Morgenausgabe Nr. 365 A 186 4S.Iahrgang WSch-ntNch WPs.»wx-wch SJC BL im voraus zahlbar, vostb-ju,eile b.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen�' das jettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme im Hauptgeschäft Linden- strofje 3, wochentägl. von 8 Vi bis 17 Uhr. Äentvalovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— LS?, Telegramm-Ldr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 27 522.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 25. DiSkonto-Eesellschast, Depositenlasie Lindenstr. 2 Vorberatung Zulassungsanträge u V. Zeil. Druffel. 3. August.(Eigenbericht.) Die Exekutive der Internationale, die am Freitag zusammen- getreten ist, hat sich in zwei Sitzungen mit verschiedenen Anträgen von Parteien um Zulassung zum Internationalen Kongreß be- faßt. Einer dieser Anträge stammt von der neugegründeten U n- abhängigen Sozialistischen Partei Argentiniens, die sich zum Teil aus taktischen, zum Teil aus persönlichen Gründen von der Sozialistischen Partei Argentiniens losgelöst hat. Sie behauptet, daß sie sogar viel stärker geworden sei als die alte Partei, welcher Behauptung der Vertreter der alten Partei in der Exekutive widerspricht. Eine Kommffston wird am Sonnabend vormittag den Fall prüfen und dem Plenum der Exekutive Bericht erstattten. Ebenso liegt ein Antrag der kleinen Reste der USP. Polens vor, weiter Sitz und Stimme in der Internationale zu behalten, obwohl sich die USP. Polens unter Führung ihres Gründers Dr. Drob- n e r- Krakau vor zwei Monaten nahezu geschloffen mit der PPS. vereinigt hat. Sowohl Riedzalkowski wie D r o b n e r wider- sprachen im Hinblick auf die Notwendigkeit, besonders in der jetzigen kritischen Zeit in polen, die Kräfte der polnischen Arbeiterschaft zusammenzufassen und eine Spaltung nicht länger durch die International« zu sanktionieren. Dr. K r u k plädierte für de» von ihm geführten Rest der USP. Polens, der nicht in der PPS. aufgehen will. Auch darüber wird eine besondere Unterkomniission der Exekutive Bericht erstatten. Die- s.lbe Kommission wird sich auch mit einem weiteren Zulassungs- antrag befassen müsien, der von besonderem Interesse ist. Es handell sich um die ukrainische Radikalsozialistische Partei in Polen, eine Bauernpartei mit soziolrevolutionärem Einschlag, welche bei den letzten Wahlen zum polnischen Sejm neun Mandate eroberte und in stärkster Opposition zu Pils udski steht. fliese starke Gruppe hat eine Delegatton zum Kongreß entsandt. Die Exekutive hat beschlosien, sie jedenfalls als Gast delegierte zum Kongreß zuzulassen. Inzwischen ist von der Parteileitung dieser ukrainischen Gruppe am 31. Juli in Lemberg einstimmig beschlosien worden, um A u f n a h m« in der SAI. nachzusuchen. Ueber diesen !>er Exekutive. lö Wirischastssragen. Antrag wird die Exekutwe nach Prüfung des Falles durch die Unter- kommisston morgen nachmittag Beschluß fassen. Die kommunistisch« Presie hat dieser Tage mit großem Geschrei behauptet, daß ein« Delegation der Kuomintang am Kongreß teilnehmen würde. Diese Behauptung ist unwahr. Richtig ist nur, daß Vertreter der Kuomintang gebeten hoben, dem Kongreß beiwohnen zu dürfen. Das ist ihnen zugesagt worden: sie werden jedoch selbstverständlich weder als Dele- gierte noch als Gastdelegierte, sondern lediglich als Zuhörer auf der Publikumsgalerie anwesend sein. Den Vorsitz in der Exekutive führte Macdonald- England. Die Sonder- kommisston für Mrtschatsssragen ist Donnerstag zusammengetreten und hat nach einer gründlichen Aussprach«, an der als Vertreter der Deutschen Sozialdemokratie N a p h t a l i und als Vertreter Frankreichs Leon Blum teil- nahmen, den Entwurf einer Resolution angenommen, die dem Kongreß zum 4. Punkt der Tagesordnung„Die wirtschaftliche Lage und die ökonomische Politik der Arbeiterklasse� vorgelegt werden wird. Die Resolution nimmt Stellung zu den wichtigsten Wirtschaft- lichen Problemen der Nachkriegszeit: Rattonalisterung, Arbeitslostg- keit, Arbeitszeit, Schutzzölle, Kartelle und Trusts. Freitag nachmittag begann die internationale Arauenkonferenz unter dem Vorsitz von Adelheid Popp, Oesterreich, Susann« Lawrence, England, und Marie I u ch a c z, Deutschland. Es -waren über hundert Delegierte anwesend. Man hörte zunächst mehrere Referate über die sozialistischen Forderungen für Mutter und Kind, für die Frau im Betrieb, Fürsorge für H i l f s- bedürftige usw. Besonders die klare und umfassende Rede der Genossin Gertrud Hanna, Deutschland, machte starken Ein- druck und löste lebhaften Beifall aus. Was sie m'chi wollen. Oeutfchnationale Hehe gegen Wohnungsbau und Arbeits« beschaffung. Die Hetze gegen die sozialdemokratischen Minister kommt nie zur Ruhe. Eine deutschnationale Zeitungskorrespondenz, die bei H u g e n- b e r g erscheint, verbreitet die Nachricht, daß das Deutsche Reich mehrere hundert Millionen neuer Schatzanweisungen ausgibt. Die deutschnationale Presse stürzt sich mit wahrem Heißhunger darauf, «m der Mitwelt auseinanderzusetzen, daß der Reichsfinanzminister H i l f e r d i n g aus der einen Seite Schulden über Schulden mache »nd auf der anderen Seite durch die Senkung der Lohnsteuer den Arbeitern Dorteil« zukommen lasse. Sachlich ist dazu zu sagen: Zur Deckung der im außer- ordentlichen Haushalt vorgesehenen Ausgaben oerfügt das Reich über offene A n l e i h e k r e d i t e. Die zu beschaffenden Mittel sollen für werbende Anlagen, insbesondere für die Fort- sührung des Kanalbaues, des Siedlungswerkes, für Wohnungsbau. Arbeitsbeschaffung usw. dienen. Um eine unmittelbare Jnanspruch- nähme des Kapitalmarktes zu vermeiden, wurde mit den Trägern der Sozialversicherung Fühlung genommen, in welchem Umfange sie in der Lage und gewillt sind, an der Befriedigung des Geldbedarfs, die für die vorgesehenen Zwecke von ihrem Standpunkt aus eine besondere Förderung verdient, teilzunehmen. Es würde sich gegebenenfalls um die Ausgabe von verzinslichen Schatzanweisun- gen mit einer Laufzeit von einigen Jahren handeln, die nicht an den Markt gebracht werden, sondern bis zur Fälligkeit in festen Händen bleiben sollen. Die Träger der'Sozialversiche- r u n g haben den gemeinnützigen Zweck der Verwendung der auszubringenden Mittel sowie die damit ersttebte im Interesse der sozialen Bersicherungsträger li?gende Entlastung des Ar- beits Marktes anerkannt, und ihre grundsätzliche Bereit- Willigkeit, zur Deckung des Geldbedarfs beizutragen, erklärt. Es handelt sich zunächst lediglich um ein vorsorglicherweise vor- genommenes Feststellungsoerfahren, ohne daß der Zeitpunkt und das Ausmaß der Schatzanweisungsausgabe schon bestimmt ist. Jteue Näumungsdebaiie. Etappenweise Regelung und Gegenleistungen. Paris. 3. August.(Eigenbericht.) Unter dem Zeichen des bevorstehenden Besuches Dr. Strese- manns in Paris beginnt die öffentliche Diskussion über die Rhein- landfrage, die in der leuten Zeit stark polemisch war, uneder fach- lichcr zu werden. iüej�Duend dafür, daß man rrotz aller Forde- Smg nach dattschen Gegenleistungen auch in Frankreich mehr und mehr das Bedürfnis nach baldiger befriedigender Regelung emp- findet, find Ausführungen der die Auffasiung fortgeschrittenerer amtlicher Kreise widerspiegelnden Zeitschrift„Europe Nouvelle". Der Verfasier lehnt die Forderung nach bedingungsloser Räumung ab, weil sie sich nicht auf dem Boden der Wirklichkeit bewege. Im übrigen solle au» der Räumung ebensowenig eine großzügige Geste Frankreichs noch ein Tauschgeschäft gemacht wer- den, aus dem Frankreich möglichst viel herausschlagen müsse. Die Gegenlei st ungen, die Frankreich verlangen dürfe, sollten nicht übertrieben fem. Zuerst handele es sich darum, über die Räumung der zweiten Zone mit Deutschland ins Reine zu kommen. Hierzu könnten verstärkte Sicherheitsgarantien ver- langt werden, etwa ein« Berlängerung der Rheinland- k o n t r o l l e über den von Stresemann als Grenze gesetzten Zeit- punkt von 1935 hinaus. Diese Kontroll« solle der Völkerbund aus- üben.„Wenn", so steht da.„eine Verhandlung über die Räumung der zweiten Zone von Erfolg gekrönt wäre, so wäre«in Präzedenz- fall geschaffen und die Arbeitsmethoden und Arbeitsgewohnheiten für die viel wichttgeren Verhandlungen über die Räumung der dritten Zone festgelegt." Diese letztere denkt sich damr der Ber- fasser im Zusammenhang mit der Regelung der Finanzfrage, die natürlich stark von Amerika abhänge. Aber zugleich sollte durch st« auch die„allgemeine Sicherheil" endgültig geordnet werden. * Am Mittwoch und Donnerstag ist in Paris zwischen Briand, B e r t h e l o t und dem deutschen Botschafter von Hoesch u. a. mich der Auslieferungstonflikt behandelt worden. Es heißt, daß die Bahn für eine annehmbar« Lösung freigemacht worden sei. Calles gegen die Arbeiterhehe. Auch gegen Verallgemeinerung der Mordbeschuldigung. vlexiko-Eity, 3. August.(Eigenbericht.) Präsident Calles erklärte in einem Interview, er beobsichttge nicht ein Verbleiben im Präsidentenamt und richte sich strikte nach der Verfassung. Er betont« den rapiden Fortschritt Mexikos in den letzten Jahren, der Mexiko in naher Zukunft eine bedeutsame Rolle im Konzert der zivilisierten Nattonen sichere. Calles unterstrich die Unsinnigkeit der gegen die Arbeiterbewegung und besonders gegen Morones vorgebrachten Beschuldigungen im Obregon» mord. Die Arbeiterbewegung, deren Führerschaft von höchsten Idealen geleitet werde, sei sicherlich nicht durch den gewaltsamen Tod des sozial denkenden Obregon gefördert. Calles betont«, die Schuld an dem Mord Obregons könne ehrlicherweis« nicht dem gesamten KIrrus und Katholizismus aufgebürdet werden: jedoch sei die individuelle Schuld einzelner Kaicholilen und Mitglieder des Klerus sicher festgestellt. Die Ordnungszelle. Das Land der Reservalrechte und Eisenbahnlotastrophen. Von.Mvin Saengcr. Der aus dem nichtbayerischen Ausland stammende und wohl durum besonders föderalistisch gesinnte Herr bayerische Ministerpräsident Dr. Held hat die neue Präsentation seines allen Kabinetts mit einigen nicht eben sehr klugen Bemerkungen gegen die Sozialdemokratie in Bayern verbunden. Es ist leider ein alter politischer Fehler Herrn Helds, die feindliche Nervosität des reinen Parteimannes der überlegenden Ruhe des universellen Staatspolitikers vorzuziehen. Herr Dr. Held meinte, die scharf begründete Ablehnung des im Bayerischen Land- tag wiedergewählten Ministeriums durch die Sozial- d e m o k r a t i e fei auf„Zorn und Enttäuschung" zurückzuführen. Ob der Herr Ministerpräsident nicht selbst lächeln muß? Zorn? Ja, vielleicht über den weiteren politischen Niedergang eines Landes, das allerdings wert wäre, fähigeren politischen Händen anvertraut zu werden. Denn eine Politik, die von den eigenen Gesinnungsfreunden des Ministerpräsidenten in einem Ausmaß und mit einer Heftig- keit angegriffen wird, daß die Presse der Bayerischen Volks- Partei von einer drohenden Parteikrise sprechen muß, dürfte kaum ein Meisterstück der politischen Zunft sein. Zudem cnt- hält der sozialistische Protest gegen die Wiederholung des Held-Ministeriums in wesentlichen Teilen nichts anderes als oft wiederholte Kritiken der bayerifch-volksparteilichen Zeitungen selbst. Wir greifen die schuldbeladene Justiz Bayerns heraus. Der unerhörte Rechtsbruch des weiter amtierenden bayerischen Justizministers, hemmend in einem Strafprozeß aus politischen Gründen ein- gegriffen zu haben, seine Haltung gegenüber dem Bayerischen Landtag, dem er über die prozessuale Behandlung der Hitler- Meuterei eine falsche Auskunft gab, find in den führenden Organen der Partei des Herrn Held in den leßten Zeiten so scharf wie in der sozialdemokratischen Fraktionserklürung im Landtag gebrandmarkt worden. Es ist für die staatspolitischen Verhältnisse Bayerns bezeichnend, daß der volksparteiliche Ministerpräsident durch seine Nervosität sich zwar zu einem unmöglichen Ausfall gegen die Sozialdemokratie verleiten ließ, seinen Iustizministerkollegen jedoch gegen die schwersten sozialdemokratischen Anschuldigungen mit keinem Wort in Schuß nehmen wollte und konnte. Durch eine solche baju- varische Idylle wird selbst glühender Zorn rasch besänftigt. In einer leidenschaftsloseren Stunde geschichtlicher Bc- trachtung wird auch Herr Dr. Held zu der für ihn bitteren Erkenntnis kommen, daß es der Sozialdemokratie in Bayern dank feiner staatspolitischen Führung der politischen Ge- schäfte so vortrefflich geht, daß Zorn ein zu unlogisches Attest für erwiesene Wohltaten märe, als daß wir— im praktischen Christentum nicht schlechter beraten wie die Konkordatsverfechter der Bayerischen Polkspartci— es gebrauchen möchten. Uns war immer wohl in Bayern, damals, als wir unter Luitpold, des Königreichs Verweser, von den Landtagskollegen im Priesterrock als„Fügung Gottes" dankbar gepriesen wurden und auf den Sarg- deckeln der heiligen Speyerer Kaisergrüfte unter dem Gottes- fegen späterer Kardinäle teuflische schwarz-rote Allianzen schlössen: damals, als des ehrwürdigen und achtbaren Vaters Balthasar von D all er, Domherrn zu Freising, Wort die Runde machte, daß ihm ein Sozialdemokrat von hinten lieber sei als fünf Liberale von vorne. Warum sollten wir heute in der Ordnungszelle unfröh- licher sein, in der die„staatspolitische Führung" in den Landtagswahlen der Bayerischen Volkspartei einen Mil- lionenoerlust zufügte, während wir im Freistaat der von den Thronvasallen schmählich im Stich gelassenen Wittels- bacher von Wahl zu Wahl stärker und geschlossener werden. Alle Schuld rächt sich auch auf der politischen' Erde. Der tiefste Grund der schweren Wahlniederlage und der ein- setzenden parteipolitischen Zerrüttung der einst wirklich souveränen Bayerischen Volkspartei liegt in der Lüge, in der inneren Unwahrhaftigkeit, die eine durch- greifende Säuberung der mit den Staatskrisen der letzten Jahre noch schwer belasteten Verwaltung nicht nur verhindert, sondern die skandalösen Mißstände fort- führt wie die Ernennung eines früherer Putschabsichten ver- dächtigen völkischen Politikers zum Generalstaatsanwalt des obersten Verwaltungsgerichtes in Bayern eben erst sinnfällig bewiesen hat. Unter den Männern im Format der Schädler, Daller und O r t e r e r wäre die beispiellose Selbsterniedrigung der Bayerischen Volkspartei und ihrer viel und gern redenden Führerschaft unmöglich gewesen, die sie jetzt mit der Beibehaltung des Justizministers, der eine Hauptschuld an der Verwilderung der politischen Zustände Bayerns trägt, vollzieht. Der Stolz und das Gefühl für Par- teiehre hätten jene Führer gehindert, eine Unterwerfung unter den die Volksvartei beschimpfenden Bauernbund'k vollziehen, die in ihrer Grunds�tz'osigkeit der deutsch- nationalen„Kaisertreue" ebenbürtig ist. * Brauchen wir Kolonien? Eine alie Umfrage und eine ireffende Antwort. lue Endliche Eigensinn partitularistischer Dogmen, der soderalistlsche Schablonengloube. der den bayerischen Hon- zont mit Brettern vernagelt wie anno 1870/71 in den Zeiten der..Pariotenpartei". hat eine wirkliche, kulturpolitische Mission Bayerns scheitern lassen. Dieser Starrsinn der kleinen Leute, der sich am Biertisch an der Behauptung austobt, die bayerischen Eisenbahnunglücke kämen von der preußischen Zuggeschwindigkeit und in den hohen Zirkeln die tolle Unwahrheit ausspricht, der Z e n- t r o l i s m u s vernachlässigte das von der königlichen Eigen- itaatlichkeit reichlich vernachlässigte bayerische Eisen- b a h n n e tz, ist das Unglück des Landes.' Diese blinde Ge- bundenheit an ein paar Quadratkilometer hat die Blamagen ohne Ende geboren, hat den Kampf für Bayerns„Bilanz" mit Herrn Erich Ludendorff und zugewanderten preußischen Offizieren zu führen versucht, hat dem einen deutschen Vater- lande gegenüber in schwerster Stunde die Treue aufgekündigt. Was könnte dieses Land dem neuen Deutschland zur eigenen Ehre sein! Wohin haben es politische Stümperei und Enge des Blicks gebracht! Die Weisen aber mögen noch ein wenig warten mit ihren Reden über Enttäuschungen. Es kommt in Bayern die Zeit, wo man wieder die Enttäuschten zählen wird! Ich glaube für uns Sozialdemokraten wird es keine Enttäu- s ch u n g geben! Reichsbahn-LLnierfuchiing. Oer Ausschuß ernannt. Der Reichsoerkehrsminister hat die Mitglieder d« s A u s> f ch us s e s zur Untersuchung der Betriebsverhält- nisse der Reichsbahn ernannt. Es sind berufen worden: die Reichstagsabgeordneten Dr. Quaatz und Scheffel: die Pro- fessoren für Eisenbahnwesen Dr. Halter von der Technischen Hoch- schule in München und Dr. Pirach von der Technischen Hochschul« in Stuttgart: der Berbandsgeschäftssührer Groß: vom Hauptbeamtenrat bei der Deutschen Reichsbahn der Vorsitzende, Eisenbahninspektor Mondorf: vom Hauptbetriebsrat bei der Deutschen Reichsbahn der Borsitzende Halje: von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer der Lokomotivführer Paul Seile aus Dittersbach(Waldenburg): vom Reichsverkehrsministerium der Geheime Oberbaurot Zirkler(Betrieb) und der Oberregierungsbaurat Dr. R eingruber(Eisenbahnversichc- rungswcsen) und von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft der Reichsbahndirektor Dr. Fromm(Dienstdauerangelegcnheiten) und der Vizepräsident Senst(Oberbaufragen). Der Ausschuß wird umgehend mit seinen Arbeiten beginnen und ieine Untersuchungen hauptsächlich in Süddeutschland, vor allem in Bayern vornehmen. Noch Beendigung der Ermittelungen wird di Reichsbahnoerwoltung eine ausführliche Denkschrift über das Er- gebnis der Untersuchung veröffentlichen, die in engster Zusammen- arbeit mit dem Ausschuß fertiggestellt werden soll. Oie Verfassungsseier im Rundfunk. Oo« bayerische Z�eservatrecht. Am Sonnabend, dem 11. August, abends 8,30 Uhr, findet die große Verfassungsfeier der Reichsregrerung, der preußischen Regierung und des Berliner Mogistrats statt. Es ist ein erfreuliches Zeichen dafür, welchen Resonanzboden diese künstlerisch sehr hoch- stehende Feier im ganzen Reich findet, daß sowohl die Deutsche Welle wie die Berliner Funkstunde, ferner die Sender Frankfurt a. M., Hamburg. Köln' Königsberg, Leipzig und Stuttgart diese Ler- iofsungsseier übertragen werden, d. h. sämtliche deutsche Sender übertragen die Verfassungsfeier mit einer einzigen Aus- nähme. Mit welcher wohl? Natürlich München. Die heiligen Reservotrechte unserer bayerischen Volksgenosien dürfen nicht angetastet werden. Allerdings bringt die Deutsche Stunde in München am Vormittag un> 12 Uhr, wohl in der Erkenntnis, daß nur wenige Prozent der bayerischen Bevölkerung dann di« Zeit haben, am Rundfunk zu lauschen, die Morgenfeier der Reichsregierung. Am Sonnabend Abend aber, wo gerade die großen arbeitenden Mafien frei find und gern die Berliner Feier mit anhören würden, hat die Münchener Rundfunkgesellschaft andere und wichtigere Aufgaben zu erfüllen. Sie muß nämlich einen Werbeoortrag zur Sonderschau des Reichsverbandes der Schokoladengeschäftsinhaber e. V. Gau Südbanern bringen, um auf diese Weise wenigstens ihren Hörern den Verfafiungstag zu versüßen. Sparkassenfkandat in(3t. Ingbert. Oie Stadt durch Vetternwirtschaft schwer geschädigt. Saarbrücken. 3. August.(Eigenbericht.) D'« von einem Zentrumsoberbürgerweister und einer Zentrumsmehrheit regierte saarpfälzische Stadt St. Ingbert hat ihren Sparkassenskondal. Der Leiter der städtischen Sparkasse, Finanzrat Pircher, bat hinter dem Rücken seiner Aufsichtsinstanzen und des Bürgermeisters Kredite von über 5 Millionen Mark aus- gegeben, von denen der größte Teil verloren fein dürfte. Pircher hat an eine Holz- und Eisengroßhandlung in St. Ingbert, mit der er eng be>freund«t ist, an deren Tochtergesellschaften und ebenso an«ine Nürnberger Seifenfabrik seines Bruder? diese Kredite ohne die notwendige Deckung ausgegeben und dadurch die Stadt um mindestens 2 bis 3 Millionen Mark geschadigt. Die verschiedenen Parteien des Stadtrats, der Spar- kaflenvvrstand, der Bürgermeister und Vertreter der Saarregierung hoben bei einer Kassenrevision Gesamtoerbindlichkeiten in der oben angegebenen Höhe festgestellt, von denen mehr als die Hälfe verloren fein dürfte. Bei entsprechender Kontrolle durch den Bürgermeister und seine Mehrheit hätten di« Machenschoilen dez Finonzrot« nicht so lang« unausgedeckt bleiben können. Die ruffische Landknfe. Ermordung von Oorftorrespondrnien. Moskau. 3. August.(Ost-Expvetz.) Die Sowjetprefie bringt zahlreiche Meldungen über die Er- mordung von Dorfkorrespondenten der kommunistischen Zeitungen durch Großbauern. So wurde bei Winuiza in der Ukraine ein besonders aktiver Dorfkorrespondent ermordet Der Täter konnte verhastet werden. Aus dem Gouvernement Smolensk wird gemeldet. daß dort der Vorsitzende eines Dorssomjets zusammen mit dem Schristsührer und zwei weiteren Mit- gliedern des cowjcls unter der Bejchutd-tgung oerhastet worden sind, einen Dorfkorrespondenten ermoroei zu haben, der »der Mißstände in der Dors Verwaltung berichtet hatte, Die deutschnationale Presse übt sich mährend der Par- lamentsferien auf„nationale Opposition" ein, damit sie beim Wiederbeginn der Parlamentsorbeiten in Uebung ist. Auf der Suche"nach geeigneten Anknüpfungspunkten hat sie nach der Erledigung des Auslieferungszwischenfalles eine Um- frage über das Thema„Soll Deutschland Kolonial- Politik treiben" entdeckt und dazu eine Antwort von Hermann Müller. Lange genug hat sie dazu gebraucht. Die Antworten auf diese Umfrage sind im Dezember 1927 in den„Euro- päischen Gesprächen" veröffentlicht worden. Die Ant- wort von Hermann Müller lautet: „1. Trotzdem dem Deutschen Reiche dos Recht auf koloniale Betätigung nicht bestritten werden kann und die koloniale Schuld- lüge in der früheren kolonialen Betätigung Deutschlands keine Be- gründung findet, soll das Deutsche Reich aus praktischen Gründen den Erwerb von Kolonien nicht anstreben. Die deutsche Wirtschast leidet an Kapitalmangel. Wie soll auch noch das Kapital aufgebrocht werden, das zur Einleitung elner nutz- bringenden Koloniolpolitik in den Kolonien investiert werden müßte? Zurzeit haben die Deutschen bei den erwachenden, nach kolonialer Selbständigkeit drängenden Kolonial- Völkern das größte Ansehen, gerade weil Deutschland an der kolonialen Ausbeutung fremder Völker nicht mehr beteiligt ist. Das muß sich auch handelspolitisch günstig fiir Deutschland auswirken. 2. Auch zur kolonialen Betätigung Deutschlands durch lieber- nähme des Kolonialmandats liegt kein Grund vor. Deutschland soll sich in der Mandatskommission des Völkerbundes vielmehr der Völker annehmen, die in den Mandatsgebieten wohnen. Oos wird dem deutschen Ansehen und dem deutschen Handel nützlich, sein. 3. Das Deutsche Reich soll für seine Angehörigen in allen Kolonien und Mandatsgebieten die volle Gleichberechtigung mit den anderen Nationen fordern, damit ihm günstiger Rohstoffbezug gesichert ist." lieber diese Antwort regt sich die gesamte deutsch- nationale Presse gewaltig auf:„der Reichstag muß sprechen! Eine Erklärung von außerordentlicher Tragweite! Hat Her- mann Müller als Reichskanzler oder als Parteiführer gesprochen?" Das Manöver ist etwas plump. Die Herrschaften speku- lieren damit, daß es in der Deutschen Volkspartei begeisterte Anhänger der Kolonialpolitik gibt. Sie möchten einen Eris- Apfel in die Koalition werfen und im Reichstag eine De- batte entfesseln, die ihnen Gelegenheit zu nationalen Kraft- fprüchen gibt, die nichts kosten und zu nichts oerpflichten. Uns scheint, es gibt praktischere Probleme: der Etat im Rormalfahre der Reparation, die Rheinlandräumung, der Konjunkturablauf. Aber die Herrschasten bilden sich nun ein- mal ein, daß um wesenlose Träume die Koalition aus dem Leime gebracht werden könnte. Das ist die taktische Seite der Frage. Was aber den Inhakt der Autwort Müllers anbetrifft, so gibt er mit ausgezeichneten wirtschaftlichen und politischen Gründen die einzig mögliche und vernünftige Haltung der deutschen Politik zur Kolonialfrage wieder. Diese Haltung findet bei einsichtigen Wirtschafts- Die Stimme der Scharfmacher. Hinaus mii den Gewerkschaftlern? Die„Deutsche Bergwerkszeitung" nimmt mit wohltuender Offenheit zum Fall Lambach Stellung. Sie er- zählt. Herr Lambach habe bewußt den Krach provoziert, um die Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehilsen- Verbandes von der letzten Veitraaserhöhung abzulenken. Nach dieser Entdeckung läßt sie den Haß der Scharfmacher gegen alles, was Gewerkschaft heißt, freien Lauf: „Die Gewerkschaften wirken nochgerade als Spreng- p u l v e r i n j e d e r P o r te i. In der öfientlichen Erörterung über den Fall Lambach ist die grundsätzliche Frage, ob Monarchie oder Republik in den Bordergrund gerückt worden, als ob es sich bei dem Borstoß Lambachs in erster Linie hierum gehandelt hätte. In Wirk- lichkeit begehrte in Lambach der Gewerkschaftler auf gegen die Wirtschaft?- und sozialpolitischen Anschauungen des Herrn Bang. Hier Handell es sich um sehr reale Probleme, während die Wiederher st ellung der Monarchie doch reine Theorie fit. Die Anhänger- schaft.Lambachs und die Presse der verschiedenen Parteien hat den Streit um die Monarchie gewaltsam in den Mittelpunkt der Dis- kussion über den Fall Lambach gerückt, während in Wirklichkeit zur Debatte steht, ob den Gewerkschaften innerhalb der Parteien ein noch größerer Einfluß Im Sinne ihrer wirtschaflsschädlichen Bestrebungen ein- geräumt werden kann und darf. tBgl auch den Fall Thiel.) Geheimrat Hugenberg hat nichts anderes getan, als das Gewicht seiner Persön- lichkkeit innerhalb seiner Fraktion zur GeUung zu bringen. was sein gutes Recht war und ist. Daß daraufhin Angestelltentreise seiner Partei es fertig bringen, seinen Ausschluß zu beantragen, kann man doch wirklich nur van der humoristischen Seite ausfassen. Allerdings ist dieses Borgehen auch ein Beweis dajür, daß infolge des dauernden Nachgebens des Bürgertums in den letzten Jahren den Gewertschajten ihre Macht zu Kopfe zu st eigen beginnt und sie sich über die doch auch für sie vorhandenen Grenzen nicht mehr in klaren sind." Also: die Gewerkschaften sind„wirtschaftsschädlich", ihr Einfluß muß zurückgedrängt und bekämpft werden. Hinaus mit den Gewerkschaftlern aus den Rechtsparteien— das ist der Sinn der Ausführungen des Scharfmacherblattes. Diese Ausführungen find ungeheuer aufklärend und be- herzigenswert. Das haben Gewerkschaftler in Rechtsparteien zu suchen? Lambach der Zweite. Das Unglück schreitet schnell. Bor einer Woche hatte die ..Deutsche Zeitung" durch die„lochkundige" Feder eines abgelegten Weltkrieogensrols beweisen losion, daß der Fall Lambach mit w i r t j ch a s t l i ch e n Gegensätzen in der DNBP. gar nichts zu tun habe. Jetzt stoßt sie auch ihre borniertesten Leser qnt der Nase auf die abgeleugnete Tatsache, kennern und Kolonialsachverständigen Beifall. Unter den Antworten in den„Europäischen Gesprächen" befinden sich folgende Ausführungen von Prof. Dr. M. I. Bonn: Die Grundlagen der gesamten europäischen Kolonisationspolitik sind erschüttert. Das Prestige der Europäer fit überall gemindert. Sicherung und Berwaltimg von Kolonien sind daher militärisch schwieriger und finanziell kostspieliger als früher. Dazu kommt, daß Deutschland seine Kolonialverwaltung neu aus- bauen muß, was für einen kleinen Kolonialbesitz unverhältnis- mäßig schwierig und teuer ist. Der Zinsfuß in der ganzen Welt ist gestiegen, daher ist dis koloniale Erschließung sehr viel kostspieliger geworden. Deutschland ist ein Schuldnerlond geworden, das fremde Kapitalien für seine eigene Entwicklung benötigt. Ein solches besitzt nicht die Mittel zu kolonialer Entwicklung. Der Umstand, daß Deutschland heute keine Kolonien besitzt, gibt ihm den von der Kolonisation bedrohten eingeborenen Völkern gegenüber wirtschaftlich eine privilegierte Stel- lung. Noch Aufnahme in den Völkerbund fit Deutschland dort der natürliche Führer der keine Kolonien besitzenden kleineren Möchte. Es kann daher an deren Spitze darauf dringen, daß die Ausübung der Mandate sowohl im Interesse der- Gleichberechtigung des Welthandels als auch der eingeborenen Völkerschaften erfolgt. Diese Stellungnahme ist nur möglich, solange es nicht durch Rücksicht auf eigene koloniale Interessen zu K o m p r o- missen gezwungen wird. Deutsäsiands Aufgabe fit nicht, mit unzureichenden Mitteln ein absterbendes System zu unterstützen: es muß vielmehr o l s Vertrauensmann der von der Kolonisation be- drohten Völker und als Führer der Staaten ohne Kolonien fein Möglichstes tun. das Zeitalter de rKolonifationin das Zeitalter der G e g e n k o lo n i sa t i o n reibungslos überzuleiten. 21. Zimmermann, ehemaliger Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, hat auf die Umfrage geantwortet: „Der Ruf„Afrika den Afrikanern" hallt durch den schwarzen Erdtell und treibt seine Bewohner zu engem Zusammenschluß. Es ist m. E. nur eine Frage der Zeit, daß die Schwarzen sich von der Herrschaft des weißen Mannes befreien werden. In wemgen Jahr, zehnten werden die Kolonialpolittk treibenden Völker durch dis Macht der Verhältnisse gewungen sein, di« Eingeborenen der Kolonien als gleichberechtigt zu behandeln und ihnen die Verwaltung ihrer Gebiete zu überlassen. Dieser natürlichen Entwicklung entgegenzuarbeiten und uns durch erneute koloniale Betätigung auch noch Abneigung und Haß der Schwarzen zuzuziehen, muß m. E. dos Deutsche Reich v e r- meiden. Nach meiner Ansicht werden wir uns demnach darauf zu beschränken haben, für unser« Reichsongehörigen und für unseren Rohstoffbezug in fremden Kolonien wie in den Mandatsgebieten volle Gleichbrechtigung mit den anderen Nationen zil fordern." Das ist die Stimme der wirtschaftlichen und politischen � Vernunft. Für imperialistifche Abenteuer im Stile der Wil- helminischen Politik, die Vvrwände zur Aufrüstung zu � Wasser und zu Lande abgeben sollen, ist in der deutschen Republik kein Raum. „Ein Gewerkfchaftsabgeordneter der Drutsch- nationalen Bolkspartei voll und ganz für den Ausgeschlossenen"— schon dies« entrüstete Ueberschrift signalisiert die Richtung ihres Kampfes. Es fit«in deutfchnoti onoler Abgeordneter im Preußischen Landtag, der christliche Gewer kschostsselretän Lindner, der das Verbrechen der Solidarisierung mit Lambach begangen hat und von dem olldeutschen Blatt entsprechend m i t Rausschmiß bedroht wird. Hier der überaus lehrreiche Tatbestand: Gegen den aus- geschloflenen Lambach hatte Adolf Stein(auch„Rumpcl- stilzchen" genannt), einer der ausgekochtesten Schreiblinge des Herrn Hugenberg. einen fulmmanten Artikel losgelassen. Das Rumpelstilzchen erklärte offen und kühn, daß Lambach„für olle Arbeitnehmer im Kamps gegen die Unternehmer ins Macht erringen wolle", daß er daher innerlich auf dem Boden des Marxismus stehe und daß Lambachs Artttel. die den Streit verursacht hotten, nur den vorläufigen Abschluß der ,.Ent- Wicklung Lambachs zum Klassenkämpfe r" bildeten. Weiter hatte dos Rumpelstilzchen auf die„völlig überflüssigen Gewerkschaftsfekretäre"(der christlichen Gewerkschaften!) geschimpft und auseinandergesetzt, daß es ohne Gewerkschaften. ohne Beitragszahlungen, ohne Schlichter usw. den Arhettern materiell viel besser gehen würde! Dos war«ine Kriegserklärung in aller Form gegen die christlichen Gewerkschaften, deren protestantischer Flügel noch zum großen Teil im Lager der Deittschnativnalen steht. Kein Wunder, daß dem deutschnationalen Larrd tagsabgeordneten und christlichen Gewerkschaftler Lindner die Lau« über die Leber lief und er kräftig hierauf antwortete. „Wenn Lambach ein K la ss en tä m p f« r ist. schreibt Lindner, dann find wir es all«: dann ist cs der Minister a. D. Koch so fjut wie Hartwig, dann ist« s W i s ch n ö w s k i so gut w>e� G i« s«, dann fit«? Meyer- H e r m s d o r s so gut wie R ü f f e r, dann sind es die zwei Mil- lianen Arbeiter, Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen, die der Deutschnalionolcn Dolkspartei ihre Stimme gegeben haben, alle ohne Ausnahme! Lindner messt darauf hin, 5sß Stein-Rumpelstilzchen erst vor kurzem eine Broschüre zur Verherrlichung Hugenberg? geschrieben hat und schließt daraus: „Wenn hier fo gegen den Gewerkschaftssekretär vorgegangen wird, dann legt das den Verdacht nah«, daß aus der engsten Umgebung de? Herrn Geheimrat Hugenberg nicht der in monarchischer Beziehung unzuverlässige Lambach. sondern eben der Gewertschastssekrelär getrosfen werden soll.— Don den Arbeitgebergewerkschaits- 1 e k r e t ä r« n, man neimt sie auch Syndizi, ist natürlich keine Rede, obwohl sie in der DNVP.' auch unter den Abgeord- netsn recht zahlreich vertreten sind. Ich nenne nur Dr Reichert, Dr. Hampe, Dr. Wienbede, Menzel. Dr. Dole- czych, Dr. v. Gersdorff. Binck usw" Auf diese Ausführungen findet die„Deutsche Zeitung" nur das ein Segenerg, irnent.— daß sie nach demAusfchlußLindner» aus der DN?ZP. schreit. Damit bestätigt sie, daß der Kamps zwischen den widerstreitenden wirtschaftlichen Klasseninteressen in der DNBP. sich immer mehr zuspitzt und sie auzeiandcrzusprenge» droht. Weitlauf der Nationen. Olympia �92S. (fsk i.'•*•/ A Weltkrieg 1914. Kamps um die Serrschast der Welt." / Vandervelde an die Studenten-Internationale. Anläßlich d«s internationalen sozialistischen Ttudententresfen-, dos gleichzeitig mit der Konferenz der 2- Arbsiterinternationale in Brüssel stattfindet, dat der frühere belgische Außenminister Genosse Vandervelde als Ehrenpräsident folgenden Aufruf er» lasten: „Ich schreib« diese Zeilen an demselben Tage, an dem wir Des warte, der mit 53 Iahren im Dollbesttz seiner körperlichen und geistigen Kräfte gestorben ist., zu Grade tragen. In der Generation, die unmittelbar der unseren folgte, war er einer der Fähigsten, uns mit der kommenden Generation zu verbinden. Jahre hindurch sind solche Menschen in den Reihen der Intcllet- wellen selten gewesen.• Erst in der letzten Zeit scheinen sich die geistigen Arbeiter wieder zu besinnen. Und deshalb haben wir die Wiedergeburt einer internationalen sozialistischen Studentenbewegung mit freudiger Hoffnung begrüßt. Man sagt, Saint- Simon habe sich zu Beginn des IS. Jahrhunderts jeden Morgen mit den Worten wecken losten:„Erhebe dich, du hast noch große Taten zu vollbringen!" Dieses Wort möchte ich euch jungen Ge- hosten allen zurufen: Erhebt euch! Seid bereit! National und international, ihr habt noch große Taten zu vollbringen. Die Zeit ist vorüber, in der die sogenannten„Revisionisten" mit Bernstein, mit Sidney-Webb und den Fabiern, mit Bevoit Malon und den Possibililten glauben dursten, daß die sozialistisch« Umwandlung der Welt friedlich und gesetzlich einzig und allein durch Teil- refovmen. die die herrschenden Klassen bewilligten, vor sich gehen würde. Der Krieg hat das alles verändert. Er hat die Folgen gezeitigt, die Zaures einige Monate vor seiner Ermordung vorauesagte:„Aus einem europäischen Krieg kann die Revolution entspringen, und daran sollten die herrschenden Klassen denken: aber einem Kriegt können auch für lange Zeit Krisen der Konterrevolution, der wütendsten Reaktion, erdrückender Diktawr, eines ungeheueren Militarismus, eine lange Kette von starken Rückschlägen, tiefsten Höstes, der Wiedervergeltung und der.Knechtschast folgen." Die Revolution kam: keineswegs di« sozial« Revolution, aber eine politische Revolu- tion: politisch« Revolutionen, die die drei letzten abso- luten Monarchien Europas zu Fall gebracht haben. Aber es haben sich auch di« gegenrevolutionären Bewegungen ge- zeigt, di« Iaures befürchtet«: überoll da, wo die Volksvertretungen nicht tief genug Wurzel gefaßt hatten, sehen wir all« denkbaren Formen der Diktatur: di« Reaktion in Ungarn, in Bayern und aus dem Balkan, den Faschismus in Italien, eine Karikatur des Faschismus in Spanien: und selbst in den Ländern, in denen demokratische Formen bewahrt worden sind, macht sich die Bourgoisio mehr und mehr breit, um die Herrschaft zu beholten oder sich ihrer zu bemächtigen. Trotz alledem find für diejenigen, di« do? Auf und Nieder der<0 Jahre de? Kampfes miterlebt haben, selbst die Gewaltmittel der herrschenden Klassen ein Beweis der. Schwäche und nicht der Stärk«. Wenn die herrschenden Klassen immer wieder auf diese Weise vorgehen, so geschieht es deshalb. weil die Gesetzmäßigkeit sie vernlchtei: weil sie fühlen, daß wir nicht mehr in jener Zeit leben, in der di« breiten Massen des Prole- tariats pastio. unbewußt und träge blieben: weil sie fühlen, daß di« Zeit naht, wo der entfcheldende Kampf um die Herrfchaft der Welt beginnen wird zwischen denen, die besitzen, und denen, die schaffen, zwischen den Erben oller sozialen Vorrecht« und den Enterbten, den Enteigneten, den Hand- und Kopfarbeitern, denen der Kapitalismus den durch di« soziale Arbeit erzeugten Mehrwert zu seinem alleinigen Nutzen herauspreßt. In diesem Kampfe. junge Genossen, fällt euch eine große Aufaabc zu! Ich grüße mit Freud« die Internationole Konferenz der Sozialistischen Studenten, die am 4- bi» 7. August d. I. in Brüssel tagt: und ich danke euch doiür/daß ihr mir den Vorsitz übertraoen babt. Durch die Teil- nähme an der Sonsevenz und an den Festen der Arbeiierjugend werdet ihr den Entschluß zum Ausdruck bringen, für den Sozialis- mu» zu wirken, weder neben noch über dem Proletariat, sondern Schulter an Schulter mit der großen Arme« der Arbeiter. Do» haben wir schon seit 40 Jahren getan. Und um diesen Kampf fortzusetzen, zählen wir mit ganzem Herzen aus euch'." „Asiatische Rückständigkeii." Lobhudelei und Liebedienerei in Sowjetrußland. Der Feuilletonist der Moskauer„Prawdo" geißelt in einem langen Artikel die Liebedienerei und Lobhudelei der niederen Funk- tionärs den höheren Funktionären gegenüber. Er führt drei Bei- spiele an. die allerdings außerordentlich charakteristisch find. Fall 1. Ort der Handlung: Moskau. Das Mitglied der Zentral- kontrollkommission Genost« Rcusemann— der übrigen? durch seine Revisionen in d«r Berliner Handelsvertremng gefürchtet ist— halte einem früheren Rotarmisten, Teilnehmer des Bürgerkrieges. Mitglied der Partei, feine Karte für die Aufführung eines neuen Stückes abgetreten. Als dieser feinen Platz im Thea.er einnehmen wollte, fand er ein« Dam« darauf sitzen. Es war die Frau«ine« sehr hochgestellten Sowjetfunttionärs, di« auf Grund eines Zettels den Platz erhallen Halle. Sie trat zwar ihren Platz ab, begab sich ober zur Berwoltung und legte hier Beschwerde ein. Was war die Folge davon? Daß aus lauter Liebedienerei der einfache Arbeiter unter Drohung, daß gegen ihn Gewall angewendet werden würde, gezwungen wurde, den Zuschauerraum zu verlassen. Fall 2. Ein elendes Tschuwaschendorf. Der Vorsitzende des tschuwaschen-zentralen Bollzugsräis, Genost« I u f ch n« w. hält «inen Vortrag. Die Bauern führen bei dieser Gelegenheit Beschwer- den gegen den Heilgehilfen, der sich weigert, in einem einfachen Bauernwogen die Dörfer zu befahren. Der örtlich« Funktionär macht sich lieb Kind:„Was sind das für Kaprizen des Heilgehilfen? Seht, da steht vor euch der Genofle'Iuschnew, derZarderTfchu« waschen: er macht sich nichts daraus, auf einem einfachen Bauern- lchlitten zu fahren." Di« Bauern sind verwundert über ein« der- ortige Titulierung des Mitglieds des Zentralen Nollzugsrots. Diese: schweigt ober zu der Schmeichelei. Durch dieses Schweigen er» muntert, läuft der örtliche Funktionär in die Schule zu den Kindern und sagt:„Wißt ihr. wc: bei uns zu Besuch ist? Der Zar der Tschuwaschen, Genosse Iufchnew. Sie. Herr Lehrer, hätten den Kindern das doch erklären können!" Fall 3. Diesmal ist der Ort der Handlung das Donbecken. vom Schochty-Prozeß her rühmlich bekannt. In einem Dorfe hat der Vorsitzende des Bezirkslandwirtschaftsrats dienstliche Angelegen- heilen zu erledigen. Auch fein Gehilf« ist mit dabei. Nachdem di« beiden tüchtig zu Abend gegesten haben und die Zeit zum Schlafen- gehen herannaht, sagt der hohe Gast zum Dorfvorsitzenden der.A:> beitsormut", dem Miiglied der kommunistischen Jugend, K u d e- l i n s t i:„Na, jetzt führ« uns mal für di« Nacht zu Madcken." Kudelinski läßt sich das nicht zweimal sogen. Nach wenigen Minu- tcn kommt er zurück, ents chuldigt sich dem zweiten Vorsitzenden gegenüber, daß di«l«r die Nacht ohne Mädchen wird verbringen müssen, für den Borsitzenden aber hat er da» Erforderliche besorgt. Er führt den hohen Gast zu dem Mitglied der kommunistischen Jugend, der Genossin R., fordert die anderen Genosten, gleichfalls Mitglieder der kommunistischen Jugend, auf, sich zu entfernen, da er mit der Genossin«ine unauffchiebbore Angelegenheit zu erledigen habe, lind fordert nun von der Zurückgebliebenen, daß sie auf Grund der jungkommunisiischen Parteidisziplin den ver« antwortlichen Funktionär für die Rocht bei sich aufnehme. Der ver, ankvortliche Funkrionär oerblieb während der Rocht bei der Ge- nossin. Was folgte, wissen wir nicht, sogt der Feuilletonist der „Prowda"..... „Lobhudelei, kleine und große, unschuldige und gemein«, dringt von' allen Seiten her in unser Leben ein. Sowohl im europäischen Milieu der Hauptstädte, als auch in der Söll« des rückständigen Dorfes..... Das alles kommt von unserer noch nicht durch- pflügten Wildheit, von unserer asiatischen Rückständigkeit, von der vorhergegangenen hundertjährigen Unterdrückung und Dergewalri» gung", schließt der Derfaster!— Er muß es ja wissen! Das chinesische Zollwesen. Weiter englische oder endlich chinesische Leitung? London. 2. August. Den Schon haier Berichterstatter des„Manchester Guardian" hat der Finanzminister der Nanking-Regierung. S u n g. davon unterrichtet, daß die Frage der Leitung des chinesischen Geezollwesens vom Zentralvollzugsrot der Kuomintang verhandelt worden ist. Das Finanzministerium und der größte Teil der chinesischen Banken ver- langen die Unterstellung der Zollfonds und des gesamten Zoll» wesens unter das Nanking«? Finanzministerium, das einen verantwortlichen chinesischen Kommissar zu ernennen hätte. Auf den letzten Wirffchafts- und Finanztogungen in Schanghai und Nanking hatte dagegen ein Teil der chinesischen Bankiers, den gegenwärtige« oorläusigen Leiter des Seezoll wesen», Edward», als Nachfolger des vor einem Jahr ausgeschiedenen englischen Kommissars Sir Francis Aglen oorgefchlagen. Oer Königsputsch ums Geld. 5uad braucht das Vermögen Seif-ek-Oins. Den Anlaß zum Ausbruch der schweren ägyptischen Staatskrise. die vorläufig damit endete, daß König Fuord das Parlament auf 3 Jahre vertagte, gab die Skandalaffäre des Prinzen Seif-el-Din. in-der Nahas Pascha und einige andere Minister beschuldigt wurden, von der FamUie des Prinzen mit Riesensummen bestochen worden zu sein. Diese Affäre zieht sich schon seit Iahren durch die Geschichte des ägyptischen Königreiches und kann in keiner Weise mll einem alltäglichen Fämilienstrell verglichen werden. Im Hintergrund steht der erbitterte Kampf um das R i« s« n v e r- mögen des entmündigten Prinzen Seif-el-Din. Dieser Kampf wieder weist selbst so dramatische Gestaltungen und Derwirklichungen auf, daß er verdient, näher erzähst zu werden. König Fuard ist der Schwager des Prinzen Seif-el-Din. des Königs Fuard erste Frau war eine Schwester dieses Prinzen. Noch nie haben sich die beiden oertragen, auch nicht zu der Zeit, als der König nur Prinz war. Beide strebten nach der Kömgskron« und Fuard überdies nach dem Vermögen feine» Schwagers, das auf 53 Millionen Goldmork geschätzt wird. Im Verlauf einer Fomilienstreitigkeit schoß Geif-el- Din König Fuord in den Hals, so daß dieser erst nach einer drei- maligen Operation gerettet werderr konnte. Der Prinz wurde darauf entmündigt und noch England in ein« Irrenanstalt ge- bracht.' Fuord ließ durch den Kronrat do» Vermögen für ton- f i s z i« r t erklären. Die Mutter des Prinzen ober klagte wieder auf Freigabe des Vermögen» ihres Sohne«, dem«s inzwischen ge- lungen war, aus dem englischen Irrenhaus« zu entfliehen und nach Konsianttnopel zu entkommen Seinem Ansuchen noch gerichts- ärztlicher Unterfu-bung fein«? Geisteszustandes mußt« Fuard noch- geben Licie Kommission aber bestand durchwegs au» Gegnern des Prinzen In der Zwikchcrizeit brachte Haha, Pascha im Por- jament«ine Vorlag« em. die dl« Auslosung de» Kronrates verlangte. Damtt drohte der Kampf um das Riesenvermögen zugunstendes Prinzen entschieden zu werden.... und schon am anderen Tage war dos Kabinett Nahas entlassen. Kürsien verklagen Völker. Friedrich Habsburg und Fenia Nomanow prozessieren gegen junge Staaten. Der Habsburger Friedrich war bis zum oerdienten Ende der Donaumonarchie, die ihn auch um dos einträgliche„Oberkommando" brachte,«in wahrer Krösus. Seine großen Molkereien hatten ihm den Beinomen„Friedrich der Rohmrnchc" verschafft, lieber seine Geistesgaben gibt es die herrlichsten Geschichten: ober zum Prozeß- führen gegen die Nachfolgestaaten reicht doch noch das verminderte Vermögen. In der zweiten Augusthalste stehen beim jzaager Schied?- gerichtshof mehrere intercstanle-Prozesse an. Verklagt ist der jugoslawische Staat von Mitgliedern des ehemaligen öfter- reichischen Kaiserhauses und einer Budopester Privatfirma, die Ersatzansprüche stellen. Friedrich klagt auf 34 Millionen Gold- krönen für die Beschlagnahme seine? Besitzes Belje. Dieses riesige Gut ist auf Grund des Trianon-Artikels 121 in das Eigentum des jugostawitchen Staates übergegangen. Friedrich behauptet ober, daß sich der sogenannte Artikel nur auf Güter bezieht, die dem öfter- reichischen Herrscherhaus« als Ganzes gehörten und stützt seine Ansprüche als ungarischer Staatsbürger auf den Trio- non-Artikel 150. In diesem Prozeß führt der Vertreter Frank- reich» beim Völkerbund, Paul Boncour, di« Sache des Erz- Herzogs. Di« älteste Tochter d«? eemard-tea russischen Zaren, die bei Kopenhagen wobnende Grohiürstiii icnia, hat gegen den sin- nischen Staat eine Klaas gerichtet, in der die Auslicserung eines dem Zaren gehörenden' Landgutes m Halila gefordert wird, Emigrantenführer Kjedis im Kerker! Von litauischer Polizei aus Polen verschleppt. vor einigen Tagen wurde der litauische Sozialist Zoscs kjedi». der beim Fofchistenpuffch au» Liloukn flüchten mußt« und in Polea ol» Emigrant lebte,«an litauischer Polizei vom polnischen Territorium verschlappi. Heber das Los de» Verschleppten gelang es bisher fest zustellen, daß Ssedis sofort in do» Sonmoer Gefängnis gebracht und dort furcht- bor von der Polizei mißhandelt wurde, um von ihm die den ciiauern nöttgen Rachrichien herauszupressen. Schließlich wurde Siedl» unter den schrecklichsten lortvtpn gezwungen, ein von den soschisliichen Knechten schon vorher ousgrseßle, Protokoll zu unterzeichnon._ Die Deutsche volkiparles kündigt in der„Notionolliberalen Eorrespondenz" an: Wir verkaufen unseren Groß-Lout- sprecher-Äagen, Systew Amplion. montiert aus Opel l�-Tonnen-Qzstkrostwagen.'10/40 zu annehmbarem Preis. Systemwechsel? Kein« großen und lauten Wort« mehr? Dann mutz auch Herr Scholz meistbietend ousgeöoten werden! ver Zweibrückcner Polizeikommtssor Bauer wird noch Ab- Weisung seiner Beschwerde weiter in französischer Militär- untersuchungshaii gehalten: seine Beschwerde gegen den Ans- wcisungsbefehl ist nach nicht beantwortet. Eine international« Tagung der Kriegsdienstverweigerer wurde unter dem Vorsitz de» Genosten Fermer Brockwoy, Sekretär der Unabh. Arbeiterpartei Großbritanniens, in dem sozialdemokra- iischen Erbolung-Heim Sanntogsberq bei Woidhofen on der Pbbs. Niedcrösterreich. abgehalten. Eine'große Volksversammlung in Wien bildet- den Ausklang Die Versammlung in Graz wurde von H-imwehrleuten(Faschisten) üh-rsallen, der indische Gast- redner mißhandelt und verjagt� WERTHEIM Leipziger Str.( Versand- Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Serien- Verkauf 90% 190 290 390 490 PF Viele Angebote in den meisten Abteilungen Extra- Preise Wirtschafts- Artikel Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 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Juni 1928 aufgelöst. Die Gläubiger werden aufgefordert, sich zu melden. Die Liquidatoren. C. Reinecke. O. Heinzel. A. Hagemeier. Billige CASINO THEATER Rennen Hoppegarten Ferienfahrten Lothringer Str. Wiedereröffnung Freitag, den 17. August 1928 mit dem neuen Schlager Rundfunkfieber. Rose- The te Waldstadt Fürstenwalde Reichshallen Theater Gr. Franki. S. 13 4 Uhr: VERLANGEN SIE SONDERANGEBOT/ Winzer es Raddatzel Tanz im Fei Feuerwork 8% Uni: Das Berlin.Leipzigerstr.122/ 123 Musikanten mädel. Tagungsort u. Ausflugsziel der Gewerkschaften und Vereine Meilenweife stadfcigene Wälder Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Tageskasse 11 bis 2 Uhr. Preise: 60 Pf. bis 2 M. Donhoft Bret' ( Saal und Garten Varieté Kabarett- Tanz zu Sonnabend, 4. 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Viele fanden dann nach langen, schweren Monaten wieder Arbeit, sogar Arbeit in ihrem Beruf. Viel schlimmer sind die daran, die sich»ach bösen, arbeitslosen Jahren gestehen müssen, daß sie so gut wi« keine Aus- sicht haben, jemals in ihrem eigenen Beruf wieder Arbeit zu finden. Das ist das cheer deraltcnKoufleute, der Schauspieler, der verwitweten oder geschiedenen Frauen, Hofs- nungslose Fäll« zumeist. Aber dann gibt es auch jung« Menschen. die durch irgendeinen Zufall aus ihrer Bahn geschleudert worden sind, denen vielleicht ein plötzlich austretendes Leiden nur die Arbeit in ihrem alten Beruf unmöglich macht, und die noch überall an anderer Stelle vollwertig« Arbeitskräfte wären— wo sollen die hin? Die Antwort scheint nahe zu liegen: Für die gibt es ja im Landesarbeitsamt die Stelle für Berufsumleitung, und außerdem sorgen ja all« Bezirksarbeitsämtcr auch für die Berufsumschulung..., da brauchen sie doch�nur hinzugehen! Irgendwer gibt ihnen den guten Rat. und schließlich glauben sie das auch und machen sich hoffnungsfreudig auf den Weg. Und dann sicht die Praxis ganz anders aus. Aber das soll jetzt an einem Beispiel geschildert werden. Es muß jedoch vorab betont werden, daß dieses Beispiel nicht konstruiert ist, daß sich hier jede Einzelheit be- weisen und belegen läßt, denn dieses Beispiel ist eine wahre Geschichte. Kalvarienberg. Wer nie in katholischen Gegenden gelebt hat, weiß nicht, was ein Äalvarienberg ist. Dos ist nämlich«in chiigel, auf dem durch Bildwerke die L e ide n s st a t i o n e n Christi dargestellt sind. Fromme Leute glauben sich«in besonderes Verdienst zu erwerben, wenn sie an jeder dieser Leidensstationen ein oder ein paar Gebellein hersagen. Sind sie dann endlich oben, so stehen da drei Kreuze und damit ist die Wallfahrt zu Ende. Wer will, mag nun auch drei Kreuze machen und die ganze Uebung von vorn anfangen. Und wer die folgende wahre Geschichte liest, der wird leicht wissen, worum einem hier das Gleichnis vom Kalvarienberg und seinen Leidens- stalionen einfällt.... Ein junger Münchener Kunstgewerbler, durch dm Krieg aus seinem Beruf gerissen, wird als Dienstverweigerer von einem Irrenhaus ins andere geschoben. Di« Revolution bringt ihn in einen Kreis politisch arbeitender Menschen. Wie alle seine Freunde, beteiligt auch er sich an der Münchener Räterepublik. Dafür wird er zu drei Iahren Festung verurteilt. Eine bayerische Festung ist kein Sanatorium, und in dieser Festungshaft geht ihm alles zugrunde: Seine Zeugnisse, seine Handfertigkeit und ein gu: Stück seiner Ge- sundheit. Als Dreiundzwanzigjähriger wird er entlassen. In München Arbeit zu finden ist unmöglich. Vater, Mutter und Schwester sind tot. die Freunde gefangen, oersprengt, getötet. In Berlin bietet sich ihm Arbeit. Nach einem Jahr verliert er auch die. Erst vom November des Jahres 1926 ab erhält er Not- ft a n d s u n t« rst ü tz u n g. Arbeit zu finden ist nicht möglich. Der Leiter des Arbeitsamtes in der Klosterstraße erklärt:.Nicht mal als Bureoubote sind Sie ohne Zeugnisse mit der Festungsstrafe unterzubringen!- Zu schwerer körperlicher Arbeit reicht die Gesundheit nicht mehr.... Endlich findet er ohne Der- mittlung des Arbeitsamtes einen Arbeitgeber, einen Warenhaus- besitzcr.'der ihm die schriftliche Zusicherung gibt, er würde ihn nach Absolvierung einer Fachschule als Dekorateur einstellen. Schriftlich wird ihm bescheinigt, daß er Arbeit haben kann—. er braucht nur eine Ausbildung! Die wird man ihm doch sicher geben! Hoffnungsfreudig geht er nun zu dem zuständigen Wohlfahrts- rnnt. Dort wird ihm der Bescheid, in seinem Fall sei nur das tandesarbeitsamt zuständig. Also auf ins Landesarbeftsamt! Aber heut« hat der zuständige Herr T. keine Sprechstunde mehr. Am nächsten Tage wird er empfangen. Der„zuständige Herr' erklärt, der Arbeitslose solle die Ueberführung seiner Allen vorn Bezirks- arbeitsamt an dos Landesorbeitsawt bewirken.(Wozu ist eigenttich der.„zuständige Herr' da? Wäre das nicht feine Arbeit gewesen?) Der Antragsteller wird aus die nächste Sprechstunde bestellt. In der nächsten Sprechstunde erklärt der zuständige Herr ihm, eigene Kurse des Landesarbeitsamts fänden in dieser Sache nicht statt, und die gewünschte Fachschule sei viel zu teuer..., immerhin wolle er inal sehen; der Antragsteller bekomme schriftlichen Bescheid. Roch vier Wochen ist noch kein Bescheid da: aus eine Rek.amation bedauert der zuständige Herr fröhlich— er sei seil einigen Wochen nicht mehr zuständig.... Dos war im Februar 192?. Kann es Wunder nehmen, daß der Arbeitslos« mit diesen Erfahrungen mutlos und hoffnungslos wurde? Aber im Jahre 1928 bot sich ihm wieder Aussicht auf eine Dekorateurstelle— wieder unter derselben Bedingung. Und noch einmal versucht er, auf dem instanzenmäßigen Wege seine Berufs- Umstellung zu erreichen. Und dies nun ist die aktenmäßig zu be- legende„Abwicklung" seiner Sache, die der Arbeitslose erlebt und überlebt hat: Am 19. Juni stellt er erneut ein Gesuch um Bewilligung de, Besuchs der Fachschule an das Arbeitsamt für geistige Berufe, dem er inzwischen zugewiesen worden ist. Der hier zuständige Herr meint, trotzdem schon zwei Arbeitslose nachgewiesen werden könnten, könne er keine Hoffnung machen. Die Sache sei zu teuer. Aber der Antragsteller solle einmal am Montag nächster Woche wieder- kommen, dann sei eine Dame vom künstlerdienst da. Da gehör« er doch eigentlich hin.... Der dickköpfige Boye: versucht trotzdem, am nächsten Tage zu dem Leiter des Arbeitsamtes vorzudringen. Aber die Sprechstunde ist seit einer Viertelstunde vorbei— wieder mal verkürzt, und erst an der Tür des Allerheiligsten gibt eine schmale Zeile davon Kunde. Die Sekretärin erklärt, ihn nicht ni«hr melden zu können— er solle am nächsten Tage wiederkommen. Am Donnerstag, dem 21. Juni, darf der Antragsteller sogar von 9— 111- Uhr im Vorzimmer warten. Angeblich ist er angemeldet. Um halb zwölf erklärt die Dame, der Leiter habe leider das Haus verlassen... der Antragsteller solle doch morgen wiederkommen. Aber am Freitag, dem 2 2. Juni,„ist der Herr leider nicht anwesend". Am Sonnabend wird der hart- näckige feindliche Ausländer mit seinem bayerischen Dickschädel durch einen Unlerbeamlen an da, Lande sarbeUsamt verwiesen. Da müsse er selbst seinen Antrag einbringen! Also um ein« Auskunft zu er- holten, die man ihm schon am Dienstag hätte geben können und müssen, hat man den Erwerbslosen Tag um Tag hinbestellt. Zwölf Mark beträgt sein« Unterstützung— zwei Mark hat er davon ollein für Fahrgeld aufwenden müssen. Fünf halbe Tage hat er mit Fahren und Antichambrieren bei den„zuständigen Stellea' zuge- bracht.... Jedoch kommt es noch viel schöner. Am Montag eyipfängt ihn eine Dame vom„Künstlerdienst', die ihn anweist, am Dienstag, dem 2 6. Juni, zun: Landes- arbeitsamt in der Feurigstraße in Schöneberg zu gehen. Dort sei das Bureau des.Lünstlerdieuftes'. Am Dienstag findet er zu seiner Ueberraschung in diesem Bureau eine Dam« in Schwestern- tracht. die sich sehr für seine persönlichen Verhältnisse interessiert. Als sie ersährl, daß er zwar nicht standesamtlich verheiratet ist, aber zu einem weiblichen Wesen schon jahrelang in Beziehungen steht, die sonst von frommen Leuten als„unsittlich' gebrandmarkt werden, be- stellt sie ihn und seine Gefährtin für den Fr«« tag in ein Bureau des Künstlerdienstes in der Johannisstr. 3. Am Freitag entpuppt sich dieses Bureau als eine Zweigstelle der Inneren Mission! Hier er- klärt„Schwester Toni'— dieselbe Dame, die am Dienstag in der Feurigstraße saß—,„materielle Hilfe könne der Künstlerdienst nicht leisten, man könne nur mit gutem Rat helfen'. Und der sah in diesem Fall so aus:„Vielleicht könne die..Braut' des Antragstellers den Kursus bezahlen, und wenn sie in ihrem gegenwärtigen Beruf nicht genug verdiene, dann solle sie doch einen Lehrgang für Pro- pagandadamcn mitmachen, der laufe zurzeit gerade im Arbeitsamt für weibliche Angehörige geistiger Berufe..., eigentlich fei sie zwar schon zu alt, ober Schwester Toni wolle dafür sprechen, daß ihr noch die Teilnahme ermöglicht werde!' Schwester Toni schien einiger� maßen erstaunt, daß sie für ihren guten Rat wenig Verständnis fand..., trotz allem Respekt für die gelegentliche Vorurteilsfreihcit der Inneren Mission! Am gleichen Tag« verlangt der Dezernent des Landesorbeitsamtes, Herr T., der Antragsteller solle sich selbst die Bedingungen für den Unterricht an der Fachschule und auch eine Ermäßigung des Schulgeldes besorgen— eine Arbeit, die eigentlich auch die sein« sst! Trotzdem, auch das wird mit Hilf« eines Außen- beamten des Arbeitsamtes Klosterstraße noch geschafft. Am 17. Juli hält der Antragsteller endlich den Bescheid der(privaten) Fachschule in Händen, daß ihm in Anbetracht seiner Notlage und der nachgewiesenen Arbeitsmöglichkeiten ein Drittel des Schul- geldes erlassen sei. Damit begibt er sich hocherfreut zum Landesarbeitsamt. Aber ach, der bisher zuständige Herr ist in Urlaub— der neue Herr weiß nichts. Und so sp>elt sich der letzi« Akt der Tragödie ab: Nr. 51 darf nach stundenlangen, Warten das Allerheiligste betreten.„Und?"—„Ich möchte die Reimannschule besuchen.. Amüsiert und ironisch grinst der Beamte.„Na, denn besuchen Sie sie doch!' Und nach einigen Kramereien:„Damit haben wir nichts zu tun! Gehen Sie mit ihrem Brief man zum Wohl- fahrtsamtl' Wenn sich in diesem Augenblick in dem Zimmer des .Herrn Beamten keine Szene wie die des Fanners Lanzkopp, der durch die Bureaukratie zur Verzweiflung getrieben geworden war, abgespielt hat, so verdankt der Beamte das nur der Tatsache, daß er, ohne es zu wissen, in diesen: Augenblick schon Studicnobjekt sür «inen Journalisten war. * Eine kurze Zusammenfassung: Seit Februar 1927 läuft das erste Gesuch um Berussumstcllung und Bewilligung des Kursus- geldes. Mit der Hälfte der seitdem bezogenen Rolstandsunterstützung wäre der Kursus zu bezahlen gewesen. Stadt und Staat verlieren durch die„Tüchtigkeit' ihrer Beamten ungefähr fünfhundert Mark: der Erwerbslose hat über ein Jahr seines Lebens verloren— ein ganzes Jahr, in dem er schon in gut bezahlter Arbeit hätte stehen können. Fohrgeld und Porto, das er durch die Unfähigkeit oder Böswilligkeit der Beamten aufwenden mußte, macht einen erheb- lichen Teil, fast ein Sechstel seiner Unterstützung im letzten Monat aus...« Wäre e» nicht angebracht, einen Beamtenkörper, der so wenig Verständnis für die Lage der von ihm„bearbeiteten- Wenschen aufbringt, einer gründlichen und raschen Erneuerung zu unterziehen? Denn der angezogene Fall ist kein Einzelfall: er ist nur ein Fall, in dem sich keiner hinter die Ausrede von der .Hoffnungslosigkeit der Umschulung" verkriechen kann, einer, der einmal genau kontrolliert wurde.— Wie mögen die Herren da bei anderen armseligen arbeitslosen Menschen hausen.,,.! Zür 82000 Mark Juwelen erbeutet! Ein raffinierter Gauner. Bon ei:iem raffinierten Gauner ist etn Pforzheimer Edelstein« Händler um Juwelen im Werte von 8 26 60 M. betrogen worden. Der Gauner nannte sich H o k o k G u r e w i l s ch und gab ein-- mal an, daß er am 28. Januar 1888 in Montreal in Kanada gc- boren sei, ein andermal wollt« er aus_ Bukarest stammen. Die er- beuteten Juwelen sind ein B i r m a- S a p h i er von 36,5 Karat in Platiufassung mit Brillanten ge schmück:, ein. S m a r a g d von 12,62 Karat in sechseckiger Form, ein länglicher r o s a S a p h i r von 29,5Z Karat und ein Kollier mit 28 ziemlich großen Perlen. Ob der angegebene Name der richtige ist, steht noch sehr dahin. Die Feit- stellungen der Berliner Kriminalpolizei ergaben, daß der angebliche Gurewitsch in den Monaten März bis Juli in verschiedenen Ber- liner Pensionaten, z. B. in der Augsburger- und Ioachinisthaler Straße gewohnt und beträchtliche Schulden hinterlassen hat. Bon Berlin aus fuhr«r nach Frankftirt am Main und weiter nach Pforzheim. Es konnte weiter festgestellt werden, daß er in Berlin einen Arzt aufgesucht hat, bei dem er sich die tiefen Gesichtsfal.cn durch Operation entfernen ließ. Zwei Narben, an jedem Ohr eine, zeugen noch von dieser„Verjüngungsmethode'. Der Gauner kst etwa 1,67 Meter groß und schlank, hat schwarzes Haar und schwarzen gestutzten Schnurrbart und fliehende Stirn. Er trug ein Augen- glas. Bekleidet war er mit einem Marengo-Jackcttanzug. Er sprach sli«b«nd Englifch und gebrochen Deutsch. Sie Äachi nach demVenai. 25) Roman von Liam O'Maherty. (Au« dem Englischen überseht von K. Hauser.) Entsetzt keuchte sie:„Dan, was redest du da?" Es entstand eine Pause. Unmerklich näherte Gallagher sein Gesicht dem ihren. Ihre Lippen trafen sich in einem sanften Kuß. Dann wich sie plötzlich heftig zitternd zurück. Sie wollte fortstürzen und schreien, aber der Zauber seiner Stimme hielt sie. Seine Stimme und der Glanz in seinem Gesicht. Sein Gesicht und die Romantik seines Lebens. Sie war dadurch plij�Uch gefesselt. Auf einmal wurde ihr auch klar, warum ihr joviel daran gelegen hatte, ihn Zu bekehren. Es war nur, um unter einem wahrscheinlichen Bormand mit ihm zusammen sein zu könnnen.. � Und dabei war sie fast verlobt mit Joseph Augustme Short, der ein„Herr" war, der sie in eine angesehene Lebens- ftellung bringen würde, der sie für immer befreien würde von der verhaßten Bindung an das Slum-Leben mit seinem Schmutz, seinen revolutionären Krisen, seiner fluchwürdigen Unsicherheit und seiner die Seele verzehrenden Eintönigkeit. Gnadenmutterl War sie in Gallagher verliebt? Sollte sie durch den tödlichen Zauber in seinem Gesicht und in seiner Stimme, durch die Romantik seines Schicksals in das Netz seiner Verschwörungen hineingezogen werden? Endlich flüsterte er:„May«, du bist die Ergänzung für mich. Wir beide zusammep wären ein vollkommenes Ganzes. Nichts würde uns beiden fehlen, kein unerfülltes... hm... nun.. � das ist's auch nicht. Ich habe diesen Teil meiner Theorie noch nicht vollständig ausgearbeitet. Ich habe �mich von einem anderen Standpunkt aus damit beschäftigt." „Was heißt das, Dan?" Sie zog ihr Gesicht weiter zurück und lockerte eine Hand. Er war jetzt in Träume ver- loren und versuchte nicht, sie festzuhalten. Im Gegenteil, er ließ sie plötzlich los und setzte sich auf den Tisch. Rur ihre rechte Hand hielt er in seiner und sie fragte wieder:„Was willst du von mir?" „Ich will, daß du zu mir kommst." Er flüsterte fast pnhörbar, vertieft in seine Gedanken. „Dan, ich verstehe nicht." Von seiner Stimme erschreckt, rang sie nach Atem........................;,... Er murmelte:„Wie? Wie? Warum verstehst du nicht? Ich will, daß du zu mir kommst." „Meinst du, um dich zu... zu... zu heiraten?" „Ach Quatsch!" Gereizt erwachte er aus seinem halben Däminern und wandte sich zu ihr:„Diese lächerlichen Kon- ventionen treten nicht in mein Bewußtsein. Ich habe nicht nur keinen Respekt vor ihnen, sondern sie treten überhaupt nicht in meinen Denkkreis. Du verstehst, was das bedeutet. Meine Persönlichkeit steht in vollkommener Uebereinstim- mung mit meiner Lebensaufgabe. Für mich bekommen alle diese Worte ihren wahren Wert. Heirat, zum Beispiel, ist in Wahrheit ein kapitalistisches Wort und bezeichnet eine Ein- richtung zum Schutze des Eigentums, damit die legitimen Kinder erben können. Daher brauche ich mich in meinen Gedanken nicht damit auseinanderzusetzen, um mich von dem Glauben daran zu befreien. Die meisten Menschen müssen dag tun. Ich bin meiner Zeit um hundert Jahre voraus. Ich will den Begriff des Eigentums zerstören. Das ist meine Aufgabe. Ich will meinen Kindern kein Eigentum hinter- lassen. Ich will keine Kinder. Sie bedeuten mir nichts. Mein Leben wird fortdauern in meiner Arbeit, in den Ge- danken der Menschen, in der Erfüllung meiner Mission. Darum will ich, daß du zu mir kommst, weil ich irgend etwas fühle, eine Verwandtheit vielleicht, aber das ist nicht das richtige Wort zwischen dir und mir. Sicherlich besteht eine natürliche Verwandtschaft, eine chemische vielleicht, zwischen uns beiden. Wir sind zwei Teile eines Ganzen. Davon bin ich überzeugt. Rein, verdammt. Was für eine lächerliche Idee! Ick) will nicht, daß du zu mir kommst, um mit dir zu leben. Ich habe keine Zeit. Gefühle zum Hauptantrieb meines Lebenswillens zu machen. Ebensowenig du. Das weiß ich genau. Du wirst von anderen Trieben regiert. Vielleicht weißt du es gar nicht. Wahrscheinlich hast du Angst davor, dich gründlich zu kennen. Aber ich weiß es. Ich weiß es nicht, ich fühle es.„Wisien" ist nicht das richtige Wort. Es ist außer Gebrauch.„Fühlen" ist besser. Es ist ein Produkt des neuen Bewußtseins, das ich entdecke. Aber das habe ich noch nicht vollständig ausgearbeitet. Das ist noch im Geburtszustand." Er hielt inne. Als er aufhörte, fuhr sie zusammen, sie hatte nicht gehört, was er gesprochen hatte. Sie war mit sich selbst zu Rat gegangen, aber es war ihr nicht gelungen, mit ihrem Gewissen über das ins reine zu kommen, worüber sie sich gerade auseinandersetzte, als er sich unterbrach. Sie biß sich guf dix Lixxen und errötend sagte sie;(.Sag' mir, Dan, glaubst du an irgend etwas? Glaubst du selbst an den Kommunismus? Hast du Mitleid mit den arbeitenden Klassen?" Gallagher zuckte mit einem verächtlichen Ausruf die Schultern. Er sprach so schnell, daß er außer Atem geriet bei dem Versuch, mit der Schnelligkeit seiner stürmischen Ee- danken Schritt zu halten:„Nein, ich glaube an nichts von Grund auf. Und ich fühle kein Mitleid. Nichts Funda- mentales existiert, das einen Bewußtseinsgehalt hat, der von einem Menschen verstanden werden könnte. Daher glaube ich an nichts; denn ein geistiger Mensch kann nur an etwas Grundlegendes glauben. Wenn ich an irgend etwas Funda- mentales glauben könnte, dann wäre ich imstande, den ganzen inneren Zusammenhang des Lebens zu verstehen. Das Leben würde sich in eine Zeit tiefer Besinnlichkeit auflösen. Hand- lung würde unmöglich werden. Es würde keinen Beweg- grund zum Handeln geben. Es wiirde eine gültige Methode geben, alles zu erklären. Die Menschen streben nur nach dem, was sich nicht erklären läßt. Aber warte einen Augen- blick. Ich habe das noch nicht fertig ausgearbeitet. Es ist noch im Zustand der Theorie. Ich habe keine Zeit. Aber du hast von Mitleid gesprochen. Mitleid? Mit- leid ist für einen Mann meiner Art ein lächerliches Gefühl. Wir sind dessen gar nicht fähig. Ein Revolutionär ist un- fähig. Mitleid zu fühlen. Hör' zu. Die Philosophie eines Revolutionärs ist folgende: Zivilisation ist ein Entwicklungs- prozeß der menschlichen Gattung. Ich bin ein Atom der menschlichen Gattung, welches sich vorantastet, angetrieben durch eine Macht, über die weder ich noch die menschliche Gattung eine Kontrolle hat. Ich werde durch die Gesetze des Weltalls getrieben, die menschliche Gattung von einer Stufe ihrer Entwicklung zur anderen vorwärts zu stoßen. Ich be- finde mich im Krieg mit der übrigen Menschheit. Ich bin ein Messias, der sie mit Ruten züchtigt. Ich kenne keine Gnade. Ich kenne kein Mitleid. Ich kenne keinen Glauben. Ich bin nicht mein eigener Herr. Ich bin ein Werkzeug. Ich bin ein Revolutionär. Und es gibt keinen Lahn für mich außer der Befriedigung einer einzigen Begierde: der Begierde nach dem Gelingen meiner Mission, nach Macht vielleicht, aber das habe ich noch nicht ausgearbeitet. Ich bin mir noch nicht klar darüber, ob die Begierde nach Macht ein echter Impuls ist, ein echter... aber hör' zu. Das kann später kommen. Kannst du mir jetzt eine Antwort geben, wirst du zu mir kommen?""Z ____? Cgortjefeung folgt.) Oer Monarch ohne Monarchisten. Man blamiert sich zu gerne! Am 3. August 1770 wurde in Potsdam die spätere Majestät König Friedrich Wilhelm III. von Preußen geboren. Es ist der gleiche Monarch, der die Schlachten von Jena und Auerstädt gegen Napoleon verlor und 1813 endlich kam, als olle, alle riefen. Daneben aber ist er der gleiche Preußenkönig, der die Berliner Universität im Jahre 181l>, veranlaßt durch die unabweislichen liberalen Strömungen im preußischen Volke, stiftete. Deshalb ge- dachte die Berliner Hochschule gestern seines Geburtstages. Friedrich Wilhelm III. ist in Potsdam geboren, und wer sollte mehr Veranlassung haben, sein Wiegenfest zu feiern als die Erfr Pächter des„Geistes von Potsdam", die Vertreter der Reaktion? Aber die völkisch-.,notionale" Studentenschast steht, wie man weiß, auf Kriegsfuß mit dem K u l t u s m i n i st e r der pr«u> ßischen Republik. Da die Feier zu Ehren des Gründers der Universität amtlichen Charakter hatte, befahlen ausgerechnet die Völkischen ihren Anhängern, dem Festakt s e rn z u- bleiben. Ueber diese absonderliche Blamage der Völkischen hin aus ist von der Feier selbst nichts zu erzählen. Sie verlief in dem gewohnten Rahmen, den wir ja alle kennen. Erfreulicherweise darf man überdies feststellen, daß der Rektor der Universität, Dr. Norden, angeordnet hat, politisch« Aufrufe dürften nur dann an den Tafeln der Studentenschaft angebracht werden, wenn er zuvor seine Genehmigung erteilt hat. Außerdem hat er die Universität gestern mittag schließen lassen, um zu oerhindern, daß völkische Studenten zu den beliebten Skandalszencn Gelegenheit haben. Oer probst auf dem Kriegspfad. Sein Kamps gegen Schwarzrotgold. Oer Artist am Kreuz. Ein Nagel ohne Kopf. Zu der„Selbstkreuzigung" des Z7jShrigen Artisten Rein- hold II elmer. über die wir im gefirlgen„Abend" be- richteten, wird noch mltgeleilt. daß lle. diese, Experiment schon mehrmals ausgeführt hat. Es handelt sich natürlich um eine lange vorbereitete Trick- a t t r a k t i o n. Die Oeffnungen an Händen und Füßen sind in wochcnlanger Behandlung geschaffen worden. Ein Nagel war ohne Kopf und befand sich bereits auf dem rechten Kreuzflügel. Der Artist legte sich min auf das Kreuz, führte mit den Händen zunächst die Nägel durch die Löcher beider Füße und der linken Hand, um dann zum Schluß die rechte Hand auf den Nagel ohne K o p f zu legen. Der frühere Deckoffizier Uelmer befand sich feit längerer Zeit in den schwierig st en wirtschaftlichen Verhältnis sen. Er hofste, durch dieses phantastische Unternehmen Aussehen zu er- regen und so ein E n g a g c m e n t zu erhalten. Er wollte sich oer- pflichten, längere Zeit am Kreuze auszühalten. Warnungen von Bekannten, daß es besonders aus religiösen Gründen schwer sein würde, die behördliche Konzesston. für sein Vorhaben zu erlangen, ließ er unberücksichtigt. Uelmer fand sogar einen Geldgeber in der Person eines Gastwirtes, der ihm die nicht unbeträchtlichen Summen für operative Eingriffe vorstreckte. Es bleibt abzuwarten, ob das wohl einzigartige Vorkommnis im �vtadtbahnabteil für den Artisten das Ergebnis haben wird, das er sich erhoffte. Man sieht aber wieder einmal, zu wie ver- zweifelten Mitteln die wirtschaftliche Not gerode auch An- gehörige des schwer bedrängten Artistenstandes veranlaßt. Studenten laden ein. Ein Empfang, der durch Wesen und Eigenart der Einladenden sehr bemerkenswert war, führt« in den Räumen des Humboldt- Hauses ein international«, Publikum zusammen. Zu Ehren der Zurzeit in Berlin weilenden südamerikanischen Professo- r e n und Studenten hatte die Hauptgemeinschaft ausländischer Studierender in Berlin Gäste aus allen Ländern zu Bestich. Die ausländischen Studenten fühlen sich als gern gesehene Gäste!n Deutschland. Aus den Reden, ob sie auch in den verschieden- st c n Sprachen der früheren Feind- oder Freundlönder ertönten, klang nur der heiße Dank an die allumfassende.Alma rnatcr, von i>cr die Ausländer an unseren Hochschulen und Umversitäten zehren. Die Hauptgemeinschaft ausländischer Studierender umfaßt in Deutsch- land 29 Vereine. Sie pflegen ein reiches, geselliges und geistiges Leben in Berlin und haben sich gewöhnt, Deutschland frei von jede: Kriegs- und Rachtriegspsychose kennenzulernen. Eine neu begrün- dete, im 1. Heft soeben erschienene Zeitschrift„Reue Horizonte" soll die gemeinsamen geistigen und geselligen Beziehungen der ausländi- schen Studenten mit de» deutschen Schulen pflegen. In diesem Sinne tragen die ausländischen Studierenden viel zur Aufklärung übe: deutsche Verhältnisse im Ausland« bei» besonder« in den Ländern, wo«in« wirtschaftlich und politisch abhängige, korrupte Presse sich immer noch in Schmähungen gegen Deutschland gefällt. Ganz besonders wird die Studienreise der Amerikaner dazu bei- tragen, das Band der Freundschaft mit den südamrikanischen Ländern enger zu knüpfen. Reben dem Besuch wirtschaftlicher Betriebe, Fabriken und Museen werden die amerikanischen Gäste auch Aus. flüge nach Potsdam und die sonstige Umgebung Berlins mache??, ehe sie ihre Reise nach Sllddeutschlanü und Oesterreich fortsetzen. Rätselhaster lteberfall in Weißensee. Der Aufklärung bedarf noch ein Ueberfall, der sich gestern vormittag in der Berliner Allee 219 zu Weißensee ereignete. Eine 79 Jahr« alte Witwe Helene Neuendorf hatte vor einiger Zeit als Schlafburschen einen 19 Jahre alten Richard F. Wie sie sagt, kam sie mit dem jungen Manne ganz gut aus. Er zog aber dann doch nach der Sedanstraße. Kürzlich kam«r, um feine frühere Wirtin zu besuchen, traf sie aber nicht an. Gestern vormittag wiederholte er den Besuch und bot jetzt der altm Frau Platten für ihr Grammophon an. Frau Neuen- darf war nicht abgeneigt einige zu taufen und wollte sich die Sachen anhören. Da packte F. sie plötzlich mit der linken Hand am Halse, versetzte Ihr mit der rechten«inen Schlag ins Gesicht und stieß sie hintenüber gegen einen Tisch. Auf ihr Geschrei aber ließ er von ihr ab und ergriff die Flucht. Weil niemand zu Hilfe eilte, entkam er. Daß er Raubabsichten gehabt habe, Ist kaum an- zunehmen, denn eine goldene Ishr und Geld, da» auf dem Tisch lag, rührte er nicht an, obwohl er beides leicht hätte errasfen können. F., der Arbeit hatte, ist bisher in seine Wohnung nicht zurückgekehrt und auf seiner Arbeitsstelle nicht wieder er- schienen. Subkoff veröffenllicht seine Erinnerungen. Im Zusammenhang mit der nah« bevorstehenden Scheidung mit der Prinzessin Viktoria v. Preußen gibt Alexander Subkoff in einem Bonner Verlag Jfinc Erinnerungen heraus, die sein reich bewegtes Leben schildern. Er sucht in seiner Schrift seine Hm?dlungen zu begrün- hen und benchtet über sei?« letzte, Erlebnis mit der Prinzessin Mktor«, Aachden? das kammergerichl auf Grund der Vc- schwerde, die von seilen der Klägerin, dem Bezirksamt Milte, eingelegt worden ist. entschieden hat, daß der Prozeß der Stadt gegen den Probst von verlin. Geaeral- superinkendenl Dr. Händler und die Gcmeindekirchenräte von St. Marien und St. Nicolai als Ferlensache zu beraten ist, hat das Candgerichl jetzt einen neuen Termin auf den S. August anberaumt, und zwar wird sich die S. Ferien- Zivilkammer nunmehr mit der Angelegenheit beschäftigen. Auf Grund des Beschlusses, den das Gericht bei der ersten Ver- Handlung gefaßt hat, will der beklagte Probst bei dem??euen Termin durch seinen Rechtsbeistand, Iustizrat Dr. Hahn, den Nochweis erbringen, daß der Probst den Nießbrauch an dem gesamten Probsteigebäude habe. Zu diesem Zwecke sind inzwischen au» dem Stadtarchiv die allen Urkunden and Dokumente, die bi, auf da, 15. Jahrhundert zurückreichen, herangezogen worden. Auch in den Archiven des Konsistorium» hat man inzwischen nachgeforscht und beispielsweise unter Benutzung der Boninschen Urkundensammlung über das Alt-Köllne? Konsistorium Nachweise und Rechtsausführunaen über die k i r ch- liche und rechtliche Stellung des Probstes von Berlin gefunden, der früher vom König ernannt und durch das Magistratskollegium der Stadt Berlin zum ersten Geistlichen der Stadt bestellt wurde. Auch der K i r ch e n a t t e n der jetzigen Nicolai-Gemeinde wird man sich in der neuen Verhandlung bedienen. Durch diese alten Dokumente soll der Nachweis erbracht werden, daß die Probstei von Berlin ein kurfür st liches Lehen gewesen und die Stadt dem Probst ein wohn- und vollständige» Nutzungsrecht an dem gesamten Gebäude der Probstei zusichern?nußte. Auch R e ch t S g u t a ch t e n des Obertribunals des Kammergerichts aus früheren Rechtsstreitigkeiten über das Eigentum an Berliner Kirchen- gebäuden, sowie«in Gutachten des früheren Stadtsynditus Weise au« dem Jahre 1898 werden bei dem neuen Termin von der Ber- teidiguno herangezogen werden. Da man diese alten, sehr wert- vollen Urkunden nicht zu den Gcrichtsakten ohne weiteres geben kann, sind inzwischen Abschriften davon gemacht worden, die man dem Gericht überreichen wird. Di« Klägerin wird in dem neuen Prozeß aus den G r u n d b u ch a k t e n nachweisen, daß die Rechte der Stadl aus das Eigentum an der Probstei grund- buchlich eingetragen sind. Da das Studium der herangezogenen Urkunden und Dokumento sicherlich geraume Zeit in Ansprach nehmen wird, ist kaum an- zunehmen, daß die Entscheidung über den Floggenstreit mit dem Probst bereits am 8. Aug u st gefällt wird. Ein sondersbares Zusammentreffen, das vielleicht nicht ohne symptomatische Bedeutung ist, stellt es dar, daß der erst« evangelische Geistliche Berlins sich zum Rechtsbeistond gerade den Mann auswählte, der die hervorragend st e Rolle unter den Verteidigern der berüchtigten Fememörder spielte. Auch wir glauben allerdings, daß die Prüfung der Dokumente aus den Zeiten der Kurfürsten Johann Cicero in der Tat nicht innerhalb weniger Beratungs stunden erledigt werden kann. Deshalb wird kaum damit zu rechnen sein, daß der rebellierende Probst schon an dem 11. August des laufenden Jahres rechtlich veranlaßt werden kann, die republikanische Fahne des Reiches zu zeigen. Moralische Fragen stehen ja nicht zur Erörterung! Weder das Gericht noch die Kommune tragen an diesem Uebelstand die Schuld. Es liegt eine Lücke der Gesetzgebung vor, die ausgefüllt werden muß. Vermoderte und vermottete, dem Geist der Demokratie, dem Sinn des republikanischen Staatswesens wider- sprechende Gerechtsame sind auf dem Wege der Gesetzgebung. wie ihn die Verfassung des preußischen Freistaates vorschreibt, zu beseitigen! Di« republikanische Mehrheit des preußischen Volkes lehnt es ab, sich die Liebe zur Republik durch r e a k- tionäre Quertreibereien verekeln zu lassen. Der Probst von Berlin wird die Obstruktion gegen den neuen Staat nicht mit Erfolg durchführen können. Das Volk steht gegen die Reaktion, auch wenn sie sich in kirchliches Gewand kleidet. Lurnmug cpiscopus, erster Bischof der preußischen evangelischen Kirche ist nicht mehr wie vor dem November 1918 der König von Preußen, souverän auch in dieser Hinsicht sind das Volk und seine Vertreter in Parlament und Staatsregicrung. Das muh man die Herren merken lassen! Ein Feind der Laubenkolonisten. Oer Einbrecher mit dem Nevolver. Ein sehr gefährlicher Bursche ist ein noch unbekannier taubeneinbrechcr, der ln der Umgebung von Berlin seil einigen Wochen sein Unwesen treibt, wenn er überrascht wird, greift er sofort zur Schußwaffe. Schon wiederholt hat er Solonisten sofort oder aus der Verfolgung in schnüre Ge- fahr gebracht. Der Verbrecher ist et?va 2Z Jahre alt, 1/5 Meter groß und chmächtig und trägt nach den bisherigen Beobachtungen ivahrjchein. ilch ein« Brill«. Eine näher« Beschreibung kann, weil er stet» zur Nachtzeit austritt, noch nicht gegeben werden. In dieser kurzen Zeichnung aber stimmen alle Beobachtungen überein. Erst in den letzten Tagen tauchte er wieder an zwei Stellen auf. In einer Koicmie in Friedrichsfeld« erwachte ein Laubenbesitzer, ein Arbeiter Sch., als er den Verbrecher an seiner Behausung hört«. Er chlug Lärm und?>erfolgt« ihn mit mehreren Nachbarn. Durch wiederholte Schüsse aus die Verfolger schaffte der Flüchtige sich oll- mählich einen so großen Abstacü), daß es ihm endlich gelang, zu verschwinden. Zum Glück gingen all« Schüsse fehl. In einer Kolonie in Ho henichön hausen erwachte der Inhaberandlung, um dem Beamten klarzumachen, daß es unmöglich sei, für die Abholung eines Passes Urlaub vomjdrbeit- geber zu erhalten und den Lobnausfall von mindestens 3 Stunden zu trogen. Der Beamte ließ sich schließlich erweichen und stellte „ausnahmsweise" den Paß„außerhalb der dafür oorgcsehenea Dienststunden" aus... Der zweite Paßbedürftig« wohnt im Westen. Auch er ging nach Schluß seiner Arbeiiszeit zum Polizeirevier. Jim? wurde der für diese Kühnheit sicherlich bereit gelittene Anschnauzer durch ein an der Tür hängendes Schild erspart, aus dem stand, daß Pässe nur in der Zeit von 8 bi» 3 Uhr ausgestellt lverden. Was blieb übrig,„Urlaub" nehmen mit einem Lohnausfall von drei «stunden. Abgesehen von den verschiedenen Zellen, in denen die Polizei- reviere in den verschiedenen Stadtteilen die Pässe ausstellen, ist es unsozial im höchsten Maße. Pässe nur zu einer Tageszeit aus- zustellen, in der die meisten Menschen noch aus ihrer Arbeitsstelle sein müssen. Glaubt man, daß man auf die Arbeiter keine Rücksicht zu nehmen braucht??z ist höchste Zeit. daß diesen Zuständen ein Ende bereitet wird. Mst zwei, auf allen Polizeirevieren für die Erteilung von Pässen gleichmäßig angesetzten Dienststunden— vielleicht von 4 bis 6 Uhr— läßt sich das erreichen. Wenn man a&er glaubt, daß das zu weitgehend ist, so sollte man es zunächst mit je einer derartigen Stell« im Ost«??, Westen, Norden, Süden und im Zentrum der Stadt versuchen. Der„Eiserne Gustav" kehrt zurück. Auf der Rückfahrt nach Berlin ist der'„E i s e r n e G u st a o" bereits auf dem Wege durch das Bergische Land. In Opladen rmißte Hartmann an seinem Wogen eine Reparatur vornehmen lassen, da infolge der viele Zentner schweren Post die rechte Hinter» achse des Wagens eingedrückt und die Feder erneuert roerden mußte. Hartmann wurde übrigens von seiner Ehefrau besucht, die oller- dings nicht mit der Kutsche nach Berlin zurückkehren wollte, sondern bereits mit der Eisenbahn die Heimreise angetreten hat. Ein großes Volksfest veranstaltet der 17. Kreis Lichtenberg am 5. August im Strandbad, Seeterrasse, Röderstraße. Das Programm oerzeichnet Borsührungen der freien Turner, der Schwimmer im Wasserspiel, gymnastische Borführungen. Sprech- chor der Kinderfreunde, großes Konzert, großes Feuerwerk. Bei der Tombola sind u. a. 20 Zentner Kohlen, 1 Raummeter Holz zu gewinnen. Das Reichsbanner sowie dos Freie Sportkartell sind am Fest beteiligt. Es wird reger Besuch erwartet. Um 13 Uhr treffen sich alle Beteiligten mit Freunden, Verwandten und Be- kannten zum Umzug am Boxhagener Plag. Sämtliche städlischen Bureaus und Kassen werden aiN 11. August geschlossen. Betriebe, bei denen eine Aufrechter» Haltung des Dienstbetriebes notwendig ist, beschränken ihn auf den Umfang des Sonntagsdienstes. Am Verfassungstage werden samt- liche städtischen Gebäude(nicht nur Dienstgeboud«), die städiischen Siedlungkbauten und die Verwaltungsgebäude der Gesellschaften nach den Borschriften der Flaggenverordnung flaggen. Ferner werden die Wagen der Berliner Straßenbetriebs G. m. b. H. und der Aboag und die Bahnhöfe der Hoch- und Untergrundbahn Fahnen zeigen. Den reisvoll schimmem- den Glans des Haares erhält man durch Weltmeister Nurmi geschlagen! Sensation in Amsterdam. Amsterdam, 3. Auguft. Die erfte Leichtathletik- Entscheidung der Olympischen Spiele am Freitag fiel im 5000- Meter- Lauf. Nachdem den größten Teil der Strede hindurch die beiden Finnen Nurmi und Ritola geführt hatten, überließ zum Schluß Nurmi seinem Landsmann, den er im 10 000- Meter- Lauf geschlagen hatte, den Sieg über diese Strede freiwillig. Aitola fiegte in 14: 38. Deutsche Läufer hatten fich für die Entscheidung nicht qualifiziert. Im Endlauf über 400 Meter stehen von deutschen Läufern Sforz, der in seinem Zwischenlauf den 3. Plah belegte und Büchner, der den 2. Zwischenlauf sicher gewann. Amfterdam, 3. Auguft.( Eigenbericht.) Das Intereffe an der Olympiade selbst beginnt gegenüber dem Interesse der Fremden an der alten historischen Stadt und ihrer Umgebung langsam etwas abzuflauen. 3ahlreiche Entscheidungskämpfe find in wenigen Tagen abgewickelt, neue Rekorde aufgestellt, und hier und da rücken Mannschaften, die ihren 3wed erfüllt haben, jchon wieder ab. Das will natürlich nicht besagen, daß nicht immer noch buntes internationales Leben im Stadion und dessen Umgebung herrscht. Es find eigentlich die Fremden, die im Unterschied vom ersten Teil der Olympiade im Mai- Juni dominieren. Damals handelte es sich für das niederländische Sportleben um Vorkommnisse, die von weiten Kreisen als nationale Angelegenheit empfunden wur den, und der Niederländer ist ein großer Fußballfreund, daß er, nur um einem Entscheidungsspiel beizumohnen, stundenlang geduldig, ſelbſt bei Wind und Wetter, zu stehen vermag. Anders ist das Bild gegenwärtig. Obwohl fast jeder Athletengruppe Niederländer angehören, die selbst bisweilen feine schlechte Figur schlagen, ist das große Publikum ziemlich teilnahmlos, soweit die jeßige Olympiade selbst in Betracht tommt, hat aber offene Ohren und Augen, sobald sich Gewinnmöglichkeiten dabei bieten. Dies hat der Borsigende des Niederländischen Arbeitersportbundes, Muller, erst vor einigen Tagen hervorgehoben. Inzwischen ist eine neue Art olympischer Spiele in dem Wetteifer 3mischen Taschendieben und Polizei eingeleitet. Die Amsterdamer Kriminalpolizeit ist in diesem Ringen um den Rekord augenscheilich überlegen, denn bei den durchweg zweiten Garnituren internationaler Meisterschaftstiebe, die Amsterdam zu beglücken scheinen, erzielte sie die Rekordleistung, in drei Tagen nicht weniger als sieben ausländische Taschendiebe festzuhalten. Es wird überall, wo sich Menschen sammeln, augenblicklich viel gestohlen, aber Italiener und Finnen scheinen dabei weniger Geschicklichkeit als die Angehörigen anderer Nationen zu befizen, da namentlich den Italienern die meisten bisher Berhafteten angehören. Auf diesem Gebiete haben sie sich demnach weniger erfolgreich als im Florettstreit gezeigt. Auch das schlechte regnerische Better ist ein großes Hindernis beim weiteren Berlauf der Spiele. Namentlich Stehpläge auf unüberdachter Tribüne sind reichlich zu haben, da die Neigung, fich stundenlang dem Regen auszufeßen, begreiflicherweise nicht besonders groß ist. Es ist möglich, daß hier und da besondere Spieltage noch einmal Auffladern des Inteesses bringen; im allgemeinen dauert die Veranstaltung viel zu lange, wie es langsam auch das Internationale Olympische Komitee zu empfinden scheint. Der schwerbewaffnete Hausbefizer. # In dem Keller eines Hauses in der Friedrichstraße wurden von den Beamten der politischen Polizei 742 Gemehr. patronen und eine Barabellum Pistole vorgefunden und beschlagnahmt. Die Gegenstände waren im Besige eines Hausbefizers, der sie als ehemaliger Führer der früheren Einwohnermehr widerrechtlich aufbewahrt und nicht abgeliefert hatte. Das Strafverfahren ist eingeleitet. Bielleicht wollte er auf eigene Faust Krieg führen? Die Leistungen der Krankenkaffen. Bor einiger Zeit brachten wir einen Artikel über die Tätigkeit der Allgemeinen Drtstrantenfaffe Berlin, und da dürfte es auch von Interesse sein, etwas über die Arbeit der kleineren Krantentaffen zu erfahren. Hierzu bietet zum Beispiel der von der Allgemeinen Ortstrantentaffe Schöneberg- Friedenau herausgegebene Geschäftsbericht einen sehr schönen Ueberblick. Wesentlich ist die Zunahme der Erkrankungsfälle gegen 1926 um 25 Broz. bei einer Mitgliederzunahme von rund 8 Broz. Hier zeigt sich wieder, wie sehr doch die Lebenskraft der breiten Maffen durch den Krieg, die Inflation und die Arbeitslofig feit gelitten hat. Daran ändert auch nicht viel die Tatsache, daß die Durchschnittsdauer der Erkrankung von 29,5 Tagen auf 25,5 ge= funten ist. Die Kosten stiegen pro Mitglied von 72,52 m. auf 76,92 M. im Jahre 1927, denen Einnahmen gegenüberstehen von 96,52 gegen 91,21 in 1926. Bon Bedeutung ist, daß von dem Gefeg über die Beschäftigung vor und nach der Niederkunft die Haus= angestellten nicht erfaßt werden. Ueber den Schiedsspruch, der vom Reichsschiedsamt gefällt worden ist, heißt es mit vollem Recht:„ ,, Daß die unter dem Drucke der höchsten Schiedsinstanz zustande gefommene Vereinbarung, wonach nur noch Familienangehörige( aber nicht mehr die Mitglieder) in den Ambulatorien behandelt werden dürfen, eine Verwässerung des Grundgedankens der Ambulatorien bedeutet. Diese Tatsache wird noch dadurch verstärkt, daß Aerzte aus der freien Bragis in den Ambulatorien mitbehandeln können. Es wird besonderer Wachsamkeit der Gefchäftsleitung der Ambulatorien wie auch der Berficherten bedürfen, um 2bsichten, die etwa einer Unterminierung der Tätigkeit der Ambulatorien bezmeden sollen, beizeiten energisch entgegenzutreten. Auf Grund des Verirages zwischen Krantentaffen und Aerzten erhält die Aerzteorganisation feit 1. Juli 1928 10 Mart pro Versicherten, ab 1 Januar 1929 11 Mart. Diefer furze Auszug zeigt wieder einmal, meldy bedeutende Leistun gen auf gesundheitlichem Gebiet im Intereffe der Arbeiterschaft die Krankenkassen aufzuweisen haben, Der polnische Ozeanflug. Bon einem Fischdampfer gesichtet! Paris, 3. August. Das polnische Ozeanflugzeug ist bisher nur von einem franzöfischen Fischdampfer, 60 Meilen westlich von Corient, gefichtet worden. Die Küstenstationen haben es wegen der schlechten Sicht beim Berlaffen des Festlandes nicht bemertt. towski und Kubala in Le Bourget zum Ozeanflug gestartet Das Flugzeug, mit dem die beiden polnischen Flieger D31find, ist ein Doppeldecker französischer Konstruktion, der mit einem 850 PS- Motor versehen ist. Die Durchschnittsstundengeschwindigkeit foll 175 Kilometer betragen. Der Brennstoffvorrat wird mit 3900 werden zwei kleine Gummirettungsboote mitgeführt. Kilogramm angegeben. Ein Funkapparat ift nicht an Bord, dagegen Zum Unglück bei Neusah. Neujah, 3. August. Zu dem Einsturz der Landungsbrücke der Kroatischen DonauDampfschiffahrtsgesells haft wird gemeldet, daß bei dem Unglück entgegen den ersten Nachrichten niemand zu Schaden gekommen ist. Bon den auf der Brücke befindlichen Personen fielen drei ins Waffer, sie fonnten jedoch bei dem niedrigen Wasserstand das Ufer unversehrt erreichen. Neue Verkehrsordnung auf Rhein und Main. Köln, 3. Auguſt. Die von der Staatlichen Strombauverwaltung in Ergänzung der bestehenden Berordnungen ausgearbeitete neue Berkehrs= ordnung für Rhein und Main, die für Ruder- oder Paddelboote ganz besondere Vorschriften enthält, wird mit Genehmigung des Reichsverkehrsminifteriums bereits Dom 15. 2ugust an, vorläufig jedoch nur für den Rhein, in Kraft treten. Die Wassersportverbände sind in den letzten Tagen über die neue Verkehrsordnung unterrichtet worden. Wie bereits mitgeteilt, ist jedes Fahrzeug, auch jedes Motorboot ver= pflichtet, fünftig einen amtlichen Ausweis und eine deutlich er. tennbare Nummer zu führen. Die erforderlichen Papiere und amtlichen Nummerzeichen werden vom zuständigen Wasserbauamt ausgegeben. Für den Main wird die Verordning megen der in Betracht kommenden einzelnen Ländergebiete erst im nächsten Jahre in Kraft treten. Neuland aus den Fluten der Nordsee. Im Norden des gewaltigen Sylter Dammes der Reichsbahn sind nach den neusten Messungen große Landgewinne festgestellt worden. Stellenweise hat sich der Boden des Wattenmeeres um nicht weniger als 75 Zentimeter bis über einen Meter gehoben und das innerhalb der furzen Zeit von nur zwei Jahren! Durch die Unterbrechung des großen Nordseestromes zwischen der geheure Mengen schwimmender Schlichteilchen zum Stillstand und Insel Sylt und der Küste durch den Damm find tatsächlich so undadurch zur Ablagerung gekommen, daß hierdurch in bisher noch nirgends erreichter Schnelligkeit Neuland gewonnen wurde. Das Neuland soll alsbald durch besondere technische Maßnahmen gefichert werden. Infolge dieses überraschend günstigen Ergebnisses ist die Bereitstellung der notwendigen Mittel zu weiteren Landge Es winnungen an der schleswigschen Küfte zugesagt worden. werden aus dem 5- Millionen- Fonds für Arbeiten an dieser Küste zunächst weitere 300.000 M. angewiesen. Außerdem wurden 45 000 m. für die Dicksandbucht und 50 000 M. für die Tümlauer Bucht bewilligt, insgesamt 395 000 M., eine Summe, die für lange 3eit die Fortsetzung der notwendigen Neulandarbeiten sicherstellt. Zeppelin- Flughafen in Buenos- Aires. Paris, 3. Auguft. Wie New York Herald" meldet, wurde in Paris zwischen Broßbard, dem stellvertretenden Vorsitzenden der For Brothers International Corporation, einem ame rifanifchen Konzern und dem Leiter der Compania Transaerea Espanola, Georg Loring, ein Bertrag für einen 3eppelinFlughafen in Buenos Aires unterzeichnet. Der Bertrag sieht u. a. den Bau von Zeppelin- Luftschiffhallen, von Anfermasten, Wasserstandsbehältern, Wetterstationen, drahtlosen Stationen und Verwaltungsgebäuden vor. For Brothers unterzeichneten am 18. Juni einen Vertrag mit der gleichen Gesellschaft zur Herstellung eines Beppelinhafens in Sevilla, der in zwölf Monaten fertiggestellt sein wird, während der Hafen von Buenos Aires in 1% Jahren fertig sein soll. Der erste offizielle Zeppelinflug wird nächstes Frühjahr zur Eröffnung der spanisch- amerika: nischen Ausstellung in Sevilla erfolgen. Sunstfurfe! Beitere Teilnehmer, die fich ab 1. September an den fort zu senden an: M. Graeser, SW. 61, Großbeerenstr. 63a( Fern Graphittursen beteiligen wollen, werden gebeten, ihre Anschrift sosprecher: Bergmann 5826). 6 Um Malmgreen und Amundsen. 20000 Kronen Belohnung ausgeseht. Kopenhagen, 3. August. Obwohl der persönliche Besuch Zappis bei der Mutter Malmgreens die größten Zweifel an dem Schicksal des schwedischen Forschers aus dem Wege geräumt hot, find in Schweden die Stimmen nicht verstummt, die eine Auffindung der Leiche wünschen, um dadurch volles Licht in das Rätsel zu bringen. Selbst wenn die Möglichkeit, den toten Schweden zu finden, unendlich flein sein dürfte, hat man doch in Norwegen und Schweden eine Bemegung zur Organisierung der Nachsuche ins Werk gesezt, deren Ergebniffen man mit größter Spannung entgegensieht. Regierung gerichtet, in dem das Blatt mitteilt, daß die Zeitung aus Dagligt Allehande" hat einen Brief an die schwedische eigenen Mitteln eine Belohnung von 10 000 kronen ausgesetzt habe für den, der die Leiche Dr. Malmgreens findet, morauf das Außenministerium es übernommen hat, alle Fang= schiffe und Fischerfahrzeuge, die in Betracht kommen, hierüber zu unterrichten. Dieser Beschluß des schwedischen Blattes hat sofort bewirkt, daß auch in Norwegen eine Summe von 10 000 kronen ausge= feht worden ist für den, der Roald Amundsen findet. Man meint, daß diese beiden großen Belohnungen die Nachforschungsarbeiten erheblich anregen werden. 400 Schafe verbrannt. Das Gut Leppin in Mecklenburg wurde von einer Brandkatastrophe schwer betroffen. Das Feuer, das in einem Shafftall entstand, legte fünf Wirtschaftsgebäude in Asche. Erwa 400 Schafe tamen in den Flammen um, außerdem wurden beträchtliche Kornvorräte und viele landwirtschaftliche Maschinen vernichtet. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrif find Berlin 6 68. 2indeustraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof. 2 Trep. rechts, zu richten. Bezirksvorstand. Die nächste Sihung des erweiterten Bezirksvorstandes ist am Freitag, dem 10. Auguft, 18 Uhr, im Sigungszimmer der„ Borwärts"-Redaktion. Achtung, SPD. Betriebsvertrauensleute! 3m Bezirkssekretariat ist wichtiges Agitationsmaterial vorhanden. Sofort abholen und verteilen. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, 6. August, 19% Uhr, Sigung der Jugendfommission im Jugendheim Rosinenstr. 4. Jede Abteilung muß vertreten sein. 10. Abt. Zehlerborf. Sonnabend, 11. August, Kreisfest und Verfassungsfeier in der Neuen Fischerhütte in Schlachtenfee um 16 Uhr. Gefangliche und turnerische Vorführungen, Festansprache, Kinderbelustigung usw, 14. Kreis Neukölln. Die Genossen, welche am Conntag, 3. Auguft, mit nach Teltow zur Gründungsfeier fahren, benuten den Zug ab Anhalter Bahnhof um 12.06 Uhr. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Jugendweihe! Der Unterricht beginnt am 17. Auguft, 16 Uhr, in der Mittelschule Tonauftr. 129. 17. Kreis Lichtenberg. Seute, Sonnabend, 4. August, 18 Uhr, findet ein Radfahrertorio durch Lichtenberg ftatt, tom Auguſtaplas ab. Conntag, 5. Auguft. 18 Uhr, Umzug der Partei, des Reichsbanners und des Freien Sportfartells mom Boghagener Blah. Um rege Beteiligung für das Bolts. feft am Strandbad", Secterrasse, Roederstraße, mird gebeten. Heute, Sonnabend, den 4. Auguft: 24. Abt. Die Bezirksführer werden ersucht, die Monatsschrift Unser Weg" sofort von ihren Gruppenführern abzuholen. 5. Abt. Morgen, Sonntag, den 5. August: Familienausflug nach Birkenwerder. Treffpunkt bis 9 Uhr am Stettiner Bahnhof. Für Nachzügler Restaurant Sur Briefe". 16. Abt. Die Ordner treffen sich zum Empfang der Kinder um 14 Uhr im Sumboldthain, Sportplag. 38. Abt. Die Mitglieder werden gebeten, sich recht zahlreich an der Pampfer. fahrt des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold des 5. Kreises nach Wolters. dorfer Schleuse au beteiligen. Ratten sind beim Genoffen Regenbogen, Weberstr. 49, zu haben. 53. Abt. Sharlottenburg. Abfahrt zum Kreisfest in Teltow 8 Uhr Beusselstraße. 79. Abt. Schöneberg. Treffpunkt 7½ Uhr Bahnhof Schöneberg zum Familienausflug mit Tanz und Kinderbeluftigungen nach Blankenfelde. Rachzügler fahren vom Botsdamer Bahnhof bis Dahlewis, von dort zu Fuß nach Blankenfelde, Lofal Bater Rute, 101. Abt. Treptow. Alle Genoffinnen und Genossen beteiligen sich an der Ber. faffungsfeier des Reichsbanners des 15. Areises bei Biehler, Altes Eier. häuschen, Treptow. Zichtenberg. 117. bt. Sum Bolksfeft treten die Genoffen um 13 Uhr am Gärtnerplak vollzählig an. 119. Abt. Die Karten vom Boltsfest find dort beim Fest abzurechnen. * 99. bt. Brig- Budom. Funktionärsigung am Montag, 6. Auguft, 19% Uhr, bei Günther, Chaufferstr. 48 II. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Groß- Berlin: Alle in Berlin anwesenden, Kinder treffen sich mit ihren Gruppenfeitern am Sonntag, 5. Auguft. 131 Uhr, Brunnenstraße, Ecke GustavMener- Allee( Normaluhr), am Humboldthain, aur Begrüßung der Teilnehmer des Kinderfreundezeltlagers am Uebersee. Niemand darf fehlen. Areis Mitte: Wir treffen uns am Sonntag um 13 Uhr Brunnenstraße, Ede Gustav- Meyer- Allee( Normaluhr), zum Empfang des Beltrepublik. Alle Selfer müffen bort fein. Die nächste Seiferstzung ist am Montag, 6. Auguſt, 20 Uhr, im Heim Zehdenicker Straße. Kreis Kreuzberg: Alle Gruppen treffen fich zum Empfang der Poten Falten Roten Fallen um 12 Uhr am Görliker Tahnhof. am Eonntag 12% Uhr vor dem Heim Belle- Alliance- Blaẞ 1. Fabnen und Wimpel mitbringen, Gruppe Cübost: Wir treffen uns zum Empfang der Gruppe Südwest und Halle. sches Zor treffen sich 12% Uhr am Belle- Alliance- Blag 1. Geburtstage, Jubiläen usw.: dem Paat, daß es noch viele Jahre mit der gleichen Rüstigkeit und Frische 31. Abt. Heute, Sonnabend, begehen unser Genosse Friedrich torn und Frau, Tegernstr. 8, das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen in unferer Mitte weilen möge. Aspe MARK Wenn Du einen gutsitzenden Schuh siehst, so ist es meistenseblee SALAMANDER DAS ERZEUGNIS DER GROSSTEN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK Der Kampf um die Krisenfürsorge. Ziffern, die respektiert werden müssen. fürsorge, che sie in die Krisenfürsorge kamen. Die Erweiterung der Krisenfürsorge hat es den Scharfmachern|[ chon mindestens ein Jahr in der Ermerbslofen im Unternehmerlager angetan. Die vom Reichstag geforderte Verbesserung ist zunächst nur ein fleiner Anfang auf dem Wege zu der dringend notwendigen Reform der Krisenfürsorge. Gleichwohl hat sie bei der Deutschen Arbeitgeber- 3eitung"( Nr. 31 vom 29. Juli) einen förmlichen Wutausbruch hervorgerufen. In einem Faulheitsprämien" betitelten Artikel versteigt sich das Zentralblatt der deutschen Arbeitgeber" zu der tühnen Behauptung, der Reichstag habe beschlössen, die Krisenunterstützung auf den größten Teil der Berufsgruppe Lohnarbeit wechselnder Art ausudehnen, d. h. also auch den Kreis der notorischen Drüdeberger weiterhin auf 39 Wochen zu unterhalten." Die erste sozialpolitische Arbeit der Regierung sei also„ ein Anschlag auf die Taschen der Steuerzahler zugunsten eines offensichtlich arbeitsscheue Gesindels." Statt fachlicher Untersuchung der wirklichen Verhältnisse also Beschimpfung der Arbeitslosen und Verhöhnung der Not! Dabei reden die Ziffern der Krisenfürsorgestatistit eine wahrhaft erSchütternde Sprache. Allem Anschein nach habe die Scharfmacher vor, gegen die Reformpläne der Gewerkschaften eine Heze großen Stils zu unternehmen. Es ist daher, bevor man auf die Anmürfe der Geiferer näher eingeht, angebracht, das Problem der Krisenfürsorge an Hand der von fachkundiger Seite in der neuen Rummer der Gewerkschaftszeitung" mitgeteilten Ziffern neu zu beleuchten. Die Krisenunterstügten was find denn das für Leute? Statt finnlos daraufloszuschimpfen, sollten sich die Geiferer der Deutschen Arbeitgeber- Zeitung" zunächst einmal die besondere 3u sammensehung des in der Krisenunterstützung betreuten Ber fonentreifes flermachen. Aus der Altersgliederung der Krisenunterstützten, für die die neuesten Zahlen vom 15. April 1928 vorliegen, ergibt sich, daß der Anteil der älteren Personen in der Krisenunterstützung erheblich größer ist als der in der Arbeitslosenversicherung Unterstüßten. Von den Männern, die in der Krisenunterstüßung versorgt wurden, waren 37 Pro 3. älter als 45 Jahre( in der Versicherung 26,4 Proz.). Von den Frauen find 25 Bro3. älter als 45 Jahre( in der Bersicherung 18,4 Proz.) Der Zusammenhang zwischen der Dauer der Arbeitslosigkeit und dem Alter ist also flar: Je, älter der Arbeitslose, desto länger die Arbeitslosigkeit, und das besonders in der Krisenfürsorge. Von dem Zeitpunkt von Mitte April über dreiviertel Jahr bis ein Jahr in der Krisenunterstützung befindlichen Personen ist die Hälfte älter als 45 Jahre. Dabei waren alle diese Arbeitslosen im allgemeinen Die Vorjahrserhebung hat ferner für die Arbeitsfähig te it wichtige Tatsachen festgestellt. Für die durch Aerzte auf ihre Arbeitsfähigkeit Untersuchten ergab sich, daß 76 Pro3. als ar beitsbeschränkt bezeichnet werden mußten. 21 Pro3. waren voll arbeitsfähig und 3 Proz. arbeitsun fähig. Weiter ist von besonderer Bedeutung, daß von den 175 000 Krisenunterstützten, die Mitte Juli vorigen Jahres untersucht wurden, ein knappel Drittel ledig, zwei Drittel dagegen verDie heiratet( bzw. verwitwet, geschieden oder getrennt) waren. Krisenunterstützten sind also in erheblich höherem Maße Familienväter als es für den Durchschnitt der Bevölkerung zutrifft. Von den 175 000 Krisenunterstüßten im Juli 1927 umfaßt etwa ein Drittel ganze Familien und ein weiteres Fünftel Ehepaare ohne mitunterstützte Kinder. In der Hälfte der Unterstügungsfälle sind also morden. ganze Familien vor der ärgften Nof geschützt Die in der Krisenfürsorge unterstützte Arbeitslosenmasse, für die hohes Altersniveau, lange Dauer der Erwerbslosigkeit und erschütternde Familienarbeitslosigkeit besonders charakteristisch find, ist vor allem in den Großstädten zusammengeballt. Im Durch schnitt der Großstädte( mit über 100 000 Einwohner) entfallen auf 1000 Einwohner über 4, in Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohner 3 und in Städten mit weniger als 10 000 Einwohnern nur Krisemunterstützte. Diese Ziffern zeigen besser als langatmige Untersuchungen den ganzen Ernst der Situation, gegen den schon jetzt und nicht erst, wenn im Herbst oder Winter die Lage auf dem Arbeitsmarft sich verschärft hat, angekämpft werden muß. Mit künstlicher Senfung der Krisenunterstütztenziffern und Hineinpreffung in die Wohlfahrtspflege ist das Problem nicht gelöst. Nach den Reichstagsbeschlüssen soll die Unterstügungsdauer im allgemeinen von 26 auf 39 Wochen, für Arbeitnehmer über 40 Jahre auf 52 Wochen verlängert werden. An diesen Beschlüssen, die praktisch noch nicht Wirklichkeit sind, muß unbedingt festgehalten werden. Das gleiche gilt von den anderen Reichstagsbeschlüssen zur Erweiterung der Krisenfürsorge. Darüber hinaus muß aber entsprechend den Forderungen der Gewerkschaften die Krisenfürsorge zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge ausgebaut werden, da mit der Versicherung allein das Arbeitslosen problem nicht zu meistern ist. Zwischen Versicherung und Wohlfahrtspflege muß die Reichsarbeitslosenfürsorge stehen. Sie ist das wichtige Bindeglied und daher Angriffsobjekt für den Sturmbod der Scharfmacher. Berbandstag der Lithographen. Dritter Verhandlungstag. Ueber die Reform ber gewertschaftlichen Einrich tungen nach den Vorschlägen des ADGB. berichtet der Verbandssekretär Genosse Lange- Berlin, der den großen und komplizierten Stoff in meisterhafter Weise behandelte. Er wies eingangs feiner Ausführungen darauf hin, daß die Richtung zu den Industries verbänden durch die Unterschiedlichkeit der gewerkschaftlichen Unterstügungseinrichtungen gehemmt wird. Diese Uneinheitlichkeit soll nun abgeändert werden. Zu diesem Zweck ist eine vom ADGB. eingesezte Kommission seit Jahren tätig, um Reformvorschläge auszuarbeiten. Die Kommission ist zu Beschlüssen gekommen, die aber für die einzelnen Gewerkschaften nur als Richtlinien gelten. Ihr Zweck iſt: 1. Die Kampffraft der Gemertschaften zu stärten, 2. Die Konkurrenz der Verbände untereinander zu beseitigen. Zu den Vorschlägen der Kommission stellt der Berichterstatter fest, daß eine vollständige Uebereinstimmung nicht möglich ist, da der Betätigungskreis der einzelnen Verbände sehr verschieden ist. In den weiteren Ausführungen vergleicht Lange die Einrichtungen, die bereits im Verband bestehen, mit den Einrich tungen, wie sie die ADGB.- Kommission vorsieht. Er stellt dabei die Unterschiede fest und weist besonders auf die Differenzpunfte hin. Zum Schlusse stellt er fest, daß der Verband der Lithographen und Steindrucker den Richtlinien weit voraus ist. Die Einrichtungen können daher nicht ausgebaut werden. Die von der Kommission gemachten Borschläge sind lobenswert und werden zur Einheitlichkeit viel beitragen Unsererseits müssen wir für die dauernde Sicherung der Kampfmittel besorgt sein. Die Debatteredner famen zu der Meinung, daß die bisherige Unterstützung nicht abgebaut werden darf. Es wird vielfach der weitere Ausbau verlangt. Dem Verband müssen joviel Mittel gegeben werden, daß er in der Lage ist, den Kampf so führen zu können, daß er die Lebenslage der Kollegen in wirf famer Weise verbessert. In seinem Schlußwort sette fich der Berichterstatter nochmals energisch für die Anträge und Beitragserhöhung ein. Der Antrag des Verbandsvorstandes auf Erhöhung der Beiträge wird angenommen. Bei der Beratung der Allgemeinen Anträge wird u. a. die zukünftige Regelung der Wahl zum Gewerkschaftstongreß vorgenommen. Zur Belebung der Betriebsrätebewegung wird eine Betriebsrätekonferenz gewünscht. Der Antrag, der die Einberujung eines Betriebsrätefongresses verlangt, wird dem Vorstand zur Berückfichtigung überwiesen. Ein anderer angenommener Antrag verlangt, die Kollegen durch Wort und Schrift aufzuklären, den bürgersportorganisationen anzuschließen. lichen und Werksportvereinen fernzubleiben und sich den ArbeiterZu Beginn der Nachmittagssigung ergreift Genosse Nörpel vom Bundesvorstand zu seinem Referat über das Wort. Das neue Arbeitsrecht und seine Bedeutung Nörpel führte etwa aus: Seit dem letzten Verbandstage hat sich im Arbeitsrecht zugunsten der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften Reichs- und Staatsarbeiter am Berfaffungstag daß in Kürze mit der Einführung des Achtſtundentages für die in vieles geändert. Die Beränderungen bedeuten Markſteine in der Wie uns der Deutsche Verkehrsbund mitteilt, hot die Reichs regierung beschlossen, daß für die Feier des diesjährigen Verfassungstages der Beschluß vom Jahre 1927 maßgebend ist. Nach diesem Beschluß der Reichsregierung wird am Verfassungstage in den Reichs und Staatsverwaltungen durchgängig Sonntagsdienst gehalten. V Für den Betriebsdienst der Reichsverwaltung wird die durch die Natur der Sache gebotene Sonderregelung von den Verwaltungschefs getroffen. Für den 3ollabfertigungsdienst ist bestimmt, daß er für den Betriebsdienst der Reichspost und Reichsbahn etwa getroffenen örtlichen Sonderregelung je nach dem Bedürfnis anzupassen ist; hierbei ist den Beamten, Angestellten und Arbeitern die zur Teilnahme an fassungsfeiern oder Festgottesdiensten Ver= den Zinkhütten beschäftigten Maurer und Zimmerleute be- Entwicklung des Arbeitsrechts. So ist zu nennen das Arbeitsgerichtsgonnen werden würde, ebenso in den Eisenhütten. Erhöhung der Löhne der belgischen Seeleute. Antwerpen, 3. August. Der Ausschuß der Antwerpener Seeleute hat ein Abkommen erwirkt, nach dem die Löhne der belgischen Seeleute um 15 Bro3. erhöht werden sollen mit Rückwirfung vom 1. Juli für diejenigen Leute, die an diesem Tage auf See waren. Das Abkommen sieht auch eine Erhöhung der Vergütungen für Heber stunden vor. gefeß, das Arbeitslosenversicherungsgefeß und einige fleinere Ber ordnungen. Das tollettive Arbeitsrecht unterscheidet sich von dem indivi die Rechte des einzelnen, sondern das Recht der Arbeiterklasse in der zur Anerkennung gebracht hat. Der Umschmung vom indiviSuellen zum follettiven Arbeitsrecht ergab sich zum erstenmal bei der Schaffung des Hilfsdienstgesetzes. Dem Hilfsdienstgesetz wurde von uns nicht aus dem Grunde zugestimmt, um den Krieg zu verlängern, fondern im die Gewerkschaften im Staat zur Anerkennung zu bringen. Weiter schält Genoffe Nörpel den Charakter der Vereinigungsfreiheit ftar heraus und stellt dabei fest, daß man zwischen der wirtschaftlichen und der allgemeinen Bereinigungsfreiheit zu unterscheiden hat. Die wirtschaftliche unterscheidet fich von den lichen Einschränkung unterliegt und einen zivilrechtlichen Schut gewährleistet. duellen, einstigen Arbeitsrecht dadurch, daß es nichter Gejebgebung forderliche Zeit freizugeben, soweit die dienstlichen Schwedischer Eisengrubenstreif vor dem Ende. allgemeinen Bereinigungsfreiheit dadurch, daß fie feiner strafrecht Berhältnisse es irgend gestatten. Lohnabzug oder Lohnfürzung tritt aus An= laß der Dienst befreiungen nach Absatz 1 und 2 nicht ein. Die Abgeltung des am Verfassungstag geleisteten Dienstes erfolgt in Ländern, in denen der Verfassungstag gefeßlicher Feiertag ist, nach den tariflichen Bestimmungen über Wochenfeiertoge, im übrigen nach den für Sonntagsarbeit geltenden Bestimmungen. Durch diesen Beschluß der Reichsregierung ist ganz klar zum Ausdruck gebracht, daß den in Staats- und Reichsbetrieben beschäftigten Arbeitern für die Teilnahme an der Verfassungsfeier keine Lohnabzüge erfolgen dürfen. Streif bei Woldemar Schmidt A.-G., Dresden. Die in den Abteihingen Branntmeinbrennerei, Likör und Essigfabrik beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Firma sind am Mittwoch, dem 1. August, wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. Die Firma weigerte sich, trog mehrmaliger Verhandlungen eine anderweitige Festlegung der bis 30. Juni 1928 geltenden Löhne mit der zuständigen Organisation zu vereinbaren. Ein Schiedsspruch, der die Arbeiterschaft zwingen sollte, bis zum 30. September zu den bisherigen Löhnen weiter zu arbeiten, mußte abgelehnt werden. Wir ersuchen alle Arbeitnehmer und Konsumenten, die Arbeiterschaft des genannten Betriebes in dem ihr aufgezwungenen Kampfe weitestgehend zu unterstützen. Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Ortsgruppe Dresden. Achtstundentag in Ostoberschlesien. Für die Bauarbeiter in Hüttenbetrieben. Kattowitz, 3. August. Die Forderungen der in den ostoberschlesischen Hütten beschäftigten Bauarbeiter und 3immerleute haben beim De mobilmachungsfommissar Anerkennung gefunden. Er hat den Vertretern der Arbeiterverbände zugesagt, daß bei den nächsten Lohntarifverhandlungen ihre Forderungen eingehend berücksichtigt werden sollen. Gleichzeitig wurde den Arbeitervertretern erflärt, Stockholm, 3. August.( TU.) Die Der ungeheure, verluftbringende Eisengrubenstreit, der auch für die deutsche Eisenindustrie unerfreulich ist, scheint sich dem Ende zu nähern. Viele Arbeiter wollen zur Arbeit zurückkehren. Der Lohnverlust seit Anfang Januar wird auf 13 Millionen Kronen berechnet. Der verminderte Eisenerzerport hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 46 Millionen Kronen gebracht. Viele Industrien, wie auch die Schiffahrt haben eine große Einbuße erlitten. inndikalistische Arbeitergruppe ist für die Beendigung des Ausftandes. Die Vermittlungskommission der Regierung hat die Bertreter der Arbeiter und Arbeitgeber zu einer Sigung nach Stockholm auf den 7. Auguft einberufen. Die Eisengrubenattien find infolge der optimistischeren Beurteilung der Lage um 10 Proz. gestiegen. Englische Eisenbahner gegen Lohnfürzung. London, 3. August. In London traten am Donnerstag die Vertreter von 33 Ber= einigungen der Eisenbahnwertstättenarbeiter zusammen, um sich mit der von den Eisenbahngesellschaften beabfichtigten Lohnkürzung von 2,5 Proz. zu befassen. Die Versamm lung beschloß, die Lohntürzung abzulehnen und wandte sich in einer sehr scharfen Erklärung gegen die Haltung der größeren Eisenbahnergewerkschaften, namentlich der technischen Angestellten, die sich von den Gesellschaften zu einem Druck auf die Arbeiter benußen ließen. Auf einer später gemeinsam abgehaltenen Besprechung der Werkstättenarbeiter mit den großen Eisenbahnergesellschaften und den Unternehmern unter Teilnahme des Abgeordneten Thomas wurde beschlossen, eine Einigung zu versuchen. Verhandlungen mit den Unternehmern führten dazu, die Aussprache über die Durchführung der von den Gesellschaften angeordneten Lohnherabjegung zu vertagen. Richtigstellung. In dem am 2. Auguft veröffentlichten Bericht über die„ Generalversammlung der Maschinisten und Heizer" ist ein Fehler unterlaufen. Es heißt dort unter anderem:„ Die durch schnittliche Lohnerhöhung betrug ungefähr 9 Proz. pro Stunde und für die Gesamtmitgliedschaft 9,72 m. pro Woche", während es richtig heißen muß: und für die Gesamtmitglied schaft 9720 m. pro Woche." Wir haben zwar fein Streifrecht, aber eine Streitfreiheit. Und auf der Basis der Vereinigungsfreiheit und Streiffreiheit beruhen alle Beziehungen zwischen dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Diese Beziehungen werden durch den Tarifvertrag geregelt. Im Tarifvertrag haben wir das Hauptbeispiel des follektiven Arbeitsrechts. Die wirksame Auswirkung des follettiven Arbeitsrechts beruht auf der Grundlage starter Gewerkschaften. Die heutigen Mängel des follettiven Arbeitsrechts liegen nicht an den Baragraphen, sondern daran, daß zwei Drittel der Arbeiterschaft indifferent ist. Aus den tariflichen Bindungen ergeben sich natürlich auch Schwierigkeiten. Man muß aber über das Wesen eines Vertrags im flaren sein, um diese Schwierigkeiten zu überwinden. Verträge werden abgeschlossen, um einen Interessenausgleich herbeizuführen. Nörpel beschäftigt sich dann mit der Frage des Tarifbruches. Abgeschlossene Verträge müssen auch eingehalten werden. llebergehend zur Frage des Schlichtungswesens bemerkt Nörpel: Wenn wir feine Berbindlichkeitserklärung hätten, würden die Verträge auch kein wesentlich anderes Gesicht zeigen. Die vorgesehene Regelung des Schutzes der Arbeitskraft im neuen Strafgesehbuch kann nicht befriedigen. Es ist Aufgabe der Gewerkschaften, für eine bessere Lösung zu sorgen. Nach einer kurzen Diskussion wurde der 3. Verhandlungstag geschlossen. Deutscher Bangewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Dienstag, 7. Auguft 18 Uhr, Mitgliederversammlung in den Residenz- Festsälen, Landsberger Str. 31, Das Ergebnis der Lohnverhandlung. Wir ersuchen alle Kollegen, zu erscheinen, - Die Fachgruppenleitung. da die Tagesordnung äußerst wichtig ist. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Polizeibeamten. Dienstag, den 7. August, um 20 Uhr, Sigung der Leitung im bekannten Lokal. Erscheinen ist Pflicht. Der Werbeausschuß. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Achtung, Mitwirkende am Jugendspiel in Beuthen am 12. August! ( Nordwestkreis) um 7 Uhr Bhf. Wedding. Vollstänger( Gruppe Weißen. Treffpunkte zur legten Probe am 5. August: Mitglieder der Singschar fee) um 74 Uhr Bhf. Weißensee. Boltstänzer( Südkreis) um 6½ Uhr Görliger Bahnhof. Eprechchormitglieder( Ostkreis) um 6½ Uhr Görlizer Bahnhof. Berantwortlich für Politit: Bietor, Schiff: Wirtschaft: G. Alingelhöfer; Gewertschaftsbewegung: Fr. Egtora; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales and Sonstiges: Frig Rarstäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Budibruderet Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und..Unterbaltuna und Wissen". Vermeiden Sie scharfe Waschmittel- die Gefahr ist zu gross... Waschen LUX Sie alles Feine und Zarte mit SEIFENFLOCKEN Sunlicht" Mannheim. XXXXXXXXXXXXXXXX LUX SEIFENFLOCKEN der Sunlicht Gesellschaft Aut Für Wolle und Seide Fur die feine Wasche. Ff. 365 ♦ 45. Jahrgang 2. Beisage des Vorwärts Sonnabend, 4. August 4925 Glanz und Elend auf den Wersten. Ltm das Schicksal der Tecktenborgwerst.— Die Nolle des Kinanzkapiials. An der bremischen Wasserkante ist der Kampf um die Still- lcgung der Tecklenborgwerft in Wesermünde jetzt in ein entscheidendes Stadium getreten. Di« Direktion des Deschimag- Konzerns(Deutsche Schiffs- und Maschinenbau-A.-G. Bremen) hat beschlossen, das ganze Werk zu verschrotten und Hai ein entsprechendes Inserat bereits in der„Wcser-Zeitung" veröffentlicht, das die gesamten Einrichtungen und Anlagen mi'r etwa IPW Maschinen zum Verkauf anbietet. Der Stillcgüngsantrag liegt bei der Regierung in Stade bereits vor, und in den nächsten Wochen wird die Entscheidung des Demobilmachungskommissars zu erwarten sein. Inzwischen sind die Vertreter der betroffenen Beleg- schaften nicht müßig gewesen. Delegiert« des Metallarbeiter- Verbandes und des Betriebsrates sind bei der preußischen Staats- regierung vorstellig geworden und erwarten von ihr, daß sie nichts unversucht läßt, um die Stillegung zu verhindern. Jnsbeson- dere fordern die Arbeitervertreter, daß die bestehenden Vorschrifren über die Stillegungsoerordnung auch von der Leitung des Deschimag- Konzerns eingehalten werden, und daß der Stadtverwaltung von Wefermünde Gelegenheit gegeben wird, in dem bevorstehenden Dcmobilmachungsverfahren die Wünsche der Bevölkerung vorzu- bringen. Die große vertrustuugsaklioa. Angesichts dieser Vorgänge und der Stillegung der seit 30 Iahren bestehenden Tecklenborgwerft lohnt es sich, die V e r t r u st u n g s- Politik in der Werftindustrie näher anzusehen. Im Dezember 192S nahm durch die Verschmelzung der Tecklenborgwerft und des Hain- burger.Vulkan"' mit der W efer w« rf t- A.- G. in Bremen der Vertruftungsprozeß zahlreicher Werften seinen Anfang. Der Manager dieser Ausdehnungspolitik war der Bremer Großbankicr Schröder, der einen Nordseewerfttrust mit dem Schwerpunkt in Bremen mrd beherrschendem Einfluß in Hamburg erstrebte. Diese Machtpolink Schröders, der übrigens in den Aufsichtsräten von nicht weniger als fünf ig Gesellschaften vertreten ist, wurde da- mals durch den Widerstand der Homburger Großwerftcn auf- gehalten. Um so erfolgreicher war jedoch sein« Politik in den Ost- seehäfen, wo es ihm im vorigen Jahre gelang, kurz hintereinander vier Werften, darunter den bekannten.Stettins? Vulkan", der Deutschen Schiffs- und Maschinenbau-A.-G., der Nachfolgerin der A.-G. Weser anzuschließen. Zur Begründung der Fusion mit der Stettiner Großwerst er- klärten im Dezember 1927 beide Verwaltungen, daß mit dem Zu- sammenschluß nur künftigen schlechten Zeiten vorgebeugt werden sollie und daß im Rahmen des Defchimog-Konzerns den erstklassigen Turbinen- und Maschinenbetrieben des„Stettiner Vulkan am ehesten gute Beschäftigung gesichert sei. Diese Begrün- dung wurde seinerzeit von der Direktion der Deschimag noch dahin ergänzt, daß die überlasteten Bremer Maschinenbetrieb« sofort ci�en Teil ihrer Aufträge nach Stettin abgeben sollten. Daher kam der im März dieses Jahres, also nur drei Monate später, gestellte Stilleguugsantrag der Deschimag für den.Stettiner Vulkan" höchst überraschend. Zugunsten der auf die Straße ge- worfenen Belegschaften machen sich noch heute die Stadt Stekein und der preußische Staat die größten Sorgen. Die Aushungerung von Tecklenborg. Jetzt soll die Belegschaft der Tecklenborgwerft dos Schicksal ihrer Stettiner Kameraden teilen. Die Direktion der Deschimag hat die Stillegung mit der Unwirtschaftlichreit des Betriebes und der zu- nehmenden Beschäftigungslosigkeit in der Werftindustrie überhaupt zu begründen versucht. Sie hat auch nicht versäumt, den„Zwangs- weisen" Achtstundentag, der die Konkurrenz mit dem Aus- land unmöglich mache, für ihr« Aktion verantwortlich zu machen. Zunächst ist der Hinweis auf den Achtstundentag zurück- zuweisen. Abgesehen davon, daß die �Tarifverträge der Werft- arbeite.' beweisen, daß auf deutschen Werften neun Stunden gearbeitet wird, wird die Deschiinag-Direktion nicht abstreiten können, daß in den englischen Schiffbaubetrieben de? Achtstundentag Allgemeingut ist. Aber auch die übrigen Erklärungen der Verwal- tung bezwecken nichts anderes, als der Oeffentlichkeit über die wahren Beweggründe Sand in die Augen zu streuen. Zu Beginn des Jahres hatte der Deschimag-Konzern Bauaufträge für 164 900 Tonnen Schiffsraum, das war rund«in Drittel Oes Auftragsbestandes sämtlicher deutscher Werften. Das Stamm- mUernehmen des Konzerns, die Weserwerft in Bremen, war mit Aufträgen so überlastet, daß sogar auswärtig« Arbeitskräfte von Wilhelmshaven, ja sogar von Schlesien lzer«ingestellt werden muhten. Dagegen erhielten die so stiefmütterlich behandelten Teck- lenborg-Betriebe nicht einmal die neuen Abdampfturbinen � in Arbeit, für die auf dieser Werft monatelang ein großer Technikerstab zu Versuchszwecken arbeitete. Skandalös und für die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Be- legscizaften in höchstem Maße erbitternd aber ist, was sich kürzlich bei der Vergebung eines G r oß a u ft ra g e s des Norddeutschen Lloyd abgespielt hat. Im Mai hatte der Norddeutsche Lloyd der Deschimag sechs Dampfer zu je 9S00 Tonn«n in Auftrag gegeben. Dabei war von dem Norddeutschen Lloyd zur Bedingung gemacht, daß zwei von diesen Danzpsern auf der Tecklenborgwerft ge- baut werden sollien. Ob die Deschimag-Verwaltung diese Forderung des Norddeutschen Lloyd direkt abgelehnt hat, ist nicht bekannt. Ebenso undurchsichtig aber ist da im das plötzliche Zurücktreten des Norddeutschen Lloyd von dem Auftrag, obwohl dieser bereits verbindlich ertellt war. Der Widerstand der Deschimag- Direktion gegen den Vertragsbruch d«s Norddeutschn Lloyd, der in- zwischen zwei Dampfer an B l o h m u. V o ß in Hamburg vergeben hatte, wurde durch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deschimag, den genannten Bankier Schröder, gebrochen. Preisdifferenzen können keine Rolle gespielt haben, denn wie der Betriebsrat des Deschimag- Konzerns mitteilt, hat der Norddeutsche Lloyd Blohm u. Voß in Hamburg pro Dampfer 100 000 M. mehr zugestanden. Diese Machenschaften bedürfen dringend der Aufklärung. Di« Frage ist, was hat den Großfinanzier Schröder bewogen, seinen Einfluß im Aufsichtsrat der Deschimag geltend zu machen, um den Norddeutschen Lloyd von den Bindungen des bereits abgeschlossene» Vertrages zu befreien? Vielleicht wird die Angelegenheit etwas klarer, wenn man weiß, daß Herr Schröder auch im A uf s i ch t s- rat des Norddeutschen Lloyd vertreten ist. Zweifellos ist diese Intercsienoerfilzung für den Lauf der Dinge ausschlaggebend gewesen. Es scheint so zu sein, daß der Deschimag-Konzern die sechs Dampfer zum Bau erhalten hätte, wenn er die Forderung des Nord- deutschen Lloyd, zwei Dampftr auf den Hellingen der Tecklenborg- werft zu bauen, erfüllt hätte. Die zweit« Frage ist also, was die Direktion der Deschimag veranlaßt hat, der Baubedingung des Nord- deutschen Lloyd nicht zu entsprechen? Sollte auf der Tecklenborg- werft nicht gebaut werden, um mit dem neuen Auftrag für Tecklen- borg die schon insgeheim beschlossen« Srillegung nicht zu erschweren? Geld schließt den Mund. Daß mit dem Verkauf und der Verschrothing der Tecklenborg. werft das Schicksal von 2000 Arbeitern mit ihren Familien, also von etwa 10 000 Menschen, für absehbare Zeit besiegelt ist, daß eine ganze Stadl wie Wesermünd«, deren Wohl und Wehe mit einem Groß- betrieb, wie Tecklenborg, aufs engste verknüpft ist, gleichfalls von der Stillegung schwer betroffen wird, kümmert den Finanzmann Schröder und die Dejchimag-Direktion offenbar nicht im geringsten. Den Direktoren, die eventuell auch von der Entlassung in Mitleiden- schaft gezogen werden, wird man durch hohe Abfindungen schon den Mund stopfen. In dieser Hinsicht braucht Herr Schröder nicht erst von der R e i H« r st i e g w c r f t in Homburg zu lernen, die trotz ihrer immer wieder betonten Nöllage im vergangenen Herbst zwei Direktoren Abfindungen von 2S0 000 und 400 000 M. zahlte, obwohl der«in« kaum«in Jahr im Dienst« der dlesellschast stand. Daß die auf die Straße gesetzten Arbeiter und Angestellten dabei umso schlechter behandelt wurden, verstand sich von selbst. Auch die Bremer Werftindustrie, die jahrelang mit Reichs- geldern gespeistt wurde, und jetzt wieder nach neuen Subventionen schielt, versteht es, großzügige Abfindungssummen zu zahlen. So hat Herr Fritz Tecklenborg, der sich noch der Fusion mit der Direktion der Deschimag überwarfen hacke, in seinem Aerger einiges ausgeplaudert. Die seinerzeitige Verschmelzung war, wie ein längerer Prozeß zeigte, nicht ganz hasenrein. Und um die nächstbeteiligten Herren an den führenden Stellen zu beruhigen, soll die Deschimag-Verwaltung drei fn'iheren Direktoren der Tecklenborgwerft Z00 000 M. und fünf Auf- sichtsräten 240 000 M. gezahlt haben. Diese Zusammenhänge müssen den beteiligten Regierungsstellen zum Anlaß dienen, den Erklärungen der Deschimag-Verewaltung mit änße.rster Vorsicht zu begegnen. Ausgabe de» Demobil. machungskommissars wird es sein, in die dunklen Zusammenhäng« des verlorenen Großaustrages des Norddeutschen Lloyd Licht zu bringen, da hierdurch erst die Stillegung der Werft spruchreif ge- worden ist. B— c. Lernen unsere Agrarier? „Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht ein Loblied auf das kteinbäuerliche genoffenschastliche Dänemark. „Ran an die Dauern", das ist pit neue Porole der Deutsch- nationalen. Allerdings soll es nicht mehr mit der Propaganda für „die gute, alte Zeit", mit der man das politische Ideal des Kaiser- hmis meinte, geschehen. Auch von der reinen Kornzollpolitik ist es etwas stiller geworden. So braucht man sich über ein dem klein- bäuerlichen und genossenschaftlichen, halb agrarsozialpolitischen Dänemark gewidmetes Loblied der„Deutschen Tageszeitung" nicht sonderlich mehr zu wundern. Was die„Deutsche Tageszeitung" sich aber schreiben laßt, ist«in vernichtendes Urteil über die großagrarische Politik der letzten Jahrzehute, die die Auswirkung der heutigen Agrarkrise für Deutschland so außerordentlich hart ge- macht hat. Es sei hierher gesetzt:. Dänemark habe die ungünstigsten natürlichen Ver- Hältnisse Europas.„Die Durchschnittstcmperatur ist um zwei Grad niedriger als in Deutschland, der Niederschlag ist kaum gleich. Der Boden ist selbst auf den Inseln nicht überall klcefähig und in Jütland schlechter als in armen Gegenden Deutschlands. Demgegenüber sind aber die Wirtschaften gut arrondiert. Die Dörfer sind nicht groß, die entfernten Grundstücke werden durch ausgebaute Einzelhöfc bewirtschastet. Das Landvolk hat es ver- mieden, im Erbfalle die Wirtschaften durch Realteilung kleiner und lebensunfähig zu machen. Ebenso ist es gesetzlich merboten, Bauernhöfe zu„legen", zusammenzulegen, schließlich verfügt die Landwirtschaft in Dänemark— weil man hier die Bewegung des Bodens zum besten Wirt nicht durch wirtschaftspolitische Maßnahmen gehindert Hot— Über eine gesunde Mischung der Betriebs- größen. Jost 50 proz. der Betriebe find selbständige, spannfähige Bauern, die fast neun Zehntel des Bodens bewirtschaften. Etwa 'A Proz. sind Großbetriebe, die neun Prozent des Bodens be- wirtschaften. Der Rest entfällt auf etwa 40 000 Zwergbaucrn(Hus- mands). Ferner find die Besitzvcrhältnisfe zu beachten: nur rund fünf Prozent des Bodens sind verpachtet." Nimmt die„Deutsche Tageszeitung" für Deutschland das ernst, was sie hier für Dänemark berichtet? In' Deutschland wurde die Latifundienpolitik gefördert, die Bewegung des Bodens zum besten Wirt wurde durch„wirtschastspolitische Maß- nahmen", durch systematischen bauernfeindlichen Schutz der exten- fiven Großbetriebe verhindert!— Die„Deutsche Tageszeitung" be- richtet weiter über Dänemark: „Diese Entwicklung hat aber, wie immer nur sein kann, in den Köpfen der Landleute begonnen. Dank des guten Verhältnisses, das immer in Däne- mark zwischen Agrarwissenschasten und Praxis be- standen hat, verbreiten sich auch die neuen Grundsätze rationeller Viehzucht und Milchwirtschaft, wie sie Fjord und Segelcke ersorscht hatte, überraschend schnell. Als nun die zunehmende überseeische Agrarkonkurrenz die dänische Landwirtschast zwang, ohne Schutzzoll vom Getreide- bau zur stärkeren Viehproduktion überzugehen, da kannten die aus den Hochschulen und fachlich durchgebildeten Bauern, besonders nach den Mißerfolgen der erste» Sammelmolkereien, daß sie nur auf genossenschaftlichem Wege sich behaupten könn- t e n. Der genossenschaftliche Zusammenschluß ermöglichte die Ver- breituna einer fortschrittlichen maschinellen Technik— d i e Typificrung(Vereinheitlichung) der Betriebsmittel— die Standardisierung der Produkte nach Form und Gehalt—- billige Deckung des ländlichen Bedarfs und günstigen Absatz der Qualitätsware, die unter allen diesen Umständen erreicht worden ist. Die bäuerliche Front im Verein mit der Fachwissen- schaft der Geist Grundtvigs und der Wille zur Genossen- j ch a s t haben Dänemark groß und stark gemacht." So viel Anerkennung für die dänische Agrarpolitik, so viel Faustschläge für die großagrarische der letzten Jahrzehnte in Deutschland. Der überseeischen Agrarkonkurrenz wurde in Deutschland nur mit dem Schutzzoll begegnet. Die Förderung der Bauernwirtschaft wurde dem Zufall überantwortet. Die deutsche Gcnossenschaftsbewegung ist eine Bauernbewegung, die sich trotz der großagrarischen Preisgabe des Bauerntums durchsetzte. Agrarwissenschaft und Praxis hätten in Deutschland in dem- selben guten Verhällnis stehen können wie in Dänemark. Aber Professor Sering, der«hemalige Schutzzüllner, wurde gesellschaftlich boykottiert, als er gegen den Schutzzoll austrat. Professor Areboe ist heute noch ein mißliebiger Ketzer. Die Revolution in den Köpfen hat bei den Großagrariern heute noch nicht be- gönnen. Typisierung der Betriebsmittel, Standardisierung der Agrar- Produkte fangen eben erst in Deutschland an, kein exotisches Märchen zu sein. Wohin die Fahrig„Deutsche Tageszeitung?" Die„Deut- sche Tageszeitung" wird un? leider die Antwort nicht geben. Sonst mühte sie sagen, daß die deutschen Großagrarier auch heute noch nicht daran denken, mit dem dänischen Beispi«! für Deutsch- land Ernst zu machen. Das bleibt eine Sache der Bauern und der Sozialdemokratie. Und das soll es auch bleiben, denn der Fortschritt der deutschen Landwirtschaft ist nur ge g e n dos Grgß- agraricrtum möglich, mag sich dieses heute auch auf noch so leisen Sohlen. wieder an die ihm davon laufenden deutschen Bauern heran- zumachen versuchen. Börse und Wirischast. Kampf gegen die amerikanische Börsenspekulation. Der Kampf der amerikanischen Bundesreservebanken gegen das Hineinpumpen von Geldern in die Börsen- spekulation ist trotz zweimaliger Diskonterhöhung noch nicht zu Ende. Darüber liegt folgende Meldung vor: Die New-Dorker Geld- und Börsenlage hat sich in den letzten Tagen stark zugespitzt. Di« amerikanischen Meldungen lassen erkennen, daß das Bundesreserveamt entschlossen ist, zu einem e n t» scheidenden Schlage gegen die Ueb«rhandnahme d«r Börsen- spekulation auszuholen. Die Notwendigkeit einer m ö g l i ch st baldigen Eindämmung der Spekulation wird auch von den meisten großen Banken New Ports anerkannt, über die zu ergreifenden Maßnahmen scheint man sich jedoch nicht einig zu sein. In Anbetracht der labilen Konjunkturlage und des im Herbst zu erwartenden großen Geldbedarfes der Wirtschaft wird man ver- stehen, daß eine erneute Herausjetzung des Diskontsatzes nicht un- geteilten Beifall finden würde, zumal der Erfolg einer solchen Maß- Pfefferminz-Erfrischiiiig durch Chlorodont Ein Urteil aus den Tropen, vom südlichsten Ende Afrikas:„Schon seit meiner Kinderzeit bin ich ein großer Freund Ihrer wunderbaren Zahnpaste und hatte immer herr'iche Zähne, die mein einziger Stolz waren. Leider mußte ich aber dieselbe seit meiner l'/z jährigen Tätigkeit in Süd- Afrika voll und ganz vermissen. Da ich leiden- schaftlidier Raucher bin, hatten meine Zähne kolossal gelitten. Vor ungefähr 14 Tagen aber fand ick nach langem vergeblichen Suchen und zu meinem größten Erstaunen, meine so lange vermißte Freundin Chlorodont-Zahnpaste am südlichsten Ende Afrikas wieder.— Heute nach I4tägigem Gebrauch sind meine Zähne wieder blendend weiß tmd ich fühle mich wieder frisch und wohl den ganzen Tag. Aus diesem Grunde möchte ick mir gestatten, Ihnen für Ihr erstklassiges Präparat meinen herzlidien Dank auszusprechen. Chlorodont ist bestimmt die beste Zahnpaste der Welt! Auck'alle meine Kollegen, die über den raschen Erfolg staunten, benützen heute nur noch Chlorodont, Ich werde dieselbe auch überall gern bestens empfehlen, wo ick Gelegenheit habe." Sea-Point/ Kapstadt(Süd-Afrika), den 19. März 1928. Josef Bendel. _(Origlnaibrief bei unserem Notar hinterlegt.)— Ueberzeugen Sie Sick zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube 1 Mk. Chlorodont-Zahnbürsten 1.25 Mk., für Kinder 70 PL Chlorodont-Mundwasser Flasche 1.25 Mk. Zu haben in allen Chlorodont- Verkaufsstellen. Man verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück. nahme nach dem, was man bisher gesehen hat, recht zweifelhaft er. I den Güterverkehr und mit 16,7 Millionen auf die sonstigen Ein-| mobilindustrie fännen von der schweren Arise 1925/26 ex scheinen muß. Man sucht daher nach anderen Mitteln, die sich in nahmen. Alle Einnahmezweige haben sich danach günstig entder Bekämpfung der Börsenspekulation wirksamer erweisen follen, widelt. ohne die einer Distenterhöhung anhaftenden Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes heraufzubeschwören. Alle befannt gewordenen Vorschläge lassen das Bestreben erkennen, eine Trennungsmauer zwischen der Spetulation, in diesem Falle also der Börse und der Wirtschaft zu errichten. Man mill die Börsenspekulation bekämpfen, ohne die Wirtschaft in Mitleidenfchaft zu ziehen. Günstige Reichsbankentwicklung. Notendeckung Ende Juli, die beste seit zwei Jahren. Der Ausweis der Reichsbank zum 31. Juli zeigt für das JuliEnde eine durchaus normale Beanspruchung der Reichsbankgelder durch Banten und Wirtschaft. Die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank in Wechseln und Lombarddarlehen hat sich um 477,7 auf 2689,1 Millionen Mark erhöht. Dabei sind die Wechselbe stände allein um 433,3 auf 2516,5 Millionen, der Bestand an Lombarddarlehen um 42,9 auf 76,9 Millionen Mark gestiegen. In Reichsschazwechseln hat die Reichsbank in der letzten Julimoche 1,5 millionen neu auf dem Martte aufgenommen, wodurch sich der Bestand auf 1,7 Millionen Mart wieder erhöhte. Ende Juni 27 Dez. 27 Noten und Schulden: Banknotenumlauf Rentenbankscheine Girneinlag. d. Wirtsch. 669 3815 1 017 4564 716 779 4 409 4 487 4 674 609 586 578 558-581 525 43 138 Kredite an die Wirtschaft: . 147 Die Ausgaben stiegen infolge des Mehraufwandes für Besoldung und Lohnerhöhungen und erfuhren eine Mehrbelastung durch die planmäßig gestiegenen Reparationszahlungen. Die Aus gaben betrugen im ersten Vierteljahr insgesamt 1 208 470 000 m., denen Einnahmen von insgesamt 1 190 157 000 2. gegenüberstehen. Für werbende Anlagen entstanden Ausgaben von zusammen 54,3 Millionen, die wie bisher aus bereitgestellten Krediten gededt wurden. Was wird mit dem Autotrust? Schapiros Verzicht auf Daimler.- Die Deutsche Bank hat das Wort. = fingen und wissen, daß die Amerikaner ihre großen Erfolge in erster Linie der Konzentration und Rationalisierung ihrer Betriebe zu verdanken haben. 3mar iſt die 3eripfittarumme ich fuffe deutschen Automobilindustrie durch eine Anzahl Zusammenschlüsse und freiwillige Betriebseinstellungen heute schon erheblich ge= mildert, denn die 86 Unternehmungen, die noch 1924 Perfanenwagen produzierten, sind auf 19 Betriebe zusammenge schmolzen und die Zahl der Typen ist in der gleichen Zeit von 146 auf 40 gejunten. Aber diese Fortschritte tönnen natürlich nicht ausreichen, um gegen die amerikanische Ronkurrenz. von der allein Ford und General Motors drei Millionen Wagen im Jahre herstellen, endgültig aufzufammen. Alle Zusammenfaffungen wären allerdings unnüz, wenn, wie bisher Kurs fpekulationen ausschlaggebend bleiben und das Kapitaf der neuen Gesellschaften zu hoch angesetzt wird. Hohe Fleischpreise. Nach den Preisberichten des Fachausschusses für Fleischverforgung lagen die Fleischpreise im Monat Juni d. I. nicht unerheblich höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Der aus dreizehn deutschen Großstädten errechnete durchschnittliche Kleinhandelspreis für ein Pfund Schweinefleisch betrug 1,27 m. gegen 1,22 m. im Vorjahr die Sentung im Winter ist also mehr M. als ausgeglichen, für gefrorenes Rindfleisch 0,72 gegen 0,69 m., und nur für frisches Rindfleisch lag der Preis mit 1,20 m. um 3 Pf. pro Pfund niedriger. Seit dem Juni haben sich die Fleischpreise aber noch weiter erhöht. Der zeitweise sehr heftig geführte Kampf um die Schaffung eines deutschen Autotrusts war in den letzten Wochen start abgeflaut. Diese auffällige Ruhe, die der Aufregung der Börsen. im Juni Platz gemacht hatte, war auf eine Berständigung der an der Gründung des Autotrufts interessierten Groß banten, der Deutschen, Dresdner und Darmstädter Bank, zurückzuführen, Deutschen, Dresdner und Darmstädter Bank, zurückzuführen, zwischen denen der einflußreiche Finanzmann Schapiro als Einzelgänger stand, Herr Schapiro, der die start entwickelte April Mai Juni Juli 28 Neckarsulmer Fahrzeugmerke A.-G. beherrscht und von ( in Millionen Mark) dem Schützling der Deutschen Bank, der Daimler- Benz 2.-. 4569 in Stuttgart, bis por furzem ein Aktienpalet von zehn Millionen 560 besaß, störte die natürliche Entwicklung der Dinge in starkem Maße. 542 Dieses Hindernis scheint jetzt aus dem Wege geräumt, denn Herr Schapiro foll dem Daimler- Benz- Konsortium, also der DeufEinheitliche Kraftwirtschaft in Schleswig- Holstein. In der Broschen und Dresdner Bank, den größten Teil seiner Aktien zum vinz Schleswig- Holstein haben die Städte Flensburg, Kiel und Rauf angeboten und damit seinen Einfluß bei Daimler- Benz selbst Neumüster mit dem Schleswig- Holsteinischen Elektrizitätsverband ausgeschaltet haben. Die Bedeutung dieses Schrittes liegt eine Betriebsgemeinschaft zur gemeinschaftlichen Bersorgung beDie liegt eine aur be darin, daß nunmehr der Weg für die beiden größten Autointeressen- schloffen. Die Strompreise sollen perbilligt werden. ten, die Deutsche Bank mit ihrem Besitz an Daimler- Benz- und Auch die Lösung der Ferngasfrage wird durch die öffentliche Bayrischen Motorwerke- Aktien und die Darmstädter Bank mit ihren Initiative in der Provinz in Angriff, genommen. Zwischen den Hansa- Lloyd- und NAG.- Intereffen, frei wäre. Allerdings ift maßgebenden städtischen Gaswerken laufen Berhandlungen, um von den größeren Gaswerfen aus die Bersorgung des flachen Lanes heute zweifelhaft, ob die Banken wirklich wollen, des zu betreiben. Schleswig- Holstein gibt damit ein Beispiel, das gilt wenigstens für die Deutsche Bank. wie die gesamte Kraftversorgung eines Gebietes durch Zusammenarbeit des Landes und der Städte unter Ausschluß unnötiger Eiferfüchteleien organisiert werden fann. 78 103 77 Lombardkredite Wechselkredite*** 2 495 3129 2493 2469 2477 2517 Notendeckung: durch Gold.** 1803 1865 2041 2041 2084 2 200 durch Devisen 67 282 168 274 250 durch Gold u. Devis. auf. 1870 2147 2209 2315 2 334 2384 Dedungsverhältnis: für Noten durch Gold und Devisen ( in Prozenten) 49,0 47,0 50,1 51,6 49,9 52,2 Immerhin erscheint der Wechselbestand mit rund 2517 Millionen Auch die Arbeiterschaft hat an der Zusammenfassung der deutschen Autoproduktion ein Interesse. Die Belegschaften der Autobu_ams3 WWW POR relativ hoch, da er noch um rund 40 Millionen über dem Bestande von Ende Juni, dem Halbjahrsschluffe, liegt. Das hängt aber nicht etwa mit einer starten Rapitalnachfrage im Monat Juli zu sammen, sondern mit der Tatsache, daß die Geldanforderungen zum Semesterschluß im Juli noch nicht voll abgedeckt worden sind. Aehnliches hat sich, wie unsere zweite Tabelle zeigt, schon im April d. J., im Oktober und Juli v. 3. gezeigt, was mit der besonders starken Anforderung von Reichsbankgeldern zum Quartals oder Semesterschluß zusammenhängt. Die Kundschaftsgelder auf dem Girokonto der Reichsbank zeigen die zum Monatsende regelmäßige Berringerung, und zwar um 126,8 auf 541,5 Millionen. 3m( bja Zusammenhang mit diesen Veränderungen hat sich der Umlauf des Papiergeldes insgesamt um 608,9 Millionen Mart erhöht. Der Umlauf an Reichsbantnoten ist um 581,8 auf 4569,3, derjenige an Rentenbantfcheinen um 27,1 auf 560,5 Millionen geftiegen. Die Gold. und Devisenbestände haben mit 2383,3 Millionen Mark eine Rekordziffer erreicht. Die Gold bestände sind in der letzten Juliwoche um den hohen Betrag von 50,85 millionen auf 2199,7 millionen vermehrt, die Bestände an 3u oder Abnahme( um Mill. M.) Juli Auguft September. Oktober. November-414-14 Ende der 2. Woche 3. Woche 4. Woche Bech- Lom Bech-| Lom. Bech| Lam fel barb fel bard fel bard -221-261) 99 7+ 477+ 125 81+ 45+ 52-91+224+ 42 -163+ 17-101-21+56942 -208+ 37 55-28-510-+ 118 -63-367-14 -15+367+59 -14+712+ 34 NOT Monat 1. Woche Bech Lom fel bard 1927 Juni. 8• 83-17 -117-75 " • -155-34 -163 -40 -142 -90%) 171+31+3 -221-10 52 100 O • Dezember 91-44 -122+ 16+146 493-55 -305+ 10 " Februar -129-68 -280+ 36 39 36+ 412+ 95 März 75 -66 -260+40 73 -60+ 724+ 54 April 51 9 -352-36 213 4+45767 Mai -213-64 2 " Juni. Juli. -231 -21 -173-111 1928 Januar. -253-10+ 295+ 68 KON LINON h Was sagt der Bär? JOSE TI JUNO -294+20+49-32 334 16 64-51+616111 -159-10433+ 43 -313-56 62+17 1) Diskonterhöhung auf 6%.) Desgl. auf 7%. deckungsfähigen Devisen um nur 10,30 auf 183,7 Millionen perringert worden. Die neue Auffüllung der Goldbestände erfolgte teilweise durch direkte Käufe von Gold in London gegen Hergabe von Devisen, teilweise durch inländische Goldkäufe der Reichsbant gegen Hergabe von Mart. Die Deckung der Noten durch Gold allein betrug 48,1 gegen 53,9 Proz. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen 52,2 gegen 58,8 Proz Diese Entwicklung der Reichsbank zum Juli- Ende ist kredit- und währungspolitisch als durchaus günstig anzusehen. An eine Distant erhöhung, die in bürgerlichen Blättern mehrfach distu tiert wurde, braucht die Reichsbank nicht zu denken. Wenn nicht ein neuer fühlbarer Aufschwung im Wirtschaftsleben eintritt, haben sich tendenzmäßig eher die Möglichkeiten für eine Diskontfenfung verstärkt. Seit Juli p. 3. hatten wir eine sehr starte wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, das Wirtschaftsniveau ist heute noch höher als vor einem Jahre. Dennoch hat der Papierumlauf der Reichsbank Noten und Rentenbankscheine zusammen gegen über Juli 1927 nur eine Bermehrung von 193 Millionen Mart erfahren. Gleichzeitig ist die Deckung des Notenumlaufs heute erheblich günstiger als damals, wobei noch zu beachten ist, daß die Summe der umlaufenden Rentenbankscheine sehr beträchtlich niedriger liegt. Seit Sommer 1926, einer ausgesprochenen Krisenzeit, per, zeichnet die Reichsbant gegenwärtig das günstigste Deckungspers hältnis für die von ihr ausgegebenen Noten. Bleibt die Stetig. teit im Abbau der bisherigen Hochtonjunktur in dem Sinne er. halten, daß die Reichsbant nicht stärker in Anspruch genommen wird als bisher, so fann und muß die Förderung der wirtschaftlichen Tätigkeit durch Erleichterung ber Krebit. bedingungen bas ernste Ziel der Reichsbant. politit bleiben. Die Finanzlage der Reichsbahn. Dem Reichstage ist ein Bericht über die Betriebsverhältnisse. Berkehrsleistungen und Geschäftsergebnisse der Reichsbahn im ersten Bierteljahr 1928 zugegangen. Gegenüber der Ge famteinnahme des ersten Bierteljahres 1927 mit 1127 638 000 m. ist die des gleichen Zeitabschnittes des Jahres 1928 um 62 519 000 m. gestiegen, 1928 brachte gegen 1927 also ein Mehr von 5,5 Pro3. Gegenüber dem ersten Vierteljahr 1926 beträgt die Steigerung ingar 24.4 Bra 3. Die Steigerung entfällt mit 15,1 Millionen auf den Bersonenverkehr, mit 30,7 millionen auf IA- 44 Vor Beendigung der Rundfahrt sei noch ein Wahrzeichen unserer Stadt genannt, das den Berliner in alle Stadtteile ständig begleitet: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette nt noded us Inobotoi 29.0 .tri-Unterhaltung unö AAssen Verriegelungen „Aarrensichere" E Das schwer« Unflliick»or lxin Münch«ner Hauptbahnhof mit seinem fast unbegreiflichen Verjagen des Signalwesens hat ein sehr unliebsomo, Aufsehen erregt und dürfte Anlas» geben, das gänzlich veraltete Signalsystem im Miinchener jianptbahnhos um- zugestalten. Daß ein solcher Versager gerade im Eisenbahnbetriebe möglich ist. der durch seine außerordentlich sorgfältige Durchbildung des Hignalwesciis den Begriff der Verriegelung in der Technik erst eingeführt und cine sehr weitgehende Ausbildung solcher Vorrich- tungen veranloht hat. ist eigentlich merkwürdig. An und jür sich darf bei der Eisenbahn für einen Streckenabschnitt, den sogenannten Block, das Einfahrtssignal erst dann gezogen werden, wenn das Ausfahrtssignal sich hinter einem ousfahrcnden Zuge geschlossen hat, damit nie gleichzeitig zwei Züge auf einem Block sein können. Um das zn erzwingen, sind Elnsahrt- und Aussahrtsignale miteinander verriegelt, d. h. es ist unmöglich, beide gleichzeitig aus freie Fahrt zu stellen. Das wird dadurch erreicht, daß im Stellwerk die Hebel," die beide Signale bedienen, so angeordnet sind und solche Vorsprünge oder Nasen tragen, daß sie sich gegenseitig in der Bewegung hindern und nur die zugelassene Bewegung überhaupt möglich ist. Der menschlichen Nachiässigteit und Unvollkommenheit ist damit die Mag- lichkeit genommen, Unheil anzurichten. Daß solch« Verriegelungen im Stellwerk de» Münchcncr Hauptbahnhoss noch fehlten, erscheint kaum glaublich» da sie sonst im Eisenbahnbetriebe durchgängig ein- geführt sind. Aber nicht nur im Eisenbohnsignalwesen. sondern in der ganzen Technik spielen Verriegelungen ähnlicher Art ein« große Rolle. Alle uieser« modernen technischen Anlagen sind derartig kompliziert, daß der einzelne zu leicht die Uebersicht verliert und, sei es aus Leicht- sertigkeit, sei es aus verzeihlichem Mangel an Ueberblict, irgendeinen Fehlgriff tun kann. DI« Kenntnis dieser Sicherheitsvorkehrungen ist noch weiüg verbreitet. Vor wenigen Jahren erschien im Feuilleton einer der größten deutschen Zeltungen eine Novell«, in der geschildert wurde, wie der oerliebt« Schalttaselwärter eines Elektrizitätswerkes in seinem Liebeskummer einen Schalthebel verkehrt herum einlegte und den Starkstrom in«ine Kolonne von Arbeitern jagt«, die draußen auf der Strecke arbeiteten. So etwas ist in Wirklichkeit unmöglich. Zunächst einmal sind alle Schalter in den Hochspannungsanlagen doppelt ausgeführt. Die Hauptschalter liegen unter Oel, und da man ihre Lage nicht unmittelbar erkennen kann, wenngleich st« Ein- stellmarken tragen, so hat man noch zur besonderen Sicherheit die sogenannten Trennschalter«ingesührt. Das sind einfach« Schaltmefser, die nicht unter Oel, sondern in der Luft liegen und daher deutlich gesehen werden können. Wenn an einer Leitung gearbeitet werden muß. so wird diese Stell« durch den Oelschalter ausgeschaltet, und dann werden die Trennschalter gezogen. Man sieht dann deutlich, daß die Leilung abgetrennt ist. Um sie wieder einzuschalten, bedarf es nicht eines, sondern mehrerer Handgriff«. Dazu kommt noch, daß vorschriftsmäßig eine Leitung, an der gearbeitet wird, kurzgeschlossen und mit der Erde verbunden wird, so daß es auch nichts schadet, wenn durch irgendwelchen Zufall Strom hineingerät. Der Kurzschluß hätte zur Folge, daß der automatische Schalter der Leitung sie unmittelbar wieder ausschaltet: also auch der verliebteste Schaltwärter könnte kein Unheil anrichten. Ein« weit««« Sicherung bietet auch noch die V«r- riegelung zwischen Oelschalter und Trennschalter. Mit dem Trenn- in der Technik. scholter kann man«ine solche Leitung nämlich nicht ausschalten, weil sich in der Luft ein riesiger Lichtbogen bildet und möglicherweise das ganze Schalthaus zerstören würde. Um auch«in versehentliches Ziehen des Trennschalter» bei eingeschalteter Leitung zu verhindern, ist er mit dem Oelsctzalter so verriegelt, daß er nur geöffnet werden kann, wenn der Oelschalter Zlmnchit geöffnet ist. Andererseits kann er imr dann wieder eingeschaltet werden, wenn der Oelschalter noch ästen ist, so daß die Leitung endgültig durch den Oelichalter wieder eingeschaltet werden muß. Das ist«in gutes und einfaches Beispiel für Verriegelungen. Aber auch in den Schaltanlagen selbst sind Verriegelungen üblich und in großem Maße eingeführt. Hierin gehen namentlich die Amerikaner sehr weit, die von jeder Anlage fordern, daß sie„k>ol- prool" sei,„narrensicher", daß also auch der Dünimste kein Unheil anrichten kann. Ein Unheil, wie es in elektrischen Schaltanlagen nicht ganz selten ist, besteht darin, daß jemand in die Hochspannungs- Schaltanloge mit einem seiner Gliedmaßen hineingerät. Um das zu verhindern, ist die Anlage nach dem Gang zu durch Gilter oder Türen abgeschlossen. Nun müssen sich solche Gitter und Türen aber ausschließen lassen, demc man hat doch auch einmal in der Anlage zu tun. Dazu soll sie aber erst spannungslo» gemacht, d. h. aus- geschaltet werden. Ob das immer geschieht, kann man füglich de- zweifeln, da gerade diejenigen Leute, die am meiste» mit der Gefahr zu wn habe», am Icichisertigsten damit umgehen. Deshalb werden in»eueren amerikanischen Schaltanlagen die Schlüssel zu diesen Türen in einem besonderen Schränkchen aiisbcwahrt, das mit der Schaltanlage derartig verriegelt ist, daß es Überhaupt nur geöffnet werden kann, wenn die Scholter offen find, also ausgeschaltet sind. In geschlossener SckMerstellung liegt vor der Schranktür einfach eine mit dem Scholter verbundene aber isolierte Stange, die die Tür zuhält. Nun könnt« man ja die Schlüssel gar nicht wieder in das Schränkchen tun und so die Verriegelung umgehen. Auch dagegen ist«in« Sicherung vorhanden. Die Schlüssel werden nämlich nicht aufgehängt, sondern eingesteckt und herumgedreht. Erst wenn sie herumgedreht sind, läßt sich die Tür des Schränkchens wieder schließen und damit auch die Hochspannungsscholter. So ist es»ach mensch- lichem Ermessen verhindert, daß jemand in Gefahr kommt. Auch auf anderen Gebieten der Technik findet man ähnlich? Ver- riegelnngen. Zahlreiche Maschinen, die dem Bedienenden Gefahr bringen, sind mit Schutzvorrichtungen verschen, die aber von den Arbeitern, die sie an der Arbeit hindern, sehr gerne entsernt werden. Deshalb sind diese Schutzvorrichtungen häufig mit dem Antrieb der Maschine derartig verriegelt, daß«» nicht möglich ist, sie in Ganz zu setzen, ehe nicht die Schutzvorrichtung an ihren, richtigen Platz« ist. Gleicher Art ist die Verriegelung, die jeder von den Personen- aufzügen her kennt. Solange nicht all« Türen geschlossen sind, können sie nicht anfahren, was einfach dadurch erreicht wird, daß jede Tür beim Einschnappen einen Kontakt schließt und der Strom für den Fohrstuhlmotor über sämtlich« Kontakte fliehen muß. Im allge« meinen haben sich derartige Verriegelungen vorzüglich bewährt und überall eingesnhrt. Ihnen steht in der Technik noch ein weites An- wendungsgebiet offen, je komplizierter und schwerer zu übersehen die Einrichtungen werden. Dipl.-Jng. Dr. A. H a m m. Kätchen. Vo« Fritz Müller(Partenkirchen). (Schluß.) Herr Piesack, der Ingenieur au» Böhmen, mar erstaunt, daß Kätchen nun doch auf einmal olle Tänze mit ihm tanzte, die er früher immer vergeblich von ihr erbeten hatte. „lind siehst du, Kätchen. sagte die Tante Mino,„dieser Herr Piesack ist eine ganz vartresslich« Partie sür dich. Gewiß, er ist nicht schön. Aber Schönheit tut es nicht allein. Dos weiht du selbst recht gut. Auch der alte Hufeland hat da irgend etwas gesagt über die Schönheit ich kann mich nur nicht gleich darauf besinnen-- nun, gleichviel, Kätchen, Herr Piesack ist der rechte Mann sür dich- Ein vorzügliches Gehalt Hot er, pensionsberechtigt ist er auch. Und weißt du, was noch ein Vorzug von ihm ist? Er gibt nichts aus äußerliche Dinge. Siehst du, so soll ein Mann sein. Aus den Kern kommt es an. auf den Kern, Kätchen. Huscland sagt auch, daß../ Der Ingenieur gab wirklich nichts auf äußerliche Dinge. Denn es war ihm auf Tante Minas Vorschlag durchaus recht gewesen, daß keine„Geschichten" gemacht würden bei der 5)ochzeit, Geschichten, die nur viel Geld kosten und keinen inneren Wert haben. Es war ihm ganz recht gewesen, daß eine Hochzeitsreise unterblieb.„Solche 5)och- zeitsreise ist glatte Firlesanzcrei," hotte Tante Mino gesogt. Es mar ihm ganz recht, daß sie in die Wohnung gegenüber von Tqnte Mino zogen. Und das war wirklich sehr vernünftig. Denn dieses Haus gegenüber gehörte ja auch Tante Mino, und gerade diese Wohnung hatte sie schon seit einem Vierteljahr nicht vermieten können. Da traf sich dies« Hochzeit ganz vortresflich. Und auch da- mit war der Ingenieur Piesack einverstanden, daß die Hochzeit am Dreißigsten stattiand. Denn von jetzt ab mußt« doch die Tonte Mino ein Mädchen hoben an Stelle Kätchen»— das ging nun nicht anders, nicht wahr?— und dieses Mädchen trat am Ersten ein. So machte sich alles ganz von selbst und ohne Störung. Ohne Störung verlief auch die ganze Hochzeit. Tante Mino sagte, Kätchen würde sich's nicht nehme» lassen, auch das Hochzeits- mahl gleich nach der Trauimg am frühen Morgen selbst zu bereiten. Es ging alles wie am Schnürchen. So ein Brautkleid, so ein«in- solches, ist im Hui wieder ausgezogen und durch dos Hauskleid er, fegt. Und wie die Rechnungsrätin an der Tür läutete— Tante Mipa hält» außer der Rechnungsrätin niemand einzeladen, weil sie außer ihr keine wirkliche Freundin hatte am Orte, sagte sie— also wie die Rechnungsrätin läutete, da schlüpfte Kätchen wieder in das Brautgewalch. Und auch das ließ sich Kätchen nicht nehmen, hatte Tante Mma gesagt, selbst da» Essen auszutragen, als der Herr Ingenieur Piesack mit seinem Freund erschienen war. Dieser Freund war«in wenig unbeholfen, das ist richtig. Aber da- hä.te er doch'gesagt, da» ihm das Esten ausgezeichnet schmeckt«. Und auch die Rechnungsrätin hatte genickt dazu. Und der Ingenieur Piesack hätte deshalb beinahe seiner jungen Frau einen Kuß gegeben, weil sie so gut kochen konnte. Aber er hatte sich noch im rechten Augenblick daraus be- sonnen, daß er aus solche äußeren Dinge gar nichts gebe. Und dann war da» Mahl vorüber. Di- Rechnungsrätin und der Freund von dem Herrn Ingenieur Piesack waren gegangen. Da sagt« der Her« Piesack„So, Kätchen» so— nun könnten wir hinüljergahen." Aber da ist der T-rä.« Mino noch etwas eingefallen:„Weißt du. Kätchen," sagte sie,„wenn dein Mann nicht» dagegen hat, dann könntest du noch ein bißchen aufräumen mit dem Geschirr— du weißt ja, das Mädchen kommt erst morgen." Und der Herr Ingenieur Piesack hak.e wirklich nichts dagegen. agen seststellen, daß elf besetzte Nester vernichtet worden sind. Ziemlich groß ist die Zahl der Störche, die überhaupt keine Nachkommen hinterlassen, weil sie nicht brüten. Die Zahl der»ichtbrütenden Störche ist jedoch in den einzelne» Jahren wieder sehr verschieden. Sie schwankt in dem beobachteten Zeitraum von achtzehn Iahren zwischen 11 und b9 Proz. Hagen führt da» stark« Nichtbrüten zum Teil auf die kaltfeuchte Frühjahrszeit der vergangenen Jahr« zurück, die es den Störchen unmöglich machte, Lurche, die Hauptnahnliig, in gcuügenden Men- gen aufzufinden. Zur Abnahme der Störche tragen auch di« er- höhten Gefahren aus der Wanderung bei. So stud e« verschiedene sollcen Landleute wenigstens so„«rstättdig sein, die Störche nicht sollten Landsleut« ivenigstens so oerständig sein, die Störche nicht durch Abreißen der Rester zu veotreiben. A. M. Meisterspringer Im Tierreich. Unter den Säugetieren gibt es solche, die gl« Weit- wie auch gl» Hochspringer ganz Lor.zügliche» leisten. Zn diesen Rekordspringern gehören z. B. die in Südwest- afrika«inyelmischen, zu den Antilope» gehörenden Springböcke, die bei der Flucht Sprünge von 3 bis 8 Meter mähen, sowie die Anti- lope Annnodprcas clarkei, an der Wissmann, als sie auf schnellster Flucht dahinsagte, Sprünge von 10 Meter Länge beobachtet«. Bei den Springböcken herrscht zudem der Brauch, daß oft die ganzen Herden gleichzeitig die fast zwei Meter hohen Einzäunungen der Straußensarmeg überspringen, wo« ein sehr eigenartiger Anblick sein soll. Sprünge bis zu 6 Meter Länge hat man auch beim Puma. dem amerikanischen Silberlöwen, beobachtet, während Jaguar und Panther 8 Meter weit springen und groß« Löwen es sogar bis auf 10 Meter weite Sprünge bringen. Der beste Springer unter den Säugetieren dürfte aber das Känguruth sein, dessen Sprünge eine Läng« b'» zu 11 Meier umfassen können, ein« Leistungsiähigkeit, die da» Känguruh auch als Sieger aus einem vor einiger Zeit in Australien veranstalteten Wettrennen mit einem der besten Renn- pseede de, Landes heevorgehen ließ. Auch als Hohspringer such manche Säugetiere sehr leistungsiähig. vor allem das Pi-rd. dessen Sprunglrast durch Uebung bis über 2% Meter Höhe gesteigert wer- den kann. Al» ausgezeichneter Roturhochspringer sind jedoch in erster Lim« wwd-r di« Löwen und der Springbock zu nennen, di« z Mater hoch sypmgan, und d Funkwinkel.z Er Anzahl von Berufen von vornherein für ble Fraw witht in Brage Vorträge, Vereine und Versammlungen. tommt wegen der törperlichen Anstrengungen, die sie erfordern. Nach diesen Ausführungen erscheint die absolute Gleichstellung der Geschlechter als eine schöne Sage. Aber eins darf man nicht vergessen, und dieses Moment betont auch Martha Bode: der Man hat andere spezifische Betätigungsfelder als die Frau, dadurch ist aber Zwei Vorträge von sozialem Charafter. Stadtrat Dr. Roeder noch nicht der Beweis für seine absolute Ueberlegenheit erbracht. Das Abendprogramm bot wirklich gute Unterhaltungsmusik, die behandelt das wichtige Thema der Kindermassenspeisung. das Berliner Funforchester unter Bruno Seidler- Wintler appelliert zuerst an den sozialen Sinn der Hörer, führt ihnen das Elend der Kleinen vor, die weder etwas gegessen noch getrunken vollendet spielte. Als Solistin erfreute die bewährte Marianne AlferDas Vorbild für die mann mit ihrem angenehmen gepflegten Sopran und äußerst ge= haben, wenn sie in die Schule formen. Massenspeisung der Kinder lieferten in der Nachkriegszeit kurz nachschmackvollem Vortrag. Der Berliner Funtchor hatte allerhand Mühe, Friedensse luß die englischen und amerifanijchen Quäter. Und im großen und ganzen baut sich auch das moderne Hilfswerk auf diese Liebestätigkeit auf. Statistische Zahlen ergänzen die Ausführungen. Martha Bede beginnt den Zyklus Die Frau im öffentlichen the Leben" mit einer Untersuchung über die Berufsschichtung der deutfchen Frauen. Sie gibt hier nicht reines Material zahlenmäßig geordnet, sondern sie geht vielmehr von der physiologischen Ver= schiedenheit der Geschlechter aus und deutef einleitend an, daß eine eine wirksame Folie zu bilden, was ihm auch nicht rechtlos gelang. Aber daran mag vielleicht der Sommer schuld fein. Alles in allem F. S. bot das Abendprogramm, wie gesagt, gute Leistung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Nach Bewölkungszunahme, später nach Niederschlägen im ganzen etwas wärmer. Für Deutschland: Im äußersten Süden teilweise heiter und warm, im Norden neue Eintrübung, westwärts fortschreitende Niederschläge, ein wenig wärmer. 1 Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianftr. 37/38, Sot 2 Tr Autofahrt Frankfurt a. M.: Teilnehmer treffen sich Montag, den 6. August, 20 Uhr, zu wichtiger Besprechung bei Trümper, Flens burger Str. 3. Sonnabend, 4. Auguft. Mitte: Nachrichtenzug 20 Uhr Sigung bei Gramsch, Brunnenstr. 4. Charlototenburg: Radfahrer zur Verfassungs feier, Propagandafahrt, 19 Uhr, Edenpalast. Sonntag, 5. Auguft. Friedrichs. hain: 14 Uhr Pflichtantreten Weißenfeer Weg, Ede Hohenschönhausener Straße. Beteiligung anderer Ortsvereine erwünscht. Ab 15 Uhr Sportfest im Stadion Weißensee. Kreuzberg, Nachrichtenzug: Start 64 Uhr Fontanepromenade nach Zepernick, Mitte, Jungbanner: Aufmarsch Potsdam( Wanderkleidung). Antreten 8 Uhr Potsd. Hauptbhf. Roften 1 M. Neukölln- Brig: Pflichtautofahrt nach Teapiz. Abfahrt mit Fahnen 7½ Uhr Boddinplag. 4. Rameradschaft: 8 Uhr Buschkrug. Montag, 6. Auguft. Friedrichshain: 19% Uhr Versamm lung in den Comenius- Sälen, Memeler Straße. Delegiertenwahl. Kreuzberg, Bug 8: Versammlung um 20 Uhr bei Siedentopf, Mustauer Str. 35. Steglig ( Orisverein): Funktionärsigung um 20 Uhr bei Schulz, Birkbuschstr. 90. Bor. 20 Uhr Sigung der Funktionäre bei Werner, Wilhelmstr. 3. Benthen- Neu- Schulzendorf: Sonntag, 5. August, 11 Uhr, Fahrt mit Auto zum Republikanischen Tag in Teupig. Treffpunkt für Neu- Schulzendorf Brücken-, Ede Parkstraße, 10 Uhr. Für Zeuthen Forstweg an der Schranke 11 Uhr. Alle Kameraden mit Damen sind eingeladen. flände, Sug- und Gruppenführer. Sietenberg, Kamerabſchaft Guſtav Tempel: Ortsverein 95 1 Damen- Hemd wine gute Qualität...... 95P 1 Mädchen- Nachthemd 95, schön ausgest., Grösse 1-3 1 Frottierhandtuch schwere Jacquardqualität oder 1 Spielhöschen Spielkittel, versch. Waschst. gute Stickereien Ausführung, Coupons von 24, 3 u. 4 m, Coupon durchweg 1 Damen- Krawatte Crêpe de Chine, reine Seide, in modernen Tupf n. 95. 95P 95P 95P 2 Paar Damen- Strümple mer Herren- Socken 95 PL oder gemust. 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