BERLIN Sienstag, ?. Allgufi 1928 10 Pf. Nr. 370 B183 45. Jahrgang. Lrsch«i«t täg lich«oßer Souutas«- Zugleich Abendautgabe de«.Vorwärts-. Bezugtoreis beide Ausgaben 8ü Pf. pro Woche, 8,60 M. pro Monat. Redaktion uodErpeditivn: B«rlinSW6«,kindenßr.3 SfiaJaa&tfaße xle& >«t«tsea»r»t i n e in der Einfahrtsweiche mit Lokomotive und den ichfolgendenvierWagen. Die Lokomotive und der Pack- igen sprangen aus bisher noch unaufgeklärter Ursache aus dem cis und stürzten um. wodurch drei weitere leere Güter- igen ineinandergeschoben wurden. Der übrige Zug- I ist unbeschädigt geblieben. Die beiden hauptgleise der Richtung eiensen— Elze und Elze— Kreiensen wurden sofort gesperrt und - Zugverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Bei dem ifall wurden d!« auf den Bremsen fahrenden Oberschosfner -inrich Schütte aus Northeim schwer und der Schaffner -itz Herbst aus Northeim leicht verletzt: beide sind sofort die Göttinger Klinik übergeführt worden. Die Aufräumungsarbeiten waren heute früh gegen 7 Uhr soweit tgeschritten, daß ein Gleis der Richtung Elze— Kreiensen um Uhr freigegeben werden konnte. Die sofort eingeleitete Unter- hunz hat bis jetzt noch keinen Anhaltspunkt über die Ursache : Sntgfrchmg«gebea. Oben: Arbeiter aus Essen im Festzug. Unten: Vor dem Brüsseler Volkshaus. Terror im Landbund! „Die., Landbundnachrichten des Kreises Oberbarnim" vom 3. August(Erscheinungsort Freienwalde), veröffentlichen unter der'Ueberfchrift„Gegen die Nutznießer" einen ein- stimmigen Beschluß des Vorstandes des Landbundes Guben über„Selbstschutzmaßnahmen gegen diejeniger(. die im Ent- scheidungskampf der Landwirtschaft um Sein oder Nichtsein als Nutznießer abseits der Organisation stehen". Sie lauten: 1. Wir üben äußerste Zurückhaltung im Verkehr mit NichtMitgliedern, da wir es als ehrenrührig ansehen, heute nicht dem Landbund anzugehören. Wir vermeiden mit ihnen jeglichen gesellschaftlichen Verkehr, auch in Gasthäusern und beim Spiel. 2. Wir leisten Nichlmitgstedern, auch wenn sie zur Rachbarschast. Freundschaft, Verwandtschost gehören, keinerlei Gefälligkeiten mehr und nehmen von ihnen keinerlei Gefälligkeiten, auch wenn es uns Opfer kostet, mehr an. Dafür versprechen wir Mitglieder des Land- bundes uns gegenseitig jegliche Hilfe in Notfällen. 3. NichtMitgliedern leisten wir keinerlei Fuhren, weder Gesellschafts- noch Privatfuhrcn(z B. bei Hochzeiten), auch nicht für Geld. 4. In Brandfällcn leisten wir n u r L ö f ch a r b e i t e n. Die übrigen Hilfsmaßnahmen: Einstellen von Vieh, Stellen von Saal- gut usw. und alle sonstigen Hilfen unterlassen wir grundsätzlich und unter allen Umständen. Wir begründen diese scharfe Maßnahme Oer Klopffechter der Volkspartei. Ehrabschneider, Erpresser und Wechselfälscher.— Die Schwerindustrie als Geldgeberin.— Oer Hochstapler als voltsparteiliches Vorstandsmitglied. damit, daß die NichtMitglieder auch nicht für notwendig halten, uns ihre materielle chilfe beim Kampf um unser Dasein zu leisten. Da die NichtMitglieder von jetzt ab über unseren Willen unterrichtet sind, können sie im Notsall nicht davon sprechen, daß sie in der Not von uns verlassen worden sind. Sie können sich jetzt schon mit ihrem Verhalten danach richten, ob sie von unseren Maßnahmen getroffen werden können oder nicht. 6. Handwerker, soweit sie im Nebenberuf Landwirte sind und daher an der Erhaltung ihrer Scholle interessiert sind, aber nicht dem Landbunde angehören, beauftragen wir nicht mehr mit der Durchführung von Arbeiten. 6. Wir besuchen in Zukunft nur noch solche Gastwirt- s ch a f t e n, deren Inhaber oder Pächter Mitglieder des Land- bundes find. 7. Das Sprunggcld für Bullen wird für NichtMitglieder in jedem Falle um SO Proz. erhöht, soweit nicht Genosscnschasts- bestimmungen diesem Beschlüsse entgegenstehen. 8. Die Beschlüsse gelten als letzte Mahnung an alle Nick)t- Mitglieder des Landbundcs, sich unserer Bewegung anzuschließen. Wir erklären ausdrücklich, es niemand nachzutragen, wenn er jetzt erst zu der Erkenntnis van der Bedeutung der Landbundbcstrcbun- gen gekommen ist und sich uns anschließt. 9. Wir werden alle Landwirte, die sich vom Landbunds a b- melden sollten, in der Landbundzeitung oeröffentlichen, weil sie auch unter vorstehende Beschlüsse fallen. Diese aber müssen von den Mitgliedern unter allen Umständen durchgehalten werden. 19. Pflicht aller Landbundmitgliedcr, insbesondere der Herren Großgrundbesitzer und Pächter ist es ferner, bei allen g e- s ch ä f t l i ch e n Betätigungen, wie Verpachtungen. Saatgut-, Kar- toffcl-, Stroh- usw. Verkäufen Landbundmitgliedcr zu bevorzugen und von Üiichtlandbundmitglicdcrn Zuschläge zu ver- langen oder gar nicht in geschäftliche Verbindung mit ihnen zu treten, um ihnen auf diese Weise klar zu machen, daß sie als Nutz- nicher der Organisation nicht Vorteile, sondern Nachteile hoben. Dies Dokument des Landbundgcistes verdient festgehalten zu werden. Es zeigt einmal, wie die Vertretung Wirtschaft- licher Interessen alle Bande der„Verwandtschaft" in Kreisen durchschneidet, die die„Familie als die Grundlage des Staates" gegen die sozialistische Zerstörungswut zu ver- tcidigen vorgeben. Vor allem aber wird es dazu dienen, den besitzenden Klassen vorgehalten zu werden, wenn wieder einmal Geschrei über angeblichen Terror der freien Gewerk- schaften erhoben wird, die niemals auch nur entfernt an solche Maßnahmen gegen die Nutznießer ihrer Organisationsarbcit gedacht haben. Welch eine Entrüstung würde sich erheben, wenn ein Gewerkschaftsvorstand gesellschaftlichen Boykott, wirtschaftliche Benachteiligung gegen die NichtMitglieder be- schließen würde. Wie hat man Polizei und Staatsgewalt mobilgemacht, um das Streikpostenstehen zu verhindern! Jetzt unternimmt man selber gegen die„Freiheit des Staats- bürgcrs Attacken, die man bei den arbeitenden Massen als ein fluchwürdiges Verbrechen bezeichnen würde. Das abgeworfene Kreuz. Oer Papst läßt Mobile danken. Die aus Rom gemeldet wild, beauftragte der Papst den Kaplan der Rordpolexpedilion, dem General Robile seinen besonderen Segen und Dank zu übermitteln für den Mbnmrs des Kreuzes aus dem Zkordpol. Pius Xl. ließ General Robile eine golden» Medaille überreichen. In der gesamten nichtitalienischen Ocffentlichkeit hat es bei der unglückseligen Nobile-Expedition besonders unangenehm berührt, daß der General trog der nicht günstigen Wetterlage darauf bestand, ausgerechnet am 24. Mai, dem Tage der Kriegserklärung Italiens an Oefterreich-Ungarn, das vom Papst geweihte Kreuz und die grünweihrote Tiitolore über dem Nordpol abzuwerfen. Die unfeine, verletzende Geste ist ihm gelungen, die Folge war, daß sein Luflschiss am nächsten Tage auf dem Eise zer- fchm eiterte, lieber die genaue Zahl der vielen wertvollen Menschenopfer, die das schlecht vorbereitete Unternehmen Nobiles, des Generals des Eises", forderte, sprachen wir letzthin aus- führlich. Besonders verletzte die seltsame Rettung des Führers, die trotz aller vorgebrachten Entschuldigungsgründe ii n i a ß b a r bleibt. Die Nachricht vom Dank des Papstes wird auch in katholischen deutschen Kreisen eigenartig berühren. Der wackere Schwede Lundborg ist Inzwischen in Kopenhagen cingclrossen und. wie es Ihm gebührt, gefeiert worden. Gentleman, der er ist, versucht er, sich vor Nobile zu stellen. Den Vertretern der Presse sagte er unter anderem, daß seiner Mei- nung nach die O e f f e n t l i ch k e i t und ein Teil der Presse, be- sonders in Deutschland, Nobile und seine Handlungsweise zu hart beurteilten. Der General habe sich lange gesträubt, ehe er das Lager zuerst verlassen habe. Nur die Aussicht, daß am gleichen oder am nächsten Tage seine Kameraden ebenfalls gerettet würden, hätten ihn diesen verhängnisvollen Schritt tun lassen. Auch Lund- borgs menschlich sympathisches Eintreten für Nobile wirkt nicht überzeugend. In Italien sträubt man sich in dem gewohnten heftigen Ton der faschistischen Presse mit Händen und Füßen gegen eine internationale Untersuchung der Nobile-Expedition. Man fürchtet, die Wahrheit könne ans Licht kommen. Deshalb will man sich mit einer inneritalienischen Schein- Unterdrückung begnügen. Der Eisbrecher„K r a s s i n" traf in Trams ö ein und wurde von der Besatzung der Schisse im Hafen mit Hurrarufen begrüßt. Der norwegische Wissen- schastler Dozent Ho et, der sich während der ganzen Rettungs- expedilion an Bord des„Krassin" befunden hatte, lobte die Russen sehr. Auf eine Frage, ob er sich über die Episode äußern wolle, als der russische Flieger Tschuchnowski die Mitglieder der Italia- expedilion M a r i a n o und Zapp! aus dem Eise entdeckte, ant- wortcle 5)oel, er sei ganz sicher, daß es sich bei der vermeintlichen dritten Person um ein Paar Beinkleider gehandelt habe, das auf dem Eise lag. Es haben auch noch ein Paar Hosen auf der Eisscholle gelegen, als die beiden Männer an Lord genommen wurden. Das Wetter sei sehr unsichtig gewesen, und hieraus seien die verschiedenen Mißverständnisse zu erklären. Der von Tschuchnowski aufgenommene Film werde Klarheit über diese Angelegenheit bringen. Der Film befinde sich noch an Bord des„Krassin". Oer Tuberkuloserekord Bulgariens. Sofia, 6. August(Eigenbericht.j Auf Anordnung des Kultusministeriums wurden in verschiedenen Schulen des Landes ärztliche Erhebungen über die Verbreitung der Tuberkulose unicr dm Schulkindern gemocht. Das Ergebnis ist er- Wie wir schon kurz berichteten, ist in Essen eines der berüchtig- sten notionolistischen Revolverblätter„Das freie Wort" zu- fammengebrochen. Aus seinen Trümmern steigt ein übeiduftender Skandcl, der zugleich ein Skandal der Deutschen Volks- parte! ist. „Das freie Wort" betrieb gewerbsmäßig die Verleumdung republikanischer Staatsmänner und Politiker. Ohne den Schalten eines Beweises wurden die ungeheuerlichsten Behauptungen ausgestellt. So hieß es einmal, daß die Minister Hönisch und Heine einen Waggon Schokolade verschoben hätten, ein andermal wurden die schmutzigen völkischen Lügen über den Zentrumsminister Hiertsiefer wiederholt, als die Urheber des Klatsches ihre Verleumdungen längst zurückgenommen hatten. Herr Kirschner, der Heraurgeber des Blattes, und fein verantwortlicher Redakteur waren Stammgäste vor dm Essener Gerichten. In den letzten Iahren gab es gegen„Das freie Wort" fast nur noch Gefängnis st rase st. Bezeichnend ist, daß d'e Deutsche Volks Partei, die so gern in der Oesfentlichkeit vornehme Haltung markiert, hinter diesem verleum.derblalte stand. Herr Kirschner konnte, ungeachtet seiner Übeln journalistischen Tätigkeit, im geschäslrführenden Vorstand der Vmtschm Volkspartei Essen eine leitende Rolle spielen. Die mit der Volkspartei in Esten eng verquickte Sch werindustrie stellte Herrn Kirschner wiederholt Beträge von ZV 000 M.. 15 000 M. usw. zur Verfügung. Und zwar gesckzah dies durch den Assessor Löwen st ein, Geschäftsführer des bergbaulichen Vereins. Generaldirektor V r a n d i(Dortmund), Vorstands- Mitglied des bergbaulichen Vereins, wußte von dieser Geldhergabc und war damit einverstanden. Daß Herr Kirchner diese Summen nur zum allerkleinsten Teil für die vorgespiegelten „nationalen" Zwecke, zum überwiegenden Teil zur Begleichung seiner eigenen privaten und geschäftlichen Schul- den verwendete, gehört zum Humor der Sache. Natürlich war dieser Kirschner ein hervorragender Kämpfer gegen die„Korruptioncwirtschast der Sozialdemokratie". Keine Nummer semes Blattes erschien, in der nicht ein Dutzend Artikel und Notizen dieses Thema behandelten. Seine eigene moralische Qualifikation zum Reiniger der Republik unterliegt zurzeit der Prü- fang der Staatsanwaltschaft. Dos Material liegt Berge hoch. In erster Linie sind zu nennen zahlreiche Wechselfälschvngen. So hat sich Kirschner vom bergbaulichen Verein Wechsel in Höhe von 6990 bis 7999 M. diskontieren losten, die gefälscht waren. Ein ähnliches Betrugsmanöoer verübte Kirschner beim Verkauf eine» Sechssitzer-Adlerwagcn», über den ein echter Korruptionsbekämpfer natürlich verfügen muß. Einem Liebhaber wurde der Wagen für 1599 M. angeboten. Später erklärte sich Kirschner bereit, den Wagen als Zugabe gratis zu geben, wenn der Käufer ihm einen Wechsel über 5590 M. diskontiere. Der Käufer ging hierauf ein. Kirschner erhielt die 3599 M. und der Käufer— ein gefälschte« Papier! Hierauf teufte sich Kirschner einen neuen Wandererwagen für 7999 M., zahlte jedoch nur L999 M. an und ließ dann den Wagen auf Grund eines alten Urteils in oller Deutschnationaf. „Gesinnung völkisch, Gäule aus England, Schampus aus Frankreich, Kaviar au« Rußland und Schnitter aus Polen— das nenne ich-internalional gedacht." schreckend und dürste einzig dastehen. In den meisten Schulen entfallen aus 190 Kinder 49 bis 54 Tuberkulose, so in Sofia 45. in Küslcndll 49, in den Vonaustädlen widdin 54 und Ruslschuk 52, in Schumen 44 usw. Diese Tuberkuloseepidemie läßt da» soziale und wirlschastllche Elend der mittleren und„unteren" vevölkerungkschichlen Bulgarlens grauenhaft deutlich erkennen. Der soziotlstische„Rarod"(Die Ration) sorderl von der Regierung rasch« Maßnahmen zur Lekämpsunz dieser verbreiteten und verheerenden Dolkokrankhelt._ 50 MNionen hören Wahlkandidaien. Rew Jork, 7. August. Der Leiter der amerikanischen Nationalen Seirdegesellschaft (Brosde-Mlnx Co.) hol sich bereit erklärt, die beiden großen Reden. in denen Hoovcr und Smith osfiziell d>c ihnen angebotene Präsi- denlschaflskandidatiir annehmen, für die 5 9 M i l l> o n e n amerikanischen Rodiohörär unentgeltlich verbreiten zu lassen. Während der Präsidc.'.lschastslompagn« wird die Sendezeit für die Stille durch einen guten Bekannten„pfänden". Erst nach abenteuerlicher Jagd gelang es dem Verkäufer, sich wieder in den Besitz des unbezahlten Wegsns zu setzen, wobei er physische Gewalt anwenden mußte. Es wäre ein Wunder, wenn ein solcher Korruptionsbekämpfer nicht die bekannte Methode entdeckt hätte, wie man durch Revolverjournalismus Geld machen kann. Neben der Sozialdemokratie und der Republik griff Herr Kirschner noch einzelne zahlungsfähige Firmen an, temperierte diese Angrisfe aber oder stoppte sie gänzlich ab, je nach den erhaltenen Inseratenauf» trägen. Von einer Firma Härtung, Kuhn m K o. in Düsseldorf, die von der Reichseisenboknverwaltiing der Uebervor- teilung beschuldigt wird, holte sich Kirschner unter Hinweis auf angebliches, in seinen Hörden befindliches Maleriol ein Inserat über 1599 M., worauf die Firma von ihm in Ruhe gelösten wurde. Noch inter» estanter ist sein Verhalten im Falle des Komm-rzienrats Falk in Düsseldorf. Falk, der Leiter des Rheinkendelskonzerns und der Minerva A.-G., hotte gegen„Das freie Wort" einen Beleidi'- gungsprozeß wegen pewiiier Angriffe auf feine Firma an- gestrengt. Vor Gericht mußte Kirschner einem kläglichen Vergleich zustimmen und die Kosten des Verfahrens übernehmen. Dann aber einigte er sich völlig mit Falk, bekam von Falk nicht nur seine Kosten ersetzt, sondern sogar noch einen erhrblichen Zuschuß g-zablt und machte m-n aus einmal— Propaganda für die(felf'tfven klnfer- nehmi'no»n! Die von Falk hergegebene Summe beläuft sich auf etwa 7999 M. In den lebten Zeiten, als er dicht vor dem Zusammenbruch stand, hat sich Kirschner sogar nicht gescheut, kleine und kleinste Leute hereinzulegen. So pumpte er die Zeitungsverkäufer am Essener Haupt» bahnbof um Beträge von 5 bis 19 M. an, einem Zigarrenver» t ä u f e r ebenda prellte er um 29 M. und blieb obendrein die ge» kauften Zigarren schuldig.— Jetzt ist Herr Kirschner In ein„Sonalorium" gegangen. Offenbar trachtet er nach dem Schutz des Z 51 für seine Schwinde- leien. Ausfällig ist, daß trotz der Schwere der Verfehlungen noch kein Hastbefehl gegen ibn ergangen ist. Bei der Deutschen Volkspartei Esten hat der Fall peinlichste Verwirrung ausgelöst. Man hat«inen neuen geschästsführenden Vorstand gewählt. Selbst, verständlich wird die Deutsch» Volkspartei datr'l die Verantwortung für Herrn Sirfchner nicht los. Auch als der E r d m a n n- Skandal publik wurde, schickte die Vers einigung deutscher Arbeitgeberoerbände ihre Syndici Tänzlee und von Zengen ols Sündenböcke in die Wüste. Zwischen Erd- mann und Kirschner scheint übrigens ein gewisser Zusam, m e n h a n g bestanden zu haben. Wenn Kirsckmer oder sein verant- wortlicher Redakteur wegen Verleumdung vor Gericht zitiert wurden, dann stellte sich oft als ihr„Gewährsmann" Karl Erd mann ein. Möge die scheinbar so vornehme Deutsche Voltspartei und dick scheinbar so sachlichen Arbeitgeberverbände hinterher auchjhrc Bekanntschaften verleugnen— im Falle Kirschner wie im Fall Erd- mann steht fest, daß sie Zehnlousende und hunderttausende von Mark an diese Leute haben fließen lafsea. Der Kirschner-Skandal ist ein Skandal der Deutschen Doltspartel. Vertreter der beiden Parteien streng paritätisch rationiert, da andernsal!« Grund zu der Befürchtung bestände, daß die kapital- kräftigen Republikaner schließlich alle Sendcmöglichkeiten en bloa austaufen würden und auf die Weise die Demokraten vollständig ausschalten könnten. �Soldaten, gehi nach Hause!" Drei Monate für diese vier Worte. Der Maschinenführer eines Güterzuges der Strecke Teichstatt— Rumburg(Deutschböhmen) sah früh 8 Uhr eine Rotte Rekru» ren mit ihrem Leutnant etwa 89 Schritte von der Bahnstrecke entfernt üben. Es war ein koster Tag und der Maschinenführer rief den Soldaten zu:„Soldaten, geht nach Hause!" Wegen Aufreizung zu einem Militärverbrechen angeklagt, wurde der Führer zu einer verschärsten Kerkerstrase von drei Monaten ohne Bewilligung des Strafausschubs verurteilt. Ein Kommentar erübrigt sich._ pulverexplosion auf einem Oampfep. Tacoma(Washington), 7. August. Durch die Explosion einer Ladung von 12 Tonnen Pulver auf dem Dampfer„La Bianca" wurde in der Stadt beträcht» licher Schaden angerichtet. Die Mannschaft des In Brand geratenen Schisses war nach«inigen vergeblichen Läschversuchen gezwungen, ins Wasser zu springen, um schwimmend die Küste zu erreichen. Kurz darauf wurde durch eine gewaltige Explosion an Bord des Schiffes der Kajütenaufbau der„La Dlanca" aus den Strand geschleudert.__ Ein Vervenkranker besuchi einen anderen Warschau, 7. August. In den Abendstunden des vergangenen Sonntags ist ein Geistes- kranker in das Landhaus Marschall P i l s u d s k i s in Sulejunek eingedrungen. Gendarmerieposten haben ihn soiort verhaftet. Der geistesgestörte Mann hatte verschiedene Papiere bei sich und beab- sichtigte, sich über ihm zugefügte angebliche Bcnochteiligun- gen heim Morschall zu besckzweren. Pech mu) der Mensch haHen. Aller Vorsicht zum Trotz hat ein Kaufmann ein wertvolles Schmuckstück eingebüßt. Während feine Frau verreist war. brachte ei' ein Kollier mit drei größeren Brillanten und zwei Rubinen zu einem Juwelier, um es vor diebischen Händen zu schützen. Gestern holte er den Schmuck wieder ab und verwahrte ihn in seiner Brieftasche. Auf der Fahrt mst der Untergrundbahn van Ji« Leipziger Straße bis zu« Potsdamer Platz stahl ihm nun ein Taschendieb die Briestasche mit dem Kollier und 149 M. Göhenvsrehrung. Von Paul Gutmann. In dem Tchrei nach dem großen Mann drückt sich die politische Unfähigk«it einer bestimmten Klasse«uz. Di« Zeit nach dem kaiscr- lichen Zusammenbruch Hot aus der Schar der historisch Besiegten uns mit„großen" Mannern, wie Ludendorss. Kapp. Ehrhardt und Hitler gesegnet. Aber auch die rückwärts gerichtete Derehrung erfolgreicher .„Helden", wie Friedrichs II. von Preußen oder Napoleons ist in ihrer bisweilen geradezu grotesken Uebersteigcrung als Zeichen politischer Schwäche zu werten. Es war«in Verdienst der sozial!» stischen Geschichtsschreibung, daß sie zuerst den um Friedrich ge- wobenen Legendentranz zerpflückt«. Was Mehring in seiner .Lessing-Legende" begonnen, vollendete Werner Hcgemonn in seinem von den Nationalisten begeiferten„Fridericus". Nunmehr hat derselbe Verfasser den anderen Nationalgott vieler Deutschen, zugleich ihren schlimmsten Feind und Unterdrücker Napoleon in das helle Licht kritischer Forschung gestellt. Bekanntlich war Goethe besonders stolz darauf, von Napoleon empfangen und mit der Bemerkung:„Wirtlich, ein Mann" gekenn- zeichnet worden zu sein. Das ihm von Napoleon verliehene Band der Ehrenlegion entschloß er sich schweren Herzens, noch noch dessen Sturz, abzulegen. Napoleon war ein guter Regisseur und Schau- spieler. Er verstand sich auf Wirtungen. Goethe war Theater- direktor und herzoglicher Minister in einer Person. Repräsentation machte daher auf ihn ebenso wie auf die durch ihre Kleinstaaterei um ihre Würde gebrachten Deutschen einen gewaltigen Eindruck. Eine kleine von Hegemann angeführte Episode zeigt besonders deutlich des Kaisers schauspielerische Eharlotancrie. Napoleon be- diente sich bei seiner Krönung des angeblichen Zepters Karls des Großen, das jedoch nur der Taktstock eines Kapellmeisters des 17. Jahrhunderts war, oben mit der Figur Karls auf dem Thron und der Unterschrift darunter:„Zanetu» Carolns Magnus." Seine Schlachtenberichte, die er nach Paris sandte, ließen zuerst die Nieder- läge ahnen, um durch die darauf folgende Siegesmeldung die Be- geisterung doppelt zu entfachen. Ebenso wie der Kaiser silberne, außen vergoldete, Nachtgeschirre benutzte, vergoldet« er seine oftmals aus höchst zweifelhaften Kreaturen bestehende Umgebung durch den Adelstitel. Der Pomp, den er in Erfurt entfaltete, wo er sich mit Dutzenden von Königen, Herzogen, Fürsten und Graten umgab, dient« dem ausgesprochenen Zweck, die Deutschen zu verblüffen. Di« von ihm ausgehende, mit echt italienischer Virtuosität— eine Parallele bietet die Gegenwart— gesteigert« Suggestion beeinflußte die gesamte deutsch« Geschichtsschreibung von Rank« über Lenz und Fournier bis zu dem von Hegemann mit einiger Ironie be- handelten Emil Ludwig. „Es ist ein kostspieliger Luxus für ein Volk,„große Männer" zu haben. Durch Napoleons Eroberungslust hat Frankreich fünf- zehn Departements, Savoyen, das linke Rhcinufer und Belgien verloren." Napoleons Feldzug nach Rußland erscheint in seiner Planlosigkeit und völligen Derkennung der für«in so großes Unter- nehmen notwendigen Transportmittel wi« die Handlungeweise«ines Irrsinnigen. Er verharrt in Moskau in einer krankhaften Untätigkeit, die an ähnliche Vorgänge im Leben Wilhelms II. erinnert. Despoten scheinen üb«rl>aupt übereinstimmend« Züge zu haben. So behandelt er seine Umgebung meist mit derselben pöbelhaften Rücksichtslosigkeit wie sein immerhin dreh erheblich minder bedeutender Kollege auf dem Thron: Wilhelm II. Wer aber entdeckt nicht die überraschende Parallele mit diesem Helden des Weltkriegs bei Hegemanns folgender Schilderung:„Sicher ist, daß der Wechsel kam. Das war so deutlich. daß schon vor seiner ersten Abdankung in Paris ein« Verschwörung im Gange war, ihn wegen Irrsinns zu entthronen. Sicher war Napoleon in Bayonnc, 1808, und am Njemen, 1812, nicht im Voll- besitz feiner geistigen Kraft. Er hotte aufgehört, kühl zu rechnen und die moralischen, physischen und internationalen Grenzen zu würdigen, die seinen ehrgeizigen Launen gesetzt waren, er hatte angefangen, alle? für möglich zu halten." „Ein politisch denkfähigcs Volk ist nicht auf große Männer an- gewiesen." Was der Nachwelt als Größe erscheint, ist oftmals nur das Werk zeitgenössischer Regisseur«, die im Auftrog ihres Herrn gearbeitet haben. So kennt man in Deutschland das Bild des be- rühmten französischen Hofmalers Gros, das Napoleon hoch zu Pferde mit einer Fahne in der Hand auf der Br. c von Areale darstellt, ein Gegenstück zu der bekannten Menzelschen Darstellung einer Geschichtslüge:„Friedrich in Leuthen." In Wirklichkeit waren die Truppen bei Arcole davongelaufen, der Kaiser war in einen tiefen Graben gestürzt, aus dem man ihn hervorziehen mußte, bevor er sich auf einem Pferd retten konnte. Bedarf es noch des Nachweises für die Behauptung Voltaire», daß es sich bei jedem Krieg nur um Diebstahl handelt? Bevor Napoleon nach Aegypten ging, sagte er zu seinen Truppen:„Ich verspreche jedem Soldaten, daß er nach seiner Rückkehr von diesem Zug genug zu seiner Verfügung haben wird, um sich sechs Morgen Land kaufen zu können." Er ließ in Aegypten und auf San Domingo von seinen Soldaten zehntausende von Unschuldigen morden, Haupt- sächlich, um die Truppen einem eventuell in der Heimat gegen ihn gerichteten Staatsstreich zu entziehen. Das ägyptische Abenteuer war der sinnlose und verfehlte Beutezug eines Hazardspielers, die Metzelei auf San Domingo«in von Napoleon selber vor seinem Tod als einen seiner größten Fehler beklagtes Verbrechen. Worin besteht das Kriterium historischer Größe? Es müssen wohl die Kriege sein, da es kaum einen friedlichen Herrscher gibt, der von der Nachwelt als groß gepriesen wird. Mit Recht sagt daher Hegemann:„Es ist höchste Zeit, daß die Wissenschaft endlich ein- deutig klar« Rentabilitätsberechnungen militärischer Größe aufstellt." Da im Weltkrieg ungefähr 1l> Millionen Menschen umgekommen sind, und im Ausland Wilhelm als der Schuldige gilt, so müßt« in der Meinung des Auslands Wilhelm II. größer fein als Cäsar, Napoleon und Friedrich zusammengenommen. Dos außerordentliche Buch sucht in seiner geistreichen Gegen- Überstellung weltberühmter Beurteiler nicht das geschichtliche Faktum Napoleon zu verkleinern, sondern zerstört die romantische Legend«, die aus genialen„Eroberungsbestien" Nationalheilige macht. Ein sonderbares„Verbrechen." Die Verteidigung der Verfassungsfeiern gegen Provokateure Der„Vorwärts" hat am Sonnabend„eine wüste Hetze gegen die kommunistische Jugend entfaltet". Das ist der neueste Aufschrei der„Roten Fahne", ausgestoßen, weil das Handelsministerum ange- wiesen hat, die Vcrfassungsfeiern in den Berufsschulen gegen die engekündigten Störungen zu schützen. In Ihrem Zorn erscheinen der„Roten Fahne" die„SPD.-Führer" als die schlimmsten Hetzer im Dienste der Bourgeoisie gegen all« diejenigen, die das alte prole- tarische Kampflied„Die Internationale" zu singen wagen. Das ist eine niedliche Verzerrung des Tatbestandes. Was war doch im„Jungen Bolschewik" angekündigt?„Sämtliche Ver- sassungsfeiern in den Berufsschulen müssen durch das Auftreten unserer Genossen vollständig gestört werden." Ausdrücklich wurde dort„mit Diskussionen mit den Schülern und Zwischenrufen während der Ansprachen" gedroht. Wir sehen kein„Verbrechen der kapitalistischen Koalitionsregierung" gegen die proletarische Jugend, sondern eine selbstverständliche Maßnahme gegen offene Provokationen, mögen sie nun unter Hammer und Sichel oder unter dem Hakenkreuz vorgenommen werden. Was würde wohl in der Sowjetunion passieren, wenn Fortbildungsschüler eine Feier der Sowjetverfassungstoges durch Zwischenrufe und Dis- kussionen mit den Mitschülern planmäßig stören und dabei etwa die Zlmnestie für die eingekerkerten Sozialdemokraten fordern wollten? Die Kerle an die Wand stellen und umlegen, wäre wohl noch da« mindeste. Wir gestehen, daß uns die„demokratische Strenge", über die die„Rote Fahne" zetert, doch noch lieber ist als eine solche kommunistische Milde. Die Schule der Völkerversöhnung! Gewerkschaststagung der französischen Volksschullehrer. Pari», 6. August.(Eigenbericht.) Der Kongreß der französischen Lehrerverbände, der im Gewerk- schaftshause in Renne? abgehalten wurde, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der französischen Lehrerschaft für das Gc- wcrkschaftsrecht, nicht weniger als für die pazifistische Er- ziehung der Jugend. Es wurde die Treu« der Lehrerverbändc zum Gewerkschaftsgedanken betont, der eine notwendige E r g ä n- Ein Geschenk AmanuIIahs, Der König von Afghanistan, Anianullah, hat verschiedenen Berliner Museen wertvolle Qe- schenke gemacht. So hat er dem Museum für Völkei künde dieses aus Chlorilschief er bestehende Buddha- Relief geschenkt, welches Buddha, ein M ünder vol/br ingend, darstellt. jung der parlamentarischen Verfassung sei. Der Generalsekretär Jouhaux erklärte, er könne nicht glauben, daß die Regierung ernstlich Stellung gegen die Gewerkschaftsbewegung nehmen werde. Wenn sie es aber tue, so werde die gesamte A r- b eiterschaft aus feiten der Lehrer stehen. Der Kongreß sprach sich mit 142 gegen S9 Stimmen für das Prinzip des Einheitsgehaltes aus. Endlich wurde«ine Entschließung angenommen, in der der Kongreß mit Genugtuung die Resultate des letzten Berliner Kongresses begrüßt und den Entschluß ausspricht, dem Beispi'l des Deutschen Lehrervereins folgend auch seinerseits als Tagesordnung des Kongresses von 1929 das Thema„Di« Schule im Dienste der Völkerversöhnung" zu bestimmen. Ts wurde lebhaft Rationalisierung des Unter- richte und Aufhebung all er religiösen Erziehung»- a n st a l t e n gefordert, wie vollständige Durchführung der Trennung von Kirche und Staat im gesamten Schulunter- ncht. Vor allein aber treten die Lehrerverbände für die Schaffung der E i n h e i t s p f l i ch t s ch u l e«in, in der es nur noch drei Schulgruppen geben soll und in der die Zulassung zum höheren Unterricht aueschliehiich nach Befähigung und Neigung erfolgen soll. Die Jagd nach dem peiroleumschieber. Amerika sucht einen Kapitalmagnaten in Frankreich. Denver, 7. August. Gegen den Großkapitalisten und Petroleummagnaten Henry B lackmer, der als einer der Hauptzeugen in dem bekannten Teapot Dome-Pctroleumfkandal gesucht wird und der sich seit einer Reihe von Jahren in freiwilligem Exil in Frankreich auf- holt, um sich seiner Zeugenpslicht zu entziehen, ist nunmehr ein „pre-i-temial Warrant", d. h. ein von Präsident Coolidge und Staats- sekrelär Kellogg unterzeichneter H a f t b e s c h l erlassen worden, der auch einen Antrag auf Auslieferung Blackmcrs enthält. Oer geschändete Weidig. Ein Frankfurter Mitarbeiter schreibt uns: Butzbach, das liebliche Städtchen in dem schönen Hessenlande. hat ein kleines Denkmal des revolutionären Pfarrers Friedrich Ludwig Weidig, des Rebellen und ersten Künders der wahren Menschenrechte in dem despotisch bedrückten Nassauerlande. Dieses Denkmal, das bisher leider niemand beachtet, wurde vor wenigen Tagen geschändet, bcschinutzt, beschädigt. Dem Manne, der einst tiefste Qualen erduldet«, den die Nassau- ischen Richter ins Gefängnis warfen, wieder herauslassen muhten, erneut verhasteten, mißhandelten, quälten, in den Wahnsinn hinein- trieben, dem sie selbst damals leine Ruhe gönnten, schänden sie heute noch das einzige Denkmal und versündigen sich so an dem Geiste eines aufrechten, geraden Menschen und an einem Toten, der zu Tode gequält wurde! Nationalsozialisten schlugen der Statue die Nase ab. beschmierten mit Teer die Plaketten Rathenous und Erzberger», die seitlich an dem Sockel angebracht sind, und begossen das ganz« Denkmal mit schmutziger Farbe! So ließen die Hakenkreuzler ihr« Wut an der heutigen Republik, an dem Denkmal eines Mannes aus, der wohl in unserer Erinnerung als kühner Revolut'vnär lebt, aber mit der heutigen Zeit nicht in unmittelbarer Beziehung steht. Er hatte einst um seiner Ueberzeugung willen viel gelitten, machte sich verhaßt, weil er landstädtisch« Verfassung mit kühnen Worten forderte, revolutionär« Schriften schrieb, den P a l ä st e n den Krieg erklärte und den Hütten Frieden, und G e r« ch- tigkeit für alles, was M en schenantlitz trägt! Dieser Freund Georg Büchners, dieser kernige Mann, auf den der alt« Liebknecht mit Stolz als seinen Verwandten hinwies, wurde in den Tod gehegt und starb unter Wahnsi.msqualen hinter Gefängnis- mauern. Dem Manne gönnt man heut« noch nicht die Ruhe, schändet sein Denkmal. Was tat Weidig den Nationalsozialisten? Er Ist für die Butzbach«? Hakenkreuzler das Symbol alles Republikanischen und deshalb schlugen sie seinem Denkmal di« Nase ab vor Aerger über die deutsche Republik. Und diese t e u t s ch e n Buben schwellen ihre Brust, wie wenn sie eine Heldentat verrichtet hätten. Erster Kongreß für da» deutsche Ehorgesangwesen. Vom 1. bis lk>. Oktober findet in Essen der erste Kongreß für das deutsche Chorgesangwesen statt. Mit diesem Kongreß tritt die Arbeitsgemein. schaft für das deutsche Chorgesangwesen, die den Deutschen Sänger- bund, den Deutschen Arbeitersängerbund und den Reichsverband der gemischten Chöre Deutschlands umfaßt, zum ersten Male vor die Oeffentlichkeit. Im Mittelpunkt der Tagung stehen Fragen organi- satorischer und wirtschaftlicher Art, vor allem di« Beziehungen von Staat und Stadt zum Chorwesen. Auf dem Kongreß werden sprechen: die Universitätsprosessoren Friedländer, Moser, Schering, Schünemann, die Generalmusikdirektoren Raabe-Aachen und Stein- Kiel, als Vertreter der Chorverbände di« Herren: Fehsei. List, Müngersdorf. Die Stadt Essen veranstaltet ein Festkonzert. An- Meldungen lTeilnehmergebühr 19 Mark) und Anfragen an: Das Städtische Verkehrs- und Presseamt, Essen, Rathaus. vezelarler.Tveltkongreß Der 7. slnternat'onale Begetarierkonqreß. zu welchem Teilnehmer au» allen Staaten der Welt sich angesagt haben, soll m Juli 1929 in Steinschönau in der Tschechoslowakei stattfinden. „Die 8acht der sieben Sünden." (Gloria-palasi) D«r Titel hat so gut wie nichts mit dem Inhalt zu tun, er soll auch wohl nur spekulatioerwcise die Pi)antasie des Publikums an- regen. Da augenblicklich der Verbrecher«in beliebter HuldigUngs- gegenständ für die Filmindustrie ist, besteht auch dieses Film- Manuskript aus einem wirren Durcheinander von Mordoerdächti- gungen, die dann mit der endlichen Verhastung der Schuldigen ihren Abschluß finden. Um die ganze Sache dem Publikum schmackhaft zu machen, wird die Handlung— soweit man sich unterfangen darf, die lose aneinandergereihten Szenen Handlung zu n«nnen— auf eine Pacht verlegt. Dies« hat eigenartige Dimensionen: wenn sie den Has«n verläßt, ist sie«in Ozeanriese und sobald sie sich auf dem Meero befindet, wächst si« in ihren Größenmaßen über alles hinaus, was je als Schiffsplanke auf Ozeanwcllen geschaukelt hat. Das ist ein grober Verstoß gegen die Realistik im Film. Die Regisseure I. u n d L. Fleck versündigen sich überhaupt mehr als einmal an dem Rhythmus ihres eigencn Werkes, das einen auseinandergefallenen Eindruck macht. In den Großaufnahmen sind all« Schauspieler völlig starr im Augenausdruck, was aber nur als unheimliches Spannung«- moment wirken kann, wenn auch die übrigen Gesten eine gewisse Starrheit aufweisen. Di« Massenszenen sind mehr voll Unruhe, als voll Leben. In künstlerischer Hinsicht glänzend gelungen sind einzig und allein die Nachtbilder. Brigitte Helm ist in ihrer Kleidung derartig extravagant, daß sie durch sie von ihrem Spiel direkt ablenkt. Die temperamentvolle Nina Marsa scheint mitunter die große Polo Negri zu markieren. John Stuart ist ein sehr farbloser Bräutigam und Hugo W c r n e r- K a h l e ist der übliche Filmbösewicht. Angenehm fällt Kurt Vesper mann auf, ein gutmütiger, lieber Trottel, wi««r nicht nur im Filmmanufkript steht, sondern auch im Leben vorkommt. e. b. Künstlsr-Ausbeuiung. In dem Hamburger Bilderfälfchungeprozeß wurde bekannt, wie angebliche„Kunsthändler" unglückliche Künstler in Abhängigkeit von sich bringen, indem sie sie zum stapelweisen Produzieren von Bildern veranlassen, die die Motive bekannter Meister wie Spitzweg u. a. wiedergeben. Di« Bilder werden dann vom„Kunsthändler" mit der Signatur des Meisters versehen und al» solches vertauft. Auf einen neuen Fall dieser Art scheint die haarsträubende Auf- forderung einer„Kunsthandlung" in Otlobrunn, Post Neubiberg bei München, hinzudeuten. Dieser„Kunsthändler" läßt Künstlern ein Rundschreiben zugehen, wonach er ständig zu Exportzwecken von bedürftigen Ktnistmalerii unsignierte saubere Oelgcmälde 18X24 bis 84X29 Zentimeter kaust:„in Frage kommen nur Arbeiten nach der Manier der alten Meister. Keine sogenannte moderne Kunst. Z. B. Spitzweg:„Auf der Alm", Calome:„Eichen ain Bach" oder „Eichen im Sturm", oberbayerische Gebirgs- und Seestücke und sonstige bekannte Sachen. Leute, deren Arbeiten mir entsprechen. beschästige ich ständig und mache sofort Abschlüsse über größere Posten(lausend dieselben Stücke). Bezahlt wird pro. Bild 2,59 M." Fritz Hellwag, der im Organ de» Reichsverbandes bildende? Künstler Deutschlands auf diesen Fall hinweist, fordert ein Einschreiten des Staatsanwalts. Denn offenbar will dieser„Kunsthändler" mit den Arbeiten seiner„Lahnknechte" nicht nur das Ausland verseuchen: er will die unsignierteu Bilder mit dem Signum der nachgeahmten oder kapierten Künstler versehen, genau so wie der Hamburger Schwindler, und so«inen Betrug im größten Stil inszenieren. Die Sturmkatastrophe in Bayern. Der vom Wirbelsturm geknickte Föhrenwald bei Bamberg. 7000 Arbeiter halten durch! Die Kampffront der ausgesperrten Metallarbeiter an der Lahn. An der Lahn und an der Dill; in diesen landschaftlich schönen Gegenden, haben die Unternehmer der Eisen- und Hüttenwerke 7000 Metallarbeiter ausgesperrt. Und dies in einer Zeit, in der die dortige Industrie nicht weiß, wie sie die Fülle der ihr er- teilten Aufträge unter Dach und Fach bringen soll. Der Grund der Aussperrung? Im 700 Mann starken Betrieb der Burger Eisen- werke haben die Former eine zehnprozentige Akkord'erhöhung verlangt, um die ihr bescheidenes Einkommen in einer Zeit geschmälert wurde, da es dem Unternehmen etwas weniger gut ging als heute. Es kanr zum Streik der Former: die Einigungs- Verhandlungen scheiterten und daraufhin: Aussperrung im ge- samten Bezirk. Sie erstreckt sich auf die Landkreise B i e d e n- topf und D i l l c n b u r g, oben im Westerwald und im Rolhaargebirge. In den Bergen: Eisenerzgruben, hie und da in den Tälern verstreut: die Eisen- und Hüttenwerke, die sich die Nähe der Erzvorkommen zunutze machen. Jetzt, wo nur noch wenige Schlote rauchen, sind die Betriebe nur mit Mühe zu entdecken. Sie liegen zwischen Wäldern, Wiesen und. wogenden Getreidefeldern. Es ist ein« kleinbäuerliche Bevölkerung, die dort wohnt und mit Mühe und Not die Ernte dem Boden abringen muß. Je härter aber die Scholle und dos Leben, desto zäher und k o n s c rv a t i v e r die Bewohner. Allein auch hier ist bei den letzten Wahlen der Kleinbauer erwacht: der Marxismus marschiert auch hier bei Bauer und Arbeiter. Die Ausgesperrten sind keine Proletmier nach großstädtischem Begriff. Teilweise besitzen sie ein wenig Feld, das von den Frauen bestellt wird, und falls sie, besitzlos, nur von der Fabrik- arbeit leben müssen, sind sie meist dennoch im Denken und Fühlen Kleinbauern. Die politische Organisation ist ihnen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, und wenn nicht gerade in irgendeinem Dorf ein oder zwei aufgeklärte und bewußte Köpfe sitzen oder vielleicht ein sozialdemokratischer Lehrer, dann sieht es schlecht aus um den Abonnentenstand unserer Parteipresse und um die Listen der Partei- Mitglieder. Selbst von den ausgesperrten Metallarbeitern ist kaum die halste gewerkschaftlich organisiert. Stellenweise stößt man auf Industriebezirke mit zwölfstündiger Arbeitszeit einschließlich der Pausen, und dahei haben diese Arbeiter sehr oft ein bis zwei Stunden Fußweg bis zur Ar- beitsstätte. Da ist z. B. der Hochofen Oberscheld. Er be- schäftigt rund 100 Arbeiter, von denen keiner gewerkschaft- lich organisiert ist. Ein eigener Werktarif ist mit diesen 100 Leuten abgeschlosien. Zwölf Stunden Arbeitszeit und ein sich automatisch regelnder Lohn, der immer 10 P r o z. niedriger sein muß, als die Löhne der Metallarbeiter. Hier wird auch jetzt gearbeitet. Unweit davon, im Eisenwerk Dautphe, rauchen sonderbarerweise ebenfalls die Kamine. Dies gut beschäftigte Werk ist im Besitz von sieben Arbeitern. Bor Iahren wurden sie ausgesperrt und kurz entschlossen machten sie sich selbständig. Heute ernähren si« fünfzig Mann, die den Vorzug einer achtstündigen Arbeitszeit und anständiger Bezahlung genießen. Demnächst wird das Werk frachtgünstig oerlegt und erweitert. „Uns gehls gaut, mer hallen dorch!" Das ist immer wieder die Antwort auf die Frage: Wie steht's? In den einzelnen Dörfern sind Wohlfahrtsausschüsse ge- bildet, die die Armenunterstützung regeln. Ueberall haben die Ge- meinden mit N o t st a n d s a r b e i t e n für die Ausgesperrten be- gönnen: Wege wurden ausgebessert, Wälder wurden gerodet, Kanäle gegraben, und mag die Unterstützung noch so gering sein, die Aus- gesperrten stehen frcndrg und geschlossen wie e i n Mann in ihrem Kompfeswillen, gestärkt durch das Gefühl, Opscr brutalster Unternehmerwillkür geworden zu sei». In dieser Empörung und in dieser Erbitterung ist mit ihnen die gesamte Bevölkerung einig. Diese sinnlose Aussperrung ist ein ebenso schwerer Schlag gegen die Handwerker, gegen die Geschäftsleute und geg«n die gesamte Wirt- s ch a f t. Die Läden in dem Kreisstädtchen sind öde und leer ge- worden. Leer und verlassen fahren die Züge auf den Kleinbahn- strecken. Handel und Wandel stocken. Arbeiter, Landwirte, Hand- werter und Gewerbetreibend« stehen abends zusammen und tauschen ihre Meinungen aus, und ungewollt hat sich aus den 7000 Ausge- sperrten eine glänzende Truppe von marxistischen und sozialpolitischen Agitatoren entwickelt. In den Bureaus der Metallarbeiter schichten sich die N« u a n m e l d u n g e n und Mitgliedsbücher hoch auf, und da die bürgerlichen Zeitungen den Unternehmern dienen, greifen die Arbeiter gierig nach der sozialdemokratischen Presse. Nicht minder eifrig sind die Frauen der Ausgesperrten, und allein die Verbandsunterstützung für die Gewerkschaftsmitglieder zeigt ihnen deutlich greifbar de» Wert der Organisation. Auf einer Brücke an der Dill stehen einige Ausgesperrte. Unter ihnen ein alter und verwitterter Siebzigjähriger. Jahrzehntelang ist er jeden Morgen, ob Sommer, ob Winter, eine Stunde weit zur Arbeitsstätte gegangen. Er will es nicht begreifen, daß man ihn mitleidslos hinausgeworfen hat und daß er jetzt herumlungern muß. Es wollten es Tausende nicht begreifen und haben sie dennoch erfahren, die LehrevomKlassen kämpf und vom Marxismus, eingebläut mit den Hungerpeitchen der Unter. n e h m e r. Die harten und zähen Gestalten an der Lahn und mt der Dill haben dicke Schädel. Es dauert lange, bis etwas in sie hineindringt. Wenn es aber sitzt, geht es so leicht nicht wieder heraus. Die Fabrikanten haben sich oerrechnet. Sie werden keinen Arbeitswilligen finden, nicht heute und nicht morgen. Tluv Kännchen. TZepp im Gartenrestaurant des„Funkturms". Am Sonntag nachmittag besuchte ich, so schreibt uns cirl Neichstagsabgcordneter, trotz schleästcn Wetters dos Gartenrestaurant des„Funkturms". Nachdem ich drei Tassen Kaffee bestellt hatte, erklärte mir der Kellner, daßesnurKann- che» oäbe. Den Preis einschl. Bedienungsgeld von 1, 1 0'M. je Kännchen finde ich für gewöhnliche Sterbliche außer- ordentlich hoch. Noch toller wird aber die Sock)«, wenn man die Bedürfnisanstalt aussucht. Meine Tochter betrat diese mit einem jährigen Jungen. Angeschlagen steht: Der Eintritt betragt 15 Pf. Die Reinmachefrau erklärt, daß zwei Personen die Bedürf- nisanstalt besucht haben, und daher 30 Pf. zu entrichten sind. Es bleibt unverständlich, daß für einen lll�jährigen„jungen Herrn gleichfalls ein« Bezahlung gefordert wird. Als meine Tochter da- gegen protestiert«, wurde ihr gesagt, daß die Miete äußerst h o ch sei, und deshalb die Preise gefordert werden müßten. Wah- rend der Zeit meines Kasseetrinkens nahmen zwei Lehrlinge am Nebentisch Platz. Sie durften vielleicht höchstens in einem Alter von 15 bis 16 Iahren stehen. Da sie Durst haben und Alkohol nicht genießen sollen, bestellen sie2FlaschenZitronenlimon ade. Als sie bezahlen wollen, fordert der Kellner 1,5 5 M. Mit Tränen in den Augen suchen sie ihre wenigen Pfennig« zusammen, und bringen es glücklich bis auf den geforderten Preis. Die beiden armen Teufel werden sicherlich in der ganzen Woche nur jeder 75 Pf. Taschengeld haben. Auf meinen Einwand, daß hier der Nepp sehr stark sei, antwortet der Kellner, daß es doch ein vor- nehmes Restaurant sei. Ich kann nur sagen, daß ich von Vornehm. heil in diesem einfachen Restaurant nichts gespürt habe. � Wir haben sowohl im„Vorwärts" wie auch im„Abend wiederholt auf die ckiel zu hohen Preise hingewiesen, die in Berlin vielfach für Getränke genommen werden. Wenn für eine Limonade 70 P f. gefordert werden— und der Fall ist keines- wegs vereinzelt— dann liegt dieBezeichnungWucher dafür nahe. Aber es scheint, als ob die Konsumenten in dieser Hinsicht ganz schutzlos sind und bleiben sollen.,, i, i 50 Lahre Arbeiier-Abstinenien-Nund. 25 Jahre sind im Leben jeder proletarischen Organisation eine lange Zeit harter Kämpfe. Im besonderen Maße gilt das für die Bewegung, die mit der Bekämpfung des Alkoholgenusses nicht allein in den kapitalistischen Nutznießern der Alkoholnot, fondern auch in liebgewordencn Gewohnheiten breiter Schichten der eigenen Klassen- genossen starke Widerstände zu überwinden hat. Die proletarische Alkoholbewegung hat diesen Kampf mit Kraft und Ausdauer geführt und manche Widerwärtigkeiten dafür in Kauf genommen. Und wenn auch die äußeren Erfolge der Organisation nicht mit Zahlen aus- warten können, wie. wir sie sonst in der Arbeiterbewegung gewohnt sind, so weiß der aufmerksame Beobachter doch, wie sehr diese Be- wegung mittelbar die ganze Lebcnsgestaltung der vorwärtsstrebendcn Proletarierkresse erfaßt hat. Man denke nur an die Verhandlungen der Parteitage, die Gestaltung der Sportbewegung und vor allem die ganze heutige Jugendbewegung, aus deren Betätigung man die Einflüsse der Alkoholgegner gar nicht wegdenken kann. So ist diese Bewegung doch zu einer Kulturmacht geworden, die zur Steigerung der Kampfeskraft und der Lebenskultur der Arbeiterklasse ein erheb- liches Stück beigetragen hat. Der Bund ist jetzt dabei, durch Ausgestaltung seines Arbeitsfeldes aus der mehr kritischen Stellung zur positiv schassenden Arbeit überzugehen. Es handelt sich dabei vor allem um die planmäßige Organisation der Alkohol- kranken-Fürsorg«(Trinkerrettung), bei der ein gemeinsames Arbeitsfeld mit den verschiedenen proletarischen Wirtschosts-, Gesund- hests- und Wohlfahrtsorganisationen gegeben ist— nicht minder um die Bekämpfung des Alkohols durch wertvolle Genuß- und Nahrungs- mittel, namentlich in Form der Milch und der unvergorenen Fruchtsäfte. So scheint es, als ob diese Arbeit, die mit einer eifrigen Schulung der Mitglieder und reger Aufklärungsarbeit nach außen Hand in Hand geht, noch erhebliche Erfolge bevorstehen. Ein Markstein dieser Entwicklung soll die Feier des fünfundzwanzig- jährigen Bestehens sein, die die Ortsgruppe Groß-Berlin am kommen den Sonntag, 12. August, im Voltspark Iungfernheid be- gehen wird. Neben einer Reihe ernster Darbietungen, wie sie dem Wesen des Bundes gemäß sind, wird es auch nicht an den heiteren Genüssen fehlen, die den Wert alkoholfreier Festkultur bekunden Lerantwortlich Kr die Redaktion!«uaea Pra«er. Berlin: Anzeiaen: Th. Slockc Berlin. Verlai,: Borwärt, Verlag®. m. b. K.. Berlin. Druck: Borwärt, Buch druckerei und Brrlagoanlialt Baul Singer& Co., Berlin EW 68. Lindenstrak' 3 SIer,» l Beilage Komische Usuhr Oper»'-.wl IJAMES K L E I M* S| gewaltiges neues Revue-Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende IVorverk. ah 10 Uhr eeöffn. 1 CASINO. THEATER Lothringer Str. 37. Wiedereröffnung Freitag, den 17. August 1928 mildem neuen Schlager Rundlunhfieber. Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Wiedmoltrsfen von Paul Brifton. ■.Tageskasse 11 bis 2 Uhr. Preise 60 Pr. bis 2 M. Do ii holt- Urett*l: (Saal und Garten) Variete— Kabarett— Tanr tneater am Holtbumr Tor KottbusserStr. h Tel, Mpl. 160TJ Heute 8 Uhr .Elite-Sänger [A. a.„Lohengrin in Neukölln" Ein VollM r srSisler Keit rkeitl Preis Mark n.so bis 2.— Ma'k. BEUTE VOLHSTAG! Ein) ritt ts pi. {ßrotiHcs Feuerwerk| Artist. Darbietungen. leatidi» TDeater Norden 12 310 U. Ende nach lO«/, Artisten 'Hi« Max Reinhardi Die Komödie Bismarck 241 4/731( <*l, U. Ende in«/, ü Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Huslk v. Spoliansky Serliner Iheatsr :>artottnstr.9II'9 1. Mnü.llO 31/,, Ende nach 1 0'/, jistsjieli.OeutsdienTh. Der Prozeft Hary Dnäan Hose-Theater Gr f rankt. Sir 1.32. 5 Uhr KONZERT Bunter Teil. ' 8'/, Uhr Das UmlkaoteDDiäiiel. Berliner Prater Kasianienallee 7/9.. 7»/, Tätlich 7»/. Die Jörsterchristel. Aussta'tungsopsrjttB. Außerdem Konzert, Variete. Tau. Kaffeeioctaen. m, Theater am Nollendorfplatz Die ungekfißteEva Operette in 3 Akten. Musik von M. Knopt mit Lori Leux. Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Lastspielbaas Faglich 8V, Uhr Die Reise iind Berlin in 40 Stunden. Silttaborg-Silioei' Iis. Künstler-Th. '>/, Uhr- Es kommt Jeder dranl Revue von Fr. Holländer bessing-TIleater raglich 8 Uhr JerZarewM' Tbeater des Westens Täglich 8>-, Uhr Ulli Plohr, Paul Heldensann in: DäS säße Geheimnis Operette von Zoriig Else Verna und Langendorf. llieater Blumenstr. 8. Täglich 8«/, Uhr Skandal im Bett! Sitte n sc hwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese WOnz a. G. Jugendliche haben keinen Zutritt l Parkett auch Sonnt. statt 4.— Mk. nur 1.— Mk. OffeneFUße Belnschiden aller Art. SalzflnB, Brandwunden und alte eiternde Wunden werden geheilt durch das beste Mittel Altschadensalbo HEROA erstklassige Anerkennungen und Dankschreiben. Alleiniger Hersteller und Versand Altstidtlsche Apotheke. Berlin C. 2, Münzstr. 14/15. Preis pro Dose M. 1.50, Kurpackung M. 450. Zu haben in allen Apotheken. wenn nicht: Altstädtische» Apotheke, Berlin CZ, Münzstr. 14/13. Patentanwalt Dipl.»lng. Hans Wolff BERLIN SW 68 Alexandrlnenstraßa 1 Fernspr. E 5(Lichtenberg) 4386 Empfehle den werfen Vereinen meine Räume(50—300 Personen) zur Abhal. tung von Pestllcbkefteo. Sonnabend und Sonntag natu Irel. Otto Hcbemtrcit Plötzlich unb unerwartet oersch ed& infolge Herzschlag» am Donner»,.:-> dem 2. Aitgiift 1928, unser lieb- Kollege, der«orsltzende de» Betrieb rat« der Berliner Mülladrndr A, Emil Weihrauch im Alter von 39 Jahren. 3n lahrelanger-lulammenardr lernten wir den Verstorbenen a guten, stet, hils»dereiten Kollege,. schätzen. Durch sein eisrige». lelnsi. loie, und sachliche» Arbeiten für die Allgemeinheit hat er sich Achtung und Sympathie bei allen Kollegen erworben. Wir werden ihm ein dauernde Andenken bewahren. vße Velegschafk der Berliner Müllabfuhr llL-G. Die Beerdigung findet am Mut- woch. dem 8. August. 15V» Uhr aus dem StädtilchenFAebhos inRe, nicken- dorf'Ost. Humdoldtilratze 86-90, statt. Fahrverhindung mit der Straßen- bahn Nr. 32. 41. 68 und 132 Küchen brtiutt ab S. Juli weifte u. lasierte, feinste und audi zur späteren Uelerund zu enorm biillden Preisen Auf alle Möbel 10% Rabatt Küchanmöbel« Haus Lasersteiii, IMauer Str. 1 Ecke Oranlaaetr. am Moritiplatz (Beilage Dienstag« 7. August 1928. SprÄbpnö SfuJciidgaße jc&L 1\£rh&as& Gefahren in Afrika. Von Krokodilen, Löwen und Leoparden. Von Professor Dr. Paul Schebesta. Gtncs frühen Morgens, kurz vor Sonnenaufgang, da die Sambefineger mit ihren kleinen Lasten auf dem Rücken bereits unterwegs waren, um im nachbarlichen Regierungspoften Lozerdonia die Arbeit anzutreten, stand ich auf der Veranda und atmete die wohltuende Morgenkühle ein, als gedämpftes Singen vom Flusse her an mein Ohr drang. Einen Augenblick horchte ich hin und wurde gewahr, daß es Klagegehcul war, das aus der Ferne zu mir drang. Ein Todessall oder ein Unglück mußt« sich im Dorfe ereignet haben. Von vorübereilenden Passanten erfuhr ich auch bald die Schauermär, daß drunten im Dorfe ein Mädchen vom Krokodil erfaßt wurde, als es in der Frühe in Begleitung ihrer Gespielinnen zum Fluß eilt«, um sich zu waschen. Wieder einer der Unglücksfälle, die sich gar nicht so selten in letzter Zeit in Chipanga ereignet hatten. Zu zweien radelten wir zur Unglücksstätt«, um womöglich das Mädchen zu retten. Vielleicht war noch zu helfen, da das Unglück vor kaum einer halben Stunde geschehen sein konnte. Alle Kaffern waren alarmiert und am User versammelt. Die Frauen jammerten und klagten mit der unglücklichen Mutter zusammen. Die Männer und die Jugend liefen teils auf der Uferböschung, teils auf den Sandinseln im Fluß hin und her oder befuhren in leichten Einbäumen den Strom, um dem Krokodil seine Beute abzujagen. Während mein Begleiter das Ufer entlang lief, stieg ich in«in Boot und fuhr langsam die Strömung hinab, immer scharf ausspähend, wo sich ein Strudel bildete und wo voraussichtlich das Wasserungehcuer wieder mit der Leiche cmportauchcn würde. Bekanntlich verschwindet das Krokodil mit seiner Beut« unter Wasser und rudert mit ihr flußabwärts, um irgendwo für einige Augenblicke wieder cmporzutauchen. Der erste Donnenstrahl strich über den Strom, als ein Schuß aus der Büchse meines Gefährten vom Ufer aus krachte; denn kaum hatte das Ungeheuer den Kopf mit der Beut« über Wasser gehoben, als auch schon hundert Stimmen in gellendes Rufen ausbrachen und nach der Stell« wiesen. Flugs war das Krokodil wieder unter Wasser. Roch einmal tauchte es in der Nähe des Ufers auf, dann aber wandte es sich der Mitte des Stromes zu, um später weit weg am anderen Ufer emporzukommen. Verschiedene Mal« noch feuerten wir nach ihm. um dem Räuber wenigstens die Beut« abzujagen. Alles schien aber umsonst. Krokodil und Mädchen waren unseren Blicken ent- schwunden, und da sie lange Zeit nicht wieder cmportauchten, mußten wir unverrichtcter Sache heimkehren. Auch die Leute zerstreuten sich, nachdem ich sie nochmals eindringlich gewarnt hatte. Wie oft hatte ich es ihnen schon auseinandergesetzt, daß sie endlich Brunnen groben öder doch mit langstieligen Schöpfern da? Wasser aus dem Flusse holen sollten. Aber nein! Das Krokodil holt nur den, gegen den es gesendet ist. Niemand kann seinem Schicksal entrinnen. Am nächsten Morgen trat der Vater des verunglückten Mädchens mit der Kunde bei mir ein, daß die Leiche seiner Tochter geborgen sei. Zwei Männer, die in einem Kanu flußabwärts gefahren waren» hatten sie weit flußabwärts am jenseitigen Ufer angeschwemmt ge- funden. Ob ich nicht hinkommen wollte, sie zu sehen? Ich lehnte ab. So viel Erfolg schien die gestrig« Hetze doch gehabt zu haben, daß das Krokodil sein« Beute preisgab. Ob es getroffen war? Die schwarzen Heldenbrüder. Kaum einen Monat später war es wieder am frühen Vormittag, als die schwarzen Boys zu mir mit der Hiobpost kamen, daß ein Krokodil einen Menschen erfaßt habe. Passanten hätten ihnen diese Nachricht eben mitgeteilt. Das Unglück war drunten im MangoHäin, etwa einen halben Kilometer entfernt, geschehen Man kann sich die Bestürzung der Burschen denken, da gerade dort ihre Angehörigen wohnten. Bald kam auch Mbewa, einer unserer besten Boys, herbei- gestürzt und gebürdete sich wie von Sinnen. Er hatte inzwischen in Erfahrung gebracht, daß sein« eigene Mutter das Opfer gewesen war. Laut jammernd und schreiend rannte er ins Dorf hinab; ich folgte ihm auf dem Rade. Die Unglücksstelle war bald erreicht. Unterwegs schon hörte ich, daß die Frau gerettet fei. Gruppen von Männern und Frauen umstanden den Platz und besprachen den Vorfall. Mbewa, mein Boy, tobte wie wahnsinnig: niemand gelang es. ihn zu beschwichtigen; er jammerte, fluchte und beschimpfte seine Groß- mutier, von der«r behauptete, sie sei«ine Hexe gewesen, die das Krokodil gesandt habe, das feine Mutter geschnappt hatte. Unter einem Mangobaum log die Verunglückte, das Haupt in den Schuß ihrer Mutter gelegt. Madziamanga war, mit dem irdenen Topf auf dem Kopfe und ihrem Kleinsten auf den Rücken geschnürt, ollein die Flußböschung hinabgestiegen, um Wasser für den Haushalt zu holen. Als sie tief gebückt mit dem Holzteller Wasser in den Topf schöpft«, oersetzte ihr ein Krokodil einen derartigen Hieb mit dem Schwanz, daß sie mit gellendem Schrei kopfüber in den Strom stürzte. Im Nu hatte sich das Ungeheuer gewendet, sie mit festem Griff am Handgelenk geschnappt und sie die Strömung hinabgezerrt. Gellende Hilferufe durchhallten den Mangohain, begleitet vom Ge- schrei des entsetzten Kindes. Hurtig sprangen die beiden Brüder der Frau mit ihren Lanzen aus den Hütten, um ihrer mit dem Tod« ringenden Schwester zu Hilf« zu eilen. Philippe, der jüngere, stürzte sich mutig in den Strom und schwamm, den Speer zwischen den Zähnen, dem Krokodil nach, während der Acltere am Ufer folgte. Kaum hatte Philippe das Krokodil erreicht, als er auch wie von Sinnen darauf lasstach und es derart schwer verwundete, daß es feine Beute freigab. Mutter und Kind wurden am Ufer unter einen Baum gebertet. Auf das Geschrei hin war bald«ine neugierig« Menschenmenge beisammen. Das Kind zeigte nur wenige Kratz- wunden am Rücken und war sonst guter Dinge. Schlimmer stand es um die Mutter. Vom Schreck und vor Anstrengung erschöpft, lag sie stöhnend und mit geschlossenen Augen da. Dos rechte Handgelenk war durchbissen, der Gelcnkknochcn zersplittert. Operation im Urwald. Mein Angebot, die Krank« sogleich zum nächsten weißen Arzt befördern zu lassen, lehnten die Leute mit dem Bemerken entschieden ab:„Der Weiße ist zu roh mit uns, lieber behandeln wir st« mit unseren Medizinen." Bald erschien auch der schwarze Dorsdoktor. Njaganze war bereits ein alter Mann und mochte aus einer langen Praxis manche medizinische und chirurgisch« Erfahrungen haben. hic Leute volles Vertrauen zu ihm. Nachdem er die Hand besehen hatte, meint« er, daß der zersplitterte Knochen heraus- geholt werden müsse. Bald kamen eine alte Schere und ein noch älteres Taschenmesser aus seinem Gürtel zum Vorschein. Einen Mann sandte er zu seiner Hütte, damit er Kräutermedizinen hole, die er dort vorrätig hatte. Neugierig stellte ich mich dazu, um die chirurgischen Künste des Kaffernganga(Arzt) zuzuschauen. Unwill- türlich mußte ich aber den Blick wegwenden, als Njaganze mit dem Taschenmesier den Knochen zu sägen begann. Die arm« Frau hielt tapfer aus, nur cip unterdrücktes Stöhnen kam über ihre Lippen. Njaganze redete kein Wort. Geraum« Zeit dauerte das Sägen, bis die Knochensplitter entfernt waren und die Bläitermedizin um die Wunde herum gelegt war. Ein schmutziger Streifen Tuch, oftmals um das Handgelenk gewickelt, vollendete die Behandlung. Die Wunde heilte aber nicht, denn monatelang noch trug die Frau den Verband und konnte den Arm nicht gebrauchen; vom weißen Arzt wollte sie kein Wort hören. Löwenrudel im Dorf. Ein nobles Raubtier ist gewiß der Löwe. Am Sambesi kommt er noch recht zahlreich vor, und zu Zeiten, wenn das Gras im Busch und in der Savanno hochgewachsen ist, so daß er seine Beut« kaum oder nur schwer erjagen kann, erscheint er in den Dörfern der Kaffern und kann zur furchtbaren Plage werdcn. Rudelweise sind die Löwen zu Zeiten in Chipanga eingedrungen, wo wir wohnten. Schauerlich dröhnt in den Abendstunden das Gebrüll des heran- nahenden Löwen, der den Wald verläßt und sich dem Dorf nähert. Wird ein Löwe in der Nachbarschaft gesichtet, dann dröhnen auch schon die Trommeln und telegraphieren den Nachbarorten die Kunde, damit auch sie auf ihrer Hut seien. Große Panik herrscht überall. Bei Sonnenuntergang läßt sich kein Neger mehr außerhalb des Dorfes sehen, die Hütten werden verschlossen und verrammelt. In der Nacht durchwandert dann der König der Tiere die Dorfpfadc, bald still schleichend, bald brüllend oder knurrend, und versucht, die Schweineställe, die aus dicken Bohlen in der Form von Zuckerhüten aufgebaut sind, zu erbrechen. Meistenteils wagt es kein Schwarzer, dem Löwen entgegenzutreten, doch gibt es auch da Waghalsige, die ihr Leben für ihre Schweine wagen. In einer stürmischen Nacht, da der Regen in Strömen floß und der Donner grausig rollte, durchwanderte«in mächtiger Löwe das Dorf von Chipanga und brüllte mit dem Donner um die Wette. Vor dem Schweinestall Ehizas machte er halt. Kaum wurde der Besitzer des Räubers gewärtig, als er mit einem Vorderlader aus der Hütte trat und in einer Entfernung von drei Meter das majestätisch« Tier niederstreckte. Der Schuß traf gut. Mit großem Jubel trug man das Tier am nächsten Morgen zur Regierungsstation und feierte den mutigen Schützen. Ein so mächtiges Tier wie dieses habe ich später nie niehr zu Gesicht bekommen. Leoparden auf Besuch. Der Leoparden, 5jyänen und Schakal« wird man noch viel öfter am Sambesi ansichtig als des Löwen. Der Leopard war mir nicht so selten begegnet. Wiederholt brach er des Nachts in unseren Hof ein. Auf den Hühnerstall hatte er es vor allem abgesehen. Er wurde derart zur Plage, daß wir uns nicht anders zu wehren wußten, als daß wir Selbstschußfallen legten, die ausgezeichnet funktionierten und manchem Räuber das Leben ausbliesen. Ein einziger blieb mit einem Kopfschuß auf der Stelle, die anderen setzten trotz der Ver- wundung über die Hofmauer und irrten in der Grassteppe umher. Der Leopard ist ein verhältnismäßig feiges Tier, das den Menschen unter gewöhnlichen Umstände» gar nicht angreift. Auf Kleinvieh, auf Hunde, Katzen und zumal auf Affen hat er es be- sonders abgesehen. Letztere sind für ihn«in Leckerbissen. Immer ist es gewagt, einen gefangenen Affen an der Leine über Nacht im Hof« zu lassen. Er wird bald vom Leoparden weggeholt. Die Angst der Affen. Die Kaffern erzählen sich die sonderbarsten Tiergeschichten, die glaubwürdig erscheinen. Die Hundsaffen, die in großen Rudeln die Wälder durchziehen, pflegen auch gemeinschaftlich in den Kronen der Bäume zu übernachten. Ein großer Schreck überfällt die Bande, wenn in der Nähe ihr größter Feind, der Leopard, ruchbar wird. Aus Angst lassen sie allen Unrat fallen und quietschen ganz jämmcr- lich, wagen es aber nicht, in dunkler Nacht den Platz zu verlassen. Ein Gruseln mag den Leser überkommen beim Gedanken daran, wie viele Gefahren den Menschen in den Tropen bedrohen. Und dennoch, man gewöhnt sich auch daran. Genießt man die kühle Nachtlust in mondheller Nacht, da man einsam im Lchnstuhl vor sich hinträumt, dann gibt man auf die Tierlaut« acht, die aus de? Ferne an das Ohr dringen. Wohl erschüttert einen das schauerliche Gebrüll des Löwen, und man zieht es vor, ins Haus zu flüchten; das Heulen der Hyänen und das Kläffen der Schakalhunde aber, die oft in allernächster Nähe ihr Konzert aufführen, verwünscht man ebenso wie das Trommeln und Singen der tanzenden Koffern, die ganze Nächte hindurch die Umgegend tyrannisieren, daß man kaum den Schlaf finden kann. Und dennoch gehört zu einer afrika- nischen mondhellen Urwaldnacht ebenso dos Hyänengcheul wie das ohrenbetäubend« Trommelgetöse der Kaffern, Moritat. Als das Lesen und Schreiben noch nicht heut, wo es wahrhaftig schon jedes Kind in der guten alteü Zeit, als vileg der feinen Leute war, so populär war wie in der Schul« lernt, Zeitungslesen noch das Pri- da gab's als Zeitungsersatz für die vielen anderen den wandernden Sänger, der sie mit den neuesten und schauderhaftesten Weltbegebcnheiten bekanntmachte. Erst wurde die Geschichte erzählt und dann wurde da farbenprächtige Tableau enthüllt, auf dem man Paradiesvögel in» Zoo. die schauderhaften konnte. Dazu ward Lied gesungen, und eines unfreiwilligen Taten des verruchten Bösewichtes sehen dann noch einmal in„eigener Melodie" ein diese alten Moritatenlieder sind Fundgruben Humors: Keine Bluttat konnte so schaudervoll Im Vogelhause des Zoologischen Gartens sind jetzt 3 Paradies- vagelarten zu sehen. Zwei sind von dem Typ mit den büschelförmigen Schmuckfedern, die als„Paradiesreiher" bekannt waren, ehe die kleinen, einfachen Topfhütchen auskamen. Die dritte Art ober, der Königsparadiesvogcl, ist von ganz anderer Art; viel kleine', unter Drosselgröße, auf der Oberseite prachtvoll kirschrot mit gmu- gelandetem Brustschild und weißem Bauch. Das Merkwürdigst« aber sind die beiden mittleren, seh- verlängerten Schwanzfedern, die wie zwei Pferdeschwanzhaare. aussehen und nur am Ende eine kleine Fahne haben. Der Vogel bewohnt, wie alle Paradiesvögel, Neu- guinea und benachbarte Inseln. sein, daß das Moritatcnlied nicht eine für uns heutig« Menschen zwerchfellerschütternde Sache daraus machen konnte. Da ist die höchst schauderhasle Geschichte des Räubers und Mör- dsrs Friedrich August Schäfer, der zu Oftra am 7. August 1835 durch vier Ochsen zerrissen wurde. Friedrich August Schäfer war der Sohn eines begüterten Wiener Bürgers, schon jung das, was die Meiner ein„Früchtel" nennen, mit dreizehn Jahren bereits An- führcr einer Räuberbande. Endlich tat ihn sein Vater zu einem Barbier in die Lehre und taufte ihm nach seiner Freisprechung ein Haus nebe» dem seines Vetters Böhme, der eine Gastwirtschaft de- trieb, und was er nux trieb, ist in dem schönen Liebe mit folgender Strophe beschrieben: „In des Frevlers wilden Zügen Las man deutlich Mordbegier, Blut zu sehen mar ihm Vorgnügen, Darum wurd' er ein Barbier. So vom Laster fest umstrickt lind von blinder Wut berückt, Schnitt er, oh der armen Seelen, Sieben Menschen durch die Kehlen." Er hatte das Prinzip der Arbeitsteilung: Die Leichen derer, die er umbrachte, wurden von seinem Vetter Böhme durch eine geheime Kellcrtllr in seinen nebcnliegenden Gasthof geschafft und dort pi- kaut zubereitet den Gästen vorgesetzt...(Wir wollen uns doch in den Tagen Zappis und Marianos nicht gar zu sehr darüber auf- regen.) Eines Tages aber schnitt er einem ansässigen Bürger, dem Bäckermeister Schütze, den Hals durch, und dessen Hund wurde zu seinem Ankläger. Tagelang saß das treue Tier vor der Türe, durch die sein Herr verschwunden war, bis ein Freund des Bäckers ob dieses Vcrschwindens die Polizei alarmierte. Noch konnte Schäfer zu seiner Räuberbande in den Wald fliehen, aber in hartem Kampfe wurde die Bande durch Militär zusammengehauen. Friedrich Wil- Helm Schäfer wurde gefangen genommen und zu Ostra hingerichtet. durch vier Ochsen zerrissen. Sein« Eltern aber mußten, wegen der schlechten Erziehung, die an den Taten des Sohnes schuld war, von Henkersknechten geführt, der Hinrichtung beiwohnen: So wollte es das grausame Gesetz der alten Zeit. Warum diese alte Moritat hier nun wieder erzählt wird? Weil sich solche, besonders schauderhafte Moritaten lange, lange auf dem Repertoire der wandernden Barden hielten, und die Geschichte von dem Menschenfresser und Mörder Schäscr wurde noch Jahrzehnte , nachher auf den Jahrmärkten gesungen. Wie war's? Wenn dem großen General Nobile und seinen würdigen Gefährten Zapxi und Mariano schon kein ihrer würdiges Denkmal in Erz und Stein ge- setzt werdcn kann— vielleicht findet sich ein Volkssänger, der ihre Talen verherrlicht.... Vielleicht läßt sich das alte Bänkelsänger- lied auf ihn passend abändern: „Bor der Strafe, vor der Schande Schützt Nobile nicht die Flucht, Die zu seiner Räuberbande, Er im dunklen Wald gesucht..." Und so gehe dann der heilige Egoismus des Generals und seiner ihres Führers würdigen Mitarbeiter in die Unsterblichkeit ein..,,£wald. '�Sl-�p yßki�J IM JSF-�jijtmJ��Sf��� y(J ffZAsllS*'*�/ di�*� —'——~\x\ � vonShzul SBvrgßsbU&r (21. Fortsetzung.) „So sollst du nicht sprechen, Karo/' entgegnete die Hilde.„Dos Leben..' „Das Leben ist der Güter höchstes nicht...," rezitierte jetzt Karo halblaut. „Das Leben ist alles, Koro." „Nein, Hilde, das Leben ist nichts, gor nichts, ein Fetzen, eine Last, wenn man es nicht mit etwas Grohcm ausfüllt." „Aber du hast ja deine Kunst..." und da tat es schon Hilde letd, daß sie dieses Thema berührt hatte, und sie wollte behutsam aus«in anderes übergehen, aber Karo faßte mit ihrer Hand, die gar nicht so roi war, wie einst und die jetzt so kalt war, die der Freundin. „Was bab' ich von der Kunst, wenn sie nur in mir ist und ich sie nicht geben kann..., herausbringen, verschwenden... Alle, alle davon genießen lassen?" „Was so ein blöder Kerl von Direktor herred't... Die Meisterin Hot mir ja olles haargenau erzählt." „Aber er hat auegesprochen, was ich mir oft genug gesagt Hab', nur Hab' ich nie daran glauben wollen. Und nun hat gleich der erste Mann, der mich gehört Hot... schließlich einer, der sein Fach versteht, dasselbe bemerkt wie ich... das hat mich dazu getrieben." „Du darfst dich gewiß nicht aufregen und anstrengen," bemerkte Hilde. „Aber Kind!?» ist ja schon gleichgültig... Ich fühl' mich nicht mehr von dieser Welt... Was liegt auch daran, daß eine groß- Künstlerin stirbt... Ja, das bin ich, Hilde... Eine große Künstlerin..." „Gewiß, das bist du, Kara," beeilte sich Hilde beizupflichten, und die Tränen standen ihr in den Augen. „Ja, ja, ich bin eine groß« Künstlerin, ober eine unbekannte... Daran liegt jetzt nichts mehr... Es gibt mehr unbekannte große Menschen als bekannte... Die Leut' wollen das nicht, daß man groß werden soll... Gott will das nicht... Macht er gerade mich um ein paar Zentimeter zu klein." „Man muh kämpfen und sich behaupten." flüsterte Hilde. „Siehst du dos auch ein, so ein blondes Bürgermädchen wie du?" Ueber das wachsgelbe Gesicht der Kara flog jetzt wieder ein Lächeln. „Wer weih, wenn ich die Hilde Fernleiiner aus Wien wäre, da hätte ich gekämpft... Aber bin ich denn die Kara Benard? Ich bin die Choje Besenreiter. Ich Hab' nichts hier zu suchen als die Kunst, meine Kunst. Wenn die Natur mich nicht laßt, dann geb' ich das Leben auf." „Nein, Karo, du wirst leben..." „Weißt du, Hilde, ich bin nicht so aufgewachsen wie du im Wohlstand... Für mich wär' es schon etwa? gewesen... Ein warmes Zimmer und regelmüßig die Mahlzeiten... Aber soll das ein Ziel sein für ein langes Leben?... Und selbst ein Palais und aller möglicher Luxus?... Das wird man bald müd' und satt... Das ist kein Inhalt... Inhalt ist nur die Idee... die Kunst... Shakespeare... Ophelia... Die Pflegerin machte mit den Augen ein Zeichen, daß der Besuch schon zu lange gedauert habe, und Hilde stand auf. Sie beugte sich über das blasse Mädchen, das jetzt heftig atmete, und das sie durchdringend ansah, als fragte sie dennoch: Weißt du etwas über mein Leben oder über meinen Tod? Es war das erstemal, daß Hilde eine Sterbende sah, daß sie jemand sah, der ernstlich krank war. Sie empfand ein« unsagbare, grauenhafte Furcht vor dem Tode, vor der Kälte, die sie an der Hand der Kara verspürte, vor den Schweiß- tropken, die sie aus ihrer Stirn sah, das alles bannte ihren Blick, und dieses Gefühl, den» Tode nahe zu sein, drang Ihr durch die Seele. Aber sie bezwang sich, ste wollte ihrer Angst-nicht nachgeben. Sie beugte sich über das fahle Gesicht und drückte ihre Lippen lange auf die der Kranken, die gierig den Kuß erwiderte. „Weißt du, Hilde, es ist das erstemal, daß... ich schäme mich, aber es ist so... daß mich jemand küßt?... Keine Mutter, kein« Verwandte... nie, nie einen Kuß... Sei glücklich, Hilde, für diesen Kuß..." ,.Du wirst geküßt werden, Koro, geküßt und geliebt..." Kara versuchte, sich wieder zu erheben, ober Hilde ließ es nicht zu, sie hielt die Kranke nieder und küßte noch einmal ihren Mund und dann ihr« Hand. „Wird sie leben?" fragte sie draußen die Pflegerin. Die zuckte die Achseln. Zwei Tage darauf wurde der Tod der Kara Bcnard gemeldet. Die Zeitungen widmeten der jungen Schauspielerin sogar einig« Zeilen... Unbefriedigter Ehrgeiz... die Tragödie eines unleugbaren Talents, das nicht Selbstzucht hatte... Die Not der Kunst... Damit war ein Menschenleben erledigt Am Tage, da man den schmalen Sarg in die Erde senkte, hätte Hilde mit den Grubers zu einem großen Empfangsabend kommen sollen, den der Baron Rosenberg veranstaltete. Sie ging, sobald sie Zeit hotte, am frühen Nachmittag in die Hasenauer Straß« und bat Mama Gruber, daß sie ihr Fernbleiben entschuldige. „Ja. warum gehst denn nicht zum Baron Rosenberg, wcnnst eingeladen bist?" Hilde sagte den Grund. „War da? eine Verwandte von dir?" fragte Mama Gruber weiter, und eine gewisse Strenge lag in ihrem Ton... „Nein, aber... es war furchtbar." „Na ja, furchtbar... furchtbar... aber das macht man ab, soweit es sein mutz— ich war, abgesehen vom Leichenbegängnis meiner Ellern. noch nie auf einem Friedhof... ich geh' einfach zu keinem Leichenbegängnis... das regt mich auf... so was macht man also, wie gesagt, ab, ober man läßt es sich doch nicht nahe- gehen. Das ist man sich selbst doch schuldig." Mama Gruber rauchte stch ein« Zigarette Neu an und dekre- tierte:..Du kommst mit!" „Mama Gruber, ich kann wirtlich nicht... es war furchtbar." „Hätt'st dich nicht dieser Aufregung ausgesetzt! Was geht denn dich die Chaje Besenreiter an?... Da möcht' man weit kommen, wenn man sich freiwillig jeder Aufregung aussetzt." Hilde saß ganz wortlos da. Und Mama Gruber wurde fast zärtlich, da sie jetzt ihre Lebenskunst auseinandersetzte. „Schau, Kind, dies« ganz« G'schicht ist«In guter Anlaß, um dir den Kopf ein bisserl zurechtzusetzen. Man muß hart sein. Ich tracht' halt, aus dir einen Menschen zu machen, der's zu was bringt. Du lrabbÄst noch immer in Gefühlen herum. Aus der Schul'— die von der Matura— bist auch nicht ausgetreten, wie ich's verlangt Hab'— du muht folgen, Kind, ich Hab' mehr Erfahrung an Jahren." „Ich folg' dir ja gern, Maina Gruber. Aber was ich nicht kann, dos kann ich eben nicht. Erst am Friedhof und dann zu einem Lall, das geht doch nicht!" Mama Gruber stand van ihrem Sofa unwillig auf. „Wenn du die G'scheitere bist! Bitte, tu' also, was du willst. Du wirst es ja später, wenn du einmal zurückdenken wirst, schon bereuen, wirst dann, wenn du einem verhatschten Dienstmädel arzt- (ichc Hilfe angedeihcn läßt, schon einsehen, daß ich dir besser geraten Hab'." Mama Gruber sprach nicht mehr. Es war die erste Trübung, die in den Beziehungen zwischen Hilde und der Familie Gruber auftrat. Hilde ging nicht zum Fest- abend des Barons Rosenberg, und als sie nachmittags verstimmt zur Stunde der Frau Neumann-Norrek kam— verstimmt wegen der Mama Gruber und wahrhaftig nicht wegen des versäumten Ber- gnügens— merkte es Drobouer sofort. Hilde unterhielt sich jetzt gern mit ihm. Er gab sich redliche Mühe, sich selbst ein bißchen zu zähmen, betreute sie in hundert kleinen Dingen und ging ihr nach wie ein riesenhafter treuer Hund, der mit seiner 5)errin zärtliche Kameradschaft hält. Ihm erzählte Hilde von ihrem Konflikt mit Mama Grubcr. „Abschied nehmen!" rief der Lange.„Abschied nehmen! Wer vorwärts gehen will, muß immer wieder Abschied zu nehmen wissen. Sonst hält man sich unnütz auf!" „Aber was Ihnen nicht einfällt!" entgegnete Hilde, und sie war wirklich bose.„Das sind so Ihre radikalen Ideen. Ich Hab' doch di« Grubers wirklich gern. Sie waren so lieb zu mir." „Is net wahr!" „Aber geh'n S' weg! Was haben s' denn da davon, wenn ste mich überall mit sich schleppen und mich förmlich wie eine Tochter aufnehmen?" „Is net wahr! Net wia o Tochter— nur als Hofdame!" „Sic hassen sie, weil sie reich sind. Das ist ober eine Ungcrechtig- keit. Wer reich ist, muß nicht gleich schon ein Ausbund von allen möglichen schlechten Eigenjchaften sein. Oder doch?" „?lber ka Spur! Zwar— Reichtum macht das Herz harter als kochendes Wasser das Ei. Das Hab' ich in einem alten Stammbuch gelesen. Aber nicht einmal aus den Reichtum kommt es an, sondern. ob man an ihn glaubt. Dos Geld hat seinen Ritus wie eine Religion. Wenn man an diese Religion glaubt und ihre Zeremonien einhält. nachher... freilich!..." Hilde nahm aus ihrer Büchertasche die Rolle, die sie gerade studierte. „Wenn S' nur das lesen wollten, was ich Ihnen geb'..." „Ich lef' alles, was Sie wollen. Aber in solchen Dingen last' ich mich nur von meinem Verstand und meinem Gefühl beraten." „Abschied nehmen von den Gefühlen, die Sie von der Familie und der Schul' und weiß Gott von wem übernommen haben." „Jetzt reden S' wie ein Mephisto, und zwar wie ein schlechter. einer aus Krems oder Olmütz. Na— soll ich auch Abschied nehmen von der Vorstellung, daß der Tcusel der Böse ist und daß er einem nichts Gutes zuflüstern kann?" „Gewiß, der Teufel kann ja nix dafür, daß er allein die Wahr- heit weiß. Was aber die Grubers betrifft..." „Es interessiert mich nicht, wie Sie über die Grubers denken mir sind sie gute Freunde, das genügt mir." „Gute Freunde, ober schlechte.. „Musikanten?" „Nein— schlecht« Menschen." „Was wissen denn Sic von ihnen, Sie haben ja keinen von ihnen gesehen.. „O doch! Den Herrn Eduard Gruber, Iuniorchef von Adolf Grubers Söhne." „Und..."(Fortsetzung folgt.) WAS DER T tiinHiiiiHuiiiuiiiiiiiiiiiiiiuiiinHiiiiiniinniiiiiicitinniiniiiiiitiiiiiiiiiüiiutniniiiiiiiiinmii Seidenwaren in Särgen. In mehreren Städten Polens fiel der Verkauf von Seiden- stoffen zu billigen Preisen auf Die Stichproben der Polizei bei einzelnen Warenhäusern fielen stets zur Zufriedenheit aus. da die Geschäitsinhaber stets den rechtmäßigen Kauf nachweisen tonnten. Ein« nähere Untersuchung ergab jedoch, daß in den letzten Monaten ausfallenderweise mehrere Särge angeblich mit den Leichen im Ausland verstorbener polnischer Staatsangehöriger noch Polen verfrachtet wurden. Dieser Tage nun kamen wiederum zwei Särge in Graudenz an, welche von einem Manne, der olle erforderlichen Papiere wie Frachtbrief« usw. vorlegte, mit zwei kranzgeschmückten Leichenwogen feierlich abgeholt wurden. Die Polizei konnte aber feststellen, daß diese zwei Leichenwagen nicht noch dem Friedhof, sondern nach einem Wirtshaus nahe der Stadt fuhren, wo die beiden Leichenwagen in einen Schuppen geschoben wurden. Als die Beamten hinzukamen, sahen sie die Be- scherung: mehrere Männer wühlten in den„Leichensärgcn" herum, in denen sich große Mengen Seidenstoffe befanden. Sämt- lich« angetroffenen Personen wurden oerhaftet und ein Telegramm nach Warschau gesandt, wo«in ähnlicher.Leichenzug" auf- geholten werden tonnte. Der Schaden, den der polnische Staat im Laus« der letzten Monate dadurch erlitten hat, soll stch auf Mil- lionen Zloty beziffern. Frauen ohne Hut dürfen nicht zum Gottesdienst. Die Küster der berühmten Kathedrale von Exeter sind durch einen bischöflichen Erlaß angewiesen worden, streng darauf zu achten, daß Frauen und Mädchen, die einem Gottesdienst beiwohnen, un- bedingt«in« Kopsbedeckung haben. Visher hatte man auch den zahlreichen Besucherinnen, die nur die Sehenswürdigkeiten der Kathedrale besichtigen wollten, zur Pflicht gemacht, ihr Haupt zu bedecken. Dies« Dorschrist ist nun ausgehoben worden, bleibt aber in oller Streng« für die dem Gottesdienst beiwohnenden Frauen bestehen- Der Erlaß stützt sich auf den ersten Korinthcrbries, in dem es heißt:.. Denn jedes Weib, so unverhüllten Hauptes betet, schändet ihr Haupt-, denn c» ist so, als träte sie mit geschorenem Haupthaar vor Gottes Angesicht..." Daß man auch unter dem Hut geschörenes Haar oder modern gesagt, einen Bubikopf haben kann, davon ahnte der strenge Versässer des Korintherbriefe» frei- lich nichts. Er will nicht heiraten. Es ist allgemein bekannt, daß Musiolini ein Gesetz gegen die Ehelosigkeit geschassen hat und daß, um dieses Gesetz besonders wirksam zu machen, jeder Junggeselle mit einer hohen Steuer belegt wird. Ungeachtet dessen hat«s sich gerade«in Verwandter des Duce— sein.richtiger Vetter— nicht nehmen lassen, unbeweibt zu bleiben. So daß ihn Mussolini einmal direkt angeht: „Warum heiratest du nicht?" „Ich war dreimal verlobt und habe stets schlechte Erfahrungen gemacht." .Lächerlich!" AG BRINGT. muinniiMiiiiuiiiiiiHiiiiiniiimmiiiuniiiiiiiMiiiiiiiiimiininmiiiiiiiiininiiHninmnnniii „Doch, es ist so. Meine erste Braut glich einem Engel und wai: in Wahrheit wie zehn Teufel." „Nun gut, die übliche Iugenddummheit. Das wäre noch kein Grund—" „Aber meine zweite Braut, glich wieder einem Engel und war wie hundert Teufel." „Und die dritte?" „Ach, mein Lieber, man sollte gar nicht davon reden! Sie sah aus wie ein Erzengel—" „Und—" „Sie war Mitglied der faschistischen Partei." Rasputins Tochter tanzt. Auch in Berlin will diese neu aufgetauchte Berühmtheit, die von der traurigen Vergangenheit ihres Vaters zehrt, ihre Kunst ol» National, und Eharattertänzerin zeigen. Davon hat sie einem Be» richterstatter der Pariser Presse berichtet, die sich in der letzten Zeit ausnahmslos viel mit der Rasputinschen Tochter befaßt. Vor kurzcm hieß es, daß sie zu filmen beabsichtige. Nun scheint sie diesen G> danken ausgegeben zu haben. Sie will nicht silmen, sondern tanzen. Die Zöpfe müssen fallen! Wie gemeldet wird, hat die chinesische Nationalversammlung be» schlössen, daß alle chinesischen Frauen sich den Haarzopf abschneiden lassen müssen, nachdem der Männerzops bereits vor einem Jahrzehnt gefallen ist.„Degenerierte", über All Jahre alt, sollen von der Ver- fügung nicht berrosfen werden. Zweifellos sprechen hygienische Gründe für dieses Verbot mit. Hossentlich geht die chinesische Nationalversammlung den Frauen mit gutem Beispiel voran und schneidet auch die Zöpfe in der Verwaltung ob. Eine Arbeit, die freilich weit schwieriger ist, da es bisher noch nicht einmal in Europa gelungen ist, sie zu vollenden. Sogar in Deutschland soll es noch viele bureeutratisch« Zöpfe geben, die reif zum Abschneiden sind. ein Gedankendiebstahl kostet. Unter Umständen 780 000 Dollar= 3 200 000 Mark. So viel mußte der amerikanische Schriftsteller Tully für da» Plagiat (Diebstahl geistigen Eigentums) zahlen, da, er vor 10 Jahren bei der Mrs. Fendler gemacht hatte. Sie behauptete, daß er den Inhalt ihre« Buches„Auf den Hawaischen Inseln" für sein Drama. 2« Paradiesvogel" benutzt habe. Diez Drama hatte unerhörten CVolg und brachte dem Verfasser ein ganzes Vermögen. J'y noch 16 Jahren hat das Gericht der Mrs. Fendler 780 000 Dollar.r c» sprachen. Eine Kleinigkeit! Eine ungeeignete Lagerstatt. In der amerikanischen Stadt Montreal legte stch-in unter dem Spitznamen„kleiner Kürbis" bekannter Einwohner abends auf dem Gleile einer Eisenbahnstrecke schlafen, da er annahm, der letzte Zug sei bereits vorbeigefahren. Der Mann erwachte auch nicht, als der letzte Zug wirtlich kam und zwei Meter vor Ihm zum Stehen ge. bracht wurde! Der unvorsichtige Schläfer wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt! Bundestag der Arbeiter- Radfahrer. Künftiger Name: Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität. Der Arbeiter-Ro�fahrer-Bund„Solidarität" hielt seinen Z7. Bundestag in Hamburg ab. Begrüßungsansprachen wurden u. a. von Vertretern des Hamburger Senats, der österreichischen Bundesbrüder, der Aentralkammission sür Arbeitersport und Körper psleg« und der srcien Gewerkschasten geholten. Der Bund steht weitaus an erster Stell« oller Radsportvereine'. ihm sind, wie sich aus dem Geschäftsbericht des Bundes- Vorstandes ergibt, seit 1327 rund ö9 000 neue Mitglieder beigetreten. Das reaktionäre Bayern versucht immer noch, der Organisation dos Leben schwer zu machen. Es liegt u. a. ein Antrag vor, wonach der Bund mit Rücksicht auf die starke Zunahme d«r Krastradmitglieder in„Arbeiter-Rad- und Zdroftfahrerbund Solidarität" umbenannr werden soll: der Bundesvorstand hält eine erhöhte Beitragsleistung für Krastradmitglieder für erforderlich. Ein weiterer Antrag ver- langt, daß den Mitgliedern im Statut di« Mitgliedschaft in einer freien Gewerkschaft vorgeschrieben werden soll. Der Bundesvor- stand verlangt jedoch Ablehnung des Antrags, da er die Zugehörig- keil der Mitglieder zu einer freien Gewerkschaft als selbstverständlich erachtet. Die Kassenvcrhältniss« des Bundes hoben sich gut entwickelt. Zimmermann(Osfenbach) sprach sich in seinem Kassenbericht u. a. gegen eine weitere Erhöhung der Unterstützungssätze aus. Die Organisation sei keine Unterstützungseinrichtung, sondern eine Sportorganisation. Deshalb müßten materielle Anträge zugunsten ideeller Fragen, wie zum Beispiel sür den Bau einer Bundesschule zurückstehen. In der Aussprache wurde der Bundesvorstand aufgcsordert, sich mehr als bisher genau an die Satzungen zu halten. Von anderer Seite wurde eine bessere Ausgestaltung der Bundeszcitung, sowie eine verstärkte Werbung von Krastradmitgliedcrn verlangt. Gegen die Schreibweise des Redakteurs der Bundeszeitung wurden von den meisten Rednern Vorwürfe erhoben; ihm wurde vorgeworfen, sich sehr häusig in Widerspruch zu dem Willen der Mitglieder gesetzt zu haben. Auch die versteckten Wühlereien der Kommunisten sür ihre besonderen Zwecke wurden sehr schars verurteilt. Reichstagsabgeordnctcr Schreck- Biclefeld sprach dann über die soziale und kulturell« Bedeutung des Arbeitersport», wobei er auf die günstige Entwicklung des Arbeitersportes hinwies. Die Arbeitersportbewegung habe sich immer mehr durchgesetzt und sich die Anerkennung nicht nur gegenüber dem bürgerlich-kapitalistischcn Sport, sondern auch in den Reih«» der eigenen Kloss« errungen. Die große kulturelle Bedeutung des Arbeitersports sei nicht mehr zu übersehen. Der Sport sei heute so notwendig wie das Brot, weil die Arbeiterschaft sonst der Zermürbung durch das hastige Tempo der Wirtschaft verfalle. D«r Sport solle die Lebensenergien im Arbeiter und in seiner Klasse wecken und erhalten. Dazu ge- höre auch, daß der Arbeitersport und mit ihm der Arbeiter-Rad- sahrer-Bund seine eigenen Leistungen nicht unter den Scheffel stelle. Voraussetzung sür eine weitere gute Entwicklung sei aber di« Einheit des Willens für den sozialen Sport im Geiste des So- zialismus. Am Montag, dem zweitenVerhandlungstage, wurde vor Eintritt in die Tagesordnung vom Vorftandstisch aus mitgeteilt, daß es leider am Sonntag bei der korfofahrk der Arbeilerradfahrer zu Ehren des Bundestages zi» bedauerlichen Zwischenfällen gekommen ist. Größere Trupps von Bolfrontkämpfern haben mehrfach und offenbar mit bewußter Absicht den Korsozug durchbrochen und gestört. Einige Sportgenossen und-genossinnen wurden rücksichtslos von ihren Rädern geworfen, so daß sie leichte Verletzungen und Hautabschürfungen erlitten. Einige Rolfrontleute versuchten sogar, Bundessohnen herunterzureißen. Durch dieses Vorgehen ist leider die Einheitlichkeit des ganzen Zuges erheblich gestört worden. Diese Mitteilungen wurden mit lebhaften Psui-Rusen und großer Entrüstung vom Bundestag ausgenommen. Sie zeigen nur zu deutlich, wie sich die Kommunisten„den Klassenkamps in den Arbeitersportoerbänden" vorstellen. Dann hielten die Referenten des Bundesvorstandes und der Ausschüsse ihre Schlußworte. Bemerkenswert ist daraus die Stellung des Bundesvorstandes zum Bundesredakteur und zur Kommunisten- Politik im Arbeiterradfahrerbund. Da der Redakteur seiner Er- krankung wegen nicht auf dem Bundestag anwesend sein konnte, hatte man sich vom Vorstand aus am Sonntag zunächst in der Kritik über sein Verhalten zurückgehalten. Durch die allgemeine Aussprache herausgefordert, gingen die Referenten nunmehr darauf ein. Sie führten aus, daß es unmöglich sei, den Redakteur wie bis- her schalten und walten zu lassen, da er die Zeitung in den letzten Jahren fast ausschließlich im kommunistischen Sinne und in direktem Gegensatz zur Haltung des Bundesvorstandes redigiert habe. Der Bundesvorstand stehe auf dem Boden der Be- schlüsse der Zentralkommisfion für Arbeitersport und Körperpflege sowie der sozialistischen Sportinternationale. Wer sich außerhalb des Rahmens dieser Beschlüsse stelle, besinde sich auch nicht mehr im Rahmen der Bundessatzungen und-beschlüsse. Das gelte für alle Sportgcnosscn und somit auch für den Bundcsredaktcur. Aus diesem Grund« sei auch der Antrag auf Einsetzung einer Pressekommission gestellt worden. Bezeichnend war hierbei noch die Mitteilung des Bundesvorsitzcndcn, daß gerade in Berlin, wo die Kommunisten die Organisation beherrschen, die Entwicklung des Bundes sehr zu wünschen übrig läßt. Dann wurde zur Abstimmung van Anträgen geschritten. Ein- stimmig wurde beschlossen, die Organisation künftig„Arbeiter-Rad- und Krastfahrerbund Solidarität" zu nennen. Abgelehnt wurden alle Anträge, die statutarisch festlegen wollen, daß Bundesmitglieder politisch und gewerkschaftlich organisiert sein sollen. Zu den Unter- stützungseinrichtungcn wurden dann eine ganze Reihe von Ab- änderungcn entsprechend den Vorschlägen der Statutenkommission beschlossen. In namentlicher Abstimmung wurde ferner mit£)9 zu 51 Stimmen der Antrag des Bundesvorstandes angenommen, künf- tig den Bundestag statt olle zwei Jahre nur alle drei Jahre ab- zuhalten. Ebenso fand eine Anzahl Anträge zu Organisations- und Sportsragen Annahme. Sa beschloß der Bundestag, daß Sport- prämicn. wie die Verteilung von Preisen und dergleichen zu unter- bleiben haben. Anträge auf Ausbau d«r Zeitung wurden dem Bundesvorstand zur Prüfung überwiesen. Die Einrichtung einer Organisationsdruckerei wurde dagegen abgelehnt. Sodann wurde noch beschlossen, eine Preßkommission von fünf Mitgliedern einzn- setzen, der sich der Buirdesredaklcur zu unterstellen hat.. Müggelschwimmen. Am Sonntag veranstalteten die Freien Schwimmer Neukölln ihr diesjähriges internes Müggelfchwimmen. Bei spiegelglattem See und zeitweiligem Sonnenschein konnten 44 Teilnehmer vom Starter auf die Reise geschickt werden. Der Start war am Nestau- rant Prinzengarten, das Ziel im Freibad Rahnsdorf. Frohn führt vom Start ab und es gelingt ihm, sich schon bei 150 Meter einen Borsprung vor Klein und Kopple von 25 Meter zu sichern, den er bei 250 Meter auf 50 Meter vergrößern kann. Bei'1500 Meter gelingt es Klein, aufzurücken, um be, 2500 Meter einen Vorsprung vor Frohn von 75 Meier zu erreidien, den er bis zum Ziel halten kann. In der guten Zeit von 51 Minuten geht er in der Männer- klasse als Erster durch das Ziel. Zweiter Frohn in 52 Min. 25 Sek. Dritter Koppke in 59 Min. 30. Sek. Vierter Schulz in 60 Min. 43 Sek. Männliche Zugend: l. Markgraf, 1,2,22 Min., 2. Nrau'e 63.44 Min., 3. Krinle 69,6 Min., 4. Sofkman 71,33 Min.— Frauen: 1. Charlotte Frohn 55,8 Min., 2. Mattfchens 74 6 Min., 3. Mllllcr 79,57 Min.. 4.�9ichtcr 88. U Min. — Beibliche Jugend: 1. Erna Miller 67,6 Min., 2. Naundorf 68,27 Min., 3. Kage 68,37 Mm., 4. Seifert 68,46 Min., 5. Snckrr 69,55 Min.— Männer- Alters ricge: 1. Äusicrow 88,10 Min. Ein Kindersdiwimmfest. Am Sonntag nachmittag fand als Abschluß der Kinderspeisung im Bad der Berliner Schwimm-Union ein internes Kinderschwimm- fest statt. Die braunen Körper und auch die sportlichen Leistungen: zeigten, daß den Kindern und den Jugendlichen die Ferien sehr gut bekommen sind. Bei den humoristischen Einlagen der Kinder sowie der Männer kamen die Lachmusteln der Zuschauer, die trotz des schlechten Wetters zahlreich erschienen waren, nicht zur Ruhe. Ergrbuiffc: Rännlichr Zugendbruststaftttc, 4-2 Bahnlg.: 1. IIT. Mann- schost 3,02, 2. II. Mannschaft 3,02s.— Knabcnbrustichwimnrcn, 4 Bahnig.: I. Schmidt 1,32', 2. Brhnlc 1,33'.— Kuabrnbrustfchwimmcn für Anfänger, 2 Bahnlg.: 1. Schob 49», 2. Masche 50».—«NN bcnsreistil, 2 Bahnlg.: 1. Nötzel 48. 2. Schmidt 48».- Gemifchtc weibliche Bruftstasctte, 4X2 Bahnlg.: I. I. Mannschaft 3,43», 2. II. Mannschaft 3,43.— Männer, Brust, 5 Bahnlg.: 1. Ztlekow 1,85», 2. Lur 1,36.— Zugcndsreistil, 4 Bahnlg.: 1. M ithler 1,16», 2. Schönseld 1.19.— tZnabcnbruftstafcllc, 4x2 Bahnlg.: 1, I. Mannschaft 3,l5>, 2. 11. Mannschaft 3.17».— Jugend, Brüste, 4 Bahnlg.: 1. Schrointeck 1.29», 2. Stein 1,34».— Knabeuspringen, 3 Pflicht». 1 Kürsprung: 1. Scholz 61 Punkte, 2, Niihel 56 Punkte.— Frauen, Brust, 4 Bahnlg.: 1/Borchcrt 1,44», 2. Skrznp- kowiak 1,49».— Männersreiflilstafclte, 4x2 Bahnlg: 1. II. Mannschaft 2,07V 2. I. Mannschaft 2,13.—?as Ingendwaflcrbatllpicl SicmeNostadl-�Union endete 7: 1 für die Gästx. Bef den Männern spielte Union I gegen eine afrikanisch« Ncgermannfchast nach internationalen- Regeln. Das Spiel endete 3:3: Elm die Bunde»mei»ter5chaft im AAB. Im Volkshaus zu Lieg Nitz, das brechend voll besetzt war. wurde die Borrunde zur Bundesmeisterschast des Arbeiter- Athleten-Bundcs ausgetragen. Dem mitteldeutschen Meister Lurich. Berlin, gel'ng es. dem oftdeutschen Meister Eiche, Liegnitz. mit 9 zu 7 eine Niederlage beizubringen. Resultat der einzelnen Kämpfe: Fliegengewicht: Otto(Lurich) beherrscht seinen Gegner Harzupski(Eiche) in jeder Runde, an seinem Punktsieg war nie zu zweifeln. Bantamgewicht: Konieczny II setzte Stock (Eiche) mit seiner Linken gehörig zu, dieser mußte eine Punktniederlage hinnehmen. Federgewicht: Konieczny I(Lurich) und Scholz(Liegnig) liesern einen harten Kamps, bei dem der Berliner ebensalls den Ring als Punktsieger verläßt. Leichtgewicht: Fromm(Lurich) und Wengler(Eiche) gehen ebenfalls über die Runden, doch wird unentschieden oerkündet. W e l t e r- gewicht: Echlohmann(Lurich) siegt über Rohleder II(Eiche). Mittelgewicht: Molinski(Lurich) gegen Ludwig(Eiche). Molinski wird verwarnt, er erhält eine Punktniederlage. Halb- schwergewicht: Kaethner(Lurich) trifft auf Rohleder I(Eiche) der wiederholt vernichtend landen kann. Punktsieger Rohleder. Schwergericht: Stallbaum(Lurich) gegen Ellingshausen, der Sieger wird. Lurich ist jetzt in den Endkamps um die Bundesmeisterschast gekommen._ Booisiaufe bei„Collegia". Am Sonntag, dem 5. August, tonnte der Ruderverein„Collegia" (Bootshaus Tiefwerder bei Spandau) die Taufe dreier Riemen- vierer vornehmen. Diese neuen, schmucken Boote werden nun den Mannschaftsbootspark des Vereins vergrößern. Dankenswerter- weise war der Schub ert-Ch or der Einladung gefolgt und um- rahmte die Veranstaltung würdig mit seinen Arbeiterliedern. Nach einleitenden Worten des Lorsitzenden S z u m a n n«hmen�Stadt- schulral K r a m m. Jugendleiter Genosse Großmann und Sports- genösse T a ß l e r von der PRG. die Taufe der drei Vierer auf die?iamen„Kämpfer",„Neue Generation" und„Froh-Frei-Stark- Treu" vor. Vom Bezirksjugendamt Charlottenburg überbrachte der Jugcndpsleger L i e b s ch e r Glückwünsche. Blnmengeschmückt traten die Boote danach die erste Fahrt an. Dieser Tag zeugt« wiederum von dem machtwollen Vordringen des Arbeitersports auf dem Wasser. Die Ruderer wollen ihren Körper sportlich durchtrainieren und sich auch tummeln im fröhlichen Spiel an den schönen User- plägen unter Gleichgesinnten.— Die vorhergegangene interne Regatta zeigte sportliche Leistungen unter Beteiligung des Ruder- verein-„Vorwärts" im Achter und„Butab" im Ansängervierer. Der Große Preis von Berlin gelangt am kommenden Sonntag auf der Olympiaradrennbahn zum Austrag, und zwar als ein lOO-Kilometer-Rennen in zwei Läufen zu 50 Kilometer mit Kilometerwertung. Neben Walter Sawall, dem Belgier T h b l l e n- b e ck und Emil L e w a n o w beftrekien der Franzose Maronnier und der Belgier B c n o i t das Rennen. Voraussagen sür Sarlshorst am vlillwoch. S. August. 1. Jmmor- teile— Prünos: 2. Per Darf— Eigensinn: 3. Wels— Markolf: 4. Nordsee— Herzogt 5. Fliegender Fuchs— Malkasten: 6. Greif— Cto*; 7. Portland— Pistole, Radrennen/ Wasserkämpfe Arne Borg auch in Amsterdam auf der Höhe. Bei ausgezeichnetem Wetter und starkem Besuch wurde am Montag das olympische Programm der Bahn-Radrennen erledigt. Bemerkenswerte Erjolge waren den Deutschen hier nicht beschieden, da sie an die Klasse eines Mazairac, Beoufrond und Willy Falck Hansen nicht heranreichen. Immerhin machte der Deutsche Hans Bernhardt(Hannover) im Malfahren eine recht gute Figur; er erkämpfte sich die Teilnahmeberechtigung zur näheren Eni- scheidung. Im ersten Zwischenlauf siegte der Holländer Mazairac über den Dänen Willy Falck Hansen, den zweiten Zwischenlauf ge- wann Beausrand-Frankreich gegen Bernhardt. Im Kampf um den dritten Platz unterlag Bernhardt mit zwei Längen gegen Willy Falck Hansen, den Endlauf der Ersten um die Goldmedaille holte sich dann der Franzose B e a u- f r a n d mit einer Läng« gegen Mazairac, Im Zweisitzer- fahren langte es zum dritten Platz für Einsiedel-Köther hinter Holland und England. Die Holländer van Disk-Leene, die im Zwischenlauf Einsiedel- Köcher mit einer halben Länge geschlagen hatten, triumphierten im Finale mit einer Länge über England, im Endlauf der Zweiten siegten dann die Deutschen mit deni gleichen Abstand gegen Jta- lien. Im Versolgungs- rennen schieden Sieger, Einsiedel, Joksch und Dörmbach nach einem Siege über Kanada schon 8 in den Viertelsinals gegen Italien aus. Die gleiche italienische Mannschaft zeigte sich auch im Endlous Holland überlegen. Bei den Schwimmern fielen am Montag die ersten Entschei- düngen. Der Welt bester Landstreckenschwimmer Arne Borg- Schweden ließ in der 1500-Meter-Strecke keinem Gegner auch nur den Firnken einer Chance und schwamm das Reniien unangefochten in der neuen olympischen Rekordzeit von 19:51,8 vor dem Australier Eharlton(20:02,6) und dem Amerikaner Crobbe (20:28,8) nach Hause. Die gleiche Rolle spielte die Amerikanerin Martha N o r e l i u s im 400-Meter-Frei stilschwimmen der Damen. Sie unterbot ihre erst vor zwei Tagen aufgestellte Welthöchstleistung auf 5:42,8 und ließ die Holländerin Braun(5:57,8) und ihre Landsmännin Mc Kim �5:00,2) weit hinter sich. Bon den deutschen Bewerbern im 200-Meter-Brust- schwimmen versagte der Kölner Budig im zweiten Vorlauf voll- kommen. Um so vorteilhafter zog sich der Hamburger Si«ta»-aus der Ajsärc. Sietas hielt sich immer dicht hinter Spence(2:56,6) und LI Quafi(Frankreich) Sieger im Marathonlauf. besetzte in 2:57,4 einen achtbaren zweiten Platz vor dem Belgier Van Parys. Erich Rademach er gewann den dritten Vorlauf ganz überlegen in 2:52 vor dem Amerikaner Blankenburg(3:0.4,2). Der schärfste Gegner sür Rademacher steckt zweifellos in dem Japaner T s u r a t a, der seinen Vorlaus in der besten Zeit des Tages von 2:50 beendete. Die Wasserballspiele brachten das Erstauftreten der deutschen Mannschaft, die mit den Vertretern von Belgien zusammen- traf. In einem von beiden Seiten scharf durchgeführten Kampfe, bei dem wiederholt mehrere Spieler das Wasser verlassen mußten, siegten die Deutschen nach Verlängerung 5:3(reguläre Spielzeit 2: 2). Ebenfalls nach Verlängerung siegte England übe? Holland mit 5: 3, weiter waren Frankreich über Malta mit 16: 0 und Ungar» über Amerika mit 5: 0 erfolgreich. Auch mit Weiß- müller konnten die Amerikaner gegen Ungarn nichts ausrichten. In der Vorschlußrunde stehen sich nunmehr gegenüber: Deutsch- land und England sowie Ungarn und Frankreich. An den Vorkämpfen zum Kun st springen derHerren sind Plumans- Köln, Mund-Halberstadt und Riebschläger-Zeitz beteiligt. Die Kämpfe im Rudern nähern sich ihrem Höhepunkt. Der Vierer mit Steuermann von Sturmvogel- Berlin, der am Sonnabend von Italien geschlagen worden war, gewann seinen Befähigungslauf gegen Ungarn in 6:58,4 mit drei- ver Stand vom 6. August: viertel Längen gegen Ungarn, eine Glanzleistung vollbrachte der Berliner Doppelzweier Voigt-Hoeck. der seinen zweiten Ausscheidungslauf in 6�34,4 vor den gefürchtcten Gegnern aus Kanada(6-38,8) siegreich beendete. Es war ein erbittertes Ringen der beiden Boote auf der ganzen Strecke. Die Meistermannschaft Fleßl-Losert(Oesterreich) unterlag mit vier Längen gegen Amerika. Ausgeschieden ist endgültig der Vierer ohne Steuermann des Dresdener Rudervereins. Die Sachsen gaben den aussichtslosen Kampf mit England auf. Auf der Zuider-See wurden die Vorentscheidungen der 4Z«Fuß-Jolles>segler mit zwei Läufen fortgesetzt. Den ersten Lauf gewann Norwegen(Robert) vor Schweden(Thorell) und Deutschland(Beyn). im zweiten Lauf kam Finnland(Bromann) vor Holland und Italien ein. Bei den 6-Ouadratmeter-Booten vermochte sich das deutsche Boot nicht zu plazieren. Die spanische Nacht brach gleich nach dem Start den Mast, die anderen zwölf Boote beendeten das Rennen ohne Unfall. Programm für Mllwoch. Schwimmen: Kunstspringen Damen(Vorkämpfe). 400 Meter Freistil Herren(Zwischenl.). lOO Meter Rücken Herren (Zwischen!.). LOll Meter Brust für Damen(Zwischen!.). Kunst- springen Herren(Entscheidung). 200 Meter Brust Herren(Entschei- dung). Wasserball. Andere Sports: Turnen. Boxen. Fechten(Säbel- Mannschafisfechtcn). Rudern. Segeln. Sportfest in Saalow bei Mellen. Unter welch schwierigen Verhältnissen unsere Landvererne shre Sportfeste abhalren müssen, zeigte wieder einmal das Werbesportfest der Freien Tunrerschaft Saalow. Für einen schon jahrelang brach- liegenden Acker verlangte einer der völkischen Bauern für«inen Sonntag 30 M. Einen anderen Acker bekamen die Turner kostenlos gestellt, mußten ihn aber erst in der vergangenen Woche mähen und pflügen, damit sie einen einigermaßen gebrauchsfähigen Spiel- platz hatten. Der weiche Sandboden beeinträchtigte die Leistungen sehr) trotzdem wurden noch gute Ergebnisse erzielt. Drcilampf, Frauen: Wcrbcr 1.V! Punkte, Preke 132 Punkte. Brasmonn 123 Punkte.>AIIc Sperenberg.— Dreikamps. Iiigend 11 di» 16 Jahre: Hanschc. Kummersdorf 172 Punkte, Ketch-Rehhagen 122 Punkte, Linkc-Eaalow lI2Puutkte. - Dreikampf, Jugend 16 di, 18 Jahre: Etäbert-Sperenberg 191 Punkte, Wilde». noin-Eaalow 16t Punkte, Schutz-Taalow 113 Punkte.— Dreikampf, Miinner: Frch Linkc-Eaalow 197 Punkte, Skurcch.Pcrlin 12 181 Punkt-, Kurtd-Klnusdorf lo6 Punkte.— Im Handballspiel siegte Klausdorf gegen Berlin 12 mit 3: 6 III: 0), während im Zaustballfpiel Mellen gegen Saalow mit 83 zu 163 gewann. Oer Verlauf des Handballspiels. ' Die beiden Mannschaften Klausdorf-Rehagen und Freie Sport- Vereinigung Berlin 12 versuchten ihr bestes zu geben und den Zu- schauern ein technisch gutes Spiel zu zeigen. Aber der Boden ver- hinderte jeden Halt und die Spieler waren oft gezwungen, die größ- ten Kunststücke auszuführen. Di« beiden Mannschaften waren Grasboden gewöhnt, hier aber kam der Ball nicht hoch. Es entwickelte sich ein sehr lebhaftes und flottes Spiel, beide Hintermannschaften waren auf dem Posten. Berlin 12 gelang es mehrmals, den Ball durch ein technisch gutes Abspielen bis vorn zu bringen, aber fast jeder Schuß ging zu hoch, während in der zweiten 5?albzeit der Sturm nicht den seitlichen Wind berechnete, der alle Bälle zur Seite drückte. Erst in der 40. Minute gelang es Klausdorf, das einzige nach Uebcrwindung der Hintermannschaft errungene Tor zu schießen, u?ährend beim zweiten Tor der Torwächter nicht schnell genug nach dem Ball sprang und das dritte Tor ungehindert, ohne sich nach dem Ball zu werfen, vollführen ließ. Biesdorf und G r o ß-B e r l i n O st e n trennten sich 0:5(0:3). Es marjün von beiden Mannschaften schnell und lebhaft durchge- sührtes Spiel, das aber trotzdem fair gespielt wurde; Biesdorf ver- lor durch die Fangunsicherheil der Spieler. 5ie pfeifen auf die Beschlüsse! In der„Roten Fahne" teilt Robert Siewert mit, daß „170 deutsche Arbeitersportler aus allen Gebieten des Reiches" nach Moskau zur Teilnahme an der„Spartakiade" reisen. Ausdrücklich bemerkt er dazu: „Diese Genossen fahren gegen den Willen der Bundesvor- stände, trotz der Beschlüsse des Leipziger Bundestages." Es war bisher der Stolz der Arbeiterbewegung, daß trotz aller abweichenden Meinungen im einzelnen die Minderheit einer Organi- sation sich dem Willen der Mehrheit fügt. Anders ist«ine sali- dorische Zusammenarbeit überhaupt nicht möglich. Wenn die tommu- nistischen Organisationszerstörer diesen Grundsatz nicht anerkennen und auf die Beschlüsse des Bundestages pfeifen, dann dürfen sie nicht darüber jammern, daß gegen sie die Mittel angewendet werden, die die Bundcsgesetze für Disziplinbrechcr vorsehen. Vcreinskalender. Freier Sportverein Berlin XU. Mittwoch, 8. August. 19>4 Uhr, Fortsetzung her Haldjalircsnersammlung im Restaurant Albrechtshof, Steglitz. Mitglieds. bllcher sind mitzubringen. Sonnabend, II. August, Abteiiungsverfamm.'ung der Schwimmabteilung Lichterseide bei Lenski, Hindenburgdamm. Freie Turnerschaft Srotz-Berlin, Bezirk Lichtenberg. Die Frauenobteilung (über 23 Jahre) turnt ab Mittwoch, 8. August, wieder in der Turnhalle Pfarrstratze voii 20—22 Uhr. Käste willkommen. Berliner Arbeiter-Lchachklub. Dienstag, 7. August, 20 Uhr: Abt. Sharlottenburg: Bismarckstr. 36. Abt. Nordwest: Wilhelmsbaoener Str. 24. Abt. Lichtenberg: Kiirtel», Elke Dossestroste. Abt. Memel: Memcler Str. 16. Abt. Weistensee: Lehderstr. 122. Abt. Humboldthain: Boltastr. 19. Abt. Norden: Sprengelstr. 39. Abt. Reinickendorf-West: Eltiarnweberstr. Il4—1l3. Kaste stets willkommen.— Mittwoch. 8. August, 26 Uhr: Abt. Steglitz: Diippelstr. 7. Abt. Westen: Eröffnungslehre, Borikstr. 36. Abt. Llltzow: Blitz- turnier. Rostncnftr. 16. Werbebezirk Ost: Sportplatz Friedrichshain freier Schachuerkehr. Käste stets willkommen.— Donnerstag, 9. August, 26 Uhr: Abt. Br'tz: Rudower Str. 33. Abt. Neukölln-Rord: Ponnierstr. 46. Abt. Treptow: Elsenstr. 12. Abt. Osten: Graste Frankfurter Str. 14. Abt. Nordring: lstaudnstr. 16. Abt. Schillcrpark: Müllerstr. 126. Abt. Gesund- brunnen: Kolonieftr. 147. Abt. Reiniltendors-Ost: Restdenzstr. 169. Abt. Moabit: Rostocker Str. 16. Abt. Westend: Sophie-Charlotte-Str. 88. Gäste stets willkommen.— Freitag, 16. August, 26 Uhr: Abt. Ostkap: Rigaer Straße 67. Abt. Südwest: Iitterboger Str. 7. Abt. Königs, adt: Friedenstr. 61. Abt. Gartenplatz: Pflugstr. 8. Abt. Wedding: Liebenwaldcr Str. 33—36. Abt. Mitte: Fionskirchplotz 3. Käste stets willkommen.— Montag, 13. August, A) Uhr: Abt. Wilmersdorf: Berliner Str. 48— 49. Werbebezirt Ost: Sportplatz Schachverkehr. Gäste stets willkommen. Obleutcsitzung Friedrichshain freier Schochr bei Ewald, Skalitzer Str. 126. Freie Kanu-Unio», Grup Freie Kanu-Unio», Gruppe Erkner uud GrSuau. Am SonnabendSonn- tag, 11.112. Aligust, gemeinsame Lagerfahrt noch dem Flakensee bei Erkner, rechtes Ufer. Beteiligung aller Genossinnen und Genosse» erwünscht. Musik. instrumente sind mitzubringen. Käste herzlichst willkommen. Geschäftsstelle: Will» Forper, Berlin 91. 58, Staroarder Str. 33. Nächste Sitzung am Freitag, 17. August. Restaurant»Iur Eiche", Neukölln. Kaiser-Friedrich-, Ecke Saale- straße. Rahe Ringbahnhof Kaiser-Friedrich-Straße. Aufnahme neuer Mit- glicder._ �Hon-Segelflugweiibewerb. 200 Flüge in vier Tagen. Wasssrkuppe(Rhön). 7. August. Zweihundert Flüge während der ersten vier Wett- bewerbstage, eine Zahl, die wohl klar erkennen läßt, mit wcl- chem Eifer auch diesmal ans Werk gegangen wird Das bisherige Ergebnis erscheint aber dann erst bedeutungsvoll, wenn man in Be- tracht zieht, daß die Witterung bislang keinesfalls so günstig war. Flugwetter mit günstigen Winden und warmer Sonne wechselt jeden zweiten Tag mit Sturm, Regen und Nebel, dem berüchtigten „R h ö n w e t t e r". Immerhin läßt sich schon jetzt nach wenigen Tagen erfreulicherweise feststellen, daß gerade unser fliege- rischer Nachwuchs, auf den es künftig mehr und mehr an- kommt, sein« Fähigkeiten weiterhin vervollkommnete. Von den Iungflieger-Gruppcn waren besonders unermüdlich: der Niederhessische Verein für Luftfahrt, Kassel; der Niederrheinische Verein für Luftfahrt, Bonn; serner das Institut für Leibesübungen der Ilniversität Bonn und die Flugwissenschaftkiche Vereinigung am Kyffhäuser-Technikum Fronkenhausen. Einige Mitglieder des Ver- eins für Luftfahrt Gießen und der Arbeitsgruppe für Segelflug Würzburg konnten ihre A- bzw. B-Prüfungen bereits ablegen. Bei unseren Alt flie gern herrscht augenblicklich die bekannte„Ruhe vor dem Sturm; sie warten auf besseren Wind, um sich die für sie in den Ausschreibungen vorgesehenen Preise holen zu können. CirssgE Schwierigkeiten dürfte in dieser Hinsicht der Fe r n z i e l f l u gB preis zum Himmeldankberg mit Rückkehr zur Wasserkupp« bereiten, der eine Steigerung der sportlich-technischen Leistung des Umfliegcns der Milseburg im Jahre 1920 und des Heidet- steines im Jahre 1927 bedeutet. Es zeigten Kegel- Kassel auf einem werkstattneuen Hochdecker„Kassel", S ch u l z- Marienburg auf dem freitragenden Hochdecker„Westpreußen", H i r t h- Stuttgart auf dem verspannten Hochdecker„Hugo" und Schleicher- Poppenhausen! auf seinem Hochdecker mehr oder weniger lange Segelflüge. Hoppe- Hersfeld zertrünunerte bei einer Baumlandung in der Nähe von Gersfeld Martens alten Eindecker„Moritz" restlos, der Führer kam wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davon. Für den llebungs- Wettbewerb war ein Preis für die größte Flughöhe am Tage ausgesetzt und für die Piloten des Leistungswettbewerbes ein Preis für einen Flug noch dem etwa 4 Kilometer entfernten 810 Meter hohen Ehrenberg und Rückkehr zur Starsstelle. Beide Preise errang der junge österreichische Segelflieger Kronfeld mit einem sehr schön durchgeführten Fluge. In mehreren Kurven ge- wann er 100 Meter Höhe über der Wosserkuppc und nahm den östlichen Kurs zum Ehrenberg, den er umrundet« und nach 20 Minuten zur Kuppe zurückkehrte. Bei einem Vergleichs- fliegen der alten und jungen„Kanonen", zu denen sich noch der eben eingetroffen« N e h r i n g- Darmstadt auf seiner neuen„Darm- stadt" gesellte, waren zeitweise fünf bis sechs Hochflugzeuge in der ""�lieber das genaue Eintresfen der ausländischen Teilneh- wer. des Schweizers Soldenhoff und der Franzosen Auger. Abrial und Guilbaud konnte bei der Oberleitung Bestimmtes nicht in Erfahrung gebracht werden. Vor Arbeitszeitkämpfen in Mitteldeutschland. Die Bergarbeiter fordern den Achtstundentag. Seit dem Jahre 1923, als den mitteldeutschen Braunkohlen- bergarbeitern durch einen Gewaltschiedsspruch die z w ö l s st ü n- digc Arbeitszeit aufgezwungen wurde, ist die Arbeitszeitfrage nicht mehr zur Ruhe gekommen. Sie ist fortgesetzt Gegenstand mehr oder weniger heftiger Diskussionen gewesen. Gegen den heftigen Widerstand der Unternehmer ist im Jahr- 1927 durch Schiedsspruch eine völlig ungenügende Verkürzung der Arbeitszeit eingetreten. Die Forderung nach Wiederher st ellung der früheren tariflichen Arbeitszeit ist aber nie verstummt. Zu dieser Frage hat nunmehr am 3. August in Halle eine Kon- fercnz endgültig Stellung genommen. Nach ausgiebiger Debatte wurde unter stürmischem Beifall folgende Entschließung ein- stimmig angenommen: „Die am 3. August in Halle tagende Funktionärkonferenz aller am Tarifvertrag für den Braunkohlenbergbau beteiligten Gcwerk- schasten beschließt:.. �... Die gegenwärtige Arbeitszeit für die Arbeiter nn Braunkohlen« bergbau hat in jeder Beziehung zu unerträglichen Zuständen ge- führt. Die Gewerkschaftsleitungen werden daher aufgefordert, das Mehrarbeitsabkommen zum nächst möglichen Termin zu kündigen. Gleichzeitig werden die Gewerkschaften beauftragt, alle Vorbereitungen zu treffen, um die Beseitigung der nur noch im Bergbau bestxhenden überlangen Arbeitszeit nötigenfalls mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zu erzwingen. Die Konferenz fordert die Belegschaften auf, sich angesichts der durchaus ernsten Situation restlos den Gewerkschaften anzuschließen, um ein« geschlossene Kampffront zu bilden. wclterberichl der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gcgend.(Nachdr. verb.) Trocken und vorwiegend heiter, am Tage rasche Erwärmung, später wieder zunehmend« Bewölkung. Für Deutschland. Im Westen neue Trübung, im Osten noch heiter, über- all ziemlich wann. Im dieHähngen G r o ß e n Saison-Ausverkauf«ssinn 27. im» In allen Gröben und QualilSien, darunter 1000 Teppichen auch erstklassige Marken, viele Artikel leil« Iiis im Hie ßr von weit über_______________ Nachs ebend einige Beispiele der billixen Preise Beuel« imit. 200X300 1»., 250X350 32.-, 300X400 42.-. Tapestry-Brüssel 200X300 48.-, 250X3 0 78.-. Hech. Smyrna 200X300 78—, 230X330 98.-, 300X401 148.-. Axminster Pr. 200X300 82.-, 250 �350 125___ 300X400 1 63.-, 300X300 19*.-. Smyrna Velour 300X 420 2 35.-, 350X470 31 2.-. PlUschvorlagen 4.25, 8.50, 8.50. Teppich- und Läufersloffreste p. m. 1.50, 2.—, 3.50 usw. Tischdecken 4., 5.50, 6.25 usw. Diwandecken 7.50, 8.75, 11— usw. Größtes Teppichlager. Seit 30 Jahren in Berlin-Schöneberg, nur Hauptstraße 5. Bitte Hausnummer zu beachten! 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LIedtke: Der Veilchenfresser Pal und Patachon auf der Wolfs- jasd Gi olle Bübnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1— 6 Laster der Menschheit Der Herr von Parts Große Bübnenschau Palast'Theater 3reite Straße 21 a Beg. 7.30. 9 Uhr Die Hochzeitsreise mit Montv Banks Die Insel der Gestrandeten Tivoli-Lichtspiel-Th. ietiiner Straße ZI Hcnnv Porten in Mutter u. Kind Die Frau für 24 stunden mit Harry LIedtke Bühne: l-rau Lorma Schneider FilmsPalast Blankenburger Str. 4 Die Qcllebte Seiner Hobelt Bolpbccor, II. Teil Schloßpark Fili-SDline Berliner Allee 205—210 Bin Walzertraum Betro ene Betruger Bübnenschau Schlüter-Theater Schlütcrstr. 17 Wegen Renovierung gescbloss. Wiedereröffn. Sonnab., II. August Titania(uu ÄUer*) dauptstraße 43 6.30, 9. S. 3.15, 3, i, 9 Ü. Carmen Bon! in Liebeskarneval Der gcbcimnlsvolls Ozcanflug TitaniasPalast Steglitz, SchloSstr. 3, Ecke Gutsmuthsstr. Liane Held. KSthe von Nagy in Königin seines Herzens Regie: Viktor Janssen Auf der Bühne: Bin* Kneoer von der Staatsoper