BERLIN Dienstag 21. Auguft 1928 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntag d. Fugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3 66 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 394 B 195 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffcheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Kammerpräsident und Beamte. Wie es bei der Fürstlich Hohenlohefchen Verwaltung zugeht. In unserer Ausgabe vom 2. August schilderfen wir auf Grund einer Denkschrift, die dem Reichstag zugegangen war, die Zustände bei der fürstlich hohenlohenschen Berwaltung in dem oberschlesischen Slawenzih. Aus einem Artikel, den das fozialdemokratische Hindenburger Tageblatt" veröffentlicht, ergibt sich nun, daß die Hauptschuld an diesen Verhältniffen den Kammerpräsidenten von Kleefeld, den Schwager des deutschen Außenministers Stresemann, trifft. Wir entnehmen dem Artikel folgende Einzelheiten: Wenn wir uns heute mit der Persönlichkeit des Herrn von Kleefeld, des Kammerpräsidenten der fürstlich Hohenloheschen Berwaltung in Slawenziz beschäftigen, so geschieht das nicht, um an ihren menschlichen Schwächen das Gefühl des Hasses oder der Rachfucht zu ergötzen. Herr von Kleefeld ist ein typisches Beispiel jener neudeutschen Katastrophe, die sich in den Nachkriegsjahren und auch schon vorher in unzähligen fürstlichen und adligen Familien in größerem oder fleinerem Umfange vollzog: der Einfluß der Fürsten auf ihre ureigensten Besitztümer wurde immer mehr zurückgedrängt, an ihre Stelle treten bürgerliche Emportömmlinge mit einem harten Gewiffen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß Herr von Kleefeld der Schwager Stresemanns ist und auch sonst zu ihm in Beziehungen steht. Spikeldienst und Günfflingswirtschaft. Kleefelds Werdegang bei der fürstlich Hohenloheschen Verwaltung ist so eigenartig, daß es sich um anderer Dinge millen verlohnt, ein paar Minuten dabei zu verweilen. Als er 1914 zum Fürsten fam, mar Kleefeld preußischer Regierungsassessor a. D. Die fürstliche Verwaltung hatte gerade einen großen wirtschaftlichen Zusammenbruch hinter sich. Auf Empfehlung des Grafen Hermesberg wurde Kleefeld zur Reorganisation der Riesenbetriebe herangezogen Mit einem Male war der feudale patriarchische Geist in der fürstlichen Verwaltung verflogen. Stand bis dahin der Fürst zu seinen Beamten wie der Freund zum Freund, so trat darin jetzt durch Kleefeld eine radikale Aenderung ein. Mit vielen Opfern wurde ein Spigeldienst großgezogen, der Kleefeld über alle Dinge, felbst der fürstlichen Familie, geschweige denn der Beamtenschaft, im laufenden hielt. Gemeinsam mit dem Spigeldienst hielt eine groß angelegte Günstlingswirtschaft in der Verwaltung Einzug. An die Stelle fachlich gut vorbereiteter Beamten traten neue Leute, die dem Vermögensverwalter des Fürsten zum Munde sprachen, aber sonst nichts konnten. Etagendirektor wird Kammerdirektor. = Ein früherer Etagendiretter des Berliner Hotels Esplanade" wurde mit einem Schlage Kammerdirettor. Heinrich heißt der brave Mann. Ein Schulfreund Heinrichs, ein Dachpappenfabrikant, wurde Forstdirektor(!), um allerdings recht schnell fläglich zu scheitern. Und so ging es fröhlich weiter. Ebenso schnell kehrte die dritte Begleiterin einer brutalen Machtpolitik ein: die durchaus ergreattionäre Behandlung der Beam ten und Angestellten, wozu ja gerade die Inflationszeit tausend Gelegenheiten bot. Sie spielen in der jetzt dem Reichstag vorliegenden Dentschrift eine große Rolle. An dem Streik der Forstbeamten und an der darauf erfolgten fristlosen Entlassung altgedienter, braver Beamten war der Herr von Kleefeld schuld, der es sich sogar noch gestattete, die Beamten zu verhöhnen. Er, der nach der Angabe der„ Ostdeutschen Morgenpost" sechs bis sieben Millionen Mart Vermögen hat, wagte es, den in der Inflation ohne eine entsprechende Aufwertung ihres Gehalts notleidenden Beamten ins Gesicht zu sagen: ,, Was wollen Sie denn, meine Herren. Ich für meine Perfon bin froh, wenn ich mir jährlich einen Anzug kaufen und ein Frauenzimmer aushalten fann." Kleefeld will es. I Die Milch der frommen Denkungsart. Um den Verbrauch der Milch zu fördern, wurde in Hamburg ein Propagandazug durch die Stadt veranstaltet. Unser Bild zeigt Schornsteinfeger, Kammerzofe und Milchmann in trautem Verein als Propagandisten der Milch der frommen Denkungsart, Die Grönlandflieger verschollen. Keine Nachricht von Haffel und Cramer. Von den Ozeanfliegern Hassel und Cramer liegen noch immer teine meldungen vor. Es verstärkt sich die Vermutung, daß die Flieger auf das Waffer niedergehen mußten und den Tod in den Wellen gefunden haben. Der amerikanische Dampfer ,, Marion", der sich augenblicklich in Labrador befindet, hat von der amerikanischen Regierung den Befehl erhalten, Nachforschungen nach dem vermißten Flugzeuge anzustellen. Verloren gegeben! Die Ueberseeflieger Hassel und Cramer werden nunmehr verloren gegeben, nachdem von jämt lichen Schiffen, die sich im fraglichen Gebiet befinden, gefunkt worden ist, daß sie keine Spur von den Fliegern gefunden haben. Die Suche nach der„ Latham". Ein interessanter Brief. Keine Spur von Amundsen. Oslo, 21. Auguſt. · Derselbe Herr von Kleefeld ist es, der die Prozesse der Forstbeamten und deren Hinterbliebenen vor vielen Gerichten Deutschlands jahrelang hingeschleppt hat, so daß die bedauernswerten Leute heute noch um ihr Recht lämpfen müffen. Es bedarf keiner Erwässer füdwestlich von der füblich von Spitzbergen gelegenen Hoff. Der Dampfer ,, Michael Sars" hat in den legten Tagen die Gewähmung, daß derselbe Mann, der für die Beamten kein Herz hatte, wässer füdwestlich von der südlich von Spißbergen gelegenen Hoffmähmung, daß derselbe Mann, der für die Beamten fein Herz hatte, nungsinsel und die Hütten auf der Insel selbst abgesucht, ohne eine für sich selbst um so mehr besorgt war. Es liegen Zeugenaussagen und Briefe in Hülle und Fülle vor, die bestätigen, daß Herr von Spur von der„ Latham" zu finden. Der Dampfer wird seine Nach. und Briefe in Hülle und Fülle vor, die bestätigen, daß Herr von forschungen nun in nordöstlicher Richtung fortsetzen. Während der Kleefeld der eigentliche Herr des fürstlichen Befizes mar. Was er wollte, mußte der alte Fürst tun. Es geschah bisweilen, daß der alte Christian Kraft von Hohenlohe meinend dem einen oder anderen Bemerken: Kleefeld will es. datierten Brief des Holländers van Hoggendorf, in dem er mitteilt, er sei irrtümlich auf der Hoffnungsinsel gelandet und sei ohne Lebensmittel und Waffen. Trotz der Nachforschungen auf der ganzen Insel wurde niemand aufgefunden. Man glaubt, daß van Hoggendorf an Bord eines vorbeifahrenden Schiffes gegangen ist. Ein neuer Flugreford. Um 8 Stunden gedrückt! Der befannte amerikanische Pilot Arthur Göbel stellte für den Flug quer über den amerikanischen kontinent einen neuen Reford auf, in dem er die Strede von Cos Angelos nach New Yort in 18 Stunden, 58 Minuten zurücklegte. Der bisherige Rekord für diesen Flug betrug 26 Stunden, 50 Minuten, so daß beinahe acht Stunden durch den neuen Rekord aufgeholt find. Göbel hat sich bereits im vorigen Jahre als Sieger in dem Wettfliegen St. Franzisto- hawai einen Namen gemacht. Weber 300 Tote! Der Orfan auf Haiti. Suche auf der Hoffnungsinsel fand man einen vom August 1928 Orfan 200 übersteigt. Man glaubt aber, daß außerdem in den Aus Haiti wird gemeldet, daß die Zahl der Tofen bei dem Teilen des Landes, wo die Verbindungen noch unterbrochen find, sich noch mindestens 100 Tote befinden. Die Zahl der Etwa 600 Häuser sind zerstört worden. Der Ernteschaden wird auf eine Million Dollar geschäht, alterprobten Beamten fündigte, meinend aber mit dem verzichtenden Arbeiterkampf gegen Hugenberg. Berlebten beträgt annähernd 1000. Gortschung auf der 2. Seite) Bericht 2. Seite. Der Kammerpräsident. (Fortschung von der 1. Seite.) Wie sehr Kleefeld dabei auch an sich dachte, geht darou» hervor, daß er sich mit dem Grafen Hermesbcrg auf Kottulin und mit einem zweiten Verwandten des Fürsten in das Kuratorium der ganzen Erbschaft testamentarisch bestimmen ließ. Ohne ihn und llzermesberg geschieht auch heute nichts im Hohenlohcschen Besitz, ganz gleich, ob es sich um Jndustriebcsitz oder landwirtschaftliche Angelegenheiten handelt. Wie war es in der AuffiandSzeit? Eine Tatsache berührt besonders merkwürdig: die enge Der- bindung, die zwischen der fürstlich Hohenloheschen Verwaltung und den Polen während der oberschlesischen Aufstände bestand. Auch hierbei spielte Kleefeld die Hauptrolle. Er war es, der pol- nischen Agitatoren Pferd und Wagen zur Verfügung stellte! Heute zwei neue Beweise für die zweideutige Haltung des Herrn Kleefeld: der erste befindet sich in einer Beschwerdeschrist eines Revisors der fürstlichen Verwaltung. Es heißt darin: Am 29. Juni 1919 besaß ich das Vertrauen des fürstlichen Kammerpräsidenten noch in dem Maße, daß er in Gegenwart des Herrn Kammerdirektor Pierkart nach meinen polnischen Sprach- kenntnissen forschte, in der Absicht, mich bei seiner v e r- traulichen Verhandlungen mit dem polnischen Staatskommissar in Kattowitz zu verwenden." Und der zweite Beweis, der vielleicht noch stichhaltiger ist: das eidliche Zeugnis eines sürstlichen Försters a. D., das folgenden Wortlaut hat: „Kammerpräsident von Kleefeld' wurde 1920 und 1921 von der Leitung des Selbstschutzbataillons Gleiwitz auf Grund seiner deutschfeindlichen Bestrebungen im Hotel „Esplanade"(Berlin) dauernd unter Bewachung gestellt, ist aber stets entwischt. Zeuge: Hauptmann Nitsch-Gleiwitz, Bataillonsschreiber Schwientek in Dudnau(Kreis Gleiwitz) vom Selbstschlitzbataillon Gleiwitz.", Und dieser Mann bemühte sich, Reichskommissar in Oppeln zu werden! Nur scharfe Angriffe in der Oeffentlichkcit konnten dieses Unglück verhüten! Vor 14 Iahren nichts, heute 2 Millionen schwer. Was bleibt. übrig, um dieses oberschlefische Sitten- bild abzuschließen? Vor vierzehn Jahren noch ohne Besitz— heule sieben Millionen schwer, Besitzer eines Schlosses in Thüringen »nd eines Rittergutes, nahezu uneingeschränkter Verwalter des fürstlich Hohenloheschen Besitzes, Schwager des deutschen Außew Ministers, ist Kleefeld der typische Vertreter einer bestimmten Gattung von Emporkömmlingen. Was die großen Industriekapitäne bereits im 18. und 19. Jahrhundert dem Fürstentum nahmen, das tat Kleefeld in diesem Jahrzehnt am Fürsten Hohenlohe. Allerdings ohne geschichtliche Größe, ohne eine versöhnende Menschlichkeit. Emporkömmling, der er war, bleibt er auch heute ein Mensch, den viele hassen und den niemand liebt. Oer Kampf gegen Hugenberg. Oeuischnationale Aucharbeiter löken wider den Siachel. Oer Konflikt in der Herrenkonsektion. Morgen beginnen Streikaktionen. Bekanntlich war für die Herrenkonfektion«in Lohnschiedsspruch gefällt worden, der eine durchschnittliche Lohnerhöhung von etwa 11 Proz. vorsah. Die Unternehmer lehnten diesen Schiedsspruch ab. die Arbeiter nahmen ihn an und beantragten seine Verbindlichkeitserklärung. Die Verbindlichkeitserklärung wurde jedoch im Rcichsarbeitsministerium abgelehnt. In der Begründung dieser Ablehnung hebt das Ministerium neben sormalrechtlichen Bedenken hervor, daß«ine weitere Lohn- c-höhung auch von den Unternehmern als billig erachtet werde, wes- halb diese sich bereit erklärt hätten, auf der Grundlage einer Er- h ö h u n g vonbbis 7Proz. zu verhandeln. Das im Schieds- spruch vorgeschlagene Ausmaß der Erhöhung sei nach Ansicht der Unternehmer wirtschaftlich nicht zu rechtfertige» und es bestünden in der Tat begründete Zweifel, ob diese Lohnerhöhung für alle Unternehmungen der Branche tragbar sei. Zu dieser Sachlage nahmen die Vertreter der Konsektions- orbeiter am 14. August Stellung und beschlossen, die Anerkennung des Schiedsspruchs vom 19. Juli von den einzelnen Firmen zu fordern. Wo diese Anerkennung verweigert wird, soll die Arbeit eingestellt werden. Morgen, Mittwoch, soll bereits die Arbeitsein- st« l l u ng an den größeren Konfektionsplätzen wie Berlin, Breslau, Stettin, München, Stuttgart, Mannheim, Frankfurt a. M., Afchaffen» bürg und Elberfeld ihren Anfang nehmen. Durch diese Aktion wird bereits ein echeblicher Streikumfanz erreicht. Von der Haltung des Arbeitgeberverbandes wird es ab- hängen, ob der Kampf eine weitere Ausdehnung in den nächsten Tagen ersährt oder ob es zu einer Verständigung kommt. Die noch nicht am Kampfe beteiligt« Konfektionsarbeiterschaft hält sich in Kampfbereitschaft, um dann, wenn Anweisung gegeben wird, mit für die Forderung zu kämpfen. Die Meiallafbetteraussperrung im Oilttreis. Dillenburg, 21. August. Am gestrigen Montag erfolgten hier auf Einladung des Land- r a t s Besprechungen der an der Aussperrung in der Metallindustrie an der Dill und Oberlahn beteiligten Unternehmer- und Arbeit- Nehmerverbände, die jedoch zu keiner Einigung führten. Der Landesschlichter für Hessen-Nassau, Gewerberat S ch i ll i n g-Hanau, wohnte den Verhandlungen bei und hat sich erboten, den Parteien einen Einigungsvorschlag zu machen. Am 23. August soll eine weitere Sitzung in Siegen über den Bor- schlag endgültig entscheiden._ Die Wirbelstürme in(Südamerika. Minnesota schwer heimgesucht. Sl. Paul. 2t. Augusi.(USA.) Die w i r b e l st ü r m e, die gestern abend IN i n n e s o l a heimsuchten, haben besonders starke Verheerungen in Südminne- sola angerichtet. Eine Frau wurde aus ihrem Haufe von dem Sturm eine halbe Meile durch die Luft in einen Sumpf geschleudert, wo sie t o t ausgesunden wurde. In der Stadt Austin wurde durch den Tornado ein großes Theater vollkommen zerstört. Die hugenberg-partei hat dem Deutschnationalen Arbeiterbund gnädigst erlaubt, in Bielefeld am 19. August zu tagen und neue Sahungen zu„beschließen". So stand es wenigstens aus dem Programm. Sie logen aber bereits am gleichen Tage gedruckt vor. wurden jedem Dele gierten mit auf den weg gegeben und das war die ganze „Beratung". Ueber die unter Ausschluß der Oesscntlichkeit lagende Konferenz wird uns zuverlässig berichtet: Da saßen sie, die kleinen Packesel der Großkapitalisten- und Großagrarierpartci, im schwarzweißrot dekorierten Saal des Evan- gclischen Vercinshauses und wollten„mit Gott für Kaiser und Hugenberg" die„marxistische Flut" bekämpfen. Aber so fein die Regie auch arbeitete, man konnte selbst auf diesem gelben Kongreß nicht verhindern, daß sich die Klassengegensätze a u s t a t e n. Anstatt Karl Marx totzuschlagen, grollte es gegen Hugen- b e r g und seine Freunde, bis man schließlich wehleidig feststellte, die Arbeiter hätten in der vllvp. ja doch gar nicht» zu sagen. Das ging schon ganz deutlich aus dem Referat des preußischen Landtagsabgeordneten L i n d n e r hervor. Er war des Glaubens gewesen, daß der Zug im deutschen Volke immer weiter nach rechts ginge, während man nach dem 20. Mai feststellen müsse, daß man sich nach rückwärts entwickle und die Sozialdemokratie stärkere Kräfte zeige als 1918. Die Niederlage der Deutschnationalen führte er auf die Zurückweisung der Agitation des Arbciterbundes zurück. Der Bundesvorstand habe der Partei vorgeschlagen. von sich aus 8000 Versammlungen durchzuführen, es seien aber nur 2000 genehmigt worden! Statt dessen habe die Partei geglaubt, mit der Beamtenbesoldung Geschäfte machen zu können, es sei aber nichts dabei herausgekommen. Lindner wurde dann deutlich —„wir sind ja unter uns!" sagte er— und gestand zu, daß der M i t t e l st a n d und die Bauern sich abgesondert und in eigenen Parteien zusanimengeschlossen hätten, wit den Dauern habe man verhandelt, mit den Arbeitern habe man so etwas nicht für nötig befunden! Sehr ungehalten äußerte sich der Redner dar- über, daß die Arbeiterkandidaten überall an eine aus- sichtslose fünfte o'er sechste Stelle auf der Kandidatenliste gestellt seien. Um aber auch hier kein Unglück aufkommen zu lassen, bestimmt die neu diktierte Satzung, daß„über Er»st- Arbeiter- kandidaten mit dem Vorstand des Dcutschnationalcn Arbeiter- bundes eine Verständigung herbeizuführen ist". So behält Berlin alles in der Hand, das Renommieren dürfen die deutschnationalen Arbeiter im Lande besorgen. Von den Rednern der Deutsch nationalen im Wahl- kämpf stellte Lindner fest, daß sie viel Unheil angerichtet hätten, da sie kamn für ein« Festrede zu gebrauchen gewesen wären. Interessant war die Stellung dieses Redners zur Republik. Er propagierte den Kampf umdie Macht„in diesem Staate, wie er nun einmal ist". Die deutschnationale Arbeiterschaft werde am allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht keine Ab- st r i ch e z u g e b e n, da sich jede Aenderung gegen die Arbeiterschaft auswirke. Er erklärte seine bejahende Stellungnahme zu den Grundsätzen der Weimarer Verfassung, soweit sie gestatte, für die große deutschnationale Bewegung zu arbeiten. Sic dürfe vorläufig nicht geändert werden! Den Fall Lambach bezeichnete er als eine der Krisenerscheinungen in der Partei. Es handele sich nicht um die Frage Monarchie oder Repu- b l i t, dieser Streit sei nur vorgeschoben vor das Auf- begehren der Berufsstände(er meint den Proletarier) gegen Großkapital und Großbourgeosie. In diesem Zu- sammenhang erzählte Lindner einige interessante Vorgänge in der Hugenbevg-Partei, einmal ein Schreiben des Arbeitsausschusses deutschnationaler Industrieller(Gruppe Hugenberg) an die Leiter der Landesverbände des Deutschnationolen Arbeitcrbundes, in dem gegen jede V e r.ö f f e n t l i ch u n g des Artikels von Lambach Stellung genommen wurde. Gleichzeitig wurde dem Deutschnationalcn Arbeiterbnnd verboten, ohne Genehmigung der Partei ein Rundschreiben de» berufsständigen Ausschusses ins Land gehen zu lassen. Es zeige sich ganz deutlich, daß der Fall Lambach aufgeworfen sei, um einen Machtkampf zwischen Unkernehmern und Arbeitern in der Partei zu entfesseln. Ironisch erwähnte Lindner den„Bergmannstag" in Berlin, mit dem Hugenberg renommiert habe, ohne daß Bergleute anwesend gewesen seien. Lindner schloß mit einem wehleidigen Aufruf:„Wir lassen uns nicht herausdrängen aus der Partei, nicht von Drahtziehern, nach von neugebackenen Reichs- tagsmitgliedern gefügig machen. Wir verlangen Heimatbercchli- gung(!) der Arbeitervertreter in der DNVP. Eine Schlacht ist oer- loren, sie soll nicht zur Niederlage werden." Aus diesem Grunde verlangt« der Redner«ine genügende Sozialpolitik und vor allem auch Landarbeiterschutz, an deren Ge- staltung der Arbciterbund ein Mitwirkungsrecht haben müssen. Auf der Grundlage dieses Referats bekam Herr Westarp als Parteivorsitzender ein Telegramm, in dem es ungefähr heißt: „Der achte außerordentliche Bundestag de« Deutschnationalen Arbeitcrbundes wird an der Einheit der Partei nicht rütteln lassen. Wir stehen als doutschnational« Arbeiter im Kampf um Einheit, Sozialpolitik und Vaterland. Nicht die Vorrechte einzel- ner dürfen maßgebend sein. Wir sind entweder sozial oder sind es nicht." Die nachfolgende Diskussion zeigte die vollkommener Zerfahren« heit und Gegensätzlichkeit der schwarzweißroten Aucharbeiter. Die einen schwammen in nationalistischen Phrasen, man wollte sogar die schwarzweißrote Fahne wieder auf das Straßburger Münster bringen, die andern appellierten an die Gesinnung der Arbeitgeber! Cm Redner ging in der Kriecherei so weit, zu verlangen, daß die deutschnationalen Industrieherren aufgefordert werden müßten, sich besonders der arbeitslosen Mitglieder anzunehmen, damit sie nicht immer zum Stempeln ziehen brauchten! Es sielen auch Worte, daß die Arbeiter Ausbeutungs» Objekte seien, aus deren Blutstropfen die Arbeitgeber ihr Vermögen zusammenrafften. Es wurde sogar von der„perversen Sozialpolitik" der �Deutschnationalen Volkspartei gesprochen. Sobald aber die radikale Gruppe deutlich werden wollte, oder Namen wie Hugenberg, Klöckner nannte, wurden solche Ausführungen durch einen Hagel von Zwischenrufen erstickt. Das hinderte aber nicht, daß die Ausführungen fast aller Redner dem Kampf der Arbeiter um die Geltung in der Deutsch- nationalen Volkspartei gewidmet waren. Man wolle nicht immer Anhängsel bleiben, sondern Mitberater sein. Fromme Wünsche ohne Aussicht auf Erfüllung, denn Schafe sind' im Löwen- zwinger weder Anhängsel noch gleichberechtigt. Die poisdamer Typhuserkrankungen. Ein Toter, weitere Erkrankungen. Die Typhuscrkrankungen in Potsdam und Umgegend zeigen noch immer keinen Stillstand. Von gestern zu heute sind ungcsähr sieben neue Fäll« in die Krankenhäuser eingeliefert worden, so daß die Zahl der Erkrankten jetzt über 40 beträgt. Glücklicherweise sind die neuen Fälle nicht allzu schwerer Natur, so daß die Aerzte hoffen, die Erkrankten am Leben erhalten zu können. Leider ist heut« der erst« Todesfall an Typhus zu verzeichnen. Es ist einer der Kranken aus der Stadt Potsdam selbst gestorben. Falls nicht noch ein den Behörden bisher nicht bekannter Typhusherd besteht, dürften die neuen Typhusfälle durch Kontakt mit Bazillen- trägcrn oder Kranken entstanden sein. Typhus und seine Ursachen. Wir erlzalten zu unserem Aufsatz„Typhuscrkrankungen und ihre Ursachen" diese Zuschrift:„Am 16. August, vormittags. stellte der Arzt bei meiner Tochter Scharlach- und D i p h t c r i e verdacht fest und ordnete«ine sofortig« Ueberführung in ein Krankenhaus an. Sowohl der aufnehmende, als auch der Stationsarzt gaben die gleiche Diagnose. Bis heute, Sonntag, den 20. August, ist noch keine Desinfektion meiner Wohnung vorgenommen worden. Ich bin der Auffassung, daß zur Vermeidung einer Verbreitung der Krankheit eine Desinfektion sofort vorgenommen werden muß und nicht erst nach«inigen Tagen, in welchen die Ansteckungskeime weitergetrogen werden können." Wir vermögen dem nur zuzustimmen. Nieger in Gesangenschast. Von afrikanischen Eingeborenen festgehalten. Paris, 21. August. Dem„Journal" wird aus Rabat berichtet, daß die Be« mühungen zur Befreiung der seit etwa zwei Monaten von einem Maurenstamm gefangen gehaltenen französischen Berkehrssliezer Reine und S c r r c, die an der Nordwestküste von Afrika not- landen mußten, noch immer nicht zu einem Ergebnis geführt haben, obwohl man den Eingeborenen hohe Belohnungen angeboten habe. Zwei Tatsachen erschweren die Verhandlungen, erstens, daß die völkerrechtlichen Abmachungen nicht die Verfolgung auf das s p a- nische Gebiet des Rio del Oro erlaubten und die spanischen Behörden selbst eine Politik der Neutralität einnähmen, und zweitens, daß der kleine Stamm von einem größeren Stamme im Innern des Landes gezwungen worden sei, ihm seine Gesänge- ncn auszuliefern. Achtung, Kürschner Wegen Lohndisferenzen bei der Pelzwarenfirma M a y« r u. E o.. Lindcnstraße 30, haben sämtliche Kürschner und Näherinnen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Deutscher Bckleidungsarbeiter-Verband, Filiale Berlin, Sebastianstr. 37/38. Gowjet-Bureaukratie in der eigenen Karikatur. Die klassenbewußte Kuh. „Liebe Tante Kuh, hast du nicht ein bißchen Milch für mich?" „Da mußt du erst nach dem Milchamt gehn und dir eine Karte holen und dann brav anstehn, bis du an die iReihe kommst."(Smekhakh. Alaska«.) „Weshalb habt Ihr denn da den schönen Zyllnderbut als Vogelscheuche benutzt?" „Unser Dorfkomitee hat aus Moskau eine Sendung Baumaterial für landwirtschastliche Zwecke geschickt bekommen..(Krokodil. Al«,k«u) Der goldene Füllfederhalter. Traumfahrt im Fremdenwagen... Die Empfang Baris, 21. Auguft.( Eigenbericht.) Staatssekretär Kellogg wird bei seiner Ankunft in Le Havre von dem Bürgermeister der Stadt begrüßt werden. Bei dem Empfang, dem die Spigen der Behörden und die Konsule der auswärtigen Mächte beiwohnen werden, erfolgt die lleberreichung eines Füllfederhalters an den Staatssekretär im Namen der Stadt. Der Füllfederhalter ist aus Gold hergestellt; er trägt eingraviert die Wappen von Le Havre von Olivenzweigen um geben, sowie eine Widmung. Auf die Kapsel ist eine lateinische Inschrift graviert:„ Wenn Du den Frieden willst, bereite den Frieden vor.“ Der Kopf trägt das Monogramm des Staatssekretärs. Kommt her zu mir alle... fagt Kellogg zu Tschitscherin. London, 21. August.( Eigenbericht.) Die amerikanische Regierung hat am Montag offiziös erklären laffen, daß bisher an dem Rellogg- Baft unbeteiligte Re gierungen nach der Pariser Zeremonie ihren Beitritt zu Illustrierte Zitate. V. , Ueber allen Gipfeln ist Ruh'!" ( Goethe) dem Kriegs Mechtungspatt erflären fönnten und damit Dollberechtigte Baftmitglieder würden. Diese Erflärung mird allgemein als eine Art von Einladung an Rußland und Spanien betrachtet. Eine Angstreise durch Oberbayern. Weiß- blau" ist in Oberbayern während der Fremdensaison| uns die Nähe eines bayerischen Königsschlosses an. Lugus, Majestät patentiert wie ein Sparglühftrumpf. Da fleitert das Farbenpaar von den Fahnenstangen herab, springt aus den Almenliedern und vom Emailanstrich der Trambahnen weg. Und allein der Himmel und die Regierung behalten ihre Schieferschwärze trok der Zimmerpreiserhöhungen. Weißblau himmeln die Fremdenautos, die als Devisensprengwagen jeden Morgen wie die Feuerwehr ins Gebirge ausrüden. Am Münchener Blah'l, wo Dachau und die Filiale des bayerischen Rultusministeriums fich gegenüberliegen, steigen wir ein... Hundert Zentner Fremdengewicht schaukeln startbereit, der Führer durchzieht mit einem almenrauschroten Taschentuch sein Sprachrohr wie den Zylinder einer Petroleumlampe, und ein Händler verkauft in der Haft der Abfahrt den alten Reft seiner Oktoberfestkarten als Momentaufnahmen vom Münchener Glaspalast. Oh Wälder weit und Höhen..! Und dort die Zinnen und Mauern einer mitteralterlichen Stadt..? ... Hier sehen die Herrschaften Münchens populärste StrafHier sehen die Herrschaften Münchens populärste Straf anstalt... Dort pflegt das Schafott zu stehen, welches das Ende bayerischer Rechtsprechung versinnbildlicht...!" Alle erheben sich von den Siten von wegen der traurigen Stätte. Aber alle Ehrfurcht hilft nichts: die Mauern sind zu hoch und nur das Schild ,, Unberechtigten ist der Zutritt verboten!" wird sichtbar. Und jetzt Wälder, Wälder und Wälder. Und jetzt wird's echt um und um, die Bodenständigkeit nimmt umgekehrt proportional zur Fahrsicherheit zu. Das Gebirge nähert sich der Augenweide von tolorierten Ansichtskarten. Sachsen erschauern wie vor der Wandschrift Belsazars. Hundert Zentner Fremdengewicht wird elektrisch geladen und knistert als geriebenes Razzenfell. Dreißig Kilometer Umweg führt uns an ein seltenes NaturSchauspiel. Ein Grandhotel mit Zitherjodler- und Jazzabteilung empfängt uns mit offenen Terraffen und Armen. In einem Bergfee spiegeln fich Weinkarten, Tennisplätze und 20 Proz. Trinkgeld ablösung. Bor vielen Jahren sagten sich hier die Wilddiebe noch Gutenacht und jetzt begrüßen sich die Lagediebe mit good morning. Berge, Spannung und Pensionspreise steigen. Und das fündigt „ Klingende Wellen." Preffevorführung im Schwechtensaal. und Berschwendung schlagen Kreise weit um sich her und mir fahren gehorsamst in sie hinein. Museumsdiener bewegen die Hände Schwäne wie Flossen und fächeln mit Kiemen Trinkgelder an. schwimmen um Spudnäpfe und Nachtgeschirre und hier haben Seine Majestät siebenmal über etwas nachgedacht und dort elsmal geschlafen. Allda geruht das Prachtbett zu stehen und die Gardinen höchstdesselben wiegen notariell beglaubigt fünf Zentner. In den Nischen niften mehr filberne Engelein als in einer Dreizimmerwohnung Wanzen brüten. Und jede Woche einmal wird das fönigliche Schlafgemach als Filmatelier vermietet, damit wieder ein Fürstenschicksal die Welt in ihrem dunklen Drang erquide. Die 100 Zentner schwere Fremdenfuhre verläßt monarchistisch erfrischt und körperlich erschlagen dies Königsschloß- um noch am gleichen Tage die vier anderen, ebenso königlichen Märchenbauten hinter sich zu bekommen. Als Reiseandenken paden wir eine Serie Jodler, drei Liter Alpenglühen, einen Ballon Sennenduft und zwei Zentner dreifaches Echo in unsere Rucksäcke- und nähern uns so wieder unseren hübsch möblierten Hotelzimmern, die inzwischen anderweitig vermietet wurden. Die Nacht verbringen wir in einem Kabarett. Der Regen scheint allmählich aufzuhören, um in einen Wolfen. bruch überzugehen. Und das ist der Morgen, geschaffen für die berühmte Folterfammer im Nationalmuseum, die selbst die Provinz schweigen macht. Daumenschrauben, Stachelhalsbänder und Morgensterne zeugen von der christlichen Kunst zur Zeit der Herenprozesse, die ohne Zeitlupe gedreht wurden... Da springen uns die Augendeckel wie von Matraßenfedern Iosgelöst in die Höhe, es tutet weiter-- wir ermachen auf der Sonnenbant des Dienstmannes Nummer 32 045... Bor uns steht der Fremdenwagen in persona zur Abfahrt in das Geschaukel Oberbayerns hinein. Und der Wind, der schneidig wie ein Unteroffizier uns in die Aermel bläst, hat bald die letzten Feßen unseres Angsttraumes ins imaginäre Beschwerdebuch verweht... Und weißblau bleibt Trumpf und schnellt auf den Tisch, der fich ungehobelt zur oberbayerischen Hochebene weitet-Ernst Hoferichter. „ Song." Alhambra, Kurfürstendamm. Deutsch- französischer Schüleraustausch. worden find, irgendwie gefördert scheint, die Idee, mittels elektro- ihrem Partner Heinrich George den passenden Rahmen bietet, um Der preußische Kultusminister über bisherige Ergebniffe. Der preußische Kultusminister Be der erklärte einem Vertreter des ,, Deuvre" in Berlin, daß der Austausch deutscher und franzöfifcher Schüler in diesem Jahre ausgezeichnete Ergebniffe gehabt habe. Er werde deshalb mit aller Kraft dafür eintreten, daß auf dem begonnenen Wege fortgeschritten werde. Dieser, Austausch fördere vor allem die Sprachkenntnisse. Augenblicklich ſtudierten in Paris etwa 300 deutsche Studenten, während es französische Studenten in Berlin zurzeit nur drei gebe. Standal in Rumänien. Haftbefehle gegen Mitglieder der Regierungspartei. Der Bukareler Butarest, 21. Auguff. Der Bufarefter Gerichtshof hat den Haftbefehl gegen die elf Persönlichkeiten, die in den Petroleumsfandal verwickelt sind, beftätigt. Unter den Verteidigern befinden sich namhafte Persönlichkeiten der Regierungspartei, jo die Bizepräsidenten der Kammer und des Senats. Verschiedene Abgeordnete haben sich zu einem Block zusammengeschlossen, der die Intereffen der alten liberalen Abgeordneten gegenüber dem Juffizminifter Popescu wahren soll. Diefer Blod will auch den Verkehrsminiffer Dimitriu auffordern, seinen Rücktritt zu geben, weil dessen Bruder ebenfalls in die Angelegenheit verwidelt sei und verhaftet werden müßte. Der Sowjetkrieg im Osten.n Bon Mostau aus wird eine Meldung der mongoli schen Regierung verbreitet, in der es heißt, daß diese Regie rung oder die Truppen der mongolischen Boltsarmee an dem von der ausländischen Bresse gemeldeten Aufstand nicht beteiligt seien. Der Aufstand an sich wird jedoch nicht bestritten. Inzwischen sind nach zuverlässigen Meldungen die Kämpfe im Norden der Mandschurei fortgejezt worden. Mongolische, von sibirischen Offizieren geführte Freischaren des Som jets in Urga also feine offiziellen Truppen- warfen die von Mukden aus entsandten chinesischen Truppen zurück und verdrängten sie von der Ostbahn. Die Kämpfe spielten sich in der Haupt sache an der mandschurischen Eisenbahn in der Ede ab, wo die Mandschurei, die Mongolei und das östliche Sibirien zusammen. stoßen. teed onista Die Wahl des Venizelos. Die Regierung fiegt. Athen, 21. Auguft.( Eigenbericht.) Das vorläufige Ergebnis der griechischen Wahl liegt immer noch nicht vor. Bermutlich werden die Benizelisten von den 250 Sigen der Kammer allein über 200 erhalten. Die Monarchisten dürften faum mehr als 30 Sige erringen. Benizelos, der bereits am Montag Bertreter der ausländischen Breffe empfing, erklärte, daß der Ausgang der Wahlen einen großen Sieg des republikanischen Gedankens bedeute. Das tönne selbst die Opposition nicht mehr bestreiten Nach Theremins Aetherwellen" nun Djounfomitis ,, Klingende Wellen". Ob viel mehr als der Name geändert ist, mögen auf Grund wissenschaftlicher Prüfung die Gelehrten ent scheiden; sie werden dazu vielleicht bald als gerichtliche Sachverständige Gelegenheit haben: anläßlich der Klage, die von Theremins Seite gegen Djounkovski wegen Patentverlegung eingeleitet ist. Mehr als der Streit der beiden russischen Forscher interessiert uns die Frage, ob durch diesen neuen ,,, Vibrophon" genannten Apparat, die Idee, durch deren Verwirklichung wir vor einem Jahr verblüfft magnetischer Wellen Musit ,, aus der Luft" zu holen. Die Frage ist nach dem gestrigen Eindruck entschieden zu verneinen. Nicht nur, daß die Bedienung des Apparats musikalisch- technisch noch durchaus unzulänglich war: von einem Fortschritt gegenüber der älteren Konstruktion ist bei bestem Willen nichts zu entdecken; von der Möglich feit, ernstlich als Musikinstrument für uns in Betracht zu kommen, feit, ernstlich als Musikinstrument für uns in Betracht zu kommen, ist Diountovskis radio- elektrischer Musikapparat einstweilen weit entfernt weiter ohne Zweifel als jener Theremins. Aber die Sache wird nicht wieder verschwinden, sie ist so zukunftsvoll, so ausbaufähig ( und-bedürftig), daß wir uns jedes Versuchs freuen wollen, der ihrer Bervollkommnung dient. Die ,, Klingenden Wellen" und die besser flingenden Aetherwellen" haben wir nun fennengelernt. sollte Jörg Magers Sphärophon- obgleich der Mann in Berlin obgleich der Mann in Berlin lebt der Berliner Deffentlichkeit nicht länger vorenthalten. Sterbende Bergangenheit. Man K. P. Eine kleine Nachricht kommt aus München, die ja nun nicht gerade zur Aufregung Beranlassung gibt, der aber doch insofern eine gewiffe Bedeutung zukommt, als fie, gleich einem Barometer, über gewisse Umschichtungen Aufschluß gibt, die in den Jahren seit der Revolution im Geistesleben eingetreten sind. Die Fliegenden Blätter". die freilich seit längerem schon weder im typographischen Bild noch in der Art ihres Humors mehr die Alten waren, stellen am 1. Januar endgültig ihr Erscheinen ein. 84 Jahre haben sie sich gehalten, und viele Jahrzehnte hindurch waren sie das Standardblatt einer harmlos- unbesorgten, völlig stubenreinen Fröhlichkeit, die niemandem wehe tat. Niemals ließen sie sich zu einer satirischen Kritik bestehender Zustände oder gar zu einer Bissigkeit gegen herrschende Anschauungen hinreißen. Politit lag ihnen. mindestens bis zum Weltkrieg, weltenfern. Statt dessen verschafften sie dem gegen die Schwiegermütter gerichteten Volkszorn Luft, bandelten fie mit dem Studio Biermörder an, sagten sie den Professoren nach, daß fie ewig ihren Regenschirm vergäßen, bewunderten sie die Klugheit der Dackel, brachten sie durch die Aussprüche von Enfants terribles deren Eltern in die peinlichsten Berlegenheiten. Die Welt ist anders geworden. Die Schwiegermütter von heute tragen Bubitopf und stehen an Lebenslust den Jungvermählten feineswegs nach, die Studios sind von ihren Demonstrationen gegen Beder zu sehr in Anspruch genommen, als daß sich ihr Tagewert noch im Schuldenmachen und Alkoholvertilgen erschöpfte, die 3er streutheit der Professoren hat nachgelassen, die modernen Kinder basteln an Radioapparaten herum, und sogar die Dackel sind, bei aller Gerissenheit, die wir ihnen beileibe nicht absprechen wollen, ein wenig gefekter geworden. Beachtliche Zeichner wie Spitzweg, Wilhelm Busch, Graf Bocci, Oberländer haben in den Glanz- und Blütejahren der Fliegenden" an ihnen mitgearbeitet. Lebt wohl, ihr Dackel, ihr zerstreuten Professoren, ihr bösen Schwiegermütter, lebt wohl..! Eure Zeit ist dahin, eure Stunde hat geschlagen. Es pfeift ein schärferer Wind durch die Welt und auf die Dauer dürfte er vom Baume der Vergangenheit noch ganz andere Blätter herunterwehen, als es die Fliegenden" waren. Die Städtische Oper hat Tschaikowsky's Pique Dame" wieder in ihr Repertoire aufgenommen. Die Borstellung findet Mittwoch, den 22. d. M. statt mit Carl Martin Dehman, Beta Maltin in den Hauptrollen. Jslands Bevölkerungszahl ist nach der lekten Volkszählung von 78000 im Jahre 1901 jest auf 103 300 angewachsen. Die Hauptstadt der Insel Reykjavik ist in derselben Zeit von 6600 auf 24300 Einwohner gestiegen. Hollywood, das uns so viele Filmregisseure und Darsteller ent führt hat, sandte uns als Ersatz die in Amerika geborene Chinesin Anna May Wong. Wir fannten sie schon aus amerikanischen Filmen, aber in Deutschland hat sie zum erstenmal eine führende Rolle bekommen. Man muß dem Regisseur Richard Eichberg Dant dafür zollen, daß er uns mit dieser eigenartigen Künstlerin vertraut gemacht hat. Nach einer Erzählung von Karl Voll. moeller ist eine an Begebenheiten reiche, in einem türkischen Hafen spielende Handlung geschaffen, die der schlanken Chinesin und ihre besonderen Qualitäten herauszubringen. Das arme verlassene Mädchen sie wird als Malayin vorgestellt- ist ihrem Retter, einem heruntergekommenen Artisten in rührender Liebe zugetan. Sie bietet sich als Objekt für seine gefährliche Varieténummer an, sie beschafft ihm die Mittel für eine Operation, als er bei einem Ueberfall auf einen Eisenbahnzug verunglückt, sie gewährt ihm die Illusion einer anderen Frau, die er liebt, und sie verliert schließlich ihr Leben seinetwillen. Man braucht die Tanzkünfte dieser jungen Chinesin nicht zu überschätzen, aber an ihrer Erscheinung, dieſem leisen, fast nur andeutenden Mienenspiel, dieser ganzen Art, sich zu geben und mit den großen infettenhaften Augen zu schauen, wird man seine volle Freude haben. Das Milieu, in das sie versetzt wird, wenig überzeugend geraten, und der Kontrast des vornehmen Tanzdas Spelunken- und Tingeltangelviertel Konstantinopels, ist freilich palais, in dem die berühmte Tänzerin( von Marie Kid sehr wir fungsvoll gespielt) und nachher die arrivierte Chinesin auftreten, bietet wenig Neues. Trotzdem: Man Wong erfüllt alles mit ihrem feinen Zauber. Heinrich George stattet den heruntergekommenen Artisten, der erst zu spät den menschlichen Wert des ihm ergebenen Wesens erkennt, mit der ganzen Breite und Brutalität aus, die ihm eigen sind. Das neu hergerichtete Haus wartete mit einem reichen Programm auf, aus dem noch eine landschaftlich überaus gelungene Dolomitenfahrt und ein ulfiger amerikanischer Trickfilm hervor zuheben sind. Als neuer Kapellmeister führte sich Paul Dessau vorteilhaft ein. r. Ein Institut für flüssiges Obst. Eine Lehr- und Forschungsanstalt für gärungslose Früchteverwertung ist jetzt zu Ober erlenbach in der Nähe des Bades Homburg v. d. H. begründet worden. Nach einem Bericht der Umschau besteht der Zweck dieser Anstalt hauptsächlich darin, neue Wege für die flüssige ferwertung des Obstes zu finden und das Gebiet der gärungslosen Benuzung der Früchte zu erforschen. Die Herstellung von Obstmarmeladen, Fruchtgelees und dergleichen, die Obstkonservierung, Obstver padung, Obstlagerung und versendung sowie die Gemüseeinwinterung soll dort Berücksichtigung finden. Die vorhandenen Herstellungsverfahren und Apparate sollen vervollkommnet und Ratschläge erteilt werden, wie sich das deutsche Obst am zweckmäßigsten verarbeiten läßt. An der Anstalt werden auch Lehrkurse stattfinden, durch die Obstbaubeamte und Interessenten aller Art unterrichtet und ausgebildet werden. Der Genuß flüssigen Obstes", der in der Schweiz und in den Bereinigten Staaten bereits zum Aufbau einer neuen umfangreichen Industrie geführt hat, soll dadurch auch bei uns gefördert werden. Der heiße Merkur. Durch Strahlungsmessungen ist es den Astronomen des amerikanischen Mount- Wilson- Observatoriums gelungen, die Temperatur auf dem Planeten Merkur festzustellen. Diese beträgt 350 Grad Celsius, jo daß also Blei auf dem Planeten nur in flüssigem Zustand vorkommen fönnte. Diese Size ist einmal der Nähe des Merfur zur Sonne zuzuschreiben, von der er ,, nur" 56% Millionen Kilometer entfernt ist, und dann seiner Stellung zur Sonne, der er stets die gleiche Seite zuwendet. Die Palästina- Flimgesellschaft bat mehrere Monate in Palästina einen Film aufnehmen lassen, der am Dienstag, 7 1hr, im Schwechten- Saal zur öffentlichen Vorführung gelangen wird. Von den Filmen, die man früher über P. zu sehen bekam, wird sich dieser neuaufgenommene Film ganz wesents lich und vorteilhaft unterscheiden, denn die Herstellerin des Films steht im Dienste Iciner Bartei oder irgendeiner politischen Einstellung, sondern der Film zeigt Palästina wie es ist und wie es augenblidlich, aussieht. Die erste internationale Tagung für Lichtforschung findet vom 10. bis 13. September in Lausanne und Leyfin stati Tausendjahrfeier in Dinkelsbühl. Das schöne Städtchen Dinkelsbühl ist tausend Jahre alt ge worden. Seine völlig erhaltenen Mauern und Türme des XV. Jahrhunderts, Stadtgräben und Giebelhäuser bieten ein einheitlich mittelalterliches Gesamtbild. Sehr eindrucksvoll fügen sich in diese Umgebung die feftlichen Umzüge der Bevölkerung anläßlich der Tausendjahrfeier ein. Unser Bild zeigt die Huldigungsfeier der Jugend auf dem Marktplatz vor dem Denkmal des vor 160 Jahren in Dinkels= bühl verstorbenen Märchendichters Christoph v. Schmid. " Polizeireviere und Pässe." Eine Berichtigung. In Nummer 365 des Vorwärts" vom 4. August 1928 brachten wir eine Notiz: Wann stellen Polizeireviere Pässe aus? Keine Dienststunden am Nachmittag", zu der uns vom Berliner Polizeipräsidium mitgeteilt wird: ,, Anträge auf Ausstellung von Bässen werden von allen Polizeirevier en grundsätzlich während der vorgeschrie benen Dienst stunden von 8 bis 18 Uhr( in den Außenbezirken von 8 bis 15 Uhr) entgegengenommen. Die Aushändi gung der ausgefertigten Pässe an die Antragsteller wird nicht immer sofort möglich sein, da die unterschriftliche Bollziehung der Pässe wegen der ihnen beizumessenden Wichtigkeit nur durch den Reviervorsteher oder seinen ständigen Bertreter erfolgen darf und diese Beamten auch außerhalb der Diensträume tätig Theater, Lichtspiele usw. Staats- Oper Unter d. Linden Wiederbeginn der Vorstellungen Montag, 27. August Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Wiederbeginn der Vorstellungen Sonnabend, 1. September D enstag, d. 21.8. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV Anf. 19( 7) U. Lohengrin Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ferienhalber geschlossen! Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Ferienhalber geschlossen! Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Heute& Uhr Deutsches Theater Norden 12 310 < U. Ende nach 101/2 Zum 74. Male: Artisten legie Max Reinhardt Die Komödie Bismarck 2414/7516 U. Ende 10% U. Zum 100. Male: Es liegt in Saltenburg- Bühnen Jts. Künstler- Th. 81% Uhr: Es kommt jeder dran! Revue von Fr. Holländer Lessing- Treater Täglich 8 Uhr: Der Zarewitsch der Luft 8 Theater am Revue von Schiffer. Nollendorfplatz Musik v. Spoliansky Die Berliner Theater ungeküßte Eva Charlottenstr.90/ 91. Donh.170 Operette in 3 Akten. 81, Ende nach 101/ Musik von M. Knopi Zum 121. Male: Preise: Gastspiel d. Deutschen Th. 1. 2. 3. 4 Mk. usw. Der Proze Mary Dugan Residenz- Theater Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Skandal im Bett! Sitten schwank in 3 Akten. in der Hauptrolle Anneliese Wortz a. G. sein müssen. In nachweislich dringenden Fällen muß aber der Reviervorsteher fofort herbeigerufen werden. Abgesehen von diesen Ausnahmefällen besteht aber die Bestimmung, daß alle bis um 12 Uhr beantragten Pässe bis um 12,30 Uhr unterschrieben werden müssen, und außerdem sind die Polizeireviere angewiesen, Vorsorge dafür zu treffen, daß auch alle nach 12 Uhr bis 15,30 Uhr beantragten Pässe noch an demselben Tage unterschriftlich vollzogen und an die Antragsteller ausgehändigt werden können. Etwas anders liegen die Verhältnisse im Bereich von Polizeirevier- 3 meigmeldestellen. Die Revier- 3weigmeldestellen müssen, da sie zur Ausstellung von Pässen nicht be= rechtigt sind, die Anträge entgegennehmen und die Paß vorbescheinigungen dem Hauptrevier zur Ausfertigung der Bässe zuleiten. Auch hier ist für eilige Fälle zugelassen, daß den Antragstellern die Paßvorbescheinigungen im verschlossenen Umschlage zum Hauptrevier mitgegeben werden. Die Ausstellung eines Passes kann also während der ganzen Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Wiedereröffnung Mittwoch, 22. Aug., 84 Uhr Zum 100. Male Leinen aus Irland SchlesingerEffendi: Curt Bois. Berliner Prater Kastanienallee 7/9. Täglich 8 Uhr: Försterchristel Ausstattungsoperette. Konzert, Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Beg. 5, Stgs. 4 Uhr. Planetarium am Zoo ose- Theater Terlang. Joachimsthaler Straß Gr. Franki. Str 132. 5,30 Uhr: KONZERT Bunter Teil. Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternhimmel im Sommer 18 Uhr: 8,15 Uhr: Erde und Weltenraum. Jugend20 Uhr: freunde Der Einfluß d. Gestirne Theater des Westens HALLER- REVUE Täglich 8, Uhr Lilli Flohr, Paul Heidemann in: Das ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast süße Geheimnis Heute Premiere Schwankoperette. Else Berna, Langendorf. Lustspielhaus Elite- Sänger Jugendliche haben räglich 8%, Uhr U.a.:,,Lohengrin in Neukölln" Ein Volitreffer grösster Heiterkeit! Preis Mark 0.50 bis 2- Mark. PROGRAMM für die Zeit vom 21. bis 23. August BTL Potsdamer Straße 38 Die Königin seines Herzens mit Liane Haid Mein Pappi( 6 Akte) mit Reginald Denny Jugendliche haben Zutritt Rheinstraße 14 In Werder blühen die Bäume Ein Ur- Berliner Lustspiel keinen Zutritt! Parkett auch Sonnt statt 4.- Mk. nur 1. Mk. Die Reise durch Berlin in 40 Stunden. 7 Uhr präz. Trianon- Th. Täglich 8 Uhr: ( Volksglaube und Wissenschaf). C h e Wanzen Ungeste er jeder Art mit Brut. Bergasung. 25 jährige Erfahrung Rammerjäger Komische 81%, Uhr Oper 8 Uhr JAMES KLEIN's gewaltiges neues Revue- Stück Zieh' dich aus! 200 Mitwirkende Vorverk. ab 10 Uhr geöffn. SCALA 8 Uhr Nollendori 7360 Das sensationelle Eröffnungs- Programm! Bratt. Romeriger Restaurant Flußbad Lichtenberg R. König NO., Paſteurstr. 40 Sprungbett( Alleg. 7586.) Filiale der Liebe Brinzregentenitr. 91. Preise 2, 3, 4 M. usw. Rundfunk hörer Inferieren halbe Preise Für Jugendliche nicht geeignet bringt ERFOLG: Fernspr. E 5( Lichtenberg) 4586 3eit, in der die Polizeireviere für das Publikum geöffnet sind, beantragt werden, und es ist allgemein angeordnet, daß in allen Fällen, in denen die sofortige Aushändigung des Passes nicht mög lich ist, den Antragstellern die 3eit angegeben wird, zu der her ausgefertigte Paß abgeholt werden kann." Ausgestorbene Dörfer. Nach Meldungen aus Peting find fämtliche Einwohner von 64 Dörfern in einem Bezirk 30 kilometer nordwestlich von Tungliao in der Mandschurei mit Ausnahme von drei Personen an der Lungenpest gestorben. Es bestehen Befürchtungen, daß sich die Seuche weiter ausdehnt. Ueberschwemmungen nordwestlich von Weihsien in Schan tung haben den Tod von ungefähr 1800 Menschen zur Folge gehabt, die in den Fluten ertranten. Etwa 32000 Häuser wurden zerstört. Heuschrecken vernichteten die junge Saat in der Gegend zwischen Taianfu bis nach der Grenze von Kiangsu, auf einer Strecke, die 50 Kilometer breit und rund 170 Kilometer lang ist. Auch ein Tanzfavalier. Die Tanzlust der jungen Damen nußte ein ,, avalier" in einem Lokal in der Friedrichstadt aus, um sich für seine Anstrengungen felbst bezahlt zu machen. Er plünderte die Handtaschen, die man sorglos auf dem Tische liegen ließ. Gestern abend be= obachteten zwei andere Gäste seinen fühnen Griff und ließen ihn festnehmen. Auf der Wache entpuppte sich der Erwischte als ein 23 Jahre alter August Jaroschwensti, der sich wohnungsund arbeitslos in Berlin aufhält. Da er trotzdem ziemlich viel Geld bei sich trug, so hat er wahrscheinlich noch andere Tänzerinnen bestohlen. Er wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Tunnel unter der Schelde? Der belgische Ministerrat hat den Plan der Bildung einer interprovinzialen und interkommunalen Gesellschaft mit einem Kapital Die Ge= von 500 000 000 Franken( 58 000 000 m.) angenommen. sellschaft soll den Bau eines Tunnels unter der Schelde bei Antwerpen vornehmen. Der Plan bedarf noch der Genehmigung des Provinziallandtages und der beteiligten Gemeinden. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verboten.) Meist bewölkt und etwas fühler, ohne Für Deutschland: Wolfiges und im erhebli he Niederschläge. Westen etwas fühleres Wetter. Im Binnenlande vereinzelt etwas Regen. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts Buch. bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. HALLERE REVUE CHON UND THEATER IM ADMIRALSPALAST CHICK HEUTE: PREMIERE 7 Uhr präzise. VORVERKAUF UNUNTERBROCHEN 81, Uhr CASINO- THEATER 8/ Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Eröffnungs- Schlager Rundfunkfieber Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Metallbetten 1250 Empfehle den werten Vereinen meine Kinderbett., Chaiselong. 26.Polst.- Stahlmatr., Sofas. Ratenzahl. Räume( 50-300 Personen) zur Abhaltung von Festlichkeiten. Sonnabend und Sonntag noch frei. Otto Hebenstreit. Göhr Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmidtstr.1 KINO TAFEL Südwesten Osten = Film- Palast Kammersäle Concordia- Palast Teltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Andreasstraße 64 In Werder blühen die Bäume mit Evi Eva, Teddy Bill, Siegfr. Arno Süden Rin- Tin- Tin als Lebensretter Eines starken Mannes Liebe Bühnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Th. am Moritzplatz Frankfurter Allee 48 Beg. W. 6.15, 9. Stg. ab 4 Uhr Der geheimnisvolle Ozeanflug Rin- Tin- Tin, der Lebensretter Jugendliche haben Zutritt mit Evi Eva, Teddy Bill, Siegfr. Luisen- Theater Arno Odeon, Potsdamer Str. 75 Unterwelt Der größte Kriminalfilm all. Zeiten! Turmstraße 12 Seine Hoheit der Dienstmann mit Mary Kid, Charl. Ander, Pittschau Donnerwetter mit Monty Banks 6 tolle Akte Reichenberger Straße 34 Die Rastelbinder Beiprogramm und Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Verheimlichte Sünden oder Küsse die töten Prärie- Banditen Bühnenschau Tempelhof Alexanderstraße 39-40 Tivoli- Lichtspiele ( Passage) Der seltsame Fall eines Arztes 6 Akte mit Conrad Veidt Der Tanzstudent m. Willy Fritsch Tempelhot, Berliner Str. 97 Flitterwochen Der Mann ohne Beruf Bühnenschau Das Lied, das meine Mutter sang Rin- Tin- Tin als Lebensretter Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Die Dame und ihr Chauffeur. Norden Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Eine Nacht in Yoshiwara mit A. Abel Der Retter von Texas Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Susannes erstes Abenteuer Die große Revue: Rund um 1900 Metro- Palast Chausseestraße 30 Susannes erstes Abenteuer mit Moore Der eiserne Esel Bühnenschau Nordwesten Das Lied, das meine Mutter sang Welt- Kino Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Eines starken Mannes Liebe Fri. Laura seine Witwe Bühnenschau Friedrichsfelde 99 Rummelplatz des Lebens Der Humboldt- Theater Badstraße 19 Der Berg des Schicksals Banditen der Nacht Große Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Unterwelt, der große Kriminalfilm Belprogramm und Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Beg. W 6 30, 9, S. 5, 6.30, 9 Uhr. Die Yacht der sieben Sünden Das Girl von der Revue mit D. Graila Reichshallen- Theater Stcitimer Sänger Wiederauftreten von Paul Britton. Anfang 8 Uhr. Populäre Preise: 60-2,50 Sonntag, 26. 8.: 1. Nachmittagsvorst!!. zu halb n Preisen u. vollem Programm! Donho1.Brett'A: ( Saal und Garten) Varieté Tanz- Konzert. Küchen bringt ab 9. Juli weiße u. lasierte, feinste und auch zur späteren Lieferung zu enorm billigen Preisen Auf alle Möbel 10% Rabatt Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr. am Moritzplatz Patentanwalt Dipl.- Ing. Hans Wolff BERLIN SW 68 Alexandrinenstraße 1 PROGRAMM für die Zeit vom 21. bis 23. August Weißensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205-210 Die freudlos.Gassem.Greta Garbo Ehemann auf Zeit mit Sid Chaplin Charlottenburg Alhambra- Palast Kurfürstendamm 68 7 u. 9.15 Uhr Wiedereröffnung Dienstag, 21. Aug. Uraufiührung: Song mit A. May Wong, Heinrich Georg Schlüter- Theater Sonja Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15, Stg. ab 4 U. Sensationsprozeß mit Magda Bobby, der kleine Detektiv Schöneberg Moabit eltsame Fall eines Arztes Tivoli- Lichtspiel- Th. Titania( uta berg) Gesundbrunnen ,, Alhambra Badstraße 58 Das Geheimnis von St. Pauli Die letzte Sch. acht des Kapitäns Frank Grote Bühnenschau Berliner Straße 27 Ribo, der Rächer Erster Prels: ein Kuẞ Bühne: Entscheidung und Preisvereilung der Schönheitskonkurrenz Große Bühnenschau Nieder- Schönhausen Kammerlichtspiele Ballschmieder- Lichtsp. Film- Palast Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Der Pikkolo vom Goldenen Löwen Ein Mordsmädel mit Cilly Feindt! Badstraße 16 Eva in Seide mit Lissi Arna Buffalo Bill junior Große Bühnenschau Blankenburger Str..+ Das Mädchen ohne Heimat Der Jüngling aus der Konfektion! früher ( Ufa Schöneberg, Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U. Unterwelt Gutes Belprogramm Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Sensation im Zirkus Auf der Bühne: Grix- Gregory- Truppe. Deutschlands beste ikarier Beilage Dienstag 21. August 192S. SrrAbpnD SfuUcMlqaße da IbuftzrA Hindenburg, die arme Stadt. Wie es in dem zerrissenen Oberschlesien aussieht. Bei Oppeln beginnt d!« Zementindustrie und man sieht dasselbe Vild, dos man vom Zug aus schon oft gesehen hatte: viel« Frauen und Mädchen sind an der Arbeit Eie stehen an den Oefen, in den Gruben, an den Waggons, wie sie auch auf den endlosen Rübcnfeldern und Kartoffelackern stehen Weit dehnen sich die Wiesen und die Felder. Windmühlen drehen ihre schmalen Flügel. Vieh weidet und flieht vor dem klirrenden Donner der Eisenbahn, Kleefelder zeigen ihr purpurnes Blut der Blütezeit. Wald springt auf, dichter Wald, lichter Wald, Dorposten der großen Forst«, die dem Adel gehören. Kalksteinbrüche und neue Zement- merke zeigen sich und verschwinden, die verlassenen Brennöfen Jforiiofrnirerk. einiger Fabriken stehen mie die Grabtürme römischer Größen in der Landschaft da. Dann wird die Landschaft immer schwermütiger. Eine Rauchwolke wabbert am Horizont, die Aderstränge der Eisen- bahn verknoten und verzwanzigfachen sich, wir sohren in Gleiwitz ein, kommen an den Hüttenwerken vorüber, rasen in dos Zentrum der oberfchlesischen Industrie und haben die sonderbarste Stadl in Deutschland, Hindenburg bald erreicht. 1915 beschloß die Landgemeinde Zabrze,.sie zählte damals ltOlvo Einwohner, ihren Namen zu ändern und sie wählt« als Namenspatron den Gencralfeldmarfchall Hindenburg. 19Z2 wurde das Industriedorf Hindenburg Stadt und schluckte dann, be- günstigt durch die Grcnzregullerung, die Dörfer Zaborze, Sosnitza, Poremba, Biskupitz, Mettendorf und Dorethendorf. Di« alten historischen Städte Beuthen und Gleiwitz hat sie schon lange über- stügelt. Heute hat die Siebendörserstadt Hindenburg rund 130 000 Einwohner, ist eine Stadt, die ohne Vorbild und Beispiel ist in Deutschland, eine Stadt voller Arbeit, Armut, Schmutz. Kinder- sterblichkeit. Wohnungselcnd und größter Entwicklungsmöglichkeit. Die sieben Dörfer sind durch die Rauchfahnen der Industrie ver- bunden, wie alle dip drei oberschlesischen Städte immer mehr zu einem riesigen Stadtgebiet verwachsen. Vom Bahnhof wandert man in einer kleinen Viertelstunde nach Zaborze und an die polnische Grenze. Die Hauptstraße ist breit und erinnert an russisch« Landstraßen. 1798 wurden hier die ersten Tiefbauschächte angelegt. Sie sind noch heute in Betrieb und mauern ein Stück der Straß« ein. Große Eisenhütten werden sichtbar, neu« Fördertürme und Wertanlagen ragen auf, Kühltürme qualmen, Kokereien speien ihren gistgelben Qualm in den Raum. An der Straß« stehen baufällige Hütten neben neuen Geschäfts- Häusern. Die Firmenträger haben fast alle polnische Namen. Manch- mal ist ein Stück der Straße unbebaut, und man sieht durch die Lücken das melancholisch« Hinterfeld mit den Rauchwolken neuer Gruben und Hütten, die ihre tragischen Inschriften von schwerer Arbeit an den schon polnischen Himmel schreiben. Hinter den Werken auf deutscher Seite liegen schmutzige Werkswohnungen aus der früheren Zeit— nichts als Schmutz und Kinder sieht man, es gibt kein« Kanalisation, kein Grün und keine Blume, aber hinler dem Verfall entzückt das Aug« eine neue Siedlung. Eine kleine Stadl erhebt sich da hart an der Grenze, viel« Flüchtlinge „von da drüben" haben hier Heim und Heimat gefunden. Fast all« Flüchtlinge arbeiten in den Gruben, auf den Hütten. Links der neuen Stadt stehen die lieblosen Backsteinbauten von früher. Fast alle Häuser sind„geankert", das heißt, ihr Bauwerk ist durch Eisen- träger und Stahlbänder gestützt und zusammengehalten.� Die Straße fällt langsam in ein kleines Tal. Felder und Wiesen wandern einem schwarzen Bache zu, der Scharnawka, dem „Schwarzen Woss« r". Dieses schwarze Wasser ist die Grenze, eine durchaus nicht lieblich duftende Grenze, denn das Wasser kommt aus den Gruben und nimmt auch die Abwässer der nahen Häuser mit auf. Bis zur Mitte der Brück« darf man gehen, bis zur Scharnawka, bis zu dem weißen Grenzstein, der das schwermütig« Land hüben und drüben in zwei Länder zerreißt, in Deutschland und in Polen. Die Wochposten stehen einige Hundert Meter jenseits des Steines, und das ist gut so. Dos Zusammentreffen der Wiesen und Felder ist durchaus harmonisch, es gibt kein polnisches Gras und kein deutsches Gras, die Felder belauern sich nicht und der Wind geht ohne Paßkontrolle über die Grenzen. Die Polen haben ihre Straße mit hellem Kies aufgeschüttet, damit ihre Erde eine andere Farbe habe, aber jeden Tag gehen über diese und über andere Straßen 10 000 polnische Arbeiter in die deutschen Gruben zur Arbeit und rund 800 deutsche Arbeiter nach den polnischen Gruben oder Hütten. Der Ortsteil von Hindenburg. der an der Scharnawka an die Grenze stößt, heißt Zaborze, das erste polnische Dorf da drüben heißt Paulsdorf. Die Grenzscheiden zwischen Deutschland und Polen sind tragische Witze und wiederholen sich einige Male. In Poremba zum Bei- spiel ist das Haus auf der einen Seite der Straße deutsch und auf der anderen Seite polnisch. Auf der anderen Seite nämlich steht eine Schul«. Ein klein wenig weiter geht die Grenze mitten durch ein Gehöft. Wenn man mit der Bahn nach Beuthen fährt, kommt man durch Kuschnitza, einen kleinen Korridor, der sich wie«in Keil vorschiebt, um das Knappschaftslazarett des Gebietes zu sichern. Die deutsche Grenze ist nur einige Hundert Meter entfernt. Alle diese Witze erklären sich von selbst, denn das ganze Land ist«ine g e- schloffen« Einheit und jede Teilung muhte sich grotesk aus- wirken. Wer das noch nicht begriffen hat, dem wird es vollkommen klar, wenn er die Kugelspuren an einigen Häusern sieht, die weißen Einschläge aus den polnischen Aufständen. Damals wurde nicht nur in die Mauerwändc und Hausfassaden geschossen. Der schmutzige. traurige und unfruchtbar« Boden hier ist kostbar. Da wurde ge- schössen, gekämpft und„Vaterland" gebrüllt, von beiden Seiten, und es ging in der Hauptsache um die Kohle, um das Eisen, um das Zink, um dos Blei. Zabrze, Zaborze, Poremba: Hindenburg— die Not in dieser Stadt ist groß. Es ist schon gesagt worden, daß die wenigsten Straßen kanalisiert sind und daß die Abwässer aus den unge- pflasterten Straßen stinkend oerströmen. Diese oerdreckten ijäuscr und Wohnungen— jede Bergarbeiterfamilie. und wenn sie zehn Kinder hat, haust in einer Stube und Küche. Und oft wohnen zwei Familien in den zwei kümmerlichen Räumen. Es fehlt an Wasser. Das Wasser wird oft von der Straße aus den Hydranthen geholt. Viele Viertel sind weiter nichts als die Seuchenherde großer Epidemien, die totsicher ausbrechen werden, wenn nicht gründlich aufgeräumt wird. Es gibt auch kein anständiges Rachaus in der Siebendörferstadt. Die Gemeindevertretung tagt in einem Gasthaus. Manchmal sieht man in diesem Chaos schon den Versuch einer Reu- ordnung und Flurbereinigung, große Pläne liegen jetzt in Dresden auf der Ausstellung„Die technische Stadt" vor. Hindenburg ist trotz der Schwerindustrie eine arme Stadt. Der Landbesitz, der Wald, die Grünflächen, oll das liegt zum großen Teil in den Händen Dle Haltung der evangelischen Kirche zum Der- fassungstage, die gewollte Ablehnung jedes Bekennt- nisjes zum neuen Staat hat in christlichen Kreisen tiefe ver- stimmung hervorgerufen. Dafür zeugt auch die nachfolgende Abhandlung aus der Feder eines gläubigen Gemeinfchafls- christen. Mit diesen Zeilen soll in Kürze die unchristliche Handlungsweise der früheren Landeskirche bezüglich ihrer feindseligen Haltung gegen den heutigen Staat beleuchtet werden. Es ist vielleicht gut darauf hinzuweisen, daß man zwischen Christenheit und Kirche einen Unterschied zu machen hat, denn die sogenannte Landeskirche kann man nicht als die offizielle Vertreterin des Christentums anerkennen, auf dessen Boden sie längst nicht mehr steht und wovon sie nur ein unschönes Zerrbild darstellt. Die Mehr- zahl der verschiedenen Christen, die sich nach dem Vorbild und der Lehre ihres Meisters zu leben bemühen, haben sich von der Kirche schon längst in mehr oder weniger deutlicher Form getrennt und in „kirchlichen" und„freikirchlichen" Gemeinschaften züsammengeschlossen, von denen erstere zwar nicht ans der Kirche ausgetreten sind, aber ihre eigenen Gottesdienste unter der Leitung ungeschulter oder auch seminaristisch als Prediger aus- gebildeter Laien, seltener unter Leitung ihnen sinnes- verwandter Pastoren abhalten, während die„freikirchlichen" Kreise ganz aus der Kirche ausgeschieden sind und zu ihr in keinem Ver- hältnis mehr stehen. Beide jedoch werden mit wenigen Ausnahmen von den Ver- tretern der Kirche als„Sektierer" behandelt und bekämpft. Die politische Einstellung der Gemeinschaftskreise ist daher ein« wcsent- lich andere, so könnte z. B. ein w i r k l i ch« r C h r i st niemals ein Antisemit sein, den man wohl in der evangelischen Kirche, aber nicht in christlichen Gemeinschaften finden kann. Warum hat man früher bei allen Gottesdiensten mit größter Regelmäßigkeit für Kaiser und Reich und alle Obrigkeit öffentliche Gebete„vorgelesen" und in allen sonntäg- lichen Predigten in einer mit dem seelsorgerischen Zweck unverein- baren Weise nationale Politik getrieben, während man sich heute gegen den republikanischen Staat feindselig stellt, oder gar die Regierung, wie kürzlich ein süddeutscher Pfarrer in einem an den aus dem Fememordprozeß bekannten Oberleutnant Schulz gerichteten Brief, frech beschimpft und oerhöhnt!? Die Kirche bzw. ihre Diener setzen sich dadurch in einen Gegen- satz zu der Bibel, an ,velcher sie sich dach eigentlich aus- schließlich orientieren sollten. Oder gilt den Herren Tlzeologcn nicht das Wort Römer Kap. 13, Ve.'s 1 bis 7: .jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die die Gemalt über ihn hat, denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott. Wo aber der Zechenmagnaten, der Ballcstrem und Henckel-Donnersmarck Die Arbeiter aus den umliegenden Dörfern haben«inen weiten Weg. Viele von ihnen haben eine zweistündige Radfahrt hinter sich, ehe sie zur Grubenfahrt antreten, zur Abfahrt in die Nacht der Steinkohle. Zabrze, Zaborze, Biskupitz: Hindenburg ist eine katholische Stadt, wie auch das ganze flache Land bis Oppeln hinunter katholisch ist. Neue Kirchen werden gebaut und wenig Wohnungen. Die Arbeiter- Parteien holten sich bei der letzten Wahl jeder ein Mandat zum Reichstag, die Deutschnationalen haben rund 20 000 Stimmen ver- loren, die Polen rund 10000. Das Zentrum herrscht. Hindenburg. diese Stadt der geschichtlosen Fabrikdörfer, hat in Oberschlesien die Slilthllingssiedlung. Führung übernommen. Eine sonderbare Stadt ist das! Es gibt 34 verschiedene Sorten Biere, ungezählte Schnapsdestillen mit dem Branntwein„Doppelte Windstärke", der beinahe aus reinem Spiritus besteht. Eine Zeitlang war der Schnapsausschank an den Lohntagen verboten. Die verdrcckten Straßen werden von alten Frauen ge- reinigt. Jede Frau verdient im Tag in acht Stunden 3 Mark. Die Kindersterblichkeit stieg in dieser Stadt einmal auf 25 Proz.l Im ersten Viertel dieses Jahres gab es im oberfchlesischen Revier über 5000 Unfälle. Rrund 1000 der Verletzten lagen länger als vier Wochen in den Änappschaftslazaretten und heilten ihre zer- brochenen Knochen und zerfchundenen Leiber. Fünfundzwanzig Bergarbeiter aber konnten sich nicht mehr pflegen und heilen. Sie waren tödlich verunglückt für Steinkohle, Zink und Blei... dlax Bartkel. eine Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer der Obrigkeit widerstrebt, der widersetzt sich gegen Gottes Ordnung." Jenes Bibelwort fordert auch eine rückhaltlose An- erkennung der Republik, und dazu gehören auch ihre Reichsfarben, auch dann, wenn man über die Zweckmäßigkeit irgend- einer Staatsform anderer Meinung ist, zumal das Wesen des .Christentums in Selbstverleugnung besteht, das Gegensätzlichste davon aber Zwietracht im großen und im Kleinen ist. Hat man aber se-nerzeit öffentliche Fürbitten für Kaiser, Reich und Obrigkeit geleistet, so müßte man, wäre man wirklich christlich gesinnt, heute den Reichspräsidenten, ob er Ebert oder Hindenburg heißt, den Staat und seine verantwortlichen leitenden Beamten ebenfalls und mit der gleichen Pflichtschuldigkeit und Liebe in seine „vorgelesenen" Gebete einschließen, denn es dürfte auch hier ein Gebot aus 1. Timotheus, Kap. 2, Vers 1 und 2 dieselbe Geltung haben wie zu Zeiten der Monarchie: „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung... für alle Obüg« keitl" Aber auch einen Streit über die richtige Staatsform gäbe es nicht, wenn man das alte Bibelbuch nicht nur zur Dekoration ge- brauchen, sondern sich danach richten wollte, lesen wir doch 1. Sa- m u e l i s, Kap. 8, daß Gott den Menschen ursprünglich keinen König geben wollte, sondern sie sich Gatt zum Trotz einen König erwählten, der sich dann auch sofort mit königlichem Pomp umgab. Noch deutlicher wird diese Tatsache durch den Propheten H o f e a, Kap. 13, Vers II, misgesprochen: „Ich gab dir einen König in meinem Zorn und werde ihn dir in meinem Grimm wieder wegnehmen." Es gab schon zu Moses Zeiten eine Demokratie, denn nach Gottes Willen wurden aus allen Stämmen Richter ausge- wählt, die die Wünsche und Klagen des ihnen zugeteilten Volkes vor Mose zu bringen hatten(2. Mose 18, Vers 19 bis 26.) Freilich ist es immer so gewesen und wird so bleiben, wie es im 1. Korinther 1, Vers 26 bis 28. heißt, daß zu wirklichen Christen fast ausschließlich arme und verach'. et«,„un- edle" Leute gehören werden, darum wird ein kapitalistisches Unter- nehmertum in der heutigen Landes- oder fälschlich sog.„Volks"- kirche viel Platz finden, aber der wahre Christ wird es darinnen nicht aushalten. Stünde die Kirche auf biblischem Boden, so gäbe es auch keine Kirchenstühle, wenn man nach I a c o b u s, Kap. 2, Vers 1 bis 13, handelte, dort ist davon ausdrücklich die Rede. Wie das alte Staatsfisstenr innerlich unwahrhaftig war und darum zujammcngebroäzen ist, so wird es auch dieser Kirche ergehen. Georg Wawrzyn, Kirche und Republik. Betrachtungen eines Christen. (33. Fortsetzung.) Die fünf stapften mit ihren schweren Musketierstieseln in den Ort vorwärts und der Schubert lief gegen Bäum« an, blieb mit seinem Haarbeutel an Zweigen hängen, stolpert« über den Degen. der ihm zwischen die Füße geriet— es wäre eine komische Szene gewesen, hätte«e sich nicht um eine so ernste Sache gehandelt... Inzwischen war der lang« Kerl, der immer noch Hilde auf seinen Armen trug, mit einigen Sprüngen auf einen schmalen Weg gelangt, der ganz von einigen alten Bäumen eingesäumt war und völlig im Schatten lag. Hier stellte er seine leichte Beute auf die Beine. „Fürchten S' Jhna nct, Fräulein Hilde, i bin's, der Drobaucrl" Hilde sah ihn erschrocken an. Ja, es war wirklich der Lange, dr? im Kostüm des Voltaire steckte und sich so trefflich die berühmte Mzsk« angeschminkt hatte, daß er nicht zu erkennen war. „Wie kommen Sie denn her?" „I bin schon die längste Zeit im Ort. I bin damals gar nicht weggefahren, wissen S'... Ob ich hier bin oder in Wien... I Hab' in Ihrer Näh' bleiben wollen.. „Und wer hat Sie zum Fest eingeladen?" „Niemand. Man hat ja überall vom Fest gesprochen, da hob' ich mir gedacht: lad di selber ein. Und im Schminken, wissen S', da kommt mir keiner gleich. Das war eine Meisterprobe, was, daß nöt«mal Sä geahnt haben, wer der Voltaire ist?" Hilde lehnte sich an einen Baum und schöpfte tief Atem. Der Voltaire stieg aus seinem Talar und legte ihn dem erhitzten Mäd» chen um die Schultern. „Ich Hab' Sie überall mit den Blicken verfolgt. Sie waren ja beut' so wunderschön... Und dann bin ich Ihnen nachg'stiegen und hob' zum Glück bemerkt, datz Ihnen dieser Dickwanst überall auch nachsteigt, und i weih nicht warum, sein Aufzug mit den fünf Trampeln, die ihn nicht ausq'lasscn haben, hat mir nicht g'sallcn. Und so bin i halt in Ihrer Nähe geblieben." Hilde reichte dem Langen die Hand, auf die er sich stürmisch niederbeugte. „Aber jetzt bleiben wir nicht da. Cts wird kühl und... der Dicke wird ja was unternehmen. Wollen Sie zum Fest zurück?" fragte Drobouer. „Nein, ich kann nicht." „Das Hab' ich mir auch gedacht. Wohin geh'» wir also?" „Nach Wien." „Jetzt geht kein Zug." „Dann morgen mit dem ersten Zug." „Ader bis dahin?" „Wenn ich wegblcib', ist das Aufsehen enorm. Die Leute«er» den sich denken... Nein, ich will kein Aufsehen machen, ich schleich' mich aufs Schloß zurück..." Hilde wollte sich umwenden und fiel wie eine Puppe dem Langen in die Arme. „Aber Sie zittern ja, Fräulein Hilde, Sie glühen vor Fieber! Ich begreif's schon... Diese Ausregung... So ein Schuft!" „Es ist mir schon wieder ganz gut!" sagte Hilde. Aber es war nicht wahr. Sie wallte ein paar Schritte machen und war nahe daran, wieder umzusinken. „Wissen S', Fräulein Hilde, Sie kommen in den Gasthof, in dem ich wohn'. Freilich, auch eine peinliche G'schicht'I Mein Zim. mer können S' haben, aber sonst ist nix frei, a ganze Masse von Kellnern und Dienern aus Wien ist da einquartiert worden. Und in meinem Zimmer schaut's halt nicht sehr feudal aus.... Um Gottes willen, Ihnen ist ja schlecht... Stützen S' sich auf mich... Nur kein Aufsehen, Sie haben recht. Ich führ' Sie äüss Schloß, gleich auf Ihr Zimmer...." „Ja." „Und dann verschwind' ich. Der Dicke wird sich dieser Ge° schichte nicht rühmen, glaub' ich. Wenn er nur bis jetzt keinen Lärm gemacht hat...." „Ja, führen S' mich hinauf. Und nwrgen beim ersten Zug.. beim ersten... warten S' auf der Bahn." „Wann Sie sich's nur nicht bis dahin überlegt haben. Aber ich wart' schon. Beim ersten, beim zweiten, bei jedem Zug, der nach Wien fährt. Bis Sie kommen... und einmal werden S' ja doch kommen." „Nein, nein, ich will noch morgen nach Hause... fort von hier... fort von diesem abscheulichen Menschen..." Sie stiegen vorsichtig und langsam zum Schloß hinauf. Drobouer kannte schon alle Wege, als ob er der Hausherr wäre, viel besser als der Hausherr: kürzte da ab. wußte dort, wo man den Bach übersetzen konnte, wo es möglich war, im Dunkeln zn bleiben und doch weiterzukommen, und dann, wo das Gewimmel der Menschen und der grelle Schein der Lichter vermieden werden konnten. Schließlich standen sie vor der hinteren Front des Schlosses. „Lassen S' sich an Tee oder an Glühwein hinaufbringen, Fräulein Hilde, Sie sa» ganz verstört," rief ihr noch Drobouer zu. Ihre Wangen glühten, sie hatte ihre Fassung nicht wieder- gewonnen. „Ich dank« Ihnen, Drobouer. Und morgen erwarten Sie mich beim ersten Zug." „Ja. Kommen S'! Kommen S', wann immer, i werd' schon am Bahnhof sein, um zehn Uhr. Aber ich waß nöt. Ich komm' halt, wie g'sagt. zu jedem Zug" Er oerschwand, und Hilde ging auf ihr Zimmer. Es war eine böse Nacht. Hilde sah sich in Träumen vom Schubert verfolgt, der noch nie in seinem Leben so behend gewesen war wie jetzt, da er dem flinken Mädel über 5zecken, Brücken und Flüsse nachsprang. Sie sah fünf Männer, fünfzig Männer, gewaltige Riesen, die sie mit stopfendem Schritt, in abenteuerlichen Uniformen, so eng um- schlössen und immer näherkamen und daß sie nicht atmen konnte, und von ihnen schließlich zerquetscht wurde. Und da log sie im Krankenhaus, bleich wie da» Linnen, und die Karo Benord beugte sich über sie und sprach chr Trost zu. und sie kühlte, daß sie sterben werd». Und dann spielt« sie auf der kleinen Bühne der Meisterin, und der Schüben nahm sie vor allen Beuten an sich, und Eduard saß im Parkett und applaudierte lochend und rief Witze hinauf. kwß die anderen im Eaale auch lochten. Der Drobouer hielt sie in sein«, iovgen Armen vak ein«ich»nd rsh die Ztochäiv herab und zertrümmerte die prächtigen Möbel in einem weiten Saal und lief mit ihr über Stock und Stein, bis er in eine Schrebcrhütte kam, wo sie der unheimliche Freund des Drobauer, der Bolitschitsch, hämisch begrüßte, worauf dieser mit gellendem Lochen verschwand. Und ein blühender Fliederstrauch senkte sich auf sie, die unter ihm lag, und immer dichter fielen seine Blüten, und sie versuchte, sich zu befreien, und unter der herrlichen Last erstickte sie. Und sie war ein kleines Mädel, eilte von Stunde zu Stunde und kam zu spät, und fern ertönt« ein Song froher Mädchen und Buben und sie suchte den Zug, der dohinschritt, zu erreichen und erreichte ihn niemals. Und dann trat ihr wieder der Schubert entgegen, diesmal an der Spitze von unendlich vielen, seltsam gekleideten Gestalten, die jubelnd Maskenjcherze trieben, und voran war ein« Königin, die ihren eigenen Kopf in den Händen trug, und der Schubert sührtc die Schar an, die gegen sie vordrang, sie ganz allein vor der immer mehr und rasend anwachsenden Menge, und in ihr Edi, der gut- mutig aussah und doch nicht zu ihr treten wollte und den sie um Geld bat und der's ihr verweigert. Und ein italienischer Offizier war da, und gerode gegenüber stand der Schubert mit feinen glotzenden Augen... Die Bilder verwirrten sich im Traume, und sie entriß sich den erschreckende» Visionen, und gleich stürmten sie neu auf sie ein, in unendlicher Fülle, und alle bedrohten sie, und unfähig sich zu wehren, mußte sie die Träume abrollen lassen... Es war kaum Tag, als sie di« Kraft fand, sich den Gespenstern der Nacht zu entreißen. Sie sah unablässig auf die Uhr und ivartete, bis sie das Haus erwachen hörte. Da läutete sie. Das Mädchen kam hciein und schrie hell auf, als sie Hilde sah. „Aber man hat Sie ja überall gesucht, Fräulein. Ich muß gleich sagen, daß Sie nicht verlorengegangen sind." „Ja, sagen Sie's. Ich fühl mich sehr krank." Das Mädchen lief hinaus und kam bald wieder.„Alle Herr- schoflen schlafen noch. Aber ich bring' Ihnen einen Tee." Hilde trank den Tee' und fühlte, daß sie fieberte. „Wissen S', ich glaub', es ist das Gescheiteste, ich fahr' nach Hause. Krank sein möcht' ich doch am liebsten zu Hause." „Aber die gnädige Frau wird das Fräulein gewiß so nicht fortlassen." „Und noch eines. Zu sprechen bin ich natürlich für niemanden, außer für die gnädige Frau, das Fräulein Dely und das Fräulein Lutz." Sie ahnte etwas und sah bald, daß sie recht gehabt hatte. Denn kurze Zeit darauf hörte sie den Schubert vor der Tür mit dem Stubenmädchen debattieren.■ Da« Mädchen kam verlegen ins Zimmer: „Der Herr Waldbauer läßt bitten, ob da» Friickein ihn nicht empfangen macht'. Es ist sehr dringend." „Aber was fällt Ihnen denn ein? In biesem Zustand? Und ich bin doch wirklich krank." „Ja, aber er meint, es ist sehr dringend." „Ist mir gleich. Ich empfang' niemand, Hab' ich Ihnen g'sagt." „Fräulein.. Das Mädchen stand oerlegen an der Tür. „Was ist denn?" „Fräulein werden mir nicht bös« sein?" „Warum? Was wollen Sie denn?" „Wenn das Fräulein den Herrn doch empfangen möcht'." „Was haben Sie für ein Interesse daran?" „Ein großes.., Aber Fräulein werden bestimmt nicht böse sein?" „Nun?" Der Herr hat mir hunderttausend Kronen versprachen, wenn ich ihn zum Fräulein bring'. Und ich macht' das Geld meiner Mutter nach Wien schicken. Also, wenn dos Fräulein«s um meinetwillen tun wollt'..." (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iniiiniiiimiiminiiiiniiniiiiiiiiinmnnmniiiiiiiiiitnnmniiiniiiiiiiiiniiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiiiHuuliiuiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiimiiiiiuimiiimitiiiifiiMniiinira Der Streik der Koreaner. lieber eine für europäische Verhältnisse mehr als seltsame Art des Protestes gegen einen unsozialen Arbeitgeber berichteten jüngst ausländische Zeitungen. Dreißig Kilometer vor Tokio mußte ein aus der Provinz Hachioji kommender Expreßzug zum Halten gebracht werden, da ein Streik ausgebrochen war. Aver nicht das Zug- personal war in den Ausstand getreten und nicht die Bahnhossange- stellten der nächsten Station hatkbn die Arbeit niedergelegt, sondern fünfzig koreanische Arbeiter lagen, in zwei Reihen nebeneinander, rechts und links des Gleises. Ihr Kopf war auf den Schienenstrang gebettet und sie erwarteten den Tod. Diese koreanischen Arbeiter waren unzufrieden mit ihrem Brotherrn, von dem sie sich übervor- teilt fühlten und da hatten sie, die keine andere Möglichkeit einer wirksamen Demonstration wußten, den Entschluß gefaßt, jenen durch ihren Tod zu strafen. Es war ja wohl kein Kleines, zu sterben. aber wurden die Nachteile des Todesschmerzes nicht durch die Bor- teile der Statuierung eines Exempels an einem bösen Arbeitsherrn aufgewogen? Die Sabotage von hundert Arbeitshänden, die ihnen nicht gehörten, schien ihnen den Einsatz der Lebensvernichtung, der Rebellion gegen den Besitz eines verhaßten Mannes die Zertrllmme- rung des Leibes wert. Den Koreanern ist der Eintritt in den ewigen Streik nicht ge- lungen. Der Zugführer hat rechtzeitig seine Maschine zum Stillstehen gebracht und dadurch vermieden, daß dies mit den Herzschlägen der Lebensmüden geschehe. Die Gelegenheit/ sich nie wieder mit einem Arbeitgeber herumärgern zu brauchen, wurde ihnen genommen, in- dem ihnen das Leben von neuem gegeben wurde. Die Koreaner wer- den mit dem Tausche nicht zufrieden sein und vermutlich in der Loto- motive, die eine Seele hatte, wo sie keine haben sollte, nur den anderen Pol einer Zivilisation sehen, die keine Seele hat, wo ihr eine nötig wäre. Hsox Bauer. Verkehrssicherheit. Der kleine Fritz aus Berlin hat seinen gleichaltrigen Vetter aus Bayern zw Besuch. Beide werden nicht müde, täglich P u f f b a h n zu spielen. Am Verfossungstage ist der kleine Fritz eifrig bemüht, seine Bahn mit F ä h n ch e n zu schmücken. Auf die Frage an seinen Spielgefährten, worum er nicht dasselbe tue. antwortet dieser grimmig, er hätte etwas W i ch t i g e r e s zu tun und sein Eisenbahn- netz in Ordnung zu bringen. Der Poststempel als Aufklärungsmittel, Schon längst wird der Stempel, mit dem die Postbehörde die Briefmarken entwertet, gelegentlich mit einem Hinweis auf eine Ausstellung oder eine ähnliche bedeutsame Beranstaltung eines Lande» oder einer Stadt versehen. Aber daß er in den Dienst ge- sundheitlicher Lolksaufkläriing gestellt wird, ist eine Neuerung, die soeben die Schweiz eingeführt hat. Dort befindet sich jetzt neben dem eigentlichen Briejstempel ein fast doppelt so großes Rechteck, ig dem«in« SKnaxsilajAe mit dem Totenkoxj abgebildet ist und die Worte zu lesen sind:„Der Schnaps vernichtet Flunili« und Volk". Wir in Deutschland sind an die Reklame für den Schnaps- genuß in den Verkehrsmitteln, auf öffentlichen Plätzen, über den Dächern und an den Häuserfronten so sehr gewöhnt, daß uns diese Antischnapspropaganda traimchaft erscheinen muß. Ist es über- Haupt denkbar, daß di« Deutsche Reichspost ein so schweres Attentat auf die Interessen der Branntweinerzeuger und-Händler wagen könnte? Selbsthilfe erreicht viel! Eine Anzahl schwedischer Glasbläser, die durch die Schließung der Glasbläserei von Arboga arbeitslos geworden waren, hatten in einem kleinen Park im Inneren von Stockholm eine kleine Glas- blöserei erössnet, wo sie das Publikum gegen einen mäßigen Ein- trittsprcis an der Arbeit sehen kann. Innerhalb zweier Monate haben bereits 20 000 Stockholmer die Sehenswürdigkeit besichtigt und auch Bestellungen gemacht. Drei andere schwedische Städte haben jetzt dieses Beispiel nachgeahmt. Jetzt haben die Glasbläser beschlossen, in dem gleichen Arboga, in dem sie arbeitslos g:- worden sind, eine eigene Fabrik zu gründen. Die Gefechtsbefehle von Trafalgar. Dos Antiquariat Christa In London hat für den Preis von 2S0 Pfund oic� Folioseiten mit den Gefechtsbesehlen Nelsons und Bronls aus der berühmten Schlacht bei Trafalzar am 9. Ok- tober 1805 oerkauft. Ein Brief Abraham Lincolns, der eine Be- gründung seiner Proklamation aus dem Jahre 1863 enthielt, erzielte den ansehnlichen Preis von 950 Pfund. Tanzen Sie Tile-trot? Tile-tröt— das ist der Tanz der Zukunft. Ilebersetzt hieß« est Ziegelstein-Trott. Damit soll ausgedrückt werden, daß sich die Tan- zenden bei diesem Schritte etwa so bewegen wie eine Katze, die ver- sehentlich auf eine glühende Herdplatte geraten ist. Der Erfinder dieses Tanzes ist Major Cecil Taylor, der auch den Pole-Blues er- funden hat. mit dem Erjolg«, daß, als er ihn einmal vorgeführt hatte, andere Tanzlehrer nichts Eiligeres tun hatten, als daraus für sich Kapital zu schlagen, indes der Erfinder leer ausging. Dieses Mal ist Taylor vorsichtiger gewesen, er hat den Tanz nur einmal vorgeführt und sich außerdem dessen Verfilmung vorbehalten. Diese Methode hatte Erfolg. Bisher haben sich bei ihm rund 60 Tanz- lehrer gemeldet, die bei ihm den Tile-trot erlernen wollen. Natürlich gegen ein angemessenes Honorar! Rettung durch ein künstliches Bein. Der englische Dampfer„Samaria" war etwa zwei Tagereisen von der irischen Küste entfernt, als«in früherer englischer Soldat über Bord fiel. Der Soldat hatte im Kriege ein Bein verloren und ein künstliches aus Kork erhalten. Der Kort hielt den Soldaten über Wasser, bis Rettung kam, I ~ Sportund Spiel~ C Abschied von Berlin! Die Prager fahren in ihre Heimat. Nachdem die zu Gast bei der Freien Turnerschaft Groß- Berlin weilenden Prager Arbeiterturner tagsüber die Sehens würdigkeiten Berlins besichtigt hatten, fand am Spätnachmittag eine interne Abschiedsversammlung im Kreise der Berliner tschechischen Turnabteilung„ Havlicet" statt, der auch Bertreter der FTGB. beiwohnten. Zur Erinnerung an den Besuch wurden Fahnenbänder und Widmungen ausgetauscht. Tschechische, zu Herzen gehende Weisen beendeten die schlichte, stimmungsvolle Feier. scholaus Im geschlossenen Buge gings dann zum Gewerkschaftshaus, mo etwa 1500 Berliner die Tschechen erwarten. Die Fahnen der Gäste werden mit Blumen geschmückt, turze Abschiedsworte des Vertreters der Freien Turnerschaft Groß- Berlin und der Prager Freunde. 300 Fackelträger entzünden ihre Fadeln, die Arbeiterturnerinnen und Turner Brags und der FTGB. reichen sich die Hände, die Fahnen senften sich und tausendstimmig ertönt die Internationale. Ein feier licher unvergeßlicher Moment! Dann gehts mit flotter Marschmufit durch die Straßen, die dicht umsäumt find von jubelnden Menschen. Der Zug erhält ständig neuen Zuftrom. An der Bammeile muß der Zug aufgelöst werden, so daß in zwanglosen Gruppen der An halter Bahnhof erreicht wird. Hier hatten sich bereits Jungmädchen und Frauen der FTGB. eingefunden, die die Prager Freunde mit Blumen überschütteten. Kurze herzliche Dankesworte werden gewechselt, gegenseitiges Hände drücken, und unter den Klägen der Musit, den jubelnden Rufen, Fahnen und Tücherschwenken Tausender dröhnt die Halle bei der Abfahrt des Zuges. Der Dank der Prager. " Genoffe Sila ba bittet uns, auf diesem Wege den Berliner Arbeitersportlern und der Bevölkerung den Dank zu übermitteln: Als Führer der Prager Turnfahrt nach Berlin ist es mir ein Herzensbedürfnis, der tschechischen Turnabteilung„ Havlicet" und der Freien Turnerschaft Groß- Berlin" meinen aufrichtigen Dank auszusprechen für die überaus herzliche Aufnahme, die wir in eurem Kreise gefunden haben. Ich danke insbesondere nicht nur euren Funktionären und dem Zentralorgan der Partei, dem Vore wärts", die sich in raftlofer Weise für uns bemühten. Meine An erfennung gilt der gesamten fozialdemokratischen Bevölkerung, die es durch unermüdliche Fürsorge und herz liche Bereitwilligkeit verstanden hat, meinen Landsleuten die Berliner Tage zur undergeßlichen Erinnerung zu gestalten. Durch die bekundete, zu Herzen gehende Gastfreundschaft, die Solidarität und den genossenschaftlichen Sinn wurden wir Freunde. Pflegen mir diese aufrichtige Kameradschaftlichkeit weifer, dann erweisen wir der Idee der unbedingt notwendigen Bölkerverbrüderumg den allerben Dienst. Berliner Freunde, wir alle danken euch herzlich und auf Wie dersehen in Prag! Hoch die sozialistische Sportinter. Frei Heil. nationale! Nazdar R. Silaba, Generalsekretär der sozialistischen Arbeiter- Sportinternationale. Sawall Steherweltmeister. Schluß in Budapest.ring Zum ersten Male seit dem Jahre 1911 gelang es einem Deutschen, sich mit dem heiß begehrten Titel eines Weltmeisters zu schmücken. Der Berliner Walter Samall errang die Weltmeisterschaft in einem grandiosen Rennen, das die Fähigkeiten des Deutschen ins hellste Licht rückte. 15 000 Ungarn, die das Stadion zu Budapest bis auf den letzten Platz besetzt hielten, feierten den Triumph des Deutschen. Aber auch sein Schrittmacher Pasquier jr., ebenfalls ein Meister seines Faches, hat an dem Erfolg des Deutschen hervorragenden Anteil. Damit hat die Budapester Weltmeisterschaftswoche ihren Abschluß gefunden. Das genaue Resultat: Steher Weltmeisterschaft, 100 Kilometer: 1. Walter Sawall- Deutschland 1: 26: 46,6; 2. Bréau- Frankreich 550 Meter zurück; 3. B. Linart- Belgien 660 Meter zurück. Vormarsch des neuen Kartells. 15 000 Arbeitersportler bereits erfaßt. Es geht vorwärts im Arbeitersport, die Ber liner Vereine sind bundestreu! Bis zum 15. August sind bereits 50 Bereine mit 15 000 Arbeitersportlern vom Kartell für Arbeitersport- und Körperpflege Berlin erfaßt, täglich kommen neue Meldungen, in den noch fommunistischen Bereinen sind starte bundestreue Minderheiten, die zu neuen Vereinen für das Kartell der Zentralfommission zufammengefaßt werden. Das alte fommunistische Kartell fann sich nicht halten, es geht langsam ein, der Berliner Arbeitersport wird auf gesunde Füße gestellt, der kommunistischen Zellenbauerei ist ein Ende bereitet. Es trifft ein, was wir vorausgesagt haben. Die Beschlüsse der Zentralfommission sezen sih durch, der gesunde Sinn des Berline: Arbeitersports läßt den richtigen Weg finden. Alles Schimpfen und Randalieren müßt nichts mehr, alle Protestversammlungen mit ihren im Spo: tbureau der Kommunistischen Partei hergestellten Resolutionen gegen die gewaltige Mehrheit der gesamten deutschen Arbeitersportbewegung find wirfungslos. Auch die mit großem Tamtam veranstaltete Protestaktion am Landsberger Plaß, die an geblich 25 000 Arbeite sportler aufwies, in Wirklichkeit aber von Rot Front und, wie es bei solchen Gelegenheiten meist der Fall ist, in der Hauptsache von angelockten Neugierigen der Straße besucht war, der Hauptsache von angelockten Neugierigen der Straße besucht war, fonnte den Gesundungsprozeß nicht aufhalten. Leider gibt es heute noch Arbeitersporile;, die von der soge nannten Ideologie der Kommunisten nicht befreit sind; zu lange hat die Borherrschaft der KPD. in Berlin gedauert. Man redet sich in den Gedanken hinein, bundest: eu zu sein, ohne zu bedenken, daß Bundestreue die Anerkennung der Grundsäge und der Beschlüsse der Verbände bedingt. Nachdem das kommunistische Kartell von den Verbänden der 3. aufgelöst ist, fann feinem Verein gestattet sein, diesem aufgelösten Kartell weiter anzugehören. Wer dies trohdem tut, stellt sich außerhalb der Arbeitersportverbände und kann auch nicht verlangen, daß das neue Kartell seine Interessen den Behörden gegenüber vertritt, sondern hat alle Konsequenzen, die sich aus seinem Handeln ergeben, zu tragen. Das müßte doch jeder, der nur ein wenig mit den Grundsätzen des organisatorischen Lebens Bescheid weiß, längst begriffen haben. Bisher hat das neue Kartell die Tore weit offen gehalten für alle Vereine, die die Beschlüsse der Arbeitersportverbände anerkennen; mögen die noch unschlüssigen Bereine recht bald erkennen, daß es höchste Zeit ist, sich zu entscheiden, rehtzeitig genug, ehe die Tür geschlossen wird. Wer fich nicht rettungslos einem fommunistischen Kartell über. antworten will, der versäume nicht den sofortigen Anschluß an das neue Kartell, hinter dem die gewaltige Beschlossenheit der gesamten deutschen Arbeitersportbewegung steht. gint ind nom Es geht weiter abwärts! Nämlich mit dem fommunistischen Sportfartell in Neukölln. Die Freien Schwimmer zeigten sich als ganze Männer und traten als erste dem neuen Bundesfartell Groß- Berlin bei. Troß der Anstrengung der Parteifommunisten und ihrer Mitläufer, mit allen Mitteln die übrigen fleineren Vereine dem kommunistischen Bezirks fartell zu erhalten, menden sich weitere Vereine von diesem Sput ab. In der letzten Vorstandssizung des Naturheilvereins Neukölln( angeschlossen dem Verband Volksgesundheit) beschloß auch Die letzten Turnspiele. Hoden: FTGB. NordringBorwärts Süd- Leipzig Süd- Leipzig 1: 1. Mit dem Anschlag beginnt ein flottes und schnelles Spiel. Berlin ist technisch etwas besser, was aber die Leipziger durch besseres Starten und sicheres Stockspiel ausgleichen. Das erste Tor fällt für Leipzig infolge schlechter Abmehr des Berliner Torwächters, den dann Leipzigs Halblinker mühelos an den Torhüter vorbei ins Nez sezen kann. Pause 0: 1 für Leipzig. Nach Wiederbeginn ist das Spiel sehr verteilt, erst gegen Schluß gelingt es dem Berliner Mittelstürmer durch Alleingang auszugleichen. Berlin schoß häufig, aber daneben. Die Verteidigung war zu langsam. Vorwärts Süd- Leipzig hat gute Fortschritte gemacht und gab einen achtbaren und gleichwertigen Gegner ab, den man sich immer gern stellen wird. = Tennis- Rot- Turnier. Anläßlich des Internationalen Treffens"| mohl Prenzlauer Berg im zweiten Sage nicht weniger als vier der FIGB. und der tschechischen Arbeitersportler veranstaltete Matschbälle hatte. Erst einem Doppel der Abteilung Friedrichshain Tennis Rot Groß Berlin"( Tennisbezirt der FTGB.5 für seine fünf Abteilungen ein Turnier, bei dem lediglich DoppelSpiele ausgetragen wurden. Eine besondere Note erhielt die Beranstaltung durch die Teilnahme der Freien Tennis Berei nigung Dresden". Dresden hat seit dem Turnier anläßlich des Sächsischen Arbeiter Turn- und Sportfestes" außerordentlich gelernt und bedeutet einen durchaus achtbaren Gegner. Das Dresdener Männer doppel olfert ulosa schlug nicht nur ein B- Doppel der Abteilung Friedrichshain, sondern auch das erste Männer- Doppel der Abteilung Prenzlauer Berg verlor gegen dieses junge und zähe Doppel der Dresdener nach einem interessanten Dreifagtampfe, ab gegenüber mußten die jungen Dresdener die Schläger streden. Turnier- und Spielerfahrung der Friedrichshainer maren zu überlegen. Merkwürdig waren die Spiele des zweiten Dresdener Doppels; das erste Doppel von Gesundbrunnen wurde von ihm geschlagen, gegenüber dem zweiten Doppel von Gesundbrunnen mußte Dresden jedoch eine Niederlage einſteden. Sehr interessant waren die Spiele der Damen. Nur nach einem langen Dreisagtampfe fonnten Geschwister Franz das Anfängerdoppel der Lichtenberger( Becker- Hallmaß) erledigen. Die jungen Lichtenberger Spielerinnen werden bei gleich guter Weiterentwidlung in späterer Zeit ein gewichtiges Wort mitsprechen. Die Friedrichshainer Frauen schlugen dann noch die Gesundbrunner, Dieser gegen eine Stimme, sofort aus dem tommunistischen Sportfartell auszutreten. Der nächste Schritt wird der Anschluß an das Bundeskartell sein. Jugendtreffen der freien Segler. Leichtathletische Wettkämpfe. Der Sonntag vereinigte die Jugend der Gruppe Ost des FSV., zu dem alljährlichen Sportfest. Der Himmel sah noch sehr trübe aus, als mit den einzelnen Wettkämpfen begonnen wurde. Gegen 80 Jugendliche nebst 15 Jugendleitern waren zur Stelle, eine beachtliche Zahl. Ausgetragen wurden Wettkämpfe in: 100- meterBrustschwimmen, 4 × 50 Meter Stafettenschwimmen, 100- meterLaufen, 4 × 150- Meter- Stafetten- Laufen, Kugelstoßen, Faust- und Handballspel. Bei den einzelnen Gruppen waren immer zwei Abteilungen gebildet worden: unter und über 16 Jahre. Nachdem im Laufe des Tages die Sonne dem Fest ein fröhliches äußeres Bild gegeben hatte, strömten auch die Zuschauer in großer Zahl herbei, die interessiert den Kämpfen zusahen. Trotzdem eigentlich bei den Jugendseglern in erster Linie der Segelsport gepflegt wird, so ist doch auch der Rasen- und Schwimmsport nicht vernachlässigt worden. Die Leistungen bewiesen, daß fich viele auch ernsthaft mit der Leichtathletik beschäftigen. Im Brust schwim men konnte Rühle, TSG., die gute Zeit 1:44 herausholen. Im Kugelstoßen warf der Jungmann Hamann, SCF. die 10- Pfundkugel 10,10 Meter Besonders interessant waren die Faustballspiele, in denen sich die Mannschaften der einzelnen Vereine gegenüberstanden. Den flottesten Kampf und wohl auch technisch hochwertigsten zeigte das Handballspiel zwischen TSG. und SCF. Der überaus harte Kampf endete 2: 1 für SCF., nachdem wegen Gleichheit eine Spielverlängerung von 5 Minuten gegeben wurde. Im schattigen Wald auf dem Bootsplatz des WSB. 1921 faßen nach den Kämpfen die Jugendlichen an langen, weißgedeckten Tischen zusammen und ließen sich Kaffee und Kuchen wohlschmecken, den die Damen des Vereins in ihrer fürsorglichen Art den Jungen fredenzt hatten. Berbandsjugendleiter Alfons Sachs nahm dabei Gelegenheit zu einer Ansprache. Mit einem kräftigen Good Wind ahoi" flang das Fest aus. Resultate: 100- Meter-- Brustschwimmen über 16 Jahre: 1. Rühle( TSG.) 1:44; unter 16 Jahren: 1. Fürpaß( WSBC.) 1: 44,3. 4X50- Meter- Stafettenschwimmen über 16 Jahre: 1. 3:27( TSG.); unter 16 Jahren: 1. 4:02( SCF.).100 Meter- Laufen über 16 Jahre: 1. Krüdhoff 1: 12,9; unter 16 Jahren: 1. Riendorf 1:14. Stafette 4X150- Meter über 16 Jahre: 1. 1:52( BGBC.) 1:52; unter 16 Jahren: 1. 1:60( SCF.). Rugelstoßen: Ueber 16 Jahre: 1. 10,10 Faustball: 35:41 Meter Hamann, unter 16 Jahren: 1. 9,60 Meter, Niendorf. für( ECF.) gegen( TSG.) für( MSBC.) gegen( VB3.) 38:45 für( SBR.) gegen TSG.). Handball: 2: 1 Kissinger Schachturnier. In der 8. Runde vergrößerte Bogoljubom seinen Borsprung auf 1% Punkte. Als Nachziehender verschaffte er sich in seiner spanischen Partie gegen Dr. Tarrasch die Bauernmojorität auf dem Damenflügel und nutzte diesen Borteil geschickt zum Siege aus. Dr. Tarrasch erlitt somit seine erste Niederlage. Der Holländer Dr. Euwe fonnte in seiner fizilianischen Partie gegen Spielmann nur unentschieden spielen, trotzdem er lange Zeit die bessere Stellung hatte. Capablanca erlangte in seiner Partie gegen Dates bald Borteile und damit Qualitätsgewinn. Ueberraschend fommt der Sieg von Rubinstein über Nimzowitsch. Letzterer behandelte die Eröffnung besonders gut, büßte aber bald einen Bauern und durch Zeitmangel auch noch eine weitere Figur ein, womit fein Schicksal besiegelt war. Mieses und Dr. Tartakower trennten sich nach 30 Zügen remis, besgleichen Reti und Marchall. Der Stand nach dieser Runde ist folgender: Bogoljubom 6½ Punkte; Dr. Euwe und Capablanca je 5; Marshall 4%; Rubinstein und Spielmann 4; Nimzowitsch, Reti, Dr. Tarrasch, Dr. Tartakower 3½, Mieses und Yates 2½ Punkte. Vorschau auf Karlshorst. Am Mittwoch ladet der Verein für Hindernisrennen nach Karlshorst zu Gaste. Zugnummer des Programms ist das Helden- Gedächtnisrennen, ein von Herren zu reitendes Jagdrennen über 4000 Meter der mittleren Bahn. Mit den besten Aussichten geht Malkasten an den Start, seine schärfften Gegner stecken in Parsifal, Myron und Manitou. Start besetzt sind wieder die beiden Voraussagen: Hindernisprüfungen für die Dreijährigen. 1. Minentönig Legende; 2. Menelaos Eintracht II; 3, Staroste Adaminus; 4. Maltasten Parsifal; 5. Eigenfinn Goldener Frieden; 6. Die Linde Laß sein; 7. Genius Christinchen. Lurich weiter in Front. Auch den letzten Kampf auf ihrem Tournee fonnte die Lurich. Mannschaft gewinnen. In Walldorf bei Heidelberg stand sie einer kombinierten Bezirksmannschaft gegenüber und konnte diese nach äußerst spannendem Kampf schlagen. Mit 15:13 Punkten trat Lurich die Heimreise an. SPD.- Sportler aus Reinickendorf- West, die an der Gründung einer Turnabteilung Interesse haben, kommen zur Besprechung morgen, Mittwoch, 20 Uhr, ins Volkshaus, Scharnweberstraße. Parteibuch mitbringen. Vereinskalender.. Freie Turnerschaft Groß- Berlin E. B. Bezirk Friedenau. Die regelmäßigen Turnstunden finden für Männer und Jugend wieder Montags und Donners tags von 20 bis 22 Uhr in der unteren Turnhalle der Gemeindeschule, Offenbacher Straße 5 a ftatt. Die Frauen- und Jugend- Abteilung turnt Dienstags und Freitags von 20 bis 22 Uhr in der unteren Turnhalle der Gemeindeschule Rheingaustraße, Eingang Goßlerstraße. Gäste stets herzlich willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Free Kanu- Union Groß- Berlin, Abteilung Tegel. Donnerstag, 23. August, 20 Uhr, findet die erste Abteilungssigung der Abteilung Tegel im Restaurant von Grunewald, Berlin- Wedding, Kameruner Straße 19, statt. Kanusportler, die hinter den Beschlüssen des Bundesfages fomie der Zentraltommission stehen, b. h. keine Beziehungen zur APD. pflegen, sind hierzu eingeladen. Freie Faltbootfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag, 23. August, Gonnabend, 25. August, Fahrten: 20 Uhr, Schule Weinmeisterstr. 16/17. 1. nach dem Oberspreewald; 2. Templin- Hammerfließ. Näheres. im Heim. Dienstag, 21. August, Vorstandssigung bei Tummescheit, Brunnenstr. 6. Neue Wertzeichenautomaten der Reichspost. Die Postverwaliung will neue W ertzeichenaulomaten aufstellen, die eine schnellere Bedienung des Puhlilums ermöglichen. Unsere Bilder zeigen links den Mehrfachgeher, der durch Drehung eines Knopfes die Entnahme verschiedener Postwertzeichen gestattet. Rechts einen Säule abrief kosten, der zugleich einen Automaten enthält. Ein Maifeierkonflikt auf dem Lande. Wer feiert,, wird fristlos entlassen. Em Teil der auf den Gütern der Frau Lachmann-Mosse beschäftigten Arbeiter hatte beschlossen, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen und an der Feier der Gewerkfchaftcn in K ö n i g s w u st« r- Hausen teilzunehmen. Der Vorfitzende des Betriebsrats hatte dem EutsverWalter Oberamtmann Felgentreu diesen Beschluß mitgeteilt. Herr Felgentreu geriet darob in große Erregung. So etwas hatte er noch nicht e:lebt, daß Landarbeiter den 1. M a i feiern wollten! Denen wollte er aber zeigen, wer der„Herr im Hause' ist. Hatten doch einzelne der Arbeiter auch in der Reichst gswtchlbewegung P/chpaganda für die Sozialdemokratie getrieben. Jetzt bot sich eine passende Gelegenheit, mit diesen „Aufwieglern" aufzuräumen. Herr Felgentreu ließ anspannen, fuhr nach den Feldern des Gutes G a l u n und rief den dort beschäftigten Arbeitern zu:„Weram 1. Mai feiert, der wird sofort entlassen!' Dann ging die Fahrt weiter nach dem ebenfalls der Verwaltung Felgentreus unterstehenden Gute Marien ho f. Auch hier, rief er den Arbeitern in großer Erregung zu, daß jeder, der am 1. Mai nicht arbeite, fristlos entlassen werde. Ein Arbeiter trat an Felgentreu heran mit den Worten:„Ich habe seit sechs Jahren den 1. M a i gefeiert und werde das auch in diesem Jahre tun." Ein Wortwechsel folgte, der damit endete, daß Felgentreu dem Arbeiter zurief:„Hören Sie sogleich ans, verlassen Sie sofort das Feld und die anderen, die seiern wollen, köimen gleich mitgehen, ich kriege jeden Tag andere Arbeiter.' Nach dieser kategorischen Aufforderung blieb den betreffenden Arbeitern nichts übrig, als zu gehen. Beim Arbeitsgericht klagten sie wegen der fristlosen Entlassung und stellten den Vorgang so dar wie oben angegeben. Oberamtmann Felgen treu aber bestrit'r diese Angaben. Er behauptete, er habe allerdings denen, die feiern würden, die fristlose Eni- lasfung angedroht, aber am 30. April, wo sich der Vorgang abspielte, habe er die Kläger nicht entlassen, sondern sie seien selbst fortgegangen. Einige Arbeiter, die bei dem Auftrit: zugegen waren und noch auf dem Gute Marienhof beschäftigt sind, wurden als Zeugen vernommen. Daß Felgentreu denen, die feiern würden, die fristlose Entlastung androhte, haben sie alle gehör':. Dann >aber wollen sie so in ihre Arbeit vertieft und so weit von den Streitenden entfernt gewesen sein, daß sie von dem, was nächfolg.e, nämlich der sofortigen Entlassung der Kläger, nichts gehört haben wollen. Nun ja, sagten die Kläger, wem seine Stellung lieb ist, der wird nich: in Gegenwart des Oberamtmanns eine Aussag« machen, die diesem unbequem ist. Die Kläger gaben noch weitere Zeugen an, welche die Angaben der Entlassenen bestätigen sollen. Sie sollen zum nächsten Termin geladen werden.— Wie die Beweisaufnahm« auch ausfallen mag: daß der Gutsoerwalter Felgentreu mit terra risti- scheu Mitteln die Maifeier in seinem Machtbereich verhindern wollte, steht jetzt schon fest. Den Kreund erschossen! Oas Spiel mit der Waffe. Das unvorsichtige hantieren mit einer geladenen Waffe hat gestern wieder ein Wenschenteben gefordert. D«r S7jährigc«SchuIheizer Gustav M a r t k e aus der Wasser« torstraße 31 weilte gestern abend bei'seinem Freunde, dem 33jährigen Zuschneider Otto G., in dessen Wohnung Thüringer Straße 37 in Neukölln zu Besuch. Im Lauf« der Unter. Haltung kamen die Männer auf S ch u ß w a f s e n zu sprechen, und H. holt« aus einer Schublade seine M e hrl a d e p i st ol>« hervor, um sie M a r t k e zu zeigen. Plötzlich krachte ein Schuß und M. sank mit einem Aufschrei zu Boden. Durch Unvorsichtigkeit war h. dem Abzug zu nahe gekommen, der Schuß hatte sich gelöst und die Kugel war Df. in den Dauch gedrungen. Es wurde sofort ein Arzt hinzugerufen, dach war der Angeschossene bei seinem Eintreffen schon tot. Die Kugel hatte die Eingeweide zerrissen. Der unglückliche Schütze, der durch den Unfall mit seinen Nerven völlig zusammengebrochen ist, wurde von der Polizei festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Oer falsche Ookior. Wie man ilhren und Zwinge ergaunert. Unter dem Namen„Dr. Iakobsohn" bestellte ein Schwindler bei Juwelieren goldene Uhren und Ringe und ließ si« durch Boten in seine Wohnung bringen. Mit dem bekannten Trick der Zimmerfalle verstand er es dann jedesmal, den Boten zu o e r s e tz e n und mit den Schmuckstücken zu verschwinden. Das„Geschäft" nährt« seinen Mann so gut, daß der Schwindler w»/m»» frnnit, WH eh fvifftfeKtet I« hiesige Familie einzuschleichen und sich sogar mit der Tochter de« Hauses zu verloben, ohne daß man ahnte, mit wem man«s zu tun hatte. Die Kriminalpolizei, die ihm aber ständig auf den Fersen war. ermittelte, daß der feine Herr eine Geschäfts- reife nach Frankfurt a. Main antreten wollte und seine Braut überredet hatte, daran teilzunehmen. In Frankfurt wurde dos junge Mädchen in Schutzhaft genommen und den Eltern wi«der zugeführt, während es dem Betrüger gelang, zu entwischen. Er kehrt« aber nach Berlin zurück und schrieb an seine Braut, mit der Bitte, ihm postlagernd Antwort zukommen zu lasten. Als er den Brief abholte pnd ihn in einem Lokal in d«r Reinickendorfer Straße lesen wollt«, wurd« er von den Beamten überrascht und festgenommen. Er ist in Wirklichkeit ein olt«r Bekannter der Kriminal- polizei, ein gewisser Hans Triloff. Die neuen elektrischen Giadibahnwagen» Die berechtigten Klagen über die Raumeinteilung und technische Ausstattung der elektrischen Stadtbahnwagen Hot die zuständigen Reichsbahnstellen veranlaßt, dafür Sorge zu tragen, daß bis Ende Oktober dieses Jahres durch Um- und Neubauten den Beschwerden Rechnung getragen wird. Gegenwärtig sind 500 Wagen noch im Neubau. Sie dürften schon in den nächst«« Wochen fertig werden. Ihre Konstruktion wird wichtige Umänderungen erfahren. Drei« hundert Wagen befinden sich zurzeit in den Werkstätten, um dort ebenfalls abgeändert zu werden. Bei allen Wagen wird die Zahl der Gepätznetze besonders in der Holzklaste wesentlich vermehrt. Die Sitzbönke sind so abgeändert, daß in den Gängen 10 Zentimeter mehr Platz ist als bisher, und daß die Reisenden sich gegenseitig nicht mehr so behindern. Ferner hat man dafür gesorgt, daß genügend Ledergrisfe und Stangen vorhanden sind, an denen die„Steher" sich festhalten können. Bei den Wagen, die Ende Oktober zur Ablieferung gelangen, ist durch Abänderung der Raum- einteilung dafür gesorgt, daß 2 0 P r o z. mehr S i tz p l ä tz e als gegenwärtig vorhanden sind. Sobald diese Wagen in den Dienst gestellt werden, sollen die jetzt im Verkehr befindlichen nach demselben Muster umgebaut werden. Da zudem nach Fertigstellung aller in Auftrag gegebenen Wagen im Herbst dieses Jahres die Zugfolge fast verdoppelt werden kann, ist damit zu rechnen, daß in Zukunft den Reisenden mindestens 10 bis 45 Proz. mehr Sitzplätze zur Verfügunz stehen als bisher. Bel allen Wagen wird ferner die Bentilation durch Neuerungen, die gegenwärtig ausprobiert werden, stark ver- bessert.___ Bergarbeiterkonsiikt in Australien. London, 21. August. s in Australien kam es anläßlich der Ein» h l e n zu einer schweren Krise. Die verlangen eine Preisherabsetzung M. pro Tonne und Neuordnung der in der 5000 Mann zuviel be» In Neusüdwale fuhr britischer Ko dortigen Grubenbesitzer australischer Kohle auf 5 Kohlenindustrie. s ch ä f t! g t werden. Die Grubenarbeiter Lohnherabsetzung bis zum äußersten einer allgemeinen erklären demgegenüber, daß sie jede und Aendcrung der Arbeitsbedingungen bekämpfen werden. Man rechnet mit Aussperrung. Herr Schlichteisen vom Wohnungssmt. Die Wohnungsnot nützt ein Betrüger aus. der schon im vergangenen Jahre zahlreiche Opfer gefunden hat. Ein etwa 5V Jahre alter Mann, der sich für einen abgebauten Beamten des Wohnungsamtes ausgibt und sich„Sch l i cht e i se n" nennt, erscheint bei den Leuten und erbietet sich, ihnen unter Umgehung des Wohnungsamtes Räume zu besorgen Für s«ine Bemühungen läßt er sich Vorschuß in Höh« von 30 bis 50 Mark zahlen und verschwindet damit aus Nimmerwiedersehen. Eine Zeit lang, zu Anfang d. I., scheint der Schwindler sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht zu haben. Seit Juni 1928 hat er den alten Trick aber wieder aufgenommen. Jetzt sucht ihn die Dienst- stell« O 5 der Kriminalpolizei. Der Schwindler ist l.7y Meter groß, hat«ine kleine Glatze und fällt dadurch auf. daß ständig über seine linke Gesichtsseitc nervöse Zuckungen laufen. Die Zahl der dänischen Arbeitslosen ist in der letzten Woche wieder um ein Geringes zurückgegangen und beläuft sich zurzeit auf 37 458. ZCHliolllU- misie mit Sianner 13.50 tO�MM�Rolte, 2 Stück 0«SÖ Untergarn 1000 Mm, 4 Rollen, Schweißblätter 3 Paar... 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