BERLIN Montag 13. August 1928 10 Pf. Nr. 380 Bis» 45. Jahrgang. e r< ch t i n t tSglick außerSouutags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, pro Monat. Redaktion undErpedition: Berlin SW68,Lindenstr.Z iMtfutoidb l '' B azeigenpret«: Die einspaltige Vonpareilleteil, 8« Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. oßscheckkonlv: VorwärtS-Verlag G. m. d. H., Berliu Nr. 37586. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Seuche im bayerischen Wald. Paratyphus sucht Glashüttendörfer heim. Dem Seramlschen Bund wurde die Mllleilung gemacht, dah In R i e d l h ü t t e und S p i e g e l a u, zwei Glashütten. orten, der Paratyphus ausgebrochen fei. elne größere Zahl Personen erkrankt wäre und bereits vier gestorben seien. Sine noch den Unglücksorlen entsandte Delegation des Bundes gab folgende ergreifende Schilderung über den Stand der Seuche: Der Paratyphus ist bereits vor ungefähr zehn Wochen aus- gebrochen und trat bei den Frauen weit verheerender auf als bei den Männern. In den kleinen engen Wohnungen der von der Krankheit Betroffenen können die Erkrankten schon wegen der An- steckungsgefahr nicht bleiben. Es find Schulräume zur Verfügung gestellt, die aber bereits überfüllt sind. Wir sahen in zwei Schul- zimmern lb weibliche Erkrankte, in den anderen die gleiche Zahl erkrankter Männer. Die Räume zeigten sich als viel zu eng, und von.dem anwesenden Arzt wurde bestätigt, daß durch das Zusammen- legen die Ansteckungsgefahr eine ungeheure fei. In einem Bett lag ein alter erblindeter Glasarbeiter, der mit dem Tode rang. Neben ihm fein sechzehnjähriger Sohn. In dem Zimmer der Frauen hatten sogar einige erkrankte Frauen ihre Säuglinge im Bett liegen, die durch die schwerleidende Mutter gestillt wurden. Wir fragten den Arzt, ob denn nicht für die Säuglinge die größte Gefahr bestände? Das wurde bejaht, aber es fei kein Raum vorhanden, um eine Aende- rung zu schaffen. Beim Ausbruch der Krankheit wurden die ersten Erkrankten auf Lastautos oder Leiterwagen in der Sonnenglut zwischen 39 und 49 Grad Fieber nach dem 8 Kilometer entfernten Grafenau gebracht. Unter solchen Umständen war nicht daran zu denken, daß die Abtransportierten der Gefahr entrückt werden. Die Wohnungen der Glasarbeiter in Riedlhütte lassen sehr viel zu wünschen übrig. Sie bestehen fast nur aus einer Wohnstube und einem weiteren Zimmer. Die Abort- anlagen sind ohne Spülvorrichtungcn, und die Reinigung der Gruben geschieht nur selten. Wir sahen aus den Gruben die Ab- chäffer heraustreten und in ein kleines Bächlein münden. Zwei Arbeiterwohnhäuser sind erst in den letzten Jahren errichtet worden, ober schon fällt der Putz von den Wänden. Die alten wie die neuen Häuser machen einen äußerst trostlosen Eindruck und in Schmutz und Staub setzen sich die Krankheitserreger fest. An Ungeziefer fehlt es nicht. Besonders treten Ratten in großer Zahl auf. Die sanitären and gesundheitlichen Einrichtungen müssen verbessert werden. Mehr Raum und Licht ist erforderlich, um die Krankheitskeimc zu ersticken. Im Bezirksamt, wo wir vorstellig wurden und dem Be- zirksamtmann alle diese Dinge vortrugen, wurde Hilfe versprochen. Zur ersten Hilfeleistung hat das Innenministerium 5999 Mark zur Verfügung gestellt. Der Betrag ist aber ,u gering, um durchgreifende Reformen zu treffen. Wir halten es für notwendig, daß die Er- krankten sofort größeren Krankenhäusern überwiesen werden, um teder weiteren Ansteckungsgefahr zu begegnen. Allerdings erklärte der anwesende Oberregierungsrat wie der Bezirksarzt, daß kein« weitere Ansteckungsgefahr besteht. Man hat vielmehr den Eindruck, daß die leicht zu übertragende Krankheit eine große Gefahr für den Bayerischen Wald bildet. Die wirtschaftliche Lage der Glasarbeiter Ist durch die Epidemie ein« sehr gedrückte. Die Arbeiter behaupten. paß besonders bei den Glasmachern die Uebertragung der Krankheit surch das Wechseln der Glasblöserpfeifc in der Hütte erfolgt. Dieser Zinwand kann nicht von der Hand gewiesen werden. Zugleich fehlt is an Mitteln, die von der Krankheit betroffenen und durch den Tod ihrer Angehcrigon schwer in Mitleidenschaft gezogenen Personen ge- lügend zu unterstützen._ Hoovers programmrede. Jur die Prohibition— mehr Oeutsche sollen einwandern. Rem Pirk. 13. August. In der Stanford-Universität in Kalifornien nahm am Sonn- ibend Herbert hoover formell die Mitteilung seiner Ausstellung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten entgegen, hoover /rklärte, daß er die Prohibition begünstige, ober mit der etzigen Verfassung des Bollsteadgesetzes nicht einverstanden sei. Die luswärtige Politik Amerikas müsse als erstes und oberstes Ziel den frieden im Auge behalten. Es könne jederzeit hilj« gewähren, volle aber nicht mit den Problemen der alten Welt besaßt werden nid lehne den Eintritt in den Völker bund ab. Im Zusammen- sang mit dem englisch- französischen Flottenabkommen erklärte hoover, die amerikanische Kriegs- und Handelsflotte müsse auf einen »erarlioen Stand erhalten bleiben, der jederzeit die nationale Sicherheit gewährleiste, hinsichtlich der Cinwandcrungspolitik rat hoover für Abschaffung der Ursprungsklausel ein. durch die die Einnvi»h.nmfl aus Deutschland aus die hälft« herabgesetzt würde. Der Festtag der Nation. Der Platz der Republik in nächtlicher Beleuchtung. Verfassungstag des Reichsbanners. Riesenkundgebung in Frankfurt. >V. Tr. Frankfurt a. 211., 13. August.(Eigenbericht.) Als am Sonntag nach der gewalligen Kundgebung des Reichsbanners im Frankfurter Ostpark die endlosen Züge an der Ehrentribühne vorbeimarschierten, erregte es allgemeine Heiterkeit, daß die Münchener Gruppe mit einem leibhaftigen lebenden Münchener Kindl, von vier Kameraden getragen, anmarschierte. Und auf der Ehrentribüne sagte ein bürger- licher Herr im Ton höchsten Erstaunens und ehrlichster Be- wunderung:„Das ist doch nun alles armes Volk, aber man muß sich wirklich wundern und freuen, welche Mühe es sich gibt." In der Tat. wer diesen anmarschierenden Männern und Jünglingen ins Antlitz schaut, der sieht, daß Not und Sorgen ihre Runen hineingegraben haben in diese Ge- sichter. Und dennoch waren sie alle wieder da, aus dem weiten Ostpreußen und Oberschlesien, aus Berlin und Brandenburg und Niederschlesien, aus Mecklenburg, von der Wasserkante der Nord- und der Ostsee, aus Bayern, aus den besetzten Ge- bieten, aus Oesterreich. Und fast alles arme Menschen, die sich das ganze Jahr hindurch nichts leisten können, und dennoch Mark zu Mark legen, um einmal im Jahre unter den wallenden Fahnen der Republik, vorwärts getrieben von den herrlichen Marschrhythmen der aus Arbeits- brüdern gebildeten Musikkapellen zu marschieren. An die 1l)v 000 Mann marschierten- An 100 000 Männer des Volkes kliiMaiSiinMdt hei Aatiien. Aiiiobiuiinglfitfi in Moabii. (Berichte siehe 2. und 8. Seite) gingen schweigend an ihren Führern vorbei, männlich ge- strafft, kraftvoll, sehnig, entschlossen. Männer mit eisgrauen Bärlen, Männer, die vier Reichsbannerabzeichen von Magde- bürg und Hamburg, von Nürnberg und Leipzig an der Mütze trugen, Männer am Stock oder mit einem leeren Aermel. Alle getrieben von dem Ideal: Republik! Einheit! Volk! Sie alle suchten voller Vertrauen für einen Augenblick das Antlitz der Führer zu erhaschen. So sah Frankfurt am Main wie Leipzig und Nürnberg, Hamburg und Magdeburg die hunderttausend marschieren. Einst hieß es: Das Reichs- b a n n e r marschiert unter Schwarzrotgold: in Frankfurt konnte man sagen: dasVolkmarschiert unter Schwarz- rotgold. W.TV. Franksurl a. 12. August.(Eigenbericht.) Der Sonntagmorgen sah das von allen großen Reichsbanner- tagungen bekanme Bild: In den Vororten formierten sich die Züge und marschierten zu dem Sammelplatz, hier der riesigen Festwiese im O st p a r k. Um%11 Uhr begann der Anmarsch. Kurz vor 12 Uhr war er erst beendet. Eine unabsehbare Masse stand auf dem Platz und die Lautsprecher gaben die Worte der Führer an die hunderttausende weiter. Dem Bundesführer h ö r f i n g lag es ob, alle Erschienenen zu begrüßen. Er dankt« den Kameraden der zehn Pflichtgaue und der übrigen 22 Gastgaue für ihr Erscheinen, entbot den Kameraden aus den besetzten Gebieten und aus Oe st erreich besonders herzliches Willkommen, dankte den Ehren- 'göften. besonders dem Reichsinnenminister Severing und dem österreichischen Bundeskanzler R en ner für ihr Erscheinen, begrüßt« auch den Sohn Ferdinand Freiligrath's und gedachte, während sich die Fahnen senkten, der Toten. Als zweiter Redner sprach General Körner aus Oesterreich. Er erinnert einmal daran, dah Oesterreich im 12. November bereits einen gesetzlich festgelegten Staats- feiertog hat und zum ändere«, unter lautem Beifall, daß Flugzeugkatastrophe bei Aachen. Absturz aus Zuschauertribüne.— Drei Tote. Ein furchtbares Unglück ereignete sich gestern nachmittag 3 Uhr ZV bei einer Flugveranstattung auf dem Flugplatz Hcerlcn bei Aachen. Ein deut- schcs Klemm-Daimlcr-Flugzcug aus Duis- bürg unter der Führung des Piloten Gcspcr stürzte» während der Flieger das Herauswerfen von Post- sacken aus dem Flugzeug vorführte» infolge Plötz- lichcn Vcrsagcns des Motors ab und fiel auf die Juschaucrtribünc. Durch das Flugzeug wur- den drciPerfoncngetötct und mehrere schwer verletzt. Die Getöteten und Verletzten stammen zum größten Teile aus Hcerlen und Umgebung. Zur Klärung der Schuldfragc wurde der Pilot vorläufig festgenommen. Folgende Einzelheiten werden noch bekannt: Das Unglück geschah während eines von der Limburger Luftfahrtgesellschaft veranstalteten Fliegertages, an dem auch mehrere deutsche Flieger teilnahmen. Nachdem bereits mehrere Piloten aus München-Gladbach, Köln und Düsseldorf Schau- flüge ausgeführt hatten, stieg der Pilot Eesper mit einem Daimler- Zweidecker zu einem neuen Fluge auf. Da Vesper gleich nach dem Start bemerkte, daß der Motor nicht regelmäßig arbeitete, brachte er den Apparat hinter einer Zuschauertribüne auf eine geringere Höhe. um zum Landungsplatz zurückzukehren. Dabei streiften die Flügel die Tribüne, die Maschine überschlug sich und stürzte in die Zuschauer- menge, dabei Tische, Stühle und Menschen mit sich fortreißend. Unter den' Zuschauern entstand ein« Panik. Zwei Männer wurden aus der Stelle getötet, ein Schwerverletzter st a r b kurz darauf im Krankenhaus: weitere Personen wurden schwer und zehn, darunter der Pilot, leicht verletzt. Das Flugzeug wurde vollkommen zer- trümmert. Srei Tote bei Motorradzusammenstoß. Wie die„Kölnische Zeitung" meldet, geriet Sonntag nachmittag auf der Lairdstraße Ohligs— Hilden der Kaufmann Schulz aus Solingen, als er auf seinem Motorrade einen anderen Motor- radfahrer überholen wollt«, in«ine aus«ntgegengesetzter Richtung kommend« Gruppe Radfahrer. Schulz und seine aus dem Soziussitz sitzende 14jährige Stieftochter stürzten, ebenso ein Radfahrer und eine Radfahrerin. Alle wurden schwer verletzt. Schulz und seine Stieftochter starben aus der Fahrt nach dem krankenhause, die Radfahrerin nach mehreren Stunden, während der Vierte außer Lebensgefahr ist. Oesterreich nicht aufhören werde, den Anschluß an das Reich zu suchen. In nur ganz wenigen, dafür aber einprägsamen Worten sprach Genosse Scheidemann zu den Massen. Er rief ihnen zu: Setzt euren Willen in die Tat um. Schützt den republikanischen Staat, den ihr selber geschaffen. Seid einig, treu und pflichtbewußt. Dann sprach General Deimling: Wir sehen heute endlich einmal, daß die Fahnen nicht nur da wehen, wo die Arbeiter sind, sondern auch dort, wo die Bürger wohnen. Nur von den Villen der Reichen wehten sie nicht. Dann betrat, von dem tosenden Beifall der Massen begrüßt, Reichsinneammistcr Severlng die Rednertribüne. Er sagte: Kameraden! Einen kleinen Augenblick habe ich heut« überlegt, ob ich als-Ausschußmitglied des Reichsbanners oder als Reichsinnen- minister zu Ihnen reden soll. Aber ich mag nicht jene bekannten feinen Unterschied« zwischen persönlichem und offiziellem Auftreten machen, ich will mich nicht hinter dem Schutzschild einer privaten Stellung verstecken. Nicht als Reichsbannermitglied oder als Mi- nister, als beides, als ein Mann will ich sprechen. Die Gegner werden es ja doch verstehen, meine Worte zu einer hochpolitischen Rede zu stempeln, auch wenn ich jene von mir nicht anerkannten feinen Unterschiede einzuhalten versuchen würde. Jeder Reichsinnen- minister— gleichviel welcher Partei— müßte heute an dieser Stelle dem Reichsbanner Dank sagen; denn wenn heute die deutsche Republik nicht mehr ohne Republikaner ist, dann ist diese Wandlung durch das Reichsbanner herbeigeführt worden. Das Reichsbanner hat aber auch noch ein« ander« Tat für die Reichsverfaffung getan: es hat die Reichs färben Schwarz- Rot-Gold„aus Finsternis und Dunkelheit" überall ins Licht ge- tragen. Jeder Ncichsinnenminister müßte auch dem Reichsbanner Dank sagen für sein Gelöbnis, mit Gut und Blut für die Reichs- Verfassung einstehen zu wollen. Darf ich als Minister mein« nächsten Absichten verraten? Ich will gern in aller Oeffentlichkeit mehrere „Kleine Anfragen" beantworten, ohne daß ich damit ein Amtsge- heimnis verrate. Eine der Anfragen wollte wissen, ob ich ebenso wie bei der Bundesverfassungsfeier des Reichsbanners auch bei Ver- anstaltungen— z. B. des Marineoereins oder ähnlicher Organi» fationen— bereit bin, den Beamten zwecks Teilnahm« Urlaub zu gewähren. Selbstverständlich sind alle deutschen Staatsbürger vor dem Gesetze gleich! Sie müssen auch bei behördlichen Maßnahmen gleich behandelt werden, und darum wäre ich gern bereit, bei Mi- l i t ä r- und Marinevereinen, die etwa nächstes Jahr am 11. August Berfassungsfeiern begehen, die die Reichsfarben verbreiten und den Grundsätzen der Republik Anerkennung ver- schaffen wollen, ihren Mitgliedern— die Beamte sind— Urlaub zu gewähren. Darf ich auch ein paar Worte an Sie richten, die vielleicht nicht allen gefallen? Ich möchte den Ortsgruppen des Reichsbanners nahelegen, darüber zu diskutieren, ob sich nicht das Reichsbanner noch weitere Gebiete schaffen sollte. Sie dürfen als große neuzeitliche Organisation nicht in die Gefahr der Erstarrung geraten und müssen neben Marschübungen, neben Muskel- und Nervenschulung noch andere Aufgaben anfassen! Ich habe in der letzten Zeit verschiedenen großen deutschen Festen beigewohnt. Ich hörte, daß die deutsche Kehle und die deutschen Muskeln gut sind. Ist auch das dritte— da, Hirn, das staakspolikifche Hirn— gut? Auf den DreiNang: Herz, Hand und Hirn kommt es an. Wir wollen nicht die Spezialisten guter Beine und guter Kehlen sein, wir wollen der groß« deutsche Kulturbund staatsbürgerlichen Charakters werden, dem alle sich anschließen können, die guten Willens zur Aufwärtsentwicklung der Menschheit sind. Eine be- sondere Aufgabe für Sic spricht die Verfassung an der Stelle aus, wo davon die Rede ist, daß das deutsche Volk dem äußeren Frieden dienen wolle. Ueberlegen Sie sich«, ob wir dieser Aufgabe nur in der Form der Kundgebungen innerhalb der schwarzrotgoldnen Gr./.zpfShle dienen können, oder nicht in noch anderer Weise für diese Idee— Annäherung und Freundschaft der Völker— vorstoßen können. Mich freut es, daß hier an dieser großen Tagung Oester- reicher, und auch Franzosen teilnehmen. Wir wollen aber auch dabei sein, wenn Franzofen, Engländer oder Amerikaner ein solches Fest feiern und wir wollen auch die Friedensfreunde der anderen Völker besuchen. Damit helfen wir, die Friedenswerte der Reichsverfaffung zu lebendiger Wirklichkeit zu machen. Das Reichsbanner Schworz-Rot-Gold als Pionier der Mensch- h e i t s i d e e gelobe es mit dem Ruf: Die Verfassung der Deutschen Republik, sie lebe hoch— hoch— immer hoch! Nach der oft von Beifall unterbrochenen Rede des Reichsinnen- minister? sprach als letzter Festredner Professor Dr. D e s s a u« r. Republik, so sagte er, ist kein Schlagwort. Republik ist ein weihe- volles Wort, denn Republik heißt die gemeinsame ö f f« n t- liche Sache, nicht die eines einzelnen oder eines Standes. Ein Trauerspiel in des Wortes wahrster Bedeutung ist es, daß die Kommunisten den Vertretern des Egoismus, den Faschisten, gegen die Republik Helfersdieuste leisten. Das Reichsbanner muß das Werk sein, an dem die Feinde der Republik zerschellen. Zum Schluß richtete der Bundesoorsitzende hörsing Abschiedsworte an die Kameraden. Dann folgt die Ehrung der Stafettenläufer. Der Sieger, der Gau Niedsrrhein, erhält eine bronzene Ehrentafel. Gau Württemberg und die Pfalz bekommen je einen Wimpel als Trostpreis. Und dann begann der Abmarsch in Achter- und Zehnerreihen. SiebenKilometerlangwardleserWeg, und als die Spitz« das Ziel erreicht halte, standen noch Tausende und harten des Befehles zum Abmarsch. In der Zeil, einer der Hauptstraßen Frankfurts, war die Tri- büne aufgebaut, auf der Bundesvorsitzende H ö r f i n g, Reichsinnsn- minister Severins, die Reichsminister a. D. Scheide mann und Dr. David, Oberst Körner und die anderen Ehrengäste den Vorbeimarsch, der zwei Stunden dauerte, abnahmen. Wieder, wie bei früheren Anlässen, erregten einig« Gruppen besonderes Aufsehen, so die O e st e r r e i ch e r, die Saarländer, die Ober- bayern. die Msinchsner, die Hamburger Matrosengruppe, die Thüringer mit sechs alten 48er-Fahncn, eine Sportgruppe mit geschulterten Skiern. Auf dem ganzen Marsch umsäumten bei zwar schwulem aber trockenem Wetter ungeheure Zuschauennengen den Weg. Aus den Fenstern wehten die Tücher, von den Dächern, von den Bäumen und Laternemnasten erschollen frohe Zurufe. Auf t un Messegelände entwickelte sich, wie auch an den Tagen zuvor, c n festliches Treiben, ein echtes rechtes Volksfest. Aber dann begann auch schon der wieder der Rückmarsch. Die Sonder- züge standen bereit, die Lastautos ratterten ab. Werktag und Arbeitspflicht riefen. Und in Abschiedsworten klang es hinein„Auf Wiedersehen am 11. August 1929 in Berlin. Zw. Disziplinarverfahren gegen den Landgerichtsrat Gell in in Breslau hat am 9. August 1928 der Disziplinarsenat bei dem Ober- landesgericht Breslau in erster Instanz aui Strqtversetzung erkannt unter Verlust der Umzugskcsten und unter Auferlegung einer Geldstrafe von 300 Mark. Sellin hatte im Zustand der Trunkenheit die Republik ipid republikanische Parlamentarier beleidigt. pilsudskis Lleberraschungen. Sine friedfertige Ansprache in Wilna. Wilna, 13. August.(Eigenbericht.) Pilsudski ist Meister der politischen lleberraschungen. Wäh- rend man in ganz Polen den Atem anhielt und seinen Worten lauschte, von denen man weitgehende Konsequenzen in außen- und innenpolitischer Beziehung erwartete, erging sich der Marschall mit einem deutlich zur Schau getragenen Schmunzeln über die Pikante- rien des Augenblicks in persönlichen Betrachtungen über die Bedeutung des Wortes Liebe. Nach näheren Ausfüh- rungen, in die er Zitate aus polnischen Dichtern hineinflocht, er- klärte er schließlich seine besondere Liebe für die Stadt Wilna, er liebe sie wie ein kleines Kind seine Mutter. „Als ich äus deutscher Gefangenschast aus Magdeburg nach Polen kam, dachte ich oft an Wilna, dann sagte ich, Wilna muß mein sein und ich rief euch Legionäre zum Kampf. Ihr hattet mir Wilna zum Geschenk gemacht und diese Stadt muß immer pol- nrsch bleiben". Pilsudski schilderte die Traditionen Wilnas und seine Verbundenheit zum polnischen Staat, ohne bei dieser Ge- legenheit auch nur das geringste Wort gegen Litauen zu sagen. Pilsudskis Rede ging so nicht über den Rohmen der üblichen Aussprachen hinaus, die ein alter Führer seinen ehemaligen Waffen- geführten 10 Jahre nach dem Kriege für gewöhnlich hält. Pil- sudski erzählte in scharf pointierter und oertraulicher Weise allerlei Erinnerungen und Anekdoten aus der Legionärzeit. Seine Ausführungen enthielten nicht die geringsten innerpolitischen Anspielungen, die man aus seinen letzten Aussällen gegen das Parlament erwartet hatte. In dieser Beziehung hat sein General Rydy S m I g l y in einer Ansprache an die Legionäre schon mehr gesagt. Er forderte sie aus, Pilsudski weiterhin treu zu gehorchen und ihm auf seinem Marsch, der am 6. August 1914 begonnen worden, aber noch lange nicht beendet sei, weiter zu folgen. In welcher Richtung dieser Marsch gehen soll, ist aus einem Tele- gramm ersichtlich, das die Legionäre an den Staatspräsidenten abgesandt haben. Darin schworen sie, Pilsudski zu unterstützen, wenn er In Polen eine neue Staalsform verfassen wird. Man kann daher als Ergebnis der Wilnaer Legionär-Tagung eine erfreuliche vorläufige Entspannung in außenpolitischer Beziehung konstatieren, aber der gefährliche Ge- samtzustand Polens dauert an. Gowjeiruffisthe Kinderkrankenhäuser. Was die Sowjetpresse darüber zu berichten weiß. Als die Leningrader„Rote Zeitung" vor einigen Wochen unter der lleberfchrift„Die Blumen des Lebens" an zwei Fällen schilderte, wie Kinder in Kinderkrankenhäusern infiziert worden waren, da lag kein Grund vor, davon besonders Notiz zu nehmen. Man sagte sich: ein Ausnahmefall. Verdächtig schien allerdings, daß drei Zu- fchriften an das Blatt ähnliche„Ausnahmefälle" meldeten. Bald darauf aber schlug dasselbe Blatt Zllarm. Es berichtet ausführlich über unmögliche Zustände, die in den Leningrader Kinderkranten- Häusern herrschen. Da heißt es: Die Ansteckung der Kinder ist in diesen Kranken- Häusern unvermeidlich: die Schuld trifft keinesfalls die Aerzte. Wie sollte es bei der lleberfüllung der Krankenhäuser auch anders möglich sein. Da ist ein Krankenhaus, das auf 150 Kinder be- rechnet ist und in dem 400 untergebracht sind. Besonders schlimm sieht es in der chirurgischen Abteilung aus. Die Aerzte sind ge- zwungen, die noch nicht ganz geheilten Kinder zu entlassen, da- mit andere, die schon längst an der Reihe sind, Platz finden. Das gleiche Bild zeigen auch alle anderen Kinder- krankenhäuser. Währebd der Kinderepidemien mußten etwa 100 Kranke täglich weggeschickt werden. Rechnet man die tele- phonischen Absagen hinzu, so ergibt sich eine noch viel größere Zahl. Die Enge in den Räumen führt zu den schlimmsten sani- tären Verhältnissen. Die Verteilung der kranken Kinder in den einzelnen Krankensäle» ist eine derartige, daß nmn keine Gewähr dafür hat, ob nicht das eine Kind irgendein anderes mit einer Krankheit infiziert oder ob es nicht selbst mit einer Jnsektionskrank- heit die Anstalt verläßt. Nicht an allen Krankenhäusern gibt es Desinfektionsapparate und eigene Wäschereien. Die Gefahr der Infektionsübertragung wird aber durch die Qualität des Personals noch erhöht. Den Aufwartefrauen fehlt jede Eignung zu ihrer Tätigkeit. Sie kümmern siä) nicht um die hygienischen Regeln, waschen nicht ihre Hände, wechseln nicht ihre weißen Kittel, wenn sie aus einer Infcktionsbaracke in die andere gehen, oder wenn sie sich in der Küche beim Essen einfinden. Auf eine Wärterin kommen 23 bis 30 Kinder. In einem Falle war dieselbe Wärterin sowohl in der Jnfektionsbaracke als auch bei den Kindern ohne Infektions- krankheit tätig. Bei der geringen Zlnzahl von Wärterinnen kommt es vor, daß Kinder aus den Betten fallen oder daß ihnen nichts zu trinken gereicht wird, wenn sie darum bitten. Auch die Wirkung der Arznei auf das Kind wird in keiner Weise beobachtet. Auf 100 bis 120 Kinder kommt eine Krankenschwester. Im Krankenhaus, das den Namen Pasteurs trägt, betreten die Kranken das Empfangszimmer des Arztes im Paletot. Nicht in allen Krankensälen gibt es Ocfen. Säuglinge liegen zusammen mit erwachsenen Kranken. Nicht selten pflegt die gleiche Wärterin so- wohl die scharlachkranken Kinder als auch die anderen. Die Sterb- lichkeitsziffer erreicht 12 bis 15 Proz. In der chirurgischen Abtei- lung liegen die Kinder in einer ganz anderen Körperlage als er- forderlich ist. Das einzig wirklich europäisch eingerichtete Kranken- Haus ist das Jnfektionskrankenhaus auf Wasileoftrowsk. Aber auch hier herrscht eine unglaubliche Enge. Der Kubikgchalt der Luft ist viel geringer vorgeschrieben. Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, daß man ein neues Kinderkrankenhaus bauen und für die Befolgung der Hausordnung Sorge tragen müsse. Als viel zu niedrig werden die Löhne der Wärterinnen und Krankenschwestern bezeichnet. So sieht's also in Krankenhäusern Leningrads aus, in der Hauptstadt des sowjetrussischen Kinderparadieses. Wie mag es erst mit den Kinderkrankenhäusern in der Provinz bestellt sein? Man'neleute erirunken. Motorbootunglück bei Kiel. ------- kiel. 13. August. 3n der vergangenen Rachl gegen 1 Uhr ist auf der unteren Schwenkine da» ZNokorboot„Alice" infolge Ueberlaskung g c- k c n k e r l. Die„Alice", die nur S Personen befördern darf, balle ZI Fohrgäste an Bord, die, wie auch der Führer des Bookes. angetrunken gewesen sein sollen. Dom Linienschiff Hessen und von der hasenpolizei wurden die meisten der ins lvasser Ge- fallenen sowie auch das Book geborgen. Doch sind der Heizer- gefreite Schuscil vom Linienschiff Schleswig-Holstein und der Schiffsbarbler Rumel vom Linienschiff Hessen ertrunken. Ihre Leichen wurden geborgen: der Führer des Bootes wurde oerhaftet._ Verbandstag der Metallarbeiter. Die Eröffnungssitzung. Karlsruhe, 13. August.(Eigenbericht.) Heute vormittag um 9 Uhr begann in der Stidthalle zu Karls-' ruhe der 18. Ordentliche Verbandstag des Metollarbeiterverbandss. 264 Delegiert« aus allen Gauen Deutschlands sind m der badischen Metropole zusammengekommen, um über die Tätigkett der Organ- sationsleitung seit dem letzten Verbandstag im Jahre 1926 in Bremen zu urteilen, Anregungen zu geben und Beschlüsse zu fassen, die für die nächsten beiden Jahre richtunggebend sein sollen. Außer diesen 264 Parlamentariern vom Schraubstock und von der Drehbank nahmen an der Tagung In sehr starker Zahl in- und ausländische Gäste teil. So sind u. a. erschienen: der badische Staatspräsident R e m m e l e, die Bürgermeister von Karlsruh« und Durlach, beide Mitglieder des Metallarbeiterverbandes, der Genosse Hermann Müller vom ZlDGB., der Vorsitzende der Eisernen Internationale, I l g, und die Mitglieder ihrer Exekutive mit Ausnahme des durch Krankheit verhinderten französischen Genossen: ferner Vertreter des Verbandes der Kupferschmiede und des Verbandes der Maschinisten und Heizer, des Butab, des Zentralverbandes der Angestellten und des Deutschen Werkmeisterverbandes. Vertreten find sämtliche zur Amsterdamer Gewerkschaftsinter, nationale gehörenden europäischen Metallarbeiterverbände. Alwin Brandes vom Hauptvorstand ergreist darauf da» Wort zu einer herzlichen Begrüßungsansprache, wobei er ganz besonders de» ver- storbenen Verbandsvorsitzenden Robert D i ß m a n n und des Ge- nassen Alfons B u s e gedenkt. Auf einen Zwischenruf hin, wo denn die russischen Delc- gierten seien, erklärt Brandes unter dem Beifall der meisten Dele- gierten, daß es keinen deutschen Metallarbeiter gäbe, der nicht sehn- lichst die Vereinigung mit den russischen Metallarbeitern wünsche. Er spricht die Erwartung aus, daß alle Delegierten dazu beitragen werden, mit der größten Sachlichkeit alle zur Beratung stehenden Fragen zu behandeln. Der badische Staatspräsident, Genosse Remmele, betont nachdrücklichst, daß die badische Regierung stets Wert darauf gelegt habe, mit den Organisationen der Arbeiterschaft in innigsten Be- Ziehungen zu stehen. Anknüpfend an seine Erinnerungen weist er darauf hin, wie gewaltig die Verantwortung und die Aufgaben der Gewerkschaften gegenüber der Vorkriegszeit gestiegen sind. Heut» geht es nicht mehr um Lohn- und Arbeitszeitfragen, heut« geht es um volkswirtschaftliche und staatspolitische Problem«. Mit der ge- stiegenen Verantwortlichkeit der Gewerkschaften und dem erweiterten Aufgabenkreis müssen auch die Auseinandersetzungen über die Ziele und Methoden des gewerkschafrlicheii Kampfes größer werden. Er wünscht, daß diese Tagung so verlausen möge, daß nicht nur die organisierten Metallarbeiter, sondern da, gesamte deutsche Volt einen Nutzen davon habe. Theater in der Provinz! Kein Nuhmesblati der Kultur. „Wir halten dos Theater für überflüssig und werden in jedem Falle gegen den Theateretot stimmen/'—„Es ist geradezu unglaub- lich, derartig« Summen für«in sogenanntes„Kulturinstitut" hinauszuwerfen."—„Da nur Stücke gegeben werden, die die Bour- geosie interessiert, müssen auch wir im Namen der arbeitenden Bevölkerung gegen die Theatervorlage stimmen." Beschlüsse aus Stadtparlamenten. „Herr Intendant, Sie werden wahrscheinlich schon gehört haben, daß wir diesmal den Theateretat noch durchbekommsn haben, Sie werden auch bereits gehört hoben, ein: wie außerordentlich starke Opposition sich gegen die Bewilligung dieser Mittel aussprach. Wir hoffen, daß Sie mit den bewill'gten Mitteln auskommen werden, da wir andernfalls das Theater schließen müßten. Nehmen Sie auch bitte Rücksicht auf die religiösen und politischen Gefühle unserer Be- völkerung und setzen Sie, wenn irgend möglich, die Unkosten wie auch die Eintrittspreise herab." So der Oberbürgermeister. .Herr Oberbürgermeister, ich werde versuchen, mit meinem Spielplan keinerlei Anstoß zu erregen, und hoffe, mit den mi� zur Verfügung gestellten Mitteln durchzukommen." So der Intendant. „Hören Sie, meine Herren, es ist unmöglich, in der bisherigen Weise fortzuwirtschaften, wir müssen unser Theater rationalisieren, d. h. wir müssen unseren Gagenetat stark einschränken, für Neu- anschaffungcn kann nur noch ein Minimum ausgegeben werden. Außerdem wollen wir versuchen, durch Herabsetzung der Eintritts- preise das Interesse des Publikums am Theater zu erhöhen. Selbst- verständlich können wir das nicht, wenn wir literarische Leckerbissen auftischen. Wir müssen dem Publikum Unterhaltung bieten und des öfteren Schwänke, Possen mit Gesang, Operetten geben. Ich hosfs, meine Herren, Sie haben mich richtig verstanden." Der Jntendent zu den Spielleitern. „Meine Damen und Herren, ich habe Sie zu mir bitten lassen, weil ich Ihnen mitteilen muß, daß es mir unmöglich ist, Sie unter den bisherigen Bedingungen zu reengagieren. Ich bin jedoch gern bereit, den größten Teil von Ihnen zu herabgesetzten Gagen zu be- halten. Ich will keinen von Ihnen drängen, möchte Sie jedoch bitten, Ihre Entschlüsse eingehend zu prüfen. Ich muh Ihnen noch vor Augen halten, daß immerhin etwa 4000 Schauspieler und Schauspielerinnen, das sind etwa 40 Proz. Ihrer Berufsgenossen, erwerbs- los sind, daß es in ganz Deutschland, außerhalb Berlins, nur noch 16(5 Theaterunternehmnngen gibt und auch diese Zahl noch wegen verschiedener Zusammenlegungen weiter zurückgehen dürfte. Ich habe Ihnen somit die Verhältnisse klargelegt und hoffe, daß Sie sich nicht voreilig entscheiden werden." Der Intendant zum Ensemble. Der Obmann der Bühnengenossenschaft schreibt:„Sehr geehrter Herr Intendant! Nach sehr langen Kämpfen haben wir uns ent- schließen müssen, Ihr Angebot zu akzeptieren, hoffen jedoch, daß Sie in Anbetracht unserer Notlage versuchen werden, uns verschiedene Nebeneinnahmen zukommen zu lassen." „Also, meine Herren, bringen wir im Schauspiel„Unter Ge- schäftsaufsicht", in der Oper den„Freischütz" und in der Operette das„Dreimäderlhaus" heraus. Ich glaube damit einige ausver- lauste Häuser zu erzielen, und das ist ja heute die Hauptsache." Der Intendant zu den Spielleitern. „Es ist geradezu unglaublich, was die Intendanz der theoter- liebenden Bevölkerung unserer Stadt zu bieten wagt. Reißer schlimmster Sorte beherrschen den Spielplan. Das künstlerische Niveau dieser Aufführungen ist so niedrig, daß man leider sogen muß, daß jedes Kabarett oder Barietä mit derselben Berechtigung wie dieses Theater städtische Zuschüsse für sich in Anspruch nehmen könnte." Die Presse. „Herr Intendant, das haben Sie großartig gemacht. Eine so schöne Ausführung wie gestern habe ich schon lange nicht mehr ge- sehen."—„Bielen Dank für Ihr Lob, Herr Oberbürgermeister, aber haben Sie denn nicht gelesen, was die Presse darüber schreibt?"— „Das werden wir gleich haben. Moment, bitte. Hollo, Fräulein» bitte verbinden Sie mich mit Herrn Verleger 1."— ,La, hier Verlag I."— Bitte Herrn I."—„Ja, bitte, selbst am Apparat. Ah» Sie sind's, Herr Oberbürgermeister. Guten Tag. Was verschafft mir die Ehre?"—„Guten Tag, Herr T., ich rufe Sie wegen der heute in ihren.Blättern erschienenen Theaterkritiken an, dieselben sind für die Entwicklung unseres Theaters sehr schädlich und ge- sährden seinen Bestand. Ich hoffe, daß Sie in Zukunft im Interesse unseres Theaters rerferieren lassen werden. Andernfalls müßte sich mich gezwungen sehen..."—„Aber Herr Herr Oberbürgermeister, das ist doch..."—„Herr I., ich überlasse es Ihnen, die notwendigen Konsequenzen aus unserer Unterredung zu ziehen und vertraue auf Ihre Klugheit." „Fräulein, verbinden Sie mich bitte mit Herrn P."—„Ja, Herr P.? Hier Verleger X. Hören Sie mal an, wer hat denn diese blödsinnige Theaterkritik geschrieben? Es sind ja bereits einige hundert Beschwerden eingelaufen, ja, man spricht uns sogar jede Objektivität ab. Ich nehme an, daß Sie in unserem Geschäfts- interesse die daraus nötigen Folgerungen ziehen werden, andernfalls wäre ich gezwungen, Sie wegen geschäftsschädigenden Verhaltens abzubauen." Diese Tatsachen muten grotesk an, obwohl sie sich dauernd in vielen deutschen Prooinzstädten, vielleicht ein wenig differenziert, wiederholen. Es ist dann auch selbstverständlich kein Wunder, wenn die Vertreter der Arbeiterschaft gegen ein solches asoziales Luxus- unternehmen in den Stadtparlamenten energisch Front machen. Leider beschränkt sich ihre Opposition meistenteils nur auf die Etats- bewilligung. In jeder Sitzung müßten die skandalösen Zustände um den Theaterbetrieb herum beleuchtet werden, um unsozial und unkünstlerisch denkende Stadtväter und Intendanten endlich einmal kirre zu bekommen, den Arbeitnehmern das Existenzminimum über- schreitende Gagen zu erkämpfen und schließlich einen Spielplan zu- sammenzukomponieren, der auch den proletarischen Massen ermöglicht(soweit es finanziell erschwinglich ist), interessiert ins Theater zu gehen. Kurt Pinczower. Der Oeuifche Verkehrsbund iagi. Dreizehnter Bundestag. Leipzig. 12. August. Aus dem zu Weihnachten 1896 in Altenburg gegründeten„Zen- tralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutsch- londs", der am Schlüsse seines ersten Geschäftsjahres 3474 Mitglieder zählte, hat sich im Laufe von drei Jahrzehnten eine der größten deutschen Gewerkschaften entwickelt. In der Berichtszeit 192S/28 hat der Verband rund 92 000 neue Mitglieder gewonnen, davon im letzten Jahre allein 38 000. Der Verkehrsbund umfaßt die Trans- port- und Handelsarbeiter, die Krait- und Lustfohrcr, die See- und Binnenschiffer, die Straßen- und Kleinbohner, die Post- und Tele- graphenarbeiter, die Hausangftellten, Theater- und Kinoarbeiter und zählt insgesamt 366 000 Mitglieder. In den letzten drei Iahren hat der Vertchrsbund 6203 Bewegungen in 141378 Betrieben mit 1 419 343 Beteiligten geführt. Der Erfolg an Lohnerhöhungen ist 4 306 232 M. wöchentlich. Im Jahre 1927 wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit für 300 231 Personen er- reicht. Wesentliche Erfolge wurden auch auf den Gebieten der Ueber- stundenbezahlung, der Zusicherung bzw. Erhöhung von Prozenten und Spesen, Gewährung freier Sonn- und Ruhetage und Ferien erzielt. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen sind in 814 Tarifver- trägen für 62 Proz. der Mitglieder des Verkehrsbundes geregell. Die Einnahmen des legten Jahres betrugen 11,3 Millionen Mark, wovon 22,6 Proz. für Unterstützungszwecke verwendet wur- den. Das Gssamtoermögen des Bundes beträgt rund 8 Millionen Mark. Die Eröffnung des 13. Bundestages erfolgte am Sonntagnachmittag im Rahmen einer Feier im Leip- ziger Voltshaus. Der Verbandsvorsitzende, Reichstagsabgeordneter Oswald Schumann widmete in seiner Begrüßung der Gäste und Delegierten der Entwicklung der Leipziger Verwaltung»- stelle einige Worte der Anerkennung und des Dankes. In Leipzig hat lang- ein Kampf zwischen den lokalistschen und zentralistischen Bestrebungen getobt. Nachdem der Anschluß Leipzigs ersolgt war, konnte die Entwicklung in ununterbrochener Weise vor sich gehen. Heute hat der Derkehrsbund in Leipzig rund 16 000 Mitglieder. An der glänzenden Entwicklung des Gcsamtbundes fällt nicht zuletzt den zahlreichen namenlosen Mitarbeitern ein großes Verdienst zu. Am Schlüsse gedenkt Schumann der seit dem letzten Bundestage vcr- Immer in Verfassung. „Mir hom infer Salvaiorfest» mir ham infern Mai. bock, mir ham infer Oltoberfest, mir brauchen koanen b'funderen Aatschionalfeieriag." storbenen Funktionäre, wobei er besonders die Verdienste der Kol- legen Himpel» Rathmann und Zimmer- Breslau hervor- hebt. Der Bevollmächtigte der Leipziger Verwaltungsstelle, R e d e r, erwähnt in seiner Begrüßungsrede den jahrelangen Kampf, der mit den Behörden, namentlich der Polizei, geführt werden muhte. Erst die neue Staatsordnung hat die Fesseln beseitigt und den Weg zum Ausstieg frei gemacht. Als Bertreter der Stadt Leipzig begrüßt Stadtrat Dr. Leiste und vom Ortsausschuß des ADGB. Kollege Schilling den Bun- destag. Schilling erwähnt, daß das schöne Leipziger Volkshaus vor großen Erweiterungen stehe. Kabrikbrand in Adlershof. Zwei Feuerwehrleute an Rauchvergiftung erkrankt. Von einem größeren Schadenfeuer wurden am Sonnlag nachmittag die Kabelwerke von Vogel A.-G. in der Sedanstraße 1 zu Adlershos heimgesucht. Auf dem Fabrikhof, der auf drei Seiten von zweistöckigen Ge- bäudcn umschlossen ist, befinden sich größere Lagerschuppen. Gegen 18 Uhr bemerkte der Wächter, wie aus einem 30 Meter langen und etwa 20 Meter tiefen Schuppen dicke Rauchschwaden a u f st i e g e n. Die Feuerwehr rückte auf den Alarm zunächst mit drei Löschzügen an. Inzwischen hatten die Flammen den ganzen Schuppen. In dem Holzspulen. Drähte usw. lagerten, er- griffen. Da ein Uebergreifcn des Feuers auf die Fabrikanlagen be- fürchtet werden mußte, wurden drei weitere Löschzügc zur Hilfeleistung herangezogen. Au, zehn Schlauchleitungen wurden stundenlang ungeheure Wassermengen in das Flammenmeer geschleudert. Trotzdem konnte nicht verhindert werden, daß der Hauptschuppen und zwei angrenzende Schuppen niederbrannten. Der Schaden ist beträchtlich. Zwei Feuerwehrleute erkrankten unter der Raucheinwirkung schwer; einer von ihnen mußte ins K r o n- tenhaus gebracht iverden. Im Jagen 191 der Stodtforst bei Köpenick brach gestern nach- mittag ein Flurbrand aus, der eine Ausdehnung von 6 00 Qua- dratmetern gewann. Die Freiwillige Feuerwehr Müggelheim und Ausflügler löschten den Brand in kurzer Zeit. Man vermutet Brand st istung, da inmitten des Brand- Herdes ein Haufen verkohlter Papiere und eine leere Flasche gefunden wurde, die Petroleum oder Spiritus enthalten hatte, Oer Llnierianen-Bazillus. Was man auf einer Veise erlebt. �In dem Pensionshaus in dem kleinen Schweizer Kurort, in dem ich den nachstehend geschilderten Vorfall erlebte, wird an kleinen Tischen gespeist. Im allgemeinen sitzen an den einzelnen Tischen Gruppen von mehr oder weniger zusammengehörigen Fremden vcr- eint. Da ist ein Tisch mit einer englischen Reisegesellschaft, ein anderer mit lauter Polen, und auch unsere deutschen Landsleute sind fein säuberlich nach Landsmannschaften geordnet. Beim Betreten des Speisesaales pflegt man sich höflich zu begrüßen und im übrigen kaum Notiz voneinander zu nehmen. Nur an einem der Tische haben es die Gäste verstanden, die all- gemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Dort sitzen lauter Beamte aus dem Reiche des württembcrgischcn Kultusministers Bazille, streng nach Rangabstusungcn geordnet, vom hohen Würdenträger herab bis zum einfachen Landpfarrer. Wenn der hochehrwürdige Herr Staatsrat(wohlgemerkt: a. D.) an den Tisch tritt, dann erhebt sich mit einem Ruck die ganze Pastorcngescllschast einschließlich der Ehe- fraucn, um' stehend den Gruß und Händedruck des allen Herrn zu empfangen. Das gleiche Schauspiel wiederholt sich, sobald jener graubärtige Herr im Türrahmen erscheint, der sich im Fremdenbuch kurz und bündig als„Präsident"(übrigens ebenfalls a. D.) be- zeichnet hat. Erst wenn Seine Hochwürden geruht haben, Platz zu nehmen, dürfen auch die übrigen Herrschaften sich setzen und wieder nach dem schnell fortgelegten Suppenlöffel greifen. Kommt aber einmal einer der simplen Herren Pastoren— oder auch seine Frau— etwas verspätet zu Tisch, dann begnügen sich die übrigen Teilnehmer dieser schönen Tafelrunde mit einem flüchtigen Kopfnicken über den Tisch hinweg. Als ich diesen wonnevollen Anblick zum ersten Male genoß, konnte ich ein leichtes ironisches Lächeln nicht unterdrücken. Aber ich war nicht der einzige Gast, der die Lächerlichkeit dieses anmutigen Strammstchspiels mit fröhlichem Behagen auskostete. Am Nachbar- tische saß ein älteres holländisches Ehepaar, dem das helle Vsr- gnügen über diese Auswirkung des echt deutschen Untertanen-Bazil- lus über das ganze Gesicht strahlte. Auch an einigen anderen Tischen war heitere Verwunderung zu bemerken Im Laufe des Nachmittags fragten mich die Holländer, mit denen ich mich schon früher bekanntgemacht hatte, ob es denn heute noch immer in Deutschland üblich sei. vor dem Träger eines beliebigen Titels in Ehrfurcht zu ersterben, dagegen einer Frau nur eine ge- ringe Hochachtung entgegenzubringen. Es wurde mir natürlich nach diesem lebendigen Anschauungsunterricht sehr schwer, sie vom Gegen- teil zu überzeugen und ihnen klarzumachen, daß auch in Deutschland nach dem Aussterben der Generation au, der zweiten Häljte des vorigen Jahrhunderts noch einmal gründlich mit dem ganzen Titel- fetischismus aufgeräumt werden würde. Jedenfalls galten die autori- tätsfrommen schwäbischen Pastoren im ganzen Pensionshous als d i e Deutschen schlechthin, nach denen man sich eine Vorstellung vom gesamten deutschen Volke zu machen hatte! Warum müssen gerade wir Deutschen» uns immer wieder mit io naiver Selbstverständlichkeit vor der ganzen übrigen Welt blamieren? Dr. Wilhelm Bolze. Orahttofe Filmuberkragung. In Pittsburg ist gestern ein erfolgreicher Versuch mit der draht- losen Uebcrtragunz eines Filmes gemacht worden. Die llsbertragung erfolgte allerdings nur auf eine Entfernung von zwei Meilen. Sie gelang aber in allen Teilen. Ltm Wagners Ring des Nibelungen. Daß beim heutigen Publikum eine gewiss« Wagnermüdigkeit besteht, die sich namentlich dem„Ring" gegenüber geltend macht, dürfte kaum mehr zu bestreiten sein. Die Ursachen sind verschiedener Natur; Kapellmeister P. T. Scholz, der ihnen in der„Neuen Zürcher Zeitung" nachgeht, sucht sie auf sozialem, psychologischem und ästhetischem Gebiet. Zur Abhilfe schlägt er ein radikales Mittel vor, vor dessen ernstlicher Erwägung man aber aus falsch verstandener Pietät nicht zurückschrecken sollte. Er fordert rücksichtslose Kürzung der ganzen Tetralogie; jeder Abend dürfe nicht länger als 3— Stunden dauern. Besser sei es, ein Publikum zu entlassen, das den Wunsch mitnimmt, bei Gelegenheit— etwa bei Festausführungen oder besonderen Anlässen— das ungekürzt« Werk zu hören, als eines, dos beschließt; in absehbarer Zeit nicht wiederzukommen. Mit der verständnisvollen Anpassung an das Aufnahmevermögen und die Psycholcgie der'Hörer müsse sich eine von tothurnhaftem Pathos befreite Inszenierung verbinden. Nur so, meint Scholz, könnten die einzigartigen Kulturwcrte des„Rings" für die Allgemeinheit, namentlich aber für die gegenwärtige Jugend, gerettet werden. Dielleicht werde eins später« Generation wieder tn der Loge sein, aus eigener Kraft und Sehnsucht den Weg in diese Bezirk« zu finden. Oer ischechische Komponist Zanacek gestorben. Der tschechische Komponist Leos Ianacck ist gestern um 10 llhr vormittags während des Transportes in eih Privatsonatorium an Lungenentzündung und Herzlähmung gestorben. Leos Janocek ist am 3. Juli 1834 in Hochwold bei Frciberg in Mähren geboren. Er entstammte einer L e h r c r f a m i l i e, in der die Musik seit Gene- rationen gepflegt wurde. Im Jahr« 1874 kam er aus die Orgelschula nach Prag, wo er im Lauf« eines Jahres alle drei Jahrgänge abfol- vierte. 1879 ging er an das Konservatorium Leipzig und von dort an das Konservatorium Wien. 1920 wurde Janacek zum Professor an der Meistcrschule des Staatskonferoatoriums in Brünn ernannt. Die Hauptbedeutung Ianaceks liegt in seinen Op«rnkomposition«n. Seine bedeutendsten Werke sind die Opern„Ienusa",„Das schlaue Füchslein",„Die Sache Makropulos",„Kata Kabanova". Das letzt« vollendete Wert des Meisters ist die Oper„Memoiren aus einem Totenhaus" nach dem gleichnamigen Roman von Dostojewski. Ianaceks Opern eroberten sich in den letzten Iahren auch die aus- ländischen Bühnen.„Ienusa" erlebte eine Reihe von Aufführungen in der Staatsoper Unter den Linden. Wiener Sänger in Berlin. Vom 18. bis 20. August besucht anläßlich einer Deutschlandreise der 1. Männergcfangverein der Städtischen Straßenbahnen in Wien Berlin als Gast des Gaue» Berlin des Deutschen Arbeitersänger- bundes. Am Sonnabend, dem 18.August, 195� Uhr, gibt der Verein ein Konzert im Saalba» Friedrichshain am Königstor. Anschließend an das Konzert veranstaltet der Gau Berlin sin« Begrüßungsfeier, bei der einige große Berliner Chöre mitwirken werden. Bei dieser Gelegenheit wird u. a. auch Reichetagspräsident Löbe die Wiener Bundessreunde begrüßen, der auch die Führung derselben am Sonn- tag durch den Reichstag übernehmen wird. B«i der Begrüßung»- seier wird auch der beim Bundesfcst der Arbeitersänger in Hannover ausgenommene Film erstmalig gezeigt werden. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen beträgt 1 Mark. E ne neu« Lpcr In Item York Wie Harald Tribüne weidet, bat Zlockc. seller junior einen großen Bauplax in einem der wichtigsten mittleren Viertel Manhattans erworben, um dort ein« neue Metropolitan-Oper zu bauen. Der KauspreiS joll zwischen 40 und 50 Millionen Dollar»«trage». Die Verfassungsfeiern des Sonntags Glänzender Besuch und festlicher Verlauf. Das hafteten befinden sich mehrere Safenkreuzfer und etu Stahlhelmer. Von einem schweren Ueberfall, der in der Gegend der Rösliner Straße, dem Dorado der Moskauanhänger, auf zwei Reichsbannerleute verübt wurde, wird uns berichtet. Eine ganze Horde von Kommunisten drang mit Schlagringen, Die am Boden Messern und Knütteln auf den Wehrlosen ein. noch mit Fußtritten trattiert. Als das Ueberfallfom= mando eintraf, hatten sich die kommunistischen Strolche bereits in ihre Schlupfwinkel zurückgezogen, und die schwerverlegten Reichsbannerleute mußten durch die Polizei zur nächsten Rettungsmache gebracht werden. Echte Boltsfeste waren es, die das Reichsbanner| dreifachen Hoch auf die Verfassung von Weimar und die deutsche liegenden Reichsbannerleute wurden in der unglaublichsten Weise Schwarz- Rot- Gold und die übrigen republikanischen Organi- Republit ausflang. fationen gestern in allen Bezirken Groß- Berlins zum Abschluß der Verfassungsfeier veranstalteten. Heitere Vorträge und Borführungen wechselten mit ernften Reden, die der Bedeutung des Weimarer Verfassungswertes gedachten. Leider ist es uns aus Raumgründen nicht möglich, alle Feiern zu erwähnen. Die Charlottenburger Ortsgruppe des Reichsbanners SchwarzRot- Gold hatte in den Lunapark zu einer Feier eingeladen, die cußerordentlich gut besucht war. Das Orchester der Schutzpolizei rnter Camillo Hildebrand fonzertierte, die Männerabteilung des Volkschores Harmonie" bot schöne gesangliche Vorträge. Polizeipräsident Karl 3örgiebel hielt die Festrede, in der er der Freude Ausdruck gab, daß der Gedanke, den Verfassungstag zum Nationalfeiertag zu erheben, immer mehr an Boden gewönne. Tambourkorps des Reichsbanners Kameradschaft Tempelhof marschierte mittags um 1 Uhr in der Dorfstraße auf und gab ein Plafonzert. Eine große Zuhörerschar hatte fich bald eingefunden und applaudierte den schwungvollen Darbietungen der Kapelle. Am Nachmittag fand im Seebad Mariendorf" eine Verfassungsfeier statt. Der Besuch war sehr gut; bei Musik und unterhaltenden Darbietungen verlief der Nachmittag in schönster Harmonie. Bis in den späten Abend hinein blieb die große Schar der Gäste beisammen. Hingebungsvolle Arbeit für den republikanischen Staat, das ist es, was uns alle beseelen muß. Der demokratische Reichstagsabgeord= glieder des Bezirks mit ihren Familien in froher Feststimmung vernete Dr. Oskar Meyer brachte das Hoch auf die Republik aus. Die Ausschmückung des Parkes in den Farben der Republik war von imponierender Wirkung. Ein Zapfenstreich und ein aroßes Feuerwerk schloßen die Feier, die bis in die späten Abendstunden die Festteilnehmer beeinander hielt. In der Hasenheide leuchtete schon von weitem schwarzrotgold. Die mächtige Straßenfront der„ Neuen Welt" steht ganz i'm Zeichen der Reichsfarben. Der hübsch geschmückte Garten ist der Festplatz der beiden großen Kameradschaften Kreuzberg und Meukölln. Schon in den frühen Nachmittagsstunden setzte der Andrang ein und steigerte sich so start, daß bald im großen Garten nicht ein Play unbesezt blieb. Darum wurde dann auch der Vorgarten betischt und bestuhlt! Die Kameradschaften hatten ein reichhaltiges Programm zusammengestellt. Nennen wir zuerst das Musikkorps Reichsbanner Neukölln" unter Erbstößers Führung und den Freien Männerchor Berlin" ( M. d. ASB.). Chormeister Schreiber wußte seine Schar gut 7: sammenzuhalten. Die Jungmädchengruppe der Freien Turner fchaft Groß- Berlin" zeigte auf der Bühne neuzeitliches Turnen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Kam. Weißbach( Kreuzberg) hielt Ministerialdirektor Hitler die Festrede. Dann fonnte Sam. Gutschmidt( Neukölln) unter lebhaften Freundschafts". Rufen einen Delegierten des Desterreichischen Schuh bundes vorstellen und ihm ein schwarzrotgoldenes Fahnenband überreichen. Es war eine Veranstaltung, wie sie besser wohl kaum oufgezogen werden konnte! Auch die Feier des Reichsbanner- Ortsvereins Schöneberg Friedenau im Bürgergarten( Schloßbrauerei) wurde ein echtes Volksfest. Nach zwei Plafonzerten formierte fich gegen 15 Uhr auf dem Leuthenplay ein von einer Kapelle und einem Tambourkorps des Reichsbanners geführter Demon strationszug, in dem die Parteiabteilungen, der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, einige Schöneberger Kleingartenvereine und die sozialistische Jugend stark vertreten waren. Der lange, von zahlreichen Bannern und Fahnen überflatterte Zug gelangte nach einstündigem Marsch zum Schöneberger Rathaus, von wo aus man zum Bürgergarten 30g, der ein festliches Bild bot. Durch das grüne Laubdach der Bäume leuchteten unzählige schwarzrot goldene Fahnen, und an den Tischen hatte eine nach Tausenden zählende Menge Plaz genommen. Das Schöneberger Tambourkorps und die vorzügliche Kapelle des Steglizer Reichsbanners warteten mit einem ausgewählten Programm auf, dem sich wirkungsvolle Liedervorträge des Schöneberger Männerchors Freundschaft" und erstklassige Vorführungen der Arbeiterfportler anschlossen. In diesem Rahmen sprachen vier Redner zu den Maffen: Rektor Kellermann, Landtagsabgeordneter Nuschte und die sozialdemokratischen Abgeordneten Otto Meier und Wendt( Schöneberg). Die zündenden Ansprachen wurden von der Menge mit brausendem Beifall aufgenommen, der in einem Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! SCALA S. Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Komische 81%, Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr Der Bezirk Friedrichshain des Reichsbanners trat am Rüftriner Blaz zusammen, um durch die Memeler, Warschauer Straße und durch die Stralauer Allee zu marschieren. Ueberall in den Straßen, wo Schwarz- Rot- Gold mit Musik und Fahnen, begleitet von einer froh begeisterten Menge, hindurchzog, öffneten sich die Fenster, und laute Heilrufe grüßten. Im Gartenlokal der „ Alten Taverne", waren dann die Kameraden und die Miteinigt. Bald war fein Stuhl mehr zu bekommen, so start war das Lofal besetzt. Kamerad Adolf Abter sagte, daß die diesjährige Verfassungsfeier endlich gezeiat haben müßte, daß die Verfassung fest im Herzen der breiten Masse des Voltes verankert sei. Mit einem Hoch auf die Republik schloß der Redner seine Ansprache. Das Fest erhielt seine besondere Weihe durch den Vortrag der neuen Reichsbannerweise Frei Heil, die deutsche Republik", die vom Komponisten Schwarz aus Wien persönlich dirigiert wurde. Sprech Komponisten Schwarz aus Wien persönlich dirigiert wurde. Sprechchor und reiche Mufitdarbietungen wechselten im Programm. chor und reiche Musikdarbietungen wechselten im Programm. Der Ortsverein Pantom des Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltete eine wohlgelungene Ber fassungsfeier unter sehr starker Beteiligung. Ein großer Fest zug bewegte sich von der Berliner Straße durch die Flora, Goillard, Brehme- und Wollantstraße zur Breite Straße nach dem Marktplatz, wo der sozialdemokratische Stadtverordnete Mühlmann eine zündende Ansprache hielt. Dann ging es durch die Schloß-, Pestalozzi, Barts, Linden, Bismarckstraße nach dem mit den Reichsfarben ge= schmückten Lokal Sanssouci in Niederschönhausen. In der Lindenstraße versuchten Stahlheimer vergeblich, den Zug zu stören. Dem disziplinierten Berhalten der Reichsbannerkameraden und der Bolizei ist es zu verdanken, daß es zu keinen Zwischenfällen kam. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Pantower Reichsbanners hielt der Oberstudiendirektor Meyer vom Realgymnasium Pankow die Festrede, die ebenso wie Rezitationen des Kameraden Dr. Wölffel regen Beifall auslöfte. Unser Parteifreund Apel jr. sprach einen selbstverfaßten Prolog, der Männergefangverein Bufunft" gab einige Lieder, und die Kinder= freunde sorgten für Feiertagsstimmung und Freude der Jüngsten. In Biesdorf ist die Verfassungsfeier, die von den republitanischen Organisationen unter Führung des Reichsbanners veran= staltet wurde, überraschend gut geglückt. Der abendlichen Plazmusik der freiwilligen Feuerwehr, der wohl mehr als 400 Personen lauschten, folgte ein Fadelzug, an dem die meisten Zuhörer teilnahmen, um zur Festveranstaltung in den Schillersälen zu gehen. Hier ergriff der Sozialdemokrat Kamm das Wort zu einer Ansprache, in der er eindrucksvoll das Werk der Verfassung würdigte. Begeistert stimmten die Festteilnehmer ein in das Hoch auf die Republif. Links und Rechtsradikale. In den letzten Tagen hat sich wieder eine gesteigerte Tätig teit des politischen Rowdytums auf den Straßen bemertbar gemacht. Kommunisten und Hakenkreuzler waren es, die auch in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wieder über einzelne Reichsbannerleute herfielen und sie übel zurichteten. In mehreren Fällen gelang es der Polizei, die Rädelsführer festzunehmen. Insgesamt wurden 16 Krafeeler verhaftet und der Abteilung IA im Polizeipräsidium zugeführt. Unter den Ver U. Ende nach 101/2 Die Aus Anlaß meines 75 jährigen Geburts-| Deutsches Theater Theater am tages find mir aus den Reihen meiner Norden 12310 Nollendorfplatz Freunde, Bekannten und Barteigenossen so piele herzliche Gratulationen zugegangen, daß ich auf diesem Wege allen Borbenannten, besonders aber den Kameraden Dom Tambourkorps des Reichsbanners Röntgental, bielmals banke. Franz Schulz sen., Röntgental, Siemensstraße 2. Zum 66. Male: ungeküßte Eva Artisten Operette in 3 Akten. Regie Max Reinhardt Musik von M. Knopt Die Komödie mit Lori Leux. Bismarck 2414/7516 Preise: 31, U. Ende 10%, U. 1, 2, 3, 4 Mk. usw. Zum 92. Male: Es liegt in Rose- Theater der Luft Revue von Schiffer. Gr. Frankf. Str 132 5 Uhr: Musik v. Spoliansky KONZERT Berliner Theater harlottenstr.99/ 91.Dooh.170 31 Ende nach 101/2 Bunter Teil. 8 Uhr: Das Zum 115. Male: Musikantenmädel. lastspiel d. Deutschen Th. Der Prozek Stettiner Sänger Mary Dugan Wiederauftreten von Paul Britton. Preise: 60 Pf. bis 2 M. Dönhoft- Brett'1: ( Saal und Garten) Varieté Kabarett- Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Fabelhaft... Das gr. August- Programm der Elite- Sänger Beginn 8 Uhr. Lachen ohne Ende. Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark. CASINO.THEATER Saltenburg- Bühnen Eröffnung Freitag, 17. August 81, Uhr der neue Schlager Rundfunkfieber 1ür unsere Leser tägl. gültig Gutschein für 1-4 Personen. Hauteus nur 1.15 M. Dis. Künstler- Th. 81 Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Theater des Westens Täglich 8 Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das Lessing- Theater Süße Täglich 8 Uhr Sessel 1.65 M. 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Es scheint dringend notwendig, daß die Gegend um die Rösliner Straße herum, wo sich beinahe täglich ähnliche Er effe abspielen, in stärkerem Maße als bisher von der Polizei überwacht wird. Britz- Budow, 99. Aht. Montag, 13. August, pünktlich 19% Uhr, am Hufeisen. Alle interessierten Genossen, Lehrer und Elternbeiräte Sitzung der Schulfommission im„ Einfamilienhaus", Großsiedlung werden um Erscheinen gebeten. Berfassungsfeier der Republikanischen Rednervereinigung. Heute abend 20 Uhr findet im„ Alten Askanier", Anhaltstr. 11, die Ver= fassungsfeier der Republikanischen Rednervereinigung statt, bei der Genoffe Student Hans Pollak die Ansprache halten wird. Republikaner aller Parteien, soweit Plaz verfügbar, willkommen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wolfiges und etwas fühleres Wetter ohne erhebliche Niederschläge. Für Deutschland: In West- und Mitteldeutschland vereinzelt etwas Regen, überall leichte Abkühlung. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Unternehmen der Gewerkschaften ENDCAR Ohne Anzahlung Wochenrate 3. Mk. Monatsrale 12.- Mk. Zu beziehen durch sämtliche freigewerkschaftlichen Organisationen od direkt durch INDCAR- FAHRRADWERK Aktiengesellschaft Berlin Lichtenrade Erste Niederlage: Berlin SW, Oranienstraße 127 Zweite Niederlage: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str.83 In beiden Niederlagen Reparaturwerkstätten VERKAUF werktäglich von 9 bis 19 Uhr Engelhardt Engelhardt Caramel- Maltbier QURTETISCHES GESUNDHEITSBRAU Schut Mark VOLLBIER Sugelhardt- Brauerel EngelhardtCaramelMalzbier nahrhaft wohlschmeckend bekömmlich erfrischend Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportler Der Ortsverein Gr.- Kiel der Sozialdemokratischen Partei sucht zum 1. 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Erzieherische und kulturelle Errungenschaften lassen sich nicht in Scheffeln mesien. Sicher ist, daß viele jener, nach neuen Lebensformen ringenden Jugendlichen, zu denen übrigens nicht nur die Anhänger der freideutschen Jugend. sondern schlechthin all« Mitglieder der verschiedenartigsten Jugend- bewegungen gchörten, später als reife Männer als Sauerteig ihrer Umgebung gewirkt haben. Biel« Aenderungen der Lebensgewohn- heiten der älteren Generation find zweifellos dem Streben der aus der Jugendbewegung Hervorgegangenen zu danken. Das allgemeine sonntägliche Wandern in zweckmäßiger Kleidung ünter Umgehung von Restaurants ist— um nur ein Beispiel zu nennen— ohne Frage ein Erfolg der Jugend. Und wenn heute ganz im all- gemeinen dem Streben der Jugend mehr Berständnis entgegen- gebracht wird als vor dem Kriege, so ist diese Tatsache ebenfalls auf dos Konto der selbständigen Jugendbewegung zu setzen. Wer aber nach handgreiflichen Ergebnissen der Bewegung sucht, möge einmal seine Ferienzeit im Lager der freideutfchen Jugend auf der Insel Sylt verbringen. » Im Klappholttal(Klappholt— Krummholz der Kiefer), zwei Stationen hinter dem Weltmodebad Westerland, mitten im Naturschutzgebiet, in völliger Abgeschlossenheit und Ureinsamkeit, hat die freideutsche Jugend sich eine Stätte ihrer Bewegung geschaffen. Wohl in erster Linie war es der Tatkraft ihres Führers, Dr. Knut Ahl dorn, zu danken, daß neben zwei anderen, der Vogelkoje und der im südlichen Drittel der Insel gelegenen Baracke Puan Klent, die im Klappholttal während des Krieges zum Küstenschutz oeschasfenen Militärbaracken noch rechtzeitig vor dem Abbruch von dem Bauunternehmer zurückgekauft werden konnten, um sie Er- holungszwecken der Jugend dienstbar zu machen. Freilich ist mit der Zeit unter den rührigen Händen der Jugend etwas ganz anderes aus diesem ehemaligen Militärlager geworden: ein farbig freund- licher Bau mit technisch und hygienisch zeitgemäßen Einrichtungen. Aber Schlichtheit, das Charakteristikum der Lebensweise einer ge- sunden Jugend, ist dem Lager erhalten geblieben. Zu Dreien und zu Vieren in den einzelnen Zimmern begnügen sich die Jugend- lichen mit einer einfachen Lagerstätte, teils sogar ohne Daunenbetten und Kopskissen. * Jugend braucht und will Tätigkeit. Der ganze Tag ist mit Arbeit, körperlicher und geistiger Art, ausgefüllt. Früh um Vi! Uhr ruft eine Reihe heller Gongtöne die Schläfer zur Morgen- andacht: zu gemeinsamer Gymnastik im Lichtkessel unweit des Strandes, mit anschließendem Bad in der Nordsee. Frottier- Übungen unter der sachkundigen Leitung Charly Straessers- Berlin, beschließen die erquickende Morgenarbeit, die unaussprech- liches Wohlbefinden auslöst und zu einem wahren Freudenquell für den ganzen Tag wird. Kein Wunder, daß die Beteiligung, die völlig freiwillig, aber auch unentgeltlich ist, täglich zunimmt. Auch ist jedcin freigestellt, im Badekostüm oder unbekleidet sich zu bewegen. Wer ober in Bekleidung begonnen hat. legt sie schon nach den ersten paar Tagen ab. Für diese Jugendlichen ist die Bewegung in der Natur und das B�den ohne irgendeine Hülle, im Lichtkleid, ein« Selbstverständlichkeit. Nach dieser erfrischenden Morgenarbeit gibt es ein einfaches Frühstück, bestehend aus einer schmackhaften Suppe und Kaffee mit Zubrot.--Im Laufe des Vormittags we.'den noch weitere Gym- naftikstunden, für Frauen und Männer getrennt, abgehalten. Am JBigafr-jBS...-,-, Das Ferienlager. Nachmittag ist wieder Gelegenheit zur Gymnastik oder zum Volks- tanz sowie zi» gemeinsamem Spiel am Strand. Der Abend dient der geistigen Anregung. Vorträge mit und ohne Lichtbilder, musi- kalische Darbietungen, Volkstänze und andere Unterhaltungen wechseln in bunter Folge. Die Beteiligung an oll diesen Veranstal- tungen ist völlig kostenlos. Daneben werden noch besondere Schulungskurse abgehalten, so eine Körperschulwoch«, eine Sing- pwche. literarische Arbeitsgemeinschaften u. a Ts entspricht ebenfalls dem»och naturgemäßem Leben Im Afefe aach nr�rtUni sätzcn geleitet wird. Auch für den Fleischesser ist die vegetarische Kvst hier bekömmlich. Geradezu erstaunlich ist, welche Vielseitigkeit eine gut« vegetarische Küche zu bieten vermag. Auch Alkohol und Tabokgenuß vermißt der daran Gewöhnte in diesem Kreise kaum. Jeder, auch der, der längst das Jünglingsalter überschritten, fühlt sich in dieser frischen und gesunden Atmosphäre unsagbar wohl, ohne die Ursache des Wohlbefindens zu kennen. Sie liegt eben in der auf Natürlichkeit und Gesundheit gegründeten Lebensweise. Infolgedessen ist auch das Verhältnis dieser Menschen zueinander Frottieren nach dem Bade. harmonisch. Sie sind alle Glieder einer großen Familie, Standes- unterschiede und Vorrechte kennt man hier nicht. Keiner drängt sich hervor. Jeder bemüht sich, seinem Nächsten zu helfen. Auch religiöse und politische Auseinandersetzungen gibt es hier nicht, ob- wohl die Bewohner des Lagers aus allen Gegenden Deutschlands stammen und den verschiedensten Religionsgemeinschaften und Par- teien angehören. Unverkennbar aber ist ein streng demokratischer Zug durch das ganze Lager, ohne den ja ein solches Gemeinschafts- leben überhaupt nicht möglich ist. So demonstriert Klappholttal— s politisch betrachtet— zugleich die Fruchtbarkeit des demokratischen Gedankens. Stadtrat Max Peters. Vergebliche Leute. «Der graufzc Gcncrol aus Paulen." Man schreibt uns: Es ist etliche Zeit her, da entdeckte das Woton-Surrogat Erich Ludendorff wieder einmal mit Hilfe seiner blauen Brille eine Schandtat der Juden. Irgend eine linke Zeitung füllte dann ihre Witzecke mit Ludendorffs Aufruf„zu de lieben Iidden in Paulen", worob sich dessen Schutz- und Schmutzblättchen enffprcchend empörte und die Zitate als Schwindel bezeichnete. Wenn man das tut, muß man's beweisen können, dachte ich und begann, um ein recht klares Bild des großen, na ja Helden zu bekommen, einen höflichen Brief- Wechsel, der also lautet: „Sehr geehrter Herr Haupffchristleiter, in Nr.... des „Fridericus" steht, daß„die Geschichte vom Besuch des Generals Ludendorff am 1. April 1917 beim Oberrabbiner in Warschau", von der linke Zeitungen berichteten,„ein Aprilscherz" sei. Ich gestatte mir die Anfrage, ob«s sich bei dem von denselben Zei- tungen miigeteillen Ausruf im ostjüdischen Jargon des Generals Ludendorff„An die Juden in Polen! Als Freund« kommen wir zu Euch____" auch um einen solchen„Aprilscherz" handelt?" Die Antwort: „In höflicher Erwiderung Ihres gefl. Schreibens bedauern wir Ihnen die gewünschte Auskunft nicht geben zu könneu Wir empfehlen Ihnen direkte Anfrage an Exzellenz General Ludendorff, München. Mit deutschem Gruß Fridericus." Gesagt, getan. Nach zwei Wochen war ich im Besitz einer zweiten Antwort: „Im Auftrage von Exzellenz General Ludendorff soll ich Ihnen mitteilen, daß Sie sich wegen Ihrer Frage an das Reichsarchiv in Potsdam wenden können." Noch einmal: gesagt, getan. In weiteren zwei Wochen wurden meine Anfrage. und ich aus dem Brauhausberg in Potsdam registriert, bis Nummer 15 663 zählte man. Und dann bekam ich die dritte Antwort vom Präsidenten des Reichsarchivs: ,Lluf Ihre Anfrage teile ich mit, daß hier Unterlagen zur Beantwortung Ihrer Frage nicht ermittelt worden sind." Nun hätte ich ja noch nach Polen fahren können— aber die drei Antworten der drei„Hauptbeteiligien", die nicht„ja" und nicht „nein" sind, die sich so offensichtlich drücken, sind eindeutig genug. Gerda Weyl. Hinterland. Die„große Zeit" hotte noch nicht lange grassiert, da lockt« in der frontfernen Gegend von Krossen-Züllichau Gewehrgeknotter den Gendarm dem holden Klang nachzugehen. Da fand er einen biederen Landstürmer mit dem wichstuchenen Topf. Modell 1813, be- hauptet; der stand da in freier Natur— und schoß.„Mensch, wa, machen Sie denn da, was fällt. Ihnen denn ein, hier herum- zuschießen?"— Schlicht und ergreifend kam die Antwort:„Na, etisd och Krieg I" Völker, die uns umwohnen. Es ist wirklich nicht mehr angebracht, von europäischen Rassen zu sprechen, die durch deutliche Merkmale voneinander geschieden seien. Der angeblich„germanische" Langschädel ist unter Romanen und Slawen, auch unter Juden mindesten� ebenso stark verbreitet wie unter Skandinaviern und Deuffchen, Und Rundköpfe finden wir bei uns ebenso oft wie Dunkelhaarige und Dunkeläugige, während es unter Slawen, selbst unter Romanen und Juden Blonde und Blauäugige massenhaft gibt. Man kann nur noch von den Völkern als S p r a ch gemeinfchaften reden, nicht einmal als von Gesamtheiten gleicher Kultur, denn die Kultur richtet sich nach der Gesellschoftsschicht und dem Beruf, hängt also sehr von der wirtschaftlichen Lage des einzelnen ab. Die Kultur des Studierten, des Reichen oder Hoch- gestellten unterscheidet sich in allen Völkern gewaltig von der des Bauern und des Proletariers: in den„oberen" Gesellschaftsschichten ist sie in allen Kulturnationen ziemlich die gleiche, ist also über- national geworden. Dabei ist natürlich in jedem Volk eine gewisse Durchschnitts« kultur vorhanden und die ist bei den Reichsdeutschen, ihren nörd- lichen, westlichen und südlichen Nachbarvölkern ziemlich die gleiche, mögen auch in einzelnen Sitten und Gewohnheiten Abweichungen bestehen. » Viel empfindlicher und viel schwerer zu überbrücken sind die Sprach unterschiede und das sogar schon gegen die„germanischen" Nachbarn. Kann z. B. der Deutsche, wenn er genug intelligent ist, eine holländische Zeitung mit erheblicher Mühe noch halbwegs verstehen, so ist doch auch ihm das gesprochene Holländisch unver- ständlich. Beim Dänischen versteht man schon die Zeitung nicht, und da gibt selbst Beherrschung des Plattdeutschen nicht mehr Ger- stehensmöglichkeit als gegenüber dem Englischen, wobei noch dazu- kommt, daß das Englische ein« Mischung von germanischen und romanischen Wärtern darstellt. Insofern also sind uns die Holländer und Dänen ebenso fremd wie die Franzosen und die Slawen. Aber schon das Ale- m a n n i s ch e, das ist das Schwäbische. Schwyzerdütsch und Elsässer- ditfch, ist gesprochen dem Norddeutschen, ja selbst dem Bayern und Oesterreicher glatt unverständlich: erst Gewöhnung im Ausenthalt unter Alemannen kann da helfen, ebenso wie etwa zwischen extrem norddeutsch und unverwässert bayerisch-österreichisch Sprechenden. Das Schlesische wirkt keineswegs als verbindendes Mitteldeutsch, sondern vielmehr als trennende Eigenheit, weit mehr als das Sächsische, das weniger als das Schlesische die Vokale als die Kon- sononten verändert, meistens einfach weiche und harte verwechselt. Diese großen Verschiedenheiten in der detitschen Bolkssprache werden allerdings aufgewogen und in der Volksgemeinschaft aufgelöst durch jahrhundertelange Gemeinschaft der Schrift spräche und die fast noch längere Schicksalsgemeinschast im loseren oder engeren Reichs- und Staatsoerband. Fühlen sich doch so grundverschiedene Länder und Menschen wie die von Ostpreußen und Rheinland ge- meinsam als Preußen, wie die von Mecklenburg und vom Bodenseß als Reichsdeutsche, wie die Friesen und die Wiener, ja selbst die Schwabe» im Banat und die Sachsen i» Siebenbürgen als Deutsche. Üoem dm. möfim v»«ch w«|kbiiiin Ein sonderbares Amt. Da hat neulich der Krciskricgerverband Franken st ein in Schlesien ein« Delegiertenversammlung abgehalten. Zuerst wurde ein Oberst„warm" begrüßt, dann wies der Vorsitzende„aus die Notwendigkeit der Erneuerung de» Verbandslebens" hin und schließ- lich nahm man einige Vorstandswahien vor. Es ist hierbei, wir können es nicht oerschweigen, etwas eigenartig zugegangen. Hören wir den Bericht der„Frankenftein-Münfterderger Zeitung" vom 2. August: „Den auestbeidenden stellvertretenden Vorsitzenden, Studien- dircktor i. R. Major Seidel, pries der Vorsitzende als treue . Soldatennatur, die niemals versagte, und widmete ihm namens des Verbandes herzliche Dankcsworte, denen sich auch namens des Provinzialverbandes Oberst Schwert anschloß. Major Seidel wurde daraus zum Ehrenbeischläfer ge- wählt." Studiendirektor, Major, treue Soldatennatur: dos ist für einen Vertreter des männlichen Geschlechts eine ganz hübsche Mischung. Hoffen wir also, daß sich Herr Seidel auch in seinem neuen Amt den Dank des Frankensteiner Kriegeroereins erwirbt. Hemdsärmel sind nicht unmoralisch. Während der heißen Tage hatten sich in Prag mehrere Spazier- gänger auf den Straßen in Hemdsärmeln gezeigt. Darob erhob sich zum Teil große Entrüstung, die Hemdsärmel wurden als höchst unmoralisch und anstößig bezeichnet. Man bat sogar die Polizei, daß sie einschreite. Die Polizei hat aber nunmehr entschieden, daß zum Eiichhreiten kein Grund vorliege, Hemdsärmel feien keineswegs eine unmoralische Angelegenheit. Budapest weint. Di« Budapest«? Blätter berichten, daß Budapest Freitag den Eindruck einer Stadt machte, über die furchtbares Unglück herein- gebrochen ist. Man konnte den Zustand der Stadt nur mit der Trauer vergleichen, die Budapest ergrissen hat. als bekannt wurde. daß der Krieg verloren war. Die Hauptstraßen, insbesondere die Ringstraße, waren von taufenden Menschen erfüllt, die weinend und klagend die furchtbaren Ereignisse besprachen. Vor den Ge- bäuden der Zeitungen sammelten sich große Menschenmassen an, ober die Redaktionen wagten kaum, die Hiobsbotschaften anschlagen zu lassen. Schließlich ließ sio) aber nichts verbergen und in den späten Abendstunden wußte jeder in Budapest, daß die ungarischen Wasser- ballspieler in Amsterdam ihr Match gegen die Deutschen 5: 2 verloren hatten. Am Nachmittag waren Gerüchte verbreitet worden, die Ungarn hätten einen Sieg errungen, und die Masse, die oll- gemein auf den Sieg gerechnet hatte, stimmte in den Straßen die Nationalhymne an und es kam zu großen Frcudcnkundgtbungen. Um so furchtbarer war aber dann die Enttäuschung. Hunderte von sportbegeisterten Budapestern formierten sich zu Zügen und demonstrierten mit lauten Rufen gegen die ungarischen Spieler, die Ungarn mit Schmach und Schande bedeckt hatten. Eine Abteilung Polizei auf Fahrrädern wollte die Menge zerstreuen, es gelang ihr aber erst, als ihr noch«ine größer« Anzahl berittener Polizei zu Hilfe kam. Dos offiziöse Blatt„Budopesti Hirlap" verössentl'chte Freitag einen spaltenlangen Leitartikel über das verlorene Spiel unter dem Titel„Budapest weint" und stellt fest, daß die Budapefter Straßen ein revolutionäres Bild boten. Das Blatt schreibt dann:„Das Herz Budapests ist gebrochen. Der SchKrcrz der Ungarn ist so arg wie nach der Schlacht von Mohacs." Der Kanarienvogel im Kabarett. Die großen englischen Varietekünstler haben einen kleinen Kon» kurrcnten bekommen: einen Kanarienvogel. Es klingt zwar paradox, daß ein Kanarienvogel unter die„Siars" geht, aber„Liltle Tweed" rechtfertigt feinen Ruf. Er tritt allabendlich auf und singt, von zwei Musikern begleitet, einige Konzertstücke. Er singt auf Befehl, nur nicht nach 10,30 Uhr abends, denn dann kommt sein« Schlafens» Zeit. � Alkohol und Sowjetarbeiter. Das kommunistische Iugendblatt„Der Weg der Jugend" hat in Gemeinschaft mit der Partcizelle der Fabrik Rr. 13 unter den Ar- beitern der Fabrik eine anonyme Umfrage über den Alkoholismus durchgeführt. Don 120 Arbeitern, die den Fragebogen ausgefüllt haben, vertrinken zehn Arbeiter bei einem Gesamtarbeitslohn von etwa 1200 M. 500 M., für Kino, Theater, Zeitungen, Zcitschris- ten und Bücher geben sie 70 M. aus. Die jüngeren Arbeiter im Alter von 20 bis 24 Iahren vertrinken bei einem Monatseinkommen von 180 M. durchschnittlich 40 M. Erwachsene Arbeiter— es handelt sich um zehn Arbeiter— vertrinken bei einem Arbeitslohn von 140 M. 80 M. monatlich. Don 67 Jungkommunisten trinken 40 Bier und Schnaps, 27 trinken überhaupt nichts. Dagegen waren unter den 16 parteilosen Arbeitern 10 abstinent. Charakteristisch ist e» auch, daß e» unter den Alkoholikern wenig qualifizierte Arbeiter gibt. Acht der schlimm- sten Alkoholiter, die etwa 20 bis 50 Proz. ihres Arbeitslohne» ver- trinken, sind Mitglieder der kommunistischen Jugend im Alter von 18 bis 22 Jahren. Das wird der kommunistischen„Iugendprawda" vom 13. Juni aus Brjansk berichtet! Das Fahrrad in Frankreich. In Frankreich vertraut sich auch heute noch eine ganz be» trächtliche Anzahl von Arbeitern und Angestellten dei� Beförderung durch eigener Füße Kraft an. Nach der Steucrausweisung für 1927 gab c» in Frankreich 6 583 728 Personen am Ende de« Jahres 1927, die Fahrräder besaßen und insgesamt 118 837 000 Franken Steuer aufbrachieN. Die Zahl der Motorräder betrug zur gleichen Zeit nur 4591. Im übrigen gelten für Fahrradbcsitzcr in Frankreich strenge Vorschriften, auf deren Beachtung die reitende Polizei genau achtet. Jedes Rad muß Rümmer� Handbremse und Laterne l�de». Der Kampf gegen Spaltung. idno ni bilo An alle Vereine des 1. Kreises! allipolone16 FE Auf Grund einer Nachfrage beim Kartellausschuß( 3entralTommission für Arbeitersport und Körperpflege) ergeht der Bescheid, daß der Arbeiter- Sportverein Fichte", Berlin, gemäß den Beschlüssen der 3. die Beziehungen zu den aufgelösten Kartellen für sich und feine Mitglieder einzustellen, trotz besonderer schriftlicher Aufforderung, nicht erfüllt hat. Der BundesEs sei nochmals besonders darauf hingewiesen, daß Vereine, welche sich zum aufgelösten Kartell bekennen, die Bundesbeschlüsse gegen sich wirken lassen müssen. Der Kreisvertreter. J. A. gez. Mar Reichert. vorstand des Arbeiter- Turn- und Sportbundes hat in seiner Sigung Gründung der Freien Schwimmervom 2. Auguft d. J. einstimmig beschlossen: lösen. Die Bereine des Arbeiter- Turn- und Sportbundes dürfen den von der ZK. aufgelösten Kartellen nicht angehören, fie haben alle Berbindungen mit den bisher bestandenen Kartellen zu Die Bereine find verpflichtet, den von der 3. neuberufenen Arbeitersportkartellen beizutreten. Vereine, die diesen Anweisungen nicht folgen, stellen sich außerhalb des Bundes. Gegen Bundesmitglieder, die versuchen, die alten Kartelle fortzuführen, hat der Geschäftsführende Ausschuß ein Aus fchlußverfahren anhängig zu machen. Nach diesem eindeutigen Beschluß hat sich der USB. Fichte", Berlin, außerhalb des Bundes gestellt, und ich bitte alle Bereine des Kreises, dies zu beachten; es ruhen munmehr alle Rechte als Bundesmitglied( sportlich somie organisatorisch). Ferner diene den Bundesvereinen zur Kenntnis, daß die Beschlüsse des 16. Bundestages, welche mit überwältigender Mehrheit den von der KPD. Beauftragten die Türe gewiesen hat und und in Zukunft die zersetzende Arbeit der Kommunistischen Partei mit aller Entschiedenheit organisatorisch unterbindet, vom ASV. Fichte", Berlin, mit folgendem Beschluß einer Generalversammlung beantwortet werden: Der USB. Fichte", Berlin, nimmt Kenntnis von den Beschlüssen des Bundestages und erhebt den allerschärfsten Protest dagegen. Weiter erklärt der ASV. Fichte", daß der Bundestag weder statutarisch noch moralisch das Recht hatte, den Berlin- Brandenburger(?) Delegierten die ihnen von der Mitglied schaft übertragenen Mandate abzuerkennen. Der ASB. Fichte" fordert vom Bundesvorstand die Zu rüdnahme der angedrohten Ausschlüsse. Der ASV. Fichte" befundet feine Solidarität mit dem rechtmäßigen Berliner Kartellverband und erklärt, jeden Versuch zur Spaltung der Berliner Arbeitersportbewegung auf das schärffte befämpfen zu wollen. Der ASV. Fichte" verpflichtet sich, alle Kräfte für die Einheit der Arbeitersportbewegung auf den Boden des Klassen tampfes einzusetzen. Organisation. Mitgliederversammlung am 30. Juni nach einem Bericht vom Die Freien Schwimmer Neukölln", die in ihrer Bundestag beschlossen hatten, einen Zentralverein für Groß- Berlin zu schaffen und die zur Erledigung der Borarbeiten eine Kommission einsekten, haben am Sonnabend, 11. August, in einer außerordentlichen Generalversammlung Stellung zu den Vorschlägen der Kommission genommen. Nach einem turzen eindrucksvollen Referat des Gen. Schmidt, in welchem er die Notwendigkeit dieser Schaffung auf Grund der augenblicklichen Verhältnisse begründete, nahm die gut besuchte Versammlung ohne Diskussion folgenden Antrag einstimmig an: Die am 11. Auguft im Gewerkschaftshaus tagende außerordentliche Generalversammlung der Freien Schwimmer" Neukölln e. V. beschließt die Auflösung des Vereins und die sofortige Neugründung der Freien Schwimmer GroßBerlin". Die augenblidlichen Verhältniffe in der Groß- Berliner Arbeitersportbewegung gebieten diesen Schrift zur Gefundung und zum Wiederaufbau der Berliner Arbeiter- Schwimmbewegung. An die Groß- Berliner Schwimmvereine, die auf dem Boden der Beschlüffe der Zentralfommiffion und des Bundestages des Arbeiter- Turn- und Sportbundes stehen, ergeht die Aufforderung, sich den Freien Schwimmern Groß- Berlin anzuschließen. Die Statutenberatung ergab die einstimmige Annahme des von der Kommission vorgelegten Entwurfs. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Zum Vorsißenden wurde der bisherige langjährige Leiter der F. S. Neukölln, Gen. G. Bölder, einstimmig gewählt, Technischer Leiter wurde Gen. Felix Schmidt, Kassierer Gen. Adolf Preuß, Schriftführer Gen. Faltenberg, Revisor Gen. Gerhardt. In einer zündenden Schlußansprache streifte Gen. Völder noch einmal kurz die Borgänge in Berlin und forderte auf, nicht stehen zu bleiben, sondern mitzuarbeiten am Aufbau unserer so stolzen Arbeitersportbewegung und fich besonders die Worte zu eigen zu Hiermit befundet der ASV. Fichte" den Willen, die Beschlüsse machen, die der Gen. Schred auf dem Bundestag in seinem Vordes 16. Bundestages und der Organisationsförper nicht durchtrag gebrauchte: durch Sport und Spiel den sozialistischen zuführen, und Menschen gestalten zu helfen, der eine Voraussetzung ist für die tommende sozialistische Gesellschaft. Ein begeistertes ,, Frei Heil" auf den Arbeiter- Turn- und Sportbund und den neuen Berein schloß die Bersammlung. es wird nunmehr der Bundesvorstand gemäß dem Bundesftatut verfahren. Bereine, welche sich durch Beschlüsse zum aufgelösten Kartell erklärten, werden nach Prüfung veröffentlicht und die weiteren Maßnahmen durchgeführt. Arbeiter- Fußball. 750 Der 4. Kreis schlägt Berlín 8: 1. Die Berliner Städtemannschaft, die am Sonnabend in Dresden gegen eine Kombination des 4. Kreises ein Spiel austrug, wurde hoch mit 1: 8 geschlagen. Daß die Berliner einen schweren Stand in Dresden haben würden, war vorauszusehen; daß sie allerdings so glänzend versagen würden, hatte wohl niemand erwartet. Bestand doch die Mannschaft zum größten Teil aus Spielern der Mannschaft, die gegen die Ländermannschaft überaus günstig abgeschnitten hat. Sparta schlägt Lichtenberg I 2: 1. Das Biederholungsspiel zwischen diesen Vereinen in der Kynast. straße hatte mehr als 1500 3uschauer angelodt, die auch auf ihre Kosten gekommen sein dürften. Sparta beginnt mit der Sonne im Rüden, um auch sofort dem Torwart der Lichtenberger einige gefährliche Schüsse auf sein Heiligtum zu sehen. Hier zeigt es fich aber, daß ein Meister seines Fachs auf dem Posten steht. Der Gegenangriff Lichtenbergs scheiterte schon an der Sparta- Hintermannschaft. Schnell geht Spartas Linksaußen vor. Durch einen groben Fehler des rechten Läufers, der seinen Verteidiger behinderte, gelingt es dem Spartaner, bis ans Tor zu kommen und mit scharfem Schrägschuß den ersten Erfolg zu buchen. Lichtenberg läßt sich aber nicht entmutigen. Oft blüht auch die Aussicht auf Erfolg, doch auch der Torwart Spartas versteht sein Fach. Erst in der 15. Minute fann Lichtenbergs Halblinker durch Strafftoß von 20 Metern das Spiel unentschieden stellen. Jetzt entbrennt der Kampf wieder. Auf beiden Seiten erhalten die Hintermannschaften reichlich Arbeit. Sparta hat allerdings mehr vom Spiel. Trogdem gelingt den Lichtenbergern 10 Minuten vor der Pause der zweite Treffer, der jedoch vom Schiedsrichter wegen Abseits nicht gewertet Die Anschrift der Freien Schwimmer Groß- Berlin ist: Gustav Bölder, Berlin- Neukölln, Treptower Straße 22. 9: 2 die Endspielberechtigung erworben haben. Der Schiedsrichter Striebe- Mannheim war dem Spiel ein guter Leiter. Mannheim- Dresden 5: 3. Nach Anspiel gleichwertiges Spiel. Dresden geht mit 1: 0 in Führung, doch der süddeutsche Kreisverbandsmeister gleicht furz. darauf aus. Der Verbindungsmann von Mannheim macht einen Durchbruch und das Resultat steht 2: 1 für Mannheim. Dresden zieht gleich, und mit 2: 2 Toren werden die Seiten gewechselt. Mannheim erzielt nach dem Wechsel zwei Tore, doch Dresden verringert den Vorsprung auf 4: 3 für Mannheim. Es wird nun hart gefämpft. Mannheim ist der Glücklichere und verläßt mit 5: 3 Toren das Wasser. Somit stehen sich am Sonntag Mannheim und Weißensee im Endspiel gegenüber. Schwimmstadion begann die Sonntagsveranstaltung. Pünktlich Mit einem Umzug der westdeutschen Spielleute nach dem 16% Uhr begeben sich die beiden Vorrundensieger Mannheim und Neptun- Weißensee ins Wasser. Mannheim wirft an. Kurz nach Beginn erzielt der linke Verteidiger von Weißensee nach Durchbruch das erste Tor. Beide Außenstürmer von Mannheim schaffen 2: 1. Mit diesem Resultat werden die Seiten gewechselt. Nach Wiederbeginn können alle Weißenfeer Stürmer je ein Tor erzielen, und das Tor auf, und wieder ist es der linke Weißenseer Verteidiger, der das Torverhältnis stellt sich auf 4: 2 für Weißensee. Mannheim holt ein alte Verhältnis wieder herstellt 5: 3. Der Mittelstürmer Weißensees erhöht den Vorsprung auf 6: 3. Mannheim gibt sich aber nicht geschlagen und holt bis zu 6: 5 auf, worauf der Schlußpfiff ertönt und Weißensee die Bundesmeisterschaft errungen hat. Der Schiedsrichter Dehmichen- Dresden war dem Spiel nicht gewachsen und ließ richter Dehmichen- Dresden war dem Spiel nicht gewachsen und ließ sich das Spiel aus der Hand nehmen. Beide Mannschaften spielten hart. Weißensee hatte durch bessere Kombination und Spielaufbau mehr vom Spiel. 6000 bis 7000 Personen waren Zeuge des Festes. = Hochinteressant waren Jiu- Jitsu Borführungen der Berliner Genossen und verblüffend und einzigartig in ihrer egatten Bollendung find Afrobatit- Nummern einer Artistengruppe des Bundes. Die Begrüßungsrede hielt der Bundesvorsitzende, dem Bürgermeister Ludwigshafen antwortete. Der Sonntag brachte Gen. die Einzor fotfe, die von 2000 Teilnehmern beispiellos hart umstritten wurden. Gefährlicher Sturz von Sawall. Im ersten Lauf des Dauerrennens um den Großen Preis von Berlin"( Olympiabahn) lag Sawall durchweg an der Spize und schickte sich drei Runden vor Schluß an, nah Maronnie: auch Lewanom zu passieren, als der Motor seines Schrittmachers Pasquier plötzlich wie auf einen Ruck stehen blieb. Es hatte sich ein Kolben am Motor festgefressen. Sawall fuhr in vollem Spurt auf die Rolle feines Motors auf, fein Rab ging in Trümmer und im hohen Bogen schlug der Fahrer auf den 3ement auf. Alles befürchtete das Schlimmste, doch Sawall erhob sich bald wieder, allerdings aus zahlreihen Wunden blutend, zum Glück durchweg aut abschürfungen und unbedeutende Prellungen. An Händen und Füßen dick bandagiert, erschien Sawall bald wieder auf der Bildfläche, fuhr unter stürmischem Jubel einige Proberunden und nahm dann auch am zweiten 50- Kilometer- Lauf teil. Bunächst hatte Lewanow die Spize, dann schob sich Thollembeek nach vorn und ließ sich keinen Gegner mehr nahekommen. Sawall mußte eine Runde vor Schluß noch nicht weit hinter dem Sieger Thollembee?. wegen Motorschadens Benoit an sich vorbeilaffen, endete aber denDieser machte im ersten Lauf vor dem Sturz von Sawall feine Anstrengungen, nach vorn zu kommen, und wurde dieserhalb mit 100 M. in Strafe genommen, außerdem dem Sportausschuß des BDR. zur weiteren Bestrafung angezeigt. beet 42: 27; 2. Benoit 170 Meter; 3. Lewanow 260 Meter; 4. Maronnier Ergebnisse: Großer Preis von Berlin. 1. Lauf, 50 Rilometer: 1. Thollem250 Meter; 5. Gawall 1180 Meter zurüd( gestürzt). 2. Lauf, 50 Rilometer: 1. Thollembeet 42: 22; 2. Benoit 140 meter, 3. Gawall 170 Meter, 4. Maronnier 2200 Meter; 5. Lewanom 3700 Meter zurüd Gesamtergebnis: 1. Thollembeck ( Contireifen) 100 Rilometer; 2. Benoit 99,690 Rilometer: 3. Gawall 98,650 Amateur- Hauptfahren: 1. Schulz, 2. Lindner, 3. Funda. Silometer; 4. Maronnier 97,250 Rilometer; 5. Lemanow 96,040 Kilometer. Schlußkampf in Amsterdam. Deutschland gleich hinter Amerika. Der letzte Wettbewerb war am Sonntag nachmittag die reitsportliche Konkurrenz. 40 000 Menschen füllten das Stadion. Die Gesamtwertung der Nationen auf der Amsterdamer Olympiade ist folgende: Amerika Deutschland Frankreich Finnland Holland Schweden England Italien Schweiz Kanada Ungarn Nation Tschechoslowakei. Dänemark Argentinien Polen. Japan Desterreich Estland Aegypten Norwegen Australien Jugoslawien Südafrika Belgien Luxemburg Neuseeland Spanien Chile Haiti Bortugal Philippinen 928961 7887 1. Preise 22 2. Breife 8. Preise Tota'punite 18 16 118 11 18 69 12 51 49 47 12 45 11 41 6 39 5 4 32 27 Con 5 25 18 17 14 4 12 11 10 -10 9 9 8 7 5 155221211111 7645233223221 1 1 6695276AT( 21TAT12121222||||| 3 2 1 pische Flagge im Stadion niederging, überreichte der Bürgermeister von Paris dem Bürgermeister von Amster= dam die Olympische Fahne, die bis zu den nächsten Spielen im Rathaus von Amsterdam aufbewahrt werden wird. Wärend unter Trompetentlang und Artilleriesalut die Olym= Mit der von der Menge darauf gesungenen holländischen Nationalhymne schlossen die Spiele 1928. Bogmeister Tunney wird Bantbeamter. Weltbogmeister Tunnen wird demnächst als Angestellter in ein New- Yorfer Bankhaus eintreten, das einem Verwandten seiner Braut, die selber die Großnichte Carnegies ist, gehört. Vereinskalender. wird. Hier hat sich der Schiedsrichter allerdings eine Fehlentschei- Verfassungsfeier der Wassersportler. Dienstag, 14. Auguft, 20 br, Ebertoftr. 12. ufta berbigenheim& fted! Nach der Pause läßt Lichtenberg etwas nach. Sparta spielt nun auf Sieg. In der 4. Minute gelingt den Spartanern auch der zweite Treffer, der vom Torwart hätte gehalten werden müssen. Auf beiden Seiten wird nun mit großem Eifer versucht, das Refultat günstiger zu gestalten. Jedoch gelingt feiner Mannschaft ein Erfolg. Sparta fann somit als glücklicher Sieger den Plaz verlassen. Stralau weilte bei Bantow 08 und holte sich eine 4: 8- Backung. Friedrichshagen hatte den Besuch von Helvetia und konnte die Nordleute mit 4: 0 geschlagen auf die Heimreise schicken. Berolina und Sowjet trennten sich 5: 3. Wasserball. Neptun- Weißensee wieder Bundesmeister. Am Sonnabend standen sich zuerst Neptun- Weißensee( ostdeutscher) und Hannover- Linden( nordwestdeutscher Kreisverbandsmeister) in Osnabrüd gegenüber. Neptun- Weißensee hat Anspiel, und ohne daß ein Hannoveraner den Ball berührt, erzielt der rechte Stürmer das erste Tor für Weißensee. Nach einer Minute schafft Hannover den Ausgleich. Nacheinander werfen abwechselnd die Stürmer von Weißensee noch weitere vier Tore. Mit 5: 1 Toren werden die Seiten gewechselt. Der Anwurf von Hannover wird abgefangen, der Ball gelangt zum Weißenseer Mittelstürmer, de das Resultat auf 6: 1 stellt. Nachdem Hannover ein Tor aufgeholt hat, fallen bis Schluß noch drei Tore für die Weißenfeer, die mit Am Sonnabend beteiligte sich der Deutsche Wassersportverband an dem großen Fackelzug. Hunderte im blauen Anzug und blauer Müze mit ihren Vereinsfahen haben den Fackelzug farbiger gestaltet. Die Reichsbannerwassersportabteilung veranstaltete am Sonntag auf den Berliner Gewässern sehr eindrucksvolle Feiern, die durch das schöne Wetter vollen Erfolg zu verzeichnen hatten. Die Oberspreer versammelten sich am Birkenschlag, wo Bürgermeister Genosse Mielik die Festansprache hielt. Auch auf der Havel in der Bürgerablage in Spandau versammelte sich eine große Anzahl Wassersportler. Hier waren die Reichsbannerruderer mit ihren schönen Sportbooten, zwei Riemenachter und vier Riemenvierer, erschienen, die schon eine große Anzahl gut ausgebildeter Mannschaften haben. Bundesfest der Athleten. Glänzender Verlauf in Ludwigshafen. = Touristenverein Die Naturfreunde", 8entrale Wien. Abt. Friedrichshain: Mufitabend. Abt. GesundDienstag, 14. August, 20 Uhr, Schönstedtftraße. 3. Abend: Die engliffche Revolution" Cromwell( Ref.: Dr. M. Schütte). Abt. Friebenau: Dienstag, 14. Auguft, 20 Uhr, Offenbacher Str. 5a. Werbeabend. Abt. Norben: Dienstag, 14. August, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20. Seeftraße. Erste Hilfe bei Unglüdsfällen. Heitere Geschichten. Abt. Webbing: Dienstag, 14. August, 20 Uhr, Turiner Ecke Abt. Treptow: Dienstag, 14. Auguft, 18 Uhr. Spielen auf der Spielwiese im Treptower Park. Abt. Pantow: Dienstag, 14. August, 20 Uhr, Görschstr. 14. Jugend und Sexualität. Abt. Suboft, Jugendabteilung: Mittwoch, 15. August, 20 Uhr, Reichenberger Straße 66. Naturwissenschaftlicher Vortrag. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 16. August, 20 Uhr, Christburger Str. 14. Abschied der Zürich. fahrer. Abt. Gesundbrunnen: Tonnerstag, 16. Auguft, 20 Uhr, Bank- Ede Wiesenstraße. Seimabend. Abt. Stergarten: Donnerstag, 16. Auguft, 20 Uhr, Abt. Schöneberg: Donnerstag, 16. Auguft, 20 Uhr, gehrter Straße. Singfang. Hauptstr. 16. Musik- und Liederabend. Raturwissenschaftliche Abt.: Donnerstag, 16. August, 20 Uhr, Johannisstr. 15. Naturwissenschaftliches Allerlei. Arbeiter Schachtlub Neukölln. Spieländerung. Spielt iegt jeden Mittwoch bei Benthin, Boddin Ecke Reuterstraße. Sportgruppe im Reichsbunb jüdischer Frontsoldaten. Trainingabende für Frauen und Männer sämtlicher Altersklassen. Dienstag, 6 bis 10 Uhr: Sportplay Friedrichshain. Donnerstag, 6 bis 10 Uhr: Sportplaz„ An der einfamen Pappel", Schönhauser Allee( Danziger Straße). Sonnabend, ab 125 Uhr: Sportplag An der einsamen Pappel". Montag: Gnmnastik und Turnen. Turnhalle Alt- Moabit 23. Geschäftssteffe: Frig Ansbach, D. 27, Schillingstr. 9. Königstadt 1277.. Artistenverein Union Biftor'a. Bereinslokal: Berliner Kindl- Brauerei, Neukölln, Hermannftr. 214/219. Sigung jeden 1. und 3. Freitag im Monat. Die Festhalle im Ebert Park ist Zeuge des Festkommerses, Uebungsstunden jeden Dienstag und Freitag von 18 bis 22 Uhr im VereinsTotal( Gartenhalle). Meldungen zur Jugendabteilung beim Kollegen der ganz verblüffende Leistungen der gut 6000 zählenden Menge vor- F. Richter in der Uebungsstunde. Connabend, 18. August, in den Gesamtführte. Eichenfranz" Leipzig wird Bundesmeister im räumen der Orpheum, Hasenheide 32/38, Sommerfest verbunden mit Konzert, Varieteporstellung und Tanz. Eintritt einschl. Steuer 75 Pf. Mannschaftsringen gegen Mannheim mit 7 zu 7 Punkten durch Freie Faltbootfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag 20 Uhr, Schule Weinmeisterftr. 16/17. Mittwoch, 18,30 Uhr: Start aller Radfahrer Scharnfürzere 3eit; ebenfalls ist die Meisterschaft im Heben äußerst hart weber- Ecke General Barby- Straße zur Badefahrt nach dem Tegeler See. umstritten. Bestleistungen: Einarmig Reißen 160 Pfund; Stoßen Eonnabend: Fahrt nach Dannenwalde- Wentow- Gewässer. Abfahrt 15,15 Uhr Stettiner Bahnhof 200 Pfund; Beidarmig Reißen 190 Pfund; Stoßen 250 Pfund. Das Freie Turnerschaft Groß- Berlin E. B., Bezirk Süden. Das Turnen der Resultat ist noch nicht errechnet; im Kampf stehen Berlin, Friesen- Frauen über 25 Jahre beginnt, wieber am Montag, 13. Auguſt, abends 8 Uhr, in bet Turnhalle Ralfer Friebrich- Str. 4 in Neuföln( am Hermannplag). Aufheim und Speyer. nahme neuer itglieber, Einigung der Kriegsbeschädigten. Friede, Räumung, Abrüstung. Die internationale Konferenz der Kriegsbeschädes wahren Friedens zu feiern, der dann kommen wird, digten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebe und so wie ich jetzt dem französischen Berichterstatter, unserem nen( Ciamac) hat am Sonnabend ihre Tagung Freunde Caffin, als Mensch und Bruder die Hand reiche, so wird beendet. Der Kongres einigte sich in politischen alsdann ein gewaltiger Strom der Eympathie über den Rhein Fragen auf eine Resolution, die den Frieden, die herüber und hinüber fluten, um die Feuer des Hasses in den Abrüstung und die Räumung fordert, was von poli- beiden Ländern zu ersticken.( Stürmischer, langanhaltender Beifall.) tischer Bedeutung ist, weil damit auch eine nichtsozialistische Massenbewegung, der größte Kriegsopferverband Frankreichs, sich hinter die Räumungsforderung gestellt hat. Am Sonnabendabend konnten die Kongreßteilnehmer noch einen starken Eindruck von dem Verfassungstage der deutschen Republik mit in die Heimat nehmen. Wie schon kurz berichtet, hatte am Sonnabendmorgen der Reichskanzler Hermann Müller den Vorstand der Ciamac empfangen. Er erinnerte daran, daß die Verfassung, die das deutsche Volk gerade heute feiere, den Schulen zur Pflicht mache, schon die Jugend im Geiste der Völferversöhnung zu erziehen. Die deutsche Republik merde alles tun, um diesen Grundsatz zu realisieren. Es sei zu begrüßen, daß die Friedenspolitik der Regierungen durch Vereinigungen wie der Ciamac eine so treffliche Unterstützung erfahre. Die Kriegsopfer aller Länder dürften überzeugt sein, daß sie in ihren Friedensbestrebungen in der deutschen Regierung einen guten Bundesgenossen haben werden. Friede und Räumung. In der letzten Plenarversammlung des Kongresses im Herrenhaus stand die internationale Politik zur Debatte. Die politische Kommission hatte folgende Entschließung vorgelegt: ,, Die internationale Arbeitsgemeinschaft der Kriegsbeschädigten erinnert aufs neue an ihr Recht und ihre Pflicht zur aktiven Mitarbeit an der Festigung des Friedens und ist überzeugt, daß nur die Stärkung der Solidarität der Staaten fünftige Kriege unmöglich macht. 1. Sie beträftigen aufs neue die Notwendigkeit der Durchführung der in ihren früheren Entschließungen hervorgehobenen Grundsäge: der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit für alle internationalen Streitigkeiten und der Aechtung des Krieges; der erhöhten Sicherheit sowohl im Wege allgemeiner Berträge als auch der Locarno nachgebildeten Verträge für bestimmte Gebiete, auf denen noch Reibungsflächen bestehen; der allgemeinen und fortschreitenden Herabsegung der Rüstungen, der Verstärkung der Aufsichtsmittel des Völkerbundes, der in der Lage sein sollte, durch gemeinsame Maßnahmen die Durchführung von Entscheidungen zu sichern, die die Erhaltung des Friedens betreffen. II. Da die moralische Abrüstung die wichtigste Voraussetzung für den Frieden ist und die Regierungen aller am Krieg beteiligt gewesenen Staaten die Verpflichtung haben, alle der vollen Zusammenarbeit der Friedensarbeit noch im Wege stehenden Hindernisse zu überwinden, spricht die Internationale Arbeitsgemeinschaft den Wunsch aus, jede der beteiligten Regierungen möge die zu einer gerechten Bereinigung der Nachkriegsprobleme erforder= lichen Opfer auf sich nehmen und namentlich die Frage der Räumung der besezten Gebiete, der finanziellen Liquidation des Krieges und der allgemeinen Sicherheit alsbald und endgültig lösen." Den Bericht über die Arbeit der Kommission erstatette Professor Cassin Paris, französischer Delegierter beim Völkerbund. Er versichere, daß das französische Bolt in seiner großen Mehrheit den lebhaften Wunsch habe, das Rheinland bald geräumt zu sehen, aber es müßten selbstverständlich zugleich auch die anderen Nachfriegsprobleme einer Klärung entgegengeführt werden, ohne die Frankreich die schwere Läst des Krieges nicht tragen könne. Der deutsche Berichterstater Abg. Roßmann erklärte in einer mit stürmischen Beifall aufgenommenen Rede:„ Wir haben im Anschluß an die klare Berichterstattung unseres Freundes Cassin all die Bollwerte und Schutz wälle nachgeprüft, die mir mit gleichgesinnten Kräften in anderen Völkern gegen die verheerenden Sturmfluten fünftiger Kriege aufrichten wollen. Wir haben ge= prüft, ob sie Lücken, Risse, Undichtigkeiten aufweisen, damit wir im Rahmen menschlicher Voraussicht diese Mängel abstellen. Wir haben festgestellt, daß der Grundsay, internationale Streitigkeiten der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit 34 unterwerfen, Fortschritte gemacht hat und die Idee der Kriegsächtung sich immer tiefer in das Bewußtsein der Völker senkt. In der Ab= rüstungsfrage fonnten wir einen gleichen Fortschritt nicht fonstatieren. Mit Einmütigkeit war die Stimmung der Kom mission gerichtet gegen die Internationale der Militärs, die bei jeder Gelegenheit erkenen lassen, wie sehr ihnen der Gedanke der Abrüstung zuwider ist. Wir wollen weiter vorrücken bis in die legten Schlupfwinkel, in denen das Verbrechen Krieg lauert, um bei günstiger Gelegenheit unheilbringend für die Menschheit neu hervorzubrechen. Der gefährlichste Schlupfwinkel sind die Seelen und Herzen der Menschen selbst. Hier müssen wir abrüsten. Die Vergangenheit war in dem grausamen Wahn befangen, den Frieden der Welt sichern zu können durch militärische Bündnisse, die das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Mächtegruppen aufrecht erhalten sollten. Diese Vorstellung wurzelte tief in der Vorstellung der vergangenen Generation und wirkt auch in einem Teil der Zeitgenossen ngch miter heb= licher Kraft fort. Aber noch nie hat ein System grausamer bankerott gemacht als dieses. Es hat im Weltkrieg eine wahre Götterdämmerung über die Menschheit hereinbrechen lassen. Es muß darum die Aufgabe der lebenden Generation, eine Aufgabe dieses Jahrhunderts sein, eine Weltordnung zu schaffen, in der der Friede nicht mehr gegründet ist auf Macht, sondern auf Recht. Mit Genugtuung stelle ich fest, daß unsere französischen Kameraden mit der Größe ihrer Herzen, das für sie mie für uns gleich delikate Problem der Rheinlandräumung besprochen haben. Der Wunsch, daß neben der Lösung der anderen Nachkriegsprobleme, die unseren Freunden auf den Nägeln brennen, die Rheinlandräumung möglichst bald Wirklichkeit wird. ist lebhaft, tief und Allgemeingut der Ciamac.( Stürmischer Beifall.) An dem Tage, an dem dieser Wunsch in Erfüllung geht, sollten alle Glocken der Welt läuten zum Begräbnis eines Jahrhunderte alten Mißverständnisses zwischen zwei großen Nationen, die der Menschheit so viel gegeben haben, ihr aber auch infolge ihrer nationalen Schicksale soviel schuldig geworden sind. Die Glocken der ganzen Welt follten läuben, um die Auferstehungi Nach einer kurzen Debatte wurde die Entschließung angenommen. Der Kongreß beschäftigte sich sodann mit einer Reihe sozial politischer Fragen, die alle eine Verbesserung des Loses der Kriegsopfer anstreben. Zum Präsidenten der Ciamac wurde für das nächste Geschäftsjahr Marofe vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten gewählt. Vorsicht bei Geldgeschäften. Der Fall Bergmann hatte nicht nur viele Vorgänger, jondern ebenso viele Zeitgenossen. Und wenn all seine Epigenen nicht in dem gleichen großartigen Rahmen operieren, so ist das höchstens dem Fehlen paffender Gelegenheiten zuzuschreiben. Unter den unzähligen Inferaten, die Geldverleih und Geldaufnahme betreffen, ließen sich bei genauem Augenfchein wahrscheinlich eine recht stattliche Anzahl von Fällen mit leichtem oder schwerem kriminellen Einschlag feststellen. So hat unter anderem eine Geschäftsinhaberin im Osten Berlins, die abwechselnd Teilhaber fürs Geschäft und solche für das tote und lebende Inventar also auch Anwärte: auf ihre eigene Berson- juht, den jeweiligen Reflektanten Beträge von 500 M. bis 2000 m. abgeknöpft. Nachdem die Geschädigten vergeblich auf Zinsen oder Rückerstattung des Kapitals gewartet hatten, schlugen sie schließlich. den Klageweg ein, um sich durch Pfändung des Mobiliars schadlos zu halten. Leider stellte sich dabei heraus, daß die Möbel und die Geschäftseinrichtung sowie aller Besitz der Schuldnerin überhaupt jedem einzelnen Gläubiger von Fall zu Fall verpfändet waren, so daß jezt keiner von den vielen handelt sich um etwa 30 bis 40 Personen ein Anre h. auf die Pfandobjekte hat. Anläßlich des Versteigerungstermins er= warb eine Mittelsperson der Schuldnerin, die alle Anwesenden deträchtlich überbot, das gesamte Bersteigerungsmaterial, so daß die Gläubiger vollkommen leer ausgingen. Außerdem hat sich die Betreffende bei mehreren ihrer Lieferanten auch noch des Kreditschwindels schuldig gemacht. Sie wußte ihre Gläubiger auf geschickte Weise mi: Vertröftungen immer wieder hinzuhalten und so die Angelegenheit ständig zu verschleppen. Die Geschäidgten haben nun die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben und es bleibt zu hoffen, daß die Schuldnerin zur Verantwortung gezogen wird. Natürlich ist dies für die Betroffenen nur ein moralischer Erfolg, ihr Gels 2.6L es ift wahrheinlich endgüfrig verloren. Diefer Fall foll wieber einmal eine Warnung fein bei Geldgeschäften die größtmögliche Borficht walten zu lassen. Autobusunglück in Moabit. Die Reihe der Sonntagsunfälle. In der vergangenen Nacht ereignete sich in Moabit wieder ein schweres Autobusunglüd, bei dem vier Perfonen schwer, fünf weitere leicht verletzt wurden. Das Unglück trug sich gegen 24 Uhr früh vor dem Hause Turm str. 79 zu. Aus bisher noch ungeklärter Ursache geriet ein Autobus der Linie 11, der als letzter Wagen dem Stadtinnern zustrebte, auf den Bürgersteig und fuhr mit großer Heftigkeit gegen einen Baum. Der Kühler wurde eingedrückt und sämtliche Scheiben zertrümmert. 3wei Schaffner, die auf dem Vered saßen, wurden herabgeschleudert und schwer vers letzt. Bon den Fahrgästen, deren sich begreiflicherweise eine Banif bemächtigt hatte, erlitten zwei lebensgefährlihe und fünf andere leichte Berlegungen. Während die Leichtverletzten nachh Anlegung von Notverbänden im Moabiter Krankenhaus in ihre Wohnungen gebracht werden konnten, mußten der 37jährige Schaffner Rudolf Kleist aus der Fidicinstr. 14, der 30jährige Schaffner Walter Rohde aus der Friedrich- Ebert- Str. 28, die 17jährige Hertha Gattte aus der Dinterstr. 57 und der 55jährige Oswald Schnee aus der Dolziger Str. 14, die schwere Kopf und innere Berlegungen davongetragen hatten, im Krankenhaus verbleiben. Der zertrümmerte Autobus mußte abgeschleppt werden. Eine Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. # Am Sonntag geriet ein Motorboot der Spandauer Reede= rei Waldau, das mit etwa 80 bis 100 Mitgliedern eines Berliner Stattlubs eine Fahrt nach Nedlig unternahm, beim Durch queren der Charlottenburger Schleuse in die Gefahr des Renterns. Der Feinmechaniker Mar Walter aus der Friedrich- Karl- Str. 9, der das Schiff vor einem Unglück bewahren wollte, wurde zwischen Bootswand und Shleusenmauer Durchschleusen start zur Seite geneigt und drohte zu fentern. Waleingeklemmt und auf der Stelle getötet. Das Schiff hatte sich beim ter, der die Gefahr fommen sah, eilte an den Rand des Bords und verju hte das Tau mit einem Messer zu durchschneiden. In der nächsten Sekunde riß das Seil und das Schiff nahm mit einem heftigen Ruck wieder seine normale Lage ein. Walter stürzte hierbei so unglücklich, daß er mit seinem Kopf zwischen Bord und Schleusenmauer geriet. * Bei dem starken Auto und Motorradverkehr, der bei dem gestrigen schönen Sonntagswetter auf den Chausseen und Straßen vor den Toren Berlins herrschte, ereignete sich eine ganze Reihe von schweren Zusammenstößen und Unfällen. Allein zwölf Personen mußten mit schweren Bera legungen in Krantenhäuser übergeführt werden. dadstalledZA fisiche m OPEL en zum Strapazieren ein Wagen zum 5400 4TÜRIG LIMOUSINE MK. 7 SITZIG PULLMAN LIMOUSINE 6600K PREISE AB WERK NIEDRIGE ANZAHLUNG OPEL 2,6 Lifer( 10/40 PS) ist ein Gebrauchswagen: zweckmäßig, solide, nicht zum Umbringen. Unverwüstlich ist sein Motor, der Schnelligkeit und Weichheit des Sechszylinders mit der Einfachheit und Robustheit des Vierzylinders verbindet. Die Karosserie, ausgestattet mit allen Mitteln des Behagens, besitzt eine Weiträumigkeit, die ihn von allen anderen Marken unterscheidet. Preiswert in der Anschaffung, sparsam im Betrieb, dienung, erweist sich Opel 2,6 L. als der Wagen des Geschäftsmannes, der gewohnt ist, sein Geld mit Vorsicht und mit höchstem Nutzen anzulegen. Versuchen Sie, ob Sie zugleichen Preisen Besseres finden! BEQUEME RATEN anspruchslos in Pflege und Be