BERLIN Donnerstag 16. Auguft 1928 Der Abend Ericheint tåg lid außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 386 B 191 45. Jahrgang " Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pofticheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Autokatastrophe auf der Avus. Der Wagen zertrümmert.- Ein Toter, drei Schwerverletzte. Auf der Avusbahn ereignete fich heute vormittag eine furchtbare Autokatastrophe. Ein Privatauto, das mit vier Personen besetzt war, fuhr gegen einen eijernen Mast und überschlug fich mehrmals. Ein Jnfaffe war fofort tot, drei andere wurden schwer verletzt aus den Trümmern gezogen. Die Unfallstelle liegt auf der Höhe des Bahnhofs Grune mald, unmittelbar hinter dem Kilometerstein 16,2 Der Wagen, der von seinem Besizer, dem Magdeburger Arzt Dr. Mar Baldamus aus der Westendstraße 26, gesteuert wurde, war heute früh gegen 18 Uhr aus Magdeburg abgefahren und erreichte furz vor 10 Uhr die Avusbahn, die in ziemlich scharfem Tempo durchfahren wurde. Aus noch nicht einwandfrei geflärter Ursache prallte das Auto in voller Geschwindigkeit gegen einen eisernen Reflameständer. Die Folgen waren geradezu unbeschreiblich. Das Auto überschlug fich mehrmals und bildete nur noch einen Trümmerhaufen. Die Insassen wurden sämtlich unter den Trümmern begraben. Borüberkommende Automobilisten versuchten den Berunglückten Hilfe zu bringen. Gleich zeitig war die Feuerwehr alarmiert worden, die meherere Rettungs- und einen Rüstwagen an die Unfallstelle entsandte. Die Berlegten konnten nur schwer aus ihrer entsetzlichen Lage befreit werden. Bei Dr. Baldamus war der Tod bereits eingetreten, er hatte fchwere Kopfverlegungen erlitten. Die übrigen Infaffen, die Frau des Berunglüdten Anna Baldamus, eine Frau Frifter aus Magdeburg und der Chauffeur Franz Rothart, wurden in bewußtlosem Zustande geborgen. Sie wurden mit lebensgefährlichen Berletzungen in das Hildegard Krantenhaus übergeführt. Leider ist damit zu rechnen, daß die Katastrophe noch mehr Todesopfer fordern wird. = Die Avus war längere Zeit polizeilich gesperrt. Autounfall bei Heiligenstadt. Ein Zoter, ein Schwerverletzter. Heiligenstadt, 16. Auguff. Auf der Straße von Heiligenstadt nach Mühlhausen ( Thüringen) verjagten furz vor Dingelstädt die Bremsen eines von Hamburg fommenden und nach Mühlhausen fahrenden £ aftautos. Der Anhänger fam ins Schleudern, brach einige Bäume um und schlug am Stadteingang um. Zwei Männer, die auf der Durchreise waren und auf dem Wagen saßen, erlitten fchwere Berlegungen. Einer davon verslarb schon auf dem Wege zum Krankenhaus. Brandstiftung in der Kaserne. 12 Feuerherde in einer Leipziger Polizeiunterkunft. Leipzig, 16. August. Heute früh gegen 5 Uhr bemerkte man in der Polizeifajerne in Leipzig- Mödern, daß aus dem Dachstuhl eines mit Mannschaften belegten und vom Kantinenwächter bewohnten Gebäudes Feuer schlug. In mehr als fünfftündiger Arbeit gelang es der Feuerwehr, den Brand wenigstens auf seinen Herd zu beschränken und namentlich das Weiterlaufen des Feuers nach unten zu verhindern. Bei der Brandbekämpfung machte man die Entdeckung, daß mit großer Umsicht und über zwei Stockwerke des Dachstuhls verteilt, wenigstens 12 Brandherde gelegt worden waren. Ein Brandstifter hatte auch die Schlösser an den eisernen Türen zum Dachboden beschädigt, sicherlich, um die Löscharbeiten zu erschweren. Zur Brandlegung wurden Hartfpiritus und Holzwolle verwendet. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben hinsichtlich der Beweggründe für die Brandstiftung bereits einen ganz beftimmten Berdacht gezeitigt. Bisher find neun Festnahmen erfolgt. Das Wulfener Explosionsunglück. 3wei Arbeiter getötet. Die Explosion, die bei der J. G. Farbenindustrie in Wulfen erfolgte, hat einen weit größeren Umfang angenommen, als man von vornherein annahm. Während nur von vier Berlebten gesprochen wurde, steht jetzt feft, daß zwei Arbeiter den Tod gefunden haben. Zwei Schwerverletzte find erblindet und schweben in Lebensgefahr. Mehrere kleinere Explofionen, die nachher noch erfolgten, erschwerten die Rettungsarbeiten sehr und verwandelten die anze Anlage in ein einziges Trümmerfeld. Das größte Schiff Deutschlands. Der neue Ozeanriese„ Europa"( 46000 Reg.-To.), der am Mittwoch in Hamburg vom Stapel ging. Gottes U- Bootfrieg. Hugenberg begrüßt Dr. Schurman. Der Hugenbergsche Lokal- Anzeiger" befommt es fertig,| liefern mußte, deren jedes größer war als die jetzt erbauten seinem Bericht über den Stapellauf der„ Europa" folgende geschmackvolle Einleitung zu geben: 1918! Admiralstabsbericht der Marine: Unsere U- Boote verfentten im Mittelmeer und Atlantischen Ozean weitere 13 Dampfer und Segelschiffe mit einer Gesamttonnage von 92 000 Tonnen." 1928! 3ehn Jahre später: Die Werft von Blohm u. Boß und die Deutsche Schiffs- und Maschinenbau A.-G. geben sich die Ehre, zu dem Stapellauf ihrer beiden neuen Dampfer Europa" ( 46000 Tonnen) und ,, Bremen"( 46000 Tonnen) ergebenst einzuladen." Wenn es nicht wie Blasphemie flänge, wäre man versucht, zu fagen, me I ch neue Wendung durch Gottes Fügung. Vor zehn Jahren benutzte Amerika die Torpedierung der Lufitania" als Borwand, um in den Krieg einzutreten heute meilt der ameritanische Botschafter Dr. Shur man in Hamburgs Mauern, um den Riefendampfer ,, Europa" aus der Taufe zu heben. Dem amerikanischen Botschafter dürfte es nicht schwer fallen, sich über diese Geschmack und Taftlosigkeit hinwegzusezen, falls er über den bekannten amerikanischen Humor verfügt. Denn ihm ist ja bekannt, daß infolge des U- Bootkrieges Deutschland beim Friedensschluß drei Riesenschiffe abIm Leichtflugzeug durch Europa. Die falsche Gräfin. Berichte 2. Seite. Schiffe ,, Europa"" und" Bremen". Davon haben die Vereinigten Staaten mit ,, Leviathan"( früher ,, Baterland", 50 000 Tonnen) das größte bekommen. Ganz offenbar auch durch Gottes Fügung... Großschiffe zu verkaufen. Nordamerika schlägt sie billig los. Washington, 16. August. Die nordamerikanische Regierung beabsichtigt 15 Staatshandelsdampfer zu einem sehr günstigen Preis zu verkaufen; auch den 50 000- Tonnen- Dampfer Leviathan"( ehemals Hapagdampfer„ Baterland"). Die Luftschlacht über London. Dritter Tag. London, 15. August. Im Verlaufe der Luftmanöver unternahmen heute abend zum drittenmal in drei Tagen Bombenflugzeuge einen Scheinangriff auf London. Der Angriff wurde mit großem Nachdruck durch geführt und richtete sich gegen die strategischen Punkte in der Um gebung Londons. Mehrere Geschwader von Kampfflugzeugen stiegen auf, um die Angreifer zu vertreiben. Das Ergebnis des Kampfes steht noch nicht fest. Diese Manöver haben den bundesfreundlichen Zweck, den Eng ländern zu zeigen, daß sie noch viel mehr Armeeflugzeuge haben müßten, um einen französischen Luftüberfall abzuwehren. Die Erneuerung Chinas. Einschränkung der Provinzial zugunsten der Reichsgewalt. Schanghai, 16. August. Die fünfte Plenarsession des Kuomintang in Ranting hat am 15. August ihren Abschluß gefunden. Sie hat die Mehrzahl der Wiederaufbaupläne Ausschüssen und Unterausschüssen überwiesen und die Budgetpläne des Finanzministers für Reich und Provinzen gebilligt. Die Frage der Heeresorganisation und der Auflösung der überflüssigen Truppen wird in einer neuen Kon ferenz zur Sprache kommen, deren Datum später festgesetzt werden soll. Der Budgetplan schränkt die Macht der Provinzgouverneure beträchtlich ein. Außerdem hat die Plenarsession erklärt, entschlossen zu sein, die wichtigsten Provinzbeamten selbst zu ernennen und sie direkt verantwortlich gegenüber dem zentralen Vollzugsausschuß zu machen, der die oberste Gewalt im Lande erhält. Am 1. Januar n. I. soll ein Reichskongreß abgehalten werden. Bis dahin soll ein Ausschuß einen Ver= fassungsentwurf fertigstellen. Das mandschurische Problem wurde während der zweiwöchigen Session nicht erörtert, obgleich noch immer bei Tschanghsueliang durch die Nanking- Delegierten Borstellungen erhoben werden. Die mon= golische und die tibetanische Frage wurden zwar angeschnitten, es wurde aber nicht viel beschlossen, sondern nur die Versicherung abgegeben, daß Tibet und die Mongolei bringend wünschten, unter die Aegide der Kuomintang zu kommen. ( Die Mongolei steht längst unter russischer Mitregierung. Reb. des Borwärts".) " Die Führer der Nanting- Regierung erflären, sie seien überzeugt, daß viel erreicht worden sei, um einen Ausgleich der politischen Ideen herbeizuführen und die widerspenstigen Mitglieder zur Ruhe zu bringen. Hedſchasbahn bleibt außer Betrieb. Westeuropa will die Herrschaft behalten. Jerufalem, 15. August. Die Verhandlungen in Haifa zwischen Vertretern von England, Frankreich und dem Sultanat Nedschd über die Instandsegung der zum Teil nicht betriebsfähigen heb fchas- Bahn find gescheitert, da die Delegierten von Nedschd darauf bestanden, die Frage, wer die Kontrolle über die Bahn erhalten solle, zur Diskussion zu stellen. Ein Betriebsrätegesetz für Danzig. Aehnlich dem deutschen Gesek. Danzig, 16. Auguft.( Eigenbericht.) Der Danziger Boltstag verabschiedete am Mittwoch abend mit den Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Linksliberalen das nach dem Muster des deutschen Betriebsrätegesetzes abgefaßte Betriebsrätegesetz. In Danzig wird damit für die 3u funft ebenfalls die Bildung von Betriebsräten für Angestellte und Arbeiter ermöglicht. Alle Bersuche der Opposition, das Gesetz zu verschlechtern, scheiterten an dem Widerstand der Regierungsfoalition. win Eine milde Strafe. Darf die Republit beschimpft werden? Am 13. Auguft stand vor dem erweiterten Schöffengericht in Görlig der preußische Strafanstaltsoberwachtmeister Borbé aus Weißwasser, weil er in der Deffentlichkeit sich schwere Beleidigungen der Republik hatte zuschulden kommen lassen. Es wurde festgestellt, daß er Worte gebraucht hatte, wie ,, Ich sch.... auf die Republit". Die Republik ist ein Saustall" ,,, Beamte sind rote Hunde" usw. Hierfür wurde er zu ganzen 70 Mart Geldstrafe verurteilt. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin hat sofort den Generalstaatsanwalt in Breslau gebeten, den Oberstaatsanwalt in Görlig anzuweisen, Berufung einzulegen. Außerdem hat die Beschwerdestelle den Oberlandesgerichtspräsidenten in Breslau ersucht, das Disziplinarverfahren gegen diesen ,, republikanischen" Beamten einzuleiten. Im Leichtflugzeug durch Europa. Großer Propagandaflug des Fliegers Mertens. Heute früh furz nad) 9 Uhr ffartete auf dem Flughafen, gepumpt, dann steht die Maschine startbereit auf der zementenen in Tempelhof der bekannte Reford- und Segelflieger Ablaufbahn. Die Piloten werden unter das Kreuzfeuer der Dipl.- Ing. Martens in Begleitung des Piloten Weber Photographen genommen, lächelnd, schon ungeduldig, stehen mit seinem 35pferdigen Müller- Kleinflugzeug zu einem sie mit ihren Frauen vor ihrem Apparat. Dann ein schnelles Rundflug durch Europa, der neben sportlichen Auf- Abschiednehmen, die Flieger besteigen ihre Size und werden gaben zugleich einer Propaganda für die„ 31a"( Inter- angeschnallt. Krachend wird, der Propeller angeworfen, der nationale Luftfahrt- Ausstellung), die in der Zeit vom 7. bis ein donnerndes Echo an den Hallenwänden gibt. Langsam setzt sich 28. Oftober auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm das Flugzeug in Bewegung und steigt bei dem böigen Wind leicht ftattfindet, dienen soll. schwankend. 3weimal treist das Flugzeug um den Flugplatz und entschwindet dann in westlicher Richtung den Blicken der Anwesenden. Auf dem Flugplatz hatten sich in früher Morgenstunde zahlreiche Interessierte und Vertreter der Presse eingefunden. Der Leiter des Berliner Messeamtes, Direttor S chid, gab über Zwed und Ziele des großen Sport- und Propagandafluges einige erläuternde Erklärungen. Martens wird auf seinem Rundflug alle größeren Städte Europas berühren. Die Flugroute CMCI Arthur Marten Frankfurt M 瓶 BERLIN JAH Die Bedeutung der Ila", der großen internationalen Aus. stellung der Luftfahrzeugindustrien aller Welt, geht weit über den Rahmen einer lokalen oder reichsdeutschen Veranstaltung hinaus. D 1420 der Flugzeugindustrie aller Bänder zu sehen sein Die Ausstelleranmeldungen für die la" find über die schon hochgespannten Erwartungen hinaus so zahlreich eingegangen, daß der in den drei großen Hallen zur Verfügung stehende Raum mit zirka 30 000 Quadratmeter Grundfläche bis auf den legten Blazz besetzt ist. Die„ Jla" wird nicht, wie das bei einzelnen nationalen Luftfahrzeugausstellungen der Nachkriegsjahre der Fall war, mili. tärischen Zweden dienen, es werden in erster Linie alle der zivilen Luftfahrt dienenden Apparafe und Einrichtungen in einer bisher nicht gebotenen Vollständigkeit gezeigt. Von den Roh stoffen anfangend, übergehend zum Haibfabrikat und Fertig. fabritat, auch der Ausrüstungs- und Zubehörindustrie, wird alles Wissensmerte gezeigt. führt von Berlin über Hannover nach Köln, Paris, London, Brüffel ,, Auf der 3la Berlin 1928" werden die Spisenerzeugnisse Amsterdam, Königsberg, Prag, Bien, Budapest, Trieft, Venedig, Rom, Nizza, Marseille, Bordeaux, Madrid, den standinavischen Ländern und weit hinein nach dem Often, bis Kowno, Mostau und Smolenst. Das Auswärtige Amt hat dem einzigartigen Werbeflug vollste Unterstützung zugesagt, und die auswärtigen Bertreter angewiesen, den Piloten alle Silfe zuteil werden zu laffen. Martens führt zahlreiche Werbe- und Propagandadruckschriften in deutscher; englischer und franzöfifcher Sprache mit sich. Der Pilot wird überall mit den Vertretern der Presse engste Fühlung nehmen und in Wort und Schrift über die große internationale Bedeutung der Ia", dieser ersten und größten Luftfahrtausstellung nach dem Kriege, Einzelheiten berichten und notwendige Erklärungen geben. Zum Schluß seiner Ausführungen gab Direktor Schid dem Wunsche Ausdruck, daß diefer Flug dazu beitragen möge, auch die Böller einander näher zu bringen. Mit den Abschiedsworten als und Beinbruch" wünschte der Redner den Fliegern glückliche Fahrt. = Bom Flieger Martens selbst tonnte man noch Näheres über die Type, die Motorenstärte und das Gewicht des Flug. zeugs hören. Der Apparat, ein Erzeugnis der Flugzeugbau werte Gebrüder Müller in Griesheim, ist ganz aus Holz gebaut. Der Rumpf ist rot, die Tragflächen alluminiumfarbig angestrichen. Sie tragen auf der Unterseite in großen Lettern die Aufschrift la Berlin". Der Apparat ist mit einem 35pferdigen, französischen An zanimotor ausgerüstet, der dem Flugzeug bei gutem Wetter eine Höchstgeschwindigkeit von 110 bis 120 Kilometer ermöglicht. Es ist, wie Martens fagte, ein kleiner, aber schneller und leicht manöverierfähiger Apparat, der ein Rüst. gewicht von 280 Rilogramm hat. Die amtliche Zuladung beträgt 220 Kilogramm, doch ist diese, ohne die Geschwindigkeit wesentlich zu beeinfluffen, um 100 Kilogramm, auf 320 Kilogramm erhöht worden, so daß die Maschine mit voller Belastung 600 Kilogramm wiegt. Die Spannweite der Tragflächen beträgt elf Meter, die Länge des Rumpfes sechs Meter. Betriebsstoff tann für eine Flugdeuer von 10 bis 11 Stunden mitgeführt worden. Um 9 Uhr wurde die fleine, sehr schnittig fonftruierte Flug Am 15. August wurde dem zuständigen Ministerium der Ein maschine aus der Halle geschoben. Noch ein letztes Ueberprüfen gemeindungsvorschlag des Düsseldorfer Regierungspräsider Bersteifungen; den Rädern wird noch Luft nach denten der Rheinprovinz vorgelegt. Nach dem Borschlag soll u. a. am linken Rheinufer eine neue deutsche Großstadt durch die Bere einigung der Städte Odenkirchen, M.- Gladbach und Rheydt und einiger fleinerer Gemeinden geschaffen werden, die mit insgesamt 200 000 Einwohnern nächst Köln die größte deutsche Stadt auf dem linken Rheinufer sein würde. Eine neue Großstadt am Rhein. Odenkirchen, M.- Gladbach und Rheydt. Der Millionenschwindler Carbone. Schuldenmacher und Glücksspieler. Die Geschäfte des in Budapest verhafteten Kaufmanns Rudolf Carbone aus Berlin, über die wir im„ Vorwärts" von heute morgen berichteten, scheinen nach dem bisherigen Stand der Dinge noch erheblich fomplizierter zu fein, als es zuerst den Anschein hatte. Zunächst ist es unverständlich, daß die Direktoren der Baduzer Bank dem jungen Carbone überhaupt einen solchen Kredit eingeräumt haben, nachdem die Auskünfte über C. allgemein äußerst schlecht lauteten. Carbone hat vor der Anleihe, die er bei der Lichtensteiner Bank aufnahm, in Berlin mehrfach unangenehme Affären gehabt, die hart an der Grenze des Erlaubten lagen. Jedesmal sprang jedoch die Familie im letzten Augenblick ein und rangierte den jungen Mann, dessen Verbindlich feiten in Berliner Spielflubs und bei Buchmachern sehr erheblich waren. Erst vor einem Jahr haben die Brüder seiner Mutter, die in Südamerika Inhaber einer weltbekannten deutschen Importfirma find, sehr erhebliche Kapitalien hergeben müsse, um eine Bechiel affäre zu erledigen, die den jungen Carbone sonst wohl mit den Gerichten in Berührung gebracht hätte. In dem letzten Fall der Vaduzer Bank wird Carbone allerdings um einen Strafprozeß nicht herumfommen. Wie jetzt befannt wird, hat sich die Mutter des Berhafteten ebenso wie die in der Schweiz lebenden Familienangehörigen geweigert, die Verbindlichkeiten Carbones abzudecken. Infolgedessen entsteht für die Baduzer Bank ein Berlust, der das immerhin nicht sehr große Finanzinstitut auf das schwerste erschüttern dürfte. Die falsche Gräfin Klindowström. Festnahme einer Hochstaplerin. Vor einigen Tagen berichteten wir über die Hochst apeleien einer angeblichen Gräfin lindowström, die in Bad Elster verschiedene Leute um etliche tausend Mark betrogen hatte. Man vermutete von vornherein, daß die Schwindlerin sich einen falschen Namen zugelegt habe. Diese Vermutung hat sich jetzt bestätigt. Gestern nachmittag sah ein Kriminalbeamter des 1. Reviers die ,, Gräfin" Unter den Linden spazierengehen und nahm fie fofort feft. Sie führte die übliche Komödie der be leibigten Unschuld auf, mußte aber den Weg in das Polizeipräsidium antreten. Bei der Dienststelle, der sie vorgeführt wurde, wurde jie ats alte Bekannte" willkommen geheißen. Die ,, Gräfin" ist in Wirklichkeit eine 42 Jahre alte Schuhmachertochter Marie Balenzitomiti, die aus Stettin stammt. Schon vor Jahren hat sie durch allerlei Streiche von sich reden gemacht. So erklärte sie einmal einer Weinhändlers witme, daß sie dank ihrer erstklassigen Beziehungen in der Lage sei, der Witwe das Bor: aufsrecht für den Weinkeller des verstorbenen früheren Prinzen Joachim von Preußen zu sichern. Die gutgläubige Frau gab denn auch eine größere Summe her und sah die Gräfin" und ihr Geld natürlich nie wieder Auch jetzt hatte sie nach der Rückfehr von Elster in Berlin schon wieder eine rege Schwindlertätigkeit entwidelt. Auf einem Friedhof hatte sie durch einen Zufall eine Diplom Ingenieurin fennengelernt und der Dame Wunderdinge von ihrer großen englischen Erbschaft erzählt. Eie deutete an, daß ihr richtiger Bater ein Prinz gewesen sei und daß man sie, um die distrete" Geburt zu verheimlichen, bei Schuhmacherseheleuten in Pflege gegeben habe. Der Ingenieurin schwagte sie nach und nach Im Erdgeschoß der Salle II ist neben der Versuchsanstalt für Luftfahrt die Industrie des Auslandes untergebracht. Belgien, England, Frankreich, Italien, Rußland und die Tschecho jlomatei merben eine große repräsentative Schau ihrer Erzeugnisse bieten. Auf dem Freigelände sind Motorprüfstände, die im Betrieb vorgeführt werden. Leuchtfeuer und Leuchttürme für die Bodenorganisation sowie Beregnungsanlagen für Flughäfen usw. Der Beranschaulichung des Luftverkehrs dient die Halle III. Sie bietet ein Bild von der Organisation der Luftfahrtüberwachungspolizei, vom Aufbau und der Tätigkeit der Fliegerschulen, Anlage der Flughäfen usw. Von besonderem Interesse für viele Besucher wird neben der wissenschaftlichen Abteilung die historische Gruppe sein, die unter anderem die ältesten Modelle von Lilienthal, Wright sowie die historische Abteilung der Royal Aeronautical Society" zeigt. Ein Glanzpunkt der Ausstellung für viele Befucher dürfte das seiner Bollendung entgegensehende neue 3eppe in Luftschiff sein, das auf einer besonderen la"-Fahrt zur Seit der Ausstellung nach Berlin fommen und auf dem Flugplatz Staaten Berlin per Anker gehen wird. Ein zu diesem 3med neu errichteter Antermast in Staaten wird den Besuchern der Jla" auch die Besichtigung dieses neuen, erfolgversprechenden Instrumentes deutscher Luftfahrtindustrie ermöglichen. Hannover, 16. Auguff. Das Kleinflugzeug, welches zum Europarundflug gestartet ist, ist um 12,15 2hr in Hannover gelandet. 500 Mart ab. Diese ist aber nicht die einzige Leidtragende, die das phantasievolle Mariechen betrogen hat. Ein Hotel in der Nähe des Knies wartet nod) auf Bezahlung der Logistoften, und der Pförtner dieses Hotels trauert den 160 mart nach, die er der Frau Gräfin" zur Verfügung stellte. Die Balenzikowski weigert sich, irgendeine Aussage zu machen und ist bisher noch nicht von ihrem hohen Pferde herabgestiegen. Sie wird jetzt einen st an desgemäßen" Aufenthalt im Ges fängnis beziehen. Geschädigte, die der Betrügerin zum Opfer ge fallen sind und noch keine Anzeige gemacht haben, werden ersucht, sich bei Dienststelle D. 4 im Polizeipräsidium zu melden. Eins aber darf man bei dem Falle nicht verschweigen: Ebenso groß wie die Kühnheit der„ Gräfin Marie" ist die Torheit der Betroge= nen, die wieder einmal auf einen volltönenden Titel hereingefallen find. Wenn das in Deutschland passierte! Ein russischer Greis sucht Altersrente. ,, Die Stimme des Tertilarbeiters" berichtet über einen Fall, der Bände spricht. Der Arbeiter Sinizyn ist 75 Jahre alt; 50 Jahre hat er in der Tertilfabrik gearbeitet, die jetzt Margift" heißt. Es ist ihm aber unmöglich, eine Altersrente zu erhalten. Ein undeinhalb Jahre gehen die Papiere von einer Institution in die andere; 52 mal war der alte Mann gezwungen, 30 Kilometer zu Fuß in die Kreisstadt zurückzulegen, 52mal mußte er persönlich wegen seiner Altersrente vorsprechen. Als„ Die Stimme des Tertilarbeiters" im Februar die Gache anprangerte, nahmen sich Staatsanwalt und Hauptversierungsamt des Falles an. Am 8. März sollte das Gouvernementsversicherungsamt über die Angelegenheit entscheiden. Seit vier Monaten hört man aber nichts mehr von ihr, tlagt das Blatt Der 75jährige Sinizyn wandert immer noch von Pontius zu Pilatus, um seine Rente. Eine merkwürdige Todesanzeige. Der„ Fürstengedante von Gottes Gnaden". In Nr. 187 des Badener Tagblatts", eines in der ofbuchdruderei" von Ernst Kölblin in Baden- Baden erscheinenden angeblich demokratischen" Blättchens, liest man folgenden teutschen Gefühlserguß: t Großherzog Friedrich von Baden. Tieferschüttert stehen wir an der Bahre Seiner Röniglichen Hoheit des Großherzogs. Als unserm erlauchten Landesherrn hatten wir ihm Treue geschworen, hatten ihn hochverehrt als das Vorbild echt adeliger Gesinnung und überzeugten Christentums, als das Muster eines von tiefer Liebe und nie rastender Sorge für sein Bolt erfüllten Fürsten. Dem Andenfen unseres Großherzogs und in diesem dem Fürstengedanken von Gottes Gnaden werden wir unterschütterliche Treue bewahren. Für die Landesabteilung Baden der Deutschen Adels genossenschaft: gez. Freiherr Ronrab v. Stogingen, 1. Borsigender. gez. Freiherr Edgar v. Rotberg, 2. Borsitzender. Die beiden Freiherren haben, wie es scheint, ein ganzes Jahr zehnt verschlafen. Seit Wilhelm nach Holland ausgerückt ist, hat der Fürstengedanke von Gottes Gnaden" höchstens noch für die Bizblätter einigen Wert. Es zeugt immerhin von der Festigkeit des republikanischen Staatswesens, daß es sich solche vorfintslutlichen Veröffentlichungen gefallen lassen tann. Ein Chor der Gestrigen. Bei der Bestattung des jüngst verstorbenen früheren Großher zogs von Baden hat sich eine Trauergesellschaft zusammengefunden, die man früher in Provinzblättern als eine„ illustre" bezeichnet haben würde Die Hugenbergsche Telegraphen- Union" hält es für notmendig, sämtliche Titel der Teilnehmer leider nicht auch die aufzuführen. Wir wollen es unseren Lesern nicht vorentOrden halten: Herzog Albrecht von Württemberg, die Königin von Württemberg, Prinz und Prinzessin Adalbert von Breußen, der Prinz als Vertreter des Kaisers Wilhelm, Fürst und Fürstin von Hohenzollern, Prinz Udo von Löwenstein als Vertreter des Fürsten von Löwenstein, Fürst von Fürstenberg, Fürst zu Walded, Herzogin Mary von Anhalt, Fürst von der Leyen, Fürst von Hohenlohe, König Gustav von Schweden, Großherzog und und Großherzogin von Mecklenburg, Brinz und Prinzessin Joseph von Hohenzollern, Fürst und Fürstin von Leiningen, Prinzessin von Hohenzollern, Bring Johann Georg von Sachsen als Vertreter des Kö nigs von Sachsen, Großherzogin von Luxemburg und Prinzgemahl, Kronpring und Kronprin zessin von Bayern, Brinz von Thurn und Taxis und Gemahlin, Herzogin von Sachsen- Altenburg, Erbpring Georg Ludwig zu Erbach als Bertreter der Königin von Hol land, Fürst zu Wied, Prinz Ernst von Sachsen. In Bertretung von früheren Fürsten nehmen teil: General der Kavallerie von Hahn als Vertreter des Groß= herzogs von Hessen, Graf Blumenthal als Vertreter des Großherzogs von Mecklenburg- Strelig, General von Beaulieu als Vertreter der Großherzogin von SachsenWeimar, Exzellenz von Eisendecher als Vertreter des Prinzen Heinrich von Preußen. Ja, das hätte früher die Untertanen in Ehrfurcht ersterben Tassen! Heute mutet diese Liste von früheren Herzögen und Prinzen schon reichlich abgestanden an, wobei der Telegraphen- Union" das Unglüd passiert, auch den König von Schweden in die Liste der Früheren" einzureihen. Das wird in Schweden hoffentlich kein böses Blut machen! Liest man aber die schönen Tiet! in ihrer Bollzähligkeit, so muß man sich erstaunt fragen, ob die Herrschaften wirklich durch alle Geschichte mit ihren staubigen Ueberresten aus der Vergangenheit prunten wollen. Was soll etwa nach weiteren zwanzig Jahren der Republik denn ein normal gewachsener Mensch mit einem Groß ein no herzog" anfangen? Von den Königen" ganz zu schweigen? " Die Heimfahrt des Reichsbanners. Ueberall begeistert aufgenommen. Ein Teilnehmer an der Verfassungsfahrt des Reichs. banners nach Frankfurt a. M. schreibt uns: Am Mittwoch morgen waren wir in Kassel, wo uns ein Kamerad das Sehenswerte der Stadt zeigte. Hier ist das Wirkungs: gebiet Scheidemanns, und die Sozialdemokratie ist hier fehr start und aktiv. Am Regierungsgebäude brachten wir ein ,, Frei Heil" auf den Kameraden Friedensburg, dem Regierungspräsidenten, aus, das er vielleicht gehört haben mag. Weiter geht es an den Harz heran, und mittags fommen wir in Göttingen an. Der Leiter der sozialdemokratischen Parteizeitung begrüßt uns, wünscht uns gute Fahrt und schenkt jedem die gerade aus dem Druck fommende Zeitung. Er erzählt, daß wir hier in der republika. nischsten Gegend Deutschlands wären. Verschiedene Orte weisen bei einer 600töpfigén männlichen Einwohnerzahl 180 und mehr Reichsbannerleute auf. Die Kommunisten haben hier nichts zu sagen. Am Nachmittag fahren wir durch das wunderschöne Bodetal, Braunlage, und um 6 Uhr langen wir in Tame im Harz an. Die Kurverwaltung hat gut vorgesorgt! Wir wohnen in Hotels als Gäste von Bad Lanne. Die Kame raden sind alle dankbar für den festlichen Empfang. 3wei Jahre hintereinander find unsere Reichsbannerwintersportler hier gewesen! Wir wissen, daß wir bei Freunden wohnen und fühlen uns alle wirklich wohl. Jn 24 Stunden werden wir wieder am Bahnhof Bellevue in Berlin landen. Liliencrons Geburtshaus. In Riel. der Geburtsstadt des Dichters Bi liencron, ist jetzt durch Radforschungen im Kieler Stadtarchiv das Geburtshaus des Dichters einwandfrei ge funden worden. Man hat an dem Hause eine Gedenktafel angebracht und beabsichtigt außerdem, einen Liliencron- Gedent stein aufzustellen. Sie wissen nicht, was sie haben. Berkannte Möglichkeiten des„ Sprechenden Films." Ein neuer Rummel geht durch die Filmwelt! Neu| damit nicht Sprechbühne wird, was doch Film sein und bleiben soll! eigentlich nur insofern, als bedeutende technische Berbefferungen ein uraltes Problem wieder einmal aktuell gemacht haben: dem Bilder film auch Ton und Sprache zu verleihen. Im Jahre 1893 bereits, als Edison sich mit der Erfindung der Kinematographie erfolgreich abmühte, dachte er dabei in erster Linie an eine hübsche Ergänzung zu seinem Phonographen; wollte er der Tonmaschine das lebende Bild als Begleitung" beigeben. Und noch vor der Jahr hundertwende waren die Anfänge einer deutschen Filmindustrie basiert auf dem ,, Tonfilm", bei dem man zumeist allerdings vers geblich versuchte, Ton und Bild in ,, Synchronismus" zu bringen. Mit Grausen denkt man an jene Mißgeburten zusjid. Mißgeburten nicht nur deshalb, weil eben die Technit mangelhaft mar, sondern vor allem auch deshalb, weil diefe Zonbilder eine Sünde am heiligen Geist des Films bedeuteten; weil sie versuchten, billiges Surrogat für Oper, Theater und Varieté zu sein, anstatt eben Film! Film, der ja doch ganz andere Bedingungen brauchte, ganz andere Möglichkeiten bot. . Das gesunde Empfinden des Bublifums erkannte bald die innere Scheußlichkeit jener Machwerte und lehnte sie ab. Heute aber, wo nur noch wir ,, Alten" den Schauder davor kennen, will eine neue Generation von Filmleuten, fußend auf einer ganzen Reihe wirklich genialer Erfindungen, durchaus abermals bitteres Lehrgeld zahlen. Man ließ sich fäuschen durch amerikanischen Bluff. Man leidet an sehr furzes Gedächtnis. Man vergißt, daß schon 1923 die Iriergon Tonfilme in einer Qualität gezeigt worden waren, die faum noch technisch zu übertreffen ist. Man vergist, daß weiterhin auch die Phoebus und andere ihr Geld an ähnliche Systeme verpulvert haben, und daß Presse und Publikum mehr als ein sehr platonisches Interesse für die reine Technik und ihre Wunder niemals aufgebracht haben. Aber: In St. Amerifa war's nun mal ( angeblich!) ein Bombengeschäft... folglich: ,, Europa, verjuge deine heiligsten Güter!" Wir sind ja sooo reich! Der Tonfilm fönnte Lücken ausfüllen. Eine der flaffendsten dieser Lüden war der abfolute Mangel an anständiger Begleitung zu Spielfilmen in fast allen fleineren Rinos! Warum fommt niezu Spielfilmen in fast allen fleineren Rinos! Warum kommt niemand von den Herren Tonfilmfabrikanten endlich auf die so naheliegende und oft auch schon vorgeschlagene Idee, nun einfach alle beffeten Spielfilme von einem erffflaffigen Kinofapellmeister und deffen Riesenorchester mit passendem Musikbegleitungsstreifen versehen zu laffen? Taugt ihr System überhaupt was, d. h. fönnen sie preiswerte und zuverlässige Wiedergabeapparate liefern, die leicht zu bedienen sind, - so wird jeder Filmfabrikant oder Verleiher mit Wonne seine Spielfilme mit solchem Begleitungsstreifen versehen lassen. Und bekommt obendrein noch gratis und franto auf solchem Begleitstreifen alle notwendigen Illusionsgeräusche zu den Bildern mitgeliefert: den brausenden Wasserfall, die Symphonie der Großstadtstraße, das Tellergeflapper und den Schlachtenlärm. das Gefäusel des Frühlingslüftchens und das Stampfen der Maschinen! Ja meinetmegen mag man ihm auch den Aufschrei der Diva, den Knall der Ohrfeige und das Zwitschern des Kusses mitsenden; ausnahmsweise mohl sogar einen turzen gesprochenen Say, wenn's denn gar nicht ohne Sprache abgehen soll. Aber eben: Bitte nur Ge= räusche, wie sie zur Erzeugung der Illusion notwendig sind, nie cber fompletten Dialog, Das wäre die erste und dringlichste Lücke, die der Tonfilm aus* füllen kann und sollte. Die zweite findet er beim Kulturfilm Wenn Tänze wilder Völker, Kulte fremder Rassen, seltene Tiere oder medizinische Phänomene um nur ein paar Beispiele herauszu greifen gezeigt werden, so gehört dazu einfach der Tonstreifen! Gehört dazu vielfach auch die Farbe, die ich persönlich mit vielen anderen Leuten von Geschmad beim Spielfilm ablehne, weil sie doch nur kitschig wirkt. Kultur- und Lehrfilm wollen anderes als der Spielfilm, folglich dürfen sie auch mit anderen Mitteln arbeiten. Und unendlich Wirffames fönnte der Tonfilm hier scgar der wirklich sprechende" Film erzielen bei Werbe und Propaganda Filmen!, Ganz gleich, ob da für Perfil oder die gute Massary ge worben werden soll, oder ob Reichstagspräsident Löbe sich bemüht, den Anschlußgedanken" zu verbreiten: Hier hätte der Tonfilm ,, das Wort"! -0 Ganz neue Möglichkeiten ergäben sich für unsere Reflamefachleute. und daß sie sie technisch und fünstlerisch vollendet ausführten, dafür eben müßten die Leute vom Tonfilm ihre Kraft einsehen. So etwas Eigenes wäre im zunächst bescheidenen Rahmen schon eine Tonfilm Wochenschau. Wenn beispielsweise irgendein berühmter Politifer eine weltbewegende Ansprache an die Massen hält, wenn nicht nur seine Worte zu uns flingen, sondern die sichtbare Menge gleichzeitig zustimmend oder ablehnend erbraust, so ist das ein Tonbild, das dramatisches Leben hat! Eine solche Wochen. fchau mit ihren furzen, fnappen Bildern wäre das Labora. torium, in dem die Fachleute erst einmal das eigentliche Besen des Tonfilms studieren, wo sie lernen fönnten, ihn zu entwickeln und auszubauen. Mit dem Ton streifen allein ohne Bilder! ließe sich endlich noch eine weitere neue Industrie ins Leben rufen: Die künstlerische Herstellung von„ Sendespielen" für das Radio! man entschuldige das harte, aber allein zu= Was für Tinnef treffende Wort! bisher unfere Rundfunkleute auf diesem Feld ge boten haben, wissen sie wohl selbst. Aber es lohnte ja auch nicht, größere Kräfte und Mittel aufzuwenden für typische Eintagsfliegen. Das tonlich gefilmte Sendefpiel dagegen fann man auch noch zujammenstellen und schneiden", wie jeden anderen Spielfilm; man fann Mißlungenes beliebig ausmerzen oder wiederholen, fann Ge räusche der Natur unterlegen, fann mit Musik untermalen, tann..., ja was fönnte man nicht alles! Kurz, man fönnte auch hier endlich einmal Wertvolles und für alle Zukunft Bleibendes, sorgfältig Ausgefeiltes schaffen. Ach, was haben die Leute vom Tonfilm nicht alles in der Hand! Perlen! Aber sie sind, aus Mangel an Phantasie, aus Unkenntnis der eigenen Mittel und aus stupidem Nachäffungstrieb drauf und dran, diese Perlen vor die Säue zu werfen! Sie wollen abjelut gefilmtes Theater machen, wollen ihr eigenes Kind vergewaltigen. Und werden bald genug an der jungen Leiche ſizen. Und im Nachruf wird es dann heißen: Heute verstarb nach furzem, für uns aber desto schmerzlicherem Leiden unser lieber Sohn, der Tonfilm, im blühenden Alter von einem Jahre. Eeine Anlagen berechtigten zu den schönsten Erwartungen. haben sie leider nur nicht erkannt! Friede seiner Asche! tieftrauernden Geldleute und sonstigen Hinterbliebenen." Wir Die Victor Mendel. Zwei gelungene Amerikaner. Reginald Denny als Papa. " Mein Pappi" im Marmorhaus. Reginald Den ny ist der amerikanische Georg Alexander, allerdings noch begabter als sein deutscher Kollege, er ist der liebenswürdige Schlemihl, der in peinliche Situationen hineinschliddert, ohne daß er meiß, wie das Unglüd zustande gekommen ist. Er kann nichts dafür, die Umstände waren nun einmal fo eigenartig. Dies mal fommt Reginald Denny durch Berkettung sonderbarer Situa das Jane la Verne mit einer Natürlichkeit, mit einer so tionen zu einem Kinde. Es ist ein kleines, allerliebstes Mädchen, reichen Ausdrucksstala spielt oder besser ist, daß selbst Jackie Coogan in seiner besten Zeit daneben beinahe verblaßt. Also Reginald, der Milliardär, raft mit seinem Auto durch die Straßen von Los Angeles, wird von einem Verkehrspolizisten auf gehalten, und redet sich damit heraus, daß sein Kind schwer trant im Kinderhospital liegt. Zufälligerweise ist furz vorher ein fleines Mädchen eingeliefert worden, eine Baise, die immer von ihrem eleganten Papa träumt. Das Kindchen empfängt Reginald mit dem Freudengeheul„ Mein Papi" und Reginald muß das Kind mitnehmen, um andere Verwicklungen zu vermeiden. Nun ergeben sich die seltsamsten Dinge, sogar die Verlobung geht im legten Augenblick auseinander. Weil aber der amerikanische Film unter allen Umständen ein Ehepaar am Schluß aufweisen muß, findet sich Reginald mit dem Kindermädchen in trauter Großaufnahme zu einer Lebensgemeinschaft zusammen. Nicht immer entgeht der Regisseur Fred Nemmener der Gefahr, süß- lieblich zu werden. Aber im großen und ganzen stellt er ein wundervolles Lustspiel her, das Grotestes, Gesellschaftliches und unendlich komische Situationen wild durcheinander wirbelt. „ Aber das Fleisch ist schwach." ( Gloria Palaft) F. S. Wenn man diesen Film gesehen hat, ist man geneigt, vieles jurückzunehmen, was sich in einem an bitterer Kritik über den entfeglich oberflächlichen ameritanishen Film angesammelt hat. Das ist einmal ein Griff ins Bolle und ist nicht einmal haltgemast vor den konpentionellen Stationen heuchlerischer Gesellschaftsmoral. Die zugrundeliegende Novelle von Somerset Maugham:„ Regen" braucht sich ihrer Verfilmung nicht zu schämen; Raoul Walsh, der Regiffeur und Manuffriptverfaffer in einem ist, hat das Milieu der Südseeinsel mit ihrem Dauerregen gut eingefangen und dem Problem des Filmes die glaubwürdigste Berförperung gegeben. Auf einer der amerikanischen Südseeinseln trifft mit einem Dampfer von San Franzisko ein feces Flittchen ein, Sabie Thomp. jon. Sie muß mit den anderen Passagieren in demselben Hotel, dem einzigen der Insel, Quartier nehmen, da Quarantäne über sie alle verhängt ist. Tagelanger Regen jegt ein und die Konflitte zwischen den Gästen fönnen sich zur schönsten Blüte entfalten. Hamilton, ein fanatischer Reformdhrist, erkennt in Sadie die frühere Infaffin eines berüchtigten Lotals in San Franzisko mieder. Da sie thit und seine prüde Gesellschaft durch ihr fesses Wesen und ihren Flirt mit den amerikanischen Marinejoldaten herausfordert, bes schließt er, sie zu demütigen. Da seine Befehrungsversuche ohne Erfolg bleiben, Sabie vielmehr einen Sergeanten für sich zu ge minnen weiß und von ihm ein Eheversprechen bekommt, droht e:, fie nach San Franzisko zurückschiden zu lassen. Dort erwartet sie das Gefängnis, vor dem sie entflohen ist. In ihrer Noi und Angst, durch den ewigen Regen ans Haus gefesselt und ohne die Stüße des Freundes, befehrt sich Sadie wi: flich. Als ihr Sergeant zurüdtehrt, findet er eine Fremde vor, die völlig verwandelt ist und jeden Fluchta perfuch abweist. So groß ist die Macht des Geistlichen über sie, Erst als dieser den Weg von der himmlischen zur irdischen Liche findet, wird auch Sadie wieder die alte. Der fanatische Christ be. geht Selbstmord und Sadie geht mit ihrem Sergeanten auf die Reife zu einem neuen Leben. Es ist Gloria Swanson zu danken, wenn der Filmi den aller stärksten Eindruck hinterläßt. Sie ist entzückend als das leichte Ding, das mit den Männern spielt, fie ist frech, fagenhaft und doch nicht schlecht. Man glaubt ihr, daß sie unschuldig in die Patsche ge= raten ist. Nich: minder überzeugend weiß sie die Bekehrte darzus stellen, die an den Blicken ihres Befehrers hänzt und ganz die Demütige und Reuige ist. Lionel Barrymore ist der Reformer, dem fein eindringliches Mienenspiel gestattet, seinen Fonatismus und seine Suggestivfrait voll zur Geltung zu bringen. Den Sergeanten charakterisiert Raoul Walsh als einen von der Liebe ges packten Kraftmenschen. Da auch die Milieuzei hnung dur Haus ge D. lungen ist, ergibt fidh ein starfer Gesamteindrud. D'e Eröffnungsvor" ellung des Theaters am Schiffbauetdemm mit Bert Brechta Dreiaroichenoper"( The Beggars Opera) in der Anszenierung Erich Engels, ist auf den 31. August festgesett Die Musik zu dem Werk ist von Kurt Weill, die musikalische Leitung bat Theo Mafeben inne; als Drchester wurde die Lewis- Ruth- Band verpflichtet. Eine uslfefung moderner isländischer Mielerei turde gestern in der dänischen Gesandten eröffnet. Galerie Neumann n. Nierendorf, Lüzowstraße 32, durch eine Ansprache des Die erfen Tonfilmibeater. Tas Deutsde Pichtspielfonditat in Düsseldorf bat das hitem Küchenmeister zur Vorführung von Tor filmen zur alleinigen Ausnübung für ganz Deutschland erworben. Die ersten Lichtspielstenter, die mit einer derartigen Anlage ausgerüstet werden, sind das Disseldorfer Residenztbeater und das Moderne Theater" in Ciberfeld, die beide dem żyndilat angehören. Fliegende Blätter und Meggendorfer Blätter werden zusammengelegt Dentichlands ältestes Wigblait, die im 84 Jahrgang erscheinenden liegenden Blätter" werden vom 1. Januar 1929 an von dem belannten Münchener Verlag Braun& Syneider auf den Berlag 3. Echreiber in Meggendorfer Blätter" und der Verlag wird von dem genannten Zeitpunkt Eklingen übergehen. Im Verlag 8.8. Schreiber erscheinen befanntlich die an die beiden Bigblätter zu einem einzigen vereinigen. Das Riesenfeuer im Harburger Hafen. Das größte Wafferkraftwerk. Die Feuerwehr beim Versuch, die brennenden Baumwollballen zu löschen. In einem Lagerschuppen des Harburger Hafens, auf preußischem Harburger Gebiet, brach aus noch unaufgeklärten Gründen ein Riesenfeuer aus. Stahlflaschen mit Sauerstoff, Ammoniak und Azetylen erplodierten mit donnerndem Krach. Andere Chemikalien gerieten in Brand. Auch ein gewaltiges Lager von Baumwollballen ist dem Flammenmeer zum Opfer gefallen. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Mark. Bur Jahn Ausstellung. Wie wir bereits von der Jahn- Ausstellung des Museums für Seibesübungen berichteten, ist dort mit sorgsamem Fleiß alles an eliquien zusammengetragen, was auf den Altmeister der Turnerei Bezug hat. Ausstellungen dieser Art tragen immer starten Persönlichkeitsstempel; sie verblüffen durch die flare Sprache der itgenössischen Dokumente, die schlaglichtartig Schicksale und ihr 23erden aufzeichnen. Der von Familienangehörigen gestickte Serviettenring oder die Brillenscheide Jahns zeigen das wohlfam behütete bür gerliche Milieu, aber Polizeiaufsichtsaften und endere Ministerialverfügungen, die das geheime Staatsarchiv und andere Institute beigesteuert haben, zeigen andererseits tie erfolgungen auf, denen Jahn ausgesetzt war. Von den äußeren 1nd inneren Kömpfen, die er um die Einführung des deutschen Turnens durchzufechten hatte, geben zahlreiche, Bilder und Schriften, der Zeit Aufschluß. Man sah in ihm den Umstürzler und Demasogen, er wurde daher auf Schritt und Tritt verfolgt. So find Lithographien vorhanden, die die Eröffnung des ersten öffentlichen Turnplages in der Hafenheide 1818 zeigen, nachdem der Platz bereits in primitiverer Form von Jahn seit 1811 betrieben worden war. Doch 1819 wurde die Turnsperre verhängt und der Turnplatz durfte nicht mehr benutzt werden. Am 2. Januar 1820 wurde sogar die Wegschaffung der Geräte verfügt. Jahns Mitarbeiter Friedrich Friesen, Philipp August Feddern und E. W. D. Eiselen sind mit Porträts vertreten. Der letztere durfte während der Abwesenheit Jahns den Plaz weiter betreiben. Mach der Schließung wurde Eiselen Leiter der Plaumannschen Anstalt, in der er mit polizeilicher Genehmigung einen eigenen Turnplag und Saal und 1832 eine Mädchenturnanstalt eröffnete. Nicht immer zeigt sich die Idealgestalt des Kämpfers um Recht und Freiheit so rein, wie sie in seiner Berliner Zeit in Lithographien und Karizum Ausdruck kommt. Ein Spottbild beschäftigt sich mit der Cinridtung des Turrelages in der Hasenheide mit dem recht furiojen Tegt:„ Rad) einiger Jeit, durch Betrachtung aus der Ferne von der Zweckmäßigkeit der Anstalt überzeugt, bitten die Hasen, daß der Herr Professor ihren Jungen Unterricht erteilen wolle." Auf dem nächsten Bild wird Jahn von den Hafen zum Obersthofturnmeister ernannt wegen der Zähmung der höchst staatsgefährlichen Hasen". Daß seine Einstellung zur schwarzrotgoldenen Demokratie in seinem Alter eine andere war als wie in seiner jüngeren Lebenshälfte, zeigen die zahlreichen Karikaturen, die den alten Greis als deutschen Papst und Demotratenpertilger" im Frankfurter Barlament darstellen. Da ist ein Bild ,, Der junge Deutsche und sein Vater" und die Einstellung zum Bild muß recht weit links genommen worden sein, denn auch der junge Deutsche mit dem Revolver in der Rocktasche ist nicht eben ein empfehlenswertes Exemplar von Demo kraten. Der Sohn spricht:„ Ich bin Turner, Republikaner, Arbeiter, Demokrat und Thronvernichter, wie kannst du nur so feindlich gegen uns auftreten. Ich ehre das Alter, aber ich sage dir, es wäre beffer, du nimmst künftig deine Diäten stillschweigend, wie viele andere, die auch aus gewissen Gründen nicht sprechen." Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. ferieshalber geschlossen! CASINO.THEATER Eröffnung Freitag, 17. August 8. Uhr der neue Schlager Rundfunkfieber Für unsere Leser tägl. gültig Gutschein für 1-4 Personen. Fauteuil nur 1.15 M. Sessel 1.65 M Sonstige Preise: Parkett und Rang 0.80 M. HALLERREVUE THEATER IM ADMIRALSPALAS CHON CHICK UND PREMIERE: FREITAG DEN 17 AUGUST 7 UHR PRÄZISE VORVERKAUF UNUNTERBROCHEN Der Bater: ,, Das kennst du nicht, mein Kind. Schlage du noch 50 Jahre Räder und ernähre dich von Eisen und Kieselsteinen, laß dich dann später zum Abgeordneten wählen und du wirst im hohen Alter ganz anders pfeifen. Borjetzt Gutheil!" Del Pretes Bein abgenommen. Wie aus Rio de Janeiro gemelde: wird, hat sich der italienische Flieger del Prete einer Beinamputation unterziehen müssen. Die Operation soll gut gelungen sein, doch ist der Allgemeinzustand des Fliegers nach wie vor kritisch. Eiderenten vom Nordland. Naumann Farishing 28. Im 300 schwimmen jetzt auf dem fleinen Gewässer vor dem Aquarium eine Anzahl junge Eiderenten, die Dr. Heinroh von einer Nordlandreise mitgebracht hat, um sie für sein Sie Wert„ Die Bögel Mitteleuropas" zu studieren. haben noch die unscheinbare, braune gestrichelte Farbe des Gefieders, die die Weibchen zeitlebens behalten, während die Männchen sich sehr shön schwarzweiß ausfärben. Die Eiderente ist der Vogel, der die echten Eiderdaunen liefert, die sie sich ausrupft, um ihr Nest damit auszupolstern. Komische 81% Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges heues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Reichshaiten- Theater SCALA > Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Theater am Hottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Heute 8 Uhr Elite- Sänger U.a.:,,Lohengrin in Neukölln Ein Volltreff r grö.ster Heiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark. Die Schweiz, die so arm an Kohlen aber jo reich an Wafferkräften ist, hat es fich in der letzten Zeit besonders angelegen sein laffen, diefe Naturschäße auszubeuten, und so ist dort jetzt das größte Wasserkraftwerk im Entstehen, das eine Milliarde kilowatt liefern wird. 300 000 PS werden dadurch gewonnen werden, und damit übertrifft diese Anlage bei weitem alle anderen Wasserkraftwerke, selbst das riesige Kraftwerk, das in den Vereinigten Staaten am AlabamaSee geplant wird und 135 000 PS liefern soll. Das WalchenseeKraftwerk in Oberbayern steht mit 48 000 PS weit zurück, und selbst das Achensee- Kraftwerk in Tirol, das vorläufig 54 000 PS liefert, wird es auch beim vollen Ausbau nur auf 122 000 PS bringen. Die Anlage dieses größten Kraftwerks, des Grimsel Kraftwertes, schildert Paul Dehn in einem Aufsatz der Umschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik". Ende dieses Jahres sollen alle Hauptlinien der schweizerischen Eisenbahnen auf elettrischen Betrieb umgestellt sein, und zu diesem Zwed wird das Oberhasli- Wert auf der Grimsel im Quellgebiet der Aare errichtet, das eine Großtat schweizerischer Bauingenieurkunft darstellen wird. Das Waffer wird in einer Meereshöhe von 1912 Meter beim Grimfel- Hospiz erfaßt. Dort wird durch eine Staumauer von 110 Meter Höhe ein See von 100 Millionen Kubikmeter aus dem Abfluß des Ober- und Untersaargletschers gebildet, wofür 340 000 Rubikmeter Beton verwendet merden. Ein 5 Kilometer langer Felsstollen leitet das Wasser hinüber nach dem in einer Gletschermulde liegenden Gelmer See, und dieser wird durch eine Talsperre von 90,000 Rubikmeter Betonmauerwert auf 1852 Meter über dem Meer aufgestaut, wodurch sein Nuzinhalt auf 13 Millionen Kubikmeter erhöht wird. Im ganzen werden etwa 113 Millionen Kubikmeter aufgeftauten Wassers vor= handen sein. Das so erreichte Gefälle von rund 1200 Meter wird in drei Stufen geteilt; die oberste Stufe vom Brimfel- Hospiz bis Handed mit 540 Meter Gefälle wird gegenwärtig gebaut. Dem Kraftwerk, dem jährlich durchschnittlich etwa 240 Millionen Kubikmeter Wasser zur Verfügung stehen, wird das Wasser in einer Rohrleitung zugeführt, die gegen Witterungseinflüsse, Lawinen usw. volltommen gesichert ist. In Handed treibt das Wasser vier Turbinen mit je 30,000 PS mit direkt gefuppelten Dynamomaschinen an. Da das alte Grimsel- Hospiz durch den Stausee unter Wasser gesetzt ist, so wurde ein neues Hospiz auf einen nahe gelegenen Felstopf, dem Nollen, erbaut. Auch eine Strede der Grimsel- Straße steht unter Wasser und wird durch eine höher gelegene Strede ersetzt Bei den außerordentlichen Schwierigkeiten, die die Arbeiten bieten, wird der Bau der ganzen Sperre etwa 5 Jahre in Anspruch nehmen. Muß doch während des Winters der etwa acht Monate dauert, alles durch eine 18 Rilometer lange Seilschwebebahn in schwindelnder Höhe heraufgebracht werden. Ein Teil der Anlage wird bereits im Herbst 1928 so weit fertig sein, daß die erste Turbine in der Zentrale Handed in Tätigkeit treten kann. Nach Fertigs stellung des ersten Kraftwertes werden dann die zwei unteren Stufen in Angriff genommen. Vom Handed- Werk läuft das Wasser 240 Meter in senkrechter Höhe mit seinen 88 000 PS dem Kraftwerk Boden zu und sodann in 245 Meter senkrechter Höhe dem Kraftwerk Innertkirchen mit 52 000 PS. Die ganze Arbeit wird so ausgeführt, daß die Schönheit der Alpenlandschaft dadurch nicht im geringsten beeinträchtigt wird. Die Ersparnisse der Schweiz aber werden ge. waltig sein. Wenn man berechnet, daß 0,66 Kilogramm Kohle für die Erzeugung einer Pferdestärke notwendig sind und daß die gewonnenen Pferdestärken rein ausgenutzt werden, dann würde die fohlenarme Schweiz ihre Einfuhr von 2,7 Millionen Tonnen jährlich um mehr als eine Million Tonnen verringern tönnen. imo Ein 100 000 Volt- Kabel. Ende Juli dieses Jahres wurde das erste deutsche 100 000- Bolt. Kabel, das der Drehstromversorgung einer Großstadt dient, nach vorzüglich bestandener Prüfung dem Betriebe übergeben. Die von den Siemens Schuckert- Werten aus drei Einphasen- Kabeln von je 9,58 Kilometer Länge hergestellte Kabelanlage verbindet das 100 000- Boltneg der Bayern wert 2.- 3. mit dem Unterwert Tullnau der Großkraftwerk Franken A.-G., von dem aus die Stromversorgung Nürnbergs erfolgt. Versuche mit Kabeln für diese Hochspannung werden schon seit etwa zwei Jahren in Deutschland angestellt. Die Kabel selbst halten die Spannung gut aus, sind sie doch so start isoliert, daß erst bei 400 000 Bolt ein Durchschlag erfolgen kann. Die Schwierigkeit lag bei den Verbindungsmuffen, für die man die gleiche Durchschlagsspannung erstrebte. Lange Zeit wollte es nur gelingen, die Muffen für nur etwa die halbe Durchschlagsspannung zu isolieren. Erst vor Jahresfrist gelang es, eine Konstruktion zu finden, die auch den Muffen die gleiche Isolierfähig= feit gibt, wie sie das Kabel befizzt. Das fertig verlegte Kabel bestand mit Berbindungsmuffen und Endverschlüssen die sorgfältig vorbereitete strenge Prüfung vorzüglich. Der Tod auf dem Kriegsschiff. An Bord des französischen Kreuzers ,, oraine" ereignete sich im Hafen von Toulon eine Explosion. Zwei Matrosen erlitten so schwere Brandwunden, daß sie bald darauf starben. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Zeitweise heiter und ziemlich fühl, westliche Winde. Für Deutschland: Im Nordwesten zeitweise heiter und ziem lich fühl, im Nordosten unbeständig mit Abkühlung, im Süden noch vielfach Niederschläge und fühler. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin EW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Jeutsches Theater Theater des Westens Rose- Theater Residenz- Theater Norden 12310 U. Ende nach 101/2 Zum 69. Male: Artisten Yeni Max Reinhardt Saltenburg- Bühnen Jts. Künstler- ih. 8 Uhr: Es kommt Täglich 81, Uhr Lilli Plohr, Gr. Frankt, Str 157. 5 Uhr: Paul Heidemann KONZERT Bunter Teil 8 Uhr Das in: Das süße Geheimnis Schwankoperette. Else Berna, Langendorf jeder drani Berliner Prater Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Taglich 8 Uhr Der Zarewitsch Kastanierallee 7/9. Blumenstr. X Täglich Uhr Skandal im Bett! Sittenschwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Jugendliche habea Musikantenmädel Anneliese Wortz 2. 6. Planetarium am Zoo keinen Zutritt: ring- Joachimsthaler Straße Parkett auch Sonnt Noll. 1578 16 Uhr Heute gr. Volkstag! Der Sternhimmel Försterchristel im Sommer 18 Uhr: statt 4- Mk. nur 1. Mk. FamilienAusstartungsoperette. Erde und Weltenraum. Anzeigen Konzert, Varieie. 20 Uhr: Tanz. Kaffeekochen. Der Einfluß d. Gestirne 8 Theater am Beg. 5, Stgs. Uhr. Steffiner Sänger gerner( heater Die Komödie Nollendorfplatz Wiederauftreten von Paul Britton. Anfang 8 Uhr. Populäre Preise:, 60-2,50 Sonntag, 26. 8.: 1. Nachmittagsvorstil. zu halb n Preisen u. voilem Programm! Donholt Brett'i: ( Saal und Garten) Varieté-Tanz- Konzert. harlottenstr.90/ 91. Joah.171 Bismarck 2414/751 Die 31%, Ende nach 10%,%, U. Ende 10%, U. ungeküßte Eva Operette in 3 Akten. Musik von M. Knop mit Gretl Finkler. Preise: Zum 95. Male: Zum 116. Male: Es liegt in iastspiel d. Deutschen Th. der Luft Der Prozeß Revue von Schiffer. Mary Dugan Musik v. Spoliansky 1, 2, 3, 4 Mk. usw. ( Vo ksglaube und HALLER- REVUE Wissenschaf). Schön und schick" Th. im Admiralspalast Freitag, d. 17. Aug Premiere 7 Uhr präz. Lustspielhaus räglich 8 Uhr L.Juergens Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. Alexanderpla ®el,a*e SsvWpnd Donnerstag, 16. August 192». Rote Dreivölkerkundgebung. Der internationale Sonntag in Basel, Während drunten, in Frankfurt, Sonderzug um Sonderzug mit deutschen Republikanern unter der schwarzrotgoldenen Fahne ein- fährt, strömen nach der alten deutschen Schweizerstadl am Oberrhein Tausende und aber Tausende von Sozialisten. Unter der roten Fahne. Und nicht nur aus Deutschland. Aus der Schweiz kommen sie, aus dem Kanton Basel Stadt und Land in erster Linie, dann auch aus dem A a r g a u und anderen nahen Kantonen. Französische Sozialisten kommen aus dem Elsaß... und sie reden genau so derb und gurgelnd ihr Elsässer Alemannisch wie unsere badischen Land-lut aus dem Wiesentol, aus Kandern, vom Hotzenwald, von Freiburg. Emmendingen, die Teninger kommen gleich über hundert Männer und Frauen stark, und die Lahrer bringen noch ihre ausgezeichnete Musik mit. Und vom Oberrhein, von Rheinselden und Säckingen her, fahren sie mit Musik und Gesang im Schiff den grünblauen, ungefügen jungen Rhein herunter, und ihre rote Fahne flattert stolz und leuchtend in das Blau dieses herrlichen Sommertages. Ein wundervoller Tag! Und eine wunderschöne Fahrt das lang- gestreckte Badnerland herauf. Der Sonderzug, einroterSonn- t a g s z u g, raitert durch den schönen Dreisgau, hinauf ins Mark- gräflerland; an den Hängen stehen meilenweit die Reben, bei der H tze muß es bigott e guete Wi dies Jahr da droben geben! Am Horizont leuchtet der Blauen und das wundervoll geformte Masiiv des Belchen. davor grüßen, helle kleine Punkte, die Häuser und Villen von Badenweil«r herüber, wo in diesen Tagen der Reichs- kanzler Hermann Müller weilte und der frühere Groß- herzog von Boden starb. Dort liegt er nun aufgebahrt, der letzte Repräsentant der alten Zeit, einer von denen, die schon vor ihrem Tode gestorben sind, weil sie nicht mit dem lebendigen Laus ihrer Zeit Schritt zu holten wußten: ober hier unten eilt die neue Zeit, die kommend« Zeit unter roten Fahnen gen Basel. Dort grüßt das Münster, das schon einmal, 1312, einen solchen roten Tag er- lebt hat. Im Gewerkschastshaus trifft man sich. Da sieht man die Ge- nassen wieder, die man von so manchem Kampf her kennt, und die schwieligen Hände finden sich zum Gruß! Di« Baseler Genosien haben ein schönes, modernes und, wie wir feststellen konnten, auch gut geleitetes Heim: manche deutsche Stadt könnte dort etwas lernen. lind dann geht es hinab ans Rheinufer. Dort formiert sich der Z u g. Der lange, lange Zug, mit seinen vielen roten Fahnen, den Tausenden und aber Tausenden von Genossen und Genossinnen, d'e heut«, am roten Sonntag, in Basel zusammengeströmt sind. Warum? Um zu zeugen für eine große Idee: für Frieden und Freiheit! Denn das war wieder einmal dasGroßeundHerr- l i ch e in unserer sonst so kleinlichen und harten Welt: daß hier in den Willen Tausender ein helles Licht aufstrahlte, eine Fackel auf- leuchtete und ihren Schein hineinwarf in die Seelen— wir geloben aufs neue Kampf dem Kriege, Komnf der Gewalt, Kampf der Aus- beutung. weil wir wollen, daß der Mensch frei sei und Bruder unter Brüdern! Diese rote Pslngstbotschast sprach auf dem Münsterplatz in drei Sprachen, und«e war wie beim Pfingstsest der ersten Christen: olle verstanden den Sinn der fremden Laute. Vor sechzehn Jahren hatte hier Ja u res, der große, unvergeßliche französische Europäer und So- zialist.?ln mahnendes Wort gesprochen: Europa hat seine Mahnung nicht hören wollen, und teuer, teuer mußten alle es bezahlen. Heute war es Genosse F a u i l l e r o n, der sür die Franzosen sprach, und auch in ihm lebte dir Geist des Mannes, dessen Tod des Symbol war des grauenhaften Rufes: Ost 1a xuerre! Dos ist der Krieg! Und dann kam ein weißköpfigerItaliener.Chiesa: ober welch jugendlicher Mensch war das! Wie strömte aus ihm die große leidenschaftliche Liebe zu einem freien Italien, wie erschütternd war es, aus feinen Worten, auch wenn man sie im einzelnen nicht verstand, und aus feiner südlichen Lebendiakeit und Bewegtheit heraus zu spüren das große Leid und den Schmerz und die Trauer über das geknechtete Volk de» Du«: aber auch der Glaube war da und der Kampfwille und die Zuversicht, daß die Diktatur des Fafchis- mus einst fallen werde und wieder ein freies demokratssches Italien erstehe. Der Mann, der da sprach und den Schatten INalteottls in unsere Seelen fallen ließ, war ein lebender Zeuge gegen die Brutalität des Faschismus: und niemand war unter den Zehntausend«« auf dem Münsterplatz, der nicht im Banne dieses Ausbruches politischer Leiden- s ch a f t stand! Und dann sprach unser Genosse S ch ö p f l i n für die deutschen Teilnehmer. Nach ein paar Sätzen hatte er d'e Massen gepackt: denn die badischen, schweizerischen und elsässischen Alemannen spürten: das ist einer von unserem Schlag! Die Elsöifer und Schweizer Knrchten auf, als er sagte: Die Monarchie ist kein« Gefahr mehr in Deutschland— die Gefahr ist die kapitalistisch« und militaristische Republik! Gegen diese Gefahr gibt es nur ein Mittel: die politische Macht der Arbeiter- k l o I s e! Aber noch haben wir diese Macht nicht: m a cb e m o l e Fuscbt. wenn de bigot chai Hand hescht! lMach doch mal eine Faust, wenn du kein« Hand hast!) Diese Alemannenwort zündele, und es sagre den Tausenden mehr an politischer Erkenntnis, als die schönsten Worte über polttische Dynamik.... Und ein zweites Wort zündete: wir wollen einen Rhein, der nicht alle paar Jahrzehnte in Ströme von Blut verwandelt wird, einmal von drüben, einmal von hüben. Wir wollen am Rhein und mit diesem Strom Kultur» werte erschossen, nicht vernichten! Und in der Seele eines jeden dieser vielen, vielen oberrheinischen Sozialisten erstand das Bild der Heimat als einer starken, friedlichen, w e rl e sch a f f enden Gemeinschaft aller Arbeiten- den! Dann sprach noch der Schweizer Nationalral Dr. S ch m i d. und wir hörten, daß auch in der freien Schweiz die Freiheit nur soweit erlaubt ist, als sie dem Kapitalismus nicht hindernd in den Weg tritt. Und da» war auch d i e große Erkenntnis des roten Sonntag der oberrheini- schen Internationole: wir kämpfen alle gegen den gleichen Feint»! Ob drüben in Frankreich, ob drunten in Italien, ob bei Miseren»«Hb«» in der Schweiz,»b bei un,» d»r featftc» Heb- mal, immer ist es das gleiche: die Mächte des Kapitalismus, als Militarismus oder Faschismus aufgeputzt, stehen>n Front gegen die Arbeiterklasse. Und mit ihnen, leider, die Kommunisten. Das hat sich gestern in Basel wieder gezeigt. Die KPD.— in Basel besonders neidisch— hatte zu einer Gegendemonstration gegen die sozialistische Kundgebung aufgerufen. Wir marschierten an ihrem Platze vorbei— es war jämmerlich, was dort herumstand. Eine Handvoll wüster Gestalten! Und nachher, als der Zug der Taufende vorbei war, hielten die traurigen Gesellen die Zeit ge- kommen, die am Schluß gehende Arbeiterjugend zu über- fallen und eine Schlägerei zu beginnen. Ein erschütterndes Sinnbild: im Rücken der marschierenden Arbeiter greifen sie an; ein widerwärtiger, ekelhafter Dolchstoß gegen die Arbeiterbewegung. Wie müssen sich die Mächte der Reaktion darüber gefreut haben! Ein Symbol sür den Bolschewismus war diese traurige kommu- nistische Attacke! Ein infames Sinnbild. Aber das richtige. Das wahre Gesicht des Bolschewismus. Wir erfuhren davon erst, als wir längst auf dem Münsterplatz angekommen waren. Auch das ist ein Symbol: die Arbeiter- klaffe marschiert unter der roten Fahne des So- zial'smus unbekümmert, auch wenn irgendwo im Rücken feige und unverantwortliche Kerle sie an- sollen. Sie können nicht mehr den Marsch aufhalten. Die Masse marschiert. Unter der roten Fahne. Durch den blauen Sommertag zu den Höhen der Freiheit! R. G. H a e b l e r. ob 6er Taukei'. Eine Stadt aus dem Mittelalter. Wer vom Bahnhof kommend Rothenburgs Rödertor durch» schreitet, der glaubt in das Mittelalter versetzt zu sein. Kein moderner Bau stört tn der berühmten Tauberstadt diesen Eindruck, ständig sprudeln die Brünnlein ihren Strahl in ihre mit Blumen tapezierten Becken. Im Mittelpunkt der Stadt die St. Iakobskirche, ein ge» waltiger Bau mit prächtigen Glasmalereien. Die Iakobskirch« birgt nicht nur religiöse, sondern auch politisch« Erinnerungen. Im Jahre 1S25 hat in der Kirche der Hauptmann der Bauern, Florian Geyer, die zwöls Artikel der ausständischen Bauern der ver- sammelten Gemeinde vorgetragen. Hier in Rothenburg war es, wo Florian Geyer mit seinem Anhang den Schlachtplan und die Feld- züge gegen die Fürsten fertigstellt«: hierhin floh auch de? radikale Bilderstürmer Dr. Karlstadt. Am Marktplatz steht das alte Rathaus. Eine Urkunde berichtet, daß der Rothenburger Altbürgermeister Rusch durch einen g e- wältigen Trunk von KM.- Schoppen fränkischen Edelweins mit einem Zug« die von Tilly bereits oerurteilten Ratsherren und die Stadt vor Brandschatzung und Plünderung gerettet hol. In den alten Gassen und Straßen herrscht auch werktags sonn» täglich« Ruhe. Ueberall stößt man aus alte Kapellen, Klöster, Kirchen und alte Tore. Von der Stadtmauer, die sich noch um die ganze Stadt zieht, gewinnt man«in gutes Gesamtbild. An einem Ende der Stadt steht noch der F a u l t u r m, wo die Schwerverbrecher hineingeworfen wurden. Sie mußten dort verhungern, die Leichen wurden von Ratten und anderem Ungeziefer angefressen, so daß sie mit der Zeit verwesten und oerfaulten. Daher der Name Faulturm. Der tapfere und kluge Bürgermeister Heinrich Toppler. der von 1373 bis 1408 an der Spitze des Stadtregiments stand, wurde trotz aller Verdienst« von seinen Feinden verleumdet,— angeblich sollte er mit dem Burggrafen von Nürnberg um den Besitz der Stadt Rothenburg gewürfelt haben und sie an demselben verspielt haben,— und in das unterirdische Gefängnis geworfen, wo er verschmachtete. dlax Meilicke. Wochenende in Dessau und Wörlitz. Eine Fahrt der„Naturfreunde". Der Touristen-Verein„Die Raturfreunde" veranstaltet am 15. und 13. August eine Wochenendfahrt nach Dessau und in den wörliher Park. Teilnehmerkarten sind im Reiseburau des genannten Vereins, 7t. 24, Johannis- straße 14/15, zu haben. Auch das Wochenende ist der Mode unterworfen. Und was früher schon und edel war, läuft heute Gefahr, als Kitsch bezeich- net zu werden. In den verschiedenen Schloßparks und„Lust- gärten" der gewesenen Herrschergeschlechter ist auch heute noch manches vorhanden, was dem Wochenend-Bedürsnis einer frühe- reit Geschmacksrichtung dienen mußte. Beim Wandern durch die Lande ist es darum interessant festzustellen, was dieser oder jener „Herrscher" in seinem, Bereich zur Verschönerung der Landschaft beizusteuern versucht hat. So gab es nicht wenige„regierende Fürsten", die sich in Parkanlagen künstlich« Ruinen erbauen ließen, um ihrem etwas eintönigen Park oder Lustgarten einen klassischen Anstrich zu geben. Bei der Konkurrenz dieser Herren untereinander überschlug sich dann die Phantasie. Und wenn wir auch heute nur die verschiedenen„Ruinen" bei Potsdam sehen, haben wir für den Ge- schmack der Erbauer nur ein mitleidiges Lächeln. Eine rühmliche Ausnahme dieser gekünstelten Parkanlagen macht der Schloßpark von Wörlitz. Denn er liegt in land- schaftlich schöner Lage, so daß die geistigen Auswüchse der früheren Herzöge von Anhalt niemals zur Hauptsache in diesem Parke werden konnten. Man kann mit Hilfe einer Sonntagskarte der Eisenbahn die ganze Gegend zum schönen Wochenenderlebnis ge- stalten, wenn man am Sonnabend gegen Abend in Dessau eintrifft. Ein Gang durch die abendlichen Straßen der älteren Stadt bringt gleich wunderbaren Kontrast gegen das Hasten der Groß- stadt. Schneller als wir denken stellt sich dann der ganze Mensch auf friedliches Erleben ein und ist bereit, den Alltag zu vergessen. Und wenn man am Sonntag morgen von Dessau auf dem alten Elbdamm nach Wörlitz wandert, wird man mit Freuden fest- stellen, daß Wandern und Lausen nicht dasselbe ist. Der grüne Im Scblaßbof von WSrliU, Damm ist der beste Wegweiser, der uns die Weiten übersehen und Einzelbilder erleben läßt. Auch sonst sorgt dieses Bauwerk für mancherlei Anregungen und kulturhistorische Betrachtungen. Wie- viel Unheil und Katastrophen haben seine Wälle verhindert. Weit sieht man links von seiner Höhe in das breite Elbtal und erlebt mit Schaudern, wie gewaltig sich dieses Tal verbreitern würde, wenn Schneeschmelze oder Regengüsse im Gebirge die Elbe Plötz- lich anschwellen lassen und die hinter dem Damm liegende Kultur von Jahrhunderten, urplötzlich vernichtet wäre. Rechts aber bc- gleitet uns ein uralter Eichenwald, der mit seinem lichten Baum- bestand weste Blicke in sein Inneres gestattet. Viele Parkanlagen aus dem Rokoko und der Folgezeit find mitten in den Wald gestellt und sorgen, wie das Louisium, für immer wieder neue Bilder. Dabei hat man kilometerlange Schnei- sen durch Eichen und Fichten gelegt, um zum Beispiel in der Ferne einen Kirchturm schen zu können. Eine ähnliche Großzügigkeit in der Raumbehandlung des Waldes trifft man höchstens noch im Sachsenwalde bei Hamburg an, den Bismarck vom kaiserlichen Deutschland geschenkt bekam. Die Augen des Naturfreundes haben auf diesem Damm viel zu sehen, so daß der Weg nach dem alten Wörlitz sehr kurzweilig ist. In den Straßen dieser Stadt ist noch viel von dem Geist ihrer Vergangenheit vorhanden und so klein Anhalt auch sein mag, hier wird es„groß" geschrieben. Auch das Streifen durch den geräu- migen Park wird zum Erlebnis. Wir müssen zu einem Kirchturm, der auf der Höhe liegt. Die Wohnung des Türmers ist überein- ander angeordnet. Noch vor dem Kriege nmßte er allstündlich die Feuerglocke anschlagen, nachdem er sich überzeugt hatte, daß es nirgends in dem weiten Rund brennte. Sein kleines Gehalt setzte sich damals aus vielen Einzelbeträgen zusammen. Die Kirche be- zahlte ihm nur das Reinigen der Turmtreppe bis zur Höhe der Orgel. Darüber begann der Feuerwachtdienst. Es mußten sich, außer der Stadt Mörtitz, dreißig umliegende Dörfer um sein Ein» kommen bemühen. Aus den Fenftern der Glöcknerwohnung hat man ein viel- gestaltiaes Bild. Denn einmal liegt die Ackerbürgerstadt Wörlitz wunderbar ausgebaut tief unten vor uns und läßt interessante Einblicke in Höfe und Gassen tun. Dann sieht man wieder über den Park hinweg, hinter dem sich das weite Elbtal mit seinem Damm entlangzieht. Die alte und die mo- derne Zeit machen so die Turm- besteigung zum Erlebnis und lassen noch einmal die große Bedeutung des Elbdainmes erkennen. Aber auch der eigentliche Schloßpark liegt mit seinen Wasserläufen und phan- tastischen Bauten schön gegliedert zu unseren Füßen. Es ist kurz- weilig, durch die Gänge und am Elbdamm entlang zu streifen und die aufgestellten Sammlungen aus aller Welt'zu besichtigen. Das Schönste aber sind die seltenen Bäume und Gewächse, die den Park an vielen Wegecken schmuckem Und wenn man dann gegen Abend auf der breiten Straße nach Cos- w i g wandert, um den Zugan- jchluß nach Berlin zu erreichen, dann kann man feststellen, daß inan ein reiches und schön«. eclcbt fr»*** Geocg &in �teru2JZx&j!3rT260rhl von lAszzZ Mtü�o/BsüLlzr (29. Fortsetzung.) Lutz fragte sie:„Host du vielleicht Pyramidon bei dir? Ich weiß nicht, wohin ich meines erlegt Hab'." Hilde hott« kein Pyramidon. Sie nahm nie eines, und wußte nicht, wie sich Kopsschmerzen fühlbar machen, sie hotte das der Lutz doch schon so oft gesagt. Die Lutz schüttelte den Kopf, der ihr darob noch mehr weh tat.„Wie du robust bist, Hilde. Ich beneid' dich. Ich beneid' dich überhaupt immer. Mich verwirrt dieses Leben hier vollkommen. Und du machst alles mit und bleibst doch... du selbst." „Meinst du das wirklich, Lutz?" Hilde mußte an die Dorwürse des Drobauer denken. „Ich kann nicht einmal sagen, daß ich mit dir tauschen möcht', Hilde, denn du laufst mit uns allen mit, aber deine Robustheit, die man dir außerdem gar nicht ansieht, die mächt' ich schon haben." „O weh, mein Kops!" rief noch die Lutz und ging dann auf ihr Zimmer, um sich bei herabgelassenen Jalousien niederzulegen. Wenn das arme Mädel wüßte, wie es im Herzen der Hilde stürmte, und wie dieser dumme, stets ungeschickte Drobauer, der sie dabei lieble, die Wirrnis der Gefühl« noch verstärkt hatte, und wie sie gerade jetzt darunter litt! Und wenn man nur immer klar sähe, was gerade jetzt zu tun wäre! Dem folgen, was man im tiefsten Herzen empfindet? Den Verstand, die kühle Ueberlegung sprechen lassen? Sollte sie vor Mama Gruber hintreten und wie der Marquis Posa im„Don Carlos" vor dem König Philipp ein« Liste sittlicher Forderungen aufftellen? Ach, Mama Gruber war kein Philipp und das ganze würde sich lächerlich ausnehmen. Also fort von hier, wie es Drobauer verlangte? Was wäre mit der Flucht getan? Das würde den Leuten vom Meierhof gar keine Besserung oerschajjen, ja ihnen durchaus nicht zur Kenntnis gc- langen und ihnen nicht einmal die Genugtuung bereiten, daß unter den Damen und Herren sich ein Mensch besänd«, der mit ihnen fühlte und um ihretwillen... Hilde war müde, und es kostet« viel Kraft, sich von den Ein- flüsterungen Drobauers und von den Bedrängnissen ihres Herzens gleich freizuhalten. Hilde war d«r Feste müde und des Wohllebens und des Schlosses mit allen seinen Wundern der Welt, die es enthielt; sie war müd«, von den Ihrigen fern zu fein, und daß sie sich so lange nicht so recht h«tte oueplaudern können, wie sie's etwa mit Tonte Hedwig oder mit dem langen Drobauer tat... Edi, ja sreilich, aber das war doch was anderes!... Und sie war müde, seit Wochen im gewohnten Ueberfluß zu leb«n, indessen drüben auf dem Meierhof, dreißig Minuten von ihr. die Rot und das Kindersterben ihr Werk vollbrachten. Kann man vom Nichts- tun müde sein, vom vielen Esten hungrig werden? Es war seltsam. Und am Abend dieses Tages geschah es, daß alle Gäste wieder einmal von einem Feste sprachen, das sie veranstalten wollten, von eben jenem Kostümfest, für das nun die letzte Zeit vor der französischen Revolution bestimmt wurde, als man noch so süß lebte wie niemals nachher. Es war der jung« Gelehrte aus dem Hofstaat des Barons Rosenberg, der mit seinem Vorschlag gesiegt hatte, vielleicht nur, weil man seinen wissenschaftlichen Eifer für so drollig hielt. Ja, er wollte das Zeitalter des sterbenden französischen Königtums wieder aufleben lasten, mit seinen perückengekrönten Damen und degcntragenden Herren, mit Pferden und Iagdmeuten, kein gewöhn- liche? Kostümfest, sondern eine historisch« Rekonstruktion, die nur in diesem Kreise möglich war. Man nahm den Kalender vor— an diesem Tage war Vollmond: man beschloß, nach Wien zu fahren, um sich in Theatergarderoben und sogar in Museen— einem anderen als dem Baron Rosenberg wäre das nicht bewilligt worden— alte Gegenstände und Stoffe auszuleihen, man lud noch andere Freund« und die Freund« der Freunde ein: man studiert« «in Singspiel der Zeit, in dem gefühlvolle Schäferinnen und edle Aristokraten austraten und das eine entzückende Musik enthielt, die einfach ins Ohr ging. Und Kammermusiker sollten den einfachen Orchesterpart spielen, und die Hauptroll« wurde natürlich der Hilde zugeteilt, die nach dem Urteil aller entzückend aussehen würde... „Entzückend," das wurde bei den Besprechungen gebraucht. Und der Taumel der frohen Beschäftigung fing Hilde wieder ein. Im noch so geschäftigen Nichtstun war sie müde geworden, in einer noch so nichtigen Arbeit hatte sie all« Lebenslust wiedergefunden. Sie zeichnete Kostüme, erfand Gruppenbilder und hatte auf der kleinen Szene zuerst ihre Rolle inne. „Sie sind außerordentlich, Fräulein Hilde," sagte ihr der Schubert.„In Ihnen steckt ja viel mehr, als wir alle vermutet haben. Wissen Sie, westen Sie würdig wären. Sie sollten... Frau Baronin Rosenberg werden." „Aber was Ihnen nicht einfällt!" rief die Hilde erschrocken aus, uns was sie gerade in den Händen hatte, entglitt ihnen. „Was, diese Aussicht bringt Sie außer Rand und Band? Wenn Sie lieb zu mir sind, führ' ich das durch." „Sie reden wie von einem Börsengeschäft." „Ist auch nichts anderes. Seitdem ich darin steck', seh' ich erst, daß alles nichts mehr ist." „Pfui Teufel!" Und Hilde wollte fort. Der dicke Schubert oerstellte ihr den Weg.„.Das machen Sie ganz reizend. Dieser Zuschuß von etwas Niavität ist geradezu raffiniert. Das wirkt. Sie haben die Wahl: Burgtheater und eine verrucht naive Bombenroll« als Antrittsrolle oder die Baronin derer von Rofenberg. Wenn der Direktor vom Burgtheater nicht will, zahlen wir kein Defizit, ypd wenn der Baron nicht will, last' ich ihn mit seiner Bildung hineinsousen, daß er den Julius Casar mit dem Radetzly verwechselt und unsere Opposition drei Wochen lang was zum Lachen hat. Wie beliebt also?" „Es beliebt mir, meinen Weg ohne Ihre Protektion zu gehen." „Sollte dieser reine Idealismus auch gespielt sein? Dann sind Sie ja ein schauspielerische» Genie. Oder echt? Dann sind Sie— mit Respekt zu sagen und ohne Ranküne— die größte Gans zwischen Konstantinopel und dem Belt. Ja, wisten Sie, wer wir sind? Gesandte, Ministerpräsidenten und k. und k. Armeekom- Mandanten buhlen um unsere Gunst, jawohl, sie buhlen und sind froh, wenn man si« in unsere Bureaus aufnimmt: und so ein Nichtsnutz von einem kleinen Mädel wagt es, uns zu widerstehen? Die Hand, die sich entgegenstreckt, zurückzuweisen? Wie sagen Sie auf dem Theater? Sie Törin!" „Was wollen Si« denn eigentlich von mir?" „Braucht man denn zu einer jungen Dame von Ihrer Fein- geistigkeit noch deutlicher zu sein? Also: alles, was ich früher gesagt Hab', war a Lug. Vom Traualtar muß ja auch nicht gleich gesprochen werden. Der Herr Baron Rosenberg interessiert sich für Sie— wenn Sie's wisten wollen!" „Ich Hab' mit ihm noch keine zwanzig Worte gesprochen." „Das macht nichts. Er bewundert Si« seit langem— der Herr Baron Rosenberg bewundert Sie, ich wiederhole!" „Das ist mir so Wurst, wie wenn... wie wenn mich irgend- ein Herr, dessen Namen ich nicht kenne, bewundern möcht'." „Sie sind sehr spröde, wir wisten es, und dos erhöht Ihren Wert in den Augen des Barons." „Aha!" „Jawohl!" „Und warum sagt er mir das nicht persönlich?" „Er ist so schüchtern und außerdem hat er so etwas noch nie gemacht. Dazu hat er keine Zeit, und auch noch nie Gelegenheit gehabt, um ein sprödes Mädchen zu werben. Di« anderen haben sich bisher ihm an den Hals geworfen, bevor er zum Werben gekommen ist." Der Schubert meckert« ein unappetitliches Lachen. „Ich will Sie nicht oerstehen," sagte die Hilde wütend. Sonst müßt ich..." „Na, wa» denn, liebes Kind? Uns droht man nicht. Ein Baron Rosenberg steht über dem Gesetz, über dem staatlichen und über dem gesellschaftlichen." „Sie sind doch sehr gebildet," fuhr der Schubert fort,„und Si« werden wohl die Geschichte von Napoleon und der Gräfin Walewska kennen, jener schönen, tugendhaften Polin, die niemals daran gedacht hätte, daß si« je... eine Mätresse sein könnte. Aber sie wurde die Mätresse des großen Napoleon, dem eben niemand widerstehen konnte, widerstehen durfte... und die tugendhaftesten Damen, die hochmütigsten Aristokraten baten si« darum, sogar ihr eigener Mann. Derstehen Sie mich?" (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. oijiiXinmmmnnfMiitiiffiiilHimitiHniiiiiiiiiniiiiiimlfniNtHfmfinrTHiilirtfmiRrwflnifnHilHiinniiHmnmiiinnimrHiiimiiinnnnnitnimimitmmiiimiRHninlüiiniimimimiiHtni Pilmzauber. Als eine Filmgesellschaft durch Mecklenburg zog, sah der Regisseur ein einsames Häuschen unterhalb de» Staubeckens in einiger Entfernung vom Dorf. Er sagte zu einem Einheimischen, der davor stand:„Dies ist, was wir suchen! Es kann kosten, wa? es will. Wenn Sic einverstanden sind, öffnen wir dos Becken. Dann wird dieses Häuschen bis an den First in einer Wasterwüst« stehen. Boote sind nicht in der Nähe, und kein Mensch wird also ohne Gefahr des Ertrinkens an das Häuschen ran können. Das drehen wir und hoben die Sensation. Haben Sie etwas dagegen?" „Nein," sagte der Mann,„ich hob« nichts dagegen." Slls das Häuschen bis an den Hals im Wasser stand und alles gedreht war, versammelt« der Regisseur seine Mannen, drückte dem begeisterten Dörfler die Hand und sprach: „Sie sollen selbstverständlich ein« größere Entschädigung be- kommen. Wir wollen zur Post gehen. Da lieg» nämlich Geld für uns, Mann!" Der Mann schüttelte den Kopf. „Ich brauche keine Entschädigung. Mir gehört's Häusl nicht." „Großer Gott. Und wo ist die Post?" Da deutete der Mann auf den wasserumspülten Hausgiebcl: „Da drin— im Wasser, Herr!" Der hat's geratea. In der Volksschule wirst der Lehrer die Frage auf:„Nennt mir doch mal die öffentlickzen Einrichtungen, Bildungsanstalten und Be- Hörden unserer Stadt." Man zählt die Museen, Theater, Bibliotheken und so weiter auf. Der Lehrer hätte nun gern noch die Taub- stummenanstalt gewußt. Um seine Schüler darauf zu bringen, sagt er:„Es ist«in großes Gebäude, wo arme Unglücklich« ein- und ausgehen. Diesen Bedauernswürdigen sind so manche Glücksgüter der Erde versagt: sie werden von vielen bemitleidet. Auch sind sie gekennzeichnet durch ein« Bind« am linken Oberarm. Ihr Verdienst ist oft fast Almosen gleichzuachten.— Nun-- welches Gebäude mag ich wohl meinen?" Da springt ein Junge auf:„Ich weiß es. Das ist das Hauptpostamt!"„Wahrer Jakob". Christliches Rezept für die Brautzeit. Der Ruhm, den Dan de Velde mit seinem Buch„Die voll- kommen« Ehe" erzielte, hat sicher auch den thüringischen Pfarrer Modersohn beunruhigt: denn er fühlt sich bemüßigt, in seinem Sonntagsblatt Brautpaaren Ratschläge zu geben, die oller» weiteste Verbreitung verdienen. Ob allerding» der Ruhm dieses Pastors dadurch vergrößert werden kann, ist ein« ander« Frage. Auf jeden Fall ist die Gelegenheit da, unseren Lesern eine neue Geruchs- probe muffigster Morql kostenlos zu verabreichen. Es gehl los: „Sie müssen in« Sache an der Wurzel anfassen. Sie müssen frei werden von der fleischlichen Lust. Wir werden frei, wenn wir im Glauben auf die Erlösung eingehen, die am Kreuz von Golgatha»oll- bracht ist. und wenn wir in ollen Versuchungen damit im Glauben rechnen, wie es im Römer 6, Vers K und 11 heißt.— Sie müssen et lernen, mit Zinzendors zu sagen: „Und wenn mich böse Lust anficht, dann dank ich Gott: ich muß ja nicht! Ich sprech zum Zorn, zur Lust, zum Geiz: dafür hing ja mein Herr am Kreuz. Im empfehle Ihnen, daß sie mit Ihrer Braut«inen s ch r i f t» lichon Vertrag machen, in dem Sie schreiben:„Ich verpflichte mich mit Gottes Hilf« meiner Braut nie in unreiner Weis« zu nahen. sie weder mit Worten noch mit Werten zu beflecken. Sollt« ich mein Versprechen nicht holten wollen, so bitt« ich meine Braut, unter allen Umständen fest zu bleiben i�rd mir diesen schriftlichen Vertrag vorzuhalten." Ein« unbewachte Stunde kann da» ganze Leben verderben. Darum bitten Sic den Herrn, daß er Sie vor dieser Stunde bewahren möge. Dieses schriftlich« Versprechen, daß Ihre Braut bei Il)r«n Besuchen immer bei pchhabenmuß, kann dabei wesentlich helfen. Wenn Si« in Gefahr sind, muß Ihr« Braut um so fester steh«». Bitten Sie, daß sie ja nicht nachgibt, auch wenn Si« selber darum bitten und anflehen. Wenn Sie in Gegenwart Ihrer Braut so sehr mit der Versuchung zu tun haben, dann hüten Sie sich, zu viel und zu lange mit ihr allein zu sein. Ziehen Si« die Gardinen ni cht zu am Fenster!--" Der Rat. den der Pastor seinen thüringischen Schäfchen gibt» wird wohl in feinem eigenen Kirchcnsprengel nicht befolgt werden. Denn dem Trottel, dem«» einsallen sollte, einem saftigen Mädchen solch ein«n„Entholtsomkeits-Vertrag" vor die Augen zu halten, könnte es passieren, daß ihm das Papier links und rechts um die Ohren flattert. Der Zufall will es, daß der„christliche Ratgeber" Moder» söhn heißt. Ein trefflicher Name für einen Sohn moderner Moral. Ziehen S i e die Gardinen zu, Herr Pfarrer— es mufft in Ihrer Amtsstube ganz bedenklich! A. F. Geheimnisvoller Schädelfund. Ein« rätselhaft« Angelegenheit: Im früheren Hause der öfter- reichischen Gesandtschast in Leningrad stieß man bei Umbau- arbeilen auf fünf Menschenschödel, Knochen und Reste ledernen Schuhzeugs. Der Fund lag etwa einen Meter unter dem Fuß- boden. Die Knochen und Schädel waren in Matten eingewickelt. Wem die Knochen gehören, konnte bisher nicht festgestellt werden. 17 Typhustodesfälle in Paris. Nach einer Mitteilung des Stadtamtes sind in den letzten zehn Tagen in Paris 17 Personen an Typhus gestorben. Dieses lleberhondnchmen des Typhus wird der Trockenheit und der damit im Zusammenhang stehenden Vcrschlechlorung des Trinkwassers zugeschrieben. An Scharlach starben 5 Personen und 3 an Grippe. ~ Sportund Spiel Prag in Berlin! Gäste aus Prag, Dresden, Kottbus. Ammendorf, Niedleben bei der FTGB. Das Internationale Treffen im Berliner Arbeiterfport beginnt mit dem Empfang der Prager Turnerinnen und Turner, die mit dem Frühzug, Sonnabend gegen 7 Uhr, auf dem Unhalter Bohnhof eintreffen. Abends um 20 Uhr findet dann gleichzeitig mif der tschechischen Turnabteilung„ Havlicek" und der Freien Turnerschaft Groß- Berlin ein Freundschaftsabend im Deutschen Hof, Ludauerstraße, ftatt. Musikalische Darbietungen der 25 Mann ffarten Prager Kapelle, Bühnenaufführungen der Gäfte und der JIGB., sowie Begrüßungsansprachen unter anderem des Sekretärs Silaba vom Bureau der sozialistischen Sportinfernationale leiten zum zwanglofen, gefelligen Teil über. Eintrittskarten find erhält. lich in den Turnhallen, in der Geschäftsstelle der FIGB., Lichtenberger Str. 3 und an der Abendkaffe. 6: 2 über das Baar Dorn- Wolff erfolgreich, die französische Kombination Mme. Mathieu- Rödel rückte im gemischten Doppelspiel durch einen 6: 1, 6: 1- Sieg über Fräulein Schulz- Schlehbrücke eine Runde weiter. Arbeiter- Fußball.Tds Leipzig gegen Berlín. T Die Berliner Arbeiter Fußballgemeinde kommt aus den Städte und Bepräsentativspielen nicht heraus. Der kommende Sonntag bringt wieder einen Städtetamp Leipzig gegen Berlin. Auf dem Adler- 12- Sportplay, in de: Christianiastraße, stehen sich nachmittags 17 Uhr die Repräsentativen der beiden Städte in folgender Aufstellung gegenüber: Seipzig Kraufe ( De: fch) Am Sonntag veranſtaltet die Freie Turnerschaft Groß- Berlin Unniemeegele Gelig ( Borwärts) Schubert ( Pegau) ( Südwest) Zu Grübner ( Best 03) Hildebrandt ( Adler 08) Weise ( Fußballring) Bergmann ( Alemannia) Rünemund ( Amateure) Richter ( Viktoria 06) Samann ( Murzen) Wolf ( Adler 08) Tanne ( Frisch- Frei) Baruth Rube ( Adler 08) zu Ehren der Prager Gäste mit der Turnabteilung„ Havlicek" ein Sportfest auf dem Sportplah im Humboldthain. diesem Jeff werden außerdem noch Mannschaften aus Dresden, Rottbus, Ammendorf, Niedleben und vom Sportverein Moabit erwartet. Ub 9 Uhr finden Städtefpiele in Handball, Hoden und Tennis staff. Um 13 Uhr treten alle auswärtigen Gäffe und die Abteilungen der FTGB. auf dem Sportplak an. Darauf folgen Borführungen der Kinderabteilungen und sportliche Welt. fämpfe der Männer und Frauen. Die Mufif wird von der Prager Stapelle ausgeführt; die Tschechen werden Nationaltänze und Hammerschwingen vorführen. Alle auf dem Boden des ArbeiferTurn- und Sportbundes stehenden Sportler und die Berliner Arbeiterschaft find zu diefem Internationalen Treffen eingeladen. Alle Mitglieder der FIGB., die abkömmlich find, müffen mit Fahnen Sonnabend früh 6.45 Uhr am Anhalter Bahnhof antreten. An dem Sportfest im Humboldthain beteiligen sich alle Kinderabteilungen. Sportfest der Schutzpolizei. Zur Feier der Verfassung. Bie alljährlich veranstaltete das Rommando der Berliner Schußpolizei anläßlich des Verfassungstages auf dem Sportplatz Süd in der Golßenerstraße ein großes Sportfest, an dem sich nahezu 400 Polizisten der verschiedensten Chargen beteiligten. Das umfangreiche Programm, das sehr flott abgewickelt wurde, brachte die Entscheidungen der am Montag vorangegangenen Vor und Zwischentämpfe. Nach dem eindrucksvollen Einmarsch aller Teilnehmer auf den mit den Reichsfarben festlich geschmüdten Platz, bestieg Polizeipräsident 3örgiebel eine mit frischem Grün umfränzte Redner tribüne. Er führte u. a. aus, daß es wegen der dienstlichen Inanspruchnahme der Bolizeibeamten nicht möglich gewesen fei, am Verfassungstage ihr Berfassungssportfest zu feiern. So foll es denn heute nachgeholt werden und im friedlichen Bettstreit mögen die Polizisten ihre Kräfte miteinander meffen. Zum Schluß beglüdwünschte der Polizeipräsident den Polizei- Oberleutnant Kahl, der auf der Olympiade beim Fünfkampf der Länder den 3. Platz be= legen, fonnte. Unter den zahlreichen Gästen sah man den Polizeivizepräsidenten Dr. Beiß, Kommandeur Heimannsberg sowie zahlreiche Gruppenfommandeure. Eine ausgezeichnete Schupotapelle sorgte für mufitalische Unterhaltung. 2. Emulz, Gr. Gud 52,2. Bezlin Ruchenbeder Geelinger ( Adler 08)( Brandenburg)( Alemannia) Krüger ( Spandau 25) Weber ( Alemannia) Sichau ( Borwärts) Wether ( Boruffia) Ob diese Mannschaft Berlins in der Lage sein wird, die Leipziger zu fchlagen, bleibt abzuwarten. Nach den letzten Riederlagen, die Berlin einstecken mußte, werden wohl viele der Anhänger das Butrauen verloren haben. Allerdings befinden sich in dieser Mannschaft durchweg Spieler, die schon des öfteren mitgeholfen haben, das Ansehen Berlins zu stärten.bowdat $ Südwest- Auswahlspiel. Im Südwesten, im Neuköllner Stadion, Plaz 2, stehen sich am Sonnabend zwei Auswahlmannschaften des Südwest bezirks gegenüber. Zu diesem Spiel find folgende Mannschaften aufgeftelt: A. Mannschaft: Burczef( Romames), Sydom( Luden walde I), Thätner( Teltow), Gallasch( Neukölln), Kaluschke( Berfin XII), B. Neumann( Schöneberg), Robe( Nowawes), Hentschel Berolina), Meyer( Potsdam), Mönch( Berlin XII), Schulz( Woltersdorf).- B.- Mannschaft: Drezki( Stern), Bethke( Brandenburg), B. Redlich( Neukölln), Burkhardt( Wacker 21), Görl( Kreuzberg). D. Jahnle( Wacker 21), Schmidt Berlin XII), Schigull( Wilmers dorf), Meißner( Fichte 19), Heinrich( Berlin XII), Cichon( Fichte 19). Beginn des 119 Uhr. 900 913 Unsinn über Unsinn! Kommunisten sprengen ihre Vereine. Die letzte Generalversammlung der Freien Schwimmer Charlottenburg, in welcher unter anderem auch über die Frage des Eintritts in das neu gegründete Berliner Sportkartell diskutiert und entschieden werden sollte, wurde von der zum größten Teil tommunistisch gesinnten Kanuabteilung mit Hilfe radikaler Nichtfportler fabotiert. Man wollte sich nicht gefallen laffen, den Bericht vom Bundestag durch den Bertreter der Zentralfommiffion zu hören, ohne gleichzeitig einen Angehörigen des alten Kartells sprechen zu laffen. Mit einer knappen Majorität wurde die Generalversammlung 10nsdrivertagt und damit Bud sowie dem Arbeiter- Turn- und Sport- Bund ein Mißtrauensvotum ausgesprochen, da Buck dem Bundesvorstand angehört. Resultate. 100 Meter Erftlinge: 1. D.-W. Tiplid, Bol.- Gruppe Süd 11,3; 2. W. Lind, Gr. Ost. 100 Meter offen: 1. Sinzmann, Gr. Mitte 11.0; 5. Schulze, Gr. Weft 11,2. 400 Meter Grftlinge: 1. Schade, Gr. Nard 53,3; 2. Etogalla, Gr. Süd 54,2. 400 Meter offen: 1. Soffmann, Gr. Mitte 51,7; 4X 100- Meter- Staffel für Vol.- Inspektionen: 1. Bol. Insp. Lichtenberg 45,5; 2. Jnsp. Nord; 3. Jnfp. Röpenid 4X100- Meter- Staffel für Tol.- Difiziere einer Vol.- Gruppe: 1. Bol.-Gr. Mord 49,7; 2. Fol.-Gr. Weft. Chargenftaffel für Bol.- Bereitschaften, 4X100 meter: 1. 4. Best 47,6; 2. 4. Nord 48; 3. 3. Areuzberg 48,8 100- Meter- Hürdenlaufen: 1. Echulze, Gr. Oft 16,2; 2. Ruralus, Gr. Oft 16.3. 1500 Meter: 1. Tobjinski, Gr. West 4,36,5; 2. Rirfte 4,41,5: 3. Chudowa. Stabbochsprung: Sieger: Boos. Gr. Gildoft 3,20 Meter. Dlympische Staffet für Pol- Gruppen: 1. Gr. Mitte 3.41,6; 2. Gr. Weft; 3. Gr. Cüdost. 10 X 1- Bahnrunden- Staffel für Vol.- Beamie über 32 Jahre einer Pol. Gruppe: 1. Gr. Rorb 7,32,9; 2. Gr. Mitte 7,38,6; 3. Gr. Beft 8.16,8 Große Staffel üs Pol.- Gruppen 35 X 1 Bahnrunde: 1. Gr. Nord; 2. Gr. Beft. Daß es sich darum handelt, ob der Verein beim Bund bleibt oder nicht, scheint den Mitgliedern des FSC. noch nicht eingegangen zu sein. Kurze Sportschau. = Das Dreiftunden Mannschaftsfahren für Bundesamateure am Sonntag auf der Berliner Rütt- Arena wird folgende Baare am Start jehen: Klawitter- Scherf, Schulz- Lindner, EggertSchmidt, F. Engelmann- Graffunder, Gröning- Becker, W. Engelmann- Steinmez, Lehmann- Fliegel, Salmann- Schulz( Straßenbahn), Hundt- Funda, Gangel- Golz, Balte- Genschmer, Boysen- Hopp, StegerDormbach( Köln), Todd- Wehner( Dresden), Lohoff- Walter( Leipzig) und Zierte- Reth( Stettin). Die Saison im Kanalschwimmen hat wieder eingesetzt, der erste Bersuch ist jedoch gescheitert. Der Engländer Harry Luscombe startete von Dover aus nach Calais, mußte aber nach 10% Stunden, in denen er etwa 20 Meilen geschwommen hatte, aufgeben, weil die See zu stürmisch wurde. Der Staffellauf Quer durch Spandau" findet am 25. Auguft statt. In der Hauptklaffe führt der Weg über 6,5 Kilometer, Jugendläufer haben 3,5 Rilometer, Schülerstaffeln 2 Kilometer, Damenstaffeln einen Kilometer zurückzulegen. Der nächste Bogtampfim Lunapark geht am 22. August vor sich. Das Programm bietet bisher folgende Paarungen: Hüljebus gegen Röderstein, Vorkauf gegen Schulz- Königsberg, Harry g Stein gegen Auft. Als Flugweltretorde wurden anerkannt: 2000 Kilogramm Nutzlaft 16 Stunden 39 Minuten Dauer, 2150 Rilometer Entfernung, 130,427 Stundenkilometer, ausgeführt von Lt. Corton und Coaetswain( Amerika) auf PN- Basserflugzeug. Vom Arbeiter- Samariterwesen. Der Arbeiterfamariterbund veranstaltete im Jahre 1927 1316 Rurfe; die öffentlichen Uebungen stiegen auf 1441. 230719 Samariter und Samariterinnen waren in 745 027 Dienst stund en tätig, was eine starke Zunahme bedeutete, die sich besonders auf Sportdienste und Hilfeleistungen bei Unwetterfataftrophen und sonstigen Massenunfällen erstrecte. Bei 294 753 Be= triebsunfällen griffen Arbeitersamariter ein. Transportiert wurden insgesamt 46 820 Kranke, davon 12 895 in Betrieben. Außerdem wurden 1976 Kinderhilfen ausgeführt. Die Krankenpfleger traten 9070mal in Tätigkeit und verrichteten 119 922 Pflegestunden. Krankenpflegeartikel wurden in 11 438 Fällen verliehen. 977 Aerzte stellten sich den Kolonnen zur Verfügung; 3931 Betriebsfamariter, 711 Pflegerinnen, 1141 Maffeure erledigten die übrige fanitäre Arbeit. Die Unfallstationen haben sich auf 2033 erhöht. Der Wert des Inventars ist auf rund 1080 000 Mart gestiegen. 15 Automobile, 159 Zelte, 564 fahrbare Tragen, 3205 Tragbahren, 1 Motor- und fünf Ruderboote, 24 Rettungsringe, 10 Rettungsbälle und 334 Leinen zeigen die Vielseitigkeit der sanitären Hilfsmittel des Arbeiterfamariterbundes. Windhundzucht als kleinbäuerlicher Erwerbszweig? Der geftrige Windhundrenntag im Boftstadion hatte neben feinem sportlichen Verlauf insofern ein ganz besonderes Gepräge, als maßgebende Herren der Reichs- und der preußischen Ministerien den Rennen beiwohnten. Außer dem Polizeipräsidenten Zörgiebel, der mit Polizeivizepräsident Dr. Weiß und Oberregierungsrat Adriani erschienen war, tonnte man Staatssekretär Abegg vom preußischen Innenministerium nebst mehreren Herren feines Refforts beobachten, ferner Staatsfefretär Weißmann, sowie Herren aus dem Reichsfinanzministerium und dem preußischen Landwirtschaftsministerium. Die Herren nahmen eine eingehende Besichtigung der fportlichen und technischen Einrichtungen der Rennbahn vor. Der Besuch hatte vor allem den Zweck, die Grundlagen für eine etwaige Bindhundzucht beim kleinen Landwirt zu prüfen. b Vereinskalender. Freie Kann- Union. Borstandsfigung heute, Donnerstag, 1620 Uhr, IdealKlause, Marefchstraße. Arbeiter- Radfahrbund Solidarität". Ausfahrten für Sonntag, 19. August. 1., 2., 6. und 21. Bezirk: Gauwanderfahrt nach Wernsdorf, Lotal zur Linde. 9 Uhr: Bericht vom Bundestag. 1. Bezirt, 3. Abt.: 7% Uhr Laufiger Blag; 4. Abt.: 6 Uhr Weberwiese; 6. Abt.: 6 Uhr Schönhauser Allee 164.; 7. Abt.: 5 Uhr Brunnenplag; 8. Abt.: 18. Auguft, 18 Uhr, 19. Auguft, 5 Uhr, Arminiusplat; 11. Abt.: 6 Uhr Blochplay. 2. Bezirk, Ortsgruppe Steglig: 6 Uhr Birlbuschstr. 90; Ortsgr. Schöneberg: 6 Uhr Stubenrauchstr. 5a Röpenid Grünau, 8 Uhr; Ortsgr. Charlottenburg: 6 Uhr Galvaniste. 13; Ortsgr. Treptow- Baumschulenweg: 7 Uhr Bahnhof: Ortsgr. Neukölln: 6 Uhr Herzbergplaz.- 21. Bezirk, Ortsgr. Reinickendorf: 1. Abt.: 5 Uhr Residenzftr. 109; 2. Abt.: 5 Uhr Antonienstr. 61; Ortsgr. Heinersdorf: 18. Auguft. 19 Uhr, Kirche: Ortsgr. Borfigwalde: 18. August, 18 Uhr, Schubart- Ede Ernststraße; Ortsgr. Niederschönhausen: 5 Uhr Bornholmer Strake Ede Schönhauser Allee; Ortsgr. Lichtenberg: 6 Uhr Jung. Ede Oderstraße; Ortsgr. Stralau Rummels Motorfahrer: Abt. Norden: burg: 6 Uhr Türrschmidt Ede Lessingstraße. 7 Uhr, Brunnenstr. 101; Abt. Neukölln: 8 Uhr Herrfurthstr. 27. Touristenverein„ Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Abt. Charlotten Abt. Treptow: Freitag, 17. Auguft: Abendspaziergang nach dem Sportplag Oberforee. Treff: 18 Uhr Bahnhof Treptow. Abt. Reukölln: Freitag, 17. August, 20 Uhr: Flughafenftr. 68: Radtbaden und Strafgesetz. Bhatsgemeinschaft: Montag, 20. Auguft. Eberinftr. 12: Die Gammelmappe des Lichtbildners. Malkunft gemeinfchaft: Freitag, 17. Auguft, 20 Uhr, Johannisstr. 15. Arbeiter- Radfahrverein Groß- Berlin. Sonntag, 19. August, 5 Uhr: Störik fee bei Ertner. 13 Uhr: Rahnsdorf, Waldschlößchen. Start: Waldemarstraße Ede Mariannenplag. Gäste willkommen. Letzten Endes wird die Sache so enden, daß die Schwimmabteilungen Charlottenburgs von der Kanuabteilung zu ihrem Schaden verdrängt werden. Die Schwimmabteilungen werden sich dann dem Freien Schwimmer Groß- Berlin" anschließen. Dann ist der Traum der Kommunisten zu Ende, und auch die bundestreuen Paddler burg: Freitag, 17. August, 20 Uhr, Spreeftr. 30: Wirtschaftsfragen. werden dann wiffen, wohin sie gehören. 3. Kreis Wedding, SPD.- Arbeitersportler. Wichtige Sigung Freitag, 17. Auguft, 19½ Uhr, bei Witte, Pantstr. 84. Parteiaus weis nicht vergessen. asb la tola Die Radweltmeisterschaften. Falck- Hansen Amateur- Weltmeister. Das Schachturnier in Kissingen. In der vierten Runde des Großmeisterturniers in Bad Kissingen gab es eine hochintereffante Partie zwischen Bogot jubom und Reti Letterer hatte im Mittelpunkt Gelegenheit zu geminnen, fand aber den besten Zug nicht. So mußte er sich mit einer Remisstellung zufrieden geben, die der Ruffe aber so vorzüglich behandelte, daß die Partie einen für ihn fiegreichen Ausgang nahm. Tartatomer und Dates spielten eine forrette spanische Partie remis. Miefes unterlag gegen Nimzowitsch, der nach einer originellen Eröffnungsbehandlung eine Druckstellung erlangte und durch ein schönes Manöver die gegnerische Dame gewann. Der Ame- Bei schönem, allerdings zu warmem Better, nahmen die diese| den Dänen Hansen in die Schranken, Bernhard zog den Spurt rifaner Marshall hatte sich gegen Dr. E u we eine gute Angriffs- jährigen Radweltmeisterschaften am Mittwoch auf der an und hielt den Dänen bis 10 Meter vor dem Ziel, mußte aber stellung aufgebaut, aber Eume spielte fehr stark und hatte bei Abbruch der langmierigen Bartie Gewinnstellung. Eine Hängepartie zwischen Tartatower und Spielmann nahm einen unentschiedenen Ausgang. Bogoljubom führt nach der vierten Runde mit drei Bunften vor Capablanca, Rubinstein, Eume und Nimzowitsch je 2, Tartalomer, Marshall, Tarrasch je 2, Spielmann, Dates je 1%, Reti und Mesis je 1 Bunft. Nefis ie 1 Blau- Weiß- Tennisturnier. M 線 Am zweiten Spieltage war beim Berliner Blau- Weiß- Klub Hochbetrieb. Bemerkenswert ist der Sieg von H. G. Binden staedt, der durch taktisch fluges Spiel den routinierten Engländer Greig 7: 5, 6: 3 ausschaltete. Sonst gab es bei den Herren auf der ganzen Linie die erwarteten Ergebnisse. Hylliard England siegte gegen Schmitt 3: 6, 8: 6, 6: 3, der Franzose Rogers schlug Keller mit 6: 3, 6: 3, der Deutschböhme Menzel fertigte Beermann 7: 5, 6: 3 ab, Joba Frankreich behielt über Falbe nur knapp 7: 5, 8: 6 die Oberhand, Wolff gab Bergmann 6: 3, 6: 3 das Nachsehen, und der nicht mehr junge Engländer Cummings unterlag 3: 6, 1: 6 gegen Schlesinger. Im Dameneinzelspiel hatte die Engländerin Mrs. Satterthwaite wenig Mühe, Fräulein Kramer 6: 0, 6: 3 abzufertigen, Fräulein Beis Effen schlug die Spanierin Frau Morales ebenso leicht 6: 1, 6: 1. Die Engländerin Thomas mit Frau o Reznicet als Bartnerin war im Damenvierer 6: 3, neuen Stadionbahn zu Budapest mit der Entscheidung der Amateurfliegermeisterschaft ihren Anfang. Die meisten Fahrer, die schon beim Olympia in Amsterdam an den Start gegangen waren, gaben sich hier ein Stelldichein, darunter auch die beiden Deutschen Bernhard und Einsiedel. Der Austragsmodus brachte es mit sich, daß nicht weniger als 24 Läufe notwendig waren, ehe die Teilnehmer an der Vorentscheidung sich herausgeschält hatten. Hansen schließlich doch nach heftiger Gegenwehr den Vortritt mit einer Viertellänge lassen. Beaufrand fertigte den Italiener Corfi leicht mit dreiviertel Längen ab. Der nächste Lauf brachte dann eine leberraschung. Der Holländer Mazairac scheiterte hier an dem fräftigen Endspurt des Australiers Standen, während im vierten Lauf Severgnini dem Belgier van Maffenhove mit anderthalb Längen das Nachsehen gab. Nun folgte die Vorentscheidung. Hier gewann Beaufrand den ersten Leuf gegen Standen mit einer Länge, Hansen den zweiten gegen Severgnini mit zwei Längen, so daß alfo Beaufrand und Hansen im Finale standen. Die beiden Entscheidungen um den britten und vierten bzw. erften und zweiten Blaß gestalteten sich verhältnismäßig einfach. Im Rampf um den dritten Blatz siegte der Australier Standen beide Male sicher gegen den Italiener Severgnini; das eine Mal mit einer halben Länge, das andere Mal um Handbreite. Die Ausscheidungsläufe nahmen einen programmäßigen Aus gang, es sei denn, daß man die Niederlage von Einsiedel durch den Italiener Severgnini als lleberraschung bezeichnen will. Auch der deutsche Meister Bernhardt wäre beinahe an einem Italiener ge scheitert, da er Corsi nur um Handbreite schlagen fonnte. Im Hoff nungslauf fam Einsiedel gegen Theater- England und Scücs- Ungarn heraus und konnte sich durch seinen zweiten Blaß hinter dem Engländer für die Vorläufe, die in Zweierläufen ausgetragen wurden, qualifizieren. Er hatte das Bech, hier gleich auf den Olympiasieger Beaufrand Frankreich zu treffen, hatte gegen diesen nie eine Chance und wurde überlegen mit zwei Längen geschlagen. Ferner qualifizierten sich hier noch Fald- Hansen- Dänemart, MazairacHolland, Corfi- Italien, Severgnini- Italien, van Maffenhove- Belgien, Standen- Australien und Bernhard für die 3mischenläufe. Der deutsche Meister fuhr hier ein ganz großes Rennen und gab dem Im Handikap tam der Dresdener Einsiedel zu einem schönen ErEngländer Theater mit vier Längen das Nachsehen. Im ersten 3 mijchenlauf trat der Hannoveraner dann gegen I folg über van Massenhove, Jensen und Martinet. Im Kampf um den Titel mußte der französische Olympiafieger dem Dänen Fald Hansen, der ganz groß in Form war, in beiden Läufen den Vortritt lassen. Hansen schlug seinen Gegner im ersten Lauf, von der Spike fahrend, mit einer halben Länge, und auch im zweiten Lauf fam Beaufrand an feinem Gegner nicht vorbei, er wurde hier mit halber Länge geschlagen. + Geschäfts- Anzeiger Bezirk Norden- Often. GM Gebrüder Groh MALERHÜTTE- BERLIN GH VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 NO18, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR. 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