Oer Mesenbrand im Hafen. ve»r.i� SienStag Ii. August 1928 10 Pf. Nr. 382 B159 45. Jahrgang. Erscheint t S g I i ch außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.VorivSrt«'. Bezugsrreis beide Ausgaben 82 Pf. pro Woche, 3,saM. pro Monat. Redaktion undExxedition: BerlillSW68,Lindenstr.3 Sficiiaukgaße de* vl/oynywt�6 l nietgenureis: Die einsoaltige Nonpareilltjeik» Pf.. Reklameicile b M. Ermäßigungen nach Tarif. oßscheckkonto: VorwärtS-Ver�ag G. m. b. Berlin Nr. 37236. Fernsprecher: Dönhoff 2gs bi« 237 5 Arbeiter vom Gerüst geschleudert.- 2 Millionen Mark Schaden. Oer Llmfang des Schadens. Das Grehseuer in der Kanal sirahe in Wilhelms- bürg bei Hamburg konnte noch äußerster Anstrengung der zahlreicheu A euer wehrzüge heute morgen endlich gelöscht werden. gegen 9 Uhr waren die in der Nähe des brennenden Schuppens liegenden Gebäude in der größten Gefahr, da fortgesetzt neue Ex- p l o s i o n e n erfolgen. Die Veringstraße mußte abgesperrt werden. Auch die Straßenbahn hat dort ihren Betrieb ein- stellen müssen. Die Nachricht, daß sich in dem brennenden Gebäude auch Azetylen befindet, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Fünf Arbeiter, die von einem Gerüst aus dem Brand zusehen wollten, wurden durch den großen Luftdruck hcrunterge- schleudert, haben aber keine nennenswerten Verletzungen da- vongetragen. Der Schoden wird auf etwa zw ei Millionen Reichsmark geschätzt. Die Bermutung, daß B r a n d st i f t u n g vorliegt, wird ver- stärkt durch die Tatsache, daß an der gleichen Stelle bereits vor »inigen Tagen«in Feuer ausgebrochen war. In der Nähe der Brandstelle fand man abgebrannte Streichhölzer, sowie Zigaretten. Ob vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung vorliegt, ließ sich noch nicht ermitteln. Harburg, 14. August.(Eigenbericht.) Zn dem vollständig ausgebrannten Lagerschuppen be« fanden sich 19 Ballen Schafwolle von der 5)amburger Woll- kämmerei, 199 Tonnen Mangrove-Mimosarinde, 299 Tonnen Roteisenstein, 299 Tonnen Kleie, 199 Tonnen Ton und 199 Faß Z i n k o x y d, 299 Kolli Sperrholz, 199 Tonnen Zuckerkuchen, 5 Traktoren und außerdem einige Landtraktoren in Kisten verpackt, 499 Tonnen Quebracho- e x t r a t t und 699 Flaschen Ammoniak. Das Baumwollager in unmittelbarer Nähe des Schuppens blieb unversehrt, ebenso die holz- und Terpentin mengen, die noch von einem englischen Dampfer dort lagerten. Zwei Hamburger Löschdampfer beteiligten sich an den Arbeiten zur'Bekämpfung des Brandes. Der sozialdemokratische Polizeipräsident von Harburg erschien kurz nach Ausbruch des Feuers an der Brandstelle und blieb bis in die Morgenstunden. um persönlich die erforderlichen Maßnahmen anzuordnen. Die Zn- anspruchnahme der Hamburger Feuerwehr erwies sich nicht als not- wendig. Es gelang den harburger Wehren, ohne die Hilfe der Nachbarstadt anzurufen, des Feuers Herr zu werden. Di« polizeilichen Nachforschungen über die Ursache des Riesenbrandes sind im Gange. Es war angesichts des Brandes, der in fünfzehn Minuten das ganze Lagerhaus ergriffen l)atte, absolut ausgeschlossen, irgendwelche Versuche zu unternehmen, auch nur einen Teil der Warenbestände zu retten. Vielmehr mußte sich die Harburg-Wil- helinsburger Feuerwehr im Verein mit den Werkfeuerwehren und zwei Löschdampfern darauf beschränken, die umliegenden Wer(e im Wilhelmsburger Stadtteil zu schützen. Da weiterhin aus dem Am- moniaklager eine Explosion auf die andere folgte, erschien es voll- kommen unmöglich, an das brennende Lagerhaus h e r a n z u- kommen. Die Behauptungen, die auch in den Hamburger Morgenblättern ?arüb«r aufgestellt werden, daß man die Hamburger Feuer- mehr nicht gewünscht und nicht zu Hilfe gerufen habe, sind durch die inzwilchen erfolgten amtlichen Feststellungen über die Ur- lache und dei�Verlauf des Brandes völlig entkräftet. Die Hamburger Zeitungen geben selbst zu, daß es dem aufopferungsvollen Vorgehen der an der Brandstelle tätigen Feuer- wehren durchaus gelungen sei, die Gebäude der Umgebung vor einem Ueberspringen des Feuers zu bewahren. Ebenso werden die von der Polizei getroffenen Schutzmaß. nahmen rückhaltslos anerkannt. Eine Eiüiärunst der Rcidisrcgicrniig mm Bau des Panzersdiiacs A. Bei der Verfassungsfeier des Reichbanners in Frankfurt(Main) waren Hunderttausende von Republikanern zu gewaltiger Kundgebung vereinigt. Unser Bild zeigt den Reichs- innenminister Severing als Redner vor den Massen. Die Schießerei um Krau Ahl. Ein Niegeroffizier der Z�evolverschühe. Beriebt siebe 2. Seite, Dle geheimnisvolle Schießerei, die sich vor einiger Zeit in der achten Abendstunde in der Wohnung der Frau Pussy Ahl in der Gruncwoldstraße abspielte, scheint seht vor der Aufklärung zu stehen. Trotz aller polizeilichen Nachforschungen war es bisher nicht möglich, den angeblichen Revoloerschützen„v. Arn! m" zu ermitteln. Auch Frau Uhl hatte sich bisher geweigert, den N a m e n des Täters, der den Matrosen und Boxer Hein niederschoß, zu nennen. Auf seltsame Art ist jetzt der tatsächliche Name des angeblichen v. Arnim herausgekommen. Gestern ging bei der Staatsanwaltschaft II in Berlin eine Strafanzeige des früheren Fliegers Beese ein, die sich gegen den 2Kiährigen' Alfred Hein aus der Grolmannstraße wegen gefähr- licher Körperverletzung richtet«. Der Antragsteller behauptet, daß Hein von Frau Uhl in ihre Wohnung bestellt worden sei, um ihm, der zu Frau Uhl Beziehungen unterhalten hatte, einen Denkzettel zu verabfolgen. In der Notwehr habe er dann mehrere Schüsse abgegeben, die versehentlich Frau U h l getroffen hätten. Unaufgeklärt ist noch, wie Beese in den Besitz der Waffe gekommen ist, die angeblich Frau Uhl gehörte. Der Täter hat durch seinen Rechtsanwalt der Staatsanwaltschaft erklären lassen, daß er zu weiteren Vernehmungen zur Verfügung stehe. Beese war längere Zeit Fliegcroberleutnant, und seine Schwester Nelly Beese war übrigens die erste weibliche Fliegerin, die dann im Jahre 1925 Selbstmord durch Erschießen verübte. Es ist anzunehmen, daß Beese sich auch bald der Polizei stellen wird. Eine neue Hitzeperiode? Beständiges Sommerwetter wahrscheinlich. Nach den trüben Tagen der Vorwoche ist seit Sonntag wieder eine Besserung der Wetterlage zu verzeichnen. Wenn die Ankündigungen der„Wettermacher" eintrcssen sollten, ist auch für die nächste Zeit eine Fortdauer der augenblicklichen Witterung wahrscheinlich. wenn auch nicht gerade tropische Wärmegrade, wie in den Hundstagen des Monats 3 u l l erreich» werden, ist immerhin mit Temperaturen zu rechnen, die zwischen 25 und 39 Grad liegen. Im großen und ganzen ist die Wetterlage, wie der amtliche Wetter dien st mitteilt, wenig verändert. Zurzeit liegt über Nordengland und Schottland eine stationäre Depression, die nicht ganz ohne Einfluß auf das Wetter in Mitteleuropa geblieben ist. Randstörungen dieser Depression zogen in gewissen Abständen nach Mitteleuropa und brachten teilweise Bewölkung und einige unbedeutend« R e g e n f ä l l e, wie sie auch am Montag mittag in Berlin zu verzeichnen waren. Die heutige Wetterloge ist so, daß die über Schottland liegende Depression keine Neigung zur Fortbewegung zeigt und sich dabei weiter verflacht. heute früh wurden um 8 Uhr 18 Grad i m Schatten gemessen. Die höchste Tagestemperawr schwankte zwischen 25 und 2 6 Grad im Schatten. Am vergangenen Sonntag erreichte da» Quecksilber ziemlich 29 Grad. Die Prognose für morgen lautet: In Berlin heiter und weiter warm, südwestliche Winde. Für D'e u t s ch l a n d auch mr Süden Aufheiterung, überall mäßig wany.._____... Der Massentag des Reichsbanners. Diese Juden! Sie haben die Entente an Deutschland verraten. Die Antisemiten arbeiten nach einem einfachen Rezept: Juden sind für sie schlechthin Landesverräter. Ludendorss z. B. behauptet in seinen Erinnerungen, daß England und Frankreich im Weltkrieg nur die ausführenden Organe einer „jüdischen Weltoberleitung" gewesen seien. Nun gibt es aber auch in Frankreich Antisemiten. Für sie liegt der Fall natürlich umgekehrt. Da ihnen die Entente Verkörperung alles Edlen und Guten. Deutschland die Verkörperung alles Schlechten ist, so müssen für französische Antisemiten die Juden glühende Deutschenfreunde sein. So schreibt der französische Antisemit Roger Lambelin in einem soeben erschienenen Buche ,.t,es victoires d'Israel" (Die Siege Israels) folgende Sätze: Die größte Mehrzahl, wenn nicht die Gesamtheit der Juden ergriff während des Krieges Partei für die Mittel- in ä ch t e und� fühlte sich mit Deutschland solidarisch... Ueberhaupt kann man feststellen, daß die Juden eine starke Verehrung für Deutschland an den Tag legen, obwohl sie in Deutschland oft schlechter behandelt wurden als irgendwo anders. Sie haben während des Krieges, besonders in Amerika, Italien und auf dem Balkan allgemein für Deutschland Partei ergriffen, und auf ihren Einfluß ist es zurückzuführen, wenn in den Versailler Friedensvertrag gewisse für Deutschland günstige Bedingun- gen aufgenommen wurden und wenn die späteren Verträge den Friedensvertrag mildern. Uns ist diese Taktik nicht neu. Behaupten doch ganz ähnlich die Nationalisten jedes Landes, daß die Sozial» demokraten der anderen Länder glühende Patrioten feien, nur in ihrem eigenen Lande seien die Sozialdemokraten absolut vaterlandsfeindlich. So lehren es die Hakenkreuzler bei uns, die französischen Chauvinisten drüben. An Tatsachen kehrt man sich nicht oder schweigt sie tot, wie jetzt die gesamte deutsche Nationalistenpresse das Eintreten der französischen Sozialisten für die Rheinlandräumung wie auf Kommando verschweigt._ Ein Glückwunsch aus Amerika. Eoolidges Telegramm und Hindenburgs Antwort. r' Das zum Verfassungstag bei dem Herrn Reichspräsidenten ein- gegangene Glückwunschtelegramm des Präsidenten Coolidge hat in Uebersetzung folgenden Wortlaut:„Regierung und Volk der Ver- einigten Staaten vereinigen sich in herzlichen Glückwünschen anläß- lich dieses Jahrestages der Gründung der Republik. Sie übermitteln den aufrichtigen Wunsch, daß Deutschland unter seiner neuen Regierungsform blühen und gedeihen möge." Reichspräsident v. Hindenburg hat an den Präsidenten Coolidge folgendes Antworttelegramm gesandt:„Ihnen, Herr Präsideirt, und dem amerikanischen Volke danke ich von Herzen für die anläßlich des deutschen Verfassungctages übersandten Grüße und Wünsche und verbinde damit auch meinerseits wärmste Wünsche für Ihr persönliches Wohlergehen und das Gedeihen der Vereinigten Staaten von Amerika." Ein Landrai gegen die Verfassung.- Eine Verfassungsfeier gegen die Republik. Torgau, Ii. August. Die hiesige Verfassungsfeier wurde durch den Landrat eröffnet, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß bald einige Aenderungen an der Verfassung vorgenommen werden. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, die Republik und die Demokratie ließ er geflissentlich aus dem Spiel. Den mitwirkenden Kinderchor mißbrauchte man dazu, am Festtag der Republik ein Soldatenlied singen zu lassen. Der Höhe- punkt der Verhöhnung bestand aber in der sogenannten Festrede des Kreisschulrates Kunst. Die Rede sollte dem ISÜjährigen Todestag Jahns gewidmet sein. Sie war ein groß angelegter Skandal. Aus der Festrede zum Verfassungstag wurde eine Propagandarede für die Deutsche T u r n e r s ch a f t. Nicht in efnem Wort wurde die Verfassung oder gor die Republik erwähnt. Für diese Red« trägt Landrat W e h r die volle Verantwortung. Es ist an der Zeit, daß die preußische Regierung sich dieses Landrates etwas mehr an- nimmt. „Krassin" schwer beschädigt. Noch eine Woche Reparaturarbeiten! Die Beschädigungen des Eisbrechers„kr assin" haben sich al» sehr ernst herausgestellt. Die Reparalurarbeiten in Slovan- g e r werden trotz fieberhafter Nachtarbeit noch eine W o cki e au- dauern. Zialien bietei Abessinien Hafen. Ein Konturrenzbau gegen Frankreich. Die'italienische Regierung wird«ine Straße von A s sa b am Roten Meer nach der Grenze Abessiniens bauen. Von dort nach Zentralabefsinien wird die Straße durch die Abessinier fortgesetzt werden. Den Abessiniern ist freie Benutzung des Hafens in Assab zugestanden worden. Ein Ausschuh wird den Abessinien zufallenden Teil des Hafens in Assab genau bestimmen. Bisher ist der weitaus größere Teil des abessinischen Seehandels über den französischen Hafen Dschibuti gegangen, das durch eine Eisenbahn mit Addis Abeba verbunden ist. Die Italiener versuchen schon seit längerer Zeit Assab zu einem gleichwertigen Konkurrenz- Hafen zu machen. Nach dem Uebereinkommen mit Abessinien hofft Italien, auf starken Ausbau des Handels mit Zentralabessinien und eine beträchtliche Verstärkung seiner politischen Stellung. Lustmanöver über London. Angriff einer Lustflotte.— Die Verteidigungsschlacht. eondoo, 14. August. Die Blätter berichten ausführlich über die großen.Luftangriff«" auf London, die gestern abend nach 6 Uhr begannen und bis in die Nachtstunden hinein fortgesetzt wurden. Vierzig Bomben- flugzeuge verließen ihre Flugplätze und flogen zur Küste, worauf sie umdrehten und auf London lossteuerten, als ob sie eine vom Kontinent her kommende Streitmacht wären. Unter dem Schutz dichter Wolken näherten sie sich London. Um 7 Uhr abends hatten vier Gruppen der angreifenden Flugzeuge London erreicht. Das Herannahen von zwei, westeren Gruppen wurde von der Küste her gemeldet. Eine Gruppe wurde von zwei Geschwadern dex Verterds- Eine Erklärung der Regierung. Zum Bau des Panzerschiffs A. Eine offiziöse Erklärung zum Bau des Panzerschiffs A hebt hervor, daß dieser Bau bereits im geltendenEtatgesstz fest- gelegt sei, und sagt dann weiter zur Finanzfrage: Di« finanziellen Möglichkeiten sind auf das sorgfältigste nach- geprüft worden. Di« Nachprüfung hat ergeben, daß Schwierigkeiten für den laufenden Etat 1328 durch die erste Baurate für da? Panzerschiff nicht entstehen. Bezüglich der künftigen Jahre ist auf Grund der Prüfungen und auf den eigenen Vorschlag des Reichs- wehrministers vom Kabinett festgelegt worden, daß Erfatzbauten der Marine unter ollen Umständen nur innerhalb der Höhe des jetzigen Marineetats ausgeführt werden dürfen. Es ist also erreicht worden, daß an Durchführung des Weiterbaues des Panzerschiffes A die weüeren Bauraten eventuell bei den An- sähen für andere Ersatzbauten in Abzug gebracht wenden müssen. Dann aber ist schließlich— worauf ganz besonders Wert zu legen ist— ausdrücklich festgelegt worden, das der Beginn des Baues des Panzerschiffes A in gor keiner Weife künftigen Eni. fcheidungen über die etwaigen Panzerschiffe L, C und D vorgreife. Im Gegenteil war das Kabinett mit dein Reichswehrminister der Auffassung, daß diese Fragen selbstverständlich wie alle anderen Fragen künftiger Reichsctats ihre ordnungsmäßige parlamentarische Erledigung finden müssen. Der Schlußabsatz kautet wörtlich:„Nach alledem kann also gar keine Rede davon fein, daß irgendein Kabinettsmitglied in die Notwendigkeit versetzt worden sei, seinen materiellen Standpunkt in der Panzerschiffsfrag« aufzugeben. Soviel wir unterrichtet sind, dürfte von einem solchen Aufgehen seiner persön- lichen Einstellung auch bei keinem einzigen Mitglied die Rede sein. Nach dem ganzen Gang, den die Angelegenheit bei Erledigung des Reichshaushalt genommen hat, erscheint die getroffene Entscheidung gerechtfertigt, da die in der Enffchließung des Reichsrates aufgeworfenen Fragen eine zufriedenstellende Erledigung gefunden haben." Lettland gegen Linksgewerkschasten Kamps um die Landtagseinberusung. Riga, 2. August. Da die Regierungsparteien eine Einberufung des Landtages zu Opposition dies« Einberufung zu erzwinge», um die Angelegenheit einer außerordentlichen Session abgelehnt hoben, versucht die des Vorgehens der Regierung gegen die Gewerkschaften zur Sprache zu bringen. Die Initiative liegt dabei in den Händen der unabhängigen Sozialisten, die jedoch auf die Mitwirkung der Sozialdemokraten angewiesen sind, weil sie selbst nur einen Sitz im Landtag haben. Die Sozialdemokraten haben eine Anfrage an die Regierung in der Gewerkschaftsangelegenheit ge- richtet. Hierzu wird uns noch berichtet: Die rechtsbürgerliche Regierung Jurafchewsky wird, je näher die Wahlen kommen, um so nervöser und unsicherer. Sie weiß, daß sie von der Gnade einer Zufalls», ehrheit im Parlament lebt und nicht darauf rechnen kann, diese Mehrheit in, neuen Parlament wieder zu finden. In ihrer nervösen Verzweiflung hat sie die linken Gewerkschaften oerboten. Diese Maßnahme hat sogar in bürgerlichen Kreisen K'opffchüticln und scharfe Kritik hervorgenifen. Ein« kommunistische Partei existiert offiziell, wie in keinem der baltischen Staaten, so auch in Letttand nicht. Wenn' auch die Massen der städtischen und ländlichen Arbeiter in de: sozialdemokratischen Arbeiterpartei organisiert sind, und diese Wählermassen die stärkst« Fraktion in das Parlament entsenden, so gibt es doch auch kommunistische Elemente, die über einen gewissen Anhang unter dein unaufgeklärten Proletariat der zugewanderten r u s s i- schen und litauischen Schwarzarbeiter verfügen. Moskau unterstützt dies« Elemente mit Agitotionsmitteln jeder Art. Bei de: Moskauer International« besteht eine lettische Sektion, die auf den, Umweg über gewisse legale Organisationen die Massen agitatorisch durchsetzen sollen. Den Kern dieser Organisationen bilden die so- genannten„linken Gewerkschaften", denen eine Reihe anderer Organisationen angeschlossen sind, wie der Verein„Menschenrechte", eine Krankenkasse, Sportvereine, Genossenschaften, ftulturorgani- sationen. All« dies« Bezeichnungen sind nur Kulissen für die illegale Arbeit der Kommunisten. Es steht außer Zweifel, daß die inefften dieser Organisationen ohne Moskauer Unter st ützung überhaupt nicht lebensfähig wären. Von 170 Millionen Rubeln, die im Budget der 3. Internationale für die kommunistische Propaganda vorgesehen sind, wurde«in nicht unbedeutender Teil nach Lettland überwiesen. Es ist nachgewiesen, daß das Zentralbureau der linken Gewerkschaften und der Verein „Menschenrechte" durch«ine Rigoer Bank und durch Bectrauens- personen als Empfänger laufende Geldsummen aus Ruß- l a n d erhielten. In den Büchern der linken Gewerkschaften sind außerdem größere„Spenden" aus Moskau verzeichnet. Gegen diesen Herd kommunistischer Agitation, den die sogenannten linken Gewerkschaften darstellen, dessen Gefährlichkeit aber von der bürger- lichen Presse stark aufgebauscht wird, ging die Regierung Jurafchewsky mit dem denkbar ungeeignetsten Mittel vor, dem Polizeiknüttel. In Lettland stehen Parlamentswahlen bevor. In dieser Situation dürste es für die äußerste Link« kaum ein besseres Agitationsmittel geben als die Polizeiaktion des Innenministers Laimiii sch, auf dessen Antrag hin das Bezirksgericht samt- l i ch e linken Organisationen in Riga und in Libau ausläsen ließ. Gleichzeitig wurde das ganze Akten,, mtcrial der betreffenden Bureaus beschlagnahmt und eine Anzahl Führer in Hast ge- nommen. Ist schon das prinzipielle Verbot jeder legalen kommu- nistischcn Parteiorganisation eine problematische Angelegenheit, über die au-h im lettischen Bürgexmm sehr geteilte Meinungen herrschen, so sind die jetzigen Verfolgungsmaßnahmei, erst recht sinnlos und unzweckmäßig. Die illegale Arbeit der Moskauer Emissäre wird damit nicht verhindert, sondern nur in ein unkontrollierbares Dunkel zurückgedrängt: die Massen sehen im Staat« nur die brutale Polizeigewalt und werden den Emflüstcrungcn der staatsseindlicheix Elemente nur zugänglicher. Der polizeiliche Eingriss in die Koalitionsfreiheit der Arbeiterschaft bleibt verdammungswürdig. auch wenn erwiesen sein sollte, daß das Koalitionsrecht in manchen Fällen mißbraucht worden ist. Aus diesen Gründen hat sich auch die sozialdemokratische Arbeiterpartei, obgleich sie und ihr« Gewerkschaften von den linken(kommunistischen) Gewerkschaften auf Schritt und Trick verleumdet liiid bekämpft wurden, sofort aus die Seite der Unterdrückten gestellt. Das Partei- blatt„Der Sozialdemokrat" veröffentlichte einen scharsen Protest gegen die Versolgmigsmaßnahmen der Regierung und rief die Ar- beitcrschaft zu Protestdemonstrationen auf. Die Anwort darauf war— die Konfiszierung des„Sozialdemokrat". Nichts beweist besser die inner« Schwäche und Unsicherheit der bürgerlichen Regierung als dieses Polln:» auf die brutale Gewalt. Damit ist die Angelegenheit, die zunächst unter der Losung„Kampf gegen die staatsfeindlichen Elemente" noch einen Schein von Recht- lichkeit für sich hatte, zu einer rein parteipolitischen Aktion der bür« gerlichen Regierung gegen die Linke geworden. gungsstreitkräfte angegriffen und nach schwerem Kamps« in südwest- licher Richtung zurückgetrieben. Eine Anzahl Flugzeuge er- reichte aber die City und markierte Bombenabwürfe auf das Luftfahrt-Ministerium und alle strategischen Punkte durch Abschießen roterLcuchttugcln. Einem um 10 Uhr abends ausgegebenen amtlichen Kommunique zufolge waren an dem Angriff auf London insgesamt 70 Flugzeuge beteiligt, während 72 Kampf-Flugzeuge die Verteidigungsstreitmacht bildeten. Ferner besagt der Bericht, daß es den Schiedsrichtern noch nicht möglich war, angesichts der zahlreichen schweren Luftkämpse, an denen so viele Maschinen beteiligt waren, Illustrierte Zitate. IV. Bist du es, Hermann, mein Rabe? (Schiller, Räuber) die Verluste zu bestimmen. Auf jeden Fall sei es einem Teil der Angreifer gelungen, London zu erreichen. Große Menschenmengen hatten sich an verschiedenen Punkten Londons angesammelt, um die Luftkämpse zu beobachten, die sich im allgemeinen in einer Höhe von 3000 Metern abspielten. Ein Gchiffsunglück in Königsberg. Durch Nachlässigkeit des Kapitäns. Königsberg, 14. August. Beim Einholen des Norddeukschen-Lloyd-Dampfers„L ü h o w" von einer Vergnügungslour durch die Ostsee ereignete sich ein ll n- g l ü ck s s a l l. Einer der Schlepper geriet in den Vereich der Doppclschraube des Dampfers und erhielt ein Leck. Mit voll- dampf fuhr er zum Ufer, sank aber mehrere Meter davor, wobei ein Mann der Besatzung erlrank. Der Schlepper wurde unvorschristsmäßig nicht durch den Kapitän, sondern durch einen Maschinisten gesteuert.__ Oer totgeschossene Kußbatt. Der Torwärter verteidigt das Tor mit dem Revolver. Prag, 14. August. Bei einem Fubßallmalch in der Umgebung Prags diktierte der Schiedsrichter einen Elfmeter. Als der Stürmer sich anschickte, den Ball in das feindliche Tor zu senden, z o g der Tormann einen R e- v o l v e r und gab unter dem Beifall des Publikums mehrere Schüsse ob. die zwar niemand verletzten, doch den Fußball fifr da» weiter- spiel untauglich machten. Die Gendarmerie verhastcle den leiden- schaftlichen Fußballspieler. Arbeitslosensiedlung in Kanada. England sendet LOOOO. London, 14. August. Das Arbeitsministerium gibt bekannt, daß die kanadische Regie- rvng und die zuständigen kanadischen Behörden sich nunmehr mit dem Plan, 10 OOO arbeitslose englische Arbeiter mit staatlicher Unterstützung als ErnlearhcUer nach Konada zu entsenden. einverstanden erklärt haben. 4500 Arbeiter sind bereits noch Kanada abgereist. Münchener Nationalismus. Coßmann gegen Thomas Mann. München war einmal ein geistiges Kulturzentrum Deutschland». Die ältere Generorion entsinnt sich dessen noch, hellte ist es damit vorbei. Nachdem nationalistische Knüppel, treudeutsches Gerülpse und hokenkreuzlerische Rüpelei alles, was nach Geist roch, aus der Isarstadt hinausgeekelt und fortgegrault haben, zerbrechen sich die Anstifter dieses Rummels die Kopse, woher der Niedergang Münchens als Kunststadt kommt. Und da es bekanntlich am schwer- sten ist, die eigen« Schuld zu bekennen, behilft man sich damit, die arteriosklerotisch erregbaren Herzen des wildgewordenen Bier- Philistertums gegen die Rest« ehemaliger Herrlichkeit anzustacheln. Herr Cohmann,d«r Chefredakteur der.Münchener Neuesten Nachrichten", ist routinierter Fachmann in der Inszenierung solcher Hetzen. Er kennt die Stich, und Schlagworte, aus die automatisch die phrasenberauschte„Patriotenseele" des im Grunde durch und durch unpolitischen Weißwurstphilisters reagiert, er kennt die Posen, mit denen man die Roth-Iustiz und die Poehner-Polizei unbedingt auf sein« Seite bringt. Im Fechenbach-Prozetz, im Valentin-Prozeh, im Dolchstoßprozeß hat er es bewiesen. Es ist ein bombensicheres politisches Geschäft, wenn man im heutigen München persönlich« Re- klame als Kampf gegen„Vaterlandsverräter" drapiert, wenn man als Vertreter des IlWprozentigen Patentpatriotismus sich vor einem Münchener Gericht in die Brust wirst. Nun hat Herr Coßmonn sich ein neuez Objekt seiner Hetze er- koren, den Dichter Thomas Mann, den Verfasser der„Budden- baoks" und des„Zouberberges". Aber diesmal ist der Bissen selbst sür«inen so geübten Haifischrachen zu groß ausgefallen. Herr Coß- mann hat sich übernommen, als er sich an eine Persönlichkeit so viel größeren Formats heranwagte. Freilich, der patriotisch« Dreh war wieder spekulantenmäßig geschickt gewählt: Kränkung sogenannter Volkshcrocn, der Ozean- flieg«;! Nachdem eben erst München sich zum Empfang der Kochl und Hünefeld in schwarzwcitzroten Begeisterungstaumel versetzt hatte, sicherlich«ine lohnende Pointe, ein« goldsichere Spekula- tion aus das in seinem Begeifterungsbedürfnis beeinträchtigte Philisterhcrz. Trotzdem ein« Fehlspekulation. In einer Zuschrift an das„B. T." deckt Thomas Mann die Zusammenhänge auf. 5)ier der Sach- verhalt: Im Frühjahr l928 hatte sich Herr Coßmann erst durch einen Unterredakteur, Herrn Bittner, dann in mehrstündiger per- sönlicher Unterredung lebhaft um die literarische Mit- arbeit Thomas Manns bemüht. Mann hatte erst schrijt- lich, dann mündlich abgelehnt, unter Hinweis auf die Haltung der „Münchencr Neuesten Nachrichten", weil„seine Einsicht in die Schädlichkeit dieser Presse ihm eine Mitarbeit nicht er- laude". Darauf begannen in dem Coßmannschen Pressekonzern(„Süd- deutsche Monatshefte",„Münchener Neueste Nachrichten",„Tele- grammzeitung" usw.) systematische Angriffe gegen Thomas Mann. Wegen seiner früheren(ablehnenden) und jetzigcit(zustimmenden) Haltung zur Demokratie. Als damals schon in der Oeffentlichkeit die Bemerkung auftaucht«, daß dies« Angriffe wohl kaum erfolgt wären, wenn«, Herrn Coßmonn gelungen wäre, die von ihm heiß erstrebte Mitarbeit Thomas Manns ,zu gewinnen, wurde Herr Coßmann sehr böse und verlangte von Thomas Mann eine öffentliche„Richtig- stellung" dieser Notitz. Begreiflicherweise weigert« sich Mann. Zwar hatte er die Notiz nicht oeranlaßt, aber ihr Inhalt war so zu- treffend, daß es nichts zu berichtigen gab. Nun holte Herr Coßmann zum Theot«rcoup aus: Er veröffent- licht« einen P r i v a t b r i« f Thomas Manns, in dem dieser sich abfällig über den Münchener Fliezerrummel ausdrückt. Mil dieser sür die Coßmannsch« Koinpfesweise typischen Indiskretion sollt« Mann für München„erledigt" werden. Es kam nämlich(in einem rein privaten Schreiben) der Ausdruck„Fliege rtröpfc" vor. Durch- au» verständlich bemerkt Mann hierzu, daß sich dies« Briesrcdensart nicht gegen die Flieger richtete, deren persönlicher Leistung er eine vollkommen normale Achtung zolle, sondern„Ausdruck eines flüch- tigen Unmutes war über die modisch maßlose und kultur- widrige Ueberwerlung sportlicher Rekorde und ihr« nationalistische Ausbeutung". Mit dieser Beurteilung spricht Mann allen denen aus der Seele, die noch nicht die veralteten Maßstäbe für geistig«, wisscnschaitliche und künstlerische Leistung aus Sportfererei über Bord geworfen haben. Di« Schriftstcllerverein« Bayerns haben sich denn auch rest- los hinter Thomas Mann gestellt. Herr Coßmann ober wird weiter Preissragen in den„M. N. N." veranstalten, woher der künstlerische Niedergang Münchens kommt. „Kaisermanöver" in Oesterreich. Vaugoin macht sich lächerlich. Betrachtet man das Treiben des Wehrministers der Republik Deutfchösterreich, des ehemaligen Reserve- Train rittmeisters Vau- goin, so könnte einem der Titel eines längst eingegangenen Witz- blattes„'s lustige Groß-Wien" einfallen, wenn diese unaufhörliche Folge der Schritte vom Erhabenen zum Lächerlichen nicht geradezu traurig wäre. Um das 30 lWO-Mann-Heer möglichst sozialistcnfrei zu machen, wird mit Schikanen,— Freiwürstchen und Freibier ge- arbeitet, ja sogar die Wehrmacht weit unter dem erlaubten Stand gehalten. Herr Vougoin mimt den Obersten Kriegsherrn, läßt sich bei Uebungen von Wehrmännern, die staatsbürgerlich ihm genau gleichstehen, die Stiesel putzen und macht feindliche Tank» und Schwergeschütze durch Attrappen sichtbar. Jetzt sind Brigadeübungen, die im vorigen Jahr wegen Spar- und Schlechtw«tter gründen ausfielen, und wörtlich wird„verlautbart", daß ab 27. August „Schlußübungen nach Art der Kaisermanöver" sein werden. Ausgerechnet im Raum von Scheibbs in Niederösterreich, wo„der Wogehsthin" ohnedies schon„General Scheibbs" genannt wird. Das Bundesheer kostet jährlich 85.74 Millionen Schilling (51 Millionen Mark), während das Unterrichts Ministerium nur über 48 Millionen Schilling(28 Millionen Mark) zu verfügen hat. 9 Millionen Italiener im Ausland. Die meisten in Amerika. Rom. 14. August. Das Ministerium des Auswärtigen veröffentlicht eine Statistik über die im Auslande lebenden Italiener, deren Zahl 9170 000 be- trägt. Den größten Prozentsatz nimmt Amevika mit s i e b e n e i n- halb Millionen ein. In Deutschland leben 21 000, in Oesterreich 18 700 Italiener. E� gibt 680 Fasci im Auslande, die ungefähr 120 000 Mitglieder umfassen. Die Zahl der in italienischer Sprache im Auslande erschemcnden Zeitungen beträgt 278; unter diesen find SO tägiich erscheinende Zeitungen, Das maaneMerte Glück. Von Edward Stilgebauer. „CorngfT la kortunel" Dos einst von Lessing in der„Minna" gegen Ende de» acht- zehnten Jahrhunderts geprägte Witzwort hat in diesen heißen Sommertagen hier in San Nemo unversehens akruclle Bedeutung erlangt. Bekanntlich wurde im Dezember des vorigen Jahres durch ein Musfolinifches Dekret dos Glückspiel in Konkurrenz mit Monte Carlo für das hiesige Kasino konzessioniert. Was Wunder also, daß sich geniale Erfinder und fixe Geister an die Arbeit machten, um dem Tausenden von Spielern unbegreiflichen und darum verhängnisvollen Zusammenhang zwischen Elfenbein- tugel und gewinnender Zahl auf die Beine zu helfen? £eog Janacek, der verstorbene tschechische Komponist. Zudem! Der Gedanke an den Magneten lag nahe. Auf der ganzen weiten Welt existiert wohl kaum ein einziger Mensch, der beim Betreten eines Spielsaales sich dem magnetischen Einfluß der Roulette zu entziehen vermocht hätte! Darum fand Herr Giovanni Ferri aus Mailand kein« Ruhe. Warum hatte er die Technik studiert? Warum war er denn Ingenieur, wenn es ihm nicht einmal gelang, die kleine eigensinnige Kugel in San Remo nach seinem Willen zu lenken? Kleinigkeit!„Lorrixcr la kortunel" Nur«in Trick! Und die Clsenbeinkugel im Kasino sprang und siel, wie sich das Herr Fern aus Mailand in den Kopf gesetzt hatte. Also! Unser„Ingenieur" erstand sich eine kleine Roulette, wie man st« hier allüberall in den Läden zu mäßigem Preise kaufen kann, nahm sie mit nah Hause und stellt« in seinem alchimistischen Laboratorium seine nächtlichen Versuche an. Die Kugel sollte von einem bestimmten Sektor der Roulett«, auf den Herr Ferri aus Mailand ein lvermögen zu riskieren entschlossen war, unwiderstehlich und unweigerlich angezogen werden, so wie Dr. Faust den Erdgeist zog! Dazu war zweierlei als Beschwörungsformel erforderlich Eine Scheibe mit teilweiser magnetischer Kraft und eine Kugel, die den eisernen Kern unter ihrer Elfenbeinumhüllung barg, damit die Sympathie auf sie wirken tonnte. Aber der Erfolg in dieser Richtung allein genügte noch nicht. Wie bei jedem soliden Gejchäfte, das auf gesunder Basis stehen soll. mußte auch hier Betriebskapital vorhanden sein. Und so schritt man zur Gründung einer G. m. b. H. Edgardo Milone aus Bari, Ferri und Frau Gemahlin, mit Namen Adele Borghin, bildeten den Aufsichtsrat und das Direktorium. Das Finanzkonsortium traf am 19. Juli mit dem magnetisiertcn Glücke in San Remo ein. Am frühen Morgen des 24. gegen 4 Uhr ist der Mailänder„Ingenieur" in einem der Spielsäle des Kasinos bei der Arbeit überrascht worden. Er hotte sich bis Schluß in der Bar herumgetrieben und war dann in den in tiefer Dunkelheit ruhenden Saal eingedrungen. Im Scheine einer elektrischen Taschen- lampe bearbeitete«r eine der hier aufgestellten Roulettes, um deren Innerem fein magnetifiertes Glück endgültig beizubringen. Plötzlich wurde der Saal hell! Karabinieri, welche warteten... denn ein blödes Telegramm:„Alles bereit" hatte die Polizei auf Signor Ferri aufmerksam gemacht, tauchten in ihren so malerischen Uniformen auf. Und um dos„Corrixer la fortune", das so mancher möchte, war es infolge menschlicher Bosheit wieder einmal geschehen. Nicht nur dos Paar Ferri und Milone sind festgenommen worden. Noch «ine ganze Anzahl Eingeweihter, die sich an dem kolossalen Coup als stille Teilhaber zu betätigen beabsichtigten, dazu noch jelbswcr- ständlich der Croupier, den man durch Bestechung dazu überredet hotte, die reguläre Elfenbcinkugel im rechten Augenblicke durch ihre Schwester mit den eisernen Eingeweiden und der unschuldsvollen Stirn zu ersetzen! Wie schon angedeutet, hat ein unvorsichtiges Telegramm den Streich, dessen Durchführbarkeit mir übrigens au« anderen Gründen recht fraglich erscheint, in letzter Minute vereitelt. Denn Signor Ferri telegraphierte nach Mailand an seinen Stiefbruder Renzo: „Bringe Geld, alles ist bereit!" Renzo gehorchte. Mit 20 000 Lire in der Brieftasche traf er am 23. in San Remo ein. Der Laie wird gut tun, an der Meinung festzuhalten, daß dos Glück sich nicht so leicht magnetisieren läßt! Es hat bislang ohne Wahl und ohne Billigkeit gehandelt. Nüstkammer des Todes. Armeemuseum in Brüssel. Wir wissen, daß Krieg ist: glauben, hoffen, wünschen jedoch, daß diese moderne, irrsinnig industrielle Form des Tötens, die hoff- nungslose Auslieferung des lebendigen Menschen an die Maschine, einmal aushörcn wird. Aber daß der Krieg, der Mord sür sein Handwerk Reklame macht, das ist der fürchterlichste Auswuchs am Organismus der Zivilisation. Ist es ein Unterschied, ob ein sagenhafter Kannibalenkönig die Köpfe seiner Feinde auf die Zinnen seines Palastes spießt oder ob die heutigen Großmächte Kriegsmuseen unterhalten? Wir sahen das Armeemuseum in Brüssel. Eintritt frei. Allein dem Weltkrieg find viele tausend Quadratmeter Fläche gewidmet. Käme man aus einer Welt fern ollen Erinnerungen: man könnte die schicken Riescnrofettcn aus Gewehren mit aufgepflanztem Bajonett, die die Wände dieses Museums zieren, alz«inen graziösen Dekorationseinsall bcwunbern. Man könnte die durchschossenen Stahlhelme— die Toten, die dazu gehören, sind ja nicht init aus- gestellt— mit derselben Gleichgültigkeit betrachten wie die Vitrinen irgendeines Hutladens, so säuberlich geordnet sind sie in einem Glaskasten zur Schau gestellt. Diese plumpen Mörser und zierlichen Feldhaubitzen, diese schlank gebauten Langrohrgeschütze und die flink beweglichen, um die eigene Achse rotierenden Fliegerabwehrkanonen, dies« Fcrnzündungsappa- rate für Sprengungen und diese Hunderte von leichten und schweren Maschinengewehren. haben Verwundung und Tod gespien, haben Mütter zum Zrr- sinn gebracht, haben kostbare Güter des Lebens zerstört. Und stehen jetzt hier, exakt katalogisierte Museumsgegenstände, schmuck und prahlerisch aufgereiht. Sauber heruntergewaschcn ge- ronnenes Blut und krustiger Schlamm. Stehen da, als ob Krieg «ine heitere, sportliche Angelegenheit wäre. An der Decke hängen erbeutete Flugzeuge, die Schnauze abwärts auf den Besucher gerichtet: die Abwurfsvorrichtung für die Ketten- bomben ist deutlich zu erkennen. Ein Torpedogeschoß, im Längs- schnitt gezeigt, enthüllt die großartig« und schauerlich« Präzision seiner Maschinerie. Man sieht das Resultat von erfinderischer Denk- kraft, vieltausendstllndiger Feinarbeit: alles im Dienst des V-rnichtungswillens gegen da» kostbare. lebendig almende Leben. Aber was bedeuten die schreckenerregenden Tanks, die mit zerrissenem Kettengetriebe, mit durchschlagener Stahlplatte aufgereiht sind, was die aufgestellten Sperrminen, die jahrelang in den Wellen des Ozeans schaukelten, im Vergleich mit jener einen Ecke im Saal, die nur mit Dokumenten und Photos dekoriert ist?„Die Ecke der Erschossenen" soll Haß und Revanchegelüste wachhalten gegen den Feind von gestern. Unter Glas sind zu sehen: Photographien von füsilierten Zivilisten, Briefe und Gedichte einer jungen Frau, ehe sie an die Wand gestellt wurde» umfangreiche Verteidigungsschriften eines zum Tode Verurteilten, in drei Sprachen gedruckte Kriegsgcrichtsurteil« und ähnliches. Selbst wenn von unserer Seite Unrecht geschehen ist, wenn Unschuldige schuldig gesprochen wären im Taumel dieser blut- besessenen Zeit, m der in allen Ländern Unrecht geschah,— darf man big Erinnerung daran in den Frieden hineintragen? Achtzehn- jährige Burschen und junge Rekruten standen an diesen Kästen. Sie sehen nur die eine Seite: sie hören nichts von Hungerblockade und daß in Deutschland eine Generation unterernährt und verdorben ist; sie erfahren nicht, daß der Krieg an sich dos Böse ist. Was in Kriegsmuseen, diesen Rüstkammern des Todes, dem Besucher, dem Volt gezeigt wird, ist Lüge. Fälschung, demagogische Verführung. ein« billige und niedrige Reklame sür den Geschästsbeirieb des imperialistisch aufgezogenen Krieges. Rurt Ollenburg. Ein neuer Tom-Mix-Ulm. LlT. Karfürstendamm. Die Amerikaner bringen einen neuen Tom-Mix-Film heraus, bei dem ihnen etivas Neues wahrhastig nicht«ingesallen ist. Der gute Tom ist mal wieder der Cowboy-Kaoalier, mit vornehmen Handschuhen und einer engelgleichen Seele, der nach soundsoviel rauhen Heldentatm sich seine Braut erring?. Um den Arizona- Tiger— so nennt man nämlich diesmal Tom Mix— würdig herauszubringen, hat man andauernd galoppierende Pferde in ihrem herrlichen, natürlichen Rhythmus photographiert. Selbst beim Polo-Spiel reitgc man mehr aus Tempo als auf Wendigkeit. Die Reiter verstehen sich auf dieses„Im-Sattel-bleiben" und auf die Cowboy-Voltige in allen Abarten, und so stürmt der Film wie ein Wirbelwind über die Leinewand und dos Publikum, der Wild-West- Romantik noch nicht ganz entwachsen, sieh? in diese Filme mehr hinein, als in ihnen drinsteckt. „Emil und Schlemihl unter Menschenfressern" betitelt sich«in« Fox-Groteste, in welcher der Regisseur Henry L e h r m a n n mit ständigen Uebersteizerungen aufwariet. Ted Mc. Namara spielt mit Stolz den dümmsten Kerl von Amerika, während sich Sammy Cohen bcscheidenerweise als klügstes Köpfchen von USA. produziert. Und was diesen Leuten olles zur Verfügung steht, damit sie ihren Blödsinn in schönen, Wirkung;- starken Bildern entfalten können! Da sind z. B. dl« berühmten Fox-Löwen, da Ist ein Flugzeug, dos von einem Kriegsschiff aus aufsteigt, und da ist«in englisches Cab, was immerhin der ulkigste Wagen bleibt, der je von einem Pferde gezogen wurde. Das Publi- kum schaltet alle Vernunstsgründe aus, willig folgt es dem Unsinn u>»d— lacht sich Tränen. e. t>. Ein Roman von Ulla vvrteux. Till» Durieux. dl« bekannte Schau- svielertn, bat ihren ersten Roman vollendet, der unter dem Titel„Eine Tür fällt in« Schloh" Ansang September im Horen-Berlaz, Berlin-Srunewald. erscheint. Der Roman schildert au« eigenem Erleben da» ernste Schicksal der modernen Frau, da« hervorgerusen wird durch den Zwiespalt zwischen aktiver BcrusSnotwcndigkeit und passiver LebenShingabe. Srinnerungssest der Volksbühne. Di« Volksbühne®. 83., plant am 1. September zur Erinn-rung an die vor IL Jahren ersolgt« Brundftein« legung de« Theater« am Vülowplatz und zur Feier der Eröffnung der neuen Spielzeit ein große« Volkssest zu veranstalten, da» in Treptow statt» finden soll. Da« Fest soll eingeleitet werden durch drei Umzüge durch Berlin, mit Musillcpellen. zaiilleichen Feslwage» und kostümierten«rupven Für da« Bollstest find Orchester- und Gesangtvorträgc, Vorführungen de« Sprech- und Bewegungtchor», Volkttänze, Kabarett und Larret« vor- gesehen, und zum ein großes Feuerwerk. Betstunde im Schwimmbassin. In der großen Hitze wurde eine Chikagoer Sonniagsschule in das Schwimmbad verlegt, aber natürlich wurde auch dort gebetet. Dänische Stabsmusik. 3« Aesuch bei der Heilsarmee. Warum müssen religiöse Vereinigungen sich einen Mantel menschlicher Schwäche borgen, um ihre Ideologien darin zu Markte zu tragen? Bei der Heilsarmee ist es sogar der alte abgelegte des Militarismus. Das prangt daher in Uniformen, in Abzeichen und militärischen Rangordnungen, es ist tatsächlich eine Farce auf die ganze geschwundene Herrlichkeit. Gar ihre Stabsmusik! Ziegelrote Jacken mit breiten weißen Brustguer« streifen, ein Anziehungspunkt sondergleichen für das weibliche Gemüt! Nur der alte Berliner„Obersts ist in schlichter seid- grauer Uniform, dem man die Höh« seines„Ranges" nicht an- merken würde, wäre sie nicht durch wirkliche menschliche Würde geadelt. Aber das Rätsel wird ungelöst bleiben, warum immer der falsche Schein an anstandigem Tun hängen muß, denn zweifelsohne>>esitzt die Heilsarmee ihre Qualitäten als frei- willige Wohlfahrtsinstitution, die dort besonders Elend und Hunger mildert, wo berufenere Einrichtungen oersagen. In dieser Woche haben sie sich ihre Kollegen aus Dänemark nerschrieben, eine Stabsmusit, die sich an Feuer und inusikalischer Technik mit jeder wirklichen Militärkapelle messen darf. Das schmettert mit Posaunen und Waldhörnern in den großen Tempelsaal der Dresdener Straße in ein Publikum hinein, dessen Enthusiasmus bei jeder Darbietung in stünnischen„Halleluja"- Rufen durchbricht. Junge schlanke Menschen sind es, denen der heilige Ernst ihrer Aufgab« aus den Augen strahlt, mehr aber noch aus den Klängen, die sie mit gleicher Virtuosität den Blechinstrumenten, den Geigen oder als Gesang den eigenen Kehlen entlocken. Dem frischen und doch stillen Wesen nach möchte man sie dem dänischen Bauerntum zurechnen. Der Höhepunkt der Veranstakmng aber tritt ein, wie zwei dänische„Kadetten" aus der Musik hervortreten und mit Hilfe eines Dolmetschers ein persönliches Bekenntnis ihres Glaubens und ihres Glückes in dieser bunten Uniform ablegen.„Fünfzig Seelen" hätten sie bereits auf ihrer Reise durch Deutschland zur Bußbank ge- führt, obwohl er zugeben müßte, daß die Musik nicht recht das geeignete Bekehrungsmittel für reuige Seelen sei. Man wartet auch hier, daß ein großes Werben einsetzen wird, und es wird kommen, wie sich schon aus den hysterischen Schreien im Publikum andeutet. Weiter nimmt das geistliche Konzert seinen Fortgang, eine Mischung von Marschmusik, modernen Jazz- motioen und sentimentalen Volksliederweisen, jedenfalls die richtige Mischung, um das unverwöhnte Publikum in Spannung zu erhalten. So sieht ma» bei der Heilsarmee, wie in geschickter Weise der Seelensaag betrieben wird. Eine solche Ausführung wäre geeignete« Ltud�eagebiet für den Soziologen, der mit Schrecken erkennen mühte, daß nicht nur leiblicher, vielleicht mehr noch g e i st i g e r Hunger die Massen in die Tempel der Heils» armee treibt! Oer ermordete Gastwirt. Man sucht den Täter in Berlin. In seinem Lokal wurde am 12. August d. J. der Gastwirt Alois Rott in W e i t p r e ch t s im Oberamtsbezirk W aldfee< Donau- kreis) niedergeschossen. Er war mit einem Gast i n S t r e i t geraten. Der Fremde zog plötzlich einen Revolver und tötet« den Wirt durch zwei Schüsse. Der Täter ist s l ü ch t i g. Er ist etwa 45— 50 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat hageres Gesicht, lange spitze Rase und Stirnglatz« und trug dunklen Anzug. In das Fremdenbuch hatte er sich als „Heimensberger" oder ähnlich«ingetragen. Die Nachforschungen nach ihm werden in Berlin von der Mordinspektion A des Polizeipräsidiums geführt. Verfaffungstag in der Kleinstadt. Man schreibt uns: Innig, minniz, sinnig— dachten diejenigen Gewalten, die über die Schule der Stadt Zossen zu gebiecen hatten— wir veranstalten am 11. August unser Kindersest und schlagen mit einer Klapp« sozusagen anderthalb Fliegen, absolvieren unseren Pflicht-Kindertag und tun— wenigstens für den unvermutet in die Stadt Hinein- kommenden— so, als ob der Iubelzauber dem Verfassungstag gelte. Das Pflichtteil wurde vorschriftsmäßig geleistet, dann zogen die Schulkinder mit der neuen schwarzrotgoldenen Schulfahne zum Spielplatz und die Schulgebäude starrten, sonnenbeschienen, ohne Fahne in die Luft. Das Rathaus hatte geflaggt, aber dies war auch der einzige Lichtblick in dem trüben Bilde, das das in der Mehrzahl Republikaner umschließende Städtchen bot; abgesehen von einigen Häusern und Wohnungen hatte kein einziges Privat- und nament- lich kein Geschäftshaus(mit einer einzigen Ausnahm«, soweit wir feststellen konnten) geflaggt. Hotels, Restaurants, Kaufmannsläden, alle, alle stellten sich tot, sie wußten von nichts... Daß es in anderen Kleinstädten anders aussieht, ist bekannt; aus eigener Kenntnis können wir mitteilen, daß z. B. in Städten der Priegnitz, wo doch sonst der agrarische Charakter vorherrscht, Magi- strat, der Bürgermeister entweder allein oder im Bunde mit dem Landrat die Bevölkerung zur Feier des Verfassungstages eingeladen haben. Aber auch in Zossen hat das Sichtotstellen der„oberen Hundert"(oder sind es gar nur fünfzig?) schließlich doch nichts genutzt, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete nach dem Einrücken des Kinderzuges eine Kundgebung auf dem Marktplatz vor dem Rathause, zu der die Klänge des Tambourkorps jeden, der hören wollt«, einluden. Eine dichte Menschenmenge schart« fbH um den die Ansprache haltenden Vorsitzenden Norgall der Zosiener Ortsgruppe, und das dreifache Hoch auf das republikanische Dater- laird brauste in gewaltigem Schwung« über den weiten Platz. So hat Zossen doch noch eine Versassungsfeier gehabt, die dem De» langen des Großen, die republikanische Staatsform zu ehren, ent- sprach._ Die seltsame Verfassungsfeier. Der Schülerausschuß des Werner-Siemens- Realgymnasiums, in dem es am vergangenen Sonnabend während der V e r f a s s u n g s f e i e r, wie wir berichteten, zu einem Zwischenfall gekommen ist, trat gestern zu einer Beratung zusammen. Es wurde beschlossen, an einem der nächsten Tage die Versassungsfeier zu wiederholen, um in gebührender Weise die Schüler von der Bedeutung dieses Tages zu unterrichten. Als der Direktor von dem Vorhaben des Schülerausschufses erfuhr, mochte er den Versuch, den Ausschuß aufzulösen, wobei er je- doch auf heftigen Widerstand stieß. Außerdem verlangte er, daß die Schüler, die von dem Vorfall während der Versassungs- feier die Presse benachrichtigt hätten, sich bei ihm melden sollten. Kommunistische Raubgesellen. Zehn überfallen einen. Ein« echte Rotfrontkämpferheldentat aus den Der» fafsungstogen, die uns erst jetzt bekannt wird, sei nachgetragen: Als noch Beendigung der Verfassungsfeier der sechzigjährige Werkmeister K. in Lichtenberg, Kreutzigerstraße, auf dem Nachhausewege war, wurde er von 10 RFB.-Leuten in Uniform sowie in Zivil überfallen, in einen Hausflur gedrängt, zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt. Erst auf die Hilferufe eines hinzukommenden Mieters ließen die Helden von K. ab und ergriffen die Flucht. Als Trophäe nahmen sie die Reichsbanner- mütze und das Augenglos des feige Ueberfallenen mit. Der Ueberfall geschah in der Boxhagener Straße. K. schleppte sich mit vieler Mühe in seine nahe Wohnung und liegt schwer daniederl Oer vertauschte Briefumschlag. Ein aller, ewig neuer Gaunerstreich. Erstaunliche Erfolge hat in letzter Zeil wieder ein Schwindler zu verzeichnen, der mit der altbekannte« Vriemumschlogfalle arbeitet. Obwohl er seinen Trick ziemlich plump anwendet, gehen ihm die Geschäftsleute doch immer wieder aus den Leim. Er erscheint besonders in kleineren Läden, leg7 einiges Silbergeld, etwa 18 M., auf den Tisch und bittet, es ihm für einen Zwanzigmarkschein einzutauschen. Wenn der Laden- Inhaber nachzählt und feststellt, daß«ine oder zwei Mark seh» l en, so spielt der Betrüger den U« be rr a s ch7 e n, läßt sich dc« Zwanzigmarkschein geben und tut ihn vor den Augen des Geschäftsmannes in einen Umschlag. Er bittet, ihn einstweilen aufzuheben, nimmt sein Silber und verspricht, das Fehlende sofort zu holen. Er läßt sich natürlich nicht mehr sehen, und dar Geschäftsmann erkennt erst zu spät, daß der Briefumschlag leer ist. Der Gauner hat ihn geschickt vertauscht. Unbegreiflich ist bei diesen Vorgängen nur, wie ein Berliner Geschäftsinhaber auf einen derartig dummen Schwindel hereinfallen kann. Bei einiger Ueberlegung müßte er sich doch sagen, daß das Hineinlege« des Scheines in den Umschlag völlig sinn- und zwecklos«st. Wäre es in Zukunft nicht angebrachter, den Schein einfach wiede? in die L a de n k a s f« zu tun und zu warten, bis der vermeint» liche Kunde zurückkommt? Nach den bisher eingegangenen Anzeigen scheint das„Geschäft" des Schwindlers trefflich zu gehen. Er ist etwa 20 Jahre alt, 1,55 Meter groß, von schlanker Figur, mit blondem Haar und bartlosem Gesicht. I« der Sommerfrische ermordet. In einem Wald« bei H ö s e l in W e st f a l e n wurde die L e i ch« der 22jährigen Stenotypistin Maria Noppe ausgefunden. Das Mädchen hatte in Höfel seinen Urlaub verlebt und war von einem Kirchgang nicht mehr zurückgekehrt. Durch einen Zufall fand ein Spaziergänger im Walde eine Damenhandtasche und einen Damenhondschuh, die der Vermißten gehörten. Polizeibeamte fanden dann in einem Dickicht die verscharrte Leiche des Mädchens. Sozialdemokratischer wahloerein Nowawes. Am Mittwoch. dem 15. August d. I., 20 Uhr, im Eisenbahnhotel, Mitgliederver- sammlung. Vortrag mit Lichtbildern über„25 Jahre Aentralver- band Deutscher Konsumvereine". Derantwortlich Mr die Redaktion: E»,ca Praae». Berlin: Anzeigen: Id.»l-tk«. Berlin. Lerlag: Lorroärt» Verlag GmbH.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Lerlagsanltolt Vau! Singer& To Berlin S3B 68. Lindcnjtrake 3 Hier»» 1 Beilaue Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr Sieftiner Sänger Wiederauftreten von Paul Britto n. Preise; 60 Pf. bis 2 M. t)onhott«Brett*I: (Saal und Garten) Variet�— Kabarett— Tanz StoMendor/ i6(. Das sensationelle Sröflaungs- Programm! hr der neue Schlager Stundfunkfieber ersonen. r-ameui nu' 1.1S v\. 5 vi SonstigePreise: Parkett und Rang 9.8 M. LUNA ab 4 Uhr vollrr Be rich Elnir-tt 75 H. GR. FLUER ER1? Artistische Uarbietunrer L'ülSÜlßi 108312: worden 1231' -nde nach 101'2 Zum 67. Malet Artisten egu Max Reinhardt Die Komödie Bismarck i4l4// i :lif u Ende l'*8/«. Zum 93. Male: Es liegt in der Luft kevue von Schiftet. Uuslk v. Spoliansk) >8ril!iei 1383181 ■iriofranstM'J'jl.jfci1, l'ä, Ende nach>> Zum 114. Male: 'iüm?.iMtsiien Der Proieb larv oustar Uustspielbaas Täglich 8l/4 Uhr Berlin in 40 Stomleii. Residem-Tlieater Blumenstr. 8. täglich 8'/, Uhr Skandal im Bettl Sittenschwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wdrtz a. G lugendliche habet' keinen Zutritt irkett auch Sonn statt 4.— Mk. nur 1.— Mk. Theater des Westens Täglich 8V4 Uhr Lilli Flohr, Paul Heldemann In: 9SS süße Geheimnis Schwankoperette. Else Verna, Langendorf iiltenJarpSilline Jts, KQnstJer-> t«/, Uhr- Bs kommt Jeder dran I Revue von Fr. Holländer zar Meie W: v.Ansbaciiersir.l Lessing-Tlieater Täglich 8 Uhr .üerZarewlticli" 8", Thea tat am Moüentterfplatz Die niieküüte lvü •nereue n Akten Musik von U. Knor Loii Leuv. Hose- Theater • ir tränkt. Str 5 Uhr KONZERT Berater TelL 8'/, Uhr Das MDSikantenmäilei Berliner Prater Kastanienallc/■. Tägl'fch:t 4 Uhr Järsterehrlstel. -«tsimiMiftr-iü, ..'>02eTl% VA» Stgs. J iManram Mad Lidilenlierii Fernspr. E 5(Lichtenberg) 4586 Empfehle den werten Vereinen meine Räume(50— 300 Personen) zur Abhaltung von Festlichkeiten. f«nnabend and Sonalad nom frei. OMo Hebenstreit. '-"osjjeai'tninr [Ei tr.UUii'i V Hl Kfichen I ftrtoÄ!«Ii«. fal weist? taslerie, deiasie osd au»t wir späteren Llefcning« s« t itonn htiligea Preiw Aul eile Möbel 10°, liab< t« röIsUJ! lasetslelit, WM St! ______...Iis e.cna Orac nstr. Morl.. »-Z■■MHjl I I WH AI i II I jll HjWWMgWBB TS*»j k i H« E ißStoSW (»ii gel Mt Ik Ik \r reislisu gratis Rii,� Du tun- PeK'amet'rei- von Oedieget and modern Schwere Ausführung I Rmjc ISNS ge.u üediegen und modern vlk. 12. Schwere Ausführung Mk.lS. Skarat. Ringe V Mk. 4.— bis 7.— p. Stück Gravieren gratis zum Mitnehmen. eschStii sUadt Hermann Wiese, Berlin ca. MOO ta(*aloss Traorlagc am Lasar. Beilage Dienstag, 14. August 1928. VprÄbmd SfuUauiQa&e xtei Die Hütte im Schatten. Bei Waldarbeitern, Perlenstickerinnen und Glockengießern. Mit Zeichnungen von Fritz Winkler-Dresden. Wenn in den Gärten der Eben« alles längst in Blüte steht. trauern die dunklen Wälder des obere» Vogtlandcs noch unter der weißen Last des Wintere Mitte Mai, nach einer Woche voll Sonne, Vogelgesang und erstem Saatengrün, besinnt sich die kalte Lahreszeit wieder auf ihr altes Recht, hier oben acht Monate lang Rsutcniaav? zu regieren. Plötzlich trogen die alten Fichten auf ihrem resigniert hängenden Geäst dicken Schnee. Die Wege biegen weiß durch das tiefe Dunkel des Hochwildes, und auf den kleinen Bahnhöfen zwischen Schöneck und Rautcnkranz stampsen die wenigen Fahr- gäste den Schnee von den Stieseln, che sie ins Kupee klettern. Bei solcher Witterung müssen die Waldarbeiter feiern. Sic waren in den Neuonpflanzungen beschäftigt, hatten also schon mit her Frühjahrsarbeit begonnen, da kam der Schnee noch einmal und diktierte einen Urlaubstag. Urlmch, wie hübsch das klingt! Aber meist macht die Witterung mehr Urlaubstage als im Arbeits- vertrag stehen und der Hungcrricmen Löcher hat. Unser Rautenkranzer Freund, sstzt also zu. Hause.„Danket dem S)eiru". steht über seinem Sitzplatz an der kaltgetünchten Wand. Das Gesjcht des„Urlaubers." aber will nicht recht zu diesem Wand- spruch passen. Ja, der Winter, der die Waldarbeiter„rausreißt", ist vorüber. Wenn es auch oft ungemütlich war, bei jedem Schnee Und Frost hinauszumüssen, und wenn auch viel Kleidung und Schuhwerk in die Brüche ging, aber das Holzschlagen im Akkord dringt doch an die-tO bis 50 Mk. Wochenlohn ein. Davon muß dann im Sommer mit gezehrt werden. Laubholz gibt es im staatlichen Revier Georgcngrlln— zwischen Ellcfeld und Rautenkranz— nur wenig. Also kommen nur die Schlägerlöhne für Nadelholz in Betracht, die geringer sind als hie für Laubholz. Für das Abschneiden und Ausasten eines Stammes unter l.? Zentimeter Mitteldurchmesser(ohne Rinde) werden 27 Pf. bezahlt, für einen Stamm von 15 bis 19 Zenti- ineter 43 Pf., von 35 bis 39 Zentimeter 200 Pf. und von 50 bis 59 Zentimeter 410 Pf. Aber so sehr stark« Stamme gibt es in dieser Gegend kaum. An einem 43 Zentimeter dicken Stamm haben kürzlich zwei Mann 2',e Tag long gearbeitet. Der Baum wußte abgeschnitten, der Stock ausgegraben und gespalten werden, und außerdem galt es, sieben starke Aest«(Knüppel) abzusägen. Für den Stamm gab es 2,60 M., für die Stöcke 12,50 M, die Knüppel würden zu drei Meter Scheitholz zerkleinert, dafür wur- den 7,50 M. bezahlt. In sämtliche Lohnposten mußte» sich zwei Mann teilen. An einem starken Baum ist also gar nicht so viel zu verdienen, wie das auf den ersten Blick aussehen mag. Während des Winters werden im Revier Kcorgengrün 3300 Festmeter Holz geschlagen. Was nicht fertig geworden ist, kommt im Sommer dran. Die Rinde wandert in die Gerbereien, das Holz wird auf Auktionen von den Händlern erstanden und an die Schneidemühlen und Kohlenschächte verkauft. In den Schneide- wühlen wird ein Lohn bezahlt, der sich ungesähr auf derselben Die Staatskammer �Hölje* bewegt wie der Lohn der Waldarbeiter. Im Winter stnd die Schneidemühlenarbeiter erwerbslos. Dann leben sie von der Unterstützung und von der guten Luft hier oben. Es war schwer, sie sreigewerkschastlich zu organisieren, zumal die Unternehmer nicht glauben wollten, daß es den Roten gelingen sollte, in dieser Gegend für immer Fuß zu fassen. Die Waldarbeiter sind fester zusammengeschlossen, in Morgenröte-Rautenkranz sitzt eine gute Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei,� und im Gemeinde- verordnctenkollegium haben die Arbeiter das Hejt fest in der 5)and. Der Waldarbeiter, bei dem wir die Stichprobe aufs Excmpel machen, wohnt bei seinem Arbeitgeber in Untermiete, bei der Forstverwaltung, beim Staat also! Donnerwetter nochmal, er ist demnach sozusagen ei» staatlicher Angestellter. Nun seht mal an, wie der Staat für seine Arbeiter sorgt. Monatlich 10 M. Miete kostet die Wohnung. Das ist nicht viel, meint ihr? Für die kleine Küche, die völlig sonnenlose und deshalb immer feuchte„gute Stube" und eine Bodeiikammer Geld genug! Halt, da ist ja noch eine Bodenkammer. Die sechs Kinder wurden allmählich zu groß, um mit den Eltern Bett an Bett zu schlafen. In der„guten Stube" drohte das Ehebett zusammenzufaulcn, also wurde der Arbeitgeber und Hausherr Staat ersucht, dem kinderreichen Untertan einen Raum zu geben, in dem sich das eheliche Leben ohne sittliche Ge- fähr du ng dritter abspielen konnte. Der Staat wußte sich zu hel- fcn. Nachdem er sich lange genug Hatto bitten lassen, wurde den: Ehepaar ein Stück früherer Wäscheboden angewiesen. Eine elende schräge Ecke, ein Winkel unterm Dach, mit einem kleinen Dach- schicbcscnftcr. Dort steht das Bett zwischen Balken und Sparren, der Wind pfeift durch die Dachschicfer und web nicht friere» will, muß sich mit seinem Bettnachbar zudecken. Die erste Kammer des Staates in Dresden hat für die Besen und Eimer der Scheuer- frauen einen schöneren Abstellraum als diese„Staatskammer", diese eheliche„Schlafstube" eines Arbeiters auf staatlichem Grund und Boden. Im Sommer mag's ja gehen, obwohl dieses Eheparadies auch dann noch an die Bezeichnung Sommerfrische erinnert, mit dem Nachdruck auf der zweiten Worthälste. Richtig, Morgenröthe- Routenkranz ist ja eine weithin bekannte Sommerfrische.� Die Touristen kommen gern in die Waldtäler herauf, und die prolc- tarischcn Natursreunde haben.auf halber Höhe über dem Ort ein Ferienhaus, das auf genossenschaftlicher Basis bewirtschaftet wird und in dem die kommende Arbeiterserienkultur die ersten Kinderschuhe austritt. Nebenan ist eine Jugendherberge, und alles ist auf den bald beginnenden Andrang eingerichtet. Manchmal ist der Fremdenzustrom so lebhast, daß die Einheimischen aufs Heu kriechen und ihre Betten vermieten. Die Pcrlennäherei bringt noch weniger ein als die Stepperei. Faktor« aus Eibenstock liefern den Tüll mit dein vorgcdruckten Muster und die Perlen dazu. Aus Perlen und Flitter nähen die Frauen Rosen und Ornamente als Taschenbesatz, besetzen ganze Kleider mit reichem Pcrlenschmuck, Kleider, die dann ein kleines Vermöge» kosten. Die Heimarbeiterin verdient in sechs Tagen fünf so wenig verdienen, sehr einfach. Sie helfen sich gegenseitig die Löhne niedrig halten. Das Resultat ist sehr traurig. Hier, einge- bettet von Wäldern, in denen eine Lungenheilstätte neben der anderen Genesung verspricht, haust die Prolctarierkrankheit unter den Schindeldächern der Arbeiterhütten, und die bleiche Not blickt durch die beschatteten Fensterscheiben. .Es ist nicht leicht, hier die Faust zu ballen und sie dem Unter- nehmcr unter die Nase zu setzen. Zumal wenn die Arbeiter in Werkswohnungen sitzen. Dem Eigentümer von zwei Glockengieße- reien und einer Schneidemühle in Morgenröthc-Rautenkronz gc- hört das halbe Tal. Wenn er befiehlt, dann bekommen die Ar- beiter keinen Versammlungssaal, verweigert der Wirt einem pro- letarischen Wandertheater die' Bühne wegen„Gefährdung der Sittlichkeit". Nach dem Krieg hatten die Glockengießer Hoch- Glockenbude in Morgenröthe betrieb. Die eingeschmolzenen Glocken mußten ersetzt werden. Die Kirchen weihten die Kanonen von morgen. Mehr als 30 000 Klangstahlglocken hat die Firma Schilling u. Lattermann in Apolda mit den Zweigfabriken in Rautenkranz und Morgenröthe gegossen, darunter Riesen von über 7000 Kilogramm Gewicht »Der Reporter und sein Freund der Maler steigen den Berg- hang über der schwarzen Bude mit dem Herrenhaus und den ge- duckten Arbeiterhäusern hinaus nach dem Ortsteil Zeughaus. Die Berge stehen blau im Licht des Abends, die Wälder rauschen feierlich, auf der Sonnenseite schmolz, der Schnee und läßt die braunen Aecker dampfen. Vögel singen und die Welt ist schön. Hört, ihr Freunde in den kreischenden Schneidemühlen, ihr Gießer der tönenden Glocken, ihr Arbeiter im Acchzen der Wäl- der, ihr Perlenstickerinnen in den engen Stuben, hört: Die Welt Lriclr Knauf.• Mark... Weshalb arbeiten diese Frauen eigentlich? Weil die Männer s ist schön, sie ist euer, wenn ihr nur wollt! Drei Nächte In Elstodge£ahr Das Drama auf dem Frühstücksplatz. Der Dachstein ist ein gewaltiges K a l k st e i n m a s s i v in Oberösterreich-Steiermark. Von seinem 3000 Meter hohen Felsgipfel ziehen mächtige Eisströmc nach Norden und Osten hergb— die östlichsten Gletscher der Alpen. Von dem unvergleichlich schön an der Bergwand vom See hinaufgebauten H a l l st a t t, der Salzberg- knappenstadt mit sozialdemokratischer Verwaltung, bekanntem Fund- ort von Keltengräbern, erreicht man in acht Gehstunden die Simöny- Hütte und den Ansang des Karls-Eisfeldes: der andere Gletscher fällt zum hinteren Gosausee ab. Beide Besteigungswege sind zwar lang- wierig und anstrengend, aber nicht gerade gefährlich. Nach Süden aber, in die Ramsau oberhalb S ch l a d m i n g im Ennstal stürzt der Dachstein ganz steil ab, und seine Ersteigung von da aus ist schwerste Kletterarbcit, die große Uebung, große Gewandtheit und— gutes Wetter erfordert, wenn sie gelingen soll. Gar viele schon haben den kühnen Versuch mit ihrem Leben bezahlt. Ein solches Drama hat sich in der vergangenen Woche abgespielt. Sechs Wiener Touristen, davon mehrere Mitglieder der Arbeiterorganisation„Naturfreunde", waren morgens durch die Dachsteinsüdwände emporgeklettert, aber gegen Mittag in der Wand von einem furchtbaren Sturm mit Regen und Schnee- g e st ö b e r überrascht worden. Sie mußten sich entschließen, i n d e r Wand, aus dem sogenannten„Frühstücksplatz", einer Neinen Ver- breiterung des ziemlich horizontal verlaufenden Bandes, von dem der Fels viele hundert Meter jäh abstürzt, zu b i w a k i e r e n, da an ein Vorwärtskommen ebensowenig zu denken war, wie an eine Rück- kehr ins Tal. Sie hatten Zeltblätter mit und wickelten sich, so gut es ging, auf der schmalen Felsplatte in die Zelte ein. Auch als das Unwetter sich gelegt hatte, war es ihnen unmöglich, sich aus ihrer Lage zu befreien, weil die Felsen st a r k vereist waren. Außerdem waren die Verunglückten durch die fürchterliche kälte und Nässe sehr mitgenommen und kaum mehr imstande, schwierige Klettereien durchzuführen. Es gab daher für die Rettungsexpeditio- n e n, die von Schladming aufgebrochen waren, als man vom Dach- stein Hilferufe gehört und hinuntergemeldet hatte, keine andere Möglichkeit, als die Verunglückten über die wenigen hundert Meter, die sie noch vom Gipfel entfernt waren, aufzuseilen. Das Auf- seilen von Verunglückten, die sehr erschöpft sind, ist eine überaus schwere Arbeit. Eine große Schwierigkeit liegt auch darin, daß man dazu mehrere hundert Meter Seil braucht. Da ein Kletterseil gewöhnlich 25 oder 30 Meter lang ist, hatte die erste Rettungsexpedition für diese Aufgabe nicht genug Seillänge, wodurch sich die Reltungsarbeilen stark verzögerten. Man mußt« stundenlang warten, bis aus der Adamekhütte am Gösau- gletscher genügend Seil herbeigeschasst war. Auch dann stellten sich der Rettungsorbeit noch große Hindernisse in den Weg. Die Retter konnten über die vereisten Felsen nicht ganz bis z u m S t a n d- o r t der Verunglückten vordringen. Sie konnte»(ich zwar mit ihnen durch Rufe verständigen, die Verunglückten selbst blieben ihnen aber durch einen Fclsoorsprung verborgen. Di« Retter konnten daher die furchtbar erschöpften Touristen nicht selber anseilen. Einer der Gerettete» berichtet, daß sein Freund Ed- mund Stur m in der furchtbare» Verzweiflung, die ihn ergrissen hatte, zu toben begonnen hat und von seinen Gefährten mit einem Stück Seil an zwei Mauerhaken, die man in den Fels trieb, angebunden werden mußte, weil er sich und seine Begleiter in größte Gefahr brachte. Er ist dann einige Stunden später a n E r- schöpfung gestorben. Bei dem Versuch, seine Leiche zu bergen, ist eine Seilschlinge gerissen und die Leiche in die Tiese gestürzt. Da es tiefe Nacht war, konnte man nicht genau aus- nehmen, wo der Körper aufgefallen ist. Ttagischerwcise ist bei den Versuchen, die Verunglückten zu bergen, auch ein Lebender abgestürzt. Franz Wind- st c i g e r war angeseilt worden und man hatte begonnen, ihn auf- zuseilen. Das Seil wetzte sich aber an einer scharfen Felskante, über die es unglücklicherweise geraten war, durch, riß, und der Retler stürzte In die Tiese. Nun gaben die Schladminger ihre Rettungsarbeit auf, obwohl noch ein Ueberlebender, G a l b a w i, in der Wand war. Er mußte eine dritte Nacht in der Wand zubringen. Auf dem winzigen und sehr gefährlichen„Frühstücksplatz" mußten die Verunglückten einen W a ch t d i e n st einrichten, um zu verhüten, daß die vor Erschöpfung eingeschlasenen Gefährten dem Rand des Bandes zu nahe kamen. Sie hatten schon, als die Schlad- minger Rettungsgruppe von der sogenannten Dach st einwarte, einem Felspunkt am Südende des Hallstädter Gletschers, ankam, er- fahren, daß man ihre Hilferufe gehört hatte und die Retter unter- wegs waren. Die Dachsteinwarte liegt unmittelbar am Absturz der Südwand, fast genau in der Höhe des Frühstücksplatzss. Eine der Dachsteinsüdwandrouten führt zur Dachsteinwarte, doch zweiat diese Route schon viel früher von den anderen, die un- mittelbar zum Dachsteingipfel führen, ab, so daß es nicht möglich ist, den Frühstücksplatz von dort aus zu erreichen. Die Verstiegenen mußten daher noch lange warten, ehe die nach dem tragischen Mißerfolg der Schladminger aus Wien herbeigeeilt« Rcttungstruppe den Dachsteingipfel erreicht hatte und von dort in ihre Nähe kam Auch dann mußten sie noch qualvolle Stunden aushärven, weil jeweils nur einer von ihnen aufgeseilt werden konnte. Einer der Geretteten war so erschöpft, daß er nur äußerst lang- sam und unter Lebensgefahr für die Rette? über den Steig Dachsteinspitze— Gosaugletscher heruntergebracht werden konnte und dann auf einem Schlitten, den map von der Hütte herbei- schaffen mußte, zur Adamekhütte gebracht wurde. Bon den sechs Touristen ist einer, von den Schladminger Rettern gietchsalls einer nicht inehr heimgekehrt. „Jte, kommen S' zum Mlttog«ssen, genannt das Dejeuner, Fräulein Hilde. Das ist ja alles, mit Verlaub, Unsinn. Weiß Gott, weshalb Sie so aufgeregt waren und das haben Sie grab auf das Letzte bezogen, was Sie eben gesehen haben. Nicht wahr? Cs ist doch nicht möglich, daß Sie wegen der Landarbeiter so in Ekstase geraten!" „Da, ist schon möglich, Herr Edi, aber Sie oerstchns halt nicht." Edi erhob sich jetzt auch und willig folgte er Hilde ins Schloß, dessen aus aller Welt geholte Wunder sich ihr auf dem Wege dahin erschlossen, als ob sie sie zum erstenmal sähe und nicht schon mit ihnen oertraut wäre. Dieses Brückchen aus rotlackiertem Holz und dieser seltsame Strauch, der jetzt blütenübergossen war... wieviel er wohl wert sein mag... und diese entzuckende nackte Bronzenymphe, die mit einem Bärlein spielte. Wie oftmal vier- undzwanzig Kronen, wie oft...? Es war geradezu eine Besessen- heit, die sie im Bonn« hielt und in ihre Gedanken zwang. Was war denn geschehen? Ein Besuch im Meierhof... wahrhaftig, als ob sie selbst aus lauter Glück und Wohlstand gekommen wäre und nie die Sorgen um die Ausgaben des Monatsersten mitgemacht hätte... und ihre Stunden mit der faden Salome Blau, ober da» war doch nicht das gleiche.. die Sorgen nicht und nicht die Arbeit... „Warum reden S' denn gar nicht, Fräulein Hilde? Sind Sie noch böse?" fragt« Edi. „Aber ich war's ja nie, es war eine Laune." „Na, wenn Sie's nur einsehen." Das Mittagessen war nicht eleganter als gewöhnlich, ober noch viel onkmerter. Man sprach durcheinander, erzählte von dem de- sonder» schönen Morgenritt und besprach, weil man dabei eine Lichtung in einem Walde gesehen hatte, ein Fest, das man gerade dort veranstalten wollte. „Ein Kostümfest," schlug eine Dame vor. Ja, ein Kostümfest, Alt-Wien! Zeitalter Ludwigs des Vier- zehnten! Und ein« Theateraufführung im Freien! Eine Operette, di« erst im Winter in Wien ihre Premier« erleben wird! Nein, ein Spiel aus der Zeit, aus der die Kostüme sein werden! Ein Verlustspiel von Goethe, riet schüchtern der junge Professor aus dem Gefolg« des Baron Rosenberg. Gehörte nicht etwas Edles in diesen edlen Rahmen und vor diese edle Gesellschaft? Die Diskussionen überdauerten das Mittagessen, das man hier übrigens Frühstück nannte, und den schwarzen Kaffee auf der herrlichen rückwärtigen Terrasse, und zogen sich bis in den späten Nachmittag hinaus, und werai man die weitere Fortsetzung vertagte, so nur deshalb, wei es schon Abend war, und man sich zum Diner, so nannte man das Nachtmahl, umkleiden mußte. Hilde war auf ihrem Zimmer geblieben, aß von dem Nachtmahl, das ihr das Mädchen hinaufbrachte, nur sehr wenig. Sie war sehr müd« und schlief so fest, als ob sie am Tage die anstrengendste Bergtour gemacht hätte. Am frühen Morgen ging sie fort— zum Meierhof. Sie hatte gefürchtet, daß ihr zweiter Besuch dort Aufsehen erregen würde, aber der Trott des Alltaglebens war nicht ge- ändert. Di« Wäsche an dem Fenster... die stechend unangenehmen Gerüche aus den Wohnungen... der Wiesenstreifen... die Kinder... die Frauen... Kinder, Kinder, Kinder... Ein Oekoniebeamter trat Hilde mit tänzelnden Schritten ent- gegen. Er war jung, und schien vom Besuch informiert zu sein, ja. ihn erwartet zu haben. Gewiß trug er, wenn er seinen tag- liehen Pflichten oblag, nicht die Sonntogstracht, in der er jetzt steckte. „Gnädiges Fräulein haben sich bis hierher verirrt... Ge- statten, gnädiges Fräulein, daß ich mich vorstelle..." Er murmelte «inen Namen.„Ich werde, wenn gnädiges Fräulein gestatten, di« Führung übernehmen..." Er sprach und sprach und hatte, aus eigenem oder auf Auftrag. deutlich da» Bestreben, Hilde vom Meierhof sachte fortzudrängen und mit ihr einen ländlichen Ausslug zu machen. Hilde merkt« es sofort. Sie versuchte, den süßlichen Begleiter wenigsten» auszu- fragen— er antwortet« mit Komplimenten, mit einer Schilderung der ewig grünen Steiermark oder mit Allgemeinheiten. „Bitte, ich möchte mich ein wenig hier umsehen," sagte Hilde trocken und nahm den schärfften Ton an, dessen sie fähig war. „Aber? gnädiges Fräulein, hier ist es doch gar nicht interessant. Wa» können dies« Leute... Aber ganz uninteressant... Mein Gott, schlicht« Arbeiter... Sie, gnädiges Fräulein, aus den Höhen des Labens,,» Wozu dies« Cleildsbilder., Hssde machte eine Geste, um ihn zu unterbrechen. Aber er schnatterte weiter. „Müssen denn diese Elcndsbilder sein?" „Die Leute kennen ja nichts anderes. Glauben Sie mir, gnädiges Fräulein, da gab es... vor Jahren... eine Frau, die wegen eines... na wegen eines schweren Leidens noch Wien auf die Klinik gebracht wurde. Man gab ihr feines Geflügel... Glauben, gnädiges Fräulein, daß sie es gegessen hat? Sie ver- Siri von Jhzzl IBvrsffSaUszr langte Erdäpfel, und fing erst wieder zu essen an, als man ihr Kartoffel bewilligen konnte. So sind die Leute... Das ist doch ein anderer Menschenschlog als wir..." Hilde sah ihren Begleiter an. „Uebrigens sorgt gerade Herr Gruber In Menschenfreund- lichster Weise für seine Landarbeiter... in ausgezeichneter Weise... Sehen, gnädiges Fräulein... das Bild auf dem Wohn- haus wurde neu renoviert... Ein hervorragender Maler hat hier ein Kunstwerk geschaffen..." Er stellt« sich wie ein Kunstkenner hin und beschattete die Augen, um es zu betrachten, als besichtige er das Bild zum ersten Male. Hilde sah, daß sie jetzt nichts auerichten würde. Sie beschloß daher, nach Hause zu gehen, und wollte nur noch die Begleitung des gesprächigen Herrn venneiden. Aber wem: sie auch einen Spaziergang ablehnte, auf dem sie ein« ganz wunderbare Aussicht auf das Tal haben sollte— natürlich lag er weitab vom Meier- Hof—, so blieb ihr Führer beharrlich bei ihr, um sie sicher ins Schloß zu bringen. Im übrigen war nicht zu leugnen, daß er geschickt war, alle unbequemen Fragen vermied und es immer verstand, von dem verfänglichen Thema auf ein anderes über- zugchen. Er sprach von der Landwirtschaft, von der Schönheit des Landlebens, die aber freilich die Anregungen der Großstadt nicht aufwiegen könne, und küßte endlich— endlich!— Hilden die Hand. die er mit der Gewalt eines Ringkämpfers an sich riß, obgleich sie sie fest an sich gedrückt hielt. Es war klar, daß er sich nur bis zu einer genau bestimmten Entfernung dem Schloß nähern durfte, denn plötzlich, ohne irgendwelchen Anlaß, bei einem Buchengehölz, mitten auf dem Wege, war er stehen geblieben und hatte einige Wort« von Abschieimehmenmüssen und von seiner Hoffnung auf «in baldiges Wiedersehen gestammelt— auch er gehörte eben und trotz allem zu jenen Bewohnern der Arbeitcrwelt, der UMerwelt, die mit ihrer Erscheinung nicht die Freuden auf Schloß Wunder aller Welt verdüstern und nicht daran erinnern durften, daß drüben ein anderes Geschlecht anders, ganz anders als sie dahinlebe. Hier war also nichts zu machen, das sah Hilde ein.' Es war klar, daß es da eine Obrigkeit gab, die«ine Verbindung zwischen diesen beiden Welten nicht zuließ, und die lächerliche. Szene, die sie eben erlebt hat, würde sich wiederholen, wenn sie sich zu sehr mit nein Meierhof einließ. Dielleicht würde sich dann sogar diese Obrigkeit offenbaren. Sie sehnte es freilich herbei, zu erfahren, wer da, unsichtbar und gleichsam aus den Wolken, das Leben des Meicrhofes in den von ihm bestimnuten Grenzen festhielt und nicht aus seinen Fängen ließ. Aber was war zu tun? Hier war niemand, der das Unleidliche, das Hilde bedrückte, verstanden hätte. In der Bedrängnis ihrer Seele war sie allein und auch von Edi verlassen worden. Also schweigen? In diesem rauschenden Leben voller Vergnügungen und Ueberfluß mittun, wie die anderen, und wissen, daß eine halbe Stunde weiter Menschen hungerten, litten, zugrunde gingen? Aber waren die Leute vom Meierhof die einzigen? Wußte sie denn nicht, daß man von zugrunde gehenden, leidenden, hungernden Menschen auf Schritt und Tritt mngcben war. auf Schloß Wunder aller Welt wie in Wien, wie überall? War sie früher törichter ge- wesen, als sie es übersah oder hatte jetzt ein Ereignis dieses Bewußtsein schmerzhast eingednickt. Edi... daß der sich so hott« von ihr entfernen können... oder war sie krank? Das gute Fräulein Rose, das noch immer in ihrer Angst vor den Blattern lebte, würde wieder sagen, daß sie die Blattern habe... wie da- mals... wieviel Jahre mögen es sein?... unter dem blühenden Flicderstrauch in Greifcnstcin... Aber damals war es eine Be- kümmernis um sich selbst gewesen... und heute eine um andere.., um Fremde... um arme Menschen.(Forts, folgt.) WAS DER T niniiimioiiinnininiiiiiiiiiiiiiimiiliniiiimiiniminiiimiiinnnmiiniiiiiiinimiiiiiHiinmr Pari amen tsherich t. Unerhebliche Reden Verden von den Berichterstattern manchmal „submensamiert", d. h. unter den Tisch(sub mens») sollen gelassen. Eines Tages sprach im altpreußischen Dreiklasscnhaus gerade wieder der Zentrumsabgeordnete Glattfelter. Ein Journalist betritt die Arbeitstribüne, guckt nach der Rednernamenstafel, sagt nur„Glatt- felter".„Glatt fällt«r untern Tisch" und entschwindet allsoglcich. Frauenbildung in Sowjetrußland. Sowjetrußland rühmt sich bekanntlich der vollen Gleichberech- tigung zwischen Mann und Frau. Die Vorbereitungen zum achten Kongreß der kommunistischen Jugend haben aber Tatsachen an den Tag gefördert, die die„Prawda" als äußerst bedenklich bezeichnet. Die Zahl der Mädchen, die die Grundschulen besuchen, ist im steten Sinken begriffen; sie ist niedriger als im Jahre 1915 während der Zarcnzeit. Damals machte sie 35 Proz. der Schüler aus, jetzt sind es nur 33,2 Proz. Auch die Zahl der Hörerinnen in den Arbeiter- fakultäten hat sich stark verringert: im Jahre 192� waren es 20 Proz., im Jahre 1927 nur noch 14,6 Proz. In den Schulen für die Bauernjugend ist der Prozentsatz von 21,5 auf 28 gesunken und in den Hochschulen von 37 auf 31 Proz. Ein gesunder Schlaf. Seinem gesunden Schlaf hat es John Fincher aus Moni V e r n o n im Staate Washington zu oerdanken, daß«r heut« noch lebt. Er hatte sich schlafen gelegt und dabei den Kopf gegen die Schiene eines Eisenbahngeleises gestützt. Ein vorüberfahrender Personenzug ging über ihn hinweg, wobei die Räder den Rand seines Strohhutes abschnitten. Das Zugpersonal eilt«, nachdem man den Zug zum Stehen gebracht hatte, bestürzt herbei in der Heber- Zeugung, ein« Leiche zu finden. Sie fanden aber nur einen sorglos und zufrieden schlafenden jungen Mann. John Fincher nämlich hatte von dem ganzen Vorfall nichts gemerkt, war nicht einmal durch den Lärm des Zuges geweckt worden. Zu seinem Glück, denn hätte er den Kopf nur um wenig« Zentimeter gehoben, wäre er zerschmettert worden. Der Fischadler mit den Prothesen. Im staatlichen Karpfenteich zu G ö d ö l l ö waren in letzter Zeit große Verluste an Fischen zu beklagen. Man glaubte zunächst, daß dort eine Otter ihr Unwesen treibe, und man stellte deshalb an mehreren Orten Fallen auf. Es dauerte nicht lang« und der Schrecken der„königlich" ungarischen Karpfen war gefangen: es war aber keine Otter, sondern ein Fischadler, dem durch das Heruntersausen der eisernen Stange das Handwerk gelegt wurde. Der gefangene Adler wurde aus seiner Klemme befreit und als Geschenk der Gödöllöer Fischerei in den Budapester Tiergarten ge- schickt. Dort fand man, daß dem zur Strecke gebrachten Raubvogel beide Füße durch das Einklemmen in die Falle gebrochen waren. Um das Leben des seltenen Vogels zu retten, entschloß sich Professor Ztejtschitjch, beide Füße zu amputieren. Der Fischadler wirb nach AG BRINGT. imimimiiiiiiimiiimimiimiimimtmimimniimiiiimmiiiiiimminmmiimiiiimiHiimii der Operation wahrscheinlich Prothesen bekommen: er wird wohl das erste Exemplar seiner Gattung sein, das mit künstlichen Beinen versehen ist, wie die armen Krieger, die ihr« Beine auf dem „Felde der Ehre" verloren hatten. Ihm sind wenigstens die Flügel erhalten geblieben, ein dürftiger Trost für ihn, denn sobald er sein« Flügel zum Fluge schwingen will, werden ihn die Eisengitter seine» Käfigs an seine Unfreiheit erinnern. Er kann seine Flügel getrost in den Ruhestand schicken, es bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Prothesen, so wie es Kriegsinvaliden tun, öffentlich zur Schau stellen und das gutherzige Publikum um ein Almosen bitten. Das Augenlicht verloren und wiedergefunden. In P ass i a c. im amerikanischen Staat« New Jersey, hatte der ehemalige Grundstücksmakler De Bremont, als er am Steuer seines Kraftwogens faß. plötzlich das Augenlicht verloren. Zwei Monate lang war er völlig blind. Als er nun dieser Tag« beim Friseur saß und sich einer elektrischen Kopfmassage unterzog, kehrte das Augenlicht unversehens wieder. Amerikas Millionenstädte. Nach den neuesten Feststellungen des Bevölkerungszählungs- burcau der New-Forker Handelskammer wohnen in Groß-New Port zurzeit 6 025 000 Menschen. Nur vier andere amerikanische Städte haben über eine Million Einwohner, und zwar Chicago mit 3 506 000, Philadelphia mit 2 605 000, Detroit mit 1 379 000 und C l e o e l a n d mit 1008 000 Menschen. Der Mäzen. Ein junger Künstler von zweifelhaftem Können bekommt eines Tages den Besuch eines reichen Kaufmanns.„Verkaufen Sie viel« Ihrer Bilder?" fragte er den Maler.„O ja," antwortet dieser, in der Hoffnung, nun endlich eines anzubringen. Doch der Besucher erwidert:„Wollen Sie nicht in mein Geschäft«intreten, ich suche schon lange nach einem so tüchtigen Verkäufer, wie Sie sind."» Das Auto auf Tabakreifen. Bei der französisch-belgischen Grenzstation Marchienne beobachteten Zollbeamte, wie ein Auto Panne bekam: ein Luftreifen platzte. Die Zollbeamten näherten sich hilfsbereit, als die Insassen des Kraftwagens plötzlich die Flucht ergriffen. Das machte die Be- amten stutzig. Bei näherer Untersuchung entdeckten sie, daß die Reisen des Kraftwagens statt mit Luft mit— Tabak gefüllt waren. Sofort setzten die Beamten den Flüchtigen nach und stellten sie fest. Der dickste Baum der Welt. Soweit die Bäume Menschen bekannt sind, dürste wohl eine Zypresse in dem mexikanischen Dorfe Tula der dickste, wenn auch nicht der größte Baum der Welt sein. Der Umfang des Stammes beträgt rund 47 Meter. Das Alter der Zypresse dürste etwa 2000 Jahre betragen, Der Wert der Olympiade. Kein Erfolg für die Völkerverständigung. r Amsterdam, lt. August. Während allmählich nicht nur die Stehtribünen, sondern auch die Sitzreihen in dem Olympischen Stadion leerer werden, wird bereits hier und da die Frage aufgeworfen, ob diese Olympiade für die Völkerverständigung Bedeutung habe. Auch in der niederländischen Sozialdemokratie sind die Meinungen darüber geteilt. Während der Niederländische Arbeitersportbund im Einver- nehmen mit der Arbeitersportinternationale der Veranstaltung jede tiefere Bedeutung abspricht, sind dach auch ernstzunehmende nieder. ländische Genossen vorhanden, die diese Olympiade nicht in Bausch und Bogen ablehnen möchten. Gewiß müßte die Aufmachung international sein. Weit mehr als dreißig Nationen hatten ihre besten bürgerlichen Sportler ge- sandt, die vierzehn Tage hindurch miteinander wetteiferten. Es fehlten auch die häßlichen Szenen der vorolympiadc mit ihren Ausschreilun. gen beim Fußballspiel, woran gerode die westdeutschen Fußballer bedauernswerten Anteil gehabt hatten. Allgemein obwaltete das Bestreben, dem Gegner ritterlich wie möglich zu begegnen, aber es war nicht ganz Gegner so ritterlich wie möglich zu begegnen, aber es war nicht ganz zu vermeiden, daß diese Ritterlichkeit bisweilen einen etwas steifen bisher so einseitig nationalistisch, daß in diesem Mesien der sportlichen Kräfte mif neutralem Boden zwischen einstigen Kriegsgegner vielleicht ein bescheidener moralischer Gewinn er» blickt werden könnte. Es besteht nur die Gefahr, daß der gewonnene Eindruck nicht nachhaltig genug war und sich bald wieder ver- flüchtigen wird. Gewiß haben Amsterdam und die Amsterdamer ihr Bestes getan, um so international wie möglich den Fremden gegenüberzu. treten. Der Deutsche, der Franzose, der Engländer, selbst der Italiener und Spanier, sie konnten dessen sicher sein, immer wieder Leuten zu begegnen, die sich alle erdenkliche Mühe gaben, ihre Sprache zu sprechen. Warnungen waren in fünf europäischen Sprachen angebracht, namentlich Warnungen vor Taschen- d i e b e n, die in der Praxis vielfach ihren Zweck verfehlt haben. Gedruckte Führer wurden in mehreren Sprachen herausgegeben, und selbst das Scnsationsblatt.Telegraaf" hatte täglich ein Stück- chen in deutscher, französischer und englischer Sprache. Amsterdam zeigte sich als internationale Stadt von seiner besten Seite. Davon abgesehen kann jedoch von einem Gewinn auf inter- nationalem Gebiet schwerlich gesprochen werden. Die Dele- gatianen zu den verschiedenen Sportveranstaltungen hielten sich st r e n g f ü r s i ch. Die einen wohnten hier, die anderen dort. Sobald die betreffenden Sporlvcranstaltungen beendigt waren. schien jeglicher Konnex erloschen. Es war weder eine kulturelle noch eine geistige Gemeinschaft, es war auch nicht der Wille dazu vorhanden. Es galt nur dem jeweiligen Rekord. Auch zwischen den Zuschauern aus den verschiedenen Ländern fehlte das Band geistiger Gemein- samkeit. Jeder hatte nur den Sieg des e i g em e n Landes im Auge, begeisterte sich nur für die eigenen Landsleute, und wenn dies alles auch in dezenteren Formen als bei den Fußballspielen vor sich ging, so kann doch von einem Gemeinschaftserlebnis in keiner Weise geredet werden. Die Olympiade vollzog sich nicht nur unter nationalen Farben: sie blieb auch für den geistigen Horizont von Teilnehmern und Zuschauern national begrenzt. Nicht ein- mal ein schwaches Bestreben war vorhanden, sich mit Angehörigen anderer Völker außerhalb des Sportgebietes als Schicksalsgenosien einer großen Kulturgemeinschaft zu fühlen. Hinsichtlich der tieferen kulturellen Bedeutung bleibt ein moralisches Vakuum zurück. Unter diesem Gesichtspunkte ist die bürgerliche Olympiade nicht das, was sich noch vereinzelte Sozialisten von ihr versprachen. Wir verkennen nicht das ehrliche Bestreben guter sportlicher Leistungen, aber diese allein reichen nicht hin, jenes höhere menschlich« Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, dem gegenüber Ratio- nalität und Raffe nur eine untergeordnete Bedeutung hoben. Mußte es nicht peinlich wirken, daß hier und da in der großen Presse etwas allzu stark unterstrichen wurde, daß El Ou-osi, der Sieger im Marathonlauf, ein Farbiger ist? Diese Olympiade ist neben einer beisplellosea Rekordheße ein großer, auf geschäftlicher Spekulation aufgebauter Der- gnügungstaumel gewesen, von der auch nicht e i n neuer Kulturimpuls, nicht ein neuer Gemeinschoftswille ausgehen wird! „Huer durch den Müggelsee". Unter dieser Losung veranstaltete am Sonntag der Schwimm- verein„Müggelsee 1921" sein Dauerschwimmen. Von 17 Groß- Berliner Vereinen sowie von Vertretern aus Peine und Limbach lagen zahlreiche Meldungen vor. Der Start war an der Ret.ungs- station Rahnsdorf. Die Schwimmer der �-Klaffe übernahmen ja- fort die Führung, an deren Spitze G ö t k e lang. Dann folgten Frohn, Gebrüder Dietschke, Klein und Krause. Bei 1000 Metern änderte sich das Feld und Frohn wurde von P. Dieifchke auf den dritten Platz verdrängt. Starker Wellengang machte den Schwim- Freisilltdiwimmen der Frauen. mern unterwegs viel zu schaffen. Etwa 20 bis 40 Meter liegen die Führend« bei 2000 Metern auseinander. Von einem besonders dazu gemieteten Dampfer konnte man die Kämpfe im Waffer gut beobachten. Frohn mußte sich bei 4000 Metern von E. Dietschke auf den vierten Platz verdrängen lassen und in der Reihenfolge Götke, Paul Dietschke, Erich Dietschke, Frohn und G. Klein wurde beim Restaurant Bellevue von den fünf Besten, die unter einer Smnde schwammen und sämtlich den Freien Schwimmern Groß- Berlin angehören, das Ziel erreicht. Die folgenden Schwimmer lieferten sich auch erbitterte Kämpfe um die nächsten Plätze. Di« weiblichen Teilnehmer und die männliche Jugend von 14 bis 16 Jahren starteten über die 2200 Meter lange Streck« Rübezahl— Bellevue. Lotte Frohn schälte sich aus dem Knäuel heraus und siegte unangefochten in einer von Frauen bisher nie ge, zeigten Form. Als erster Jugendlicher kam Gottwald(„Vorwärts"-Oberschöne- weide) an zweiter Stelle an. Sämtliche am Ziel ankommenden Schwimmer wurden von der am Ufer harrenden Menge mir bc- geisterten Zurufen begrüßt. «r«-b»>ls-.«MO Retrr. äüönnct 1.®8tft 57 Min. 29 Stf., 2 Paul Dictsch!« 58.19, 3. Frohn 59.26, 4. Klein 59.58; Nimllich Freie Schwimmer Sroh-Bcelin,»runpe Neukölln.— Männer»-Klaff«: 1. Erich Dietschke, Freie Schwimmer Sroff.Beriin. Gruppe Neukölln 58.49 Min., 2. Forschner, Welle�trausberg 1 St. 4.46 Min., 8. E. Kannenberg-Falkense« 1 St. 5 Min., 4. Lux, Union 1 St. 5.8 Min.— Männl. Z-gend 1»— 18 Jaffre: 1. Montowski, Welle I St. 8.40 Mi»., Z. Heinrich. Welle 1 St. 9.84 Min., 8. gönne«, Borwört, 1 St. 9.57 Min.— 2209 Reter, graae»! 1. Frohn, «roff-Berlin, Gruppe Neukölln 84.89 Min., Z. Schorper. Groff-Berlin, Gruppe Neukölln 49.25 Min., 3. Lord, Groß-Verlin, Gruppe ReiUölln 41.59 Min., 4 Boräiert, Union 44.11 Min.—«eibl. Inge»» 14-16 Iah«: 1. Sein 49.24 Min, 2. Sucher, Groff-Deriin, Gruppe Neukölln 41.52 Mm.. 8. Kolbas Well» 42.87 Win.. 4. Weincrt, Groff.Berlin. Gruppe Neukölln 48.48 Min.,— «eibl. gil»end 18-18 Jahr«: 1. Kleuke, Union 88.82 Min.. 2. Daube, Well« 42.21 Min.. 8. Fischer. Welle 48.24 Min.— W-nal. Zupeob 14—16 Zahrc: 1 Gottwald, vberschöneweide 85.59 Min., 2. Wose, Falkense« 87.2 Min.. 3. Gerloch, Borwärt- 37.49 Min., 4. Schepull, Welle 38-8 Min. Handball. Recht rührig waren in den letzten Wochentogen die Handballer tätig, um sich durch�eifriges Spielen für die bald beginnende Serie vorzubreiten. Am Sonnabend spielte Spandau gegen Tegel und verlor 3:4<1:3): am Sonntag hatte Spandau die Frei« Turnerschaft Stettin- Bredow zu Gaste. Die Stettiner setzten sich nach ihrem Anwurs durch, tonnten aber an der Spandauer Hintermannschaft nicht vorbeikommen. Nach längerem wechselvoll«« Spiel» chxi h-m jede Zkanlkschaft tue ftchnxchqx der anderen od» tastete, setzte sich Spandau im Strafraum der Stettiner fest. D«r Stettiner Torhüter fertigte alle Würf« meisterhaft ob, mußte sich ober doch in der 23. Minute geschlagen bekennen. Dieses eine Tor schien auf Stettin bedrückend zu wirken, denn noch zweimal pofsierte der Ball, während Stettin kurz vor der Pause durch«rnen gut vorge- trogen«» Angriff das einzige Tor erringen konnte. In der zweiten Halbzeit zeigte Spandau die Ueberlegenheit, indem sie noch sechsmal einsenden tonnten, so daß dos werbende Spiel S: 1: 1) für Spandau endigte. D«9kl««wann aegen Groß-Berlin�sten 5:2<4: 1), währ«,» Osten Bor«ä:l»-Henni«sdors mit 4: 8 heimschickte, trotzbem Hennigsdorf noch zur Paus« mit 2: 0 sllhrte. Groh. Berlin. Webding 2 l und Lichtenberg 2. Abt. l trennten sich reichlich hoch mit 18: 1>6: 0>. In Bonkom beim Spieltag trenn- ten sich Pankow 1. Männer und Freie Turnerschast Wilmersdorf mit 2: 2 <1: 1) und Pankow 2. Männer und Groff-Berlin-Nosrnthai mit 9:9(0:8). Weiter« Resultate find: Bie-borf gegen Ka»l»does.Sl>d 4:2(2:1); Freie Sport» ereinigung Berlin 12 II gegen Groß-Borlin-Osten n 0:6(0:3); Frisch» Frei-Riebeischöneweide gegen Borwärts-Reukölln 5:4(4:1)! Schmargendors gegen Pol»dam 6:3<5: 1)._ Prager Sportgenossen in Berlin. Zum iniernalionftlcn Treffen. Dieses Wochenende bringt zahlreiche Arbettersportter aus Deutschland und dem Ausland nach Berlin. Am Sonnabend, 20 Uhr, Bühnenschauturnen der Prage-r Genossen mit der Turnabteilung des tschechisch-sozialdemokraäischen Vereins „H a v l i c e k" in Berlin und mit der Freien Turner- schaft Groß-Berlin im„Deutschen Hof", Luckiauer Straße IS. Diese auswärtigen Gäste sind zum ersten Male in Berlin. Zu diesem Freundschastsabend laden wir alle Freunde des Arbeiter sportes«in, um den Prager Gästen die innige Verbundenheit zu bezeugen. Eintrittskarten in der Geschäftsstelle der Freien Turner schaft Groß-Berlin, Lichtenberger Straße 3 und in beschränkter Anzahl an der Abendkaff«. Sonntag, 19. August, ab f9 Uhr, aus dem Sportplatz Humboldthain, Spiele in Hockey, Handball, Tennis mit den auswärtigen Städtemannfchasten sowie dem Sportverein Moabit und der FTGB. Ab 13 Uhr treffen sich alle aus- w ä r t i g e n Gäste und die Abteilungen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin zu leichtathletischen Wettkämpsen ebenfalls im Hum boldthain. Die Tschechen werden u. a. Hammerschwingen und Notionaltänze vorführen. Alle auf dem Boden des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Stehenden sind zu diesem internationalen Treffen eingeladen. Wer für die Tag« vom 18.— 20. August Gäste in Quartier nehmen kann, melde dies sofort schriftlich der Geschäfts stelle. Lichtenberger Straße 3. �fheiterschützenverein Qrofj-Bcrlin. Auf Grund der Vorgänge im Arbeitersport, insbesondere bei der kommunistisch eingestellten Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Schützen- bundes, haben sich bundcstreue und sozialdemokratische Arbeiter- sportler zu einer neuen Ortsgruppe Berlin unter dem Namen„A r beiterschützenverein Groß-Berl in" zusammengeschlossen. Der Verein ist dem Arbeitersport- und Kulturkartell angeschlossen. Grundgesetz ist, dieErhaltung der Einheit sowie die Heran- bildung einer gesunden, kampfbereiten und kampffähigen Arbeiter- schaft. Der Verein bietet Gewähr dafür, daß Zellenarbeit aus- geschaltet ist. Bundestreue Arbeiterschiitzen, Parteigenossen, Gewerk- schafter Amsterdamer Richtung, die Interesse an gesundem Sport haben, werden aufgefordert, sich dem Verein anzuschließen. Neuauf- nahmen in der nächsten Mitgliederversammlung Donnerstag, dem 16. August, 8 Uhr abends, im Lokal Arndt, Schröderstr. 2(Partei- buch legitimiert)) oder schriftlich bei Ernst Saemerom, NO 18, Lands- berger Str. 90 und Ernst Schoeser, N 24, Kl. Hamburger Str. 24/22 I. fünf Uhr fanden sich nach und nach fünfzehn Klubboote an den Stegen ein. Nach der Kaffeetafel, an der auch mehrere Mitglieder der Gruppe Obersprce teilnahmen, setzte sich um sechs Uhr die Flotte zu einer großen W e r b e f a h r t für Schwarzrotgold in Be- wegung. In Kiellinie suhren die Boote, mehrere in Flaggengala, um den Wannsee herum, am Freibad vorbei, im großen Bogen über die Havel, um dann an Cladow vorbei, uni die Insel Jmchen herum zurückzukehren. Abends hielt Professor Veit Valentin die Fest- rede. Mit einem Hoch auf die Republik schloß die Feier. Sporttag in �Verder. Die Zusammensassun-g der Sport- uud Kulturvercine zu Kar- tellen o u ch in ländlichen Gegenden erweist sich immer wieder als von größtem praktischen Nutzen; so manche Vereinsbröielei wird dadurch unterbunden. Solidarität und Gemeinschaftsgeist werden gesteigert. Am Sonntag fand mm in Werder n. Havel der Reiths» arbeitersporttag des Bezirks Nord für den Kreis Zaiich-Belzig statt, bei der die Kartellvereine durch regste Teilnahme ihr Bestes boten. Nach dem Wecken morgens 6 Uhr fand um 8 Uhr eine Werbe- stasfel„Rund um Werder"(Läuser, Läuferinnen, Radsahrer und Schwimmer) statt. Neun Mannschaften kämpften um den Erfolg; zahlreiches Publikum zeigte sein Interesse. Den weiteren Vormittag füllten Fußballspiele aus, bis dann um 2 Uhr der Festzug, geführt von zwei Spielmanns- zügen, durch die Straßen Werders marschierte. Auf dem Platz wechselten nun Darbietungen über Darbietungen. Es seien erwähnt die Ansprache des Bezirksleiters, Radsahrerreigen, Gesänge, Fuß- ballspiele und leichtathletische Wettkämpte. Zu den leichtathletischen Wettkämpsen sei noch gesagt, daß der„Sportplatz" aus einer Wiese bestand, auf der in der Woche vorher Schützenfest war. Gereinigt haben ihn die„Schützen" nicht. Wie sich nun dieser Sportplatz den Sportlern darbot, läßt sich denken. Natürlich wurden die Ergebnisse der Wcttkämf« dadurch beeinträchtigt. Weiter ist noch zu sagen, daß vom Leichtathletiksport, der doch im 1. Kreis„auf der Höhe" sein soll, in Werder nicht viel zu merken war. Der 1. Kreis besteht scheinbar nur aus Berlin? Vielleicht besteht die Möglichkeit, durch Lehrstunden auch der Provinz den Segen der Leichtathletik zukommen zu lassen. Dieser Wcrdcrische Reichsarbcitcrsporttag zeichnet sich vor ähnlichen Berliner Beranstaltungen zu seinem Vorteil dadurch aus, daß von kommunistischen Friedensstörern nichts zu merken war. von ihnen will man hier nichts wissen. «eq«b»iffe. Männer, 199 Mkle«! 1. Bin«, Nowawes 12 6 Sek.; 2. Milllcr, Dornstedt 12.6 Sek.; 3. Mludek, Göhlsdorf 13.0 Sek.— Manner, 40« Meter: 1. Ead-ath, Zeblendorf 61.8 Sc!.; 2. Einsiedel, Fehlendorf 61.6(Sei.— Männer, 4 X 109 Meter! 1. Werder 61.1 Sek.; 2."ehlcndoes 61.3 Set.; 3. Göhlsdorf 62.5 Set.— Männer, lhochspruna: 1, Kolodzniak 1,50 Meter: 2. Bina. No- wawes 1.45 Meter.— Männer, Weitsprung: 1. Müller, Bornstedt 4.95 Meter; 2. Kolodzniak 4,85 Meter; 3. Saboth, Fchlcndorf 4.47 Meter— Männer, Kugelstoffen: 1. Müller, Bornstedt 6.15 Meter: 2. Einfiedel, Fehlendors 7,70 Meter: 8. Nittte, Hehlendors 7,50 Meter.— Fuffbalspiele: Jugend: Werder— Nüstig. vorwärts 8:1.— Männer: Lindenhof I— Werder 11:4; Vorwärts, Pols- dam I— Fichte 19:2._ £1 Quafi geht nach Amerika. Der Sieger des olympischen Marathonlaufes, der französische Neger El Quasi, tritt am 1. September«ine viermonatige Reise nach den Bereinigten Staaten von Nordamerika an. Er soll dort einen Marathonlauf bestreiten, er wurde aber außerdem noch für einige Schauvorstcllungen verpflichtet, so daß man ihn nicht mehr als Amateur ansprechen kann. Vereimlcalen baren Luftverschlechterung den ganzen Tag aushalten. Für sie gibt es keinen Achtstundentag. Zehn, zwölf und noch mehr Stunden auf dem Arbeitsposten sind die Regel. Längst haben die Betreuer des .Klosters' das ästhetische Unbehagen überwunden. Sie sind sozu- sagen mit der Nase immun geworden und nehmen inmitten der Be- dürfnisstcllen ihre Mahlzeiten ein. Der Mensch gewöhnt sich ja an alles, wenn er muß. Man sollte nun meinen, daß diese wenig an- xenehine Tätigkeit besonders gut bezahlt wird. Wie sehen aber die Anstellungsverhältnisse aus, wie sind die Einnahmen? Fast alles ist aus Verpachtung eingestellt, zum Teil sogar bei Toiletten, die sich im Besitz« von Behörden befinden. Die Besitzer, vor allem die Inhaber größerer Restaurationslotale, wollen mit den Toiletten keinerlei Scherereien haben, wälzen alle Arbeit auf andere Hände ab und lassen sich deifür noch bezahlen. Die Pächter, häufig alte Ehepaare, tn Gastwirtschaften gewöhnlich ein abzewirt- schafteter Kellner, den die müden Füße zum Servierdienst nicht mehr befähigen, müssen die Toilette tadellos sauber halten, alle Gebrauchs- gegenstände, wie Scheuer- und Wischtücher, Besen, Schrubber, Des- infekttonsmittel, Bürsten, Kämme, Seifen, Handtücher usw., aus eigenen Mitteln stellen. Demgegenüber bestehen die Einnahmen in dem mit 20 Pf. viel zu hoch bezahlten Obolus, der rn jeder Damen- toilette gefordert wird, in den 10 Pf. in der Benutzung der Zelle in der Herrentoilette und in Trinkgeldern, die aber keines- wegs reichlich fließen. Die Pächter müssen also bezahlen für die Gunst, mindestens vom frühen Nachmittag an bis in die späten Nachtstunden hinein an solchem Orte zu atmen und müssen oben- drein auf das Mitleid ihrer Kundschaft spekulieren. In nicht weni- gen Toiletten sieht man an der Wand eine schriftliche Bettelei, bei- spielsweise .Vergeht nicht den alten Mann, Der ohne Scherflein nicht leben kmrn.' Das sind unwürdige Zustände, die dringend nach Abhilf« schreien. » Weshalb muß überhaupt jede Besucherin der Damentoilette mit Wartung in den Geldbeü.-el greifen und dies an einem Abend vielleicht mehrmals wiederholen? Hier liegt das Spekulations- und Verdienstfcld. Ohne den aus die Frauenwelt ausgeübten Zahlzwong wären die Damentoilebten wohl kaum zu verpachten. Muß denn ober unbedingt auch noch daraus Geld geschunden werden? Nament- lich die Besitzer großer Lokole sollten sich für verpflichtet halten, ihren Gästen die Toiletten unentgeltlich zur Verfügung zu stellen und die Kosten der Wartung, wo sie nötig ist, aus ihren großen Ein- nahmen selbst zu bestreiten. Mißbrauch von Taubstummen. Zu der Schuhfabrik Arena. Während des Krieges war es, als eine honorige Zunst den maßgebenden Behörden den Dorschlag machte, ihr die taubstumm gewordenen Kriegsbeschädigten zuzuweisen, und zwar nicht nur in der Absicht, sich billige Arbeitskräste zu sichern, sondern auch um der„Gefahr' einer späteren Konkurrenz dieser technischen Hilss- orbeiter durch Selbständigwerden vorzubeugen. Ob nun der Ruhm des Schuhkönigs Bata die Schuhfabrik Arena in der Michaelkirchstraße dazu anspornte, dessen Lohnpraxis noch zu übertreffen, oder ob„das gute Herz' die strebsame Firma dazu trieb, taubstummen Jugendlichen Arbeitsgelegenheit zu bieten, fei dahingestellt. Die Löhne der Taubstummen scheinen der letzteren Annahme stark zu widersprechen. Im Herbst 1927 hat die Firma sechs oder sieben Taubstumme fan Alter von 16 bis 18 Iahren durch Vermittlung der Taubstummen- fiirsorgestelle der Stadt Berlin als L e h r l i n g e im M a s ch i n e n- saä! eingestellt. Trotz dem Reichstarifvcrtrag für die Schuh- nrdustrie, wonach in Schuhfabriken nur in der Zuschneiderei und Stepperei Lehrlinge beschäfttgt werden dürfen, und zwar logischer- weise auch nur dann, wenn sie diese Zweige erlernen und nicht mit untergeordneten Hilfsarbeiten beschäftigt werden. Leider hat es die Leitung der Taubstummenfür» Zo r g e st e l l e unterlassen, sich vor Äern Abschluß ber Lehrverträge über die geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erkundigen. Die„Lehrlinge, die in Wirklichkeit nicht als Lehrlinge, sondern als Schuhfabrikarbeiter beschäfttgt wurden, erhielten anstatt des ihnen zustehenden Stundenlohns von 49,8 Pf. nur 17,42 Pf. Ab 2. April 1928 sollte der Lohn von 52,2 Pf. gezahtt werden. Die Organisation der Schuhmacher nahm sich der Sache der taubstummen„Lehrlinge' an und klagte gegen die Firma Arena vor dem tariflichen Schiedsgericht. Im Falle des Arbeiters L. wurden für drei Monate 232 M. zu weniggezahlten Lohnes eingeklagt. Obwohl der Syndikus des Fabrikantenoerbandes, dessen Mit- glied die Firma Arena ist, trotz seiner Anwesenheit bei der Berhand- lung die Handlungsweise der Firma nicht verteidigte, suchte der Taubstummenoberlehrer L i p e l t seine.Lehrverträge' und damit die Firma zu verteidigen. Das half nichts, die Firma wurde zur Zahlung» o n 200 2». verurteilt samt den 40 M. Gerichtskosten. Damit sollte auch in den übrigen Fällen die Ordnung wieder Der Fahrkarten- Automat. Dies ist der Kurbelkasten, aus dem in'Zukunft jeder Fahrgast der Straßenbahn seinen Fahr schein erhalten soll. hergestellt sein. Die Firma, der nun die Taubstummen offenbar zu teuer waren, zahlte den übrigen auch jetzt noch nicht den Tariflohn, sie veranlaßt« vielmehr deren Eltern, eine Erklärung zu unter- schreiben, wonach ihre Kinder„m i n d c r l e i st u n g s f ä h i g' sind und sich mit einem bedeutend unter den tariflichen Sätzen liegenden Lohn einverstanden erklären. Diese Erklärung, deren Rechtsunwirk- samkeit kaum zweifelhast ist, hat der im H i r s ch- D u n ck e r- scheu Verband organisierte Betriebsrat mit- unterschrieben, trotzdem der Vertreter des Zentraloer- »««»«« bir«ch-Hm-ch«? Utk JbbAtnetMu0«cht»««» informiert und st« vor der Leistung ihrer Unterschrift gewarnt hatte. Di« Arbeiterschaft der Firma Arena sicklto au» diesem Vorgang die richtig« Schlußfolgerung ziehen, Verbandstag der Metallarbeiter. Die Begrüßungsfeier. Sarlsruhe. 14. August.(Eigenbericht.)' Montag abend ging im Großen Festsaal d«r Stadthalle die offizielle Begrüßung der Delegierten durch die Karlsruher Ortsver- waltung des Deutschen Metallarbeiterverbondes vor sich, wozu auch die Karlsruher Mitglieder mit ihren Angehörigen geladen waren. Der überaus starke Andrang zu dieser Kundgebung war«in deutlicher Beweis für das große Interesse, das die Karlsruher Metallarbeiter dem Derbandstag ihrer Organisation entgegenbringen. Der etwa 3000 Personen fassende große Festsaal mußte schon lange vor dem Beginn der Feier polizeilich abgesperrt werden. Hunderte von An- kommenden mußten wieder umkehren. Die Feier wurde eingeleitet durch einige musikalische Darbiewn- gen der Karlsruher Polizeikapelle. Schulenburg, der Karls- ruher Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, hielt ein« zün- dende Ansprache an die dicht gedrängte Menge, die am Schluß der Rede begeistert in das Hoch auf d«n Metallarboiterverband und d,e internationale Arbeiterbewegung einstimmte. Die Kapelle intonierte dann die International«, die von ollen Erschienenen stehend mit- gesungen wurde. Es folgten Vorträge der Dolkssingakademie Karls- ruhe und einiger jener Leute, für die die Bretter das Leben be- deuten. Di« ganze Feier war eine wirkungsvoll« Demon- stration für die Gewerkschaftsbewegung. Daran wird auch nichts geändert durch ein« kurz vor dem Schluß der gestrigen Nachmittagssitzung abgegebene bombastische Erklärung der ..Opposition', sich an dieser Feier nicht zu beteiligen, weil sie angeb- lich einen für den Verband unwürdigen Charakter trage. Die Ant- wort darauf gaben die Karlsruher Metallarbeiter durch ihre Teil- nähme._ Lnvaltdenunterstützung bei den Holzarbeitern. Ihre Sinführung mit Dreiviertelmehrheit beschlossen. Auf Beschluß seines Frankfurter Derbandstages im Jahre 1927 hat der Deutsche Holzarbeit«r-V«rband eine Urabstimmung über die Einführung der Invalidenunterstützung durchgeführt. An der Abstimmung hat sich die reichliche Hälfte(rund 158 000) der Mitglieder beteiligt. Davon hoben rund 118000 mit Ja und rund 38000 mit Nein gestimmt. Die Ein- führung ist also mit einer Dreiviertelmehrheit der Ab- stimmenden beschlossen worden. Di« Kommunistische Partei hatte in ihrer Presse und durch Sonderflugblätter die Mitglieder des Holzarbeitcr-Verbandes auf- gefordert, ge g e n die Invalidenunterstützung zu stimmen. Auf den Inhalt der Zeitungsaufsätze und der Flugblätter lohnt sich nicht einzugehen, es ist der übliche„revolutionäre" Unsinn, vermengt mit Lügen und Verleumdungen. Wie das Abstimmungsergebnis in siner Reihe von bewußten Verwaltungsstellen beweist, haben selbst die kommunistisch«ingestellten Holzarbeiter sich den Teufel um die Parole ihrer Parteileitung gekümmert. Di« Neinstimmen stammen in der Hauptsache von solchen Mitgliedern, die Bedenken gegen die mit der Einführung der Invalidenunterstutzung verbundene Beitragserhöhung haben. Die übergroße Mehrheit der Mitglieder hat mit Ja gestimmt, in der richtigen Erkenntnis, daß die Beitragserhöhung gar nicht ins Gewicht fällt gegenüber den mit der Einführung der Jnvalidenunterstützung verbundenen Vor- teilen. Die Beitragserhöhung, 5 bis 20 Pfennig die Woche, tritt am I. Oktober in Kraft. Die erstmalige Auszahlung der Unterstützung erfolgt für den Monat April 1923. Die falsche Gräfin. Wie wir mis Bad E l st e r erfahren, ist dort der Besitzer eines Kurheims von einer rasfinierten Schwindlerin um rund 12 000 Mark betrogen worden. In dem Kurheim erschien eine Dame von etwa vierzig Jahren in Begleitung ihres Privatarztes. Sie trug sich als„verwitwete Gräfin Marianne von Klink ow- ström, geb. von Klintowström, geboren am 25. September 1887 in Hasenpoth(Kurland)' in das Fremdenbuch ein. Unter allen möglichen Vorspiegelungen verstand sie es einzurichten, daß man die Aufenthalts- und Kurkosten für sie und ihren Begleiter, die auf etwa 4000 Mark aufgelaufen waren, stundete. Mit dem üblichen Schwindel von der großen Erbschaft wußte sie an anderer Stelle 3000, 1600 und nochmals 3000 Mark zu erlangen. Der„vor- nehme' Gast verschwand dann, und die Gutgläubigen hatten das Nachsehen. für die Zeit vorn 14. bis 16. August ©lOIÖ Potsdamer Straße 38 Vier Herren suchen AnschluS Der Roman ein. Dlenslmldcfaen mit Relnb. Schünzel K I N O= TAFE L Rheinstraße 14 Die KSnlgln der Rcme Alles Schwindel mit Regrlhald Dcnny Odeon, Potsdamer Str. 75 Eines starken Mannet Liebe Bobby, der kleine Oetektlr 3 Akte Turmstraße 12 Aus dem Tagebuch einer rai- linierten Frau mit Nina Yanna, Lulgl Serrentl Frl. Laura, seine Witwe mit Laura La Plante Alexanderstraße 39-40 (Passage) Die Königin seines Herzens mit Liane Haid, KStbe v. Nagl Das Brautotomobli! rilm-Palast Kammersäle leltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Liebeskarneval mit Carmen Bonl. Jack Trevor Der geheimnisvolle Ozeanflug ß S a d e n> Th. am Moritzplatz Beg. W. 6.15, 9. S. ab 4 Uhr Die Brfider Schellenbersr mit C. Veldt Die Buddenbrooks LuisemTheater Reichenberger Straße 34 Ihr letztes Liebesabenteuer mit C. Bonl Der rote Tiger von Kanada Bühnenschau PassageaLichtspiele Neukölln, Bergstraße 151— 152 Der Weltmeister Eines starken Mannes Liebe Mllak, der Gr5nlandjaj?er Bütanenscbau Tivoli-Lichtspiele Tempelhof. Berliner Str. 97 Mein Leben lür das deine (Odette) Tragödie im Zirkus Royal Bullae usebau O h t e n Concordia=Palast Andreasstraße 64 Die HSHe von Montmatre Pat und Patachon am Nordsee' Strand Bütanenschau Viktoria=Lichtbild=Th0 Frankfurter Allee 48 Das weiße Stadion Herz in Not Bütanenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 9Q Mein Leben für das deine (Odette) Tragödie im Zirkus Royal Bühnenschau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70—73 Zwei Schlager: Tora Mix, Die Todesfahrt auf dem Black River Wocheneodliebchen Große Bübnensctaau W Kammerlichtspiele Friedrichsfelde, Berliner Straße 1» Die Familie ohne Moral mit M. Kupfer Die Todesflieger von San Fran« zlsko forden Pharus=Lichtspiele Müllerstr. 142 Trommrlfeuer der Liebe Fred der Gelürchtcte Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Const. Talmadge in Hebelt Incognlto Beiprogramm und Bühnenschau MetrosPalast Chausseestraße t- Der Pollzeitlleger v. Kalifornien Belprogi ammundBühnenschau WeltsKino AU-Moabit 99 Hoheit inco�nito Das gute Beiprogramm „Alhambra" Bad Straße 38 Das Wochenendliebchen Einbruch In cer Villa Howarth (irobe Bühnenschau Ballschmieder-Lichtsp. Badstraße 16 An der schönen blauen Donau D}e Weber n. Gerb. Hauptmann Große Bühnenschau Humboldt«Theater Badstraße 19 Der Wolkenreiter V. Williams in Der Sobn der Steppe QroBe Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Susannes erstes Abenteuer Kampf Im Tal der Riesen OroBe Bühnenschau Palast-Theater Breite Str. 21 a Beg. 7.30, 9 Uhr Heut tanzt Marlen(Lya Maral Spanisches Blut mit Mi tonSllls Tivoli Lichtspiel Th. Berliner Straße 37 2 große Schlager: Schuldig. Staatskerl. Bühne: Hugo und Paplta Film-Palast Blankenburger Str. 4 Das Mädcben von der Strebe aiojeetat schneidet BublkSpte PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. August Schloßpark film- Berliner Allee 205— 210 Benno Stehkragen Tarzan nnd der goldene LSw« Bühnenschau dTharlottcnbin»-�� Schlüter-Theater Schlüters» 1 7. W. 7, 9.15, Stg. ab 4 U. Nach Renovierung; Jackle Coogan, der Schlffsju-gw Hen Meister u Frau Me�steila lugend iche haben Zutrit: Titania(uta Saneberg) Hauptstraße 4Z O.30, 9, S. 3.15. 5. 7. 9 U. Susannes erstes Abenteuer Kampf im Tal der Riesen • � g'■»- ß Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthssu Uraufführung: Eva In Seide Llssl Arne in jed. Vorstellung pers. Auf der Bühne; Michels Seideu-Schan Das mondäne Tänzerpaar Ernin und H. Lenglos Orlg. urgent. TnngekaptU«