BERLIN Freitag, 3. Auguft 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenfir.3 Spätausgabe des„ Vorwärts " 10 Pf. Nr. 364 B180 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeite 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffcheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Ferusprecher: Donboff 292 bis 297 Gefreuzigt in der Stadtbahn. Flucht eines Einsponangeklagten aus Moabit. Auf seltsame Weise versuchte heute vormittag der feit längerer Zeit stellungslose 37jährige Artist Reinhold elmer aus der Rykestraße 51, im Nordosten Berlins, die Aufmerkfamkeit zu erregen: In einem leeren Abteil dritter Klasse eines Borortzuges auf der Strede Wannsee- Potsdamer Bahnhof fchlug fich Uelmer selbst an ein zwei Meter hohes Holzkreuz. Durch beide Hände und Füße maren gewöhnliche schmiede: eiferne Nägel, sogenannte Bierzöller" geschlagen. Als die Bahnbeamten sich anschickten, das Kreuz zu zersägen, um den Getreuzigten zu befreien, stieg er zur größten Verwunderung aller felbst vom Kreuz herunter. Man brachte Ule., da er sich bei feiner Selbstbefreiung verlegt hatte, zur Rettungsstelle in der Eichhornstraße, wo die Bundmale desinfiziert und verbunden wurden. Reinhold elmer, der einen intelligenten Eindruck macht, war früher Marineoffizier. Er mußte seinen Dienst später quittie. ren und betätigte sich einige Zeit unter dem Namen Mortago als Entfesselungstünstler. Das Geschäft wollte abe: durchaus nicht mehr gehen und so fam Helmer auf den Gedanken, eine sensationelle Attrattion zu schaffen. Durch monatelanges hartes Trai. ning gelang es ihm, nach dem Vorbild des Bergmannes Diebel, fich die Bund male beizubringen. Er zimmerte sich selbst ein etwa zwei Meter hohes Kreuz und die Versuche glüdten. Es gelang ihm, sich ohne fremde Hilfe ans Kreuz zu schlagen und fish ebenso wieder zu befreien. 21 Als der Gekreuzigte heute vormittag in dem Abteil gefunden wurde, hatte er seine Füße noch mit einer Rette fest um= midelt. An einer Schnur, die um den Hals gehängt ma:, war ein Zettel befefttigt, in dem Uelmer bat, falls man ihn ohnmächtig vorfinden sollte, ihn in seine Wohnung zu bringen. llelmer hatte fich, wie er später erzählte, seit 8 Uhr früh auf dem Wannsee- Bahnhof aufgehalten, um ein leeres Abteil zu finden. Endlich, kurz nach 11 Uhr, bot sich ihm die Gelegenheit. E: stellte in größter Eile fein Kreuz auf und schlug sich die Nägel zuerst durch die Füße, dann durch die linke und zuletzt durch die rechte Hand. Nach Anlegung von Verbänden mußte der Verlegte in seine Wohnung gebracht werden. Wo der Kellogg- Pakt unterzeichnet wird. Die Der Konferensraum im Auswärtigen Aml in Paris, wo England, Deutschland, Frankreich und Amerika den Kellogg- Friedenspakt unterzeichnen werden. Bilder zeigen Dr. Stresemann, Chamberlain, Briand und Kellogg In Moabit spurios verschwunden. Wie man Völker aufeinanderhetzt. Geheimnisvolle Flucht des Einsponangel'agten Meinhold. Die eintönige Flut der 28 Verteidigerreden in dem großen Einfpon- Betrugsprozeß der 88 Angeklagten ist durch einen fenfationellen Zwischenfall unterbrochen worden: dem in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten Walter Meinhold ist es geffern nach Schluß der Sigung auf bisher noch ungeklärte Weise gelungen, zu entweichen. Die Gefängnis- und Justizverwaltung steht bisher vor einem Rätfel, wie Meinhold seine Flucht bewerkstelligt hat. Die bisherigen eingehenden Bernehmungen der Mitgefangenen und der in Frage kommenden Beamten haben noch teine Aufklärung gegeben. Die Flucht Meinholds erinnert lebhaft an das Entweichen des berüchtigten Ein- und Ausbrecherfönigs Spang, der in demselben Schwurgerichtssaal unter Anklage stand und dem es in gleicher Weise nach Schluß der Sigung des ersten Berhandlungstages bei der Zurüdführung in seine Belle ins Unterfuchungsgefängnis gelungen war, den Weg ins Freie zu finden. Auch Meinhold befand sich bis zum Schluß der Sizung unter den auf der Anklagebant gehaltenen, in Haft befindlichen Angeflagten. Polen verspricht Ostpreußen den Litauern.- Blick in eine Lügenfabrik. " " Eine große Zahl deutscher Zeitungen, darunter| Form verzichte, sei Pilsudski bereit, seine Truppen aus Litauen in Berlin allein die Germania", die Kreuz Zeitung", die Berliner Börsenzeitung", dazu Dukende von großen Provinzzeitungen veröffent lichten Ende Juli eine Meldung, die ihnen durch die Telegraphen- Union zugestellt war. Diese Meldung war geeignet, zwischen Deutschland und Polen neue Verbitterung zu schaffen. Denn sie lautet: zurückzurufen. In polnischen militärischen Kreisen rechnet man bei einem Vormarsch in etwa drei Tagen Kowno besetzen zu können." Ill. Kowno, 28. Juli. Die Jüdische Stimme" veröffentlicht einen Borschlag, den Bilfubfti durch einen ihm nahestehenden Bolitker der litauifchen Regierung unterbreitet hat. Danach verzichtet Litauen auf Wilna und erhält nur einige Bezirke an der De Litauen auf Wilna und erhält nur einige Bezirke an der Demartationslinie: Seinn und Swenziany. Als Kompensation für den Verzicht verspricht Polen Litauen in Zukunft den litauischen Tell Ostpreußens" zu geb. Königsberg würde Polen jedoch als Ausgang zum Meer für sich behalten. = Die erste Annahme, daß es ihm gelungen sei, bei dem Gedränge Der polnische Politter sall dabei die Meinung geäußert haben, beim Verlassen des Saales unbemerkt sich unter die in Freiheit be daß die Entente Staaten sich diesem Plan nicht wider. findlichen Angeklagten zu mischen und so den Ausgang zu finden, feßen würden. Die Reise Zalestis nach Frankreich und Belgien hat sich nicht bestätigt. Es steht fest, daß Meinhold von der Anflage- soll angeblich mit diesem Plan im Zusammenhang gestanden haben. bant mit den anderen Gefangenen bis zu dem Raum, in dem die Einem Bressevertreter gegenüber äußerte sich Pilsudski dahin Uebergabe an das Gefängnis erfolgt, geführt worden war. Alis dann die llebergabe der Gefangenen stattfand, ergab sich, daß ein Gefchieren wollte. Wenn dann eine litauische Regierung zustande Ais gehend, daß er spätestens im September in Romno einmar fangener fehle. Meinhold muß eine fich plöglich bietende Gelegen- tommen würde, die auf das Wilnagebiet endgültig und in schriftlicher heit in den Gängen vom Gefängnis benutzt haben, um in einem der Gänge fich zu versteden. Er befindet sich aber schon seit langem in Untersuchungshaft, Matteotti!! Der italienische Senator General Emilio De Bono, Gouverneur von Tripolitanien, zur Zeit des Matteotti Mordes Bolizeichef und äußerst start belastet, wurde zum be. Dollmächtigten Minister ernannt! Exzess eines Reichswehrsoldaten. Ein polnischer Ozcanflug. Berichte 2. Seite. Danach wird es als Tatsache mitgeteilt, daß Pilsudski den Litauern einen Teil von Ostpreußen angeboten hat. Wir haben die Quelle für diese angebliche Tatsache die Jüdische Stimme" in Kowno nachgeprüft und festgestellt, daß diese Zeitung am 26. Juli folgende Nachricht gebracht hat: Polen bereit Litauen drei Kreise abzugeben? ,, Wie aus Berlin gemeldet wird, verlautet aus Kreisen, die den litauisch- polnischen Berhandlungen nahestehen, daß sich in Berlin Gerüchte verbreitet haben sollen, denen zufolge ein prominenter polnischer Politiker, der Pilsudski nahesteht, auf einem Umwege der litauischen Regierung folgenden Vorschlag zur Beilegung des litauisch- polnischen Konflikts gemacht haben soll: Litauen verzichtet auf Wilna und anerkennt die gegenwärtige Demarfationslinie mit gewiffen Korrekturen zugunsten Litauens als Grenze an. Durch die Grenzberichtigungen erhält Litauen die Kreise Seinn, Binst(???) und Swienziany. Als Kompensation für den Verzicht auf Wilna sehen die Polen für die Zukunft die Möglichkeit vor, Rönigsberg wollen die Polen als Meereszugang für sich behalten. Litauen die litauischen Teile Ostpreußens zu geben. regierungen nichts gegen diesen Plan einzuwenden hätten. Die letzte Der polnische Politiker sprach die Bermutung aus, daß die EntenteReise von Zaleski nach Frankreich und Belgien soll damit im Zusammenhang stehen, wo er sich über den Standpunkt der Mächte unterrichtet habe, ob es nicht möglich wäre, die Räumung des Rheingebiets bis zur Beilegung des litauisch- polnischen Konflikts zu ver tagen." Die Fälschung, die sich die Tl. oder ihr Vertreter in Komno hat zufchulden kommen laffen, liegt ganz klar: die Jüdische Stimme" verzeichnet die aus Berlin(!) tommende Behauptung, daß in Berlin Exzeß eines Zieichswehrsoldaien. Nur zwei Wochen Gefängnis wegen gefährlicher Körperverlehung. ein Gerücht verbreitet sein soll, nach dem Pilsudski an Litauen ein derartiges Angebot gemacht haben soll. Daraus sülscht die Nachrichtenagentur oder ihr Vertreter in Aowno die Nachricht, daß Pilsudski Litauen ein solches Angebot gemocht hat. Berliner Klatsch wird zu einer Falschmeldung aus Sowno emporgeschwindell. Dazu wird dann noch die Nachricht offenbar hinzuerfunden, daß Pilsudski einem Pressevertreter erklärt hat, er werde spätestens im September in Ltauen einmarschieren: eine Nachricht, von der u. W. in der ganzen litauischen Presse kein Wort gestanden hat! Deutschland und Polen werden durch die Mitteilung aufeinander' gehetzt, daß Polens Diktalor deutsche» Gebiet an Litauen verspricht— Polen und Litauen werden durch die Behauptung aufeinandergehehl. daß Polen» Diktator Litauen mit dem Einmarsch bedroht. Aus übler Sensation»macherel und widerlichem Nationalismus wird ein ekle» Gemisch hergestellt, um die öffentliche Meinung dreier benachbarter Länder zu vergiften. Die Gpihelzenirale überführt. Sine Erklärung Osterroths jun. Nach ihren ersten Ableugnungcn muß die„Rote Fahne" vom 2. August zugestehen, daß, wie wir behaupteten, Osterroth gegen eine wöchentliche Entschädigung von 10 Mark in der Zentrale der Kam- munistischen Partei beschäftigt wurde. Um aber noch zu retten, was zu retten ist, scheuen die Kommunisten nicht vor Fälschungen zurück. Di«„Rote Fahne" zitiert einen Brief O st e r r o t h s, der angeb- lich unter dem 2 5. Juli geschrieben sein soll und in dem Osterroth mitteilt, daß nur Goldenberg ihm geholfen habe. Zu dieser Be- hauptung der„Roten Fahne" ist zu sagen: Der Brief ist an Paul Brunnenstengel, Berlin, Am Karlsbad 5, unter dem 21. Juli ge- schrieben worden. Das Datum hat die„Rote Fahne" oder die KPD.-Zentrale gefälscht. „Lassen Sie doch den jungen Osterroth selbst sprechen, Herr Künstler, und halten Sie ihn nicht hinter Schloß und Riegel," schreibt die„Rote Fahne" und versucht damit Verdächtigungen auszustreuen. . Wie es damit steht, zeigt die Erklärung die Osterroth jun. uns zuschickt: i 1. Ich werde nicht zwangsweise von meinem Vater und seiner " Familie verborgen gehalten, sondern bin freiwillig von Berlin fortgereist, um wieder gesund zu werden. Jeder, der mich kennt, ? weiß, daß ich mich gegen jeden Zwang auflehne, und weiterhin s sind mein Bater und seine Familie viel zu vernünftig, um mich zu irgend etwas zu zwingen. 2. Ich stand vollkommen unter Goldenbergs Ein- � f luß. Politfch überzeugt von der KPD. war ich nie. Ich machte ' nur alles mit, weil G. es auch tat. Mich lockte das Geheimnis- � volle, das geheime Arbeiten in der SAI., sonst nichts. Ich brauch« ' nichts zu beschönigen, sondern ich sage so wie es ist. 'j 3. Ich bin niemals gezwungen worden, Aussagen über meine schmutzige Tätigkeit in der SAI. für die KI. zu machen, sondern ich bin freiwillig am Montag, den 23. Juli hingegangen und ! habe alles gesagt. Nachdem ich schon monatelang gezweifelt hatte, ob die Spitzeltätigkeit in der SAI. richtig sei, kam ich in der Nacht zum 23. Juli zu dem Entschluß, aus dem Leben zu scheiden, vorher aber alles zu sagen über das Treiben der KPD. 4. Niemand l..rd es mir verdenken können, wenn ich meinen jetzigen Aufenthalt nicht sage, denn eine Partei, die mit derartigen Mitteln in der SPD. und der SAI. arbeitet, ist auch schließlich bereit, zu Gewaltmitteln mir gegenüber zu greifen, zumal sie Angst hat, daß die Arbeiterschaft endlich mal die Wahrheit über die Praxis der KPD. erfährt. Nikolaus Osterroth jun. Die Erklärung Osterroths widerlegt alle kläglichen Ableugnungs- - versuche und Beschuldigungen der KPD.-Zentrale. Daß Spitzelarbeit auf allerhöchste Anweisung von Moskau getrieben wird, dafür ein Beispiel: Im Heft 1 des„Per- bandsarbeiters" heißt es in einem Aufsatz:„Instruktionen über den Aufbau der Betriebszellen und über praktische Arbeit als Grund- einheit der Organisation" �datiert: Moskau, den 1. März 1024) wörtlich: „Sehr wichtig ist die persönliche Verbindung mit Mitgliedern anderer Jugendorganisationen, um erstens zu erfahren, was in diesen vorgeht, und zweitens, um den botreffenden Jugendlichen für unsere Organisation zu gewinnen. Das bedeutet aber nicht, daß das beeinflußte oder gewonnene Mit- glied der sozialistischen oder überhaupt gegnerischen Organisation s o f o r t zu uns übertreten muß. In vielen Fällen ist es wichtiger, daß es auch weiter in der gegneri- schen Organisation bleibt und dort für uns ar- b e i t e t." � Damit ist auch bewiesen, daß die Spitzelarbeit in der KPD. gegen die Sozialistische Arbeiterjugend nicht das Unternehmen einiger untergeordneter Instanzen war, die ihre Befugnisse überschritten, sondern auf allerhöchste Anweisung aus Moskau erfolgte. Die Methoden der Zarenpolizei werden von den Kommunisten gegen die Sozialdemokratie angewandt! Kunde aus Amsterdam. Wer rettet die Ehre der deutschen Nation? Unsere Leser haben aus den Berichten von der Olympiade in Amsterdam erfahren, daß die deutschen Teilnehmer an den ersten Tagen nicht sonderlich gut abgeschnitten haben. Die großen Hosf- nungen, die auf Peltzer, Körnig und ähnliche„Kanonen" der deutschen Leichtathletik gesetzt wurden, sind enttäuscht worden. Seit gestern aber sieht es wieder srcundlichcr für Deutschland aus. Im Florett- fechten der Damen siegte Frl. Helene Mayer aus Offenbach und übereinstimmend wird dazu noch mitgeteilt, daß diese Dame eine Klasse für sich bilde. Die Freude über diesen deutschen Sieg wird allerdings durch die Tatsache getrübt, daß Irl. Mayer nicht ganz „rasserein" ist, sie stammt nämlich aus einer bekannten jüdischen Famile vom Main. Wir wollen nicht verschweigen, daß den vierten Preis im Florettfechten Frau S o n d h e i m aus Deutschland davon- getragen hat, deren Name gleichfalls auf einen für alle„nationalen" Kreise sehr betrüblichen Ursprung hinweist. Es sei ferner bemerkt, daß zu den besten Läufern Herr K o h n gehörte und daß ihm nicht viel an einem deutschen Siege gefehst hat. Fügen wir schließlich h-nzu, daß im 800-Meter-La»f der Frauen Frau R a d t t« aus Breslau die erste Siegerin geworden ist: aber auch hier mengt sich Trauer, ist die Sache nicht ganz unbedenklich, denn Frau Radtke ist eine geborene Batschauer.... In den Redaktionen der stationalen Blätter ist die Stimmung sehr gedrückt. Wohin soll es führen, wenn es vornehmlich den jiidi- schon Teilnehmern an der Olympiade überlassen bleibt, die Ehre der deutschen Nation zu retten? Ein Lotlerieverein Halle am 11. Dezember vorigen Jahres in dem Lokal„w a l d s ch e n ke" in Marzahn ein Eisbein-Essen veranstollek, zu dem nur geladene Gäste Zutritt hotten. Es herrschte in dem Lokal eine gemütliche Stimmung, die allerdings in dem Augenblick eine Aenderung erfuhr, als vier junge Männer auf der Vildfläche erschienen, die nicht Mitglieder des Der- eins waren, ober die Erlaubnis erhalten halten, an der Geselligkeit teilzunehmen. Unter ihnen befanden sich zwei Reichs- wehrsoldaten in Uniform. Die jungen Leute betrugen sich jedoch bald so rüpelhast und anmaßend, daß sie aus dem Lokal gewiesen wurden, vie gingen auch, kamen aber nach einiger Zeit wieder. Diesmal wurde ihnen der Eintritt verwehrt. Aus Aerger darüber lauerten sie vor dem Restaurant, das an einer Landstraße liegt, dem Vorsitzenden des Vereins auf. Als dieser nach längerer Zeit aus der Wald- schenke herauskam, um noch Hause zu gehen, wurde er von den beiden Zivillisten überfallen und mit einem Spazier- stock blutig geschlagen, so daß er zu Boden stürzte. SchKm- mer dagegen erging es dem zweiten Vorsitzenden. Dieser wurde von den beiden Reichswehrsoldaten verfolgt und andauernd mit unflätigen Redensarten belegt. Besonders der O b e r s ch ü tz e Johannes B o l d t tat sich dabei hervor. Er nannte den Mann, der ruhig seiner Wege ging, einen Feigling �und einen alten Felljuden. Dabei wurde der Mann von Boldt �gepufft und in gemeinster Weise gestoßen.?lls er endlich an seinem Haus angelangt war, fiel Boldt über ihn her und schlug ihn mit der Faust ins Aug- und stieß ihn in rohester Art in den Schlammgraben. Als sich der Mann daraus befreit hatte, erhielt er von dem sich wie rasend Gebärdenden neue Schläge mit der Faust. Blutüberströmt sank er zu Boden. Der Soldat kniete auf ihm und schlug weiter auf den Hilflosen ein. Dann entriß er ihm das Schlüsselbund und versetzte ihm damit wuchtige Schläge auf den Kopf. Der Ueberfallene hatte schwere Verletzungen davongetragen: der andere Soldat hatte sich dabei ganz passiv verhalten. Dieser Dorfall hatte nun für den Oberschützen Boldt ein Nach- spiel vor dem Amtsgericht Lichtenberg. Dort war er zusammen mit seinem Bruder, dem Arbeiter Arthur Boldt und dem Arbeiter R u t n i ck wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch angeklagt. Das Gericht verurteilte nach ein- gehender Beweisaufnahme den Oberschützen. wegen gefährlicher Körperverletzung zu 3 Wochen Gefängnis, milde genug für die brutale Tat. Die übrigen Angeklagten wurden zu je 2 Wochen Iweispännig. Der Oeutschnationale:„Verflixt- mitten im Jahren löfi sich mein ArbeitnehmerORoUschuh!" Oer Nest ist Schweigen. Zum Schicksal der Ballongruppe der„Italia". Der„Eorriere della Sera" beschäftigt sich eingehend mit dem mutmaßlichen Los der sortgelriebenen Ballon-Gruppe sowie der hilssexpedition Amundsen», und wirst dtd Frage auf, ob es vernünftig sei, noch zu hassen und ob e» menschlich sei. die Familien der vermißten eventuell noch länger zu täuschen. Nach längerer Unterredung mit allen geretteten Schissbrüchigen könne man sagen, daß man noch hassen dürfe, keiner der Schiff- brüchigen hätte den Ballon ans dem Packeis niedergehen sehen. Die Tatsache, daß in der hülle ein Riß entstanden ist. durch den da» Gas ausströmte, wird durch Nobile und alle seine Gefährten bestätigt. Di« Leute befanden sich beim Wiederaufstieg de« Ballon» wahrschein. lich unoerlehl und die Gruppe verfügt über Lebensmittel auf drei Monate. 3m Luslschifs bcsinden sich serner Gewehre, aber keine Munition, die sich in der Gondel befand und verloren ging. Da- gegen verfüg» die Gruppe über zahlreiche andere Waffen, wie Messer usw. Amundsen am Leben? Wie aus Moskau gemeldet wird, ist dort«in Be.'icht von dem Leiter der Malygm-Expedition, Professor Wiese, eingetroffen, in dem die bestimmt« Erwartung ausgesprochen wird, daß Amundsen und seine Begleiter noch am Leben sind. In der Gegend, in der vermutlich das Flugzeug niedergegangen sei, gäb« es viele Bären und Remitiere, deren Fleisch ihnen als Nahrung dienen könne. Ein polnischer Ozeanflug. An der französischen Küste gestartet. Das Schicksal de, englischen Fliegers Eourtney. der gestern den eben begonnenen Ozeanslug nach kurzer Zeit wieder aufgeben Gefängnis und ein jeder wegen Hausfriedensbruch zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Angesichts der ungeheuren Roheit des Sol- baten ist diese Strafe eine reine Lappalie. Man darf aber wohl annehmen daß die Reichswehr einen solchen ausgesprochenen Rowdy nicht in ihren Reihen dplden wird. , /Professor Kläden." Der Schneider als Assistenzarzt. Einen unbezähmbaren Drang zur Medizin hat ein 32 Jahre alter früherer Schneider Robert Kläden, der sich schon im vergangenen Jahr« als Schwindler betätigte. Mitunter befördert« er sich selbst sogar zum Professor. Er er» schien bei Acrzten und fragte an, ob sie eine Hilfskrast gebrauchen könnten. Wurde er abgewiesen, so gelang es ihm doch meist, eine Unterstützung, auf die es ihm hauptsächlich ankam, zu erlangen. Er wurde gefaßt und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Nach der Der- büßung begab sich„Professor Kläden" auf Reisen und graste ganz Pommern mit gutem Erfolge ab. Dann wandte er sich nach Frank- furt o. d. O. Ein Arzt, den er dort aufsuchte, telephonierte heim- lich an einen Kollegen in Berlin, der von Kläden schon gehört hatte und die Kriminalpolizei von dem Wiederauftauchen des Schwindlers benachrichtigte. Die Frankfurter Behörde, die sofort verständigt wurde, nahm Kläden fest. Mit einer„Praxis" ist es also wieder nichts. Geschädigte Aerzte werden gebeten, sich bei Dienststelle O 2 im Polizeipräsidium zu melden. Oer wiedererstandene Keuschheitsgüriel Ein Stück barbarisches Mittelalter aus der Tscheche!. Aus T r o p p a u wird ein kaum glaublicher Fall gemeldet, der die dortigen Behörden beschäftigt. Ein Mann unterhielt dort mit zwei Mädchen ein Verhältnis, heiratete dann die eine, wollte ober die andere ebenfalls allein besitzen. So kam er auf ein barbarisches Mittel, dos an das dunkle Mittelalter und an feine Keuschheitsgürtel erinnert. Er zwang das Mädchen, sich ein r e g e l- rechtes Vorhängeschloß an den Unterleib anlegen zu lassen. Vorher mußte er natürlich eine Operation vornehmen, die schlecht ausfiel. Run ist das Mädchen an schwerer Llutoergistunz erkrankt. mußte und von dem Dampfer„winnewaska" an Bord genommen wurde, scheiut den Ehrgeiz anderer Flieger nicht abzuschrecken. Nach einer Meldung aus Le Bourget find die polnischen Flieger D z i k o w s k i und k u b a l a heute früh 5.48 Ahr zu ihrem Ozeanflug nach New Park gestartet. Da» mlt einem SSO-LS-Moto: ausgerüstete Flugzeug sührl 6250 Liter Benzin mik und besitzt einen Aktionsradius von 7800 Kilometern bei 48 Stunden Flugzeil. Das Gesamtgewicht de» Apparate» beträgt nahe 8000 Kilogramm. Die Flieger hassen. New Park über die Azoren und N e u s ch o t t. land in 40 Slunden zu erreichen. Sie führen weder eine Funk- statlon, noch Rettungsmlliel an Bord. Tragischer Abschluß des polnischen Bagdadfluges. Der Flug der polnischen Militärflieger Szalos, Kalma und Klosinsk van Warschau nach Bagdad hat in Bagdad einen tra- gi s ch e n Abschluß gefunden. In der Nähe des Flugplatzes prallt« der Apparat gegen eine Anhöhe, wahrscheinlich einen Wasser- dämm, und überschlug sich. Der Pilot S z a l a s wurde tödlich verletzt und starb in wenigen Minuten. Die beiden anderen Flieger kamen mit leichteren Berletzungen davon. Der Foktcr- apparat wurde schwer beschädigt. -IS Personen ertrunken. Furchtbares Unglück in Neusack. M'e die„Stunde" aus Belgrad meldei. hat sich am vonuerstaz in Neusack ein furchtbare» Unglück ereignet. Aus der Landungz- brücke der kroatischen Vonau-Vampfschifsohrisgesellschast standen zahlreiche Personen, die auf den fahrplanmäßigen Dampfer warteten. al» plötzlich ein Gewitter mit orkanartigem Sturm losbrach. Infolge des Sturmes und de» hohen Wellenganges riß die Brück« ab und trieb bis in die Mille des Vonoustrome« hinaus. Zahlreiche Personen sprangen in» Wasser und erlranken. Der Sicherheilsdienst arbeitete schlecht. E» waren keine Reltungsboolc in der Nähe. Insgesamt sind 18 Personen ertrunken, nur drei Personen konnten sich durch Schwimmen in Sicherheit bringen. Das vergessene Grab. In Woerls Reisebücherverlag Leipzig ist 1028 auch ein illustrierter Führer durch Heidelberg erschienen. Bei der Schilderung des Bergfriedhofe« erwähnt er die Grab- denktnäler mancher bedeutender Lehrer der Hochschule, nur ein Grab ist vergessen: Die Ruhestätte des ersten Präsidenten der Re» publik, Friedrich E b« r t. Wir hassen, daß dies auf ein Der- sehen zurückzuführen ist, das in der nächsten Ausloge korri- giert wird. Do» Slahlhelmabzeichen de» Badearztes. Es gibt prächtige Ostfeebädcr! Da liegt in Pommern, östlich von Greifswald, dos Dörfchen L u b m i n, wo schwarzrotgolden« Fahnen grund- sätzlich geräubert und beim Strandburgwettbewerb ebenso grund- sätzlich nur Burgen mit schwarzweihroter Drapierung prämiiert werden. Den größten Bogel schießt aber in diesem Betrieb der Ladearzt Dr. von Hausen ab. der seinen Dienst, mit dem Abzeichen de» Stahlhelms geschmückt, zu versehen pflegt. R t- publikaner haben' sich dieses Ludwin zu merken! was wir„loischweigen". Gestern wurde hier nachgewiesen, daß im Dergleich zu Hätz der Femehäuptling Schulz durch die Am- nestie nicht benachteiligt, sondern eher günstiger gestellt ist. Die „Deutsche Zeitung" behauptet nun, um dies beweisen zu können, hätten wir ihre Feststellung vom 2. August über die Strafberechnung in Sachen Schulz totgeschwiegen.— In Wirklichkeit haben wir die richtige Strasberechnung bereits ausführlich am 31. Juli mitgeteilt, also zu einer Zeit, als die„Deutsche Zeitung" ihren Lesern noch vorschwindelt«, daß Schulz zweieinhalb Jahr« Unter- suchungshajt nicht angerechnet würden! Schützt Schwarzrotgold! Schuhmaßnahmen im Kreise Franzburg-Äarth. s Man schreibt uns: Da in einigen Badeorten des Kreises Franjburg-Barth bebau ep kicherweise von fanatischen Badegästen Fahnen in den Verfassung«- mäßigen Reichsfarben gestohlen oder beschädigt worden sind, hat der zuständige Landrat R ö n n e b u r g, der schon im Frühjahr den Gemeinde- und Badevorwaltungcn besonders eindringlich ans cherz gelegt hotte, für ausreichenden Schutz der Reichsfarben zu sorgen, folgende Maßnahmen angeordnet bzw. mit den Gemeinde- behörden beredet. Es wird der Ueberwachungsdienst durch Landjäger und Gemeindenachtschutzbeamte wesent- lich verstärkt, Belohnungen für die Ergreifung von Tätern sind in Aussicht gestellt. Es ist ferner in ollen Orten ein Aufruf des Landrats angeschlagen worden, in dem es heißt: „Es ist für jeden guten Deutschen beschämend, daß die Reichs- färben, denen man im Auslande die selbstverständlich« Achtung entgegenbringt, an der deutschen Ostsee beschimpft werden. Das muß auch im wirtschaftlichen Interesse der Badeorte un- bedingt unterbleiben. Die Badegäste dürfen durch Störung des politischen Friedens nicht in ihrer Erholung beeinträchtigt werden. Alle Behörden und Badegäste werden dringend ersucht, mich in der Unterbindung und Verfolgung derartigen Frevels zu unter- stützen. Gegen jede Verächtlichmachung der Reichssarben werde ich mit der gebotenen Strenge und ohne Ansehen der Person vorgehen!" Die Gemeindeverwaltungen haben ein« entsprechende„Bekannt- machung" mit Belohnungsankündigung erlassen. Geschädigt« Badegäste werden ein Entschuldigungsschreiben der Gemeindeverwaltung und Ersatz des Schadens erhalten. Der Landrat hat ferner oerlangt, daß an der Seebrücke und am Ge- meindehaus, soweit es noch nicht geschehen ist. die Reichsflagg« ge. zeigt wird, und daß zur Wahrung der Parität in den Lesezimmern auch die großen republikanischen Zeitungen ausgelegt werden. Es steht zu hoffen, daß durch diese Maßnahme endlich erreicht wird, daß künftig jede Beeinträchtgung der verfassungsmäßigen Reichsfarben unterbleibt. Von Kommunisten verraten? Oer Fall Zosef Schlaffer. Saarbrücken. August.(Eigenbericht.) Die Korruption innerhalb der Führerschaft der Deutschen Kommunistischen Partei wird von Tag zu Tag offensichtlicher. Jetzt Hot unser Soarbrücker Parteiblatt«inen neuen Fall aufgedeckt, den die saarländischen Kommuni st en ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit nicht einmal abzuleugnen wagen. Unter den in Bayern durch die sozialdemokratische Initiative Amnestierten befindet sich auch der ehemalige politische Leiter der saarländischen Kommu- nisten, Joses Schlaffer. Dieser Kommunist war, als der Augiasstall der saarländischen Kommunisten zum Himmel stank, von der kommunistischen Reichszentrale nach Saarbrücken geschickt worden, um der dortigen Korruption und Intrigenwirtschaft zwischen den verschiedenen sogenannten„Führern" und Nutznießern der Lewe- gung ein Ende zu machen. Statt dessen wurde er ein Opfer seiner Aufgabe. Nach einer großen Bergarbeiterdemonstration beschloß die Regierungskommission des Saargebiets, ihn auszuweisen, ihn aber nicht der deutschen Polizei, von der er zur Verbüßung einer längeren Gesängnisstrafe auf Grund politischer Vergehen gesucht wurde, auszuliefern. Das besorgten dann aber umso besser seine eigenen Genossen, die ihm von einer von der saarländischen Polizei gemachten inoffiziellen Warnung bezüglich seiner Abschiebung über die deutsche Grenze keine Mitteilung mochten, obgleich es im anderen Falle möglich gewesen wäre, ihn den Händen der kriminal- beamten. die ihn an der deutschen Grenze erwarteten, zu entziehen. Wer die deutschen Kriminalbeamten von der Ausweisung ver- ständigt hat, ist bis heut« noch nicht ausgeklärt. Di« Rogierungs- komwiffion des Saargcbiets und ihr« Polizeiorgane behaupteten anläßlich einer sozialdemokratischen Anfrage, daß die deutsche Polizei von ihnen nicht benachrichtigt worden sei. Man nimmt nun im Saorgebiet ollgemein an, daß die gleichen kommunistischen Führer, die Joses Schlaffer die polizeiliche Warnung vorenthalten haben, sein Kommen der deutschen Polizei signalisierten und ihn selbst ans Messer lieferten. Türkei reformiert Afghanenheer. Türkischer Generalfiobeichef leitet Militärmissisn. Konstantinopel. 2. August. Nach der Ratifizierung des Freundschafts- und Derteidigungs- vertrages zwischen Afghanistan und der Türkei ist der türkisch« Generalleutnant Kiazim Pascha, der zurzeit Chef des türkischen Generalstabes ist, zum Leiter der türkischen Mission er- nannt worden, die das afghanische Heer reorganisieren soll. Er erhält den Posten eines Chefs des Generalstades der afghanischen Armee und wird in nächster Zukunft nach Kabul abreisen. Oer Mörder von Obregon. Leidensweg eines Koffers. Ritt auf dem tschechoslowakischen Amtsschimmel. Wieder einmal nach longer Zeit war ich zu Besuch in meinem Vaterhaus. Das liegt«in« Flintenfchußwcite von der preußischen Grenze, knapp neben einer Kosern«, aus der noch vor lll Iahren der k. und k. Doppeladler krampfhast Reichsapfel und Zepter um- klammerte, während jetzt der zweigeschwänzts böhmische Löwe seine Zähne gegen jeden Zivilisten bleckt. Ich suchte zu Haus« eine Kiste, um sie als Frachtgut, mit alten Büchern und Malmaierial gefüllt, nach Berlin aufzugeben. Das Glück wollte es. daß ich auf einen uralten, fchwarzgestrichenen Koffer stisß, der von meinen Vorfahren anscheinend gleich nach Einführung der Eisenbahn als Frachtgut nach Wien benutzt worden war. Glücklich begann ich das bercitliegend« Kramzeug in den Koffer zu verpacken. Es bestand aus 10 Bänden Heine. 23 Oelstudien, 87 radierten Zinkplatren, 12 holzfchnittplatten, 300 Blatt Radierungen und 10 Reclambüchlein. Als alles wohl verstaut war, verfuchie ich den Koffer zu heben. Slber wie mit dem Boden verwachsen. rührte er sich nicht vom Fleck. Ich vertröstete mich auf die Kraft Die Salzburger Festspiele. Jose de Leon Torol Präsident Obregon gezeichnet von seinem Mörder. Der Attentäter de» neugewählten mexikanischen Präfidenten General Obregon hat sich seinem Opfer in der Maske eines Presse- zeichners genähert. Noch Bollendung de« oben abgebildeten, künst- lerifch recht zweifelhaften Porträt», hat Taral seine Waffe ge- gogen und aus einer Entfernung von nur 30 Zentimetern 3 töd- fiche Schüsse aus den Präsidenten abgegeben. Das Theater auf dem Domplatz während der Vorstellung. trainierter Transportarbeiter und rief telephonisch die einzige Spe- dition in unserer Stadt an.„Waren Sie schon auf der Polizei- direktion? Sie müssen dort«in Verzeichnis in dreifacher Aus- senigung vorlegen und ausdrücklich bescheinigen, daß die Sachen ihr Eigentum, als Ueberfiedlungsgut und nicht zum Verkauf he- stimmt nach Berlin gehen!" kam es zurück. Ich setzte mich hin und verbrachte den Dormittag mit der dreimaligen Abfassung der Be- scheinigung. In Iulimittagshitze trabte ich zur Polizcidirettion. Der leder- färben« Kommissär hinter Tür 5 machte ein gelangweiltes Gesicht. „Erst kommt ein Polizeiagent, um die Sachen in ihrer Wohnung anzuschauen!" Mit dieser erfreulichen Auesicht begab ich mich nach .Haus«. Nachmittag? erschien ein blutjunges Bürfchchen. stellte sein Fahrrad im Vorzimmer ab und begab sich zur amtlichen Durch- schmisfelung des Kofkerinholtes in mein Zimmer. Untzlücklichermeis« hatte ich die zusammengehörigen Gegenstände in Packpapier einge- schlagen und verschnürt. Ein fragender Blick von mir— eine fchlog- fertige Antwort von ihm:„No, missen'» mir aufmachen, misfen's genau zahlen." Also frisch los. Erst purzelten die 10 Bande Hein- rich Heine aus den Boden. Das Verzeichnis in der Hand, begann der Polizeiagent zu lesen:„10 Bände Heine." Verwundert starrten mich seine sanften, slawischen Augen an.—„Heine! Wa? is das?" „Das ist ein Dichter, wo schon lange tot is."—„Und sein die Bücker auch alt?" Zum Glück hatte ich gerade einen Band„Liebes- liede*" in der Hand mit einem prächtigen Fettfleck auf dem Um- schlag. Befriedigt lächelte das Polizeiorgan.„Neues nämlich darf nicht hinüber" fügte er entschuldigend hinzu. Nun kam der große Packen mit den 300 Radierungen. Nach einem halbstündigen Vor- trag über die Technik der Radierung, die der wifsensdurstige Poll- zeiagent mit offenem Munde anhörte, gestand er mir schamhaft, daß er sich auch mit bildender Kunst beschäftige. „Können Sie nix tschechisch?"—„Ale ja, ein bißt."—„Also zählen wir tschechisch!" Ich begann mit kräftiger Stimme„jeden, dra. tfi—" und immer eine Radierung zur andern zulegend. Bis dreißig ging es gut auf tschechisch. Als ich aber«ria tfiret lagen wollt«, blieb mir die Zunge zwischen den Zähnen stecken— worauf mich der Agent prüfend ansah und die Wort« sprach:„Fangen, auf Daitsch von vorne an." Nun ging es glatt bis 150. Plötzlich stürzte mein Besuch, der bi» dahin gewissenhaft in seiner Mutter- spräche mitgezählt hotte, mit einem kauten.Leschisch Mona" zur Tür hinaus. Sine bange Pause verstrich. Ohne Kontrolle wagte ich al» disziplinierter Untertan nicht weiterzuzählen. Nack einer Weile er- schien der Agent mit verklärtem Gesickt in der Tür.„Mein Fahr- rad steht noch da."„Nun freilich", sagte ich.„wer sollte es Ihnen denn hier stehlen'"—..Ja wissen'»", antwortet er.„uns auf der Polizeidirektion ham's gestern sechs Fahrräder gestohlen."—..Aber mir haben doch einen Wachhund."—„Der taugt nix. Hot nicht«in- inal gebellt, wie ich gekommen bin. Alfa, fangen'? von vorn zu zählen an" Mt einem Seufzer der Erleichterung näherten mir un-> der Zahl 300— verkrampfte Lippen murmelten 200. dvKr»a devadeset devSt,— da. o Schreck,«s waren nick» 300 Radierungen, wie es im Verzeichnis stand, sondern 301!„ham wir sich beide geirrt" tönt« e» unbekümmert aus dem Amtsmundc.„Also prosim, fangen» von vorn zu zählen an!" Di« Zunge hing un» beiden aus dem Munde, längst war uns die Spucke ausgegangen, als wir un, zum drittenmal der gefährlichen 800 näherten. 300 und«Ine Radierung! Triumphierend schwenkte der Polizeiagent das corpu, delicti in der Luft herum.„Alsdann ham Sie sich geirrt. Missen'? in allen Verzeichnisien korrigieren, 300 und«ine Radierung. Sehen'?, daß man alles genau machen muß!" Als ich fertig wurde, mußten wir das elektrische Licht an- knipsen. Die Zählung ging ihrem Ende zu. Der letzt« Packen, die Reclambücher, wurden herausgezerrt.„Alsdann Reclambücher" ließ sich wieder die forschende Stimme vernehmen,„das sind Bücher von einem gewissen Reclam, der so ein Dichter wie dieser Heine da war? Stimmt? 10 Büchlein. Alsdann nehm' ich die Ver- zeichnifse mit und können Sie sich morgen von der Polizeidirektion bestätigt, wieder abholen. Ich empfehl' mich." Todmüde sank ich auf mein Bett, von wüsten Angstträumen zermartert. Gebrochen wankt« ich am Morgen zur Polizeidirektion. Tür ö, der lederfarbene Kommissar.„Ich komme um die bestätigten Berzeichnisse. Ein Herr von ihnen hat sich gestern von der Richtig- keit überzeugt." Aus einem gclangwsilten Gesicht tönt es zurück: „ham's vergessen, noch ein Gesuch zu machen, daß Sie die Sachen, auch ausführen dürfen. Kostet 8 Kö. Und auf jedes Verzeichnis kommt«in Stempel mit 5 Kc. Macht 23." Nun schien alles in Ordnung zu sein und ich eilte zur Spedition. Aber ich hatte nicht mit den heiligen gerechnet— es war Peter und Paul— und an Feiertagen arbeiten unsere Leute nicht in der Republik, hieß es> auf der Spedition.„Also dann vielleicht morgen?" fragte ich hofftrungsvoll.„Geht auch nicht— da ist husfeiertag, da arbeitet man nicht in unserer Republik: sie können froh sein, daß der Ge- � denktag an die Schlacht von Zbarow, wo wir zu den Russen über- gegangen sind, schon gewesen ist, sonst könnten wir ihren Koffer erst in fünf Tagen abfertigen, weil noch der Sonntag dazwischen ist. � Aber übermorgen, am Sonnabend, können wir? machen. Da wern ihn unsere Leute in der Früh holen kommen und Sie müssen dann um elf Uhr aufs Zollmagazin, da trifft sich der Beamte vom preußi- fchen Zollamt mit dem vom tschechoslowakischen bei ihrem Koffer,: und da können ihn gleich alle beide untersuchen." Mein Reisetag brach an. Kräftige Arbeiterfäuste schulterten den schwarzen Kaffer und fuhren ihn aufs Magazin. Knapp vor 11 Uhr trat ich ruhig und gefaßt an. Im Unterbewußtsein zählte ich zwar noch immer ununterbrochen bis 301, sogar dann, als fein- fühlig« Zollbeamtenhände den Kofferinhalt betasteten, um, von dem armseligen Inhalt enttäuscht, ein rasch«?„Absolvete" zu sprechen, worauf der Koffer zugesperrt, mit zwei Bandeisen versehen mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 12,30 Uhr ins Duutfche Reich abgc- schoben wurde. Helmut K r o m m e r. Ein Seeschlacht-Film. (llfo-pavillon Nollendorfplatz) In England hat man mit Unterstützung der Admiralität und unter Mitarbeit englischer und deutscher Sachverständiger einen Film von den Seeschlachten bei Coronel und den Falklandsinseln hergc- stellt, mit großer Sachlichkeit und viel Anerkennung für den Gegner, so daß der Film jetzt auch bei uns gezeigt werden kann. Man er- innert sich der Situation: ein deutsches Kreuzergeschwadcr hatte am 1. November 1914 unter Vizeadmiral von Spee auf der höhe des chilenischen Hafens Coronel ein englisches vernichtend geschlagen.. wurde aber dann von einem mehr als doppelt überlegenen englischen Panzergeschwodcr, das inzwischen den Atlantik überquert hatte, bei iffjtfJS den Foldlandsinseln nach tapferster Gegenwehr vernichtet. Dies« beiden Schlachten sind(mit anderen Schissen) genau rekonstruiert. Auch der nicht seemannisch Vorgebildete bekommt ein genaues Bild von den Vorgangen der modernen Seeschlacht(das freilich schon wieder überholt ist). Geradezu niederschmetternd ist der Eindruck, daß gegen die weitertragenden Kanonen und stärkeren Panzer ied« Gegenwehr umsonst ist, daß au» Prestigegründen jedesmal der Schwächere«inen sicheren Untergang entgegengeht. Kann es ein stärkeres Argument gegen den Seekrieg geben? Für den nicht militärisch und patriotisch Interessierten sind das wichtigste am Flm die maschinellen Vorgänge. Freilch war die Montage beim„Panzerkreuzer Potemkin" viel wirtsamer. Der eng- lisch« Regisseur, Capt. S u m w e r s hat nicht den eminenten Sinn der Rüsten für Belebung der Details. Würde all das Entsetzliche und Grauenhafte gezeigt, das auf einem brennenden Kriegsschiff herrschen muß, aus dem immer noch die Granaten einschlagen, so würde das Publikum ausreißen. Dos ist nicht der Zweck der Uebung, und so bleibt dos meiste in Rauch und Unklorhest, damit der Heroismus der Untergehenden und die kalte Entschlossenheit der ihrer Sache sicheren Sieger nicht Schaden leiden. Trotzdem bleibt genug für das Verdikt:„Nie wieder Seeschlacht!" O. Wiedereröffnung des primus-palastes. Ein amerikanischer polizeifilm. In Amerika gibt es nur ehrenwert« Männlein und Verbrecher: nach dieser äußerst bequemen Zweiteilung ist auch das Manuskript für de» Fili»„Der P o l i z e i f l i e g e r von Kalifornien" geichrieben. Er wurde unter der Mitwirkung der amerikanische» Lustpolize! geschaffen. Nach dem, was wir bisher an Filmen erlebten, die unter der Mitwirkung der amerikanischen Marine, der amerikanischen Feuerwehr, der amerikanischen Luftstreitkräfte uird der amerikanischen Polizei entstanden, kann man diesen Film, gelinde gesagt, gerade nicht mit einem guten Vorurteil entgegen- sehen. Nach endlosen Raufereien, Einbrüchen und Verfolgungen bekommt auch diesmal wieder der tapfere Polizciflieger eine reiche Braut. Der Film ist so aufgezogen, daß er alle Abenteuerlustigen in höchstem Maße interessiert und sie indirekt veranlaßt, entweder Polizisten oder Derbreeher zu werden. Emory Johnson arbeitet in seiner Regie mit starten dramatischen Momenten und mit einer schier unglaublickten sensationellen Spannung. Dem Phowgraphen Roß Fisher gelang manch«« Rachtbild»on höchst eigenartigem Reiz. So sind die Fallschirmraketen, ein ver- brennendes Flugzeug und hie Flugzeugaufnahmen eine? beleuchteten Stadt echt amerikanisch, was freilich in diesem Sinne unuber. tresslich heißt. Der Hauptdarsteller Reil Hamilton, ausgezeichnet durch ein offenes, sympathisches Gesicht, hat ein« angenehme Spielwelse. Sein« Gegenspielerin D o r o t h y Gulliver ist ein fader Magazin. typ. Ralph Lewis gestaltet die Figur eine» alten Polizisten lebenswahr und teilweise ergreifend. Die Mitwirkung der ameri- konischen Luftpolizei wird nur on ein paar Paradebildern bemerk- bar. Man sieht recht viel schneidige Kerle und bei den eingsschobenen Schauspiekern sehr viel schlecht sitzend« Uniformen, was man immer. hin als ei« etwas eigenartig« Propaganda bezeichnen kann.—ff. Man bekommt in Berlin nichts zu trinken. Warum sind die„ Sodalisten" verschwunden? er In den erdrückend heißen und schmülen Tagen, die hinter uns liegen, hat es sich man muß das mit Erstaunen feststellen geben, daß Berlin, was schnelles Angebot billiger Erfrischungen anbetrifft, immer noch vollkommen verjagt. Natürlich sind genug Restaurants und Cafés da. Aber einmal find, abgesehen von den fleinen Restaurants, die Preise für Erfrischungen viel zu teuer und sodann bekommt man das Gewünschte auch nicht schnell genug. Es muß betont merden, daß der Lebenszuschnitt Berlins ein anderer geworden ist als von 20 Jahren. Man hat über Tag, während der Arbeit und der Geschäfts- und Berufsgänge, gar nicht mehr die Zeit, sich groß und breit in einem Restaurant niederzulassen, zu marten bis der Rellner fommt, zu warten bis das Getränk fommt und zu warten bis man zahlen kann. Diese urväterische Gemütlichfeit mag allenfalls dem Feierabend überlassen bleiben. Am Tage muß es schnell gehen. Das heißt, dem Konsumenten müssen die Dinge, die er wünscht, entgegengebracht oder möglichst nahegebracht merden. Und diese Aufgabe fann wahrscheinlich nur der Straßen handel erfüllen. Erfrischungen gefällig? Hier und da tauchen nun schon Bagen mit Erfrischungs. getränken der verschiedensten Art und zu billigsten Preisen auf, aber es find bei weitem nicht genug. Man fann sogar mit Erstaunen feststellen, daß sie oft an Stellen, wo man gewohnt ist sie zu finden, wieder verschwinden. Was man hier und da findet, sind die Eis wagen; aber Eis ist nicht jedermanns Geschmad. Man wünscht fich eine fühle, erfrischende 3itrone naturell, eine leicht fäuerliche Brause, eine gefühlte Selter oder einen echten Brunnen, eine Limonade aus fühlem Wasser fie von der Werksleitung bereitgehalten werden. Unter allen Um ständen aber muß man verlangen, daß die städtischen Ber= tehrsgesellschaften und die Reichsbahn in der heißen Jahreszeit sich ihrer Angestellten mehr annehmen als bisher, indem sie ihnen an den Endhaltestellen Erfrischungen bereit. hält: falten Kaffee, Tee oder Zitronenlimonaden. Nichts derartiges geschieht jetzt. Wenn man bedenkt, daß Leben und Gesundheit Hun. derter von Menschen lediglich davon abhängen, daß die Männer auf der Maschine oder im allzu engen Führerstand auch nicht auf Sekundenlänge ihre Nerven verlieren, dann wird man das Verlangen nach diesen und anderen Erleichterungen, zum Beispiel Wasch gelegenheiten, für selbstverständlich finden. $ Recht merkwürdig ist es auch, daß man auf den Bahnhöfen der Untergrundbahn überall Zigarren und Zigaretten und sogar bis - was für eine merkwürdige Uebertretung der genachts 11 Uhr werbepolizeilichen Bestimmungen Schokoladen und Konfitüren im Ladenverkauf bekommen kann, aber nirgends ein Erfrischungs getränk. Vor dem Kriege gab es in Berlin eine Menge fleiner, von einem gemeinnüßigen Frauenverein errichteter alkohol freier Erfrischungstioste. Man hat sie eingehen lassen, ohne fie nach dem Kriege wieder zu eröffnen. Es gab früher eine Menge Selterwasserbuden, deren Verkäuferinnen man mit einem Wortwizz da man Selterwasser auch Sodawasser nennt, als Sodalisten bezeichnete. Auch diese Buden mit den Sodalisten sind dahingegangen, ohne daß etwas zeit gemäß Neues dafür erstanden wäre. Es wird aber hohe Zeit, daß man sich in Berlin die Schwerfälligkeit in diesen Dingen endlich abgewöhnt und sich zeitgemäß ein und umstellt. Herbst der Technik. Allein sieben Berliner Fachmessen im Herbst. Seit langem zeigt Berlin den Ehrgeiz, in Deutschland an erster Stelle der Messestädte zu rangieren. Wenn auch der Frühling und der Sommer keine Erfüllung dieses Ideals bedeuteten, so beabfichtigt die Meffeleitung der Stadt gewiffermaßen als Ersatz für die leerlaufenden Sommermonate fieben große Fachmessen und Ausstellungen in den Gebäuden am Kaiserdamm stattfinden zu lassen. Propagandistisch hat man auch bereits den Titel gefunden, man faßt alles zusammen unter der Formel, erbst der Technit". Bei einem Empfang, den gestern nachmittag die Berliner Meffeleitung im Charlottenburger Rathaus veranstaltete, wurde von den einzelnen Leitern der vorgesehenen Messen das großzügige Programm entwickelt. Ob Dr. Schick mit seiner Behauptung recht behalten wird, daß die Berliner Theater mit ihren projektierten Erstaufführungen den dekorativen Rahmen für diese Veranstaltung abgeben werden, hängt in erster Linie von der Leistungsfähigkeit und der Initiative der Theaterleiter ab. Hoffentlich geht der Wunsch Dr. Schids in Erfüllung. In tnappen Zügen entwickelten die einzelnen Referenten die Idee der verschiedenen Veranstaltungen. Den Auftakt bildet die Berliner Möbelmesse( 23. bis 28. August). Darauf folgt die Große Funtausstellung ( 31. August bis 9. September). Beide Messen haben bereits einige Male in Berlin stattgefunden. Sie find fein originelles Ereignis, sondern sie vermitteln nur einen Ueberblick über die Fortschritte in den Leistungen der deutschen Industrie. Ne u dagegen ist die 2 us stellung ,, Berlin im Licht"( 13.- 16. Oftober). Frankfurt a. M. und Rost od haben bereits den Gedanken eines Lichtfestes in Deutschland populär gemacht. Jetzt endlich folgt Berlin und man hofft, daß diese Veranstaltung das bisher Dargebotene überflügelt. Deffentliche und historische Gebäude, ganze Häuserfronten sollen in modernen Formen illuminiert werden. Lichttürme und Lichtmasten sollen auf den Straßen errichtet werden, und ein Autolichtforso der Personen- und Reflamewagen, sowie ein Nachtflugfest der la"( Internationale Luftfahrt- Ausstellung) follen Ausstellung( 7. bis 16. September), die Internationale Luftfahrt Ausstellung( 7.- 28. Dfiober) und die Internationale Automobil. und Motorrad- Ausstellung ( 8.- 18. November) sollen das Ausstellungsprogramm der Stadt Berlin vervollständigen. mit Saft, ein Glas fühle Milch oder die sehr befömmliche Im Paddelboot über den Ozean die Beranstaltung beschließen. Die Internationale Bureau. durststillende Buttermilch oder saure Milch. Man möchte dann, bei kühler Witterung, so ganz im Vorübergehen, eine Tasse Raffe oder einen Becher Katap oder ein Glas Tee trinten. Nichts davon, Niemanden wird es einfallen, deswegen in einem Restaurant oder selbst in einem Café eine Biertelstunde und länger zu verbringen und dafür 40 Pf. und mehr zu zahlen. Es ist nămlich unerhört, wenn man für eine flare Gelter 30 Pf., für eine Brause 40 Bf., für eine Zitronenlimonade 40 bis 60 f. zahlen muß. Der Straßenhändler, der ja doch auch Steuern und Abgaben zahlen muß und Untoften hat, gibt das alles für die Hälfte und weniger ab. Es ist unverständlich, daß sich die Bersorgung der werftätigen Bevölkerung, der Bassanten und Fremden, der Kinder und jungen Leute, der Arbeitslosen und Kleinrentner mit billigen Erfrischungsgetränken teine gemeinnügige Organisation angelegen fein läßt. Und selbst wenn man der Ansicht ist, daß eine solche zu schwerfällig ist, dann sollte man dem freien Handel, in diesem Falle also dem Straßenhandel, auch freie Bahn laffen, den Straßenverfauf einzurichten und ihn nicht, worüber alle Zeitschriften des ambulanten Gewerbes unausgesetzt bittere Klage führen, durch Bolizeieingriffe erschweren, die in vielen Fällen leider auf Beschwerden der Ladengeschäftsinhaber zurückgehen. Hier handelt es sich um die Befriedigung eines Massenkonsums, den der Ladenhandel, also tu Restaurant und Café, niemals erfaffen wird. Diesem Handel erwächst also auch kein Schade daraus, wenn dem Straßenhandel oder den gemeinnützigen Vereinen der Bertrieb von Erfrischungsgetränten so weit wie möglich erleichtert wird. 9013 Wenn sich die fleinen Restaurateure entschließen tönnten, billige Erfrischungsgetränke vorrätig zu halten und das auch deutlich anzukündigen, dann würde manches besser sein. Allerdings muß sich der Konsument ganz entschieden verbitten, daß man ihm als Limonade ein füßes, lauwarmes Geföff von giftig grüner oder giftig roter Farbe vorfezt, das anscheinend in einer chemischen Fabrit hergestellt ist. Mehr Fürsorge für die Verkehrsangestellten. Eine merkwürdige Unbeholfenheit in der wirksamen Betämp fung quälenden Durstes in den Tagen größter Hige zeigen nicht nur die großen privaten Betriebe, sondern auch die ft a dt if chen Bertehrsbetriebe. Beide, die städtischen wie die privaten, fcheinen nichts davon zu wissen, daß zum Beispiel in Amerika den Arbeitern große Gefäße mit erfrischenden fühlen Getränken bereit gestellt werden. Es ist nicht einmal nötig, daß die Getränke gratis perabfolgt werden. Die Arbeiter und Angestellten werden gerne bereit sein, dem Betrieb den Gestehungspreis zu ersehen und diese Getränke zu bezahlen, wie sie auch ihr Bier bezahlen. Nur müßten Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Saltenburg- Bühnen Dis. Künstler- Th. 14 Uhr Es kommt jeder dran! 9.9 Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Taglich 8 Uhr Der Zanewitsch Deutsches Theater Residenz- Theater Norden 12 310 U. Ende nach 101/ Artisten agie Max Reinhardt Die Komödie Blumenstr. 8. Täglich 81, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Bismarck 2414/7516 Anneliese Wörtz a. G. 34, U. Ende 10%, U. Jugendliche haben Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.- Mk. Berliner Theater Lustspielhaus hartattenstr.93/ 91.08nh.17 Täglich 8, Uhr 31, Ende nach 101/2 Die Reise durch iastspiel d. Deutschen Th. Der Prozess Berlin in 40 Stunden. Mary Dagan Rose- Theaters Theater am Gr. Frankt. Str. 152. Nollendorfplatz 4 Uhr: Die Winzerfest ungeküßte Eva Tanz im Freien Operette in 3 Akten. Feuerwerk Mus k von M. Knopf 84 Uhr mit Lori Leux. Das Preise: Theater des Westens Musikantenmädel, 1.2, 3.4 Mk. usw. Heute 8 Uhr Premiere Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das süsse Geheimnis von Kurt Zorlig. Else Berna und Langendorf. Theater am Kottbusser Tor nottbusser Str. o Tel.: Mpl. 16077 Fabelhaft Das gr. August- Programm der Elite- Sänger Deutscher Kapitän Franz Romer, ein 29 jähriger Offizier der deutschen Handelsmarine, hat in seinem Paddel- Kanu den Atlantischen Ozean überquert. Er startete am 3. März in Lissabon, jetzt hat er die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerte westindische Insel St. Thomas in der Nähe von Portorico erreicht. Romer hat bisher 3100 Seemeilen ( 5700 Kilometer) zurückgelegt. Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Tageskasse 11 bis 2 Uhr. Preise: 60 Pf. bis 2 M. Dönhoff- Brett'i: ( Saal und Garten). Varieté--Kabarett- Tanz CASINO.THEATER Lothringer Str. 37. Wiedereröffnung Freitag, den 17. August 1928 mit dem neuen Sch ager In der Tat ein reichhaltiges Programm, und man weiß aus den vergangenen Jahren, daß die meisten Ausstellungen teine Enttäuschungen werden. Neue Verhandlungen für die Rheinschiffahrt. Das Gutachten wird bis zum 15. September nicht fertig. Die Lohnfrage in der Rheinschiffahrt muß im Herbst neu geregelt merden, da der Lohnkampf im Frühjahr infolge des Machtwortes des Reichsarbeitsministers abgebrochen werden mußte. Zur Klärung der Streitfragen soll bis zum 15. September ein Gutachten erstattet werden. Dieses Gutachten fann aber, wie auf einer dieser Tage vom Reichsarbeitsministerium veranstalteten Besprechung der Gutachter mit den Vertretern der Organisationen, des Reichsverkehrsministeriums und des Preußischen Handelsministe. riums festgestellt wurde, bis dahin nicht fertiggestellt werden. Um nun einen neuen Konfliki nach Möglichkeit zu verhüten, werden die Bertreter der Unternehmer und Arbeiter am 21. August am Rhein zu Borverhandlungen zusammenkommen. Die Rheinschiffer sind der Auffassung, daß es auch ohne Gutachten möglich sein muß, einen Tarifvertrag zustande zu bringen. Arbeitskonflikte in Polnisch- Oberschlesien. Kaftowik, 3. Auguft.( Eigenbericht.) In Polnisch- Oberschlesien droht ein neuer Berg arbeiterstreif. Die Industriellen haben bisher alle Lohnforderungen der Arbeiter abgelehnt und sich nur zu ganz geringfügigen Zugeständnissen bereit erklärt. Inzwischen hat die Regierung eingegriffen, ohne daß es bisher zu einer Verständigung gekommen wäre. Da auch die Bauarbeiter der Hüttenindustrie Polnisch- Oberschlesiens eine Lohnerhöhung von 20 bis 30 Brozent und die Einführung des Achtstundentages verlangen, ist ein Großtampf nicht ausgeschlossen. Die Bauarbeiter wollen am 4. August in den Streit treten, falls ihre Forderungen bis dahin nicht erfüllt sein sollten. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co.. Berlin G 68, Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage. Großdestillation Ernst Friedrich, Belle- Alliance- Str. 3 Flaschenverkauf zu Engros- Preisen SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr.:.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm Wospeist man gut u.billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. 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Kinderraub für die Kautschukgewinnung.— Das Leben im Urwald. Immer wieder wird man in den UrwaldsiedlungSn des süd- amerikanischen Bolivien gefragt: chaben Sie viele Kinder gesehen? Aeltere, jünger« Mädchen oder Knaben, letzter« sind hier nichts Ungewöhnliches. Ein Junge hat einen Wert bis zu 300 Bolivianos und darüber, Mädchen werden nach dem Aussehen bezahlt. Weißt du, wie so ein Diebstahl vor sich geht? Eine Strafexpedition rüstet sich zum oberen Rio Itonama, irgendein Grund wird ge- Bäume werden für den Kanubau hergerichtet. funden, damit sich die Räuber, die von der Regierung sanktioniert wurden, beleidigt fühlen; irgendein Zwischenfall kommt vor: Man verlangt Futter für die Pferde oder eine Frau wird belästigt. Nachts wird dann die Siedlung in Brand gesteckt, die alten Ein- geborenen werden niedergemetzelt, die Kinder geraubt und als Arbeitsfutter nach den Kautschukbaracken geschleppt. Wer kümmert sich um die„wilden" Indianer?..Niemand, am wenigsten die Mission, da sie keine Gläubigen sind. Di« Räuber finden nichts dabei, daß sie unrecht handeln, denn diese„SndianerHunde" sind ja keine Christen, und was liegt an ein paar Lumpenhunden mehr oder weniger? Das Gesindel muß„zivilisiert" werden, das heißt soviel, daß der Kautschuk gewonnen werden muß, mit welchen Mitteln, ist gleich. Di« Kinder kommen in Obhut der Jesuiten- Mission, dort lernen sie Gebet, Arbeit, Alkohol und Berbrechen kennen, dos ihnen bis jetzt fremd war. Kein Wunder, daß diese armen Unterdrückten Mordbrenner und Taugenichtse werden, wenn ihre Jugend so mißbraucht wird. Man stell« sich vor, daß der Kautschukarbeiter seinen niedrigen Tagelohn in der mörderischen 5)itze des Urwalds verdient und dann noch, nach der schwer geleisteten Arbeit, auf Rechnung der Mission arbeiten muß, um Gott gefällig zu sein. Wenden wir uns denen zu, die der.�Zivilisation" entgongen sind: ruhige, sympathische Menschen, die Freude an der Natur und ihren Schätzen haben. Hauptsächlich widmet sich der Guaroyu, der Indianer in Bolivien, dem F i s ch s a n g mit Pfeilen, Lanzen, Gift, Netzen, Reusen und Angeln. Mit großer Geschicklichkeit schießen sie die Fische mit Pfeilen aus harten Palmholz mit Widerhaken. Auf der Jagd nach Kleinticren bedienen sie sich einer Art Hand- schleuder. Ein rundes, mit einer hakenförmigen Umbiegung an einem Ende versehenes Stäbchen, 25 Zentimeter long, liegt am anderen Ende auf einer 6 Zentimeetr breiten, 14 Zentimeter langen Platte, die ein Loch hat. Durch dieses wird der Zeigefinger gesteckt, dos Stäbchen liegt auf dem Vorderarm und der Pfeil, nur leicht mit dem Finger dirigiert und durch den Haken, dem er hinten anliegt, losgeschleudert, saust mit großer Kraft und großer Be- stimmtheit hinaus. Die Zubereitung der Fische ist einfach, sie werden auf Gestellen gebraten. Man setzt sie dem Feuer so lange aus, bis die Fische von einer dicken Kohlentruste umgeben sind. Auch Eapioarakeulen, die wie fetter Fisch schmeckten, und Affensteak waren derartig verkohlt. Die knusprige Kohle gibt dem faden, nicht mit Salz versetzten Fleisch«inen verbessernden Beigeschmack. Di« Indianer kennen auch ein aus Baumasch« hergestelltes, recht medizinisch schmeckendes Salz, das sie jedoch nicht für die Zu- bereitung der Speisen nehmen. Interessant ist, aus welchen primitiven Mitteln sich der Indioner in Bolivien sein Kanu baut. Er geht durch den Urwald und sucht sich«inen starken Jatobabaum, unserer Ulm« nicht unähnlich, nur höher. Hat er einen gesunden und gewählt, so errichtet er um den Stamm ein Gerüst und löst mit Messer und Beil aus der Rinde einen richtigen Zylindermantel. Nachdem er die Rinde ein paar Stunden eingewässert hat, beginnt er zu formen, macht die Rinde durch ein Feuer in der Höhlung geschmeidig, so daß mit Hebeln die Faltung am Vorder- und Hinterteil gelingt; eingetriebene Querhölzer sorgen dafür, daß sich der Rand nicht zu stark nach innen umlegt. Die feste Basthaut liefert den wasserdichten Schutz. In der Trockenzeit ist das Holz meist spröde, die Rinden zer- springen eher, darum wird die Wässerung auf Tage ausgedehnt. Das Iatobakanu hat überdies den Dorteil der überaus raschen Herstellung �nd der Stabilität. Mit Messer und Beil hacken sich die Indianer«in Ruder zurecht, von der Größe eines Spazier- stockes. Es hat einen krückenartigen Griff, Stiel und«in langes lanzenförmiges Blatt, das wie eine Schaufel leicht gehöhlt ist. Jedes Kanu hat seinen Namen: nicht solche, wie wir sie oft an Fahrt durch die Stromschnellen. unseren heimischen Seen lesen, wie Liesewiesel, Scesarg oder Nauke, nein: Fliegender Affe, Schwebende Krähe, der schnell« Fisch. Di« Zauberei spielt eine große Rolle, bevor es zur Herstellung eines neuen Konus kommt. Das Kanu wird mit Zeichen irgend- eines Ungeheuers bemalt und dann geht es in rasender Fahrt durch die stille Natur, nebelumflorte, sanft gebogene Bergrücken, steinwallumgürtete Jnselchcn entgegen. Megerle von M ü h l f e l d. Verödung der deutschen Landschaft. Eine ernste Mahnung an die Jägerwelt. Dem Wanderer, der mit einer gewissen naiv-kindlichen Freud« durch die Natur geht, wird fast immer der Gedanke fern bleiben, daß irgendein Lebewesen, das er draußen trifft und beobachtet, unbedingt und ohne Gnade der Kugel eines Jägers verfallen muß. Der Wanderer als Freund der ganzen Natur hat nur dann ein« rechte Froude, wenn er weiß, daß auch die Tiere sich ihres Lebens und ihrer Freude erfreuen dürfen. Damit soll nun keineswegs gesagt sein, daß Wanderer und Jäger unvereinbare Gegensätze darstellen insofern, als der Jäger einzig und ollein auf das Töten aus ist. Der rechteIäger ist vielmehr zuerst einwahrerundtreuer Freund der Natur und ihrer Geschöpfe und die Be- tätigung jagdlicher Leidenschaft kommt bei ihm als Ausdruck seines Wesens erst in zweiter Linie. Das darf aber nicht verhindern, darauf hinzuweisen, daß in den letzten Jahrzehnten durch die ge- waltig« Ausdehnung, die die Iagdpassion in Deuffchland genommen Hot, der gesamte jagdliche Tierbestand in erschreckender Wesse zurück- gegangen ist, so daß es berechtigt ist, von einer drohenden Verödung der deutschen Landschaft zu sprechen. Diese Gefahr ist durch den berufsmäßigen Vogelfang, durch W i l d d r« b e r e i und Aasjägerei der Kriegs- und Nachkriegsjahre noch erheblich ge- steigert worden. Von Adlern und Eulen. lieberblicken wir einmal kurz die gegenwärtigen Zustände, so ergibt sich folgendes: Der Adler, von dem jeder Junge schon in der Schule hört, wird lebend kaum noch erblickt. Zeigt er sich aber einmal irgendwo, sei es am Meer, sei es im Gebirge, so darf man sicher sein, daß sofort Dutzende von Büchsen hinter ihm her knallen. Warum das stolze und seltene Tier sein Leben lassen muh, das weiß keiner. Der Schaden, den es anrichtet, ist nicht der Rede wert. Jagdliche Leidenschaft kennt keine Schonung. Das gleiche ist der Fall mit den Bussarden, Sperbern und H ü h n e r h a b i ch- t e n, die als schlimmer Räuber verschrien sind, so daß ihnen eigent- lich niemand das Leben gönnt. Tatsächlich ist aber dieses Getitr gleichfalls schon so dezimiert worden, daß da» Auftauchen eines solchen Gesellen geradezu Aufsehen in der Gegend erregt. Professor Dr. Roth kennzeichnet sie auch als„Natur- und Feldpoliz«'. die die tranken Individuen vernichten und nur die gesunden und wehr- kräftigen Exemplare sich fortpflanzen lassen". Es wird also diesen Raubvögeln ein« wichtig« Roll« zugemessen, die der Mensch nicht stören sollte. Und was ist aus unserer E u l e n w e l t geworden? „Sie muß man", nach Professor Roth,„geradezu als nützliche Ge- nassen des Menschen ansprechen. Im Kampf gegen Wald-, Feld- und Ackermäuse, gegen Ratten, Hamster und Kaninchen haben Förster wie Landwirte keinen treucrn Bundesgenossen als die Eule. Und doch steht auch sie bereits auf dem Aussterbeetat. Man muh den berühmten Eulenroman von Svend Fleuron, Strix, der Uhu, lesen, um die ganze Tragik ermessen zu können, die in dem Sterben des freien Tieres aus der freien Wildbahn liegt. Ein Sterben, das oft weiter nichts ist als ein kaltes Morden und Hinschlachten durch den Menschen. Wie S. M. die Tierwelt vernichtete. In peinlicher und unangenehmster Erinnerung sind da die Treibjagden des ehemaligen Kaisers Wilhelm. der die Tiere des Waldes einkesseln ließ und dann mit der Freude des Sadisten in die Masse der hilflosen Geschöpfe hineinknallte und sich schließlich an dem Anblick der Strecke weidete, wo das Wald- getier zu Tausenden tot nebeneinander lag. Was ist aus dem Reiher in Deutschland geworden? Wo sind seine Horste geblieben? Di« Förster, die sie kennen, wachen eifersüchtig darüber, daß kein Fremder und Unberufener sich den Horsten naht. Das ist schon richtig, aber besser wäre gewesen, wenn man beizeiten den Nesträubern und den übereifrigen Jägern das Handwerk gelegt hätte. Jetzt ist es nahezu zu spät. In der Nähe von Berlin haben die Besucher des Naturfreundehauses in Klein-Käris Gelegenheit den legten Reiherhorst bei Berlin zu sehen. In Würdigung dieser Naturseltenheit hat sich das Heim selbst auch„R e i h e r h o r st" genannt. Wie selten ist die Trappe geworden, wie leiten bereits der S t o r ch in Gegenden, in denen er früher selbfwerständlich war, wie selten selbst die Schwalbe. Die Wachtel verschwindet aus manchen Gegenden auf Nimmerwiedersehen, Hirsch und Reh wird man bald nur noch in Zoologischen Gärten sehen können, der fleißige und interessante B i b e r ist uns schon ein sagenhaftes Tier geworden, und als jüngste Trauerbotschaft geht die Nachricht durch die Welt der Natur- und Heimatfreunde, daß auch Meister Grimbart, der Dachs, den Goethe den Neffen Reinekes, des Fuchsen, nennt, im Aussterben begriffen sei. Die Kugel der zünftigen und unzünftigen Jäger ist auch ihm zum unentrinnbaren Verhängnis geworden, und unser Deutschland wird wiederum um ein eigenartiges Tier ärmer sein. Angesichts dieser Zustände darf man berechtigt sein, von einer drohenden Verödung der deutschen Landschaft durch die Ausrottung der Tierwelt>zu sprechen, und da der rechte Jäger, der die Tierwelt liebt und schützt, zuerst Heger ist, so ergeht gerade an ihn die Bitte aller Heimatfreunde, sich der aufs schwerste bedrohten deutschen Tierwell nunmehr als Heger und Schützer anzunehmen. Einst war dos Raubzeug eine große Gefahr, aber diese Gefahr besteht nicht mehr. So gibt es denn in Wahrheit heute keinen vernünftigen und stichhaltigen Grund mehr, um kaltherzig ein Tier nach dem andern abzuschießen. Mit den Jägern verbünden aber sollten sich unsere Gebirgs-, Heimat-, Fremdenverkehrs- und Ortsvereine, um die heimische Tierwell in liebevolle schützend« Beobachtung zu nehmen. Denn, um mit Professor Roth zu sprechen, die Tierwelt der Heimat, einmal vernichtet, bleibt unwiederbringlich verloren. _ Tr. Naturwissenschaftliche«Ferienreise". Auch in der allernächsten Umgebung der Welfftadt gibt es noch Schönhellen, die dem Wanderer manchen Anreiz zu Naturbeobach- tungen zu geben oermögen. Die Naturwissenschaftliche Abteilung Berlin des Touvifteiwereins„Die Naturfreunde" hat es sich deshalb zur besonderen Aufgabe gemacht, größere Kreise auch in diese Gebiete zu führen, um so Heimatliebe und Beobach- tungsfähigkeit der heimischen Natur und Kultur zu wecken. Gewiß sind sie nicht unabhängig von den anderen Erscheinungen in Natur und Menschenwelt zu betrachten. Dennoch ergibt erst das rechte Ein- dringen in Teilgebiete unter Zusammenfassung und Fortführung des gewonnenen Erkenntnismaterials zu einem Gesamtbilde den rechten Einblick ins naturgesetzlich« Geschehen. Die nächste Fahrt der wissenschaftlich interessierten Naturfreunde führt in den Schulgarten nach Blankenfelde. In nächster Nähe großer Industrieanlagen hat hier die Berliner Schulverwallung große Gärten als Gegenstück zum Botanischen Garten in Dahlem an- legen lassen, um daraus vor allem Pflonzenmoterial für den Schul- Unterricht zu gewinnen. Nur ist dieses Gebiet nicht so berühmt und deshalb weniger bekannt als jenes in Dahlem. Unsere Arbeiter- wanderer sollten es sich um so mehr zur Aufgabe machen, Arbeiter- kinder auf die Schönheiten ihrer engeren Umwelt aufmerksam zu machen.. Als Anfang für den Norden wird daher auch die Fahrt am Sonnabend, dem 4. August, mit dem Treffpunkt an den Straßen- bahnendhaltestellen in Nordend(48, LI, 1S9) um 16,45 Uhr sehr willkommen sein. Der Garten in Blankenfelde zeigt wertvolle Ab- teilungen, so für Arznei- und Giftpflanzen, Nöhrpflanzen und Küchen- kräuter. Sämtliche Arten unserer Zierpflanzen findet man hier ver- einigt, und auch sonst bietet sich manches schöne Bild aus dem Pflan.zenleben. Für Arbeiterwanderer ist aber noch ein weiteres Gebiet beson- der» beachtenswert. Lebensgemeinschaften in der P f l a n z e n w« l t ipit ihren soziolog-ischen Verknüpfun- gen dürfen immer besondere Beachtung finden. In Blankenfelde lassen sich prächtige Beispiele beobachten. Neben dem Buchenwald sehen wir den Eichenwald. Dann wieder den wundervollen Misch- wald, dem unsere allbekannte märkische Kiefernheide folgt. An feuchteren Stellen sind Bestände von Birken und Erlen angelegt. Mit dem zu diesen Abteilungen gehörigen Unterholz, mit Blumen und dem sonstigen Pflanzenreichtum solcher Gebiete eng verbunden, finden wir so in diesem großen Schulgarten nicht nur prächtiges Ma- terial für unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis, sondern e« ist auch eine vorzügliche Zusammenstellung des Land- fchaftsbildes der ganzen Mark den Sinnen des erlebnis- himgrigen Beschauers nahegebracht. Außer diesen landschaftlichen Schönheiten kann man sich auch noch Lurche, Reptilien und Schild- kröten der Mark im Vivarium ansehen. Aus dem Humboldthain bracht« man dazu vor dem Kriege bereits die„geologische Wand" hierher, die einen guten Einblick in den Aufbau derErdrinde gestattet. Was so also ein« Ferienreise an guten Eindrücken aus der Landschaft mit sich bringt, dos wind auch dieser Rundgang in Blankenfelde in kleinem Maßstab dem Besucher bieten können. Wer weiß das? König Gustav von Schweden ließ Lederkanonen zur Benutzung in offener Feldschlacht herstellen. * Der gewöhnlichste Platz im Theater in China kostet nach unserem Gelde etwa 4 Pfennige, die besten Plätze werden mit 12—16 Pfennigen bezahlt. » Das Gewicht des Wakfisches kommt dem Gewicht von 30 Ele- fanten oder 150 Ochsen gleich. •k Eine japanisch« Braut liefert die erhaltenen Hochzeitsgeschente ihren Eltern ab, als«ine kleine Entschädigung für die Mühe und Unkosten, die diese für ihre Erziehung gehabt haben. ★ Ursprünglich hieß nur die Gegend um den Tiber Italien und ihre ersten Bewohner Brutier. ★ Die Zähne des Nilpferdes geben ein vorzügliches Elfenbein, da» nie gelb wird. * Um das Jahr 500 v. Chr. wurde in Indien bereits die Kunst ausgeübt, aus der Haut eines Körperteils eine Nase herzustellen. * Das Wort Kommißbrot stammt aus der Zeit des Dreißig- jährigen Krieges. Sicher ist, daß es schon bei den Soldaten Wollen- steins Im Gebrauch war. Wallenstein setzte nämlich, al» er nach Stralsund zog, sogenannte Brotkommissionen ein, die die Brotvcr- sorgung seiner Soldaten zu organisieren hatten, da die arme Be- völkerung nicht In der Lage war, seine Truppen mit Brot zu verpflegen. Diese Kommission besorgte also das.Lommissionsbrot", woraus die militärische Abkürzung„Kommißbrot" entstand. Später hat sich von Kommißbrot die weitere Abkürzung„Kommiß" abgespalten, womit man nach dem oft von der Sprache gemochten Ge- brauch, mit dem Ausdruck für einen Teil dos Ganze zu bezeichnen. den gesamten millärischen Betrieb bezeichnete. von JAsazl fäiiFgfösLÜzr (18. Fortsetzung.) „3a, ja. lassen S' 3hre Sützholzrasplerei." „Und ich Hab' nun einmal Geschästsprinzipien, auch in meiner Verehrung, denken S' doch mal darüber nach.� „Danke. Nein. Lassen Sie mich fort, in den großen Salon, zur Mama Grnber!" Hilde ging in den Salon zu den anderen. Was die Leute immer von dem Vulkan wollten, der in ihr lodern sollte! Die Sache war ja zu lustig, wenn sie nicht schon darob irritiert wäre! Sie lernte die Elemente des Theaterspielens— weil— nun weil Mama Gruber sie überzeugt hatte, daß sie da der Kleinlichkeit ihrer Lebensweise entrinnen würde. Sie lernte deutlich sprechen und graziös gehen und sich neigen und eine Rolle richtig auffassen. Sie lernte Leidenschaft möglichst täuschend nachahmen— oh, sie wußte schon, daß das große Pathos aus tiefstem Herzen kommen müsse und nicht aus dem Verstand und der kühlen Ueberlegung. Aber der Verstand kann viel ersetzen— war sie kalt, fühllos, un- fähig, sich in«in Dichterwerk zu versetzen? Gewiß nicht. Sie gedachte mancher Dämmerstunden daheim— Mutti noch nicht zu Hause... und sie ganz allein und von dem, was sie las, so er- griffen, daß sie sich nicht die Zeit nahm, die Lanmpe anzuzünden, sondern den Sessel rasch zum Fenster schob, um ja keine Minute im Weiterlesen zu verlieren... Unsinn, jetzt war ihr Ehrgeiz gerade angestachelt. Sie würde schon„Vulkan markieren", wenn es notwendig sein werde. Der Baron Rosenberg hielt förmlich Hof. Er war im Mittelpunkt der Gesellschaft, die bewundernd aus ihn sah. Sie war reich, reicher, sehr reich, aber mit seinen Milliarden konnten sie ihr Vermögen nicht vergleichen— das legte ihnen eine Ehr- erbiotung auf, die an sich diesem jugendlichen Schieber gegenüber mit der unergründbaren Vergangenheit einfach lächerlich war. Hilde stand im Dürrahmen des großen Salons und sah aus das Bild. Vater Gruber. der sonst die gesellschaftlichen Ereignisse in seinem Hause ziemlich— apathisch mitmachte, war aufgeräumt und beweglich: Mama Gruber stand neben dem illustren Gast und tat so urwüchsig wienerisch wie nur je. Und Dely, die heute übrigens wirklich einen schönen Tag hatte, war gar nicht hochmütig und abweisend, wie sie in der letzten Zeit es sich angewöhnt hatte, und selbst die arme Lutz, die sonst, wenn sie nicht die Mädeln und Buben ihrer Jugend- und Schulzeit um sich hatte, kaum vor Schüchternheit zu sprechen wagte, gab sich die redlichst« und sicht« barst« Mühe, zu plaudern, harmlos zu plaudern, wie eine Salon- dame auf der Bühne. Und erst die anderen! Da war eine Gräfin, di« den untersetzten jungen Mann geradezu mit den Augen ver- schlang, und ein Sektionschef des Ministeriums, der vor ihm zu brillieren suchte, wie ein Schuljunge vor dem Lehrer sich hervor- zutun sucht. „Beobachten Sie?" fragt« Schubert, der hinter Hilde ge- tr«ttn war.- „Ja!" „Und was sehen Sie?" „Ich Hab' gar keinen Grund. Ihnen meine Gedanken mitzu- teilen." „Na, tch verrat' Sie nicht. Ehrenwort!" „Wie ich ein Kind war, soll ich gesagt haben: Ich seh', pfui Teufel." „Das ist sehr gescheit gesprochen." „Schauen Sie sich nur die Gräfin an, sie führt gleich vor dem Herrn Baron einen Tanz aus, wenn«r's verlangt." „Das glaub' ich..." „Wissen Sie, daß Sie sehr klug sind, Fräulein Hilde? Und von den Grubers sehen Sie nichts?" „Nein, weil ich sie gern Hab'!" „Recht so, Fräulein Hilde, Sie haben kein Temperament, aber Sie haben Verstand. Sie werden's in unserer gesegneten Zeit noch weit bringen. Jetzt nur noch das eine: Gehen S' auch zur Gruppe hin. die meinen Baron umkreist, und schauen S' dazu, daß Sic ihm auffallen. Ich protegier' Sie dann bei ihm." Hilde sah zu Schubert auf. Redete er ernst od«r ironisierte«r die üble Szene, die sich vor ihnen abspielte. Schubert schien ihre Gedanken zu erraten. „Ich red' ganz ernst. Wissen Sie denn, was das für eine Chance ist? Mit d«m Baron Rosenberg wo eingeladen zu sein und seinen ersten Sekretär zum Bewunderer zu haben! Taufend Frauen und Mädchen wären jetzt selig!" „Ich will nicht selig sein." „Haben S' vielleicht auch Ansichten, Fräulein Hilde? Herunter mit den Ansichten, jetzt ist nicht die Zeit dazu! Wir sind weder romantisch noch haben wir Gesinnung. Nehmen Sie sich doch«in Beispiel: Die schwerreichen Grubers, die hoäiaristotratische Gräfin, der hochmögende Sektionschef, die alle sonst sehr arrogant sein können, alle liegen sie dem Herrn Baron zu Füßen... Der ist der Herr heutzutage, der m«hr Geld hat. Und er hat am allermeisten... Mein Herr ist er auch, und mein Vater, der einmal ein Groß- industrieller war und den Adel abgelehnt hat, hat sich das nicht träumen lassen, daß sein Sohn zwei Buckerl machen wird: einen an der Tür und einen vor dem Schreibtisch, wenn«r dem Rosenberg die Briefe zum Unterschreiben bringt... Nutzt nix, man muß mit der Währung rechnen, die gegenwärtig im Kurs ist. Geld! Geld! Nicht Meinungen! Nicht Geist! Nicht Romantik! Sonst lauft man herum, und will mit Kaurimuscheln od«r Stecknadeln zahlen statt mit Schweizer Franken. Da lachen ein'n die Leute natürlich aus. Hüten Sie sich, Fräulein Hilde, Sie, eine Schauspielerin, vorm Ausgelacht- werden!" Wieder redet«r vom Geld. Alle r«den sie nur vom Geld, dachte Hilde, und antwortete nicht. Sie sehnte sich jetzt nach der Kara mit ihrem verdrehten Deutsch, aber mit ihrer Kunstbegeisterung, sie liebt« sie wie eine Freundin. Ja, schier war ihr der Lange mit seinen gefährlichen Gesten und seiner unverblümten Ausdrucksweise näher als sie all« da, die vor dem leibhastigen Gelde hier ihren Tanz aus- führten,«inen schamlosen Tanz. Die Dely, die Lutz, sie warfen sich ja dem Kerl förmlich an den Hals! Und plötzlich iühlte sie, wie der Schubert si« am Arm nahm und sie aus ihrer gesicherten Zuschauer- stellung mitziehen wollte zu denen, die im engsten Kreise standen und sich in di« nächste Nähe des Barons drängten. Wie dieser Mann, der eben in so frechen Wörten zu ihr ge- sprachen hatte, nun ihren Arm berührte, wie sie suhlte, daß sie plötzlich auch mitspielen sollte in dieser unsäglich abstoßenden Komödie, ergriff sie ein Widerwillen, ein Ekel vor diesem behaglichen Salon, vor diesen schön gekleideten Menschen, vor dieser Wärme, die satte Farben und schwere Teppiche und wallende Portieren ausstrahlten. Hilde riß sich von ihrem Begleiter los und lief geradewegs zurück. Der Schubert ihr nach. „Ja. was haben S' denn? Blendet Sie denn dieser Anblick?" „Nein... ich... möchte nach Hause!" flüstert« Hilde ihm zu. „Machen Sie um Gotteswillen kein Aussehen!" „Aber bleiben Sie doch... Ruhen Sie sich im Nebenznnmer aus... Ich ruf' die Lutz!" „Nein, nur das nicht, nein! Ich muß weg... Bitte, kümmern Sie sich nicht darum!" „Aber ich begleite Si«... Mein Auto steht unten... In zehn Minuten bin ich hier und zurück... Der Baron wird es nicht merken." „Wenn Sie mir ein bißchen gut sind, lassen Sie mich unauffällig von hier fortgehen. Di« frische Luft wird mir gut tun. Sie sagen der Mama Gruber— aber die wird heute ohnehin nicht» bemerken." Hilde ließ sich ihre Garderobe geben und lief mit kurzem Gruß davon. Kaum war sie aus dem Gartentor und kaum hatte sie die Reih« der wartenden Autos hinter sich gelassen, so hörte sie Schritte. Sie überquert« die Straße, und eins, zwei, war Drobauer bei ihr. „Wie kommen Sie denn her? Woher wissen Sie, daß ich dort oben war?" Drabauer zuckte die Achseln. „Haben S' gar mir nachspioniert?" „Ja." „Das ist eine Unverschämtheit." „Seit zwei Stunden Hab' ich unten gewartet... Es scheint oben schön gewesen zu sein... und lange hat's gedauert... Aber Sie sind da. Das Wichtigste ist, Sie sind da!" Er keuchte vor Erregung, und suchte die kürzeren Schritte des Mädchens einzuhalten. „Und wer hat Ihnen zu dem allem die Erlaubnis gegeben?..." „Ach, jetzt lasten S' den spießbürgerlichen Krimskrams. Er- laubnis! Erlaubnis! Die Stund« ist heilig. Der Schrebergarten vom Bositschitsch liegt in der Nähe, keine zehn Minuten von hier." Hilde blieb stehen und reckte sich ein bißchen, um dem Langen ins Gesicht zu sehen. „Sie, wenn Sie nicht wollen, daß ich weggeh', wo Sie mir begegnen..." „Nein, das will ich nicht.. sagte Drobauer. „Wenn Sie Wert darauf legen, daß wir Freunde sind, sa lasten Sie ein für allemal ihr dummes Geschwätz." „Fräulein Hilde..." stammelt« der Lange und stieß seine Arme in die Lust. „Nein, nein, jetzt rede ich. Also Sie haben die Wahl. Sie spielen den Seladon auf Ihre Weife... und dann werden S' aber blitzartig abgewimmelt sein... oder wir werden gute Freunde. Bitte, wie lautet Ihr Entschluß?" „Für die Freundschaft!" Drobauer machte erschrocken« Augen und war ganz verschüchtert. „Gut, ich will diesmal Ihrem Versprechen glauben. Und jetzt begleiten S' mich." Proben und Prüfungen. Es war am Ende des S6)uljahres. Das große Weh, das Hilde in den letzten Iahren erfaßte, wenn ein Fvühling an ihr vorüberzog. war überwunden. Ihr eigener Kurs, dann die Stunden bei Frau Neumann-Norrek und die größten Sorgen, ob Melitta Pointner sich endlich die mathematischen Formeln eingetrommelt hatte, und od Salome Blau so gnädig war, einige Tage vor den Priifunzert ihre Aufmerksamkeit von der Erklärung der modernsten Philosophie durch den Tanz ob- und der banalen Physik zuzuwenden, auch diese Sorgen waren wie die übrigen erledigt.(Fortsetzung solgt.) WAS DER TAG BRINGT. mimmntimiiMiiiimmnmMmmimmmimmmiiniimnnmimniimiiiiiiiiiiHiMnMiiiiimimimmmiimimimimmiiiiniimimiiniiiimimniinnMiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiihmniHiinmiuli AmanuIIahs Schulden. Großes Aufsehen hat es in England erregt, als bekannt wurde, daß Amanullah von Afghanistan nach dreiwöchigem Besuch London verließ, ohne die auf gewallig« Summen lautenden Rechnungen in Pari» und London bezahlt zu haben. Die französisch« Regierung hat nun. wie mitgeteilt wird, die gesamten auf insgesamt ungesahr 5 000 000 Franken sich belaufenden Rechmingen in Frankreich be- glichen, um einen Skandal zu vermeiden. Man hat festgestellt, daß der afghanisch« Besuch in Paris und Berlin täglich 3000 Pfund Sterling und in London sogar SOOO Pfund Sterling kostete. Auf Warnungen von Paris an Londoner Gcchästsleute soll die britische Regierung diesen zu verstehen gegeben haben, daß die britische Rc- giernng für alle Schulden«instehe. Man schätzt, daß die unbezahlten Rechnungen des Besuches in England und den Kolonien sich auf 30 000 000 Franken belaufen. dl. Christentum und Bibel auf dem Erdball. Die Gesamtzahl der Weltbevölkerung beträgt gegenwärtig rund 1817 Millionen Menschen. Von diesen sind rund 639 Millionen Christen, und zwar über 300 Millionen römische, 125 Millionen östlich-orthodoxe, und 181 Millionen evangelische Christen. Dem- gegenüber stehen etwa 15 Millionen Juden und 227 Millionen Mohammedaner. Außerdem gibt es noch 936 Millionen Heiden, von denen 161 Naturkulten huldigen. Die Bibel ist bis heut« in 830 Sprachen übersetzt worden. Der Anteil der Britischen Bibelgesellschaft hieran beträgt allein 593. Di« deutschen Missionsgesellschaften benutzen die Bibel in 82 Heber- setzungcn. Der Bedarf der ausländischen Missionsgesellschaften ist noch viel größer. Die hochkirchliche Mission benutzt 84, die Kirchen- Mission 127, die Methodiftenmission 107 und die amerikanischen Presbyierianer brauchen sogar 153 verschiedene Sprachen. Die stärkste Verbreitung der Bibel findet sich in China und Indien. China hat im vorigen Jahre über 4 Millionen Exemplare abge- nommen. Der Menschenfresser. Aus der„Geflügelbörse": „Ein fester Bauern-Winter-Hinterschinken zum Ausschnitt zu kaufen gesucht. Offerten mit Preis unter Nr. 1 an die Erpedilion dieses Blattes." Den inserierenden Menschenfresser sollte man so schnell als mög- lich unschädlich mackien! Die Schlacht im Gefängnis. Im Broux-County-Gesängnis in New Park kam es zu einem schweren Fcuergesecht zwischen einem ausgebrochenen Häftling, der sich auf noch nicht aufgeklärte Weife in den Besitz eines Brownings mit Munitton und eines Zellenschlüssels geietzt hatte, und der Ge- fängnislvache. Zlls die alarmiert« Wache erschien, hatte der Häftling die Zellen von 100 Gefangenen geöffnet. Die Insassen weigerten sich jedoch, sich an dem Aufruhr zu beteiligen. Der Ausbrecher ver- schanzte sich daraufhin in einem Flügel des Gefängnisses und unter- hielt über eine Stunde lang ein ununterbrochene» Feuer mit den hinter Ptmzerschildern gegen ihn kämpfenden Wachesoldaten. Als er feine vorletzt« Patrone verschossen hatte, jagte er sich die letzte Kugel selbst in den Kopf. Mumien ans der Steinzeit. Eine amerikanische Expedition, die in dem Gebiete der Bering- straße nach Verbindungsgliedern zwischen Alaska und Sibirien sucht, hat«ine außerordentlich wichtige Entdeckung gemacht. Sie fand auf einer der Aleuteninseln auf dem Gipfel einer steilen Anhöhe die mumifizierten Körper von drei Erwachsenen und einem Kind aus der Steinzeit. Der Fund ist besonders deshalb außer- ordentlich wertvoll, weil in der eisgekühlten Temperatur jener Gegend die Körper im Laufe der Jahrtausende vollständig in dem Zustande erhalten geblieben sind, in dem sie beigesetzt wurden. Auch die Bekleidung befindet sich noch in wohlerhaltenem Zustande, ebenso der hölzerne Sarg, in dem sie begraben wurden, sowie die Hausgeräte und Iagdwaffen, die nach uraltem Brauche mit ihnen beigesetzt wurden. Ein teures Begräbnis. In Prineeton im Staate New Jersey war Elizabeth G. Warrcn gestorben. Sie bestimmte in ihrem Testament, daß sie in Irland begraben werde, außerdem himerließ sie 17 000 Dollar, und obwohl das für amerikanische Verhältnisse gerade keine überwältigende Summe ist, gab es doch Anverwandt«, die sich schon auf eine Teilung der 17 000 Dolla- freuten. Sie batten aber ihre Rechnung ohne da? Begräbnis gemacht. Die Hebcrsahrt war teuer, ferner wurde die Reise für alle Angehörigen bezahlt, die Elizabeth G. Warren das letzte Geleit nach ihrem Lieblingsfriedhof gaben. Das Denkmal, das man ihrem Willen gemäß errichten ließ, verlchlanz 3500 Dallar, die für die Pflege de? Grabes zu deponierende Summe betrug 2000 Dollar.?ian den 17 000 Dollar war nach Bezahlung aller lln- kosten fast nichts mehr übrig. Pathos. Zu Angela Neu mann, dem Thcatergewaltigen, kam ein- mal ein junger Heldenspieler und empfahl sich selber in pathetischem Ton:„Wenn ich eine Rolle spiele, vergesse ich alles um mich her, 1 ich sehe nur noch die Gestalt, und alles Publikum verschwindet..."— Direktor Ncumann(den Pathetiker unterbrechend):„Da» glaub ich!� Beschlüsse des Bundesvorstandes. Es wird für Sauberkeit im Bunde gesorgt. Der Bundesvorstand des Arbeiter-Turn- und-Spartbundes beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach dem 16. Bundestag am Z. August in der Vundcsschule in Leipzig unter anderem auch mit den vom Bundestag übertragenen Prüfungen der weiteren Illitgliedschast einer Reihe von ZNitglledern. Auf Grund des vorgetragenen Ma- te.'ials wurden Frih Zobel, A riedmann, hutmann, wiese, prietzel, Bergmann. Hamm, Merlins, Beyling, Witter wegen organisation». schädigender Arbelten ausgeschlossen. Die Genossen Franz Kirch und Liesa Lange erhielten wegen bundesschädigenden Verhaltens ein« scharfe Rüge. Ihnen wird auf«in Jahr das Recht der Mandats- ausübung im Arbeiter-Turn- und-Sportbund abgesprochen. Bei neuen Berstößen gegen di« Bundcsbestimmungen tritt ohne weiteres der Ausschluß ein. Der Bundesvorstand nahm auch zu der Neubildung der Sport- karkelle Stellung. Es wurde festgelegt, daß die vereine des Arbeiter-Turn- und Sportbundes den von der AK. aufgelösten Kartellen in Halle. Berlin und anderen nicht angehören dürfen. Sie haben alle Verbindungen mit den bisher bestandenen Kartellen zu brechen und sich den neuen Kartellen anzuschließen. Vereine, di« dies« Anweisungen nicht befolgen, stellen sich außerhalb des Bundes. Gegen Bundesmitglieder, die Arbeiten des alten Kartells fortführen, wird vom geschäftsführenden Ausschuß ein Ausschlußverfahren anhängig gemacht. Zur Spartakiade iu Rußland nahm der Bundesvorstand eben- falls Stellung. Erneut wurde festgelegt, daß eine Beteiligung an der Spartakiade in Ruhland sowie die her- ausgäbe von Sammellisten zur Finanzierung von Rußlandreisen durch Bundesbeschluß verb'ten ist. Zuwiderhandelnd« Bundesmitglieder werden ausgeschlosien. In Auswirkung des Antrages 90 vom 16. Bundestag wurde fest- gelegt, daß der Bundesvorstand keinerlei Beziehungen zu der KPD., zum Roten Frontkämpferbund, zur Internationalen Arbeiterhilf« und zu der Roten Hilfe unterhält. Mit Zeitungen der KPD., die gegen die Arbeitersportbewogung oder deren Führer in persönlich be- leidigender Form schreiben und die Fraktions. und Zellenpolitik der KPD. stützen und fördern, wird der Verkehr abgebrochen. An alle kommunistischen Zeitungen wird die Mahnung ausgesprochen, sich in Arbeitersportsragen eines sachlichen Tones zu befleißigen, da sonst der Bundesvorstand über dies« Zeitungen die Sperre für alle Organi- sationsteile des Bundes aussprechen wird. Au die der KPO. ange- hörenden Vundesmitglieder wird der Appell gerichtet, mitzuhelfen. daß die gehässige Schreibweise der Spv.-Zeitungen in Zukunft unter- bleibt. Heber den weiteren Verlauf der Sitzung werden wir noch be« rilbten. Die LeTcbiathlctik im L Kreis. Di« Polemik im Artikel:-Die Leichtathletik soll Allgemeingut werden' zwingt mich als Sportwart de» 1. Kreises, den Stand der Leichtathletik im 1. Kreis und im Bund kurz aufzuzeichnen. Gewiß war der 1. Kreis der Pionier der Leichtathletikbewegung unter Führung des Genossen W. Gunst. Wenn nun einzelne Kreise sich in der Leichtathletik äußerst stark entwickelt hoben, so sind wir Berliner hoch erfreut. An ein S t a r k- i n s- h i n t e r t r e f f e n- geraten ist vorläufig noch nicht zu denken. Wenn dieser Stand- punkt abgeleitet wird von der Bundesstatistik, so muß ich dem ent- gegentreten. Die Statistik wird zumeist ziemlich oberflächlich ge- führt und es ist eine von keinem Kreis bestrittene Tatsache, daß der 1. Kreis mit Best- sowie Durchschnittsleistungen weit an erster Stelle steht. Die Spezialisierung des Sportbetriebes im 1. Kreis ist durch den politischen Streit in ein besonders schlechtes Licht ge- raten. Jede Sportart bedarf aber einer exakten technischen und organisatorischen Bearbeitung. Die leichtathletischen Funktionäre haben in der Nachkriegszeit mit allen zu Gebot« stehenden Mitteln versucht, in allen Sparten die Leichtathletik zu propagieren.— Daß es schwer hält, Neuerungen durchzusetzen, zeigt der gering« Absatz unserer anerkannt guten Lehrbücher vom Bunde. Jeder hält seine Sportart für das A und O der Leibesübungen— und so werden wir weiter kämpfen müssen um die Leichtathletik. Es wird vielfach van einer stiefmütterlichen Behandlung der Provinz geredet. Uns als Leichtathleten kann der Vorwurf am allerwenigsten treffen. Jeden Sonntag sind mindestens 90 Proz. der Leichtathleten unter- wegs, um in Stadt und Land für unsere schöne Leichtathletik zu werben. Oft sind diese Fahrten mit hohen Kosten verknüpft. Ich bin der festen Aeberzeugung, daß noch der politischen Klärung die Leichtathletikbewegung im Verein mit den anderen Sparten wieder das aktivste Bollwerk im 1. Kreis sein wird. Zur besseren Ueberficht der Leichtathletik im 1. Kreis sei folgen« des erwähnt. In der bisherigen Leichtathletiksparte waren 1600 Männer, 700 Frauen und 800 Jugendliche organisatorisch zusammengefaßt. Die Aktivität der Sportler hat sich stets gesteigert. Die Gemeinschaftsarbeit der leitenden Funktionäre hat durch die Ein- stcllung der Zeitung-Sport und Spiel' und anderer Dinge merk- lich gelitten und wir als Sozialdemokraten wünschen nichts sehn- licher herbei, als eine Kreiszeitung, die in der ch a u p t- fach« die Interessen des Arbeitersports und nicht die Interessen einer Partei vertritt. Die Leichtathletik Hot in den letzten Iahren große Deranstal- tungen durchgeführt. Ick) erinnere an das„Internationale' im Stadion Grunewald, das 1926, Ende August, stattfand.— 43 Finnen und Russen sowie zahlreiche Beschickung aus dem Reich konnten wir feststellen. Zwei Hallensportfestc, Februar 1926 und Januar 1927, brachten uns volle Häuser. In der letzten Zeit gingen die Besucherzahlen sehr herab. Die Leichtathletiksparte wird oft als Zelle des Kommunismus verschrien. Gewiß ist der Vorstand in seiner Mehrheit kommunistisch. Es wird auch viel Propaganda für die KPD. gemocht. Bei Veranstaltungen ist jedoch wenig und gar nichts vom kommunistischen Anhang zu spüren. Den Zweiflern sei gesagt, daß innerhalb der Leichtathletik große Abteilungen, ganz oder teilweise, Anhänger der SPD. sind und daß wir in nicht zu langer Zeit die Regie übernehmen werden. E. L. Auch in Halle Neuordnung des Kartells. Halle, 3. August.(Eigenbericht.) Nachdem auch das Arbeiter-Sport- und-Knlturkartell Halle auf- gelöst worden ist, wurde von den hiesigen Beauftragten der ZK. eine konstituierende Sitzung von bundcstreuen Vertretern der Verbände am 2. August einberufen, die die Neubildung des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege beschloß und den Vorstand wählte. Die Vereine werden aufgefordert, bis 1. September ihre Erklärung über den Beitritt zum neuen Kartell abzugeben. Die Grundlage der Neubildung ist dieselbe, wie sie in Berlin geschaffen worden ist. Deutschlands.Aussichten bessern sich. Zwei Frauen erhalten erste Preise.— Deutsche Preise im Kunstwettbewerb. Bisher hatte Deutschland erst zwei erste Preise erzielt, und zwar durch die Gewichtheber H e l w i g und Straßberge r. Am Donnerstag kamen zwei neue hinzu, Siegerinnen wurden Fräulein Helene Mayer aus Offenbach a. M. im Florettfechten der Damen und Frau Radtke- Batschauer aus Breslau im 800-Meter-Lausen der Frauen. Ein bemerkenswerter Erfolg für Deutschland war auch im Kunst Wettbewerb zu verzeichnen. Der deutsche Architekt Hensel wurde für den Entwurf des Rürn- berger Stadions mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Im einzelnen ist über die Wettkänipf« vom Donnerstag zu berichten: Im 800-Meter-Laus der Frauen ging Frau R a d k« am Ausgang der vorletzten Kurv« energisch nach vorn, sicherte sich einen beträchtlichen Vorsprung und gewann mit 5 Meter Vorsprung vor der Japanerin Hitomi in der neuen Weltrekordzeit von 2:16,8. Von den beiden anderen deutschen Damen kam Fräulein D o l l i n g e r als Siebente und Fräulein Wewer als letzte ein. Nicht weniger als 1ö Vorläufe über 4 00 Meter waren not- wendig. Büchner, Neumann, Starz und Schmidt waren hier sämt- lich siegreich, in den Vorzwischenläufen schieden dann allerdings Schmidt- Berlin und N e u m a n n- Berlin sogleich nacheinander aus, Starz und Büchner setzten sich dagegen weiter erfolgreich durch. Der Hallenser gewann seinen Dorzwischenlanf in 49,4 gegen den Engländer Rinkel, während der Magdeburger Büchner im 6. Lauf vor Barsi-Ungarn und Leigh-Wood(England) in der besten Zeit des Tages von 48,6«inkam. Die Entscheidung über 1 5 0 0 M e t e r sah den Finnen Larva in der olympischen Rekordzeit von 3: 53,2 als sicheren Sieger vor Ladoumtque-Frankreich, Purje-Finnland und dem Karlshorster Turner Wichmann. Dieser und Krause hatten eine Zeitlang ge- führt, fielen später aber weit zurück. Krause sogar bis auf den siebenten Platz, während B ö ch e r in gleich scksiechter Position auf- gab, nachdem er van einem Mitbewerber mit dem Nagelschuh erheb- lich am Knie verletzt worden war. Von den deutschen Speerwerfern brachte es der Breslauer Turner S t o s ch e ck auf nur 39,86 Meter, während S ch l o k o t- Insterburg mit einer Weite von 63,40 Metern immerhin noch fünfter werden konnte. Sveerrwirimeister wurde der Schwede L u n d q u i st mit der olympischen Rekordleistung von 66,60 Metern� vor dem Ungarn Szepes mit 63,26 Metern und dem Norweger Sunde mit 63,97 Metern. In dem ohne deutsch« Beteiligung auszetragenen Drei» s p r u n g kamen di« Japaner zu ihrer ersten goldenen Medaille. Oda sprang 13,21 Meter, Casay-Amerika brachte es auf 13,17 Meter und Tuulos-Finnland auf 13,11 Meter. Das Florettfechten der Damen schloß mit folgendem Ergebnis: Fräulein H. Mayer- Deutschland 7: 0; 2. Miß Fr«- mon-England 6:1: 3. Frau O e l k« r s. Deutschland 4:3: 4. Frau Svsdhoim-Deutschlasd 3:4. Ohne deutsche Beteiligung gingen die Kämpfe im freien Ringkampf vor sich, die folgende Ergebnisse zeitigten: Bant am- gewicht: 1. Maetinen-Finnland: 2. Spopen-Belgien; 3. Trifona- Kanada. Federgewicht: 1. A. Morrisson-USA.; 2. Pihla- jamäki-Finnland: 3. Minder-Schweiz. Estland: 2. Pacöme-Frankreich; 3. gewicht A: 1. Haooisto-Finnland: fort)- Kanada. Mittelgewicht 2. Stockton-Kanada: 3. Rabin-Englond. Halbschwergewicht: 1. Sjöstedt-Schweden: 2. Boegli-Schweiz: 3. Lefebore-Frankreich. Schwergewicht: 1. Richthoff-Schweden: 2. Sihoola.Finnland: 3. Dame-Frankreich. Leichtgewicht: 1. Kapp- Leine�innland. Mittel- 2. Appleton-IISA.: 3. Letch» L: 1. Kypurz.Schweiz: Oer Kunstwettbewerb. Dar vom Olympischen Komitee im Rahmen der Olympiade au»« geschriebene Kärnstwettbewerb für Musik, Gesang, Zeichnung, Archu tektu.-, Literatur und Malerei hatte ein« Fülle von Einsendungen aus aller Herren Länder zur Folg«. Am Donnerstag konnte endlich das Ergebnis verkündet werden, da, viele deutsch« Preise bracht«. s) Freie Architekten: 1. Jan Wils-Holland; 2. Ras- musien-Dänemark: 3. Lamhert-Frankreich. b) Städtisch« Architekten: 1. H e n s« l- Nürnberg; 2. Lambcrt-Frankreich: 3. L ä n g e r- Deutschland. c) Lyrik: 1. Wierzinsky-Polen; 2. B i n d i n g» Deutsckstand: 3. Weltzer-Dänemark. ä) Dramatik: 1. Nicht vergeben: 2. Icaro-Italien: 3. Nicht vergeben. e) Liierarische Sammelwerke: 1. Dr. Mezö-Ungarn: 2. E. Weiß. Deutschland; 3. Schartem-Anfing(Holland). k) Gesang: Preise nicht vergeben. g) In st ru mentalmusik: Preis« nicht vergeben. h) O? ch« sterm us i t: 1. und 2. Preis nicht vergeben. 3. Simonsen-Dänemark. >) Malerei: 1. Israel-Holland: 2. Mrs. Knight-Englond; 3. W. Klemm- Deutschland. l-) Zeichnungen 1. Iacoby-Luxemburg: 2. Virot-Frank» reich: 3. Skoczylas-Polen. I) Kupferstiche: 1. Nicholson-England: 2. Moos-Schweiz; 3. Feldbauer. Deutschland. m) Bildhauerei: 1. Landowski-Frankreich: 2. Martin» Schweiz: 3. Frau Sintenis-Dänemark. n) Reliefs und Medaillen: 1. Grienauer-Oesterreich: 2. Ban der Hoof-Holland: 3. S ch a r f f- Deutschland. Oer Stand vorn 2. August: Satton 1. Preis« 2. Preise 3. Preis« Sotaljninlt« Amerika...... 6 8 7 41 Deutschland..... 5 2 10 29 Finnland..... 4 4 3 23 Frankreich..... 2 6 5 23 England....... 3 4 1 18 Schweden..... 3 2 3 16 Kanada...... 2 2 3 13 Holland...... 2 1 3 11 Schweiz...... 1 3 1 10 Italien...... 1 3— 9 Oesterreich..... 3—— 9 Polen....... 2— 1 7 Estland...... 1 1— 5 Ungarn..... ,1 1— 5 Japan...... 1 1— 5 Dänemark.....— 1 3 5 Irland...... 1—— 3 Australien..... 1—— 3 Aegypten..... 1—— 3 Südafrika..... 1—— 3 Luxemburg..... 1—— 3 Haiti.......— 1— 2 Belgien......— 1— 2 Tschechoslowakei...—— 1 1 Argentinien....—— 1 1 Norwegen.....—— 1 1 Da» Programm für Sonnabend. Zehnkampf II. Teil(110 Meter Hürden, Disku», Stabhoch. sprung, Speerworfen. 1S00 Meter): 3000 Meter Hindernis(Eni- fcheidung): 4X100 Meter Herren(Vorläufe) 4X100 Meter Damen (Vorläufe): Griechisch-römischer Ringkampf: Fechten: Rudern: Moderner Fünfkampf(Reiten): Segeln; Schwimmen: Radrennen. Helene Mayer, Offenbach a. M., Siegerin im Florettfechten. 25 Jahre Arbeitersport in Spandau. Spandau, bis vor einem Jahrzehnt noch Tummelplatz mlli- tärischer Schauspiele, Festung, vor den Toren Berlins. Pulver« magazin des preußisch-döutfchen Militari»mus, erlebt am Sonntag den Aufmarsch der ArbeitSrsport-Bataillon«. 2S Jahre Arbeitersport» bewegung in Spandau! Wer vermag aus diesen wenigen Worten, den schweren, mühevollen Wez zu lesen, den gerade der Spartdauer Arbeitersport gehen mußte, ehe es ihm gelang, der Faktor zu wer- den, den die heutige Frei« Turn- und Sportvereinigung 03 darstellt. Ein Dierteljohrhundert ist es her, als einig« Holzarbeiter Span- daus als Gegenpol gegen die damalige Deutsche Turnerschaft die Freie Turnerschaft gründeten. Unter unsäglichen Mühen ging dieses Werk vor sich. Ohne Turnplatz und ohne Turnhollen war man auf unzulänglich« Lokali- täten angewiesen. Noch in den Kriegsjahren versucht« man auf alle Art und Weise dem Spandauer Arbeitersport dos Lebenslicht aus. zublasen. Doch trotz alledem scharten sich immer mehr Arbeiter um da» Banner des Arbeiter-Turnerbundes. Di« Novemberrevolution schwemmte die letzten Hindernisse hinweg. Stolz und frei marschieren die Spandauer Arbeitersportler auf, um zu werben und zu wirken für den Gedanken des Sieges des Proletariats. Von Freitag, dem 3. August, bis Sonntag, dem 5. August, wird nun in Spandau das2S. Vereinsjubiläum der Freien Turn- und Sportvereinigimg Spandau 03 gefeiert, verbunden mit einem treisoffenen Sportfest. Der herrlich im Walde gelegene städtische Sportplatz mit vorschriftsmäßigen Lauf- und Sprung- anlagen sowie Garderobenräume stehen zur Verfügung. Die Ver- anstaltung, die«ine großzügige Werbeaktion für die Arbeitersport- bewegung werden soll, ist in allen Teilen gut vorbereitet. Wandern als Erlebnis. Das Streifen durch di« Schönheiten der Natur ist für den Ar» beiterwanderer nicht nur Befreiung vom Alltag, ihm werden viel» mehr neben den rein gesundheitlichen Werten des Wanderns als Sport in starkem Maße Erlebniswerte zuteil. Das stetig Wechselnd« im Landschaftsbild erweckt immer neue Eindrücke: das Erlebnis wird geformt. Mit ihm stellen sich in gleich starker Weise Wissens- drang und Schaulust ein, wobei gerade die Schaulust auf die künst- lerischen Empsindungen de» Menschen wirkt. Es kommt nizn daraus an, dies« künstlerischen Empfindungen unter allen Umständen in den Arbeiterkreisen zu wecken und zu fördern. Mit dem Wandern ist immer der Drang zur Ausbildung des eigenen Schönheitsgefühls eng verbunden. Die scheinbar ewige Gleichförmigkeit der Heidelandschast, die weite Waldeinsamkeit mär- kischer Seengebiete, das unruhvolle Heranstürmen der Meereswellen. das Auf und Ab der mitteldeutschen Bergwelt mit plätschernden Bächen und stürzenden Wasserfällen und nicht zuletzt die erhabene Hochgebirgswelt erfassen den einzelnen je nach Veranlagung und Charakter oerschieden: stets werden jedoch beim Wanderer, der diese Naturbilder erschaut, Empfindungen vom Schönen viefach beeinflußt. Jeder Arbeiterwanderer möchte nun für die stete Erinnerung und zur Erhebung seines Ichs in den schweren Alltagskämpfcn diese Bilder so in sich aussaugen, daß sie ihm Stärkung seiner Lebense kraft werden. Besonder» wertvoll ist es dabei für ihn, wenn«ch bas mit offenen Augen Geschaute im Bilde festhalten tann. Gerade Arbeiterwanderer sind deshalb schon frühzeitig zur Amateurphotographie gekommen. Die tatkräftige Arbeit der vielen Photogruppen im Touristenverein ,, Die Naturfreunde" be weist die Notwendigkeit des Amateur- Photographierens. Allerdings: die reiche Farbenfreudigkeit, die allerorten das Landschaftsbild dem Wanderfreudigen bietet, fann heute noch nicht von jedem Amateurphotographen auf der Platte festgehalten werden; Farbenphotographie ist für Arbeiterfinder ein fostspieliges Beginnen, zumal man nur das Diapositiv hat, das sich für Lichtbildervorträge eignet. Diesen Zweig fünstlerischen Schauens in Arbeiterkreisen wird erst die kommende Entwicklung weiterbilden tönnen. Günstiger liegen die Verhältnisse beim Zeichnen und Malen; es gibt heute schon zahlreiche Talente unter den Proletariern aller Schichten, denen zeichnerisches und malerisches Können nicht abgeht. Es fehlt nur an der nötigen Anleitung und an der gemeinsamen Arbeit mit Gleichgesinnten. Um diesem Mangel ab zuhelfen, find von den Berliner und sächsischen Naturfreunden Maler und Zeichnergruppen ins Leben gerufen worden, in denen das auf den Wanderungen so vielfach Erlebte in praf tischer Arbeit verwertet und ausgebildet wird. Die Arbeiterschaft darf stolz sein auf solche Arbeitsgemeinschaften, die dem Arbeiter. wanderer die Möglichkeit geben, innere Lebenswerte zu pflegen und auszubilden, die in erster Linie über rein materielle Lebensinteressen hinausführen. Ein solches fünstlerisches Natur- Schauen wird aber auch die Kunstliebe und die fünstlerische Gestaltungsfraft in Arbeitertreisen zu tatkräftigen Erfolgen führen. Rennfahrer des ARB. Solidarität". Die Ortsgruppe Dohna in Sachsen erläßt hiermit folgende Ausschreibung: Am Sonntag, dem 16. September, Bahn rennen auf der Rennbahn in Heidenau. Zementbahn. Länge: 250 Meter. 1. 1- Kilometer- Fliegerrennen für Hauptklasse. 2. 2- Kilometer- Fliegerrennen für Altersklasse. 3. 3.Kilometer- Fliegerrennen gewinne. 5. 250 Meter Internationales Fliegerrennen. 6. 3wei Stunden- Mannschaftsrennen. Meldungen für Rennen Nr. 1, 2, 3 und 4 sind zu richten an Genossen Johannes Eichler, Berlin, Tiedstr. 34. Ueber die Reisevergütung glaubt die Ortsgruppe Dohna sich nach dem Rennen mit den startenden Genossen verständigen zu können. Die Bahnfahrer werden erfucht, die Ortsgruppe durch zahlreiche Meldungen zu unterstüßen. für Jugendklasse. 4. 10- Kilometer- Punktefahren und RundenBestätigter Weltrekord im Dauerflug. Die Fédération Aéronautique Internationale hat jetzt den von den Junkers- Piloten Ristics und Zimmermann an den Tagen vom 5. bis 7. Juli 1928 in Dessau aufgestellten Weltrekord im Dauerflug mit 65 Stunden 25 Minuten offiziell anerkannt. Vereinskalender. Berliner Schwimmverein Freiheit 1907. B. Montag, 6. Auguft, pünktlich 19% Uhr, im Bereinslotal außerordentliche Generalversammlung. Tagesord nung: Rartellzugehörigkeit( APD. oder SPD.?). Wassersportverein Recomania". Freitag, 3. Auguft, 20 Uhr, Sigung bei Hoffmann, Wismarplay 2. Sonnabend, 4. August, Commerfest an der Großen Krampe. Arbeiter- Radfahrerbund„ Solibarität", Drtsgr. Berlin, 2. Abt. Sonntag, 5. Auguft, 6 Uhr, Schnipeljagd nach Hirsdgarten. 13 Uhr Familientour nach Hirschgarten, Wilhelmshof". Gäste herzlichst willkommen. Die Beranstaltung findet bei jedem Better statt. GC. Oberspree begeht am 4. und 5. Auguft fein 15. Stiftungsfeft bei Söflich Oberschöneweide, Raiserstraße. Am Sonntag, 5. Auguft, finden in ber Withthelde folgende Werbespiele ftatt: Oberfpree 1 gegen Stettin, Oberspree 2 gegen Crinig, Oberfpree 3 gegen Abler 08, Jugend 1 gegen Adler 08. WJ. Montag, 6. August, 20 Uhr, Monatsverfammlung im Heim Steinmegstr. 114. Erscheinen aller Genossen unbedingt erforderlich. 7. August, 16 Uhr, Training, Treseburger Ufer, Brig. Donnerstag, 8. August, Dienstag, 20 Uhr, Turnen und Gymnastit, Halle Neukölln, Mahlower Straße. Ohne Licht auf der Landstraße. Die auf märkischen Landstraßen leider sehr häufig geübte Unfitte, ohne Licht zu fahren, hat am Mittwoch abend auf der Treuenbriegener Chauffee bei Beelig einen schweren Unfall verursacht. Der Schlächtermeister Otto Rösler aus Beelitz befuhr die Chauffee mit einem unbeleuchteten Viehwagen in der Richtung nach Beeliz. Hinter ihm tamen zwei Motorradfahrer, ebenfalls ohne Licht. Bei der Dunkelheit bemerkten sie den vorausfahrenden Wagen nicht rechtzeitig und fuhren mit voller Wucht in ihn hinein. Rösler und sein Lehrling wurden durch den heftigen Anprall vom Wagen geschleudert. Dabei erlitt der Meister ich were Ropfperlegungen. Die Pferde scheuten und raften mit dem Wagen in den Straßengraben. Einer der Motorradfahrer erlitt einen Schädelbruch. Der andere hat anscheinend innere Berlegungen, so daß er ebenfalls noch nicht vernehmungsfähig ist. Die Persönlichkeiten der Motorradfahrer sind bis jetzt noch nicht festzustellen. PROGRAMM für die Zeit vom 3. bis 6. August BTL Potsdamer Straße 38 Liebeskarneval mit Carmen Boni, Jack Trevor Rheinstraße 14 1 los! Eins, zwel, drei Der Ueberfall i. d. Silberschlucht Jugendliche haben Zutrit Odeon, Potsdamer Str. 75 Jackie Coogan in Jackie, der Schiffsjunge Jugendliche haben Zutritt Turmstraße 12 Rin Tin Tin als Lebensretter Der geheimnisvolle Ozeanflug Jugendliche haben Zutritt Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Flitterwochen mit Margot Landa Harald Paulsen, Teddy Bill Heiratsschwindler und ihre Opfer. Beobachtungen im Gerichtssaal. ,, Ein Heiratsschwindler verhaftet". Wenn der Zeitungsleser| noch hinzu, daß fitschige Filme und Literatur vom Genre der diese Worte liest, denkt er im stillen an den Idealtyp dieser Spezies Courths Mahler- Romane falsche Sehnsüchte wachsen lassen. LatMensch: den gutgewachsenen, vornehm gekleideten Mann, der durch fachen, mit denen der Heiratsschwindler faltuliert. Er ist nie der die Vorzüge seines Aeußeren, durch verbindliche Manieren die Frauen einfache Arbeiter, sondern gleicht sich dem Phantasieprodukt der in seinen Bann zieht. In seinen gedanklichen Borstellungen sieht der Frauen an, dem Mann, nach dem sich das Mädchen sehnt. Faft Leser den verbrecherischen Willen der Betrüger mit der Abenteuerlust immer täuscht er eine gute Bosition und etwas Bermögen vor. Hat eines Casanova und dem Liebesfeuer eines Don Juan verknüpft. Der der ,, Geliebte" einmal vom Heiraten gesprochen, dann verlieren diese besinnliche Mensch denkt bei dem Wort Heiratsschwindler vielleicht Mädchen die flare Sicht. Sie schwelgen schon in zukünftigen Ehe. auch an Männer, die sich das Aussehen des seriösen Herrn geben wonnen. Die Phantasie zaubert ihnen schöne Bilder vor, die Vernunft und dadurch die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten den Frauen glaubhaft ist wie weggeblasen, und es ist nur eine Frage von Stunden und zu machen verstehen. Tagen, bis sie sich dazu hergeben, dem zukünftigen Batten" aus der bekannten„ momentanen Berlegenheit" zu helfen, an der jeder Heiratsschwindler tranft. Die Heiratsschwindler, denen man aber am Gericht begegnet, gleichen selten dem Bild, das die Phantasie zeichnet. Es sind selten Individualitäten". Ein guter Menschen- und Seelenfenner spürt dieser Art Betrüger find schlechte Komödianten, die als einzige Boran ihnen bald das Odium, das das Gefängnis gibt. Die Mehrzahl aussetzung für ihren Beruf" ein bißchen Verschlagenheit und ein gutes Mundwert besitzen. Die Ursache ihrer Erfolge" liegt nicht in ihnen selbst begründet, sondern in ihren Opfern. Wer sind ihre Opfer? In der Hauptsache Mädchen aus dem proletarisierten Mittelstand und Arbeitertöchter. Ihnen wohnt der Instinkt inne, der ihnen sagt, daß sie mehr als die Männer darauf angewiesen sind, den Anschluß nicht zu verpassen. Sie laffen sich in meine Reize müssen mir den verschaffen, der mir einmal das Dasein vielen Fällen bewußt von dem Gedanken leiten: meine Jugend und leichter macht. Das hübsche Mädchen wird das Rennen machen; aber die nicht von Schönheit, törperlichen und geistigen Borzügen Begnadeten, und besonders die alternden Mädchen, die den Anschluß verpaßten, werben nur zu leicht Beute jener Betrüger, die in den weiblichen Schwächen die Basis für ihre Erfolge finden. Kommt Frau Radtke- Batschauer, die den Preis über 800 Meter gewann. Die zweite Läuferin ist Fräulein Dollinger- Deutschland. Untermieter sind rechtlos! Mit seltener Brutalität hat der Zigarrenhändler B. aus der Neuenburger Straße einen bei ihm seit einigen Monaten wohnenden Untermieter vorgestern auf die Straße gefeßt. Die Begleitumstände dieser Ermission find so, daß die gesamten Mieter des Hauses versuchten, Herrn B. das Ungewöhnliche seiner Handlungsweise klarzumachen. für das er stets pünktlich seine Miete bezahlte. Vor einigen Wochen Der Photograph M. hat von Herrn B. ein Zimmer abgemietet, hat M. geheiratet und bei dem Hauswirt die Genehmigung nach gesucht, mit seiner Frau das bisher von ihm allein innegehabte Zimmer gemeinsam zu bewohnen. Diese Genehmigung ver weigerte der Hauswirt und fündigte M. zum 1. August. Nach länverstanden, die Frist um einen Monat hinauszuschieben. Auch die geren Berhandlungen erklärte sich die Frau des Vermieters einFamilie, der das Zimmer schen zugesprochen war, war damit einverstanden. Diese Bereinbarung wurde auch stillschweigend von dem Das Liebesbild endet dann bald mit einer schrillen Dissonanz. trogenen Frauen Strafanzeige bei der Polizei; es dauert nicht lange, Ausgeplündert, von dem„ Bräutigam" verlassen, machen die be ( Biele Mädchen verzichten auf den Weg zur Polizei, um dem Gerede bis wieder in der Zeitung steht: ,, Ein Heiratsschwindler verhaftet..." flatschüchtiger und boshafter Nachbarn zu entgehen. Sie wollen nicht zum Schaden noch den Spott haben.) Es vergeht feine Woche, in der sich nicht Heiratsschwindler vor den Gerichten zu verantworten haben. Und immer flingt die gleiche innen und Fabrikmädels opferten sauer Erspartes... SparkassenMelodie in den Verhandlungen auf. Hausangestellte, Handwerkerbücher verschwanden für immer in den Taschen der geriffenen Gauner. Ganze Erbteile gingen an sie verloren. Aus allen Prozessen er wächst für die Frauen die Warnung vor unangebrachter Bertrauensfeligkeit und die alte Wahrheit erhärtet sich, daß der besser fährt, der durch die Liebe nicht den Kopf verliert Rudi Eims. Bermieter anerkannt. Als M. am 1. August früh zur Arbeit ging, drang Herr B. in dem Augenblick in das Zimmer der Eheleute, als die Frau die Tür öffnete, um einholen zu gehen. Die Frau fonnte feinen Widerstand leisten, da sie erst vor wenigen Tagen nach ihrer Entbindung aus dem Krankenhause entlassen war. Nach übereinstimmenden Aussagen der Hausbewohner drängte B. die Frau zu rüd, brang in die Stube ein und begann mit Hilfe einer bezahlten Kraft die Stube auszuräumen. Auch der Korb, in dem das Kind ruht, murde auf den Flur gestellt; die Mutter mußte mit dem Säugling im zugigen Hausflur bleiben. Hilfsbereite Hausbewohner holten den Mann von der Arbeitsstelle, der mit Mühe schon seine vom Regen mitgenommenen Möbel vom Hof in eine Waschküche rettete. Dann brachte er seine Frau in einem Hospiz unter, wo sie fofort ärztlich behandelt werden mußte. Es ist noch nicht abzusehen, ob für Mutter und Kind durch diese Behandlung nicht gesundheitliche Schäden entstehen werden. Herr B. mag rein formell im Recht sein, durch sein Bergehen aber hat er sich selbst ins Unrecht gesetzt! Die amtliche Feier in Berlin. Bei der Berfassungsfeier, die am 11. Auguft, 20% Uhr, von der Reichs und Staatsregierung sowie der Stadt Berlin in der Oper am Platz der Republik geplant ist, wird Oberbürgermeister Dr. Böß die Festrede halten und Wilhelm Furtwängler mit dem Kittelschen Chor und dem Vereinigten Philharmonischen Symphonieorchester den 150. Psalm von Bruckner zur Aufführung bringen. Außerdem wird Professor von Baußnern seinen für diese Feier auf Veranlassung der Veranstalter fomponierten Hymnus zur Berfassungsfeier" für Orchester mit Schlußchor Deutschlandlied" dirigieren. Zwei Jugendliche verschwunden. Seit zwei Tagen verschwunden sind aus Botsdam der 17 Jahre alte Gymnafiast Walter Syltmann aus der Stadtheide 25 und die 16 Jahre alte Wilhelmina Stolz aus der Kastanienallee 32. Der junge Mann hat seinem Vater ein Sparkassenbuch und das Zweifel auf Reisen begeben. Eine Spur ist bisher noch nicht geMädchen den Eltern 500 Mart entwendet. Hiernach haben beide am vergangenen Mittwoch Potsdam verlassen und sich ohne funden. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und UmBesten und Süden warm und vereinzelt Gewitterneigung, im übri gegend.( Nachdr. verb.) Nach flarer und sehr tühler Nacht tags= über wechselnd bewölkt mit rascher Erwärmung. Deutschland. Im gen Deutschland nachts sehr fühl, am Tage rasche Erwärmung bei schwacher Luftbewegung und heiterem bis wolligem Better. KINO TAFEL Südwesten Osten ilm- Palast Kammersäle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. Achtung! Beg. 6.30. Andreasstraße 64 Pürst oder Clown mit R. A. Roberts Trommelfeuer der Liebe Süden Uraufführung: Im Wespennest mit Eddle Polo, persönlich anwesend Bühnenschau Th. am Moritzplatz Viktoria- Lichtbild- Th. Beg. W. 6.15, 9. S. ab 4 Uhr Verrat. Die große Spionageaf äre Der Bandit mit Rod La Roque Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Wochenendliebchen Liebelei nach A. Schnitzler Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Fay Marbé, Ernst Verebes, Hans Thimig, Igo Sym in Dorine und der Zufall Bühnenschau Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Tempelhof, Berliner Str. 97 Frankfurter Allee 48 Greta Garbo in Totentanz der Liebe Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Schlachtschiff Constitution Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Harry Liedtke in Försterchrist' Die große Revue: Die Jagd nach der Frau Jugendliche haben Zutritt Friedrichsfelde Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Leopardenlady, Uraufführung Eddie Polo, Im Wespennest Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 PROGRAMM für die Zeit vom 3. bis 6. August Weißensee Carmen Boni in Liebeskarneval Schloßpark Film- Bühne Die große Revue: Das ist richtig Alhambra Müllerstr. Kristall- Palast Ein Walzertraum( Willy Pritsch) Auf der Bühne: Alt- Wien Metro- Palast Chausseestraße 30 Wegen Renovierung geschloss. Wiedereröffnung: 10. August 1928 Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Wochenend wider Willen Eins, zwei, drei, los!( B. Daniels) Gesundbrunnen ,, Alhambra Badstraße 58 Harry Liedtke in Heimliche Ehe Großes Geiprogramm Große Bühnenschau Prinzenallee 1-6 Die Sünderin Eins, zwei, drel, los!( B. Daniels) Große Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a Beg. 7.30, 9 Uhr Frl. Chauffeur Ausgewähltes Belprogramm Tivoli- Lichtspiel- Th. Berliner Straße 27 Die Durchgängerin m. Käthe van Nagy und Hans Brauseweiter Bühne: In Liebesnöten Nieder- Schönhausen Kammerlichtspiele Humboldt- Theater Film- Palast Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 10 Tage, die die Welt schütterten 120000 Mitwirkende Bahnenschau erZwei unterm Himmelszelt Tom Mix in Die große Zirkusnummer Badstraße 19 Harry Liedtke in Försterchrist'l Die Jagd nach der Kassette Große Bühnenschau Blankenburger Str. 4 Arme kleine Mädchen( Singspiel) Belphegor Berliner Allee 205-210 Der Florentiner Hut Die Insel der Gestrandeten Bühnenschau Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 Wegen Renovierung geschloss. Wiedereröffnung Anfang August Schöneberg Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U. Zwei große Schlager: Die Königin der Revue Die Teufelsscalucht Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Rin- Tin- Tin als Lebensretter Auf der Bühne: Die moderne Tierdressurrevue Mr. Worel mit seinen Zöglinge