Morgenausgabe Rr. 393 A 200 4Z. Jahrgang Wöchentlich monatlich 8,60 TO. Im voraus zahlbar, Postbezug 4J2 TO. einschl. Bestellgeld, Auslandsaboilste- went 6,— TO. pro TOonal. Der„BonDärts* erscheint wochentög. lich zmeimal. Sonnlag, und TOontag, einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend-, Illustrierte Bellagen„Volt und Zeit" und„Kindersreund". gerner „Unterhaltung und Wissen",„Frauenstimme".„Technik",„Blick in die Büchenoell" und„Jugend-Borwärts" lrG> � Berliner Solksblatt Oiensiag 21. August 1928 Groß-Serlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Vte einspaltige NonpareMezetke 80 Pfennig. Reklame eile 5— Resfhs» mark.„Kleine Anzeigen' das cttge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen fü, Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annähme im Hauptgeschäft Linden» straße 3. wochentägl. von 8Va bis 17 Uhr. Jentealorsan der Sozialdemokratischen Partei Neutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrahe 3 Fernsprecher: Dönhoss 232— A7. Telegramm-Ldr.: Sozialdemokral Berlin Vorwäris-Berlag G.m.b.H. Postscheckkonio: Berlin Z7bZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. AngesleUien und Beamien Wallstr. SS. Titkonto-Gesellschasi, Tepostienkalle Lindenlir£ Gozialistenhehe in Paris. Wegen des Brüsseler Kongresses. Paris, 20. August.(Eigenbericht.) Ehe der Kongreß der Arbeiteriuternotionule in Brüssel über- Haupt eröffnet war, wurden die französischen Sozialisten von der nationalistischen Presse ihres Landes wegen ihrer Teilnahme an dieser Veranstaltung angegriffen! Die Hetze ist nach dem Ab- schluß des Kongresses noch heftiger geworden. Besonders die Er- klärung der französischen Delegation über die Räumung des Rhein land«s und die Rückgabe des Saargebietes an Deutschland wird dafür ousgemitzs. Die Rechtspresse bringt die Erklärungen der deutschen Dele- gation zur Rheinlandfrage überhaupt nicht oder nur verdreht zur Kenntnis ihrer Leser. Charakteristisch für diese Methoden ist die Art und Weise, wie das Hauptorgan der Hochfinanz, der ,.T c m p s", die Erklärung des Reichstagspräsidsnten Löhe auf dem Brüsseler Kongreß behandelt. Dieses Blatt hat eine der wich- tigsten Sätze aus dieser Erklärung einfach herausgestrichen und seinen Lesern dann auf Grund dieses gefälschten Textes einen Leitartikel serviert, in dem es die französischen Sozialisten als von den Deutschen irregeführte Narren und die deutschen Sozial- demokraten als„Agenten ihr�r Regierung" hinstellt. Es ist nicht ganz klar, warum der„Tcmps" in letzter Zeit wieder in seine alte Deutschensrcsserei aus der Ruhrcpoche zurückverfallcn ist. Sind es etwa � die Einflüsse einzelner französischer Mitglieder der»Deutsch- französischen Skudienkowmissian" in Berlin? Solange die Deukschnatirnalen in der Regierung saßen, haben die fron- zösiichen Mitglieder diese» Komitee» oft die Augen vor Dingen zugedrückt, die i'nzwe>se>basl dem deutsch- fron zöjischen Der. söhnungswerk schaden mußten. Zctzt. wo die Sozialdemokraten mitregieren und mo e« keinen Zweifel darüber geben kann, daß der ehrlichste Friedenswille die Begiernngspolilik beseelt, hält der„Temps" es plötzlich wieder für angebracht. Mißtrauen zu sö-n. Vermutlich stehen auch gewisse Elemente des fran- gäsischcii Auswärtigen Amtes Hinte? der neuesten Hetze des„Temps". Es gibt dort Beamte, die mit der Briandschen Außenpolitik nicht einverstanden sind und denen es auf eine In- trige mehr oder weniger nicht ankommt. Es ist zum Beispiel sicher, daß zwischen dem Generalsekretär des Quai d'Orsay, Philippe B e r t h e l o t, und dem wesentlich jüngeren Kabinettsdirektor Briands, Leger, ein ziemlich scharfer Konflikt besteht. Der Außenminister ist seit Wochen abwesend und kehrt nur von Fall zu Fall noch Poris zurück, wenn er dringende Besuche empfangen muß. Erst zur Unterzeichnung des Kcllogg-Paktes wird er sich wieder einmal mehrere Tage in der Hauptstadt aufhalten. Man nimmt an, daß es bei dieser Gelegenheit zu einer eingehende» Aussprache zwischen Briand und Stresemann über die deutsch- französischen Probleme kommen wird. Diese Aussprach« fürchten gewisse Leute. Di« Hetze gegen die deutschen und die französischen Sozialisten verfolgt deshalb unter anderem auch den Zweck, die Atmosphäre für eine offene Auseinandersetzung zwischen den beiden Außenministern zu vergiften. Leider ist es so, daß Briands taktisch« Bewegungsfreiheit nach der neuen Hetze gegen den A n- schlußwillen De u tfchö st erreich? keineswegs ungehemmt ist. Da er außerdem damit rechnet, daß er für den Fall einer Re- gierungskrise im Herbst oder Winter die Nachfolge Poin- cares antritt, dürfte er kaum etwas tun, was einen Gegensatz zwischen ihm und den bürgerlichen Mittelparteien hervorrufen könnte. Andererseits weiß Briand, daß er, je nachdem, wie sich die Dinge innerpalitisch entwickeln, mit den Sozialisten rechnen muß, so daß er auch bei ihnen nicht allzu hart anstoßen darf. Alle diese ilmstände lassen die Umrisse der künstigen französischen Außenpolitik hinter Schleiern verschwinden. Die Agrarpreife klettern. pari«, 20. August.(Eigenbericht.) Die Ernteoerschlechterung durch die ungünstigen Witterungs- Verhältnisse dieses Sommers wird wahrscheinlich ein politisches Nach- spiel hoben und den alten Streit zwischen Landwirtschast und städt!- scher Bevölkerung wieder entfachen. Seit Jahren beklagt sich die Landwirtschaft, daß die Regierung sie der Industrie gegenüber benachteilig«. Die Regierung hatte mit Rücksicht auf die kommenden Wahlen noch kurz nor dem Schluß der alten Kammer die Stimmung der Landwirtschaft durch eine beträchtliche Erhöhung der Zollsätze und durch die Aushebung f a st aller Aus- fuhrbeschränkungen zu gewinnen versucht. Die Preise für Nahrungsniittel beginnen ra p i d e zu st eigen und lassen für den Winter mit einer starken Teuerung rechnen., Ausbau der Sozialpoliiik! Widerstände der Bolkspartei.— Befürchtungen rechts. Der„Hannoversche Kurier", ein Organ der Deutschen Volkspartei, wendet sich deftig gegen den Beschluß des Reichskabinetts, die Versicherungsgrenze in der 21 n g e st e l l- tenversicherung von 6000 M. auf 8400 M. zu erhöhen. Er sieht darin„einen zielbewußten Stritt auf dem Wege von dem bürgerlichen �reistaat der Weimarer Verfassung zu der sozialen Republi k". Aus dieser Kritik spricht die Absicht, dem Ausbau der Sozialversicherung und der Sozialpolitik überhaupt Wider- st and entgegenzusetzen. Der volksparteilche Reichs- wirtschaftsminister, Herr Dr. C u r t i u s. hat vor der Er- ledigung der Vorlage durch das Kabinett seinen Widerstand geltend gemacht. Es ist tiotzdem gelungen, die Grenze der Angestelltenversicherung zu erhöhen. Eine jede sozialpolitische Vorlage, die berechtigte Forde- rungen der Arbeiterschaft vertritt, muß im Kabinett und im Parlament durchgekämpft werden. Die Presse der Rechten hat sehr wohl verstanden, daß aus dem Beschluß der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion vom Sonnabend der feste Eni- schluß spricht, keine Machtposition der Sozialdemokratie preis- zugeben, um den Kampf um den Ausbau der Sozialpolitik mit Energie fortzuführen. Man liest in der„Deutschen Tageszeitung": „Man hat offenbar in der Partei das Vertrauen zu den Mi- nistern und zu der Rcichstagsfraktion, daß sie es verstehen werden, mit derselben kräftigen Hand, die letzt die Schlinge um den eigenen Hals zerschnitten hat, zu geeigneter Zeit ein« gepfefferte Rechnung, in erster Linie natürlich auf sozialpolitischem Gebiet, für die dabei entstandenen Geschäftsunkosten der bürgerlichen Teilhaber- schaft an der Regierung zu präsentieren." In der Tat: der Wahlausgang vom 20. Mai hat klar den Willen des Volkes zum Ausdruck gebracht,' im Ausbau der deutschen Sozialpolitik ein rascheres Tempo anzuschlagen. Um diesen W'llen zu verwirklichen, nimmt die Soziddemokra- tische Partei an der Regierung teil, und sie wird ihre parlo- mentarische Machtstellung im Kampfe darum kräftig zur Gel tong bringen. Die Mißachtung Oeutschösterreichs. Zur Selbständigkeit verurteilt, zur Gleichberechtigung zu schwach. Wien. 20. August. Bundeskanzler Dr. Seipel wird auf der neunten Tagung des Bölkerbundes in Genf ernste Beschwerde führen, daß die Rückstellung der Pfandrechte aus den Ratstandskrediten fortwährend verzögert worde n ist. Dr. Seipel wird den Vertretern der Großmächte mitteilen, daß Oesterreich in eine außer- ordentlich schwierige innerpolitische Lage dadurch gebracht worden ist, daß diejenigen Staaten, die in dem Londoner Relies- Komitee vertreten sind, die österreichischen Vertreter wiederholt in London unnötig lange aus ihre Entscheidung haben warten lassen. Albanische Königsmache. Höchste Sehnsucht hungernder Volkelmassen. Tirana, 20. August. Wie halbamtlich mitgeteilt wird, hat heute vormittag eine große Versammlung der Einwohnerschaft von Tirana und Um- gcbung mit großer Begeisterung für Albanien die Mon- archie und für den Präsidenten Achmed Zogu wegen seiner unschätzbaren Verdienste die Krone gefordert. Dem Beispiel der Hauptstadt ist gan� Albanien gefolgt. Auch in den anderen Städten verliefen gleiche Kundgebungen in voller Ruhe. Das republikanische Griechenland. Nur 30 Monarchisten unter 250 Abgeordneten. London. 20. August. Nach dem griechischen Wahlergebnis werden die Royalisten in der neuen Kammer nur 30 Sitze haben gegenüber 220 Sitzen der venizelistischen Partei. Benizelos sagt« den Vertretern der aus- ländischen Presse, daß die Opposition nicht mehr länger den Sieg des republikanischen Gedankens obstreiten könne. Er lege Wert auf die Feststellung, daß dte Wahlen in v o l l k o m- mener Freiheit durchgeführt worden seien: mit Ausnahme eines kleinen Zwijchenfalles seien� die Wahlen im ganzen Lande in voller Ordnung verlaufen. pilsudskis Pläne. Frieden mit Litauen— Krieg dem Parlament! Tb. L. Warschau, Mitte August. Man hat jetzt in Warschau gut reden, daß die Befurch- tungen, die im Ausland an die Wilnaer Legionärtagung am 12. August geknüpft wurden, sich als falsch erwiesen haben. Tatsächlich wußte man noch am Vormittag jenes Tages nicht, was der Nachmittag, an dem Pilsudski zu seinen alten Le- gionären sprechen sollte, bringen wird. Im Gegenteil: der Bertauf einer Feier mittags im Wilnaer Stadthaus stärkte die Ansicht, Pulsudski werde in seiner Rede inner- und außen- politisch Entscheidendes sagen. Diese Feier erschien als ein von geschickter Regie gestellter Auftakt zu dem Ereignis des Nachmittags. D�p General Rydz-Smigly forderte hier, von minutenlangem Beifall umbraust, die Legionäre auf, ihren Marsch, den sie bei Kriegsausbruch zur Befreiung Polens begonnen hatten, jetzt zu vollenden. Haben die Legionäre diese Worte anders auffassen können, als die An- sage eines Marsches auf Kowno? Und wünschten sie nicht selber, als sie in der gleichen Feier den Schwur ablegten, den Marscholl bei der Einführung einer neuen Staats- o r d n u n g mit allen Mitteln zu unterstützen, damit die er- warteten innerpolitischen Ankündigungen Pilsudskis einzu- leiten? Die ganz' unpolitische Rede Pilsudskis hat sie daher— und mit ihnen die Pilsudflianer im ganzen Land— stark enttäuscht. Sie waren, fast 101100 Mann stark, nach Wilna geeilt, um die Befehle ihres Marschalls entgegenzu- nehmen, bereit, ihnen, sofort blind zu gehorchen— und wurden statt dessen über die tiefere Bedeutung des Wortes „l i e b" belehrt, das im Munde des rauhen Kriegers beson- ders eigenartig klang. Aber das kennzeichnet ja Pilsudski. der kaum in einem anderen eurooäischen Land mit seinem zum Legendären und fast Mythvlog''ch-n neigenden Denken der Führer sein würde, der nach als Feld- Herr und Diktator mitten in der Romantik steckt, aber ein Ge- fühlsmensch ist. Das mag rein menschlich noch so sympathisch sein— in politischer Beziehung wird man die Gefahr nicht übersehen dürfen, daß seizz Gefühl, das keinerlei Kontrolle unterliegt, eines Tages mit ihm durchgehen kann. Man er- innert sich noch, wie er vor wenigen Wochen drohte, das „Dirnenparlament" wie einen„dreckigen Wurm" zu zertreten! Damals mochten seine Worte den Eindruck eines schwer- kranken, geistig überanstrengten Mannes— diesmal wirkten sie vollkommen ruhig, sie waren von einer wehmütig-derben Rote durchsetzt, die man in der Aussprache eines alten Sol- doten, der zehn Jahre nach dem Kriege mit seinen Waffen- geführten Erinnerungen austauscht, wohl begreift. D'e letzten Wochen scheinen Pilsudski gut bekommen zu sein— er ist, nach den äußeren Anzeichen, wieder auf der Höhe. Wer ge- sehen hat, wie er sich an jenem Sonntag in Wilna zu beberr- schen verstand, der wird an seiner Nervenstärke nicht zweifeln können. Pilsudski hat seinen Legionären nichts von seinen Plänen verraten— desto intensiver wird er sie im stillen vorbereiten. Das gilt wohl weniger in außen- als in i n n e r volitischer Beziehung. Denn in welches Stadium der Konflikt mit Litauen auch kommen mag— daß Pilsudski in absehbarer Zeit den Marsch auf Kowno befehlen wird, ist kaum anzu- nehmen. Er hat allmählich gelernt, auf intern atio- n a l e Bindungen Rücksicht zu nehmen, so daß er sich nun kaum entschließen dürfte, seine Legionäre zu b'tten. ihm Kowno als Ostergeschent darzubringen, wie er es einst in bezug auf Wilna getan hat. Dabei muß man. abne luii die praktische Frage einzugehen, feststellen, daß Pilsudski mit d�m Ausruf„Wilna ist polnisch", den er unter nicht enden wollen- dem begeisterten Beifall der Legionäre vorbrachte, wohl recht hat. Man sehe von der Tradition Wilnas in der polnischen Geschichte ab. obwohl man Beweisen dafür auf Schritt und Tritt in den Straßen Wilnas begegnet. Aber entscheidend ist die Tatsache der überwiegenden polnischen Bevölke- rungsmehrheit dieser Stadt, di? Wosdemarai erst kürz- tich zur litauischen Hauptstadt erhoben hat. Soll di? Ratio- nalitätenfrage in Betracht gezogen werden, dann müßten eher als die Litauer, die kaum 2 Proz. der Bevölkerung ausmachen und in der Stadt gar nicht zum Vorschein kommen, die I u d e n befragt werden, zu wem sie gehören wollen. Wir taten es— und erfuhren, daß sie Polen mit seiner west'i-ben Orientierung immer noch der diktatorischen Herrlchakt Wal- demaras' vorziehen. Man hat in der polnischen Linken den Gedanken einer A u t o n o m i e für Wilna erwogen— man wird ihn als einen Versuch billigen, den polnisch-litauischen Konflikt zu überbrücken und damit die Gefahr einer kriege- rischen Lösung zu bannen. Reln sachlich genommen besteht aber für eine' Autonomie kaum eine stärkepe Voraussetzung als für die anderen Teile Polens. Pilsudski wird mit der Ausarbeitunq eines Feldzuqplanes gegen Litauen wohl nicht beschäftigt sein— schon deshalb nicht, weil es zur Besetzung Litauens solcher strategischer Vor- bereitungen gar nicht bedurfte. Man wird diesmal die ver- nünftige Haltung des Warschau?? Außenministeriums, das unter gänzlicher Bcisoitelegung irgendwelcher Pi-estigerück- sichten auf die verschiedenen litauischen Roten und Vorschlag? eingeht, um so eher mit den persönlichen Ansichten Pilsuaskis identifizieren dürfen, als bekannt ist, daß er im Sinne seiner Ankündigung,„die Außenpolitik werde in seiner Hand ruhen", lebhaften Anteil an der Politik Litauen gegen- über nimmt, Polen überläßt die Entscheidung dem Völker- bund. und alle Aussichten liegen auf der polnischen Seite. Versagtjedoch derVölkerbund— dann ist lieber- raschungen, die angesichts der unsicheren politischen Lage in Polen immerhin nicht ganz ausgeschlossen sind, das Tor geöffnet. Anders steht es mit der Innenpolitik. Hier wird es schon keine Ueberraschung mehr sein, wenn Pulsudski zu Beginn der Herbstsession dem Parlament seine Verfassung?- reform vorlegen läßt: Erweiterung der Macht des Staatspräsidenten, auf welchen Posten Pilsudski selbst zu reflektieren scheint. An die Stelle der Wahl durch das Parlament soll die Dolksmahl treten— und Pilsudski hat sich erst kürzlich als den populärsten Mann in Polen be- zeichnet! ferner Abschaffung der Verantwortung der Regierung dem Parlament gegenüber, und, was sich daraus ergibt, die Einschränkung der Parlamentsrechte auf ein Minimum. Das demokratische Lager wird im parlamentarischen Kampfe gegen diese Pläne einen schweren Stand haben. Davon zeugt schon jener Wilnaer Schwur der Legionäre, daß sie ihren Marschall mit allen Kräften bei der Schaffung einer neuen Verfassung unterstützen werden. Die Leute um Pilsudski ignorieren, daß nur das Parlament das Recht hat, die Verfassung zu ändern, aber man wird sich darüber niift täuschen können, daß die Legionäre und das Militär in Polen die Macht besitzen, jede von Pilsudski gewünschte Vor- fässungsändmmg durchzuführen, wenn sie vom Par- lament abgelehnt werden sollte.„M i t dir auf Leben und Tod. Kommandant"— das war der dominie- rende Ruf auf der Wilnaer Legionärtagung, und er bleibt auch für die nächste Zukunft charakteristisch für die politische Lage in Polen. Die Zerstörung der Weichselbrücke. Dan zig. 20. August. Die Abbrucharbeiten an der Miinstcrwalder Wcichsclbrücke sind so>v«i! fortgeschritten, daß mit der Abtragung der Brücken- bogen begonnen worden ist. Der Verkehr wird durch eine Fähre nermittclt. Die Brücke ist seit längerer Zeit durch Stachcldraht für jeden Verkehr gesperrt. Die Brückenbogen sollen in Thorn wieder ausgebaut werden, wo die Ausmauerungsarbeiten be- reits begonnen haben. Der Abbruch der Brücke erfolgt im Widerspruch zu der deutsch-polnischen Vereinbarung vom 2. Dezember 1925 über die Zulassung von Zollftraßen und sonstigen Uebergängcn über die pol- nische Grenze, die nach Ratifikation erst am 1. Januar 1928 in Kraft getreten ist. In dieser Vereinbarung sind sowohl die Zoll- 'straften als auch diejenigen Grenzübergänge, die nur dem kleinen Grenzverkchr dienen sollen, festgelegt worden, und unter den Zoll- straften findet sich auch die von Klein-Grabau nach Opalenic lMünsterwaldes. Diese einzige Verbindungsstrafte wird nun durch den Abbruch der Brücke zerstört. Oeutfchnaiionale Republikaner. Die kambach-Disfvssion geht weite«'. Die Dtskussion über die Frag«„Republik oder Monarchie" im dsutschnotionolen Loger gebt weiter. In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" nimmt Universitätsprofessor L i e tz m a n n Stellung gegen monarchistische Illusionen bei den Deutschnatianalen:» „Deutschland ist eine Republik und wird es noch mensch- sicher Voraussicht und innerhalb der politisch zu überblickenden Zeit- spanne bleiben. Begeisterung löst das republikanische Ideal keine». weg» im gesamten Volke.aus... Sie ist eine„Rotrepublik", aber auch wirklich das einzig« Schutzdach in schwerster R o t. Eine Wiederherstellung der Monarchie wäre außenpolitisch unmöglich— Deutschland ist kein souveräner Staat mehr— und würde innerlich auf Menschengedenken hinaus nur durch einen Bürgerkrieg möglich sein, der auf jeden Fall eine vernichtende Schwächung der Volkskrast bedeuten würde. Und was könnte ..günstigftcn"falls erzielt werden? Eine Restaurationsmonarchie wie sie Frankreich«riebt hat— und dafür wird sich gerade der am wenigsten begeistern, der überzeugter Monarchist ist, d. h. ein starkes, aber organisch mit dem Volkswillen verbundenes Königtum sür die dem deutschen Volte— und vielleicht der germanischen Rasse überhaupt— seit je angemessene Staatssorm hält. Für unsere Zeit der Rot. sür die nächsten Stunden und Tage. Jahre und Menschenolter ernster politischer Arbeit kann auch für die Deutschnationale Partei nur die Weisung gelten, klar und aufrichtig mitzuarbeiten am Ausbau der Deutschen Republik." Das ist die Stimme eines deutschnationalen Vernunft- republikaners, der denselben Weg wie die Deutsche Volkspar- tei gegangen ist. Seine Stellungnahme ist ungleich eindeu- tiger und schärfer als die Lambachs. Wird er auch mit einem Ausschlußverfahren bedroht werden? Einberufung des Aeltestenrats. Präsident L ö b e hat den A e l t e st« n r a t des Reichstags sür Montag, den 27. August, vormittag» 11 Uhr, eingeladen, um über den kvmmunistschen Antrag aus Einberufung des Reichstags wegen des Panzerkreuzerbaues zu entscheiden. Zn Uelzen wurde am Sonntag im Rahmen eines Bezirkstressens des Reichsbanners ein Fried rich-Ebert-Brunnen eingeweiht Der Brunnen steht auf einem Platz in der neuen Siedlung der Volksheim-Gsnossenschost und ist von Arbeitern in ihren freien Stunden fertiggestellt worden. Er besteht aus einem 80 Zentimeter hohen Wasserbehälter mit einem Durchmesser von vier Meter. In der Mitte des Behälters erhebt sich eine 2,50 Meter hohe Säule, die eine symbolische Figur, dos schassende Volk, trägr. Voltische Schreckensjustiz. Das Obertriegszencht in Riga hat das Urteil in den« Rosittener Spiouageprozeft, durch das vier An- geklagt« zum Tode und 15 zu Zuchthaus verurreilt worden sind, bestätigt und die Vollstreckung freigegeben.— Das K o w n o e r Kriegsgericht verurteilte zwei Kommunisten als solch« zu fünf bzw. drei Jahre schweren Kerker». Da» nordamerikanlsche Alkoholverbot haben aus kirchliche Um- srage von 5000 Geistlichen der Episkopaltirche 1300 als einen Fehl- schlag bezeichnet! 500 nannten es einen Erfolg. 1389 befürworteten ein« Aendernng, 673 sprachen sich dagegen aus. Znfolfle des Aufstände« in Cayenne soll der Generalstaatsanwalt S i m o n e a u verfetzt werden. Oer Llntergang Londons. Die Lehren der englischen Lustmanöver.— Eine Perspektive des Grauens. Trotzdem neue Lustrüstungen? E. W. Tondou, 19. August. Vier Tag« und fünf Rächt« lang stand London dieser Tage im Banne eines Alptraumes. Tag und Nacht surrten und lärmten die Propeller der Aeroplanc über den Giebeln der Stadt, übertönten drohend bei Tag den Lärm des Verkehrs, das Rollen und Stampfen der Autobusse und Transportautas, die ftupen der Taxis und pri- raten Wagen, das Klappern der Pferdehuse auf dem Asphalt der Straften und das Klirren der Straßenbahnen:— sangen ihre monotone Melodie in die Stille der Groftstadtnocht, wenn der Verkehr zur Ruhe gegangen ist und die Hauptstadt der Welt in ihrem Uesen, dumpfen Schlafe liegt, aus dem sie spät zu einem freudlosen Tage erwacht. Am Tage jagten die Fliegerstaffeln in geschlossenen Far- matronen durch die Luft, bald keilförmig angeordnet, ein« barbarisch« Phalanx, bald sich, wie im Spiele, auslösend: schleppten sich die schweren Bombenflugzeuge, seltsam ungelenk, begleitet, überholt und in flinken Kurven an- gegrissen von Ja g d s l u g z e u g e rr und gelenkcn schnellen Kampf- f l i e g e r n. Nachts konnte das vom Kriege her immer nach geübte Ohr das sckwer«. drohende Prapcllerhänmiern der mit Vamben über- ladenen Riesenslugzeuge des Feindes von dem helleren Knattern der Verteidigungsstassel unterscheiden. Scheinwerfer jagten nervös über den Himmel, ihre Kegel krallten sich plötzlich auf einen bestimmten Punkt fest: zwei, drei weitere Lichtkegel schoben sich tastend heran, bis— in einer Orgie von Licht— die phantastischen Schattenrisse der Bomber sich unwirklich abzeichneten. Dann wieder zündet« irgendwo, unter einem strahlenden Sternenhimmel, irgendein ein- sames Flugzeug ein seltsam blaues Licht an, das wie ein Komet quer über den Horizont schoß, plötzlich im Nichts erlöschend. Oder es stiegen irgendwo aus dem nachtschwarzen Himmel, der bleiern un- belebt schien, Raketen auf, rot, gelb und grün, schassen hin und her, als ob irgend mehr als ein irdischer Feuerwerker einen tollen Schabernack mit seinen pyrotechnischen Körpern triebe. Irgendwie wußte man, donnerten die Abwehrgeschütz« ein rasendes Schrapnellfeuer von blinden Schrapnells in die bestirnten Rächt«, irgendwo jagten und umkreisten sich im Zweikampf Vcrtei- digcr und Angreiser, indes die Maschinengewehre in den Pro- pellerlärm hämmerten. London hielt den Atem an. Ein dumpfer Knall! Hat der Feind seine Bomben abgeladen? Kriecht Giftgas über die Stadt? Neiin, Die überwachen Nerven haben nur hinzu- gedichtet, was diesem kriegerischen Spiel fehlt. Di« Bomben, die aus uns prasseln, wurden nicht wirklich geworfen, und die Ruinen sind nur bildlicher Natur. Morgen wird die Stadt wieder zur Arbeit gehen und die Hunderte von Reservesliegcrn der nicht aktiven Armee, die nachts London angegriffen und verteidigt, Bomben geworfen und Phosphorpatronen auf den feindlichen Flieger verschossen haben, werden, ein wenig übernächtigt, ein wenig fröstelnd, in ihr« Kontore und Bureaus zurückgekehrt, über Zahlenreihen und geschäftlichen Korrespondenzen gebeugt sitzen. Die Zeiiiingen ober, die eigene Krieäsberichierstofter mit in die Luit gesandt hakten, berichteten her» Morgen für Morgen, wie— märe dies alles kein Spiel gewesen— diese nächtlichen Attacken, dies« „Roids" im vollen Tageslicht die Stadt zerhommert hätten Wie- m'el« feindliche, wieviel eigen« Flieger brennend abgcschosien worden seien. Dieviele Tausende von Tonnen trotz der Wachsamkeit der Verteidigung aus London abgeladen worden wären: da« tustministerium ein großer Trumwerhousen. ganze Stadt- teile vernichtet und niedergelegt und die Stadt von den Nebel- schwaden der Giftgase entvölkert. Nicht lausende, nein hundert- taufende vergiftet, verbrannt. Da» Leben der Stadt paralysiert. London, die Hauptstadt der well, vernichtet. Di« Luftmanöver sind vorbei, und e? Hot nur ein paar Tote und Verletzte gegeben. Da ist ein Flugzeug brennend ab- gestürzt, dort sind zwei Flugzeuge zusammen- gestoßen. Alles ist wie am Schnürchen gegangen, und die Sach- verständigen sitzen nunmehr über den hundert und aber hundert Teilberichten: den Frlmousnahmen, die die Maschinengewehre ge- macht haben, anstatt ihre Phosphorpatronen zu feuern: den Staffel- Meldungen und Siwationsberichten. Roch fehlt die offizielle Gesamt« darstellung. Aber dos Gesamt r e s u l t a t ist aus den täglichen Kampf- berichten schon vorwegzunehmen: Mag London auch gegen Angrins zur Luft besser verteidigt sein als irgendein« andere Stadt der Welt, mag man die feinsten Apparate haben, die das Kommen der Flieger längst verzeichnen, ehe sie dem unbewaffneten Ohr vernehmbar, dem unbewaffneten Auge siäztbar sind, mag man die modernsten Ein- richtungcn besitzen, um die noch unsichtbaren Flieger zu lokalisieren, mag man ein« lückenlose Kette von Scheirrwenern besitzen, um den fliegenden Feind dem Dunkel der Nacht zu entreißen und den besten Abwehrgeschützen der Welt bloßzustellen. Mag Großbritannien zahllose Jagdstaffeln besitzen, rrm Sperre zu fliegen, schwere Bomber zu überholen und anzirgreifen. Mag es(nach den Erfahrungen mit den deutschen Lufiongrifsen auf englischem Boden) die gesamte militärisch« Technik und riesige Geldsummen in den Dienst de« Luftschutzes der Hauptstadt gestellt haben, die Tatsache bleibt, daß es im Ernstfall dem angreifenden Feinde an mehr als einer Stelle gelungen wäre, das Sperrfeuer der Luftabwehr durch die auf dem Loden stolionierten Schnell- gefchütz« und da» furchtbare Maschinengewehrfeuer der schnellen und beweglichen Jagdflugzeuge zu durchbrechen und ihre entsetz. lichen, Tod und verderben säenden Bomben und Torpedos obzu- werfen. Di« Lufrmanöoer über London haben neu erwiesen, daß hie Lusrwasse— ähnlich der Kaoolleri« in früheren Zeiten—«ine Osfcnsivwasf« ist: daß es einem Angreifer mit starkem Offensiv- geist« heute, allen Abwchrmaßnahrnen zum Trotz, i m m e r m ö g l i ch fein wird, wenigstens einen Teil feiner Der- nichtungsardeit durchzuführen. Sic haben crwiefen, daß die größere Geschwindigkeit, Wcndigkeit und Steigfähigkeit der kleinen Jagd- und Kampsslugzcuge nicht jene enischeidenc Uebeckcgen- heit über den schweren, langsameren Typ des Bombenflugzeugs dar- stellt, wie man selbst in Sachverständigcnkreifen angenommen Hot. Ist doch ein einziges Flugzeug, das mit Gistgasbomben beladen, die Sperre durchbricht und feine Last im Zentrum der Stadt ablädt, imstande, einen ganzen Stadtteil z u gefäbrden und die „Moral" einer Millionenstadt in einem Maße zu erschüttern, wie e» selbst Monate der Entbehrung und des DurchHaltens im vergangenen Kriege nicht vermocht hoben. Die Bilanz der Londoner Luftmanöver von 1928 ist ernst genug und sie geht nicht nur London an. Alle großen Städte Europa» find, trotz Abwehr, ein« Leute des zukünftigen Feinde», der sie binnen wenigen Stunden nach Aus- druch der Feindfeligkeilen lahmzulegen, ja vielleicht sogar zu vernichten vermag. Eine Perspektive des Grauens eröffnet sich vor dem inneren Aug« besten. der sich über die Wirksamkeit der jüngsten Entwicklungen der Vernichtungstechnik Rechenschast zu geben oersucht. Eine Perspektive des� Grauens—- selbst bann, wenn nur ein Teil, wenn nur«in Zehntel besten Wirklichkeit werden sollte, was die Experten des Luft und Gaskriege» uns fei» Jahr und Tag gefchästlich-iait vorrechnen. London hat in den Tagen vom 12. bis 16. August aus dem Papier seinen Untergang gesunden. So steht es in fetten Schlagzeilen über die Rresenseiten der englischen Zeitungen geschneben. So hat es uns das hundertstundrge Brausen der Propeller in Herz und Hirn gehämmert. Man möchte glauben: nun wäre die Stadt mit Plakaten überklebt, die hunderttausendfättig„R r e w r e d e r.Kr r eg" in die Straßen schreien, nun wären Plätze und Säle zum Bersten voll von Demonstranten, die.Krieg d e m K r i e g e" rufen, nun seien sieben Millionen im nollen Aufruhr gegen die Vision eines jüngsten Ge- rrchtes, das— diesmal noch— gnädig an uns vorübergegangen ist. Gemach— wohl ertönen Ruf«. Aber nicht des Protestes, nicht der Austuhr gegen«inen Krieg, der in sich selbst sinnlos geworden ist. sondern nach mehr Verteidigung, mehr Jagd- staffeln, mehr Abwehrkanonen und mehr Schein- wer fern. Der Durchbruch des Feindes auf London ist nicht zur Mahnung geworden, sondern zu einem grandiosen Propagandomittel der Reaktion, die Luftstreitkräfte Britanniens zu verstärken und auszubauen. Justiz und Inieruaiionale. Gründung eineSinternafionalenVunde�sozioldemokratischer Juristen. Di« in Brüssel im Anschluß an den Kongreß der Sozialistischen Arbeiter> Internationale zusammengetretene Konferenz der sozialistischen Juristen hat einstimmig die Gründung eines internationalen Bundes sozial demokrati» scherIunsten beschlossen. Der Sitz des Bundes ist Verlin. Der Bund hat die Aufgab«, zur Unterstützung der der SAI. an- geschlossenen Parteien und im Rahmen der Beschlüsse der sozial- demokratischen Parteien und der SAI. hinzuwirken in allen Ländern: 1. Auf die Erfüllung der Rechtsordnung mit sozialistischem Geist. 2. Auf den juristiichen Schutz der Arbeiter gegen.Klassenjustiz und Verfolgung politischer Ueberzeugungen, sür die Amnestierung der wegen politischer Straftaten Verfolgten. Z. Aus die Verteidigung der politischen und menschlichen Freiheitsrechte.(Schutz der wegen politischer Straftaten Verfolgten), ferner insbesondere 4. auf die Abschaffung der Todesstrafe, 5. aus den Schutz des Asylrechts. In den Ländern, in denen die Freiheit der Richter und Ver- leidiger durck) die Staatsgewalt bedroht oder�eseistgt ist. Hot der Bund die Pflicht, für die Wiederherstellung dieser Rechte einzutreten. Die Konferenz fordert die Juristen der SAI. angeschlossenen Parteien auf, in ihren Ländern Bereinigungen sozialdemokratischer Juristen zu gründen Dem provisorischen Bureau des Bundes gehören an: Bänder- veide, Longu«. Renner, Rosenfeld. Modigliani. Posner, Behy. Ergebnisse der Amnestie in Preußen. Lieber 1500 Straferlasse und-Milderungen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, liegen jetzt für den Bereich der preußischen Justizverwaltung die vorläufigen Ergebnisse des Reichegesetzes vom 14. Juli vor. Insgesamt sind die Wohltaten des Gesetzes in Preußen bis zum 1. August 1928 1 5 6 0 Beschuldigten und Verurteilten zugute gekommen. Gegen 436 Bejchuidigle ijt das Derfahren eingestellt worden. 112 4 Verurteilten ist Straferlaß oder Strafmilderung zuteil geworden. Don den letzteren waren 296 zu Geldstrafe oder Haft. 694 zu Gefängnis, 3 zu Festungshaft, 117 zu Zuchthaus und 14 zum Tod« verurteilt. Unter den erlassenen oder gemilderten Gefängnisstrafen befinden sich 395 Strafen bis zur Dauer von 3 Monaten, 242 von mehr als 3 Monaten bis zu 1 Jahr, 57 von mehr als 1 Jahr. Kon den Begnadigten waren 1005 wegen politischer Straftoten(§1 Abs. 1 des Amnestiegesetzes). 62 wegen Zuwider- Handlungen gegen das Militärstrafgesetzbuch bis 1. Oktober 1920 von Milstärgerichten des Reichs oder der Länder(§ 1 Abf. 2 des Amnestiegesetzes) oerurteilt. 57 hotten Verbrechen gegen das Leben begangen (z 5 des Amnestiegesetzes): von diesen waren verurteilt 14 zum Tode, 37 zu Zuchthaus, 6 zu Gefängnis.— 17 von den erlassenen oder ge- milderten Strafen waren von außerordentlichen Gerichten des Reich» erkannt. In einer Anzahl von Fällen schweben die Erörterungen noch. Die endgültigen Zahlen werden voraussichtlich Ende September vorliegen. LlGA-Tftippen auch in Honduras. Llm geflüchtete Aikaragua-Kämpfer abzufangen. Aladrid, 20. August. Wie„El Sol" erfährt, hat die Regierung yon Honduras nord- amerikanischen Truppen g e st a t t e t, das Gebiet der Republik zu betreten, um dort die Anhänger des Freiheitskämpfers in Nikaragua, des Generals Sandino, abzufangen, die zum Teil auf da» Gebiet von Honduras geflüchtet waren. Die mittelamerikanisch« Presse bezeichnet die Regierung von Honduras als Verräter, die ihr Land und di« Sache Lateinamerikas an Wafhingtan verkauft haben. Eine Folge des Schachly-Prozesie». Das Haus in Rostow am Don, welches bisher K a l g a n o w, einem der Hauptanzetlagteu im Schachty-Prozeß, gehört«, ist von den Sowjetbehörden b e- ! ch l a g n a h m t und zur Errichtung einer Volksschule be- stimmt worden. Die äußere Mongolei. Ein Objekt der russischen Asienpolitik. Von Artasches Abeghian. Die Vorgänge im fernen Osten und namentlich in der Mongolei, an der mandschurischen Grenze, lenken die Auf- merksamkeit auf das Stammesgebiet des ehemaligen Riesen- reichs von Dschingiskhan. Es ist zu unterscheiden zwischen der ciuheren und der inneren Mongolei. Die letztere grenzt an die Mandschurei und ist ein untrennbarer Teil Chinas. Die äußere Mongolei liegt nördlich von China, an der russischen Grenze. Sie ist von der inneren Mongolei durch die große Eobiwuste getrennt. Wenn auch die äußere Mon- golei noch heute nominell zu China gehört, so hat sie doch seit lSII ein mehr oder weniger selbständiges Leben und befindet sich seitdem unter russischem Einfluß. Die chaupt- stadt der äußeren Mongolei ist U rg a, jetzt: Ulan-Bator, d. h. die rote iZladt. Die äußere Mongolei ist die historische Wiege der gesamten mongolischen Rasse. Unter dem Namen Mon- golei versteht man heute vorzugsweise die äußere Mon- g o.l e i. Die Mongolei ist ein sehr großes Plateau, von allen Seiten mit Bergketten umschlossen. Sie hat 7700 Kilometer Grenzen, davon 4000 gegen China und 3000 gegen Rußland. Das Mongolenland stellt größtenteils riesige Steppen dar. Die Mongolen teilen sich tn sechs Stämme, von denen der größte die Khalkasen sind. Bis vor wenigen Iahren bestan- deit dort fünf von einander streng getrennte Stände. Jeder ?ürst steht an der" Spitze seines„Khoschuns", d. h. der ihm unterstehenden Provinz und des Stammes. Sie alle leiten ihre cherkunft von Dschingiskhan her. Die Mongolen sind Buddhisten. Etwas weniger als die Hälfte aller mongolischen Männer sind Lamas, d. h. buddhistische Mönche, denn jeder zweite Sohn einer mongolischen Familie muß der Gottheit gewidmet werden. Dieses Gebot besteht in Wirklichkeit auf dem Papier; kaum ein Drittel oller Mönche lebt in den Klöstern, im ganzen 40 000. Das Oberhaupt der mongolischen kirchlichen Hierarchie ist der B o g d o G e g e n. Sein Sitz ist m Urga, das eine Klosterstadt ist, die von etwa 20 000 Mönchen bewohnt ist. Er gilt als die Wiedergeburt des be- kannten buddhistischen 5)eiligen K h u t u k h t u, der ein Schüler des Buddha selbst gewesen sein soll. Jedes Khoschun sOrtsfürstentum) hat in der Regel sein eigenes Kloster, manch- mal aber deren mehrere. Die äußere Mongolei umfaßt ein sthr umfangreiches Ge- biet: sie hat etwa 1,3ÄillionenQuadratkilometer Flächeninhalt, ist also fast ebensogroß wie Deutsch- land, Frankreich, Großbritannien und Italien zusammenge- nommen. Sie hat aber im ganzen nur OSO 000 Einwohner: davon sind ungefähr 100 000 Chinesen, SOOO Russen, die überwiegende Mehrzahl aber Mongolen. Diese leben fast«us- schließlich als Nomaden von der Viehzucht, während sich die Chinesen und Russen meist mit Handel beschäftigen. Das Abhängigkeitsverhältnis deräußerenMongolei lK h a l k h a) von China ist von Anfang an mehr nominell als wirklich gewesen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und mit der Anlegung der sibirischen Bahn gewann die Mongolei für den Expansionsdrang der russischen Asienpolitik ein besonderes Interesse. Es gelang der russischen Diplomatie schon im Jahre 191 1. die äußere Moiu golei von China loszulösen und sie als» einen..unabhängigen Staat" zu proklamieren. Die chinesische Revolution und der Sturz der Mandschudynastie gaben den äußeren An- laß dazu Da? bedeutet eigentlich den tatsächlichen An» schluß der Mongolei an das russische Reich. 1913 wurde in Kjochta zwischen China, Rußland und der Mongolei ein Abkommen unterzeichnet, in dem zwar Chinas formelle Oberhoheit über die autonome äußere Mongolei an- erkannt wurde, in Wirklichkeit aber wurde sie unter russische Schutzherrschaft gebracht. 1921 besetzte der estnische Baron Ungern von Sternberg, der Kampfgenofle des rufsi- schen antibolschewistischen Heerführers im fernen Osten Sem- jonoff, Urga. Die Japaner unterstützten ihn durch Rat und Tat. Er glaubte von dort aus ein neues Mongolenreich gründen zu können. Die Sowjetrussen bereiteten jedoch dem estnischen Baron und leinen Plänen ein baldiges Ende: schon Mitte 1921 wurden Urga und die Mongolei von ihnen erobert. Also auch hier, wie sonst oft in Asien, tritt Sowjet- r u ß l a n d in dir Fußtapfen der alten russischen Asienpolitik, wenn es auch seine Eroberungspläne in änderen Einkleidungen und in anderen Schlagworten voll- zieht...... Wie in ähnlichen Fällen ließen die Sowjets gleichzeitig mit ihrem Vorrücken nach der Mongolei eine bolschewisten- freundliche„Revolution" einleiten, eine halbkommunistisch- volksrevolutionäre Mongolenpartei gründen und auch eine revolutionäre Volksregierung bilden. Darauf organisierten sie dort die mongolische„Rote Armee" und schlössen am 5. No- vember 1921 in Moskau einen sowjetrussisch- mon- golischenGeheimvertragab. China protestierte da- gegen, aber erfolglos, bis am 31. Mai 1924«in russisch- chinesischer Vertrag zustande kam, in dem die chinesische Ober- Hoheit in der Mongolei anerkannt wurde. Tatsächlich aber blieb sie nach wie vor unter russischem Einfluß. In dieser Einsicht besteht also kein Unterschied zwischen dem zaristischen Vertrag von 1915 und dem bolschewistischen von 1924.� „Die innere Lage der Mongolei hat sich auf einer Grund- läge gefestigt, die dem Sowjetregime ähnlich ist", hat Tschitscherin noch im Sommer 1925 gesagt. Nicht anders lauteten die Aeußerungen der Sowjetpolitiker vor wenigen Iahren in bezug auf die mittelasiatischen Schutzgebiete Ruß- lands. Chiwa und Buchara. Der Anschluß dieser Länder an die Sowjetunion erfolgte im Jahre 1925. Zweifelsohne erwartet auch die Mongolei das gleiche Schicksal. Die mongolische Verfassung 1924 kennt eine Art Parlament, den sogenannten„Großen Huruldan", von dessen Wahlen alle„nicht arbeitenden Kreise der Bevölkerung" ausgeschlossen sind, und der nur einmal im Jahre, und zwar auf ganz kurze Zeit, zusammentritt. Nach Sitzungsschluß überträgt er die volle gesetzgeberische und vollziehende Macht, dem sowjetrussischen Muster folgend, seinem Präsidium. Dies besteht aus 30 Mitgliedern und heißt„Der kleine Huruldan". Die s o w j e t r u s s i s ch e n R a t g e b e r der mongolischen Minister üben jetzt vielleicht einen noch größeren Einfluß aus als seinerzeit die Zarenkonsuln. Kein mongolischer Minister ist in der Lage, selbständig zu handeln. Jeder seiner Schritte wird von den Vertretern Moskaus überwacht. Die mongo- lische„Rote Armee" ist nur als eine Abteilung der russischen zu betrachten. Aber nicht nur politisch und militärisch, sondern auch wirtschaftlich ist die heutige Mongolei von Sowjetruß- � Gleichberechtigung in Oeutfchnationalien. Hugenberg:»Natürlich können die Arbeitervertreter auch bei uns ganz gut wohnen.- Bitte, Graf Westarp, führen Sie unsere armen Vetter in die Gesindestube.' Severins über das Panzerschiff. Eine Rede in Bielefeld. vieleseld. 20. August.(Eigenbericht.) In einer außerordentlich stark besuchten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Ortsvereins sprach heute Reichsministcr Genosse Severing über die Frage: Panzerkreuzer und Reichsregierung. Genosse Severing wies einleitend darauf hin, daß die Panzertreuzerfrage im Wahlkampf in der Sozialdemokratischen Partei eine große Rolle gespielt habe, daß aber dle SPD. ihren Ersolg am 20. Mai keineswegs lediglich dem Kampfe gegen den Panzerkreuzer zu verdanken habe. Er zeigte den Werdegang der gesamten Panzerkreuzcrsrage aus und bewnte, daß durch das Kompromiß im Reichsrat«ine lehr schwie- rige Situation geschossen worden sei. In der fraglichen Sitzung der Reichsregierung sei über die Bewilligung der ersten Rate nicht abge- stimmt worden, sondern man habe sich mit dem Baubeginn einverstanden erklärt, nachdem der Rcichswrhrminister aus dem Etat der letzten Jahre die Mittel zur Verfügung gestellt und erklärt habe, daß dafür keine neuen Etatsmittel angefordert werden würden. Severing betonte, daß die sozialdemokratischen Minister zi� ihrer Stellungnahme gekommen seien, um nicht schon nach vier Wochen wieder aus der Regierung auszuscheiden. An ihrer ob» lehnenden Stellung gegenüber dem Panzerkreuzer hielten sowohl die Sozialdemokratisch« Partei al» auch die sozialdemokratischen Minister noch wie vor fest. Severing erklärte, daß die Spzialdemo- kratie nicht daran denke, die Konsequenz weiterer Bauten als Erbe der Bürgerblockregierung des vergangenen Reichstages auf sich nehmen zu wollen, da sich dies schon aus finanziellen Gründen von selbst verbieten wurde. Bei dieser Gelegenheit betonte Seve.'ing nochmals, daß d.e Sozialdemokratie auch nicht daran denke, um des Panzerkreuzer!- willen au» der Regierung lierauszugehen, sondern daß sie gewillt sei, die einmal errungene Machtposition so zähe wie möglich festzuhalten. Zum Schluß wies«r daraus hin, daß es andere und dringendere Aufgaben für die Sozialdemokratie in der Reichsregierung alz die Panzerkreuzerfrag« gebe, vor allen Dingen müssen auf dem Gebiet« der Sozialpolitik und der B e: w a l t u n g s r e f o r m entschiedene Maßnahmen getroffen werden, die dem Wohle der beut- schen Arbeiterschaft dienen fallen. Die Ausführungen des Genossen Severing wurden von der Ber- sammlung beifällig aufgenommen. land abhängig. Die im Februar und April 1926 nach Mvstau geschickten Sondervertretungen hotten die besondere Aufgabe. die mongolisch-russifchen Beziehungen noch enger zu gestasten. Moskau tut sein Mögliches, um die Mongolei auch wirtschast- lich in sein Fahrwasser zu bringen.„Die Koufleute sind die besten Diplomaten", schrieb anläßlich des Abschlusses des sowjctrussisch-mongolischen Vertrages 1921 ein russischer Asienpolitiker in"der bekonnten, der sowjetrussischen Orient- Politik gewidmeten Zeitschrist„Rovy Dostok"(Der neue Osten):."Man darf keine Zeit verlieren. Wenn Rußland nicht sofort seine wirtschaftlichen Beziehungen zur Mongolei be- festigt, so werden sie bald allzu schwer sein. Die Hauptsache ist, daß die mongolische Regierung jetzt i n R u ß l a n d i h r e Hauptstütze sieht gegen die Ansprüche Chinas und vorläufig auch verhästnismäßig frei ist von den imperialistischen Gegenwirkungen anderer Länder." Diese Worte besagen an sich schon genug. Die Mongolenrepublik dementteri. Kein Angriff auf die Mandschurei. Moskau. 20. August.(Tel.Äg. der Sowjetunion.) Einer Meldung aus lllanbato(früher Borgs) zufolg« ver- öffentlicht die mongolische Regierung anläßlich der Ereig- niss« in der Provinz Barga folgende offiziell« Mitteilung:.In den letzten Tagen verbreiten ausländische Blätter und Funkstotionen Meldungen über einen Voltsaufftand in Barga. Besonders bringt die japanische Presse Meldungen in Umlauf, wonach Truppen der mongolischen Volksrepublik an dem Aufstand teilgenommen haben sollen. Di« mongolisch« Regierung dem«nti«rt mit aller Entschiedenheit alle Meldungen, wonach sie oder Truppen der mon- golischen Volksarmee an diesem Aufstand bereiligr sein sollen, und fordert alle Bürger der Republik auf, diesen provokato- rischen Gerüchten entschieden entgegenzutreten." Chinesen demonstrieren auf japanischem Boden. Tokio. 20. August. Hier und in Söul, der Hauptstadt Koreas, veranstaltet« die chinesische Bevölkerung j a p a n f e i n d l i ch e(?) Kundgebungen. In Söul wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, wobei es zu heftigen Zusammenstößen kam: die Polizei schoß, die Zahl der Toten und Verletzten steht noch nicht fest. In Totio wurden ebenfalls zahlreiche Derhaftungen vorgenommen, jedoch gelang es der Polizei, den Dcmonstrationszug aufzulösen, ehe er das Außenministerium erreicht hatte. Die verschollenen Grönlandflieger. Nachforschung auf See. Washington, 20. August. ver Somamndant des Küstemva chdicnstes hat dem Sotter ..Marlon", der sich nach den letzten Meldungen in der Nähe von Kap Ehidley in L a b r a d a r auf hoher See befindet, Weisung erteilt. nach dem Flugzeug Hosfels zu suchen. vis S Uhr 15 log keine Nachricht von dem Flugzeug Haffets vor. Camitte Huysmans angepöbelt. Natürlich von Faschisten. Srüssel, 20. August.(Eigenbericht.) Im Kursaal von Ostende, wo der russische Sänger Schal« jap in an einem Konzert mitwirkte, veranstalteten Faschisten wüste Radouszenen gegen Camille Huysmans, den früheren Sekretär der Sozialistischen Internationale und noch dem Krieg belgischer Unterrichtsminister, und seine beiden Töchter. Als beim Eintritt der Prinzessin Stefanie das Orchester die Nationalhymne anstimmte, er- hob sich Izuysmans wie olle anderen von seinem Sitz: er wurde aber, unbekümmert um den feierlichen Moment, von mehreren Fa- schiften mit wüsten Schimpfereien bedacht, weil er ein bereits vorher begonnenes leises Gespräch mit seinem Nachbar fortsetzte. Das war aber nur der Barwand: die Faschisten umringten Huysmans, schrien aus ihn ein:„Verräter, tötet ihn!" und machten Anstalten, ihn anzugreifen. Verschiedene spuckten um sich herum: einer schlug sogar auf die Tochter Huysmans und eine andere sie begleitende Dame ein. Trotzdem Polizei herbeigenifen und mehrere Faschisten in Haft genommen wurden, dauerten die Szenen auch nach dem Konzert noch an. Gowjet-Großbauernstaai. Untersuchung in Kasatstan. INoskau, 20. August. Die Sowjetregicrung hat sich veranlaßt gesehen, ein« Unter- suchungskemmission in die erst vor kurzer Zeit gegründete zentral- asiatische Sowjetrepublik K a s a k st a n zu entsenden, von wo zahl- reiche Klagen der Bevölkerung eingelaufen sind. Der Sekretär des Zentralcxekutivkomitecs K i s s e l j e w leitet die Kommission. Es handelt sich darum, daß die leitenden Persönlichkeiten in Kasakstan die Richtlinien auf Begünstigung des Kleinbauerntums und Bekämpfung der Großbauern nicht nur nicht beachtet, sondern sogar entgegengesetzte Politik getrieben haben. Die außer- ordentlich hohe Besteuerung, die gegen das Großbauerntum zur An- wendung kommen sollte, sei gerade gegen die Kleinbauern angewendet worden und die Folge der Ruin zahlreicher Klcinbauernwirtschastcn, wobei außerdem die Rechenschaftsberichte über das beschlagnahmte Vieh sich ol» durchaus undurchsichtig erweisen. Versuche der Kleinbauern, Beschwerden nach Moskau zu senden, wurden mit allen Mitteln verhindert, so daß man in d«r Zentrale erst spät von diesen Vorkommnissen erfuhr. Die Kommission hat bereits zahl- reich« Kleinbauern aus den Gefängnissen entlassen. Obgleich die Sowjetpresse bisher mehr von einer„Verständnislosigkeit" der Macht- haber in Kasakstan spricht, scheint doch„die Abirrung von der Sowjet- linie" da» Ergebnis einer ganz zielbewußt betriebenen Politik zu sein, wodurch die ganze Angelegenheit an Bedeutung gewinnt. Die Höhe de» Nobelpreises. Der Nobelpreis wird künftighin eine Summ« von ISO 938 schwedischen Kronen ausmachen, d. h. eiiie Erhöhung von ungefähr 25 000 Kronen erfahren. Die Ursach« der Erhöhung sst auf«ine Sieueoerleichterung durch den Staat zurückzu- führen. D«r ganze Fonds beträgt jetzt 31 0SKB12 ichwcdijche Kronen. Vor dem Gewerkschastskongreß. Die kommunistische Offensive und das(Schlichiungswesen. Vor jedem Gewerkschaftskongreß sucht die KPD. ihre Offensive «zegen die Gewerkschaften zu beleben und die Gewerkschaftsmitglieder pegen die Gcwcrkschaftsinstanzen zu„mobilisieren". Bei der dies- maligen„Kampagne" wird von der kommunistischen„Opposition" das Schlichtungswesen in den Mittelpunkt des„Kampses" gestellt. Daß die Organisation des Schlichtungswesens und vor allem die Tätigkeit der Schlichtungsorganc viele berechtigte Forderungen der organisierten Arbeiterschaft unerfüllt läßt, ist allgemein bekannt. Die kommunistische Kritik richtet sich aber nicht gegen die Mängel des Schlichtungswesens, sondern gegen dos Schlichtungswesen als solches. Kommunistisch beeinflußte Zahlstellen im Bergarbeiterver- band Knappsack, im Fabrikarbeitcrverbaich Gerresheim, der Leder- orbeiterverband Eßlingen, im Gemeindearbeiterverband Remscheid und anderen Stellen zum Kongreß gleichlautende Anträge, deren Ursprung aus der„Gewerkfchaftszentralc" der KPD. kein Geheim- nis bildet, die„alle in den Schlichtunasinstanzen tätige» Gewerk- schaftsjnitglieder" auffordern, ihre Funttionen niederzulegen und die Organisationen verpflichtet,„generell die Beteiligung an den Echlichtungsinstanzcn als Beisißcr abzulehnen". Selbst„die Vcr- einbarung von tariflichen Schlichtungsstellen, Tarifämtern usw. ist grundsätzlich abzulehnen". Die Zahlstelle des Bergarbeiterverban- des in Altwasser macht es noch einfacher und sordert rundweg „die Beseitigung des Schlichtungswesens". Ärmlich lauten die Forderungen der„Opposition" auf den.zahl- reichen Kongressen der einzelnen Verbände. Wir lassen hier die Forderung nach Beseitigung der tarisoer- traglichen Schlichtungsinstanzen. Tarifämter usw. außer acht, und somit auch nach Beseitigung des Tarisvertragswesens, da sie von einer völligen Unwissenheit in den Fragen des gewerkschaftlichen Kampfes sprechen und selb st von den Kommunisten nicht ernst genommen werden. Wie steht es aber mit den Schlich- tungsbehörden? � Sollte die Tätigkeit der Schlichtungsbehörden durchweg den Iftbeiterinteresseii widersprechen, so müßte die Initiative zur In- onspruchnahme der Schlichtungsbehörden durchweg in den Händen der Arbeitgeber liegen. Was geschieht aber in Wirklichkeit? Wenn wir uns die Praxis ansehen, so müssen wir feststellen, daß in manchen— bei weitem nicht in allen— starken Perbänden in der Tat die Inanspruchnahme der Schlichtungsbehörden durch die Unter- nehmer die durch die Arbeiter in den Hintergrund rückt. So wurden die Schlichtungsbehörden in der Textilindustrie im Jahre 1927 von den Unternehmern in 73 Fällen sür nahezu 114 Million Ar» bester angerufen, von den Arbeitern dagegen in 73 Fällen sür 137 739 Arbeiter-, bei den Buchbindern von den Unternehmern in 9 Fällen sür 47 439 Arbeiter, von dem Buchbinderverband zwar in 34 Fällen aber nur für 7731 Arbeiter. Schon aus diesen Zahlen läßt sich seslstdlen, daß die Arbeiter die Schlichtungsbehörden vor- w ggend dort rnrusen, wo es sich um kleinere Betriebe handelt, wo die Arbeiterschaft noch zersplittert und daher oft ans eigener Kraft nicht imstande ist, die Gegenpartei zum Abschluß eines Tarisver- trage? zu zwingen. Je schwächer aber der Verband, fe ungünstiger das Orgonisotionsverholtnis, um so größer wird die Bedeutung der Schlichtungsbehörden als eines Hilfsmittels für die Arbeiterschaft zur Erlangung der tarif. vertraglichen Regelung des Arbeitsverhältnisses Dies läßt sich besonders anschaulich an zwei Verbänden beob- achten, die unter äußerst ungünstigen Verhältnissen um die Hebung des Lebensniveaus ihrer Mitglieder zu kämpfen haben— an dem Bekleidungsarbeiterverband und an dem Verband der Hotel-, Restaurant- und Case-Ange st eilten. Die Statistik des Bekleidungsorbeiterverbandes hat für das Jahr 1927 211 Bewegungen erfaßt, von denen nur 78 ohne Anrufung der Schlichtlingsbehörden beigelegt werden konnten. Von den 133 Fällen, in denen die Schlichtungsbehörden angerufen wurden, ge- schah die Slnrusung nur in 13 Fällen sür 13 184 Arbeiter durch die Unternehmer, in III Fällen dagegen sür 192 297 Arbeiter durch den Bekleidungsarbeiterverbad(wir lassen hier die Amufung durch beide Parteien sowie das Eingreifen der Schlichtungsbehörden von Amts wegen außer acht). In 112 Fällen kam es zur Fällung des Schiedsspruches, der allerdings nur in 74 Fällen von beiden Par- leien angenommen wurde. Bezeichnend nun ist, daß in den 37 Fällen der einseitigen Ablehnung des Schiedsspruchs(in einem Falle wurde der Schiedsspruch von beiden Parteien abgelehnt) in 29 Fällen die Ablehnung durch die Unternehmer und nur in acht Fällen durch die Arbeiter ersolgte. Aehnsich liegen die Verhältnisse im Verband der Hotel-, Restau- rant- und Cafe-Angestellten. Der Verband mit seinen rund 23 999 Mitgliedern von insgesamt über 399 999 Angestellten in dem Gast- Wirtsgewerbe bei einer äußersten Zersplitterung der Betriebe hat wohl den schwersten Stand unter allen dem ADGB. angeschlossenen Verbänden. Trotzdem gelang es dem Verband, den Tarifvertrag in dem Gastwirtsgewerb« fest zu verwurzeln, und Ende 1927 konnten über 123 999 Gastwirtsgehilfen die Vorzüge der karifvertraglichen Regelung des Arbeilsverhälknisies genießen. Dies wäre ohne weitgehende Inanspruchnahme der Schlichtungsbehörden wohl kaum möglich. Und in der Tot wurden im Gastwirtsgewerbe im Jahre 1927 nur 62 Bewegungen mit 81 393 Beteiligten ohne Inanspruchnahme der Schlichtungsbehörde beigelegt, in 44 Fällen dagegen mit 119 414 Beteiligten mußten die Schlichtungsbehörden angerufen werden. Nur in 3 Fällen mit 4499 Beteiligten erfolgte dabei die Anrufung durch beide Parteien, in keinem einzigen Falle durch die Unternehmer. allein, in 41 Fällen dagegen mit 193 924 Beteiligten ollein durch die Arbeiter. Daß die Annahme der Schiedssprüche unter diesen Umständen von- wiegend durch die Arbeitnehmer erfolgte, daß ferner die Verbindlich- keitserklärung, soweit sie beantragt wurde, fast durchweg durch die Arbeiter veranlaßt wurde, versteht sich von selbst, ohne daß wir den Artikel durch weiteres Zahlenmaterial zu belasten brauchen. Dabei ist vielleicht nicht ohne Interesse zu erwähnen, daß von der „arbeitsgemeinschaftlichen Einstellung", die die kommunistischen ftri- liker überall in den Gewerkschaften zu spüren glauben, in dem Gast- wirtsgehilsenverband wohl am wenigsten die Rede sein kann. Die Bedeutung der obigen Zahlen kann wohl kaum bezweifelt werden. Sie beweisen unwiderleglich, daß die völlige Beseitigung des Schlichtungswesens gerade in den schwächsten Stellen der 9lr- beiterfront als eine gefährliche Schwächung der Positionen der Ar- beiterfchoft und somit als Stärkung des kapitalistischen Gegners empfunden würde. Es gilt nicht die Forderungen zu beseitigen, es gilt vielmehr sie den Fordeningen der Arbeiterschaft entsprechend umzubauen. S. Schwarz. Aus der pawlenfchmiede. „Rüstet zum Gewerkfchaststag". Bekanntlich hoben die Berliner Ortsausschüsse des ADGB.. des Afa-Bundes und des ADB.Jich entschlossen, auch in diesem Jahre, und zwar am kommenden Sonntag, ein Gewerkschafts- fest in Treptow zu veranstalten, trotzdem keine direkte Ler- onlossung dazu vorliegt. Es entspricht sowohl dem Wunsche vieler Gewerkschaftsmitglieder, wie auch den Interessen der Arbeiter-, Angestellten- und Deamtengcwcrkschasten, der Allgemeinheit der Gewerkschaftsgenossen samt ihren Familienangehörigen Gelegenheit zu geben, einmal im Jahre zu zwanglosem, geselligem Treiben sich zusammenzufinden. Eine rein gewerkschaftliche An- g e I e g e n h e i t. die weder die Zentrale, noch irgendeine Abteilung der Kommunistischen Partei auch nur das geringste angeht. Allein mit der ganzen Unverschämtheit, zu der die Angestellten in der Berliner Moskau-Filialc sich gegen die deutsche Arbeiter- schalt verpflichtet fühlen, insbesondere ober gegen die freigewerk- schostlich organisierte Arbcftnehmerschaft, suchen sie sich auch hier einzumischen, um ihre Parteisuppe zu kochen. Die Oppositionsmacher erlauben sich, die Veranstalter des Gc- werkschaitsfestes am Sonntag, zu rüffeln, weil sie keine„M a s s e n- demonstratio n" in ihr Programm aufgenommen haben. Abgesehen davon, daß dazu— wie gejagt— kein besonderer Anlaß gegeben ist und den Teilnehmern am Gewerkschastsfest es mög- lich gemocht werden soll, mit ihren Familienangehörigen zusammen nach Treptow zu gehen, ist es gerade das hinterhältige Treiben der kommunistischen„Opposition", das eine einheitliche Demon- stration der Gewerkschaften mit allen Mitteln zu sabotieren sucht. Nicht die Ortsausschüsse der Berliner Gewerkschaften sollen be- stimmen, welche Forderungen bei ihren Dcmonstrationszügen am 1. Mai und anderen Gelegenheiten besonders zu propagieren sind, sondern die sogenannte„Gewerkschastszcntrale" der Kommunistischen Partei maßt sich an, darüber zu bestimmen. Ssie verhetzt ihre Anhänger unausgesetzt gegen die Gewerkschaften, und im Falle einer gewerkschaftlichen Massenkundgebung dazu, im Rahmen derselben kommunistische Parteiparolrn zu propagieren, kommunistische Flug- blätter zu verbreiten, kurzum einer Demonstration der Gewerkschaften ihren kommunistischen Parteistempel aufzudrücken. Die Berliner Gewerkschaftsvertretungen sehen keine Veran- lassung, dem Gewerkschastsfest in Treptow eine Demonstration voraufgehen zu lassen, während die KPD. erklärt, das Gewerk- schaftssest müsse„ein gewaltiger Propagandaaufmarsch der Massen zur Aufrüttelung aller Arbeiter und Arbeiterinnen sein"— eine Propagandagelegenheit für die KPD. Der KPD. steht es jederzeit frei, Massendemonstrationen zu veranstalten. Kann sie auch den Leitern der von ihr„eroberten" Zweigvereine vorschreiben, sich daran zu beteiligen, so hat sie dach den Gc- werkschaften insgesamt keine Vorschriften zu machen. Wenn's mit der Frechheit der Moskau-Stipendiaten ollein getan wäre, dann fehlte es ack nichts.■... „In den Zügen nach Treptow und in den Lokalen müssen massenhaft Transparente mit den revolutionären Kampflosungcn — der KPD.... oertreten fein." So bestimmt die„Zentrale" und schreibt gleich den Text dieser „revolutionären" Parolen vor.' Sie verfügt, daß schon jetzt alle Vorbereitungen getroffen werden müssen, zur Propaganda für ihre „Rote Fahne" und für die KPD. Die kommunistischen Macher mögen in ihren Zügen tun was sie wollen. Wollen sie aber das„spießbürgerliche Bierfest". wie sie das Gewerkschaftsfest zu bezeichnen belieben, stören, dann sollten sie immerhin beachten, daß sie nicht das Hausrecht in den Treptower Lokalen«n Sonntag haben. Eine Lugenöführer-KunögeSung. Der Allgemein« Deutsche Gewerkschaftsbunb, die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege und der Berband der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands hoben beschlossen, zum 14.- Oktober nach Berlin eine gemeinsame Iu g e ndf ü h r« r° Kundgebung einzuberufen. Dos einleitend« Referat wird die Bedeutung der Jugenderziehung für die sozialistis-hs Arbefterbewegung dar- legen. Dabei wird die Gemeinschaft der Ziele der von den ver- schieden«» sozialistischen Arbeiterorganisationen geleisteten Jugendarbeit besonders unterstrichen werden. Weiter wird sich die Kundgebung auch an die Oeffentlichkeit und an die Gesetzgebung wenden. Die Forderungen nach verstärktem Iugendschutz und be- sonders auch nach gesetzlich gewährleistetem Urlaub für die Jugendlichen werden nachdrücklich in den Vordergrund des allge- meinen Interesses gerückt werden, um ihre Berücksichtigung bei der kominen.de» Tätigkeit des Reichstages zu erzielen. Dies« Kundgebung ist die erste öffcnllichs gemeim'om« Veranstaltung der drei großen sozialistischen Jugendorganisationen. Es darf der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß damit der An- fang zu einer stärkeren Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet der sozialistischen Jugenderziehung gemacht wird. Borwurf gegen einen Oemobilmachungskommissar Vom polnischen„Bergbau" eingeseift. kattowih. 29. August. In einer Presseoeröfsentlichung gibt der polnische D e m o b i l- machungskommissar in Ostoberfchlesien bekannt, daß der polnische Bergbau nicht in d«r Log« sei, die von den Bergarbeitern geforderten Löhne zu bewilligen, weil die Lag« des Bergbaues äußerst kritisch sei. Es könne nur eine Lohn- srhöhung von 3)� P r oz. in Frag« kommen. Zu dieser Erklärung des Demobilmachungskommisfars haben nun die G« ro e r t s cha s l« n Stellung genommen und die parteiisch« Einstellung des Demobilmachungs- tommifsar» einmütig verurteilt. In einer Er- k l ä r u n g wurde festgestellt, daß der Demobilwachungskommisiar jegliches Vertrauen bei der Arbeiterschaft» e r- l o ren habe: man lehnt es ab, mit ihm überhaupt noch irgendwelche Lohnfragen zu behandeln. Dies« Erklärung der Gewerkschaften dürfte die baldige Abberufung des Demobilmachunzskommisiars zur Folg« haben.'_ Neue Informationsreise Direktor Thomas'. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Thomas, wird, wie wir hören, im Herbst eine Rundreise durch die meisten europäischen Staaten unternehmen,»m Uber gemeinsames Vorgehen in einer Reih« von Arbeitssragen zu beroten Bei dieser Gelegen- heit wird er auch mit dem neuen Reichsorbeitsminister W i s s c l l die Arbeitszeit- und Arbeitsschutzfragc besprechen. Sowjetkommunisten und Staatseigentum. Ein erschreckendes Sittenbild offenbarte eine Gerichtsverhand- lung. die vor wenigen Tagen in der Stadt B o g o: o d s k(in der Nähe von Moskau) stattfand. Dreißig Arbeiter der Textil- f a b r i k G l-u ch o w hatten sich wegen systematischer Diebstähle zu verantworten. Tag für Tag nahmen sie Rohstosfe mit. Die „Stimme des Textilarbeiters", die über diejen Prozeß belichtet, hebt besonders hervor, daß unter den Angeklagten e I f waren, die aus der Fabrik«in« öffentliche Rolle gespielt haben: sie gehörten zu den größten Dieben. Da war z. B. das Mitglied der Kommunistischen Partei, gleich» zeitig auch Mitglied der Betriebszelle Wolkoff. Im Kesselraum«, wo er arbeitete, halte«reinganzesLagervongestohlenen Roh st offen eingerichtet. Wenn einer oder der nndere von den Arbeitern es mit der Angst zu hm bekam, so meinte er:„Hast keinen Grund zu fürchten. Ich erfahre tt doch, wenn die Zelle, der Betriebsrat oder die Administration irgend etwas unternehmen." Auch der Kommunist und Mitglied des städtischen Vollzugsrats. Mitrofonow, gehörte zur Diebesbande. In der Hauptsache beschäftigte er sich mit dem Absatz des Gestohlenen, nebenbei warb er als Diebe junge Arbeiter. Dritter im Bunde war der Arbeiterkorrespondent Kubyschkin. Der Kommandant der Fabrik, ebenfalls Kommunist, unternahm nichts, obgleich er wußte, daß ge» stöhlen wurde. Als man sich deswegen an ihn wandte, meinte er: „W as ist denn da zu machen. Do kann man hin st eilen, wen man will, gestohlen wird trotzd« m." Das Gericht verhängte äußerst harte Strafen. Der Arbeiter- korrespondent Kubyschkin wurde zu fünsIahren Gesän g n i s, d«r Kommunist Wolkoff und neun andere Angeklagt«, die verschiedene Posten auf der Fabrik innehatten, zujedreiIahrenGeföng- nis verurteilt. Die übrigen zu geringeren Strafen. Rur drei wurden freigesvrochen. Die„Stimme des Textilarbeiters" bemerkt dazu: Natürlich stahlen nicht bloß diese dreißig. In Wirklichkeit gilt der Diebstahl aus der Fabrik nicht minder als etwas S e l b st v e r st ä n d- liches wie das 331 au machen. Angestelltengewerkschaft und Presse. Das Schrifttum des Zen- traloerbandes der Angestellten anläßlich der Jnternatiomilen Dresfe- ausstellung in Köln, dargestellt von Josef Aman und Paul Lange. Das im Verlag« des ZdA.(O. Urban) erschienene 32 Seiten starke, gut ausgestattet« Schriftchen, gibt eine durch zahlreiche bildliche Dar- stellungen unterstützte Uebersicht über die Entwicklung der Zeitschriften des Zentroloerbaiides und seiner Vorläufer. Die Angestellten- bewegung ist wohl jüngeren Datums als die Gewerkschaftsbewegung der Facharbeiter, doch hotte sie schon im Jahr« 1883 in der Freien Organisation junger Kaufleut« zur Herausgabe eines Blattes„Der Handlungsgehilfe geführt, das jedoch nur zwei Jahre existieren konnte. Außer den Berbandsorganen„Der freie Angestellte" er- scheinen heute die Fachzeitsöbristen..Wirtschast und Wissen, Zeit- schrift für Bersicherungsangestellte,„Die Rechtspraxis", die Polls- tumliche Zeitschrist für die gesamte Sozialversicherung" und-.�«r Behörden. Angestellte". Außerdem unterhält der ZdA. einen„Noch- richtendienst", und«ine Reihe seiner Ortsgruppen, Bezirke und Gaue lassen regelmäßig oder in zwangloser Folge Mitteilungsblätter er- scheinen. Im Laus« der Zeil ist ein« gange Reihe von Schriften er- schienen von der kaiserlichen Sozialreform an bis zu den Toris- Verträgen des Lerbandes, die die Entwicklung und Erstarkung der Organisation an sich schon erkennen lasten. Für das oberschlesische Gastwirtsgewerb« war ein Schiedsspruch gefällt, den die Arbeitgeber ablehnten. Der Schlichter, Professor Dr. Wahn, lehnte es ab, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. da er Bestimmungen über den Manteltarif entholte, der noch bis 1. September gilt. Aus kattowih wird berichtet, daß die Zahl der seit zwei Wochen in 14 Hütten streikenden Bau- und Tischlereiarbeiter auf 2399 an- gewachsen ist. Gefordert ist die Einführung des Achtstundentages und eine Lohnerhöhung. Der polnische Arbeitsminister schickt nächste Woche eine besondere Kommission nach S o s n o w i c«, die den Lohnstreit in den Dom- browaer Kohlengebieten beilegen soll, t Freie Gewerkschasts-Iugenö Groft-Berlin Leute, Dienstoa.]0\j Ui>r, tagen die Gruppen: Frantsurtee Allee: Sruppenheim, Etiidt. Jugendheim. Litauer Ätrah« 18. Zimmer Z.— Vortrag:„Do» gewertschastliche?!ldung»mesen und sein- Bedeutung für die Sewertschaftabewegung.�—»»«.Lichtender,: Jugendheim, Lauffstr. iöportplatz) an der Lesfingstraße. Bortrog:„Die Bundeoschule des ADGB."— Landsberger Platz: SruppenhslM, Jugendheim, Diestelmeierstraße 5. Stegreif. fpielabend: Achtung! Uraussiihrung.— Treptow: Sruppenheim. Jugendheim. Schul«, Wildcnbruchstrofie dd-S«. Lumor von der Waficriant«.— Südofte«: Gruppenhcim, Jugendheim des Bertehrsbunde». Engelufcr 2i-23, Bulg.?. pir. Badeobend in Asingenoerg. Treffpunkt 18 Uhr vor dem Jugendheim. Reickp-n» bergrr Straße 88.— Kuwboldt: Sruppenheim. Jugendheim, Graun». Ecke Lortzingsiroße. Keidkdichtung. Hermann Ldns.— Nordlreis: Badeobend im Bolksdad Plößenfee.— Siidmeste»: Spielen auf dem Sportplatz„Am Urban". — Spandau: Tan, und Spiel auf dem Spielplatz Epalfdou. Wilhelmfrraße.— Eharlottenhurg: Sport und Spiel auf dem Spielplatz an der Epivhanienfirch«. — vberspr«: Sport und Sang auf dem Metallarbeiter. Sportplatz. An der Obersprce. � Iuaendaruppe des Zentralverbandes der Anaefteltten 'vrA/ Heute, Dienstag, spielen alle Iugendbezirke auf der Wiese 7 im Trep. tower Park.— Der Iugendbezirk Wedding�Scsundbrunnen spielt auf dem Sportplatz im Humboldthain.— Achtung! Iugendlcitungsmitgliedv. Heute pllnktlich Ig'tz Uhr Iugendlcitungsfitzung im Jugendheim des Ortsbureaus. Berantwortlich für Politik: Bieter Schiff! Wirtschaft: S. itlingelhöfrr! Sewerkschaitsbewegung: Fr. Etzlara: Feuilleton: ft. K. Dölcher: Lokales and Sanftigeo: Fritz»arfilldt: Sntzeiarn: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Darwarts.Berlag D. m. b. H.. Berlin. Druck: Barwärts»Buchdr»ckcret und Verlagsanfialt Paul Singer u(To., Berlin SW 68 Lindenstraße ll Hirrzu I Beilage und.Unterhaltung»ad«ig«»". Gewerkschastsfest in Treptow. Sonntag. 26. Auanst, ad 16 Uhr,»«ranstaltet«an den Berliner vrtsau»» fchnfie» de» ADGB., de» AfA-Bundes»nd de« ADV. in»I«» größeren Garten- lolale« Treptows. ,oa,crt. Gelang, artistisch« Darbietungen, Tombola»nd Riesenfeuerwerk. Eintritt 6« Pf., Zugrndlich« und»Inder W Pf. tjedcs stiud erhält ei», Fackel). Gewerhsl-le frei,«aruerlauf det alle»«erbäudeu. V iTlvl Fast alle Krankheiten gehen vom Darm aas.| Zuviel essen und nicht richtig essen, sind oft die Ursache jahrelangen Sleohtuns. Die schnell verdaulichsten. nahrhaftesten und bekömmlichsten Gerichte sind die mit Mai7ena in Verbindung mit Milch, Eiern. Obst und Zaoker bergeatalltna Sfieise&i darum.... �Tnciiseena! �r. 393» 45. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts OienSiag. 21. August 192» Zugendliche hinter Gittern. Schon von weiter Fern« sind die zwei Äirchhirmspitzen des Plögensoer Gefängnisses sichtbar. Je näher man herankommt, um so mehr ist man über die Größe dieser Gefangenenstadt erstaunt. Aber der Blick des Fremden wird durch die freundlichen Wahn- Häuser der Beamlenschast, die sich von der Straße her dem Auge darbieten, geschickt über den wahren Charakter dieser Stätte hin- wezgetäuscht. Oer erste Eindruck. Zögernd ergreift man den Klingclgrisf. Eine altertümliche Bimmrlglocke verkündet den Wunsch, einzutreten. Lautlos, fast widerstrebend, öffnen sich eiserne Torflügel, die dumpfgrollend wieder ins Schloß zurückfallen. In einem peinlich sauberen Gebäude sitzt dinier dicken, lcderbelchlagencn Türen der Herr Direktor. Ein freundlicher Herr, dessen ganzes Streben darauf gerichtet ist, die Strafanstalt mit Humanität zu erfüllen. Bald sind wir mitten im Plaudern über alle möglichen Reformen des Strafvollzuges. Es ist sehr erfreulich, daß gerade Männer der Praxis, die es in der Hand dabcn, das Leben der Gefangenen erträglicher zu gestalten, in der vordersten Reihe der Kämpfer für die Umgestaltung des Strafvoll- zuges zu finden sind. Ein Univcrsalschlüssel öffnet uns eine Anzahl eiserner Türen. Dann ein Hof... Dann noch ein Hof... Scheu grüßt uns eine Gruppe Gefangener. Run sind wir angelangt. Auch das Zugendgefängnis ist— gleich den vielen anderen Gebäuden— ein viereckiger roter Ziegelkasten mit harten Ecken, die sich genau so im Weltenraum stoßen wie die jungen Insassen, die ihr unstetes zügelloses Leben da draußen mit dem geregelten, gleichmäßig dahin- fließenden Tage hinter den Gittern vertauschen mußten. Der Haus- »ater, wie man den Leiter jeder Abteilung nennt, empfängt uns an der Schwelle seines Reiches. Der erste Eindruck ist überraschend. Nichts von den alten romantischen Vorstellungen über die trostlose Oed« eines Gefängnisses mit dem strengen Wächter, der ein ge- waltiges Schlüsielbund in der Hand trägt. Nichts von alledem. Ein dallcnartiger. langgestreckter Flurgang bietet ungedeckt einen freien Ausblick über sämtliche 20(1 Zellen der ersten Etage. Auffallend die peinliche Sauberkeit, die sich bis in die letzten Winkel der Zellen erstreckt. Täglich kann man aus„sachverständigem" Munde Schauer- berichte über die Kriminalität der Jugendlichen hören. Doch die Tatsachen beweisen das Gegenteil. Das plötzenfeer Zugendgesängnis steht zur Hälfte leer, und in den anderen Anstalten im Reiche ist die Zahl der Insassen dauernd im Sinken begriffen. Hier hoben , zurzeit ungefähr 30 jugendliche Gefangene im Aller von tk bis 21 Jahren unfrei willizevweif« Wohnung bezogen. Die Strafzeiten schwanken zwischen 14 Tagen und 1» Iahren GefSngnir. V BildungSarbeit! Die Anstaltsleitung ist, soweit das heute möglich ist. bemüht, das erziehliche Moment in den Vordergrund.zu rücken. Drei Schulklassen vervollständigen in den Elementarfächern das Wissen der Häftlinge. Der Bildung sdrang Ist außerordentlich stark. Die kleine Bibiiolhek zeigt sichtliche Spuren starker Inanspruch- nähme. Di« Bände«andern seit Iahren von Hand zu Hand, und es märe wirklich eine erfreuliche Tal, die Bücherbestände einmal in modernem Sinne aufzufüllen. Man zeigt uns die turnerischen Leistunzen der jungen In- Hofnerten. Ein einziges Zeichen genügt. Schnell öffnen sich die Zellen. Geschwind formiert sich die Riege auf dem großen Ucbungs- Hof. Ein flottes Marschlied ertönt. Ein Vorturner gibt die Art der Uebung an. Komrnairdo/ fallen. Jeder einzelne ist sichtlich bemüht, mit Glanz zu bestehen. Di« Freiübungen sind vorüber. Am hohen Reck folgen einige gut durchgeführt« Riesenwellen. Dann gehts über die Sprungleine. Ein flottes Handballspiel vervollständigt das Programm. Hier sind schon erfreuliche Ansänge eines neuen Geistes sichtbar, der unaufhaltsam bis in die Gefängnisse vordringt. Inzwischen ist es Mittag geworden. Es gibt Erbsen mit Speck. Jeder erhält einen großen stetncrnen Napf, der biz zum Rand ge- füllt ist und sicherlich ausreichte, den Hunger einer ganzen Familie zu stillen. Doch schnell sind die Näpfe geleert und einige der Stark- cffer bemühen sich um eine zweit« Portion. Die pflichten des Tages. Der Tag ist streng eingeteilt. Ilm 7 Uhr früh wird ousgestan- den, um 8 Uhr abends werden die Lichter gelöscht. Morgens ein« Stunde Rundgang im Freien, drei Stunden Unterricht und am Nachmittag zwei Stunden Turnen. Das ist das fest« Programm des Tages.(Die erwähnte turnerische Vorführimg vor dem Mittagessen war ein« Sonderveranstalwng.) Der Rest des Tages ist jeweils mit der Arbeit ausgefüllt, die der Häftling sich erwählt hat. Wenn dos Lager hochgeschlagen ist, gleicht jede Zelle einer kleinen Werk- statt. Die Schuhmacherei ist besonders beliebt, aber auch Schneider und Tischler werden herangebildet. Genau wie in den übrigen Ab teilungen des Gefängnisses werden auch die Jugendlichen in drei Stufen eingeteilt. Je nach ihrer Führung und noch ihrem Fleiß gelangen sie in die nächst höher« Klasi«, die ihnen Vergünstigungen und Annehmljchkeitcn verschiedenster Art verschafft. Leider wird den Gefangenen nur ein Bruchteil ihres Arbeitsertrogs gewährt. In keinem Gefängnis wird der Gefangene so entlohnt wie der freie< Arbeiter. So fft denn die Gefangenenarbeit auch heute nach das, was sie nicht sein sollt«: Schmutzkonkurrenz der freien Arbeit. Don dem ehrlichen Lohn könnte jeder Gefangene Kost und .Logis" bezahlen und er hätte die Möglichkeit, noch Beendigung feines Aufenthalts über, ein« größere Smnme als es heute der Fall ist, zu verfügen, sin Umstand, der ihm gerade in der ersten Zeit sehr erwünscht sein dürfte und vielleicht manchen vor neuen Tor- heiten schützt. Die»verwahrloste'' Jugend. Auch einige Mörder befinden sich hier unter den jungen Gefangenen. Beispielsweise jener Fürsorgezögling, der kürzlich in Oranienburg drei Menschenleben vernichtete und dafür die für Jugendliche höchstzulässige Strafe von 10 Jahren zu verbüßen hat. Man öffnet feine Zelle. Höflich steht er von seiner Webmaschine auf, an der er arbeitet. Unbefangen tritt er auf uns zu und zeigt uns stolz fertige Strümpfe, die gebündelt am Boden liegen.„Kaum 14 Tage habe ich Strumpfwirken gelernt und kann es schon," sagte er. Wir fragen ihn, wieviel Geld er in den letzten Wochen verdient und was er dafür'gekauft hat..Ein Pfund Schmalz und ein halbes Pfund Margarine," lautet die Anrwort. Und wehmütig betrachtet er den Fettnapf, der schon wieder leer in dem kleinen Wandschränkchen stehl. Doch die mcister der jungen Gefangenen sind wegen kleinerer Diebstahlsdelikte bestraft. Schwere Falle zählen zu den größten Seltenheiien. Ein beffercs Zeugnis kann wohl kaum unfrer.verwahrlosten" Jugend ausgestellt wer- den. Und doch wäre auch das.Gegenteil nicht verwunderlich. Die Stürm« der Kriegs- und Nachkriegszeit haben verheerend auf unsere Jugend gewstkt. Die katastrophale Wohnungsnok, unter der gerade die ärmsten Schichten der Bevölkerung am meisten zu leiden haben. verhüllt ihnen nichts, zeigt ihnen aber all« Laster der Menschheit. Und mit unfaßbarer Verständnislosigkeit stehen oft Eltern und Er- zieher der jungen Generation gegenüber. Nicht über die stark« Kriminalität der Jugendlichen zu klagen ist unsere Aufgabe. Eon- dern sie muß darin bestehen, zu helfen, zu heilen zu bessern, vvr allem aber vorzubeugen, bevor junge Menschen vom Strudel de- Lebens erfaßt werden und Schiffbruch erleiden. Schülerrepublik Cablow. Selbstverwaltung iu der Schule. Dicht vor Groß-Berlin liegt eine klein« Republik, die nur wenige kennen. Gestern feierte sie ein Fest: Taufe. Blmnenumkränzt lag der Täufling«ms dem Strand der Zernsdorfer Lank«, einem Abzweig des Krüpelfees, der über Wusterhausen nach der Reichshauptstadt führt. Ring, umsäumte die Schaar der kleinen und großen Repu- blikaner den Hang. Mit bunten Schülermützen. Dazu Direktor, Lehrer, Eltern, Elternbeiratsmitglieder. Oberstadtschulrat Heyn als offizieller Vertreter der Stadt Berlin. Festrede des Direktors des Köllnischen Gymnasiums und der K a e m p s s ch u I« Stadtverordneten Gen. Dr. K a w e r a u. Das Glas, gefüllt mit Rotwein, zerschellt am Bug.„Ich taufe dich auf den Namen A l- s r e d D ö r i n g." Wer ist das? Der lebenslängliche Präsident der Republik Verein Kö llneranerheim E. V. Der Oberbürger meifter hat ihr einen Doppelzweier geschenkt, der getauft wurde. In Anerkennung der Verdienste dieses Freistaates um die Idee der Selbstverwaltung erfolgt« die Stiftung. Di« Schülerrepublik hat augenblicklich 87 Schüler in 3 Klaffen. Aus Prima, Sekunda, Tertia. Vorher waren es 2 Untertertien, 1 Obersekunda. Der Präsident und drei Lehrer bilden die Regierimg. Dem Präsidenten sind zwei Schüler als Verrvaltungsräte bei geordnet. Die Schüler wählen aus jeder Klaffe einen Ordner. Alls Ordner zufainmen sind in einem H a u p t a us fch u ß vurinigt. Jede Klaffe bildet ihrer Stärke nach A r b e i t s- u n d E h g e m e i>:- f ch a f t e n. Augenblicklich gibt es in dem Schülerfreistaat C a b l o w nahe Königswusterhausen sieben solcher Arbeits- und Eß- Gemeinschaften. Je eine zum Holzholen, Holzhacken, Küchen-, Stuben-, Garten-, Bau- und Etnkaussdienst. Für die Kleineren wird als Gehilfe— der Name Führer ist verpönt— je ein Primaner ab- geordnet. Unter seiner kollegialen Aufsicht geschieht z. B. Kartosfcl- schälen. Gemüseputzen. Pensum: 10 Mann einen Eimer voll. Das Köllneranerheim ist eine A u f b a u- S ch u l e. Vier Lehrer geben den Unterricht, der sonst in Stubenluft und Klassenräumen erfolgt, in freier Lust. Die Schultasel hängt zwischen grünen Bäumen. Sport ist Trumpf. Schwimmen, Rudern, Schlag-, Faust-, Fußball. Jeder Junge kann außerhalb der Unterrichtsstunden davon treiben, was er will. Nichtschwimmer müssen stets von Schwimmern-begleitet fein. Im Winter werden Schlittschuhe oder Schneeschuhe angeschnallt. —„Was ich nicht persönlich brauche, gehört anderen." Das ist der edle Wahlspruch des 62jährigen Oberturnlehrers Alfred Döring. Cr ist der Vater der Wettspielbewegung in Berlin. Mitglied des B.er- liner Turnrats, langjähriger Kreisspielwart von Brandenburg. Cr ist Junggeselle. Er sorgt wie ein Vater für die Jungen, die froh sind, dem steinernen Meer entronnen zu sein. Es ist fchoy so wie Ge». Kawerau in seiner Rede betonte:„Selbstverwaltung fordert von ihren Trägern hohe Ethik, Selbstzucht des Geistes und Körpers. Die Aach! nach dem Verrai. so] ftomon von Liam O'Klaheriy. l«u« dem Englischen überseht»»« ff. Sauser.) 11. Im Bogxy Hole raschelten Ratten hin und her, ohne sich von dem Wachtposten stören zu lassen, der von einem Ende des langen steinernen Ganges zum anderen auf und ab tappte. Seine Stiefet dröhnten trotz der Gummiabsätze laut in der unterirdischen Stille. Wassertropfen sammelten sich langsam an der Decke und fielen mit mattem, leerem Ge- rausch auf den Steinboden. Bis auf das Rascheln der Ratten, das Tropfen des Wassers und die Tritte des Postens herrschte Stille. Bogey Hole, wo die revolutionäre Partei jetzt im Be- griff war, ihre Untersuchung über die Todesursache des Francis Joseph McPhillip abzuhalten, war früher der Wein- keller eines Adligen gewesen. Von dem Gebäude waren nur noch die Ruinen übriggeblieben: der Name des Besitzers war in dem Bezirk längst von allen vergessen. Der Vorraum des Hauses war mit Gerümpel vollgestopft, die beiden oberen Geschosse waren eingestürzt. Nur einige Zimmer hotten sich in verfallenem Zustand erhalten. Kinder tummelten sich darin, und an Sonntagen trafen sich dort Männer zum Kartenspiel. Das war alles. Aber die Weinkeller darunter wurden oft von der revolutionären Organisation als Ver- sammlungsort und zu anderen Zwecken benutzt. Eine breite Steintreppe führte vom hinteren Ende des Borraums in die Keller hmab. Ein breiter Gang lief quer durch das gesamte Kellergeschoß, zu beiden Seiten des Ganges lagen Zimmer. In dem ersten Raum links von der Treppe standen sechs Männer umher. Das war die Wache, sieben Mann, den Posten dazugerechnet. Die Revolver außen um die Regenmäntel geschnallt, standen sie umher oder saßen an der Wand aus dem Boden. Eine brennende Laterne stand in der Mitte des Raumes auf der Erde. Die Gesichter, die vom Schein der Laterne gestreift wurden, waren bleich und knochig. Weiter hinten, auch links vom Gang, war ein größerer Raum für die ilntersuchung vorbereitet worden. Man hatte einen kleinen Tisch hineingestellt, über den eine Wolldecke gebreitet war. Mehrere kleine Bänke standen da und rechts von dem Tisch ein kleines Nachttischchen mit einem Klappstuhl dahinter. Von der Decke hing eine hellbrennende große Lampe, die den ganzen Keller so erleuchtete, daß man die Feuchtigkeit an den Wänden glänzen sah. Zwei große, hagere Männer standen zu beiden Seiten der Zimmertür. In einem anderen Raum quer über dem Gang, noch weiter von der Treppe entfernt, kauerte Mulligan, die Ratte, auf einer Bank. Seine drei Wächter saßen ihm gegenüber auf einer Bant, Revolver in den Händen. Das Licht der großen Lampe drang durch den ganzen Gang und reichte noch drei Stufen die Treppe hinauf. Dar- über hinaus und an der Deckenwölbung des Ganges war es stockfinster. Am entferntesten Ende des Ganges konnte man die Um- risse einer Tür erkennen. Es war eine sehr alte, schwere Eichentür. Ursprünglich war es die Tür eines luftdicht ab- geschlossenen Raumes gevefen, in dem besondere Weinsorten aufbewahrt wurden. Diese Weine wurden vom Garten aus durch eine Falltür in den Raum hinabgelassen. Jetzt aber wurde er von der Organisation als Gefängnis benutzt. In den oberen Teil der Tür hatte man ein viereckiges Loch ge- schnitten, um Luft hineinzulassen, damit die Gefangenen nicht erstickten. Es mar drei Minuten nach ein Uhr. Drei-Männer in langen Regenmänteln und Schlapphüten, mit Masken über den Augen, kamen die Stcintreppe herunter. Sie wurden sofort von dem Posten angerufen. Einer von ihnen murmelte nachlässig ein Wort: der Posten grüßte. Sie gingen schnell den Gang entlang, betraten das Untersuchungszimmer und setzten sich an den Tisch. Die Posten an der Tür standen stramm, als sie eintraten. Einer der Männer, der in der Mitte saß, warf eine Aktenmappe auf den Tisch und gähnte. Sie zündeten sich alle Zigaretten an und fingen an, sich flüsternd zu unterhalten. Ihre Stimmen kamen gelangweilt und schläfrig aus kaum geöffneten Lippen. Es"waren die drei Mitglieder des Zentralexekutivkomitees, die als Mj>ter zu dieser Untersuchung berufen worden waren. Zwanzig Minuten nach ein Uhr kam Kommandant Gallagher mit Mary McPhillip die Treppe herab. Sie trug einen dunkeln, wollenen Mantel, bis zum Hals herauf zuge- knöpft, mit einem festen Gürtel, Gallagher war wie vorher gekleidet. Sie sah sich angstvoll um. Gallagher mußte sie mit der rechten Hand, die ihren Arm hielt, vorwärts schieben. Beim Anruf des Postens stand sie totenstill, rang nach Atem und fuhr sich mit der Hand an den Mund. Gallagher flüstert« ihr beruhigend zu. Sie klammerte sich zitternd an ihn und ließ sich so in das Untersuchungszimmer führen. Er ließ sie auf einer Bank Platz nehmen und ging hinüber, um mit den Mitgliedern des Exekutivkomitees zu sprechen, die sich weder erhoben, noch ihn sonst irgendwie beachtet hatten. Fünfundzwanzig Minuten nach ein Uhr hörte man am Eingang zur Treppe eine heisere Stimme Worte eines wüsten Liedes grölen, während eine andere Stimme ge- dämpft dazwischenschalt. Dann folgte ein wildestsDrunzen, ein Fluch und das Geräusch eines schweren Körpers, der polternd auf etwas fiel, das mit mürben Krachen unter ihn: zerbrach: Gypo kam die Treppe herunter. Er rutschte uuf dem Rücken herunter, mit ausgestreckten Armen und Beinen in die Luft fahrend. Er landete unten mit einem dumpfen Ruck und setzte sich steif aufrecht. Dann brach er in einen erstaunlichen Schwall von Lachen aus. Von allen Seiten stürzten Männer mit gezogenen voloern auf ihn los, so schnell, als» ob sie lange Zeit voll Angst auf diese sonderbare Ankunft gewartet hätten. Aber' als sie ihn lachend da sitzen sahen mit dem zerfetzten runden Hütchen, das nach vorn über die Stirn gerutscht war, hielten sie ein und steckten ihre Revolver in die Futterale zurück. Gypo rief:„Hallo, Jungens. Da wären wir. Was glotzt ihr so? Ich nehm's mit jedem halben Dutzend Männer auf, die's je gegeben hat. Wer ist der erste?" Indem er einen Hacken unter sich zog, sprang er mit einem plötzlichen Ruck nach vorn auf die Füße. Er stand aufrecht, plötzlich alle um ihn überragend. Sie wichen zurück. Mul- Holland, der eben, die Hand über sein rechtes Auge haltend, die Treppe herunterhinkte, stolperte vor Angst, als Gypo auf- stand. An Gypos rechter Schulter vorbei fiel er längelang zwei Männern in die Arme, die ihn aufzufangen suchten. Da bahnte Gallagher sich einen Weg nach vorn und rief scharf:„Was ist hier los? Auf eure Posten, Leute, schnell! Run. Gypo? Was ist denn jetzt an dir kaputt?" Gypo schlug laut klappernd die Hacken zusammen und grüßte, leicht dabei schwankend. Sein Gesicht, wild vor, Trunkenheit, bewegte sich krampfig, aber er blieb stumm. Beim Berlassen des Bordells hatte er sein Halstuch nicht um- gebunden. Auf seinem entblößten, braunen Hals standen die Muskeln wie Klippen an einem Berghang. Dann beförderte er seinen Hut mit einem Ruck in die richtige Lage zurück und scharrte mit den Füßen. (Fortsetzung folgt.) . � I Wiederauferstanden! Die neue Sohloßbrücke in Charlottenburg. Was ist keimfreie Milch? Eine Entscheidung des Kammergerichts. Dem Molkereiverwalter Sch. aus wirmgen Im ftrdfr f>ildesh«Im war)uc Last gelegt worden, nicht nur gegen eine Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten In Hannover vom Zahre>326. sondern auch gegen das Leben smlttclgeseh vom 5. Zuli 1927 sich vergangen zu haben, welches am>. Of- tober 1927 in Kraft getreten war. Sch. ist in Wirringen seit mehr denn 29 Jahren als Verwalter einer Kenossenschostsnwlkerei angestellt, die er nicht nur technisch, son< dern auch kaufmännisch leitet. Unter seiner Leitung wird die von Landwirten in der Umgegend gelieferte Milch gereinigt, erhitzt, ge> kühlt und dann in Flaschen und Kannen gesüllt. Einen grohen Teil der Milch kaust der Milchhändler K. aus Hannover, der die Milch dann in Hannover in Flaschen vertreibt. Die Flaschen waren mit einem Pappverschluß verschen, welcher die Aufschrift„Keimfreie Milch. Molkerei Wirringen" trug. Der Milchhändler K. ließ die Flaschen mit einem Kraftfahrzeug nach Hannover befördern, wo die Milch den Bewohnern ins Haus gebrocht wurde. Nachdem die che- mische Untersuchungsanstalt in Hannover die Milch untersucht hatte, erklärte Dr. W. von der erwähnten Untersuchungsanstalt, daß die betreffende Milch nur auf 70 bis 80 Grad erhitzt worden sei; solch« Milch sei nicht keimfrei, man könnte sie n uralspasteurisiert« Milch bezeiäinen! wirklich keimfrei sei nur solche Milch, welche sterilisiert, d. h. auf IVO Grad erhitzt worden sei. Werde die Milch auf weniger denn 100 Grad erhitzt, so würden nicht sämtliche Krank- heitskeime, welche sich in der Milch befinden, z. B. Sporen, nicht gelötet. Abweichend vom Schöffengericht verurteilte die Straf- kammer in Hannover den Molkereiverwalter Sch. zu einer Geld- strtfc. Die Strafkammer vernahm zwar verschiedene sachlKrständige Personen, schloß sich aber im wesentlichen dem Gutachten des Direk- tnrs W. von der Untersuchungsanstolt an und betonte, Sch. durste die nur auf 70—80 Grad erhitzte Milch nicht als keimfreie Milch bezeichnen. Eine solche Bezeichnung sei irreführend und geeignet, das kaufende Publikum zu täuschen. Diese Entscheidung focht Sch. durch Revision beim Kammergericht an und bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Der l. Strafsenat des Kammergerichts wies aber die Revision des angeklagten Molkereiverwalters mit der Maßgabe zurück, daß der Angeklagte wegen irreführender Bezeichnung von Nahrungs. Mitteln auf Grund der Verordnung vom 26. Juni 1916 als verurteilt anzusehen sei. In der Begründung wurde u. a. ausgeführt, ohne Rechtsirrtum nehm? die Strafkammer an, daß der Angeklagte die von ihm verkaufte Milch nicht als keimfrei bezeichnen durste, da sie nicht auf 100 Grad erhitzt worden war. Da die Straftat vor dem Inkrafttreten des Lebensmittelaesetzes liege und dieses nicht. als ein milderes Gesetz angesehen werden könne, könne es ebenso wie die Regierungspölizewerordnung von 1926 nicht angewandt werden, dt» Sch. die Milch in Hannooer ibeder feilgehalten noch verkauft noch eingeführt habe. Die Verurteilung rechtfertige sich daher aus der Verordnung vom 26. Juni 1916, da er der Milch eine unzutreffende und irreführende Bezeichnung beigelegt habe. Oer Kriegsanteihebeirug. Auch die Angeber verhastet! Die Untersuchungen in der SriegsanleihebetrugsaffSre. die in den lehken Wochen vom Untersuchungsrichter Landgericht». rat Brühl geführt worden sind, haben zu neuen Aesi- stell an gen In der Affäre geführt. Don den zuständigen Stellen wird über die Namen der in Frag« kommenden Personen tiefstes Stillschweigen bewahrt, da«» sich um rmen Personenkreis handelt, der an den Beschuldigungen, die gegen den früheren Sekretär Hugo S t i n n e s' fun., v. W a l d o w. inter- essiört ist. In erster Linie handelt es sich um eine Persönlichkeit aus deni Westen des Reiches, die den Untersuchungsbehörden onsongs in den, Fall Waldow Finqer.zeige gegeben hat, so daß gegen v. W. Haftbefehl erlassen und ein Verfahren anhängig gemacht wurde. Im weiteren Verlans der Untersuchung hat sich jedoch herausgestellt, daß dies« Personen, die über Waldow sich genau orientiert zeigten, selbst keine so harmlosen Geschäfte gemacht haben, als sie es anfänglich darzustellen versuchten. Es besteht vielmehr der Verdacht, daß diese Gruppe selbst mit dem Ausland in Verbindung gestanden hat, um auf diesem Umwoge Kriegs- anleihsneubesitz unter der Flagg« des viel höher aufzuwertenden Altbesitzes segeln zu lassen. Nach wcchenlangen Untersuchungen haben sich Staatsaiuvaltschastsrat Dr. Berliner und Landgerichtsrat Brühl veranlaßt gesehen, zuzugreifen und drei Personen in Untersuchungshast zu nehmen. Inwieweit sich der jetzt gehegte Verdacht gegen die Festgenommenen bestätigen wird, muß der weitere Verlaus der Untersuchung ergeben. zumal der vor längerer Zeit verhaftet« v. Waldow die jetzt Fest- genommenen angeblich genau kennt und über ihr« Handlungsweise' im Bild« ist._ Das zerschnittene Kleid. Ein �st unglaublicher Vorfall erregte gestern gegen 9!4 Uhr aus dem Hochbahnhof Gleisdreieck erhebliches Aufsehen. Eine dort wartend« Frau wurde darauf aufmerksam gemacht, daß i h r Kleid zerschnitten war. Es stellt« sich heraus, daß ein 14 Jahre alter Schüler Ralf Sch., der ebenfalls auf dem Bahnsteig stand, mit einer Schere die Beschädigung verübt hatte. Der Bursche wurde sofort festgenommen, nach Feststellung seiner Personalien aber wieder entlassen. Eine republikanische Wochenschau! Der„Vorwärts" brachte am Sonntag eine Kritik über die Film- Wochenschauen, die unter der Diktatur des deutschnationalen Partei- führers hugenberg stehen. Gerade in den letzten Wochen hatte der Industriekönig und Pressebeherrscher eine republikanische Wochen- schau ausgekauft: die Opel-Woche! Um so erfreulicher ist es aber, wenn die E m e l k a- W o ch e n s ch a u, die nicht unter der hugen- berg-Fuchtel steht, wohlgelungene Bilder von der Verfosiungsfeier in Berlin und dem Reichsbanner-Aufmarsch in Frank- suri a. M. bringt, hier sieht man die schwarzrotgoldene Flagge, einmal sogar oss Abschlußbild, man sieht die Menschen- massen auf dem Platz der Republik und oermißt nur Bilder von dem nächtlichen Fackeltriumphzug. Bon der Frankfurter Riesen- seier sieht man de» Aufmarsch im Ostpark, Teile des Vorbeimarsches, einzelne Fahnengruppen, die Menschenmasien aus den Straßen, die dem Reichsbanner zujubelten� und als letztes Bild den Reichsinnen- minister Genossen Severing während seiner Rede im Ostpark. Di« republitanische Bevölkerung sollte daher in den von ihr bevorzugten Filmtheatern die Emelka-Wochenschau verlangen.— Hassent- lich aber bleibt diese Schau dem Zugriff hugenberg» entzogen! Die Geschäftsstelle der Berliner Gelangen«nsürsorge befindet sich vom 2 6. August 1928 ab Berlin SW. 48, W i l h e l m st r. 1 Z. Hof links 3 Treppen(Nähe hollesches Tor). Telephon: Berg- mann 642S und 6426. Sprechstunden: Mittwoch und Sonn- abend von 12 Uhr, alle übrigen Wochentage ooa Xü—l Uhr. In diesen Tagen wird die neu« Schloßbrücke in Ehor- 1 o t t e n b u r g dem Verkehr übergeben, heute läuft die Straßen- bahn, die bisher seitlich der Brücke ihre Hilfsgleise hotte, zum ersten- mal üb�r die neue Brücke, die am folgenden Tag auch dem Fuß- gängervertehr freigegeben wird, bis endlich zwei Wochen später der gesamte Fahrverkehr einsetzen wird. Die Brücke, die durch ihren originellen violetten Forbanstrich und die gewallige Eisen- kostruktion(2 Gelenkbogen mit vollwangigem Zugband)«inen äußerst vorteilhaften Eindruck macht, wiegt etwa 850 Tonnen und vermag alz schwerste Last eine Dampfwalze von 23 Tonnen nebst zwei schweren Lastwagen zu tragen, oder eine dichtgedrängte Menschenmenge, die auf den Quadratmeter einen Druck von 500 Kilo- gramm ausübt. In ihrer äußeren Erscheinung ist sie der benach- borten Eaprioibrücke ähnlich, der man seinerzeit eine noch stärker« Im fünften Abschnitt seine» Vortragszyklus„Paneuropa in der Weltliteratur" sprach Dr. I. E. Poritzty vom „Forbenhören und Tönesehen". Wie den Alltagsmenschen, als das Produkt von Erziehung, Umgebung, Religion und Gesellsäpfit. dos Leben formt, so formt der schaftende Künstter aus eigener innerer Erkenntnis sich selbst sein Leben. Sein überfeinertes Empfinden äußeren und inneren Eindrücken gegenüber gleicht einem Jnftru- msnt, dos jede noch so leise Schwingung gleichsam in Ton und Farbe wiedergibt. So sprechen wir von einer Trnimalevei in der Musik, vom Farbensrohsinn oder düsteren Tönen in der Malerei und Dichtkunst. So tonnte Dostojewski, der ewig Leidvoll«, in seiner Sprache nur immer wieder Leid malen, so wußte Offen- b a ch, der freudig« Lebensbejoher. nichts vom wild-stürnienden Titanentampf eines Beethoven. Im Künstler spiegeti sich, stärker als in jedem anderen Menschen, der Geist seiner Zeit. Und gerade heute, im Zeitalter des Sportes, wo die Heroen des Körper» jene des Geistes arg verorängt haben, muß sich der paneuropäisch« Gedanke, die iMernationale kulturell« Gemeinschaft, erfüllen. Ueber die»Todesstrafe in der Literatur" sprach Ministerialrat Dr. Tor- sing, indem er die Stellungnahme der verschiedenen Zeitabschnitte zur Todesstrafe, empfunden im Geiste der literarischen Zeiigenossen, wiedergab. Im Altertum und im Mittelatter galt die Todesstrafe als eine unerläßlich« Selbstoerständ- lichteit, die als öfsentliches Schauspiel der großen Menge Furcht und Schrecken vor der staatlichen Allgewalt einzuslößen hatte. Bis in die allerletzte Zeit verblieb diese Tortur, allem menschlichen und kulturellen Empfinden zum Trotz, staatliches Reservat. Erst heute geht man ernstlich daran, dem Zustand ein Ende zu bereiten. Das Abendkonjert, ausgeführt vom 3. Potsdamer Musikkorps, brachte ausgerechnet sorsch-friderizianisch« Schlachtenmusik und idyllische Tonmalerei über Sanssouci. Ein Kitsch, der nicht zu übertreffen war. Man kann der Funkstunde gratulieren.... Sic trifft ausgezeichnet den Geschmack der... ewig Gestrigen. Mit gewohntem Schmiß und bewährter Technik bestritt die Kapelle Gebrüder Steiner den musikalischen Teil des Nachmittags. Das abwechslungsreich gewählte Programm brachte Werke ätterer und moderner Komponisten. Pros. Ferdinand Gregory setzte seinen Vortragszyklus„Mi t großen Dichtern auf Ferien" fort und brachte eine ganze Reihe launiger Essoys von Dichter- grüßen. Da ist Ludwig Uhlands„Ode auf eine prächtig schmeckende Metzelsuppe. Theodor Fontane findet ein Wermuts- iröpflein seiner Meirschenliebe auf der Brunnenpromenode eines Badeortes, wo et so recht die Verlogenheit der Gesellschaft kennen lernte. Goethe belauscht mit Vorliebe Liebespaare und erlebt selbst oft und gerne nette Abenteuer.„Eine Liebschaft ist das einzig erträgliche eines Badeaufenthaltes" heißt sein sommerliches Motto. Hebbel, Eichendorfs, Lilicncron, sie alle besingen scherzhaft träumend oder sarkastisch die schöne Natur. Wilhelm Busch sieht mit einem zur Sommerszeit arg zermarterten Klavier tiesempfundene Beileidsworte. In einer Technischen Wochen- plaudere! erzählt Ingenieur B o ch m e r allerlei Interessantes vom Werdegang der beiden jüngsten Riesendampfer„Bremen" ynd „E u r o p a", und nennt wahrhaft gigantisch« Ziffern an Material- verbrauch, Arbeitskräften, Schwere der einzelnen Bestandteile, Fosiungsraum usw. Ein Gesamtschjfssgewicht von 46 000 Tonnen, ein Schiffskörper im Gewicht von 32 Millionen Kilogramm. 50 Millionen Kilogramm verarbeitetes Stahlblech und Profile, ein Fassungsraum für 1000 Mann Besatzung und 2200 Fahrgäste, die Arbeit ausgeführt von 10 000 Menschen, das sind immerhin be- merkenswerte Zahlen. Dr. Max Zellner sprach zum Thema „Der Vertrauensarzt in der Reichsverstcherung". Vom schweren Stand des Vertrauensarztes, dessen Härte dem Kranken gegenüber— die natürlich in Wirklichkeit nur ein« Be- fvlgung seiner Dienstvorschrifsen ist, vom Patienten stets als bos willige Absicht ausgelegt wird. Am Abend gab es eine fröhlich- historisch« Rückschau in Wort und Gesang aus unser liebes Berlin, leinen prwüälsigen Humor und sein..aoldenes herz" unter Mitwirkung von Paul Gr ätz, Charlotte Frey er, Trude Lieske, Alexander Lleßburg und dem Lerliaer Funkarchester. d, Wölbung wegen der geplanten hvchbahnübersührung gab. Daß die „alle" Schloßbrücke, die vom Staate erst 1901/02 gebaut wurde, so wenig dauerhast war. hat seinen Grund in dem riesigen An- wachsen des Fährverkehrs, zum Teil nnt schweren Last- fahrzeugen, der von und noch Siemens st adt in Gang kam. Die Beschädigungen der Brücke durch die nicht vorhergesehenen Erschütte- rangen durch den schweren Lasterwerkehr führten vor zwei Jahren zur polizeilichen Sperrung. In 1?» Iahren hat man den Abbruch der ollen und den Bau der neuen Brücke durchgeführt. Ihre Länge beträgt 60 Meter, die Brett« 27 Meter, der Fahrdomm ist 15 Meter breit. Eine Durchsahrthöhe von 4 Meter ermöglicht auch 1000- Tonnen-Schissen, mit deren Berkehr man in steigendem Maß rechnet, ein« freie, ungehinderte Durchfahrt. Der Entwurf der Brücke stammt vom Brückenbauamt der städtischen Tiefboudeputation. Der eingesperrte Hauptwachtmeisier. Folge« einer»Vierreise". Zu lauten Lärmszenen kam es in der Nacht zum 28. März auf der Wache des 15 5. Polizeireviers. Dort war von einem Beamten ein noch jüngerer Mann eingeliefert, der auf der Straße in sinnloser Trunkenheit Passanten belästigt hatte. Der Zwongsgestevt« behauptete in barschem Ton«, daß er P o Ii z e i h a u p t w a ch k m e i st e r und als solcher Borges eßter der auf der Wache tätigen Personen sei. Er erklärte, über seine Sftti«- rung selbst ein« entsprechende Togcbucheintrogung zu machen und begann zu toben, da die Beamten seinen Worten keinen Glauben schenkten, zumal der angebliche Hauptwachtmeister Zioiltlcidung trug. Der Zwangsgestellte mußte schließlich, nachdem er tällich geworden war und nicht beruhigt werden konnte, gefesselt und in einer Zell« untergebracht werden. Der herbeigerufen« Vorsteher der Reoierwochc erkannte am nächsten Morgen in dem Zwangs- aestellten tatsächlich den Polizeihaiiptmachtmeister R., der früher in seinem Revier Dienst getan hatte. R. hafte eine zu ausgedehnte Bier- reise unternommen und sich unter den Einwirkungen de? Alkohols zu den Ausschreitungen hinreißen lassen. Nunmehr batte diese Bier- reise für ihn ein recht unangenehmes Nochspiel vor dem Eharlatten- burger Schöffengericht, das wegen Widerstandes und wegen Körper- Verletzung aus ein« Geldstrafe von 150 Mark erkannte. Lastauto in die Spree gestürzt. Schwierige VergvngSarbeiten. Niemand verleist. Auf dem hos des Grundstücks Mühlen st raße 66, das an die Spree grenzt, ereignete sich gestern nachmittag ein eigen- artiger Unfall. Gegen 2 Uhr nachmittags versuchte der Führer einrS Last* autos dicht anderKaimaucrzu wenden. Er nv»ß hierbet die Entfernung unterschätzt haben, denn die Derdrräder gmgen plötzlich über die geringe Erhöhung der Kaimauer hinweg, das Lastauto stürzte in die Spree, blieb aber glückllcherweis« mit de» Hinterrädern an der Mauer hängen. Der Führer war unverletzt geblieben und tonnte aus seiner gefährlichen Loge bald in Sicher- heit gebrocht werden. Weit schwieriger gestaltete sich die Ber- g u n g des vernuglückten Autos. Die Feuerwehr, die mit mehreren Fahrzeugen, daruitter dem Rüstwagcn angerückt war, Halle große Mühe, das Lastauto zu heben. Zwei volle Stunden dauerte es, ehe gelang, den Wagen, der schwer beschädigt war, Hochzuwinden._ Das traurige Ende. Seit zwei Tagen war der 21 Jahre alte Buchhalter Willi L e n? Hardt, der bei einer Schuhwarenfabrik in Lichtenberg an- gestellt war, mit 4000 Mark verschwunden. Man ver- mutete, daß er sich zu seiner Braut nach Leipzig begeben habe. Diese Vermutung hat sich bestätigt. In den Morgenstunden des Sonntags fand man auf den Eisenbahnschienen in der Nähe der Station Ben brich im Kreise Merseburg die Leichen eines jungen Mannes und eines Mädchens. An Hand eines Brief- Umschlages, den der Mann bei sich trug, erkannte man in ibm den vermißten Lenhordt. Osjenbor Hot er seine Braut, eme Kontoristin Hedwig h. aus Leipzig, tatsächlich aufgesucht und ist mit ihr zusammen in den Tod gegangen. Das Paar hat sich vor den Schnellzug Halle— Leipzig geworsen und ist überfahren worden. Genosse Karl Rehsc ersucht uns um Beröftentsichung folqender eilen: Zu meinem 75. Geburtstage sind mir so viele Beweis« von ieb« und herzlicher Teilnahm« zugegangen, daß es mir nur- quf diesem Wege möglich ist, ollen freundlichen Gebern meinen herz- lichsten Dank auszusprechen. ffw D führt ab, es wirkt sehr l d e und Herbert F i n k machten ihre Sache ebensallZ sehr gut. Die drei bzw. vier Grazien, die schnippische Dienerin, die peiulich-genouc Tochter von der Waterkant, da« wellsremde Gänschen vom Lande und die klardenkende, moderne Frau, die eZ, jede in ihrer Art. so vortrefflich ver» stehen, den Männlew die Hölle heiß zu machen, wurden von den Damen Pola P a r a. Kate Kr o i c r, Liselott Sprenger und Käte de N e us mit viel Geschick und Laune dargestellt. ES gab Applaus aus offener Szene, Lorbeerkränze und einen tosenden, wohlverdienten Beifall. IVellerberichl der öffeullichea Wellerdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdruck verboten). Zeitweise auffrischend und ziemlich warm, teine wesentlichen Regensälle.— Für Seulschloud: Fm Osten ziemlich heiter, im übrigen Reiche meist wolkig. Ueberall ziemlich lrocken'und mäßig warm. Aus der Partei. Eine nordschlcswiglche fozialdemokrollsche Arbeiterzusommen- kunsl wurde in Apenrade abgehalten. Als Festredner waren Borgbjerg- Kopenhagen und der frühere Landrat von Eckern- jörde, Adler- Kiel. Die Flensburger Sozialdemokratie war mit einer Reichsbannerkapelle anwesend. An dem Festzug durch die Stadt beteiligten sich über 2000 Genossinnen und Genossen. Vortrage, Vereine und Versammlungen. G Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". Gekchält» stelle: Berlin S U, Eedastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Mitte: Mo.. 2»..'20 Uhr, Iungbanncr.Werbeveranstaltung, Jugend. heim Ticckslr. 18. Referent Rani. Brendel:„Die Revolution und Freie Hocklekule. Mittwoch. 22. August, 8 Uhr. Pr>nz>Louis..Ferdinand-Str. 2, l. Et. Epeisehnus Dr. med. et iur. Rudolf Bußmann:.Lied« und Haß und die Psychologie Brentano»". .Reich-dund der Aricg-dcschodigten, Kriegsteilnehmer und llriegerhinter, bliebe»?», Eon Berlin, Ortsgruppe Rorde» tl, Mittwoch, 22. August. 20 Uhr. Mitgliederversammlung. Castno.Festsäle, Pappelollec 1.V Refercntin: äamerodin Anna Wege.„Eindrucke und Ersahrungen eines Betreuers in der sozialen Fürsorge." Zndinidualpsqcholagilche» Institut. Die Borlesungen, praktischen Uebungen sErziehungs-, Jugend-, sfamilien- und Berufsberatung) beginnen am 3. Eep. tember. Anmeldungen und Anfragen an Berliner BesellschaO für Individua!- „ie, Berlin W 33. Eteglißer Straße 47. Fernruf Äurfürst 7904. .lle Vorlesungen finden an den Epatnachmiitagen oder Abenden statt und bieten damit auch den Berufstiitiacn die Möglichkeit zur Teilnahme. ftlemkulibee Schützen verein Republik ffi. V. Eporiplotz Friedrichsielde- Lichtenberg: Miitwoch. 22� August. 20 Uhr. wichtige Sitzung sämtlicher KÄS.. Mitglieder im Bereiusheim. Sportplatz Friedrichsfelde. Stellungnahme zum tbauschießrn am 2. September. Cchrislliche Einladungen ersolgcn nicht. Tic Verstcherungsmarkcn siir 1928 lind umgehend beim Kameraden HLnel, Lichten. bcrg, Rupprechtstr. 34, anzufordern. Berei» Sozialistischer Lebeusrcformer Berli» 1. V. B. Die Gesangsgruppc übt als gemischter Ehar jeden Montag van 1« bi» 22 Uhr im Heim Sander.. Ecke Hobrechtstraßc. Sangeslustige Genossen wMlommcn. Longfellow Englisch Debatlng Club, BiUowstr. 104. Mittwoch, abend« 8 Uhr General Debate;„Revolntion of Modern youth." Spork. Rennen zu hoppegarlen am ZNonkag. dem 20. Augusl. 1. Rennen, t. Rheinwein(Böhlke). 2. Rückkünsl sHöllein), 3. Nikotin sRuf). Toto: 12: 10. Platz: 10, 12: 10. Ferner liefen: Hans Thoma, Jliade. S.Rennen. 1. Heiderose(Huguenin), 2. Landluit sHohneS), 3. Friedcrun(O. Schmidt). Toto: 15: 10. Platz: 10, 12, 11: 10. Ferner liefen: Kaltschale, Olompiade. Senla. Mitbridates, Elegie, Gunst. Habana. 3. Rennen. 1. Teyde(Hahnes), 2. Gutenberg(Huguenin). Z. Stolzer Kämpser(Sajdik). Toto: 22: 10. Platz: 15, 17: 10. Ferner liefen: Ordensschwester, Pcriander. 4. Rennen. 1. Balladolid(HugueninV 2. Otero(O. Schmidt), S. Marimus(Derschug). Toto: 141: 10. Platz: 25, 15: 10. Ferner lies: Marchkita. 5. Renne n. 1. Valü(Bleuler). 2. Oberwinier lTarras). 3. Vardar (O.Schmidt). Toto: 20:10. Platz: 15, 15:10. Ferner liefen: Postmeister, Anton. 6. R e n n e n. 1. Tantor(Narr), 2. Amadeu»(Unger), Z. Geestländerin (Vinzenz). Toto: 33:10. Platz: 18. 8«. 75: 10. Ferner liefen: Oer Lea. Kanzler, ZwiMngSschwester, Der Muck, Sllefia II, Heliodor, Vasall Künstlerin, Thea, Madlene. 7. Rennen. 1. Abteilung: 1. Opierslcw sSudwig), 2. Andooera (HayneS), 3. Duena(Thielemann). Toto: 42: 10. Platz:.12, 11, 12: 10. Ferner liefen: tzenja, Aiigameick, Sternkunde, Heidjer, Morgenpracht.— ol Abteilung: 1. Minna(Höllein), 2. Perseverantia rHuguenin), 3. Hoch- 2.p(Sajdik). Toto: Ol: 10. Platz: 35. 22, 24: 10. Ferner liefen: Mara- vediZ, Arndt, AllcrwcltSmädel, Wesel, Musa, Westerwald. Aar IS August, nacht, 1.25 Uhr, oet- schied noch kurzem. schweremAelben w- i»lge Schra gansall, unser lieber Pater, | Schstieaeroater, Bruder, Schwager undOnket.derReoisorund Werkmeister Karl piseder im S4. Lebensjahre. Berlin- den 18. August 1928. Im Namen der traoerndea Hinierblieb.nen Watter Flacher, Ealheniusstr. 3 Einäscherung am 21. August. 15V, (ZV,) Uhr im Krematorium Serichtstr. WU> Ralzkarbeller Um! Mlkkwach, 6» 22.««aus», abenh* 7 Ahr, im Lokal oou wo0s«HI6ger, Slöalbectftr. 21 Branchenversammlung Taaesarbnung: 1. Unser neues Lohnabkommen und seine Auswirkung. 2. Branchenaugelegenheiten. Connetslag, den 24. August, abend» r Ahr in» grohea»aal de» Wewert- srhaslahouseS, Sngelufer 24(24 B ranch en Versammlung der Rohrleger und Helfer. Tagesordnung: 1. Berbands- und Branchenangelcgenheiien. 2 Verschiedene« Mitgliedsbuch legitimiert. IHM D» in dieser Versammlung über wichtige Verhandlungen im Tarisousschuß derichiet wird, sind alle im Deutschen Metallarberter» Verband vrganisterlen Kollegen verpflichtet, zu erscheinen. Spielplan unserer»ulturadleiluug. Ja der Woche vom 20. bi» 2». August 1. Die Wunder de» Amazonenstroms 2. Der neueste Farbfilm. 3 Humoreske. In der Woche oow 27. Aag»ft bis 2. September: 1. Der Mann im Fo»»e- 2. Herstellung von Ll�ekstromtobeln. 3. Humoreske. In der Woche vom 3. bi»«. September: 1. Unter Asten und Palmen 2, Die Gießerei. 3. Humoreske. Ja der Boche vom 1». bi» t«. September: 1. Rum Gipfel der Delt. 2. Der Glettro-Of-n. 3. Humoreske. Anfragen wegen Uederlaflung und Besuch der Ableitung sind telephontsch oderschnft. lich an die Kulmradtiiiung(Bureau: Lwlenstraße, Zimmer 20) zu rrchien. Ate 0rt»veru»«>wuz. Verkäufe xe»p>ch.AuO»«>cke»k. Ausverkausspreio Srbfie 2X3 17� Aus-erloufsprer» Grs- 2.:3_3.— Ausoerk-usspr-t» Gra° iX3 35.- säiss s: RA 2= ssssi» JaLlE wegen Seschäfr-o-mstellun«.»rimrer. P-t«. ' öriil?iitiipz5!ldcs!e. fl35eiie uzsr "iMb von lrtg�'gettäge»«- Kamtliergarchneok» Millionärerr',' Aerzleg, Anwälten. Favelhast billig« Preise. Empfehle Taillenmäntel, Paletot», Frack», Smo- kinas, Gehrockanzilge, Hosen, Sport-, Gehpelze. Selegenheitskaufe in neuer Garderobe. Wertester Weg lehnend. Lothringerftraße SS, 1 Treppe. Rosen. Lcihha»» Moritzplatz 58». Berkaul von Kavalicr-Garderobe. teil, auf Seide, Jackett-, Frack-.. Emokinganzllge, Gabar. dinemäntel. Bauchauzüge, siir jede Figur passend. Elira-Angeboie Mr neue Gar. derode. Pelzjacken 50.—, Pelzmäntel 95.—, Sporwelz« 85,—. Gehpelze 190.—. Keine Lombardware l> Getragene Herrengarderobe. Speziali» tat Bauchfiguren. spottdillia. Roß, Gor- mannstraße 25/28, srllher Mulackstroße.' Möbel Möbel-Schrager. Berlin-Rorden,»w stanienallce 45— 19. 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September, vormittags U Uhr statt.— Der Vorbcrcitungsnnterricht beginnt am Donnerstag. 23. August von 16—18 Uhr in der Wcltlickietl Schule, Pestalozzistr. 40(zwischen Wilmersdorfer und fiaifcr.Friedrich.Str.) und wird erleilt vom Genossen, Lehrer Zilian.— Anmeldungen in den Borwärtsspeditionen, in den Konsumabgabestellcn und während des Unter- richts.— Voranzeige. Waldscst im Bolloparl Iungfcrnhcidc große Spiel- wiese am Sonntag, dem 9. September. Abmarsch mit Mufit 9 Uhr«om Wilhelmplag Kan--Sach»-Spicle der Arbeiterjugend, Zirtus der fiinbcrsreunbe, Tatkhupfcn. Tauziehen, Ballspiele, Silausen und sonstige Boltsbelustiguugcn, fiasscciochcn. Plakette» S 30 Vf. find bei allen Abtcllungosunktionärcn zu habe». Achtung! Bildiingoausschußfigung am Rontag. 27. August. 20 Uhr im Jugendheim. Rofinenstr. 4. Tage»- oednung: Unser Fest am 6. Oktober. 2. Vncherkrei». 8. Seschästljcheo. 13. Steit Tcmpelhos. Der Katalog der Arbeitcrbilcherci Mariendorf ist fertig. gestellt und wird an olle Genossen und Vorwärtsleser an den regelmäßig Freitaas von 19—21 Uhr stattfindenden Büchcreiabenden ausgeliehen. 14. Steif Rrukölln. Donnerstag. 23. August, 19',; Uhr. Eihung des erweiterten Kreisvvrstandes an bekannter Stelle.— Reukölln-Bria. Mittwoch, 22. August. 19' Uhr, Volloersammlnng der Elternbeiräte der Liste.Schul- ausban* im Ieichenfaal de» ftaiser-Friedrich-Realgomnasium«, Kaiser. Friedrich, Straße 210. Tagesordnung: 1. Die Ausgabe» der Elternbeiräte. Referent: Lehrer Eduard Kahn. 2. Reuwahl de» Vorstand«». 8. Verschiedene». Erscheinen aller ist unbedingt erforderlich. Die Oblente mästen einladen. Morgen. Mittwoch, den 22. August: Mitgliederversammlungen und Zahlabende. 7- Abt. Ig'h Uhr in Eorni« Festsälen. Gartenstr. 6. Vortrog: Der int«r- -nationale Kongreß in Brüssel. Referent: Mar Hendemonn. 8. Abt. Die Mitgliederversammlung der Abteilung fällt aus. Di« Genossen beteiligen fich restlos an der Kreismitgliederversammlung in den Arminius. sälen, Bremer Str. 72/73, um Igtt. Uhr. 9. Abt. Alle Mitglieder beteiligen fich an der Kreismitgliederversammlung. 14. Abt. 19>h Uhr in der Schulaula, Putbusser Str. 3. Vortrag: Die politische Lage.— Panzerkreuzer.�— Referent: Helmut Lehmann. 18. Ahl. 19H Uhr bei Anton Both, Vinetaplaß 7. Bortrag: Der internationale Kongreß in Brüssel.— Reserentin: Clara Bohm-Schuch, M. d. R. 18. Abt. 19'; Uhr in der Löwcnbrauerei» Hochstr. 2. Vortrag: Die politische Lage. Referent: Dr. Kurt Läwenfiein, M. d. R. 20. Abt. 19'.» Uhr bei Wende. Koloniestr. 147. Vortrog: Der internationale Kongreß in Brüssel.— Referentin: Gertrud Hanna, M. d. L. 21. Abt. 19'; Uhr im Echraderhau», Malplagiictstr. 14-16. Vortrag: Di» Ar- beit der Sozialdemokratie im neuen Reichstag.— Referentin: Marie Kunert, M. d. R. 24. Abt. Ig'h Uhr im Altersheim. Danziger Str. 62. Vortrag: 80 Jahre Sozialdemokratie. Referent: Stadtverordneter Jans Wonwod. 28. Abt. 19'..- Uhr im K-kcinen Saal des Saalbau» Friebrichshain. Vortrag: Der Unehelichenschuß vor dem neuen Reichstag. Referent: Stadtrat Walter Fricdländer.— Alle Mitglieder müssen erscheinen. 20. Abt. 19tg Uhr Fahlobende bei Klaus, Prenzlauer Allee 81. Klug, Danziaer Str. 71.— Riebe, Dunekerstr, 18.— Richter, Echliemannstr. 39. Buchbolz, Prenzlauer Allee, Geke Etorgarder Etr. N.«dt. 1»>-h Uhr in der«chulaula. SchSnssi-ß-r Str. 7. Vortrag: Da, Wohnungsbauprogramm der Stadt Berlin. Referent: Stadtverordneter Hermann Lempert...„„_, 82. Abt. 20 Uhr in Schmidts Eefellschaftshaus, Fruchtstr..16a. Vortrag: Sozialdemokratie. Reichsbanner und Republik. Referent: Genosse Aotcr. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlig� zu erscheinen, 88. Abt. Di- Abteilungsversammlung fällt aus...., 88. Abt. Die Milglicdcrvcrfanimlung findet umständehalber lN diesem Monat erst am Mittwoch, 29. August, in der SGulanIa. Bamarite-»" nan. Vortrag über den Brüsseler Kongreß.— Die Bezirksführcr laden kl» 88. Abt. 19'; Uhr in Schmidts Eefellschaftshaus, Fruchtstr. 86a. Vortrag: Van 1878 bis 1890. Erinnerungen vor 80 Jahren. Referent: Robert Breuer. Aussprache über Anträge zu politischen Tagessragen.— Mitgliedsbuch weist aus.— Die Mitglieder werden ersucht, recht.pünktlich z» ericheine». 42. Abt. 20 Uhr bei Bader. Iüterbozcr Str. 7. Bortrag: Di- politische Lage. Rcfcrentin: Dora Fabiaii. � 46. Abt. 19'. Uhr. Johlobcnd. Stadtbezirk 106-197 he, Eichholz. Euornstr. 28. 108a— 109; Wallenti», Eörlitzer Str. 72. Wichtige Tagesordnung. Er- scheinen ist Pflicht.- 48. Abt. 19U Uhr bei Keller, Fürstenstr. 1. Funktionärsttzung. Wichtige Tages- ordnung.'— Erscheinen oller Genossen ist Pflicht. Eharlottcnburg. 8l. Abt. 20 Uhr bei Schcllbach, Königin-Elisabeth-Straße 8. Vortrag: Wirtschaftsdemolrotie. Referent: Gcnoffc Rophtali. Panzer- kreuzcrfragen.- 53. Abt. 10'; Uhr bei Last. Straße 12. neben dem Haus Sichar. Vortrag: Unsere Kommunalpolitik i» Berlin und IN den Bezirken. Referent: Vezirksverordneter Paul Amhoff.— 86. Abt. Die Ab- trilungsverfammluug fällt aus und findet om 29. August statt.— 87. Abt. 20 Uhr bei Thuuack. Wiclaudstr. 4. Portraß: Warum die Teuerung? Referent: Eduard Fächert. M. d. L.— 88. Abt. 20 Uhr im Rankchaus, Ronkestr. 4 vorn 4. Vortrag: Thcorie und Praxis der Arbeiterbewegung. Rcscrcnt: Alerander Stein...... 8t. Abt. Fr-ebenaii. 20 Uhr. Fahlabende. 1— 3. Bezirk: Klabe, Kandlerv- straßc 60-61. Vortrag: Die Lebrc des Panzerkreuzers. Referent: Dr. Carl Mierendorff. 4.-6. Bezirk: Baginski, Stubenrauchstr. Eike Taunusstr. Vortrag des Genossen Otto Bach._,. 83. Abt. Lichtcrfelbe. Alle Bczirksfübrer»nb sonstigen tätigen Partelornossen treffen sich zur erweiterten VorstandsstNiing beim Genossen Ouandt, Hindcnburgbamm Ecke Moltkcstr. um 20 Uhr. Wichtig« Tage». vrtnuna. Erscheinen ist Pflicht._.. 88. Abt. Marienba rf. 10's, Uhr in der Schulaula, Kbnigstr. Vortrag: Die politische Lage. Panzerkreuzer. Referent: Hans Bauer. �„ 123. Abt. Kanlsdorf. 2" Uhr bei Efcherisch, AII-Koulsdorf. Ecke Dorfstr. Vor. trag: Der internationale Kongreß in Brüssel. Referent:. Bernhai� Göring. 127. Abt. Kabrnfchönbanscn. 20 Ühr Mitgliederversammlung für die Kolonie „Weiße Taubc" im Lokal Rußkp. Dingelstödfei: Str. 98.— Di« Genossinnen und Genossen an» Hohenschönhausen sowie Sympathisierende sind herz- lichst eingeladen._„, 186. Abt. Reinickcnbors Ost. 20 Uhr in der Barocke. Lindauer Etr. Vorstand». stßung mit der Fohnenkommisston. Pünktliches Erscheinen eines jeden Genossen ist unbedingte Pflicht.' 137. Abt. Reinickendorf. West. 20 Uhr im Volkshoiis, Echarn weder str. 114. Gründung einer Turn- und Sportabteilung der Freien Turnerschaft Groß» Bersrn.— Alle sporttreibenden Parteigenossen sowie Freunde des Sports find z» dieser Gründungsvcrsammlung dringend eingeladen. • 43. Abt. Achtung! Unser« AHtessiingsnersommliing findet nicht am Mittwoch, sondern erst am Donnerstag, bem 23. August, 20 Uhr bei Rabe. Fichiestr., oberer Saal statt.— Vortrag: Die Veefebesverbältnisse im Bezirk Kreuz- b«g. Referent: Robert Gerber. Gäste können eingeführt werden. Arauenveranskalwngen. 5. Kreis Rr««zbetft. Donnerstag, 23. August, 1�2 Uhr bei Wolf, Grofestr. 'unktionärkonferenz. Alle Abteilungen iniissrn vertreten sein. Wichtige 'T'aqesorbnung. 45. Abt. linset �rauennbenb fallt biesmal aus. DafLr beteiligen sich vle Genossinnen mit ihrer Familie an dem Äreisfrauenausflug am 2. Sep- tcmber nach Eadcnva, Waldfchänke. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Sollesch«- Tor. Heute abend 8 Uhr im Seim Bellc-Alliancr-Plaß. Wicht'gr Hrlferstßuiia. Erscheinen unbedingt noiwendig Krci» Rentöll». Achtung! Treffpuntt oller Kinder-US dem I�Itl-g-r, die noch nicht gewogen worden� find, am Dienstag UM 16 Uhr am Rci.lmlncr Rathaus, Ecke Lchönstcdtstraße. Iungsozialisten. Gruppe Lichtenberg. Heute, Dienstag, 20 Uhr, in der Bücherei, Weichsel» �«bruppc T c mpe l h os. M a rie« bo r s. Heute, Dienstag. 20 Uhr. im Heim. Lyzeum, Tcmpclbof. Eingang Werdlirgstroßr, Vortrag:„Di- Aufgaben der vozialdemo. kratic in der Regierung." Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 3. Kreis Wedding. Die Besichtigung des Ambulatoriums für Jnochen- und gelenttrante Kinder in der Eberswalder Straße(Exerzicrplaßl am Donnerstag, 23. August, muß auf Anordnung des leitenden Arztes bereit, um 12 Uhr stattfinden. Treffpunkt: 11". Uhr»°r dem Emg-ng. Geburtstage. Jubiläen, usw. »3. Abt. Reuköll» Zum 78. Geburtstage wünschen wir»»feie» weit über 30 Jahre arganisierten«rbeitsinaatiben. bem Genossen Friede ick Beiger. Reutölln. Treptower Straße 28,»o» ganzem Herze» ,m Heime feine» Sohne» einen recht frohen Lebensabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei. Organisation� 29. Abt. Am Mittwoch, 18. Aiiqust. verstarb unser langjähriger Genosse, der Involide Eduard B i e r I i ch, Schkiemannstr. 48. Ehre seinem Andenken. Die Einäschcrung hat bereits stattgcfundc». Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu Siosendmigen für diese Rubrtt nur an da» Jngendfekretartah _____ Berlin 62B«8, Tmdenssrat!« J »nnstkurse: Weiter« Teilnehmer de» Grafik.Kursu-, die zum 1. September beginnen wollen, werden gebeten, ibr« Adressen sofort zu richten an Graescr, SW. 81, Großbecrenstr. 63a(Telephon: Bergmann 5826).■ Heute, Dienstag. 19V2 Uhr: Kölln. Park: Heim„Osten", Gr. Frankfurter Str. Ist, Zimmer K:„Wie sollen die Gruppenabende aussehen?"— Bruanenplak: Weltl. Schule. Pank-, Ecke Wiesenstraße:„Einführung in die Grundlehren des Marxismus".— Wcddiag(R. F.): Schule Lüttrcher Str. 4:„Die Berfastuna des deutschen Reiches".— Wcdding Rord: See-, Ecke Turiner Straße:„Die Neichsverfassung. — Falkplatz I: Schule Sonnenburger Str. 20:„Einführung in den Eo�lalis- mus".— Humannplatz: Heim Scherenbergstr. 7: Diskusstonsabend.— Nordost: Heim Danziger Str. l�?:„Die freie Gewerkschaft". Worther Platz: Herrn Kastanienallee 82(Schule):„Worum muß ich freigcwerkschaftlich orgarrrstert sein?"— Westen II: Heim Bülowstr. 88, Zimmer'S bzw. 4:„Stammt der Mensch vom Affen ab?"— Lichterfelde: Heim Lichterfelde.Wcst, Albrechtstr. 14ä>:„Dre Geschichte Lichterfeldes".— Reukölln l: Flughafenbestchtigung(19� Ubr Vc-Irzer- Präsidium).— Renkölln II: Heim Sternmetzstr. 114: Hein,.Rarthel- Abend.— Reukölln III: Heim Flugbafenstr. 88:„Die Kirche in der Karikatur"—Reu» kölln IV: Heim Schrcrkestr. 44:„Unterm Sozialistengesetz".— Rrederschone- weide: Heim Berliner Str. 31(Schule): Funktionärversammlung.— Herms» dort: Heim Roonstraße(Turnhalle), Zimmer 24:„Land und Leute om Rhein". — Reinickendorf. Ost: Heim Lindauer Straße, Baracke I:„Sexuelle Fragen'.— Riederschönhansen: Zcichensaal der Gemeindeschule Vlankenburger Str. 79/71: Berichte vom Dortmunder Iugendtog. HiezUiillilsiiieleM ttNft'llM »iarer ck. Uncken Montajc, 27» August Staats-Oper Am Pl.d. Republ. Wiederbeginn der Vorstellungen Sonnabend, I. September D.enstag.d.21.8. Bismarckstr. Turnus IV Anf. 19(7) U. Staatl. Schaosplelb. An Qtidarmamarkl lerieniialtier gesdilossen! Staatl. Sdiilier-Tlieater.Diarltliji. FeriealialbergeiitilosieDl TDeaier am UotUraster Tor nottbusser Str. 6 Tel.:Mpl.l6077 Heute 8 Uhr Elite-Sänger O.a.;„Lohengrin in Neukölln" Ein Tolltreffir grässter Heiterlieitl Preis Mark 0.50 bis 2.— Mark. BSJÜMt- ThCATCR IM VHIIUUSftUASr HtUTE: PREMIERE 7 Uhr prixi»«. VOßVERKAUF UNUNTERBROCHEN Komisch« I SV, Uhr Oper SV, Ohr I l-IAMBS KUBIN* gewaltige» aaucs Revue* Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende IVonrcrk. ab 10 Uhr geöffn. TewtilnallZzug 5. Klaffe 3L Preuhlfch-Süd deutsche Klasien-Lotterte. Ohne Gewähr Nachdruck verbvta» Aus sebe gezogene Rummer sind zwei gleich hohe gcsallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher in den beide» Abkeilungeu I und U Gewiune Rum««» II. Ziehungstag 20. Augui? 1928 In der Bormittagsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen s»«Winne ,» sooo W. 41SSS 153710 203362> 6 Gewinn. ,u 3000 M. 1759 182377 232393 24»ewinne«n 2000 W. 1230 50157 109408 isosog 19141* 200780 216803 220975 229456 252784 267667 359758 32».nnrni« zu 1000 M. 61486 66057 104322 126631 103075 216641 218204 232412 270937 288936 297454 299663 324565 336309 338780 368752 84 Gewinn, zu 500 AL 28212 39761 51375 57768 65123 67728 7015782007 95100 06345 102234 116138 120175 127119 128069 129382 129895 142291 143636 160100 167890 170282 175758175853 179128 184752 221531 244946 251602 292134 296680 299587 307664 318181 318257 318639 320460 320680 346925 355842 364368 371851 206»«ttinn. zu 300 W. 2696 6074 7679 1 3265 1 3708 1 5572 24798 29755 36353 43531 51362 53463 54386 55943 58742 81151 63944 66S06 66976 72717 73441 75779 79662 62017 62034 63403 83574 9021 7 91592 96714 99148 105900 111158 111735 116962 117368 118861 125759 129375 130088 143315 144611 146172 147691 151165 162486 167108 161113 164240 164368 168377 169693 171412 187653 200705 205494 205800 207219 214350 214600 215881 216087 221608 226373 228005 230075 231336 232865 234288 237977 233675 254759 260257 266619 267006 272692 274227 286387 286345 237047 297612 297656 301424 301721 306682 310846 312485 313580 314174 316263 324609 329674 331011 335132 335682 336074 336766 342657 346474 352905 353587 364319 366068 3n der Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 4 Gewinn. ,» 10000 W. 233429 250293 4 Gewinn, zu 3000 W. 148215 212252 14 Gewinn, zu 2000 W. 33174 92676 143086 148389 218818 291488 326388 Gewinn, zn 1 000 M. 9153 27206 27455 74888 109555 122640 171136 175251 202732 206639 208173 229687 267907 279349 294804 324767a.3innf8n35020®.385799 7992 36202 37262 48081 64396 76664 102821 11 221 9 118441 124983 125446 127948 146140 170074 175356 176645 186263 188822 191185 198054 202777 231173 237914 240345 252719 258848 292084 300250 308640 316631 332083 332561 332961 3?743».w�n2M MO M. 92?537376 7574 12201 14662 16425 17720 1 9400 24438 30440 33237 351 03 43033 47277 48754 49164 50149 55683 71661 73493 76791 79568 84417 84792 88387 V1625 97955 102698 121043 123247'24651 1 MI 82 135650 139295 140633 157681 171507 175647 176625 1 79426 185203'92466 208730 223351 231390 234265 236399 238425 241358 25131 1 256120 262573 263468 264086 264552 278143 281847 288163 291606 293672 300040 305463 307115 313055 315143 315241 320079 324345 325339 327657 328565 331221 332740 334719 349517 352217 353226 355545 356318 357242 393048 363567 364634 306588 3MS15 Im Gewinnrode verblieb««: ZPrämien zu 500000. 2 Gew. zn 300000, 2 zu 100000, 4 zu 75000, 4 zu 50000, 8 zu 25000, 52 zu 10000, 96 zu 5000, 270 zu 3000. 474 zu 2000. 992 zu 1000, 2714 zu 500, 3088 iu 300 SHaxL Eröffnung des neuen Hauses Mittwoch, d. 22. August 1928 730 Uhr präzisa durch Otto Reutter mit Emilit Tidall Myslo.Desh» ABarte IS Pilaee Beantlea 8 Laneaahire Lada Biehard Hajes Cornalla A Eddie Lilian Coldwln Togan 4 Geneva 2l)Vlntergart.-Clrla Lotte Devis Nartinet Die 6 Ethers Orlginal-ikt„Bültes de Saven" aus der Pariaer Polle Bergire- Berne. sowie großer Cesellsehaftsakt mit Gesang und Tanz: gW" Vor 50 Jahren"WU dazu Riesen-Wasser-Fontäne Premiere'ausverkauft. Vorverkauf für die nächsten Tage ununterbrochen an d. Thealerkasse, Dorotheenstr. 16, Zentrum 2819, ferner bei Wertheim, Tietz u. allen Billett-Bureaus u. bekannten Hotels. DeDlidinTlieatei Norden 12310 < U. Ende nach lOVt Zum 74. Male: Artisten inh Max Reinhardt SCAW Die Komödie Bismarck 2414/7516 W.U. Ende 10»/, U. Zum 100. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer Musik v. Snolianskv » Uhr Nollendon 7360 Das sensationelle Sröffnungs- Programm! fierliner Itieaior Ii jrlotlrailr.lO/SI. Mnli.l 10 SV,, Ende nach'0'/, Zum IM. Male: Hastipiel OeutiduiiTb. 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Man wird daher Dank wissen, wenn versucht wird, in Kürze ein streng objektives Bild zu zeichnen. Ganz streng scheiden muß man da zunächst die Tatsache, daß die Pflanzen und Tiere ihre Nachkommen im Laufe der Erd- geschicht« abgeändert haben, von den Versuchen die Ursache und Art dieser Aenderungen zu erklären. An den Tatsachen dieser Aenderung kann man nicht zweifeln. Di« sogenannte„Entwicklung des Lebens" ist tausendfach bestätigt und sichergestellt. Zweifellos geworden ist auch, daß der Mensch in diese Entwicklungslinie hineingehört und daß sie, wenn auch nicht geradlinig, doch im ganzen vom Unvollkommeneren zum Vollkomme- nercn führre. Die Entwicklungslehre des Lebens ist also sicher. Sie wurde von L a m a r ck begründet, und das ist sein unsterbliches Verdienst. Darwin nahm viele Jahre später den Lamarckschen Gedanken wieder auf und versuchte die Ursachen der Fonnenwandlung zu finden, nachdem ihn die Lamarckschen Erklärungen nicht voll- ständig befriedigten. So entstand der Darwinismus, das heißt die Darwinsche Erklärungsart, gegenüber dem Lomarckis- mus, das heißt, die Lamarcksche Art, die Entwicklung zu vcr- stehen. Beide Erklärungen sind bis heut« noch unsichtbar geblieben. Die gesamten Lebensforscher von heute hängen der einen oder der anderen Erklärungsart an. Die Mehrzalst sind Darwinisten, die Minderzahl Lamarckisten. Jeder glaubt die Mehrheit zu besitzen und die heftige Diskussion darüber ist nicht verstummt. Die Darwinisten behaupten, die Ursache der Entwjcklung sei eine mechanisch«(sie werden deshalb auch als Mechanisten bezeich- net). Zufällig entstandene und vcrerblichc Abänderungen verschaffen den lebenden Geschöpfen Vorteile im Kampf ums Dasein: die Be- günstigsten leben länger, pflanzen sich besser fort. Die unvorteil- hafter Ausgerüsteten sterben aus. So ist überoll durch Naturaus- lese(Selektion, daher der Darwinismus auch Selektionslehre genannt wird) das Bessere, Höher« am Leben geblieben und aus einfachen Ansängen mechanisch die heutige Wunderwelt des Lebens entstanden. Man hat gegen den Darwinismus eingewendet, es gebe keine Zwischenstufen mit erst gebildeten kleinen Abänderunzen, die noch nicht vollkommen sind. Ferner nützten dies« Zwischenstufen nichts, zum Beispiel ein Halbauge, das noch nicht sehen kann, sie könnten also nicht die Vorteile im Wettbewerb verschaffen, seien vielmehr«her nur 5)indernisse. Drittens gebe es in der Natur sehr viele Luxussonnen, zum Beispiel wunderbar gefärbte Kleinkrebschen im dunklen Wasser. Unnützliches aber müßt« doch nach der Theorie verschwinden. Viertens hat man festgestellt, C>aß die kleinen Abänderungen meist nicht erblich sind, und wenn ja, immer wieder zu der Stammfonn zurückschlagen. Diese Einwände sind gewichtig und unwiderlegbar: einige von ihnen beruhen auf Tatsachen, die dem Darwinismus zuwiderlaufen. Die Lamarckisten behaupten, die Ursache der Entwicklung sei eine geistige. Der Wille, und ein in den Geschöpfen waltendes geistiges Prinzip forme ihre Körper je nach den Bedürfnissen um. Man hat gegen den Lamarckismus eingewendet, daß dieses geistige Prinzip nach nicht genügend erwiesen sei, um es als Er- klärungsgrund verwenden zu können. Zweitens setze der La- marckismus den Geist als vorhanden voraus, könne also sein Zu- slandekommen nicht erklären. Drittens gilt auch hier, daß man keine Zwischenstufen kennt. Viertens kennt man keine durch Hebung erworbenen neuen Organe, sondern sieht immer nur Verbcsserungen schon vorhandener Organe. Ein Einwand, den man gegen den Lamarckismus gewöhnlich ins Treffen führt, nämlich, daß keine Vererbung erwor- bener Eigenschaften, die er doch voraussetzt, nochgewiesen sei, scheint mir nicht mehr so stichhaltig zu sein, seitdem der Amern keiner Tower an dem Koloradokortoffelkäfcr nachwies.�daß dieser durch Kälte und andere Ursachen ihm aufgezwungene Aenderungen an seine Nachkommen weitergibt. Jedenfalls sind auch die Einwendungen gegen den Lamarckis» mus teilweise gut begründet und so kann man, wenn man ganz objektiv sein will, weder dem einen noch dem anderen absolut recht geben, sondern muß erklären, die wahre Ursache der Lebenscntwicklung ist derzeit noch unbekannt. Es gibt verschiedene Erklärungen, aber gegen jede gibt es auch triftige Einwendungen. Eine dritte Erklärungsart erscheint immer noch möglich. Das ist der heutige Stand des Darwinismus. Die Lachsforelle. Von Otto Ehrhart. Ich hatte nachts von einem auserlesenen guten Essen geträumt: nun wollte nur dxr Morgenbrei nimmer munden. Es war auch gar nicht zu leugnen, daß ich ständig an Fleisch und andere ge- bratene Dinge dachte, die hier oben auf meiner einsamen Almhütte so selten und im Tal drunten so selbstverständlich waren. Bald schwebte mir ein prächtig garniertes Becfsteok vor, groß schön und rund wie eine Vollmondscheibe, bald waren es locker gebratene Vögelchcn, Gänse, Hühner und dergleichen, oder auch nur knusperig braun gebratene Fische, die mich aus meiner Ruhe brachten. Nein, so ging es nicht weiter!, den brävkn Brei, den faden Papp da mochten heute meine Schafe fressen.„Fleisch her!" drohte knur- rend der Magen, und ich mußte ihm recht geben— seit einiger Zeit wurde er arg mit Mehlspeisen überladen. Später liege ich vor der Hütte und überlege. Mein Magen kämpft einen heldenmütigen Kampf gegen meine Faulheit. Sechs Stunden Wegs, meint die, wäre zuviel für einen Brocken Fleisch. Der Magen knurrt bloß drohend, das kann alles Mögliche heißen, z. B.„Du wirst ja schon sehen, was dann los ist" usw„Außerdem", sagt die Faulheit,„ist es so fad im Tal: und überhaupt, es wird beute so heiß, man könnte eher baden gehen oder sonst was tun." Da kommt der Traum dem Magen zu Hilfe. Fleisch, Geflügel, frische Gemüse fahren auf, geröstete Fische.--- Fische! Donnerwetter nochmal! Wie dumm, daß ich nicht gleich daran dachte! Forellen kann ich ja jederzeit im Bache unten fangen! Forellen, Forellen! Die schmecken ja so gut, blau, gebraten, wie ich sie will, und sind so lustig zu fangen! Wie dumm von mir, daß ich nicht gleich daran dachte. Nun brauche ich nicht so schnell ins Tal hinunter und auch mein Magen beruhigt sich wieder... Kurze Zeit danach trabe ich, nur mit der Lederhose bekleidet und den Rucksack am bloßen Rücken den Hang hinab. Es ist schon sehr heiß und daher doppelt angenehm zu fischen. Nun nimmt mich der Hochwald auf. Ich laufe weglos, quer durch die Stämme, den Bach hinunter. Es ist noch ganz still unter den Bäumen— bis plötzlich und unvermutet aus dem Buschwerk eines Waldvcrschlages zwei fette, große Auerhennen fliegen, die den ganzen Wald vcrpöbeln. Zu Tode erschrocken, fährt dicht neben mir ein alter Berghase aus dem Lager und gewinnt schnell in schusselig rührenden Zickzacksprüngcn das Weite. Ein Häher kreischt warnend und zwei Wildtauben werfen sich mit pfeifenden Schwingen unter das Blaudunkcl der Stämme hinein. Reglos lugt ein Eichkätzchcn auf mich herab. Langsam beginnt der Wald wieder zu träumen... Im Verlaufe einer kleinen Stunde stehe ich dann auf dem Ried- sattcl, einem breiten, buckligen Grasboden, voll der schönsten Wiesen- Humen, durch dessen Gnmd ein schnelles, klares Master schießt. Mein Fischwasser fängt schon etwas weiter oben an, deshalb nuere ich am Rande der Wiese unter den Stämmen durch bis dort- hin, i»0 das Wasser in weiten Sprüngen über eine glatte Felswand herunterschießt. Es gibt Zeiten, wo dort keine Fische stehen, aber heute sind sicher welche zu finden. In halbkreisförmigem Boden hat sich das Wasser dort gut halbmeterticf in den Fels gewühlt Gegen diese Stelle pürsche ich nun gut gedeckt an. Es ist, wie ich dachte: vier, fünf, sechs Stück halten flosselnd gegen die Strömung an und schießen dann pfeilschnell unter die schützenden Felsen.' Ihr Anblick genügt, um mich erregt zu machen. Jagdsiebrig streife ich hastig die Hose ab und überblicke prüfend das Gelände. Ja, die Steine kenne ich alle und weiß, wie es fast unter jedem von ihnen aussieht., Das Wasser ist eiskalt. Vorsichtig, mit den Fingerspitzen spielend, areife ich unter den ersten Stein. Di- Finger werden Augen, es ist, als ob ich durch Felsen sähe. Sensibelste Tastinstrumente, melden sie jede Glätte, jede Rauhung oder Verticsung des Gesteins... Tiefer hinab— tiefer in den Riß hinein...! Da— ganz hinten, wo sich der Riß zum schmalen Spalt verengt, weht es schleierhaft kühl an die Haut heran. Hier sitzt sie! Aufs äußerste gespannt, geht nihig und vorsichtig, weitgriffig spielend, die Rechte von unten gegen den Fisch heran. Die Linke deckt breitest nach außen ob... Runde Glätte: der Bauch!— Der Fisch ahnt, was los ist. und drückt sich enger an de» Fels... lln- endlich zart und fUn. wie spielend Wasser, geht die Rechte bis dicht an die Kiemen heran: die Linke saugt sich schnell daneben. So inüßre der Griff sitzen! Eine Äiertelsckunde prüfender Ueberlegung— Daumen und Zeigefinger liegen genau hinter den Kiemen— also— los! Mit einem Schlag krallen sich die Finger um den glatten Leib. der Fisch zuckt und schlägt, aber es ist zwecklos. Mit kräftigem Ruck sause» die Arme aus dem Wasser und in weitem Bogen schnellt der erst« Viertelpsünder an Land. Mit zwei Sätzen bin ich dort. Ein mäßiger Schlag mit dem Kopf gegen die Kante eines scharfen Steines schafft dem Fisch ein leichtes Ende. So— damit wäre der Anfang gemacht... Ich lege dt« blinkende Forelle aufs nasse Gras und decke sie einstweilen mit dem Rucksack zu. Brennesseln oder Sauerampfer gibt s nicht in der Nähe, zwei sicher« Pflanzen, von denen der empfindliche Fisch keinen Geruch annimmt. Fröhlich fisch« ich wieder weiter und habe bald drei weitere Forellen bei der ersten liegen. Einige Löcher sind zu tief, so daß ich mit den Armen nicht hinabgelangen kann. Nun scheint die Gumpe erschöpft. Am Rande sind zwar noch einige Unterschlupse unter überhängenden Gras- und Baumwurzeln— sie werden nicht viel bieten. Vorsichtig untersuche ich auch dies«, weil es mir schon einige Male passierte, daß ich einen Frosch, einen schleimigen toten Fisch oder gar eine wütend beißende Wasserratte sing. Einmal auch in trübem Mooswasser— eine große fischende Ringelnatter. Tage- lang wollt« mir der Geruch ihres widerlichen Exkrementes nicht aus der Nase. Ich bin jetzt vorsickstigcr geworden. Dieser schöne Tag läßt sich eher zu ganz besonders Gutem an. Der klingende Bach ist so fröhlich und hell, so weiß besonnt, daß es eine Lust ist, darin herumzuwaten. Vorsichtig, immer in Deckung, pirsche ich weiter in ihm abwärts. Ein luchtender Crlenbusch! Unter ihm treibt grün und kühl eine tiefe Gumpe ihr stilles, dämmerndes Wesen. Dort drüben blitzt etwas— scheinbar«in dicker morscher Ast. der da im Wasser liegt... Ein Ast? Nein, nein— es regt sich ja! Ein Ast?? Zum Henker! Dort steht die stärkste und schönste Forelle, die ich jemals in diesen Gewässern gesehen! Ich muß mich schwer beherrschen, daß ich nicht vor Freude laut ptz.chie Berge hinaus schrei«. i gjy.iHi'fr. gewottiA nnd ste&avög hää der groß« Rarcher gegen die Strönmng an. Starr wie ein Torpedo und ebenso gefährlich spiung- und schußbereit. Unhärbar gleit« ich näher, aber o weh!— hat ein Blatt gezittert, traf die Ahnung eines Schattens den Gumpenrand?— der Fisch stößt tief in den Grund hinab und oerschwindet im Gewirr großer, sicherer Felsblöcke. Ich bin wahnsinnig erregt... Das steht fest: abwärts kommt dieser Fisch nimmer. Und soll's die größte Müh« kosten, ich muß, ich muß, ich muß ihn haben! So beginne ich mit meiner Arbeit: ober- und unterhalb der Gumpe trage ich große Steine, Aest«, Wurzelstücke und Graswasen zusammen. Damit baue ich beiderseits drei, vier Wehre. Sie sind so gebaut, daß sie eben nach ohne große Stauimg das Wasser durch viel« enge Oeffnungen abfließen lassen— zu klein jedoch, um dem Fisch als Durchschlupf dienen zu können. Dem Vach paßt es gar nicht. Er reißt mir bald hier ein Loch, bald dort eine ganze Ecke weg, aber ollmählich weiß ich ihn doch zu zähmen. Die Sonne steht schon lange über Mittag und brennt mir die Haut in Fetzen, bis ich endlich fertig bin. Zwischen die Wehre habe ich noch täuschende Unterschlupfe gebaut, in denen ich den Fisch, falls er darunter schießt, leicht fangen kann. Noch einmal prüfe ich das Gelände. Es ist alles, wie es sein muß. Mit einer langen dürren Fichtenstange bah-e ich unter den Steinen herum— aber der Fisch kommt nicht. Die Zeit geht, ich bin bald müde in den Armen, aber der Fisch will nicht. Müde setze ich mich hin und überlege, was zu tun ist. Einen Stein unter den Arm nehmen, tauchen und mit der Hand den Fisch---? Da schießt ein dunkler Blitz aus der Tiefe und schlägt klatschend unter dem ersten Hindernis ein. Endlich!! Wie verwandelt bin ich! Jeder Nerv ist beherrscht, jede Be- wegung kontrolliert bis aufs Aeußerstc. Langsam, im Schatten der Erlenbüsche pürsche ich näher. Es zuckt ungeduldig in den Fingern, juckt in i»cn Annen, und ein Gedanke will blitzschnell den anderen jagen. Ruhig jetzt! Ruhig sein ist alles!— Endlich bin ich so nahe, daß ich deutlich sehen kann, wo der Koloß unter dem falschen Deckwcrk verborgen liegt. Der Boden, auf den ich trete, ist schwankendes Moos, über faulendes Wurzelwerk. Bloß kein Zittern! Weich in den Hand- gelenken heran, noch ehe der Boden verräterisch ins Schwanken kommt... Anderthalb Meter noch.. Leise ins Wasser hinein! Im Näherglciten trübe ich das Wasser, sachte mit den Zehen den Grund auswühlend... Jetzt!— ich wage kaum zu atmen— die Hände sinken unter die Aeste, die Finger spielen, sich langsam— langsam— unendlich zart heran. Aber die-Augen brennen fast, so bohren sie sich durch das Gezweig. Da was ist das? Durch die Zweige starrt mich«in großes scharfes Auge an. Unglaublich böse beobachtend, faszinierend vor Wildheit und Gespanntheit. Oh, du ahnst also etwas? Nie habe ich solche Augen erlebt, solch hypnotisch scharfen Blick. Eine Sekunde long bin ich richtig verwirrt, unwillkürlich müssen die Finger etwas von ihrer saugenden Konzentration verlieren. Dann stehe ich auf einmal wie verblödet da. Was war nun los? Habe ich einen Ast gestreift? Quirlend und blasend, in unerhörtem Stoße, schießt es aus der Deckung hervor— schnellt schimmernd schon über das zweite Wehr— jetzt, mit wildem Satze, über das dritte:— ich brülle laut auf vor Wut und Enttäuschung:— da— schießt er dem letzten Hindernis entgegen! Verloren? Dicht vor dem Tier schlägt«in schwerer Stein ins Wasser. Wo kommt der her? Habe i ch geworfen? Ich weiß es nicht und sehe nur, brüllend vor Glück und Jagdlust wie der Fisch pfeilschnell wendet, und wieder zurück, auswärts, unter tm mächtiges Grasstück schießt.'............. � Wie der Teufel flitze ich näher— diesmal will ich schlauer sein! Möchtig trübe ist das Wasser, immer mit den Zehen im Grunde wühlend und schneller als vorhin, aber doch zart, nimmer zur Aerblllsfung aufgelegt, gleiten die Hände unter den Grosklumpen hinein. Ich weiß— dies ist der wichtigste Griff, den ich in meinem ganzen Leben gespielt habe... Der Mittelfinger fühlt Glätte, hier der Bauch, dort die Kiemen! Alle Finger spielen sich heran. Dos Blut rauscht, hämmert, hinter den Schläfen.— Näher!— Di- Rechte dicht hinter die Kiemen!— Klar?— Die Finger gekrümmt, zum Zielen bereit, und jetzt— erbarmungsloser eiserner Schlaggriff In die Kiemen hinein. Der Fisch ist rasend. Das Tier arbeitet, schlägt mit ganz un. erwarteter Kraft. Schnell noch die Linke in die Kiemen hinein? So— und nun würgen. Nicht nochlassen, und wenn die Finger brechen! Das Wasser ist brauntrüb geworden, losgepeitschte Grasstücke treiben rings herum. Tier gegen Tier, ich lasse nicht nach... nie... nie... Die Bewegungen werden matter... Mit ganzer Kraft, den Körper als Hebel einsetzend, reiße ich das Tier heraus. Es knallt brennend gegen die Lenden, schlag nur zu!— und stürze jubelnd vorwärts an Land. Immer weiter—, schreiend, jauchzend— bis in die Mitte der Wiese hinein. Jetzt erst lasse ich los... Aaah! Der Fisch ist mein! Donnerwetter ist das ein Kerl! Wieviel Pfund der wohl wiegen mag?>»— Ach was Pfunde!— Schau doch das Tier an. Wie es leuchtet! Die braunroten Flecken auf dem dunklen Grund! Und dieses gefährliche, fängig« Maul! Der Fisch— ich Hab ihn! Mit einem Steine schlag ich den Riesen tot und stürme pfeisend und singend, überselig, zu meinen Sachen empor. 40 Jahre Gummireifen. 40 Jahre sind jetzt verstrichen, seitdem John Boyd D u n l v p dos Patent für den ersten„pneumatischen" Reisen erlangte und , damit eine ganze große Industrie ins Leben rief, die das Radfahren auf eine neue Gnindlage stellte und den Siegcszug des Kraftwagens erst möglich machte. Aus diesem Anlaß erzählt eine englische Wochenschrift, wie der Erfinder auf diesen glücklichen Gedanken kam: Als Dunlop noch auf der Schule war, siel ihm auf, daß eine große hölzerne Walze sich leichter fortbewegte als eine kleinere, weil, ie größer die Fläche, die sich auf dem Boden befindet, desto geringer der Druck auf jeder Einheit dieser Fläche ist. Er sann daher einer Verbreiterung der Räder nach, aber erst eine Klage seines neun- jährigen Sohnes Johnny brachte ihn daraus, den ersten Gummireisen mit Luft anzufüllen. Johnny beklagte sich darüber, daß er mit seinem Dreirad auf dem schlechten Pflaster der Straße von Belfast gar nicht gut fahren könne: die harten, dünnen Räder verursachten eine Erschütterung, die ihm den ganzen Spaß an Radfahrern raubte. Um seinem Söhnchen zu helfen, machte der Vater aus Gummi zwei Röhren, befestigte sie mit dünnen Leinenstreifcn auf einer hölzernen Scheibe und blies sie dann mit einer Pumpe auf, wie sie zum Auf- füllen des Fußballs benutzt wurde. Diese Reisen wurden dann an einem Dreirad angebracht, das Dunlop für seinen Sohn versertigt hotte. Um 10 Uhr abends war er mit der Arbeit fertig, und Vater und Sohn waren so begierig, die neue Erfindung zu erproben, daß der Junge im Mondlicht ausradclte und um Mitternacht triumphierend heimkehrte. Ein Rennfahrer, der Zweifel an dem Nutzen dieser Radreisen ausdrückte, wurde von Dunlop ausgefordert, mit seinem Jungen um die Wette zu radeln— und verlor. Damit war der große Nutzen der Erfindung bewiesen und der Grund zu Dunlops Rchm«ch ftidtas c_. 1.,.._ J, f Englands Pressetrusts. Die Lndusirie öer öffenilichen Meinung. Die englische P r e's s e, eine Weltmacht ersten Ranges, unter j.eren Einsluß Kriege vom Zaun gebrochen und Verträge geschlossen werden, wird vielleicht noch von manchem ols Sprachrohr des englischen Volkes, als ein Ausdruck der sogenannten össentlichen Mei- nung betrachtet. Noch weniger als in Irgendeinem kapitalistischen Land trisst dies jedoch auf England zu. Denn tatsächlich ist die Presse hier nur das Sprachrohr einiger mächtiger Interessen- gruppen, die in großzügigster Weise die Fabrikation der„ösfenklichen Meinung' betreiben. Der Hauptteil der englischen Presse, der Morgen- wie der Abendzeitungen, der Londoner wie der Prooinzorgane, liegt in immer größerem Umfang in den Händen konservativer Kapitalisten, eine Tatsache, die das zeitweilig so starke Anschwellen der konser- oativen Wählcrzahl erklärt. Die folgende Uebersicht zeigt in großem Umriß die Machtoer- teilung bei den wichtigsten englischen Zeitungen: Name Politische TSaliche der Zeitung d! i ch! u n g Auflage „Daily Mail"..... konservativ 1 860 OOO „Daily Expreß".... konservativ 1 150 000 „Daily News"..... liberal 630 000 „Morning Post".... konservativ 200 000 „The Times"..... konservativ 200 000 „Daily Telegraph"... konservativ 100 000 „Daily Chronicle"... liberal 100 000 Ueber die liberal-dem akratische Presse ist nicht sehr viel zu sagen. Die„Daily News" wurde vor einiger Zeit mit der „Westminster Gazette" verschmolzen.?lm Kapital dieses Zeitungs- Unternehmens sind Kapitalgruppen der englischen Fertigindustrie be- teiligt, in erster Linie der Schokoladen- und Kakaokonzern Eadbury. Was den„Daily Chronicle" betrifft, so galt dies Blatt lange Zeit als Organ von Lloyd George, der sich jedoch gezwungen sah, seinen Anteil vor einiger Zeit zu verkaufen. Der Anteil dieses liberalen Zeitungsunternchmens wechselte alsdann mehrmals seinen Besitzer und gelangte Mitte Juli in die Hände von Mr. W. H a r r i s o n, des Leiters eines der größten Papicrkonzern« der Welt. Er steht an der Spitze der I n v e r e s k- P a p e r- Gruppe, die auch durch Erwerb der Koholyt-Gruppe(ehemals Stinnes-Konzernf Einfluß auf die deutsche Papierindustrie gc- nommen hat. Daß W. Harrison, der schon seit etwa zwei Jahren eine ganze Reihe illustrierter Blätter beherrscht, nunmehr auch eine große Tageszeitung, in Verbindung übrigens mit einer Reihe wich- tiger Provinzblätter, erworben hat, ist an sich heute nichts Beson- dcres mehr: das Interessante an diesem Vorgang ist allein die Tat- sache, daß W. Harrison Mitglied der konservativen Par- t e i ist. Er begründete den Kauf des Blattes damit, daß England eine große liberale presse als Sicherheitsvenlil brauche, und soll angeblich versprochen haben, die Parteirichtung des Blattes nicht zu ändern und Lloyd George nicht anzugreifen. Die konservative Presse wird von den drei großen Trusts Braver- brook, Rothermere und Berry beherrscht. LordBeaoerbrook, der Leiter der London Expreß Newspapers Ltd., einer großen Der- lagsgesellschaft, die auch den„Dail Expreß" herausbringt, hat lange Zeit gegen den zweiten Kanzem, an dessen Spitze Lord Rother- mere steht, den schärfsten Konkurrenzkampf geführt: im Laufe der Zeit sind sich jedoch die beiden Lords darüber klar geworden, daß es für den Profit nützlicher ist, zusammenzuarbeiten, als das Gold in nutzlosem Konkurrenzkampf zu verschwenden. Jedenfalls find kapitalmäßig heute beide Gesellschaften aufs engste miteinander ver- knüpft. Der zweite große Zeitungsagent Lord Rothermere ist der Bruder und Erbe des bekannten Lord Northcliffe. Er selbst ist Grobkapitalist und u. a. an einigen größeren Bahnuntcrnehmun- gen beteiligt. Die Verlagsgesellschaft, in der u. a. die„Daily Mail", ein naiionalistlsches hehblatl schärfster Richlunx, erscheint, die größte Tageszeitung nicht nur Englands, sondern der Welt, nennt sich„The Northclisfc Newspapers Ltd.", ihr Aktien- kapital bcträgi 2,5 Millionen englische Pfund gleich rund 30 Millionen Mark: ihre wichtigste llntergesellschaft ist die„Associa- ted Newspapers Ltd.". Der Reingewinn der letztgenannten Gesell- schaft bezifferte sich 1S23 auf rund 23 Millionen Mark, woraus an die zufriedenen Aktionäre nichtweniger alsäOProz. Divi« d e n d e verteilt werden konnten. Man ersieht daraus, daß in Eng- land die Brauerei der öffentlichen Meinung zu noch höheren Gc- winnen führt als die hochrentable Bierbrauerei. Am Kapital des Unternehmens sind eine Anzahl industrieller Gruppen mitbeteiligt, u. a. steht auch der Weltölkonzern Shell zu ihm in enger Ver- bindung. Uebrigens werden von diesem Konzern noch zahlreich« andere Blätter herausgegeben, u. a. das Sonntagsblatt„Weekly Dispeatch", das eme Aufläge von über 3 Millionen Exemplaren hat. Der Bcrry-Konzern, an dessen Spitze die beiden Brüder Berry stehen, hat als zentrale Berlagsgesellschaft die Allied News- papers Ltd.(4,73 Millonen Pfund Aktienkapital) sowie die Allied Northern Newspapers Ltd.(1 Million Pfund Aktienkapital). Di« erstgenannte Gesellschaft ist der Kern des Unternehmens. Der Reingewinn belief sich 1027 auf etwa 13,3 Millionen Mark, die Dividende betrug hier 14 Proz. Der Konzern, dessen Kapitaltrast insgesamt auf rund eine halbe Mill-arde Mark oeschätzt werden kann, gibt eine große Anzahl Tageszeitungen, Wochenblätter, Monats- revuen usw. heraus, viele hundert an der Zahl, von denen der „Daily Telegraph" am bekanntesten ist. Dieses Bild der englischen Presse, das allerdings nur die wich- tigsten Gruppen widerspiegelt und deren Macht auch nur angedeutet hat, läßt ahnen, mit welchem politischen und finanziellen Erfolg einige wenige Kapitalgruppen England Tag für Tag mit Millionen Zeitungen versorgen und die Ansichten und den Willen der Bevölkerung zu beeinflussen versuchen. Die englische Arbeiterklasse steht daher einer schweren Ausgabe gegenüber, wenn sie gegen diese Zeitungslrusts an Raum gewinnen will. Diese Schwierigkeiten sind für die Labour-Partei um so größer, als sie nicht, wie die deutsche Sozialdemokratie, über eine starke Provinzpress« verfügt, sondern nur auf ihr Londoner Zentralorgan, den„Daily H e r a l d", angewiesen ist. Auf der anderen Seite aber beweist die Stärke und das Wachstum der britischen Arbeiterbewegung, daß der Macht der kapitalistischen Presse- truits Grenzen gezogen sind, besonders wenn sich neben der poli- tischen Aufklärung durch die Partei nach die gewerkschaftliche und konsumgenoffenschaftliche Tätigkeit in der Arbeiterbewegung au>- wirkt. Deutsch- chinesischer Wirtschastsvertrag. Zugeständnis der Meistbegünstigung. Der am 17. August abgeschlossene deutsch-chinesische Wirtschaftsvertrag enthält nur wenig« Artikel. Beide Staaten ver- «inbaren zum Zweck der Durchführung voll« Gleich st ellung in Zollangelegenheiten und unter Ergänzung des Abkommens vom Mai 1021 die gegenseitige M e i st b« g ü n st i g u n g. Di« Bestimmung, wonach deutsche Einsuhrwaren Zölle nach den allge- meinen Zollbestimmungen bezahlen, bis die autonomen Bestimm»«- gen in China allgemein angewandt werden, kommt somit in Fortsall. Beide Staaten werden sobald als möglich weiter« Verhandlungen zum Abschluß eines umfassenden Handels- und Schifsahrts- Vertrages aufnehmen. Wenn auch die revolutionären Unruhen in China den Handels- verkehr der letzten Jahre stark behindert hatten, so weist doch der deutsch-chinefisch« Handel eine günstige Entwicklung in der Nach- kriegezeit auf. Die deutsche Einsuhr aus China, dle vor dem Kriege etwa 131 Millionen betrug, war bis 1023 auf fast 230 Millio- nen Mark gestiegen und hatte nach ziemlichem Rückgang durch die kriegerischen Ereignisse sich im letzten Jahre wieder auf 263 Millionen Mark erhöht. Nicht so günstig konnte sich unter dem Einfluß des unzureichenden Vertrages von 1021 die Einfuhr deutscher Waren nach China entwickeln. Im Jahre 1913 lieferte Deucschland für etwa 130 Millionen Mark Waren nach China und hatte im Jahre 1023. nach dem völligen Stocken des Wirtschaftsverkehrs in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren, erst wieder 118 Millionen Mark erreicht. Die Einsuhr in den letzten beiden Jahren schwankte zwischen 120 bis 130 Millionen Mark. Der deutsche Export setzt sich überwiegend aus chemischen Produkten und Eisenwaren zu- sammen, wogegen China in der Hauptsache landwirtschaftliche Er- Zeugnisse, speziell Oelfrüchte, Oelsaaten und Reis liefert. Da Deutschland außerhalb des Kreises der imperialistischen Großmächte China schon 1921 die Zolloutonomie zugestanden hatte, so fällt dieses erneute Zugeständnis in dem jetzt abgeschlossenen Vertrag nicht so ins Gewicht wie bei dem kürzlich zustande gekommenen amerikanisch-chinesischen Abkommen. Trotzdem mißt die Kuomingtangregierung in China diesem deutsch-chineslschen Per- trag schon deswcgen ein« besondere Bedeutung bei, weil es das zweite wichtige Abkommen einer außerasiatischsn Großmacht ist. Die chinesische Regierung hofft daher mit Recht, daß diesem Vertrag in kurzem ähnliche Abkommen mit den anderen europäischen Groß- mächten folgen werden. 10 Pro,. Maschinrndividende. Di« Industrie der Buchhaltung»- und Rechenmaschinen hatte in der Zeit der Mechanisierung gute Jahre. Sa hat die Astra werke?l.-G. in Chemnitz, ein Spezial- unternehme« für Addier- und Buchhaltunasmaschinen, in dem Ge- schäftsjahr 1027/28 ihre Bemebsüberfchüfse mit 0,94 Millionen Mark mehr als verdoppeln können. Der Reingewinn ist trotz stark heraufgesetzter Abschreibungen auf die Anlagen mit 0,34 Millienen Mark um das Dreifache höher als im Bor- jähre. Die Dividende wurde von 6 auf 10 Proz. erhöht. Wie der Vorstand im Geschäftsbericht oussuhrt, war die Nachfrage im letzten Jähre so rege, daß eine Lagerhaltung Überhaupt nichc mög- lich war und in letzter Zeit die Lieferfristen sogar verlängert werden mußten. Entlassungen bei den Deutschen Werken— Spandon. Bei der Deutschen Jndustriewerke A.-ffl. in Spandau haben kürzlich größere Entlassungen stattgefunden. Zu den verschiedenen Presse- Meldungen teilt die Berwalcung jetzt mit, daß die Entlassung nur als Saisonerscheinung zu bewerten und aus den Absatzrückgang im Landmaschinenbau zurückzuführen ist. An eine völlige Einstellung der Landmaschinenbetriebe wird keineswegs gedacht. Rekordleistung des Großkraftwerkes Golpa-Zschorncwitz. Das der Elettrowerke A.-G. gehörige Krastwerk hat am 13. August fein« bisherige Höchstleistung ü b e r t r o j f e n. Es erreicht««ine Tagesleistung von mehr als 4 Millionen Kilowattstunden. Di« Taaesleistung der drei Großkraftwerke der Reichselektrowerke (Golpn-Zsckornewitz, Lauta und Trattendors) betrug an diesem Tage 6 227 000 Kilowattstunden bei einer Höchstbelastung von 338 170 Kilowatt. Rationalisiernngibesirebungen in der Tllelallwirtschast. In der Metallwalzwerkindustrie bemüht man sich seit einigen Monaten,«in« Verbilligung des gesamten Erzeugungsapparates dadurch herbeizu- führen, daß man in Zukunft bestimmte Normen von Kupfer, Messing, Aluminium, Nickel und ähnlichen Blechen, Drähten und Stangen herstellen will. In Genveinschaft mit den führeichen Der- bänden der metallverarbeitenden Industrie sind Unterausschüsse ge- bildet worden, die die bestimmten Typen für den gewöhnlichen Ge- brauch in der Metallwirtschaft aufzustellen haben. In einigest Gruppen, die nach den Metallen geordnet sind, hat man eine Eini- gung erzielt, so daß man in Zukmnt in Deutschland nur noch eine geringe Typen zahl von verschiedenen Mecallblechen, Stan- gen und ähnlichen Produkten herstellen wird. Splrliusmonopol In Danzig. Der Danziger Senat befaßt sich zurzeit mir dem Plan eines Spiritusmonopols. Wie verloutet, soll jedoch nicht ein Pollmonopol in Frag« kommen, sondern nur ein beschränktes Teilmonopol in der Form eine» Großhandels bzw. Neinigungsmonopols. Amerikas Autsmobilmdustris. Gtarke Verschiebungen in der Produktionsverteilung. Die Autamobilcrzsugung der Vereinigten Staaten und Kanadas betrug in der ersten Hälfte dieses Jahres 2 326 887 Wagen und weist gegenüber dem entsprechenden Zeitraum de» Vor- jahrcs eine Steigerung um 3.8 Proz. aus, im Vergleich zum Rckord- jahr 1026 dagegen eine Abnahm« um 6,4 Pro;. In der Verieilung der Produktion auf die einzelnen AulomobUgefellschaften sind in den letzten Iahren zum Teil sehr erheblich« Verschiebungen eingc- treten. Nachstehende Tabelle gibt Auffchluß über die Entwicklung der Produktion der süns größten Automobilgesell- schaf'cen Amerikas in den ersten sechs Monaten der letzten drei Jahre. Die Produttion der kürzlich fusionierten Gesellschaften Chrysler und Dodge ist in der Tabelle zusammengefaßt worden. 1026 1027 1028 General Motors..., 302 882 886 200 1 073 357 Chrysler- Dodge..». 284865 211 80l 234 204 Ford........ 708 775 380 650 219 816 Willys-Overland,,.. 79 759 120 431 195 523 Di« General Motors Corporation ist feit dem Vorjahrs an die Spitze der amerikanischen Automodilproduzenten vorgerückt und hat ihren Anieil an der Gesainterzeugung der USA. und Kanadas gegenüber 1926 von 23,9 Proz. aus 46,1 Proz. gesteigert. Mit Ausnahm« von Buick haben alle zu diesem Konzern gehörenden Gesellschaften ein« namhafte Produktilmszunahme aufzuweisen. Die bis 1026 cm der Spitze stehende Ford Motor Co. ist dagegen, zum erheblichen Teile allerdings infolge der Produktionsumstellung, an die dritte Stelle zurückgedrängc worden, wobei der Anteil Fords an der Gesamterzeugung von 28,5 auf 9,4 Proz. verringert hat. Chrysler-Dodge war im ersten Halbjahr 1028 der zweitgrößte Automobilproduzent, obgleich die Erzeugung dieses neugebildetcn Konzern» noch beirächilich hinter den Leistungen des Jahres 1026 zurückbleibt. Die in den letzten Monaten schnell ansteigend« Produk- tion der Fordwerk« übertrifft übrigens neuerdings wieder die Er» zeugung von Chrysler-Dodge. Den vierten Platz nimmt Willys» Overland ein. Diese Gesellschaft hat die Hudfon-Essex Mptor Corp. überflügele und ihren Anteil an der Gesamtproduktion seit 1026 von 3,0 auf 8,4 Proz. gesteigert. Das kommende Bleikartell. Sie Folgen der llebmrzeugung. Di« Amerikaner haben kürzlich ein B l e i i n st i t u k tlk New Jork gegründet, das in den nächsten Wochen seine Tätigkeit aufnimmt. An der Spitz« steht der bekannt« Metallsachmonn E. Wormser. und fast alle führenden nordomcrikanischen Blei- hüttengesellfchaften gehören dieser Organisation an. Dem Institut fällt die Ausgabe zu. laufend Berechnungen über die Erzeugung, die Dorröt« und den Verbrauch von Blei anzustellen. Man geht aber in der Annahm« nicht fehl, daß es sich hier um ein verstecktes Kartell handelt, da man neben der Propaganda für eine Ver- größerung de» Bleiverbrauchs auch untersuchen will, vb eine Ein- schränkung der Erzeugung ratsam ist oder nicht. Di« amerikanisch« Industrie kann sich nicht in Monopolbildungen und ähnlichen Organisationen austoben wie die europäische Industrie. da die Gesetzgebung in den vereinigten Staaten eine Preisabrsdo und überhaupt die Bildung eines Monopols, kurz die Kontroll« der imieromerjkamschen Märkte verbietet. Aus diesem Grunde sind die Metallindustrien der Bereinigten Staaten gezwungen, ihr« Kortellplän« zu verschleiern. Ein Propagandainstitut ist immer ein einfaches und zweckdien- lich«» Umgehungsmittel. Außerdem gibt es in Amerika ein Gesetz, nach dem man ein Syndikat bilden kann, wenn ein solches nur die Ausgaben hat, die Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten zu kontrollieren. Nun hoben sich die Verhältnisse in der Bleiwirt« schaft schon seit einer Reihe von Jahren günstig entwickelt. Die Welterzeugung hat sich zusehend« vergrößert, während der Welt- verbrauch mit der Steigerung der Produktion nicht Schritt halten tonnte. Im Jahre 1013 bezifferte sich die gesamte Hütten- erzeugung von Blei auf IL Millionen Tonnen, während sie im Jahre 1027 schon 1.60 Millionen Tonnen betrug, also ein Zuwachs von rund 40 Proz. zu verzeichnen hatte. Der Derbrauch betrug 1013 rund 1,2 Millionen Tonnen und im Jahre 1927 rund 1.38 Millionen Tonnen. Es ist selbstverständlich, daß infolge dieser Spanne zwischen Produktion und Verbrauch die Preise zurückgingen und den Her- ftellern von Blei nicht mehr den Gewinn sicherten, den sie gewohnt waren. Nicht nur die Amerikaner haben ein Interesse an einer Blei- kartellierung, sondern auch die Engländer, deren australische Bleierz- sörderung unter der Preissenkung schwer gelitten hat. Kein Geringerer ol» Robert Horn«, der jeweilige englisch« Schatzkanzler, erklärte kürzlich auf einer Generalversammlung einer maßgebenden Metallhüttengesellschaft in London, daß die Kon- trolle der Erzeugung und der Preise bei Zink und Blei not» wendig sei und daß man ein entsprechendes Abkommen mit den Industrien der anderen Länder treffen müßte. Es überrascht daher nicht, daß vor einigen Togen eine sehr bekannte englische Zeitung eine internationale Bleikonserenz in London für den Monat Sep» tember ankündigte, bei der in Gemeinschaft mit den Amerikanern. de» Deutschen, den Spaniern und den übrigen Bleierzeugcrn ein Abkommen über eine Stabilisierung des Preises ge- troffen werden soll. Bisher ist diese Ankündigung nicht bestätigt worden, aber es ist anzunehmen, daß über das neu gegründete Blei- institut der Weg zu einem internationalen Zusammenschluß in der Vleiwirtjchaft gefunden wird._ Di« Arbeiterbank an der Berliner Börse Die wir hören, hat der Porstand der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, die Zulassung seiner Aktien an der Berliner Börse beantragt. Weiße Zähne:Chlorodont Der berühmte, soeben aus Asien zurückgekehrte Tibetlorsch er Dr. Wilhelm Filchner schreibt uns wie folgt: Von Srinagar aus, dem Endpunkt meiner 2V2 Tahra währenden innerasiatischen Expedition, darf ich Ihnen mitteilen, daß ich mit dem von Ihnen hergestellten Chlorodont wiederum sehr günstige Erfahrungen machte. Meine Zähne sind gesund geblieben und haben immer noch blendend weiße Farbe. Die erfrisdiende Wirkung wurde von mir besonders in heißen Zonen angenehm empfunden. Ich werde das genannte Mittel auch fernerhin in Gebrauch behalten und empfehle es besonders Forschungsreisenden angelegentlich zum Gebrauch. Srinagar, den 16. April 1928. Dr. Wilhelm Fildiner.—(Originalbrief bei unserem Notar hinterlegt.)— Oberzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube I Mit. Chlorodont-Zahnbürsten 1.25 Mk, für Kinder 70 Pf. Chlorodont-Mundwasser Flasche 1.25 Mk. Zu haben in allen Chlorodont- VerkaufssteUetti Man verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersatz dafür zurück.