BERLIN Freitag 17. Auguft 1928 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntag& 12 Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Vf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 10 Pf. Nr. 388 B192 45. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeits Spätausgabe des„ Vorwärts fi 80 f.. Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif Bosschecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 29% Sowjetkrieg in Ostasien! Mongolische Truppen ziehen an die Grenze der Mandschurei. Nach einer Meldung aus London berichtet der Korrespondnf der Morning Post" in Charbin: Die Aeußere Sowjet- Mongolei hat dem Staat Barga den krieg erklärt. Ein von Urga, der Hauptstadt der„ Sowjet"-Mongolei, gefandtes Ultimatum, in dem ein Wiederzufammenschluß verlangt wurde, ist von dem Herr. fcher von Barga, dem Fürsten Guifu, abgelehnt worden. Eine starte Abteilung mongolische rote Kavallerie, die von Ruffen ausgebildet wurde, hat einer Meldung zufolge die Grenze überschrit. fen. Die Chinesen senden in Eile Truppen in der Richtung auf Hailar. Automobile find für militärische Zwede mit Beschlag belegt worden. Die chinesische Ostbahn und japanische Bergbau- und Holzintereffen find in Mitleidenschaft gezogen. Mongolische rote Kavallerie hat die Stationen Unur und Barim an der chinesischen Ostbahn befeht und die Strede zerstört. Die telegraphische Verbindung ist unterbrochen. Transsibirische Expreßzüge find vorsichtshalber in Charbin angehalten worden.„ Morning Post" bemerkt dazu, diese Bedrohung Bargas werde möglicherweise eine Wirkung auf die anschließende Mandschurei und somit indirekt auf Japan ausüben, das wichtige Intereffen in dieser Provinz habe. Der Sonderberichterstatter des Wolfffchen Bureaus meldet aus Peting noch folgendes: Die mongolifchen Halha- Truppen haben die oftchinesische Eisenbahn etwa 170 kilometer östlich von Hailar besetzt und die Gleise aufgeriffen, so daß der 3 ugvertehr nach Sibirien unterbrochen ist. Die Bahnlinie weftlich von Hailar foll ebenfalls befeht worden sein Der Konflikt ist durch die Ablehnung des Ultimatums der Halha- Regierung der Aeußeren Mongolei an den Staat Barga entstanden. Die Barga- Mongolen begrüßen angeblich eine Lostrennung von China und eine Bereinigung mit der äußeren Mongolei. In der Nordmandschurei fieht man die Lage als nur vorübergehend und nicht besorgniserregend an und erwartet das Eingreifen chinesischer Truppen. * Mitten in das fommunistische Berrätergeschrei in der Panzerfchiffangelegenheit plagen diese Meldungen von der Kriegs. erflärung der von Somjetrußland abhängigen Aeußeren Mongolei an einen Nachbarstaat. Barga liegt zwischen der Mongolei und der Mandschurei, der Staat untersteht der chinesischen Oberhoheit. Ein Angriff auf Barga muß als Bedrohung der Mandschurei aufgefaßt werden. In der Mandschurei aber freuzen sich die Intereffen Chinas und Japans, so daß es leicht zu einer neuen und schweren friegerischen Berwicklung in Ostasien tommen fann. Es scheint, als ob Sowjetrußland in Barga ähnliche Methoden anwendet, wie bei dem Ueberfall auf Georgien Auch damals hat man behauptet, daß die Bevölkerung die Sowjettruppen mit Begeisterung empfange. Wenn die Machthaber in Moskau wirk lich so friedliebend sind, wie es jetzt auf dem Kongreß der fommunistischen Internationale wieder behauptet worden ist, so hätten sie allen Anlaß, ihre Truppen in der Mongolei von friegerischen Abenteuern zurückzuhalten und nicht noch durch militärische Unterstützung den Ausbruch eines neuen Kriegsbrandes in Ost= afien zu fördern. Aber die tommunistische Theorie, wie sie von den deutschen Agenten Sowjetrußlands verbreitet wird, steht mit der Sowjetpraxis in schreiendem Widerspruch. Doch das ist nicht nur in bezug auf die Sowjet- Mongolei der Fall. Die Erklärungen der Sowjetbotschaft. Von einem Staat ,, Barga" weiß hierzulande kein Mensch etwas. Wohl aber hieß die Hauptstadt der Aeußeren" Mon golei, die ein selbständiger republikanischer Staat ist. bis vor furzem Urga. Die Innere" Mongolei ist ein Teil des chinesischen Reiches. Die Botschaft der Sowjet- Union erflärt uns auf Anfrage, von Unruhen in Ostsibirien oder gar von einer Unterbrechung der Eisenbahn nichts zu wissen, nach den letzten Berichten, die ihr zugegangen sind, sei dort alles in normalem Ruhezustand. Weiter erklärt die Botschaft, daß die Aeußere Mongolei feineswegs zur Sowjet- Union gehöre, sondern nur gegenseitig durch Gesandtschaften freundschaftliche Beziehungen unterhalten würden. Natürlich hat aber der Sowjetgesandte in Urga das entscheidende Wort, wie aus verschiedenen Reisemerken, so dem des Amerikaners Chapman Roy hervorgeht, dessen Erpedition in der Wüste Gobi Dinosaurier ei er und wertvolle Stelette des ungeheuren Baluchitherienus und urgeschichtlicher Drachen gefunden hat. Ein Auto zwischen zwei Straßenbahnen. An der Kreuzung der Charlotten- und Kronenstraße versuchte am Donnerstag eine mit zwei Fahrgästen besetzte Kraftdroschke zwischen zwei aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnen durchzuschlüpfen. Dies gelang nicht mehr, das Auto wurde von beiden Straßenbahnen erfaßt und vollständig zertrümmert, Chauffeur und Insassen wurden verletzt. Fünf Mordalarme an einem Tage! Hochbetrieb bei der Berliner Mordkommission. Am geftrigen Tage wurde die Berliner Mordkommission in nicht weniger als fünf Fällen alarmiert. Unweit der Charlottenburger Brücke wurde die Leiche einer Frau aus dem Landwehrkanal geborgen. Strangulationsmale am Halse ließen den Verdacht aufkommen, daß die Frau ermordet worden fei. Die Kriminalpolizei ließ durch Kriminalkommissar Salaw die notwendigen Ermittlungen anstellen. Bisher fonnte noch nicht einwandfrei ermittelt werden, ob die unbekannte Frau Selbstmord verübt hat oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Tote ist etwa 35-40 Jahre alt. Die Wäsche trägt das Monogramm 3. K. In seiner Wohnung in der Kleinen Markusstraße 4 wurde der 70jährige Rentner Otto Lampe unter verdächtigen Begleitumständen schwerverlegt aufgefunden. Der Mann wurde in das Krantenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, st ar b. Da der Berstorbene bei seiner Auffindung furze Andeutungen gemacht hatte, daß er überfallen worden sei, wurde die Reservemordtommission von dem Borfall in Kenntnis gesetzt. Bisher fonnte man noch feine Anhaltspunkte gewinnen, die auf ein Berbrechen schließen lassen. Volksbetrüger vor Gericht. Munitionsunglück in Norwegen. Berichte 2. Seite. Der dritte Alarm lief aus der Lehrter Straße 11 im Polizeipräsidium ein. Der 62jährige Schneider Franz Müller war in seinem Schlafzimmer von Angehörigen tot aufgefunden worden. Der hinzugerufene Arzt konnte die Todesursache nicht genau festellen und ließ die Kriminalpolizei benachrichtigen. Nach den bisherigen Ermittlungen ist M., der bereits mehrere Tage bettlägerig war, wahrscheinlich einem Herzschlag oder Schlaganfall erlegen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Ein weiterer Mordalarm tam aus der Kleinen Post= traße 8. In seiner Werkstatt war dort der Kürschner Weiß auf dem Fußboden liegend leblos aufgefunden worden. Verschiedene Umstände riefen auch hier den Verdacht hervor, daß W. den Tod von fremder Hand gefunden hatte. Neben dem Toten wurde eine Mehrladepiftole vorgefunden. Bei der näheren Untersuchung der Leiche wurde ein Schuß festgestellt, der die Lunge getroffen hatte. Es ist sehr wahrschein lich, daß W., der sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben soll, Selbstmord verübt hat. Schließlich fam noch ein Mordalarm aus Kremmen i. d. Mart. Unter frischem Heu versteckt wurde auf dem Heuboden seines Grundstücks der 33jährige Schlächter Konrad Walter tot aufgefunden. Man war durch einen üblen Geruch auf den Scheunenboden aufmerksam geworden. Als man das Heu beiseite warf, fand mn die stark in Verwesung übergegangene Leiche. Walter wurde bereits seit etwa 8 Tagen von seinen Angehörigen vermißt. Bor drei Jahren hatte er in die Wirtschaft hineingeheiratet und wohnte mit seiner Frau und den Schwiegereltern auf demselben Gehöft. In legter Zeit sollen die Geschäfte nicht ganz nach Wunsch gegangen sein. Der Zustand der Leiche machte eine genaue Erkennung der Todesursache unmöglich. Die Beamten der Berliner Mordkommission, die Kommissare Werneburg und Lifsigkeit, haben die Nachforschungen aufgenommen. Zur Sektion toird sich im Lauf« des Tages Prof. Strauch nach Kremmen begeben. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, ist es gelungen, die Persönlichkeit der am Salzufer gelandeten Toten festzustellen. Es ist eine 43 Jahre alte Jenny K., die zurzeit bei ihren Per- wandten in Schäneberg wohnte. Sie war aus Pforzheim nach Berlin übergesiedelt, um der Grabstätte ihres Vaters näher zu sein. Ihre Bemühungen um Beschäftigung hatten zuerst Erfolg g«< habt, dann aber hatte sie ihren Posten wieder verloren. Durch die mißlichen Umstände schwermütig geworden, beschloß sie, ihrem Leben ein Ende zu machen. Diesen Entschluß teilte sie in Abschieds- briefen an ihre Angehörigen auch mit. Als die Briefe in die Hände der Empfänger kamen, war Jenny K. schon in den Tod gegangen. Bersuchie Wirtschaftsspionage. Im letzten Aagenblick verhindert. Schon wieder wird aus Köln ein Fall von Wirt. >.'Hastsspionage bekannt, dessen Urheber diesmal in Paris flhen. Betroffen Ist die deutsche chemische Industrie. Die französische Geheimpolizei in dem besetzten Gebiet, die Suretä, hat es unternommen, durch ihre Angestellten Kennt- nisse aus besonders wichtigen Gebieten der deutschen chemischen Industrie zu erlangen und in Betriebsgeheimnisse ein- zudrmgen, die für die deutsch« Industrie von großer Bedeu- t u n g sind. Mit knapper Not ist es gelungen, diese Machenschaften aufzudecken, wiewohl bereit« einige Geheimnisse in die Hönde der Spion« gefallen sind. Die Spionage richtete sich unter Verschwendung großer Mikrel vor allem gegen die I. G. F a r b e n- I n d u st r i« in Ludwigs- hafen-Oppau und auf das Leunawerk in Merseburg und Leverkusen. Vierzehn Tage etwa ist es her, daß drei Angestellte der I. G. Aarben, Ludwiqshasen, auf Anweisung der Staalsanwallschaft verhastet wurden. In den Wohnungen der Festgenommenen fand man schweres Beweismaterial. Es ergab sich, daß Paris dos Zentrum der Wirtschaftsspionage ist. Das Netz war weit gesponnen, alle Werk« der I. G. Farben waren betroffen, in Paris liefen die Fäden zusammen. Die Sraatsanwaltschaft untersucht die Angelegenheit aus das genauest« und man darf hoffen, daß die bei den drei Verhafteten gefundenen Beweisstück« Aufklärung über dos g e- samt« Wirtschoftsspionagenetz in den Werken der I. G. Farben liefern werden. Die Typhuserkrankungen bei Potsdam. Bisher ilS Fälle. Die Potsdamer Typhuserkrantungen haben, wie die» immer bei derartigen epidemischen Krankheiten der Fall ist, in den letzten Tagen einen Zugang von weiteren Fällen erfahren. Bis heut« früh waren sechs neue Fälle gemeldet worden, davon drei in Pots- dam selbst, und zwar in der Brandenburger Dorstadt, und drei in dem in der Nähe gelegenen Eaputh. Bei den letzteren Erkrankungen steht die Diagnose noch nicht völlig fest, da die Untersuchungen durch den zuständigen Kreisarzt von Belzig, Kreismedizinalrat Dr. Manthcy, noch nicht abgeschlosien sind. Mit den Caputher Erkrankungen hat man im ganzen bisher achtzehn Fäll« feststellen können, wobei es sich bei einigen allerdings nur um Derdachtsfälle handelt, ohne daß die Typhusbazillen bisher mit Sicherheit nachgewiesen werden konnten. Die Kranken, deren Befinden durchaus nicht desorgnis- erregend ist, sind im St. Joseph- Krankenhaus und dem städtischen Krankenhaus untergebracht. Oer Kindersarg. Zm klerikalen Köln verlangte das Wohl- fahrtsam', baß ein tlnterstühungsempsänger sein Kind in einer Kiste beerbige, ba ein Sarg zu teuer sei. „Glauben Sie mir, daß die Seele Ihres Kindes sowieso nur netto in den Himmel gelangt, die Tara ist am Eingang zurückzulassen!* Vampire am l Gin Vauskandal c Harburg Mlhcmsburg(Elbe), 17. August.(Eigenbericht) Vom 7. bis 16. August wurde vor dem großen Schöffengericht Harburg-Wilhelmsburg(Elbe) die Anklage des fortgesetzten Betruges in großem Maßstabe gegen«inen polnischen Kaufmann Majewski, einen Architekten Jochem und einen Hausmakler H ä t t a s ch verhandelt. Die ersten beiden hatten schon einmal in ziemlich anrüchiger Weise im Wehnungsbau gearbeitet, und zwar in Sasel, einem holsteinischen Vorort von Hamburg. In eine Sied- lungs- und Baugenossenschaft, der„Kriegskameradschaft", hatten sie sich dort eingedrängt, und wenn ihr Verhalten auch nicht vor dem Strafrichter, sondern nur im Zioilprozetz«inen Abschluß fand, so spielten doch schon recht sonderbare Geheimverträge zwischen den beiden zum Schaden jener Genossenschaft eine bedeut- same Rolle. Im Frühjahr 1S20 glaubte Majewski, in Wilhelmsburg. das damals noch nicht mit Harburg vereinigt war,«w neue» Betätigungsfeld gefunden zu haben. Es war ihm bekannt, daß dort die Wohnungsnot groß war. Auch wußte er, daß die Ar« beiterbevölkerung mit Leuten polnischer Herkunft durchsetzt ist. Und gerade in das Vertrauen der letzteren glaubt« er sich schnell«in- schleichen zu können. Er gründete eine„Siedlungs-, Spar- und Baugenossenschaft" und wurde zu- ihrem Geschäfts- führer gewählt. Seine erst« Tätigkeit bestand darin, daß er sich für drei zurückliegend« Monate Gehalt auszahlen ließ, für eine Zeit, während der die Genossenschaft noch gar nicht au- der Taus« gehoben war! Geschäftsleute im Kleinhandel, Beamte der unteren Gruppen, A n g e st e l l t e und Arbeiter fanden sich bald in de- deutender Zahl, die Mitglieder der Genossenschaft wurden, je 1 5 M. Eintrittsgeld bezahlten und mindestens einen, meistens aber mehrere Anteilscheine der Genossenschaft in Höhe von Lü Mark lösten. Dabei„vergaß" Majewski ganz, ein« Buchführung einzurichten, führte nur eine Kladde, und auch in diese„vergoß" er nianche Ein- tragungen zu machen. Festgestellt wurde in den Verhandlungen, daß er von vielen Mitgliedern das Eintrittsgeld vereinnahmt, aber nicht verbucht hatte. Es war also in seine Tasche ge- wandert. h Aber die Mitgliederzahl vermehrte sich, und viele Mitglieder wollten nun bald auch etwas von dem versprochenen Wohnungsbau sehen. Da erinnerte sich Majewski an seinen Freund, den Architekten Jochem. Dieser inußte nun Baupläne und Skizzen entwerfen, obgleich noch nirgends ein Vaugrundstück getaust war. Die Pläne wurden den drängenden Wohnungsuchenden unterbreitet, und sie konnten sich schon«ine beliebige Wohnung aussuchen und diese fest mieten, wenn— sie«inen Baukostenoorschuß in Höhe von 206 bis 1200 Mark bezahlt hatten, j« nach der Größe der Wohnung. Selbstverständlich lieferte der Architekt seine Bauzeichnungen nicht umsonst, denn die in der Genossenschaft gesührt Kladde verzcich- net im Jahr« 1026 schon«ine Ausgabe für Bauzeichnun- gen von 6000 Mark. Allerdings behauptete der Architekt, nur 4000 Mark erholten zu haben. Es waren auch nur über 4000 Mark Belege aufzufinden. Obgleich nun immer noch nicht, trotz vielerlei eingeleiteter Der- Kuntiionärkonferenz. Berichtigung. Die allgemeine Aunksionärkonferen; für die Berliner Pariei- funklionäre sindcl nicht, wie irrtümlich heule morgen im„Bor- wärt," angegeben, Dienstag, den 2 S. August, sondern schon Dienstag, den 21. Augost, In den Germaniasälen stall. Der Bezirksvorstand. Oer Giftmord im Pfefferland. Schwere Ausschreitungen in Eayenne. Paris, 17. August.(Eigenbericht.) Da» Kolonialmisterium teilt jetzt einen Bericht des Gouverneurs von Guayana(Südamerika) über die Ursachen der Unruhen mit. die in der Hauptstadt E a y e n n e nach dem Tode des früheren Abg. E a l m o l ausgebrochen waren. Colmot war am 4. August in die Klinik gegangen und ist am S. August morgens gestorben. Eine Dienerin halte ihn mit einer Toste Bouillon vergiftet. Der Bevölkerung bemächtigte stch aus die Todesnachricht große Erregung: Leute drangen in die Häuser der städlischen und Regierung sbeamlea. die als Gegner Ealmot» bekannt waren, und töteten sie. Ein Beamter wurde g e st e i u i g t, ein anderer buchstäblich zu Tode gehetzt. Die Polizei reichte nicht aus, um die Ordnung aufrecht- zuerholten. Franzöfisch-Guyana ist die berüchtigte tropische Straf- kolonie mit der T e u f e l s i n s e l. auf der auch Hauptmann Dreyftäs unschuldig büßen mußte. Der Schreckensort wird auch weiter, unbekümmert um alle Proteste und aufregenden Erzählungen Geflüchteter, als Strafkolonie benutzt. In Cayenne leben natürlich auch sehr üble Subjekte, freigelassene Schweroerbrecher und minderwertige Mischlinge aller Art. Flach neun Lahren! Opfer des llnterseeboot-Wahnsinns. Riga, 17. August.(Eigenbericht.) Das britische Unterseeboot„1. 55", das am 4. Juli 1019 in der Koporfki-Bay von russischen Zerstörern gerammt worden war. ist jetzt durch Bergungsschiffe der Sowjetunion gehoben worden. Als das Unterseeboot in Kronstadt geöffnet wurde, fand man Im Jnnern zahlreiche Skelett«. Das Unterseeboot war zur Zeit seine» Unterganges vermutlich mit 40 Mann besetzt Die Sowjetregierung hat bereits«ine Untersuchung eingeleitet. Oer Wetterwinkel im Flordosten. polen und Litauen. kowno, 17. August. Der aus Wilna zurückgekehrte Berichterstatter der„Jüdischen Stimme" äußert sich sehr pessimistisch über die weitere Eni- Wicklung des polmjch-litauijchcn Konflikt«. Alle Polen, mit denen eidenden Volk. n der Wafferkanie. Handlungen, irgendwelche Baugrundstücke erworben waren, sollte die Vermietung der zu errichtenden Wohnungen doch im großen betrieben werden. Man fand in Harburg bald eine gefällige Makler- f i r m a, welche sich verpflichtete, gegen 15 Proz. Vermittlungsgebühr auf die Höhe der«ingezahlten Baukostenzuschüsse weitere Be- werber zu suchen und an diese Wohnungen zu oer- mieten. Das Geschäft blühte! Das HausmaNerbureau war an den Wänden ausgestattet mit aufgehängten Bauzeichnungen, m i t Photographien angeblich bereits gebauter H ä u s e r. In Wirklichkeit stammten die Bilder von alten Häusern, welche auf einem Grundstück standen, um welches die Gcnoffenschoft einmal ohne Erfolg gehandelt hatte. Mehr als 100 Aamilien haben sich aus diese weise täuschen lassen, sind in dem Maklerburemi Mit- glieder der Baugenossenschaft geworden, haben Geschäftsanteile der Genossenschaft gelöst, haben Baukostenvorschüsse in Höhe von 200 bis 1200 Mark in jedem Einzelfalle bezahlt, aber Häuser sind nicht gebaut worden, und es ist gar nicht daran zu denken, daß jemand eine Wohnung durch die Genossenschaft er- halten hätte. 140 Zeugen schilderten in der Verhandlung, wie die An- geklagten ihre Vertrauensseligkeit und Gutgläubig- k e i t belohnt haben. Wenn sie leise Zweifel an der Ehrlichkeit dieser geschäftstüchtigen Leute hatten, sich Auskunft holten, ob bald ge- baut würde, dann war nach ihren Aussagen ein großes Wohnhaus schon im Bau, zu einem anderen wurde der Grund gerammt. Alles war purer Schwindelt— Der Stadtbaurat von Wilhelmsburg lud im Herbst die maßgebenden Leute der Genossenschaft und die Angeklagten zu sich, warnt« sie eindringlich und versuchte, ihnen klar zu machen, daß sie ohne Mittel der öffentlichen Hand gar nicht zum Wohnungsbau größeren Stils kommen könnten. Als dies nichts half, warnte er in der Tages- presse vor dem Treiben der Gesellschaft. Da» war so ohne allen Erfolg, daß er im Frühjahr 1027 abermals öffentliche Warnungen loslassen mußte. Aber nun schlug auch die Opposition unter den Mitgliedern der Genosseufchast gegen ihre Leitung hohe Wellen. Es gab stürmische Versammlungen der Genossen- schaft, und im Mai 1027 mußte deren Geschäftsführer gehen. Er hinterließ leere Geschäftsbücher, 20 Mar k�K a s s« n- bestand und«ine Menge Bauzeichnungen. Der Hauptangeklagte Majewski behauptete, er sei wiederbolt nach Warschau gefahren, um polnische Banken für die Bauprojekt« zu interesiieren. Viel« Versprechungen hätte er gehört, aber kein Baugeld bekommen. An viele früher in Deutschland regierend« Fürsten habe er sich mit der Bitte um finanzielle Unterstützung seiner Bauvorhaben gewandt, auch nach D o o r n, aber überall nur Klagelieder darüber erhalten, daß es den Herrschaften selb st sehr schlecht ginge und ihm niemand mit Geldmitteln helfen könne. Das Urteil, das Donnerstag abend in später Stund« ver- kündet wurde, lautete: Majewski erhätt 3 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust, Jochem 10 Monat« Gefängnis. Hättasch wird freigesprochen, da ihm eine direkte Beihilfe an den Betrügereien nicht nachgewiesen werden konnte. Di« Geschädigten sind zum größten Teil klein« Leute,, von denen viel« ihr, letzten Spargroschen bei dieser samosen Genossen- schaft eingezahll hatten. er in Wilna während des Leglonärfestes über die aktuellen politischen Fragen gesprochen habe, hätten sehr erbittert über Litauen gesprochen und der litauischen Regierung vorgeworfen, daß sie zur Beilegung de» Streits nichts tun wolle und betont, daß Polen» Geduld am Ende sei. Wenn auch die Dölkerbundstagung in Gens eine Aenderung der litauischen Haltung nicht erreichen sollte, so müsse sich Polen für weitere Schritte volle Handlungsfreiheit vor- behalten. Der Leiter der Warschauer Ostabtcilung, ehemaliger sozialistischer Abgeordneter Holuwko, hat sich in Wilna gegenüber den litau- tschen Prelseoertretern allerdings sehr ruhig geäußert. Inzwischen hat freilich eine Rote des Woidemaros über Konferenzort und Datum mit allerhand advokalorischcn Kniffen in Warschau den schlechtsten Eindruck gemacht. Ein neuer Ozeanftug. Lieber Grönland und Island nach Schweden. Rockford(Illinois), 16. August. Die beiden A liegen hosiell und Eromer sind mit ihrem Flugzeug G realer Rockford" heule früh um 6.40 Uhr zenlralamerika- nischer Zelt zu ihrem Fluge nach Stockholm gestartet, vi« Flieger beabsichtigen, zunächst nach Eochrone(Onlario) zu fliegen und do:t den Lenzinvorrat zu ergänzen. Morgen soll der Flug in der Rich- lung nach Grönland fortgesetzt werden und von dort nach Irland und Stockholm. Die Flieger führen einen Radioapparat und ein Gummisaltboot mit. Eochrane, vntarlo,(Kanada). 16. August. Das amerikanische Flugzeug„Sreater Rocksord" ist heul« noch» mittags 2,Z0 Ahr wohlbehalten hier gelandet. Explosion in einem Bergwerk. 16 Tote. Rem Jork, 16. August. Durch schlagende Wetter in einer Kohlengrube von C o a l> port im Staate Pennsylvanien wurden 17 Arbeiter verschüttet. Nur einer der verschütteten Arbeiter konnte lebend geborgen werden._ Mit dem Faltboot in den Tod. Gestern abend unternahm der Schlosser Gerhard Thiel aus Potsdam mit seinem Faltboot eine Fahrt aus der Havel. Unterhalb von Wald-Potsdom kenterte das Boot, und Thiel e r- trank. Der Reichswasjerschutz hat seine Leiche geborgen. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt ver yrutigen Postauffage bei. Sozialdemokratischer Dahlverein Petershagen. Sonnabend, den 1Z. August, 20 Uhr, Monatsv« rsommlung im Lokal Madel, Dorfftr. Taaeeordnung: Vortrag des Gen. Kühl, Strausberg, über Zweck und Ziele der Konsumgenvssenschaftsbewegung. 2. Stellungnahme zur Errichtung einer Aerteilungsstelle. Anhänger und Freunde such herzlich eingeladen. | Der Genosse aus Brafilien. Sine wahre Humoreske aus Sowjetrußland. Der selige Gogol, der berühmt« russische Satiriker, würde an dieser Geschichte seine reine Freude haben; allerdings war es dies- mal kein Revisor, der die Behörden hineinlegte, sondern ein„Welt- reisender", ein„Genosse aus Brasilien"... Er tauchte eines Tages in der Stadt Swerdlofost auf. Internationale Solidarität schlug bei den örtlichen Gewerkschasts- oerbänden lichterloh« Flammen. Man quartierte den Genossen aus Brasilien im Hotel«in, bewirtete ihn aufs best« und versorgte ihn mit dem nötigen Kleingeld. Als er plätzlich verschwand, war man ernst- lich betrübt. Der illustre Gast hatte sich aber der Hauptstadt der tatarischen autonomen Sowjetrepublik, nach Kasan, zugewandt. Ein« beson- dere Delegation des Volkskommissariats für Bildungswesen sorgte für einen würdigen Empfang: ein Zimmer in einem erstklassigen Hotel, Diners und Abendessen mit besten Weinen und ein Auto standen zu seiner Verfügung. Man zeigte ihm die Bildungsinstitute und die Altertümlichkeiten. Das Volkskommissariat für Bildungs- wsfen wurde von dem für Justiz abgelöst. Der brasilianische Genosse zeigte jedoch eine ganz eigentümliche Abneigung gegen das Justiz- , wesen; so bedurfte es großer Mühe, um ihn zur Besichtigung des Gefängnisses zu bewegen. Besonders feierlich gestaltete sich .das Abschiedsessen: es fielen rührende Worte über die Freundschaft der beiden Länder Sowjetrußland und Brasilien, und zum An- denken überreicht« man dem brasilianischen Genossen eine Uhr: der Vollzugsrat der tatarischen Republik rückt« mit 73 Rubeln heraus, das Volkskommissariat für Finanzen steuerte unter vielen Entschuldi- gungen 30 Rubel bei. Der teure Gast schien überwältigt. Die Ehre, ihn in seinen Mauern zu beherbergen, fiel nun der Stadt Petropawlost zu. Alles war zu seinem Empfang bereit, das Zimmer im Hotel, das Auto usw. Mehrere Tage widmete der . Gast der Besichtigung der Fabriken. Beim Abschied erhielt er einen � schönen Mantel und vom Bureau der Gewerkschaften 30 Rubel. Das gleiche wiederholt« sich im Zentrum der südurolischen Metallindustrie, in S l a t o u st, und in K r a s n o u f i m s k. Hier ver- ewigte sich d«r Museumsleiter mit dem brasilianischen Genossen auf einer gemeinsamen Photographie. Weiß der liebe Himmel, wieviel Volkskommissariate, städtische Vollzugzröte, Gewerkschaftsvcrbände usw. noch die Ehre gehabt häitcn, den Genossen aus Brasilien zu begrüßen, wenn die Kriminal- polizel in Krasnoufimst nicht Verdacht geschöpft hätte! Der teuere Gast aus Brasilien, der Träger wahrer internationaler proletarischer Solidarität entpuppte sich schließlich als der ganz simple Arbeiter aus Kiew Alexander Petrowitsch Serbin. 2In seine vielgeliebte Freundin Sojetschka hotte er aber eine bemerkenswerte Epistel geschrieben. Hier eine kleine Kostprobe: „Ich glaubte immer, Sojetschka, daß man das Glück nur im Gelde finden kann. Run ergibt es sich, daß ich mich geirrt habe. Stell Dir nur vor, daß ich bereits sieben Monate unterwegs bin und endlich dies Glück erlebt habe. Ich habe das erreicht, wonach ich gestredt habe— Geld, Ehre und einen Namen. O, Sojetschka, wenn Du nur wüßtest, wie man mich schätzt und ehrt. Als ich in Kasan war— das ist die Hauptstadt der tatarischen Republik— da hielt man mich für den Sohn des brasilia- nischen Konsuls in Eh ins, und ich habe tatsächlich diese Rolle meisterhaft durchgeführt. Die Volkskommissare und die Mit- alieder des allrussischen Vollzuoerats umgängelten mich, 11 Tage lang stand ein Auto zu meiner Verfügung: man nannte mich nicht etwa Schurke Serbin— keine Idee, sondern„Mister Binz"(Logis nahm ich im besten Hotel, alle umschmeichelten mich, und wie sollten sie da» auch nicht, da ich doch der Sohn eines amerikanischen Kon- suis bin und mich auf der Weltreise befinde, um die Städte der Welt kennenzulernen. Ha, ha!) Mir zu Ehren haben sie so etwas wie ein Bankett arran- giert und haben mir bei dieser Gelegenheit eine Uhr geschenkt. Ais ich abfuhr, stellten sie mir ein Kupee mit Sitzpolsterung zur Ver- fügung: in den übrigen Städten die gleichen Ehrungen. Sogar Papiere haben sie mir ausgestellt, laut denen ich nun ein brasilia- nischcr Reisender bin. So war mir das Glück hold: vielleicht bringt es mir noch eine Lebensstellung ein. Du mußt mir, meine Teuere, gratulieren, ich habe ein Buch von?30 Seiten geschrieben. Ich habe es in Druck gegeben und bin überzeugt, daß es einen hervorragenden Film abgibt. s£). Sojetschka, das wird eine Deltsensation— mit einem Schlage werde ich zur Weltberühmtheit.)" Das von der Wellberühmtheit scheint fast zu stimmen: und wenn auch das mit dem Buche richtig ist— was man wohl nicht an- nehmen darf, so wäre eine recht amüsante Lektüre zu erwarten. O, unsterblicher Gogol, wenn du noch lebtest! Die Geschichte vom„Genossen ous Brasilien" aber ist in der „Jstpcstisa" vom 22. Zuil nachzulesen.' Kusscz:. !K'esenfon;ert mit Wettkampf? Am Sonntag, dem 10. August, konzertiert das groß« Streich- Orchester des Deutschen Musikerverbandes(60 Künstler) unter der Leitung namhaftester Dirigenten im Lunapark, Halensee. Das Konzert, welches nachmittags 4 Uhr beginnt, endet mit einem D i r i g e n t e n w« t t st r e i t. Es ist gelungen, zu diesem Wett- streit den Generalintendanten Marco G r o ß k o p f, ersten Dir!« genten der Wiener und Budapester Dolksoper, Hofrat Dr. Groß, ersten Dirigenten des Landestheaters Altenburg und des Konzert» vereins-Orchester München-Kissingen zu gewinnen. Außerdem haben sich weiterhin bekannte Berliner Dirigenten für diesen Wettstreit zur Derfügung gestellt, und zwar L. Löwenthal, Hauskapellmeister des Cafä Vaterland, Herbert Strauß, Kapellmeister im Primus- Palast, Gustav R o t h a m e l. Kapellmeister im Mercedes-Palast, und der bekannt« Komponist und Dirigent Julius Einödshofe r. Durch die Zusammenstellung des erstklassigen Konzertprogramms und durch die Mitwirkung der hervorragenden Konzertdirigenten verspricht dies Konzert ein mus italisches Ereignis ersten R o n g e s zu werden._ Otto Pilafki 70 Zahre«IL Heute feiert Genosse Otto P i l a s t i, Mitglied der 121. Abt.. Karlshorst, leinen 7 0. Geburtstag. Ein Menschenalter schon ist er für die Partei tätig In den Jahren des Sozialistengesetzes, wo es geradezu ein Wagnis war, sich als Sozialdemokrat zu betätigen, amitete er schon für die Partei. Die Karlshorster Parteigenossen haben on unserem alten, ober für unscre Idee und für das werktälige Volk ewig jungen Genossen Pilaski ein treues Borbild festen Pslichlbewußtseins. Dankbar gedenken wir feiner und übermitteln ihm die herzlichsten Glückwünscki«. Sechzig Zahre all! Ein aller Parteigenosse. Emll Mehlmann. Neukölln. Warthestr. 4, feiert am 18. August seinen 60. Geburtstag. Er ist noch als Dekateur tätig und feit Ansang der neunziger Jahre polltisch in der Sozialdemokratie und gewertschoftlich im Textilarbeiterverband organisiert und war stets ein tätiges Mitglied. Wir wünschen ihm noch viele Jahre in Gesundheit »nd aller Kampfesjrisch«. Von Chören und Dirigenien. Aeue Schallplatten. Chöre. Es ist von einer großen schönen Leistung zu berichten: D.®.*) bringt B« ethoven» Missa folentnis. In einer Folge von elf Platten. Genauer von zehneinhalb: als Dreingabe gibt es noch den Hymnus von den Himmeln, die des Ewigen Ehre rühmen. Die Missa unter Bruno Kittels Leitung: mit dem Kittel-Chor und mit dem Philharmonischen Orchester; uni» mit ersten Gesangskräften für das Soloquartett. In der Sopranpartie wechselnd, wetteifernd Lotte Leonard mit schwebender, Emmy Land mit leuchtender Höhe. Die gesamte Wiedergabe, oft in der Philharmonie erprobt, von durchaus hohem Rang, und in einer nach dem heutigen Stand der Technik makellosen Uebertragung. Alle exorbitanten Schwierigkeiten des Chorsatzes— unser« Arbeitersänger wissen da» seit Hannooer zu schätzen— sind überwunden. Mit prachtvollem Elan schmettern sich die Chorsopran« durch die Fährnisse des Gloria: plastisch, klar, eindringlich kommt hier die große Fuge. Und die grandiose Dramatik des Credo, die unirdische Bcrklärthcll des Benedictus— in der Tot, Beethovens Bekenntnis- werk liegt hier ganz als Erlebnis bereit. Man hat nur ein wenig Geduld nötig, cinundzwonzigmal den Apparat anzukurbeln. Aber gerade Plottenschöpfungen wie diese lassen uns wünschen und wohl auch hoffen, daß die moderne Technik, bei der bekanntlich kein Ding unmöglich ist, noch Mittel finden wird, die ewige Störung des Plattenwendens und-wcchselns aus sinnreiche Art zu beseitigen. Der Philharmonische Chor singt, geführt von seinem Meister Siegfried Ochs und in seiner Bearbeitung, ältere Chorlieder vollslümlichen Charakters. Der Wahrheit die Ehre: das Stück„vom alten Fritz" ist lustig anzuhören(El.). Aber der Staats- und Domchor, unter Hugo R ü d e l, macht mit zwei frommen Chorälen seinem Namen von neuem Ehre(O.), und mit dem ausgezeichneten Synagogenchor vom Friedenstempel, Berlin, setzt Ehemla W i n a w e r, nun mit dem 92. Psalm, die iitteressant« Reihe der Platten(O.) fort, die sich mählich zu einem umfassenden Bild der jüdischen Ritiwlnnssik verdichten. Orchester. Jantscho Wladigeroff, der jung« Bulgare, von D. G. als Pianist und Komponist eingeführt, erscheint nun mit einer sehr wirkungsvollen Rhapsodie„Bordar" für großes Orchester, die von den Philharmonikern bravourös gefpiell, von Max R o t h mit Tem- perament Herausgebnacht wird; ein tänzerisch mitreißendes Stück östlich-nationaler Musik, ein wemg westeuropäisch zivilisiert, übri- gens von ganz persönlicher Haltung. Smetanas unverwüstliche, am Ends gor unsterbliche„Moldau", schönstes Beispiel musikalischer Heimatdichtung, nicht nur der böhmischen, wird uns von der Staatskapelle unter Erich Kleiber in aller Musizier- freudigkeit oermittelt: doch mit Tempovarianten, die überraschen. ») Abkürzungen: D. G.--- Deutsch« Grammophon: El.— Elek- trola; O.— Odeon; P.— Parlophon. Dazu als Kehrseite(der zweiten Smetana-Platte), ein slawischer Tanz von Dworak. Und deutsche Tänze von Mozart, reizvolle klein« Sachen, bilden eine Platte mit der Ouvertüre zu„Jdomeneo", der Mozartoper, die keiner von uns gehört hat; auch dies«(D. G.) von Kleiber dirigiert. Der Klang könnte nicht besser sein. Je mozartischer, je durchsichtiger, das heißt durchhöriger das Orchester, um so geeigneter für die Platte. An sinnlicher Fülle vermag sie mit dem spätromantischen großen Orchester doch nicht— noch nicht — zu konkurrieren. Es sollten mehr Mozartplatten gemacht werden. Es braucht nicht gleich ein„Zyklus" zu werden: aber die paar letzten Symphonien, die sozusagen zur allgemeinen Bildung gehören, würde sich's gewiß lohnen, zu reproduzieren. Einstweilen dirigiert Artur Bodanzky die„Fledermaus"-Ouvertüre von Johann Strauß(P.) mit Operettcnfchmiß und Opernkultur, keiner könnte es besser machen. Opern- und Konzertsänger. Ein Sänger, hier unbekannten Namens, mit großer, wohl- lautender Baritonstimm« begabt, Josef Lindlar, wird von P. als Hans Sachs in der Schlußszene der„Meistersinger" vorteilhast präsentiert. Meta Seinemeyer braucht nicht mehr vorgestellt zu werden, sie singt Isoldes Liebestod so schön(P.), daß man ihr wohl auch noch die paar Takt« Nachspiel hätte konzedieren sollen, die der Kapellmeister Dr. Weißmonn sich, das heißt ihr hat weg- streichen lassen. Schlechthin Vollkommenes gibt Emmi Leisner als„Rhcingold"-Erda und in Brengänes Nachtgesang(D. G.). Aber Maria I e r i tz a, durchaus keine Wagnersängerin, wie sie als Elsa und al» Elisabeth(im Gebet) zeigt, deckt mit ihrem berühmten Namen eine Leistung, deren Unrühmlichkeit, was Intonation, Bs- Handlung des Wortes und der musikalischen Phrase betrifft, nicht leicht zu überhören ist(EL). Dagegen wundert uns nicht, daß Elisabeth Rethberg in zwei italienisch gesungenen Aida-Arien als Verdi-Spezialiftin von Rang besteht(El.). Maria O l s z e w s k a, als Dalila um einen Gvad verführerischer denn als Carmen, erfreut immer wieder durch die naturhafte Fülle ihrer Altstimme(El). Welch ein Stimm- und Gesangsphänomen aber dieser Tenor Ben- jamino Giglis. den wir nun in Bruchstücken aus Boitos„Mesisto- fela" zu hören Gelegenheit haben(El.). Doch was singt(— und schämt sich nicht—) unser Operetten-Caruso, der nllbeliebt« Richard Taub er? Er singt, behüt' uns Gott,„Behüt' dich Gott" aus Neßlers„Trompeter von Säckingen". Das heißt wahrlich, die Be- liebtheit auf die Spitze treiben. Welch erhabenes Kunstwerk, ver» glichen mit dieser schludrig- sentimentalen Opemsudelei, ist doch des Franzosen Thomas in unserm Land gar so gering geachtete „Mignon", aus der Tcnia B e l m a s von der Pariser Oper zwei dankbar« Nummern in Erinnerung bringt(D. G.). Aber da ist endlich die Koloratursopranistin Elisabeth Gero mit gefälligen Lc- langlosigkciten von Delibes und Arditi, aber mit Kopftönen, hohen Staccati, die hart ans Unglaubhafte grenzen(P.). KUuz Pringsheim. Dvn Juan aus Hollywood. (Kapital) Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter, die Amerikaner kommen! So ähnlich möchte man diesen neuen Film begrüßen, der mit Don Juan aber auch gar nichts Zu tun hat. Was Alan Crosland aus dem Don-Juan-Stoff gemacht hat. das läßt sich nur als eine große Maschin« deklarieren, ein Theater- und Effekt- stück, das alle Kinoreize in sich vereinigen und vor ollem dem Haupt- darsteller John Barrimore eine Bombenroll« verschafsen muh. Zu Anfang verlegt man sich auf die Psychologie. Man will es erklären, wie dieser bedauernswerte Don Juan zu seiner«eltbe- konnten Perirrung gekommen ist. Sein Vater(auch dieser von dem großen John gespielt) wurde von seiner wunderschönen Frau be- trogen, und so erzog er seinen Sohn zur Verachtung der Frau. Wenn man den inzwischen herangewachsenen Don Juan nachher in Rom am Werke sieht, dann glaubt man wirklich, daß die väterliche Erziehung angeschlagen hat. denn er schickt da olle Frauen nach Haus, damit ihre Männer nichts merken. Damit Gelegenheit geboten wird. eine ganze Schreckenskammer aufzuziehen, wird Don Juan mit den Vorgias in Verbindung gebracht. Lucrezia oerliebt sich in ihn. Aber er macht sich nicht? aus ihr. sondern verfällt einem jungen an- schuldigen Mädchen, die ihm den Respekt vor der Frau beibringt und ihm zur Dollbringung der größten Heldentaten Veranlassung gibt. Statt eine» Liebhabers sehen wir«inen Prohibitions-Don-Iuan, einen Ritter ohne Furcht und Tadel, einen Preissechter mit zwei goldenen Medaillen, der den Ehctondidaten sein« Geliebten noch einem beispiellosen Duell ersticht und nach emer sabelhasten Flucht aus dem Gefängnis gerade zur rechten Zeit kommt, um die Geliebte von den Foltern des Rades und dem Gisttod« zu retten. Eine rasende Flucht mit heroischen Kämpfen. Dann geht die Sonne auf. Die Lieb« hat Don Juan bekehrt. Wir aber schütteln die Köpfe und vermerken kühl, daß ein großer Aufwand nutzlos vertan ist. und«in Jugendschmöker im Stil« Karl Mays geplündert wurde, nur um den berühmten John in all seinen bravourösen Leistungen zu zeigen. Zu schauen gibt es natür- lich genug, sogar einen Nackttanz beinahe im Stil« Alexanders lV und ein paar sehr schöne Frauen. D. Oer angeklebte Filmschluß. ,(primus-polast) j Mit den Kriegsgreueln Hot die Filmindustrie groß« Geschäfte und klein« Geschäftchen gemacht. Es gibt bekanntlich einen Welt- krieg mit einem ersten und zweiten Teil und es gibt verfilmte See- schlachten: nun kommt der Abwechslung halb« mal wieder ein Fliegersilm an die Reihe. Man hat die allerbesten Geschästsabsichten, man nimmt Rücksicht auf jedwede Kundschaft, man ist halb pazi- sistisch. halb nationalistisch. Das Manuskript erzählt von dem Leben und Treiben der britischen Jagdstaffel, deren überlegenster Feind ein deutscher Fliegerhauptmann,„Der einsame Adler" ist. Das Leben der Jagd- stafsel ist bewundernswert echt geschildert. Die Flieger klagen sich selbst des Mordes an und ertränken alle Gesühlsregungen im Alkohol, sie betrauern ihren toten Kameraden und begrüßen den Ersatzmann mit ausgelassener Fveude,' sie weinen über die Feinde, die sie abschießen und find dabei stolz über ihre eigenen Sieg«. In ihnen lebt die ganz« Zwiespältigkeit des in den Krieg gezerrten Menschen. Einer der britischen Flieger nennt sich in bitterem Hohn„Der fliegende königliche Leichnam", er tut, als ob er wunder wie am Leben hänge und opfert sein Leben doch für einen Neu- ling, einen Kameraden aus Amerika. In diese packende Milieu- schilderung platzt auf einmal die Unterzeichnung des Waffenstill- standes--- und ungeschlagen und unbesiegt kehrt der Deutsche in sein« Heimat zurück. So kommt der Film um jedwede zu Ende geführte Handlung, der Schluß wirkt nicht nur angeklebt, er wirkt direkt wie ein Täuschungsversuch. Bei den energischen Kriegs- gegnern wird dieser Film keine Befürwortung finden; gewiß schlägt er pazifistisch« Töne an, aber bei der heutigen Tages vorherrschenden Gehirnoerkleisterung sind ganz andere Argumente nötig, um zur Kriegsgegnerschoft zu erziehen. E m o r y Johnson erweist sich als Regisseur von Können, und der Photograph Arthur Todd versteht sich auf Auf- regungen besonderer Art. Di« Darsteller der britischen Flieger Raim. Keane, Nigel Barrie und Donald Stuart sind sehr gut. während der»eiche Oskar Ma ri on als einsamer Adler zu markiert schneidig wirkt.— R- Sprech- und Tonfilme. (Glorio-palafl.) Das Deutsche Lichtspielsyndikat Hot die Presse zu einer Dar- führung von Sprech- und Tonfilmen— System Küchenmeister— eingeladen. Es handelt sich um die Feststellung, wie weit man es bisher gebracht Hot. Das Ergebnis ist— hoffnungsvoll. Wir dürfen nun hoffen, daß dem Film, der Filmkunst, an deren Zu- kunft wir glauben, der Abweg erspart bleibe, vor dem gestern Victor Mendel im„Vorwärts" gewarnt hat. Gezeigt wird eine Soloszene mit Paul Graetz als einzigem Spieler und Sprecher. Mussk bloß, bis auf ein paar Takte Grammophon, die zur Hand» lung gehören. Also das Beispiel, gewiß nicht sehr glücklich gewählt, gibt von den etwaigen Zukunstsmöglichkeiten des akustisch-optischen Films nur eine bescheidene Vorstellung: sie genügt, daß wir ihn in dieser Form ablehnen. Die Menschenstimme klingt hölzern, hart, grob, ausdruckslos, unwirklich, sie kommt von irgendwo her, nur nicht aus dem Mund, den wir aus der Leinwand sich bewegen sehen. So sprechend, so lebendig die Gebärden des ausgezeichneten Mimikers, der Paul Graetz auch hier, als Darsteller seines dreifach gespaltenen Ichs wieder ist: alles Leben wird durch die Wort- Prothesen getötet, die laut, fremd und beziehungslos einhertönen. Lorher: ein paar Musiknummern. Man sieht die Musik spie- len, die man hört. Nun ja. Akustisch können diese Aufnahmen es kaum mit mittelmäßigen Schallplatten aufnehmen. Aber bei den vorgeführten Tanzgirls wird der Borteil evident, den vielleicht der Film von der Möglichkeit hoben könnte, gleichzeitig Bild und Musik, bewegtes Bild und bewegende Musik, aufzunehmen und festzulegen. Die gestrigen Versuche haben davon leider nichts gezeigt._»■ P. Lei dem.Zefi»er»«Nsbilhae". da? om t. September in Treptow Natt. findet, werden u. a mitwirien: der Sprech- und BewegmigSchor der Boltt- bühiik. der Friedrich-Hegar-Ebor, der Junge Cbor, der Bertiner Sängerchor und der Voltschor des Südosten«, serner drei VolkStanzkreiie und mehrere namhajtc Bühnen- und Kabaretlkräste. Außerdem werden den Besuchern«In Feuerwerk und ewe Freioerlosung von mehreren tausend Theaterkarten und Büchern geboten. Emlatzkarten 0,76 M. vo» Materprogramm der.lvaaderratlea". i..Der Zug der Zeit--, polit.-satir. Revue, v-lsaßt von Dr. Fritz Berg und Leo Freund. 2..Ratten» gtst». Heitere« von Leo Heller, Karl Schnog und Friedrich Wendel. Regte: Ernst Raden, Bühnenbild: Gotthard Illing. Musik: Klau» Slauberg. Uraufführungen am 21. und 2S. September im Sallnertheater in Berlin. Die Bestattung des Kroatenführers. Der Leichenzug auf dem Hauptplatz von Agram. Viele Abordnungen der Bauernorganisation von Kroatien folgten mit ihren Fahnen dem Leichenwagen, der die sterblichen Ueberreste des ermordeten Bauernführers Raditsch trug. Jahrestag einer Schmach. Bergeßt nicht Sacco und Vanzetti! Soll es für immer verflogen sein, dürfen wir es so rasch vergeffen, was vor einem Jahre im Mittelpunkt der Gefühle und Herzensregungen aller menschlichen Menschen des Erdballs stand...? An allen Enden der Welt horchten Ohren, blickten Augen nach Amerika hinüber, und zwei Namen lagen auf unseren Lippen: Sacco Vanzetti! 3wei beliebige Leute nur, die sich weder Durch eine besondere Tat ausgezeichnet hatten, noch Repräsentanten einer auch von uns vertretenen Idee waren. Sie wohnten dazu in einem anderen Lande als wir und wir hatten keinen Einfluß auf ihr Geschick. Durch eines allein maren sie uns verbunden: durch die Größe ihres Leids. Sieben Jahre hat man die beiden geschunden, haben sie zwischen Tod und Leben gestanden, von Hoffmungen erfüllt, von Zweifeln gepeinigt, von Aengsten gemartert. Und dann haben sie, nach dem Will herzensharter Bureaukraten, ihn doch antreten müssen, den entsetzlichen Mitternachtsgang nach der Totenzelle in Boston Ein Hebeldruck, und alles war vorbei. Und es ist doch nicht alles vorbei. Die aufgewühlten Herzen Der Mitleidenden haben sich wieder beruhigt, die Proteststürme der Kontinente find verklungen, die Zeitungen, die des Gouverneurs Fuller Schande verkündeten, sind Matuletur geworden, aber es zittert etwas nach aus jenen Tagen der beleidigten Menschlichkeit, etwas Großes und Schönes: das erhebende Bewußtsein, daß die Welt seelische Kraft genug aufbrachte, an dem Leid zweier armer ferner Teufel sich zu entzünden, mit ihren Gedanken bei ihnen zu weilen, mit ihren Worten Zeugnis abzulegen für fie. Bor einem Jahr: Da bildete sich, alle Unterschiede der Klassen, Rassen, Bekenntnisse, Erdteile verwischend, etwas gegenständlich und plastisch heraus, was in solcher Umfänglichkeit noch nie geschaut worden war: die Internationale der Barmherzigen. Das Totenhaus von Boston war gut bewacht, und gegen die Machtmittel des repräsentativen Amerika gab es kein Auflöken, aber es gab den Fluch der Millionen dagegen, die Leidenschaft unserer Verwünschungen. Wir wären klägliche Burschen, wenn wir in einem furzen Jahr des Abstandes von jenen Ereignissen genügend Jiolierstoff gegen die Verwundung erblickten, die unserem GerechtigkeitsTheater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Jnter d. Linden Ferienhalber geschlossen! Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ferienhalber geschlossen! Städtische Oper Bismarckstr. Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ferienhalber geschlossen! Komische 81%, Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. Berliner Ulk- Trio Neukölln. Lahnstr.74/ 75L HALLER+ REVUE THEATER IM ADMIRALSPALAST CHON CHICK UND Premiere: Dienstag, 21. August 7 Uhr präzise. VORVERKAUF UNUNTERBROCHEN 81% Uhr CASINO- THEATER 8/ Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuit nur 1.15 M.. Sesse: 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Fabelhaft Das gr. August- Programm der finn damals zugemutet wurde, wenn wir schnellfertig vergessen, herzensträg den Uebeltätern verziehen hätten. Sie haben uns weh getan, die Männer, die das Leben der Gemordeten in ihren Händen hielten, die am letzten Tage, an dem Sacco und Vanzetti atmen durften, für deren Anwälte unerreichbar waren: Sie, Herr Stone, der Sie gerade in den Ferien weilten, Sie, Herr Taft, der Sie sich in Quebec aufhielten und am Telephon nicht verstanden, was die Verteidiger von Ihnen wollten, Sie, Herr Borah, der Sie Ihr Domizil in Massachusetts aufgeschlagen hatten, Sie, Herr Sargent, der Sie Ihren Urlaub nicht unterbrechen wollten, Sie, Herr Fuller, der Sie den Wohltaten des Wochenendes fich hingaben. Alle waren sie vor der Entscheidung geflüchtet, alle versteckten sie sich hinter ihrem elenden Kompetenzenund Zuständigkeitskram. Sacco und Vanzetti sind tot. Der Tag, an dem sie dem barbarischen Folterinstrument des elektrischen Stuhles überantwortet wurden, ist ein Trauertag der Welt. Andere starben einmal Diese ließ man für eine unbewiesene Tat, die, wenn sie sie wirklich verübt gehabt hätten, in fiebenjährigem Martyrium längst gefühnt gewesen wäre, hundert Tode sterben. Hans Bauer. Mit dem Brotmeffer. Der Angriff auf den Bräutigam. Weil sie sich verschmäht glaubte, hat Mittwoch abend gegen 11 Uhr ein junges Mädchen ihrem Bräutigam eine schwere Verlehung beigebracht. Eine 19 Jahre alte Friseuse Käthe Schröder aus der Chaussestraße hatte sich vor einiger Zeit mit einem 23 Jahre alten Handlungsgehilfen Heinz Jenrich aus der Lieben. walder Straße verlobt. In der letzten Zeit schien es dem Mädchen, daß die Zuneigung des jungen Mannes ertaltet mar. Sie bestellte ihn zu einer Aussprache für gestern abend nach SCALA s Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Deutsches Theater HALLER- REVUE U. Ende nach 10% Norden 12 310 Zum 70. Male: Artisten legie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 Salten Jarg- Bühnen Dis. Künstler- il. Uhr Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr ..Der Zarewitsch" Lustspielhaus Täglich 8 Uhr Die Reise durch Berlin in 40 Standen. Schön und 8 Theater am schick" Nollendorfplatz Die Th. im Admiralspalast Heute Premiere ungeküßte Eva 7 Uhr präz. U. Ende 10% Residenz- Theater Zum 96. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Elite- Sänger Zum 117. Male: Beginn 8 Uhr. Lachen ohne Ende Preis Mark 0.50 bis 2.- Mark, Reichshallen-Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Operette in 3 Akten. Musik von M. Knopt mit Gretl Finkler. Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw Skandal Berliner Prater im Bett! Kastanienallee 7/9. Sitten schwank. Täglich 814 Uhr in 3 Akten. Försterchristel arlottenstr.90/ 91. Dönh.170 In der Hauptrolle 1/ Ende nach 101, Anneliese Wortz a. G. Ausstattungsoperette. Zum 117. Male: Jugendliche haben Konzert, Varieté. keinen Zutritt: Tanz. Kaffeekochen. astspiel d. Deutschen Th. Parkett auch Sonn Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. statt 4.- Mk. Der Prozen nur 1.-Mk. Mary Dugan Planetarium am Zoc Theater des Westens Steffiner Sänger Täglich 8, Uhr Wiederauftreten von Paul Britton. Anfang 8 Uhr. Populäre Preise", 60-2,50 Sonntag, 26. 8.: 1. Nachmittagsvorst!!. Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das zu halb- n Preisen u. vollem Programm süße Geheimnis Donhoff- Brett': ( Saal und Garten) Varieté-Tanz- Konzert Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. Rose- Theater Ver äng. Joachimsthaler Strai Noll. 1578 16 Uhr: bem Schillerpart und nahm von zu Hause ein ziemlich großes fe ft stehendes Brotmesser mit. Bei der Auseinandersetzung zog sie es plöglich hervor und stieß es Jenrich in die linfe Schulter, so daß auch die Lunge verlegt wurde. Jenrich schleppte sich trotz der schweren Verwundung noch selbst nach dem PaulGerhard Stift, wo er Aufnahme fand. Sein Zustand ist zum Glück nicht bedenklich, doch fonnte er bisher nicht vernommen werden. Das Mädchen hatte das Messer weggeworfen und war nach Hause zurückgekehrt. Dort wurde sie noch in der Nacht ermittelt und festgenommen. Sie behauptet, das Messer ur sprünglich mitgenommen zu haben, um sich selbst das Leben zu nehmen. Das Messer wurde im Park gefunden und beschlag nahmt. Mitgliederzuwachs der Gewerkschaften. An dem Mitgliederaufstieg der Gewerkschaften find fast alle Ber bände beteiligt. So fann der Berband der Maler, Lackierer, Tüncher und Weißbinder berichten, daß er seit 1. Juli 1927 8568 neue Mits glieder gewonnen hat und allein im zweiten Vierteljahr 1928 seine Mitgliederzahl eine Steigerung von 50 756 auf 55 540 Mit glieder erfahren hat. Das Berbandsorgan Der Maler" erscheint wöchentlich in 57 000 Exemplaren. Kommunistische Streifaftion zusammengebrochen. Die fommunistische Bauarbeitergewerkschaft hat in Reichenberg ( Tschechoslowakei) 14 Wochen lang einen Lohnfampf geführt, den fie am 14. Auguft bedingungslos aufgab, weil sie die vorläufige Ueberlegenheit des Gegners anerkennen mußte". Der Prager Sozialdemokrat" bemerkt hierzu: Da haben wir wieder einmal ein Beispiel unverfälschter kommunistischer Gewerkschaftspolitik vor uns. Der verkrachte Prager Bauarbeiterstreit vom Vorjahre hat in Nordböhmen sein merkwürs diges Gegenstück gefunden. Mit den gleichen Mitteln haben die bolschewistischen Gewerkschaftsstrategen in Prag wie Reichenberg die Arbeiter in die Niederlage und die Unternehmer zum Siege geführt. Lautes Auftrumpfen am Anfang, hohles Kraftmeiertum in der Fortsetzung, geheuchelte Siegeszuversicht beim nahenden Ende und schließlich hilfloses Zusammenklappen mit hysterischem Ver ratsgefchrei gegen die Reformisten" das find die zwangsläufigen Etappen aller bisherigen fommunistischen Gewerkschaftsfämpfe gewesen und werden es auch in Zukunft sein, solange es noch Arbeiter gibt, die so dumm sind, ihre Haut für politische Hasard. spieler zu Markte zu tragen." " In der Tschechoslowakei mit ihrer fommunistischen, teilweise recht großen Gewerkschaften, läßt sich das Treiben der Moskauer beffer beobachten. Und auf Grund jahrelanger Erfahrungen kommt der Sozialdemokrat" zu dem treffenden Schluß: Der Weg der tommunistischen Gemertschaften ist ft Niederlagen der Arbeiter gepflastert. Die Schuld an ihren Niederlagen liegt einzig und allein in der kommunisti schen Methode. Die unsterbliche Kirchensteuer. 3mmer neue Klagen. mit Bir berichteten gestern über die Aufforderung an einen in Treptow wohnenden Parteifreund, Kirchensteuer zu zahlen, trotzdem er seit Jahren aus der Kirche ausgetreten ist. Der Fall steht nicht vereinzelt da. Geradezu grotest aber ist, was uns ein Leser aus dem Nordosten Berlins schreibt: Es heißt: ,, Heute erhielt ich vom zuständigen Finanzamt Friedrichshain. die Kirchensteuerveranlagung 1928 des Gesamtverbandes der fatholischen Kirchengemeinden Groß- Berlins". Hierzu möchte ich bemerken: 1. Laut Bescheinigung des Amtsgerichts Berlin- Mitte vom 16. Juli 1926 bin ich in der vorgeschriebenen Form aus der Landeskirche ausgetreten. 2. Seit meiner Geburt im Jahre 1895 bis zum obengenannten Tage gehörte ich der evangelischen Kirche an, desgleichen waren mein verstorbener Vater und meine noch lebende Mutter evangelischen Glaubens, so daß also in meinem Falle nicht etwa die Mischehe als Grund der Glaubensverwechselung dienen kann." Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße& Sierau 1 Beilage. Ger Betten- Hühn 1903 Kurt. 7704 W 30, Gleditschstraße 47, am Winterfeldtplatz Neukölln, Hermannstr. 33, Neukölln 6139. Full- Federn, Pfd. M. 5.00, 3.50, 2.00, 1.25 Inlett, gestr.130/ 200 M. 14.00, 115/200 12.00, 80/80 3.20 Metallbett, 80/180, 33 mm Bügel u. 16 Zugfed. 22.00 Auflagen, 3 teilig, m. Keilk. 30.00, 25.00, 22.00, 16.00 Ruhebett m. 40 Spiralfedern 60.00, 55.00, 50.00, 45.00 Andere Maße und Qualitäten. Preise entsprechend. Dampf- Bettfedern- Reinigung mit elekir. Betrieb Vormittags gebrachte Betten liegen ab 16 Uhr gereinigt bereit. Bei einem Stand frei Haus! 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Jeden Tag aufs neue bringt sie uns der Bot« oder die Frau ins fyiusi auf den Straßen wird sie uns von den Händlern zum Kauf angeboten: kein Bahnhof, kein öffentlicher Platz ohne Aeitungsstand. Wir lieben die Zeitung und wir hasten sie, wir segnen ihr Dasein und verfluchen es zugleich. Die«inen preisen die Zeitung als die Trägerin der menschlichen Kultur, und die anderen beschimpfen sie als Folfchmünzerin der öffentlichen Meinung. Aber können wir uns das heutige Leben ohne die Zeitung vor- stellen? Gibt es«in Land, ein« Staatsform, wo man ohne ein« Zeitung auskommen kann? Die Demokratie gewährt ihrer Presse voll« Bewegungsfreiheit, und da ist es selbstverständlich, daß sich unter ihrem Schutze ein« außerordentlich reichhaltige Zeitungs- literatur entwickelt. Die Diktatur schafft die Pressefreiheit ab, sie unterdrückt die ihr unbequemen Zeitungen, aber sie sieht sich sofort dazu gezwungen, einen neuen Blätterwald aufzurichten, frei- lich für ihr« eigenen Zwecke. Rottet am Vormittag das Zeitungswesen aus. und ani Nach. mittag wird es wieder auferstanden sein! Was die Leute von der Wissenschaft sagen. Da war vor einigen Togen auf der K ö l n« r P r e s s a, jener großen internationalen Schau für das Zeitungswesen, ein Kon» g r c ß beisammen, der über das Problem der Wistenfchaft von der Zeitung gegrübelt Hot. Männer der grauen Theorie und der grünen Praxis saßen nebeneinander. Es wurde berichtet, was in den einzelnen Bezirken des Reichs und in anderen Ländern für diese Wissenschaft bereits getan worden ist. Wir haben in Deutschland schon eine ganze Reihe von Instituten und Seminaren, die sich mit Zeitungskund« und mit Zeitungsforfchung beschäftigen: In Aachen, Berlin, Dortmund, Freiburg, chall«, Hamburg, Heidelberg, Leipzig. Münster, Nürnberg und Köln. Aehnlich« Einrichtungen kennt man auch im Ausland, so in der Schweiz, in der Tschechoflowakei, in Sowjetrußland, in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. An den Universitäten, an Technischen Hochfulen, in Volksschulkursen, in freien Vorträgen wird über die Zeitung gesprochen. Aber wenn die Leute von der Wissen» schaft nebeneinander tagen, dann gibt es ebenso viel« Lehrmeinungen wie Köpfe. m Die einen sagen: Wir wollen unbeeinflußt«,„reine' Wissen- ..schost treiben, nach Erkenntnis suchen. Der Inhalt der Zeitung geht uns erst in.zweiter Linie etwas an, zuerst wollen wir die Form der Zeitung erforschen und«rNären. Di« anderen meinen: Unsere Wissenschaft soll dazu dienen, gute Journalisten heranzuziehen. Don den einen wird gesagt, daß die Zeitungswissenschaft dem Getriebe des Tages fernbleiben müsse, von den anderen dagegen wird oer- langt, daß die Wissenschaft von der Zeitung im Leben der Gegenwart stehe und der Presse ihre künftigen Ausgaben weis«. Vorläufig also sucht man»och noch der besten Methode für diese Wistenschast. Die Berufsbildung der Journal'sten. In den Erörterungen des Kongresses nahm die Frage einen breiten Raum«in. ob mit der wissenschaftlichen Arbeit in den Zei- tungsinstituten die Ausbildung der Journalisten verbunden werden sollte. Es gibt bestimmte Kreis«'m bürgerlichen Presselager, die auch den jmirnal'stischev Beruf mit Titeln und Graden umgeben wollen. Man möchte nur solche Leute als vollwertig« Zeitungs- fchreiber anerkennen, die sich nach mehrjährigem Studium den „Doktor' erworben haben Wie lächerlich ein« solche Forderung ist. geht schon aus der Tatsache hervor, daß das Zeitungslchreiben eigent- lick gar nicht gelernt werden kann. Man kann sich gewisse technisch« Kenntnisse einpauken lasten, und es ist gewiß richtig, daß die bloße Routin« um so eher an die Stelle des Könnens treten muß, je mehr auch das deutsche Zeitungswesen„amerikanisiert' wird, oder mit anderen Worten: je mehr die Nachricht den politischen Inhal, oerdrängt. Es soll auch zugegeben werden, daß bestimmte Teile der Zeitung einer besonderen Berufsbildung bedürfen. Das ist vor allem dort notwendig, wo es sich um Fragen der Wirischast und der Sozialpolitik handelt. Aber im wesentlichen ist das Zeitung» schreiben und das Zeitungmachen«!n freier Berus wie tauin ein anderer. An- meisten wird immer der Journalist leisten, der neben einem gründlichen allgemeinen Wissen die Gabe der anschaulichen und flüssigen Darstellung besitzt. Und die kann nicht erlernt werden. Für die Arbeiterpresse kommt ja die Bedingung der aka- demischen Vorbildung ihrer Redakteur« überhaupt nicht in Betracht. Hier wird nicht aus den Doktortitel gesehen, sondern aus die F ä h i g- k e i t Es ist kein Zufall, daß in der Arbeiterpreste die Akademiker einen sehr kleinen Test des Redaktionsstobes ausmachen und daß selbst diese wenigen Titelträger bei uns keinen Wert daraus legen, ihren Universitätsgrad zur Schau zu tragen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, steht die Arbeiterpresse, das kann ohne Ueberheb- lichkeit gesagt werden, was ihren Inhalt anbelangt, hoch über dem Durchschnitt der bürgerlichen Zeitungeliteratur. Die Derleqer und die Wissenschaft. Auf dem Kölner Kongreß sind Vertreter der Zeitungsverleger ausgestanden und haben erklärt, daß ihr Gewerbe eigentlich gar kein Gewerbe sei, sondern sie sozusagen«in« höher« Sendung zu erfüllen hätten. Es sind schöne Worte darüber gesprochen worden, welche großen Ausgaben die Zeitungsverleger in der Oeffentlichkeit hätten. Man hörte, daß„Zeitungsbesig oerpslichte', und man hätte daiaus den Schluß ziehen können, daß für die Zeitungsverleger das Geld- verdienen beinahe eine peinliche Angelegenheit sei.„Auf dem Wege des Molerialisinus' würden die Zeitungen zwar mehr Ueber- fchüste einbringen, aber sie mühten in ihrer geistigen Entwicklung zurückbleibest, so wurde dort gesagt. Man braucht neben diese id«al«n Sätze aber nur die Wirklichkeit zu stellen, um dann 5«nau Sejcheitz d» wist«H. Wir kennen diese Lieder von der idealen Gesinnung des Unter- nehmcrtums. Wir haben sie so oft schon von den Geschäftemachern der anderen Industrien gehört, daß wir auch den Aussagen der Zeitungsverleger gegenüber etwas mißtrauisch sind. Ohne Profit raucht kein Schornstein. Und das bürgerliche Zeitungsgewerb« wirst immerhin recht schöne Profst« ab. Wenn die Zeitungsverleger nur einem idealen Zweck dienen wollen: warum lehnen sie dann den Vorschlag ab, den schon Ferdinand Lastalle gemacht hat, daß nämlich der Inseratenteil von der Zeitung getrennt und verstaatlicht werden solle? Wie wir dazu stehen. Wir wissen, daß die Zeitungswissenschaft wie jede andere Wissen- schaft so lange keine„reine' Erkenntnis finden kann, solange sie ihr Gepräge von der kapitalistischen Umwelt erholten muß. Es ist kein Zufall, daß die Zeitungsverleger für die Zwecke der Zeitungs- wistenschast eine offene Hand haben. Daß auch die großen Wirt- schaftsmächte Interesse für diese Sache haben, zeigte die Anwesenheit des Leiters der Pressestelle der I. G. Farbenindvstri«, des großen chemischen Trusts. Freilich hotte auch die Sowjetunion«ine stark« Delegation zu diesem Kongreß entsandt, die den bürgerlichen Herren in mehreren Referaten auseinandersetzte, wie herrlich weit es die Arbeiterschaft in Rußland gebracht habe. Die arbeitende Klasse in Deutschland verkennt nicht den Wert wissenschaftlicher Forschungen aus dem Gebiete des Zeitungswesens, selbst wenn sie noch vom kapitalistsschen Geist erleuchtet werden. Dies« Bestrebungen, die vorläufig zumeist der bürgerlichen Press« zugute kommen werden, müssen uns wieder einmal vor Augen führen, wie notwendig der Ausbau unsereseigenen Zeitungswesens ist. Wir haben schon einmal Lassalle zitiert, und so mag noch daran erinnert werden, daß er nicht nur über die Presse, sondern auch darüber geschrieben hat. daß die W i s s e n s ch a s t und die Arbeiter zusammengehören. Für uns besteht die Auf- gab« der Zeitung darin, daß sie in den vordersten Reihen des Kampfes des Proletariats um«in« höher« Lebensgestoltung steht. Sie kann diese Aufgabe aber nur erfüllen, wenn sie ein lautes Echo im Proletariat selbst findet. E. P. Vom Kommiß. Das„Zivil". In der ersten Zeit der Internierung der Kameruner Truppen in Spanien liefen Mannschaften und Offiziere noch in ihren Uniformen herum. Es war eine Bullenhitze, und ein Hauptmann hatte den obersten Knopf seiner Litewka, der besseren Ventilation wegen nicht eingeknöpft. Da gewahrte ihn der nächsthöhere Chef. Mit auf den bloßen Hals einge- stellten Stielaugen entringt er sich die Worte:„Nee, Herr Kamerad sind wohl schon janz ins Zivil überjetreten?' Der Kasernenhof. Der Feldwebel kloppt mit der Kompanie Griffe. „Aaachtunk! Preeefentiert daaaas... zick!' Den Bruchteil einer Sekunde lang wirbeln drechundert Hände durch die Luft, dann stehen wie die Latten eines Zaunes die Gewehre. „Einjähriger Manske, wissen Sie, was eine Idee ist?" „Zu Befehl, Herr Feldwebel!" „Na wat denn?" „Der griechische Philosoph Plato nimmt an, daß in einer höheren intelligiblen Welt die höheren Begriffe wirtlich vor- handen sind und daß sie, in der sensiblen Welt unvollkommen ausgedrückt, von der sensiblen Seele, die sie im Vorleben erblickt hat, wiedererkannt werden.. „Na, wenn Sie das so schön wissen, dann nehmen Sie Ihr Gewehr jefälligst eine Idee links!" Bazillenträger. Von einer vornliegenden Kompanie wird durch die Division ein Mann als Ordonnanz für das Kasino angefor- dert.— Der Mannschaftsbestand war durch das Fieber stark gelichtet. Die Kompanie antwortet, es wäre nur Soldat Müller V verfügbar und selbst der wäre Bazillenträger. Es kommt von oben folgender Bescheid zurück: Müller V ist umgehend als Ordonnanz zu entsenden, an seiner Stelle so- fort ein anderer als Bazillenträger auszu- bilden! ER setzt sich selbst ein Denkmal. Das„Keizer Wilhelm Rosarium" in Doorn. Coorn, im August. Wenn Wikhelm II.,„Deutscher Kaiser und König von Preußen', noch Zvjähriger Regierungstätigkeit sich nicht in den„wohlverdien- ten' Ruhestand zurückgezogen hätte, wäre vor einigen Wochen in Deutschland das Fest des-lOjäHrigen Regierungsjubiläums zweifellos festlich begangen worden. Ebenso kann man es als feststehend be- trachten, daß ER an diesem Tage an mehreren Stellen„Seines' Reiches prunkvolle Denkmäler häkle enthüllen lassen. Leider aber, wie uns Sein« Getreuen versichern, mußte ER den Tag in der holländischen„Einöde' verbringen, wo zwar Sein Hof- staat täglich in großer Uniform erscheint, darüber hinaus aber niemand Sein» heute noch regelmäßig erscheinenden Tagesbefehle zu befolgen braucht. Doch ER weiß sich zu helfen. Allerdings ist es nicht ganz so schlimm geworden, wie ER es dereinst in der Blüte seiner Jahre verkündete, daß ER jeden zerschmettern werde, der gegen IHN sei. Was aber andre nicht für IHN tun, tut ER selbst! ER ist immer ein guter Reklamcchef Seiner Firma gewesen. Und so legte er an der Umsassungsmaucr seines Besitzes einen Rosen- garten an. „Setzer Wilhelm Rosarium' benannt. Die Sache war gar nicht einmal teuer, denn alle Pflanzen. Bänke, ja felbst die Eingaogspforte, erschnorrt« ER sich bei vermögenden Freunden, deutschen Genexalen und holländischen Baronen. An jedem Stück ist sein säuberlich ein Schild befestigt, wer der freundliche Geber war. Seinen Namen findet man nirgends, denn ER ist arm, wenn ER auch nicht gerade Arbeitslosen- Unterstützung zu beziehen braucht. Damit aber Sein Name und Seine Toten nicht vergessen werden, setzte ER Sich mitten in dem Part ein— Denkmal. Anläßlich des„Regierungsjubiläums" wurde es enchüllt. Etwa drei Meter hoch ragt es inmitten der Rosen, geschmückt mit der kaiserlichen Krone, seinem Monogramm und der Jahreszahl 1928. Man muß es gesehen haben, aber nicht jeder ist in der Lage, zu diesem Zweck eigens noch Doorn zu fahren. Deshalb möge es im Bilde Seinen getreuen Untertanen zu Angesicht kommen... Das Beste an der Geschichte ist zweifellos die Urne. Leider war aber nicht festzustellen, ob sie bestimmt ist, dereinst Seine Asche aufzunehmen, oder ob er heute schon seinen Verstand darin beigesetzt hat. Vielleicht gibt einer Seiner Generaladjutanten demnächst Auskunst über dieje Streitfrag«. Der Gemeinde Doorn ist das Rosarium gewidmet. So hat ER es bestimmt. Man könnte annehmen, daß der kleine Park eine besondere Zierde des Ortes darstellte, wenn man den Redereien und Schreibereien der Hoflakeien Glauben schenken wallte, die den Wohn- sitz„Seiner Majestät' als eine„einsame Wüste" darzustellen be- lieben. Weit gefehlt! Doorn liegt inmitten großer Wälder und Gärten. Die ganze Gegend ist zweifellos die schönste Hollands und sucht in ganz Mitteleuropa ihresgleichen. Die Einwohner des Fleckens machen auch nur einen geringen Bruchteil der Besucher des Rosariums aus. Der Fremdenverkehr ist aber ganz immens. Zur schönen Sommerzeit treffen täglich neugierige Pilger massenweise dort ein. Ein Cas6 neben dem anderen ist dort entstanden, um sie zu bewirten. Aber Wilhelm ist auch hier geschäftstüchtig. Der Eintritt in das Rosarium ist frei, aber ein Türhüter bewacht sorgsam die Pforte. INau muh nämlich eine Eintrllkskarte haben! 2034 DAQ KAART vor het , KEIZER WILHELM ROSARIUM" IE DOORN Alleen Qeldig voor den Diese erhätt man in dem sogenannten Torgebäude ausgehändigt, aber nur, wenn man sich in das ofsenliegende— Besuchsbuch einträgt. Abends blättert ER dann höchstpersönlich in dem dicken leder- gebundenen Buche und freut sich über die Anhänglichkeit seiner „Untertanen". a» geht doch»cht» üb« dch»rtianrt (30. Fortsetzung.) -■u, ich versteh« Sie wohl, Schubert. Wie Sie zu mir reden!" „Äls Ihr Freund. Nur als Ihr Freund, glauben Sie mir." „Würden Sie auch so sprechen, wenn ich nicht die Hilde Fern- leinter war', sondern... etwa di« Tochter ein«z Geschäftsfreundes von Adolf Grubers Söhne?" „Oje, der Respekt vor Familie, Stellung und dergleichen hat schon lange aufgehört. In welcher Zeit stecken Sie noch? Wenn Sie wüßten... was ich weiß, wenn Sie wüßten, wie viele Frauen und Mädchen Sie darum beneiden winden, daß ich es bin, der so zu Ihnen spricht." „Schubert, pfui Teufel!" „Ja, ja, Ihr Fernleitnersches Gemüt empört sich. Aber es ist nicht zeitgemäß, sag� ich Ihnen. Immer wieder möchte ich Ihnen zum Bewußtsein bringen, daß ich Ihr aufrichtiger Freund bin. Was wollen Sie denn? In Wien geht es drunter und drüber. Davon ist Ihnen natürlich nichts bekannt. Drei Stunden von hier balgen sich die Menschen um ein paar Papierscheine, die in dem Augenblick, in dem sie sie in die Hand bekommen, wertlose Fetzen sind. Es ist-ja zu komisch, das Geld ist alles und wie man es er» rungen hat, ist es nichts... Die Leute schaufeln es zusammen, tragen die Beute in Rucksäcken fort und schütteln es dann uns, dem Herrn Baron Rosenberg und denjenigen, die mlt ihm sind, zu Füßen. Für sie hat es keinen Zweck, in unseren Händen ver- wandelt es sich wieder zu Münze, zu Geld, zu einem Wert. Wollen Sie bei jenen sein, di? so unsäglich dumm und lächerlich sind? Kommen Sie doch zu uns, zu den Klügeren, zu den Gewandteren und besonders zu den Erfolgreichen! Soll Sie, die feine, zarte, sclxin« Hilde, für die der auserlesenst« Luxus gerade genug wäre, um Sie darin einzuhüllen, soll Sie all dieser Schmutz beflecken, der jetzt in Wien aus dem schmierigen Papiergeld aufwirbelt? Das hieße doch ein Kunstwerk Gottes beleidigen!" „Bitte, werden Sie nicht poetisch, Schubert, das steht Ihnen gor nicht und paßt auch nicht zu unserem Gespräch. Oder glauben Sie vielleicht, daß der Schmutz, der in Ihren Worten liegt, schöner ist als der der Geldscheine in Wien?" „Das glaub' ich wohl." „Nein! Es ist abscheulich, wie Sie zu mir reden. Sie sind ja zu abgebrüht, um zu ahnen, welche Rolle Sie selbst spielen, und welche Sie mich spielen lassen wollen." „O Gott, was mich betrifft, so machen Sie sich keine Sorgen. Und Sie, ja Sie müssen sich der neuen Zeit klug anpassen... wie ich. Wer nicht selbst bestehen kann... weil er'» nun einmal nicht kann, der muß irgendwo unterkriechen. Und beim Baron Roseickerg ist mir ein Asyl lieber als... unterkriechen in einem wirklichen Asyl. So wird der eine sein erster Privatsekretär..." „Und die andere seine Geliebte," ergänzt« Hilde. Der Schubert zuckt« die Achseln. „Also hören Sie, Schubert. Wenn es so ist, baß sich jeder ver- kaufen muß..." „Stimmt, fast jeder." „Dann geh' ich lieber in di« Maschinenvertriebsgesellschast, wo ein altes Fräulein aus meiner Bekanntschaft eintrocknet, selbst aus «inem Menschen ein Maschinenteil geworden ist.." „Anderthalb Millionen Monatsgehalt, dazu gegenwärtig zehn- ständige Arbeit, Anwartschaft auf ein Leben in einem luft- und lichtlosen Hinterzimmer und die Tuberkulose und eventuell, wenn die Befreiung kommt, die Freundschaft des Generaldirektors." „Oder ich geh' zum Stodttheater von Bregenz." „Aha! Achthunderttausend Kronen Monatsgehalt, dafür die Freundschaft des Direktors oder des Oberregisseurs!" „Sie meinen..." .Kein Entrinnen. Sie können sichs bloß auswählen." .Nein, Schubert, ich werd' Ihnen zeigen, daß ich ftei bin..." von JPcauZ £'*■ - „Aber! Wir alle sind nicht frei, ich war's nicht, Sie sinds nicht, keiner ist's. Klug ist. wer sich darüber keiner Täuschung hin- gibt und die Knechtschaft, in die er hinaus muß. sich aussucht. Ich war klug, und weil ich Sie— weil Sie mir so unendlich sympathisch sind, Fräulein Hilde, möcht' ich Sie auf den rechten Weg bringen." „Den rechten Weg. Sie sind sogar humoristisch." „Dazu ist dieses Gespräch zu ernst. Ich meint«: den ver- nünstigsten, den erfolgreichsten Weg. Also? Wenn Sic noch der Vorstellung, in der Sie alle Herzen entslammt haben werden, mit dem Baron und mir soupieren wollen, man wird ja an kleinen Tischen speisen, sich selbst die Gesellschaft auswählen können... wir drei werden uns die Plätze beisammen reservieren., „Ganz bestimmt nicht! Sie üben ja ein ganz abscheuliches Ge- werbe aus, Schubert." .Kein abscheulicheres, als wenn ich die anderen Agenden des Baron Rosenberg besorge." „Dia mögen Sie recht haben! Es bleibt dabei, daß ich mir meine Tischgesährten nach meinem Wunsche bestimmen werde, und daß Sie nichts davon erfahren. Adieu, Schubert." Hilde lief ihm einfach davon. Seine Gegenwart hafte etwas Beklemmendes, wie eine unappetitliche Berührung. Und wenn sie sah, daß dieser feiste Zkerl im Kreis« junger Mädchen war, von ihnen umschmeichelt wurde, daß sie bei seinen Scherzen lachten, sein allerdings vortreffliches Klaoierspiel rühmten, feine Einladungen annahmen, so wendet« sie ihr Gesicht ab, um keines dieser Mädchen zu erkennen. Immer bestimmter wurde dieses Gefühl, immer drängender der Wunsch, ein« Abwehr gegen die Wellen der Unreinlichkeit zu finden, di« immer höher stiegen und sie zu berühren näher kamen. Der lauernde Blick des Barons, der in ihrer Gegenwart kleinlaut wurde oder nicht sprach, wurde ihr unheimlich die Vertraulichkeiten Schuberts, der schließlich ein alter Bekannter war, empfand sie jetzt als gefährlich. Als ob sie durch einen Sumpf schreit«, so nahm sie sich in acht, die frühere Arglosigkeit, Harmlosigkeit, di« war in diesem Kreise nun dahin. Und dabei fühlte sie, daß ihr Abenteuer— war's überhaupt eines— etwas fei, was von der Stimmung hier gar nicht abstach. Der Baron und einige aus seinem Gefolge waren jetzt oft in Wien. sie kamen aber wieder und wurden dann jubelnd von den Leuten des Schlosses begrüßt. Wenn er grobe Berftöße gegen den richtigen Sprachgebrauch machte, Bildungsfehler aufwies, di« einem Witz- blast entnonuneu schienen, so lachte niemand, selbst die lachten nicht, di« das alles wlchl zu beurteilen oerstanden. Aber dafür besprach man seine großartigen geschäftlichen Streiche ganz offen und rühmte. wie er mit seinen Spießgesellen wieder Gesetz und Ordnung über- schrillen hätte. Da gab es Geschichten von Koffern mit doppelten Böden, mit denen er am Anfang seiner Karriere unaufhörlich von Oesterreich nach Schweden und von Schweden nach Oesterreich gereist war, und das erzählte man, wie man nachsichtig von Jugend- streichen spricht, die nichts anderes als den ftüh entwickelten Sinn des Jungen beweisen. Aber später! Wie er ganze Staaten narrte und aus nichtigen Ideen Milliardengewinne zog und ein Erlebnis mit einem verbrannten, doch vorher photographierten Dokument... das waren die Taten, di« allen anderen Ruhm überstrahven, weil sie Geld, viel Geld, unermeßlich viel Geld eingebracht hatten. Wer ausgeplündert wurde, der wurde verachtet, wer behend Minister in den Sack steckte, die Armut noch ärmer machte, wie ein Totenoogel sich niederlieh, wo noch aus dem Aas Nahrung zu holen war— und reiche, erträgliche Nahrung!—, der wurde respektiert. Advo- taten berichteten ganz offen, vor den Damen, die man damit amü- fieren wollte, wie sie arme Teufel von ausgehungerten Beamten zu sich hinübergerissen hatten, sie in einer Viertelstunde ein Leben voller Ehrbarkeit hatten vergessen lassen, um ihren Zwecken dienst- bar zu sein— und die Gefellschaft nahm dies, die Rot der Schuldig- gewordenen und besonders die Listigkeit der Verführer, mit Lachen auf. Die Krone siel, und nebenbei erwähnte man, wie dieses Ereignis dos Volt noch weiter ausblute, Hunger und Entbehrung oller Art noch weiter verbreite, aber dann kam man auf den«igent- lichen Kern des Gesprächs zurück, auf Einfälle, die den Sturz des heimischen Geldes beschleunigen und allgemeine Not zu noch höheren Profiten münzen sollten. Frauen, die sonst jedes ernste Thema gleichgültig zurückwiesen, beteiligten sich eifrig an den Schiebereien, und wie früher ein Mann mit der Dame seines Herzens eine Land- Partie zu machen suchte, so versicherte er ihr jetzt, daß er sie„mitnehme". das hieß nämlich, daß er sie als Kompagnon in irgend- einer Transattion gelten zu lassen bereit sei. Man hört«, wie jung- Fräulein auf abendlichen Spaziergängen mit ihren Verehrern von den Aussichten eines ausländischen Börsenpapier» sprachen und versicherten, daß sie mst dem Ferry nur deshalb gut« Freundschaft halten müßten, weil er so gute„Tips" habe. In diesem paradiesischen Schloß Wunder oller Welt schienen sich Höllen vereinigt zu haben. Da waren sie, di« eine verrückt gewordene Zeit zusammengetrieben hafte, da waren die Laster, die sich jetzt offenbarten, da war die aufgebläht« Dummheit, die para- dierte, die schamlos« Gier nach dem Geld« um des Geldes willen, um des Genusses, um der Furcht willen, daß man ohne das Geld ein Nichts fei. Und Hilde sah die Gestalten um sich agieren, sah ihr aufgeregtes Wesen, sah. wie sie sich keine Mühe mehr gaben, ein Nichts fei.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. ............................................................................................................................................ Am Rande des Meeres verdurstet. Drei Mellen von L ü d e r r tz b u ch t rst vor einigen Wochen das Skelett eines Mannes gefunden worden, bei dem sich eine messingne Erkennungsmarke mit dem alt«« deutschen Reichsadler und der Zahl 1213 befand. Man vermutet, daß es sich um di« Ueberrest« des Reiters Fe rb icke von der Schutztruppe handelt, der feit dem 12. Januar 1305 verschollen ist. Er war mit dem Stabsveterinär Rogge auf einem Dienstritt von Bethanien nach Lüderitzbucht und zurück begriffen: am 10. Januar 1905 ist er mit Rogge von Kubub nach Ukama abgeritten, seitdem waren beide oerschollen. Genau sieben Jahre später fand eine Patrouille zwischen Bahnhof Kolmans- kuppe und Grasplatz di« im Dünensand mumifiziert« Leiche Rogges. Aus den bei der Leiche gefundenen Aufzeichnungen und Postkarten ging hervor, daß Rogge sich verritten. Ilkama nicht erreicht und. um dem Dursttod« zu entgehen, sich erschossen hatte. Am 12. Januar 1905 war er gestorben, am 12. Januar 1912 wurde sein« Leich« ge- funden. Da die Aufzeichnungen Rogges nichts von Feibicke er- wähnten, muß angenommen werden, daß er sich auf der Suche nach Wasser von Feibicke getrennt hatte, und daß dieser an einer anderen Stelle den Tod gefunden hat. Die olympischen Spiele und der Alkohol. Der Ehef des amerikanischen Antialkoholbundes, Eherrinton, hat ein« Erklärung verösfentlicht, in der er unter Bezugnahm« auf die amerikanischen Erfolge bei den olympischen Spielen ausführt, daß dadurch der Beweis für die Ueberlegenheit der Alkoholgegner geliefert sei. Wenn man diesen Beweis in bezug auf die Beremtgien Staaten anfechten wolle, so besitze man«in weiteres Beispiel im Falle Finnlands, das ebenfalls den Alkoholgenuh verbalen habe und trotz seiner geringen Bevölkerungszahl bei den olympischen Spielen regelmäßig in erster Reih« stehe. Durch diese beiden Bei- spiele sei erwiesen, daß Länder, deren Bewohner durch den Alkohol- genuß sich vergifteten, nicht imstande seien. fOVnfsige Athleten zu stellen. Die Insel ohne Briefmarken. Einsamkeit, selbst wenn sie freiwillig erwählt wurde, ist schwer zu ertragen. Davon wissen die sogenannten Einsamsten Menschen der Welt", die Einwohner der kleinen Inselgruppe Tristan da Cunha, ein Lied zu singen. Mehr als 3000 Kilometer westlich vom Kap der guten Hoffnung entfernt, leben die etwa 150 Ein- wohner oft länger als anderthalb Jahre völlig abgeschlossen und einsam. Bon ollen Berbindungen mit der Welt abgeschnitten, er- warten sie ängstlich irgendein Schiff, das die Verbindung mit der großen Welt wieder herstellt. Seltsam berührt«inen dann die Kunde von einem Brief, den die Einwohner der Insel mit der Ueberschrift..SOS", dem Hilferuf der Seeleute, versehen und„an irgendein« führende Zeitung in Sydney" gerichtet haben. Elf Monate, nachdem die Leute auf Tristan da Eunha ihu aufgegeben hatten, langte der Brief in Sydney an und wurde beim„Sydney Morning Herald" abgegeben. An Stelle der Briefmarke stand geschrieben:„Hier gibt es keine Driefnnrrten. Und der Brief lautpte:„Bitte, haben Sie die Güte und helfen Sie uns in 21b- geschiedenheit. Können Sie nicht die Schifter bitten, auf dem Wege nach Amerika bei uns vorbeizukommen? Im Winter 1S?6 ist die Kartoftelernte mißraten und wir waren fast alle verhuncert. Ist es denn recht, daß man sich anderthalb Jahre lang in der Welt draußen um unsere Insel nicht kümmert?" Der Schrecker schloß seinen Brief mit einem Satz, der einen Begriff von der Ab- geschiedenheit der einsamen Menschen gibt:„Wir haben im Jahre 1923 einige Briefe ausgegeben, die erst im März 1927 an, gekommen sind" Die Gefangenschaft moderner Ehen. Kürzlich hielt Dr. A. E. Crew vor der Medizinischen Verein,- gung in Cardisf einen Bortrag über die sinkende Geburtenziffer. Dr. Crem erklärte, daß«in« steigende Geburtenzijser immer ein Anzeichen dasür sei, daß der Mensch über seine Umgebung hinaus» wachse, während«ine sinkende Gebvrtenzisser daraus Hindeut«, daß er mehr und mehr sein eigener Gefangener sei. Denn ebenso wie die nieisten anderen Tiere höherer Art bringe da» Säugetier Mensch ungern Junge in Gefangenschast zur Well, selbst wenn diese Ge- fangenschast manch« Bequemlichkeit mit sich bring«. Man müsse den Eltern, die sich' gern Kinder wünschen, auch genügend Raum, Frei- hell. Freud« und Eifer lassen, damit sie gesunde Kinder zeugen könnten. Wenn die Vögel sich paaren, bauen sie sich ein Nest, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Das„Nest" des Menschen wird aber von Menschen erbaut, die keine Ahnung von den Zu- samwenhängen zwischen Bevölkerungsdichte und Geburtenziffer haben. Ein sonderbarer Barbier. Der vor kurzer Zeit gestorbene italienische Ministerpräsident G i o l i i t i befand sich einst auf einer Wahlrckse, weit entfernt von jeder größeren Niederlassung, und er hatte das Rasieren sehr nötig. Auf der Suche nach dem Dorfbarbter wurde er zu dem einzigen Mann« gewiesen, der stch auf die Kunst des Bartkratzens verstand. Die Einrichtung des Rosier-„Salons" war sehr dürftig: nirgends ein Spiegel. Das ganze Mobiliar bestand aus einer Kanne Wosier, einem Kamm und— einem Kanapee, auf dem Giolitti in liegender Stellung Platz nehmen mußte. Es war eine langdauernde, mühsame und peinliche Operation. Dos Rasiermesser fühlte sich wie Sand- papier an, und es gah nicht wenige kleinere und größere Schntttver- letzungen. Als die schmerzhafte Prozedur endlich beendet war, fragt« der Ministerpräsident, wie es denn eigentlich käme, daß er gegen den üblichen Brauch in liegender und nicht In sitzender Haltung rasiert worden sei.„Das will ich Ihnen sagen, Signor, hier im Dorfe rasieren sich die Leute alle selbst," antwortete der biedere„Maestro". „lind ich bekomm« niemand ander» zu rasieren als die Leichen. Und dabei habe ich mir das so angewöhnt.. Die neuen McisieraiMeien. Ergebnisse vom Bundesfesi der Arbeiterathleten. Das in Ludwigshafen durchgeführte 8. Bundesfest des Arbeiterothletenbundes Deutschlands war in seiner Gesamtheit«in durchschlagender Erfolg. Beispiellos in der Geschichte des Bundes war die geschlossene Beteiligung der Mitgliedschaft, die aus allen Teilen des gesamten Bundesgebiets in überzeugender Zahl und von glänzendem Geist beseelt herbeigeeilt waren. Die Ausnahme durch die Bevölkerung war herzlich und ausrichtig. Das umfang- reich, in feiner sportlichen Bedeutung überragende Programm brachte ganz ausgezeichnete Leistungen. Schon die Kämpf« um die Bundesmeisterschaft brachten außer- ordentlich knappe Resultate. Neuer Vundesmeisler im Stemmen wurde Lerlin-Lichtenberg-Friedrichsfeldemit einem Gesamtgewicht von Pfund vor Frissenheim und Speyer, die 2C60>i und 2029 Pfund zur Hochstrecke brachten. Noch knapper war die Entscheidung im Ringen, wobei Eichenkranz-Leipzig lediglich durch kürzer« Siegdauer über Mannheim-Nord triumphieren konnte. Weiter bemerkenswert bei diesem glänzend verlaufenen Kom- merz waren die Darbietungen der Akrobatengruppe des Bundes so- wie die Ziy-Zitsu-Demonstrationen der Berliner. Der Sanntag stand im Zeichen äußerst hartnäckig umstrittener Einzelwettkämpfe. Dur chdie überragende Konkurrenz wur- den die Starter zur Hergäbe ihres vollen Könnens gezwungen, wo- durch sich Kämpfe von seltener Schönheit dem wiederum zahlreichen Publikum darboten. Der Mittelpunkt der ganzen Deranstaltung war zweifellos der Festzug, der die Kreise in ihrer geschlossenen Be- telligung zu einem prächtigen Bild vereinigte. Biel Beifall fanden die neu gebildeten Trommler- und Pseiferkorps, wie gleichfalls«in Kreis mit ein«r über IVO Mann starken Kreismust«rriege einen über- zeugenden Beweis von idealer Zusammengehörigkeit erbracht«. In allen Teilen hat die Veranstaltung bewiesen, daß die Mitgliedschast des Bundes mit allen Kräften dabei ist, den Bund weiter auszubauen, bis er organisatorisch und ideologisch allen Anforderungen der proletarischen Zeit gewachsen ist. Die Besten in den Einzelkämpsen sind: Ringen, Schwergewicht: Tringold-München: Halbschwer- gewicht: Hauenstein-Fürth: Mittelgewicht: Schedler-Ludwizzhafen: Leichtgewicht: Lensch-Oppau; Federgewicht: Wittwer-Dresden; Ban- tamgewicht: Wick-Dieburz: Fliegengewicht: Schwind-Fürth: Stem- m e n, Fliegengewicht: Meisenberger-München 39S Pfund; Bantamgewicht: Scharpf-Mundenheim 430 Pfund; Federgewicht: Schreiber- Speyer 475; Leichtgewicht: Scherer-Speyer 305; Mittelgewicht: Demsch-Friesenheim 570; Halbschwergewicht: Kehr-Lichtenberg- Friedrichsselde 370; Schwergewicht: Geibert-Friesenheim 363. Boxen, Papiergewicht: Tavenier-Ludwigshasen; Fliegengewicht: Penkert-Gera; Bantamgewicht: Neubert-Speyer; Federgewicht: Stube-Langensalza; Leichtgewicht: Koscieley-Lehrte; Wellerzewicht: Boit-Nürnberg; Mittelgewicht: Seekirchen-Lelbert; Halbschwerge- wicht: Wölfling-Speyer; Schwergewicht: Uffelmann-Barmen. Der Iiu-Jitsu-Städtekampf Berlin-München war durch die Neuheit dieser Sportart in Süddeutschland besonders reizvoll und wurde deshalb mit großem Interesse verfolgt. Nach einem sehr spannenden Berlaus errang die Berliner Mannschaft«inen knappen Sieg mit 9 zu 3 Punkien. L«ichtathletische Wettkämpf« beschlossen das Bundesfest. Die„3 Stunden." Sieger Louet- Knappe. Das gestern auf der R 2 t t- A r e n a ausgefahrene Inkernatio- nal«— das Ausland war vertreten durch Goris-Haczendonck- Belgien, Bassi-Jtalien und Louet-Frankreich— 3-Stunden- Mannschaftsrennen nahm«inen flotten Verlauf, ohne jedoch entscheidende Positionskämpfe zu bringen. Recht achtbar fuhr die junge Mannschaft Goebel-Bragard, die auch den eigentlichen ersten großen Vorstoß wagte und dem Feld«— allerdings nur für kurze Zeit— eine Runde abnehmen konnte. Auch Dehnendt-Dobe vermochten eine Runde aufzuholen, die sie nicht lange darauf wieder abgeben mußten. Da fast alle Mann- schaften in gleicher Runde logen, spielten die Punktwertungen eine große Rolle. Hier vermochten sich Louet-Knappe knapp gegen Ehmer-Kroschel durchzusetzen und so die Fahrt mit 48 Punkten für sich zu entscheiden! Zweiter wurden Ehmer-Kroschel 43 vdr Kroll-Miethe 38, Beinert-Wette 31, Hahn-Lougardt 18, Goris- Hsczendonck 17, Buschenhagen-Frankenstein 16, Goebel-Bragard und Lehrendt-Dob« je 13 Punkte. 124,250 Kilometer wurden in den drei Stunden vom Felde zurückgelegt. Kissinger Schach. Capablanca, BogoJjubow, Euwe führen. Ueberraschcnd schnell gewann C a p a b l a n c a in der fünften Runde gegen Mieses. Rubinstein mußt« seine erste Niederlag« hin- nehmen. Zu Beginn seiner Partie mit Dr. Euwe übersah er ein einfaches Manöver seines Gegners, was ihn zunächst emeir Bauern kostete. Im weiteren Verlauf der Partie verteidigte sich RiZbinstein zwar sehr geschickt, aber ohne Erfolg. R i m z o w i t s ch und Ret! trennten sich in einer französischen Partie remis. Sehr spannend oerlief das Treffen B o z o l j u b o w— Dr. Tartakower. Durch geschicktes Mittelspiel konnte Tartakower noch«in Remis erzwingen, nachdem es anfangs nach einem Siege Bogoljubows ausgesehen hatte. Auch Spielmann und Dr. Tärrasch teilten sich in einer Wiener Partie den Punkt. Zlbgebrochen wurde die Partie zwischen Marshall und Dates. Nach der fünften Rund« ist der Stand solgender: Copablanca, Bogoljubow. Euwe je 3M Punkte; Nimzowitsch 3, Dr. Tartakower, Tarrasch, Rubinstein je 2�4, Mar. shall 2(eine Hängepartie); Spielmann 2; Patcs iMt(1): Ret! 154, Miefes 1 Punkt. Berliner Blauweitj-Turnier. Beim internationalen Berliner Blau-Weiß-Turnier wurden am Donnerstag besonder» die Einzelspiele der Herren weiter gesördert. Hillyard-England zog gegen den Spanier Morales beim Stande von 3:2 für letzteren zurück. Menzel-Prag warf den Iren Rogers 8: 2, 8: 6 aus dem Rennen, Lindcnstaedt gab an den Fran- zosen Ioba nur ein Spiel ab(6:0, 6: 1), Schlesinger, der Besiegcr von Greig, scheiterte 1: 6, 7: 9 an Roedel-Frankreich, dessen Lands. mann George fertigt« den Argentinier Del Castillo 6:1, 6:2 ab. Weiterhin waren Nicolopoulos 6:1, 6:2 über Enken sowie Du Plaix 6: 0. 6: 0 über Tümpel erfolgreich. Bei den D a m e n unterlag Frl. Peitz 1:6, 2:6 gegen die Engländerin Mrs. Satterthwaite, Frl. Krahwinkel warf die Französin Mme. Le Besnerais 6:1, 6:3 aus dem Rennen, Mme. Nicolopoulos, di« frühere Mlle. Eontostavlos, schaltete Lobkowitz 6:3, 3:8, 6:1 aus. Die italienische Spitzen- spielerin Valeria gewann zwar 8:1, 6:2 gegen Frl. Warschauer, zog dann aber gegen Frl. Rost 4:6, 4:6 den Kürzeren. Frau v. Rezn-cek zeigte sich Frl. Munory 8: 2, 6: 4 überlegen. Von den Spielen im Mixed sei der Sieg von Frau v. Reznicek-Tomilin über das griechisch« Paar Ehepaar Nicolopoulos(8:10, 7:.5, 6:2) hervor- gehoben, im Herrenvierer gaben die vorjährigen Heeresmeister Burchard-Audörsch dem Paar Mathieu-Bcerman in drei Sätzen 8: 10, 6: 0, 6: 1 da, Nachsehen. vi« nächste» Handballspiele. In Neukölln, Grenzall«, empfängt morgen, Sonnabend, Schwüuwoerein Vorwärts die Frei« Turnerschaft Nowawes; die 2. Mannschaften spielen um 18 Uhr und die 1. Mannschaften um 19 Uhr, während die Nowaweser Frauen gegen Neukölln(2. Abtlg.) um 19 Uhr in Reukölln, Dammweg, spielen. Am Sonntag finden die beiden wichtigsten Spiele beim I n t e r- nationalen Trefs«n der Freien Turnerschaft Groß- Berlin im Humboldthain statt. Es stehen sich dort um 9 Uhr akbbrag Z. Abtlg. I. Männer und Freien Turnerschaft Nietleben und um 17 und 20 Uhr Wedding 1. Männer und Fichte-Awmendors �oll») gegenüber. Bei b«id«n Spiele*-st hochstehender Sport zu erwarten. Borwärts-Hennigsdorf-Männer empfängt Klausdorf; es spielen die 2. Mannschaften um 14 Uhr und die 1. Mannschaften um 13 Uhr, während die Frauen gegen Berlin 18 um 17 Uhr spiel««. Biesdorf spielt um 17 Uhr in Biesdorf, Lesfingplatz, gegen Schmargendorf. /ugendtretten der Segler. In Schtnodwite. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Freie Seglerverband ein I u g e n d s p o r t f e st. All« Jugendabteilungen der dem FSB. angeschlossenen Vereine der Gruppe Ost sammeln sich um 10 Uhr in Seschwaderfahrt vor dem Bootsplatz des Wassersportvereine 1921 (Grünau-Schmöckwitz, in der Nähe des Restaurants Waldidyll). Um 11 Uhr beginnen die Wettkämpfe der Jugendlichen, die in Schwim- men. Kurz- und Langstreckenlauf, Faust- und Handballspiel, sowie leichtathletischen Uebungen stattfinden. Die jungen Segler hob«n hier Gelegenheit, zu zeigen, daß sie nicht nur tüchtige Segler werden wollen, sondern auch in anderen Sportarten gut bewandei-t sind und über körperliche Gewandtheit und Geschicklichkeit verfügen. Di« gegnerischen Mannschaften stellen die einzelnen Demin«; die im vorigen Jahr bei den Kämpfen beobachteten Leistungen berechtigen zu den besten Hoffnungen. Jugendliche, die sich dem freien.Segelsport widmen wollen, er- halten Auskunst vom Berbandsjugendleiter Alfons Sachs, Reu- kölln, Elsterstraße 4. Tennis-Rot(xro$-Berlin. Tennis-Rot beteiligt sich geschlossen an dem Internationalen Tressen der FTGB. und der Tschechischen Arbeitersportler sowie der Dresdener und Leipziger Sportler. Tennis-Rot empfängt die Dres- dener am Sonnabend, 17,30 Uhr, Anhalter Bahnhof. Alle freien Tennisspieler müssen zur Stelle sein. Abends 20 Uhr, im Deutschen Hof, Luckauer Straße, Begrüßungsfeier für die Auswärtigen. Sonntag, ab 9 Uhr, Tenniskämpie auf den Plätzen des Sport- Platzes Gesundbrunnen. Sämtliche Mitglieder erscheinen mit Sport- kleidung und Schläger. Auf allen anderen Plätzen für diesen Tag Spielverbot. Jede Abteilung meldet an den Unterzeichneten ein Fraueir-Doppel, ein Männer-Doppel und ein gemischtes Doppel. Einzelspiele werden ebenfalls zum Austrag kommen. Karl K o h l e r, O. 34, Weidemveg 63. Mit den Naturfreunden nach Zfiridi. Bereits seit längerer Zeit rüsten die Gruppen dos Touristen- verein»„Die Naturfreunde" zum internationalen Natur» freundetreffen in Zürich. Ein« Anzahl Sonderzüge werden die Naturfreunde Deutschlands, Oesterreichs und anderer Länder in die Tagungsstadt bringen. Der Berliner Sonderzug ist heute mittag kurz nach 13 Uhr vom Anhaller Bahnhof abgefahren und wird Sonnabend früh in Zürich eintreffen. Die Züricher haben für den Empfang ihrer Gäste alle Borbereitungen getroffen. Im Anschluß an die Hauptversammlung und die Reichskonferenz der einzelnen Landesgruppen findet am Sonntag etn großes Naturfreundctreffen in Rapperswil am Züricher See statt. Vorschau auf Karlshorst. Der Züchter-Preis bedeutet am Sonnabend den Höhepunkt der Geschehnisse aus der Wichlheide. Ueber die lange Distanz von 4300 Metern sollen sich hier Nordsee(Franzke), Mannestreu«(Bis- marck), Taunus(Wolfs), Cardinal II(v. Borck«), Grosa(o. Metzsch), Petroniu»(T), Goldener Frieden(Wala Heuer), Erlkönig(Müschen), Flämin(Hauser), Intrigant(H. Zachmann) und Gneis(Kukulies) einen Kampf auf der Mittelbahn liefern. Mannestreu« gewann kürzlich dos Matadoren-Jagdrennen in bestechendem Stile, man muß aber erst abwarten, ob die Stute auch auf der langen Distanz durch- steht. Gefährliche Gegner stecken in Taunus, dem alten Cardinal II, dem guten Steher Goldener Frieden und schließlich auch in Greif, dessen günstiges Gewicht besonders ins Aug« fällt. Voraus- sagen: 1. Mumpitz— Partie; 2. SanzsouciT— Sonnenlicht; 3. Otavi— Menelaos; 4. Cardinal 1 1— Greif; 5. Mäander— Der Zukünftige; 6. Mansbach— Treu und Glauben; 7. IgNatia— Maid. Ballspielmeisterschaften im ATSB. Faust- und Trommelballspiele haben im Arbeiter-Turn- und Sportbund von jeher ihre Förderer. Die Spieler und Spielerinnen sind nicht ausschließlich mit diesen Spielarten beschäftigt, sie pflegen zu gleicher Zeit Turnen, Sport und sonstige Spiele. Darum finden die Bundesmeisterschaften oben erwähnter Spiele auch nur alle zwei Jahre statt. Auch in diesem Jahre ist W e i ß w a s s e r als Austragungsort ausersehen worden und wird am 26. August einen großen Tag haben. Es gibt keinen anderen Ort, in dem Faust- und Trommelball so populär ist, wie in Weißwasser und Umgebung. Der ganze Ort steht schon seit langem im Zeichen der Bundesmeisterschastsspiele, und am 26. August wird es dort«in Volksfest geben, wie vor zwei Iahren. Die Organisierung ist vorzüglich eingeleitet. Von vier Spielverbänden des ATSB. werden acht Faust- und vier Trommel- bollmannschaften antreten. Die Vertreter sind vom Ostdeutschen Verband: Faust- ballspieler Lugknitz bei Weißwasser, Spielerinnen MTV. Weihwasser, Trommelball Kottbus 93. Nordwest deutscher Verband: Faustballspieler Bremen-Walle, Spielerinnen Hamburg, Rothen- burgsort, Tromnielball Kiel Friedrichsort. Mitteldeutsch- l a n d: Faustballspieler Volkstedt bei Rudolstadt, Spielerinnen Gera- Untermhaus. Trommelball„Vorwärts"-Bernburg. Süddeutscher Verband: Faustballspieler Mannheim-Sandhofen, Spielerinnen Nürnberg-Iohannis, Trommelball Tuttlingen. Zum großen Teil sind es bekannte Mannschaften, die sich durch ihre technisch hochstehende Spielweise einen Namen im Arbeitersport errungen haben, zum Teil sind es Neulinge, die sich mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit empor- gearbeitet haben. Es wird In Weihwasser zähe und schöne Kämpfe um die Bundesmeistersitel geben. Fahrpreiscrmäfpgung in der Jugendpflege. Die Anträge zur Erlangung der Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege für das Jahr 1929 müssen von den ein- zelnen Vereinen bereits in allernächster Zeit eingereicht werden, da sich dies« Anträge zum 1. Oktober in den Händen des Oberpräsidenten befinden müssen. Vereine, die den anerkannten Spitzenorganisationen angehören, reichen ihre Anträge über dies« Reichsorganisationen ein. Anerkannte Spitzcnorganisationcn für Arbeiterverbände sind: Jen- traltommission für Arbeitersport und Körper- pflege, Reichsarbeitsgemeinschaft der K i n d e r fr e u nd e, Reichs- ausschuß der deutschen Iugendverbände. Vereinen, die diesen Spitzen- organisationen nicht angeschlossen sind, aber eine Rcichsorganisation darstellen, kann die Fahrpreisermäßigung nicht erteilt werden. Dereine, die einer Reichs- oder Landesorganisation nicht an- gehören, also lokale Dereine, können sich in Berlin den einzelnen Ortsausschüssen oder unmittelbar dem Hauptausschuß anschließen. Dies« Dereine reichen ihre Anträge bis zun: 29. September an den Hauptausschuß ein, der sie an den Oberpräfidcnten weitergeben xoird. Für Bezirke, in denen keine Ortsausschüsse bestehen, sind die Anträge an das zuständige Bezirksjilgendamt zu senden und zwar bis zum 2ö. September. Die einzureichenden Anträge haben entsprechend der Richtlinie:: zu enthalten: Namen, Sitz und Zweck des Vereins, Namen und Adresse des Vorsitzenden, Adresse der Geschäftsstelle, Nummer der weißen Ausweiskarten für 1928, Zahl der jugendlichen Mitglieder unter 20 Iahren, Zahl der neu oerlangten Ausweiskarten, Zahl der in Gültigkeit bleibenden Führerausweise. Führerausweise, die neu beantragt werden, sind mit Lichtbild und Unterschrist des Inhabers zu versehen, sie haben außerdem zu enthalten Namen und Adresse des Inhabers, sowie den Namen des Vereins. Diese Führer- ausweise trogen lediglich den Stempel des Oberpräsidentcn, sind also nicht mit dem Dereinsstempel zu versehen. Blanko-Führerauswcise können von den einzelnen Jugendämtern, vom Haupt- oder von den Ortsausschüssen gegen zwei Reichspfennige bezogen werden. Di« Fahrpreisermäßigungssormulare(cbensalls zwei Rcichs- pfennige das Stück) sind bei den Jugendämtern und bei folgenden Fahrkartenausgaben erhältlich: Charlottenburg, Zoo, Friedrichstraße, Alexanderplatz. Anhalter Bahnhof, Schlesischer Bahnhos, Stettiner Bahnhof, Potsdamer Bahnhof, Lehrter Bahnhof, Görlitzer Bahnhof, Bernau, Fürstenwalde, Königswusterhausen, Nauen, Oranienburg. Potsdam, Spandau, Strausberg, Velten, Wannsee und Zossen.— Da ein Neudruck der Antragsformulare beabsichtigt ist, ist den Ver- einen zu empfehlen, keinen Vorrat anzulegen. „Ein Sommersesi. von dem man sprickil!" Die„Freie Artisten- Vereinigung"(Mitglied im Arbeiter-Athletenbund) begeht am kommenden Sonntag im Viktoria-Garten, Am Treptower Park 25/26, ein Sommersest unter obiger Devise. Ein vollständiges auserwählles VarietSprogramm ist mit ersten Kräften besetzt. Anfang 13 Uhr, Eintritt 50 Pf.__ V creinskalender. Snnhwtie de» 1. ftttifM im und Spirtbuud. Mittwoch, ZL. August, l» Uhr: vrreln«i>orst-nderonfrrrnz bei stliems, Haseuheide am Herrnannulo». Tageoordnung: Di« augenblicklich« Situniion im flartea- verband.— tzunttianäre anderer Sparten des Kreises sind als GSsie herzlich eingeladen. � ,, Altersriegeuturuer de« l.«rrises. Dienstag, 2l. Angust,>m Gcwcrlschafis. 20 »»: Allersricgcnaersammlung. C» ist Pflicht aller Altersrirgenturner, gleich- cl welcher Spartr sie angehören, ptlnlllich 20 Frauen oertrrtceinnen der Wasierspartsparic Uhr, Reukblln, Morcschstr. 14