Morgenausgabe Nr. 387 A 197 4S.Iahrgaug DöcheaMch 85 Pf., monatlich ZAOVL im voraus zahlbar Postbezug 4L2 M. einschl. Bestellgeld, Luslandsabonne« ment 6,— M. pro Monat. Der„BonoLrts� erscheint Wochentag« lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilaoen.Boll und Zeit" und„Kinderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen» stimme",.Technik",.Blick in die Lücherwelt" und.Iugend'Dorwärts" P> WsLttnee vottsbla« Freitag n. August 1928 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 ps. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� dos settge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 6V Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme im Hauptgeschäft Linden- ftraße 3, wochentägl. von 8Va bis 17 Uhr, Jentealoesan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Telegrannn-Zldr.: Sozialhernokrat Berlin Vorwärts-Nerlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 27 536,— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten «nd Beamten Wallst». KS. Diikonto-Gesellschaft, Depositenkafse Lindenstr. 8 Keine Rheinlanddiskussion! Das pariser Ministerireffen„nichi geeignet". Pari». 16. August.(Eigenbericht.) Der Jlibecii' nreldet, daß die Regierungen in Paris, London, Brüssel und Rom aus die neue deutsche Rheinlanddemarche nunniehr geantwortet hoben. Danach wird die Ministerzusammenkunst aus Anlaß der Unterzeichnung'des Antikriegspaktes in Paris schon mit Rücksicht aus die Anwesenheit Kelloggs. der ausdrücklich erklärt habe, daß er in die Debatte europäischer Angelegenheiten nicht hin- eingezogen zu werden wünsche, für eine Wiederaufnahme der Dis- tussion über die Räumung der besetzten Gebiete als wenig ge- eignet betrachtet. Das Blatt gibt zu, daß dies ein nichtiger B o r w a n d sein könnte, da die Kabinette Zeit gewinnen wollten: e, behauptet weiter, die französische Regierung habe in ihrer Antwort zu oerstehen gegeben, daß sie gegen entsprechende Kompensationen und Garantien zur Freigabe des linken Rheinufers geneigt sein würde, die deutsche Regierung aber Verhandlungen darüber systematisch mit dem Hinweis ausweiche, daß sie noch den in Locarno gemachten Konzessionen ein mora- lisches Recht aus bedingungslose Räumung habe. Di« Angaben des Blattes dürften im großen und ganzen min- bestens die Anschauung der maßgebenden französischen Stelle über den Stand der Dinge wiedergeben. "» Die Verschleppung mit der Anwesenheit Kelloggs zu „begrüirden", ist höchst.'ächerlich. Wer hindert denn die Minister, ohne Kellogg über die Rheinlandräumung zu verhandeln?! französische Frontkämpfer in Deutschland. Paris, 16. August.(Eigenbericht.) Der„Duotidien� veröffentlicht ein Manifest der französischen Frontkämpfervereinigung, eine Zusammenfassung der Eindrücke der französischen Frontkämpfer von ihrer Fahrt nach Deutschland zum Internationalen Kongreß der Frontkämpfervereinigungen. Am Schluß der Kundgebung wird erklärt:.Wir sind sicher, daß dia große Masse der früheren deutschen Frontkämpfer und die Mehr- heit des deutschen Volkes fest zur republikanischen Idee und zur Friedensidee steht. Die Kundgebungen des Reichsbanners am Versassungstag haben den snnw zöfischen Frontkämpfern die Vision eines neuen Deutschland oer- mittelt." Französische Soldatenselbstmorde in Deutschland. Saarlmrg, 16. August.(Eigenbericht.) Im 25. algerischen Schützenregiment haben seit Mai sechs Soldaten ihrem Leben ein Ende gemacht, weil sie angebtich außerordentlich strengen Dienst zu versehen hatten. Die Mann- schaften sollen wiederholt vergeblich Hilfe gegen die Offiziere gefordert haben. Einheiisfront-Monöver. Kommunistisches KriegSgefchrei. Die Kommunisten versuchen, aus der Panzerschiff- angelegenheit ein Parteigeschäft zu machen. Sie geben fol- gende Ankündigung aus: „Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands hat in seiner Sitzung am 16. August beschlossen, all« Schritte zur schnellen Durchführung eines Volksentscheids gegen den Panzerkreuzerbau einzuleiten. Die kommunistische Reichstagsfraktion ist beauftragt worden, die vorbereitenden Maßnahmen für die Ein- reichung eines Voltsbegehrens zu treffen." Dazu ist zunächst rechtlich folgendes zu sagen: die Möglichkeit, eine Etatsposition aufzuheben, ist gegeben durch einfaches Gesetz im Reichstag. Nicht aber durch einen Volks- entscheid. Artikel 73 Absatz 4 der Reichsoerfasiung lautet: „Ueber den Haushaltsplan, über Abgabengesetze und Besoldungsverordnungen kann nur der Reichspräsident einen Volksentscheid veranlassen." Die kommunistische Zentrale ist sich über die Rechtslage natürlich im klaren, ihr Beschluß ist also eine leere Demonstration. Politisch bedeutet dieser Beschluß die Einleitung einer sogenannten„Einheitsfrontkampagne"— will sagen eines der längst bekannten Spaltungsmanöver der KPD. Man liest in der„Roten Fahne":„Außerparlamentarische Mobili- sierung zur proletarischen Einheitsfront gegen die Kriegs- Vorbereitungen der SPD.-Minister des Trustkapitals." Man liest von Rüstungen gegen die Sowjetunion, von Bedrohung der Sowjetunion durch den 16 lXXI-Tonnen-Panzerkreuzer, desien hervorstechendstes Merkmal seine militärische Unbrauch» barkeit ist. Dies Parolengeschrei ist so lächerlich wie verlogen. Erstens leben Deutschland und Rußland in sreundschaft- lichem Vertragsverhältnis. Zweitens ist Rußland militärisch zu Wasser und zu Lande dem entwaffneten Deutsch- land überlegen. Drittens: wenn dieser Panzerschiffbau Kriegsvorbereitung gegen Sowjetrußland ist, was war es, als die Sowjetregierung der Reichswehr Granaten lieferte und der kommunistische Parteiapparat zur Verheimlichung der Lieferung in Bewegung gesetzt wurde? Die Kommunisten sind begeisterte sowjetrussische Milita- risten, sie schwören auf den Krieg und hoffen auf ihn. Ihr Geschrei ähnelt dem Geschrei der französischen Nationalisten, die, waffenstarrend, sich von dem abgerüsteten Deutschland bedroht fühlen, um die Rüstungen ihrer eigenen Regierung zu rechtfertigen._ Die Reuordnung in China. Weitere Kuomintang-Reschlüsse. Die Kantoner Tagung der Kuomintang, also der China regie- renden Partei, hat außer den bereits gemeldeten Beschlüssen auch Vorschläge aiis Vereinheitlichung der militärischen Verwaltung. Ernsührung eines Rekrutierungssystems und Herabsetzung der Streitkräfte angenommen. Die Ausgab« für das Heer soll« nicht mehr betragen als die Hälfte der Gesamtsinncchme des Reichs. 46 Mitglieder würben m den Politischen Rat gewichlt, unter ihnen fast alle militärischen und zivilen Führer und mehrere andere, die— nach englisch-bürgerlicher Behauptung— Kommunisten sein sollen. Zwei der Gewählten waren während des abgelaufenen Jahres in Rußland. Di« einander feindlichen Gruppen seien zu einem Kompromiß gekonnnen, die jetzige Regierung, m der die Gemäßigten das Uebergewicht hätten, bleibe an der Macht. Japans Truppen in China. Tokio, 16. August. Der Kaiser bestätigte die Entschließung der Regierung, die sechste Division aus Schantung zurückzuziehen. Di« ersten Abteilungen erhielten Befehl, sich am 20. August in T s i n g- tau einzuschiffen. Man glaubt, daß die ganze Division Mitte September abtransportiert sein wird. Di« Absicht, die dritte Division bis auf weiteres in Schantung zu belassen, wird durch den Entschluß des Kriegsministeriums bestätigt,«ine Pionierabteilung nach dieser Provinz zu entsenden, um Winterbaracken zu bauen.___ Flaschenpost von Anmndsen. Neue Suche. Stockholm, 16. August.(Eigenbericht.) Vor einiger Zeit hat«in holländisches Fangschiff im hohen Norden eine Flaschenpost von Amundsen ausgefundm. Der norwegische Konsul in Amsterdam, der Amundsens Schrift ge- nau kennt, erklärt nun, daß der Zettel wirklich von Amundsen be- schrieben sti. Dies hat der Hoffnung auf Rettung Amundsens neue Nahrung gegeben. Amundsen und Guilbaud müßten nach der Flaschenpost am 1. Juti, 12 Tag« nach ihrem Verschwinden, noch gelebt haben. Der ft-rnzösisch« Dampfer„Pourquoi Pas" („Warum nicht"!!) trifft zurzeit Vorbereitungen, um von dem is- ländischen Hafen, in dem er vor Anker liegt, nach dem nördlichen Spitzbergen aufzubrechen. Der Eisbrecher„Krassin" wird am Sonnabend von Stavanger, wo er repariert wurde, nach Spitz. bergen abdampfen. Außerdem sollen sich an der Suche die beiden Dampfer„Braganza" und Vellekara" beteiligen. Eisenbahnkaiastrophe in Güdflawien. 20 Tote.- Sin Personenzug in die Tiefe gestürzt. Belgrad, IK. August. Heute nachmittag gegen 2 Uhr entgleiste auf der Strecke Risch— Skoplj ei« Personenzug. Alle 1» Wagen des Zuges stürzten vom Bahndamm in die Tiefe. Aus den Trümmern wurden bisher 2 0 Tote. 30 Schwer� und 30 Leichtverletzte geborgen. Der Verkehrsminister hat sich unverzüglich an die Un- glucks, telle begeben. Die Ursache der Entgleisung ist darin zu suchen, daß die Eisenbahnschwellen vollkommen morsch waren. Europa und Ehina. Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gleichberechtigung Das chinesische Volk nähert sich der Verwirklichung des Traumes Sunyathsens: der Einheit und Freiheit. Die Arbeiterklasse der Welt hat mit der wärmsten Sympathie den Vormarsch der Südarmee bis zu ihrem siegreichen Ein- zug nach Peking verfolgt, sie hat stets gefordert, daß unter der alten imperialistischen Chinapolitik ein Strich gezogen werde, daß die Mächte die volle Unabhängigkeit und Gleich- berechtigung Chinas anerkennen. Jeder Versuch der euro- päischen Diplomatie, die alten Gewaltverträge mit China aufrechtzuerhalten, wird auch in Zukunft auf entschiedensten Widerstand seitens des Proletariats stoßen, und der Brüsseler Kongreß hat in mehreren seiner Resolutionen der Solidarität der europäischen Arbeiterbewegung mit der chinesischen Demokratie Ausdruck gegeben. Das chinesische Problem hat aber noch eine weit- wirtschaftliche Seite, deren Wichtigkeit vielleicht nicht immer in vollem Maße erkannt wird. Was ist China? Ein ungeheures, zum großen Teil unerforschtes, uns unbekanntes Land. Seine Fläche, die niemals richtig ermessen worden ist, kann nur schätzungsweise ermittelt werden: sie beträgt rund 11 Millionen Cluabratkilometer,— fast 25 mal so viel wie Deutschland, genau soviel wie das gesamte Europa— von Pofkiigal bis zum Ural, vom Mittelländischen Meer bis zum Nord-Kap. Auch die Bevölkerung Chinas kann nur in runden Zahlen geschätzt werden. Meistens wird sie mit 440 Millionen beziffert: dreimal soviel wie in Rußland, siebenmal soviel wie in Deutschland, elfmal soviel wie in Frankreich, fast genau soviel wie im gesamten Europal Dieses ist der Umfang Chinas, als eines politischen und wirtschaftlichen Objekts: ein Land, das der Fläche und der Bevölkerung nach dem ganzen Europa und seinen 27 Staaten gleich ist! Und noch dazu: ein Land, das den klimatischen Verhältnissen und den Bodenschätzen nach mehr als Europa begünstigt ist und reicher als Europa sein könnte. Und trotzdem ist es seit jeher ein Herd der tiefsten, zum Himmel schreienden Not! Wir wollen hier nicht auf die geschichtlichen Gründe dieses jämmerlichen Zu- standes eingehen. Von entscheidender Bedeutung ist die Entschlossenheit der Führer des chinesischen Volkes, nicht nur ihr Land von der Herrschaft der fremden Mächte zu be- freien, sondern auch mit den traurigen Zuständen, die sie als Erbschaft der Kaiserzeit und des Bürgerkrieges erhielten, Schluß zu machen. In ihren Bestrebungen zur wirklichen, nicht nur politischen, sondern auch wirtschaftlichen Ver- einigung Chinas fühlen sich aber die Führer der Kuomintang pon zwei großen Gefahren bedroht: zwei mächtige Nachbar- staaten sehen den friedlichen Wiederaufbau Chinas mit un- verhüllter Mißgunst an, zwei Staaten haben den Einzug der Südarmeen nach Peking als eine Niederlage ihrer Außenpolitik empfunden. Das übervölkerte Japan braucht ein rückständiges, schwaches, zerfleischtes China für seine Expansionspolitik in der Mandschurei. Die Moskauer Regierung will die Flamme des Bürgerkrieges in China immer aufs neue entfachen, sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, daß die über Fernosten wirbelnden Funken ein- mal wieder den Weltbrand entzünden oder wenigstens das Pulverfaß Indiens sprengen werden. Das chinesische Volk, daß seine Einheit und den inneren Frieden behalten will, muß deshalb sich vor allem gegen die Treibereien von Tokio und Moskau verteidigen. Dazu muß es aber seinen mächtigen Nachbarn wirtschaftlich ebenbürtig werden. Vor fünf Iahren konnte man er- warten, daß der Sieg der nationalistischen Bewegung China von der Außenwelt abschnüren wird. Jetzt wird es immer offensichtlicher, daß es sich hier vielmehr um eine Annäherung an die wirtschaftliche Kultur Europas und Amerikas(ebenso wie in der kema- listischen Türkei) handelt. China ist bereit, denselben Weg zu betreten, den Japan vor sechzig Iahren gewählt hat. Ein anderer Weg ist ihm auch nicht gegeben. Die zu erwartende Umstellung der chinesischen Volkswirtschaft wird von größter Bedeutung für die gesamte Weltwirtschast sein. Die größte Plage Chinas, das größte Hindernis bei der Berwertunsi seiner Naturschätze, bei der zweckmäßigen Ber- teilung seiner Bevölkerung über sein Gebiet, bei der Sicherung einer vernünftigen Arbeitsteilung zwischen seinen Provinzen, kurz das größte Hindernis bei dem Aufstieg Chinas ist der Mangel an Verkehrsmitteln, der auch die politische Stabilisierung im Lande erschwert. Ehina besitzt so gut wie kein Netz öffentlicher Straßen. Seine Eisen- bahnen haben eine Gesamtlänge von nur 11 500 Kilometer (soviel wie im kleinen Belgien, fünfmal weniger als in Deutschland). Auf 1000 Quadratkilometer entfällt in Ehina ein Kilometer Eisenbahnstrecke, d. h. die Eisenbahnhaupt- linien im Lande sind im Durchschnitt 1000 Kilometer von- einander entfernt. Indessen erstreckt sich die unmittelbare ökonomische Wirkung einer Eisenbahn höchstens auf einen 100 Kilometer breiten Streifen. Das Eisenbahnnetz Chinas muß also wenigstens zehnmal dichter gemacht werden, und noch dann wird es kaum ein Drittel der Dichte des japanischen Gystemwechsel bei der Reichsbahn Eine Denkschrift des Einheiisverbnndes. Der Emhsitsverbal» der(Ei-fendahner Deutschlands hat in emer Denkschrift, di« dem Untersuchungsausschuß und den übrigen zunächst beteiligten Stellen zugegangen ist, zu der Frage der Ae- triebssicherheit bei der Reichsbahn Stellung genommen. Der Elsen- bahneroerband hat nach einer zusammenfassenden Darstellung der Unfallursachen allgemeiner und besonderer Art dem Untersuchungsausschuß eine Reihe wichtiger Borbs uzungs- maßnahmen in Vorschlag gebracht, die im wesentlichen in nochfolgenden Forderungen gipfeln: 1. Die finanzielle Borbelastung der Deutschen Reichsbahn ist durch teilweise Uebernahm« der politischen Lasten auf dos Reich aus ein erträgliches Maß herabzusetzen. Z. Dem Reichstag und der Reichsregierung ist«in weitgehendes Aufsichtsrecht über Detrieb und Dermoltung der Deutschen Reichs« bahn, als dem wertvollsten Besitz der Deutschen Republik, einzu- räumen. 3. Di« Recht»- und Dienstverhältnisse der Beamten sind ein- schließlich der Besoidung der«inseitigen Derfügungsgewalt der Reichsbahn. Gesellschaft zu entziehen und durch Reichsgesetze zu regeln. Alle Ausnahmebestimmungen auf arbeitsrecht- lichem Gebiet« sind aufzuheben. 4. Der Cinheitsverband sondert ferner, unabhängig von seiner grundfiitzlichen Einstellung zum Achtstundentag, de? auch im Be» triebs- und Verkehrsdienst dar Reichsbahn durchführbar ist, als sofortige, dringliche Maßnahmen: s) Zur Erhöhung der Betriebssicherheit der Reichsbahn ist die tatsächlich« Arbeitszeit der Personalgruppen, von deren Tätigkeit die Betriebssicherheit in erster Linie abhängig ist, m't so- fortiger Wirkung um mindestens drei Stunden im siebentägigen Zeit- räum herabsetzen; d) die h ö ch st z u l ä s s i g« S ch i ch t z« i t ist. den Forderungen der Geiverkschafte« entsprechend, zu begrenzen: c) die Dienststellenleiter sind anzuweisen, unter Mitwirkung der Personalvertretungen sofort ein« Rachprüfung der Dienst- plan« vorzunehmen mit den: Ziel, dienstliche Ueberanstrengungen des Personals nach Möglichkeit zu vermeiden: sie sind gleichzeitig zu ermächtigen, die erforderliche Perfonolvermehrung unter eigener BerantworNing vorzunehmen: 6) die Richtlinien und Anweisungen für die Er- mittlung der Arbeitszeit und des Personalbsdarfs sind unter Mitwirkung der Gewerkschaften und Persanalvertretvngen so- fort einer Reform zu unterziehen, um Fehlerquellen nach Möglichkeit auszuschalten: «) all« Dienstvorschriften sind sofort, unter Mitwirkung der Gewerkschaften und Personalvertretungen, einer Noch- Prüfung aus ihr« Durchführbarkeit zu unterziehen und mit den Erfordernissen des praktischen Dienstes in Ueberein- stimmung zu bringen: k) für die Durchführung und llsberwachung der Unfallver« hütungsvorfchriften sind selbständig«, von der Reichsbahn� Gesellschaft unabhängige Kontrollstellen zu schassen: g) die Personalvertretungen sind nach Möglichkeit zu allen Betriebsbesichtigungen, die der Belämpsunz öer Unfallgosahren dienen, hinzuzuziehen. Den Hauptteil der Denkschrift bildet das Kapital über die Uns fallurfochen besonderer?lrt, wobei die Persoualpolitik und Personalwirtschaft der Hauptverwaltung und die dienstliche Ueberlastung des Personals durch die gegenwärtige Regelung der Arbeitszeit ein« ausführliche Behandlung erfahren iKtfccn. Als besonders wichtig« Maßnahme zur Berhütxing von Uns fällen wind die richtige Durchführung der llnfallvers hütungsvorfchriften bezeichnet, für die ein« dauernd« sochs verständige Kontroll« unerläßlich ist. Für die sachgemäße Durch- sührung und Ueberwachung der Unfolloerhüturigsvorschristen wären selbständige, von der Reichsbahn-Gesellschast unabhängige Kontrollstellen zu errichten, die entweder dem Reichsner- kehrsminister oder den allgemeinen staatlichen Aufsichtsbehörden zu unterstellen und mit besonders sachverständigen und erfahrenen Be» awten und Arbeitern der Reichsbahn zu besetzen sind. Der gegen- wärtige Zustand, bei dem die Aufsicht und Kontrolle in der Haupt- fache nur den Dienststellenleitern überlasten sind, die durch ver- schieden« Methoden(Leistungszulagen, Prämien und sonstigen An- erkenmmgen) ongesport werden, Höchstleistungen aus dem Personal herauszuholen, kann unmöglich auf di« Dauer aufrechterhalten wer- den. Es wind noch darauf hingewiesen, daß auch di« Personalver- tretungen und Gewerkschaften bei ihren Bestrebungen auf»'ne wirkungsvolle Bekämpfung der Unfallgefahren bisher auf große Schwierigkeiten gestoßen sind und die Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Betriebsvertretungen bei Bekämpfung der Unfallgefahren sehr viel zu wünschen übrig läßt. Der Einheitsverbond fordert einen möglichst weitgehenden Systemwechfel� durch den auch die selbftverantwortliche Tätigkeit der Dienststellens leiter und die Mitarbeit des Personal» gefördert wird. Es wird nun Aufgabe de, Untersuchungsausschusses sein müssen, die Dorschläge und Forderungen des Einheitsverband«» zu prüie» und ihre Durchsührui'g im Jntereste einer«höhten Betriebssicher« heit zu unterstützen. Eisenbahnnetz«» besitzen. Jedenfalls ist damit zu rechnen, daß China, falls feine gesunde Entwicklung andauert, schon in den nächsten Iahren sich viele tausende Kilometer Eisen- bahn mit dem entsprechenden Material anschaffen muß. Es handelt sich um Unternehmungen, die eine Investierung von vielen Milliarden Dvllar erfordern. Sind aber derartige Investierungen in einem armen, durch den Bürgerkrieg oerwüsteten Land überhaupt möglich? Zweifels- ohne! Ein Land wie China, so arm es gegenwärtig auch fein mag, ist reich genug, um die größten Kapital- moestierunaen zu rechtfertigen, die der Belebung seiner brachliegenden produktiven Kräfte dienen sollen. Selbst- verständliche kann aber diese Aufgabe nur auf Grund lang- fristiger Kredite, unter Mitwirkung der industriellen Länder der Welt gelöst werden. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes ist aber für China nicht das einzige Verkehrsproblem. Vielleicht wird die große Ostrepublik imstande sein, mit eigenen Kräften seine Landstraßen zu entwickeln, allerdings muß es von außen Kraftfahrzeuge beziehen, wobei es sich um hunderttausend und abermals hunderttaufond Stücke handeln wird(gegenwärtig hat China rund l-liOOt) Kraftwagen, ein Kraftwagen auf je 30 WO Einwohner, in Japan entfällt aber ein Wagen auf je lliOO Einwohner). Die Amerikaner haben bereits die Wichtigkeit dieses neuen Absatzmarktes für ihre Automobilindustrie verstanden: sie schlagen der chinesischen Vegierung vor, auf eigene Kosten viele tausend Kilometer Landstraßen zu bauen unter der einzigen Be» dingung, daß die Kraftfohrzeuge für die Straßen bei ihnen gekauft werden. Neben der Entwicklung der Landverkehrs- mittel steht in China die nicht minder dringende Aufgabe der Anschaffung einer modernen Binnenwasser- und See flotte; gleickzeitig entsteht die Frage der Aus- rüstung eigener Werften und Fabriken. Ein amerikanischer Statistiker bat einmal berechnet. welcher Segen es für die Textilindustrie der Welt gewesen wäre, wenn alle Chinesen sich um 10 Zentimeter länger« Röcke anschaffen wollten. Diese Berechnung war selbst- verständlich nicht ernst gemeint. Jetzt ober gebt es um etwas seh? Ernstes. Die neue Wendung der chinesischen Geschichte hat Voraussetzungen geschaffen für eine für beide Seiten höchst vorteilhaft; und fruchtbare Zusammenarbeit der kapitalistisch und technisch l?ochentwickelten Staaten des Abendlandes mit dem großen Volke des Ostens, das eine neue Organisierung seines wirtschaftlichen Lebens anstrebt. Di« Führer der Kuomintang sind geschickt genug, um diese Frage nicht auf- zurollen, solange die Gemaltoerträge nicht abgebaut sind: si; wollen nicht die mit solchen Opfern eroberte und noch nicht gesicherte Unabhängigkeit ihres Landes gegen Aus- kandskredite preisgeben. Die Initiative muß von de? anderen Seite ausgehen. Die Vereinigten Staaten scheinen diese» ver- standen zu haben, die europäische Diplomati« trägt ihre traditionelle Kurzsichtigkeit zur Schau. Es genügt die in China in europäischen Sprachen erscheinenden Zeitschriften durchzublättern, um zu sehen, welchen tiefen C>n- druck die geschickten Schritte Washingtons(die Mahnungen Eoosidges an die amerikanischen Bürger in China, di? Noten des amerikanischen Außenministeriums usw.) auf di« offent- kläre Meinung Chinas gemacht haben und welch« Erbitterung die zweideutige Haltung Europas«rweckt. Die Arbeiterklasse kann nicht der Entwicklung der Ding« als unbeteiligter Beobachter beiwohnen. S'e will dem chinesischen Volke in seinen Bestrebungen zur Freiheit helfen, gleichzeitig ist sie ober unmittelbar daran interessiert. daß die wirtschaftliche Zusammenarbeit des Osten» und des Westens zur Tatsack?« wird, daß die an chronischer Krise leidende Industrie Europas und Amerikas neue Absatz- markt« im Fernen Osten bekommt. Indessen werden diese Märkte gesperrt bleiben, solange man si« mit Gemalts» vertragen und Kriepsschiffen öffnen will. Nur«ine auf- richtige Anerkennung der neuen Log« China? seitens der Mächte,' nxr eine rücksichtslose An- erkennung der unbeschränkten Z o l s o» t o n o m i« und der Gleichberechtigung der chinesischen Republik, nur di« Entschlossenheit, auf dieser neuen Basis eine neue Oftpolitik aufzubauen, kann den glücklichen Ausgang der chinesischen nationalistischen Revolution zum Ausgangspunkt einer günstigen Wendung in der Weltwirl- fchoftskonjunktur machen. Man darf hierbei keine Illusionen nähren: die endgültige Lösung des Problem» der Weltkrise ist nicht auf den über- seeischen Märkten, auch nicht in China, sondern in einer Reorganisierung der Wirtschaft der hoch- kapitalistischen Ländern zu suchen. Nichtsdesto- weniger ist die eine oder die andere Entwicklung der Be- ziehungen zwischen Europa und China für die Wirtschast»- läge Europas und dementsprechend auch für die Lag« de» europäischen Proletariats von großer Tedeuwng. Znierparlamenianfche Union. Iubiläomstqgvng in Verlin. Zur Iubtläiirnstagung der Irüerparlmnentarischen Union, der fünfundzwanzigsten seit ihrer Gründung, von, 23. bis 28. August i« Berlin, werden tausend Vertreter au» ollen Parlamenten der Welt erwartet. Di« Union hat in Zß Staaten Gruppen. Die größte Gruppe ist die polnische inft 273 Mitgliedern. Nordamerika zählt 2öZ Milglieder. Ungarn 235, die Tschechoslowakei 215, Schweden 209, Großbritannien 188, Deutschland 179. Finnland 159, Dänemark 148. Frankreich 133, Bulgarien 106, Kanada 85, Lettland 82, Norwegen 80. Holland 56, D e u t s ch ö st e r r e i ch 53, Schweiz 51, Philippinen und Italien se 40, Niederländisch-Indien 34, Irland 19, Mexiko und Litauen se 22 Mitglieder. Wiedereininii in die Krisenfürsorge. Die llntkrstühunaekvaue? für ältere Arbeitslose. Zuschriften au» dem Leserkreis zeigen, daß vielfach Unklar. heiten über den Anspruch auf Krisenunterftützunz für ältere Ar- beitilos« bestehen. Wir machen deshalb daraus aufmerksam, daß älteren Arbeitslosen, also solchen Arbeitern und Ange- stellten, di; da» 4 0. Lebenssahr überschritten haben, die Krisenuni«rstützung bis zu einer Höchstdauer von 5 2 Wochen bewilligt werden kann. Arbeitslose iiftcr 40 Iahi e, die aus der K> isenunterstutzung ausgeschieden sind, weil st« di° buhrrige Höchstdauer erreicht hatien. haben beim Vorliegen der lanstigcn Poraussetzunaen Anspruch aus den Rest der .'üs-N'.ltzterftützung vis zur G-samihöchstdauer van 52 Woch-n. Die Angestelltenversicherung versagt. Oie Rentenempfänger können v»orten. Do? Gesetz über Leistungen in der Invaliden- und Angestellten, Versicherung vom 29. März 192« sieht unter bestimmten Borau»- setzungen«ine Erhöhung der laufenden Renten ob 1. Juli rnr. Diese kümmerlich« Erhöhung ist ein geringer Abschlag auf den notwendigen Ausbau der Renteimersicheruna Da» Gesetz wurde heneu» am 31. März im Reichegesetzdlatt veröffentlicht- Mit Recht dursten die Rentenempfänger«rmarten- daß si, rechtzeitig in den Genuß dieser sehr bescheidenen Erhöhungen kommen. Vit Versicherung»- träger haften Zeit genug für die Umrechnung de? Renten. Au» zahlreichen Zuschriften«rgidt sich sedoch. daß ou»gerechnet die A n g est e l l t« n v e rsi che r u ng mit ihrem riesigen Per- waltungsopporat nicht einmal der verhältnismäßig sehr geringen Zahl von Rentenbezi«h«rn die Erhöhung hat zukommen lassen. Bei der Zahlung durch Postscheck Ende Juni wurde erklärt:„Die Renten- Umrechnungen ob 1. Juli sind noch nicht völlig beendet. Falls Ihnen ein« Erhöhung zusteht, wird si« so bald al» möglich nachgezahlt." Anfang August, also nach über vier Monaten Umrechnungszeit, war auch diese» Dersprechen noch nicht erfüllt. Die Beschwerde- führer erhielten zu ihrer Beruhigung die gleich« Erklärung. Do» ist ein geradezu katastrophale, Dersagen der Angestellten. Versicherung. Wie will sie erst ihren Aufgaben gerecht werden, wenn »in« größer« Zahl von Renlendeziehern vorhondan ist? Schließlich sind auch genügend stellenlos« Angestellte vorhanden, di« nötigen- fall» zur Umrechnung hätten eingestellt werden können. E» muß »erlangt werden, daß oll»» getan wird, damit olle Rentenbezieher endlich zu ihre« Geld kommen. Friedenskongreß der Jugend. �niei nationale Tagung in Holland. Amsterdam. 15. August(Eigenbericht.) Em Ualtstiedenskongreß der Jugend trat in Eerde unweit vmmen zusammen, di« Fortsetzung de» großen Jugendtongrejses 1928 in Biervill«(Frankreich), wo zum ersten Male nach dem Krisg« Jugendlich« verschiedener Richtungen und Rationen voll ein- mutiger Jriedcnsgesinnung einander die Hand reichten. Dem Kon- grcß liegt das Bewußtsein zugrunde, daß»» nicht mehr bei dem gesühlsmähizen.Nie wieder Krieg" bleiben darf, sondern wirklich ernste Friedensarbeit verrichtet iperden muß. Sa entschlossen sich die Brillsckze Jugendföderaiion. die Deutsch« Welljugendliga, die französische Gruppe„Le Traft d'Union"(Der Bindestrich), die Amerikanische Jugendzeurssenschast und die Niederländisch» Friedens- beivezung der Jugendlichen, gemeinsam diesen Kongreß zu organisieren. Zehn Ausschüsse werden Rationalität. Gesellschaft, Bolkswtrtschast. Kolonial« Probleme, Völkerbund, Abrüstung. Religiöse Probleme. Erziehung und Presse, Politische Problem? und Zusammenarbeit der Jugendlichen deHandeln. Di« Zahl der Kongreßteilnehmer beträgt 500. wovon 325 auf Europa, 100 aus Amerika und 75 aus den Fernen Osten entfallen. Riederland wurden 50 Plätze ein- geräumt. Dft Gesamikasten des Kongresses belaufen sich auf 14006 Gulden, dazu roch 3600 Gulden Reisezuschuß für Teilnehmer au? dem Fernen Osten. Dem stehen Einnahmen aus Teilnehmergeldern gegenüber, so daß da? verbleibende Defizit von 5400 Gulden auf acht Lander verteilt Werden kann. Niedorland hat hiervon 500 Gulden übernommen. Der Kongreß wird ml» einem großen Jugend- fest am Sonntag. 27. August, abschließen. Di« wichtigst, Ausgab« diese» Korqresse» ist, die Grundlazen für«in« Aeltfriedan». föderation der Lugend zu legen. Kongreßsprachen sind Französisch, Deutsch und Enzlisch. Ausgelchoben wird die Beröfientlichung d«» engiisch-fronzosischen Flottenabkemmen»— angeblich, um d-e Meinungsäußerung der RcgierunZen abzuwarten, denen ca müzetcilt iLvrden ist, Rußlands Geireidenoi. Nervosität der Sotpjetpreffe. Moskau, 15 August. Dl« Sowietpresie äußert sich über die neue Kampagne der Getreidebereitstellungcn ziemlich nervös, berichtet viel üb« Stockungen und mangelhafte Kontrolle und fordert rechtzeftiae Sicherung der Durchführung der Kampagne. Heute ist in die Konferenz der lokalen Stellen des Hondelskommissariots ein sammengetreten, um unter Mitwirkung von Vertretern der Gefteibes Handelsorgan« den endgültigen Plan für die neue Kampagne ans« zuarbeiten und di« Bereitstellungsmethoden festzulegen. In der ersten Augiistdekade erreichten die Getreidebereilstellungen der staats liehen und genossenschaftlichen Organe 82 423 Tonnen. Die neue Hochgebirgsgefahr der unsichtbaren Ztaiiengrrnze. Zun, druck. 15. August. Der, Tiroler Anzeiger" brrlchtel- Mebrer« wiener Journalisten unternahmen von Außcr-villgrattm>a Osttirol eine Bergtour aus da» Dfannhor». Unterhalb der ilallrnischen Grenze wurde« die Touristen aus österreichischem Gebiet van zwei ilalte- oischcn Finonzbeamten angehallen und zur Au»iuei«'cigung ani« gefordert. D>e Touristen wcigerlc« sich dessen. Bei ihrem Rück- marsch wurden sie in einer Entfernuog von 200—250 Metern vou den zwei Italienischen Zinonzbeamlen verfolgt und mit fünf bi, sechs Gewehrschüssen bedacht, die glücklicherweise ihr Ziel versehlten. Die Grenze ist im Hochgebirge naUirgsmäß gor nicht überall sichtbar zu moelstm. Eigentlich würde es sogar zum Faschismus passen, quer über Fetsenwände und Gletscher wie durch Wälder und Täler einen grümneihroten Zaun zu legen. Noch ist da» aber nicht geschehen und nur zu leicht kann es Berawandercrn passieren, unversehens auf jetzt italienisches Gebiet zu treten. Dann aber wehe ihnen, wenn sie nicht das italienische Einreisevisum haben, das z. B. für jeden Reichs- deutschen Iß M. kostet. Ja. selbst nur der Grenze nahe zu kommen, ist schon gefährlich, denn in Kenntnis der Ohnmacht des zur„Selbständigkeit" verdammten Deutschösterreich „amsieren" diese ehrenwerten Organe ganz ungeniert auch auf dem Nachbargebiet.___ Die Entdeckung Hawais. Oenkmalkidnfhü'wnz nach 150 fahren. Rem Jork. 16. August. Heute wird in W a i m« a auf der Insel Hawai ein Denkmal zur Erinnerung on die Entdeckung der.Hawoi-Jnsel durch Kapftän Cook vor 150 Jobren e-ngeweilft werden. Drei vritische Kreuzer, «in amerikanisches Dchsachtlchiff und zehn Flugzeuge nehmen on der Festlichkeit teil. Spä'er gehen die Schjsf«„ach K e a l o k e o u a in See, wo Kapüän Cook von Eingeborenen getötet wurd«. Der amerikanische Kr!eg-f«kretär Davis ist zur Teilnahme an de» Fsstlichkeiten eing«trofs«n, di« am Montag ihren Abschluß finden werden. Waldbrand in Sibirien. Moskau. 16. August In- Baikalzehist in Sibirien wütet fest zwei Wochen eu» r i« l,, e r W a l d b r a n d. All- Persuche, da« Feuer zu lokallsix reo. sind eftolglo? geblieben. Der Brand hat sich viel« Kilon�ler weit«rfireütK Wenn Wilhelm feierte... Was Hoffeste der Kaiserzeit lasteten. Ms Echo der Lerfassungsfeiern in Berlin war in der Presse wiederholt und höhnisch auf die angeblich„ungeljeuren Kosten" hingewiesen worden. Man verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß die Verfassung„einer besonderen finanziellen Unterstützung aus einem Fonds bedürfe, der dazu bestimmt ist, die Berfossung einer Minderheit gegen eine Mehrheit zu verteidigen". Hierzu schreibt der Amtliche Preußisch« Pressedienst: Als die Hundertjahrfeier des Geburtstages des Kaiser Wil» Helms I. gefeiert wurde, wurden— 1897— allein von der Stadt Berlin aus ihren Mitteln nicht weniger als rund 171 000 M. verausgabt, wovon allein auf die Feststraßs. die ausgeschmückt und illu- miniert wurde, 120 000 M. entfielen. Als das Zöjöhrige Regie- rungsjubiläum Kaiser Wilhelms II. ISlZ begangen wurde, betrugen die Unkosten für Ausschmückung der Straßen und Häuser rund 200 000 M- Es mußten damals 1ZOHOO M. durch die Sammlungen von Komitees aufgebracht werden, damit die Stadt Berlin nur noch 70 000 M. von sich au» zu decken hotte. Für kleiner« Empfänge, wie allein schon des P r inz r e g« nt e nv o n Bayern am 6. Juli 1913 wurden lediglich für die Empfangsfeierlichkeiten auf dem Anhalter Bahnhof und im Rathaus 13 300 M. von der Stadt ausgegeben. Ein« rein höfifch-familiäre Altgelegenheit, wie der Einzug des tronprinzlichen Brautpaares am 3. Juni 1005 kostete die Stadt Berlin nicht weniger als 146 000 M. Barausgaben. Bei genauer Berücksichtigung der inzwischen ver- änderten Geldverhällnisse würde das gleiche Arrangement heute schätzungsweise 250 000 M. gekostet hoben— Summen, hinter denen seibswerständlich die Ausgaben für die Berfassungsfeiern ganz außer, ordentlich zurückbleiben. Der Einzug der Prinzessin Auguste Diktoria im Jahre 1831 kostete die Stadt Berlin 1 t 500 M.(heutiger Wert etwa 23 000 M-). Der Einzug der Braut des Prinzen Eitel Friedrich 1906 22 000 M. theutiger Wert 37 500 M.). Auch für den Einzug der Braut des P r i n z e» August Wilhelm, 1908, mußte die Stadt Berlin Aufwendung«« von 17100 M. machen, die heut« etwa 30 000 M. erfordert hätten. Alles das waren, wie gesagt, rein« höfisch« Angelegenheiten. Politisch ander» zu bewerten waren natürlich die Empfang« fremder Fürstlichkeiten. Aber auch hier mußten die öffentlichen Mittel, die Gelder der Stadt Berlin, den Houptteil der Kasten tragen. So kostete die Ausschmückung de» Pariser Platzes zum Empfang des Kaisers Franz Joseph im Mai 1900 rund 90000 M.(heut« würde die gleiche Ausschmückung 150 000 M. verschlingen). Beim Einzug de? englischen Königspaare,»m Februar 1909 mußte die Stadt Berlin für die Ausschmückung des Pariser Platze» und Unter den Linden mehr als 42 000 M. und für die Aus« ihmückung des Rathauses 25 300 M. verausgaben— Aus, schmückungsarbeiten, die auf Grund der heutigen Taxen 115 000 M. kosten würden. Berlin stand mit diesen Erfahrungen nicht vereinzelt da. E» ist ja aus vielen Betfpielen bekannt, welch« großen Kosten jeder Auf- enthalt des früheren Kaisers jn den verschiedenen Üandesteile» bei feinen zahlreichen Reisen verursachte. Im Jahre 1908 bezahlt« ein« einzige deutsche mittlereProvinzstadtim Westen de» Reiches für einen Kaiserempfang die Summ« von insgesamt 150 000 M! E» ist anzunehmen, daß diese Ziffern— die aktenmäßig fest» gestellt worden sind— den Urhebern d«r erwähnten Artikel in der Rechtspresse auch nicht schätzungsweise bekannt gewesen sind, alz sie es bemängelten, daß überhaupt öffsnlliche Gelder für die, feier, l che Begehung des Tages ausgeworfen worden sind, an dem da» deutsch« Volk sich die Berfossung gegeben hat, die e, vor dem stoot« lch?n Zusammenbruch bewahrt und die die Erhaltung der Einheit des Reiches gesichert hat. Daß im übrigen Rattonolfeiertoge— also Tag«, an denen nicht nur der Hof. sondern ein Volk feiert, auch in anderen Ländern unter Zuhilfenahme öffentlicher Mittel feierlich begangen werden, zeigt das Beispiel Frankreichs. Denn in diesem J:hre hat— nach den detaillierten Angaben des.L'intranssgent", ollein die Stadt Paris aus ihren Mitteln für die Balksfeiern in den Theatern, auf den Straßen usw. 466 000 Franken ausgegeben. Ausschluß- wessen? Zeitungsnotiz: Lambach Hai gegen seine« Ausschluß au» der ORVP. Berufung eingelegt Oer Ausschlußontrog gegen Hvgenberg wurde an den Borstand weitergegeben. Die Mahnung an Vulganen. preßstimmen aus Sofia. Sasia. 1«. August.(Eigenbericht.) Das Regierungsorgon„Demokratitschesti S g o w o r" erklärt, daß der Lärm, der in den letzten Togen um irgend« e,ne Rote zweier Großmächte geschlagen morden ses. grundlo» sei. Tatsache sei lediglich, daß die Vertreter einiger Großmächte dem Außenminister Buroff in freundschosttichster Form auf die Konseguenzen der letzten Ereignisse in Mazedonien vorgeführt hätten. Da« mit den Mazedoniern sympathisierend« Blatt„Sora" will dagegen aus unbedingt zunerlässiger Quelle wissen, daß Frankreich und England die bulgarische Regierung aus Verlange»» Südslawiens und Griechenlands aufgefordert haben. endlich die JMRO.(Innere Mazedonisch« Revolutionär« Organi- sation) zu liquidieren. Sie sei eine ständ-nd England bäticn dem Balkanfrieden mehr gedient,»wenn sie ihre Ratschläge in B e l g r a d angebracht und darauf geachtet hätten, daß den Mazedoniern endlich einmal zumindest die elementar« sten Menschenrechte geiyährt würden. Im.Marod"»sendet sich der Vorsitzende der sozialistischen Sobranjefmktion. P a st u ch o f f. gegen„die sich häufenden Einzel- und Kolltttionoten und Schritte gewisser Großmächt« bei dem be- siegten Bulgarien".„Soviel man diesmal verstehen kann—- heißt es wörtlich weiter-«- ist da» Vorgehen der beiden Mächte auf die Angst Südslawiens zurückzuführen, daß Bulgarien die jugoslawisch« Staatskris« ausnutzen könne, um irgendwekch« Vorteil« für sich zu erzielen. Wir Soziallsken sind gegen gewaltsam« Veränderung d« UN- gerechten Status quo. Wir sind aber auch dagegen, daß die Schwierigkeiten irgendeine» BalkanstaateZ noch erhöht»erden. Cm« Angst Südslowien» ist um so mehr unbegründet, weil die bulgarisch« äffen«sich« Meinung auf- richtig und ebne Reserve friedliebend gestimmt ist. Die Bul- xa-en sind in ih-r großen Mehrheit Freunde einer Politik der Wer andern eine Grude gräbt. &o.i selbst am längsten oft gelebt? Freiheit für Indonesien. Ein Appell an die Well. Au» Amsterdam schreibt mem im»; Der Vorsitzende der indonesischen Swdenteimereinigung„Per- himpunan Jltdonesta'. Mohammad Hatto, der mit drei anderen Vorstandsmitgliedern»roch fast halbjähriger erniedrigender Untersuchungshost von der Anklage verschiedener Pressevergehen wegen Verjährung im März d. I. freigesprochen wurde, hat nynmehr im Verlag seiner Organisation eine Schrift unter dem Tstel„Indonesien frei!" erscheinen lassen, die Beachtung verdient. Indonesien ist ein Rom«, der noch heute von den Anhängern einer unbeschränkten niederländischen Oberherrschaft im Archipel nicht gern gebraucht wird und daher im Ausland verhältnismäßig unbekannt ist, ober schon in naher Zukunft wachsende Bedeutung erlangen wird. Indonesien ist der Sammelname für die vielen mdloiischen Völker, die da» dicht bevölkerte Java, das an Natur- schätzen reich« Sumatra und eine Reihe anderer Sundoinseln bewohiren, für Völker, die gewiß im Verlauf der Geschichte mehr als einmal sich in verschiedenen Staaten gegensätzlich gegenüberstanden und verschieden« malaiische Dialekte sprechen, aber doch «ine all« und g-nneinsame Kultur Hab«», die sich?n ehrivurdigem Alter mit der europäischen durchaus messen kann. Indonesien ist aber auch der Inbegriff eine» eripochenden Staattdewußtsein». dos über olle Verschiedenaietigkeiten der Arten und Dialekt« hinweg die indonesischen Stämme verbindet. und die jung« indonesisch« Intelligenz ist der Träger diese» Bewußtsein. Freilich sieht der oberflächlich urteilende Europäer in den großen Hafenstädten von Java meist nur den schiver sich plagenden Kuli uird ist dann geneigt» danach die Indonesier in Bausch und Begen als kulturell untermertig zu beurteilen. Schließ« lich ober ist dieser Kuli da« ureigene Produkt der europäischen Zwingherrschaft, die ihm die Schulung vorenthielt. ihn zum Analphabetismu» verurteilt«, ihm das Koalition»r««ht vor« enthält und ihn dadurch von jeder Zlusstiegsmöglichkeit als Mensch künstlich isoliert. Mohammed Hata ist der Sprecher seines unterdrückten Volkes. Das er in der Schrift wiedergibt, ist dasselbe, Iva» er in seiner Verteidigungsrede sogen wollte. Er spricht weder ol» Kommunist noch als Sozialist, da? sind für ihn sekundäre Gesicht», punkte. Er spricht als indonesischer Nationalist, al» dar Träger eine» neuen Staalsgedankens. der einmal die nieder- ländssche Kokoniolherrschaft in Indonesien abzulösen berufe« Ist. Cr vnterstreicht scharf die Notwendigkeit für die indonesisch« studie- rend« Jugend, sich an politischen Fragen zu beteiligen, wobei er auf da» Beispiel anderer Rationen in ähnlicher Lage verweist, wo gleich- fall» die Studentenschaft der Trager des nationalen Befreiungs- gedanken» war. Cr mahnt die Niederländer an ihre« eigenen Unabhängigkeiis- kämpf gegen Spanien. der. sobald es sich um Indonesien handelt, in gewissen Schichten der niederläitdischen Gesellschaft vergessen zu sein scheint. Mohammad Hatto gehört der Bourgeoisie seine» Volke? an, aber die» macht ihn nicht blind für die ungeheuren sozialen Nöte der Missionen arbeitender Indonesen. Er zstiert den Niederländer Wellenstein: danach von der lndonesifchen venöikerung bei einem Durchschnliisein- fomme» mm Salden die gleichen 10 pro z. Ein- kawmensteaer erhoben wie bei Europäern mit 99W bis 10 000 Guide» Jahreseinkommen. und doch sind 225 Gulden Jahreseinkommen knapp 19 Gulden monatlich, knapp 7,?5 Guide» oder 7 deutsche Mark die Woche, wovon Millionen Familienväter sich und ihre zahlreichen Fa- mitten erhalten sollen. W««r hierzu zu sagen hat, ist eine der schwersten Anklagen, die bipher gegen die niederländische Kolonial- Verwaltung erhoben wurden. In großen Zügen umreißt Mohammad Hatto dos Grundsatzpro- gramm der„Perhimpipian Indonesia". Er hebt die Sätze hervor: „Nur«n seiner Zusammengehörigkeit bewußtes Indonesien, das von allen Streitfragen per Gruppen untereinander absieht, kann die Macht der Zwingherrschoft brechen. Das gemeinschaftliche Ziel, die Befreiung Indonesien»,«rforder» dos Zustandekommen felbstbe- »vußter, auf aizene Kraft sich stützender nationaler Masfenok- tionen. Mit entschiedenen Worten lehnt er olle Politik des Flehen» und Pikien». oll« Politik der Bettelei um Gunst ob und er- klärt, daß nur der Grundsatz d« Nonkooperation, der völligen Enlhalbmz von der Teilnahme an der Aernmitung und dem Schelnpariomenkarismu« da» Volksroies in Valavia dem indonesrschen Boll sein Selbstvertrauen wiedergeben und sei» posirisches Bewußtsein stärken tömi«. Grundsatz seiner Organi- sation ist und bleibt die Verbreitung und Kräftigung de» nationale indonestschen Emheitsgedanken», während die Niederländer bisher den ei«» Stamm gegen den anderen auszuspielen trachteten. Es ist«ine von'riefer Leidenschaft durchglüht« Schrift, in der Mohanrmad Hatto die Sache seine» Volkes verteidigt. Das mdo- nssisch« Problem besteht: hier hat es sein« klarst« Formulierung gc» funden. Soll dies« Schrift ober ihre Wirkung nicht verfehlen, so müssen die Augen der Kulwrivelt daraus gerichtet werden. Sie ist«in Notschrei ein« Volkes, da» sein Seldstbesriinmu ngsrecht verlangt, eines nicht etwa unter» »»ertigen nder halbwilden Volkes, sondern eine» alten Kultur. volle», da» zu neuer Blüte seiner kulturellen Eigenart aufzusteigen begehrt und der kolonialen Bevormundung in jeglicher Form von Tag zu Tag mehr entwächst. brüderlichen Verständigung auf der Basis der Gleichheit und Gerechtigkeit, aber nicht der Unterwerfung. Die«uro- päische Diplomati« muß deshalb endlich aufhören, die Roll« des Bändiger, dos besiegton Staates zu spielen, anstatt V« r m i t t. ler zwischen den sich streitenden Nachbarn zu sein und die Basis für ein Balkanlocarno vorzubereiten." Die Dalmatiner demonstrieren. Oer iio