter, da wären wir also umsonst nach Schönheide ge- sah.-en? Es ist also nichts mit einer Reportage über das Heim- arbciterelmd im Bürstenmacherwinkel zwischen Vogtland und Erz- gebirge? Wir brauchen nicht weit zu gehen, um eine Antwort zu finden. Hinein ins erste beste Haus. Das„beste" ist es ja gerade nicht. Nach Armut riecht es in allen Ecken. Parte.'re wohnt eine Bürsten- arbeiterin. Sie zieht Besen ein, macht auch Haarbürsten, bekommt das Material vom Fabrikanten geliefert und gibt ihm die Fertig- wäre zurück. Mehr als 2M Dutzend Besen we.'den in der Woche nicht fertig, denn schließlich ist ja auch noch der Haushalt zu be- sorgen. Fürs Dutzend gibt es zwei Mark Arbeitslohn. Das sind fünf Mark in der Woche. 8,25 M. Miete kostet die Wohnung im Monat. Ein« enge, traurig« Wohnung aus Stube und Kammer. Hie.- lebt und arbeitet die kleine, abgerackerte und— lest das Wort zweimal— freundliche Frau mit ihren vier Kindern, lebt hier in Einziehet in. diesem Loch unter den Wäschezirlanden am Ofen, zwischen Arbeits- tisch und zusammengesessenem Kanapee, und nebenan in der Kammer ist die Diele durchbrochen, und der nackt« Erdboden ersetzt hier das Eisbärfell, mit dem sich andere Leute beHelsen müssen. Ihr meint, der Fall wäre besonders drastisch? Schön, treten wir in ein anderes Haus. Vorsichtig die T.'eppe hoch. Nur herein- spaziert, auf daß mein Haus voll werde. Während die Hauselgen- tümerin an der Türe horcht, ob der Besuch, Herr du mein Gott, »ohl gar vom Amt in Schwatzenberg ist. weg« der baufälligen Bude nämlich, breitet der Familienvorstand seine Arbeit auf dem TTische aus. Eigentlich ist es di« Arbeit seiner Frau, die trotz ihrer 60 Jahr« noch arbeiten muß, und der lebende Beweis dafüt ist, daß Segen nicht immer der Mühe Preis zu sein braucht. Die alte weiß- haarige Frau hat das Enkelkind auf dem Schoß und arbeitet dabei, solange ihre ermatteten Augen mitmachen. Dos vorgearbeitete Bü.-stenholz, ein Dutzend kostet 90 Pf., wird in einen Tischschraub- stock gespannt, die vorher zurechtgeschnittenen Borstenbündel werden mit Draht eingezogen, und für dieses Einziehen von eintausend Borstenbündel werden 1,40 M. bezahlt. Etwa 70 Bündel kommen auf eine Bürste, ungefähr 15 Bürsten ergeben eintausend Bündel, und das ist ein Tag Arbeit. Der Mann,«in Kriegsbeschädigter, verkaust die Fertigware in der Umgegend. Da er kein noch so be- scheidenes Betriebskapital besitzt und die Borsten vier'telpfundweise «inkaufen muß, kann er nur aus Bestellung arbeiten. In jedem Hause dieses 8000 Einwohner bchorbe.-genden Ortes sitzt die Heimarbeit. Besuchen wir auch diejenigen, di« von sich sagen, daß es ihnen„ganz gut" geht. Goit, sie ist noch jung, die wir bei der Arbeit sehen. Ihre strammen Arme, ihre blanken Augen strafen das Elendsgejammer ügen. Aber wartet nur, laßt sie nur ein paar Jahre lang Bürsten und Besen eingezogen haben. Gegenwärtig macht sie ein Dutzend Besen pro Tag, und sie ist stolz darauf, denn das kann nicht jede. Das geht lebhaft! Die flinken Finger haben es im Gefühl, wieviel Roßhaare von dem bereit liegenden Hausen erfaßt und in das Loch des Hylzes eingeführt werden müssen. Ein rleiner Schraubstock hält das Holz, in rasendem Tempo werden die schwarzen Haarbüschel eingepflanzt, ungefähr 200 Löcher hat«in Kehrbesen, und für 1000 Löcher gibt es 70 Pf. Wenn die junge Arbeiterin am Tag« 2 bis 2,20 M. verdienen will, darf sie nicht die Lektüre„Wie bleibe ich jung und schön?" neben sich liegen haben. Der Vater handelt. Er nimmt die ganze Fertigware mit, und da er keine festen Abnehmer hat, passiert es ihm, daß er nicht genug heimbringt, Hölzer und Roßhaare zu kaufen. Auf den Dörfern ist in der Regel„niemand da", und in den Städten haben sie di« neu- modischen Vorsaaltüren mit Guckloch..... Einzieh' kommt glci nach Vettelnzieh'"— und manchmal ist das Bettelngehn wirklich das Ende. Heute hat der Holzarbeüerverband in dieses Chaos des Elends etwas Ordnung gebracht. Aber unendlich viel bleibt noch zu tun, ehe menschenwürdige Löhn« erkämpft und von den Arbeitern selbst geachtet werden. Der gewerkschaftlich« Kampf allein genügt nicht. Im Jahre 1905 schlosten sich einig« Gemaßregelte zusammen auf Schönheide mit der GE G-Bürsten fabrik auf der Höhe. genossenschaftlicher Grundlage. Und als dann kurz darauf der 26 Wochen lange Streik, diese erste große Schlacht de.- erwachenden Bürstenmacher, in di« traumhast schönen Erzgebirgstäler einzog, da entstand dos Werk, das jetzt, das ganze Landschastsbild beherrschend, über dem ins Tal geduckten Ort nach Stützengrün zu liegt: die ge- nosienschaftliche Bürstenfabrik. Das alte Betriebshous wird jetzt als Spott- und Arbeiterheim benutzt. Vergessen liegt es im Winkel. Oben aus freier Höhe aber steht der Prachtbau der GEG. Mehr als 300 Arbeiter sind in den großen und hellen Sälen dieser Fabrik beschäftigt. 350000 Bürsten werden monatlich her- gestellt. Und oft ist der Bedarf der Konsumverein« noch größer. Ein riesiges Holzlager speist di« kreischenden Gattersägen. Das Holz wird getrocknet, auf Länge und richtige Form geschnitten und wieder getrocknet. 200 Festmeter Holz werden pro Monat verbraucht. Das Fräsen, Schneiden und Hobeln wird in einem großen Saal be- sorgt, wo einsach« Md komplizierte Maschinen, die mehrere Arbeiten zugleich verrichtenI>ire rasend« Melodie singen. Wer hätte das geahnt, daß eine Bürste oder ein Besen so viel Arbeit macht! Ein Roßhaarbelen zum Beispiel geht 37mal durch di« Hand, bis er fertig ist.— Im Stanzraum stehen sie, die eisernen Gehilfen im Kampf gegen die Heimarbeit. So ein« Stanzmaschine nimmt die Borsten weg, führt den Draht ein und pflanzt die Bündel in das Holz hin- ein. In sechs Togen, bei einer achtstündigen Arbeitszelt, werden von einer Maschine 140 000 bis 170 000 Bündel eingesetzt. Das sind pro Tag 30 Dutzend Scheuerbürsten. Di« neuen Automaten, di« auf der einen Seite stanzen, auf der anderen Seite Borstenbündel einsetzen, machen 300 Bürsten täglich. Aber die Leistungen der Maschinen können die oft unbegreifliche Fingerfertigkeit der Handarbeiter nicht verdunkeln. Besonders bei der Pinselfabrikation gibt es noch viel Handarbeit. Da wird ab- gewogen, weggebunden, eingesandet, gekittet, der Siel eingeschmiert, eingesetzt, abgeschnitten, ausgeputzt und gewaschen, lackiert, vor- gebunden, geleimt, geschnitten, numeriert und eingepackt. Auch sonst gibt es noch Handarbeiter im Akkordlohn. Viele erreichen einen Lohn, der doppelt so hoch ist wie das Heimarbeitereinkommen. Trotzdem di« genossenschaftliche Bürstenfabrik einen schweren Ikon- kurrenzkampf gegen di« Privatunternehmer und besonders gegen di« Wohlfahrtsbetriebe und Gefängnisie zu führen hat, zahlt sie einen Durchschnittslohn von 45 bis 50 M.. baut di« sanitären Ein- richtunzen in vorbildlicher Weise aus, sorgt in den hellen Speise- räumen für billige Getränke, bietet Badegelegenheit« und läßt es an nichts fehlen. kriech Knauf, Merkwürdiges vom Nordpol. Auch der aufgeklärteste Weltreisende kann am Pol noch merk- würdige Erlebnisse haben. Zunächst kann er erst einmal getrost seine Uhr wegwerfen. Sie wird ihm am Pol nicht viel mehr nützen. Mit jedem Schritt, den er tut, hat er ja doch eine andere Uhrzeit. Gesetzt den Fall, ei» Reisender auf den künstigen Nordpol- linien fährt mit dem Lustschiff auf den, Nullmeridian von Greenwich genau nach Norden erreicht den Pol am 14. Mai um 0 Uhr 15 und fährt ohne Ausenthalt schnurstracks über den Pol geradeaus weiter, so befindet er sich nunmehr auf dem 180. Längengrad. Alan wird jünger. Alle Orte an diesem Längengrad haben aber noch das Datum des vorhergehenden Tages und die Uhrzeit 12 Uhr 15. Die Uhr des Fluggastes geht von dem Augenblick an, wo der Pol über- schritten ist, genau zwölf Stunden vor. Er muß also den 13. Mai von Mittag bis Mitternacht nochmal verleben. Im Augenblick, wo der Pol überflogen wurde, ist er tatsächlich um einen halben Tag jünger geworden. Die verflixte Ahr. Viel verwickelter aber wird die Sache bei Rundgängen oder Rundflügen um den Nordpol herum. An den Polen laufen be- kanntlich alle Längengrade in einem Punkt zusammen. Quert man auch nur einen einzigen Längengrad, so geht, streng genommen, die Uhr in der Tasche um vier Minuten falsch. Hat man dabei den Nordpol zu linker Hand, so geht die Uhr vor; geht man in Richtung des Uhrzeigers um den Pol herum, so geht die Uhr nach. Ganz aussichtslos wird die Sache bei häusigem Richtungswechsel. Niemals wird man dann mehr richsige Uhrzeit haben. Auch schwerer wird alles. Je näher man dem Pol kommt, um so schwerer wird alles. Auch das eigene Gewicht wird größer, und zwar auf den Zentner um ein Kilogramm. 500 Gramm Tabak wiegen am Nordpol 505 Gramm. Briefe, welche die 20-Gramm-Grenze bei uns noch knapp passieren, würden am Nordpol rettungslos mit Strafporto belegt werden. Die Ursache dieser Erscheinung liegt nämlich darin, daß der Nordpol infolge der Zlbplatwng der Erdkugel dem E r d- Mittelpunkt rund 20 Kilometer näher ist als z. B. jeder Punkt auf dem Aequotor. Die Windrose verrückt. Mit Staunen wird der Reisende weiter bemerken, daß der Nordpol der einzig« Punkt aus der Erde ist. wo immer nur Süd- wind weht. Nicht nur die Zeit wird auf den Kopf gestellt, sondern auch die Himmelsrichtungen machen Sprünge. Nähert sich das Fahr- zeug dem Pol, so fährt es nordwärts. Sobald der Pol überschritten ist. geht es südwärts, ohne daß eine andere Fahrtrichtung eingeschlagen oder eine Kehrtwendung ausgeführt wurde. Auf keinen Fall aber kann man vom Nordpol aus nach Norden, Osten oder Westen gehen. Ein Jahr ist ein Tag. Ein ganzes Jahr verläuft am Pol wie e i n Tag bei uns. Ein Bewohner des Nordpols erlebt im Jahr nur einen einzigen Sonnenaufgang im Frühjahr und«inen einzigen Eon- nenuntergang im Herbst. Die Kraft der Wärmeausstrahlung der Sonne an diesem halbjährigen Tage des Nordpols ist über- raschend stark. Sie erreicht fast die gleiche Höhe wie die am Aequator während eines ganzen Jahres. Der pol wandert. Leider ist der Nordpol auch bei Landung mit dem Luftschiff recht schwer zu finden. Er ist nämlich dauernd unterwegs. Er wandert. Hat man ihn eines Tages wirklich festgestellt, so rückt er unmerklich wieder fort und ist acht Tag« später schon über einen Meter entfernt. Er beschreibt auf dies« Weise in etwa 14 Monaten eine kreisrunde Bahn mit etwa zehn Meter Halbmesser. Aber auch dieser Kreis selbst wiederholt sich niemals genau, sondern wandert als Ganzes ebenfalls. Wir wissen heute mit Sicherheit, daß am Nordpol im Gegen- saß zum Südpol k e i n L a n d ist. Er liegt vielmehr inmitten der mit Eisschollen bedeckten polaren Tiefsee. Diese schwimmenden Eismassen aber kreisen selbst wieder unaufhörlich um einen Dreh- punkt, der weitab vom geographischen Nordpol liegen dürfte. Also— der Nordpol ist ein unendlich kleiner Punkt, der Punkt wandert im Kreis«, der Kreis wechselt den Ort. das Eis driftet, der Magnet versagt, ckein Stern ist im Sommer am Himmel zu sehen, kurz, die berühmte und heiß umkämpfte„Entdeckung des Nordpols" ist im strengsten Sinne«ine vollkom- men« Unmöglichkeit. Und dies ist eigentlich das Merk- würdigste an diesem merkwürdigen Punkte. �rlcticus. Lugendgerichi in Amerika. Wie wirkt die erste Verurteilung? Dr. Healy, jahrelanger Leiter des dem Jugendgericht von Chi- kago angegliederten Psychopatheninstituts und später Direktor eines ähnlichen Instituts beim Jugendgericht in Boston, gibt eine Interessante Aufstellung über das Schicksal von rückfälligen Jungen, zehn Jahr« nach ihrer Vorführung vor dem Jugendgericht in Chi- kago und in Boston. Es ergeben sich da groß« Unterschiede, die allem Anschein nach durch die verschiedenen sozialen Verhältnisse in den beiden Städten, vielleicht aber auch durch die verschiedenen Ge- richtsmethoden zu erklären sind. Während man in Chikago schneller dabei ist, die Iungens in eine Anstalt zu überweisen, versucht man in Boston durch die Aenderung der häuslichen Verhältnisse sie in der Freiheit einem geordneten Leben zuzuführen. Jedenfalls zeigte es sich, daß unter 420 dem Jugendgericht von Chikago erstmals vor- geführten Jungen im Zeitraum von 1909 bis 1919 nur 164 keiner Verurteilung durch die Gerichte für Erwachsene unterlagen, während 209 solche Verurteilung über sich ergehen lassen mußten, daß ferner 157 einer Anstalt für Erwachsene überwiesen wurden und daß 14 wegen Tötung als Erwachsene bestraft wurden. Von 400 in Boston erstmals zugeführten Jungen wurden im gleichen Zeitraum nur 84 vom Erwachsenengericht verurteilt, nur 25 einer Strafanstalt überwiesen und kein einziger wegen Tätung bestraft. Noch interessanter gestaltet sich das Bild, wenn man in Betrocht zieht, daß drei Personen von den Chitagoern bei der Begehung eines Verbrechens getötet wurden, vier von ihnen Selbstmord be- gingen und 39 Berufsoerbrecher geworden sind. In Boston da- gegen ist keiner getötet worden, hat auch keiner mit Selbstmord geendet und nur ein einziger ist Berufsverbrecher geworden. &in vorn Shzzl MiirsffSsllszr (15. Fortsetzung.) Nein, dos wollt« sich Hilde nicht sagen lassen, dotz sie eine schüch terne San» sei und sie brach ihr Schweigen. Und sprach ihre beiden Nollen au» der Revue, sang das Dirnsnlied, spielte die Schlangen� bändigerin und dazu noch«inen kleinen Einakter, den der Doppel- ganger des Schubert, der der Oberrsgisseur bei allen Veranstaltungen in, Haus« Trüber war, eigen» für sie gedichtet hatte. Di« Frau mit dem langen Namen saß auf dem Diwan wie ein Kuddha und schüttelte da» Haupt. „Toi, toi, toi," sagte sie feierlich.„Ein groß«» Talent, welch ein Talent!... Welch gesegnetes Talent... Kind, ich duze dich!" fügte sie in plötzlichem Entschluß hinzu, gleichsam als Auszeichnung. „Mit solchem Talent brennt«iflii freilich darauf, die Bretter zu be- treten." „Niin, ich brenn« nicht!" stellte Hilde fest. „Lass'n ma das?" sagte zugleich mit ihr Frau Gruber.„Ob's brennt oder nicht, sie soll bald ihre Stunden anfangen!" Hilde wollte noch etwas sogen und Frau Neumann-Norrek hielt e» wieder für geroten, das Gesprächtsthenia zu wechseln. „Wie ich noch ein Mädchen war, Hörle mich einmal die be- rühmte Schauspielerin Hartmann, oh, nicht die Wiener Hartmann, das war eine Tragödin in Dresden..." Als endlich dies« Erzählung beendigt war, wurde der Studien- plan und besonders die Stundeneinteilung beschlossen. Mama Gruber war zwar wieder ungehalten, daß die Hilde alles so kompli- ziere, aber Frau Neumann-Norrek u.Uerbrach sie: „Seien Sie dorob nicht unzufrieden, schönst« Freundin. Es ist das Unheil der modernen Kunst, daß die Darsteller nicht so gebildet sind, deshalb, na, sprechen wir nicht davon! Zu meiner Zeit! Freuen wir un», daß die Hilde noch viel zulernen will. Ein Künstler tonn nie genug lernen!" „Na, wie g'fallt's dir?" fragte Frau Gruber, als sie mit Hilde wieder im Auto saß. „Ein bisse! komisch ist sie, meinst nicht?" antwortet« Hilde. .La, komisch ist sie schon, sie soll aber eine sehr tüchtige Lehrerin sein und ist eine prächtige Frau, und darauf kommt's an. Wenn du wüßtest, mit wo» für Leuten sie noch heut' die Rollen ein- studiert!" Hild« hatte jetzt also eine dreifache Beschäftigung, ihren Matura- kur», ihr« Privatstundcn und erst die Stunden bei Frau Neumonn- Norrek. Wie sie olles zustande brachte, war rätselhaft, und Mama Gruber lauerte schon förmlich, daß ihr Protektionskind den un- sinnigen Gedanken an die Matura aufgebe und es ihr feierlich ankündige. Aber sie mochte warten und dem Entschluß ein bißchen nachzuhelfen trachten— damit kam Hilde ihr doch nicht. Ln der Theaterschule fiel Hilde vor allein eins aus: da war eine Gruppe von sechzehn- bi» sünfundzwanzigjährigen Menschen, die alle, fast olle, von einem Ideal durchglüht und ihm ganz hin- gegeben waren. Oh. sie waren keine Heiligen, dachten auch an sich, waren eitel, neidisch, leidenschaftlich in ihren Wünschen und begierig, die Alten, und da» waren alle, die droben auf den Brettern standen, fortzubringen. Aber trotzdem— sie wenigstens konnten auch ihr« persönlichen Wünsch«, Begierden und Leiden- schaften vergessen, und die Kunst, der sie sich anschickten zu dienen, war ihnen wirklich«in Heiligtum, an dessen Flayimen sie sich auch verbrannt hätten, wenn die» hätte sein müssen. Diese komische Frau Neumann-Norrek mit ihrer altmodischen Aussprache und ihren Erinnerungen an verblichen« Zeiten war ein« Podagogin, di« ihr« Schülerinnen und Schüler auch menschlich, auch leelisch, auch geistig erzog. Da war der Star der kleinen Truppe, eine kleine, polnische Jüdin, deren amtlich« Dokumente mit peinlicher Deutlichkeit auf den Namen Chase Besenreiter lauteten. In ihren Prioatgesprächen mauschelt« sie noch steinerwtichend. Aber wenn sia. mit ihrer tiefen, samtenen Stimm« die Berse der Lady Macbeth sprach, w«nn si« ihre freilich ein bißchen zu klein geratene Gestalt straffte und reckt«, wenn sie ihr« heut« noch mit Frostbeulen bedeckten roten Hände rang und die Mal« der Blutschuld sich abzuwischen be- müht«— dann war sie«ine aichere, eine von ungeheuren Energien erfüllte Frau, wirklich Lady Macbeth, die über Verbrechen hinweg zu«inem Königsthron schritt. Und diese Chaje Besenreiter, aus der»ine Kara Benard zu machen Frau Neumann-Norrek Riesen- kräst« anwendete, war«in unsäglich armes, verhungertes Geschöpf, erst noch Dienstmagd in einem galizischen Kleinstödichen, wo ihr, Gott weiß woher, die Liebe zur Schauspielkunst ins Herz geflogen war und sie von nun an wie ein Dämon beherrschte. Wenn man mit ihr von Zukunftspläncn sprach, so sagte si« nicht, daß sie einmal doch dieser Misere des Alltags zu entgehen hoffe. Sie antwortete, daß sie Shakespeare und dann Schillers Lady Milford und diese und jene Rolle spielen wolle, nur spielen, spielen, auf der Bühne sein, was sich beim Lesen in ihrer Phantasie formte, verkörpern, aus gedruckten Worten lebende Menschen gestalten. Die komische, gute Frau Neumann-Norrek mußte halbe Tage herumlaufen, um für das arnie Mädel, das kein« Seele in Wien kannte, die paar Kronen zum Unterhalt zu erbetteln. Bold wußte di« halb« Stadt, daß ein großes Talent in dieser Theaterschul« heranreife und spendete für sie— die Zeiten waren hart— ein paar Heller od«r einige Kronen, jedenfalls immer weniger, als man erwartete. Auch Frau Gruber gab übrigens nicht sehr reichlich, die Lady Macbeth interessierte sie nicht und mit einer Chaj« Besen- reiter war, solang« sie nicht wirklich Kara Benard hieß, keine Ehr« einzulegen. Als das Mädel Klovier und Gesang lernen sollt«— alles in kürzester Zeit, Chaje mußte ja den gesamten Bildung?- stosf der westlichen Kultur in kürzester Zeit in sich aufnehmen, es war viel und si« hatte auch nicht eine Woche zu verlieren—, be. dankten sich doch ihre Gönner für di« Aussicht, so was ganze Tage bei sich zu hören und Frau Neumann-Norrek fand niemand, der für ihre Kara ein Klavier zur Verfügung gestellt hätte. So ging sie zum Besitzer des„Cafe Paradies", wo sich im Souterrain Räumlichkeiten ausbreiteten, in denen sich mittels einiger Reisig- girlanden und vielfarbiger Fähnchen eine geradezu paradiesische Pracht entfaltete. An Samstag- und Sonntogsabenden fanden hier Feste, Tanzabend«, Versammlungen statt und«in Klavier wurde an diesen beiden Tagen der Woche aus seinem oerklungenen Dasein erweckt. Dies«? Klavier sollte den Ererziticn Karas dienen. „Wenn Sie was wünschen, gnä Frau, und für die Kunscht tua i olles— ober wissen S'— in der ganzen Woch' is hier so a mörderische Kält'n, daß nöt amal i mi heruntertrau'," sagte Herr Stammer, der Schugherr dieses Paradieses. „Aber seit wann ist denn die Kara gewöhnt, in einem warmen Raum zu sitzen, wenn sie allein ist? Das hat das Kind, ich glaube, feit dem Mutterleib nicht mehr erlebt." So war der Handel abgeschlossen, und Kara oblag der Kunst und sang Skalen und Lieder bei dem Lichte einer fünfkerzigen Glühlampe, in einem Räume, der mit dem Paradies aber schon gar keine Aehnlichkeit hatte und eher in gewisser Hinsicht an den Nordpol gemahnte. Und die Hilde Fernleitn«r sollte ihrer neuen Kollegin die Anmut der sranzösischen Sprache beibringen. Sie tot es gerne, nicht bloß, weil sie bereit war, auch mit, zuHelsen, dos groß« Talent dieses armen Dings, so weit sie konnte, zu fördern— das Mädchen selbst interessiert« sie. Als sie Kara vor der französischen Lektion«inen Tee und eine Semmel hinstellte, sagte dos Mädel zu ihr:„Ich bin dir wirklich sehr dankbar, Hilde, es ist gekommen über mich ein groß«r Hunger." „Erstens sagt man einfacher und kürzer: ich war hungrig. Und dann, wenn's dir schlecht geht, so denk' holt immer daran, daß du ja bald eine große Schauspielerin und berühmt und reich sein wirst." „Was heißt reich sein? Reich sein ist mir gleichgülttg. Ich will die Orphelia von Hamlet so spielen, wie ich sie mir denk'! Keine spielt die Orphelia richtig, das sog' ich dir, Hilde. Das ist mein Traum: meine Orphelia! Glaub' mir, was anderes steht mir jetzt nicht im Kopf." „So? Mit dein«m Hunger im Magen?"(Fprts. folgt.) W>tS DER TAG BRINGT. iiiiminmiiiiiiimn!iniiiiimiiniiimiiMiiiiimiiiniiiiimmininniiiiiimmmiimmniiimiiniiiuiMiiimHMnminininnimiinmiiiiiiiMmmiiimmiinmi:nmimminmmmiiiu«nHiniiiH Einer, der sich nur in Berlin wohl fühlt. Ein Berliner Junge verbringt die Ferien abwechselnd bei der Großmutter und der Tonte. Bei letzterer fragt ihn eine Besucherin, wo es ihm besser gefalle. Ein kritischer Blick streift den Hof mit Gemüsebeeten und Dunghaufen— dann:„So sehr gefällt es mir hier nicht..."—„Na, und bei Großmutter?"—„Auch nicht! Hier ist's bloß bester, weil ich alle Tage baden kann."—„Aber bester als in Berlin ist es doch?"... Zuerst kein« Antwort und nach wieder- Holter Frage:„Det is mir denn doch schon zu ville gefragt!" und er wendet der Fragerin stolz den Rücken. So—v/e. Die fiskalischen Gesetze. Di«„Frankfurter Nachrichten" berichteten über eine Eisenbahn- katastrophe wie folgt:„Bor allem muß es auffallen, daß der ab- gestürzt« Zug allen fiskalisch«» Gesetzen zum Trotz nicht auf der Außenseit« der Kurve, sondern nach deren Innenseite ab- fiel." Mit der„fiskalisch«»" Gesetzgebung scheint es also in der Praxis doch sehr zu hapern. Man versuche es deshalb mal mit der Physik! Ein Hahn als Kindesmörder. In dem an d«r tschechisch-rumänischen Grenze gelegenen Dorf Wona ging das ein«inhalbjährige Kind Eugenie Serban trotz des strengen Veibots allein auf den Hühnerhof. Dort wurde es von dem als sehr böe bekannten Hahn angegriffen, niedergeworfen und mit Schnabel und Sporen bearbeitet. Als die Mutter auf das ver- zweifelt« Geschrei des Kindes herbeieilte, hatte ihn, der Hahn ein Aug« ausgehackt, die noch weiche Schädelwand durchpickt und war eben dabei, von dem Gehirn zu fressen. Das Kind starb wmige Minuten nach seiner Auffindung. Ein Verbrecher. Auch das war„ein Verbrecher"... Im Zentrolgesängnis in C l e r o a u x(Frankreich) entstand ein Feuer. Es blieb nichts anderes übrig, als die Zellen zu öffnen und die Gefangenen heraus- zulasten. Nun halfen sie der Feuerwehr, das Feuer zu löschen. Am eifrigsten aber war der Gefangene Mogeont dabei. M't Lebens- gefahr stürzte er in das brennend« Haus, um halberstickte Menschen herauszuholen. Der französische Iustizminister hat Moaeant den Rest seiner Strafe von zwei Jahren geschenkt. Der Vulkan im Urwald. Es ist dem amerikanischen Forscher und Geologen Joseph H Sinclair gelungen, an den bisher nur aus Erzählungen von Eingeborenen bekannten sagenhaften Vulkan heranzukommen der mitten in den Urwäldern des Amazonas dem Riesenstrom in Brasilien, gelegen ist. Sinclair, der von seiner Frau auf dieser Expedition begleitet war fuhr zunächst den Rio Coca hinauf in ein noch ganz unbekanntes Gebiet. Er sah dort«ine 700 Meter tief eingeschnittene Schlucht, die mit ihren düsteren hoch aufragenden Felswäldern stark an den Canon von Colorado erinnert«. Dann mußten Stromschnellen und Wasserfälle umgangen werden, von d«n«n einer 500 Meter hoch war; der auf 50 Meter durch die Felswände zusanimciigepreßte Fluß bildete dort eine einzig« Schaummasse. In diefcr Gegend stieß«!, sie aus die Cosanes-Indianer, die zu den primitivsten Stämmen Südamerikas zählten. Si« trogen kleider- artig« Schürzen, die aus Bast und Rinde hergestellt sind und da Humboldt in seinen südamerikanischen Reisen derartig bekleidete Eingeborene erwähnt, so vermutet Sinclair, daß schon der groß« deutsche Forscher bis in dies« Gegend vorgedrungen ist. Je näher der Forscher dem Vulkan kam, desto schwieriger war die aus 50 Quicka-Indianern bestehend« Begleitung zu behandeln. Die Leute weigerten sich, weiter zu dem Vulkan vorzudringen, da sonst der in diesem Vulkan wohnende Dämon„mug clvarc"(sehr bös«) werden würde. Obwohl die Regenzeit begann, bracht« Sinclair die Expe- dition bis zu einem Punkte, der etwa 15 englische Meilen von dem Vulkan gelegen war. Hier ließ er das Lager unter der Obhut semer Frau zurück, und stieß mit einig«» Indianern, die er durch Zu- sicherung hoher Belohnungen gewonnen hatte, weiter vor. Er er- reichte eine» Punkt, von dem aus er den rauchenden Gipfel des über 2000 Meter hohen Vulkans in einer Entfernung von acht engli- schen Meilen erblick«» tonnt«. Die ein« Seite des Berges, der bei den Eingeborenen d«n Namen„XevenUckore" führt, war infolge eines im Jahre 1925 erfolgten heftigen Ausbruches ganz zerstört. Sinclair wurde in seinem weiter«» Vordring«» durch ein«» tiefen Abgrund gehemmt, der nicht zu überwinden war, zumal sich seine indianischen Begleiter weigerten, ihm noch weiter zu folgen. Sinclair mußte sich damit begnügen, den Vulkan kartographisch fest- zulegen und einige Messungen vorzunehmen. Unter große» Strapazen führt« Sinclair schließlich seine Expedition glücklich wieder aus der Wildnis heraus. dl. Die falsche Anastasia und das Erbe des Zaren. Die„Großfürstin Airastasia" alias Tschaitowski befindet sich noch immer zu Besuch in den Vereinigten Staaten. In der Rolle der Großfürstin fühlt sie sich so gut, daß sie Ende August beim englischen Gericht den Antrag auf Herausgab« der Million Dollar zu stellen beabsichtigt, die heut« noch aus dem Konto Nikolaus II. in der Bank Englands sich befinden. Es kann ein interessanter Prozeh werden, denn Frau Tschaikowska müßte erst den Beweis für ihre Forderung erbringen. Und das wird ein Ding der Unmöglichkeit sein. Was kann die Lokomotive dafür? Wie aus Lille berichtet wird, fand man auf einer Lokomotive der Eisenbahiigesellschaft„Nord" eine größere Menge unverzollten Tabaks. Ter Tabak wurde beschlagnahmt, Lokomotivführer und Heizer erhielten eine höhere Geldstrafe, die Lokomotive aber wurde versiegelt und muß 14 Tage untätig skdhen. Ein Atfenbiß iO 000 Mar kl In einem Hotel in Colorado Spring hatte ein Gast da» Glück, von einem dem Hotel gehörigen Affen in die Nase gebissen zu werden. Er reichte Schadenersatzklage ein und erhielt vom Gericht nach langwieriger Beratung 2500 M. Schadenersatz und 7500 M. Schmerzensgeld zugebilligt. Für die Einheit des Arbeitersports! Die wiederholten Zustimmungen und der stürmische Beifall der Bersammlung bewies, daß auch die Berliner Arbeitersportler endlich willens find, in harmonischer Zusammenarbeit für die fulfurellen Bestrebungen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes zu arbeiten. In einer gut besuchten Versammlung, die am Montagabend im| und überhaupt mit der ganzen kommunistischen Verwirrung Schluß Lehrervereinshaus stattfand, wurden in einem großzügig angelegten gemacht werden muß. Referat des Vertreters der Zentralfommission Bud die Vorgänge in der Arbeitersportbewegung beleuchtet. Buck schilderte nicht nur die augenblickliche Situation. Weit zurückgreifend streifte er die Borgänge seit dem Jahre 1921. Er wies an Hand des vorhandenen Tatsachenmaterials nach, wie schon früher unter der Aera Lieske versucht wurde, die Arbeitersport- und Turnbewegung zum Tummelplatz der fommunistischen Parteibestrebungen zu machen. Unter der schamhaften Bezeichnung ,, Opposition" wurde schon damals mit unlauteren. Mitteln gearbeitet. Selbstverständlich braucht jede Organisation, ganz gleich welcher Art, eine gewisse Opposition. Nur muß diese Opposition offen und ehrlich sein. Wie gestaltete sich jedoch die Kampfesweise dieser Oposition"? Die ganze Art| ihres Kampfes zeigte klar und deutlich, daß alle ihre Anträge in jeder Beziehung nur parteipolitischen Charakter trugen. Es lag diesen Revolutionären gar nicht daran, irgendwelche positive Arbeit zu leisten. Alle ihre Forderungen arteten aus nicht nur in Wühlereien und Beschimpfungen, sondern nahmen im Verlauf der letzten Jahre einen geradezu widerlichen Charakter an. Bud mies auf die wiederholten Berhandlungen hin, die zwischen dem Borstand des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und den Vertretern der Roten Sportinternationale stattgefunden haben. 3mmer wieder wurde versucht, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, und jedesmal waren es die Vertreter der„ Opposition", die fich niemals an irgendeinen Beschluß gehalten haben. Fauftdicke Lügen, die ordinärsten Schimpfworte, ein Ton, der nur dem Janhagel angenehm ist, waren die Linie, auf der sich jede Meinungsäußerung der Kommunisten hielt. Diese Dinge spizten fich immer mehr zu, fie erreichten ihren Höhepunkt bei den standa lösen Vorgängen und in dem niederträchtigen Verhalten der Kommunisten im Reichstagswahlkampf und bei der Berliner Maifeier. Welchen Tiefftand hat eine Bewegung erreicht, die fich der allerfchofligsten Kampfesmittel bedient? Man muß„ Kommunist" fein, um diese Kampfesmethode der„ Opposition" zu verstehen und für richtig zu erachten. Daß unter diesen Umständen gedeihliche Zufammenarbeit unmöglich wurde, ist selbstverständlich. Aus allen diesen Gründen, die außerdem authentisch in der Broschüre ,, Der Kampf um den Bund" zusammengestellt sind, mußte der Bundestag in Leipzig aus Reinlichkeitsgründen die Mandate Nitschke, Zobel, Friedmann, Lange aberkennen. Aus denselben Gründen wird auch in der in den nächsten Tagen stattfindenden Bundesausschußfihung in Leipzig über das bundesschädigende Berhalten der bereits bekannten Oppofitionellen beraten werden. Besondere Beachtung verdient, welches reichhaltige Tatsachenmaterial der Referent russischen Zeitungsberichten und Originalzuschriften entnahm. Die Tatsache, daß die auf dem Bundestag gegen die Oppo: sition gefaßten Beschlüsse mit einer Stimmenmehrheit von etwa 200 gefaßt wurden, ist ein Beweis, daß endlich mit diesen Schädlingen T Berliner Erfolge in Stettin. Imposanter Aufmarsch. Aus Stettin erhalten wir folgenden Bericht: Auf dem Stettiner bundesoffenen Sportfest zwischen Berlin und Stettin hat es auf leichtathletischem Gebiet von jeher besonders regen sportlichen Verkehr gegeben. Stettin war in diesem Jahre bereits einige Male in der Reichshauptstadt vertreten. Sonntag meilte ein größeres Aufgebot Berliner Leichtathleten in Stettin auf dem bundesoffenen Sportfest der Freien Turnerschaft, die damit gleichzeitig die Einweihung ihrer neuangelegten Aschenbahn und die Enthüllung einer Vereinsfahne vornahmen. Die ganze Sonnabendnacht und auch noch am Sonntag vormittag regnete es in Strömen, doch mit dem Beginn der Beranstaltung flärte fich alles auf. Die aus Leipzig, Hamburg, Berlin, Stettin und Bommern gemeldeten 500 Teilnehmer waren fast vollzählig vertreten; Berlin hatte mit 250 Genossen und Genossinnen den größten Anteil. Nahezu 7 Stunden dauerte die Abwicklung des umfangreichen Programms. Es war fast des Guten zu viel, denn eine Konkurrenz jagte förmlich die andere. Sämtliche Wettbewerbe Kugelstoßen der Frauen. wiesen starke und gleichwertige Felder auf, aus denen zum über. großen Teil Berlin als Gieger hervorging. Nach den Vorkämpfen bildete der Aufmarsch der Vereine den Höhepunkt der ganzen Veranstaltung. Unter den Klängen der Spielleute mar schierten die 500 Aktiven in der Sportplaganlage auf zur Enthüllung der Fahne. Ein impofanter farbenfroher Anblid, die gebräunten Gestalten der Sportler und Sportlerinnen in ihren bunten Vereinskleidungen auf dem grünen Rasen. Mit herzlichen Worten begrüße der Vereinsvorsitzende die auswärtigen Bundesgenossen und hob besonders das vorbildliche Zusammenarbeiten der Stettiner mit den Groß- Berliner Vereinen hervor. Daraus ergriff der Borsigende des pommerschen Kreises das Wort zur Festrede; dann wurde der sportliche Teil fortgesetzt. Die erste und einzige Ueberraschung gab es im 800- meter Lauf, wo Gülle- Stettin mit 5 Meter Vorsprung vor Gideon- Hamburg und André- Lichtenberg in der vorzüglichen Zeit von 2,02 Minuten als Sieger herDorging. Die furze Strede 100 und 200 Meter war Wienecke- Berlin ( ASC.) nicht zu nehmen. Auch die Staffetten, die infolge der besonders starken Belegung außerordentlich interessant verliefen, fahen stets Berliner Mannschaften an erster Stelle. Bei den Ju gendlichen ist besonders erwähnenswert der 60- meter- Hürden In der Diskussion schilderten verschiedene Redner besondere örtliche Borgänge, die immer wieder bezeugten, daß durch das schändliche Treiben der Parteifommunisten jede sachliche Vereinsarbeit untergraben wird. Im kurzen Schlußwrt forderte der Referent Im furzen Schlußwrt forderte der Referent nochmals auf, sich geschlossen hinter den Aufruf der Zentralfommission zu stellen. Mit der Aufforderung, fich restlos an der Kundgebung am Mittwochabend„ Nie wieder Krieg" zu beteiligen, wurde die imposante Bersammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Arbeitersportbewegung geschlossen. Es wird weiter gelogen. Am Sonnabend brachte das kommunistische Abendblatt einen Artikel über das neue Sportfartell. Schon die Ueberschrift Fußballspieler und Athleten ausgeschlossen" ist eine Lüge. Der Kreis vorsitzende der Arbeiter athleten hat erklärt, daß er erſt nach der Kreisvorstandsfizung die vom Sportfartell gewünschte Erflärung abgeben fönne. Er verließ das Zimmer mit den Worten: ,, Wir brauchen Euch nicht." Somit tann also von einem Ausschluß nicht die Rede sein. Was die Fußballspieler anbe= trifft, so war der Vertreter Kuhnert überhaupt nicht berechtigt, im Namen der Fußballspieler eine Erklärung gegen die Zentralkommission abzugeben, da diese zum Arbeiter- Turn- und Sportbund gehören, und der Arbeiter- Turn- und Sportbund seine Entscheidung in dieser Frage auf dem 16. Bundestag getroffen hat. Kuhnert fonnte also nur für sich selbst die Erklärung abgeben. Das hat er verweigert, ebenso wie Sellheim von den Athleten. und daraufhin mußten sie das Zimmer verlassen. Von einem Ausschluß der Organisationen, wie das Blatt glauben machen will, ist also feine Rede. Die fommunistische Presse verbreitet seit einigen Tagen einen Artikel des Kölner Kommunistenorgans, nach dem der Vorsitzende des 6. Kreises des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, Oswald Hirschfeld, dem Ehrenausschuß des 14. Deutschen Turnfestes angehören soll. Dazu erklärt Hirschfeld: " Bon dieser angeblichen Mitgliedschaft im Ehrenausschuß für das Deutsche Turnfest ist weder mir, noch der Leitung des Deutschen Turnfestes etwas bekannt. Es handelt sich also wieder einmal umi eine der bekannten persönlichen Ansudeleien. Ich habe lediglich von dem mir als Stadtverordneten und Mitglied des städtischen Ausschusses für Turnen, Spiel und Sport zustehenden Recht auf Erhalt einer Freifarte Gebrauch gemacht, wie sie der kommu= nistische Stadtverordnete, Bundesgenosse Peter Stahl, Köln, auch erhalten hat. Oswald Hirschfeld." lauf von Görsch- Berlin( ASC.) in 8,8 Sefunden und die viermal 100 Meter des ASC. in 48,1 Sekunden. Die viermal 1500 Meter gewann Fichte- Moabit in 17,55,1 Minuten, Stettin lag 40 Meter zurüd; an dritter Stelle landete Hamburg. Stadionweihe in Rostock. In Rostoc wurde von den Arbeitersportlern des dritten Kreises des Arbeiter Turn- und Sportbundes in Anwesenheit von Tausenden von Zuschauern das neue Stadion eingeweiht. Die Feier nahm einen ausgezeichneten Verlauf. An dem Festzug durch die Stadt nahmen mehr als 3000 Personen teil. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Schreck( Bielefeld) bezeichnete das neuerbaute Stadion in seiner Festansprache als ein Wert, das Zeugnis davon ablege, wie in der Arbeiterschaft über den wirtschaftlichen und politischen Kämpfen der Kampf für den fulturellen Aufstieg nicht Ministerpräsident Schröder forderte die vergessen werde. Sportgenossen auf, neben der notwendigen sportlichen Betätigung niemals den politischen und wirtschaftlichen Kampf zu vergessen. Die Feierlichkeiten waren von sportlichen Wettkämpfen der Arbeitersportler und Turner umrahmt. Ein Arbeiterschwimmfest fand am Sonntag in Görlig statt. Mit der Veranstaltung waren die Ausscheidungen der Besten im Wasserballspiel des Mitteldeutschen Verbandes verbunden. Am Start erschienen Mannschaften aus Halle, Bunzlau, Dresden, Liegnitz, Breslau und Reichenberg ( Tschechoslowakei). Das Endspiel konnte Dresden gegen Halle überlegen mit 5: 2 für sich entscheiden. Die siegreiche Mannschaft wird am 11. August zu den Bundesausscheidungen in Osnabrüd antreten. Arbeiter- Fußball. Finnland schlägt Deutschland. Die Fußball- Auswahlmannschaft des Arbeiter- Turn- und Sportbundes hat das dritte Spiel gegen die Mannschaft des finnischen Arbeitersportbundes in Helsinki 3: 4 verloren; zur Halbzeit lag die deutsche Mannschaft mit 3: 0 in Führung! Das erste und zweite Spiel in Rotta hatte Deutschland 4: 2 und 5: 2 gewonnen. Atempflege und gymnaftit entgegengewirft werden fann; sie ist deshalb besonders schädigend, weil durch sie nicht nur das Herz, sondern auch das ganze äußere Gefäßsystem, in erster Linie die Gefäße in den arbeitenden Muskeln start beansprucht werden. Der Grad der Beanspruchung des Herzens ist je nach Sportart, Intensivität der Ausübung und Dauer der Sportarbeit verschieden. Den stärksten Veränderungen ist das menschliche Herz beim Skilauf ausgefeßt; dann folgen Rudern, Radfahren, Ringen, Schwim men, Leichtathletik, Fußball usw. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, 1. August, fallen sämtliche Turn-, Spiel- und Sportabende auch der Badeabend der Schwimmabteilung im Poffstadion - aus. Alle Mitglieder beteiligen fich in Sportkleidung restlos unter en fich in Mitführung aller Fahnen usw. an der Kundgebung„ Nie wieder Krieg". Treffpunkt bis spätestens 18 Uhr am Zeppelinplah( Offender Straße, U- Bahnhof Seestraße). Umkleideräume im Hause Lütticher Straße 8( unmittelbar am Zeppelinplah). Bon hier aus Jugend- und Sportdemonstration( in Sportkleidung) nach der großen Spielwiese im Humboldthain. Freie Kanu- Union. Sämtliche Sportgenossen treffen sich am Mittwoch, dem 1. August 1928, 17% Uhr, am Bahnhof Wedding. Nachzügler um 6 Uhr am Zeppelinplay. Umkleideraum: Lütticher Str. 8. Paddel und Flaggen mitbringen. Bersammlungsbeschluß nimmt der Verein an der Antikriegsdemonstration der Arbeiter- Turn- und Sportverein" Jahn", Treptow.Baumschulenweg. Lout S39. teil. Die Mitglieder treffen sich um 18 Uhr Zeppelinplag. ift Umkleidelotal. Die Fahne ist mitzubringen. Doriselbst Freie Faltbootfahrer Berlin. Mittwoch, 1. August, geschlossene Teilnahme an der Antikriegstundgebung im Humboldthain. Treffpunkt 18 Uhr Lütticher Straße 8. Paddel und Wimpel mitbringen. Unsere Zusammenkunft am Donnerstag, 2. August, fällt aus. Sonnabend, 4. August, Fahrt ZehdenickSchnelle Savel. Abfahrt 15% Uhr Stettiner Bahnhof. shiam quivaⱭ mobilim Nurmi, @amis all tot olla sid der finnische Läufer, hat die goldene Medaille im 10000. MeierLauf in der olympischen Rekordzeit von 30: 18,4 Minuten gewonnen. Er war bereits 1920 olympischer Meister über 10000 Meter. Schwimmfest in Strausberg. Bei herrlichem Sommer fonnte am Sonnabend und Sonntag der Verein„ Welle"-Strausberg im Strausberger See sein diesjähriges lokales Schwimmfest abhalten. Zehn Vereine aus Berlin und Umgegend hatten sich mit etwa 200 Startenden beteiligt. Leider litt das gut besuchte Fest unter der schlechten Schwimmanlage. Die Stadt Strausberg besitzt noch keine Schwimmsportbahn, troß zweier Freibäder an dem günstig gelegenen See. Der technische Apparat flappte und so bekamen die Zuschauer in stets wechselnder Reihenfolge spannende Kämpfe zu sehen. Die Jugendlichen und die Männer- B- Klaffe waren außerordentlich stark vertreten und mit Gifer bei der Sache. Die führenden Berliner Vereine holten sich die meisten Siege. Ergebniffe. Männerlagenftafette 4X50 Meter: 1. Neukölln 2:39, 2. WelleBerlin 2: 49%. Anabenbruststafette 4 × 50 Meter: 1. Berlin 12 3: 46%, 2. Neukölln- Lichtenberg 3: 51%. Wafferballmehrkampf, Weitwurf, Bielwurf 50 Meter, Dribbeln: 1. Berlin 12 71 Bunkte, 2. Reukölln 63 Punkte. Männ liches Jugendfreistilschwimmen 100 Meter: 1. Grilhn( Charlottenburg) 1:18, 2. Bechtolf( Welle- Berlin) 1: 33%. Frauenrüdenschwimmen 100 Meter: 1. Rotanig( Berlin 12) 1: 54% 2. Elfert( Neukölln) 1:55. Knabenfreistil. ftafette 4X50 Meter: 1. Neutän 3: 43%, 2. Berlin 12 3:47. Rettungsmehrtampf, a) Transportschwimmen 50 Meter: 1. Welle- Berlin 52 Ect., 2. Etraus berg 53 Eet. b) leiberschwimmen: 1. Welle- Berlin 1: 40%, Köpenick 1: 59%. Jugenbrüdenschwimmen 100 Meter: 1 Rutichtau( Charlottenburg) 1.32%, 2. Haurich( Welle- Berlin) 1:40. Weibliche Jugendbruststafette 4X50 Meter, a) 14-16 Jahre: 1. Welle- Berlin 3:53, 2. Neukölln 3: 56%. b) 16-18 Jahre: 1. Welle- Berlin 4:12. Männerfreistilschwimmen 200 Meter, Klaffe A: 1. Frohn 2:51, 2. Dietschte II 3:03, 3. Ropte 3: 13, sämtlich Neukölln. Männerrüdenschwimmen 100 Meter, Klaffe B: 1. Biefen( Köpenick) 1:28. Aürspringen, 3 Sprünge 1 Meter, 2 Sprünge 5 Meter, a) Jugend: Abant( Belle) 25 Punkte. b) Männer: Wadzioch( Welle- Berlin) 34 Bunkte. Männerbrustschwimmen 100 Meter, Klaffe B: 1 Fordner( Welle- Strausberg) 1:40, 2. Schulz( Neukölln) 1: 40%. Alaffe A: 1. Weber( Neukölln) 1:35, meter, a) 14-16 Jahre: 1. Belle- Berlin 3:16, 2. Eberswalde 3: 22. 2. Soffmann( Welle- Berlin) 1:36.- Männliche Jugendfre ftilftafette 4 × 50 16-18 Jahre: 1. Charlottenburg 2:50, 2. Welle- Berlin 2: 53%. Wien besiegt Freie Turner Aschersleben 6:11:35, 2. Fordner( Belle- Strausberg) 1:37. Alaffe A. 1. Qurter( Stepenim) 2500 Zuschauer. Wien zeigte formvollendetes, spannendes Spiel. Beiderseits die Torhüter in Hochform. Aschersleben nicht so schlecht als das Verlustresultat besagt. Zuschauer begeistert über das Spiel der Wiener. Wilfau( Erzgebirge) Oberhohndorf( Erzgebirge) Aussig( Böhmen) ( Böhmen) Aussig 3: 1.96 Achtung, Brüsselfahrer! 5: 0. Die Fahrer zum belgischen Bundesfest in Brüssel wollen sich so einrichten, daß sie Sonnabend, 4. August, 9 Uhr, in öln, am Urjulaplaz( dicht am Hauptbahnhof), find. Abfahrt nach Brüssel 9.20 Uhr vom Kölner Hauptbahnhof. Der Fahrtleiter: A. Overzier. Der Bundesvorstand: C. Gellert. Sport und Herz. Das menschliche Herz spielt im sportlichen Leben eine große Rolle. Es wird durch die intensive und meist auch dauernde Bewegung sehr stark in Anspruch genommen, am stärksten aber durch die Breßatmung blaftet. Die Breßatmung ist eine bei vielen Sportlern bekannte Erscheinung, der nur durch eine gründliche Ergebnisse des Sportfestes der F. S. Tegel Dreilampf Männer: 1. Göring( Mordoft 06) 22 Punkte, 2. Meißner( Sparta) 217 Punkte, 3. Dümmler( Sparia) 201 Punkte. Dreilampf Männer 08/09: 1. Wieste( Sparta) 212 Punkte, 2. Bräuer( Tegel) 207 Puntte, 3. Giermann ( Reutöln) 194 Punkte. Dreilampf Männer über 30 Jahre: 1. Starla( Sparta) 1. Menzel( Tegel) 275 Buntte, 2. Betuschnia( Sparta) 259 Puntte, 3. Wegner 252 Punkte, 2, Maffenth( Sparta) 139 Punkte. Dreikampf Jugend 10/11: ( Lichtenberg) 245 Punkte. Dreilämpf Jugend 12/14: 1. Schulz( Tegel) 219 Bunkte, 2. Sirte( Lichtenberg) 187 Bunkte, 3. Wiegand( Lichtenberg) 184 Punkte. Dreilampf Frauen 11 und älter: 1. Rippel( Lichtenberg) 258 Bunkte, 2. Sippel I( Lichtenberg) 248 Punkte, 3. Rankowski( Lichtenberg) 232 Punkte. Dreikampf Frauen 12/14: 1. Nafchte( Tegel) 185 Bunkte, 2. Dreher( Neukölln) 182 Buntte, 3. Fliegener( Neukölln) 132 Buntte. Einzelfämpfe: Männer 60 Meter Sürben: 1. Nummler( Sparta) 10,1 Ect., 2. Wenzel 1. Gierte( Moabit) 14: 59,2 Min., 2 Dames( Evarta) 15: 13,8 Min., 3. Dames, ( Lichtenberg) 10,6 Get., 3. Ehite( Südost) 11,2 Get. Männer 3000- Meter- Gchen: .( Sparta) 16: 22,8 Min. Männer Stabhochsprung: 1. Sen!( Schönow) Männer 400 Meter: L. Begner( Lichtenberg) 56,1 Ger., 2. Leobrud( Lichtenberg) 3 Meter, 2. Schwarz( Tegel) 3 Meter, 3. Rähne( Neukölln) 2,90 Meter. 58 Gel. Männer 08/09 400 Meter: 1. Schipple( Südost) 56,6 Get., 2. Urban 1. Sparta 31,28 Meter, 2. Steutolla 27,90 Meter, 3. Sparta 11 27,15 Steter. ( Tegel) 61,2 Get., 3. Chite( Südost) 62 Get. Männer Mannschaftstugelstoken: Männer 08/09 100- Meter- 2auf: 1. Schipple( Fichte- Suboft) 12,1 Gel., 2. Bieste Männer 100- Meter( Sparta) Handbr. zur., 3. Breitenfeld( Tegel) 12,2 Get. Lauf: 1. Göring( Nordoft 06) 12,2 Get., 2. Meerwald( Tegel) und Dümmler ( Sparta) Handbr. zur.. Männer 08/09 Weitsprung: 1. Breitenfeld( Tegel) 5,90 Meter, 2. Chlke( Fichte- Südoft) 5,68 Meter, 3. Wieste( Sparta) 5,30 Meter. Männer Weitsprung: 1. Göring( Nordost 06) 5,92 Meter, 2. Meerwald( Tegel) und Meißner( Sparta) je 5,60 Meter. Männer 1500- Meter- Lauf: 1. Lavarenz ( Schönow) 4: 27.3 Min., 2. Behrendt( Moabit SB.) 4: 38,7 min., 3. Claasen ( Neukölln) 4:55 Min. Männer 4X100 Meter: 1. Lichtenberg 48,3 Get., 2. Neukölln 48,6 Get., 3. Sparta 49,0 Eet.-Männer 10X½ Runde( 200 Meter): 1. Sparta 4: 20,8 min., 2. Neukölln 4: 21 Min., 3. Lichtenberg 4: 21,2 Min. Männer über 30 Jahre 4X100 Meter: 1. Sparta 53 Get., 2. Sparta II 55 Gef., 3. Tegel Handbr. zur. Frauen 100 Meter: 1. Bahl( Lichtenberg) 14,4 Get., Frauen Frauen Kugelwerfen: 1. 3ippel I( Lichtenberg) 16,70 Meter. Weitsprung: 1. Lahl( Lichtenberg) 447 Meter. Frauen 4X100 Meter: 1. Lichtenberg 57,8 Ecf., 2. Tegel Brustbr. zur., 3. Neukölln 60,3 Get. Jugend 4X100 Meter: 1. Revfölln 49.2 Get., 2. Lichtenberg 50,1 Get., 3. Tegel 51,5 Get. Jugend Schwebenftaffel: 1. Neukölln, 2. Lichtenberg, 3. Tegel. Vom Kölner Turnfest. Glossen eines Beobachters. A Aeußerlich glanzvoll, weist doch auch dieses Fest der D. T. die innerliche Unverbundenheit der großen Massen schlagend auf. Wenn Arbeitersportler ein Fest feiern, tönt ihr Gruß und Schlachtruf in allen Gassen. Nie gehen sie aneinander vorüber, ohne herzlich brüderlichen Gruß. Hier aber verkehren die Massen wie Fremde miteinander. In der deutschen Turnerschaft sind die denkbar größten Klassen gegensäge zu finden, daher das Fehlen innerlicher Zusammengehörigkeit. Nur gleich und gleich gesellt sich gern. * Fahrer teilnehmen, so daß 4 Borläufe erforderlich werben. Neden einem Zweifizer- Prämienfahren und einem Mannschaftsrennen nach Sechstageart für Amateure in 2 Läufen mit den besten Berliner Paaren am Start kommt noch ein interessantes Mannschaftsfahren zum Austrag. Wochenende mit den Naturfreunden! Conntag, 5. August, Wochenendfahrt des Touristenvereins Die Natur. freunde" Reisebureau in die Ruppiner Schweiz. Etliche Teilnehmer. farten find noch bei Thomas, № 65, Luxemburger Str. 1; Sinn, N 20, Stettiner Straße 30; Vorwärts"-Spedition Treptow, Graegstr. 1; Wolter, Neukölln, Siegfriedftr. 55; Schmidt, W 30, Ranteftr. 30, und im Reisebureau, R 24, Johannisstr. 14/15, von 17-20 Uhr, zu haben. Sonderzug nach Zürich. Die Teilnehmer werden ersucht, die restlichen Einzahlungen bald vorzu= nehmen, entweder direkt im Reisebureau des Touristenvereins Die Natur freunde", Johannisstr. 14/15, oder auf Postschecktonto Berlin 117 399( Hans Sawall gewinnt drei Dauerrennen weißrot, mit dem preußischen Adler inmitten. Anscheinend wird Dresler). Lester Anmeldetermin iſt der 3. Auguft. Die Begegnung Sawall- Möller auf der Olympia. bahn hatte ihre Zugkraft nicht verfehlt! Die Bahn wies guten Besuch auf. Von den Stehern waren verpflichtet: Bauer, Sawall, Möller, Leddy und Linart. Sie hatten vier Dauer: rennen über je 25 Kilometer zu bestreiten, die, wie nicht anders zu erwarten, eine flotte Erledigung fanden und im Zeichen des Bahnmatadors Walter Sawall standen. Brannte er doch infolge der Borkommnisse bei der deutschen Radmeisterschaft mit Recht darauf, feinem Publikum oder besser, der Sportgemeinde überhaupt, fein Können einwandfrei zu zeigen. Und er fuhr aus: gezeichnet. Den ersten Lauf gewann Bauer in 20 Min. 31 Set. vor Möller 5, Sarall 30, Leddy 300 und Linart 1160 Meter zurüd. Der Charlottenburger stellte mit dieser Zeit einen neuen Bahn: retord auf. Dann war der Augenblick für Sawall gekommen; er mußte alle drei Läufe zu gewinnen und stürzte im dritten Rennen den Bauerschen Rekord. Hier fuhr er die 25 Kilometer in 19 Min. 49 Set. Alles in allem hat dieser Renntag den flaren Beweis er bracht, wo der eigentliche deutsche Meister für 1928 zu suchen ist! 1. Lauf: 1. Bauer 20:31( Bahnrekord), 2. Möller 5 Meter, 3. Gawall 30 Meter, 4. Ledby 300 Meter, 5. Linart 1160 Meter zurüď. 2. Lauf: 1. Gamall 21:06, 2. Möller 60 Meter, 3. Leddy 100 Meter, 4. Linart 150 Meter, 5. Baiter 300 Meter zurüd, 3. Lauf: 1. Gawall 19: 49( Bahnrekord), 2. Möller 560 Meter, 3. Linart 700 Meter, 4. Leddy 2020 Meter, 5. Bauer 2600 Meter zurück. 4. Pauf: 1. Comall 21: 20.1, 2. Linart 100 Meter, 3. Leddy 210 Meter, 4. Fauer 520 Meter, 5. Möller 1500 Meter zurüd. Hauptfahren: 1. Degraeve, 2. Mori, 3. Tewolf. Punttefahren: 1. Baffi 14, 2. Dewolf 12, 3. Porn 7 ft. Karl Sahm bleibt Weltergewichtsmeister. Sonntag abend kam im Lunapark der Kampf um die deutsche Weltergewichtsmeisterschaft zwischen dem Titelvers teidiger Karl Sahm Hamburg( 65,7 Kilogramm) und seinem Herausforderer Hans Seyfried Bochum( 66,2 Kilogramm) zum Austrag. Der Borring war von etwa 15 000 bis 20 000 Zuschauern umlagert, die troß des später einsetzenden Regens tapfer ausharrten. Der Kampf, der über 15 Runden ging, verlief vom Beginn bis zum Schluß äußerst flott und brachte mehrmals überaus spannende Situationen. Sahms Ueberlegenheit machte fich bald bemerkbar; Senfried borte zeitweise recht unüberlegt und schlug viel daneben; dem Tempo des Meisters war er auf die Dauer nicht gewachsen. In der zehnten Runde verwickelte Senfried feinen Gegner in einen wilden Schlagaustausch, in dem Senfried auf furze Linte zweimal für Augenblide auf die Breiter mußte. Die 12., 13. und 14. Runde verlief sehr hart, Seyfried fonnte dem Meister aber nicht mehr gefährlich werden. In der legten Runde wurde er von Sahm beinahe fertig gemacht, fajt hilflos hing Seyfried in den Seilen. Der Punttfieg Sahms löfte starken Beifall aus. Frankreich behält den Davis- Cup. Ueber den Ausgang des Herausforderungskampfes um den Davis- Botal tonnte tein 3weifel mehr bestehen, nachdem Frankreich das Doppelspiel gewonnen hatte. Die endgültige Entscheidung fiel am Montag sehr schnell, denn bereits im ersten Treffen fonnte Frankreich den für den Sieg notwendigen dritten Punkt buchen und sich somit die wertvolle Trophäe auf ein weiteres Jahr sichern. Cochet ließ sich im Kampf mit Tilden auf nichts ein. Er siegte, wenn auch nur knapp, ohne Sayverlust mit 9: 7, 8: 6, 6: 4. Eine Bereinigung der Kanalschwimmer hat sich in England gebildet, die jetzt die Ansprüche von 21 Schwimmern prüft. Bon 13 Prüfungen, die bisher vorgenommen wurden, hat man in 5 Fällen die Ansprüche anerkannt. Demzufolge ist der Kanal bis her ren Captain Webb( England), T. W. Burgeß( England), Anrico Tiraboschi( Argentinien), Gertrude Ederle( Amerika) und Frau Millie Corson( Amerika) durchschwommen worden. In diesen Fällen wurden durch eidesstattliche Aussagen und einwandfreie Belege die Durchschwimmung des Kanals zweifelsfrei festgestellt. PROGRAMM für die Zeit vom 31. Juli bis 2. August BTC Potsdamer Straße 38 Eins, zwei, drei- los Der Löw' ist los, 6 Akte Jugendliche haben Zutrit Rheinstraße 14 Verlänger.! Ofer mit Iwan Mosjukin 1hr Spielzeug mit Laura la Plante Odeon, Potsdamer Str. 75 Die Dame und ihr Chauffeur Das gute Beiprogramm Turmstraße 12 Der Unbekannte mit Lon Chaney Nur nicht locker lassen Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Liebeskarneval mit Carmen Boni, Jack Trever Auf dem Festplatz tragen viele Tischbanner herum; Schwarzein schwunghafter Handel damit auf dem Festplatz der ,, unpolitischen" Deutschen Turnerschaft getrieben.* 44 000 Freiübungsturner treten an, 300 000 Teilnehmer kommen zum Fest, so verkündeten die offiziellen Stellen. Acht Tage vor dem Fest waren erst 60 000 Festbesucher angemeldet. Wenn auch diese 3ahl stark angeschwollen sein wird, dürften 100 000 Besucher doch schon viel sein. Auch dies ist ein gewaltiger Erfolg, der solche Auf schneidereien nicht nötig hätte. 40 000 Freiübungsturner? Die große Jahn- Wiese hat 18 000 Richtungsplatten bekommen, so daß beim besten Willen nicht mehr als 18 000 Turner antreten fönnen, weil jeder auf einer solchen Blatte zu stehen kommt. Ob der Platz gefüllt war? Die Deutsche Turnerschaft ist zwar zahlenmäßig start, aber viel weniger aftiv tätig, als die Arbeiterturn- und Sportvereine. * " Ferienreise in den Harz. Zu der am 12. August beginnenden Ferienreise in den Sarz tönnen sich noch etliche Teilnehmer im Reisebureau der Naturfreunde, Johannisstr. 14/15, melden. Photographien der ersten Spreewaldfahrt können abgeholt werden. Vereinskalender. Tennis- Rot, Friedrichshain. Donnerstag, 2. August, 21 Uhr, AbteilungsAABD., 4. Kreis. Ludwigshafen- Fahrer: Freitag, 3. Auguft, ZusammenStraße 5, 20 Uhr. Bis zu diesem Tage muß unbedingt das Fahrgeld einversammlung im Alten Pagenhofer", Landsberger Alee 156. tunft aller seilnehmer an der Subwigshafen- fahrt bei Goffmann, Gubener gezahlt fein. Berliner Arbeiter- Schachtlub. Donnerstag, 2. August, 20 Uhr: Abt. West Abt. Moabit: Rostoder Str. 6. Abt. Reinickendorf- Oft: Residenzsir. 109. Abt. Gesundbrunnen: Koloniestr. 147. Abt. Schillerpart: Müllerstr. 126. Abt. Nordring: Gaudystr. 10. Abt. Alt- Berlin: Kaiserstr. 46. Abt. Often: Große Frankfurter Str. 14. Abt. Treptow: Elfenste 12. Abt. Neukölln- Nord: Pannierstr. 40. Abt. Brizz: Rudower Str. 35. Werbebezirk Ost: Sportplag Friedrichshain freier Echachverkehr Gäste stets willkommen, Freitag 3. August, 20 Uhr: Abt. Mitte: Zionskirchplag 5. Abt. Wedding: Liebenwalder Straße 35/36. Abt. Gartenplag: Pflugftr. 8. Abt. Königstadt: Friedenstr. 61. Abt. Südwest: Jüterboger Str. 7. Abt. Oftfap: Rigaer Str. 67. Gäste stets willkommen. Montag, 6. August, 20 Uhr: Abt. Wilmersdorf: Berliner Straße 48. Werbebezirk Ofts Sportplatz Friedrichshain freier Schachverkehr. end: Bortrag über Brobleme des Genossen Schwenke, Sophie- Charlotte- Str. 88. Die Nepperei war riesig. Alles ist so teuer, daß viele Ausgezogene" vorzeitig abfahren mußten. 7,50 m. betrug der Festbeitrag, aber nur für den Festplatz. Die Abendveranstaltungen forderten weitere hohe Geldopfer. Und wer gar Tribünenplätze Beitragsabrechnung bei Sadbarth, Mustauer Str. 10, von 19½- ½ Uhr. haben wollte, mußte wenigstens 50 M. aufwenden./ Liter Bier auf dem Festplage 1,10 M., den hohen ,, Stehkragen" bekam man zu. Alle anderen Preise entsprechen dem. Für die Freiquartiere" brauchten freilich nur" 8 M. gezahlt zu werden. Ja, ja, vaterländischer Dienst ist opferreich. Engel schlägt Faucheux. Vor ausgezeichnetem Besuch, es mögen etwa 8000 Zuschauer das weite Rund der Radrennbahn in Köln- Müngersdorf besetzt gehalten haben, wurde das glänzende Fliegerrennen versprechende Programm am Montagabend abgewickelt. Den Höhepunkt in sportlicher Hinsicht bildete der Preis des Deutschen Turnfestes, das Flieger der internationalen Extraklasse am Start sah. Aus sechs Borläufen, zwei Hoffnungsläufen, vier 3mischenläufen und zwei Vorentscheidungen wurden die beiden Teilnehmer an den Endläufen ermittelt. In den Vorläufen setzten sich die beiden Franzosen Michard und Faucheur, der Schweizer Kaufmann, der Holländer Moestops, sowie die Deutschen Engel und Osz= mella durch. Zu diesen gesellten sich für die weiteren Läufe aus den Hoffnungsläufen noch Steffes und Ehmer. In den Zwischenläufen gab es manchen packenden Kampf. Faucheur schlug Moestops um Handbreite, Engel fertigte Ehmer sicher ab, Oszmella unterlag gegen Kaufmann, während Steffes sich Michard beugen mußte. Die Borentscheidungen sahen Faucheur über Kaufmann um Reifenstärke und Engel als knappen Sieger vor Michard erfolgreich. Damit hatten sich Faucheur und der frühere Amateur- Weltmeister Engel für die Entscheidungsläufe qualifiziert. Im erſten Lauf fertigte Engel den hervorragenden Fran30fen um etwa 20 Zentimeter ab, diefer drehte dafür im zweiten Lauf den Spieß um und siegte mit Handbreite gegen den Kölner. Dadurch war ein dritter Entscheidungslauf notwendig geworden, den Engel unter brausendem Beifall sicher gegen den Franzosen gemann. Die umrahn.enden Wettbewerbe zeitigten folgende Ergebnisse: 400- Meter- Punttefahren: 1. Oszmella 5: 22, Punkte; 2. Chmer 22 Bunkte; 3. Frankenstein 20 Punkte; 4. Eteffes 18 Punkte; 5. Echamberg. Borgabefahren, 1609 meter: 1. Raufmann( 10 Meter Borgabe); 2. Osamella( 40 Wieter Borgabe); 3. Michard( 20 Meter Vorgabe); 4. 3auns( 80 Meter Vorgabe). Zandemfahren: 1. Lauf: 1. Engel- Steffes; 2. Osamella- Frankenstein; 3. Michardaucheng; Bailey- Bauns. 2. Sauf: 1. Osantella- rantenftein; 2. SchambergChmer; 3. Bailen- 3auns; 4. Faucheur- Michard. Gesamtergebnis: 1. OszmellaFrankenstein 8 Punkte; 2. Faucheur- Michard. Bailey- Fauns und Ehmer- Schamberg je 6 Punkte( Engel- Steffes geftürzt und aufgegeben). Sauptfahren für Amateure: 1. Trauden; 2. Dehlschläger; 3. Zundt; 4. Perelaer. Bunttefahren für Amateure: 1. W. Rausch 39 Punkte; 2. Gchnigler 38 Punkte; 3. Trauden 35 Punkte. Die Weltmeisterschafts- Borprüfung auf der Rütt- Arena findet am morgigen Mittwoch, abends 8 Uhr, statt. Der französische Weltmeister Michard, der Schweizer Ex- Weltmeister Kaufm nn und der schnelle italienische Crack Linari treten gegen den deutFlieger Diz mella( Köln) und den jungen Berliner Sprinter schen Champion Mathias Engel( Köln), Deutschlands zweitbesten Ehmer in die Schranken. Der Kampf wird in 8 Dreierläufen ausgetragen, so daß jeder der 6 Teilnehmer viermal anzutreten hat. Sie treffen noch einmal in einem nur über 800 Meter führenden Handicap zusammen, an dem noch etwa zwei Dutzend weitere 18771904 1873 H Der Hungerstein bei Schandau 199 Schnaps mit Lauge. Hunderte von Alkoholvergiftungen, besonders am Sonnabend, dem Lohntage, brachten die Warschauer Polizei auf die Beine, gewiffe Kneipen im Arbeiterviertel zu beobachten. So fiel es auf, daß einzelne Birte in Geschäftsverbindungen mit dem„ Par= fümerie fabrikanten" Brio, Stawki 63, standen. Da es verdächtig erschien, daß Kneipwirte soviel wohlriechende Wässerchen( Wudka) beziehen, wurde die Parfümerie untersucht. Das Resultat war die Entdeckung einer geheimen Spiritusbrennerei, die täglich 100 Liter Spiritus lieferte. Um die Ware schmackhafter zu machen, setzte der geschäftstüchtige Fabrikant dem Spiritus Lauge hinzu. Wenn das höllische Gesöff auch durch die Kehle ging, der Magen konnte denn doch nicht mitmachen und die Folge waren die ungeheuer vielen Ertranfungen an Alkoholvergiftung. Der gewissenlose Fabritant und eine Reihe Wirte und Agenten wurden, verhaftet. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. KINO TAFEL Súdwesten Osten L ilm- Palast Kammersåle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. Husarenfieber Achtung! Beg. 6.30. Andreasstraße 64 Achtung, Sprengstoff! mit Talmadge Süden Die Hochzeitsreise Harry Piel in Der Mann ohne Nerven Viktoria- Lichtbild- Th. Th. am Moritzplatz Frankfurter Allee 48 Beg. W. 6.15. 9. S. ab 4 Uhr Der Todesritt v. Little Big- Horn Zwel Welten Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Die Kaiserjäger Der Mann ohne Nerven mit Harry Piel Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Rechtlose Frauen Artistenliebe Bühnenschau Tempelhot Flitterwochen Kleine Affären großer Leute Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Frau Sorge Marcco in Mordendes Gold Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Dorine und der Zufall Küsse, die töten Bühne: Das ist der Unterrrock, Sketsch Friedrichsfelde Tivoli- Lichtspiele Kammerlichtspiele Tempelhot, Berliner Str. 97 Herr Meister u. Frau Meisterin Der Schrecken von London Bühnenschau Friedrichstelde, Berliner Straße 18 Arme kleine Sit mit Wegner, Gr. Mosheim Pat und Patachon in Pelikanien Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Zwei unterm Himmelszelt Eine kleine Freundin braucht eln jeder Mann. Ballschmieder- Lichtsp.| Badstraße 16 PROGRAMM für die Zeit vom 31. Juli bis 2. August Weißensee Ich war zu Heidelberg Student Schloßpark Film- Bühne Der Zigeunerbaron m. Lya Mara Große Bühnenschau Kristall- Palast Alhambra Müllerstr. Prinzenallee 1-6 Die Geliebte des Gouverneurs Großes Belprogramm und Bünnenschau Metro- Palast Chausseestraße 30 Der Unbekannte m. Lon Chaney Herz in Not Große Bühnenschau Pankow Wegen Renovierung geschloss. Palast- Theater Wiedereröffnung: 10. August 1928 Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Herr Meister u. Frau Meisterin Brownie und der Spritschieber Der Verschönerungsrat Gesundbrunnen ,, Alhambra Badstraße 58 Große Ausstattungs- Revue: Es war einmal, 16 Mitwirkd. 16 Bilder Breite Straße 21 a Die Filmkönigin Beg. 7.30, 9 Uhr Der Mann mit den 1000 Bräuten Berliner Allee 205-210 Anna Boleyn mit Henny Porten und Emil Jannings Der Kurier des Zaren Bühnenschau Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 Wegen Renovierung geschloss. Wiedereröffnung Anfang August Schöneberg Titania( uta Schöneberg) Tivoli- Lichtspiel- Th. Hauptstraße 43 6.30. 9. S.& 15. 5, 7, 9 U. Berliner Straße 27 Gibt's ein schön'res Leben? Jugendliche haben Zutritt Bühne: Singers Liliputaner- Revue Täglich 5 Uhr: Jugendvorstellung Nieder- Schönhausen Humboldt- Theater Film- Palast Badstraße 19 Die Rätsel Afrikas, l. u. II. Teil Große Bühnenschau Blankenburger Str.+ Der Pfarrer von Kirchfeld Als ich wiederkam Othello mit Emil Janaings und Werner Kraus Regine mit Harry Liedtke und Lee Parry Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 3, Ecke Gutsmuthsstr. Rin- Tin Tin als Lebensretter Auf der Bühne. Die moderne Tierdressurrevue Mr. Worel mit seinen Zöglingen