BERLIN Sonnabend 11. Angust 1928 10 Pf. Nr. 37S B167 45. Jahrgang. E r« ch e>« t t S g Ii ck außerSvnotaq«. zugleich Abendau M. Ermäßigungen nach Tank. Ascheckkonrv: Dorwärrs-Verlag G. m. d. Berlin Nr. S7ÜS6. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 207 Oer Tag der Republik. Die Zweier im Reichstag.- Eine Rede des Prof. Radbruch. Der Große Sitzungssaal des Reichstages trägt wieder sesllichen Schmuck. Die Estrade des Präsidiums Ist von frischem Grün um- rahmt, helle Blumen leuchten daraus hervor. Oben an der Stirn» wand der Reichsadler, links und rechts von ihm die schöne Eingangs» formet der Weimarer Verfassung. Alles von den Reichs» farbeu umgeben und durchzogen. Ringsum an den wänden die Wappen der deutschen Länder, ein besonder» reiches Arrangement von Schwarzrolgold vor der rechten Mittelloge. an deren Brüstung die präsidentrnslagge angebracht ist. Die R e i ch s r« g i e r u n z ist vollzählig auf ihren Plätzen. Vertreter der Länder in Berlin, die preußische Staats- regierung, die höchsten Beamten der einzelnen Zentralverwal- tungen, die Borsitzenden und Führer aller namhafren Körperschaften des öffentlichen Lebens, der Berufsverbänd«, der Kunst, des Theaters und des ganzen weitverzweigten geistigen Berlins. Auch die meisten der ausländischen Botschafter und Gesandten mit vielen chrer Beamten wohnen der Feier bei. Um 12 Uhr trilt Stille ein, alles erhebt sich, während Reichs- Präsident o. chindenburg mit dem Reichsinnenminister Karl Seoering, dem Reichswehrminister Gröner und dem Vize- Präsidenten des Reichstags v. Kardorff— Präsident Löbe ist noch in Brüsiel— in der Mittelloge rechts erscheint. Länger als sonst bleibt der Reichspräsident an der Brüstung stehen, um die Feftver- sammlung zu begrüßen. Mir ihm ninunt alles wieder Platz und nun läßt der Staats- und Domchor unter der Leitung Hugo Rudels den Festgesang, auf eine Weise von Gluck, gedichtet von Max Kalbeck-Wien und von unserem Berliner Georg Schumann be- arbeitet, klangvoll ertönen. Darauf folgt die Festrede des Lniversitätsprofessors Dr. �adbruch. Herr Reichspräsident! Deutsche Volksgenossen und Genossinnen! Wem die hohe Ehre zuteil wird, am Derfasiungstage dem allge- meinen Empfinden sein schwaches Wort zu leihen, der mag wohl unwillkürlich an die größte aller Versassungsreden denken, jene von Thutydides überlieferte Rede des Perikles, die den Geist des Staates der Athener für olle Zeiten zeichnet.„Unsere Verfassung", sagt Perikles,„heißt Demokratie, weil sie nicht auf einigen wenigen, Prot. Padbruch. sondern auf der Masse des Volkes ruht. Nicht die Geburt, nur die Leistung eröffnet auch dem Unansehnlichsten den Weg zu den höchsten Würden. Wer aber der Politik sich klüglich fernhält, den rühmen wir nicht wegen seiner weisen Zurückhaltung, sondern wir verachten ihn als einen, der für das allgemeine Wesen nichts nütz« ist. Diese unsere Verfassung ober", sag« Perikles, „haben wir nirgends entlehnt. Umgekehrt ist sie anderen Völkern zum Muster geworden." Gegner der deutschen Demokratie pslegen sie dagegen ein frem- des, undeutsches Gewächs zu nennen, Sie zu entkräften genügt der Hinweis auf eine bodenständige Demokratie deutscher Art! die schweizerische Demokratie. Von der älteren, eidgenössischen Demokratie vermag der deutsche Volksstaat manches zu lernen, unter anderem auch, wie«in Volk ernste Feste fröhlich feiert. Lächelnd und gerührt erleben wir in den Dichtungen Gottfried Kellers immer von neuem volkstümliche Feste als ihre Höhe- und Wendepunkt«, (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Festschmuck am Platz der Republik. Vooniit— Vorwärts! F. St. Ostende. 11. August. Nur ein paar Hundert Schritte entfernt von der gewaltigen grauen Trutzburg der Grafen van Flandern, im Herzen der Stadt Gent, erhebt sich leicht und stolz das Festgebäude des„Vooruit". Note Fahnen grüßen die Delegierten des Kongresses, die in einem Sonderzug von Brüssel herübergekommen sind. Das Festmahl im Saal bildet den Abschluß einer Exkursion, die wir in Autobussen rund um die Stadt unternommen haben und die den Zweck gehabt hat, uns den genossenschaftlichen Zweig der belgischen Ar- beiterbewegung vor Augen zu fiihren. Wir sind vorbeigesahren an ungezählten Berkmissstellen des Kon- sumvereins, an Fabriken und Werkstätten, in denen Maschinen surren und Hämmer dröhnen. Wir waren im Hauptoerwaltungs- gebäude, das mit seiner geschmackvoll modernen Innenarchitektur, seiner Helle, Reinheit und Ordnung imponierend und gewinnend zugleich wirkt. Wir waren in der wundervollen Klinik der Krankenkasse, die hier mit der sozialistisch-genossenschaftlichen Organi- fation in engster Verbindung steht, lind wir haben auf unserem Weg den besten Führer gehabt in dem Mann, der an dem Werden dieses prachtvollen Werkes einen Hauptanteil trägt, in dem Genossen A n s e e l e, dem Tribunen von Gent, jetzt einem beweglichen Siebziger, aus dessen Augen Güte und überlegene Klugheit leuchten. Auf dem Kongreß in Brüssel haben wir von belgischen und an- deren Genossen Reden gehört, die Meisterwerke der oratorischen Kunst sind. Aber in Gent haben wir gelernt, daß die belgische Arbeiterbewegung ihre Kraft nicht ihren Reden, sondern ihren Taten verdankt. In keinem anderen Lande der Welt ist das Problem der Einheit der Arbeiterbewegung in so vorbildlicher Weise gelöst wie in Belgien. Partei, Gewerkschaft, Ge- nossenschaft, Sportbewegung dienen hier nicht nur den- selben Zielen, sondern sind Teile eines Ganzen, die nie ihren inneren Zusammenhang verdecken oder verleugnen, sondern ihn als eine Selbstverstäirdlichkeit freudig und offen zur Schau tragen. Diese tiefinnerliche in organischem Wachstum gewordene Verbindung hat nicht nur ihren gewaltigen materiellen Wert, indem alle Teile der Organisation sich gegenseitig tragen und stützen, sie hat auch eine hohe ideelle Bedeutung: Denn auf der einen Seite bringt sie jedem Gewerkschaftler, jedem Genossenschaftler, jedem Arbeitersportler zu Bewußtsein» daß er in seiner Organisation als Sozialdemo- krat an seiner Stelle steht, auf der anderen Seite bietet sie aber auch Gewähr dafür, daß die politische Bewegung nie den Boden der Tatsachen unter den Füßen verliert. Wer eine Arbeiterbewegung will, die höchsten Idealismus mit stärkstem realpolitischem Sinn»er- bindet, der muß hierher nach Belgien kommen, um zu lernen. Als ein Symbol dieser Einheit wirkt es, daß das Genter Partei- blatt denselben Namen trägt wie die große genossenschaftliche Organi- sation:„Vooruit!"—„Vorwärts!" Auf allen Gebieten der belgischen Arbeiterbewegung lautet die Parole:„Vorwärts!" Die best« Wirkung aber dieser Einheit besteht darin, daß in diesem Lande, in dem die Sozialdemokratie doch auch schon als Regie- rungspartei schwere Verantwortung getragen hat, die E i n i g- keit der Arbeiter so gut wie ungestött ist und daß hier der Kommunismus nur eine ganz unbeträchtliche Roll« spielt. Von Gent über Brügge gings nach O st e n d e, doch verlor die Reis« damit nicht den Charakter einer ernsten Studienfahrt. Wa» uns interessierte, waren nicht die Hotels dieses imgeheuren Mode- bads, nicht der prunkvolle Quai, auf dem unter grauem Himmet nur wenig elegantes Publikum promenierte. Die Ostendesche Reederei, die„R o t e Flotte" hatte uns eingeladen, eine kurze Besichtigungsfahrt auf einigen ihrer Fahrzeuge zu unternehmen. Auch die„Rote Flotte" ist«in Werk des unermüdlichen Edouard Anseele. Vor ein paar Iahren gegründet, besitzt sie jetzt 19 Schiffe und beschäftigt einige Hundert Fischer und Arbeiter. Ins Weihe Meer, nach isländischen, nach portugiesischen Gewässern fahren die Schiffe der„Roten Flotte" auf Fang. Die Genossenschaften über- nehmen den Ertrag, das Personal ist am Gewinn beteiligt. Die Ge» werkschaft aber hat den Vorteil, daß es jetzt auch in der Fischerei einen„Unternehmer" gibt, der Arbeiterinteressen vertritt. Die Haltung der wirklichen kapitalistischen Unternehmer den Arbeiter, forderungen gegenüber wird dadurch nicht unwesentlich beeinflußt. Heute hat die„Rote Flotte", die am Alltag nicht ans Demon- strieren, sondern ans Arbeiten denkt, zu Ehren des Kongresses rote Wimpel gesetzt. Eines der Schiffe trägt de» Namen„Emile Vandervelde" oder richtiger:„Emiel", denn wir sind hier im flämischen Land. Doch was sind Schreibweisen, was sind Worte. Indes die Schiffe der Roten Flotte auf den Wellen schaukeln, tönt aus vielhundert Kehlen die Internationale, ein paar Dutzend Sprachen stießen zusammen zur Einheit des Klanges und der Idee. Vooruit— Vorwärts! Vorwärts stolzer„Vooruit"! r Die Feier im Reichstag. (Fortsetzung von d«r 1. Seit«.) Gottfried K«ller hat den bindenden dichterischen Ausdruck ' volkstümlicher Festlichkeit gefunden. Drei Ellen gute Bnnnerseide, Ein chäuflein Voltes ehrenwert, Mit klarem Aug', im Sonntagsklcidc Ist alles, was mein Her� begehrt! Die Schiffe fahren und die Wagen Bekränzt, auf allen Pfaden her; Die luft'ge Halle seh' ich ragen, Von Steinen nicht noch Sorgen schwer Vom Rednersimse schimmert lieblich Des Fcstpokales Silberhort: Heil uns, noch ist bei Freien üblich Ein leidenschaftlich freies Wort! S o müssen wir feiern lernen. S o wünschen wir uns die Ber- faffungsfeier, wenn erst die Feier in diesem Saale nur das Herz- stück eines großen Volksfeiertages sein wird. Feuer auf allen Bergen müssen dem festlichen Tag« voranleuchten. Ein Fest der Turner und Sänger wird es fein, die noch immer ihren deutschen Beruf erkannt und jüngst erst wieder eindrucksvoll bc- stätigt haben, ein fröhliches Fe st der Kinder. A�f allen Rednerbllhnen werden deutsche Staatsmänner, werden die geistigen Führer Deutschlands das Antlitz des deutschen Staatswesens zu zeichnen unternehmen. Von allen Schaubühnen wird Schiller seinem Volke zurufen:„Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an!" oder Hans Sachs:„Ehrt eure deutschen Meister!" oder Florian Geyer: „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz!" Auf Wegen und Stegen wird immer wieder das Lied erklingen, das der erste deutsche Reickspräsident wieder zum Lied akler Deutschen ge- macht hat. Ued der frohlich-feierlichc Tag wird getragen sein von einem Meer von Fahnen in dem wundervoll warmen Dreiklang unserer Rcichxsarben. Wer, dessen Phantasie von diesem Bilde einmal ergriffen ist, ver» möchte noch dem deutschen Volke seinen Verfassnngstag vorzuent- halten? Der ernste Sinn solcher froher Feiern in der Demokratie aber ist die Selbstdarstellung und Bcwußtwerdung des Volkes,, das keinem Untertan ist als sich selber, des Volkes, von dem nach dem ersten Artikel unserer Reichsvcrfasiung die Smatsaewalt aus- acht. Die Verfassungsseier ist selbst ein lebendiges Stück Verfassung. Verfassung aber ist das Beharrliche im Flusse des historisch Wandel- baren, das feste Bett, das dem Strome der nationalen Geschichte seine Bahn vorschreibt � und doch wiederum von der Geschichte langsam vertieft, verbreitert und verändert wird, wie die Geschichet es sich einstmals selbst gegraben hat. Bei allem Danke, den wir Hugo Preuß schulden, den man den Vater der Verfassung ge- nannt hat: nicht Scharfsinn oder Weisheit einzelner schafft eine Verfassung, sondern die allmächtige Geschichte. Nicht nur die Nationalversammlung von 1gk9 steht bestimmend hinter unserer Verfassung— auch das Ergebnis von 1314 klingt in ihr wieder. Denken wir daran, in welcher Gesinnung damals die Besten und Tiefsten hinauszogen, ein Ludwig Frank etwa. Sie waren gewillt, als Frucht ihrer Kämpf« auch ein erneuertes, freieres Vaterland heimzubringen. Freilich: das Volk, das der Träger des neuen Staates ist, ist nicht die Volksgemeinschaft, die nur in erregten Stunden der Geschichte vorübergehende Wirklichkeit gewinnt. Das Volk, von dem die Staatsgewalt ausgeht, entfaltet sich in dem vielfältigen Reichtum kämpfender Gruppen, Klassen und Parteien. Sprechen wir, ohne daran Anstoß zu nehmen, die Wahrheit rück- haltlos aus: daß der Volksstaat ein P a r t e i e n st a a t ist. Dem Deutschen ist eigentümlich ein merkwürdig unsicheres Schwanken zwischen Parteiprüderie und Parteisanati-mus. Man macht Pgrteipolitik. aber man spricht nicht davon. Man verwahrt sich dagegen, Parteipolitik zu machen. Man darf es nicht vor keuschen Ohren nennen. Man spricht von der Parteipolitik gleich- sam nur mit gedämpfter Stimme und vorgehaltener Hand. Man schämt sich der Parteipolitik. Man treibt Parteivolitik mit schlech- tein Gewissen, als seien die Parteien etwas, was eigentlich nicht sein sollte. Man verkündigt einen Standpunkt über den Parteien— „da? Vaterland über der Partei"— und blickt von diesem Stand- Punkt verächtlich auf den„Hader der Parteien" herab als ein fach- licher Arbeit schädliches Gezänk, als ein Gemisch von mangelnder Einsicht und bösem Willen. Demgegenüber erscheint es angezeigt, noch einmal Gottfried Keller zu zitieren: Wer über den Parteien Sich wähnt mit stolzen Mienen, Der steht zumeist sogar Erheblich unter ihnen — unter ihnen, denn der vermeintliche oder vorgebliche Stand- winkt über den Parteien ist in Wahrheit nur einer unter anderen Varteistandpunkten, von anderen nur dadurch unterschieden, daß er sich für den einzig möglichen hält, die Vertreter aller anderen aber für Schädlinge und Reichsverdcrber. 3n Wahrheit hat jede Partei zu ihrer Aufgabe nichts anderc» als das Vaterland, bedeuten die Parteistandvunkte die verschiedenen möglichen Auf- fassungen vom Wohl des Landes— keiner von ihnen beweisbar und deshalb jeder von ihnen von jedem andern zu achten. Die von der höhe eines angeblichen Standpunktes über den Parteien herab betriebene verekelung des Parleilebens über- baupt wird aber zu einer schweren Gefahr im Volksstaate, in dem die Parteien die wichtigsten Organe des politischen Lebens sind, die Unruhe an der Uhr, die das ganze Werk im Gange hält. Man sollte vielmehr von früh an dem werdenden Staatsbürger ein- prägen, daß sich zu einer Partei zu bekemkkn im Volksstaat Bürgerpflicht sei. Wir wiederholen so oft, daß Wohlrecht Wahlpflicht ist— nun, dann ist es auch ein« Pflicht, sich einer Partei an.zuschti«ßen, denn es heißt ja nichts anderes als sein« Wahl nicht auf Grund einer vorübergehenden Stimmung zu vollziehen, sondern auf Grund einer überlegten und dauernden Ucberzeugung. Der Flugsand der Unentschlossenen zwischen den Parteien, der Verbitterten und Verärgerten, aber ist es, der unserem ganzen politischen Leben jene Unstethcit und IIn- bcrcchenbarkeit gibt. Es ist für eine Partei kein Glück, wenn ihr dieser Flugsand bei einer Wahl zustiegt, um ihr bei der nächsten wieder verloren zu gehen. Auf Sand kann man nicht bauen, so kann man auch auf Flugsand keine Politik treiben. Die deutsche Parteiprüderie ist ober nur die andere Seite des deutschen Parteifanatismus. Wir führen Parteikämpfe, wie mir ehemals Religionskriege führten, nicht nur als Gegner, die auf ver- schiedenen Wegen dem gleichen Ziel zustreben, sondern als unvcr- söhnliche Feinde bis in das privateste Privatleben hin- ein. Parteihaß spaltet bei uns Fieundschasten und löst Familicn- bande. Dos ist menschlich peinlich und lächerlich, aber es ist auch politisch gefährlich. Man beklagt oft die Schäden unseres Partsiwesens, aber man trifft nicht den richtigen Punkt, wenn man den Grundschoden in der Vielheit der Parteien� und das Allheilmittel in einem Zweiparteien- system sucht. Nur in Deutschland haben wir ein völlig starres Parteiensystem: feste Organisationen und feste Programme, gerade- zu Glaubensbekenntnisse, deren Wechsel schwicr'ger ist als ehemals ein Konfessionswechsel. Man sagt unseren Parteien wohl nach, sie seien in zu hohem Grade Jnleresicnparteien. Das Gegenteil ist richtig: sie sind in zu starrem Maße Weltanschauung!-, lieber- zeugungsparteicn. Für eine Ucberzeugungspartei ist aber die erste aller Tugenden Ueberzcugungstreue, jedes Kompromiß beinahe schon Verrat Parlamentarismus aber fordert von den Parteien in erster Linie nicht Ueberzeugungstreue, sondern Geschmeidigkeit, und das Grundübel unseres Parteiwescns besteht darin, daß wir die st a r» ren Parteien des Obrigkcitsstaates in den parlamentariichen Staat unverändert übernehmen zu können glaubten. Des- halb muß jede Koalition dem Parteigewissen bei uns erst mühsam abgerungen werden. Deshalb bildet bei uns jede Regierungsbildung eine schwere und langwierige Geburt. Wir müssen hoffen, daß der Parlamentarismus allmählich sich die Parteien erziehen wird, wie er sie braucht. Unser politisches Leben ist aber nicht nur mit dem Gegensatz der Parteien belastet, sondern auch mit dem Gegensatz der Klassen. Mit der staatsbürgerlichen Gleichheit, wie die Verfassung sie gewähr» leistet, steht die wirtschaftliche U n g l e i ch h ei t in schwer er- träglichem Gegensatz— ich jage nicht: die Ungleichheit der win- schaftlichen Lage, sondern die Ungleichheit der wirtschaftlichen Chance. Der Untertan ist zum Staatsbürger geworden, aber der Staats- bllrger ist noch immer Wirtschaftsuntertan. Den Arbeitnehmer zum Wirtschaftsbürger zu erlzebcn ist eine im Geiste der Verfassung selbst vorgezeichnete Aufgabe. Schon beginnen die Besten unter den Wirts chaftsführern ihrerseits sich al» die ersten unter den Wirtschaftsbürgern zu fühlen, als die ersten Diener der WirtfeUeft. Es hieße ungeschichllich denken zu glauben. daß für unsere Wirlschaslsentwicklung bereits aller Tage Abend sei. Eine Wirtschaftsordnung, die der Tatsache der Arbeitslosigkeit nicht Herr werden kann, kann nicht das letzte Wort der ökonomischen Cntwick- lung sein. Hände, die fähig wären, die unbefriedigten Bedürfnisse ihrer Träger zu stillen, müssen ruhen, weil ihnen die zur Befriedi- gung jener Bedürfnisse erforderlichen Arbeitsstosse und Arbeitsmittel nicht zur Verfügung stehen, weil es noch nicht geglückt ist, diese vier Dinge: Bedürfnisse und Arbeitskräfte, Arbeitsstosse und Arbeits» mittel zueinander in richtige Beziehung zu bringen. Schon stehen wir nach dem Zeugnis bedeutender Äirtschastskundiger mitten in einer gewaltigen Umwälzung unseres Wirtschafts- syst ems, in dem Ucbergange von der freien zur gebundenen Wirtschaft. Die neue gebundene Wirtschaft ist dem Staate g«gcn- über zugleich mächtiger und beeinflußbarer als die alte freie Wirt- schaft— mächtiger, weil die neu entstandenen Wirtschaftskolosse immer mehr zu sitaatsähnlicher Macht gelangen, beeinflußbarer, weil der Staat selbst noch immer der mächtigste unter den Wirtschofts- körpcrn,«ine in wenigen Händen konzentrierte Wirtschaft naturgemäß leichter zu bestimmen vernwq als eine Unzohl kleiner Bc- triebe. So scheint eine Zeit— gewiß: nicht unvorbereiteter wirt- schastspolitischer Experimente, wohl aber programmatischer Durchkonstruktion des Verhältnisses von Staat und Wirtschost nahe zu sein. Neben dem Klassengegensatz, neben dem Parteipartikularismus ruht auf unserem politischen Leben die Last des Länderporlikularismus. Im Dürerjahr tritt es uns besonders ins Bewußtsein, daß deut- ich« Art und Kunst in einem groß ousgefaßten Ganzen doch die Füll« liebevoll gesehener Einzelheit nicht missen möchten. So ver- langt die deutsche Seele auch von dem Erbauer ihres politischen Gehäuses Erhaltung der gewachsenen Vielfältig- keit innerhalb der bewußt gemachten Ganzheit, Vielfältigkeit in der Einheit. Kulturelle Mannigialtigkeit mit der gebokencn wirUchafl» lichen und politischen Konzentration zu verbinden, ist die schwer«! Aufgabe unseres Vcljafsungslcbens. Mehr und mehr hat sich er» wiesen, daß ihre Lösung nicht in dem, was Bismarck mit starkem! Wort den„gott- und rechtlosen Souveränitätsschwindel"� nannte» nicht in dcr Eigenstaatlichkeit der Teile in einem bundesstaatlichen Ganzen liege, sondern in dem Gedanken, dessen Verwirklichung die vorbildliche politische Leistung der Deutschen ist, in der deutschen Selbstverwaltung Oer durch Selbstverwaltung dezentralisierte Einheitsstaat ist das klar vorgezsichncle Ziel unserer innerstaatlichen Entwicklung, der Weg zu ihm freilich noch im Dunkeln. Denn zwei Aufgaben sind unlöslich miteinander verknüpft: die Neugliederung Deutschlands und der Aufbau des Einheitsstaates."Jmmermehr zeigt sich, daß die � Neugestal« tung des Reiches nur an einem einheitlichen Plane durch eine ein- heitliche Tat verwirklicht werden kann. Woher soll uns dieser Zwang zu einer Deutschheit kommen, der stärker ist als olle überkommenen Partikularismen? Jener Sturmwind, der das Kleine hinwegfegl, jener Donnerschlag, in dem die Stimme des, Großen zu uns spricht, sie werden da sein in jenem Augenblick, wo Oesterreich, von dem ollen Völkern verheißenen Selbst, beslimmungsrecht Gebrauch machend, sich dem großen deutschen Mutterlande anschließen wird. Dann wird«in brausender Jubel durch die deutsche Seele gehen— nicht ein Machtrausch. wie dem Mißtrauen des Auslandes gesagt sein mag, sondern der edle Rausch erfüllter Volksbrüderlichkeil, ein Jubel, vergle.chbar nur dem Jubel jenes Erlöfungs- und Befrei�: ngstoges, an dem der letzte fremde Soldat deutschen Boden räumen, an dem der Rhein, die Pfalz, die Saar wieder ganz unser sein wird. Es gibt keinen Deutschen, der nicht in diesen beiden Forderungen der Bereinigung mit Oesterreich und der Befreiung der besetzten Gebiete mit allen anderen Deutschen einig wäre. Das Ratio» nale versteht sich wie da» Moralische von selbst, und am meisten gerade bei denen, welchen Gesiihlskeufchheit das laute Bekenntnis zur Nation von der Lippe bannt. Aber daß es sich von selbst versteht, ist nicht zum mindesten das Werk der Weimarer Verfassung. Auch die Gegner des neuen Staates sollten nie vergessen, drß erst der neue Staat breit« Kreise, die dem alten Staate ausgestoßen und fremd gegenüberstanden, zur Bejahung des Staates vermocht hat... Eine Verfassung ist wie ein Schild, der seinem Träger um so lieber wird, je mehr Schrammen und Narben vergangener Kämpis er zeigt. An der Stelle, an der ich stehe, grüßte mit einem unver» geßlichen Klang in der Stimine, mit einer unvergeßlich-"! chnnd, bewegung Friedrich E b« r t den Sarkophag, der Walter R a t h e n a u s Sterbliches barg, der große Staatsinonn, der das Reich ,z»m zweiten Male gründete, den großen Staatsmann, der die neue Außenpolitik des Reiches am sichtbarsten vertrat, beide um» geiseit von der Verleumdung, beide Opfer der Pklicht bis in den Tod. Und wie viele Namenlas« haben neben ihnen für diese Verfasiung gekämpft und geblutet! Eines der schönen Kamps- u» d T r u tz- tieder unserer Arbeiterschaft endet mit dem hochgemureu Wort: Und da» ist dos Herrliche, Große in der West: Das Banner bleibt stehen, wenn der Mann auch fällt! Bürger und Bürgerinnen der deutschen Republik, das Banner, das schwarzrotgoldene Banner, wird stehen, die Weimarer De'» fassunq wird stehen, die deutsche Republik wird stehen! Minutenlang schallte das Händeklatschen zum Beifall für-dies« Rede. Der Chor sang nun„An Deutschland", gedichtet von Max Kalbeck, zu einer Komposition Heinrich Marschners. Darauf ergriff das Wort Reichskanzler Hermann Müller. Die festlich gef Der Tag. an dem sich das deutsche Volk seine demokratisch. republikanische Verfassung gab, beginnt immer mehr ein wirk- sicher Feiertag der breitesten Massen zu werden. Wer gestern und vor allem heut« vormittag durch die Straßen der Stadt ging, war erstaunt über die Füll« schwarz- r o t g o l d e n e r Fahnen, die aus den Häusern der Berliner das Werk von Weimar grüß.en. Manche Straßen waren Haus an Haus beflaggt, selbst im störrischen Westen beginnt man sich sehr sichtbar mit der Republik„abzufinden". Sehr eindrucksvoll ist die Ausschmückung, die der Platz der Republik und die Rordfront des Reichstagkgebäude» erfahren haben. Zu Füßen der sechs tragenden Säulen sind Lorbeerbäume aufze- stellt: Zwei große wuchtig« Bäum« flankieren links und rechts vier kleinere Bäume, ein wirkungsvolles Arrangement, da» recht dekora.iv wirkt. Auf den breiten Steinpfosten am Fuß des Ge- bäudes, die die Teppen zum Reichstag einleiten, sind zwei riesig« Blumenkörbe aufgestellt, die man mit Hortensien dicht gefüllt häc. An den hohen Masten, die auf dem Vorplatz des Reichstags auf- gerichtet sind, wehen die Fahnen der Republik. Weiterhin sind links und rechts vielterzig« Scheinwerfer montiert, die heü.e abend die Reichstagsfront, besonders die Kuppel, mit Flutlicht be- strahlen werden. Weit lebendiger und farbenprächtiger noch als hier ist der Feftaufbau am Moltke-Denkmal, an jener Stelle des Platzes der Republik nämlich, die der groß« Fackelzug heü.e abend paf- fieren wird. Hier ist«ine Tribüne für die Minister und Ehren- gast« errichtet, die an dieser Stelle den Fackelzug begrüßen werden. Die Banner der 17 deutschen Länder wehen an hohen Masten, in der Mitte das große Reichsbanner mit dem Adler, links und rechts von der Preußen- und der Berliner Fahne flankiert. 6 hohe blau- grün gestrichene Obelisken stehen auf der«inen, 12 auf der anderen Seite. Erleuchtete silberene Kugeln krönen die Obelisken, die durch duftige Hortensienarrangements unterbrochen werden. Die Parade der Länderflaggen wird durch«inen schmalen Hortensienstreifen abgegrenzt,«in sehr glückliches Bild. Jedenfalls ist der Ge- famteindruck geschmackvoll und würdig. Zu beiden Seiten des Brandenburger Tores sind ebenfalls Flutlichtanlagen aufgebaut, die die Quadriga heute abend konzentrisch von zwei Richtungen beleuchcen werden. Zwei wir- kungsooll belichtet« Springbrunnen Unter den Linden verstärken den festlichen Eindruck. Diese Beleuchtungsefekte wurden schon gestern abend in Tätigkeit gesetzt. Uebrigens läßc der Berliner Magistrat Rathaus und Stadthaus in gleicher Weife be- leuchten. Die Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Bon allen öffentlichen Gebäuden wehen die Reichs- und Landesfarben. Auf den Verkehrs- Mitteln der Stadt flattert die Reichsfahne. Selbst di« Eingänge der Untergrundbahn und die Mieishöufer im städtischen Besitz zeigen Flaggenschmuck. Die Friedrich st adt zeigt ein farbenbuntes Bild. In der Leipziger Straße ist Haus an Haus mit langen Fahncnbändern geschmückt. Die großen Geschüftzhäuser haben fast ausnahmslos geflaggt. Auch die Warenhäuser zeigen neben ihren Pnvatfahnen, die des Reiches und der Stadt Verlin. In Neukölln ist der Flaggenschmuck besonders reichhalliz. Am besten haben die Straßenbczirke geflaggt, in denen die Partei über eine große Anbängerfchaft verfügt Ausgezeichnet ist der Flaggenschmuck in der Jonas- und Weichfelstraße. Die großen Hotels haben wieder nach ihrem Kompromiß, halb fchwarzrotgold halb schwarz- weißrot, geflaggt. Ein Hzotcl in der Kraujenstraße ehrte den Per- hmückte Stadt. fossungstag durch Hissen der Kaiserfarben.— Die nördlichen Außen. bezirke Schönholz, Reinickendorf, Pankow und W e i ß e n s c e wiesen reichen Flaggenschmuck aus. Nicht nur auf den städtischen Gebäuden, Schulen, Postämtern usw. waren die Reichsfarbm gehißt, auch aus den Fenstern und von den Balkonen der Häuser leuchteten zahlreiche schwarzrotgokdene und rote Fahnen. Einige Straßcnzüge glichen einem Fahnenwald und boten ein imposantes und erhebendes Bild. Die Keiern der Schulen. In allen Bezirken Bersins gedachten heute auch die Schulen des Geburtstages der deutschen Republik. In würdigen Festreden wurde des Ereignisfes gedacht, da der erste Reichspräsident die republikanische Verfassung des Deutschen Reiches unterzeichnete. Besonders eindrucksvoll war die Kundgebung, die von den Schulen des Bezirks Wedding im Lustgarten veranstaltet wurde. In neun Zügen, jeder begleitet von einer Musikkapelle, zogen Tausende von Schulkindern mit schwarzrotgoldenrn Fahnen nach dem Festplatz. Eine dichte Menschenmenge erwartete die Jugend. Kurz nach zehn Uhr trafen die Züge ein, der Schwarzmeyersche Ehor sang Freiheitslieder. Oberstudien- rat Kurt Landsberg hielt die Festrede.„UmEinigkeitund Recht und Freiheit geht unser Kampf. Zweimal, 1848 und 1319, nahm das deutsche Volk sein Schicksal in die Hand. Unsere Freiheit, die uns durch d'« Verfassung gewährleistet ist. seiern wir heute an diesem Gedenktage. Der Sehnsuchtstraum des deutschen Volkes ward erfüllt." Gemeinsam sang man das Deutschland» l i e d des Republikaners Hoffmann von Fallersleben, das von unserem Friedrich E b e r t zur Nationalhymne erhoben wurde. Auf dem I a h n s p i e l p l a tz in der Hasenheide, der festlich geschmückt war, feierte» die Schulen des Bezirksamts Kreuzberg den 11. August. Ein Enkel des alten Jahn, des großen Vorkänipfers der schwarzrotgoldenen Demokratie, ein Turnlehrer aus Chicago, Oberbürgermeister B ö h und der Stadtschulrat N y d a h l waren anwesend. Dreizehntausend Kinder marschierten aus. Der sozialdemokratische Stadtrat Mars ke hielt die Be- grüßungsansproche. Er wies darauf hin, daß im Bezirk Kreuzberg, im republikanischen Berlin, Bezirksamt und Schulen kamerad. schaftlich zusammenarbeiten. Der Vorsitzende des Berliner Lehrerverbantes. unser Parteifreund Tschentscher, würdigte die Bedeutung Jahns, dessen Geburtstag sich gerade am heutigen Tage zum 133. Male jährt. Vorführungen junger Turner folgten, die helle Begeisterung erweckt»«. Der sozialdemokratische Bürgermeister Dr. Herz beleuchtete in einer Ansprache, was dem Volke die Verfassung von Weimar gegeben hat. Die Kriegsbeschäd'gten beim Re'chskan�er. Der Reichskanzler empfing heute vormittag den Verstand der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Ver. bände der Kriegsopfer und Kriegsteilnehmer(E i a m a c). Der Vor» sitzende Viola(Frankreich) oersicherte dem Reichskanzler, daß diese große internationale Bereinigung sich zum Ziel gesetzt habe für die Annäherung der Völker und die Beseitigung der Kriegs- folgen einzutreten. Der Reichskanzler dankte für die Begrüßung und erklärte, daß die Reichsregiernng den Arbeiten dieses Verbandes init der größte» Aufmerksamkeit folge und seinen Bestrebungen vollen Erfolg wünsche. Republikanisches Redeturnier. Steglitz in Krönt. Gymnasiosten, Jungen und Mädchen, der amerikanische Bot- schafter, ein paar Minister, Professoren,«tudienrät«, all« in sestlicher Eintracht verbunden. Ein großer Tag der Jugend, der größte, den dieses junge, republikanisch« Deutschland bisher erlebt hat. Es gilt über das Thema„Einigkeit und Reck)t und Freiheit" zu sprechen, ein Wettbewerb, den die„5)ochschule für Politik" veranstaltet hat. Hundert fühlten sich berufen, sieben wurden auserwählt. Diese sieben sind also der Extrakt der deutschen, humanistisch gebildeten Lugend, die auf jener Hochschule, auf der auch noch Minister sich fort- bilden, zum politischen Studium zugelassen ist. Ein hohes Ziel winkt dem Sieger: eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten. Der Leiter der Akademie, Prof. Dr. Iäckh, führt in einem einleitenden Vortrag seine sieben Favoriten vor. Sie seien noch jung und unreif, die Eierschalen der Herkunft und ihres politisch beeinflußten Milieus haften noch an ihnen, man spüre noch dos ganze Gepäck, das sie vom Gymnasium mitschleppen. Aber dann kommt die Ucberraschung. Der erste, ein Primaner aus Steglitz, hält uns eine formvollendete Red«, vorin er di« ganze deutsche Verfossungsgeschicht« vom Mittelalter bis zur Gegenwart entwickelt und überzeugend nachweist, daß Einigkeit nur auf dem Boden gleichen Rechts, also der Republik, möglich sei, daß mit der Freiheit gesteigert« Verantwortung und gesteigerte Pflichten ver- bunden seien und daß die Weimarer Verfassung der verheißungsvolle Anfang einer glücklichen Zukunft bedeute. Verblüffend die Sicher- hcit, der Schwung und die innere Begeisterung des Redners. Di« Folgenden variieren das gleiche Thema in ihrer Weise. Man er- kennt den zukünstigen Dolksredner, den Fcuilletonisten mit besonders blumenreichem Etil, den erfreulich liberalen Jugcnderzieher der Zukunft, die Lehrerin, und man sieht das Elternhaus, wo sich die Familie unter dem Bismarck-Bild versammelt, und wo gelegentlich ein Onkel über den„Dolchstoß von hinten" wettert. Das meiste ist erlernt, aber zwei oder drei der Redner tragen das Zeichen echten Berufes. War es Ironie, als der amerikanische Botschafter Dr. Shurman sich für di« reichliche Belehrung bedankte? Roch steckt ihnen allen der Kopf voll von Otto dem Großen, Ludwig dem Deutschen, vom Wiener Kongreß, von Bismarck und allen möglichen Präambeln, ein Wort, das mit hörbarem Stolz vorgebracht wurde. Der Geschichtslehrer stand noch hinter ihnen, und man roch den Wissensdünkcl vom Gymnasium. Aber zum erstenmal in Deutschland sprach di« Jugend öffentlich vor Koryphäen der Ooffent- lichkeit über den Staat und seine Verfassung. Das ist das Zeichen eines neuen Geistes, der gar nicht überschätzt werden kann, namentlich nicht von jemand, der in der Blütezeit Wilhelms II. fast vom Gymnasium gewiesen worden wäre, weil er als Primaner sich im Zeitschristensaal der Bibliothek über Fragen der Gegenwort unter- richten wollte. Weih die Jugend, welche Freiheit ihr erkämpft worden ist? Wir danken ihr für den hohen Idealismus, womit sie sich zur Wahrung der Freiheit bekannt. Hoffentlich geling! es dem Sieger, dem Gymnasiasten Barth aus Steglitz, den Ruf dieses Berliner Vororts als eines Horts der Republik drüben zu verkünden. Hoffentlich auch gelingt es ihm, die Palme im internationalen Weit- kämpf der Vereinigten Staaten zu erringen. Dies« Vorfeier zum Derfassungstag wäre voGendet gewesen. wenn auch Proletarier zu Wort gekommen wären. So schön es war, daß einmal statt der völkischen Mißtöne der volle Klang eines Hymnus' auf die Weimarer Verfassung aus Steglitz ertönte, so be- bäuerlich war die Einseitigkeit einer Lebensschicht. Und, wenn man wieder ein« derartige Feier vor dem höchsten Vertreter einer anderen großen Nation veranstaltet, so versäume man nicht, den Raum wenigstens dadurch festlich zu schmücken, daß man hinter dem Redner- pult die Reichsflaggc zeigt. Dsul Gutmanv. „Dolchstoß." Das Zeugnis eines Generaloberarztes. Gagen Ludendorffs Behauptung, daß der Durch- bruch voin 8. August 1918 der Entente infolge bös- willigen L e r s a g e n s der deutschen Trupp- geglückt sei, wendet sich sehr energisch der G e n e r a l o b e r a r z t a. D. L i o n in einer Zuschrift an die„Bossische Zeitung". Er sagt darin: Als Divisionsarzt der im Luce-Abschnitt ein- gesetzten Divisionen hatte ich mich durch dauernde Begehung der Stellungen und durch die Berichte der Truppenärzte überzeugt, daß die moralische und physische UZiderstandskrost dem Ende entgegenging. Seit sechs Wochen ununterbrochen in Stellung(aus Mangel an Arbeitskräften nicht ausgebaut) durch Grippe ge- schwächt, fast ungedeckt im feindlichen Feuer, daher große Verluste, keine Ruhe, kein Schlaf, nr angelhafte Verpflegung, kein Wasser zum Waschen, hochgradige Vcrlaufu ng, vermehrter Krankenzugang, Truppenärzte müssen leichter Erkrankte wegen Mannschafts- Mangel und wegen zunehmender Zahl von Drückebergern ab- weisen, gedrückte, gereizte Stimmung unter den Mann- schaften, zunehmende Disziplinlosigkeit. Es gehl einfach nichi mehr. Sofortige Zurückziehung in Ruhcquartiere einzige Rellunz vor vollkommenem Zusammenbruch.— Da» war in kurzen Worten der Inhalt meine» Vortrages beim Divisionskommandeur. Der Brigadekommandeur bestätigte meine Ausführungen aus eigener Wahrnehmung. Der warmherzige Kommandeur pflichtete bti, er bittet um wenigstens 14 Tage Ruhe für die Truppen. Antwort des Armccoberkommandanten: Bedauern, keine Truppen für Ablösung vor- h a nd e n, alles für Offensive an anderer Stelle benötigt. Antrag bei der Obersten Heeresleitung aussichtslos. Damit widerlegt der Berfasier bündig Ludcndorffs Be- hauptung, das Versagen der Truppen könne„nicht mit Heber- müdung entschuldigt werden". Mit Recht schließt General- obcrarzt Lion:„Den 8. August und damit endgültig den Welt- krieg hat nicht das trotz seiner körperlichen und seelischen Zer- mürbung noch immer opferwillige und Pflicht- bewußte deutsche Heer, sondern uie fehlerhasie Führung, ihr vollkommenes Versagen psycholo- gischen Problemen gegenüber verlöre n." „Siaaisräson." Der Angriff eines Zentrumsblattes. Die„Germania" erklärt heute morgen, aus„Staats- rästm" hätten„die sozialdemokratischen Minister mit- beschlossen, was die Sozialdemokratie im Wahlkampf vor allem gegen das Zentrum aufs übelste ausgeschlachtet habe. In der Regierung sehen sich die Dinge anders an als draußen." Das ist ein Angriff, der nicht unerwidert bleiben darf. Es ist keine Rede davon, daß die sozialdemokratischen Minister ihre grundsätzliche Ucberzeugung von der politischen Un- Wichtigkeit des Panzerkreuzerbaucs aufgegeben haben. Aber das Reichskabinett konnte nicht, mehr frei entscheiden. Gerode die Haltung des Zentrums ist es gewesen, die es verschuldet hat. daß in den diesjährigen Etat der Ersatzbau aufgenommen wurde. Und hinwiederum ist es das Zentrum gewesen, das mit veranlaßt hat, daß der ursprüngliche Einspruch des Reichsrats zurückgezogen, und die Entscheidung über den Baubeginn von einer Prüfung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage abhängig gemacht wurde. Da dank der anhaltenden Konjunkwr die Eingänge an Steuern, Einkommen-, Lohn- und Uinsatzsteucr, sich weiter gut entwickelt haben, war das Kabinett vor die Zwangslage gestellt, den Beginn des Baues des Panzerkreuzers gemäß den früheren Be- fchlüsien des alten Reichstages beschließen zu müssen. Hin- gegen fällt die Entscheidung über die Bewilligung weiterer Raten und die Abwehr weiterer Steigerungen des Heeres- etats in dem neuen Reichstag. Weitere Bewilligungen hängen von dem Ausgang der parlamentarischen Kämpfe selber ab._ Freiheiiskrise in China. Zenlralregierung oder provmzautonomie. London. 11. August. In Schanghai hat am Freitag eine Sitzung des Kuomintang- Kongresses stattgefunden. General Tschang Tsching Kiang ist mit einer Anzahl der„Aelteren Staatsmänner" der Partei nach Schanghai zurückgekehrt. Der Grund für die neuen Reibereien soll in der Frage der Beibehaltung oder Abschaffung der Partei- röte in Hankau, Kanton und anderen großen Städten zu suchen sein, di« praktisch die Regierungskontrolle ausüben. Damit gewinne die Frage, ob örtliche Autonomie oder Zcntralrcgie- r u n g, entscheidende Bedeutung. Tschiangkaischek und Finanz- minister Svong bestanden unbedingt aus der Errichtung einer zentralen Regierung nicht nur dem Buchstaben, sondern auch ihren Machtbefugnissen nach. Die Vertreter von Kwangsi verlangten die Beibehaltung der örtlichen Parteiräte, um hierdurch die Unabhängig- keit Kwangsis von Nanking zu sichern. Ein neuer Eonrad-Veidi-Mlm. (Tauenhin-palast) Aus Amerika kommt der zweite Eonrad-Vcidt-Fiim zu uns und bestätigt, daß dieser Eharaktcristiker sein« Eigenart bewahrt und ihr in seiner neuen Rolle neu« Wirkungsmöglichkeiten gegeben hat. Das auf den ersten Blick Faszinierende, das Dämonische und Selt- same, das all seinen Gestaltungen eigen ist, findet eine neue Variante in dem„Seltsamen Fall eines Arztes", der nach einem Bühnenwerk bearbeitet ist. Seltsam ist der Fall in der Tot: dieser französische Arzt verbüßt eine langjährige Strafe in einem berüchtigten fron- zösischenZuchthauses, das aus einer Mittelmeerinsel untergebracht ist. Er hat aus Menschenliebe ein«m unheilbaren Patienten die Todesqualen gekürzt. Er findet Gelegenheit, den bei einer Revolte schwcrverwun- dcten Gouverneur das Leben zu retten, aber man erfüllt ihm das Versprechen nicht, ihm dafür feine Freiheit zu geben, und so muß er sie sich selbst durch die Flucht beschaffen. Er taucht unter in Marseille bei einem Kollegen und dessen Schwester. Als dieser er- blindct, spielt er dessen Rolle weiter und nimmt einen Ruf nach Algier an. Ein Offizier, der ihn vom Zuchthaus� her kennt, er- kennt ihn hier wieder und sucht von ihm die Hand seiner angeblichen Schwester zu erpressen. In dem schweren Konflikt zwischen Liebe und Freiheit kommt dem Gefährdeten der erblindete Kollege zu Hilfe, er sucht den Offizier zu töten. Aber die Kunst des seltsamen Arztes rettet ihm das Leben, und nun steht seiner Rehabilitierung und seinem Liebesglück nichts mehr im Wege. Der Regisseur George M e l f o r d hat in verständnisvoller Weife die Umwelt auf die Spezialität Eonrad Veidts abgestimmt und ihm geeignete Darsteller gesellt, von denen Jan K e i t h und Barbara B e d f o r d als die hübsche sympathische Schwester hervorgehoben seien. Aus dem reichen Programm sind noch neben einer albernen amerikanischen Groteske ein sehr lustiger Zeichenirickiilm und ein Bufter-Brown-Film zu nennen. D. „Das Lied, das meine Mutter sang. (primus-palast, Hennannploh) Alle, die das teutsche Gemüt in Gcnerolpacht übernommen haben, kommen bei deni Lied, da» die Mutter sang, voll auf ihre Kosten. Andere aber werden die Verschwendung von Glyzerin für die Massenherstellung von Schaufpielcrtränen beklagen. Inge, die Försterstochter, spielt bei jeder Gelegenheit ein Lied, worauf prompt tiefste Rührung über der Szene lagert: die Busen der Darstellerinnen gehen wie Blasebälge, die Männer stehen wie versteinert und bei allen, ob jung oder alt, kullern die Tränen wie Gebirgsbäche. Nachdem Inge dann die unwahrscheinlichsten Schicksale durchlebt hat. wird's zum Schluß himmlisch und der gemütvolle Teutsche kann sein Schnäuztuch zücken, denn Ingo wird— Gutsherrin. Das Spiel der Darsteller ist genau so schlimm wie das Monu- fkript. Erich Erikfens Regiearbeit wirkt wie ein Bierulk. Auch ist Maly Delfchaft für eine„Mutti" sagende Tochter wohl etwas zu stark erwachsen. Di« Beleuchtung ist bemerkenswert, denn die Darsteller erscheinen immer nur teilweise im Scheinwerfer, sie sehen aus wie halbierte Heilige. Die Vllhnenfchau ist sehr gut uick, die Hauskapelle versteht sich vorzüglich auf Jazz. e. b. Ein Werder-Film. (Atrium, Bebapolaft) „In Werder blühen die Bäume"— dann werden in Berlin zwei„helle Jungs", die bis dahin Stiefel geputzt und Schnürsenkel verkauft haben, unternehmend, fahren mit einer Ratetenkiste nach Werder und machen dort einen Betrieb auf. Dos RefulVot: zwei Verlobungen, der eine kriegt eine Obstweintochter und der ander« «in« amerikanische Millionärin, die eben im Distanzritt von Poris gekommen st. Dazwfchen aber gibt's ununterbrochen Werderfchcs Miljöh mit allen Stadien der Beschwipstheit und Verlieb.hcit. Derbste Schwankwirkungen wuchern, die Titel paprizieren mit Bcr- liner Witz, und das deutsche Lied im Bunde mit dem Reißer macht Stimmung. Fred S a u t e r sorgt dafür, daß der Ulk und Klamauk kein Ende nimm?. Ja, das ist Berlin in Werder, wenn die Rausche blühen... als populäre Figur kann der eiserne Gustav auf seiner Fahrt nach Paris nicht fehlen: Karl Plate« macht sogar eine Glanznummer daraus. Der dick« Teddy Bill und der allzeit fröhliche Fritz Schulz, die„hellen Berliner Jungs", verstehen sich auf den Humorbetrieb: Evi Eva(als Werders kz« Tochter) und Viola Garden(als interessante Amerikanerin) sind die Partnerinnen. Im grotesken Ulk aber trumpfte Siegfried Arno auf mit feinem besoffenen dämlichen Liebhaber. Voran ging ein außerordentlich erfreulicher Varieteteil mit stark parodistischen und erstklassigen Akrobaten. r. Das Deutsche Museum in München wird eine wesentliche Erweiterung erfahren. Wie der Präsident des Deutschen Museums, Oskar von Miller, der Presse nütteilte, wird am 4. September die Feier der Grundsteinlegung des Studiengcbäudcs zum Deutschen u s c u m stattfinden. Der Komplex dieser Studienbautcn wird ebenso groß werden wie der des Museums selbst und auch die gleichen Kosten verursachen. Die Bibliothek, die rund zwei Millionen Bücher umfassen wird, soll einen Wert von 12 Millionen Mark reprösen- tieren und jährlich 609 000 M. an Zinsen kosten. Das Deutsche Museum wurde bisher jährlich von etwa 3000 Vereinen, Studien- gesellschaften usw. besucht. Wo gibt es die meisten hundertjährigen? Das römische Zentral- institut für Statistik hat sich mit der Zahl der Hundertjährigen be- schästigt, die es nach der neuesten Volkszählung gibt, und festgestellt, daß es nicht 256 find wie zuerst angegeben wurde, fondern nur 51. Die weitaus größte Zahl der Angaben über das hohe Lebensalter baben sich nicht als wabr erwiesen. Es zeigt sich, daß die meisten Neunzig- und Hundertjährigen Italiens von mittlerer Größe und brünettem Typus find, während die größeren und helleren Bewohner Norditaliens nicht so lange leben. Nach den Angaben dieses Institut» besitzt die meisten Hundertjährigen Guatemala, nämlich 465 auf «ine Million Einwohner: dann folgt Bulgarien mit 446, Kolumbien mit 330 und Japan mit 242 aus die Million. Italien selbst steht weit zurück mit nur 1,3 Hundertjährigen auf eine Million Einwohner. „wo» bietet die volk»bühne? Rückblick aus 1927128, Vorschau aus da» 5pielj«hr tSZS/ZS.- linier diesem Titel hat die Volksbühne einen 24 Seiten starten, reich illustrierten Prospelt herausgebracht, der ein anschauliche» Bild von den Leistungen de» abgelauseneu Jahres gewährt und gleichzeitig da» Programm für den tominenden Winicr entwickelt. Da» Werbehest steht unciilgcltlich in den Zahlstellen der Volksbühne zur Verfügung. Eine luternallouale zeituag»wissensch astlich« Vereinigung toll a!» Ergebnis der Zlölner Tagung de» Jntmialionalcn zeitungSwifsenschastlichen Kongresse» gegründet werden. Eine deulsche Slbleilung hat sich bereits gebildet. AusM/ifteAvspekteu- Gutschein hefte für Ii nqt(25-hh) STage(50-r>H)5Tagt(QO.-eu) 7Toge(120n!M) Berlin-Aufenthalt durch Aussldlungs-, Messe-a Fremden verkehrs-AmtderStadt Berlin usem Vertretungen 100 Häuser niedergebrannt. C BU Ein Brandunglück verwüstete am Donnerstag nachmittag den Marktflecken Luhe, der etwa 6 km von Weiden( Oberpfalz) entfernt liegt, Innerhalb kurzer Zeit wurden etwa 100 Wohnhäuser und Scheunen in Schutt und Asche gelegt. Daßfälscher auf der Polizei. Es stinkt schon wieder in München. München, 11. Auguft. Gegen den Chef der bayerischen Landespolizei, Oberst v. Seißer, der in der Vorgeschichte des Hitler- Butsches eine sehr zweideutige Rolle gespielt hat, gegen den Oberregierungsrat Bern= reuther und den Kriminalkommissar Wenzel von der Münchener Polizeidirektion ist von einem ehemaligen Angehörigen des Biking Bundes, Berner Abel, Strafanzeige wegen Paßfälschung estattet worden. Im Oktober 1923 wurde Werner Abel als Verbindungsoffizier zum Interregnum Kahr, Lossow, Seißer, Ehrhardt, Ludendorff, Kronprinz Rupprecht, dessen Kabinettschef Graf Soden und anderen, für die Vaterländischen Verbände Ost= preußens bestellt. Abel hatte bereits im September 1923 in Naumburg a. d. S. Papiere auf den Namen Ahlers erhalten und erbat in München vom Polizeioberst v. Seißer die Ausstellung neuer Pässe, da die damalige Tätigkeit dieses Kreises zur Vorberei tung des Hitler- Ludendorff- Putsches gehörte und v. Seißer führender Teilnehmer an dieser hochverräterischen Aktion war. Kahr, Lofsom und Seizer hatten vor dem Untersuchungsausschuß in München zugegeben, daß die Möglichkeit falscher Paßausfertigungen in der damaligen Zeit bestanden ,, haben könnte", sie aber nichts Genaues wüßten(!). Die Anzeige Abels bringt dagegen bestimmte Einzelheiten ans Tageslicht. In der Anzeige wird genau angegeben, wie er etwa am 20. Oftober 1923 zusammen mit dem früheren Hauptmann Dorn Pässe erhalten hat, in seinem Falle er auf den Namen Jienburg v. Seißer ließ nämlich durch seinen Adjudanten ein von ihm dann unterfertigtes Schreiben an die Polizeiver. waltung München richten des Inhalts, dem Ueberbringer einen Baß auf den Namen Isenburg quszufertigen. Mit diesem Schreiben wandte sich Abel an den Chef der Pol. Polizei, Oberregierungsrat Bernreuther, der ebenfalls mußte, men er vor sich hatte, und durch den Polizeikommissar Bogel die Ausstellung des Passes verfügte. Die Ausstellung falscher Päffe im Jahre 1923 betraf nicht vereinzelte Fälle. Fast alle damals an prominenterer Stelle stehenden Teilnehmer hochperräterischer Unternehmungen erhielten Auslandspässe auf anderen Namen auf diesem Wege und besitzen sie zum Teil noch heute. Durch die Paßausstellung wurde erreicht, daß bei einem Mißlingen des Butsches die Flucht erleichtert murde. Die bei Hitler md Roßbach gefundenen Bässe, bei Roßbach z. B. auf den Namen Richter, unter welchem er Anfang 1924 in Wien verhaftet wurde, stammen ebenfalls aus gleicher Quelle. Nächtliche Mefferstechereien in Tempelhof. Tempelhof war in der vergangenen Nacht der Schauplatz schwerer Schlägereien. Kommunisten und Nationalsozia= listen drangen mit Messern und Schlaginstrumenten aufeinander ein. Zwei Nationalsozialisten erhielten Messerstiche und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Zum ersten Zusammenstoß fam = = Nationalsozialist wurde mit einem schweren Lungen stich aufge= funden und mußte ins Schöneberger Krankenhaus gebracht werden. Einige Stunden später, gegen 2 Uhr nachts, fam es vor einem Lokal in der Friedrich Wilhelm Straße, in dem haupt= = sächlich Kommunisten verkehren, abermals zu einem blutigen zwischenfall. Die Nationalsozialisten hatten Verstärkungen herangezogen und versuchten in das Lokal einzudringen. Wieder tam es zu einer Messerstecherei. Inmitten des Kampfes tauchte die Polizei aber überaschend auf und es gelang ihr, fünf der Rädelsführer feſtzunehmen. Sie wurden der Abteilung IA im Polizeipräsidium zugeführt. Ein Schwerverletzter mußte mit einer gefährlichen Stichwunde ins Staatsfrankenhaus übergeführt werden. Schwere Gasexplosion. Drei Arbeiter bei Straßenarbeiten getötet. Bobershausen, 11. Auguft.( Eigenbericht.) Bei den Arbeiten zur Durchführung der Ferngasver. jorgung ereignete fich an der Chauffee von Bobers. haufen nach Sterkrade in der Nähe des Rhein- Herne- kanals ein schweres Explosionsunglück. Beim abprobieren von Gasröhren auf 5% Atmosphären Drud explodierte aus bisher unbekannter Ursache ein Verschlußdeckel. Von einer Gruppe Arbeiter, die sich auf dem Wege zur Arbeitsstelle befand, wurden infolge der Gewalt der Explosion drei getötet und zwei verlegt. Einem der Getöteten wurde der Kopf abgeriffen. Abriß am Potsdamer Platz # 2 es gegen 23 Uhr in der Park und Friedrich Wilhelm Das Hotel Bellevue am Potsdamer Platz wird jetzt abStraße. Eine Gruppe Kommunisten wurde von einer größeren Zahl Hafenkreuzler, die von einer Bersammlung famen, überfallen. Es entspann sich eine schwere Schlägerei, bei der das Messer eine Rolle spielte. Als das alarmierte Ueberfallfommando eintraf, fuchten die Gegner in der Dunkelheit schleunigst das Weite. Theater Lichtfpicie ufw. eutsches Theater Norden 1231 Ende nach 10/2 Zum 64. Male: Artisten Theater des Westens egia Max Reinhardt Täglich Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in Das Die Komödie Bismarck 2414/751 11, U. Ende 103 L. süße Geheimnis Zum 90. Male: Schwankoperette. Else Berna, Langendori Berliner Prater Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Kastanienallee 7/9. Berliner Theater Tiglich 8 Uhr 1arlottenstr.90/ 91.Jonn.171 Försterchristel Ende nach 10, Zum 111. Male: Ausstattungsoperette. iastspiel d. Deutschen Th. Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Der Prozek Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. Mary Dugan Staats- Oper Unter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen gerissen. Dadurch wird der Platz als Berliner Verkehrsbrennpunkt eine völlige Umgestaltung erfahren. Auf einem Teil des Grundstücks soll später ein Warenhaus errichtet werden. SCALA s Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr. 2.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Theater am Hotibusser Tor Kottbusser Str. o Tel: Mpl. 16077 Heute& Uhr Komische 81%, Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Lustspielhaus Elite- Sänger Täglich 8, Uhr U.a.:,,Lohengrin in Neukölln" Ein Volltreffer grösster Heiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2- Mark. Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Wo speist man gut n. billig? Nur Groß- Berlin aus. Theater der Woche. Bom 12. bis 19. August. Theater mit feftem Spielplan. Deutsches Theater: Artisten. Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater am Nollendorfplatz: Die ungefüßte Eva.- Theater des Westens: Das füße Geheimnis. Komische Oper: Zieh' dich LuftDeutsches Künstlertheater: Es kommt jeder dran. spielhaus: Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Leffing- Theater: Der Zarewitsch. Trianon- Theater: Yoshiwara( Das Haus der Laster). Residenz- Theater: Skandal im Bett. Berliner Theater: AusDie Tribüne: Sybille? Der Prozeß Mary Dugan. geschlossen! Kleines Theater: Die Art, fich zu geben.( La facon de se donner.)- Renaissance- Theater: Spiel im Schloß. Schloßpart- Theater Steglitz: Die Zirkusprinzessin. Scala: Internationales Barieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Kottbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Casino- Theater: bis 16. geschlossen, ab 17. Rundfunkfieber. Theater i. d. Lühowstraße: bis 13. Ernst und Scherz in der Erotik ab 14. Beverley weiß alles. Nachmittagsvorstellungen. Schloßpart- Theater Steglitz: 12. Das Dreimäderlhaus. Scala: 12. 18., 19. Internationales Varieté. Erstaufführungen der Woche. Dienstag. Theater in der Lüzowstraße: Beverlen weiß alles". Freitag. Haller- Revue: Schön und schic". 3entral Theater: Das Gesez". Casino Theater: ,, Rundfunkfieber". Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienffffelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Troden, ziemlich heiter und wärmer als bisher, West- bis Südwestwinde. Für Deutschland: Im äußersten Westen etwas stärker bewölkt, sonst allgemein trocken, ziemlich heiter und wärmer als bisher. Ehemalige Kriegsgefangene Groß- Berlins. Beteiligung am Fadelzug und an der Verfassungsfeier Tieffpunkt: Neuer Markt, Luther Denkmal. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag Gm 6. H., Berlin. Drud: Borwärts Bud druderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage Gehst Du хорошие mit Deiner Braut Spazieren, lass Dich vorher valetieren! Valetieren heisst: auf unseren Specialapparaten Entstauben Dämpfen Bügeln. 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Nollendorfplatz Rose- Theater Die Donhoft Brett' ungeküßte Eva Jr Franki. Str 152, 5 Uhr: ( Saal und Garten) Operette in 3 Akten. KONZERT Varieté Kabarett- Tanz Musik von M. Knopf Alexanderplatz Berliner ik- Trio Neukölln, Lahnstr.74/ 751 mit Lori Leux. Bunter Teil. 844 Uhr Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Das Musikantenmädel SivÄbimd Sonnabend, 11. August 1928. Bei Hermann Müller. Wilhelmstraße 77: Von Graf Schulenburg über Fürst Radziwill und Fürst Bismarck zur„Reichskanzlei". Alle Sprengbomben uni> Gegenminen der bei den Deutsch- nationalen untergeschlüpften ehemaligen Herrenschicht der Kaiserzeit, haben es nicht zu hindern vermocht, daß der Sozialdemokrat Hermann Müller als„Voltsbeauftragter" des 20. Mai feinen Einzug in die Reichskanzlei gehalten hat. des Kaisers heruntergeholt, der Reichsadler und dos Kaiserwappen angebracht. Bismarck fühlt sich zuerst in dem prunkhaften Schloß nicht recht wohl. Der große Garten aber versöhnt ihn mit dem Palais. Er läßt ihn aus der französisch zugestutzten Form in einen Park umbauen, der ihn an seine heimatlichen Wälder gemahnt. Das Haus der Reichskanzlei. Der Name„Reichskanzlei" hat einen örtlichen und einen sachlichen Klang. Er deutet auf das von Bismarck zum Amtssitz des Reichskanzlers erhoben« Palais Wilhelmstraße 77 mit all seinen historischen Erinnerungen, sowie auf die Amtsstelle hin, die seit 1878 als„Oberste Reichsbehörde" und als ein« Art zivile General- adjutantur des deutschen Reichskanzlers fungiert. Hier soll weniger von der Amtsstelle als von dem Amtssitz die Rede sein. Gespenster im„Bismarckhaus". Aeußerlich unterscheidet sich„Wilhelmstraße 77" wenig von seinen Brüdern und Schwestern gegenüber, rechis und links Ein repräsentativer Bau, halb Villa halb Schloß. In der Mitte ein prunkhaster Ausbau mit Fries und angedeuteter Säulengalerie. Ein« Kaiserkrone wird von zwei schwebenden Jungfern unter dem Giebel nach wie vor in der Schwebe gehalten. Aus dem antiqui- sierten Fries darunter weidet irgendein griechisch-römischer Hirte Lämmer und Ziegen und bläst nachdenklich die Flöte dazu. Am Gittertor ober steht schweigend und weltabgewandt ein Pistolen- bewehrter Doppelposten der Schutzpolizei. Wenn man die etwas altertümlichen Räume des Palais, das mit dem üblichen„Ehrenhof" mit Prunkgitter»on der Wilhelmstraße abgeschlosien ist. betritt, spuken aus allen Ecken und Fugen die Gespenster einer nicht sehr weit zurückliegenden, aber doch reichlich vermoderten Zeit. Gleich im Wartezimmer unten begrüßt dich, in Stahl gestochen, der Erbauer des Hauses, der ehemals hannoversche, später preußische General Graf Schulenburg. Er hat aus Beranlasiung des Königs Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1738 das Palais als „Freihaus", dos heißt unter Erlaß der üblichen Sporteln und Ab- gaben erbaut. Das neu« Schlößchen wurde 1728 in Anwesenheit des Königs durch einen Festakt eingeweiht. Der Festakt ist den beiden Hauptpersonen jedoch recht schlecht bekommen. Der König hat sich in dem„schwer heizbaren und durch beide Stockwerke ge- henden Saal", dem späteren Kongreßsaal, eine schwere Erkältung zugezogen, an deren Folgen er bald darauf gestorben ist. Der Nachfolger des Königs, der„junge Fritz", aber zettelte ohne erficht- lichen Grund einen Krieg gegen Oesterreich an, den der erste Haus- Herr von„Wilhslmstraße 77" itt der Schlacht bei Mollwitz zum Opfer gefallen ist. Herr o. Schulenburg befehligte damals zehn„in verhältnisniäßig schlechtem Zustande befindliche" Eskadrons der preußischen Kavallerie. Als sie die 30 österreichischen Eskadrons nicht auf den ersten Hieb zum Teufel jagen konnten, fluchte der junge Fritz gotteslästerlich über Schulenburgs Reiterei. Der attackiert dt« österreichische Infanterie und fällt bei dieser Wahnsinnstat. Biel hat der erste Hausherr von dem„Freihaus der Hohen- zollern" also nicht gehabt! Sein Urenkel hat sich übrigens für den frühzeittgen Heldentod seines Urgroßvaters revanchiert: Er hat den letzten Kaiser nach Holland lanciert! „Hotel de Nadziwill". Nach den Schlesischen Kriegen kaufte der polnische Fürst Radzi- will, der plötzlich preußischer Untertan geworden war, das Palais. und brachte unter dem Giebel das polnische Wappen und die Bezeichnung„Hotel de Radziwill" an. Fürst Radziwill hatte in Schlesien und Posen riesige Güter, deren Ertrag in irgendeiner „Residenz" verjubelt werden mußte Der König von Preußen hatte nun mal den Krieg gewonnen, so erwarb sich also der polnische Magnat in der neuen Haup stadt ein standesgemäßes Winter- quartier" Die höfischen Gclchichtjchreiber haben inzwischen heraus- gef nden warum gerad» da- Hotel te Radziwill" Reichska z'ei geworden ist Der.Prinz r n Preußen" hnbe zur Prinzessin von Radziwill eine ideale Ivgendliebe" gefaßt.Gründe der StaatSiaison" hauen« neir.Ehebund" im Wcg. gestand> Trotz aller Bemühungen auch des Kaisers Alexander von Rußland Elija durch Adoption ebenbürtig zu machen mußte Prinz Wilhelm seinen Liebcstraum zu Grabe tragen." Als Kaiser Wilhelm I. aber habe der ehemalige Prinz das Schloß seiner Jugendliebe für Bismarck erwerben lassen, da„es gerade zum Verkauf stand". „Hotel Bismarck". Für 2 Millionen Taler also hat der Reichsfiskus das, Hotel de Radziwill" im März 187S für Bismarck gekauft. Das polnische Wappen und de« Ausjchrist.Holet de Radziwill" mied aus Befehl Das Palais wird modernisiert, die Zimmer kriegen Parkett, die Fürstin— ein Bad— eine„damalig« große Seltenheit"! Hier regiert der bereits mürrisch werdende Alte fast 20 Jahre lang. Sein ehemaliges Arbeitszimmer wird heut« noch von der „Reichskanzlei" pietätvoll gepflegt. Hier steht der Schreibtisch der Fürstin. Klein und putzig. Er ficht wie ein Wäscheschrank aus. Da ein Kamin mit dem Wappen der Bismarck, dort ein Schreib- tisch des Gewaltigen,«in großer Diplomatenschreibtisch mit einem Blechschild„Schreibtisch des Fürsten Bismarck 1878 bis 1890" Der Tisch ist abgeräumt, er hat etliche Löcher im Brett und zwei mächtige Tintenklexe darauf. Ob diese Tintenklexe auch mal meter- tief abgekratzt werden, wie der Klex Luthers auf der Wartburg? „Oer Kongreßsaal". Neben dem Lismarckschen Arbeitszimmer ist der.Hongreßsaal" die Hauptsehenswürdigkeit der Reichskanzlei. Der übliche Bankett- saal mit Kronenleuchter, Portieren, hohen Türen, Oberlichtfenstern und so fort. Hier hat Bismarck 1878 acht Tage lang dem„Berliner Kongreß" präsidiert. Noch ein wichtiges Ereignis hat sich hier ab- gespielt. Friedrich Ebert hat hier im Dezember 1918 die Ministerpräsidenten der Freistaaten zusammenberufen und die baldige Einberufung der Nationalversammlung vorbereitet Es ging damals— wie mir der Führer erzählt— etwas stürmisch zu in der Reichskanzlei. Die Nebengebäude waren stark mit Truppen belegt. Im Garten biwakierten Maschinengewehrabteilungen. Die Pferde waren in Holzbaracken untergebracht. Zu Zeiten knallten die Kugeln von wilden Schützen über die hinter Sandsackbarrikaden stehenden Posten hinweg. Ebert, Scheidemann, Landsberg, Haas«, Dittmann Barth und später Wissell saßen damals hier und steuerten die Republik über das Chaos in ruhigere Zeiten hinein. „Bismarcks Garten." Ein Diener führt mich unter den mächtigen Bäumen de» Gartens hindurch. Wir gehen über die Rasenflächen, stecken die Nase in die Rosen und Rododendronbüsche und plaudern mit den Gärtnern. „Sehenswürdigkeiten habt Ihr hier wohl nicht?"— ,Hch weiß nicht mein Herr!" blinzelt mich der Kammerdiener der verflossenen Kabinette an. „Doch! Hier gibt es sicherlich allerhand zu sehen! Ein Pferde» oder ein Hundegrab?"—„Richtig, der Bismarck-Hund! Da vorne neben der kleinen Tanne muß er begraben sein." Wir treten näher. Ein Feldstein mit dem Namen Tyras und der Jahreszahl„1876 bis 1889" darauf. „Na weiter!"—„Früher mal, da waren die zwei Baronessen Radziwill in einer Art Familiengrab hier beigesetzt! Doch die hat man Mitte der 70ger Jahre hier fortgeholt."—„Na, und sonst—?" „Ganz hinten im Park liegt das Bismarck-Pferd!" Wir kriechen über Schutthausen, durch Absallkübel und Küchen» rest« hindurch und stehen plötzlich vor einer Tannenschonung auf einem mächtigen Hügel. Ein wahres Hünengrab.—.Hier! Dos war sein Liebliegspferdl"—„Mensch haben Sie das alles mit- erlobt?"—.Hawoll, ich diene seit 30 Iahren im Haus!— Hier ist der Reitplatz!" .Meitplatz? Ist da der Kaiser zum Reiten herübergekommen?" —„Der Kaiser?" Der alte Mann erschrickt förmlich vor Respekt! ,H. der Kaiser hat hier niemals geritten! I, wooo! Hier ritten die gewöhnlichen Leute, die Adjutanten, die Attachees, die Herren Kanzler!"—„Die haben alle geritten?"—„Früher alle, bis auf Herrn Michaelis!" —„Na, der fromme Herr, hatte wohl nicht die Figur dazu!"—- „Fürst Bismarck ritt bis in die allerletzt« Zeit!" Di« allerletzte Zeit! Das schnauft er nur mühsam heraus. Der alte Herr im Lakaienstack zittert noch vor Respekt vor dem„Alten vom Sachsenwald". Dieser Bismarck hat ja vor ollem für seinen Part gelebt, für seine Bäume und Sttäucher, für seinen Gaul und für seinen Hund. Als General Caprivi einige der mächtigen Eichen umwerfen ließ, schrieb der Alte voll Zorn in sein Tagebuch'„Dieser Holzfäller verwüstet den ganzen Park." Auch dieser Garten hat nachher feinen Haß erregt. Wenn er wüßte, daß jetzt ein sozial- demokratischer Kanzler von hier aus ein« Republik regiert! Hermann LcKütriaxer. Ehrengäste des Reichsbanners, Freiligrath und Venedey in Frankfurt, Wolf gang Freiligrath. Die 80jährige Wiederkehr der Tage des Frankfurter Parlaments hat den Gau Frankfurt des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold ver- anlaßt, zwei noch lebende Abkömmlinge berühmter Achtundvierziger als Ehrengäste einzuladen. Der eine ist W o l f g a n g F r e i l i g r a t h, der Sohn des Freiheitsdichters Ferdinand Freiligrath; er wohnt seit 1893 in Külz im Hunsrück und erinnert sich noch der schlechten Tage, die sein Baier im Anschluß an die Auflösung des Parlaments im Exil in London durchzukämpfe. hatte. Wolsgang Fre-ligrath Hai ebenso w e sein Vater ein sehr bewegtes Leben hinter sich 20 Jahre war er in Nordamerika als Trapper Mineur, Farmer, Matrose in Kalifornien und Mexiko, am Pacific und in Bussallo Der andere Ehrengast ist der Rechtsanwalt Max Venedey aus Konstanz. Er hat in der demokratischen Bewegung Badens lange Jahre eine hervorragende Rolle gespielt und wur auch Mit- glied des Badischen Landtages. Sein Vater Jakob Venedey war am Hambacher Fest beteiligt und mußte im Anschluß daran fliehen 1848 war er Mitglied des Frank- furter Parlaments und gab eine politische kritische Zeitschrist„Die Wag«" heraus, die 1848 bei 2. Rütten in Frankjurt a. M. erst- Max Venedey(Konstanz). malig erschien. Außerdem ist er in der historisch-poliiischen Lite- ratur bekannt durch ein dreibändiges Werk über England, ein zweibändiges Wert über Macchiavelli, Montesquieu und Rousseau Außerdem veröffentlichte Jakob V«nedey ein Buch über Friedrich II von Preußen und Voltaire. Oer dienstälteste Faramen�arier. Die Ehre, den Politiker zu besitzen, der die längste ununter- brachen« parlamentarische Laufbahn hinter sich hat, wird, wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, von Brasilien in Anspruch genommen Der Abgeordnete Manuel Fulgencio der kürzlich seinen 80. GebuNstag feierte, wurde im Jahre 1876 vom Staat« Minas Geraes in das brasilianische Parlament entsandt also noch zur Zeit des Kaisers Don Pedro II. Seitdem haben ihm feine Wähler ununterbrochen sein Mandat erneuert, selbst im Jahre 1889, als das brasilianische Kaiserreich zusammenbrach. Fulgencio denkt anscheinend auch zetzt noch nicht daran, aus dem politischen Leben auszuscheiden, denn als er an seinem Geburtslage seinen Wählern für das ihm bewiesene Vertrauen dankte, versichert« er ihnen gleich- zeitig, daß er chnen bis zum Tode die Treue halten werde. (25. Fortsetzung.) Sic suchte auch h!«r mitzutun und fühlte sich inmitten der vielen Leute verängstigt, bemühte sich, die Sportdame zu spielen und traute sich nicht ans Lenkrand des Autos, und wenn sie, wie immer dem Beispiel ihrer älteren Schwester folgend, die Weltdame gewesen war, die frivol bis an die äußerste Grenze gescherzt oder sich an einem ernsthaften Gespräch, von dem sie nicht das Geringste verstand, teilgenommen hatte, flüchtete sie dann auf ihr Zimmer und las eine alte Kindergeschichte, die sie noch in ihrer Zugend liebgewonnen hatte, oder einen billigen sentimentalen Roman, um sich zu erholen. Hilde nützte die größere Freiheit, die auf Schloß Wunder oller Welt herrschte, weidlich aus. Hausherren und Gäste waren wie die Einwohner eines Riesenhotels, hatten gar keine Beziehung zu- einander, und das wurde als sehr witzig und als die letzte Mode der Gastfreundschaft gerühmt. Hilde machte Ausflüge, Ausfahrten, und niemand kümmerte sich, ob sie bei den Mahlzeiten war oder nicht. Das einzige, was man von ihr verlangte, war, daß sie, wenn sie am Abend kam, in großer Toilette erschien, und dies« Bedingung konnte sie dank der Geschicklichkeit Muttis und der Mithilfe Tante Hedwigs erfüllen. Hilde hatte mit ihrer Blondheit und ihrer schlanken Gestalt zur Vornehmheit der Gesellschaft beizutragen—„ein Gast, Fräulein Hilde Fernleitner", wie sie sich selbst ironisierte— und das war genug. Vor allem nahm sie sich aber vor, Schloß Wunder aller Welt mit allem, was es an Schätzen und an Sonderlichkeiten barg, gründlich zu erforschen. Sie ging da ganz methodisch zu Werke und brachte wirklich eine Füll« von Sächclchen und Bildern und Merkwürdigkeiten ans Licht, an die der neue Besitzer natürlich niemals gedacht und die der frühere, der niedergerungene, natürlich schon vergessen hatte. Dornröschen nannte sie der Schubert, und er warnte sie scherzhaft, daß sie sich nicht wie die Märchenprinzessin mit ihrer Neu- gierde irgendwohin verirre, wo diese unerlaubt und ein Frevel sei und mit dem Schlaf vieler Jahre bestraft würde. „Das Fräulein Hilde bringt man nicht zum jahrelangen Ein- schlafen, selbst wenn man sie in den Finger sticht," sagte ein anderer. „Selbst, wenn sie die Fliege der Schlafkrankheit sticht," fügte ein junger Arzt hinzu. „Selbst, wenn sie der Storch ins Bein beißt," meint« ein dritter Herr— ein freier, ein sehr freier Ton war jetzt nämlich Mode, und auf Schloß Wunder aller Welt wurde diese Mode wie alle Moden getreulich befolgt und man suchte ihr sogar um ein gutes Stück voranzueilen. Hilde hielt sich deshalb auch für verpflichtet, auf diesen«in- deutigen Witz nur mit einem Lächeln zu antworten. Ihre Forschungs- reisen setzte sie fort. Bis sie zum Meierhof kam. Der Meierhof war das große Wirtschaftsterrain, auf dem die Ställe für das Vieh, die Hallen für die landwirtschaftlichen Geräte und die Wohnungen für Menschen waren. Hier hausten in einem langgestreckten zweistöckigen Gebäude die etwa sechzig Familien der Landarbeiter. Das Gebäude sah in seiner grauen Trostlosigkeit wie ein Gefängnis aus. Nur daß über dem Haupteingang ein Heiliger, ein frommer Mann in demütiger Haltung und blauem Farben- schmuck prangte, der sichtlich seit dem Einzug der neuen Besitzer aufgefrischt Worden war. An den Fenstern hing abgenützte, rot- weiß gestreifte Wäsche, und auf dem schmalen Wiesenstreifen vor dem Hause lagen, spielten, tummelten, stritten sich Kinder, unendlich viele Kinder, von denen eine groß« Zahl gär nicht wie Landkinder, sondern blaß und krank aussah. Hilde war die erste, die einzige, die sich in diesen Höllenteil des Paradieses, dos dos Schloß Wunder aller Welt war, vorgewogt hatte. Er war etwa dreißig Minuten von der Villa entfernt, auch er ein Wunder inmitten oller anderen Wunder, weil er gleichsam von den Göttern, die sonst so freigebig alle Schätze hierher gestreut hatten, so unbarmherzig vergessen worden war. Hilde mußte, als sie an dem Gebäude entlang schritt, aus dem unangenehme Gerüche drangen, an eine Beschreibung mittelalterlicher Ritterburgen denken. in denen die iafelnden. weinfröhlichen, in Jagd und Lustbarkeit kraftvoll den Tag verbringenden Ritter ihre Feinde dicht neben sich in finsteren Kerkerlöchern hielten, wo diese hungerten und im Dunkel steter Nacht vorzeitig alt und kraftlos wurden. Sie sprach mit einer Frau, die vor dem Hause vor einem Waschtrog hantierte. Neben der Frau lag ein zweijähriges Kind im Grase und spielte ziemlich teilnahmslos mit einem schmutzigen Fetzen, der zu den undeutlichen Formen einer Puppe gewunden war. „Ist das Ihr einziges Kind?" „Mei einziges? I Hab' noch drei g'hobt. Alle sans g'storben. An Tuberkulose!" „Hier?" fragte unwillkürlich Hilde, und die Frage tat ihr dann sogleich leid. „Ja, hier. Schauen S' Ihna die Wohnung an. Da sterben die Kinder wohl an Tuberkulose und Skrofulöse. Mir son am Land, ober mir san die Landarbeiter. Von denen sterben die Kinder viel an Tuberkulose und an Skrofulöse." Die Frau war unheimlich, wie gleichgültig sie das sprach: Hilde wagte nicht weiterzufragen. „Vom Deputat und von den vierundzwanzig Kronen kann man nicht leben..." „Vierundzwanzig Kronen in der Woche?" Die Frau lachte. „Vierundzwanzig Kronen im Monat. Im Monat. Da krieg'n die Kinder Tee und Erdäpfel. Erdäpfel und Tee. Tee und Erd- äpfel. Und da sterben sie halt viel an Tuberkulose und an Skrofulöse." „Vier Kinder haben Sie gehabt, wie. alt sind Sie denn?" „Zweiundzwanzig... Gelt, dös sieht man mir net an?" Die Frau lachte wieder. Hilde erschrak. Dieses zahnlos«, verwelkte Weib sah aus wie eine Vierzigerin, aber nicht wie drüben, wo sich die Wunder oller Welt auf die Menschen erstreckten und auch bewirkten, daß jetzt die Frauen immer jünger wurden. Wie auf einem Film rollten vor den Augen Hildens Bilder von Zweiundzwanzigjährigen ab. die sie kannte. Zwciundzwanzigjährige, in der Vollendung ihrer Schön- heitz Zwciundzwanzigjährige, die noch das Leben wie einen blumen- Sin �ßißrv2rj£lor726cnp von JAazzZ MvrxrfSsLUszr geschmückten Weg vor sich sahen; Zweiundzwanzigjährige, die von den Eltern und einem jungen Gatten wie ein Kleinod behütet wurden; Zweiundzwanzigjährige, die schon ein einziges Kind ihr eigen nannten und wie eine Madonna das Knäblein in ihren Armen beschützten; Zweiundzwanzigjährige, vor deren Schönheit die Männer sich beugten! Zweiundzwanzigjährige— und dieses Weib war auch«ine Zweiundzwanzigjährige! „Wollen S' eppa unser Palais sehen?" fragte die Frau höhnisch, und öffnete ihren zahnlosen Mund. Sie ging Hilde, die sich wortlos führen ließ, voran. Diese Gerüche, die ihr entgegenströmten! Sie trat in die erst« Wohnung ein, in«in Zimmer, deren Bettstätten, unzählige Bettstätten, noch so waren, wie sie verlassen worden waren. In der Ecke lag auf einem Koffer ein verdächtiges Paket, in Zeitungs- papier eingehüllt. „Was ist das?" fragte Hilde. Die Frau hob einige Zeiwngsblätter auf. Da sah Hilde die Leiche eines Kindes. Grünblau starrte ihr ein sanftes Kinderantlitz entgegen, das Antlitz eines abgemagerten, müden Kindes, dos nun im letzten, kummerlosen Schlummer zufrieden schien. „Hat's schon vorüber," sagte die Frau.„Die Eltern sind weg. Bei der Arbeit. Wissen S' Fräulein, bei unser einem gibt's kei' Trauer. Soviel Zeit Hammer nit." Sie deckte die Leiche sorgsam mit den Zeitungsblättern zu. Sie gingen hinaus. „Wollen S' nit weitersehen?" fragt« die Frau hämisch.„Is noch viel bei uns anzuschauen. Da weiter ist der alte Huhnert. Der verhungert langsam— na ja, hat Magenkrebs oder was. lind weiter die alte..." Hilde drängte leise die Frau hinaus. „Ich komm' morgen wieder. Für heute..." „Ist das zuviel, Fräulein?" ergänzt« die Frau. In jeden ihrer Sätze war teuflischer Hohn. „Sie kommen morgen nicht, Fräulein. Da werden S' was G'schciteres zu tun haben morgen, als zu den Landarbeitern zu gehen." „Ich komm' wieder, habe ich Ihnen gesagt," rief Hilde heftig. „Was geschieht denn mit dem Kinde droben?" „Lassen werden sie's uns nit. Das wird schon abgeholt. Um die Leichen kümmert man sich schon. Eingesegnet wird's auch werden. Ah, um die Leichen kümmert man sich schon!..." „Da haben Sie was— für Ihr Kind! Kaufen Sie ihm was�.* Die Frau besah den Geldschein. „Ich dank« Ihnen schön, Fräulein, daß Sie mit dem armeck Kind so viel Mitleid haben. Is auch schon krank. Mit dem Magen, innner mit dem Magen." Die Frau wog förmlich den Geldschein in der Hand. War es ihr zu wenig?" Hilde wollte ihr etivas sagen: Ich gehöre nicht zu den Leuten im Schloß Wunder oller Welt. Ich bin auch arm. Aber sie schämte sich, vor dieser Frau so zu sprechen. Und sie wollt« auch nicht vor dieser Frau, die sie ja nicht näh�j kannte, sich von der Besitzerin und den Gästen des Schlosses lossagen. Wieder einmal kam ihr in den Sinn:„Später, vielleicht später..." Und wie eine Furcht und wie ein Schuldbewußtsein überkam es Hilde, und sie lief nach einem scheuen Gruß, dessen Flüchtigkeit sie noch rasch durch«inen osteirtativen Blick auf die Armbanduhr zu entschuldigen wußte, davon. Sie lief atemlos und keuchend, und erinnerte sich, im Leben nur zweimal so, gleichsam gehetzt, gelausen zu sein— das eine Mal, wie sie in ihrem Abenteuer der Not Edi hatte um Geld an- gehen wollen und vor feiner Gegenwart geflohen war, und dann auf dem Weg« vom Loser, vor der antwortheischcnden Liebes- erklärung Edis. Aber wie kleinlich erschienen ihr diese Anlaste, der erste wie der zweite, vor der Gewalt, die sie jetzt zur Scham und Flucht antrieb! Oh, in viel weniger, als in dreißig Minuten hatte sie den Weg zum Schloß zurückgelegt, in dessen Banntreis sie sich geschützt fühlte vor dem vorwurfsvollen Lachen und dem sehr deutlichen Höhnen jener Frau. Sie erinnerte sich jetzt: das Frühstück, das von Mama Gruber ganz nach englischem Muster angeordnet worden war, hatte sie längst abbestellt— zu viel war's: geräucherte Fische, Beefsteak und Schinken und feinst« englische Marmelade gleich früh, denn auch Hilde sah jetzt ängstlich darauf, nicht die Linie ihrer Schlank- heit zu verlieren. Sie erinnerte sich: für einen Grabstein auf der Stätte, wo Kara lag, hatte Frau Neumann-Norrck gesammelt, und sie hatte, es war viel, aber es muhte fein, gerode vierundzwanzig Kronen gespendet. Und sie erinnerte' sich auch, daß sie im Bor- jähre eine Schülerin, die sie zu sehr außerhalb der Unterrichts- stunden belästigte und sich in höchst zweideutiger Weise an sie hängte, aufgegeben hatte, wie oftmal vierundzwanzig Kronen hatte diese Laune ausgemacht! Und jetzt, als Hilde, wie von einer Angst gejagt, auf dem großen freien Platz ankam, der sich, von herrlichen Blumenbeeten umkränzt, vor dem Hause bereitete, sah sie Dely in einem wunder- schönen, ganz knapp anliegenden grünen Reitkleid, einen silber- umrandeten Dreispitz auf dem Kopf« und die Reitgerte unter dem Arm.(Fortsetzung folgt.) u Rätsel-Ecke des„Abend iiiiMiMiimimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitimiiiiiiiiiiiiiimiMiiiiiiiiiiiiMiiiiiMinniiiiiiiiiiiiiimiiiniiiiiuiiMnnimniinfiinttiinmniitimiiiiiimiiiiiiiiiiiiitiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniMiiiiiiiiniiMiiN Rechieckrätsel. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Stadt in der Ukraine, weiblicher Vorname, 3. letzte Wohnung des Menschen, 4. Bezeichnung aus dem römischen Kalender, 3. Beschützerin der Künstler, 6. Erfinder einer neuen Lichtart. Die vorderste und die hinterste senkrechte Reihe, beide von oben nach unten gelesen, ergeben zusammen die Frau eines bekannten Künstlers. Geographisches Küllrätsel. Die Punkt« bzw. Striche sind durch Orte in der angegebenen Gegend auszufüllen. Die mittelste senkrechte, durch Striche bezeich- nete Reihe nennt eine Stadt in Ostpreußen: k...—...(Schweiz) K..—...(am Rhein) M..—...(Italien) D..—...(Mecklenburg) Ch..—...(in Sachsen) F!..—...(Schlesien) B..—...(Schlesien) J..—...(Schleswig-Holstein) R..—...(Schlesien) L,,—,,.(bei Berlin) Ist bei ItlutUers Lo s\ Vater Müller donnerwettert:„Wie lange dauert es heute wieder. bis mein Bad bercitet ist? Ich warte schon seit 4 Minuten." Darauf hört man die alte Müllern kreischen:„Mccker nich, Oller, du weeßt ja, det dauert jeden Mavgen 8 Minuten, bis die stoße Wanne jefillt is. Aber ick wer mit'n Schlauch von de Küchenleitung nach- helfen. Damit Hab ich neulich die janze Wanne alleene in 12 Mo- nuten jefillt." Als Vater Müller noch einer Minute noch immer und noch toller schimpft, entdeckt Fritzchen, daß ja der Abfluß, der die Wanne in 1.5 Minuten entleert, bisher geöffnet war, und schließt ihn.— Wann wird die Wonne nun gefüllt sein und der Lärm ein Ende haben? Wi. Wo. Zusammengesetztes. Speis«, die als Brei behagt, Leid, das dir am Herzen nagt, geben vereinigt einen Mann, der über nichts mehr lachen kann. Auflösung der Aufgaben nächsten Mittwoch. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Oder, 4. Haue; 8. aus: 10. uns: 11. so; 12. Pol; 14. da; 15. Kalis; 17. Wursten; 151. Ritze; 23. See; 24. do; 25. Mal; 26. was; 27. Muse; 28. Kost.— Senkrecht: 1. Oase: 2. Duo; 3. es; 5. au; 6. und; 7. Esau; 9. Polster; 12. Paris; 13. Litze; 15. Kur; 16. Fee; 18. Kamm; 20. Most; 22. Bau; 24. dos. Magisches Le i st c n r ä t s« l: 1. Afhgane; 2. Genuese; 3. Arcopag; 4. Energie. Die Teile und das Ganze: Schmutz, Fink— Schmutzfink, Buchstabenrätsel: Strumpf— Trumpf— Rumpf. soup mor Nr. 378 7 45. Jahrgang i Technik adol. Sonnabend 11. August 1928 Ausstellung, Heim und Technik. 牌 Ein Gang durch die Münchener Schau. Technik Die Technit im Heim" bedeutet Anwendung der Tedjnit auf| Möblierung rationell zu verfahren. Es ist durchaus unzwedmäßig,| das Heim, also das Heim der großen Masse der Bevölkerung; nur Wände mit Schränken, Regalen, Kästen und Truhen zu bestellen, so fönnen wir sie hier auffassen. Aus dem Werdegang unserer Wirtwenn man diese als Behälter dienenden Möbel unmittelbar in die schaft ist es verständlich, daß sich die Technik zuerst Gebiete erobert Wände einbauen kann. Man gewinnt auf diese Weise Raum, spart hat, auf denen sie noch nicht ganz unmittelbar den Baustoff- und Unterhaltungskosten. Statt dessen schafft man sich bei elbar den Bedürfnissen der and breiten Maffe dient. Mittelbar allerdings fut fie das schon lange. Haushaltsgründungen Möbel an und versucht nachher mit großer Aber die an der technischen Kultur in steigendem Maße auch geistig Mühe, diese in einer gewöhnlich unzureichenden Wohnung unterzu teilnehmenden breiten Massen wollen unmittelbar an der Technik bringen. Es genügt also nicht, daß man die nackten Häuser hinbaut, interessiert sein. Sie hat ja überhaupt nur einen Sinn, wenn sie der sondern die Häuſer müssen, wenn man volkswirtschaftlich wirklich rationell verfahren will, gleich so gebaut werden, daß sie gewiffe großen Masse der Menschen direkt Vorteile bietet. Und sprechen wir von der Technik im Heim, so hat die Bevölkerung endlich den Wunsch, nicht bloß herrliche Paläste, Billen und Wohnungen für Wohlhabende, zu erbauen und mit den technisch vollkommensten Einrichtungen der Neuzeit auszustatten, sondern selber daran, menn auch in bescheidenem Maße, teilzunehmen. Eine interessante Statistik. Uebersicht man, was die Technik bisher für das Heim geleistet hat, so tommt man zu der eigenartigen Feststellung, daß sie sich bis her eigentlich noch viel zu wenig um das Heim gePümmert hat. Sie hat sich in viel höherem Maße den lodenden Aufgaben der großen Industrie gewidmet und darüber das nächſtliegende, das innere Haus, vernachlässigt. Das ist um so erstaunlicher, als die Hauswirtschaft in unserem beruflichen Leben einen Raum einnimmt, der alle anderen beruflichen Tätigkeiten weit übertrifft. Profeffor Morgenroth, der Direktor des Münchener Statistischen Amtes, hat an die Spitze der Ausstellung Heim und Technit" in München eine Reihe plastischer und zeichne= ritscher Darstellungen gesetzt, die die Besucher über die Bedeutung der Hauswirtschaft im Rahmen unserer Bolkswirtschaft aufflären. Eine Reihe verschieden hoher Säulen veranschaulicht den Anteil der Berufstätigkeit. Unter ihnen fallen durch ihre Größe zwei besonders auf, die die in der Hauswirt= schaft tätigen Deutschen einmal im Haupt- und einmal im Nebenberuf darstellen. Nur eine Säule findet sich noch daneben, die etwas größer ist; sie veranschaulicht die in Industrie und Handwerk tätigen Deutschen. Da sehen wir denn mit Erstaunen, daß der bei meitem am stärksten vertretene Beruf der Hauswirtschaftliche ist und daß ihm sogar die vielbeachteten Zweige Industrie und Handwerk an Bedeutung nachstehen. Selbst die Ernährungsgrundlage des deutschen Reichs, die die 9,8 in Land- und Forstwirtschaft tätigen Deutschen bilden, ist an Umfang nicht so groß wie die Hauswirtschaft. Lehrreiche Zahlen. Natürlich sind es vor allem die Frauen, auf denen die Bast der Hauswirtschaft ruht. Die Ausstellung, heim und Technit" ist also in höchstem Maße eine Angelegenheit der Frau. Aber auch der Mann hat das größte Interesse daran, daß seine hauswirtschaftlichen Angelegenheiten besonders gut verwaltet werden. Denn die der Frau zufallenden Aufgaben der Konsumwirtschaft der Familie sind um so größer, je kleiner das Einkommen ist. Und da bekanntlich die fleinen Einkommen leider am weitesten verbreitet sind, ergibt sich auch hier wieder, wie wenig unsere Technik der Stellung der Frau gerecht wird. Sehr lehrreich sind auch hier wieder zahlen. Eine statistische Untersuchung hat ergeben, daß bei den Einkommen bis zu 2500 Mart über zwei Drittel aller Ausgaben durch die Hand der Haus frau gehen. Selbst in der untersuchten Gruppe von 4000 bis 4500 Mark Einkommen ist das fast in ebenso hohem Maße der Fall, und selbst bei dem Einkommen über 7500 Mart und noch erheblich mehr als die Hälfte durch hauswirtschaftliche Ausgaben bestritten. Im großen und ganzen läßt sich feststellen, daß, je kleiner das Einkommen ist, um so mehr davon für Nahrung, für Genußmittel, für Wohnung, Beleuchtung und Heizung ausgegeben werden muß und daß um so meniger für Hauseinrichtung und Möbel, für Gesundheitspflege und von Ersparnissen Reise, für Bildung und Erholung übrig bleibt überhaupt nicht zu reden. Kommt also schon die Einrichtung des Heims selber zu kurz, so ist daran nur etwas zu ändern, menn bei der ursprünglichen Einrichtung ein Grundsted vorhanden war. War dieser aber vorhanden, so muß sich das Interesse aller Haushaltungen weiter in erster Linie darauf richten, die Betriebsfoften auf ein Geringstmaß herabzusehen und das Uebrigbleibende möglichst gut zu verwenden, d. h. den Haushalt so rationell wie möglich zu führen. Musterwohnungen. -Es soll Ausgabe der Ausstellung„ Heim und Technik" sein, hier zu möglichst viel Anschauungsstoff beizubringen und diesen den Besuchern in bester Form zugänglich zu machen. Die Ausstellung hat zu dem zwed aus allen Zweigen der Hauswirtschaft Must er bei jpiele und grundlegende Erörterungen und unter richt in Modell, Schrift und Bild vorgesehen. Sie be= ginnt mit der Ausstellung einer Reihe von Muster wohnungen, die vernüftigerweise alle als Bestandteile großer Wohnhauseinheiten und großer Wohnblods gedacht sind. Man hielt es für richtig, diese Wohnungen nicht nur selber zugänglich zu machen, sondern so be sichtigen zu können, daß man auch die Grundrißgestaltung und die Eingliederung jeder Wohnung in das Haus richtig erfennen fann. Die abgeteilten Wohnungen sind deshalb oben offen, und zwei sich fast über die ganze Länge der Halle erstreckende Bühnen gestatten von oben Einblid. Unter diesen Wohnungen befinden sich manche mit durchaus glüdlichen Lösungen für fleine Woh nungen. Es ist nur schade, daß zu den Grundrißzeichnungen nicht auch die Kosten solcher Bauten und der Möbeleinrichtungen gelegt find; jeder hätte sich dann unterrichten können, welche Aufwendungen heute die Herstellung einer Wohnung, ihre Ausstattung und ihre Das hätte ein überaus wertvolles An Unterhaltung erfordern. fchauungsmaterial ergeben. Es ist übrigens bemerkenswert, daß einige durchaus verunglückte Lösungen nicht vorher ausgemerzt wurden. Dem Sehenden dienen sie allerdings als begrüßenswerte Gegenbeispiele zu den guten Lösungen. 1112 Aber damit ist die Frage der Wohnung noch nicht erschöpft. Wenn man eine Wohnung neu einrichtet, sollte man viel mehr darauf bedacht sein, durch eine harmonische Verbindung von Wohnung und Graphische Darstellung der Berufsverteilung. Maschinenwäsche die Einbuße nur 6 Prozent aus macht. Bei Leinengewebe ist es noch auffälliger. Dieses verlor durch 20 Maschinenwaschungen 13 Prozent seiner Festigkeit, während es in der gleichen Zahl der Handwäschen 18 Prozent verlor. Gute Maschinenwäscherei ist also vorzuziehen. Außer den hier behandelten Fragen unterrichtet die Ausstellung über Küche, Kücheneinrichtung, Herd, Haushaltführung, über Körpers, Gesundheits- und Säuglingspflege, Bautechnit. Bauweise und ästhetische Fragen. Sie zeigt aber auch zahlreiche größere und fleinere Apparate und ihre Wirtweise, furz, fie umfaßt tatsächlich das ganze Gebiet, das Heim und Technik erfüllen. Man könnte wie in jeder größeren Ausstellung wochenlang Tag um Tag zu ihr pilgern, bevor man sie wirklich kennengelernt hat. Ing. Felix Linke. Der Höhenmesser im Funkturm. Im Funkturm ist ein Instrument aufgehängt worden, das beim Publikum lebhaftes Interesse ermeden dürfte. Dieser Apparat zeigt dem Fahrgast fortlaufend die Höhe des Fahrstuhls über dem Erdboden an; bei Beginn der Fahrt steht der rote Zeiger dieses Höhenmessers auf Null und wandert nun, immer in Uebereinstimmung mit der jeweiligen Höhe des Fahrstuhls nach rechts, zeigt beim Halten am Restaurant 53 Meter und erreicht an der Haltestelle Plattform seinen größten Ausschlag von 120 Meter Höhe. Wer sich also im Entfernungsschäzen üben will, hat jegt im Funkturmfahrstuhl die beste Gelegenheit dazu. Wie wirkt das eigenartige Instrument, wie kommt seine Be= wegung zustande und warum zeigt dieses nun gerade immer die richtige Höhe an und irrt sich nicht? Auch hierüber gibt uns der Apparat selbst Auskunft. In geschickter Weise hat der Hersteller die Antwort auf das Instrument selbst aufgezeichnet. Luftleere Metalldosen, wie sie in den bekannten Aneroid- Barometern Berwendung finden, werden durch eine Feder auseinandergezogen. Auf diese luftleeren Dosen drückt die äußere Luft verschieden stark je nach der Höhe, in welcher sich der Fahrstuhl und mit ihm das Instrument befindet. Aus der Schule wissen wir, und wer es vergeffen haben sollte, wird sich nun wieder daran erinnern, daß der 1000Luftdruck mit zunehmender Höhe abnimmt, Steigen wir auf einen 1 2 3 4 5 6 7 1 Industrie und Handwerk. 2 Hauswirtschaft 613 Hauswirtschaft( Nebenberuf). 4 Land und Forstwirtschaft 5 Handel und Verkehr 6 Verwaltung und freie Berufe 7 Gesundheitswesen 13,2 Millionen . 10,2 9,8 5,3 " 1,5 " 0,6 Möbel enthalten, die von jedem in bestimmter Größe gebraucht werden. In ganz Deutschland aber sind keine Häufer dieser Art befannt geworden, obwohl damit große Ersparnisse und die Möglich teiten verknüpft sind, unzählige Wohnungslose endlich zu versorgen. Man vermißt bei vielen Siedlungsbauten jogar die Zentralheizung, die jeder Volkswirtschaftler als unbedingt erforderlich betrachten muß. Daß man Gas, Wasser und Elektrizität nicht für jede Wohnung selber herstellt, gilt als etwas selbstverständliches. Aber daß jedes Zimmer eine einzelne Feuerstelle besitzt, die allen Schmutz und alle Arbeit solcher Einrichtung mitten in die Wohnräume trägt und sie hygienisch entwertet, gilt noch als eine Selbstverständlichkeit. Wärme und Licht. Damit ist aber nicht gesagt, daß nicht auch in bezug auf Wärmeversorgung in den zahlreichen alten Haushalten noch vieles geschehen tönnte. Wie nötig das ist, kann man auf der Münchener Ausstellung studieren, denn ein großer Raum ist der Heizung und namentlich dem Ofen gewidmet. Wie in den meisten Abteilungen ist auch in dieser ein allgemeiner Anschauungsunterricht vorangestellt, der über die Energieschätze der Welt und besonders Deutschlands, über die Arten dieser Schätze und ihre technische Verwendung namentlich in Defen und Herden guten Aufschluß gibt. Es ist wirklich wert, diese lebendigen Darstellungen eingehend durchzusehen. Selbst die tüchtigste Hausfrau fann da noch vieles lernen. So fällt in dieser Abteilung eine hübsche Veranschaulichung auf, die der Verband des Töpfer und Ofenfeßergewerbes Deutschland für falsche und richtige Herdbedienung aufgebaut hat. Auch die Beleuchtung ist besonderer Beachtung wert. Man hat die zwedmäßigsten Anwendungsformen der direkten, der indiretten und der halbindirekten Beleuchtung studiert, hat auch die Helligkeiten festgestellt, die für Arbeitsräume der verschiedensten Art erforderlich sind, hat die technischen Mittel zur Verwirklichung vorzüglich ausgebildet und für Bekanntwerden der günstigsten Bedingungen, unter denen die Beleuchtung stattfindet, gesorgt. Man ist in der Lage, zahlenmäßig anzugeben, welche Ersparnisse möglich sind, wenn man Lampen und Räume sauber und in richtigem Zustande erhält, man hat sich auch besonders mit der Frage der Blendung ausführlich befaßt und viele Beziehungen zahlenmäßig ermittelt, die zwischen Helligkeit, Sicherheit, Unfallgefahr, Ermüdung, Arbeits erleichterung usw, bestehen. Von der Wäsche. Wie der Wärme- so ist auch der Rältetechnik ziemlich viel Blag eingeräumt. Sie ſpielt ihre größte Rolle in der Ernährung, der ebenfalls viele Demonstrationen gewidmet sind. So reizvoll es wäre, auf manches näher einzugehen, namentlich auf gewiffe Fragen des Kochens, können wir uns doch hier beschränken, weil in Berlin gerade die Ausstellung„ Die Ernährung" vieles darüber zeigt. Sehr wichtig ist auch die Beschäftigung mit den Aufgaben der Reinigung, zu der nicht bloß Aufwischen, Aufwaschen und Entstauben gehört, sondern die Wäscherei überhaupt. Sehr interessant ist in dieser Hinsicht eine Darstellung, die aus den tertilchemischen Forschungsinstitut von Bruno Walther in Köln stammt. Sie gibt an, wie die Festigkeit der Gewebe mis der Zahl der Wäschen abnimmt, und zwar einmal für Maschinenwäsche und zweitens für Handwäsche. Daraus ergibt sich, daß handgewaschenes Baumwollengewebe nach 20 Wäschen 8 Prozent während bei seiner Festigkeit eingebüßt hat, hohen Berg, so wird die Luft immer dünner, je höher wir kommen, um schließlich dem Menschen eine Grenze zu setzen, über die er ohne künstliche Luftzufuhr nicht hinauskommen kann. Wird nun dieses Instrument vom Fahrstuhl in höhere Luftschichten gehoben, so nimmt ebenfalls der Luftdruck auf die Metalldosen ab. Eine Gegenfeder, die an den Dosen angebracht ist, zieht diese immer mehr auseinander und überträgt ihre Bewegungen durch einen Hebel auf einen Beiger. Der Zeiger gibt also fürs erste nur an, um wieviel sich die Dosen beim Hinauffahren ausdehnen oder beim Heruntergehen des Fahrstuhls von der dichter werdenden Luft zu= Da diese Veränderung der Metalldosen ſammengedrückt werden. gleich der jeweiligen Höhe des Instrumentes über dem Erdboden ist, zeigt der Apparat also unmittelbar seine eigene Höhe und damit die der Fahrgäste im Fahrstuhl an. Eine Korrektureinrichtung an der rechten Seite des Instrumentes, die bei Beginn des Fahrstuhlbetriebes vom Fahrstuhlführer eingestellt wird, erlaubt, das Instrument dem jeweiligen Barometerstand anzugleichen. A. Sch. Heim und Technik in Amerika. Im V. D. J. Verlag, Berlin, ist ein bemerkenswertes, von Frau 3. M. Witte verfaßtes Buche i m und Technik in Amerika" erschienen. Die kleine, 97 Seiten fassende, mit zahlreichen Abbildungen versehene Arbeit bietet einen lehrreichen Einblick in die in Amerika bestehende Bewegung zur rationellen Haushaltführung. Da in den Bereinigten Staaten nicht weniger als 29 millionen Haushaltungen bestehen, und über 2 Millionen verheiratete Frauen berufstätig sind, so ist dort das Problem heim und Technik" von besonderer Bedeutung. Die Verfasserin benußt zu ihren Ausführungen die Ergebnisse einer Rundfrage, die von der Vorsitzenden der„ General Federation of Women Club" in den Jahren 1925 bis 1926 über Einrichtung und Stand der gegenwärtigen Wohnungsverhältnisse in Amerika erlassen wurde. Nach dieser Rundfrage sind die zwei Fünftel von 35 größeren Städten Ameritas noch nicht die Hälfte der Häuser mit Zentralheizung ausgestattet. Sehr umfangreich ist dagegen die Anwendung der Elektrizi tät. Von einer vollen Ausnüzung der elektrischen Kraft durch die Hausfrau darf allerdings noch nicht gesprochen werden. Noch nicht einmal 25 Pro3. der an dem Rundschreiben beteiligten Familien befaßen elettrische Waschmaschinen und noch nicht die Hälfte bediente sich des Staubsaugers. Dagegen wird das elektrische Bügeleisen in 64 Prozent der Haushaltungen verwendet. Das neueste Hilfsmittel, der elektrische Eisschrant, findet sich am häufigsten in den Städten von 100 000 und mehr Einwohnern, da hier auch meistens die teuersten und kostbarsten Wohnungen mit allem Komfort anzutreffen sind. Allerdings ist zu betonen, daß diese Statistik Großstädte wie Chicago und New Port nicht berücksichtigt, da die Verhältnisse gerade dieser Städte besonders günstig sind und als nicht typisch für das ganze Land betrachtet werden können. Von diesen und anderen amerikanischen Großstädten erzählt die Verfasserin manches sehr Wissenswerte, so von der Einrichtung der Wohnhotels, die von berufstätigen, finderlosen Ehepaaren benukt merden. Die Wohnhotels liegen in den besten Gegenden der Großstädte und weisen im allgemeinen 15 und mehr Stockwerke auf, die selbstverständlich im Fahrstuhl zu erreichen sind. Die Miete für eine unmöblierte 3weizimmer Wohnung mit voller Bedienung beträgt nach deutschem Gelde etwa 1000 M. im Monat. Diese Wohnstätten kommen daher für Arbeiter und Durchschnittsbeamte nicht in Frage. In schreiendem Gegensatz hierzu stehen die Miethäuser, die berüchtigten Mietstafernen New Yorts, in denen Menschen heute noch teilweise in fensterlosen Räumen hausen. Das Büchlein enthält jerner interessante Ausführungen über rationelle Küchen- und Waschkücheneinrichtungen und einen Ueberblick über die Zentralstellen der Hauswissenschaftsbewegung in Amerika, die an Schulen und Hochschulen einen immer größeren Raum einnimmt. Allen an diesen Problemen Interessierten tann das Buch nur dringend empfohlen werden. Dr. M. Jahn und die Arbeitersportler. band. Zum 150. Geburtstag des Turnvaters. Am 11. August sind 150 Jahre seit Friedrich Ludwig Jahns, steckte und großer Tücher darüber hing. So fonnte er dann bei Geburt verrauscht, und viele Feiern werden veranstaltet. Auch Nacht und Nebel von Frankfurt fliehen. Arbeiter Turn- und Sportvereine werden zur Teilnahme aufgefordert. Jahn war ein so ganz„ Eigener", ein so widerspruchsvoller Mensch, daß es kein Wunder ist, wenn sein Charakterbild in der Geschichte die unglaublichsten Schwankungen aufweist. Man fann aus seinen Schriften und Taten nachweisen, daß er ein Knallroter war; man kann aber auch das gerade Gegenteil beweisen. Je nach Neigung findet der eine dies und der andere das, indem sie vor dem Gegenteil gefliffentlich die Augen verschließen. Der dritte kann unwiderlegbar in ihm einen völlig verschrobenen Menschen kennzeichnen. Jahn war in höchstem Maße ein ,, rselbst"( Original), wie er sich auch bezeichnete. Hier hat er manche sehr sympathische Züge. Er duckte sich nicht vor Hochstehenden. Sein Freiheitsgefühl fügte sich bis zu seiner Berhaftung 1819 feinem 3wange. Er begeisterte sich für die französische Revolution und für Danton. Er forderte die ,, staatsbürgerliche Freiheit und Selbständigkeit der akademischen Bürger" und eine Berfassung. Sein Ideal war die Einheitsschule, damit sich die Stände wenigstens als Kinder gegenseitig kennen und schätzen lernen und damit dem Tüchtigen freie Bahn wird, ohne Rückficht auf den Geldbeutel der Eltern. Jeder, ohne Rücksicht auf Stand und Rang, sollte ein Handwerk erlernen. Er bekämpfte rücksichtslos die Orthodorie katholischer und evangelischer Pfaffen, sagte Ministern ohne Scheu die Wahrheit über Rückständigkeit und Bureaukratismus und verlangte ein einheitliches Großdeutschland. Die Kleinstaaterei haßte er. Das Metternichsystem des Vormärz steckte ihn auf Jahre ins Gefängnis und trieb ihn in die Verbannung, ohne doch seinen starren Sinn zu brechen. Jahn war für die Abschaffung der stehenden Heere und gegen Krieg. Jeder Bürger sollte sein eigenes Grundstück haben, denn ,, Knechtschaft macht gegen Herrschaftswechsel gleichgültig, Grundeigentum macht streitkühn zur Verteidigung". Die vielen Fürsten wollte er entfernen, aber er schwärmte für die Sachsenkaiser, namentlich für den Großen Heinrich, für Barbarossa, den Großen Kurfürsten und vor allem Friedrich den Großen( den„ Einzigen" nennt er ihn). Er sang auch in hohen Tönen das Lob der deutschen Ritterschaft. bmb Jahn als Demokraten- Vertilger. ( Karikatur aus dem Jahre 1848.) gad heraus. Die Deutschen Heinrich- Leipzig, Heitmann- Magdeburg und Schubert- Breslau schieden aus. Im Kunstspringen für Damen quali fizierte sich Hanni Rehborn für die heurige Entscheidung. 0 Im Olympischen Borturnier fonnte sich von den Deutschen nur Bist ulla Berlin in der Halbgewichtsklasse in die Entscheidung bringen. Im Olympischen Turnen holte sich die Schweiz sämtliche Goldenen Medaillen. Zwischenfälle beim Boxturnier. Korr. Koves berichtet: Zu recht unliebsamen Szenen tam es bei der Erledigung der letzten Vorentscheidungen für das Boxturnier. Im Leichtgewicht kam der Schwede Berggren durch ein frasses Fehlurteil, das dem Amerikaner Halaiko den Bunkifieg gab, um die Früchte seiner Arbeit. Einen recht peinlichen Zwischenfall gab es nach dem Bantamgewichtstreffen zwischen Daley- Amerika und Isaacs- Südafrika. Der Sprecher hatte die Protofolle verwechselt und rief Isaacs zum Punktsieger aus, während in Wirklichkeit der Amerikaner gewonnen hatte. Einen Sturm der Entrüstung erregte die Disqualifitation, die der Ringrichter über Traynor- Irland im Kampf mit dem Italiener Tamagnini wegen Haliens und Nachschlagens aussprach. Nicht weniger als sechs Nationen haben gegen diesen richterlichen Entsheid offiziell Protest erhoben. Der Stand vom 10. August: Nation Amerika Deutschland Finnland Frankreich Schweden England Schweiz Holland Italien Kanada Dänemark Ungarn • 1. Preise 2. Breife 3. Breife Toto punite 17 14 93 9 16 59 49 8 7 7 4 6 4 4 4 25 37 3 1 3 • 2 2 2 Tschechoslowakei Defterreich Estland . • Polen Japan Auftralien Aegypten Jugoslawien Norwegen Er bekämpfte die Orthodorie in allen Kirchen und war doch Südafrika äußerst fromm. Stets hatte er eine kleine Bibel bei sich. Reli gionsfeinde waren ihm verabscheuungswürdigste Satansbraten.„ Dem Volke muß die Religion ebenso wie die Vaterlandslebe erhalten werden." Derselbe Jahn wollte alle Fürsten verjagen, bis auf die Hohenzollern, unter deren glorreicher Führung das großdeutsche Kaisertum erstehen sollte. Er war Monarchist vom Scheitel bis zur Sohle und haßte die Republikaner glühend. Im Sturmjahr 1848 jagte er:„ Ich bin zur Verände rung zu alt und fest. Ein Roter werde ich nicht. Allen Berfehr mit den Turngemeinden gebe ich auf." Die Turner verstand er nicht mehr, zumal nicht die Süddeutschen. ,, Rotes Republikanertum oder Radikaldemokraten" waren ihm in tiefster Seele zuwider. Da war er Reaktionär durch und durch und dementsprechend beim Volk derart verhaßt, daß ihn die Volksmenge am 18. September 1848 in Frankfurt genau so buchstäblich zerrissen hätte, wie dies mit dem Fürsten Felig Lichnowski und dem General Auersperg geschah, wenn sie Jahn erwischt hätten. Auf der Spur waren sie ihm. Er verdankt sein Leben nur einem Kellner in einem Kaffee, der Jahn unter einen Tischdienste der Jugend nicht mindern. Die Deutsche Turnerschaft", die ihren ,, Turnvater" heute feiert, hat von ihm vor allem die nationalistische Phraseologie übernommen. Es wäre aber verfehlt, den Mann nur als Nationalisten zu betrachten. Er war in der Zeit der Kleinstaaterei und des Untertanentums ein Bahnbrecher neuer Zeit. Die Schrullen des Alters können die VerAuf nach Fürstenwalde! Boxkämpfe auf der Rütt- Arena. 1 Der 1. Bezirk des 1. Kreises vom Arbeiter- Turn- und Sportbund hält vom 18. bis 20. August d. Is. in Fürstenwalde ein Bezirks- Turn- und Sportfest, verbunden mit der 30- Jahr- Feier des Turnvereins Friesen" Fürstenwalde, ab. Eine gewaltige Heerschau der Arbeitersportler soll es werden. Das wird möglich sein, wenn wir einig und geschlossen uns einsetzen für die Ideale unserer Arbeiter- Turn- und Sportbewegung, getragen von dem Geiste der Einigkeit und Geschlossenheit. Durch eine Massendemonstration, durch Massenfreiübungen, gute Vorführungen und Wettkämpfe wollen wir den unzähligen Arbeitern, die sich noch in der bürgerlichen Sportbewegung befinden, die Macht der Arbeitersportler vor Augen führen. Das Neuköllner Turner- Musikkorps sowie das Bezirks- Tambourforps werden zum guten Gelingen mit beitragen. Zwischenfälle, wie sie beim Frauenfest in Erkner vorgekommen sind, wollen und dürfen wir nicht erleben. Außer dem Festplatz mit Laufbahn des gastgebenden Vereins stehen uns zwei weitere Spielpläge zur Verfügung. Die städtische Badeanstalt an der Friedrich- Ebert- Brücke, sowie Tennisplätze geben uns Gelegenheit, fast alle bei uns gepflegten Sportarten zu zeigen. Die schönen, mit Gartenbühnen versehenen Sommerlokale ,, Reichshallen" und" Philharmonie" stehen zu Bühnenvorführungen zur Verfügung. Der Festmontag wird dann noch Gelegenheit geben, eine Wanderung in die herrliche Umgebung von Fürstenwalde mitzumachen. Der Festbeitrag beträgt für Erwachsene 1, M., für Jugendliche 50 Pf., Kinder frei. Die Beiträge sind umgehend an R. Niedermeyer, Fürstenwalde- Spree, Kirchstraße 5, einzuschicken, von da wird das Festmaterial versandt. An den Massenfreiübungen sollen sich die Mitglieder aller Sparten beteiligen. Die llebungen der Männer sind im Vorturner" Nr. 1, 1928 enthalten. Die Frauen turnen die Freiübungen und Vollstänze vom Frauenfest in Erkner. Die Kinder die Freiübungen von Luckenwalde. Wer noch gut einstudierte Vorführungen stellen kann, melde das umgehend an untenstehende Adresse. Vereine und Abteilungen außerhalb des 1. Bezirks, die gewillt sind, an diesem Fest teilzunehmen, wenden sich schnellstens an Otto Mattha, Berlin O 112, Dosse ſtraße 1. Nun frisch ans Werf, Genossinnen und Genossen! Unvergeß= lich sollen uns die Tage von Fürstenwalde werden! Bisher find 650 Teilnehmer zu den leichtathletischen Mehrfämpfen und 500 Teilnehmer zu den leichtathelijchen Einzelkämpfen gemeldet, für die turnerischen Behn- und Siebenfämpfe 70. Auch für die Schwimmwettkämpfe sowie Handball- und Faustballspiele find die Meldungen zahlreich. Nur die Fußballspieler scheinen in den Streit getreten zu sein, da es schwer fällt, einer gemeldeten Mannschaft einen Gegner zu verschaffen. Alle teilnehmenden Vereine wollen folgendes beachten: Der Beginn der Vorführungen zum Festkommers ist auf 20 Uhr festgesezt. Die Verteilung der teilnehmenden Vereine ist aus dem Programm erfichtlich. Trefft rechtzeitig in Fürstenmelde ein! Quartierausgabe Sonnabend, 18., ab 16 Uhr, im Lokal ,, Philharmonie", nahe dem Bahnhof, dort auch vereinsweise Ausgabe des Festmaterials, melches den Vereinen bis dahin noch nicht zugegangen ist. Aus tenischen Gründen kann das Material, besonders das Festprogram, nicht in der entsprechend gemeldeten Zahl den Vereinen im voraus zugeschickt werden, deshalb wollen die Vereinsleiter sich an oben genannter Stelle bzw. Sonntag früh auf dem Festplak melden. Um am Sonntag rechtzeitig zu den Wettkämpfen erscheinen zu können, ist es notwendig, die Züge 5.23 und 6.23 Uhr, ab Schlesischer Bahnhof, zu benutzen. Alle späteren Züge geben nicht die Gewähr zur Teilnahme an den Wettkämpfen. Alles übrige ist aus dem Programm ersichtlich. Erscheint in Maffen und bringt die Fahnen mit! Argentinien rland uremburg belgien aiti رد Chile ortugal. hilippinen 4 2112 1 1 2222233201073300068776443332211 15958533151121231-2-||-||-18894058642211112111 Arbeitersport in Amerika. Trog größter Schwierigkeiten macht der Arbeitersport in Amerika beachtliche Fortschritte. Die Organisation ist der deutschen Boxkämpfe auf der Rütt- Arena. nachgebildet; alle Arten von Leibesübungen werden nach den in der Schwere Gegner guler Boxsport. Der ständige Borring widelte gestern auf der Rütt- Arena bei gutem Besuch seien sechsten Kampfabend ab. Auf dem Programm stand ein Mittel- und Schwergewichtswettbewerb, das von je vier Konturenten bestritten wurde. Große Ueberraschungen gab es bei den ,, schweren Leuten". Im ersten Kampf traf hier Hellmuth Siewert Berlin( 84,4 Kilo) auf Bischoff Dortmund( 89 Kilo). Gleich in der ersten Runde überrannten sich beide Gegner und stürzten durch die Seile. Bischoff zog sich dabei eine schwere Augenverlegung zu. Troßdem führte er den Kampf weiter und brachte Siewert ziemlich an den Rand des t. o.'s. Bischoffs Punktsieg stand nie in Frage. Einen dramatischen Verlauf nahm der Kampf zwischen Walter Tauwel Hamborn( 86,6 Kilo) und Schenemann Dortmund ( 93,4 Kilo). In der ersten Runde fing Tauwel einen Rechten ein und mußte bis ,, neun" zu Boden. Die zweite, dritte und vierte Runde verliefen äußerst verbissen und wechselvoll. Der Kampf wurde schließlich in der vierten Runde zugunsten des Dortmunders abgebrochen. = In der Mittelgewichtsklasse tam Hermann Scherle Mannheim( 72 Kilo) über Friedrich Wagner Frankfurt a. Main, der mehrmals den Boden aufsuchen mußte, zu einem glatten Punttsieg. Peter Gründel Ludwigshafen( 69,3 Kilo) schlug Willi Bolze Duisburg( 68,9 Kilo) durch einen genauen Rechten auf die Halsschlagader f. o. Im zweiten Kampf schlug dann Scherle seinen Landsmann Gründet, der in der ersten Runde aufgab. Bischoff tonnte zum zweiten Kampf wegen seiner schweren Augenverlegung nicht antreten. Der Kampf wird später ausgetragen. In der Endrunde des Weltergewichtsturniers fiegte der technisch bessere Schulz Rönigsberg über Lauer Saarbrücken in acht Runden nach Bunften. = Moestops dominiert bei Rüft. Im gestrigen Sportbericht von der Rütt- Arena muß es natürlich richtig heißen, daß Michard weiter Inhaber und nicht zweiter" Inhaber des Bahnrefords ist. Amsterdamer Entscheidungen. Rudern Schwimmen Boxen. Amsterdam, 11. Auguft. Gestern wurden alle Wettbewerbe der Olympischen Ruder regatta beendet. Deutschland war an den Entscheidungen nur durch den Zweier ohne Steuermann Müller Möschte: beteiligt, der gegen die englische Mannschaft siegie und für Deutschland die neunte Goldene Olympiamedaille errang. Das Einerrennen entschied der Favorit Pearce- Australien leicht für fich. Im Zweier mit Steuermann siegte die Schweiz gegen Frankreich. Der Bierer ohne Steuermann fiel an England vo: Amerita, und der Vierer mit Steuermann sah Italien als Sieger vor der Schweiz. Im Doppelsfuller siegten die Amerikane: vor England, und im Achter fuhr die Mannschaft der California- Universität nach erbittertem Kampf gegen England einen weiteren Sieg für das Sternenbanner heraus. Im Schwimm stadion wurden weitere Vorläufe ausgetragen. Im 100 Meter Freistilschwimmen für Damen kommt die Dresdnerin Lotte Lehmann, die ihren Vorlauf überlegen gewann, in die Vorentscheidung. Die deutsche Meisterin Reni Ertens tonnte in ihrem Vorlauf nur den vierten Platz belegen. Im 100 Meter Freistils hwimmen für Herren shwamm Jonny WeißmüllerAmerita in seinem Borlauf mit 58,6 einen neuen Olympiareford alten Heimat geltenden Gruni fägen durchgeführt. So konnte ich im vergangenen Jahre in Chicago ein Wassersportperein bilden, der erst in jüngster Zeit mit einem wohlgelungenen Werbeschwimme fest an die Deffentlichkeit getreten ist. Der Höhepunkt der diesjährigen sportlichen Veranstaltungen war das Mitte Juni abgehelfene Bundessportfest in New Yort, wo folgende Bestleistungest" erzielt wurden: Männer, Hochsprung: 1,46 Meter, Kugelitohen: 9,45 Meter, Sperrwerfen: 31,80 Meter, Schleuderball 43,08 Meter, Diskuswerfen: 25,55 Meter. Der Arbeitersportler Engel( Vorwärts, Manhattan) fonnte den Hundertmeierlauf in der glänzenden Zeit von 10,8 Set. überlegen an sich bringen. Die sportlichen Erfolge der jungen Arbeitersportbewegung in Amerika wachsen von Jahr zu Jahr; eine starke Delegation von Wettkämpfern aus Amerifa wird auch auf der nächsten Arbeiterolympiade in Wien erscheinen. Handballsp'ele. Heute, Sonnabend. empfängt Groß- Berlin- Often um 18% Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstraße, Bormärts- Hennigsdorf II. 3m Spandau, Falfenhagener Chauffee spielen Spandau 2. Männer gegen Freie Sportvereinigung Berlin 12 I um 18 Uhr und die 1 Männer gegen Tegel um 19 Uhr. Morgen, Sonntag, spielen in remmen zu einem Werbespiel Freie Turnerschaft Belten- Frauen gegen Bran denburg 2. Abtlg. um 15 Uhr und die 1. Männermannschaften um 16 Uhr. Schmargendorf spielt gegen Potsdam um 15 Uhr in Wilmersdorf, Fehrbelliner Plazz. In Brandenburg spielen Brandenabteilung gegen Bildau um 10 Uhr. burg 1. Frauenabilg. gegen Nomares um 11 Uhr und die 2. JugendSpielfest in Heinersdorf. Morgen, Sonntag, veranstaltet der Arbeiter- Turn- und Sportperein antom e. V. ein Spielfest auf den Vereinssportplag in Heinersdorf. Beginn der Spiele 9 Uhr mit dem Jugend= fußballspiel ATV. Alemannia 22. Es folgen dann Handball-, Hockey, Fußball- und Faustballspiele. Da dom frühen Morgen bis zum Abend spannende Kämpfe zu erwarten find, und der Eintritt frei ist, die Vereinstapelle spielt, ist starte Teilnahme wohl sicher. Touristenverein Die Naturfreunde." Bielen Anfragern zur Mitteilung, daß am 18. und 19. Auguft eine Spreewaldfahrt flattfindet. Sarten zum Preise ron 11,25 0,( Mittageffen 1.75 9.) find ab Diontag, 13. August, zu haben im Reisebureau des Four stenvereins Die Naturfreunde", R. 24, Johannisfte. 14-15; bei Gin, 9. 20, Etet iner Etr. 30; Thomas, N. 65, Luremburger Str. 1; Sch. Som d . 30, anteftr. 30; Medelburg( Torwärts- Epedition), Treptow, Craeßfir. 1: Richard Walter, Nerkeln, Siegfriedstr. 55. Abfahrt des Sonderaugs nach Zürich am Freitag, 17. 13.33 Uhr, Anhalter Pahnhof. Fahrtarten, Quarter, Mittag und Frühft de tarten tönnen vom Dienstag ab in der Geschäftsstelle, Johannisftr. 14 15, abgeholt werden. Vereinskalender. Sportverein eabit. Seute, Connabarb, 21 Uhr, Bhf. Beuffelstrafeffe punkt aur Jugend- adtwalderfahrt.- Morgen, Conntag, 9% Uhr, Secftrags, Streder auftraining.. Arbeiter- Stablererbunb Solidarität. Motorfahrer: Sente. Connabenb. 18 r. Cinholen der Motorfahrerabteilung Guben vom Bahnhof Pthern- i felbe zum Abteilung ola. Feidenberger Str. 9. reff offer Eportes Morgen, Conntag, 6 Uhr, Laufiger Play, nach Groß- Wasserburg über Lübbenau. Free Schwimmer Neukölln. Seute, Conrabend, 18 Uhr. alle Mtober am Unfteinhaus in Mariendorf. Der Vesuch der Generalversammlung ist no gewährleistet. Alles zur Etelle! Morgen, Conntag, im eigenen Commerked am Briker Osthafen humoristisches Kinderschwimmfest, Tontonregen, Unterhaltungsspiele, Fadelzug, große Ueberraschungen. Eintritt: Erwachsene 50 Bf., Rinder 15 Pf. Alle Freunde des Arbeitersports. find eingeladen. Arbeiter- Enen und Sportverein Pantom, e. B. Mittwoch, 15. Auguft, 20 Uhr, Jugendversammlung fämtlicher Abteilungen im Jugendheim Riskingenftraße. Connabend, 18. August, 19% Uhr, Fortfehung der Generalversamm lung im Turnerheim( Vereinssportplan). Wahlen. ABS. Montag, 13. Auguft, 20 Uhr, Mitgliederversammlung, Heim Steinmekte. 114. Dienstag, 14. Auguft, 17 Uhr, Training, Briß, Trese burger Ufer. Donnerstag, 16. Auguft, 20 Uhr, Turnen und Gymnaftil, Sale Mahlower Straße.