Morgenausgabe Nr. 373 A 190 45.Jahrgang Böchentlich 85 Pf monatlich 3,60. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonnement 6,- m. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und, Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauenftimme",„ Techni?"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Bormärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 9. August 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die effpaltige Ronpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das jettge druckte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgedruckte Morte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägi, von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G.m.b.H. Stefan Raditsch gestorben. Der Führer des Kroatentums dem serbischen Mörder erlegen. Belgrab, 8. August. Der Führer der Kroatischen Bauernpartei, Abg. Stefan Raditsch, ist heute abend 8,55 Uhr in Agram gestorben. Der altserbische Abgeordnete Rasitsch hatte in der Stupschtina zu Belgrad auf die kroatische Bauernfraftion gefchoffen, als fie sich der Ratifizierung des Nettuno- Abfommens mit Italien widersette und ihre- nach furzer Unterbrechung und sogar Regierungsteilnahme wieder aufgenommene Kampfstellung nicht nur gegen die augenblickliche Regierung, sondern gegen das verfassungsmäßige blickliche Regierung, sondern gegen das verfassungsmäßige Gefüge des Südflamenftaates aufs neue bekräftigte. Alt ist dieser Gegensatz zwischen den katholischen, lateinschreibenden Kroaten und den orthodoxen, zyrillische Schrift ge brauchenden Serben. Nicht in diesen Aeußerlichkeiten, sondern in dem Verlangen der kroatischen Autonomiebewegung gegen den serbischen Zentralismus ist dieser Gegensatz be gründet, der nun im eigenen Staat eine neue Serie von Attentaten auf ihre lange Reihe unter der früheren ungarischen Oberhoheit folgen ließ. Der Tod des Führers muß nicht der Funke in das Der Tod des Führers muß nicht der Funke in das Bulverfaß sein, denn bei seiner schweren Bermundung und feiner, durch Zuckertranfheit geschwächten Konstitution mußte mit diesem Ende längst gerechnet werden. Auch ist es ein friedenstiftendes moment, daß Bribitschewitsch, der Führer der mit Raditsch toalierten Demokratenpartei, Serbe ist, so daß die Anhänger Raditsch' wohl nicht die Gerben haffen fönnen, mögen sie auch Serbien nicht lieben und feine Regierung und seine Barlamentsmehrheit verabscheuen. Bei dem leidenschaftlichen Temperament diefer zwar flawischen, doch füdlichen Menschen fann aber auch ein Ausbruch der Boltsleidenschaft die nächste Folge sein und die Parole, os von Belgrad, wo man unsere Führer er mordet!" zündende Kraft gewinnen. Stefan Radftsch ist seinem sofort in der Stupichtina getöteten Reffen, in den Tod gefolgt. Sollen über diesen Gräbern auch noch hefatomben meiterer Opfer dargebracht, sollen füdslamische Gewehre auf südslawische Menschen entLaden werden Der junge Südslawenstaat hätte schwer zu tun, folche Erschütterung auszugleichen und die einzig mögliche Beruhigung ehrlich demokratischen Zusammenſchluſſes der südslawischen Volksteile wäre dann schwieriger als je zuvor. Der Lebenslauf von Raditsch. Raditsch, der 1871 in einem froatischen Dorfe geboren wurde, trat nach seiner Studienzeit bereits als politischer Redner für den Banflawismus hervor. 1904 gründete er die Kroatische Bauernpartei und trat später, besonders nach dem Kriege, in heftige Oppofition gegen die Belgrader Konftituante. Seine Bersuche, fremde Mächte für die Forderungen der Kroaten zu gewinnen, bie Bauerninternationale in Moskau durchsetzen. 1924 führte er den schlugen fehl. Jedoch konnte er die Aufnahme der Bauernpartei in Sturz des Kabinetts Davidowitsch herbei, wurde aber unter der Regierung Basitsch Bribizewitsch, die die Bauernpartei auflöſte, verhaftet. Dann schloß er unter Verzicht auf das bisherige Partei programm mit der Regierung Pafitsch Frieden und erhielt 1925 fogar das Unterrichtsministerium. In den letzten Jahren verschärfte fich aber die Gegnerschaft der Bauernpartei und der Radikalen, was zu immer heftigeren Zusammenstößen in der Stupschtina führte, in deren Berfolg es Ende Juni zu dem bekannten Attentat und nach diesem zu verschärften Kämpfen der Opposition gegen das Barlament und den Staat selbst mit der Forderung der Lostrennung Kroatiens von Jugoslamien fam. Serbische Gendarmen statt froatischer Poliziften. 2gram, 8. Auguft. Der Obergespan( Oberpräsident) der Provinz Kroatien- Slamonien und der Polizeichef von Agram haben ihre Aemter niedergelegt, um damit gegen die von Belgrad geplanten Sicherheitsma nahmen gegen Unruhen in 2gram zu profeftieren. Das Minifterium des Innern hat nämlich verfügt, daß bei Unruhen die Agromer Stadtpolizei außer Dienst gestellt und durch Belgrader Gendarmerie ersetzt werde. Ministerpräsident Dr. Korosetsch hat sich unter dem Drud von Gegenvorstellungen veranlaßt gefehen, die betreffende Weifung zurüd zunehmen. Die gramer Polizei will eine fommunistische Ver. Ber. fchwörung famt Waffenlager aufgebedt haben; jedenfalls hat sie 13 angebliche Führer" diefer in Südflamien verbotenen Partei verhaftet. Die Brüffeler Beratungen. Abrüstung- Kellogg Patt- Rheinland- Räumung. V. Sch. Brüffel, 8. Auguft.( Eigenbericht.) de Die beiden britischen Arbeiterparteien haben am Dienstag in Resolutionsentwurfes, den die Erekutive feinerzeit einstimmig gut der Abrüstungskommission eine wesentliche Aenderung des geheißen hatte, gefordert. Darüber entstand eine lebhafte Debatte. Nacheinander mandten fich Andersen Dänemart, Broudère Belgien, Breitscheid. Deutschland, A prato Italien, Renaudel Frankreich, Julius Deutsch Desterreich, Crispien Deutschland und noch andere Redner scharf gegen die Taktik der englischen Delegierten, einen Text, den sie vor einem halben Jahr in der Exekutive gutgeheißen haben, auf einmal in bas Gegenteil umfehren zu wollen. # Besonders stieß die plötzlich von den Engländern ausgesprochene Unterstützung der ruffifchen Agitationsvorschläge in Genf zu gunsten einer sofortigen Totalabrüftung bei allen Rednern mit Ausnahme von Reinhard Schweiz auf entschiedenen Widerspruch. Breitscheid hob hervor, daß das jetzige Berhalten der englischen Delegierten einer Desavouierung ihrer eigenen Vertreter in der Exekutive gleichkomme. Crispien unterstrich den Widerspruch zwischen der Haltung der Bolschewifi in Mostau, wo sie das Höchstmaß an militärischer Kraftentfaltung üben, und in Genf, wo sie zur selben Zeit hundertprozentige Abrüstungsforderungen einbringen. Diese fast einmütige Abwehr hatte zur Folge, daß Dalton, der Bertreter der Labour Party, den größten Teil der Abänderungsanträge zurüd 30 g, besonders, soweit sie die sowjetrussischen Borschläge betrafen. Nur die Anträge gegenüber dem Kellogg Batt sowie einige redaktionelle Abänderungen wurden aufrecht erhalten, und dürften auch berücksichtigt werden. Schließlich wurde bei der Abstimmung mit allen gegen die Stimme Fenner- Brockways, des Bertreters der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands, der Entwurf der Erefutive als Grundlage der neuen Resolution bestätigt. Am späten Abend ist eine Unterkommission zusammengetreten, um den endgültigen Entwurf auszuarbeiten. Kellogg- Batt, V. Sch. Brüffel, 8. Auguft.( Eigenbericht.) Die politische Kommiffion hatte am Montag einen Unterausganzen Welt eingesetzt. Diese Unterfommission hatte am Dienstag schuß zur Ausarbeitung eines Manifests an die Arbeiter der ein Dokument ausgearbeitet, das außerordentlich umfangreich ist und das sowohl die grundfäßliche Stellungnahme zum Faschismus und zum Bolfchemismus fennzeichnet, wie auch zu allen wich tigen außenpolitischen Problemen der Gegenwart Rheinlandräumung, China, Indien, Aegypten usw.- Stellung nimmt. Am Mittwoch wurde in mehrstündiger Gigung dieses Do tument abfabweise von der Bollkommiffion durchberaten. Es entspann sich eine außerordentlich lange und zum Teil recht lebhafte De. batte, die weniger durch die grundsäglichen Meinungsverschieden beiten verursacht wurde, als vor allem Stiliſierungswünsche betraf. Diese Distuffion wurde allerdings dadurch kompliziert, daß die bekannten inneren Gegenfäße innerhalb der französischen So. zialistischen Bartei in die Debatte hineinspielten. Daraufhin wurde die Distuffionsmethode geändert und es wurde eine neue Unterfommiffion ernannt, der sämtliche Abänderungsanträge überwiesen wurden, um sie in den Tegt hineinzuarbeiten. Sowohl die Wirtschafts fommission wie die Kolonial tommission haben ihre Arbeit nahezu abgeschlossen. Die von den Untertommiffionen ausgearbeiteten Resolutionsentwürfe find grundfäßlich genehmigt. Doch sind diese Untertommiffionen am verschiedene redaktionelle Wünsche zu berücksichtigen. Mittwochabend noch zu Nachtsizungen zusammengetreten, um Russische Ostseemanöver. Baltische Flotte mit Flugzeugen. Die baltische Flotte ist Mittwoch unter der Führung Bittorows zu den Sommermanövern in der Ostsee aus Kronstadt ausgelaufen. Daran beteiligen sich sämtliche Kriegsschiffe, die in Ostseehäfen ftationiert sind, auch die Wasserflugzeuge Bostichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr 3 Prager Bürgerblock wankt. Reue Parteigründung und Erschütterung alter Parteien. J. H. Prag, im August. Unzufrieden mit der Politik des tschechisch- deutschen Bürs gerblocks sind nicht bloß die Arbeiter aller Nationen, sondern auch weite Schichten des deutschen Bürgertums. Die Arbeiter find erbittert über die politische und sozialpolitische Reaktion, die den Weg der Bürgerregierung fennzeichnet, das städtische Bürgertum ist unzufrieden, weil die verheißenen nationalpolitischen Erfolge des Mitregierens deutscher Parteien ausblieben, ja noch mehr, die unter Mitwirkung der deutschen Regierungsparteien beschlossene Verwal= tungsreform die fümmerlichen leberbleibsel nationaler Selbstverwaltung noch verringert, die Deutschen in den Landesvertretungen Böhmens und Mähren- Schlesiens zu ohn= mächtiger Minderheit herabdrückt, und gerade durch zu nationaler Gliederung der Verwaltung zu komdie Einrichtung von Landesverwaltungen die Aussichten, je men, äußerst gering geworden sind. Die Nuznießer der Regierungsteilnahme, die Mitgenießer der materiellen Vorteile, die mit der Beherrschung des politischen Apparates verbunden sind, die großen wirtschaftlichen Beutemacher bei der gesamten Gesetzgebung des Bürgerblocks sind die Agrarier und in gewissem Abstande von ihnen die Klerikalen. Die Agrarier haben durch die Einführung der Lebensmittelzölle Riefenprofite erzielt, fie profitieren bei den Staatssubventionen, haben sich durch die Verwaltungsreform, die in allen Bezirken den Einfluß Der Arbeiter mefentlich verringern und so die sozialen Ausgaben auf ein lächerliches Minimum reduzieren wird, und durch das Gemeindefinanzaeſe's gewaltige Ersparnisse an Abgaben gesichert. Das städtische Bürgertum giert aber auch nach jenen Vorteilen, welche sich aus der Zugehörigkeit zu einer staatsnahen Partei ergeben: staatliche Aufträge, Lieferungen an den Staat, Steuernachläffe, dies nur einige Beispiele. So verbinden sich Abneigung gegen die derzeitige deutsch- aftinistische Politik und Berstärung der aktivistischen Tendenzen im fudetendeutschen Bürgertum. Attivismus als Gegensatz zur Fernhaltung vom Staat zu verstehen. Red. d. ,, V.".) Das Ergebnis des Zusammenfließens dieser beiden Strömungen ist die Gründung einer neuen Partei, der Deutschen Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft", zu der sich die Deutschdemokratische Partei, die deutsche Gewerbepartei und Dr. Rosche vereinigt haben. Dieser war bis vor wenigen Wochen deutschnationaler Abgeordneter. Er mußte auf Geheiß der Partei das Mandat niederlegen, weil er eine Ver= ständigung mit den anderen Deutschbürgerlichen, besonders mit den Regierungsparteien, gesucht hatte und weil er ficher als Wortführer der deutschnationalen Unternehmer eine Annäherung zwischen aktivistischen und oppositionellen Deutschbürgerlichen herbeizuführen suchte. Nun handelt er ebenso nach dem Willen der deutschnationalen Fabrikanten, wie in Befriedigung seines Führerehrgeizes, wenn er mit der Deutschdemokratischen Partei, die im Parlament über= haupt nicht vertreten ist, und mit der Gewerbepartei eine neue Gruppe bildet. Demokraten und Gewerbepartei sind zu einigt und verstärkt durch die deutschnationalen Dissidenten schwach, um bei den kommenden Landesvertretungswahlen aus eigener Kraft Mandate zu erringen. Berhaben sie bessere Aussichten. Bei der Gewerbepartei ist es ein Frontwechsel insofern, als sie bisher in der Gefolgschaft des Bundes der Landwirte marschierte und nun die Kleingewerbetreibenden unter die politische Botmäßigkeit der Großbourgeoisie bringt. Besonders pikant ist, daß die drei gewerbeparteilichen Abgeordneten auch weiterhin in der Regierungsmehrheit zu bleiben gedenken. Das Ganze Bielleicht ist hier die eigentliche bourgeoise Partei, mit unnennt man dann ,, Einigung des sudetendeutschen Volkes". entbehrlicher fleinbürgerlicher Gefolgschaft, im Werden zweifellos wird die attivistische Strömung im deutschen Bürgertum wesentlich gestärkt und die Regierungsmehrheit in eine neue Verlegenheit gestürzt. Barteien, beträchtlich an Anhang verloren. Bei den GeDie Regierungsmehrheit hat, besonders ihre deutschen meindewahlen im Borjahre haben besonders die Christlich sozialen eine sehr ernste Niederlage erlitten. Der Kampf um die Novellierung der Sozialversiche rung hat diese Partei wieder schwer in die Klemme getrieben. Gegen die Verschlechterung der Sozialversicherung begannen auch die christlichen Arbeiter zu rebellieren. Ihr Widerstand blieb fast unbeachtet bis das Ergebnis der Wahlen in Deutschland den Klerikalen Angst und Schrecken einjagte. Das Zentrum hatte hunderttausende Arbeiterwähler verloren drohte nicht gleiches Schicksal auch den flerifalen Parteien im fast fulturgleichen Nachbarstaat? Es kam zu Mißhelligkeiten, zu Berstimmungen im Bürgerbiod. Nicht nur wegen der Sozialversicherung, auf deren Verschlechterung vor allem die Agrarier bestanden. Finanzminister Dr. Englisch kam mit den Agrariern in Gegensah, meil er sich ihren immer unverschämteren Forderungen nicht fügen mollte. Er trat einen Kranfenurlaub an und überreichte sein Demissionsgesuch. Das wurde nun, nach wochenlanger Hehde zwischen Englisch und den Agrariern, vom Bräsidenten der Republik abgelehnt; ein Zurückdrängen des agrarischen Flügels der Koalition, eine Festigung der Position der Großbourgeoisie, deren Vertrauensmann Dr. Englisch ist. Auch beim Kampf um die Sozialversicherung mußten die Agrarier nachgeben. Die Novelle murde nicht, wie sie es wünschten, durchgepeitscht, sondern sie wurde vor den Par lamentsferien überhaupt nicht mehr erledigt. Die Novelle mird in neuer Fassung vor das Haus fommen. Wesent liche Zugeständnisse an die Forderungen der Arbeiter sind wahrscheinlich. Das ist ein bedeutender Erfolg des von den tschechischen und deutschen Sozialdemokraten gemeinsam und mit aller Leidenschaft zähe und beharrlich geführten Kampfes, bei dem es gelang, nicht nur indifferente Arbeiter zu erwecken, sondern auch die Rebellion im Lager des Feindes zu entfesseln, die christlichen Arbeiter in heftige Oppofition gegen ihre Partei zu bringen. Das hat die deutschen und die tschechischen Plerifalen Parteien ängstlich und wankend gemacht. Die Kommunisten haben auch diesen Kampf zu müsten Angriffen auf die Sozialdemokratie mißbraucht. Als im fozialpolitischen Ausschuß die Sozialdemokraten gegen die Einführung der Rarität in den Berwaltungen der Krankenfaffen fämpften, behaupteten die Kommunisten, das geschehe nur, um den Sozialdemokraten die Futterkrippen zu fichern! Bei öffentlichen Kundgebungen gegen die Bläne der Bürgerregierung trofen die Kommunisten als Gegenredner auf. Die Kommunisten tönnen gegen feine andere Front mehr vorgehen nis gegen die proletarische. Ihr täglich mißglückter Roter Tag" in Prag hat es noch deutlicher gezeigt. Die Kommunisten, die noch am Morgen des„ Roten Tages" verfündeten, er werde allen Verboten und allem Bolizeiaufgebot zum Troz abgehalten, haben der Polizei tampflos das Feld überlassen. Nicht nur die Parteimitglieder haben den Ruf der Partei nicht beachtet auch die als Redner bestimmten Führer! Nie wurde der Gegensatz zwischen tommunistischem Geschrei und kommunistischer Tat so offenbar. Aber die fommunistischen Anhänger sind teils zu so fanatischen Haffern der Sozialdemokratie erzogen, daß sie blind geworden sind gegen die gigantischsten Fehler der Partei teils schämen sie sich, wenn sie erkennen, jahrelang Irrwege gegangen zu sein, den Irrtum einzugestehen, und fie bleiben nun abseits aller Bolitif. Es gibt noch immer auch genug Proletarier, die allzu bereitwillig die großen Worte der Kommunisten für Taten nehmen. So ist denn mit einer raichen Ueberwindung des Bolichemismus in der Tschechoslowakei trotz der inneren Fäulnis der Kommunistischen Partei nicht zu rechnen.. Was der Luther Bund will. Ein unmöglicher Plan für die„ Erneuerung des Reiches". " Der von Herrn Luther aufgezogene Bund für abteilung des Reichsetats ein Haushaltplan Erneuerung des Reiches" hat Leitfäße aufgestellt, aufgestellt, bei deffen Zustandekommen der Staatsrat in derselben die in der Deutschen Zeitung" vorzeitig veröffentlicht wor Weise wie bei Gesetzen, die für das Reichsland gelten sollen, den sind. Diese Leitsäge sollen mit der Erneuerung des mitwirft." Reiches" bei Breußen anfangen, das vollständig in Reichsverwaltung übergeführt werden soll, während die füddeutschen Länder ihre Selbständigkeit behalten sollen. Die wesentlich sten Punkte dieser Leitsätze lauten: 1. Im Wege übereinstimmender Gesetzgebung des Reiches und Preußens werden die geschgeberischen und zentralen Verwaltungsaufgaben Breußens in der Weise auf das Reich übertragen, daß für dieses fünftig als Reichsland zu. verwaltende Land md Reichspräsident, Reichsregierung und Reichstag an die Stelle von Staatsregierung und Landtag treten. 2. Alle anderen Länder können sich auf Grund eines Landesgesetzes dem Reichsland anschließen. 3. Einige im Gemenge mit dem Reichsland liegende oder für die Durchführung der Aufgaben eines Landes nicht mehr leistungsfähige Länder werden alsbald mit dem Reichsland verbunden. Folgender Einzelvorschlag scheint hier ermägenswert: A. Die Länder Hessen, beide Mecklenburg, Oldenburg, Thurin gen, Anhalt, Braunschweig, Hamburg, Bremen, Lübed, Lippe und Schaumburg- Lippe werden dem Reichsland angeschlossen. B. Für die Gliederung des Reichslandes fame fodann folgender Vorschlag in Betracht: Dieser Plan bedeutet die Zerschlagung Preußens, die Konservierung von Sachsen, Baden, Württemberg und Bayern. Preußen soll seine Selbständigkeit als Land aufgeben, damit die Selbständigkeit der süddeutschen Länder um jo ficherer gewahrt bleibt. Eine Aufreißung der Mainlinie, eine Stärkung und Berewigung des füddeutschen Bartiku larismus müßte die Folge sein. . Diese Plan enthält staatsrechtliche Ungeheuerlichkeiten. Der Reichstag, der fortan die Gefezgebung und die Kontrolle der Verwaltung über die preußischen Provinzen haben soll, wird von allen deutschen Wählern auch von den süddeutschen gewählt. In der Pragis würden also die Wähler aus Sachsen, Baden, Württemberg und Bayern über die Verwaltung Preußens mitzubestimmen haben, während den Wählern in dem ehemalig preußischen Staatsgebiet ein solches Mitbestimmungsrecht über die Verwaltung der südeutschen Länder nicht zustehen würde. Besonders im Hinblick auf die Finanzgebarung ist dieser Plan gea radezu grotest. Die füddeutschen Länder würden im Rahmen des Finanzausgleichsgefeges eine gewisse finanzielle Selbständigkeit behalten, während die Berwaltung des ehemalig Proin gemten Reiches fommen würde. preußischen Staatsgebietes unter die absolute Ron lichen, sondern auch unter politischem Gesichtspunkt, so muß Betrachtet man diesen Blan nicht nur unter staatsrechts sofort der Verdacht entstehen, daß hier die Absicht vorliegt, fratie und der Reichseinheit zu treffen und die Sache der in der Einheit Preußens das festeste Bollwert der Demodeutschen Demofratie zu schwächen. Die strikte Ablehnung, fratischen Partei und bei der preußischen Regierung erfahren die der. Luther- Bund bei seiner Gründung in der Sozialdemo hat, wird durch diese famosen Leitfäße glänzend gerechtfertigt. Die preußische Regierung und mit ihr die Sozialdemokratische c) Um die Kontinuität der staatlichen und kommunalen Ber- Einheitsreiches durch das Aufgehen der Länder im Reich Barter hält fest an dem Standpunkt, daß die Schaffung des waltung im Moment der Ueberleitung nicht zu gefährden, werden nur durch eine gleichzeitige Willenserklä im übrigen die Grenzen der Provinzen zunährung aller Länder erfolgen fann. nicht geändert. Sie lehnen, es stritte ab, daß Breußen seine Selbständigkeit als Land auf4. Die Provinzen des Reichslandes verwalten die jetzigen gibt, damit die süddeutschen Länder sich danach erst recht an Aufgaben der Provinzen und weitere ihnen zu dele- ihre Selbständigkeit flammern fönnen. Solange die Vorgierende Aufgaben unter Aufsicht der Reichsaussetzungen für eine gleichzeitige Willenserklärung nicht geregierung. a) Die, Gebiete von Schaumburg- Lippe, Lippe, Lübec, die brei Anhalts, die 28 getrennten Gebietsteile Braunschweigs somie die getrennten Gebietsteile Oldenburgs, die 6 getrennten Gebietsteile beiden getrennten Gebietsteile Hessens nebst den 6 Erflaven werden als Provinzen des Reichslandes zu verwaltenden Provinzen zu den im engsten Zusammenhang mit ihnen liegenden, in Zukunft geschlagen. Land Thüringen sowie die beiden die größten deutschen b) Die beiden zu vereinenden Länder Medlenburg, das Häfen weiter auf eigene Kosten verwaltenden Hanfaftädte ham burg und Bremen erhalten gleichfalls die Eigenschaft als Brovinzen des Reichslandes. 5. 3m Reichsrat werden die auf das Reichsland nach der Einwohnerzahl entfallenden Stimmen von den Provinzen des Reichslandes geführt. 11 Bei den Wahlen in die Bezirks- und Landesvertretungen, noraussichtlich am 25. Nopember, wird die Sozialdemokratie wieder gegen zwei Fronten gu fämpfen haben, gegen den Bürgerblock, die sich nur durch Nuancen von den Re gierungsparteien unterscheidenden bislang oppofitionellen Bürgerparteien und gegen die Kommunisten. Aber sowohl das Erftarten der sozialdemokratischen Organi inneren Staatsverwaltung stehende Beamte, der unter Gegen6. Der in den Provinzen des Reichslandes an der Spike der sationen mie die zahlreichen Erfolge bei Gemeindenachzeichnung des Reichstanzlers vom Reichspräsidenten mahlen lassen hoffen, daß die Sozialdemokratie in diesem ernannt wird, muß ständiger kommissar der Spätherbstfampf schöne Fortschritte erzielen wird. Aller Reichsregierung auch gegenüber allen Reichs, Wahrscheinlichkeit noch werden diese Wahlen mit aller Deut- nermaltungen sein, soweit sich diese nicht wieder, in die.allfichkeit zeigen, daß die heutige Parlamentsmehrheit in den gemeine Berwaltung eingliedern lassen...... Bölfern längst nur noch eine Minderheit hinter sich hat. Tankstoß oder Dolchstoß? Kriegswissenschaft gegen Plauderei. Die Kreuz- Zeitung" ist sehr böse auf uns. Wir fönnen das verstehen. Denn wir haben am Mittwoch den Berlauf des schwarzen" 8. August 1918 dargestellt, indem wir uns darauf beschränkten, einen Artikel ihrer Beilage Wehr und Waffen" ausführlich zu zitieren. Dieser Artikel ergab einwandfrei, daß der angebliche Dolchstoß von hinten ein Tanfstoß von vorn gewesen ist. Wir fönnen uns vorstellen, daß es in der Redaktion der ,, Kreuz- Zeitung" feinen schlechten Schrecken gegeben hat, als inen erlannte, daß die Aufrichtigkeit oder Verschlafenheit? eines Beilagenredakteurs dem Gegner so durchSchlagendes Material in die Hände gespielt hatte. Wie Heß sich dieser Fehler nur wieder gutmachen? An dem schwarz auf weiß Gedruckten ist nachträglich nichts mehr zu ändern. Aber halt, ein Ausweg! Die Kreuz- Zeitung" fnurrt ärgerlich: " Wir würden es für richtiger halten, wenn man in den Redaktionsstuben des Vorwärts" in Zukunft erst dann sich mit neuer Beisheit aus fremden Blättern brüstete, wenn man diese zu Ende gelesen hat. In einem Aufsatz derselben Nummer, der sich unmittelbar an den vom Vorwärts" zitierten Artikel an ichließt, hätte er alles das gefunden, was er zuerst vermißte. In diesem Aufsatz Der schwarze Tag" fann der Vorwärts" mit aller Deutlichkeit lejen, wie zersetzt die Front dank der zielbewußten Arbeit der deutschen Sozialisten und ihres Anhanges war, die, wie sich am 8. August erschreckend klar zeigte, in schamlofefter Weise Handlangerdienste für den Feind geleistet hatten. " 7. Der Staatsrechtlichen Stellung des preußischen Staatsrats entsprechend wird zur Mitwirfung bei der Gesezgebung und Berwaltung des Reichslandes ein Staatsrat des Reichs= landes gebildet. Er wird nach den bisherigen Grundsägen von den Provinzen gemählt. Dieser Staatsrat ist bei allen Gesezes vorlagen an den Reichstag, soweit fie Angelegenheiten des Reichs landes, betreffen, zu hören. Ihm steht ein Einspruchsrecht gegen folche Gefeße sowie ein Mitwirkungsrecht beim Erlaß von Ausführungsverordnungen zu, die grundsäglich an die Stelle der bisherigen Ausführungsgeseze zu Reichsgefezen treten sollen. 10. Für die Gesamtheit des Reichslandes wird als UnterReichsarbeitsaufsicht. Besprechungen im Reichsfabinett. 11 Im Reichsministerium werden zurzeit Besprechungen mit den Berbänden über die Neuprganisation der Arbeits aufsicht gepflogen. Der Reichsarbeitsminister beabsichtigt, wie verlautet, in der nächsten Zeit die Länder um ihre Stellungnahme zu den Plänen des Ministeriums zu ersuchen. Der Anstoß. zur Neuorganisation ging von den freien Gewerkschaften aus. Der ADGB. und der AfA- Bund haben zum 6. Abschnitt des Arbeitsschutzgesetzentwurfes einen Abänderungsentwurf aufgestellt. Sein Inhalt ist in der Gewerkschaftszeitung" vom 11. Februar d. J. veröffentlicht und in der Arbeiterpresse bereits ausgiebig besprochen worden. Der Sturmlauf der Unternehmerpresse gegen die Forderungen der feien Gewerkschaften auf Schaffung einer Reichs= arbeitsaufsicht, deren Organisation fich, wenn auch nicht slavisch und schematisch, an das Vorbild der Reichsanstalt für Ar. beitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung onlehnen muß, hat also das Reichsarbeitsministerium nicht dazu bewegen fönnen, schuhgefezentwurf vorjah. bei der unzulänglichen Regelung stehenzubleiben, wie sie der ArbeitsWir müssen den Schmerz der Kreuz- Zeitung" vergrößern. Auch den zweiten Artikel haben wir gelesen. Gegen den von uns zitierten ersten stach er jedoch in entscheidender Weise ab: Während der von uns zitierte Artikel eine auf Tatsachen geftüßte militärwissenschaftliche Abhandlung darstellt, erweist sich der zweite nach Form Borläufig nur eine neue Dienstordnung für Württemberg. und Inhalt als rein feuilletonistische Blauderei! Die frei erfundene Figur eines Gefreiten, feine Reden und sein Verhalten während der Schlacht bilden den Inhalt des Geplauders. Also genau das, was wir am Mittwoch als ,, Artikelgeschreibe phantasievoller Heimstrategen" charakterisiert haben. al sale neag Der Fall Frieders. Wie in Weimar zuverlässig perlqutet, läßt die thüringische Regierung nachprüfen, ob die Berurteilung des Oberstaatsanwalts Frieders unter die Reichsamnestie fällt. Oberstaatsanwalt Frieders hat von Wien aus ein Protestschreiben an die Thüringische Staatsregierung richten lassen, in dem der Befchluß der Staatsregierung als verfaffungswidrig bezeichnet wird. Der Kunstfritifer Frih Stahl, Mitarbeiter des Berliner Tageblatts, ist heute abend im 64. Lebensjahre infolge eines Schlaganfalls gestorben. Chamberlain ift ertranft. Cuihendon pertritt ihn. Der Kurs ber britischen Außenpolitik dürfte fich agrum faum ändern, Bolz will reformieren. Stuffgarf, 8. Auguft.( Eigenbericht.) " Die Regierung Balz- Bazille läßt durch die staatliche Breslestelle bekanntgeben, daß es jetzt mit der Staatspereinfachung" in Württemberg Ernst wird. Sie denkt zwar nicht an eine neue Einteilung der Berwaltungsbezirke des Landes, die nach Meinung der felig verstorbenen, aber allseitig als sachverständig anerkannten Fach minister von Pischef und Fleischhauer die unumgängliche Vorausfetzung für jede Staatsvereinfachung sein müßte; aber sie beschert dafür dem Lande Württemberg- eine neue Dienstordnung für die Beamten. Sie wird binnen kurzem im Umfang von 146 Paragraphen erscheinen und den Stoff sämtlicher Erlasse früherer Regierungen in sich zusammenfassen. Wie die amtliche Auslassung sagt, bildet diese Dienstordnung einen Teil der Kodifikation von den ist. Recht und Berwaltung", die in den letzten Jahren begonnen worGegen eine solche Arbeit ist natürlich gar nichts einzuwenden, und die neue Dienstordmung wird nach ihrem Erscheinen ohne jede Bareingenommenheit auf ihren Inhalt zu prüfen sein. Aber man darf sich doch nicht einsehen, des mit ben darin enthaltenen Box behnung der Reichsfompetenz, der Anschluß lebensunfähiger geben sind, bleiben nur die vorbereitenden Wege: die AusLänder an größere Länder. Ernsthaft müßte die Frage geprüft werden, ob das System der Reichszuschüsse an lebensunfähige Länder noch aufrechterhalten werden fann. Luther- Bundes faft ausnahmslos bei allen Parteirichtungen Soviel fich überblicken läßt, werden die Leitsätze des abgelehnt. Sie werden eine rein afademische Arbeit bleiben, die nur den Wert, haben wird, gezeigt zu haben, wie es nicht gemacht werden fann und darf. Eine Berlegenheitserklärung. Der Luther- Bund teilt mif: Die in einer Morgenzeitung ber öffentlichten Leitsäge des Bundes zur Erneuerung des Reiches stellen nur einen Ausschnitt aus der bisherigen Arbeit des Bundes dar. Das umfangreiche Material und die ins ein zelne gehenden Borschläge des Bundes, deren Formung noch nicht abgeschlossen ist, ergeben erst das Gesamtbild. Infolgedeffen gehen die bisher gezogenen Schlußfolgerungen von unzutreffenden Voraussetzungen aus. Sobald die Arbeit des Bundes abgeschlossen ist, wird die Deffentlichkeit sofort und eingehend unterrichtet werden. schriften, die im wesentlichen den internen Dienstverkehr der Beamten regeln, das Problem der Staatsvereinfachung auch mur zu einem Teil in Angriff genommen worden wäre. Was die Deffent lichkeit unter Staatsvereinfachung versteht, ist vielmehr etwas gang anderes. Das ist der ernstliche Versuch, die Zuständigkeiten zwischen den öffentlichen Gewalten im, Deutschen Reich derartig zu regeln und abzugrenzen, daß auf diesem Wege Behörden eingespart unb tatsächliche Verwaltungsvereinfachungen ermöglicht werden. An einer solchen Reform allein haben die Steuerzahler ein Intereffe. Schwarzroigold am 11. August. Amtliche Anordnungen in Braunschweig. Braunschweig, 8. Auguft.( Eigenbericht.) daß ant Berfaljungstag sämtliche Schulgebäude in den Der braunschweigische Minister für Bolfsbildung hat angeordnet, Reichsfarben zu beslaggen sind. Eine Rundfrage hat ergeben, daß die überwiegende Mehrzahl aller Schulvorstände bereits im Besitz einer schwarzrotgoldenen Fahne waren. Von etwa 450 Gemeinden haben 10 unter nichtigen Vorwänden die Beschaffung einer Reichs flagge abgelehnt. Darauf hat der Minister für Bolfsbildung die Vorfizenden der Schulvorstände angewiesen, auch ohne Beschluß des Schulvorstandes die Reichsfahne. sofort zu beschaffen. Eine gleiche Anordnung ist an die Justizbehörden durch den braunschweigischen Justizminister und an die übrigen Dienststellen vom Minister des Innern ergangen. Es darf also mit Sicherheit angenommen werden, daß am 11. Auguft. im Freistaat Braunschweig fein staatliches Gebäude und keine Behörde ohne schwarzrotgoldenen Fahnenschmuck bleibt. Berliner Schüler in Frankreich. Ein neuntägiger Besuch in Paris. Paris, 8. Auguft.( Eigenbericht.) Die Universität Lille unterhielt in Boulogne vom 14. Juli bis 1. August ein internationales Schülerlager, bas auch von einer Gruppe Berliner Schüler besucht worden war. Am Dienstag find nun die Berliner Schüler am Pariser Nordbahnhof zu einem neuntägigen Besuch der französischen Hauptstadt ein getroffen und von Vertretern der Deutschen Botschaft, der Stadt Baris und der französischen Prefie empfangen morden. Die Stadt Baris hat sich bereit erklärt, einen großen Teil der Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Schüler zu tragen. Paragraphenbrutalität. Modernes Unrecht am unehelichen Kinde. Artikel 121 der Reichsverfassung lautet: ,, Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche, seelische und gesellschaftliche Entwicklung zu schaffen wie den ehelichen Kindern." Wir wissen, wie weit mir tatsächlich noch vor der Erfüllung dieser Forderung entfernt find. Borurteile religiöser und gesellschaftlicher Art, die Scheu der Eltern, für ihre Handlungen einzutreten, find schwere Hindernisse auf dem Wege zu einer mirflichen Gleichberechtigung des unehelichen Kindes. Immerhin sollte man annehmen, daß menigstens in der Gesetzgebung der Artikel 121 der Reichsverfassung berücksichtigt wird und alle Bestimmungen so formuliert werden, daß mindestens in rechtlicher Beziehung jede Schlechterstellung des unchelichen Kindes gegenüber dem ehelichen unterbleibt. Leider trifft nicht einmal diese Annahme zu! Für die preußischen Beamten ist am 17. Dezember 1927 ein neues Besoldungsgesetz in Kraft getreten. Der Landtag hatte in wenn auch eiliger Beratung sich bemüht, unter Berücksichtigung des Reichsbesoldungsgesetzes und der finanziellen Lage des Staates herauszuholen, was im großen ganzen herauszuholen gewesen war. Auf dem Gebiete der Kinderbeihilfen ist es beispielsweise gelungen, über die Reichsregelung hinauszukommen, indem den preußischen Beamten für das erste und zweite Kind je 20 M., für das dritte und pierte Kind je 25 M. und für das fünfte und jedes weitere Kind je 30 M. monatlich gewährt werden, während das Reich für seine Beamten nur eine einheitliche Kinderbeihilfe von je 20 m. kennt. Auch der unehelichen Kinder wurde dabei gedacht. In In§ 11 Ziffer 3d wird ausdrücklich angeordnet, daß die unehelichen Kinder den ehelichen gleichzustellen feien, wofern allerdings der Bater tatsächlich für den vollen Unterhalt auftommt. Der Landtag glaubte, damit das nötige getan zu haben. Wie jedoch die Praxis zeigt, hat er sich geirrt. Denn neben der Gesetzgebung gibt es eine Verwaltung, und die will nicht immer so mie der Landtag. Der preußische Finanzminister hat im Mai 1928 die Ausführungsbestimmungen zum Preußischen Besoldungsgesetz erlassen, in denen der vom Landtag aufgestellte Grundsatz von der Rechtsgleichheit des unehelichen Kindes mit dem ehelichen in wichtigen Punkten durch brochen wird. Das geschieht zum Teil auf sehr geschickte Weise, um sich keine Blöße zu geben und nicht den Eindruck zu erwecken, als ob durch Ausführungsbestimmungen das Gesetz geändert werden sollte. So wird zum Beispiel die Vaterschaft des Beamten an einem unehelichen Kinde für die Kinderbeihilfe davon abhängig gemacht, daß der Vater durch Urteil oder öffentliche Urfunde festgestellt ist. Die Gefährlichkeit dieser Bestimmung zeigt folgender Fall: Ein Polizeibeamter wird schwer erkrankt aus der Polizeitranten stube ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist hoffnungslos. Am felben Tage erscheint bei dem Chefarzt ein Mädchen mit seiner Tante und bittet ihn, ihr doch die Genehmigung zu geben, mit ihrem franten Bräutigam zu sprechen, damit sie wenigstens eine schriftliche Anerkennung des Kindes, das fie erwartet, erhält. Das Mädchen fann nachweisen, daß ein mehrjähriges Verlöbnis vorliegt, die Hoch zeit in nächster Zeit stattfinden sollte und für den gemeinsamen Haushalt schon Anschaffungen gemacht worden sind. Der Arzt lehnt mit Rücksicht auf den Zustand des Kranken jeden Besuch ab. Der Beamte starb und das Mädchen bekam für das Kind feine KinderbeiHilfe und was besonders betont werden muß es hätte sie auch icht bekommen, wenn der Bater fich auf dem Sterbebett zu dem Sunde befannt hätte. Denn für eine öffentliche Urfunde in Sinne der Bestimmungen des Finanzministers ist die Anwesenheit eines Rotars nötig! Nehmen wir nun aber an, daß der Chefarzt die Frauen zu dem Kranten vorgelassen hätte, der Sterbende bereit gewesen wäre, die Erklärung abzugeben und der eilig herbeigerufene Rotor schneller als der Tod gewesen wäre, die merdende Mutter die öffentliche Urkunde also in die Hand bekommen hätte, mobei auch wieder fraglich ist, ob über die Vaterschaft eines noch nicht geborenen Kindes eine öffentliche Urkunde ausgestellt werden kann bzw. ob der Finanzminister sie anerkennen würde das alles hätte die Mutter des Kindes doch nichts genügt, sie hätte die Kinderbeihilfe für ihr uneheliches Kind doch nicht bekommen! Denn in den Bestimmungen des Finanzministers steht weiter, daß die Kinderbeihilfe für Stieftinder und uneheliche Kinder im Falle des Zodes des Beamten wegfallen! Während also die Kinderbeihilfen für eheliche Kinder den Witwen der Beamten weiter gezahlt werden, erhält die uneheliche Mutter, die in den meisten Fällen wirtschaftlich noch viel schlechter gestellt ist als die eheliche, für ihr Kind nichts mehr, wenn der Bater stirbt. Sie verliert also nicht nur den Alimentationsanspruch an den Bater, sondern auch die Kinderbeihilfe vom Staat. Der Landtag hat mit der Gleichstellung des unehelichen Kindes eines Beamten bei der Gewährung der Kinderbeihilfe mit dem ehelichen bewußt den Grundsatz des veralteten Bürgerlichen Gesetzbuches verlassen, nach dem der Vater des unehelichen Kindes mit ihm nicht verwandt ist. Aufgabe der Ausführungsbestimmungen zum Preußischen Besoldungsgeseh wäre es gewesen, dem Billen des Landtages Rechnung zu tragen. Da das nicht geschehen ist, muß der Landtag fich darum fümmern, daß seinem Willen entsprechend das uneheliche Kind beim Bezug von Kinderbeihilfe tatsächlich dem ehelichen gleichgestellt wird. 8 mont MM WIMIT Der Richter auf Jagd. Beim Amtsgericht Berlin- Mitte stellte der Präsident auf einem Rund gang fest, daß ein als Richter fungierender Affeffor auf 3ago gegangen war und seinen Gerichtsschreiber mit der ,, Bertretung" beauftragt hatte. www. Schließlich- was fommt es darauf an, wo dieser Richter seine Böcke schießt?! Klaffengegensätze im Sowjetstaat. Zunahme der Verfolgungen der Arbeiter und Dorfforrespondenten.- Die Mordwelle.- Scharfe Regierungsmaßnahmen angekündigt. Mostau, 7. Auguft. Die Sowjetpreffe schlägt großen Alarm über die starke Zunahme der Berfolgungen der Arbeiter und Dorftorrespondenten. Nah Angaben des Bauernblattes Bednota"( Armut) waren allein in der RSFSR. 1927 10 Ermordungen von Arbeiter- und Dorf torrespondenten, 26 Mordversuche, 88 Fälle von Miß handlungen 10 Brandstiftungen bei den Korrespondenten und 85 Fälle von gesezwidriger Entlassung wegen der Berichterstattung an die Blätter is: 14 zu verzeichnen. Im ersten Halbjah: 1928 haben sich die Fälle von Verfolgungen um über 50 Proz. im Vergleich zum Vorjahre erhöht. Die Pramda" schreibt, daß diese Verfolgungen in den letzten Monaten einen noch nie dagewesenen erbitterten Charakter trügen und ausgesprochen politischer Natur seien. Vor allem hätten die Ermordungen von Dorf forrespondenten in erschreckender Weise zugenommen. Das sei, schreibt das tommunistische Hauptorgan, " die Klaffenrache der Großbauern an den Dorftorrespondenten. Der letzte Fall dieser Art ist die Ermordung des Dorflorresponden ten Wassiltschentow in Troigt( llraigebiet). Er war einer der aktivsten Führer der ärmeren Bauern. Durh gedungene Mörder wurden ihm 30 Messerstiche beigebracht. Wie bestialis h die Wut der Mörder gewesen ist, fann man daraus ermessen, daß Wassiltschenkow, nachdem er bereits tot war, von den Mördern durch zahllose meitere Messerstiche völlig entstellt wurde! Mit befonderer Besorgnis verzeichnet aber die Sowjetpresse das Poincarés Memoiren. Prozeß der Uebersetzerin gegen den Berleger. Wiederaufleben der Mordwelle gegen die Arbeiterforrespondenten. Aus Zentralrußland, dem Donezbeđen, Transkautajien, RussischMittelafien und zahlreichen anderen Gebieten treffen immer neue Meldungen über Ermordung von Arbeiterkorrespondenten ein. Daneben werden Arbeiterforrespondenten in den Betrieben durch die Betriebsleitungen in jeder Weise schitaniert. Fälle von fristloser Entlassung der Arbeiterforresponden ten, die über Mißstände in ihren Betrieben berichtet hatten, find an der Tagesordnung. Vielfach wird den mißliebigen- Arbeiterforrespondenten neue, ihnen bisher völlig fremde Arbeit zugewiesen, um sie hierdurch vor den Arbeitern zu diskreditieren und einen Vorwand zur Entlassung zu haben! Diese Schikanen haben bereits -11 zahlreiche Selbstmorde von Arbeiterforrespondenten hervorgerufen. Die Sowjetblätter erklären übereinstimmend, daß weder die Behörden noch die Partei und Gemertschaftsorgane in den meisten Fällen irgend etwas gegen die Berfolgung von Arbeiter und. Dorfforrespondenten unternehmen! Bisher feien in 70 Proz. der Fälle sol her Verfolgungen die Gerihte zur was Einstellung des Berjahrens gegen die Schuldigen " gelangt. Die Bramba" verlangt, daß nunmehr endlich scharf durch gegriffen werde. Die kommenden Prozesse megen Ermordung und Berfolgung der Arbeiter und Dorftorrespondenten follen als Musterprozesse" aufgezogen werden. zeit einer der illegalen Parteien angehört hat. In gleicher Weise murden auch die früheren Gendarmeriear hive im Kampfe gegen die Opposition ausgenugi; und da ergab fich folgende peinliche Situation. Einer der Friedensstifter zwischen der Opposition imd Schflomsti, hat, wie es sich herausstellte, im Jahre 1904 den der Partei, ein guter Bekannter Lenins, der Genosse Zar tniefällig gebeten so hieß es damals, ihn von der Polizeiaufsicht, der er im Gouvernement Minst interlag, zu befreien. Ein diesbezügliches Gnadengesuch hatte er an den 3aren durch Vermittelung des ehemaligen Ministerpräsidenten Swjatoplmiriti gerichtet. Als sich nun bei der Durchficht der Gendarmeriearchive die Angelegenheit mit dem Bittgesuch herausstellte, erklärte er, daß er das Der französische Ministerpräsident Poincaré veröffentlichte vor einigen Jahren in dem Pariser Verlag Plon seine vierbändigen Erinnerungen aus der Zeit vor und nach dem Weltkrieg. Der deutsche Verlag Baul Areh erwarb von dem französischen Verleger für Deutschland das Uebersehungs- und Verlagsrecht und beauftragte Frau Käthe Mintz mit. der Uebersetzung. Von dem deutschen Verlag wurde als Herausgeher Dr. Eugen Fischer, Generalsekretär des Untersuchungsausschusses zur Erforschung der Ursachen des Weltkrieges, gewonnen; er machte eine Reihe text Bolschewiken. Im Jahre 1918 vertrat er den Sowjetgesandten in Schflowski gehört zu den prominenten und äußerst angesehenen licher Abänderungsvorschläge, die der Verlag auch porgenommen Bern, im Jahre 1922/23 war er Konsul in Hamburg und wurde hat. Wegen dieser Abänderungen der Ueberfegung fam es auf Veranlassung der Regierung wegen seiner Teilnahme am Aufnun zu einem interessanten Rechtsstreit vor der 4. Ferienzivil- ftande abberufen; später war er ständiges Mitglied der zentralen Ferienzivil- stande fammer des Landgerichts III( Borfiz Landgerichtsrat Dr. Werner). Kontrollkommiffion. Die Uebersegerin( Bertreter Rechtsanwalt Friedländer) erblickte in diesen Korrekturen an dem von ihr gelieferten Wortlaut eine Schädigung ihres Rufes als Uebersetzerin und hatte gegen Befuch mit Einverständnis des Minsker Komitees des jüdischen Arden Verleger sowie gegen den Herausgeber den Erlaß einer ein ft- beiterbundes eingereicht habe; als die Lüge nicht zog, sand er eine weiligen Verfügung beantragt, wonach die Uebersetzung in dem von ihr gelieferten Wortlaut erscheinen follte; außerdem sollte der Herausgeber Dr. Eugen Fischer sich jedes Eingriffs in den Text ihrer Uebersehung enthalten. Während der Ber. treter der Ueberseherin ausführte, daß die Korrekturen eine Verletzung des Ueberlegungsvertrages feien, betonten die Rechtsbeistände der Beklagten( Rechtsanwälte Dr. Wenzel Goldbaum und Dr. Erich Wolf), daß die Korrekturen erforderlich gewesen seien, weil die Uebersetzung zum Teil unverständlich und Frankfurt a. M., 8. Auguft.( Eigenbericht.) jinnverwirrend wäre. Da aber der erste Teil der deutschen In einer Bezirksratsjigung in Höchst am Main wurde Ueberfegung, Band 1 und 2 der Poincaré- Memoiren, bereits im von der sozialdemokratischen Fraktion vor einiger Zeit die Anfrage Buchhandel erschienen und die beantragte einstweilige Berfügung eingebracht, ob bei dem Wert Höchst der 3. G. Farbenindustrie auf Unterlassung der Herausgabe dadurch hinfällig geworden Phosgen oder ähnlich wirkende Giftstoffe lagern oder verarbeitetit, tamen die Parteien überein, daß die Klägerin aus wirt werden. Nunmehr ist auf diese Frage geantwortet worden. Die haftlichen Gründen diesen Antrag zurüdzieht, sich aber Höchster Farbwerke hätten zugegeben, daß in ihrem Werk Phosgen prähäft, ihre rein met her an rise in retete lagere und in geringen Mengen verarbeitet werde. Darauf- Blon- Baris geht dahin, daß Poincaré des Recht der Abändehin wurde das Gewerbeamt beauftragt, die Angelegenheit zu prüfen rung an der deutschen Uebersetzung augebilligt wird. Bon Boinund zu erkunden, ob genügende Sicherheiten gegen das Gift caré ist aber die llebersetzung mit den von Dr. Fischer vorge gas getroffen find. schlagenen Abänderungen inzwischen gebilligt worden. Der 3. und 4. Band der deutschen Ausgabe ist in Borbereitung; der Berlag hat sich an einen anderen Uebersetzer gewandt. Phosgenfabrik in Höchst. Die Sicherheitsfrage wird geprüft. Ausräumung mit Polizeihilfe. Als in den Bureauräumen der polnischen Müttervereine in Kattomig der Sejmabgeordnete Szynfomiat( Regierungsp.) mit 10 Personen erschien und die gesamte Bureaueinrichtung, Atten und sonstige Gegenstände gewaltfam fortschaffte, riefen die Anhänger Korfantys die Polizei herbei. Diese erklärte, Anweisung zu haben, in feiner Weise einzugreifen. Chile und Peru nehmen nach Schlichtung des Tacna- AricaStreites die Beziehungen wieder auf und errichten gleich Botichaften. Der Scheinfultan von Marotto hat das Generalsekretariat des Böllerbundes bejucht, Prozeß zu Die zaristischen Polizeiarchive. Der Kommunist Schflowski und der Zar. Der Moskauer Berichterstatter des„ Sozialistischen Boten" meiß zu berichten, daß die Gẞll. vor furzem eine unangenehme Sache entdeckt hat. Seit langem bedient fie sich in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokraten und die Sozialrevolutionäre der früheren poli zeilichen Archive, Aus ihnen ersieht sie, ob der Betreffende seiner andere Erklärung, die der ersten direkt entgegengesetzt war: et jei, so sagte er, schon damals mit den Grundsägen des Arbeiterbundes nicht einverstanden gewesen und habe deshalb beshlossen, sich zu Lenin zu begeben, damit dieser seine Zweifel löse. Da er jedoch die Erlaubnis zur Reise nur nach Befreiung von der Schußaufsicht erbalten fonnte, so beschloß er, das„ kniefällige" Gesuch an den Baren zu richten. Die tommunistische Partei gab sich mit diesen Erlärungen zufrieden. Nicht aber der Verband der früheren politischen Gefangenen: er schloß Shflowsti aus seiner Mitte aus- in der kommunistischen Partei darf er aber nach wie vor Mitglied sein. man stelle sich nun vor, daß irgendein Konterrevolutionär" das unglück gehabt hätte, vor Gericht zu erscheinen; wie hätte man ihm dann das Barengefu h angetreidet? Donezgebiet nach dem Schachty- Prozeß " dem Berichterstatter der. Prawda" gegenüber geäußert, daß die Das führende Mitglied des obersten Wirtschaftsrats Lomow hat unterproduktion im Donezgebiet, die im dritten Quartal etwa 9 Prozent erreicht, dem Rüdgang der Produktivität und der mangelnden Arbeitsdisziplin zuzuschreiben sei. Mit anderen Worten: die Hinrichtung der Schachty- Ingenieure hat die Rohlenausbeute nur verschlechtert. Gerade im Schachty- Bezirk ist die auf mechanischem Wege erlangte Kohlenmenge niedriger als vorgesehen. Die Maschinen werden nur etwa bis 80 Prozent belastet; während auf der Zeche Artem" früher etwa 75-80 Prozent der Rohlenmenge auf maschinellem Wege produziert wurden, sind es jetzt nur 51 Prozent. Die Prawda" vom 28. Juli berichtet, daß die Selbstfosten der Kohle in hohem Maße zugenommen haben; so fonnte in einem Falle festgestellt werden, daß die Tonne 2,10 Rubel mehr ausmacht als paraeiehen. Gemeinde und Staatsarbeiter. Der Kölner Verbandstag. Die Tagung beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit einigen Anträgen und Entschließungen. Gegen zwei Stimmen wurde zur Verschmelzungsfrage eine Entschließung angenommen, in der der Verbandstag bedauert, daß infolge der Verschiedenartigkeit der Ansichten über die innerorganisatorische Gliederung der zu schaffenden Großorganisation eine Uebereinstimmung bisher nicht erzielt werden fonnte. Sollten die späteren Berhandlungen ein annehmbares Resultat haben, so ist der Verbandsvorstand verpflichtet, es der Mitgliedschaft zu unterbreiten. Borstand und Beirat werden ermächtigt, zu beschließen, in welcher Form die endgültige Entscheidung der Mitgliedschaft in dieser Frage erfolgen soll. Einstimmig gutgeheißen wurde eine Entschließung zur Beamten- und Angestelltenfrage. Der Verbandstag begrüßt es, daß der Vorstand im Rahmen des Gesamtverbandes den Reichsverband der Beamten und Angestellten in den öffentlichen Betrieben und Bermaltungen geschaffen hat. Die Entschließung betont ferner, daß eine durchgreifende Besserung in den Verhältnissen der Beamten nur durch große zentrale freigewerkschaftliche Organisationen erreicht werden fönne. Mit Bedauern stellt der Verbandstag ferner fest, daß die in den verflossenen Jahren von den Reichsregierungen und besonders der Bürgerblodregierung getriebene Cohnpolifit für die Reichsarbeiter jedes soziale Verständnis vermissen läßt. Er beauftragt den Verbandsvorstand, bei kommenden Lohnverhandlungen mit der Reichs regierung dahin zu wirken, daß endlich auch einmal in den Reichsbetrieben eine die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigende und von fozialen Gefichtspuntten getragene Lohnregelung zustande tommt. Zur Heilung der großen organisatorischen 3erfplitterung auf dem Gebiet der Sozialversicherung fordert der Verbandstag: 1. Beseitigung der Betriebs, Innungs- und Landtrantentassen zugunsten großer leistungsfähiger Orts tranfenfaffen; 2. Zusammenlegung der Invaliden- und Ange stelltenversicherung unter Zugrundelegung der Leistungen der Angestelltenversicherung; 3. 3usammenlegung der Unfallberufsgenossenschaften unter Aufhebung des Rechts für Reich, Länder und Gemeinden zur Errichtung von eigenen Versicherungen. Auf das schärffte protestiert der Verbandstag in einer einstimmig angenommenen Entschließung gegen den von der Reichsregierung vorgelegten Entwurf des Arbeitsschuhe gefeges; er fordert, daß im tommenden Arbeitsschußgefeß die tägliche Arbeitszeit im Höchst falle auf acht Stunden fest gefeßt wird. Der Verbandstag verlangt ferner ausdrücklich die Aufhebung der Notverordnung betreffend die Still legung von Betrieben, die die Bevölkerung mit Gas, Elektrizität und Wasser versorgen. Ebenso erwartet er von der Reichsregierung, daß fie die von sämtlichen Gewerkschaften erhobene Forderung nach Beseitigung der Technischen Nothilfe endlich erfüllt. Gegen wenige Stimmen wurde ein Antrag angenommen, wonach der Verbandstag der Schaffung einer Invalidenunterffügungstaffe zustimmt. Der Berbandsvorstand wird beauftragt, die notwendigen Borarbeiten vorzunehmen. Endlich wurde über eine Reihe von Anträgen zum Statut abgestimmt. Das neuformulierte Statut wurde in der Endabstimmung gegen neun Stimmen angenommen. Zum 1. Vorsigenden wurde Friz Müntner, zum 2. Vorsitzenden Otto Beder wiedergewählt. Zum 3. Borsigenden wurde der bisherige Leiter der Berliner Ortsverwaltung Karl Bolenste gewählt. Hauptkassierer, Sefretäre und Redakteur wurden ebenfalls wiedergewählt. Zum Schluß der Mittwochfizung erstattete der Vorsitzende Muntner einen Bericht über die internationale Bewegung. Er betonte, daß die internationale Organisation der Gemeinde- und Staatsarbeiter nicht die Bedeutung habe wie etwa die der Metall-, Transportarbeiter oder Bergarbeiter, die infolge der internationalen Ronkurrenz positiven Einfluß auf die Wirtschaftsbeziehungen der einzelnen Nationen auszuüben in der Lage seien. Im wesentlichen habe die Internationale der in öffentlichen Betrieben Arbeitenden nur eine moralische Bedeutung. Es feien aber nicht nur Arbeiter international verbunden, sondern auch die Städte. Im nächsten Frühjahr finde in Sevilla eine Tagung des Internationalen Städtebundes statt, zu der erfreulicherweise den Gewerkschaften ein Delegationsrecht zugebilligt fei. Das internationale Getretariat befinde sich zurzeit in Amsterdam. Dem nächsten internationalen Kongreß liege aber ein Antrag vor, den Sig nach Berlin zu verlegen. Mehrfach habe sich die Internationale mit dem Problem Rußland be fchäftigt. Die Rüffen hätten sich aber bis heute noch nicht bereit erklärt, die auch für die anderen Länder geltenden Organisationsbedingungen anzuerkennen. Nach einer furzen Aussprache zu diesem Buntt der Tagesordnung wurden noch einige Einsprüche gegen Ausschlüsse aus dem Berband erledigt und die Berhandlungen dann auf Freitag vertagt. Verbandstag der Buchbinder.piegelt, zeigt, daß der Berband eine immer größere Straft entwickelt Im festlich geschmückten Saale der Tonhalle in Düssel borf tagt gegenwärtig der 16. Verbandstag der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands, auf welchem 77 Delegierte, darunter neun weibliche vertreten find. Außerdem find als Gäste anwesend der Sefretär der Internationalen Buchbinderförderation aus Bern, der auch den Schweizerischen Buchbinderverband vertritt, sowie die Bertreter der ländischen Bruderorganisationen aus Belgien, Dänemart, Rieberlond, Norwegen, Desterreich, Ungarn und der Graphischen Union Reichenberg chechoslowakei) und des Verbandes der Buchbindergehilfen von Brag. Ferner sind vertreten der DGB. durch Eggert, der Berband der Buchdruder durch Seiß, die Lithographen durch Haß, die graphischen Hilfsarbeiter durch Hornte, das BreuBilche Regierungspräsidium durch Regierungspräsident Bergmann und die Stadtverwaltung Düsseldorf durch den Beigeordne ten Jäfer. Aus dem Geschäftsbericht, der dem Verbandstag in üblicher Form schriftlich unterbreitet und von dem Borsigenden Haueisen und dem Kassierer Lender mündlich ergänzt wurde, ist hervorzuheben, daß der Verband seit dem Hamburger Berbands. toge sich weiter fräftig entwickelt hat. Der Mitgliederbestand ist auf 53 187 gestiegen, fo daß dem Verband gegenwärtig 17 368 männliche und 35 819 meibliche Mitglieder angehören. Besonders erfreulich ist die finanzielle Stärtung. Während vor fünf Jahren, also im ersten Jahre der Stabilisierung, das Verbandsvermögen nur rund 10 000 m. betrug, hat der durch den Kassenbericht ausgewiesene Bestand jetzt eine Höhe von zwei Millionen Mart er reicht. In der gleichen Weise ist die innere Organisation und Verwaltung weiter forgfältig ausgebaut worden, so daß der Verband in jeder Beziehung innerlich gefestigt dasteht. Der gewertschaftlichen Erziehung und Durchbildung der Mitglieder wurde die größte Aufmerksamteit entgegengebracht, vas schon daraus hervorgeht, daß in den letzten drei Jaren seit dem Hamburger Verbandstag rund 6000 Bersammlungen, Kurse, Borträge usw. in den einzelnen Verwaltungen stattfanden. Der Sugendbewegung ist die weiteste Aufmerksamkeit geschenkt worden; bas ist besonders notwendig, weil etwa 16 Proz. der Berufsangehörigen Jugendliche bis zu 18 Jahren sind. Die Aussprache über den Geschäfts= bericht, an dem sich 18 Delegierte beteiligten, nahm den Rest des ersten Verbandstages in Anspruch. Bis auf drei Vertreter der tommunistischen Frattion, die ihre bekannten Einwände vorbrachten und lange schriftliche Erklärungen dem Verbandstag unterbreiteten, befleißigten sich alle Redner einer anerfenneswerten Kürze und Sachlichkeit. Ein Antrag, welcher die Tätigkeit des Verbandsvorstandes und den finanziellen Wiederaufbau voll anerkennt und dem Vorstand für die ausgezeichnete Geschäftsführung dankt, wird fast einstimmig angenommen. Die Anträge, die einen graphischen Industrieverband fordern, werden als erledigt erklärt, weil bereits frühere Verbandstage der Buchbinder sich wiederholt für den In buftrieverband erklärt haben und an dieser Auffassung sich nichts geändert hat. Man ist der Auffassung, daß es der weiteren Entwicklung überlassen bleiben muß, ob dieser Wunsch sich erfüllt. Anträge, die in bezug auf die gewerkschaftliche Invalidenunterstützung bezug auf die gewerkschaftliche Invalidenunterstügung einen Gegenseitigkeitsvertrag mit den anderen Gewerkschaften und cusländischen Bruderorganisationen wünschen, fanden durch eine Erklärung Haueifens ihre Erledigung, wonach bisher bereits Berhandlungen im Gange sind und ein solches Abkommen zu erwarten ist. Als Delegierte zum Gewerkschaftsfongreß wurden entsprechend den Vorschlägen des Verbandsvorstandes außer dem Borfizenden Haueisen die drei Gauleiter von Thüringen, Magdeburg und Südbayern gewählt. Wert der Organisation am besten in ihren Erfolgen widerund die ihm gestellten Aufgaben in vollem Maße erfüllt hat. Eine Zahlenmäßig wurden im Quartal 94 Angriffsbewegungen in 4455 Betrieben mit 56 253 Beschäftigten geführt. Der erzielte Erfolg an Mehrlohn beträgt pro Woche 189 804,50 m. oder 3,34 m. pro Kopf der Beteiligten. Bei zwei Angriffsbewegun gen tam es zur Arbeitseinstellung, und in einem Falle mußte eine Abwehrbemegung mit Arbeitseinstellung geführt werden. Gegenüberstellung der Lohnbewegungszahlen ergibt, daß 94,5 Broz der Gesamtbewegungen ohne Arbeitsein. ftellung, und zwar mit Erfolg zu Ende geführt werden konnten. Dieses Ergebnis ist der Durchschlagsfraft der Organi fation zu danten. Die Unternehmer sind dem Verbande infolge eines tatkräftigen Borgehens nicht freundlich gesonnen, und sie sehen alles daran, um seinen Einfluß herabzumindern. Bon dem ernsten Willen der Mitgliedschaft hängt es ab, daß der artige Unternehmerträume teine Erfüllung finden. Mit Recht mahnte Genosse Drtmann die Mitglieder, sich nicht im Bruder. tampf zu zerfleischen, denn dann würden die Unternehmer ein gar leichtes Spiel befommen. Die fommende Zeit muß alle im Handel, Transport und Verkehr beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten in noch meit größerer Geschlossenheit vereint finden, denn dies ist unerläßlich für den weiteren Kulturaufstieg. 6240 Mitglieder sind neu beigetreten oder übergetreten. Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 623 979,41 m. Der örtliche Raffenbestand hat die Höhe von 105 739,95 m. erreicht. In der Diskuffion fanden die fommunistischen Krafeeler feine Angriffsflächen in dem Geschäftsbericht, weshalb sie sich ihr Feld daneben suchten. Unsere Genossen blieben ihnen nichts schuldig, und so mertte man bald arge Verlegenheit in ihren Reihen. Im Schlußmort nahm sich Genosse Ortmann die einzelnen Moskauer Weis heitshühner noch im besonderen vor und überführte sie an ihren eigenen Argumentationen der Lächerlichkeit. Der Antrag auf Entlastung fand sogar mit Einschluß der Kommunisten ein. stimmige Annahme. Für den Gemertschaftstongreß nach Hamburg wurden durch Mehrheitsbeschluß die Genossen Otto Ortmann und Franz Mellinger delegiert. Damit war die Arbeit der Generalversammlung erledigt. Die Delegierten des Verkehrsbundes fönnen für sich in Anspruch nehmen, durch ihr besonnenes Auftreten ein weiteres Stüd praktischer Gewerkschaftsarbeit geleistet zu haben. Behörden, die Verbandsbeiträge faffieren. treter sich oft einstellen So wenig organisations- und beamtenfreundlich Behördenver. wir erinnern unter anderem an das Verbot des Oberbürgermeisters Finke in Hagen( Westfalen) an fönlichen Angelegenheiten an die Stadtverordneten zu wenden die Beamten seiner Behörde, sich ohne seine Genehmigung in perso gern sind sie bereit, den amtlichen Apparat zur Ber. fügung zu stellen, um sich damit eine Möglichkeit der Kon. Beamten zu sichern. trolle über die Organisationszugehörigteit ihrer verbände zu stüzen und sie zu halten, auch wenn sie rüdEin wichtiges Mittel, behördengenehme Beamten. ständig sind, ist die Beitragseinziehung durch die BeKampf ein Ende gemacht werden. Nicht nur im Bereiche der hörden. Diesem menig zeitgemäßen Verfahren soll nun nach langem Postverwaltung find Schritte eingeleitet worden, die Beitungen schließen sich diesem Vorgehen an. tragseinziehung aufzuheben, sondern auch Rommunalvermal So hat der Ma giftrat der Stadt Breslau beschlossen, die Beiträge für den Romba( Preußischer Berband der Kommunalbeamten und An geftellten) ab 1. Oftober 1928 nicht mehr durch die Stadthaupttaffe einziehen zu laffen. Diese gerechte Maßnahme ist wohl als Aus. wirtung der durch die Neuwahl entstandenen Lintsorientierung zu betrachten. Der gewerkschaftliche Charakter einer Beamtenorganisation sollte ihr von selbst verbieten, Behörden in Anspruch zu nehmen, wenn es sich um die Abwicklung gewerkschaftlicher AnDer Verkehrsbund in Kampfbereitschaft. gelegenheiten handelt. Die Delegierten der Bezirksverwaltung Groß- Berlin des Deutschen Verkehrsbundes nahmen in einer sehr start besuchten Generalversammlung am Montag im Gewerkschaftshaus zu dem Geschäftsund Kassenbericht für das zweite Quartal Stellung. Als Berichterstatter gab der Bezirksbevollmächtigte Genosse Drtmann eine erschöpfende Uebersicht über die Lohntämpfe und deren Erfolge in der Berichtszeit. Bon der Anschauung ausgehend, daß sich der Zum Bauanschlägerstreif. Man fhreibt uns: Den meisten Mitgliedern der Schlosser. innung dürfte dieser Streitbeschluß überraschend kommen. Nach Presseberichten gehen die Berhandlungen seit März dieses Jahres, ohne daß unseres Wissens die Innung ihre Mitglieder auch nur von dem Stand der Dinge informiert hatte. Die Innung dürfte fich daher bei einem eventuellen Aussperrungsbeschluß nicht wun dern, wenn ihre Mitglieder diesen Beschluß nicht Folge leisten werden. Die Mitglieder des Einheitsverbandes fozia listischer Handels. und Gewerbetreibenden stehen vielmehr auf dem Standpuntt, daß es wohl möglich gewesen wäre, eine Berständigung zu erzielen, wenn man nicht jede Lohnforde rung grundsäglich ablehnt und bekämpft, sondern mehr soziales Ver ständnis an den Tag legt. Hätte die Innung sich so eingestellt, dann wäre eine Verhinderung des Streifs möglich gewesen. Wir ersuchen diejenigen Mitglieder, die dem Einheitsverband sozialistischer Handels- und Gewerbetreibender nicht angeschlossen find, mit uns gegen dieses Borgehen der Innung Protest zu er heben und ebenso wie die Mitglieder unseres Verbandes zu ver langen, daß unverzüglich eine Versammlung einberufen wird, die zu dieser Frage Stellung nimmt. Stillegungsferien für Textilarbeiter. " Nur einige Wochen", dann Kurzarbeit. Ab 20. Auguft wird bei den Deutschen Textilwerken Mautner Maßnahme, die die Firma mit einem großen Lagerbestand und einer in Langenbielau ein Teil des Betriebes still gelegt. Diese zurzeit bestehenden Absazkrise begründet, erstreckt sich auf die Bottrop weberei und die Spinnerei des Betriebes. Insgesamt werden etwa 470 Arbeiter entlassen, jedoch soll nach einer Erklärung der Firma die Stillegung nur einige Wochen dauern, worauf wenigstens mit verkürzter Arbeitszeit weitergearbeitet werden wird. Bauarbeiteraussperrung in Oftoberschlesien. Kaffowik, 8. Auguft. Die vereinigte Königs- und Laurahütte hat den wegen Lohnforderungen streifenden Maurern und Zimmerleuten durch Aushang die fristlose Ründigung ausgesprochen. Protest gegen Gewerkschaftsverbote in Lettland. Riga, 8. Auguft. In Riga wurden dieser Tage mehrere Protestversammlungen der Arbeiterschaft gegen die Schließung der Gewerkschaften veranstaltet. In diesen Versammlungen sprachen mehrere sozialdemokra tische Abgeordnete, darunter der frühere Außenminister Beelens. Der Grubenfonflift in Schweden beigelegt. Stocholm, 8. Auguft. Der Grubentonffift wurde heute auf der Grundlage eines von der Schlichtungsfommission vorbereiteten Vermittlungsentwurfs beigelegt, der von den beiden Parteien angenommen wurde. Danach sollen die bisherigen Verträge bei den dem Eisenwerkverband und dem Mittelschwedischen Bergwertsverband angeschlossenen Bergwerfen Graengesberg- Exportfelder und der Aktiengesellschaft Expreß Dynamit unverändert bis 31. Dezember 1930 in Geltung bleiben. Für die mittelschwedischen Bergwerte gelten gewisse Ausnahmen in dem Sinne, daß Attordarbeit in größtmöglichem Umfange eingeführt wird. heim Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Donnerstag, 1914 Uhr, tagen die Gruppen: Bichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22, Borttag:„ Der Gewerkschaftstongreß am 8. Geptember in Hamburg. Frautfurter Allee: Gruppenheim Städtisches Jugend. Bitauer Str. 18, Simmer 3. Die Lilneburger Heibe und ihr Dichter Löns.-Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünquer Str. 5. Probe filt unser Jugendspiel. Schöneweide: Gruppenheim Jugenbheim Niederschöne meide, Berliner Str. 31. Vortrag: Rörperpflege Rörperkultur." Süb. often: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Unsere Berfassungsfeier.- Tempelhof: Gruppenheim Jugendheim Enzeum Germaniaftr. 4/6. Reseabend: Die Geschichte der Bolarforschung." Charlotten burg: Gruppenheim Jugendheim Spreefte, 90. Reihenvortrag: Arbeiter und Unternehmer und ihre Organisationen. Moabit: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Bortrag: Das Betriebsrätegefeg und die Jugend." Bedding: Gruppenheim Jugendheim Orthstr. 10. Bir hören Fernempfang Ohrenmatte mitbringen. Gesundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Straße Beimbefprechung Wir Tefen: Berbandsbuchtontrolle. Fliegende Erde." Außenspielabenbe ab 18 Uhr: Sumbolbt: Spiel und Sport auf dem Sportplas im Sumboldthain. ReutällnSermannplag: Spiel und Tanz auf ber fleinen Wiese im Bollspart Hafen heide. Treptow: Spielen auf ber Wiefe 8 im Treptower Bark. Beißensee: Brobe des Jugendchors im Enzeum Barkstraße. Jugendoruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Donnerstag, find folgende Beranstaltungen: Schöneberg: Jugend heim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Vortrag: Rörperpflege Rörperkultur." Der Jugendbegirl Süboft- Ereptom spielt auf ber Wiese 7 in Treptower Bart. Der Jugendbezirk Webbing- Gesundbrunnen spielt auf dem Sportplag im Humboldthain. Der Jugendbezirk Often spielt auf der Wiese 3 im Friedrichshain. Der Jugendbezirt Charlottenburg fpielt auf dem Sport plag Olbersstraße. Berantwortlich für Politit: Bietor Schiff; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egtorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Kartabt: Anzeigen: Th. Glode; famtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanftalt Baul Ginger u Co., Berlin GW 68. Lindenstraße 3. Sieran 1 Beilage unb Unterhaltung und Wissen". ZUM Verfaſſings tag K G B Fahnenstoff Sahnen= Stangen! Anfertigung von Fahnen in allen Größen Konsum Warenhauser S.: Oranienstraße 164/65. IL: Reinickendorfer Straße 21. Charlottenburg, Rosinenstraße 4. 0.: Frankfurter Allee 60. Satis ffflgRpr- 373* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vonnersiag. 9. August 492» Ein Musters. Zuchthaus. . jir So soll es in Brandenburg nach seiner Fertigstellung aussehen. Vor hon Toren her tousenhjöhrigen Stadt Hrandenburg in der Entfernung von sieden Kilometern, mitten im Walde, auf einem Gelände von �3,5 Hektar Große sind dreihundert Arbeiter, darunter ein Fünftel Strafgefangene, mit der Errichtung eines 'Vaues beschäftigt, der nicht ollein den Forderungen der Bautechnik, sondern auch der Erziehung des erwachsenen Menschen für die Freiheit gerecht merdcn soll. Bewilligt dos preußische Finanzministerium Hie fälligen Raten wie norgesehen, so werden in etwa zwei Fohren 900 Strafgesangenc in dieser modernen Anstalt Unterkunst finden. Die alte Anstatt. Das alte Zuchthaus mitten in der Stadt ist im Augenblick nichts anderes als eine der üblen und üblichen„Verbrecher- ,i n i n er s i t ä t c n"! die guten Absichten der Verwaltung zerschellen an dem veralteten Bau, der jedem Strafnollzug Hohn sprich:, Ein Blick in einen der lechs Gemeinschaftssälc mit je fünfzig Betten ließ ahnen, welcher Art Einflüsse mährend der unbewachten Macht nom Gefangenen zum Gefangenen hinübergleiten. Hier wer- den Erinnerungen über gelungene Verbrechen ausgetauscht, Pläne iür die Zukunft geschmiedet, hier wird beim Kortenspiel die Zusag- Nahrung verspielt, In diesem Schlofsoal nahm auch die Meuterei im Fahre 1k>23 ihren Ansang. Der Arbeitsraum— man sah drei Werk- f ötten, in denen Gromwophonschränk« angefertigt werden— dient gleichzeitig als Speise, und AufentHaltsraum: zwischen Maschinen, oufgestapeltem Holz, Roh- und Fertigfobrikoten, in verbrauchter und überhitzter Lult nehmen die Gefangenen ihre Nahrung ein. hier ver- bringen sie ihre Freizeit, bevor sie sich in den Schlafsaal oder in die Gefangenensrheif auf dem Gutshcf. Schlofzeklen begeben. Man sah solche Schlafzellen, enge traft- lose Kästen, blaß mit einem Bett und einem dürftigen Nagel für Kleider versehen: bei den Gefangenen der zweiten Stufe hin und wieder in den kohlen Wänden«in kleiner Spiegel oder«in paar Bilder, zwischen den Gittern manchmal ein Blumentops. Man tat auch einen Blick in die Wohnzelle eines Lebenslänglichen, der Stricke flocht— im ganzen gibt es hier 26 Lebenslängliche, einer von ihnen Hot bereits vierzehn Fahre hinter sich— oder in eine andere Zell« für zwei Gefangene, die der zweiten Stufe angehörten und in dem wohnlich eingerichteten Räume Bücher, Bilder und Zeit- schriften hotten. Oer Neubau in Brandenburg. Mit Ausnahme eines Gebäudes, dos als Beomtenwohngeböude gedacht ist und dem sich eine Anzahl weiterer anreihen sollen, mit Ausnahme des Gefangenenlagers und der Kantine für die Arbeiter, befindet sich hier olles noch in unfertigem Zustande, Die Erläutc- rungen des Bourats Conrady ließen aber vor dem Besucher das mächtige Gefängnis erstehen, wie es in zwei Fohren werden soll. Es stellt gewissermaßen eine Verbindung des üblichen Panoptikum- system« vor, in dem von einem Punkte aus sich noch ollen Seiten hin die Z»llenkarridore verlaufen, und des Povillonsystems, bei dem die einzelnen Verwahrungshäuser sich al» selbständige Gebäude von einem gemeinsamen Korridor abzweigen. Das neue Gefängnis ist so gedacht, daß einerseits zwischen Dcrwaltungsgcbäuden, Zellen- gebäuden, Werkstätten, Wirtschoftsonlagen eine Perbindung besteht, andererseits jedes dieser Teile des Gefängnisses und auch die einzelnen Zellenflügel und Stockwerke unabhängig voneinander ihr selbständiges Leben führen können. Nach Durchschreiten des Torgebäudes steht man vor dem Hauptgebäude, das sämtlich« anderen Teile des umfangreichen Gebäudekomplexes an Höhe überragt. Durch einen Windfang bc- tritt man das Haus und gelangt in«ine geräumige zweigeschossige Holle, von der aus nach beiden Seiten die Aufnahme- und Abgangs- obteilung mit Housvotcrei, Expedition, Desinfektiansr'äumen, Warte- räum, Einzelzellen für die Neuankömmlinge usw. abzweigen. Das zweite Obergeschoß enthält die Perwaltungsräumc: das Konferenz- zimmer, das Direktorzimmer, die Zimmer der Geistlichen. Im dritten und vierten Obergeschoß befinden sich der Lesesaol, die Schulklassen und die Gemeinschaftsräume für die Gefangenen aus den Schlaf- sälen. Zu beiden Seiten des ZJerwaltungsgeliäiidcs liegen dü> Aufsichtszentralen, die die Verbindung zwischen dem Verwaltungs- gebäude und den Verwahrungshäuscrn herstellen. Drei Ver- mahrungsflügel auf jeder Seite schließen sich in einem Recht- eck zusammen. Zwischen diesen Flügeln befinden sich die großen Höfe, die an der vierten, der Außenseite von eingeschossigen Arbeitssälcn, im ganzen zwölf, abgegrenzt werden. So haben zu den Höfen Licht und Luft Zutritt. Den dritten Hof bildet der freie Raum zwischen dem Verwaltungsgebäude und dem hinteren Teil des Gebäudes, in dem sich die Disziplinarabtcilung, der Kessel- räum und die verschiedenen anderen Wirtschaftsanlagen befinden. Die Vcrwohnmgsflügel bestehen aus dreifacher Art Schlafzellen, Wohnzellen für eine Person und Sameradschastszellen für dm bis fünf Gesängen«. Die Wände der Zellen sind so gebaut, daß sie ent- fernt und auf dies« Weise die Räum« beliebig umgestaltet werden können. Die Zellen der Gefangenen der ersten Stufe sollen niedrigere Fenster erhalten, als es sonst in Gefängnisien üblich ist. Das Barackenlager der Gutsarbciter. Dem Gebäudekamplcx reihen sich in einer geringeren Enisernung Lazarett, Turnhalle und Sportplatz an. Die Höfe sind mit Rasen, Blumen- und Gemüsebeeten versehen. Um das ganze Terrain geht eine Umfassungsmauer, die durch gewisse Vorrichtungen—«in Pn tent Siemens u. Halskes— unüberfteigbar ist. Vier Türme, �e einer an den Ecken des Gebäudes, Ruf- und Lichtsignale, Gitter aus gehärtetem Eisen machen einen Ausbruch schier unmöglich. Unmöglich?! Die beste Sicherung gegen Cntweichungen bleibt doch die innere Hemmung, trotz lockender Freiheit. Oer Plauerhof. Nur nach ein kurzer Besuch im Rillergut Plauerhof. In eip.-m Gefangenenlager, das aus im Karree aufgestellten einstöckigen, au? Wellblech hergestellten langgestreckten Häusern besteht, wohnen unter Aufsicht einer Anzahl von Beamten etwa bO bis 100 Gefangene, die landwirlschastliche Arbeiten verrichlcn, Schweinezucht und Milch Wirtschaft treiben. Diese Auhenarbeiten sind bei den Gefangenen sehr beliebt, zu ihnen herangezogen werden nur solche, die blaß noch eine kurze Gefängnisstrafe zu verbüßen haben. Die Verhältnis- mäßig geringe Zahl der Entwcichungen zeigt, daß die Gefangenen die Wohltaten dieser Arbeit für sich zu schätzen wissen. Der Erlrag der landwirlschastlichen Tätigkeit kommt in der Hauptsache der An- slalt zugute und bedeutet keine geringe Entlastung für den Etat. Der Plauerhof wird selbstverständlich auch nach Herstellung des neuen Gefängnisses weiter bestehen. Fortgeführt werden sollen auch alz Me Aachi nach dem Venal. Los Nomon von Liam O'Klaherty. (Au? dem Englischen übersetzt von N. Hanser.) Die beiden Worte hallten durch den Laden wie zwei Felsen, die von gegenüberliegenden Klippen in eine Schlucht stürzen und aufeinanderprallen mit zwei verschiedenen Ge- rauschen, dem schweren, dicken Klang des Zusammenpralls und dem lauten Prasseln, wenn ihre zersplitterten Fragmente klirrend durch die Luft fliegen. Die beiden Worte waren kaum zur Tür hinaus in die Macht gedrungen, als allgemeines Schweigen entstand Ein Mann hielt im Essen inn'e, als feine Lippen an einer Gräte saugten. „Nun, macht weiter/ fuhr Typo fort,»aber macht keinen Krach wie'ne Rotte Kannibalen. Beschämt nicht euer Land. 's könnte einer denken, ihr hättet ein Jahr long nichts zu fressen gekriegt."' Dann wendete er sich selbst der Theke zu und fragte den Italiener, wie viele Portionen er ausgegeben habe. Es waren vierundzwanzig. Er warf die Pfundnot« hin.„Zieh' drei Portionen ab für mich selber." Dann schob er seinen Hut zurück, zog ein Papier mit Speise an sich heran und begann zu essen. Wortlos hielt der Italiener den Geldschein gegen das elektrische Licht und prüfte beide Seiten mehrere Male. Dann nickte er mit dem Kopf und öffnete seine Kasse. Auch Mulholland hat« den Nacken vorgestreckt, um den Schein zu besichtigen. Er hatte die ganze Zeft über schweigend unv unbeweglich im Winkel der Tür gestanden. Sobald er die Pfundnote erblickte, drängte er hinein und beugte sich über die Köpfe der Leute, um sie sich anzusehen. Ein Nach- bor bemerkte ihn. ein zerlumpter, kleiner Bursche, der den Grund von Mulhollands Neugier falsch verstand. „Hast du noch nichts abbekommen? Wenn nicht, ist's deine eigene Schuld. Komm, Mann. Steh nicht hungrig da. Geh hin an die Tonbank." Mulholland zischte:„Laß mich in Ruh'. Ich brauch' kein Fressex Laß los." Der Kleine redete weiter:„Komm nur, geh hin. Mann, hast du nicht gehört, wie er gesagt hat. daß er ne Runde für alle ausgäbe? Komm nur." � �. „Laß los, sag' ich dir. Laß los. Ich will's nicht." Aber seine Weigerung half Mulholland nichts. Je mehr er sich weigerte, um so entschlossener war der kleine Mann, daß er gefüttert werden sollte. Andere mischten sich ein, alle aus irgendeinem erstaunlichen Grund beflissen, daß Mul- Holland gefüttert werden sollte. Es sah so aus, als ob sie etwas Unpassendes und Ungehöriges in Mulhollands Weigerung fänden. „Ruf' mal," schrie einer,„ruf' mal einer nach'ner Por- tian mehr. Langt sie ihm hin." „Jawohl, warum soll er sein Teil nicht haben wie jeder andere auch?" „Laßt mich gehen," schrie Mulholland wütend,„laßt mich in Ruh', oder ich schlag' euch den Schädel ein." Das gab der Sache ein anderes Gesicht. Es erhob sich ein Dutzend ärgerNcher Flüche. „So, das willst du also, Streit willst du suchen!" Bon hinten schrie einer, der sich vorwärts drängte:„Weg da, laßt mich auf ihn!" Mulholland versuchte aus der Tür zu kommen, aber sie hielten ihn fest, „Was zum Teufel ist den nur los?" donnerte Gypo näherkommend. Augenblicklich stockte das Handgemenge. Gnpo sah sich Kopf gegen Kopf Mulholland gegenüber. Er sah Mulhollands kleine Augen sprühend und funkelnd wie die Augen einer von Hunden gestellten Katze. Während eines gespannten Augenblicks kämpfte Gypo mit dunklem Zlrgwohn. Plötzlich wandelte sich der Ausdruck von Mulhollands Gesich zu einem Zug von schlauer Intimität. Seine Züge, nicht mehr finster und rachsüchtig, schienen zu sagen: Wir sind Mitglieder der Organisation, du und ich. Schaff' mir das Gesindel nom Hals. Gypo erinnerte sich augenblicklich an Gallaghers Versprechen. Er blickte mit gutmütiger Herablassung auf Mulholland: Ha, dachte er, der Bursche kann von Nutzen sein. „Laßt ihn gehen," schrie er anmaßend,„'s ist ein Freund von mir. Wie geht's dir, Bartly?" Dann fuhr er wie beiläufig fort, um der Menge einen Begriff von seiner eigenen Wichtigkeit und seiner Vertraut- heit mit den Angelegenheiten der revolutionären Organi- sation zu geben, die im Leben derer, die um ihn waren, die größte Bedeutung hatte:„Na, schon was gehört seitdem in der Sache, die ich da vorhin erzählt Hab' über den Kerl, der Francis McPhillip angegeben hat?" Mulholland mar einen Augenblick sprachlos. Welche Frechheit! Zlder es war nicht Frechheit. Gypo hatte den plumpen Burschen in dem zerknautschten runden Hut, der auf die Polizei gegangen war, vollständig vergessen. Sein plötzlicher Hochmut hatte jenen plumpen Burschen ganz ver- schluckt. Er muß betrunken sein, dachte Mulholland. Dann sagte er Gypo zuflüsternd, während er den Kopf auf seine bc- sondere Art tief beugte und das Gesicht seitwärts drehte:„Ich kam gerade vorbei und sah dich da. Ich dachte bloß, ich könnte mol'reinschauen, um dir zu sagen, daß du um eins an Ort und Stelle bist. Du weißt ja Bescheid, was ich meine? Nein, wir haben seitdem nichts mehr über die Sache gehört." Er zwinkerte mit dem rechten Auge. Gypo zwinkerte gleichfalls mit dem rechten Auge und nickte bedeutsam. Dann ging Mulholland schnell zur Tür hinaus, augenschein- lich in großer Eile sich irgendwohin begebend. Er hielt in- dessen an der Ecke der Gasse an, machte die Augen weit und knirschte mit den Zähnen. Nachdenklich rieb er sein Kinn und sah zu Boden. Er konnte aber zu keinem Entschluß kämmen, was es auch immer war, das sein Gehirn quälte. Gypo wandte sich wiederum der Theke zu und fuhr mit Essen fort. Er aß. als ob er tagelang zu reilen hätte und mit Vorbedacht einen solchen Vorrat an Nahrung in sich stauen müßte, daß er bis zum Ende der Reise langte. Hinter ihm und zu seinen Seiten redete man über seine Stärke und pries ihn, aber er schenkte dem keine Aufmerksamkeit. Er war versunken in Träume über seine Zukunft, jetzt, wo Gollogher im Begriff stand, ihn wieder in die Organi- sation aufzunehmen. Eine alte Frau mit wässerigen blauen Augen und runzligem Gesicht fuchtelte mit der Faust zu ihm hinauf und schrie:„Ich wünschte, ich hätte'nen Sohn wie dich. Jimmy, mein eigner, Gott sei ihm gnädig, ist im Kriege gefallen. Das war«in Junge, der könnt'? den Polypen geben! Ungelogen. Ich seh' ihn noch die eine Nackit. wo sie sechs Mann holen mußten, um ihn von seiner Kohlen- karre wegzuschleppen, und er hielt sich die ganze Zeit mit einer Hand an den Zügeln vom Pferd fest und mit der anderen schlug er auf sie los." Sie stampfte auf den Boden, johlte, und ihre Augen glühten mild, als ob der Gedanke an den Kampf ihres toti-n Sohnes ihr eine leiblicbe Freude bereitete. Dann ging sie nach der Tür, ihren Schal nachschleifen lassend, m'it einer großen Geste ihrer Arme. Die arme Frau war paralytisch und infolgedessen etwas geistesschwach. -: v(Fortsetzung folgt.) i Die Qualen eines Kindes. Vom eigenen Vaier halbiot geschlagen. Erschütternd war es. als gester» vor dem Schössen. geeicht Mitte unter Vorsitz von Landgerichtsra» Dr. Anger gegen den Heizer Karl M o r o h n aus der An. dreosstrotze wegen unmenschlicher Mißhandlung seines achtjährigen Töchterchens verhandelt wurde. Marohn gilt als ein fe h r gewalttätiger Mensch und ist schon wegen schweren Raubes und wiederholt wegen Körperoer- lefiung vorbestraft. Die kleine Charlotte Marohn hatte eine Stiefmutter, aber nicht sie quälte das Kind, es war der leibliche ZZater. Dos Kind war dauernd verschüchtert und verängstigt. Ganz besonders schwer war aber die Mitzhand- lung durch den Voter, die Charlotte am A. Februar zu erleiden hatte. Als sich einige Zett später nämlich dos Wohlfahrts- o m t auf eine Anzeige hin einmischte, stellte der Arzt des Waisen- Hauses fest, daß der ganze Körper des Kindes kreuz und quer mit Striemen übersät war, die auf Mißhandlungen rohester Art hindeuteten. Die Aerztin Dr. med. Hirsch, die dann das Kind näher untersucht hatte, de» gutachtete vor Gericht, daß» am Körper des Kindes, auf Händen. Beinen und Rücken blutunterlaufene Stellen und Schorf vorhanden waren und außerdem an zwei Stellen flächenartige Blutergüsse. Das Kind war gestern in Begleitung einer Schwester de» Erziehungsheims, in dem es sich jetzt befindet, vor Ge- richt als Z e u g i n gegen ihren Vater erschienen. Es ist ein z a r t« s hübsches Mädchen, und nach der Schilderung der Schwester unter der Einwirkung liebevoller Behandlung jetzt zutraulich und allgemein beliebt. Bei der Aufnahme war dos Kind so verschüchtert, daß es bei jeder Ansprache sofort angstvoll d i e Hände vor das Gesicht hielt. Am 9. Februar hatte das Kind mit einem anderen Mädchen die Schule geschwänzt und war erst spät nach Hause gekommen. Als der Dater heimkehrte und davon hörte, zog er sich den Rock aus, um besser hauen zu können, und hieb mit einem Stock auf seine Tochter ein: das Kind wurde dann in» Bett geschickt, aber gleich darauf riß der Wüterich es nochmals heraus und schlug nun von neuem mit dem Stock blindlings darauflos, wohin er traf. Dann packle er das Kind und schleuderte es in das Bell, so daß es mit dem Kopf gegen die Wand schlug. Auf Befehl des Daters mutzte das Kind, dem vor dem Prügeln auch dos Hemd heruntergerissen war, zum dritten Male gu? dem Bett heraus und wurde, nachdem die mitleidige Stiefmutter ihm noch sin Hemd zugeworfen hatte, in die kalte und finstere Küche eingesperrt. Dort mußte das Kind, nur mit dem Hemd bekleidet, in der Källe die ganze Nacht in e' n e r Eck e stehen. Als der Vater am Morgen ausgeschlafen hatte, holte er das Kind aus der Küche heraus und prügelte es nochmals in un- menschlicher Weise mit dem Stock. Ein Mieter, der bei der Mißhandlung zugegen gewesen war, wallt« sich einmischen, aher die Ehefrau des Angeklagten riet ihm davon ab, weil es ihm sonst ebenfalls schlecht gehen würde. Sie selbst hol bei der Polizei die Aussage verweigert, indem sie angab, daß sie dann selbst viel zo leiden haben würde. Der Angeklagte behauptete zu feiner Verteidigung, daß er mit diesem �Denkzettel" nur das Beste seines Kindes gewollt habe. Er selbst se, in seiner Jugend in der Fürsorgeerziehung gewesen. wo es ihm sehr schlecht gegangen sei. Daher habe er sein Kind bewahren wollen, durch schlechten Lebenswandel. ebenfalls in die Zwangserziehung zu kommen. Staatsan- walt Weißenberg wollte dem Angeklagten mildernde Umstäntze zubilligep und beantragt« nur vier Monate und zwei Wochen fH GefSngms. Das Schöffengericht aber fand für der- artige rohe Kindermihhandlung keinerlei Milderungsgründe und verurteilte den Angeklagten Marohn zu I Jahr 2 Wochen Gefängnis und erließ auch sofort im Gerichtssqal «inen Haftbefehl gegen ihn. Außenbeschäftigung die Mesiorattonsarbeiten in der Gegend von Krieben. Der letzte Eindruck war der beste.. Er oersöhnte einigermaßen mit dem von der Brandenburger Strafanstalt. Aber auch hier ist eine erziehliche Einwirkung unmöglich. Eine auf pädagogischen Grundsätzen aufgebaute Ausnützung der Freizeit ist nicht vorhanden. Das Gefangenenlager in Plauerhof krankt am gleichen wie die Mutteronftalt in Brandenburg. Auch das müßte nach Herstellung des neuen Gebäudes anders werden. -i- Die Vertreter der Oeffentlichkeit hatten die Möglichkeit, sich durch den Vergleich von der UnHaltbarkeit der bestehenden Zustände im � Brandenburger Zuchthaus zu überzeugen und sich so für die möglichst baldige Verwirklichung der groß angelegten Pläne des Strafvoll- zugsamtes in bezug auf die neue Strafanstalt tüchtig ins Zeug zu legen. Die Gelder für diese Berwirklichung müssen gefunden werden. Insbesondere müssen sie für eine genügende Anzahl von pädagogisch geschulten Fürsorgern vorhanden sein. Ohne sie bleibt moderner Strafvollzug nichts mehr als eitel Schall und Klang. L. R. Die Praktiken der„Meho". Prozeß um hinterzogene Krankenkassenbeiiräge. Vor dem Pokstxnner Schöffengericht wurde am 10. Zoll d. Z. die Affährig? Gertrud Eifert«ms Tlonawes wegen | Vergehens gegen den Z SZZ der Beichsoerflcherungsordnong z« zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Von diesen zwei Wochen sollte sie nur drei Tage absitzen. Für den Rest der Strafe hatte sie eine Vewährungsfrisi von drei Zahixn er- halten. Segen dieses Arteil hatte die Verurteikte Verufung eingelegt, und es kam daher erneut zur Verhandlung. Bor Eintritt in die Verhandlung beantragte der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Mitfchcr aus Potsdam, die Ab- lebnung der beiden Schöffen,./veil sie als Arbeiter dieser zur Berhandlung stehenden Sache nicht gewachsen"(!) mären. Dos Gericht lehnte den Antrag des Verteidigers mit der Begründung ab. daß die Schöffen in keinem Zusammenhang zur Krankenkasse stehen, um als besangen abgelehnt zu werden. Wie er- innerlich, wird der Angeklagten zur Last gelegt, daß sie von den 29 Arbeitern, welch« in der Halzbcarbeitunasfabrik der Firma ,.M e h o" m Potsdam beschäftigt waren, die Beiträge zur Kranken- kasse ,n der Zeit vom 1. Dezember 1927 bi» Mitte Februar 1928 em- behalten, aber an die Krankenkasse nicht abgeführt hat. Es handelt sich um die Summe von 7 3 3 Mark, um die die Ortskrankenkasse geschädigt worden ist. Die gestrige Berhandlung ergab kein ent- lastendes Bild von dem Vergehen der Angeklagten. Der stellver- . tretend« Geschäftsführer und Vertreter der Allgemeinen Ortskrcmken- kaffe. Fritz Ballfchmieder, gab an, daß zehn Arbeiter außer ' Medizin und Arztkosten eine Unterstützung von der Allgemeinen . Ortskrankenkasse erholten haben, trotzdem kein« Beiträge gezahlt waren. Die Arbeiter der Fabrik Meho wußten nicht, wer der In- daber der Fabrik war. Der angebliche Geschäftsführer der Firma Meho. KorlWerner au« Potsdam, schilderte die Äosi« der Firma al» sehr schwach, so daß Löhne an die Arbeiter nicht ousgezahst wer- den konnten. Nachdem gepfändet war, stellt« es sich heraus, daß da» Holz und die Moschinen der Firma auf Abzahlung entnommen worden sind. Die Finna Meho war auch nicht im Handelsregister angemeldet. Wenn bei der Firma mal 20— 50 Mark übrigblieben, dann wurde Material gekauft. Stoatsanwaltschaftsrot G y f a« beantragte Befchlußfaffimg des Gerichts über die Richtvereidigung des Zeugen Werner, da er dringend verdächtig erscheint, mit der Angeklagten unter einer Decke zu stehen. Das Gericht beschloß jedoch, ihn zu vereidigen, weil sie beide als Mitschuldige bei der Tat verdächtigt sind. Der Staatsanwalt beantragt« Perwerfung der Berufung. Dos Gericht oerwarf die Berufung aus Kosten der Ang«kla.gt«n und verurteilt« sie nach gZ 533 und 534 der Reichsversichernkigsordnung zu 30 0 Mar? Geld st ras«, evtl. für je 30 Mark'ein Tag Gefängnis. D-r Vorsitzende führte aus: Als Arbeitgeberin. wie sie sich ausgibt, mußte sie wisien, welche Verpflichtungen sie hatte. Wie wett sollten wir wohl kommen, wenn Firmen auf dies« Weise die Sozial- crnrichtungen gefährden!_ Auch ein Jubilar! Oos 25. Zuchthaus. Em Jubiläum, da« wohl nicht sehr häufig vorkommt, konnte der Schlosser Gustav L i s s o w, ein Mann von 58 Jahren, vor dem Schöffengericht Mitte feiern, nämlich den Tag, an dem er sein 2 5. Z u ch t h a u» j a h r zudiktiert bekam. Lissow hat bisher schon von den letzten 25 Jahren seines Lebens 24 Jahre im Zuchthau» zugebrocht, darunter einmal Himer- einander 14 Jahr«. Seine Spezialität find Einbrüche. Diesmal ober war er nur der Gehilfe seines Zuchthausfreundes, des Kauf- manns Otto Müller, eines hartgesottenen Betrügers, der auch schon eine lang« Liste von Vor st rasen auszuweisen hat. Beide Freunde wurden fast gleichzestig aus dem Zuchthaus ent- lassen, und Müller nahm sofort wieder sein altes Gewerbe auf, unter der Maske eines Landwirtes, Molkereibcsitzers oder Försters Pferde und Kühe zu kaufen und zu verschieben.. Er besaß ein gestohlenes Scheckbuch, das er als Zahlmittel benutzte. In anderen Fällen ließ er. während er mit dem Verkäufer auf dem Zentraloiehhof verhandelte, dos Vieh durch«inen anderen wegtreiben. Da» Schöffengericht war der Meinung, daß derartige Berufs- Verbrecher möglichst lange unschädlich gemacht werden müßten, und verurteilte Müller zu 4 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Sein Gehilfe Liffow erhielt 1 JahrZuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und wurde sofort verhaftet._ Moabit hat seine» Koch wieder! In der Nacht zum 26. Juli flüchteten aus dem Unterfuchungs- oefängnis in Moabit zwei Männer, ein 25 Jahre alter Franz Zun? und ein Ma; Hahn. Zunk,«in alter Schaufenster- «inbrecher, hotte 2 Jahre zu verbüßen, führt« sich aber so gut. daß man ihm einen Vertrauensposten als Koch zuteilte. Die Küche der Anstatt ist in einem IM Stock hohen Wirtschaftsgebäude unter- gebracht. Am Abend des 25. Just verbargen sich Zunk und Hahn zunächst in der Küche und später in einem Bodenoerschlag, wo st« nicht entdeckt wurden. In der Nacht ließen sie sich mit Hilfe «ine, vierkachen Strickes auf den Hof hinunter und gelangten ohne Schwierigkeit über die Mauer nach der Straße Alt-Moabit. In der Gerichtstraße trenMen sich die beiden Entwichenen und Zunk sah leitdem nichts mehr von Hahn. Er selbst nahm sein qltes„Ge- werbe" sofort wieder auf. In der Rächt vom 2. zum 3. August zertrümmerte er an einer Fahrradhandlung in der Reinickendorfer Straße die Schaufensterscheibe, konnte aber kein Rod«rwischen, weil die Maschinen uMereiuander *iü einer Kette verbunden waren. Jetzt versucht««r sein Heil an einem Konfektionsgeschäft und angelt««inen Mantel und mehrere Anzüge heraus. Größer« Beute kannte er nicht machen, denn ein Wächter war auf ihn aufmetkiam geworden und Zun? mußte flüchten. Gestern wurde er endlich wieder ertappt. Kriminalbeamte des 47. Reviers, die auf einem Streifgang durch die Lokale der Weddinggegend waren, erblickten Herrn Zunk, der aui einer kleinen Bierreils unterwegs war und nahmen ihn alsboid feit. Da er über ausreichende Geldmsttel verfügte, so hat er vermutlich in der A»tsch«nz«n verschiedene Einbrüche mit Erfolg ausgeführt. Die beiden Einbrüche in der Reinickendorfer Straß« gibt Zunk zu. Er wurde nach Moabit zurückgebracht. Hahn ist noch verschwunden und wird weiter gesucht. Das Haupwerfahren eröffnei! Äergmaon, Iacoby und Genossen. Ne Entscheidung im Fall B« r gman n-Ja c»b y ist da: Nach mehrtägiger Beratung beschloß die Große Ferienstrofkammer des Landgerichts I, imter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Weigert, dos Hauptverfahrenm der großen Lombard- Betrugsfache gegen Bergmann und Genossen zu eröffnen. Demnach werden folgende zehn Personen unter Anklage gestellt und zur Aburteilung an das Schöffengericht Mitte überwiesen: 1. der Inhaber de« Allgemeinen Lombard- und Lagerhause», Paul (früher Sally) Bergmann; 2. Staat so mvalffchaftsrat Dr. Walter I a c ob y I: 3. Kaufmann Willi K r a a tz: 4. Korrespondent Bruno Wustrow: 5. dessen Ehefrau Charlotte Wustrow: 6. Lagerver- walter Paul Schmidt: 7. Korrespondent Ludwig Ohnstein: 8. Kaufmann und Pferdekommissionär Felix Solinger; 9. der Bertreter einer Teppichfabrik Arthur Lederer: 10. Kaufmann Wilhelm Warschauer. Frau Bergmann wurde außer B e r> s o l g u n g gesetzt. (tzemäß den Anträgen von Oberstaatsanwalt Binder und Staatsanwoltschostsrat Dr. Schumacher, dem Bearbeiter der 120 Seiten umfosipndeu Anklageschrift, werden nunmehr angeklagt: Bergmann wegen gemeinschaftlichen fortgesetzte» B c. t r u g e s, schwerer Urkundenfälschung, Konkursoerbrechens und Konkursvergehens, Slaolsanrvalkfchaftsrak Dr. llacoby. Kraatz, das Ehepaar Wustrow, Schmidt und Ohnstein wegen gemeinschaftlich mit Bergmann begangenen fortgesetzten Betruges. Salmger, der für Bergmann die gefälschten Lombardfchein« beschafft hatte, wegen schwerer Urkundensälschung und die übrigen Angeklagten wegen Beihilfe zum Betrüge bzw. Beihilfe zur schweren Urkundenfälschung. Der Angeklagte, Staatsanwaltschastsrat Dr. I a c o b y. hat neben feinen bisherigen Verteidigern, Dr. P i n d o r und Dn Klee, noch Rechtsanwnlc Dr. Max Alsberg zugezogen, auch Bergmann hat sich in Rechlsanwalt Dr. Sandeck einen zweiten Verteidiger genommen. Das von den übrigen Angeklagte» om meisten belosteie Ehepaar Wustrow wird von Rechtsanwalt Dr. Frey verteidigt. Die von der Verteidigung des Stootsanzpaltschaftsrats Dr. Jocoby l«mgelsgte Beschwerde gegen die Fortdauer des Haftbefehls und der Antrag auf Freigab« der für die.Haft- entlasiung gefteltten Kaution wurde von der Siraskamm« noch nicht erledigt. Beschwerde und Antrag wurden mit dem ge- samten Aktenmaterial nach Erösfnung des Haupioerfahrens zunächst an den General st oatsanwalt beim Kammergcrichl zur Stellungnahme überwiesen. Nach erfolgter Entscheidung durch die Strafkammer werden die Ästen, die acht Houplbönde und 108 Reben- bände umfassen, sofort dem Vorsitzenden der Sonderabteilung de» Vor einigen Jahren stand Heinrich Heine aus dem Abend- Programm. Damals durchtönte Kortners herrliches Organ die Räume. Jetzt spricht Fränze R o l o f f. Uebrigens könnte Hein« öfters die Stagnation, die Gleichförmigkeit der Berliner Programme durchbrechen. Aber Heine ist nicht nur der lyrisch« Dichter, der seinen zarten Gedichten, seinen schmelzenden Romanzen eine willige Pointe anhängte, er ist für uns mehr als der Weltschmerzler mit der Byronschcn Locke, er ist der große Ankläger, der geniale, un- Ubertroffene Pamphletist, der schneidend witzige, politische Dichter. Für uns bedeutet der Heinrich Heine, den Ludwig Hordt mit wunder- voller Einfühlungsgabe interpretiert, weit mehr als der Berjasjer des»Buchs der Lieder" und des»Romanzeros". Boa diesem Heine ist wenig bei der Veranstaltung der Funkstunde zu merken. Berlin beschränkt sich auf den Heine mst Goldschnitt als geeignetes Konsir- mationsgeschenk. Dieser Heine verträgt nun aber kaum einen Vortrag, der die nötige Schärfe für politisch« Pamphlets aufbringt. Fränze Roloff übersieht, daß der Rhythmus und nicht die drama- tische Ak-entuierung in den kleinen Dingen aus dem..Auch der Lieder" entscheidet. Sie zerreißt stellenweise den Rhythmus, ver- leiht den Gesichten eins Schärt«, die ihnen fremd ist. Als Lieder- länger von Format und Stilgefühl erweist sich von neuem Cornelius Bronsgeest in dem SchuMonnfchen Zyklus„Dichterlisbe". Schade, daß die Stimme an Schmelz und Biegfcunkest verloren hat.— Was Margarete Eaemmerer in ihrem Dortrag»Die Frau als Kul- tnrtr'ögerin" fordert, nämlich einen seelischen Ausgleich zu der Herrschaft gelenkiger Muskeln, also Ertüchtigung der Seele, Pildung und Durchtrainierung de? Geistes, ist nicht neu. Eigenartig bleibt es, daß sie diese Renaissance des Geistes allein von der Frau aus er- wartet. Nun, jeder soll seinen Glauben behalten. Bei der kurzen Revue, die sie die weiblichen Berus« passieren läßt, gerät sie un- rettbar in holdseligen Ganenlaubenschmus. F S, Schöffengerichts Mitte, Amtsgerichtsrat Dr. Wartenberge r, zugeleitet werden, damit die Hauptoerhandlung anberaumt und dio Labung der über 100 Zeugen und Sachverständigen erfolgen kann. Der Beginn dieses großen Strafprozesses, der etwa drei Wochen dauern wird, dürft« am 25. September erfolgen. Ein schwerer Lunge festgenommen. 11 Einbrüche nachgewiesen. Giu« Einzelerscheinung onler den Geschästseinbrechern ist ohne Zweifel der ZI Zahre alte Zohann köppke. der gestern wieder einmal erwischt wurde. Den slreisendea Beamten war in der Pücklerstrahe ein Keller ausgefallen, in den sie wiederholt einen mit Paketen beladenen jungen Mann hineingehen und mit leeren Händen wieder herauskommen sahen. Am Montag drangen sie überraschend in den llnker- sästupf ein und fanden den jungen TNanv. den Johann Köppkc. der mit seiner Braut eifrig beim Sortieren aller möglichen Gegenstände war. Die Durchsuchung des Kellers förderte eine Unmenge Diebesgut zutage. Seide in Ballen. Lsderwaren aller Art, Bisouteriegegenstände und anderes mehr. Köppke. der festgenommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht wurde, er- klärte sich ohne weiteres bereit, der Kriminalpolizei„die Zlrbcit erleichtern" und gab berestwillig die Adresien der Geschäfte an, ans denen dir beschlagnahmten Sachen stamntten. So konnten ihm nicht weniger als 11 schwer« Einbrüche n. a. in der Brunnen», in der Tilstter und in der Cöpenicker Straße nachgewiesen werdei,. Ueberall hatte«r für mehrere Tausend Mark Beute gemacht, so daß ihm W e r t e von etwa 35000 M. m die Hände gefallen waren. Auch in bezug auf sein« Arbeitsweise ist Köppke ein Original. In mehreren Fällen schien es bei der Besichtigung des Tatortes, daß mindestens 3 Mann dagewesen sein müßten. Köppke hat jetzt aber erklärt, daß er nur zweimal von Helfershelsern begleitet war, alle anderen Einbrüche, auch die schwierigsten, verübte er ganz allein. Ein besonders tolles Stück leistet« er sich in einer Seidenhandlung in der Tilsiter Straße. Dort hotte man die Klapptür am Keller vernagelt und auf die Klappe einen schweren Schrank gestellt. Auf diesem Schranke stand außerdem«in bis zum Rande mit Master gefüllter großer Topf. Mtt großer Mühe und Sorgfalt. brachte Köppke es fertig, die Klapptür aufzuschneiden und durch die enge Oeffnung in den Laden zu schlüpfen, ohne daß der Schrank umfiel, oder daß nur«in Tropfen Wasser verschüttet wurde. Auch in anderer Beziehung war Köppke ein wahrer Glück:- pilz. Er hatte einen Hehler gesunden, der, wie er sogt:„fetten anständig" war und ihm je nach der„Marktlage" für die gestohlenen Sachen cm Drittel bis cm Dicrtel des Wertes bar auszahlte. Den Nomen'�'blers will Äönpke nicht kennen. Bei...«nniieserung des Köppke in das Polizeigefängms gab es noch cincn heiteren Zwischenfall. Der Wärter dort sah den jungen Mann groß an und behauptet« dann, ihn bei dem Ein- bruch in der Brunnenstrahe gesehen zu haben.„Stimmt," gab köppke gemütlich zu., Deswegen bin ich ja auch hier!" Köppke ist trotz seiner jungen Jahre ein gewiegter Einbrecher. Auf seine äußere Erscheinung fegt er großen Wert und befleißigt sich auch eines gebildeten Deutsch._ Die Arbeitcrwohlsahrl. Heft 15. 1928, bringt die Fortsetzung des Artikels von Stadtrat Binder„M ehr Planmäßigkeit in der Fürsorgegesetzgebung" aus dem Hejt Nr. 14. 1928, außerdem«inen Absatz von Senator Paul Neumann„Ausbau und Leistungen der staatlichen Wohlfahrtspjlepe in Hamburg". In dem Abschnitt Landesgesetze und Einrichtungen findet sich«in Auszug aus den Bestimmungen betr. Einstellung von weiblichen Kriminal- beamten, eine Abhandlung über„Die gesundheitlichen Derhältnisfe der sächsischen Bevölkerung". In der Umschau wird die Uebergangs- reglung in der Arbsitzlosenoersicherung und Krisenunterstützung de- sprochcn, weiterhin„die Erweiterung des Kreises der Unfalloer- sicherten. Renten-Neurvsen. Ernährungsrusflellung. Der Abschnitt aus der Arbeiterwohlfahrt bringt einen Hinweis auf die neue Wohlfahrts schule der Arbeitcrwohlfahrt, Ta- gungen usw. Eine Bücherschau und Zeitschriften schau folgen. Da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Orlsoeain Tempelhos. veranstaltet am Sonntag, dem 12. August, nachmittag», in den Gesamträumen de» Seebades Mariendarf eine groß« Derfasiungs- ssier. verbunden mit Gartenkonzert und Feuerwerk. Di« Festrede hat Landtagsabgeordneter Erich Kuttner übernommen. Es finden außerdem zwei Platzkonzerte statt. 12 Uhr: Marktplatz, Marien- dorf: 12.45 Uhr: Dorfstroße, Tempelhof. Die degante Dame und der gepflegte Herr gebraudien Der Probstprozeß vertagt. Ein Kampf um alte Aften. Rach zmeistündiger Berhandlung und nach längerer Beratung hes Gerichts murde gestern die Entscheidung in dem Flaggenprozeß der Stadt gegen den Propst von Berlin vertagi. Dem Kläger, der Stadt Berlin, murde aufgegeben, auf ben 71 Seiten Langen Schriftfaz des Beklagten, den Justizrat Hahn in der gestrigen Verhandlung dem Gericht vorlegte, zu antworten Den Beklagten, den Kirchengemeinden von St. Marien und Nicolai, wurde aufgegeben, das Nutzungsrecht für das ganze Probsteigebäude na hzuweisen. In der Verhandlung stellte sich Justizrat Hahn auf den Standpunkt, daß die Probstei nicht nur das Nugungsrecht für die Brobsteiwohnung habe, sondern für das ganze Haus. Nach seiner Meinung fönne die Kirhe nicht gezwungen werden, in den Häusern, die ihr zur alleinigen Berfügung übergeben wären, Aenderungen an der Fassade oder die Anbringung von Flaggenschmuck zu dulden. Den Beweis, daß der Probstei das ganze Haus zur alleinigen Verfügung übergeben worden sei, fonnte Justizrat Hahn nicht lückenlos führen Er hatte zwar Protokolle aus dem 13. bis 18. Jahrhundert fein säuberlich zusammengetragen und Akten aus den letzten Jahren herangezogen. Im Grundbuch ist die Stadt Berlin als alleiniger Befiger des Grundstücks und Gebäudes eingetragen. Da das Haus der Stadt gehört, muß auch, auf diesen Standpunkt hat sich das Bezirksamt gestellt, an den Feiertagen des Staates der Flaggenschmud des Reiches gezeigt werden. Die Stadt hat nichts dagegen, wenn auch die Kirchengemeinde ihre Fahne zeigt. All diese Borhaltungen des Bertreters des Bezirksamtes mußten nichts, die Kirchengemeinden wollen fih nicht in den Flaggenstreit(!) einmischen, erklärt Justizrat Hahn. Die Einstellung der Bellagren bat deutlich zum Ausdrud ge bracht, daß die evangelis hen Kirchengemeinden noch immer zu den größten Sassern der Republit gehören. Sie haben zwar wichts dagegen, wenn der Staat, die Republit, ihnen ihr Brobsteigebäude mit großen Stoften unterhält, aber die Flagge Des Staates zu zeigen, das ist zuviel verlangt. Gerüsteinsturz in Charlottenburg. Zwei Schwer und ein Leichtverletter. Im Kraftwerk der Städtischen Elettrizitäts. merte, Am Spreebord 1/7, in Charlottenburg ffürzte geffern nachmittag ein Baugerüft zusammen. zwei Personen wurden hierbei schwer, eine dritte leichter verletzt. Auf dem Gelände Am Spreebord 1/7 in Charlottenburg, wo fich das Kraftmerf der„ 383 e m'a g* befindet, wird zurzeit ein se u bau errichtet. Gegen 14 Uhr wurde um einen Teil des Baues ein großes Stangen erüst aufgestellt. Die Aufrüstungsarbeiten wurden im Beisein des Bauleiters vorgenommen. Inmitten der Arbeiten erfolgte der Einsturz. Eine plöglich auftretende heftige Böe verfing sich in dem Holzgerüst ins brachte es ins Banten. Mehrere provisorisch angebrachte Ber. bindungen lösten sich und das Gerüst stürzte nur wenige Sefunden später trachend zusammen. Der 30jährige Arbeiter Bernhard Rallies aus der Hohrstaße 26 und der 50jährige Ingenieur und Bauleiter Albert Buch Tier aus der Weißenburger or. 40 muren mit in die Tiefe gerissen. Ein dritter Arbeiter fam glücklicherweise mit unerheblichen Berlegungen davon. Bon allen Seiten eilten sofort Arbeiter zur Hilfe hinzu und befreiten die unter einem Gewirr von Hölzern begrabenen Verunglückten aus ihrer qualoollen Lage. Rallies murde durch das Städtische Rettungsamt inf das Westend Krantenhaus übergeführt, Büchner fand in der Universitätsklinik in der Ziegelstraße Aufnahme. Der Tod des Arbeiters. Ein furchtbares Sprengunglüd bei Minden. Der englische Riesenzeppelin. Tanzdiele und Wintergarten an Bord! W In England geht ein Riesenluftschiff, das dem Zeppelin-| befindet sich eine starte Strömung, so daß beim Start Flugzeug und typ ähnelt und das in Friedrichshafen vollendete Schiff noch Motorboot abgetrieben merden. Unter diesen Verhältnissen ist es um ein Driffel in seiner Größe überragt, der Fertigstellung zmedlos, an dieser Stelle weitere Bersuche zu unternehmen. Das entgegen. Diefer Neubau ist im Augenblid Gegenstand einer Flugzeug wird in Berlin jest umgebaut, so daß es nur sein Eigengewicht von etwa 60 Kilo befigt. Es wird mit größerem Schmimmern heftigen Krifit, ausgestattet. Dann werden neue Versuchsflüge in der Nähe von Berlin unternommen. Ein neuer Refordflug. Um den Weltentfernungsrekord. Die französischen Flieger Favreau und de Marmier starteten Dienstag vormittag um 5,35 Uhr zu einem Flug um den Beltentfernungsrekord und im Rundflug. Im Falle des Gelingens werden die beiden Franzosen nach einer Ueberholung des Apparates und Austausch des Motors zu einem Ozeanflug starten, fobald günstige Wetternachrichten vorliegen. Der Dauerreford wird bekanntlich von den Deutschen Risticz und 3immer= mann mit 65,14 Stunden und der Weltrekord im Rundflug von den Italienern Ferrarin und del Prete mit 7666 Rüometern gehalten. Es gibt Fachleute, die das Ganze als verfehlt bezeichnen. Man mendet sich mit auffallender Schärfe gegen den Unsinn, daß dieses Luftschiff eine Tanzdiele, einen Wintergarten, eine Caféterrasse und anderen Lurus haben wird, die nicht nur die Geschwindigkeit des Luftschiffes und damit seine Eignung für die Transozeanpaffage schmer beeinträchtigen werden, sondern auch deswegen vollkommen sinnlos sind, weil man im Luftschiff beim Transozeanflug mit Störungen rechnen muß, die die Verwendbarkeit derartiger Räume illusorisch erscheinen laffen. Ein ehemaliger Offizier des englischen Fliegertorps führt als Beweis dafür Stellen aus dem Logbuch des R. 34 an, der 1919 von England nach Amerita flog, aus 34 qt, bet 191 denen zu ersehen ist, daß das Luftschiff mur selten in der annähernden Gleichgewichtslage war, meistens start überfantet flog und außerdem Temperaturverhältnissen unterworfen war, die all die die für den R. 100 vorgesehenen Anlagen als törichte machen erscheinen lassen. Außerdem ist man sehr in Sorge, daß der neue Zeppelin doch noch eher fertig werden wird als der R. 100, für den fich bereits 200 Fluggäste nach Amerita angemeldet haben( Fahrpreis 22 000 m.), pon denen allerdings günstigenfalls nur 100 mitgenommen werden können. Man wird di die Flüge des neuen Luftriesen abwarten müssen, um zu erkennen, mie meit die Rritifer recht behalten merden. Von der Wasserfuppe bis Eisenach. 680 Meter Höhe! Fliegerlager Wafferkuppe, 8. Auguft. Der Flieger Nehring ftellte heute mit seinem Flugzeug Darmstadt eine neue Welthöchffleistung im Stredenflug auf, in dem er von der Wassertuppe bis in die Gegend von Eisenach flog, wo er glatt landete. Nehring hat damit die bisherige Welthöchstleistung von Kegel mit 50 kilometer auf 70 Kilometer verbessert. Der Fuldaer Segelflieger Dittmar erzielte bei einem Höhen. flug über der Abflugstelle eine Höhe von 680 meter und brach dadurch den erft vor einigen Tagen von dem Veſterreicher Kronfeld aufgestellten Rekord von 540 Meter um 140 Meter. Kein Segelflug über den Gund! Der Segelflieger Hans Richter hat seine Absicht, den Sund im Segelflugzeug zu überqueren, aufgeben müssen. Er sendet uns hierüber folgenden Bericht: Der zufriedene General. Nobile fagt: Alles klappte. Rom, 8. Auguft. Bopolo di Roma" veröffentlicht ein Interview des Ge nerals Nobile, in dem er fagte, daß trotz der Mißgeschicke faſt alle wissenschaftlichen Ziele der Expedition erreicht wurden. Der General erflärt, das Feft, in das Professor Malmgreen alle meteorologischen Beobachtungen genau aufgezeichnet hatte, sei einige Tage nach dem Abmarsch der Marino- Gruppe unter dem Eise aufgefunden worden. Dieses Heft bietet eine wertvolle Fülle miffenfchaftlicher Forschungen. Der General erinnerte auch daran, daß Profeffor Pontremolli turz vor dem Absturz mitgeteilt habe, daß er die Maße des horizontalen Bestandteiles des magnetischen Gebietes gefunden habe; diesen Ziffern leg: der General felbft große Bedeutung bei. Benn Herr nobile das fagt, dann ist also alles in Ordnung gewesen. Warum beunruhigen wir uns über Amundsen, Guilbard und die Ballongruppe Aleſſandri? Bezeichnend ift demgegenüber diese Meldung: Die Moskauer fmestija" veröffentlichen eine Unterredung mit der Frau von Profeffor Samoilomitfch, dem Leiter des Eisbrechers feiner ersten Unterredung mit no bile gesagt, Nobile hätte auf ihn Sundraisin". Frau Samoilomitsch erklärt, ihr Mann habe ihr nach einen günstigen Eindrud gemacht, er fei aber zweifellos ein fehr nervöser Mensch und fenne überdies die Verhältnisse in der Arttis absolut nicht. ,, Mit Mobile," fügte Professor Samoilo. witsch hinzu, wäre es mahrscheinlich angenehm, eine Reise zu unternehmen, im Falle eines Unglücks aber sei man mit ihm Derloren." Das sagt viel. Nach meinen Versuchen auf dem Templiner See hatte ich mich mit meinem Wasserfegelflugzeug nach Kopenhagen begeben, um die Prämie pon 1000 kronen der Zeitung„ Polititen' für die Ueberfliegung des Derefund bei Helsingborg ohne Motor zu gewinnen. In Kopenhagen waren mir Boote angeboten, bie 60 Kilometer Geschwindigkeit haben sollten. Es waren Rennboote So mit Außenbordmotor, die alfo teine Last ziehen konnten. waren drei diefer Boote nicht in der Lage, 20 Kilometer zu erzielen. Als ich nun nach Helsingborg an den Start gehen wollte, wurden mir auf mein Verlangen feine genauen Angaben über die Preisausschreibung gemacht, so daß jeder Verfuch wertlos gewesen wäre. Auch herrschte in Helsingborg starter Sturm und hoher See gang, so daß ein Start unmöglich war, und in der Mitte des Sundes Ein furchtbares Sprengun glud ereignete fich auf der Zeche Parteinachrichten Meißen bei minden. Bei Sprengarbeiten versagte ein Schuß, und als ein Mann der Belegschaft die Patrone unferfuchte, explodierte diese plöhlich und der Schuß föfefe zwei Mann von eff umherstehenden Leuten, während zwei weitere schwer verleht und drei leicht verlegt wurden. Einfendungen für diefe Rubrik sind Berlin 68, Sinbenstraße 3. Monte Cervantes" übermorgen in Hamburg. Das Motorschiff Monte Cervantes", das am Montag von Hammerfest feine Rückreise fortgesetzt hat, mird norwegische Häfen nicht mehr anlaufen, sondern direkt nach Hamburg zurückfehren, wo die Ankunft nach einer Meldung des Kapitäns am Sonnabend vormittag zu erwarten ist. lino Achtung, Abteilungsleiter! Bon einer Reihe Abteilungen fehlen noch immer die Sammellisten für den Jugendtag. Alle Liften müssen, auch wenn nichts für Groß- Berlin aesammelt, umgehend im Gekretariat abgeliefert merben. ftets an das Bezirksjefretariat 2. Hof, 2 Srep. rechts, zu richten. Fahnenvertriebsstelle Cindenstraße 3, 2. Hof 2 Treppen 3immer 11. Freitag geöffnet von 9-19 Uhr. Am Dienstag, dem 7. Auguft d. 3., ist dem Genoffen Hans Schweres Bootsunglück auf dem Main. Schwarzkopf, wohnhaft köln- Brühl, Heinrich- Effer- Straße 29. Der Retter als drittes Opfer. Bamberg. 8. Auguft Gestern abend ereignete fich auf dem Main ein furchtbares Boofsunglüd, dem drei Menschenleben zum Opfer fielen. mei£ eipziger Studenten, die sich auf einer Baddelbootfahrt befanden, geriefen in einen Strudel und gingen fofort unfet. Der Schiffer Christ mayer eilte den Er. frinkenden zu Hilfe und konnte fie noch lebend in einen inzwischen herbeigeschafften ahn bringen. Als man nun vom Ufer aus versuchte, den Kahn mit einem Seil zu bergen, fipple der Kahn um und die beiden Studenten samt ihrem Reffer erfranken. Zur legten U- Boot- Katastrophe. Nicht 31, sondern 27 Zote. Es wird bestätigt, daß fein einziger Mann des gefunkenen Unterfeebootes F 14 gereftet wurde. Ein Teil ertrank, während die anderen erstickten oder durch die aus den Affumulatoren ausströmenden Clordämpfe vergiftet wurden. Das durch Pontons floffgehaltene Unterseeboot foll nach Pola geschleppt werden. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, dem 8. Auguft. 1. Rennen 1. Filigran( Müschen), 2. Lizzi( Moris), 3. Brünas ( Suller). Toto: 29: 10. Blaz: 15, 22, 22:10. Ferner liefen: Straut junter, Beluga, Leichte Isabell, 3mmortelle. 2. Rennen. 1. Eigenfinn( v. Borde), 2. Franzia( v. Bassewis), a. Ber Dart, gef.( Schniper). Toto: 17: 10. Drei liejen. 3. Rennen. 1. Vigor( Haufer), 2. Krupig( 5ths), 3. Markolf ( Derschug). Zoto: 30: 10. Plag: 11, 12, 11: 10. Ferner liefen: Fajner, Dpium, Belf, Estimo. 4. Rennen. 1. Stromer( b. Göz), 2. Myron( Leutn. Schräpler), 8. Sturm( s. Egloffftein). Zoto: 85: 10. Blak: 20, 54, 54: 10. Ferner Tiefen: Quo vadis, Maral, Barfuß, Nordsee, Herzog, Germin. 5. Stennen 1. Mallasten( v. Borde), 2. Lang( Hauser), 3. Goldlags ( Burst). Zoto: 44: 10. Plas: 18, 18, 21: 10. Ferner liefen: Mariza, Merkur II, Ritornell, Fliegender Fuchs, Lucrezia, Aujtärung, Durst 6. Rennen 1. Dtavi( Derichug), 2. Greif( Rutulies), 3. Genins ( Hauser). Zoto: 40:10. Flag: 14, 15, 15: 10. Ferner licfen: Geri, Bubi, Raute, Manitou. 7. Rennen. 1. Abteilung: 1. Oberon II( Bregner), 2. Frigga II ( Bleuler), 3. Pistole( Barga). Zoto: 22:10. Blaz: 13, 14, 13: 10. Ferner liefen: Caster Liln, Carl being. Benezianerin, Bulgarin, Rosen hergog 2. Abteilung: 1. Semele( D. Smibt), 2. Pasto( Mensel). 3. Alexander der Große( Bermann). Koto: 22: 10. Blaz: 12, 26, 14: 10. Berichte vom Jugendtag heute, Donnerstag, 19% Uhr: Norben: Heim Zorging Edce Graunstraße. Ripenider Biertel: Schule Wrangelftr. 128. Behlendorf: Nordschule, Botsdamer Str. 5/7. Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15. * Köllnischer Bart: Seim Großer Frankfurter Str. 16, Simmer 2. Arbeitera Führer. Wilmersbof: Seim Bilhelmsaue. Bub und Mädel." Bichterfelbez Seim Albrechtstr. 14a. Mitgliederversammlung mit Bericht vom Jugendtag. int Gemertjchaftshaus eine Aktentasche gestohlen worden, die unter Vorträge, Vereine und Versammlungen. anderem auch sein Parteimitgliedsbuch enthielt. Das Buch ift 1919 in Koblenz ausgestellt worden. Sollte es irgendwo als Legitimation benuhi werden, dann ist es dem Borzeiger abzunehmen. 3. A.: Aler Pagels. * 2. Areis Tiergarten. Donnerstag, 9. Auguft, 19% Uhr, trifft sich der Jugend. fprechchor bei Krüger, Butligstr. 10. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, 9. Auguft, 19 Uhr Abrechnung vom Boltsfeft und Gigung des Bildungsausschusses in der Bibliothel, Weichselstr. 28. Morgen, Freitag, 10. August: 3. Яht. 19 Uhr bei Borlid, Gebastianstr. 38, äußerst michtige Funktionär fizung. Jeber Bezirt muß vertreten sein. Abt. 124a Mahlsdorf- Sud. 20 Uhr bei Draber, Uhlandstr. 18, michtige Funt tionärßigung न * Belershagen. Laut Beschluß der Batiei beteiligen fich die Genossen an der vom Reichsbanner veranstalteten Berfassungsfeier Sonnabend, 11. Auguft, 20 Uhr, im Lotal Sum alten Deffauer". Der Borstand ersucht, diefes Feft als Bekenntnis zur Republik zu beachten und erwartet vollzähliges Erscheinen der Genoffen mit ihren Angehörigen. Jungsozialistische Vereinigung: Groz Berlin: Gesamtveranstaltung am Montag, 13. Auguft, 19% Uhr, im Stoten Saal bes 8bA., Belle- Alliance- Str. 7/10 Genoffe Dr. Friz Croner spricht über: Soziale Reform Soziale Revolution." Bortei- und SUZ- Genoffen sind hierzu eingeladen. Gruppe Reiniderdorf: Heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Geibelftraße, Außenspielplaz, Vortrag der Genossin Anna Sartoch. Erscheinen aller Genoffen ist fiicht. Gäste und GA3- Mitglieder milltommen, Gruppe Wilmersbarf: Freitag, 10. Auguft, 19 Uhr, Treffen am Untergrundbahnhof Fehrbelliner Blag zum Spaziergang. Gruppe Silben: Freitag, 10. August, 20 Uhr, im Jugendheim Dordite. LL, Simmer 8. Barteimitgliedsbuch als Aus meis mitbringen. texasllow w 08.12 Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 8. Abt. Seute, Donnerstag, 9. Auguft, 14% Uhr, findet die Urnenbeilegung unferes verstorbenen Genoffen Gustav Lamann auf bem Friedhof bes Arematoriums Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. Um rege Beteiligung Dich gebeden. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfendungen für blefe Pubrit nur an bas Jugendfefretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Achtung! Berfaffungsfundgebung. Die Teilnehmer, fomeit fte Mitglieder der EA3. find, treffen fich Cannabenb, 11 Auguft, 19% Uhr pünktlich, auf dem Sausongteiplas Fahnen find mitzubringen. 20 Uhr erfolgt die Aufstellung im Anschlus an den Zug Besten des Reichsbanners in der Schloßfreiheit. 兔 Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 r. Freitag, 10. Auguft. Tiergarten: Frankfurt- fahrer 18% Uhr Mödern traße, im Erzelfiortunnel. Neukölln Brig: Frankfurt Fahrer 18 Uhr Anhalter Bahnhofs Möckernstraße. Fahrkarten bei Schmidt, Reuterfiraße 36, abholen. Bund der Freidenferjugend. Donnerstag, 9. Auguft, 20 Uhr, michtige Be [ prechung aller Gruppen( Often, Norden, Treptam, Neukölln) im Jugendheim Neukölln, Flughafenftr. 6. Erscheinen ist Pflicht. Berein Sozialistischer Lebensreformer Berlin i R. B. Donnerstag, 9. August, 20 Uhr, in der Schule Sfflandstr. 9/11, Bortrag mit Film:„ Was will der Boltsfilmverband?" Außerdem läuft ein Film: Was wir wollen und was wir find." Jugendgruppe Diten: Freitag, 10. Auguft, 20 Uhr, Gruppenabend im Jugendheim Goßlerfte 61. Behn- Minuten- Referate über feruelle Brobleme. llanol Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten). Zuerst noch ziemlich stark bewölkt mit nur unbe deutenden Regenfällen. Später Bemölkungsabnahme, am Tage mäßig marm. Für Deutschland: Sm Dsten strichweise Regenfälle, im Süden tühler. Westmärts fortschreitende Betterbesserung. Gewinnauszug 5. Klaffe 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind awei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1.8iehungstag 20uni 8. August 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 5000. 196052 6 Geminne au 3000 m 18 Gewinne zu 2000 109874 203994 223601 20 Seminne an 1000 2062 75975 93099 199631 208574 269674 823549 331508 352193 354190 70 Gewinne a 500. 205 7589 8029 20852 33187 37400 37688 59278 61215 64623 116276 122552 131599 145558 168256 172643 182058 197970 198611 204700 205723 219306 237102 265168 290139 296465 297146 325660 338841 341442 342058 343461 348361 349676 361815 89927 220351 372509 13375 24004 29876 40024 47308 75239 216 Sepinne a 300 m. 7205 13911 17448 19187 21325 21820 23970 25661 26194 27318 28175 36153 36160 36887 37374 39670 40667 53566 53864 60422 61034 66021 68691 80084 82925 83000 85080 91838 94143 97231 98259 101158 107640 109369 110930 112276 113579 114875 116827 143231 144246 144260 144937 147068 154339 157385 161503 167135 167611 169640 170330 171555 173533 173960 178805 178950 180138 181354 183235 183310 188395 190900 198024 199305 199693 207987 208048 208448 213446 218645 219148 220836 231589 232150 236361 241211 241871 250313 252694 254486 259402 265488 271207 271420 273425 273810 275135 280797 292677 293577 297659 301477 302121 305226 306367 312977 328982 339564 339585 340111 341814 347932 350504 354082 356308 360391 868038 372926 In der Nacht vom 7. zum S. August wurde der Beigeordnete des Deutschen und des Preußischen Städtetages, Herr Dr. Wilhelm Spickernagel unmittelbar aus seiner Arbeit durch einen plötzlichen Tod abberufen. Mit reichen publizistischen und parlamentarischen Erfahrungen ausgestattet, hat Herr Dr. Spickernagel während seiner Tätigkeit als Mitglied des Preußischen Landtages, dem er in den Jahren 1924 bis 1928 angehörte. vor allem aber als Pressedezernent beim Deutschen Städtetag mit unermüdlichem Fleiß und besonderem Erfolg daran mitgearbeitet, das Ver ständnis der Oeffentlichkeit für die großen kommunalen Fragen und ihre Zusammenhänge mit dem Reichsganzen zu wecken und zu vertiefen. Sein unerwarteter Heimgang hinterläßt eine schwer ausfüllbare Lücke. Der Deutsche und der Preußische Städtetag werden ihrem Pressedezernenten, dessen lauterer Charakter ihm die Wertschätzung seiner Kollegen und aller Mitarbeiter in besonderem Maße gesichert hat, dauernd ein treues Andenken bewahren. Berlin, den 8. August 1928. Alsenstraße 7. Namens der Vorstände des Deutschen und des Preußischen Städtetages Dr. Mulert, Präsident. Am Freitag, dem 3. August 1928, verschied ganz plötzlich unser lieber Kollege, der Dreher Willi Hildebrandt im Alter von 47 Jahren. In jahrelanger Zusammenarbeit lernten wir den Verstorbenen als guten, stets hilfsbereiten Kollegen schätzen. Durch sein selbstloses sachliches Arbeiten im Betriebsrat und als Vertrauensmann hat er sich die Achtung und Sympathie bei allen Kollegen erworben. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Die Belegschaft der Berliner Maschinenban A.-G. vorm. L. Schwarzkopff. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 10. August, 16 Uhr, im Krematorium Gerichtsr. statt. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienbalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielb. Am Gendarmenmarkt Ferienbalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltag. Ferienhalber geschlossen! Komische 81%, Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. SCALA s Uhr Nollendorf 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Theater am Kottbusser Tor Lustspielhaus Täglich 8, Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Mal- u. ZeichenBedarf L- Juergens 900!! Heute!! Uraufführung des neuen Südfilms Mädchenschicksale" in der Schauburg am Potsdamer Platz Regie: Richard Löwenbein mit Gina Manés, Rudolf Klein- Rogge Vera Schmiterlöw, Sybil Peach Fred Louis Lerch, Kurt Vespermann, Eugen Burg, Herm. Sterler Helene v. Bolvary, Valeska Stock Manuskr.: A. v, Cube Photographie: Axel Graatkjär und A. v. Schwertführer Zurück AT Beutsches Theater Alexanderplatz Deutscher Metallarbeiter- Verband Dr. H. Bernhardt Norden 12 310 U. Ende nach 101/ Artisten Krause- Pianos Regie Max Reinhardt Achtung! Berwaltungsmitglieder! Am Freitag, dem 10. August, findet teine Sigung der Mittleren Orts. Die Komödie zur Miete erwaltung ftatt Bismarck 2414/7516 W50, Ansbacherstr.1 82 U. Ende 10% L Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater harlottenstr.90/ 91. Domb.170 31/4, Ende nach 10, lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozeh Mary Dugan Theater des Westens Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das süße Geheimnis Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8% Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wortz& 6. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.-Mk. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. ε Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: ..Der Zarewitsch" 8% Theater am Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Nollendorfplatz Heute& Uhr Die Elite- Sänger ungeküßte Eva Allabendlich Bomben- Erfolg! ,, Lohengrin in Neukölln" Preis Mark 0.50 bis 2. Mark Operette in 3 Akten. Musik von M. Knopt mit Lori Leux. Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Wesperst man gut u.billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im Achtung! Achtung! Des Berfoffungstages megen bleiben unsere Bureaus am Sonnabend, dem 11. Auguft, gefchloffen. Die Orfsverwaltung. hals, Nasen-, Ohrenarzt. 09030 Verkehrslokal der organisiert. Arbeiterschaft Willy Hoffmann BERLIN N, Lychener Straße& Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Ortsverwaltung Berlin Aus Anlaß des Verfassungstages am 11. Augus? " Vorwärts" sind die Bureaus und Kassen der Ortsverwaltung an und trotzdem diesem Tage geschlossen. !! billig!!! Verkani direkt vom Faß- Kostproben gratis Achtung: 1 Ltr. enthält ca. 15 Ltr. mehr als 1, Flasche Feinste Erdbeerbowie. süß, 13% Ltr. 1.15 . 9 Feinster Apfelwein, herb Feinster Apfelwein, süß, 13%.. Feinster Dessert- Obstwein, süß, 14%. Feinster Johannisbeerwein, süß, 13% Feinster Kirsch- u.Erdbeerwein, süß. 14% Ltr. 0.50 Ltr. 0.75 Ltr. 0.95 Ltr.0.95 Ltr. 1.45 Ltr. 1.35 Ltr. 1.60 . Ltr. 1.40 Ltr. 1.85 • Ltr. 1.90 Ltr. 2.80 12 Ltr. 1.30 %, Ltr. 1.50 Echter Tarragona, süß, 16% Echter Malaga, la, süß, 16% Echter Griechen- Süßwein, ca. 18%. Echter Wermuthwein, süß, ca. 18% Echter Sanato und Insel Samos, ca. 18% Echter Douro- Portwein, ca. 20% Echter Pepsinwein, für Kranke Echter Medizinalwein, für Kranke Echter Tafel- Aquavit, fuselfrei Ltr. 2.95 Echter Weinbrand Verschnitt 3*** Ltr. 3.20 Echter Deutscher Weinbrand 3***.. Ltr. 4.20 Feinste Edel- Liköre bis 38%.... Ltr. 4.45 . Himbeer-, Kirsch- Zitronensaft, Orangeade Ltr. 2.mit feinster Raffinade eingekocht Selter Ltr.Fl. 0.10 Limonade Brause Ltr.Fl.0.15 Wegen Ueberfüllung des Lagers! 20 000 Fl. verb. Pfälzer Weißwein.. Fl. 0.95 20 000 FI. 1926er Edenkob. Weißwein Fl. 1.15 20 000 Fl. 1925 er Liebfraumilch Weißw. Fl. 1.60 20 000 FL. 1923er NiersteinerWeißwein Fl. 1.60 Versand nach außerhalb unter Machnahme. Bei Einkauf von 25 Mark franko Zusendung. Größtes Spezialgeschäft seiner Art in Deutschland. Versand innerhalb Groß- Berlins frei Haus von 10.- M, an Eduard Süsskind Likör- Fabrik Welngroßhandlung CASINO.THEATER Rose- Theater Hauptgeschäft: Brunnenstr. 42 Lothringer Str. 37. Wiedereröffnung jr. Franki. Str. 1oz. 5 Uhr: Freitag, den 17. August 1928 KONZERT mit dem neuen Schlager Rundfunkficber. Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr Bunter Teil. 8% Uhr Das Musikantenmädel. Berliner Prater Kastanienallee 7/9. Stettiner Sänger Heute gr. Volkstag! Wiederauftreten von Paul Britton. Preise 60 Pf. bis 2 M. VOLhoti Brett's: ( Saal und Garten) Varieté Kabarett-- Tanz 844 Uhr: Försterchristel. Ausstattungsoperette. Berlin, Müllerstr. 144 Steglitz, Schloßstr. 121 Berlin, Chausseestr. 76 Spandau, PotsdamerSt.23 Ber in, Petersburg.St.60 Pankow, Wollankstr. 98 Berlin, Koppenstr. 87 Neukölln, Berliner Str. 13 Berlin, Grünauer Str. 15 Moabit, Wilsnacker Str.25 Köpenicker Straße 121, Ecke Michaelkirchstraße Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 157 Oberschöneweide, Wilhelminenhofstraße 40 Schöneberg, Kolonnenstraße 9, Ecke Feurigstraße Neueröffnung Martin- Luther- Straße 86, Ecke Barbarossastraße Kruken, Flaschen usw. werden geliehen Laden gesucht Die Ortsverwaltung KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. Anzeigen, welche für die Fettgedradics Wert 25 Pt. ( zulässig 2 feltgedruckte Worte). Stellengesuche das 1. Wort( fettgedruckt) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für zwei Worts. nächste Hummer bestimmt sind, müssen bis spätestens 41 Dhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Vorwärts, Lindenstraße 3. abgegeben werden. Dieselbe istwochentags von morgens 82 Uhr bis nachm. 5 Uhr ununterbrochen geöffnet. Verkäufe Teppich- Ausverkauf. Husverlaufspreis Größe 2x3 17, Ausverkaufspreis Größe 2X3 23, Ausverkaufspreis Größe 2x3 85, Ausverkaufspreis Größe 24x3% 38, Ausverkaufspreis Größe 2x3% 45, Ausverkaufspreis Größe 3x4 58, Ausverkaufspreis Größe 3x4 79, wegen Geschäftsumstellung. Körner, Pots damerftraße 26a. STOCK Warum wollen Sie sich noch länger in der Bahn quetschen? Machen Sie sich doch die anstrengende Fahrt im Gedränge zur Erholungsfahrt. Fahren Sie das billige STOCK- MOTORRAD das Sie sich für ihre täglichen NebenAusgaben bereits leisten können. Preis Mk. 385.Mk.6.75 Abzahlung pro Woche Stock Motorpflug A.-G. Abteilung Motorrad Berlin- Niederschönewefde. Vertreternachweis und Stadtverkaufsstelle Berlin SO 16, Köpenicker Straße 48 49. Kaufgesuche Ergänzungsmöbel in Rußbaum, Maha. goni, Eiche. Anfleideschränke, Betten, auch in Metall, Tische, Stühle, Schreib, tische, Bücherschränte, Büfetts, Arc- Zahngebife, Blatinabfälle, Binn benzen, Standuhren. Polstermöbel in metalle, Quedfilber, Silberschmelze. Gobelin und Beder. Riefenauswahl!! Goldschmelzerei Chriftionat, Röpenider Billigfte Breife! Möbelhaus Often, Auftraße 39( nahe Adalbertstraße). dreasftraße 30, gegenüber Markthalle. Musikinstrumente Sintpianos, überaus preiswert, Biano. fabrit Link. Brunnenstraße 35. Gebrauchte Serer. Prinzenstraße neunzig. Pianos, Teilzahlung. Münzen, Briefmarken fauft Großmann, Johannisstraße 4. Unterricht Technische Privatschule Dr. Werner, Regierungsbaumeifler, Berlin, Neander Ohne Anzahlung. Pianos in großer ftraße 3. Maschinenbau, Elettrotecnif, Auswahl, neue und gebrauchte, mit herr. Hochbau, Tiefbau, Steinmegschule, Hei licher Tonfülle. Langjähriger Garantie gungstechnik, Technikerkurse, Meifterfchein, leine Ratenzahlung. Serer, turse, Bolierkurse. Brunnenstraße 191, 1 Treppe, am Rosen. thalerplag. Fahrräder Teilzahlung. Verschiedenes Vergnügungen Geringe Anzahlung. Fieine Rate, trobem billig. Nur Quali Colibri- Säle, Schöneberg, Martine tätsräber, brei Jahre Garantie. Fabr. Luther- Straße 69. Mittwochs, Donners rabbau Bima. Aderstraße dreißia. tags, Connabends und Gonntags der 2,50 wöchentlich, eventuell ohne An- ftimmungsvolle Ball der reiferen Jugend zahlung, erstklassige Fahrräder, 5 Jahre bei neuer Rapelle und Tanzleitung. Garantie. Riefenauswahl. Groß- Ber Ohne Anzahlung in 12 Monatsraten liner Fahrradvertriebsgesellschaft, Turm Teppiche, Diwan-, Tisch, Daunendeden, ftraße 70. Läuferstoffe, bequemste Monatsraten. Deutsche Teppich- Bertriebs- Gesellschaft. Rronenstraße Nr. 66-67. Bekleidungsstücke, Wasche usW Getragene Serrengarderobe, Speziali. tät Bauchfiguren, spottbillig. Ras, Gor mannftrake 25/26. früher Meuladitraße. Nähmaschinen Dürkopp- Nähmaschinen gegen 3- Mart Wochenraten. Blofit, Brunnenstraße 185, Awischen Rosenthalerplak und Invalibenstraß Rorden 118. Werkzeuge u. Maschinen Benig getragene Fradanzüge, Gmo. Werkzeuge für Klempner, Dachbeder. finganzüge, Gehrodanzilge, anzüge, Gummimantel, Cutawananzüge nizstraße 17. Jadett Paul Friedrich, Charlottenburg 2. Leib Gabardinemäntel, Covertcoatpaletots, fülr iebe Figut paffend, Spezialität: Bauch- Bertzeuge für Schloffer, Schmiede. anzilge fpottbillig. Gefellschaftsanzüge Paul Friedrich, Charlottenburg 2, Leib. werden verliehen. Salpern, Rosenthaler. niaftraße 17. ftraße 4, I. Etage. Möbel. Batentmatzagen, Brimiffima"-Metall. betten, Auflegematragen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spe. sialgefchäft. Schlafzimmer, Speifezimmer, Herren zimmer, Silchen, Büfetts, Bücherschränke, Schreibtische, runde Tifche, Standuhren, Antleibeschränte aller Größen, Gofas, Ruhebetten. Rulante Zahlungsweise. Moebel- Boebel, Morigplag. Fabrit gebäude. Ramerling, Raftanienallee 56. An richtetüchen, Abmaschtische, Beißlad. schränke, Flurmöbel. Riefenauswahl. Spottpreife. Sahlungserleichterung. Ohne Anzahlung auf Aredit Möbel, Herren- und Damen garderoben, Bett. und Leibwäsche, Teppiche, Steppbeden. E. Thau's Möbel und Warenausstat. tungen, Bielefftr. 28 1, Turmstraße 30, Sofladen, Neukölln, Bannierstraße 7 Tempelhof, Berlinerstraße 124. 85 Rüchen, neueste Modelle, alle Größen, farbig und naturlasiert. Auch Einzelteile zur Ergänzung. Reform füchen mit Inneneinteilung! Enormi Konzert, Variese. für Buchhandlung. Nähe Görliger Bahnhof oder Bahnhof billig! Moris Sirfchowis, nur Südosten, Tanz. Kaffeekochen. Sermannstraße. Breisofferten unter Z 12 an die Haupt- Staligerstraße 25. Sebahn Ratibuffer Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. expedition des„ Borwärts", Zor Arbeitsmarkt Stellenangebote Junge Lente, 15-18 Jahre, für Teichte Arbeit( Basteln und Stabilmodellbau). Walther u. Co., Spielmarenfabrit, Beughofstraße 3. Junge Mädchen, eima 16 Jahre, für leichte Arbeit. Balther u. Co., Spiel. marenfabrik, Zeughofstraße 3. Rur wirklich erstklassige Formbauer Berkzeuge für Maurer, Zimmerleute. für Präzisions- Sprigguß fofort verlangt Baul Friedrich, Charlottenburg 2, 2eib W. Bauer& Co., Berlin SO 16, nigftraße 17. Röpenider Str. 82a. Für die Partei- Buchhandlung einer größeren Stadt Norddeutschlands wird ein Buchhändler gefucht Es kommt nur eine erste Kraft in Frage, die auch mit Buchführung, Propaganda usw. vollkommen vertraut und in der Lage ist, das Geschäft selbständig zu leiten. Angebote mit Gehaltsforderung unter S. 12 an die Geschäftsstelle des ,, Borwärts" erbeten. r 11 I e Donnerstag 9. August 1928 Unterhaltung und Wissen Die verlassene Braut. Bon H. G. Wells. Während ich in meinem 2rbeitszimmer schreibe, höre ich, wie Jane unten mit Bürste und Staubwedel herumpoltert. Früher pflegte sie geistliche Lieder, abwechselnd mit der britischen Nationalhymne, zur Begleitung dieser Instrumente zu singen, aber in der legten Zeit war sie sehr schweigsam und nur auf ihre Arbeit bedacht. Ich muß gestehen, daß ich mich heimlich freuen würde, wenn Jane wieder das Daisy- Lied sänge, oder ein kaputtgegangener Teller mir anzeigen würde, daß die Zeit der Shwermut vorbei ist. Und doh, wie froh waren wir, nichts mehr von Janes jungem Mann zu hören, als wir nichts mehr von ihm hörten. Jane war immer sehr offen in ihren Unterredungen mit meiner Frau und besprach in der Küche eine ganze Reihe von Themen mit größter Beredsamkeit. Aber nachdem William auf der Bildfläche erschienen war, hieß es immer William, nichts als William! William hier und William da! Und als mir dachten, daß William schon erschöpft und erledigt sei, tauchte er immer und immer wieder auf. Die Verlobung dauerte nämlich drei Jah: e. ,, Er ist ein soo anständiger junger Mann, gnä' Frau," meinte Jane.„ Sie wissen gar nicht... Er ist zweiter Portier in dem Tuchgeschäft von Maynard," sagte Jane, und bekommt 18 Schilling, fast ein Pfund in der Woche. Sein Vater war ein Gemüsehändler, gna Frau, und hat zweimal Bankrott gemacht. Und eine seiner Schwestern ist im Spital. Er ist eine sehr gute Partie für mich, wo ich doch so' ne arme Waise bin." ,, Sind Sie denn mit ihm verlobt?" fragte meine Frau. ,, Richtig verlobt, nein! Aber er spart Geld, um einen Ring zu laufen Ammatist!" Und bald wurde auch der Amethystring im Haus herum getragen, sogar in einer etwas ostentativen Art, und Jane gewöhnte sich an, den Braten auf eine ganz neue Weise hereinzubringen, damit der Ring auch richtig zur Geltung fam. Janes Shahz erschien mir als das, was man in besseren Kreisen einen anständigen jungen Mann nennt. Ja, gnä' Frau," sagte Jane eines Tages mit schlecht verhehlter Selbstzufriedenheit, währed sie die Bierflaschen abzählte,„ William ist Antialkoholiker. Ja, gnä Frau, und er raucht auch nicht. Das Rauchen, gnä' Frau," meinte sie weiter, im Ton eines Gedankenlesers,„ macht soviel Staub. Und es ist so schade ums Geld. Und der Geruch dazu. Mancher hat es vielleicht nötig." William war zuerst ein etwas schäbiger junger Mann mit einem schwarzen Anzug von der Stange. Er hatte wassergraue Augen und einen Teint, wie er sich für jemand shit, dessen Schwefter im Spital liegt. Agatha, meine Frau, hielt nicht viel bon ihm, selbst anfangs niht. Sein ungeheurer Anstand wurde noch durch einen Alpakkaschirm verbürgt, von dem er sich nie trennte. „ Er gehört zur Reformgemeinde," sagie Jane. Bald hörten wir, daß der erste Portier bei Maynard entlassen und William als erster Portier mit 23 Schilling in der Woche angestellt worden war, und nach diesem Aufstieg schien Janes junger Mann in lauter Wohlstand zu schwimmen. Weißt du, Lieber," meinte Agatha eines Tages, Jane sagte erwas, was mir nicht gefiel. Sie schwieg erst eine Weile, dann bemerkte sie auf einmal:" William is' wohl was Besseres als ich, gnä' Frau, nicht?" ,, Ich sehe nichts darin," erwiderte ich; aber später wurden mir die Augen geöffnet. Eines Sonntags nachmittags um dieselbe Zeit saß ich an meinem Schreibtisch, als ein Schatten am Fenster vorbeistrich. Ich hörte einen unterdrückten Ausschrei hinter mir und sah, wie Agatha mit geweiteten Augen die Hände zusammenschlug. George," flüsterte sie atemlos, haft du's gesehen?" Dann sagien wir es beide im Chor, langsam und feierlich: » Ein Zylinder gelbe Handschuhe ,, Bielleicht scheint es mir mur so," meinte Agatha, aber seine Kramatte war fast genau wie deine. Ich glaube, daß Jane ihn mit Krawatten versorgt. Sie sagte mir vor einer Weile in einem Ton, der Bände sprach:„ Die Krawatten, die der gnä' Herr trägt, find hübsch!" und nun macht er dir's nach." - ein neuer Schim!" Es war Das junge Paar tam an unserem Fenster vorbei. Janes freier Tag. Sie gingen Arm in Arm. Jane sah unerhört stolz, glücklich und unbehaglich mit ihren neuen. weißen Baumwollhandschuhen aus, und William höchst vornehm in seinem Zylinder. Das war der Gipfelpunkt von Janes Glück. Als sie zurücktehrte, erzählte sie uns: Herr Maynard hat mit William gesprochen. Er soll beim nächsten Ausverkauf die Kunden bedienen, genau wie die jungen Herren im Geschäft. Wenn er's gut maht, wird er ihn bei der nächsten Gelegenheit als Hilfskommis einstellen. Er muß sich so elegant wie möglich benehmen; und wenn's nicht gelingt, dann liegt's nicht daran, daß er sich keine Mühe gibt. Herr Maynard hat einen Narren an ihm gefressen." Am nächsten Sonntag, als ich meinen Tee trant, fragte ich meine Frau:„ Warum ist dieser Sonntag anders als die anderen Sonntage, fleine Frau? Was ist geschehen? Hast du die Vorhänge geändert, die Möbel umgestellt, oder was macht diesen undefinierbaren Unterschied aus," Es war an einem Feiertag im August, als die Krise zum Ausbruch fam. Jane kam nach Hause, staubig, erregt, und ihr Herz war in Aufruhr. Die Modistin, ihre Mutter und William hatten einen Ausflug gemacht. Jedenfalls gelang es Jane, sie ruhig, aber entschlossen auf der Straße anzusprechen, um ihre Rechte geltend zu machen. Sie ging, glaube ich soweit, daß sie handgreiflich wurde. Sie behandelten sie in einer zerschmetternd überlegenen Weise. William wurde von seiner Zufünftigen und deren Mutter aus den zögernden Händen unserer verschmähten Jane in das Gefährt hineinGezerrt. Man drohte sogar, sie anzuzeigen. Darauf erholte sich unser Haus eine Zeit von William. Aber es lag etwas in der Art, wie Jane die Hausschwelle scheuerie ode: die Zimmer fegte, eine gewissene verhaltene Wut, die mich überzeugte, daß die Geschichte noch nicht zu Ende war. ,, Kann ich morgen meinen Ausgang haben, gnä' Frau," fragte Jane eines Tages, ich möcht' zu einer Hochzeit!" Meine Frau wußte instinktiv, zu welcher Hochzeit. Halten Sie es für klug, Jane?" fragte sie. ,, Ich möchte ihn zum letzten Male sehen." ,, Liebster, höre mal!" Meine Frau stürmte herein, ungefähr 20 Minuten, nachdem Jane das Haus verlassen hatte. Jane ist auf dem Boden gewesen, hat alle alten Schuhe in eine Tasche getan und ist so zur Hochzeit gegangen. Sie wird doch nicht....?" ,, Jane entwickelt Charakter. Laß' uns das Beste hoffen." Jane kam mit blaffem, hartem Gesicht zurück. Alle Shuhe schienen noch in ihrem Sack zu sein, was meine Frau mit einem verfrühten Seufzer der Erleichterung begrüßte. Wir hörten, wie fie nach oben ging und die Schuhe mit besonderem Nachdruck wieder hinstellte. Beilage des Vorwärts Es war alles sehr anständig und elegant, aber ihr Baier hatte feinen schwarzen Anzug und sah aus, als ob er nicht dazu gehörte. Herr Biddingquirt....." ,, Wer?" William nämlich „ Herr Piddingquirf hatte weiße Handschuhe, einen Anzug wie ein Pfarrer, und eine herrliche Krüsantemme im Knopfloch. Er sah so hübsch aus, 3nä' Frau! Und ein roter Teppich war da, genau wie bei seinen Herrschaften, und die Leute erzählten, daß er dem Diener vier Schilling gegeben hätte. Sie hatten einen richtigen Wagen und keine Droschke. Als sie aus der Kirche herauskamen, wurden sie mit Reis beworfen, und ihre beiden kleinen Schwestern streuten künstliche Blumen. Jemand warf einen Hausschuh, wie's der Brauch ist und ich schmiß einen Stiefel." ,, Einen Stiefel, Jane?" „ Ja, gnä' Frau! Ich zielte nach ihr, aber es traf ihn. Er wird ein blaues Auge haben. Ich hab' nur einmal gemorsen. Ih hatte nicht das Herz, es nochmals zu tun. Und die kleinen Jungen freischten vor Freude, als ich ihn traf." Nach einer Pause:„ Es tut mir leid, daß der Stiefel ihn traf." Wieder eine Pause. Die Kartoffeln wurden mütend geschabt. ,, Er war immer etwas Besseres als ich, gnä' Frau, und dann wurde er verführt." Die Kartoffeln waren mehr als fertig. Jane stand plötzlich auf und schüttete die Schüssel auf den Tisch aus. " Mir fann es ja gleich sein," sagte sie ,,, mir liegt nichts an ihm. Er wird schon seinen Fehler merken. Es geschieht mir reht. Ich war so in ihn vernarrt. Ih hätte nicht so hoch heraus sollen, und ich bin froh, daß alles so fam." ,, Q, gnä' Frau," sagte sie mit plötzlich umschlagender Stimme, ,, denken Sie sich, wie es alles hätte kommen können. Ich hätte so glücklich werden können. Ich hätt's ja wissen sollen, aber ich wußte es halt nicht.... Gnä' Frau sind so gut zu mir, daß Sie sich alles erzählen lassen, denn es ist so schwer für mich, so schwer.. Der letzte Rest verflüchtigte sich vor einigen Tagen mit dem Schlächtergesellen aber das gehört kaum hierher. Jane ist jedoch noch jung, und die Zeit wird schon ihre Arbeit bei ihr vollbringen. Wir alle haben unseren Kummer, aber ich glaube nicht an Kummer, ( Uebertragung aus dem Englischen von A. Ballentin.) „ Es waren furchtbar viel Menschen bei der Hochzeit, gnä' Frau," erzählte sie in reinstem Gesprächston, als sie in der Küche Kartoffel der nie heilt. schälte, und sie hatten so schönes Wetter. Erfinderaufgaben. Es gibt fein ,, Niemals!" Es gibt tatsächlich nichts in der Welt, was unmöglich, unausführbar wäre, und man sollte sich deshalb hüten, irgendein auftauchendes Problem als unausführbar zu bezeichnen. Erinnern wir uns an einige technische Aufgaben, die von den Zeitgenossen als undurchführbar erklärt wurden. So fand der Plan des französischen Ingenieurs Eiffel, einen 300 Meter hohen eisernen Turm zu bauen, in den Fachkreisen fast einheitliches Kopfschütteln. Unmöglich, undenkbar, unausführbar, völlig ausgeschloffen und dergleichen mehr fanden anerkannte Kapazitäten diese„ Ausgeburt einer überhizten Technikerphantasie", indes strebte die gewaltige Eisenkonstruktion auf dem Marsfelde an der Seine in die Höhe. Eine ähnliche Verurteilung vor der Ausführung fand der Plan des deutschen Ingenieurs Riggenbach aus Olten, eine Zahnradbahn bis zur Spitze des Rigi hinaufzuführen. Man erklärte den Mann glattweg für irrfinnig und sein Projekt ein„ Attentat auf den ge= sunden Menschenverstand". Im Jahre 1835 tauchte in Deutschland und in Frankreich der Plan auf, eine Eisenbahnversuchsstrecke nach englischen Vorschlägen zu bauen. Darob bei den Fachgelehrten aller Fakultäten große Entrüstung und selbstverständliche Ablehnung dieses„ wahnwizigen" Vorhabens. Der französische Staatsmann Thiers tat das Eisenbahnprojekt kurzweg mit den Worten„ englische Narrheit" ab. Das bayerische Medizinalkollegium wies in der Denkschrift nach, daß der menschliche Organismus unmöglich die Geschwindigkeit der Eisenbahn aushalten könne, erhebliche Störungen im Nervensystem seien die selbstverständliche Folge für jeden Eisenbahnfahrgast, und die preußische Verkehrsbehörde erklärte amtlich, daß die geplante Eisenbahnstrecke von Beriin nach Potsdam fich niemals rentieren fönne; sie sei völlig unwirtschaftlich und die Kosten weggeworfenes Geld. Heute baut sich unser ganzes Wirtschaftsleben auf dem Eisenbahnverkehr auf. Und damit das heitere Element nicht fehlt, so sei folgende liebliche Episode hier angeführt: Als Edison den Phonographen erfunden hatte, schickte er eine solche Sprechmaschine durch einen Bertreter nach Paris. 2m 11. März 1878 führte der berühmte Physiker Du Moucel diesen Phonographen vor Pariser Gelehrten vor. Zunächst begann er eine theoretische Erklärung, die wohl ruhig, aber mit Kopfschütteln entgegengenommen wurde; als er aber den Appo rat in Tätigkeit setzte und dieser begann:" Guten Tag, meine Herren, fennen Sie mich, ich bin Edisons Phonograph", da gab es einen Sturm der Entrüstung. Schwindel", Taschenspielerei" und ähnliche Schmährufe wurden laut und der Professor Bouillaud stürzte vor Zorn dem Professor Du Moucel an die Gurgel und schrie laut: „ Sie Schuft, glauben Sie, wir lassen uns von einem Bauchredner zum besten halten?" Napoleon I. erklärte die Urheber des Dampfschiffes, Bapin, Fulton und andere, für verrückt. Aehnliche Widerstände fand Benjamin Franklin mit seiner Idee, den Blitz unschädlich abzuleiten. Unmöglich," schrien die Gelehrten der Königlichen Akademie zu Darauf erwiderte mir meine Frau in ihrem tragischsten Tone: ., George, dieser London. dieser William hat sich heute hier nicht blicken laffen, und Jane weint sich oben die Augen aus." Tiefes Schweigen folgte. Jane hatte, wie ich schon erwähnte, aufgehört, im Hause zu singen, und begann unseren zerbrechlichen Besitz sorgfältig zu behandeln, was meiner Frau als ein sehr trauriges Symptom auffiel. Am nächsten Sonntag und am übernächsten bat Jane um ihren Ausgang. Jedesmal kehrte Jane sehr rot und sehr entschlossen aussehend zurück. Eines Tages wurde sie schließlich mitteilsam. ,, William wird verführt," bemerkte sie plötzlich im selben Atem, als sie von Tischtüchern sprah.„ Ja, gnä' Frau, sie ist eine Modistin und fann auf dem Klavier spielen." Ich dachte, Sie gingen am Sonntag mit ihm?" " Nicht mit ihm, gnä' Frau, hinter ihm. Ich ging hinter ihnen her und sagte ihr, daß er mit mir verlobt ist." Wirklich, haben Sie das getan? Was sagten denn die and ren darauf?" „ Sie machten so, als wär ich Luft für sie. Und da hab' ich ihr gejagt, daß es ihr übel belommen wird," Eine Flugmaschine, die schwerer als die Luft sei, war nach der Meinung von so hervorragenden Fachleuten wie Helmholz, von Siemens und Gay- Lussac eine Unmöglichkeit. Unmöglich war es auch nach dem berühmten Physiker Jacques Balinet, ein Telegraphenkabel zwischen Europa und Amerifa zu legen. Unmöglich war nach dem physikalischen Gutachter Beggendorf die Erfindung des Telephons durch den Lehrer Philipp Reis. Unmöglich war das Bauen einer Lokomotive durch Stephenson. Ganz ausgeschlossen und unmöglich erschien damaligen Gelehrten das Zerschneiden einer Bakterie oder die Berlegung eines Infusorientierchens. Unmöglich war Zeppelins Flugzeug. Kurz und gut, es gab wohl feine tech nische Errungenschaft und wird auch keine geben, die nicht anfangs von allen möglichen Seiten als undurchführbar und unmöglich erflärt wurde und wird. Nun gibt es aber, wie schon eingangs gesagt, tatsächlich noch viele Erfinderaufgaben, die bisher noch nicht gelöst werden konnten, oboleich sich sehr viele anerkannte Fachleute damit beschäftigt haben. Einige dieser Aufgaben sollen nun näher betrachtet werden. Ungelöst ist bisher die Aufgabe, die großen Mengen der Lufta elektrizität der Menschheit dienstbar zu machen. Die Bersuche eines Hamburger Ingenieurs, Elektrizität aus den Wolfen mit Hilfe einer Anzahl Ballonets zu ziehen, ergaben kein positives Resultat. Vielfach hat man sich damit beschäftigt, die gemaltigen Energiemengen, die bei der Ebbe und Flut an der Meeresküste entstehen, nuzbar zu machen. Auch hier ist man bisher zu feinem brauchbaren Ergebnis gekommen. Das gleiche läßt sich sagen von der Ausnutzung der Erdwärme. Dieses scheiterte vor allem daran, daß man sehr große Erdtiefen erreichen muß, um brauchbare Wärmegrade zu erzielen, und die hierzu notwendigen Bohrtiefen von 5000 und mehreren Metern sind heute noch nicht möglich. Das Mittel oder Verfahren, um die giftigen und die Luft verpestenden Gase, die bei einem Schmelzhüttenwerk entstehen, unschädlich zu machen oder zu verwerten, ist ebenfalls noch nicht erfunden. Das gleiche gilt für ein Verfahren, um den Stickstoff aus dem Eisen vollständig zu entfernen. Der Erfinder der Notenschreibmaschine läßt ebenso auf sich warten, wie der Mann, der eine Buchschreibmaschine konstruiert, gleichen maschinell vorgenommen werden können. mit deren Hilfe also die Eintragungen in Geschäftsbücher und der= Es fehlt noch eine Maschine, die Straßen automatisch pflastert, ferner eine solche, die Asphaltpflaster aufreißt und herstellt und eine Einrichtung, mit deren Hilfe es möglich ist, große Schneemassen von den Straßen und dergleichen zum Schmelzen zu bringen. Wir könnten auch ein unzerbrechliches Glas, cin biegsames Glas, cin hitzebeständiges Glas gebrauchen. Künstliche Diamanten und Perlen aus Glasmasse von der Härte und dem Glanz der natürlichen lassen auch noch auf sich warten. Die Nuzbarmachung der Sonnenstrahlen hat zu vielfachen Vers suchen und Konstruktionen geführt. Bisher ist es jedoch nicht möglich gewesen, diese kolossalen Energiemengen, die in den Wärmestrahlen der Sonne gebunden sind, nußbringend zu verwerten. In der Chemie harren noch viele Aufgaben ihrer Lösung, so zum Beispiel wird ein Kontaktverfahren zur Herstellung von Schwefelsäure gesucht. Ferner die Herstellung einer schwefelhaltigen Hydrozellulose oder die Wiedergewinnung von Chromjäure aus Chromorydlösungen auf elektrolytischem Wege, desgleichen die Nutzbarmachung der beim Erhitzen von Chlorkalzium mit natürlichen Silikaten sich ergebenden Rückstände. Es fehlt ferner die elektroIntische Gewinnung von Zink und ein Verfahren, um unwirksamt gewordene Platinkontaktmassen zu reaktivieren. Ein Mittel zum Haltbarmachen von festen Hydrosulfiten werd ebenfalls gesucht. Viele Erfindungen zur Unfallverhütung in Gewerbe und Industrie, Feuerschutzanlagen und Einrichtungen, Verhinderungen von Verkehrsunglücken aller Art und Einbruchs- und Diebstahlschutz sind ebenfalls noch zu machen oder zu verbessern. Alfred Nauck. Der älteste Baum der Welt. Auf dem Friedhof der Stadt Santa Maria del Tuel in Südamerika steht eine Zypresse, deren Alter man auf 5000 bis 6000 Jahre schätzt. Dieser ehrwürdige Nestor der Pflanzenwelt wächst und blüht heute noch wie vor fünfzig Jahrhunderten. Es ist unzweifelhaft der älteste lebende Organismus auf Erden. Wenn dieser Baum sprechen könnte, so hätte er wohl der Welt die fesselndsten Geschichten zu er= zählen. Er könnte unschäzbare Berichte aus der frühesten Geschichte Merifos und von Blüte und Zerfall der Monarchien im tropischen Amerika liefern. Als der Baum etwa im Jahre 3000 v. Chr. aus der Erde hervorsproß, regierte König Menes in Aegypten. Als Cheops seine Sklaven mit der Peitsche zur Arbeit an der großen Pyramide trieb, war der Baum ein Jüngling von zweihundert Jahren. Und als die Juden ihre erste Wanderung aus dem Tal des Nils unternahmen, war er ersten 1500 Jahre alt. 21s man den Baum zum letztenmal maß. hatte der Stamm in 1,20 Meter Höhe über dem Alexander von Humboldt entdeckt worden, der an dem Stamm eine Boden einen Umfang von 40 Metern. Die Riesenzypresse ist von Gedenktafel anbringen ließ. Das war vor hundert Jahren. Die Tafel ist aber jest fast vollständig von der Rinde überwachsen, ein Beweis, daß der Stamm noch in noller Stroftesteht Filmtheater unter der Twstknute. Die nationalen Kilmlontingente.— Amerikanische Auswüchse. Die 5 2 000 Filmtheater her Welt haben Sitzplätze f ü r 2 0 Millionen Menschen. Diese Ziffern vermögen einen schwachen Begriff über die Wirkungsmöglichkeiten dieser modernen Kunstform zu geben, die für die neuzeitliche Zivilisation unentbehrlich geworden ist.- Der Film ist zu einer 5iulturmacht geworden, in gutem und in schlechtem Sinne. Er kann als Kunst und als Belehrung eine wertvolle Bereicherung des Lebens bedeuten. Nun ist aber, das heutige Kino ein gewaltiges Geschäft des Privatkapitals, das sein Publikum nur allzu häufig durch die Spekulation auf die niedrigsten Instinkte und die billige Sensationslust der Massen zu befriedigen sucht. Wie immer es auch sein mag, das Kino ist sowohl als Kulturgut wie auch häufig als Ausdruck einer Unkultur zu einem unentbehrlichen Bedarfsartikel geworden. Die Kinofreudig- keit des Publikums ist sreiüch sehr verschieden. Am größten ist sie in den Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung zwar nur ein Viertel der europäischen ausmacht, trotzdem aber mehr Film- theater besitzt als ganz Europa. Die Vereinigten Staaten haben etwa 20 000 Kinotheat� mit 10 Millionen Sitzplätzen. Die Ein- nahmen der amerikanischen Filmtheater betragen jährlich 750 Millionen Dollar. Auherordentlich stark ist auch der Kinobesuch in England und in Frankreich. Frankreich hat 4000 Licht- spielhäuser mit 2 Millionen Sitzplätzen, darunter 000 Großkinos mit über 750 Plätzen. Deutschland hat bei einer um 20 Mit- lionen größeren Bevölkerung ebenfalls 4000 Lichtspieltheater, doch nur 300 Großkinos. Die FUmproduktion der Welt. Filmproduktion und Filmverbrauch haben sich in den ver- schiedenen Ländern nicht gleichmäßig entwickelt. Ju der Film- Produktion haben die Vereinigten Staaten einen erdrückenden Borsprung.' In der Fiksvroduktion der Welt ist ein Kapital von 2,5 bis 3 Milliarden D o t l n r angelegt. Davon entfallen 2 Milliarden allein auf die Bereinigten Staaten. Nebe» den Ver- einigten Staaten werden Filme allein in Deutschland in großem Umfange hergestellt, doch bleibt die deutsche Produktion hinter der der Vereinigten Staaten stark zurück. Im Jahre 1927 wurden in den�Vcreinigten Staaten 2000 Filme hergestellt, in Deutschland 24l, in Frankreich 74. in England 44, in Polen 17. Außerdem ist noch eiue größere Produktion in Italien, Japan, in den skandinavischen Ländern und in Sowjetrußland vorhanden. Die russische und die skandinavische Produktion steht künstlerisch ans einen, hohen Niveau, doch ist sie mengenmäßig noch unbedeutend. Dem- entsprechend gestaltet sich auch die Lage des Welthandels mit Filmen. Auch hier haben die Bereinigten Staaten einen gewaltigen Vorsprung. Amerikanische Filme überschwemmen die ganze Welt. Die chälfle der ungeheuren Ausfuhr von Spielfilinen, die der amerikanischen Filmindustrie einen Jahresertrag von 00 bis 80 Millionen Dollar, etwa ein Drittel ihres gesamten Ertrages, sichern, geht nach England. Frankreich deckt nur etwa 10 Praz. seines Filmbedarss aus eigener Produktion, der Rest wird zum großen Teil von Slmerika. eingeführt. Die Eigenproduktion der deutschen Film- ' n d u st r i e hak 1927 41 Proz. des Inlandsbedarfs gedeckt, der Rest wird ebenfalls überwiegend aus Amerika gedeckt. Südamerika wie der ferne O st« n werden zu 90 Proz. mit amerikanischem Film beliefert. Obwohl die Herstellungskosten der amerikanischen Filme sehr groß sind— durchschnittlich 1 Million Mark—, können sie dank des gewaltigen Jnlandsabsatzes zu niedrigen Preiset� inj Ausland verkauft werben. Aus diesem Grunds kann die Film- Produktion anderer Länder den Konkurrenzkampf mit Amerika nur sehr schwer aufnehmen.'.........._, Kchzitz der nyNonalen Zilmproduktion. .'/'.MVm. schon"Bie, europäischen � Filmindustrien den Konkurrenz-. ksnips gegen Amerika aus dem Weltmarkt nicht ausnehmen können, so versuchen die Länder, in denen eine Filmproduktion besteht oder entstehen ioll, ihren Inlandsmarkt zu schützen. Schutzzölle kommen nicht in Frage, weil es sich hier nicht vm gewöhnliche Wareneinfuhr handelt, sondern um die Uebertragung des Vorsuhrungsrechts. Des- halb haben eine Anzahl von Ländern die Vorführung von Auslands- filmen von besonderen Bewilligungen abhängig gemacht, und zwar wurde die Zahl der Filme, deren Einfuhr gestattet ist (Kontingent), zu der Jnlandsproduktion in Beziehung gebracht. So ist für Deutschland ein Kontingent 1; 1 eingeführt, d. h. bei langen Spielfilmen darf die Einfuhr die I n l a n d s e r z e u g u n g nicht übersteigen. Das englische Filmgesetz von 1927 ver- pflichtet die Filmverlcihcr und Thcaterbcsitzer, 7)1 Proz. der Filme der inländischen Produktion zu zeigen, jährlich steigend um 21? Proz., bis 25 Proz. der Filme, die von englischer Produktion bestritten werden. Auf Grund dieses Gesetzes müßten im Jahre 1928 52 englische Filme an die Stelle der ausländischen treten. Infolge dieses Gesetzes entstanden neben den beiden Großkonzernen Gaumont-British und Provinnal-Cincmntograph Thentrcs elf neue Filmgefellschosten mit einem Aktienkapital von 50 Millionen Mark. Vor kurzem wurde auch in Frankreich ein Filmgesetz auf An- regung van H c r r i o t angenommen, das ein Kontingent von 1: 7 für die Auslandssilmc festsetzt. Außerdem wurden Gesetze in Oester- reich, Ungarn und Italien zu dem Schutz der inländischen Film- Produktion geschaffen. Cnilassungen an der)tahr. Arbeiterbedarf der Landwirtschaft und des Baugewerbes. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter ist die Ver- schlechterurig in Rheinland und Westfalen fortgeschritten! immerhin wirkte sich sowohl im Westen wie ganz besonders in den vorwiegend landwirtschaftlichen Bezirke» die konjunkturelle Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt n o 1) nicht aus, sondern wurde durch den starken Bedarf an Arbeitskräften für Er.itsarbeiten und für das Baugewerbe mehr, als ausgeglichen. Insgesamt ist da- her noch«ine weitere Entlastung des Arbeitsmarktcs zu verzeichnen. Im Bergbau ist die Lage nach wie vor örtlich verschieden', im Rnhrbergbäu hat sich die Arbeitsmarktlagc weiter verschlech- tert. In den Zechen, die der Bereinigten Stahlwerke A.-G. angehören, kamen in der Bcrichtswoche insgesamt 1400 Berg- arbeit« und 25 Angestellte zur Entlassung. Außer diese» Eni- lassungen sind zum 15. August weitere umfangreiche K ü n d i- g u n g e n erfolgt, so daß für die Zukunft mit einer verstärkien Belastung des bergbaulichen Arbeitsmarktes gerechnet werden muß. Im initteldeutschen Braun kohlen bau ist die Lage unverändert günstig. Die medersächsische K a l i i n d u st r i e war 'weiter aufnahmefähig bei teilweijem Mangel an jüngeren Förder- l euren. Auch in der schlesischen und sächsische» M a s ch i n en- .i n d u st r i e deuten Stillegungen und Einführung von Kurzarbeit aus eine Verschlechterung der Konjunktur hin. Gut beschäftigt sind dagegen noch die landwirtschastlichen Maschinen- betriebe.?lnch die Meldungen aus der Elektro industrie, der chemischen und optischen Industrie lauten durchaus gün« Die im Juni abgehaltene internationale Konferenz in Genf. welche vom Völkerbund für die Abschaffung der Ein- und Ausfuhr- verböte einberufen wurde, beschäftigte sich eingehend mit der er- wähnten Gesetzgebung. Der Vertreter der Vereinigten Staaten pro- t e st i e r t e gegen jene Einschränkungen der Filmeinsuhr, die zu der geplanten Zlbschassung der Ein- und Ausfuhrverbote in Widerspruch stünde. Der französische Vertreter betonte aber die Berechtigung der Sonderbehandlung der Filme, die nicht als gewöhnliche Waren, sondern als wichtige Instrumente der nationalen Kultur angesehen werden müßten. Der deutsche Vertreter hat sich diesem Stand- Punkt angeschlossen. Deshalb muß man bezweifeln, daß die für 1929 in Deutschland geplante Abschaffung des Kontingentsysteins durchgeführt werden wird. Ohne Zeifcl spielten auf dieser Konferenz geschäftliche Gesichtspunkte eine ausschlaggebende Rolle. Die Derlrusiung des Theaterbesitzes. Daß die Filmproduktion in allen Ländern in größtem Umfang vertrustet ist,. darf als bekannt vorausgesetzt werden. Die höhen Kosten der Filmprodiittion und das große Risiko des Geschäftes erfordern den Großbetrieb, zumal die benötigten Riesenkapiiälien nur von kreditfähigen Großimtcrnehmungen auf- gebracht werden können. Ein starker Antrieb zur Vertrustung der Filmindustrie kam von den 5)erstellcrn des Rohsilmes, die sich an der Filmerzeugung häufig kapitalmäßig beteiligten. Run' konnte erst der T, h e a t e r b e s i tz den Produzenten den Absatz sicher». Deshalb gingen die großen Produktiousgesellschasten dazu über, Filmtheater zu gründen oder bestehende aufzu- kaufen. In den Vereinigten Staaten wandten die Konzerne brutale Gewaltmcthodcn für die Vernichtung der kleinen Theater- besitzet an. Der größte Filmkonzern der Welt, Paramouni- Famoüs-Lasky. mit einem Kapital von 152 Millionen Dollar und mit einem Besitz von 400 Theatern, wurde im vergangenen Jahre gerichtlich v.e r f o l g t, weil sie den kleinen Theaterbesitzern die Filme mit einem Ueberpreis von 50 bis 75 Prozent verkaufte, falls diese auf die freie Auswahl der Filme nicht verzichteten, bzw. nicht bereit waren, die Filme in Serien zu übernehmen. Die übrigen sechs amerikanischen Großkonzerne besitzen je 300 bis 500 K i n o t h e a t e r, Metro-Goldwyn 300, Fox 400, First National, der sich kürzlich mit der Stanlejj-Gesellschnft' verschmolz, etwa 700. Nnr LMn_ einziger Großkonzern, die Keith-Albee-Gesellschaft, die 500 Theater besitzt, beschränkt sich auf den Theaterbesitz ohne an der Produktion teilzunehmen. Eine ähnliche Entwicklung der vertikalen Konzentration zwischen Filmproduktion und Theaterbesitz bahnt sich auch in Europa an. Die jungen Produktionen i» den Ländern, in welchen sie gesetzlich geschützt werden, können sich auf den Jnlandsverbrauch allein nicht stützen, sie müssen ihre Filme auch ausführen, und zivor in scharfem Konkurrenzkampf mit der billigen amerikanischen Aus- fuhr. Die Ausfuhr ist aber für die europäische Filmindustrie nur möglich auf der Grundlage eines breiten Jnlandsabsatzes. Der Theaterbesitz soll nur den erwünschten Inlandsabsatz für die Film- Produzenten sichern. In Deutschland besaß der Filmtrust Ufa im Frühjahr 134 Theater, die Emelka-Phoebus- Gruppe 50. In England The Provincial Cinematograph 100 und der Gaumont-Konzern eine noch größere Anzahl von Theatern. Diese Entwicklung wird nur als Anfang für eine weitere Verknüpfung von Filmproduzenten und Filmtheatern angesehen. Die Verleihung von Filmen, früljer eine selbständig« Funktion, die sich zwischen Filmproduktion und Filmverbrauch eingeschoben hat, wird allmählich von demselben Sckjicksal.betroffen. In. dem großen. Aufsaugungsprozeß werden auch die Filmverleiher als selbständige Unternehmungen»er- schwinge n., Mit der. Zeit wird die gWje. Filmindustrie der Welt dimch..Großkchizerüe beherrscht, die. vom/ Mohkilm bi? zum. . TheatWbelis ch e.« ga.n-z fit F sl m.he t rs itb W der). Hand halten. Daß bei dem hohem Grad der chjterftätionalen Verfechtung def Kapitalien die nationalen Großkonzerne miteinander in mternatio« nale Vcrbindupgen treten, kann ebenfalls nicht überraschen. Jetzt bereits ist amerikanisches Kapital in der englischen und französl» schen Filmindustrie in großem Umfang beteiligt. Auch zwischen dem deutschen und französischen Fllm'kapital sind Verbindungen entstanden, die weiter ausgebaut werden dürften. Der Zug der Filmstars nach Europa. In der letzten Zeit liest man van der Absicht der nach dem „gesegneten Holywood" ausgewanderten Filmstars, ihr Arbeitsfeld nach Europa zurückzuverlegen. Sic entdecken plötzlich das Unkünst- lerischc und bloß Geschäftsmäßige im amerikanischen Filmwesen und hoffen in Europa ihre Kunst besser entfalten zu können. Di« Er- klärung für diese plötzliche Kunstbegeisterung der Filmstars darf man wohl nicht ohne Grund darin suchen, daß die große» amerikanischen Filmkonzerne. in Zukunft die enormen S t a r g a g e n nicht länger zahlen wollen. Diese Gagen haben bisher einen zu großen Teil ihrer Millionengewinnc verschlungen. Vor kurzem haben daher die Leiter d«r Großkonzerne eine Vereinbarung zur Einschränkung der hohen Filmgagen getroffen. Sie weigern sich, die alten Ver- träge zu erneuern. So werden demnächst Deutschland, England und Frankreich das Glück haben, die berühmtesten Filmschauspieler zu den heimatlichen Gefilde» zurückkehren zu sehen. st i g. Die Absatzstockung in der Textilindustrie hat.zu Betriebs- «inschränkungen in Sachsen und Witteldeutschland gesührt. D'o Stockungen auf dem Baumarkt hoben einer neuen Belebung Platz gemacht. Im ganzen gesehen. Hai sich die Lage des Arheitsmorkies gegenüber der Porwoche nicht wesentlich o e r ä n d e r t. peinliche Widersprüche. Llm die Eoziatbelasiung der Landwirtschaft. Den landwirtschaftlichen Unternehmern haben wir' wiederholt nachweisen können, daß ihre Angaben über die soziale Belastung der Landwirtschaft sehr übertrieben sind. Heute können wir ihnen zeigen, daß sie sich bei ihren Angaben über die soziale Be- lastung selbst widersprechen. Auf der Nottagung des Deutschen Landwirtschafts- r a t s, die im Frühjahr dieses Jahres in Berlin stattfand, erklärte der Rittergutsbesitzer Vogelfang, Ebersboch, nach der„Deutschen Tageszeitung" Nr. 92 folgendes: Die Belastung landwirtschaftlicher Betriebe durch Sozialversicherung betrug nach den Berechnungen der Buchstelle der Landwirtschastskannner in Dresden im Jahre 1913 8,70 M. je 5)cktar, im Jahre 1925 19,12 M. je Hektar, im Jahre 1927 26,39 M. je Hektar. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt nun in Nr. 353 einen Bericht über die Landwirtschaft In der Provinz Pommern Im Wirtschaftsjahr 1927/28. Darin wird über die soziale Belastung gesagt: Die Soziallasten betrugen in Pommern je Hektar landwirt- schaftlicher Nutzfläche im Jahre 1913/14 4, 35 M. Sie sind im Jahre 1924/25 auf 9,61 M., im Jahre 1920/27 auf 12,20. M. und. im Jahre 1927/28 aus 13,30 M. gestiegen. Das bedeutet eine Mehrausgabe der Laktowirkschast für Soziallastert gegsMer der von 8,95 M. je Hektar. Die Differenz zwischen den beiden Angaben ist auffallend. Mck stellen fest: Soziale Belastung je Hektar in der Vorkriegszeit: nach der Landwirtschaftskamwer in Dresden 8,70 M.. nach der„Deutsch-n Tageszeitung" 4,35 M.. Differenz 4,35 M. Soziale Belastung 1° Hektar im Jahre 1925: nach der Landwirtschaftskommer in Dresden 19,12 M., nach de?„Deutschen Tageszeitung" 9,61 M.. Differenz 9,51 M. Soziale Belastung je Hektar im Jahre 1927: nach der Landwirkschaftskammer in Dresden 20,39 M., nach der„Deutschen Tageszeitung" 13,30 M., Differenz 13,09 M. Die landwirtschastlichen llnternehmor werden mit der Ausrede kommen, daß es gar nicht anders sein kann. Sie werden erklären, daß die Einnaljmen pro Hektar im Freistaat Sachsen erheblich von denen in Pommer n abweichen und daß sich diese 21> weichnngen auch bei der sozialen Belastung bemerkbar machen, d>e pro Hektar in beiden Bezirken in Frage kommt. Das kann nuc gelten, wenn die landwirtschaftlichen Unternehmer bei der Ver- Wendung der Angaben der Landwirtschaftskammer in Dresden immer ausdrücklich erklärt hätten, die Angaben gelten nur sül Sachsen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Wir können ihnen nach- weifen, daß sie die Angaben der Landwirtschaftskamwer in Dresden sehr oft verallgemeinert und so hingestellt haben, als wenn sie für die gesamte deutsche Landwirtschaft Bedeutung, haben. Unter diesen Umständen schießt die erwähnte Ausrede vorbei. � Die landwirtschaftlichen Unternehmer müssen auch in der Frage der sozialen Belastung der Landwirtschaft mit anderem Material auswarten, wenn ihnen ihre Behauptungen geglaubt werden sollen- Der deuische Meialwerbrauch steigt. Englische Preistreibereien an den Zinnmärkten. Das Zinngeschäft war in den letzten Monaten nicht so günstig, wie es sich die englischen Zinmnagnaten wünschten. Der a m e r i- konische Verbrauch, der in den vergangenen Jahren i>n Durchschnitt monatlich über 7000 Tonnen betrug, ging seit Ende des vergangenen Jahres ständig zurück. Im Januar wurden in den Vereinigten Staaten nach englischen Berechnungen nur 5509 und im Juli 5700 Tonnen verbraucht. Diesem Rückgang stand auf der anderen Seite aber eine große Zunahme der Zinnerzen- gung in allen Industriegebiete» gegenüber, so daß das Angebot die Nachfrage zurzeit bei weitem übertrifft. Natürlich hat diese EnU Wicklung die Preise gedrückt und den englischen Zinnhüttenunter- nehmern die Gewinne arg beschnitten. Noch zu Anfang des Jahres 1927 kostete Zinn ungefähr 600 M- je 100 Kilo. Die Selbstkosten schätzte man aus 400—420 M., so daß auf dieser Preisbasis ein runder Verdienst von 50 Proz. her- aussprang. Inzwischen sind die Preise vorübergehend bis auf 410 gu 420 M. zurückgegangen und die Selbstkosten wurden aus 350 zu 300 M. gesenkt. Ein so geringer„Verdienst" genügt weder den Besitzern der englischen Zinngruben noch der englischen Börse, die sich gern am Zinnattienmarkt betätigt. Um die Zinnpreise her- aufzuschrauben, versuchen nun die Engländer seit einigen Monaten fast ohne Unterbrechung, Spekulationen vorzunehmen, die aber durch den Rückgang des Verbrauchs und durch die fort- gesetzte Steigerung der Erzförderung und der Zinnhütten- erzeugung bisher zu keinem Erfolge führten. Man kann aus der folgenden Tabelle ersehen, daß die Zinnpreise vorübergehend fester wurden, während Kupfer und besonders Zink im Preise zurück- gingen. Auch Blei hat sich etwas befestigt: . 100 Kilo kosteten am 0. Juli 26. Juli 6. August 1928 Zinn..... 415." 450,— 440,— M. Blei....., 41,25 42,50 42," 0 Zink. ,...g 51,— 50,— 50,"„ Elektrolytkupfer, 139,75 139,75 139,75„ Im allgemeinen war das Metallgesckjäft auch m den letzte« Wochen gut. In den Vereinigten Staaten und in Eu-> r o pa nahmen die verarbeitenden Industrien viel mehr Material auf als in den Vormonaten. Auch der deutsche Verbrauch zeigt«ine an- steigende Kurve. Er ist in der ersten Hälfte des laufenden Jahres bei allen Metallen viel größer gewesen als in entsprechender Zeit des Vorjahres. Die K u p s e r e i n f u h r Deutschlands betrug im ersten Halbjahr 1927 rund 108 500 Tonnen gegen fast 121 000 Tannen in der gleichen Zeit dieses Jahres, bei Blei ungefähr 00 000 bzw. 77 800 Tonnen, bei Aluminium 4674 zu 7430, bei Zink 08 000 zu 72 000, bei Zinn 7400 zu 7000 Tonnen. Neue Verschmelzung in der krali-Ehemieindusirie. Auf dem Go» biet der M i s ch d ü n g e r e r z e u g u n g ist es zu einer neuen Kom- binotion gekommen. Die Kaliwerke Ncu-Staßfurt-Friedrichshall A.-G. hat sich mit der Rhenania-Kunheim Chemische Fabriken A.-G. zusammengetan, um ebenfalls Mischdünger zu produzieren. Es han- delt sich um die Erzeugung eines Mittels, das besonders in tro- p i s che n Ländern verwertet werden soll.— Bei der Rhenania- Kunheim A.-G. lag übrigens der Knüppel beim 5)unde, denn die Gesellschaft hatte auch im letzten Jahre trotz der Hochkonjunktur mit Verlust gearbeitet, obwobl sie Mitte 1927 durch Zusammenlegung ihres Kapitals von 20 aus 10 Millionen Mark und Auslösung des Reservefonds mit einem Buchg»winn van 12 Millionen Mark ihre Bilanz gereinigt hatte. Die Ueberbewsrtung der Anlagen war aber offensichtlich so groß, daß auch diese Eisenbart-Kur ohne Er- folg blieb. Die Oraanisation bei Opel und CElile-viumank. Entgegen anderslautenden Meldungen teilt die Verwaltung der Opel-Werke mit, daß die Opel-Werke die Fabrikation von Motorrädern in Rüsselsheim nicht aufnehmen werden, sondern ihre eigene Konstruktion wie bisher in � Vrand-Erbisdorf, dem Zweigwerk der Elite-Diamantwerke, herstellen lassen. Die Fabrikationszweige der beiden Unter- nehmungen werden sich also in Zukunft wie folgt ver- teilen: Opel-Werke: Automobil-, Lastwagen- und Habrrad- erzeugung und-verkauf sowie Motorradverkauf: Elite-Dia- mani-Werke: Automobil-, Lastwagen-, Motorrad-, Fahrrad- und Strickmaschinenerzeugung und-verkauf. An eine Zusammen- legung oder Stillegung eines dieser Zweige sei nicht im geringsten zu denken, weil für die beiderseitigen Fabrikate vollkommen getrennte Abnehmerkreise in Frage kämen. kommt ein Kchokoladenkarlell? In der bisher noch nicht k. a r- tellierten Schokoladenindustrie herrscht bei der starken Ilebersetzung«in rücksichtsloser Kampf um den Absatzmarkt. Den wenigen großen Werken wie Sarotti, Felsche, Hildebrand, Suchard u. a., die sich in einer Markenkonoentiön zu einem Preiskartell zusammengeschlossen hatten, stand die Masse der mittleren und kleinen Betriebe gegenüber: die nur lose in einer Interessengmein- schaft ohne jede Bindungen zusammengefaßt waren. Der scharfe Konkurrenztomps hat seit der Inflation zu etwa 200 Zusammen- b r ü ch e n geführt und die Anzahl der Firmen van 350 aus 230 ver- ringert. Da diese mittleren und kleinen Unternehmen auch heute größtenteils unrentabel sind und gegen die billigen Massen- Produkte der bekannten großen Werke nicht ankämpfen können, haben die einzelnen Verbände beschlossen, in Weimar Verhandlungen über eine Kartellbildung einzuleiten. Da fast ein Drittel der gesamten Unternehmungen ihre Teilnahme zugesagt hat, ist mit dem Zustandekommen eines Preiskartells zu rechnen.