Morgenausgabe Nr. 371..„, A 189 4S.Iahrgang «SchentNch 85 monaMch S.SV«. im voraus zahlbar. Postbezug i£2 TL ewschl. Bestellgeld. Auslandsabonue- ment 6,— M. pro Monat. Der„Vorwärts* erscheint wochentäg« lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Beilagen„Voll und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen» stimme",„Technik".„Blick in die Büchenvelt" und„Iugend-Vorwärts* ir" Nerlincr volkSblatt Mittwoch 8. August 1928 Groß.Serlin 10 pf. Auswärts-15 pf. ZX«»>»sp»ltlz« Novparelllezkll' 8« Pfennig. Retlame eile i.— Reichsmark.„«leiu» Anzeigen' da» feUge- druckte Wort 2d Pfennig(zuläffig zwei 11«ftemii. Worte über 15 Buchstaben lllu« für zwei Worte. Lrbeltsmarkt »zhle» für Zeil. SV Pf Adonnentr « 90 Pfennig. Familienanzeigen[i imenten Zeil««> Pfennig. Lnzeigei ahm« im Hauptgeschäft Lindei annahm« Prot, 5.-ei für en- «n» ,l.-°°n»'/>bt, 17 Uhr. Jsntralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—291. Telegrarnm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postschecklonto: Berlin Z7vSe.— Bankkonto: Bant der Arbeiter,«ngestevien «nd Beamte» wallstr. K. Diskonto-Gesellschaft, Depositenkass« Lindenstr. L Agram und Belgrad. politische Hochspannung in Südslawien. Von UorrunnQ-sVsnclvl. Diesmal knallten die Schüsse von der anderen Seite: ein überzeugter Kroate hat in der kroatischen Hauptstadt einen überzeugten Serben, Wlada Ristowitsch, kaltblütig und mit Vorbedacht durch ein halbes Dutzend Revolverschllsse tot niedergestreckt. Das ist ein erschreckendes Zeichen: Mono- Meter auf 99! Zwar war der Erschossene nicht ganz mit Unrecht Gegen- stand des Abscheues für jene, die die Ermordung kroatischer Abgeordneter in der Skupschtina betrauern. Aus dem serbi- schen Schabatz gebürtig, hatte der 37jährige in Paris die Rechte studiert und war schon vor dem Kriege Chefredakteur eines Belgrader Boulevardblattes, des„Kleinen Journal", g-wesen. Nach dem Weltkrieg saß er in der Redaktion ver- schiedener Belgrader Blätter, die eine durchaus gemäßigte Richtung innehielten und vor allem nicht im groß-serbischen, sondern im südslawischen Fahrwasser schwammen. Risto- w'tsch war überhaupt ein Mann nicht ohne Kultur, der Dramen Oskar Wildes und Leo Tolstois ins Serbische über- tragen hatte, aber während er als Leiter des überhitzt natio- nalistischen„Balkan" sich noch hauptsächlich mit Wirtschafts- fragin befaßte, verfiel er in seiner feit Mai erscheinenden „Iedinstvo"(Einheit) mehr und mehr in die unerträgliche groß-serbisch-chauoinistische Tonart. Ja mehr, die Gegner d?r Regierungsfront führten lebhafte Beschwerde, daß er g'gsn sie zum Mord aufreize: noch nach dem blutigen 26. Juni in der Skrupschtina verwies Ristowitschs Blatt auf „den nahen Augenbl'ck. der den kroatil-bsn Damen Gelegen- b-lt geben merd-v das Grob Svetolar Privitschewitschs mit Blumen zu schmücken". Wenn ibn dafür ein kroatischer Fa- natiker über den Haufen schoß, fällt der serbische Fanatiker von den Kugeln eines R-volvers, den er selber geladen hat. Aber Mord bleibt Mord, und Blut ist in jedem Falle ein ganz besonderer Soft. Obwohl das neue Verbrechen zur Beruhigung der Gemüter beitragen könnte, da Opfer jetzt auf beiden Testen liegen, also der„Blutroch?" Genüge geschehen ist. wird die neue Gewalttat den Abgrund zwischen den beiden L'"v?rn noch tiefer aufreißen. Stürmischer denn je wird in Aaram der Ruf erschallen: Los von Belgrad! und verbissener denn je wird aus Belgrad die Antwort kommen: Wer gehen will, mag sein Bündel schnüren! Erst recht wird, wenn der nicht nur durch seine Verwundung schwerkranke Stefan Raditsch den Folgen des 20. Juni erllegen sollte, das südslawische Staatsschiff in einen Wirbel bineingerssen werden, der seine Planken krachen läßt, aber sofern nicht alles trügt, wird es auch diesen Sturm überstehen. Wer ollerdinqs in Wien und Budovest. in Rom und Sofia gern die südslawische Einheit zerschellen sähe, über- treibt qstlissentlich die Gefahr der südslawischen Staatskrise. die auch für unparteiische Betrachter gewiß nicht gering ist. Aber es zeugt von Bequemlichkeit im Denken oder von Mangel an Tätsachenkenntnis, wenn pian den ganzen Wider- streit leicht aus die Linie bringt: Serben gegen Kroaten. Daß ein Vollblutserbe wie Svetosar Pri- bitschewitsch einer der Feldherren der gegen Belgrad ge- schlossenen Front ist, ergibt bereits diese allzu einfache Formel. Richtigere Beobachtung sieht in dem einen Lager die Be- wohner des alten Königreichs Serbien und im anderen die der ehemals österreichifch-ungarischen Gebiete stehen, aber auch diese beiden Fronten sind nicht ungebrochen und unge- mischt. Hinter den vier Parteien, die unter Koroschetz wie unter Wukitschewitsch die Regierungsmehrheit bilden. Ra- dikaien, Demokraten. Moslems und Christlichsozialen, ballen sich 1.2 Millionen von insgesamt 2,3 Millionen oder 56,8 Proz. oller Wähler zusammen hinter der Koalition Raditsch-Pribitschewi'tsch 628 000 oder 27 Proz. aller Wähler. Aber auch von den Christlichsozialen in Slowenien abgesehen, wurzelt die Regierungsmehrheit keineswegs nur in � dem früheren Königreich Serbien, sondern in den„drübigen" Ge- freien verfügen die vier Regierungsparteien zusammen in Slowenien über 63 Proz., in der Wojmodina über 54 Proz., in Bosnien-Herzegowina über 44 Proz., in Dalmatien über 34 Proz. und selbst in Kroatien über 16 Proz. aller abge- gebenen Stimmen Das heißt: In jedem der beiden Lager stehen Serben, Kroaten und Slowe- neu: über iedem der beiden Lager weht die Fahne des jüd- slawischen Gedankens, wenn er vorläufig auch in Agram sehr viel anders ausgedeutet wird als in Belgrad. Aber mag der stumpfsinnige Ausweg der Belgrader Machthaber, unter Koroschetz die Regierung Wukitschewitsch neu zu bilden, statt unter einer wirklich neutralen Regierung wirklich freie Wahlen auszuschreiben, die Massen hinter Raditsch und Pribitschewitsch noch so sehr erbittern, mag die demokratisch-bäuerliche Koalition auf ihrer Agramer Tagung noch so schwerwiegende Entschlüsse gegen Belgrod und die Rumpfskupschlina angenommen haben, mögen die Leiden- schaftcn noch so sehr wallen und brausen und zischen, was Raditsch auf seinem Krankenbett fremden Journalisten über eine staatspolitische Trennung zwischen Serben und Kroateu und die Personalunion als einzigem Band zwischen beiden erzählt hat, ist dennoch eine unholde Utopie. Serben und Kroaten gehören gewiß verschiedenen Kulturkreisen an, und eine verschiedene historische Entwicklung hat beiden ihre Spuren unverwischbar aufgeprägt, aber es steht in diesem Betracht mit ihnen nicht anders wie mit den Deutschen in der deutschen und denen in der österreichischen Republik. Nicht umsonst verzeichnet gerade darum die südslawische Sozialdemokratie den nationalen Zusam- menschluß der drei Stämme in einen Staat als das wichtigste Datum in der Geschichte des Südslawentums. Das Rad der Entwicklung würde unheilvoll zurückgedreht, wenn sich das Trennungsgelüst wirklich für einige Zeit zur Freude des nach derk Balkan ........ spähenden italienischen Imperialisten durchsetz! nor- male Weg geht nach ganz anderer Richtung, wie es ein be- sonnenes Belgrader Blatt,„Trgovinski Glasnik", dieser Tage auseinandersefcte:„S ü b jl awien muß größer, nicht kleiner werden. Statt daß die Kroaten abgehen, müssen die Bulgaren dazukommen. Rur Groß-Südslawien wird politisch und ökonomisch gesichert und mächtig fern." Damit dieses Ziel Wirklichkeit wird, muß allerdings die Willkürherrschaft einer kleinen Clique niedergezwungen wer- den. Nicht Zentralismus gegen Föderalismus heißt der wahre Gegensatz, sondern Despotismus gegen Demokratie. Die Demokratie muß siegen, wenn Süd- slawien leben soll, und wird auch bis zu diesem Sieg noch manches Wasser die Donau, Sawe und Drina herablaufen, so ist es schon ein großer Gewinn, wenn fürder wenigstens kein Blut mehr fließt. T Internationale Solidarität. -Oer Tag der Unterdrückten Parteien nnd Völker. ' Vrü�ck. 7. August.(Eigenbericht.) Die dritte Plenarsitzung-des Kongresses am Dienstag vormittag galt den unterdrückten Parteien und Völkern. Das Bekenntnis zur internationalen Solidarität.''der Sozialisten aller Länder mit den Opfern des Faschismus, des Bolschewismus und des Imperialismus kam auch in der Zusammensetzung des Präsidiums der heutigen Sitzung zum Ausdruck: den Vorsitz. führten gemeinsam drei im Exil lebende Genossen, Führer von unterdrückten Parteien, ein Italiener, Filippo T u r a t i, und zwei Russen, der Sozialdemo- trat A b r a mo w i t s ch und der Sozialrevolutionär R o s a n o w. Der fast 71jährige und noch erstaunlich frische Turati nahm als erster das Wort, um eine leidenschaftliche Anklage gegen das Regime Mussolinis zu erheben. Aber wie er selbst betonte, wollte er nicht nur dem Faschismus den Prozeß machen, sondern auch die Sozialisten aller Länder ermahnen, aus den eigenen, bitteren Erfahrungen der italienischen Genossen die Lehre zu ziehen, niemals vom Wege der Demokratie abzuweichen. Nach ihm klagte Genosse Don von den russischen Menschewiken die andere Form der Diktatur an. Er lehnte aber ausdrücklich jedes Zusammenwirken mit der Reaktion im Kampfe gegen, den Bolsche- wismus ab. Denn der Bolschewismus sei eine interne Krankheitserscheinung der Arbeiterbewegung. Dan nahm den Fehdehandschuh auf, den der gerade jetzt in Moskau tagende Kommunistische Weltkongreß der Sozialistischen Jnternatio- nale zugeworfen hat. Dort ist die Parole des verschärften Kampfes gegen die internationale Sozialdemokratie ausgegeben worden. Wir müssen zur Gegenoffensive übergehen, unsere eigenen Grund- sätze den bolschewistischen Grundsätzen entgegensetzen. Der Moskauer Internationale der Diktatur, des Krieges und der Spallung setzen wir entgegen die Internationale der Demokratie, des Friedens und der Einigung des Proletariats! Als Vertreter der britischen Arbeiterpartei überbrachte Ch. R. B u x t o n ein Bekenntnis der Solidarität mit den unter- drückten Volke rn Afrikas und Asiens, insbesondere mit den Aogyptern und Chinesen. Er gab offen zu— was man leider seit längerer Zeit nur allzusehr wußte—, daß die englisch« Arbeiterbewegung dem Problem des Faschismus und des Bolsche- wismus nicht das gleiche Interesse entgegenbringt, wie die sozialisti» schen Parteien des Kontinents. Was aber an dieser Rede wertvoll war, das war die entschlossene Kampfansage der Labour-Party gegen die' imperialistische Politik der konservativen Regierung Englands, das Bekenntnis zur völligen Unabhängigkeit Aegyptens, zur Jnter- Nationalisierung des Suezkanals, zur Abschaffimg der ungleichen China-Vcrträge und zur völligen Gleichstellung der Völker des Westens und des Ostens. Mit großem Interesse nahm schließlich der Kongreß die Aus- sührungen eines Vertreters der sozialistischen Partei Chinas, Dang- Katastrophe in Holländisch-Zndien. Viele Menschenopfer.— 20 Schiffe vernichtet. Die Sunda-Znsel F l o r e s wurde in der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag von einem Vulkanausbruch und einer Springs lu« heimgesucht. Zwanzig Schisse sollen unter- gegangen sein. Das Unglück soll viele Menschenopfer ge- fordert haben. Einzelheilen fehlen noch. Auf der benachbarten Insel Soembawa wurden am Sonn- abend um Mitternacht die starken Pulkanausbrüche wahr- •genommen. Den ganzen Sonntag über fiel ein leichter Aschen- regen...... K a n- T a o, entgegen, der zunächst die Leiden des chinesischen Volkes schilderte und die Abschaffung der ungerechten Verträge als das ein- zige Mittel zur Vermeidung neuen Blutvergießens bezeichnete. Der Redner wandte sich scharf gegen den Kuomintang, der ein chinesischer Bürgerblock sei und der die Arbeiterschaft, auch die sozio- listische, verfolge. Von einer dauernden Unterstützung des Kuomin- tang dürfe keine Rede sein, nur in manchen Fällen, wo es sich um Reformen handele, die für das Proletariat nützlich seien, müsse der Kuomintang unterstützt werden. Der Bolschewismus habe in China völlig abgewirtschaftet. Er wollte sich zunächst im Kuomintang einschmuggeln und mit Hilfe des Lumpenproletariats putschen, unter völliger Verkennung der wahren Machtverhältnisse und der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Kuomintang-Generäle hätten diese Torheit benutzt, um Ströme von Proletarierblut fließen zu lassen. Die Sozialisten Chinas würden sowohl die Unterdriickungs- Methoden des Kuomintang als auch die verbrecherische Taktik der Bolschewiken bekämpfen, sie stehen zur sozialistischen Internationale, die allein willens ist und fähig sei, dem chinesischen Volk in seinem Befremngskampf zu helfen. Brüssel, 7. August.(Eigenbericht.) Die Sitzung wird um 9-% Uhr von Abramowitsch- Ruß- land eröffnet. Außerdem hat die Exekutive als Vorsitzende für die heutige Sitzung Turati- Italien und R o f a n o w- Rumänien bestimmt. Die Sitzung beginnt mit einer Begrüßungsansprache des ita- lienischen Delegierten Turati. der vor allem die Leiden der italienischen Arbeiterschaft und die Schrecken des faschistischen Regimes ausführlich schildert. Turati gibt die Hoffnung nicht auf, daß auch den italienischen Sozialisten bald ein Erfolg be- schieden sew möge.(Lebhafter Beifall.) Oan-Nußland von der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei spricht dann zu dem ersten Punkt der Tagesordnung, die„weltpolitische Lage". Er führt aus:„Der Faschismus und der Bolschewismus sind Brüder. Beide stützen sich auf einen militärischen Apparat, der von Korruption geradezu strotzt. Meine Partei ist stolz darauf, daß sie auch unter den Schlägen der Diktatur niemals aufgehört hat, die Lehren ihres großen Führers Marlow immer wieder zum Ausdruck zu bringen, diese Lehren, die uns klar machen, daß wir im schärfsten Kampf gegen die Diktatur nie die Gemeinsamkeit unserer Endziele vergessen dürfe«. Der Kamps gegen die bolschewistische Diktatur ist nur durch- zuführen bei einem gleichzeitigen Kamps gegen die bürgerliche Konterrevolution. In Moskau tagt zurzeit der Kongreß d«r 3. International«. Er hat den Dernichtungskampf gegen die Sozialdemokratie und die Gcwerk- schaftcn aller Länder beschlossen. In vielen Ländern haben die Bol- schewisten ähnliche Methoden, Spaltung und Verrat, schon längst an- gewandt. In der Abwehr dieses Kampfes muß die Sozialistische Arbeilerinternationale die Offensive übernehmen. Wir wollen uns dabei niemals der von den Bolschewisten benutzten Mittel bedienen. Wir wollen und müssen den Kampf um die Seele der Ar- beiterschaft führen, und wir führen ihn, indem wir, die Jnternatio- nale des Friedens, der Znkernalionale der Spaltung die Internationale der Einheit entgegenstellen. Die Möglichkeiten der bolschewistischen Diktatur sind durch die Tatsachen der wirtschaftlichen Weltkräfte beschränkt. Die Bauern haben auf die Maßnahmen der bolschewistischen Regie- rung mit passivem Widerstand geantwortet, die Hand- werter haben die Läden geschlossen. Heute befindet man sich in Rußland in einem katastrophalen wirtschaftlichen Zustand. Aus der Agonie des Nepp ist eine Agonie des Bolschewis- m u s geworden. Erschüttert durch den ewigen Zickzackkur? geht die Diklaiur lzeute wieder nach rechts. Innere Konflikte sind unter diesen Umständen zu erwarten, außenpolitische nicht ausgeschlossen. Die boljchewistlschc Diktatur ist zweisellos eine Quelle außenpolirischer Gefahren. Der 3uftond, in dem fich Rußland augenblidlich befindet,! meckt die Belüfte der Imperialisten. Eine Dittatur darf nachgerade in einer solchen Situation nicht schwach erscheinen, und wo sie schwach ift, muß fie fich start zeigen. So sehen wir Rußland heute gewissermaken als ein großes Militärlager, als millkommenen Nährbaden für Abenteurer. Unter diesen Umständen können die Gempebre allzu leicht von selbit losgehen. Wir russische Sozialdemokraten bekämpfen bie Ursachen, die hierzu führen, und damit den Bolichemismus, um an seine Stelle die demokratische Republit zu sehen." Burton- England: Bir Engländer haben nicht das Bestreben, die Gegensäge zu hetonen, sondern das Cinigende hervorzuheben. Wir wollen auch nicht utopisch sein, donn mir find nicht so streng an die marristische Lehre gebunden, wie das in anderen Ländern der Fall ist. Wir mollen mehr die praktische Lösung. Deshalb perianacn mir feine grundlägliche Definition, aber dafür mehr praktische Politif. Aus diesem Grunde haben wir den Kommissionen des Kongresses eine ganze Reihe von Formulierungen vorgelegt. Wir verlangen darin jofortige Räumung des Rheinlandes, mir fordern die Heriteliung offizieller Beziehungen zu Rußland durch alle Steaten und die Unabhängigkeit aller Ratio: nen im Rahmen des Böllerbundes. Schließlich fteilen wir uns auf den Standpunkt, daß ein für allemal der Zustand aufhören muß. die asiatischen Völler als Völker niederer Kultur und uns als Bölfer höherer Kultur zu betrachten. Wir verlangen volle Gleichheit der Bölkor und in bezug auf China volle Bollautonomie, Annullierung der bestehenden Berträge und Zurückziebung aller der und ausländischen Truppen aus chinesischem Gebiet. Hong- Kiu- Tao- Yang- China: Der Tankstoß von vorn. Und nicht der Dolchstoß von hinten! In der allbeutschen Geschichtsmythologie wird der 8. August als Beginn des Dolchstoßes" bezeichnet. Nach der Legende soll die furchtbare Niederlage, die Ludendorff an diesem Tage erlitt, dadurch entstanden sein, daß zurückflutende Truppen norgehenden Referven Streifbrecher!" und Kriegsverlängerer!" zugerufen hätten, was menigstens ein heimfrieger, Graf Reventlow, behauptet, dem es ein älterer Regierungsrat erzählt hat, der es von seinem im Lazarett liegenden Sohn haben wollte. Wie hat die Wirklichkeit des 8. Auguft ausgefehen? In der militärischen Beilage der Deutschen Tageszeitung" ( ,, Wehr und Waffen") findet sich eine fachlich- fachmännische Darstellung dieses Tages, die das Leitartikelgeschreibe phan tafienoller Heimatstrategen glatt über den Haufen wirft. Die Darstellung beleuchtet zunächst die allgemeine Situation dahin, daß die Amerikaner täglich 12.000 Mann in Frankreich landeten, daß außerdem damals auf seiten der Entente„ Tausende von Lants verschieden ster Größe und zum Teil gewaltiger Kampffraft" fertig geworden waren, denen die Deutschen nichts ent gegenzusetzen hatten. Im Gegenteil die Deutschen lolagen in nur flüchtig abgestedten Linien", denn bei der Heeresleitung war die Sorge um die Erhaltung der Kampffrische zur Zeit größer als die Sorge um den Bau non Gräben und Werfen". Bir Chinesen haben jetzt endlich die Freiheit unseres Landes erobert und den alten Militarismus in einen Winkel der Mandschurei zurückgedrängt. Aber er ist noch nicht endgültig vernichtet. Wir sind auch noch immer Opferder elenden lmtriebe desinternationalen Imperialismus. Er stäkt sich vor allem auf die ungleichen Verträge, die als Folge des Krieges von 1842 und 1858 und vieler andere: Ereignisse geschlossen wurden und die die Kentrelle der Zölle durch das Ausland, die erzwungene herabfekuna der Tarife, Kongeffionen und die Brivilegien der Erterritorialität zur Folge hatten. fraft natürlich überreichlich verhanden, trendem kann das chinefische In einem Lande von 400 Millionen Menfchen ist die Arbeits Bolt feine Naturschäße nicht industriell verarbeiten. Denn die ausländischen Kapitalisten verhindern durch die Zoffontrolle und die Beschränkung der Tarife die Ausdehnung des chinesischen Außenhandels. Sie schaden damit nicht nur dem chinesischen Bolt, sondern auch ihren eigenen Nationen. Aber was ihnen vorschwebt, ist ein eingeschränkter, von ihnen monopolisierter Handelsverkehr, der sehr hohe Profite cbwirft, an Stelle eines ausgedehnten Hondetsverkehrs mit mäßigem Ertrage. Darüber hinaus wird der Wert der Waren alle zehn Jahre durch internationale Uebereinkommen festgelegt. Diese Werte fönnen am Ende der zehrjährigen Frist nur durch die einmütige Zustim mung aller Mächte, die Konzessionen besigen, abgeändert werden. nun Verträge mit Ländern zu Der Maffengngriff der Tanks hatte sich als unwiderstehlich er. wiesen. Wohl wurden Dugende von ihnen abgeschossen, aber der Eindruc der Masse( an anderer Stelle bemerkt der Verfasser, daß die Tanks mit seitlichen Zwischenrumen von nur 50 Metern auf einer Frontbreite von 35 kilometer marschierten. Red. d. B.) auf die ohne Artillerieunterstützung fechtende und nur auf sich angewiefene Infanterie war so groß und so niederdrückend, daß so mancher, abgehezt und müde, ja stumpf von all dem Geschehenen, die 23 affe sinken ließ und dem Schicksal den Weg freigab." So sah in Wirklichkeit die ,, revolutionäre Untermühlung" der Truppen aus! Bezeichnend ist, daß der deutschnationale Berfaffer unter der von den Gegnern gemachten Kriegsbeute namentlich beklagt: Bieles unerjehliche und wertvolle Aftenmaterial, aus dem sich der Feind einen klaren Einblick über Deutschlands schwierige Lage, vor allem über den von Tag zu Tag schlechter merdenden Ersatz des Menschenmaterials an der Front und über die vielfach traurigen Berhältnisse in der Heimat machen fann, fällt in die Hände der Angreifer." Und wie dachte die Oberste Heeresleitung am Abend jener Niederlage? Auch das wird von dem deutschnationalen jener Niederlage? Auch das wird von dem deutschnationalen Verfasser klar gesagt: Ernst der Lage keiner Täuschung bin. Eine Katastrophe Der Sieg der Entente spielte sich so ab, daß ihre unge: Im Großen Hauptquartier gab man sich über den heuren Tantgeschwader, begünstigt von Gelände und unfichtiger Witterung, die schwachen deutschen Stellungen einwar geschehen, wie sie die deutschen Heere im Weltfriege noch niefach überrannen. Hören wir die Schilderung des deutsch- mals getroffen hatte. Am 8. Auguft war nicht nur ein Frontſtück eingedrückt worden, sondern es mußte die Erkenntnis Plaz greifen, nationalen Blattes: daß der Feind den Flankenangriff, der ihn von der Marne an die Truppen zu erlahmen und den mechanischen Angriffsmitteln des Besle geführt hotte, zur allgemeinen Difensive zu gestalten versuchen würde und dann daß die kriegerische Kraft der deutschen Feindes, denen fie Gleichwertiges oder zu wirksamer Abwehr Geeignetes nicht entgegenzusehen hatten, zu erliegen begann." Ehe der Deutsche in den menigen Minuten, die seit dem Beginn überblicken kann, sind die Panzerungstüme auch schon in feinen des lleberfalles erit vergangen sind, die Lage auch nur einigermaßen Linien zerfeßen deren Kettenbänder die Drahthindernisse, schieben fich ihre Geschüßtürme feuernd über die Grabenränder. Ganze Geschwader, von Tants stampfen jo, alles zermal mend, über das Angriffsfeld, brechen durch die deutsche Front südlich von der Somme bis zum Lucebach, stoßen über die ganze Tiefe der deutschen Aufstellung durch bis zu den Divifionsstabquartieren hart hinter den Tanks folgt die Truppe und überflutet völlig die aufgebrachenen Stellungen der Deutschen.... Als die Deutschen sich von der furchtbaren Ueber raschung etwas erholt hatten, stand der Feind schon tief im Gefüge ihrer Front. Der Durchbruch war geglüdt, Berdurch die ungehenren Betlufte so geschmächt, daß die als Nebel der nachkriegszeitlichen Bande der Ordnung sich zu lösen begannen. So war es in Wirklichkeit: Der Gegner verfügte über Angriffsmaffen. an denen alle Tapferfeit der Berteidigung ohnmächtig zerbrach. Das Gefühl der technischen Unterlegenheit und Ohnmacht mußte sich mit Naturnotwendigkeit lähmend auf den Geist der Truppe legen. Das hat man damals im Großen Hauptquartier gewußt und nur noch darum gekämpft, den endgültigen Zusammenbruch so weit als möglich hinauszuschieben". Der " Zeiten geschlossen wurden, fällt ihr Ablauf sozusagen niemals zu irrung gestiftet, die Befehlsgebung war abgerissen und der im Nebel geglückte Angriff der Tants entlarot seinerseits die fammen, und so fann jedes Land unter dem Vorwand, daß der Termin der Revision vorüber ist, die alte Wertfestlegung während der neuen Berinde aufrechterhalten. Durch 50 Jahre, von 1858 bis 1902 ist ein neues liebereinkommen nicht möglich gemefen. Es ist meht überflüffig, darauf hinzuweisen, wie schwer angesichts der tatsächlichen Menderung der Breise diese fünffliche Stabilisierung auf die Entwicklung der chinesischen Industrie und auf die innere Bage Chinas loftete. Wenn die fremden Mächte nicht dazu gebracht perben, auf dielen Mißbrauch der Macht out wirtschaftlichem Gebiet au narzichten, dann besteht die Gefahr, daß der machfende 3orn gegen die Fremden Verwidlungen herbeiführt und China als eine leichte, nerteidigungslose Beute angesehen wird. Ein Rolf, das rech feiner Wiedergeburt arbeitet, tann ein folches Joch nicht lange estrogen. Nur ihrem eigenen Geseze gehorchend und mit der Hilfe pher der stillschweigenden Duldung ihrer Ronfulu fonnten die frem ben Unternehmer das chinefijde Breletariat einer mahren Staverei unterwerfen. Ben den 1740 556 Spindeln im Jahre 1923, die in hen Baumwollspinnereien von Echarghai arbeiten, gehörten 926 432 Engländern und Japanern. Die Arbeitsbedingungen in den Spinnereien find unerträglich. Die Läbne find äußerst clend. Die brutale Behandlung durch ausländische Vormeister, die Berwendung von Frauen und Kindern, alles das wird verschärft und aufrechterhalten durch die Ausbeutungsmöglichkeiten, die die Fremden haben. Die Engländer merden geschützt durch ihre Armce, durch ihre Marine und durch die frei mittligen Streitkräfte, die die Kapitalisten organisieren und für die Die Regierungen Waffen und Munition liefern. Wir sind überzeugt, daß es uns gelingen mirh, hie chinesische Arbeiterschaft und ihre endgültige Befreiung erfolgreich zu organis fieren. Wir rechnen darauf, daß Sie uns helfen werden, vorerst die Unabhängigkeit unferes Londes zu erobern.( Lebhafter Beifall.) Der Kongres pertaqt fich mittags 1,25 11hr auf Donnerstag vormitten 9,30 Uhr. Um Nachmittag tagen wiederum die Kom= miffionen. Am Mittwoch fahren die Delegierten des Rangreffes, fomeit fie nicht an den Kommissionsarbeiten beteiligt find, in einem Sonderzug nach Ostende. Hölz ohrfeigt. Krach mit einem Kommunistenblatt. Im ,, Bolkswillen", dem Organ der linken Kommunisten, ist folgendes zu lesen: " ,, Die ,, Welt am Abend" hat mit dem guten revolutionären Namen von May Hölz eine widerliche Reklame getrieben. In seiner Unkenntnis, mit was für einem Organ er es zu tun hatte, überließ Genoffe Hölz diesem Blatt seine Erinnerungen an die Märztampfe 1921. Diese wurden von der Redaktion des kommunistischen" Abendblattes in einer Weise wiedergegeben, die die revolutionren Leiſtungen des mitteldeutschen Proletariats eher herabjezten denn würdigten. Wir haben außerordentlich bedauert, Das einzige Mittel, um China feine Unabhängigkeit wieder- day Mar Höla hierzu jeinen Namen hergab. Außer der Berichan, zugeben, ist die Abschaffung der ungleichen Beriräge. Das delung seiner Arbeit versuchte dieses Blait auch nach, den Verfasser ist auch das einzige Mittel, um zu verhindern, daß das Blut unferer bei der Zumessung des Honorars zu übervorteilen. Wäh 2rbeiter von neuem fließen muß. So zwingt uns die Pflicht gegenrend die Geschäftsleitung der Welt am Abend" für den wert- und über unserem Volt, heute an alle Länder den Appell zu richten: Sorgt dafür, daß alle ungleichen Berträge, welche die Mächte China zwecklojen Spech des Schülers Kranz mit seinen Pubertätsschmerzen aufgezwungen haben, unverzüglich aufgehoben werden. 5000( fünftaufend) Mark Honorar bezahlte, sollte Hölz für seine Denkwürdigkeiten mit einer im Verhältnis hierzu lächerlichen Summe abgespeist werden. Da riß May Hölz der Geduldsfaden. Er stellte den Geschäftsführer der Welt am Abend", den sauberen Herrn Schönbeck, in dessen Bureau zur Rede. Als dieser die Stirne hatte, Hölz frech zu kommen, kam er an die richtige Adresse. Jezt war es mit der Geduld von Max Hölz endgültig vorbei, Es hagelte Ohrfeigen. Herr Schönbed fand sich auf dem Fußboden wieder. Die Memoiren fanden einen jähen Abbruch. Noch am Sonnabend wurde das Schluß" kapitel veröffentlicht." Bekämpft tatiräftig den Welfimperialismus, Der China und die anderen Bölker zu überfluten droht. Wir bitten cuch ganz besonders, die Vorgänge im Fernen Osten aufmerksam zu nerfolgen, wo der japanische Imperialismus ebenso gefährlich geworden ist, wie der europäische und der amerikanische. Wir fürchten, daß er eines Tages eine Katastrophe gleich der im Jahre 1918 hervorrufen fönnte. Die chinesischen Arbeiter leiden aber auch unter der innen= politischen Lage und vor allem unter der verbrecherischen Bolitit der Kuomintang. Seit zwei Jahren versucht der Kuomintang, eine terroristische Diftatur aufzurichten. Er hai Arbeiter niedergemegelt, er hat die Arbeiterbewegung erdrosselt, er hat die Organi: fationen des Proletariats zerstört. Er führt einen furchtbaren Kampf gegen die Roten", gegen die Bolfchewiften ebenso wie gegen die Sozialisten. Es gibt für uns keine Pressefreiheit und feine Koalitionsfreiheit mehr. Wir verurteilen diefe Politik unserer Machihaber und mir bekämpfen fie. Der Kuomintang ist gegenwärtig an der Macht. Wir bezweifeln aber start, daß er die Sicherheit im Lande herstellen kann. In dieser verworrenen Lage fämpfen wir chinesischen Sozialisten für die sofortige Entmaffnung des Landes. Wir wollen die Errichtung eines Staates, der auf der Demotratie aufgebaut ift. der die Macht der Generäle beschränkt, der die Zivilbehörden von ihnen unabhängig macht und der die Intereffen der Arbeiterffaile beschüßt. Dem Ruomintang gegenüber tönnen wir nicht die Haltung einer flaren Unterstügung einnehmen. Wir merden die Reformen, die für das Proletariat nüglich sind, unterstützen und alles bekämpfen, mas ihm schädlich ist. Seit 1911 hat China nur bürgerliche Revo futionen gehabt. Wir werden auch in Zukunft für die proletarische Revolution arheiten. Bergangenheit und Gegenwart gehören dem Kuomintang, die Zutunft gehört uns. Man spreche aber nicht vom shinesischen Belichemismus. Das Valt hat kein Vertrauen zu ihm. Der Bolichemismus hat in China durch den Mißbrauch der Arbeiterflaffe für feine eigenen Zwecke das Ber: troven des chinesischen Boites verloren. Dieses Fiasto ist eine große Lehre, " Hölz fängt an, den Kommunisten unbequem zu werden. Er soll deshalb auf dem schnellsten Wege nach Rußland ab geschoben werden. Die Krife in Thüringen. Die demokratischen Landtagsabgeordneten haben Zeit. Weimar, 7. Auguft.( Eigenbericht.) Während die lintsdemokratische Presse Thürine gens stürmisch den Austritt der Demokraten aus der Regierung verlangt, haben wir Grund zu der Annahme, daß die beiden demokratischen Landtagsabgeord neten nicht dieser Auffassung sind, da sie die Ueberstimmung der demokratischen Minifter im Kabinett als ein ehen hinzunehmendes Ergebnis demokratischer Abstimmung ansehen. Gemütlich fagt ein rechtsstehendes demokratisches Blatt:„ Da die Minister Baulsen und Leutheuser zurzeit auf Urlaub sind, ist die Krise noch nicht afut." Die Demokraten mollen am Sonntag in ihren Instanzen zu der Situation Stellung nehmen. Es ist aber sehr die Frage, ob fich diese Körperschaffen gegenüber den beiden demokratischen Land: tagsabgeordneten durchsehen werden. Der Sozialdemokrat Frölich hat schan por Tagen die Landlagsauflösung als einzige Möglichkeit der Klärung für die thüringische Bolitik bezeichnet. Die Kommunistische Barter, darauf aufmerffam gemacht, versuchte nun im Schnellauf, der Sozialdemokratie das Lügenstrategie! Rennen abzugewinnen. Sie hat deshalb den Landtagspräsidenten, Genossen Leber, den sie sonst nicht genug schmähen kann, ersucht, den Landtag sofort einzuberufen. Genesse Leber hat diesem Berlangen nicht stattgeben fönnen, da dem Antrage die perfaffungsmäßige Babt der Unterschriften fehlte. Nunmehr erwarten die Kommunisten, daß hie Sozialdemokraten ihrem Antrage zustimmen. Die Sozialdemo fratie ist start genug, aus eigener Kraft den Landtag einzuberufen. mann immer und mie oft immer sie will, und braucht die Rom. munisten nicht dazu. Der unbequeme Gieger. Ein Afrikaner ist Marathon- Sieger auf ber Olympiade 1928. Der Rassenstolz der braven Europäer bäumt fich auf. Ein Maraffaner, ein Stück der schwarzen Schmach" fiegt. wo so viele raffenreine Europäer fämpften und unterlagen. Das ift schlimm, noch schlimmer, als daß deutsche Sieger auf der Olympiade Kohn und Mayer heißen. Die Hugenbergsche Meinungsfabrik hat die Kohn und Maŋer ertragen, den farbigen Franzosen El Quafi, den Sieger im Maras thonlauf erträgt sie nicht. Jude und Deutscher, nun ja, wenn es schon sein muß, aber Franzose und farbig, das ist zuviel. Sia veröffentlicht folgenden von Rassenhaß strotzenden Bericht: " ,, lnb jezt, jetzt taucht der Sieger in der Pforte auf, betritt die Aschenbahn und läuft zum meißen Bielband unterhalb der Ehrenloge, wo Prinz Heinrich der Niederlande als Vertreter der Königin den Sieger erwartet. Wer ist es: Ein Afrikaner, der den blauen Dreß Frankreichs trägt, ein fleiner brauner Bursche mit fohlrabenschwarzem Buschelhaar und müde leuchtenden Augen. Ein Afrikaner, ein zuave? Enttäuschung in den Gesichtern. Die Deutschen, die Holländer, die Amerikaner schweigen. Eisig talt ist diese Begrüßung. Der Pring der Niederlande steht in seiner Ehrenloge auf. Er läßt sich nicht den Sieger fommen, sondern die holländischen Läufer, die glücklich über die Strede gekommen waren. Er gratuliert ihnen, er lobt sie und tröstet fie, fie hätten fich wader gehalten. Rein Wort vom Sieger. Weißer Rassenstolz und Flegelei gegen Menschen mit anderer Hautfarbe gehören zusammen. Der Dünkel eines Prinzen der Nie derlande und eines Hugenberg- Mannes erträgt es nicht, daß ein Maroffaner in einer sportlichen Brüfung, die körperliche Zähigkeit und Festigkeit des moralischen Willens voraussetzt, obgefiegt hat. Am Tage vor dem Marathonlauf lobte der Präsident des Deutschen Rechsausschusses für Leibesübungen im Beisein des Prinzen der Niederlande den Olympiagedanken: Man spricht auf den großen internationalen Kongressen immer von der Berbrüderung der Völker. Diese Spiele haben diesen Gedanken aber in die Tat umgefekt". Verbrüderung der Völker, aber versteht sich, ganz unter uns, Afrikaner ausgeschlossen. Bewerben dürfen sie sich schon, nur siegen dürfen sie nicht! Freitag Kabinetffihung. In der Sihung des Reichsfabinetts, die nunmehr endgültig auf Freitag foftgelegt ist, merden voraus fichtlich laufenden politische Fragen zur Berhandlung fammen.. anfall überstanden. Zwei Unbekannte flüchteten aus dem Gurten Stefan Radilich hat einen zweiten, wenn auch schmächeren Herzdes Hauses Raditschs, als Kriminalbeamte fich ihnen näherten, Die Boliziften schoffen, fonnten aber die Verdächtigen nicht einholen, Das Beispiel des Mussolinikonfuls in Mährisch- Offran, der tro feines Flegelbriefes an eine Brünner Zeitung weiter amtieren darf, hat einen Nachahmer in einem Beamten des italienischen Konsulats in Reval gefunden; der beschimpfte eine estnische Redaktion, meil fie einen schwedischen Artikel über den Tod Malmgreens ab. gedruckt hatte. Außerdem hat der Faschistengesandte beim Außen. minister gegen das Blott protestiert", Gegner der Verständigung. Um die Sozialversicherung im Gaargebiet. Saarbrüden, 7. Auguft.( Eigenbericht.) Der legte periodische Bericht der Regierun stom mission des Saargebietes an den Bölferbundsrat hatte die sogenannte Betreuungsaktion an die Arbeiter des Saar gebietes zum Gegenstand einer besonderen Beschwerde gemacht, meil die Regierungskommiffion darin cine politische Maßnahme" in beSie hatte zug auf Beeinflussung der Saarabstimmung erblickte. dabei gefliffentlich übersehen, daß mit ihrer Zustimmung die sogenannie Betreuungsaktion für die Beamten des Reiches durchgeführt worden war, und hatte scheinbar pergessen, daß sie Millioren vom Reich zum besten der saarländischen Sozialversicherung dauernd annimmt, phne deren Zahlung die Saar in die unmöglichften politischen Schwierigkeiten geraten würde. Borauf aber im Grunde genommen diese Stellungnahme der Regierungstemmiffion, der sich nur das fadrländische Mitglied nicht angeschlossen hatte, abzielt, wird sehr schnell verständlich, wenn man die gleichzeitige fra n 301ische Saarpropaganda beachtet. " Die französische Grubendirektion, die angeblich für Lohnerhöhungen fein Geld hat und die sich deshalb von der Regierungskommission qus allgemeinen Steuermitteln eine Wohlfahrtszulage an die Bergarbeiter vorbezahlen lassen muß. hat Geld genug für fran= zöfifche Propagandamaßnahmen, an deren Spize augenblicklich ein Magazinverwalter" Dr. jur. Robert Herly, ein Mitglied der französischen Saargesellschaft, steht. Seine Romane und wissenschaftlichen Werke peröffentlicht er unter seinem bürgerlichen Namen, dagegen seine Giftsprigen gegen Deutschland und die Gaardeutschen unter dem Namen Jean Revire in der franzö fischen Rechtspreise. Diefer vielgeschäftige franzöfifche Saarpropagandist hat jeht in Chalons sur Marne einen Alarmruf in bezug auf die Stellung Frankreichs im Saargebiet losgelassen und dabei auf die angeblich bedrohten französichen Wirtschaftsinteressen an der Saar besonders Bezug genommen. Wenn mir auch meit davon entfernt find, derartige französische Bemühungen zu überschäßen, so geben sich diese Leute doch alle Mühe, der deutsch französischen Verständigung, die auch das Saarproblem nach dem Willen der deutschen Saarbevölke rung löjen muß, möglichst viel Steineinden wegzulegen. In diesem Zusammenhang erscheint besonders bedauerlich, daß auch die Regierungskommission des Saargebiets sich von den Argumenten der französischen Saarpropaganda hat beeinflussent lassen und gegen die Betreuungsaktion der Arbeiter Stellung genommen hat. Bei einer weniger prafranzösischen Finanzwirtschaft der Regierungsfommission und einer schärferen Heranziehung der französischen Ausbeutungswirtschaft zu den Steuerlasten der Saar würde das deutsche Reich weniger oft in die unangenehme Lage versezt werden, an der Saar helfend einspringen zu müssen. Diese Stellungnahme der Regierungsfommission richtet sich daher in der Hauptsache in ihrem sachlichen Teil gegen sie selbst. 3m 191ding on Brüffel.mo SPD 00 LP PSF Ж Die Kriegsheber:„ Die begraben den Hoß von 1914. Da müssen wir unsere Hoffnungen begraben." els Crodis@ Deutschnationale Handwerkerfreunde. Wie es zum Stuttgarter Handwerkskammersfandal fam. Stuttgart, 7. August.( Eigenbericht.) lastung der Handwerker dienen. Die sehr eingehende Beweisaufnahme hat einzelne Vorgänge nachgewiesen, die weniger durch die Höhe der Summen wirken, um die man das zu betreuende Institut betrogen hat, als vielmehr durch die raffinierte Planmäßig Leit, mit der man feine Aemter dazu benutzte, sich mit den mühsam zufammengebrachten Beiträgen der Handwerker ein üppiges, zuletzt nur noch dem materiellen Genuß gewidmetes Leben zu sichern. Besonders lehrreich war hierfür die Verwendung der Erträge der Meisterturstaffe au angeblichen Repräsentations und Reisekostenvergütungen. Im Zeichen der Bölferverständigung. und Durchstechereien von Borstandsmitgliedern und Beamten der zwecken und die betrügerische Erhebung von Diäten Für den Präsidenten Wolf noch besonders belastend war die Inanspruchnahme der Kammergelder für willkürlich entnommene Darlehen, für den Abjah fauler Wechsel und noch faulerer Inflationsaftien. Der Stuttgarter Handwerkstammerprozeß steht nach einer faft neuntägigen Beweisaufnahme kurz vor dem Abschluß, was einige rückschauende Bemerkungen über seine Vorgeschichte und feinen Ber lauf rechtfertigt. Es ist fast 1% Jahre her, als aus dem engeren Kreis der an der Stuttgarter Handwerkskammer beteiligten Personen die ersten Gerüchte über grobe Unregelmäßigkeiten nach außen drangen. Vielleicht wäre es möglich gewesen, die, wie fich später herausstellte, schon mehrere Jahre lang betriebenen Schwindeleien Rammer auch weiterhin zu pertuschen, wenn nicht ein pon den Ankunft des deutsch- französischen Schülertransports. überwiegend deutschnational eingestellten Handwerkerführern Bas bereits im Jahre 1925 mit nielen Schwierigkeiten und mit ins Leben gerufenes Unternehmen, die Landes mirtschaftsmenig behördlichem Entgegenkommen versucht wurde, um erst im stelle für das württembergische Handwert, einen Jahre 1926 einer Berwirklichung entgegenzureifen, das ist jest end- schmählicher 3 usammenbruch erlitten hätte. Die damit verlich verwirklicht worden, der deutsch- franzöfifche Schüleraustausch, bundene und durch dis Revision der Aufsichtsbehörde aufgedeckte Bei diesem Manne trat nicht nur eine Häufung von einzelnen be der von der Liad für Menschenrechte mit niet über schmere Schädigung der beteiligten Handwerter rief bei dielen eine trügerischen Arten zutage, jondern auch eine planmäßige Berleitung ciferner Energie in die Wege geleitet murde, Om Borjahre maren. es 115 Kinder, denen ein Ferienaufenthalt in einer Familie des falche Erregung hervar, daß damit die öffentliche Erörterung auch her von ihm abhängigen Angestellten der Kammer zur Duldung der übrigen internen Borgänge bei der Handwerkskammer in und Unterstügung aller biefer Handlungen, teils durch Drohungen, anderen Landes ermöglicht murde. In diesem Jahre ist die Zahl bereits auf je 250 Austauschichüler angemachfen. Mit dem Fluß fam. Die erwähnte Landeswirtschaftsstelle hätte eine mügliche Einteils durch verabreichte Geschenke oder sonstige Begünstigungen. Es geftrigen Abendzug trafen 111 Schüler und Schülerinnen sowie 4 Lehrer am Bahnhof Friedrichst rahe ein, Berliner Kinrichtung werden tönnen. Sie follie den Handwertern Aufträge being ein Korruptionshauch von diesem Manne aus, der auf seine der dabei mit ihren franzöfifchen Freunden, die jetzt hier die Gast- schaffen, bei denen sie rasch wieder zu ihrem Gelde kommen sollten. freundschaft genießen werden. Die Kinder waren bei Familien in Statt deffen hat sie bewirkt, daß die Notlage der Handmerfer durch Paris und nordfranzösischen Provinzen zu Gaste, u. a. auch in die ebenso gemissenlos demagogische wie geschäftlich unfähige Füh den ehemaligen Kampfgebieten von Maubeuge, St. Quentin von ihrem Organisation eine enorme Verschärfung erfahren hat. auch parteiagitatarisch auszunuzen. Der im Vorstand Bekämpfung der sozialdemokratischen" Wohnungszwangswirtschaft. vorherrschende deutschnationale Klüngel ritt ein Steckenpferd: Die mit der als Aktiengesellschaft aufgezogenen Landeswirtschaftsstelle ſollte jie ad absurdum geführt werden. Ein großzügiges Bau1. Mit leuchtenden Augen berichten die Heme, die sie Es war den Führern darum zu tun, die Handmerstammer schönen Aufenthalt und der liebevollen erfahren haben. Einzelne französische Familien, die den Sammer ein, und so famen verschiedene der Heinen Reisenden sogar nach in einem Badeort verbrachten, luden ihren kleinen Gast ebenfalls mit Deauville und anderen franzöfifchen Seebädern, wo sie dann regelmäßig auch noch Kameraden trafen. In Baris selbst waren 30 Schüler zu Besuch. Ein schöner Beweis für den vallen Erfolg dieser Bestrebungen für Bölferfrieden und Verständi= gung der Nationen ist der Umstand, daß 35 Praz, der franzöfifchen Teilnehmer des Austausches aus den früheren Kampfgebieten Frankreichs ftammen. Die Jugend, die Zukunft der Staaten, hat das Wort, fie reichen sich die Hände über die Grenzen der Länder. Zur Ankunft hatten sich Bertreter des Auswärtigen Amtes, der franzöfifchen Botschaft und der Liga für Menschenrechte zur Be: grüßung eingefunden. Nach einem herzlichen Willkommensgruß 3ogen die Urlauber mit ihren Gästen im Sturmschritt nach Hause. Erich etwas verrückt. München, 7. August.( Eigenbericht.) Erich Ludendorff fühlte wieder einmal das Bedürfnis, in hoher Politik zu machen. Zu diesem Zwede berief er nach München einen Bundestag des fogenannten Frontfrieger bundes und des Tannenbergbundes ein. Die Versamme lung mar zum überwiegenden Teil von völkischen und nationalistischen Studenten beschickt, die schon ihrem Alter nach unmöglich Frontkriegerdienste geleistet haben tönnen. Der General bestritt in höchsteigener Person das politische Hauptreferat des Tages. Er gab seinem Aerger über den sozialistischen Wahlerfolg unverhohlen Aus. druck und sagte dann u. a.: Der heutige Reichstanzler habe noch am 31. Juli 1914 in Paris erklärt, daß der deutsche Arbeiter und die deutsche Sozialdemokratie gegen den Krieg seien, und da= durch Frankreich ermuntert, nun erst recht den Krieg gegen Deutschland zu führen. Die zwei Millionen gefallenen Deutschen im Welt frieg fämen fonach auf das Schuldkonto Hermann Müllers! Benn Strefemann mit Paris verhandele, fa verhandele der Bruder einer internationalen Freimaurerloge mit einem anderen Bruder, nicht aber ein Deutscher mit einem Franzosen. Der grauße Generol aus Baulen rutscht immer weiter auf der Bahn, die er einst so erfolgheischend beirat. Man wird ihm in Zus funft einige Stabsärzte attachieren müffen! Unterfeeboot S 14 gehoben. Die Mannschaft tot. Mailand, 7. August. Nach Meldung aus Bola ift das am Montag nach einem Jujammenstoß mit einem Torpedobootszerfförer gefunfene Unterjeeboot S 14 um 18,30 21hr gehaben werden. Die Mannschaft war nicht mehr am Leben, programm wurde aufgestellt. Mit einem Affienkapital, das, wie sich nachher ergab, einen halben Goldpfennig befrug, polite man efwa hundert Wohnhäuser errichten. Es wurden nur drei daraus, bei denen dann die beteiligten Hand werfer nicht zu ihrem Gelde gelangen fonnten, obwohl die Stadt Stuttgart und die Städtische Girofaffe sich durch außerordentlich hohe Darlehen um die Sanierung bemühten. noch vom Gericht bestellt worden war. Er hat das Mädchen zum Parteifreunde im Vorstand wie auf die Angestellten der Kammer vergiftend gewirkt und sie zu Mitschuldigen gemacht hat. Es dient zur ganz besonderen Kennzeichnung dieses Mannes, daß er, der als guter Deutschnationaler für die Heiligkeit der Che und für die als guter Deutschnationaler für die Heiligkeit der Che und für die chriftliche Schule eintrat, auch wegen fortgesetter fittlicher Ber fehlungen an einer Angestellten der Kammer var Gericht stand erstenmal mißbraucht, als sie noch nicht 17 Jahre alt war und be die nicht nur seine Nichte war, sondern zu deren Vormund er auch hauptete jetzt, nicht gewußt zu haben, daß derartige Beziehungen amischen Vormund und Mündel strafrechtlich perboten sind. Das ist der Mann, auf den die deutschnationale Partei und die Mittelstandsbewegung ein Ehrenamt auf das andere gehäuft hat! Wenn auch nicht so fraß, aber dennoch blamabel genug war der Prozeßverlauf für die anderen beteiligten deutschnationalen Führer, ben früheren Reichstagsabgeordneten Silfer und den früheren Landtagsabgeordneten Fischer. Neben ihrer positiven Beteiligung an den von Wolf und Dr. Gerhardt inspirierten Schädigungen der Handwerkskammer ist ihnen die völlige Vernachläftigung der Pflichten vorzuwerfen, die ihnen als jagungsgemäß bestellten Revisoren der verschiedenen Klaffen der Kammer oblagen. Man wird meit gehen müssen, um eine solche Unfähigkeit, einen solchen Mangel on eigenem fritischen Urteil zu finden, wie sie Herr Fischer an den Tag legte, der auch heute noch als Nachfolger Wolfs den Präsidentenjih in der Handwerkskammer bekleidet. Der Verlauf dieser Aktion war kennzeichnend für die ganze Leitung und Geschäftsführung der Handwerkskammer. Eine Groß mannssucht und Prahihanfigkeit, gepaart mit absoluter Untenntnis der Rechts- und Wirtschaftslage und nicht zuletzt mit einer geradezu perbrecherischen Hemmungslosigkeit bei der Wahl der Mittel für die Angesichts der durch die Verhandlung enthüllten Tatbestände, Erreichung der gesteckten Ziele ist hier zutage getreten, mie fie wohl felten zu verzeichnen war. Was auch immer von der Kammer der nachgewiesenen Gesinnungslumperei der Hauptangeklagten, und unternommer wurde, es mußte den leitenden Persanen, vor allem des ganz unerhörten Mißbrauchs, der hier mit dem Einfluß von dem Herrn Präsidenten Wolf und dem Herrn Syndifus Dr. Geröffentlichen Ehrenämtern und dem in ihrer Uebertragung zum bardt nicht nur zur Erhöhung ihres persönlichen Preftiges, sondern Ausdruck gekommenen Bertrauen getrieben worden ist, erscheinen auch zur Füllung ihrer höchsteigenen und stets aufnehmefähigen die am Montag gestellten Anträge der Staatsanwalt. Taschen, beileibe nicht zur Linderung der Not oder auch nur zur Ent- fchaft fehr milde. Banditenstreiche in Megifo. Autos geraubt, Züge geplündert. Cuernavaca( Merito), 7. Auguft.( Aff.-Br.) Eine größere Räuberbande überfiel auf der Landstraße in der Nähe pon Puente de Irtia etwa 80 Automobilisten, meist Merikaner und Spanier, raubte sie aus und nahm ihnen die Automabile meg. Hierauf überfielen die Banditen die Stadt Buente de Irtia, plünderten das dortige Lagerhaus und die Bahnstation sowie einen soeben einfahrenden Eisenbahnzug aus, dessen Lokomotive fie toskoppelten und unbemannt in wilder Fahrt weiterfahren ließen, in der Absicht, einen anderen fälligen Bug zur Entgleisung zu bringen und auszuplündern. Die Lokomotive entglei ste jedoch bald, ohne Schaden anzurichten. De: Bundesgarnison in Buente de Irtia gelang es, nach zweistündigem Kampf die Banditen zu vertreiben und einen Teil der Automobile wiederzue: langen. Die Touristen wurden sämtlich unperlegt auf der Landstraße aufgefunden. In dem Rampf wurden zahlreiche Banditen getötet oder viermundet, auch einige Bundesfoldaten wurden verletzt. Der amerita nische Botschafter Morcom verbrachte das Wochenende unweit der Stelle, wo der Ueberfall geschah, phne von den Vorgängen etwas zu erfahren. Die polnisch- litauische Konferenz. Polen wilt in Genf verhandeln. Riga, 7. Auguft.( Eigenbericht.) Der polnische Gesandte in Riga hat dem litauischen Gesandten in Riga eine Antwort auf den Vorschlag Litauens übergeben, nach der das Plenum für die litauisch- polnischen Verhandlungen am 15. August in Königsberg zusammentreten soll. Die polnische Regierung macht in ihrer Antwort den Borschlag, als Tag des Beginns der Gesamtberatung ben 30. Auguft und als Tagungsort Genf festzulegen, da Minister Zaleski perhindert sei, am 15. Auguft nach Königsberg zu kommen. Spanien foll ständiges Mitglied des Bölterbundsrates merden; Deutschland, England und Frankreich haben das in Genf beantragt, offenbar zum Ausgleich gegen das Polen gemachte zugeftändnis Gemeindes und Staatsarbeiter. Der Verbandstag und die Verschmelzungsfrage. Ein Delegierter verlangte, daß der Verband gegen den Verkauf städtischer Betriebe an private Unternehmungen Einspruch erhebe. Solche Verkäufe seien an einzelnen Orten zu verzeichnen gewesen. Darauf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt. Der Verbandstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter besprach| Seiten wurde gefordert, daß die Bildungsarbeit weiter in feiner Sigung am Dienstag eingehend den Geschäftsbericht. ausgebaut werde. Die meisten Redner erklärten sich ausdrücklich mit der GeschäftsFührung des Vorstandes einverstanden. Besonders PolensteBerlin zeigte an einzelnen Beispielen, daß alles, was herauszuholen mar, auch herausgeholt worden ist. Ein kommunistischer Delegierter griff die Verbandsleitung an; er fonnte aber nicht eine einzige Tatsache anführen, nicht einen einzigen Fall, in dem der Vorstand versagt oder seine Pflicht vernachlässigt hätte. Die ganze Weisheit des Kritikers war: Wir stehen auf dem entgegen= gesezten Standpunkt!" Kein Wunder, wenn während der Rede des Kommunisten eine immer stärker werdende Unruhe einfetzte. Mit Recht wurde von der Leitung des Verbandstages darauf verwiesen, daß die übergroße Mehrzahl der Verbandsteilnehmer es ablehne, immer wieder Jahr für Jahr dieselben fom munistischen Tiraden anzuhören. Redner " Einen breiten Raum nahmen die Ausführungen der einzelnen zur Verschmelzungsfrage ein. Allgemein wurde bedauert, daß die Verhandlungen bis jezt noch nicht zu einem Resultat geführt haben. Der Borsigende des Deutschen Verkehrsbundes, Schumann Berlin, betonte in längeren Ausführungen, daß auch er den bisherigen negativen Ausgang bedauere. Wenn die Arbeiterbewegung die politische Macht, die auszuüben sie verpilichtet sei, ausüben wolle, müsse sie zu einer Konzentration der Kräfte kommen. Der Borsigende des Einheitsverbandes der Eisenbahner, Scheffel- Berlin, wies auf die inneren Gründe hin, die bislang den Zusammenschluß verhindert hatten. Vor allen Dingen dürfe nicht übersehen werden, daß der Verband der Maschinisten und Heizer, der in den neuen Großverband mit einverleibt werden solle, sich von den Verhand lungen zurüdgezogen habe. Eine weitere Schwierigkeit sei die organisatorische Zusammenfassung der Beamten gewesen, über die teine Einigung habe erzielt werden können. Der Bertreter des Bundesvorstandes des ADGB., Graßmann- Berlin, wies die Meinung zurück, daß der Bundesvorstand in der Frage der Schaffung von großen Gewerkschaften untätig gewesen sei. Auch der Bundesvorstand fömme nichts machen, wenn die Mitglieder selbst nicht wollen. Der Beschluß des Leipziger Gewerkschaftstongresses von 1922, dem zufolge große Industrieverbände gegründet werden sollten, habe sich als undurchführbar erwiesen, er sei deshalb vom Breslauer Gewerkschaftskongreß im Jahre 1925 abgeändert worden. Die Initiative müffe heute von den einzelnen Gewert. fchaften felbst ausgehen. Die Aussichten zu weiteren zu fammenschlüssen seien im übrigen durchaus nicht ungünstig. Die finanzielle Lage des Verbandes wurde in der AusSprache als günstig bezeichnet. Trogdem wurde gewünscht, daß auf eine weitere Stärtung des Vermögens hingearbeitet merde. Von der Statutenberatungskommiffion wurde dem Verbandstag ein Beschluß vorgelegt, der den Vorstand beauftragt, eine Vorlane auf Einführung der Invalidenunterstügung auszuarbeiten. Natürlich protestierte die kommunistische Biermännerfraktion mit den bekannten Einwänden, daß dadurch der Klassen tempfcharakter der Organisation verwischt werde. Bon mehreren Verbandstag der Lithographen. Schlußbericht. Am fünften Sigungstag wurde zunächst die Debatte über die Tarifpolitit fortgefeßt. Von den Anträgen, die zu Beschlüssen erhoben worden sind, ist unter anderem zu erwähnen: Die bisher gefaßten Beschlüsse der Verbandstage werden erneut bestätigt. Als dringliche Forderung sind bei den Tarifverhandlungen zu vertreten die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit, Berringerung der Zahl der Ueberstunden, Ein schränkung der Lehrlingszahl, paritätische Kontrolle der Lehrlingsausbildung, Erweiterung des Ferien anspruchs und Einführung des Krantenlohnes. sonders der Satz hervorzuheben, der verlangt, daß nur die GeAus der Entschließung zum Schlichtungswesen ist be= wertschaften die Verbindlichkeitserklärung be= antragen dürfen. Zur Sozialversicherung wird gefordert: Wegfallen der Wartezeiten in der Arbeitslosenversicherung, Ausdehnung der Krisenunterstügung auf alle ausgesteuerten Arbeiter, Herabsegung der Alters- und Invalidenversicherungsgrenze auf 60 Jahre und Zusamenfassung der gesamten sozialen Gesetzgebung in ein Gesek. Am 6. Verhandlungstag fand durch die Erledigung der Anträge zu den Sagungsänderungen und durch die vorgenommenen Wahlen der sehr harmonisch verlaufene und arbeitsreiche 14. Verbandstag der Lithographen und Steindrucker sein Ende. Neue Schiedssprüche für die Schleppschiffer. Neue Verhandlungen in der Rheinschiffahrt. Effen, 7. Auguft. Zwischen Unternehmern und Arbeitern der Rheinschiffahrt wird am 21. August wiederum verhandelt über den Neuabschluß eines Lohn- und Gehaltstarifes. Die auf Beraníassung der Schlichtungsfammer des Reichsarbeitsministeriums eingesetzte unparteiische Kom mission, deren Gutachten richtunggebend für die kommenden Verhandlungen sein sollte, hat ihr Gutachten noch nicht fertiggestellt. Achtstundentag in Oftoberschlesien. Kattowih, 7. August. Der Demobilmachungsfommissar für Oberschlesien erhielt vom Arbeitsministerium in Warschau eine Verordnung über die weitere Durchführung des Achtstundentages in den Eisen und 3inthütten. Auf Grund dieser Verordnung werden ab 1. September die Arbeitsgruppen besonders in den Grobwalzwerfen und Preßanstalten, sowie in den 3inthütten zum Achtstundentag übergeführt. Alle reſtlichen Arbeitsgruppen sollen dann spätestens am 1. Oktober den Achtstundentag erhalten. Aufgehobene Sperre. Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten mitteilt, ist die Sperre über den Betrieb Gesellschaftshaus, Inh. Ww. Schröder, in Friedrichshagen aufgehoben. Die Inhaberin hat den Tarifvertrag für das Gastwirtsgewerbe sowie den paritätischen Arbeitsnachweis anerkannt. Die Differenzen sind somit beigelegt. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Süder, SübGruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Liederabend. westen: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Nordstr. 11( Fabrit gebäude). Vortrag: Der Entwurf des Berufsausbildungsgefeges und die Ge werkschaften." Neukölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29( Hof). Auguft AntiBebel- Gedenken. Weißensee: Gruppenheim Weißensee, Parkstr. 36. triegsabend. Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenicker Str. 24/25. Antitriegsabend. Außenspielabende ab 18 Uhr: Ostkreis: Spielen auf dem Sport play Friedrichshain. Butritt nur mit Ausweis. Tempelhof: Sport und Spiel auf der Südseite des Tempelhofer Feldes. Webbing- Zeppelinplag: Spiel und Sport auf der großen Wiese im Schillerpart. Kreisagitation für die Gruppe Gesundbrunnen: Treffpunkt wird in der Gruppe bekanntgegeben. 1 Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch, find folgende Beranstaltungen: Often: Jugendheim Lohnerhöhungen von 5 bis 8 Prozent. der Schule Litauer Str. 18. Vortrag:„ Rörperkultur und Reform Kleidung." Stralan: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61, Nähe Rudolfplag. Wir gehen baden nach Bad Klingenberg. Dortmund, 7. August.( Eigenbericht.) Wedding- Gesundbrunnen: Jugend Reukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1/4. Liederabend. Nordwest: Real In einem zweiten Schlichtungsverfahren ist für das Personal beim Sänftette. 1( Ledigenheim 5 Tr.). Bortrag: Moderne Körperkultur." Refe der Staatlichen Schleppämter am 3. August 1928 in gymnasium Schleswiger Ufer 14. Bortrag: Unsere Reichsverfassung. rent Heinz Many. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Die deutsche Reichs Bremen unter dem Borsig eines vom Arbeitsministerium gestellten verfassung." Süboft- Treptow: Jugendheim Wrangelftr. 128. Heimabend. Schlichters ein Schiedsspruch gefällt worden, der als Verbesserung des Tarifvertrages eine Erhöhung der Löhne um 5 bis 8 Proz vorfieht. Bom Personal ist der Schiedsspruch in mehreren Versammlungen angenommen worden. Das Ergeb nis dürfte als guter Erfolg des Arbeitstampfes betrachtet werden. Derselbe Schlichter fällte am 4. Auguſt für die WeserSchiffahrt einen Schiedsspruch über die Neuregelung des Tarifvertrages, der eine Lohnerhöhung um 6 Pro 3. vorsteht. Die Erklärungsfrist läuft am 11. Auguft mittags ab. In dem Tarifstreit der Kanalschiffahrt haben die Unternehmer den am 30. Juni 1928 gefällten Schiedsspruch abgelehnt, während ihn die Arbeiter angenommen und die Verbindlichkeitserklärung beantragt haben. Fraktionsversammlung der SPD.- Genoffen der Firmen 2n bwig 25 we und Typograph am Donnerstag, 9. Auguft, bei Triller, Berlichingenstr. 7. SPD.- Fleischer! Morgen, Donnerstag, 20 Uhr, Bökers Festfäle, Weberftraße 17, außerordentliche Fraktionsfigung. Tagesordnung überaus wichtig Erscheinen dringend notwendig. Mitgliedsbuch der Partei und Gewerkschaft gelten als Ausweis. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Politit: Bietor Schiff; Wirtschaft: 6. Alingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egkorn; Feuilleton: R.$. Döscher; Lotales and Sonstiges: Fris Raritädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierza 1 Beilage unb Unterhaltung und Wissen. Berlag: Borwärts- Berlag, 6. m. b. S., Berlin. 7 7 S 95 1 Damen- Hemd gute Qualität. 1 Frottierhandtuch 95PL 90 199 ach were Jacquardquali... 95PL. 1 Bubl- Nachthemd schwere diverse Stellungen, doppeltbreit....... Meter Schotten 95Pt. indan1 Mitten decke threnfog weiss, hübsche Blumenmust. 95PL. 9 Quadrate 95PL vorgezeichnet.. Damen- Handschuhe Leinen- Imitation, farbig, mit 2 Druckknöpfen. 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Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Ein spaßhaffer Einzelrichter. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Ein Ausflug mit Damen oder eine Herrenpartie sind, dem litauischen Konsulat nicht verlängert. Der Mann mar eingegemi sehr beachtliche Angelegenheiten, aber reist auf Grund eines Durchreise sichtvermerks, der von der die Sache darf nicht so weit tommen, daß einer feine Pflichten deutschen Gesandtschaft in Komno am 22. Mai 1928 ausgestellt mar. darüber vergißt, den lieben Gott einen guten Mann sein Der Sichtvermerk berechtigte den Inhaber, in der Zeit vom 22. Mai läßt und sich fagt:„ Es geht auch ohne mich!". 1928 bis zum 10. Juni 1928 durch Deutschland nach holland und zurück zu reisen und sich auf der Hin reise nach Holland drei Tage in Deutschland aufzuhalten. Der Sichtvermert mar gesperrt, d. h. er durfte von einer deutschen Paßstelle im Inlande ohne Zustimmung der deutschen Gesandtschaft in Romno weder erweitert noch verlängert merden. Der Ausländer hat sich gegen das Paßgesetz vergangen, indem er trotz der Einschränkung und Sperre seine Reise nach Holland überhaupt nicht unternommen, sondern eigenmächtig in Berlin geblieben ist. Am 24. Juli 1928 beantragte er die Genehmigung, noch drei bis vier Wochen hier bleiben zu dürfen, und om 28. Juli 1928 bat er in einem neuen Gesuch, ihm den Aufenthalt in Berlin bis zum 14. August 1928 zu verlängern. Dem Besuch durfte vom Fremdenamt nicht entsprochen werden, weil der Einreisefichtvermerk mit einem Sperrvermert verschen mar und die Ausreise evtl. Ausweisung aus Deutschland unbedingt vor dem 16. August 1928 erfolgen mußte, meil mit diesem Tage der Personalausweis abgelaufen wäre. Wenn der Ausländer in Deutschland irgendwelche Geschäfte abzuwickeln hatte, die eine Zeit von zwei oder drei Monaten in Anspruch nahmen, so würde die deutsche Paßstelle in Romno, menn die Geschäfte tatsächlich nachweisbar gewesen wären, einen Ein- und Wiederausreisesichtvermert, nicht nur einen Durchreisefichtvermerk, dazu noch mit verschärfter Sperre erteilt haben. Wer dies sagt, wird vielleicht nicht immer so ganz un recht haben. Aber ein Mensch, der ziemlich hochgestellter Justiz beamter ist, also für Recht und Ordnung zu sorgen hat und eine hochgeschätzte Autoritätsperson vorstellen soll, muß mit folchen Sachen vorsichtig sein. So war da jegt in einer Zivilprozeßabteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte ein Assessor E. als Amtsrichter tätig. Zu seiner Entschuldigung sei angeführt, daß er noch nicht allzulange im Justizdienst zu stehen scheint. Erschmerend fällt, weniger für ihn als für die Justiz, ins Gewicht, daß er selbständig Entscheidungen zufällen berechtigt war. Der Assessor nun war zu einem Ausflug eingeladen. Was tung zum gleichen Tage maren verschiedene Termine angesetzt. Aber der schöne Ausflug! Er lam auf den pfiffigen Gedanken: Mein Protokollführer wird mich verfreien; mo es nicht hart auf hart geht, mird vertagt, und damit es nicht auffällt, wenn an meinem Ausflugstag bei mir überhaupt feine Termine stattfinden, mache ich die Urteile schon vor her fertig und lasse sie durch meinen Protokollführer verkünden. Gedacht, getan! Der Protokollführer ließ sich überreden, der Termin fand statt, und alles wäre gut gegangen, menn nicht zufällig der Präsident des Amtsgerichts Mitte, Dr. Dransfeld, durch einige Zimmer gekommen wäre, um zu inspizieren. Da sah nun der Präsident zu seinem höchsten Erstaunen statt des Richters den Protokollführer = auf dem feierlichen Stuhle fizzen und Urteile verkünden. Nachdem er einige Male die Farbe gewechselt hatte, machte der Präsident dieser Berkündung ein schnelles Ende. Eine eingehende Untersuchung murde eingeleitet, denn man fonnte zuerst ja auch annehmen, daß der Protokollführer selbständig urteilte, was unübersehbare Rechtsfolgen gehabt hätte. Das war indes nicht der Fall: es wurden nur Urteile im Verkündungstermin nerlesen, die der Assessor gefällt und in die Feder diktiert hatte. Auch dies ist natürlich vollkommen unzulässig, und stellt eine grobe Ordnungswidrigkeit dar. Nachdem der Assessor seine Partie ausgeschlafen hatte, erschien er am nächsten Tage mieder zum Dienst, murde aber sofort zum Präsidenten beordert, der ihm eröffnete, daß feine Handlungsweise disziplinarische Folgen hätte. Das Rammergericht märe mit den Ermittlungen beauftragt morAuch für den Protokollführer dürfte die Angelegenheit noch Bciterungen haben. dr. Schade, daß der Assessor nicht beim Arbeitsgericht beschäftigt ist! Sicherlich würde er, wenn ein Angestellter oder eine Angestellte sich auf eigene Faust Urlaub nehmen, um eine Partie zu machen, und dann vom Arbeitgeber entlassen merden, sich in schärfster Form gegen eine solche Ungerechtigkeit menden und für den Arbeitnehmer eintreten, der sich natürlich Urlaub nehmen kann, wann es ihm Spaß macht. Um den Durchreisevermerk. Bon der Pressestelle des Polizeipräsidiums merden mir um Veröffentlichung des folgenden gebeten: In Nummer 361 des„ Vorwärts" vom 2. August brachten Sie unter der Ueberschrift: Beim Schnellrichter" einen Bericht, in dem zum Shluß die Prattifen des Fremdenamts" fritisch beurteilt wurden. Es handelt sich um einen zwar in Moskau geborenen, feinen eigenen Angaben nach aber staatenlosen Ausländer, der sich nur im Besize eines in Komno am 16. Mai 1928 ausgestellten für drei Monate, also bis zum 16. August 1928 gültigen Paßerjages befindet. Dieser Paßerjah wird von Die Nacht nach dem Verrat. 28] Roman von Liam O'Flaherty. ( Aus dem Englischen überfest von R. Gauser.) Bald werdet ihr mich als Hahn im Korb hier in der Gegend herumlaufen sehen, mich und Gallagher. So dachte er, als er den Laden betrat: ,, Kommt mit, alle miteinander, Männer und die Weiber auch. Kommt mit." Sie füllten den kleinen Laden bis zur Tür und stauten fich noch draußen. Innen war es marm nach dem rieselnden Regen und dem scharfen Wind draußen. Die Luft im Laden mar fast augenblicklich von dem Dampf menschlichen Atems erfüllt. Das leise Atemgeräusch war deutlich hörbar durch die flüsternden Gespräche. Gypo rief dem Ladenbesitzer zu: He, du da, gib uns ein Effen aus für alle Mann. Ich zahle alles." Der Ladenbefizer war ein Italiener, ein dunkelhäutiger Kerl in mittleren Jahren, mit klagenden Augen. Er sah Gypo an und dann die Menge. Neugier, Furcht, Argwohn und leberraschung spiegelten fich blitzschnell in seinen Zügen. Dann lächelte er und niďte mit dem Kopf. Er sagte in aus ländischer Sprache etwas zu dem Mädchen, das hinter ihm stand, und begann dann augenblicklich, dampfende Portionen von Kartoffeln und Fisch in Fezzen alter Zeitungen zu paden, die griffbereit bei der Hand lagen. Das Mädchen, ein rotbadiges, junges Weib mit großen schwarzen Augen, weiß an gezogen, machte sich eilig daran, ab und zu laufend an einer Art Spültisch, mehr Fisch und Kartoffeln herbeizuschaffen, die gebraten wurden. Ein brugelndes Geräusch ging von dem Braten aus. Ein heißer, angenehmer Geruch erfüllte den ganzen Raum. Die verhungerten Bennbrüder schwelgten in dem Geruch. Mit verlangendem Munde und glänzenden Augen sahen fie nach der bratenden Nahrung hin, ihre Nüstern sogen gierig die Hiße und den Vorgeschmack. Alle Gesichter waren wild und ausgezehrt. Ihre Leiber waren ungepflegt, gefrümmt und eingeschrumpft. In diesem Augenblic aber erfüllte Freude über ein unerwartetes Festmahl selbst ihre verhärteten und verstumpften Seelen in einer Fülle, die fie lachen und jchmagen machte, unverantwortlich wie Kinder. Das Elend Zu derartigen Geschäftsreisen" pflegt man auch nicht Frau, Kind und Schwiegermutter mitzunehmen, wie es dieser Ausländer Funkwinkel. Beinahe wie eine Reklame für die Reichsbahn wirkt der Vortrag Professor Dr. Gerstenbergs über das Versicherungsmesen der Eisenbahn". llebrigens wäre die Bezeichnung Sicherheits mesen besser gewählt gewesen. Gerstenberg erläutert die Signale, die Weichenstellung, die Wahrscheinlichkeitsrechnung der Unfälle usw., und er tommt zu dem Schluß, daß jeder mit der größten Seelenruhe eine längere Eisenbahnfahrt antreten kann. Nur wollen die bayerischen Katastrophen der letzten Zeit zu diesem optimistischen Bild nicht recht paffen. Sie bedeuten unforrigierbare Schönheits fehler. In der Reisestunden wird diesmal nicht in poetischer Beschreibung gemacht. Heinrich Droege gibt vielmehr in seinem Vortrag Heide und Moore" eine mehr wirtschaftlich orientierte Studie. Eine neue Note in dem Einerlei dieses Ressorts. Das Abendkonzert unter Seidler- Winkler steht auf hohem fünft lerischen Niveau. Es bringt Bach, Dittersdorf und Mozart und als Gegensatz den Franzosen Lully, den Hofkomponisten Ludwig XIV., der geschmeidiger, höfischer und dekorativer als die Deutschen war. Die Ballettsuite Lullys, die das Funforchester aufführt, ist eigentlich nur Begleitung zur Aufführung auf der Bühne, aber darüber hinaus ist sie von üppig blühender Melodik, zeugt für einen mufifalischen sprühenden Geist, den auch die Tagesarbeit für den Hof nicht erschöpfen konnte. Neben ihm wirkt Dittersdorf herb, doch in seiner Sinfonie C- Dur liegen bereits alle musikalischen Keime, die die Klassiker entfalten sollten. Der Pianist Josef Schwarz fasziniert wie immer durch sein männlich starkes Spiel, durch seine Meisterschaft, die unangekränkelt ist von dem Ehrgeiz virtuoser Künstelei. F. S. und die Kümmernisse ihres Lebens maren vergessen in dieser Stunde gemeinsamen Genuffes. Und vielleicht war das frohe Murmeln schwazender Stimmen, das in jenem Speisehaus der Slums durch den Dampf aufstieg, eine schöne Hymne zum Preis des lebendigen Lebens. Und unter ihnen stand Gypo wie irgend ein vormeltliches Ungeheuer, eben dem Urschlamm entstiegen, in dem alle Dinge ihren Ursprung haben, mährend die anderen sich um ihn scharten wie Insekten, von denen er sich mästen fonnte. Als er um sich sah, mit der langsamen, geruhigen Augenbewegung eines ruhenden Stiers, fühlte er die Erhebung und den Stolz eines Eroberers in der Stunde seines Sieges. Ein intelligentes Geschöpf mit seiner Stärke, aber auch mit der Fähigkeit, seine Empfindungen zu zerlegen, würde gesagt haben: Dies ist der größte Augenblick meines Lebens. Aber Gypo dachte nicht. Nichts von dem, was ihn hier umgab, fonnte ihn nachdenklich stimmen. Eine Königin wird nicht im Traum daran denken, ihre Schönheit und ihre Pracht bei dem Festmahl eines Bouernlümmels preiszugeben. Aber fie mird sich bei einem allgemeinen Festtag vor ihren Heilrufern neigen. So war es mit Gypo. Der schwerfällige Mechanismus seines Geistes mar an diesem Abend in Bewegung gekommen durch die Notwendig feit, einen Plan zu machen, nachdem er die Polizeistation verlaffen hatte. Die ungewohnte Anstrengung hatte ihn auf gemühlt. Er taumelte umber, bis Gallaghers Versprechen fein Gehirn in jene tolle Erhebung trieb, von der aus es auf die übrige Menschheit mit Berachtung hinabsah. In dieser irrsinnigen lleberhebung breitete es sich derart anmaßend aus, als sollte es in aller Ewigkeit so verharren. Er ließ seine Augen über die Röpfe schmeisen, die ihn dicht umringten, einige in Höhe seiner Schultern, andere ihm bis zum Gürtel reichend, während hier und da ein Mann, groß mie er selbst, dastand, den roten, hagerfnochigen Nacken porgebeugt, den gludsenden Kehlkopf geredt nach der Laden bant mit Essen. ,, Masse Leute", murmelte der Italiener plöglich und machte eine höfliche Beste mit den Händen, um die große Zahl der Anwesenden und die Natur seines Verdachts anzudeuten. ,, Schon in Ordnung", murmelte Gypo. 3ähl fie, wie du die Portionen ausgibft. Ich zahl schon. Mach' dir man feine Sorgen. Zurüd da!" Er hatte dagestanden, die Handflächen gegen den mit Marmor belegten Landentisch gelehnt. Jetzt mußte er, um | Mittwoch, 8. August 1928 getan hat. Es handelt sich um den zur Genüge bekannten Bersuch, sich auf Grund eines beschränkt gültigen Sichtvermerts eigenmächtig in Deutschland festzusetzen und nach dem Ablauf der Reisepapiere mit dem Einwand zu operieren, man könne nun nicht mehr aus Deutschland ausreisen, weil andere Länder kein Einreisevisum er: teilten. Menschen und Hunde. Ein Prozeß wegen störenden Hundegebells. Die Ziviltammer des Landgerichts Potsdam hatte sich geffern mit der Klage des Rechtsanwalts Hans Fritz Abroham aus Wannsee gegen seinen Billennachbar, den befannten Schauspieler Alfred Braun, zu befassen. Bekanntlich hatte der Kläger auf Unterlassung des Hundegebelles geklagt und für die ihm verursachte nächtliche Ruhefförung ein Schmerzensgeld von 10 000 m. beansprucht. Alfred Braun, der die Villa mit seiner Mutter und der Dienerschaft allein bewohnt, hält sich, wie bereits im„ Vorwärts" mitgeteilt wurde, einen großen Bernhardiner, der ihm von der Funkstunde geschenkt worden ist, und zwei Dackel. Beim Nachhausekommen Brauns nah seiner schauspielerischen Arbeit oder der Tätigkeit in der Funkstunde pflegen die Hunde ihn anzuspringen und zu umstört. Dr. Abraham ist juristischer Schriftsteller und hat sich seine bellen. Dadurch wird der Nachbar natürlich aus seiner Ruhe ge= Billa in einem 8000 Quadratmeter großen Grundstück erworben, um dort ungestört schaffen zu können. Diese Billa liegt in dem stillsten Teile Wannsees und war einst von Agnes Sorma bemohni. Nebenbei hat der Rechtsanwalt auch noch ein Ehepaar Bardeck verklagt; diese betreuen ein unbebautes anderes Nachbargelände gegenüber der Abrahamschen Villa und haben einen Hund, de: auch häufig in völlig sinnloser Weise bellt, wie es in der Klageschrift heißt. Die beiden Klagen standen vor der Zivilkammer des Landgerichts an. Der Kläger war selbst erschienen und hatte den Potsdame: Rechtsanwalt Dr. Levy zur Seite. Das Ehepaar Barded mar ausgeblieben, und der Kläger erklärte auh, daß er diese Klage vo:: läufig ruhen lassen werde, da er sich wohl vergleichen mürde. Braun, der zur Kur in Bad Gastein weilt, war nicht erschienen und ließ sich durch Rechtsanwalt Dr. Frey Berlin und Frhr. v. Köhler Potsdam vertreten. Der Kläge: beschmerte sich zunächst darüber, daß Alfred Braun sich wenig freund: nachbarlich gezeigt habe. Er hätte die Störungen sicher vermeiden können. Außerdem beschwerte er sich, daß diese rein private Angelegenheit in die Bresse gekommen sei. Nach Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Frey machte der Vorfizende den Vorshlag, daß die Parteien sich doch über die Zeit, wenn die Hunde hinausgelassen werden sollten, einigen möchten. Auf diesen Vorschlag gingen beide Parteien ein, und es sollen in einem neuen Termin endprechende Borschläge gemacht werden. Das Bellen eines Hundes braucht an sich nicht zu stören. Daß aber übermäßiges Hundegebell auch den sanftesten und ruhigsten Menschen rasend machen kann, ist eine bekannte Tatsache. Schade, daß manche Hundefreunde das aber nicht einsehen wollen. Mancher Streit und auch dieser Prozeß wäre vermieden, wenn die betreffen. den Hundebesitzer nicht nur an ihre vierbeinigen Lieblinge, sondern ouh an ihre Nachbarschaft denken würden, und auch etwas vor Hundeerziehung verständen.. Abteile für Schwerkriegsbeschädigte in den elektrischen Stadtbahnwagen. Die Reichsbahndirektion Berlin hat in einer Verhandlung, die jetzt auf Veranlassung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten stattgefunden hat, anerkannt, daß in den neuen elef trischen 3ügen für die Beförderung Schwerkriegsbeschädigter nicht genügend Borsorge getroffen ist.. Die von den Vertretern der Kriegsbeschädigten vorgetragenen Beschwerden wurden von der Reichsbahn als berechtigt anerkannt. Nunmehr sollen die am Anfang eines jeden Zuges befindlichen Dienſtabteile, in denen acht Sigpläge zur Verfügung stehen, für die Beförderung Schmerbeschädigter mit amtlichem Ausweis der Fürsorgestelle versuchsmelse zur Verfügung gestellt werden. Die betreffenden Dienstabteile werden durch entsprechende Schilder fenntlich gemacht werden. Die neue Regelung soll bereits demnächst in Kraft treten. Die Reichsbahndirektion Berlin wird den Zeitpunkt des Inkrafttretens noch besonders bekanntgeben. seine Hand in die rechte Hosentasche zu bringen, erst einen fleinen Mann hochheben, und ihn zwischen zwei Weiber quetschen, die sich hinter ihren Tüchern verkrochen. Dann streckte er streckte er die Hand in die Tasche und fingerte nach dem Bündel Scheine. Ihre bloße Berührung sandte eine Belle von Erinnerungen durch seinen Körper. Ein leichter Schauder rann ihm, beinahe spürbar wie eine kalte Brise an einem heißen Ort, über den Körper, bevor er ihm ins Gehirn drang. Der Gedanke an den Ursprung der Scheine stachelte ihn einen Augenblick. Er erinnerte sich der fetten, meißen Hand, in einem sorgfältig gebürsteten blauen Aermel steckend, die ihm über ein Bult hinweg die Scheine gegeben hatte, und an die eisige Stimme: Sie werden zwanzig Pfund hierin finden. Gehen Sie." Aber nach dem ersten Schrecken fräufelte er leicht seine dice Oberlippe und leckte sie mit der Zungenspitze. Die Be wegung seines Mundes sah wie ein Grinsen aus. Das Mädchen, das gerade in diesem Moment einen Blick auf ihn marf, fand, daß ein Starren auf sie gerichtet mar Sie ließ ein Fischstück in die Pfanne fallen, mit einem Ausruf fremder Sprache. Aber Gypo sah sie nicht, obwohl er sie anstarrte. Er bemühte sich, mit seinen dicen, flobigen Fingern einen einzelnen Geldschein aus der Rolle herauszuholen, ohne die Rolle aus der Tasche zu ziehen. Schließlich gelang ihm das Borhaben. Er grunzte, beförderte einen einzelnen Schein hervor und hielt ihn hoch: Hier ist dein Geld. Das wird wohl langen. Her mit dem Fraß." Der Italiener lächelte augenblicklich und fing an, die Bortionen in die gierigen Hände auszuteilen, die sich danach ausstreckten. Er zählte dabei laut: ,, Eins, zmei, drei, vier.. Sofort erhob sich ein Aufruhr. Leute fluteten zur Tür herein und drängten sich vor, um ihr Teil zu bekommen. Jene, die ihre Portion schon hatten, drängten nach der Straße, das Effen in dem dampfenden, fettriefenden Papier in den Händen. Zant erhob sich, Lärm erfüllte den Laden Es gab Miauen, Pfeifen, Fluchen und Lachen. Dann brachte ein großer Dodarbeiter den Aufruhr auf den Gipfel, indem er mit trunkenem Johlen seinen schweren Stiefel durch die Bretterwand der Theke stieß. Er lag über dem Ladentisch, lachend wie ein Berrückter, und griff mit beiden Händen nach dem Mädchen, das erschrocken zurüdwich. Der Italiener stieß einen Schrei des Schreckens aus. Gypo mandte fich gegen den Mann, hob ihn am Rüden ( Forts. folgt.) in die Höhe und brüllte:„ Sei ruhig!" Rücksichtsloses Privatauto. Drei Personen überfahren. Auf der Chauffee zwischen Buchholz und Schönerfinde ereignete sich am Sonntag abend ein schweres Bertehrs. unglüd, bei dem eine person getötet und zwei weitere verletzt wurden. Der 33jährige Gutsarbeiter Friedrich Ziemann befand fich zusammen mit seiner 30jährigen Frau Minna und dem achtjährigen Karl Schneider auf dem Heimweg nach dem Gut Lindenhof. Ziemann fuhr am Rande der Chaussee langsam auf seinem Fahrrade, während die Frau und der Junge nebenher liefen. Kurz hinter Buchholz fuhr ein in schneller Fahrt herankommendes Privatauto in die Menschengruppe hinein. Alle drei wurden überfahren und Frau Ziemann, sowie der Knabe lebensgefährlich verlegt. Die Berunglückten wurden durch Krantenwagen ins Vantomer Krankenhaus gebracht, wo Karl Schneider bald nach der Einlieferung an den Folgen eines Schädel bruches und innerer Verlegungen starb. Auch das Befinden der schwerverlegten Frau gibt zu Besorgnissen Anlaß. Am gfimpflichsten tam Ziemann davon, der zwar start blutende Fleisch munden erlitten hatte, aber nach Anlegung von Notverbänden wieder entlassen weredn konnte. Ein Ein Erfolg, aber nur ein halber! Nochmals: Schnellgericht und soziale Gerichtshilfe. Erst vor wenigen Tagen berichteten wir von zwei Jugendlichen, die ohne Teilnahme der sozialen Gerichtshilfe vom Schnellrichter zu geringen Strafen verurteilt wurden. Wir forderten, daß jeder Sigung des Schnellgerichts ein Vertreter der sozialen Gerichtshilfe beiwohne, damit er, sofern es nötig sein sollte, sich des Angeklagten annehmen könne. tig sein sollte, fich des 2 Die Leiterin der Berliner Jugendgerichtshilfe Fräulein Don Liszt hat daraufhin in einem Schreiben gebeten, ihr die Namen der beiden jungen Menschen zu nennen, damit die Jugendgerichtshilfe noch nachträglich ihnen zur Seite stehen könne. Die Hilfsbereitschaft des Fräuleins von Liszt ist bekannt; für uns aber handelt es sich in diesem Falle nicht allein um diese beiden jungen Menschen, sondern um die Erfüllung einer Forderung, die seit Be stehen des Schnellgerichts, also bereits seit vier Jahren, im ,, Vormärts" stets aufs neue wiederholt wurde. Nicht ganz ohne Erfolg, jedoch nicht mit dem Ergebnis, daß die soziale Gerichtshilfe sich entschlossen hätte, einen Fürsorger zur ständigen Teilnahme an der Gerichtsjigung zu bestimmen. Wie notwendig das aber wäre, ergab sich erst wieder vor kurzem. bestergestellt sein sollen als die männlichen. Vielleicht wäre es ange bracht, daß dieselbe Fürsorgerin auch die Aften einsieht, die sich auf die männlichen Angeklagten beziehen. Die soziale Gerichtshilfe sollte fich in diesem Falle mit dem Pflegeamt in Verbindung setzen. So wäre ein Ausweg gefunden! Das bestohlene Amtsgericht. Beute: Weber 20 000 Mart! Ein unerhört dreister Diebstahl verfekte gestern mittag das Amtsgericht Berlin- Wedding am Brunnenplatz 1 in helle Aufregung. Im dritten Stod, im 3immer 82, befindet sich die Abrechnungsstelle für hinterlegungsgelder aus Hausund Grundstücksauftionen. Sie wird verwaltet von dem Kalkulator Arthur Scharp el aus der Wullenweberstraße. Gestern vormittag rechnete der Beamte mit einem Beauftragten ab und empfing 20 200 Mark, die er in einem offenen Briefumschlag auf sein Pult legte. Als der Beauftragte sich gegen 10% Uhr entBerlins Straßen werden weiter gebaut! und den oberen Teil einer Nähmaschine mitgenommen und alles für fernte, hatte Scharpel noch mit anderen Leuten zu tun, die ents Eine begrüßenswerte Entscheidung. Bekanntlich hatte die Berliner Stadtverordnetenversammlung den Straßenbauetat für das laufende Jahr von 10 auf 5 Millionen gefürzt. Diese Maßnahme war nötig geworden, weil die erhofften Mittel aus dem Finanzausgleich der Stadt in letzter Stunde nicht zur Verfügung gestellt wurden. not Die Sozialdemokratie hatte in der zweiten Lesung des Etats im Ausschuß wie im Plenum ausdrücklich erklärt, daß fie einer solchen vorläufigen Abdrosselung nur zustimmen fönne, wenn die Berwaltung für alle notwendigen Ausgaben rechtzeitig Nachbewilligungen beantragen würde. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß eine große Zahl unaufschiebbarer Straßenver befferungen und Straßenerneuerungen wendig geworden ist. Es handelt sich um Arbeiten in allen Beairfen im Gefamtbetrage von ungefähr 4% Millionen Mart. Die Erneuerungsarbeiten sind zum Teil von der Polizei gefordert worden, da andernfalls mit einer Sperrung der betreffenden Straßen zu rechnen gewesen wäre. Der Magistrat hat sich deshalb, ungeachtet der Stadtverordnetenferien mit den Führern der Fraktionen im Rat haus ins Einvernehmen gesezt, um mit diesen dringend notwendigen Arbeiten bereits jetzt beginnen zu können. Die Beschleunigung erfchien erforderlich, weil Betonarbeiten im Spätherbst nicht mehr ausgeführt werden fönnen, ohne daß Frostgefahr besteht. Gestern vormittag traten die Führer der Fraktionen auf Einladung des stellvertretenden Vorstehers Degner zusammen und erklärten nahezu einstimmig ihr Einverständnis damit, daß diese Straßenbauarbeiten unverzüglich begonnen mer= den fallen. Erfreulicherweise wird dadurch sowohl die drohende Entlassung von Straßenarbeitern wie die Einstellung Ein noch nicht vorbestrafter Einundzwanzigjähriger ist wegen Diebstahl angeflagt. Er hat von seiner Schlafstelle zwei roja Deden 4 Mart losgeschlagen. Er ist beschäftigungslos, Angehörige befiẞt er in Berlin nicht. Er erhält Erwerbslofemunterſtügung, die nicht Richter verurteilt den jungen Menschen zu einer Woche und bespricht ausreicht. Der Staatsanwalt beantragt 10 Tage Gefängnis, der nun mit dem Staatsanwalt, ob ihm nicht eine Bewährungsfrist zuzubilligen sei. Zufällig wohnt der Verhandlung die Fürsorgerin des Pflegeamtes bei, die wegen einer weiblichen Angeklagten gekommen ist. Der Vorsitzende wandte sich an diese Fürsorgerin und fragt fie, ob das Pflegeamt, das eigentlich nur gefährdete Frauen betreut, nicht bereit sein würde, fich des jungen Menschen anzunehmen. Er hob den Haftbefehl auf, ordnete an, daß der junge Mensch dem Pflegeamt zugeführt werde und stellte ihm Bewährungsfrist in Aussicht. Bie aber, wenn die Fürsorgerin vom Pflegeamt nicht zufällig anwesend gewesen wäre? Was wäre dann mit dem obdachlosen jungen Menschen geschehen? Vielleicht hätte das Gericht ihn dann auch nicht aus der Haft entlassen. Also wieder mal ein Fall, der für die soziale Gerichtshilfe wie geschaffen war. Wir fragen nun: Wann wird endlich die soziale Gerichtshilfe sich dazu entschließen, den von uns geforderten Fürsorger zum ständigen Besuch des Schnellgerichts zu be. stimmen. Uebrigens wäre dies schwierige Problem leicht zu lösen: die weiblichen Angeklagten sind im großen und ganzen bereits gut aufgehoben. Die Fürsorgerin des Pflegeamis sieht sich jeden Morgen vor Eintritt in die Verhandlung sämtliche eingegangenen Gerichtsaften an und wohnt allen Sigungen bei, in denen ihre Anwesenheit voraussichtlich erforderlich sein fönnte. Es ist jedoch nicht einzusehen, warum die weiblichen Angeklagten in dieser Beziehung notwendiger Straßenbauten während der Stadtverordnetenjerien Parteinachrichten vermieden. Die italienische U- Boot- Katastrophe. Berzweifelte Rettungsversuche. Das italienische Küsten- Unterjeeboot 14" murde fieben Meilen westlich der Insel Brioni bei Ungriffsmanövern der Marine non dem Torpedobootszerstörer miffori" gerammt. Das U- Boot fant sofort auf den Meeresgrund, während der Torpedobootszerflörer leicht beschädigt wurde. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange Wie die Taucher festgestellt haben, befindet sich das Unterseeboot erma 24 Meilen südwestlich von St. Giovanni, in einer Tiefe von 27 Mefern. Die Rettungsarbeiten werden mit Hilfe eines großen Brüdenfchiffes non 240 Tonnen, zmei kleinen BrückenSchiffen von je 15 Tonnen und drei großen Schleppschiffen durchgeführt. An der Unglücksstelle sind ferner ein Unterseeboot und sechs Torpedojäger eingetroffen. Keine Berbindung mehr! Aus Rom wird furz vor Redaktionsschluß gemeldet: Die Bemühungen, das Unterfeeboot F 14 zu heben, nehmen ihren Fortgang. Um 6 Uhr abends mar das Unterfeeboot bis zu einer Höhe von zwölf Metern unter der Meeresoberfläche gehoben, indeffen hat die Berständigung mit der Befahung felt mehreren Stunden aufgehört. Das Wetter hat sich gebessert. Die Hoffentlich wird die Katastrophe des italienischen, 14" nicht ausgehen, wie das Unglück des amerikanischen U- Bootes ..5 4". bei dem nur Leichen geborgen wurden. Qualen, die von den amerikanischen Matrofen ausgestanden wurden und die jest wieder von den italienischen Matrosen ausgestanden werden, find ein neues Argument gegen Kriegsmittel, die kurz nor Unterzeichnung des Kellogg- Battes weniger angebracht scheinen denn je. Reuer Start der, Romar". Mit 14 Passagieren an Bord. Zu dem erfolgreichen Start des Rohrbach- Großflugbootes Romar" erhalten wir noch folgende Einzelheiten. Ilm 5.57 1hr gab Chespilot Steindorf, neben dem Flugingenieur Iant als zweiter Führer Platz genommen hatte, Vollgas, und die drei mächtigen BMW.- Motoren rasten los. Nach einer geradezu phantastisch furzen Startzeit von nur 14,6 Ge= Funden hob sich die Maschine bereits vom Wasser. Eine Viertelfunde lang freiste das Flugzeug in etwa 300 Meter Höhe über Travemünde und das Böterizer Wiek. Die Landung erfolgte gegen 6.11 Uhr glatt und ruhig, ohne das sonst übliche Schwingen der Saffermaschinen. Die Befriedigung über eine solche Ersileistung ließen schon die strahlenden Gesichter der Rohrbach- Leute erkennen, und die Glückwünsche der Herren vom Fah an Dr. Rohrbach waren mur ein Bemeis der glänzenden Leistung. Cin zweiter Start mit einem Fluggewicht von strto 14500 Kilo erfolgte dann am Nachmittag in einer Zeit von 30 Sefunden; für ein derartiges Fiuggewicht ein Reford. An Bord waren diesmal 14 Personen, außer den Führern Dr. Rohrbach mit seinem Mitarbeiter Direktor Merkel und verschiedene Ingenieure der Lufthansa. Diesmal führte der Flug meit hinaus in die Lübecker Bucht und endete nach einer Stunde mieder im Flughafen Travemünde. Bemerkensmert für das vorzügliche Landen der" Romar" ist der Ausspruch Direktor MerFels nach dem Fluge, daß er noch niemals vorher derart glatt mit einem Flugboot auf dem Wasser niedergegangen fei, wie bei diefer Gelegenheit. Doppels bemerkenswert darum, meil Steindorf als Pilot von Landflugzeugen zahlreichen Anfeindungen wegen der Führung des Flugbaotes ausgefeßt war. Doch hat er gerade mit Diefen beiden Flügen wieder einen Beweis feines großen fliege rischen Körmens geliefert. Einfendungen für diese Rubrik find Berlin 2 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjefretartas 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. Am Verfaffungsfag. Sonnabend, den 11. Auguft, bleibt das Bezirkssekretariat geschlossen. Parteinachrichten, die Sonnabend, ben 11., Sonntag, den 12. und Montag, den 13. Auguff, belanntgegeben werden follen, müffen bis Freitag mittag dem Sekretariat eingefandi oder telephonisch gemeldet jein. 6. Areis Kreuzberg. Boranzeige. Montag, 13. Auguft, erweiterte reisvorstandssigung bei Krüger, Grimmste. L Heute, Mittwoch, 8. August: 8. Abt. 19% Uhr Zahlabende in folgenden Zotalen: Ridert, Steinmekte, 36a. Referent Regierungsrat Dilliger. Geiler, Steinmetstr. 29. Bortrag: Meier, LügowRuffische Außenpolitik." Referent Michael Hirschberg. straße 7. Vortrag: Sosialpolitische Forderungen." Referent Rudolf Karsten. Klose, Lutomufer. Bortrag: Die politische Lage." Referent Karl Weiner, M. d. 2. Leuschner, Elsholastr. 5. Vortrag: Bolitische Tagesfragen." Referent Genosse Stratmann. " 23. Abt. 19% Uhr Sahlabende bei Lewandowski, Geeste. 104. Grunewald, Kameruner Gir. 19. Gutsche, Transvaalstr. 25. Tieze, Barfusftr. 9. Molinau, Müllerstr. 62a. König, Otaviftr. 37. Bortrag: Der internatio nale Rongreß für Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege." Referent Rarl Mennice. " 38. Abt. Die Bezirksführer werden gebeten, die bestellten Karten zur Dampferfahrt am 26. August am Mittwoch, 8. Auguft, von 19 bis 19% Uhr von Bartusch, Friedenstr, 88, abzuholen. 43. Abt. 19% Uhr Sahlabende in den bekannten Lokalen. Jeder muß er Icheinen. 56. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr Gruppenversammlungen: 1. und 3. Gruppe: Biersch, Kantstr. 62. 2, Gruppe: Jostowiad, Solgendorffstr. 20. 67. Abt. Grunewald. 20 Uhr Abteilungsversammlung im Bahnhofsreftaurant Wurzbacher. Achtung! Der Borstand trifft sich bereits um 19 Uhr im gleichen Lokal. 79. Abt. Schöneberg. 19% Uhr Sahlabende. 1. Bezirk: Arndt, Baußener Straße 10. 2. Bezirk: Grunow, Geßlerstr. 13. 3. Bezirk: Nitfch, Siegfriedstraße 9. 4. bis 6. Bezirk: Groß, Gedanstr. 17. 7. Bezirk: Podszus; Sachfendamm Ede Reichardtstraße. 8. Bezirk: Siedluna Lindenhof, im Ledigenheim. Es finden in allen Zahlabenden michtige Aussprachen über die Innen- und Außenpolitik statt; es ist unbedingt erforderlich, daß alle Mitglieder vollzählig erfcheinen. 83. Abt. Lichterfelde. 20 Uhr Zahlabend im Lokal Schmidt, Hindenburgdamm Ede Poonstraße. Vortrag. Wegen der wichtigen Tagesordnung müssen fämtliche Mitglieder erscheinen. Reukölln. 93. Abt. 20 Uhr Sahlabend im Lokal Hoffmann, Herzbergstr. 26. Bortrag: Die englische Arbeiterbewegung." Referent Genosse Flörte. 94. Abt. Der heutige Zahlabend fällt aus. 115. Abt. Lichtenberg. 191 Uhr Zahlabende. 1. Gruppe: Gonell, ScharnweberEde Jungstraße. 2. Gruppe: Lohann, Jung- Ecke Oderstraße. 3. Gruppe: Radtke, Scharnweber- Ede Müggelstraße. 4. Gruppe: Sciple, Scharnweber. Ede Aronprinzenstraße. 120. st. Friedrichsfelde 19% Uhr Mitgliederversammlung bei Tempel, Brinzenallee 45. Vortrag:„ Die Borgänge in der Arbeitersportbewegung." Referent Pobert Dehlschläger. Alle Sporfgenoffen sind eingeladen. 133. Abt. Bucholz. 20 Uhr bei Rossack, Haupiste. 71, 8ablabend. Achtung! Die Funktionäre treffen sich eine halbe Stunde früher im gleichen Lokal. 134. Abt. Buch. Der Zahlabend fällt aus. Dafür ab 19% Uhr gemütliches Beisammensein in der Waldschänke. 136. Abt. Reinickendorf- Ost. 20 Uhr Rahlabende in folgenden Lotalen: 1. Bezirk: Pokal Kemnit. Graf- Modern- Vee 118. 2. bis 6. und 10., 11. Bezirk: Rochhaus, Pesidenzftr. 152. 7./9, Bezirk: Steinbach, Schillerpromenade 48. 12./14. Bezirk: Epindler, Sania, Ede Seestraße, 15/16. Bezirk: Neumann, Bankower Allee Ede Provinzstraße. 17./21. Bezirk: Brüdner, Provinzstraße. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, pünktlich um 20 Uhr im Bezirkslokal anwesend zu sein. Der Vorstand. 140, Abt. Borfigwalde. 19% Uhr bei Woitschach, Ernststr. 1, MitgliederversammTung. Bortrag: Die Berhinderung aufünftiger Ariege durch den Willen der Völker," Referent Karl Palmer. Abt. 140a Wittenau. 20 Uhr im Lokal Schulz, am Nordbahnhof, Sahlabend. Vortrag des Genossen Heinrich Schäfer. Alle Mitglieder milffen vollzählig vertreten fein. Norrames. 20 Uhr bei Siamke, Wallstr. 55, Funktionärsizung. Jungfozialistische Bereinigung. Gruppe Schöneberg: Freitag, 10. August, 20 Uhr, im Jugendheim Saupttraße 15, Danions Too von Büchner. Teribuch nicht vergeffen, Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Kreuzberg. Die roten Falten aller Gruppen treffen sich heute, Mitt moch, 8. August, 18 Uhr, im Jugendheim Belle- Alliance- Blak 1 zum gemeinsamen Bolfstanz. Die Musifanten bringen ihre Instrumente mit. Tempelhof. Heute, Mittwoch, 8. uguft, non 17 bis 19 Uhr, Gymnastik auf hem Sportplag am Neuen Bark, Monteuffel Cdfe Bofeftraße. Achtung! durch die Berburgstraße und Gögstraße) Elternverfammlung. Donnerstag, 9. August, 20 Uhr, im Jugendheim Germaniastraße( Eingang Geburtstage, Jubiläen usw. & Abt. Unferem Genoffen Ihelm weben, Raftanienallee 73, aut feinem 25jährigen Parteijubiläum die herzlichsten Glückwünsche. weder Auskünfte verlangten oder Gelder einzahlen wollten. Das nahm ihn bis furz vor 1 Uhr in Anspruch. Als er sich anHauptfajfe ins Erdgeschoß zu bringen, entdeckte schickte, die Gesamtabrechnung fertigzustellen, um fie nach der er das Fehlen des Briefumschlages mit den 20 200 M. Der noch unbekannte Dieb muß einen unbewachten Augenblic benutzt haben, um hinter dem Rücken des Beamten sich an das Pult zu schleichen und das Geld zu nehmen. Er ist wahrscheinlich unter den Leuten zu suchen, die Auskünfte einzogen. Ein bestimmter Berdacht läßt sich aber natürlich nicht äußern. Der gestohlene Briefumschlag enthielt 15 Tausendmarkfcheine, der Rest waren 20. Rentenmarfscheine, alle neu und wahrscheinlich mit fortlaufenden Nummern. Auf die Wiederbeschaffung des Geldes hat das Amtsgericht eine Belohnung von 10 Broz. des Wertes ausgesetzt. Spreewaldfahrt der Arfo. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde E. B. veranstaltet auch in dieſen Jahre wieder die besonders beliebte Spreewaldfabrt. Am 11./12. August geht es über Lübben nach Straupis zum Kirchgang in Straupik sowie zu den 1000jährigen Eichen. Die anschließende Kahnfahrt führt durch den herrlichen Erlenbochwald nach Lübbenau. Programme find durch die Geschäftsstelle der Ario, BerlinFriedrichsbagen, Scharnweberstr. 51, erhältlich. Anmeldungen, soweit diese bis zum 10. August eingegangen sind, fönnen noch berüdsichtigt werden. Sprech- Chor für Profefarische Feierstunden. Donnerstag, den 9. August, abends 7 Uhr. findet im Gesanassaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16-17, Probe zur Verfassungsfeier. Alle Beteiligte die Uebungsstunde statt. müssen bestimmt und pünktlich erscheinen. $ Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 106. Abt. Johannisthal. Am Sonntag, 5. Auguft, ist unser langjähriger Genoffe Mar Edert im 48. Lebensjahre verstorben. Ehre seinem Andenten. Einäscherung am Donnerstag, 9. Auguft, 17% Uhr, im Krematorium Baums schulenweg. Es ist Pflicht aller Genofsinnen und Genossen, sich daran zu beteiligen. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für biefe Rubrit nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Beitragsabrechnung und Ausgabe der Auguft. ,, Jugend voran heute zwischen 17 und 19 Uht. Berichte vom Jugendlag heute, Mittwoch, 19% Uhr: Baltenplay: Heim Tilfiter Str. 4/5. Friedrichshain: Seim Diesteĭmener Straße 5/6. Warschauer Biertel: Litauer Str. 18, Reichenberger. Biertel: Friedrichs Seim Briger Str. 27/30. Tempelhof: Heim Germaniaftr. 4/6. felde: Heim Schloß- Ede Alt- Friedrichsfelder Straße. * Gesundbrunnen II: Graue Schule, Chriftianiastraße. Mitgliederversamm Tung. Sumannplag: Torgebäude Cantianstraße, am Sportplaz Einsame Pappel". Mitgliederversammlung. Wedding: Heim Turiner Ede Geestraße. Fahrtenberichte. Ren- Lichtenberg: Heim Hauffstraße( Sportplas). Beteili gung am Zahlabend der Partei. Brieffaften der Redaktion. R. C. 16. 1. Ja. 2. Maßgebend find Ihre Einkommensverhältniffe. 3. Eine Befchlagnahme tommt night in Frage. 4. Erfahren Sie vom Hauswirt. Even tuell wollen Sie sich an die Steuerlasse wenden. E. R. 1. 40 M monatlich. 2. Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. R. H. 82. Wir stehen auf dent Standpunkt, daß niemandem das Siffen der schwarzrotgoldenen Fahne ver boten werden kann. Else 40. Ja. Es tommt aber auf die näheren Umstände an. Kommen Sie in unsere juristische Sprechstunde. Döring, Obertunersdorf Nr. 86. Geben Sie uns bitte Ihre genaue Adresse an. B. K. 11. Uns nicht bekannt. Wenden Sie sich bitte an die Fachzeitschrift der deutschen Holzindustrie und des deutschen Holzgewerbes, Berlin C 25, Aleganderstr. 31. Trinkt Fachinger. Bei Leberleiden und Gelbsucht ist dem natürlicher Brunnen Staatl. Fachingen" wegen seiner außerordentlich günstigen Wirkung von maßgebender Seite das höchste Lob ausgesprochen worden. Ein vorteilhaftes Sonderangebot der Sunlicht- Gesellschaft gibt der Haus frau Gelegenheit, die Lur- Seifenflocken sowie das Puß- und Scheuermittel Bim fennenzulernen. Kostenlos erhält jeder Haushalt eine Originaldose Vim( Wert 30 Bf.) beim Einkauf eines Patetes Lur- Seifenfloden; man braucht nur den Gutschein aus der in den nächsten Tagen in dieser Zeitung erscheinenden Anzeige der Gunlicht- Gesellschaft Mannheim auszuschneiden und in irgendeinem Geschäft, das Sunlicht- Erzeugnisse führt, einzulösen. Man wird sich durch den eigenen Versuch überzeugen, daß Lur- Seifenflocken das ideale Waschmittel fürt feine Wäsche und empfindliche Kleidungsstücke sind. Ausstellung von Erfindungen und Neuheiten. Der Deutsche Erfinder- Schuhverband e. B., München( gegr. 1922), veranstaltet während der tommenden Weltmessen in Leipzig und Frankfurt wieder seine bekannten Spezial ausstellungen und hat diesmal, um der stets wachsenden Aussteller- und Besucherzahl aus dem In- und Ausland Rechnung zu tragen, 1000 Quadratmeter Bruttoraum belegt. Es ist dieses die 40. und 41. große Ausstellung von Erfindungen und Neuheiten, die allen Erfindern Gelegenheit bieten sollen, ihre Schutzrechte ohne große Soften zu verkaufen. Für vollständig mittellofe und arbeitslose, aber nur ältere Erfinder sowie Kriegsbeschädigte stehen gegen ent sprechende behördliche Bescheinigungen eine Anzahl Freipläge zur Verfügung. Die Anmeldungen müßten fofort erfolgen, da andernfalls die ausgestellten Gegenstände nicht mehr im Ausstellungstatalog aufgenommen werden können. Bedingungen tostenlos. Fragebogen über die Bedürftigkeit( Bermögenszeugnis) gegen Rücporto durch die Geschäftsstelle des Verbandes, München 7, FaltenStraße 15a. Übler Mundgeruch wirl abstoßend. Säßlich gefärbte 3ähne entstellen das schönste Antlik. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Bußen mit der herrlich erfrischenden Zahnpaste Chlorodont beseitigt. Die Zähne erhalten schon nach furzem Gebrauch einen wundervollen Elfenbeinglanz, auch an ben Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benugung der dafür eigens tonſtruierten Chlorodont- Zahnbürste mit gezahntem Borstenjchniit. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumten als Ursache des üblen Munde geruchs werden gründlich damit beseitigt. 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Breslau, 7. Auguft.( Eigenbericht.) Kaffenverwaltung sein. Der Vertrauensarzt übersehe besser, als das Die Montagssigung des Deutschen Krankenkassentages wurde der Arzt in seiner Tätigkeit könne, die sozialen Verhältnisse des durch einen Vortrag des Professors Dr. Liepmann über die BeKranken. Ausgestattet mit den besten diagnostischen Einrichtungen deutung der Frauenkunde für die Krankenversicherung eröffnet. fei es feine Aufgabe, den Kranken der für ihn besten und zweck Man mache, so führte Liepmann aus, die Beobachtung, daß die mäßigsten Behandlung zuzuführen. Bemerkenswert war es, daß Krankheitsdauer bei den Frauen verhältnismäßig größer ist Professor Dr. Wichmann aus seiner umfassenden Praxis als Verols bei den Männern. So betrug z. B. bei den männlichen Vertrauensarzt der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg heraus ersicherten die durchschnittliche Krankheitsdauer im Jahre 1913 gleich der Versicherten", auf die am Sonntag der Vertreter der Unterklären konnte, daß nach seinen Erfahrungen von einer ,, Begehrlichkeit 19,1 Tag, im Jahre 1925 jedoch 22,5 Tage. Bei den Frauen iſt nehmer, Dr. Erdmann, hingewiesen hatte, feine Rede sein könne. die Krankheitsdauer jedoch in derselben Zeit von 20,1 Tag auf 28 Tage angewachsen. Insbesondere werden die Krankenkassen durch Im Gegenteil sei in den letzten Jahren das Verantwortlich teitsgefühl der Versicherten gegenüber ihren Krankendie ansteigenden Fehlgeburten faffen ständig gewachsen. helastet. Es märe wünschenswert, wenn Staat und Gemeinden in größeren Kliniken Spezialabteilungen für Frauentrantheiten und Geburtshilfe unter Leitung eines Facharztes für Gynäkologie, nicht eines Chirurgen, einrichten würden. In kleineren Krankenhäusern müsse der Facharzt des Ortes bei allen einschlägigen Fällen zuge zogen werden. Die Unkosten würden hundertfach durch Ersparnisse auf anderen Gebieten eingebracht werden. Mit dem wichtigen Kapitel der Fürsorge für gefund heitsgefährdete Jugendliche beschäftigten sich Brofeffor Dr. Thiele, Dresden, und Geschäftsführer Ma B. Die beiden Referenten forderten, daß Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in der Gestaltung der Arbeit das Alter der Jugendlichen als Werde- und Reifungszeit besonders berücksichtigen. Zu diesem Zmede sei eine Ueberprüfung der bestehenden gesetzlichen Vorschriften im Sinne einer Berbesserung und eines Ausbaus des Jugendschutzgesetzes erforderlich. Auch müffen Einrichtungen geschaffen und Maßnahmen getroffen werden, die auf das Hineinmachsen der Jugendlichen in das Leben und die Arbeit Rücksicht nähmen. Die dem Reichstag vorliegenden Entwürfe eines Arbeitsschutzgesetzes und eines Berufsausbildungsgesetzes verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit der Versicherungsträger, da sie die Entscheidung über die wichtigen Fragen eines ausreichenden Jugendschutzes bringen. lleber die Aufgabe der Bertranensärzte bei den Krantenfaffen sprachen Professor Dr. Wichmann, Hamburg, und Dr. Pryll, Berlin. Die Vortragenden gingen davon aus, daß der Bertrauensarzt fein Gesundbefer sei und es auch nicht sein dürfe. Der Bertrauensarzt solle vielmehr das Bindeglied zwischen dem Kaffenarzt, dem Patienten und der Theater, Lichtspiele usw Staats- Oper Jnter d. Linden 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 25. August erste Vorstellung nach den Ferien Städtische Oper Bismarckstr. Ferienbalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Komische 81%, Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. SCALA > Ubr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Reichshalien- Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Breslau, 7. August.( Eigener Drahtbericht.) der Gesundheitsfürforge tätig bleiben; es räume aber au bie Mög lichkeit ein, daß von der Arbeitsgemeinschaft einem der Beteiligten die Durchführung der Aufgaben auf einem Spezialgebiet überlassen oder übertragen wird. Das Stimmrecht in der Mitgliederver= sammlung der Arbeitsgemeinschaft soll möglichst nach dem Aktienprinzip geregelt werden. Besondere Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft find: Vermeidung der Doppelarbeit durch gemeinsames Zusammen arbeiten; einheitliches Vorgehen im Ausbau der Gesundheitsfürsorge; planmäßige Erfassung und Betreuung der gesundheitlich ge= fährdeten gesamten Bevölkerung; Schaffung von Einrichtungen und deren Betrieb, soweit es möglich ist, in eigener Regie. * Eine besondere Auffassung vom Deutschen Kranfenfassentag in Breslau scheint die Breslauer Eisenbahndirektion zu haben. Der Bezirksverband Schlesischer Krankenkassen wollte, unt die Delegierten bei ihrer Ankunft zu begrüßen, auf dem Gelände des Hauptbahnhofs ein Willkommenschild anbringen, wie das bei größeren Tagungen üblich ist. Die Eisenbahndirektion erteilte jedoch die Erlaubnis dazu nicht, obmohl die bei anderen Gelegenheiten die Anbringung eines solchen Schildes erlaubte. welchen Gründen die Eisenbahndirektion sich dabei Leiten ließ, ist Reichsbahngesellschaft und der Reichsverkehrsminister Gelegenheit, nicht erfindlich. Vielleicht nehmen der Generaldirektor der Deutschen fich mit dem Breslauer Eisenbahnpräsidenten über diesen Vorfall eingehend zu unterhalten. Bon die Vorstandswahl. Gewählt wurden Stadtrat Ahrens Der Krankenkassentag in Breslau brachte am Dienstagmorgen ( Berlin) als erster Borsigender, Kirchhof( Dresden) als zweiter Vorsitzender), Bendig( Berlin) und Nürnberg( Berlin) als stellvertretende Vorsitzende. Die Wahl des geschäftsführen den Vorsitzenden fiel auf Helmuth Lehmann( Berlin). 3m meiteren Berlauf der Tagung Sprach Miniſterialrat Dr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Wankelmuth über die Arbeitsgemeinschaft der Bersicherungsträger mit den Gemeinden. Auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge sei, so führte der Redner Träger der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege unerläßlich. aus, ein zusammenwirten der Versicherungsträger und der Ein solches Zusammenwirken verspreche besseren Erfolg bei der Bekämpfung der Tuberkulose, der Geschlechtskrankheiten und des, Rheuma. Ein ersprießliches Zusammenarbeiten jei jest leider durch einen überflüssigen Zuständigkeitsstreit erschwert. Auch müßten die freiwilligen Leistungen der Versicherungsträger auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge ausgebaut könne, feien die Arbeitsgemeinschaften. Der Redner ist merden. Die Form, in der hier Wandel geschaffen werden nicht empfehle; es genüge, den beteiligten Stellen Aufgaben zu der Auffassung, daß sich eine zentrale gesetzliche Regelung zurzeit stellen, die sie im Zusammenarbeiten erfüllen fönnten. Der zweite Referent, Dr. Memelsdorf, erörterte die vom Deutschen Städtetag und dem Landkreistag aufgestellte Muster= jagung für eine örtliche Arbeitsgemeinschaft. Das Musterbeispiel sieht unter anderem vor, daß die an der Arbeitsgemeinschaft Beteiligten mie bisher auf den verschiedensten Gebieten VOM TÄTER FEHLT JEDE SPUR Ein Kriminal- Großfilm unter Mitwirkung des Berliner Polizeipräsidiums Regie: CONSTANTIN J. DAVID Hauptdarsteller: Grita Ley Hanni Weisse Kurt Gerron Ernst Stahl- Nachbaur Rolf von Goth Wochentags 715 915 Sonntag 515 715 915 UFA- PALAST AM ZOO Vorverkauf von 12 bis 2 Uhr im Ufa- Palast und bei A. Wertheim deutsches Theater Theater am Norden 12310 SU. Ende nach 10%/ 2 *************** Unserem lieben Rameraden Albert Schmidt Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, of 2 r. Gauvorstand: Fahrkarten für den Eonderzug Berlin- Frankfurt a. M. find ab heute int Gaubureau noch erhältlich. Charlottenbura: Mi., d. 8., 19 Uhr, Radfahrerpropagandafahrt zur Berfassungsfeier Gnbel- Ede Pronsenstraße. Donnerstag, 9. August. Prenzlauer Berg: Bersammlungen Rameradschaft: um 20 Uhr: Kameradschaft Ballan bei Bogel, Jablonstiftr. 9. Königstor bei Rösner, Immanuelkirchstr. 25. Kameradschaft Senefelderplas bei Büttner, Schwedter Str. 23. Kameradschaft Falke bei Zeuge, Milaftr. 5. Schöneberg- Friedenau: 20 Uhr Treffen aller Rameraden in der Turnhalle am Wartburgplat. Tiergarten: Kameradschaft Westen II Fr., d. 10., 20 Uhr, Bersammlung bei Ridert, Steinmegstr. 36a. Treptom( Ortsverein): Kamerad Edert, Johannisthal, ist verstorben. Einäscherung Do., d. 9., 17% Uhr. An= treten 17 Uhr bei Borgmann, Baumschulenmeg. Charlottenburg: Fr., d. 10., 19 Uhr, Radfahrerpropagandafahrt zur Verfassungsfeier, Enbel Ede Droysen. straße. Bereinigung der Freunde von Religion und Böllerfrieden, Pfarrer Bleier faffungsfeier, in der Trinitatistirche, Charlottenburg, Karl- August- Plak, über spricht am tommenden Freitag, 10. August, 20 Uhr, am Bortage der Ber das Thema:„ Christentum und Verfassung." Amt tommenden Sonntag, 12. August, 18 Uhr, religiöse Feierstunde in derselben Kirche. Pfarrer Beier spricht über das Thema:„ Christentum und Vaterlandsliebe." Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten). Wärmer, meist woltig ohne erhebliche Niederschläge. im Süden und Südosten meist heiter, im Nordwesten Regenneigung. Auffrischende südwestliche Binde. Für Deutschland: lleberall warmer, Möbel Fahrräder Ramerling, Raftanienallee 56. Herren. Teilzahlung. Geringe Anzahlung, zimmer, Gobelingarnituren, Klubtische, kleine Rate, froßdem billig. Nur Quali Armlehnfeffel Riefenauswahl. Spott- tätsräder, drei Jahre Garantie. Fahr. preise. Sahlungserleichterung. rabbau Wima, Aderstraße dreißig. und seiner Gattin zur Silberhochzeit ein fräftiges Frei Heil." Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Ortsverein Bln.- Lichtenb. ***************** ialaeschäft Unserem allverehrten Genossen Albert Schmidt. seiner Gemahlin zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche! Genosse Schmidt gehört über 25 Jahre der Partei an. 124. Abt.( Mahlsdorf). Batentmatragen, Primissima"-Metallbetten, Auflegematragen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße achtzehn. Spe. Auffallend billig! 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Ich geriet ins Staunen. Um so mehr, als feine drei Sekunden später die Sprechenden ganz offiziell und feierlich mit„ Sie" fonversierten. Das Duzen und das Siezen wechselte. Bis zum Abschiednehmen. Kaum hatte sich die Tür hinter Herrn Weißflog geschlossen, als ich mit unverhohlener Neugier meinen Barbier fragte, ob er den Mann eigentlich sieze oder duze. ,, Ach," versezte mein Barbier ,,, wissen Ee, mir sinn alte Befannte. Erscht, da hamm mir uns selbstredend gefiezt. Aber das ist dann ganz anders ausgeartet. Und jetzt duzen mir uns. Schon lange. Bloß in Gegenwart von Kundschaft, nich wahr, man weiß doch, was sich schicken tut, nich wahr,... da sag ich immer Sie zu ihme. Und dann ooch, weil er diesen Monat im Warrideh auftritt." Warrideh bedeutet Barieté. Und zwar trat Herr Weißflog, wie ich eruierte, als Biertel eines Männergesangquartetts auf. Bald darauf hatte ich Gelegenheit, ihn nebst seinen drei Kollegen zu hören. Es war die Nummer nach der Bause. ihren lebenden Liedern" betitelte sie sich. Weißflog- Quartett in Der Borhang rajchelte hoch. In grünem Lichte lag die Bühne. Im Hintergrund ein gutgemeintes Rheintal, vorn rechts die kühne Faffade des Wirtshauses an der Lahn. Unsichtbarer Gefang teilte uns mit, daß das Wandern mindestens des Müllers Luft sei. Woran ich faum gezweifelt hatte. Wenn ich nicht fehl gehe, fangen die vier Brüder zunächst einmal ins Unreine. Dann betraten sie die Bühne. Trotz seiner Vermummung er fannte ich Herrn Weißflog sofort wieder. Er sang Baß, wo nicht gar Baßbuffo. Auf dem Haupt trug er einen grauen Blaser von überlebengsgroßen Dimensionen. Seine Kollegen zerfielen in Mezzo, Sopran und Bariton. Der Sopran fah aus wie ein abgebrochener Schillscher Offizier. Er hatte etwas außerordentlich Pensioniertes an sich. Der Mezzo trug rotgefäftelte Bugen, schwarze Gamaschen und einen statiösen Bauch. Der Tenor wirfte wie ein veredelter Zwirn( aus Nestroys Bumpacivagabundus"). Man hatte ihm mit vielem Fleiß einen Schneiderbart beigebracht. Trotzdem gab er fund, daß er gejonnen jei, zum Rhein, zum deutschen Rhein zu ziehen. Da aber öffnete sich die Tür des Wirtshauses, und heraus trat eine junge Dame mit Humpen voller Rebensaft. Inzwischen hatte sich der Himmel aufgehellt, und eitel Sonnenlicht brach hernieder. Schäßlein, schenk ein!" trällerten die Sänger. Was fann's im Leben schönres geben, als ein Mädel beim Wein?" Ohne mertliche Ueberleitung gaufelten die vier waderen Männer in das Lied ,, Bem Gott will rechte Gunst erweisen" hinüber, bis mit einem Male dunkelrotes Licht über die Bühne flammte. Bestimmt wäre das Lied nur gedichtet worden, wenn der Dichter eine Ahnung von der nachmaligen Eristenz des Herrn Weißflog gehabt haben würde. Herr Weißflog madelte nämlich immerzu mit der Stimme, um der Bewegung seines geradezu Busens Ausdruck zu verleihen. Dann zog der Schillsche Offizier eine niedliche Pfeife und gab den guten Ton in allen Lebenslagen an. Dank der Bemühung Weißflogs hatte sich die ganze Geschichte um eine Etage verschoben. Es wurde gemiffermaßen im Keller gesungen. Hei, wie legten sich die vier Gesellen ins Zeug hinein. Nach der Heimat wollten sie wieder, schrien fie, und ich wunderte mich über die Wankelmütigkeit des deutschen, von einem Quartett verkörperten Nationalgemütes. Der abgebrochene Sopron, der bis dato zu kurz gekommen mar ftrengte fich besonders an. Er tirilierte wie unsere Gaslampe, wenn fie am Erlöschen ist. Er ließ es an nichts fehlen. Er strengte fich ordentlich an. Er legte Feuereifer an den Tag. Die übrigen drei sangen leiser und leiser. Man heißt das piano. Auch der Sopran suchte piano zu werden. Leider geriet er in eine andere Tonart. Er probierte hin und her. Er verlor die Geduld nicht. Er experimentierte. Beilage des Vorwärts Wie wird man Komponist? Praktische Winke für solche, die es werden wollen. Es war einmal... In der guten alten Zeit wurde ein| Knäblein eines Tages als musikalisches Bunderkind entdeckt. Mit vierzehn Jahren schrieb der kleine Knirps handfeste Opern, die Anno dazumal geschahen eben noch Wunder! anstandslos an= genommen und aufgeführt worden sind, nur weil sie wertvoll waren. Der den Kinderschuhen taum entwachsene Tondichter erfuhr die bedeutendsten Auszeichnungen, und seine Schöpfungen blieben uns bis heute( und wohl für alle Zeiten) erhalten. Der Jüngling hießW. A. Mozart Lang, lang ist's her. Heutzutage werden Wunderkinder kaum mehr entdeckt, es sei denn, daß sie in der Wahl ihres Vaters recht vorsichtig waren. Ist der Herr Papa selbst ein anerkannter Meister der Töne( Jean Gilbert, Walter Kollo usw), so steht dem Werdegang des unter Umständen verflucht unbegabten Sprößlings naturgemäß nichts im Wege. Eine gewisse Solidarität gibt es ja in allen Zünften. Selbst bei den Einbrechern. Komponistensöhne reichen aber für den Komponistenbedarf der Erde leider nicht ganz aus. So müssen denn auch ganz gewöhnliche Sterbliche herhalten und ihre Mitmenschen mit mehr oder minder ( meist minder als mehr!) eigenen" Melodien versehen. Denn zum Leben gehört nun einmal ein bißchen Musik. Wie soll man das aber anstellen? Wie wird" man Komponist?! Ganz einfach: man nehme sich ein Beispiel an Herrn Ballin. Der kleine Ballin widmete sich zunächst dem anregenden Beruf eines Zeitungsverfäufers, woraus ersichtlich ist, daß er, der merdende Maestro, die Wichtigkeit einer guten Bresse" schon im jugendlichsten Alter erkannt hatte. Später wurde aus dem Zeitungsjungen ein Kellner, der sich in den berüchtigten Berbrecherfneipen der NewYorker Unterwelt herumtrieb. Eines denkwürdigen Tages vertonte er dann einen Marathonlauf. Unter Bertonung" verstehe man in diesem Falle, daß der junge Ober eine rhythmische Melodie( man könnte ebensogut melodischen Rhythmus sagen) vor sich hin pfiff: er fannte ja feine Noten! Ein Kapellméifter mitrde, zwischen Suppe und Braten völlig beschäftigungslos, auf das schneidige Pfeiffongert aufmerksam, warf den schmissigen Rhythmus aufs Papier und verlaufte die so entstandene gemeinsame" Komposition an einen Ber leger. Das zweite, ähnlich entstandene Wert" des tüchtigen Herrn ist sodann zum Weltschlager geworden, und fein Schöpfer tonnte den Kellnerfrack ausziehen. " So ist Ballin, der Mann mit dem Rhythmusgefühl, Komponist geworden. Er spielt heute noch kein einziges Instrument, tennt feine Noten, hat nie Musik studiert und weiß es vielleicht gar nicht, daß die zwei Tonarten, nämlich Dur und Moll, gewisse Unterschiede aufweifen. Was fümmert's ihn? Er pfeift feine Rhythmen dem am Flügel fizenden Kapellmeister vor, etwa wie der Geschäftsmann einen Brief in die Schreibmaschine diftiert. Diese schöpferische" Tätigkeit bringt ihm jährlich die Kleinigkeit von annähernd einer Million Mark Tantiemen ein: er ist der ungekrönte Jazztönig unseres bis in die Knochen verjazzten Zeitalters. Sein Name ging vor Jahres frist durch die gesamte Weltpresse: er heiratete nämlich die einzige Tochter des sogenannten Rabelfönigs" Madan. Als dieser seinen Schließlich ist der Fachmann dazu da, um aus dem„ Nichts“ Etwas zu formen; auf richtige Melodien kommt es ja bei der heutigen Mufit so wie so nicht an. Die fertige, sauber abgeschriebene Rompofition verlege manselbst. Der Grundsay: Jeder Komponist sein eigener Berleger!" hat sich in den letzten Jahren in allen Großstädten eingebürgert und glänzend bewährt. Denn sollte das Geistesprodukt ,, Der Eskimo hat seine Tante gebissen", oder wie es sonst heißen mag( jo ähnlich auf alle Fälle), einschlagen, macht der neue Maestro selbst ein glänzendes Geschäft. Taucht hingegen das neue Meisterwerf sang- und klanglos in der Versenkung unter, kann der Verfasserverleger die Gesamt auflage preiswert als Matulatur verkaufen, ohne dabei welch herrliches Gefühl! andere Mitmenschen geschädigt zu haben. Hat man mit mehreren seichten Tanzstücken( andere Werke werden auf dem Musikalienmarkt faum noch gesucht) Erfolg gehabt, so pachte man schleunigst ein Theater und lasse ein abendfüllendes Stück, Operette oder Gesangspoffe. aufführen. Der oben erwähnte Kapellmeister( die Leute sind billig zu haben) wird schon dafür sorgen, daß das" Ding" zustande kommt. Man vergesse dann nicht, in den Pressenotizen darauf hinzuweisen, daß es sich um das Eritlingswert eines blutjungen Komponisten handelt. So etwas macht auf das Bublifum immer einen guten Eindruck und stimmt auch die gestrengen Kritiker milder. Sollte nun das Erstlingswerk des blutjungen Anfängers eben= falls Erfolg haben( die Möglichkeit besteht ja, denn die Theaterbesucher find schier unberechenbar und die übrigen Stücke auch nicht viel besser), ist man definitiv ein gemachter Mann". Man darf sich als geistiger Arbeiter erster Klasse" getrost zu den Geistesgrößen seines Landes zählen. Immerhin ist einige Vorsicht geboten! Man verkaufe also sein ach so bürgerliches Kurzwaren- oder Seifengeschäft möglichst erst nach dem zweiten durchschlagenden Erfolg, um sich sodann reſtlos der lieben Muse widmen zu können. Um Komponist zu werden, fann man auch, einen anderen Weg einschlagen. Der ist aber weit mühevoller und führt in den seltensten Fällen zum Ziel. Nach Absolvierung der Musikhochschule( man lehrt da Kontrapuntt, Fugen und sonstige lleberflüffigkeiten) schreibt der junge Titan seine erste Sinfonie. Wie man's so sagt, mit seinem Herzblut". Dann folgt ein vier bis neunaftiges Musikdrama. Natürlich in neoklassischem Stile gehalten. Einige Konzertlieder ver vollständigen den Reigen und anschließend bekommt der angehende Beethoven, falls er über die nötigen Beziehungen verfügt, einen Poften als städtischer Musiklehrer in Kuhwinkelhausen. Daselbst wird er am Tage des fünfzigjährigen Berufsjubiläums feierlichst zum städtischen Musikdirektor ernannt. Daselbst bringt auch die int höchstem Grade musikalische" Gattin des Kreisarztes, oder die„ anheimelnde" Tochter des Herrn Studienrats die ermähnten KonzertFrauens lieder zum Vortrag. Zum öffentlichen" Bortrag im verein. väterlichen Gegen verweigerte, schnitt der große Komponist die sprechend„ lokalisiert" und das wuchtige Mittelthema bei Beerdigun Debatte furz und bündig ab:„ Ich pfeife auf ihren Segen und auf ihr Geld!" Der alte Rabelfönig mußte schon daran glauben, denn sein Schwiegersohn wider Willen hat sein Pfeiftalent bei Zeus bemiesen. Ferr Irving Berlin follte also, dem Zeitgeist entsprechend, als leuchtendes Beispiel für Komponistenjünger dienen. Irving Berlin, der Weltbekannte, ist mit unserem Mann identisch. Man kaufe sich daher einen imposanten Konzertflügel, stelle einen Haustapellmeister ein und diftiere diesem Rhythmen" in die Musifmaschine. Sollte jemand nicht einmal die Kunst des Pfeifens verstehen, genügt auch ein Summen" vollkommen: irgend etwas Undefinierbares wird doch jeder Mensch vor sich hinsummen können. Elektrische Felder um unseren Körper. Prof. Sauerbruch ist es jetzt gelungen ohne unmittelbare Ableitungen in der Umgebung des menschlichen Körpers frei durch den Raum elettro- phyfiologische Borgänge zu erfaffen. Die Effekte wurden bis zu einer Entfernung von mehr als zwei Metern von der Empfängerplatte aufgefangen. Inwieweit diese neue Entdeckung praktische Anwendung finden wird, läßt sich noch nicht sagen. Aber jedenfalls ist damit wieder einmal auf die große und noch nicht recht erforschte Bedeutung der elektrischen Borgänge für unseren Organismus hingewiesen. Der Einfluß der Luftelektrizität zeigt sich ja bei metterempfindlichen Menschen in erheblichen Störungen des Wohlbefindens vor dem Ausbruch eines Gewitters und während des Gewitters. Der Bafeler Prof. Schorer hat den Einfluß des Elektrizitätsgehaltes der Luft auf empfindliche Personen untersucht und dabei gefunden, daß dann Gesundheitsstörungen auftreten, wenn die negativen Elektrizitätsträger der Luft gegenüber den pofitiven vermehrt sind. Positiv geladene Luft wird als angenehm und erfrischend empfunden, dagegen negativ geladene als dumpf und schwül, und ihr Einfluß macht sich in erschwerter Atmung, Kopffchmerzen, allgemeiner Müdigkeit und niedrigerem Blutbrud Er zeigie deutlich die gute Absicht, mit seinem Gesang ins rechte bemerkbar. Gleis zu schlüpfen. Aber es war vergebliche Müh. Er flötete mit unleugbarem Liebreiz daneben. Er hatte den Zusammenhang verloren und irrte quer durch die Töne. Er erlitt ein Mägliches Fiasto. Wassertrinken nach Obstgenuß. Infolgedessen wurde die Bühne abermals hell, und nun fangen richten nun von neuent zahlreiche Mitteilungen über Erkrankungen die wohlvorbereiteten Kollegen ganz schredlich laut. Sie pumpten die Lungen voll und ganz. Sie raderten sich ab, die Scharte des Tenors auszuwegen. Sie wegten, das die Funken sprühten. Der Raum barft vor diden Lönen. Und auf einmal war's aus. Frenetischer Beifall lohnie den nügend getaut aufzunehmen. Wird dann obendrein noch Wasser lebenden Liedermännern. Fußball im Jahre 300 v. Chr. Die Engländer find stolz darauf, daß der Fußball von ihrem Inselreich aus die Welt erobert hat. Die Erfinder des Fußballspiels sind aber nicht die Engländer, sondern die Chinesen. 5. 2. Gilles, ein englischer Gelehrter, hat an Hand alter Schriften nachgewiesen, daß in China schon 300 Jahre vor Christi Geburt eifrig Fußball gespielt wurde. Kein Geringerer als der Kaiser Cseng- Ti war der Förderer dieses Spieles; er hatte zwei Fußballmannschaften gebildet, und diese hatten Monat für Monat ihr Können zu beweisen. Die beiden Mannschaften hatten alles daran gesetzt, um aus dem Spiel als Sieger herauszukommen, denn der Kaiser ließ die Besiegten unbarmherzig auspeitschen. Offiziere und Würdenträger waren mit dieser Leidenschaft ihres Herrn nicht einverstanden, fonnten aber nichts ausrichten, denn der Kaiser erHärte: Ich liebe dieses Spiel, also spiele ich es" Obwohl alles Obst außer seinen pflanzlichen Aufbaustoffen, Fruchtsäuren usw. in der Hauptsache Waffer enthält, stellt sich nach dem Genuß feltsamerweise häufig ein Durstgefühl ein, dessen Befriedigung mancher nur schwer widerstehen kann. Jedes Jahr bevon Leuten, die auf Obst Wasser getrunken hatten. Wie verhält es sich nun mit diesen Erkrankungen und worauf sind sie zurückzuführen? Zunächst wird der Magen durch Obst, das man ja ohne Störung des Appetits in großen Mengen zu sich nehmen kann, bis zum Rande gefüllt. Der Magen ist es natürlich nicht gewöhnt, solche Mengen von Nahrungsmitteln noch dazu meistens ungegetrunken, so quillt das Obst auf und die Magenmuskulatur mird über Gebühr ausgedehnt. Die Bewegungen des Magens werden gehemmt, so daß eine normale Berdauungsarbeit nicht mehr möglich ist. Die Gärfähigkeit der Früchte, durch die sich vor allem Kirschen und Stachelbeeren auszeichnen, fann, wenn nicht rechtzeitiges Erbrechen erfolgt, schwere Störungen in den Eingeweiden fowie durch übermäßigen Druck auf Herz und Lunge hervorrufen. Allerdings gibt es viele Menschen, die das Zusammenbringen von Obst und Wasser ungestraft vertragen fönnen. Immerhin find das Ausnahmen, an denen sich nicht jeder ein Beispiel nehmen sollte. Es ist daher, besonders bei Kindern, die bekanntlich gern faftige Früchte in ungewohnten Mengen und schlecht gefaut verzehren, darauf zu achten, daß unmittelbar nach dem Obstgenuß kein Wasser getrunken wird. Robes Obst, besonders wenn es nicht ganz reif war, bleibt lange im Magen. Ein Zeichen für schwere Berdaulichteit, die in dem faserreichen Zellgerüft der Früchte ihre Haupt urfache hat, Es empfiehlt sich daher unbedingt, mit dem Wasser Auch die Sinfonie à la Herzblut wird im Laufe der Jahre ent Trauer gen von der Kapelle der freiwilligen Feuerwehr als marsch geradezu bevorzugt. Das Musikdrama aber bleibt zeitlebens unaufgeführt; zumindest dann, wenn der auf musikalischem Gebiete wirklich Großes zu leisten Berufene nicht ganz zufällig mit einem Intendanten verschwägert ist. Und verfügt der gebildete und in der Tat begabte Komponist nicht einmal über Beziehungen", fann er sich glatt begraben lassen oder den Kollegen" von der Operette bitten, ihn im besagten Kurzwarengeschäft als Berkäufer anzustellen. Dort darf er dann über die Wahrheit der Wedekindschen Worte nachdenken:„ Das, Leben ist eine Rutschbahn..." Dr. Kontra Puntt. trinten solange zu warten, bis durch den Verdauungsprozeß die Berfegung der Früchte eingeleitet ift. Dieie Wartezeit follte je nach Menge und Art des genoffenen Obstes( Kirschen und Stachelbeeren sind am gefährlichsten) 1% bis 3 Stunden betragen. Hängende Miniaturteiche. A. G. Es gibt taum eine Möglichkeit, die das organische Leben un genutzt vorübergehen läßt, um sich auszubreiten. Beder Dunkelheit noch Kälte oder Hize hindern Pflanzen und Tiere, fich anzusiedeln und zu leben, so gut es geht; in den tiefsten Bergwerksfümpfen sowohl wie auf den höchsten Gebirgshöhen ist Leben anzutreffen. Keine Wasseransammlung ist zu flein, als daß sich nicht reges Leben in ihr entfalten fann, und sei es auch nur für ein paar Tage. Eine der merkwürdigsten Lebensstätten, die man erst in jüngster Zeit tennen gelernt und erforscht hat, find die hängenden Aquarien" oder„ hängenden Tümpel", die sich in den Blattscheiden Unmittelbar am Stengel sind, in unserer Kardendisteln finden. mehreren Stockwerken übereinander, bei den ausgewachsenen Karden fünf bis sieben solcher kleiner Wasserbecken vorhanden, die zusammen unter günstigsten Bedingungen ein Liter Waffer enthalten. Wie nun L. Barga fürzlich in einer interessanten Arbeit mitgeteilt hat, herrscht in diesen winzigen Wasseransammlungen ein überraschend reges Leben. Der mikroskopischen Pflanzen- und Tierwelt werden hier allerdings meist ziemlich günstige Bedingungen geboten, da der Wind allerhand anorganische Teilchen, wie Staub, Humusförnchen usw. in das Wasser verweht, so daß es genau wie Teichwasser den winzigen Pflanzen Nahrung liefert, obwohl es ja ursprünglich reines Regenwasser ist. Bielen dieser Miniaturtümpel sieht man schon äußerlich den Pflanzenreichtum an: sie sind völlig grün gefärbt und enthalten verschiedenartige einzellige Algen. Außer den Grünalgen hat man Kieselalgen, verschiedene Batterienarten und auch Schimmelpilze gefunden. Das Tierleben wird natürlich von den niedersten Organismen bestritten. Vor allen finden sich verschiedenartige Einzeller wie Amöben, Infusionstierchen usw. Doch tommen auch einige Fadenwürmer und Rädertierchen vor. Gelegentlich finden sich auch Mückenlarven in den Kardenbecken. Alle diese Tiere zeichnen sich dadurch aus, daß fie erhebliche Temperaturschmanfungen ertragen und daß sie sich zum Teil einkapseln können, wenn ihr winziges Wohngewässer eintrocknet. Falls sich das Beden nach einem Regen neu gefüllt hat, ermacht das Leben außerordentlich rasch wieder, schon nach 12 Stunden fann man lebende Organismen in ihnen antreffen. Welchen Nutzen übrigens die Pflanze selber von ihren Aquarien hat, läßt sich noch nicht mit Sicherheit jagen. Der größte Kai der Welt. Die größte Kaimauer der Welt soll jezt von der Southern Railway in Southampton errichtet werden. Die Mauer wird rund 1270 Meter lang sein. Im ganzen sollen 78 Steinpfeiler in das Flußbett der Themse gesenkt werden. Jeder Pfeiler wiegt 7000 Tonnen. Der erste Anferplay wird in zwei Jahren fertig sein. Wenn die Kais vollendet sein werden Bau wird ungefähr zwanzig Jahre dauern werden zwanzig Riesenschiffe vom Typ der Majestic" dort anlegen fönnen. Der Bau wird insgesamt 260 Millionen Mart toften, der Großbanken in der Montanindustrie Oer Einfluß hinter den Kulissen.— Oer Auffichisrai als Zronvogi. Was heißt„Herrschaft des Finanzkapital s°? Was verstehen wir unter der„M acht der Banken über die In- d u st r i e"? So bekannt und geläufig wohl allen Arbeitern diese Grund- feststellungen auch sein mögen— ein tatsächlicher Begriff über den Herrschaftsbereich des Bankkapitals ist doch nicht immer vorhanden. Wenn im Betrieb zum Schaden der Belegschaft irgendwelche Maß- nahmen ergriffen-werden, öine Verschlechterung der Akkordverhältnisse. Einführung von Kurzarbeit, die Stillegung einer Abteilung oder auch einer ganzen Fabrik, wenn eine Verschmelzung zweier Gesell- schaften durchgeführt wird, die zwar niemals Direktoren und Aus- sichtsratsmitglieder, sehr oft aber Arbeiter und Angestellte über- flüssig macht, so sieht in allen diesen Füllen der davon Be- troffene, der Arbeiter wie der Angestellte, als eigentliche Veran- lossung nur die Chefs der Firma, ihre Direktoren, Ingenieure usw. Daß in zahlreichen Fällen dabei die Großbanken ihre Hand im Spiele haben, bleibt ihnen meist unbekannt. An einigen Beispielen soll gezeigt werden, welche wichtigen Folgen das Eingreifen der Großbanken nach sich ziehen kann. Vor rund anderthalb Jahren geschah die Verschmelzung der H a p a g, des größten deutschen Reedereiunternehmens, mit der Kosmos- Austrat- Reederei. Beide Gefellschaften standen unmittelbar vor stoffeinkäufe, bald für Neuanlagen oder Modernisierung, bald für Patentkauf, bald für die Einrichtung eines Teilzahlungssystems usw. Diesen Geldbedarf decken die Banken, sie geben kurzfristigen Kredit, sie geben oder vermitteln langfristige Anleihen, sie führen eine Erhöhung des Aktienkapitals durch. Im allgemeinen ist natür- lich der Geldbedarf der Industriefirmen um so größer, je schlechter es um ihre Rentabilität bestellt ist und je mehr die Zahlungseingänge ins Stocken geraten. Die Bank verlangt infolgdessen für ihre„Hilfe' bestimmte Garantien, so z. B. einen oder mehrere Sitze im Aufsichtsrat, oder sie stellt bestimmte Bedin- gungen, deren Ersüllung ihrer Meinung nach die Rentabilität der Firma erhöhen. So nehmen oft genug Stillegungen oder Lohn- drosselungen von dieser Seite her ihren Ausgang. Nur bei einigen ganz großen Unternehmungen, wo ja auch meist eine einzig« Großbank zur Deckung des Kreditbedarfs nicht ausreichen würbe, ist es insofern etwas anderes, als solch« Gesell- schaften zu mehreren Großbanken in engen Geschäftsbeziehungen stehen: und wenn wir an die I. G. Farbenindustr'i« A.- G. denken, so ist die Kapitalkrast dieses Trusts so groß, daß hier«Ine Komrolle durch diese oder jene Großbank nicht in Frage kommt. Die hier veröffentlichte Karte zeigt, welche Bankverbindungen für die größeren deutschen Unternehmungen der Schwerindustrie ö Berliner Großbanken Steinkohle 3 ra Ef cd � E ZZ o �•2 �7-3 O t- D— 3 03 jO W. Q> CO ö c l» CL 01 X tfiu c £ c CO*�3 m EW *5 c £*5 Montanindustrie ts 03 55. o 3 bt 2 5* .3* L-L|| StJ5 v o» > � u. JO c 0I HZ .E yj ÖS •> Ui ■Z«3 Ofl c 3 C o � r«5 «*= E tz M c o c o B 1 w B S tn E O < o. Cl O£ v) E ü 0- .E0 O ffl o x: u N o r ■■ □ □ B B □ □ □ □ □ X Braunkohle 3 PI JO bo üd ___ tp j-c.L *«--o r: � 02� 2= o «ivZ. a die deutsche Reichsbank grundsätzlich ibre Teilnahme an dieser Anleihe zugestanden hat und diese Beteiligung der deutschen Reichsbank auch von den westlichen Notenbanken, insbesondere der Bank von Frankreich, gewünscht wird, so ist die Verzögerung in diesen Anleiheverhandlungen offensichtlich auf die Differenzen zwischen Deutschland und Rumänien zurückzuführen. Es läge also im Interesse des rumänischen Staates, seinerseits für eine möglichst reibungslose Abwicklung der Verhandlungen zu sorgen. Andererseits hat Deutschland gleichfalls größtes Interesse daran, die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen so eng wie möglich zu ge- stalten. Rumänien, das schon vor dem Kriege einen wichtigen Ab- satzmarkt für die deutsche Industrie darstellt«, hat durch die Friedens- Verträge sein« Einwohnerzahl von rund 7 auf 17 Millionen erhöht. Der Gebietsumfang des Landes ist von rund 130 000 auf über 300 000 Quadratkilometer gewachsen. Abgesehen von der Bedeutung Rumäniens für den deutschen Außenhandel würde auch«ine volle Einigung und die endgültige Beseitigung alter Differenzen Deutsch- lands wirtschaftliche Stellung auf dem gesamten südosteuropäischen Markte ungemein befestigen. Private Hypothekenbanken und Wohnungsbau. Die Im San- derausschuß' für Hypothekenbankwesen des Zentraloerbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbcs zusammengeschlossenen pri- vaten Hypothekenbanken haben in dem ersten Halbjahr 1928 für Zwecke des Wohnungsneubaues den Betrag von rund 340 Millionen Mark aufgebracht. Die Summe ist auf Grund einer Umfrage bei den betreffenden Banken festgestellt. Dieses Ergebnis vom ersten Halbjahr 1928 zeigt, daß sich auch die privaten Hypo- thekenbanken von Jahr zu Jahr mehr der Finanzierung des Woh- nungsneubaus widmen. Roch 1924 betrugen die hierfür gegebeneu Hypothekarkredite nur 17 Millionen Mark, um in den beiden fol- genden Iahren auf 62 und 140 Millionen Mark zu steigen. Da die im vergangenen Jahr gewährten Kredite nicht über 216 Millionen Mark hinausgingen, ist das Ergebnis für das erste Halbjahr 1928 erfreulich. Im ganzen genommen ist aber die Beteiligung der privaten Hypothekenbanken an der Wohnungsbausinanzierung mit insgesamt 774 Millionen Mark seit der Stabilisierung nicht sehr er- beblich, wenn man gegenüberstellt, daß die Kommunen in der gleichen Zeit 2,5 Milliarden städtische Hypothekardarlehen zur Förderung der Wohnungsbauten gewährt haben. Steigender Schulthelß-Abfaß. Die G r o ß-« ra ue reien können sich auch im laufenden Jahr über die Konjunktur nicht de- klagen. Wie«s im Prospekt des E ch u l t h ei ß-K on zern s an- läßlich der Einführung der jungen Aktien an der Berlin« Börse heißt, ist der Absatz, der infolge des Ottoberstreiks und durch das ich!« cht« Weit« der folgenden Monate zurückgegangen war, in den letzten Wochen bedeutend geftieaen. Auch weim man die im letzten Jahr neu erworbenen fchlesischen Brauereien nicht ein- rechnet, wird der Iahre»umsatz des Schultheiß-Konzerns weit über den Ergebnissen des Vorjahres liegen. Der B i e c« a u s st o ß in den letzten drei Jahren betrug 2,59, 2,73 und 2B2 Millionen Hektoliter. Trotz der Erhöhung des Aktienkapitals wird wieder mit ein« 1 5 p r oz« n t i g e n Dividend« gerechnet. Groß« Reparalionsaustrag für Siemen». Der Elektrifizierun�s« plan der französischen Eisenbahnlinien wurde schon nn Jahre 1920 ausgearbeitet, seine Aussühning mußte jedoch au» sinan- stellen Gründen zurückgestellt werden. Jetzt ist die Ausführung dieses Projettes durch einen Vertrag der französischen Regierung und der Südbahngesellschast(Qiemin ckc ker ckn m-icki) einen großen Schritt vorwärtsgekommen, da der Bahngesellschaft die not- wendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zur Beschaffung der für die Umstellung notwendigen Betriebsmittel hat die franzö- fische Südbahngesellschait mit dem Siemens-Konzern und einer französischen Elektrogesellschast einen Vertrag abgeschlossen, der zunächst die Lieferung von 100 elektrischen Lokomotiven und fünf- zehn Triebwaen vorsieht. Die Lieferungen von Siemen» erfolgen über Reparationskonto. Welkeres Steigen d« Preise. Die für den Monatsdurchschnitt im Juli berechnete Großhandelsindexzisfer des Statistischen Reichs- omts iit gegen den Monat Juni weiterhin von 141,3 aus 141,6, also um 0,2 Proz. gestiegen. Die entsprechende Ziffer im Mai stand auf 140,6. Von den Hauptgruppen ist die Indexzifstr für Agrar. stofse um 0,4 Proz. gestiegen. Während sich industrielle Rohstoffs und Holbwaren kaum veränderten, hat die Indexziffer für industrielle Fertigprodukte um 0,3 Proz. angezogen. Berlin al« Großgrundbesitz«. Einer der größten Gutsbesitzer Deutschlands ist di« Stadt Berlin. Die gesamtc Berliner Guts- Verwaltung erstreckt sich auf üb« 24 146 Hektar. Davon waren fast 10 000 Hektar in eigener Bewirtschaftung, während der Rest oer- pachtet ist. Die Anbaufläche bei den selbstbewirtschafteten Gütern umfaßt rund 7600 Hektar. D« B i e h b e st g n d auf den selbstbewirtschafteten Gütern stellte sich auf 1423 Kühe. 2146 Schwein«, über 2600 Schafe und 670 Pferde. Besonders stark stieg in den letzten Jahren die M i l ch e r z e u g u n g, die im Wirtschaft»- jähr 1926/27 6 Millionen Liter überschritt. Rückgang de» Schweineexpork». Di« Ausfuhr lebender Schweine ist im Monat Juni mit nur 10 179 Stück auf weniger als die Hälft« des Bormonats gesunken. Trotz d« Förderung de» Exports durch dos Einfuhrscheinsnftem dürfte dieser ausfällige' Rück- gang mit der Erhöhung der Schweinepreise in Zusammenhang stehen, da die Produzenten sich bei diesen Preisen im Inlandsvertauf sehr gut stehen. Baldwin weichi der englischen Schwerindustrie. Der englische Ministerpräsident Baldwin hat in einem Schreiben erklärt, daß die Regierung in der Frage der Eisenzölle dem von der britischen Schwerindustrie gestellten Antrag entgegenkommen werde. Dieses Zugeständnis zeigt, daß sich Baldwin. der den Eisenzöllen in Eng- land bisher ablehnend gegenüberstand, von seinen konservativen Parteifreunden aus der Schwerindustrie ins Boxhorn hat jagen lassen. Das Gesundheitswasser I Faebinger fersandsielle. Berlin ST tl ScbSneberger Str. Iba. Tel. LfiUo* 826044