Morgenausgabe πr. 389 A 198 45.Jahrgang Böchentlich 85$ 1, monati 3,60 m. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 R. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauenftimme". Technit"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 18. August 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige NonpareiDezeile 80 Pfennig. Reflame eile 5- Reichs. mart. Aleine Anzeigen das tettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägl. von 81, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Die Pariser Besprechungen. Unmöglich, die wichtigsten Fragen auszuschalten! Paris, 17. Auguft.( Eigenbericht.) Der Ministerrat ist zum 23. August telegraphisch einberufen worden. Dies hat einige Ueberraschung hervorgerufen, da die nächste Sigung des Kabineffs erst am 1. September in Sampigny auf dem Landsih Poincarés fein follte. Die frühere Zusammenberufung findet in der Unterzeichnung des Kellogg- Baffes ihre Erklärung. Die Regierung rechnet anscheinend damit, daß im Verlauf der Zusammenkunft der Außenminister die wichtigsten schwebenden Fragen, wie die interalliierte Schulden frage und die Rheinland frage doch Gegenstand, wenn nicht offizieller Verhandlungen ,, fo doch eines diplomatischen Meinungsaustausches bilden werden. Mit Rücksicht darauf scheint Poincaré es für notwendig gehalten zu haben, die Richtung der französischen Politik vorher durch einen kabineffs befchluß festlegen zu lassen. Stresemann fährt nach Paris. Die deutsche Antwort auf die Einladung zur Unterzeichnung des Kellogg- Pafts ist dem französischen Botschafter überreicht wor den. Reichsaußenminister Dr. Dr. Stresemann wird 25. Auguft nach Paris reisen. Hauptquartier Prüm. Das Eifelstädtchen würde gern verzichten. am Die Stadtverordnetenversammlung von Prüm in der Eifel protestiert gegen die bevorstehenden französischen Heeresmanöver, weil dadurch für die Bevölkerung eine unerträgliche BeI astung entstehe. In der Entschließung wird u. a. auf den zu erwartenden starten Ausfall des Fremdenverkehrs hingewiesen und schnellstes Eingreifen des Reihes geforder: das jedoch nicht die Macht hat, diesen Unfug zu verhindern. Bayerns heimliche Krise. Christliche Arbeitervereine gegen Bayerische Volkspartei. München, 17. Auguft.( Eigenbericht.) Prüm soll vom 24. Auguft bis 10. September einen General ſtab mit 10 Generälen, darunter den fommandierenden französischen und einen englischen General, 100 Offiziere, 100 Unteroffiziere, 250 Mann sowie einen Autopark als Einquartierung erhalten. Die englischen Rheinlandmanöver. London, 17. Auguft. Die Nachricht, daß 3000 Mann englischer Truppen in der Nähe von Königstein zu lebungen zusammengezogen werden, wird im Kriegsministerium bestätigt. Es handelt sich um die alljährlichen Herbstübungen. Das Kriegsministerium dementiert die Auffassung daß diese Truppen auch für die englisch französischen Manover in Frage kommen. Es wird jedoch zugegeben, daß wie im Vorjahr möglicherweise wieder französische Beobachtungsflieger an den Artillerieschießübungen der Engländer teilnehmen. Die Wochenzeitschriften befassen sich eingehend mit den englisch- französischen Manövern, die sie im allgemeinen start tritisieren. Sie vertreten die Auffassung, daß nur eine baldige Räumung des Rheinlandes die Lage verbessern kann. Der Spectator" hält das Trompetenblasen 14 Tage vor der Unterzeichnung des Kelloggpattes für eine höchst unnötige Demonstration gegen Deutschland. Derselben Ansicht ist auch die„ Saturday Review". Rüffelsheim. Revision des Verbots angefündigt. Die Bemühungen des deutschen Botschafters in Paris, Auftlärung zu schaffen über den Widerspruch zwischen dem Berbot des Rüsselsheimer Bahnhofsbaues und der vor geraumer Zeit erteilten günstigen Zusage, haben ergeben, daß es sich um eine Reihe Don Mißverständnissen handelt, die aller Boraussicht nach in furzer Zeit aus dem Wege geräumt sein werden, so daß mit einer befriedigenden Lösung gerechnet werden kann. Postscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr 8 Krisenfürsorge. Eine dringende Aufgabe der Reichsregierung. Von S. Aufhäuser. Die politische Aussprache über den Bau des Panzerfreuzers A hat von neuem die Aufmerksamkeit der Arbeiter und Angestellten auf die unsoziale Verteilung der Reichsmittel auf die einzelnen Etats gelenkt. Der 800- Millionen- Etat des Wehrministers soll, wie der Reichswehrminister jetzt annimmt, zur Deckung der weiteren Raten Ersparnisse ermöglichen, während das Reichsarbeitsministerium mangels ausreichender Reichsmittel bisher den wichtigsten Beschluß des Reichstags vom Juli 1928 zur Krisenfürsorge nicht ausführen fonnte. Es ist kein Geheimnis, daß der Bürgerblockreichstag der neuen Regierung ein beträchtliches Defizit im Gesamtetat als Erbschaft zurückgelassen hat. Diese Möte der Reichskasse. machen es um so notwendiger, Wehrausgaben und Sozialausgaben im Zusammenhang zu sehen. Die soziale Bereitschaft des neuen Reichstags muß das Kennzeichen des politischen Kurswechsels sein. Von dieser Erkenntnis ausgehend ist noch vor den Reichstagsferien eine bedeutsame Entschließung des Reichstags zur Krisenfürsorge( Nr. 224) angenommen worden. Der Sozialdemokratische Arbeitsminister hat durch Verordnung vom 13. August wichtige in dieser Reichstagsentschießung geforderte Berbesserungen in Kraft gesetzt. So ist vor allem der Personenkreis der Unterstützungsempfänger auf die Glasindustrie, das Bühnenpersonal und weite Kreise der ungelernten Arbeiter ausgedehnt worden. Die Befugnisse der Vorsitzenden der Landesarbeitsämter zur Erfassung weiterer Berufsgruppen sind ausgebaut worden. Die Reichstagsentschließung läßt aber feinen Zweifel, daß die allgemeine Verlängerung der Unterstützungsdauer in der Krisenfürsorge auf 39 Wochen und darüber hinaus bis zu 52 Wochen für die älteren Arbeiter und Angestellten als dringliche Maßnahme erwartet wird. Die Berordnung vom 13. August ermöglicht nur Arbeitslosen über 40 Jahre die Verlängerung nur im Einzelfalle unter der dafür vorgesehenen Bedürftigkeitsprüfung, während der Reichstagsbeschluß die allgemeine Berlängerung wünscht. darin seine Unschuld und bezeichnet als Provotateure den verhaftet gewefenen Rechtsanwalt Mitgewig und einen schwe dischen Russen of Etvall. Etrall habe Alexandrow mehrmals Bollkommen unerledigt aber ist in dieser Verordnung zu überreden gesucht, Spionagearbeiten zu übernehmen, sei aber jedesmal abgewiesen worden. Er, Alexandrom sei von der noch die Verlängerung der Unterstützungsdauer für die Die Rebellion in den Arbeitertreisen der Bayerischen VolksPolizei schändlich behandelt und verfolgt worden. Etvall hat jetzt Arbeitslosen unter 40 Jahren. Demnach ist die allge= partei wegen der Aufhebung des Sozialministeriums fommt immer mitgeteilt, daß er dreieinhalb Jahre in der Russischen Handelsvermitgeteilt, daß er dreieinhalb Jahre in der Russischen Handelsver: meine Verlängerung der Unterstützungsdauer von 26 auf 39 Wochen vom Reichstabinett erst zu be= noch nicht zur Ruhe. Der Arbeiter", das Organ der katholi- tretung angestellt gewesen sei. Er sei entlassen worden, weil er schen Arbeitervereine Süddeutschlands, nimm: in jeder Nummer nicht die richtige bolschewistische Ueberzeugung schließen. Ein solcher Beschluß ist um so dringheftig Stellung gegen die Neuregelung der Ministerien, die einen gehabt hätte, feitdem habe er verschiedene Aufträge von Mitgewißlicher, als am 1. Juli zahlreiche Arbeitslose, die bis zu unhaltbaren Zustand geschaffen hat, der unmöglich mehr als erhalten, aber Alexandrow sei immer wie ein Schatten hinter diesem Zeitpunkt unter die Uebergangsbestimmungen des ein Provisorium sein dürfe. Das Organ hat neuerdings u. a. enther gewesen. Er, Ekvall, sei beauftragt worden, Ge heimfarten Arbeitslosenversicherungsgesetzes gefallen waren, aus dem deckt, daß durch den Abbau des Sozialministeriums auch dem Fö über die schwierige Einfahrt nach Stocholm durch die Unterstützungsempfängerfreis ausgeschieden sind. Die Verderalismus ein schwerer Schlag versezt worden sei, denn Schären zu beschaffen, Nachrichten über die schwedisch- englischen ordnung vom 13. August enthält lediglich eine Bemerkung, in einem solchen Ministerium tomme gemäß dem modernen StaatsHandelsbeziehungen sowie über schwedische Faschist en einzuholen. wonach eine generelle Berlängerung möglich werden könnte, begriff in der Gegenwart die staatliche Selbständigkeit mehr zum wenn eine erhebliche Verschlechterung des Arbeitsmarktes Ausdruck als in einem Ministerium des Aeußeren, bei dem mangels das erforderlich macht." eines diplomatischen Korps der notwendige Hintergrund fehlt." Sehr entrüstet ist das Blatt darüber, daß man in den monatelangen Verhandlungen über die Regierungsbildung teine Zeit hatte, praktische Vorschläge der Arbeitervertreter in der Fraktion anzuhören, während man zu den Verhandlungen mit dem Bauernbund 60 Tage vertrödelte. G Auch in der volksparteilichen Provinzpreffe wird der Unmut der Arbeitervertreter immer lauter. So schreibt ein Geistlicher in Straubing: Die Arbeitervereine werden sich auch in Zukunft erlauben, an Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei Briefe zu schreiben, Briefe auch mit ultimativen Forderun= gen, weil sie noh nie gehört haben, daß es unchristlich ist, einmal ein Ultimatum zu stellen, am allerwenigsten einem bayerischen Landtagsabgeordneten gegenüber, der von Arbeitern gewählt worden ist. Es sei ganz merkwürdig, wozu das Christentum herhalten muß, wenn es gerade den Herren der Bayerischen Volkspartei in den Kram paẞt. So sagt ein Geistlicher und Angehöriger der Bayerischen Volkspartei. Er schließt seinen Brief mit der Feststellung, daß der Beamtentlüngel der Bayerischen Volkspartei dafür sorgt, daß seine Getreuen an die Futterkrippe kommen und fein Angehöriger der arbeitenden Schichten emporfommt. Spionage in Stockholm. Erklärungen und Beschuldigungen. Stodholm, 17. Auguft. Der Direktor des russischen Telegraphenbureaus, Alegan brow, der schwedischer Bürger ist, hat an den Oberreichsanwalt ein Schreiben gerichtet, das in dem tommunistischen Folkets Dag blad Bolitiken"& ehn Spalten beansprucht. Alerandrom beteuert Arbeiterwahlfieg in Schottland. Trotz kommunistischer Gegenaktion. London, 16. Auguft.( Eigenbericht.) Bei der Erfahwahl für den verstorbenen Abg. Frankrose ( Arbeiterpartei) in Aberdeen- Nord wurde der frühere Abgeordnete für Leith Hauptmann Wedgwood Benn( Arbeiterpartei) gewählt. Die konservativen verlieren gegen die vorige Wahl 3800 Stimmen, während die Liberalen, die voriges Mal nicht fandidierten, 2300 aufgebracht haben. Die Zahl der Arbeiterstimmen ist gleich geblieben, nur sind diesmal 2600 den kommunisten zugefallen, die voriges Mal einen Sonderkandidaten nicht aufgestellt hatten; entfchiede in England nicht einfach die höchste Stimmenzahl, so hätte die kommunistische Kandidatur den Arbeiterkandidaten in die Stichwahl gedrängt! Ministerwechsel in Merifo. Rebellen flandrechtlich erschossen. Merifo- City, 17. Auguft.( Eigenbericht.) Präsident Calles hat mit der Umbildung seines Kabinetts begonnen. Er ernannte u. a. den bisherigen Gouverneur Portet Gil zum Innenminister. Die Regierungsumbildung ist infofern bemerkenswert, als bisher Führer der Obregon Partei nicht berücksichtigt find. Freitag vormittag wurden in Loispotofi 7 Rebellen führer, die in einem Kampf mit Regierungstruppen gefangen genommen worden waren, nach Urteil des Kriegsgerichts stand. rechtlich erschossen. Der Reichstag wollte die Verlängerung auf Grund des derzeitigen Standes des Arbeitsmarktes. Es muß auch betont werden, daß eine inzwischen vom Reichsrat vorgeschlagene Regelung, wonach die Berlängerung der Unterstützungsdauer fallweise für einzelne Notstandsbezirke zugelassen, werden kann, feineswegs ausreichend ist. Um alle 3weifel zu beheben, darf an die flare Willenstundgebung des Reichstags erinnert werden, in der es wörtlich heißt: ,, Die Unterstützungsdauer in der Krisenfürsorge ist allgemein von 26 auf 39 Wochen zu verlängern mit der Maßgabe, daß sie für Arbeitnehmer, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, um weitere 13 Wochen verlängert werden kann." Diese klare Willensäußerung des Reichstags läßt keine 3weifel zu. Die Not der Arbeitslosen macht die Erfüllung dringend. Die Lage des Arbeitsmarkts. Feststellungen des ADGB. -HOP Zunahme der Arbeitslosen. Nach den Ermittlungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes stellte sich Ende Juli 1928 bei 9427 berichtenden Zweigvereinen( im Juni 9447) mit 4 031 021( 3 994 772) Mitgliedern die Zahl der Arbeitslosen auf 252850 ( 248 124) oder in Prozenten der Mitgliederzahl auf 6,3( 6,2) und der Kurzarbeiter auf 247 460( 221 951) bzw. 6,1( 5,6) Prozent. Die höchsten Prozentziffern der Arbeitslosenzahl( in Prozenten der Mitgliederzahl) find festzustellen bei: Hutarbeitern 25,5( 26,6), Schuhmachern 19,5( 16,6), Bekleidungsarbeiter 17,8( 13,2), Sattlern, Tapezierern und Bortefeuillern 16,3( 15,7), Gärtnern 13( 11,2), Dach deckern 10,7( 13,3), Holzarbeitern 10,5( 10,3). Bei den Kurzarbeitern / erreichen die Höchstzifsern:«chnhmacher mit Zst,!?(Z2), Lederarbeiter mit 24,2(21,8), Textilarbeiter mit 23,7(22,4), Bekleidungsarbeiter mit 22,8(15,0), Buchbinder mit 13,2(9,9), Sattler, Tapezierer und Portefeuiller mit 11,8(12,2), Tabakarbeiter mit 9,2(19,2). Die Ziffern der Arbeitslosen weifen im Juli erstmalig in diesem Jahre eine Zunahme auf. Die Zahl der Kurz- arbeiter ist in etwas geringerem Umfange als im Vormonat gestiegen.____ Die Inierparlameniarifche Union. Ihre Geschichte und ihr Werk. Am 23. August tritt die2S. KonferenzderJnterparla- mentarischen Union zum zweiten Male in Berlin zusammen. Dr. Leopold Boissier, der skelloertretende Generalsekretär der Interparlamentarischen Union, gibt im„Weg zur Freiheit", der Zeit- schrift des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände, einen Ueberblick über die Geschichte und Entwicklung der Interparlamentarischen Union, dem wir folgendes entnehmen: Ii» letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts reifte die Idee heran, Mitglieder verschiedener Parlamente zwecks internationaler Zusammenarbeit und Solidarität zu vereinigeii. Die Union ist dem Wunsche entsprungen, über die trennenden Staatsgrenzen hinweg Ideale zu suchen, die allen Völkern gemeinsam sind und die ihnen erlauben, in Freiheit miteinander zu wirken. Die erste Konse- r c n z tagte am 29. und 39. Juni 1889 in Paris. Bis zum Kriege fanden achtzehn Konferenzen in allen großen Hauptstädten Europas statt. Der Krieg unterbrach freilich jede internationale Tätigkeit der Union, die gerade im vollen Ausbau ihrer Organisation begriffen war und wichtige Arbeiten für die Entwick- lang des Völkerrechts geleistet hatte, namentlich für die Organisation cincr ständigen internationalen Gerichtsbarkeit. In dieser Hinsicht hatte die Union auch die Arbeiten der ersten Haagcr Friedenskonferenz maßgebend beeinflußt. Die dort angenommene Konvention über die„friedliche Beilegung internationaler Streitig- leiten" stützte sich zum großen Teil auf den durch die Union ausge- arbeiteten Entwurf. Auch die Einberufung der zweiten Haager Konferenz geschah wesentlich auf Betreiben der Union. In den nächsten Jahren erstreckten sich ihre Arbeiten vornehmlich auf die Sicherstellung der Ergebnisse der Haager Konferenzen, um in den Beziehungen der Staaten das Recht zur Herrschaft zu bringen. Während des Krieges mußte sich die Union darauf be- schränken, ihre Organisation aufrechtzuerhalten und durch Herausgabc von Broschüren für die Bedingungen eines dauerhaften, auf Recht gegründeten Friedens einzutreten. Die Auswirkungen des Krieges brachten ihr Aufgaben politischer, rtfirtschastlicher und sozialer Natur nahe. Diese Erweiterung des Aufgabengebietes erstreckte sich namentlich auf die R e p a r a t i o n s f r a g e, die A b r ü st u n g, die Minderheitenfragen und Kolonialmandat«. Grundlage der 1922 neu- geordneten Organisation bilden die Landesgruppcn, die sich aus Parlamentariern der betreffenden Länder zusammensetzen. Jede Gruppe verfügt über die ihr entsprechende Stimmenzahl. Ständige Studienkommissionen bereiten die auf der Konferenz vorzulegende» Entschließungen vor, die von den Landesgnippc» wiederum vor ihre Regierungen und Parlamente gebracht werden. Neben den ständigen Ausschüssen wirken der Interparlamentarische Rat, da? Erekutivkomitee, das Interparlamentarische Bureau für die praktische Durchführung der Beschlüsse. Da die Union sich aus Parlamentariern zusammensetzt, die nicht an Austrage ihrer Regierungen fest gebunden sind, können sie in aller Offenheit über die ihre Völker bewegenden Fragen sprechen und so freimütig auch . gefährliche" Punkte berühren. Wenn auch die von der Union ge- ioßten Beschlüste kein Land oder dessen Regierung binden, so kommt i�nen doch moralisch-politische Bedeutung durch die Resonanz, die sie in der Wellmeinung finden, zu. Infolge ihrer Organisation und Zusammensetzung verfügt die Union über mehr Freiheit und Unabhängigkeit be! der Behandlung internationaler Fragen als der Völkerbund, wenn auch nicht dessen Autorität. Viele betrachten sie schon ols eine Art Volkskammer des inter- notionalenParlaments, dessen Oberhaus durch den Völker- bund gebildet wird und somit als dessen notwendige Ergänzung. Die Londoner Lustmanöver. probe auf den Kriegsschrecken der Zukunft. London, 17. August. Ueber das Ergebnis der englischen Lustmanöver über London ist»in amtliche; Äommuniquä ausgegeben worden, in dem es u. o. heißt: Von den in den vier Nächten unternommenen 57 Angriffen find nur neun geglückt. 171 Bombcnslugzeuge wurden van den Abwehrflugzeugen außer Gefecht gesetzt, die ihrerseits 139 Kampf- llugzeuge einbüßten. Das Gesamtgewicht der abgeworfenen Bom- den beträgt 299 Tonnen. Man schätzt die Zahl der durch Flug- abwebrgeschütze abgeschossenen Bombenflugzeuge aus 29. Das Kommuniquä erklärt, daß di« Gegenwirkung der Abmehrst ugzeuge gegenüber dem vergangenen Jahre«ine groß« Verbesterung aufweist und daß andererseits die Verwendung künstlicher Nebel durch die Bombenflugzeug« mit Erfolg durchgcsührt worden sei. Lloyd George über die Wirkung. Llopd George sagte in einem Intervi«w zu den eben beendeten Londoner Luftmanöocrn: Solange Länder Flugzeuge bauen, um Männer, Frauen und Kinder wehrloser Städt« mit Bomben zu bewerfen, ist e» zwecklos, sich um bessere Woh- nungsverhältnisse für das Volk zu bemühen. Von allen Waffengattungen, die herabgesetzt werden müssen, steht di« Luft- waff« in vorder st er Reihe. Die Manöver hoben bewiesen, daß es unmöglich ist, Städte gegen Luftangriff« zu verteidigen. Zeiiungskampf in pan's. llm das Fafchiftenblatt des parfumfabrikanten. Der Pariser Parfumfabritant und Faschistensörderer C o t y hat eine Zeitung„L'rnni du Peuple"(Volkssreund) gegründet, die durch weit billigeren Verkaufspreis(19 statt 25 Cents der anderen Blätter) Massenverbreitung gewinnen soll. Die anderen sieben Ver- läge hatten zuerst die Kiosksirma Hachrtte zum Boykott des neuen Blattes veranlaßt. Dos parierte Coty durch Errichtung eigener Ver- koufsstäird«. Jetzt hat der Vorsitzende des Verbandes der Zeitungen den Geschäftsführer der Cotyschen Zeitung vor dem Kaufmanns- gerichl in Paris wegen unlauieren Wettbewerbes ver- klagt. Gleichzeitig hat der Vorsitzende des Verbandes der Zeitungen ein Schiedsgerichtsverfahren vor Sachverständigen angeregt. Das Blatt„L'anu du Peuple" lehnt diese» Schiedsgerichtsversahren ab, da die Gegenpartei sich bereits für das gerichtliche Verfahren«nt- schieden habe. Spionage bei der Farbenindustrie. Welche Rolle spielte Frankreich? Der Sozialdemokratische Pressedienst meldet von der Wirtschafts- spionags bei der I. G.-Forbeninduftrie, über die wir schon berichteten: Die rheinische Staatsamvalffchast ist vor Wochen einer Werk- s p i o n a g c auf die Spur gekommen, die allein Anschein nach von der französischen Sicherheitspolizei im besetzten Gebiet, der sogenann- tcn S ü r e t 6, ausgeht. Auf Grund von Nachrichten, die von der Mainzer Polizei herrühren dürften, war die französische Spionage am Werk, in der I. G. Farben! n du st rie„neue wichtige und erfolgversprechende Betriebsgeheimnisse ans Gebieten, die für die deutsche Wirtschaft weittragende Bedeutung haben und geeignet sind, die gesan'tc deutsche Volkswirtschaft vom Ausland unabhängig zu machen, auszukundschaften und der französischen Industrie auszulie- fern". Außerdem soll sich die Spionage nicht nur aus die Werke dex I.(3. Farbemndustrie in Ludwigshascn, Leverkusen und Höchst, sondern auch auf das in Mitteldeutschland gelegene Leunawerk, wo die K o h l e n v e r f l ü s s i g u n g � großtechnisch durchgeführt wird, erstreckt haben. Im letzten Augenblick sei es gelungen,„die geheimen Machenschaften der Süretä aufzudecken". Immerhin sollen bereits wichtige Geheimnisse in die Hände der Franzosen gefallen sein. Im Zusammerhang damit sind drei bei der I. G. Farbenindustrie beschäftigte Angestellte in Hast genommen worden. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschast sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Die P o l i z e i hat demnach durch ihre Mitteilungen der genannten Stelle vor- g e g r i s j c n. Merkwürdigerweise bracht« ein Berliner Blatt, dessen Beziehungen zu den rechtsradikalen Kreisen bekannt �iud, ausführliche Mitteilungen über den Spionagefall bei der I. G. Farbenindustrle bereits vor Tagen. Die I G. Farbcnindustrie stellt diesen Verösfent- lichungen, wie dem„Soz. Pressedienst" versichert wird, völlig fern. Wie es scheint, ist in den bisher erschienenen Berichten die ganze Angelegenheit, die unter Umständen politische Auswirkungen haben kann, aufgebauscht. Von zuständiger Stelle erfahren wir, daß Spionage einwandfrei nur im Oppauer Werk d«r I. G. Farbenindustric festgestellt wurde. Die Nachrichten, daß die Fäden der Spionage bis nach Leuna reichen, treffen nicht zu oder sind zum mindesten verfrüht. Bei den drei verhafteten Angestellten handelt es sich wn sogenannte Laboranten. Sie sind nicht in der Lage, voll- ständige und unabgcschlossene Mitteilungen üben Betriebsgeheimnisie der I. G. Farbenindustrie zu machen: es besteht jedoch die Möglickikeit, daß der außeiistehende Fachmann auch aus Gsind unvollständiger Mitteilungen auf gewisse'Arbeitsprozesse bei der'.I. G Farbemndustrie schließen kann. Daß die snuizasische IndusWe an solchen Mit- tcilungen interessiert ist, liegt auf der Hand. Das bekannte Abkommen zwischen der deutschen chemischen und der sranzösi�hen chemischen Industrie, das Abkommen zwischen der I. G. Farbehindustrie und dem Etablissement Kuhlmann, in Lille bezieht sich nur Wis die Ablatz- und Verkaussorganisation, nicht aber auf den?liista>ijch«xoon Erfahrungen. Bei der I. G. Farbenindustrie sind Werks pioiuHzen in den letzten Iahren häufiger vorgekommen. De? jetzige Fall erhält insofern Be- dcutung, als die französische Sicherheitspolizei im �besetzten Gebiet. die S ü r e t ä, die Spionage finanziert.zp haben scheint. Di« Süretä hat ihren Sitz in Paris und unterhält in Mainz eine Zweigstelle: sie hat offiziell die Aufgab«/, jür die SiPerheit der Be- satzung zu sorgen. U. a. soll sie auch„L« v f ch w ö r u�>. g e n" im be- setzten Gebiet nachspüren. Augenscheinlich fehlt es dicker Sürete an geeigneten Objekten für ihren Tätigkeitsdrang, denn d:s Industrie im besetzten Gebiet weiß seit langem, daß sich hie Simtei sehr lebhaft für solche Fabriken interessiert, die Belriebsgxheimniftä zu wahren haben. Man hält es schon seit Iahren in Industriak�eisen für ge- boten, Im Verkehr mit der Süretä äußerst vorsichtig zu jein. Inwieweit die Sürete in der jetzt aufgedeckten Werkspionagl< beteiligt ist, wird uns der Untersuchungsrichter wohl in einigen �agcn sagen können. Vorerst aber muß das Ergebnis dieser Untersuchung ab- gewartet werden, ehe man sich mit der Sürete weiter zu �beschäftigen haben wird. Sollte es zutreffen, daß eine Einrichtung das französi- sehen Staates mit Slaatsgeldern Werkspionage betreibt, tdann verliert die Angelegenheit den Charakter eines bloßen Krinßinalfalles. Palästina britische Serrschastsposiiisn. Die jüdischen Einwanderer bleiben Minderheii. Abel!, im August. Die Ruh« in der palästinensischen Politik wie die Grabesstill« in der palästinensischen Wirtschaft dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß unter der Oberslächc Kräfte die Entwicklung des Landes intensiv wetterdrängen.• Palästina ist ein a r m e s Land, in dem weder Milch noch Honig fließt und rn dem selbst haNie Arbeit dem wasserarmen und seit Jahrhunderten vernachlässigten Boden nur karge Erträge abzuringen oermag. An eine rasche industrielle Entwick- lung des Landes ist nicht zu denken, da die vorhandenen Bodenschätze nicht sehr umkangreich sind und ihre Erschließung viel Zeit und un- geheure Mittel erfordert. Für«in« intensive Landwirtschost, die von der Gunst des Klimas profitieren könnte, fehlt. ein großangelegtes Bewässerungssystem, das nur unter dem Aufwand riesigen Kapitals geschaffen werden könnte. Schon aus diesen materiellen Gründen mußte das Problem einer Besiedlung Palästinas durch jüdisch« Massen ein ganz anderes Gesicht annehmen als die Zionisten unter dem Eindruck der Bolfourdekloratton erholst hatten. Unter diesen llntständen ist an die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Pa- lästina auf dem Wege der Einwanderung überhaupt nicht zu denken. Deshalb wird da» Verhältnis zwischen Juden und Arabern gleich 150 999 zu 859999 in absehlxirer Zeit sich nicht ändern. Bor allem fehlt neuen Zu- Wanderern jede ökonomische Mögtichkeit, soll? sie nicht über erheb- liches Kapital verfügen und davon ist gar nicht die Rede. Eng- land hat miß diesem Grunde den Zutritt nach Polästina durch Ein- wondcrungsbcstimmungen abgeriegelt, die weit schärfer sind als die der Vereinigten Staaten. Selbst wenn sich England aus politi- sehen Gründen dazu veranlaßt sehen sollte, seine.Haltung in der Immigrationsfrage auszugeben, so sprechen di« einfachsten Gesetze der Volkswirtschaft dagegen, das Experiment einer Ueberflutung des Landes mit kleinbürgerlichen und proletarischen jüdischen Existenzen noch einmal zu wiederholeit. Das ziomstische Problem Palästinas beginnt sich daher auf die Aussichten und die Möglichkeiten einer jüdischen Minderheit zu konzentrieren. Di« Beschlüste des letzten arabischen Nationalkongresses wie di« Stellungnahme der Indenheit zu den arabischen Forderungen deuten darauf hin, daß sich beide Teile der Notwendigkeit bewußt sind, sich zusammen- z u f i n d e n. In der gegenwärtigen Konstellation des englischen Weltreichs, in der sich alles um die Erhaltung der Macht vor dem Ansturnvwirk- licher oder imaginärer Gegner dreht, gilt das heilige Land als der herzpanzer für die englische Rüstung in Asien. Der eigentliche Sinn des Hafenbaus von Haifa ist die Schaffung eines modernen Flotten st ützpunktes, dem das Oel zum Schiffsatitrieb durch Röhrenleitung von Mossul (Mesopotamien) zugeführt wird. An dem Vau von Bahnlinien nach Mesopotamien, der wichtigsten Landctappe von Palästina noch Indien, wird in aller Stille aber mit großem Eifer gearbeitet. Wenn nicht oll« Zeichen trügen, so ist Palästina auch zum Zen- tru m des Lu f tv c r t e i d i g u n g s> y ste m s ousersehen, m dem der englische Generalstab das wirkungsvollste militärische Schutzmittel für die Verteidigung des Ueberseebesi�es erblickt. Der Bau des Hafens von Haifa und die Ausführung der � weiteren Projekte wird die Armee der jüdischen Arbeitslosen aus geraume Zeit vermindern und damit auch die Lage der Wirtschaft bessern. Die Zukunft der Juden in Palästina liegt in der langsamen EMwicklung mit den vorhandenen und von außenher zuströmenden sehr geringen Mitteln. Die Abwanderung von kleineren und mittleren Kapitalisten in die Landwirtschaft hat sich durch den Erfolg der Orangenkultur in den setzten Iahren sehr gehoben und wird weiter steigen, wenn es gelingt, noch weitere für den europäischen Markt geeignete hoch- wertige Produkte in größeren Mengen zu erzeugen. Trotzdem bleibt die Seßhastmochung der siedlungshungrigen jüdischen Arbeiter ein Problem, das weder mit den Mitteln der zionistischen Organisation noch mit denen jüdischer Wohltätigkeit gelöst werden kann. Als Zukunftsperspektive für das jüdische Volk in Palästina er- geben sich hieraus politisch« und wirtschostlichc Möglichkeiten seljr begrenzter Art, di« auch nur dann Wirklichkeit werden können, wenn die jüdische Minderheit darauf verzichtet, sich mit englischen Krücken auf Kosten der Araber eine Machtposition zu verschaffen und wenn sie gelernt hoben wird, daß die Entwicklung des mittleren Ostens auf die Schaffung einer übernationalen Gemeinschaft hindrängt, die an die Stelle de» Traums der Herrschaft eines Volkes über seine für minderwertig gehaltenen Nachbarn den Gedanken der Zusammenarbeit nationaler Gemeinschaften in demokratischem und sozialistischem Geist setzt. Leuinani Warnecke. Holland verweigert vorläufig die Auslieferung. Amsterdam, 17. August.(Eigenbericht.) Die holländische Regierung hat die von Deutschland beantragte Auslieferung des unter dem Verdacht des Fememordes stehenden ehemaligen deutschen Leutnants Warnecke vorläufig abge- lehnt. Warn eck« war bei seiner Rückkehr aus Guatemala auf Er- suchen der deutschen Regierung wegen des Verdachts der Mittäter- schaft im Falle Pannier in Amsterdam verhaftet worden. Warnecke bleibt vorläufig in Haft. Japanisches protekiorai Mandschurei. Die Muldetier Machthaber lassen sich von Verhandlungen mit der Nationalregierung abholten. Tokio. 17. August. Baron H a y a s ch i, Devollmächtigter der japanischen Regteru.ig in M u kden, ist nach Tokio zurückgekehrt. Der Presse erklärt« er. daß die Verhandlungen mit der Mukdener Regierung erfolgreich verlaufen seien. Man hahc sich auf ein Kompromiß über die Mtikden-Nankinger Verhandlungen geeinigt. Die Mukdener Regie- �ritng sehe vorläufig von einem Abkommen mit der Nankingregierung a b. Die iopanische Regierung habe nicht scharfe Forderrntgeu an Mukden gestellt, so daß mich kerne Ursache sei für eine Zuspitzung der Beziehungen zwischen Mukden und Tokio. Ein Nüchilingsdrama. Di« offiziös« lettische Agentur meldet: Bier Litauer, von der litauischen Polizei verfolgt, flüchteten unweit der Grenzstation Meitene aus lettisches Gebiet. Als die Flüchtlinge den Befehl stehen zu bleiben nicht befolgten, gab der lettische Grenzposten mehrere Schüsse auf sie ah. Ein Litauer wurde verwundet und festgenommen, die drei anderen entkamen. Es handelt sich um Emigranten au» Tauroggen. Ltnwetter in Amerika. Lleberfchwemmungen.— Werden die Dämme halten? London. 17. August. wie aus New jjork gemeldet wird, richteten schwere Stürme, die von wolkenbrucharligen Regen fällen begleitet waren, in Rordvlrglnia, Südkarollna und Georgia großen Schaden an. Cls Personen sind getötet worden. An vielen Stellen sind die Flüsse über die User getreten. Die Sicherheit von Tausenden von Rlenschen hängt von dem Standhalten der Dämme ab. Nach den bisherigen Schätzungen beträgt der Schaden rund eine Million Dollar. Englische Lustmanöver. T �Theoretisch ist London jetzt ein Trümmerhaufen." «.Ach— praktisch wird das noch viel interessanter aussehen. Die Zukunft der Piscator-Bühne. Oos Theater am Aoltendorfplah kann nicht gehalten werden. Die Katastrophe, die diesen Somnier aus inneren und äußeren Ursache» über die Piscator-Btlhne herciirbroch, wirkt sich weiter aus. Die chossnuno, das Theater am Nollendorfplaj; halten zu können, Hot sich nicht realisieren lassen. Di« Leitung der Bühne gibt bekannt: „Piscator eröfsnet sein Theater aus folgenden Gründen zu einem späteren Termin. Das neue Finanzkonsortium hat die Sa- nierung zugesaqt für den Fall, daß die Arbeitsbedingungen nach den Schwierigkeiten der vorigen Winterspielzeit erträglich gestaltet würden. E? wurden zunächst 120 000 M. zur Verfügung gestellt und es hinterlag für den Mietvertrag mit dem Theater am Nollendorfplatz eine Kaution von 100 000 M. Dazu kam ein Fundus von außer- ordentlichem Wert. Piscator tonnte also schon am 1. September eröffnen! Wenn er sich im Einverständnis mit seinem Konsortium dennoch entschloß, nicht zu eröffnen, so nur deshalb, weil sein Miel- vertrag chm ein Risiko auferlegt hatte, das auch bei gutem Ge- schostsgang eine Rentabilität des Theaters aufs neue gefährden mußte. Die Bestimmungen dieses Mietvertroges sahen eine Aahresmiete von 250 000 M. vor und weiter« Leistungen der Piscator. Buhne in Höhe von 100 000 M. Dazu kommt, daß die bereits hinterlegte Kaution von 100 000 M. zugleich»in« Konven- tionalstraf« darstellt, die beim geringsten Berstoß gegen die Bestimmungen des Mietvertrages von den Herren Meinhard und Ber- nauer ohne Verrechnung kassiert werden konnte Um einem solchen Bertrag die Stirn zu bieten, bedarf man eines Kopitals, das dos Doppelt« bis Dreifache des vorhandenen hätte ausmachen müssen, und einer„Geschäftsführung", die jedes künstlerische Arbeiten als riskant ausgeschlossen hätte, und trotzdem ein Gelingen nicht mit Sicherheit hätte garantieren können. Ein Entgegenkommen der Herren Meinhard und Bernauer war nicht zu erreichen, Dabei rückte die Saison so nah«, daß Disposi- tionen für den rechtzeitigen Anfang nicht mehr getroffen werden konnten. Infolgedessen beschloß Piscator, von seinem Vertrag mit dem Nollendorf-Thcater zurückzutreten, ohne Rücksicht darauf, daß jetzt Meinhard und Bernauer 100 000 M. ohne Gegenleistung in den Schoß fallen. Demgegenüber zieht Piscator eine andere Lösung vor. Das von dem neuen Konsortium bereitgestellte und noch zu erhöhende Kapital bleibt die Grundlage einer neuen Gesellschaft, die sich zum Aiele gesetzt hat, der Bühne nicht nur ein anderes Haus und eine gesichert« Existenz, sondern vor allem auch die Möglichkeit zu ruhiger und organischer Vorbereitung zu schassen. Die Arbellen am Repcrtoir und Ensemble nehmen ihren Fortgang. Geplant ist bis zu diesem Zeitpunkt«ine oerkürzte Winterspielzeit in Berlin und anschließend daran Ga st spiele durch Deutschland und das Zluslan d." Es ist leicht, die Ursachen für das nunmehr offen eingestanden« Fiasko nachzuweisen. Indessen. Piscator hat ja selbst schon seine Fehler eingestanden. Revolutionäres Gesinnungstheater laßt sich auf die Dauer nicht mit einem gut zahlenden Kursürstendamm- Publikum aushalten. Außerdem hätte es auch an einen: zugkräftigen Repertoir selbst für ein proletarisches Theater gefehlt, dos nicht mit der hohen Miete, den kostspieligen Engagements und den Geld verschlingenden Regieexperimenten belastet gewesen wäre. Wenn der Kritiker der Volksbühne. Herr Jhering, diese Zusammenhänge richtig erfassen würde, könnte er sür künftige Fäll« manches lernen. Die Volksbühne hat den unvermeidlichen Fall Piscators voraus» gesehen und natürlich keine Lust gehabt, diesen Sturz mitzumachen. Der Künstler Piscator, der durch sein Experiment die Unmöglichkeit eines reinen Gesinnungschoaters bewiesen hat,.behält seine Be- deutung. Di« Sonderobteilungcn der Volksbühne werden eine Stütze seiner weiteren Pläne sein. Panzerschiff und Partei. Von WUhelm Keil. Die Parteipresse Westsachsens fordert den Aus- tritt der Sozialdemokratie aus der Koalition. Gegen diese Austastung wendet sich der folgende Artikel des Genossen Keil. Es war zu erwarten, daß der Beschluß des Reichs- kabinstts, die vom Reichsrat in Sachen des Panzer- kreuzers X gsmachten Vorbehalte für erledigt zu erklären, in der Partei Anstehen erregen würde. Die gesamte Partei und die gesamte Reichstagsfraktion haben den Bau dieses Kriegsschiffs aus politischen und finanziellen Gründen be- kämpft und bei der letzten Reichstagswahl hat diese Frage eine große Rolle gespielt. Trotzdem wird die Jnan- ariffnahme des Baues nur denjenigen veranlassen, der Forderung der„Leipziger Volkszcitung",„Heraus aus der Koalition!" zuzustimmen, der grundsätzlich gegen jede Koalitionspolitik ist. Zunächst ein Wort zu der Frage, ob im Wahlkampf zu dsm Beschlüsse des alten Reichstags überall die richtige Haltung eingenommen worden ist. Es war richtig, daß wir die Parteien, die den Panzerkreuzer zu bauen beschlossen hatten, vor den Wählern anklagten. Das war unser a u t e s R e ch t und entsprach unserm Verhalten im Reichs- tag. Wenn ober da und dort die Hoffnung geweckt wurde, daß eine Stärkung der Sozialdemokratie bei den Wahlen die Durchführung des Deschlustss des vorigen Reichstags unmöglich machen würde, so war das gewagt. Es lag ein verfassungsmäßig gefaßter, mit dem Etatgesetz für 1928 bereit-? in Kraft getretener Beschluß des alten Reichstags vor. Einen solchen Beschluß rückgängig zu machen, ist viel schwerer, als einen noch nicht gefaßten Beschluß zu verhindern. Der Reichsrat hat den Anstoß dazu gegeben, daß sich dos Reichstabinctt noch einmal mit der Frage des Kreuzer- baues beschäftigen mußte. Der Reichsrat"hat seinen"ur- sprünglich erhobenen Einspruch zurückgezogen und nur verlangt, daß vor der Bauausführung die gesamte Finanzlage noch einmal überprüft werde. Diese Ileberprüfung ist erfolgt mit dem Ergebnis, daß die Reichs- Verwaltung erklärt hat. die Kosten des Baues durch Ein- sparung an anderen Stellen aufbringen zu wollen. Selbst wenn wir die ganze Angelegenheit als eine rein finanzielle ansehen wollten, und ihre politische Bedeutung außer acht lassen wollten, könnte uns Sozialdemokraten diese Erledigung nicht befriedigen. Gibt die Reichs- wehrocrwältung jetzt zu, daß Ersparnisse möglich sind, ohne den Zwecken der Reichswehr zu nahe zu treten, so wünschen wir, daß die ersparten Summen für soziale und kulturelle Zwecke Verwendung finden. Haben wir aber die Macht, diese Forderung durchzusetzen? Die Kommunisten berufen sich darauf, daß bei einer wiederholten Beschlußfassung über den Panzerkreuzer sich eine Mehrheit gegen den Bau ergeben würde. Sie unter- stellen dabei, daß die Parteien genau so stimmen würden. wie sie im alten Reickstog bei der Etotsberatunq gestimmt baben. Sicher wissen sie. das aber doch nur von sich selbst und der Sozialdemokratie. Ob die Demokraten und die Wirt- schaftspartei, die durchaus keine einheitliche Stellung zur Panzeistrage einnehmen, bei dem Antrag- aus dem bereits in Kraft getretenen Etatsgesetz den Panzerkreuzer nachträg- lich zu streichen, ebenso stimmen würden wie im alten Reichstag, ist zunächst sehr zweifelhaft. Angenommen aber, das wäre der Fall, to entstünde sofort die Frage, ob eine solche gegen den Kreuzerbau gebildete Mehrheit auch regierungsfähig wäre. Die Kommunisten als Be- standteil dieser Mehrheit, kommen für eine Regierungsbildung nicht in Frage. Das ist ja eben der große Miß- brauch, den die Kommunisten mit einigen Millionen deutscher Arbciterwäbler treiben, daß sie diese Wähler nur negativ in die Wagschale werfen, sie aber ausschalten, wenn es gilt, die deutsche Politik positiv zu beeinflusien. Bei der politischen Bedeutung, die der Kreuzerfrage zu- kommt, würde ein— übrigens höckst unwahrscheinlicher— Reichstagsbeschluß, den früheren Beschluß aufzuheben, zu einer Regierungskrise und in der Folge bestenfalls zur Auf- löfung des Reichstags führen. Würde uns aber eine Reu- wähl," bei der mit großem Geldaufwand der Rechten alle nationalistischen Instinkte geweckt würden, eine sichere regierungsfähige Mehrheit gegen die Kreuzerp olitik bringen? Aeußerftenfalls doch wiederum nur dann, wenn die Kommunisten zur verant- mortungsbewußten Mitarbeit in der Regierung bereit wären. Da sie das n i ch t sind, fallen ihre gegen die Sozialdemokratie gerichteten Vorwürfe auf sie selbst zurück. Eine ganz ähnliche Situation würde entstehen, wenn die Sozialdemokratie im Kabinett die Ausführung der etat- gesetzlichen Bestimmung, daß ein neuer Panzerkreuzer zu bauen ist, zu hintertreiben versuchte. Das hätte ihren Austritt aus dem Kabinett, ober nicht die Verhinderung des Kreuzerbaves zur Folge. Wir wurden dmm mog- licherweife ähnliche Regierungsverhältnisse im Reich be- kommen haben, wie sie zurzeit in Sachsen bestehen.� Die sächsischen Regierungsvcrhältnisse finden aber nicht einmal den Beifall der„Leipziger Bolkszeiwng". geschweige den der Parteigenoffvn im Reich.„ Die Sozialdemokratie trägt für den Bau des Panzer- kreuzers keine Verantwortung.� Der Beschluß war vom alten Reichstag gegen ihre Stimmen gefaßt, und rückgängig machen könnte sie ihn nur, wenn sie al l e i n stark genug wäre, eine Regierung zu bilden. Wollte sie aber, weil sie einen Beschluß aus der Vergangen- heit nicht aufheben kann, sofort die Flinte ins Korn werfen und aus der Koalition austreten, wie es die„Leipziger Volkszeitung" verlangt, so würde sie sich auch der Möglichkeit berauben, in der Zukunft ähnliche Beschlüsse zu verhindern. Ein Beschluß des Hamburger Parteiausschusses. Hamburg. 17. August.(Eigenbericht.) Der Parteiausschuß der sozialdemokratischen Landesorganisation Hamburg befaßte sich am Frek- tag mit der politischen Lage und der Frage, od die Haltung des sozialdemokratischen Reichsministers zum Bau des Panzerkrsu- zers A Anlaß zu tiner Regierungskrise geben könnte oder müßte. Der Parteiausschuß trat mit 28 gegen 6 Stimmen dem Besch!, iß der Vorstände der sozialdemokratischen Paitei Deutschlands and der sozialdemokratischen Reichstogsfraktion vom Mittwoch, dem 10. August 1928, bei. in den, bedauert wird, daß die sozial- demokratischen Minister nicht die Möglichkeit gesundem haben, durch Abstinunung klar zum Ausdruck zu bringen, daß sie wie die gesamte Partei entschiedene Gegner des Baues des Panzer- kreuzers A sind. Bor allem mißbilligt der Parteiausschuß der Landesorganisotion Hamburgs die unmögliche und unangebrachte Eile, mit der der Beschluß des Reichskabinetts gesaßt wurde. Die sozialdemokratischen Minister hätten dafür wirken sollen, daß die Frage erst entschieden werden dürfe, nachdem den Parteien Gelegenheit gegeben wurde, in der durch die Reichstags- mahl geschaffenen neuen Situation zu dieser umstrittenen Frage Stellung zu nehmen. Der Parteiausschuß erklärte gleichzeitig und entgegen den durchsichtigen Uebertreibungen der kommunistischen und notionali- stischen Presse, daß er es für einen großen politischen Fehler holten würde, wenn die Panzerkreuzerangelegenheit zum Anlaß einer Regierungskrise genommen würde. Siellung der sächsischen Organisaiionen Chemnitz. Zur Vaubewilligung des Panzerkreuzers'A durch das Reichs- kabinett hat die Chemnitzer Bezirksleitung der SPD. folgenden Bs- schluß gefaßt: Die Bezirksleitimg des Bezirks Chemnitz-Erzgebirge hat mit Entrüstung von dem Abstimmungsergebnis in der Reichsregierung über den Panzerkreuzerbau Kenntnis genommen. In der Tatsache, daß selbst die sozialdemokratischen Minister entgegen dem Beschluß der früheren Reichstagsfraktion dem Bau des Panzerkreuzers zuge- stimmt haben, erblickt die Bezirksleitung eine schwere Schädigung der Partei. Die Partei fordert von den maßgebenden Parteiinstan- zen, die Parteigenossen sofort aus der Reichsregierung zurückzuziehen. Dom Londesarbeitsausfchuß Sachsen der SPD. fordert die Bezirksleitung die sofortige Einberufung der Landes- mstanzen. Zwickau. Eine Tagung von Funktionären der Sozialdemokratischen Partei im Zwickauer Bezirk hat sich einstimmig der Plauener Kundgebung zum Kabinettsbeschluß über den Bau des Panzerkreuzers A angeschlossen. Es wird der sofortige Austritt der Sozial- demokraten aus der Reichsregierung und der Zu- sammentritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gefordert. Ostsachsen. Der Bezirksvorstand der SPD. Ostsachsens l)at zu der durh den Panzerkreuzerbes chluß des Reichskabinecks geschaffenen Lage«inen Beschluß gefaßt, in dem es n. a. heißt: „Die Versammlung erwartet von der Reichstogssroktion eine kurze Stellungnahme, die eine Mitverantwortung der Partei für die Bewilligung der ersten Rate zum Panz«rkrsuz«r A ausschließt, gleichzeitig ober die Bewilligung der weiteren Raten für den Preuzer Ä imd die Kreuzer S, C und v verhindert. Di- Reichstagsfraktion hat sofort die Einberufung de? Reichstags zu verlange», damit eine Entscheidung des Reichstags über den Bau des Panzerkreuzers herbeigeführt werden kann. Hält die Mehrheit des Reichstags an dem Bau des Panzerkreuzers fest, so hat die Sozialdemokratie ihre Vertreter aus der Regierung zurückzuziehen. Wir fordern, daß eventuell ein außer- ordentlicher Parteitag zur schnelleren Klärung de? Falle» einberufen wird." Die Deutschen Werke bauen den Panzerkreuzer. kiel, 17. August. Das Reichswehrmimsterium hat den Deutschen Werken A.-G. t« Kiel den Neubau des Panzerkreuzers A übertragen. Tadel für(Sowjetgewerkschasten. Weil sie nicht für die Offizierslaufbahn werben. Moskau, 10. August. Zu Anfang dieses Jahres war die Losung ausgegeben worden, in allen Fabriken unter der jüngeren Arbeiterschaft geeignete Per- sonen zum Eintritt in die Kriegsschulen auszuwählen, um den O f f i z i c r n a ch w u ch s der Roten Armee sicherzustellen. Di« Sowjetblätter führen jetzt Klage darüber, daß die Gewerkschaften und andere Organisationen diese Aufgabe sehr nachlässig be- handelt hätten. Zum Beispiel wären für Leningrad 3280 Anmel- düngen berechnet, es hätten sich aber nur 914 gemeldet. Die Blätter glauben, daß unter der Arbeiterjugend sich zahlreich« Personen be- finden, die gerne Rote Offiziere werden würden, daß aber die Nach- lässigkest der Gewerkschaften ihnen die notwendigen Mitteilungen über den einzuschlagenden Weg vorenthalte. Neuer Präsident der belgischen Sammer. An Stelle des zurück- getretenen Sozialisten Brunei wurde der 1. Vizepräsident T i b- baut mit 169 gegen 131 Stimmen zum Kammerpräsidenten ge- wählt. katlowißer Straskouto. Wegen Beleidigung des Senators Karkoschka wurde Redakteur Helmerich vom sozialdemokratischen „Volkswillc" zu 400 Zloty oder zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt. Verbandstag der Metallarbeiter. Die Einführung der Invalidenunterstützung. " Karlsruhe, 17. Auguft.( Eigenbericht.) In der Freitagvormittagssigung wurde mehrere Stunden lang über die Einführung der Inwalidenunterstüßung beraten. Der Hauptfaffierer Schäfer erläuterte zunächst die hierzu vom Hauptporstand eingereichte Vorlage, deren Für und Wider in der Metallarbeiter- Beitung" und auch in den Mitgliederversammlungen eingehend besprochen worden ist. Er setzte sich nachträglich für die Annahme der Vorlage mit den Abänderungsvorschlägen der Statutenberatungsfommission ein, die nach der Auffassung des Hauptvorstandes den Kampfcharakter der Organisation nicht verwässern, fondern ihn vielmehr wesentlich fördern werde. # Mett- Hamburg, von der Statutenberatungskommission, empfahl ebenfalls die Vorlage der Kommission zur Annahme, die einige mesentliche Verbesserungen der Vorstandsvorlage enthält. Detting haus Gevelsberg, der dem Amsterdamer Fraktionsvorstand an gehört, eröffnete die Debatte darüber. Er wandte sich einleitend mit einigen furzen Bemerkungen an die Kommunisten und sagte ihnen ganz deutlich, daß die verschiedenartige Auffassung unter den sozialDemokratischen Mitgliedern der Organisation über diese Frage nur beweise, welches freigeistige Leben in der Amsterdamer Fraktion herrsche. Seiner Auffassung nach würde die Invalidenunterstützung fein geeignetes Werbemittel sein, weil sich die jugendlichen Arbeiter noch teine große Sorge über ihr Alter machen. Er führte noch verschiedene andere fachliche Gründe für seine ablehnende Stellungnahme an und plädierte für die Nichteinführung dieser neuen Unterſtügungsart. Die Kommunisten, die ja in allen Fragen eine gebundene Marschroute haben, bekämpften natürlich geschlossen die Einführung der Unterstügung. nung dienen. Brandes streifte dann noch kurz die Aufgaben des Gewerkschaftsfongresses in Hamburg. In der Diskussion spannen die Kommunisten ihren bekannten Faden gegen die Wirtschaftsdemokratie weifer, NiederkirchnerBerlin bediente fich eines einseitig abgefaßten Protokolls der rusfischen Metallarbeitervertreter über die gescheiterten Einigungsver handlungen und wollte damit den Anschein erwecken, als ob die Schuld nicht bei den Russen läge, sondern auf der anderen Seite. Der Sekretär der Eisernen Internationale, Ilg, widerlegte die Behauptungen in diesem Protokoll, das von den Bertretern des Internationalen Metallarbeiterbundes nicht unterzeichnet worden ift. Schweigend hörten die Kommunisten mit an, wie Ilg das Doppelgesicht der angeblich so einigungsbereiten russischen Metallarbeitervertreter aufzeigte, die erst mit den Vertretern des Metallarbeiterbundes über die Einigung verhandelten, kurze Zeit darauf aber zum Rampf gegen den Metallarbeiterbund aufforderten. Es bestehe daher kein Interesse mehr an dem Eintritt des russischen Metallarbeiterverbandes, der nur dem Bund beitreten will, um ihn besser bekämpfen zu können.( Lebhafte Zustimmung.) Der Vorsitzende des Maschinisten- und Heizerverbandes, Genosse Klebe, sprach dann furz zur Verschmelzungsfrage. Er gab befannt, daß der Vorstand seines Verbandes feine organisatorischen und beruflichen Hindernisse für die Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverband fähe. Er wünschte Auf schluß darüber, ob für eine Verschmelzung nur die Maschinisten und Heizer der Metallindustrie oder die aller Industrien in Frage tommen sollen. Brandes antwortete ihm in seinem Schlußwort, daß der Metallarbeiterverband auf Grund des Kongresbeschlusses von Breslau die Maschinisten und Heizer aller Industrien über nehmen würde. Absage an die Opposition. Spannung im rheinischen Braunkohlenrevier. Köln, 17. Auguft.( Eigenbericht.) Im rheinischen Braunkohlengebiet droht ein Lohntonflitt Die Braunkohlenindustriellen haben es bisher abgelehnt, über Lohn forderungen der Arbeiter zu verhandeln. Sie fordern vielmehr eine Verlängerung der Schicht um eine halbe Stunde Die Bergarbeiter verlangen demgegenüber folgendes: 1. eine Nachzahlung pro Person von 100 m. für die Zeit vom 1. Januar bis 31. August 1928; 2. Verkürzung der Arbeitszeit um ½ Stunde pro Tag auf 8 Stunden; 3. einen Spitzenlohn von 1,20 m. Die Forderung auf Nachzahlung wird erhoben, weil der letzte Tarifabschluß zu einer Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde führte, ohne daß ein Lohnausgleich erfolgte. Der Schlichter gebern anberaumt. hat für Dienstag neue Verhandlungen mit den Arbeitern und ArbeitSchiedsspruch für die Landwirtschaft. In der Provinz Opreußen. Der am 12. Juni vom Schlichter für die Provinz Ostpreußen gefällte Schiedsspruch für die Landarbeiter wurde von beiden Barteien abgelehnt. Auf Antrag des Deutschen Landarbeiterverbandes wurde vom Arbeitsminister ein Sonderschlichter bestimmt, der am 8. August einen neuen Schiedsspruch fällte, wonach der bis zum 31. März 1928 in Geltung gewesene allgemeinverbindliche Tarif vertrag mit einer Reihe von Abänderungen weiterhin gilt. Die Löhne erhöhen sich ab 1. August 1928: für die Deputanten um 2,40 m. pro Monat, ab 1. Oftober um weitere 1,20 m. pro Monat; die Frauenlöhne um 10 Pf. pro Tag; Hofgänger erhalten eine Erhöhung von 10 Broz, ab 1. Oktober 15 Proz.; Fretarbeiter eine Barlohnzulage von 2 Pf. pro Stunde, ab 1. Oftober 3 Bf.; d Dienstbotenbarlöhne erhöhen sich um 25 Broz.; gehobene Arbei erhalten einen Mindestbarzuschlag von 48 m. pro Jahr; die Zulaye für Gespannführer und Biehfütterer erhöht sich auf 5 m. pro Monat; die Säge für Ueberstunden an Wochen-, Sonn- und Feiertagen erhöhen sich um 5 Pf. pro Stunde. Mit großer Spannung ging es dann zu den Abstimmungen. Eine Urabstimmung unter den Mitgliedern über diese Frage lehnte der Verbandstag mit großer Mehrheit ab. In der endgültigen Ab. ftimmung wurde schließlich gegen 45 Stimmen, also mit mehr als 3weidrittelmehrheit, die Einführung der Invalidenunterstügung im Prinzip be= schlossen. Die Vorlage des Vorstandes und die Abänderungsanträge der Statutenberatungsfommission wurden dann gegen die gleiche Minderheit angenommen. Damit war auch die zur Aufbringung der Mittel für diesen neuen Unterſtügungszweig notwendige Kommunisten angenommen, in der gegen die Drangfalierung der Wochentage freigegeben werden zu ihren Bestellungsarbeiten und zur Beitragserhöhung genehmigt. Sonstige Beitragserhöhungen beschloß der Verbandstag nicht. Es wurde lediglich festgesetzt, daß an Stelle der schwarzen, beitragsfreien Marken für Erwerbslose eine 10- Pfennig- Marte pro Woche geflebt werden muß. Beschlossen wurde weiter die Einführung einer Unterstützung beim Tode der Ehe= frau eines Mitgliedes, die praktisch eigentlich schon durch die Unterstützung der Ortsverwaltungen in solchen Fällen bestand. Internationales. In der Nachmittagssigung berichtete der Borsitzende Brandes über den Internationalen Gewertschaftstongreß und den Metallarbeitertongreß in Paris. In einer Gegenüberstellung der Arbeiten des JGB, und des Internationalen Metallarbeiterbundes mit den Arbeiten der Roten" Gewerkschaftsinternationale stellte er fest, daß die lettere außer der Spaltung Der Arbeiterschaft nichts weiter geleistet habe. Die russischen Metallarbeiter fönnten dem Internationalen Metallarbeiterbund schon längst angehören, wenn fie feine Sagungen und Bedingungen anerkannt hätten, die auf Grund der mit ihnen gemachten Erfahrungen gestellt worden sind. Wenn Fehler in der Sagung sein sollten, fönne in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit für eine Beseitigung dieser Fehler gesorgt werden. Ganz besonders deutlich wurde Brandes gegenüber der Oppofition", indem er die schärfsten Maß nahmen des Vorstandes ankündigte gegen Mitglieder, die die Organisation meiterhin in Rede und Schrift herunterreißen. Es fönne nicht mehr geduldet werden, daß in der Organisation besondere Unterstügungsorganisationen aufgezogen werden zur Bekämpfung der eigenen Organisation. Der Borstand wird auch feine kommunistischen Ortsverwaltungen mehr bestätigen, wenn der Wahlkampf ,, mit Lüge und Berleumdung" meitergeführt werden sollte. Das solle den Kommunisten zur WarTagung des Verkehrsbundes. Die Beamtenrechtsfrage.- Wiederwahl des Vorstandes. Ueber die beamtenpolitische Gesetzgebung der Republik sprach Dr. Bölter vom ADB. Der Redner geht von der Forderung des Berufsbeamtentums aus und legt dar, daß unbeschadet der Aufreht erhaltung der Wesensbestandteile des heutigen Beamtenrechts lebenslängliche Anstellung, Pension und Hinterbliebenenfürsorge die Stellung des Beamtentums im heutigen demokratischen Zeitstaat doch cine andere sein müsse als früher. Unter Hinweis auf die Tatsache, daß die verfassungsrechtlichen Vorschriften über die Neugestaltung des Beamtenrechts noch heute im zehnten Jahre der Republik nicht durchgeführt find, begründet er die dringende Notwendigkeit, bei der Reform der Beamtengesetzgebung die Folgerungen aus den veränderten verfassungs und staatsrechtlichen Verhältnissen zu ziehen. Der Redne: schildert dann im einzelnen das Schicksal der verschiedenen verbandsre htlichen Entwürfe, die im Laufe der letzten Jahre ausgearbeitet wurden, von denen aber feiner verabschiedet wurde. Er legt weiter die Forderung des ADB. zur Reform des allgemeinen Beamtenrechts, Des Disziplinarrechts und der Unfallfürsorge dar und verlangt, daß durch Shaffung von Beamtenräten durch gesetzliche Regelung der Krantenfürsorge und der Dienstzeiten für Beamten eine Annähe rung des Beamtenrechts an das allgemeine Ar reitsrecht vorgenommen wird. Das kommende Beamtenrecht müsse vor allen Dingen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung des Beamten schüßen. Die, wenn auch etappenmeise Durchführung dieser Ziele sei nur möglich, wenn an die Stelle der mit der Bearbeitung dieser Frage betrauten Personen neue Männer gesezt würden. Auf der anderen Seite sei auh eine Umschichtung des Beamtentörpers im Sinne einer Demokratisierung erforderlich. Es sei für einen Boltsstart ein unhaltbarer Zustand, wenn der Zugang zu den Beamtenstellen und damit die Handhabung der Verwaltung der Arbeiterschaft im großen und ganzen noch verschlossen ist. Die Hemmungen in der Gestalt von Besitz und Privilegien müßten beseitigt und Einrichtungen geschaffen werden, die es den befähigten Söhnen der Arbeiterschaft ermöglicht, mehr als bisher die Beamtenlaufbahn zu ergreifen. = Zu dem Vortrag sprachen Scherff Berlin und Blumenthal Hannover. Eine Entschließung wurde gegen wenige Stimmen angenommen, die u. a. folgende Forderungen enthält: Die beamtenpolitische Gefehgebung nach der Staatsumwälzung hat die auf die Neuordnung der Verhält. nisse sich gründenden Erwartungen und Forderungen der Beamten schaft nicht erfüllt. Als Grundlage einer Reform sieht der Bundes. tag das Beamtenrechtsprogramm des ADB. an. Das neue Be amtenrecht muß den veränderten rechtlichen und politischen Bers hältnissen Rechnung tragen, die staatsbürgerliche Bleichberechtigung des Beamtentums anerkennen und seine Rechte als öffentliche A: beitnehmer schüßen. Es muß den Anschluß finden an die Entwid lung der Sozialpolitik und des Arbeitsrechts für die übrigen Arbeit nehmer. Die Entscheidungen der Beschwerdetommission, über die Klose In seinem Schlußwort fündigte Brandes nochmals einen scharfen Kampf gegen die tommunistische Bellenarbeit und die Unterminierung der Organisation an. Es erfolgte dann die Verabschiedung verschiedener Entschließungen. Unter anderem wurde eine Entschließung gegen die Stimmen der Gewerkschaften in den imperialistischen, faschistischen und sowjetistifchen Staaten profeffiert und allen unterdrückten Arbeitern die Sympathie des Berbandstages ausgesprochen wird. Zur Banzerfreuzerfrage hatten die Kommunisten eine Entschließung eingebracht, in der gefordert wurde, daß der Verbandstag die Schritte der KPD. zur Einleitung eines Boltsentscheides begrüßen sollte. Die Amfterdamer Delegierten sprachen den Befürwortern dieses Antrages mit dem Hinweis auf das waffenstarrende Sowjetrußland die Berech tigung zu dieser Entschließung ab und zeigten gerade daran, daß die sozialdemokratischen Parteimitglieder diese Frage lebhaft erörtern, wie anders es mit der Meinungsfreiheit in der Sozialdemokratischen Partei bestellt ist als in der KPD. Der fommunistische Antrag wurde abgelehnt und dafür eine von Brandes, Metz und anderen Genossen eingebrachte Entschließung gegen eine Stimme angenommen, in der gegen den Panzerfreuzerbau scharf protestiert und von den parlamentarischen Vertretern der Arbeiterschaft verlangt wird, alles aufzubieten, um den Bau zu verhindern. Nach einer weiteren Entschließung wird der Vorstand ersucht, mit den Maschinisten und Heizern und den Kupfer ich mieden in Verhandlungen zu treten, um eine würdige Verschmelzung der drei Verbände herbeizuführen. Gegen die Stimmen der Kommunisten wurde schließlich noch eine Entschließung angenommen, in der die Aufforderung der roten Gewerkschaftsinternationale zur Desorganisation der Gemertschaften und zum Disziplinbruch auf das schärfste verurteilt und der Borstand verpflichtet wird, gegen jeden Versuch, im Sinne dieser Aufforderung zu wirken, mit allen statutarischen Mitteln vorzugehen. Der Verbandstag erledigte dann noch eine Anzahl von Anträgen und nahm unter anderem einen Antrag an, der eine Erhöhung der Streit und Gemaßregeltenunterstügung Dorsieht. Berlin berichtet, werden gegen wenige Stimmen angenommen. Im Namen der Statutenberatungskommission berichtete Weng- Breslau über die allgemeinen Anträge. Leipzig, 17. Auguft.( Eigenbericht.) Am Freitag ging der Bundestag des Berkehrsbundes zu Ende. die aus angestellten von der Organisation loszulösen und fie Die Verwaltunosstelle München hatte beantragt, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund zuzuweisen. Vom Borstand sowie von Graßmann vom ADGB. wurde diesem Antrage widersprochen, der dann auch mit übergroßer Mehrheit abge lehnt wurde. Ueber das Ergebnis der 3usammenschlußperhand lungen referierte der Vorsitzende Schumann. Als vor drei Jahren die Frage des Zusammenschlusses der drei Verbände in den Kreis der prattischen Erwägung trat, herrschte eine hoffnungsvolle Stimmung. Man war allgemein der Ansicht, daß diese durchaus notwendige und zeitgemäße Frage zu einer befriedigenden Lösung tommen würde. Leider ist es anders gekommen. Auch beim Vertehrsbund waren anfängliche Schwierigkeiten zu überwinden, die aber im Interesse des Ganzen rasch zurückgestellt wurden. Heute find fast alle Mitglieder von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses überzeugt. Schumann schildert dann die einzelnen Entwicklungsstufen, die die Zusammenschlußbewegung seit drei Jahren durchlaufen hat, an Hand der Vorschläge, die vom Verkehrsbund wie von den übrigen beteiligten Organisationen gemacht wurden. In diesen Vorschlägen fand eine Riefenarbeit, die mit zahlreichen Zusammenkünften und Sitzungen verbunden war, ihren Niederschlag. Die drei Verbände konnten sich über die wesentlichen Punkte einigen, und ein befriedigendes Endresultat schien durchaus in naher Aussicht zu stehen. Zu den vorangegangenen Kongreffen der Gemeindearbeiter und Eisenbahner Stellung nehmend, bedauert Schumann, daß der Einheitsverband der Eisenbahner seine Entschließung in eine starre Form goß. Bekanntlich müssen sich drei Viertel der Mitglieder des Eisenbahnerverbandes in einer eventuellen Urabstimmung für den Zusammenschluß entscheiden. Bei der Statutenberatung zeigte es sich, daß die Kommunisten ihre Zermürbungstaktik fortseßen. Obwohl ihre Anträge stets gegen eine geringe Stimmenzahl der Ablehnung verfielen, haben sie immer wieder neue gestellt. Schließlich riß dem Bundestag die Geduld und er machte dem Sput ein Ende. Bei der Vorstandswahl wurde der alte Vorstand gegen acht Stimmen wiedergewählt und zwar zu Vorsitzenden Schumann und Döring, Kassierer Nürnberg und Redatteur Lindom als Sekretär. Neu hinzugewählt wurden die Kollegen Julius Scherff und Anton Reißner. Kollege Schumann dankte für das Vertrauen und gab die Erklärung ab, daß der Vorstand auch in der neuen Arbeitsperiode seine volle Pflicht erfüllen wird. Da der bisherige dritte Vorsitzende August Werner aus dem Dienst des Verbandes. ausscheidet, nimmt Kollege Schumann Beranlassung, ihm für seine erfolgreiche Tätigkeit herzlichst zu danken. Kollege Werner war 29 Jahre als Angestellter tätig und hat seine Pflicht für die Organisation aufs genaueste erfüllt. Schumann wünscht dem scheidenden Funktionär einen sonnigen Lebensabend. Werner dantte in bewegten Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Außerdem werden Nachzahlungen geleistet für die Zeit vom 1. Mai bis Ende Juli im Betrage von 3, 5, 7, 9 und 11 M., jedoch nur an die am 1. August noch in demselbe:: Arbeitsverhältnis Beschäftigten. Die Erntezulage von zwei Zentnern Getreide bleibt. Den Deputanten sollen nach Empfehlung des Schiedsspruches drei Aberntung. Obwohl die Landarbeiterschaft von dem Ergebnis des Spruches bei dem besonderen Tiefstand der Löhne in der oftpreußischen Landwirtschaft nicht befriedigt ist, haben die beteiligten Arbeiterverbände den Spruch angenommen und für den Fall, daß ihn der Arbeitgeberverband ablehnt, die Verbindlichkeitserklärung beantragt. 3llegeale" Unterstügungskaffen aufgehoben. Innerhalb des Buchdruderverbandes in Leningrad sind eine Anzahl von illegalen Unterstützungsfaffen festgestellt worden. Zwar hatten diese Kaffen keine Statuten, es werden aber Mitgliedsbeiträge in der Höhe von 1 bis 5 Rubel monatlich erhoben. Einige diefer Raffen bestanden noch von der Zeit vor der Revolution her. Der Vorstand des Verbandes erklärt, daß eine der hauptsächlichsten Ursachen für das Bestehen dieser Kassen in dem Umstand zu suchen sei, daß die Ieer seien. Gemertschaftsunterstügungstaffen Natürlich werden nun diese illegalen Raffen liquidiert. Dagegen sollen auf den Unternehmungen, wo bis jetzt die illegalen Kassen existierten, von der Gewerkschaft Unterstützungskassen ins Leben ge= rufen werden. Auf dem Hamburger Gewerkschaftstongreß wird der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius als Vertreter feines Ministeriums anwesend sein. " Ein Buchdruderftreif in Pefing ist bei der in japanischer Sprache erscheinenden Zeitung Beting Schimbun" entstanden, weil ein Arbeiter entlassen worden war. Zwischen den Streikenden und den Aufsehern tam es zu schweren Zusammenstößen. Gewerkschaftsfest in Treptow. Sonntag, 26. August, ab 15 Uhr, veranstaltet von ben Berliner Drtsaus schüffen des DGB., bes AfA- Bundes und bes ADB. in allen größeren GartenLotalen Treptows. Ronzert, Gesang, artistische Darbietungen, Tombola und Riefenfeuerwert. Eintritt 50 Pf., Jugendliche und Kinder 25 Bf.( jebes Kind erhält eine Fadel), Erwerbslose frei. Borverkauf bei allen Berbänden. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Sonnabend, Nachtwanderung der Gruppen Süden, Südwesten nach Fürstenwalde-- Rauensche Berge. Treffen um 19 Uhr am Schleft. schen Bahnhof. Achtung! Legter Termin für Hamburg- und Helgo land- Restzahlung am 18. Auguft. Die Jugendzentrale ist bis 16 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales and Sonstiges: Fris Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag Gm. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Vaul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". ReichsbannerMitglieder Gau Berlin- Brandenburg Auf Teilzahlung Der neue Einheitsanzug genau nach den Vorschriften des Gaues, vom Bundesvorstand genehmigt. Jacke... 2150 Breeches 15° Mütze 00 mit neuer Kokarde 40° Die Verwendung der Kontrollschilder des Bundesvorstandes verbürgt mustergemäße Lieferung. 99 KAUFAB" Haufhaus für Angestellte n. Beamte G. m. b. H. Potsdamer Str. 118b zwischen Potsdamer Brücke und Lützowstraße Rr. 38945. Jahrgang ad1. Beilage des Vorwärts Das Unglückshaus in der Hebbelstraße. Krommer WYTHM Ein Mann hebt das ganze Gebäude. Menschen ohne Standpunkt sind eine üble Erscheinung bei Häusern jedoch ist das noch schlimmer. Als wir im vorigen Jahr von der Einsturzgefahr des Hauses Hebbelstraße 17 in Charlottenburg berichteten, lag es einzig daran, daß dieses Haus den Standpunkt verloren hatte, denn es war auf einem sogenannten Kolf, alte Charlottenburger sagen, auf einem ,, Karpfenteich" gebaut. Die Fundamente maren meggefact oder schwammen wie auf einer Gummiblase. Der Zustand war schließlich so, daß durch Eingreifen der Deffentlichkeit für die bedrängten Mieter die Behörden die Räumung des Hauses veranlaßten. Die Frage, was mit dem Einsturzhause geschehen sollte, wurde nach verschiednen Seiten hin erwogen, bis das Bezirksamt die für die Behebung der Schäden erforderlichen Summen bewilligte. Der Billigkeit wegen entschloß man sich nicht für den Abriß, sondern für eine Neufundamentierung des Gebäudes, indem man Eisenbetonrohrpfähle bis zum festen Baugrund einführte, von denen einige eine Länge bis zu 22 Meter befizen. Diese mit dem guten Baugrund verbundenen Pfähle tragen nun das Mauerwert, das durch Einziehung von Quer- und Längsträgern auf ihnen ruht. Oberbaurat Fischer von der zentralen Baupolizei erläuterte den technischen Vorgang bei einer Besichtigung der Breffe. Zwischen den Querträgern und Längsträgern sind hydraulische Pressen aufgestellt, die die Last des Gebäudes tragen und das Ganze heben. Die Nacht nach dem Verrat. 37] Roman von Liam O'Flaherty. ( Aus dem Englischen überfest von R. Haufer.) Mulholland sah sie düster an. Augenblicklich trat sie den Rückzug an. ,, Na, du kennst mich ja, Bartly," murmelte fie entschuldigend und nervös ich schwag' nicht aus der Schule. Tu ich's etwa, ihr Mädchen? Sicher... In diesem Augenblic tam von draußen eine Unterbrechung. Eilige Schritt näherten sich der Tür. Man hörte Atemzüge, einen schnaufenden Laut. " Dann stürzte Katie For in den Raum, die rechte Hand an ihrer Hüfte, wild, mit funkelnden Augen um sich blickend. Sie eilte auf Biddy Burke zu, beugte sich über sie und begann, nach jedem Wort Atem holend, zu reden: Was sagst du nun, Biddy? Weißt du, wo ich ihn gefunden hab'? Den Wüstling, den? Und das Weibsstück, die nicht mert ist, mit mir dieselbe Straße zu gehen, mit ihren dredigen Fettarmen um seinen Hals gehängt? Ins Geficht hat sie mir gelacht! Mir ins Gesicht!" Ste schrie: Bei Gott, ich wollte, die Flasche hätt fie getroffen, die ich nach ihr geschmissen hab'. Die hätt ihr die Fresse plattgequetscht. Obwohl die schon platt genug gequetscht war an dem Tag, wo sie geboren wurde. Weißt du, wer sie war? Weißt du das Biddy? Du weißt's nicht und du fönntest' s in tausend Jahren nicht raten. Wer fonnte's fein: die tüchtige Connemara Maggie! Diese naseweise Tippelschickse, die letztes Jahr zum Aufwaschen ins Haus von so' nem Gaelisch- Bündler gekommen ist, einem von den verrückten Kerlen, die in Kilts( Tracht) rumlaufen. Dann ist sie hierher gekommen, wie sie fnapp drei Monate in der Stadt war; fie friegte was Kleines unterwegs von nem Soldaten. Kommt hier an mit ihren gefräufelten Loden und ihrem dicen Gesicht wie' ne junge Kuh, wenn man sich den Bergleich gestatten darf. Ich nichts wie' rauf! Borbei an Tante Betty, die brüllt hinter mir her! Ich' rein ins Zimmer, und da war er; fißt da, Beine ausgespreizt auf'm Boden, fäuft aus der Flasche, lacht wie'n Berrückter, und sie sitzt neben ihm. Hallo, Katie," sagt er ,,, willst' nen Schlud?" s wird dir gut tun," sagt sie und fichert. Berflucht soll sie sein. Ich hab' ihm dann Bescheid gefagt | Dadurch entsteht eine Fuge zwischen den ursprünglichen Fundamenten und den Grundmauern des Hauses, die nach dem Lortretverfahren" mit Beton ausgespritzt wird. Auf dem neuen Untergrund wird das Haus nach der Versicherung des Bausachverständigen ebenso ficher wie ein anderer Bau. In vier bis sechs Wochen glaubt man die Hebearbeiten beendet zu haben. Im augenblicklichen Zustand ist schon das wirken der Hebung an der Außenfassade zu sehen. Die dort aufgestellten Stügen stehen bereits frei, ebenso schließen sich die Risse im Mauermert. Man rechnet damit, daß man sämtliche Arbeiten mit Ausnahme der Schönheitsreparatur im Rahmen der vom Bezirksamt bewilligten Summe von 45 000 m. ausführen kann. Das Geld wird als sichere Hypothef eingetragen, so daß der Stadt kein Berlust entsteht, denn das Haus erhält seinen alten Verkaufsmert wieder.- Nach den bisherigen Erfahrungen mit den Häusern in der Hebbelstraße fann man nicht so optimistisch sein, den Versicherungen des Sachverständigen unbedingten Glauben zu schenken. Man muß natürlich hoffen, daß die Arbeiten an dem gefährdeten Hause den erwünschten Erfolg haben werden. # Unser Bild zeigt den Kellerraum, in dem die ganze Last des Hauses von Traversen aufgefangen wird, die ihrerseits durch unscheinbare Wasserfästen" gehoben werden können. Spielend fann ein Mann mittels Hebels 50-300 Tonnen bewegen. Die Arbeiten werden von der Spezialfirma Asmus ausgeführt. " und... Bidy, um Gottes willen, gib mir' n Schluck Wasser. Hör' zu, Biddy!" Sie warf sich plöglich Biddy vor die Füße und begann zu stöhnen. Fast sofort aber sprang fie wieder auf die Füße und schrie: Na und dann erst: drei Pfund hat er dem verlogenen Stück von Engländerin gegeben. Drei Pfund hat er ihr gegegeben und noch zwei Pfund hat er an Tante Betty gegeben: Geld, das die ihr schuldig war für's 3immer, und mir hat er nie auch nur' nen Pfennig gegeben. Mir, die ich ihn die ganzen legten sechs Monate ausgehalten hab', wo ich selber nichts zu fressen hatte. Aber allen will ich's sagen! Sagen will ich's!" Sie sah wild um sich. Mulholland erblickend, fam fie auf ihn zu und beugte sich dicht zu seinem Gesicht. Ihr Hut rutschte herunter, das Haar fiel ihr über die Augen. Sie wantte. Drohend setzte sie ihren rechten Zeigefinger auf Mulhollands Stirn. Hör' zu, was ich sage, Bartly. Du kennst mich noch von früher, wo ich ein gutes Mädchen war und Mitglied bei... du weißt ja... Na, und er auch, nicht wahr? Schön; tannst du mir vielleicht sagen, wie's fam, daß Francis Wer hat die zwanzig McPhillip niedergeknallt wurde? Wer hat die zwanzig Pfund Belohnung eingesteckt, die die Farmerunion ausgefeht hat? Wo hat er das Geld her? Ich kenne teine Namen. Keine Namen, teine Indizien. Aber du kannst dir's ja denken. Wo hat er das Geld her? Hat er's von' nem Seemann, den er ausgeraubt haben will hinten bei Cassidy, wie er in der Kneipe erzählte? War's das?" Sie warf plöglich schreiend die Hände über den Kopf und verkrampfte fie in der Luft. Alle sprangen auf und griffen nach ihr. Mulholland stand ruhig auf und stahl sich auf die Straße, die Leute vermeidend, die, durch das Schreien angelodt, auf Biddy Burkes Tür zuliefen. Während er die Straße über querte, lachte er in fich hinein. Er würde viele Neuigkeiten für Gallagher haben. Nach alledem würde es ihm wenig Schwierigkeiten machen. McPhillips Stelle im Stab des Schwierigkeiten machen. McPhillips Stelle im Stab des Hauptquartiers einzunehmen. Ruhig schlich er sich in die Borhalle von Tante Bettys Haus und ging geräuschlos die Treppe hinauf, ohne die Aufmerksamkeit der Genießer zu er regen, die sich immer noch auslumpten". Auf dem Treppenabsag gab es drei Türen, durch welche Licht fiel. Er lauschte an jeder; die dritte war die richtige. Sich aufrichtend, drückte an jeder; die dritte war die richtige. er plötzlich die Klinke herab und betrat den Raum. Befehlend ertönte seine Stimme: Komm, Gypo,' s ist Zeit für dich, daß du mit mir fommit." Sonnabend, 18. August 1928 Konflikt am Arbeitsgericht. Die Richter gegen den Landgerichtspräsidenten. Die Zustände am Arbeitsgericht Berlin fpihen sich mehr und mehr zu. Sie find jetzt bereits soweit gediehen, daß, wenn nicht noch in letzter Stunde der Juffizminister eingreift, es zu einer offenen Auflehnung der Richterschaft gegen die dienstlichen Anordnungen des Präsidenten des Landgerichts tommt. Der neue Konflikt, der ausschließlich durch das Verschulden des Landgerichtspräsidenten entstanden ist, bildet auch in der Geschichte der Justiz ein Kuriosum. Er beweist, daß der Landgerichts= präsident die Bestimmungen des Landesarbeits= gefeges nicht einmal fennt. Was bisher nur in eingeweihten Kreisen vermutet wurde, ist hier zur Gewißheit geworden. Zur Borgeschichte des Konfliktes ist turz zu sagen: Bekanntlich sind einzelne Rammern des Arbeitsgerichtes start überlastet. Hier sollte mum eine Abänderung geschaffen werden. Es fand auf Veranlassung des Landgerichtspräsidenten eine Sigung der Richter statt. Drei Herren wurden mit dem Entwurf zu einem neuen Geschäftsverteilungsplan beauftragt, der jedoch als völlig indiskutabel von den Richtern einstimmig abgelehnt wurde. Der Direktor des Arbeitsgerichts wurde beauftragt, die im Sommer notwendigen Bertretungen so anzusehen, daß dadurch die Ueberlastung einzelner Richter ausgeglichen würde. Im übrigen sollte es bei dem alten Geschäftsplan vorerst sein Bewenden haben. Jegt griff aber der Landgerichtspräsident den von den Richtern abgelehnten Geschäftsverteilungsplan auf und führte diesen, mit geringen Aenderungen, im Wege der Dienstanweisung beim Arbeitsgericht ein. Dazu mar der Landgerichtspräsident nicht berechtigt, denn Aenderungen im Geschäftsverteilungsplan im Laufe des Geschäftsjahres bedürfen nach dem Gesetz der Zustimmung der Richter und es ist außerdem der Richterausschuß zu hören. Ueber diese flaren Gesetzgebungsbestimmungen hat sich der Landgerichtspräsident hinweggesetzt. Er mußte es sich daher gefallen laffen, daß die Richter am Berliner Arbeitsgericht einstimmig eine Resolution faßten, in der es u. a. heißt: Die Versammlung ist der Auffassung, daß zu der Vorschrift des Geschäftsverteilungsplans durch den Herrn Landgerichtspräfidenten. nach§ 30 des Arbeitsgerichtsgesetzes rechtlich feine Veranlassung vorlag und daß außerdem der Plan megen Nichtanhörung des Beisizerausschusses nach§ 20 des AGG. nicht ordmungsmäßig zustande gekommen ist. Die Versammlung folgt den dienstlichen Anweisungen des Herrn Landgerichtspräsidenten, lehnt aber die Berantwortung für die Durchführung des Planes ab. Wie wir hierzu erfahren, ist man im Preußischen Justizministeram über das Vorgehen des Landgerichtspräsidenten sehr verstimmt, da man die Ungefeßlichkeit einfieht. Es sind Ermägungen im Gange, wie man derartig Bortommnisse in Zukunft unmöglich machen fann. Das wird aber wohl nur dann möglich sein, wenn man die Arbeitsgerichtsbarkeit gänzlich von der Justiz abtrennt und dem Arbeitsministerium unterstellt. Das Arbeitsgericht muß sich von sich aus selbst entwickeln und aufbauen und darf nicht dauernd durch den bureaukratisch- dienstlichen Instanzenweg gehemmt werden. Wenn des Lebens Abendglocken läuten.. Schwungvolle Redensarten waren die Stärfe eines alten Heirats= schwindlers, der jetzt wieder einmal festgenommen wurde. Obwohl er bereits 52 Jahre alt ist, spielt er mit Vorliebe den feurigen Liebhaber. In seinen Briefen an heiratslustige Frauen und Mädchen famen Säße wie wenn des Lebens Abendglocken läuten, dann ist das Sehnen der Herzen nach stillem Glück um so größer" häufig vor. Um seine ,, gebildeten" Reden auch zu rechtfertigen, schwindelte er den Damen vor, er sei Hauptlehrer in einem kleinen Orte bei Stettin. Einer Berlinerin nahm er 3150 M. ab. Obwohl er in Wirklichkeit Paul Bied heißt, schien ihm der Name nicht schön genug, er nannte sich lieber ,, Kurt Reinhard". Früher hat er sich als Bureauschreiber betätigt und aus dieser Zeit stammt wohl der etwas geschwollene Stil. Jetzt werden ihm für längere Zeit die ,, Abendglocken" wo anders ,, läuten". Einen Augenblick fonnte er niemand sehen, vor Erregung und wegen des dicken Tabatqualms und der Dünste, die den Raum erfüllten und feinen Abzug fanden. Er stand auf der Türschwelle, die Füße weit gespreizt auf den nackten, wurmzerfressenen Bohlen, die rechte Hand in der Tasche, an Dann seinem Revolver fingernd. Sein Herz schlug wild. empfand er Gypos Anwesenheit. Er spürte im Kopf die eigenartige Erregung, die die Tatsache von Gypos Anwesenheit immer bei ihm hervorrief: eine fleine, schnappende Bewegung von unbegründetem Schrecken. Dann hörte er Gypos Stimme, schwer und polternd vor Trunkenheit, aber herzlich und freundlich- gönnerhaft: ,, Hallo, Bartly! Set dich und nimm' nen Schnaps.' s ist noch viel Zeit." Mulholland wandte den Kopf zum Kamin und erblickte Gypo. Gypo saß auf dem Boden in einer Ede, rechts vom Feuer im Halbdunkel nackt bis zum Gürtel, die behosten Beine in weitem Winkel ausgestreckt, barfuß; er saß bolzengerade, eine Flasche im Griff der rechten Hand zwischen den Knien. Connemara Maggie stand am Feuer und trocknete Gypos Hemd, seine Jade und seine Soden. Die großen Schuhe ruhten dampfend auf einer Ofenbank am Feuer. Sie nahm teine Notiz von Mulhollands Eintreten. Mit ihrem goldenen Haar, das ihr unordentlich ins Gesicht hing, mit ihrer offenen Bluse, ihrem starten, grobfnochigen Gesicht, das Schweiß bedeckte, mit ihren großen, sanften Augen, die geschwollen, aber freundlich waren wie die Augen einer Kuh, forgte sie geschäftig für Gype, genau so, als hätte sie nie die Reinheit der Hügel von Connemara verlassen und versorgie ihren Gatten nach einem Tage harter Feldarbeit; nicht einen Geliebten des Zufalls in der trübfeligen Umgebung eines Freudenhauses. Kein Zug von Laster oder von geschlechtlichem Trieb lebte in ihren Zügen und in ihren Bewegungen. Sie schien, ähnlich Gypo, eine Tochter der ländlichen Erde, ohne Ahnung von den verfeinerten Sünden, die Erzeugnisse der Stadt find. Mit ihren muskulösen Armen hielt sie das dampfende Hemd an die Glut, schweigend und unbeweglich. Es gab sonst menig in dem fleinen, weißgefalften, niedrigen Raum. Ein Bett mit zerwühltem Leinenzeug, ein drigen Raum. Ueberzug, der auf dem Boden neben dem Bett lag. ein Stuhl mit drei Beinen und ein arg mitgenommenes Waschgestell mit Beden und zerbrochenem Krug vervollständigten die Einrichtung. ( Forthegung folgt.) Berner- Siemens- Realgymnafium. Neues Pflaster auf der Avus. Staatstreue Vor einem durchgreifenden Umbau. Elne Tatsache, die bisher felbft von den Straßenbaufach- Rüdsicht darauf mir jetzt zunächft proberseife eine Strede von leuten faum beachtet wurde, nämlich die Unebenheit auch 300 Meter Länge in Beton befestigt( ausführende Firma Hermann der neuzeitlichen Straßendeden, bildet den ausschlag- Streubel, Straßenbau G. m. b. 5., Berlin). Die Stärte dieser Betondecke liegt zwischen 9 und 15 Zentimeter, wie sich ja aus der gebenden Grund für den nunmehr in Ausficht genommenen Um Snettverkehr dienende Straße von Wichtigkeit ist, wird nach der Entwicklung der Dinge zweifellos früher oder später auch für andere Straßen becüdsichtigt werden müssen. In diesem Zufammenhange ist es interessant, sich die Entstehungsgeschichte der tivus nochmals zu vergegenwärtigen. so zusammengesetzt, daß der als Bindemittel hochwertige 3ement lediglich die Aufgabe hat, die zuschlagstoffe zu vers fitten. Ueber die sonderbare Berfassungsfeier im Werner Sie. mens Realgymnasium zu Schöneberg ist im Vorwärts mehrfach berichtet worden. Gestern sand nun eine sehr interessante Ausschußigung der Schule statt, in der der Ausschußvorsitzende die er. freuliche Mitteilung machte, daß das Provinzialschulkollegium durch Schulrat arbtle dem Ausschußvorsitzenden die Anerkennung dafür ausgesprochen habe, daß sich die Schülerschaft so ver fajfungstreu erwiesen habe. Er gab ferner die Erklärung ab, daß die Schüler jederzeit das Recht hätten, über Dinge, die nicht bau der Avus. Was hier zunächst lediglich für eine dem Unebenheit der vorhandenen Decke ergibt. Das Steingerüst ist gefielen, in der Bresse zu berichten. Der Ausschuß beschloß daraufhin eine Entschließung, in der die Schülerschaft Direktor und Lehrer: follegium ersucht, bei der nächsten Berfassungsfeier mitwirten zu dürfen. Der Protektor des Ausschusses, Dr.& riderifcet, legte hierauf erregt fein Ausschußamt nieder, indem er erklärte, daß es für einen anständigen Menschen unmöglich sei, diese Pressekampagne fortzulegen. Nach kurzer Diskussion verließ er zum Protest gegen die Ansichten des Ausschusses den Saal. Auf Bitte des Ausschusses übernahm der Direktor der Anstalt, Oberstudienrat Dr. Lemmer, das Ausschußprotettorat, allerdings unter Borbehalt. So erfreulich das Borgehen der Schüler ist, das absolut torreft mor, und so begrüßensmert auch die Erklärung des Schulrats Hardite war, so bedauerlich ist das Berhalten des Ausschußprotektors, und leider darf man annehmen, daß er bei der reaktionären Einstellung eines großen Teiles seiner Kollegen deren Billigung finden wird. Immerhin ist es gut, stets flarer zu erkennen, wo die eigentlichen Feinde der Berfassung unter der Lehrerschaft zu suchen find und wir wollen hoffen, daß die Republik aus allen diesen Bor. tommnissen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen versteht. Gepäckmarsch in der Volksschule. Pädagoge oder Unteroffizier? Man hat in der legten Zeit viel von der Ertüchtigung der Jugend geschrieben. Wie die ,, Ertüchtigung" in der Praxis aussieht, zeigt folgender Vorfall, der uns aus den Kreisen unserer Leser gemeldet wird: Schüler der 12. Volksschule in der Babelsberger Straße mußten am Donnerstag auf Geheiß ihres Lehrers zu einem Ausfluge mit einer Rüdenlaft von 10 fund antreten. Bora her hatter fie bis 1 1hr Schule, um 3 Uhr mußten fie fich zum Ausfluge versammeln. Zwischen ¼ und 29 Uhr tamen die Schüler wieder heim. Trogdem waren ihnen die Schularbeiten aber nicht erlassen. Unterwegs wurde nur eine einmalige furge Bauje gemacht, so daß die Kinder stundenlang mit der 10- Pfund Last marschieren mußten. Einem herzfranten Jungen, der aus diesem Grunde vom Turnen befreit ist, wurde erlaubt nur 6 fund mitzubringen. Da sich unter den Kindern auch solche befinden, deren Eltern infolge ihrer Berufsarbeit erft zu später Stunde ihre Hauptmahlzeit einnehmen, mußten diese Kinder ohne Mittagsmahl den recht überflüssigen Gepäckmarsch mitmachen. Sandlad spielte bei der Rekrutenausbildung seine bekannte Rolle. Sollte der betreffende Lehrer sich nach dem Kasernenhof sehnen, lo dürfte er seinen eigentlichen Beruf verfehlt haben. Wir brauchen zur Erziehung unserer Kinder nicht Unteroffiziere, sondern Pädagogen. Der Blütenhain im Berliner Rathaus. Sommer und Herbstblumenschau. Der Im Berliner Rathaus verwandeln sich zweimal im Jahre, menn im Frühling zu Anbeginn alles blüht und zur hochsommerlichen Reisezeit, die Räume in einen prächtigen Blütenhain. Cinb es im Frühling alt die farbigen Blüten und Sträucher, die den Auftakt, das Erwachen der Natur aus langem Winterschlaf, fünden, so find ight im Spätsommer all die üppig strogenden Sommer und Herbstblumen. Leuchtende Gladiolen neben schimmernden Hortensien in geld und tupfer, Lorinien, und vor allem die Königin des Sommers, die Dahlie, in vielen Brachtexemplaren, in zarten Pastell- und träftig leuchtenden Farbtönen. Zum ersten Male befinden sich diesmal unter den Ausstellern auch Berliner Schuffinder, die felbstgepflegte Pflan zen, die ihnen zu Jahresbeginn übergeben wurden, zeigen. So gediehen unter ihrer liebevollen Obhut prächtige Rafteen aus Samen gezogen, Gladiolen, Myrten-, Lorbeer, und Apfelsinenbäumchen und viele andere der beliebten Familienpflanzen. Außer den lebenden Blütengaben zeigen die jugendlichen Pflanzer auch noch in zeichnerischen Bildern ihr Inter esse an der Natur. Bei der gestern erfolgten Eröffnung der Ausfteilung begrüßte Gartendirettor Lesser im Namen der Ber: anstalterin, der Deutschen Gartenbaugesellschaft, die zahlreich er. fchienenen Gäste und sprach vor allem der Ausstellungskommission und ihren rührigen Mitarbeitern seinen Dank aus. Die Ausstellung ift nom 17. bis 21. August täglich von vormittags 10 1hr bis abends 10 Uhr geöffnet. Ausstellung der Arbeiter- Abstinenten. Der Arbeiter Abstinenten Bund, Bezirk Kreuzberg, hat mit Unterstützung des Gesundheitshauses reuzberg im Jugendheim Briger Str. 27/30( Nähe Untergrundbahnhof Kottbusser Tor) eine Ausstellung gegen den Alkoholismus veranstaltet. In zahlreichen Bildern, Plastiken und sonstigen Darstellungen entrollt sich vor dem Auge des aufmerksamen Beobacters ein erschütterndes Bild der vielfach für so harmlos gehaltenen Trintfitten mit allen ihren Begleiterscheinungen. Aber auch der auf bauenden Arbeit hat die Ausstellungsleitung in dankenswerter Weise gedacht, indem sie den Erfaßgetränken einen gebührenden Platz einräumte. Die Ausstellung wurde am Mittwoch mit einer Feier eröffnet. Trotz des sommerlich heißen Wetters hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden. Musikalische, rezitatorische und rednerische Darbietungen füllten den Abend aus. Für gute Erfrischungen war und ist gleichfalls fünftig gesorgt. Alle Anwesenden schieden wohl gesorgt. Alle Anwesenden schieden wohl mit dem besten Eindruck von der Ausstellung, die jeden Mittwoch, Freitag und Sonnabend von 18 bis 22 Uhr unentgeltlich ge öffnet ist. Führungen durch die Ausstellung und Borträge werden das Verständnis der gezeigten Bilder sehr erleichtern. Das Doppelquartett des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung erblickte es als eine schöne Aufgabe, den Patienten im Reutöllner Krankenhaus sowie denen im Urban am Berfoffungstage einige Stunden der Unterhaltung und Erbauung zu bereiten. Um 15 Uhr lauschten die Patienten des Neuköllner Strantenhauses andächtig und dankbar den Darbietungen der Sänger. In drei Pavillons sowie im Garten mußten die Sänger ihre Lieder vorfragen. Um 18 Uhr begannen die Gesangsvorträge im Krankenhaus am Urban. Stadtrat Conrad wollte seinen Schüßlingen am Berfaffungstage eine besondere Freude bereiten. Das dürfte ihm auch gelungen fein. Nach anderthalbstündiger Feier verließen die Sänger unter herzlichem Dant der Berwaltung sowie der Patienten die Stätte ihres Wirkens. Der übliche Radan. In Tempelhof in der Dorfstraße tam es gestern abend anläßlich einer fommunistischen Demonstration zu Retbereien mit der Polizei. Es erfolgten mehrere Feststellungen. Die Ausstellung für Seldenbau in Möllersfelde bei Berlin- Buchholz, über die mir bereits ausführlich berichteten, ist täglich, auch Sonntags, von 9 bis 6 Uhr geöffnet und dauert bis zum 1. September. Fahrverbindung: mit der Straßenbahn 24 bis zur Endhaltestelle Buchholz aufkommenden Automobilsport eine ständige Rennstrede zu Zunächst fand der Wunsch, der schon 1907 laut wurde, für den schaffen, wenig Gegenliebe bei den maßgebenden Behörden. Erst der Gedanke, die Rennbahn zugleich als Schnellvertehrsstraße auszunuben und fo bas Brojett auf eine wirtschaftlichere Grundlage zu stellen, brachte die Vorarbeiten wieder in Fluß und führte schließlich dazu, daß 1912 mit dem Bau der Avus be gonnen wurde. Um einen völlig reibungslosen Berfehr 34 fichern, wurde sie zweigleißig, in zwei etwa 10 Stilometer langen parallel perlaufenden Fahrbahnen von je 8 Meter Breite an gelegt, die am Nord- und Südende durch je eine verbreiterte und überhöhte Rurve verbunden wurden. Die angewendete Straßen befestigung bestand faft durchweg aus einer Sotterbede mit geteerter Oberfläche. Der Ausbau war bereits im Jahre 1914 34 etwa drei Vierteln fertiggestellt, tonnte jedoch erst im Jahre 1921 zum Abschluß gebracht werden. Die stetig zunehmende Zahl der Durchfahrten beweist die allgemeine Daseinsberechtigung der Straße: 1924 1925 1926 1927 bis Ende Juni 28 382 000 433 000 455 000 593 000 384 000 ihr jett 1921 alljährlich Rennen für Kraftwagen und Dem ursprünglichen Zwed der Straße entsprechend murben auf Krafträder veranstaltet, bis die schweren Unfälle im Jahre 1926 weitere Rennen für Kraftwagen als zu gefährlich erscheinen ließen. Domohl an Stelle der ursprünglichen Oberflächenteerung bereits ein regelrechter Teerbelag bzw. Asphaltbelag aufgebracht ist, genügt die Straße heute nicht einmal mehr den Ansprüchen, die man an die Fahrsicherheit beim normalen Schnellverfehr stellen muß. Die Straßendede zeigt Wellenbildung, die startes Springen und Stoßen der Wagen verursacht. Die sich daraus er gebende Unsicherheit in der Steuerung ber Wagen, die sich früher nur im Rennbetriebe verhängnisvoll auswirkte, tritt bei der steigenden Vervollkommnung der Automobile, die ja heute bereits die Geschwindigkeit der früheren Rennwagen erreichen, auch dort nachteilig in Erscheinung. Dazu kommt, daß bei Regenfällen die Teerdede schlüpfrig wird und außerdem ihre Unterhaltung verhältnismäßig hohe Kosten verursacht. Die Avus, zur Fortentwicklung des Kraftwagensports gebaut, hat also das tragische Geschic, ein Opfer des Fortschritts im Kraft wagenbau zu werden. Damit fünftig die Avus wieder ihren Bestimmungszwed erfüllt, muß von ihr verlangt werden, daß sie pol! tommen eben, bei jeder Bitterung rauh und in der Unterhaltung billig ist. Mit Xylophonflänge im Gerichtssaal. Fuchs du hast die Gans gestohlen." Bu einem red heiteren Zwischenfall tam es in einer Berhand hung vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Angeflagt waren ein 27jähriger Klavierhändler Hans Mittelstädt und fünf weitere Perfonen. Die Angeklagten hatten alte Rapiere aufgefauft, notdürftig instand gefeßt und als aus einer Erbschaft stammend angeboten. Bir spät erit merften die Käufer, daß sie hereingelegt waren und die tüchtigen ,, Klavierhändler" verdienten recht ansehnliche Beträge. Der Hauptangetlagte mittelstädt, der wegen einer anderen Straftat in Haft fist, fpielte, als er vorgeführt wurde, den Geistestranfen. Er gab auf alle an ihn gerichteten Fragen teine Antworten und starrte nur vor sich hin. Blötzlich jedoch begann er zu lachen, und ehe die Anwesenden erfannten, was geschah, zog Mittelstädt ein Bafet aus seiner Tasche, legte den Inhalt, ein ungefähr ein halbes Meter langes Xylophon neben fich und begann zur Freude der Zuhörer das befannte Boltslied Fuchs du hast die Gans gestohlen" zu spielen. Den Borhaltungen des im ersten Augenblid erstaunten Porfizenden schenkte er nicht die geringste Beachtung und schickte sich an, dem ersten Stück ein 3meiles folgen zu lassen. Als die Justizmachtmeister ihm sein Instrument enblich wegnahmen, fing er zu meinen an und verlangte auch unter unaufhörlichem Jammern seine„ Musik“ zurück. Auf Antrag der Berteidigung mußte die Gigung nertagt werden, damit der geflagte auf seinen Geifteszustand untersucht werden kann. Samoilowitsch in Oslo. Die Arbeitsweise beim Einbringen des Betons ist non ausschlaggebender Bedeutung für die Erziehung einer wirklich ebenen Straßendede. Der Beton wird in einer mischmaschine gemijdyt, in geschieht durch den sogenannten„ Finisher", eine Maschine, die Feldbahnloren zur Einbaustelle transportiert, dort ausgebreitet und zunächst mit Breßluftslampfern verdichtet. Die Schlußbearbeitung nach amerikanischem Vorbild gebaut ist und das Abgleichen des Betons nach dem Profil der Zeichnung sowie das Einſtampfen in einem Arbeitsgang maschinell besorgt. Zur Berminderung der einlagen. Von besonderer Bedeutung ist noch die Nachbehandlung Temperatur- und Schwindspannungen erhält die Betondecke Eisendes Betons, der zur Verhinderung zu schneller Austrodnung noch 10 Tage lang feucht gehalten wird. Da die Betondede gerade in den Ländern mit dem stärksten Automobilverfehr sich in jeder Beziehung bewährt und allen anderen Straßenbefestigungen den Rang abgelaufen hat, fo läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß diese Befestigungsweise gerade hier bei einer Straße, die ausschließlich dem Automobil= perfehr dient, ihre Aufgabe erfüllen wird. Berlin aber würde damit wieder eine Automobilrennstrede erhalten, die die Beranstaltung großer Wettfahrten vor einem zahlreichen Bublifum ermöglicht und somit fördernd auf den Automobilsport wirft. Der Polizeipräsident gegen die Avusdirektion. Der Polizeipräsident teilt zum Autounglüd auf der Avus mit: In einigen Zeitungen ist zu dem schweren Autounfall auf der Aus behauptet worden, die Direktion der Avus habe sich schon seit der Dauer der Reparaturarbeiten wiederholt an das Polizeipräsidium gewandt, während der Dauer dieser Arbeiten einige Schus polizeipoften aufzustellen, habe jedoch immer wieder eine ablehnende Antwort erhalten. Dazu ist festzustellen, daß bis heute die Direktion der Avus sich weder an den Polizeipräsidenten, noch an eine der Dienststellen des Polizeipräsidiums mit einer entirenteis den Bitte gewandt hat. Die Direktion der Avus hat im das Berlangen des Polizeipräsidenten, auch auf der Aous bei be sonderen Anlässen Polizei einzusehen, mit aller Entschiedenheit be= ftritten unter dem Hinweis, daß die Avus Privatbesiz sei, und erſt in letzter Beit ist es nach erheblichen Schwierigkeiten gelungen, dem Standpunkt des Polizeipräsidenten Geltung zu verschaffen. Im übrigen muß darauf hingewiesen werden, daß für eine ausreichende kenntlichmachung und Sicherung von Reparaturstellen auf der Avus, ebenso wie bei öffentlichen Verkehrsstraßen, allein der Unter nehmer dieser Reparaturarbeiten verantwortlich und zur Durchführung der bestehenden ausreichenden Sicherheitsoorschriften verpflichtet ist. Der 100. Geburtstag. Der preußische Ministerpräsident hat dem Invaliden Franz Lauf in Herten anläßlich seines 100. Gefurtstages am 18. August 1928 ein Glückwunschschreiben und eine in der Staatlichen Porzellanmanufattur in Berlin hergestellte Ehrentaffe der preußischen Staatsregierung sowie ein Ehrengeschent überreichen laffen. 72. Arfo- Wanderung. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschuh und Naturfunde EB., Berlin- Friedrichshagen, veranstaltet Sonntag, 19. Auguft. unter Führung des Echriftstellers Karl Poetters einen heimatlundlicher Bahnhof Nahnsdorf. Gäste willkommen. Spaziergang burch Schöneiche und Klein- Schönebed. Treffpunkt 9 Uhr am Helleftes Berlin. Nach der Sommerfrische wird der Berliner gern wieder einmal feinen beimatlichen Benaten einen Besuch abstatten wollen. Darum führt Georg Bamberger alle, die noch einen Sinn für ihr altes Berlin haben, zu den lang bergessenen Binteln der Weltstadt. Nächste Führung am 19. Auguft. Treffpunkt 10%, Uhr auf dem Spittel markt, Ausgang Untergrundbahn. Teilnahme 50 Pf. Plazkonzert im Preußenpart. Sonntag, 19 Auguft, beranſtaltet bas Boltsbildungsamt Wilmersdorf im Breußenpart von 12 bis 18 Uhr ein Blationzert des Muftiforps des 3. Bataillons Inf.- Negts. 9 mit folgendem Programm: 1. Turnbater Jahn, Marsch von Kleiber, 2. Dunertüre zu der Oper Feenfee" bon uber, 3. Arie aus der Oper Samion und Dalila" bon Saint- Saens, 4. Melodien aus dem Singspiel Das Dreimäderlhaus von Schubert Berté, 5. Rose mouse, Balzer- Intermezzo von Bose, 6. Regimentsgruß, Marsch von Steinbed • Berloren wurde am Sonntag abend auf dem Wege bom Bahnho Hermsdorf nach Gesundbrunnen ein Portemonnaie mit ungefähr M. Inhalt und einem Ausweis der Jugend- und BohlAnfahrtstommiffion 254d. Der Finder wird gebeten, sich att Ludwig Thiele, 2orkingstr. 7, zu wenden. Dienstag eine neue Jahrt des„ Kraffin." Oslo, 16. August Zu Ehren des Leiters der Rettungsexpedition des Eisbrechers raffin", Brofeffors Samoilowitsch, fand in der Gesandtschaft der Sowjetunion heute ein Empfang statt, an dem der italienische Gesandte und eine Reihe von norwegischen Gelehrten teilnahmen. Profeffore Samoilo witch gab eine durch photographische Aufnahmen illustrierte Schilderung der Krassin"-Erpedition. Stavanger, 17. August. In einer Unterredung erklärte der an Bord des Strassin" befindliche Kommissar Oras, daß seiner Ansicht nach die Bejagung ber Batham" noch am Leben sei. Guilbaud und Dietrichson seien außerordentlich tüchtige Piloten und auch das Wetter jet jeit dem Start Amundsens in Tromsoe nicht ungünstig gewesen. Es bestehe also fein triftiger Grund zur Annahme, daß sich ein Unglück ereignet habe. Vielmehr sind mir der Ansicht, fuhr Dras fort, daß Amundsen die Auffindung der Nobile- Gruppe dem italienischen Flieger Maddalena überlassen wollte und erst wieder nach Kingsbay zurüdzufliegen beabsichtigte, wenn er irgend etwas Positives über das Schicksal der Ballon- Gruppe in Erfahrung gebracht hätte. Der Benzinvorrat der ,, Latham" war vollständig ausreichend für einen Flug zur Ballon- Gruppe und für den Rüdflug nach Kingsban. Wenn man aber berücksichtigt, daß die„ Latham" bei ihrem Start mrit Gegenminden zu tämpfen hatte, und dementsprechend mehr Brennstoff verbrauchen mußte, so ergibt sich die Möglichkeit, daß das Flugzeug nach Erreichen der Ballon- Gruppe gezwungen war, megen Mangel an Betriebsstoff zu landen. Wir sind der Ansicht, daß die Funtanlage der Latham" beschädigt wurde, daß aber das Flugzeug trotzdem den Flug zur Ballon- Gruppe fortjeßte. Der franzöfifche Admiral auf Kreuzer, Straßbourg" teilt unsere Anficht, daß Amundsen einen direkten Flug zur Ballon- Gruppe unternommen hat. Der Flieger Iscuchowsti erklärte, er glaube nicht, daß die, Latham" ins Meer gestürzt set, menn auch die Möglichkeit dazu bestehe. Das Flugzeug tönne ebensogut bei der Ballon- Gruppe oder sonstmo auf dem Eise niedergegangen sein. Jedenfalls habe die Befagung der Latham" Waffen und genug Munition bei sich, um durch Erleben Don Eisbären ihr Leben mehrere Monate lang zu fristen. Etwas ganz Neues für Berlin. Diefer Tage wurde in der Rosenthaler Str. 32 der erste ,, Kathreiner" eröffnet. Nach ameritanischer Art für eilige Leute, die nur zwei Minuten Zeit haben und sich in dieser fleinen Bause bei einer vernünftigen Erfrischung erholen wollen. Für ein Behnpfennigftüd liefert der Automat einen Gutfcheit, für den man am Bufett eine große Tasse frischgefochten Kathreiners Matzkaffee und ein Stüd frischgebadenen Stuchen erhält. Bom ersten Augenblic an herrschte lebhafter Andrang. Befonders interessant war es, die Mißtrauischen zu beobachten. Bora fichtig tosteten sie den ersten Schlud, um dann mit sichtlichem Be hagen die ganze Taffe auszutrinfen: Bei mir tommt nur noch Kathreiner auf den Kaffeetisch!" Man fann es aufs wärmste begrüßen, daß Kathreiners Malzs faffeefabriten nicht nur in der Theorie für die Boltsgesundheit tämpfen, sondern auch in der Braris: Gesundheitsdienst am Bolta im besten Sinne des Wortes! Der Güterdieb in der Riste. Mis Muster" nach Berlin. Der aus Sachsen stammende, schwer vorbestrafte 30jährige Kaufmann Paul Hidmann hatte eine vierjährige Gefängnisftrafe verbüßt und war mit Bewährungsfrist für einen Strafreft von einem Jahre aus der Anstalt entlassen worden. Er begab sich fofort wieder nach Oldenburg und ließ eine große Kiste anfertigen, in der angeblich Muster nach Berlin verfandt merden sollten. Als diese Kiste bei einem Spediteur lagerte, gelang es Hickmann in einem unbewachten Augenblic, sich in dieser zu verbergen und dadurch als lebendes Frachtgut mit aufgegeben zu werden. In einem Güters huppen des Lehrter Bahnhofes ver ließ er durch eine finnreich unauffällig angebrachte Klappe sein eigenes Gefängnis, das er mit Kleidungsstücken eingerichtet hatte, und räumte in der Nacht unter dem Tabak und den Lederballen gründlich auf. Seine Beute verstaute er in dem Ristenumgetüm und verschwand über Däher ungehindert aus dem Schuppen. Als er am nächsten Tage sein Frachtstüd abholte, erregte dies durch das ungewöhnliche Gewicht Berdacht und führte zu seiner Festnahme Sanitätsrat Leppmann bezeichnete den Angeklagten als erheblich minderwertig. Hidmann beantwortete in der Gerichtsverhandlung feine Frage des Vorsitzenden und wollte sich an nichts mehr erinnern fönnen. Es hat feinen 3wed, daß mir weiter verhandeln", mar das einzige, was der Vorsitzende ihm entloden fonnte. Das Gericht hielt drei Jahre zwei Monate Gefängnis für angemessen und sprach dem Angeklagten die bürger lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren ab. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 6 68, Lindenstraße 3. Borträge, Bereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Ganvorstand. Zur Weihe des Denkmals für die Kameraden Zieg und Bollant in Ertner haben die Fahnendelegationen um 10 Uhr in Eriner einzutreffen, Abmarsch 10 Uhr vom Bahnhof, Fahnen mit Flor. Rachzügler in Ertner, Friedrichste, 75, bei Karbe. Kreis 8( Barnim): Sonnabend, 18. August, 14 Uhr, Besprechung der Kreis- und Bezirksführer im Funkwinkel. Gaubureau, Berlin, Gebaftianfte. 87-88, mit bem Technischen Better Conne tag, 19. Auguft. Mitte: 14 Uhr Sportplas Friedrichsfelde. Erscheinen Pflicht. 4. Rameradschaft: 8% Uhr Bhf. Jannowigbride. Fahrt nach Eriner, Jungs bannerausmarsch: Antreten 7 Uhr. Steit. Bororibhf.( Gougfportkleidung). Areuzberg: Fahnendelegation zur Einweihung des Tieg- Wollant- Dentmals in Ertner, Abfahrt etwa 94 Uhr ab Schlef. Bhf. Abmarsch 10% Uhr vom Bhf. Ertner. Neukölln- Briz, Jungbanner: Antreten 7 Uhr Ringbof. Reukölln zue Fahrt nach Ertner. Bundeslleidung. Lichtenberg nebft Rameradschaften: An treten 9% Uhr Bhf. Stralau- Rummelsburg, Bahnsteig Ertner, mit Tambour forps und fämtlichen Fahnen mit Flor. Nachzilgler 10% Bhf. Ertner. Pflicht. peranstaltung. Pankow( Ortsverein): Nur die Fahnendelegation Antreten 9 Uhr am Bhf. Pantow- Echönhausen. Friedrichshain: 4% Uhr Junglomeraden Wanderfahrt nach Melchow. Treffpunkt Bhf. Landsberger Allee. Untoften 2 M. Beißenfee: Ertnerfahrer Autreten 8% Uhr Bhf. Weißensee. Anschl. Wanderung an der Rödniß. Meinidendorf( Ortsverein): 104 Uhr Antreten der Fahnendeputationen bes gesamten Ortsvereins am Bhf. Ertner zur Denkmalseinweihung. Kreis 8( Barnim): Anireten der Fahnendeputationen der Ortsvereine 10% Uhr. Ertner zur Dentmalseinweihung. Wilmersdorf: Melbungen für bie Jugendabteilung bei Ram. Biwiorffi, Raiferallee 189, part. lints, oder schriftlich bei Ram. Ströder, Wilmersdorf, Nauheimer Str. 45. Montag, 20. Auguft. Reutöln- Brig, 4. Kameradschaft: Bersammlung. An= schließend gemütliches Beisammensein in Brig, Lindenbark, Chauffecftr. 18. Bortrag Kam, Joachim 19% Uhr, für Angehörige 20% Uhr. Treptow( Drtsnerein): 20 Uhr Bersammlung in Treptow bei George, am Bhf Treptow Sellungnahme zur ( früher Radrennbahn). Borstand eine Stunde früher. Bundesgeneralversammlung. Wahl der Delegierten. Krenzberg: 20 Uhr Berfammlung bei Ewald, Staftger Str. 126. Entgegennahme von Meldungen aum Echizenfest am 2. Geptember. Eonntag, 26. Auguft, ab 9 Uhr UebungsKameraben, die am 2 September schießen in Friedrichsfelbe, Treskowallee. mit dem Anto nach Lnchen fahren wollen, milffen fich bis 20. Auguft bei bent Bugleitern melden. Fahrpreis etwa 2,50 M. Steglig( Ortsverein): 20 Uhr Berfammlung Restaurant Schmidt, Lichterfelde, Poonstr. 39( nahe Händelplak). Schöneberg- Friebenan: Sonntag, 26. Auguft. Dampferfahrt mit Neuwahlen. Mufit nach ber Strampenburg. Starten zum Preise von 2,20, Rinder 1 M., find bei den Funktionären und in der Geschäftsstelle, Belziger Str. 27, su haben. Bund Entschiedener Schulreformer. Deffentliche Bersammlung Dienstag, 21. August, 19% Uhr, Werner- Siemens- Realgymnasium, Sobenstaufenft 47-48 Dresden): Bur Jdeologie und Praris der Produktionsschule". Jedermann eingeladen. Freie Aussprache. Unkostenbeitrag erbeten. Es ist etwas Schönes um die Statistit, sie gibt jeder Aus führung ein feriöses Aussehen, fie erschlägt einfach den Hörer. Man kann in dem Moment nichts mehr einwenden, wenn man aber hört auf Grund statistischer Erhebungen sei dies und jenes feste gestellt, dann glaubt man eben fest daran und legt entschieden den Stopfhörer zu den Aften und stellt den Lautsprecher ab. Dies eine harmlose Nebenbemerfung für alle Rundfunkredner, die ihre rheto rische Begabung unbedingt statistisch stützen müssen. Auch Dr. Marta Bode führt schweres statistisches Geschüß und Prozentual. redhmung in ihrem Vortrag Frauenarbeit in den deutschen politischen Parteien ins Treffen. Nachdem aber dies überwunden ist, leiftet sie wirklich vorzügliche aufffärende Arbeit. Doch hier muß einmal folgendes betont werden: Nach der Revolution ist die Frau auch politisch dem Manne gleichgestellt und deswegen braucht eigent U- Bahn Bittoria- Luife- Plaz). Studienrat Dr. Martin Weise( Bäbag. Institut lich eine politisch arbeitende Frau feine Rechtfertigung mehr oder wie ein Wundertier angestaunt zu werden. Dies müßte bereits eine Selbstverständlichkeit geworden sein. Und dann etwas mehr Leichtige teit in allen Borträgen. Warum immer zusammengebissener Lebens ernft im Sperrdruck. Auch die Weisheitslehrer im Rundfunk tönnten einmal versuchen, thren Erkenntnissen eine liebenswürdig elegante Form zu geben. Und Hand aufs Herz, Statistit ist tatsächsehr schönes Abendkonzert unter Bruno Seidler- Winkler. Sogar Massenet vergißt in feinen Ungarischen Szenen" seine übWerther" und Manon" Sentimentalität. Er benimmt sich liche aufgelichteter und heiterer als sonst. Allerdings ist Délibes' Ballett fuite La Source" schwächer als seine wunderschöne Musik zu Coppelia". Um Schluß Beethovens Pastorale". Bie gefagt, ein sehr gutes Symphoniekonzert ohne Problematit und ohne über. steigertes Bathos, unterhaltend und doch von hohem fünstlerischen Rang. F. S. für Groß- Berlin fich für den Baien eine entseglich öde Angelegenheit. Außerdem ein ftets an bas Bezirksjefretariat 2. Sof. 2 Trep. rechts, au richten. Bezirksvorstand. Heute, Sonnabend, 18 Uhr, Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der Borwärts"-Redaktion, LindenStraße 3. 12. Kreis Baulwig- Steglik- Lichterfelbe. Wald- und Kinderfest morgen, Sonn. tag, 19. August, 15 Uhr, im Grunewald, Dahlem, Hinter den Schießständen, Endstation Linie 43. Richtungsanweiser beachten. Sänger, Spiele für jung und alt, Buppentheater. 20 Uhr gemeinsamer Abmarsch mit Fadeln. Alle Genossinnen und Genossen. find herzlichst eingeladen. Ein. tritt frei. Erfrischungsgelegenheit. 13. Streis Zempelhof. Montag, 20. Auguft, 19% Uhr, Kreisvorstandsfizung bei Riendorf, Mariendorf, Chauffeestr. 19. 19. Kreis Pantow. Montag, 20. Auguft, 19% Uhr, bei Meier, Türkisches Belt, Breite Str. 14, Kreisvorstandssigung. Die Abteilungsleiter und Be zirksverordneten müssen ebenfalls erscheinen. Heute, Sonnabend, den 18. Auguft: 94. Abt. Neukölln. Seute abend gemiltliches Beisammensein bei Schröder, Steinmenstraße. Morgen, Sonntag, den 19. August: 6. Abt. Familienausflug nach Schulzendorf. Abfahrt 11% Uhr nom Stet tiner Borortbahnhof. Gäfte find herzlichst willlommen, a. Abt. Familienausfing nach dem Wiesengrund. Treffpunkt 13 Uhr vaz bem Bahnhof Butligstraße. Alle Genoffinnen und Genossen sowie Sympa thifierende, Borwärts"-Leser, Freunde und Bekannte find herzlichst ein geladen. 13. bt. Familienausflug nach Strausberg- Tiefensee. Treffpuntt 5 Uhr Briezener Bahnhof, Fruchtstraße( am Schlesischen Bahnhof). le mit glieder find herzlichst eingeladen. 27. Abt. Familienausflug nach Schulzenbori, 2otal Sinbenhof. Treffpuntt 7 Uhr Gleimstraße, ans Fallplat 44, 46, 47. bt. und Sozialistische Arbeiterjugend. Familienansfing nach ber Rönigshe'de. Abmarsch mit Mufit 11% Görliger Bahnhof. Raczügler treffen sich im Lokal Baldesgrund, Baumschulenstraße, an der Ranner Straße( in der Nähe der Späth'schen Baumschulen). Alle Genoffen find mit ihren Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Sympathifie renden herzlichst eingeladen, 45. 96. Reine offizielle Beteiligung an dem Familienausflug ber 44., 46. und 47. Abteilung. 68. Abt. Halensee. Waldfeft. Treffpunkt 10% Uhr Bahnhof Salenfee. Alle Genoffinnen und Genoffen mit ihren Kindern find herzlichst eingeladen. Nachzügler: Grunewald, Nähe Paulsborn. 77. Abt. Schöneberg. Gemeinsamer Ausflug nach gehlendorf- Mitte, Sofal Suitpolb, Alsenstraße. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Großgörsdienstraße. Alle Genoffinnen und Genoffen und deren Familien sowie die Mitglieder ber GAJ. find herzlichst eingeladen. 5. bt. Neukölln. Familienfest im Zotal Binbenpart, Rubow, Bendafte. 42. Kangert, Tanz, Ansprache und Belustigungen. Eröffnung 14 Uhr. Anfang bes Ronzerts 16 Uhr. Eintritt intl. Tang 60 Pf. Alle Genoffinnen unb Senoffen sowie Freunde und Sympathisierende find herzlichft eingeladen. Der Abteilungsvorstand. Frauenveranstaltungen: 1. bt Conntag, 19. Auguft, im Lotal Subertus", Schulzendorf, RaffeeLochen. Daselbst gemütliches Beifammensein, Rinderbeluftigungen u a. Familienangehörige und Freunde find herzlich miteingeladen, Treffunt 12 Uhr Stettiner Bahnhof. Nachzügler im Lokal Dubertus". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. 20. Rreis Reinidendorf. Morgen, Gonntag, großes Waldfeft in Meißners Bof bei Hennigsdorf. Um zahlreiche Beteiligung der Genoffen mit Familien wird gebeten. 9½ Uhr gemeinsamer Abmarsch vom Bahnhof Hennigsdorf. Raffee wird zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Gruppe Reinidendorf- Oft trifft fich Conntag 8 Uhr im Jugendheim Lindauer Straße oder Abfahrt 8.53 Uhr vom Bahnhof Reinickendorf. Bei Regenwetter fällt die Beran ftaltung aus. Gruppe Sallefches Tor: Wir treffen uns zur Fahrt nach Rahnsdorf am Sonntag 8 Uhr Urbanspielplag. Bei Regen findet die Fahrt nicht statt. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation g 85. ht. Tempelhof. Die Einäscherung unseres verstorbenen Genossen RatI Bidnafe findet heute, Eonnabend, 18. August, nicht, wie irrtümlich an. gegeben, um 18 Uhr, sondern schon um 14 Uhr im Arematorium Baumschulen. weg statt. Wir bitten um rege Beteiligung. 104. bt. Rieberschöneweide. Unsere Genoffin Anna Ties ist am 15. August nach langem, schwerem Leiden verstorben. Ehre ihrem Andenken! Beerdigung heute, Connabend, 18. Auguft, 14% Uhr, auf dem Gemeindefried hof in Oberschöneweibe. Die Mitglieder treffen fich um 14 Uhr in der Lau fener, Ede Wilhelminenhofstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. SE Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin infendungen für diese Rubrit nur an das Jugendfefretariat Berlin G2B 68, Lindenstraße 3 Kunstfurses Weitere Teilnehmer des Grafiturfus, die zum 1 September beginnen wollen, werden gebeten, ihre Adressen fofort zu richten an Graefer, G. 61, Großbeerenste. 68a( Telephon: Bergmann 5826). Achtung, Teilnehmer der Rheinfahrt Beiersdorf! Das Gelb liegt zur Ab holung bereit. Bilder können bestellt werden. Heute, Sonnabend: Reuksin: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Reutlin Sumannplas: Fahrt nach Roffen. Treffpunkt 17% Uhr Bhf. Prenzlauer Allee. Neukölln V: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 17 Uhr Ringbbf. Reutöln. Köllnischer Bark: Fahrt nach Sangelsberg- Magfee. Treffpunkt 19 Uhr Schleft. scher Bhf., Saupteingang. Rarten etwa 1 m. Südwest: Fahrt. Treffpunkt 18 Uhr Görliger Bhi Nachzügler morgen, Sonntag, 6% Uhr. Werbebez rt Teltowlanal: Borstandsfizung pünktlich 18 Uhr im Heim Steglis, Albrechtstr. 47. Sebe Abteilung muß unbebingt vertreten fein. Morgen, Sonntag: Schönhanser Borflabt: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Rottbusser Tor: Treffpunkt 8 Uhr Normaluhr Rottbuffer Tor zum Besuch bar Parteiveranstaltung in der Königsheibe. Steglig, Lichterfelde, Lankwig: Treffpunti zum Waldfeft in Dahlem pünktlich 14 Uhr Stegli ,, Düppelmarit, nahe Bahnhof. Erscheint alle! Fahnen mitbringen, Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend. ( Nachdrud verboten). Immer noch fühl, mur zeitweise heiter mit Reigung zu einzelnen leichten Regenschauern, weiteres Abflauen meftlicher Binde Für Deutschland: In der östlichen Hälfte noch sehr unbeständig mit wieder holten Echauern, in der westlichen hälfte und im Süben zeitweise heiter und Nachlaffen der Niederschläge, überall lühl " fichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen beginnt am 27. Auguft einen Die Stublengemeinschaft für wissenschaftliche Seimattunde bei der StaatRurfus zur Einführung in die Renntnis der heimischen Bilze, mit besonderer Berücksichtigung der Gifts und Speisepilze, mit Lichtbildern, Borweisungen und Ausflügen. Teilnehmerfarten und nähere Auskunft bei der Geschäftsstelle, Berlin- Schöneberg, Grunemalbftr. 6-7. Bereinigung ber Freunde von Religion und Böfferfrieben. Bfarrer Bleier Spricht heute, Freitag, im Rahmen einer Wochenendfeier um 20 Uhr in der Trinitatistirche, Charlottenburg, Karl- August- Blah, über das Thema„ Rann der Hoß heilig fein?" Sonntag, 19. August, veranstaltet obige Bereinigung Gartenfelde( Endstation der Straßenbahn 64 und 164). Um zahlreiche Be einen Ausflug nach der Sungfernheide. Treffpunkt 13 Uhr am Kabelmert teiligung wird gebeten. Reichshallen Theater. Sonntag, 26. Auguft, 15 Uhr, geben die Stettiner Gänger ihre erste Nachmittagsvorstellung zu halben Preisen mit vollem Bro. gramm. Außerdem ist die Einrichtung getroffen, daß vom 1. September an allmonatlich ein neues Programm zur Aufführung gelangt. AMU Was jont der Bür? KON LINON HOSETTI Eine Mondscheinfahrt mit fröhlicher Stimmung steht im Sommerprogramm eines jeden Berliners. Eine solche Nacht wird zum Sommernachtstraum, wenn sie mit im Bunde ist: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette Theater, Lichtspiele usw. ALLER- enthes Theater Staats- Oper Unter d. Linden Wiederbeginn Städtische Oper Bismarckstr. Wiederbeginn der Vorstellungen der Vorstellungen Montag, 27. August Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Wiederbaginn der Vorstellungen Sonnabend, 1. September Dienstag, 21. August Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienbalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! SCALA 3 Uhr Nollendor 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Sonnabends a. Sonntags Je 2 Vorstellungen! 3.30 und 8 Uhr. 2.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Komische 81, Uhr Oper 81, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück Bieh Dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. REVUE THEATER IM Norden 12 310 U. Ende nach 101/2 Zum 71. Male: Artisten ADHIRALSPALAST Regie Max Reinhardt CHON Die Komödie UND CHICK Premiere: Dienstag, 21. August 7 Uhr präzise. VORVERKAUF UNUNTERBROCHEN Eva Seide Bismarck 2414/7516 34%, U. Ende 10% U. Zum 97. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater N. d. Roman, Nuttchen" v. Ernst Klein Charlottenstr.90/ 91. Dönh.170 31 Ende nach 101/2 Zum 118. Male: Gastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan Theater des Westens Täglich 81%, Uhr mit Regie: Carl Boese Lissi Arna ( la jeder Verstells, anwesend) Margarete Kupfer Walter Rilla Kurt Vespermann Auf der Bühne: Michels- Seldenschau Das mondano Tanzpaar Ernée und Max Lenglos Orig. Argentin. Tangokapelle Liossas und Aleman. 6,30, 9 U Berlin- Steglitz Carl- Boese- Film derNational- Warner Heute, Sonnabend KINDER- FEST LUNA PARK Lili Flohr, Paul Heidemann in: Das süße Geheimnis Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. HALLER- REVUE „ Schön und schick" Th. im Admiralspalast Premiere Dienstag, 21. Aug. 7 Uhr präz. Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8, Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. In der Hauptrolle Anneliese Wortz a 6. Jugendliche haben keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk nur 1. Mk. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 81 Uhr: Es kommt |||| Morgen, Sonntag ieder dran! Rennen zu Karlshorst Dirigenten Weltstreit Sonnabend, den 18. August, nachmittags 3 Uhr Züchterpreis. Täglich auß. Sonnaba. Brillant- Feuerwerk! Revue von Fr. Holländer Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: ..Der Zarewitsch" Trianon- Th. Täglich 84 Uhr: Billige Dampferfahrten Sprungbett Mif LUX Seifenflocken kann die Wäsche nicht leiden, wohl aber ohne sie! Unsere Erzeugnisse Sunlicht Seife, Lux Seifenflocken, Suma und Vim berechtigen zum kosten losen Bezuge der Haushalts Lehrkurse des Sunlicht- Instituts. Prospekt kostenlos auf Verlangen. Rechnen Sie einmal den Wert Ihrer feineren Wäsche nach: Waschkleider, Seidenstrümpfe, Schlafanzüge, Jumper- Werte von mehr als hundert Mark in einer einzigen Wäsche! Und trotzdem gibt es Frauen, die um ein paar Pfennige zu sparen, solche wert vollen Sachen mit gewöhnlichen Wasch mitteln statt mit LUX Seifenflocken waschen. Sie übersehen, daß sie damit die so empfindlichen Gewebe gefährden und beträchtliche Werte einbüßen. 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Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 9. Ziehungstag 17. August 1928 Berlin in 40 Stunden. 8 Theater am Nollendorfplatz Hente 50. Aufführung Die ungeküßte Eva Operette in 3 Akten. Musik von M. Knopt Preise: 1, 2, 3, 4 Mk. usw. In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Berliner Prater 10 Gewinne au 3000 m. 17421 41884 62455 138682 257311 20 Geniune au 2000. 55144 68742 112510 142366 147434 173498 212103 318382 328616 348674 Kastanienallee 7/9. Täglich 8 Uhr: 18 Gewinne au 1000 m. 49837 62715 86207 96298 211411 233151 Försterchristel. 260758 343764 365267 78 Gewinne an 500 n. 4682 14779 29323 30406 35798 42664 42907 53466 54560 62977 63758 73611 75384 78953 148029 174190 189185 192637 195478 205179 207310 208019 224736 238214 241041 244726 246237 271045 284312 285925 304657 311961 312988 314514 319635 339275 347647 370394 372128 198 Gewinne zu 300. 4990 9453 9503 15964 16116 17413 21711 26881 29471 33865 44575 45461 46347 47748 60859 67325 69803 77439 79557 91178 95078 95326 102382 106458 107448 113799 114993 116136 124253 129155 130055 133261 134212 138194 138379 140986 141602 144607 151298 151388 159073 159322 166687 167273 167349 170935 171107 172419 183941 184450 199721 202084 203322 203501 204647 207437 217967 218347 218466 229767 234588 251944 255831 2. 566 258857 259573 260523 260870 267390 269877 278667 278885278683 280023 294551 309137 309994 312754 319484 320343 830721 343440 345194 346121 347046 350290 351125 354626 355649 355778 356992 357240 361053 361874 364679 368673 369980 870128 370419 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Geroinne zu 10000 . 71146 2 Gewinne zu 5000 L 90786 4 Gewinne zu 3000 . 79642 283564 10 Bewinne an 2000 m. 29775 60921 95071 115247-310993 24 Gewinne au 1000 QR. 40141 55654 65005 66576 71218 89450 146101 169351 226230 240175 309439 319128 78 Gewinne au 500 m. 3323 13193 14055 17279 39844 44393 86737 102340 104289 105338 116207 119165 143727 144653 147470 148834 163331 167485 179344 183115 184056 198991 218172 287289 303216 315454 317007 320834 324944 332402 336839 338652 345965 346729 351820 357035 365007 365234 872564 160 Gewinne zu 300 m. 5022 7932 19173 21300 24966 26728 27062 27557 28458 30423 31370 34742 36306 41799 45773 54123 58124 64312 66831 72929 76769 80196 85018 85164 86273 87139 94962 97349 101068 109636 116969 117811 125867 127371 128996 136843 141093 153585 169170 171499 176670 179056 185858 190529 194738 194978 200335 206689 207416 216455 218746 219381 234105 249783 250527 255018 260426 260770 268643 270882 274637 279282 285659 287275 298547 302550 303832 309174 311425 312641 314181 317192 340521 347068 348701 357050 358772 364456 366882 372758 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2 Gem. zu 500000, 2 au 300000, 2 zu 200000, 2 zu 100000, 4 zu 75000, 4 zu 50000, 8 zu 25000, 56 zu 10000, 114 zu 5000, 306 zu 3000, 550 zu 2000, 1122 zu 1000, 3036 zu 500, 7860 au 300 Mart, Ausstattungsoperette. 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Da der liebe Galt bei ineinem unermünschten Eintritt in das Licht des Lebens nicht an- wesend sein konnte, bin ich als Wildling aufgewachsen und es ging ganz gut so. Was die oft empfohlene Lebenssorglosigkeit und die damit zusammenhängende materielle Unterloge anbetrifft, bin ich nicht über die erbärmliche Wohnküchenwirtschaft meiner Erzeuger hinaus- gekommen. Mit einem Fuß stand ich schon immer auf verlorener Erde und der andere fror im Ungewissen. Und ehrbar? Es ist zum Lachen. Die Antwort hülle ich, in Anbetracht der viele» Leute, die mich kennen und im Lause der Zeit meine moralische Qualifikation sehr in Zweifel zogen, gern in den Mantel der Verschwiegenheit. Nun ist die Holzgasse immerhin eine anständige Straße in unserer Stadt, allerdings, was zu bemerken ist, etwas knimin im Rückgrat und hohlwangig auch sonstwo, aber was man liebt, ist und bleibt schön über alle Maßen. Die Häuser stnd graue Steinblöcke, kaum mehr als ü Meter in der Breite— von der Dämmerung beleckt, scheinen ste, als schachtele sich das eine in das andere, als wollten sie ineinander- kriechen. Sic sind alle etwas mickrig um das Unterteil herum, rost- fleckig und griesgrau behäutet wie bei einer heraufeilenden Krank- heit liegt es auf den Steinen und nur einig« Bäume, drei oder vier, wenn man etwas Strauchwerk dazurechnet, die Sommers das Laub wie Meerschaum durch die Straßen werfen, machen diese Landschaft um wenige Prozent freundlicher. An die ersten Jahre meiixr Kindheit kann ich mich schwer er- inncrn. Ich teile wohl dieses Unvermögen mit der größten Anzahl meiner Mitmenschen. Erst fünfjährig entdeckte ich, ein an Alter und Lebenserfahrung struppiger Dreikäsehoch, mit einem mir- angeborenen Erlebnisdurst, die Geheimnisse unserer Gasse. Erst baldowerte man die Kellerlöcher aus, dann die Hundehütten, die Rotunden, die Schutt- Halden, die Hausflure und fremde Treppenaufgänge(selige Verstecke der Jugend, wenn der Ausklopfer des Vaters hinter uns lief!). Erst später kamen die lebenden Nachborn an die Reihe, der Kohlenmann, der Schornsteinfeger, die Gemüsehöckerschc, man bcroch sich erst gegen- seitig, ob man denen, die über bO Zentimeter in die Höhe ragten, auch trauen könnte, dann schloß man Freundschaft mit Gleichaltrigen, die oft nicht länger üb«r die mit viel kindlichein Temperament be- gleiteten, ohne Endsieg jäh abgebrochenen Murmelspiele hinaus- währte, oder sonstwie in di« Brüche ging. Erst später pflegten wir »nit hochnäsiger Zurückhaltung einige Beziehungen zu den Mädchen, diese Hculjöhr«» und Gumnüpuppcns, di«, wenn es einem Spaß machte, bestenfalls als Indianersquaws und Prinzessinnen zu ge- brauchen waren und dabei übel zugerichtet wurden. Nachdem man sich so einen nicht zu verachtenden Habitus an Lebensweisheit angeschafft hatte, war man mit etwa sechs Iahren ein fertiges, gemachtes und, was beim Zorn aller Mütter zu cnt- schuldigen sei, ein ewig dreckiges und zerlumptes Männlein. Es ist etwas Köstliches, sich an diese kleinen Eroberungen seiner vormaligen Erlebnisumwclt«rinncrn zu können, haben doch diese Erlebnisse einer wenig oder gar nicht behüteten Kindheit nach- dauernde Bedeutung und trugen wir doch schon alle damals den großen Menschen in Wachs und«n ministuro in uns, den wir heute in mehr oder weniger glücklicher Form abgeben. Nun sollte eine im wahrsten Sinne des Wortes zu Stein geworden« aber darum nicht weniger lebendige Erinnerung an die Tage meiner Kindheit verloren gehen. Ich wohne heute nicht mehr Holz- gaste S, sondern am Ende der Straße, die in die Schrebergärten mündet. Eines frühen Morgens kam eine Kolonne Arbeiter in die Holz- gaste marschiert, alles kräftige Iungens, vom Schweiß braun gc- braten, mit Wagen kamen sie heran, vollgepackt mit Werkzeugen, Spaten, Hacken, Balken, Schubkarren. Sie rissen Glockenschlag 7 Uhr das Pflaster auf und krabbelt«» sich von Tag zu Tag immer tiefer in die Erde. Nach einer Woche war unsere Straße in einein Granat- trichter verändert. Da wurde hcrumgepickt, geschaufelt, Träger ge- rammt, Balken gelegt und, ja, ich wollte fast aufschreien, da kam auf einmal am vorigen Donnerstag das Hans Nr. 5 heran. Mir schien das Blut in den Adern gerinnen zu wollen und aus meinem Herzen bemühte sich qualvoll eine Protestaktion hervorzubrechen. Erst deckten die Iungens das Doch ob und dann kamen die Stockwerke an die Reihe. Di« Hacken bissen wie wild darauf los. Schon lag aufge- klaftert, ein Totenkopf, die obere Hälfte des Hauses gegen die Sonne. Und Stunde um Stunde wurde Meter um Meter von oben nach unten. Stein um Stein, tiefer gehobelt. Mußte das sein? Frage und Antwort sind ein Prioatgespräch, über das der Magistrat unserer Stadt, könnte er es hören, sich vor Lachen d«n Bauch halten würde. Man ist dumm und klein in der Erschütterung, die das Herz preßt und jede Vernunft, der wir sonst zugetan sind, wird eine lächerliche Maske. Gott, es war nicht der Tod. der mich anfraß, nein doch, es war nur das Haus meiner Kind- heit, der Hort so vieler heimlicher, schamvoller Wünsch« und Be- gierden, eine dreckige Wohnkaserne, die neuem Leben den Weg frei- machen sollt«, ober jeder Stein atmete Heimat, die schon am nächsten Drahtzaun ihr« Grenz« zog und jede Tür war Zeugnis der vielen knabenhaften Erlebnisse. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag in der vorigen Woche schlief ich unruhig und wurde von bös«n Träumen an mein Bett genagelt. Hakennasige Gesichter stelzten in meinem Zimmer umher, knatterten mir in die Ohren und gruben sich in meinem Fleisch ein, und dann sah ich mich unter den gläsernen Trümmern meines Geburtshauses begraben. Da wachte ich auf, und schlich bangen Herzens, verwirrt noch von der Qual der halben Nacht in den vorderen Teil der Holzgasse. Hier lag Nr. 5, ein Skelett, und ein ungeheurer Schmerz durchriß mich und saß dann in der Kehle und ich konnte ihn nicht ausbrüllcn. Der dicke Gustav Pumpe, der in der benachbarten Maxstraße einen Baumatcrialienhandel mit etwa 1000 Mark wöchentlichem Reinocrdienst betreibt, und den ich die Jahre hindurch nicht gut riechen gelernt habe, hatte den Abriß übernommen. Wie mit Messern grub sich das aufgeplusterte Schild seines fettglänzenden Namens in meine Seele. Aus d.en Steinen werden sie vielleicht ein neues Haus bauen. Durch die Tür, durch die ich mich abends oft fortschlich, um das brodelnde Feuer meines aufbrechenden Iünglingtums zu kühlen, wird ein Fremder gehen. So blüht wahrlich n«ues Leben aus den Ruinen, und die sterblichen Reste meiner engeren Heimat sind wahrlich wieder zukünftigem Schicksal zugewandt. So stand ich im stummen Gedenken. Freitag nacht, und schüttelte di« Erinnerungen ab, di» mich auffwsten wollte». Ich bin kein Die deutschen Republikaner von heute sind realpolittscher und darum auch wohl prosaischer, als ihre Wegbereiter in den 40er Jahren es waren. Nicht viele wissen noch um den Freihcitsdichter G«org Herwegh, der mit dem hinreihenden Schwung seiner„Ge- dichte eines Lebendigen" damals alte vorwärtsstrebenden Geister aufrüttelte, so daß es war, als ob die stünnischsten Gedanken, di« noch tief auf dem Grunde der Volkssehnsucht ruhten, plötzlich von einem Touchor wie Perlen hervorgeholt worden wären. Zwei Bücher wahren die Erinnerung an seine tapfere Frau und Ge- sinnungsgenastin Emma, indem sie zugleich die Persönlichkeit Her- weghs ins Licht stellen und aufzeigen, wie die Schicksalsverbunden- hell zweier gleichgesinnter Seelen ihren gemeinsamen Kampf siir die Freiheit beflügelte. Georg Herweghs Briefwechsel mit seiner Braut wurde bereits vor dem Kriege von ihrem Sohne Marcel veröffentlicht. Ein jüngst erschienenes Büchlein von Alma Blas„Frauen der deutschen Revo- lution 1848" enthält auch eine Biographic von Emma Herwegh geborene Siegmund.„Wir wollen zeigen, was zwei Leute können, die zu derselben Fahne schwören, es ist keines Menschen Kraft zu gering, um das gewaltige Rod in Bewegung zu setzen, und die Begeisterung hat Riesenkräfte oder weckt Riesenkräfte auch in den Frauen." Dieses Gelöbnis aus der Brautzeit hat die Gattin gehalten, in ollen Nöten und Gefahren, selbst bei dem abenteuerlichen Zug der deutschen Legion 1848 blieb sie als Samariterin und Helferin an seiner Seite. Sein Vermächtnis erfüllend„Laß mich in freier republikanischer Erde begraben, in unserem Heimatkanton," hat sie 1873 die sterblichen Ueberreste Herweghs in Licstal, dem Hauptort des Kantons Basel-Land, zur ewigen Ruhe gebettet, in jenem Kan- ton. der dein aus Preußen Verbannten 1842 das Schweizer Bürger- recht verlieh. Mit den drei Kindern, zwei Söhnen und einer Tochter, die sie im Geist des Vaters erzog, setzte sie ihm die Grabschrift: „Hier ruht, wie er's gewollt, in seiner Heimat freien Erde, Georg Herwegh, 31. März 1817— 7. April 1875. Von den Mächtigen verfolgt, von den Knechten gehaßt, von den meisten verkannt, von den Seinen geliebt." An der Seite ihres Mannes hat auch Emma Herwegh 1904 die letzte Heimat auf dem stillen kleinen Kirchhof von Liestal gefunden. Seltsam ernst hebt jenes Doppelgrab sich von den anderen iin Schmuck der sommerlichen Blütenpracht prangenden Gräbern ab. Keine Hügel— zwei schwarze Marmorplatten mit bronzenen Symbolen, dem Blütenzweig auf Emmas, dem Lorbeer auf Georgs Ruhestätte, decken di« Fläche. Ein mächttger Lebens- bäum beschattet di« Stätte. Metallkränze alljährlich von den Nach- kommen aus Paris gesandt, hängen zu Häupten. Tiefer Friede waltet über der Landschaft. Kein Laut stört das stille Gedenken. Nicht oft mag es sein, daß deutsche Republikaner Gelegenheit suchen oder finden, nach dem kleinen Liestal.zu wall- fahrten, wo Schweizer Bürger das Gedächtnis deutscher Freihetts- kämpfer für die Nachwelt pflegen. Zwei weitere Zeichen deuten dort auf das Gedenken an das Paar. Im Sitzungssaal des oltehrwürdigen Rathauses mtt dem Schmuck prachtvoller bunter Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert hat di« liebevoll zusammengestellte kleine Herweghsammlung Mann für ewige Trauer: stumm trögt man das, was zur Treue verpflichtet. Einen Stein brach ich, das wird mich hinüberretten. Jetzt in die Lust gespien, es geht wieder vorwärts. Nur dem Heute und Morgen gehören wir. Da stand der Hausstumpf, angefresten van der Hock« der Zeit, ja, und es schien, als tropfte noch einmal«ine stilloerhaltsne, selige Musik meiner Kindheit aus seinen geborstenen Augen. Besuch im Museum für Naturkunde. Fragt man unsere Jugend, wo sie in der Reichshauptstadt schon einmal gewesen ist, welche Museen ihr bekannt sind, so kann man sicher die Antwort voraussagen: das Derkehrsmuseum, dos Postmuseum, dos Märkische Museum usw., aber dos etwas ferner liegende„Museum für Naturkunde" in der Invalidenstroße ist ziemlich unbekannt. Und doch birgt es Schätze, die gerade der Großstadtjugend, die keine oder geringe Fühlung mit der Natur hat, überaus wertvoll sind. Wer von einem der liebenswürdigen Beamten des Museums herumgeführt wird, tonn ein« Sttidienreise durch alle Reiche der Natur unten, ehmen, der an Schönheit und lehrhaftem Wert nichts gleichkommt. In einem der ersten Ober- lichtjäle sieht man das gigantisch« Knochengerüst eines vorweltlichen Sauriers mit seinen Ungetümen Ausmaßen. Der kundige Führer entwickelt die Landschaft jener Zeit, und wir bewundern den Scharfsinn der Forscher, die aus kargen Rudimenten der Urzeit eine Fülle von Schlüssen ziehen können. Dos ungeheure Skelett des Neogatherions wird durch einen nur kleinen Kopf gekrönt. Der mächtige Pflanzenfresser war geistig unbedeutend. Di« Fülle der entsprechenden Stelettreste zeigt, daß diese Formation einst die Erde beherrschte. Als dann aber die Raubtiere aufkamen, waren die Riesentiere in ihrer waffenlosen Schwere dem Daseinskampf nicht mehr gewachsen und schwanden resttos. Nur kleine Gattungen d«r Eidechsen usw. haben durchgehalten. So plaudert der Führer und liest ein Kolleg über die Vorgeschichte der Erde von entzücken. der Klarheit. Mächtige Vitrinen zeigen die Vertreter der gesamten Tierwelt in herrlichen ausgestopften Exemplaren. Das Museum, an desien Ausgestaltung übrigens andauernd gearbeitet wird, stellt jetzt schon ein K u n st w e r k dar. Die Museumsverwaltung hat den Gedanken "durchgeführt, das Tier nicht, wie es bisher üblich war, einzeln in der Vitrine oder auf kahlem Podwm hinzustellen, wo es fremd in eine nüchterne Umgebung zu blicken scheint. Vielmehr ist von künstterischer Hand aus Gips und einfachstem Material eine Reihe von Bühnen hergerichtet worden, auf denen man mit Staunen und Entzücken in vollster Naturtreue Landschaften mit Himmel, Vegetation und in diesen Räumen die Tiere erblickt, die in diesen betreffenden Gegenden leben. Eine märkische Waldlands chast mit rötlichem Abendhimmel hat unvergeßlich« Eindrückt. Hier lernt ma» das Tier in seinem Raturrahme» kenn«, und freut fich einen stimmungsvollen Rohmen gefunden. Allerlei Gegenstände aus dem persönlichen Besitz der Herweghs füllen die Glaskästen— die Trauringe als Sinnbild dieser wahrhast idealen Lebensgemelnschajt, auch die van Georg während des Pariser Barrikadenkampfes ge- tragen« Kokarde, und«ine Anzahl von feinstem Kulturgeschmack zeugender Zinngesäße, dazu Briefe von großen Geistern jener Zeit an Herwegh, darunter von Humboldt und Hein«. Wahrhaft lebendig werden die beiden Hauptgestalten, denen das Gedenken geweiht ist, mit ihrem Lebensgang bei Betrachtung der Porträts, besonders der größeren Oelbilder. Das Iugendbild Georgs aus dem Jahre 1843 zeigt den Dichter als jene schöne romantische Gestalt mit tief- schwarzem, vollem Haar, in der Barttracht eines Felix Mendelssohn, mit träumerijchen Augen in unbekannt« Weiten blickend. Eine feine Bleistiftzeichnung Georgs, in den kurzen Tagen, die zwischen der Bekanntschaft und Verlobung lagen, van Emma selbst ausgeführt, vervollständigt den Eindruck. In ergreifendem Gegensatz hierzu Georg Herwegh, der ermattete Kämpfer, 1870— fünf Jahre vor dem Ende seiner irdischen Pilgerfahrt, mit ergrauten Strähnen im schwarzen Haar und Vollbart, voni Leid gezeichnet mit schmerzlichem Ausdruck im Antlitz, der Schatten jener Heldengestalt, die Heine einst zu der Vers«n begeisterte:„Herwegh, du eiserne Lerche, mit klirren- dem Jubel steigst du empor zum heiligen Sonnenlicht." Ein Brust- bild in Lebensgröße zeigt Emma Sicgmund als 21jährige, vier Jahr ehe sie dem späteren Lebensgefährten begegnet«. Ein hell- blaues Seidenkleid mit dem zeitgemäßen Ausschnitt umschließt«in« kräftige Gestalt. Das aschblonde Haar umrahmt ein sympathisches Gesicht mit klugen klaren Augen. Die Copie ihres Brautbildes zeigt die gleichen Züge. Auch in der Photographie der gereiften Frau findet man die Linie zum Ingendbildnis. Nur der Mund ist durch das Erleben eines großen Schicksals wissender geworden. 29 Jahre war es Ennna beichieden, den Gatten zu überleben. Sie waren dem Andenken dessen gewidmet, der zum Inhalt ihres Da- seins wurde. Im Jahre 1904— sieben Monate na 6, dem Hinscheiden Emmas— fand ein Denkmal f ü r Georg Herwegh wie- derum«in« würdig« Stätte in L i« s t o l. Inmitten von Prome- nadenanlagen hebt sich von dem ernsten Hintergrund dunkler Tannen ein efeumnrankter dreiteiliger Felsblock ab, der mittlere mit dem Mannorreliefbitd des Dichters nach dem letzten Porträt modelliert, die seitlichen mit Inschriften auf eisernen Tafeln:„Dem Freiheits- fänger und Kämpfer in Dankbarkeit gewidmet von Männern der Arbeit und Freunden der Freiheit!" Dann die Verse: Zum Volke standst Du ohne Wanke» Am Throne gingst Du stolz vorbei, Laß Dir es noch im Tode danken. O treues Herz, nun bist Du frei. In den Gestirnen wirst Du schweben, Dein Sängernam« löscht nicht aus, Und das Lebendige wird leben, Weit über Tod und Grab hinaus! Fr. Ledcjraann.} des rastlosen Fleißes der Verwaltung, die das Museum unserer Zeit entsprechend vor allem in den Dienst der Volksbildung stellt. Auch die ausgestopften Taerbälger selbst sind beachtenswert. Früher wurde die abgezogene Haut des Tieres mit Hanf, Werg u. dergl. gestopft und das Ganze dann in beliebiger Form zur Auf- stellung gebracht. Hier aber ist ein Künstler am Werk, der in einein besonderen Atelier in Gips die Gestalten der Tiere, Bären, Füchse, Tiger usw. nach vorheriger Beobachtung im Zoologischen Garten modelliert, so daß die Muskulatur, die Anatomie, die feinere Struk- tur des Körpers zu möglichst genauem Ausdruck kommt. So wird der ganze Rumpf ohne Fell modelliert. Dann folgt der schwerste Teil. Das Fell wird geglättet und nun mit aller Vorsicht über das Gipsmodell gelegt, wobei die Schwierigkeit entsteht, daß die Haut leicht zu kurz oder zu weit sein kann. Das erfordert eine genaue Berechnung des Bildhauers. In dem Atelier des Herrn Lemm, der mit dem bekannten Tierplastiker A. Gaul zusammen gearbeitet hat, sieht es bunt aus. Allerlei Tiergestalten, tells in GipK, teils in Naturfarben, stehen umher und bilden«inen Ilebergang von Wisienschaft zur Kunst. In den großen Sälen aber ragen di« mächtigen Tiergestalten und zeigen eine Lebendigkeit der Form, die eben auf die Art ihrer Bearbeitung zurückzuführen ist. So bietet dos alte alle Reiche der Natur umsassende Museum, dessen Schätze hier auch nicht andeutungsweise beschrieben werden können, zumal in der modernen Art der Darbietung eine Fülle von Anregungen, und es wird ständig daran gearbeitet, das große Werk seiner vorwiegend volkserzieherischen Bestimmung immer mehr anzuposien. Prof. E. Fries. Eine neue Maya- Stadt im Urwald. Der Leiter der Expedition des Britischen Museums, die im Südwesten von Brilisch-Honduras Ausgrabungen veranstaltet hat, der Archäologe Dr. Thomas Gann, berichtet von der Entdeckung einer alten Maya-Stadt, der einzigen, die bisher im Britischen Reich aufgesunden morden ist. Die Stadt, deren Ruinen ziemlich vollständig erhalten sind, lag 15 Jahrhunderte hindurch vergessen in den Tiefen des Urwalds, der diesen noch wenig erforschten Teil Mittelamerikas bedeckt. Di« Stadt, der die Aus- grüber den Namen„Chumucha", d. h.„Zwischen den Wassern", gegeben haben, da sie zwischen zwei Strömen liegt, hatte einen religiösen und einen weltlichen Mittelpunkt. In dem Tempelbezirk, der von 6 mit Tempeln bekrönten Pyramiden umgeben war, wurden nicht weniger als 20 große Monolithen gefunden, die viele hunderte Hieroglyphen enthalten. Darunter sind die längsten Inschriften, die bisher in der Mayakultur gefunden wurden. 12 Daten wurdm entziffert, di« von 314 bis 471 n. Chr. reickzen. Leider sind die Hieroglyphen, die geschichtliche Ereignisse erzählen, noch nicht lesbar. Die beiden Terrassen dieser Stadtzentren waren durch eine großartige Brücke verbunden, die einzige derartige Anlage, die bisher m Amerika aus vorkolumbischer Zeit gefunden worden ist. Die vor, treffliche Erhaltung nach 1500 Iahren spricht für den hohen Stand der Technik bei den Mayas. In einer Höhle wurde eine Unmenge von Tongefäßen und Werkzeugen aller Art gefunden, aus denen sich bei systematischer Untersuchung ein Bild der allmählichen Eni- Wicklung der Mayakultur von der frühesten bis zur Spätzeit ge- wmne» lassen wird, opolis& Billige Arbeitskraft gefragt. Maffenfabrikation und Belegschaften./Bunehmende Frauenarbeit./Steigende Aranfheilsziffern. Unje: e Verbrauchsgüterindustrien sind seit Jahren zu einer ausgesprochenen Massenfabrikation übergegangen. Auch die mehr den Produktionsmittelindustrien eigentümliche Serienherstel lung läuft auf nichts anderes als Maffenfabrikation hinaus, sofern die Zahl der Bauarien genügend vermindert und die Erzeugnisse is zweckmäßig durchgenormt werden. Die Massenfabrikation hat das Bild in unseren Werkstätten in der bekannten Weise verändert; aber auch auf anderen Gebieten sind Erscheinungen zu verzeichnen, die nur mit der Einführung der Massenfabrikation zusammenhängen fönnen. Das gilt besonders für die Entwicklung der gesundheitlichen Verhältnisse. Auffällig ist 3. B., daß fish die mittlere Krankheits dauer bei den Frauen in den letzten Jahren stärker steigert als bei den Männern. Man hat dieses und jenes ins Feld geführt, um diese bedenkliche Entwicklung zu erflären und fommt an dem Schluß nicht vorbei, daß die neuzeitliche Maffenfabritation die 3u sammensetzung der Belegschaften in einer Weise verändert haben muß, daß vorzugsweise die Gesundheit der Arbeiterinnen von den Auswirkungen der Maffenfabritation betroffen wird. Das will mur bedeuten, daß die Massenfabritation Frauenarbeit bevorzugt, und daß in den letzten Jahren in den um gestellten Betrieben sich die Struktur der Belegshaft dahin veränderte, daß der Anteil der weiblichen Arbeiter on der Gesamtbelegschaft zunimmt und der Anteil der Männer abnimmt. Sinn der Maffenfabrikation ist, die Produktion zu verbilligen, die Gestehungsfosten zu fenten. Geht aber ein Betrieb zur Massen? fabrikation über, so sind zunächst einmalige und dauernbe höhere Kapitalsaufwendungen als früher unerläßlich. Einmal find neue Maschinen anzuschaffen, des anderen verteuert sich der WerkStoff. Die Maffenfabrikation darf aus den verschiedensten Gründen feinen Schund produzieren: Wertstoff, den man noch zur Not mit der Hand bearbeiten fonnte, fällt bei der Mossenfabrikation aus und muß durch bessere und beste Qualitäten erfekt merden. So ist die Koftenfteigerung durchweg recht beträchtlich. Diese bei der Massenfabrikation zunächst einsetzende Verteuerung muß natürlich ausgeglichen werden und man gleicht sie aus ducch Beschleunigung des Arbeitsprozesses. Die deutschen Techniker stehen wohl in ihrer Mehrzahl auf dem Standpunkt, daß unter Beschleunigung des Produktionsprozesses nicht ohne weiteres ein Herabsetzen der auf ein Erzeugnis aufzu mendenden Lohnstundenza hl zu verstehen ist; vielmeh: empfiehlt man die planmäßige Berkürzung der Zeit, innerhalb der aus dem Rohmaterial das Erzeugnis entsteht"( Frant Mädbach, Was ist Fließarbeit?). Man fann das durch hundert und tausend Mittel und Mittelchen erreichen, indem man vermeidet, daß sich Werkstücke an toten Punkten ansammeln, indem man Aufenthalte beseitigt, das Berfstüd transportiert, durch zwedmäßige Borrichtungen, Berk zeuge, Lehren und vor allem im Zusammenbau, durch die Einführung der Maßnorm. Man macht so gewissermaßen den Arbeitsprozeß zu einer Folge von Arbeitsvorgängen, die örtlich fortschrei ten und zeitlich bestimmt sind. Das Ziel in der modernen und forcierten Maffenfabrikation ift allgemein auf die Befleunigung des Arbeitsattes, die Mehrproduftion in einer bestimmten Zeiteinheit und die Koftenersparnis pro Einheit der Ware gerichtet. Daß das im Laufe von 4 bis 5 Jahren durchgeführte Heztempo in der Fertigung un= günstig auf die Gesundheitsverhältnisse der beteiligten Beleg schaft gewirkt hat, kann nicht bestritten werden. Strittig ist nur, ob das Arbeitstempo an und für sich zu schnell ist oder ob dieser Arbeitstakt, der die Kräfte des Arbeiters schneller verbraucht, nun nicht durch erhöhte Reallöhne und verkürzte Arbeitszeiten hinreichend untermauert ist. Auch fehlt es daran, den Arbeiter auf Grund wirtlicher Betriebsdemokratie zur Organisation des Arbeitsprozesses heranzuziehen. Gemeinhin legi man heute in unseren umgestellten Betrieben so wenig Wert auf die Disposition der Belegschaft, daß das schnellere Arbeitstempo nihts anderes als überspannte Anforderung, als bedeutet. beispiellose Antreiberei Wir geben in der folgenden Zusammenstellung auf Grund der amtlichen Angaben die Zunahme der Krankheitstage auf je 100 der gegen Krankheit Bersi herten wieder: 1910 1913 1923 / B 1924 1925 Männliche Mitglieder Weibliche Mitglieder ( Krankheitstage auf je 100 Mitglieder) 781,0 844,2 635,2 1066,9 1231,2 853,2 914,6 793,5 1113,4 1288,8 Die Verschlechterungen liegen auf der Hand und der Schluß verteufelt nahe, daß der verschlechlerte Gesundheitszustand der Belegschaften im engsten 3usammenhang mit der einschneidendsten Umstellung unserer Betriebe auf Massenproduktion steht. Eine besondere Würdigung verdient wohl dabei die Tatsache, daß die Verringerung des Arbeitstakts die Anschaffung möglichst vieler Maschinen bedingt. Ideal ist natürlich die Maschine, die überhaupt ,, nicht bedient" zu werden braucht. Hier ergibt sich die Möglichkeit, die Belegschaft in bekannter Weise zu verringern und das Lohnkonto unmittelbar zu entlasten. Von dieser Möglichkeit wird so lange Gebrauch gemacht, und die Technik bietet immer wieder die Hand durch Neukonstruktionen dazu, solange die Anschaffungskosten bei den Maschinen geringer find als der einzusparende Lohn für die Maschinenbedienung. Ist die Grenze erreicht, so macht sich das Bestreben geltend, eine möglichst billige Bedienung der Maschine zu finden. Das fällt mit der Tendenz zusammen, überall dort in der Maschinengruppe, wo die Präzisionsarbeit der menschlichen Hand menschlichen und des mens hlichen Hirns nicht durch irgendeine Mechanit erseßt werden kann, diese derart zu unterteilen, daß sie von einem Kinde verrichtet werden kann. Se mehr man in Massen fabriziert, desto mehr fann man die Unterteilung durchführen und den Arbeitsprozeß von der Geschickliteit des Arbeiters unabhängig machen. von der Geschicklichkeit des Arbeiters unabhängig Daher wird in den umgestellten Werkstätten zunächst der machen. Daher wird in den umgestellten Werkstätten zunächst der ieure gelernte Arbeiter von dem weniger teuren angelernten Arbeiter verdrängt, und weiterhin findet ein ständig vermehrtes Eindringen der Frau in die Massenproduktion statt. Die badische Gewerbeaufsicht z. B. stellt für das Jahr 1927 fest, daß von 416 000 in großen und mittleren Betrieben beschäftigten Arbeitern und AnDas sind rund 32 Proz. Eine geftellten 135 220 Frauen waren. Sonderumfrage derselben Stelle bei solchen Betrieben, die vorzugsweise in Massen fabrizieren, also in den Betrieben der Tegtil induftrie und des Nahrungs- und Genußmittelgewerbes, ergab bei einer Gesamtbelegschaft von 169 571 Aubeitnehmern nur 87 700 Männer. Fast 50 Prozent Frauen arbeiten also in diesen Betrieben. Wie sich diese Entwicklung im einzelnen vollzieht, dafü: gibt Direttor Hoffmeister aus Braunschweig einige Beispiele. Es handelt fich dabei um ein Unternehmen für feinmechanische Erzeugnisse. Die Veränderung in den Verhältnissen selbst ergab sich in einem Zeit raum von etwas mehr als einem Jah: c. Die vorgenom mene Umstellung in der in Frage kommenden Unternehmung vollzog fich furz wie folgt: " Unter Benugung von früher bewährten Einrichtungen und weiterer Verbesserungen wurde die Anzahl der Bauarten ver mindert und die Fetigung nah neuzeitlichen Richtlinien unter Zugrundelegung der„ Dinormen" durchgeführt. Dies ging um so leichter, als durch die Zusammenlegung der Bauarten gleichartigen inneren Aufbaus Massenherstellung möglich wurde, nach den Grundfäßen, von der Geschicklichkeit des Arbeiters fich möglichst unabhängig zu machen und Beit zu sparen."( Beitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure.") der Hauptsache durch Einführung der Frauenarbeit, auf 66,25 m. gedrückt werden. So ergibt sich eine Ersparnis, eine Senkung des Lohnaufwands von 30 Prezant pro Stunde allein dadurch, daß sich die Struktur der Belegschaft zue gunsten der Frauenarbeit veränderte. Man scheint als Norm an nehmen zu können, daß sich in der Massenfabrikation die Arbeit durysegt, die am billigsten bezahlt wird. Und das ist die Frauenarbeit. In dem Maße, wie man zur Massenfabri fation übergeht, in dem Maße dringt die Frauenarbeit vor, unters liegt die Struftur der Belegschaften fortwährenden Veränderungen. Das heißt mit anderen Worten, in den Kreis der forcierten Maffenfabritation wird vor allem die Frau einbezogen. Die Auswirkungen des verringerten Arbeitstafts in gesundheitli her Beziehung muß sich deshalb bei den Arbeiterinnen besonders geltend machen. Borläufg haben mir einen Anhaltspunkt dafür in ber Entwicklung der mittleren, durchschnittlichen Krankheitsdauer: Männer Frauen • • . 20,1 " 1913 1925 ( durchschnittliche Krankheitsdauer) 19,1 Tage 22,5 Tage 28,0 " Es ist abzuwarten, wie sich die Entwicklung in den drei letzten Jahren vollzogen hat; wir sind jedoch jetzt schon der Ansicht, daß das beschleunigte Arbeitstempo aber auch da eine unheilvolle Rolle spielt. Dieser Entwicklung muß durch eine aftive, von der Arbeiterschaft maßgeblich beeinflußte Sozialpolitit ihre bisherige Schärfe ge= nommen werden. Friedrich Oft. Keine Einigung im Schrottgeschäft. Die Schwerindustrie triumphiert zu früh. Die seit einigen Monaten geführten Verhandlungen zwischen dem Reichsverband der freien Schrotthändler Deutschy lands und den Berishandelsorganisationen der Auf Grund dieser Umstellung veränderte sich die Belegschaft Schwerindustrie in Dortmund sind vor einigen Tagen abgebrochen wie folgt: Anteil an der Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte. Alte Herstellung: Neue Herstellung: Berminderung ( in von Hundert) Fertigung Facharbeiter Angelernte Arbeiter Frauen. Jufammenbau 22,5 27,5 4 23 • 0 23 49 20 1 0 M 0 30 66,5 19 Facharbeiter Angelernte Arbeiter. Frauen. Facharbeiter Angelernte Arbeiter B E Insgesamt verschiebt sich der Anteil der Facharbeiter von 71,5 auf 24 Proz. und der Anteil der angelernten Ar. beiter von 28,5 auf 23 Proz. Es tritt bei den Facharbeitern eine Verminderung um 66,5 Broz. und bei den angelernten Arbeitern eine Berminderung um 19 Broz. cin. Neu in Erfheinung tritt die Frau, die bei der alten Herstellung überhaupt nicht da war, und zwar ist die Frau an der Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte insgesamt mit 58 3:03. beteiligt. Das überrascht auf den ersten Blick und doch sind wir der Auffassung, daß die Frau in endere umgestellte Betriebe noch viel stärker eingedrungen ist. Die Nach. frage nach Frauenarbeit ist in den umgestellten Betrieben frage nach rauenarbeit ist in den umgestellten Betrieben so groß, daß ein ganz erheblicher Teil der beschäftigten Frauen in diesen Betrieben sogar verheiratet ist. Es entsteht hier die age, was bei der Beschäftigung der verheirateten Frau in den umgestellten Betrieben maßgebend ist, das Lohntonio oder die besondere Eignung der Frau für die Massenproduktion. Man hat das Lob der Frau in der Maffenfabrikation in den letzten Jahren in allen mögliden Tonarten gesungen und vielfach mit Recht. Die fombinierte Arbeit und die Zerlegung des Arbeitsprozesses erfordert die Ersetzung der schwer und langsam ausholenden Bewegung des Mannes durch eine wendigere Bewegung, die der Frau eigentümlich ist. Beim Berpacken ist die Frau leistungsfähiger als der Mann, ebenfalls bei der Sortierung, wie Erhebungen 3. B. in der Kugellagerfabrikation bewiesen haben. Arbeiten mit kleinem Bohrgerät werden erfahrungsgemäß von der Frau viel besser ausgeführ: als vom Mann. Ob die Eympathie der deutschen Unternehmer für die Frauenarbeit aber ausschließlich auf die bessere Eignung der Frau für bestimmte Arbeiten zurückzuführen ist, muß bezweifelt werden. Darauf meist shon die immer zu machende Beobachtung hin, daß bei der Einstellung der Frau die notwendige Eignungsprüfung als überflüffig betrachtet und fallen gelassen wird. Ausschlaggebend scheint das Bestreben zu sein, die billigere Arbeitstraft einzusetzen und so das Lohntonto zu drücken. In dem oben angeführten Hoffmeisterschen Beispiel ergibt sich u. a. folgendes Fertigung Angenommener Stundenverdienst Facharbeiter Angelernte Arbeiter Frauen. Jusammenbau Facharbeiter Angelernte Arbeiter Frauen. 884 884 Stündlicher Sohnaufwand in der neuen Herstellung Stündlicher Lohn aufwand in der alten Herstellung ( in Pfennigen) 2250 2 200 0 400 1840 1035 100 80 E 45 100 4.900 1. 80 45 80 0 2000 0 1350 Bei der alten Herstellung, die keine Frauen kannte, mar ein stündlicher Lohnaufwand von 94,30 M. notwendig. Er fonnte, in Stündlicher Lohnaufwand von 94,30 m. notwendig. Er fonnte, in Fast alle Krankheiten gehen vom Darm aus. Zuviel essen und nicht richtig essen, sind oft die Ursache jahrelangen Siechtums. Die schnellverdaulichsten, nahrhaftesten und bekömmlichsten Gerichte sind die mit Maizena in Verbindung mit Milch, Eiern, Obst und Zucker hergestellten Speisen; darum worden, da eine Einigung nicht erzielt wurde und die Werks händler mit dem freien Schrotthandel nicht mehr geschlossen vera handeln wollten. Es haben nämlich einige Firmen, die dem Reichsverband der Schrotthändler angehören, auf eigene Faust Berhandlungen mit dem Werkshandel geführt und auch einen ge wissen Erfolg erzielt. Der Reichsverband der Schrotthändler ist diejenige Kampfa organisation, die seinerzeit gegründet wurde, um die fleinen, mitta leren und unabhängigen Schrotthändler gegen das Dittat der Schwerindustrie und ihrer Werthändler zusammenzuschlies Ben. Am 11. August hat eine Mitgliederversammlung des Reichsa verbandes in Dortmund stattgefunden, bei der zu dem Berhalten murde genommen der Werkshandelsorganisationen Stellung Schon vorher hat die Schwerindustrie angekündigt, daß sich der neue Schrotthändlerverband troß seines verhältnismäßig furzen Bestehens schon in Schwierigkeiten befinde und in seinen eigenen Reihen feine Einigkeit herrsche. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, meiter in ihrer Kampfstellung gegen die Werthandels organisationen zu bestehen und unter allen Umständen beschlossen, die Berhandlungen weiterzuführen. Stolwert ist großzügig aber nur gegen die Uffionäre Die Stollmerd Schokoladenfabrik 2.-G. in Berlin und Köln wird auch in diesem Jahre ihren Aktionären die hohe Borjahrsdipis dende von 9 Proz. zahlen. Außerdem aber hat sie für diese Herren noch eine besondere Ueberraschung aus den amerikanischen Freigabegeldern in Aussicht. Die amerikanischen Freigabegelde werden einschließlich der Zinsen auf 5 bis 7 Millionen Mart gea schäßt, und wenn die Direktion sich auch noch nicht festgelegt hat, so ist doch sicher, daß außer den 9 Proz. den Aktionären noch eine fette Sonderdividende zugeschanzt wird. Die Belegschaft wird über diese großzügige Gesinnung ihrer Berwaltung sehr überrafht sein, denn sie hat davon noch nicht das geringste verspürt. Sie wird sich bei diesen Sondergeschenken an die Aktionäre daran era immern, daß ihr die Direktion im vorigen Jahre die Weihnachtsa gratifitation milltürlich entzogen und obendrein noch jeg lihen Bo: fchuß verweigert hat. Auch wir find gespannt, wieviel von dem Segen der amerikanischen Freigabegelder auf die Arbeiter und Angestellten der Stollwerd- Gesellschaft entfallen wird. Die Ausbauten der Krupp- Werke. Der Bau der neuen Hoch ofenanlage der Firma Fr. Krupp 2.-G. nähert sich seiner Bollendung. Ein 65 Meter hoher Hochofen ist bereits fertiggestellt, ein zweiter dürfte noch im Laufe dieses Herbftes vollendet werden. Die beiden Hochöfen mit den riesigen Nebenbauten und Gasometern bilden die größte und modernste Anlage dieser Art auf dem Kontinent. Die ganze Anlage ist in außerordentlich furzer Zeit errichtet worden. Noch vor Jahresfrist waren fanm die ersten Fundamente für einen der riesigen Hochöfen, die eine Kapazität von je etwa 800 Tonnen befizen, gelegt. Die ganze Anlage lehnt sich an das während des Krieges erbaute, zurzeit modernisierte Martinwert an. Die Hochofenanlage, deren Inbetriebnahme voraussichtlich noch in diesem Jahre erfolgen dürfte, wird eine reue Etappe in der Entwidlung der Firma Krupp A.-G. und der Stadt Effen einleiten. Einstellung der Medioliquidation. Der Berliner Börsenvorstand beschloß in einer Sigung am Dienstag cinstimmg, die Medioliquidation ab Oftober 1928 einzustellen. Eizen ähnlichen Beschluß faßte die Frankfurter Börfe, Beide Beschlüffe bedürfen selbstverständlich noch der Zustimmung des preußischen Handelsministeriums. Der beschloffene Fortfall des Mediohandels hat für diejenigen, die sich an der Börse betätigen, praktische Bes deutung. Bis jekt ist es üblich, schwebende Engagements in Effekten zur Mitte des Monats( Medio) oder zum Schluß des Monats ( Ultimo) zu verlängern, au prolongieren. Diese Prolongation foſtet natürlich Geld, wodurch sich auf Grund des Fortfalls der Medioliquidation eine Berbilligung der Börsen petulation ergibt. Allem Anschein nach find die großen Banken für den Fortfall des Medio zu haben gemesen, weil eine Belebung des Börsengefchäfts in den kommenden Monaten einer stagnierenden Konjunktur ihnen nicht unwillkommen sein wird. durch Gesundheit Let us day c na.fimaizena!