Morgenausgabe Nr. 329 � Al93 4S.Iohrgang Wöchentlich 85 5 f., monatlich 3,80 SÄ. Im oorouo zohlbar, Poftb-zug 4.32 M. einschl. Bestellgeld. Lu-landoobonne- ment 6,— SR. pro SRonat. Der»Bonoärts* erscheint wochenlig- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Adendausgaben für Bertin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Ball und Zell" und„Kinderfreund". Ferner »Unterhaltung und Wissen",»grauen- stimme".»Technik",»Blick in die Bücherwelt" und.Jugend-Borwärts" Berlin«! Soltsblatt Sonntag T2. August 1923 Groß-Äerlin 1Z Pf. Auswärts 20 Pf. SNt«k»sP altige Nonpareillezeile 86 Pfennig. Nekla mezelle ö.— Rerchs- mart„Kleine Anzeigen" dos jettge- drmtte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IL Pfennig, jedes weitere Wort 18 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Et für zwei Worte. Arbeitsmartt 60 Pfennig. Familienanzeigen für nenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linden- ftsa�e 8, Wochentag!, von S»/, bis 17 Uhr» JenSralsvgan der SszialdemoSrattschen Vavtsi DenikchlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 gernsprechor: Dönhoff 292—237. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berli» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: verlin 37536,— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamte» Wallstr. KS. DiSkoMo-Gesellschast, Depositenkaste Lindenstr 8 Arbeiter der ganzen Welt! Die Sozialistische Arbeiter-Znternationale rust! Zehn Jahre sind seit dem Ende des Weltkrieges vergangen. Trotz der feierlichen Versprechungen, die die Regierungen den Völkern gemacht haben, ist der Frieden noch nicht ge- sichert, hat das Wettrüsten wieder begonnen, haben die Völker noch nicht das Gefühl der Sicherheit, das ihnen völlig erst dar Sozialismus geben kann, der mit der Klaffenherrfchast zugleich die Ursachen aller nationalen Gegensätze beseitigen wird, Nationale Minderheiten bleiben weiter unterdrückt und die großen Mächte verhindern oder mißbrauchen ihre Be> prebungen nach Befreiung. In manchen Ländern ist die Demokratie durch Diktaturen erstickt worden, die— so verschieden auch ihre Formen sind— doch alle die gleiche Gefahr für die Befreiung der Arbeiterschaft und für den Frieden der Welt bedeuten. Ueberall, in jedem Land«, hat der Kapitalismus, kampflüsterncr und raubgieriger als je, versucht, die Lasten des Krieges auf die Arbeiter abzuwälzen, sei es durch ungerechte und drückende Steuern, sei es durch wirtschaflliche und finanzielle Maß- nahmen, die die Arbeitslosigkeit herbeigeführt und Millionen Men- schen zum Elend verurteilt haben. Ueber alle Grenzen hinweg beherrschen immer mächtigere, immer enger verbündete Jndustrietrusts und Finanz- konzerne die Produktion und die Staaten. Unterstützt durch die Industrialisierung der Agrarstaaten, insbesondere Chinas, Indiens und der Kolonialländer, stürzt sich der Kapitalismus aus die farbigen Proletarier, die noch der Gewerkschaften und jedes Schutzes ent- behren, und organisiert durch schamlose Ausbeutung dieser Arbeiter die Schmutzkonturrenz gegen die Arbeiter Europas und Amerikas. 2l« alle, die unter der Diktatur des Kapitals uud unter der Diktatur der politischen Despotie schmach- teu, an alle, die die Ungewißheit der Zukunft bedrückt. die Gerechtigkeit in der Gesellschaft und den Friede« der Welt wollen, wendet sich unser Aufruf. Schließt euch der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale an! Helft uns, mit ihr und durch sie den Sieg des Sozia- lismus und durch ihn die Herrschaft der Arbeit im Bunde der versöhnten Völker zu sichern! Es war die Sozialistische Arbeiter-Inter- n a t i o n a l e. der die Welt trotz der furchtbaren Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, trotz der Spaltung der Arbeiterschaft und der ge- steigerten Konzentration des Kapitals die ersten Fortschritt« auf dem Wege zur Verständigung der Völker verdankt. Es war die Internationale, die durch die Verstän- digungsarbeit in Frankfurt, in Hamburg und Marseille, und dank der unermüdlichen Aktion ihrer großen Parteien, die Verstän- digung unter den Großmächten West- und Mittel- e ur o p a s herbeigeführt hat, die eine wesentliche Grundlage des Friedens ist. Es war die Internationale, die gegenüber den ver- hängnisvollen Mitteln des Zwanges und der Gewalt die fried- liche Lösung des Problems der Reparationen ver- treten hat, und die eben jetzt bemüht ist, die Regierungen zur Er- /üllung ihper Versprechungen über die obligatorische S ch i e d s- gerichtsbarkeit, die allgemeine A b r ü st u n g der Völker und die vollständige Liquidierung des Krieges zu zwingen. Unter ihrem Druck, unter dem Druck der Massen der Arbeiter und Lauern, sind die Regierungen gezwungen, den Krieg zn ächten durch feierliche Erklärungen, in denen die Internationale die Worte wledccsindet, die sie selbst als erste ausgesprochen hat. Der Wortlaut des K e l l o g g- P a k t e s, den die Regierungen sich zu unterzeichnen anschicken, enthält eine uneingeschränkte Absage an den Krieg: aber er wird verfälscht durch die unannehm- baren Vorbehalte einzelner Regierungen und seine Wirksamkeit wäre durch die Ausschließung der Sowjet- Union noch weiter herabgemindert. Er wird in der Tat toter Buchstabe bleiben, wenn nicht die Arbeiter sich zusammen- schließen, um die politische Macht zu erobern, um den Pakt ohne Ausnahme auf die ganze Welt auszudehnen, um den Frieden nicht nur zu verkünden, sondern zu organisieren und damit erst aus dem toten Buchstaben lebendige Wirklichkeit zu machen. Arbeiter der Vereinigten Staaten! Darum wendet sich unser Ausruf an die Arbester Europa«. Aber zugleich wenden wir un» an die Arbeiter der Vereinigten Staaten, jenes Landes, in dem die mächtigste Plutokratie der Welt die Demokratie verfälscht und die Arbeiterschaft unter- drückt Ihnen rufen wir zu: Die Kapitalisten eutts Landes rühnien eure Prosperität: aber seht ihr nicht, daß dies« Prosperität im Schwinden ist? Seht ihr nicht, wi« die Hast eurer Arbeit euch abnützt und verbraucht? Seht ihr nicht, daß euer Land der einzige unter den fortgeschrittenen Staaten ist, dessen Regierung kein« Vorsorge für die Arbeitslosigkeit, die Krankheit und da» Alter der Arbeiter trifft, der einzig«, in dem die Aktion der organisierten Arbeiterschaft durch richterliche Verbot« eingeschränkt wird? Die Kapitalisten eures Landes verkünden stolz, daß eure Lebens- Haltung höher sei als die eurer Brüder in anderen Ländern. Aber amerikanische» Kapital strömt unaufhörlich nach Europa und Asien. um dort billiger« Arbeitskräfte zu finden, deren Ausbeutung eure Lebenshaltung durch das Anwachst» der Arbeitslosigkeit bedroht. Die Kapitalisten eures Lande« gebärden sich als die Vorkämpfer des Friedens: aber zugleich organisieren sie die militärisch« Intervention in Nikaragua und anderen Ländern des amerikanilchen Kontinents. Darum tretet et» in unsere Reihen, stellt euch an die Spitze der Arbeiterklasse, wie euer Kapitalismus au der Spitze der kapilalisti. schen Klassen der ganzen Welt steht. An öle unterbrückten Völker bes Ostens! Unser Ausruf«endet sich aber auch an die unterdrückten Völker de» Osten». Wir begrüßen ihre Kämpfe um Befreiung. Wir begrüßen den Erfolg der nationalen Revolution in China über den Weltkapitolismus. Wir fordern von den imperialistischen Regierungen, daß sie ihr« Truppen und Kriegsschiffe aus China zurückziehen, daß sie das Recht China» auf Souveränität anerkennen, ihm dit volle Freiheit der Zollgesetzgebung und Zollverwaltung ein- räumen, auf die Vorrechte der Exterritorialität verzichten, die Konzessionen zurückgeben und die nationale Regierung anerkennen. Wir protestieren gegen den absolutistischen Staatsstreich m Aegypten, der das ägyptische Volk für drei Jahre seines Parlaments beraubt. Für das ägyptische Volk fordern wir wirkliche Unabhängigkeit und seine Aufnahm« in den Völkerbund. Wir fordern, daß der Suezkonal, dieser große Verbindungsweg zwischen Ost und West, unter Schutz des Völkerbundes gestellt«erde und daß daher die britischen Truppen den Boden Aegyptens räumen. Wie anerkennen das Recht der Völker Indien» auf volle Selbstbestimmung und unterstützen ihre Bestrebungen, sie zu er- weitem. Aber wenn wir die nationalen Befreiungskämpfe der unter- jochten Böller des Ostens unterstützen, so verkennen wir andererseits nicht, daß die nationale Befreiung zwar den Boden für den fogiolen Kampf bereitet, aber ansichnochnichtdiesoziale Befreiung bedeutet. Di« blutigen Gemetzel von Schanghai und von Kanton haben gezeigt, daß das Proletariat des Ostens heute dieselben blutigen Erfahrungen macht wie das Proletariat Europas st« im neunzehnten Jahrhundert gemacht hat. Die Bourgeoisie b e n ü tz t die Rebellionen des Proletariats, aber sie wendet sich gegen die Arbeiter, sobald diese ihren Anteil an den Früchten der gemeinsam errungenen Siege fordern. Die junge Arbeiterbewegung des Osten» muh sich die Er- fahrungen der Arbeiterklasse der vorgeschritteneren Industriestaaten Europa» nutzbar machen und ihre Sompftnethoden anzuwenden lernen. Darum ergeht unser Ruf an die Arbeiter de» Osten», sich uns anzuschließen. Kür die Oemokraiie— gegen Faschismus und Bolschewismus! Unsere Aktion, der Kampf de» internationalen Proletariats um sein« Befreiung und um den Frieden, kann nur wirksam werden aus dem Doden der politischen Freiheit. Di« Demokratie, an die gegebenen Klassenoerhältnisse ge- bunden, ist für die Arbeiterklasse nicht Selbstzweck. Sie bildet aber ein wichtige» Mittet, um im Gefolge der politischen Gleich- heit die soziale Gleichheit zu verwirklichen. Die Arbeiterllafie wird diese» Ziel um so früher erreichen, je konsequenter ste im Rahmen der bürgerlichen Demokratie ihren Kampf führt, durch Ausnützung der politischen Rechte und Freiheiten ihre Machtpositionen erweitert und so die Bedingungen für die Herstellung der proletarischen Demokratie schafft. Mit aller Kraft erheben wir un» gegen di e Diktatur ein»? Sekte oder eine» Manne», welche Gestalt immer diese Diktatur annehme. Wir erheben un» gegen den Faschismus, der di« Freiheit im Innern unterdrückt und den Frieden noch außen bedroht und so eine Gefahr bildet nicht nur für da» Volt, das er knechtet, sondern auch für die demokratischen Nationen, deren Entwicklung ihn beengt. Die Internationale brandmarkt die Aktionen des italienischen Faschismus, der alle reaktionären Staa- ten des Balkans und des Mittelmeeres als Vasallen um sich zu schare« und die Länder der Reaktion in einer Art Heiliger Allianz gegen die Länder der Frei» hett zu sammeln sucht,— Aktionen, die erleichtert werden durch das halbdiktatorisch« Regime in Rumänien, in Ungar««nd in Jugoslawien. Die Internationale weist auf die ernsten Gefahren des Konflikts zwischen den Diktawren in Litauen und Polen hin. Sie rust die Arbeiter und Bauern Litauens auf, den Kampf gegen das diktatorische System fortzuführen und sie unterstützt von ganzem Herzen den Kampf der Arbeiterklasse in Polen gegen ein Regime, das unter dem Vorwande, die Formen der Demokratie zu verändern, di« Demokratie selbst zu vernichten droht. Sie brandmarkt vor den Völkern aller Länder die Haltung der nationalistischen Bourgeoisie, die sich gestern noch zur Freiheit des einzelnen gegenüber den Eingriffen des Staates bekannt hat und die heute wetteifert in Schmeicheleien für eine schändliche Diktatur, die unter dem Borwcmde eines neuen Gewerkschaftsrechtes die Arbeiterschaft knechtet. Aber sie muß den Arbeitern auch sagen, daß diese gefährliche und gewalttätige politische Reaktion be- gunstigt wird durch die Haltung des Bolfche» w i s m u s, der in allen Ländern die Arbeiterklasse, spaltet und dadurch die Parteien«nd die Regie» i rungen der Bourgeoisie stärkt, ihre Herrschast ver- i längert und verschärft, wie es erst jüngst die Ereig»; nisse in Frankreich, in Deutschland«nd in Polen gezeigt haben. In Moskau hat eben der Kongreß der Kommunistischen International« ein Programm beschlossen, das die Wiederkehr imperialistischer Kriege für unabwendbar erklärt und seine ganze Hoffnung darauf setzt, daß aus einem neuen Weltkrieg eine neue gewaltsame Revolution hervorgehen werde. Welcher Wahnsinn, die Hoffnungen der Arbeiterklasse auf neu« Kriege zu setzen, statt alle Arbeiter der Welt zum unermüdlichen Kampfe gegen die Wiederkehr der blutigen Barbarei zu vereinigen! Wir sind nicht blind für die heroischen Anstrengungen der Arbeitermassen der Sowjetunion im Kampf« gegen den Kapitalismus und gegen die weiße Konterrevolution. Aber elf Jahre nach der Revolution zeigt die Fortdauer wirtschaftlicher Krisen, daß die Diktatur einer terroristischen Minderheit die Entfaltung der Produktivkräfte des Landes verhindert, während sie gleichzeitig den Arbeitern der Sowjewnion oerwehrt, ihre Interessen zu verteidigen, und während sie unterdrückte Völker wider ihren Willen unter ihrer Herrschaft hält, wie es die Sowjetregierung selbst in kürzlich ver- öffentiichten Dokumenten über Georgien gestanden hat. Wir, die in der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale ver- «inigten Partelen, sind nach wie vor entschlossen, die Sowjetrepublik gegen jede Feindseligkeit kapitalistischer Regierungen und gegen jeden konterrevolutionären Angriff zu verteidigen und von allen Staaten zu fordern, daß sie friedliche und normale Beziehungen zu ihr unterhatten. Aber gleich den Arbeitern der ganzen Welt rufen wir auch die Arbeiterklasse der Sowjewnion«ms. sich mit uns zu vereinigen auf der Grundlage einer proletarischen Welipolitik, die nicht gegründet ist auf die Hoffnung eine, neuen Krieges, sondern auf die Erkenntni» der Rotweadigkeil, die Demo- tratiezuverleidlgen. woslebedrohtist, siewieder herzustellen, wo sie zerstört worden ist und sie zu einem Instrument der Befreiung der Arbeiterklasse zu machen. Die Spaltung des Proletariats schwächt seine straft. Die Einigung der Arbeiterklasie wäre der neue An- trieb» der ihre« Kampf um Frieden und soziale Frei- heit unwiderstehlich machen würde. Durch die Einigung znm Sieg über Kapitalismus und Imperialismus! Durch die Einigung zur Eroberung der Macht und damit zum Sozialismus! Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Oer Kongreß der Sozialistischen Arbeiter'Internaiionale. Es lebe die Internationale! Austlang des Sozialiffenfongresses. F. St. Brüffel, 11. Auguft.( Eigenbericht.) om Strahl der elektrischen Birnen und im reich fluten den Sonnenschein flammte das Rot der Tribüne, als das legte Hoch auf die Internationale erflang und ihre Hymne noch einmal durch den Saal brauste. Der dritte Kongreß der Sozialistischen Arbeiter Internationale mar geschlossen. 600 Delegierte fehren in ihre Länder zurück, werden, jeder von der heiligen Kraft ihrer lleberzeugung erfüllt, mehr denn je entschloffen, den Kampf für Sozialismus, Demokratie und Weltfrieden gegen alle feindlichen Gewalten aufzunehmen. Ihnen sind die Tage von Brüssel zum unverlierbaren Schatz ihrer Erinnerung geworden. Sie haben Augenblicke erlebt, in denen die Größe einer unbesiegbaren Idee, frei von allem Staub des Alltäglichen, vor ihnen stand. Sie scheiden zugleich mit dem Gefühl dankbarer Freundschaft von einem Land und einem Bolt, das im Kriege so Furchtbares erlitten und dessen Proletariat im Wiederaufbau nicht nur der materiellen, sondern auch der moralischen Güter der inter nationalen Gesinnung und Gefittung so unvergleichliches geleistet hat. auch mir münschen es. Wir sind aber der Meinung, daß die Borausfegungen dazu von Mostau ge= schaffen werden müßten, und wir sehen täglich, daß Moskau nicht daran denkt, sie zu vermirflichen. Mag man also hier von unterschieblicher Empfindung, ja auch der praktischen Auffassung sprechen, so besteht doch in einer Hauptfrage polle Einigkeit. Die sozialistische Arbeiterinternationale lehnt jebe Inter pention gegen Sowjetrußland einmütig und gefchloffen ab. Diese Tatsache ist durch den Brüsseler Kongreß abermals ins helle Licht gefeßt worden. Kommu nistische 3medlügen, die das Gegenteil behaupten, fönnen daran nichts ändern. Spaltung durch den Bolschewismus, faschistische Unter drückung in Italien und in anderen Ländern, Halten der Bemegung in dem gegenwärtigen Hauptland des Kapitalismus, in den Bereinigten Staaten von Amerika: das sind die drei großen hindernisse, die sich dem Sozialismus auf seiner Siegesbahn entgegenseßen. Der Kongres hat sie nicht übersehen, sondern seine Blide immer wieder auf sie hingelenkt. Und doch wußten und empfanden alle: Wir haben die Kraft, fie zu überwinden, die Diftatoren werden zerbrechen, in der Freiheit der Demokratie wird sich das Proletariat einigen, und die Amerikaner werden fommen, wie die Engländer, auf die wir ja auch lange warten mußten, gekommen sind. Nicht heute und nicht morgen, aber die Jugend, die wir am Sonntag der Kongreßeröffnung unter roten Fahnen durch die Straßen ziehen sahen, die Jugend wird es erleben! Sie soll nicht in neuen Kriegen abgeschlachtet wer den, sondern sich des Kampfes freuen und den Siegerleben, zu dem Brüssel den Weg weist. Ein Kongreß der sozialistischen Demokratie ist kein Exerzierplatz, auf dem Meinungen gedrillt und Geister zum Gleichschritt gezwungen werden. Man hat sich in Brüssel mit Problemen der Arbeiterbewegung beschäftigt, ohne gleich fertige Lösungen mitzubringen. Eine so gewaltige Bewegung, die heute schon in der ganzen Welt 6 Millionen organisierte Mitglieder umfaßt, fann nichts anderes sein als ein Werdendes, Bielgestaltiges, das Raum läßt für nationale Individualität und das jedem seine Freiheit läßt, sich mit den besonderen Schwierigkeiten seines Landes nach seiner besonderen Weise abzufinden. Ohne eine gewiffe Toleranz, os ohne den Willen, sich gegenseitig zu verstehen, läßt sich eine sozialistische Internationale, die auf Freiheit gegründet ist, nicht aufrechterhalten und weiter entwickeln. lim so höher zu schäzen ist dann jene Uebereinstimmung, die bei aller Bielgestaltigkeit der freien Gedanken gemein fame Ueberzeugung ergibt. Eine solche UebereinStimmung war vorhanden in der Betonung des demokra tischen Charafters der Bewegung, die sich aus der scharfen Abgrenzung vom Kommunismus von selber ergibt. Sie war vorhanden in der Ablehnung jener bolschemistischen Theorie, die erst von einem neuen Weltkrieg den Sieg des Broletariats erwartet und die damit die allgemeine Schläch terei felber zu einer Hoffnung des Proletariats macht. Um das beste Mittel, der Weltden Frieden 3 erhalten, sind in Brüssel die ernstesten Meinungsfämpfe geführt worden. Diese Meinungsfämpfe haben ihre Borgänger in den Diskussionen, die vor dem Beltfrieg auf internationalen Sozialistentongressen geführt wurden. Damals sprach man vom Generalstreit gegen den Krieg, aber man mandie dagegen ein, daß der Generalftreit nicht den Schuldigen, sondern den am schmersten treffen würde, dessen Arbeiterschaft am besten organisiert sei. Man sprach Dom Generalstreit gegen den schuldigen Teil, aber es murde entgegnet, daß es unmöglich sei, im Augenblick des Ausbruches eines Krieges den Schuldigen, den angreifenden Teil mit ein wandfreier Sicherheit festzustellen. Der Fortschritt des internationalen Schlich tungswesens, der nicht zuletzt durch die Arbeit der Go zialisten selbst herbeigeführt worden ist, hat es dem Brüsseler Rongreß ermöglicht, eine bessere Lösung zu finden. Er fordert: „ Den stärksten Druck der Massen selbst in revolutionärster Form gegen diejenige Regierung, die es im Falle eines internationalen Konfliktes ablehnt, sich einem Schiedsspruch zu unterwerfen und zum Kriege schreitet." Bericht über die Schlußßigung des Kongresses 3. Beilage. Nebendran. Gemurmel der Mißvergnügten zum Berfaffungstag Die Republik feiert den Verfassungstag. Aus der Ede, wo die Deutschnationalen figen und ob der Vormarsches des republikanischen Gedankens an den Fingernägeln fauen, tönt einiges midrige Bemurmel. Tag: Herr Otto Kriegt mault im Hugenbergschen Nacht„ Es ist schon ein ganz großer Rummel Um die Festgäste braucht man sih nicht zu sorgen. In den Aemtern wird zur Berfassungsfeier fommandiert." Ein ganz großer Rummel Die politisch Mißvergnügten müssen sich eben trösten, wie sie fönnen. Die Kreuz- Zeitung": „ Wir besonders sehen feinen Grund, die Erinnerung an einer Borgang zu erneuern, an dem der Treubruch des 9. November in gesetzliche Form gegossen wurde. Unser Blat: hat daher auch Abft and genommen, über die Beranstaltungen zu berichten. Die Nicht beachtung der Feierlichkeiten scheint uns am besten den Abstand zum Ausdruck zu bringen, der uns von der Republit und ihrer Berfassung trennt." Wie war das doch am 11. August 1924 mit Herrn v. Keudell und seinem Abstand von der Republik, ihrer Berfassung und dem Verfassungstag, und wie war das doch mit den berühmten Richtlinien? Bar Herr v. Keudell auch aus dem Amt zur Verfassungsfeier kommandiert? Die mißvergnügten Herrschaften münschen sich zu distan Don sie sich distanzieren: vom deutschen Bolf, von seinem Bieren. Gut so. Wir erlauben uns zu unterstreichen, moStaat und von der Grundlage seines Staatslebens. Sie figen nebendran, und üben sich in Würdelosigkeit. Die Krise Sowjetrußlands. Keine Getreideablieferung der Kornkammer! Chartom, 10. Auguft. Bertretern der Sowjetpreffe erflärte awemann, das Mit glieb des Kollegiums des Handelstommiffariats, die neue Kampagne der Getreidebereitstellung, bie am 1. Juli begonnen hat, zeige fo flägliche Resultate, daß energijche Maßnahmen zu ihrer Belebung ergriffen werden müßten. In den ersten fünf Augusttagen sind in der gesamten Sowjetufraine nur 5700 Tonnen Getreide bereitgeftelt morden, nicht einmal 2 roz. des vorgesehenen Monatsplanes. Die Schulb fiege bei den für die Getreidekampagne in Betracht kommenden Somjet behörden. Der amtliche Apparat müsse als unzulänglich bezeichnet werden. Aus den meiteren Ausführungen Hamemanns ergibt sich, daß diese Apathie und Energielosigkeit der Sowjetbehör den in engstem Zusammenhang steht mit einer der wichtigsten Maß nahmen der Somjetregierung, nämlich der Aufhebung aller Sonderbestimmungen gegen die Bauern, die früher zur schärferen Durchführung der Getreidebereitstellung erlaffen mor den waren. Es scheint sich bei den Sowjetbehörden die Meinung verbreitet zu haben, daß zur Bermeidung von Mighelligkeiten der Berkehr mit der Bauernschaft soweit als möglich einzuschränken sei. Infolgedeffen stockt die Getreidebereitstellung und der Privat han de I beginnt sich wieder einzumischen. Es scheint, daß demnächst wieder neue Borschriften an die Somjetbehörden erlaffen merden sollen. Jedenfalls zeigt das Interview Hamemanns, daß das In dem neuen Gefeß sind besondere Bestimmungen enthalten über die Vorbereitung der Jugendlichen zur Behrpflicht, über die Refervemannschaften der Roten Armee, über Befreiungen in Anbetracht von Familien- und Vermögensverhältnissen, über Aufschub der Einberufung zur tatsächlichen Militärpflicht ufm. Opposition dulde ich nicht! Stolin hat 8000 Oppofitionelle verbannt. Das Drgan des linfsfommunistischen Lenin- Bundes teilt mif: Diretten Meldungen zufolge, die uns aus Mostan sugingen, beträgt die Zahl der in die Berbannung gefchidten oppofitionellen Genoffen bisher rund 8000. Der Berbannungs- und Berhaftungsturs wird in letter Zeit verschärft fortgelegt Erft vor einigen Tagen erfolgten in Mostau 30 neue Berhaftungen. Ueber das Schidial dieser Berhafteten ist nichts bekannt. Wie unsere Moskauer Gewährsmänner meiterhin melden, ift im Vergleich zu der Zahl Deportierter die Schar der Kapitulanten verschwindend klein. Börtlich teilen uns die Mostauer Genoffen mit: Arbeiteranhänger tapitulieren bei uns in infolge diefer Handlungen des Cintsfutjes" menig. Schwankende find durch Stalin- Pragis recht schnell in der Opposition bestärkt worden." Eine deutsche Lehranstalt in Leningrad. Aus Mostau wird gemeldet, baß das Unterrichtstommiffariat beschlossen habe, in Leningrad eine neue Schule für den deutichen Zeil der Bevölferung zu eröffnen. In dieser Schule Dieser Beschluß des Brüsseler Kongresses ist eine ein. Problem der richtigen Behandlung der Bauern noch teineswegs sollen alle Schüler der ehemaligen deutschen Kirchenschulen fonzen bringliche Mahnung an alle Machthaber, die noch in der alten Ideologie vom Recht auf Krieg" befangen sind. Ihnen gegen über hat der Kongreß das Recht der Notwehr gegen den Krieg proflamiert, das Recht, auch zu den leßten Mitteln der Verzweiflung zu greifen, um das maßlose Unheil eines neuen Bölkermordens von der Welt abzuwenden. Es mag das Gesundeste sein, hinzuzufügen, daß dieses Recht der Notwehr erft dort und dann zur Geltung tommen fann, wo und wenn alle anderen Mittel versagt haben. Es ist besser, durch fontinuierliche Machtausbrei tung, durch Erringung eines entscheibenden Einflusses auf die auswärtige Politik von vornherein die Kriegsgefahr zu verscheuchen, als bei ihrem Hereinbrechen zu lezten heroischen Mitteln zu greifen. Nicht immer jedoch hat das Proletariat die Möglichkeit zu solcher Einflußnahme, und darum erhält der Brüsseler Beschluß, der einen lekten äußersten Wall vorsieht, für diesen Fall Wirksamkeit und Geltung. Für die fontinuierliche Friedenspolitik der Internationale hat insbesondere auch unsere franzö fische Bruderpartei vorbildliche Arbeit geleistet durch ihren mutigen Kampf für die Räumung der befegten Gebiete. Die volle llebereinstimmung, die zwischen den deutschen und den franzöfifchen Sozialisten nicht nur in dieser Frage, sondern auch auf allen anderen Gebieten her auswärtigen Bolitik besteht, bildet einen der stärksten Fattoren für die Erhaltung des Weltfriedens. geföft ift. Die Schreiber werden ausgerottet. Mostau, 10 Auguft. Im Dorje Golomitschinzet im ukrainischen Bezirk Binniza wurde Korolj, Redakteur der fommunistischen Kreiszeitung, zugleich Sefretär bes Dorffomjets, ermordet. In Semenomfa, im Kreise Riem, ist Safiranto, Berichterstatter der Bauernzeitung, ermordet morben. In beiden Fällen find die Täter unbekannt. Es gilt als sicher, daß sie unter den Großbauern zu suchen sind, die in legter Zeit ihren Kampf gegen die Arbeiterund Bauernkorrespondenten fehr verschärft haben. Wer fritifiert, der fliegt. Das sowjetruffische Gewerkschaftsblatt Trud"( Die Arbeit) be richtet: Genoffe Danilow, Leiter der technischen Abteilung des Kor: satpaisti- Trusts, wurde von den Wirtschaftlern wegen feiner ritit ihrer Arbeit dauernd verfolgt. Danilom fritisierte den Borstand des Trusts auf dem Bundeskongreß der Bergarbeiter und legte der Hauptmetallverwaltung eine Dentschrift über die weißstände im Trust vor. Unterstügung beim örtlichen Bureau der Ingenieur: und Technikerverbände fand D. nicht. Darüber hinaus madhte das Darüber hinaus machte das Bureau ihm heftige Vorwürfe wegen seiner fritischen Beuzerungen. Eine vom Zentralbureau der ingenieurtechnischen Verbände vorgenommene Untersuchung zeigte, daß das örtliche Bureau von einer Gruppe geleitet, die offen Betternwirtschaft trieb, und infolgedessen herrschte im Bureau ein dumpfer Familiengeist, der Rritit nicht ertragen tann. triert werden, die seit furzem in Arbeiterschulen umgemandelt worden sind. Das Lehrpersonal der neuen Schule wird teilweise aus den alten Kirchenschulen übernommen. Kriegsachtung- Nichtabrüftung! Erklärung des nordamerikanischen Präsidenten. nem ort, 11. Auguft. Aus der nächsten Umgebung Coolidges( dies ist die Formel, ju umschreiben, daß er selbst erklärt. Red. d. B.") wird verbreitet, daß der Präsident von der Unterzeichnung des Kellogg- Pattes teiner. lei Einschränfungen im Armee- oder Marineprogramm der Bereinigten Staaten erwarte. Der Untifriegspakt werde hauptsächlich deshalb abgefchloffen, um Angriffsriege zu verhindern. Armee und Marine der Vereinigten Staaten feien lediglich Inftrumente der Berteidigung und würden also durch den Antifriegspatt nicht berührt. Jedenfalls jei es beffer, einmal die Ratifizierung des Antifriegspattes durch die Mächte abzumarten, bevor man Juffände diskutiere, die vielleicht durch die Ratifizierung geschaffen würden. China fordert. Erklärungen des südchinesischen Außenminifters. Shanghai, 11. Auguft. Im Ergebnis dieser Hege murbe Genoffe Danilom entfaffen. Der Minister des Aeußeren der südchinesischen Regierung Dies mar nach Feststellung des Zentralbureaus der ingenieurtechang erflärte dem Bertreter des Reuterbureaus: Mag auch dem chinesischen Bolte politisches Urteil abgehen, so nersteht es doch die großen Fragen mie die Aufhebung der ungleichen Verträge und der Erterritorialität und die Bieberherstellung ber fou. peränen Rechte. Die öffentliche Meinung in China fordert eine Regelung dieser Fragen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer entscheidenden Attion der Regierung, damit im Innern fein 3erfall eintrete. Japan wird die Bereinigung der Mandschurei mit dem nationalistischen China nicht verhindern fönnen. niters, der die Mißstände in der Produktion entfärste". Dieser Fall zeigt eine große Gefahr, da unter diesen Verhältnissen ein sowjet freundlich gesinnter Ingenieur night arbeiten fann. Das neue Wehrgeseh. Moskau. 11. Auguft. Eine Internationale, die mit solcher Energie für Belt frieden und Demokratie eintritt, fann nicht anders als antinischen Berbände ein Racheaft für richtige Kritif eines Tech bolsoewistisch sein. So gab es auch auf dem Kongreß taum Unterschiede der politischen Logik gegenüber dem Kommunismus, eher schon gab es Unterschiede der Temperamente und der Gefühle. Unsere exilierten russischen Genossen, deren Kameraden in den Gefängnissen schmachten, haben gegenüber der Sowjetregierung ihre besonderen Gefühle, was ihnen niemand verdenken kann. Und die Sozialdemokratische Partei Das Präsidium des Zentralvollzugsausschusses der U. d. 3. E. R. des Kontinents, die so schwer unter Spaltung und Bruderkrieg, die obligatorische Behrpflicht aut. Nach diesem Gesetz ist nahm den Gefeßentwurf des Rates der Boltstommiffare über geführt mit den verwerflichsten Mitteln, gelitten und noch der Schuß der 11. d. S. S. R. die Pflicht eines jeden Bürgers, der leidet, auch sie hat gegenüber der kommunistischen Internatio- Comjetunión. Die Berteidigung der U. d. 5. S. R. mit der Baffe nale ihre besonderen Gefühle. Es ist begreiflich, daß dieje Geift jedoch nur Sache der merttätigen Bevölkerung fühle bei unseren englischen Genossen etwas meniger start Den nicht werttätigen Elementen werden andere Funktionen bei find. Sie fuchen ein besseres Berhältnis zu Sowjetrußland der Landesverteidigung auferlegt. habe Grund anzunehmen, daß Japan die finanziellen Ausgaben In seinem Interviem fagte Mang über die Shanhungfrage, er, der militärischen Belegung on Tschingtau, finant und der Schan tung- Bahn als läftig empfinde. Sollten die deshalb geführten Ber. Bandungen wieder erwarten nicht erfolgreich fein, dann hoffe er, die japanische Regierung wurde damit einverstanden sein, die ganze Angelegenheit dem Boikerbunde zu übermeises Die Feier im Reichstag. Die Ansprache des Reichskanzlers Hermann Müller. Nach der Feftrede des Universitätsprofeffors Dr. Rabbruch, über die wir schon berichteten, nahm bei der gestrigen Berfassungsfeier im Reichstag Reichsfanzler Hermann Müller das Wort. Er führte aus: Herr Reichspräsident, meine Damen und Herren! Wenn das deutsche Bolt in seiner Mehrheit auch heute wieder ben Tag festlich begeht, an dem die in Weimar in schwerster Zeit geschaffene Verfassung gefeßliche Grundlage des Reiches geworden ift, so darf uns das mit stolzer Genugtuung erfüllen. Denn diese erfte große ftaatsrechtliche Schöpfung nach dem tragischen Ausgang des Weltkrieges, in einer Zeit grenzenloser Innen- und außenpoliti scher Not und Bedrängnis, mar eine Iat ungebeugten deutschen Lebensmillens, ein lebendiger Beweis für den nationalen Zusammenhalt des ganzen Boltes in allen seinen Ständen und Schichten und ein startes Bekenntnis zum freiheitliche n demokratischen Boltsfta a t. Weimar ist das Symbol deutscher Einheit geworden und darauf sind wir stolz. Immer mehr mächst von Jahr 31 Jahr die Zahl derer im deutschen Bolf, die dankbar und freudig die Wiederkehr des Geburtstages der Weimarer Verfassung feiern. Die Erkenntnis setzt sich durch, daß nur auf der Grundlage dieser Verfassung ein Wiederaufstieg Deutschlands möglich ist. In dieser Feierstunde mollen wir alle geloben, für den Schutz und die Achtung der Reichsverfassung und ihrer Symbole einzutreten( der Reichskanzler hat diese Worte mit erhobener Stimme gesprochen), indem mir, worum ich Sie Herr Reichspräsident und Sic, meine Damen und Herren bitte, in den Ruf einstimmen: Das in der Republit geeinigte deutsche Bolt, es lebehoch! Die Versammlung hatte sich bei den letzten Worten des Reichstanglers erhoben und stimmte dreimal in den Hochruf ein, um darauf die erste und legte Strophe des Deutschlandliebes zu singen, Ankunft der Auto- Staffel aus Frankfurt a. Main. Heute morgen fuhr der erste von den sieben Wagen des republikanischen Deutschen Automobil- klubs von der Pauls firche in Frankfurt a. M. ab, um die Botschaft, die der Frantfurter Oberbürgermeister Dr. Candmann anläßlich des Berfaffungstages an seinen Berliner Kollegen Dr. Böß richtele, auf der Fahrt nach Berlin mitzunehmen. Alle fieben Wagen, die sich in den verschiedenen Städten ablösten, haben die Fahrt nach der Reichshauptstadt ohne Zwischenfälle gemacht, so daß der letzte, der von Erfurt aus gesteuert wurde, noch vor 20 Uhr am Berliner Rathaus einftas. Die Gäste begaben sich zum festlich geschmüdten Empfangsraum des Rathauses, wo sie von Oberbürgermeister Dr. Böß erwartet wurden. Während. vor dem Rathaus Reichs bannerzüge mit flingendem Spiel zum Platz der Republik marschier. ten, richtete der Präsident des Deutschen Auto- Klubs, Rechtsanwalt Dr. Brandt, die Begrüßungsworte an den Oberbürgermeister, die dieser sehr herzlich erwiderte, um dann die Rolle mit der Botschaft zu öffnen und diese selbst zu verlejen. In der Botschaft heißt es, daß Frankfurt a. M. als Stadt des alten Reiches Berlin als Hauptfladt des neuen Reidyes begrüßt und der Hoffnung Ausdrud gibt, daß die große 3dee des Einheits- und Freiheitsgedankens fich bald refflos verwirkliche. Der Oberbürgermeister dankte nach Berlejung der Botschaft nochmals den Ueberbringern und teilte ihnen mit, daß die Botschaft im Archiv der Stadt Berlin niedergelegt werden joll. München: Die Reichsbehörden feiern, die bayerische Regierung drückt sich. München, 11. Auguft. Am heutigen Berfassungstage waren die Gebäude der Reichsbehörden der Stadt in den Farben des Reichs geflaggt, zum Leil auch in den Farben Bayerns. Die banerischen Staatsgebäude waren meißblau geflaggt. Für die Beamten der Reichsbehörden in München fand im Festsaal des Verkehrsministeriums eine Feier statt. Der Saal war dicht befezt. Unter den Festteilnehmern waren die Vertreter des Reichs, Gesandter von Haniel, Staatssekretär von Frank, der Präsident der Gruppenverwaltung Bayern der Deutschen Reichss bahn- Gesellschaft, Eisenbahnpräsident von Bölder, Staatssekretär Neumayer von der Reichspost, Präsident Troll von der Reichspostdirektion, cin Bertreter des preußischen Gesandten, hohe Offiziere der Reichswehr und der Stadtkommandant General von Sauer, dienstleitende Beamte des Reichsfinanzhofes, des Münchener Landesfinanzamtes und anderer Behörden. Die Feftrede hielt Staatsfefrètör Neumaŋer. Mit einem Hoch auf das deutsche Volk und mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß die Feier. Berfaffungsfeier in Brüssel. Brüffel, 11. Auguft.( Eigenbericht.) Die deutsche Delegation versammelte fich am Sonnabend vor Beginn der Schlußßigung des Internationalen Kongresses zu einer internen Berfassungsfeier. Der Reichstagsabgeordnete Schred hielt eine turze eftrede. Sie tlang aus in einem von den zahlreich erschienenen Delegierten aufgenommenen Hoch auf die deutsche Republit. An der Verfassungsfeier der Deutschen Gesandtschaft in Brüssel beteiligte sich die deutsche Delegation durch eine starke Abordnung unter Führung des Reichstagspräsidenten Löbe. Gegen Luther. August 11 Tag eines Studienrats. Efelhaft, heut blieb ich am liebsten liegen! Höchst überflüssig, wozu die Leute nur geflaggt haben. Jeht auch noch dieser entsetzliche Lärm! „ Liebe Schüler, heute ist mir die Aufgabe zugefallen, Gie über die Bedeutung des Berfassungstages zu belehren." Agrams Trauer um Raditsch. Das Bolt besucht seinen toten Führer. Agtam, 11. Auguft. Bor dem Bauernheim am 3ringi- Blas ftaut fich am Sonnabend eine unabsehbare Menge, die noch einmal ihren toten Parteiführer sehen will. Die Ordnung auf der Straße wird pon bewaffneten froatischen Turnern aufrechterhalten. Nach stun denlangem Harren werden die Leute in Doppelreihen in das Gebäude eingelassen. Es sind meist Bauern und Bäuerinnen in Nationalracht mit Trauerfloren an den Armen. Dazmishen be merkt man barfüßige Burschen und viele Arbeiter, die für eine Stunde lang ihren Betrieb verlassen haben. Stille und Trauer herrschen in der Menge. Auf den Treppenabjäzen brennen umflorte Lampen. Der Bug steigt langsam zum ersten Stoďmert hinauf. Kein Zuruf, tein lautes Wort unterbricht die Stille. Im großen Sizungsfaal ist Raditsch aufgebahrt. Tausende von Kränzen tüzmen sich rings um den Saal auf. Der in Schwarz und Gold gehaltene Sarg ist offen und so aufgestellt, daß die Eintretenden die Leiche sehen können. Zu beiden Seiten des Sarges steht die Ehrenmache, die aus Abordnungen verschiedener Bereine zusammengesetzt ist, obenan zmei schwarzgefleibete Frauen, BerDie Ermordung des Abg. Gareis. Oberleutnant Braun stellt sich der Budapester Polizei. Budapest, 11 Auguft. Der frühere Oberleutnant Braun, der nach Mitteilungen reichsdeutscher Blätter das Attentat auf den bayerischen Abg. Gar eis verübt haben und mit einem falschen Baß nach Ungarn ge flüchtet sein sollte, hat sich heute der Budapester Polizei selbst gestellt. Er gab an, daß er Braun heiße und ehemals bayerischer Oberleutnant gewesen sei, mit der Ermordung von Gareis habe er aber nichts zu tun und sei mit dem angeblichen Attentäter Braun nicht identisch. Nach dem Berhör murde er auf freien Fuß gefeßt, treterinnen bez froatischen Frauenvereine, bann tommmen Turner mit gezogenen Säbeln, Bauern in Lardestracht und bewaffnete Studenten in Schwarz In der ganzen Stadt ist kein Haus ohne schwarze Fahne, fein Schaufenster, das nicht schmarz verhängt ist und das umflorte Bildnis Raditschs zeigt. Bor Terroraften in Agram? Die„ Neue Freie Presse" meldet aus Agram, die dortige Polizei sei von der Belgrader Bräfeftur verständigt worden, daß sich der ehemalige erbische Komitatschiführer Katowitsch mit drei seiner Anhänger nach Agram begeben habe, um den Mord an dem serbischen Journalisten Ristovitsch durch Terroratte zu rachen. So sei von ihnen auch ein Anschlag auf das froatische Blatt Hrvat" geplant. Heute mütag erschienen Beamte der Agramer Polizei in der Redaktion des genannten Blattes und e: suchten die Angestellten, das Haus zu verlassen, das dann von der Polizei besetzt und umstellt wurde. Es ist der Polizei jedoch gelungen, die vier angefündigten Komitatschis ausfindig zu machen, In Agram herrscht große Erregung. = Siller Ludwigsburg und Wagnerobermeister Rent Lydmigsburg. Der Borstand besteht jetzt meist aus Angehörigen der Deutfchen Boltspartei und der Deutschdemokratischen Partei. Die Ver fammlung wählte den früheren deutschnationalen Reichstagsabge ordneten Siller wieder, weil er im Prozeß freigesprochen mor den war und das Gericht die Anflage gegen ihn als zu Unrecht erhoben bezeichnet hatte. Berfaffungsfeier bei Kroll. Für die Verfassungsfeier in der Staatsoper am Plaz der Reichsminister Dr. Koch Weser schreibt zu den Leit bleibt aber unter polizeilicher Beobachtung, bis sich die deutschen Republif maren die ersten Kräfte des reichshauptstädtischen Musil sägen des Luther- Bundes in der Bossischen Zeitung": ch trage aber auch die schwersten Bedenken, einen Berzicht auf das Land Breußen auszusprechen, folange die füddeutschen Länder ihre jezige jouveränitätsähnliche Stellung behalten. Man tann die Schaffung des Einheitsstaats feinesfalls mit der Preisgabe Breußens beginnen. Breußen ist erst entbehrlich, wenn der neue Einheitsstaat die Zuständigkeit und Macht hat, die er haben muß. Solange es noch souverän fühlende Staaten in Deutschland gibt, die sich den Anordnungen des Reichs ungern fügen und ihre Macht politisch und finanziell ausnügen fönnen, wirft der Bestand Breußen unitarisch und feine Auflösung zentrifugal. Die Neuordnung Deutschlands darf nur in einem Zuge vorgenommen merben. Der Berzicht auf das Land Preußen ist der Schluß stein des Gesamtgebäudes." Behörden über den Fall äußern. Nach dem Stuttgarter Prozeß. Reuwahlen zur Handwerkstammer. Stuttgart, 11. Auguft.( Eigenbericht.) Am Tage nach der Verkündung des Urteils im Stutt. garter Handwertstammerprozeß trat die Kammer zu einer neuen Bellversammlung zusammen, um zur Lage Stellung zu nehmen. Die Bollversammlung richtete das Ersuchen an die Aufsichtsbehörde, sofort die Neuwahlen zur Kammer auszuschreiben. Ferner nahm die Bersammlung die Amts niederlegung des in Prozeß megen Untreue zu einer Geld strafe verurteilten 1. Borsitzenden Fischer entgegen und vollzog fofort die Neuwahl des gesamten Borstandes. Erster Borsigender wurde der Schneidermeister und Gemeinderat Reb mann Stuttgart; als weitere Borstandsmitglieder wurden, geeStaatsräjon. In dem Artifel Staatsräion" unferer Spätaus: wählt: Glaserobermeister und Landtagsabgeordneter Mayer gabe nom Sonnabend muß es in der 9. Zeile von oben state poli- Blingen, Bädercbermeister und Gemeinderat Schwan Stuttgart, Flaschnerobermeister Ritter Stuttgart, Schreinerobermeister tijche Unmichtigkeit" heißen: politische Unri htigteit". Die Leitfäße des Luther- Bundes haben im übrigen allgemeine Ablehnung erfahren. S lebens aufgeboten: Unter Wilhelm Furtwänglers Leitung mar das Philharmonische Orchester und das Berliner Sinfonie Drchester mit dem Rittelschen Chor und dem Sopran Lotte Leonards zu einem imposanten Apparat nereint Ehrwürdige Namen, Händel und Brudner, zierten bas mufitalische Programm der Veranstaltung. Aber zum Schluß gab es auch eine llraufführung". Aus dem Bedürfnis, der jungen deutschen Republif on threm Festtage mit heutigen Tönen zu huldigen, hat Waldemar non Baußnern einen hymnus zur Berfaffungsfeier" geschaffen, der gestern zum erstenmal erffang. Gebrauchsmufit, im besten und gehobensten Sinne des Wortes, wir sind daran im Land der deutschen Musit nicht reich. Das Wert, wirtungssicher gestaltet, befundet die befennte Rönnerschaft feines Schöpfers und erfüllt in glücklichster Weise die durch Gelegenheit gestellte Aufgabe. zugleich zeitgemäß und doch frei von zeitgebundener Problematif, breiter Wirkung machtig zu sein. Wie dieser Hymnus, in seinem letzten. Teil mitreißend und effektvoll gesteigert, im Deutschlandlied gipfelte, in das mit den Chören das ganze Haus mit einstimmte, gab er der mürbig verfaufenen Feier einen mahrhaft festlichen Austlang.. K. P. Crimmitschau. Ein Streit in Sachsen vor fünfundzwanzig Jahren. In diesen Tagen find 25 Jahre verflossen, seitdem die Unternehmer in dem sächsischen Weberstädtchen Crimmitschau 8000 Tertil arbeiterinnen und Textilarbeiter auf die Straße sezten. Damit begann jener denkwürdige Kampf, der dem Namen Crimmitschau Inhalt gibt. Rund 24 Wochen dauerte das Ringen, und Millionen von Arbeitern in allen Ländern kämpften den Kampf der 8000 in Crimmitschau mit. Man wollte in Crimmitschau vor allem die aufstrebenden Gemerkschaften treffen. Hinter diesem Willen, hinter dem AusSperrungsbeschluß der Crimmitschauer Tertilfabrikanten stand das deutsche Unternehmertum; in dieser Form und in dieser Weise zum erstenmal Man wollte sich die Geister, die kühn die Verkürzung des Arbeitstages als ihr gutes Recht forderten, mal faufen; man wollte ein Exempel statuieren. Crimmitschau sollte ein 3 minguri werden; die Gewerkschaften sollten zur Kreuze friechen, sollten sich für immer zur Ohnmacht abfämpfen; der tiefe Glaube der Massen an die Gewerkschaften, an die Macht der Organisation, an das: Ver eint sind wir mächtig, vereinzelt sind wir nichts!" sollte, für immer erschüttert werden. Die junge Arbeiterbewegung in Deutschland sollte sich eine vernichtende Niederlage holen.. Geworden ist aus Crimmitschau ein mächtiges Signal für die gesamte Arbeiterbewegung. Wohl mußte man den Kampf nach 24 Wochen liquidieren. Der Zehnstundentag wurde den Kämpfenden nicht zugestanden. Aber die deutsche Arbeiterbewegung erlitt in Crimmitschau eine jener merkwürdigen Nieder lagen, für die die Geschichte eine Reihe von Beispielen birgt; Niederlagen, die hundert Siege wert sind. Crimmitschau wirtte wie eine laute Fanfare, die Hunderttausende medte. Die bei fpiellose Entwicklung der großen gewerkschaftlichen Zentralverbände nach der Jahrhundertwende datiert von Crimmitschau. In der Atmosphäre von Crimmitschau schlug auch die Sozialdemokratie ihre erste große Wahlschlacht, die Reichstagswahl von 1903, fommt auf das Konto Crimmitschau. Heute noch, wo sich die Tage non Crimmitschau zum 25. Male jähren, gelten die Berse des Arbeiterdichters Preczang: Zukunft, sie wird sich gestalten, Brüder, zu herrlichem Bau, Wenn wir zusammen stets halten Wie einst in Crimmitschau. Wie es zur Aussperrung in Crimmitschau fam? Man schrieb das Jahr 1903, stand mitten im Maschinenzeitalter mit seiner ungeheuren Produktivitätssteigerung. Die Unternehmerrente wuchs; in welchem Maße, dürfte am besten die Tatsache beweisen, daß der Maschinenpart, mit dem die Textilindustrie heute noc) produziert, schon damals vorhanden war. Da begehren die Broleten auf. Sie, die 13 und 14 Stunden schuften, verlangen den Zehn stundentag. Behn Stunden Arbeitstag, oder mir streifen!" Aus dem Unternehmerlager hallt es zurück: Unmöglich und untrag bar; die ganze Industrie ginge zugrunde. Es ist gerade heute ungemein interessant, wenn man die Leipziger Neuesten Nachrichten zur Hand nimmt und jene vergilbten Nummern aus den Juli- und Augufttagen 1903, aus den Tagen des Crimmitschauer Konflikts, nachlieft. Haarscharf wird bewiesen", daß die Crimmitschauer Industrie zusammenbreche, wenn die Unternehmer nach geben. Die Forderung nach dem Zehnstundentag mutet dem Schreiber der Crimmitschauer Leitartikel in der Leipziger Neuesten" wie ein Todesurteil für die sächsische Tertilindustrie an, und die Gemertschaften werden als Saboteure, als Attentäter der deutschen Wirt schaft denunziert. Man lieft mit innerem Behagen diesen Erguß von vor 25 Jahren und bedauert den Aufwand, der hier unnüz ver tan ward. Nun, die Textilarbeiter in Sachsen sind auch mit dem damals heiß umfämpften Zehnstundentag nicht zufrieden gewesen; fie haben den Achtstundentag durchgesetzt und werden weiß wie bald, und die Technit raft schnell einmal fe chs Stun den arbeiten. Und die sächsische Industrie floriert und wird flories Aber der Botabelschak fächsischer Syndizi ist nicht über das Maß von 1903 herausgekommen. ren. er So traten die Weberinnen und Weber in Crimmitschau im erften Drittel des Monats August 1903 in den Streit. Dieser Streit hatte es in fich. Er brachte gewissermaßen Offenbarungen, dokumentierte, & M daß sich die Fronten im Arbeitskampf innerlich wan delten, daß die Massen zum Klaffentampf reif geworden. Eine Erziehung von drei Jahrzehnten durch die moderne Arbeiterbewegung, durch Gewerkschaft und Partei machte sich geltend. So ging die deutsche Arbeiterbewegung in ihre große Feuerprobe. Es gab teine de- und wehmütigen, von der Gnade einer hohen Behörde alles erwartenden Weberdeputationen mehr, denen Lassalle vor noch nicht allzu langer Zeit den Weg zum alten Kaiser in Berlin ebnete; feine Kaiserdelegierten, aber auch feine Maschinenstürmerromantit, wie noch vor 15 Jahren in den großen Bergarbeiterstreits. Es wurde gestreift, haargenau nach den Sagungen des Verbandes der größten deutschen Scharfmacherorganisation, der rheinisch- westfälischen, dem jezigen Langnamverein, sprachen die Redner mit eng: lischer Erfahrung auf einer außerordentlichen Tagung von der eng= lischen Krankheit, die nach Deutschland eingeschleppt worden fei. Sie hatten Grund und Ursache dazu. Schon seit Jahresfrist gab es in den sächsisch- thüringischen Textilbezirken Streiks, die 10, 11 und 14 Wochen dauerten. Gingen die Streifs hier zu Ende, so flammten sie dort wieder auf. Nach den Textilarbeiterkämpfen in den Jahren 1902/03, Glauchau, Meerane usw., schweißte Geheimrat Bogel, maßgebender Textilindustrieller in Chemnih, die Unternehmer im Königreich Sachsen zu einer Kampfesorganisation zusammen; sie sah für den Fall und dieser Fall war Crimmitschau bei dem gesamten deutschen Unternehmertum Rückversicherung vor. Als die Crimmitschauer Fabrifanten die Aussperrung beschlossen, stand die gesamte deutsche Industrie hinter ihnen, stand vor allem der ganze staatliche und Polizeiapparat zu ihrer Berfügung. Zum erstenmal begann man in Deutschland Streifs zu befämpfen, wie wir das ja später noch zur Genüge fennenlernen sollten. Man verbot, am Vorabend der Aussperrung, die Versammlungen der bereits im Streif stehenden Tertilarbeiterinnen und Tertilarbeiter; die Streifenden aber wußten sich zu finden, und ihre Solidarität blieb uner schüttert. Die Aussperrung dauerte dann 4, 5 und 10 Wochen; die Weber aber trochen nicht zu Kreuze. Man trieb ihnen ihre Wohnungen ab; mit dem gleichen Er folg. Und man schickte schließlich Gendarmerie und verhängte zu guter Leht den fleinen Belagerungszustand; aber die Weber st an den und harrten aus! 24 lange Wochen lang. Die Blockade finnischer Schiffe. Bor einem dänischen Hafenarbeiterstreif. Kopenhagen, 11. Auguft.( Eigenbericht.) Nach den Aeußerungen des Vorsitzenden des dänischen Arbeite: verbandes Lyngfie werden fih jetzt auch Deutschland, England und Holland an der Blockade gegen finnische Schiffe aktiv beteiligen. Die Blockade durch die dänis he Arbeiter. schaft ist am 10. Auguft aufgehoben worden, nachdem das staatliche Schiedsgericht die Blockade für ungesetzlich erklärte. Daraufhin hat der Vorstand der dänischen Arbeiter verkünden lassen, daß eine Borstandssitzung einberufen werde, die aufgefordert werden soll, den allgemeinen Hafenarbeiterstreik in Dänemark zu erklären. Diese Maßnahme soll getroffen werden, um die Rechte der dänischen Arbeiterschaft gegenüber diesem Schiedsspruch zu wahren. Der Vorstand des Arbeiterverbandes führte aus, daß durch den Standpunkt des dänischen Schiedsgerichts die dänische Arbeiterſchaft fih nicht an ausländische Streifs, hervorgerufen durch Lohnzwiftigfeiten, weder direkt noch indirekt einmischen dürfe. Die Rechte der dänischen Arbeiter würden dadurch sabotiert. Außerdem hatte man sich in Kopenhagen nichtorganisierter Schauerleute während der Blockade bedient. Der Unternehmerverband hat inzwischen das staatliche Schiedsgericht ersucht, gegen die Maßnahme des Arbeiterverbandes sofort einzuschreiten Der dänische Justiz minister sieht die Situation für sehr ernst an, da ein augenblicklicher Hafenarbeiterft: eit in Dänemark das Erwerbsleben des Landes schwer schädigen müßte, da jetzt vor allem der Export dänischer landwirtschaftlicher Produkte Dor fich geht. Ueber den Ausgang der Angelegenheit herrscht noch völliges Dunkel. Ranada gegen den Zuzug. Die englische Regierung wollte bis zum 18. August 10 000 arbeitslose Bergarbeiter nach Kanada schicken, die dort zunächst Erntearbeiten verrichten und sich dann dauernd niederlassen follten. In Kanada fand man, daß der Gesundheitszustand der englischen Arbeitslosen derart schlecht ist, daß dem größten Teil von ihnen die Einreise verweigert werden müsse. Da Kanada nur Tuberkulose und Geschlechtsfrankheiten als Ausschließungsgrund fennt, müßte alfo die Lubertulofe unter den zuziehenden englischen arbeitslofen Bergarbeitern start ver breitet sein. Achtung, Silberarbeiter! Die Arbeiterschaft der Firma Silberwarenfabrik Jarosinsky und Baugoin, Wien VII, Bieglergaffe 24, befindet sich in einem Streif. Die Firma versucht, in Deutschland Streifbrecher anzuwerben. Bor Zuzug wird gewarnt. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin.. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Conntag, Dampferfahrt nach Biegenhals bei Zeuthen. Abfahrt 7 Uhr ab Waisenbrücke. Morgen, Montag, Zusammenkunft ber Hamburgfahrer- Restzahlungen sind bis zum 15. August bei dem Gruppe Zentrum und Gruppenleiter oder in der Jugendzentrale zu leisten. Rorbring: Sport und Spiel auf dem Sportplag Cantianstraße, an der Schönhauser Allee. straße s Samburgfahrer im Parterrefaal des Metallarbeiterverbandes, LinienDie Wirkung dieses Kampfes auf die Arbeiterschaft war tief und gewaltig. Die moderne Arbeiterbewegung hat längere und schließlich auch erbittertere Kämpfe geführt; jedoch ein zweites Crimmitschau, niemals einen Kampf von solch grundsäglicher Bedeutung wie den in Crimmitschau. Staunend hörte man von den Webern, die 12, 16 und 24 Wochen trogten, und ahnte die Kraft, die sie hielt, die Solidarität der Werftätigen, die Macht des Vereinigtseins. Man sang damals zu befannten Melodien Texte auf Crimmitschau; englische und amerikanische Zeitungen brachten nom Weberkampf Situationsberichte. Die gesamte Arbeiterschaft tämpfte diefen Kampf. In Berlin brachte damals die Arbeiterfchaft täglich 17 000 harte Mart auf für Crimmitschau, und in Westfalen richteten die Bergleute nach firchlichem Muster Opferstöde ein. Und es wurde an den Zahltagen gern und reichlich gegeben. och mußte Crimmitschau liquidiert werden. Nicht weil Und doch der Opfermut der Arbeiterschaft erlahmte, nicht weil es Weberinnen und Weber dort unten in Sachsen leid wurde, sondern der Kampf ging an der Arbeiterschaft selbst zu Ende. Es fanden sich mit der Beit genügend Streifbrecher, so daß er feinen Sinn mehr hatte. Die Gewerkschaften zogen entschlossen und rechtzeitig die richtige Schlußfolgerung und liquidierten nach 24 Wochen unerhörten ErDen follettiven Arbeitsvertrag und den Zehnstundentag lebens. haben die Crimmitschauer damals nicht bekommen. Aber die Sieger waren die Kämpfer von Crimmitschau, die Gewerkschaften. Der Deutſche Textilarbeiterverband, der am 19. Auguſt in Leipzig Die mag:„ hythmit und Gymnafil. 25. Wiederkehr der Tage von Crimmitschau feiern wird, konstatiert, daß der Aufschwung des Verbandes mit Crimmitschau begann. Und diejenigen, die von den Ueberlebenden in Crimmitschau noch sind und die am 19. August in Leipzig weilen, werden von der Stärte und von der Kraft und der Macht der deutschen Arbeiterbewegung und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße B Friedrich Dit. zeugen! Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Morgen, Montag, finden folgende Beranstaltungen statt: Hermannplay: Jugendheim Sobrecht Ede Ganderstraße." Luftige Geschichten." Rorben: Jugendheim Rastanienallee 81. Reistagsfigung." Tempelhof: Jugendheim der Schule Germaniaftr. 4/6. Bortrag: Gerhart Sauptmann." so Referent Dr. Mar Schütte. Charlottenburg: Jugendheim Nofinenftr 4. Bor. Der Jugendbezirk Rordwest spielt auf dem Sportplag Bremer Straße. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egtorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales and Sonstiges: Fris Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". 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Ans allen grösseren Plätzen spielten die Kapellen der RcichA- wehr, der Schupo, der Feuerwehr, der Post, des Reichsbanners. Ucberall drängten sich die Mensrhen. eS war die rechte Stimmung eines BolksfeiertageS! Das außerordentlich schöne Wetter bcgün- stigtc die Veranstaltungen. Der Gipfelpunkt des TageS war der große Fackelzug, dem die Kund- gcbung imLu st garten mit einer Rede des preußi- fchcn Innenministers Grzcsinski voranging. Im Lustgarten. Es hat gar krincn Zweck, Zahlen zu nennen. Der tostgartea. dieser große Versammlungsplotz Berlins, reicht nicht aus. tun den Ausmarsch zum Fackelzug de» vcrsassuugslages zu ersaßen. In allen Zugangsstraßen stopft sich der Verkehr. Die Bevölkerung Berlins hat die Mahnung der Stunde verstanden und will der Reaktion von rechts und links bezeugen, daß sie sich bekennt zur Republik, zur Demokratie. In den einzelnen Bezirken trafen sich die Verbände, die ftiihrunq Hot das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold mit seinen vor- tresflichen Kapellen. In imposanten Zügen marschierte man zum Lustgarten Schon um 20 Uhr waren die ersten Kolonnen eingetroffen, bald ist der Platz vor dem Schloß, dem Dom und dem alten Museum dicht besetzt. Vor der lzochburg der Hohenzollern. angesichts der Denkmäler ihrer Könige und Kaiser, zeigen die Ber- liner, was das Volk will: die lllepublik, und für sie ist es bereit zu kämpfen. Bei der Gruppe 2, die aus dem Osten kommt, sieht»von neben dem Reichsbonner die Republikaner cm« dem Reichsbunde der .Kriegsbeschädigten und der Vereinigung«hemali- ger Kriegsgesangener. Die dritte Gruppe muß vor dem Wilhelm-Denkmol und dem Reptun.Brunnen aufmarschieren. meS der tustgarten längst überfüllt ist. Hier ist die Sozialistische Arbeiterjugend dabei, die mit wehenden Bannern antritt. Vielleicht einzig bei der großen Kundgebung aus Anlaß der Er- mordung des Ministers Rathenau hat der Lustgarten solche Massen gesehen wie an diesem Abend. Aber bei beiden Riesenkundgebungen ist der Sinn der gleiche: damals stellte sich dos Volk, empört.,»yd i» der S-eel« ousgeschürch, por die gefährdete Republik, heute, da die Republik durch die Kraft de« deutschen Volkes gefestigt ist, bekundet es seinen. Willen, treu zu Demokratie und Freistaat zu holten. Minister GrzefinSrt ergreift das Wort. An ollen Fronten des Lustgartens sind Laut- sprecher aufgestellt, durch die seine Red« bis in die entferntesten Winkel getragen wird. Ein Wald von Fahnen in den Farben der Republik ragt empor. Von der Terrasse des früheren Koiserschlosses erschollen seine Worte:.Der Gedanke, den ll. August, den Tag der Verfassung von Weimar, zu feiern, hat sich mehr und mehr durch- gesetzt. Immer größer wird in Berlin und in allen Teilen, des Reiches die Beteiligung, immer stärker wird dos Bekenntnis zur Republik, zur Demokratie. Was am Wahltage des 20. Moi sich zeigte, wich, das bezeugen die Republikaner, die heut« hierher- gekommen sind, am 11. August 1028 fortgesetzt. Heut« ist die Re- publik gefestigt, der Obrigkeitsstoot ist für alle Zeiten begraben. Das selbstbewußte deutsche Volt hat in den vergangenen neun Jahren bewiesen, daß es reif ist zur Selbstrcgierung. Die Verhält- nisse, die durch die Verkündung der republikanischen Reichsver- fossung von Weimar durch den ersten Reichspräsidenten der Re- publik, Friedrich Ebert, grundlegend geändert wurden, können nie- mols wiederkehren. An der Vertiefung des republikanischen Gc° danken» im deutschen Volke hat das Reichsbanner Schworz-Rot- Gold ein erhebliches Verdienst. In schwerster Notzeit hat es sich schirmend vor die Verfassung gestellt, und auch heute, wo wir nicht mehr zu fürchten brauchen, daß die Verfassung gewaltsam ange- griffen wird, muß das Reichsbamier bleiben, und es wird bleiben. Roch find nicht alle Deutschen überzeugte Republikaner. Für den ober, der die Staatsform ablehnt, wird dieser Ausmarsch, den wir heut« erleben dürfen, eine Lehre und eine Werbung sein. Solche Kundgebungen von dem Ausmaß, wie ich sie hier miterlebe, er- leichtern den Regierenden ihre Arbeit, und es ist für sie erhebend, wenn in so gewaltigem Umfange die Fahne der Republik Schwarz- Rot-Gold gezeigt wird. Das Verfasiungswerk von Weimar hat dem deutschen Volke seine Einigkeit erholten. Es hat uns gerettet. Im Sinn« dieser Verfasiung müssen wir meiter wirken und schaffen, jeder an seinem Platze. Gewiß, wir sich» unzufrieden, daß heute der 11. August noch nicht gesetzlicher Nationalfeiertag ist. Arbesten wir, die Schwankenden zu über- zeugen, bekennen wir aber auch offen: die Parteien, die den 11. August als Feiertag ablehnen, gehören nicht in «ine Regierung der deutschen Republik. In der Frag« der Republik, in der Frage ber Reichsfahn« Schmarzrotgold gibt es kein Zögern, Zaudern und Schwanken. Da gibt es nur ein Für oder Gegen, Ja oder Nein. Von Jahr zu Jahr setzt sich die Republik mehr durch Reißt die Säumigen mit! Eure unermeßliche Zahl beweist, daß der Gedanke der Republik, di« Idee der Demokratie, unüberwindbar ist. Das deutsche Volk, die deutsche Republik, sie leben hoch!* „Einigkeit und Recht und Freiheit* ertönt. Immer wieder mar die Ansprach« des Minister» von stürmischer Zustimmung unter- brachen worden, und besonders, als er betonte, daß unser Volk die Erhebung des 11. Augich zum Nationalfeiertag verlangt, war der Beifall stark. Kurze Anweisungen für den Fackelzug erließ nun der Gauvorstond, und dann bot sich dem Beschauer«in Bild, wie er es in dieser imponierenden Größe wähl niemals gesehen hat. Oer Fackelzug begann, und vam Schlaffe au« ergoß sich ein Flammen- ström durch die Linden zum Platz de? Republik. Männer und Frauen he» Volkes, alte Leute und Jungen« und Mädchen von 10 oder 17 Jahren, die eben von der Arbett gekommen waren, hotten sich eingereiht. Ein« Wallfahrt der Hunde rttausend, die, mit der Fackel in der Hand und republikanische Kämpflieder auf den Lippen, herunterzogen, um vor der Kroll-Oper den Führern zu sagen: Wenn ihr RepubNkancr seid und nach republikcmisch-demokrati. scher Ueberzeugung schallet und waltet, dann halten wir. das republikanische verlin. zu euch. Es war ein einmütiges Gelöbnis: Es lebe die RepubliN Auch eine Verfassungsrede. Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle: Am Werner- Siemen s-Rcolgpmnasium zu Schöneberg, dessen Schüler- schaft republikanisch ist, hat eine etwas sonderbare Verfassungsseier stattgefunden. Die Schülerschaft hatte aus eigenen Mitteln ein E b e r t- B i l d angeschafft und es der Schule übergeben. Die Fest- rede indessen entsprach nicht den Erwartungen. Der Herr feierte den Turnvater John und erwähnte nicht«in einziges Mal die deutsche Republik und deren Symbole. Dieser Vorgang erregte einige Schüler so, daß es zu einem kleinen Skandal kam. Auch das Poulsen-Realgymnasium in Steglitz (die Schule der Rathenau-Mörder), war bemüht, die Bedeutung des Tages zu unterdrücken. Di« Vorträge des Direktors und des Festredners vermieden mit großer Aengstlichkeit das Wart „Republik*. Den Namen Ebert hier auszusprechen wäre straf- würdig. Zu der Buchprönne der Stadt Berlin, einem Buch über „Frieden*, sagte der Redner:„Was hieße Frieden, wenn die an- deren Länder nichts von Frieden wissen wollen!* Unter diesem Geist ist es verständlich, daß rechtsgerichtete Schülerverbindungcn ihre Abzeichen offen zur Schau tragen dürfen, Das Hans der„F u n k st u n d«* in der Potsdamer Straße und das Postamt E 7g am Hockesche» Markt hoben, wovon wir uns selbst überzeugen kannten, nicht geflaggt. Wie uns mitgeteilt worden ist, hat der Vorsteher des Postamtes C78 eine Anfrage aus dem Publikum wegen der Richtbeflaggung dahingehend beantwortet, daß da« ihm unterstellt« Postamt„keine schwarzrot- goldene Fahne besitze*! Ist das bei der Funkstunde, durch die die Verfaffungsfeier aus dem Reichstag übertragen wurde, etwa auch der Fall? Dos Haus in der Potsdamer Straße gehört der R c i ch s- rundfunkoescllfchaft, die anläßlich des Fesstages ihre An- gestellten seit Mittag beurlaubt hat. Warum ist auf die Befloggung de« Gebäudes verzichtet worden? Zlaggenräuber. Es gibt immer noch Leute, die sich darüber ärgern, daß der Verfossungstag in Berlin festliches Willkommen sindet. Einigen dieser Uebelgesinnten, vermutlich Kommunisten, hotten es die fchmorzrotgoldenen Fahnen angetan. Ein Leser berichtet uns. daß in der Rocht vom Freitag zum Sonnabend«in Trupp junger Bur- schen durch die Leu sseist raße in Moabit zog, und mit«vem Strick all« erreichbaren Fahnen von den Balkonen riß. Spitzel- Wirtschaft und Flaggendiebstähl, es paßt alle« zusammen. Die verfaffungsfeier In Potsdam. Die Berfoffungsfeier der. Stobt Potsdam nahm unter An- mesenheit der Spitzen der Behörden im Garten des Etablissements Sanssouci eindrucksvollen Verlauf. Man sah Oberbür- germeister n. Z i tz e w i tz, auch Offiziere der Reichswehr und der Schutzpolizei. Garten und Vorplatz waren überfüllt. Oberpräsident Dr. Mayer hielt die Festrede.„Der Geist von Weimar und der Geist von Potsdam verfolgen schließ- lich die gleichen Ziele: eine freie Unterordnung des Einzelnen unter den Staat zur gemeinsamen Arbeit. Er schloß mit einem Hoch auf die deutsche Republik. Hierauf erfolgte ge- meinsamer Gesang des Deutschlandliedes. Man sah neben schwarz- rotgold auch die Preußensarben. Aje Aachi nach dem Äermi. 32) �oman von Liam O'Klaherty. (Aus dem Englischen übersetzt von K. Hause?.) Aber Typo war nicht empfindsam. Für ihn war die Straße mit ihrem Schmutz und Dreck ein scharfer Anreiz seines Appetits auf ein wildes Gelage. Er schritt schnell aus. Er sprang von einem Haufen zum andern, bald mit einem Fluch ausgleitend bald nach einem aus irgendeinem Mauerstück ragenden Ziegel greifend, um sich im Gleichgewicht zu halten. Hin und wieder hörte er ein„St" von der gegenüber- liegenden Mauerseite, wo Frauen, alt und zerstört, den Schutz der Dunkelheit suchten, damit nicht das trunkene Auge irgendeines rabiaten Burschen, der in seiner Verrücktheit noch solch ein Vergnügen suchte, durch ihre oerwüstete Ge- stolt abgeschreckt werde. Djese Geräuschc. das Gekrächz ver- dommter Seelen, Klänge, die dem unschuldigen Gemüt so ungeheuer gräßlich scheinen, machten auf Gypo keinen Ein- druck. Für ibn waren das einfach Geräusche wie ander« Er- schemungen des täglichen Lebens. Einmol erkannt« er eine der Frauen, die einen Schritt näher trat und mit der runzeligen Hand die Augen be- schottete um ihn besser betrachten zu können. Er fluchte:„Ho5 dich der Teufel. Maggie Easey. So was lebt noch!" Er gluckste vor Lochen, al» er ihre lästernd« Antwort hörte. Als er sich dem anderen Ende der Straße nähert«, nahmen die Geräusche zu. Cr hörte Flüstern und Tuscheln, Fetzen eine? fernen Gesanges, den Klang von Schritten und ein paar Takte Musik. Diese Töne wirkten wie Schlachtrufe auf ihn. Er fing fast an zu rennen, als er allmählich dem Bereich der Töne noker kam. Endlich stürzte er durch ein altes Tor und befand sich in der nächsten Straße. Der Wirrwarr von Tönen war rings um ihn. Links von ihm erstreckten sich die langen, schmalen Straßen der Bordelle.� Sie waren wie Maschen eingewebt in die Ruinen der Häuser, die«inst Wohnstötten des Adels im Dublin des achtzehnten Jahrhunderts gewesen waren. Er befand sich in einer engen Straß« non einstöckigen Häusern. Einige hatten grüne venezianische Jalousien vor den Fenstern, ihre Pforten öffneten sich weit, Lichter brannten in allen vorderen Fenstern der Erdgeschosse. Aber die Straße selbst lag dunkel im nieselnden Regen da. Ab und zu huschte eine Frau norüber, Männer gingen unentschlossen umher. Die Straße sah düster und verlassen aus, aber aus den Häusern ertönte ein Wirrwarr fröhlicher Klänge. Gypo schaute einen Augenblick gespannt umher. Dann ging er langsam die Straße hinunter und besah sich im Bor- beigchen genau jedes Haus. Er wußte, daß Katie Fox jetzt schon bei Biddy Burke sein mußte. Deren Haus log drüben auf der anderen Seite. Er wollte in dieser Nacht nicht hin- gehen. Es war ein obskurer Ort, der von Revolutionären und Verbrechern aus dem Proletariat besucht wurde. Die Weiber, die dort verkehrten, waren eine häßliche, schlecht- gekleidete, versoffene Gesellschaft. Er mar dort sehr bekannt und kannte selbst olle Frauen. Nur Bier wurde ausgeschenkt, und selbst dies mar dünn und sa widerlich, daß man glaubte, Rizinusöl zu trinken. Je mehr einer trank, desto durstiger wurde er. Einen Schilling pro Glas für so ein Gisit Uff! Fort mit Biddy Burke und Katie Fox und Sligo Cissie und den übrigen! Heut nacht wollte er irgendwohin gehen, wo man ihn nicht kannte. Er wollte unter schönen tfrouen sein. Fremdartigen schönen Frauen, in Seide ge- kleidet! Tollen Weibern! Weibern mit dunklen, blitzenden Augen und scharfen, weißen Zähnen! Ho! Toll wollte er werden. Feuer rollte in seinem Blut, seine Hände zuckten danach. Berge umzureißen. Eimerweise würde er Schnaps trinken. Er würde den unermeßlichen Kräftenarrat seines Körpers erschöpfen. Schon fühlte er einen Drang, mit dem Kopf gegen die Mauern zu rennen. oechs Monate long war er als Bettler herumgelaufen: jedes Vergnügen war ihm abgeschnitten: auf Katie Fox' Gnade war er angemiesen. Pfui Teufel! Sie schien ihm nicht mehr reizvoll, dieser Knvchensack. der an nichts als Gifte dacht«. Ohne zu denken, schwer atmend, erhitzt, erregt. Äs ob er Chloroform einatmete, taumelte er plötzlich durch eine Haus- liir. Er stand in einem langen, dunklen Vorraum. Ein paar Meier weiter den Flur entlang konnte er durch eine qe- schlössen« Tür hindurch, aus der Lichtschimmer drang, Ge- lächter und den Gesang von Betrunkenen hören. Er schritt auf die Tür zu und versuchte die Klint« herunterzudrücken. aber die Tür mar nerriegelt. Fast augenblicklich wurde e« still. Mit seinem Stiefel hämmerte er mehrmals gegen die Tür. Eine Frauenstimme fragte böse:„Wer ist da?* Gypo brüllte:„Mach' die Tür auf und sieh nach!" Eine heisere Männerstimme sagte:„Wart' einen Augen- blick, Betty, laß mich mal raus." Man hörte Schurren und Flüstern. Jemand anders sagte:„Bleib' schön hier." Dann wurde der Riegel weggezogen und die Klinke vor- sichtig niedergedrückt. Die Tür öffnete sich langsam um einige Zoll. Gypo beobachtete diese Borgänge nervös und ärgerlich. Schließlich schrie er:„Los, los! Was sollen diese Affen- tricks? Warum sperrst du die Tür nicht auf und gehst mit deiner Fresse aus dem Weg?" Schnell wie eine Katze schlüpfte ein Mann aus der Tür. Mit dem Rücken gegen die Tür und der Hand in der aufge- blähten Jackcntasche stellte er sich Gypo entgegen. Er war mit der Absicht herausgestürzt. Gypo mit dem Totschläger, den er bei sich trug, zu verbleuen, aber als er sah, mit welch einem Kunden er es zu tun hatte, sank ihm sein Kinn herunter. Gypo starrte den Kerl böse an. Wütend fauchte er: „Zllso du bist der Lude." Ein kurzes Schnaufen, dann schoß seine rechte Hand nor und packte den Zuhälter an der Gurgel. Der japste. Seine rechte Hand ließ den Totschläger fallen, und mit beiden Händen griff er noch oben, um die Riesenpranke, die seinen Hals umklammerte, fasten zu können. Er keuchte: „Laß mich los." Aber Gypo schleuderte ihn verächtlich von der Tür weg, so daß er im Dunkel des Flurs der Länge nach hinschlug. Mit einem Stoß semer Schulter ließ Gyvo dann die Tür weit aus- fliegen und stampfte, mit den Augen zwinkernd, in das Zimmer. Es war sehr groß und voller Leute. Der Fußboden mar aus Stein, auf einem großen offenen Feuerplatz brannte auf einem mächtigen Rost mit dampfenden Kefleln an den Seiten ein riesiges Tvrffeuer. Eine Anrichte war beladen mit blitzen- dem Deister Geschirr in ollen Farben. Die Zimmerdecke war weiß gekÄkt und hoch. Die Wände waren mit Bildern be- deckt, obszönen Darstellungen non Fronen in allen Graden der Entblößung, darauf berechnet, bei den männlichen B«- schauern Lüsternheit zu wecken. Alles im Zimmer war außer- ordenlich sauber, die Luft aber warm und dick von der inten- sinen Glut des Feuers, dem aus Parfüm und«lkvhvl ge- mischten Dunst. (Fortsetzung folgt.) Nie Feier in der Krolloper. Das Jiciäf, Preußen und Berlin ehrt die Republik. Das Bezlrk?aml?r?«!d?lch«hain hatte wr dte Llhülir um» FortbUdunasschüler des Bezirks s Feiern veranstaltet, an denen insgesamt über 10 000 Kinder teilnahmen. Die Feiern»er- liefen sämtlich würdig und harmonisch.— Nachmittags zogen die Kinder dieses Bezirks' vom Baltenplatz und vom Landsberger Platz zum Stadion im Friedrichshaiu, wo die einzelnen Schulen um die vom Bezirksamt gestifteten Wanderpreise rangen.— Aus dem .Kinderfest des Bezirksamtes Prenzlauer Berg aus dem ehemaligen Exerzierplatz tummelten sich Tausendc von K'm- dern und kämpften im fröhlichen Spiel um die vom Bezirksamt aus- gesetzten Bücher, Spiel- und Sportsachcn. Den Abschluß dieser lustigsten und fröhlichsten Verfassungsfeier bildete ein Fackelzug der Kinder.— Die vorgesehenen Sportveranstaltungen auf dem Sport- platz an der einsamen Pappel, im Tiergarten und im Friedrick) shain sowie die Volkstanzvorsührungen des märki- fchen Tanzbewegungskreises im Treptower Park zeigten die Arbeit und die Leistungen der beteiligten Vereine und fanden viel« inter- cssierte Zuschauer. In Neukölln veranstalteten sämtliche Schulen— von der Kemeindeschule über die Mittel-, höheren, Fortbildungs- und Han- delsschulen— eine gemeinsame Feier im Volkspark am Tem- pechofer Feld. Mit Ausnahme von dreien waren alle Schulen und Schularten des Bezirks beteiligt. Die Feier nahm einen erhebenden Verlauf. Rektor Eckardts hielt die Festansprache. Musikalische Dar- bietungen, besonders Masiengesang, umrahmten sie. Törichte Ver- suche kommunistischer Jugendlicher, das Fest der Republik zu stören, wurden von der begeisterten Menge von Kindern und Lehrern bald übertönt und unwirksam gemacht. Der Verlauf der Veranstaltung zeigte, daß die Gemeinschaftsidee auch die Isolierung der Schul- insteme überwindet. Bei den gestrigen Vormittags-Schulkundgebungen im Lust- garten handelt es sich um ein« Veranstaltung des Bezirks Milte und nicht, wie irrtümlich angegeben, um eine Feier des Bezirks Wedding. Di« Mitglieder de« Berliner AfA-Bunde« folgten gestern der Ginladung ihres Borstandes zur Verfasiungsfeier im festlich ge- schmückten Konzertsaal der Hochschule für Musik in Char- lottenburg. « Das große Deutschkand-Feu erwerk auf der Grunewald-Rena- bahn, veranstaltet von den Pyrotechnischen Fabriken Deutschlands. oersammelte gestern abend etwa 50 000 Besucher, die, einem Völkerstrom gleich, das Stadiongebiet an der Heerstraße überfluteten. Das blendende Schauspiel nahm einen imposanten"Verlauf, de? die begeisterten Massen wiederholt zu lauten Beifallskundgebungen binriß. Um 9 Uhr verkündeten drei Salutschüsse den Deginn des Feuerwerks, dessen einzelne Fronten«ine Ausdehnung von zirka 200 bis 250 Meter hatten. Zunächst wurde ein Feuerwerk„Unter dem Reichsadler� gezeigt, und goldene Riesengorben stellten ein mächtiges Aehrenfeld dar, über das sich beschützend der deutsche Reichsadler erhob. Die zweit« Front„Der K u n st geweiht� zeigte einen 15 Meter hohen silbernen Wasserfall, von dem links und rechts die Porträts Wagners und Beethovens mit golenen Lyren aufleuchteten. Es folgte dann zu Ehren des Turnvaters Jahn dessen Riesenporträt mit dem feurigen Turnerzeichen, mit Diskuswerfern und Fußballspielern. Besonders interesiant ge- stalteten sich die Raketenexperimente, bei der Feuerkugeln bis zu 3 Meter Umfang selbsttätig aufstiegen. Den Schluß bildete eine Front„Deutschland, Deutschland über alles', das die Porträts der Reichspräsidenten E b e r t �und v. Hindenburg zeigte, während in der Mitte in feuriger Schrift die Worte„Alles für dos Vater- land' aufleuchteten. Mit einem Feuerregen und dem Aufleuchten de« ganzen Gnmewaldhalbkreifes schloß die gelungenck Veranstaltung. Ltnfalt eines Leerzuegs. Zvei Hauptgleise auf der Potsdamer Bahn gesperrt. Vou einer empfindlichen Betriebsstörung wurde gestern der Zugverkehr Potsdamer vahnho f— Z o s s e n bezw. der elektrische Vorortverkehr nach Lichters elde-Osi in beiden Richtungen betroffen. Di« Ursache dieser Störung die wahrscheinlich mehrere Tage dauern dürfte. Hegt in der Entgleisung der Lokomotive und des Packwagens eines leeren Personenzuges. Der Unfall ereignete sich gegen 15 Uhr zwischen den Stationen Vorkstraße und Potsdamer Bahnhof. Der Personenzug Nr. 907 fuhr fahrplanmäßig auf das Kehrgleis. Aus bisher noch ungeklärter Ur- fache fuhr die Lokomotive sehr heftig g.gen den Prellbock. Die Maschine und der Packwagen entgleisten dabei und blieben an den vrückenkrägern der Ueberführung, die über das Verbindungsgleis Potsdamer- Anhalter' Bahnhof führt, hangen. Das Zugpersonal konnte sich durch Slbfpringen rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das unter der Ueberführung liegende Berbindungsgleis wurde sofort gesperrt, da jeden Augenblick ein Absturz der Loto- motio« und des Packwagens befürchtet werden mußte. Eine größere Arbeitskolonne wurde an die Unfallstelle entsandt, doch war es un- möglich, das Gleis freizumachen. Die Arbeiten werden vermutlich, wie die Reichsbahndirektion mitteilt, noch mehrer« Tage in Anspruch nehmen. Da beide Hauptgleise gesperrt werden mußten, wurden die an- kommenden Vorortzüge vom Bahnhof Varkstraße zurückgeleitet. Die Reisenden, die vom Potsdamer Bahnhof nach Lichterfelde-Ost fahren wollten, mußten die Ringbahn bis Papestroße benutzen und dort umsteigen. Ems halbe Million unierfchlagen. <5in ungetreuer Oberzahlmeister bei der Kommandantur. Die General st aaksanwaltschafk des Landgerichts I beschäftigt sich seit einigen Tagen mit einer aufsehenerregenden Unter- Ichlagung beim Mirtschastsamt der ktommandanknr Berlin. Nach den nock» im Gonge befindliehen Ermittlungen ist schon jetzt ein Fehlbetrag von etwa SCO 000 Mark stltgestelli worden De- Ichuldigt wird in erster Reihe, diese Unterschlagungen begaben zu haben, der bei dem Wirtschaftsamt tätige Oberzahlnietster Martin. In d'e Unters'Wagung saffäre ist außerdem der vorgeietzte Inspektor Martins, ein Beamter, der erst vor kurzem sein öOiährigee Dienst- fublläum gefeiert hat, verwickelt. Die Unterschlagungen erstrecken sich auf«inen längeren Zeitraum und sin» kürzlich zur Ausdeckung gelangt, als«ine Rechnung über 170 000 Mark auftauchte, die bezahlt werden sollte. Es handelte sich dabei um angebliche An- schostungen von Sätteln, Zaumzeug und Lespannungsarti'el für«in Neichsmeh'.regiment. Es konnte nicht ermittelt werden, an wen das Geld bezahl! morden sei und die Kommandantur veranlaß!« eine sofortige Untersuchung. Der für die Ermittlungen der in Frag« kommenden Regimenter geschickte Diolsionsschrerbe: konnte nichts fest- stellen und setzle seine Nachforschungen beim Wirtschaftsamt selbst fort. Dabei stieß er auf sortgosehie llnregelmäßigkeiken in den Kastenbelegeo. Der Oberzahlmeister Martin hatte sich, als die Er- mittlungen einsetzten, wegen Nervenzusammenbruches in«in Sana- torwm begeben. Auch der alte Inspektor soll vorschützen, daß er sich wegen Geistesschwäche an nichts erinnern könne. Martin soll seit Jahren sehr große Geldausgaben ge- macht haben. Insbesondere soll er ungeheuer große Rennwetten bei Buchmachern abgeschlossen haben. Täglich soll er mehrere Tausend Mark in französische Rennen geweitet haben, wobei er grundsätzlich immer Außenseiter wählte. Die Verfassnngsfeier, die am Abend von der Reichsregierung, der preußischen Stoatsregierung und der Stadt Berlin gemeinsam in der Staatsoper am Platz der Republik veranstaltet wurde, erhielt durch den Schmuck des Theaters einen sestlichen Rahmen. Die Bühne, auf der der Kittelsche Chor, der durch Knaben des Staats- und Domchors verstärkt worden war, sowie das Ber- liner Philharmonische Orchester und das Berliner Symphonie« orchcfter Platz gefunden hatten, war mit Tuchdraperien ausgeschlagen worden, und an der Hinteren Wand war der stilisierte Reichs- adler mit schwarzrotgoldenen, schwarzweißen und rotweißen Fahnen angebracht. Die Brüstungen des ersten Ranges hatten ebenso wie die der Bühne durch Blumengirlanden eine geschmack- volle Ausschmückung erfahren, und an der Rückwand der oberen Ränge zogen sich wiederum Draperien aus schwarzrotgoldenem Fahnentuch entlang. Im ersten Rang und den Logen hatten die Mitglieder der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und des Berliner Magistrat» Platz genommen, im Parkett sah man prominente Persönlichkeiten der Kunst, Wisienschaft und der Politik. Di« Feier begann mit dem Conc«rto«roz,ofur Streichorchester von Händel, das die vereinigten philharmonischen und Symphonieorchester unter Leitung des Dirigenten Dr. Wilhelm Furtwängler zu Gehör brachten. Sodann folgte der Gesang des 150. Psalms für Chor, Soli und Orchester von A. Bruckner, der vom Kittelschen Chor unter Mitwirkung der Solistin Fron Lotte Leonard vorgetragen wurde. Hierauf ergriff Oberbürgermeister Dr. Roß. da« Wort zu feiner Festrede. De? Oberbürgermsist« führte etwa folgendes ans: Das ist ein selten» Feiertag, wie ihn das Reich, wie ihn B«lln auch in alten Tagen nie gesehen hat. 17 000 jkinder hatten sich heute morgen in der Hasenheide auf dem ollen Turnplatz Ludwig Jahns zusammengesunden, um den Vorkämpf« des großdeutschen Ge- dankens zu feiern und der deutschen Republik ihre Huldigung darzu- bringen. Heb« dem festlichen Berlin klangen die Glocken der Kirchen von über 400000 katholischen Mitbürgern. Ungeheure Menschenmengen bewegten sich nach dem Lustgarten und dem Platz der Republik, um dem Fackelzug, an dem etwa 32 000 Personen teilnahmen, anzuschauen. Wir bauen eine neue Well, nicht nur für uns« Volk, sondern auch für die Völker der ganzen Welt. Unwillkürlich richtet sich der Blick zurück auf das, was hinter uns liegt und vorwärts in die Zu- kunft, die besser sein muß. Hinter uns liegt ein Weltkrieg, der über die Angehörigen zahlreicher Völker und nicht zuletzt über das unsrige unendliches Leid gebracht hat, und besten politischen und wirtschaftlichen Einflüsten sich kein Bolk der Well zu entziehen ver- macht hat. Hinter uns liegt eine Nachkriegszeit, die das deutsche Volk in Not und Gefahren stürzte, welche diejenigen des Krieges fast noch übertrafen. Wimchaben getragen, was uns ein unerbittliches Schicksal, das eigene und fremde Schuld uns auferleg. ten. Wir haben Männer gefunden als Führer des Volke«, Männer aus dem Volk, die unbekümmert um das Urteil der Welt und eines großen Teiles des eigenen Volkes sich für den Staat opferbereit ein- setzten, ja Gesundheit und Leben hingaben für uns olle. Erz berget, Rakhenau, Eberl— Ehre ihrem Andenkenk Wir haben heut««inen Führ« an der Spitze der deutschen Republik, unseren Reichspräsidenten v. Hindenburg, zu dem wir aufschauen in Liebe und Verehrung und Dankbarkeit. Millen im Werden, mitten in den Unruhen der Nationen un- seres Erdballes und Nachwehen und Wirkungen des Weltkrieges steht das deutsche Bolk heute ohne Wehr und Waffen in doch hochgeachteter Stellung. Wir wirken und streben in friedlicher Arbeit. Unser Dasein wollen wir festigen, mit den übrigen Völkern zusammenarbeiten, für ein Bestehen aller auf dem Boden von Zivilisation und Kultur. Wir haben ein neues Reich aufgebaut, wir haben das olle nicht zerstört, wir setzen das Werk Bismarcks fort. Unbefangen haben wir fremde Völker aufgesucht, wir haben gelernt und gearbeitet, um würdig in den Kreis der Völker wieder eintreten zu können. Wir sind heute so weit, daß andere uns wieder aufsuchen, daß andere wieder von uns lernen wollen und wir freuen un» dieser Tatsache. Wir pflegen unsere Bolkskrast, wir pflegen den Sport und die Leibesübungen und freuen uns heute von ganzem Herzen der Siege, die unsere Vertreter in Amsterdam errungen haben, und durch die sie dem deutschen Namen zn Ehre und Ansehen verholfen haben. Bor 9 Jahren wurde die Verfassung in Weimar geschaffen. Der Geist von Weimar, der Geist unserer Großen war über den Ein neuer Fall Langkoop. Wieder ein Zwischenfall im Reichsentschädignngsamt. Einen Beweis dafür, daß die Trörterungen zum Fall Lang- k o o p die Entschädigungsberechtigten noch nickt restlos davon über. zeugt haben, daß die Mißstände, über die sie teilweise mit Recht. teilweise auch zu Unrecht klagen, nicht auf die Arbeit des Reichs- enffchädigungsamtes,' sondern auf die in dieser Sache teilweise mangelhafte Gesetzgebung zurückzuführen sind, bildet ein neuer Zwischen fall, der sich dieser Tage, wie jetzt erst bekani� wird, im Reichsentschädigungsamt Berlin-Friedenau zugetragen hat. Der Geschädigte Ringelmann.der den Beamten des Reichs- entschädigungsamtes schon seit langem als sehr aufgeregter Besucher der Behörde bekannt ist und gegen den auch wegen einer früheren Drohung, er werde dafür sorgen, daß die ganze Bude in Grulld und Boden fliege,«in Strafverfahren schwebt, hat dieser Tage in der Auskunftstelle des AiWes vorgesprochen und in angeheitertem Zustande Fortermigen aufgestellt, die der Auskunftbeamte natür- lich nicht erfüllen konnte. Die Erregung Ringelmanns nahm eine Form an, die den Beamten dazu zmanq, zu erklären, daß Ringel- mann oder er, der Beamte, das Bureau verlassen wüste. Da Ringel- mann erwiderte, nicht von der Stelle weichen zu wallen, verließ der Beamte den Raum. Ringelmann stürzte ihm nach, zertrümmerte eine Türfüllung und schlug mit den Fäusten auf den Beamten,«inen Ministerialamtmonn,«in, dessen Brille dabei in Stücke ging. Der Beamte hat weiter keinen törper- lichen Schaden davongetragen Mit Hilfe der Polizei mußte Ringel- mann weggebracht werden. Wie wir weiter erfahren, wird das Reichsentschädigungsamt in nächster Zeit durch eine Anzahl aktiver'Beamter, d'« ihm von der vorgesetzten Behörde, dem Reichsfinanzministerium, zugewiesen wer- den, Berstorkunpen des Beamtenkörpers erfahren, damit die Aviroge der Geschädigten schneller aüfgegrbe-tct weiten können. Vertretern des deutschen Volkes und üb« ihr« Arbetr.(S* Maren damals schlimme Zeiten in unserem Daterlande, und wir haben nicht vergessen, daß die politische Klugheit, die Ein- suhl und Besonnenheit unseres Friedrich Eberl damals dos denffche Volt vor nngehenrem Unglück bewahrt hak und wir wollen es ihm danken, wenn es uns einst best« gehl nnd auch heute schon, wo wir den Kopf wieder heben. Ich erinnere mich so gut des Tages End« November 1918, an dem im Berliner Mogistrat bekannt wurde, daß eines seiner Mitglieder, der frühere Stadtverordnete und Stadtrot Dr. Hugo Preuß zum Reichsinnenminister ernannt worden war und daß ihm die hohcjluf- gäbe, die neue Berfastung zu schaffen, zuteil wurde. Die Staat Berlin ist stolz darauf, daß der Mann, dem die Bearbeitung der. deutschen Versastung anvertraut wurde, zu den ihrigen gehörte. Wir haben heute wahrlich alle Ursach«, den denkwürdigen Tag von 1919 festlich zu begehen. Wir Deutsche sind Republikaner, und wir wollenes sein, wirsollen es sein, und wir werden es sein. Wir wünschen keinen Kampf um die Republik in deutschen Landen. Wir wollen nicht, daß der Arbeiter und d« Angestellte für Schwarzrotgold, der Arbeitgeber und Unternehmer dagegen ist, wir wollen nicht, das der akademisch Gebildete gegen Schwarzrotgold und der nicht akademisch Gebildete für Schwarzrot- gald fft. Wir brauchen«in starkes und unerschütterliches Fundament in unserer Berfastung, wir haben sie gebaut, und das Fundament wird hallen! Noch immer liegen dunkle Wolken über dem Geschick unseres Vaterlandes, noch immer stehen fremd« Truppen am Rhein und an der Saar. Wir grüßen die Männer und Frauen am Rhein und an der Saar, wir grüßen sie. die stehen zu ihrem deutschen Volkstum und auf den Tag warten, an dem sie uns wieder ganz angehören werden. Der erste O t t o b e r fft. nahe, der dem deutschen Volk« neue Lasten auferlegen soll. Wir fragen die Well, muß es Völker geben, die ander« Völker in dm politische und wirtschaftliche Sklaverei führen, muß es Volk« geben. die herrschen, und Völker, die unterdrückt werden, kann und darf ein Volk niedergehalten werden, das an Kultur und Kraft upd Leistung dem andern ebenbürtig ist? Wir dürfe« mit gutem Recht an die Gerech klgkeU d» Krüzen Well appellieren und fordern, daß uns Freiheit in Mrstchaff und Politik und Kultur gegeben wird. Oberbürgermeister Böß schloß seine Ausführungen mir ein«» Hoch auf das deutsche Voll, die Republik und den Reichspräsidenten, in das die Versammlung begeistert einstimmtet Nach langanhaltendem Beifall wurde dann d« von Wilhelm v. Baußnern anläßlich d« Dersastungsfeier komponierte chymnus für Orchest« mit Schlußchor unter der Leitung des Komponfften zum Vortrag gebracht. Das Werk leitet in das Deutschlandlied über, bei besten Klängen sich die Versammelten von den Platzen erhoben und die dritte Strophe mitsangen. Die Mitglied« der Regierung und die Festgäste nahmen dann auf der Tribüne vor dem Moltke-Denkmal den Vorbeimarsch des Fackelzuges entgegen. Danach fand ein geselliges Leit- fammenfein in den Festräumen und auf den Terrassen d« Krotl' Oper statt. Auf dem platz der Republik. Stundenlang stehen die Menschen, um das große Schauspiel des Abends zu bewundern, wachsen von Tausenden zu Zehn-, zu Hunderttausenden. Durch die Stille des Abends tönt Glockengeläute. Da flammt es auf dem Platz der Republik ou-, große Scheinwerfer treten in Tätigkeit. Die Kuppel des Reichstag's nach d« Westseite leuchtet golden auf, das ganze Gebäude tritt in seiner klaren Architektur in den Lichtpunkt des Auges. Schon tönen die ersten Klänge der Musik durch den Lichtdunst der starren Waldstraßen, die heute durch eine lebend« Mauer ge- säumt sind. Die Besucher der Krolloper treten auf die Tribünen. Da tauchen auch schon die ersten Fackeln aus dem Grün d-r Bäume aus, vom brausenden Hurrageschrei der Zuschauer begrüßt. Rotfeuer flammt auf und zieht in mächtigen Rauchwolken über den Platz, der jetzt im feenhaften, vielfarbigen Lichte erstrahlt. Die Mäste ist enthusiasmiert von diesem Anblick. Auf der mit den Farben der Republik ausgeschlagenen Tri- b ü n e haben die Behörden und die Ehrengäste Platz genommen. an ihrer Spitz« das Reichs- und preußische Staatsmlnisterium und die Berlin« Stadtverwaltung, der Reichskanzler Müller und Ministerpräsident Braun, L>b«bürgermeister Böß und alle die- jenigen Reichs- und Staatsminister, die augenblicklich in Verlin weilen. Der Zug. Voran eine Gruppe der Sozialistischen Ar- beiterjugend, dann das Reichsbanner, lebhast applau- diert. In stramm ausgerichteten Reihen ziehen sie vor den Ehren- gasten vorüber. Alles jubelt und winkt. Berlin feiert seinen Der- fassungstag... Internationale(Schecksälscher. betrogene Großbanken. Eine Bande von internallonalen Schecksälschern ist wieder in verschiedenen Großstädten, darunter auch in Berlin. mit mehr oder weniger Erfolg aufgetreten. Soweit es sich bisher feststellen ließ, besteht die Gesellschaft aus drei Manu. Die Gaun« gehen mit allem Raffinement zu Werke. Einige Tage vor dem persönlichen Erscheinen erhält die Bank, die geschröpt» werden soll, einen Avisbrief, in dem der abzuhebend« Betrag angekündigt wird. Kommt dann der Betrüg« selbst, so bringt er alle gewünschten Unterlagen bei, amtlich bescheinigts Unterschrist:" probe usw. Leider sind all« diese Dokumente gefälscht. Bei einer Züricher Bank legte ein Mann, d« sich Armand» N u s c o n i nannte, einen Scheck des Vanco di Roma über 65 8 0 0 Franken vor und erhielt die Summe ausbezahlt, da der Avisbrief die Richtigkeit zu bestätigen schien. Erst später wurden Scheck un d B r i e f als F ä l s ch u n g e n erkannt. Fast zu gleich« Zeit versuchte ein angeblicher Manuel Blanco Saenz in London sein Heil mit einem Scheck über 2 2 000 englische Pfund, hatte ober kein Glück. Einer Brüsseler Bank ging ein Avisbrief zu, in dem zur Einlösung eines Schecke über 675 000 belgische F r o n k e n aufgesordert wurde, dort ist ab« bisher ein Scheck noch nicht vorgelegt worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß d« Gauner. der in London abgewiesen wurde, auch Vrüstel heimsuchen wollte und durch den Mißerfolg in England stufig geworden fft. Auch Berlin fft von den Fälschern nicht verschont geblieben. Bei der Zweig- stelle einer Berliner Großbank legte ein Mann, d« sich C.« s a r O r t e l l i nannte und aus Bolioia stammen wollte, kurz vor B a n k s ch l u ß einen vorher avisierten Scheck über 122 OÜO Mark vor Man bedeutete ihm, daß er sich mit der Auszahlung bis 5 Uhr nachmittags gedulden müsse, da der Scheck erst geprüft werden sollte. Der Kunde geriet scheinbar in große Erregung und beklagt« sich über den langsamen G-t-bättsgang. Er k'am zu der lest gesetzten Z-v' nicht!>? de r, iinc eine Nochir-Ig- in seinem Hotel wl Zentrum ergab, daß er sißlevnsgst ans Berlin«bgereift war, ohne ein Ziel anzugeben. Ohne Zweifel handelt es sich um eine wodlorganisisrte Bande, die einen Stichtag für ihr Auftreten vorher vereinbart und einzelne Mitglieder ausschickt. , Während von dem in London aufgetauchten angeblichen Blaneo ' Saen� keine Beschreibung vorhanden ist,-liegen sie von Rusconi aus Zürich und Ort-lli aus Berlin vor. Rusconi ist etwa Zft bis 33 Jahr« alt, 1,65 Meter groß und schmächtig, hat olivemarbiges Gesicht mit kleinem Schwirrbart und twjr elegant gekleidet. Er machte den Ein- druck eines Ausländers. Ortelli ist 1,72 Meter groß und schlank, bat blondes, leicht gewelltes Haar, blaue Augen und sprach fließend spanisch, gebrochen französisch und anscheinend aar nicht deutich. Ilm den gefälschten Schecks noch einen größeren Schein der Echtheit m geben, hatten die Fälscher den Betrag mit einer Scheckschuß- Maschine eingestongt. Mitteilungen.�ur Aufkläning und über das Auftauchen der Schcckfälscher nimmt in Berlin Kriminalkommissar Kuppen, Dlenststeil« V. 1 im Polizeipräsidium entgegen. ! Das Tieh-Wollank-Oenkmal in Erkner. Enthüllung am 19. August? Am Sonntag, 19. August, werden Deputationen de? Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold aus dem gesamten Gau Berlin-Branden- bürg nach Erkner eilen, um dort auf dem Friedhof an der Ent. hullung eines Gedenksteins für die in Arensdorf gemordeten Käme- I raden Tietz und Wollank teilzunehmen. Das Denkmal ist nun auf dem Gelände der„Steimnetzhütte� in der Kiefholzstraße(gegenüber dem Krematorium) zur Besichtigung ausgestellt. Es hat sich streng an den Kauffmannschen Entwurf, den wir kürzlich im„Abend* wiedergaben, gehalten. Oberhalb des zwei Meter hohen Mittelteils ist der Reichsadler eingehauen und in den Farben Schwarz-Rot-Gold ausgemalt. Darunter folgt der in Bronze aufgelegte Text:.Gefallen in Arensdorf im freiwilligen Dienste für die Deutsche Republik. Errichtet vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Gau Berlln-Brandenburg.* Links und rechts vom Mittelteil befinden sich die 1,15 Meter hohen eigentlichen Gedenk- steine, links für Wollank, rechts für TIetz. Das Gesamtgewicht des aus bayerischem Muschelkalk hergestellten Denkmals beträgt etwa 25 Zentner. Die Feier am 19. August beginnt um 11 Uhr vormittags. Ministerpräsident a. D. Stelling wird die Rede hallen. Infolge de» knappen Platzes auf dem Friedhofe können nur Deputationen zng«> lassen werden. Ueberall Panorama. Welch ein Glück. Wenn auch nicht die sogenannte gute, wohl aber die gemütliche alte Zeit scheint wiederzukehren. Was man früher hier und da einzeln fände eine rheinische Winzerstube. ein ungarisches Gulofchlokal, ein Münchener Bräu, das und noch vieles andere soll jetzt unter einem Dach im umgebauten chause des Eafö Vaterland am Potsdamer Platz vereinigt werden. Freilich, wenn man den bald fertigen Bau betritt, dann sieht's -unächst gefährlich modern aus. Eine mächtige hohe und lichte Halle in bläulichen und silberigen Tönungen. Aber das ist glücklicher- weise nur vorübergehend. Das gemütliche Alte umfängt dich sofort mit weichen Armen: Zunächst sieht es aus wie«ine Theoterdeko- ration. Wer es ist ein wirtlicher richtiger Eingang zu einer echten Wiener Heurigen st übe. Innen Kugellampions, wein- berankte Lauben(der Meter vapiernes aber immerbin riesig echt wirkendes Rebengewinde 85 Pf.) und ein richtiges Diorama vom ewig schönen Wien. So täuschend echt, daß man meint, man könnte sofort aus dem grauslichen Berlin in das gemüatliche Wien hinein- spazieren. Run leuchten die Lichter von Wien auf, nun krabbelt eine winzig beleuchtete Straßenbahn über eine Brücke. Und es werden, wenn es mal so weit ist, echte Wiener Sänger echte Wiener Lieder singen. Dann kommt ein bayerisches Löwenbräu. Traulich bemalte Schemel, Decken, Wände künden die bayerische Eigenart. Und man wird echte Münchner Weißwurscht eisen können im Angesicht schneebedeckter Firnen. Die Berliner Wasserwerke werden dazu einen echten Gebirgsbach liefern und die Berliner Eick- trizitätsweike das echte Alpenglühen. Garantiert echt amerikanische Cowboystimmung wird es in einer Wildwestbar geben. Und das deutsche Reicbsqemüt wird oirs einer Terrasse über dem Rhein in patriotische Wallung geraten können. Man sitzt nichtsahnend. Plötz- lich verfinstert sich der Himmel, den man soeben nebst dein Rhein heiter vor sich sah Ein Gewitter groD. Regen pladdert. Armdicke Blibe zucken, in deren fahlen Leichenschein man fern die Loreley blassen Antlitzes zu sehen meint. Leiter hat man vergessen, den Kahn mit dem unseligen Fischer untergehen zu lassen. Aber das läßt sich wobl noch nachholen. Dann wird es wieder hell und ruhig fließet der Rhein. Und das alles in Berlin unter einem Dach im Jahre 1928. Unglaublich, aber wahr. .19 Jahre Feuerwehr io Neukölln. Im Juli tonnte Neukölln auf das fünfzigjährig» De- stehen seiner Feuerwehr zurückblicken, die unter der der- zeiligen Leitung von Branddirektor Podzschisch sich ollgemeiuen An- sehens erfreut. Im Jahre 1878. einer Zeit, in der man noch keine Verufswehr kannte und die Häuser nicht so massiv und gegen Brand geschützt waren wie heute, entstand in Rixdorf eine freiwillige Feuer- mehr. Uneigennützig waren ihre Mitglieder, die keine Opfer scheuten, sich Pferde und Wagen anzuschaffen und schnell dahin zu eilen, wo das Feuer Haus und Hof des Mitmenschen bedrohte. Im Juli 1903 feierte die Wehr chr 25jShriges Jubiläum unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung Rixdorfs, die damit denen ibren Dank zollte, die aus reiner Nächstenliebe ihr Leben wogten. Allmählich ging der Magistrat daran,«ine Berusswehr auszubauen, wie sie Schöne- berg iest 1895 hat. Erst im Johrc 1913 war Neuköllns Benifswehr soweit ausgebildet, daß die freiillige Wehr nach 3 5iöhrsgem segensreichen Wirken zurücktreten tonnte. Welche Bedeutung die freiwillige Wehr damals hatte, geht aus einem Ausspruch des Oberbürgermeisters Boddin hervor: Durch di« uneigennützige Tätigtest der freiwilligen Feuermehr wird es der Stadt möglich, jedes Jahr ein« Schule zu bauen.* Morphiumräuber... Ein wohl einzig dastehendes Verbrechen. Der M o r p h i n I ss siiehlk Geld, um sich sein g e> liebte? Gtft 1« verschaffen. Er bettelt aus Straßen und pläheu, nimmt Rezeptsormulare mit und fälscht die Rezepte, von einem vlorphiumraub eines Morphinisten hat man aber bis heule doch noch nichts gehört. 3n Leningrad fand sich so ein Morphiumräuber... Romanow war seit 8 Jahren Morphinist. Nach einer Ber- vundung an der Front begann es. Damals sollt« das Morphium ihm Linderung seiner Schmerzen bringen. So ge- wähnte er sich daran. In den letzten drei Iahren brauchte er zu- mindest ein Gramm pro Tag.?lm 12. Januar dieses Jahres war er ohne Geld und ohne Morphium. Do erschien er am frühen Morgen bei seinem Freund B o b r o w. Mit sich führte er«ine Aktenmappe, darin Revolver. Strick und Stemtneijen, eine elektrische Lampe, eine Flasche mst destilliertem Wasser und«in Metallkästchen mit einer Morphiumspritz« Seine Bitte lautet« kurz und bändig: Bobrow und dessen Zimmergenosse Rumjanzew möchten ihm zu Morphium verhelfen. Aber wie? Durch einen Raubübersall aus eine Apotheke. Nanu? Bobrow und Rumjanzew waren zwar erfahrene Einbrecher, doch um Morphium, für das sie selbst nichts übrig hatten, chr« Frei- heit zu riskieren, schien chnen doch ein wenig zu toll. Romanow machte ober«inen allzu kläglichen Eindruck. Cr bat und flehte. So willfahrten die Freunde seinem Wunsch«. Man begab sich in eine Apotheke: es waren da jedoch zu viel Verkäufer und auch zu viel Publikum. Dann ging man in ein« ander«, die etwas abseits lag, in einem Porort Leningrad«. Mit vorgestrecktem Revolver stürzte man hinein. Bobrow und Rumjanzew fesselten die beiden Zlpochekerangestelltvn und schlössen sie in dem Hinteren Zimmer ein. Romanow suchte während- dessen in den Fächern noch seinem geliebten Morphium. Er fand nur Heroin— ein Morphiumpräparat. Er holte seine Spritze hervor, füllte sie und spritzte sich an Orl und Stelle die Lösung ein. Inzwischen kamen Käufer in die Apotlieke. Romanow fertigte sie ab, als wäre er selbst der Apotheker. Zu seinem Un- glück mußte aber ausgerechnet in diesem Augenblick auch die F r o u des Apothekers hereingeschneit kommen. Romanow stellte sich als neuer Angestelkter vor. Die Frau aber schöpfte Verdacht, schlug Lärm, Romanow packte das Heroin und stürmt« da- von. Hinterher rannten seine beiden Komplicen. Alle drei wurden gefaßt und hatten sich vor Gericht zu verantworten. Was Romanpw in der Apotheke gewollt haste, war ohne weiteres ersichtlich. Er mußte sich Morphium verschaffen, koste es, was es wttll«, und er haste sich tatsächlich für längere Zett mit dem Gift e i n g e�> e ck t. Aber Bobrow und Rumjanzew? Di« hasten doch eigentlich.nur ein ideales Motiv, nämlich den Wunsch, ihrem Freunde jju helfen, in di« Apotheke geführt.„Nur aus Mitgefühl*, erklären sie vor Gericht,„hätten sie gehandelt. Romanow habe ihnen leid g�au.* So mußte das Gericht anerkennen. daß sie nicht aus Gewinnsucht gehandest hasten und daß desHall, für den eilten 1 H und für anderen 1 Jahr Gefängnis«ine ausreichend«„Sühne* s�u würde. Ueber Romanow er- klärten die Sachverständigen, daß«tz sein« Tat, vom Morphium- Hunger getrieben, begangen habe �und daß«r deshalb als per- mindertzurechnungsfähig gelten müsse. Da» Gericht ver- urteilte ihn zu zwei Iahren Gefängnis und zur zwang?- wessen Entziehungskur. Hoffentlich hilft sie! Gefälschte Krankenscheine. Aetnigsaaklage gegea einen achtzigjährigen Sanitatsrat. vi« Slaalsanwallfchafk aw Landgericht III hat jetzt ein sehr uwfangreiche» Ermlttluugsverfahreu gegen S perfo- neu abgeschlossen und Anklage wegen Uckuudeosät- s ch u u g und forlgesetzleu gemeiuschastlicheu Betruges uud velhilse erhoben. Bei dieser Anklage handelt« sich um Schädigungen der Berliner Ortskronkenkasse durch Eiu- reichung flugterler Rechnungen über augeblich verabfolgte Heilbäder. Als ein Hauptbeschuldigter ist der Badeanstallsbesitzer D i e d- rich Kiefer anzusprechen, der im Osten Berlins das.Samariter- bad* betreibt. In die Angelegenhest ist auch der über 80 Jahre alte Saniststsrat Dr. L. verwickelt. Die Letrügereieu wurden seil längerer Zeit systematisch betrieben und waren in recht raffinierter Weise in Szene gesetzt. Kiefer stand mst Mittelsleuten in Derbin- dung, die sich in den Besitz ordnungsmäßig ausgefertigter Kran- k e n I ch e i n e fetzten. Diese Sraukeuscheiue wurden von den Kassen- palienlen für kurze Zell ausgeliehen und dem Saultötsral Dr. L. vorgelegt, der sodann medizinische Heilbäder der oerjchiedenstco Art verordnete. Nach jeder derartigen Derordnung gelangten die Kran- kenscheine zu.Kiefer, der über di« angebliche Berabfalgung der Bäder«inen entsprechenden Vermerk machte. In einer Reihe von Fällen änderte der Badeanstaltsbesitzer die ärztlichen Verordnungen auch eigenmächtig ab und fälschte eine 2 in«ine 8 um. Auf diese Weise stellte Kieser der Krankenkasse mehr als 300 Heilbäder in Rech- nung und erhielt den liquidierten Betrag ausgezahlt. Schließlich fiel es jedoch auf, daß stets derselbe Arzt verhältnismäßig viel Bäder verordnete, und eingehende Nachforschungen, die angestellt wurden, führten zur Aufdeckung der Betrügereien. Sanitätsrat Dr. L. ist durch einen wegen Geisteskrank- heit entmündigten Alfred Walter in die Angelegenheit erst hineingezogen worden. Waller war mit Kiefer bekannt, nahm die Krankenscheine in Empfang und erschien bei dem Arzt unter dem Namen der Patienten, denen die Scheine gehörten. Er verstand es, den Arzt immer wieder zur Hergabe seiner Unterschrift zu veranlassen. Bereits im Jahre 1926 schwebte gegen Waller ein Verfahren wegen ähnlicher Betrügereien, und es tauchte schon da- mals im Laufe der Voruntersuchung der Name des Sanitätsrates auf. Zu einer Anklage gegen Dr. L. kam es aber nicht, und das Verfahren gegen Walter, der ja Inhaber des„Jagdscheines* war und strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte, mußte ebenfalls eingestellt werden. Die neue Betrugsankloge kommt in Kürze vor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin-Wedding zur Hauptoerhandlung. Ein Termin, der vor einiger Zeit angesetzt war, fiel der Vertagung anheim, da Dr. L. nicht zur Stell« war. Es ist auch setzt noch fraglich, ob der betagt« Sanitätsrat, der wegen seines hohen Alters sehr hinfällig ist, überhaupt in Moabit wird er- scheinen können. Neue Poftautoverbindunfl im Osten. Die Reichspost hat eine neue Äraftpostlinie, die ihren Ausgang am Bahichol� Mahlsdors nimmt und eine Verbindung mu Hönow, Seeberg, AU-Landsberg und den an der Wriezener Bahnstrecke gelegenen Orten Mebrow und Ahrensfelde herstellt, er- öffnet. Hiermst wird insbesondere einem dringenden Verkehrs- bedürfni» mst der schnell entwickelten Siedlung Hönow zur nächsten Bahnstation des Berliner Vorortnetzes abgeholfen, wie auch Mehrow der Wriezener Bahnstreck» nähergebracht wird. Darüber hinaus dürfte die neue Linie auch dem Ausflugsverkehr zugute kommen durch die Erfchlleßung des Hönower Kees und des benachbarten Ret-Sees. Di« Wagen fahren ab Bahnhof Mahlsdors an Werktagen 6.23 Uhr nach Mehrow, an 6.48: ab 7,53 nach Ahrens- ielde, an 8.30: ab 9.50 nach Alt-Landsberg, an 10.25; ab 16.53 nacki Mehrow, an 17.18: ab 17.53 nach Mehrow, an 18.18: ab 18.53 nach Ahrensfelde, an 19.30. Nach gleichem Fahrplan fahren Sonntags die Wagen ab Mahlsdors 6.23, 9.50 und 18.53: außerdem verkehren Sonntags ab Mahlsdorf die Wagen 8.23 noch Mehrow, an 8.48; 20.23 und 21.23 noch Hönow-Post, an 20.39 und 21.39. In entgegengesetzter Richtung fahren die Wagen nach Mahlsdors ab Hönow 6.01. an 6.17: ab Mehrow 6.52, an 7.17; ab Ahrensfelde 8.40, an 9.1? (nur Werktags): ab Mehrow 8.52 sährt dieser Wagen täglich, wester 16.10 ab Alt-Landsberg, an Mahlsdorf 16.45(nur Werktags): 17.22 und 18.22 ab Mehrow an 17.47 bzw. 18.47(berde nur Werktags): ob All-Landsberg 18.10, an 18.45(mir«onntags): 20.56 ab Hönow. an Mahlsdvrf 21.12(nur Sonntags). Außerdem fährt täglich ein Wagen ab Ahrensfelde 19.35 nach Hönow, an 19.56, der Sonntags nach Bahnhof Mahlsdors westersährt(an 20.12). Die Fahr- preise betragen ab Bahnhof Mahlsdors bis Straße am Rosenberg 20 Ps� bis Hönow, Mistelpunkt der Erde, 30 Pf., Hanow-Post 40 Pf., Seeberg 60 Pf.. All-Landsberg 85 Pf., Mehrow 60 Pf, Ahrensfelde 85 Pf., Ahrensfelde-Bahnhof 90 Pf. Geld her oder eine Kugel vor den Kopf! Er las Schundromane! Wegen versuchten Raubes, Nötigung und unbefugten Waffentragens mußte sich der zwanzigjährig« Kaufmann Kurt Ryhrmoser aus Nowowes vor dem Potsdamer Schöffengericht verantworten. Der Angeklagte, der Sohn eines Maklers aus Jnfterburg, stammt von einem Bater, der notorischer Säuser ist. Dep junge Mensch geriet in Romawes mst verschiedenen Freunden zu» jammen, die ihm Räuberromane und Schundliteratur schlimmster Sorte in die Hand spielten. Sein einziger Gedanke war, Geld in die Hand zu bekommen. Am 2. Juni, kurz nach 5 Uhr nach- mittags, ging der Angeklagte auf das Postamt und hielt dem dort diensttuenden Postassistenten Kraft ein Telegrammformular ent- gegen, aus dem die Worte standen:„Geld her oder eine Kugel vor dem Kopf.* Im selben Moment zog der Räuber auch schon einen Revolver aus der Tasche. Der Beamte schlug das Schallerfenster zu, eilte zu einem Fenster und schrie:„Hilfe, Räubert* Inzwischen ergriff der Täter die Flucht nach dem Schloßpark Babelsberg. Eine resolute Potsdamerin war ihm mit dem Rod« gefolgt, und mit Hilfe der Polizei gelang es, den Täter in Nowames in einem Friseurladen zu verhaften. Der Angeklagt« war voll geständig. Der Sachverständige fand keinerlei krankhaft» Störungen im Geisteeleben des Angeklagten vor. Das Gericht nahm versuchte schwere Erpressung und Nötigung an und ver- urteille den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu insgesamt einem Jahr drei Monaten Gefängnis bei teilweiser Strafaussetzung. Neue Ringttuie 8:»Nordriug". Zu den bereits bestehenden 7 Rirglinien der Berliner Straßen- bahn wird in Kür)« noch eine neue L i nie hinzukommen. Die bis jetzt von der See- Ecke Exerzierstraß« bis Bornholmer Straße Ecke Schönhauser Alle« fahrende Linie 8 wird zu einer Ring- l i n i e umgestaltet werden. Zu diesem Zwecke mußten neue Straßen- bahngselse vom Oskarplatz durch Cyristioniastraße, Bornholmer Srraße bis zur Schönhauser Allee gelegt werden. Die Gleisbau- arbeiten auf dieser Strecke sind vor ihrer Dollendung, so daß in ungefähr dvei Woche» mit der Inbetriebnahme der neuen Ringlinie gerechnet werden kann. Sie wird dm Nomen„Nordring* führen. Verbandstag der Buchbinder. merben. Den Rommunisten sei berboten morben, in hen Gemert schaften ehrlich mitzuarbeiten. Michaelis führt zum Beweise hierfür folgende Worte Bucharins vom legten Moskauer Weltkongreß an: Der Berbandstag in Düsseldorf lehnte in grundsätzlicher AbEs gibt Gemerffchaftsfunktionäre, die eine gute" Arbeit in turmung eine Beitragserhöhung mit großer Mehrheit ab, den Gewerkschaften leisten. Aber diese Gewerkschaftsarbeit ist eine auch bei gleichzeitiger Erhöhung der Unterstützungen. Die Vorlage fast sozialdemokratische Arbeit, während die spezifisch bol bes Berbandsvorstandes fah einen Ausbau der Unterstützungsschemistische Stellung der Gewerkschaftsprobleme, die spezifisch tomeinrichtungen unter Beibehaltung der augenblicklichen Beitrags- munistischen Probleme ihrerseits faft gänzlich fehlen. Ein solcher fäge nor. Gemertschaftsfunktionär fann sich eines sehr guten Rufes In der Statutfrage entschied sich der Berbandstag im unter den Gemertschaftsmassen erfreuen, verdient aber Brinzip dahin, daß sowohl der Beirat mie der Ausschuß bestehen teine große Billigung vom fommunistischen Ge= bleiben. Den Höhepunkt der Tagung bildete das Resichtspunft aus. Wie einige Fälle in Deutschland zeigen, haben ferat von Brofeffor Dr. Singbeimer Frankfurt, über sich manche Genossen so in die sozialdemokratischen Arbeitsmethoden die Entwidlung des Tarifrechts. Der Verbandstag eingelebt, daß sie die Direttiven der Partei nicht durchführen. Sie beschloß, das Referat als Sonderdrud allen Mitgliedern zugängig fügten sich der allgemeinen reformistischen Gewerkschaftsdisziplin, um zu machen. gute Gemertschaftsfunktionäre zu bleiben." = In geschlossener Tagung wurden die Tarif- und Lohn= bemegungen erörtert. Der Tariffefretär des Verbandsvorstandes, ienide, mies auf die große Bedeutung der bestehenden Reichstarife hin, unter die allein 91 540 Berufsangehörige fallen. Das Haupthindernis in der Durchführung der Tarife liege in dem schlech ten Organisationsverhältnis einzelner Industriezmeige; mir das beffere Organisationsverhältnis sei die Ursache dafür, daß die Situation in den BDB.- Betrieben besser sei als in den Apiund Kartonnagenbetrieben. In der Aussprache wurde von verschie denen Rednern gewünscht, daß durch Tarifabschluß alte Bergünstigungen nicht fallen gelaffen werden und daß das prozentuale Lohnverhältnis der Arbeiterinnen zu den Gehilfenlöhnen eine Verbesserung erfahre. In der Ferienfrage murde eine tarifliche Regelung nach der Berufszugehörigteit gefordert, und nicht, wie es jetzt der Fall sei, nach der Zugehörigkeit zum Betrieb. In der Schlichtungsfrage vertraten einige Redner die Auffassung, das Schlichtungswesen gerate der Arbeiterschaft nicht zum Segen; es hemme die Gewerkschaft nur in ihrer Aktionsfähigkeit und es ermede bei den Unorganisierten den Glauben, daß nicht die Gemertschaften, sondern die Schlichtungsinstanzen es feien, welchen sie die tariflichen Löhne zu danken hätten. Unter Zustimmung der Delegierten schließt Michaelis mit den Borten, daß das Beschimpfen und Verdächtigen der Bewertschaften Lebensaufgabe der fommunisti fchen Presse sei und die Gewertschaftspresse daher feinerlei Beranlassung habe, die Kommunistische Bartei zu unterstügen. In der Aussprache findet die Tätigkeit der Redaktion bis auf zwei fommunistische Vertreter die Billigung der Delegierten. Dem Bildungswesen und der Jugendbewegung, über die arder und Kempte referierten, folle, wie die Aussprache zeigte, fünftig noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Kempfe empfahl Ablehnung der finanziellen Unterstützung der Jugendtreffen. Die vorliegenden Anträge wurden dem Vorstand überwiesen. Der Textilarbeiterverband 1927. Ein Jahr reichen Schaffens. Gin arbeitsreiches, aber auch ein erfolgreiches Jahr war für den Deutschen Tertilarbeiterverband das Jahr 1927. Das Jahrbuch des Verbandes gibt darüber Aufschluß. Die schweren Schäden, die das Krisenjahr 1926 mit seiner ungeheuren Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit für den Verband hinterließ, fonnten im wesentlichen wieder ausgeglichen werden. Demgegenüber machte der Vorsitzende Haueisen nachdrücklich auf den Borstandsbericht aufmerffam, monach die Schlichtungsinstanzen bei den Tarifbewegungen des Gemerbes in neun alDie Mitgliederzahl ffieg von 284 773 auf 300 670. Ien, bie 48 000 Beschäftigte betrafen, von den Arbeitgebern angerufen wurden, in 34 Fällen vom Verband, wobei also im rund 16 000 Köpfe; am Jahresschluß waren 126 626 mann8000 Berufsangehörige in Frage tamen, während in zehn Falliche und 174 044 weibliche Mitglieder vorhanden. len pon beiden Tariftontrahenten die Anrufung des Schlichtungsausschusses erfolgte, wobei zusammen 59 000 Berufs angehörige erfaßt murden. Haueisen weist daher die Forderung auf Aufhebung der Schlichtungsinstanzen mit Schärfe zurüd. Im Schlußwort ftellt Bienide fest, daß die Debatte Einmütigteit darüber gebracht habe, die bisherige Tarif. politit fortzusehen. Er hebt hervor, daß zurzeit menig Ausficht bestehe, die geforderte Abschaffung der Affordarbeit zu erreichen, zumal ein großer Teil der Kollegenschaft selbst dagegen jei. Die zur Tarifpolitif gestellten Anträge werden dem Berbandsvorstand überwiesen. Der Redakteur der Buchbinder 3eitung", mida elis, betont in seinem Bericht, daß das Organ im Sinne der Hamburger Beschlüsse geleitet und ausgebaut morden sei. Er bedauerte die mangelhafte Mitarbeit der Kollegenschaft und der Jugendlichen, meshalb er auch vor der verlangten Herausgabe einer besonderen Jugendzeitung marnt. Bezüglich der politischen Einstellung erflärt Michaelis mit Nachdrud, daß auch ein Gemertschaftsblatt an eine politische Partei sich anlehnen müsse, die die Intereffen der Arbeiter bertrete. Das sei aber nur die Sozialdemokratische Bartel. Die Kommunistische Partei fönne nicht als eine ehr liche Vertreterin von Arbeiterinteressen angesehen Die große Mode Jumper bedruckte Waschkunstseide, lange Aermel, Gr. 42 b. 48 Sportjumper weiße Bemberg- Waschseide Größe 40 bis 48 Jumper Bemberg- Seide, mit Krawatte, Größe, 40 bis 48 Jumper Trikot- Charmeuse, stumpf u. glänzend verarbeitet, Gr. 42 bis 50 690 975 1350 1850 Kinderkleid 875 Bemberg- Seide, mit Häkelei Größe 45 Bis Größe 55 um 75 Pf. steigend Mädchenkleid Bemberg- Seide, aparte Form, Pastellfarben Größe 50 Bis Größe 80 um 1.25 steigend Sportkleid für Backfische, BembergGold- Seide, elfenbein, Größe 90 bis 100 cm Die Raffenverhältnisse haben sich ebenfalls günstig entmidelt. Ronnten 1926 infolge der Krise die Ausgaben durch die Einnahmen nicht gedeckt werden, so änderte sich das Bild im Jahre 1927: die Einnahmen überstiegen wieder die Ausgaben um ein Beträchtliches. Die Einnahmen aus Beiträgen betrugen pro Kopf und Mitglied 23,31 M. geenüber 15,91 m. im Jahre 1926 und 17,51 M. im Jahre 1913. Für Bildungszwede wurden rund 360 000 m., für Unterstügungen 2520 000 m. ausgegeben, monon 1 650 000 m. auf Streit- und Gemaßregelten und 646 000 m. auf Krantenunterstügung entfallen. Die Restsumme verteilt sich auf die anderen Unterstügungseinrichtungen des Verbandes: Arbeitslojen, Reise-, Not, Rechtsschutz und Sterbeunterstügung. Mit der Belebung der Konjunktur setzte im Jahre 1927 eine scharfe Tarif. und 2ohnbewegung ein Insgesamt murden 523 Cohnbewegungen, Streifs und Aussperrungen mit 2 684 852 Beteiligten geführt. 108 Bemegungen mit 107 205 Beteiligten maren Streifs und Aussperrungen, darunter 79 Angriffsstreiks. An Lohnerhöhungen wurden für 1642 581 Berfonen pro Woche 2574 287 m. herausgeholt. An Arbeitszeitper fürzungen wurden für 269 422 Berfonen pro Boche 1718 947 Stunden das sind für den einzelnen Beteiligten 4,2 Shmden erzielt. Außerdem wurden für 1 200 375 Personen weitere Verbefferungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen, wie beffere Urlaubsregelung, beffere Affordbestimmungen, höhere Zuschläge für Nachtoder Schichtarbeit usw. erreicht. Die Gesamtzahl der am Ende des Berichtsjahres bestehenden Zarifverträge hat sich gegenüber dem Vorjahr von 143 auf 170 erhöht; sie erstrecken sich auf 8498 Betriebe mit 837 694 Beschäftigten. Die Rechtsschutzabteilung des Verbandes hat im Berichtsjahr insgesamt 101 Klagen geführt, von denen bis Jahresschluß 49 von Erfolg begleitet waren und 9 durch Vergleich beigelegt merden konnten. Das Arbeiterinnensetretariat hat für den Ausbau des Wöchnerinnen- und Schwangerenschuhes sowie für den Arbeiterinnenschutz im allgemeinen eine lebhafte Propaganda entfaltet. Das neue Gesetz über die Beschäfti= gung vor und nach der Niederkunft, das am 1. August 1927 in Kraft trat, ist nicht zuletzt dem Wirken des Deutschen Tertilarbeiterverbandes zu verdanken. Ebenso ist unter dem Druck des Beweismaterials des Verbandes die Zahl der weiblichen Gemerbeaufsichtsbeamten in Preußen vermehrt worden; in Sachsen wurde eine weitere Aerztin als Gewerbeaufsichtsbeamtin im Tertilbezirk Chemniz verpflichtet. Alles in allem: das Jahr 1927 war für den Deutschen Textilarbeiterverband ein Jahr reichen Schaffens im Dienste der Tertilarbeiterschaft. Verfassungsfeier der Gemeinde- und Staatsarbeiter Der Kölner Verbandstag des Berbandes der Gemeindes und Staatsarbeiter schloß am Sonnabendvormittag. mit einer furzen feierlichen Bürdigung der Reichsverfassung durch den Verbandsvorfizenden Müntner. Der nächste Verbandstag ist 1931 in Ricí. Die Stillegung. Infolge des schlechten Absatzes von Gasflammfohle sieht sich die Berwaltung der Bergbaugruppe Hamborn der Bereinigten Stahlwerfe gezwungen, die Schachtanlage Rhein I in Balsum ab 1. Oktober stillzulegen. Der Belegschaft wird zum größten Teil die Möglichkeit geboten, auf den Fettfohlenzechen Beeckerverth, Friedrich Thyssen Schacht III/ VII und Friedrich Thyssen Schacht IV/ VIII in Samborn Beschäftigung zu erhalten. Der Teil, dem diese Möglichkeit auf wie lange? nicht geboten ist, fann stempeln gehen! Moskau hat überall die Hände im Spiel. Stocholm, 11. Auguft.( 1) Der unter Spionageverdacht verhaftete ruffische Rechtsanwalt Mitgemiz sagte aus, daß der Direktor der russischen Telegraphenbureaus, Alejandrom, der eigentliche Schuldige sei, da er ihm gewisse Aufträge gegeben habe, die jedoch seiner Ansicht nach nicht schädlich für Schweden waren. Mitgemiz erklärte, Aleksandrom hätte den Auftrag gehabt, mit zwei von Rußland beauftragten Leuten die schwedischen Gewerkvereine zum Kommunismus zu be fehren und die Beilegung des Eisengrubenstreits zu der= 97 Belmonte- Uhren preiswert und gut einziger Str. 20 Reizender Gold- und Silberschmuck, Silbergeräte to großer Auswabl WERTHEIM Leipziger Str.( Versand- Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Kunstseide Waschkunstseide 145 elegante Druckmuster, Mtr. Bemberg- Adlerseide für Kleider u.Wäsche, großes Farbensortiment.. Meter 185 Bemberg- Adlerseide aparte Druckmuster Meter Bemberg- Krepp bedruckt, neue Dessins, Mtr. 225 250 Damenkleid 950 Frauenkleid 1850 Hemdbeinkleid 375 für Damen, Kunstseide Hemdbeinkleid 750 für Damen, Kunstseide, oben u. unten Spitze Bemberg- Seide elegante Druckneuheiten, ca. 100 cm breit.. Meter Travisé neue künstl. Waschseide, bedruckt 4.50 einfarbig Bemberg- Taffet elegante Qualität, in vielen Modefarben. • Meter 2.90 390 550 Bemberg- Georgette f. eleg. 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August 1928 Grammophons were four four in terms, prie Die Monopolgewinne der Schallplatten- Konzerne. " Es war ein primitives Instrument, das 1877 als eine Erfin- seine Dividende von 9 auf 14 Broz. herauffezen fönnen. Am indung Edisons bekannt wurde: der Phonograph" oder„ Klang- teressantesten ist wohl die Entwicklung der Aktienkurse; sie schreiber, ein Apparat, der, wie es damals hieß, die menschliche| betrugen in Prozenten des nominellen Aktienkapitals: Sprache und andere Laute aufzuzeichnen und nah beliebiger Frist wiederzugeben vermag. Die hineingesprochenen Worte sind deutlich hörbar, wenn auch unter mangelhafter Einhaltung der Kiangfarbe". Aus diesem Apparat, der in der Hauptsache aus einem sich drehenden, mit Staniol überzogenen Meffingzylinder und einem Mundstück nebst einer dünnen Platte bestand, einem Apparat also, der äußerlich mit einem modernen Sprechapparat noch nicht die geringste Aehnlichkeit hat, entwickelte sich im Laufe rund eines halben Jahrhunderts unter mehrfachen Wandlungen das Grammophon und es entstand allmählich die Sprehapparate- und Schallplattenindustrie, die ähnlich, wie später das Radiowesen, berufen war, auf alte fulturelle Verhältnisse zersehend zu wirken. Broischen der gemütlichen Hausmusit früherer Zeiten und der am Sonntagnachmittag aufgelegten Forirott- Blatte besteht der= felbe Unterschied wie zwischen dem Handwerk und der mechanisierten Arbeit am laufenden Band. Ob nun der einzelne die allmähliche Verdrängung des Klavierspiels, der Geige oder der Flöte, ja, auch der Mundharmonita, der Zither usw. durch Radio und Grammophon bedauert oder nicht beide sind charakteristische Erscheinungen unserer gegenwärtigen tapitalistischen Epoche. Es ist fein Zufall, daß, während sich der Geigen- und Klavierbau seit fängerer Zeit in tritischer Lage befindet, die Kurse der großen Grammophon und Plattenfirmen zu den hösten Börsennoties rungen überhaupt gehören. Juni 1914.*! Mitte 1926 Lindström 176 Proz 125 ä B 190 L ₹ 321. 社 " 470 B 710 W Ende 1926 Ende 1927 Bolyphon- Werte Proz. 90 " 137 21 210 " 400 " 470 " April 1928 August 1928 Diese Ziffern sprechen über den Aufschwung dieser Industrie eine eindeutige Sprache; man ersieht aus ihnen, daß sich der Börsen wert des Kapitals der Lindström- Gesellschaft von 1914 bis 1928 mehr als verzwanzigfa cht hat( 49,7 Mill. 1928 gegenüber 2,2 Mill. Mark 1914). Es gibt wohl nicht viel Industriegesells haften in Deutschland, von denen man etwas Aehnliches feststellen kann. Außer diesen belden großen Firmen eristieren noch eine größere Anzahl fleinere Firmen, die teils nur Schallplatten, teils nur Sprech apparate, teils aber auch beibes fabrizieren. Eine der bekanntesten dieser Firmen, die Vor- Schallplatten- und Sprechmaschinen A.-G., ging Anfang Juli dieses Jahres in die Hände englischer Gesellschaf ten über, unter denen sich übrigens auch die Tochtergesellschaften des oben erwähnten Brunswic- Konzerns befindet. Die größte Schallplatten und Sprechmaschi nenfirma der Welt ist die amerikanis he Victor Talting Machine Co., die in London eine große Gesellschaft, die Gramo phone Co. Ltd., fontrolliert. Diese Londoner Firma betreibt wie. berum ein Tochterinstitut in Deutschland, das sich Electrola G. m. b. H. nennt. Abgesehen davon, besitzt die Victor Talking 3weigunternehmungen in Japan und in Kanada. Schon seit längerer Zeit befindet sich diese Schallplattenfirma in engster Be ziehung zur größten amerikanischen Funtgefell. haft, der Radio Corporation of America. Es wird erwartet, daß die Bictor Talking und diese: Funkfonzern sich noch im Laufe dieses Jahres zu einem einheitlichen Truft zusammenschließen. Als das Rundfunkwesen von Amerika aus auffam, wa: das Grammophon schon längst bekannt. Man vermutete damals, die Grammphon und Schallplattenindustrie werde dieser jungen Konkurrenz gegenüber zurüdbleiben. Tatsächlich hat aber das Radio den Siegeszug des Grammophons nur zeitweilig gefchaft, stöt, ja, eine Anzahl Erfindungen auf dem Radiowesen wurden auch der Sprechmaschinenindustrie nugbar gemacht, und so hat die technische Bervollkommnung in den letzten Jahren sowohl bei der Herstellung von Sprechapparaten wie bei Blattenaufnahmen erheb liche Fortschritte gemacht. 1923 bis 1925, in den ersten Jahren des Radioaufschwungs, geriet freilich das Grammophongeschäft etwas ins Stoden. Aber seit 1926 sette dann eine faft beispiellose Aufwärtsentwidlung ein. Bei fast allen großen Grammophon und Plattengesellschaften Deutschlands, Englands und den Bereinigten Staaten haben sich pon Mitte 1926 bis Mitte 1928 die Börsenkurse im Durchschnitt um das Fünffage erhöht. Die beiden größten deutshen Firmen sind der Lindström. und der Polyphon Konzern. Der Lindström- Konzern bringi außer Sprechapparaten Blatten heraus, die die Marlen Beta, Odeon, Barlophon und Columbia tragen; die befannteste Bolyphonmarte heißt Grammophon". Die Carl Lindström 21.-G. ist eigentlich nur dem Namen nach eine deutsche Firma, denn die Aktienmehrheit befindet sich in Händen der englischen Gesellfchaft„ Columbia Gramophone Co.". Gemeinsam mit diesem eng lichen Konzern beherrscht die Lindström- Gesellschaft eine große japanische Schallplattenfirma und kontrolliert außerdem die amerikanische Columbia Phonograph Co., so daß die deutsche Lindström- Gesells haft nur als Glieb eines Riefenunternehmens erscheint, das Millionen von Menschen in drei Erdteilen mit musikalischen Genüffen versorgt. Der zweite große deutsche Konzern ist Die Bolyphon Gefellshaft, die in Verbindung mit der Bruns mid- Dalle- Collender- Co. steht, eine der größten Schallplattenfirmen der Welt, die ihren Siz in Chikago hat und außerdem in England eine Tochtergesellschaft fontrolliert. Aus den folgenden Ziffern geht hervor, wie sich diese beiden größten deutschen Firmen entwidelt haben. Das Attientapital betrug bei der Lindström A.-G. 1914 mur 1,25 mill. Mart, 1928 dagegen 7 Mill, Mart. Die Polyphon- Werfe haben ihr 5 Mill. Mark betragendes Aktienkapital von 1914 bis auf 12,5 mill. Mart in diesem Jahr hinaufgeschraubt. Die von diesen Gesellschaften ausgeschütteten Dividenden beliefen sich bei Lindström im legten Friedensjahr auf 5 Broz., um 1926 auf 10 Proz. und 1927 jogar auf 15 Broz. zu steigen. Der Polyphon- Konzern, der 1913 schon die hohe Dividende von 15 Broz. zahlte, hat gegen 1926 Was ist mit Ostoberschlesien? Alarm in Kattowitz. Dementis in Deutschland. Der Oberschlesische Rurier" in Rattomig bringt über ben Antauf der deutschen Gruben und Hüttenwerte in Oftoberschlesien durch Harriman eine neue Alarmmeldung. Man schäßt, daß jährlich 200 millionen Schallplatten hergestellt werden, davon 20-30 millionen. in Deutschland. Tros ber immer noch festzustellenden Bielzahl der Produzenten find es aber doch in der Hauptsache nur die genannten großen Ron= zerne, die den Weltmarkt beherrshen. Die großen Gesellschaften, die mit den besten Batenten arbeiten, die ihren Stunden günftige Abzahlungsbedingungen gewähren können, die außerdem hinsichtlich der Breispolitik burchweg aufs engste zufammenarbeiten, be herr schen tatsächlich den Martt fast monopolartig. Difenbar wird auch die Sentralisierung bald noch weitere Fort Schritte machen; so purde bereits im Frühjahr dieses Jahres befannt, daß zwischen der Bictor Talfing und dem englis hen Colum. biafonzern engere Beziehungen angefnüpft worden seien. Je stärke: die Monopolstellung der großen Firmen sein wird, um so höher werben sich ihre Gewinne entwickeln. Die Kauffraft der deui schen Bevölkerung ist infolge der niedrigen Einkommenhöhe noch nicht groß genung gewesen, um den deutschen Firmen die gleichen nämlich die drei größten Schallplatten- und Grammophonfirmen, die Gewinne zu ermöglichen, wie etwa in England. In England haben nämlich die drei größten Schallplatten- und Grammophonfirmen, die Columbia Gramophone Co., die Gramophone Co., fomie die Vocalion Gramophone Co. ihren Aktionären im letzten Jahr nicht weniger als je 40 Proz. Dividende gezahlt. Derartige Gewinne wären nicht denkbar, wenn nicht die Käufer der Schallplatten Preise zahlen müßten, die den Herstellungs. preis um das Drei- bis Fünffache übersteigen. Daß ein solcher Aufschwung und solche Gewinnchancen die Grundlage für phan tastische Börsenspekulationen abgegeben haben, sei hier nur neben. bei bemerkt. Jedenfalls follte die arbeitende Bevölkerung, die in allen Ländern den Hauptteil der Käufer von Sprechapparaten und insbeson dere Schallplatten stellt, sich einmal vor Augen halten, welche Reichtümer hier von einigen wenigen Weltunternehmungen unter Ausnutzung und Mißbrauch fultureller Bedürf niffe eingeheimst werden. -h. Auch mir haben an dieser Stelle die Notwendigkeit betont, der von einer etwaigen Polonisierung bedrohten deutschen werftätigen Bevölkerung sobald wie möglich Klarheit zu geben. Mit Alarmmeldungen dieser Art ist aber der deutschen Arbeiterschaft in den betroffenen Gruben und Hütten feineswegs gedient. | weibliche Hauptunterstützungsempfänger. Arbeitslosenunter stützung bezogen 55 061( 54 969) männliche und 35 641( 39 578) weibliche, zusammen 90 702 Personen. Krisenunterstützung erhielten 9012( 9377) männliche und 3103( 3376) weibliche, zusammen 12 115 Personen. Im Laufe der letzten vier Berichtswochen ist die Gesamtzahl der Unterstügung beziehenden Personen im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg von 122 800 auf 102 817, also um rund 20 000 Personen gefunten. = Schulze- Delitzsch in Breslau. Bon den großen genossenschaftlichen Spitzenverbänden wird die Schulze Delißsch Organisation den 65. deutschen Genossenschaftstag vom 9. bis 12. September in Breslau abhalten. Es merden Referate über die Kreditkontrolle, über Ertrag, Unkosten, Gewinn und Gewinnverteilung, sowie über die räumlichen, finanziellen und sozialen Grenzen der Kreditgenossen fchaften gehalten werden. Im Anschluß an diese Referate werden die Verhandlungen der Baugenossenschaften stattfinden, in denen Bürgermeister a. D. Schwan- Berlin über ,, Baugenossenschaften, Wohnungsfürsorgegesellschaften und Städte" sprechen wird. Die eigentliche Mitgliederversammlung und Hauptversammlung des Deutschen Genossenschaftstages beginnt am 12. September, auf denen Referate über die Geldmarktlage und Reichsbankpolitik sowie über reparationspolitische Fragen gehalten werden. Stillegung der Montagewerkstätten von General Motors? Kürzlich haben in den Montagewerken des amerikanischen Arbeiterentlassungen in größerem Umfange stattgefunden. Wie wir Automobilkonzerns General Motors in Berlin- Borsigwalde hören, soll die Produktionseinschränkung auf das ständige Anwachsen der Lagervorräte, besonders von Chevroletwagen, zurückzuführen sein. Diese Entwidlung muß umfomehr überraschen, als. bie General Motors- Direktion erft kürzlich auf einen weiteren Aus bau ihrer Anlagen und Erhöhung der Produktion hingewiesen hatte.. Noch im Juni wurde der Deffentlichkeit mitgeteilt, daß die Tages leistung der Montagewerkstätten täglich 200 Wagen erreicht habe fei. Bisher ist auch von der Verwaltung das Gerücht unwiderund die Gesamtbelegschaft auf etwa 2200 Mann erhöht prochen geblieben, daß die General Motors Company die Absicht habe, ihre Berlin Borsigmalder Betriebe gänzlich ftillzulegen und dieselben nach Antwerpen zu verlegen. Die Gesellschaft soll in den angeblich zu höhen Löhnen ein Haar gefunden haben und rechnet damit, in Belgien mit größerem Erfolg ihre Lohndruckpolitit durchführen zu können. Im Interesse der Beleg fchaft ist bringend zu wünschen, daß die Berwaltung der General Motors so bald wie möglich der Deffentlichkeit über ihre weiteren Absichten klaren Wein einschenkt. Die Fangarme des Glanzstoff- Konzerns. Wie gewaltig im legten Jahre die Entwicklung der deutschen Kunst seidenindustrie war, geht aus einem Ausweis der Bereinigten Glanzstoffabriken in Elberfeld über die Börsenzulassung von 15 Mil lionen neuen Attien hervor. Der Konzern beherrscht in Gemein schaft mit der 3. B. Bemberg und der J. G. Farbenindustrie die deutsche Kunstfeidenerzeugung. Die dauernden Beteiligungen der Glanzftoffabriten wurden nun in der letzten Bilanz, für Dezember 30. 2pril 1928 auf über 50 millionen Mart angewachsen. Allem 1927, mit 37,13 Millionen Marf angegeben. Sie sind bis zum Anschein nach hat man auch im weiteren Berlauf des Jahres 1928 mit einer verstärkten Ausdehnung des Konzerns zu rechnen. Die neu erworbenen Beteiligungen liegen in fast aller Herren Länder. In Frage kommen u. a. Desterreich, Italien und Holland. In Deutschland sind Beteiligungen an der Spinnfaser A.-G. Elster berg und der Kodal in Berlin neu erworben. Das Hausptausdeh nungsgebiet der Glanzstoffabriken liegt aber im Auslande. feidenindustrie in letzter Zeit wünsche nach stärterem 3olla Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß in der Kunstchu laut wurden. Wie vertragen sich diese Wünsche mit der Ausdehnung der deutschen Kunstseidenindustrie und vor allen Dingen mit ihrer Machterweiterung im Auslande? Die Wanderer- Werte dementieren die Fufionsgerüchte. Die Bera waltung der Wanderer- Automobil- und Fahrradwerke in Chemniz dementiert jegt die Gerüchte, die über einen Wechsel im Vorstand und eine bevorstehende Fusion umliefen. Wie weiter hin mitgeteilt wird, sind die Werte auch zurzeit noch ausreichend beschäftigt, wobei die bisherigen Umsätze die des Borjahres noch übertreffen. Wenn auch die Verwaltung nähere Angaben über die Dividendenaussichten 1928 verweigert, so ist doch anzunehmen, daß die Gesellschaft bei dem bisherigen günstigen Stand ihrer Betriebe auch für 1928 mieder die sehr hohe Vorjahrsdividende von 12 Prozent zahlen wird. Die Firma Neuer Auslandsauftrag für Henschel- Kassel. enchel u. Sohn in Raffel, der größte deutsche Lokomotivs maschinen aus dem Ausland erhalten hat, hat jetzt von der fonzern, der erst fürzlich einen Millionenauftrag für Straßenbaudänischen Staatsbahn einen neuen Auftrag auf fünf mittlere Lokomotiven abgeschlossen. Der Auftrag wurde Henschel gegen eine sehr starke ausländische, speziell dänische Kontur renz, zugesprochen. Der Preis je Lokomotive stellt sich auf 41000 dänische Kronen und liegt noch 22 Prozent unter dem niedrig sten dänischen Angebot. Auch die Lieferungsbedingungen, die Henschel stellte, waren die günstigsten im gesamten Wettbewerb. Weiterhin günftiger Kaliabsah. Wie die Gebr. DammannBant, die mit der Saliindustrie eng verknüpft ist, in ihrem Wochenbericht mitteilt, hat der günstige Absoz des Kalisynditats auch im August angehalten. Nachdem die ersten sieben Monate mit einem Gesamtabsag von 9,03 Millionen Doppelzentner Reintali ein Mehr von über einer Million Doppelzentner gegen Wie das Kattowizer Blatt schreibt, soll der Vertrag zwischen der Leichter Rückgang der Arbeitslofenzahl. die entsprechende Zeit des Vorjahres gebracht haben, rechnet die polnischen Regierung und den Amerikanern bereits abgeschlossen sein und es sollen ferner Liften aufgestellt sein, in denen die Deutschen unter den Belegschaften namentlich aufgeführt sind. Unter anderem soll in der Liste auch der Leiter der Kattomizer Bergbau A.-G., Billiger, stehen, der seit vierzig Jahren in Kattowig an fäffig ist. Diefe Meldung des Raftowiger Blattes wird von der Telegraphen- Union und dem Wolfffchen Telegraphen- Bureau demen fiert. Bermutlich ist das Dementi von dem Ruhrmontantruft ( Bereinigte Stahlwerte A.-G.) ausgegangen, der an dem Besiz der Bismardhütte, Rattomizer Bergbau A.-G. und der Königs und Laurahütte maßgeblich beteiligt ist. Arbeitsmarktlage im ganzen nicht gebessert. Im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat die Arbeitsmarttlege trotz guter Aufnahmefähigkeit in der Landwirtschaft und in einzelnen Zweigen des Baugewerbes teine wesentlichen Veränderungen gegenüber der Borwoche gebracht. Der Grund liegt in den tonjunkturellen Schwankungen, die in einzelnen Industriezweigen zu erheblichen Entlassungen von Arbeitskräften geführt haben. Von Betriebsstillegungen und Einschränkungen sind besonders das Spinnstoffgewerbe und die Holzindustrie bedas Spinnstoffgewerbe und die Holzindustrie betreffen worden, und es ist in diesen Industrien noch nicht abzu Auch wir glauben, daß die Meldung des Kattowißer Blattes in sehen, wieweit sich die Konjunkturabschwächung in nächster Zeit noch dieser Form unzutreffend ist. Ehe der Borvertrag zum Ab- fortseßen wird. Die gute Aufnahmefähigkeit der Außenberufe, be fortsetzen wird. Die gute Aufnahmefähigkeit der Außenberufe, befchluß gelangt, müßten noch eine ganze Anzahl Fragen zwischen der fonders der Landwirtschaft, und die damit verbundene Abamerikanischen Harriman- Gruppe und der polnischen Regie- nahme der Arbeitslosigkeit bei den ungelernten Arbeitern setzte sich rung gelöst werden, und erst dann müßte der Bertauf der Werke in der Berichtswoche fort, tam jedoch nur als Saisoner den deutschen Aktionären unterbreitet werden. Wenn auch an der scheinung angesehen werden und ins Gegenteil umschlagen, soTatsache, daß entsprechende Berhandlungen laufen, nicht zu rüt bald die Außenberufe mit der zu erwartenden Abstoßung von Arteln ist, so ist es doch in hohem Maße bedauerlich, daß die Un- beitskräften begonnen haben. ruhe, die begreiflicherweise unter den deutschen Belegschaften und den Angestellten Platz gegriffen hat, durch derartige Alarmmeldungen nog geigürt wird, Die Gesamtzahl der Unterstützung beziehenden Berionen betrug in der Berichtswoche 102 817( 107 300). Da. Personen betrug in der Berichtswoche 102 817( 107 300). Da Ipon entfallen 64 073( C1346) auf männliche und 38 744( 42 954) auf Raliindustrie angesichts der guten Ernteaussichten auch mit einem sehr lebhaften Herbstgeschäft. Die vorläufige Schätzung des Syndikats für den Auguftabsah lautet auf 900 000 Doppelzentner gegen 845 000 im August 1927. Keine Steueramneffie! Durch die Tageszeitungen lief fürzlich die Nachricht, daß auf Grund einer Amnestie des Reichsfinanzministers Geldstrafen, die bei Berstößen gegen die Steuergesetze ausgesprochen worden sind, in Höhe von vielen Millio nen erlassen worden seien. Diese Nachricht ist unzutreffend. Eine Amnestie auf diesem Gebiet ist nicht ergangen, auch nicht beab fichtigt. Die in jener Nachricht wiedergegebenen Zahlen sind einer Nachweisung entnommen, die der Reichsfinanzminister erſtmalig für 1927 dem Reichstag zugeleitet hat, nachdem dieser durch eine Entschließung vom 19. März 1928 jährliche Nachweisungen über Feftfeßung, Erlaß und Niederschlagung von Steuer- und ähnlichen Strafen verlangt hatte. Es handelt sich also lediglich um eine Zufammenstellung über im gewöhnlichen Geschäftsgang des Jahres 1927 getroffene Entscheidungen. Das Recht des Reichsfinanzministers au solchen Entscheidungen beruht auf§ 443 der Reichsabgabenordnung und hat mit einer Amnestie nichts zu tun. zu Güterwagengestellung bei der Reichsbahn. In der Woche vom 22. bis 28. Juli sind bei der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft( 2ngaben in 1000 Stüd) 907,0 Güterwagen gestellt worden gegen 911,4 in der entsprechenden Woche 1927 und 909,6 in der Bormoche 1928. Für den Arbeitstag berechnet lauten die entsprechenden Durch schnittszahlen 151,2, 151.9 und 151,6, / Die große Feier in Krankfurt. Aranksurt. 11. August.(Eigenbericht.) Der Sonnabend, der eigentliche Versassungstag, bot vornehm- Pch in der A l t st a d t F r a n k f u r t s ein Bild, wie man es außer- halb Frankfurts in Deutschland wahrscheinlich noch nicht zu sehen bekam. Die Ursachen sind nicht schwer zu erkennen. Die ruhmreiche Tradition Frankfurts aus der Zeit 1848 hat sich in den acht Jahr- zehnten siegreich erhalten und kommt nun in all ihrer Ursprünglichkeit und Ueberzeugungstreue erneut zum Ausdruck. Wer die Stadt in dem wallenden Schmuck der unzähligen schwarzrotgoldenen Reichs- sahnen und rotweißen Stadtfahnen gesehen hat, dem wird es Plötz- lich klar, wie eine moderne Großstadt überhaupt an dem größten staatlichen Ehrentag aussehen muß. Die Stadt ist ganz und gar von diesem Dreiklang der Farben Schwarz, Rot und Gold erfüllt. Am Nachmittag um 4 Uhr traf unter Führung des Generals Körner ein« Kameradschaft von 160 Mann des Oesterreichischen Schutzbundes ein, die, von einer Reichsbannerabteilung eskor- ticrt, von der Bevölkerung mit begeisterten Zurusen begrüßt wurde. Um 945 Uhr kam mit dem Berliner E)- Z u g der Bundesvorstand aus Magdeburg, der Bundesoorsitzende chörsing war bereits auf dem Bahnhof Gegenstand ungemein herzlicher Begrüßung, die sich auf dem Wege zum Hotel zu fröhlichem Jubel steigerte. Um Z-47 Uhr begann in dem RiesenkuppelsaalderFest- halle auf dem Messegelände die große Derfassungsfeier. Nach der Einleitung der Massenchöre des Arbekrersängerbrmdes und Fanfarenmusik der Rcichsbannerkapclle Leipzig sprach Oberbürgermeister Dr. Landmann die Begrüßungsworle für die Sladt Frankfurt. Er bezeichnete das Reichsbanner als den Heerbann der deutschen Re- publik, der die Sturmfahne Schwarzrotgold hoch über alle politischen Leben wehen lasse. Frankfurt ist die Stadt, die vor Jahrhunderten das Reich in seiner 5)errlichkeit gesehen hat und zugleich die ganze Tpübsal, wie auch die egoistischen Kämpfe der Fürsten gegen die Ein- heitsmacht des alten deutschen Kaisertums überstand. Frankfurt ist die Stadt, in der sich endlich nach Jahrzehnten finsterster Reaktion k*r neue Geist, der Geist der Paulskirche gewaltig regte. Es ist das Große in der deutschen Geschichte, daß der grimmigste Feind der Demokratie. Bismarck, 1871 diesem Geist von Frankfurt Konzesfio- nen machte und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht, eine Forderung von 1848, übernahm. Aber die Feinde der Reichs- cinheitsbewegung von 1848, die Partikularisten sind auch heute noch da. Es Ist die größte Aufgabe der Zukunft, diese partikularisten zu bekämpfen. Dann nahm als Vertreter der preußischen Regierung Regie- rungspräsident Dr. Friedensburg- Kassel das Wort und be- grüßte die Reichsbannerkameraden auf das freundlichste. Im Ver- folg seiner Red« warnte er dringlich vor einem Nachlassen im Kampfe um die Erhaltung der Republik. Noch sei die Verfassung von Weimar nicht gesichert und das Wert von Weimar nicht voll- endet. Hierauf nahm, von brausenden Zurufen begrüßt, der Bundes- Vorsitzende Hörsing das Wort. Seit 1924, so sagte er, feiern wir den Versassungstag mit Stolz, denn ohne das Reichsbanner gäbe es wohl keine Republik, gäbe es wohl sogar keine Verfassung von Weimar und vielleicht auch kein Deutsches Reich mehr. Dann dankte er der Stadt Frankfurt und'den städtischen Körperschaften für den wunder- baren, herzlichen Empfang und sprach besonders warme Worte des Dankes und des Lobes den ärmsten Kreisen der Bevölkerung au?, die durch den Schmuck der Häuser und Straßen und durch die herz- I> h« Ausnahme der Gäste das Fest so vollendet gestaltet haben. Wir fühlen uns als die Vollstrecker des politischen Testaments der Freiheitskämpfer von 1848, wir halten auch ihre Fahne in unseren Händen. Mit ihr werden wir am Sonntag durch dieselben Straßen ziehen, durch die einst die Freiheitskämpfer von 1848 gezogen sind. In Gedanken an den großen Vater verneigen wir uns heute vordem Sohn« Freilizraths, dem jetzt 80jährigen Wolfgang Freiligrath, den wir mit Stolz als unseren Ehrengast be- grüßen. Jeder von uns wird sich der hohen Verantwortung bewußt sein, die e: damit übernommen hat, daß er sich in die republikanische Armee des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold eingereiht hat. Solche Massen wie heute in Franksurt sind wohl selten zu solchem Zweck zusammengekommen. Noch nie zuvor war unser Verfassungstag wie in diesem Jahre ein vollkommener Feiertag, an dem alle Schichten der Bevölkerung teilnahmen. Das Reichsbonner wird von Tag zu Tag mehr ein Sammelpunkt der positiv gerüsteten staatspolitischcn Kräfte. Immer weniger gilt es als vornehm, sich monarchistisch zu nennen. Herzliche Grüße von den Kameraden aus dem besetzten Gebiet, besonders aus Deutschösterreich. Es ist hohe Zeit, daß die Besatzung aus Deutschland verschwindet. Wir müssen uns in dem Ruf vereinen: Fort mit den fremden Bajonetten aus unseren friedlichen Gefilden! und wir sehnen auch den Tag herbei, wo durch«ine Volksabstimmung aus Deutschland und Oesterreich ein großes Deutsches Reich geschaffen wird, dem wir alle zustreben. Im Schlußwort dankte Hörsing den Vertretern der Be- Hörden und politischen Parteien, der Gewerkschaften, der Genossen- schaften, der Arbeitervereine und-sportlcr, der Arbeitersamariter und besonders auch den Vertretern der Republik in herzlichen Worten für ihr Erscheinen. Den Festoorkrag hielt der Reichstagsabgeordnete Dr. Eduard David. Unsere heutige Feier, so sagte er, gilt dem 9. Jahrestag des Inkrafttretens der republikanischen Reichsverfassung, des Werkes der Weimarer Ratio- nalversammlung. In die Geschichtsspanne zwischen den beiden revo- lutionären Parlamenten von 1848 und 1918 fällt die Bismarcksche Reichsgründung. Das war nur eine sehr mangelhafte Befolgung des Einheitsideals von 1848. Kann man nun auch eine tiefe ge- schichtliche Verbundenheit zwischen der Frankfurter und Weimarer Reichsversammlung feststellen, so darf man doch nicht die Grund- Verschiedenheit der politischen Verhältnisse übersehen, unter denen beide zu arbeiten hatten. Die deutsche Arbeiterschaft war es, die das deutsche Volk vor dem Untergang bewahrt hat. Die sozialisti- schen Arbeitermassen wurden damals zum ruhenden Pol in dem wilden Getriebe. An diesem Felsblock zerschellte die bolschewistische Brandung. Die aus dem ersten deutschen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte am 16. Dezember 1919 beschlossene Wahl einer ver- fassunggebenden Nationalversammlung war die erste große Ent- scheidun« gegen die Diktatur für die Demokratie. Für sie wirkte vor allem Friedrich Ebert, der große Volksführer und Staatsmann, dessen wir mit Stolz und Schmerz auch in dieser Stunde gedenken. Zur Schaffung des großen Verfassungswerkes hat sich die deutsche Arbeiterschaft und der fortschrittlich gesinnte Teil der Bürgerschaft vereinigt. Das Bündnis der drei Weimarer Mehrheits- Parteien wäre unmöglich gewesen, wenn nicht die Parteien der großen Mehrheit der proletarischen Arbeiterschaft in sozialpolitischer Hinsicht ein« große Beschränkung auf die Politik des Möglichen aus- geübt hätten. Manches harrt noch der Vollendung, aber die Wege sind gewiesen, die Bahn ist freigelegt zur gesunden Weiterentwicklung bis zur vollendeten sozialen Demokratie. 5)ier liegt der höchste Wert der Weimarer Verfassung.. ... Der Redner schloß mit einem Hoch auf die deutsche Republik, In das Hunderttausende begeistert einstimmten. Dann zogen die Reichs- bannerkameradschaften in langen Kolonnen, begleitet von Tausenden und aber Tausenden aus der Bevölkerung, zum Mainnfer, das im Glanz einer großartigen Beleuchtung mit einem anschließen- den Feuerwerk weithin erstrahlte. Damit schloß dieser pracht- voll« Tag zu Ehren der deutschen Republik, dem sich am heutigen Sonntag ein Vorbeimarsch der Hunderttausende anschließen wird. Sie kennen nichi die Zta'chsflogge. Energisches Vorgehen des Mietertages. Der Vorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter e. V. hat sich genötigt gesehen, in letzter Stunde den Reichsmietertag aus dem städtischen Parkhauses in Wilhelmshaven zu verlegen, weil sich der Pächter des Parkhauses, Herr Renken, weigerte, die Reichsflagge aufzuziehen. Er wollte ihr höchstens neben der Fahne Schwarz-Weiß-Rot einen Platz gewähren, weil er„neutral" bleiben und sich„keinen Angriffen rechtsstehender G a st e" aussetzen wollte. Auch der Hinweis darauf, daß Schwarz- Rot-Gold die Reichsfarben sind und daß am 11. August, also am Tage des Beginnes der Delegiertensitzungen die Verfassungs- feier stattfindet, vermochte ihn nicht umzustimmen. Schließlich er- klärte er, überhaupt keine schwarzrotgoldene Fahne zu besitzen. Der Vorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter hat daraufhin die Tagring nach dem Gesellschaftshaus verlegt, dessen Besitzer sich sofort bereit erklärte, sschwarzrotgold zu flaggen. Interessant ist dabei die Tatsache, daß auch die Stadwerwal- tung von Wilhelmshaven, der das Parkhaus gehört, an den Flaggen- mästen am Bahnhof schwarzweißrot geflaggt hotte und erst auf Protest des Mieterbundes die schwarzrotgoldene Flagge hißte. Und unter solchen Ilmständen soll noch für das Nordseebad Wilhelmshaven Propaganda gemacht werden! Es wird höchste Zeit, daß sich auch die Stadtväter von Wilhelmshaven den historischen Tatsachen fügen, selbst wenn es ihnen schwer fällt. 30 Pfennig- ein Stadtgespräch! Man schreibt uns: Ist es unbedingt notwendig, daß die Nestau- rants mit ihren zum Teil sehr erheblichen Preisen ihr Gäste auch noch beim Telephonieren neppen? Der Gipfelpunkt der— Äeschäftstüchtigkeit, um ein gelindes Wort zu wählen, ist es doch wohl, wenn im Restaurationsbetrieb des Theaters am Schifs- bauerdamin für ein Stadtelcphonat dreißig Pfennig verlangt werden! Das ist glatter Wucher, das ist ein B c r d i c n st von 200 Proz.! Schlimm genug, daß sich das Publikum eine derartige Auspowerung gefallen läßt. Solche Forderungen sind schlankweg unbillig. Der Potsdamer republikanische Ivassersportverein. die Havel- Aktionsgruppe Schwarz-Rot-Gold", veranstaltet am Sonntag, dem 12. August, nachmittags 4 Uhr, am Templiner Forst haus seine diesjährige Berfassungsfeier. Republikanische Wassersportler auf der Havel werden gebeten, sich rechtzeitig einzu- finden, um noch Schluß der Feier sich an der Ä o r j o f a h r t durch Potsdam zu beteiligen. Gaftquartier« stehe» zur Leefügung. 2tesrogen deonrtvvrtet Stam.»"TT, Rowowes. Großhoerenstr. 72. Die Suche nach Amundsen. „Citta d! Milans" wieder in Kingsbay. Räch einer Meldung aus Oslo wird die Such« nach dem „L a k h a m". dem Flugzeug Amnndfens und Guilbauds. jetzt östlich von Spitzbergen fortgesetzt, wie von offizieller Seite mitgeteilt wird, ist die„E i t l a d i M i l a n o" wieder in kingsbay eingetroffen. Man hat damit begonnen, Flugzeuge an Bord zu nehmen. Der Stockholmer Dozent Hans A h l m a n n, einer der intim- sten Freunde Dr. Malmgreens, der zurzeit im Auslande lebt, Hot sich in einem Brief« an einen schwedischen Gelehrten über den Tod Malmgreens geäußert. Er teilt mit, daß das Herz Malm- grecns nicht kräftig genug war, um den Strapazen der Wanderung standzuhalten. Di« Herzkrankheit Malmgreens war übrigens auch Amundfen und Professor Sverdrup bekannt. Wahnsinnsanfall eines Schupobeamten? Wie wir ans Duisburg erfahren, wurde bei der dortigen Schutzpolizei der Polizeibcamte H a f e n m« i st e r heute durch Kommandobefehl vom Dien st suspendiert. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß Ende voriger Woche der betreffende Beamte in Frack und Zylinder vor der Wohnung des Kommandeurs der Duisburger Schutzpolizei, Oberstleutnant Dr. Leon, erschien, ihn durch Schellen ans Fenster lockt« und einen Schuß auf ihn abgab. Die Kugel verfehlte jedoch ihr Ziel. Es wird angenommen, daß der Beamte in einem An- fall geistiger Umnachtung gehandelt hat. Spurlos verschwunden. Am 7. Mai 1928 ist plötzlich und zwar auf unerklärliche Weise das Fräulein Charlotte Schmidt, geb. 19. August 1900 zu Slolp, zuletzt wohnhajt Berlin, Stargarder Straße 12 bei Hüßler, verschwunden. Alle bisherigen Nochforschungen über den Verbleib sind bisher erfolglos geblieben. Da angenommen wird, daß ein Unglücksfall vorliegt, wird gebeten, daß alle diejenigen Personen, die über den jetzigen Aufenthaltsort usw. etwas aussagen können, sich an Adolf Haberland, Berlin 0. 34. Kopcrnikusstr. 6, wenden. Gute Beohnung wird demjenigen zugesichert, der über den Verbleib etwas angeben kann. Boulevard-Thealer. Das August-Programm beschert uns, der Jahreszeit entsprechend, ein paar sommerlich-fröhliche Harmlosig- keilen. Da ist Erich K e st i n,«in lebender Fuhrpark, der die Ge- räuschtechnik sämtlicher Verkehrsvehikel geschickt und humorvoll ser- viert, Sealtiel, der Mann mit der selbsttätig wechselnd«: Krawatte, bemogelt das Publkum nach Strich und Faden, und während die Biederen Augen und Ohren aufreißen, leert er auch noch ihre Taschen. Am Schluß überreicht er seinen Opjcrn mit verbindlichem Lächeln Uhr, Brieftasche und Zigorettenrtui bestens dankend zurück. .Fabelhaft" findet der amerikanische Erzen tri ker Barney Beely Jage eigenen Darbietungen, vielleicht jft das etwas übertrieben. > aber er fiept allerlei lustigen Schnick-Schnack und macht amufcraie Verrenkungskünste. Dann folgen noch drei Einakter,.Der Durchs schnittsmann"..Der Biß" und„Stop". Willi Schaf fers liebenswürdiger 5)umor wirkte erheiternd und belebend und rrg auch seine Mitspieler mit. Christi Storm. die sich das Reservat launiscker Frauenrollen gesichert hat, tut öfters des Guten zuviel. Gcrti K u t s ch e r a und Karl S t e p a n e k sind ein famoses Tanzer- paar, die der ostmals langatmigen Situation Tempo geben. Wann wird endlich bei sogenannten„lustigen" Stücken die arme PoUtik aus dem Spiel gelassen werden? Sic trägt doch so gar mchl zur Erheiterung bei, weil hier jedes Zipfelchen Humor schon mehr als abgegrast ist.' Hellmut Krüger, der launige Ostpreuße� konseriert das Ganze mit Humor und mimt den..Durchschnittsmann Autor und Titelheld in einer Person— witzig und gewandt. Dreimal am Tode vorbei! In ihrer Wohnung Kaiserdamm 13 versuchte sich kürzlich die 36iähnge Frau R. durch Gas zu vergiften. Die Tat wurde aber rechtzeitig entdeckt, und der zu Hilfe gerufenen Feuerwehr gelang es, die Frau nach langwierigen Bemühungen ins Lebe» zurückzurufen. Ihr Z u st a n d war jedoch so b e- d« n k l i ch, daß der Arzt die Ueberlieferung ins Krankenhaus W e st e n d verordnete. Es ist dies der dritte Selbstmord- oersuch, den die Lebensmüde unternommen hatte. Auch die beiden vorangegangenen Versuch« der Frau, ihrem Leben durch Gaseinatmung ein Ende zu machen, konnten recht- zeitig vereitelt werden. Die Motive sollen in Ehe» zerwürfnissen zu suchen sein.— Wegen Familien- st r e i t i g k e i t e n vergiftete sich gestern der seit einiger Zeit arbeitslose 21jährige Mechaniker Hans Schmidt im Schlaf- zimmer der elterlichen Wohnung im Haufe Wörther Str. 41 durch Gas. Als der junge Mensch von heimkehrenden Angehörigen aufgefunden wurde, war der Tod bereits eingetreten. Ein alter Kämpfer. Es ist«ine Freud«, alte Mitkämpfer zu ehren: Unser Parteifreund Genosse Richard R e i m a n n aus Niederschönhaus cn ist in diesem Monat sechzig Jahre alt geworden. Mehr als ein ganzes Menfchenaltcr lang hat er gekämpft und gewirkt für die So- zialdemokratifche Partei, fiir die Idee des Sozialismus. Siebzehn Jahre war er als Bezirksführer tätig, davon allein vierzehn Jahre ununterbrochen im zweiten Berliner Wahlkreis. Leser des„Vor- wärts" war er schon, als unser Blatt kaum zehntaufend Abonnenten zählte. Unser toter Richard Fischer war ein guter Freund Reimanns, nach der Revolution wirkte der alte Kämpe als Arbeiterrat. Singer, Jgnaz Auer, Bebel, Haase und Zubeil waren ihm persönlich gut bekannt. Die sechzig Jahre, die er hinter sich sieht, waren, seitdem er als junger Mensch sich zum Sozialismus bekannt hatte, der Arbeiter- jchast gewidmet. Möge uns sein« Kraft noch lange erhalten bleiben! Eine Neuerscheinung im Straßenhandel. Der Straßcnhandel, der dem Wandel der Zeiten wie kein an- deres Gewerbe folgt, lzat eine Neuerung eingeführt, bei der man fo recht beobachten kann, wie das Bedürfnis nach alkohol- freien Getränken im Volk gewachsen ist. Arn Alexanderplatz stehen einig« Wagen, die in ihrer Art vorbild- lich dem Zuge der Zeit Rechnung tragen und nur alkoholfreie Ge- tränke verabfolgen. Was etwa an Komfort dieser im übrigen sehr sauberen„fliegenden Einrichtung" abgeht, ersetzt sie reichlich an prak- tischen Dingen. Eine Kaffeemaschine liefert d a u e r n d frischen Kaffee zu billigen Preisen. Dann gibt es e i s- gekühlte Milch im glasweisen Ausschank. Aber vor allem sind es die Limonaden und Zitronenwasser, die reißen- den Absatz finden. Eisaekühltes Wasser, das zur Bereitung der De- tränte gebraucht wird, fließt durch Kohlensäuredruck in die Hähne. Ebenfalls ist fließendes Wasser für den Spüllisch vorhanden. Das Wasser wird durch eine Schlauchleitung dem nächsten Straßen- Hydranten entnommen. All« Apparate befinden sich im Inneren des Straßenoerkaufswagens. Angeblich soll der Umsatz eines Wagens an heißen Tagen über 200 M. betragen. Es ist ein dauerndes Kam- men und Gehen der Passanten, die für den billigen Preis von 10 Pf. schnell«ine Erfrischung zu sich nehmen. Mit Genugtuung sieht man, daß die Mehrzahl der Kunden aus Arbeitern und Jugendlichen und aus Frauen besteht. Diese ebenso billige wie praktische Gin- richtung wird hoffentlich Nachahmung in anderen Verkehrsgegenden Berlins finden._ Die Elile-Sönger am koltbusser Tor bringen auch in, Monat Nugull ein gut zusammengestelltes Programm. Für einen genußreichen Abend sorgen Gustav Rieß, HanS Naumann, Kurt Hohenfels, Eugen Becker. AIS ausgezeichnete Damenstimmeiiimitatorcn gelten Hans Rens und Max Hennings. Schorfch Ruselli brachte durch seinen Humor auch diesmal wieder den Griesgrämigsten zum Lachen. Den«chlug bildete» zwei Schwanke aus dem Leben:„Huckcbein und Kompagnie"■#•*■/ Erste Niederlage] BerEin SW, Oranienstraße 127 Zweite Niederlage: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str.SS In beiden Niederlagen Reparaturwerkstätten VERKAUF werktftglich von 9 bis 19 Uhr Die Reichsbahn, fpart". Ein Reichsbahnfunde" schreibt uns: eines Man entsinnt sich- es ist noch gar nicht so lange her Reichsbahnerlaffes, nach dem jeder Reichsbahnfahrgast als geschätter Runde" zu behandeln ist. Heute spart die Reichsbahn aber ohne Rücksicht auf ihre Runden, wie die häufung Der Eisenbahnunglüde und unfälle in Süddeutschland erschreckend beweisen. Selbstverständlich bemüht sich auch die Reichsbahndirettion Berlin so viel wie möglich zu sparen, ein Berfahren, das z. B. am Bahnhof Alexanderplatz unhaltbare Zustände geschaffen hat. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 12. August: 6.30: Frühkonzert. 8.55; Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. 9: Morgenfeier. 11.30: Mittagskonzert. 14: Funkheinzelmanns Singstande. um die deutsche Wasserball15.30: Für den Landwirt. 16.30: Endspiel Meisterschaft des Arbeiter- Turn- und Sportbundes( Uebertragung Osnabrück). 19: Franz Schubert und die Antike. Anschließend: Unterhaltungsmusik. 19.30: Die Dichter des Opiums. 20: Der Haager Völkerbundskongreß. 20.30: Joseph- Plaut- Abend. 22.30: Tanzmusik. Montag, 13. August: 6: Gymnastik. 16: Die moderne Frau und das Theater. 16.30: Technische Wochenplauderei. 17: Unterhaltungsmusik. 19: Wie wir den ,, Eros" entdeckten. 19.30: Der Aufstieg der Hansastädte in den letzten zehn Jahren. 20: Schulung des Denkens. 20.30; Zeitgenössische Meister( Musikvorträge). Dienstag, 14. August: Dort treffen Tag für Tag mit den ersten Stadtbahnzügen Hunderte von Marttbesuchern ein, die in den Zentralmarkthallen einkaufen wollen. Gerade in dieser ersten halben Stunde mit besonderem Andrang steht aber an der Bahnsteig dorf. mit der Uhr in der Hand Sperre nur ein Schaffner, so daß es zehn Minuten dauert, bis die legten nachgemessen! Fahrgäste des einen Zuges, schon zusammen mit den ersten des nächsten Zuges, den Bahnsteig verlassen können. 16: Film 6: Gymnastik, 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. musik. 16-30: Wanderungen durch die Mark. 17: Kurmusik Ostseebad Herings19: Sozialpolitik im Beamtenrecht. 19.30: Der Zauber der deutschen 20.30: Ludwig Wüllner zum Kleinstadt. 20: Nahrung als Wirtschaftsgut. 70. Geburtstage. 21.30: Musikvorträge. Mittwoch, 15. August: 6: Gymnastik. 16: Die Frau als Kulturträgerin. 16.30: Folgen der 17.30: Teemusik. 17: Tschechische Frauendichtungen. falschen Fußstellung. 19.30: Liberales Judentum. 19: Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde. 20.30: 20: Der Wiederaufbau des europäisch- amerikanischen Kulturkreises. Vortrag. 21: Hermann Löns( Rezitationen, Lieder). 22.30: Aus klassischen Operetten. Die Sperrbeamten haben schon wiederholt gebeten, daß der zweite Beamte doch schon um 4,30 Uhr statt erst um 5 Uhr zum Dienst bestellt wird. Dies Ersuchen ist aber regelmäßig abgelehnt worden, und um ihre Stellung nicht zu gefährden, tönnen fie es nicht magen wieder darauf zu dringen. Wann wird die Reichsbahn hier ihre Fahrgäste wirklich als geschätzte Kunden" Donnerstag, 16. August: behandeln? Kinderfreunde Groß- Berlin, Kreis mitte. Die Helfersizung am Montag fällt aus. Sprechchor für Proletarische Feierffunden. Die Mitglieder treffen fich Bente nachmittag 5 Uhr zur Mitwirkung bei der Verfassungsfeier im Rotal Alte Taberne. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, dem 11. Auguft. 1. Rennen 1. Rosenprinz( Hauser), 2. Der Rader( Bachmann), Plat: 15, 16, 24: 10. Ferner liefen: 3. Fuge( Torte). Zoto: 41: 10. Chriftingen, Filanda, Proklamation, Rutas, Erin, Streitfrage, Lagenburg, Cherry Brandy. 2. Rennen. 1. Balisander( Lüder), 2. Minentönig( Bittner), 3. Lobelia( Bachmann). Toto: 35: 10. Blat: 16, 13, 56:10. Ferner liefen: Legende, Marcion, Klimbim, Sonnengöttin. 3. Rennen. 1. Werden( Bismart), 2. Bartie( Hauser), 3. Betterbere ( b. Gök). Toto: 68: 10. Plat: 19, 15, 18: 10. Ferner liefen: Stillemit, Geri, Narrenzeit, Fallner, Hermoder, Romulus, Eiche. 4. Rennen. 1. Quelle( Bismark), 2. Pommard( Franzle), 3. Gilde ( Edler). Toto: 56: 10. Blaz: 19, 21, 15: 10. Ferner liefen: Ernani, Notenstein, Bildfang, Kermal, Sanskrita, Narrengold. 5. Rennen. 1. Bommerlund( Wolff), 2. Girant( Hauser), 3. Baltazar ( Bismark). Zoto: 41: 10. Plat: 25, 15: 10. Ferner liefen: Der Nord, Theano, Jongleur. 6. Rennent. 1. Türkenbund( Ladendorff), 2. Perseverantia Toto: 15: 10. ( Huguenin), 3. Erinnerung( Stolz). Plak: 11 ,, 12: 10. Ferner liefen: Conferva, Turnei, Spekulation. 7. Rennen. 1. Sennerin( Grabsch), 2. Champagner( M. Schmidt), 3. Clothilde( Jaelel). Toto: 64:10. Blaz: 20, 17, 39:10. Ferner liefen: Bonbonnier, Flaminia, Carl Heinz, Hardinac, Goldamsel, Gaffel. Morgens rot, Astrid, Raute, Ottogebe. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, 2indeuftraße 3, 6: Gymnastik. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16.30: Streifzüge durch dunkle Winkel am Mittelmeer. 17: Franz Schubert( Lieder, Musikvorträge). 18.45: Esperantovortrag. 19.10: Aus der Technik des Films. 19.40; Der italienische Film. 20.10: Sendespiele: ,, Die Rose von Stambul", Operette von Lep Fall. 22.30: Tanzmusik. Freitag, 17. August: 6: Gymnastik. 16.30: Franenarbeit in den deutschen politischen Parteien. 17: Kinderstube. 17.30: Unterhaltungsmusik. 18.45: Die Sportschau des Monats. 19.10: Italienisch. 19.35: In die Märkische Schweiz. steuerung von Empfängern zur Ausschaltung von Empfangsstörungen. Sinfoniekonzert. 20: Fern20.30: Königswusterhausen. Sonntag, 12. August: 20: Uebertragung aus Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 15: Winke für Liebhaberphotographen Ab 15.30: Uebertragung aus Berlin. 18.30: Von Frauen und Müttern großer Männer. 19.10: Kirchengeschichte in einer Stunde. Hamburg. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag, 13. August: 16.30: Die praktische 17: Uebertragung aus 18.55: Die Bed 16: Französisch( kulturkundlich- literarische Stunde) Psychologie als helfende Macht im Beruf und Leben. Berlin. 18: Der junge Kreis. 18.30: Englisch für Anfänger. deutung der Buchführung für die Betriebsführung und Wirtschaftsführung. 19.20: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 14. August: Ab 20-30 16: Die Schülerbücherei in der Volksschule. 16.30: Deutsche Lande und 18: Das Volkstheater. 18.30: ihre Sagen. 17: Uebertragung aus Leipzig. Friedrich Paulsen zum Gedächtnis. 18.55: Erfolgreiche und verkannte Malcr 20.30: Uebertragung aus Berlin. Ab 21.30; Uebertragung aus Leipzig. Mittwoch, 15. August: 17: Ueber 16.30: Moderne Erdbodenforschung. 16: Kurzschriftdiktate. 18: Bedeutung, Organisation und Tätigkeit der deuttragung aus Hamburg. 18.55: schen Arbeitgeberverbände. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 19.20; Einführung Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. in das Verstehen von Musik. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 16. August: 16: Erziehungsberatung. 16.30: Deutsches Volkstum. 17: Uebertragung 18.30: Spanisch für aus Berlin. 18: Eintausend Jahre deutsche Ostmark. 19.20: Die Maschine 18.55: Kartoffelernte und-verwertung. Fortgeschrittene. als Helferin im Laden und Bureau. Ab 20.10: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 17. August: 16: Koch und Kellner. 16.30; Bildungswert. 17: Uebertragung aus Leipzig. 18: Wesen und Werden der freiheitlich- nationalen Arbeiter- und Angestellten verbände. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Technischer Lehrgang 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für für Facharbeiter und Werkmeister. 20-30: Technik und Handwerk im Aerzte. 20: Die öffentliche Meinung. Anschließend: Uebertragung aus Altertum. 21: Der erfolgreiche Mensch. Berlin. Ab 22.30: Uebertragung aus Stuttgart. Sonnabend, 18. August: Deutsch- österreichische Rechts 16.30: 16: Aus 17: Humo6: Gymnastik. 16.30: Medizinisch- hygienische Plauderei. 18: Unfall17: Uebertragung aus Hamburg. ristische Reportagen. 17.30: Unterhaltungsmusik. angleichung im Beamtenrecht. 19: Norwegische Land18.30: Spanisch für und Krankheitsverhütung in der chemischen Industrie. schaft und norwegische Menschen. 19.30: Herbstübungen des Reichsheeres. Anfänger. 18.55: Das Duett. 19.20; Eckermann als Mensch. Ab 20,30: Ueber 20: Jagd, Staat und Volkswirtschaft. 20.30:„ Ingeborg", Komödie von Kurt tragung aus Berlin. Götz. 22-30: Tanzmusik. Sonnabend, 18. August: 137. Abt. Reinidendorf- Oft. Die Besichtigung des Botanischen Gartens in dem Zentralinstitut. Dahlem findet nicht, wie zuerſt feſtgefest, am Donnerstag, 16. Auguft. Vorträge, Vereine und Versammlungen. sondern am Mittwoch, 15. August, statt. Treffpunkt 10 Uhr Untergrundbahn Geestraße. Die Genoffinnen werden gebeten, sich recht zahlreich an der Besichtigung zu beteiligen. Auch die Genosfinnen anderer Abteilungen tönnen sich der Besichtigung anschließen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. A Groß- Berlin: Die Generalversammlung findet am Mittwoch, 15. Auguft, 19% Uhr, im Großen, Saal des Deutschen Krantentassenhauses, Charlottenburg, Berliner Str. 137, statt. Steglig: Dienstag, 14. Auguft, Treffen im Heim Albrechtstr. 47. Gruppe Hermsdorf: Montag, 13. August, und Mittwoch, 15. August, finden unsere Gruppenabende wieder von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Roonstraße statt.-Kreis Friedrichshain, Gruppe Paul Singer: Montag und Donnerstag von 18 bis 20 Uhr auf dem Sportplag, und Freitag von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Brommystr. 1, Beranstaltungen. Kreis Kreuzberg. Montag, 13. August, 20 Uhr, Jugendheim Nordstr. 11, Donnerstag, 16. August, 20 Uhr, Jugendheim Nordwichtige Helfertigung. ftraße 11. Unsere Rotfalten erzählen von der Rinderrepublit Ueberfee. Eltern, Freunde und Genossen find herzlich eingeladen. Kreis Mitte. Montag, 13. August, 20 Uhr, Helfersigung im Heim Zehde nider Straße. Kreis Prenzlauer Berg. Dienstag, 14. Auguft, 20 Uhr, im Sort Danziger für Groß- Berlin Straße 62 wichtige Streishelferfißung. Grscheinen aller helfer ift Pflicht. ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sot, 2 Erep. rechts, zu richten. 1. Rreis mitte. Dienstag, 14. August, 19% Uhr, bei Dobrohlam, Swine münder Str. 11, ermeiterte Kreisvorstandessigung. 2. Areis Tiergarten. Dienstag, 14. August, 20 Uhr, bei Krüger, Butlitzstraße 10, erweiterte Kreisvorstandsfizung. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Dienstag, 14. Auguft, 19 Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes. 6. Kreis Kreuzberg. Montag, 13. August, 191 Uhr, bei Krüger, Grimm ftraße 1, Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. Z. Kreis Charlottenburg. Walbfeft- Ausschußßigung am Mittwoch, 15. Auguft, 20 Uhr pünktlich, im Jugendheim Rosinenste. 4. Bir besprechen das Programm, Bildungsausschußfizung am Donnerstag, 16. August, 20 Uhr pünktlich, im Jugendheim Rosinenstr. 4. Tagesordnung: Rurse der Ar beiterbildungsschule. Nächste Beranstaltungen. Geschäftliches. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 7. Atreis Charlottenburg. Am Dienstag, 14. August, 19% Uhr, erweiterte Kreisvorstandsfizung im Rathaus, Zimmer 1. 138. Abt. Hermsdorf. Frauenabend 15. August, 20 Uhr, Ronditorei Dewald, Glienicker Str. 5. Referent Feliz Fechenbach:" Rinderrepublit am Ueber fee." 16. Kreis Röpenid. Mittwoch, 15. Auguft, 19% Uhr, in Röpenid, an bekannter Stelle, Kreisvorstandssigung. Jede Abteilung muß vertreten fein. Morgen, Montag, 13. Auguft. 77. bt. Schöneberg. 20 Uhr bei Schmidt, Grunewaldstr. 16, Borsbandsligung. Dienstag, 14. Auguft. 89. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr im Solal Rulla, Lauenburger Str. 20, Mit gliederversammlung. Bortrag: Die sozialpolitischen Aufgaben des neuen Reichstags." Referent Otto Bach. 3. Abt. Sonntag, 19. August, Dampferfahrt mit Mufit nach Biegenhals bei Zeuthen. Dafelbft großes Breistegeln und sonstige Be Luftigungen. Abfahrt 8 Uhr von der Baisenbrüde. Teilnehmerkarte 2 M. Für Schulpflichtige Rinder 50 Bf. Zahlreiche Beteiligung auch Don ben Genossen anderer Abteilungen wird erwartet. 25. Abt. Achtung, Bezirksführer! Die nächste Funktionärsigung tann erst am Sonnabend, 18. August, stattfinden, und zwar 20 Uhr im Berneuchener Schloß, Elbinger Str. 87. Frauenveranstaltungen. 23. t. Dienstag, 14. August, 20 Uhr, bei Rönig, Otamistr. 37, Seiterer Abend. Bortragender: Genosse Buggi Mud. Um vollzähliges und pünkt. liches Erscheinen wird gebeten. Gäste find herzlich willkommen. 31. Abt. Die Genoffinnen treffen fich Montag, 13. August, um 20 Uhr, bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Pünktliches Erscheinen ist erwünscht. Thema wird dort belanntgemacht. Charlottenburg. 54. Abt. Dienstag, 14. Auguft, Staffeekochen bei Brettfahneider, Rönigsdamm, neben der Olympiasportbahn. Anschließend humoriftifche Borträge des Genossen Hans Ramm. Treffpunkt 14 Uhr Wilhelmplag. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 55. Abt. Wir beteiligen uns am Raffeekochen der 54. Abt. am Dienstag, 14. Auguft, bei Brettschneider, Königsdamm, neben der Olympiasportbahn. Anschließend humoristische Borträge des Genossen Hans Kamm. Treffpunkt 14 Uhr Wilhelmplag. Alle Genoffinnen und deren Familien find eingeladen. 77. Abt. Schöneberg. Gonntag, 19. August, gemeinschaftlicher Ausflug nach Behlendorf- Mitte, Lotal Luipold, Alsenstraße. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Großgörschenstraße. Alle Genossinnen, deren Familien sowie die Mitglieder der SAJ. find herzlich eingeladen. 84. Abt. 2antwig. Montag, 13. August, Ausflug nach dem Lotal Seehof". Treffpunkt 14 Uhr an der Haltestelle der Straßenbahnlinie 100. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 33. Abt. Neukölln. Am Mittwoch, 15. August, Ausflug in die Müggelberge. Treffpunkt 10 Uhr am Bahnhof Raiser- Friedrich- Straße zur Fahrt mit der Linie 95 und 83 bis Wendenschloß. Nachmittags Raffectochen im Lokal Krampfenburg. Alle Genoffinnen find hierzu eingeladen. 111. Abt. Bohnsdorf. Mittwoch, 15. Auguft, bei Seimann, Baltersdorfer Straße 100, Bortrag des Genossen Runstmann über 8med und Siel ber Rinderfreundebewegung". Reine Genoffin darf fehlen. Gäste milftommen. Kind Kreis Reinidendorf. Montag, 13. August, 20 Uhr, im Heim Lindauer Straße Elternabend. Aussprache über unsere Ferienfahrten. Die Eltern werden dringend gebeten, zu erscheinen. Interessierte Genofsinnen und Genoffen willkommen. Jungsozialistische Bereinigung Groß- Berlin. Gesamtveranstaltung am Montag, 13. August, 19% Uhr, im Noten Saal bes 8DA., Belle- Alliance- Str. 7-10. Genosse Dr. Fris Croner spricht über Soziale Reform Soziale Revolution". Partei- und SAJ.- Genossen sind hierzu eingelaben. SAT Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an bas Jugendfefretariat, Berlin S2 68, Lindenstraße 3 Singkreis: Uebung pünktlich 19% Uhr im Seim Lindenstr. 3. Montag, 13. Auguft, 19% Uhr. Falkplak II: Torgebäude Cantianstraße. Jugendtag und Ferienfahrterleb. niffe. Frankfurter Biertel: Heim gitauer Str. 18, Zimmer 2. Mitglieder. versammlung. Baumschulenweg: Heim Ernststr. 16. Dortmund- und Ferien fahrtberichte. Treptow: Heim Kinderhort, Bildenbruchstraße. Bub und Mädel." Funkwinkel.Z Der Berliner Rundfunk erkennt das Gebot der Stunde. Der Berfassungstag steht im Mittelpunkt des Programms. Die beiden repräsentativen Feiern im Reichstag und in der Staatsoper am Platz der Republik werden übertragen. Der Aufforderung der Funkstunde, sich bei den Vorträgen Gustav Jacobys gefund zu lachen, tann man nur mit großen Schwierigkeiten und sehr naivem Gemüt nachkommen. Manches ist wirklich hübsch. Wenn Jacoby in süddeutscher Mundart Kurzgeschichten erzählt, dann ist er tatsächlich fomisch. Aber damit vermengt er wiederum den deutschen Rhein, den er ernst nimmt und nicht der Abwechslung halber einmal parodistisch behandelt. K. W. Goldschmidt ist auf dem Baltan gewesen, fein Mensch nimmt ihm dies übel. Soll er ruhig reisen, doch er braucht deshalb nicht in völlig hergebrachten Formen und ohne bildnerische Gestaltungskraft Griechenland zu besingen. Das hat man schon zu oft gelesen und gehört. Dabei sind in diesem Vortrag verheißungsvolle Anfäße vorhanden, etwa die kurze Schilderung des griechischen Militärs. Statt daß aber Goldschmidt auf individuelle Erlebnisse eingeht, fühlt er sich verpflichtet, in Archäologie und Kunstgeschichte zu machen, und das ist überflüssig. Dr. Schirotauer beschließt seinen 3yklus Deutsche Dichterreifen" mit dem Vortrag Was Dichter sahen, schrieben und was man ihnen nicht glaubte". Das Reiseerlebnis ist dem Dichter nur Rohstoff, daraus modelliert er ein Kunstwert. Persönliche Stimmungen spielen eine Rolle dabei, sind überhaupt ausschlaggebend. Aber sieht Schirokauer hier den Dichter nicht zu sehr durch eine Raum anzunehmen, daß Gerhart romantisch gefärbte Brille? Hauptmann oder Thomas Mann nicht in erstklassigen Hotels F. G. residieren. " Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Bez. 31, Lichtenberg: Mitgliederver sammlung am Dienstag, 14. August, 20 Uhr, im Cecilien- Enzeum, Rathaus Straße 8. Referent Gausekretär Schubert über: Rückständiges in der Cozial politit." Die Möglichkeit außerordentlicher Ersparnisse bieten die Gerientage des Warenhauses H. Joseph u. Co., Renkölln, Berliner Str. 51/55. Diese vorteil. hafte Einkaufsgelegenheit für alle Schichten der Bevölkerung zeigt deutlich, was die 40 Spezialabteilungen an Preiswürdigkeit zu leisten vermögen. Man muß diese hervorragenden Vorteile unbedingt wahrnehmen, denn jeder Artikel ist im wahren Sinne des Wortes ein Preiswunder! Ausführliches in der heutigen Ankündigung der Firma H. Joseph u. Co., Neukölln. Die große Mode wird auch in der kommenden Gaison wieder Kunstseide fein. Rein Gewebe hat wohl bisher bei den Damen so schnell Anklang gefunden wie Kunstseide, tein Stoff hat eine solche Farbenfreude und ist so schmiegsam wie Kunstseiden fabrikate, so daß ihre Beliebtheit verständlich ist. Die Firma Wertheim bringt in diefer Woche einen Verkauf von Kunstseiden stoffen und fertigen Fabritaten, Kleidern, Strümpfen, Wäsche, Krawatten usw., deren billige Preise zum Kauf einladen. Das große Electrola"-August- Programm wird foehen veröffentlicht, und die Electrola- Gesellschaft m. b. S., Berlin 8, Leipziger Str. 23, und 15, Kurfürstendamm 35, bringt alle erschienenen Neuaufnahmen. Dortselbst Bor. Spiel ohne Raufgwang bereitwilligft. Beginn der Leipziger Herbstmeffe am 26, August. Alle Nähere über die Vorverkaufsstellen für Meffeabzeichen und Meffeadreßbücher sowie über sonstige Auskunftsstellen in Messeangelegenheiten erschen Sie aus dem heutigen Inferat des Leipziger Messeamts. Gewinnauszug 5. Klasse 31. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Dhne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II P 3. Ziehungstag 10. August 1928 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 m. 133598 4 Gewinne zu 5000 QR. 26296 39465 6 Gewinne zu 3000. 146207 197201 357041 14 Gewinne au 2000 m. 69066 79756 176517 202374 325809 342341 861693 24 Gewinne gu 1000. 7024 15576 122080 204511 232487 248939 295706 303522 303723 305837 353918 366657 86 Gewinne gu 500 m. 15435 15980 30246 30747 57065 59366 68609 87218 91112 96882 118080 121249 133614 142452 161477 172659 184988 189684 194833 207232 213475 217521 226647 235640 243384 255145 259884 262736 265979 268169 294325 296882 299870 801181 310714 325017 325770 328590 346314 352410 353872 355787 869377 202 Gewinne u 300. 1331 11950 12808 14636 17661 18505 19973 28977 30471 30693 38218 39025 40104 45936 49395 50117 50925 58230 61067 61359 65154 66424 68476 74257 74920 77723 79897 83085 88255 90565 96336 97666 101510 102049 102312 104900 106226 107100 115695 131998 135234 139012 139723 143127 149176 154351 159314 160273 161487 162488 171379 178556 178838 178924 179588 182156 183261 183826 184116 185296 185914 188397 191149 198673 211737 213731 218126 219942 220357 223233 225355 231504 232350 236731 237179 237439 246051 247232 248000 255518 256328 261503 262099 267646 284741 302645 313203 314850 321888 324296 335878 335939 346345 347113 349482 352003 357654 360836 362091 869234 374272 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2 Gem. zu 500000, 2 zu 300000, 2 zu 200000, 2 zu 100000, 4 zu 75000, 4 zu 50000, 10 zu 25000, 72 zu 10000, 144 zu 5000, 380 zu 3000, 682 zu 2000, 1468 zu 1000, 3926 zu 500, 10026 zu 300 Mart. 4. Ziehungstag 11. August 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne su 10000 m. 233826 2 Gewinne zu 5000 m. 37657 8 Gewinne gu 3000 m. 34700 158583 258304 339873 10 Gewinne au 2000 m. 29447 42803 84052 159960 287799 20 Gewinne su 1000 m. 18625 57122 73514 91124 189473 191595 207897 272728 291405 317808 90 Gewinne au 500 m. 14438 30494 46495 49766 51920 69072 69270 83297 118047 123618 129322 132204 141508 142922 145003 155921 159487 168276 169227 184545 187372 188817 189120 198370 203257 211079 215978 220841 222391 240893 266114 282276 299074 300810 304756 317774 324079 326495 337371 337839 342907 344403 355973 864438 366850 170 Gewinne u 300 m. 4322 4973 13415 20834 23350 29021 38204 44136 44732 48684 49778 49962 53004 55911 61390 65806 70778 71555 73234 74290 74669 75550 78325 95762 101101 104491 106998 109062 111544 119117 120493 124763 124947 127642 150831 154746 159554 162012 163798 164664 166137 171375 173602 178159 183419 188717 194494 195841 203327 208611 217180 221103 229089 233508 237084 238282 238505 254169 266750 274685 274923 275031 278577 279823 282076 285144 286575 287841 289876 292783 308110 313228 315968 830059 337240 341637 345428 346927 347887 352181 352682 354769 859167 369295 370319 dan pinsöntistan Magan, Morizima- Britan D STOCK KREDIU Wegen AND AD CE Es ist eine fabelhafte Sache beim schäumenden Humpen unter dem Ampelschein im Freundeskreis Skat zu spielen. 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Reinhold Heiligensee: Restaurant Sporthaus", Inh. Dannenberg Grünau: Restaurant Jägerheim", Inh. Gustav Ehrhardt Friedrichshagen: Restaurant„ Bürgersäle", Inh. Trepping 99 Café Mignon", Restaurant, Hubertus", Inh. Maus Erkner: Restaurant„ Bürgergarten", Inh. W. Schröder Woltersdorfer Schleuse: Restaurant ,, Zum Kranichsberg", Inh. Günther Grünheide: Restaurant ,, Vater Fielitz", Inh. Zabranski Zentralverband d. Hotel-, Restaurant- u. Café- Angestellten Zweigverein Groß- Berlin, Elsässer Str. 86/88 Telephon: Morden 1813, 804 Leibhaus Morigplag 58a. Bertauf von Auffallend billig! Schlafzimmer, Seilzahlung Rempfehle Bimmer, Cin gelmöbel billig. Benger, Marfilius traße 8( Aleganderplag). Große Frant furteritcake fechsundfünfzig. Briefmarken, Münzen Zauft Groß mann, Sobannisftraße 4. 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Von den sieben Punkten der Tagesordnung dürften neben dem Vorstandsbericht und der Statutenberatung insbesondere die Frage der Sitzverlegung des Verbandes von Stuttgart nach Berlin, vor allem aber die Neueinführung der I n v a- lidenunterstützung das größte Interesse beanspruchen. Dem Kongreß liegen bis jetzt aus dem Reich 3 7 7 An- träge vor, deren Zahl während der Tagung noch vermehrt werden dürfte. Neben den Anträgen, die sich auf die Tages- ordnungspunkte beschränken, befaßt sich außerdem eine Reihe hauptsächlich mit der Taktik des Verbandes, mit O r g a- n i s a t i o n s- und Wirtschaftsfragen, mit dem Problem der Industrieoerbände, dem Lehr- lingswesen, der Jugendbewegung und der Schlichtungsordnung. Letzterer sind allein 16 An- träge gewidmet, wovon der eine Teil eine radikale Beseitigung des Schlichtungswesens fordert, während der andere Teil sich gegen die Zwangsschiedssprüche und die damit zusammen- hängenden Verbindlichkeitserklärungen wendet. Die Schlich- tungsordnung weist in der Tat Mängel auf, deren Beseitung durch ernste und verantwortungsvolle Arbeit erreicht wer- den muß. Die Sitzverlegung des Verbandes fand auf dem Ver- bandstag in Bremen vor zwei Iahren keine Mehrheit. Soweit man heute die Meinung im Lande zu übersehen vermag, ist inzwischen ein Umschwung eingetreten, so daß große Wahr- scheinlichkeit besteht, daß der Umzug noch Berlin aus praktischen Gründen beschlossen werden dürfte. 5)eiß und leidenschaftlich dürfte um d i e E i n f ü h r u n g derInvalidenunterstützung gekämpft werden. Der Vcrstandsentwurf begegnet in den Kreilen der Mitglieder der größten Beachtung, Zustimmung und Kritik. Von den 619 Verwaltungsstellen des Verbandes, von Aacben bis Zwickau, dürfte schwerlich eine zu finden sein, die sich mit der Vorlage nicht befaßt hätte. Die„Metallarbeiter-Zeitung" stellte ihre Spalten den Kollegen im Reich zur Aussprache zur Verfügung, und es ist sehr erfreulich und zeugt von geistiger Regsamkeit, daß von dieser Diskussion reichlich Ge- brauch gemacht wurde. Der Ablehnung der Vorlage wurde nur vereinzelt das Wort geredet. Häufig wurde aber an Stelle der geplanten Invalidenversicherung eine Alters- Versicherung gefordert. Ein Beweis dafür, daß die größte Sorge des deutschen Arbeiters die Furcht vor dem „zu a l t" ist, das ihm häufig im besten Mannesalter schon bei der Arbeitssuche entgegengehalten wird. Die Vorstands- vorläge sieht unter bestimmten. Voraussetzungen bei einem wöchentlichen Beitrag von 29, 25 und 30 Pf. eine monatliche Rente von 14 bis 49 M. vor. De? Verbandstag wird jedenfalls der Schwierigkeiten, die zweifellos mit dem kühnen Projekt verknüpft sind. Herr zu werden suchen, wobei es ganz feldstoerständlich ist, daß weitergehende Wünsche in dem Maße berücksichtigt werden, wie es ohne Gefährdung des genannten Entwurfes möalich ist. Trotz mancher Bedenken— es gab Referenten und Kor- referenten— wurde in zurückliegenden Iahren die Arbeits- losen- und Krankenunterstützung eingeführt. Der Verband ist dabei nicht zugrunde gegangen, sondern neue Hundert- tausende strömten ihm zu. Die Einführung der dritten, großen Unterstützungsein- richtung, als Krönung des gewaltigen sozialen Werkes wird dem Verband sicherlich keinen Schaden brin- gen. Sie wird den Mitgliedern nicht nur Stütze in Alter und Not sein, sondern auch erzieherisch und werbend auf die- jenigen wirken, die den hohen Wert des Gemeinschafts- gedankens und Verbundenseins noch nicht erfaßt haben. Die Vorstandsvorlage dürfte mit großer Mehrheit angenommen werden. Die M i t g l i e d e r z u n a h m e im Geschäftsjahr beträgt rund 149 99 9. Im laufenden Jahr wird man nahe an die Mitgliederzahl von 9 99 999 herankommen. Hält die Konjunktur auch nur einigermaßen an. so muß dos Jahr 1929 dem Deutschen Metallarbeiterverband die erste Million Streiter bringen, die bereit sind, den Kampf für bessere Lebensbedingungen aller Schaffenden in seinen Reihen zu führen. Die Reineinahmen des Verbandes betrugen 1927 in Haupt- und Lokalkasse 38 91 Millionen Mark. Von der Ge- samtausgabe fallen rund S9 Proz. auf Unterstützungszwecke gegen 75 Proz. im Jahre 1926. Im Berichtsjahre waren 1986Bewegungen mit 3 332 913 Personen zu verzeichnen. An A r b e i t s z e i t v e r- k ü r z u n g wurden durchschnittlich 3'/4 Stunden bei 1 299 956 Beteiligten erreicht: an Lohnerhöhungen für männliche Arbeiter 3 534 616 M.. im Durchschnitt wöchentlich 2,11 M. Verschlechterungen aller Art, wie Arbeitszeitverlängerungen, Lohnkürzungen und Maßregelungen wurden insgesamt für 118 892 Personen abgewehrt. Es würde zu weit führen, hier im einzelnen das um- fangrsiche Arbeitsgebiet auch nur annähernd skizzieren zu wollen. Obwohl eine Fülle von Arbeit zum Zwecke der Besse- rung der wirtschaftlichen Lage der arbeitenden Klasse geleistet wurde, harren große Fragen noch ihrer Lösung. Die Revolutionierung im Reiche der Technik, des Ver- kehrs und der Produktion, mit ihren tiefeinschneidenden Be- (sieiterscheinungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete, tellt heute die Gewerkschaften vor neue Aufgaben. Der Ar- beiter will nicht mehr Opfer der Entwicklung sein. Sein Drang zur verantwortungsvollen Mitarbeit in Wirtschaft und Gesetzgebung ist zu begrüßen. Es geht dabei um Großes. Allen Schafsenden sollen die Segnungen des Fortschrittes und der Kultur zuteil werden. Von diesem Zustand sind wir heute noch weit entfernt. Möge der Verbandstag der größten Gewerkschaft der Welt sich mühen, in ernster und sachlicher Arbeit Mittel und Wege zu finden, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Die heißen Wünsche von Millionen von Arbeitern begleiten ihn. Für die Organisation des Friedens! Gnischliefmng des Brüsseler Kongresses zur Abrüstungssrage. Der internationale Kongreß in Brüssel hat die folgende Ent- schließung einstimmig angenommen: l. Das Ziel der SAJ. ist d i e vollständig« Abrüstung zu Land, zu Wasser und in der Luft, ohne Unterschied zwischen Siegern und besiegten Staaten. Diese Forderung kann nur verwirklicht werden durch die gemeinsamen und energischen Be- strebungen der organisierten Arbeiter, durch die unablässige Auf- klärung der Arbeiter über die Ursachen und Gefahren der Rüstun- gen und durch den gesteigerten politischen und wirtschaftlichen Kampf des Pioletariats gegen die herrschenden Klassen. Die allgemeinen Tendenzen des Kapitalismus streben zum Krieg. Andererseits ist es richtig, daß die wachsende gegenseitige Abhängig- keit der wirtschaftlichen Unternehmungen, die gesteigerten Kosten der Rüstungen, die Erkenntnis, daß das Wettrüsten den Krieg auto- matisch berbeizuführen droht, die Notwendigkeit der Sicherheit für ausländische Anleihen und die Furcht vor neuen Revolutionen, welche jeder Krieg entfesseln kann, gewisse Teile der herrschenden Klassen dazu veranlassen können, im Prinzip einer Einschränkung her Rüstun- gen zuzustimmen. Es ist eine der wichtigsten unmittelbaren Auf. gaben des internationalen Sozialismus, alle Regierungen unter den itärkstmöglichen Druck zu setzen, um die in den herrsch:nden Klassen selbst wirksamen Tendenzen zu internationalen Abrüstunzsüberem- kommen auszunützen, die ihnen widerstreitenden mächtigen imperia- listischen und militärischen Gegentendenzen zu überwinden und aus diese Weise ein internationales Abrüstungsübereinkommen durchzu- setzen. Die Schwierigkeiten, die die Abrüstung bietet, können nur unter dem stärksten politischen Druck überwunden werden. Diesen Druck durch eine ständige und energische Aktion in den Massen und Parlamenten zu üben, ist die Aufgabe der sozialistischen Arbeiter- Parteien. Sie werden zu wachen haben, daß die Schwierigkeiten nicht als Vorwand für das Scheitern oller Abrüstungsbestrebungen benutzt werden. Die SAI. betrachtet es als Pflicht aller sozialistischen Arbeiter- Parteien: 1. Die Aufnahme eines Gesetzes in die Gesetzgebung ihres Landes zu erlangen, das jede militärische oder industrielle Mobili- sierung ausschließt, bevor ein internationaler Konflikt dem Völker- b u n d oder einem anderen Verfahren friedlicher Beilegung vor- gelegt ist. 2. Den stärk st möglichen Druck der Massen selbst in der revolutionierten Forni gegen jede Regierung auszuüben, die es im Falle eines internationalen Konfliktes ablehnen würde, sich einem Schiedsspruch zu unterwerfen und zum Kriege schreitet. II. Die SAI. fordert, daß alle internationalen Konflikte dem o b l i- gatorischen Schiedsverfahren oder einem anderen Ver- fahren friedlicher Beilegung unterworfen werden. Die SAI. fordert, daß der allgemeine, allumfassende Schiedsgerichts- und Vermittlungsoertrag, be- könnt als Konvention und entworfen entsprechend dem norme- gischen und schwedischen Vorschlag bjfi der achten Volkerbundver- sammlung ohne Vorbehalt angendinMkn und durch die neünte Versammlung zur Unterzeichnung vorgelegt werde. Sie fordert die in der SAI. vertretenen Parteien aus, in chren Ländern dafür tätig zu sein, daß die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland so bald wie möglich ausgefordert werden, den Vertrag zu unterzeichnen. Die SAI. ist sich dessen bewußt, daß ihr Kamps um internatio- nale Rüstungsbeschränkungen desto wirksamer sein wird, je wirksamer sie die Entscheidung oller internationalen Konflikte durch friedliche Mittel zu sichern vermögen wird. III. Die Abrüstung wird nur dann dem Frieden dienen, wenn sie nicht eine einseitige Verpflichtung ist, die die Sieger den Besiegten auferlegen. Rur zwischen gleichberechtigten Nationen ist dauernder Friede zu erreichen. Die SAI. verlangt daher für alle Nationen die gleiche Freiheit in der Wahl ihres Heeres- systems. Die Herstellung dieser Gleichberechtigung der Nationen erfordert aber zwingend als ersten Schritt und bei den bestehenden politischen Verhältnissen ein internationales Ab- r ü st u n g s o b k o m m e n, das einem neuen Wettrüsten zwischen den Siegern und Besiegten von 1918 wirksam vorbeugt. Dieses Abkommen muß die Methoden der Abrüstung den verschiedenen Heeressysiemen anpassen. Um einen solchen Vertrag zu formulieren, soll die Ab- rüstnngskonserenz so bald wie möglich einberufen und die Arbeit der vorbereitenden Kommission entsprechend beschleunigt werden. IV. Die Hauptaufgabe eines Rüstungsübereinkominens muß sein, dafür Sorge zu tragen, daß kein Staat sofort bei Ausbruch eines internationalen Konslikts große Massen ausgebildeter und bewaff- neter Truppen zu einem Angriff bereit hat. Daher muß das inter- nationale Abkommen sichern: 1. Möglichst kleine Friedens stände in den Ka- ferne», 2. Beschränkung des Waffenvorräte, die die ein- zelnen Staaten bereithalten dürfen. Soll allen Nasionen die Wahl ihres Heeressystems freigestellt werden, so lenkt andererseits die SAI. die Aufmerksamkeit aus die Gefahr, die ein neuer Typus der Heeresorganisation bietet, der einen starken Kern von Berrisssoldaten verbindet mit der Möglichkeit schneller Benutzung großer Massen für eine Angrisss- aktion, so daß er die Gefahren des Milizheeres mit denen des Berufsheeres vereint. Man muß also verhindern, daß sich irgendwo, namentlich aber in den Ländern des Milizsystems star.re Kerne von Kasernentruppcn bilden und ebenso, daß irgendwo, namentlich in den Ländern der Berufsheere, Vorkehrungen getroffen werden, die es gestatten, ge- waltige Massen zu einem plötzlichen Angriff zu oerwenden. V. Wo das Heer auf die Wehrpflicht gegründet ist, ist zunächst die Dienstzeit auf eine möglichst kurze Ausbildungsdauer zu beschränken. Weiter ist dann auch die Zahl der zum Heeresdienst Auszubil- denden zu beschränken. Für die Länder, die Sökdnerheere hatten, ist in analoger Weise der Friedensstand zu begrenzen. Für alle Länder hat das internationale Abkommen überdies vorzusehen: 1. Verbot de» Gaskrieges und der Verwendung von Bakterien zur Kriegführung im Sinne der Grundsätze, die von der Untcrkommission des Völkerbundes angenommen wurden. 2. Beschränkung der Zahl der schweren Geschütz«, Tanks, Flugzeuge.' Beschränkung der Flotte bezüglich der Gesamtgröße al? auch nach verschiedenen Schissskategorien. 3. Beschränkung der finanziellen Auswendun- gen für Heer und Flott«. 4. Nationale und internationale Kontrolle der Erzeugung. des Handels und des Transports von Kriegsmitteln. Die von der Konferenz über den internationalen Waffenhandel ausgearbeitete internationale Konvention über den Handel mit Waffen und Munition soll in möglichst kurzer Zeit von allen Re- gierungen ratifiziert werden. Es ist unbedingt notwendig, daß die Organe der Arbeiterbewegung zur Kontrolle der Durchführung der Konvention herangezogen werden. 5. Die Bestrafung von Veröffentlichungen über ge- Heime Rüstungen ist zu verbieten. 6. Internationale Kontrolle der Durchführung aller dieser Beschränkungen durch den Bölkerbund oder durch eine weitere, auch die deni Völkerbund nicht angeschlossenen Nationen umfassende Organisation. Der Wert von internationalen Abkommen über Verbot des Gas- krieges, des chemischen Krieges, des Bakterienkrieges usw. hängt in hohem Maße von der Macht ab, welche die Arbeiterschaft als inter- nationale Organisation zur Beachtung dieser Abkommen ausbringen kann. Wenn die imperialistischen Klassen die Staatsmacht behalten, werden sie in jedem zukünftigen Kriege alle solche Abkommen rück- sichtslos brechen: kein Vertrag wird verhindern können, daß ein kommender imperialistischer Krieg mit ollen Mitteln der Chemie und der neuen Kriegstechnik geführt wird. Die Umstellung der Friedensbetriebe auf den Kriegsbetrieb ist in allen Kriegen, den kriegdienenden Industrien das Werk einiger Stunden, höchstens von ein paar Tagen: die Organisation der che- mischen Industrien vor allem wird zu einer ungeheuren Kriegs- gefahr, die nur beseitigt werden kann, wenn diese Kriegs- induftrien unter staatliche Kontrolle gestellt oder so- zialisiert werden. Die Sozialisierung dieser Kriegsindustrien durch Staaten, in denen die Arbeiterschaft einen entscheidenden Einsluß ausübt, wird daher zu einer wirksamen Friedensgarantie. Die SAI. betont die Notwendigkeit, die Altion für die Ab- rüstung.zu beschleunigen. Der Weg zur Tat muß entschlossen' betreten werden, ohne daß man, wie dies die Großmächte wünschen, warte, bis ein neuer Grad der Sicherheit erreicht ist. Denn die wahre Sicherheit entsteht aus der Kombination, und Kontrolle von Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung. VI. Unbeschadet des Kampfes um internationale Abrüstungs- abkommen werden die sozialistischen Arbeiterparteien darum kämpfem daß jeder Staat aus eigenem Willen seine Rüstungen vorher schon einstelle oder einschränke. Die Abrüstungsverträg« dürfen für jeden Staat nur das Höchst- maß seiner Heeresausrüstüngen vorschreiben. Kein Staat darf durch internationale Verträge verhalten werden, größere Streitkräfte zu unterhalten, als er selbst es für notwendig findet. Kein Staat darf für die Einschränkung seines Hceresstandes unter das ihm durch die internationalen Verträge zugebilligte Höchstmaß mit dem Entzug irgendwelcher internationaler Garantien bestraft werden. VII. Angesichts der durch die Entwicklung der modernen Waffentech- »ik wesentlich vermehrten Gefahren, die jede militärisch« Organi- ,,■> sation,. selbst bei der demokratischsten Heeresocrfassung, für die Demo-�. kratie und für die Arbeiterklasse in sich schließt, müssen die soziä, i listischei, Arbeiterparteien mit dem Kampf um die Abrüstung den Kampf um die Demokratisierung der Dersügungsgewatt über dos Heer und die Flotte und um die Demokrasifierung der inneren Orga- nisation des Heere? und der Flotte verbinden. Zu diesem Zweck fordern die sozialistischen Arbeiterparteien: 1. Dersügungsgcwalt der Parlamente über 5?ecr und Flotte. Keine, auch keine teilweise Mobilmachung- ohne Parlamcntsbeschluß. Kontrolle der inneren Heeresorganisation durch besondere Parlamentskommissionen. Verbot der Verwendung der militärischen Kräfte in Konflikten zwischen Kapital und Arbeit. 2. Beseitigung aller Schranken, die das Heer vom Voll trennen, und oller Einrichtungen und Bestimmungen, die das Heer zu einem Machtinstrument der kapitalistischen Klassen gegen die Arbeiter machen. Zu diesem Zweck bei möglichst kurzer Dienstzeit volle Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte der Sol- baten, Schutz der Rechte der Soldaten durch von ihnen gewäh.te Vertrauensmänner, Demokratisierung der Ergänzung des Offizierkorps, Demokratisierung des Disziplinarrechtes und des Mili- türftrafrechtes, Aufhebung der besonderen Militärgerichte in Friedens- Zeiten. VIll. Zur Verhütung der Umgehung der internationalen Abrüstungs- abkommen und zur Abwehr der safchiftischen Gefahren ist die Auf- stellung und Erhaltung faschistischer bewaff- neter Milizen und Wehrorganisationen zu verbieten und die Durchführung des Verbots unter inter- nationale Kontrolle zu stellen. IX. Die SAI. kann sich nicht darauf beschränken, hier das Pro- gramm dieser unmittelbaren konstruktiven Aktion zu entwerfen, durch die das Proletariat daran arbeitet, den Frieden zu sichern. So sehr sie jedem, wenn auch teilweisen Erfolg für den Frieden, Bedeutung beimißt, so muß sie doch die Arbeiter aller Länder da- ran erinnern, daß der Krieg er st, wenn der So- zialismus gesiegt hat, endgültig Lberwun- den sein wird. Keinerlei Umwandlung des Kapitalismus kann die kriegerischen Kräfte in ihm vernichten, die zu seinem Wesen gehören. Der Imperialismus führt zum Krieg, Krieg in den Kalo- nien, Krieg in den erst jüngst in den Weltmarkt einbezogenen Gebieten und zwangsläufig zum Krieg zwischen den Industrie- ländern selbst. In der kapitalistischen Epoche trägt jeder Krieg stets den Cha- rakter des herrschenden Imperialismus. Und der Kampf selbst, den die Finanzmächte mit erwachender Energie gegen die Demokratie führen, indem sie die Zahl der diktatorisch regierten Staaten ver- mehren, verschärft die Gefahren äußerer Konflikt«. Solange die Regierungen eine imperialistische Politik verfolgen, gibt es keinen sicheren Frieden. Ja sogar ein Vertrag zur Herab- fetzung oder Beschränkung der Rüstungen zwischen derartigen Re- gierungen könnte dazu dienen, die Arbeiter in ein falsches Gefühl der Sicherheit zu wiegen, ihre Aufmerksamkeit von einer gefahr- vollen Politik abzulenken. Der internationale Sozialismus hat die Pflicht, den Völkern verständlich zu machen, wie sehr Abrüstungs- konferenzen sinnlos werden, wenn die daran teilnehmenden Re- gierungen dabei verharren,«in« kriegerische Politik zu führen. Die SAI. erklärt, daß es vor allem die unabhängige und direkte Aktion der internationalen Ar- beiter kla sfe ist. gerichtet gegen die kapitalistischen Regie- rungen, die die Völker auf dem Weg der Abrüstung vorwärts führen kann. Unser Losungswort muß daher lauten: Umsassende Organisation des Friedens! Für die völlige Abrüstung! Rücksichtsloser Kamps gegen alle Form«» des Kapitalismus! m Otto Bauer gegen den Bolschewismus und das Verbrechen der Spaltung. Vrustcl. 11. August.(Eigenbericht.) Vorsitzender ds» letzten Knngreßtages ist Lansburq- England. V a n d e r v e l de norlicst �»nächst das nan der politischen Aornrnission beschlossene Manifest an die Arbeiter der Welt. Den Bericht der Kommission erstattet Otto Äauer-Wien: Das Wams est ist von der Kommission gegen die Stimmen der Vertreter der englischen Ilnabbängiaen Arbeiterpartei angenommen morgen. Es ist diesmal in einer besonders feierlichen Form ein Lltzlpell an die Proletarier oller Länder zu richten. Als nor 10 Jahren der furchtbare Eewaltapparat der Armeen zusammenbrach, hofften breite Arbeitermassen, daß dem Sturz der Dnuasuen der Sturz des Kapitalismus folgen werde, cheute kann niemand bestreiten, daß der Kapitalismus noch gewaltiger dasteht als in der Vorkriegszeit. Wir sind natürlich nicht blind sür die Errungenschaften der Revolution, aber was wir erreicht haben. bleibt weit hinter dem zurück, was breite Arbeitermassen in der Stunde der Revolution in Mitteleuropa erhofft haben. Auf dem europäischen Kontinent hat die Periode der Inflation die ungeheuer- lichsten Gärungsprozesse hervorgerufen, sie hat ihren Abschluß g«. funden mit der Stabalisierung des französischen Franken. Per- gleichen wir etwa die Lage der Arbeiter der Deutschen Republik im Herbst 1020 mit heute, so erkennen wir auf den ersten Blick, «üe sehr die Stabalisierung des revolutionären Prozesses eingetreten ist. Damals im Gefolge der Inflation soziale Gärung durch das ganze Reich. Damals, als komimniistischc und faschistische Putschversuche miteinander abwechselten, bestand die unmittelbare Gefahr be? Bürgerkrieges in Deutschland. Heut« sind die Zustände in der Deutschen Republik, gerade heute, wo sie den Dersassungstag feiert, befestigt. Freilich hat sich auch befestigt die ungeheure wirtschaftliche Macht des deutschen Kapitalismus. Damit ist auch gewachsen das Selbstbewußtsein und die Widerstandskrast der deutschen Kapitalistenklasse. In den Staaten des europäischen Kontinents ist der revolutionäre Prozeß zum Abschluß gekommen mit der Be- «ndigung der Irrflation. Ganz begreiflich, daß i durch diese Zustände Stimmungen der Enttäuschung und der Resignation hervorgerufen wurden. Wenn uns z. B. heut« der Moskauer Kongreß verkündet, baß unabwendbar dem Weltkrieg, durch dessen Schrecknisie wir gegangen sind, eine ganze Reihe neuer imperialistischer Kriege % fachen müsse, und erst daraus jene revolutionäre Situation lzervor- gehen würde, die den Sieg des Sozialismus ermöglichen weroe, das was anderes ist, als die Theorie einer Stimmung der Enttäuschung und der Resignation!(Lebhaste Zustimmung.) Ein« der wichtigsten Ersahrungen der Rachkriegsjahr« für un» ist es, daß wir all« vor dem Kriege die Roll« de? Bauern in der Geschichte unterschätzt haben.(Beifall.) Wir haben ge- sehen, wie selb st in der Sowjetunion der unorganisierte, stille und unscheinbare, elementare, aber unübermindUche Widerstand der bäuerlichen Mosten hie Diktatur immer wieder zur Kapitulation gezwungen hat. vNr haben in Rlikteleuropa erlebst wie die Wiederherstellung ' des Kapitalismus überhaupt nur dadurch möglich wurde, daß ' bis Sauservativierung und Traditlanallfieruug der Baueraschast >hm ermöqlichk haben, unter dem Kommando von ein paar kausend Vlukakral«, Millionen Bauern für die kaptlaNftische Herrschaft einzusetzen. Deshast, ist nichts wichtiger, als zu sehen, wie die Entwicklung selbst d>«.s.e festeste Stütze der Kapitalherrfchaft zu unterminieren beginnt. Wir sehen heute in der Landwirtschaft ein« technische Umwälzung, die sehr langsam erscheinen mag, oerglichen mit den technischen. Umwälzungen der Industrie aber«in ungeheuer schnelles Tempo bedeutet, verglichen mit den technischen Fortschritten, die die Landwirtschaft in früheren Zeiten hatte. Wir sehen auch die ganze Denkweise der Bevölkerung sich in schnellerem Tempo als?« zuvor verändern. Das wird heute noch beschleunigt durch die ganze Eick- Wicklung der nn�ernen Technik. Das Darf ist aus seiner Zsolierkhelk herausgelöst, seil es vo« der modernen Technik ersaht ist. Dadurch ist auch der Konscroalismus der Bauernmassen erfaßt worden, und mm erst werden die Vorbereitungen dazu geschossen. baß dos Proletariat der Stadt- und Industriegebiete auf dem Land« Bundesgenossen hat. Wir sehen vor allem den Fortschrift in einem Tempo, das unsere kühnsten Erwartungen übertrifft. Unser Manifest ist nichts anderes als «in Appell zur Einheit und Einigkeit de» Proletariats der ganzen Welt. Wir wenden un» in diesem Manifest an all« großen Nationen der' großen Klassengemeinschaft der Arbeiterschaft. Wenn der europäische Kapitalismus die Erschütterung durch den Weltkrieg überlebt hat, so verdankt er das nicht nur der Stütze«iner konservativen und traditionell befangenen Bauernniassc in Europa, sondern verdankt es vor allein der tätigen und aktiven Hilfe, die ihm der a m e r i k a- vis che Imperialismus und Kapitalismus in den entscheiden- den Iahren gebracht hat. Viel wirksamer als di« Intervention der amerikanischen Marinesoldaten in Nikaragua war die Intervention de? amerikonischen Dollars in Eurova.(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben erlebt, wie die Staaten, durey den Krieg völlig-erschüttert, notleidend an Rohstoffen, an Nahningsinitteln, an Betriebskapitalien der Industrie, zerstört durch die Inflation, nicht imstande waren, sich au. Eigenem zu erheben. Das war die Situation, in der die Blicke ganzer Völker gelenkt worden sind auf die Notwendigkeit oon kluslandskrediten und vor allem auch auf die Notwendig- teft der amerikonischen Hilfe. Sie ist gekommen, hilfsbereit, aber bedürftig der Sicherheit ffir die Zinsen und sür die Rückzahlung. Wir hohen es olle erlebt, wo immer das Proletariat sich erhob, wie man ihm sagt«, nur kein« Erhebung, nur Ruh«, nur Ordnung, sonst sind wir nicht kreditmürdig, sonst kommt nicht der Dollar, den wir nicht entbehren können. Ich brauche wohl nicht zu erinnern an die Jahr«, da es galt, die Reparatioiisprobleme zu lösen, da die europäische Kapftalistentlasse jede ihrer Interesien zu iInteresien des öffentlichen Kredits oerkleidete ünd da Europa der Gefangene feines Kreditbedürfnisses, der Gefangene der Nofwendigteit der Hilfe des amerikanischen Dollars war. In der Zeit, in der die europäisch« Kapitolistenklasic die Hilfe des ameri- konischen Kapitalismus gefunden hat und durch sie gerettet worden ist, in derselben Zeit hat die europäische Arbeiterklasse jeder hllse des amerikanische« Proletariats entbehrt. (Sehr richtig!) Deshalbat unserer Bewegung ungehaur« Krastqu«llen erschlossen und ist, immer wachsend, ein Mittel, uns neu« begeisterte Scharen zuzusichrc» Theater Lichtfpiele efw. Deutsches Theater Norden 12310 8U. Ende nach 10/2 Zum 65. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/751 8, U. Ende 10%, U. Zum 91. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Chariotienstr.93/ 91.00.17 8%, Ende nach 10% Zum 112. Male: Gastspiel d. Deutschen[ h. Der Prozes Mary Dugan Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wörtz a. G. keinen Zutritt: VERLOREN ist für Sie und Ihre Familie vieles, wenn Sie den heutigen Sonntag nicht dazu benutzen, die große Schau am Kaiserdamm zu besuchen. Es ist die letzte Möglichkeit, zur selben Erkenntnis zu kommen wie jene Pariser Zeitung, die da schrieb, daß diese Ausstellung für die Hausfrau und Mutter der beste, billigste und unerschöpflichste Kursus von weittragenderBedeutung für die Familie sei... Wenn Sie selbstsich schwere Vorwürfe ersparen wollen, dann fahren Sie heute zur: ERNÄHRUNG Jugendliche haben Von 9 bis 9 Uhr geöffnet( Einlaß bis 8 Uhr). Erwachsene 1.50 M., Jugendliche 0.75 M., Familienkarten für 3 Erwachsene oder 2 Erwachsene u. 2 Jugendl. bis z. 18 J. 3.50 M., Kinderzusatzkarte 25 Pf. Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1.- Mk. Staats- Oper Jnter d. Linden Ferienbalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! f UFA- PALAST am Zoo Nollend, 62, 1397 2. 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Etwalge Einwendungen gegen diese Anlage find bei dem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nach der Ber öffentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppelter Ausfertigung oder zu Protofoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist tönnen Einwendungen nicht mehr erhoben werden. Beschreibung und Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Berlin C 2, Waifenstraße 27, 1 Treppe, Simmer Nr. 60, an den Geschäftstagen in der Zeit von 9 bis 2 Uhr mährend der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen mird par unferem Rommiffar, Stadtoberinspettor Genit, auf Dienstag, den 28. Auguft 1928, Dormittags 9 Uhr, in unserem Bureau eint Termin anberaumt. zu dem die Unternehmerin sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben. mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangenen mirb. Berlin, den 6. Auguft 1928. Der Stadtausschuß Berlin, Abt. 1. Schneider. Heute, Sonntag Verfassungsfeier DES REICHSBANNERS Beginn: 4 Uhr nachmittags im LUNA PARK FEST 10 KONZERT ausgetührt von 3 Kapellen u. a. Sinfonie- Orchester der Schutzpolizei.- Dirigent: Camillo Hildebrand Festredner: Polizeipräsident Karl Zörgiebel Staatssekretär a. D. Oskar Meyer, M. d. R. FEST- FEUERWERK FACKELZUG Eintritt: 1 Mark, Kinder bis zu 12 Jahren haben freien Eintritt. Neubauwohnungen Grellstr. ( Bez. Prenzlauer Berg) 2, 2 und 31 Zimmer, Zentralheizung, Warmwasser, mechanische Waschküche, beste Verkehrslage ohne Baukostenzuschuß sofort oder 1. September an alte und neue Mitglieder des Bundes Deutscher Mietervereine, Gau Berlin, zu vermieten. Erforderlich: Wohnberechtigungsschein, Erwerb einer Aktie von RM. 500.-( ev.Teilzahl.). Keine Vermittlergebühren. Mieteraktienbauverein Gemeinnützige Aktiengesellschaft, Kantstraße 146, Tel. Steinplatz 430. Näheres im Vermietungsbureau, Grellstr. 60, Tel. Königstadt 8960. 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Beerdigung: Montag, den 13.Auguft, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gnaden- Rirchho es in Reinickendor Oft, Barfußstraße, aus. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Zuleger Max Bethge am 9. August gestorben ist.. Beerdigung: Montag, 13. Auguft, nachm 32 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Kirchhofes, Hermannstraße, aus. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drücker Max Richter geb. 29. Mai 1849, am 10. August gestorben ist. am Die Einäicherung findet Mittwoch, dem 15. August, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefhoigstraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am Freitag, dem 10. August, verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unjer guter Bater, der Parteigenoffe Max Richter In tiefer Trauer Marie Richter nebst Kindern. Am Friedrichshain 27. Einäscherung Mittwoch, 15. Anguft, Dormittags 111 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Blöglich und unerwartet verschied am 9. Auguft. nachm. 3 Uhr. an Herzichlag mein inniggeliebter, über alles fleißiger, treujorgender Mann und herzensguter Bater, der Tischlermeister und Schablonenmacher Alfred Eckert m 49. Lebensjahre. Jm tiefsten Schmerz Margarete Eckert nebst Töchterchen Gerda 8ionstirchplag 3. Die Beerdigung findet am Diens tag, 14. Auguft, nachm 32 Uhr, von der Leichenhalle des Zionskirchhofes, Nordend, statt. Danksagung Für die herzliche Teilnahme beim Tabe meines Mannes Ferdinand Klawitter fage ich allen Kolonisten, insbesondere dem 1. Borsigenden der Kleingartenfolonie Sonnenschein", meinen herzlichsten Dant. Frau A. Klawitter. Berlin- Weißensee, den 9. Auguſt 1928 Stimmbegabte Frauen und Mädchen zur Gründung eines Frauenchores in Neukölln gesucht Deutscher Arbeiter- Sängerbund 9. Bezirk. Anmeldungen beim Bezirksvorstand Ph. Weißer, Rottbusser Damm 101, Quergebäude III. Hören Sie schwer? Geyer's Gehörerleichterer, Deutsch. Reichs.- Pat. Nr. 451 438, bewährt gegen Ohrensausen und Schwerhörigkeit Reinhold Arno Geyer, Dresden- A. 29. Zurück Eisu- Beiten, Hinder Dr. H. Bernhardt Kinder- Dr. benten Lasenbei abra Sute( Thür, Stahlmatratzen, günstig an Priv. Kat.2049 fr. Hals-, Nasen, Ohrenarzt. so nicht... So -0000000 ao. Schnittmuster sind meist wenig flar, verwirrend, kraus und schauderbar! Das Klarste Muster von der Welt ist einzig das der Frauenwelt"! ,, Die Frauenwelt" kostet trotz erhöhten Umfanges nur 40 Pf. Bestelle noch heute beim Zeitungsboten oder in deiner VolksBesonders buchhandlung. wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und 99 billig! 167 Deutscher Metallarbeiter- Verband Restaurant Flußbad Lichtenberg Achtung! Vertrauensleute Achtung! Fernspr. E 5( Lichtenberg) 4586 Empfehle den werten Vereinen meine Die Branchen- Vertrauensmänner- Räume( 50--300 Personen) zur Abhal tonferenzen finden am Sonnerstag, dem tung von Festlichkeiten. 16. August, nicht statt. Die Kulturabteilung wurde am 6. August wiedereröffnet. Spielplan unserer Kulturabteilung. In der Woche vom 6. bis 12. August: 1. Der Heilige Berg. 2. Die Berliner Hochbahn. 3 Humoreske. In der Woche vom 13. bis 19. Auguft: 1. Bis ins dritte und vierte Glied ( Segual- Film). 2. Maschinenfabrit Augsburg- Nürn berg. Hersteller Frig Knefels, Zimmerstr 13. 3. Humoreste. In der Woche vom 20. bis 26. August: 1. Die Wunder des Amazonenstroms 2. Der neuefte Fordfilm. 3 Humoreste. In der Woche vom 27. August bis 2. September: 1. Der Mann im Feuer. 2. Herſtellung von Startstromkabeln. 3. Humoresfe. In der Woche vom 3. bis 9. September: 1. Unter Affen und Palmen. 2. Die Gießerei. 3. Humoresté In der Woche vom 10. bis 16. September: 1. Zum Gipfel der Weit. 2. Der Elettro- Ofen. 3. Humoreste. Anfragen wegen Ueberlaffung und Besuch der Abteilung find telephonisch oder schrift lich an das Bureau( Kulturabteilung) u richten. Die Ortsverwaltung. Von der Reise zurück Dr. Gliksman Landsberger Allee 30. Sonnabend und Sonntag noch frei. Otto Hebenstreit. Von der Reise zurück Dr. Blumberg Frauenarzi und Chi: urg, Tauentzienstraße 18. Zurückgekehrt Dr. Zadek sen. Tel. Moritzplatz 3630 Oranienstraße 139. Neubauwohnungen nur für Invalidenversicherte. tein Bau zuschuß, beziehbar 1. August. Wohnraum. Belle- Alliance- Straße 79 Telephon: Bergmann 6394. Ahrensfelde m 60 Pl. an ca. 600 Bau- und Landparzellen, neu erschlossen, am Bahnhof anfangend. Verkäufer täglich im Bahnhofs- Restaurant„ Büttner", Bahnhof Ahrensfelde" Friedhof, Ju lus Rieger, Berlin C 25, Prenziauer Straße 32, 1 40.- Rmk. Anzahlung Biesenthal, Perie der Mark qm 60 Pfg. an. Monatl. 25.-, 5 Min. v. Bhf., ca. 200 Parzellen, baureif, am plätschernd. Bach. Verkäufer Mittw. u. Sonnt. Restaur. Wonneberg" am Bhf. Julius Rieger, Berlin C25 Prenzlauer Straße 32. I. Gonnias 12. August 1928 Unterhaltung unü AVissen Beilage' des Dorwörts Der Salonwagen. Erlebnisse eines Eisenbahners aus vergangener Zeit. Die Geschichte, die ich mir von meinem Bater immer am kebsten erzählen ließ, war so: „Also, was ich noch erzählen wollte, hör mal zu. Junge, ich fuhr damals als ziemlich junger Zugführer die D-Auge von C-Harlottsn- durg nach Oderbcrg, dahinten an der österreichischen Grenze. Jetzt ist es ja wohl Tschechoslowakei. Hin und zurück machte sechsund- dreißig Stunden Dienst, eine Paus« natürlich dazwischen. Einmal kommen wir nach Vreslau. Die Reisenden steigen aus und ein, wollen Auskünfte, haben Beschwerden. Die Schaffner haben dies und dos, ich erledige olles, mache meine Meldungen, und es wird allmählich Ruhe am Zug. Aber gleichzeitig ist es auch un- gefähr Abfahrtszeit geworden. Ich gehe langsam wieder nach vorn zu meinem Packwagen, denn es handelt sich mir noch um Sekunden, und wenn der Zeiger auf die volle Minute springt, muß ich meinen Zug fertig melden. Ich bin gerade vorne und vergleiche meine Uhr, die schon so weit ist. mit der Bahnhofsuhr. „Sagen Sie mal, Sie find wohl noch nicht lange Zugführer, daß Sie hier rumstehen, statt Ihre Pflicht am Zuge zu tun?" Der Herr Obcrbohnhofsvorsteher! „Am Zuge ist alles erledigt, Herr Oberbahnhossvorsteher. Aber jetzt ist Abfahrtszeit," sage ich, und„Fertig", brülle ich. Der Dienst- habende hebt die Fliegenklatsche. „So? Sie kennen wohl Ihre Dienstvorschriften nicht?" Der Zug fährt an. „Meine Dienstvorschrift verlangt, daß ich zur Abfahrtszeit den Dienst am Zuge schon erledigt hoben soll, Herr Oberbahnhofsvor- sicher, dos habe ich getan," sage ich und springe auf. „Ich werde Sie im Auge behalten!" schreit er mir nach. Wir rollen zum Bahnhof hinaus. Jedesmal, wenn ich jetzt mit meinem Zuge durch Breslau kam, war der Herr„Ober" persönlich da und paßte mir auf die Finger. Dabei hat er mit dem Fahrpersonal gar nichts zu tun. Versteht sich, kam ich nachts durch, schlief er. Sowest ging seine Liebe zu mir dach nicht. Aber dos Vergnügen dauerte mich nur ein paar Monate, dann passierte etwas, daran denke ich heute noch mit Vergnügen. Es war ein Sonnabend. Ich hatte den D-Zug Z438, der den durchgehenden Wagen von Bukarest her mitbringt. „Na," denk« ich. wie wir in Breslau einfahren,„Bei dem Betrieb heut« wird der Herr Ober wohl auch mehr zu tun haben, als rumzustehen." Ich raffe meine Papier« zusammen und springe auf den Bahnsteig, um erst mal den Diensthabenden abzufertigen. Ein Haufen Menschen auf dem Bohnsteig.„Nami, was ist denn hier las?" Da kommen auch schon die beiden auf mich zugestürzt, der diensthabende Assistent und der Herr Ober. Beide in Gala. Putzig sah das aus. so'n mächtiger Dreispitz, langer Rock mit einer Menge Knöpfe, weiße Handschuhe. Degen an der Seite, so wollen Eisen- bahner Dienst machen. Ra� als ich. inal Kaisers Hofzug fuhr, mußte ich mich ja sogar am Zuge so immqüetscheir. Und aufgeregt waren sie:„Sie müssen sofort den Bukarester Kurswagen abhängen lasten! Die Reisenden müssen Sie im Zuge unterbringen! Wir müssen einen Salonwagen in Ihren Zug ein- stellen! Kaiserliche Hoheit und Gemahlin fahren mit nach Berlin!" „Ist ja gar incht nötig, Herr Oberbahnhofsvorsteher, ich habe Bloß 44 Achsen am Zug, da kann ich doch den Salonwagen einfach aufnehmen." .Als Zugführer müßten Sie wissen, daß der Salonwagen sechs Achsen hat, und daß Sie mit Sli Achsen nicht fahren dürfen, Sie fahren doch mit 80 Kilometer, nicht? Da dürfen Sie mir 48 Achsen hoben. lind der Kurswagen ist auch fechsachsig. Also abhängen!" Nu hatte er mirs aber mal gegeben. Aber ich sagte ihm ganz ruhig: „Für die Zugbelastung zählen aber laut Betriebsoorschrift die sechs Achsen nur als vier. Und 44 Achsen und vier dazu macht 48. Und außerdem, wenn wir hier rangieren, kriegen wir Verspätung wid die Reisenden versäumen in Liegnitz und Guben die Anschluß- Züge. Und dann ist heute Sonnabend, da brauch« ich jeden Wagen, um den Verkelzr aufzunehmen." „Wir müssen in erster Linie Rücksicht nehmen auf Kaiserliche Hoheit. Der Kurswagen bleibt hier." „Aber ich brauche meine Wagen. Wo sollen in Liegnitz die bleute hin, wenn hier schon die Gänge vollstchen?" „Hören Sie auf jetzt und hin Sie. was Ihnen gesagt n'-d. Soll ich mich von Ihnen belehren lassen? Sie scheinen ja ein ganz wider- horstiger Mensch zu sein!"" Na ja, was macht man mit so einem Menschen, der sich durch- vus als Vorgesetzter fühlen muß, und dem sogar die frischgeplättete �alahose schlottert, wenn Kaiserliche Hoheit mit der Eisenbahn zu fahren geruht. Also der Wagen wurde abgehängt. Waren die Reisenden wütend! Ganz klar, fahren tagelang und müssen auf einmal den halben Weg stehen. Und natürlich kamen alle zu mir. „Unerhört!" „Schweinerei!" „Beschwaren— l „Verschaffen Sie mir einen Platz!" -„Ich verlange einen Sitzplatz!" „Ich habe in Bukarest für drei Personen Platzkarten bezahlt!" „Beschweren Sie sich, sagte ich jedem einzelnen. No, war das ein Rummel. Bis glücklich der Kurswagen ab �ar und der Salonwagen dran, und Kaiserliche Hoheit drin, und die hohen Herren ihre Bücklinge angebracht und der Lokomotivführer leine Bremsprobs gemocht hatte und wir endlich loskamen, hotten �'r unsere zehn Minuten Verspätung aus dem Halse. Hatte ick) ein« Wut, als ich in meinen Packwagen kletterte. kommt so«in Mensch, der keine Ahnung hat vom Betrieb und �?cht so'n Kohl. Uedrigens, fiel nur ein. wenn jemand von Kaisers �lstährt, dann muß doch ein höherer Beamter von der Eisenbahn-- Sektion de« Aug begleiten. Warum Hab ich denn von dem nichts l�Merkt? Dann hätte der doch eingreifen können. Da kommt schon ganz aufgeregt einer van meinen Schaffnern. w.„Herr Zugführer, der Oberbourat Berg von der Direktion "Oeslau fitzt gleich hier vorue in der ersten Klaste." „Großartig!" Ich meine Mütze auf, die rote Tasche wieder noch einen Blick nach vorn und hinten: Lokomotive und Zug � Ordnung. Schlußsignale noch da, und hm. Jfmtt Oberbauvat Berg?" „Bitte." „Zugführer X. Dienststelle Charlottenburg." „Danke. Ist denn nun om Zug alles in Ordnung?" „Nein, Herr Oberbaurot." Und ich erzähle. „Ich weiß, ist stand daneben, als sie sich zankten, aber ich dachte, es wäre nicht so schlimm. Hm, was machen wir denn da?" „Die Reisenden stehen jetzt schon im Gang, in Liegnitz kommt am Sonnabend der Hauptandrang. Wir müssen unbedingt wieder einen Wogen ausnehmen." „Hm, na dann veranlassen Sie das." „Dos kann ich vorher nicht. Wir halten erst in Liegnitz." „Hm, fluchte Schweinerei. Na, sehen Sie zu, was Sie machen können." „Und wie begründe ich die Berspättmg?" „Schreiben Sie, wie es war." Ich gehe wieder in meinen Packwagen und überlege immer: „Wie kannst du bloß Liegnitz benachrichtigen?— Hm, wirst mal versuchen,. eine Meldung abzuwerfen." Ich schreibe also einen Zettel und wickle ihn um einen alten Schraubenschlüssel. Indem donnert niein Zug schon über Weichen. Ich rann an die Türe, und während wir an dem Bahnsteig irgend so einer mittleren Station vorbeifegen, brülle ich und winke dem Diensthabenden zu und werfe ihn mein Eisen vor die Füße. Aber das Donnern der Räder verschlingt mein Geschrei, und durch die Wucht der achtzig .Kilometer fegt das Ding mit meinem Zettel über den halben Bahn- steig hin, und der hat von mir nichts gesehen und gehört, denn er stcht, natürlich in Gala, mit der Hand am Dreispitz und der Ras« zum Himmel,-denn Kaiserliche Hoheit ist ja im Zuge. Wir kommen also in Liegnitz an. Ich raus und dränge mich durch das Gewühle— beinahe noch schlimmer als ich erwartet hott«— zum Ober, der aufgeregt wie«ine Ätucke mit Dreispitz und Degen da herumläuft und höchst eigenbeimg den Dienst versieht. „Herr Oberbahnhofsvorsteher, ich mutz unbedingt einen Ber- stärkungswagen mit dritter und zweiter Klasse aufnehmen." „Umnöglich! Sie haben ja schon 10 Minuten Verspäwngl Lassen Sie mich zufrieden! Ich habe keine Zeit!" Aber diesmal habe ich Hilfe. Denn der Herr hinter mir. bar- häuptig aus dem Abteil gesprungen, klopft ihn auf die Schulter: „Tun Sie, was der Zugführer jagt." Der Ober ist verblüfft. „Herr Oberbourat Berg von der Direktion Breslau," stelle ich vor. Der Ober klappt zu einer Verbeugung zusammen. Als er wieder hochkommt, versucht er, irgendeine Einwendung zu stottern. Aber der andere wartet erst nicht darauf. „Tun Sie, was der Zugführer sagt, ich habe mich überzeugt, daß der Mann sein Handwerk versteht." „Jawohl,.Herr Oberbmirat!" Damit stürzt er davon, denn er hatte doch wenigstens Respekt. Natürlich läuft er nach der falschen Seite. .„Holt, hier, Herr Oberbahnhofsvorsteher, da vorn steht der Verstörkungswagen, hinter dem Eilgüterschuppen!" Denn wenn ich drei Jahre long beinahe jeden Tag vorbeikomme, dann kenne ich doch meine Strecke. „Iaja, richtig, richtig," und er stürzt nach der anderen Seite. Ich lasse ihn lausen und greise mir meinen Wagenwörter, der koppelt die Lokomotive los, gleich mit Post- und Pockmagcn dran, derweil« schicke ich einen Schafsner zum Stellwerk, und ehe der Herr Ober weiß, wo er eine Maschine und einen Rangierer her- nehmen soll, da bin ich mit meinen Leuten schon dran an dem Wagen— was? Ja, die mif dem Stellwerk hoben auch gewußt. wie sie ihren Dienst zu machen hoben— sind auch schon zurück, koppeln an, und wissen nun wenigstens, wie wir die lieben Reisenden unterbringen sollen. Alier das Geschimpfe vorher! Und die erst, die ihren Amchluß versäumt hatten! Und natürlich kommen alle zu mir.„Beschweren Sie sich, meine Herrschaiten," sagte ich. Naja, was soll weiter sein? Der Kronprinz? Der hat sich weiter nichts draus gemacht. Der hat am Fenster gestanden. Eäcilie hm Bonbons unter die Iungens geworfen— weiß der Denbsl, wo die immer her- kommen— für die beiden war das ein Hauptspaß. Sone Leute würden sich ja auch bloß halb so haben, wenn die Speichellecker nicht so um sie nimwären.-Das muß ja den Menschen zu Kops steigen. Na, wir kamen denn auch glücklich nach Berlin, der Lokführer ist gerast wie irrsinnig und hat die Verspätung ja auch ziemlich aus- geholt, aber Beschwerden hat es tratzdem gehagelt: denn in Guben kamen wir noch zu spät zu den Anschlüssen. Und dann mein Fahrbericht: Ab Breslau 10 Minuten, ab Liegnitz 17 Minuien Verspätung, weil gegen meine Einwendungen der Herr Ober usw. Und dann der Bericht von dem Oberbaurat. Na die Zigarre! Wenn ich seitdem durch Breslau kam, dann war kein Ober- bahnhofsvarsteher mehr zu sehen. Und war er zufällig mal da, dann verschwand er unauffällig. Mein Vater ist längst pensioniert. Aber diese Geschichte erzählt er heute noch so gerne, wie ich sie höre. Paul Kaltenborn. Moderne Monster-Rennwagen. Von H. Hesse, Jim �ork. Vor kurzem fand der amerikanlsche Rennfahrer Frank Lockhart den Tod. als er mit über 200 Meilen Stundengeschwindigkeit auf der Rennbahn zu Daytona in Florida dahmbraust«:(«in« Meile ist 1.8 Kilometer).. m„, Mit demselben Wagen erlebte er bereits einige Wochen vorher ein Abenteuer, als Hauptmann Campbell es mit seinem„Blauen Vogel" auf fast 207 Meilen brachte. Gleich im Anschluß versuchte Lockhart, diesen Rekord mit seinem„Schwarzen Habicht" zu brechen. Wöhrend er jedoch mit einer Geschwindigkeit von 223 Meilen dahin- brauste, geriet er aus dem Kurs und sauste mit seinem Wagen in den Ozean. Damals hatte er mehr Glück, denn er kam mit dem Leben davon. Campbell brach den Rekord von 203 Meilen, den im vorigen Jahre der englische Major Segrave ebenfalls zu Daytona aufstellt«. Er hatte einen für diese Zwecke besonders gebauten Rennwagen, das„Mystery S", der bei einem Gewicht von 4 Tonnen 1000 Pferdestärken entwickelle. „Blaue Bogel" und„Mystery S" sind eigentlich Geschosse, nur daß sie ihre Triebkraft selbst entwickeln. Wie groß würde ine Durch- schlagskraft eines tausendpferdigen Geschosses sein? Würde es in seiner höchsten Geschwindigkeit jäh aufgehalten, so wäre sein« Schwungkraft groß genug, um 50 Stahlstangcn von einem Quadrat- zoll Dicke und einem Fuß Länge zu zerbrechen! Mit diesem Rekord von 207 Swndenmeilen(350 Kilometer) dürfte das Landsahrzeug seine Möglichkeiten für längere Zeit er- schöpft haben. Für Flugzeuge ist allerdings die Höchstgeschwmdig- keit noch nicht abzusehen. Die Form spielt bei der Erzielung großer Geschwindigletten «ine wichtige Rolle. Die bloße Kraft allein tut es nicht. Nur im Verein mit zweckentsprechender Form eiitfaltet sie ihre Wirksamkeit. Es wurde von Flugzeugbauern schon frühzeitig erkannt, daß geringe Kraft bei guter Form großer Kraft in schlcchtgesormtem Fahrzeug leicht Überlegen ist. Der Erbauer des Eiffelturmes war emer der ersten, der diese Tatsache betonte. Eissel warf Körper verschiedener Form von seinem Turme in die Tiefe und maß sargiöltig den Widerstand, den sie der Luft baten. Unter anderem stellte er fest, daß der Luftwiderstand eines Zylinders mit halbkugelformigen Enden nur«in Fünftel dessen betrug, den ein« Röhre mit flachen Enden bot. Bei Landfahrzeugen liegt die zweckentsprechende Form»och sehr im argen. Ein Eisenbahnzug ist heut« im Grunde nichts an- deres als eine Reihe länglicher Kijten, die mit Rädern versehen find. Soll ein Zug bedeutend höhere Geschwindigkeiten erzielen und ansehnliche Kraftmenaen ersparen, so muß er«in« viel zweck- entsprechendere Form hoben. Haltte gehen nicht nur durch Reibung allein trotz Schmierung aller beweglichen Teile 10 Prozent verloren, sondern auch das Nehmen von Steigungen sowie das Anfahren bis zur vollen Ge- schevindigkeit verschlingen weitere Krastmengen. Der größte Auf- wand an Kraft wird jedoch durch den Luftwiderstand bedingt. Ein Rennwagen bewegt sich in einem Orkan, den er selbst erzeugt. In der Tat erreicht ein Orkan nur selten eine Stundengeschwindigkeit von 200 Mellen, wobei er natürlich die berührten Landstrich« vcr- wüstet. Bäume entwurzelt und Gebäude zerstört. Diese Mnnster-Rennwagen würden den schnellsten Eifenbahn- zug überholen, fast als stände er still. Wie schnell«in Zug fahren kann, steht nicht genau fest. Der.Lwaiizigste-Johrhundert-Expreß". der zwischen New Hark und Chicago verkehrt, legte einst 75,28 Meilen in einer Stunde zurück. Ein Zug in Burlington erreichte 1002 auf einer Strecke von 14 Meilen eine Stundengeschwindigkeit von 08,7 Mellen. Am 0. Mai 1004 soll ein Zug der Großen West- bahn in England es aus 102,3 Meilen gebracht haben. Eine Loko- motiv« der New Harter Zenttalbahn erzielte(80.?>13 Meilen. Die Ueberwindung des Luftwiderstandes ist nach Major Segrave da« Geheimnis der fast phänomenalen Geschwindigkeit des„Mystery S".- Di« Form des Rennivo-gens ist lue einzige Ab.. weichung von dem üblichen Bau des Kraftwagens. Konstruktton; und Lagerung der Motorc sind fast unverändert. Es war noch Ansicht der Erbauer die t> Fuß lange Nase, die die hohe Geschwin- digkeit ermöglichte. Der Wagenkörper oerdeckte die Räder und preßte die Luft aufwärts. Der Luftwiderstand verschlingt Kraft. Das klingt einfach und, es mag scheinen, als hätte es nicht viel zu bedeuten. Allein nirgends trützt der Schein mehr als hier. Wenn ein Kraftwagen 20 Pjerde- träjte braucht, um 30 Meilen in der Stunde zurückzulegen, so mag es scheinen, als könnte man es mit 40 Pj'erdekräften auf 60 Meilen bringen. Wäre es so einfach, Geschwindigkeit zu«rzieleii, so wür- denden alle Züge 100 Meilen zurücklegen. Allein der Luftwider- stand nimmt nicht zu wie 1, 2. 3, in arithmetischer Progression. sondern in geometrischer Progression, wie 2, 4, 8. Um die Ge- schwindigkeit von 30 auf 60 Meilen zu steigern, ist nicht die dop- pell«, sondern die achtfache Kraft erforderlich. Außerdem muß Windstille herrschen. Bei Gegenwind sind noch weitere bedeutende Krastmengen erforderlich. Das„Mystery S" hat ein Gewicht von 4 Tonnen und ent- wickell 1000 Pferdekräfte. Es bedarf in der Tat titanischer Ge- wall, um 8V Zentner mit einer Stundengeschwindigkeit von 350 Kilometer vorwärts zu treiben. Wäre das Fahrzeug weniger zweck- entsprechend gebaut, so wäre eine noch größere Kraftmenge er- forderlich gewesen. Was hat nun die Oesfentlichkeit für ein Interesse an solchen Schnelligkeitsrekorden? Es dürfte nicht viele Leute geben, die in dem Autobus des Majors Segrave mit 350 Kilometer Geschwin- digkeit jähren möchten. Und doch ist die Möglichkoll nicht von der Hand zu weisen, daß in Zukunft ein solcher Schnellverkehr zwischen tjrohen Städten bestehen wird. Das Flugzeug leistet zwar Großes im Personenschnellverkehr aus weite Entfernungen, doch der weit- aus größte Teil des Schnellverkehrs verbleibt bisher dem Lande. Die Eisenbahnen kämien es nur durch eine ganze Reihe von Störun-- gen im übrigen Betriebe ermöglichen, Schnellzüge laufen zu lassen, wie etwa zwischen New Hark und Chicago. Könnte dieser kost-' spielige Schnellverkehr von einer �Kraftwagenlinie übernommen werden, so wäre dies mit einem Schlage von großer praktischer Bedeutung.__ Warum Rockefeller Wohttaiigkeit übt. Der alte Rockefeller, der bekanntlich viele Millionen Dollar für wohltätige Zwecke gestiftet hat, ist nicht immer sehr freigebig: er Hot nomlich die Angewohnheit, Kinder und Bettler, denen er begegnet, ein nagelneues Zehncentstück in die Hand zu drücken, und eine Gabe von 42 Pfennigen ist für einen Milliardär ein wirklich knapp bemessener Beweis von Mildtätigkeit. Aus Amerika wird min berichtet, daß der Petraleumkönig in der letzten Wache seinem Herzen«inen Stoß gegeben hat, indem er 60 Kinder aus einmal mit Zehncentstücken beglückte. Er hat sich also den Spaß 6 Dollar kosten lassen: ober Rockefeller gibt �nichts ahne Gegenleistung, und die besteht bei solchen kleinen Spenden darin, daß die Beschenkten sich noch eine kleine Ansprache gesollen lassen müssen, in der der alle Mann den Kindern allerlei weise Rot- schlüge erteilt. Das Vergnügen, sprechen zu dürfen, ist billig er- kauft, aber die Strafe, lange Reden aus einem zahnlosen Mund ertragen zu müssen, ist unvordient hach für die Annahme van 42 Pfennigen. Bisher hat sich jedoch nur ein Kind geweigert, das Zehncentstück entgegenzunehmen, mit der Begründung, es sei ihm»erboten, von fremden Männern Geschenke anzunehmen. Als man Rockefeller kürzlich fragte, worum er stets Zehncentstücke ver- teile, antwortete er:„Ich suche nur nach Gelegenheit, mit Kin: dem etwa« zu schmatzen", Abbruch des Eiffelturms. Die Reparaturen zu teuer. Die französische Regierung hat beschloffen, den Eiffelturm niederzureißen. Wer Baris fennt und die Bariser, mag's und wird's nicht glauben. Ihren Eiffelturm lassen sie sich nicht nehmen! Die Pariser, die so stolz find auf ihre schönste Stadt der Belt". " Die Rieberlegung des Eiffelturms, die man damit begründen mill, daß die Reparaturfoften und Renovierungsarbeiten, die eigent lich ständig vorgenommen werden müssen, und den fortschreitenden Berfall nicht mehr aufhalten können, heute zu fostspielig sind, würde die Bernichtung des Wahrzeichens der Weltstadt Baris bedeuten. Varis ist der Eiffelturm und der Eiffelturm ist Baris mehr noch als die Freiheitsstatue New York und das Brandenburger Lor Berlin ist. Wo immer in der Belt Bilder auftauchen mit gemal tigen Häusermassen und unfenntlich in ihrer steinernen Gleichheit, fohold nur der Eiffelturm sie überragte, mußte ein jeder, das ist Baris. Kew Pariser Brospekt ohne den Eiffelturm, teine Beintarte, feine Speisekarte ohne das Symbol der Weltstadt Baris. Dabei ist er nicht einmal alt dieser Eiffelturm, faum ein Menschenalter, 1889 zur großen Bariser Weltausstellung baute ihn der franzöfifche Ingenieur Eiffel als Bahrzeichen der Ausstellung und er wurde zum Wahrzeichen von Baris. Es ist ein gigantisches Berk, das auch mir Kinder des Zeitalters der Technik noch heute staunend bewundern. Dieser gewaltige, himmelanstrebende, schlanke 300 Meter hohe Lurm, deffen Silhouette fich schwarz, fühl und ficher und stolz nom Abendhimmel abhebt. Rein Koloß von un förmiger Budat, fast ein zartes Gemebe, das die Sonnenstrahlen durchbringen, durch das die Blize der untergehenden Sonne nom Sorizont her zu uns herüberschießen. Lief drunten, jenseits der Seine auf dem Marsfeld, das in alten Zeiten der Schneeschmelze gar häufig von den Heberschwemmungen der wildflutenden Seine bedroht ist, ruht der gewaltige Fuß des Eisenturmes und dennoch müffen mir das Auge noch zu seiner Spike erheben. Gewiß, wir fönnen heute mit weniger Material höhere Türme bauen. Wir schaffen ihnen nicht mit vier gewaltigen Eisenfüßen eine Grundfläche non mehr als 100 Meter Quadratseite. Wir setzen fie auf eine einzige fleine Spitze von wenigen Quadratzentimetern und halten sie mit Spanndrähten fest. Aber im Prinzip ist auch das nichts Neues gegenüber der Konfiruftion des Pariser Eiffelturms. deffent nier gewaltige Füße ebenfalls nur mit einer ganz geringen, menige Quadratzentimeter betragenden Fläche auf den Fundamenten ruhen, so daß der Turm mit seiner eigenen Schwere die großen Berspannungsbogen, die die nier Füße nach allen Seiten verbinden, in einer vorzüglichen Laftnerteilung gegen die Funda mente drückt. Man muß unter diesen Füßen gestanden haben, mehr als Haushöhe hat die Wölbung des ersten großen Eisenbogens, man mus in dieses so organische Gemirr von Trägern und Stahlbändern hinaufgeschaut haben, um die ganze Bucht diefes Baumerts er. meffen zu fönnen. Der stolze Berliner Funkturm, zu deffen Restau rant man im Fahrstuhl aufmärts fährt und von dessen Spitze aus man ganz Berfin überbliden fann, geht in feiner Söhe mehr als ameimal in den Eiffelturm hinein. Er würde wie ein minziges 3merglein gegen den gemaltigen Riefen mirfen. Herr Ci Das alles mird nun nerschwinden. In dem großen Wasserbeden her Irocadern- Rastaben mird sich nicht mehr das Bild des ffolzen Turmes spiegeln, menn nächtlich die Lampen der ungezählten Brücken auf der schwarzen Seine blinken, mird nicht mehr der Schatten des auch nom Sternenhimmel schwarz fich abhebenden Eiffelturms felbft dem Fremden als Begmeijer dienen. Herr Ci troen wird nicht mehr den Turm vom Fuß bis zur Spize in die Taufende von Glühlampen hüllen fönnen, die fein Reflamemappen ber Welt nertünbeten. Im Bart des Marsfeldes merden die Siebes paare nicht mehr zu dem Ungetim aufblicken tönnen, dessen schmei gende Bucht so überzeugend das Gefühl der Geborgenheit ner mittelte. Baris ohne Eiffelturm, das wird überhaupt nicht mehr Baris fein. Rund um ein Sarophon. Aus dem Lebenslauf eines Musikinstruments. Als der alte Artist E. 2. Lefevre starb, mar er 77 Jahre| alt, und zu seinen Zeiten mar das Sarophon wirklich noch ein so turinses Instrument, daß er lauge Jahre seines Lebens als Sarn. phonist in den verschiedensten Varietés der Welt auftreten konnte. Er hatte nicht nur ganz Europa, sondern auch Nord- und Südamerika bereist und überall sein seltsames Instrument gezeigt, gespielt und dafür den Beifall der erstaunten Menge eingeheimft. Aus Liebe zu diesem merkwürdigen Instrument murde er Instrumentenmacher, aber lange hielt es ihn nicht, bald zog er mieder mit seinem Sarophon über die Barietébühnen der Welt. 77 Jahre war er alt, als er starb. Der Alte hat recht behalten. Heute ist das Sarophon eines der Instrumente geworden, die man sich nicht fortdenten kann, die ganz und gar in unfer Empfindungslchen hineingewachsen sind. So sehr, daß man geneigt ist, fein Dasein als unbedingt anzusehen. Und an jenem„ Berühmtwerden" des Saxophons bat jener Artist Lefevre einen bedeutsanzen Unteil. Heute gibt es fein Orchester ohne Saro phon. Nicht nur in Sinfoniekonzerten, nicht nur bei der Jazzband benötigt man es, nein, auch die Kirchenmusif macht sich die eigen tümlichen Klangwirkungen dieses Instrumentes zunuke. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika merden ganze Kirchenkonzerte auf mehreren( meistens sechs) Garophonen gespielt. 2dolphe Josef Sar murde am 6. November 1814 in Dinant ponifien, wie Kastner, Menerbeer, Thomas und Richard Strauß. es nerwendeten. Und man fann der modernen Musif gegenüberstehen, mie man will, eines muß man anerkennen: sie hat das Saxophon mit ſeinen feltsamen Klangfarben und Klangmöglichkeiten wieder der Bergessen heit entrissen, und einerlei, die Richtung die die Musikentwicklung nehmen mag: das Garophon ist unentbehrlich geworden und wird in jedem bedeutenden Orchester seinen Plah beanspruchen. Charles Cane.; Australien fördert das Goldſuchen. Reichtümer, die noch der Hebung harren. Eine magische Straft üht auf die Menschheit noch immer die Borstellung aus, daß es unentdeckte Goldlager gibt, die dem Meid. tum verheißen, der sie als Erster erschließen kann. Die Kommission für die australische Entwicklung und Einwanderung, die von der australischen Bundesregierung eingesetzt morden. iſt, teilt um in einem foeben erschienenen Bericht mit, daß es zweifellos in Wustralien folche Goldlager noch gibt, die nur gefunden merden müssen, um Vielleicht war es erit unserer Zeit mit ihren Forderungen nach Macht und Reichtum zu bringen. Es mird in dem Bericht gezeigt, neuen Tänzen und neuem Rhythmus norbehalten, dieses Instrument daß die Untosten bei der Erzeugung einer Unze Gold, b. h. bei der wieder zu entdecken, denn was alle Gömter und Bewunderer, alle Arbeit, die notwendig ist, um aus den Erzen reines Gold zu be großen Komponisten, die es in vielen ihrer unsterblichen Werte bereiten, in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen sind. Biele nugten, nicht vermochten, das sduf unsere Zeit über Nacht. Der Goldminen, die vor dem Krieg noch in Betrieb maren, find stillErfinder starb beitefarm. gelegt worden, meil ihre Ausbeutung zu teuer ist. Reiche Funde find in letzter Zeit nur felten gemacht worden, und es hat sich die Vorstellung herausgebildet, daß die Anlage von Goldbergwerken eine Spekulation, aber fein ehrliches Gewerbe sei Die Sachver ftändigen tommen in ihrem Bericht aber zu einem anderen Ergebnis; fie sind überzeugt, daß meder die bekannten Goldvorräte inftematisch genug erforscht werden. Es wird daher der auftrolifchen Regierung empfohlen, 5 millionen Mart auszusehen, um die Goldmäschereien wieder in Gang zu bringen und die Goldgröberei neu anzuregen. Einen Aufschwung hofft man auch von erleichterten Einwanderungsbestimmungen, die nach Anficht der Kommission nicht dazu führen mürben, die Arbeitslosigkeit in Australien zu erhöhen, sondern im Gegenteil, wenn man die Einmanderer richtig aussucht, dem australischen Wirtschaftsleben einen neuen Anstoß nerleihen fönnten, so daß auch die einheimischen Arbeitsträfte einen Borteil davon hätten. ( Belgien) geboren. Sein Bater mar Blasinstrumentenmacher, und der Sohn follte Musiker werden. Er studierte dann auch am on fernatorium Brüssel Klarinette und Flöte, aber das Interesse am Instrumentenbau war letzten Endes doch stärker cís die Liebe zur Mufit. Er fan wieder heim, um mie fein Bater Instrumentenbauer au merden. 1842 hatte der junge Sachs schon einen solchen Ruf. daß er es magen tonnte, nach Baris zu gehen. Und dann geht seine Entwicklung zu einem der größten und unglüdreichsten Erfinder rasend schmell. Im Jahre 1843 bereits, alfo nachdem er faum ein Jahr in Paris war, erhielt er fein Batent auf das Sathorn. Drei Jahre später erfindet er das Saxophon, auf das er 1846 das Batent erhält. Seine Berbindung mit den bedeutendsten zeitgenössischen Meu fitern und Komponisten schuf ihm naturgemäß eine ganze Reihe geschäftlich wertnoller Berbindungen, mit deren Hilfe jeder Kaufmann innerhalb weniger Jahre reid geworden wäre, aber unser Erfinder verstand das nicht. Gelbst als er 1847 Hauptfieferant der from= zöftschen Armece murde, gelang es ihm nicht, fein Geschäft groß au machen. Im Gegenteil: 1852 machte er banterott. Irok allem Mißgefchid erhielt er auf der großen Borifer Ausstellung den ersten Breis und in London ebenfalls große Anerkennungen. Alles vergebens! Hefior Berlioz, der Schöpfer von Fausts Berdammnung", sagt über das Saxophon: Sie haben feine Ahnung davon, melche Klang möglichkeiten Sie mit diesem Instrument der Konzertmufit etschließen." Berlioz felbft benußte das Sarophon in seinem Drchefter. Auch Haléni, der Komponist der Jibin", setzte sich lebhaft für das neue Instrument ein. Da es jedoch an Meistern diefes schmer ipielbaren Musikinstrumentes fehlte, nahm Sar felbft eine Stellung als Lehrer am Bariser Konservatorium an, um für die Berbreitung feirer Erfindung zu arbeiten. 2ther aller Ruhm nützte thm nichts. Die Zeit nahm das herrliche Instrument nicht auf, und es geriet jahrelang in Bergessenheit, frogbem bedeutende StomWer elegante Wäsche liebt und sie erhalten will wäscht mit Persil Der bewährte Rat- das Stück in kalter Persillauge leicht, durchziehen, in kaltem Wasser, dem etwas Küchenessig beigegeben wird, gut spülen, zum Trocknen auf saubere. Tücher ausbreiten sichert immer eine gründliche und vollkommene Reinigung. Befolgen Sie bitte diese, Anwendung, es ist Ihr Nutzen, Persil bleibt Persil! Bettfedern nicht roh, sond. gründl. gereinigt( gew.), garant frei v. Krankheitskeim., Rupf p. Pfd. 0.50, 0.80, 140, daun, 1.90, Rupf weiß 2.50, Halbf. weiß 3.80, weiß Schleiß 2,50, Schleißhalb. 3.30, Daunen 5.80, weiße Daunen 7, 9.80, get. Oberbetten mit stark. Inlett, 2 m lang, 745, 11.60, 14.90. 17.65, Unterbetten 6.25, 9.20, 11.90, 13.20, Kissen 2.75, 3.90, 5.40, 6.65. Portofrej v. M. 20.. Nichtpass. zurück od. Umtausch. Preisl. Nr. 42 u. Muster gratis Bettfedernreinigung m. Dampf u. Heißluft bei Einkauf von M.20.- für 1 Stand gratis. H. Sannemann, Berlin S59, Kottbusser Damm 88/89 Zweigniederlassung: Berlin N 84, Rosenthaler Straße 9 Rubin RIESENAUSWAHL AUCH BIS 24 NEUE CREDIT MONATE Lieferung durch ganz SEI ELT 25 Deutsch- JAHREN land Möbel SCHÖNHAUSERSTRA 519 8 Geringe Anzahlung. Arbeiterfunk- Der Nene Rundfunk Obl. Organ d.„ Arbeiter- Radio- Bundes Deutschlands E. V." www Beilagen: Der Bastelmeister Die Neue Musik Das Neue Theater- Der Neue Film Der Neue Sport. Eine große Kulturzeitschrift im Sinne der modernen Arbeiterbewegung. Wöchentlich 25 Pt, in allen Kiosken. 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Die Temperaturen, die man danach für die Flammen errechnete, beliefen sich auf 2540 und 2130 Grad. Die Unterschiede zwischen den gemessenen und errechneten Temperaturen rühren pon Wärmenerluften burch Strahlung und Leitung, hann aber auch pon her ungenaurigkeit der zur Berechnung vermendeten konstanten her. Divandecken besonders preiswert. volle Größen. Kelimart m. Franse 12. Wollmoke 36Kelim Persermuster U.Verdure 27,- Mohoirwolle 46 modern Läuferstoffe Boucle 68cm 290 90cm 390 120cm 510 mod Streifen hrt. brt Cocos 68cm 245 90cm 335 120cm 145 für AuraTreppe brt.. ort Verdüre Möbelbezugstoffe 130cm.brt Verkauf nur C2, Spandauer Str. 32 4.50 Echte PERSER enorm billig Velour- Teppiche Pa.Tournay- Ia. Peristan- Teppiche ges.gesch Marke Primo Velour- Teppiche Kopien von Perser- Teppichen reine Wolle mit Handfranse.getreue 120 280 200 310 20034-23047-22045-124; 46: 83-2105-3124 30868-115181-249: 300 142: 166-3208243Sind Sie ein Opfer des Rheumatismus? 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