BERLIN mi One As Sonnabend, 4. Auguft 1928 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. P Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 366 B 181 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfvaltige Nonpareillezeife 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Doftfchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Kraneinsturz in Reinickendorf. Zwei Arbeiter tödlich verunglückt. Ermeler- Haus wird Museum. Bei der Eisenkonstruktionsfirma Hein, Lehmann u. Co. Att.- Gef. in der Flottenstraße 21-23 zu Reinidendorf- Oft ereignete sich heute früh ein furchtbares Kranunglüd, bei dem zwei Arbeiter auf der Stelle getötet wurden. Der Unfall trug sich kurz nach Arbeitsbeginn um 7,15 Uhr in der Abteilung I für Brückenbau zu. Eine Kolonne von mehreren Arbeitern war damit beschäftigt, einen großen Kran, der auf Schienen steht, zu menden. Jnmitten der Arbeiten verfagte plötzlich die Bremse und der Kran schlug in einer halben Drehung mit ungeheurer Schnelligkeit herum. Der Unfall spielte sich so überraschend ab, daß es zwei Arbeitern nicht mehr gelang, redyt zeitig zur Seite zu springen. Sie wurden von dem Kran getroffen und schmer verletzt. Die Verunglückten, der 66ährige Ferdinand Krüger aus der Amendestraße 10 in Reinidendorf und der 46jährige Franz Wollit aus der Prvinzstraße 107 in Reinickendorf stürzten mit zerschmettertem Schädel zu Boden. Bon allen Seiten eilten sofort Arbeitskollegen und BetriebsSanitäter an die Unfallstelle, Gleichzeitig wurde der Arzt der nächsten Rettungsstelle alarmiert. Den Berunglückten fonnte jedoch feine Hilfe mehr gebracht werden. Der Tod war bereits eingetreten, noch bevor der Arzt die Unglücksstätte erreichte. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in das Sch a uhaus gebracht. Eine polizeiliche Untersuchung ist so= fort eingeleitet morden. Wieder ein Raketenwagen explodiert. Raf IV in die Luft geflogen. Die Experimente mit den Raketenwagen stellen sich noch als sehr gewagt heraus. Nach den ersten Fahrten des Rafetenwagens auf der Burgwedel- Celler Eisenbahnstrede, die mit der Bernichtung des Wagens endete, unternahm Frik von Opel jeht einen neuen Versuch. Die Eisenbahndirektion Hannover hat die gleiche Bahnlinie zur Verfügung gestellt. Die Fahrten fanden diesmal unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Nur einige Fachleute, einige Wissenschaftler und Vertreter der Preise waren geladen. Für die Ausführung der Fahrten wurden die frühen Morgenstunden des Sonnabend gewählt. Etwa 600 Meter nach dem Start sprang der Wagen aus dem Gleise. Eine der eingesetzten Rafeten war trepiert, das Ratetenrohr gebrochen. Als infolgedessen Kurzschluß entstand, entzündeten sich jämtliche Rateten auf einmal, flogen heraus und warfen den Wagen von den Schienen. Da die Absperrungsmaßnahmen ffreng durchgeführt waren, fam niemand zu Schaden. Von dem anfangs beabsichtigten Start des Rat V wurde Abstand genommen. Katastrophe über Spezia. Die italienische Stadt soll das Opfer einer Pulverexplosion feln Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache ist in der Nacht zum Sonnabend in der Umgebung von Spezia eine Pulverfabrik in die Luft ge flogen. Man befürchtet, daß zahlreiche Men schen ums Leben gekommen sind. Einzelheiten fehlen noch. Später wurde berichtet, daß durch die Explosion der Pulverfabrik die Stadt Spezia in Brand geraten ist. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich wegen der gewaltigen Ausdehnung des Feuers sehr schwierig. Alle Telephonverbin dungen mit Spezia, Livorno und Umgebung sind unterbrochen. Streit der Schiedsrichter. Beisitzer gegen Präses. Der türkische Vertreter beim türkisch- rumänischen Schiedsgericht beschuldigt in einem offenen Brief den neutralen Vorsitzenden des Gerichts, Baron Nordenskjöld, er habe den gemeinsam festgesetzten Tegt eines Urteils nachträglich eigen mächtig ab= geändert. Einige Zeitungen bezeichnen Nordenskjölds Borgehen als Fälschung. Nordenskjöld hat die Türkei bereits verlassen. = • Straßenfront. Hofseite. Das Ermeler Haus in der Breiten Straße 11, das| standgesetzt und dann zu einem Sondermuseum für Alt Berliner einzige vollständig erhaltene Berliner Patrizierhaus aus der Wohnungskultur in Anlehnung an das Märkische Museum ausBlütezeit des friderizianischen Stils, soll jetzt gründlich in gestaltet werden. Achtung! Sprenger an der Arbeit! Eine fommunistische Aktion in den Berufsschulen. Die Kommunistische Partei und die Kommunistische Jugend haben immer vereint versucht, die Veranstaltungen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu stören. Auch die Angriffe auf die Arbeiterjugend und einzelne Parteiabteilungen am Nie- wieder- Krieg- Tage in Ber lin waren organisiert und wurden von führenden Mitgliedern der tommunistischen Agitprop- Zentrale( 3entrale für Agitation und Propaganda) überwacht. Die Radauhelden sind bisher nicht auf ihre Kosten gekommen, teilweise haben sie sogar eine derbe Tracht Brügel bezogen, die ihre Begeisterung wesentlich abgekühlt hat. Dafür versucht man jetzt, in den Schulen zu frafehlen und hofft wahrscheinlich, hier die reichlich vertrockneten Lorbeeren wieder aufzufrischen. Zunächst ist für den 11. August, dem Verfaffungstage, die Störung der in den Berufsschulen veranstalteten Berfaffungsfeiern geplant. Der Junge Bolschewit", das Funktionärorgan der Kommunistisden Jugend, beschäftigt sich in seiner neuesten Nummer mit der Berufsschultampagne der Kommunistischen Jugend zum 11. August und schreibt wörtlich: Es gilt am 11. August, den republikanischen Be hörden und der Sozialdemokratischen Partei den nötigen Dentzettel zu verabreichen...... Sämtliche Verfassungsfeiern( in den Berufsschulen! D. Red.) müssen durch das Auftreten unferer Genoffen vollständig geftört werden, in K.- J.- Kleidung, in der Bundeskleidung des Roten Frontkämpferbundes, mit Sowjetfternen und roten Blumen werden unsere Genoffen die Berfaffangsfeiern auffuchen.... Außer den Diskussionen mit den Schülern und den Zwischenrufen während der Ansprachen der reaktionären Lehrer, foll an Stelle des Deutschlandliedes die Internationale ertönen Wir wissen, die der Kommunistischen Jugend angehörenden Berufsschüler werden der Parole ihrer Zentrale bereitwilligst Folge leisten. Man wird ihnen nur zum geringsten Teil einen Vorwurf machen können. An allen Zwischenfällen tragen die verantwortungslosen Drahtzieher in der kommunistischen Zentrale die Hauptschuld, die sich nicht scheuen, Jugendliche als Achtgroschenjungen zu mißbrauchen und die auch den traurigen Mut aufbringen, Berufsschüler, also taum den Kinderschuhen entwachsene Menschen, in eine politische Aktion zu jagen, die nur disziplinarische Folgen haben kann. Dabei ist charakteristisch, daß der für den Jungen Bolschewit" verantwortliche Schriftleiter die Berantwortung scheut und sich schamhaft hinter dem Namen eines Abgeordneten verbirgt, den seine Immunität vor einer Strafverfolgung schützt. Arbeiterjugend in Dortmund. Hitzewelle in Italien und Amerika. Brandkatastrophe in Ostpreußen. Berichte im Innern des Blattes. Arbeiterjugend in Dortmund. Austakt zur Tagung in der Westfalenhalle. Der Abschied von Berlin war ein guter Ansang: Der brüderlich« Gelst, durch den die arbeitende Zugend mit der erwachsenden Arbeiterschaft verbunden ist. kam zum leiden- schastlichen Ausdruck. Diele hunderte Zugcndlich« und Partei- genossen gaben den Dorlmund-Aohrern, die am Freitag abend vom Lehrter v ahnhos aus in Zwei Sonderzügen die Reise zum Land der roten Erde antraten, da» Geleit. Aus den Sammelplätzen der einzelnen Bezirke formierten sich teilweise endlos lange Züge, die— umsäumt von Fackelträgern— mit ivchenden roten Fahnen und Wimpeln, klingendem Spiel und dem Gesang alter Kampflieder durch die Stadl marschierten. Besonder, eindrucksvoll war die kurze, aber von großer herz- l'chkeit erfüllte Abschiedssei«, die die Bezirke Prenzlauer Berg. Witte und Pankow unter freiem Himmel auf dem Wörther Platz veranstaltet holten. Geführt von einem Tambourkorps der Arbeilerzugend, marschierte der über 2000 Personen 'ählende Zug zum Lehrter Bahnhof, auf dessen Vorplatz sich ein großartiges Bild bot. Unter dem flaggenden Tuch un- zähliger roler Fahnen stand im Fackelschein da» bunte Heer der Dortmnnd-Fahrer. Llttterwegs... Der erste Zug fuhr um 22 Uhr, der zweite eine Stunde später. Ein letztes Händeschütteln, letzte Glückwünsche der Zurückblcrbenden. Brausende„Frei-Heil"-Rufe— der Zug setzte sich in Bewegung. Endloses Winken— dann ist der Zug aus der Halle— die Nacht trennt die in brüderlicher Kameradschaft Verbundenen. In wenigen Minuten ist Spandau erreicht. Die Lichtarme des Funkturmes von Witzlcben runden am Firmament— letzte Mietskasernen tauchen auf — dann braust der Zug durch die Nacht. Lange dauert es. eh« sich die Erregung des Abschieds legt. Man ruft sich von Fenster zu Fenster— die Züge haben kein« Durchgongswagen— Gutc-Nacht- Grüße zu. Auf den Bänken(«s ist reichlich Platz im Zuge), auf dem Boden in Decken gehüllt und in den Gepäcknetzen liegen die Schläfer. Viele aber wachen die ganze Nacht hindurch: Plaudern und Singen hält sie wach. In Stendal erster Aufenthalt. Alles ist in fröhlicher Stimmung. Plötzlich ein Sprechchor:„Lieber Max, wir gratulieren!" Es ist eben 12 Uhr durch und ein junger Genosse feiert — fahrplanmäßig— seinen 20. Geburtstag, lherrlich die vom Mondschein erleuchtete Landschaft, an der der Zug vorüberrast. Unmerk- lich verrinnen die Stunden. Noch einmal Rast in Hannover— großes Hallo, brausende„Frei-Heil"-R»f« aus tausend Kehlen in der Bahnhofshalle morgens gegen 3 Uhr— der zweite Zug hat den ersten «ingeholt! Winken, Rufen und euer Abschied.— Westfalen naht. Der Morgen dämmert, Wälder, Aeckcr und Weiden. Ueber den Koppeln dampft der Morgenebel. Da— der erste Schacht: ein Förderturm— eine Zeche, viele Schlote. Unter uns liegt die Kohle — wir sind im Land der roten Erde! Die Ankunft. Alles ist wach, Kopf neben Kopf an den Fenstern. Rots Fahnen flottern zu beiden Seiten des Zuges. Erste Arbeitergruppen winken auf dem Woge zur Zeche. Mielskasernen tauchen auf. Grauer Häuserblock. Dann der Flughasen von Dortmund— ein Jubel- ruf geht durch den Zug. als er in Dortmund einläuft. Die Häuser sind mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen. Girlanden und Transparenten reich geschmückt. Männer, Frauen und Kinder an den Fenstern winken— freudestrahlend— die ersten Grüße und tausend Münder singen das Lied„Dem Morgenrot entgegen", als der Zug in den Hauptbahnhof einläuft. Reicher Flaggenschmuck empfängt die Ankommenden auch in der Innenstadt. Die rotweißen Fahnen der Stadt Dortmund und viel« schwarzrot» goldene Flaggen wehen von hohen, von Tannengrün um- rankten Masten, vor dem Bahnhof. Auch viele Geschäftshäuser prangen in schwarzrotgoldenem Flaggenschmuck. Dw Straßenbahnen fahren ebenfalls mit schwarzrotgoldenen Wimpeln. Die Stadt der roten Erde grüßt die rote Jugend. * Immer neue Züge treffen ein. Ausallen Gauen Deutsch- l a n d s kommt die arbeitende Jugend. Um 11 Uhr werden die Dele- gierten der Ortsvereinc sich zur Begrüßungsfeier in der Westfalen» hall« versammeln, in der um 8 Uhr abends die große Eröffnunzs- feier der Zehntauscnde stattfinden wird. Indessen ziehen immer neue Scharen durch die Straßen der Stadt, deren Arbeiterschaft eine herzliche Gastfreundschaft erweift. Der fünfte Arbeiterjugendtag verspricht eine macht- volle und glänzende Veranstaltung zu werden. Deutschnationales Dreigestirn. Lambachs„unwürdige Handlungsweise". Der Kampf um den deutfchnationalen Gewcrkschafts- fführer Lambach entbrennt immer heftiger. Jetzt vcr- öffentlicht der deutfchnaitonale„Schnelldienst" einen An» sriff gegen Lambach, der so scharf ist, daß sich sein Ver» sasser nicht offen hervorwagt, sondern sich unter drei Sternchen verbirgt. Es heißt darin: Die aufrichtigen Bedenken in der Partei gegen den Ausschluß Lambachs beruhen auf der Ueberlegung, daß mit dem Ausscheiden Lambachs w«ite A r b e i t n c h m« r k r e i s e der Dcutschnationalen Volkspartei den Rücken kehren könnten. Die Böswilligen behaupten sogar, daß die Gegner Lambachs weniger diesen treffen, als einen Schlag gegen die Arbsitnehmerfchaft überhaupt führen wollten. Eine solche Behauptung ist mehr als durchsichtig. Sie verfolgt den Zweck, die Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch innerhalb der Dcutschnationalen Volkspartei zu entflammen. Die Deutschnationale Volkspartei aber ist eine Volks parte! im wahrsten Sinne des Wortes, d. h., sie umfaßt olle Bcrufsständ« des deutschen Volkes. Da nun die Arbeitnehmerschast zahlenmäßig die stärkste Schicht bildet, war die Partei seit ihrem Best«hen stolz darauf, eine möglichst große Zahl von Wählern und Gewählten aus d«n Kreisen der Arbeiter und An» gestellten In ihren Reihen zu sehen.(!) Will die Partei Bestand haben, so darf sie auch in Zukunft von diesem Grund- satz nicht abweichen. Die Deutschnationale Volkspartei ist aber dar- über hinaus auch ein« Gesinnungspartei. Der nationale Gedanke, das christlichsoziale Empfinden und der Kaisergedanke bilden die Grundzüge ihre» Wesens. Unter diesem Dreigestirn haben sich viele Millionen deutscher Männer und Frauen aus allen Bcvölkerungskreisen zur Pflege ihrer vater- ländischen Ideale zusammengefunden. Das Kennzeichen einer Ge- finnungspartei aber ist es, daß alle ihre Mitglieder den Dienst am V a t e r l a n d e ihren persönlichen Interessen unterordnen. Wenn die Standesvertreter aber sich unter Beiseiteschieben der Parteiideale die Hand reichen zur Durchsetzung ihrer ausschließlichen Bcrufsintereffen, werden die Gesinnungsgemeinschosken gesprengt. die vordem aus höherer Ebene zur Wahrung vaterländischer Ideale eingegangen waren. Eine Pattei, die einen derartigen Vorstoß hinnimmt, gräbt sich selbst ihr Grab. Das und nichts anderes ist der Kernpunkt im Falle Lambach. Herr Lambach hat ohne jede Rücfficht- nähme auf die Grundsätze seiner Partei und ohne jede Fühlungnahme mit dem Parteivorstand, der ihm den zweiten Platz auf der Reichsliste eingeräumt hatte, die Brandfackel in die Zelte der Deutschnotionalen geschleudert. Schon seit Iahren sind innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei Kräfte am Werke, welche die Partei aus ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft gegenüber dem heute herrschenden Parlamentarismus herausdränge» «ollen. Mit welchem Erfolge diese Bestrebungen hier verlaufen sind, zeigt der zweimalig« Eintritt der Deutschnotionalen in die Reichsregierung, der jedesmal mit einem Mißerfolg für die Partei endete, ohne daß damit für das große Ganze eine entscheidende Wendung zum Guten erreicht worden wäre.... Durch da» Ausscheiden d«s Herrn Lambach wird die Partei vielleicht vorübergehend eine zahlenmäßige Schwächung erfahren, in Wirklichkeit aber gefestigter da- stehen als zuvor. Nur durch den Ausschluß des Herrn Lambach wird die Deutschnationale Partei ihren Charakter als Gesinnung-- Partei bewahren können." Das ist ein recht kräftiges Maschinengewehrfeuer von seiten der „Alten Garde der deutschnationalen Partei gegen den zweiten Spitzenkandidaten ihrer eigenen Reichsliste. Di- Spaltung dieser „Heerpartei" i» die Klassenfronten sinkt immer tiefer. » ! Dresden. 4. August. ! Der Angestelltenausschuß des Wahlkreises Oftfochfen der Deutschnationalen Volkspartei hat einstimmig ine folgende Cnt- schließung angenommen:„Die Angestellten des Wahlkreis«, Ost- sachsen der Deutschnatioimlen Volkspartei empfinden den Ausschluß Lambachs als eine gegen die Arbeitnehmerfeit« der Partei gerichtete K a m p f m a ß n a h m e. Die Gegner Lambachs haben schon so oft in� ihrer Presse ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der von der Partei getriebenen Sozialpolitik Ausdrnck gegeben, daß der Mantel, den sie heute ihrem Vorgehen gegen Lambach um- hangen, außerordentlich fadenscheinig ist. Die Partei wird durch den Ausschluß Lambachs ihres Charakters einer Volkspartei entkleidet un>d zu einer Klassenpartei erniedrigt. Vom Parteigericht, bei dem die endgültige Entscheidung jetzt liegt, er- «arten die Angestellten den Widerruf des vom Landesverband Potsdam gefällten Ansfchlußbefchlusses." Oas deuifche Mädchen. Sie Olympia-Siegerin und die Neichsfarben. ...... wieder braust Jubel auf, denn es ist ein schönes Bild, diese ollimpischc Siegerin, die Verkörperung von Kraft und Schönheit, das deutsche Mädchen!" So feiert der deutschnationale „Tag" in seiner heutigen Ausgabe das Fräulein Helene Mayer aus Offenbach, die den Preis iin Florettsechtcn davongetragen hat. Leider hat aber„das deutsche Mädchen" eine Dummheit begangen. Darüber lesen wir im„Berliner Tageblatt" das folgende: „Die Siegerin Helene Mayer erscheint auf ihrer Tribüne. schwarzrotgoldene Fahnen winken ihr überall entgegen, ober plötzlich hört das Winken auf. Große Unruhe unter den Deutschen. »zelene Waycr, die deutsche Fechtmeisterin au» Ossenbach, winkt ihren Landsleulcn mit einer schmarzweißrolen Fahne zu. Und plötzlich ist die Begeisterung verflogen. Die Amerikaner, Kanad:«r und Südafrikaner, die daneben sitzen, blicken sich staunend um. Sie verstehen nicht. Niemand im Stadion versteht, wie dos möglich ist. Manche behaupten, daß die schwarweißrote Fahne ein« kleine schwarzrotgoldene Gösch geiragen habe, aber sicher ist das nicht. Ein trauriges Bild, wie die deutsche Fechtsiegerin, für die da oben am großen Mast die schwarzrotgoldene Föhne au'- sieht, ihre Landesfarb: verleugnet. Vor den Nationen der Welt, >m Amsterdamer Stadion, eine traurige Demonstration." Es scheint jedoch, als ob an dieser Mißachtung der deutschen Reichsfarbcn ganz andere Kreise schuld sind. Denn ebenfalls im '„Tag wird berichtet:„Zrgend jemand hinter ihr gibt ihr eine Fahne in die Hand, und sie schwenkt sie grüßend, dankend....." Das „deutsche Mädchen' aus Ossenbach ist noch sehr jung, und wahr- scheinlich versteht sie vom Fechten sehr viel, von der Politik dagegen gar nichts. Um so schlimmer wäre es, wenn dieses Persönchen ohne ihr Zutun von gewissen nationalistischen Elementen zu einer Dcmon- jtration gegen ihr Vaterland mißbraucht worden s«in sollte. Auf Reisen. Ra gugae mal da, wenn der Zeddel da o'm nicht wär, denn dädste weeß gnebbcheu denken, es wär e„Häusjen"! Gieine reden... Aber nicht so, wie man will! Ein„Marinebundestag" in Potsdam, der im Zeichen zahl- reicher, von der„Deutschen Zeitung" gestifteter schwarzweih- roter Fähnchen tagt«, machte gewaltig Propaganda für den Bau von Panzerkreuzern und für die Rückgab« der Kolonien an Deutschland. Der Hauptredner schloß mit den Worten: „Lassen Sie sich von den Steinen in Potsdam aus der deutschen Geschichte erzählen, daß nur Sparsamkeit und Fleiß das deutsche Volk wieder in der Well voranbringen kann. Zu den„Steinen von Potsdam" gehört wohl auch das R e u e Palais, das Friedrich II. unmittelbar nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges mit unerhörtem Aufwand erbauen ließ und dessen Baukosten weit die Summen überstiegen, die der König für den Wiederausbau der durch den Krieg verwüsteten Pro- vinzen zur Verfügung stellte. Noch mehr aber dürfte die Herren vom„Marincbundestag" die geschichtliche Tatsache interessieren, daß die in Potsdam residierenden ersten Preußcnkönig« die von ihrem Vorgänger, dem„Großen" Kurfürsten gegründete Flotte ver- fallen ließen und die von ihm erworbene Kolonie an der afrikanischen Goldküste aufgaben— ans Sparsamkeitsgründen! Nachricht von den Ozeanfliegern. Zuleht Freitag früh gesichtet. Ueber den verbleib der polnischen Flieger, die am Freitag zum Ozconslug Paris— New Jork starteten, liegt bis jetzt ketne Nachricht vor. Zuletzt wurden sie am Freitag früh 8 Uhr 10 Winuten von einem Dampscr etwa 60 Weilen südöstllch von Lorient gesichtet. Den Küstenslationcn selbst war wegen des dichten Nebels eine Beobachtung unmöglich. Das Flugzeug„War- schall" pilsudski" hat keine Funkanlage an Bord. Wie die„Chikago Tribüne" aus New Port meldet, werden in Amerika alle Vorbereitungen zum Empfang der pol- nischen Ozeanfliegcr, deren Eintressen bei einem glücklichen Gelingen des Unternehmens für Sonnabend nacht zu erwarten wäre, getroffen. Die Flugplätze an der Küste haben Anweisung erhalten, Scheinwerfersignale auszusenden. Wie die F u n k st a t i o n V a l e n c i a mitteilt, fing der englische Dampfer„Port Hunter"«inen Funkspruch des Dampfers„Azree" auf, wonach ein Doppeldecker heute früh um 2,40 Uhr Greenwichcr Zeit auf 44 Grad 22 Minuten nördlicher Breiie und 2 t Grad 8 Mi- nuten westlicher Länge gesichtet wurde. Die Motoren des Flug- zeuges, das bald darauf außer Sicht kam, schienen gut zu arbeiten. Weitere Suche nach Amundsen. Die Marinebehörden veröffentlichen eine längere Mitteilung, in der über die mit Hilfe von Schissen und Flugzeugen unternommenen Nachforschungen nach dem Flieger G i l b a u t s und dem Forscher Amundsen Bericht erstattet wird. Diese Nachforschungen sollen so lange sortgesetzt werden, wie es die Eis- und Witterungsvcrhölt- nisse gestatten. Das Polarschiff„Pourquoi Pas" fei nach Grönland unterwegs, um dort gemeinsam mit einer von der nor- wegischen und der"französischen Regierung unterstützten Expedition, die mit Hundeschlitten und Motorbooten Grönland absuchen soll, vorzugehen. Der Kreuzer„Strasbourg" und der Dampfer„Q u e n t i n R o o s c v e l t" werden die Bahrens- See absuchen. Schwere Brandkatastrophe in Ostpreußen. Ein Mädchen und ein Kind lebendig verbrannt. w e h l a u. 4. August. Heule nacht brach in einem zweistöckigen hause«in Feuer au», das ja schnell um slch griff, daß die Einwohner nicht einmal ihr nacktes Leben retten konnten. Ein 2Z jähriges Mädchen und ein dreijähriges Sind sind verbrannt und drei weitere Personen hoben so schwere Brandwunden erlitten, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Darunter befindet sich eine vor zwei Tagen cnibun- dcne Frau. Zwei weitere Personen sprangen mit schweren Brandwunden aus dem zweiten Stock aus das Straßenpflaster: mit schweren Verletzungen wurden sie nach dem Krankenhaus gebrocht. Ein kleines Kind wurde ebenfalls aus dem brennenden hause aus das Pflaster geworfen. Die freiwilligen Feuerwehren der Um- gegend waren zur Stelle. Die Brandursachc ist noch unbekannt. Die wahren Schuldigen. Oer Einheitsverband zum Dinkelscherbener Lluglück. München, 4. August.(Eigenbericht.) Der Einheitsverband der Eisenbahner, Bezirk Südbayern, nimmt nunmehr auch zu dem Dinkelscherbener Unglück Stellung, und kommt auch in diesem Falle zu dem Ergebnis, daß die Schuld in erster Linie bei der Reichsbahnverwaliung zu suchen sei. Noch an Ort und Stelle habe die Reichsbahn dem Hilssweichen- wärrer Hübler den Vorwurf gemacht, er habe den Unfall dadurch oerschuldet, daß er die richtig auf Gleis 3 stehende Weiche im letzten Augenblick in der Aufregung umgestellt habe. Es wurde erklärt, solange die Weiche auf Gleis 4 stehe, kann die Einfahrt auf Gleis 3 nicht gegeben werden. Das bestritt nun Hübler auf das Entschie- denste. Sofort vorgenommene Versuche bestätigten auch die Ansicht der Reichsbahn, bis der untersuchende Richter" Hübler aufforderte. nun selbst die Bewegungen auszuführen. Das geschah. Die Weiche stand aus Gleis 4, Hüblcr nahm den Hebel zum Einfahrtsignal. der sich ohne weiteres umstellen ließ und damit das Signal Ein- fahrt auf Gleis 3 gab. Als sich dies abspiellc, waren die Reichs» bahnbeamtcn sprachlos. Nur der Richter bemerkte:„Da haben wir ja jetzt das� Signal auf Freifahrt". Bei vier weiteren Versuchen ließ sich das Signal nicht ziehen, beim fünslen Male zeigte sich der Fehler wieder..Hübler war. als er das Gleis frei meldete, der Ueberzeugung, die Weiche sei schon wieder aus Gleis 3 umgestellt. Die Darlegung des Einheilsvcrbandes besaßt sich dann noch mit der völligen Unübersichllichkeit der Weicheuanlage vom Stell- werkshäuschcn aus und appelliert zum Schluß an das Personal, nicht die Ruhe und die Nerven zu verlieren. Vom Generaldirektor Dorpmüller fordert er. daß er in dem kommenden ünlersuchunzs» ausschuß auch Vertreter der Eijenbahnerorganijotion beizictzc. Heidelberger Festspiele 1926. »Ein Sommernachtsiraum". Härtung har vor zwei Jahren zum ersten Male Shakespeares „Sommernachtstraum" inszeniert, in eben dem Hof des Heidelberger Schlosses, in dem er ihn nun, als letzte Premiere der Aufsührungs. reihe der Festspiels, zum zweiten Male wiederholt. Er hat schon damals mit selten glücklicher Hand Regie geführt und mit vielem Glück die Atmosphäre des wunderbarsten Traumspiels getroffen. Härtung? Inszenierung ist vollkommen. Ist er als Bewegung-- regiffeur sonst abhängig vom Gefüge des Satzes, des Dialogs, des Verses, also der sprachlichen Form, exaki, knapp, präzis: hier ist er weit, locker, luftig, wie es dos Werk braucht. Er läßt es fliegen, fliehen, wehen, verfliegen, verflichen, verwehen: alles bleibt los«, doch verbunden ungepreht, doch ineinandergefügt. Diese Inszenierung ist raumrecht. Was die Weite und Fülle dieses Schlotzhofes an Möglichkeiten bietet, ist weif« genützt, ahne ausgequetscht oder übertrieben zu werden. Härtung fand dos Motz für diesen Raum. Ueberall geschieht etwas und doch herrscht nie- mo.ls Druck oder llcberfülle. Hier spielen Baum und Wiese, Treppe und Gebäude, Hind und Himmel willig und von selbst mit, dem Zauber des Märchens unterliegend und sich fügend, lebendig unter Elfen und Kobolden, die glaubhaft sind in solchem Raum, wie nur ein Märchen glaubhaft ist. Der beste Helfer ist Ernst Krenek. Die Mustk, die er ge- schrieben hat, schrieb er als Musiker, der die Bedürfnisse des Theaters kennt, sie zu erfüllen und ihnen sich zu unterwerfen ge- willt ist. Er legt sich Beschränkung auf, er illustriert, er begleitet, er drängt sich nicht vor. Die Inszenierung ist so gut, doh sie viele schauspielerische Mängel vergessen lätzt. Der Oberon sieht diesmal aus. als wäre der zweite Kaiser Joseph vom Sockel gestiegen: Luis Rainer ist sein eigenes Denkmal: trocken, unlebendig, belanglos. Puck ist Elisabeth Lennartz: die begabt« Schauspielerin leistet Außer- Illustrierte Zitate. I. Oer Mohr hat seine Schuwigkeit getan... (Schiller, Verschwörung de« Kiesko.) ordentliches. Sie kämpft gegen viele Schatten, und ohne zum Der- gleich zu neigen, läßt sich nicht übersehen: sie reicht nicht au», sie vermag dem Puck keinen besonderen Klang und keinen überpersö»- lich-n Reiz zu geben. Di« Leistung bleibt die einer Schülerin erster Klasse, doch die einer Schülerin. Leontine S a g a n ist diesnial blaß, wie die Schwestern S o l v« g und Steina. Karl E b e r t ist mehr dick als breit geworden, das Gesicht zu rund: dann ist noch die Schauspielerin Maria Czamska da. Das ist ein kleiner Kerl, nicht ohne Putzigkeit, nicht ohne Charme, mit manchen Möglichkeiten komischer Begabung und manchen Ungezogenheiten mangeln- der Konzentration und ganz leicht wienerischer Färbung ihrer Sprach«. pr. A. v. Sallicr-Masoch. Das Duch der Zurückgewiesenen. Bierzehn amerikanisch« Schriftsteller, denen e» nie gelungen war, ihre Produkte bei einigen Verlagen anzubringen, haben sich zusammengetan und ein Buch herausgegeben. Jeder der Autoren mußte den Beweis dasür führen, daß die von ihm gelieferte Ge- schichte von mindestens zehn Verlagen oder Redaktionen zurück- gewiesen worden war. Das Buch trägt den einfachen Titel„Short Stories". Die Idee erwies sich als genial, denn das Buch wird zur Zeit in Amerika gekauft wie kein zweites, und alle Zeitungen reißen sich jetzt um die Mitarbeit der vierzehn„Erfolglosen". Zur Einführung unbekannter Schriftsteller Man ist in Frankreich auf eine eigenartige Idee gekommen, deren Nachahmung im deutschen Verlagswesen zu erwägen wäre. E» werden drei Werk« in einem gemeinsamen Schutzkarton heraus- gegeben, von denen eines von einem ollgemein bekannten Autor, das zweite von einem bereits eingeführten, aber noch nicht berühmt ge- wordenen Autor stammt, während das dritte von einem in der Oeffentlichkeit noch unbekannten Verfasser ist. Als erste dieser Publikationen, von denen monatlich zwei herausgebracht werden sollen, wurden Werke von Paul Bourget, Marcel Boulcnger und dem Neuling Alain Sordac gewählt. leipziger Vuchgewcrbeausstelluvg tS«. Zur Feier de« 500. ikcburlj- taaeS der Suchdruckerkunst bcabsichti«» Leipzig im Jahre lStO wiederum eine.Bugra" hu veranstalten, wie sie tm Jahre ZS14 durch den Krieg«- ausbrach vorzettig abgebrochen werden muhte. Die Einundzwanzigjährigen. Eine Erinnerung und ein Bekenntnis. Wir waren damals 21 Jahre. Für meine'Altersgenossen war der Krieg kein Problem. Sie berauschten sich an ihm bis zur Be- finnung-lasigkeit. Kritik, Zweifel, Prüfung war ihnen fremd. Sic hatten den Rausch der Begeisterung, die schön, aber gefährlich ist. Es ist unsagbar schwer für den Einuirdzwanzigjährigen, sich von seiner Generation getrennt zu fühlen. Diese Jugend damals war e in Lied, e i n Schrill, c i n Schrei. ein Gesicht. Ich sah sie zur Masse werden, singend und geschmückt hinausziehen in einer ungeheuren Bewegung wie zu einem Fest, wie zu einer Verbrüderung. Eine Atmosphäre glühender Massensuggestion. Rausch �einer Menschlzeit, die froh war, einen Anlaß zu haben, über sich hinouszu- wachsen. Ruhige Aeberlegung wirkte in dieser tust wie Hochverrat. Nicht mitsingen mochte verdächtig. Zivilist sein war von Uebcl. Und gar der Individualist war wie ausgezählt, von dem Mahlstrom der Begeisterung an die Wand gedrückt. Ich empfand nur dunkel den unerträglichen Druck, nicht so hemmungslos fühlen zu können wie die anderen. Man Hot mit ein- undzwanzig Iahren nicht die Kraft, abseits zu stehen, kritisch zu bleiben und sich zu bewahren, wenn eine ganze Generation das Gegenteil tut. Es vollzog sich an mir, ohne daß es mir bewußt wurde, die Verwandlung in ein Mossen-Partikclchcn. Zwar fühlte ich eine dumpfe Beklemmung, daß das alles kein gutes Ende nehmen werde. Aber diese Beklemmung, die ein Schatten der Ahnung ist, durste man um Gotteswillcn niemanden zeigen. Man mußt« sie wie einen häßlichen Makel verstecken, mehr noch, man mußte sie aus- tilgen. Man mußt« sein Herz an diese Hochspannung okklimati- sieren, sonst ging man zugrunde. Man wäre wahnsinnig geworden, hätte man erkannt, daß diese herrliche jung« Menschheit singend ihr Harakiri beging. Es war ein Akt der Selbstbehauptung, sich der Massenstimmung hinzugeben. Zeiten, die aus den Fugen sind, schaffen solch« im Grund« tief verderbte Zustände: die Hingabe an die Mafsenbewegung ist ein Exzeß des Egoismus, in den man sich flüchtet, weil man die Beranlwortvvg und die klare Bewußtheit de» Alleinstehens mit feinem Gewiffen nicht ertragen konnte. Dieses Alleinftehen, das wie Egoismus aussähe, wäre in Wahrheit die viel schwieriger«, selbstloser« Haltung gewesen. Ganz unklar fühlt« ich das alles. Man verschanzte sich hinter der Größe des Augenblicks, hinter der Notwendigkeit, die nichts mit Recht oder Unrecht zu schaffen hat. Nicht denken, nur mitmachen. Ucteilslos fein war damals für mich eine Rettung. Sich nicht wider diese Atmosphäre stemmen, die den zerquetschte, der ihrem Druck nicht gefügig war. Um mich zu betäuben, marschierte ich mit und brüllte:„Der Soldate, der Soldate, ist der schönst« Mann im Staate." Und was man damals so sang. Es war das Begräbnis des selbständigen, urteilsfähigen, seinem Gewissen verantwortlichen Menschen. Die Lawine der Masse ritz es mit. Mensch sein, hieß, Außenseiter sein. Außenseiter sein, hieß, den Strom der Begeisterung mit einem fragenden Bück an sich vorüberziehen lassen. Ich versuchte, um mich zu erleichtern, solche Ge- danken zu Papier zu bringen. Die Wochenschrist„Der März"»er- öffcntlichte sie in den ersten Augustwochen: Reflexionen eines Außen- seiters. Schmähbriefe, Pfuirufe waren die Folge. Es war unstatthaft, Individuelles zu äußern und zu denken. Da ließ ich es fein. Mit einundzwanzig Iahren hat man wohl die Kraft, in der Gemeinschaft der anderen zu töten und sich töten zu lassen, aber nicht die Kraft, als einzelner für seine Idee einzu- stehen. Eine Last wich von mir, ich stand nicht mehr abseits an die Wand gedrückt, sondern schwamm mit dem feldgrauen Strom. Ich konnte wenigstens atmen. Was tut man nicht alles, um atmen zu können. Ueber ein Jahr duckte ich mich unter dem Massenwahn. Dann stand ich wider ihn auf, getrieben von der unerträglichen Scham, unter dem Schuh der Phrase uud Lüge zu leben, indes die Zeit in Blut und Dreck versank. Ich glaub«, die heutige Generation der Einundzwanzigjährigen sieht anders aus. Es wird schwer sein, mit ihr einen Krieg zu! führen. Sie wird kaum zu haben sein für diese tragische Verschwendung eines großen Gefühls an einen hasienswerten Gegenstand. Sie wird sich einen kühlen Kopf bewahren, den sich die Alten künst» lich erhitzen(weil sie ihn ja nicht zu riskieren brauchen). Sie wird nicht so schwach sein, wie ich und viele meiner Generation damals waren. Sie wird sich begeistern können, aber für keinen Krieg, sondern für strengste Gewissensprüfung, für Verantwortung, für die Verbundenheit aller Einzelwesen, für die heilige V-rnunst und das heilige Recht, Hans d' a t 0 n e lt. Von Bühne und Film. Das süße Geheimnis. Theater des Westens. Dieser Schwank, den der Schauspieler Eugen Burg gemein- sam mit Louis T a u f st e i n verfaßte, enthält«ine Fülle unmög. lichcr Situationen. Er existiert überhaupt nur dadurch, daß sich niemand ausspricht und alles in Andeutungen abgewickelt wird, woraus sich Mißverständnisse schlimmster Art ergeben. Burg arbeitet nicht gerade mit zarten Mitteln, in jedem Satz bringt er eine knallend« Pointe unter, irgendeinen Witz, und mag er nach so ehr- würdig sein. Aber er verfügt über«ine brillante Bühnenroutrne, er weiß, wie diese Geschichte von dem Maler Binder, den drei Leutchen für ihr uneheliches Kind halten, aufzuziehen ist. Schein- bar bleibt die alte Schwanktcchnik der Schönthan und Kadelburz, mit der auch Burg arbeitet, die beste. Di« Musik für ein paar Kuplets schrieb Kurt Z 0 r l i g. Sie ist sonst und nicht weiter anspruchsvoll. Man hat sie immer schon einmal gehört. Die Darstellung unter der Regie des Verfassers Hot Tempo. Es gibt keine leeren Pausen auf der Bühne, alles wirbelt durchein- ander. Auf schauspielerische Details legt man dagegen keinen Wert, es bleibt beim altbewährten Schema. Lilly F l 0 h r übertreibt bs- reiis ihre Queckfilbrigkeit, während Paul Hcidemann, schar- mnnt und liebenswürdig, mit erstaunten Augen in die Welt blickt wie immer.— t. „Vom Täier fehlt jede Spur." Ufa-palafi am Zoo. Start der ewigen faden Liebesgeschichten, mit denen die»er- flössen« Filmsaison endete und die neue ebenso wieder einsetzte, end- lich einmal etwas Handfestes:«ine Kriminalgcschichte. Das In- teresie des Zuschauers wird geschickt geweckt. Er nimmt an den Vorgängen lebhaften Anteil und läßt sich von der Spannung mit fortreißen. Sehr hübsch setzt der Film«in mit einer nur etwas zu breit geratenen Milieuschilderung, die uns einen Lunapark mit seinen mannigfachen Sensationen lebendig vorführt. Es gibt da sogar Dinge, die ntan im Lunapark noch nicht hat. Der Direktor des Betriebes wird nachts tot ousgesunden. Wer ist der Täter? Die Kriminalpolizei verfolgt all« Spuren. Ogalsky war mit seinem Kompagnon in Streit und wollte ihn abfinden. Hot er es getan? Man nimmt ihn in Haft. Harry Hoser, der heimliche Verlobte von Ogolskys Nichte Edith, war van dem Alien vor die Tür gesetzt worden und hatte Drohungen ausgestoßen. War er der Täter? Auch er wird verhaftet. Beide Spuren erweisen sich als falsch. Der Zusoll, der bei einem Hehler ein gestohlenes Etui entdecken läßt, gibt den richtigen Weg an. Ein nielfo-h varbestraftcr Max Kiekebusch hat dos Etur versilbert. E» beginnt«ine spannend« Jagd auf ihn über die Dächer, dann mit Motorrod und Auto, ober es ist der Unrichtige, den man erwischt. Es bedarf«ine» neuen Zufalles, um den gewieften Jungen in die Fall« zu bringen. Aber er ist kein Mörder, er wollte nur einbrechen. Und durch einen unglücklichen Zufall geriet Ogalsky in die Maschine, die Kiekebusch in Gang gesetzt hatte. Es ist das Verdienst Constontins I. Davids, der Handlung"... filmischen Ausdruck gegeben und sie durch eine geschickt« Besetzung lebenswahr gestaltet zu haben. Die Darsteller spielen nicht die ichlichen abgegriffenen Typen, sondern individualisieren: sowohl Paul Rehkopf(Ogalsky) wie Fritz Kampers(der Kompag- non) und vor allem Kurt G e r r 0 n, der den schweren Jungen mit viel Humor und einer gewissen Liebenswürdigkeit ausstattet. Das junge Paar wird von Gritta Ley und Rolf von Goth som- vathisch verkörpert. Der Film vermittelt nebenbei interessant« Ein» blicke in den polizeilichen Apparat. r. polly, die Tänzerin von Krisco. (Tauenhien- Palast.) Die als Madonna aufpolierte Tänzerin aus der Hafenspclunke gehört in Film�lmerika genau so zum eisernen Bestand wie der Kapitän, der„als alter ehrlicher Seemann" ohne die geringst« Der- antwortung für Schiff, Mannschaft und Ladung zu seinem und des Publikums Bergrnigen die Meere durchkreuzt. Zum Schluß finden dann„Er" und„Sie" sich, was auch in diesen: Film vorkommt. In ihm wird viel von San Franziska gefaselt, aber es wird nicht einmal die uralt« Archivoufnahmc, di« Hafeneinfahrt(das goldene Tor), verwandt, denn alles spiest sich in der Kulisse ab. Das Film- Manuskript ist so läppisch gehalten, daß es wirklich gute fchauspicleri- sche Leistungen einfach zuschanden macht. So ist P 0 tz y Ruth Miller tatsächlich ein Klassenwerb, rassig und von gutem schau- spielrischen Können, auch hat Ralph Jnce«in wahrhast inter- essantes Gesicht: doch wenn die beiden Menschen noch so sehr in ihren Rollen aufgehen, so stehen eben diese Rollen ihnen immer ent- gegen. Desgleichen hat der Regisseur Georg Arthur seine Ar- beit einfach verschwendet. Diejenigen, die noch an«ine Höherentwicklung des Film- mauftripts glauben, mögen sich der tröstlichen Hoffnung hingeben, daß, ivenn im Jahre ISIS mal„Filme vor 20 Jahren" gezeigt wer- den, das Publikum bei„Polly" vor Lachen von den Sesseln fällt. Im Beiprogramm, das ohne weiteres zum Hauptprogramm wird, Heigt man Amundsen's letzten Nordpols! ug 192 S. Dieser Film ist von ganz großer, ergreifender Wirkung. Er veran- schaulicht so recht die ungeheuren Schwierigkeiten einer Polar- expedition und erstickt wohl manche auskeimend« Sucht nach Forscher- rühm. Zugleich zeigt er aber auch, daß derartigen Unternehmungen nur solche Menschen gewachsen sind, die eins kennen: Treue bis in den Tod. e. b. .Va» Lled«z, haboken", ein Dtama aus dem Negerleben von Michael Gold, übcrictzl von Herwnnia Zur Mühlen, wurde»on der BollSbühnen- VetlagS- und Verlriett-V. rn. b. H., Berlin NW. 40, für ihren Bühnen- vertrieb erworben. 0« LETZTEN BRACHTEN DER SOMMERSCHAU DER REICHSHAUPTSTADT AM KAISERDAMM WIEDER EINEN AUSSERORDENTUCHEN BESUCHSSTROM AUS ALLEN DEUTSCHEN GAUEN. ÜBERALL RÜSTET MAN SICH, BISHER VERSÄUMTES NACHZUHOLEN, UND DARUM WIRD AUCH DIE NUN BEGINNENDE WOCHE NEUESCHAREN HERAN. FÜHREN. FÜR DIE BERLINER EIGNET SICH DER HEUTIGE SONNTAG AM BESTEN ZUM BESUCH DER BELEHRUNG UND ERHOLUNG BRINGENDEN SCHAU: Von 9 Ulli vorm. bis 8 Uhr abds. pedtt- net.— Sonnabend% und Sonntags von 9 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends— (Einlaß bis 8 Uhr) Eintritt: Erwachsene 1.50 Mk., Jugendliche 0.75 Mk., Familienkarten jür 3 Erwachsene Oder 2 Erwachsene 'und 2 Jugendliche bis zu 18 Jahren 5.50 Mk. Kinder lusatzkartc 25 Pj. W» ZUM BESUCH DfcK DfcLfcnivUMu UNO tiotULUiNU DtulNUtNUtiN SU1AU s 9 Uhr abends.— AB(Einlaß bis 8 Uhr) IfiSI DIE ERNÄHRUNG Straße mit 18 Ueberführungen is mis on pin Krommart An Stelle des früheren Schwarzen Weges", der das| der neuen Straße mit den 18 Ueberführungen, für die sich noch fein Südgelände mit dem Gebiet der heutigen Siedlung Lindenhof Namen gefunden hat, die aber zweifellos steigende Bedeutung als verband, hat die Reichsbahndirektion im Einvernehmen mit der Ost- West- Verbindung erhalten wird, wenn erst einmal das SüdStadt eine stattliche, breite Straße anlegen lassen, die nunmehr den gelände aufgeschlossen sein wird. Denn zwischen Sachsendamm und Priesterweg mit der Röblingstraße verbindet. Nicht weniger als Steglitzer Brüde gibt es weiter feine Verbindung. Dann wird 18 Ueberführungen geben der Straße, die eine Breite von auch der Priesterweg eine bedeutende Erweiterung erfahren müssen, 20 Meter hat, einen tunnelartigen Charakter. Getrennt nach Ber- als wichtige, nach Süden führende Ausfallstraße. Einen imposanten sonen- und Güterverkehr laufen oben die Gleise der Strecke Berlin- Anblick gewähren jetzt die Eisengerüste der im Bau befindlichen Halle, Berlin- Dresden und die Vorortstreden von Lichterfelde und Lokomotivschuppen und Reparaturwerfstätien des VerschiebebahnBossen, außerdem die Gleise des Verschiebebahnhofs Tempelhof für hofs Tempelhof, der von dem mächtigen Wasserturm überragt wird. Güterzugsbildung und Güterzugszerlegung. Im Herbst soll der 63 Lokomotivstände sind vorgesehen. So baut sich hier ein kleines neue Bahnhof Priesterweg", an der Borortstrede Lichterfelde- Eisenbahnreich auf, das von dem großen brüdenartigen Stellwert, Zoffen, dem Berkehr übergeben werden. Er liegt ganz in der Nähe der Seele des ganzen Betriebes, beherrscht wird. Leuchtende Schilder für Aerzte. Mit einem interessanten Vorschlag ist vor einiger Zeit eine führende Elektrizitätsfirma an die deutsche Aerzteschaft mit Unterstüßung maßgebender Persönlichkeiten und Verbände aus dem Berfehrswesen herangetreten. Auf dem Aerztetag in Danzig wurde angeregt, I eu chtende Transparente an den Häusern anzubringen, in denen Aerzte wohnen, um dadurch nachts die erste Hilfebringung zu erleichtern. In fleineren Städten und auf dem flachen Lande ist es bekanntlich für den Ortsfremden meist schwierig, bei Verkehrsunfällen oder sonstigem plöglichen Unglüd das Haus nomides nächstwohnenden Arztes ausfindig zu machen. In der Groß stadt dagegen würde das Transparent vor allem den Sinn haben, daß es, wenn erleuchtet, dem Hilfesuchenden anzeigt, ob der Arzt zu Hause ist. Das Transparent soll in einheitlicher Form gehalten sein und, um möglichst weit gesehen zu werden, ungefähr in Haustürhöhe angebracht werden; von dort würde es ähnlich wie ein Arm herausragen. Auf dem Transparent, das nach dem ersten Borschlag die Form eines Dreiecks hat und, wie die Verkehrszeichen, rot umrandet ist, wird als einzige Aufschrift das Wort„ Arzt" stehen. In Aerztekreisen hat dieser Vorschlag Aussehen erregt. Gegen Die Einführung bestehen aber feine grundsätzlichen Bedenken mehr, nur ist es den einzelnen Ortsausschüssen überlassen worden, die vorgeschlagene Neuerung einzuführen oder nicht Ein großer Teil der Aerzteschaft hat sich wie wir hören schon jetzt für diesen Borschlag erklärt, zumal seine Ausführung mit der Standesehre durchaus zu vereinbaren ist. Hitzewelle in Italien und Amerika. Ueberall Todesopfer. Einer gestern einsehenden neuen Hißewelle find fieben Personen zum Opfer gefallen. Taufende von Einwohnern fuchten den Strand auf und nächtigten dort unter freiem Himmel. Mailand, 4. Auguft. Die neue Hizewelle in Oberitalien mit Schaffenfemperaturen bis 39 Grad hat in Florenz und Udine weitere Todesopfer gefordert. Die Trockenheit beginnt sich besonders in der Toskana katastrophal auf die kulturen auszuwirken. In den Theater, Lichtspiele usw. Deutsches Theater Residenz- Theater Norden 12 310 8 U. Ende nach 101 Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Blumenstr. 8. Täglich 8% Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. Bismarck 2414/7516 In der Hauptrolle 82 U. Ende 108, U. Anneliese Wörtz a. G. Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91. Jönh.170 814, Ende nach 101, Gastspiel d. Deutschen Th. Der Prozek Mary Dugan Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1. Mk. Lustspielhaus Täglich 81, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel: Mpl. 16077 Heute 8 Uhr Elite- Sänger Allabendlieh Bomben- Erfolg! ,, Lohengrin in Neukölln" Preis Mark 0.50 bis 2- Mark. Staats- Oper Unter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Tageskasse 11 bis 2 Uhr. Preise: 60 Pf. bis 2 M. Donhoft Brett'l ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Der hochgelegenen Tälern von Trient dagegen bewirkten die letzten Gewitter Hochwasser und Ueberschwemmungen. Fluß Puni hat die Felder überschwemmt und im Dorfe Planol Gebäudejchaden angerichtet. Jm oberen Etschtal wurden durch die Ueberschwemmungen zahlreiche Familien schwer geichädigt. Das Statistische Jahrbuch für Berlin. Der vierte Jahrgang des Statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin 1928 ist nunmehr im Selbstverlage der Stadt Berlin erschienen. Es ist zum Preise von 5 M. in der Geschäftsstelle des Amtsblattes der Stadt Berlin, C. 2, Rathaus, Spandauer Straße, 3 Treppen, 3immer Nr. 89 b, zu erhalten. Gegenüber seinem Vorgänger enthält das Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin u. a. weitere Ergebnisse der Grundstücks- und Wohnungsaufnahme sowie der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom Jahre 1925; ferner erstmalig eine Uebersicht über den Bevölkerungszustand bei bemerkenswerten ortsgeschichtlichen Ereignissen seit 1709; Ergebnisse der Erhebung über die Erwerbslosenfürsorge vom 2. Juli 1926; bei Berufs- und Fachschulen: Schüler nach dem Geschlecht und Unterscheidung der Sonderschulen; bei der Stadtbibliothek: Leser nach dem Beruf und verliehene Bände nach ihrer Art; Preise der Bäder in den städtischen Badeanstalten; Straffachen und verurteilte Personen wegen Verbrechen und Bergehen gegen Reichsgesetze. Im übrigen bringt das Jahrbuch, wie bisher, alles Wissenswerte über die Verwaltung und Wirtschaft der Reichshauptstadt. Es bildet somit ein unentbehrliches Nachschlagwert nicht nur für sämtliche fommunalen und sonstigen Verwaltungsstellen, sondern auch für alle an der Entwicklung Berlins iteressierten Wirtschaftskreise und Wirtschaftsverbände. Erplosion im lap. In der Waschküche des lap Restaurants, Alf Moabit 4-7, ereignete sich heute vormittag eine eigenartige Explosion. Gegen 11 Uhr wurde die Waschmaschine angeheizt; menige Minuten später erfolgte plötzlich eine heftige Explo sion. Der Dedel wurde gegen die Decke geschleudert und aus dem Feuerungsloch schlugen Stich flammen hervor. Eine in der Nähe des Explosionsherdes arbeitende Waschfrau erSaltenburg- Bühnen Rose- Theater Ots. Künstler- Th. Uhr: Es kommt Gr. Frankf, Str. 132 4 Uhr: Jeder dran! Winzerfest Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr Tanz im Freien Feuerwerk 84 Uhr: Das Der Zarewitsch Musikantenmädel. 8% Theater am Nollendorfplatz Die ungeküßte Eva Operette in 3 Akten. Theater des Westens Täglich 8, Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das Musik von M. Knop Süße Geheimnis mit Lori Leux. Operette von Zorlig Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Else Berna und Langendorf. CASINO.THEATER Lothringer Str. 37. Wiedereröffnung Freitag, den 17. August 1928 mit dem neuen Schlager Rundfunkfieber. SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! fitt an beiden Beinen Brandwunden; sie erhielt bei einem benachbarten Arzt die erste Hilfe. Die Feuerwehr, die auf den Alarm ,, Explosion Menschenleben in Gefahr" mit zwei Zügen angerückt war, fonnte nach kurzer Tätigkeit wieder abrücken. Die Explosion ist nach den bisherigen Feststellungen wahrscheinlich auf alte Feuerwertsförper zurückzuführen, die aus noch ungeklärter Ursache zwischen Müll und Holzipäne geraten waren. Katholische Kirche ehrt die Verfassung. Auf die Bitte des Magistrats an die evangelische und die katholische Kirche, am Verfassungstage die Kirchen zu beflaggen und die Glocken zu läuten, hat sich die fürst bischöfliche Delegatur bereiterflärt, ihre Kirchengemeinden zu veranlassen, die Glocken von 20% bis 21% Uhr zu läuten. Vom Konsistorium der Mart Brandenburg, sowie von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde, der gleichfalls gebeten worden ist, seine Gotteshäuser zu beflaggen, ist eine Antwort bisher nicht eingegangen. Der Mannschaftswagen für das Publikum. Auf einer Reihe von Borortlinien verfehren nach Schluß des Fahrplans auch noch Mannschaftswagen, die das Personal in die Nähe seiner Wohnungen bringen. Diese Mannschaftswagen, die bisher nur von den Straßenbahnern selbst benutzt werden durften, nehmen von jetzt ab auch Publikum mit, soweit Platz vor handen ist. Eine Jugendefelei. Der siebzehnjährige Schüler Walter Sültmann und die fechzehnjährige Schülerin Wilhelma Stolz aus Potsdam find plöglich verschwunden. Beide nahmen größere Geldbeträge aus der Wohnung der Eltern mit. Man nimmt an, daß sie sich nach Danzig gewandt haben, weil das Mädchen einen Baß dorthin, ausgestellt pom Polizeipräsidium Potsdam, besaß. Der gekreuzigte Artist. Der Artist Reinhold Uelmer wurde gestern, wie berichtet, gekreuzigt" im Stadtbahnabteil aufgefunden. Der Engagementslose wollte auf diese Art die Aufmerksamkeit erregen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.). Start bewölkt, Niederschläge sehr wahr= scheinlich, wenig geänderte Temperaturen. Für Deutschland: In fchlägen, weiter nach Süden und Alpen zunehmende Bewölkung, im Nord- und Mitteldeutschland start bewölft mit Neigung zu NiederDiten wenig Alenderung. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. 6. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanftalt Baul Ginger& Co., Berlin GB 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. 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Es waren Verse, in der Fabrik entstanden und zum Teil mit Motiven, die eben nur ein Arbeiter finden konnte. Dazwischen aber auch schon Töne von zartester Innigkeit und philo- sophischer Abgeklärtheit: Einen chalm von dein Samen, den wir streun, Einen Erntetag in der Jahre Flucht, Gleich dem sorglosen Knaben sich zu ersreun, Der im Waldgras die reifen Eicheln sucht. Und wirds uns nicht, sei still und festl Es hegt, bringst du auch sonst nichts heim, Verstürmter Gluten Aschenrest Wohl einer Winterblume Keim. In rascher Folge erschienen„Aus Welt und Einsamkeit" und„Neue Fahrt", in denen neben sozialen und politischen Gedichten ganz verträumte und empfindsame Liebeslieder, hauchartige Naturstim- mungen entstanden, was allerdings zur Folge hott«, daß diese Seite des Dichters Krille nie recht gewürdig! wurde. Gedichte wie„Die Spulerin",„Arbeiterliebe",„Die Tagelöhnerin",„Gesang der Jungen" gingen durch die gesamte Arbeiterpresse und fanden auch in nichtsozialistischen Kreisen viel Beachtung. Wo er„dieser Zeiten neue Flamme" schwang, fand Krille rasch Beachtung, die andere Seite seines Dichtens kennen nur wenige. In vielen seiner Verse ahnt man eine tragischer angelegte Natur: Mit allem Leid des Lebens tief verwandt, Geh ich, der Lust die Pfade zu bereiten. Mein ist von allem nur der Stunde Glanz, Und alles Glück der Erde liegt im Schreiten.(„Neue Fahrt".) Da ist einer, der sich immer wieder selbst bezwingt und an anderer Stelle sagt er, daß er längst der„dunklen Schwermut Beute" sei, wonn er nicht stündlich den Fuß im Bügel Hobe. In einem anderen Gedichte ist dieser vom Leser geahnte Kampf zu reineren Tönen ge- läutert: Es spricht die Nacht: Mein ist, was mir entspringt. Es ruft der Schmerz: Ich habe dich beschwingt. Die chöhe bannt mit rotem Firnenschein. Die Tiefe schreit: Wer mich berührt, ist mein! Ich tauch' in Licht und Dunkel auf und ab, Welt, Zeit und Tod ermißt niein Wanderstab. Ich zwinge sie und lasse mich bezwingen,> Lächlcr und Träumer über allen Dingen. Die ursprüngliche Kämpfernatur in Krille kommt aber trotz dieser Verse immer wieder zur Geltung. Es tonnte ja auch bei dem Ent- wicklungsgange des Dichters nicht anders fein. Kind der Not, der Bater starb vor der Geburt, eine Knabenzeit voll Entbehrung, später Soldatenschüler, dann ein gehetzter Prolet. Schreiber,. Spuler, Fabrik- arbciter, dann wieder Soldat, darauf folgt«in Jahr Selbststudium und endlich hinein in den politischen Kampf. In dem Buch„Unter dem Joch" hat Krille seine harte Jugendzeit wahrheitsgetreu ge- schildert. Niemand wird sich dem Eindruck dieser Auszeichnungen entziehen können. Auch in dem 1912 aufgeführten Drama„Anna Barenthin" meint man hie und da Selbstbekenntnissen zu begegnen. Obwohl die Kritik die Bühnensicherhcit des Stückes rühmte, hat Krille außer dem im Manuskript vorliegenden Schauspiel„Die Flut" sich nicht mehr im Dramatischen versucht/ Ueberhoupt wird die Beur- teilung seines Schaffens erschwert, weil seine Bücher bis auf ganz wenige vergriffen sind und vieles nicht gesammelt ist. Die Samm- long von Skizzen und Novellen„Die rot« Palette" beweist, daß Krille mich ein ausgezeichneter Erzähler sein kann. Die vor nicht zu langer Zeit veröffentlichte Erzählung„Eine Weihnachtspvedigt" bestätigt« diese epischen Qualitäten. Mannigfaltig sind die Töne, die dem Lyriker zur Verfügung stehen. Während des gewaltigen Blutvergießens, an dem Krille vier Jahre teilnahm, hat er nur wenig geschrieben, darunter aber so schöne Verse wie„Flandrisches Dorf" und„Am Rand der Ewig- keit". In die Heimat zurückgekehrt, trat zunächst der Dichter zu- gmisten des politischen Kämpfers in den Hintergrund. Gelegentlich aber trifft man in Zeitschriften und Zeitungen auf neue Gedichte, die aufhorchen machen: Mir ist, als hätt' ich mich gekonnt, Ein Schifferknecht im Leitseilzuge, Ein Bauer hinter seinem Pslug«, Und Wog' und Scholle grüßen mich verwandt. Es springt die mütterliche Quelle Mir auf in jedem Busch und Baum. Ein starkes Lebensgefühl, Verbundenheit mit dem All, aus der wieder eine lächelnd« Bescheidenheit wächst, kennzeichnet nicht nur den Dichter, sondern auch die Persönlichkeit, die nicht minder Inter- esse weckt. Krilles Entwicklung ist trotz der Fünfzig nicht abgeschlossen. Alles deutet darauf hin, daß er uns noch viel zu sogen hat. Wenn wir ihm an diesem Tage grüßen und ihm danken für das, was er uns gegeben, so sollten wir uns zugleich der Verpflichtung erinnern, daß wir unsere Talente nicht so vernachlässigen sollten, wie es bei Krille zuletzt geschehen ift. dl. dlontigel. Max Dorhi. Ich will keinen Nachruf schreiben. Der Revolutionär und Märtyrer von 18-18/19, dessen Tod iich in diesen Tagen wieder gejährt hat, ist längst gewürdig:. Aber ein Hinweis auf den Max Dortu ist wohl geboten. Die Verbindung zwischen den beiden ist gegeben, so daß man sogen darf: das An- denken jenes ehren heißt, auch diesen, der noch lebt, beachten. Am 26. Juli hat unser Max Dortu sein 59. Lebensjahr vollendet, ein Anlaß mehr, etwas über ihn zu sagen. Nach einem Leben voller Unrast wohnte Max Dortu in r- "■'M WH?. Max Dortu. Wetzlar, jenem Lahnstädtchen, das auf kleinstem Raum ein so eigenartiges Nebeneinander der Zeiten darstellt, ein Bilderbuch zur Wirtschaftsgeschichte seit dem frühen Mittelalter. Man weiß wohl, daß hier der junge Werthcr gelitten hat, ober man kennt Wetzlar noch nicht, wenn man sich nur daraus beruft. Es ist auch die Geburtsstätte von Bebels tüchtiger Mutter und der Schauplatz der Leiden und kärglichen Freuden des schwächlichen verwegenen Schul- jungen und strenge gezogenen Drechslerlehrlings. Hier ist es ge- wesen, wo August vom Karzersenster„philosophische Betrachtungen über die Freiheit der Spatzen anstellte, die auf dem Schulhofe in Schoren lärmten", und wo er zorngcladen„an schönen Sonn- lagen... im Laden stehen und aus Kundschaft warten und den Bauern ihr« schmutzigen Pfeifen säubern mußte". An diesem Orte herkömmlicher Gegensätze und Spannungen hat vor Jahren der Mann aus friesischem Geschlecht die Stille gefunden, die ihn prüfend in das Land, in das eigene Herz und in die Geschichte hinein- lauschen läßt. Von hier kommen die lebensvollen plastischen Skizzen, in denen er die großen und kleinen Begebenheiten des Tages deutet, das Ewige aus Gestrigem heraushebt. Von einer unbändigen Sehnsucht nach Schönheit und Gemeinsamkeit ist er getrieben. Dafür hat er von jeher das ganze Leben eingesetzt und Menschennot in ollen Graden erfahren. Er kennt das Handwerk und das Leben in der Fabrik, er ist Matrose gewesen, Kaufmann, Kellner, Erdarbeiter und in ollen möglichen Gelegenheitsdiensten, doch nicht nach Willkür, sondern üvmer durch äußere und innere Not gejagt. Daher weiß er, wo es einem jeden wehtut, und hilft ihm in brüderlichem Verstehen, indem er die besondere Lage vor- nimmt, sie in edler Glut klärt und Rüstungen schafft für den Tages- und Lebenskampf. Vom flüchtigen Dasein des einzelnen schlägt er die Brücke zum Ewigen und gestaltet das Schicksal seines Volkes und der Menschheit, die Vergangenheit aufklärend, die Zukunst bestimmend, zum Nutzen und zur Rechtfertigung der Gegenwart. Ein tragisches Schicksal hat den Nimmermüden vor einigen Wochen ereilt. Der Chirurg mußte bei beginnendem Halskrebs eingreifen. Die melodische volle Stimkne ging verloren, ein schweres Opfer seinen Hörern, die er bei Begegnungen und in den Kulturversamlungen stets fesselte und löste. Aber ungebrochen behauptet er sich. Nun steht er wieder ans recht als Wächter und Künder in der Unruhe des Tages. Dr. H. R a s p. Der Meister von 179 Sprachen. Die Britische Akademie hat zur Erinnerung an den Abschluß des monumentalen Sprachenwerks von Indien dem Leiter dieser großen Arbeit Sir George G r i e r s o n«ine goldene Medaille überreicht. Der greise Gelehrte hat 60 Jahr« des Studiums der Auszeichnung von 179 Sprachen und 554 Dialekten gewidmet, aber noch immer setzt dieser„Meister von 179 Sprachen", wie ihn die englischen Blätter nennen, seine Arbeiten über die Sprachen Indiens unermüdlich fort. Verae�rSn mitgebrachter Speisen. Ein Ferienbrief von Paul Lobe. Bon Jahr zu Jahr zieht eine sich standig vermehrende Schar glücklicher Touristen über die südlichen Grenzen des Reiches, um in der Bergwelt der Schweiz. Tirols und Salzburgs einige sorg- lose Wochen der Erholung zu verbringen. Die ersten von ihnen kamen schon an, wenn in Meran und Bozen, und Locorno und an den südlichen Abhängen der Alpen die ersten Blumen aus der Erde stießen. Später mehrte sich ihre Zahl, sie füllten die Dörfer und Flecken der Berg«, um in den eigentlichen Ferienmonaten wie Heu- schrcckenschwärme das ganze Engadin und das Berner Oberland zu überfallen. Doch wie verschieden sind die Gäste, die alljährlich über die Berggipfel hinweg ins Blaue stürmen! » Es sind jetzt gerade 30 Jahre her, daß ich zum erstenmal diese Wunder der Natur in mich aufnehmen durfte. Das Sträußchen am Hut, den Stab in der Hand, kam ich als Wanderbursche mit zwei Kollegen von der schwarzen Kunst von Neapel und Rom heraus- gepilgert, dem Sonncnland, das damals noch nicht dem Maul und 0er Faust Mussolinis gehorchte, sondern im Zeichen der freien Ge- werkschaften stand. Wir stiegen den Ticino hinauf bis zum St. Gott- Hardt, ließen uns. durchnäßt von dem frisch auf unseren Buckel ge- fallenen Schnee van der humanen Schweizer Polizei in Airollo durch den Tunnel auf den„Schub" bringen, um im Göschenen die Wanderung über Alldmf in die Nordschweiz fortzusetzen. Leicht, bcschwngt, zuweilen auch barfuß, stiegen wir die Axenstraße hinab, auf der uns damals noch keine Kraftwagen störten, machten an der Tellplatte Rast, pflückten Erinnerungszweige in der„hohlen Gasse von Küßnacht" und waren glücklich, ein paar Tage später Arbeit in einer Buchdruckerei in Luzern zu erhalten und so die herrliche Gegend noch einige Wochen ganz aus der Nähe genießen zu können. Wochentags änderten wir den Winterfahrplan der Schweizer Bundesbahn. Sonntags gings auf die Berge hinauf. Ein schöner Sonnentag führte uns dabei auf den Rigi, den vielbesuchten, weit hinausgeschobenen Vorposten der Schweizer Berge. Sechs Hand- werksburschen aus einer Herberge gingen wir, die Fourage in ein leichtes Bündel geschnürt, von Luzern bis Weggis. dann hinauf. die Felswände entlang und bestaunten aus Turmeshöhe die weißen Riesen vom Titlis bis zum Eiger, zum Mönch und zur Jungfrau hinüber. Ein Anblick, den keiner von uns vorher im Leben gehobt hotte, versetzte uns in eine geradezu feierliche Stimmung und voller Stolz, daß wir diesen Genuß uns mit den eigenen Stieseln und dem selbstvergossenen Schweiß erkämpft hatten, trafen wir gegen Abend den Heimweg nach Küßnacht an. Am anderen Morgen träumten wir immer noch davon bei unserem Tcgewerk im Buchdruckersaal. * Dreißig Jahre später schaue ich wieder einmal in die Bergwelt hinein. Suche die alten Wege wieder, die wir als junge Burschen beschritten haben, steige wieder voll Erwartung den Rigikulm hin- auf, wie damals von Erwartung und Sehnsucht erfüllt. Wie anders sehen allerdings heute die Nachbarn aus, die uns rechts und links begleiteten! Wie anders haben die Menschen Stadt und Dorf ge- staltet, um möglichst viel vom Komsort der Großstadt und von der Bequemlichkeit des eigenen Hauses in die reine freie Natur hinaus- zufchleppen. Gewiß, an den gewaltigen Konturen der mächtigen Berge hat sich nichts geändert. Sie stehen noch an demselben Platz wie vor dreißig und dreitausend Jahren und werden wohl nach drei- tausend Jahren noch am selben Platz verwurzelt sein Aus den Tälern und Dörfern aber ist viel von dem vertrieben worden, was sie einst so heimelig und traulich gemacht hat. Nebe» dem schlichten Schweizerhaus mit den mächtigen Balken, den grünen Fensterladen und den Blumen auf den Geschossen protzt das sechs- bis siebenstöckige moderne Hotel mit Diele, Dancing und Lift für die „Bergsteiger", damit sie die Treppen nicht zu steigen brauchen! Es raubt dem bescheidenen Beschauer den Blick auf den See und gestattet dem gewöhnlichen Sterblichen lediglich den Blick auf die Wirtschasts- räume und den Hof. Ein„Coiffeur" und eine„Eonditorei" haben sich aufgemocht, Maniküre und Pediküre wird gepflegt, Jazzmusik schmettert los— unentbehrliche Requisiten für den Genuß der Berg- weit, wie sie sich heute repräsentiert! Und diese modernen Hotels sind mit den Bergbahnen hinaufgezogen in 800, 1000, 2000 und 3000 Meter Höhe! Man braucht die eigenen Glieder nicht mehr an- zustrengen, um in diese Regionen zu steigen. Für Geld ist man wie daheim jede Anstrengung los und läßt sich von dem eisernen Zug- tier hinaufschleppcn— selbst in den ewigen Schnee. Mitleidig oder höhnssch blicken die in bequemen Aussichtswagen oder im Auto sitzen- den„mondänen Leute" auf den minderbegünstigten oder veralteten Bergsteiger, der sich im Sonnenbrande aufwärtsmüht. Denn wenn er glücklich oben ist, gebührt ihm auch dort nur ein Platz auf der Rückseite des Lebens.„Das Verzehren mitgebrachter Speisen" ist in den Sälen den Gästen des Rigihotels selbstverständlich verboten, und der einfachste Schuhputzer sieht den elenden Fußgänger ohne Lack- schuh herablassend an. Irgendwer erbittet drei Tassen Kaffee.„Hier gibt's nur Portionen!"„Gut, zwei Portionen mit drei Tassen!"—■ „Dann kostet die Tasse 50 Centimes extra." Die leere Tasse— 50 Centimes extra! Ja, was hat denn dann der„Tourist", der sich mit seinen eigenen Beinen auf die Berge begibt, überhaupt noch da oben zu tun? Auf der Vorderseite sicherlich nichts! Auf der Rückseite, wo die Schafe weiden, da ist für den Fußkraxler noch Platz genug! * Und doch zieht eine neue Generation von Bergwanderern heute hinauf.. Der Handwerksbursche der alten Zeil ist ja wohl tot, und der Bergprotz beherrscht mit seinem Gcldsack die Bahn und das Hotel. Daneben aber steigt seitwärts der„mondänen Plätze" eine ganz neue Touristensorte die Berge hinauf. Sie hat keine Lackschuhe an, son- dern«ine feste Montur, einen blauen oder braunen Kittel und pfeift auf Dancing und Afternoontea! Und ist doch viel froher, wie die Protzengesellschaft in der Bahn! Dieses fröhliche Volk, das lachend und scherzend den Berg hinauf- und hinuntertollert, braucht kein Wirtshaus, keine Diele und keine k'ive o'clocl-. Es sitzt auf dem Schiff in der untersten Klasse und— singt aus vollem Hals! Wie unvornehm wäre es, in der ersten Klasse zu brüllen!„Naturfreunde" und„Kinderfreunde" mischen sich mit ihrem hellen„Freundschaft!" dazwischen, und zum Schluß sieht es aus, als kehre sich kein Teufel um die„mondänen Leute" mehr. Wir holen uns die Natur wieder, wie sie uns gefällt und schauen auf die Berge und auf den See, als ob er uns allein gehörte und sonst niemand auf der Welt! Wer weiß das? Di« Boa constrictor, die im Gebiete des Amazon enstromes lebt, bringt es hier auf eine Länge von 20 bis 25 Meter. * Aus der Erde finden jährlich im Durchschnitt 8000 bis 10000 Erdbeben statt. Seit Christi Geburt sind ungefähr 61 Milliarden Sekunden ver- flolsea. K V�ener��jorr�arbf von IaszzL JStzrgflhUzr (19. Fortsetzung.) Was hatte es in diesem Jahre gegeben! Arbeit, viel Arbeit, in der nur ein kleiner Teil, der Einblick in die Naturwissenschaften, Hilde wirtlich gefesselt hatte. Sorgen in der engen Stube— oh, die wuchsen jetzt mit jedem Tag von neuem an. und was Mutti und was sie selbst heimbrachte, zerschmolz im Wirbel der Teuerung. Dann— einige Feste, die immer das gleiche boten. Dos Tanzen freute sie, o ja, aber... sie kannte schon die Art der Kavaliere, ihr Kam- plimente zu machen, auswendig. Der lange Dobrauer mit seiner Brutalität, die sichtlich nur seine Methode war, der Schüchternheit Herr zu werden, die ihn in Gegen- wart von Frauen schier lähmt«.. Der Schubert, der mit allen seinen höflichen Manieren viel beherzter zuzugreifen wagte und den man schon crnstlich zurückweisen mußte, wenn man sich seiner wörtlichen oder tätlichen Roheiten erwehren wollte. Die Briefe und Ansichtskarten, die jetzt aus England ziemlich regelmäßig kamen, von den kleinen Erlebnissen Edis berichteten, von Ausflügen, Be- gegnungen und Erfahrungen im fremden Lande... Das war im Grund« nicht wenig, wenn Hilde so alles überdachte. Viele Erleb- niste in einem Jahre, das sich ihren sechzehn oder eigentlich siebzehn Jahren anschloß. Und doch, und doch sagte sie: später, vielleicht später. Das Wort, dos sie von Mutti übernommen hatte. Sie hatte in einem Buch, das sie sich ausgeliehen hatte,«in schönes Bcsitzzeichen gesehen, dessen Erinnerung ihren Geist nicht verließ. Da stand ein gewappneter Ritter, auf sein gutes Schwert gestützt, und sah in die Ferne. Und darunter der Wahlspruch eines englischen Staatsmannes:„Die Welt ist eine Auster, und mit dem Schwert will ich sie öffnen." Die jungen Leute, die sie kannte, nicht die Bekannten der Fa- milie Gruber, die anderen hotten sich alle solche Schwerter gewählt, die Kara ihre Schauspielkunst: eine andere das Kunstgewerbe, in deren Erzeugnisse sie wahrhaftig ihre Seele legte. Und erst die Burschen— jeder mit einer Waffe, mit der er sich für befähigt hielt. die Welt wie mit einem Schwert zu öffnen. Sie, Hilde, bereitete sich für Berufe vor und fühlt« in sich kein« Berufung. Später, vielleicht später— konnte man soviel bei ihren sechzehn Iahren verlangen? Dann kam Aussee an die Reihe.— Hilde war wieder in die Villa Viktoria eingeladen, die in den Besitz der Familie Gruber über- gegangen und aufs prächtigste ausgestattet worden war. Und Hilde lebte erst wirklich wie eine Schwester der beiden anderen Mädeln, als dritte der Gruber-Mädeln. Mutti ging wieder nach Langen- lebarn, diesmal allerdings viel später, weil eine Französischschülerin noch weit in den Sommer hinein in Wien blieb und dies« Zeit aus- nützen wollt«. In Austee war die Natur, von der man freilich, wie die Leute selbst konstatierten, in der Villa Viktoria nur einen be- schränkten Gebrauch macht«, herrlich aufgeblüht. Man saß auf der weiten Veranda und musterte durch«in Fernrohr die Menschen und Schiffe, die sich auf den See hinauswagten. Hie und da, nicht an jedem Tage, der es gestattete, ein Bad im See, hie und da eine Kahnfahrt, wenn die begleitenden Umstände besonders romantisch waren, so wenn aus Ischl eine berühmt« Opcrettensängerin kam und plötzlich mitten auf dem Wasser die Sehnsucht verspürte, ein senti- mentales Lieb aus der eben gelernten Rolle anzustimmen. Man war sonst foul, faul, faul— als Abwechslung für Wien, wo man doch durch gesellschaftliche Vergnügungen in ewiger Bewegung gehalten war. Der Sommer verging bei oller Lust, die er brachte, ziemlich lustlos. Feste, Besuche, viele Leute, die kamen und gingen, und allerhand erzählten, einmal war sogar eine große Woche, da erschien eine Karawane von Autos, die an sich schon Aussehen erregte, eng- lisch« Fabrikate, die durch ihre Din�ensionen imponierten und viel besprochen wurden. Im ersten war der Baron Rosenberg, der einen ganzen Hofstaat mitbrachte. Er hatte eine Villa nur für dies««ine Woche gemietet, die bisherigen Bewohner waren in ersten Hotels der Gegend eingemietet worden und Arbeiter waren Tag und Nacht am Werke, das Haus für den erlauchten Gast herzurichten. Dieses Kunststück an Eigcnwilligkeit wurde sehr bewundert— na ja, der Baron kann dock) nicht in einer gewöhnlichen Villa wohnen... er hat Geschmack... und Geld dazu... Man bewundert«, was sich der Baron leisten könne und daß es für ihn weder Rechte anderer Menschen noch Widerstände der Zeit und der Materie gab. Ihm unterwarf sich eben doch alles! Die einzig« Bergporti«, die Hilde hätte unternehmen können, war gerade in die Woche des erhabenen Besuches gefallen. Da mußte sie natürlich unterbleiben. Als Hilde von ihrem Ausflug sprach, sagte ihr Mama Gruber:„Aber sei doch nicht so eine Gans, da kommt ja gerade der Baron Rosenberg, da geht man doch nicht fort!" „Man" geht nicht fort, die Hilde verstand das zwar nicht, da „man" in der Villa„Viktoria" und auch von den Mahlzeiten und den Festen wegbleiben durfte, wenn man etwas anderes vor hatte und auch sonst die strenge Hausordnung gelockert war. „Aber sie war ja schließlich selbst Gast und fügte sich dem Wunsche. So blieb die einzige Möglichkeit eines größeren touristi- schen Ausfluges, die sich In diesem Sommer geböten hatte, ungenützt. Und Edi war nicht da, um mit ihm eine andere Bergbesteigung zu besprechen. Edi war das ganze Jahr über nicht heimgekommen und seine endgültige Rückkehr war erst für den späten Herbst angesetzt. Da war die Villa„Viktoria" schon längst verlassen: Hilde hatte wieder ihr Tagewerk vom letzten Jahre aufgenommen, den zweiten Teil ihres Maturakurses, den Abschluß ihrer Vorbereitung für die Thealerkorriere und endlich ihre Stunden. Und eines Tages sagte ihr die Lutz:„Der Edi kommt morgen." Hilde empfand ein merk- würdiges Gefühl, als sie das hört«. Der Edi war wieder da!! Es war Neugierde dabei, viel Neugierde, was die Schweiz und England aus dein Edi gemacht hätten und ob er, ja ob er an jene törichte. voreilige Liebesszene noch denken würde. Am zweiter. Tage stand der Edi prompt vor dem Hause, in dem Frau Neumonn-Norrek, ehemaliges Mitglied des k. t. Hofburg- thcaters, wie auf einer mächtigen Tafel im Eingangsflur zu lesen war, ihre Jünger und Iüngennnen zu lauter Sonnenfels und Wol- ters heranzog. Er hatte sich nur wenig verändert, obgesehen davon, daß er sich englisch trug und einen sehr bauschigen Mantel und Schuhe von einer ganz absonderlichen Form hotte. Er sprach genau so phlegmatisch und ironisch wie früher und suchte bloß den Selbst- lauten einen ein wenig gedämpften Klang zu geben. Ja, wenn man sechs Monate in England war! „Fräulein Hilde, ich Hütt' ja warten sollen, bis Sie wieder zu uns kommen, das wär' wohl schicklicher gewesen, aber ich Hab' Sic halt bald sehen wollen." Das war wieder ganz lieb gesagt. Die Begrüßungsformeln waren rasch abgetan—„na, wie Sie schön geworden sind, in dem einen Jahr, Fräulein Hilde!" und „Sie schau'n ja aus, wie ein ganzer Engländer!" und nun gingen die beiden wie die zwei alten Kameraden, die sie waren, dahin und erzählten. Hilde willigt« ein, Edi nach Haus« zu begleiten— der Weg war länger, als wenn sie in die Iosefstodt gegangen wären. Also: Edi berichtete von England, wo es ihm gar nicht gefallen hatte, von feinem zweimaligen Ausflug nach Paris, wo es schon ganz anders war, und davon, daß er weder die englischen Speisen goutieren noch die englische Sprache erlernen könne. Dann ging er gleich auf die Angelegenheiten Hildens über. „Das ist wieder die Mama, die Sie zu dem Blödsinn mit der Theaterspielerei angeleitet hat, was? Die Mama kann es noch immer nicht verwinden, daß sie a Geld hat und nöt als komisch« Alte aufzutreten braucht. Die hält sich nun jemand, der ihne Jugend- träume realisiert, oh, die weiß die Leute zu verwenden. Freut Sie das Theaterspicl?" „Es ist sehr interessant!" „Mehr nicht?" „Nein!" „Dann lassen S' es stehn." „Ich laß nichts stehn, was ich einmal angefangen Hab'." (Fortjctzung folgt.) Rät sel= Ecke des„Abend". DnininniniimniiiiimiiiiiimmniiiiiiiiiiinmniiiiiiinnmiiiiiiiiiiiiiniiiiimiuiuuliiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiuiiiiiniimiiiiiiiiifiiiiiiimimiiiiiimiiiiiimniiiiimiiiinniiimjniMiimiiiniiiiiM Wer kann's? Die obenstehende Figur ist in vier gleich große und gleichförmige Teile zu teilen. Äuchstabenräffel. Den Wörtern Ort, Ahn, Sau, Ahr, Eger, Reue, Norm, Ast, Ase, Der, Od, Ute, Stern, Abel, Hoin, Eber, Mir, Sprit, Hein, Lamm, Ar, Tage, Aas, Ost. Unke. Rost, Arm, Tom, Aal, Arie, Tat, Acht, Trick. Elle, Essen, Wald, Ernst, Eis, Strich, Assel, Aar, Adel ist«in Buchstabe voranzustellen, der sie in neue Wörter verioandelt. Die vorangestellte» Buchstaben ergeben aneinandergereiht einen Satz aus einem melgesungenen Kampfliede.(J— I.) Geographierätsel. Au» den Buchstaben ADEEEEEGIILNNOO PRRRSSSSSTWW sind Wörter folgender Be- deutung zu bilden: 1. Kunstlerkolonie, 2. Küstenland am Adriatischen Meer, 3. ehemaliges deutsches Land, 4. Bezeichnung eines skon- dinavischen Staats in seiner Landessprache. Wenn wir die gefun- denen Wörter untereinander setzen, nennen die erste, zweite und vierte Buchstobenreihe je eine europäische Hauptstadt. Buchstabenrätsel. Nimm einem Vorort von Berlin ein Bein, und du wirst gleich im Bilde sein, woher gerade webt der Wind. Auch h!er den Endlaut unterbind'. Machst du das ganze mit Geschick. verbleibt ein Herrenkleidungsstück. Das Ooppelwort. Wir sind zwei Brüder, drum innig oerwandt, geh'n segenspendend durchs ganze Land. Vom Himmel hoch, da kommen wir her. Getrennt lieb' ich Blumen, mein Bruder dos Meer. lind sind wir vereinigt, o, welches Glück, dann führt uns die Sonne zum Himmel zurück. Opernrätfel. s ck m a. k ck r » Puccini Flotow Beethoven Auber Dslibe« Berdi Bellini Mozart Obenstehende Punkte sind durch Buchstaben zu ersetzen, so daß sie Opern der angegebenen Komponisten ergeben. Die Anfangs- buchstaben der Opern nennen, von oben nach unten gelesen, eine Oper von D'Albcrt. Silben-Streichrätsel. Rapsodie— Arkadien— Hermelin— Kalifornien— Enklave— Kadaver— Marmelade.— Bon jedem der vorstehenden Wörter ist ein« Silbe zu streichen. Diese gestrichenen Silben ergeben dann ein bekanntes Drama von Dumas. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung- Nebus: Man beginnt mit Ablesen bei dem mittelsten oberen Feld, das mit l bezeichnet ist und fährt dann in der bekannten Rösselsprungmanier weiter fort. Das ergibt: „Arbeiter mit Kopf und Hand, Schließet fest das Bruderband." Ordnung sauf gäbe: Wem Gott will rechte Gunst er- weisen,— den schickt er in die weite Welt.— dem will er seine Wunder weisen,— in Berg und Wald und Strom und Feld. Abstreichrätsel: Raupe— Ulan— Bulle— Inzucht— Natur— Setter— Tasche— Echo— Imker— Natte.—Rubin- st e i n. Wabenrätsel: Hemd, Bammel, Kamm, Kodak. Doppelsinnig: Weide. Krieg und Technik. Am 1. August d. I. waren vierzehn Jahre, fast ein halbes Menschenalter, feit dem Beginn des entsetzlichen, des grausamsten aller Kriege pergangen, eines Krieges, der Europa arm gemacht und ihm seine beherrschende Stellung in der Welt geraubt hat. Aber allen Leiden zum Troß, die das furchtbare Geschehen der Menschheit brachte, ist der Krieg selbst nicht gestorben. Zahlreiche fleinere Kriege sind seit 1918 wieder geführt worden, neue friegerische Vermidlungen sind jeden Tag möglich und an jedem Tage rüsten sich die Militaristen der ganzen Welt zu neuem Maffenmord. Und der Krieg von gestern wird nur ein schwacher Abglanz des Krieges von morgen sein, denn die Technit schafft immer neue Zerstörungsmaschinen von immer größerem Wirkungsgrad, die Chemie stelt fich willig in den Dienst des Massenmordes. Das ist immer so gewesen. Stets diente die Technif auch den Mächten der Vernichtung. Wenn der Urmensch den Stein als Waffe brauchte, deren treffsicherer Wurf den Gegner tampfunfähig machte oder ihn tötete, so war das eine erste Anmendung primitiver Technit im Rampf um das ärmliche Dasein. Bon hier führt ein gerader Beg bis zum modernen Riesengeschütz, das aus sicherer Deckung über viele Kilometer hinweg seine todbringende Sprengladung sendet. Auf diesem Wege aber liegt auch die Arbeit militärisch begabter Hirne, die in die Anwendung der Baffen zum Kampf von Mensch gegen Mensch System brachte und ihre Wirksamkeit bis, zum Aeußersten steigerte. Der Maschinenkrieg. 7. | bei dem der Wind die Antriebskraft liefern sollte. Der moderne| Gebiete der Technik vertreten, eine Unsumme technischer Arbeit ist Tant aber wurde durch den Automobilmotor angetrieben, auf diese schwimmenden Kolosse verwandt, zu deren Herstellung dieselbe Maschine, die das moderne Auto, das Lenkluftschiff und die Jahre benötigt werden und deren Lebensdauer trotz aller Arbeit Flugmaschine möglich machte. Der weitaus größte Teil der in meist nur recht turz iſt. den friegführenden Staaten vorhandenen Automobile und Fahrräder wurde während des Weltkrieges in den Dienst der Zerstörung gestellt. Und alle diese Wagen, Flugzeuge und Luftschiffe sind ausgerüstet mit ungezählten Einzelteilen und Geräten, an deren HerDer moderne Giftgaskrieg. Beim Studium der Kampfmethoden des Weltkrieges erlebt man die entsetzliche Vision künftiger Kriege. Es ist nicht mehr Too 0000 7927 1472 die Angst um das gefährdete Einzelschicksal, die den Dentenden packt, sondern die Sorge um das Schicksal der ganzen Menschheit. Insbesondere die Anwen= dung giftiger Gase während des legten Krieges zeigt die fortfchreitende Bedrohung der Men schen durch ihre Wissenschaft, die als Dienerin des Militarismus die wirksamsten Werkzeuge zur Ausrottung alles menschlichen Lebens erzeugt. Die Erfahrungen des Weltfrieges geben nur ein unvollständiges Bild dessen. was unserer harrt, da die Giftgaserzeugung seither in außerordentlicher Weise vervollkommnet wurde und die Giftigkeit der heute erzeugten Kampfgase die Wirkung der bereits in der Schlacht erprobten um das Hundertfache übertrifft. Dazu kommt, daß nahezu alle dieser Subftanzen auch zu friedlichen Zweden( Erzeugung von Farbstoffen, pharmazeutischen Präparaten usw.) verwendet werden, so daß sich jede der Fabriken sozusagen über Nacht auf die Erzeugung von Kampfgasen um= ftellen fann. Während das Weltkrieges wurde Giftgas entweder in der Beise angewandt, daß man eine Wolte schweren Gases vom Wind gegen den Feind treiben ließ, mobei es fich häufig ereignete, daß beim Umschlagen des Windes sich das Gas gegen die eigenen Gräben wandte und dort Tod und Verderben säte. Oder es wurden Giftgranaten abgeschossen und Bomben, mit todbringenden Chemikalien ge füllt, aus Flugzeugen abgemor fen. Diese Gase waren fast durchweg schwerer als Luft, fanten zu Boden, drangen durch jede Deffnung und fleinste Rize und brachten überall einen entsetzlichen Tod mit. Was halfen da Mut und Tapferkeit gegen diesen unsichtbaren, unfaßbaren Feind? Der Weltkrieg gab einen guten Anschauungsunterricht von dem Zusammenhang, der zwischen Krieg und Technik besteht. Unsere Generation hatte das tragische Geschic, den Krieg der Maschinen, von dem die Theoretifer jeit Jahr und Tag gesprochen hatten, in der Wirklichkeit zu erleben. Und tatsächlich wurde der Weltkrieg ja nicht so sehr auf dem Schlachtfelde als im Hinterlande, in den Bergwerken und Fabriken und auf dem Aderfelde, entschie den. Die Leistungsfähigkeit der Technik im Dienste der finnlosen Zerstörung hatte in diesem Kriege einen bereits früher ungeahnten Grad erreicht, sie ist seitdem noch ganz erheblich gesteigert worden. Solange es Staaten gibt, findet man das Streben, den technischen Fortschritt für militärische Zwede dienstbar zu machen. Bei den Staaten des europäischen Kulturfreifes war dieses Streben seit langem auf die Spize getrieben worden. Nur dann konnte sich die Technit staatlicher Unterstützung errfeuen, wenn sie beitrug zur militärischen Sicherung" des Friedens, wenn sie die militärische Schlagfraft des Landes vergrößerte. So wurde das ge= samte deutsche Eisenbahn= neg unter Berücksichtigung strategischer Gesichtspunkte angelegt. Der Staat sah nicht so sehr in ihr ein Mittel der Völkerverstänbigung als ein Kriegsinstrument, mit deffen Hilfe der Ausmarsch und der Nachschub der Truppen leichter und präziser als bisher bewerkstelligt werden fonnte. Telegraphie und Funkwesen| stellung zalreiche Zweige der Technik hervorragend beteiligt find. 1 den Gegner, die Maste abzunehmen, und„ bearbeitete" ihn hierwurden zuerst als Nachrichtenmaterial gewertet, über die man im Kriegsfalle verfügen konnte. Der Traum der Jahrtausende, Lenk Iuftschiff und Flugmaschine, wurden vom Staat erst in dem Augenblick als wertvoll und wichtig anerkannt, als er glaubte ,,, mechanische Brigade" vorgeführt, die im wesentlichen aus Tanks fie in den Dienst der Zerstörung stellen zu können. Maschinen tecnit, Eisenhüttenkunde, Chemie und Optit wett eiferten miteinander, um Banzerplatten, Geschüße, Gewehr und Mafchinengewehre immer leistungsfähiger zu machen. Die Maschinen technit suchte und fand die Formel der modernen Hochleistungsgeschüße und der anderen Hochleistungsfeuerwaffen, die Eisenhüttenlunde fand die dazu notwendigen Metallmischungen, die Chemie lieferte die furchtbarsten Sprengstoffe. Die Optit aber lieferte neben dem Feldstecher Entfernungsmesser, Richtfernrohre, Teleftope. Der Gipfelpunkt der artille riftifchen Entwidlung während des Weltkrieges war die Konstruk tion der berüchtigten der 42 3entimeter Mözjer, Schöpfung des jetzt verstorbenen Prof. Raufenberger, deffen Ideen von den Kruppmerken vermirflicht murden. Heute aber perfügen die Amerikaner über ein Geschüß, das ein Geschoß vom Gewicht eines Autos fast 40 Kilometer meit zu schleudern vermag. Dieses Geschütz läuft auf Eisenbahngreisen und wirft mie eine Riesenzerstörungsmaschine. Der Automobilmotor. Eines unserer Bilder zeigt einen Tant, der im Weltkriege Berwendung fand, einen jener Tanks, die am Schluß des Weltfrieges in großen Mengen von der Entente eingesetzt wurden. Es handelt sich bei diesen Tanks um eine uralte Idee. Sie sind im Grunde die Nachfolger der alten Streitwagen der Aegypter und Römer, ihr Gesicht aber wurde von der Technik gründlich verändert. Bum Bergleich zeigt das Bild einen mittelalterlichen Tantwagen, 1527 1927 Kro Kriegsgeräte einst und jetzt. Heute versucht man den Menschen noch mehr als bisher durch die Maschine auch im Kriege zu ersetzen. So wurde bei den Manövern der englischen Armee in Salisbury plain zum erstenmal eine bestand, die nicht aus Raupenfchleppern, sondern aus sechsräderigen Wagen gebildet war, die von eigens dazu konstruierten Zugmaschinen befördert wurden. Die Wagen find mit Maschinengewehren und Feldkanonen ausgerüstet, die elektrisch gerichtet und abgefeuert werden fönnen. Die Elektrotechnik. Der Anteil der Elektrotechnik im modernen Kriege tann nicht unterschätzt werden. Durch sie wurde die einheitliche Leitung der Riesenschlachten mit ihren über Hunderte von Rilometern fich erstredenden Fronten ermöglicht. Der Oberbefehlshaber sizi im allgemeinen weit ab vom Schuß, vielleicht im bombensicheren Haus, die Telegraphendrähte, die hier zusammenlaufen, oder die Antennen tragen seinen Willen zu den Unterbefehlshabern, die ihre Entschlüffe, die tausend und abertausend mit ihrem Leben bezahlen müssen, ebenfalls telegraphisch weitergeben. Gerade in der Befehls: übermittlung hat die Schwachstromtechnik hervorragendes geleistet. Starfstrom aber dient vor allem zum Aufladen von Leitungen, die man um bie Steüungen herumlegte und in die sich die zuckenden Leiber der Angreifer vertrampften. Die schwimmende Festung. Auf dem Gebiete des Schiffbaues sind wir immer mehr zur schwimmenden Festung, zu Ueberdre adnoughts gelangt. ie armselig erscheint die Gegenüberadnoughts gelangt. ie armselig erscheint die Gegenüber stellung eines mittelalterlichen Kriegsschiffes und eines modernen ameritanischen Meberiglagtigiffes. Hier ist das ganze Ihrer Wirkung nach lassen sich die Giftgase in drei Gruppen einteilen. Die Reizer= reger find verhältnismäßig harm Ios, sie machen den Gegner fampfunfähig, ohne ihn direkt zu töten. So verursachen die Tränengaje vorübergehende Blindheit, ohne daß eine dauernde Be schädigung herbeigeführt würde. Die Niesgaje, Verbindungen des Arsens, rufen unwiderstehliches Niesen, heftige Kopfschmerzen und Erstickungsanfälle hervor, ihre Anwendung während des Krieges mar eine besonders raffinierte. So zwang man mit Hilfe des Blaukreuzniesgases, das durch die Schuhmasten dringt, auf mit dem todbringenden Grünkreuzgas. Unter den Erstidungserregern ist das Phosgen das bekannteste. Seine Wirkung ist gräßlich, sie gleicht einem langjamen Ertrinkungstode. Die Blutflüssigkeit tritt in die Lunge ein, die sich daran vollsaugt. In der Blutbahn dickt das Blut ein und lähmt die Tätigkeit des Herzens. Zwei Hunderistel Gramm Phosgen im Kubikmeter Luft führen bereits bei furzem Aufenthalt in der Giftsphäre den Tod herbei. Die Vergiftungserreger, wie die Blausäure, rufen einen sofortigen Tod durch Lähmung des Nervensystems herbei. Bon besonderer Tücke ist das blasenzichende Gelbkreuzgas( Senfgas). Es haftet an allen Gegenständen, über die es hinzieht, dringt langsam durch die Kleider und auch tagelang nach seiner Bildung langsam durch die Kleider und auch tagelang nach seiner Bildung tritt bei einfacher Berührung des infizierten Bodens, einer Pflanze usw. die Vergiftung ein. Das Gelbkreuzgas ruft schmerzhafte Entzündungen, Geschwüre, Erblindung, meist den Tod hervor. Es tann tein Zweifel darüber bestehen, daß die Giftgaserzeugung seit dem Weltkriege ganz außerordentliche Fortschritte gemacht hat. Das von dem Amerikaner Lewis entdeckte Lemisite vermag, in einigen Bomben aus einem Flugzeug abgeworfen, alles Leben einer Stadt in der Größe Berlins zu zerstören. Aber die Giftigkeit des Lewisitegajes ist bereits weit übertroffen, und eine gemeinsame Berwendung dieser Giftsubstanzen mit anderen erhöht die verheerende Wirkung, so etwa die mit weißem Phosphor, der weite Landstrecken in ein Flammenmeer verwandelt. Gegen folche Angriffsmittel sind alle Schuhmaßnahmen erfolglos. Flugzeuge, die nicht einmal bemannt sein müssen, sind zu regelrechten Gasentwicklungsapparaten umgebaut worden, die, in geringer Höhe freifend, eine Dede non tödlichem Gift über Schlachtfelder und Städte breiten. Nich: nur die im Felde stehenden Heere, sondern auch die Sinilbevöltenume rauen, Sinder und Greife, werden ihre Opfer fein Ritola siegt über Nurmi. Deutschland hält die zweite Stelle in Amsterdam. Körnig Dritter über 200 Meter. Da das olympische Reglement den Begriff, totes Rennen" nicht fennt, war für Freitag, 14 Uhr, ein besonderer Lauf zwischen dem Deutschen Körnig und dem Amerikaner Jackson Scholz angesetzt worden, um den endgültigen Dritten im 200- meter- Lauf festzustellen. Da der Amerikaner nicht am Start erschien, wurde körnig zum dritten Preisträger erklärt. Am Freitag gipfelten die sich ihrem Ende zuneigenden Wett-| war Rieger über den Dänen Hansen nach Bunften erfolgreich und bewerbe der Leichtathleten in den Entscheidungsläufen über im Schwergewicht legte Gehring den Dänen Larsen in 3: 45 auf 400 und 5000 Meter. Im Lauf über 400 Meter ruhten die die Schultern. deutschen Hoffnungen auf dem Magdeburger Astronomen Jochem Büchner, der seinen Zwischenlauf leicht in 48,6 Gefunden gegen den Amerikaner Philipps und den Engländer Rinkel gewonnen hatte und mit Storz aus Halle, der im ersten Zwischenlauf als Dritter hinter Ball- Kanada und Barbutti- Amerika eingefommen war, den Endlauf bestritt. Die Erwartungen gingen auch in diesem Falle nicht in Erfüllung. Im Endlauf lag das Feld bis auf Storz und Philipps in einem dichten Rudel beisammen, als 20 Meter vor dem Band der Amerikaner Barbuti sich freimachte und sicher mit einem Meter Vorsprung gegen den Kanadier Ball gewann. Barbutis Zeit von 47,8 Sekunden bleibt um nur zwei Zehntel Sekunden hinter dem Weltrekord zurück. Der förperlich starke Ball zwang Büchner ganz zum Schluß auf den dritten Plaz, während Storz noch hinter Rinkel- England Fünfter wurde. Durch den Sieg von Barbuti tamen die Amerikaner übrigens zu ihrem ersten Athletikerfolge in den Laufwettbewerben der Männer. Ein Genuß feltener Art war der Endlauf über 5000 Meter. Wie ein Dreigespann zogen die beiden Finnen Nurmi und Ritola sowie der Schwede Wide ihre Kreise und dem Ziel entgegen, das Ritola in 14:38 Minuten als Erster erreichte, 10 Meter vor Nurmi, hinter dem nur zwei Meter zurück Wide als Dritter folgte. Bom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag war das Stadion übrigens von den Zehntämpfern bevölkert, die ihre ersten fünf Uebungen ablegten. Die deutschen Bewerber hielten sich im allgemeinen recht achtbar in der äußerst scharf umstrittenen Konkurrenz. 3m 100 Meter Lauf erzielten sie folgende Zeiten: Lemperle 11,1, Ladewig 11,3, Barth und Huber je 11,4. Beim Weitsprung war die Reihenfolge: Barth 6,87 Meter, Huber 6,79 Meter, Ladewig 6,73 Meter, Lemperle 6,50 Meter. Zum Modernen Fünffampf ist die vierte lebung erledigt worden. Das Querfeldeinlaufen über 4000 Meter sah Oberleutnant Hölter in 15: 20,8 an 13., Leutnant Kahl in 15:36 an 19. und Oberleutnant Hag in 15:40 an 20. Stelle. Die beste Zeit lief der Pole Szelestowsti mit 14: 14,2 heraus. Das bisherige Klassement sieht Leutnant Kahl an zweiter Stelle mit 33 Punkten hinter dem Schweden Thofeldt mit 40 Punkten. Auf der Ringfampfmatte stellten sich die schwereren Gewichtsklassen zum Kampf. Im Mittelgewicht unterlag Simon gegen den Estländer Kusnets nach Punkten, im Halbschwergewicht Theorie und Praxis. Wettkampfpreise auf der ,, Spartakiade" in Moskau Wenn Arbeitersportgenossen zum friedlichen Wettkampf zu Jammentreten, dann lämpfen sie nicht um Preise. Um Preise kämpfen Die bürgerlichen Sportleute, die den ideellen Wert des Sports nicht erkannt haben und denen als Anreiz materielle Dinge in Form von Diplomen, Plaketten, Pokalen aus Gold und Silber geboten werden müssen. Der Arbeiter treibt Sport nicht deshalb, um durch eine Höchstleistung im Besitz von Preisen zu fommen, mit denen er dann fein stilles Kämmerlein schmückt; er treibt Sport aus der Erkenntnis heraus, daß er sich widerstandsfähig gegen die förper- und geisttötenden Tendenzen des Kapitalismus machen muß. Nun findet demnächst in Moskau eine„ Spartakiade" statt, und unsere Kommunisten rühren dafür die Reflametrommel, um auch deutsche Sportler dafür zu gewinnen. Der Arbeiter- Turn- und -Sportbund hat die Teilnahme abgelehnt; wenn„ offizielle" Zeitungen des 1. Kreises, wie„ Sport und Spiel" und der Arbeiter Fußball", ebenfalls Propaganda für die Spartakiade machen, so ist es Sache der Instanzen, sich einmal damit zu beschäftigen. Preise sollen auch auf der„ Spartakiade" zur Verteilung kommen; man findet sie fogar schon in Berlin ausgestellt. In der Kleinen Alleganderstraße" steht das Hauptquartier der einzigsten Vertreterin des revolutionären Proletariats", der KPD., das Karl- Liebknecht- Haus. Im Schau fenster, umgeben von antimilitaristischen Schriften, findet man eine Bronzeplakette, die einen Radfahrer zeigt und folgende Inschrift hat: ,, Den Rennfahrern Sowjetrußlands gewidmet von " den Zeitungsfahrern der Roten Fahne" und ,, Welt am Abend" Spartakiade 1928." Der Stand vom 3. August: Nation • Amerifa Deutschland Finnland Frankreich England Schweden Kanada Holland Schweiz Italien Desterreich Polen Estland Ungarn Japan Dänemark Irland Aegypten Südafrika Luxemburg Haiti Belgien Tschechoslowakei Argentinien Norwegen 1. Preise 2. Preise 3. Preise Totalpunite 5 7 46 11 32 3 28 5 26 1 18 4 17 3 15 3 11 1 10 3 1 10 9 1 7 5 5 5 5 33333221TT 835642313||||||--111 8332211321 ATTE 1 1 1 Programm für Sonntag. 4x100 Meter Herren( Entscheidung); 4 × 100 Meter Damen ( Entscheidung); 4 × 400 Meter Herren( Entscheidung); Hochsprung für Damen( Entscheidung); Marathonlauf; Ringen; Fechten; Segeln; Schwimmen; Radrennen. erwachsen daraus starte Gefahren für Leben und Gesundheit. Dem fann von den Behörden aus durch den Bau von Spiel- und Sportplägen entgegengewirkt werden, die nur der schulpflichtigen Jugend und dem spielenden Kleinkind zur Verfügung stehen. Mittel müssen für diese Zwecke unbedingt be schafft werden, denn sie ersparen bei solcher Fürsorge in der frühesten Jugend die sonst notwendig werdenden Ausgaben im späteren Lebensalter( Erholungsverschickung, Krüppelfürsorge, frühe Kranken- und Invalidenfürsorge usw.). *** Im übrigen aber fann die Tätigkeit der freien Berbände viel zur guten Entwicklung des sportlichen Lebens im Kindesalter beitragen. Eine besonders wertvolle Aufgabe sehen wir dabei der Arbeitersportbewegung erwachsen. Sie steht der bürgerlichen Einstellung zum Sport ablehnend gegenüber. Das ist gut für die Entwicklung der Leibesübungen in Arbeiterkreisen überhaupt. Daraus erwächst aber die besondere Verpflichtung, sich mit in erster Linie der Jugend, und zwar schon vom schulpflichtigen Alter her anzunehmen. In vielen Arbeitersport verbänden bestehen bereits Kindergruppen. Sie sollten besonders gefördert werden. Eine enge 3usammenfassung aller dieser Glieder ist natürlich notwendig. Zugleich ergibt sich die Aufgabe engster Zusammenarbeit mit der Arbeits gemeinschaft der Kinderfreunde. Dadurch wird die gleichmäßige Förderung der Entwicklung von Körper und Geist in der proletarischen Jugend garantiert. Mikkola gestorben. al. Soeben erreicht uns die schmerzliche Kunde, daß der verdienstvolle Vorsitzende des finnischen Arbeitersportbundesj( TUL), Genosse Vaino Mittola in Helsingfors, auf Das ist Theorie und Praxis der Kommunisten; zu Hause, im ,, lieben der Höhe seines Lebens durch den Tod der Arbeiterbewegung entBerlin", kann man nicht revolutionär genug sein. Mit den schof- rissen wurde. Eine Lungenentzündung hat den noch nicht 40 Jahre lichsten Mitteln wird gegen die eigenen Klassenbrüder vorgegangen. alten Kämpfer dahingerafft. Sein reiches kommunales und sport ,, Verräter"," Schurken" und Spitzbuben"-Geschrei, dazu der fom- liches Wissen sowie sein bescheidenes ehrliches Auftreten verschaffte munistische Spigeljumpf... aber man fährt nach Moskau, um an sportlichen Wettkämpfen teilzunehmen, und nimmt dazu gleich Preiss mit. Dem Arbeiter- Turn- und Sportbund wirft man vor ,,, er gleite in reaktionäres Fahrwasser", ahmt aber selbst die Praktiken der bürgerlichen Sportler nach. Mögen auf der Spartakiade" die kommunistischen Sportler um Preise und Orden der„ Roten Fahne" kämpfen; die Arbeitersportgenossen haben genug von dieser kommunistischen Theorie und Praxis. W. Sabath. Kind und Sport. Sport ist für die Jugend auch Inbegriff alles törperlichen Austollens. Dieses aber ist notwendige Begleiterscheinung der jugendlichen Entwicklung. Für die ältere Generation erwächst aus dieser Tatsache die Pflicht, die unumgängliche Entwicklung des findlichen Interesses für Sport und Leibesübungen in eine gesunde Bahn zu lenken. Auch dabei ist natürlich die Anleitung das wichtigste, nicht etwa die autoritäre Beeinflussung. Schule und Jugendämter haben sich daher der Sache auch schon angenommen. Der Kampf um die tägliche Turn. stunde, um die freien Spielnachmittage in den Schulen und um das Schulschwimmen wird von diesen Stellen in jeder Hinsicht gefördert. Nicht überall verfährt man dabei allerdings so glücklich, wie es im Interesse der Sache erwünscht sein sollte. Manches wird abgestellt auf die übliche Weise des bürgerlichen Sportfimmels mit Refordjägerei und Herausstellung einzelner, förperlich gut disponierter Kinder. Das leicht auftretende Minderwertigkeitsgefühl erfährt dadurch bei der Masse Förderung im schlechtesten und für die freie findliche Entwicklung hemmenden Sinne. Von pädagogisch einfichtigen Kreisen werden deshalb schon oft die üblich werdenden Schulsportfeste und Schulschwimmfeste abgelehnt, sofern sie sich auf Spitzenleistungen aufbauen. Ein anderes Kapitel berührt das freie sportliche Spiel der Kinder auf der Straße, auf dunklen Höjen, auf Bauplägen und wo es fonft immer fei, Besonders in den Großstädten Der Engländer Lowe Sieger im 800- m- Lauf, wird von Engelhart beglückwünscht, ihm auch bei seinen Gegnern Achtung. Nie hat er seine sozialistische Gesinnung verleugnet. Dem TUL- Vorstand gehörte Mikkola seit der Bundesgründung an und der Bundesfongreß übertrug ihm 1927 die Führung des TUL. Der um die Einheit der sozialistischen Arbeitersportbewegung Bemühte trug schwer an der Wühlarbeit und gehässigen Kampfesweise des Spartakiadekommitees", die in letzter Zeit fast ausschließlich ihm galt. Als Vorsitzender der fozialdemokratischen Stadtverordnetenfraftion von Helsingfors hat Mikkola sich auf kommunalem Gebiete große Verdienste erworben. Seine Berufskollegen wählten ihn zum ersten befoldetem Borsigenden des Buchdruderverbandes, nachdem er lange Jahre ehrenamtlich dem Verband vorgestanden hatte. um den verstorbenen Rämpfer trauert die internationale sozialistische Arbeiterschaft. Boxen bei Rütt. Boja schlägt Kiausch nach Punkten. Der ständige Borring wartete gestern abend mit seiner vierten Veranstaltung in der Rütt Arena auf. Der Innenraum und die Tribünen waren recht gut bejezt. Im Hauptintereffe des Abends stand der Endkampf des vor acht Tagen begonnenen Mittelgewichtturniers, für den fich Boja ( Effen) 74,3 Kilo und Aler Riausch( Berlin) 70,5 Rile qualifiziert hatten. Boja war während der acht Runden stets tonangebend und brachte Riausch eine glatte Punttniederlage bei. In den Vorfämpfen des Weltergewichtsturniers ging es recht hart zu. Es wurde mit großer Erbitterung gebort, trotzdem gingen alle Rämpfe über die Distanz. Es siegten nach Punkten Willi Nitschka( Berlin) 66,7 Kilo über Willi Mohr ( Düsseldorf) 63,9 Kilo, Helmuth Schulz( Königsberg) 64,5 Rilo über Willi Glaser( Berlin) 63,3 Kilo, Otto Lauer( Saarbrüden) 66 Kilo über Hans Ahrens( Berlin) 66 Kilo, und Paul Richter ( Dresden) 65 Kilo über Hans Stamms( Mülhausen) 63,5 Kilo. Der Punktsieg des Dresdener Richter rief vereinzelten Protest hervor. In den Zwischentämpfen trat dann Nitschte gegen Schulz an. Nitschke hatte Pech; gleich zu Beginn der ersten Runde zog er sich am rechten Auge eine gefährliche Ber legung zu, er mußte den Kampf auf Anraten des Arztes aufgeben. Lauer fonnte schließlich zum Schluß Richter( Dresden) glatt auspunkten. Der Endkampf zwischen Schulz und Lauer findet am nächsten Freitag, 10. Auguft, statt. Vereinskalender. Sportverein Moabit. Conntag: Treff für Sportfeft Spandau 8 Uhr Bahn hof Butligstraße und 12 Uhr Weddingplak. Treff für Freie Scholle- Tegel 12% Uhr Bahnhof Beusselstraße und Putligstraße. 17. Areis. Conntag, 5. Auguft, Treffpunkt zum Feftzug 13 Uhr Boghagenez Blaz, Grünberger Straße. Turner in Sportkleidung. Boraussagen für Sonntag. Strausberg: 1. Quelle Fonta; 2. Nettelbed- Bartie; 3. Brunustochter Werden; 4. Staroste Mäander; 5. Barfuß Bubi; 6. Kadewitt Easter Lily; 7. Laß sein Odaig. Thale am Harz. Zu den beliebtesten Ausflugs- und Reisegebieten in- und ausländischer Gäste zählt noch immer der Harz. Jahraus, jahrein strömen aus allen Gauen unseres Baterlandes, besonders aber auch aus den ausländischen Grenzgebieten wie Holland und Dänemark Reisende zum Bodetal. Die Erreichung des Zieles wird durch eine gute Bahn- und Autoverbindung sehr angenehm gestaltet und prattisch angelegte Sonderzüge bieten den umwohnenden Großstädtern Gelegenheit, dieses wirklich eigenartig schöne Stüd Natur fennenWäldern und Höhen und erinnern sich immer wieder gerne des zulernen. Viele Hunderttausende pilgern jährlich zu den herrlichen schönen, unvergeßlichen Eindruckes, den sie hier empfangen haben. Nicht am wenigsten ist es die großartige, wildromantische Natur des Bodetales, welche die deutschen Gebirge nicht annähernd aufzuweisen haben und die in erreichbarer Nähe zweifellos ihresgleichen sucht. Zu der romantischen Szenerie kommt noch das geheimnis volle Weben, das um die Höhen von Roßtrappe und Ferentanzplatz zieht, das Geraune und Getuschel, das die felszerflüfteten Berge umgibt, das Flüstern der Baumkronen und das Getöse und Gerausch der wilden Bode, die bei Königsruhe und Waldkater ihre Wasser in ruhigere Bahnen lenkt. Hochragende Berge aus Klippengemirr, Felsstarrende Eiben mit Vogelgeschwirr, Buschige Farren mit Eichengelode, Klobige Stämme trog Sturmesgebraus Ist der Charakter im Endtal der Bode heißt es in der Dichtersprache von D. Schönermard; mit diesen Borten zeichnet er so ganz den wild- romantischen, ein wenig düsteren Charakter der Landschaft, die bei empfindsamen Naturen einen besonders starten Eindruck hinterläßt. Das urwüchsige Bodetal ist die Perle des Harzgebirges. Schöne, gepflegte Wege in den ozonreichen Wäldern bringen Heilung und Stärkung für Erholungsbedürftige. Wer jedoch Abwechslung und Zerstreuung sucht, der findet auch dies. Konzerte, Theater, Reunions, Büchereien forgen für Unterhaltung auf den verschiedensten Gebieten. Als Kurort verfügt Thale über vorzüglich wirkende Solbäder, tüchtige Aerzte stehen dem Erholungsuchenden beratend zur Seite, ohne daß irgendwelche Kurtage erhoben wird, wodurch der länger weilende Gast schließlich doch eine Ersparnis hat. Gute Gaststätten zu mittleren Preisen, aber auch solche, die den verwöhntesten Ansprüchen genügen, stehen den Reisenden zur Verfügung. Theater der Woche. Vom 5. bis 13. August. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Artisten. Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater am Nollendorfplatz: Die ungefüßte Eva. Theater des Weftens: Das füße Geheimnis. Komische Oper: Zieh' dich aus! Deutsches Künstler- Theater: Es kommt jeder dran. spielhaus: Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Der Zarewitsch. -LuftLeffing- Theater: Trianon- Theater: Yoshiwara( Das Haus der Berliner Theater: Laster). Residenz- Theater: Standal im Bett. Der Prozeß Mary Dugan. Neues Theater am 300: Frühlingsmädel. Die Tribüne: Sybille? Ausgeschlossen!- Kleines Theater: Die Art, sich zu geben. Renaissance- Theater: Spiel im Schloß. Rose- Theaetr( Gartenbühne): Das Mufitantenmädel. Schloßpark- Theater Steglitz: Die Zirtusprinzessin.- Scala: Inter nationales Varieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Kottbusser Tor: Elite- Sänger. Nachmittagsvorstellungen. Rose- Theater( Gartenbühne): Täglich 17% Uhr Konzert und bunter Teil. Schloßpart- Theater Steglitz: 5. Das Dreimäderlhaus, Scala: 5, 11, 12. Internationales Barieté.