Morgenausgabe Jlr. 372..,, -���s.Iahrgang WöchentNch monatNch S.50«. im voraus zahlbar. Postbezug 432 VL einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne» ment 6,— M. pro Monat. Der„Vorwärts� erscheint wochentZg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel..Der Abend", Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner «Unterhaltung und Wissen".„Frauen. stimme",„Technj/".„Blick in die Bücherwelt" und �Iugend-Vorwärts� berliner volksblat« Sonnabend W. August 1928 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 89 Pfennig. Reklame eile S.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmnr.'t Zeile 60 Pfennig. Familienanz-igen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm? im Hauptgeschäft Linden- straße 3. wochentägl. von 8Vs bis 17 Uhr. Jentrawrgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297. Telegramm-Ztdr.: Sozialdemokrat verlw Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Postfcheckkonto: Berlin 97536�— Bankkonto: Bank der Ardetter,«ngesiellien und Beamten Wallstr. KZ. Titkonlo-Gefellschast. Depositenkasfe Lindenfir 3 Festtag der Zlevubtik. Die Republik steht fest! Von RotoNsmtnjgtor Oarl Loverlngj. � Wenn in wenigen Monaten sich zum zehntenmal der Tag jährt, an dem das alte Kaiserreich zu Grabe getragen wurde und die Revolution der Republik zum Siege verhalf, dann werden wir uns auch daran erinnern müssen, daß mit der Ausrufung der Republik ihr Bestand noch nicht gewähr- leistet war. Schon in den ersten Tagen der Tätigkeit der Bolksbeauftragten versuchten die Anhänger des Spartakus- trnndes„die Revolution vorwärts zu treiben": auf welchem Wege und zu welchem Ziele, war den meisten Parteigängern bieses neuesten politischen Bundes nicht bekannt. Die ersten blutigen Kämpfe, die das junge Staatswesen zu bestehen hatte, waren nicht gegen Verteidiger des alten Systems gerichtet, denn die waren nicht vorhanden oder doch van den Ereignissen so bestürzt und eingeschüchtert, daß nie- rnond auch nur einen Finger zur Rottung der sinkenden mon- archischen Herrlichkeit zu rühren wagte. Es soll heute nicht darüber geurteilt werden, welche Unsumme von blindem Fanatismus sich in den Treibereien der Spartakisten offen- barte. Volksbewegungen von einem Ausmaß, wie wir sie im Jahre 1918 erlebten, lassen sich nicht wie eine wohlge- ordnete Vortragsfolge führen. Und Volksleidenschast hat ihr eigenes Gesetz. Dem gewissenhaften Historiker aber erwächst die Verpflichtung, festzustellen, daß das Deutschland von heut«, «daß die junge Republik in Wirtschaft und Gesellschaft wahr- scheinlich andere Züge tragen würde, wenn sich die Tätigkeit der Bolksbeauftragten und der Regierungsstellen darauf hätte konzentrieren können, anstatt die Kräfte in der Abwehr spar- takistischer Anschläge verzetteln zu müssen. Auch die weiteren Jahre haben die deutsche Republik recht oft in eine Abwehrstellung gegenüber denen gedrängt, die mit Gewaltmitteln die demokratische Staatsform befeiti- gen wollten. Allmählich waren auch die Rechtstreise wieder auf dem Plan erschienen und eine gewisse Demagogie hatte es erreicht, die ersten Ansätze eines neuen Reichsheeres, das dem Schutze der Verfassung dienen sollte, gegen die Der- fassung ins Treffen zu führen. Aber wie der junge Staat mit den Spartakisten- a u f st ä n d e n des Jahres 1919 fertig geworden war. so ge- lang es auch der Solidarität seiner freiheitlich gesinnten Bürger, den Kapp-Putsch in wenigen Tagen zu erledi- gen. Was später folgte, Kommunistenputsch und Minister- mord, Landsknechtverschwörungen und Dynamitanschläge, war wohl ein Beweis dafür, daß der entsetzliche außenpoli- tische Druck, der auf Deutschland lastete, nach der Kriegs- psychose eine neue seelische Seuche verbreitet hatte, aber zu gleicher Zeit eine bündige Widerlegung der albernen Behaup- tung, daß es nur eines leisen Anstoßes bedürfe, um das Ber- fassungswerk von Weimar und das von ihm errichtete neue Reich wie ein Kartenhaus umzublasen. Heute dürfen wir ohne Uebertreibung sagen, daß d i e Republik als Staatsform gesichert ist. Die Ver- treter der Rechtsparteien, die noch im Jahre 1920 glaubten, mit dem kühnen Husarenritt eines Landsknechtputsches die Republik überrenen zu können, haben längst erkennen müssen, daß für die Anwendung derartiger Mittel die Re- publik ein untaugliches Objekt geworden ist. In den mon- archischen Parteien wuchert üppig der republikanische Spalt- pilz. Die schwarzweißrote Ideologie ist nicht mehr stark ge- nug, um die Parteigänger des eigenen Lagers vor den ersten Anfängen republikanischer Staatsgesinnung zu bewahren. Die Republik hat sich durchgesetzt. Das wird heute am Verfassungstag ihr ärgster Gegner nicht mehr be- streiten wollen. Wir sind weit von der Auffassung entfernt, daß man den Streit, der trotz allem über die Frage Republik und Mon- archie noch weiter tobt, allein durch eine Predigt über die Einigkeit beseitigen könne. Je mehr die Monarchisten ein- sehen müssen, daß sie ihre monarchischen Ideale bestenfalls im Schrein ihrer Erinnerungen aufbewahren, keineswegs aber mehr als ein politisches Kampfziel betrachten dürfen, um so lauter wird ihre Rückzugskanonade sein, um so eigensinniger «erde« ihre Wortführer vom uabedülgteu Festhaltea am ■Artilcel I der Reichsverfassung: DasDeutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. monarchischen Prinzip sprechen. Das soll ihnen nicht ver- wehrt.werden, wie es niemandem verwehrt werden kann, Verlorenes und Verlorene zu beklagen. Ebensowenig wer- den wir uns darüber entrüsten, wenn sich d'e Jünger Moskaus darin gefallen, ihre Enttäuschung über das Ausbleiben der Weltrevolution in Schimpfkanonaden über die verläß- lichsten Träger der deutschen Republik, die Sozialdemokraten, zu entladen. Von Lufterschütterungen dieser Art bersten die Fundamente der Republik nicht. Eine andere Frage ist es, ob die Republik, die nach der Präambel ihrer Verfassung ihre Stämme einig sehen will und damit das ganze Volk, deren Nationallied Einigkeit undRechtundFreiheitals unerläßlich für das Wohl- ergehen ihrer Bürger bezeichnet, nun nicht endlich den Schich- ten, die sich in sogenannten Wehrorganisationen zusammengeschlossen haben, sagen soll, daß es an der Zeit ist, eine innere Abrüstung vorzunehmen. Das soll nicht heißen, daß ein solcher Appell in das Gewand eines polizeilichen Berbotes gekleidet werden müßte. Aber unsere sogenannten Wehrverbönde, die alle, wenn auch in verschiede- nen Ausdrucksformen, mit Stolz betonen, daß sie ihre Mitglieder zu reifen Staatsbürgern heranziehen wollen, sollten gerade am Berfassungstage bedenken, daß diese Erziehung mit den drohenden Gesten der allsonntäglichen Aufmärsche nicht gerade am besten betrieben wird. Wir haben neben den politischen Parteien, die ihre Mitglieder zur politischen Ein- ficht und zum polttischen Kampf schulen wollen, Sport» und Kulturvereinigungen, die jedem Bedürfnis nach Erziehung gerecht werden, so daß es nun wirklich an der Zeit ist, zu überlegen, ob nicht die WehrorHanisationen ihr Eigenleben aufgeben können. Staatsbürgerliche Erziehung: da» heißt, auch aus eigenem die Maßnahmen zu prüfen und durchzu- führen, die zur Sicherung der Interessen des Voltes not- wendig sind. Angeblich ist aus diesen Erwägungen heraus der Stahlhelm ins Leben gerufen. Er wollte helfen, Deutschland vor der Bolschewssierung zu bewahren. Angeb- lich verdankt diesen Grundsätzen das andere Extrem, der Rote Frontkämpferbund, sein Dasein, denn er ist ja ausdrücklich als antifaschistische Organisation ins Leben gerufen. Die Festigkeit der Republik, deren reale und ideelle Machtmittel heut« mit allen Putschern fertig werden, raubt den Kampsoerbänden selbst jede Existenzberechtigung. Idea- lismus und Betätigungsdrang läßt sich heute auf bessere Art befriedigen. Ist die Staatsform der Republik heute darum als ge- sichert anzusehen, so bleiben ihre Verheißungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet noch unerfüllt. Gewiß, die Anzahl der Unternehmer wächst, die sich vom Standpunkt des Herrn-im-Hause emanzipieren und die Wirtschaftsdemokratie theoretisch aner- kennen. Aber das Geschlecht der Scharfmacher ist noch nicht tot. Auf vielen Gebieren unserer Wirtschaft sehen wir heute die Diktatur in Reinkultur. Willkürliche Preiserhöhungen, die eine Vorbelastung der Waren und damit Druck auf Löhne und Gehälter bedeuten, beunruhigen fast täglich die Oeffentlichkeit. Schlecht entlohnte Arbeitergruppen müssen oft monatelang um eine minimale Erhöhung ihrer Löhne kämpfen. Das ist nicht das Deutschland, das brüderlich zu- sammenhält, sondern das ist eine Republik, die zwar den alten Obrigkeitsstaat der Monarchen abgeschafft hat, in der aber noch die Obrigkeit der Geldfür st en die Mit- Wirkung freiheitlicher Staatsbürger erschwert! Wir feiern darum den Verfassungstag nicht im Gefühl der Sättigung, nicht mit den Empfindungen der Selbst- gerechten, die sich berauschen daran, wie herrlich weit sie es bisher gebracht. Wir freuen uns über die Fortschritte der deutschen Republik, die immer mehr auch unser Staat werden soll, während das alte Deutschland nur der Staat der Besitzenden und Privilegierten war. Diese Freude lassen wir uns auch nicht vergällen durch alle Unvolltommenheiten, di« die sozialdemokratisch« Arbeiterschaft sehr gut kennt. Die vorhandenen Mängel und Unvolltommenheiten werden uns ein Ansporn sein, in der Fortentwicklung der Verfassung nicht die Hände in den Schoß zu legen, sondern sie auszubauen mit dem einen Ziel, das ja das ureigenste Ziel der Ver- fassung selbst ist, allem, was Menschenantlitz trägt, ein menschenwürdiges Dasein zu sichern! Volk und Verfassung. Opfer für die Verfassung! Vcm Ministerpräsident Otto Braun. „Bit Verfassung ist nicht in sich selbst Ewigkeitswert. Wenn sie sortbesteht, so geschieht das, weil ste sich auf das allgemeine Interesse stützt. Dies- Unterstützung ist nicht bloßes Dulden, sondern tätiges Handeln. Es bedeutet ein entsprechen- des Opfer für di« Aufrechterhaltung eines gemeinnützigen Gutes. Diese Worte, die Calvin C o o l i d g e, der Präsident der Vereinigten Staaten, der deutschen Ausgabe von James M. Becks Buch über die Berfassung der Vereinigten Staaten vorausgesetzt hat, schließen sehr vieles von dem in sich ein, was wir uns bei der Wiederkehr des Tages in die Erinne- rung zu rufen haben, an dem das deutsche Volt„einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuen und zu festigen.. sich die republikanische und demokratische Verfassung von Weimar gegeben hat. Diese Verfassung ist nicht, um mit Eoolidg« zu reden.„Ewigkeitswerk in sich". So gewiß sie einen ungeheuren Fortschritt gegenüber der Reichsverfassung vom April 1871 bedeutet, in der nicht vom Volke die Rede war, sondern in der noch die später bei der Staatsumwälzung in wenigen Stunden verschwundenen Bundesfürsten einen „ewigen Bund" schließen und garantieren zu können glaub- ten, so gewiß haften auch ihr wie allem Menschenwerk Mängel und Schwächen an. Menschen vermögen keine Ewigkeitswerte zu schaffen. Sie können im besten Falle für ihre Generation und auf kurz« Zeit darüber hinaus wirken. Die nicht vorauszusehenden und auch zu ahnenden Neu- erscheinungen und Forderungen der Zukunft werden immer wieder das Alte nur zu gewissen Teilen übernehmen und das hinzufügen müssen, was die zwingende Notwendigkeit des neuen Tages erheischt. Erkennen wir so klar, daß wir auch in der Weimarer Verfassung nur ein Wert von zeitlichem Wert geschaffen haben, von dem kleine Teilbestimmungcn vielleicht schon in unserer Generation der Aenderung be- dürfen, so wissen wir doch auf der anderen Seite genau, daß sie in ihrem Grundgedanken und in allen wesent- lichen Bestimmungen schon deshalb fortbestehen und weit hinaus über die Generation, die sie schaffen und durchsetzen half, fortwirken wird, weil sie„sich auf das allgemeine Interesse stützt". In der Tat: Die Weimarer Verfassung entsprang nicht nur der Erkenntnis der Tatsache, daß die Interessen des Volkes diese staatliche Neuregelung in republikanisch-demo- kratischer Form verlangten. Mehr noch. Diese Berfassung und die auf ihr beruhende Neuaufrichtung des deutschen Volkes und Reiches stellte sich, nachdem die alten Grund- lagen geborsten waren, als die einzige Möglichkeit dar, das kostbare und unersetzliche Gut der Einheit des R e i ch e s zu erhalten und dem innerhalb der Reichsgrenzen geeint zusammengehaltenen deutschen Volke die Möglichkeit zu geben, in zäher Friedensarbeit sich von dem furchtbaren Augufttage 1919 in Weimar liegt nicht nur die zweifelsfreie Existenzberechtigung und die politisch ideologische Legiti: mation der Weimarer Verfassung, sondern darüber hinaus die Gewähr ihrer Forteristenz und Dauer. So kann die Weimarer Berfassung auch vom Bolte das fordern, was Coolidge eine Unterstügung durch tätiges Handeln" nennt. 3mar gibt es heute feine unmittelbare Bedrohung der Berfassung auf gewaltsamem Wege mehr; dazu haben sich die politischen Verhältnisse bereits piel zu sehr gefestigt. Aber in der Arbeit, Biebe und 2ertrauen zur Verfassung noch in all die Kreise zu tragen, die heute noch immer aus Unkenntnis der inneren tragen, die heute noch immer aus Untenntnis der inneren Werte der Weimarer Verfassung abseits stehen, ist doch längst nicht genug geleistet worden. Hier beginnt die Pflicht und die lohnende Aufgabe jedes Republikaners und jeder Republikanerin. Und hier in dieser Arbeit müssen mir alle auch Opfer bringen fönnen; Opfer an Zeit, Opfer an materiellen Mitteln. Opfer auf jedem Gebiet. Coolidge for dert diele Opfer für die Aufrechterhaltung eines gemein nügigen Gutes". Das deutsche Belt befigt in der Weimarer Verfassung, die nicht mit Unrecht die freieste und fortschritt lichste genannt worden ist, ein solches gemeinnüßiges Gut von höchstem Wert, für das es sich lohnt, Opfer zu bringen. all zu erholen und sich wieder emporzuarbeiten, nachdem der Krieg uns wirtschaftlich und kulturell von den Opfern ax lebenbem Menschengut gar nicht zu reden um viele Jahrzehnte zurüdgemorjen hatte. Coolidge trifft durch aus den Rern der Sache: Eine Verfassung wird nur dann leben, wenn sie ble Intereffen", die geistigen und materiellen, einer Ration richtig eingeschäßt hat und wahrt, wenn alse auch das Lebensinteresse der Nation in jeder Form die Bortbauer des Zustandes und damit der Sicherungen ver langt, welche die Verfassung ihr bringt und gewährleistet. Die deutsche republikanische Verfassung hat aber nicht nur has Reich in schwerster Stunde zusammengehalten und neu geformt, sondern sie hat auch in den dann noch folgenden trisenreichen Jahren bereits die Feuer probe bestan Feuerprobe anlängst den. Sie hat dem Bolte die Möglichkeit und die Kraft gegeben, die wirtschaftlich und politisch zermürbenden Jahre, die wohl je eine fulturell hochstehende und wirtschaft lich so fein durchorganisierte Nation durchgemacht hat, zu überstehen. Und sie gibt barüber hinaus- mie heute hat, zu überstehen. Und sie gibt darüber hinaus wie heute alle flaren Köpfe des Boltes in den unterschiedlichsten Partei lagern mehr und mehr erkennen in ihrer Freiheitlichkeit, Großzügigkeit und mit ihrem start betonten Willen zur fagialen Gerechtigkeit den deutschen Menschen die nach Lage Wer für die Weimarer Berfassung, für ihre immer mehr her Dinge größtmögliche Chance zur freien persönlichen und sich durchsetzende Anerkennung Opfer bringt, wer dafür mitallgemeinen Entwicklung. Das Lebensinteresse des arbeitet, daß sie mehr und mehr die Geister im ganzen deutschen Voltes, sein zukunftsbejahender deutschen Bolt durchdringt, darf sich sagen, daß er damit Ile aufzusteigen und erhöhte Leistungen für ganz Deutschland, für seinen inneren friedlich- freiheitzu vollbringen, ist heute unlösbar an die lichen und sozial- gerechten Ausbau, für Deutschlands poli Forteristenz der Beimarer Verfassung gestische Geltung und sein moralisches Ansehen unter den bunden. In dieser Berknüpfung von Boltsintereffe und Bölfern der Belt, mie für die Stärkung der Lebenskraft und Staatsnotwendigkeit mit dem politischen Geschehen der die Zukunft seines Boltes arbeitet! Reicher Arbeitstag in Brüffel. eine Bedrohung des roten Miens und der Tschechoslomatet. Die Riederlage der ungarischen Arbeiterklasse tann der Internationale Kongreß nicht unmöglich machen, aber die Situation in Ungarn darf nicht verdunkelt werden. Das System moralisch zu ächten, wo sich seine Bertreter bei den sozialistischen Barteien der einzelnen Länder anzubiedern versuchen, ist das menigste, was die ungarische Arbeiterflaffe glaubt von der Arbeiterschaft der Welt vera langen zu fönnen.( Stürmischer Beifall.) Suchomlin- Rußland: In fürzester Zeit werden die Bolschemisten feststellen müssen, daß die auf sie gefegten Hoffnungen ungerechtfertigt waren und ihre Berfprechungen unerfüllt geblieben sind: Jegt versuchen Der Bersuch einer fie, die Welt und sich selbst zu täuschen. Mischung zwischen bolichemistischer und fapitalistischer Wirtschaft ist gescheitert. Angesichts dieses Dilemmas sind die herrschenden Männer in Rußland selbst uneing. Während die einen die Welfrevolution als die Rettung ver. tünden, will Tschiffcherin mit Chamberlain den Kellogg- Paft unterzeichnen. Rußland weigert sich, demi Bölferbund beizutreten; diese Gesinnung ändern fann nur die ruffiche Arbeiterschaft. Benn wir auch nicht in der Lage find, uns auf eine organifierte Kreft in Rußland zu fügen, jo vertrauen mir doch auf die fünftige Entwidlung. Wir leben in der festen Ueberzeugung, daß donn die große Gesamtheit der russischen Arbeiter und Bauern mit uns an den Ausbau eines bemotrafischen Rußland gehen wird. Rachdem Derer Tichedhofiomalei eine Erklärung der tschechis fchen Sozialdemokratie verlesen hatte, in der unerschütter. liche Treue zur Internationale gelobt wird, spricht Pistiner Rumänien: Unser Land wird durch seine gengraphishe und ethnographische Loge zu einer Gefahr für den Frieden, wenn sich die Verhältnisse nicht both tonsplidieren. Rumänien hat zum Beispiel die Washingtoner Ronvention ratifiziert, um im Ausland Eindruck zu mache, ober im Innern herrscht äußerste Brutalität. Erst in diesery Lagen hat man gmei fozialdemokratische Zeitungen verboten, phpohl nach der Berfassung Beitungen nicht verboten werden können man hilft sich so, daß verboten, wird, sie zu sehen! Die Bersammlungen der Sozialisten und Gewerkschaften werden ständig unterfagt. Der Redner befaßt sich dann mit der neuen rumänischen Anleihe und schließt: Es muß die Aufgabe aller sozialistischen Parteien sein, und besonders in Deutschland und Frankreich, der rumänischen Regiemung teine Möglichkeit zu geben, am Ruder zu bleiben. Wir wissen fehr wohl, daß es unsere Aufgabe ist, diese. Regierung zu be= Kampf zu unterstützen. Deutsch- französische Freundschaft.- Oftpolitit.- Todesstrafe und Sozialistens tampfen, aber mit appellieren an die Internationale, uns in diefera verfolgungen.- Abrüstung. Brüffel, 10. August.( Eigenbericht.) Brüffel, 10. August,( Eigenbericht.) Den Vorsiz führen vormittags Löbe Deutschland und Bracke Frankreich. F Vorsitzender Löbe: Bieber filhrten heute morgen ein Franzose und ein Deutscher den Borsiz im Internationalen Kongreß: Alexander Bra de und Baul Lobe. Dieser hielt im Namen der deutschen Delegation eine Ansprache über die Erflärung Baul Baures im Namen der französi schen Delegation über die Frage der Rheinlandräumung und über die Wiederherstellung der deutschen Souveränität im Saargebiet. Durch Löbe bekannte sich die deutsche Sozialdemokratic pieber zu hem Gedanken der internationalen gegenseitigen 2 brüstungstontrolle. Läbe betonte die Notwendigkeit der Mäumung, die Beschung fet eines der schwersten Hindernisse für die franzöfifche Berföhnung, an der die Sozialisten beiber Bänder feit 1918 unabläffig gearbeitet haben und zur Herstellung einer dauerndenreich und Deutschland für den europäischen Grieben bedeutet. Mir und aufrichtigen Freundschaft meiterarbeiten werden, Löbes Er. Märung murde con stürmischem Beifall unterstrichen, In der fortgesezten politischen Debatte sprachen Bertreter per schiedener Barteien Oft- Europas, die die reaktionären Regierungen iarer Länder brandmarkten. Besonders starken Beifall erntete Runii, der Führer der ungarischen Emigranten, der feine leber zeugung zum Ausdruck brachte, daß der Tag fommen werde, an dem die Fahne der Republik wieder über Ungarn weht. Am Nachmittag berichtete zunächst de Broudère- Belgien über die Lage der politischen Gefangenen und Berbannten. Seine beredte Antlage gegen die faschistischen und bolichewistischen Regierungsmethoden läste eine erhebende Kundgebung der Solidarität der gesamten Sozialistischen Internationale mit allen proletarischen Opfern po: litischer Berfolgungen aus, Einstimmig forderte der Kongreß die Abschaffung der Todesstrafe. Inzwischen war die Kommission für die Abrüstungsfrage mit den letzten Schwierigkeiten fertig geworden, die die fortmah renben, abwechselnd sehr rabifalen und lehr gemäßigten Abänderungsanträge der englischen Delegierien verursacht hatten. Den Bericht erstattete der Holländer Albarda. Der Vertreter her Labour Party Dalton, der noch turz vorher in der kom miffion angefündigt hatte, daß die Engländer im Plenum gepiffe Borbehalte aussprechen würden, gab zur allgemeinen und freudigen Ueberraschung des Kongresses die vorbehaltlose Zustimmung seiner Bartei zur Resolution bekannt. Dalton flagte die Regierungen der Siegerländer an, sie hätten die Friedensverträge gebrochen, da noch immer nicht die feier. lichen Abrüstungszusagen der Friedensverträge erfüllt find. Renaudel Frankreich betonte die Maiwendigkeit der allgemeinen und gegenseitigen Abrüftungstoniralle, ebenso das Recht der Bölker zur revolutionären Erhebung gegen jede Regierung, die, phne einen Schiebsspruch abzuwarten, oder gar frog einem gefällten Schiedsspruch zum Kriege schritte. = In einer sehr radikalen Rebe gab der Vertreter der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands Fennet Brodway zu ver stehen, daß ihm die Resolution zu gemäßigt erscheine, und daß er sich von einer bloßen Einschränkung der Rüstungen, von einem Gastriegsverbot und ähnlichen Teilmaßnahmen, die in der Re: solution empfohlen seien, nicht viel verspreche. Biet wichtiger er scheine ihm die Kriegsdienftverweigerung, In dem Augenblick, wo ich im Auftrage der deutschen Dele: gation zusammen mit Brade das Präsidium übernehme, borf ich mit einigen Worten zurückommen auf die mutige Erklärung, die Baul Faure am Donnerstag im Namen der französischen Dele gation zur Frage der Rheinlandräumung und der Wiederherstellung der deutschen Souveränität im Saargebiet gbgegeben hat. Wir alle miffen, mas bie Versöhnung spischen Franf alle wiffen, daß die sozialistischen Parteien beider Länder seit dem Kriege alles für die Berföhnung getan haben, was nur möglich mer. Unsere Bemühungen waren diftiert von dem Wunsch, das franzöſiſch= deutsche Problem durch einen dauernden und ehrlichen Frieden zu lösen. Diesem Frieden könnte die Räumung des Rheinlandes in hohem Maße dienen. Denn fie entwaffnet bei uns jene Nationalisten, die in Frankreich als eine besondere Gefahr angesehen werden. Deshalb, franzöfifche Parteifreunde, nehmt die Berfiche rung hin, daß wir in unserem Lande alles tun werden, die Sicher heit so zu stärken, daß sie nie wieder verloren gehen tonn. Die friegerischen Sicherheitsmaßnahmen müffen abgelöst werden durch Sicherheitsmaßnahmen freiwilliger Berträge und einer internationalen Rechtsordnung, Wir halten dazu geeignet jene auf alle Länder gleichmäßig ausgedehnte Kontrolle der Rüftungen, die im Dezember 1926 in Genf als Vorschriften der Völkerbundsjagungen anerkannt worden sind. Unsere Bemühungen wie die eurigen müssen darauf gerichtet sein, das letzte Mißtrauen zwischen diesen beiben Nationen zu entfernen und zu ersetzen durch das Bertrauen ehrlicher, offener Freunde.( Stürmischer Beifall.) Löbe verliest dann die durch Stafettenlauf überbrachte BotDie Debatte ist damit geschlossen. Der Kongres vertogt fich um 12.30 Uhr auf nachmittags. Die Nachmittagsfigung leiten Czech( deutsche Sozialdemo fratie der Lichechoslowakei) und habermann( tichechische Sozialbemafratie). Den Bericht über die Kommiffion zur Beratung ter Lage der politischen Gefangenen erstattet de Broudère- Belgien. Sch habe nor allem eine Entschließung der Sommiffion gegen die Indesstrafe zur Kenntnis zu bringen. Den Ruf Rarioms: Mieder mit der Todesstrafe!" nehmen mir heute auf. Die Ent fchließung lautet: In Erwägung, daß die Anwendung der Todesficafe als Strafe für gemeine Perbrechen sich als unnötig und zmedlos ermeift, weil ffatiffisch bewiesen ist, daß diese Verbrechen in den Ländern, mo die Todesstrafe beseitigt iff, nicht zahlreicher verfommen als da, wo sie noch besteht, daß aber das Bestehen der Zodesfiraje gewiffen Länders noch immer Gelegenheit bietet, unter Umfiänden fie auch gegen politische Gegner anzuwenden, daß im allgemeinen die Todesstrafe als Barbarei und kulfurichande anzusehen ist, daß aber in den meisten Ländern die Todesftrafe noch häufig vollzogen wird, auch in den Jällen, wo der Prozeßlauf nicht volle Klarheit ergeben hat, so daß Juftizirrtümer immer mieder norfommen und das Geredrigkeitsgefühl des Bolles schwer beleidigen, fordert der Kongreß die Bertreter der sozialistischen Barfeien auf, in allen Ländern, mo die Todesstrafe noch besteht, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, damit diese barbarische Strafe verschwindet. ichait des Dartmunder Arbeiterjugendtages, in der gis ab die Schrednisse, die Grausamkeiten abnehmen würden. 20 000 junge Sozialisten und piele tausend Arbeiter des Ruhrgebiets der Internationale unerschütterliche Treue geloben. Crispien Deutschland berichtet für die Mandatskommission. Anwesend find 581 Delegierte, davon 96 Frauen. Drdentliche Delegierte 446, davon 40 Frauen. Gaftdelegierte 135, davon 56 Frauen. Bertreten sind 34 Parteien aus 29 Staaten. Es folgt die Fortsetzung der politischen Debatte. Niedzialkowski- Polen: Die polnische Arbeiterpartei weiß, daß sie in dem Kampf gegen den Faschismus nicht nur die Demokratie, sondern die Zukunft des Friedens verteidigt. Unser Ziel ist die Rettung der Demofratie um jeden Breis. Ich will über den Ausgang dieses Kampjes in Bolen nicht prophezeien, aber ich hoffe, daß wir ihn mit Ehren In Osteuropa geben zurzeit große Dinge vor. Die Bewegung der Ultrainer und Weißrussen ist eine große geschichtliche Tatsache. Wir verzeichnen mit großer Freude, daß innerhalb Bewegung beginnt. der ukrainischen Bewegung auch cine fräftige je 3ialiitische bestehen werden. Der lifauisch- polnische konflikt ist zwar nicht eine unmittelbare Gefahr, aber er bleibt eine 1 a= tente Gefahr, folange die Diftatur herrscht. In feinem Falle Die IOP. werde dennoch die Resolution unterſtügen. Gleich nach darf die Lösung dieses Konflittes mit Waffengewalt versucht werden. ihm begründete Crispien die Zustimmung der deutschen De Benn eines Tages die Dempiratie in Barschau und Romno legation. Er ftellte feft, daß die Bertreter der Unabhängigen Argeliegt hat, dann wird die gemeinfame Lösung diefes fchwierigen beiterpartei Englands in der Exekutive dem ursprünglichen Broblems unzweifelhaft zur Tat werden.( Lebhafter Beifall.) Tegt zugestimmt hatten und daß es außerdem feinen 3wed hobe Forderungen zu erheben und Versprechungen zu machen, die unter den gegenwärtigen Berhältniffen uner füffbar feien, Die deutsche Sozialdemokratie merde für die Resolution stimmen, weil fie ein praktisches, durchführbares Abrüftungsprogramm enthalte und einen wichtigen Schritt im Kampf für die allgemeine Abrüftung darstelle. Nach diesem energischen Bekenntnis des deutschen Redners zur Realpolitit, das starten Beifall aller großen Delegationen erntete, wurde die Debatte geschlossen und die Resolution ein ftimmig angenommen. In her Schlußigung am Sonnabend vormittag wird der Kongres das Manifest der politischen Kommission beraten, das Bandervelde und Otto Bauer begründen werden. Kunfi- Ungarn: Neun Jahre schon dauert das Schredensregimenti in Ungarn, neun Jahre blutiger Unterdrüfung in einem Land, in dem die Arbeiterschaft leider vergeblich persucht hat, die Demokratie aufzubauen. Matteptti ist ein großes, leuchtendes, tragisches Symbol: wir gedenken auch unserer Parteifreunde wie Somagli und all der anderen, die auf Beranlassung der ungarischen Machihaber ermordet oder hinter Gefängnismauern gelegt worden sind. Allen diesen Opfern der Realton. diesen gebrochenen Menschen muß die Arbeiterinternationale zeigen, daß sie zu ihnen steht. Sie alle bedürfen einer Geste der Solidarität.( 2llgemeine Zuftimmung.) Ungarn rüft et offen zu einem Kriege. Diefes fonterrevolutionäre Ungarn im Bündnis mit Italien ist eine Bedrohung der miffeleuropäischen Republiken, De Broudere fortfahrend: Die Kommission hat Berichte über die Zustände in den Gefängnissen aller Länder entgegen genommen. Wir haben uns dangch por der Annahme zu hüten, Wir denken zunächst an unsere Freunde, die verbannt sind auf den Liberischen Inseln. Sie zu bemachen, hat man aus der faschistischen Miliz jene Elemente ausgesucht, die felbft für diese Miliz zuph find!( Bewegung.) Dann gehen unsere Gedanken hinüber nach Rußland. 3ch grüße alle politischen Gefangenen in den Gefängnissen der Bolschewisten, melchen Namen fie auch tragen, melcher Richtung fie auch angehören mögen, Wir sind ihnen dankbar, benn sie haben trog aller pofitischen Berfolgungen die moralife raft bemahrt, der fozialistischen Idee treu zu bleiben. Aus Tiflis find in den leigten 8 Monaten nicht meniger als 12 Tichetatransporte nac Sibirien gegangen, nicht weniger als 854 Menschen hat man aus bem unterjochten Georgien megen ihrer Gesinnung in die fibirische Bulgarien dauert der Schreden an. In Ungarn wirft man Büste geschickt. Auch auf dem Baltan, in Rumänien und die Menschen heute nicht mehr in die Donau, aber in die Gefäng nilfe. In China verüben ausländische Machthaber und auch die Rationalisten inftematische Schlächtereien! In Spanien, in Litauen, dem Land des lächerlichen Miniaturfajdismus, überall bie gleichen' Schreckniffe, der gleiche Grund zur Empörung. Der Sozialismus steht allein da als Retter der Freiheit. Wir werden in der nächsten Zeit unsere Propaganda für die Bee freiung der politischen Gefangenen verstärken und den Opfern materielle Hilfe zu bringen suchen. Einſtweilen können wir nichts anderes tun als ihnen moralische Hilfe zuzusagen und ihnen zuzu rufen: Bir haben euch nicht pergeffen!( Stürmischer Beifall.) Der Antrag, gegen die Todesstrafe wird unter lebhafiem Beis fell einstimmig befchloffen, der Bericht über die politischen Gefan genen zur Kenntnis genommen. Den Bericht zu Bunft 2: Imperialismus und Abe rüstung" erstattet Albarda- Holland: Was Die Hoffnung, daß der pergangene Strieg ber fete gewefen fei, diefe Hoffnung, für die Millionen Menschen ge forben find, het bisher keine Berwirklichung gefunden haben die Regierungen zur Abrüstung bisher überhaupt getan? dann müssen die Völker auch den legten Glauben an den ernstWenn sie weiterhin fortgesezt nur Bersprechungen machen, haiten Willen der Regierungen verlieren. Wir rufen deshalb die Bölker, die Arbeiter auf, für die Abrüftung zu kämpfen. Unsere ¡ Entschließung soll die Grundlage au einer neuen 2ftion, aung Bormärtstreiben der Abrüstung bilben. Der Krieg ist eine Handlung der Menschen, die beschränkt werden kann, che es zu spät ist. Wir haben die Aufgabe gegen alle Regierungen, weigern, bie Schiedsgerichtsbarkeit anzuerkennen, mit ollen Mitteln anzufämpfen. Der Krieg ist für alle Schichten der Gesellschaft eine große Gefahr. Bir faidern deshalb, daß die stehenden Heere der ständigen Kontrolle der Parlamente unterfickt werden. Die Methode der Rekrutierung muß demotrarisch sein. Die Soldaten dürfen ihrer ftcatsbürgerlichen Rechte nicht beraubt werden. Das Parlament muß auch allein die Verfügung über das Seer haben; felbft jede Teilmabilisierung iarf nur mit seiner Zustimmung möglich sein. In diesem Augen Flid, do endlich die Abrüstungsfrage wieder zur Debotte steht, rujen mir mit lauter Stimme in die Welt hinaus, deß die Arbeiterfasse Fie Abrüffunn, den Frieden will. Der Sozialismus ist nicht das Chaos, wie Bürgerliche immer wieder behaupten, er ist die Organisierung des gesellschaftlichen Lebens auf friedfertige Weife. Darum heißt es den Frieden füßen und gleichzeitig ten Engiafis. nius vorbereiten. Bilden wir die große Armee, die Krieg dem Eriege erflärt.( Stürmischer Beifall.) Dalton- England: Erst, wenn alle abrüsten, wird der Weg zum Frieden frei. Die Siegermöchte haben bis heute ihre feierlid en Versprechungen zur Abrüftung nicht wahr gemacht, sie haben ihre Friedensverträge nerlegt und verraten. Wir werden unseren Kampf bis zum erfolgreichen Ende fortführen. Wenn eine Regierung fhiedsgerichtliche Regelung ablehnt, dann macht fie fich zum Feinde ihres eigenen Landes und der Welt. Gegen eine folde Regierung muß jedes Mittel zum Kampf be rechtigt sein. Jedes Mittel muß erlaubt sein, das Verbrechen eines neuen Krieges zu verhindern. Im Geifte find wir heute auf den Schlachtfeldern und hören die Stimmen der Millionen Toten: Berhindert den Krieg!". Das sei unsere Losung.( Begeisterter Beifall.) Renaudel- Frankreich. Soll der Friede dauerhaft sein, muß eine Aktion der Massen in die Wege geleitet werden. Diese Aftion tommt in unserer Ent schließung stärker zum Ausdruck als in früheren Beschlüffen. Ist der Krieg aus gebrochen, dann ist es zum Handeln zu spät. Verfassungstag.info 1117 Lokal Anzeiger , 3ch sage 3hnen, Frau Müller, von einer Anteilnahme des Bolfes am Berfaffungstag bemerke ich nicht das mindeste!" 29 Sitzung des Reichskabinetts. Wir führen deshalb feit 10 Jahren einen fyftematischen Stampi Panzerfreuzer A wird gebaut.- Festsetzung der Versicherungsgrenze in der Wir um die Abrüstung. Der Friede braucht eine rechtlice Grundlage, und diefe Grundlage ist die Schiedsgerichtsbarkeit. freuen uns, daß unsere Entschließung u. a. auch die Forderung enthält, auch schon die Mobilisierung zu verbieten, so lange der Streitfoll nicht das Schiedsgericht passiert hat. Außer unserer Einwirkung auf die Regierungen, abzurüsten und die Schiedsge: richtsbarkeit weiterzuführen, bleibt das weitere Mittel der internationalen Kontrolle der Rüffungen. Sie allein gibt die Möglichkeit, sich davon zu überzeugen, daß die Abrüftungsbestimmungen eingehalten werden. Eine e gierung, die nicht alle Mittel anwendet, um die Katastrophe des Krieges au perhindern, und nochmals zu dem Berbrechen der be: maffneten Auseinanderiekung schreitet, pbne überhaupt die Schieds: gerichtsbarkeit in Anwendung gebracht zu haben, eine inlche Re gierung muß nom Boite weggefegt werden. In diesem Sinne haben wir bereits von der Tribüne des französischen Parlaments herab uniere Meinung gejagt. Wenn eine Regierung jo pilicht: vergessen fein fallte, zum Kriege zu schreiten, ohne alle Mittet Der Berständigung erschöpft, zu haben, fo würde der 2f ufft and gegen eine solche Regierung nicht nur zu Recht vorgenommen merden, sondern geradezu eine menschliche Pflicht sera.( Stürmi fcher Beifall.) Fenner Brockway( Unabh. Arbeiterpartei Engl.): Meine Freunde fanden den Entwurf der Entschließung zur Ab rüftung jo gemäßint; boß fie lih zu einem Gegenentwurf entschlossen. In der Kommiffion ist dieser Entwurf aber soweit per: fert worden. daß wir ihn in seinen Grundzügen billigen: Wenn die Resolution verlangt, daß die Waffenbestände zu be: schränken find, jo fagen wir, daß dadurch der Krieg nicht um ein tausendstel Prozent verhindert wird. Dieser etwas utopische Bor: schlag fommt mir vor, wie die fanatische Idee eines englischen Schriftstellers, im nädten Krieg einen Schiedsri hier in einem Luftbollon über das Schlachtfeld aufsteigen und ihn jeweils pfeifen zu lassen, wenn der Kampf beginnen oder abgebrochen werden soll! Wir begrüßen die Stelle der Refolution, die, für den Fall, daß Regierungen das Berbrechen des Krieges begehen, die Urbeiterschaft zur revolutionären Affion aufzurufen gestattet. Wir wünschen nur, daß dieser Aktion von vornherein eine gewisse Form gegeben wird. Wir wünschen, daß die Arbeiter im angeführten Falle aufgefordert werden, dem Rufe der Regierungen auf feinen Fall Folge zu leiffen. Die englis be Arbeiterparfei und auch die franzöfifd haben bereits entsprechende Entschließun gen gefaßt. Bergessen wir nicht, daß, während wir hier tagen, die Melt von Explosivstoffen voll ist. Wir wollen nicht nur das Wort„ Nie wieber Krieg!", wir wollen, daß die Arbeiter im gegebenen alle den Friedens millen bezeigen, sich über die Grenzen ihrer Länder hinaus die Hand zu reichen und im Ernstfall zeigen, daß fie niht mehr gemillt find, einander gegen. feitig hin3umorden.( Beifall.) Crispien Deutschland: Die Internationale hat bisher für den Frieden mehr geleistet als irgendeine Macht der Welt. Die Entschließung enthält Grunb linien für die nächste Tagesarbeit, um die Regierungen auf den Beg des Friedens zu zwingen. Die Sozialdemokratische Partei Deutsch lands hat in bezug auf die Abrüstung ihre Schuldigkeit getan. Deutschland wurde durch die Bersailler Bestimmungen zur A5 rüftung gezwungen. Seitdem haben die anderen Regierungen wiederhalt feierlich erflärt, daß fie gbrüsten werden. Wo sind die Taten diefer Regierungen, wo if ihre Abrüffung? Es gibt zwar fortgefeht Abrüstungsverhandlungen, es werden immer wieder neve Friedensfonferenzen einberufen, trotzdem führen die gleichen Regierungen Krieg in Afrika, Afien und anderswo. Der Friede kann nur erfämpft werden durch die Arbeiterklasse unte: Führung der Arbeiter- Internationale. Jaurès war 1914 das erste Opfer des blutigen Krieges. Sollen wir dulden, daß in Zu funft wiederum Millionen und aber Millionen elend hingemordet merten? In einer solchen Situation betrachten wir uns in 3ufunit in Notwehr. Dann werden wir die Gewalthaber mit den eigenen Waffen niederzwingen. Die Sozialdemokratische Bartei Deutschlands ist fest entschlossen, im Sinne der vorliegenden En fchließung zu arbeiten. Bir finb ber Ueberzeugung, baß der Sieg des Friedens schließlich der Sieg bes Sozialismus fein wird. ( Lebhafter Beifall.) Angestelltenversicherung. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichstabinett bejchloß in seiner schieden, daß nunmehr auch die Bergebung der heutigen unter dem Vorsitz des Reichsfanzlers abgehaltenen Sigung, Lieferungen erfolgen soll, nachdem die Konstruktionsden Bau des Panzerschiffes in Angriff zu nehmen. arbeiten bereits auf Beschluß des früheren Kabinetts Mary Zu diesem Beschluß iff die Reichsregierung gelangt, nachdem feft- in Angriff genommen worden sind. gestellt wurde, daß die durch den Bau des Panzerschiffes entstehenden Mehrausgaben in den folgenden Jahren durch entsprechende riparniffe bei fonftigen Erfahbauten mieder eingebracht werden. Das Meichsfabinett erhöhte ferner die Bersicherungspilightgrenze in der Angestelltenversicherung von 6000 Mort auf 8400 Mart und beschloß u. a. dem Reichstage die Rafifizierungsgesetze über drei internationale Uebereinkommen betreffend die See fchiffahrt vorzulegen. Die Erhöhung der Berficherungspflichtgrenze in der Un gestelltenversicherung ist auf den heftigsten Biderstand des Scharfmachertums gestoßen, bas darin fchon ein Stüd Sozia fierung erbliden wollte, Sic ift trobem befchloffen worben. Eine große Zahl pen Angestellten wird damit in die Sozial versicherung eingegliedert und fommt in den Genuß des Ver ficherungsschutes. Der Panzerfreuzer A mird gebaut werden trotz der Veränderung in der Zusammenlegung des Reichstages und trotz des Regierungswechsels. Das Reichsfabinett hat ente An der grundsätzlichen Einstellung der sozialdemokratischen Minister zu diesem Kriegsschiffsbau hat sich nichts geändert aber über die Tatsache, daß das Etatsgefes für 1928 in Kraft ist und den Bau porsieht, fonnten fie fich nicht hinweglehen, wenn sie nicht das Etatsgesetz verleg mollten. Der vorige Reichstag hat gegen die Stimmen ber Sozialdemokraten, der Demokraten, der Wirtschaftspartei und der Kommunisten den Bau des Panzerfreuzers De schlossen. Der Reichsrat, der ursprünglich Einspruch erhoben hatte, hat später den Einspruch zurückgezogen mit der Maßgabe, daß bis zum 1. September 1928 noch ein mal die gesamte Finanzlage überprüft werden solle. Diese lleberprüfung ist erfolgt. Das Reichsmehrmin fterium hat sich zu Einsparungen im Reichswehretot herek erflärt, so daß eine Mehr belastung durch den sau des Panzerfreuzers nicht eintritt. Unter diefen Umständen mußte das Reichstabine it die Erbschaft der vorigen Reichstags und des Bürgerblockfabinetts antreten und die Beschlüsse der gefeßgebenden Rörparidhafien pollziehen. Die Debatte ist damit geſchloſſen. Die Abrüftungsentschließung Geringe Abnahme der Arbeitslosigkeit. wurde unter stürmischem Beifall des Kongresses einstimmig angenommen. " Der Kongreß entspricht dann einem Borschlag des Präfidiums, einen Antrag der französischen Delegation, Probleme der Aus übung der Regierungsmacht durch die sozialistischen Par teien im Rahmen des fapitalistischen Staates" auf die Tagesordnung der nächsten Internationalen Konferenz zu setzen, der Erekutive zur Berücksichtigung zu überweisen. Schluß 7,15 Uhr, Nächste Sigung Sonnabend 9.30 Uhr. Kriegsächtung ja- Abrüstung nein! Poincaré über den Kellogg- Paft. Paris, 10. August. Ministerpräsident Poincaré hat bei einer Breisverteilung nor den Schülern des Dorfes feines Sommeraufenthalts Sampigny eine Ansprache gehalten, in der er auch auf den Antifriegs: paft einging. Heute", so erklärte er, perurteilt die ganze Welt den Krieg, und man muß fich darüber freuen. Man wird ihn niemals fdarf genug verurteilen fönnen, aber ebenso wie von Zeit zu Zeit immer noch Diebe in Privatwohnungen einbrechen, um dort Geld oder Juwelen zu stehlen, fönnten einige zu gewiffen Stunden versucht sein, auf Gewohnheiten zurüdzukommen, die fich mit der Berurteilung des Krieges schlecht vertragen und den friedliebenden Nationen gefährliche Ueberraschungen bereifen würden. Wir find also gezmungen, bei aller Anerkennung der guten Absichten der Regierungen und bei aller Zuversicht in die Gerechtigkeit der Völker uns zu sagen, daß wir, wenn eines Tages unsere Ehrlichkeit uns nicht vor einem Angriff fehüßen follte, unser Heil zunächst von uns selbst zu erwarten haben werden. Verurteilen wir also den Krieg und tun wir alles, was von uns abhängt, damit er niemals wiederfehre. Gehen mir sogar noch meiter. Bersuchen wir, unsere Leiden zu vergessen und zu verzeihen, was uns angetan worden ist. Aber wir dürfen die Argioligtelt nicht so weit treiben, uns vorzustellen, daß unsere Gefühte der Güte und der Menschlichkeit nirgends und zu feiner Zeit mehr auf Widerstand ftoßen werden. Damit Frankreich vor unverschuldeten Abenteuern polltommen geschüht bleibt, muß es also die Mittel in der Hand behalten, um sich gegebenenfalls gegen diejenigen zu wehren, die in einer Stunde der Berirrung feine Ruhe zu stören versuchen sollten." Republikaner! Am Verfassungstag heißt die Parole: Ueber eine halbe Million Hauptunterstütte. In der Arbeitslosenversicherung ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Zeit vom 15. Ets 31. Juli 1928 von rund 579 800 auf 564 000, b. i. um 15800 or 2,7 Proz. zurüdgegangen. Bei den männlichen bitslojen betrug die Abnahme rund 10 000 oder 2.4 Proz., bei den me lichen 5800 oder 3,5 Proz., in der Krisenunterstühung tat fich im Berichtszeitraum die Zahl der Hauptunterstützungsemp.ger von 89 600 auf 82 900 vermindert. Das ist eine 2 bnahme um rund 6700 oder 7,5 Pro 3. Der Rüdgang ist bei den Männern etwas starter als bei den Frauen( 7,7 Proz. bei den Männern gegenüber 6,6 Proz. bei den Frauen). Das Handbuch für den Preußischen Landtag 1928, bas fcaben im R. v. Dederschen Berlag, Berlin, erscheint, bildet gleich feinen Borgängern ein wichtiges Quellen- und Nachs hlagewert. ßer Namen, Bild und Lebensbeschreibungen sämtlicher Abgeorneten umfaßt es sämtliche Wahlporschläge, die Wahlstatistik, die Brogramme der im Landtag vertretenen Parteien, Wortlaut der Reichsa und preußischen Berfassung sowie der wichtigsten Geseze. die mit der Tätigkeit des Landages in Busammenhang stehen. Eine besonders wertvolle Bereicherung bildet der neu aufgenommene geschichtliche Teil, der eine genaue Uebersicht über sämtliche preussische Ministerien und Landtage feit 1848 gibt, fomie die Geschichte der Fraktionen und Parreien seit jener Beit umfaßt. Der Breis von 20 m., an sich durch limfang und Materialfülle gerechtfertigt, dürfte die Anschaffung für den einzelnen in den meisten Fällen ausschließen, sollte jedoch nicht verhindern, daß Bibliotheken und Sekretariate das Handbuch beziehen. In der preußischen Berwaltung sind aus Anlaß des Verfa furs tages zum 11. August zahlreiche Beförderungen und Ernennumen erfolgt. Neue Diulomaten in Berlin. Der neue Betidgiter Großbritan niens, Sir Horace Rumbold, der Gesandte Argentiniens D. Ernesto Rastelli und der Gesandte Haitis, Luc Dominique haben ihr Amt mit der üblichen Feierlichkeit beim Reichspräsidenten angetreten. ( Weitere Nachrichten 2. Beilage.). Flaggen heraus! Raffiniertes Ausbeutungssystem. Bei der Herstellung der„ Bata": Schuhe. Seit Jahren leiden die Arbeiter der deutschen Schuhindustrie arater wechselnd starter Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, trotzdem der Schuhverbrauch schon infolge der kurzröckigen Damenmode heute meit größer ist als vor dem Kriege. Dieser Widerspruch erklärt fich zu einem guten Teil aus der Schmußkonkurrenz, die der deutIchen Schuhindustrie von der Firma Bata in 31in( Tschechoflowatei) bereitet wird. Wurden doch aus dem Nachbarlande in den Monaten Januar bis Mai 1928 nicht weniger als 2339 988 Paar Schuhe im Werte von 18 509 000 mar eingeführt. Diesem Betrage müßten die Summen gegenübergestellt werden, die den deutschen Schuharbeitern im gleichen Zeitraum durch Ar beitslosigkeit und Kurzarbeit an Lohneinkommen verloren gingen, Jamt den Aufwendungen an Arbeitslosen und sonstigen Unterstügungen, die deshalb für sie aufgewandt werden mußten. Wie ist es nun möglich, daß Bata nach Deutschland billi gere Schuhe liefern fann, als fie bei uns hergestellt werden Lönnen? Handelte es fich lediglich um eine technische Ueberlegen heit der Bliner Schuhfabriken gegenüber den Schuhfabriken in Pirmasens und der übrigen deutschen Schuhindustrie, dann bliebe letterer nichts weiter übrig, als alle Anstrengungen zu machen, um den technischen Vorsprung der Bata- Betriebe einzuholen. Allein mit derem technischen Wettbewerb geht ein fo raffiniertes Ausbeutungssystem Hand in Hand, wie es in Deutschland zwar nicht undentbar, aber doch praktisch unmöglich ist. Dieses System wird in allen Einzelheiten in einer jüngst erschienenen Schrift von Rudolph Philipp bloßgelegt: ,, Der unbekannte Diffator Thomas Bata". Im Rahmen dieser furzen Betrachtung läßt fich dieses System leider nicht schildern. Es wird an anderer Stelle geschehen müssen. Hier sei nur festgehalten, was ein Mann, der die Arbeiterver hältnisse bei Bata genau tennt, dem Verfasser darüber bezeugt hat: ,, Der Achtstundentag wird nicht eingehalten Es wir von 7 Uhr früh bis 11 Uhr nachts gearbeitet ... Au Sonntags wird gearbeitet. Die Betöftigung, die das Unternehmen feinen Arbeitern liefert, ist schlechter als beim Militär( in der Tschechoslowakei). Was den Lohn anbetrifft, weiß ich von den Arbeitern, daß diese sehr schlecht bezahlt werben, da jeder Arbeiter jeden Berlust schlechter Ware trägt. Es geschieht auch, daß ein Arbeiter Samstags als Wochenlohn 10 Kronen( 1,25 Mart) nimmt( als Rest nach allen möglichen Abzügen; D. B.), was ich persönlich sah. Es gibt viel mehr Kinder als Erwachsene, die arbeiten. GewertGewertfchaftliche Koalition ist unmöglich. Es gibt feinen mir bekannten Arbeiter, der es gewagt hätte, sich zu organisieren... Diese 3u stände bei Bata scheinen mir nur deshalb möglich, weil seine Arbeiter zum größten Teil Slowaten, Hannafen und sonstige vom Dori Gekommene sind, die zu Hause auch sehr schlecht leben und im Leben noch nie Bargeld erhielten und mit trockenem Brot und einer Gurte zufrieden sind. So ein Mensch begnügt sich mit der Rat Batas und auch mit dem Wohnen bei Bata Diese furze Darstellung ist feineswegs erschöpfend, aber recht bezeichnend. Der Verfasser begnügt sich natürlich damit nicht, sondern bringt sie nur nebenbei unter anderen. Bei Bata gibt es feine Arbeiter. Sie in ihrem Elend höhnend, hat er alle zu seinen Mitarbeitern" ernannt, weil es zu seinem System gehört. Berband der Gemeindes und Staatsarbeiter. Die Freitagfihung. In der Freitagsigung des Kölner Verbandstages der Gemeinde und Staatsarbeiter hielt zunächst Professor Dr. Singheimer Frankfurt a. M. einen längeren Vortrag über das Tarifrecht Der Arbeiter der öffentlichen Betriebe. Der Redner führte u. a. aus: Der Arbeitgeber von früher vertrat den Herr- imHause Standpunkt. Die Gemeinde- und Staatsarbeiter aber warent no rechtloser als die anderen Arbeiter. Sie maren der Gewerbe. orhnung entzogen und damit der Gewerbeaufsicht und dem Arbeiterfous. Besonders fühlbar machte sich füt fie der Mangel einer Arbeitsgerichtsbarkeit. Nichts aber ist wichtiger als das Recht, das man hat, auch irgendwo geltend zu machen. Erst nach der Revolution wurde den Gemeinde und Staatsarbeitern das gleiche Recht wie den Übrigen Arbeitern eingeräumt. Besondere Schwierigkeiten erwachsen den Gemeinde- und Staatsarbeitern dadurch, daß fie anders. artig organisatorisch zusammengefaßt sind.als alle übrigen Arbeiter. Während dieje nach Berufs- unb Mirtschaftszweigen organisiert sind, sind die Gemeinde- und Staatsarbeiter nach dem gemeinsamen Arbeitgeber organifiert. Daraus ergeben sich arbeitsrechtliche Konflikte, die nicht immer genügend beachtet werden. Nach der Rechtsprechung gilt der Tarif der Gemeindearbeiter nicht für Handwerker, die zwar in Gemeinde oder Staatsbetrieben beschäftigt, aber in ihren Berufsverbänden organisiert sind. Der Gemeindearbeitertarif gilt aber dann auch für Handwerker, wenn derselbe allgemeinverbindlich er flirt ist. Sind aber beide Tarife, sowohl der der Gemeindearbeiter o's auch der für den betreffenden Handwerker in Frage tommende für allgemeinverbindlich erklärt, so gilt nach der geltenden Recht sprechung der Tarif, nach dem die Mehrzahl der in dem Betriebe ader der Betriebsabteilung Beschäftigten behandelt werden, ohne Rücksicht auf die Organisationszugehörigkeit der in Frage kommen hen Arbeiter. Jetzt Bata hat ganz funtelnagelneue Wege der Ausbeutung ein geschlagen. Seine Betriebe sind selbständig". Die Abteilungsleiter sind Pächter, auf deren Rechnung und Verantwortung_in jedem Betriebe gearbeitet wird. Die einzelnen Abteilungen müssen miteinander handeln, Handelsverträge und Kaufabkommen mitein ander abschließen, sich gegenseitig Offerten und Lieferfristbestimmungen machen, Lagergeld zahlen und Strafgelder festsetzen bzw. einziehen. So werden nicht nur die einzelnen Arbeiter und Angestellten gegeneinander ausgespielt, sondern zugleich die Gruppen der einzelnen Betriebe, die jegliches Risiko zu tragen haben, für jegliche Mängel aufzukommen haben, ob sie nun durch fie perschuldet sind oder nicht. Preis herabjegungen bei schwachem Geschäftsgang erfolgen auf Kosten der Filialinhaber. Den Arbeitern werden Lohnabzüge gemacht als Kaution, um die glatte Durchführung des Strafgelder- und Schadenersatzsystems zu ermöglichen. Die Firma Bata ist bei ihren ,, neuen Wegen" reich und mäch tig geworden. Sie hat ihre besondere. Meinungsfabrit, die die Arbeiter und Angestellten ihrer Betriebe beeinflußt, insbesondere aber die öffentliche Meinung zugunsten der Reflame für die Firma. Für die Zeitungen ist Bata ein guter Inserent, mit dem es fein Blatt verderben möchte. Er stellt erfolgreiche Sport amateure ein, die die Arbeiter und Angestelltensportabteilung der amateure ein, die die Arbeiter. und Angestelltensportabteilung der Firma Bata bilden. Sie müssen für die Firma Siege erringen und damit eine wirkungsvolle und unbezahlte Reflame für fie machen. Wer nicht fiegt", der fliegt. Die gemertschaftliche Organisation fönnte hier helfen, allein sie Tschechoslowakei an sich, find die Bata- Arbeiter derart abhängig, fehlt. Abgesehen von der Zersplitterung der Gewerkschaften in der daß an ihre einheitliche gewertschaftliche Erfassung einstweilen nicht zu benten ist. Und so stehen denn die organisierten Schuharbeiter in Deutschland nicht mur, sondern in ganz Europa der Schmukkonkurrenz des Bala- Systems machtlos gegenüber, wenn es ihnen nicht gelingt, die Sd, uhver braucher auf ihre Seite zu bringen. Die amerikanischen Gewerkschaften wissen sehr wohl, was fie tun, wenn sie ihre Kontrollmarke für die unter gewerkschaftlichen Bedingungen hergestellten Waren propagieren. Als die deutsche Gewerkschaftsbewegung noch in ihren Kinderschuhen steckte, wurde verschiedentlich versucht, eine Kontrollmarke für einzelne unter normalen Arbeitsbedingungen hergestellten Waren einzuführen. Solche Berfuche mußten damals, infolge des Meinen Kreises der Organifierten, ergebnislos bleiben, und wurden auch später nicht wieder aufgenommen. Die Ausbreitung der Produktionsbetriebe der GEG. hat dies vielfach überflüssig gemacht, aber doch längst noch nicht ganz. Eine genossenschaftliche Schuhwarenfabrit gibt es noch nicht. Wer weiß heute denn, ob uns unter irgend welcher Marke Bata- Schuhe verkauft werden oder solche, die in Deutsch land felbft, zu geordneten Lohn- und Arbeitsbedingungen hergestellt werden? Und doch würde nicht ein einziger organisierter Arbeiter und Angestellter, der das Bata- System fennt, die Produkte dieser Firma taufen. Der Konsument aber hat ein Recht darauf, zu wiffen, ob die ihm angebotene Ware aus Schwitzbuden herrühri oder aus gewerkschaftlich und sozial einwandfreien Betrieben. Hauptfache ftrittige Buntte behandelt wurden. Dem Bortrag schloß sich eine Aussprache an, in der in der tonte Dr. Sinzheimer noch, daß man gegen Arbeiter, die auf ihr Tarifrecht verzichten, mie auch deren Unternehmer straf. rechtlich auf Grund des Gesezes gegen unlauteren Wettbewerb vorgehen fann. Eine längere Entschließung, die einstimmig angenommen wurde, will als den zweckmäßigsten Weg zur Erreichung des Zieles einer einheitlichen tarifvertraglichen Regelung der Arbeitsverhältnisse aller Arbeitnehmer in öffentlichen Be triben den Abschluß von Reichstarifverträgen. Dertliche Tarife follen möglichst vermieden werden. Ueber die Bedeutung der öffentlichen Wirtschaft im Rahmen der Gesamtwirtschaft sprach Beigeordneter Dr. Löfer Berlin vom Deutschen Städtetag, der auf die übe ragende Stellung hinwies, die dem Recht der gemeindlichen Selbst. perwaltung für die gemeindlichen Betriebe zukommen. Eine Ent: ichließung, die einstimmig angenommen wurde, fordert von der Reichsregierung eine planmäßige Förderung der öffent lichen Wirtschaft und erwartet vom Kabinett die Unterbrüdung aller Bestrebungen, die eine Privatisierung der deutschen Wirtschaft zum Ziele haben. Weiter stimmte der Verbandstag einer Entschließung zu, die den Einheitsstaat fordert. Niederlage der Chriffen bei der Mitropa. Bei der diesjährigen Betriebsratswahl hatten die Christen wiederum eine Liste aufgestellt. Von den zwölf zu wählenden Arbeiterratsmitgliedern haben sie mit Not und Mühe ein Mandat bekommen. Während die freigemertschaftliche Liste gegenüber dem Borjahr die Zahl der für diese Liste abgegebenen Stimmen ganz erheblich steigern fonnte, hat die christliche Liste von 1311 Wäh= lern 156 Stimmen erhalten. Das sind sechs Stimmen mehr als im Vorjahr. Dagegen hat die freigemertschaftliche Liste bei 77 Broz. Wahlbeteiligung ihre Stimmenzahlen von 822 | auf 1140 steigern fönnen. Ein Revolutionar als Schrittmacher der Reaffion. Bor einigen Tagen trat der neugewählte Kreistag des Lande freises Homburg v. d. 5. zu seiner ersten Sigung zusammen. Nach Beendigung der Tagesordnung meldete sich noch einmal der Rommunist Riedel aus Homburg zu Wort. Man erwartete irgend einen der betannten Demonstrationsanträge, durch die be fanntlich die Sozialverräter entlarot werden sollen. Was aber geschah? Der Herr tommunistische Arbeitervertreter" stellte den Antrag, die Cadenzeit in den Landorten bis 8 Uhr zu verlängern. Großer Beifall bei der reaktionären Mehrheit des Kreistages, vor allem bei den Mittelständlern. Die Sozialdemokraten ließen den Kommmunisten durch den Landtagsabgeordneten Bid- Oberursel ins Gebet" nehmen. " " Immer wieder fordert der 3dA. für die Angestellten den 6- Uhr- Ladenschluß und den freien Samstagnachmittag. Einem Kommunisten blieb es vorbehalten, den Landrat aufzufordern, kraft Polizeigewalt den 8- Uhr- Ladenschluß zu dekretierent Glücklicherweise reicht die Macht eines beutschnationalen Landrats nicht dazu aus, und auch nicht der Wille einer reaktionären Kreistags nehrheit. Sonst wäre der Kommunist Sieger geblieben. Das sind die Früchte fommunistischer Erziehung und fome munistischer Sozialpolitit". " Tränengas gegen ftreifende Arbeiter! London, 10. Auguft.( TU.) Wie aus Madras gemeldet wird, wird sich der gesetzgebende Rat bei seinem nächsten Zusammentritt mit einem Antrag beschäf tigen, der anläßlich der lezten Streifunruhen 3 ur Beruhigung der Arbeiter vorschlägt, daß die dortige Polizei mit Tränengasbomben und Wasserschläuchen ausgerüstet werden soll. Maßnahme wird besonders damit begründet, daß die in Er. regung geratene indische Bevölkerung erwiesener lich? Doch nur ihren Ausbeutern, die sie bis aufs Blut peinigen. maßen außerordentlich gefährlich werden fann. Gefähr Feierschichten. Infolge der schwieriger werdenden Martilage haben die Deut fche Edelstahlwerfe 2. G., ein Ableger des Ruhrtruftes, auf den Walzenstraßen schon seit Wochen Feierschichten eingelegt. Die neuerdings verbreitete Nachricht, daß man das Edelstahlwerk in Krefeld ſtillegen will, trifft jedoch nicht zu. Betriebseinschränkung. Sosnowih, 10. Auguft. Die Kohlengrube Saturn bei Czelads im Dombrowaer Rohlenrevier hat infolge Auftragsmangels die Arbeitstage in der Woche auf fünf herabsetzen müssen. Bom Streif auf den schwedischen Eisengruben. Stodholm, 10. Auguft. Die Zeitung ,, Socialdemokraten" betont, daß die bürgerliche Breffe irrtümlich den Eifengrubentonflift als gelöst bezeichnet. Die lokalen Berhandlungen, die sicher große Schwierigkeiten bereiten würden, liefen noch. Das Blatt Dagens Nyheter berichtet, daß die Grängesbergarbeiter fampfmüde gemorden find. Es herriche große Empörung gegen die Streifleiter und Rommunisten. Die fappländischen Grubenarbeiter werden Montag die Arbeit wieder aufnehmen. Cin Streif in den Fleischwarenfabriken der GEG. in Oldenburg ist nach zweitägiger Dauer beendet worden. Der Hafenarbeiterstreit in Dünfirchen und Le Havre ist nach Gemährung einer Lohnerhöhung von 40 Bf. pro Tag beendet. -GW Jofef Luitpold Stern: Die Aufgaben der freigewerkschaftlichen Bildungsarbeif. Berlag des Sentralverbandes der faufmännischen Angestellten Defterreids, Bien I., Berbertorgaffe 9. 20 Seiten. Die vor= Breis 10 Groschen. Organisationen erhalten Rabatt. Stern auf dem von etwa 300 Delegierten befchickten 4. Kongres liegende Broschüre ist die Wiedergabe des Referats, das Genosse ber taufmännischen Lehrlinge und Lehrmädchen Biens gehalten hat. Atlar und leidtverständlich wird die große Aufgabe der Gewerkschaften, Arbeitszeit für den Kapitalismus in Lebenszeit für das Proletariat zu verwandeln, aufgezeigt. Auch über die Einftellung zur tapitalistischen Bergnügungsindustrie, zu Kino, Alkohol und Nikotin wird Grundsägliches gesagt. Die Rede enthält schließ= lich Winke für die Praxis der Gewerkschaftsbildung. Ihre weiteste Verbreitung, namentlich unter der Jugend, fann nur wärmstens empfohlen werden. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Die Restzahlungen für Hamburg finb umgehend in den Gruppen oder in der Jugendzentrale bis zum 15. August 1928 zu leiften. Rorbring: Wir beteiligen uns am Rinberfest Sinter der Mauer", Rudolf- Moffe Süben, Sübweften und Suboften: Bir beteiligen uns am Rinderfest auf dem Sportplag Am Urban. Treffen um 17 Uhr auf dem Sportplay. Berantwortlich für Politik: Bieter Schiff: Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Clarn: Feuilleton: R. 5. Döscher; Lotales and Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen:. Glede: fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger Co., Berlin GB 68. Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen und unterbaltuna und Wiffen. la arteries in bein Kleiderstoffe kaufen Kleiderstoffe Kleiderschotten breit .... Mtr. schlangenhautartig, vielen ca. 100 cm breit.. Mtr. 1.65 moderne Stellungen, doppelt. 0.95 Moderner Wollstoffschlangen hautartig in 1.45 Schotten, großes Sortiment Reinwollener Kleiderstoffkashaartig, uni u. Reinwollene Karos aparte Farbstellungen, ca. 100 cm breit... Mtr. 2.95 Epinglé Mtr. reine Wolle, alle modernen Farben, ca. 100 cm breit. 1.65 Durch einen besonders günstigen Einkauf ist es mir gelungen, viele Tausend Meter Kleider- und Seidenstoffe za ganz besonders billigen Preisen einzukaufen, einzelne Artikel für die Hälfte des heutigen Wertes. Sie tun klug, jetzt Kleiderstoffe zu kaufen, auch wenn Sie dieselben erst später brauchen. Schenken Sie diesem Angebot besondere Beachtung und Sie werden sich davon über zeugen, wie billig Sie gut Qualitätsware kaufen können. KAUFHAUS TEMPEL HOF Kad Mtr. 3.45 0.85 BERLINERSTR.128 ECKE KAISERIN AUGUSTASTRB- 2 Einen Posten Makobalist, echt ägyptisch Mako, für feine Leibwäsche, 80 cm breit, Mtr. BERLIN- TEMPELHOF Seidenstoffe Waschseide neue wahl Master in großer AusMr.0.75 Crêpe marocaine apart gemustert, 1.95 Crêpe de chine Mantel Damast Crêpe façonné Bastseide ca. 100 cm breit ca. 100 cm .Mtr useide, moderne Dessins, 1.75 schwere Qualität, ganz be- 1.95 sonders bi lig viele lichte Farben, ca 100 cm breit bedruckt. reine Seide, ca 80 cm breit.. Einen Posten Herren- Unterhemden .Mtr. ..... Mtr. Mtr 1.95 1.95 in mod. Streifen und Farben, alle Größen, Stück 0.95 Nr. 311* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, ii. August 4925 Wohl jede Rotion Hot das innere Vedürsni». an einem löge im Jahr rmchdenNich- besinnlich und sreudig begeistcrt zugleich ihren» Verdens zu gedenken. Bezeichnend ist es. dosz soft alle Böller der Welt hierzu Erinnerungcn an Sclbstbcsreiung von Rückschritt und Tyran- n c i auserkoren haben. Gewiß stellt es ein Zeugnis dosiir dar, was wir deutschen Repieblikancr noch zu leisten haben, daß auch heute, am 11. August 192?, neun Jahre nach Verkündigung der Weimarer Verfassung, der Ehrentag der Republik nicht Rotionolseiertaq des deuschen Volkes ist, gesetzlich festgelegt durch sein« Vertretung, den Reichstag. Aber wir können uns ein wenig trösten wenn wir Herüberblicken zu unserem westlichen Nochbarn, zur Republik Frankreich. ?lm lt. Juli 1789 hotte dos erbitterte Volk von Poris mit den Waffen in der.fjond die Zwingburg des bourbonischen Regiments. die 55 a st i II c, erstürmt und die Gefangenen lKsreit. Trotz Konsulat und Kaiserreich, Trotz Restauration, Bürgerkönigtum und zweitem Bonapartismus bedeutete dieser Tag das Ende des absoluten Regimes. Man bedenke: Unter den legten Ludwigen gab es in.Frank- reich keine Justiz, die auch nur den geringen Anforderungen de? 17. und 18. Jahrhunderts entsprach! Einlache lettre? öe chacher, „V e r w a h r ii n g s b r i e s e", von des Königs oder seines Gene- -raladjutanten Hand unterschrieben, genügten, um mißliebige Per- tonen jahrelang und ost für das ganze Leben in die Kasematten der Dastille zu werfen. So war der 14. Juli 1789 ein Tag der Selb st- b c f re i u n g des französischen Volkes.. Am. 4v Seplgwh«r,--M79, 48«tuiiden nach der. Kapnulatio:» des dritten Napoleon.lies Seda n, «mrde in Paris die dritte Republik ausgerufen. Aber erst 19 Jahr« später, unter dem Kabinett Gambetta, wurde der 14. Juli, d,'r groß« erst« Freiheitslag. zum Nationalfeiertag des �ran- zösischen Volkes. Die Reaktion, die damals, kurz nach dem Sturz i des kaiserlichen Marschallprösidenlen Mac Mahon, des Herzogs non Magenta, noch stark war, heulte nor Wut. Heute ist der 14. Ji/li der Tag, an dem in ganz Frankreich dos Volk die blauweißrotc Trikolore der Renolution, der Republik, der Freiheil, Gleichheit und Brüderlichkeit seiert Der Präsident, die Minister -eigen sich der Oessentlichkeii mit jener demokratischen Prochtentfal- tung. die gerade dem Franzosen eignet. Straßen und Plätze sind illuminiert, öffentliche Tänze und Umzüge weiden ab- gehalten, Redner gedenken aus dem Stegreif heraus der gefallenen Freiheitskämpfer, die Repubsik hak ihren Feiertag, an dem das ganze Volk teilnimmt.... Nordamerikas Freiheitsiag. „Xo tadation wiihout reprcsentation!"(„Keine Besteuerung ohne Volksvertretung!") war das Schlagwort der rcvalu- tionären Bewegung, die zum Unabhängigkeitskrieg gegen England und zur Gründung der Vereinigten Staaten von Nord- amerika sührte. Sie stellen heute vielleicht das politisch, zum mindesten aber wirtschaitli cheinslußreichsteLanddcrWelt dar. Die britische Kolomalverwaltiing, die zudem von den Lau- daner Torykabinetts angespornt wurde, hatr« in verblendeter, reaktionärer Kurzsichtigkeit die Distrikte der heutigen Union wie unterworfene Vasallenstaaten behandelt. Alle Pro.este der Bürger und Farmer wurden unbesehen zu den Akten gelegt, bis der Aufstand ausbrach. Während der Krieg um Selbständigkeit und Freiheit im Gange war, tagte in P h i l a d e l- p h i a der amerikanische N a t i o n a l k o n o e n t, der am 4. Juli 177S die Unabhängigkeitserklärung, die Dedaration ol Indcpendence, erließ. Es wae der Tag der Vc- srciunq, und heute noch ist er, Jahr für Jahr festlich unter Teil- nähme jeden?lmerikancrs, mag er welchem Volke auch immer ent- stammen, der Nationalfeiertag der USA. Nemember, remember! Es ist interessant, daß auch Großbritannien, von dessen Gewaltherrschaft?lordamerika sich befreite, seinen Freiheit?- > a g hat. Fanatische Katholiken hatten gehofft, daß 169?, nach dem Aussterben der Tudors, dem Tode der sogenannten„jungiräulichen" Elisabeth, der Erb« der Throne von England und Schottland, Jakob l..�der vielgeliebten, unter dem Beil gestorbenen Maria Stuart Sohn, die Hoffnungen der politischen und kirchlichen Reaktion orsüllen würde. Der Schwächling auf dem Königs- stuhl enttäuschte die radikalen Reaktionäre: Er schwankt« hin und her zwischen Absolutismus und Parlamentarismus. Fanatiker, unter Führung von Robert C a t e s b y, beschlossen, König und Parlament in die Luft zu sprenge«. Einige Priester waren An- treibcr. Für die Eröfsnung des Parlaments, die aber, ihren Erwartungen zuwider, bis auf den 5. November 1696 verschoben wurde, war die Ausführung des Komplotts angesetzt. Zuvor hatten die Verschwörer von einem Wcstminster benachbarten Hause aus einen unterirdischen Gang ge- graben, dann mieteten sie einen Keller des Parlamentsgebäudes, in den sie Pulverfässer einschmuggelten. Die Bolkssouveränitol de» Varloments sollte ermordet werden! Aber kurz vor der'Ausfrihruvg kam die Verschwörung ans Tageslicht: die Täter wurden hinge- richtet oder auf der Stelle von dem empörten Volk««rfchla- gen. Englands Parlamentarismus war gerettet, die Reaktion w-rr abgewehrt. Nach heute wird dieser Tag in England qefeie.'t. Die Pulververschwörung hat das populäre Lied geboren: Remember, remember-.. Tbc fifth of Koveinbcr! < Denke daran, denke daran, Denk' an den fünften November!) Freiheitstaten sind es, deren Daten sich den Dölkern als Er» innerungstagc einprägen!' Die Stumme von Porti«. Wir Menschen von heute vermögen nicht alles zu begreifen, was vor uns geschah, und seltsam mag es uns berühren, daß vor bald 199 Jahren die romantifch-lieblichen Melodien der„S t u m- in e n von P o r t i c i" des Franzosen Auber ein« Revolution, die Befreiung eines unterdrückten Volkes, zur Folge halten. Durch die törichten Verträge von London und Wien, die im Jahre 181? Belgien und Holland zu einem Staate machten, und die noch weniger kluge Rcgierungsmethode des ersten Oranicrkönigs W i l- I�c l m wurde im belgischen Volke tiefe. Erbitterung wachgerufen. <-ie entlud sich, als die I u l i re v o l u t i o n 18 39 dxn Erzreaktionär im Nachbarland Frankreich, Karl X., entthronte. Bon einer Slufsührung der„Stummen von Portici" in der Oper aus marschier- ten Bolksmassen zur Redaktion des Organs der Amsterdamer Regierung und zerstörten sie. Der Funke war ins Vulversaß geworien. die Revolution brach aus. Belgien errang seine Unabhängigkeit. Heute ist es ein demokratisch regierter Staat, die Ngiiien der ggeate in diesen Tagen vielgenannten früheren sozialistischen Minister Aandervelde und Anseele bezeugen es. Aber noch heute gedenkt man in Brüssel und Gent, in Lüttich und Charleroi, bei mehrtägiger Feier jener Tage vor bald 109 Jahren, da Unabhängig. keit und Freiheit proklamiert wurden. Wir, die wir am 11. August den ZZerfassungstag des Freistaates begehen, sollten uns daran ge- rade in den Tagen des Brüsseler S o z i a I i st e nk o n- g r« s s« s erinnern! Im Lande des weißen Heilands. Die Ermordung des erwählten Präsidenten O b r e g o n lenkte die Aufmerksamkeit der Welt in besonderem Maß« aus Mexikc. Sie Äacht nach demVmat. li z Nomon von Liam O'Flaherty. (Aus dem Englischen überseht von K. Hauser.) Er rief jetzt:„Hört! Ich stimme mit der revolutionären Organisation nicht überein, aber der Mann, der McPhillip getötet hat... nein... nein, nein... Ich meine den Mann ... könnt ihr mich nicht reden lassen?... Ich meine den Farmer, den McPhillip getötet hat. Der war ein Agent der besitzenden Klasse. Daraus folgert logisch, daß er ein Feind der arbeitenden Klasse war! McPhillip war ein Agent der arbeitenden Klasse. Er war berechtigt, den Mann zu töten. Das ist der Fall, logisch betrachtet und zu einem logischen Schluß gebracht. Man muß an alles logisch heran- gehen. Hört! Wenn wir den Fall von einem höheren Stand- pnnkt aus betrachten, kommen wir zu einem großzügigeren Urteil, das auf olle Fälle passen wird, die in der nächsten Zukunft vorkommen könnten."— Er steigerte seine Stimme zum Geschrei, um den Lärm eines Handgemenges in der Nähe der Tür zu übertönen.—„Wir sind am Anfang einer Welle der Weltrevolution. Demnach wird mit dem An- schwellen und Stärkerwerden dieser Wage die gesamte kapitalistische Gesellschaftsordnung zusammenbrechen. Dann wird die Zahl dieser Revolten sich allmählich vermehren, gleichsam im...", Seine Stimme wurde plötzlich van einem großen Mann ausgelöscht, der. die Arme um den Kopf schwingend, anfing, eine Flut scheußlicher Flüche auszustoßen. Er war betrunken. Dann brüllte Lydon:„Mord ist Mord, sage ich. Mord ist immer Mord, und das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus lehrt..." Ein kleiner Mann mit einem schwarzen Schnurrbart, der in eine Ecke stürzte, wo er Platz hatte umherzutoben, kreischte dazwischen:„Es darf keine Gnade geben. Gnade darf es nicht geben. Zur Hölle mit allen. Das ist in Ordnung, Jungen?. Was?" Gypo drehte sich plötzlich herum:„Was red'st du da? Sofort trat Stille ein. Alle sahen ihn an. Sein Gesicht war in Schweiß gebadet Er rieb seine Hände gegen die Brust, warf die Lippen auf. gab seinem Hütchen einen kleinen Ruck noch hinten. Dann ergriff ihn ein neuer Anfall seiner merkwürdigen Laune. Er brüllte noch einmal, taumelte mit los« herab- hängenden Armen auf die Menge zu und stellte sich total besoffen. Erschrocken wichen sie vor ihm zurück. Er stand in der Mitte des Zimmers und blickte umher. Hin- und herschwankend sagte er langsam und schwer- fällig:„Was redet ihr da?" Er starrte von Gesicht zu Gesicht, aber aller Augen wandten sich ob, wenn sie seine trafen. Er war entzückt über den Schrecken, den er einflößte. Hinter dem Laden- tisch hatte der Italiener, noch lächelnd, ein langes Messer ergriffen und stand vollständig still. Das Mädchen kauerte auf dem Boden. Dann brach Gypo in lautes Gelächter aus, steckte die Hände in die Hosentaschen und schlenderte zur Tür. Hier zögerte er einen Augenblick. Dann überquerte er geradeswegs die Straße. Sie liefen alle an die Tür, um ihm nachzusehen. Seine lange, riesige Gestalt in dem alten, blauen Zeug, das sich eng um seine Hüften legte, war im Licht der Laternen deutlich sichtbar, als er die breite Straße kreuzte, mit einem Fuß langsam den anderen überholend, während seine Hosen sich mit einem Geräusch aneinander rieben, wie wenn Heu mit der Sense geschnitten würde. Dann verließ die Gestalt den Bereich des Lichtes und wurde verschwommen, als sie den gegenüberliegenden Fußweg er- reichte und schließlich im Schotten eines vereinzelten hohen Hauses nach links abbog, bis sie in der Nacht verschwand. Bald schlich eine hagere, schlotternde Gestalt über die Straße und verfolgte ihn. Der Mann verschwand auch in dem Schatten des vereinzelten Hauses. Niemand bemerkte ihn. Es war Mulholland auf Gypos Fährte. 9. Hinter der Straßenecke blieb Gypo stehen. Er stemmte eine Hand hinter sich gegen die Mauer und horchte reglos mit zurückgewandtem Kopf. Er hörte Schritt«, die ihm folgten. Aber die Schritte hielten auch inne. Einige Sc- künden lang horchte er atemlos, ohne noch etwas zu hören, dann grunzte er und drehte den Kopf longsam nach vorn. Er sah dösig in die Dunkelheit hinaus. Dann verzog sich sein Gesicht langsam zu einer Art von Lächeln, und seine Augen verschwammen. Er zitterte leicht. Mehrmols blickte er heimlich spähend umher. Es lag eine fremde, fast geheimnisvolle Bedeutsamkeit in seinen Bc- wegungen: kleinen, plötzlichen, verstohlenen Bewegungen. Dann starrte er geradeaus die dunkle, schmale Straße hinauf, die sich vor ihm entlang zog, bis sie weiter oben an einer Mauer endete, wo eine trübe Latenic an einer Ecke ein« nach links abzweigende Seitenstroß« andeutete. Er zwinkerte mit dem rechten Auge der Laterne zu: dabei legte sich sein Gesicht in spitzbübische Falten. Er murmelte vor sich hin:.Warum nicht? Warum soll ich nicht reingehen und mir'nen Spaß machen? Was? Paar Schillinge für die Weiber und ein paar Schnäpse, um mein Abendbrot aufzuwärinen." Eine siedendheiße Welle durchflutete seinen Leib. Er war im Begriff, den Mund zu öffnen und einen Schrei aus- zustoßen, statt dessen steckte er aber seine Hand in die Hosen- tasche und tastete' ängstlich nach seinem Bündel Banknoten. Er fand es und seufzte erleichtert. Mit einem ernsthaften- Ausdruck in seinen kleinen Augen brummte er:„Sie Hätten's klauen können. Der Pöbel da unten ist nichts wie Gauner. Sein Hemd könnt' man nicht dalassen in'ner Winternacht. Schreckliche Bande von Ber- brechern treibt sich in letzter Zeit hier'rum." Wieder entzündete sich sein Gesicht vor Gier, als seine Gedanken zur Betrachtung der Laterne an der entfernten Straßenecke zurückkehrten und zu dem, wohin die Straße führte. Er schluckte laut und geräuschvoll, während er sich auf die Laterne zu in Bewegung setzte. Fast gleichzeitig spähte hinter ihm ein Kopf um die Ecke. Der Kopf beobachtete, wie Eopo hinter der Laterne nach links abbog. Dann schoß ein Mann um die Ecke und rannte hinterher, die Straße hinunter. Es war Mulholland auf Gypos Spur. Nachdem Gypo abgebogen war. kam er in eine schmale Straße ohne Häuser. Auf der rechten Seite war eine Mauer, ähnlich der einer Kaserne. Sie umschloß einen großen Lager- hof, der zu einer Mineralwassersabrik oder etwas ähnlichem gehörte. Auf der anderen Seite waren nur noch die Funda- mente von Häusern zu sehen. Hier und da reckte sich ein Hauseingang, ein Kamin, eine Fenstereinfassung aus Ziegeln geisterhaft empor. Jenseits lag ein unbebautes Stück Land mit Schutthaufen. Ziegeln, Töpfen und alten Kleidern. Die Straße selbst bestand aus einem Netz von Lachen. Gypo mußte auf dem schrägen Lehmdamm gehen, den die zer- fallenen Häuser gebildet hatten, um nicht bis an die Knien naß zu werden. Es war ein trostloser Anblick. Die Steine schrien fast von geschehenen Dingen, und wenn sie geschrien hätten, so würden sie es in jenem endlosen, lauten und babbelnden Wartstrom getan haben, in dem Wahnsinnige ihre Worte herausschrien. Sie waren lebendig aus jene eigentümliche Art, in der Ruinen des Nachts lebendig sind, während die Erde in Dunkelheit und in den Schlaf des Lebens gehüllt ist. �(Fortsetzung folgt.) Auch Mexiko hat seine Geschichte der Sklaverei mid seine Ge> schichte der Selbst b« s r« i u n Die furchtbare spanische Jnvasiaa des„weißen Heilands"' C o n t e y, der mit Wut. Feuer und Schwert die Aztekenherrschaft vernichtete, kennen wir aus den »uchern iinserer Jugend. Nachher führten die spanischen Ferdi- nmche, Philipps und Carl eine Herrschast, die nur das eine Ziel kannte, die eingeborene Bevölkerung auszupowern und die Naturschätze des reichen Landes auszubeuten. Selbst die Warnung der großen französischen Ncvolution schreckte nicht: Die Vize- könige V e n e g a s und Ca l l« j a übersteigerten die Tyrannei, und am 16. September 1810 rief Hidalgo y Costilla zum Frei- heitskampf auf. Für den Augenblick vergebens! Er wurde gefangen und hingerichtet. Aber das Fanal war entzündet. Unabhängig. keit war die Losung, Mexiko machte sich frei von Ma- drid. Die Kaiserreich« Augustin Iturbides und Maximilians� von .Habsburg vergingen, die Republik blieb kroch Skürmen und kämpfen. Noch heute aber ist Mexikos Nationalfeiertag der 16. Sep- kembcr, da Costilla die Freiheit oerkündet« und, für sein Land, der Tyrannei des absolutistischen siebenten spanischen Ferdi- nands den Krieg erklärte, in dem er, der Verkünder der Unab- hängigkeit, fallen sollt«. Oes neuen Europas Aationalfeste. Europas junge Staaten, die aus dem Weltkrieg hervor- gingen, wählten zur Nationalfeier alle den Tag, an dem sie ihre Unabhängigkeit erklärten oder die Verfassung ihres F r e i st a a t e s verkündeten. Unsere Schwesterrepublik Deutsch» ö st« r r e i ch begeht— und das rot« Wien ist hier immer führend!— den 12. November als Tag des Sturzes der Habsburger, als Tag der Verkündung der Republik mit großen, würdigen Feiern. Die Tschechoslowakei(28. Oktober 1918) Lett- land(1. Mai Verfassungstag), Estland(24. Februar 1918 Unabhängigkeitserklärung), Litauen(16. Februar 1918 Unabhängigkeitserklärung), Finnland(6. Dezember 1917 Sclbständigkeits- erklärung) sind ähnlich oerfahren. Das Königreich Bulgarien gedenkt noch heute des S. Oktober 1908, an dem es sich dusch die Proklamation von Tirnowo von der Türkei löste! Aber auch Europas ältester Freistaat, die Schweiz, feiert alljährlich am 1. August den Tag, da sich die Eidgenossenschaft 1291 freimachte von Habsburg. Der Faden ließe sich w e i t e-7 f p i n n e n! Eines ist klar: Immer sind es freiheitlich. demokratische Momente, die jenseits der deutschen Grenzpfähle den Völkern ihre National- feiertags gaben. Drüben, in Paris und New Port, in Brüsiel und Sofia, in Kanton und Rio de Janeiro, hat man erkannt, daß Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung des Einzelnen, kurz- um, innere Würde einer Nation, Dinge sind, die man nicht einpökeln darf, sondern die man srischhalken muß. Wir S o- zioldemokroten, die wir uns bewußt zum Internatio- n a l i s m u s bekennen, sind gerade aus diesem Grunde fest davon überzeugt, nationaler zu sein, als die Herren von rechts, die das Vaterland ununterbrochen im Munde führen. Dos deutsche Volk braucht nicht zurückzustehen vor den anderen Völkern der Erde: Es hat Anspruch auf einen Rakionalseierkag! Der 11. August 1919, der Tag, an dem unser Reichspräsident Friedrich Ebert die Reichsverfassung von Weimar unterzeichnete, rettete die Einheit des deutschen Volkes, dämmte die K a t a st r o p h e, die der schmoch- volle Zusammenbruch der Monarchie über das deutsche Volk herein- gebracht hatte, ein und bewahrte uns vor rechts- und links- radikalem Chaos. Darauf dürfen wir stolz sein mtd darauf sind wir stolz! Wir Republikaner sind gewiß unzufrieden darüber, daß der vom Reichsrat angenommene Gesetzentwurf über die Erhebung des 11. August zum Nationalfeiertag beim Reichstag m der Ber- senkung der Ausschüsse verschwand. Trotzdem begehen wir den 11. August mit der Begeisterung, die uns beseelt für Republik und Demokratie! Bestimmt aber hoffen wir, daß am 11. August 1929, am '-hnten Jahrestage von Weimar, die Volksvertretung ihr Wort gesprochen hat: Nach dem Wunsche der Mehrheit des deutschen Volkes ist der 11. August, der Tag der Bertündung der republikanischen Verfassung von Weimar, Rationalfeiertag! b. J). Ooppel-Booisunglück bei Potsdam. Gekentert und explodiert.— Zwei Tote. Das französische Versuchs-Flugwasserboot schlug aus dem Templiner See, vor dem Sportplatz Luftschifshafen, um. Dos zu Hilfe herbeieilend« Motorboot der Luftschiffhafenwerft c x p l o- d i e r t e auf der Fahrt(Vergaserexplosion). Zwei Leute wurden ins Wasser geschleudert und versuchten, sich durch Schwimmen zu retten, oersanken aber bald in den Fluten. Nach etwa einer Stunde wurden sie gefunden. Die Wiederbelebungsoersuche waren erfolglos. Die Ertrimkenen sind der französische Pilot und der Tischlermeister Lehmann. Die beiden anderen im Boot Befindlichen, der Lustschifshafenwerstleitcr Herr L e h r l e und der Meister Schröder sind schwer verbrannt. Dos Motorboot verbrannte vollkomnien. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus transportiert. Der Raubübersatt in Spandau. Einer der Täter festgenommen! Zu dem Raubüberfall in Spandau wird mitgeteilt, daß ciaer der Täler, ein 26 Zahre aller Gustav Sturzebecher. im Laufe des Freitag abend festgenommen wurde. Er bestreiket alles und behauptet, daß Freunde ihn versehentlich angeschossen hätten. Vom Autobus getötet! Beim lieberschreiten des Fahrdammes auf ixe Charlotten- Hurger Chaussee wurde gestern abend der 7Zjqhrige Schrift- st« l l« r Wilhelm von M a s s o w von einem Autobus der Linie 9 überfahren und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde ins Charlottenburger Schauhaus geschafft. Berlin ehrt die Republik! Die Versassungsseier im Siadihaus. Bereits gestern vormittag fand im Aestsaok des Stadt- Hauses die Feier des versafsnugstages für die Arbeiter. Angestellten und Beamte« Berlins statt. Der Saal war zu beiden Seiten des Red- nerpultcs mit Lorbeerbäumen und Palmen reich geschmückt. und von den Wänden herab wallten die Flaggen des Reiches und der Stadt. Das Philharmonische Orchester unter Leitung von Otto Marienhagen eröffnet« die Feier mit Präludium, Choral und Fuge von Bach-Abert: es folgte die Hymne von Drägert, vorge- tragen von Mitgliedern des Berliner Lehrer-Gefangvereins unter ihrem Dirigenten Theodor I a c o b y. Dann hielt O b e r b ü r g e r« m e i st e r B ö ß die Festansprache, in der«r zunächst alle Anwesenden herzlich begrüßt« und«inen Rückblick gab auf die En:- wicklung Berlins fest den Tagen des 9.- November. Er gedacht« da- bei de.- Verfassung von Weimar und der�beiden Männer, die die ersten Schritte taten zu dieser Verfassung: FriedrichEbcrt und Hugo P r e u ß. Otierbürgermeister Boß schloß seine Rede mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Volk, das deutsche D a t e r. land und die deutsch« Republik, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Nachdem man stehend die erste Strophe des Deutfchland-Liedes gesungen hatte, überreichte der Oberbürgermeister nach Worten freundlicher Anerkennung dem Brandmeister Mo- brach die Erinnerungsmedaille iür Ret.ung aus Gefahr. Modroch hatte im vorigen Jahr zusammen mit dem Polizei-Hauptwacht- meister Brand den«rtrinkeriden Arbeiter Daniels aus dem Teufelsfee gerettet. Gleichzeitig wurden Z7 Beom'ren die An- st e l l u n g s- bzw. Beförderungsurkunden überreicht.— Mit dem F«eiheitsgesanq von Moldenhauer und dem Vorspiel.zu den Meistersingern fand die feierliche Handlung ihr Ende. Wie die Berliner Schulen feiern! In den Berliner Schulen finden am Verfassungstage wie tn den Vorjahren gemäß den Weisungen des Minssters für Wissen- fchaft, Kunst und Volksbillwng Verfaffungsfeiern statt, bei denen diesmal besonders auf eine würdige Ausschmückung des Festraumes ohne erhebliche Unkosten Wert gelegt werden soll. In einzelnen Bezirken wird die Schuljugend zu den von den Bezirksämtern veranftalleten öffentlichen Ber» faffungsfeiern hinzugezogen werden. Darüber hinaus wer- den Schüler und Schülerinnen an sportlichen Veranstaltungen teilnehmen, die aus Anlaß des Verfosiungstages stattfinden. Den dafür m Betracht kommenden Schulen hat die Schulverwallung Wimpel in den Reichs färben mit der Bezeichnung der betreffenden Schule beschafft, die zur Erhöhung des festlichen Eindruckes bei- tragen sollen. Sämtliche Schulgebäud« sind am 11. August in den Reichsfarben geflaggt. Was werden die Kirchen tun? Nachdem das Konsistorium der Mark Brandenburg auf die Bitte des Magistrats, am heutigen Verfassungstage in den Reichs- färben zu flaggen und die Gkocken zu läuten, erklärt hat, daß die Entscheidung hinsichtlich der Beflaggung und des Läutens dem Gemeindekirchenrat jeder Gemeinde als dem zu- ständige» Organ der Selbstverwaltung überlassen bleiben müsse, hat der Oberbürgermeister Vöß am gestrigen Freitognachmittag an alle evangelischen Kirchenqemeinden in Groß-Berli» ein Telegramm folgenden Wortlauts gesandt: „Bitte zum Verfassungstage flaggen und von 20X bis 21% llhr Glockenläuten, Magistrat, Böß." Die evangelischen Kirchengemeinden werden nun auf Gnind d'r Stellungnahme des Konsistoriums, das keine generelle Anweisung zum Flaggen gegeben hat, selbst dieEntscheidung zu treffen haben. Nach dem bisherigen Brauch hissen die evan- gelischen Kirchen bei festlichen Anlässen bekanntlich die Kirchenfohne mit dem violetten Kreuz auf weißem Grunde, was mich im Verlauf des Flaggenprozeffes der Stadt Verlin gegen den Probst von Berlin von dem Vertreter der beklagten Gemeindekirchenräte ausdrücklich auf den Dorschlag des Vorsitzenden, ob nicht ein Ausgleich möglich fei und die Reichsflagge neben der Kirchenfahne gezeigt werden könne, betont worden ist. Die Verkehrsmittel am Verfassungsiage. Die Straßenbahn nimmt für die Teilnehmer an dem Fackelzuge folgende Betriebsverstärkungen vor: Die Linien 8. 9, 23, In. 72, 93 werden bis Betriebsschluß mit Anhängern laufen. Außer- dem wird eine Linie 32 R zwischen Oranienburger Tor und Pan- lower Allee nach Bedarf«ingesetzc. Desgleichen fahren E i n f e tz- wagen zwischen Kupfergraben und Charlottenbu.'g zur Zurück- befövderung der Teilnehmer vom Platz der Republik. Für die Veranstaltung im Stadion werden ebenfalls nach Bedarf in dem notwendigen Umfange Einfetzwagen zwischen Zoo und Stadion gefahren.— Die Hochbahngesellschaft wird für den nach Beendigung des Fackelzuges am Abend des 11. August zu erwartenden stärkeren Verkehr auf allen Linien(unter besonderer Verücksschfigung der Endpunkt« der Fackekzuggruppen) die«rforder- lichen Reseroezüg« bereiihalien, um jederzeit stärkerem An- drang« gerecht werden zu können.— Die Allgemein« Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft(Ab'oag) wird aus Anlaß des Fackelzuges ihren gesamten Wagenpark in Betrieb Halter:. Für das auf der Rennbahn Grunewald stattfindende Feuerwerk wird ein Sonderverkehr vom?llcxanderplatz und vom Zoo aus eingerichtet. Die Beleuchtung des Reichstagsgebäudes. Der Berliner Eich bo'r sich am gestrigen Abend ein seltenes und interessantes Schauspiel. Die im Verein von den Berliner Städti- schen Elektrizitätswerken und den Siemens-Schuckert-Werken zum Berfassungstage erstellte Beleuchtungsanlage zum An- leuchten des R o i ch s t a g s g e b ä u de s mtt Schernwerfern, wurde gestern abend probeweise in Betrieb genommen. Sie erleuchtete die Fassade am Platz der Republik und die Kuppel des Reichstagsgebäudes mit Tageshelle. Die Wirkung des Ganzen war sehr eindrucksvoll. Auch eine Verfassungsfeier. Oer Schüler-Redeweitbewerb. 3n der Denlschen Hochschule für Politik am Schinkelplah wurde gesiern der von der Leitung dieser Schule veranstalkele, seit vier Tagen dauernde Schüler- Rede- Wettbewerb in Anwesenheit von Vertretern von Reich und Ländern, des amerikanischen Botschafters pr. S h u r- man und einer zahlreichen Zuhörerschaft feierlich zu Ende geführt. Professor Dr. Iäckh. der Begründer und Leiter der 57och» schule für Politik, führte in seinen einleitenden Worten aus, daß es sich bei dem Schluhtage des Wettbewerbs auch um eine Berfasfungsfrier handele, die wohl eine der eigenartigsten fei, da die kommende Generation, die nicht mehr belastet sei von der Vorkriegszeit, das Wort haben werde. Bei der Veranstaltung des Wettbewerbs fei man einer a m e r i k a n i s ch e n A n r e g u n g gefolgt. Man könne über Primanerpolitik denken, wie man wolle, müsse sie aber in höherem, ernstem, ursprünglichem Sinne bejahen. Es gebe neben der Kunst der Politik auch eine Wissenschaft der Politik. Professor Iäckh hieß schließlich die Anwesenden im Sinn« des Wortes„Einigkeit und Recht und Freiheit" will- kommen.— Staatssekretär Dr. L a m m e r s beleuchtete in seiner Begrüßungsansprache kurz die Ziele staatsbürgerlicher Bildung und Erziehung der Jugend. Alle sollten von dem ernsten Gedanken ge- tragen sein, Persönlichkeiten zu formen. Inspirationen von werbender und zündender Kraft müßten in das Denken und in den Willen der Jugend hineingetragen werden. Der Staats- fekretär dankte zum Schluß der Jugend für ihre hingebende Arbeit und der Hochschule für die Vorbereitungen zum Welfitreit. Studienrat Dr. Strun.z. der Letter der Borprüfungskommission und des Jugendseminars der Hochschule, führte daraus die aus den Vorkam pfsn, an denen 113 Schüler und Schülerinnen teilnahmen, ausgewähllen sieben Bewerber um die ersten Preis« ein und'skizzierte kurz die Arbeit der Preisrichter, die an. gesichts der großen Zahl der Bewerber und Bewerberinnen vor keiner leichten Ausgabe gestanden hätten. Es sei zwar nicht ge« lungen. den deutschen Demosthcnes oder Cicero herauszufinden. aber es fei ein« Fülle von Fleiß und Anstrengung und eine gute Mittelleistung festzustellen gewesen. Dos Urteil der Preisrichter fei im Geiste der Kameradschaft zwischen Lehrer und Schüler vollzogen worden. Es folgten darauf die Reden der sieben Preis- träger aus der Vorprüfung, und zwar sprachen nacheinander: Barth- Steglitz, B e h re n d s- Horburg, F r a n k- Steglitz. Günther Hahn- Berlin, Fräulein H e n n e y- Zehlendorf, S ch m i d t- Düsseldorf irnb Timme- Potsdam. Nach einer Pause, in der die Richter zusammentraten, wurde von Staatssekretär Dr. Lammers das Ergebnis des Wettbewerbs verkündet. Den ersten Preis(eine A m e r i ka r e i fe) erbtest Barth-Steg- litz. den 2. Preis(eine Geldspende von 200 M.): Hahn- Berlin, den 3. Preis(ebenfalls eine Geldspende von 200 M.) Frank- Berlin, den 4. Preis(eine Geldsvende van 100 M.) Bebrends- Harburg. den 5. Preis(eine Geldspende von 50 M.) Timme» Potsdam und den 6. Preis(eine Geldspende von 50 M.) Fräulein H e n n« y- Zehkendorf. Eine Reihe von weiteren Schülern erhielten Dücherpreise. Botschafter Dr. Shurmon richtete darauf eine kurze Ansprache an die Sieger, in der er ausiührte, daß er die Reden sehr lehrreich gefunden habe. Sie seien ein« Quelle großen Vergnügens und nützlicher Belehrung gewesen. Er dankte ollen Rednern und beglückwünschte insbesondere den Träger des ersten Preises zu seinem Erfolge, der sich eine nationale Ehre errungen habe, und den er als europäischen Vertreter der deutschen Jugend begrüße. In Amerika erwarte den Sieger in Kürze ein internationaler Redeweitstreit, in dem jeder jn seine? Landess prall» reden dürfe. Cr. der Botschafter, wünsche dem Sieger glückliche Reise und guten Erfolg. Mit dem allgemeinen Gesang der dritten Strophe des Deutschlandsliedes wurde die Feier beendet. Berfassungsfeiern des Reichsbanners. Außer der Vrfasiungsfeier am Sonnabend finden Sonntag, den 12. August, die Verfassungsfeiern des Reichsbanners statt. Von den vorgesehenen Veranstallungen seien besonders cr- wähnt: Die Feier von B e r l i n- M i t t e in der Bockbraue�ei, Chausseestraße. Berlin-Tiergorcen im Restaurant Carls- Hof. Schöneberg in der Schloßbrauerei in der Hauptstraße. Friedrichshoin in der..Alten Traverne" in Stralau. K ö p e- nick im Restaurant Wendenjchloß. Pankow im Restaurant „Sanssouci", Nordend. Kreuzberg und Neukölln in der „Neuen Welt". Chorlottenburg im Lunapark. Nomhafte Politiker baben die Festreden übernommen. Sprechchöre, Gesangs» vortrage, turnerische Vorführungen usw. sind in den eirzelverr Lokalen vorzesehen. Feiern der republikanischen Wassersportler. Die Waffe rsv o r)- Ach te ilu n g des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold begeht ihre Verfassungsfeier am Sonn- tag. dem 12. August, durch ein« Auffahrt auf dem Langen See sowie auf dem Tegeler See und Oberhavel. Für dl« Oberspre« findet die Feier 10.30 Uhr am Birkenschlag gegenüber von Carolinenhof statt. Hier hat der Bürgermeister Mielitz die Festansprache übernommen. Eine weitere Berfassungsfeier findet um 12 Uhr an der Oberhavel an der Bürgeranlage statt, wo Stadtrat H e tz f ch o l d die Fest- ansprach« übernommen hat. Alle republikanischen Wassersportler sind eingeladen._ Abfahrt des Berliner Reichsbanners nach Frankfurt a. M. Gestern abend um 7,15 Uhr fuhr der S o n d e r z u g der nach Frank« surt zur Verfassungsfeier fahrenden Reichsbannerleute vom Anhalter Bahnhof ab. Eine �zahlreiche Menge hatte sich auf dem Bahnsteig«ingefimden, um sich von den Republikanern zu ver- abschiaden. Als der Zug die Bahnhofshalle verließ, brach die Mena« in Frei-He!l-Rufe aus, die von den Reichsbannerleuten herzlich er- widert wurden. Jr Schonencf Wäschen!-dam hält Seide und Kunstseide doppelt so Lange..... W* Schonend waschen Sie mit WWMMWMWWMKMMMWM'.M SEIFENFLOCKEN . SynJ tchi! MannheJm� Schwere Hochofenexplosion. Alle Arbeiter gerettet! Saarbrüden, den 10. Auguft. Auf der Burbacher Hütte riffen Freitag vormittag glühende Eisenmaffen einen Teil der Schuhmauer eines Hodofens um und ergossen sich in einen Gasfanal, in dem sich einen halben Meter hoch Wasser befand. Bei der Berührung der glühenden Eisenmassen mit dem Wasser entstand eine gewaltige Explosion. Haushohe Flammen züngelten auf und in weitem Umkreise murden die Fensterscheiben der Werkbauten zertrümmert. Ein Sprühregen glühender Eisenteile ging über die ganze Umgebung nieder. Es handelt sich um einen Ofen älteren Systems, an dessen aus feuersicheren Steinen bestehenden Sodel schon mehrmals Durch brüche vorgekommen sind. Wie ein Wunder scheint es, daß fämtliche Arbeiter sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten und nicht die geringsten Verlegungen erlitten. Ein Arbeiter flüchtete in einen Fliegerunterstand aus der Kriegszeit, ein zweiter, der durch die Gemalt der Explosion 20 Meter weit geschleudert wurde, verlor die Besinnung, trug aber sonst feinen Schaden davon. Durch die umhergeschleuderten glühenden Eisenstücke entstand in der mehrere 100 Meter entfernt liegenden Rotsanlage ein Brand, 18 Tote bei Dinkelscherben. München, 10. Auguft.( Drahtbericht.) Das Bahmunglüd in Dinkelscherben hat nunmehr das 18. Todes opfer gefordert. Am Freitagmorgen verstarb im Krankenhaus 3us marshausen die 59jährige Witwa Rosa Schmidt aus Sof lingen an den Folgen ihrer schweren Verletzungen. Unter den Schwerverletten im Krankenhaus Augsburg befinden sich vier Bersonen noch immer in ernster Gefahr. fcheinen. Jungfozialistische Bereinigung: Achtung, Werbeausschußmitglieder! Bir tagen eine Stunde vor der Gelamineranstaltung, 18% Uhr, im 3d. Bitte pünktlich und bestimmt erArbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Treffpunkt zur Berfassungsfeier am Sonntag, 12. August, 15% Uhr, am steinhaus. Funkwinkel, WI Im Mittelpunkt des Programms der Berliner Funtstunde steht die Gedenkfeier für Alfred Döblin, der seinen 50. Geburtstag begeht. Der Verfasser des„ Oger", der Dichter Oskar 2örte, der schon einige Male über feinen Freund Döblin geschrieben hat, hält die einführende Rede. Und dieser Mann, der selten im Rundfunt spricht, durchfühlt eine Bersönlichkeit intensiver, als die üblichen von der Funkstunde berufenen kritischen Conférenciers. Beinahe hymnisch feiert der Redner den Dichter Döblin, aber diese getragene, stellenweise fast übersteigerte Sprache, trifft den Kern der Werke. Lörte gibt keine Analysen, keine Daten, er beschränkt sich allein auf eine Schilderung der Werke, aber es gelingt ihm in ein paar Sägen, das Geficht, das Wesen der Romane zu enthüllen. Lörte tann den Stoff vorbildlich konzentrieren und dabei doch den Rhythmus der Dichtung treffen und zusammenfassend das Bild der problematischen Persönlichkeit Döblins zeichnen. Theodor Loos lieft darauf gut ausgewählte Bruchstücke aus den Romanen Wang lun und Wallenstein", und aus dem Epos Manas", endlich einmal die Vorlesung von Wallensteins Tod", der bei Döblin foriel fachlicher, unpathetischer und gemeiner, das heißt echter ist, als in Schillers Jampen- Panzer. Das groteske Moment, das alle Berte Döblins charakterisiert, fommt dabei etwas zu kurz. Doch die dunkle, verschleierte Stimme des Schauspielers vermittelt eine Ahnung von dem mystischen Geschehen, das sich hinter der Wirklichfeit verbirgt. Ganz groß der Vortrag der Szenen aus dem Wallenstein- Roman, die Loos ohne jedes Pathos, mit größter fünft" " P " " Die Kaffen und Bureaus der Bank der Arbeiter, Angestellten lerischer Einfachheit gestaltet. Den Abschluß des Programms bilden und Beamten A.-G. bleiben heute geschlossen. Aus der Partei. drei Opernphantasien, die Liszt für Klavier einrichtete. Michael von 3adora ist der Virtuose, der hier seine ganze, fühl glizernde und überlegen spielerische Technik rücksichtslos entfalten darf. Weder die Phantasie über die ,, Luccia von Lammermoor" noch die Paraphrase des Spinnerliedes" aus dem Fliegenden 26 Solländer erfordern besonderen seelischen Ausdruck, sondern nur die Entfaltung eines brillanten technischen Könnens, das Zadora wie faum ein anderer Pianist sein eigen nennt. F. S. 60 Jahre ,, Lied der Arbeit. Auf dieses Jubiläum ber noftsliedmäßig entstandenen Hymne der Arbeiterbewegung im ganzen Altösterreich haben wir seinerzeit hingewiesen. Am Sonntag, dem 5. August, sangen 5000 Wiener Arbeitersänger Kampflieder von Josef Scheu in der Sängerhalle, die noch vom großen Feft her steht. 100 000 Menschen waren in der Halle, 150 000 hörten draußen an den Bautsprechern. Karl Leuthner hielt die Festrede, Anton Weber, der Wohnbaustadtrat, begrüßte die Massen im Namen der Partei, Vizebürgermeister Emmerling im Namen der Stadt Wien. Zum Schluß fangen alle mit den Sängern das Lied der Arbeit“. Reels Reutils le Selfer beleftigen Ber Berfallungsteler to bet Neuen Welt. Treffpunkt Sonntag, 12. Auguft, 16 Uhr, in dr Neuen Welt Achtung! Alle Rinder aus dem Zeltlager, die nicht zum Wiegen erschienen find müssen am Montag, 13. August, 16 Uhr, zum Rathaus Neukölln fommen. Geburtstage, Jubiläen usw. 58. Abt. Charlottenburg. Unser Genosse Ernst Günther, Marburger Straße 13, fonnte in diesen Tagen auf seine 25jährige Zugehörigkeit zur Bortet zurücbliden. Wir wünschen dem Jubilar, daß es ihm auch fernerhin vergönnt fein möge, in unerfchiltterlicher Treue für die Ziele der Partei zu wirken. Das Jugendsekretariat bleibt heute, Connabend, geschlossen. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Freitag, dem 10. Auguft. 1. ennen. 1. Tehde( Höllein), 2. Teneriffe( Böhlke), 3. Gutenberg ( Sauerland). Toto: 26:10. Blak: 12, 11, 13:10. Ferner liesen: Gerber, Kaisertag, Bachelors Quarter, Besel. 2. Rennen. 1. Servilia( Vincenz), 2. Gloriole( Williams), 3. Thea Minister, Judika, Cameron, Künstlerin, Mimi, Amadeus, Drut, Sempronia, Marlena, Legend, Zwillingsschwester, Madlene. ( Bermann). Loto: 325: 10. Bing: 78, 25, 49:10. Ferner liefen: Bafall, 3. Rennen. 1. Faro( D. Schmidt), 2. Curaçao( Haynes), 3. Postens tetten( Williams). Toto: 15:10. Drei liefen. 4. Rennent. 1. Marchetta( Behmisch), 2. Beritus( D. Schmidt), 3. Fleiß( Tarras). Toto: 42: 10. Blaz: 14, 11, 15: 10. Ferner liefen: Teutobod, Trebonius, Augendiener, Nymphenburg. 5. Rennen. 1. Melfart( Janet), 2. Farinelli( D. Schmidt), 3. Tintoretto ( Haynes). Toto: 32: 10. Drei liefen. 6. Renne ft. 1. Mont Dore( Ladendorff), 2. Holofernes( Jane), Ferner liefen: Shalimar, Radames, Kaltschale, Alsterstern, Elegie, Die Saar, Erda 3. Perfianer( Huguenin). Toto: 48:10. Plaz: 16, 23, 18: 10. geist, Botschafter, Baraber, Edelstein, Dias, Redekunst, Condja. 7. Rennen. 1. Zorrone( Behmisch), 2. Sigelgahela( Huguenin), 3. Heuschrede( Grabl). Toto: 125: 10. Blaz: 22, 15, 22: 10. Ferner liefen: Roblied, Pallas, Nostra, Moloch, Nikotin, Sandoval, Fredigunde. 8u bem großen Deutschland- Feuerwert, welches heute auf der Grunemald rennbahn stattfindet, haben alle Berkehrsanstalten für bequeme Hin- und Rijd fahrt Maßnahmen getroffen. Die Stadtbahn läßt laufend Extraziige ab Bahn hof Charlottenburg gehen; die Omnibusgesellschaft richtet diretten Bendelverfche ab Bahnhof 800 und Alexanderplatz ein. Bon der Straßenbahn wird vers ftärkter Betrieb für Linie 58, 72 und 75 eingerichtet, und mer Untergrundbahn fahren will, muß Station Stadion aussteigen. Das Feuerwerk findet auch bei trübem Wetter und zeitweiligem geringfügigen Regen statt. Bei starkem Regen wird die Beranstaltung auf Gonntag, 12. August, verlegt. Den Ehrenpreis der Stadt Berlin hat die Engelhardt- Brauerei A.-G. fiis ihren fünstlerisch ausgestatteten Ausstellungsstand auf der Ausstellung„ Die Er nährung" erhalten. Sahlreiche Besucher hatten hier während der Ausstellung cinen erfrischenden Trunk des bekannten Caramel- Malzbieres belommen, unb mehr als 500 000 Gratisproben bezeugen die Beliebtheit dieses Spezialprodukts der größten Malzbierbrauerei der Welt. Msiness18 Wafant der Bär? ſagt KON LINON Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin GB 68, Lindeustraße 3, für Groß- Berlin tets an bas Bezirksjetretariat 2. Sof, 2 Srep. rechts, au richten. Teilnehmer am Ferienfurfus in Oberfiehmühle treffen fich su einer wichtigen Besprechung am Montag, dem 13. August, 19 Uhr, im Konferenzfaal der Borwärts- Redaktion, Lindenstraße 3, IV. Hof. 4 Treppen( nicht Zimmer 10!). Bezirksausfchuß für sozialistische Bildungsarbeit, ÷ 2. Areis Ziergarten. Sonntag, 12. Auguft, Berfaffungsfeier des Reichsbanners Cchwarz- Rot- Gold im Gartenlofal Carlshof. Eintritt 30 Bf. Anfang 15 Uhr. Das Reichsbanner marschiert um 14 Uhr ab Aleiner Tiergarten mit Musik und Fahnen zum Festlokal. Abends großes Feuermert. Die Geroffinnen und Genoffen werden gebeten, dieses Boltsfeft recht zahlreich zu besuchen. 10. c's Zehlendorf. Heute, Sonnabend, 11. Auguft, Kreisfeft und Ber fa Tungsfeier im Lotal Neue Fischerhütte" am Schlachtensee. Gartens to gert, Gesangsvorträge, Vollschor Echo", turnerische Borführungen fm. Eintritt 30 Bf. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Festredner: Stadtverordneter Hermann Lempert. 11. Kreis Schöneberg. Gonntag, 12. Auguft, Berfaffungsfeier bes Reichs. Lanners Schwarz- Rot- Gold in der Schloßbrauerei, Sauptstr. 122/123. Redner: Landtagsabgeordneter Otto Meier. 14. reis Neufälln. Achtung! Das Parteibureau bleibt heute, Gonnabend, am Verfaffungstag geschlossen. Heute, Sonnabend, 11. Auguff: 13. 5. De Genoffinnen und Genossen beteiligen fich an der Rundgebung des Reichsbanners um 17% Uhr im Kleinen Tiergarten. 32. t. Die Genoffinnen und Genossen beteiligen fich an der Stundgebung hes eichsbanners im Lustgarten. Treffpunkt ist aus den Zeitungsnotizen erficht ich. 84. ft. fartwig. Treffpunkt sämtlicher Mitglieder zur Verfassungsfeier um 18 1hr am Bahnhof Lantwig. 88. bt, Richtenrade. Berfassungsfeier im Zotal Rohrmann, Baldrestaurant Silbertstraße, am Bahnhof. Redner: Rurt Kiezmann. Alle Genoffinnan und Genossen find dazu herzlichst eingeladen. 8. bt, Räpenid. 19 Uhr Blatkonzert auf dem Wilhelmplak. Anschließens Fodelzug. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, an diefer Rund gebung des Reichsbanners teilzunehmen. Sonntag, 12. August, Bolsfeft hes Reichsbanners im Wendenschloß um 15 Uhr. Abmarsch nach dem Berdenschloß 13% Uhr vom Wilhelmplaz. Die Genoffinnen und Genossen werden gebeten, fich zahlreich zu beteiligen. 112. bt. Rohnsborf- Wilhelmshagen- Seffenmintel. 20 Uhr im Sotal Klein fchmidt, Wilhelmshagen, Wilhelmstraße, Sahlabend und Verfassungsfeier. Frdner: Professor Dr. Streder. 122. Hbt. Biesborf. 19% Uhr in den Schillerfälen, Königstr. 120, Berfaffungs feier. Redner: Hanns Ramm. Alle Genofsinnen und Genossen werden um recht rege Beteiligung gebeten. Abt. 123a Raulsdorf- Süd. Berfassungsfeier im Lokal Jägerheim, verbunden mit Tanz und Kinderbeluftigungen. Festredner: Stadtverordneter Hans Wonwod. Anfang 17 Uhr. Eintritt 50 Pf. Wir bitten die Genoffinnen und Genossen sowie Sympathisierende um recht zahlreichen Befuch. 129. Abt. Biesdorf. Anläßlich des Verfassungstages findet in Biesdorf eine Don sämtlichen republikanischen Organisationen veranstaltete Berfaffungs feier ftatt. Eingeleitet wird die Feier am Sonnabend nachmittag auf dem Sportplag Leffingplag, wo Rinderwettspiele abgehalten werden. Bon 19 bis 20 Uhr veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr auf dem Schillerplag ein Blazkonzert. Beisammensein in den Schillersälen. Abschluß der Ver faffungsfeier, zu der auch das Reichsbanner einladet, bildet ein Fadelzug. 134. Abt. Buch. 20 Uhr im Lokal Göpfert, am Bahnhof, Verfassungsfeier. Feftredner Landtagsabgeordneter Eduard Sachert. Alle Genofsinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. 135. Abt. Rarom. 20 Uhr im Lotal Rum Pantgrafen", Pantgrafenftr. 3, am Bahnhof, Berfassungsfeier. Feftredner: Hans Bauer. Morgen, Sonntag, 12. Auguff: Schöneberg. 77. Abt. Bum Feftumzug der republikanischen Organisationen treffen fich die Genofsinnen und Genoffen um 14 Uhr ant Beuthenplag Reftlofe Beteiligung an der Berfaffungsfeier des Reichsbanners in ber Schloßbrauerei ist Ehrenfache. 78. Abt. Sämtliche Genoffinnen und Genoffen beteiligen sich mit Fahnen und Bannern an dem Festumzug bes Reichsbanners. Treffpunkt 14 Uhr am Leuthenplag. 79. 96t. Die Abteilung beteiligt sich geschloffen an der Berfassungsfeier des Reichs banners. Treffpunkt 14 Uhr am Beuthenplay. Fahnen find mitzubringen. 80. Abt. Bu der vom Kreis veranstalteten Demonstration anfäßlich der Berfaffunasfeier treffen sich unsere Mitglieder um 14 Uhr im Parteilokal Görlich, Beaasitr. 1. Banner, Fahnen, Transparente mitbringen. 85. bt. Zempelhof. Alle Mitglieber beteiligen sich gefchloffen an der Ber faffunasfeier im Seebad in Mariendorf. 128./130. bt. Mantow. 14½ Uhr treffen sich die Abteilungen zur Berfassungs faiez mit dem Reichsbanner Berliner Straße Ede Lindenpromenade. An fchließend öffentliche Rundaebung auf dem Marktplak. Von dort aus ge meinsamer Abmarsch zum Lokal Sanssouci in Niederschönhausen. Für Be Tuftigung der Rinder ist gesorgt. Rinder haben freien Eintritt. 9. Abt. Der Familienausflug nach dem Biesengrund findet nicht am Sonn tag, 12. Auguft, fondern erst am Sonntag, 19. Auguft, statt. Die Mitz alieber werden gebeten, am Sonntag, 12. August, an der Berfaffungsfeier bes Reichsbanners in Carlshof teilzunehmen. Frauenveranstaltungen: 136. st. Reinickendorf- Dit. Bir treffen uns heute, Sonnabend, 11. Auguft, zur Berfaffungsfeier des Bezirksamts Reinidendorf um 17 Uhr Schaferpeg ( Geebab). Ronzert, Berliner Fanfarenbläserkorps. Bollzähliges Erscheinen if Pflicht. Gap JOSEM IOSETTI JUNO Nach der Ferienreise, geistig und körperlich erfrischt, erinnert man sich man sich gern froh 10 verlebter Stunden und genießt beglückt wieder im eigenen Heim seine gute Josetti duno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette SAT Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Ginfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfekretariat. Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Das Jugendsekretariat bleibt heufe, Sonnabend, geschlossen. Achtung! Verfassungskundgebung. Die Teilnehmer, someit sie Mitglieder der SAJ. find, treffen sich Sonnabend, 11. August, 19% Uhr pünktlich, auf dem Sausnogteiplag. Fahnen find mitzubringen. 20 Uhr erfolgt die Aufstellung im Anschluß on den Zug Westen des Reichsbanners in der Schloßfreiheit. Der Gingtreis übt am Montag, 13. August, pünktlich 19% Uhr, im Heim Lindenstr. 3. Heute, Sonnabend, 11. August: Reutälls IV( Rörnerport): Berfassungsfeierbeteiligung. Treffpunkt 19% Uhr Sauspogteiplat. Fahnen mitbringen!-Steglig und Sichterfelbe: Treffpunkt 18 Uhr Rathaus Steglit zur Beteiligung an der Berliner Berfassungsfeier. Rentälla I: Treffpunkt aur Fahrt nach Bernau 17 Uhr Reuterplag. Neukölln V: Heim Kanner Ede Böhmische Straße. Fahrt nach Dubrow- BergTreffpunkt Ringbahnhof Neukölln. Werbebezirk Kreuzberg: Die Gruppen sind verpflichtet, sich restlos an dem Kinderfest des Jugendamies zu beteiligen. Morgen, Sonntag, 12. August: Rentälln VI: Fahrt Summter See. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof RaiserFriedrich- Straße. Roften 1,50 M. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Berfoffungsfeier in der Alten Zanerne". Kreuzberg: Jugend III Me., b. 18., 20 Uhr, Bersammlung bei Siedentopf, Mustauer Str. 35. Charlottenburg: Die Jugendabende am 17. und 24. August fallen aus.- Achtung, Sportleiter! Sigung am Do., d. 16., 19% Uhr, im. Gaubureau. Treptom( Ortsverein): En., d. 11., 19 Uhr, Abmarsch Görliger Bahnhof. 18-19 Uhr Plazkonzert dir Kapelle dortselbst. Zither und Mandolinenklub Harmonic- Erita. Dienstag, 14. August, 21 Uhr, Restaurant Störth, Gitschiner Str. 110. Gewerkschaft Deutscher Boltslehrer, Provinzialverband Berlin. Nächste Sigung Montag, 13. Auguft, 19% Uhr, Poſtstr. 16, Zimmer 36. Tagesord nung: 1. Borbereitung des Verbandstages( Anträge), 2. Berschiedenes. Gazungen mitbringen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinter. bliebenen. Bezirk Wedding: Mitgliederversammlung Montag, 13. August, 20 Uhr, Chausserstr. 64, Pazenhofer. Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Sonnabend, 11. August. Mitte: 18 Uhr Antreten zum Fadelzug Schlesischer Bahnhof. Friedrichshain: Antreten 18 Uhr Andreasplaz mit Fahnen und Musik. Plazkonzert. Bflichtveranstaltung. Rein dendorf- Ost: Antreten 17% Uhr Bahnhof Schönholz. Nachzügler 18% Uhr Bahnhof Schönhauser Allce. Schwache westliche bis nordwestliche Winde. Sonntag, 12. August. Mitte: 15 Uhr Verfassungsfeier Auswolfiges bis heiteres Wetter bei wenig geänderten Temperaturen. Keine Niederschläge. fchant Schultheiß- Bazenhofer- Brauerei, Chausseestr. 64. Friedrichshain: 14 Uhr Antreten mit Mufit und Fahnen Rüstriner Plaz zum Marsch zur Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten). Seils beiter, teils wolfig. am Tage mäßig warm. Für Deutschland: Ueberall -Hoffnung= Bekleidungs- Jndustrie G. m. b. H. Brunnenstraße 188-190, am Rosenthaler Platz அ. Herren- Anzüge in bester Verarbeitung Anzüge für die Jugendweihe in vielen Farben und Qualitäten Sportbekleidung aller Art Trenchcoat-, Gummi- u. Loden- Mäntel in großer Auswahl Windjacken für Damen und Herren in allen Größen und Preislagen Elegante Maßanfertigung Herrenartikel Hüte, Krawatten, Oberhemden usw. zu billigst. Preisen Berufskleidung für jeden Beruf Fahnen und Ausrüstungsgegenstände für Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold Theater, Lichtspiele usw. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Heute 8 Uhr CASINO.THEATER Lothringer Str. 37. Wiedereröffnung Freitag, den 17. August 1928 mit dem neuen Schlager Elite- Sänger Rundfunkfieber. U.a.:,,Lohengrin in Neukölln" Ein Volltreffer grösster Heiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2- Mark Berliner Ulk- Trio Neukölln. SpezialBehandl, nor für Ischias m Hüft, Gesi and Bein, wenn ärztl. festgestellt. In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Lahnstr.74/ 751 Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Gewinnauszug Nachorud verboten 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Ohne Gewähr Auf jede gezogene Rummer find zwei gleich bobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Loje gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 2. Ziehungstag Staats- Oper Unter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienbalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! SCALA 9. August 1928 8 Uhr In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne gu 50000 t. 1409 2 Gewinne au 5000. 369639 8 Gewinne au 3000 m. 16157 135839 193846 342112 14 Betvinne u 2000 m. 28653 71983 145964 185736 214398 262449 290666 26 Gewinne su 1000 g. 8737 69372 75300 76873 120914 149965 167354 219861 251956 259108 274944 279640 320135 70 Gepinne gu 500 m. 13295 24322 26029 41091 41734 48554 55988 61179 63467 118252 120080 142399 143730 151503 154768 162173 164931 170497 171347 181838 193408 201654 210060 223022 225664 235150 256618 265738 272994 307564 311825 318773 335469 360986 368370 192 Gewinne an 300 t. 3183 5472 5643 6901 8927 15661 19772 25133 31365 31919 33531 35562 37393 39138 51494 74512 76841 82115 83259 83593 83852 90304 92491 99249 101436 104082 104975 105326 110429 111660 113110 116491 118375 121673 128110 145079 148103 156188 159337 162101 162235 166054 171039 183352 186952 192815 201164 202266 210179 214516 215061 217877 218635 222756 231489 240044 246701 248592 249605 250570 251578 256158 258545 261410 268381 271152 272356 273094 277570 278331 282092 283328 288552 296218 301675 304685 307020 307782 310559 312854 316340 316589 322492 324443 327408 327805 329260 334846 335126 335691 340173 346326 351289 351996 353496 367765 Im Gewinnrade nerblieben: 2 Brämien zu 500000, 2 Gem. zu 500000, 2 zu 300000, 2 zu 200000, 2 zu 100000, 4 zu 75000, 4 zu 50000, Nollendorf 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Preise: 60 Pf, bis 2 M Heute: Das große Deutschland- Feuerwerk auf der Grunewald- Rennbahn ein Schauspiel ohnegleichen Vorkommende Bilder: Unsere Reichspräsidenten Ebert und v. Hindenburg. Die großen Meister. der Musik Beethoven und Wagner. Graf Zeppelin und Dr. Eckener sowie Turn vater Jahn. Frauen und Herolde. Diskuswerfer und Fußballspieler. Der neue Zeppelin, das Flugzeug Bremen". Auch Sie müssen es miterleben ab 7%, Uhr Doppelkonzert Leitung: Professor Hackenberger u. Obermusik. meister Becker. Beginn des Feuerwerkes 9 Uhr SCHLUSS 10 Uhr Extrazüge ab 6 Uhr von sämtl. Verkehrsinstituten Karten bis 4 Uhr bei BOTE& BOCK und WERTHEIM à 2., 1.50. 1.- Mark. Ab 12 Uhr sind die Rennbahnkassen geöffnet. Telephonische Bestellung nicht möglich. Komische 81%, Ubr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Theater des Westens Residenz- Theater Täglich 8, Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das süße Geheimnis Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 814 Uhr: Es kommt Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wörtz a. 6. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt. statt 4- Mk. nur 1. Mk. Jeder dran! Rose- Theater Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich, 8 Uhr: Der Zarewitsch" Gr. Frankf, Str. 132, 5 Uhr: KONZERT Bunter Teil. 8 Uhr: Das Musikantenmädel. 8% Theater am Nollendorfplatz Berliner Prater Die Kastanienallee 7/9. ungeküßte Eva Täglich 8 Uhr: Operette in 3 Akten. Försterchristel Musik von M. Knopt Donhoff Brett': mit Lori Leux. Ausstattungsoperette. ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz 10 zu 25000, 78 zu 10000, 150 a 5000, 392 au 3000, 710 au 2000, Deutsches Theater 1520 zu 1000, 4088 zu 500, 10420 zu 300 Mart 3. Siehungstag 10. Auguſt 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Getiune su 10000. 232599 286063 2 Geminne zu 5000 9. 321932 6 Gewinne au 3000. 31056 217796 287386 14 Gewinne zu 2000. 129978 167796 205645 244678 286022 291871 354678 28 Gewinne au 1000. 5092 14906 43462 65527 79127 94342 140927 143990 176106 202011 238352 311596 356525 369398 76 Gewinne au 500 m. 1252 34901 38761 55706 55869 58125 61002 63986 71032 77099 84214 94882 110289 118189 133700 140096 170160 171666 197658 222564 232653 236162 243568 245577 248295 273224 284435 287065 287529 300374 308927 322242 329141 331440 336157 339741 344462 345791 192 Gewinne au 300. 1187 5145 6683 21171 23086 24938 26452 29188 32633 37026 42070 43210 45977 47352 56744 58678 59046 64831 71063 80367 88649 92929 95462 97102 100764 102208 115051 119912 120773 125872 133280 136764 136983 140278 140803 144064 150102 151380 152059 164474 166276 167331 178044 186829 188148 191178 196564 197030 198317 203116 205707 210844 212609 214017 230758 233431 233809 237567 238194 244116 244380 247188 248708 249381 252812 253176 254562 255832 255945 260547 260631 266650 271581 275684 280145 284213 284937 286193 286337 303597 308414 312022 315293 318562 332109 332233 337108 337231 339727 349857 358508 359138 389462 363126 366961 372678 Norden 12310 : U. Ende nach 10/2 Zum 64. Male: Artisten tegle Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/751 31, U. Ende 108 U. Zum 90. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater -narlottenstr.90/ 91.00gb.176 31, Ende nach 101/2 Zum 111. Male: iastspie! d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. Lustspielhaus SPARKASSY Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Werkzeugmacher Achtung! Montag, den 13. Auguft, nachmittags Uhr, im„ Rottbuffer rug. Softbuffer Straße 19 Versammlung der Werkzeugmacher der kleinbetriebe. Die Orisverwaltung. Verkäufe Bettenverkauf! Neue! 9,751 15,-. 19,501 Brachtvolle 27,501 Bauernbetten 32,-1 Daunige 37,501 Rinderbetten 8,751 Bettwäsche! Inletts! fpottbillig und gut! Reine Lombardwaren. Leihhaus, Brunnenstraße 47. Rochherde, eiserne, Gas, Rohle, jeder Art, Größe, Siedlung, Haushalt, Re ftauration( Gelegenheiten). billige Bade. einrichtung, Teilzahlung, Eisschränke, Baschteffel, Ofentüren, Defen aller Art. Die alte Spezialfabrik Genimler u. Blenberg A.-G., Dresdener Str. 98-99. Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Benig getragene Jadettanzilge, teils auf Geibe, 18,-, Smolinganzüge, Bauchanzilge, Taillenmäntel, Baletots, stau nend billig. Gelegenheitskäufe in neuer Herrengarderobe. Leihhaus Rosenthaler Tor, Linienstraße 203-204, Ede Rosen. thalerftraße. Reine Lombardware Wenig getragene Fradanzige, Smo. finganzüge, Gehrodanzüge, Jadett. anzüge, Gummimäntel, Cutawananzige, Gabardinemäntel, Covertcoatpaletots, für iede Figur paffend, Spezialität: Bauchanzüge fpottbillig. Gesellschaftsangiige merden verliehen. Halpern, Rofenthaler straße 4, I. Etage. Wenig getragene, teils auf Geide gearbeitete, erfttlassige Jackettanzüge, Frad anzüge, Smolinganzüge, Gehrodanzüge, Gommerpaletots, Gabardinemäntel, Bauchanzüge, für jede Figur passend, außerdem hochelegante neue Garderobe, von erftflaffigen Schneidern gearbeitet, zu ftaunend billigen Preisen. Besonders billig: Belgiaden, Belamantel im Leihhaus Lomidi, Prinzenstraße 105, eine Treppe. Reine Lombardware. Berleih hocheleganter GesellschaftsLeihhaus Lowidi, Bringen ftraße 105. OSMARRICT Anzilge. Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. 10 PF.. 100 MARK gesetzl. gesch. Möbel Batentmatragen, Primissima"-Metall Rußefonders Quittungs-, Rabatt- betten, auflegematragen, Chaiselongues. wirksam sind u. Reklamemarken alter, Stargarderstraße achtzehn, Spe. zialgeschäft. die KLEINEN gegen Nachahmung ANZEIGEN in Ramerling, Raftanienallee 56. der Gesamtfertigt seit 45 Jahr. baum- Waidtommoden, englische Bett auflage des Nachttische. als Spezialität ftellen, Riefenauswahl. Vorwärts" Blüschsofas. Spottpreise. Zahlungs und trotzdem Conrad Muller erleichterung. Leipzig- Schkeuditz !! billig!! Musikinstrumente Sintpianos, überaus preiswert. Biano. Deutscher Metallarbeiter- Verband fabrit int. Brunnenstraße 85. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Gürtler Hermann Arndt geb. 7. November 1861, am 8. August gestorben ist. Einäscherung: Montag, 13. August, 14 Uhr, im Krem. Gerichtstraße. Den Mitgliedern ferner zur Rach richt, daß unser Rollege, der GSchmied Wilhelm Haak geb. 2. November 1897, am 9. August gestorben ist. Beerdigung: Montag, 13. Auguft, 15 Uhr, auf dem Städt. Kirchhof in Reinickendorf, Humboldtstraße. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Rach furzem fchweren Leiden entfchlief fanft am 7. August, abends 6 Uhr, unser lieber Bater, Schmie gervater, Großvater, Bruder und Schwager August Rehfeldt 68. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an im Ramen aller Hinterbliebenen. Die Alfred Rehfeldt Berlin B 30, Frankenstr. 16. Einäscherung findet am 13. August, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Berlin- Wilmersdorf ,. Berliner Straße, statt. Ohne jede Anzahlung können auch Sie jetzt die wegen ihrer Qualität und Schönheit bekannten und beliebten Driha"-Möbel haben, wenn Sie unseren Verkäufsräumen Elsässer Straße 37( Oranienburger Tor) und Brunnenstraße 33( nahe Invalidenstraße) einen Besuch abstatten. Schlaf-, Speise- und Herrenzimmer sowie Küchen und Einzelmöbel jeder Art verkaufen wir auf Kredit bis zu 2 Jahren und länger Bitte besuchen Sie uns oder fordern Sie unser Driha" Werbeblatt, auch Sie werden ein Freund der guten „ Driha"-Möbel Pianos 200,-, 475,-, 575,-, ge braucht, große Auswahl in neuen; lang. jährige Garantie. Serer, Brunnen ftraße 191, 1 Treppe, Rosenthaler Blaz. Teilzahlung. Fahrräder Zeilzahlung. Geringe Anzahlung, Eleine Rate, trogdem billig. Nur Quali tätsräder, drei Jahre Garantie. Fahr rabbau Wima. Aderstraße dreikia. Teilzahlung! Riefenauswahl! Dia manträder, Görideräder, Multiplegröder, Mittlerräder, Rennmaschinen, ent. züdende Straßenrenner, sechsjährige Ga rantie. Raufamanglofer Lagerbesuch. Fahrradrahmen 18,-. Raffaräber 38,-. Schlame, Weinmeisterstraße vier, 2,50 Wochenraten, Nelson- Fahrräder, 5 Jahre Garantie, Herren- und Damenräder, Halbrenner, Rennmaschien. Nel. fon- Fahrradvertrieb, Schöneberg, Hauptftraße 96, Chausseestraße 84, Rigaerstraße 57. Nähmaschinen Dürkopp- Nähmaschinen gegen 3- Mark Bochenraten. Blofit, Brunnenstraße 185, zwischen Rosenthalerplat und Invali benstraße Norden 118. Kaufgesuche Bahugebiffe, Blatinabfälle, Sinn metalle, Quedfilber, Gilberschmelze. Goldschmelzerei Christionat, Röpeniderftraße 39( nahe Adalbertstraße). Münzen, Briefmarten tauft Großmann, Johannisstraße 4. Verschiedenes Republikaner und Genossen finden billigen und angenehmen Aufenthalt im Gaft und Logierhaus Sturmed", Alrode bei Treseburg 101 Harz. Berlangt Prospekt! Vermietungen Wohnungen Kleinwohnungen, nur für Invalidenversicherte, fein Bauzuschus, sofort be. aiehbar. Bohnraum, Belle- Alliance Straße 79. Bergmann 6894. Arbeitsmarkt Stellenangebote Stenotypistin, Genoffin, Buchführung, Sausverwaltung vertrant, ſucht mög Tichft Abensbeschäftigung. Rittelmann, Embenerstraße 55, DIESE MARKE GARANTIERT besten Sitz-und erstklassige Verarbeitung 2. Beilage des Vorwärts Nr. 377» 45. Jahrgang V v vV U�%8l iv Sonnabend, 44. August 492» Krankfurt feiert Die Gtadi im Kestschmuck- Ausruf des �v. T. Jcanffutf a. ZN., 10. August.(Eigenbericht.) Schon vor der Einfohrt in den chauptbahnhof tündigi sich der Sinn der Fahrt an. In den Vororten hoben alle kommunalen Gebäude die Rsichsfarben gezogen. Auch d!« Innenstadt Frank» f u r t weist bereits am Vorabend der vom Reichsbanner Schwarz» Rot-Gold veranstalteten Bundcsverfosiungsfeier einen reichen, würdi- gen Festschmuck auf. Die grohen Hotels vor dem Zentralbahnhof haben schwarzrotgold geflaggt. Der mächtige Bau des Carlton-Hotels, das den Bundesvorstand, die Vorstandsmitglieder der Gaue, die Ehrengäste und die Vertreter der inländischen und auswärtigen Presse ausnehmen wird, hat außer der Rcichsfahne die preußische Fahne gehißt. In den Straßen der Altstadt stehen die meisten Häuser in Flaggen- und Blumenschmuck. Viele Geschäfte, besonders Restaurants und Lebensmittelhandlungen haben ihre Fenster deko- riert. Einen besonders reichhaltigen und schönen Schmuck weist unser Bruderblatt, die„Volkestimme" aus. Selbstverständlich haben auch die kommunalen Gebäude der Innenstadt geflaggt. Selbst aus dem Dachfenster einer evangelischen Kirche wehen zwei große schwarzrotgoldene Fahnen. Die Feier der Stadt. An den Anschlagsäulen weisen Plakat« des Magistrats Frankfurt a. M. auf den republikanischen Ehrentag am Sonnabend hin. Sie haben folgenden Text: „Am 11. August 1919 gab sich das deutsche Volk, einig in seinem Stand« und von dem Glauben beseelt, sein Recht der Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, die Weimarer Verfassung. Sie bildet das Fundament der jungen Republik. Diese Verfassung zu hüten und zu schützen, ist die Pflicht jedes verantwortungsbewußten Staatsbürgers. Frankfurt, in dessen Mauern vor 80 Jahren das erste deutsche Parlament tagte, Hüterin der Paulskirche-Tradition, rüstet sich, diesen Tag als vaterländischen Gedenktag würdig zu begehen. Es werden an verschiedenen Stellen der Innen- und Außenstadt zehn den TT. August. Magistrais— Das Programm der Feier Platzkonzerte stattfinden. Am Sonnabend um 11,30 Uhr werden sich die Vertreter des Reiches, der Lander und Gemeinden und der gesamten Bürgerschaft zu einer Feierstunde in der Paulskirche versammeln. Am Abend wird ein F e u e r w e r k auf dem Main den Tag beschließen. Mitbürger, helft uns, dem Tag auch äußerlich«in festliches Gepräg« zu verleihen! Schmückt eure Häuser! Fahnen heraus!" Der eigentlichen großen Bundesversassungsfeler, die am Sonnabend nachmittag KVH Uhr in der Rlefenfesthalle des Meß- geländes stattfindet, wird zunächst mittags 12 Uhr ein Volksfest vorausgehen. Um 4 Uhr wird«ine Kameradschaft des österreichischen Schutzbundes, unter Führung des Generals Körner, bei Eintreffen am Bahnhof festlich empfangen werden. Eine Stunde später wird der Bundesvorstand des Reichsbonners mit dem Bundeso orsitzenden H ö r s i n g ankommen. Um Uhr findet dann die große Ver- sassungsseier in der Festhall« des Messegeländes statt, auf der Ober- bürgermeister Dr. Landmann und Bundesvorsitzender H ö r f i ng Begrüßungeworte sprechen und Reichsminister a. D. Dr. David die Festansprache halten wird. Umrahmt wird die Feier durch Massenchöre des Arbeitersängerbundes. Um 9 Uhr findet am Main ein großer Zapfenstreich, Feuerwerk und Main- beleuchtung statt. Am Sonntag vormittag �411 Uhr geht der Gesamt- a u f m a r s ch der Hunderttausende zu Ehren der Reichsoerfassung vonstatten. Auf dieser Veranstaltung werden sprechen General Körner, Reichsminister a.D. Scheidemann, Prof. Dr. D e s s a u e r- Frankfurt, Vorsitzender des ADGB. Peter Graß- mann-Berlin, Generak Deimling und Bundesvorsitzender Hörsing. Als Ehrengäste werden zwei lebende Abkömmlinge berühmter olter Achtundvierziger erwartet: W o l s g a n g Freiligrath, der Sohn des Freiheitsdichters, aus Külz am Hunsrück, und Rechtsanwalt Max Venedey aus Konstanz, desien Vater Jakob Venedey am Hambacher Fest teilgenommen hat und im Anschluß daran fliehen mußte. Wieder ein pilsudfti-Tag. Sonntag in Witna. Warschau, 10. August.(Eigenbericht.) Die Legionärtagung in Wilna am Sonntag verspricht nach den äußeren Vorbereitungen ein g r o ß e s Er e i g n i s zu werden. Reben Pilsudski werden an der Tagung sämtliche Minister teilnehmen.-Zahl- reiche Sonderzüge aus allen Landesteilen gehen nach Wilna. Außer den Legionären werden voraussichtlich viele Soldaten nach Wilna kommen, die zu diesem Zweck Urlaub und Erstattung der Reisekosten erhalten. Ob die innere Bedeutung der Tagung diesen Vorbereitungen entsprechen wird, hängt davon ab, was Pilsudski seinen ehemaligen Waffengefährten und den aktiven Soldaten. die ihn verehren und ihm blind vertrauen, sagen wird. Allgemein wird erwartet, daß Pilsudski seinen innerpolitischen„Reform"plänen, die er in seinem letzten Interview angedeutet hat, in Wilna neue Form geben wird. Diese Annahme deckt sich mit der Erkläning eines Pilsudski und den Militärs nahestehenden Blattes, daß die Legionäre ihre eigentliche Lebensaufgabe seht erst vor sich hätten, da sie die wacht und die Verantwortung im Staate über- nehmen sollten. Der Ring der militärischen Oligarchie, die heute schon zum großen Teil in Polen besteht, soll ganz geschlossen, das Parlament völlig lahmgelegt und wohl auch ganz abgeschafft werden. Es ist möglich, daß Pilsudski dies in seiner Sonntagsrede andeuten wird. Ebenso ist wahrscheinlich, daß er auch in der Rede nach Litauen hin einige Worte sagen und sich dabei keine allzugroße Rücksichten auferlegen wird. Daß seinen Worten aber Taten folgen, wird man um so weniger annehmen dürfen, als Außenminster Z a l e s k i in den nächsten Tagen in Warschau eintrifft, um das Material für die polnisch-litauische Konferenz und die Völkerbunds- tagung vorzubereiten, die sich mit dem polnisch-litauischen Problem befassen wird. Man ist sich in Warschau darüber klar, daß eine un- vernünftige Haltung Litauen gegenüber im Augenblick diese inter- nationalen Verhandlungen zu Ungunsten Polens belasten müßte. Frundsberg. pazifistisches vor 400 Jahren. Die Deutschnotionale Correspondenz ist vom Pech verfolgt. Erst unlängst entgleiste ihr politischer Teil fürchtcr- lich mit einem Lambach-Artikel. Jetzt verunglückt ihr Feuilleton, das in ahnungsloser Harmlosigkeit einen Aufsatz über den Ehronisten Georg von Frundsbergs zum 400� Todestag des berühmten Söldnersührers der Resormationszeit bringt. Da berichtet der Chronist und Schreiber, wie er seinen Herrn, dem Schöpser der Landsknechtshecre, kurz vor dessen Tode- besuchte: „Es war aber mein Herr gar schwach und krank und hatte viel ausgestanden. Und als er mich sah, war er gar freundlich und sagte:„Da siehst du mich, wie ich bin!" Und sprach darauf: ..Das sind die Früchte des Krieges! Drei Dinge sollten alle abschrecken vom Krieg: Das Unglück, in welches die armen Menschen gestürzt werden, das böse sieben der Kriegsknechtc und die Undankbarkeit der Fürsten, bei denen die Ungetreuen hoch hinauf kommen und die Wohlverdienten unbelohnt bleiben." Der alte Frundsberg kann von Glück sagen, daß er schon 400 Jahre tot ist. Denn lebte er noch, so würde seine späte Einsicht vom Kriege ihm keine Gcdenkartikel der Deutschnationalen Cor- respondenz eintragen, sondern niederträchtige und giftige Angriffe. Aber— wie gesagt— er ist zu seinem Glück lange tot und hieß General Frundsberg— nicht etwa General Deimling! Doch ein Kall Thiel? Die Arbeitnehmer in ver Vottspartei. Die Auseinandersetzungen des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandcs mit den Parteien der Rechten nehmen ihren Fortgang. Vor einiger Zeit war behauptet worden, daß auch der Deutschen V o l k s p a r t e i ein Fall Lambach bevorstehe. Die Leitung der Deutschen Volkspartei bestritt dos und auch Herr Thiel. Reichstagsabgeordneter der Volkspartei und Führer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandcs, tat in vorsichtiger Form das gleiche. In der neuesten Auegabe der Zeitschrift des Dcutschnationalcn Handlungsgehilfenoerbandes wird nunmehr auf das Dementi des Abgeordneten Thiel Bezug genommen und gesagt: „Insofern haben allerdings, wie wir wissen, die Besorgnisse Thiels mit denen Lambachs eine gemeinsame Wurzel: die jungen Stände zusammen mit der jungen Generalion der alten Stände verlangen in den Parteien nach Baum zur Betätigung. In der Deutschen Volkspartei spielt indessen nicht die Frage nach der Staatssorm die entscheidend« Roll«. Bei ihr ist es Tatsache, daß die I n d u st r i e möglichst für jeden einzelnen Geschäftszweig durch einen besonderen Beauftragten vertreten zu sein wünscht. Auf die starte Berücksichtigung dieses Wunsches ist es zurück- zuführen, daß die Wahl oerluste der Deutschen Volkspartei zwar nicht an dem Bestand der Jndustrievcrtreter, wohl ober an wem der Arbeitnehmer(und des Mittelstandes) rüttelten." Das heißt zu deutsch: Wir Angestellten in der Deutschen Volkspartei sind ebensowenig mit der Parteisührung zufrieden wie Lambach und seine Leute in der Deutschnationalen Volkspartei: wir sind empört über die Vorherrschaft des großen Besitzes, scheuen uns ober, die politischen Konsequenzen aus der Behandlung zu ziehen, die wir in der Partei erfahren. Krise um Frieders. Die Sozialdemokraten fordern Auflösung des Landtags. Weimar, 10. August.(Eigenbericht.) Die Sozstaldcmokratische Fraktion des Thüringer Landtags nahm am Freitag nachmittag Stellung zu der durch die Nichtausführung des Landtagsmehrheitsbcschlusses zu dem Gnadengesuch Frieders geschaffenen Situation. Die Fraktion beschloß, den verfassungsmäßigen Antrag zu stellen, den Präsidenten zu ersuchen, in möglichst kurzer Frist den Landtag einzuberufen. Weiter stellte sie den Antrag, der Regie- rung das Mißtrauen wegen der von ihr im Laufe der Legis- laturperiode vorgenommenen Verstöße gegen die Rechte der Volks- Vertretung auszusprechen. Da bei der jetzigen Zusammensetzung des Thüringer Landtags es nicht möglich ist, eine Regierungsumbildung vorzunehmen, stellt die Fraktion den weiteren Antrag: der Landtag löst sich auf. Englisch-chinesischer Fn'edensschluß. Nankiag-Zwifchenfall erledigt, Vertragsrevision angebahnt. Schanghai, 10. August. Da» britische Abkommen über die Regelung des Rankinger Zwischenfalls wurde In Ranking von dem britischen Generalkonsul in Schanghai. Sir Sydney Barlon, im Ramen des britischen Gesandten und vom Außenminister Wang unterzeichnet. Die Bestimmungen des Abkommens dürften mit denjenigen des amerikanisch- chinesischen Abkommens über dieselbe Frag- ungefähr überein- stimmen. Gleichzeitig wurde ein zweites Abkommen unterzeichnet, wonach Großbritannien sich verpflichtet, Verhandlungen mit China über die Revision der Verträge einzuleiten. Vor kurzem hat Chamberlain im Unterhaus die Befol- gung des nordamerikanischen Beispiels� die chinesische Natio- nalregierung anzuerkennen, von der Beilegung des vorjährigen Nanking-Zwischenfalls abhängig gemacht. Die oben gemeldete Verhandlungszusage bedeutet praktisch die Anerkennung: ein großer Erfolg der Kuomintang-Regierung. Die kroatische Krise. Kein Entgegenkommen Belgrads. Wien, 10. August.(Eigenbericht.) Die christlichsoziale„Reichspost" berichtet aus Kroatien, daß dort alles geschehe, um Unruhen zu verhüten. Das kroatische vauern- volk werde alle» tun, um seinen Führern die Disziplin zu halten: die Haltung B e l g r a d» sei viel weniger klar. König Alexander lehne jedes Entgegenkommen an die Kroaten ab. Er wolle weder einen Bundesstaat, noch eine Personalunion. Bei dieser Haltung sei es nicht wahrscheinlich, daß das Agramer Sonderparlament freiwillig oder aus Grund einer Anordnung der Belgrader Regierung von seinem Platze weiche: c» werde sich nur dann fügen, wenn physische Gewalt angewendet würde, wenn auch die st a a t- liche Organisation Kroatien» weit vorbereitet sei. so besitze es doch nicht militärische Machtmittel, die denen Serbiens gewachsen wären. Es sei daher an einen Bürgerkrieg in militärischem Sinne nicht zu denken, möglich sei aber eine Mililärdiklalur. die die Gegensähe noch verschärfen würde. DEUTSCHEN S C H U.H.S A BRÖK CAS SAiJEJJJäJbLLS OER 6RD:SS-TEN Chemische Milliardenausfuhr. Gmndloser Konjunkturpessimismus. Die deutsche chemische Industrie, die alles in allem nur rund 300 000 Arbeiter beschäftigt, führt Jahr für Jahr Erzeugnisse im Werte von weit mehr als 1 Milliarde Mark aus. Der Anteil der chemischen Ausfuhr an der deutschen Gesamtaus- fuhr ist sogar n o ch g r ö ß e r als vor dem Krieg«. Im letzten Vor- kriegsjahr waren 9,1 Proz. aller Exportwaren chemische Produkte: 1925 waren es bereits 10,4 und 1927 sogar 11,4 Proz.. Rund«in Neuntel des deutschen Warenerports entfällt somit allein aus Chemi- kalien. Zwar ist gegenüber der Vorkriegszeit die Ausfuhr von Färb- stoffen, Lacken, Hellmitteln usw. mengenmäßig zurückgegangen, doch.sind die Preise im allgemeinen stark erhöht, so daß dieser Rückgang wertmäßig nicht zum Ausdruck kommt. Andererseits wer- den heute große Mengen stickstoffhaltiger Düngemittel ausgeführt, was vor dem Kriege bekanntlich nicht der Fall war. Roch im Jahre 1924/23 wurden aus Deutschland nur etwa 50 000 Tonnen Reinstickstoff ausgeführt, während es gegenwärtig bereits rund 200 000 Tonnen sind. Diese Ausfuhr beträgt mehr als die Hälfte der Salpeterausfuhr aus Ehile. Gegenwärtig macht die deutsche Chemikalienausfuhr im Monats- durchschnitt weit über 100 Millionen Mark, aufs Jahr gerechnet etwa 1,3 bis 1.4 Milliarden Mark aus. Die folgende Tabelle zeigt, in welchem Tempo sich die wichtigsten Gruppen innerhalb eines einzigen Jahres in der Ausfuhrentwicklung aufwärtsbewegt haben. Im ersten Halbjahr betrug die deutsche Ausfuhr in Millionen Mark: 1927 1928 Chemikalienausfuhr insgesamt.. 478,8 346,2 davon Farben, Firnisse, Lacke.. 160,0 166,7 davon chemische Rohstoffe.... 84,4 113,2 Insgesamt betrug also der Export dieser Produkte in den ersten sechs Monaten 1927 rund 429 Millionen Mark, 1928 dagegen 321 Millionen Mark. Hierzu kommt, daß in dieser Zusammenstellung noch keines- wegs sämtliche Chemikalien enthalten sind, es fehlen z. B. Paraffin, Steinkohlcnteerderivate, Kunstseide i'sw. Ferner sind zu den Ziffern noch die Reparationslieferungen hinzuzurech- nen, die im vorigen Jahre rund 70 Millionen Mark und im ersten Halbjahr 1928 mit knapp 40 Millionen Mark anzusetzen sind. Einschließlich der Reparationslieferungen betrug der deutsche Chemikalienexport von Januar bis Juni 1928 also rund 560 Millionen Mark. Ganz richtig wird in der auch von uns schon erwähnten Veröffentlichung der Zeitschrift„Chemische I n d u st r i e" festgestellt, daß der deutsche Chemikalienexport im ersten Vierteljahr dieses Jahres 328 Millionen Mark betrage» habe,'m zweiten Viertel- jähr dagegen nur 297 Millionen Mark: es wird jedoch im Anschluß hieran prophezeit, daß„wahrscheinlich dieser Rückgang sich im weite- ren Verlauf dieses Jahres fortsetze". Derartige Ausführungen erweisen sich jedoch bei näherem Zu- sehen als absolut irreführend. Gerade weil heute die Stick- stoffarzsfuhr«inen so großen Anteil an der Gesamtausfuhr chemi- scl)er. Erzeugnisse hat, weil serner die Stickstosflieferungen in den einzelnen Jahreszeiten von Saisonschwankungen beeinflußt werden, ist es selbstverständlich, daß auch die gesamte Chemikalienausfuhr in den einzelnen Monaten bald kleiner, bald größer ist So betrug z. B. in den drei Monaten April, Mai und Juni des vcr- gongencn Jahres die Ausfuhr von schwefelsaurem Ammoniak je etwa 4 Millionen Mark, im Juli dagegen 12 Millionen, iin August 23 Ml- lionen und im September rund 18 Millionen Mark. Regelmäßig sind die Monate April bis Juni diejenigen, in denen die Ausfuhr von Amnioniak und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln a m niedrigsten ist. Diese Tatsache sollte auch einem Fachorgan wie der„Chemischen Industrie" bekannt sein. Wer nur einigermaßen mit diesen und anderen Saisonschwan- kungen vertraut ist wird den Ausfuhrrückgang im zweiten Viertel- jähr dieses Jahres nicht tragisch nehmen, denn es ist zu erwarten, daß iin dritten Vierteljahr sich der Auslands- wie der Inlandsabsatz wieder bessert, genau so wie in allen Vorjahren. Die„Chemische Industrie" hätte es immerhin begründen sollen, warum ihrer Mei- nung nach das Jahr 1928 in dieser Hinsicht eine Ausnahme bilden soll. Da sie das nicht getan hat und es auch auf Grund der sonstigen Marktverhältnisse wohl nicht gut tun konnte, erscheint die B e- hauptung, daß auch weiterhin der Chemikalien- export zurückgehen werde, recht leichtfertig. Man muß annehmen, daß durch derartige Behauptungen andere Zwecke oerfolgt werden sollen, die mögli 6) erweise auf Handels, und zollpolitischem Gebiet liegen. Die Maschinem'ndustn'e im Luli. Roch gleichmäßiger Beschäftigungsgrad. Wie der Verein Deutscher Maschinenbouanstalten, der Spitzen- verband der deutschen Maschinenindustrie, mitteilt, haben im Juli die Anfragen und die Erteilung von Aufträgen aus dem Inland nichtmehrdenUmfang des Vormonats erreicht. Das Geschäft mit dem Auslande blieb im ganzen unverändert. Der Verband läßt die Frage offen, ob das Nachlassen der Anfragen und Aufträge auf Saisonerscheinungen zurückzuführen ist oder als eine Fort- setzung des Konjunkturrückganges angesehen werden muß. Der Beschäftigungsgrad der Maschinenindustrie konnte durch den vorliegenden guten Auftragsbestand auch im Juli noch auf dem Stand der vorhergehenden Monate gehalten werden. In den einzelnen Zweigen der Mischinenindustrie war auch im Juli die Lage keineswegs einheitlich. Im Werkzeug- Maschinenbau liegen zwar für die nächsten Monate noch ge- nügend Austräge vor, doch war der Eingang neuer Aufträge über- wiegend rückläufig. Auch bei der T e x t i l m o sch i n e n industrie macht sich ein Abbröckeln der Konjunktur bemerkbar. Dogegen hofft die L a ndm a s ch i n e n industrie auf eine weitere Steigerung des Amerikanische Metalldiktatur. Die Arbeit des Kupferkariells.- Englands vergebliche Abwehr. Vor dem Kriege lag der Schwerpunkt des Weltmetallgeschäfts an der Londoner Börse. Die meisten Verträge wurden über den englischen Handel abgeschlossen und obwohl der Anteil der englischen Wirtschaft an der Erzeugung von Rohmetallen kein über- ragender war, war Londons Haltung für das gesamte Metallgeschäft in der Welt von ausschlaggebender Bedeutung. Das hat sich in der Zeit nach dem Kriege grundlegend geändert und besonders feit dem Jahre 1923 kann man ein ununterbrochenes Vordringen der Amerikaner auf allen Gebieten der Metallrohstoffe beobachten. Durch die Entwicklung der Zink-, Blei- und vor allen Dingen der K u p f e r g e w i n n u n g in den Ver- einigten Staaten, in Mexiko � und in Südamerika wurde die Er- zeugung so gesteigert, daß die Amerikaner seit Ende 1926 gezwungen waren, sich mehr dem Aussuhrgeschäft zu widmen. Solange die Kon- junktur der Vereinigten Staaten die Aufnahme der eigenen Er- zeugung sicherstellte, brauchte man sich um den Verbrauch in Europa oder in Asien nicht den Kopf zu zerbrechen. Seit zwei Jahren aber haben sich die Dinge gewandelt. Die Erzeugung der Vereinigten Staaten von Kupfer, Blei und Zink kann nicht mehr im eigenen Lande abgesetzt werden und man ist daher gezwungen, sich den euro- päischen Markt zu erschließen. Der Zusammenschluß der Kupfererzeuger im internatio- nalen Kupferkartell war die erste Folge dieser Ueberproduk- tion. Daneben spielte der Wunsch, durch einen stabilen Preis höhere Profite zu erzielen, bei den Amerikanern eine sehr große Rolle. Den Mitgliedern des Kartells ist es gelungen, den Preis auf einer sehr hohen Basis zu stabilisieren und sich damit für lange Zeit eine übermäßige Profitrate zu sichern. Reben den Preisfragen war aber noch die Wirtschaftspolitik der Amerikaner bei dem Zusammenschluß von Bedeutung. Bis zum Beginn der Tätigkeit des internationalen Kartells, d. h. bis zum Herbst 1926 hatte die Londoner Börse im Kupfergeschäft immer noch ein wichtiges Wort mitzureden. Dagegen spielt London für den Kupferhandel jetzt kaum noch eine Rolle, da das Kartell in den zwei Jahren den größten Teil der englischen Kupseroorräte aufgekauft hat. Im Oktober 1926 beliesen sich die Bestände auf rund 32 000 Tonnen und im August 1928 auf etwa 7100 Tonnen. Diese Menge reicht bei einem Iahresbedarf von 160 000 Tonnen im letzten Jahr für die Deckung des englischen In- dustriebedarss natürlich nicht entfernt aus. Man ist also nicht nur in England, sondern überhaupt in ganz Europa bei der Kupferner- sorgung vondemKartell abhängig, das etwa 92 Proz. der Weltkupfergewinnung beherrscht. Auf Amerika allein entfallen dabei etwa 80 Proz. Die englische Wirtschast hat oft versucht, sich gegen die Diktatur- Politik der Amerikaner bei Kupfer zu wehren und man wollte auch die Regierung zu einer Intervention gegen die Vereinigten Staaten veranlassen. Die englische Regierung hat jedoch eine Unter- stützung abgelehnt. Sie beeinflußte lediglich indirekt die englische Metallgesellschast, aus dem Kartell auszutreten, was zu Anfang des Jahres 1927 geschah. Innerhalb eines Jahres aber trat dann die engllsche Metallgesellschaft dem Syndikat wieder bei, weil sie die Aussichtslosigkeit einer Opposition gegen die Amerikaner einsah. Rur aus einem einzigen Gebiete der Metallrohstosswirtschast, der Zinnproduktion, haben die Amerikaner nicht mitzureden. Dieser Rohstoff wird fast uneingeschränkt von den Engländern be- herrscht und kontrolliert. Von der rund 156 000 Tonnen betragen- den Weltzinnerzeugung stehen etwa 98 Proz. unter eng- lisch-holländischem Einfluß. Der englische Einfluß ist dabei natürlich überragend, da die Holländer nur einige kleine Zinnerzgebiete be- sitzen. Die Engländer kritisieren die Diktawrpolitit der Amerikaner bei Kupfer, treiben aber im Zinngeschäft dieselbe Wirtschaftspolitik. Sie versuchen mit allen Mitteln die Preise hochzuhalten, um sich einen Reingewinn von 30 Prozent und noch mehr zu sichern. Die Verhältnisse sind aber für die Zinnwirtschast nicht so günstig wie auf dem Kupfermorkt, weil die Vereinigten Staaten mehr als die Hälfte der Zinnwelterzeugung jährlich abnehmen und infolgedessen für die Erzeuger ein sehr wichtiger Faktor sind. Die Amerikaner wehren sich mit allen Mitteln gegen das Preis» diktat der Engländer auf den Zinnmärkten und sie haben in letzter Zeit insofern einen gewissen Erfolg zu verzeichnen, als sich die Preise durch den verminderten Verbrauch in Nordamerika ständig ab- schwächten. Zu Ende des Jahres 1926 kostete Zinn ungefähr 620 bis 630 RM. je 100 Kilo. Es ist bis zum Frühjahr 1928 auf 400 bis 420 Mark gesunken. Außerdem wollen sich die Amerikaner jetzt etwas unabhängiger von dem englischen Zinnmarkt machen. Sie haben eine Kapitalbeteiligung an bolivianischenErzgruben vorgenommen und außerdem beschlossen, eine Hütte in Hongkong zu errichten, in der sie ungeähr ein Drittel ihres eigenen Jahres- Verbrauches produzieren wollen. Auf anderen Gebieten kann man ein ununterbrochenes Vordringen der Amerikaner be- obachten. So wurde erst kürzlich eine Bergwerks- und Metall- finanzierungsgesellschast mit einem Grundkapital von 29,3 Millionen Mark gegründet, der die Aufgabe zufällt, sich an Bergwerks- und Hüttengesellschasten außerhalb der Vereinigten Staaten zu beteiligen. Die Gesellschaft soll inzwischen schon größere Aktienpakete erworben haben. Man spricht von 96 Unternehmunzen in 20 verschiedenen Ländern. Es wird eine Kontrolle auf verschiedene Kupferbergwerke, Gold- und Silbergruben, Zinnbergwerke, Blei- und Zinkhütten und ähnliche Betriebe ausgeübt. Alle diese Ereig- nisse zeigen ganz deutlich die aktive Wirtschaftspolitik der Ameri- kaner, die darauf ausgeht, nach und nach die Vorherrschaft auf allen Gebieten der Metallrohstoffwirtschast an sich zu reißen. Im Herbst dieses Jahres wird dann noch in New Pork eine reguläre Metall« börse eröffnet, um nach außen hin auch die Bedeutungslosigkeit der Londoner Börse zu dokumentieren. In der Zinkwirtschaft hallen sich Amerika und Europa ungefähr die Wage. Doch ist der amerikanische Einfluß in Europa durch H a r r i m a n bei Giesche in Ostoberschlesien und bei einer großen Hütte in Belgien gesichert. Man rechnet mit dem Eintritt der Ver- einigten Staaten in das Europäische Zinksyndikat, wobei die Ameri- kaner allerdings sich die wichtige Klausel vorbehalten werden, daß die Märkte in den Vereinigten Staaten nicht unter die Preis- und Ab- satzkontrolle des Kartells gestellt werden. Umsatzes in den kommenden Monaten, da mit einer guten Getreide- ernte gerechnet wird. In den übrigen Zweigen war die Beschäfti- gung so gut wie unverändert, nur in den Werken für Straßen- und Baumaschinen war ein« faisonmäßigc Zunahme der Aufträg« fest- zustellen, so daß dies« Betriebe bis auf weiteres mit Arbeit versehen sind._ Zur Lokomotivbaukrise. ASlehnende Anttvort der Beichsregierung. Der R e i ch s v e r k e h r s m i n i st e r hat zu der Denkschrift über die Krise im Lokomotivbau, die ihm von der kürzlich gegrün- deten Arbeitsgemeinschaft(Henschel-Schwartzkopff-Borsig-Maffei) ein- gereicht war, Stellung genommen. Seine Antwort ist eine klare Ablehnung einer. Subvention für die Lokomotivindustrie. Der Reichsverkehrsminifter erkennt zwar die Notwendigkeit an, eine leistungsfähige Lokomotivmdustrie zu erhalten, weist aber gleichzeitig darauf hin, daß es unter den heutigen Umständen und auf Grund des ihm in 8dr Denkschrift vorgelegten Zahlenmaterials unmöglich fein werde, die vorhandenen Lokomotivfabriken in ihrem jetzigen Umfange auch nur einigermaßen ausreichend zu beschäftigen. Um eine Gesundung der Verhältnisse herbeizuführen, müsse daher mit einer erheblichen Einschränkung der Fabrikation ge- rechnet werden. Solange aber in dieser Beziehung von den Ver- tretern des Lokomotivbaues keine greifbaren Vorschläge gemacht werden, sei zu befürchten, daß durch die Gewährung von Krediten nur unbegründete Hoftnungen erweckt würden. Bei der gespannten Finanzlage des Reiches müsse es daher der privaten Initiative selbst überlassen bleiben, die notwendigen Um- stellungen und Rationalisierungsmaßnahmen zu ergreifen. Dies« Antwort des Reichsoerkehrsministers ist eindeutig und klar. Abgesehen davon, daß mit Subventionen der Krise im Lokomotiobau überhaupt nicht beizukommen ist, muß diese übersetzte Industrie durch Zusammenschlüsse und Fabritationseinschränkung von sich aus den Gesundungsprozeß einleiten. Die Aussonderung überflüssiger Betriebe und ihre Ueberführung in andere Produktions- zweige kann zum Teil wenigstens nicht allzu schwer sein. So haben eine ganze Anzahl Fabriken, wie Vulkan- Stettin, Wolf- Buckau, L i n k e- H o s f m a n n- Breslau den. Lokomotiobau nur als Nebenbetrieb ihren Werken angeschlossen und ihn in d-n letzten Jahren nur unter schweren Verlusten aufrechterhalten können. Dagegen oerfolgt die Arbeitsgemeinschaft eine falscheTa tik. wenn sie den Ausleseprozeß nach den exportfähigen oder export- unfähigen Werken vornehmen will. Denn die Spatzen pfeifen«« von den Dächern, daß eine ganz« Anzahl großer und auch mittlerer Werk« Auslandsaufträge ohne jeden Nutzen, ja sogar weit unter den Gestehungskosten hereingenommen haben, nur um den Betrieben Beschäftigung zu geben. Die Vorschläge, die auf die Denkschrift der Lokomotioindustri« hin im Rcichswirtschaftsministerium erwogen werden, laufen daraus hinaus, daß die Reichsbahn Lokomotioaufträge für späteren Bedarf jetzt schon an die Industrie oergibt, sich dagegen den Termin des Abrufes und der Zahlung vorbehält. Di« Industrie ihrerseits könnt« sich in solchem Falle die Aufträge b e- Vorschüssen lassen, und man trägt sich im Reichswirtschafts« mi-nisterium mit dem Plan, der Industrie den Zinsverlust durch eine Beihilfe des Reiches zu ersetzen. Dieser Plan des Reichswirtschaftsministeriums würde tatsächlich auch nichts anderes als ein- Subvention darstellen und nur dazu dienen, die klare Linie, die der Lokomotivindustrie zur Lösung der Krise vorgezeichnet sein muß, zu verschieben. Unseres Trachtens könnte das Reich der Lokomolivindustrie nur in einem Punkte helfen, nämlich in der Frage der Länderquoten. Diese Länderquoten, die ein Produkt der deutschen Vielstaaterei darstellen, sind allerdings ungesund. Mit Hilfe dieser festgesetzten Länder- quoten sinb in den letzten Jahren Werk« künstlich am Leben gehalten worden, denen man der ienem Ausleseprozeß sicherlich die Existenzberechtigung absprechen würde. Es wäre zu wünschen, daß die Reichsregierung zu dieser Frage noch Stellung nimmt. Starke Entlastung der Reichsbank. Im Ausweis der Reichs- bank vom 7. August kommt die zunehmende Verflüssigung des Geld- Marktes in der ersten Augustwoche zum Auedruck. Die gesamte Kapitalanlage ging um 234 auf 2435 Millionen Mark zurück. Der Wechselbe st and nahm um 207 auf 2310 Millionen Mark ab. der Bestand an Lombards um 47 auf 30 Millionen Mark. Auf Girokonto wurden 47 Millionen Mark eingezahlt. Der Notenumlauf verringerte sich nur um 221 auf 4348 Millionen Mark und der an Rentenbankscheinen um 23 auf 538 Millionen Mark. Der Goldbestand stieg um 32 auf 2232 Millionen Mark, der an dcckungssähigen Devisen um 31 auf 213 Millionen Mark. Die Reichsbank hat damit seit Jahresbeginn ihren Goldbestand um 367,3 Millionen erhöht. Di« Deckunq der Noten durch Gold allein besserte sich von 48,1 auf 51,3 Proz., diejenige durch gold- und deckungssähige Devisen von 32,2 auf36,3 Prozent. Vle Sparkasse der Dank der Arbeiter,«„gestellte»„ad veamlea «.-